10ntrtn 10000 ணிகர் S ரமாக + HOP Demys TUTKITA LUMINIT . MAIDE CRE ஸ்ரஜன் இரமாண ணி Anthony G- 9084 Trothelin Mareck Roth Johann Friedrich Stark Evangelischer Prediger und Confiftorialis zu Frankfurt am Main. Tägliches Hand- Buch in guten und bösen Tagen, 1 das ist: Aufmunterungen, Gebete und Gesänge 1) für Gesunde; 3) für Kranke; 2) für Betrübte; 4) für Sterbende; wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen, nebst Fest Andachten. Viele schöne Buß-, Beicht-, Communion- und Wetter- Gebete, Morgen- und Abend- Andachten auf alle Tage in der Woche, Trost- und Erquickungs- Gebete sammt Gesängen, und Kriegs-, Theurungs-, Pest- und Friedens- Gebete, bei allen Angelegenheiten nützlich zu gebrauchen. Mit Kupfern geziert. Nebst Gebeten für Schwangere, Gebärende und Unfruchtbare, als der fünfte und sechste Theil dieses Handbuchs. Von Johann Friedrich Stark, Evangelischem Prediger zu Frankfurt am Main. Herborn. Buchhandlung des Nassauischen Solportagevereins. Gb 2084. Vorrede. Hiermit lege ich dem Leser mein tägliches Hand- Buch zum einundzwanzigsten Male dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebet- Büchern gar nicht geneigt zu sein, indem ein Theil der Leute bei dem Aufstehen eher an seine Geschäfte, als an das Gebet denkt, vor dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen so geschickt wären, ohne Hülfe eines Buchs aus ihrem Herzen ein Gebet abzulegen und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so können sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber auch dazu nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christenthum, irdisch gesinnt und ungeschickt zu allem Guten werden, sondern weil sie sich nicht durch's Gebet Gott heiligen und übergeben, so kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und jede Sünderin zu Eitelkeiten und sündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun solchen in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung IV Vorrede. zum Gebet nöthig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben, und sich eines solchen Zustandes heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich damit völlig begnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte fie wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelen- Zustand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Gemüthe nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will. Kinder Gottes gehen hierin nach meiner Erfahrung den Mittelweg; nämlich wenn sie ein Morgen- oder AbendGebet lesen, so bekommen sie dadurch verschiedene schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiemit aber ist ihre Andacht nicht beendigt, sondern sie tragen Gott insbesondere ihr besorgliches Leiden, ihre Bekümmerniß, ihre obschwebende Gefahr, ihre betrübten Umstände und die der Ihrigen vor; setzen sie noch eine andere Betrachtung dazu, so wird, wenn dieses mit Andacht geschehen, die Seele den ganzen Tag hindurch erquickt und bei Gelegenheit an das Gelesene erinnert werden. Und weil man zu diesen Zeiten so viel von Krieg, ansteckender Seuche und Theurung, mit dem Gott die Länder heimsucht, vernimmt, so hat der Herr Verleger dafür gehalten, Vorrede. es sei wohlgethan, wenn man andächtigen Seelen in solchen Jammer- Stunden Anleitung gebe, die Noth des Nächsten und re eigene Noth in Bitte, Gebet und Fürbitte vorzutragen. Und da uns der getrene Gott in unserm deutschen Vaterlande den edlen Frieden geschenkt hat, so habe ich auch zu diesen Freuden- Festen eine Andacht hinzufügen wollen. Eben um dieser Ursache willen ist diese Auflage auch mit Fest- Andachten vermehrt worden, damit in solchen Tagen der müde Geist in Gott erfreut, irdisch gefinnte Menschen aber erinnert werden mögen, wie Festtage keine Spazier-, Lauf-, Sauf-, Spiel- und Tanztage, sondern Bet-, Lob- und Danktage sein sollen. Es scheint, die bösen Gewohnheiten bleiben ein fündliches Erbgut, welches eine Zeit der andern überliefert, so daß nan mit Nicolaus von Clemängis noch dieselbe Klage führen muß, daß an keinem Tage mehr Sünden getrieben werden, als an Sonn- und Festtagen. Du aber, o dreieiniger Gott, wirke in allen Betenden eine herzliche und inbrünstige Andacht Lasse die Gefunden in den Tagen, in denen du sie mit Wohlergehen begnadigt, in deiner Erkenntniß mit Liebe zunehmen und sich Schätze sammeln, damit sie sich in Noth und Tod aufrichten können. Erfreue die Be trübten in ihren Jammer Stunden; versichere sie deiner Allmacht. Weisheit und Trene. Ueberzeuge die Kranken von deiner maine VI Vorrede. ewigen Liebe, und lasse die Sterbenden nach dem Vorbilde Je sich dem Willen des Vaters übergeben. Umfasse, treuer Vate alle Betenden mit deiner Gnade. Schließe sie, o Jesu, in dein Wunden ein, und lasse, o Geist der Gnade und des Gebets, s deiner Gemeinschaft im Leben, Leiden und Sterben beständ genießen. Amen. Stark. AA EFlügel Berr, lehre uns beten! Luc. 11, 1. Erster Theil. Erster Abschnitt. Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für Gesunde an den Tagen der Woche. Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. Aufmunterung. Psalm 27, V. 4. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen. 8 hat der weise Gott sogleich nach dem Sündenfall dem ersten Menschen, dem Adam, die Opfer angewiesen, welche seine Kinder Cain und Abel von ihm wiederum empfangen, indem von dieser beiden Opfer im 1. Buch Mos. 4, V. 3. 4. ausdrücklich Meldung geschiehet. Diese Opfer geschahen nun nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten die Opfernden ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messias Jesum Christum, der auch würde sein Blut für die Menschen vergießen, wie das Opferthier; ja fie lobten bei solchen Opfern Gott für die empfangenen Wohlthaten und predigten auch von dem Namen des Herrn. Hiezu war der siebente Tag bestimmt, als welchen Gott selbst zur Ruhe / 1 m Der gläubige Christ bereitet sich geheiligt hatte, da er in sechs Tagen die Welt erschaffen und am fiebenten Tage ruhete. Diese Art des Gottesdienstes ist immer von den Erzvätern beibehalten worden, bis Gott in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten ließ, nach deren Bild Salomo hernach den Tempel baute. Im neuen Testament feiern die Christen Gott dem Herrn auch einen Tag, nämlich den Sonntag, als an welchem Tage Christus ist auferstanden und der heilige Geist ausgegoffen worden. Wann nun solcher Tag herbeikommt, so soll ein gläubiger Christ 1) des Sonnabends in Zeiten Feierabend, sein Gemüth von irdischen Sachen frei machen und seine Arbeit niederlegen. 2) Er soll sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten, und Gott loben für die vielen Wohlthaten, welche er die Woche über empfangen. 3) Er soll dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man des Sonntags erklärt, in der Bibel aufschlagen und darüber eine Betrachtung anstellen, um sich also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Worts vorzubereiten. 4) Soll er in Zeiten sich mit solchen guten Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sonntage desto früher und munterer bei dem Gottesdienst erscheinen könne. 2 Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet haft. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe und preise ich dich von Grund zum Gottesdienst. 3 meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte! weichet von mir, ihr Sorgen! jetzt baue ich in meinem Herzen Gott einen Tempel auf, es soll ein Bethaus werden, darin ich meinem Gott allein dienen will. Ich vergesse was dahinten ist, ich lege meine Arbeitslasten und Handthierungen nieder und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott, um mich in ihm zu erfreuen. Oder unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat! Diese Ruhe ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese, da wir ohne mühsame Arbeit allezeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Himmelsruhe, denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen und von Sünden befreit ſein. Ach gnädiger Gott, laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, daß nicht 1* 4 Der gläubige Christ bereitet sich etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, daß ich ihnen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christenthum, zu deinem Lobe und Dienst verordnet hast, nicht möge in Müßiggang, Faulheit, Leppigkeit, Lustbarkeit und Sünden hinbringen und dadurch meiner Seele den größten Schaden zufügen. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich den ganzen Tag von dem Morgen bis auf den Abend dir opfere und zu deinem Dienst anwende. Wecke mich frühe auf, daß ich der Erste zum Lob, zum Gebet und zum Gesang bei dem Gottesdienst erscheinen möge. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und so sich ja einige melden, daß ich sie durch deine Kraft vertreibe; oder so der Satan mir einen bösen Nachbar schicken wollte, der ein irdisches Geschwäß in deinem Hause anfangen wollte, so verleihe mir Stärke, daß ich ihm kein Gehör geben, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Dienst erwecken und aufmuntern möge. Wenn dein Wort zum Gottesdienst. geprediget wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen und als einen theuern Schatz darin verwahren möge. Hilf, daß ich an dieſem Sonntage auch in meinem Christenthum mich erbaue und in der Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen mache, auf daß ich wie an Jahren also auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen, und eine neue Creatur, ja ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsamlich bewahren und den Tag mit Gebet und Lobgesängen schließen. Ach laß mich allezeit des angehörten Worts eingedenk verbleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, und also beweisen möge, ich sei kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter- des Wortes. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude, zu dem ewigen Sabbath, durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. 5 Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. Ich will in's Gotteshaus Mit Gottes Kindern gehen, Ich will in reinem Schmuck Vor seinem Altar stehen, Mein Herz soll hoch vergnügt In seinem Willen ruh'n, Der Leib soll nichts als Noth- Und Liebeswerke thun. Komm' heute in mein Herz, Du König aller Frommen! Laß mit dir Segen, Heil Und Seelenfrieden kommen; Die Sonne deiner Gnad' Kehr' heute bei mir ein, So wird mir dieser Tag Ein rechter Sonntag sein. Amen. 6 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringet lauter Freude, Es ist mein größter Trost Und meiner Seelen Weide; Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab', Der mich erquicken soll, Bis man mich trägt in's Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget; Und mich bestraft, wann sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub' nach diesem Wort, Und leb' nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Er ist mein Honigseim, Damit ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterkeit In meinem Herzen habe; Wie süß ist meiner Seel', Wenn sie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell 3m Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, Groß über alle Schätze, Daran ich mich allein In Noth und Tod ergöße; Den Schatz raubt mir kein Feind Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein Eitler zu er= wählen, Viel lieber ist dein Wort Den gottgelaßnen Seelen; Wenn man dein Wort und Gold Ihr stellet vor's Gesicht, So greift sie nach dem Wort, Und acht't des Goldes nicht. 6. Rathsleute suchen die, So da im Zweifel stehen; Dieselben sind dein Wort, Dahin pfleg' ich zu gehen; Frag' ich: was thu' ich jetzt, Geht's übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort Was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich nun einhergehen; 7 Morgengebet am Sonntag. Es soll mein Leitstern sein, Sieh, darnach will ich sehen; Wozu es mich anweist, Das thu' ich ungescheut, Und meid' mit allem Fleiß Das was es mir verbeut. 8. Ach nimm doch nicht hinweg Das Wort von meinem Munde, Ach laß es sein mein Trost Bis in die Todesstunde; Wann sich mein Mund zuschleußt, Nimmt keine Speis' mehr ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise sein. 9. So hab' ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, 3ch hab' auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben, Und was bein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Sieh', das erlang' ich dort In jener Herrlichkeit. Morgengebet am Sonntag. Aufmunterung.. Psalm 5, V. 2. 3. Herr höre mein Wort, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Unser ganzes Leben ist nichts anderes als Beten und Danken, nämlich daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet anrufen um seinen Segen, Hülfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlangt, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, gläubiger Christ, wenn du des Morgens erwachest von deinem Schlaf, so hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, lauf nicht gleich hin, Etwas zu erjagen, sondern falle erst nieder auf deine Kniee, danke Gott und empfiehl dich seinem gnädigen Schuß. Denke nicht, du versäumteſt viel, wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesung eines Capitels aus der Bibel oder aus Johann Arndt's wahrem Christenthum anwenden. O nein, die auf's Gebet gewendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachest und des Morgens gefund Morgengebet am Sonntag. aufstehst, so gedenke, 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht frömmer sind als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber haft dergleichen diesesmal nicht empfunden. Gedenke, 2) wie Andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal gerathen sind, dir aber fehlet Nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich gegen ihn oder den Nächsten nicht verfündigen mögest. Bitte Gott, 4) er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufswegen segnen. Ja 5) übergib dich Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn gedenken, und mit Wissen und Willen nicht belejts ma mögest, und dann zweifle nicht, daß der Herr dein Seuf sd Gebet in Gnaden erhören, und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen wird, das dir an Leib und Seele nüßlich und selig sein wird. Gebet. 8 Herr, früh wollest du meine Stimme hören, früh will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Allmächtiger, gnädiger Gott, du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre; wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden, wer sollte dich nicht ehren, o liebreicher Vater! Ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demüthigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen, und deine Güte und Treue wiederum an mir hast neu werden lassen. Morgengebet am Sonntag. 9 Begleite und beschüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag sonderlich einen Erbauungs- und Erquitfungstag für meine Seele sein. Du haft nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß du dein Werk in mir haben mögest. O darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schäße möge sammeln, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, da die Diebe nicht nach graben noch stehlen. Ich freue mich des, das mir geredet ist, daß wir werden hinauf in das Haus des Herrn gehen und meine Füße stehen sollen in deinen Thoren, Jerusalem. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste und seinen Tempel zu besuchen. Mein Gott, das soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lobund Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten, und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele freuet sich in dem Morgengebet am Sonntag. lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Worts werden. Deffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme; schließe hernach mein Herz zu, daß mir ihn Satan nicht wiederum raube. Laß mich heute in meinem Christenthum, in der Erkenntniß Jesu Chrifti, im Glauben, in der Liebe, in der Verläugnung meiner selbst, im Absterben der Welt einen festen Grund legen, auf daß ich die ganze künftige Woche daran denke, es ausübe und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schicket, daß ich nicht die Stunden der Welt überlasse, welche dir geheiliget sind, oder ihrer sündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche über noch drücken könnte. Ach laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selber, o Jesu, mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen, und wohne durch den 10 Morgengebet am Sonntag. 11 Glauben in mir, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. Heiliger Geist, du Himmelslehrer, Mächtiger Tröster und Bekehrer, Ach laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung sein. Amen. Gesang. Mel.: Wach' auf, mein Herz, und singe zc. 1. Die Nacht ist nun vergangen, D'rum will ich gleich anfangen, Mit Singen und mit Beten Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleichwie die Mütter pflegen Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen, Und um ihr Bett zu stehen: 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben, Ich hab' in Schuß und Segen, In seinem Schoß gelegen. 4. Mein Herze und Gemüthe Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schuß erhalten. 6. Laßt uns den Tag hinbringen Mit Loben, Beten, Singen, In Glaub' und Liebe stehen, und keine Sünd' begehen. 7. Erheben sich die Glieder, O Gott! so kommt auch wieder Die Unruh', Kreuz und Sorgen Schon an dem frühen Morgen. 8. Ach hilf mir Alles tragen, Wend' ab des Kreuzes Plagen, Und laß nach Angst und Weinen Die Freudensonne scheinen. 9. Leit mich auf guten Wegen Und gieb mir deinen Segen, Auf daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du woll'st mein Herz regieren, Mit Gottesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott! erhör' mein Flehen. Und laß die Bitt' geschehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. 12 Der gläubige Christ bringt. Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. Aufmunterung. Psalm 84, V. 1. 2. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn, und Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhetag in der Woche bestimmt, an welchem er von aller Arbeit, Last und Bemühung soll befreit sein, ja daß auch Gott auf diesen Tag einen besonderen Segen gelegt hat, welches Segens diejenigen theilhaftig werden, die ihn andächtig hinbringen. Ist nun dieses eine Wohlthat, so soll ein wahrer Christ sich hüten, 1) daß er diesen Tag nicht mit Faulheit und Müßiggang hinbringe; denn so feiern Pferde und Ochsen und andere Lastthiere den Sonntag. 2) Er soll sich hüten, daß er diesen Tag nicht anwende zu Fressen, Saufen und Uleppigkeit; denn was alle Tage Sünde ist, das ist des Sonntags doppelt Sünde. 3) Soll er sich hüten, daß er nicht den Sonntag mit Arbeit entheilige, mit irdischen Geschäften, als Spazierenfahren, Schulden eintreiben, Rechnungen durchgehen, Arbeitsleute bestellen; denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Hiezu ist zu rechnen, wenn man des Sonntags gern Gastereien anstellt, zu Gaste gehet, oder spielt, tanzt, lustige Gesellschaft besucht; dieses Alles verhindert die Seele an ihrer Erbauung, an der Ruhe in Gott, an dem Wachsthum im Christenthum und ist ganz wider den Endzweck des Sabbaths, und die solches thun sind noch keine rechten Kinder Gottes, sondern Maulchristen, welchen, wie sie sagen, kein Tag so lang wird als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß diesen Tag besser anzuwenden, nämlich zur Ehre Gottes und seiner Seele Besten. 1) Zur Ehre Gottes mit Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthaten Gottes, die er die vergangene Woche über und die ganze Zeit seines Lebens den Sonntag andächtig hin. 13 empfangen hat. 2) 3u seiner Seele Besten, daß er den Tag widme zum Anhören göttlichen Worts, damit er in der Er-. fenntniß Gottes und in seinem Christenthum zunehmen möge. 3) Dieses Alles aber soll er thun nicht etwa eine oder eine halbe Stunde, sondern den ganzen Tag; denn das dritte Gebot redet von dem ganzen und nicht von dem halben Tage. Ach gewiß, an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen. Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drückt! Die Alten haben gesagt: Wie man höret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. 4) Hat man Gottes Wort gehört, so behalte man es in einem feinen guten Herzen, man lebe darnach, man bringe die Lebensregeln sogleich in die Ulebung und sammle sich dabei einen Vorrath an Troftlehren und Kraftsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen könne. Gebet. Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein! Heut ist des Herrn Tag und der mir von Gott geschenkte Ruhetag, deshalb will ich ihn zu Gottes Ehren mit Danken und Beten zubringen. Ich danke dir, o Gott, für deine vielfältigen Gaben, die du an diesem Tag mir ertheilet: auf einen Sonntag ist Jesus mein Heiland aus dem Grabe auferstanden, und der heilige Geift über die Apostel ausgegossen worden; darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch Jeſum Christum geschehen ist, und der Mitthei 14 Der gläubige Christ bringt lung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist außgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges reines Wort, so du an diesem Tage läsfest predigen zum Unterricht und zur Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführt, erhalten und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan haft. wer kann doch Deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig sind! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag fein. Ich bitte dich, mein Gott und Vater, laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen, behüte mich vor Verführungen, eiteln Gedanken und bösen Gesellschaften. Ach daß keine Stunde verginge, in welcher ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegele in meinem Herzen das gehörte Wort, daß ich daran fleißig gedenke und darnach mein Leben und meinen Wandel einrichte. Und da ich nun eine Woche älter geworden bin, so gib, daß ich in deiner Erkenntniß, in Liebe und den Sonntag andächtig hin. 15 Frömmigkeit zunehmen und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gib mir deinen heiligen Geist, der mich die künftige Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gib deinen Segen zu meinen Arbeiten und Verrichtungen und laßz mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre ferner verleben, bis ich endlich werde dahin gelangen, da ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbath im Himmel feiern kann. Heut ist des Herren Ruhetag, Vergesset aller Sorg' und Plag', Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja. Sonntags- Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. Der Sonntag ist des Herren Tag, Den läßt uns Gott erleben, Damit ein Jeder ruhen mag, Dazu ist er gegeben; Ach bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Gemüth und Sinn Gen Himmel sich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh' und Rast Und seinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeitslaft Aus großer Gnad' befreiet; Hie soll von allem seinem Thun Der Herr und sein Gefinde ruh'n, Und sich in Gott erbauen. 3. Verflucht ist, der ein Werk vornimmt, Das Gott nicht selbst erlaubet, Und diese Zeit, die Gott bestimmt, Mit Arbeit ihm so raubet. Wer Wollust, Wucher, Sünden sucht, Der ist und bleibt von Gott verflucht, Und wird ohn' Segen bleiben. Der gläubige Christ bringt 4. Dies aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil unsre Seel' in Gott soll ruh'n, Mit Lesen, Beten, Singen; Man höre fleißig Gottes Wort An dem von ihm bestimmten Ort, Und diene Gott von Herzen. 5. Am meisten denk an Gottes Macht, Wenn dein Aug' um sich schauet, Wie er die Schöpfung hat vollbracht, Da er die Welt gebauet, Mit Wolken sie schön eingehüllt, Mit reichen Gaben angefüllt, Zu Nuß und Freud' der Menschen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Chrift An diesem Tag erstanden und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt; Wohl dem, der gläubig das erwägt Und Jesum dafür preiset. 7. Der heil'ge Geist ist sicherlich Am Sonntag ausgegossen; O Reichthum, welcher gnädiglich Auf uns auch kommt gefloffen. Denn dieses Geistes Kraft und Licht Verfaget uns der Höchste nicht, Zum Glauben uns zu bringen. 8. An diesem Tage sollst auch du Dich deiner Tauf' erfreuen, Und in der stillen Seelenruh' Den Bund mit Gott erneuen; Und denk daran die ganze Woch', Ia auch, so lang du lebest noch, Erfreu' dich deiner Taufe. 9. Hierbei erwäge allezeit, Was Gott dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit, Erhält annoch dein Leben; Wie er dich schützet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt Und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christenthum An diesem Tag zunehmen, Und dich zu deines Gottes Ruhm Der Frömmigfeit nicht schämen; Du sollst in Gottes Tempel steh'n, Wenn Andere der Sünd' nachgeh'n, Und sein Wort fleißig lesen. 11. Dem Wort gib in dem Herzen Plaz, Und zeig' es in den Früchten, Und sammle in dir einen Schatz, Der dich wohl kann aufrichten In Traurigkeit, in Angst und Noth, In Krankheit, Trübfal und im Tod, Ja auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnädig sein, Es stellet sich der Segen, Ach, glaub' es, bei dir reichlich ein Auf allen deinen Wegen; Und so wirst du beglücket steh'n, Und als ein Gotteskind eingeh'n Zur wahren Sabbathsruhe. 16 Der gläubige Chrift erwägt den breifachen Sabbath. 17 Der glaubige Christ erwägt den dreifachen Sabbath. Aufmunterung. Hebr. 4, V. 9. 11. Es ist noch eine Ruh vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß thun, einzugehen zu dieser Ruhe, daß unser feiner dahinten bleibe. Wenn ein wahrer Chrift den Sonntag Gott wohlgefällig hinbringen will, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist: 1) ein wöchentlicher Sabbath, wenn er den Sonntag anwendet zur Betrachtung der Wohlthaten, so er von Gott empfangen. Er muß aber 2) auch feiern einen täglichen oder geistlichen Sabbath, welcher nicht darin bestehet, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar müßig gehen solle, sondern unter dem täglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sünden. Wie er des Sonntags feiert von der Handarbeit, so feiert er alle Tage von leppigkeit und Bosheit: er hütet sich, daß er nichts Böses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses thue entweder allein oder in Gesellschaft anderer Leute, daß er fich auch durch Andere nicht laffe verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt halte. Wie er nun dieses meidet, also befleißigt er sich unter seiner Arbeit, öfters an Gott zu gedenken, zu Gott zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tägliche Sabbath, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun hat den wöchentlichen andächtig und diesen täglichen Sabbath eifrig gefeiert, der kann versichert sein, er werde 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die Gläubigen und auserwählten Kinder Gottes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübfal, von aller Sünde befreit Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen. ein heiliger 2 18 Der gläubige Christ erwägt und herrlicher Sabbath, der niemals wird gestört werden! Nun, dahin werden die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesu werden verharren bis in den Tod. Sebet. Heiliger und barmherziger Gott! da ich nun an diesem Tage den Sabbath und Ruhetag begehe, wo ich nach deiner heiligen Verordnung von aller meiner Wochenarbeit befreit bin, damit ich mich aus deinem Wort erbauen und in dir erfreuen könne: ach so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht mit Anhörung, Lesung und Betrachtung deines heiligen göttlichen Wortes ihn hinbringen, dagegen aber alle sündliche Zerstreuungen, Uleppigkeiten, böse Gesellschaften und Sünden meiden möge. Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, darin ich von Sünden ruhen und ablassen und dir meinen Leib und meine Seele, wie auch mein ganzes Leben, heiligen soll. Nun mein Gott, das soll durch deine Gnade meine tägliche Arbeit sein, daß ich thue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüfte und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, mich mehr und mehr den dreifachen Sabbath. 19 erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott gib, daß dieser geistliche und tägliche Sabbath meines Herzens niemals möge verstört werden. Bete du in meinem Herzen, singe in meinem Herzen, lehre in meinem Herzen, so ist mein Herz dein geheiligter Tempel. Wenn ich denn nun nach deinem Rath meines Lebens Tage und zugleich auch diesen geistlichen Sabbath werde geendiget haben, so führe mich, o Gott, ein zu dem himmlischen ewigen Sabbath, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubimen anstimmen. Ach mein Gott, laß mich dereinst zu solcher Seligkeit gelangen. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron; Da die Seraphimen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. F Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit Gott umzugeh'n Zu ihrer Ruh' erwählen; Der Tag, der heilig ist, Den Gott hat selbst gemacht, Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2* Der glaubige Chrift erwägt den dreifachen Sabbath. 2. An diesem pflegen sie Ganz früh vor Gott zu treten; Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten; Ihr Herz ist von der Erd' Allein zu Gott gericht't, Es freuet sich in ihm und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird darauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt, Von ihnen angefangen, Da sie von Sünd' und Schand' Und von der Bosheit ruh'n, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 20 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er daur't durch's ganze Leben, Indem sie alle Stund' Ihr Herz zu Gott erheben; Des Herzens Harfe spielt, Die Zunge lobet Gott, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird Nach diesem erst angehen, Dort in der Seligkeit, Woselbst die Frommen stehen, In großem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleid't, Wo Ruhe, Fried' und Freud' Sie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan, wer einstens will Zu dieser Ruh' gelangen, Der muß den Sabbath hie, Wie sich's gebührt, anfangen; Er sei und bleibe fromm, Und nehm' im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbathsruh'. Der glänbige Christ dankt Gott nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunterung. Jac. 1, V. 22. Seid Thäter des Wortes und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Wie alle göttlichen Wohlthaten von den Kindern dieser Welt misbraucht werden, also auch die Anhörung des göttlichen Wortes, und sie sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. Weltkinder bilden sich ein, 1) de Sonntag fei zu ihrer leppigkeit und Lustbarkeit eingesetzt, de fie von der Arbeit frei ihrem Fleische sollen Bergnügen Der gläubige Christ dankt Gott nach angehörtem göttlichen Wort. 21 machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch viel thun, als eine Ceremonie des Morgens zu dem Gottesdienst, Nachmittags aber zur Luft auf die Jagd, zum Spiel, zum sündlichen Vergnügen, und kommen hernach, wo nicht berauscht, doch mit eiteln Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten nach Hause. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht und wenn man sie Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchengang genutzt, was sie gehört, was sie gelernt, so wissen sie Nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, daß sie nicht glauben und selig werden, Luc. 8, V. 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Uebung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Sonntag mit Gott und mit Gebet angefangen haben, so hören sie 1) auch mit Andacht das Wort Gottes an. 2) Das Gehörte wiederholen sie zu Hause, schreiben es auf und freien sich darüber als über einen großen Schatz. 3) Sie denken die ganze Woche daran und trachten es in Uebung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Thiere zum Opfer erwählt, welche wiederkanten, und die Seelen sind ihm auch die liebsten, welche das gehörte oder gelesene Wort wiederkauen, erwägen und aus demselben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich also damit zum ewigen Leben erbauen. Sebet. O du gnadenreicher Gott, wie kann ich dir genugsam danken, wie kann ich genugsam dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag hast erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört und vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben, und dereinst felig sterben. Du haft mir lassen kund werden, 22 Der gläubige Chrift dankt Gott was dein gnädiger Wille an mich sei, du hast mich lassen lehren, was ich soll meiden, und was ich soll thun. Ach ja, du läſfest dich nicht unbezeugt, damit Niemand eine Entschuldigung habe. Du gibst uns dein heiliges Wort und die Sacramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserm Heil gebrauchen sollen; dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach barmherziger Gott, bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Wortes sei. Was hilft mir alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum versiegele o Gott selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und fräftig. Ach du Thürhüter, schließ doch mein Herz so bald zu, wenn das Wort des Lebens meiner Erbauung in dasselbe gegangen ist, damit es Satan mir nicht raube, und ich leer wieder nach Hause gehen müsse. Gib, daß ich mich spiegele an dem Erempel so vieler tausend Vienschen, die zwar dein Wort, o Gott, anhören, aber sich nicht bekehren und frömmer werden, noch die Bosheiten, Unarten und sündlichen Gewohn nach angehörtem göttlichen Wort. heiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werden und bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen, da sie des Herrn Willen gehört, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach mein Gott, laß mich diese Woche nun frömmer und gottseliger werden; gib, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich ſoll fanftmüthig, demüthig und barmherzig sein, ach so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit mich daran erinnere und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbst verleugne und den Armen und Elenden Gutes thue. Habe ich gehört, ich soll gegen meine bösen Lüste und Gedanfen streiten, mich verleugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen, züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gib mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben und es vollbringen möge; und ob es zwar 23 24 Der gläubige Chrift dankt Gott gleich im Anfang in großer Schwachheit geschieht, daß ich doch fortfahre in der Heiligung und mich je mehr und mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltfinder mit ihren irdischen Schäßen, welche sie einschließen und wohl bewahren; ebenso gib mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, theuren Glaubenslehren, fräftigen Vermahnungen zur Heilung des Lebens, als einen lieben und werthen Schatz in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trübsal, in Krankheit, ja im Sterben, daraus einen Troftſpruch nach dem andern hervorlangen fkönne. Ja mein Gott, laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntniß deines Willens und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott, wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Gib uns Gnade, daß auch wir Nach demselben heilig leben; Du woll'st selbst den Glauben stärken, Daß er thätig sei in Werken. Höchster Gott, ach sei gepreist, Der du lehrst, was wir thun sollen; Schenk' uns deinen guten Geist, Gib uns auch ein eifrig Wollen; Laß es ferner wohl gelingen, Gib zum Wollen das Vollbringen. Amen. nach angehörtem göttlichen Wort. 25 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wer Gottes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also seinem Gott seinem Gott Sein Ohr und Herze geben; Viel hören hilset nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man vor wie nach Die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren, So thu' auch wahre Buß, Fang' an dich zu bekehren, Und werd' ein neuer Mensch; Ach bleib' nicht wer du bist; Ja änd're dich bei Zeit Und werd' ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleich stellen, So sollst du dich auch nicht zu ihrer Rott' gesellen; Was böse Menschen thun Das thue du doch nicht, Sei fromm und wandle stets Vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll Und alle Sünden hassen, So folge ihm auch nach, Bestreb' dich immerdar, Daß du gesinnet seist, Wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, So lasse dieses Wort Dir stets vor Augen schweben; Folg' deinem Herzen nicht, Und steh' auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst tu, man soll gerecht, Gottfelig, züchtig wandeln, Und niemals wider Gott Und sein Gewissen handeln: So folge dieser Stimm', Verlaff die Sündenbahn, Und fang' durch Gottes Kraft Ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm ausüben: So lieb' ihn wie dich selbst, Verfolg' und haß' ihn nicht, Und so vollbring' an ihm Die unbefohl'ne Pflicht. 8. Ja, was du Gutes hörst, Das von dir soll geschehen, Das muß auch alsobald In die Erfüllung gehen; So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud', Und gehst durch Jesu Blut Dereinst zur Seligkeit. Abendgebet am Sonntag. 9. Mein Gott verleih' mir Gnad', Daß ich die Himmelslehren Mög' immerdar mit Fleiß Zu meinem Nutzen hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu', Und also hie und dort Gelang' zu meiner Ruh'. 26 Abendgebet am Sonntag. Herr bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. O du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit fagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen haft; du hast meine Seele gespeist mit dem Brod des Lebens und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach laß dein Wort Zeit meines Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin Abendgebet am Sonntag. 27 nicht werth aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan haft. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt, o mein Schuß, mir zur Seite, habe Acht auf mich, und schließ mich in deinen Schuß ein; laß mich beständig ein Licht in dem Herrn sein und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß. Laß dein Wort, das ich gehört und gelernt, insfünftige in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, in der Gottesfurcht, im Absterben der Welt und in einer heiligen Uebergabe an dich wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hiße und Anfechtung und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuer- und Wassersnoth und alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Betrübte, Kranke und Sterbende deine reiche Gnade genießen; so soll morgen früh unser Aller Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du uns Gutes an Leib und Seele gethan haft. Abendgebet am Sonntag. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedient, wie ich billig geſollt, und nimm deswegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche Alles nen an mir sein, schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert sei. Ich sehe mich, mein Gott, nach meiner Ruhestätte um; ich erinnere mich dabei an meine Grabstätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine- Kammer zur Ruhe; du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu. 28 Laß mich Herr von dir nicht wanken, In dir schlaf' ich sanft und wohl; Gib mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröth' angehet Und man von dem Bett aufstehet. Amen. Abendgefang am Sonntag. Abendgesang am Sonntag. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 29 1. Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich leg' zu meiner Ruh; Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgeh'n, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel' allein Mit meinem Gott beschäftigt sein. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil ich mit Gott das Auge schließt; Ich bin, mein Gott, weil du bei mir, Wenn ich erwach', auch noch bei dir. 4. Ach Gott, wend' alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir, Ach wirke stets in meinem Herzen, Ich such' die Hülf' allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Noth und Pein, O Gott! von mir entfernet sein. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß Alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder aufersteb', Ich Alles unverlegzet ſeh'. 16. Laß deinen Engel bei mir bleiben Und immer um mein Bette steh'n, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen seh'n; So schlaf' ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Ich fürchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotte Macht und List, Weil Gott mich selber will bedecken Und weil mein Jesus bei mir ist; Darf Satan mir fein Licht austhun, So muß er mich auch lassen ruh'n. 8. Es gehn zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht; Mein Mund bricht aus in Freudenlieder Bei eingebrochner finstrer Nacht; Ich steh' mit Jeſu wieder auf, Und so vollführ' ich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des 30 Morgengebet am Montag. Tags als auch bei Nacht, Hiemit, o treuer Gott, ergeben, Ach hab' du selber auf mich Acht. Ach laß mich dir empfohlen sein; Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib' ich denn in Jesu Wunden Und schlafe in denselben ein; Auch in den letzten Todesstunden Werd' ich darin verwahret sein; Darinnen will ich aufersteh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Morgengebet am Montag. Laß mich früh hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich; thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiser Gott, der du den Himmel erschaffen, und die Erde gegründet und verordnet haft, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsterniß, und auf die Arbeit die Ruhe følgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen: ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret, mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderm Uebel behütet und das Meinige mit deinem Schuß umgeben haft. Herr, groß sind deine Werke, die du an dem Menschen thust, deine Güte reicht so weit der Himmel iſt, und deine Wahrheit, so weit die Wolken Morgengebet am Montag. 31 gehen. Ich schlief und du wachtest; ich war im Schlaf den Todten gleich, aber du haft mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach mein Gott, sei auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und mein Erbarmer; laß deine Augen über mich offen sein, daß ich unter deinem Geleite unverleßt in meinem Beruf ein- und ausgehen und den Abend nach deinem Willen wiederum unbeſchädigt erreichen möge. Mein Gott, laß deinen Segen mit und bei mir sein; was ich in deinem Namen anfange, dazu gib felber Rath und That, und laß mich niemals Etwas wollen, das du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlichte auch das Licht des heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in Furcht, Liebe und Gehorsam gegen dich hinbringe. Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen und gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich fündige und wenn man mich zum Sündigen verleiten will, so laß ihn mich erinnern und durch 32 Morgengebet am Montag. seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, Herr Jeſu, kleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, Herr Jesu, wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandele im Rath der Gottlosen, noch sitze da die Spötter sißen, welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; ſo ich will der Welt Freund sein und mit ihnen ihre fündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach mein Gott, drücke in mein Herz die Worte: Wandele vor mir und sei fromm. O wie Viele fangen eine Woche an, aber sie vollenden sie nicht und sind am Ende derselben frank oder schon begraben! Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche Niemand dich schauen wird; laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o Jesu, erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. 33 Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise Bis ich gen Himmel reise. Amen. Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Coloff. 3, V. 17. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut Alles in dem Namen des Herrn Jesu und danket Gott und dem Vater durch ihn. Hat man Ursache zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie viel mehr soll ein gläubiger Christ sein Herz und seine Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will. Wie viele Menschen haben den Sonntag als den ersten Tag in der Woche gesund erlebt und sind den Sonnabend darauf schon begraben gewesen! Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe diese sich geendet, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die ganze Woche mit Ach und Weh, mit tausend Thränen und Händeringen beschlossen haben! Nun mein lieber Christ, das kann dir und mir auch widerfahren! darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden. Es soll aber ein gläubiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen und ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verletzen, den Nächsten betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. 2) Er soll die Woche über des Gebets und des Gottesdienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirchen und Betstunden fleißig besuche. 3) Und weil es nicht liegt an unserem Rennen und Laufen zur Arbeit, so soll er sonderlich Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitten unter der Arbeit an Gott gedenken und mit Gebet die Arbeit anfangen, 3 34 Der gläubige Christ bittet um Segen mitteln und vollenden. 4) Er soll behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleicht, bis endlich die letzte Todes- oder Sterbestunde kommt, da unsere Seele soll vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schutz vollenden! und sollte er es ihm auch eine Kreuzwoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer, Retter und Beistand sein und bleiben. Sebet. O du liebreicher und barmherziger Gott! Ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an; ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird. Wie viel Uebels und Unglücks kann uns in einem Tag begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche. Darum komme ich gleich im Anfange derselben zu dir und empfehle mich dir ganz und gar. Ach mein Gott, gib mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugniß gebe, daß ich ein Kind Gottes ſei. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine Berussarbeit und Geschäfte, segne Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hülse kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht im Anfang der Woche. 35 hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht; darum laß deine Treue und Güte mich allewege behüten. Segne auch Alles was mein ist, und laß es unter deinem Segen blühen. Ach mein Gott und treuer Vater, schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück, laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schuß und in deiner Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs; laß um mich und die Meinigen deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich fein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht unerhört von dem Thron deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden; weise mir Herr deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich nicht aus deiner Gnade falle, sondern darin beständig bleibe bis in den Tod. Gib, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche 3* 36 Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche nach der andern zurücklege, so auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit wenn nun die letzte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert sein. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich Alles unter deinem mächtigen Beiſtand ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter aus aller Noth. Nun ich befehle mich mit Leib und Seele und Allem was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle frommen Christen. Darauf so sprech' ich Amen, Und zweifle nicht daran, Und geh' in Gottes Namen Die vorgeschrieb'ne Bahn; Ich streck' aus meine Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Das er mir will bescheiden In mein'm Beruf und Stand. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will die neue Woch Mit dir, o Gott, anheben, Du woll'st mir deinen Geist Und deinen Segen geben; Im Anfang steh' mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. Abendgebet am Montag. 37 2. Ohn' deinen Segen kann, Mein Vater, Nichts gedeihen, Drum wir, o Segens- Gott, Um Segen zu dir schreien; Ach komme selbst zu uns, Und greif' das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmerniß An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht selbst mitgehst, Und stehest mit dabei, Daß Anfang und das End' Von dir gefegnet sei. 4. Drum komm', o Gott, zu mir, Und gib mir deinen Segen; Denselben wollest du In meine Arbeit legen; Ach segne all mein Thun, Ach segne meine Tritt', Und theile gnädiglich mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch' hinbringen, Laß meine Arbeit sein, Dich loben, beten, fingen; Bewahre mich vor Sünd' Und grober Missethat, Und wenn ich Buße thu', So schenk mir deine Gnad'. 6. Mein Gott, begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch' Ein Kreuz mir auferlegen, So beut mir deine Hand, Und steh' mir kräftig bei, Ja trage selbsten mit, Daß mir's erträglich sei. 7. Nun was du Gutes wirst Mir diese Woch' erweisen, Dafür soll dich, mein Gott, Mein Mund und Herze preisen; Ach laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen sein, Bis ich durch Jesu Blut Geh' zu der Freude ein. Abendgebet am Montag. Aufmunterung. Psalm 4, V. 9. Ich liege und schlafe ganz in Frieden, denn du allein Herr hilfst mir. daß ich sicher wohne. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welche Gott und Menschen wohlgefällt, so soll auch ein gläubiger Chrift derselben eingedenk sein, wenn ihn Gott einen Tag hat überleben und den Abend erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß 38 Abendgebet am Montag. viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinsringen, ohne zu erkennen, was Gott an ihnen gethan hat. Sie genießen des göttlichen Schutzes, Beistandes, Hülfe, und danken ihm nicht einmal dafür, sondern meinen, es müßte so sein, sie müßten gefund, glücklich und im Wohlsein ihre Zeit hinbringen, Gott müßte also sie erhalten und es ihnen lassen wohlergehen. Darum o gläubiger Christ, sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du den Tag unter dem Schutz und Beistand Gottes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und Beten. 1) Danke Gott, daß er dich den Tag über vor Unglück bewahret, und denke, wie viele Menschen vielleicht den Tag, an welchem dich kein Leiden berührt, in das größte Unglück gekommen, ihre Gesundheit verloren, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bette sind gelegt worden, da sie den Morgen noch frisch und gesund waren; ja wie Viele find in einem Tage arm geworden durch Feuer und Unglück, die am Morgen noch Nichts davon wußten. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden und deine Thaten; hast du den Tag über Etwas geredet wider Gott und den Nächsten, hast du Etwas vollbracht, das wider dein Gewissen und Christenthum ist, o alsdann bleibe auf und bitte es Gott ab, ehe du schlafen gehest. 3) Gedenke, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern, o darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe du die Augen schließest. 4) Bitte Gott um Schutz und um seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlafe erwachest, so denke an Gott; danke Shm, so schläfft du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schutz sanft und selig. Abendgebet. Ich liege und schlafe ganz in Frieden, denn du Herr Hilfst mir, daß ich sicher wohne. Abendgebet am Montag. 39 O du ewiger und allmächtiger Gott! dieses find meine Abendgedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genugsam danken, daß du mich aus- und einbegleitet hast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen. Du hast mich geſpeist und getränket, du hast mich getröstet und erquickt, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten find lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntern; darum so lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Secle, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Vergib mir, o Herr, vergib mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt und deine Gebote aus den Augen geseßt, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebt und meinen Begierden freien Lauf gelassen habe; wärest du nicht ein langmüthiger Gott, ja der Vater der Barmherzigkeit, so lebte ich nicht mehr ,. indem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umkehr Abendgebet am Montag. gegeben hast. Ach Herr, ich schuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr; ich gelobe dir hiermit an in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Ulebel; drücke mir selbst, wenn ich einschlafe, die Augen zu, mein Jesu! Aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, daß ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier träume stets, o Gott, von dir, daß ich fest an dir stets bleibe und auch schlafend dein verbleibe. Sei mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth; mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Ich weiß nirgend hin als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist bei mir, warum sollt' ich mich fürchten, wenn ich schon einsam liege und schlafe! Mein Jesus, meiner Seele Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht 40 Morgengebet am Dienstag. 41 schließt. Der heilige Geist ist bei mir, der erhält das Zeugniß in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich schon von mir selbst nichts weiß. Bin ich also in den Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher wie Jakob; ich schlafe getroft wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschüßzt wie Petrus. Gedenke Herr doch auch an mich In dieser schwarzen Nacht Und schenk' mir gnädiglich Den Schuß von deiner Wacht. Drauf schließ' ich meine Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh', Wer wollte traurig sein! Amen. Morgengebet am Dienslag. Wache auf, der du schläfft, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu iſt, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich an diesem Morgen wiederum gesund von meinem Lager haft aufstehen lassen und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahret. Wie groß ist deine Güte, Herr, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen und unter demselben so mächtiglich bewahrt werden. Ich schaue 42 Morgengebet am Dienstag. nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht; gib mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Lichte wandele und alle Werke der Finsterniß fliche. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient und meinen Mund, Glieder und Sinne nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten gerichtet habe, wovon ich dereinst vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf mit Leib und Seele; laß mich Nichts wollen, Nichts vornehmen und gedenken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiligt sein. Ja laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinem Arm gelegen, nun wiederum von Neuem lebe, so weiß ich nirgend hin als zu dir; ich klopfe an deine Gnadenthür, ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus welcher ich nehme einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern; denn was du Herr segnest, das ist geseguet ewiglich; wenn du deine Hand aufthust, so wird Alles gesättiget mit Wohlgefallen. Abendgebet am Dienstag. 43 Gib mir guten Rath, wenn ich Rath bedarf; richte meine Anschläge und mein Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunde den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr mein Gott, so schweige mir nicht, auf daß nicht wo du schweigest, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem Heiligthum. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja richt' mein ganzes Leben Allein nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben In's Todes Rachen hin, Wenn's hie mit mir wird aus, So laß mich selig sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. Abendgebet am Dienslag. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun! Also spreche ich jeßzt, o du gnädiger und liebreicher Gott, in dieser Abendstunde 44 Abendgebet am Dienstag. und sage dir demüthigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schuß, deiner liebreichen Fürsorge, gnädigen Führung und unter deinem reichen Segen hast zurücklegen lassen. Herr deine Güte ist groß, und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernft anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ach mein Gott, wie geschwind geht doch ein Tag dahin; wie ein Pfeil wird abgeschoffen, so geschwind verfließen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat und daß ich davon muß. Siehe meine Tage sind eine Handbreit vor dir und mein Leben ist wie Nichts vor dir. Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, daß ein Jeder empfahe nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Darum richte mich selbst und frage: Meine Seele, wie haft du heute den Tag hingebracht? hast du auch etwas Gutes gedacht? ist Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du ihn mit vorsäßlichen oder wissentlichen Sünden von Abendgebet am Dienstag. 45 dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet? hast du gesprochen, was ehrbar ist, was keusch, was wohl lautet! iſt das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du von Narrentheidingen und schandbaren Worten übergeflossen? Wo seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübet, ihr Hände? Was habt ihr gehöret, ihr Ohren? Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach mein Gott! wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o wie werde ich bestehen? Ach Herr nimm weg von dem abweichenden Tage meine Uebertretungen. O Jesu tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O heiliger Geist versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die letzte sein sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott, freigesprochen, so schlafe ich mit Freuden ein und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor allem dem, was dich betrüben kann. Mein Vater, deine Liebe decke mich und die Meinigen; mein Jesu, in deinen Wunden 46 Morgengebet am Mittwoch. ruhe ich sanft und wohl; o heiliger Geist, thue du den letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes empfehle. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell' ich mich doch wieder ein, Hat mich doch dein Sohn verglichen Durch sein' Angst und Todespein; Ich verlengne nicht die Schuld, Aber deine Gnad' und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets an mir befinde. Amen. Morgengebet am Wittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir. Ognädiger und liebreicher Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuß! ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Throne deiner Gnaden und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret haft. Gelobt sei der Herr täglich und gelobt sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott, du läsfeſt einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigfeit bereiten und meine Seele dir zum Eigenthum und zur Wohnung ergeben foll. Du haft mich erschaffen zum ewigen 47 Morgengebet am Mittwoch. Leben, willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich befehre und lebe; o so laß mich diesen Tag auch dazu anwenden, daß ich schaffe selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt; laß auch die übrigen drei unter deinem Schutz und deiner Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach, mein Mittler Jesu, bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Noth und Tod laufen und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? Laß mich, o allerliebster Heiland, heute in deine heiligen Fußtapfen treten und wandeln, wie du gewandelt hast; so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens leicht entfliehen. Sei bei mir auf meinen Berufswegen; ich spreche mit völligem Glauben: Herr ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Segne mich im Schlaf und Wachen, segne meinen Schritt 48 Abendgebet am Mittwoch. und Tritt, segne mich in allen Sachen, theil' mir deinen Segen mit; gesegnet laß mich sein von dir und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Weltluft und in den Weltsünden verwickeln und belustigen will, so gib mir Krast, daß ich es losreiße und es, mein Vater, in deine Liebe, mein Jeſu, in deine Wunden einsenke, daß es sich nicht aus deiner Gemeinschaft verirre und an dem Abend noch darinnen gefunden werde. Steht mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde an, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinen dir empfohlen sein und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihrem Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich o Herr und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. Abendgebet am Wittwoch. Ich liege und schlafe und erwache, denn der Herr erhält mich. Odu heiliger, gütiger Abendgebet am Mittwoch. 49 und allein weiser Gott, du hast mich heute diesen vergangenen Tag abermal erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über Alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden; du haft nach deiner unendlichen Güte für mich gesorgt, daß es mir nicht gemangelt hat an irgend einem Gute. Ach Herr, ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du mir erweist. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich an mir thut, der ich nur Staub und Asche bin! verschmähe nicht das demüthige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergib mir, o gnädiger Gott, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern alle böse Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, dieselben morgen und Zeit meines Lebens haffe und lasse, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen und ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht sammt allen meinen Anverwandten und Hausgenossen unter dem Schutz deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, aber laß o Jesu, du Sonne 4 50 Abendgebet am Mittwoch. der Gerechtigkeit, deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Grfülle mich im Schlaf mit guten Regungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name und Gedächtniß immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager bei schlaflosen Nächten reden und denken und dadurch alle unnüßen Sorgen und fündlichen Gedanken vertreiben möge. Erneuere im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wachet ein Hirt bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele befohlen sein. So du aber zur Prüfung meines Glaubens, meiner Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhängen wollteſt, so denke, mein Gott, daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich Nichts vermag und daß es dir als meinem Vater zukomme, Errettung und Hülfe aus deinem Heiligthum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich, im Glend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Laß deine Allgegenwart und dein allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden bhalten. Ich hebe auch bei der anbrechen 51 Morgengebet am Donnerstag. den Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir auch selbsten an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. Amen. Morgengebet am Donnerstag. Herr Höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an fo väterlich ernähret und bewahret hast, sondern daß du auch diese vergangene Nacht mein Schuß und Beistand gewesen bist, also daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinem Lager aufstehen und das angenehme Tageslicht anschauen kann.. O du Liebhaber des Lebens, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst Nichts, aber dein Aufſehen hat meinen Odem bewahret; du haft 4* 52 Morgengebet am Donnerstag. mich und mein Haus mit deiner Engelmacht umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück beschädigen konnte. Du haft mich durch eine sanfte Ruhe erquickt, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete haben entbehren müssen, da ich wohl eben so viel, ja noch mehr Züchtigung verdient als sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohlthaten, so ich Zeit meines Lebens empfangen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer und Erhalter, erfordert hätte, nämlich durch ein immerwährendes Lob und demüthigen Dank. Nun ich will heute anfangen, durch deine Gnade zu erseßen, was ich durch meine Schuld versäumt habe. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen und mich dir zu eigen zu geben. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten, oder mit Narrentheidingen und sündlichen unnüßen Worten eine schwere Rechenschaft auf mich laden. Ich will meinem Fuß wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach mir verbotenen Dingen und Personen; ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit und Morgengebet am Donnerstag. 53 mein Ohr abwenden von loser Lehre und bösem Geschwäß, welches gute Sitten verdirbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott, zu deinem Dienst ergeben; ach wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade. Laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich ja Berufs halber und unverhofft zu Bösen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Thaten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit findlicher Zuversicht auf deine Fürsorge freudig und getroft verrichten und deinen Segen aller Orten empfinden möge. Nun, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat; der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit. Meinen Ausgang segne Gott, Meinen Eingang gleichermaßen, Segne auch mein täglich Brod, Segne all mein Thun und Lassen, Segne mich mit sel'gem Sterben Und mach' mich zum Himmelserben. Amen. Abendgebet am Donnerstag. Abendgebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, rede ich von dir. O reicher und liebreicher Gott und Vater! hier komme ich abermal mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft und begnadigt in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen und wie ein Vater über sein Kind dich über mich erbarmt, daß ich den Abend unbeschädigt erlebt habe; deine Langmuth hat meiner geschonet, daß du mich nicht nach Verdienst gestrafet hast. Ach verzeihe mir alle Uebertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidigt habe. Ich sollte stärker werden, wider die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel, aber wer kann merken, wie oft er fehle, verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidigt habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, Herr, wer würde noch leben! Ich lege mich nun zur Ruhe, mein 54 55 Abendgebet am Donnerstag. Gott, ach schließe du selbst die Thüre hinter mir zu, wie an dem Kasten Noaly's, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in ihren Schuß nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen in's Bette auch gedenken, wie ich dereinst werde mit Erde zugedeckt, aber am jüngsten Tage wieder auferweckt werden. Laß mich alle Tage also hinbringen und schließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens trösten könne, auf daß ich bereit sei zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heimzuführen. Wie ich liege und schlafe und doch noch Athem hole, o Jesu, so sei auch im Schlafe mit mir vereiniget. O dreieiniger Gott! unter deinem Schirm und Schild kann mich weder Noth noch Tod verlezen, oder mir schaden. Deine Liebe und Schuß, o Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! sind die Wagenburg, darin ruhe ich sanft und liege darin wohl verwahrt; davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schuzes Morgengebet am Freitag. genießen wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kraft und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder erblicken. 56 Herr, laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich Nichts erschrecke, Und wenn die rechte Zeit wird sein, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret', Wenn ich zuvor hab' durch's Gebet Dir meine Werk befohlen. Verschmäh, o Gott mein Vater, nicht Mein Seufzen, Bitt' und Flehen; Laß mich dich, Jesu wahres Licht, Auch in dem Finstern sehen; O heil'ger Geist! am letzten End' Mit deinem Trost dich zu mir wend', Daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Morgengebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnädiger und liebreicher Gott, mein Vater, Erlöſer und Heiligmacher! ich hebe in dieser Morgenstunde mein Herz, und meine Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majestät, von welchem mir Zeit meines Lebens und auch die vergangene Nacht gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, meine Burg, mein Nothhelfer, mein Trost, mein Schirm, ja mein Alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und Herr! erkenne ich Morgengebet am Freitag. 57 mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsterniß an mich gedacht, und als mich die dunkeln Schatten umgaben, haft du meinen Leib und meine Seele vor Schaden und Gefahr väterlich behütet. Darum preise ich dich und lobsinge deinem Namen. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Sei, o liebreicher Gott, auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rath und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich Nichts nach Himmel und Erde. Gib mir heute und allezeit ein was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz klopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laß mich o Jesu dein blutiges Bild, wie du an einem Freitag zur Zeit deines bittern Leidens haft blutigen Schweißz für mich am Delberg geschwißet, blutig bist in dem Richthaus gegeißelt und blutig an's Kreuz bist angenagelt worden, vor Augen sehen, wenn Fleisch und Blut sündliche Lüste in mir erregen. Zeigt sich heute außer mir Morgengebet am Freitag. vielleicht Gelegenheit zur Sünde, darein mein Herz willigen wollte, so zeige mir eben dies blutige Bild, daß dadurch alle Luft zur Sünde in mir erlöscht, ertödtet und vertrieben werde. Also wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe und in dem neuen Wesen des Geistes wandele. Gedenke auch im Leiblichen an mich und segne mich. Laß mich alles Irdische als ein vergängliches Gut ansehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, stärke mich, wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgib auch mich und die Meinigen mit deinem Schuß wie das Haus Hiob's; bewahre mich wie den Jakob; habe Acht auf mich wie auf Elias, daß ich unter deinem Schuß den Abend wiederum fröhlich erlebe. Laß vor mich nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hören Freude und Wonne. 58 Meinen Leib und meine Seele, Sammt dem Willen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine Abendgebet am Freitag. 59 starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. Amen. Abendgebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott, laß auch in dieser bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern und mich mit ihrem mächtigen Schutz umgeben; hast du den Engeln des Tags befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts, als die Starken Salomonis, um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu, ach bestreiche du die Pfoften meines Herzens mit deinem heiligen Blut, daß nichts Schädliches sich zu mir nahe; ich fürchte mich, nicht wenn du bei mir biſt. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du hast zu Allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glück gegeben. Ach daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so großes Uebel thun und wider Gott sündigen! Verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag über 60 Abendgebet am Freitag. Böses vollbracht, geredet, gedacht habe; laß mit dem abgehenden Tage auch- meine Sünden und Sündenftrafe verschwinden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? denn ich weiß gar wohl, daß es also ist, daß ein Mensch nicht gerechtfertigt vor Gott bestehen mag; hat er Luft mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf Tausend nicht eins antworten. Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Gutes gethan; laß mich solche deine Güte zur Buße leiten, denn du hast mich je und je geliebet und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Laß dein heißes Blut und deine treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr vorsäßlich möge beleidigen, der du so viel Gutes an mir gethan haft. Ich lege mich zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen Morgengebet am Sonnabend. lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde, das stehet allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens; aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o Jesu, in deiner Gemeinschaft, o werther heiliger Geist, einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. 61 Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh', Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Weil Jesus um mein Bette wacht. Amen. Morgengebet am Sonnabend. Herr lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat und daß ich davon muß. Starker und allmächtiger Gott! dieses sind jetzt meine Gedanken am Ende der Woche, da du am letzten Tage derselben mich haft gesund von meiner Ruhe aufstehen lasſen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschützt, so mächtig bedeckt hast, daß keine Gefahr noch Leiden mich hat beunruhigen können. O mein Gott, so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen 62 Morgengebet am Sonnabend. im Meer zu zählen sind, so wenig kann ich auch die Wohlthaten namhaft machen, welche ich Zeit meines Lebens, und auch diese Woche, von dir empfangen habe. Du bist diese Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Ungemach von mir abgewiesen. Du sprachst: mein Kind, nun liege, troß dem, der dich betrüge, schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. Dein Wort Herr ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen, von Noth bin ich befreiet, dein Schuß hat mich erneuet. Ach laß mich diesen Tag beständig verläugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und dagegen züchtig, gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Laß mich mit meinen Kleidern anziehen herrliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmuth, Demuth und Geduld, hingegen den alten Menschen mit seinen Werken, Ungerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zanf, 3wietracht, Unreinigkeit und Bosheit ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider sein könne. Mein Jesu, der du bist das A und das O, der Morgengebet am Sonnabend. 63 Anfang und das Ende, ich habe nun abermal durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, mitteln und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen dürfe, daß ich gelebt habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, segne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Zerreiße das Sündenregiſter, welches ich diese Woche hindurch zusammengebracht, und streiche es mit deinem Blute aus. Laß mich die neue Woche behutsamer, frömmer, aufrichtiger und dir gefälliger werden. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Heiligung und Bekehrung in mir haben mögest. Darum heiliger Geist, kehr' bei mir ein, Und laß mich deine Wohnung sein, O komm' du Herzenssonne; O Him Abendgebet am Sonnabend. melslicht, laß deinen Schein Bei mir und in mir kräftig sein, zu steter Freud' und Wonne. Laß mich durch dich, Fromm zu leben, jegt anheben Und mit Beten Oft derhalben vor dich treten. Amen. 64 Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandele, so ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger Gott, jest endigt sich der Tag und zugleich auch die Woche; aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel fallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche überleben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, nämlich daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Wohlthaten sind diese Woche über viel gewesen, Du hast mein Gebet erhört, mich behütet, mir guten Rath mitgetheilt, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und SegensGaben von dir empfangen habe, ja keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohlthaten auf mich ge flossen sind. Jetzt habe ich, was ich im Anfang gewünscht. O der großen Gnade, Abendgebet am Sonnabend. Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute am Schluß der Woche auch an meine Sünden; viel sind meiner Uebertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorgt, nicht so viele Stunden dir gewidmet, als ich billig hätte thun sollen. Ach Herr Herr, vergib mir diese Sünden; ach Herr Jesu, durchstreiche mit deinem heiligen Blut die ganze Sündenhandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen und vergeben bleiben mögen. Herr strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her, laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dich werfe und unter deiner Fürsorge, mein Vater, sanft ruhe. Ich bin nun eine Woche älter und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag, und die leßzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange 5 65 Abendgebet am Sonnabend. Ewigkeit folgen soll; darum hilf, daß ich alle Wochen, Tage und Stunden also anwende, damit ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz alle Tage da hinein schicke, wo ich ewig zu sein wünsche. Hier bin ich ein Bilgrim, der nur sein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und meine ewige Wohnung, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen abwischen, ihnen die herrlichen Güter deines. Hauses austheilen und sie mit ewiger Freude ergößen wirst. Hiemit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Wortes hinbringen will. Gib mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder von Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. 66 Weicht nichtige Gedanken hin, Stört nicht der Andacht Lauf; Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. Amen. Der gläubige Christ dankt Gott am Ende der Woche. Ber gläubige Christ dankt Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Psalm 116, B. 12. 67 Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut? Es geht ein Tag und eine Woche unsers Lebens nach einander dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserm Tode; unterdessen ist doch der gütige Gott so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes thut an Leib und Seele und unser Herz erfüllt mit Speise und Freude. Das sollen auch die Gedanken sein eines gläubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er dankt Gott für den Segen, den er empfangen, für den Schuß, darunter er die Woche glücklich hingebracht, für die Hülfe, die er erlangt hat, wenn er Gott mit seinem Gebet angefleht. Hört er, daß Andere die Woche über in Unglück gerathen, betrübt worden, gefallen sind, Schaden gelitten, von ihrem Elende und Jammer nicht befreit worden sind, so hat er Mitleiden mit ihnen und rühmt Gottes Güte, die ihn mit dergleichen Leiden verschonet hat. 2) Ein glänbiger Christ erwägt, daß Gott durch solche beharrliche Beweifung der Güte ihn zur Buße leite; darum bereuet er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, und läßt also den letzten Tag der Woche seinen Versöhnungs-, Bet-, Buß- und Danktag sein. 3) Er bittet auch um fernern Schuß, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche. Er empfiehlt sich Gott und seiner Gnade. 4) Er erwägt, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird. Darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schauet, von welchem alle guten Gaben von oben herab kommen, daß er sich der göttlichen Gnade überläßt, in der Liebe Jesu bleibt und also im Stande ist nach Gottes 5* 68 Der gläubige Chrift dankt Gott Willen felig zu leben und zu sterben, wenn sein Sterbestündlein vorhanden ist. Sebet. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Bis hierher hat mir der Herr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und Herr, da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. Herr, wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmst ſie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach mein Gott, du haft in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet, du haft mich gesund erhalten, haft mich gesegnet, begleitet, bewahrt, an Leib und Seele mir viel Gutes gethan, haft auch die Meinigen deines Schußes und deiner Gnade genießen lassen. Nun das hat Gott gethan, das ist Gottes Werk, daß ich diese Woche ſo glücklich hingebracht habe. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja, wie Viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; 69 am Ende der Woche. wie Viele haben eine betrübte Trauerund Kreuzwoche gehabt, aber mich haft du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie Viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuß unverleßt geblieben! Dafür sei hochgeliebt, hochgelobt und hochgepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schuß und deine Gnade, habe Dank für deine Liebe und deinen mächtigen Beistand, habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach mein Gott, verzeihe mir auch aus Gnade, was ich in dieser Woche unrecht gethan habe. Ach es ist mir leid, es reuet mich, ich betrübe mich darüber und bitte um Barmherzigkeit und Vergebung meiner begangenen Sünden um der blutigen Wunden Jesu Chrifti willen; um deren willen schöne und nicht nach Werken lohne. Ich will durch seines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all mein Leben lang. Sei Lob und Preis mit Ehren Dem Vater, Sohn und heil'gen Geist, Der woll' in uns vermehren, Was er aus 70 Der gläubige Christ dankt Gott am Ende der Woche. Gnaden uns verheißt. Daß wir ihm fest vertrauen, Ung ganz verlassen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Muth und Sinn Ihm immer fest anhangen; D'rauf singen wir zur Stund': Amen, wir werden's erlangen, Glauben wir aus Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel. Werde munter mein Gemüthe. 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele so bedenke dich, Was du Gutes hast genossen, Da dein Gott so mildiglich Aufgethan die Vaterhand Und viel Gut's dir zugewandt Und anjeßt in großem Segen Dich sie läßt zurückelegen. T 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausgestreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Gut's gethan? Schan' wie Gottes Brünnlein fließen, Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte Nun bei diesem Wochenschluß, Und ermunt're dein Gemüthe, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst Und noch täglich mehr empfäh'st; Ist doch keine Stund vergangen, Da du nicht haft Gut's empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Alle deine Sündenschuld, Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Baterhuld; Sprich: Mein Vater, sieh' nicht an, Was ich Böses hab' gethan, Laß die Sünd' und Straf' der Sünden Auch mit dieser Woch' verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad' auch spüren, Wenn die neue Woch' anbricht; Ach du wollest selbst mich führen, O du meiner Seele Licht! Leib und Seel' und was ist mein Laß dir stets empfohlen sein, Deine Gnad' laß bei mir bleiben Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt auch mit der neuen Wochen Meine letzte Woch' und Tag Sein zugleich mit angebrochen, Oder daß mich Kreuz und Plag', Jetzt empfindlich treffen soll, Ach so mache Alles wohl; Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Zweiter Abschnitt. fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur beiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. Zach. 9, V. 9. Du Tochter Zions freue dich sehr, und du Tochter Jerusalems jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Ist eine Zeit, welche Gott ergebene Seelen gern mit Andacht hinbringen, so sind es gewiß die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten Gottes erwägt. Ob nun gleich die meisten sogenannten Christen die heiligen Festzeiten theils in Ueppigkeit und Wollust, theils in Stolz und Kleiderpracht, theils mit Müßiggang und unartigem Geschwätz vorbeigehen lassen und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten wenig zu Herzen nehmen, sich auch in ihrem Christenthum wenig erbauen; so ist hingegen ein gläubiges Kind Gottes viel anders gesinnt, denn dasselbe freut sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um Alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenkt. 2) In der heiligen Adventszeit betrachtet es die Liebe des himmlischen Baters, der seines einzigen Sohnes nicht verschonet hat, sondern ihn in die Welt gesandt zum Leiden und zum Sterben, aber auch um den Menschen die Seligkeit zu erwerben. 3) Es sieht an die brünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut verkleidet, damit er uns wieder zum Himmel 72 Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit und zur Seligkeit bringen möge. 4) Es preiset die Gnade des heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohlthaten den gläubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellt, zueignet und ebenso empfinden läßt, als ob sie heute erst geschehen wären. Daher läßt es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebetes sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, mit Anstimmung der Festlieder und mit einem stillen und gottseligen Wandel anfängt und vollendet. Gebet. O du gnadenreicher Jesu, der du bist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schuß und durch deine Gnade abermal haft erleben lassen. Ach gib deines heiligen Geistes Kraft, daß ich sie möge in deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen che noch der Welt Grund gelegt war, du bist ins Fleisch gekommen und ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest glücklich und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum kommst du zu uns auf Erden, auf daß du uns Alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, ja Ge 73 Christi Anfunft im Fleisch. fangene und Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft ſoll Alles wieder gut gemacht werden. Ogroße Gnade, o unaussprechliche Liebe! lim deinetwillen, o Jesu, sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlösete, die Feinde Gottes Geliebte, die Sünder Kinder und die Gefallenen wieder aufgerichtet werden. Oheilige Adventszeit, durch die wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen und, die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angethan werden. Denn das ist je gewißlich wahr und ein theures werthes Wort, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu, mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gib mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten und annehmen; im Glauben, in deiner Erkenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind Keuschheit, Demuth, Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine ſelige und heilsame Ankunft sein. Ach bewahre mich, daß es nicht von dir heißen möge: Er kam in sein Eigenthum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ach Herr Jesu, ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir. Komm' herein, du Gesegneter des Herrn; warum stehst du draußen? ich habe mein Herz dir durch deine Gnade bereitet. Komme in mein Herz, ich will dich als meinen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen und dein Verdienst und deine Gerechtigkeit mir zueignen. Komme in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Gitelfeiten, Luftbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Ginwohner und meines Herzens Beherrscher seieft. Ach wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen; denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? O 74 75 Chrifti Ankunft im Fleisch. Jesu, du kamst als ein König; ach herrsche hinfort in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr darinnen herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter; ach mache mich gerecht und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Ich freue mich in dem Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit geschmückt. Du kamst arm, daß du mich mögest reich machen an meiner Seele, reich im Glauben und an himmlischen Gütern. Du kamst demüthig; ach mache mich demüthig, daß ich von dir lerne Demuth und Sanftmuth und dieselbe in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren! ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe ich thue sie dir durch deine Kraft weit uf; regiere mich hinfüro mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und dein Tempel beständig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich empfangen gern, Du Gottes- Sohn, du Davidsstern, Du wahrer Weibessaamen; Du Schiloh, Heiland, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnadenthron und Theil, Komm' in des Herren Namen. komm', König, Friedefürst und Held, Erlöfer, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost 76 Der andächtige Christ vetrachtet zur heiligen Adventszeit 2c. der Heiden. O Seligmacher, Hülf' und Schuß, Versöhner, Rath, Prophet und Truß, Zeuch in mein Herz mit Freuden. Amen. Gesang. Mel. Gott, du frommer Gott. 1. Hier ist Imanuel! So laßt uns jetzo sagen Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen; Hier ist Imanuel! Der uns die Gnade bringt Und dem die Christenheit Das Hosianna singt. 2. Hier ist Imanuel! Den hat uns Gott gesendet Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Imanuel! Ach feht, wie Gott uns liebt, Da er zu unserm Heil Sein bestes Kind uns gibt. 3. Hier ist Imanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Imanuel! Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, Wie groß er immer sei. 4. Hier ist Imanuel! Die Sünd' ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad' um Gnad', Wir sollen ewig leben; Hier ist Imanuel! Gott will uns gnädig sein, Es macht uns Jesu Blut Von allen Sünden rein. 5. Hier ist Imanuel! Kein Unfall kann uns tödten, Sieh, Jesus ist bei uns In allen unsern Nöthen; Hier ist Imanuel! Erschreckt uns Angst und Noth, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Imanuel! Laßt uns die Sünde haffen Und alle Lieb' der Welt Aus Lieb' zu ihm verlassen; Hier ist Imanuel! Der Seelen Trost und Licht, Den fasse Jedermann In Glaubens- Zuversicht. 7. Hier ist Imanuel! Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Imanuel! Des freut sich Leib und Seel' Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Imanuel! Der andächtige Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi. Der andächtige Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi. 77 Aufmunterung. Galater 4, V. 4. 5. Da die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude in dem ganzen Königreich, welchem zum Trofte er geboren ist, so kann Christi Jesu Geburt nicht anders als allen Menschen erfreulich sein. Die Engel freuen sich in den Lüften und verkündigen eine große Freude den Menschen, warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht frenen? Und zwar 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns dahin gegeben. 2). Ueber die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht weigert, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen und ein kleines Kind zu werden. verwundern sich 3) Gläubige in einer gläubigen Stille über den heilsamen Rath Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden und sie mit Gott versöhnen. Sie wundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren, Röm. 5, V. 10, anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Daher 5) danken sie ihm desto herzlicher dafür, nachdem der Rath Gottes von unserer Seligkeit ihnen fund geworden, begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, daß sie Jesu im Glauben und in einem gottseligen und frommen Wandel folgen. Deswegen werden ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden- und Danktage. Der andächtige Christ betrachtet Sebet. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht; laffet uns uns freuen und fröhlich darinnen sein. Herr hilf! o Herr laß wohl gelingen! Gelobet sei der da kommt im Namen des Herrn! Auf, meine Seele, und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und zu deiner Erbauung an, und sprich: O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! ach daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte! Gott ist die Liebe, dieses erkennt mein Herz und Gemüthe an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel ausgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, daran kein Engel noch Mensch hätte denfen können, daß nämlich die mittelste Person in der Gottheit sollte ein Mensch werden, um dadurch die menschliche Natur wiederum zu heiligen und zu reinigen. du gottseliger Jesu! dir sei ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschenkind, damit wir möchten Gotteskinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet, du hast sie mit 78 die Geburt Jesu Christi. 79 deiner Gottheit vereinigt und sie in den Rat der heiligen Dreieinigkeit gebracht. O Liebe, o Gnade! So gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereinigt ist, so gewiß ist zwischen Gott und den Men= schen eine ewige Freundschaft, eine Versöhnung, ewiger Friede und ewige Liebe gestiftet. Wann uns Gott in seinem Sohne ansiehet, so kann er nicht anders, als uns gnädig sein; hat er dieses Geliebten nicht geschonet, sondern ihn für uns Alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden, Leben und Seligkeit. D der großen Liebe Jeſu, der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Geburt heiligte; er hat zugenommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte. Sei willkommen, du edler Gast, die Sünder nicht verschmähet haft, du kommst ins Elend her zu mir, wie soll ich's immer danken dir! Ö mein liebster Seelenfreund, mein Bruder, ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Grretter in Trübsal, einen Seligmacher, wann mich meine Sünde ängstet, einen Der andächtige Christ betrachtet Beistand in Nöthen, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führet, die Wahrheit, die mich lehret, das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missethaten, ein vollkommenes Lösegeld für meine Uebertretung. werther heiliger Geist, wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, diese Freude, dieses Heil abermal verfündigen läsfest. Ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste und sage: Mein Jesus ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein; das Kind ist mir geboren; der Sohn ist auch mir, mir gegeben; er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft bei ihm und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenket. 80 Jesu, den ich im Geist und in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich bist du, wie freundlich bist du! Ach verleihe mir Gnade, daß ich dein nimmermehr vergesſe, sondern daß ich dich immer im Herzen, die Geburt Jefu Chrifti. 81 im Munde und vor Augen have. O mein Heil, heilige mich; ich ergebe mich dir mit Allem, was ich bin und habe; ach mein Bräutigam, umfahe mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließe mich in deine Liebe und behalte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seele Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist Mensch geboren; wann ich nun an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin und weil Jesus in mir lebt. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben; nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünden, hier ist mein Fürsprecher, Jeſus. Darum sag' an, mein Herzensbräutigam, Mein' Hoffnung, Freud' und Leben, Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, Was soll ich dir doch geben? ch nimm von mir Leib, Seel und Geist, Ja Alles, was Mensch ist und heißt; Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. Amen. 6 Der andächtige Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi. Sesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. O welch ein Freudenfest, welche frohe Stunden, Da Jesus Gottes Sohn In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz Auf dieses Kind gericht't, Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 82 2. O Lieb', o große Lieb'! Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket. O große Vaterlieb'! Der uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3. Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd', genommen. Er kommt und bringet uns Zur Kron', zur Herrlichkeit, Zum Erbtheil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud'. 4. O große Gnad'! Es kann Ein Jeder Gnad' erlangen, Wer diesem Jesu wird In Glaub' und Lieb' anhangen; O Gnade, die uns Trost Und wahres Leben gibt! Seht, dieser Gnad' genießt, Wer Jesum herzlich liebt. 5. O Freud'! denn unsre Sünd' Sind insgesammt vergeben, Vergeben in der Zeit Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich willig ein, Will unser Lösegeld Und Seligmacher sein. 6. O Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausge= föhnet, Wer glaubt wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrönet; Des Herren Jesu Blut, Tod und Gerechtigteit 3st unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu! du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und dorten werden; Du kommst und nimmst auf dich All meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb' und Huld. 8. Du kommst und willst mir auch In Heiligung vorgehen, Wie ich soll heilig sein, Daß soll ich an dir sehen; Wohlan, ich folge nach, Mein Jesus nur allein Soll, weil ich leben werd', Mein Licht, mein Führer sein. 9. Derhalben knie' ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm' mit Freuden an Die frohen Weihnachtslieder; Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Schluß des Jahres. 83 Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund, Nichts Bess'res geben kann. 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach laß mich deine Gnad' Bei deiner Krippe finden; Mein Jesu! ich bin dein, Ach sei und bleibe mein, Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden sein. Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Schluss des Jahres. Aufmunterung. Psalm 103, V. 1. 2. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht was er dir Gutes gethan hat. Wenn andächtige Seelen und danbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wenn er sie eine Woche oder einen Monat glücklich zurücklegen läßt, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr durchlebt haben. Ach wie viel Leiden kann uns in einem Tage begegnen und wie viel mehr in einem ganzen Jahre. Wenn ein andächtiger Christ den Schluß des Jahres erblickt, so hebet er die Hände, Herz und Mund zum Himmel auf und schließet es mit Loben, Danken und Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank, das Jahr ist auch vorbei! sondern 1) danket er Gott, daß er ihm das Jahr hindurch sein heiliges Wort zur Seelen- Heiligung hat predigen und den Weg zum Himmel weisen lassen, wie auch daß er ihm durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Hervorbringung der Glaubensfrüchte verliehen. 2) Er fraget sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden, wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er nach der alten fündlichen Geburt abermal ein Jahr zurückgelegt hat. Er bittet 6* 84 Der andächtige Christ betet und dankt Gott 3) Gott auch herzlich und inbrünstig um Vergebung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preiset Gott sodann für die empfangenen vielen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernährt, versorgt, beschützt, errettet, erhalten, gesegnet, bewahrt und begleitet. 5) Hat ihm Gott Krankheit, Leid und Trübsal zugeschickt, aber ihn auch wieder davon befreit, so soll er insonderheit ihm dafür danken und sich am Ende des Jahres so viel möglich erinnern, was in jeder Woche oder in jedem Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß also die letzten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden mögen, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anfleht. Sebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich! O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, also spricht meine in deiner Gnade sich erfreuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkeſt fie mit Wollust, als mit einem Strom; denn bei dir ist die lebendige Quelle und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Mein am Schluß des Jahres. 85 Gott, der Tage im Jahre sind viele, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahre kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort haft lauter und rein predigen und darin den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen lassen. Ach versiegle Alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen und gib mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich oftmal in dem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut gespeiset und getränket haft; ach laß es mir zu meiner Glaubensstärfung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir oftmal die Sünde vergeben und die verdienten Strafen von mir abgewendet hast; ach gib mir Kraft, daß ich mich in dem nächsten Jahre davor hüte und sie nicht wiederum vorsäßlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung bescheeret, mir Gesundheit verliehen, daß Unglück von mir abgewendet, mein Strenz erleichtert, und in meinem Elend mich in Der andächtige Christ betet und dankt Gott Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet wie einen Apfel im Auge, du haft mich beschirmet vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Noth mich erhöret und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron dringen lassen. Du hast in meiner Trübsal mir Hülfe gesendet vom Heiligthum und mich gestärket aus Zion. Du haft deinen Segen über mich ausgeschüttet, du haft dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du liebreicher Vater hast mich dein Kind an deiner Hand geführet; du mächtiger König haft mich deinen Unterthan wider meine Feinde beschüßet; du getreuer Hirt hast mich dein Schäflein auf grüner Aue geweidet; du haft mich lebendig erhalten, da jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich vom Anfang des Jahres bis an das Ende allewege begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedecket, deine Hülfe hat mich erfreut, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vaterhand hat mir Alles gegeben, dein allsehendes Auge hat Acht auf mich ge86 87 am Schluß des Jahres. habt und meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Uebels begegnet. Darum sehet und schmecket doch, wie freundlich der Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Hast du mich zwar zuweilen große und viele Angst erfahren lassen, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergößt. War mir oftmals Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach mein Gott, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Strafe mich deswegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe fie mir um Jesu willen. Herr gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Herr Herr, so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demüthig an, bleibe auch mein Schuß und gnädiger Gott in dem 88 Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Schluß des Jahres. neuen Jahre, halte deine Hand über mich und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt; Gebt unserm Gott die Ehre! Amen Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenfet, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket, Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewahrt Und mich gesund und wohl Bis diese Stund' verspart! 2. Wie kann ich solche Gnad', Mein Vater, g'nugsam preisen! Ach könnt' mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen, daß doch all' mein Blut Wie eine Zunge wär', Und jeder Aderschlag Erhübe deine Ehr'. 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget, Und deines Segens Strom Mir reichlich zugeneiget; An Nothdurft, Speis und Trank Hat's niemals mir gefehlt; Doch sind die Sterne eh' Als deine Güt' gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge Und vor dir, treuer Gott, Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Sinn. 5. Denn ach die Sündenlast Liegt mir auf meinem Herzen, Ach die genoff'ne Lust Bringt jetzo bitt're Schmerzen; Daß ich gefündigt hab', Ach leider tausendmal, Was sag' ich tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott, Dieselbe mir verzeihen, Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad' verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf, Bertilg' sie ganz und gar, Und straf' deswegen nicht mich in dem neuen Jahr. Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen J 89 7. Ich will mich dir hiermit Zum Eigenthum ergeben, Die Seele sammt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben; Ach schließ die Meinigen In deine Vorsicht ein, Und lasse, was ich hab', Dir auch empfohlen sein. 8. Beschütze ferner mich Und gib mir deinen Segen, Erhalte, was ich hab', Sei bei mir und hingegen Wend' ab des Unglücks Sturm Und bleibe stets mein Gott, Zugleich hab' Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn das Jahr Mit dir, mein Gott, beschließen; Ach laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen Und sollt' dasselbige Vielleicht das letzte sein, So führ' mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. Aufmunterung. Psalm 90, V. 17. Der Herr unser Gott sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja das Werk unserer Hände wolle er fördern! Obgleich oftmal vorwitzige, aber auch kleinmüthige Gemüther bei dem Anfang des Jahres gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich sein, so steht es doch nicht in eines Menschen Macht, solches Jemandem kund zu thun; denn zukünftige Dinge weiß der Herr allein. Daher ist dieses Allen. und Jedem zur rathen, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß sie 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen, daß sie die Güte des Höchsten preisen, der sie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübsal dennoch glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß, hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen durchkömmt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Der andächtige Chrift betet Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner beschüßen, regieren und erhalten wolle. Verlaff' mich auch in diesem Jahre nicht, sprechen sie, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Sie befehlen Gott ihren Leib, ihre Seele und Alles was sie haben, unter seinen Gnadenschuß. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahre, andächtiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren parngen und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben, die haben keinen größern Ruhm, als ein alter Jude oder Heide, der sie vielleicht an Jahren übertrifft. Denn die Frömmigkeit, welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei dem Anfang des Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren und darnach ihr Leben einzurichten. 90 Gebet. Herr Herr, barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigfeit zu Ewigkeit, und bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß; siehe, ich habe unter deinem Schuß abermal ein neues Jahr angetreten. Herr, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du machest sie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Dieses Alles habe ich, mein Gott und Vater, das vorige Jahr wohl erfahren, bei dem Anfang des neuen Jahres. darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. Herr, frühe sogleich bei dem Eintritt des Jahres wollest du meine Stimme hören; frühe in den ersten Stunden desselben wollest du darauf merken. Ach Herr, ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahre begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viele, das menschliche Elend ist mancherlei und die Unglücksfälle, welche die Menschen treffen können, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott, und will mich gleich im Anfang deiner Gnade und Treue befehlen. Ach, da Alles neu wird, das Land von Neuem grünen will, die Sonne höher steigen, Alles mit neuen Kräften belebt wird, so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mich neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vaterschutz: bewahre sie vor Sünden, daß ich sie nicht vorsäßlich und muthwillig damit beflecke. Herr Jesu, heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute. Gott heiliger Geist, wohne in ihr, laß sie deinen Tempel sein. O wie ein gesegnetes Jahr wird mir dieses sein, 91 92 Der andächtige Christ betet wenn ich, o himmlischer Vater, in deiner Gnade bleibe und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu, werde stehen! O wie schön werde ich geschmücket einher gehen, wenn du, werther heiliger Geist, in mir wohnen und mich regieren wirst! Und weil du mir bisher Leben und Gesundheit als eine edle Gabe verliehen hast, so wollest du dieselbe mir auch in diesem Jahre, wenn es dein väterlicher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädiglich erhalten, damit ich dadurch zu deinem Dienst und zur Verrichtung meines Berufs desto tüchtiger sein möge. Sollte es aber deinem heiligen Rath gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Bein leide, so lindre mir solche und laß auch deine Erquickstunde erscheinen, da di mir Alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr mein Gott, über die Meinigen und über alles das Meine; sei eine feurige Mauer um Alles her wie um Elia; bewahre uns rings umher wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heiligen Geistes, daß ich dieses Jahr recht bei dem Anfang des neuen Jahres. fromm und ein wahres Kind Gottes werde, daß ich sei ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thäter des Worts. Hilf, daß in dem neuen Jahre es von meiner Seele Zustand heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden; daß sich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, ein neuer Trieb, mich mit dir zu vereinigen und in dieser Vereinigung zu verbleiben. Ach heilige mich durch und durch, daß mein Geist sammt Seele und Leib mögen unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Gib mir einen neuen Eifer in meinem Christenthum in dem Guten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und meine Arbeit, segne meinen Ausgang und Eingang, gib mir was deine Segenshand mir beſtimmt hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahres bedenken, daß auch dereinst das lezzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet sein lassen, dich o mein Bräutigam und gnädiger Gott, 93 94 Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. mit Freuden zu empfangen und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach gib mir nach deinem Willen einen neuen Sinn und Geist, der was dein Befehl uns heißt mich lehr' unverrückt erfüllen, daß mein Geist, sammt Seel' und Leib, deines Geistes Wohnung bleib'. Car Jesu laß mich fröhlich enden Dieses angefang'ne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Stehe bei mir in Gefahr. Ach hilf mir in aller Noth, Auch verlaß mich nicht im Tod. Freudig will ich dich umfassen, Wann ich muß die Welt verlaffen. Amen. Gefang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. Gott Lob, das neue Jahr tritt ein, Es ist schon angehoben; Ach könnt ich doch recht dankbar sein Und Gott vollkommen loben! Ich schenk mich dir, Ach schenk' dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier, Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih' mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel' regiere, Der mich im Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere, Der mich erfülle jederzeit Mit Hoffnung, Lieb' und Heiligkeit Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich an Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen Und durch den siegesvollen Streit Des Fleisches Lüste zähmen, Auf daß ich bleibe fromm hinfort, Zu aller Zeit an allem Ort, Und bleibe mein Regierer. 4. Ach großer Gott verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete, Wend' nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach hör', erhöre meine Bitt', Ach theil' mir deine Hülfe mit Und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt' noch mehr, o Gott, von dir: Ach gib mir beinen Segen, Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun 95 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi zc. beilegen; Ach liebster Vater segne mich, Mein Auge schaue nur auf dich, Ach bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zustand nicht verborgen; Drum sorg' für mich auch dieses Jahr, Wie du geforget immerdar, Und bleibe mein Versorger. 7. Sollt' mich auch treffen Kreuz und Leid, So biet' mir deine Hände, Verleih' die Hülsesstund' bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach gib mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Hulb Und bleibe mein Erretter. 8. Ja tröste mich zur Leidenszeit Und laß mich bald empfinden Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; O Gott des Trostes wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht Und bleibe stets mein Tröster. Das ich noch Da wollest Die Krone 9. Soll auch dies Jahr das letzte sein, soll erleben, So führe mich zur Freude ein; du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, nach dem Kampf und Streit, Ja Herrlichkeit und Wonne. Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi bei dem Anfang der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. 2. Cor. 5, V. 10. in Gott hat den, der von feiner Sünde wußte, für uns zur Sünde ges macht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. TAIK Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens Jesu haben hingebracht, welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ist. Ob nun aber gleich der Satan die Weltfinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Saufen, Maskeraden, lleppigkeiten und Gottlosigkeiten anfangen, damit sie bezeugen, sie fragen 96 Der andächtige Christ betrachtet Nichts nach dem gekreuzigten Herrn Jesus und treten sein Blut mit Füßen; so sind doch wahre Kinder Gottes anders gesinnt und haben davor einen Gräuel. 1) Sie fangen diese Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich auch so viel wie möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen; Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Richthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, und sprechen bei jeder Betrachtung: Für mich, das ist Alles für mich geschehen! 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche anstellen, so begnügen sie sich auch nicht mit der äußerlichen Historie und lassen auch nicht mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden, sondern wie sie Zeit ihres Lebens und auch im Sterben sich der Wunden Jesu getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens im Gedächtniß den gekreuzigten und auferstandenen Jesum. Dieses Andenken 4) treibt fie an zur Kreuzigung ihrer Lüste und Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsätzlich fündigen, sondern der Sünde immer mehr absterben und geistlicher Weise auferstehen. Dieser Fleiß, Verlangen und Wunsch wird 5) von Gott zu ihres Lebens Heiligung gesegnet werden. Gebet. Ach Jesu, mein Jesu, wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen hast! Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde gethan hat; und siehe, du ergibst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, das Leiden Jesu Chrifti. 97 ein Sünder und ein Kind des Todes bin. Owie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden auferlegt, damit mir deine Gerechtigkeit geschenket würde. Mein Jesu, an deinem Leiden kann ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Gräuel der Sünden, die Strafe der Sünden. Denn hat Gott um fremder Missethaten und um zugerechneter Sünden willen dich unschuldiges Lamm so erbärmlich am Selberg selbst gemartert und durch deiner Feinde Hände so jämmerlich zurichten lassen, wie hart werden denn dermaleinst die gestraft werden, welche durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebensheiligung bewegen lassen! Mein Jeſsu, ich trete jetzt zu dir und schaue dein Leiden gläubig an. Du gehest in den Garten Gethsemane und schwißest blutigen Schweiß! ach für mich, damit ich von der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführt, verklagt und zum Tode verdammt! ach für 7. 98 Der andächtige Christ betrachtet mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht werde gestellt werden, möge losgesprochen werden. Du hast vor Gericht lauter Ankläger, aber keinen Fürsprecher! ach für mich, damit, wenn mich meine Sünden und mein Gewissen anklagen, du mein Fürsprecher sein mögest. Du wirst gegeißelt und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lang auf deinem Rücken! ach für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführt! ach für mich, damit mein Todesgang mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ja ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuziget! ach für mich, du Lamm Gottes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuz! ach für mich, daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben! ach für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Äller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Friede hätte und davon befreiet würde. das Leiden Jesu Christi. Nun will ich dies Leiden mir vor Augen sezen, mich stets daran ergößen, ich sei auch wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel' sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruh'n. War Israel von aller Schuld und Strafe frei, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte und dessen heißes Blut vergießen sah, so weiß ich auch, weil du o Jesu, du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes, für mich geschlachtet bist, und dein heißes Blut reichlich für mich vergoffen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden und mit Gott versöhnt bin. Dein Blut ist das rechte Opferblut, das Versöhnungsblut, das Reinigungsblut, das Besprengungsblut. O mein Jesu, an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich will zur Sünde verleiten; deine blutige Gestalt am Delberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Erempel mich ihr gleich zu stellen reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will 99 100 Der andächtige Christ betrachtet ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ängstet; ja in meiner Todesstunde will ich von Nichts als von dir, o Jesu, wissen; dein heiliger Jesusname soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt mein letzter Gedanke sein, dein leztes Wort am Kreuz soll auch mein letter Seufzer im Sterben sein, daß ich damit dir sage: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. In solcher meiner legten Stunde, o Jesu, sei mein Troft, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand; und erschein' mir alsdann zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde dich blutetest zu Tod. Da will ich nach dir blicken, Da will ich Glaubens voll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Es stirbt mein liebster Freund, Mein Jesus, ach mein Leben! Sieh', er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben; Er neiget mun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm, Er sintet in den Tod, Mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd' Vom ewigen Verderben. Ach ja, er stirbt für mich, Für meine Sünd' und Schuld, Befreit mich von der Straf' Und bringt mir Gottes Huld. das Leiden Jesu Christi. 101 3. Es stirbt mein liebster Freund, Und dennoch nicht mein Lieben. Mein Jesus bleibet tief In meine Seel' geschrieben. Ich lieb' ihn weil ich leb', Und lieb' ihn auch im Tod, Ich lieb' ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubensaugen sehen. Mein Freund, hier ist mein Herz, Da sente dich hinein, Das soll dein Eigenthum Und deine Ruhstatt sein. 5. Ich will mein Herze dir Hiemit zu eigen schenken, Ich will bis in den Tod An deinen Tod gedenken; Ach lebe weil ich leb', Mein Seelenfreund in mir, Und sterb' ich dermaleinst, So sterb' ich Jesu dir. Jesus in seinem Blute. Selang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bittre Leiden, welches Jesus muß aussteh'n, Wie die Juden und die Heiden Grausamlich mit ihm umgeh'n; Kommt und schaut die Marter an, Ob sie euch bewegen kann, Ob vielleicht euch dieser Schmerz Rühren mög' das harte Herz. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth, Schauet das vergoff'ne Blut, Ob's euch könnt' zurücke ziehen, Daß ihr mögt die Sünde fliehen. 3. Schauet ,, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreuzesstamm, Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Gotteslamm, Wie sein heißes Blut noch fließt, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht' erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu, schreibe Dieses Alles in mein Herz, Daß ich eingebent verbleibe Wie dein Leiden, wie dein Der andächtige Christ erwägt Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut Kommt mir Armen noch zu gut, Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd' für Straf' ergehen. 102 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh', Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh', Blutig auf der Lagerstätt', Blutig auf dem Sterbebett', Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich mun verscheide. 6. Jesu, stell' dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht, In den Wunden hab' ich funden Gnade, Leben, Trost und Licht; Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tod mein Labsal sein, Und so lang' ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu oder den Charfreitag. Aufmunterung. Jejaja 57, V. 1. Der Gerechte kommet um und Niemand ist, der es zu Herzen nehme, und heilige Leute werden aufgerafft und Niemand achtet darauf. Obgleich der Char- oder stille Freitag, welcher der eigentliche Leidens- oder Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird, so haben doch wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählt. Sie erwägen an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe über sich genommenes Leiden. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maaßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen! Liebe drang Jesum, daß er Mensch wurde; Liebe bewog ihn, daß er sich für uns dahingab und am Kreuze starb. 2) Als ein unschuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im geringsten Etwas gethan, das der Strafe werth gewesen sei, denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesendert; er hat auch keine Sünde gethan, ist auch kein Betrug den Todestag Jesu Christi. 103 in seinem Munde erfunden worden. Also war es ein von Seiten Jesu unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahm er es willig auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Vater zugeschicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dem wohlbedachten Rathe Gottes gelitten, Ap. Gesch. 2, V. 23, so wußte Jesus auch, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldigt, als ob sie Gottes Willen hätten vollbringen müssen; denn Gott hätte seinen Sohn vollends zu Tode martern können, wie er im blutigen Schweiße auf der Erde lag; Er hat sich aber der Juden Eigenwillen und Bosheit dazu bedient, deren Absicht nicht war, Gottes Willen zu erfüllen, sondern ihre Bosheit und ihren Muthwillen an Christo auszuüben. Wie auch Josephs Brüder ihn nicht verkauft haben, ihren Bruder zum großen Herrn zu machen, sondern sie dachten es bös mit ihm zu machen. Gott aber dachte anders, 1. B. Mos. 50, V. 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlt hat. Dieses Alles zieht eine gläubige Seele in Betrachtung und läßt es sich einen Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde und einen Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen sein. Sebet. O du liebreicher und holdseliger Jeſu! ich komme jetzt zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Ach laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die fündliche Begier, daß mir's nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm, du hast gelitten, daß dir alle meine, ja aller Menschen Sünden, Schul 104 Der andächtige Christ erwägt den, Missethaten, Ungerechtigkeiten und Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder, ja als die Sünde selbst angesehen würdest. Waren aber, du unbeflecktes Lamm, unſere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen, wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetiſchen Lehramtes über dich, aber in deinem Leiden wurde Alles verdoppelt; da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammen zum Tode, daß du mußtest vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammt werden, sondern nachdem der Stab über dich gebrochen und das Todesurtheil gesprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeißelt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder, ob ein Schmerz jemals gewesen sei, als unsers Jesu Schmerzen? Sein Haupt wurde mit Dornen gekrönet, sein Leib mit Blut bedecket und durch die scharfen den Todestag Jesu Christi. 105 Geißeln wund geschlagen; am Kreuze wurden Hände und Füße durchnagelt, die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib also erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübet war bis in den Tod; die Zornfluthen sammt der Höllenangst griffen ihn dermaßen an, daß er am Kreuze schrie: Mein Gott! mein Gott! warum haft du mich verlassen? worauf endlich der Tod selbst folgte. Erwürgtes Lamm! das hast du Alles mir zu gut, mir zum Besten, zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausge= standen. Denn so nicht wäre gekommen Christus in die Welt und hätte an sich genommen unsere arme Gestalt und wäre für unsere Sünden gestorben williglich, so hätten wir müssen verdammt sein ewiglich. Nun aber, wenn ich an dich glaube und dein heilig Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, 106 Der andächtige Christ erwägt ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben. O mein Jesu! laß dein bitter Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein, daß ich mich dessen tröste, dadurch fromm, dadurch gerecht, aber auch dadurch selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein blutig Bild vor Augen stehe. Laß dein Leiden, dein Blut, deine Wunden auf meine Hand, ja in mein Herz eingeschrieben stehen, daß bei jedem Odemzug Nichts als Jesu Leiden, Jesu Tod, Jesu Blut in meinem Gedanken sei, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiligt, gewaschen und gereinigt werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreut, tröstet, erweckt und erbaut, alſo thun solches auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach, auch für mich hast du gebetet: Vergib ihnen! Vergib dieser Seele was sie wider dich gethan hat! Für mich haft du geschrieen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? daß ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöthen, den Todestag Jesu Christi. 107 nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig verlassen würde. Für mich haft du gesagt: Mich dürftet! Ach gib, daß ich im Glauben dich wiederum umfaffen, nach dir dürsten und nach dir wie ein Hirsch nach frischem Wasser verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich hast du gesorgt, da du sprachst zu Johanne: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz oder in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, für mich sorgen, mir helfen und gnädig sein. Ach laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradieſe sein. Versichere mich dessen in gesunden Tagen, rufe mir es zu auf meinem Sterbebette, laß es an mir erfüllet werden nach meinem Tode. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht! Nun ist Alles gethan, was ich hätte thun sollen, nun ist Alles gelitten, was ich hätte leiden sollen. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und daß 108 Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu Christi. weiße Kleid erworben. Ja dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir im Sterben ein Trost- und Freudenwort werden: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; so will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir haft vorgesprochen. Wann endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will mich darin kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor dem Thron Des ew'gen Vaters stehen, Und dir, dem ich hier anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut Zu deiner Rechten gehen. Amen. Gesang. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du zc. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög' anheben Das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, Und theilet Allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir der Sünden Liebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch! die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zum Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergöße, Die Kron' aufsetze. 5. Er stirbt, o sehet! wie sein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungsblut vergießet; Dies Blut wird uns versüßtes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach schaut! sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh' gefunden; Nun kann ich, da die Freistatt stehet offen, Ja Gnade hoffen. Der andächtige Christ freut sich über die Auferstehung Christi. 109 7. Er stirbt am Kreuz mit aufgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlaffen. 8. Mein Jesu wärst du nicht also gestorben, So wären wir an Leib und Seel' verdorben; Nun aber kann mich Niemand mehr verdammen Zu Höllenflammen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt und der da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu, fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe foll mich gar nichts scheiden, Kein Tod noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab' und Opfer, wie Dankbare pflegen; Bespreng's mit deinem Blut und mach' es reine, Denn es ist deine. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach laß mich deinen guten Geist regieren; Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände. Der andächtige Christ freut sich über die Auferstehung Christi. Aufmunterung. Offenb. Joh. 1, v. 18. Ich bin der Lebendige, ich war todt, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Es ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; denn nachdem Jesus von den Todten auferstanden, welcher sich als der Bürge für uns genug zu thun, dargestellt hatte, so ist die Bezahlung völlig geschehen; Gott ist verföhnt, er hat den Tod seines Sohnes für unsern Tod angenommen und uns um seinetwillen das Leben geschenket. Es freuen sich 110 Der andächtige Christ freut sich gläubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugen und Zeugniffe von der Auferstehung ihres Jesu. 3ft es nicht ein herrliches Zeugniß, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen laffen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1 Cor. 15, V. 5, daßß er sonderlich mit seinen Jüngern geredet, gegessen, Ap. Gesch. 10, V. 41, sich von ihnen berühren und angreifen lassen, Joh. 20, V. 25; 1. Joh. 1, V. 1; welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Ja, der Unglaube wird durch einen jeden Gläubigen noch jetzt besiegt, weil Jesus in uns lebt, nach Gal. 2, V. 20, so muß er ja auferstanden sein und leben. Sie freuen sich 3) weil ihnen ist versiegelt und versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen und wissen, daß er sich wiederum zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu auch im Tode und Sterben sie erquicken werde; Jesus hat ihren Tod im Sterben versüßet und ihr Grab geheiligt, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Deshalb 5) bringen sie die heiligen Oftertage wie die übrigen Feste in Herzensandacht mit Gebet, Singen und Betrachtungen der Wohlthaten Gottes hin und befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen und ihr Sündengrab, das ist ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und in der Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren hinzubringen. Gebet. Man singet mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten; die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst, Jesu Chrifte, Ueberwinder des Todes, starker Simson, aus deiner Auferstehung entsteht jest in über die Auferstehung Christi. 111 meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses Fest begehe, und ich sage mit gebeugtem Knie und gefalteten Händen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn, Jesum Christum! Jesus ist auferstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft. Der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilgt, Gott versöhnt und die Schuld bezahlt sein. Wer will nun verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, welcher sizet zur rechten Hand Gottes und vertritt uns. Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. O Jesu, liebster Freund, deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Feste: Jeſu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Schuld nicht verdammen, denn durch Christi Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer sind. Hier ist ein vollgültiges Lösegeld, eine vollkommene Grlösung; an Christo haben wir die Er 112 Der andächtige Chrift freut sich lösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen; wird er mich verklagen, so bittet Jesus für mich und schenkt mir seine Gerechtigkeit, darin ich vor Gott gerecht und selig bin. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubet, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Seligkeit bestätigt ist! Jesus lebt und ich werde auch Leben, hier im Glauben mit ihm vereinigt, und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen 113 über die Auferstehung Christi. S als ein Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, kraft seines Verdienstes und seiner Genugthuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht; ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schooß, als den Ort meiner Ruhe, wo mich mein Heiland wird schlafen lassen, bis er sprechen wird: Stehet auf ihr Todten und kommet vor das Gericht. der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben! Auferstandener Jesu! wie kann ich genugsam deine Gnade und Barmherzigkeit ausbreiten, rühmen und preisen! Liebe, die mir das Leben und die Seligkeit schenket! Nun ist wieder Alles gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach mein Heiland, deine Auferstehung soll mir auch einen fräftigen Trost in meinem Leiden geben. Du lagst verschlossen im Grabe, aber du gingst herrlich hervor; also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülf- und Erquickungssonne wird mir wieder scheinen. O Jeſu! du bliebest nur drei Tage im Grabe, also ist nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt, auf die mühsamen 8 Der andächtige Chrift freut sich Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du standest auf und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend wie die Sonne; so wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wann du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient und dir geheiligt gewesen sind, werden auch des Himmels- Glanzes theilhaftig und verherrlicht werden. Ia weil du o Jesu lebst, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschüßen, in Traurigfeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone des Lebens, die auch mir verheißen ift, zieren wird." 114 Lebt Jesus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Ob mir gleich alle Welt stirbt ab, Genug, wenn ich mur Jesum hab'. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da komm' ich hin, Weil ich ein Glied seines Leibes bin. über die Auferstehung Christi. Gesang. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 1. Jesus lebt! des freu' ich mich, Er ist von dem Tod Und von allen TodesO der großen Herrerstanden. Er hat aus dem Grabe sich banden Als ein starker Held befreit; lichkeit! 115 2. Jesus lebt! er ist nicht todt, Lasset seine Feinde toben. Er ist außer Angst und Noth, Lasset uns den Herren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt! denn er hat sich Gar von Vielen lassen sehen, Darum glaub' ich festiglich Und darf nicht im Zweifel stehen. Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder. Er starb zu der Leidenzeit Und stund auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja sein auferstanden, und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündenbanden Durch sein Leben völlig frei, Daß sein Leben in ihm ſei. 6. Nun will ich das Freudenfest Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freudenlieder singen; Jesus, Jesus soll allein In dem Mund und Herzen sein. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd' in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich sträflich an mir hab', Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Num ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finst'rer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd' auferwecket werden. Deckt mich nur mit Erde zu, Hier ist meines Schlafes Ruh'. 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd' ich Hülfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt, Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schützet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 8* Der andächtige Christ betrachtet 10. Jesus lebt! der wird mich nicht In der Angst und Noth verlassen, Auch nicht wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen; Alsdann führt mich seine Hand In mein wahres Vaterland. 116 11. Jesus lebt! dies Wort soll sein Auch mein Labsal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein Und befreit mich vom Verderben; Nach dem Tod werd' ich aufsteh'n Und zur Lammeshochzeit geh'n. Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. Aufmunterung. Joh. 20, V. 17. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu euerm Gott. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jesu unsers Heilandes kann nicht anders als einer gläubigen Seele sehr tröstlich und erbaulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil mun der Siegesfürst wiederum dahin kehrt, nämlich in den Himmel, von wo er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu er gesandt war. Sein Lauf kam in seiner Empfängniß und Geburt vom Vater her und kehrte in seiner Himmelfahrt wieder zum Vater, nachdem er den Menschenkindern Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit erworben hatte. 2) Eine gläubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Es haben weder Fromme noch Gottlose eine beständige Wohnung auf Erden. Die Frommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, und die Gottlosen, ob sie es gleich verlangen, erlangen es nicht; denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, hernach das Gericht. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Menschen allhier auf Erden, so schicken die Frommen ihr Herz dahin, wo sie ewig wünschen zu sein. Ja sie erinnern sich 3) täglich bie Himmelfahrt Jesu Chrifti. 117 baran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie das Alles verlassen müffen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie ihre Stätte in der Herrlichkeit bereitet finden mögen, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt; sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken und sind des Himmels eingedenk; fie verlassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und der Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: Da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Sebet. Gott fähret auf mit Jauchzen und der Herr mit heller Posaune; lobsinget Gott, lobfinget unserm König! Also besinge ich, mein Jesu großer Siegesfürst, deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menſschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der Tod, unter deinen Füßen, du hast uns davon befreit. Nachdem du gemacht haft die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel gesetzt zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu, dieses Alles ist mir gar tröstlich, darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir 118 Der andächtige Christ betrachtet deine Ankunft auf Erden war, so tröstlich ist mir deine Himmelfahrt. Du sißest zur Rechten Gottes und vertrittst uns; derhalben wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geist betet in mir, und du bittest für mich; dadurch wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädiglich erhöret werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid wo ich bin. Dieses erquicket meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet hast, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehre gekrönt und haft auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du König der Ehren als ein gerechter Richter geben wirst denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich eingenommen und herrschest über Himmel und Erde, im Reiche der Natur, der Gnaden und der Herrlichkeit; du wirst auch zu mir und allen Gläubigen dermaleinst sagen: Kommet her ihr Gesegneten, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du 119 die Himmelfahrt Jesu Christi. haft Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Gläubigen, austheilest. Ach mein Jesu, gib mir eine zwiefache Gabe, der ich zwiefache Kraft und doppelten Trost vonnöthen habe. Gib mir deinen heiligen Geist, Frömmigfeit, Keuschheit, Sanftmuth, Demuth deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden und dereinst des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Weil du nun bist als das Haupt erhöhet, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geift belebt, so werde ich auch ewiglich bei dir sein. welcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Gläubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißt: wo ich bin, da soll mein Diener auch sein! Ach mein Jesu, laß mich sein wo du bist, ziehe mich zu dir, da du zur Rechten Gottes erhöhet bist, bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten, laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Gläubigen bereitet haft. Ob du aber gleich durch deine Auffahrt in die Höhe, o mein 120 Der andächtige Christ betrachtet liebster Seelenfreund, deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen, ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth, du errettest mich aus Gefahr, du erquickest mich im Leiden, du tröstest mich in Traurigkeit, du schützest mich in aller Widerwärtigkeit. Darum bin ich guten Muths; der Herr Jesus. iſt mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen thun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb und weiß, daß ich dich dereinst sehen und mich mit unaussprechlicher Freude in dir er freuen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich von den Todten auferstehen werde. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen und meine fünftige Wohnung, meine fünftige Krone, meine bleibende Stätte, mein weißes Kleid mit Glaubensaugen beschauen; ich will auch die Welt, so lange die Himmelfahrt Jesu Christi. ich in der Welt bin, verlassen mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit meinem Leben; ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe, dem Herrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich in dem Herrn. 121 Ich fahre hin zu Jesu Christ Und werd' den Arm ausstrecken; Ich schlafe ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken; Denn Jesus Christus Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ewigen Leben. Amen. Die geistliche Himmelfahrt. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus fähret auf gen Himmel Und verläßt den Thränenbach, Und ich folg' durch's Weltgetümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag' bei ihm zu sein. 2. 3ch verlasse diese Erden, Ob ich gleich auf Erden leb', Es soll mir nichts Liebers werden, Darnach ich am meisten streb', Als im gläubigen Verlangen Meinen Jesum zu umfangen, Und im Geiste allezeit Anzuseh'n die Herrlichkeit. 3. Ich fahr' auf zu meiner Liebe; Erd', ich liebe dich nicht mehr, Weil ich in der Lieb' mich übe, So ist Jesus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erde, Wollust, Pracht und Weltgeberde Acht' ich meiner Lieb' nicht werth, Als die Jefum nur begehrt. Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud'; Weltlust kann es nicht mehr binden, Es schmeckt beff're Süßigkeit, Es beschauet schon die Krone, Die der Herr zum Gnadenlohne Sammt dem schönen Ehrenkleid Mir zu geben ist bereit. 122 5. Man sieht zwar mich hie noch leben Und umher auf Erden geh'n, Ja noch unter Menschen schweben; Aber doch soll man nicht seh'n, Daß ich lieb' die Sünd und Schanden, Ihren Lauf und Sündenbanden; Ja ich dring' mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh'. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun Nichts mehr ergößen, Als nur dieſe Himmelsreif', Droben bei den Himmelsschätzen Bin ich, die ich kenn' und weiß; Meine Ruhe, Freud' und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag' und alle Stund', Spar' ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein dieß thu' ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten, Damit wenn mein End' da ist Ich hinfahr' zu Jesu Christ. 9. Also werd' ich nichts verlieren, Träget man mich gleich ins Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab'; Sterb' ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den mein Heil mir hat bereit't Dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sei fröhlich, meine Seele, Heb' empor dein Angesicht; Diese Erd' ist eine Höhle, Da dir wenig Guts geschicht; Schwing' dich durch die Andachtsflügel Zu dem goldnen Sternenhügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes. 123 Der andächtige Christ erwägt die Ausgiessung des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Aufmunterung. Luc. 11, V. 13. So ihr, die ihr arg seid, könnet Euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten? Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und Jesus hat uns mit seinem heiligen Blute erkauft, sondern der heilige Geist, als die allerherrlichste, nothwendigste und seligste Gabe, will uns auch in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerherrlichste Gabe; denn was könnte Gott mehr und größer an uns thun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mittheilt? Es war der ewigen Liebe Gottes nicht genug, daß die heiligen Engel, die Wächter, neben, um und bei uns sein und uns auf allen unsern Wegen behüten sollten, sondern der heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahrt und erhalten würden. Der heilige Geist ist auch 2) die allernothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier noch in der Ewigkeit wahrhaft glücklich sein. Daher ist er auch 3) die allerseligste Gabe. Er ist das Pfand unseres Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, durch welches wir versichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst nothwendig in Traurigkeit, Trübsal und Anfechtung; denn da vergewissert er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet unvermögend sind, bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. 4) Diese herrliche, nothwendige und selige Gabe will Gott allen geben, die ihn nur darum bitten; diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber 124 Der andächtige Christ erwägt diese Gaben wird Gott Niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ säubert sein Herz von der Welt- und Sündenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. Sebet. Ich will Wasser gießen auf die Durftigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasserbächen. Ach liebster Jesu! diese gnädige VerheiBung hast du an dem heiligen Pfingstfeste erfüllt, da du über die Apostel deinen Geist reichlich ausgegossen und sie damit zu dem Werke tüchtig gemacht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. Trener Heiland, theile mir auch diese Gabe mit, gib mir auch diese herrliche Gabe. O du werther heiliger Geist! gieße dich in reichem Maaße über mich aus, der du in Feuerflammen dich über den Aposteln geoffenbaret hast. Erleuchte mich zum ewigen Leben, erleuchte meinen Verstand, daß ich Jesum Chriftum erkennen möge; heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als nur was dir gefällt. Wurden die Apostel, die Ausgießung des heiligen Geistes. o du Geist der Stärke, durch dich angethan mit Kraft aus der Höhe, so stärke meinen Glauben, gib mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen und als ein wahres Kind Gottes zu leben. O du gnädiger Regen, mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquicke mich in der Hitze der Anfechtung und gib, daß ich viele Glaubens- und Lebensfrüchte bringen möge. Du Geist der Gnade und des Gebets, versiegele in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach bete auch in mir und mit mir, ja lehre mich recht andächtig beten, ermuntere mich zur Andacht und zum Lobe Gottes. Ruhe auf mir, du Geift der Weisheit, daß ich wissen und thun möge was Gott gefällt. Ruhe auf mir, o Geist des Verstandes, daß ich wandele in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Behüte meinen Verstand vor Irrthum, vertreibe daraus alle Finsterniß der Unwissenheit und Eigenliebe, hingegen zünde in mir an das Licht deiner Erkenntniß, daß ich in deiner Liebe und Erkenntniß 125 126 Der andächtige Christ erwägt möge täglich zunehmen. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des Herrn, pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündige. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe, und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und Rachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in Kreuz und Trübsal, wenn die Fluthen mich ersäufen wollen und die Wellen über mir zusammenschlagen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin, hilf mir die Lüfte des Fleisches dämpfen, hingegen laß in mir wachsen Glaube, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Sei mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle oder thue wider Gottes Gebot. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite und Jesum in mir verkläre. O du reines Wasser, wasche mich, gib daß ich in dem Güten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der That einen Herrn heißen möge, nämlich meinen Jesum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und meiner Seligfeit. Siehe du Licht meiner Seele, wie 127 die Ausgießung des heiligen Geistes. ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen. Darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche, zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlanget nach dir. Wenn ich mich führen will, so irre ich, wenn du mich aber führest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heiliger Geist bisher betrübet, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe, mein Herz steht dir offen, ach kehre in dasselbe mit deinen reichen Gnadengaben ein, erfülle es mit allen christlichen Tugenden, befestige mich, gründe mich und erhalte in mir das gute Werk, das du in mir angefangen hast. Ach schaffe in mir ein reines Herz, tilge aus demselben alle Unarten, alle böse Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünde. Nimm weg das steinerne Herz und gib mir ein geheiligtes und durch deine Gnade geändertes Herz. Wohne in mir und laß es deinen Tempel und Wohnung sein. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und so weiß ich auch gewiß, daß ich werde selig werden. Bleibe auch, o heiliger Geist, bei mir in aller 128 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes. Noth und im Sterben; schreie alsdann in mir das Abba lieber Vater. Gib mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen Freude, wo ich nach dem Kampf zur Krone und nach dem Leiden zur Freude gelangen werde. Heil'ger Geist, du Kraft der Frommen, Kehre bei mir Armen ein Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein; Reinige du selbst das Haus Meines Herzens, wirf hinaus Alles, was da mich kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden. Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben Und in deiner Gnade steh'n. Gib mir einen starken Muth, Hilf mir zwingen Fleisch und Blut, Lehre mich vor Gott hintreten Und im Geist und Wahrheit beten. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben In reichem Maaß austheilt, Die wünscht mein Herz zu haben. Mein Jesu, schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weist. 2. Ich irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstet sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan so leite mich, Mein Licht auf ebner Bahn, Daß ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb' in Finsterniß, Wo mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret Und neue Lebenskraft In meinem Geist enzünd't, Auch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten; Darum so stehe mir Mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gottes Kind Auch in dem Leiden sei. ? Der andächtige Christ erwägt das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 129 5. Wie kann ich mich, mein Gott, In Glaub' und Lieb' erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geift erkalten; Darum so gib mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich', Bis ich nach meinem Kampf Des Lebens Kron' erreich. 6. Mein Jesu, gib mir doch, Was ich dich hab' gebeten; Laß deinen guten Geist Im Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring' meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach dein Geist helfe mir, Mein Fleisch und Blut bezwingen, Daß ich in seiner Kraft Mög' gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, Wenn ich den guten Geist Zu meinem Führer hab'. 8. Du sollst, o werther Geist, In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht, Zu allem Guten treiben; Ach bleib' du allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket sein Durch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst in dem Streit Mir Trost und Muth zusprechen. Ich geh' durch Jesu Blut Alsdann zur Freude ein, Und werde schön verklärt In Jesu Armen sein. Der andächtige Christ erwägt das Geheimniss der heiligen Dreieinigkeit. Aufmunterung. 1. Joh. 5, V. 7. Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese Drei sind Eins. Wenn eine gläubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit in heilige Betrachtung ziehen will, so muß fie es machen wie Einer, welcher von der Sonne Licht und Nußen haben und sich dessen bedienen will. Schaut er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er sieht lauter Finsterniß, ja Nichts; hält er aber die Augen 9 Der andächtige Christ erwägt niedergeschlagen, gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so sieht er viel, ja er sieht Alles, was er sehen soll. Das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß; sie kann das nicht begreifen, ein Wesen und drei Personen. Daher Viele an dieser Glaubenslehre sich gestoßen haben, und es bis auf diesen Tag noch mit den Juden halten. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimniß; davon reden die herrlichsten Sprüche des alten und neuen Testamentes. Am Jordan, als Christus getauft wurde, waren drei Personen zu schauen, Matth. 3, V. 17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubt ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zu dem Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemuth an. Er preist seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan. Er dankt seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und von der Hölle Gewalt befreit. Er ergibt seinem Seiligmacher sein Herz und ganzes Leben, befleißigt sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er dermaleinst wird herrlich sehen, was er hier geglaubet hat. Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 130 Sebet. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Also o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! stimme ich jetzt mit allen Seraphimen und Cherubimen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu befingen. O du einiges, unerforschliches und unbegreifliches Wesen, das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 131 mein Glaube hält sich fest, einig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, worin du dich mir herrlich geoffenbart haft. Das ist das ewige Leben, daß ſie dich, Vater, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt haft Jeſum Christum erkennen. Du haft nicht allein Jesum Christum deinen einigen Sohn von Ewigkeit her gezeugt, sondern du bist auch der rechte Vater über Alles, was da Kinder heißt, im Himmel und auf Erden. Ach, du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, bewahrt und erhalten, ja du ernährst, versorgst und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater, nimm dich doch meiner als deines Kindes herzlich und väterlich an. Herr Jesu Sohn Gottes, ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen lernen als die andere Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeugt, Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entsprossen. Ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur 9* 132 Der andächtige Christ erwägt an sich genommen hat, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. O darum freue ich mich in dir und bete dich an. Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hoherpriester, Gnadenthron, Mittler, Imanuel, Seligmacher und Hirt, in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünden dahin gegeben hat; dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten; durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig, hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geist, du hast dich in deinem Worte mir geoffenbart als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgeht, ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleichen Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe; durch dich bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich noch erleuchtet, heiliget und im rechten Glauben erhält. Du trösteft mich in allem Leiden, du erfreuest mich in das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 133 Traurigkeit und erquickest mich in Trübſal. S du Geist der Gnade und des Gebets, versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden bin; gib Zeugniß meinem Geiste, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gib mir Andacht im Gebet, gib mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommt, laßt uns beten und knieen und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht hat; denn wir sind sein Volk und Schafe seiner Weide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Der Vater ist von Niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht gemacht, noch geschaffen, sondern geboren; der heilige Geist ist vom Vater und Sohn nicht gemacht, noch geschaffen, noch ge boren, sondern ausgegangen. Unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die lezte, keine die größte, keine die kleinſte, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott, und sind doch nicht drei Der andächtige Christ erwägt Götter, sondern es ist Ein Gott. Der Vater ist der Herr, der Sohn ist der Herr, der heilige Geist ist der Herr, und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist Ein Herr. O du dreieiniger Gott und Herr, laß mich in dieser Erkenntniß immer wachsen und zunehmen, und gib, daß ich Dich im Glauben ergreife und an deinem heiligen Wort als an meiner Glaubens- und Lebensregel festhalte, und was ich nicht begreifen kann dennoch von Herzen glaube, bis ich von dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater, decke mich mit deinen Gnadenflügeln und segne mich. O Jesu, wasche mich mit deinem heiligen Blute und segne mich; mache mich gerecht und ewig selig. Herr Gott heiliger Geist, erleuchte mich und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandle und in deinem Lichte droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. 134 Glauben muß man hier und trauen, Was Gott von sich selber sagt; Dort hebt ernstlich an das Schauen, Glaube -fragt nicht, Zweifel fragt. Bin ich dort getaufet worden Auf Gott Vater, Sohn und Geist, Sein Wort mich zum Jordan weist, Da aus offnen Himmelspforten Gottes Stimm' von Jesu zeugt, Und der Geist hernieder fleugt. Amen. das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. Gesang. Mel.: Dreieinigkeit, der Gottheit zc. 1. Ich glaub' an Gott, von dem wir alle lesen, Daß er schon sei von Ewigkeit gewesen, Und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer Gott von Majestät und Rath. 2. Wer diesen Gott mit Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'gen Geist ihn nennen; Dies ist sein Nam', dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt, jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist geflossen, Vom ater ist der Sohn allein entsproffen, Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr' im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Sein gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Drei sind auf einem Thron erhoben, Gleich ewig, groß, allmächtig, gleich zu loben; Die Majestät ist ihnen allgemein, Gott ist und war und wird auch ewig sein. 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwin den, Wie eins sei drei; doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 135 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennet's auch ohn' Zweifel mit dem Munde; Weil Gott sich selbst hat also kund gethan, So glaubet er, was er nicht faffen kann. 8. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden; Er findet Trost in Jesu Blut und Wunden; Wenn Gottes Geift ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, Und preiset stets des Allerhöchsten Güte, Verharret auch in wahrer Frömmigkeit, Bis er Gott schaut in Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater, laß mich deine Gnad' empfinden; Mein Jesu, mach mich rein von allen Sünden; Gott heil'ger Geist, ach nimm mein Herze ein; Dreiein'ger Gott, ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfeste den Schutz der heiligen Engel. 136 Aufmunterung. Hebr. 1, B. 14. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Es sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, welche allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem Andern zum Dienst bestellte, so wäre es Liebe und Gnade. Daher 1) dankt ein gläubiger Christ für diese besondere Gnade, daß Gott nicht allein sich selbst den Menschenkindern mit allen seinen Gütern und Gaben zum Genuß, auch Jesum Christum zum Heil der Seelen, den heiligen Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt hat. 2) Zu dem Ende treibt er dieselben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreut dieselben vielmehr durch seine Buße und durch einen gottseligen Wandel. 3) Er trachtet auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preisen, ihm zu danken und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. Wer allhier ein Teufel auf Erden, ich will sagen ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sünder bis in den Tod bleibt, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermehr gleich werden. 4) Ein gläubiger Christ befleißigt sich demnach nach der dritten Bitte, Gottes Willen zu thun auf Erden wie er geschieht im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, jedoch mit gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Gläubiger nicht an, welche Ehre nur dem Herrn der Engel, aber nicht den Mitknechten gebühret, Offenb. Joh. 19, B. 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharrt ein gläubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von den Schuß der heiligen Engel. 137 Gott gebotenen Wegen ihn werden vor llnglück behüten, sondern daß sie auch bei seinem Tode um sein Bette stehen und nach dem Tode die Seelen in Abrahams Schooß begleiten werden. Sebet. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott, wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schutz und Beistand bestellt hast. Herr Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst und ihn so hoch achtest! Ist es eine hohe Ehre, wenn ein König seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Mann mitgibt, die ihm müssen zur Seite stehen, o wie viel größere Herrlichkeit ist das, daß die heiligen Engel zum Schutz und zur Begleitung uns armen Menschen dienen müssen! O du Gott der Liebe, du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Creaturen, Himmel, Erde, Sonne, Luft, Meer, alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Creaturen, die heiligen Engel zum Dienst verordnet, damit uns kein Uebel widerfahren möge. 138 Der andächtige Christ betrachtet Du weißt, liebreicher Vater, wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind; darum haft du ihnen Wächter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen und alles Uebel abwenden sollen. Du weißt, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Gläubigen um sich haben, den Fürsten der Finsterniß, den Satan und sein Heer; darum haft du ihnen auch starke Helden zugegeben, die jenen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach mein Gott, wenn eine Woche, ein Monat, ja ein Jahr nach dem andern vorübergeht, darin meine geſunden, graden Glieder unverletzt, mein Haus und Habe unversehrt, ja meine Tritte ohne Fall und Anstoß bleiben, indem kein Unglück sich zu mir nahet, sollte ich solches nicht deiner Vatertreue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich also erhalten und behütet haft! O wie viel Gefahr hast du durch den mächtigen Schuß deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt! Nun, mein Gott, dafür sei hochgeliebt und hochgelobt von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Vater, befiehl den Schutz der heiligen Engel. 139 Laß deinem Engel ferner, daß er komme und mich, dein Eigenthum, bewache. deinen Engel Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jacob, welchem die Heere Gottes begegneten und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir sein in Nöthen wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brod behüten wie der Engel dem Elia Brod und Wasser brachte; ja laß sie sich um mich her lagern, mir außhelfen und mich begleiten auf den Reisen wie Tobia. Ach, du gütiger Gott, verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich dieſe deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sünden betrüben, oder mit meinem ruchlosen Leben von mir treiben, daß sie von ferne stehen und vor meiner Bosheit weichen müssen. Gib, daß ich den Engeln in diesem Leben schon möge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, damit ich auch den Engeln 140 Der andächtige Christ betrachtet gleich werden möge in der frohen Ewigfeit. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel, soll hinfüro mir immer in den Ohren und in dem Herzen erklingen. Mein Gott, laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schooß tragen und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit ſein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! anstimmen, und dich wie für alle also auch für diese Wohlthat ewig loben und preisen. Gott, aller Geister Geist, Herr aller Seraphimen, Der seine Diener heißt Uns Menschen zu bedienen, Herr Zebaoth, nur dir Gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, So laß sie uns begleiten; Wenn wir entschlafen sein, So stelle uns zur Seiten Die Wache deines Throns, Die Starken Salomons. Schaff', daß sie überall Die Hand uns unterlegen, Und laß uns keinen Fall Aus ihrem Schooß bewegen; Ihr Lager schließ' uns ein, Wann wir belagert sein. Wann wir des Eiteln los, Die Sterbelieder singen, Laß uns in Abrams Schooß Durch diese Träger bringen; Mach' uns in deinem Reich Den Engeln selbsten gleich. Amen. den Schuß der heiligen Engel. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Der Engel goldnes Heer, Die immer vor Gott stehen, Und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unserm Dienst gesandt Und was uns schaden kann Wird durch sie abgewandt. 141 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wann wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus, Und kehret man zurück, So geh'n sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch andre Feinde wüthen, So sind die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab Von unsern Lebenstagen, So werden sie die Seel' Ins Freudenleben tragen; Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben, Und wie wir schuldig sind Nach Gottes Willen leben. Ach ja wir sind gewiß, Daß man da Engel find't, Wo Fromme durch Gebet Und Lieb' verbunden sind. 6. Ach Gott, wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schutz die Engel haben; Die Helden send' uns auch In aller Angst und Noth, Ach laß sie bei uns sein Im Leben und im Tod. 7. Verleih' mir deine Gnad', Daß ich annoch auf Erden Mit stetem Lob und Preis Den Engeln gleich mög' werden, Und deinen Willen thun, Damit nach dieser Zeit Ich bleib' den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hocherfreut Das dreimal Heilig fingen Mit aller Engel Chor, Der Auserwählten Schaar; Dies ist des Herzens Wunsch, Amen, er werde wahr. 142 Der andächtige Christ danket Gott Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. Aufmunterung. Hof. 2, V. 8. 9. Sie will nicht wissen, daß ich's sei, der ihr gibt Korn, Most und Del, und ihr viel Gold und Silber gegeben habe, das sie haben dem Baal zu Ehren gebracht. Darum will ich mein Korn und Most wieder zu mir nehmen zu seiner Zeit und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Schaam bedeckt. Ist eine in aller Menschen Auge fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es unstreitig die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat des Winters in der Erde bewahrt, in den Sommertagen sie lässet blühen, wachsen und Frucht bringen; wenn er Hagel, Wetterschläge und Sturmwinde abwendet, und durch seinen Segen Scheuern und Keller füllt. Aber ist auch eine vor der Welt geringe und verachtete Wohlthat, dafür man Gott am wenigsten danket, so ist es eben diese Ernte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es müßte so sein, es müßte nach dem Lauf der Natur Alles wachsen, dabei habe Gott Nichts gethan. Deswegen läßt der erzürnte Gott oftmals aus gerechtem Gerichte Mißwachs entstehen, damit Jedermann erkenne, daß das Land Nichts geben könne, wenn der Herr nicht gibt, und daß Nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein gläubiger Christ ist anders gesinnet. Wenn er die vollen Nehren in der Ernte und die Trauben beschütteten Weinstöcke erblickt, so hebt er 1) seine Augen auf gen Himmel und preist den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, der aus einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Frucht hervorbringt. Er rühmet 2) die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spätregen zu seiner Zeit gegeben, Donnerwetter, Dürre, Hagelsteine und Ueberschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet hat. Wenn er nun die Zeit erlebt, daß die scharfe Sichel das Korn niederlegt, wenn er es sieht in die Scheunen fahren, wenn er sieht in der Kelter die Trauben zerquetschen, so nimmt er 3) alle dieſe nach eingesammelter Frnte. 143 Gaben mit gerührtem Herzen und dankbaren Händen an. Er gebraucht auch dieselben 4) und nimmt sie zu sich mit Dankfagung. Er erkennt, daß Gott ihn ernähre, versorge, erhalte. Ja er läßt sich 5) durch Gottes Güte zur Buße leiten. Danket man einem Wohlthäter und erzürnt ihn nicht, der uns etwa ein Kleid oder Etwas zu unserm Unterhalt gibt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns Alles gibt? Sebet. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Also ſpreche ich, mein Gott, da ich wiederum die gesegnete Erntezeit erlebt habe. O du gnadenreicher Gott, wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest! Du haſt das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schätze gelegt; dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserer Lebensunterhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich haft du, o liebreicher Vater, dieses Jahr gekrönt mit deinem Gut, deine Fußstapfen triefen noch vom Fett, du hast gefeuchtet die Berge von oben her, du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffeft. Du haft laffen Gras wachsen für das Vieh, und Saat zum Nuß der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringest. Ach 144. Der andächtige Christ danket Gott treuer Vater, du hast dieses Jahr wiederum uns, deinen wiewohl undankbaren Kindern, Speise und Trank geschenket, du haft unsere Ernte behütet, der Himmel hat die Erde erhört, und die Erde hat Korn und Most getragen; du haft uns gegeben Frühregen und Spätregen zu rechter Zeit, daher haben unsere Felder geblüht und den von dir aus ihnen uns entspringenden Segen dargereicht. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben und der Weinstock hat uns erfreut. Liebreicher Gott und Vater, du hast das Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedeckt, du haft die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß Alles zur Zeitigung ist gekommen, du haft Alles bewahret vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung; wann wir schliefen, so wachtest du, du warst unserer Felder Hüter und Schußherr. Herr, deine Werke sind groß und viel, du haft sie alle weislich geordnet und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Creaturen, Menschen und Vieh, warten auf dich, daß du ihnen gebest Speise zu seiner Zeit; wann du ihnen gibst, so sammeln sie, und nach eingesammelter Ernte. Nun wann du deine Hand aufthust, so werden fie mit Gütern gesättiget. Ja wohl haft du, o reicher Gott, uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. dafür danken wir dir von Grund unserer Seele. Kommt, lasset uns beten und knieen und niederfallen, lasset uns mit Danken kommen in sein Haus und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, ja, der Herr hat Großes an uns gethan, des sind wir fröhlich. Ach Herr Herr, laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erkennen. Ach Gott, wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, so entziehe uns deswegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater, der du uns je und je geliebt, und auch durch diese leiblichen Wohlthaten zu dir ziehest, daß wir aus den Gaben den Geber und aus dem herrlichen Geschenk den Wohlthäter erkennen sollen, hilf, daß uns deine Güte 10 145 146 Der andächtige Christ danket Gott möge zur Buße leiten, daß wir, wann wir deine Gaben auf dem Tische vor uns sehen, in den Händen haben und in den Mund nehmen, allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens. Und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach so laß uns auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dermaleinst zum Genuß der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Chriftum werden aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket Und gefeuchtet unser Land, Was geschadet und gefränket, Hat Gott mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein Haben müssen träftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, Zu erhalten unser Leben. Weil denn, eh' wir es vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt Jesus seine Engelein, Ei so laß uns Weizen sein, Den sie bei viel Jubiliren Zu des Himmels Freude führen. Amen. Selang. Mel.: Nun lob' mein' Seel' den Herren. 1. Sieh' es ist Gottes Segen Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deswegen Auf Gottes Lob nicht sein bedacht? Gott hat das Jahr gesegnet Mit seinem großen Gut, Und auf uns ist geregnet Des Segens reiche nach eingesammelter Ernte. 147 Fluth. Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Vaterhand 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut. O Schöpfer sei gepriesen, Du, du haft fie so schön gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, große Gottesgnad'! Ist ihr'r viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt das Vieh zugleich, Kann nun gespeiset werden, So ist von Segen Alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Gibt jedem seine Speis', Darum soll das Gemüthe Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Creaturen Zu schaffen Unterhalt, Das sind wahrhafte Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach laßt uns diesen Segen Und das von Gott geschenkte Gut In Undank nicht anlegen, Zur Wollust, Saufen, Uebermuth; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigteit. Er war in Gottes Händen Und bleibe noch darein, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sein. 5. Drum laßt uns dankbar werden Je reichlicher wir find beschenkt, Gleich wie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Aehren senkt, So lasset uns in Stille, In Demuth, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle In dieser Gradenzeit. Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad' erheben Zu jeder Zeit und Stund'. 6. Ja denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Gläubigen in Ewigkeit, Was in dem Freudenleben Für reichen Ueberfluß Uns Gott wird ewig geben Zum seligen Genuß; Das lasset uns erwägen Hinfüro spät und früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh'. Ein Anderes. Mel.: Zieh' ein zu deinen Thoren 2c. 1. Die Ernt' ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können Alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht; 10* 148 Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte Der wunderbare Gott, Der was da lebt ernähret, Hat wiederum bescheret, Was uns dies Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: Das hat Gott gethan! Ein Jeder schau' darunter Die schönen Gaben an Und laßt uns fröhlich sein. Ja lobt den, der uns liebet, Und sammelt was er giebet Mit Herzensfreuden ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd' zu seiner Zeit, Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit; Der Regen macht es weich, Die Sonnenwärme spielte, Des Höchsten Hand erhielte Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Creaturen ist nun gewachsen Speis'; Der weise Schöpfer hat Der Creatur das Leben Und auch die Speis gegeben Aus lauter Lieb' und Gnad'. 5. Wie fromme Väter pflegen, Für's Haus besorgt zu sein, So hast du auch den Segen Gelegt in Zukunft ein. Du bist die reiche Quell', Daraus viel Gaben fließen Und welche sich ergießen Auf unser Leib und Seel'. 6. Doch wenn wir dich verlassen Und wenn wir haben fatt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrath zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, O Gott, mit Uleberfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der Alles reichlich gibt. 8. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Aehren Pracht, Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nehmt ein Beispiel ab: Es wird der Tod uns fällen Und einstens zugesellen Den Stillen in dem Grab. 9. Ach zieh' uns von der Erden Durch diese Gab' zu dir, Auf daß wir himmlisch werden Und bleiben für und für. So danken wir dir heut' Für das, was wir empfangen, Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud'. Dritter Abschnitt. Gebete um allerlei geistliche und leibliche Wohlthaten. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Psalm 67, V. 7. 8. Es fegne uns Gott, unser Gott. Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Ein jeder Mensch betet und bittet Etwas von Gott; dabei soll aber ein Jeder wohl erwägen, wie er betet und was er bittet. Ach, der Meisten Gebet geht nur auf das Irdische und Vergängliche, welches sie aber oft zu ihrem Schaden sich erbitten. Ein gläubiger Christ bittet 1) um leibliche Dinge, um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahr, Hülfe in Noth, Beistand im Leiden, Errettung aus Unglück; und dergleichen Gebet kann Gott wohl leiden, weil er dieses Alles uns in seinem heiligen Wort verheißen hat. Aber der gläubige Christ bleibt nicht dabei stehen; dieses ist das Geringste, weil es ihm Gott ohne sein Bitten zuweilen zufallen läßt. Er bittet 2) sonderlich um geistliche Dinge, um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist, Römer 14, V. 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachsthum in dem Guten, Heiligung und um die Gaben des heiligen Geistes; dieses ist das Vornehmste, was er von Gott bitten und erlangen kann, und wenn ihm solches wird verliehen, so hält er es für seinen größten Reichthum. Ein gläubiger Christ bittet 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, um einen fröhlichen Abschied aus 150 Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, diesem Leben, um den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er Gottes Angesicht schauen und mit weißen Kleidern angethan sich nach dem Kampfe ewiglich in ihm erfreuen könne. Also muß ein Gläubiger beten sonderlich um geistliche und himmlische Güter, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will. Dabei muß er sich aber 4) eines unsträflichen, hristlichen Wandels befleißigen, damit er auch so lebe, daß ihm Bott die geistlichen und himmlischen Güter mittheilen könne, welche ein nicht wiedergeborner und böser Mensch nicht empfangen kann. Sebet. O du reicher und gnädiger Gott, wie groß und herrlich, wie reich und mächtig bist du! Du hast Alles und kannst auch Alles geben. Siehe, ich dein Kind, fomme zu dir und bitte dich um deine Gaben. Du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch Nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher Alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir; denn alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch, das du nicht empfangen hast? Ach mein Gott und Vater, mache mich sonderlich an meiner Seele reich, gib mir deinen heiligen Geist, gib mir ein frommes Herz, bekehre mich, erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und ein wahrer Christ werde. Hilf mir geistlichen und ewigen Segen. 151 kämpfen und arbeiten, daß ich die böse Luft bezwinge, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und meine Seele dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei. Siehe mein Gott, wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin; darum leite mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführt werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu und eine neue Creatur sei, so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater, für mich in dem Irdischen; du weißt was ich bedarf, du fichest was mir fehlt; aber gib mir nichts nach meinem, sondern Alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach so gib mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufs. Gib mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, behüte mich vor Un 152 Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, glück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du Herr jegnest, das ist geſegnet ewiglich. Du hast mich für die Welt erschaffen, so wirst du mich auch wohl ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe all mein Anliegen und alle meine Sorgen auf dich. Ach Gott, sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deine Vatertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater, nicht blos um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich auch noch auf größere Güter; denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hierzu empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch; darum, mein Vater, gib mir auch die himmlischen Güter; erhalte mich im Glauben bis an mein letztes und seliges Ende; laß mich an meinem Ende auf Christi Tod abscheiden; die Seele nimm hinauf zu dir, zu deinen Freuden. Gib mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende, und bringe mich nach Ausgang aus diesem Leben zu der Schaar der Außerwählten in den Himmel, daß ich mit ihnen gekrönt, verklärt, mit weißen Kleidern geistlichen und ewigen Segen. 15 geziert, dein heiliges Angesicht schauen und mich in dir ewiglich erfreuen möge. Ach mein Gott, höre die Stimme meines Flehens, und verweigere nicht was mein Mund bittet. Gib mir von den irdischen Dingen so viel, als dir gefällig und mir heilsam und selig ist, aber in geistlichen und himmlischen Dingen gib mir ein reichliches Maaß deiner Gnade, und bringe mich als ein Kind dermaleinst zu der Versammlung der Heiligen im Licht, daß ich hier im Glauben und in der Liebe, und dort in der Ewigkeit mit dir vereinigt bleibe. Indessen Meinen Ausgang segne Gott, Meinen Eingang glei-' chermaßen, Segne auch mein täglich Brod, Segne all' mein Thun und Lassen, Segne mich mit sel'gem Sterben Und mach' mich zum Himmels- Erben. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Mein Vater, denk' an mich! Ach gib mir deinen Segen, Und thu' jetzt auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gib was ich nöthig hab' Und was mir nützlich ist; Ich schau' allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben, Und wirst du mir durch ihn Ein frommes Herz auch geben, So bin ich reich genug, So bin ich recht beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gib mir mein täglich Brod, Gesundheit auch desgleichen, Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen; 154 Der gläubige Christ dankt Gott Wend' alles Unglück ab, Begleit' mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir befohlen sein. 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut Die Seligkeit ererben; Laß mich vor deinem Thron In weißen Kleidern steh'n, Und, Herr, dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n. 5. Mein Gott, erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd' noch meine Lust An deiner Gnade schauen; Mein Herze, Geist und Sinn Sei dir allein geweiht; Mein Segen, Freud' und Schatz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan, ich bin erhört, Gott wird's aus Gnaden geben, Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben; Mein Vater, schenke mir, Dieweil ich leb' auf Erd', Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd'. Der gläubige Christ dankt Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Sirach 30, V. 14. 15. 16. Es ist besser, Einer sei arm und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein, ist besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser denn groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude ist der Herzensfreude gleich. Gleichwie Gott den Menschen unterschiedliche Gaben austheilt, geistliche und leibliche, so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten mitrechnen die Gesundheit. Ein gesunder Mensch ist ein glücklicher Mensch, wenn er dabei fromm ist; er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig sei, sehen wir daher, weil er kann Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, seinen Beruf abwarten, und viel Gutes verrichten. Ist aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesundheit, so mißbraucht er diese edle Gabe auf das Entsetzlichste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit für seine Gesundheit. 155 Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, mit der Zunge, mit den Augen und mit seinem Leibe nicht so viele Sünden ausübte; daher auch auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder dereinst eine schwere Verantwortung und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennt die edle Wohlthat der Gesundheit, und zwar 1) wenn er seine gesunden Glieder ansieht, so danket er Gott dafür. 2) Er wendet seine Gesundheit an, Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen und in seinem Christenthume zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treulich und aufrichtig zu vollbringen. 5) Er erkennt, daß die Gesundheit kein ewig und beständig Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Leib einfinden könne; 6) er mißbraucht derhalben in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Muthwillen, Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheiten und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: Das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gött manchem gefunden, aber unbändigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuschickung eines ungesunden Leibes muß anlegen, damit er aufhöre zu fündigen. 7) Ein frommer Christ betet auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsamlich angewendet. Sebet. O du gnädiger und barmherziger Gott, wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und in deiner Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen läßt. Nun 156 Der gläubige Christ dankt Gott mein Gott, ich erkenne, daß dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Vater des Lichts, von oben herab kommen. Herr Herr, wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren läsfest! Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind. Höre ich doch Viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht gottesfürchtiger und frömmer sind als ich, und viel andächtiger beten als ich; mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach Herr, ich bin allzugering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott, daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffahrt und Frechheit, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich inskünftige und Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lob und deiner Ehre, zu Nuß meines Nächsten und zur Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Erhalte mir für seine Gesundheit. 157 nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und gerade Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen könne. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich meine gesunden Glieder heilige zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum Wachsthum in deiner Erfenntniß. O mein Gott, gib mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund sei im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübfal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung, und getrost im Tode. Ach heilige mich, segne mich; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn' den Nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben; Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, Und haft Glück auf dieser Erd', So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trotzig werd'. Denk' in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehmals ist ergangen; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einhergehest, Denk auch an 158 Der gläubige Christ bittet, die Lagerstätt'; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du frank gewesen; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 3. Blüht dir Freud' und lauter Glücke, Stehet's um dich wohl jetzund, Denk bisweilen auch zurücke, Wie es doch vor diesem stund, Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; D.nk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergößen, Daß es vordem nicht so war; Selig, wer in Demuth liebet, Wenn ihm Gott viel Güter giebet; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht, Denk': so bin ich auch gestanden, In dergleichen Trüb-. salsbanden; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 9. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demuthsschranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebeft. Bleib' in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnädig sein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Hebr. 12, V. 14. Jaget nach dem Frieden unter einander und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. Wenn sich ein gläubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansieht, so erinnert er sich, 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern daß das ein Werk Gottes ist; 2) deshalb braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenkt an seine heilige Taufe, darin der heilige Geift über Gott wolle sein Herz heiligen. 159 ihn ausgegossen worden und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig nach, ob er diesen guten Geist in den erwachsenen Jahren nicht durch muthwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Speise der Heiligung ist; darum trachtet er, wenn er daffelbe empfängt, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder mögen geheiligt werden. Gottes Wort höret er andächtig, schreibt und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung fortfahren möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen sowohl an der Seele, als an dem Leibe, durch Gottes Kraft und des heiligen Geistes Wirkung. Ist die Seele geheiligt, so muß die Zunge, die Worte, Werke, ja das ganze Leben in der wahren Heiligung geführt werden. 4) Diese Heiligung soll zu Zeiten geschehen, nicht erst in dem Alter oder auf dem Todbette, sondern dieweil man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstand gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, wenn man ohngefähr bei Weltkindern fich findet; da sollen wir in Gebärden, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und das ganze Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Lichte gelangen. Sebet. O du heiliger Geist, ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erklingt: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und wiederum: Ohne die Heiligung wird Niemand den Herrn schauen. Wenn ich dieses erwäge und dagegen halte mein unheiliges Herz, meine unheiligen Gedanken, unheiligen Worte, unheiligen Werke, so gerathé ich oftmals in große Angst und ich 160 Der gläubige Christ bittet, schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider, nach dem Trieb meines Herzens und nach der Gewohnheit der Weltmenschen gesündigt und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidigt habe. Ach, soll Niemand dein Antliß schauen ohne die Heiligung, o wie Wenige werden dann selig werden, o wie Viele werden verdammt werden! Denn hilf Herr, die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heiliger Gott, gib mir dieses Alles wohl zu erkennen, damit ich mich möge hinfort der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen. O Jesu, heilige mich durch deine Gerechtigkeit, durch dein Verdienst und Blut; ach schenke mir von Natur Unheiligem deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als in meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken möge umgehen. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Unchriftliches und Böses möge reden. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und vollbringe, was dir gefällig ist. O heiliger Gott, ziehe mich ab von der Welt, vereinige mich mit dir, damit Gott wolle sein Herz heiligen. 161 ich in mir durch deinen heiligen Geist das Zeugniß habe, daß ich als ein Kind Gottes neu geboren sei und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig sein, damit ich nicht etwa nur heilig sei und der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern daß ich auch möge heilig sein und mich der Heiligung bestreben an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, auch wenn ich gar unter Weltkindern und in ihrer Geſellschaft leben muß, daß ich dann als ein Kind Gottes möge reden, leben und thun, und in solchem ſeligen Stande bleiben bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Freudenlicht. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und sauber ist. Mache mich, o Gnadenquell, Durch dein Waschen rein und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest, Gib nur, was du gerne siehest. Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. 1. Soll ohne Heiligung Den Herren Niemand schauen, Und ausgeschlossen sein Von jenen Himmelsauen, So tracht' ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög' Zur wahren Heiligkeit. 11 Der gläubige Christ bitte:, 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte, Das kommet Gott nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; Drum bringe mich, o Gott, Zur wahren Heiligung, Ach wirke du in mir Des Herzens Aenderung. 162 3. Ach heilige mein Herz, Gib heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach lasse Herz und Geist Beständig heilig sein, Mach' es von schnöder Lust, Von Sünd und Bosheit rein. 4. Ach heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Händ' Sind ja dein Eigenthum, Drum brauch' ich sie allein Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach mein Gott, heil'ge mich, Ja heil'ge Seel' und Leben, Als welche ich hiemit Dir will zu eigen geben; Hilf, daß ich also leb' Und thue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt Und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinst auch sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben Mit allen Heiligen; Da werd' ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Von dir gezieret sein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Psalm 86, V. 11. Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Es ist dieses Leben nichts anderes als ein Weg; wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört mit dem Leben der Weg auf und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir einen guten Weg, den Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endigt sich derselbe in des Himmels Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg, Gott wolle ihn regieren und leiten. 163 den Weg des Unglaubens, der Bosheit, der Gottlosigkeit, so endigt er sich bei der Hölle, in der ewigen Verdammniß. Wenn das ein Christ erwägt, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg, und den breiten Höllenweg; aber er soll mit allem Fleiß auf dem Himmelsweg einhergehen. 2) Damit er aber darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle. 3) Bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und folgen, so hört Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weicht gar von ihm. 4) Wie nun ein Wandersmann einen Geleitsmann vonnöthen hat, der ihm den rechten Weg weise, also bedarf auch ein gläubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hierzu aber gehört die Einwohnung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel feid, und der Geist Gottes in ench wohnet? 1. Cor. 3, V. 16. Hat man diesen treuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, die Zunge, die Sinne und Begierden regieren. 5) Dieser heiligen Regierung widersetzt sich der gläubige Christ nicht, er widerstrebt auch dem heiligen Geist nicht, sondern läßt sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführet werden, hier zeitlich und dort ewiglich. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat! Gebet. Herr, du erforschest mich und kennestmich; du verstehest alle meine Wege. Ach, du siehest und weißt auch wohl, mein lieber Gott, wie ich ein herzlich Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen und also zu 11* Der gläubige Christ bittet, wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und wovon Jesus uns ein Vorbild gelaſſen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Wege und Vorhaben abgeführt. Bald verführt mich mein eignes Herz durch böses Gelüsten, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Erempel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn, ich verletze mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach leite und führe mich nach deinem Rath. Du hast ja gesagt: ich will dich mit meinen Augen leiten; Herr, hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott, der du haft dein Volk trockenen Fußes durch das rothe Meer, und unverletzt durch die Wüste in das gelobte Land geführt. Ach führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverletzten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir Herz, Mund, Glieder und mein ganzes Leben. Regiere mein Herz, und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere 164 165 Gott wolle ihn regieren und leiten. meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden- und Höllenwegen gehen. Regiere meinen Mund und meine Zunge, daß sie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte vorbringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an nimmermehr muthwillig wider dich sündigen, damit ich ein rechter und frommer Christ heißen und auch sein möge. Ach laß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder meiner Führung; denn wenn ich mich führe, so werde ich verführt. Gib mir deine heilige Behutsamkeit in allem meinem Thun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich mich nach dir, nach deinem Wort und meines Jesu Erempel allein richten möge. Ja leite mich nach deinen Augen, Und richt' mein ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn; Und wenn ich es soll geben In's Todes Rachen hin, Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Bater, gib mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt; O wie wohl, wenn ich sie habe, Gib mir deinen guten 166 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Geist. Vater, ich hab' groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen. Ach, erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich leb' hier in der Zeit, Wie ich mich recht soll bekehren, Und wie ich an Frömmigkeit Soll beständig einhergehen, Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist Und sich gründ't auf Jesum Christ. 3. Es soll dieser Geist mich führen Alle Zeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab' gethan. Er solí leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach' Folgen diesem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit; Wenn die Noth am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit, In den Angst- und Trauertagen Und im Leidenssturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugniß gibt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft zwiefachen Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So woll' deine Vaterhand Mir den Geist auch zwiefach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben sein Und von groben Fehlern rein. 6. Werther Geist vom Himmels- Throne, Gleicher Gott von Ewigkeit Mit dem Vater und dem Sohne, Komm' zu mir, ich bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben, Will ich dir zur Wohnung geben, Komm', ach komm' und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein. 7. Ach bewahre mich vor Sünden, Ach laß meine Zuversicht Sich auf Jesum Christum gründen, Werther Geist, verlaß mich nicht! Ach, durch deine Liebestriebe Stärke mich in Glaub' und Liebe, Führe mich durch diese Zeit In die frohe Seligkeit. 167 Der gläubige Christ bittet um die wahre Liebe zu Gott. Der gläubige Christ bittet, dass die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden. Aufmunterung. 1. Joh. 4, V. 16. 19. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. Gott ist die Liebe und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Gläubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz auf's Genaueste mit einander verbindet. Ein gläubiger Christ bittet demnach 1) daß Gott sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen und dieselbe in ihm ausgießen wolle; denn auch diese Gabe gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, wodurch Gottes Liebe in ihm kann angefangen und vermehrt werden, nämlich die andächtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe Gottes, so muß er solche auch beweisen in einem heiligen christlichen Wandel, in anständigen Reden, in Gott wohlgefälligen Werken; denn die Liebe ist gleich einem Feuer, welches Flammen und Rauch nicht kann verbergen. 4) Er nuß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wieder lieb gewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; deshalb muß er aus Liebe Gott zu Welt und Weltfreundschaft und Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod und also in der Liebe Gottes sterben. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren. Man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre der Lust und Liebe der Welt hingebracht, aber darüber die Liebe Gottes vergessen hat, welches ein Christ, wenn ihm Gott die Augen aufgethan, mit 168 Der gläubige Christ bittet, desto mehr inbrünstiger, heftiger und beständiger Liebe ersetzen und in solcher Liebe beharren soll bis in den Tod. Gebet. O du liebreicher, gnädiger Gott, du bist allein meiner Liebe würdig; dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften lieben. Ach, ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbsünde in mir erloschen, sondern wie ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade und dem Trieb des heiligen Geistes nicht allzeit Plaß gegeben, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändere doch mein Herz, reiße aus demselben alle Weltund Sündenliebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters! Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischesluft, Augenluft und hoffärtigem Leben, dazu ich leider von um die wahre Liebe zu Gott. 169 Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine reine, wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben und alle Eitelkeiten fliehen möge. Denn will ich ein rechtes Kind Gottes sein, so muß die Sünden-, Welt- und Eigenliebe zum Herzen hinaus, und du mußt über Alles allein geliebet werden. Darum komme ich, mein Gott, zu dir, und bitte dich, gib mir deinen heiligen Geist, der diese edle, nothwendige und christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge; in dessen Kraft will ich dich, meinen Gott, von Herzen und beständig lieben. Meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber sein als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und alle Herrlichkeit, ja als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu fündigen, aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Personen und Gesellschaft entschlagen, aus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Wink und Willen mein Leben einrichten; dich will ich ehren und fürchten, dir will ich dienen, folgen und gehorchen. Ach du liebreicher Gott, entzünde diese Liebe 170 Der gläubige Christ bittet um die wahre Liebe zu Gott. in meinem Herzen je mehr und mehr, daß ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre lieben, sondern daß sie immer zunehmen und bis an mein seliges Ende dauern möge. Gib mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen Etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Also laß mich in Liebe mit dir vereinigt sein in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott, Ja dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott, Soll meine Liebe stillen; Und sollt' kein Höll' und Himmel sein, Das mich zur Liebe triebe, So wärest du mir g'nug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ach daß sich doch Gottes Liebe Tief ergösse in mein Herz! Ach daß sie doch immer triebe Meine Seele himmelwärts! Ach daß doch all' mein Beginnen, Ach daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt, Wär' durch Gottes Lieb' entflammt. 2. Ach daß diese Liebe risse Aus mir alle Lieb' der Welt! Ach daß ich mich stets beflisse, Das zu thun was Gott gefällt, Und aus Lieb' ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär', Und Gott süßer mehr und mehr. 3. Ach daß diese Lieb' mich brächte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflösse, Da ich nicht der Lieb¹ genösse, Daß ich ihm mit Lieb' nachging', Und mit Liebe ihn umfing'. 4. O du liebé, so ergieße Dich in mein Herz tief hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen möge sein, 171 Der gläubige Christ bittet um wahre Liebe des Nächsten. Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich size, schlaf' und gehe, Dir zu Liebe Alles thu', Und aus Liebe in dir ruh'. 5. Laß mich in der Lieb' auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit, Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigkeit; Diese Lieb' laß mich genießen, Bis ich werd' die Augen schließen, Und geh'n zu den Freuden ein, Wo wird lauter Liebe sein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächtsen in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. 1. Joh. 4, V. 20. 21. So Jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er fiehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, auch seinen Bruder liebe. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet; dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Also beschreibt Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, V. 34, nämlich daß man sie daran erkennen sollte, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll Niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er noch seinen Nächsten haffet, o nein! Es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter; wenn man nun solche liebt, so ist das zwar unsere Schuldigkeit, es ist aber noch keine ausnehmende Christen- Tugend, denn die ungläubigen Heiden lieben auch ihre Freunde, Wohlthäter und Anverwandten, die ihnen nichts zuwider thun. Es ist unser Nächster 2) auch unser Nachbar, Mitbürger und Fremder, auch der uns neidet, vervortheilt und haßt. Bei der letzten Art der Nächsten soll man die Liebe am meisten blicken lassen, und zwar so, 1) daß man ihnen nicht allein nichts Böses wünsche, sie nicht schelte, ihnen nicht Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles 172 Der gläubige Christ bittet Gute gönne, Liebe und Freundschaft erweise, und sie liebe als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterfeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, dagegen mit Worten und Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und thue in der That und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, so werdet ihr Kinder sein eures Vaters im Himmel. Math. 5, V. 44. 45. Gebet. Ach du liebreicher Gott, der du uns herzlich liebest und aus solcher Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes thust, aber uns auch befohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen; ach, ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben als mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen gibst, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre; ich sollte meinen Feind, der mich haffet, schmäht, verfolgt, drückt, herzlich lieben, für ihn beten, ihm Gutes wünschen, ja ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du allwissender Gott siehest und weißt, wie mein Herz von um wahre Liebe des Nächsten. 173 diesen Pflichten entfernt ist, wie ich leider, wenn du meinem Nächsten wohlthust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichst, mir aber nicht, darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott, wie das Beten für meine Feinde so träge und gering ist, daß ich sie in meinem Gebet entweder vergesse, oder so ich ja ihrer gedenke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es dochy leider mit wenigen Worten geschieht. Ach mein Gott und Vater, ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jesu bin, in welchem ich billig fein sollte, welche man daran erkennt, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch egen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach ändere doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten so herzlich und aufrichtig lieben möge als mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gern mit Freuden das gönne, was 174 Der gläubige Christ bittet du ihm gibst, und nicht deswegen betrübt drein sehe, wenn du mich diesesmal nicht mit gleicher Wohlthat erfreuest. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, und im Herzen doch ihm feind sei, wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gib mir Kraft, daß ich es mit Sanftmuth überwinde, nicht Böses mit Bösem oder Scheltworte mit Scheltworten vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute anwünsche. Herr mein Gott, du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und unter deinem Beistand wird es mir möglich werden. Gib, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Vater, ansehe, womit du uns Menschen, als wir noch deine Feinde waren, geliebt hast. Gib, daß ich mir immer vorstelle die Liebe meines Jesu, der für seine Feinde gebetet und ihnen Gutes gethan hat. Schreibe mir in mein Herz die erbarmende Liebe des heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herzen zu 175 um wahre Liebe des Nächsten. arbeiten und anzuklopfen, damit ich dadurch zu einer wahren Liebe gegen meinen Nächsten bewogen werde, und also das Zeugniß erlange, ich sei ein wahrer Jünger Jesu. Laß mich an Andern üben Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jedermann, Ohn' Eigenmutz und Heuchelschein, Und wie du mir's erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. Amen. Gefang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern sein, Warum ist Falschheitstück Bei ihnen so gemein? 2. Ach in der letzten Zeit Wirt alle Lieb' erkalten, Und gar geringe sein Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit schon da, So machet euch bereit Zum lieben jüngsten Tag Und zu der Ewigkeit. 3. Wo findet man jetzt Lieb', Wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind Fast gänzlich aufgehoben; Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu'? Regiert die Falschheit nicht Und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen, Man darf auf Reines Wort Anjezzo fast mehr bauen; Ganz anders denkt das Herz, Ganz anders spricht der Mund, Und schöne Worte geh'n Doch nicht aus Herzengrund. 5. O falsche, böse Welt! Gott kennet deine Stücke, Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke, Du hast die Liebe nicht, Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe sein. 6. Allein, wer keine Lieb' Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzensgrund Auch seinen Gott nicht lieben; Drum glaube nur gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei den man lauter Haß und keine Liebe find't. Der gläubige Christ erkennt, 7. Mein Gott, verleih mir Gnad', Daß ich in Lieb umfassen Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feindschaft hassen; Ach mache selbst mein Herz Von aller Bosheit rein, Daß ich auch in der Lieb' Mög Christi Jünger sein. 8. Laß deine Lieb' zu mir Vor meinen Augen stehen, Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen, Ja, daß ich mich betracht' Und selbst an mir nehm' ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab'. 9. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu' und Liebe, In meinem Herzen sein, Damit ich Lieb' ausübe; Gib mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Liebe, ohne List, Und ohn' Betrügerei. 10. So leb' ich als dein Kind, Und werd' dahin gelangen, Wo alle Gläubigen In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit, Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. 176 Der gläubige Christ erkennt, dass Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Das höchste Gut zu haben und zu besitzen, ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darin haben die Meisten gefehlt, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen sein, und muß im Leiden und Tode, in Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichthum, welchen Viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten; denn dieser verläßt uns im Tode, und kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste daß Gott allein das höchste Gut ſei. 177 Gut nicht, denn wie oft fällt der Geehrte in Verachtung und Schande, und wie oft wird nicht die Glückseligkeit in Jammer und Elend verwandelt? 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor andern irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Deshalb sucht ein gläubiger Christ sich ein wahres, beständiges Gut, welches aber 4) allein Gott ist. Hat er Gott, so hat er Alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, und zwar in der Zeit und Ewigkeit. Gott erfreut den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquickt ihn im Tode, bleibt mit ihm vereinigt in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir gelangen 5) durch das Gebet, durch andächtige Anhörung des göttlichen Wortes, durch fleißige Betrachtung desselben und durch den Beistand des heiligen Geistes; nur muß man zusehen, 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße und die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Luft sein höchstes Gut sein lasse. Gebet. O du gnadenreicher Gott, wie bist du doch so herrlich, so schön, so vellkommen! Wer dich hat, der hat Alles, der weiß Alles, der kann Alles, ja der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz hinein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum befißen, oder großes Vergnügen und große Herrlichkeit erlangen, so hätten sie das höchste Gut; 12 178 Der gläubige Christ erkennt, allein weit gefehlt, diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und bloß, ja ohne Gott. O darum gib, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott, du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut; du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen; o so vereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit! Sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und dem Roft unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglückfiezernichten, so bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reiſe, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum mein Gott, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichthum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, so habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen daß Gott allein das höchste Gut sei. Beistand in Nöthen, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allersüseste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltfinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich Gott doch nicht; dieses höchste Gut behalte ich im Abscheiden aus der Welt, ja es wird mir alsdann noch vollkommener, noch trefflicher, noch herrlicher, mit völligem Glanz, zu unaussprechlichem Genuß geschenkt werden. 179 Ach Herr, wenn ich nur dich hab', Dann so sag' ich Allem ab, Legt man mich gleich in das Grab, Ach Herr, wenn ich nur dich hab'. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. In Gott bin ich immer fröhlich, In Gott hab' ich lauter Freud', In Gott bin ich reich und selig, Gott ist selbst die Seligkeit. Darum laß die Welt vergehen, Laß die Ungewitter wehen, Bleibet nur der Höchste mein, So kann ich vergnüget sein. 2. In Gott hab' ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt, Der den Himmel mir beschieden, Ist mein Jesus, der mich krönt; Drum kann ich in Frieden sterben, Und in Fried' den Himmel erben, Fried' in dieser Lebenszeit, Fried' in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher rasten, Er ist meiner Seele Ruh', Zu Gott wie zu Noah's Kasten, Eil' ich wie das Täublein zu; Ruh' im Leben, Ruh' im Herzen, Ruh' in Trübsal, Ruh' in Schmerzen, Ruh' in Leiden, Nuh' in Noth, Ruh' im Grabe, Ruh' im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schäßen, Welche keine Zeit verstreut, Freud', Vergnügen und Ergötzen Und des Trostes 12* Der gläubige Christ bittet Gott Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schauet doch, in diesem Leben; Wie wird's nicht mit vollem Schein Herrlich in dem Himmel sein? 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit Gott verbunden, In den letzten Todesstunden; Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. 180 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. Röm. 10, V. 19. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Herr, stärke uns den Glauben. Luc. 15, V. 5. So unglückselig ein ungläubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntniß Gottes, Jesu Christ und ihres Heils steht. Denn ein Ungläubiger ist gleich einem Gemach, darin kein Licht ist darin es finster und unangenehm ist; aber eine gläubige Seele ist gleich einem Gemach, darin es hell ist, und darin ein Licht scheinet, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist es, der ihn in uns anzündet, entweder in der heiligen Taufe, wenn der heilge Geist wird reichlich über uns ausgegossen, oder durch das Wort Gottes, dadurch der Mensch anfangs eine Erkenntniß und Wissen seines Heils erlangt, durch Gottes Kraft dem Wort Beifall gibt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, sodann in fester Zuversicht Gott fasset, sich Jesum Christum und sein heiliges Verdienst zueignet, und nach diesem Wort zu glauben, zu leben und zu sterben sich mit Gott entschließt. Deswegen soll ein gläubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben um Erhaltung des Glaubens. 181 und zur Erkenntniß Jesu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht hat. 2) Er soll sich seines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern, und den mit Gott gemachten Bund nicht muthwillig übertreten 3) Er soll Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und mehr erleuchtet werden und zu größerer Erkenntniß gelangen möge. 4) Was er hört und liest, soll er in Uebung bringen, und seinen Glauben in den Werken zeigen. Daher 5) es einem wahren Christen nicht soll genug sein, zu sagen: Ich glaube, sondern er soll auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmuth und dergleichen, in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er soll auch nicht etwa nur eine Zeit lang glauben, sondern im Glauben Gott getreu verbleiben bis in den Tod. So kann er sich auch getrösten, daß er werde den Lohn seines Glaubens davontragen, nämlich der Seele Seligkeit. Sebet. O du gnadenreicher Gott, welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntniß meines Heils gebracht hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus, mit seinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heiligen Sacramente. Dieses Alles weiß ich nicht nur, sondern gebe auch dem Allen Beifall, ja ich sebze darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht, und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben und Erkenntniß bin ich Der gläubige Christ bittet Gott unterschieden von ungläubigen Juden, Türken und Heiden. Ach du gnadenreicher Gott, verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erkenntnißinmir lebendigmache. Selig seid ihr, so ihr es wisset, aber selig seid ihr, wenn ihr es auch thut. Gib mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todter, unfruchtbarer Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. Weil ich Jeſum Christum als meinen Heiland kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben als die gange Welt, ihm auch allein dienen, und nichts vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizt. Außer ihm soll mir auf Erden Nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich sie auch unter deinem Beistand zu meiner Seligkeit anwenden; dein Wort will ich andächtig hören und darnach leben; was das Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, hingegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlt, in deiner Kraft durch des heiligen Geistes Beistand zu vollbringen trachten. Das heilige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch; ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit, 182 um Erhaltung des Glaubens. als eine Speise der Heiligung, mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach mein Gott, vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesfürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ möge leben und als ein wahrer und frommer Chrift dermaleinst ſelig sterben. 183 Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht; Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen bis ich fröhlich werde schauen Dich, Herr Jesu, nach dem Streit, In der süßen Ewigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ach Herr, stärke meinen Glauben, Ach, mein Glaube wird gar schwach, Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hülf' läßt finden, So will fast mein Glaub' verschwinden. Wo ist doch mein Herr und Gott? Sprech' ich jetzt in meiner Noth. 2. Wo sind seine Allmachtsproben, Wo ist seine Vaterhand, Welche Andre freudig loben? Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet? Weiß er nicht, wie's um mich stehet? 3st mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hülfelos? 3. Herr, ich glaube, hilf' mir Schwachen! Ja ich glaube feftiglich, Daß du Alles wohl kannst machen, Drum so komm 184 Der gläubige Christ bittet und stärke mich. Herr, ich glaub', daß du noch lebest, Und stets um und bei mir schwebest, Daß dein Auge auf mich sicht, Ob die Hülfe schon verzieht. 4. Herr, ich glaube, daß mich Armen Jesus auch erlöset hat, Daß er sich will mein erbarmen, Daß ich bin in deiner Gnad', Daß mein Jesus in den Leiden Nimmer werde von mir scheiden; Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stärk und Trost gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort; Lehre mich dir fest vertrauen, Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir gibst, Ob du schon die Hülf' aufschiebst. 6. Ja laß deinen Geist mich trösten, Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Noth am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du doch an mich gedenkest, Und mir deine Hülfe schenkest, Wenn da kommt die Stund' und Zeit, Die zur Hülfe ist bereit. Der gläubige Christ bittet um Demuth. Aufmunterung. 1. Petri 5, V. 5. 6. Haltet fest an der Demuth, denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Unter den Sünden, dawider ein gläubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmuth des Herzens, welcher hernach in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur nach dem Sündenfalle, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen, und auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein gläubiger Christ erwägt, so bittet er Gott um ein demüthiges Herz.1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demüthig sein vor deinem um Demuth. 185 Gott. Micha 9, V. 8. Er wird gegen Gott aber demüthig werden, wenn er bedenkt Gottes Hoheit, Majestät und Herrlichkeit, wie ihn alle Engel und Seraphimen, Cherubimen und alle Auserwählten anbeten und preisen, und hingegen auch erwägt, wie er ein armer Wurm, ja nichts als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein gläubiger Christ demüthig werden 2) gegen den nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet und gedenkt, wie sein Nächster vielleicht viel frömmer, andächtiger, und daher Gott angenehmer sei, als er; wie er mit ihm habe Ein Wort, Eine Taufe, Ein heilig Abendmahl, Einen Himmel, ja daß er im Grabe, wie der ärmste Bettler, wird verfaulen und zu Asche werden. Es wird ein gläubiger Christ auch demüthig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwägt, daß er Alles was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen, nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm Alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stelle sich, damit er auf keinerlei Weise stolz werde, fleißig vor das Exempel des demüthigen Jesu, der sich unter Gott und alle Creaturen erniedrigte, und uns zuruft: Lernet von mir, ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Gebet. Großer, heiliger und barmherziger Gott, der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron Cherubimen, Seraphimen und alle Auserwählten in Demuth ihr Antlig bedecken, ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigner Ehre und zum Hochmuth, mich über Alles zu erheben, geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein Anfang 186 Der gläubige Christ bittet aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oftmals vergesse, daß ich Staub, Erde und Asche bin. Ach mein Gott, gib mir doch ein demüthiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und Alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demüthigen und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Glend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammniß, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches Alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit Nichtsprange, sondern Alles als dein Geschenk und deine Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über die Menge der Wohlthaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorche, dich fürchten, dich ehren, dir dienen, dich anbeten und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demüthigen um Demuth. 187 Seelen dein Licht, deinen Trost, deine Gnade und Güte haft reichlich fließen lassen. Wende von mir ab hoffärtige Gedanken, gib, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiz und Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringt. Drücke in mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engeln und Menschenerniedrigt hat, welcher auch mir zuruft: Lerne von mir, denn ich bin von Herzen demüthig, daß diese Stimme alle Augenblicke, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben und dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Ach mein Gott, hilf, daß ich umkehre und werde wie die Kinder, die Nichts von sich halten, daß ich Nichts in meinen Augen werde. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von Niemandem Ehre begehre, sondern alle Ehre, 188 Der gläubige Christ bittet allen Ruhm dir allein beilege. Gib mir in wahrer Demuth des Herzens zu erkennen, daß Alles was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich Nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth in Friede und Einigkeit mit Jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu sein, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmuth war des Satans Sünde; davor bewahre mich in Gnaden. Und so es dir ja gefallen sollte, mein Gott, mich in Sport und Verachtung fallen zu lassen, daß mich mein Feind schmähet und der Verächter mich mit Füßen tritt, so gib mir Kraft und Stärke, daß ich Alles mit Demuth, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demüthigung und desto größern Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Ach Herr, Herr, verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses Alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben, Und sind allzeit arm im Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd' allein gepreist, Danken dem auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr; Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hier schätzen. Amen. 189 um Demuth. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Demuth ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr', Denn sie zieret unsre Jugend, Und das Alter noch viel mehr; Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zu großen Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was Herrlich in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demüthig, Er erhob sich selbsten nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bericht't. Ja, man fand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben; Drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist beflissen, Ist bei Jedermann beliebt, Wer da Nichts will sein und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre gibt; Demuth hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf Gottes Wegen geh'n Und in Jesu Liebe steh'n. 4. Demuth machet nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtig Die Demüthigen anspeit. Stolze müssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist, Als ein frecher, stolzer Christ. 5. Demuth bringet großen Segen, Und erlanget Gottes Gnad', An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel' geschmücket, Und in seinem Thun beglücket; Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 6. Diese edle Demuthsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher sie von Herzen sucht; Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Demuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demuth, Lieb' Kommt aus Gottes Geistes- Trieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein, Es soll Demuth in Gebärden, Demuth soll im Herzen sein, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen Gott, Demuth auch in Kreuz und Spott. Der gläubige Christ bittet 8. Auf die Demuth folget Wonne, Gottes Gnad' hier in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demuth herrlich prangen Und die Ehrenkron' erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. 190 Der gläubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. 1. Petri 2, V. 21. 22. 23. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litt; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Wenn ein Mensch in seinem Christenthum und in seiner Bekehrung einen guten Anfang gemacht hat, daß er sich von äußerlichen groben Sünden gereinigt, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, Uleppigkeit, Leichtfertigkeit, Spielen, Welt- Gesellschaften, so muß er bedacht sein, auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Rachgier, und sich mit Gebet der Sanftmuth befleißigen. Diese besteht darin, 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht wieder schelte, wenn man gescholten wird, nicht aus Haß, Zorn, Rachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmüthig sind und diese edle Tugend besitzen, können wir nicht eher wissen, bis uns ein Feind angreift, der uns nach Ehre, Gut und Namen trachtet; denn wer da gleich in Zorn entbrennet, flucht, schilt, droht, bei dem wohnt der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmuth, Schuß gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief und sich in des Kaisers Schutz begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Ap. Gesch. 25, V. 11.. 4) Es steht wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere sich in Grimm und Bitterfeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drückt, 191 um Sanftmuth. will Gott eine Probe unsers Glaubens sehen und zur Erkenntniß der vorhergegangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepreßt haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmuth sind: im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, V. 44, ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gute gönnen, nicht alle Scheltworte hören, nicht Alles beantworten, und zur Versöhnung willig sein. Gebet. O du liebreicher Gott, der du die Liebe ſelbst bist, und willst deine Liebe in unsere Herzen ausgießen durch den heiligen Geist, ach ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oftmal gar widerspenstig und unbändigist. Es sollte in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit sein, zur Zeit wenn mich mein Feind drängt, verfolgt und haßt; aber ach, ich finde leider anstatt dieser christlichen und nothwendigen Tugenden Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn. ich aber, o Gott, aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches thun, nicht sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der 192 Der gläubige Christ bittet Kinder Gottes und wahren Christen Art, adh, so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaft und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott, und gib mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Erempel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohte, daß er sich an ihnen künftig rächen wollte, da er litt, stellte er aber vielmehr Alles dem heim, der da recht richtet. Ach gib mir einen solchen stillen, sanftmüthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lassen, sondern, ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch einschlafe, meinen Widersachern von Herzen verzeihen möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge sein wie ein Tauber, der nicht hört, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet. Hingegen gib Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohlgeht, daß um Sanftmuth. 193 ich ihm alles Gute wünsche, gönne, ja ihm gerne helfe und wohl thue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten, noch Gebärden und Werken spüren lasse, sondern wie gegen Jedermann, also auch gegen meine Feinde, in dem Herzen sei mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mit Gebärden holdselig, auch mit Werken wohlthätig, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert und all mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gib, daß ich von Herzen verzeihe und vergebe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Missethaten verzeihen ſollst, daß ich nicht täglich wider mich selbst beten möge. Laß auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig find die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider diese Tugend aufsteigende Luft, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleinst durch deine Gnade auch in die Heimath des Friedens versetzt werde. 13 Der gläubige Christ bittet um Sanftmuth. O Seele, schaue Jesum an, Hier kannst du recht erkennen Was wahre Demuth heißen kann, Und was wir Sanftmuth nennen; Er stellet sich zum Muster dar; Wie Jesus nun gesinnet war, So sei auch du gesinnet. Das Böse sucht' er alsobald Mit Gutem zu vergelten; Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten. Er gibt es seinem Vater hin, So sanft ist deines Jesu Sinn; So sei auch du gesinnet. Amen. 194 Gesang. Mel.: Ach was soll ich Sünder machen 2c. 1. Sieh' doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott, ach höre doch! Großer Gott, du lebst ja noch! Sieh', wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast aus Zorn anspeit. 2. Höre Herr, ach hör' sein Schelten. Aber ach, verleih' mir Gnad', Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mög' vergelten, Was er wider mich ausübt, Und mich auf das Blut betrübt. 3. Gib, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt Und für Gutes Bös vergilt, Daß ich in Geduld mich fasse Und ertrage als ein Christ, Was dem Fleisch beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir auf's schlimmste flucht, Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög' begegnen Mit gelaff'nem stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Lasse mich auf Jesumsehen, Der da gar nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bös vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gotteskind Stets mit Sanftmuth überwind'. 6. Ach laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir setzet zu, Daß ich ihm da Gutes thu', Daß in meinen Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, duwollest ihn bekehren, Daß er werd' hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. Der gläubige Christ erkennt die immerwährende Güte Gottes. 195 8. Ach du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich gethan, Rechne doch es ihm nicht an, Und du woll'st uns Gnad' verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried' und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, Daß wir sterben als versöhnt, Und mit deiner Gnad' gekrönt, Laß uns beid' den Himmel erben, Zu der Lammeshochzeit geh'n, Und dein Antlitz ewig seh'n. Der gläubige Christ erkennt die immerwährende Güte Gottes. Aufmunterung. Klagl. Jer. 3, V. 22. 23. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währet in Ewigkeit, wie David im 136. Pf. denn seine Güte währet ewiglich, bei allen Versen wiederholt. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für es sorgt, es verpflegt und erzieht; so thut auch Gott an uns Menschen. Dieses erkennt nun ein gläubiger Christ, und zwar 1) daß es eine unverdiente Güte ist. Ach das haben wir nicht um Gott verdient; wollte er nach unserm Verdienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken. 2) Es ist eine uns nothwendige Güte; wäre Gott nicht so gütig und barmherzig, so müßten wir verschmachten und vergehen und würden nicht einen Tag, ja nicht eine Stunde leben. Denn wie ohne die Luft keine Creatur leben kann, also können die Menschen auch nicht bestehen ohne die Güte Gottes Ja, was das Meiste, es ist 3) eine immerwährende Güte; wenn ein gläubiger Christ sein ganzes Leben ansieht, von seiner Geburt an, in seiner Kindheit, Jugend und den fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes. Was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirket; 13* 196 Der gläubige Christ erkennt was wir besitzen im Leiblichen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern, es ist 4) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; auch über sie lässet Gott seine Sonne scheinen, er gibt ihnen Nahrung und Kleidung; nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein gläubiger Christ läßt sich aber durch Gottes Güte auch zur Buße, zur Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er also auch derselben genießen wird bis in den Tod, ja in alle Ewigkeit. Gebet. Gott, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkestsiemit Wollustals mit einem Strom. Nun solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott, sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja alle Jahre neu gewesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegmutter auf die Arme genommen und hat mich erzogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführt und aller Orten begleitet. Deine Güte hat in den erwachsenen Jahren mich versorgt, erhalten, ernährt, und mir viel Gutes beschert. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebt, deine die immerwährende Güte Gottes. 197 Leuchte hat über mir geschienen und mich mit Segen, Guade und Trost erfüllt. Diese deine Güte hat mich oftmals bewahrt vor Unglück und Schaden, deine Güte und Treue hat mich alle Wege behütet und ist mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möge. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlischem Lichte ausgeschmückt, durch dein Wort mich erleuchtet, durch den heiligen Geist mich ge heiligt, und zu deiner wahren, lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach mein Gott, laß deine Güte ferner über mir walten und verlaß mich nicht im Alter, wann ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schooß, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wiederum auf den Weg der Buße und des Friedens, 198 Der gläubige Christ erkennt die immerwährende Güte Gottes. und laß mich deine Gnade genießen, hier zeitlich und dort ewig. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir und lobe dich von Grund meiner Seele. Nicht allein lobe ich dich allhier, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott, auch preisen dort in alle Ewigkeit. Drum, o meine Liebe, Die ich oft betrübe Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüthe Wegen deiner Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft gar unverhofft, Hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Zagen. Amen. Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 1. Gottes Liebe, Gnad und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüthe, Und auch seine Batertreu': Gott hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen kann, Ich hab'alle Tag'und Stunden Gottes Tren' und Güt'empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergeh'n Reichlich mir aus Gnad' gegeben, Sondern er läßt mich auch seh'n, Wie es seiner Güt' gefällt, Daß er A noch erhält; Ja, mit jedem frühen Morgen Hebt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe Und die wahre Seelenfrend', Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich ein Leiden quält, Hülf, wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt' hab ich erfahren In dem ganzen Lebenslauf, Und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich Morgens früh aufsteh', Und des Abends schlafen geh', Läßt sie mir's an meiner Seelen Nie an etwas Gutem fehlen. Der gläubige Christ erwägt die fünftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 199 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen In der frohen Ewigkeit. Ach mein Gott, ich bitte dich, Laffe deiner Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd' die Augen schließen. Der gläubige Christ erwägt die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. 1. Joh. 3, V. 2. 3. Meine Lieben, wir sind nun Kinder Gottes, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. Ein jeglicher wahrer Christ soll dreierlei täglich, ja stündlich erwägen; wer er sei, nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe, nämlich einen Vater, einen Wohlthäter und den allerbesten Freund; und was er von Gott noch zu erwarten habe, nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken und Haß und Verachtung gegen die Welt und alles fündliche Leben erwecken. Denn 1) große Herrlichkeiten haben die Gläubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeit ist Silber, Gold, Geld und alle königlichen Kronen für Nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gesellschaft der heiligen Engel und Auserwählten, die Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlsein und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein gläubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, fich derselben bei vorfallenden Trübfalen trösten und sich versichern, 200 Der gläubige Christ erwägt es werde dereinst alles Leiden in ewiges Jauchzen verwandelt werden. Sonderlich aber soll er 4) diese Herrlichkeiten nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, sondern gedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibt er im Glauben und in der Lebens- Heiligkeit, sieht das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlassen muß, hingegen schickt er sein Herz oft dahin, wo er ewig wünscht zu sein. Gebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, daer gefallen war, wiederum eine große Herrlichkeit zugesagt haft Allen, welche da werden die Gnade annehmen und im Glauben und heiligen Leben dem Trieb deines heiligen Geistes folgen. Denn solche wiedergebornen und geheiligten Seelen können sich trösten, sie haben in dieser Zeit schon eine große Herrlichkeit, nämlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Christi, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher fie allezeit getrost in ihrem Gebet treten, und von der sie in Nöthen Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere kommen nach dieser Zeit; denn wenn die Seele vom Leib 201 die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. geschieden ist, so soll sie sogleich gelangen zum Anschauen deines Angesichts, sie soll deinen Heiligen zugesellt und mithimmliſcher Freude erfüllt werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verklärt werden und leuchten wie die Sonne. Ach mein Gott, verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichfeit möge allezeit vor Augen haben, wie ich im Sterben recht werde anfangen zu leben, wie im Tode mein Glend, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde, und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trübsal zur Freude, aus der Angst zur Wonne, aus der Traurigkeit und dem Jammerthal zum Trost gelangen soll. Ach erhalte mich im Glauben und in der Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, gedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß ich, wie die Läufer, so in den Schranken liefen, aufmerksam waren auf alle Tritte, damit sie das Kleinod erlangten, auch möge 202 Der gläubige Christ erwägt die künstige Herrlichkeit der Kinder Gottes. vorsichtig wandeln und nicht als ein Unweiser, sondern als ein Weiser, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt soll werden, Durch Christum neu verklärt, Wird leuchten als die Sonne, Und leben ohn' alle Noth, In himmlischer Freud' und Wonne; Was schad't mir dann der Tod? Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. 1. Sieh, es ist Alles mein, Zum Eigenthum gegeben, Was Gott nur ist und hat, Ja schon in diesem Leben Ist es schon Alles mein, Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreue, Verpflegung, Lieb' und Schuß Wird alle Morgen neue. Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Noth. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt ich mich nicht erfreuen! Was darf ich Noth und Tod, Das Grab und Erde scheuen! Sein Blut, Gerechtigkeit Und sein Verdienst ist mein, Soll ich deswegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn der hat mich geschmücket Mit Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb' ich beglücket In diesem Thränen- Thal; Mein Jesus schenket mir Dies Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. 203 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben Mein Jesus, da er ist Am Kreuz für mich gestorben. Ich leb' min oder sterb', So weiß ich wohl wohin, Weil ich durch Jesu Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schätzen, Denn diese Schätze sind's, Die mich allein ergötzen; Ja selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab' Von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil In vollem Glanz anheben, In Frieden, Trost und Ruh', In jenem Freudenleben, Da werd' ich herrlich sein, In froher Himmelspracht, Und werd' da ewig sein, Wohin ich stets gedacht. Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Psalm 51, V. 3. 4. Gott sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Einen gnädigen Gott zu haben, ist wohl der seligſte Stand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichthum haben, geehrt sein, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit; aber sie betrügt sich, das Alles muß vergehen, und bringt oftmals ein böses Gewissen, schwere Verantwortung und einen unseligen Tod. Gläubige Christen untersuchen deshalb 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so denken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben; sie bereuen sie, fie trauern darüber und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demüthig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners widerfahren lassen, so trösten sie sich dessen, trachten 204 Der gläubige Christ beichtet aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich von dem heiligen Geist regieren lassen; sie befleißigen sich eines christlichen Lebens und beweisen solches auch in Reden, Worten und Werken, fliehen die Laster und vorigen sündlichen Gewohnheiten; alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. Gebet. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach mein Gott, ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig erzürnt habe mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken. Herr, Herr, das betrübt mich und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Weide und zum Glied an deinem Leibe, darum ich deine Stimme allein hören und dir gehorsam ſein ollte. Ja ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder geben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach, was soll ich sagen! ich habe mehr die Stimme der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehört und habe vielfältig gethan, was dir zuwider ist. O der Blindheit meines Herzens! O der Thorheit und bittet Gott seine Sünden ab. 205 meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich und meiner Sünden sind mehr, als des Sandes am Meere. Ach nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich. Ach mein Vater, rechne mir nicht zu, was ich Zeit meines Lebens Böses gethan, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan; ich ergreife sein für mich vergossenes Blut in wahrem Glauben, ich eigne sein Verdienst mir zu und spreche: Ach um Jesu willen sei mir armem Sünder gnädig. Ich will hinfort ein neues und frommes Leben anfangen und wider dich, o dreieiniger Gott, nicht mehr muthwillig und vorsäßlich fündigen. Jesu voller Gnad'! Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedenke, In's Meer fie tief versenke. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ach geh' nicht in's Gericht Mit deinem armen Kinde, Ach Bater, schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab' ich Der gläubige Christ beichtet gefündiget Und Ulebels oft gethan, Ach, ach, nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 206 2. Ich benge meine Knie! Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach Vater, sieh' nicht an Die große Missethat, Ach, ich verhehl' sie nicht, Ich bitte dich um Gnad'. 3. O wehe, daß ich hab', O Vater, dein vergessen, Und bei der Sünder Schwarm Mit Lust und Freud' gesessen; O wehe, daß die Sünd' Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel' In diesen Stand gebracht. 4. Ach laß in Jesu Blut Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm, Durch ihn getilgt, verschwinden; Schau' mich in Jesu an, Und schenk' mir deine Huld, Vergib mir meine Sünd', Erlaß mir alle Schuld. 5. O werther guter Geist! Der du mir Kraft gegeben Zur Buß' und Besserung, Ach ändre ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien' nun immerdar, Wie ich ein Sündenknecht Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad' Der Sündenlust absterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben. So lang' der Athem noch Bei mir geht aus und ein, So lang' soll Herz und Geist Nur dir gewidmet sein. Ein anderes Beichtgebet. Herr, allwissender Gott, vor dem Nichts verborgen ist, du siehest Alles was wir Menschen thun, und hörest was wir reden. Ach, wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredet, gedacht und begangen habe. Ach wie viel Böses hast du von mir bisher gehört und gesehen, darum du wohl Ursache hätteft, 207 und bittet Gott seine Sünden ab. mich als ein ungehorsames Kind ewiglich zu verstoßen und gar in die Hölle zu stürzen. Aber siehe, ich komme in der Gnadenzeit, ich schäme mich, meine Augen vor dir auf zuheben, und spreche: Gott sei mir Sünder gnädig. Ach strafe mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdient habe. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach der großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ja, um Jesu Blutes und Todes willen erbarme dich über mich. Herr, Herr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewig zürnen, sondern dich meiner wieder in Gnaden erbarmen. Ach handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Ach Gott, du haft gesagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach erbarme dich auch über mich, erzürnter Gott! siehe mich nicht an in meinen Sünden, sondern siehe mich an in Jesu, deinem Sohn, meinem einzigen Heiland, Mittler und Seligmacher. Um seines vergossenen Blutes willen erbarme dich über mich! um seiner heiligen Wunden willen erbarme dich über 208 Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. mich! um seiner vollgültigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife, erbarme dich über mich! Laß mich den Troft in meinem Herzenempfinden, mir seien meine Sünden vergeben, ich sei durch Jeſum, meinen Heiland, mit dir versöhnt. Ich will durch deines heiligen Geistes Kraft mein Leben ändern, mir deine allerheiligste Gegenwart vorstellen und denken: Ich geh', steh', und was ich immer thu', so stehest du da und siehst mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. Ich komme jetzt zu dir allhier In meiner Noth geschritten Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten, Verzeihe mir doch gnädiglich Was ich mein' Tage wider dich Auf Erden hab' begangen. O Herr mein Gott! Vergib mir's doch Um deines Namens willen Und thu' in mir das schwere Joch Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb' Und dir hinfort zu Ehren leb' In kindlichem Gehorsam. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht? Ach, ach, was hab' ich doch begangen, Daß ich hab' meinen Gott veracht't? Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach geh' nicht mit mir in's Gericht! 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit; Ich hab' mich aber nicht bekehret In meiner großen Sicherheit. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Gericht! Ach geh' nicht mit mir in's Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 209 3. Erzürnter Gott, verzeih' mir Armen, Verzeih' mir meine schwere Schuld; Ach schenke mir durch dein Erbarmen, Um Jesu willen, Guad und Huld. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach geh' nicht mit mir in's Gericht! 4. Ich fliehe hin zu Jesu Wunden, Als welcher mich erlöset hat; Wo alle Sünder Gnad' gefunden, Da hoff' und suche ich auch Gnad'. Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach geh' nicht mit mir in's Gericht! 5. Ich ändre mun mein böses Leben Und fang' ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben Und nicht mehr thun was ich gethan. Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach geh' nicht mit mir in's Gericht! Der gläubige Christ betet bei dem Genuss des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. 1. Cor. 11, V. 29. So oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Unter andere Stärkungen des Glaubens, der Liebe gegen Gott und den Nächsten, gehört auch das heilige Abendmahl, in welchem sich Jesus will mit unsern Seelen vereinigen, darin wohnen, dieselben regieren, heiligen und in der Frömmigkeit erhalten bis an's Ende. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein gläubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Rachgier, Hochmuth und Wohlleben so zerstreut sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es geht ein glänbiger Christ auch nicht aus Gewohnheit zum heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demüthigen, andächtigen und gläubigen Herzen, welches da ist voll guten Vorsatzes, in der Liebe Jefu und in Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott ganz ergebe, fraft dieser 14 Der gläubige Christ betet Seelenspeise alle Tage frömmer, andächtiger und eifriger werde in seinem Christenthum und in der Ausübung christlicher Tugenden, ja seinem Gott im Glauben und in der Frömmigkeit treu verbleibe bis in den Tod. 210 Sebet. Mein Jesu! wie kann ich genugsam deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod gegeben, sondern daß du mir auch deinen heiligen Leib und dein theures Blut zu einer Seelenspeiſe in dem heiligen Abendmahl verordnet hast! O Liebe, dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich in dir und du in mir, du lebst in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke; daher kann mich meine Sünde nicht schrecken und Satan kann mich nicht verdammen, denn in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünde. Hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, hier empfange ich das Blut, das für mich ist vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilgt worden. So gewiß ich nun dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit Gott versöhnt, und habe Ver bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 211 gebung aller meiner Sünden. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sacrament, so ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand und das neue Leben gegeben, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sacrament, gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach mein Gott, heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Gib, daß meine Gedanken allezeit mögen bei dir sein; vertreibe aus meinem Herzen alle sündlichen Einfälle und Begierden und Alles, was mich in meiner Andacht hindern kann, damit du in mir beharren könnest, und ich in dir sein und bleiben möge in alle Ewigfeit. Jesu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich ja nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden Komm' zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch wie hier auf Erden, Mög' ein Gast des Himmels werden. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. O Jesu, meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab' vor deinem Angesicht Dein Liebesmaht 14* Der gläubige Christ betet empfangen; Ach wohne doch hinfort in mir, stets vor dir In wahrem Glauben prangen. 212 Damit ich möge 2. O Liebe, die du mich so liebst, Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise gibst, Ach, daß ich ewig bliebe Mit dir, o Lebenslicht, vereint, Und durch dein theures Blut gereint, Daß mich Nichts von dir triebe! 3. Der Vater hat mir heut geschenkt Den Frieden unserer Seelen; Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nun mehr in Jesu bin, So ist die Sündenangst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt Mit seiner süßen Freude; Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelenweide. Dein Leib, o Jesu, und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist gibt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuet; Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Das bei Gott Trost und Gnade find't, Das kein' Ungnad' mehr scheuet. 6. Gott Lob! der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb und Gnad' Mir Armen zu erweisen; Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit, Mit stetem Lobe preisen. Ein anderes Gebet. Bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Jesu, da ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich gedenke an deine Liebe, wie du mir zu gut in die Welt gekommen bist, daß du mich möchtest zum Erbendes ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen sind von mir bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 213 genommen und deine Gerechtigkeit mir ist geschenkt worden. Ich denke an deinen Tod und an deine Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit ist mitgetheilt worden. Ich weiß, o Jesu, um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und die Himmelsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu, bin, und du in mir bleibest. Ach, so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und regiere darinnen, laß mich dein Eigenthum sein in Zeit und Ewigkeit. Dein heiliger Leib speise mich, dein heiliges Blut tränke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schaß nimmermehr wieder verliere, sondern daß du, mein Jeſu, hinfort in mir leben, regieren und wohnen mögest. Mußte in der Wüste das Manna in ein rein Gefäß gelegt werden, ach, so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen und beständig zu meines Glaubens Stärkung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werther heiliger Geist, erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre 214 Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. mich, daß ich nicht wiederum muthwillig sündige und aus der Gnade falle, damit das Lezte mit mir nicht ärger werde, denn das Erste; sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in der Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit, möge davontragen. Jesus sei mein Speis' und Trank, Jesus sei mein Lobgesang, Jesus sei mein ganzes All, Jesus sei mein Freudenschall. Endlich laß, o höchstes Gut, Jesu, laß dein theures Blut, Deine Wunden, deine Pein, Meinen Trost im Tode sein. Amen. Sesang. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c. 1. Mein Jesu, sei gepreiset, Daß du mich hast gespeiset Mit dieser Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seele Leben, Ist mir jetund gegeben, Dein Blut hab' ich genossen, Das du für mich vergoffen. 3. Weil Jesus zu mir kommen Und mein Herz eingenommen, So ist er nun der meine Und ich bin auch der seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig; Er wird mir Gnad' erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu, Seel' und Leben Will ich dir ganz ergeben, Ach mach's mit mir in Allen Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht ver= lassen; Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von Jesu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, deinen Erben, Hinauf zur Freud'und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. 215 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Röm. 6, V. 12. 13. Lasset die Sünde nicht herrschen in euerm sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die aus den Todten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Ulebertretung des göttlichen Gesetzes, sie ist das Unrecht. Nun aber will ein gläubiger Christ nicht gern von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten und Unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen in's Werk richten kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf besteht darin: 1) Der gläubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Vorsatz und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsätzlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er auch gern sein ganzes Herz mit Seele, Geist und Leben seinem Gott heiligen, hingeben und weihen wollte, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, das er geredet, es betrübt ihn ein aufsteigender, böser, sündlicher Gedanke, und so er in der That Gott oder den Nächsten beleidigt hat, so seufzt er darüber. In diesem Kampf 3) nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen, die Sünde und Welt überwinden. 4) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüste und Gedanken desto mehr Acht haben, auch die Orte und Personen meiden, dadurch er in Sünden kann gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert sein, weil er in einer heiligen Verfassung steht und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, 216 Der gläubige Christ bittet, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja das Herzliche Verlangen ihm lassen wohlgefallen. Gebet. Starker und allmächtiger Gott, der du Alles weißt, was in dem Menschen ist, ach, du siehest, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde; ich wollte gern von Herzen fromm sein und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebt dem Gesetz in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stünde nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oftmals erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigner Wille, eigne Ehr, Neid und Widerwillen gegen den nächsten zeigen, daß sündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja, daß ich fündige mit unbedachtsamen Worten und unanständigen Werken. Ach, ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich, Herr, so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Licht und durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes Uebel, mein Verderben Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. 217 und meine Plage sei, wovon ich gern frei werden wollte, daher ich dawider in deiner Kraft kämpfe und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübt mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehst ja, mein Gott, wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften; darum komme ich zu dir und bitte dich, gib mir Kraft, der Sünde zu widerstreben; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen und mein Herz reinigen, laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmüthig werden will, daß er mir alsdann zurufe und ſpreche: Denke, du bist ein Christ, denke du bist ein Kind Gottes, oder willst ein Kind Gottes sein; damit ich möge sanftmüthig, demüthig und fromm werden. Herr, du haft mir das Wollen gegeben, gib mir auch das Vollbringen. Stärke mich an dem inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen und über sie herrschen möge. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. 218 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider bie Sünde. Nun, ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Ach hilf mir, mein Gott, Und gib, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christenthum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augendienst und Heuchelei. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich leb' noch in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen Was auf's höchste mir mißfällt, Nämlich Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft't; Gott will ich mein Herz ergeben Und in ihm beständig leben, Mein Herz soll sein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd' ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben Ihre Weis und Sündenfrend'; Ich will immer sein beflissen, Daß ich hab' ein gut Gewissen, Daß es hier bleibt unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein; Was von Welt geleeret stehet, Wird mit Gott erfüllet sein; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel' doch himmlisch werden; So ist meinem Leben wohl, ist freudenvoll. Und die Seel' 5. Ach mein Gott, verleih' aus Gnaden, Daß ich ja geh' aus bei Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seele Seligkeit; Wer der Welt Gewohnheit liebet, Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und er stirbt dann ohne Gott. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, selbsten ab, Eh' der Tod mich heißet ziehen Sondre du mich Aus dem Leben Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. 219 in das Grab; Ja ich will der Welt absterben, Und entgehen dem Verderben, So komm' ich in's Himmelszelt, Wenn ich ausgeh' aus der Welt. Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. Aufmunterung. Röm. 12, V. 1. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei; welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind. Dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und Alles, was wir haben, Gott auch wiederum aufopfern. Die Opfer des Alten Testaments, daran Gott sollte einen Wohlgefallen haben, mußten 1) freiwillige Opfer sein. Der Mensch muß nicht in der Welt fromm leben aus Furcht vor der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist sein Opfer ein gezwungenes Opfer; ja wenn auch keine Hölle wäre, so wird ein wahrer Christ doch aus Liebe sich Gott zum Eigenthum ergeben. 2) Die Opfer mußten Gott ganz, mit Kopf, Eingeweiden und Schenkeln, und nicht halb gebracht werden; deshalb sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften ihn lieben und uns ihm ergeben; ein halbes, getheiltes Herz und Opfer verwirft Gott. 3) Die Opfer mußten unbefleckt sein, darum man kein Lahmes und Blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns deswegen hüten, daß wir die Seele und den Leib nicht beflecken; denn eine mit Sünden und Schandthaten verunreinigte Seele mag Gott nicht in seine heiligen Hände und in seinen Himmel aufnehmen. 4) Gott hat sonderlich ein Belieben getragen an Opfern, welche noch jung waren, an jährigen, zweijährigen Lämmern, uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekennung nicht sollen warten bis in das hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in blühender Jugend, Gott 220 Der gläubige Christ will sich zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht Gott wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem Vorhaben, sich Gott zum Eigenthume zu übergeben, beständig sein. Sebet. Herr, Herr Gott, der du deinem Volk Israel befohlen, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir mußten ganz geheiligt und übergeben werden, siehe ich bringe dir mein gläubiges und bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater, erschaffen, daß ich soll sein dein Eigenthum. Du hast mich, o liebster Jeſu, erlöset mit deinem Blut, daß ich in deinem Reich soll leben und dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Du hast mich, o werther heiliger Geist, geheiligt, daß ich soll sein deine Wohnung, und daß Christus in mir lebe. O darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar aufopfern und ergeben. Ich opfere dir auf meinen Willen; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen und ihn niemals mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidingen mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle du mit einem leben Gott zum Opfer geben. 221 digen Glauben, mit deiner Gnade, mit deiner Liebe, mit einer wahren Frömmigkeit. Mußte von allen Opfern dir das Fett sonderlich geopfert werden, ja würde ohne dasselbe kein Opfer dir angenehm gewesen sein, so laß dir auch meine Gabe gefallen. Ist solche ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach, so wasche es mit dem Blute Jesu Christi, welches ich in wahrem Glauben annehme; reinige du es ſelbst durch deinen heiligen Geist, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regiereft und herrscheft. Ich opfere dir auf mein Leben; daß will ich nach deinem heiligen Wort und nach dem guten Trieb des heiligen Geistes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder; hilf, daß fie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögen geheiligt bleiben. Wie das Geopferte mit Niemand mehr Gemeinschaft haben durfte, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern und von ihrer Gesellschaft wegbleiben. Ja ich will mich dir aufopfern, dieweil ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette; denn da möchte es 222 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. etwa zu spät sein. Ach Herr, der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend, haft Opfer angenommen, siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich dir es etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe, habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du doch deswegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe dir es im Glauben wie Abel; ach schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit! Ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigenthum verbleiben. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, ich bin dein, Niemand kann uns scheiden; Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben; Du bist mein, weil ich dich fasse, Und dich nicht, mein Licht, Aus dem Herzen lasse; Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich, Und ich dich Liebend werd' umfangen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten, 2c. 1. Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb' auf Erd' Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 2. Gib, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif' in wahrer Zuversicht, Und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß verlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 3. Und daß ich mög' die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und Alles, was da mich kann scheiden Von dir Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 223 und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 4. Ja daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle, Und nicht versäum' die Gnadenzeit Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 5. So kann ich endlich selig sterben Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab'. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung. Psalm 37, V. 37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der Herrlichsten Tugenden, nicht allein weil sie eine Frucht des Glaubens ist, sondern auch weil sie des Menschen Seele, Leib und Ehre vor Sünden und Schanden bewahrt. Diese Tugend ist eine Zierrath der Jugend und steht dem Alter auch wohl an. Gott selbst ermahnt den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandele vor mir und sei fromm, Genef. 17, V. 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn die findet man auch bei den Heiden; sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem innern Grund der Seele. 2) Zu solcher Frömmigkeit gehört nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen finden, da kann man nicht sagen, daß er fromm sei. 3) Dieſe Frömmigkeit soll aber beständig sein bis ans Ende. Es iſt nicht genug, zwei oder drei Tage fromm sein, wenn man will zum Heiligen Abendmahl gehen, sondern hier muß Hiobs Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Entschluß gelten: Bis mein Ende kommt, will ich nicht mehr weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27, V. 5. 4) Wie un solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt hat, so hat sie auch die herrlichsten und schönsten Verheißungen, nämlich dieses und des zukünftigen Lebens. 224 Gebet. Heiliger Gott, ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und mein sündliches Wesen bedenke. Du rufest auch mir zu: Wandele vor mir und sei fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Aber ach, meine Frömmigkeit iſt leider noch nicht weit gekommen; ich bin leider in die Welt, in das Weltwesen, in die Weltgewohnheiten, Welteitelkeiten bisher geflochten gewesen; wo aber die Welt eingehet, da gehet Christus aus, und wo die Weltliebe sich befindet, da hört die Fröminigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Gläubigen und Frommen dir angenehm sind, ach so gib mir ein frommes Herz. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum aufrichtig und rechtschaffen sei, nicht Augendienst Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 225 und Heuchelei. Verleihe mir Gnade, daß ich mich möge einer wahren Frömmigkeit befleißigen, nicht etwa nur zum Schein und äußerlich, sondern daß meine Frömmigkeit möge im Herzen anfangen, daß ich dich über Alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe, ja daßich allezeit, wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen siehet, ob sie es auch erlauben, so ich auch möge erst in dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen anstehe. Ist so mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nicht Unanständiges rede; ja meine Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun mein Gott, ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefaßt, gib mir dazu Gnade, Kraft, Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Chrifti willen. Was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumt, will ich nun mit desto größerem Eifer ersetzen und in Zukunft nicht nach der Menschen Lüften, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott, von Herzen und im ganzen 15 226 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Leben fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch selig sterben könne. Dazu gib mir deines Geistes Kraft von oben herab um Jesu Christi willen. Gib mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben, Das soll mein Reichthum sein, Den ich begehr' zu haben, Das soll sein meine Zierd', Mein Ruhm und schönste Pracht, Denn fromm sein wird bei Gott Und Engeln hoch geacht't. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden Soll künftighin darin bestehn, Daß ich von Herzen fromm mög' werden Und auf den Himmelswegen gehn; 3ft Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde, Ist dieses nicht ein großes Glück! Drum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Hasse, Neid und Tück; Denn Gott weiß wohl, was sie anficht, Der treue Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gebrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie heraus gerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit; Ihr Trauern wird in Freud' verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei; Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, Der Herr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud', Sie werden großen Segen finden Nach ausgestand'nem Herzeleid; Gott wirft in's Feuer solche Ruth', Die seinen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Noth sie stürzen wird; Ist gleich die Noth am allergrößten, Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. 227 So bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt; O Schäflein, habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann, Drum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: Nun ist das Unglück da, So sprechen sie: Und Gott ist nah. 8. Die Frommen wird schon Gott versorgen, Als welcher ihrer sich annimmt; Ihr Seufzen ist ihm unverborgen, Drum hat er schon die Stund' bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud' erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Jesum Christ, Sie werden Kron' und Himmel erben, Der ihnen längst bereitet ist; Sie sind schon selig in der Zeit Und kommen dort in Herrlichkeit. Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. Aufmunterung. 2. Cor. 1, V. 12. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugniß unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. Die meisten Menschen tragen Sorge für ihren Leib, denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach, daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten! Das Gewissen ist 1) gleich dem Ange, welches kein Stäublein leiden kann; es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter; ja das Andenken der Sünde bleibet im Gewissen, wie Narben im Gesicht. 2) Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen die Zeugen sein, dawider man Nichts wird einwenden können, weshalb dann auch das Gericht bald wird geschehen sein, weil man diesen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein gläubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten, 3) wenn er fleißig Gottes Wort hört und 15* 228 Der gläubige Christ bittet liest und darnach sein Leben einrichtet, und in Allem, was er sich vornimmt zu reden und zu thun, gedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Worte erlaubt; wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgeht, leicht gebrannt oder geneßt wird, also wird das Gewissen durch Umgang mit gewissenlosen Leuten leicht verletzt. 5) Sonderlich wird das Gewissen bewahrt durch ein andächtiges, eifriges Gebet und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, vor dessen Augen wir immer wandeln. Gebet. Herr mein Gott, wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest. Du gibst uns Leben und Gesundheit, und läsfeſt es uns wohl ergehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach mein Gott, dieses Alles sind deine Geschenke und Gaben; aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gesunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein rein und unverleßt Gewissen ist. Darum, o mein Gott, erbarme dich über mich und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verleße. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe nur das geringste Stäublein kömmt, so ist es unruhig, es thränt, es wird roth, und man kann es nicht recht aufthun; so gehet es auch mit dem Gewissen: hat man wider dasselbe Etwas vollbracht, so wird es un um ein unverletztes Gewissen. 229 ruhig, es verklagt, verdammt, und wenn es recht aufwacht, so getrauet man sich nicht, ſeine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein Gott, ich möchte gern eine unverletzte Seele und ein rein Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach, wie ist ein gut Gewissen ein so edles Kleinod und sanftes Kissen! Wer will mich verklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreuet? Wer kann mich ängsten und kränken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? mein Gott, laß mich diesen Schaß wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals Etwas reden möge, daß mir eine Gewissensangst verursachen könne. Hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse That einwillige, wodurch ich eine schwere Laft auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben oder auf dem Todbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken Der gläubige Christ bittet könnte. Ach bewahre mich vor dem Beißen des Gewissens und vor Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten christlich und behutsam aufführe. Gib, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, vordir Böses zu thunmich scheue und gedenke, du seist ein Herzenskündiger, vor welchem Nichts verborgen ist; und da ich mich nicht kann vor meinem Gewissen verbergen, sondern dessen Bestrafung, wenn ich Böses thue, so bald fühlen muß, daß ich mich noch weniger vor dir, o allsehender und allwissender Gott, werde verbergen können. Gib, daß ich aufsehe auf Jeſum, meinen Heiland, und dessen heiligen Fußstapfen folge. Gib, daß ich dein Wort, als meine Glaubensregel, nimmer lasse von meinem Munde kommen, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch sein meine Lebensregel, damit ich nicht vorsäßlich dawider fündige, sondern mich in allem meinem Thun darnach richte. Ach Herr Jesu, reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blut, verzeihe mir alle meine Sünden und schenke mir die stille wahre Herzens- und Gewissens230 um ein unverletztes Gewissen. 231 ruhe. Ach, dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverlegt, und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn' den Nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben, Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewiffen bleib'. Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ist mein Gewissen frei, Was frag' ich nach den Leuten, Die all' mein Thun verdrießt, Die Alles übel deuten, Was nur von mir geschieht. Im Himmel ist, der zeugt Von allem meinem Thun Und der gewiß nicht leugt. 2. Ist mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt; Was darf ich darnach fragen, Was man mir falsch aufbürd't, Und von mir übel spricht? Denn mein Gott siehet wohl, Wie Unrecht mir geschicht. 3. 3st mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden, Ob man mich schon verdammt; Bin ich bei Gott in Gnaden, Was frag' ich nach der Welt? Mein Richter ist ja Gott, Drum ficht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 4. Ist mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten Und darf vor meinen Gott Mit Freudigkeit hintreten; Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd' befleckt. 5. 3st mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Ihr Tadeler gedenkt, Gott kennet euch und mich, Drum sprecht hinfüro nicht Von mir so freventlich. 6. Mein Gott, du weißt, daß ich nicht hab' die That begangen, Von wegen dieser Sünd' Kann meine Unschuld prangen; Mein Herz ist unbefleckt, Die Hände sind auch rein, Und kein Gewissenswurm Kann mir beschwerlich sein. Gläubige Eltern tragen Gott 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen, Wenn man läßt über mich Ein schnödes Urtheil gehen; Ach rechne Keinem doch Die Missethaten zu Und gib mir Freudigkeit Und innre Seelenruh'. 232 Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. Aufmunterung. Jesaia 8, B. 18. Siehe, hier bin ich, und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat, und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, B. 12. Ist Etwas, was frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind theure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, 1) so tragen sie dieselben Gott fleißig im Gebet vor schon ehe sie geboren werden, und hernach kommen sie niemals vor Gott, sie bringen denn ihr Kind mit. Es bitten aber fromme Eltern absonderlich, daß Gott ihren Kindern gebe ein frommes Herz und den heiligen Geist, der sie heilige, regiere, führe. Dieses ist der wahre Grund ihrer Glückseligkeit, gegen welchen Reichthum, Geschicklichkeit, Klugheit nichts zu achten sind. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehört, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf, sondern daß sie dieselben unterrichten lassen in der Erkenntniß Gottes, sie zum Gebet und christlichen Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubniß geben, in fündlicher, eitler Menschen Gesellschaft zu gehen; denn, wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja sie spotten Gott mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrloseten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, indem sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande haben werden, bisweilen in ihrem Leben, doch gewiß ihre Kinder im Gebet vor. 233 nach ihrem Tode. Die versäumte Kinderzucht bringt auch Gottes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen 1 Sam. 2, V. 29. Cap. 4, V. 18. 4) Nachlässige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohlthat erwiesen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und preise. Diese meine Kinder aber sehe ich an als theure Pfänder, die du mir anvertraut hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie an als Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blute erkauft, die der heilige Geist in der heiligen Taufe geheiligt, und welche du zu deinen Kindern angenommen hast; darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagest zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, so soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnaden, komme ich zu dir und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deiner Ehre erziehen, sie vermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber 234 Gläubige Eltern tragen Gott ach, Herr, Herr, thue du dabei das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt; siehe, solches thue ich auch jetzt in meinem Gebet. Ach ſegne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen, erhalte ſie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nicht beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gib ihnen eingläubiges, demüthiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie wie das Kind Jesus zunehmen an Älter, Weißheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und ein unverletztes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach laß meine Kinder sein in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthumwohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben feusch, in ihrem Umgang gottselig, damit fie Niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben und dadurch ein schweres Gericht auf sich ziehen. Bewahre sie vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an ihre Kinder im Gebet vor. 235 deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seiest bei ihnen, zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei Tage, bei Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus- und eingehen, dein Engel bewahre sie, wenn ſie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind. Gib ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobia; führe sie durch dieselben aus der Gefahr, wie den Lot, und laß sie der Engel Schuß und Wacht genießen, wie den Jacob. Sollte dir es aber gefallen, mir auch ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch ihre Krankheit oder durch ihr Absterben, oder durch sonst ein Unglück, das ich an ihnen sehen müsse, so verleihe mir in solchem Leiden Geduld, daß ich gedenke, wie ohne dich Nichts geschieht, und daß die Kinder eher dein gewesen sind, als sie mein geworden, und daß du auch freie Macht hast, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben, als das wahre und vollkommenste Gut, so Gläubige Eltern tragen Gott erhalte mich auf diesem Dornenweg in festem Vertrauen und in der Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Kreuz, enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen deinen Segen, versorge sie, pflege sie, gib ihnen Nahrung und Kleidung und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit und ihr Rathgeber, wenn sie gutes Raths bedürftig sind. Gib meinen Kindern eine fromme Seele, gesunden Leib, guten Verstand und laß sie vor dir leben, damit ich Trost und Freude an ihnen haben möge. Ach Gott, erhöre mein Gebet und gedenke, es sind ja sowohl deine, als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem Thron deiner Gnade erhören. Bewahre mich, o Gott, daß ich keine Schande von meinen Kindern haben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen und zu deinem Preise sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren keins verloren. Ja mein Gott, verleihe mir Gnade, daß 236 237 ihre Kinder im Gebet vor. keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir, und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott, segne meine Kinder, Nimm dich ihrer treulich an, Thu' an ihnen auch nicht minder, Als du haft an mir gethan; Segne ihren Schritt und Tritt, Theil' den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohlergehen, Sie in deiner Gnade stehen. Amen. Sesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Du hast, o großer Gott, Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst sie auch Im Wohlsein und bei'm Leben; Ach, dafür dank' ich dir, Als eine liebe Gab', Die ich von deiner Hand, Mein Gott, empfangen hab'. 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, Drum komm' ich jetzt zu dir Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach pflanz' die Gottesfurcht In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle ihren Geist Mit wahrer Fröhlichkeit, Mit Keuschheit, Glaub' und Lieb' Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen; Schenk' ihnen Kraft und Stärk, Gib Weisheit und Verstand Und führ' sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte spüren; Gib ihnen Jakobs Glück Und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folgsam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend' ihre Augen ab Von Sünd' und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel' Vor Stolz und Sicherheit. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren. Und hab' selbst Acht auf sie, Bewahre ihren Tritt, Begleite fie and geh', Wo sie hingeh'n, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel gold'nes Heer Und immer auf sie seh'n, Daß sie in deiner Gnad' Und mildem Segen steh'n. 238 9. Und noch Eins bitt' ich dich, Das wollest du mir geben: Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand' erleben, Auch nicht nach meinem Tod. Ach Gott, erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab', Die Kinder, die ich einst Von dir empfangen hab'. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Eph. 6, V. 1. 2. 3. Ihr Kinder, seid gehorsam euern Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, auf daß dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Unter andere schwere Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehört auch diese, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich Eltern von der ersten Stunde der Geburt an mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist es ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaft gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, in welchen sie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 239 Fromme Kinder sollen 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne aufwarten, zu ihrem Dienst willig und hurtig sein und ihrer pflegen, wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widerbellen oder widersprechen, wenn sie ihnen Etwas heißen und befehlen; auch wenn sie sich verheirathen. wollen, sollen sie ohne der Eltern Wissen und Willen sich nicht heimlich verbinden, welches lauter Fluch und Unglück nach sich ziehet. Fromme Kinder sollen 4) ihre Eltern ehren im Herzen, daß sie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Statt geſetzt, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern Alles gibt; sie sollen sich auch ehrerbietig mit Worten und Werken gegen sie erzeigen, sie nicht anfahren, ihnen nicht unfreundlich und harte Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre und guten Namen vertheidigen. 5) Es sollen fromme Kinder gedenken, daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan haben. Gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, und mit was für Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen und ernährt hat. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohlgehen kann, wo sie nicht die Sünden und Bosheiten, so sie an ihren Eltern begangen, vor ihrem Tode durch eine herzliche und wahre Buße mit tausend Thränen bereuen Gebet. Ach du gnädiger und barmherziger Gott, ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in dieser Welt haft laffen geboren werden. Das ist die erste Wohlthat, die du mir erwiesen hast. Wären meine Eltern Juden, Türken und Heiden gewesen, so wäre ich so verstockt, so ungläubig und ohne deine Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Erkenntniß, wiesie. Warmeiner Elternerste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, o mein himmlischer Vater, durch die heilige Taufe in deine Arme gelegt würde, darin du mir den heiligen Geist zum Pfande meiner Kindschaft und meines himmlischen Erbes gegeben hast, so laß auch diesen guten Geist mich immerdar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in Acht nehmen. Ich liege jeßt mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht und bitte dich: ach laß meine Eltern gesund, bewahre sie vor Unglück, segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und ihren Beruf, gib ihnen ein langes Leben, vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geiſtigen und himmlischen Gaben. Gib mir, o himmlischer Vater, ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gib, daß ich mir immer vor Augen stelle das Erempel meines Jesu, der dir, seinem himmlischen Vater, nicht allein gehorsam war, sondern auch seinem Pflegevater, dem Joseph, und seiner Mutter, der Maria; damit ich mit meinem kindlichen Gehorsam 240 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 241 meinen Eltern zu aller Zeit und auch in ihrem Alter lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch. Ungehorsam und Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedroht ist, sondern daß es mir möge hier zeitlich und dort ewiglich wohlgehen. Gib mir ein ehrerbietig Herz gegen sie, daß ich sie weder mit Worten noch Werken erzürne, daß ich in Demuth ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen, bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch auf sich ziehen und alles Segens, den du frommen und guten Kindern verheißen haft, auf ewig werden beraubt werden. Gib mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht verfündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden bin, und mit wie vieler Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüthe solches Zeit meines Lebens erkenne und meine Eltern an mir keine Schande, sondern 16 242 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Kinderjahren meinen Eltern Etwas zuwider gethan, das bitte ich hiermit dir, o Gott, und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, daßich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam und einer christlichen Aufführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich im Glauben, in Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebührt, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollst ehren und gehorsam sein Dem Vater und der Mutter dein; Wird deine Hand sie treulich laben, So wirst du langes Leben haben. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich will, o großer Gott, Vor deinen Thron jetzt treten Und als ein frommes Kind Für meine Eltern beten; Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzuseh'n, Ach laß auch meine Bitt' Und Herzenswunsch gescheh'n. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh' ich geboren war; Und weil ich bin entsprossen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf' gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott, gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb' Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun Auf Jesum heißen sehen. Ihr Herz war immerdar, Bei Tag und auch bei Nacht, Mit immer regem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. 243 4. Laß inich für diese Lieb' Sie wieder herzlich lieben, Laß ihre Liebe mir In's Herz stets sein geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann Und bleib' stets eingedenk, Was sie an mir gethan. 5. Ach laß sie viele Jahr' Zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte sie, o Gott, Auf lange, späte Jahr, Damit ich sie noch seh' In ihrem grauen Haar. 6. Ach schenke ihnen doch, O Vater, deinen Segen, Laß deinen Segen sein Auf allen ihren Wegen. Erhalte, was du gibst, Und was du hast bescheert, Das segne, daß es werd Durch deine Gnad' vermehrt. 7. Gib mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rath Die Sünden möge fliehen, Daß ich gehorsam sei Ohn' allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib' Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud' Und keine Schand' erleben, Ach laß mir deine Furcht, Mein Gott, vor Augen schweben; Schenk mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde schen', Und bleibe dir, o Gott, In Glaub' und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag Auch meine Eltern sehen In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen, Und Laß mich auch daselbst, Durch Jesu Blut so rein, Mit Himmelsglanz geschmückt, Bei meinen Eltern ſein. Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. 1. Petri 1, V. 3. 4. Gelobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig 16 244 Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. können glückselig machen. Ist nun Etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen und darüber er sich freuen kann, so ist's die Wiedergeburt, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlangt: 1) die Kindschaft bei Gott. Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und nicht lassen will. Wir haben empfangen 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; Alles, was Jesus hat durch sein Leiden und Sterben erworben, das ist uns in der heiligen Taufe geschenkt und zu eigen gegeben worden. Ja wir sind in ihn gepflanzt, er ist der Weinstock, wir sind die Reben, durch ihn erlangen wir nene Stärke zum Guten, Licht, Weisheit und Gnade. 3) Uns ist ertheilt die Einwohnung des heiligen Geistes, der in uns wohnen will, unser Herz heiligen, unsre Zunge und unsern Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche inwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen und wachsen im Glauben, in der Frömmigkeit und in der Gottesfurcht, wie ein neugebornes Kind an Kräften und Jahren. 4) Wir erlangen auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Herrlichkeit sollen Theil haben. Wer dieses erwägt, der muß sich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum verliere; 2) daß er würdiglich wandele in seinem Beruf; 3) daß er die Welt nicht wiederum lieb gewinne, oder mit Unwiedergeborenen und Weltkindern vorsätzlich fündige und sich ihnen gleich stelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei wie ein liebes Kind, daß er dem Herrn Jefu nachfolge, daß er des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand wird genießen hier in der Zeit und auch dorten in der Ewigkeit. Gebet. Großer Gott und liebster Vater, wie kann ich genugsam deine Liebe erkennen, Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. 245 loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe! O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgetheilt, da du mich zu deinem Kinde angenommen haft! Rühmen Menschen ihre Glückseligkeit viel, welche sie durch ihre hohe Geburt, durch hohe Ehrenstellen, durch großen Reichthum und durch ansehnliche Güter erlangt haben: siehe so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir auch zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben; wird er mich als sein Kind erquicken, laben, frösten und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gib mir, o lieber Bater, deinen heiligen Geift, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. 246 Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. Ich bin noch in der Welt und lebe unter den Menschenkindern. Ach bewahre mich, daß ich weder mit den Weltkindern fündige und Böses thue, noch mich ihnen sonst gleichstelle. Sehe ich Jemand Böses thun, höre ich etwas Böses reden, so laß mich gedenken, ich ſei ein Gotteskind, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindestheil an Gott und an den Himmel nicht feil ist, um deine Lustbarkeit, Eitelkeit und Gewohnheiten zu genießen. Mein Jeſu, du weißt, daß ich dich lieb habe und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach nimm doch mein Wollen gnädig an und also laß mich mein Leben in Glauben und Frömmigkeit, in Heiligkeit, Reinigkeit und findlicher Demuth führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie dein Kind leben und sterben, und wie dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf', Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. 247 Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. Gesang. Mel.: Jesu, der du meine Seele 2c. 1. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist; Denn es muß allhier auf Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Herrlichkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf' und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stößet man die Gnad' nicht fort, So wird man gar bald empfinden Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott in's Herzenshaus, So treibt er die Sünd' hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben, Gott, der werthe heil'ge Geist, Der fängt an ein neues Leben, Das die Laster aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, Muß die Welt und Sünd' verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unterlassen Und von Grund der Seele haffen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, Beten, Gott zu Ehren, Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuzieh'n; Gottes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten; Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir vorgehen Eine Herzensänderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebensheiligung; So muß Herz, Sinn und Gebärden Ganz an dir erneuert werden, Daß fie Glaub' und Lieb' auszier', Daß fie Gottes Geist regier'. 7. Ach mein Gott, hie fall' ich nieder, Förd're in mir dieses Werk, Aendre Sinnen, Herz und Glieder, Gib mir deines Geistes Stärk, Daß ich ja nicht werd' verloren, Sondern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr', Und dich liebe mehr und mehr. Der gläubige Christ bittet, 8. Laß mich auch in diesem Stande Immer bleiben, o mein Gott! Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod; Daß mich nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe; Alsdann geh' ich aus der Zeit In die frohe Seligkeit. 248 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Röm. 12, V. 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und vollkommene Gotteswille. Wenn ein gläubiger Christ erwägt, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbst in der Seele wächst, hingegen die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß dahin gesetzt und wohl bewahrt werden, so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß Welt in ihm und außer ihm sei. Welt in ihm sind die bösen Lüste, Tücke, Begierden und Gedanken seines Herzens. Welt außer ihm sind der bösen Menschen Exempel, Lockungen und Verführungen. 2) Diesen allen aber muß ein wahrer Christ widerstehen, den aufsteigenden Lüſten und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Vermeidung der Weltgesellschaft, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten. 3) Weil nun dieses nicht steht in unsern eignen Kräften, so muß er Gott um Hülfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen, einsperren und mit Niemand reden und umgehen wolle, sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht sündige und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachthue. Denn wenn wir mit gar keinen Gottlosen umgehen wollten, so müßten wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir sollen in der Welt Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 249 sein wie Joseph in Aegypten, Loth in Sodom, Daniel und seine Gesellen in Babel, welche aber der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man will zur Beichte und zu dem heiligen Abendmahl gehen, sondern diese Arbeit soll beständig sein. Ist die Welt aus dem Herzen heraus, so gehet Jesus ein. Sebet. Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen, wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns haft bei unſern vielen Fehlern und Schwachheiten und strafft uns nicht auf frischer That und wie wir es verdienen! Ach du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun ſelbst kenne und das Verderbniß meines Herzens einsehe. Ich fühle Welt in mir und Welt außer mir. Ich finde Welt in mir, nämlich böse Gelüste meines Herzens, sündliche Neigungen und Trieb zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sündenerempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach leider, mein natürlich unartiges Herz hat viel mehr Luft und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführt werden soll. Ach wehe mir, daß ich so 250 Der gläubige Christ bittet, lange, so oft und so viel mich durch die Welt habe reizen und verführen lassen! Ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Thorheiten meiner jungen Jahre gedenke, da ich leider, ach leider, der Welt mehr gedient, als dir meinem Gott, der Welt mehr zu Gefallen gethan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch damit dich beleidigt, mein Gewissen verletzt und dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da mein Gott! ich kehre um und thue Buße im Staub und in der Asche. Ach ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Gott, damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heiliger Geistheiligemich durch und durch und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir vor das klägliche Ende der Weltfinder, damit ich dich liebe und nicht die Welt; daß ich dir folge, und nicht der Welt; daß ich dich höre, und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von Neuem laufen und fündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienst erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 251 Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gib, daß ich beständig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genoffene Weltluft und Weltfreude lauter Angst, Zerstreuung, ein böses Gewissen und das Seelenverderben folgt. Reiße aus meinem Herzen was noch Welt und Weltliebe heißt, und pflanze deine heilige Furcht in mich. Du Schöpfer aller Dinge, du väterliche Kraft, Regierst von End' zu Ende, kräftig aus eigner Macht; Das Herz du zu dir wende, und kehr' ab unsre Sinne, Daß sie nicht irren von dir. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Du willst, o lieber Christ, Dich dieser Welt gleich stellen, Und zu den Sündern dich Und ihrer Lust gesellen, Und meinest, das sei recht; Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ muß nicht Ein solches Weltkind sein. 2. Du meinst, es stünde nicht, Ganz sonderlich zu wandeln, Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln; Du schämest dich zu sein Ein socher Sonderling, Und sprichst, man lach' dich aus Und halte dich gering. 3. Allein d'ran kehr' dich nicht; Wo Gottes Wort hinzielet, Was Gott in seinem Wort Mit Ernst dir anbefiehlet, Sieh, darnach richte dich, Und lasse Welt sein Welt; Sie fage was sie will, Thu' du was Gott gefällt. 4. Denn saget Gott nicht selbst: Ihr sollet heilig leben Wie ich auch heilig bin, Ihr sollt euch mir ergeben! Und stellet Christus nicht Sich selbst zum Vorbild dar, Daß wir gefinnet sein, Wie er gefinnet war? Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet, Den Bösen nie zu Lieb' Den lieben Gott betrübet; Nun also mach' es auch, Halt deine Seele rein, Leb' heilig und gerecht, Denn also muß es sein. 252 6. Sieh, Noah lebte nicht, Wie andre Menschen lebten, Es waren acht, die sich Recht fromm zu sein bestrebten; Ach denke, denke d'ran, Wenn du die Bösen siehst; Wie wohl, wenn du mit Fleiß Die Sündenwege fliehest! 7. Gedenke was that Loth In jenen Sodomslanden, Darinnen sich kaum vier, Die Gott recht liebten, fanden? Er wurde zwar gequält, Und fündigte doch nicht; Sein Herz und Wandel war Allein zu Gott gericht't. 8. Wie? hat denn Joseph auch Egyptens Sünd' ge= trieben? Ist auch nicht Daniel In Babel fromm geblieben? So mache du es auch, Ob man schon wenig find't, Die da von Herzen fromm Und Christi Jünger sind. 9. Du mußt nicht mit der Welt Zu ihren Sünden gehen, Du mußt in Gottes Furcht Und seiner Liebe stehen; Und thut es keiner nicht, So thue es allein, So wirst du deinem Gott Recht angenehm stets sein. 10. Ach Gott! erinn're mich An diese Lebenspflichten, Ich will mich gern nach dir Und deinem Willen richten. Ich fage hiemit ab Der Welt und Sündenfreud', Und bleibe dir getreu In Zeit und Ewigkeit. Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Matth. 16, V. 24. Will mir Jemand nachfolgen, der verläugne sich selbst, und nehme fein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Herr siehe, ob ich auf bösen Wegen bin, so soll ein gläubiger Christ täglich seufzen, nach Psalm 139, V. 24. Fragt ein behutsamer Wandersmann fleißig nach dem Wege, so soll ein Gläubiger sich fleißig des Himmelsweges erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, darum soll Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführet werde. Ein gläubiger Christ folget demnach 1) nicht nach den Weltkindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren lustigen und sündlichen Gesellschaften; dadurch würde er seine Seele in allzu große Gefahr setzen; viel weniger folgt er dem Trieb seines bösen Herzens, sondern er denkt allezeit, so ihm Etwas in die Gedanken kommt: ist das auch recht? Er folgt auch nicht dem Satan und seinen Reizungen nach, sondern er folgt nach 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellt was er glauben, was er thun und unterlassen soll; das ist seine Lebensregel, was die nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu. Er folgt sonderlich nach 3) dem Herrn Jesu, der uns ein Vorbild gelassen hat, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; die Fußstapfen Jesu aber sind seine Demuth, Gehorsam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folgt 4) auch nach dem Exempel frommer Christen; sieht er an frommen Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit, Mildthätigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch solche nachzuahmen. 5) Dieſe heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben bis in den Tod, so wird an solchen Seelen auch erfüllt werden was Johannes faget, Offenb. 14, V. 4: Sie folgen dem Lamm nach in das ewige Leben. 253 Gebet. Ach mein Gott und Herr! mein einziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese, die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach wo es hingehet; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichfeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. dieweil er noch in der Welt lebt. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgänger und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich zwar ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen, die Welt stellt mir ihr Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen; allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode følgen müssen, nämlich zur Hölle und Verdammniß. Odarum will ich dir o Jesu nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen in Glauben, Liebe, Demuth, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen. Dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Vater lieben, ehren und seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächsten lieben und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gern verzeihen. Ich will nach ſeinem Erempel demüthig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Nun 254 255 Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. dies ist mein heiliges Vorhaben, dazu wolleft du mir Kraft verleihen. Ach erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Weltkinder Gebärden, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke: Wo geheft du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selbst frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gib, daßich fleißig mich erinnere, wer ich sein soll und wer ich bin. Ich soll sein ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu; ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in dieser Nachfolge und in diesem Sinn beständig verharre bis in den Tod. Ich folge Jesu nach In Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, Die soll mir Niemand rauben; In Demuth folg' ich ihm, Werd ich ihm folgen schwach, So stärkt mich seine Hand, Ich folge Jesu nach. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Jesus bleibet meine Freude, Ob schon in der Welt Nichts bleibt, Er ist meiner Seele Weide, Von dem mich nichts 3rd'sches treibt; Such' ich Freud' in diesem Leben, Kann mir solche Jesus geben; Drum soll Jesus nur allein Meiner Seele Freude sein. 2. Jesus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Ob schon Alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne 256 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. wieder scheinen, so stehet's um mich wohl Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Dennoch stets mein bester Freund, Leb' ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden Und ich hab' an ihm gefunden, Was ich in der Welt nicht find', Ja an keines Menschen Kind. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnügen fehlt, Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich vergnügt, was er erwählt; Drum sprech' ich: Mir soll in Allem Nur was dir gefällt gefallen, Mein Vergnügen ist dein Will', Deinem Willen halt' ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergößen, Sonsten acht' ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schätzen Ist mir sonst kein Schatz bewußt; Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, 3st mein Jesus nur allein, Soll's auch dort im Himmel sein. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh', Denn dies ist nur mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh'; Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübfal und kein Leiden! Ich folg', ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme nach. 7. Wählt, ihr Menschen, o erwählet Mit mir dieses höchste Gut. Wenn's euch gleich an Vielem fehlet, So habt einen guten Meuth. Suchet Jesum, halt't ihn feste, Dieses ist das Allerbeste; So habt ihr in aller Noth, Hülfe, und auch Trost im Tod. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Aufmunterung. Psalm 51, V. 12. 13. Schaffe in mir Gott ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Um den heiligen Geist zu bitten ist die allernothwendigste und seligste Bitte. Der heilige Geist ist nicht mit unter Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. 287 den Gaben, die uns Gott gibt ohne unser Gebet wie das tägliche Brod, sondern derselbe wird nur denen gegeben, die ihn darum bitten, wie Christus spricht Luc. 11. Deshalb ist 1) der heilige Geist eine Gabe, die nur denen wird gegeben, die sich wollen heiligen, reinigen und von ihm regieren lassen. 2) Um den heiligen Geist bitten, ist höchst nothwendig; denn in diesem Leben haben wir vonnöthen einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster, und das ist der heilige Geist, der führet uns in alle Wahrheit, er lehrt uns Jesum Christum erkennen, er erklärt ihn uns, er tröstet uns in allerlei Leiden und Trübsal, ja in der Stunde des Todes. 3) Um den heiligen Geist sollen bitten Alte und Junge, Große und Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder, denn der heilige Geist ist das Pfand unsers Erbes: wer hier den heiligen Geist nicht hat in seinem Herzen, der kann nicht selig werden. 4) Deshalb sind das die unglückseligsten Menschen, die ohne den heiligen Geist sind; die können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern fündigen und fallen, weil sie ohne diesen Regierer und Führer sind; ja wer will sie auf ihrem Todbette trösten und in der letzten Noth erquicken? 5) Hat uns Gott aber den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch muthwillige Sünden und ein gottloses Leben, sondern täglich seufzen: Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! 6) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und im Stande der Seligkeit. Gebet. Großer Gott, heiliger Vater! fiehe ich armes Kind komme zu dir und bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du haft gnädiglich verheißen Allen zu geben, die dich darum anrufen. Darum sende ihn von oben herab aus deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er sei mein Führer, der mich leite nach deinem 17 258 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Rath, damit ich allezeit was vor dir wohlgefällig ist vollbringe. Ach, ich sehe so viele Irrwege und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich sollte mit ihnen fündigen und Böses thun. Ach Gott, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz einzig bei dem, daß ich deinen Namen fürchte; stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt mit ihren Sünden will gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben und in die Verdammniß führt. Ach gib mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Frendigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Greatur und einen neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sei ein Kind Gottes; den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. O werther heiliger Geist, ach heilige mich! du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, daher denn lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen; aber du siehest auch, wie 259 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. ich durch deine Gnade davor einen herzlichen Abschen habe. Ach es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung; du sollst sein meiner Seelen Seele, meines Lebens Kraft, meines Herzens Troft, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, meines Gedächtnisses Schatz, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geiſtlichen Lebens. Ach heilige mich durch und durch, damit mein Geist sammt Seele und Leib mögen unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel und wohne darinnen. Mache meine Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich damit nicht möge vorsätzlich und muthwillig fündigen. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das Gott angenehm sei. Du heiliges Feuer, brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüfte und Begierden, daß ich auch die Kräfte meines Leibes zu deiner Ehre gebrauche. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führeft. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt 17* 260 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, daß ich sei ein Kind Gottes, ach, so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben. Sei und bleibe du der beständige Einwohner und Herr in meinem Herzen; gib Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, mit dem Trost, daß ich werde der Herrlichkeit theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater, gib mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt, Daß ich sie empfind' und habe, Gib mir deinen heil'gen Geist; Denn ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. Amen. Gesang. Mel.: Zeuch ein zu deinen Thoren 2c. 1. Ach komm' doch in mein Herze, werther heil'ger Geist! Sei meiner Seele Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und mach' fie neu und rein; Ich habe groß Verlangen, O Geist! dich zu empfangen, Ach fehre bei mir ein. 2. Komm, gib mir neue Stärke In meinem Christenthum, Und heil'ge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach mache mich ganz neu, Daß ich stets bet' und singe, Und nur allein vollbringe Was dir gefällig sei. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. 261 3. Komm, heil'ge meinen Willen Und reiß' ihn von der Welt; Damit ich mög' erfüllen Was dir, mein Gott, gefällt; Ich geb' mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja änd're Herz und Leben, Und heil'ge gänzlich mich, Heb' auf das Widerstreben, Daß Alles richte sich Allein nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlasse, Und wachs in deiner Lieb'. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In's freche Sündenwort; Sei meiner Zunge Herr, Daß fie Gott lob' und preise, Dem Nächsten Lieb' erweise Und dien' zu deiner Ehr'. 6. Ich will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein, Und auf dein Winken sehen, Dir ganz zu Dienste sein; Du bist's, den ich erwähl', Ich will mich dir ergeben, Du sollst nun sein mein Leben Und meiner Seele Seel'. 7. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Platz, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du sein mein Schatz, Dieweil ich an dir hab' Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab'. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Saft, Daß ich kann nicht mehr beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd' erblassen, So sprich den Trost mir zu, Ich seie nicht verlassen, Ich komm' zu meiner Nuh'! Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen, Und seliglich durchdringen Zur Himmelsherrlichkeit. Zweiter Theil. Zum Gebrauch der Betrübten. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Jesaia 41, V. 10. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Ist Etwas, welches eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es gewiß die Allmacht Gottes; denn diese ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich; es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten, keine Last so schwer, er kann sie abnehmen, kein Unglück so heftig, er kann es wenden. 2) Soll der Betrübte bedenken, daß Andere viel schwerere Bürden getragen haben und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat. Er soll daher mit Freuden sprechen: Ach Gott, du bist noch heute ſo reich, als du gewesen ewiglich, mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollen Betrübte sich errinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und deshalb den Muth nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie, wodurch und auf welche Weise ihnen könne geholfen werden; denn das Alles soll man der göttlichen Weisheit, Güte und Treue überlassen. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der Herr, und meine Wege find nicht eure Wege, Jef. 55, V. 8. Diese Betrachtung soll einer betrübten Seele Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll deshalb stille sein, Mein Vater, ist es möglich, fo gehe diefer kelch von mir, doch nicht, wie ich will, fondern wie du willst, Matth. 26, 39. 17 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 263 hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübsal mit Geduld ertragen und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben und sagen: Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Pf. 121, V..1. Sebet. O du gütiger und freundlicher Gott, du weißt und siehest, wie mein Herz betrübt ist. Es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Laft, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott. Ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversicht bist, ich werfe mein Anliegen von mir auf dich und bitte dich, du wollest mich versorgen, mich erretten, mir beistehen. Das von Wellen herumgeworfene Schifflein hält sich an dem Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starker Gott. Das gejagte Wild eilet zu den Bergen, und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Grretter und mächtiger Schutzherr. Ich will nicht verzagen, ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, du kannst helfen, dir ist Nichts unmöglich; darum, Herr, hilf mir, so ist mir geholfen, sprich nur ein Wort, so weichet meine Befümmerniß, so erlange ich Hülfe. Ach mein Gott, ich weiß, du biſt barmherzig, darum erbarme dich jetzt auch 264 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. über mich Glenden. Du weißt meinen Schmerz, erkennest mein Herz, du haft mir's aufgelegt, so hilf mir's auch ertragen. Ich weiß, du bist ein weiser Gott, du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jetzt unbekannt sind. Ach zeige mir ein Trostbrünnlein, wie dort der weinenden Hagar, sage mir Hülfe zu, wie ehemals der betrübten Wittwe, hilf mir, wie dort dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem gefangenen Petro. Laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir aufgehen, dadurch du mich versicherst: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen; ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du biftein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlaſſen. O siehe, Herr mein Gott, wie hier eine elende und hülflose Seele vor deinem Gnadenthron liegt, sende mir Hülfe vom Heiligthum, und stärke mich aus Zion. Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Mein Gott und Vater, wenn du mir nicht hilfft, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 265 geworfen von Mutterleibe an, da hast du mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen und bisher darin getragen, ach, darum laß mich auch jetzt darin Hülfe finden. Ich schreie dir so lange nach, bis du sprichst: Dir geschehe, wie du willst. Ach Gott, erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, Du weißt meinen Schmerz, Erkennst mein Herz, Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ach wo ist nun mein Gott? So muß ich jezo fragen, Weil ich von Nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen sein. 2. Ach wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir sein Und mich der Noth entreißen, Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär' er nicht mein Gott, Als kennt er mich jetzt nicht? 3. Ach wo ist nun mein Gott In diesen meinen Nöthen, Die an das Leben geh'n, Und mich fast wollen tödten? Zwar seine Allmacht ist Mir, allzuwohl bekannt, Und doch empfind' ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach wo ist nun mein Gott, Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja, ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Mich einst erfreuen wird; Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz, mit solchen Fragen? Gott lebet ja annoch; Was willst du immer klagen? Der dich mit seiner Hülf' Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's mir, auch diesesmal. 6. Es hat ja Gott noch nie In Nöthen dein vergessen, Warum willst du dich jetzt So ängstigen und pressen? Gott 266 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. sieht dein Leiden wohl, Und läßt es so gescheh'n, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben seh'n. 7. Verzage nicht an Gott. Willst du den nicht mehr kennen, Der doch dein Vater ist, Und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? Drum stell' dein Trauern ein Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater sein. 8. Mein Gott, ich hoff' auf dich, Ach laß die Stunde kommen, Da meine große Last Wird endlich abgenommen; Indessen steh' mir bei Und hilf mir gnädiglich. Ach Gott, erbarme dich, Ach Gott, erhöre mich. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Jesaia 54, V. 7. 8. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig von dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, im Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres vorkommen und gesagt werden, als dieses: daß sie dennoch von Gott geliebt werde. Im schweren Kreuz ist dieses der erste Gedanke, der uns vom Satan und unsrem Fleische beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebet dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr also betrüben und sein Gnaden- Angesicht vor dir verbergen. Allein diesem Gedanken soll ein Betrübter kein Gehör geben, sondern ihm entgegensetzen die ewige Liebe Gottes, welcher seine Kinder nicht verläßt, und sich errinnern: 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben und doch ein Kind Gottes zu sein, wohl könne bei einander stehen; denn Christus, der ge liebte Sohn Gottes, hatte Trübsal genug und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter erwägen, daß Gott dennoch denjenigen liebe, den er in große Traurigkeit, in Anfechtung und Kreuz läffet gerathen. Ein Vater bleibt ein Vater, ob er das Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. 267 Kind liebkoset, oder ob er es mit der Ruthe züchtigt. Dazu kommt, 3) daß solches Kreuz nicht wird der betrübten Seele zugeschickt aus Zorn, auch nicht zu ihrem Verderben oder Schaden, sondern daß sie Gottes Güte, Allmacht, Treue und Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Gottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftigt, sie erhält den Betrübten, bewahrt ihn, stärkt ihn, segnet ihn, er wird zuweilen wunderbar erquickt und erfreut, die Last wird erleichtert; welches Alles Proben der Liebe Gottes sind. Sebet. Der Herr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. Also seufze ich, mein Gott, in meiner jeßigen Betrübniß und Angst der Seele. Ach Herr, Herr, du weißt ja wohl, wie wehe mir ums Herz ist, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehest. Ach verbirg doch dein Angesicht nicht länger vor mir; mir ist angst, lindere es mir. Du haft mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen, ach, mit solcher Liebe umfaffe mich auch jetzt in der Betrübniß meiner Seele. Ein Schäffein fliehet, wenn es gejagt wird, zu seinem Hirten; ein Kind, wenn es geängstigt wird, gehet zu seinem Vater: darum komme ich auch, mein Hirte und mein Vater, zu dir. O großer Gott, 268 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. du hast mir deinen Beistand versprochen: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, o großer Gott, jeßt habe ich Hülfe vonnöthen, jetzt stehe bei mir, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlaſſe mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlaſſen, deine Liebe ist so innig, daß du dich meiner erbarmen mußt. Du hast mich immerdar geliebet und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Umfasse mich jetzt mit deinen Liebesarmen, erhalte mich, daß ich nicht sinke, erquicke mich in meinem Leiden, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haft. Ziehe mir aus den Sack und umgürte mich mit Freuden und laß meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Beweise auch an mir, was Andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O du Gott der Liebe, versiegle den Trost in meinem Herzen, du habeft mein nicht vergessen, so wenigein Vater seines Kindes vergessen kann. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Treuer Vater, siehe, dein Kind ist betrübt; erfreue es, es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm. 269 Ich will, dieweil ich lebe noch, Das Kreuz dir fröhlich tragen nach; Mein Gott, mach' mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben Und wär' es noch so schwer und groß; Mein Vater, du wirst bei mir bleiben, Ach nimm mich auf in deinen Schooß; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Händen, Was mich betrübt und heftig quält; Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verrlaff' ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen; Wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit; Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar, Er macht daraus oft grüne Maien, Was eine scharfe Ruthe war; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen Gott. 5. Ja ja, wenn Gottes Stund' wird schlagen, So höret auch mein Elend auf; Indessen will ich's willig tragen: Gott hemmt der wilden Wellen Lauf; In Trübsal, Krenz und aller Noth Berlaff ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, Drum halt' ich ihm im Glauben still, Er wird mir meine Bitt' gewähren, Daß ich ihm ewig danken will; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Aufmunterung. Psalm 121, V. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe fommt. Meine Hülfe fommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. 270 Keine Hülfe zu haben in seinem Leiden und Elend, ist wohl betrübter, als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich; Nichts ist ihm zu schwer und Nichts zu groß, er kann helfen in Allem und aus Allem. Betrübte sollen 2) gedenken, Gott will ihnen auch helfen, in Kraft der herrlichen Verheißungen, er wolle bei ihnen sein in der Noth, er wolle sie heraus reißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen. Betrübte sollen 3) erwägen die Exempel Anderer, welchen Gott schon geholfen. Ach, Andere sind vielleicht ärmer, unglückseliger, trauriger, verlassener und elender gewesen, als fie, und doch hat solchen Elenden der Herr geholfen; warum wollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hülfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten und festiglich glauben, die Hülfe bleibt nicht aus; denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spricht lauter Nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erinnern, Gott könne thun über Alles, was wir bitten und verstehen, er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst sein. Haben sie dann Gott, so haben sie Alles. Ja sie sollen auch 6) ihrer Traurigkeit Zeit lassen, denn das ist auch eine Wohlthat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergeffenheit unser Leiden lindert. Sebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach, wo soll ich mich anders hin Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. 271 wenden, an wen soll ich anders denken in dem Leiden und Kummer meines Herzens, als nur an dich, mein Gott! Ach, du haſt mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen lassen, o darum höre auch jetzt mein Gebet, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, so ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du Herr, Herr, tödtest und machst lebendig, du führeft in die Hölle und wieder heraus. Du Herr, machest arm und machest reich, du erniedrigest und erhöhest. Du erhebst den Dürftigen aus dem Staub und erhöhst den Armen aus der Niedrigkeit; darum spreche ich im Glauben: Herr, hilf mir! Ach, du fannst helfen, du bist ja ein allmächtiger Gott. Du willst helfen, denn du hast es mir verheißen. Vater, willst du dein Kind verlassen? Mein Vater, kannst du das Geschrei deines Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hülfe kommst? Du hast gesagt: Ehe się rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir 272 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. Ach erhöre mich nun auch, höre das Geschrei meines Herzens und daß wehmüthige Klagen meines Mundes. Jedoch, mein Vater, ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir auch nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wann du helfen sollst; ich will gern auf deine Hülfsstunde warten, stärke mich indessen durch deinen heiligen Geist, stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen, gib mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreuest. Ach mein Vater, du haft noch Keinen verlassen, verlaß auch mich nicht. Du hast Betrübte allezeit erfreuet, erfreue auch mich; du hast den Elenden geholfen, hilf auch mir; wann, wie und wo du willst, das Alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiermit gänzlich anheimgestellt. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele, was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott iſt. Herr Jesu Christ, groß ist die Noth, Worinnen ich muß stecken, Ach hilf, mein allerliebster Gott! Schlaf' nicht, laß Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. 273 dich erwecken, Niemand ist, der mir helfen kann, Kein Creatur nimmt sich mein an; Ich darf's auch Niemand klagen. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron, Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilfst ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Amen. Gesang. Mel.: 3ion klagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Hat mich Gott denn gar verlassen, Jetzt in meiner Traurigkeit! Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem bittern Kreuz und Leid. Ach wo ist doch nun mein Gott In der großen Angst und Noth? Ach, wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden? 2. Willst du meiner nicht gedenken, Denk doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden mich versenken, Das so hart und heftig ift? Siehe, was ich von dir such', Ist ja Nichts als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben? Ich weiß, Gott verläßt mich nicht, Er will meinen Glauben üben, Und auch meine Zuversicht. Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein, Seine Lieb' kann mich nicht hassen, Noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunder= lich, Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich Meine Noth ist ihm bekannt, Und mir seine starke Hand; Diese kann mein Leiden wenden Und mir seine Hülfe senden. 5. Ich will Gott im Glauben fassen, Wie es Gläubigen gebührt. Ich will nimmer von ihm laffen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl' ich gleich die scharfe Ruth', Sind doch diese Wege gut, Die mein Bater mit mir gehet Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leid wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut; Vielleicht ist die Stunde nah, Ja 18 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: Du bist erhöret, Dir ist deine Bitt' gewähret. 7. Sei getrost, o meine Seele! Fasse dich in deinem Gott, Sage, klage und empfehle Jhm allein nur deine Noth; Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will', Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. 274 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Psalm 103, V. 8. 9. 13. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer habern, noch ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun zu haben. Allein ein betrübtes Kind Gottes soll versichert sein, 1) daß sein getreuer Gott im Himmel wisse all' sein Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und schwer es sei, wie lang es daure, und wie empfindlich es der Seele falle; nicht allein weiß es Gott, sondern 2) er erbarmt sich auch des Elenden, dieses sehen wir an der betrübten Wittwe zu Nain und an allen Kranken und Elenden, denen er von freien Stücken entgegen gegangen ist und ihnen geholfen hat. So sprach er von dem Volk: Mich jammert des Volks; und von Zion heißt es: Darum bricht mir mein Herz gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist und Barmherzigkeit ausübt, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen; denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) Gott erweist aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden, theils, wenn er ihnen gibt Freudigkeit und getroften Muth, theils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält und ihnen Stärke gibt, daß sie es ausstehen und tragen können, theils Erbarmet fich aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten auch nicht ohne Barmherzigkeit in seinem Elend verderben laffen. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Gebet. 275 O du barmherziger Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich leider betroffen hat; meine Seele ist betrübt, mein Geist ist geängstigt, und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern, aber ich finde keine. Menschen wollen sich theils meiner nicht annehmen, theils wissen sie meine Noth nicht, theils mag ich es ihnen auch nicht offenbaren; aber dir, o Gott, klage ich es mit betrübtem Herzen; ich weiß, du bist barmherzig, und läsfest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die da weinete um ihr Kind; es jammerte dich des Volks, welches Nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verknüpft. O darum komme ich zu dir, und spreche: Ach erbarme dich über mich! Ach Gott, ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht 18* 276 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. laffen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen hast, darum spreche ich: Ach mein Vater, erbarme dich deines armen und verlaffenen Kindes. Mein Jesu, ich bin ja mit deinem heiligen Blut erkauft; ich bin doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem theuern Blut, darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. Odu werther und heiliger Geist, lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei allen meinen Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde, und fast nicht mehr beten kann, so schreie du doch in mir das Abba, lieber Vater. Siehe, ich finke, ach reiche mir deine Hand. Herr hilf mir, Herr stehe bei mir! Herr, Herr, laß deine Barmherzigkeit groß an mir werden und gib mir Freudigkeit des Herzens, ja schreibe und rufe stets in meine Seele die Worte: Du bist nicht verlassen; ich will mich dein erbarmen; ich bin bei dir in der Noth; ich will dich heraus reißen und zu Ehrenbringen. Ach- Herr, nachdeiner großen Barmherzigkeit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elend, gib mir alle Tage neue Kräfte und neues Vermögen, daß Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. 277 mein Glaube nicht möge aufhören, daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du sprichst: Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind! Ich denke wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. Denke auch an mich, du haft mir auch Gnade zugesagt, ich bin auch dein Kind, erbarme dich meiner auch. Dur haft mich ja noch niemals verlassen, ach, so verlaß mich jetzt auch nicht; Hilf deinem Kinde, das zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach, in seinem Vaterherzen Ist er schon auf Hülf' bedacht, Meine Trübsal, Angst und Schmerzen, Und was mich sonst traurig macht, Wird sich alsdann bald abwenden, Wenn er mir wird Hülfe senden; Drum, mein Vater, komm zu mir, Herz und Auge thränt nach dir. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott ze. 1. Wohl dem, der Gott vertraut 3In allen seinen Sachen, Und Alles dem heimstellt, Der es weißz wohl zu machen; Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schooß, Der wird ganz ruhig sein Und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem Nichts unmöglich, Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich. Was uns dünkt allzu schwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Noth von uns, Wenn er's befiehlet, weicht. 3. Wohl dem, der Gott vertraut, Kannst du kein Mittel finden Und meinest, deine Noth Wär' nicht zu überwinden: 278 Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. So trau' dem weisen Gott, Der alle Hülfe hat, Bei dem ist Rath und That, Wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebesproben Muß jede Creatur Mit frohem Munde loben. Der jeder Creatur Die Nahrung reichlich gibt, Der forget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut Und nicht den Menschenkindern; Die sind gar oftmals falsch Und suchen zu verhindern Das, was uns nützlich ist. Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und versteh'n, So helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem Gott, vertrauen, Auf deine Vaterhand In meiner Trübsal schauen. Ach Gott, ich komm' zu dir, Ach sorge du für mich, Ach nimm dich meiner an und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan, ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Ich bleib' darauf bestehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der fest stets auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheissungen. Aufmunterung. Pfalm 91, V. 14-16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn er hören. Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn heraus reißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschlägt, so herrlich richten die göttlichen Gnadenverheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter bedenken, 1) alle göttliche Verheißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn so spricht Paulus, Röm. 15, V. 14: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. 279 der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er 2) bedenken, alle göttliche Verheißungen werden erfüllt werden zu der Zeit, die Gott hat bestimmt; darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern mit Demuth und im Glauben die Hülfe erwarten. 3) Soll ein Betrübter bedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Uebel bisweilen auch in diesem Leben erfüllt werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreut, Elende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllt, als wo dann alle Verheißungen Gottes in ihre vollkommene Erfüllung gehen werden. In Betrachtung dessen soll 4) ein Betrübter stille sein und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so viel Tausenden schon erfüllt hat. Gebet. Herr mein Gott, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. Ich weiß in meiner Bekümmerniß nirgends Trost und Rath zu finden, als bei dir; bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rath zu jeder Zeit gefunden hat. Sonderlich suche ich meinen Troft in deinen herrlichen Verheißungen; darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum, ich suche in deinem heiligen Worte ein stärkendes Manna für meine hungrige Seele und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du hast gesagt: Ich bin bei 280 Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. dir in der Noth, ich will dich heraus reißen. Ach Herr, die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Du haft gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du haft gesagt: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach Herr, so erbarme dich doch meiner, ach weiche nicht von mir, verwirf mich nicht von deinem Angesicht; dein freudiger Geist erhalte mich. O mein Herr und Gott, ich weiß, du wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten im Himmel; wird dein Wort nicht mein Trost sein, so muß ich vergehen in meinem Elend. Aber habe ich schon viel Bekümmernisse in meinem Herzen, so erquicken doch deine Tröstungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellt dich mir vor als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen gewissen Erretter; darauf verlasse ich mich, des tröste ich mich. Mein Herz ist getroft und unverzagt und harret des Herrn. Darum sei wieder zufrieden, meine Seele, 281 Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. der Herr verstößt nicht ewiglich; er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern; meine Seele wartet auf den Herrn, bis er uns gnädig werde. Erfreue meine betrübte Seele, stärke meine abgemattete Seele, halte meine sinkende Seele, richte auf meine niedergeschlagene Seele, tröste meine traurige Seele. Fasse mich in deine Arme und erquicke mich; verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Ich sehne mich nach dir, meine Seele verlangt nach dir und seufzet: Wann tröfteſt du mich? Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; mag ihn nichts gereuen, Er wendet alles Leid; Shm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein' Seel', mein Leben, Und was er mir gegeben; Er mach's wie's ihm gefällt. Amen. Sefang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen? Ach, wann kommet doch die Zeit? Ach, wann wird mir abgenommen Meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, Wart' ich doch darauf mit Schmerzeu, Es spricht oft mein matter Mund: Ach, wann schläget Gottes Stund'? 2. Ach, ich zähle Tag' und Stunden, Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hülf' gefunden; In der Nacht, 282 Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Kreuz. wie an dem Tag Sprech' ich oftmals selbst mit Weinen, Ach, wann wird die Stund' erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch ich will dir Nichts vorschreiben, Es geschehe, Herr, dein Will'; Ich will immer treu dir bleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund' verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt: Ach, kommt deine Stunde bald? 4. Ach laß deine Stund' anbrechen, Deine Stund', o lieber Gott; Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Noth. Nach dem Seufzen, nach dem Schreien Laß mir Hülfe angedeihen; Alle Noth bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach mein Vater, hör' mein Flehen, Sieh', es betet Herz und Mund, Laß mich bald erfreuet sehen Der erwünschten Hülfe Stund'; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach mein Vater, höre mich, Höre mich doch gnädiglich. Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Krenz. Aufmunterung. Hebr. 12, V. 11. Alle Trübsal, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude; aber darnach wird sie geben eine friedsame Furcht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Wenn ein Kind die Züchtigungen seines Vaters empfindet, so weint es und meint, es geschehe ihm gar wehe; ist es daher ein Wunder, wenn Betrübte oftmals nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen? Ein Betrübter soll aber erwägen: 1) Gott will uns durch das Krenz nicht ins Verderben bringen, sondern daraus erretten. Wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, oder beißende Sachen auflegt, so will er sie heilen und reinigen: und durch Trübsal will uns Gott von der Welt ab- und zu sich ziehen. 2) Siehet Gott, daß wir irdische Dinge und Creaturen mehr lieben als ihn, so nimmt er uns dieselben, daß 283 Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Kreuz. wir ihn allein lieben und unsere Freude an ihm haben sollen. Ja, wenn er siehet, daß wir durch beständige Glückseligkeit, Ruhe und anhaltendes Wohlergehen sollen träg zum Gebet und in unserm Christenthum nachlässig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wieder nach ihm verlangen und in seiner Liebe und Erkenntniß zu wachsen trachten. Bei diesem Allem aber bleibt er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger Gott, der uns herzlich liebt. Gebet. Mein Gott, der du mich jezzt in so große Traurigkeit und Betrübniß seßest, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen, und mein Auge voll Thränen ist, ach, ich weißz nicht, wo ich mich hinwenden soll. War ich nicht glückselig? war ich nicht fein stille? hatte ich nicht Ruhe? woher kommt solche Unruhe? Ach mein Jammer ist groß; aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte. Hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen, ach, so richte mich wieder auf mit deinem fräftigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschickt haft. Ich weiß ganz gewiß, daß dieses Kreuz mich hat betroffen nicht zu meinem Verderben, oder daß es mir an meiner Seele soll Schaden bringen; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater, das ist dein Vorhaben nicht, mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben, Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Kreuz. sondern indem du mich in solchen traurigen Zustand sebest, willst du prüfen meine Liebe, ob ich dich auch sowohl in guten als in bösen Tagen lieben will. Du willst prüfen meinen Glauben, ob ich auch glaube, du seiſt ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elende erretten und in demselben erhalten könne. Du willst prüfen meine Geduld, ob ich dir zu Ehren dieses Kreuz gern tragen will. Du willst prüfen mein Vertrauen, ob ich dir über Alles vertrauen und auf dich, auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit bauen will. Du willst prüfen meine Hoffnung, ob ich hoffen will, wo Nichts zu hoffen scheint, und deinem Wort und Verheißen Glauben beimessen. Ja mein gnädiger Gott und Vater, du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüften, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir wenden und zu dirhalten ſoll. Du nimmst mir, was mich erfreut, daß ich allein meine Freude an dir haben soll; du nimmst mir das, was mich vergnüget, damit ich dich, als mein höchstes und liebstes Gut, hochachten soll. Wohlan, mein lieber Gott, ich will so werden, wie du mich haben willst, ich will das tragen, was du mir auf284 Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Kreuz. 285 legst; gib mir deinen heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mittheile. Ohne dich ist mir's unmöglich auszuhalten, aber durch deinen Geist und gnädigen Beistand kann ich überwinden. Ich will auch gern geduldig sein und dir stille halten, es währe so lang als es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen und dir allein anhangen, daß ich Ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen und meiner Seele gar nüßlich sein. Die Hülfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich verlassen bin, In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll treulich an ihm halten Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der niemals mich verläßt. Amen. Sesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich anficht, Mein Jesus kann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hülf abspricht, Und ob mir gleich es mehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die anfangs gehen bitter ein Und gleichwohl großen Nutzen bringen, Wenn fie nur ausgestanden sein; Fühl' ich gleich oft die scharfe Ruth', So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt allein zu sich; Empfind' ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb', So will mich Gott demüthig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb'; Ich achte nicht der Feinde Wuth, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich Nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar kränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 286 6. Und muß ich oftmals auch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir's Gott doch überwinden Und schenkt mir süße Seelenfreud'; Drum hab'ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl aus allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllengluth, Drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Hebr. 10, V. 35. 36. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch Noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut und die Verheißung empfahet. Geduld ist eine Frucht des Geistes, sie kommt von Gott, und der muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und heftiger beten, je heftiger sein Leiden anhebt, wie dort von Christo stehet: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Deshalb soll der Betrübte erwägen: 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibt und sich in den Willen Gottes ergibt; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herzlich liebe, und daß er darum nicht habe aufgehört, Vater zu sein, ob er ihn gleich mit Kreuz belegt hat. Darum 2) murret ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer ist, sondern sagt: Ich Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 287 will schweigen und meinen Mund nicht aufthun; du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmüthig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärket Betrübte, theils, wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen gibt, es werde das Kreuz bald aufhören, theils, er wolle sie nicht verlassen, theils auch, wenn er einige Hülfe und Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wiederum stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten, denn Gott hat uns verheißen, er wolle uns helfen das Kreuz tragen, aber nicht die Ungeduld, weil dieselbe nicht von Gott, sondern von unserm Fleisch und Blut herkommt; die Geduld bringt eine rechte Stille des Herzens und des Gemüths. Gebet. Herr, vor dir ist alle meine Begierde und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ach mein Gott, mein Seufzen ist dir nicht verborgen und mein Glend und Jammer ist dir wohl bekannt. Dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es kommt von geliebten Händen, ich habe es mir nicht selbst gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; hast du mir's aber aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die Geduld auch gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach, so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkest, wenn du mir hilfft und beistehst, so kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird 288 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. es mir nicht schwer werden. Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Chriftus. Greife mich auch nicht zu heftig an, damit ich's kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die wankenden Kniee, sage zumeinemverzagten Herzen: Dein Gott ist König, dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilfft, so ist mir geholfen, darum hilf mir, o mein Heil, um deines Namens willen; zu dir habe ich Zuflucht. Stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich also leiden und mein Kreuz tragen solle; daß ich mich dann mit Freuden entschließe und sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß dennoch liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Bater seist, daß dieses Kreuz nicht sei ein Zeichendes Zorns, sondern der Gnade; überzeuge mich, es werde mein Nußen sein, Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 289 indem ich dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele vor das Erempel der Geduld meines lieben Heilandes Jesu Christi, der Alles geduldig auf sich nahm und wie ein Lamm seinen Mund nicht aufthat. Gib, daß ich ihm in solcher Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gib, daß ich mitdulde und mitleide, damit ich auch mitgekrönt und zur Herrlichkeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gib mir neue Kräfte und neuen Muth, wenn ich einen Sturm ausstehen muß oder ausgestanden habe. Ja stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen und dein kräftiger Beistand gewiß erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, Mein Schild, meine Kraft, sagt mir dein Wort, Meine Hülf, mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott in aller Noth, Wer mag dir widerstreben! Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. 1. Mein Gott, verzieh' doch nicht, Ach sieh', wie ich muß weinen; Wann willst du, o mein Licht, Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab' ich Kreuz Und geh' ich schon oft aus, So geht mein Leiden mit Und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff' ich alle Tag': Sieh', heute wird es beffer; Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer; Ich 19 290 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. werde schwach und matt, Mein Herze ist beklemmt, Es ist nein Angesicht Mit Thränen überschwemmt. 3. Durch's lange Leiden will Auch die Geduld verchwinden, Weil sich die Linderung So gar nicht will eininden; Ich warte von dem Tag Bis auf die stille Nacht, And in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein Gott, die Hülf verziehen, Wie wird es mir ergeh'n? Ach wo soll ich hinfliehen? Ach Gott, verzieh' doch nicht, Ach eile bald herbei. Ach Herr, wann machst du mich Von meinen Banden frei? 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen, Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden. Ach wende dich zu mir, Komm' und errette mich, Erleicht're mir mein Kreuz, Ach Gott, erbarme dich. 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir es hilfft tragen, Ich will, wenn du mit trägst, Von keinem Leiden sagen; Denn trägst du nur mit mir, So trägst du das Gewicht, Ich habe zwar das Kreuz, Und fühl' die Last doch nicht. 7. Ach ja, mein Herr und Gott, Laß mich die Stund' erblicken, Da du nach meinem Leid Mich endlich wirst erquicken; Ach schenke mir dereinst Die lang erwünschte Stund', Darnach das Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Willst du mir diese Gnad', O großer Gott, erweisen, So will ich, weil ich leb', Dafür dich herzlich preisen; Mein Freudenwort soll sein Nach ausgestand'ner Noth: Wie gnädig ist doch Gott, Der Herr Herr Zebaoth. Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. Aufmunterung. Jejaia 48, V. 14. 17. Ich winselte wie ein Kranich und wie eine Schwalbe und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. Herr, ich leide Noth, lindre mir's. Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verbürbe, denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. 291 Gott hat seinen Kindern in ihrem Leiden eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Leben; es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Gewährung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie dabei sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Deswegen 1) wenn sie empfinden ihres Krenzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit, dürfen- fie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn so machte es ja Christus unser Heiland selbst, welcher um Wegnehmung des bittern Kelchs seinen himmlischen Vater anflehte. Hiermit legen Betrübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmung des Kreuzes mit einer gelassenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft sein; besser ist's, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig, als daß er es uns wegen unsers Murrens abnimmt und im Zorn ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Abnehmung der Trübsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oftmals zerstreut, niederschlägt und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt sein aus Ungeduld, oder um der Welt Lust und Freude wieder zu genießen, so sieht man ja leicht, daß Gott ein solch Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel und irdisch gesinnt, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es als ein heiliges Feuer diese Stoppeln und Unreinigkeiten ausgebrannt hat. Gebet. O du gnadenreicher Gott, der du die Betrübten und Elenden ansiehest und dich erbarmest aller deiner Werke, ach siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thür deiner Gnade und flehe dich um Hülfe an. Du weißt ja, wie du mich 19* Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. betrübt haft, du weißt, wie du mich angegriffen haft, aber du weißt auch wohl, daß es mir Niemand kann abnehmen, denn du allein. Die Vaterhand, die mich verwundet, die muß mich heilen; der mich getödtet, muß mich wieder lebendig machen; ja, der mich in die Hölle geführt hat, muß mich wieder heraus führen. Ach darum, dugnadenreicher Gott, komme ich zu dir und spreche: Herr, hilf mir! ach erbarme dich meiner! Dein Zorn währet einen Augenblick, und du haft Lust zum Leben, aber dein Augenblick währet mir fast zu lange. Barmherziger Gott, der du in deinem Wort so liebreich deinen Kindern erlaubt hast, dich zu bitten: Bittet, so werdet ihr nehmen; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan; ach laßauch mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Nimm meine Trübsal von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Ich will dir nicht Zeit und Stunde, Art und Weiſe vorschreiben, sondern deine Hülfe mit Ge duld erwarten. Ach laß mich doch eine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur ein Stück und Theil desselben von mir. 292 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. 293 Du willst dich vor deinen Gläubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach Gott, wie lange willst du mein so gar vergessen! Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seist, der sich über mich erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sei. Ach wie lang', ach lange! ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Dir ist ja Nichts unmöglich, Herr Zebaoth ift dein Name, groß von Rath und mächtig von That. Du bist der Trost Israels und der Nothhelfer, darum verlaß mich nicht, hilf mir, errette mich und sei mir gnädig, erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange geplaget haft, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden habe, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! Ist aber deine Hülfsstunde noch nicht da, so stärke mich inwendig und gib mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater, mit mir trägſt, oder mir es linderst, wenn ich in deiner Kraft Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. einhergehe, so will ich es auch für ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken. Willst du mir es aber in diesem Leben gar nicht abnehmen, sondern ist es dein heiliger Rath, daß ich es bis in den Tod tragen soll, nun so geschehe auch darin dein Wille; mur laß mich nicht über mein Vermögen versucht werden, und versüße mir alle Bitterfeit und Trübsal mit dem Genuß deiner Liebe, mit deinem kräftigen Beistand und mit einem erquickenden Vorgeschmack des Himmels. 294 Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, So steh' mir, Herr, durch deine Kraft zur Seiten; Beschüße mich stets gnädiglich, Hilf meine Widersacher all bestreiten. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach, wie lang' verzieht er doch? Will er sich nicht zu mir kehren, Wegzuthun das schwere Joch? Ach, ich muß ja fast vergehen, Wenn er mich nicht will ansehen; Nimmt sich Gott nicht meiner an, Ach, so ist's um mich gethan. 2. Hat mir's Gott ja doch versprochen, Daß er mich erhören woll', Wenn die Stund' ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen Und darauf mich fest verlassen; Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Vater, auf dein Kind, Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so verAller Orten ihm laffen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, nachgehen, Ihm schick' ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hülf und Ruh'. Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 295 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethsemane, Länger auf die Hülfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hülf' verzagen Und mein Kreuz geduldig tragen; Seh' ich meinen Jesum hier In den Garten doch bei mir. 5. Nun wohlan, ich bin vergnüget, Geh' es, wie es gehen soll, Wie es mein Gott mit mir füget, So thut er der Seele wohl. Endlich werd' ich noch lobsingen Und ihm meine Opfer bringen, Ja erzählen Jedermann, Was er an mir hat gethan. Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Klag. Jer. 3, V. 31. Der Herr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl und ev barmet sich wieder nach seiner großen Güte; denn er plagt unt betrübt die Menschen nicht von Herzen. Alle Trübsal wird leicht, wenn man hofft, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hierbei soll ein Betrübter sich vorstellen: 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde und vielleicht noch in diesem Leben, wie Gott also Davids Flucht, Hiskiä Krankheit, Hiobs Elend, der Witwe Thränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben gewendet hat. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden in dem Tode; denn da soll ihnen die Krone, ein weißes Kleid, die Himmelsfreude zu Theil werden, da will er abwischen alle Thränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch das Leiden betrübt wird, daß seine Seele dadurch wird erbaut; denn nun hat er erkannt Gottes Allmacht, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit; durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärkt worden; und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm getilgt ist, daß er mun frömmer, andächtiger, Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. christlicher, demüthiger und sanftmüthiger geworden ist, so hat er gewiß einen großen Nußen von seinem Kreuze. So bleibt der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden entweder hier in der Zeit, oder erst dort in der Ewigkeit. 296 Sebet. Ach du großer Gott, wie ist doch mein Leiden so schwer und groß! wie du selbst weißt, ein jeder Tag hat seine eigene Plage, und eine jede Stunde fast ihr eigenes Leiden; aber doch soll mein Glaube, meine Hoffnung und mein Vertrauen deswegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübſal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nämlich zu dir, dem allmächtigen, gütigen und barmherzigen Gott. Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du hast versprochen, daß du die Mühſeligen und Beladenen erquicken wolleft: nun, ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung. Ach gib mir, wenn es zu deiner Ehre und zu meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch und was mein Mund bittet, denn du bist meine Zuversicht, Herr, Herr, von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann Alles ändern. Ach, so ändere, wenn es dein heiliger Wille Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 297 ist, meinen Zustand; erquicke mich, erfreue, erhöre mich. Daraus will ich erkennen deine große Allmacht, daß du aus den schwersten und größten Leiden erretten kannst. Daraus will ich erkennen deine große Güte, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmet hast. Außer dieser Trübsal hätte ich vielleicht in meinem Christenthum so viel nicht gelernt, als ich nun durch diese Leiden darin bin unterrichtet worden. Nun sehe ich deinen heiligen Rath, du hast mich demüthig, sanftmüthig und fromm machen wollen, du haft mich wollen zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben und meine Hoffnung allein auf dich setzen soll, und da nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und läsfest mein Gemüthe, das vorher ganz unruhig war, wiederum stille, gelassen und zufrieden werden. O welche herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! o welcher große Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfertigen. Meine Thränen sollen auch ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen 298 Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Rosen tragen; nach meinem Kampf soll der Sieg, nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird dermaleinst am jüngsten Tage die Erlösung sein, wenn ich da von allem Uebel befreit in das himmlische Freudenleben eingehen werde! Ist dieses denn das erstemal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual, Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, Und doch hat Gott uns drauf geschenkt Ein Stündlein voller Freuden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlaffen? Mein Heil, wann werd' ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach, wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh', Andre sind beglücket, Sie steh'n in Herrlichkeit, Mit Wohlergeh'n geschmücket; Nur ich muß traurig geh'n, Ja ich muß ganz allein In meinem Jammerstand Von Gott verlassen sein. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Weil ich dich Jesum fast Weiß nirgend mehr zu finden; Wo ich mir nur hinwend', Sieh', da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif, Sieh', da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein Jesus, Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 299 sagen? Jesu, komm' doch bald, Die Zeit wird mir zu lang, O Jesu, komm' doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald, O Seele, sei doch stille Und stell' dein Trauern ein, Es ist so Gottes Wille; Weil Jesus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud'. 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen; Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen; Er sieht dein Leiden wohl, Sieh' da, in kurzer Zeit Erqnickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald, Er wird dich nicht verlaffen, Denn du bist ja sein Kind; Wie könnt er dich denn hassen? Schau doch auf Andre nicht, Die da beglücket steh'n, Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgeh'n. 8. Dein Jesus kommet bald ,. Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Auf's freundlichste umfahen. Auf, Seele, sei getrost, Dein Heiland ist dir nah; Nun ist dein Wunsch erfüllt: Dein Jesus ist schon da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. 2. B. M. 22, V. 22. 23. Ihr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie belei digen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibt das kluge Weib von Thekoa eine Wittwe, 2. Sam. 14, V. 5. Es ist der Wittwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemannes Hülfe, Rath, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit muß entbehren, welches auch reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen thut es desto weher, weil ihnen diejenige Person durch den Tod geraubt worden ist, welche sie und ihre Kinder ernährt und durch Gottes Segen versorgt hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchrist 300 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. liche Leute an Wittwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, fie drücken, verachten und ihnen Unglück thun. Es ist aber der Wittwenstand 3) ein von Gott beschützter Stand. Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen, und hat gedroht, wenn man ihnen Unrecht thun würde, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter sein, der sich ihrer annehmen und ihre Sachen ausführen und befördern wolle. Ja er hat ihnen seinen besondern Segen und Beistand, wie auch seine besondere Hülfe und Gnade zugesagt. In dessen Betrachtung sollen fromme Wittwen 1) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist Gott nicht gestorben. 2) Sie sollen dieses annehmen als eine Prüfung ihres Vertrauens und ihrer Hoffnung auf Gott. Es soll Niemand an einer Creatur hangen, oder sich auf dieselbe verlassen. Wenn nun manches Weib meint, es könne fie und ihre Kinder Niemand ernähren, als ihr Mann, so macht sie aus demselben einen Abgott, darum will sie Gott von dieser Sünde frei machen und ihr zeigen, daß er sie und ihre Kinder auch ohne Mann erhalten und ernähren könne. Darum sollen christliche Wittwen 3) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch sein, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. Sebet. O du barmherziger und gnädiger Gott der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach, es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rath gefallen, mich in den betrübten Wittwenstand zu verseßen. Meine Sonne ist am hellen Mittage untergegangen, und die Krone meines Hauses ist gefallen; ich bin Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 301 ein Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rath und That suchen? Ach mein Gott, ich komme zu dir, mein Herz hält dir vor dein Wort; Ihr sollet mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Äntlig. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wolleft sein der Wittwen Richter und der Waisen Vater: Ich, der Herr, bin dein Mann, Gott Israels ist mein Name. Ach, so sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Siehe an meine Thränen, wie sie die Wangen herab fließen, und laß sie zur gnädigen Erhörung gen Himmel steigen; siehe an mein Seufzen und erbarme dich meiner. Gib mir recht zu erkennen, daß ich dennoch von dir nicht verlassen bin, ob ich gleich ohne Mann leben müß und daß du, o du ewiger und unsterblicher Gott, nicht gestorben bist, sondern ewiglich lebest, obgleich mein Mann begraben liegt. Ach, es scheint, daß du dadurch mich willst von allen Creaturen abziehen, daß ich dir allein vertrauen und auf dich allein meine Hoffnung setzen soll. Mein Gott und Vater, ich glaube von Herzen, daß 302 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. du mich und die Meinigen ohne Mann schüßen, ohne Mann ernähren, ohne Mann versorgen kannst; stärke diesen meinen Glauben nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Herr, thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohlgehe, führe mich, wie Naemi, versorge mich, wie die Ruth, segne meinen Delkrug, wie den der Wittwe in Israel, laß das Mehl und den Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe zu Sarepta, wische meine Thränen ab und sprich zu mir: Weine nicht! wie du zu der Wittwe in Nain sprachſt. Ach Herr, bescheere mir mein tägliches Auskommen, segne meinen Aus- und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich seßze alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott, dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weise genug, mich zu erhalten; du bist mächtig genug, mich zu schüßen; du bist reich genug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir Alles zu geben, was ich vonnöthen habe; du bist allgegenwärtig genug, in allen Nöthen mir beizustehen, mir zu helfen und mich zu erretten. Verläßt sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, erwerde ihn den rechten Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 303 Weg führen, vertraut ein Kranker dem Arzt seinen Leib und sein Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiser Gott, nicht vertrauen und mich auf dich verlassen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o Herr, nimm mich auf. Siehe, um Trost ist mir gar bange, du aber haft dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Ich habe viel Bekümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen und gnädigen Verheißungen ergözen meine Seele. Gib, daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und in Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, an dir mich ergöße, Niemanden ein Aergerniß gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott, Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden und gib mir Huld und Gnade bei Jedermann. Erhöre mein Gebet, gib mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand, sorge für mich 304 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. und die Meinigen nach deiner gnädigen Verheißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jetzt mein Schirmund Schatten sein, mich behüten und mir Gutes thun, bis du mich wirst zu der Herrlichkeit bringen, da ich mit fröh lichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Wittwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schooß, Ihrer will er sich erbarmen, Wär' die Noth auch noch so groß; Denn ein ungerechter Mann Tastet Gottes Auge an, Der die Waisen nie erquicket Und der Wittwen Herzen drücket. Wenn sie bleiben in den Schranken, Darin fie Gott hat gestellt, Und von ihm auch niemals wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmelsschloß Werden allen Kummer los; Da soll nicht mehr, wie auf Erden, Wittwennoth gehöret werden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Ihr Wittwen, seid getrost, Laßt ab von eurem Weinen, Es will der starke Gott Zu euerm Trost erscheinen; Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht Und setzt auf dieses Wort All' eure Zuversicht. 2. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch nicht verLassen; Wenn ihr zu finken scheint, So will er euch umfassen; Der Herr Herr Zebaoth, Der Herr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich eier an. 3. Der Herr ist euer Mann, Er wird euch schon versorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält, Er aber ist der Herr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen, Er höret eure Stimm', Er trägt euch in den Armen; Verlaffene Waisen klagen Gott ihre Noth. 305 Er will des, der euch kränkt, Ein strenger Richter sein, Drum stellt das Ach und Weh Und bittre Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr vonnöthen habt In euerm ganzen Leben; Gott, der nach seinem Rath, Zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Noth am größten; Er wischt die Thränen ab, Drum sprecht: Du bist mein Gott, Mein Gott, ach steh' mir bei In aller meiner Noth. 7. Der Herr ist euer Mann, Drum sollt ihr ihm vertrauen, und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch seh'n, Wie es in diesem Stand' Euch wird nach Wunsche geh'n. 8. Nur dienet euerm Gott Mit Singen, Danken, Beten; Kommt jede Stund' und Tag Vor seinen Thron getreten, Und klagt ihm eure Noth; Bleibt in der Frömmigkeit Und steht im Glauben fest Und in Zufriedenheit. 9. Gott, frommer Wittwen Gott Und Vater frommer Waisen! Du wollest gnädiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgendhin, Denn nur zu dir allein, Drum wolleft du ihr Gott Und treuer Vater sein. 10. Versorg' der Wittwen Haus, Die Waisen woll'st du leiten; Ach Bater, schau', wie sie zu dir die Händ' ausbreiten. Ach hör' doch ihre Stimm', Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott Und frommer Wittwen Mann. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Aufmunterung. Psalm 27, V. 10. Mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. Ist ein betrübter Stand, so ist's gewiß der Stand der Waisen, der Stand, wenn Kinder von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, oder sich durchbringen 20 306 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlassene Kinder gedenken, ob sie gleich keine Eltern haben auf Erden, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben, als welcher ihr Vater in der heiligen Taufe geworden ist. Dieser himmlische Vater stirbt nicht, er ist reich, er hat Alles, was wir bedürfen; er ist mächtig, er kann Alles geben; er ist ein weiser Gott, der Alles wunderlich und herrlich auszuführen weiß. Es sollen 2) fromme Waisen bedenken, daß Gott oftmals mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja sie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Exempel uns vor Augen gestellt hat, die mit fröhlichem Munde sagen, wie Jakob: Ich hatte nichts denn diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Haus nahm ich zum Wanderstab die Armuth und mein Leben, drum Alles, was ich jezo hab', das hat mir Gott gegeben. 3) Es sollen aber auch Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in all' ihrem Thun aufrichtig sein, sonderlich aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch thun wider Gottes Gebot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderlich, doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ach du gnädiger, barmherziger Gott und Vater! ich armes, verlassenes Kind werfe mich allhier nieder vor deinem erhabenen Thron, und bitte dich in Demuth, und von Herzen: nimm dich meiner als ein Vater Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. 307 an. Ach, es hat dir nach deinem weisen Rath gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflege zu berauben; ach, wo soll ich nun hin! Ich bin eine Waise geworden und habe keinen Vater mehr: wer will sich meiner annehmen! Deswegen, liebreicher Gott und Vater, komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich mein; auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Siehe, mein Vater und Mutter verlassen mich, aber, ach Herr, Herr, nimm du mich auf. Ach mein Gott, du gibst ja Speise den Vögeln, die auf freiem Felde fliegen, du kleidest die Blumen, du versorgest das Wild im Walde. Ach, so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, dich meiner erbarmen und mir gnädig sein; mein Auge sehnt sich nach dir, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Erempel stehen mir vor Augen von solchen Kindern, welchen du Vater und Mutter haft lassen sterben, sie aber dennoch herrlich geführt, versorgt und 20* Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. ernährt. Ach Gott, der du Mosen aus dem Wasser haft gezogen, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast wollen über mich zusammen schlagen. Ach Herr Jeſu, der du der Kinder dich haft treulich angenommen und sie gesegnet, ach segne mich auch, nimm mich in die Arme deiner Barmherzigkeit, trage mich und bewahre mich vor Ünglück. Ach du werther heiliger Geist, der du die Gläubigen führeft, wie die Jugend, führe mich auch. Weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach du dreieiniger Gott, sei mein Erhalter, der mich schützt, mein Helfer, der mir beisteht, mein Geleitsmann, wenn ich aus- oder einreise. Ach bescheere mir gute Freunde, wo ich ein- und ausgehe, erwecke mir Gönner und Gutthäter, die sich meines Elendes erbarmen, laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllt ſein; thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück und vergilt ihnen mit zeitlichem und himmlischem Segen, was fie Gutes an mir thun. Gib mir ein demüthiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, 308 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. 309 Bosheit und sündliche Unarten mich der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armuth dich möge verläugnen, oder vom Glauben abfallen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allzeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführt werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit gerathen und behüte mich vor verkehrtem Herzen. O du gnädiger Gott und Vater, schrecke mich ab von der Gottlosen Wegen; warne mich, wenn ich fündigen will; erinnere mich, wenn ich des Bösen mich will gelüften lassen; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach bin; mache mich gesund, wenn ich frank bin. O treuer Gott und Vater, ich ergebe mich dir ganz und gar, laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen sein. O wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohlthust! Meine Zunge soll sagen: Das hat Gott gethan, Gott hat mich gesegnet, erhalten, begleitet; geführt, ver 310 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. sorgt, ja ich will Jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen hast. Ach Herr, Herr, höre daß Gebet der verlassenen Waise, höre die Stimme deines Kindes; du bist mein Vater in der heiligen Taufe geworden, in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt gelegt; ach, du bist ein reicher und unsterblicher Vater, ein weiser und liebreicher Vater, darum sei deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen und willst mir helfen, so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preise sagen kann: Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz, Ich bin ein armer Erdenklos, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Amen. Gefang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ihr Waisen, weinet nicht! Wie, wollt ihr euch nicht faffen? Verlaffet euch auf Gott, Der wird euch nicht verlassen; Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt So habt ihr keine Noth. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesammt Beschützen, kleiden, speisen; Dem übergebet euch, Der nimmt sich eurer an, Seht, Gott ist ener Schuß Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon ver= sorgen, Er kennet eure Noth, Die ist ihm unverborgen, Ob 311 Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. ihr schon wenig habt, Der Vorrath ist sehr klein, So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja verheißen, Daß er Verlaffene Aus Trübsal wolle reißen; Das gehet euch auch an, Ihr werdet gar bald seh'n, Das Wort wird auch an euch Schon in Erfüllung geh'n. 5. Ja glaubet, bleibet fromm, Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheiß'nen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte klagt über die Schwachheit seina Glaubens. Aufmunterung. Jefaia 42, B. 3. Das zerstoßne Rohr wird er nicht zerbrechen und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Herr, stärke uns den Glauben, Luc. 17, V. 3. Ist Etwas, das eine gläubige Seele schrecken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer, lebendiger Glaube sei, daher denn der Zweifel entsteht, ob sie auch werde selig werden. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost, 1) daß ein im Namen Jesu, auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube ebensowohl ein wahrer und seligmachender Glaube sei, als der starke; ein kleines Kind ist ja ebensowohl ein Mensch, als ein großer, starker Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung des heiligen Geistes ist; ein Gottloser begehrt nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreift Jesum, sein heiliges Verdienst und seine Wunden, wie der starke Glaube; wenn man einem Kinde und einem starken Mann jedem einen Goldgulden in die Hand gibt, so hat einer so viel als der 3.12 Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. Andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen, weil er ja nicht einmal ein Licht des Nachts auslöschen kann. 5) Ob die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fünklein unter der Asche da ist, ob man es schon nicht siehet. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß wider die Sünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen, Galat. 5, V. 22: Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängstete Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. Wo diese sich aber an einem Menschen finden, da ist der Glaube und der heilige Geist, denn es sind nicht Früchte des Fleisches, Gal. 5, V. 19., sondern des Glaubens und des heiligen Geistes, denn der Glaube und heilige Geist sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesen in der heiligen Schrift, Geduld, Harren auf Gott, stärken den Glauben. 8) Der Glaube ist eine Gabe Gottes, Gott wird aber nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben hat. 9) Christus ist auch für die Schwachgläubigen gestorben und betet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du schon das nicht glauben kannst, so ist's doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt. Sebet. Ach du gnadenreicher Gott! ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig macht, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen kann. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wollte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geiste an das Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens 313 wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbart haft, und daß ich deinem geoffenbarten Wort möge von Herzen glauben und deine Verheißungen von deiner Gnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch Jesum erworben worden, mit festem Vertrauen und ungezweifelter Zuversicht mögeannehmen. Denn mich dünket zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieses klage ich dir, mein Gott, darum, weil ich weiß, daß alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben von oben herab kommen. Weil dennnunder Glaubenicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach, so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Töchtlein auslöschen. Mein Gott, schreibe diesen Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, das Blut und den Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, dreieiniger Gott, nämlich an dich, himmlischer Vater, als unsern Schöpfer, an dich, Jesu, als unsern einigen Erlöser und Seligmacher, 314 Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. an dich, heiliger Geist, als unsern Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle und auch selig mache. Gib mir auch die Erfindung des Glaubens durch deine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch einen kräftigen Trost und durch eine freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es also dein heiliger Wille ist. Ach mein Jesu, bitte auch für mich, wie du für Petrum gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; versiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen; daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werther heiliger Geist, wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens; treibe mich, heilige mich, regiere mich, ja wohne in mir, und gib das Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Gelobet ſei dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abschen finde, Sünde zu thun, daß ich darwider seufze und mit Gebet kämpfe, hingegen ein herzliches Verlangen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, Der Betrübte klagt über sündliche, böse Gedanken. 315 woraus ich sehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und erhalte in mir diese Glanbensfrüchte und mache sie mir alle Tage süßer und erquickender. Wirst du dieses mir, odreieiniger Gott, verleihen, so will ich gern mit meinem schwachen Glauben zufrieden sein. O mein Gott, vor den ich trete Jetzt in meiner großen Noth, Höre, wie ich sehnlich bete, Laß mich werden nicht zu Spott; Mach' zu nicht' des Teufels Werk, Meinen schwachen Glauben stärk, Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Glauben trage. Amen. Eine andere klage über Anfechtung. Der Betrübte klagt über sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Aufmunterung. 2. Corinther 12, V. 7. 8. 9. Es ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlägt, dafür ich dreimal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes; aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) Geistliche Anfechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach dessen Willen wir dieses leiden müssen; ohne Gottes Willen kann nicht ein Haar von unserm Haupte fallen, wie viel weniger kann uns ohne ihn dergleichen Seelenangst widerfahren. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die bösen und abscheulichen Gedanken und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch und lachen darüber. 3) Daß 316 Der Betrübte klagt über fündliche, böse Gedanken. aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß fie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihren Herzen auffteigen. 4) Dieser Schrecken, diese Angst über die lästerlichen Gedanten ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohnen; wäre Satan darinnen( wie die Angefochtenen meinen), so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche lästerliche Gedanken rechnet Gott den Seelen der Frommen nicht zu, weil sie wider ihren Willen entstehen, weil sie darüber seufzen, weil sie daran keinen Gefallen haben, weil sie einen Angstschweiß empfinden, wenn sie kommen, und weil sie ihnen widerstehen. 6) Anfechtung ist kein Kennzeichen des Zorns, sondern der Gnade Gottes; solche Seelen haben doch einen gnädigen Gott, wie an Hiob zu sehen ist; Gott ist nicht von ihnen gewichen, er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele steht im Leiden und nicht im Thun, wenn die Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Feuerfugeln wirft; darum soll der Mensch nur seinen Mund zuhalten und die bösen Gedanken in Worten nicht aussprechen, auch nicht leicht Unverständigen erzählen, damit er nicht Jemand ärgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: Es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt. Satan ist verdammt, ich bin erlöset; das böse Wort ist nicht mein Wort, ich billige es nicht, weg aus meinem Herzen! Ich bin Gottes, Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? 9) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesen des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern man soll vielmehr oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, fie wollten lieber auf Dornen gehen, am Leibe Schmerzen leiden, als solche Gedanken haben, ja weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist's ja eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, Jesus, der heilige Geist, ja die ganze heilige Dreieinigkeit noch im Herzen ift. 11) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an Gott denken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen; denn Der Betrübte klagt über sündliche, böse Gedanken. 317 das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade, ja sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und träftigsten. 12) Ob sie sich gleich einbilden, fie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie thun, so nimmt's ihnen Gott nicht übel auf, er siehet ihren Willen und ihr Verlangen an; fie meinen, fie wären die Allerentfernteften von Gott, und sind ihm die Nächsten; sie meinen, sie wären die Bösesten, und sind ihm die Treuesten; sie meinen, sie wären die Verstoßenen, und find Gott die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Beispiel, daß Gott solche Seelen habe verlassen; denn er erfreut, erquickt und tröstet wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit muß austoben laffen; mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden, und endlich nachlaffen. So haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Diese Anfechtungen machen den Menschen demüthig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag; ja diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, von Lauigkeit im Gebet und in Anhörung des göttlichen Wortes reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nutzen? 15) Diese Gründe soll man einen nach dem andern betrachten, oder sich von Freunden Gottes weiter auslegen lassen und dabei leibliche Arzenei gebrauchen, das ist fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder auf's Feld gehen, nicht allein bleiben, fondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben, ausgenommen wenn man beten will. Mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich. Man lese auch fleißig das 8. Capitel an die Römer, ingleichen den 27. und 88. Psalm. Gebet. Ach du heiliger Gott! der du wohneft unter dem Lob Israels, und welchen alle heiligen Engel und Auserwählte ohne Unterlaß loben und preisen; ich betrübte Seele 318 Der Betrübte klagt über fündliche, böse Gedanken. klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhindert werde durch die bösen und lästerlichen Gedanken, welche in meinem Herzen so oft, ja täglich aufsteigen. Du allwissender Gott weißt ja wohl, daß sie mich wie fliegende Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängsten; aber du weißt auch, daß ich darüber erschrecke und bitterlich weine, wenn ich solche feurige Pfeile empfinden muß. Ach mein Gott, rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschieht; du fiehest, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich dawider seufze, wie ich davor einen Abschen habe, und sie gern aus dem Herzen vertreiben wollte. Ach Herr, laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gern trinken, den du mir, o lieber Vater, eingeschenkt haft. Laß es nur nicht einen Kelch des Zorns, sondern deiner Gnade sein. Ach ſei mir gnädig, denn ich bin schwach. O wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Achverstoße mich deswegen nicht, weil ich es nicht ändern kann, sondern ich muß das leiden; aber deine Rechte, du Allerhöchster, kann Alles ändern. Grquicke mich, du dreieiniger Gott, und wenn Der Betrübte klagt über fündliche, böse Gedanken. das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und reichen Trost wieder empfinden, ja gib mir mitten in der Angst einen Troffspruch in mein Herz, daran ich mich halte und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach, so gib mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gib Zeugniß meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Nun, mein Gott, ich will auch diese Anfechtung gern leiden, weil ich weiß, daß du sie mir nicht zu meinem Verderben, sondern zu meiner Erweckung in dem Guten, zu meiner Reinigung von Sünden, bösen Unarten und weltlichen Gewohnheiten und zur Heiligung meines Lebens zugeschickt haſt. Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Kommt er doch von geliebten Händen; dieses Feuer soll die bösen Lüste und den alten Menschen aus meinem Herzen ausbrennen und es dir, o großer Gott, zu einem Tempel und zur Wohnung heiligen. Daher spreche ich auch mitten in meiner Angst: Du bist doch mein Vater, mein Erretter, mein Helfer und mein 319 320 Der Betrübte klagt über sündliche, böse Gedanken. treuer Beistand. Ach sende deines heiligen Geistes Kraft in mein Herz, die mir helfe kämpfen und überwinden. Du hast geſagt: Es sollen nicht zu Schanden werden, die auf mich harren. Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit, eilend hilf mir. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest; umdeines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du haft gesagt, deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach, Herr, Herr, laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach mein Vater, laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnimmst; stärke mich, hilf mir, bewahremein Herzwiemiteiner Mauer, umgib es wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hinein kommen, ja daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott, du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu seiner Zeit ganz davon befreien wirst. Klagen gegen lästerliche Gedanken. 321 Jefu, du Brunn aller Gnaden, Der du Niemand von dir stößt, Der mit Schwachheit ist beladen. Sondern Allen Trofst einflößt; Sollt ihr Glaube noch so klein, Als ein kleines Senfkorn sein, Woll'st du fie doch würdig schäßen, Berge zu versetzen. Laß mich Gnade vor dir finden, bin voll Traurigkeit; Hilf du mir selbst überwinden, So oft ich muß in den Streit; Meinen Glauben täglich mehr", Deines Geistes Schwert verehr', Damit ich den Feind kann schlagen, Alle Pfeile von mir jagen. Amen. Große Der ich Klagen gegen lästerliche Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich klage dir, o Gott, Mit hochbetrübter Seele, Wie scharfer Pfeile Sturm Mich so entsetzlich quäle; Ach, böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach, wo soll ich doch hin? Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht; Ach Gott, dir will ich's flagen; Du kennst des Herzens Grund Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach, wär' ich doch, mein Gott, Der Pfeile überhoben, Ich quäl' und mart're mich, Wenn sie so grausam toben, Ach wenn mein Herz dann nur An dich, mein Gott, gedenkt, So wird's im Augenblick In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort Im Herzen mir verkehret, Ja man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret, Ich höre and're Wort, Als ich im Herzen hab', Und diese große Qual Frißt mir das Herz fast ab. 5. Ach, schaue meine Noth, Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil: Gott wüßte Nichts von mir, Ich wäre, o mein Gott! Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich zu allen Dingen, In Alles, was ich thu', In Lesen, Beten, Singen; Was ich 21 e 322 Gebet gegen lästerliche Gedanken. zu deiner Ehr' Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht' ich es nur meines Unflats voll. 7. Ich kann der Lästerwort' Sogleich mich nicht entschlagen, Ich muß sie oft gar lang' Ohn' meinen Willen tragen. Ach rechne mir nicht zu Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech'; Ich leid' es mit Verdruß. 8. Mein Gott, dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre; Ich schreie tausendmal: Mein Gott! ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung vorspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich liege hier vor dir mit höchst betrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott, Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind' In mir ohn' Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Auge thränennaß. 2. Ach Gott, ich leide dies Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst Zu seiner Zeit schon stillen; Ach, ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigenthum, Du bist mein Gott und Herr, Mein Freund, mein Trost, mein Ruhm. 3. Ach, die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie beffert Seel' und Geist Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd' und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott Und wehrt der Sicherheit. 4. Gefällt es aber dir, Mein Herz ganz rein zu machen Durch scharfes Feuer, das Gleichsam aus Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib' ich doch bei dir, Ach stehe mir nur bei, Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja, ich merke wohl, Ich bin vielmehr im Leiden, Ich treibe nicht das Werk, Das ich gern wollte meiden; Ach, ich verschlösse gern Des matten Herzens Haus, Und trieb die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. Gebet gegen lästerliche Gedanken. 323 6. Der Seufzer, der annoch In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind', wird er schon nicht geſtillet, Ja, der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieb', der versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu', Vor dich, o Gott, zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dies mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig Beten sei. 8. Ach Gott, die Noth ist groß, Doch dir nicht vorzuschreiben Die Zeit und Stund' der Hülf: So will ich gern noch bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gib mir nur Kraft dazu, Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh'. 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mehr schonen, So willst du doch, o Gott, In dem Betrübten wohnen; Ach wohn' jetzt auch in mir Und rufe mir auch zu: Sieh' da, ich bin bei dir, Du Hochbetrübter du! 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund, aufhören, Ach laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören; Zeig' mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht Und nach der Finsterniß Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach, großer, starker Gott! Ach stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie Denselben könne rauben, Versichere du mich, Du seist mein Herr und Gott, Mein Vater, der mich liebt, Mein Helfer in der Noth. 12. Und weil du Niemand haft In Anfechtung verlaffen, So will ich deine Gnad' Mit frohem Muth umfassen; Ach sende mir doch bald Die rechte Hülfezeit, Da sich in Troft und Freud' Verkehrt die Traurigkeit. 13. Sieh' an die Jammerklag', Die Thränen meiner Wangen, Ich schrei' dir immer nach, Bis ich werd' Hülf' er= langen; Und schweigest du gleich still, So schrei' ich doch zu. dir Und sprech' ohn' Unterlaß: Mein Gott! ach hilf doch mir. 14. Mein Gott, erbarme dich, Sieh' an mein bitt'res Weinen, Ach laß dein Gnadenlicht In meiner Seele scheinen; Ach Gott! erquicke mich, Und gib mir Freudigkeit, Ach gib mir Trost und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. 21* 324 Trost gegen lästerliche Gedanken. Trost gegen lästerliche Gedanken. Gesang. In voriger Melodie. 1. Weicht, weichet nur von mir, Ihr sündlichen Gedanken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanken; Ich acht' nun euer nicht Und eurer Lästerung, Ihr dienet mir vielmehr Zur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschiehet, Ja, was mein Will' nicht ist, Und was mein Herze fliehet Und davor Abscheu hat; Gott kennet meinen Sinn, Daß ich hier nicht im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufz' auch immerdar Mit hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, In's Herz kommt sie ja nicht, Dawider streit' ich oft, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft Ich nur noch widerspreche, Und jeden Lästerpfeil Durch seinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein Jesus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühle ich oftmals, Wie Satans Engel schläget, Und giftig böse Wort Mir an mein Herz geleget; Doch was kann ich dazu, Daß ich geschlagen werd', Weil ohne Schläg' zu sein Das matte Herz begehrt?- 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit Mich schon davon befreien; Weil ich für solche Wort' Hab Schrecken, Furcht und Schen, So schenkt mir Gott die Schuld Auf meine Buß' und Reu'.- 7. Ja, tobet immerhin, Ihr lasterhaften Worte, Ja, tobet, wie ihr wollt, In mir an jedem Drte; Gott ist dennoch mein Freund, Ich acht' doch euer nicht, 8. Shr Mein Jesus ist mein Trost Und meiner Seele Licht.- habet mich von ihm Bisher noch nicht vertrieben, Jhr könnet es auch nicht, Ihn will ich ewig lieben; Weil's nicht mein Wille ist, Daß ihr im Herzen seit, So bleib' ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja, ich werde schon Euch einst noch überwinden, Ich werde Ruh' und Trost In Jesu Wunden finden; Ich seh' den Himmel schon mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. — - - - ― u really fürwahr, Er trug unfre Krankheit und fud auf fich unfre Schmerzen. Dritter Theil. Zum Gebrauch der Kranken. Morgengebet eines Kranken. Aufmunterung. Psalm 55, V. 17. 18. Ich will Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und schreien, so wird er meine Stimme hören. Obgleich Gott den Menschen läft krank werden, so soll er darum doch nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten; ja, jemehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie auch Christus that, wie Lucas bezeugt, Cap. 22, V. 44.: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott Jemanden auf das Krankenbette niedergelegt, so soll dieser 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott erheben und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht ihm geleisteten Schut. Ift die Nacht betrübt und unruhig gewesen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Nacht aber ruhig und erträglich gewesen, so soll er ihm dafür danken. Hat er also sein Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er 2) sein Gebet vor ihn bringen und sich den Tag über in seinen Schutz und in seine Obhut empfehlen, fleißig an Gott denken und geduldig leiden, was er ihm zuschickt. Er soll sich dabei 3) erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn will da lehren und unterrichten. Vielleicht ist der Kranke in gefunden Tagen kein fleißiger Kirchengänger e 326 Morgengebet eines Kranken. oder kein andächtiger Beter gewesen: diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lerne und sehe, wie es ihm an Troft und Erbauung mangele, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Worts gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die Uebung soll bringen, was er von der Geduld, vom Vertrauen auf Gott, von der Gelaffenheit und von der Ergebung in den Willen Gottes gehöret hat. Sebet. du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich komme jetzt, da der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron und danke dir, daß du mich diesen Tag wiederum haft erleben lassen. Du weißt, Herr, wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe; dennoch fann' ich nicht genng deine Güte preisen, daß du das Licht der Sonne mich haft wieder sehen, und alle Schmerzen sammt allem Ungemach glücklich vorübergehen lassen. D du Gott der Liebe, ich danke dir für deine Liebe; o du starker Gott, ich danke dir für deinen Schutz und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedeckt, deine Gnade hat mich erhalten. mein Gott, die Sonne gehet wieder auf, ach laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen. Sib mir mit diesem Tage neue Kräfte, neue Morgengebet eines Kranken. 327 Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr, mein Gott, es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt; vielleicht willst du mich dadurchy absondern von meinen gewohnten Sünden und von meiner ordentlichen Arbeit, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögeft, wie ich foll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, dich geehrt, dir gehorcht habe, daß ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme und wahre Buße thue, auch mit dir einen Bund mache und also schaffe mit Furcht und Zittern, selig zu werden. Gib, daß ich, o Jesu, den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, an dein Blut und an deinen Tod denken und das wahre Heil und ewige Wohlsein meiner Seele betrachten. Gib mir, mein Gott, einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vaterliebe mich versichere, deine Gnade mir versiegele und deiner baldigen Hülfe mich vergewiſsere. Bewahre mich heute vor plößlichen Unfällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und 328 Morgengebet eines Kranken. allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit; willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden laffen empfinden, so bleibe nur bei mir und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden und Alles mit Gelassenheit und stillem Muth annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen und deine Barmherzigkeit herzlich preisen für Alles, was du an mir gethan haft. Meinen Leib und meine Seele, Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr mein Schild, mein' Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, Lift und Anschläg' von mir wende Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Führe nach dem Himmel zu. Amen. Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele 22. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh' ich jetzt die Sonne scheinen, Welche Alles munter macht; Darum fang' ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen Und mit Andacht hinzubringen. Abendgebet eines Kranten. 329 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, Herr, das ist dein Will' und Rath, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat. Nun, ich nehm' es gern auf mich, Ja ich trag' es williglich; Was du pflegeft aufzulegen Ist nicht ohne Gnad und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad' erhält, Laß mich auch das End' erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt; Lindre meinen Schmerz und Noth, Ach mein Vater, Herr und Gott! Jesu, meiner Seele Sonne, Schenke mir heut' Troft und Wonne. 4. Doch es soll dein Will' geschehen, Herr, dein Wille nur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden sein; Ich will leben, wenn's dein Will', Auch im Leiden halt' ich still'; Ich will mich zum Tod und Leben Dir hiermit, mein Gott, ergeben. 5. Segne meine Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß diefelben mir gedeihrn, Herr, zu deines Namens Ehr'; Hör' in Gnaden mein Gebet, Wenn ich gläubig vor dich tret', Daß ich dich im Glauben fasse Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß mir's besser wieder werd'; Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub' und Erd': Herr, das überlass' ich dir, Wie du willst, geschehe mir; Dein bin ich mit Leib und Seele Du bist's, dem ich mich befehle. Abendgebet eines Kranken. Aufmunterung. Pfalm 77, V. 2. 3. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den Herrn, meine Hand ist des Nachts ausgereckt und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübet bin, so denke ich an Gott, wenn mein Herz in Aengsten ist, so rede ich. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tag, als auch des Nachts begegnen 330 Abendgebet eines Kranken. können, so foll er ja wohl niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes befohlen. Sonderlich soll das ein Kranker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag geholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arzenei gesegnet, hat er das Ungemach den Tag über leidlich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen; dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott verfündigt hat. Kommt nun die Nacht herbei, wovor sich Kranke sonderlich zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, alle gefährlichen Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich also mit Leib und Seele Gott befohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und seine Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, sein pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein; sollte ihm auch in der Nacht das Todesftündlein bescheret sein, so wird der dreieinige Gott alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel laffen begleiten. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe und Gnade übergeben. Gebet. Ach du barmherziger Gott, ich habe nun wiederum einen Tag überlebt; Herr, Herr, du haft nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür ſei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Sonderlich preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag über meine Schmerzen und Krankheit mir haft tragen helfen. Abendgebet eines Kranken. 331 Ach Herr, du legst eine Laft auf, aber du hilfft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er höret das Schreien der Elenden und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach großer Gott, die Nacht bricht herein und es will Abend werden; darum wende ich mich zu dir mitmeinem Gebet und spreche: Mein Vater, ach bleibe bei mir und weiche diese Nacht nicht von mir; ja befiel deinem Engel, daß er komme und uns bewache, dein Eigenthum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruby, so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein; o heilige Dreieinigkeit, wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle gefährlichen und plößlichen Zufälle, lindre meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach himmlischer Bater! bleibe doch bei deinem kranken Kinde; denn wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und e 332 Abendgebet eines Kranken. mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem ſollte mir grauen? O Jesu, die Sonne geht unter und weicht von uns, aber du, Sonne der Gerechtigkeit, weiche nicht von mir. O mein Jesu, fasse mich diese Nacht in deine Arme, deine Linke liege unter meinem Haupt, und deine Rechte decke mich. Gib, daß ich mit dir einschlafe und im Schlafe an deinem vergoffenen Blute mich ergöße, deiner Wunden mich erfreue und darin Troft, Vergebung der Sünden und Erquickung für meine Seele finde. O du werther heiliger Geist, es geht Jedermann von mir, außer Wenigen; aber du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden bleibe bei mir, ſtärke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und in christlicher Geduld. Oduheilige Dreieinigkeit, nimm mich auf in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mir und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Sollt' diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So nimm mich, Herr, zum Himmel ein, In deinen Freudensaal. Und also leb' und sterb' ich dir, O starker Zebaoth, In Tod und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Noth. Amen. 333 Abendgebet eines Kranken. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich will mich nach der Ruh' umsehen, Weil mich die Krankheit müd' gemacht, Ich will mit Jesu schlafen gehen, Der selbst bei allen Kranken wacht; Ich denk dabei an meinen Gott, Ja auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn. Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf' ich aller Sorgen los und ruhe sanft in seinem Schooß. 3. Wenn ich mich deck, denk' ich, die Erde Wird einstens decken also mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab' ich, o Jesu, dich, So ruh' ich wohl in meinem Bett' Und auch wohl in der Grabesstätt'. 4. Ich denk, wenn ich das Licht austhue, Weil man des Nachts Nichts hat zu seh'n, So wird auch, wenn ich komm' zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgeh'n; Doch Jesus, meiner Seele Licht, Verlischt in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einstens aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide Und gehe in des Grabes Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög' der Ruh' genießen Und mich kein frecher Feind berühr': So schließt mein Auge zu der Ruh' Mein liebster Jesus selbsten zu. 7. Ich werd' auch aus dem Bett' aufstehen, Wenn mun die Morgenröth' anbricht, Und freudig aus dem Grabe gehen, Wenn Jefus, meiner Seele Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit Und führet mich zur Himmelsfreud', 8. Dies sind die seligen Gedanken, Sieh', damit schlaf ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von Jesu wanken, Ich will im Schlaf auch bei ihm sein; süßer Schlaf, o helle Nacht, Da Jesus in dem Herzen wacht! e Der Kranke bittet Gott um Geduld. Der Kranke bittet Gott um Geduld. Aufmunterung. Pfalm 43, V. 12. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein Gott ist. 334 Geduld ist euch noth, daß ihr den Willen Gottes thut und die Verheißung empfahet. So sagt Paulus Hebr. 10, V. 36. Und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig und eigenwillig, sondern geduldig und gelassen sein. Zur Geduld aber soll besonders einen Kranken bewegen 1) Chrifti Exempel, welcher unter den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm. Wenn wir daher ihm wollen gleich werden in der Herrlichkeit, so müssen wir auch, wie er, geduldig leiden. Der Kranke soll 2) bedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei; denn kann kein Sperling auf die Erde, ja kein Haar von unserm Haupte fallen ohne Gottes Willen, wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit aufgelegt werden ohne Gott. Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die göttliche Liebe und Allmacht; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen; wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte; darum soll er, anstatt der Ungeduld, vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demüthigen und ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke bedenken, Ungeduld macht das Kreuz nicht leichter, sondern schwerer: ja Gott hat verheißen, er wolle unser Kreuz uns tragen helfen, das er uns aufgelegt; aber die Ungeduld zu tragen, hat er uns nicht verheißen, weil sie nicht von ihm, sondern von uns kommt. Gebet. Barmherziger Gott, qnädiger Vater! siehe, ich armer Mensch liege allhier auf Der Kranke bittet Gott um Geduld. 335 meinem Krankenbette und kann nicht hinauskommen; aber zu dir komme ich und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach, es hat dir gefallen, mit diesem Leiden mich väterlich zu belegen, und anstatt der bisher genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken. Nun, mein Gott und Vater, es geschehe dein Wille, gib mir Geduld, daß ich Alles tragen möge ohne Murren und ohne Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößzt, sollte ich jeszt auch nicht Etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich Gutes von dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft erquickt und erfreut, so will ich auch die Krankheits- und Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen und mich in Demuth erinnern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genoffen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie Nichts und wenig zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott, daß du liebreich und gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Ich halte mich an dein Wort, daß da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Ver Der Kranke bittet Gott um Geduld. nögen, sondern macht, daß die Versuchung in Ende gewinne, daß ihr's könnet ertragen. Mein Gott, du weißt auch wohl mein Vermögen und meine Schwachheit, daher wirst du mein Leiden nach meinen Kräften schon einrichten. Siehe an dein schwaches und krankes Kind und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht zuleiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinst, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein Gott, hier bin ich, mache es mit mir, wie du willst, gib mir deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß diese Krankheit soll, ein Feuer sein, welches die Unreinigkeiten, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen und mich reinigen soll; wie es soll sein eine Bußglocke, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, um dieselben herzlich zu bereuen; eine Betglocke, daß ich um Jesu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Uebertretungen suche; ja, eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus; gedenke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit. Wohlan, so mache mich fertig und bereit, wie du mich haben willst dort in der Ewigkeit. 3336 Der Kranke bittet Gott um Geduld. 337 Denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Darum sei stille, meine Seele, was betrübst du dich und bist so unruhig in mir! Harre auf Gott, ja harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein Gott ist! Was willst du dich betrüben, O meine liebe Seel', Du sollst den einzig lieben, Der heißt Imanuel; Vertraue ihm allein, Er wird gut Alles machen Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird selig sein. Denn Gott verläfset Keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Scheint dir's auch wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Amen. Gesang. Mel: Zion flagt mit Angst und Schmerzen 2c. Seele. 1. Ach, wie lang' soll ich noch kämpfen, Ach, wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach, wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Kron' und Sieg? Ach, ich werde unterliegen, Ach, ich werde doch nicht siegen. Gott. 2. Kämpfe nur getrost, o Seele, Kämpfe, ich will bei dir sein, Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir, Du sollst meine Hülf' empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. 3. Aber ach, es währt zu lange, Meine Kräfte find dahin, Ach, es wird mir angst und bange, Weil ich so ent22 338 Der Kranke bittet Gott um Geduld. kräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten, Ach, wer will mich doch erretten? Gott. 4. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan, ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen Und mitnichten unterliegen. Seele. 5. Ach, mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer, Meine Trübfal, Angst und Plage Häuft sich immer mehr und mehr, Auch Anfechtung stellt sich ein Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen? Ach, das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. 6. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Tocht verlischet nicht. Kein Feind soll denselben rauben, Denk nicht, daß das Rohr zerbricht; Wäre es auch noch so schwach, Sieh', ich führe deine Sach', Ich will deine Feind' vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. 7. O mein Gott, in deiner Stärke Hab' ich einen guten Muth, Ich kenn' deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wohlan, so steh' mir bei, Daß ich überzeuget sei, Daß du werdest mich erretten Und auf meine Seite treten. Gott. 8. Sieh', die Kron' ist aufgestecket, Eil', vollende deinen Lauf. Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh', der Himmel steht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud' In der frohen Ewigkeit; Weiße Kleider, Licht und Krone Wird dem Kämpfer dort zum Lohne. Gott und Seele. 9. S. Nunmehr hab' ich überwunden Alle Noth mit meinem Gott. G. Und ich bleib' mit dir verbunden In und Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 339 nach der Todesnoth. S. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? G. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Psalm 54, V. 6. Siebe, stt stehet bei mir, der Herr erhält meine Seele. In Leidens- und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand haben, ist gar ein guter Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spräche: Wie geht es dir? so wissen wir Christen doch gewiß, daß Gott wird aller Elenden Beistand sein. Denn 1) Gott hat allen seinen Kindern Hülfe und Gnade verheißen; darum soll ein Kranker nicht verzagen, wenn er siehet, daß ihn Federmann verläßt, daß Niemand sich seiner annimmt, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen und zu rechter Zeit ihm Hülfe und Rettung leisten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, damit er sich helfen kann, und es will doch Nichts anschlagen, so soll er deswegen nicht kleinmüthig werden, oder an der göttlichen Verheißung zweifeln, sondern gewiß sein, Gott werde in allen trüben Trauerstunden mit seinem Beistande nahe bei ihm sein. 3) Dieser Beistand wird gespürt entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte gibt, auch das schwerste Leiden auszustehen. Ja, Gott ist treu, er ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernt. Gebet. O du treuer Gott! du siehst, wie ich jetzt in einem elenden und betrübten Stande mich befinde; meine Kräfte nehmen ab, meine 22* Der Kranke bittet um Gottes Beistano. Gestalt verschwindet und des Kreuzes Last drücket mich immer heftiger. Herr, Herr Gott, der du hörest mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir und verlaß mich nicht. Ich halte dir vor deine Verheißungen, da du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich und erhalte dich und helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wiederum: Ich will dich nicht lassen, noch versäumen. Nun, mein Gott, auf dieses dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nöthig, ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibst und es mir tragen hilfft. Die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Erde gemacht bin; ach wie bald ist diese irdische Hülle meines Leibes zerbrochen, wie bald versinke ich, wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ist's um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vaterhand mich nicht hältst und nach deiner Barmherzigkeit und gnädigen Verheißung mir nicht beiſtehst! Dein Beistand ist mir sehr tröstlich, denn 340 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 341 bist du, mein Gott, bei mir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn meiner guten Freunde etliche sowohl des Tages um mich stehen, als auch des Nachts bei mir wachen, o wie viel tröstlicher ist es mir, wenn du, mein Gott, bei mir bist! Menschen können mich wohl bedauern und beklagen, aber wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern und meine Angst stillen. O darum verlasse mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil. Weichet eine liebreiche Mutter nicht von ihrem franken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen. Laß mich deine gnädige Gegenwart empfinden durch eine innere Freude, durch einen kräftigen Trostspruch, durch einen süßen Gedanken, und tröste mich also in meinem Leiden, wie Ginen ſeine Mutter tröstet. Ach, mein Gott, stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mirsiegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Ghristus. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr: Ich bitte, woll'st sein von mir nicht fern Mit deiner Güt' und Gnaden. Die ganze Welt nicht freuet mich, Nach Himmel und Erd' nicht frag' ich, Wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht: So bist du doch mein' Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. Amen. 342 Gesang. Mel.: 0 Gott, du frommer Gott zc. 1. Mein Gott, verlaß mich nicht! So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd' errettet sehen; Ich kenn' dein Vaterherz: Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm Mit deiner Hülf' nicht weit. 2. Mein Gott, verlaß mich nicht! Ohn' dich bin ich verlafsen Und weiß auf dieser Erd' Sonst keinen Troft zu faffen; Ach wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach eile doch herbei, Du meine Zuversicht. 3. Mein Gott, verlaß mich nicht In diesen meinen Nöthen, Du wirst, mein Helfer, nicht Mich in denselben tödten; Die Noth ist jetzt so groß, Erbarmer, komm' herbei Und mach' in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott, verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen, Ich schrei', mein Gott, zu dir Aus faft zerbrochnem Herzen; Du weißt und siehest wohl, Wie weh mir jetzo ist, Und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ach hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater, doch Mich deine Hand empfinden; Erscheine mir, mein Heil, So schreiet Herz und Mund, Ach eile doch herbei Mit deiner Hülfestund'. 6. Ich will für diese Gnad' Dich, weil ich lebe, preisen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Nuhm und Lobgefang Und sagen Jedermann: Ach preiset Gott mit mir, Der mir viel Gut's gethan. Der Kranke erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. Der Kranke erkennt, dass er ein Mensch und sterblich sei. 343 Aufmunterung. Hiob 14, V. 1. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume und fällt ab, fliehet wie ein Schatten und bleibet nicht. Obgleich alle Menschen sterblich find, obgleich auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, sonderlich wenn fie gesund sind, und wenn es ihnen wohl geht; darum muß fie Gott zuweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschieht durch Krankheit; denn wenn er die Gesunden läßt schwach, die schönen Rosen welk, die Riesen durch die Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deshalb 1) alle Tage an ihre Sterblichkeit denken und sich derselben erinnern, wenn sie ihre Kleider austhun und ihr Schlafgeräth anlegen, und alsdann in ihrem Herzen denken: So werde ich nach meinem Tode auch entkleidet und mit meinem Todtengewand umhüllt werden. Läst Gott aber einen Menschen frank werden, so soll man sich wiederum seinen bevorstehenden Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meint, wenn man an den Tod nicht dächte, so stürbe man nicht, denn man mag daran denken, oder nicht, so kommt unser Ende, wann es Gott gefällt; wer sich aber zum seligen Tod bereitet, der stirbt desto seliger. Es soll sich der Mensch 2) auch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an seine verstorbenen Vorfahren und Freunde denkt, und glauben, die Reihe werde ihn auch einmal treffen. Selig ist deshalb, wer 3) in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben Jesum Christum ergreift und in einem christlichen und frommen Leben verharrt bis in den Tod; der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um Jesu willen zur Seelen- Seligkeit eingehen. Der Krante erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. Sebet. Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen und dadurch nicht allein mich von meinen Geschäften, von meinen Sünden und sündlichen Gewohnheiten abzusondern und zur wahren Buße aufzumuntern, sondern mich auch an meinen Tod zu erinnern, daß ich ein sterblicher Mensch sei. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir und mein Leben ist wie Nichts vor dir; ach, wie gar Nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein Gott sind Krankheiten Vorboten des Todes, so erinnere ich mich gar wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde und muß wieder zur Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schooß der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lasſen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gesest ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, derhalben ich auch oft in gesunden Tagen gebetet habe: Ach Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und daß mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich Alles 344 Der Kranke erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. 345 muß verlassen, meine Habe und Gut, Ehre und Glück und was ich in der Welt besize. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst dudurch dieſe Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskias, willst du mir dabei wie ihm zurufen: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben, und nicht lebendig bleiben; so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke; daß ich mir vorstelle: Siehe da, dieses ist vielleicht mein letztes Lager und mein letztes Jahr, dieſe Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebenstage, die auf dein Buch geschrieben, nun verflossen find, damit ich möge mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Prüfung meines bisher geführten Lebens mich zum seligen Sterben bereiten. Ja stelle mir vor, mein Gott, daß ich deswegen nicht sterben muß, wenn ich mich zum seligen Sterben schicke, sondern daßß ich dadurch von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geist und Seele dir geheiligt werde; ja, daß du eben deswegen die Krankheit mir geschickt habeft, daß ich mich also prüfen, untersuchen, bekehren, bereiten, der Welt absterben und in dir leben soll. Siehe, mein Gott, hier 346 Der Krante erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich zuvor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich möge in deiner Gnade stehen und ſelig werden. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt, Er mach's mit mir, wie's ihm gefällt; Soll ich allhier nicht länger leben, Ich will nicht widerstreben Und seinem Willen mich ergeben. Mein Zeit und Stund' ist, wann Gott will, Ich schreib' ihm nicht vor Maaß noch Ziel Und seinem Willen nur allein, ohn' Heuchelschein, Will ich stets treu ergeben sein. Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. 1. Wie sind wir so gar Nichts! Wer dieses wird betrachten, Der wird nur Gott allein, Der Alles ist, hochachten; Denn wer sein lauter Nichts Beleucht't in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demüthig also spricht: 2. Ich bin Nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und Leben, Das hat er mir und nicht Ich selber mir gegeben; Vorher war ich ja Nichts, Bis jene Schöpfershand Mich machte, da ward ich Den Meschen erst bekannt. 3. Ich habe Nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen; Wie konnte aus dem Nichts Was werden mitgenommen? Von Gott kommt Alles her, Es ist auch Alles sein, Ich hab' Nichts ohne Gott, Ohn' ihn ist gar nichts mein. 4. Ich weiß Nichts von mir selbst: Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht Und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht Und ohne Weisheit sein. 5. Ich kann Nichts von mir selbst; Von Gott hab' ich die Kräfte, Er gibt mir Muth und Stärk, Erhält die Lebenssäfte, Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören, sehen, Trüg' mich nicht seine Hand, So würd' ich bald vergehen. 6. So bin ich ja gar Nichts; Doch das soll mich fromm machen, Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts verlachen, Der Krante ergibt sich dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. 347 Die sich gar viel einbild't Und auf ein Nichts verläßt Und meinet, daß ihr Nichts Doch sei das Allerbest'. 7. Gott ist das Allerbest', Sein Alles soll vor Allen Mir, der ich gar Nichts bin, Auf ewig wohlgefallen. Du einig Alles, gib', Daß ich auch jeden Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch Etwas sein, Das Gott dir nicht gegeben? Wer da will Etwas sein, Der wird zu Nichts gemacht, Wer aber Nichts will sein, Der wird emporgebracht. 9. Fahr' hin, o Welt, fahr hin, Dein Nichts kann nicht ergötzen, Wer dich für Etwas hält, Der weiß Nichts hoch zu schätzen; Mein Alles ist mein Gott, Dem leb' und sterbe ich, Und bin durch ihn beglückt Und selig ewiglich. Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Matth. 26, V. 39. Und Jesus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Gottes Wille ist allezeit der beste; solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich Gottes Willen einig und allein unterwerfen soll und sich das lassen gefallen, was unſerm Willen zuwider ist, da empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker demnach, welchen Gott auf sein Krankenbette niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es also Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustande sich befinde; darum soll er sich hüten vor Ungeduld, denn sonst würde er anzeigen, daß er mit Gottes Willen nicht zufrieden sei. Er soll 2) aufsehen auf das Exempel Jesu Christi, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Bater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Solche Gelaffenheit und Ergebung in den Willen Gottes gefällt Gott 348 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes wohl und ist ein Zeichen der Kinder Gottes. Ja 3) wenn man auch beständig Gottes Willen widerstreben wollte, so wird es doch Nichts helfen; hat Gott beschlossen, daß das Lager foll das letzte sein, so wird man es durch Widerwillen nicht abweden, sondern des Herrn Rath und Wille wird doch an uns erfüllt werden. Darum 4) ist dieses das Allerbeste, daß ein Kranker sage: Siehe, Herr, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt; ich will nicht länger leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. Gebet. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme jezt mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe, o liebster Gott, es ist dein heiliger Wille, daß ich soll krank liegen und eine Zeit lang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren. Wohlan, ist es dein Wille, so soll es auch mein Wille sein; gefällt es dir, mir soll es auch gefallen; dein Wille und mein Wille soll nur Ein Wille sein. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange gesund gewesen, nach deinem Willen will ich auch nun frank sein, so lange du erkennen wirst, daß es meiner Seele nüßlich und gut ſein wird. Ja, mein Gott, wenn ich könnte wider deinen Willen gesund werden, so wollte ich zu leben und zu sterben. 349 es doch nicht thun, sondern ich will lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Rathschluß vollbringen. Darum will ich in diesem Zustand mit meinem Jesu sprechen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Und wiederum: Des Herrn Wille geschehe! Soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich noch länger loben, ja die Jahre, die du mir schenken und mich länger leben lassen wirst, die will ich zu deiner Ehre und in der wahren Frömmigkeit hinbringen. Gefällt dir es aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkommen, daß ich an dieser Krankheit sterben soll, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich dieſe Hütte des Leibes einmal ablegen muß, aber ich weiß auch, daß du deinen Gläubigen haft einen Baubereitet, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich michnicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen, und der Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Urfache, um Verlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir doch auch hart an, ob es nicht besser wäre, auf 350 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. gelöst und bei Christo zu sein, meinen Jeſum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn doch noch nicht gesehen. Darum, mein Gott, überlasse ich dir Alles, du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der Herr thue mit mir, was ihm wohlgefällt. Herr, wie du willst, so schick's mit mir, Im Leben und im Sterben; Allein zu dir steht mein' Begier, Laß mich doch nicht verderben; Erhalt' mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst; gib mir Geduld, Dein Will' der ist der beste Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich will, was Jesus will, Das soll mein Wahlspruch werden, Den wiederhol' ich stets, Dieweil ich leb' auf Erden; Mein Will' ist gar verkehrt Und trifft das Beste nicht, Drum soll er nur allein Auf Jesum sein gericht't. 2. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leben, Wohlan, ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben; Ich bin in seiner Hand, Ihm leb' und sterbe ich, Er führ, und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leiden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden; Geht Jesus nur voran, So geh' ich gerne mit, Denn seine Gegenwart Versüßt die sauren Tritt'. 4. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll weinen, Wohlan, ich will es auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid; Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thränen ab Und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was Jesus will; Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind', Die mir in's Autlig schlagen, Wohlan, ich will es auch, Er gebe mir nur mnth, Und sein Geist stärke mich, Wenn man mir Unrecht thut. Der Krante erfennt, daß das Kreuz und die Trübsal von Gott kommt. 351 6. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich verlassen Von Jedermann soll sein, Ja, daß man mich soll hasseu, Wohlan, ich will es auch; Verläßt er mich nur nicht, So acht' ich's nicht, daß mir Der Menschen Hülf' gebricht. 7. Ich will, was Jesus will; Soll ich dereinst krank werden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin ja Staub und Erden; Wie bald zerbricht ein Glas! Ihm ist ja Alles leicht, Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll sterben, Wohlan, ich will es auch Durch ihn' werd' ich ererben Das mir versproch'ne Reich, Ich geh' zur Erbschaft ein Und bleib' im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. Der Kranke erkennt, dass das Kreuz und die Trübsal von Gott kommt. Aufmunterung. 1. Sam. 2, V. 6. Der Herr tödtet und machet lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. Gott ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebt. Liebesproben von ihm erhalten gläubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten, welche sie von seiner Hand empfangen; sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist Gott aber die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellet: 1) Meine Trübsal kommt nicht her von einem Feind, der mich haffet, sondern von einem Gott, der mich liebt; sie kommt her von einem Vater, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeit und Zufällen schon Hülfe erwiesen hat. Steht dieses in der Seele fest, so fließt daraus 2) ein herrlicher Trost: Der Vater meint es nicht übel mit seinem Kinde, der treue Menschenfreund hat auch in dem zugeschickten Leiden ein liebreiches Herz behalten. Hierauf soll sich 3) ein Kranter in Gott fassen und fleißig zu Gott rufen und 352 Der kranfe erkennt, daß das Kreuz beten; er soll sein krantes Haupt in den Schooß Gottes niederlegen, mit Frenden und gutem Muth den Himmel ansehen und denken: Der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er foll all mein Unglück enden. Sonderlich soll er 4) sich nicht lassen irre machen seiner Krankheit Heftigkeit, seine großen Schmerzen und die anscheinende Gefahr; denn hier steht abermal der Trost fest: Gott legt uns eine Laft auf, aber er hilft fie auch tragen; wir haben einen Gott, der hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Pf. 68, V. 21. Gebet. Herr Gott, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du vergibst Miſsethat, Uebertretung und Sünde, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern fichest an die Glenden und richteft auf, die niedergeschlagenen Herzens sind, siche, ich armer Mensch liege allhier vor dir und bitte: Ach schaue auf mich von deinem hohen Thron und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und Trübsal von dir komme; deine Hand schlägt, aber sie heilt auch, fie verwundet, aber sie verbindet auch; wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch wiederum gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen und die Trübjal von Gott kommt. 353 empfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Haben wir Gutesvon Gott empfangen, sollten mir das Böse nicht auch von ihm annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller Blüthe, herrlich mit Blättern und Früchten geziert, die Sonne bestrahlt und erwärmt sie, allein im Winter sehen sie todt und erstorben aus, müssen Sturm und Frost leiden, und dieses Alles kommt von dir, o Gott! O darum will ich auch bedenken, daß dieses die Zeit meines Leidens und meiner Trübsal sei, die du mir zugedacht und bestimmt hast. Ja, wie du weißt, wo ein Stern steht, ob er hoch oder niedrig steht an dem großen Himmel, also weißt du auch, wie es um mich jezzt steht. Du weißt, wie schwer ich trage, dir ist bewußt, wie lange ich leide, dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte habe, das Alles auszustehen. O darum, lieber Gott, lege auf, so viel du willst, nur gib mir Kraft und Stärke, daß ich's auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupte fallen, wie viel weniger fann ich ohne denselben krank werden! Fällt fein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Un23 354 Der Kranke erfennt, daß das Kreuz und die Trübsal von Gott kommt. gemach und Krankheiten unterworfen sein, ja gar sterben ohne deinen Rath und Willen. Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Vater, so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater, doch mit Maßen, daß du mich nicht gar aufreibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgst du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten; laß leuchten dein Angesicht, so genese ich. Ich will gern in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdient habe; denn sein Zorn währt einen Augenblick, und er hat Luft zum Leben; er wird sich über Zion erbarmen und seinem Kinde gnädig sein. Ohne deinen Willen kann mir Nichts begegnen, Du fannst verfluchen, und auch wieder segnen, Bin ich dein Kind Und hab's verdient, Gib warmen Sonnenschein nach trüben Regen. Ich weiß, daß du mich ja noch nie vergessen, Warum sollt' ich mein Herz mit Leid jetzt pressen? In meiner Noth Dent' idh an Gott, Er wird die Angst nach meinen Kräften messen. Amen. Gefang. Mel.: 0 Gott, du frommer Gott zc. 1. Ein Gotteskind zu sein, Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl zusammen steh'n; Es bleibet doch ge 355 Der Kranke erkennt den Nußen der Krankheit. schmücket Inwendig an der Seel' Mit Glaub' und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird dort die Kronen tragen, Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden fagen; Du bleibst ein Gotteskind Auch mitten in der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von Gott. 3. Sieh' Jesus, Gottes Sohn, Trug eine Dornenkrone Und blieb doch Gottes Sohn, Er litt vom Spott und Hohne, Und blieb bei Gott geehrt; Drum reimet sich's gar wohl, Zu sein ein Gotteskind Und doch des Leidens voll. 4. Bleib' deinem Gott getreu Im Glauben und Vertrauen, So wirst du seine Hülf' Gar bald mit Freuden schauen; Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal sein, Was schadt's? wenn du am End' Nur gehst zum Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Obschon die scharfen Ruthen Die Augen machen naß Und auch das Herz oft bluten. Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht Und in der größten Noth Zu seinem Vater flieht. 6. Drum sei getrost in Gott, Die Stunde wird bald kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. Aufmunterung. Joh. 11, V. 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Daß Krankheiten großen Nutzen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben, denn er spricht: Der Leib wird nicht allein abgemattet, schwach gemacht, und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, so mit der Krankheit verknüpft sind. Allein dem Allen ohngeachtet bringt die Krankheit Nutzen, bisweilen selbst dem Leibe, indem dadurch öfters die Unreinig23* e 356 Der Krante erkennt den Nutzen der Krankheit. keiten der Natur verzehrt werden und nachher die Gesundheit desto dauerhafter wird. Sonderlich aber bringt Krankheit der Seele einen herrlichen Nußen, denn 1) dadurch holt Gott manchen Menschen zurück von seinen Sündenwegen; wie mancher Sünder geht in Frechheit dahin, achtet weder Gott noch ſein Wort, häuft Sünden auf Sünden! Solchen aber reißt Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, durch Schmerzen und Leiden, daßß er nüchtern wenke aus des Satans Stricken. Es bringt auch Krankheit 2) den Frommen Nutzen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches Alles fie vorher wohl gewußt und geglaubt, aber nunmehr erst recht erfahren haben. Nach der Krankheit wird auch 3) bei frommen Seelen eine größere Liebe zu Gott, mehr Eifer im Gebet, eine größere Aufrichtigkeit in dem Christenthum verspürt. Man lernt sich Gott ergeben, den Tod vorstellen, zum seligen Absterben bereiten, an den Himmel fleißig denken, ja seine Seele in Gottes Hände empfehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenkt, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden sein. Gebet. O lieber Gott und Vater, ich sehe und merke wohl, welches dein heiliger Rath über mich sei, nämlich daß dieses mein Leidensjahr, meine Leidenswoche, ja meine Leidenszeit sein soll, darin die Glückssonne eine Zeit lang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt und die Leibeskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott, daß du mich, ehe du mich also heimgeſucht, vorher deine Wege haft erkennen laffen, nämlich daß der Kreuzesweg auch ein 357 Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. Himmelsweg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thust. Ich sehe wohl, mein Gott, daß du mich von der Welt willst abziehen, du willst mir die Welt bitter und den Himmel süß machen, daß ich soll verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt; daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben und durcheine herzliche Bußemich zudirbefehren. Freilich, wenn uns wohl ist und wir von keiner Trübsal wissen, so dünket uns, wir ſeien nur in der Welt, daß wir irdisches Gut ſammeln, oder aber, daß wir mit der Welt scherzen, sündigen, Gesellschaft machen, Gesellschaft halten, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; aber weil das unserer Seele Verderben und ewige Verdammniß sein würde, so pflegst dunach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach mein Gott, es scheint, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen und mir sagen, ich soll mich vorsehen vor der Welt Sünden, Verführung, Bosheiten, Gewohnheiten; du willst mir einreden, ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr 358 Der Kranke erkennt den Nußen der Krankheit. gleich stellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches da sei der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott, dieses will ich auch thun; wirst du mich lassen gesund werden, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchenich gefündigt, meiden und dann ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; wenn du nun gesehen, mein Gott, daß ich auch in meinem Christenthum bin träg, im Gebet nachlässig, hingegen zur Sünde willig und die Weltluft zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu denken und vom Sündenschlaf auf zustehen. Wache auf, der du schläfft, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen von dem vorigen Unflath. Ja ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimge Der Kranke erkennt den Nußen der Krantheit. 359 sucht hättest. Nun Herr, so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen haft, zu deiner Ehre und meiner Seele Heil; mache durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen der Sünde Wunden. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, und gib, daß ich in wahrer Buße und in lebendigem Gauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rath, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach' mir nur immer süß den Himmel, Und gallenbitter diese Welt, Daßß mir in diesem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt; Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich ansicht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Krenz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd' soll fliehen, Und nicht meine Seligkeit mög' durch eigne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daßß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe Und vermeid' den Der Kranke segzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne Und mich von der Welt entferne; Hier seh' ich, wie Gottes Tren' Alle Morgen werde neut. 360 4. Jesu, schließ' in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden Darin ihre Wohnung sein; Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater, dir ergeben, Schütze, stärk, erquicke mich In dem Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl' in deine Hände, Liebster Jesu, meinen Geist, Stärke mich bis an mein Ende, Bis des Lebens Band zerreißt; Dann laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmelsauen, Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seele Seligkeit. Der Kranke setzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. Psalm 30, V. 3. 4. perr, mein Gott, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Herr, du hast meine Seele aus der Hölle geführet, du hast mich lebendig behalten vor denen, die in die Grube fuhren. Nichts ist erfreuender und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann: Ich weiß, er kann mir helfen und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Die Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Erempel Anderer; denn wenn er hört, lieft oder weiß, wie Gott Todte lebendig gemacht, auch Todtkranken wieder aufgeholfen, so kann er festiglich schließen: Der allmächtige Gott, der dazumal geholfen, der lebt noch. Es kann sich ein Kranker 2) vorstellen die unumschränkte Macht des großen Gottes, welche größer ist als die Macht aller Könige in der Welt, ja aller Menschen; darum, was uns Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich, was uns zu schwer ist, das ist Gott gar leicht. 3) Soll ein Kranker bedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln zu helfen; auf sein Wort muß die Krank Der Kranke segzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 361 heit weichen, er kann auch das geringste Kräutlein oder Arznei segnen, daß es muß das Uebel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwägt, so soll er 4) fein stille sein in Gott, anhalten im Gebet und Gottes Hülfsstunden erwarten. Nicht weniger soll er 5) die Arznei und Hülfsmittel gebrauchen, die ihm von christlichen Personen vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allen abergläubischen Dingen, als vor Segensprecherei und Gaukelei hüten und versichert sein, der Allmächtige könne und werde gewiß helfen, wenn seine Stunde wird gekommen sein. Sebet. Ach mein Herr und mein Gott! du sieheft, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen da ist; meine Krankheit weicht nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager sein soll. Dieses stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wann es dir gefällt. Meine Tage sind einer Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen, du hast mir ein Ziel geseßt, das werde ich nicht übergehen. Du haft auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war. Dennoch lasse ich deswegen den Muth nicht fallen, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn. Ichweiß, daß du bist ein allmächtiger 362 Der Kranke sezzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, aber daß du durch deine Allmacht auch Todte erwecken, die allergefährlichften Kranken wieder gefund machen und das größte Elend und Leiden lindern und auf heben kannst. Ach ja, des Herrn Hand ist nicht verkürzt, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja er kann überschwänglich thunüber Alles, was wir wissen und verstehen. Er kann erretten Alle, die zu ihm treten. Derhalben schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin frank und elend, sondern über mich, zudir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche auch jeßt mit dem gläubigen Hauptmann: Herr, sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund; ja, sprich nur ein Wort, so werde ich leben, ich werde von allen meinen Leidenbefreitwerden. Ich weiß, bei dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr, deine Allmacht hat kein Ende, wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Mein Gott, der du den kranken Hiskias gesund gemacht, das kranke Weib von ihrem elenden Zustande errettet, den Gichtbrüchigen geheilt, den Jüngling erweckethaft, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Der Kranke seßt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 363 Schußherr deiner Gläubigen, hilf mir auch, erbarme dich meiner auch, thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe. Du bist mein Helfer, mein Grretter, mein Gott, verziehe nicht. Mache jedoch Alles so, wie es dir wohlgefällt; ich weiß, du kannst es thun nach deiner Allmacht, und wirst es auch thun nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden, Es steht in feinen Händen. Amen. Gefang. Mel: Schwing' dich auf zu deinem Gott. 1. Kaffet doch den weisen Gott Alle Sachen machen, Uleberlaffet eure Noth, Kümmerniß und Plagen Seiner Weisheit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo und wie er soll Euch in Noth beistehen. 2 Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu' und laffe; Er fängt ja nicht heute an, Erst für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, Ist gar Nichts verborgen. 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, Wie er's soll aufangen, Wie es werde ausgericht't, Daß ihr mög't gelangen Zu dem rechten 3weck und Ziel; Folget seinen Wegen Haltet seiner Führung still Und erwart't den Segen. 4. Was der weise Vater thut Ueberall auf Erden, Das muß uns gewißlich gut Und recht heilsam werden; Gingen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten Und wie sie nach unserm Licht Anders gehen sollten. Der kranke erinnert sich seines Taufbundes. 5. O du weiser Gott, dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefället; Mach' es mit mir wunderlich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater, führe mich, Laß mich selig werden. 364 Der kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. 1. Petri 3, V. 21. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. Ist in Ansehung Gottes ein Name tröstlich, so ist es gewiß der Name Vater, und ist in Ansehung des Menschen eine Herrlichkeit groß, so ist es gewiß diese: ein Kind Gottes zu sein. Wie nun dieses erfreuen kann in dem ganzen Leben, so kann es auch trösten in Krankheit. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus feinem Herzen lassen. Er soll bedenken: 1) Gott ist ein allmächtiger Vater, dem Nichts unmöglich ist. 2) Gott ist ein treuer Bater, der es gut mit seinen Kindern meint. 3) Gott ist ein weiser Vater, der auch das bittere Kreuz seinen Kindern kann zu einer heilsamen Arznei machen. 4) Gott ist ein gütiger und liebreicher Vater, der betrübet, aber sich auch wieder erbarmet. Wenn dieses der Kranke erwägt, so kann er fich herzlich erfreuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes aber ist ein christlicher Kranker gelangt durch die heilige Taufe, da er hat einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht. Dieses nun soll ihn aufrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) fein als ein Kind Alles, was ihm widerfährt, des Himmlischen Vaters Willen und Rath überlassen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt und wie ein Weltkind gelebt, so soll er es ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten und eine wahre Lebensänderung sich vornehmen und gewiß glauben, Gott werde sich auch über sein krankes Kind erbarmen. Der Krante erinnert sich seines Taufbundes. Sebet. 365 Herr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! siehe, ich, dein Kind, bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her und frage nach Hülfe, aber Niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen und dem meine Noth klagen. Gilet in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu seinem Vater, der Unterthan zu seinem König, o mein König! o mein Vater! o mein Hirte! so komme ich auch zudir. Odudreieiniger Gott! gedenke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich getauft bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe. In diesem Bunde haft du mir zugesagt, du wollest mein Vater sein, du wolleft als ein Vater für mich sorgen, mir helfen und wie ein Bater an mir thun. Jesus hat mich mit seinem heiligen Blut gewaschen und mir den Rock seiner vollkommenen Gerechtigkeit geschenkt. Der heilige Geift hat sich reichlich über mich ausgegossen und schreiet noch in meinem Herzen das Abba, lieber Vater, und gibt Zeugniß meinem 366 Der Krante erinnert sich seines Taufbundes. Geist, daß ich Gottes Kind sei. O dreieiniger Gott, siehe, hier kommt ein armes Kind zu dir; mein Vater und meine Mutter verlassen mich, meine Lieben und Freunde können mir nicht helfen; darum, o mein himmlischer Vater, nimm du mich auf. Gr barmte sich der Hauptmann über seinen Knecht, der todtkrank war, bemühte er sich, ihm zu helfen, ach mein Vater, so erbarme dich meiner auch und hilf mir. Ging der Vater, dessen Tochter in den leßten Zügen lag, Jesu nach und sprach: Herr, meine Tochter ist jeszt gestorben, aber komme und mache sie lebendig, so gehe ich auch, mein Gott und Vater, dir nach und sage: Ift's deine Wille, ist es mir heilsam, so mache mich gesund und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Vater, ein weiser Vater, ein gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in ſeiner Noth, als zu seinem Vater? Herr Gott, Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmet über ſeine Kinder, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten: ach erbarme dich auch über mich. Bin ich ein un Der Krante erinnert sich seines Taufbundes. 367 gehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, so stelle ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater ſeinem verlorenen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jezt zu dir komme und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Wenn du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? In solchem Vertrauen, mein Vater, warte ich auf deine Hülfe. Ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes sein, krank und elend und mit vielerlei Kreuz beleget sein, wohl könne bei einander stehen, darum auch Satan mich sobald nicht in meiner findlichen Zuflucht irre machen soll; allein laß mich auch bald dein väterliches Herz erblicken, daß du meiner nicht vergeffen habest; laß mich deine Vaterhand empfinden. Betrübtes Herz, o sei zufrieden, Ob dich schon endlos Kummer plagt; Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Stellt sich schon Noth und Krankheit ein, So will doch Gott dein Vater sein. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich bin getauff, und steh' im Bunde Durch meine Tauf' mit meinem Gott, So sprach ich stets mit meinem Munde, In Kreuz, in Trübsal, Angst und Noth; Ich bisz getauft, des freu' ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. 2. Ich bin getauft, ich hab' empfangen Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen, Allhier und in der Herrlichkeit; Ich bin mit Jesu Blut erkauft Und ich bin auch damit getauft. 368 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben Zu gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreist; Zierde! welche große Pracht, Die mich gerecht und selig macht! 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben Und seinem Kinde gnädig sein; Es ist mein Name Gott bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bleib' bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find'; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich. 6. Ich bin getauft, Nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der gibt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet, Ich steh' nun unter Gottes Schutz, Der seinem Kind die Hand darreichet; Was acht' ich eure Macht und Truß? Tast't ihr ein Gotteskind nicht an Und glaubt, daß Gott es schüßen kann. 8. Ich bin getauft und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb' und Tren', Ich werde von ihm nie geschieden, Mein Liebestrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft; ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab'; Nach meinem Tod ist mir bereit't Des Himmels Freud', das Feierkleid. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 369 Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich. Welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und in ihrer Krankheit niemals an Trost fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wen sie es zu thun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in ihrer Jugend geführt, in den folgenden Jahren ernährt und bis dahin väterlich erhalten hat; sollte Gott seine Geschöpfe und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Ihr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen; denn der da hat für sie Marter, Pein und Tod gelitten, der sein heiliges Blut für sie hat vergoffen, sollte der sie in der Krankheit ohne Hülfe laffen? Onein, seine Liebe ist zu brünstig. 3) Ihr Heiligmacher, der werthe heilige Geist, wird sie auch nicht verlassen; der wird alsdann sie trösten, erquicken, erfreuen und ihnen Zeugniß geben, daß fie Gottes Kinder sind, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranker diesen, dreifachen Trost im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen und fest glauben, seine Hülfe ſei nicht mehr ferne. Doch aber 4) muß er dabei abbitten Alles, was er dem dreieinigen Gott in gesunden Tagen zuwider gethan hat, und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hülfe geduldig und gläubig erwarten. Sebet. du heiliger dreieiniger Gott! obschon ich mich jetzt schwach befinde an meinem Leibe, 24 370 Der Kranke gründet sich auf die so will ich doch deswegen nicht schwach werden in meinem Glauben und Vertrauen zu dir; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und die Last meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleingläubig machen; allein ich ermuntere mich gleich wieder durch deinen heiligen Geist, und sonderlich auch damit, daß ich mir die von dir empfangenen Wohlthaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du mein Schöpfer, der du mich aus Nichts erschaffen und bis auf diese Stunde erhalten hast? Ist denn des Herrn Hand verkürzt? Onein, die Hand, die mich bisher geleitet, geführt, gestärkt und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je geliebt, und durch deine Güte bisher geführt. Liebe ist es, daß du mir haft so lange Zeit Gesundheit geschenkt. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Umstände von mir abgewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja so viele Gnade und Barmherzigkeit haft widerfahren lassen; darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Erlöser, der du mich Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 371 durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset haft? Hast du meiner Seele dich herzlich angenommen, daß ſie nicht verdürbe, o so wirst du auch meinem armen und kranken Leibe Hülfe lassen angedeihen. Hat mich deine Liebe vom Fluch und Tod, ja aus der Hölle erlöst, so kann ſie auch in meiner Krankheit mir bald helfen. O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich meiner in meinem gegenwärtigen Leiden! Solltest du mich verlaſsen, o mein Heiligmacher der du Leib und Seele geheiligt, sie in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweiht und darinnen bisher gewohnet haft? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja mein Tröster bleiben und mir auch jetzt Zeugniß geben, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal umgeben bin. Darum will ich gutes Muthes sein in meinen Schmerzen und Leiden und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigenthum, Bruder und Miterben erwählt; der heilige Geist hat dich seines süßen Trostes und seiner heiligen Einwohnung versichert; 24* 372 Der Krante gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. darum ist Alles dein, die Gnade Gottes ist dein, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jesu ist dein, der kräftige Trost des heiligen Geistes ist dein, ja der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist dein. O weil denn dem also ist, so will ich mich um meinen kranken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen und dem Gott vertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen hat. Ach mein Vater, ich verlasse mich auf dich. Jesu, zu dir fliehe ich. O heiliger Geist, dirergebe ich mich. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Gott wird den nicht verlassen, Der ihm vertraut allzeit, Ob ihn schon Viele haffen, Geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schützen, Zuletzt erheben doch Und geben was ihn nüßet, Hier zeitlich und auch dort. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich Und hab' im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig Durch Gottes Gnad' und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht; 3st mir das Kreuz gleich schwer und Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 373 bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei Und macht mich von der Trübsal frei. 3. Ist Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Vaterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud' verkehrt zu seiner Zeit. 4. Ist Gott für mich in meinen Nöthen, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht tödten, Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Der hilft mir stets aus aller Noth. 5. Ist Gott für mich im Mißgeschicke, Das unverhofft mich überfällt, So weich ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hält; Gott ist für mich im Sturm und Wind Und wachet treulich für sein Kind. 6. Ist Gott für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hülfe bleibt mir unversagt; Gott ist für mich, getrost, mein Geist! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 7. 3ft Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron' und Seligkeit; Gott ist für mich, wenn's Herz mir bricht Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Psalm 39, V. 10. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirft's wohl machen. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? So seufzen oft fromme bettlägerige Christen in ihren Krankheiten, nach Ps. 13, V. 1. Gottes Stunde bleibt ihnen oftmals allzu lange aus. Wenn sie viele Tage, Wochen und Monate zurückbleibt, alsdann gehet es bei Vielen nicht ohne Murren ab. Allein so weit soll es ein frommer Kranker niemals kommen lassen, sondern er soll Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. bedenken: 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht in dem Leiden, in der Trübsal und Krankheit, denn es wäre wider seine Verheißung; ob er zwar verziehet, so harre sein, er thut auch das zu unserer Seelen Bestem. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hülfe Gottes das Kreuz auch schwer werden, so soll doch deswegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Wieget man dem Kranken seine Arzenei ab, zählt man die bittern Tropfen, die man ihm gibt, so sollen wir glauben, daß auch all unser Kreuz sei abgewogen und abgemessen; denn Gott ist treu, der uns nicht läßt versuchen über unser Vermögen. Deshalb 3) ist das Leiden schwer, ist es vielerlei, währet es lang, so soll es deswegen doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülfsstunde erwarten. 374 Gebet. O du heiliger und weiser Gott! ich sehe jeßt deinen heiligen Rath und Willen an mir, daß ich soll diese Zeit und Wochen und so lange es dir gefällt, auf meinem Bette, in meinem Hause zubringen. Wohlan, ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht, ich will nicht wider dich murren, sondern sagen: Siehe, hier bin ich, der Herr mache es mit mir, wie es ihm wohlgefällt! Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? mein Vater wird mir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündigt. Auch das bittere Leiden kann Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 375 meiner Seele nicht anders denn heilsam ſein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abschen hat. Du bist mein Vater und Gott gewesen von Jugend auf, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange also liegen und leiden, mein Gott, mache es doch nicht zu lange, sondern gib mir zuweilen eine Erquickungsstunde, darin du mich von meinen Schmerzen befreiest und mein Leiden linderst. Soll ichvielleiden, so gieb mir auch viele Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif' mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe, du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein, wie bald gehet ein Wind herein, so fall' ich hin und sterbe. Ach mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja trage mich und nimm mich in deinen Arm und Schooßz. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner Gnadenhülfe und deinem Beistand von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Trost empfinden, daß du dennoch mein Gott, mein Vater und mein Freund 376 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. seift. Ichweißwohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickest, so willst dusie nicht verderben, sondern nur zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein Gott, durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott, obdumich gleich läsfest also leiden, so will ich deswegen nicht von dir fliehen. Mein Hirte, führest du mich den Weg durch Dornen, die meinen Leib und meine Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebt, da du mir gabst Gesundheit, Glückseligkeit und da du mir es ließest wohl ergehen; darum will ich dich auch lieben in Krankheiten, in Leiden und Schmerzen; ich weiß, du kannst mir helfen und wirst mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergötzt, sollt' ich jetzt nicht auch Etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zufrieden Und 377 Der Kranke schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls an. murre ja dawider nicht; Fass' deine Seele in Geduld Und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Sieh', der Gott, der dich frank kann machen Und wirft dich auf das Sterbebett', Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett'; Er machet krank, er macht gesund In dieser und in jener Stund'. 3. Ach murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll' dein treuer Beistand sein, Und dich aus allen Nöthen reißen; Sieh', dieses trifft auch jetzo ein; Vertraue Gott, es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hülf' nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben Und sagen: Siehe, hier bin ich, Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaff' ich gänzlich mich; Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater, wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe auf ihn leget, Dem ist die Hülfe schon bestimmt, Der wird erquickt hier in der Zeit Und dorten auch in Ewigkeit. Der Kranke schicht sich zum Genuss des heiligen Abendmahls an. Aufmunterung. 1. Cor. 11, V. 28. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Es soll billig ein jeder Christ also leben, daß er alle Augenblicke selig sterben könne. Soll nun also ein gesunder Mensch sich aufführen, wie viel mehr ein Kranker. Ein Kranker thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünden denke und spreche: Ich denke heute an meine Sünden; denn weil um der Sünde willen Krankheit und Leiden kommt, und wer sich an seinem Schöpfer verfündigt oft durch Krankheit bestraft wird, so muß auch der Kranke auf die Versöhnung mit Gott bedacht sein. 2) Diese Versöhnung aber geschieht, wenn der Kranke mit Weinen und im Glauben 378 Der Kranke schickt sich zum Genuß Gott um Vergebung seiner Sünden anfleht und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht einbilden, man stürbe, wenn man das heilige Abendmahl genießt auf dem Krankenbette; es ist ja keine Speise zum Tode, sondern zum Leben und zu der Seele Seligkeit. Dabei ist 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge sitzt, bis Verstand und Kräfte weg sind, sondern man soll bald und bei Zeiten dazu thun, wenn man noch seinen Verstand hat, wenn man noch beten und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott wenden von Grund seiner Seele, so wird er um Christi Jesu willen in ihm leben und Gnade erlangen. Gebet. Herr, Herr Gott, barmherzig gütig, und von großer Treue! ich armer Mensch habe mir vorgenommen, mich mit dir zuversöhnen, meine Sünden dir herzlich abzubitten, die ich Zeit meines Lebens begangen; ich will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden suchen und also zu einem seligen Abschied von dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott, mich auf dieses Krankenbette zu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen, oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen und das Uebrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich des heiligen Abendmahls an. 379 noch befinnen kann, wann ich gesündigt, wie oft ich gesündigt, und wie schwer ich gesündigt; ich will dich um Verzeihung bitten, da ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten, noch an dich denken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der stirbt deswegen nicht früher noch später, sondern er verschafft vielmehr sich damit den größten Nußen; nämlich diesen, daß, wenn er gefund wird, er sich vor den Sünden hüte, die er auf ſeinem Krankenbette erkannt und bereut hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl und bereitet. Dieses sind meine Gedanken, mein Gott! Ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen und sodann geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deswegen falle ich in der Angst meines Herzens vor dir nieder, und ſpreche: Ach sei deinem Kinde gnädig; ach rechne mir nicht zu die Sünden meiner Jugend und die Thorheiten meiner jungen Jahre. Ach Herr, sei gnädig meiner Missethat, die da groß ist, um Jesu, meines Hei 380 Der Kranke schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls an. landes willen. Ach mein Gott, gib Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ich es zu deinen Ehren und zu meinem Heil vollbringen möge. Ich komme mit gebeugtem Sinn In meiner Noth geschritten Und wend' mich Vater, zu dir hin, Von Herzen dich zu bitten: Verzeih' mir's doch genädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab' begangen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich will anjeßo mich Zum Liebesmahle nahen Und Jesu Leib und Blut Zu meinem Trost empfahen; Ach mein Gott, stärke mich, Ach weiche nicht von mir, Daß ich in Andachts- Trieb Vereinigt bleib' mit dir. 2. Vertreibe doch von mir Die sündlichen Gedanken Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken; Verbind', mein Jesu, dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb' genieß', Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles Jetzt meine Andacht stören; Ach laß mich Freud' und Wonn' In meiner Seele hören; Ach Jesu, steh' mir bei, Ach bitte du für mich, Bring' mein Gebet vor Gott Und hilf mir gnädiglich. 4. Ach heilige mein Herz, Ach heilige die Sinne, Mein Jesu, nimm sie ein Und wohne selbst darinne; Ach mach' sie allesammt Recht heilig, schön und rein Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung sein. 5. Erweck zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Daraus die Seelenfreud'. Und wahre Andacht quille, Darin ich schmecken mög', Herr! deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost, Und wahre Seelenfreud'. 9. Hab' ich dann deinen Leib Wahrhaftig nun genossen, Hat auch dein theures Blut, Das du für mich vergossen, Mich Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. 381 abermals erquickt, So bleib' du auch in mir, Damit ich, weil ich leb', Auch leb', mein Heil, in dir. 7. Ja laß die Heiligung, Die in mir angefangen, Zum größern Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du, Sündenlust, geh' aus, Mein Jesus gehet ein, Er nimmt den Leib und Seel' Zu seinem Tempel ein. Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. Hiob 42, V. 6. Ich schuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abende vor Gott sich stellen und überlegen, was sie des Tags über geredet, gedacht oder gethan und also ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel mehr soll es ein Kranter nicht versäumen? Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, einer Woche, oder eines Monats, sondern seines ganzen Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gesunden Tage angewendet, ob er sie zur Ehre Gottes, zum Nußen des Nächsten hingebracht. Er soll untersuchen, wo, wie oft und wie schwer er in gefunden Tagen gesündigt habe? Weil man nun auf dem Krankenbette mehr Zeit hat, so soll diese Untersuchung desto ernstlicher geschehen. 2) Soll ein Kranker nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, sonderlich weil er nicht weiß, wie nahe oder ferne es sei, daß er vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen soll. 3) Kommt man auf dem Krankenbette zur Erkenntniß seiner Sünden, so soll ein Kranker für die Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöffnet, daß er sein Elend erkannt und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch muß man auch, was man in der Krankheit verspricht, in gesunden Tagen treulich halten, auf daß treulosen Versprechern nicht etwas Aergeres widerfahre. Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Gebet. Ach du gnädiger und liebreicher Vater! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten, und sodann auf meinem Krankenbette das heilige Abendmahl zu empfangen. Ich will es bei Zeiten thun, da ich noch meinen völligen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht, wie lange, ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum komme ich jetzt vor deinen Gnadenthron und bitte dich demüthig um Verzeihung aller Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein Gott, ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzürnet. Ich habe leider meine geſunden Tage nicht allemal angewendet zu deiner Ehre, zum Gottesdienst, zum Wachsthum in meinem Chriſtenthum und zur Frömmigkeit, darum du auch Ursache hast, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe und den Mißbrauch meiner Gesundheit, nebst den übrigen Sünden, bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebt und daß ich nicht frommer gelebt habe, als leider geschehen. Ach Gott, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke 382 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstühl soll Rechenschaft geben von einemjeglichen unnüßen Wort, das ich geredet habe. O wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist! Und soll ich von meinem ganzen Leben, von allen meinen Werken und Thaten Rechenschaft geben: ach, wer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in gläubiger Zuversicht auf Jesum Christum, meinen Herrn und Heiland, und bete: Ach, um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines vergossenen Blutes willen vergib mir alle meine Sünden, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich schäme mich, mein Gott, die Augen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden; ach, hätte ich es doch nicht gethan, ach, hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt. Darum gelobe ich dir, o Gott! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden inskünftige leben 383 384 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. läsfest, zu deiner Ehre im Glauben und in der wahren Frömmigkeit hinbringen und ſie als ein Geschenk, als einen Zusaß zu meinem Leben annehmen und all' mein Leben lang denken an dieſe Krankheit, und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach Herr, sei deinem Kinde gnädig und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. O Jesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr nicht mehr gedenke, In's Meer sie tief versenke. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich armer Sünder komme wieder, Ich kehre um vom Sündenpfad, Ich fall' in tiefster Demuth nieder Und bitte herzlich dich um Gnad'; Ach Gott, denk' nicht, Was ich gethan, Ach nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh' ich erst, was ich begangen, Ich fühl' der Sünde Angst und Pein, Ach laß mich wieder Gnad' erlangen, Ach laß mich nicht verloren sein; Ach Gott, denk' nicht, was ich gethan, Ach nimm mich armen Sünder an. 3. Ach ich betrübe mich von Herzen, Ach sieh' an dein verirrtes Kind, Das da mit Thränen, Neu' und Schmerzen Bei dir sich widerum einfind't; Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach nimm mich armen Sünder an. 4. Ach Jesu, deine rothen Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried' und Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 385 Seligkeit; Ach denk' doch nicht, was ich gethan, Ach nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach schenk' mir deines Geistes Gab', Ein Jeder soll nun seh'n und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab'; Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuss des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Joh. 6, V. 54. 55. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Das heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, soll sich ein jeder wahre Christ befleißigen; solches kann nun ein Kranker sonderlich thun, wenn er sich vorher recht prüfet. Denn 1) er ist alsdann von allen Hindernissen befreit, wodurch sonst bei der öffentlichen Gemeine die Andacht bisweilen gestört wird; er kann alsdann in Andacht unverhindert beharren, wenn ihn Gott vor Schmerzen und Empfindungen der Krankheit bewahrt. 2) Das heilige Abendmahl zu Haus zu empfangen, soll sich Niemand ein Gewissen machen, weil wir wissen, daß Jesus aller Orten und alle Tage mit seiner Gnade- Gegenwart bei den Gläubigen zu sein verheißen hat. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit bedenken: vielleicht ist dieses das letztemal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und deshalb mit einem desto festern Entschluß, im Glauben und in der Frömmigkeit zu verharren, sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünscht, daß ihr letztes Wort Jesus, ihre letzte Speise das heilige Abendmahl und ihr letzter Gedanke der am Kreuz hangende blutige Jesus sein möge, wie soll sich denn nicht ein Kranker freuen, wenn er des einen Stücks auf seinem Krankenbette theilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm 25 386 Der Kranke betet vor dem Genuß die Gnade auch geben werde? 5) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht und ein Aberglaube. Gebet. Liebster Jesu, ich bin Willens, jetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl, da ich auf meinem Krankenbette darnieder liege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gerichte Gottes erscheinen möge, so will ich noch, dieweil ich lebe, mich von Neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir und ich in dir sei und verbleibe. Ich will jetzt das heilige Abendmahl zu Hause empfangen und bin gewiß, daß du auch daſelbst mit deiner Gnade mich erfreuen und erquicken werdest. Ach liebster Seelenfreund, du bist ja nahe bei den Elenden, du erfreuest die Betrübten, du hilfft denen, die ein bedrängtes Gemüth haben; ſo laß auch jetzt mein Herz erfreut, und meine Seele durch diese himmlische Speise, durch dieſen himmlischen Trank erquickt werden. Ich habe zwar bei gesunden Tagen daſſelbe auch mit der Gemeine empfangen, aber leider nicht allemal mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit, wie es wohl billig hätte ſein des heiligen Abendmahls. sollen, weil der Menschen Vielheit, Eitelkeit und mein lüsternes Auge viele Verhinderungen verursachen; nun aber soll Niemand meine Andacht stören, da ich in meiner Einſamkeit mich mit dir verloben und vereinigen will. O liebster Jeſu, da ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will und ich sonst keine Verhinderungen habe, ach, so steure den Schmerzen und der Krankheit und gib mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört mein Vorhaben könne vollbringen. Ich verkündige jetzt deinen Tod und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Bein, an deinen Kreuzestod und an Alles, was du für mich gethan haft; ich denke daran und danke dir auch dafür und spreche: Nun ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den berben, bittern Tod; für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Klagen, für deine Angst und tiefe Bein will ich ewig dankbar sein. Ich erinnere mich auch an die Einsetzung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und tränkest zum 25* 387 388 Der Kranke betet vor dem Genuß ewigen Leben; ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes; ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahlempfangedeinenwahren Leib und dein wahres Blut; nämlich also: wenn ich das gesegnete Brod empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise, o Jesu, deinen wahren Leib, und wenn ich den geſegneten Kelch empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise dein wahres Blut. Nun, diese himmlische Speise, dieser himmlische Trank soll mich stärken in dem Glauben, daß ich mit Gott versöhnt sei; diese himmlische Speise und Trank soll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speise und Trank soll mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe und mit dir vereinigt bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünden, ja für der ganzen Welt Sünden. Diese himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, wozu du mich nach meinem Tode führen wirst. Q Jesu, meiner Seele Bräutigam, heilige und reinige mich, damit ich als deine Braut mich 389 des heiligen Abendmahls. mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O meiner Seele Hirte, führe dein Schäflein auf grüner Aue, speise mich mit dem Brod des Lebens, erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann kann der Satan mir nicht schaden, die Sünde mich nicht verklagen und auch nicht verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünden, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlet haft, dadurch bin ich gerecht, dadurch bin ich selig. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte, Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu sehnen; Ach, wie pfleget mich zu dürften Nach dem Trank des Lebensfürsten, Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. Amen. Gefang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem Nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet! Der Seele allerhöchstes Gut, Des Herren Jeſu Leib und Blut, Will ich jetzund empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit diese Liebe Necht herrlich offenbare sich Und mir vor Augen bliebe, So gibt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei Und ewig bleiben wolle. 3. Dies Pfand versichert mich auf's Neu', Daß alle Sünd' vergeben, Und daß mir Gott genädig sei, Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad', Die er mir jetzt versiegelt hat Durch diese Seelenspeise. 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auferstehen Am jüngsten Tage seliglich Und zu der Freud' ein 390 Der Kranke betet nach dem Genuß gehen; Weil ich dies Pfand empfangen hab', So bleib' ich nicht in meinem Grab', Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweist Und selbsten sich mir schenket; Dem schenk' ich mich hinwiederum Und bleibe nun sein Eigenthum Im Tod und auch im Leben. 6. Herr Jesu! dir dir, leb' nun ich, Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nimmst auch mich Nun an zu deinem Erben, Zum Erbe hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit; So sterb' ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genuss des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Galat. 2, V. 20. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir; denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfangen, wie viel mehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hierbei aber ist zu errinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, auf das heilige Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken; ja es ändert sich mit seinem Seelenzustand, wenn er es würdig empfangen, nämlich er erlangt Vergebung der Sünden und Frieden mit Gott, er gelangt in die genaue Gemeinschaft mit Jesu; daß aber das heilige Abendmahl eine Veränderung verursache in der Krankheit, dazu ist es nicht eingesetzt, davon haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch kein Kranker empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle, weil dieses ein Mißbrauch ist, sondern er soll es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, zur Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seele Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie des heiligen Abendmahls. 391 es Christus eingesetzt, so hat er 3) Gott dafür zu preisen und mit stillem Herzen und gläubiger Seele fich Gott zu ergeben. Wenn man im Kriege das Beste in Sicherheit gebracht, so ist man zufrieden; unsere Seele ist das Beste, haben wir diese durch wahre Buße und Vereinigung mit Jefu Chrifto in die Hände Gottes empfohlen, so sind wir versichert, Gott werde es auch wohl mit dem Leibe machen. Gebet. Mein Jesu, mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun, dieses Verlangen ist mir jetzt erfüllt und gestillt worden; du haft mich geſpeist und getränkt mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, davon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber darauf ich auch sterben kann, wenn es deinheiliger Wille also ist; darum habe ich mich bereitet, meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit Jeſu vereinigt bin; ja ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o Jesu, zu der genauesten Gemeinschaft mit dir gelangt bin. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Herr, nun läſfeft du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O Jesu, lebe in mir, schenke mir deinen ge Der Kranke betet nach dem Genuß lassenen Muth, christliche Zufriedenheit und eine dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst du mich, o Gott, nun durch den Tod von dieſem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o Gott, komme, so wirft du mich um derselben willen vor dem Gericht frei und los sprechen. Nun ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsern Herrn Jeſum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu dem Gnadenthron eröffnet. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so gehe ich ſelig aus der Welt und werde auch ewig selig ſein. Dies ist eine große Wohlthat, die du 392 des heiligen Abendmahls. 393 mir, o Gott, an meiner Seele erzeigt haft, daß ich jetzt bei gutem Verstande dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und Trank stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl sein. Verleihe mir auch, daß mein leztes Wort, daß ich auf der Welt rede, möge Jesus, und meine letzten Gedanken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben, und auf sein heiliges Verdienst gerichtet sein; so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Ja wer will mich scheiden von der Liebe Jesu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringt zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auserwählten. Sei Lob und Preis mit Ehren Dem Vater, Sohn und heil'gen Geist, Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt; Daß wir ihm fest vertrauen, Uns ganz verlassen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Muth und Sinn Ihm fest stets mög' anhangen; Drauf fingen wir zur Stund', Amen, wir werden's erlangen, Glauben wir von Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele zc. 1. Nun ist meine Seel' gespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speis ist mir gegeben Gnade, Segen, 394 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Licht und Leben; Jesus hat sich ihr geschenket, Sie hat sich in ihn versenket, Sie hat seine Lieb' empfunden, der süßen Freudenstunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen; Nun empfind' ich Ruh' und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden; Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen Und die Wohnung da genommen! 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren, Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will, vollbringen; Ich will nichts mehr thun und denken, Ich will Jesu ganz mich schenken. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb' auf Erden, Daß mein Geist, sammt Seel' und Leibe, Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich wie ein wahrer Rebe In ihm wie ein Weinstock lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, Daß in meinem Thun und Werken, Ich beförd're seine Ehre, Sonsten aber Nichts begehre Und dem Bösen widerstehe, Im Gehorsam ihm nachgehe, Jesu, ach laß mir's gelingen, Mich viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande, Ach laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinst aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest ſein mit dir verbunden; Also kann ich selig sterben Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. Jac. 5, V. 14. 15. Ist Jemand frant, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten und lasse sich falben mit Del im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und so er Sünde gethan hat, wird sie ihm vergeben sein. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. 395 → Ein andächtiges Gebet ist allezeit nöthig in gesunden Tagen; warum sollte es ein Kranker vergessen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht? Was die Arznei und deren Gebrauch anlangt, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten und nicht denken: wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein, also soll man nicht denken, denn das heißt Gott versuchen; Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen, was uns Gott nicht verheißen hat, das können wir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten und also sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht allein auf den Arzt und die Arznei setzen, sondern auf Gott; wie denn unter die Sünden des Königs Assa auch dieses gezählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Aerzte gesucht und ihnen mehr denn Gott vertraut habe, nach 2. Chron. 16, V. 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen, mit seinem Munde und Herzen soll er beten und mit festem Vertrauen auf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen und sie also gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm wird gesegnet sein. Sebet. O du großer Gott! du siehst den Zustand, darin ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du ſiehst in die verborgensten Winkel, du siehst auch auf mein Krankenbette und weißt, wie mir jetzt zu Muthe ist. Ach mein Gott, ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen, meine einzige Hoffnung aber ſteht auf dich, denn du bist der Herr, unser Arzt. Jedoch weil du läsfest Kräuter aus 396 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. der Erde wachsen, und die Arzneimittel ſelbst erschaffen haft, welche da sollen zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich jetzt dergleichen unter herzlicher Anrufung deines Namens und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach, lege du selber den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund machen kannst; denn wenn du nur ein Wort sprichst, so wird der Kranke gesund, und wenn du nur winkest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns haft auch die Mittel zu gebrauchen befohlen, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen und bitte dich, o großer Gott, segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange; laß sie mir gedeihen zur Erstattung und Wiedererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung in meiner Schwachheit. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen, ja Kraut und Pflaster hilft und heilt, wenn dein Se genswort dabei ist. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubt haft, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. 397 zu erlangen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand faſſe; ich seufze zu dir vor dem Gebrauch, in dem Gebrauch und nach dem Gebrauch. Wenn du sie nun mir anschlagen läßt, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, darum ich, o Segens- Gott, um Segen zu dir schreie; was du, Herr, segneft, das ist gesegnet ewiglich. Wirst du durch diese Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Pflaster, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilt hat, und will mit Hiskia dein Lob bei Jedermann ausbreiten. Hör', ach hör' mein seufzend Schreien, O du allgüt'ges Vaterherz! Woll'st alle Sünden mir verzeihen, Und lindern meinen großen Schmerz; Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Amen. Gesang. Mel.: Zion flagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket, Schau' den Himmel fleißig an, Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen Niemand trinken kann, Denke doch deswegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht Von ihm hätte gar gewendet, Wenn er nicht die Hülf' gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stund' schon ist bestimmt, Da Gott, wie die Väter pflegen, Unsern Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Kreuzeskelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht Und ein frohes End' erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Himmelsfreuden. 398 3. Auch die bittern Arzeneien Nimmt ein Frommer fröhlich ein Und weiß, daß sie ihm gedeihen Und ganz heilsam werden sein; Eifrig beten und dabei Seufzen, wenn die Arzenei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 4. Großer Gott, an deinem Segen, Sprech' ich jetzt mit Herz und Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd' gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach laß fie gesegnet sein, Laß die Krankheit bald verschwinden, Und mich Stärk und Lind'rung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Lebe:: steht bei dir; Soll ich annoch länger leben, Wie du willst, geschehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz, Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung. Hiob 16, V. 6. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich es anstehen, so gehet er nicht von mir. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, in welche Gott einen Menschen gerathen läßt, sind nicht einerlei: Etlichen schickt Gott eine Krankheit zu, dabei ihnen kein Glied, ja kein Finger wehe thut, Etliche aber werden mit grausamen Schmerzen heimgesuchet, wie solches die Erfahrung lehrt. Dieses soll uns erinnern: 1) wenn man beten, Gott erkennen und sich mit Gott versöhnen will, daß man es fein in Zeiten thue und nicht warte, bis man krank wird, wie Sirach sagt: Spare deine Buße nicht, bis du krank wirst. Denn wie will man in solchen heftigen Schmerzen beten, an Gott denken, sich mit Gott versöhnen? solches leiden die großen Schmerzen nicht. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 399 Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er 2) deswegen nicht wider Gott murren, sondern Alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind Gottes? In den großen Schmerzen aber soll er 4) denken an seine große Sünde, die er Zeit seines Lebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch denken an Gottes große Barmherzigkeit und an seine große Allmacht, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lange beten, so seufze er zu Gott und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht werden unerhört bleiben. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. Gebet. Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Ach, ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leibesschwachheir in Gnaden ansehen und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindern. Du hast ja verheißen, du wolleft uns nicht lassen versuchen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Ach siehe, mein Gott, die Last wird mir fast zu schwer, die Schmerzen nehmen überhand, mein Leib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge klebt an dem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt, 400 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. wie ein Brand, das Gesicht vergeht mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Verziehe nicht, mein Gott! du erkennest, wie wehe mir ist. Du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon find viele geworden, du hast selbſt gehört mein Aechzen, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Ach, wo soll ich hin? wo weiß ich hin? wo kann ich hin? als nur zu dir allein, dem Herrn, meinem Gott! Wenn ich allen Menschen meine Noth klagte, würden sie wohl mit mir Mitleiden haben, aber mich doch nicht erretten. Darum komme ich zu dir, ich weiß, du kannst mir helfen, es steht bei dir, sprich nur ein Wort, so werde ich leben. Oliebster Jesu, der du dem tobenden Meer haft befohlen, sich zu legen, ach, ach, befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilt hast, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so Vieles ausgestanden habe. Ach komme zu mir mit deiner Hülfe, che mich der Schmerz gar aufreibt. Und soll ich Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. ja nach deinem Rath noch länger Schmerzen leiden, so laß mich doch in deiner Gnad' als wieein Schäfleinweiden, daß ich im Glauben und Geduld erwarte meines Vaters Huld, die meine Schmerzen stillet. Ach lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich gesund und von Schmerzen befreit. Aus der Liefe rufe ich, Herr, zu dir, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hülfe, von einer Morgenwache bis zur andern; denn ich weiß, bei dem Herrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen, errette mich und vergib mir meine Sünde um deiner Güte willen; doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Soll ich Schmerzen noch länger tragen, so geschehe dein Wille; gib mir nur Kräfte, daß ich es ausstehen könne, Gib mir, mein Gott, zuweilen einen Rasttag, da ich mich wieder erquicke, oder doch eine Stunde, darin ich mich erhole. Unsere Trübsal ist zeitlich und leicht, darum mache du mir meine Schmerzen leichter und befreie mich endlich davon. 401 Ach Gott, erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich, in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt mein'n Schmerz 26 Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Erkennst mein Herz, Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Amen. 402 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ach mein Gott, hilf mir doch, Du siehest, wie mir's gehet, Ach, dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet; Du weißt ja meinen Schmerz Mehr, als ich sagen kann, Drum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich gethan. 2. Ach mein Gott, hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen, Ach laß mich deine Hülf' Mit Freuden bald recht schauen; Du bist's, der Hülfe leist't, Ja du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald zu meiner Hülfe ein. 3. Ach mein Gott, hilf mir doch, Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad' Und Hülfe willst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht, Ich lasse nicht von dir, Bis du mir hilfest aus Und nimmst die Noth von mir. 4. Ach mein Gott, hilf mir doch, Ich weiß, dur kannſt mich retten, Drum wollest du es thun In diesen meinen Nöthen, Du kannst es, du bist Gott, Dem Nichts unmöglich ist, Du willst es, weil du auch Zugleich mein Vater biſt. 5. Ach mein Gott, hilf mir doch, Daß ich dein Lob erheben Und dich auch preisen mög', Dieweil ich werde leben Und sagen allezeit: Getrost, Gott lebet noch, Und währt es noch so lang', Sieh', mein Gott hilft mir doch. Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Jefaia 48, V. 14. 15. 16. Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Verursachet es bei einem Armen eine große Freude, einen reichen Wohlthäter zu haben, bei Verlassenen, einen starken 403 Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Beistand zu finden, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit und in seinem Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hierbei aber soll er merken, 1) daß ein Verzug der Hülfe nicht ein Verlassen sei; denn manche Kranke, wenn Gott nicht gleich und nach ihrer Rechnung bald hilft, schreien und sprechen, Gott habe sie verlassen. Allein so soll man nicht denken; Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht in jeder Frist, hilft er doch, wenn's nöthig ist. Es soll ein Kranker 2) bedenken, Gott habe seine Hülfsstunde bestimmt, in welcher er helfen will, doch bis dieselbe anbricht, soll er geduldig warten. Er soll 3) bedenken, ob er in gesunden Tagen auch nicht Gott verlassen habe; was wäre es denn Wunder, wenn ihn solches Gott jetzt empfinden ließe? Hieran aber will Gott ihn erinnern durch den Verzug der versprochenen Hülfe. Darum bleibe der Kranke 4) dabei, daß er im Glauben sage: Gott hat mich nicht verlassen, ich bin sein Kind; Gott will mich nicht verlassen, er hat mir's verheißen; Gott wird mich nicht verlassen, er hat mir vor diesem schon oftmals geholfen. Wird er sich also in Gott faffen, so wird er den Verzug der Hülfe in Geduld leiden und endlich herrlich sehen, daß er von Gott nicht sei verlassen worden. Sebet. O du allerliebster Gott und Vater, der du mich je und je geliebt und aus großer Liebe zu dir gezogen hast. Siehe, ich armer Kranker komme zu dir und bitte dich demüthig, du wollest mich jetzt nicht verlasſen in meiner Leibesschwachheit. Du weißt ja, mein Gott, daß ohne dich mir nicht kann geholfen werden. Du bist der Mächtige in Jacob, der Schuß Israels, die Zuflucht der Betrübten, der Helfer der Glenden, der 26* Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Beistand in der Noth. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; er wird sich aufmachen und über Zion sich erbarmen, er wird mich in Gnaden ansehen. Menschen sprechen: Ich kann euch nicht helfen; und so bin ich ja von allen Menschen verlaſſen. Doch ich weiß, daß ich nicht von dir verlassen bin; denn Gott verläßt ja Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden schon lange währet. Am Abend denke ich: Morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja in der Nacht rufe ich oft: Hüter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird; ach laß mich doch die Last nicht gar erdrücken, nimm weg den Stein, der auf mir liegt, die Ruthe, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Du kennst ja meine schwachen Kräfte wohl, wieviel ich ausstehen kann. Mein Gott, 404 Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. 405 verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden gar mannigfaltig ist; es scheint, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vermehre. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlassen willst? Willst du mir nicht helfen, so kann mir keine Creatur helfen; willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hülfe. Allein ich weiß, du verläsfest mich nicht, ich halte dir vor deine Verheißung, da du gesprochen: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Die auf den Herrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel hat es versprochen, er wird seinem Volke Kraft geben und den Elenden, der keinen Helfer hat, erretten und den Seelen der Armen gnädig sein. Nun, auf dein Wort traue ich und hoffe, du wirst deine Zusage treulich halten im Himmel. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut; ich bin dein Eigenthum, darum wirft und kannſt du mich, dein Kind und Eigenthum, nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen, du hast mich noch nie verlassen in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne 406 Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über meinem Haupte zusammenschlugen: so wirst du es diesmal auch nicht thun. Darauf gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich und bin gutes Muths und sage: Herr, ich lasse dich nicht, du helfest mir denn, auf eine solche Art und Weise, als es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich trage mein Kreuz nicht alleine, Mein Jesu träget es mit mir, Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet mir bei für und für; Ich trage mein Kreuz nicht allein, Dies soll mir Trost und Zuflucht sein. 2. Den Beistand hat er mir versprochen Und auch die Hülf' zu seiner Zeit; Wenn nun die Stund' ist angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid; Drum wird mein Glaube niemals klein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sieh', Gott ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf diesen Tag noch steh', Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich vor großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Krenz allein. 4. Nun, ich will es geduldig tragen Und währte es gleich noch so lang'; Sollt' ich an Gottes Hülf' verzagen? Um Hülfe ist mir gar nicht bang'; Gott stellt sich bald zur Hülfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein trener Gott! dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht, Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Der Kranke erinnert sich seines Todes. 407 Hülsesstund' anbricht; Laß mich im Krenze nicht allein, Du bist ja mein, und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. 2. Tim. 4, V. 6. 7. 8. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden; ich habe einen guten Kampf getämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mirer Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Sich seines Todes erinnern, ist 1) eine nützliche Sache, denn dadurch zieht man sein Herz von der Eitelkeit und von den Sünden ab, man sieht Alles, was irdisch ist, als Dinge an, die man nicht kann mit in den Himmel nehmen, die man nicht kann behalten, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern, ist auch 2) eine nothwendige Sache, denn welche da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernt, die werden oft frech, üppig, boshaft, vertiefen sich in die Welt und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod von ohngefähr, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes erinnern, ist 3) gar heilsam, denn wer, ehe er stirbt, sich sein Ende fleißig vorstellt, der stirbt nicht, wenn er stirbt, und dem kommt der Tod nicht schrecklich vor; denn der Tod der Gläubigen ist nichts anderes, als ein Hingang zum Vater und ein süßer Schlaf. Wer fürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? Man soll aber 4) nicht denken, daß das ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellt, sein Testament macht und sich zum feligen Sterben bereit hält; o nein, darum stirbt Niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott seines Lebens Ziel bestimmt hat. Man soll 5) auch sich seine Todesstunde nicht so gar grausam und schrecklich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar 408 Der Kranke erinnert sich seines Todes. gesagt, der Tod sei das Schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen, Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes; was ist daran schrecklich? ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Sebet. Herr! es ist genug, nimm meine Seele hin. So seufze ich zu dir, mein Gott, da ich in meiner großen Schwachheit, die immer größer wird, wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich begehre, aufgelöst und bei Christo zu sein. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht, ich habe bei gesunden Tagen oft daran gedacht, darum kommt es mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Täublein des Noah mit Freuden zu dem Kasten kehrte, wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilt, also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgerschaft in das himmlische Freudenland, da nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen wird. Ich weiß, daß der Tod einem gläubigen Christeneinsanfter Schlafistundein Durchgang in das ewige Leben. Böse Menschen und Weltkinder mögen sich vor dem Tode Der Kranke erinnert sich seines Todes. 409 fürchten, denn sie haben keinen gnädigen Gott, sie stehen nicht in der Gemeinschaft mit Jeſu Christo und haben ihr Herz Gott, dem heiligen Geiste nicht zur Wohnung übergeben; allein ich fürchte mich nicht zu sterben, weil ich dessen Alles versichert bin. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem ſollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott ist mein Vater Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geift mein Führer und Tröster; zu dem komme ich, zu dem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Meiner Seele Bräutigam wird mich, seine Braut, wohl empfangen. Wenn mein Jesus von ſeinem bevorstehenden Tode redete, so spracher: Ich gehe zum Vater. Ja, liebster Jesu, ich will dir auch sonachsprechen: Wenn ich sterbe, gebe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten zu sterben? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst ist mein, der Himmel ist mein, warum ſoll ich nicht fröhlich sein? Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fährt zu Gott; fie geht aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauern 410 Der Kranke erinnert sich seines Todes. in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sehe ich doch schon, wie die Engel um mein Bette stehen und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen. Sehe ich doch, wie Jesus ſeine Arme ausbreitet und mich als sein Kind empfangen will, wie so viel tauſend Gläubige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getroft; ich vergesse, was dahinten ist, nämlich die Erde und alles Irdische, was ich auf Erden habe, und strecke mich nach dem, was da vornen ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten istim Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe meinen Laufvollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Gr scheinung liebhaben. Wiewohlwird mir sein, wenn ich aufgelöstbin! wie selig werde ich sein, wenn ich in Jesu Armen bin! wie vergnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben bin durchgedrungen! Der Kranke erinnert sich seines Todes. 411 Kann uns doch der Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Daß man kann Geh'n zu ew'gen Freuden. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. 1. Wer da will als ein frommer Christ Nach Gottes Willen sterben, Durch Christi Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seliglich Von hinnen mög' abscheiden. 2. Vor Allem fall' er Gott zu Fuß, Beweine feine Sünden, Er thu' in Zeiten wahre Buß', Daß er mög' Gnade finden, Er hasse jede böse That Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ Und flieh' zu dessen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd' entbunden Von aller Ungerechtigkeit Und nehm' dies Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ' sodann in Frömmigkeit Ein Gott gefällig Leben, Hab' Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend' Und bleibe fromm bis an sein End', Wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe dabei allermeist Die schnöden Sündenwege, Und was da sonst von Gott abreißt; Er steh' nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er leb' auch als ein Gotteskind Und meide, was Gott haffet. 6. Er halte stets mit Beten an In den gefunden Tagen, Er bete, weil er beten kann, Die Noth Gott vorzutragen; So wird Gott das Gebet anseh'n, Wenn seine Lippen starrend steh'n, Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit Mit seinem Feind versöhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit Hat pflegen zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab', Eh' man ihn träget in das Grab Und er den Feind verlasse. Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 8. Er klebe nicht an dieser Erd' Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist unsrer Lieb' nicht werth Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll; Hingegen thut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 412 9. Mein Gott, verleih' mir deine Gnad', Daß ich die Welt nicht achte Und gerne folge deinem Rath Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn mun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt Zum Himmel mög' eingehen. Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. Aufmunterung. Joh. 11, V. 25. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stirbt. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Wer als ein Christ sein Grab ansieht, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch sein mag: denn 1) es ist eine Ruhekammer, wo wir von allen Schmerzen, von allem Jammer, Kummer und Herzeleid sollen befreit werden. Wird aber der Frommen Leib ohne Schmerzen schlafen und ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen und unendlichen Freude genießen, denn der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rührt sie an; Trost, Freude und Wonne wird stets um sie sein. Der Leib soll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruht haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne und mit der Seele wiederum vereinigt werden. Wollte man 4) einwenden: Ich muß aber die lieben Meinigen und mein Hab und Gut auf Erden verlassen, so soll man bedenken, daß im Himmel ein allgemeines Wiedersehen wird sein. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nimmermehr von ihnen wieder geschieden werden. Was die leiblichen Güter anlanget, so wird uns Gott dafür himm Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 413 lische und ewige Güter schenken. Wenn dieses Alles von einem Kranken erwogen wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht schrecklich vorkommen. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! fiche, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Leiden zur Ruhe bringen. Denn nach dem Abschied aus diesem Leben muß mich all' mein Leiden, Trübsal, Kreuz und Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude, ich werde ergößt, erquickt, erfreut, nachdem ich in der Welt so viele trübe Stunden und traurige Nächte gehabt habe. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird sein meine Schlaffammer; mein Elend, meine Krankheit und mein Leiden kommt nicht mit mir in's Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort, o angenehme Ruhestätte, wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Schooß gelegt werden? Das Grab hat mir Jesus ſelbst geheiligt, er hat mir es zur Ruhestätte gemacht; als er nach ausgestandenen Leiden darein gelegt wurde, hörten seine Schmerzen 414 Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. und all' sein Jammer auf. So hat der Herr auch meinem Leibe eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungsort im Himmel. Suchen Menschen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe, so find sie mit meinem Grabnicht zuvergleichen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und andere Zufälle gejagt werden, in meinem Grabe aber wird mich Niemand stören. Jesus wird meine Gebeine bewahren, daß deren nicht eines wird verloren gehen, ja er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zusammenbringen. Im weichen Bette muß Mancher Schmerzen und Ungemach ausstehen, aber in meinem Grabe wird kein Unglück sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich rühren. So ist das Grab ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bette; sobald Jemand dahinein gelegt wird, so hört sein Schmerz und Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? ich werde ja nicht darin bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubt, ſpricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 415 Tage. So soll mein Grabdenn nur ein kurzer Aufenthalt sein, darin mein Leib wird schlafen, bis Jesus kommen wird und sprechen: Stehet auf, ihr Todten, und kommt vor's Gericht! Es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes und werden hervorgehen; wenn ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich auferstehen aus meinem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereinigt, mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden, ich werde leuchten wie die Sonne, ja alle Schwachheit um und an wird von mir ſein abgethan. Grünt das Weizenkorn wieder hervor, wenn es in der Erde erstorben zu sein scheint, so werden auch meine Gebeine wieder versammelt werden. Es wird gefäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich; es wird gesäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gefäet ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein mit geiſtlichen und himmlischen Eigenschaften begabter Leib. Was hier kränkelt, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd' ich ausgesä't, Himmlisch werd' ich auferstehen. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. Todesfurcht kann sie vertreiben; Denn wo du bist, da komur' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden. Zu dir will ich, o Jesu Christ, Stets meinen Arm ausstrecken; Ich schlafe ein und ruhe sein, Kein Mensch wird mich aufwecken; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. Amen. 416 Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da wahre Ruhe habe Nach ausgestandnem Weh' und Ach. Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg' und Kümmerniß von mir Und lässet mich da sanfte rasten; O großer Gott, das dank ich dir; Auch von der Sünden Angst und Pein Werd' ich im Grab' befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, Jesus deckt mich selbsten zu: Es ist die beste Ruhestätte, Da Niemand störet meine Ruh'; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel' ist bei Gott freubenvoll. 5. Drum bleibt im Grab und Jesu Wunden Mein Leib und Seele wohl verwahrt, Sie haben darin Schutz gefunden, Wo sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum verein'gen wird. 6. O schönes Grab, o kühle Erde, O schwarze Gruft, doch sanfter Schooß! Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trübsal, Unglück los. Herr, meinen Geist befehl ich dir, Die Nuh' gönn' meinem Leibe hier. Der gläubige Christ dankt Gott nach wieder erlangter Gesundheit. 417 Der gläubige Christ dankt Gott nach wieder erlangter Gesundheit. Aufmunterung. Joh. 5, v. 14. Siehe zu, du bist gesund geworden, fündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Daß die meisten Kranken gerne beten, ist gewiß, und daß die meisten mit dem Munde Gott viel versprechen, wie sie, wenn fie Gott läßt gesund werden, wollen neue Creaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchengänger und von Leben, Herzen und Sitten ganz neu werden, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die allerwenigsten halten, lehrt leider die tägliche Erfahrung, indem sie nach erlangter Gesundheit wieder so eitel, boshaft, unbändig, unartig und frech werden, wie sie vorher gewesen, wenn sie nur nicht schlimmer werden. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbette befreit hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Macht ihn auf einmal auf's Bette hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet und ihn von der Todesgefahr gnädig befreit habe. 2) Es soll ein solcher Kranker, der nun wieder gesund geworden ist, sein auf dem Sterbebette gethanes Gelübde bezahlen und sein Versprechen halten, darum, weil er es Gott und nicht Menschen gethan hat. Denn es ist beſser, Nichts versprechen, als das Versprechen nicht halten. 3) Hat er wieder, wie Hiskias, neue Kräfte erlangt, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen, auch Andern dadurch Gelegenheit geben, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Todes- und Lebensgefahr fleißig erwägen und dem allmächtigen und dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen, ja also im Glauben und gettseligen Wandel verharren, daß er hinfort, wenn Gott etwa mit der 27 Der gläubige Christ dankt Gott Todesstunde kommen sollte, möge zum seligen Sterben und fröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit sein. 418 Sebet. O du allmächtiger und gnädiger Gott, ich trete jetzt allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Krankenbette wiederum aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angststunden, an das beschwerliche Leiden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, darin ich lag und schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet, du haft mich wieder auf meine Füße gestellt, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade hat mein Klagen verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet. Herr, Herr, du hast Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bis hierher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöst und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott, hast nicht Luft an unserm Verderben; nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, nach nach wieder erlangter Gesundheit. 419 dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden; daher will ich mein Leben lang denken an die Angst meiner Seele, aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott, vor der großen Gemeine, was du an mir gethan haft. Du hast die Arznei gesegnet, du haſt meine Schmerzen gelindert, du hast mir Stärke gegeben, daß Leiden zu überwinden, du hast nach den mühsamen undelenden Nächten mir Erquickungstage beschert und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmt. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mirist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergißnicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde ſein; meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß es die Elenden und andere Kranken hören und sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöthen, Krankheiten und Leiden gewesen seid, den Herrn und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörete der Herr und half uns aus allen unſern Nöthen. Die den Herrn in ihrem Elend im 27* Der gläubige Christ dankt Gott Glauben ansehen und mit Gebet anrufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden; er lässet sie nicht betrübt von seinem Thron weggehen, sondern er erbarmt sich ihrer gnädiglich. Ach mein Gott, laß diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. Nun weiß ich und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, daß du kannst die Todten lebendig, die Kranken gesund, die Schwachen stark und die Betrübten fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat deine Güte diesesmal mein Leben noch erhalten. Darum, mein Gott, habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, diemirgeschenkte Gesundheit, das auf's Neue mir verliehene Leben und die Jahre, die ich nach deinem Rath in der Welt noch bleiben soll, zu deiner Ehre anzuwenden und in der wahren Frömmigkeit zu zubringen. Ach, ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich hinfort 420 421 nach wieder erlangter Gesundheit. nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankes und da man erzählet alle deine Wunder; ich will, da mir diese besondere Gnade erschienen ist, verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte und züchtig, gerecht und gottselig leben indieser Welt, damit ich wie die klugen Jungfrauen bereit sei, wenn du mit meiner Todesstunde und mit dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der Hochzeit des Lammes, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß, Mein Gott, in meinem Herzen, Doch deine Tröstung war gewiß Die Arznei meiner Schmerzen. Imanuel, Trost Israel, Je mehr du mich verletztest, Je mehr du mich ergötzest. Ich hatte viel Bekümmerniß, Wenn ich den Tod bedachte, Da mir das finst're Grab gewiß nicht kleines Grauen machte. Imanuel, Trost Israel, Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht geschrecket. So hat ich viel Bekümmerniß, Du aber viel mehr Liebe; Dein Trost war mir so engelsüß, Daß er die Angst vertriebe. Imannel, Trost Israel, Kannst du mich hier so trösten, Dort ist der Trost am größten. Amen. Gesang. Mel.: Wie soll ich dich empfangen 2c. 1. Wie kann ich doch genugsam preisen, Herr, deine Wunderthat, Und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb' und Guad', Weil das, was mich gedrücket, Mein Leiden, iſt dahin, Und da ich hoch beglücket Vom Tod errettet bin? 422 Der gläubige Christ dankt Gott nach wieder erlangter Gesundheit. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülf' erblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seel' ist auch erquickt; Ja Sinne und Gemüthe Und was nur ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Gut's gethan; Mein Herz stimmt ein mit Freuden Und rühmet überall, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen diesesmal. 4. Ich sahe mich verlassen Und du erhobeft mich; Wie kann ich's g'nugsam fassen, Daß du so gnädiglich Von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden Durch deine starke Hand. 5. Ich konnte mir nicht rathen, Ich war von Hülfe bloß, Doch sah ich Wunderthaten, Da du in deinen Schooß Mich als ein Vater legtest Und hieltest dich zu mir, Ja wie dein Kind mich pflegtest Und sprachst: Ich bin bei dir. 6. Ja wohl, ich hab' empfunden, Daß du an mich gedacht, Denn ich hab' überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja, ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit! Ich bin in Noth gewesen Und nun daraus befreit. 7. Herr, ich hab' recht gesehen, Was du an mir gethan, Ich will es gern gestehen Und sagen Jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich Alles neigt, Sich hat an diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt., 8. Ach lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöthen seid, Denn an mir könnt ihr schauen, Wie seine Gütigkeit Kann alles Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hülfe senden, So wie ihr sie begehrt. 9. Mein Gott, ich werf' mich nieder Vor deinem Thron allhie, Und singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freudenstund'. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Vergeß ich nimmermehr. INRI Chriftus hat dem Tode die Macht genommen. 2. Tim. 1, 10. Vierter Theil. Zum Gebrauch der Sterbenden und derer, welche um dieſelben ſind. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. 2. Cor. 5, V. 10. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei Gutes oder Böses. So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet, ist Pauli Ermahnung 1. Cor. 11, V. 31.; und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich verklagt, um Jesu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein; denn wer seine Miffethat bekennt und läsfet, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses nun soll auch ein Sterbender thun; er soll bedenken: 1) er muß einmal vor das Gericht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben und hernach das Gericht; dieses geschieht nun gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsobald vor Gott erscheinen. Hat nun der Mensch, dieweil er auf der Welt gewesen, geglaubt und fromm gelebt, so kommt er nicht in's Gericht, sondern weil die Sünden auf Erden um des Blutes Jesu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht werden, sondern sie werden vergeben bleiben. Ein Gottloser aber muß in's Gericht, weil er ohne die Versöhnung mit Gott gestorben ist. Deshalb thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott verföhnt, 424 Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Gott um des Blutes Jesu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erlangt. Dann ist er versichert, er sterbe, wanu und wie Gott will, schleunig oder langsam, so wird Gott seine Seele in Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gerichte wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. Sebet. Ich weiß, mein Gott, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deswegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott! weil ich nicht weiß, wie lange es noch dahin ist, daß ich von der Welt soll abscheiden, siehe, so komme ich allhier vor dein Gericht und klage mich selbst an. Ach, ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und auch oftmals wissentlich, übertreten, ich habe dich nicht geliebet von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften, ich bin nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch habe ich mich von dem heiligen Geist stets führen lassen, wie ich billig hätte thun sollen. Ich denke, daß ich dein Kind bin in der heiligen Taufe geworden, aber daß ich nicht allemal wie ein Kind Gottes gelebt, daß ich in der Beichte und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls dirvielversprochen, Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. 425 aber wenig gehalten, und mich wiederum der Welt gleichgestellt habe. Herr, ich hab' nicht recht gehandelt, ja mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hast; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Ognädiger Gott, der du verheißen hast, du wolleft nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich befehre und lebe: siehe, ich komme jetzt, da mein Verstand noch vollkommen ist, ich mich auch noch wohl besinnen kann, und will Frieden mit dir machen. Ach, ich bereue meine Sünden, falle vor deinem Richterstuhl nieder, und spreche: Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich. über mich! Ich fliehe, o Vater, zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber ach seideinem Kindegnädig, und verstoße mich um meiner Uebertretung willen nicht. Ich fliehe zu dir, o Jesu, mein Fürsprecher, bitte du für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Dennob Jemand Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jeſum Christum, der gerecht ist; der ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünden; ach, umdeines Blutes willen verzeihe mir meine Missethaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. Gott, ſei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. O du werther heiliger Geist, zu dir fliehe ich, schaffe ein neues Herz in mir, heilige und reinige es, gib mir das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in findlichem Gehorsam. Ach wirke inmir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todesbetrachtungen; verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels in der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sei getrost, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben. Alsdann fürchte ich mich nicht zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Himmel vergeben sind. O 426 Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. 427 du heilige Dreieinigkeit, erbarme dich über mich, laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals unrecht gethan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jeſu, Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann, Ach so wollest du mich retten Und dich meiner nehmen an; Du allein, Herr, kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: 3hr, zu meiner linken Hand, Seid von mir noch nie erkannt. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ihr Todten, stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schaar ergött, So wird der Bösen Rott' Dadurch in Furcht gesetzt. 2. Ihr Todten, stehet auf! 3hr habt nun ausgeschlafen; Ihr Frommen, kommt herbei, Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte, gehet ein Zur Freud' und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid, Die Ehrenkron' bereit. 3. Ihr Todten, stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden; Ihr Bösen, ihr sollt jetzt Zur Höll' gestoßen werden; Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung sein. 4. Ihr Todten, stehet auf! Seht, hier sind eure Glieder, * Haut, Augen, Füß' und Händ', Die nehmet jetzo wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd' gethan, Dem ist die Straf' bereit. 5. Ihr Todten, stehet auf! Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnenglanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die Seele kehre sich Nun ihrem Leibe zu, Und hab', mit ihm verknüpft, Vergnügte Seelenruh'. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. 6. Ihr Todten stehet auf! Ach möcht' dies Wort erschallen In aller Sünder Herz! So würden sie nicht fallen Inschwere Missethat; Denn wem das Herz nun bricht, Und liebet Jesum nicht, Der kommet ins Gericht. 428/ 7. Ihr Todten, stehet auf! Das soll mich nicht erschrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken; Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingeh'u, Und, Herr, dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n. 8. Im Glauben will ich dir, O Seelenfreund, anhangen, Durch deines Geistes Gnad' Recht fromm zu sein anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Todten aufersteh'n, Ich mög', von dir verklärt, Zur Seligkeit eingeh'n. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeibung. Aufmunterung. Matth. 6, V. 14. 15. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Zu der wahren Vorbereitung zu einem seligen Sterben gehört auch die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung nun soll ein Sterbender nicht lange aufschieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten ist viel zuwider gethan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit ins Grab nehme, sondern ihnen von Herzen verzeihe, und, so es möglich, mit Wohlthaten oder durch gute Freunde ihnen fund thue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn er aber 2) andern Leuten Verdruß angethan und fie beleidigt hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnt, ja er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebette kommen zu lassen und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung zu bitten, oder wenn sie abwesend sind, es ihnen 429 Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. schriftlich abzubitten, oder wenn sie todt sind, Gott um Verzeihung deswegen anzuflehen. Hierbei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entrissene ihm oder seinen Erben wiedergeben, weil die Sünde nicht kann vergeben werden, wenn das Entwendete und Gestohlene, oder der Werth desselben nicht erstattet wird. Zu solcher Versöhmung soll 3) einen Sterbenden antreiben sowohl die christliche Schuldigkeit, als auch der göttliche Befehl und die Bedrohung, Matth. 6, V. 8., und er soll wissen, daß er, wenn er nicht verzeihen will, bei Gott auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du mit deinem Feinde umgehst, so wird Gott mit dir umgehen. Gebet. Mein Gott, ich lebe und weiß nicht, wie lange; ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genannt das Haus des Friedens, in welches keine unversöhnliche, rachgierige und mit Zorn und Haß angefüllte Seelen eingelassen, sondern wovon sie zurückgestoßen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und von aller Feindschaft reinigen, ich will gern verzeihen, und um Verzeihung bitten, damit mich Gott um Jesu willen, als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Ach, ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feindschaft ablegen, in der gewissen Zuver 430 Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. sicht, wie ich von Herzen verzeihe, also wirst auch du mir verzeihen. Darum verzeihe ich hiermit, und von Grund meiner Seele, allen meinen Feinden, Widerwärtigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Gebärden beleidigt haben; ich verzeihe und vergebe es ihnen, nicht allein mit dem Munde, sondern auch vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich will nun und nimmermehr wieder daran denken, ich will es vergessen und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen und Gutes thun, wo und wann ich nur kann; ja ich bitte Gott, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern lassen wohlergehen, zeitlich undewiglich. Wieichnunvon Herzen verzeihe und verziehen habe Allen, die mich jemals erzürnet, oder mir Etwas zuwider, zum Schaden, oder zum Verdruß gethan haben: also bitte ich auch hiermit um Verzeihung alle diejenigen, denen ich jemals zu nahe geredet, denen ich Etwas zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe. Verzeihet es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe Jesu willen. Traget keinen Haß wider mich, ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe, ich bitte euch hiermit um Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. 431 Verzeihung von Herzen, mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbebette Alle sehen, so wollte ich es euch auch gegenwärtig abbitten. Ja du barmherziger Gott, verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er sei wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich habe zu Leid gethan; ach vergib es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiermit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen, und nicht mehr an das erlittene Unrecht denken. Ach, gedenke nicht meiner Sünden und Missethat. Ach mein himmlischer Vater, erbarme dich über mich. Omein Jesu, wasche mich von Sünden rein, und bitte für mich. O du heiliger Geist, heilige mein Herz, und reinige es von aller Untugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih', daß ich aus Herzensgrund meinen Feinden mög vergeben, verzeit mir auch zu dieser Stund schaffe mir ein neues Leben; laß dein Wort meine Speise sein, um meine Seel' zunähren, und zu wehren dem Unglück, das vielleicht mich, eh' ich erwacht, erreicht. Amen. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 1. Ich will Jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat; Ach Gott, laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad', Daß ich dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find'; Ich verzeih' von Herzensgrunde Undversprech' es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater, dies allein, Daß ich mög' mit allen denen Völlig ausgeföhnet sein, Die mir sind von Herzen feind, Ich hingegen bleib' ihr Freund; Wüßten sie doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 432 3. Ach, verzeiht mir, liebsten Freunde! Wenn ich euch erzürnet hab', Bleibet doch nicht meine Feinde; Seht, ich schicke mich zum Grab. Ach, hab' ich mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach, das wollen wir aufheben, Ach ihr wollet's mir vergeben. 4. Ich will nicht mehr daran denken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken, Nehmet meine Abbitt' an; Denkt, ach, denket nimmer nicht, Was ich Böses angericht't. Alles sei hiermit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott, da dies geschehen, Komm' ich nun versöhnt zu dir, Ach, laß mich dein Antlig sehen, Großer Gott, verzeih' auch mir; Nimm weg meine Sündenschuld, Schenk' mir deine Lieb' und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Dieweil ich versöhnet bin, Es geschehe Gottes Wille, Dem geb' ich mich gänzlich hin; Fried' mit Menschen, Fried' mit Gott, Das versüßt die Todesnoth, Also kann man selig sterben, dem Verderben. Und entgehen Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. 433 Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. Aufmunterung. Apost. Gesch. 20, V. 32. Nun, lieben Brüder! ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter Allen, die geheiliget werden. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie deren haben, den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaac, Jacob, Tobia, Christo Jesu und Andern klar sehen. Solcher Segen nun 1) ist nicht vergebens, denn weil es ein Abschieds- Gebet ist, so der Sterbende für die Seinen thut, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben kommt und im Namen Christi geschieht, nicht unerhört bleiben. 2) Die letzten Worte des Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Nachdruck zu sein, daher eine Vermahnung eines sterbenden Vaters, einer abscheidenden Mutter, oder eines Freundes nicht so bald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüth hängen bleibet. Wie es löblich ist, wenn ein Sterbender mit Beten, Segnen und Gutes- Wünschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er Niemandem Böses wünsche, weil das eine Art von Rache sein würde, welche keinem Christen geziemt. Kinder aber sollen 4) ermahnt sein, daß sie die Eltern bei gesunden Tagen nicht betrüben, ihnen kein Herzeleid machen, und dadurch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern aber geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. Gebet. Ewiger, gütiger und großer Gott! ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende 28 434 Der. Sterbende nimmt Abschied etwa sein möchte, und wann du über mich gebieten, und mich von der Welt abfordern werdest; darum will ich mich in Zeiten zu meinem Sterben schicken, sonderlich aber auch mit Beten und Singen mich zu dir wenden. Ich nehme demnach Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden; ich befehle sie dir, o großer Gott, in deinen Schuß, in deine Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für diemirerzeigte Liebe und Gutthaten, und da ich ihnen nicht Alles vergelten kann, so wollest du an meiner Statt hinfort ihr reicher Vergelter sein. Ich verlaffe meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer Gott, wolleft sie nicht verlassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und in der Frömmigkeit, damit wir uns einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Gläubigen und Kinder Gottes wieder zusammenkommen. Die jenigen aber, o treuer Gott, die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt wird betrübt und schmerzlich sein, die überschütte mit deinem reichen Segen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten An und gibt den Seinigen den Segen. 435 gehörigen, er segne euch an Leib und Seele, er sei hinfort euer Vater, Versorger und Pfleger, er nehme euch in seinen Schutz, er beschere euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen, und bewahre euch vor allem Uebel. Nun fürchtet hinfört Gott und seid fromm, seßet euer Vertrauen auf Ihn, und wisset, Er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig sein. Wendet euch nicht von Ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern ſeid Ihm treu bis in den Tod, so wird Er euch die Krone des Lebens geben. Laffet nicht von Gott, so wird Er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet Ihm. Ja, der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euern Ausgang und Eingang, daß ihr sein und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. O großer Gott, ich habe sie gesegnet, laß sie auch geſegnet bleiben. Und hiermit lege ich mich in deine Arme, o dreieiniger Gott! Nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöst und bei Christo zu sein. Herr Jesu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. 28* 436 Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. Gesegne euch Gott der Herre, Ihr Vielgeliebten mein, Trauert nicht allzusehre Uleber den Abschied mein, Beständig bleibt im Glauben, Wir werden in kurzer Zeit Einander wieder schauen Dort in der Seligkeit. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll, scheiden, Um hinzugeh'n zu meiner Ruh' Nach vielem Schmerz und Leiden. Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig weiden. 2. Ach Gott! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang' gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet; Ach, tilge meiner Sünden Heer, Gedenk' derselben nimmermehr, Und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist, Mit dem bleib' ich verbunden. O Jesu, Jesu, ich bin dein, Ach, laß mich auch dein eigen sein In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell' ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen, Ich theil' hiermit den Segen aus, Vom Grunde meiner Seelen; Gott woll' den Meinigen beisteh'n, Er laff' es ihnen wohlergeh'n, Und nie an Hülfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben. Sieh', ich bin hier, ach nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe decken, Woselbsten er verwahret bleibt, Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zum Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel' empfehl' ich dir In deine tiefen Wunden, O Jesu, Jesu, bleib bei mir In meinen Todesstunden; Jesu, ach verlaß mich nicht, Bis daß ich hab' dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid Durch Jesum Der Sterbende befiehlt sich Gott. Christum erben; Ich leb' und sterb' auch als ein Christ, da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 437 Der 9. Und hiermit schlafe ich sanft ein, Wann sich mein Leben endet, Mein Jesus wird auch bei mir sein, Der sich schon zu mir wendet. Fahr' hin, mein Geist, zu deinem Gott, Fahr' hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist mun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. Psalm 31, V. 6. In deine Hände befehl' ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr du getreuer Gott. Bater, in deine Hände befehl' ich meinen Geist. Luc. 23, V. 46. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch vielerlei zu befehlen und anzuordnen. Sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. Das aber ist von ihnen sehr unweise gehandelt. Vielmehr soll 1) ein jeder rechtschaffener Christ täglich, wenn er sich des Abends schlafen legt, oder am Morgen aufsteht, seine Seele sammt dem Leib in Gottes Schutz befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, was Gott am Tage oder in der Nacht über ihn gebieten werde. Thun aber das fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende thun. Sie haben vor sich das Exempel ihres Heilandes; als der sterben wollte, so sprach er: Vater, in deine Hände befehl' ich meinen Geist. So machte es Stephanus, als er unter dem Steinigen seufzete: Herr Jeſu, nimm meinen Geist auf! Diese Sorge ist Gott angenehm, dadurch legt der Mensch seinen Glauben und sein Vertrauen zu Gott an den Tag. Dieses aber ist auch 3) höchst nöthig; man sieht an den Sterbenden so vielerlei Veränderungen und Zufälle; wie wohl ist's dann gethan, wenn man bei gutem Verstande Gott seine Seele anbefiehlt, und das Beste in gute Verwahrung bringt, im Uebrigen aber sich Gottes Willen zu leben und zu sterben überläßt. Ist so Alles bestellt, so stirbt man selig. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen läsfest sterben, und sprichst: Kommt wieder, ihr Menschenkinder, der du deine Geliebten durch den Tod zu dir ziehst, und sie der Herrlichkeit theilhaftig machst, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben hat; ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zuruft: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben; mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen, halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein sich wird herbei nahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele mit allen meinen Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen, treibe hinaus alle weltliche, sündliche und böse Gedanken, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit mir vorstelle, und die Freude der Auserwählten, die auch meiner wartet, unaufhörlich betrachte. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtniß behalte Jesum Christum, 438 Der Sterbende befiehlt sich Gott. 439 sein vergossenes Blut und seinen Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todesstunde herbei kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, vor schweren Gedanken und vor großen Schmerzen. Laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, bis mir der Odem ausgeht, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und so mir ja die Sprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deine Lieblichkeit genießen und deine allerheiligste Gegenwart empfinden möge. Gib mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich alsdann einen Blick thun in die frohe Seligkeit, gib mir in der Todesstunde etliche Tropfen zu schmecken von den himmlischen Süßigkeiten, damit ich voll Freuden und Trost möge von hinnen scheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verläßt, ach, nimm sie alsdann in deine Hände. Vater, in deine Hände befehle ich meine Seele! Bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein, wie eine Braut zur Hochzeitsfreude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie an dem lieben jüngsten Tage wiederum wird mit dem Leibe vereinigt Der Sterbende befiehlt sich Gott. werden. Ja ich befehle dir auch meinen Leib in der kühlen Erde; verleihe demselben eine sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune erklingen und rufen wird: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor Gericht! und laß mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und ſelig auferstehen. 440 Soll ich einmal nach deinem Rath Von dieser Welt abscheiden, So verleih' mir, Herr, durch deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freuden. Mein'n Leib und Seel' befehl' ich dir, O Herr, ein sel'ges End' gib mir, Durch Jesum Christum. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott, ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt' ich noch um diese Gnad': Wann mun mein letztes End' anbricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch und kann noch beten, Drum bet' ich auch und komm' zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so g'nüget mir, Und wann der Tod am Herzen sticht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 3. Wann meine Todesstund' erscheinet, Ich werde nach und nach gar blaß, Wann Jeder bei mir klagt und weinet, Ich lieg' im Todesschweiße naß, Wann sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 4. Wann mein Verstand sich will verlieren, Daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab' im Sinn; Und so mich meine Sünd' ansicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 5. Wann sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zu Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. 441 fließen: Ich geb' dir, was du hast begehrt; Wann meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 6. Wann das Gesicht mir wird vergehen Zuletzt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen, Und zeig' mir deine Herrlichkeit. Auch wann verlischt mein Augenlicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder seh'n noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, Herr, deinen Geist mich lehren, Und stärk' den Glauben mehr und mehr; Ja, wann ich nun soll vor's Gericht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 8. Und lieg' ich dann auch ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen sein, Und wann man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein. Wann dieses Alles nun geschicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, Und mit dem Todtenkleid umhüllt, So laß die Seele geh'n in Frieden Dahin, wo mich nur Freud erfüllt; Da laß mich seh'n dein Angesicht, Im Hellsten Glanz und schönsten Licht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau' im Grabe auch auf mich, Laß mich da sanfte Ruhe haben, Dann hab' ich, schönster Jesu, dich. So bleibt der Leib mit Erd' umhüllt, Die Seel' mit Himmelsglanz erfüllt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhier getragen hab', Auf daß ich ganz mit Seel' und Leib Dein Eigenthum auf ewig bleib'. Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. Aufmunterung. Apost. Gesch. 7, V. 55. Stephanus aber voll heiligen Geistes sah auf gen Himmel, und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes. und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann einer gläubigen Seele sein, als an Gott und an den Himmel zu denken. 3m 442 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. Himmel ist ihre Wohnung, ihr Vaterland, ihr Trost, ihr Erbe, ihre Krone, ihre Herrlichkeit, ihr Verlangen, ihre Freude. Ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also sein mit einem Gläubigen, wie vielmehr mit einem Sterbenden? Bei dem Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein: die finstre Erde, der Abschied von den Ihrigen, der Umstehenden Thränen, die letzte Todesangst und dergleichen. Allein dies Alles kann versüßt werden, wenn der Sterbende sein Herz schickt dahinein, wo er ewig wünscht zu sein. 1) Der finstern Erde soll er entgegensetzen die Herrlichkeit des Himmels, wo Alles wird mit Licht erfüllt sein. 2) Thut der Abschied wehe, so soll er denken an die Cherubimen, Seraphimen, heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bei welchen und um welche er in Ewigteit sein wird. 3) Sieht er die Seinigen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freude, Wonne und Glückseligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, woselbst kein Ach und Weh und keine Thränen mehr sein werden. Ja 4) die Todesnoth soll ihm keinen Schrecken bringen, weil er in den Armen Jesu und in der Gemeinschaft des heiligen Geistes stirbt. Wer also Himmelsgedanken hat, sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellt, dem wird sein Sterbebette zum Paradies werden. Gebet. O du gnädiger Gott! wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen. Nicht allein thust du uns Gutes, du hilfft uns, erhörest uns, erbarmest dich über uns, überschüttest uns mit vielen Wohlthaten, dieweil wir leben, sondern hast uns auch viele und herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben. Denn im Himmel sollen wir haben, Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. 443 o Gott! wie große Gaben. Deshalb stelle ich mir schon im Glauben vor deine große Majestät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnest, wie so viel tausend Seraphimen, alle Engel und Auserwählte, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden gelebthaben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig, dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie ich auch bald werde unter ihnen stehen, wenn ich nun sanft und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen und mit einem weißen Kleidewerbeangethan sein, ja, wie ich werde selbstleuchten wie die Sonne. Herrlichkeit, o Seligkeit, o Glückſeligkeit, die mir der Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit um Jesu willen mittheilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thür zu solcher Herrlichkeit aufthun wird. Kann ein irdischer König seinen Balast so herrlich ausschmücken laſsen, daß man sich darüber verwundert und sich nicht satt sehen kann, wie groß und herrlich wird nicht die Pracht des himmlischen Königs und der Glanz des unendlichen Gottes sein? Deshalb will ich gern sterben und die Erde Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. verlassen; ich schaue mit Freudenden Himmel an, denn da ist meine ewige Wohnung, hier haben wir doch keine bleibende Stätte. Dieſe Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, woselbst alle fromme Christen und Gläubige versammelt sind. Dieweil ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilgrim und Wandersmann, der immerfort reiset; aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelangt bin, alsdann komme ich zur Ruhe, zum Frieden und zu meinem ewigen Wohlsein. Ich sehe den Himmel an mit Freuden und denke, da ist mein Erbe; habe ich hier kein großes Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich denke, der Himmel ist das Paradies, darin Gott die Gläubigen ergößen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott, wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenland zu dem Salomo, sagen: O mein Gott, o mein Jesu, 444 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. 445 mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt, du hast mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gerücht ist, das ich von dir gehöret habe. Komm', o Tod, du Schlafes- Bruder, Komm' und führe mich mit fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bringe mich in fichern Port; Es mag, wer da will, dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm' ich hinein Zu dem lieben Jesu mein. Amen. Gesang. Mel.: Zion flagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Hier ist gut sein! also sagen Dorten in der Himmelsfreud', Die da Kron' und Palmen tragen, Angekleid't mit O wie ist uns hier so wohl, Wir sind alles Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden Herrlichkeit; Trostes voll, ist verschwunden. 2. Hier ist gut sein, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angesicht,-Wir sind selig, weil wir stehen In dem größten Glanz und Licht; Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll. Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut sein, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud', Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit Hier weiß man von keiner Klag', Nichts von Trübsal, Angst und Plag'; Unser Antlitz ist voll Wonne, Und es leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut sein, denn hier schweben Bieler tausend Engel Heer', Als bei welchen wir nun leben In der größten Zier' und Ehr'. Hier erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar; Zu den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun ich will im Glauben bleiben, Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich Nichts abtreiben, Weil ich leb' 446 Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. hier in der Zeit. Se werd ich: Hier ist gut sein! Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestand'nen Leiden Gehen auf den Himmelsweiden. Der Sterbende erwägt die Verheissungen Gottes. Aufmunterung. Matth. 25, V. 34. Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Sterbende haben Labsal und Erquickung vonnöthen, wie am Leibe, also auch an der Seele. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes, davon David sagt: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostsprüche sammeln und in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Sonderlich aber soll ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift finden, von göttlicher Hülfe, Beistand, Gegenwart und Gnade. 2) Soll er auch solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm rede und ihm die Verheißungen allein gebe; denn Gott redet in der heiligen Schrift mit Allen und einem Jeden insonderheit. Hat er nun solche Verheißungen vor sich, so soll er 3) sich darauf verlaffen und nicht zweifeln, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; thut er es nicht gleich in einem Angenblick, in einer Stunde, verzieht der Hear die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Gebet. Du gnadenreicher Gott! wie süß sind die Verheißungen, die du mir in deinem Worte gethan hast, wenn du sprichst: Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen; Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. 447 und wiederum: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, ich will wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin; ja, wenn ich versichert werde, Jesus bete für mich, und ſei mein Fürsprecher, und daß der heilige Geift mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. O du gnädiger Gott, erfülle jetzt alle diese Verheißungen an mir. Ach die Noth wird immer größer, ach sei und bleibe bei bei mir in meiner leßten Noth. Ach verlaß mich jetzt nicht, stehe bei mir, o Jesu, laß mich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet haft. DJesu, sei jest mein Fürsprecher; bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Du werther heiliger Geist, stehe mir bei in meiner Schwachheit, und gib mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf vor, so hilf mir siegen und überwinden. Habe ich einen hohen Berg zu steigen, so verleihe mir Stärke. Steht mir noch eine harte Stunde vor, so 448 Der Sterbenbe erwägt die Verheißungen Gottes. hilf mir aus derselben. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern, ja bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun du gnadenreicher Gott! ich halte mich an deine Verheißungen, und glaube, du werdeft sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir, an mir Elenden, erfüllen. Ich glaube deinem Worte, ich traue auf dein Wort, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Ach dein Wort ist mir in meinem Leben immer Trost und Freude gewesen, laß es jetzt in meinem Tode auch mein Labſal und meine Erquickung sein. Kommt die Zeit, da mir um Trost gar bange wird, so nimm dich meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß anbricht, erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden, tröfte mich, wenn Hören und Sehen mir vergehen. O du dreieiniger Gott, alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freude und Wonne, ein Jubel- und Freudengeschrei, als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. O du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat. Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und-Gesellschaft. 449 Rath, Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen; Amen, ja, es soll geschehen. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. 1. Ich sterbe gern, warum sollt' ich mich vor dem Grabe scheuen! Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird verneuen. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben, Für Trübsal, Jammer, Angst und Noth Wird Gott mir Freude geben, Das Thränenmaaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd' Dereinsten auferstehen, Und herrlich aus der finstern Erd' Und meinem Grabe gehen; Ich werd', verklärt in Glanz und Licht, Des Allerhöchsten Angesicht Mit Lust und Freude sehen. 4. Ich sterbe gern, dies bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen zu Gott, an jenen Freudenort, Zur schönsten Schaar der Frommen. Ach, wann bricht an die Freudenzeit, Daß ich zur Himmelsherrlichkeit Auch werde aufgenommen? Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft. Aufmunterung. Offenb. Joh. 7, V. 9. 10. Darnach sah ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Zamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme, und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl figet, unserm Gott und dem Lamm. Was könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und 29 Der Kranke betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. Himmelsgesellschaft denkt, welcher Gedanke den Frommen schon auf Erden oft ergötzt? Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden sieht, anschauen als Dinge, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben, und fleißig denken an die zukünftige Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzt werden, wo lauter Sonne, Friede, Freude, Trost und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Ergötzen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen anstellen über die himmlische Gesellschaft, wie er mun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes, und kommen zu so viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellt, so wird ihm sein Leiden versüßt und die Stunde kurz werden, ja er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. 450 Sebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth, meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen. Ach wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen, und vor deinem Thron mit allen Engeln und Auserwählten stehen werde? O welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig verstorben bin, weil ich in die Häuser des Friedens werde versetzt, mit Schmuck und Ehren gekrönt, und des himmlischen Glanzes theilhaftig werden! O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. 451 mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht. Was ich hier geglaubt, werde ich dort schauen, was ich hier nicht begreifen konnte, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen; da werde ich völlig durchstrahlt, durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllt sein. Welche Freude aber wird das sein, den großen majestätischen Gott in seiner Herrlichkeit zu erblicken! Darum seufze ich und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hier geglaubt und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen; mein Leiden wird in Freuden, mein Weinen in Jauchzen, meine Trübsal in Wonne, mein Glend in Ergößen, mein Jammer in Trost und mein Herzeleid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in einer freudenreichen und seligen Gemeinschaft leben. Hier bin ich 29* 452 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und-Gesellschaft. unter Menschen, ja ich habe unter Freunden und Feinden müssen mein Leben hinbringen; allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen so viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um Gottes Thron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, anstimmen. Ich werde da antreffen alle Frommen und Auserwählten, die vom Anfang der Welt her gelebt haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir gestorben find, mit denen werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewig leben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele sein. Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen, ich werde bei dem Herrn ſein allewege, da wird mich keine Trübsal mehr anrühren; und dieses wird nicht etwa nur eine Stunde oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Aufhören. Nichts soll mir den Glauben Aus dem Herzen rauben, Jesus stärket ihn; Endlich wird's auch werden, Daß ich von der Erden Kann gen Himmel zieh'n; Gern, ach gern Will ich dem Herrn Heute noch mit Freuden sterben Und sein Heil ererben. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Welche füße Himmelsfreude, Welche große Herrlichkeit, welch' prächtiges Gebäude Ist den Frommen zubereit't Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und-Gesellschaft. 453 In den schönen Himmelsauen, Die sie einstens sollen schauen. Ach mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Da wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Hier ist Gott selbst Licht und Sonne, Hier ist gut sein, hier ist Wonne, Hier genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt Gott sich selber sehen, Den kein Aug' auf Erden sieht, In dem Sehen wird entstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried'. In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergößet stets von Neuem, Aug' und Seel' wird nimmer satt, Das hier voll' Vergnügen hat. 4. Ja in diesem Freudenleben, An dem freudenvollen Ort, Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott find hier und dort, Die im schönen Glanze prangen, Und des Höchsten Lob anfangen; Ich stimm' auch mit ihnen ein, Wann ich werd' bei ihnen sein. 5. Dafind'tmander Frommen Schaaren Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron, Schön geziert mit ihrer Kron'. 6. Unablässig Gott zu loben, Ist der Frommen Werk allhier. Von den Seiten und von oben Glänzet alles wie Saphir. Die man hier betrübt verlassen, Kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiederseh'n, Das da ewig wird besteh'n. 7. Auf, auf, lasset uns bestreben, Da wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels Zelt. Laßt im Glauben uns fest stehen, Und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifen Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 8. O mein Gott, laß mich gelangen Auch zu dieser Herrlichkeit, Ach, verzeih', was ich begangen Meine ganze Lebenszeit. Kleide mich mit reiner Seide, Führ' mich zu der Himmelsweide, Da ich mit der Frommen Schaar Dich will loben immerdar. 454 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Hohe Lied Sal. 2, V. 5. 6. Er erquicket mich mit Blumen, seine Linke lieget unter meinem Haupt, und seine Rechte herzet mich. Die Gegenwart Gottes im Leiden kann nicht anders als einer Seele süß und tröstlich sein. Gott aber ist nicht allein nahe bei allen Creaturen, sondern er ist auch mit seiner besonderen Gegenwart nahe bei den Gläubigen, im Leben und auch im Sterben. O sollte Gott den Frommen die Augen öffnen, wie dorten dem Knaben Elisä! O was würden sie um ihr Bette für eine heilige Gesellschaft sehen! so viel heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wiederum eine Seele zur Herrlichkeit begleiten sollen, wie auch oftmals fromme Sterbende gerühmt und gesagt: O wie hell ist es um mein Bette! Seht ihr dort nicht das weiße Licht? welches gewiß heilige Engel werden gewesen sein. Insonderheit aber ist eine gläubige Seele versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Vater wird an seine Batertreue denken und seinem Kinde beistehen. 2) Jesus wird die durch sein Blut erkauften Seelen in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird auch durch seinen kräftigen Trost alsdann sie erquicken. Vergehet gleich Hören und Sehen, vergehen alle Sinne, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung: Ich bin bei ihm in der Noth! auch jetzt in der Todesnoth werde an ihm erfüllt werden. O wohl dem, welchen Gott dieses Alles in seinem Sterben empfinden läßt. Gebet. Komm', Herr Jesu, so spreche ich jetzt mit der heiligen Braut, ja komm', und nimm meine Seele hin! Ich habe schon deine Süßigkeit geschmeckt, darum verlanget und des dreieinigen Gottes. 455 dürftet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebensversorgt, ernährt, geleitet und geführt, sollte der jetzt, da mein Lebensende herannahet, von mir weichen? Onein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kranken Kinde und hilft ihm, so viel er kann, wie viel mehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmliſchen Vaters trösten? Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe ertheilen, das mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, das Er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor, ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo; diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe Jesu Christi, davon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern geht, so weiß auch mein Jesus, wie es jetzt um mich steht. Ich bin in Ihm und Er in mir, und in seiner heiligen Der Sterbende tröstet sich des Beistandes Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat Er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, so wird Er auch bei mir ſein in dem Sterben. Gleichwie Er die Seinigen geliebet hat bis an's Ende, da Er sich für fie in den Tod gegeben, also liebet Er sie auch, wenn sie sterben wollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Todes- Bitterkeit durch seinen Tod hat weggenommen. Hier hat mein Jeſus mich schon angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet, dort wird er mir das weiße Kleid der Ehren und der Herrlichkeit anlegen. Mein Seelenbräutigam führet mich zur Hochzeit, mein Seelenfreund macht mich seiner Herrlichkeit theilhaftig. Mein Herr erfüllt an mir, was er gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Der Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel geheiliget in meinem Leben, der wird auch mit mir vereinigt bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreut, im Elend erquickt, im Kreuz erhalten, der wird 456 des dreieinigen Gottes. 457 mich in der letzten Stunde auch nicht verlassen, sondern Zeugniß geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Sollte mir auch die Sprache entfallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei Gott vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er ist das Pfand unseres Erbes, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei und zu dessen völligem Besig eingehen werde. Der Vater reichet mir die Krone dar, Jesus führt mich an der Hand zur Freude, der heilige Geist ziert mich mit Licht und Wonne, die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben, alle Auserwählte und Fromme empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Des tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laff' mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd' ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Beglänzet mit dem Freudenlicht, In jenen Himmelsauen. 2. Ich komm' alsdann zu Jesu Christ, Den werd' ich bei mir sehen, Der hier mein Trost und Freude ist, zu dem 458 Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. will ich dort gehen; Zu dir, o Jesu, Gotteslamm, Und wie die Brant dem Bräutigam, Zu deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schaar Sind die, so mich empfangen, Ich werd' mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen. Hier werd' ich in dem Freudenreich Sein schönen Seraphimen gleich, Und dies ist mein Verlangen. 4. Ach ja, im Himmel treff' ich an Viel Tausende von Frommen, Mit weißen Kleidern angethan, Die da sind aufgenommen, Nach ausgestandnem Kreuz und Leid, zu solcher großen Herrlichkeit, zu denen werd' ich kommen. 5. O Freud', o Trost, der da mein Herz Wird ewiglich umgeben. Denn da ist keine Angst, kein Schmerz Und feinbetrübtes Leben. Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried' und Freud' Wird sich da recht anheben. 6. Alsdann wird mir sein ewig wohl, Wenn ich hab' überwunden. Wie werd' ich sein des Trostes voll, Wenn mein Leid ist verschwunden. Freudenstunde, brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann, und bleib' mit ihm verbunden. Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Aufmunterung. Apost. Gesch. 7, V. 58. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Es klagen Sterbende oftmals, wie sie mit allerlei Gedanfen so viel zu thun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Gläubiger wohl, 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung vorstellt Jesum am Kreuz, und dabei diese frommen Gedanken hat: Jesu Wunden sind für mich geschlagen, sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht sein. Jesu Blut ist auch für mich vergossen, dieses Blut wäscht und heiliget mich auch. Jesu ausgespannte Arme wollen auch mich umfassen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßt, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden. Solche und dergleichen Gedanken werden die irdischen Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. 459 Gedanken vertreiben, und das Gemüth ganz ruhig und still und das Herz freudig machen. Bei diesen Betrachtungen soll der gläubige Christ 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt setzen; er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, damit vor Gott treten und sagen: Um meines Jesu Gerechtigkeit, Blutes, Todes und Verdienstes willen sei mir gnädig, darauf lebe ich und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, indem die Vorboten des Todes sich immer mehr und mehr bei mir einstellen, und mir verkündigen, daß meines Lebens Ende gar nahe sei, so wende ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. O mein Erlöser, du hast mich erlöset von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach, laß mir dieses Blut jetzt zu Statten kommen, daß ich durch dasselbe gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. Will mich Satan verklagen, so zeige ich ihm deine blutigen Wunden. Wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich das gegebene Lösegeld für meine Sünden, dein heiliges Blut. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Seligmacher. Ach so mache mich denn ſelig, vergib mir meine Sünden, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, obschon mein Leben aufhöret, weil ich in dir und du in mir lebest. Dieses Leben wird jetzt vollkommen werden, da ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges von dir trennen kann. Du bist der Weg, ach, führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, ach, du hast bisher alle deine Gnadenverheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch diese, da du mir verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie Alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. Herr, laß deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt haft. Ach, ziehe mich zu dir, zu demvölligen Genuß deiner himmlischen Güter. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuze für mich gestorben, wie du dein heilig Blut vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen. Ach, dein heiliges Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen 460 461 Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnet. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. Jesu, ich komme zu dir, darum fasse und halte ich dich im Glauben, und spreche: Meinen Jesum laff' ich nicht, weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, seinem Willen nachzuleben; er ist meines Lebens Licht, meinen Jesum laff ich nicht. Ja, an Jesum will ich jetzt allein denken, der soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Ueberlegen, mein Alles ſein. Weg ihr eiteln Gedanken, an Jesu Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergößzen, seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen, seines bittern Leidens will ich mich trösten, und mein letztes Wort soll Jesus sein, ja mein letzter Gedanke soll Jesus, Jesus ſein. Erschein' du mir zum Schilde In meiner letzten Noth, Wie du, Herr Christ, so milde Dich blutetest zu todt; Da 462 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich will mit frohem Muth In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen. Ach öffne mir dein Herz Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt Und wahre Wohnung sein. 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, Ich will an Jesu Blut Und sein Verdienst nur denken; Sein Blut ergreif' ich jetzt In voller Zuversicht, Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 3. O Blut, o heißes Blut! Das immer annoch fließet, Auf jedes gläub'ge Herz, Das immer noch genießet Der, welcher Buße thut. O Blut, o heißes Blut! Ich eigne dich mir zu, O allerhöchstes Gut. 4. Ich ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ich bleibe nun mit dir, O Jesu, fest verbunden; Kein Schmerz, kein Leid, kein' Freud' Reißt mich nunmehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach, lasse nicht von mir. 5. Sieh', ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd' Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Fried' und Freud', Der Seelen Seligkeit; Zieh' meinen Geist nach dir Durch die gespalt'ne Seit'. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben, Und in denselbigen Der Seele Heil erwerben; Und schlaf ich glaubensvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib' und Seel' Gar wohlverwahret sein. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. 1. B. d. Kön. 19, V. 5. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser, denn meine Väter. Wenn im alten Testament Jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so mußte es kein gezwungenes, sondern ein Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 463 freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserm Sterben: es muß ein Mensch nicht sterben mit Verdruß, nicht gezwungen, nicht mit Murren und Widerwillen, sondern es soll 1) ein Mensch in gesunden Tagen sich bekannt machen die Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet ist, die Güter, die Krone, das weiße Kleid, die Freude, die wir nach dem Tode erlangen sollen. Man soll 2) auch sich bekannt machen den Weg, der zu dieser Herrlichkeit führt, welcher ist Jesus Christus, daß man im Glauben und in einem heiligen Leben beharre bis in den Tod. Kommt denn nun die Stunde heran, die Gott zum Abschied bestimmt, so soll man 3) mit Freuden seine Augen aufheben gen Himmel und Gott um ein seliges Ende anflehen; dieses kann also geschehen, wenn man dem dreieinigen Gott seinen Leib und Seele empfiehlt, Jesum Christum immer im Gedächtniß behält, andächtig betet, und so auf sein Stündlein wartet; dabei man auch Gott anrufen kann, er wolle ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Gebet. Barmherziger, gnädiger Gott! ich merke, daß die Zeit meines Abschiedes vorhanden ist, daß ich soll in Frieden hinfahren und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergehet mir, meine Kräfte nehmen ab und es scheint, es wird bald anders mit mir werden. Darum komme ich zu dir und thuemein letztes Gebet, welches darin besteht: Mein Leib und Seel' befehl' ich dir, o Herr, ein sel'ges End' gib mir, um Jesu Christi willen. Herr Gott himmlischer Vater, der du mich erschaffen, bisher versorget und erhalten haft, ach nimm meine Seele in Gnaden an. O 464 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Jesu, der du mich mit deinem Blut erlöſet und abgewaschen hast, ach laßmich im wahren Glauben auf dein Verdienst und Blut jetzt selig sterben. Ach Herr Jesu, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Owerther heiliger Geist, mein Tröster und Beistand, ach verlaß mich jetzt nicht, gib mir Freudigkeit und Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, ja bete in mir und mit mir und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. Siehe, ich bin bereit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir und bei dir, o dreieiniger Gott, zu sein. Hatte Ifrael ein Erlaßjahr, da es aus der Knechtschaft wieder zu seiner Freiheit und zu seinem Eigenthum kam, ach mein Gott, wenn ich selig sterbe, so gehet mein Erlaßjahr an, daß ich von allem Sündendienst, von aller Kreuzeslast befreit, zu der vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes in dem ewigen Leben gelangen soll. O mein Jesu, öffne mir die Himmelsthür, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach mein Gott, gib mir ein vernünftiges Ende, daß ich möge meinen Verstand bis an den letzten Augenblick Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 465 meines Lebens behalten. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß behalte Jesum Chriftum, und so ja meine Augen früh brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmlischen Trost und Licht. Laß Jesum immerdar vor meiner Seele Augen stehen; gib, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offene Seite mich verberge, seines Verdienstes mich tröste und seine Gerechtigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein fanftes Ende. Behüte mich vor Ungebärden, Anfechtungen und zerstreuenden Vorstellungen. Laß mein Herz, welches deine Wohnung hier gewesen, fein sanft gebrochen werden. Ach laß mich in deinem Arm sanft verscheiden. Ach gib mir auch ein seliges Ende, daß ich möge dein heiliges Angesicht bald mit Freuden erblicken. O dreieiniger Gott, ſegne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der Herr segne mich und be hüte mich, der Herr lasse sein Antlig leuchten über mir und ſei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebemir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des 30 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließe ich meine Augen zu und befehle mich Gott und seiner Gnade. 466 Nun will ich mich ganz wenden Zu dir Herr Christ allein, Gib mir ein selig's Ende, Send' mir dein Engelein, Führ' mich ins ewige Leben, Das du erworben hast, Durch dein Leiden und Sterben Und blutiges Verdienst. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Aufgelöset bald zu werden Wünschet mein erfreuter Geist, Ich verlasse bald die Erden, Weil mein Jesus mich schon speist Mit des Himmels Süßigkeiten, Und verbleibet mir zur Seiten. Wenn ich Jesum bei mir hab', Fürcht' ich nicht das finstre Grab. 2. Brecht, ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde Mit hellglänzendem Gesicht. Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schönen Himmelsstege Ist mein Auge Jesus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. Und du, roher Mund, erblasse, Ja ihr Lippen schließt euch zu, Weil ich meinen Jesum fasse, Komme zu der Himmelsruh. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten. Jesus, Jesus ist mein Mund In der letzten Todesstund'. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch' euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Darauf ich mit Freuden hör'. Ich seh' schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud' und Wonne; Was ist das für ein Gesang? Ist es nicht ein Engelklang! 5. Du mein Herz, zerspring' mit Freuden, Edles Leben fahre hin; Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihm nur bin; Jesum hab' ich schon gefunden Und ich bleib' Gebet der Umstehenden für Sterbende. 467 mit ihm verbunden; Wenn das Herz in Stücken bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja ihr fast erstarrten Glieder Durch den kalten Toresschweiß, Legt euch nur in's Grab jetzt nieder, Weil ich schon versichert weiß, Jesus wird das Grab aufdecken Und euch wieder auferwecken Und euch schön mit Glanz verneut Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, Dich empfehl' ich meinem Gott, Geh' nun aus des Leibes Höhle, Geh' aus aller Augst und Noth. Geh' zur Freude nach dem Klagen, Geh' zur Wonne nach den Plagen, Geh' zur Himmelsfreude ein, O wie wohl wird dir da sein Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! du erhörest Gebet, darum kommet alles Fleisch zu dir; siehe wir kommen jetzt auch zu dir und tragen dir in unserm Gebet diesen Sterbenden vor. Herr Gott, Vater im Himmel! erbarme dich über ihn; du haft ihn erschaffen zu deinem Ebenbild, er ist deine Creatur, er ist auch dein Kind, welches du in der heiligen Taufe zu Gnaden aufgenommen hast, ach darum erbarme dich über ihn; siehe dein Kind ist krank, siehe dein Kind will sterben, ach laß es jetzt dein Kindestheil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seele Seligkeit; vergib ihm alle seine Sünden, die er Zeit seines Lebens wider dich gethan und siehe 30* 468 Gebet der Umstehenden für Sterbende. ihn in Gnaden an. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über diesen Sterbenden; du haft ihn mit deinem heiligen Bluterlöset, du bist auch für ihn gestorben, ach darum rechne ihm seine Sünden nicht zu, sondern rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst, wasche ihn mit deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn jetzt als einen durch dein Blut Gereinigten vor dem Thron Gottes erscheinen. Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gib Zeugniß seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen; heilige ihn, stärke ihn und begleite ihn zum ewigen Leben. Odu heilige Dreieinigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an, gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Uebertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt ersterbenden Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Verleihe ihm indessen die sanfte Ruhe in der kühlen Erde, bis sich in der allgemeinen Aufer 469 Gebet der Umstehenden für Sterbende. stehung Leib und Seele wieder mit einander vereinigen und zur Himmelswonne eingehen werden. Indessen, Herr Herr, da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinne kommen das Andenken des gekreuzigten Jesu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Schein in seiner Seele aufgehen; ja o Jesu, du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum ewigen Leben. Wann er uns nicht mehr sehen kann, so gib, daß er dich, o dreieiniger Gott, beständig im Glauben sehe, bis er dich schauen wird von Angesicht zu Angesicht. Ach wenn nun sein Mund sich schließet, daß er nicht mehr beten kann, so bitte du für ihn, o Jesu; sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater, hilf ihm kämpfen und überwinden und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm sein. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach stärke ihn und sei sein Beistand. O dreieiniger Gott! bleibe du bei ihm und erhalte ihn im Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du hast erlöſet, Herr Gott heiliger Geist, was du haſt geheiliget, das befehlen wir dir in deine Hände; 470 Seufzer, Sprüche und Gebete, deinem Namen sei Lob, Ehre und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Vollende, Vater, seinen Lauf, Nimm ihn zu deinem Frieden auf; Verwirf ihn, wenn sein Herz nun bricht, Verwirf ihn nicht, Herr Herr, Vor deinem Angesicht. Amen Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Amstehenden den Sterbenden vorsprechen können*). Jesaia 49, V. 14. 15. 16. Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, Der Herr hat mein vergessen; kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe in meine Hände habe ich dich gezeichnet. Ja Gott verläßt nicht Einen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest, läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott, hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde. O mein Gott, du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach bleibe es auch jetzt. Jesu, bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. O werther heiliger Geist, stärke mich, erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Psalm 42, V. 1. 2. Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, *) Fromme Christen thun auch wohl, wenn sie selbige bei gesunden Tagen sich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. den Sterbenden vorzusprechen. nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? 471 Wann wird es doch geschehen, wann kommt die liebe Zeit, daß wir Gott werden sehen in seiner Herrlichkeit? O Tag, wann wirst du sein, daß wir den Heiland grüßen, daß wir den Heiland küssen? Komm', stelle dich bald ein. Jesu du Licht meiner Seele, wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß in meiner Seele aufgehen die himmlische Klarheit. Weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen, zeige mir alsdann deine Gestalt und laß mich sehen dein Bild, wie du dich am Kreuz zu todt geblutet hast. Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesu, bleibe bei mir, stärke mich im Glauben und laß mich dein Eigenthum sein, hier zeitlich und dort ewiglich. Psalm 40, V. 18. Ich bin arm und elend, der Herr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, verziehe nicht. Wo soll ich mich denn wenden hin? zu dir, Herr Jeſu, steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja mein Jesu, auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele, ach komme und spanne mich aus, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele nimm auf zu deiner ewigen Himmelsfreude. Ach höre, o Jesu, mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Noth, du mein Seligmacher und Erretter, errette mich, löse mich auf, und mache mich selig. Gib dem Satan keine Macht über mich. Thue mir jetzt die Thür auf zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach komme doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich! Jesaia 41, V. 10. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Seufzer, Sprüche und Gebete, O Herr Christ, du Morgenstern, der du ewiglich aufgehst, sei doch jetzt von mir nicht fern, weil dein Blut mich hat erlöst; hilf, daß ich mit Fried' und Freud' mög' von hinnen fahren heut'; ach sei du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. 472 Jesu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Vater, der du zu seiner Rechten sizest und vertrittst uns, ach bitte auch für mich armen Sünder, jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja du werther heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, bleibe bei mir mit deinem Trost bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater ist bei mir, mein Jesus ist bei mit, der heilige Geist ist bei mir, ja auch die Engel sind bei mir; so will ich mit Freuden sterben. Psalm 73, V. 23. 24. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Hilf, daß ich ja nicht wanke, Herr Jesu Christ, den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist; hilf ritterlich mir ringen, ach habe auf mich Acht, bis ich mag fröhlich fingen: Ich hab's mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich weiche nicht von dir, ach bleibe du auch bei mir; o Jesu, wenn mein Kampf angehet, so hilf mir ringen, so hilf mir siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe mich aus meinen Nöthen. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Matth. 25, V. 23. Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude. 473 den Sterbenden vorzusprechen. Nun ich warte mit Verlangen auf den süßen Augenblick, wann du kommst, mich zu empfangen, komm' und weiche nicht zurück; nimm mich auf zu deinen Frommen, komm', ich heiße dich willkommen; komm', ach komm', o Gottes Lamm, nimm mich auf, mein Bräutigam. O Jesu, dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geistes Beistand treu verbleiben bis an den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund! ich fliehe nicht von dir, mein Hirte! ich lasse dich nicht, mein Seelenbräutigam! außer dir kann mich Nichts ergötzen. Führe mich, o liebster Freund, aus dem Elende zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Hiob 19, V. 25. 26. 27. Ich weiß, daß mein Erlöser lebet und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, dem hab' ich mich ergeben, mit Freud' fahr' ich dahin; mit Freud' fahr' ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sei. Ja hiermit ergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott, in deinen Schutz und Gnade; meine theuer erkaufte Seele befehle ich dir; ich sterbe und werde auch wieder auferstehen; ich sterbe und werde ewig leben in der Himmelsfreude. O dreieiniger Gott, bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem innerlichen Trost deines heiligen Geistes, denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst Jesu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Freuden- Angesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. Psalm 17, V. 15. Ich will schauen dein Angesicht in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ach ich habe schon geblicket diese große Herrlichkeit, jetzo werd' ich schön geschmücket mit dem weißen Himmelskleid; mit 474 Seufzer, Sprüche und Gebete, der güldnen Ehrenkrone steh' ich da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Ach mein Jesu, freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denket, die du mir bereitet hast. Ich verlaffe gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu komme, zu meinem Seelenbräutigam; o wie wohl, o wie selig werde ich sein, wenn er meine Seele als seine Braut wird zur Hochzeit einführen, mir das weiße Kleid anlegen, mir die Krone aufsetzen, und mich ewig, nach so vielen ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen erquicken. Buch der Weisheit 3, V. 1. 2. 3. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Plage rühret sie an; von den Unverständigen werden sie angesehen als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet und ihre Hinfahrt für ein Verderben, aber sie sind im Frieden. Freu' dich sehr o meine Seele und vergiß all' Noth und Qual, weil dich Christus nun dein Heiland ruft aus diesem Jammerthal; aus Trübfal und großem Leid sollst du fahren in die Freud', die kein Ohr jemals gehöret, die in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, komme ich aus dem Elende zu Gott, aus der Last zur Lust, aus der Angst zum Frieden, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leid zur Freude, darum frenet sich meine Seele. O mein Gott, hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache fie selig. Mein Jesu, ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden sein. 2. Cor. 5, V. 1. Wir wissen, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott gebauet, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Da wird sein das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, stehen dort vor Gottes Thron, da die Seraphimen prangen, und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. den Sterbenden vorzusprechen. 475 Ach lieber Herr Jesu, versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dies Haus und dies mein Sterbebette verlassen werde. Welch ein herrliches Hans, welch eine Freudenstätte hast du mir bereitet! da ist keine Angst, kein Jammer und Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. Ach wären wir da! Weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich anhangen, auf deine Gnade verlasse ich mich, in deine Wunden verberge ich mich, auf deinen Tod sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Jesaias 35, V. 10. Die Eröfeten des Herrn werden wieder kommen und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihren Haupte sein, Freude und Wonne wird sie ergreifen und Schmerzen und Seufzen wird weg müssen. Nun es wird annoch geschehen, daß ich auch nach kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh' und Furcht, zuletzt der Tod, aber dort ist allezeit Friede, Freud' und Seligkeit. Gedenke, o Jesu, ich bin durch dein Blut erlöset, laß mich auch bald in dein himmliches Zion kommen. Ich habe hier lange genug das Thränenbrod gegessen, ach laß mich bald das süße Engel- und Himmelsbrod kosten. Seufzen und Schmerzen sind hier meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach laß mich hören Freude und Wonne, laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit thun, erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. 2. Tim. 4, V. 7. 8. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigeleget die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Jesu hilf siegen, und laß mir's gelingen, daß ich die Zeichen des Sieges erlang'; so will, ich ewig dir Lob und Dank singen, 476 Seufzer, Sprüche und Gebete, Jesu mein Heiland, mit frohem Gesang; wie wird dein Name da werden gepriesen, wo du o Held dich so mächtig erwiesen. Jesu hilf mir glücklich überwinden, wenn nun der letzte Kampf angehet; stehe mir bei, so wird es mir leicht werden; stärke mich, wenn ich kraftlos bin, mein Helfer, hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich Elenden in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folget die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich gezieret und von dir gekrönet werden nach meinem Tod! Zeige mir die Krone, die du mir beigeleget hast, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. Offenb. Joh. 2, V. 10. Cap. 3. V. 5. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben; wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Schaut mich in meinem Kranze, darin ein Sieger prangt, beschaut mich in dem Glanze, den meine Seel' erlangt; ich trag' die Himmelskrone, ich glänz' in Himmelspracht, damit von Gottes Sohne ich gnädig ward bedacht. Von meines Jesu Liebe will ich nimmer laffen, ich habe ihn geliebet in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in meinen Tod. O Jesu um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe; dir will ich treu verbleiben im Glauben bis in den Tod, dir ewig treu sterben. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf' ich ein. Röm. 8, V. 38. 39. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch eine andere Creatur, mag mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist unserm Herrn. Jesum Jesum will ich lieben, hier und dort in Ewigkeit, sollten mich gleich hier betrüben aller Jammer, alles Leid; was frag' den Sterbenden vorzusprechen. 477 ich nach Höll' und Tod? Jesus hilft mir aus der Noth, der wird mich zur Freude führen, wo die Seinen jubiliren. Sa das ist mein Schluß, meinen Jesum lasse ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn, der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht; Jesus ist mein, ich bin sein, ich lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben; o wie wohl! o wie wohl! Jac. 1, V. 12. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Herzlich thut mich verlangen nach einem sel'gen End', weil ich hier bin umfangen mit Trübsal und Elend; ich habe Lust abzuscheiden von dieser bösen Welt, sehn' mich nach Himmelsfreuden, o Jesu komm' nun bald. Ach ja o Jesu komme zu mir, ach komme doch bald, ohne Aufenthalt, und nimm mich hin in Frieden; gib mir Geduld und Stärke, ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib, meine Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O Jesu hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. Herr Gott, der du bist unsre Zuflucht für und für, sei jetzt auch meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. O wie verlanget mich, Gottes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu sein, in himmlischem Glanz und Klarheit einherzugehen. Psalm 31, V. 6. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr du treuer Gott. Gleichwie sich fein ein Vöglein in hohle Bäum' verstecket, wenn's trüb' hergeht, die Luft unstät Menschen und Vieh erschrecket: also, Herr Christ meine Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden; wann Sünd' und Tod mich bracht' in Noth, hab' ich mich drein gefunden. Darin ich bleib', ob Seel' und Leib 478 Seufzer, Sprüche und Gebete, hier von einander scheiden, so werd' ich dort bei dir, mein Hort, sein in ewigen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir o dreieiniger Gott, zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gütigkeit des heiligen Geiſtes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich meinen Leib und Seele. Ach nimm dein Täublein auf, ich komm' in vollem Lauf. Breit' aus die Flügel beide, o Jesu meine Freude und nimm dein Küchlein ein; will Satan mich verschlingen, so laß die Engel singen: Dies Kind soll unverletzet sein. Hebr. 12, V. 22. 23. Ihr seid kommen zu dem Berg Zion, zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend Engel; und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über Alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Mein Gott ich bin bereit, zum Himmel einzugehen, und in verklärtem Glanz vor deinem Thron zu stehen; was soll ich auf der Welt in Trübsal länger thun? ach hole mich zu dir, dort kann ich sicher ruh'n. Herr eile mit mir fort, hier wird mir gar zu lange, den Himmel wünsch' ich mir, daß mich die Freud' umfange, da ich dich schauen kann in alle Ewigkeit; ach eile bald mit mir, mein Gott ich bin bereit. Mein Jesu, wie herrlich wird der Anblick sein, wann ich werde dich in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Auserwählte in dem Himmel antreffen. Nun darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde und komme zur Herrlichkeit, ich verlasse das Elend und komme zur Freude, ich verlasse die Menschen und komme zu den heiligen Engeln. Joh. 10, V. 27. 28. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie, und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. den Sterbenden vorzusprechen. 479 Ich bin ein Glied von deinem Leib', des tröst' ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib' in Todesnoth und Schmerzen; denn wo du bist, da komm' ich hin, daß ich stets bei dir leb' und bin, drum fahr' ich hin mit Freuden. Ach ja mein Hirte Jesu, bringe mich dein armes Schäflein nun zur Himmelsfreude, laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker als der Satan; dein bin ich und dein will ich auch bleiben. Satan hat kein Theil und Recht an mir, aber dein Eigenthum bin ich gewesen, und will es auch ewig sein. Ach nimm meine Seele wie ein mattes Schäflein in deine Arme, und bringe es zu der ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig! wenn ich bei meinem Jefu bin. Offenb. Joh. 14, V. 13. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an, ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. O Herr gib mir in Todespein ein säuberlich Gebärde, und hilf, daß mir das Herze mein fein sanft gebrochen werde, und wie ein Licht ohn' alles Weh auf dein unschuldig Blut vergeh', das du für mich vergossen. Ach Herr sprich meiner Seele den Trost ein: ich werde in dir sterben. Jesu du hast in mir gelebet, und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer und Kummer, meine Schmerzen und Leiden aufhören, hingegen bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich ruhen von meiner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen. D Jesu höre mich, ja komme, Herr Jesu! 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Ulebel, und mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Gott Lob! die Stund' ist kommen, da ich werd' aufgenommen ins schöne Paradeis; ihr Freunde sollt nicht klagen, mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr' und 480 Seufzer, Sprüche und Gebete, Preis! Gott eilet mit den Seinen, läßt sie nicht lange weinen in diesem Thränenthal; ein schnell und selig Sterben heißt schnell und glücklich erben des schönen Himmels Ehrensaal. O großer Gott denke jetzt in Gnaden an mich, und erbarme dich; ach gib mir ein vernünftiges, stilles und sanftes Ende. Mein Tod ist mein Erlösungstag und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens, laß mich freudig anhören den Trost, der mir vorgesprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und meine Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Matth 25, V. 34. Kommet her ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Im Himmel ist gut wohnen, wo mit dem Ehrenkleid mein Jesus wird belohnen der Frommen Herzeleid; da glänzt der Leib und funkelt, gleichwie ein Edelstein, das Licht wird nicht verdunkelt; im Himmel ist gut sein. Ach mein Jesu laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: Komme her, du Gesegnete! ja laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführet werd Indessen fasse ich dich im Glauben, und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Jesaias 61, V. 10. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet.. O Jerusalem du Schöne, ach wie helle glänzest du, ach wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh', O der großen Freud' und Wonne, jetzo gehet auf die Sonne, jeto gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid versüßet mir alle Bitterfeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, Jesus den Sterbenden vorzusprechen. 481 ist bei mir, der tröstet mich, der erhält mich. Ach mein Gott lege mir an das himmlische Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet haft. Deine Gerechtigkeit iſt meine Gerechtigkeit und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ja ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da gezieret stehen vor dir! Joh. 3, V. 16. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Herr ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht, du nur kannst mich stärker machen, wenn mich Sünd' und Tod anficht; deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen dich, Herr Jesu, nach dem Streit in der frohen Ewigkeit. Ach liebster Gott und Vater! laß mich jetzt auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden; ich weiß, du hast mich auch geliebt, und mir deinen Sohn gegeben; ich habe auch an ihn geglaubt, und will in solchem Glauben an ihn beharren bis an den letzten Augenblick meines Lebens. Ach persichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubt, möge schauen in dem ewigen Leben. Ach Jesu stehe mir bei, ach verlaß mich nicht. werden. 1. Petri 1, V. 18. 19. Wiffet, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuern Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Herr Jesu Christ, dein theures Blut ist meiner Seele höchstes Gut; das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein. Herr Jesu, in der letzten Noth, wenn mich schreckt Teufel, Höll' und Tod, so laß ja dies mein Labsal sein, dein Blut macht mich von Sünden rein. 31 Seufzer, Sprüche und Gebete, Ich komme jetzt, o großer Gott vor dich, nicht in meiner Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blut zugeeignet habe. O du Lamm Gottes, das du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner. Ach gerechter Gott siehe nicht an meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit; dieselbe ergreife ich, in seine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deswillen sei mir gnädig und barmherzig. 482 Apost. Gesch. 4, V. 12. Es ist in keinem Andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Jesus ist für mich gestorben und sein Tod ist mein Gewinn, er hat mir das Heil erworben, drum fahr' ich mit Freuden hin, hier aus diesem Weltgetümmel in den schönen Gotteshimmel, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Jesu mein einziges Heil und meine Zuflucht, ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jejus- Name und das Andenken seines vergoffenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und in meinen Gedanken bleiben. Herr Jesu dir lebe ich, Herr Jesu dir sterbe ich, Herr Jesu dein bin ich todt und lebendig. Amen. 1. Joh. 2, V. 1. 2. Ob Jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist und der ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unsern, sondern für der ganzen Welt Sünden. So fahr' ich hin zu Jesu Christ und will den Arm ausstrecken, so schlaf ich ein, und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken; denn Jesus Christus Gottes Sohn, der wird dic Himmelsthür aufthun, mich führen zum ewigen Leben. Ogroßer Gott die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden aus der Welt und vor dein Gericht treten; ach himmlischer Vater erbarme dich über mich, und nimm mich als dein den Sterbenden vorzusprechen. 483 Kind, das du erschaffen und geliebt hast, in Gnaden auf. O Jesu bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürsprecher und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden, kleide mich in deine Gecechtigkeit, so bin ich selig. O werther heiliger Geist wohne and bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringest zu der ewigen Himmelswohnung. Hebr. 5, V. 12. So lasset uns hinzutreten zu dem Gnadenthron, daß wir Barmherzigkeit erlangen zur Zeit, wenn uns Hülfe noth ist. Stärk' mich mit deinem Freudengeist, heil' mich mit deinen Wunden, wasch' mich mit deinem Todesschweiß in meinen letzten Stunden, und nimm mich einst, wenn dir's gefällt, im wahren Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. Ach ja um Jesu willen werde ich Barmherzigkeit erlangen. Herr Gott Vater im Himmel erbarme dich über mich; Herr Gott Sohn der Welt Heiland erbarme dich über mich; Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und sei mir gnädig und barmherzig. Amen. 2. Cor. 5, V. 21. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Jesu du haft weggenommen meine Sünden durch dein Blut, laß es o Erlöser! kommen meiner Seligkeit zu gut, und dieweil du, so zerschlagen, hast die Schuld am Kreuz getragen, ach so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sei. Jesu du hast meine Sünden weggenommen und haft mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden, sind dir aufgeleget, und was dein ist, deine Gerechtigkeit, ist mir geschenket; des freue ich mich, des tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott besteh'n, wann ich zum Himmel werd' eingeh'n. In Jesu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine 31* Seufzer, Sprüche und Gebete, Gerechtigkeit, o darin kann ich fröhlich sterben und Gott angenehm sein. 484 Offenb. Joh. 21, V. 4. In dem neuen Jerusalem wird Gott abwischen alle Thränen von der Gläubigen Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein. Owie selig seid ihr doch ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen. Ihr seid entgangen aller Noth, die uns noch hält gefangen. Christus wischt euch ab alle eure Thränen, ihr habt schon wornach wir uns noch sehnen; euch wird gesungen, was durch keines Menschen Ohr allhier gedrungen. Komm' o Jesu, komm' mich auszuspannen, lös mich auf und führ' mich bald von dannen; bei dir o Sonne ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Ach Jesu, ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freuden- Angesicht mit verklärten Augen sehen. Da wird mein Leib leuchten wie die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz sein; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich nur noch wie in einer Herberge, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterlande. 1. Joh. 1, V. 7. So wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Wann endlich ich soll gehen ein zu deines Reiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur sein, ich will mich darin kleiden; es soll sein meines Hauptes Kron', mit welcher ich will vor dem Thron des ew'gen Vaters stehen, und dir dem ich hier anvertraut als eine wohlgeschmückte Braut zu deiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin lebe und sterbe ich; o Jesu du in mir, und ich in dir. Es ist nichts Verdammliches in mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein, Jesu Blut heiliget, kleidet, zieret und macht mich rein. O himmlischer Vater siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darin komme ich zu dir. 485 den Sterbenden vorzusprechen. Joh. 1, V. 29. Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes, unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allezeit erfunden geduldig, wiewohl du warst verachtet; alle Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm' dich unser o Jesu! Christus du Lamm Gottes, der du trägest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Chistus du Lamm Gottes, der du trägest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christus du Lamm Gottes, der du trägest die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden. Amen. Joh. 17, V. 24. Vater ich will, daß wo ich bin auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Ift's nun dein Will', so stell' dich ein, mich selig zu verseßen, ach ewiglich bei dir zu sein, kann meine Seel' ergötzen. Eröffne dich du Himmelsfaal, damit ich nach der Noth und Qual zu meinem Jesu komme. O welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir o Jesu kommen, und dich von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann in unaussprechlicher Freude ergötzen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten. wie groß ist deine Herrlichkeit, ich habe davon hier in diesem Leben nicht die Hälfte gehöret, was ich mit Augen dorten bei dir sehen werde. Ach ziehe mich zu dir und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Röm. 14, V. 7. 8. Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Herzlich lieb hab' ich dich o Herr; ich bitt', du wolleft sein von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade; die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erd' frage ich nicht, 486 Seufzer, Sprüche und Gebete, wenn ich nur dich kann haben; und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst; Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr. Ogroßer Gott ich bin dein geworden in der heiligen. Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben, laß mich jetzt im Sterben auch dein Eigenthum sein. O Jesu Christ, Gottes Sohn, der du für mich haft genug gethan, ach schließ' mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer. Amen 2. Tim. 2, V. 8. Halte im Gedächtniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten. Erschein' du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du Herr Christ so milde dich blutetest zu todt; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ach ja o Jesu ich halte jetzt im Gedächtniß deine Marter und Bein, dein vergossenes Blut, deine heiligen Wunden. Jesu ich umfasse dich, an mein Herz drück' ich dich, ach weiche nicht von mir, mich verlangt nach dir, o mein Heiland wär' ich bei dir! Lucä 23, V. 42. 43. Herr gedenke mein, wenn du in dein Reich kommest, Jesus anwortete ihm: Wahrlich ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Auf auf mein Geist, ermunt're dich bei allem deinem schweren Leide; o glaube Jesu sicherlich, dies ist der nächste Weg zur Freude. Ergib in kindlicher Geduld dich deines Vaters Lieb' und Huld, er wird in seinen treuen Händen dich unaussprechlich schön vollenden, und ehe du dich's wirst verseh'n wirst du verklärt dort oben steh'n Mein Jesu, mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach nimm meine durch dein theures Blut erkaufte Seele auf in die heiligen Hände. Ach laß sie dir befohlen sein, laß sie zur Freude in das Paradies eingehen. Ich den Sterbenden vorzusprechen. 487 spreche auch mit dem gläubigen Sünder: Herr Jesu denke mein! denke ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. 1. Tim. 1. V. 15. Das ist je gewißlich wahr und ein theures werthes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Jesu du hast weggenommen meine Schulden durch dein Blut, laß es o Erlöser kommen meiner Seligkeit zu Gut, und dieweil du so zerschlagen hast die Sünd' am Kreuz getragen, ei so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sei. Herr, ich warte auf dein Heil! Jesus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig. Jesus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines Jesu eigen und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel und sehe, wie Jesus mich zu sich rufet. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch Gott allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wann ich den Tod soll leiden, so tritt du selbst herfür, wann mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß' mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Pein. Jesu mein Leben endet sich, ach nimm mich auf zu dir. Mein Hirte, nimm dein Schäflein, mein Bräutigam, nimm deine Braut, mein Vater, nimm auf dein Kind, mein Jesu, nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich und so schließe ich meine Augen zu. Offenb. Joh. 7, V. 9. 14. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern, vor dem Thron stehend und vor dem Lamm, mit weißen Kleidern angethan und Palmen in ihren Händen. Und er sprach zu 488 Seufzer, Sprüche und Gebete, mir: Die sind's, die kommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht in dem Blute des Lammes. Wer sind die vor Gottes Throne, was ist das für eine große Schaar, welche zieret eine Krone glänzend gleich den Sternen klar, fingen Halleluja all', loben Gott mit großem Schall? O wie groß wird sein die Wonne, wann wir werden allermeist schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heiligen Geist; großer Gott dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach mein Jesu, ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blute, ich eigne es mir zu; ach nimm mich um desselben willen auf in dein ewiges Freudenleben. Lucä 23, V. 26. Bater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Herr Jesu nimm meinen Geist auf! Ap. Gesch. 7, V. 59. Herr meinen Geist befehl' ich dir, mein Gott, mein Gott, weich' nicht von mir, nimm mich in deine Hände o wahrer Gott! aus aller Noth hilf mir am letzten Ende. O mein Jesu, so bete ich jetzt auch mit dir. Dein lettes Wort am Kreuz soll auch mein letztes Wort in meinem Leben sein. Herr Jesu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. 2. Petri 3, V. 13. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. O Gottes Stadt, o wahres Licht, o Wohnung aller Freuden, wann schau' ich Gottes Angesicht, wann endet sich mein Leiden! wann schmeck ich seine große Güt'! o Lieb' es brennet mein Gemüth, ich lieg' und seufze mit Begier, o Seelenfreund hol' mich zu dir. O Gott, wie selig werd' ich sein, wenn ich aus diesem Leben zu dir geh' in dein Reich nun ein, das du mir dort wirst geben. Ach Herr wird dann der Tag bald kommen, daß ich zu dir werd' aufgenommen? Ach Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 489 Herr, wann kommt die Stund' heran, daß ich in Zion jauchzen kann? du heiliger dreieiniger Gott, nimm jeßt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komme Herr Jesu! ich warte auf dich, ach führe mich ein zu deiner Freude. Herr Gott Bater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du haft erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wann mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wann mein Stündlein vorhanden ist- Ach mein Jesu, das weißt du am besten, mein letztes Sterbstündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, o Jesu, alle meine Hoffnung setze. Ach in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung, laß deine Linke unter meinem Haupte sein, und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbstündlein durch den Trost des heiligen Geistes und laß mich hören Freude und Wonne. Bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt, Und ich soll fahren meine Straße. Ach ja, mein Jesu, ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du, o Jesu, bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Bater, zu dir, meinem Jesu, kommen soll! da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne, Sonne, ein hérrliches Kleid, eine schöne Krone antreffen. O wie wohl wird mir da sein! da wird all' mein Jammer und Elend aufhören, und ich werde zur Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen 490 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir o Jesu, treibe von mir meiner Seele Feinde, schenke mir hingegen des Glaubens Frendigkeit und deines Trostes Süßigkeit und damit ich diese Todesfahrt mit Freuden selig antreten und vollbringen möge, So geleit' du mich, Herr Jesu Christ. Ach ja, o Jesu, begleite mich aus diesem zeitlichen Leben in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du, o Jesu, mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette und nimm meine Seele auf, wann sie von dem Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meiner Seele Augen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schaar der Auserwählten. Ja begleite mich vor den Thron deines himmlischen Baters, als dein Eigenthum, damit ich daselbst Gnade erlange, und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus der Welt stehe bei mir, und Mit Hülf' mich nicht verlasſe. Ach es kann mir in meinem Sterbstündlein Niemand helfen, als nur du, o Jesu, allein. Hilf mir und stärke meinen Glauben, hilf mir und gib Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig dein Kind sei und jetzt, als ein Kind Gottes, das ewige Erbe empfangen werde. Ja verlaß mich nicht, wann ich im Tod erblasse und die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wann mir die Augen brechen, alsdann sei du und bleibe das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wann mir das Gehör vergehet, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wann mir die Sprache vergehet und ich nicht mehr beten kann, alsdann bitte für mich, o Jesu, und o heiliger Geist, bete in mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wann ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude, ach nimm 491 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Meine Seele an meinem letzten End' in deinen Schutz und Gnade auf. Jesu, du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft; ach wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines natürlichen Lebens, ach so gib mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Auge und Gemüth zu dir richten, und beten, so lange die Zunge lallen kann, seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gib mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deiner Gemeinschaft, o Jesu, im Sterben genießen, die Süßigkeit deiner Einwohnung empfinden und durch den Trost des heiligen Geistes erquicket werden. Gib mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe und mit dir vereinigt bleibe, vor dem Tode, in dem Tode, und nach dem Tode. Damit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele, und Befehl' fie, Herr, in deine Händ'. O wie wohl wird sie darin verwahret sein! Siehe, ich habe dir meine Seele alle Tage anbefohlen, so soll auch jetzt dies mein Gebet sein: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Mein Jesu, du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erlöset von der Sünde, von der Gewalt des Teufels, darum befehle ich sie dir, sie ist dein Eigenthum, und soll auch dein bleiben in Ewigkeit. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtige Hände, Niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat kein Theil an mir, nicht der Satan, den hast du ja überwunden. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben sein, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den lieben jüngsten Tag, da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder ver 492 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. einigen und sodann Leib und Seele die Himmelsfreude genießen lassen. Indes, Herr Jesu, erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hast. 2. Meine Sünd' mich werden kränken sehr – Ach ja, mein Jesu, ich denke heute an meine Sünde, ich denke daran und ist mir herzlich leid, daß ich dich die Zeit meines Lebens, so lange, so oft und so vielfältig erzürnet habe, mit Gedanken, Worten und Werken. Ach ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidiget habe, ach hätte ich es doch nicht gethan! und wenn ich es noch zu thun hätte, so wollte ich es nimmermehr vollbringen. Aber, o Jesu, durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch' ab all' meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde und ihr'r nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke. Ach mein Jesu, wenn meine Sünden vor mein Krankenbette treten, mich ängstigen und verklagen wollen, so tritt, o Jesu, zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden und durchstreiche mit deinem heiligen Blute das Sündenregister, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun, dessen tröste ich mich, wenn Mein Gewissen wird mich nagen. Ich fühle wohl, was für Angst und Schmerzen ich muß über meine Sünden ausstehen. O Sünde, wie bitter bist du auf dem Todtenbette, wie machst du so angst und bange! Aber ach, mein Jesu, ich bitte um Gnade, ach verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Leben lang wider dich auf Erden habe begangen. O Jesu, um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Uebertretungen, um deiner heiligen Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 493 Wunden willen erbarme dich über mich. 11m deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Gott sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; wasche mich wohl von meiner Miffethat, und reinige mich von meinen Sünden. So wird mein Gewissen befriediget und mein Herz beruhiget werden. Ach ich läugne nicht meine Missethaten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viel sind. Denn ihrer ist viel wie Sand am Meer. Ist des Sandes am Meer viel, noch viel mehr sind meine Sünden; viel habe ich gesündiget mit Gedanken, viel habe ich gefündiget mit meinen Worten und unnützen Reden; viel habe ich gefündiget mit meinen Werken und Thaten, von Jugend auf bis auf diese Stunde. So du nun Herr willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten und mir geben nach meinen Werken, o wie wird es mir ergehen! Ach was soll ich Sünder machen, ach was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an. Doch will ich nicht verzagen. Und warum sollte ich verzagen? der himmlische Vater wird ja sein armes bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen; Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen! Gott ist hier, der gerecht macht; wer will verdammen! Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr der auferwecket ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geist wird mein Beistand bleiben, auch in meiner Todesnoth, und mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um Jesu willen sollen vergeben sein, daß die Barmherzigkeit Gottes mich in die Arme fassen wird. O darum, so oft mich Satan, meine Sünden und mein Gewissen ängstigen 494 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. und kränken will, so sollst du, o Jesu, meiner Seele Zuflucht und mein Trost sein. Gedenken will ich an deinen Zod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jeſu am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergossen hast, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allezeit gefunden geduldig, wiewohl du warst verachtet, all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarme dich meiner, o Jesu. Dein Tod bringt mir das Leben, weil du für mich gestorben, so soll ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammet werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen sein Jesur bitteres Leiden und sein vergossenes Blut, ja, Herr Jesu deine Wunden roth laß mir jetzt in mein Herz eingeschrieben sein. Dieſe Wunden sind auch für mich geschlagen worden, in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich fein ein Vöglein in hohle Bäum' verstecket, wenn's trüb' hergeht, die Luft unftät Menschen und Vieh erschrecket; also Herr Christ, meine Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden, wenn Sünd' und Tod mich bracht' in Noth, hab' ich mich drein gefunden. In deine heiligen Wunden verberge ich mich und will darin selig leben und sterben, darin ist meine Seele wohl aufgehoben. Floß aus deinen heiligen Wunden Wasser und Blut, so ist mir dadurch die Reinigung von meinen Sünden und die Versöhnung mit Gott versichert worden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine leßten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus, mein letztes Wort sein. Jesus Christus Gottes Sohn, der du für mich so viel gethan, ach schließ' mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Ja, Herr Jesu, deine Wunden 495 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließet man meinen Leib in den Sarg ein, so will ich meine Seele in die Wunden Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden, da kann sie der Satan nicht rauben, daraus kann sie kein Seelerfeind vertreiben, in diesen Wunden ruhet sie und wird gebracht zu der Schaar der Frommen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib. O welcher große Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich bin ein Glied an deinem heiligen Leibe. In der heiligen Taufe bin ich neu geboren und wiedergeboren worden; da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt Jesus ist; ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich da sein werde, wo mein Jesus ist. Jesus aber ist in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen; läsfet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja mein Jesus wird mich auch nach sich ziehen in sein ewiges himmlisches Freudenreich. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie Alle nach mir ziehen. O Jesu, du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters; ziehe mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude! Ach ja, du wirst mich als dein Kind theilhaftig machen deiner Herrlichkeit. Des tröst' ich mich von Herzen. Ein herrlicher Trost! Wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder, und weil mein Jesus mit Schmuck und Ehren gekrönet ist, so werde ich nach dem Kampf den Sieg auch empfahen, ein herrliches Kleid und eine schöne Krone von der Hand des Herrn. Das ist ein gewisser Trost; denn weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja Gottes Erbe und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen, und zur Herrlichkeit soll erhoben werden. O sollte ich denn 496 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. nicht gern sterben, nicht gern mit leiden und mit dulden, damit ich auch mit herrschen und mit leben möge? Das soll auch mein beständiger Trost sein. Jesus mein Haupt wird mich sein Glied herrlich machen, Jesus mein Heiland wird mich selig machen; darum sage ich auch: Mein Jesu, mitip bi ause! Von dir ich ungeschieden bleib'. Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes mich scheiden soll von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu unserm Herrn. Ja Nichts, Nichts soll mich von Jesu scheiden. Kein Kreuz und Krankheit, darin will ich beständig aushalten; kein Kampf noch Angst meiner Seele, darin wird mir mein Jesus beiſtehen und mir überwinden helfen; ja auch der Tod nicht, sondern der wird mir die Thür aufthun, daß ich zu Jesu eingehe. Ich will von Jesu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden und Sterben; Leib und Seele mögen sich scheiden, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; muß ich scheiden aus der Welt und von meinen Freunden, von Jesu aber doch nimmermehr. O Jesu, ich habe dich allezeit in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich im wahren Glauben festhalten, bis du mich bringest zu deiner himmlischen Herrlichfeit. Jesus ist mein und ich bin meines Jesu allezeit, auch In Todesnoth und Schmerzen. Ist die Todesnoth eine große Noth, so ist sie mir doch keine Noth, weil Jesus bei mir ist. Ja mein Jesu, willst du in dieser Noth von mir weichen? o du treuer Seelenfreund, das wirst du nimmer thun. Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle jetzt auch deine Gnadenverheißzung. Ist die Todesnoth die letzte Noth, so wirst du sie mein Heiland mit deiner Gegenwart versüßen. Erschein' du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du Herr Christ so milde dich blutetest zu todt; da will ich nach dir blicken, da will ich Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 497 glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken, und will sagen: Herr Jesu! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn; Herr Jesu! dir lebe ich, Herr Jesu! dir sterbe ich, Herr Jesu! dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir. Ja, mein Jesu, ich will gern sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in die Herrlichkeit kommen werde. Ich will im Glauben sterben und mich auf dein Verdienst, Blut und Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir, ich sterbe als dein Kind, welches du bisher haft geleitet; ich sterbe als dein Schäflein, welches Niemand aus deiner Hand reißen kann; ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Denn Ein ewiges Leben hast du mir ja dort bereitet; denn im Himmel bei dir, in der Freude, wird kein Ach und Weh, keine Krankheit noch Schmerz, kein Leiden und Tod mehr sein, sondern Freude, Trost, Friede, Erquicung, Süßigkeit, Klarheit und Herrlichkeit, und dieses Leben in Herrlichkeit soll ewig sein, es soll nimmermehr aufhören. Jesu, wie freue ich mich auf dieses Leben, auf diese Herrlichfeit! Habe ich hier gehabt wenig gute Tage und mein täglich Brod ist gewesen Mühe und Klage, so werde ich hingegen in dem Himmel haben lauter gute Tage, Freudentage, Erquicklungstage. Da wird alles Trauern und Weinen ewig weg sein. Da wird mein Heiland abwischen alle Thränen von meinen Augen. O selige Stunde, wann ich zu dieser Freude gelangen werde! und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich gewiß, denn dies Freudenleben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes, für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde. Für mich bist du verspottet, gefreuziget und getödtet; dein Tod meinen Tod versüßet, es kommt Alles mir zu gut; dein Verspotten, dein 32 498 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Berspeien muß zu Ehren mir gedeihen; tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. Dein Tod ist auch mir zu gut geschehen, dadurch bin ich mit Gott versöhnet, dadurch habe ich Friede, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und der Seele Seligkeit erlanget. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O darum sei getrost meine Seele und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben, und dir daselbst eine Stätte bereitet. Er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Owohlan, habe ich denn hier keine bleibende Stätte, endiget sich mein Leben, bricht mein Herz scheidet sich Leib und Seele, so weiß ich schon, wohin: zu Jesu, zu Jesu, meinem Heiland. Denn ich weiß, wann dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau von Gott erbauet, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist, im Himmel, und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Dein herrlicher Trost, den mir Gottes Wort gibt: wenn ich schon sterbe, soll ich doch wieder auferstehen. Obschon mein Leib wird schwach und matt in die Erde geleget, ob er gleich darin wird zu Staub und Asche werden, so wird er doch nicht im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen;. er soll leuchten wie die Sonne in des Vaters Reich, er soll verkläret, verherrlichet und mit weißen Kleidern angethan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich? und der entsteht daher, weil mein Jesus vom Tode auferstanden ist. Er ist für mich am Stamm des Kreuzes gestorben, als das unschuldige Lamm Gottes, er ist auch begraben worden, er ist aber wiederum fiegreich am dritten Tage auferstanden; Jesus ist erstanden, ich werde auch auferstehen; Jesus lebet, ich soll auch leben. Freude, o Trost! sterbe ich gleich und mein Leib wird in die Erde geleget, er soll wiederum hervorkommen, mit Unsterblichkeit und Herrlichkeit angethan. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so auch 499 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Werd' ich im Grab nicht bleiben. Jesus wird mir mein Leben wiedergeben und auch meine Glieder, Leib und Seele, die durch den Tod getrennet waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereinigt werden. O darum leget meinen Leib nur hin in das Grab, ich bleibe doch nicht darin, da ist meine Schlafkammer, da will ich sanft schlafen, bis mich Jesus wird erwecken. Da ist mein Ruhebette, nach so vielem Wachen, schweren Leiden, Schmerzen und Ungemach werde ich nun zur Ruhe kommen. In meinem Grab decket Jesus mich mit seinen Gnadenflügeln, er bewahret meine Gebeine, bis er sie wird wieder vereinigen, mir meiner Augen So Licht, Haupt und Hände, ja alle Glieder wiedergeben. wenig das Grab meinen Jesum hat halten können, so wenig wird es mich auch halten, wann die letzte Posaune erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, dieweil mein Leib da ruhet von aller Sorge, von aller Arbeit, von allen Schmerzen und meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquicket und getröstet werden. Ja mein Heiland, nicht allein erfreuet mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch Mein höchster Trost deine Auffahrt ist. Als Jesus von den Todten erstanden war, so fuhr er auf gen Himmel, und ging ein in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorangegangen, ich folge nach, ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegengerücket werden, da dann Leib und Seele mit einander sollen zu ihres Herrn Freude eingehen. Ach mein Jesu, stelle mir diese herrliche Himmelfahrt fleißig vor, daß ich mich möge deren bei meinem Absterben getrösten; da erinnere mich, daß ich nicht kann gen Himmel fahren, ehe ich dies Sterbliche abgelegt habe und entkleidet worden bin. Das soll nun auch mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben bleiben: Jesus lebt, ich werde auch 32* 500 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. leben; Jesus ist gen Himmel gefahren, ich werde ihm anch nachfahren; Jesus ist in die Herrlichkeit eingegangen und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben theilhaftig werden; was kann mir denn nun süßer und angenehmer sein, als meines Jefu und meine zukünftige Himmelfahrt? Todesfurcht kann sie vertreiben. Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele gehet aus der irdischen zerbrechlichen Hütte und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut, zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, meiner Seele Bräutigam; sollte ich mich da denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur ewigen Freude, zur Krone und zum weißen Kleid, das macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude. Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur, meine Seele verlieret ihr Kreuz und erlanget die himmlischen Güter, fie verläffet die Menschen und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja mein Jesu, was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir; odspad na Blut adc dm asur mu & Denn wo du bist, da komm' ich hin. O welcher Trost ist das; nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren, und bei meinem Jeſu in seiner Herrlichkeit sein: das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. O welche Freude wird das sein, wenn mich Jesus in seine Arme faffen und zu der Herrlichkeit einführen wird. O mein Heiland, wann kommt denn die Stunde der seligen Vereinigung und Heimführung! Nicht allein hast du mich vor der Verdammniß und aus der Hölle Rachen befreiet, nicht allein hast du der Seele Seligkeit mir erworben, nicht allein bist du vorangegangen und hast mir die Stätte bereitet, sondern du willst mich auch zu dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißest: Ich Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 501 will euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid wo ich bin. O wohlan, so bin ich wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist und dieses dient zu meinem Trost, Spith Daß ich stets bei dir leb' und bin. antic Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in ewiger Freude, daß ich genießen soll der himmlischen Herrlichkeit; nun soll ich meines himmlischen Vaters Wohnung ererben, aller himmlischen Güter theilhaftig werden, nun hat meine Wallfahrt ein Ende, und ich bin daheim. Ja auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und sein Antlitz schauen, welches Anschauen die allerumaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben und durch ihn ewiglich erquicket werden, und weil ich davon überzeugt bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben! Mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin nach Gottes Willen, getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille, wie Gott mir verheißen hat, der Tod ist mein Schlaf worden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen vergeben sind. Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferwecket werden. Ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten und zu meinem Jesu kommen; darum mit Freuden fahr' ich von dannen, zu Christ dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus dem Jammerthal in den Freudensaal; denn zus Trübfal und großem Leid soll ich fahren in die Freud', die kein Ohr je hat gehöret, die in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ. Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu euerm Gott; so 502 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. spreche ich auch in meinem Sterben: Ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Bater, zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Imanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja zu meinem Erlöser fahre ich erlösete Seele hin. Zu meinem Seligmacher fahre ich, der wird mich in den Himmel führen und als eine durch sein Blut gereinigte Seele zu Gnaden annehmen. Und ach wie verlanget mich, Jesum zu sehen in seiner Herrlichkeit; Jesum, den ich nie gesehen und doch lieb habe, zu umfassen. Darum Meine Arme thu' ich ausstrecken. Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu, ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmermehr zu laffen. Ich umfasse Jesum schon im Glauben, ich halte ihn, ich lasse ihn nicht, bis er mich führet in seines Vaters Haus, zur Seligfeit. Ich strecke meine Arme aus und rufe: Ja komme, Herr Jesu! Ich erinnere mich jetzt, wie mein Jesus am Stamm des Kreuzes seine beiden Arme ausgestrecket hat, und also gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte; so will ich jetzt auch sterben, mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelenbräntigam, umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welcher ſelige Eintritt wird das sein, wann ich werde also von Jesu begleitet und geführet in den Himmel eingehen! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben; denn wann ich sterbe, So schlaf' ich ein, und ruhe sein. Wenn ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich sanft. Jesus in meinem Herzen, Jesus in meinem Sinn, in Gottes Namen schlafe ich ein. O Jesu, mache mir mein letztes Ende und meinen Tod zu einem süßen und sanften Schlaf, daß ich sanft und still im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sanft schlafen bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft mun mein Leib, so ruhet auch die Seele in der ewigen Freude und Seligkeit. O eine Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 503 füße Ruhe, die Niemand verstören kann. Ich ruhe von meinem Kreuz, ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübniß, ich ruhe von allen Schmerzen. O eine selige, himmlische und stolze Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich denn nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? daraus Kein Mensch wird mich aufwecken. Todte erwecken ist ein Werk Gottes, darum auch kein Mensch für sich selbst die Kraft hat, Todte zu erwecken. Aber du mein Jesu, du bist ein wahrer Gott, die Todten aus den Gräbern herauszurufen; denn deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber dringen, und die Todten werden auferstehen. Jesu, so erwecke denn meinen Leib am frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben, damit der Leib, der dir hier gedienet, auch möge verherrlichet werden. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken und ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleische Gott sehen; meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun; Denn Jesus Christus Gottes Sohn, Also lege ich nochmals vor meinem Tode mein Glaubensbekenntniß von Jesu ab. Er ist Jesus der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus der verheißene Gesalbte; ja er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich jetzt fröhlich und selig sterben; das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht mich rein von allen Sünden. Nun derselbe Wird mir die Himmelsthür aufthun. Ach mein Jesu, wenn meine Lebensthür sich schließet, so thue mir auf die Himmelsthür. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebens- Heiligkeit nach dem Himmel getrachtet; darum. 504 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. o Jesu, thu' mir die Himmelsthür weit auf, wenn ich beschließ' meinen Lebenslauf. O Jesu, öffne mir die Himmelsthür und sprich: Ei, du fromme und getreue Seele, gehe ein zu deines Herrn Freude. Komme her du gesegnete, ererbe das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich sein, wenn du wirst mit solchen süßen Worten Mich führen zum ewigen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führet, so führe mich, o Jesu, in das ewige Leben, zum Leben, das niemals aufhöret, zur Herrlichkeit, die du mir hast erworben, zur Freude, die in Ewigkeit soll währen; so sterbe ich fröhlich. Nun bin ich bei Jesu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzet in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich von dem Glauben zum Schauen gelanget. Meinen lieben Gott von Angesicht werd' ich anschauen, dranzweifle ich nicht, in ewiger Freud' und Herrlichkeit, die mir bereit'; dir sei Lob, Preis in Ewigkeit! Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. Haltet im Gedächtniß Jesum Christum, gedenket an sein bitter Leiden und Sterben. Tröstet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen und euch jetzt als ein Kind in die ewige Herrlichkeit will aufnehmen. Tröstet euch der blutigen Wunden Jesu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen lassen. Tröstet euch seines heiligen Blutes, das er auch für eure Sünden vergossen. Tröstet euch des Beistandes des heiligen Geistes, der euch geheiliget hat. Auf diesen dreieinigen Gott lebet und sterbet selig. Amen.inspott dilua Segenswunsch über einen Sterbenden. Fahre hin, du durch Jesum Christum theuer erkaufte Seele! Fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in Jesu Christo, der dich geschaffen und geliebet hat, den du findlich gefürchtet, und dem du vertrauet hast. Fahre hin zu dem Herrn Jefu, deinem theuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden. 505 als sein Schäflein mit seinem Blut erkauft, an welchen du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiliget und zu seinem Tempel und Wohnung erkoren hat. Fahre hin aus der Eitelkeit in die Ewigkeit. Fahre hin aus dieser Pilgrimschaft ins himmlische Vaterland. Fahre hin aus dem Leid in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott; der segne deinen Ausgang und Eingang und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin, und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr erleuchte sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden! Amen. Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden. O du heiliger und gerechter Gott! so hat es dir gefallen, diesen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch einmal also sterben und die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Eitelkeiten und Sünden der Welt dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Gläubigen in deinem heiligen Wort gethan; dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe, bis an den lieben jüngsten Tag, da du alsdann Leib und Seele wiederum vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der hier gedienet, dort möge mit himmlischer Freude erfüllet werden. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübten und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand. Verlaß sie nicht und thue nicht von ihnen die Hand ab, sondern laß sie deiner Güte, Gnade, Liebe und Hülfe reichlich genießen, bis du sie auch wirst dermaleinst fröhlich und selig sterben lassen. Ach erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Fünfter Theil. Gebete bei besondern Gelegenheiten. Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Aufmuntrung. Psalm 18, V. 12. 13. 14. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze dicke Wolken, darin er verborgen war. Vom Glanz von ihm trenneten sich die Wolken mit Hagel und Blizzen. Und der Herr donnerte im Himmel und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blitzen. Zu den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltfinder pflegen geschreckt und zum Gebet erweckt zn werden, gehören auch Gewitter, wenn Gott ein schweres, mit Donner und Bligen vermischtes Ungewitter aufsteigen läffet; denn da will der freche Mund sogleich beten, nicht aus Liebe zu Gott, denn warum hat er es vorher nicht gethan? sondern aus Furcht vor der Strafe. Gläubige Christen erkennen zwar, 1) daß Donner und Blitz von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch 2) daß dieselben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Creaturen wider die bösen Menschen waffnen kann, also ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vieh zu schlagen und durch sein Blitzen Häuser, Flecken und Städte anzuzünden. Daher sollen 3) fromme Christen von dem gräulichen Fluch, da man mit Wetter und Donner fluchet, sich enthalten; hingegen 4) bei entstehendem Gewitter nicht kleinmüthig werden, erschrecken und vor Angst verzagen wollen, welches ein Zeichen eines schönen Vertrauens zu Gott ist; sondern 5) sich erinnern, daß Gott den Blitz und Donner in seinen Händen Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 507 hat und daß er sie wohl werde schützen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr mit Gebet zu Gott wenden und daraus ihr Nichts und Gottes Alles erkennen, wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verderben könnte, und demnach 7) sich vor dem majestätischen Gott fürchten und scheuen nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheinet, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu beleidigen, sonderlich aber also leben, daß man eines gnädigen Gottes sich versichern könne zu allen Zeiten und auch wenn er uns wollte in einem Wetter von der Welt nehmen. Gebet. O du starker und allmächtiger Gott, ich höre deine Stimme in den Wolken, ich sehe deine Blize leuchten und vernehme, wie dein Donner brüllet und schläget. Starkist dein Arm und groß ist deine Gewalt, und wenn du wollteft, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick, sammt allen Creaturen zu Boden schlagen. Aber ach Herr Herr, gedenke an deine Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahret Demuth meines Herzens, daß ich wohl ver 508 Der gläubige Christ betet. dienet hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbest und zerschmettertest. Aber ach du langmüthiger Gott, verschone meiner bei diesem Gewitter. Gott sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach es reuet mich und ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidiget, und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnet habe; ach ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater, daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Nöthen und Aengsten anders hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich auch zu dir, o mein Vater, und bitte dich, sei mir deinem Kinde gnädig. Ach Vater schüße mich, bedecke mich, bewahre mich; unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt, stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre. fein Strahl verlege und kein Schlag treffe. Ach Herr Jesu du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland, sei nicht fern von mir, denn Angst ist nahe; ach eile zu mir, sei mir ein starker Schuß, verlaß bei entstandenem Gewitter. 509 mich nicht und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Creaturen und Menschen verlassen, aber ach verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, und errette mich. Ich halte mich an dich o Jesu, ich berge mich in deine heiligen Wunden, ich schreie mit den Jüngern: Herr hilf uns, wir verderben. O du werther heiliger Geist, erwecke mein Herz zu Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Gewitter möge erwecket und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich hinfort Acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägest, daß ich Buße thun, mich befehren und von allen Sünden ablassen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. Oduheilige Dreieinigkeit, erbarme dich über mich und alle fromme Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand meinen Leib und mein Leben, mein Haus und Hof, bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Bliß nicht mein Haus anzünden, oder deine Donnerschläge mich verletzen; sei du mein Beistand in der Noth, denn Menschenhülfe ist kein Nüße. Ach du mächtiger Schußherr deiner Kinder, schaue 510 Der gläubige Christ betet auf mich und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Von deinem Donner regen sich die Berge, und die Erde erzittert: wie sollte ich armer Erdenwurm denn nicht vor dir erbeben! Laß mich daraus erkennen die Vergänglichkeit der Welt, wie Alles, was wir sehen, dereinst im Feuer vergehen wird, damit ich mich in Fleischesluft, Augenlust und hoffärtiges Leben nicht möge verlieben und dich damit zum Zorn reizen. Ach Herr, bewahre mich vor einem bösen schnellen Tod, laß dieses Gewitter glücklich und ohne Schaden vorübergehen. Ach Herr, wer ist dir gleich? der du so majestätiſch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckest und deckest; ach verschone meiner und laß mich auch diesesmal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! sei uns gnädig, verschone unser, lieber Herr Gott! sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott! Vor Feuer- und Wassersnoth behüte uns, lieber Herr Gott! Vor einem bösen schnellen Tod behüte uns, lieber Herr Gott! Schlag' nicht bei uns ein, frommer bei entstandenem Gewitter. Gott! fich an des Herren Jesu Tod; befiehl dem Bliße, daß er nicht ein Unglück hier bei uns anrichte. 511 Du heilige Dreieinigkeit Nimm Leib und Seel' in deine Hut, Bewahr' auch Häuser, Hab' und Gut. Verschon' uns lieber Herr und Gott, Und wende von uns diese Noth; So wollen wir zu aller Zeit Stets rühmen deine Gütigkeit Amen. Aufmunterung. Mel.: Ach was soll ich Sünder machen 2c. 1. Gott wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt, Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd' und Luft erregst, Und uns zu der Buß' bewegst. 2. Hören wir den Donner knallen, Wie er grausamlich herfährt, Und fast Stadt und Land umkehrt, Wie so harte Schläge fallen: So erzittert und erbebt Alles was auf Erden lebt. 3. Ja wir sehen deine Blizze, Wie das Feuer auf uns schießt, Und gleich Strömen uns umfließt, So daß wir erschrocken sizen, Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vor Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott. Ach hilf uns in dieser Noth! O du Helfer und Erretter, Großer Gott, erbarme dich, Sieh uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist der uns beschützt, Da es also schrecklich blitzt; Alles muß zu Grunde gehen, Wo du uns nicht selbsten deckst, Und die Hand der Hülf' ausstreckst. 6. Gott wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht, Die oft wird gering geacht't. Deine großen Allmachtswerke Zeigen Blitz und Donnerstrahl, Großer Gott, jetzt überall. 7. Treuer Vater schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schütz' uns vor des Wetters Wuth, Schau' auf uns von deinem Throne; Treuer Vater steh' uns bei, Mach' uns von der Strafe frei. ● Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluch und Brand, Daß sie Stadt und Land verstören, Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebensbefferung. 512 9. Ach sieh' nicht an unsre Sünden, Die ein Jeder hat gethan, Ach nimm uns in Gnaden an. Laß den Blitz doch nicht anzünden Uns're Häuser, Hab' und Gut, Wend' ab Feuer und Wasserfluth. 10. Ach wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie ein Donner schrecklich knallt; Ach in solchen Ungewittern Uebest du oft Straf' und Recht Ueber einen bösen Knecht. 11. Ach du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt sein; Ach willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit, Schon' uns doch zu dieser Zeit. 12. Siehe nicht an unsre Sünden, Siehe doch an Jesum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deswillen laß uns finden Hülf', Errettung, Trost und Gnad', Die er uns erworben hat. 13. Ach Herr hilf uns, wir verderben, Ach Herr hilf, verlaß uns nicht; O Gott unsre Zuversicht, Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlor'n. 14. Ach du großer Gott behüte Menschen, Viehe, Feld und Land Vor Verwüstung, Fluth und Brand, Herr, nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorübergeh'n Und uns deine Hülfe seh'n. 15. Ach bedecke unsre Früchte, Decke unsre ganze Stadt, Und das was ein Jeder hat, Mach' es nicht im Zorn zu nichte; Du bist der uns helfen kann, Ach Herr nimm dich unser an. 16. Ach Herr hör' uns doch in Gnaden, Theil' uns deinen Segen mit, Ach erhöre unsre Bitt'; Laß das Wetter uns nicht schaden; Ach wir fallen dir zu Fuß, Sieh' an unsre wahre Buß'. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns anjett befreist, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsern Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er sich auf eine Reise begibt. 513 Bater nennen, Welcher seiner Kinder schont Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wundermacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er sich von Hause auf eine Reise begibt. Aufmunterung. Psalm 121, V. 5-8. Der Herr behütet dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behütet dich vor allem Uebel, er behütet deine Seele. Der Herr behütet deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Von Hause zu reisen können einen gläubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben: theils die Berufsgeschäfte, theils die Liebe des Nächsten, theils der Zustand der Gesundheit; denn leppigkeits- und Wollustreisen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, warum ein gläubiger Christ eine Zeit lang sein. Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten, und denken wenn er von Hause reiset, daß Gott aller Orten bei ihm in fremden Landen sei, der Alles siehet und höret; daher er sich auch selbst als vor Gottes Angesicht ehrbar, züchtig, fromm und christlich aufführen soll. 2) Soll ein gläubiger Christ sich Gottes Schuß und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gesunden und graden Gliedern wiederum nach Hause bringen wolle. Denn gewiß, auf der Reise sind Viele um Leib, Leben, Gesundheit und in Unglück gekommen. 3) Soll er auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter befehlen, daß er durch seine heiligen Engel Alles in seine heilige Bewahrung nehmen, vor Feuer, Wasserfluth und Unglück inbeffen bewahren wolle. 4) Soll er bitten, daß Gott ihn alle 33 514 Der gläubige Christ betet zu Gott, das Seine und die Seinigen unverletzt und gesund wiederum wolle antreffen lassen. Gebet. 1619 Gnädiger und barmherziger Gott! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, aufeinige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen, darum komme ich zu dir, und bitte dich: Ach segne meinen Aus- und Eingang; in deinem Namen will ich die Reiſe antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten, und unter deinem Schutz wollest du mich wiederum nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß umgeben wie den Jacob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen wie bei Paulo; laß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreisen wie mit Joseph und Maria und dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück, von Dieben, Mördern und anderm Schaden befreiet bleibe. Ach du Hüter Israels, der du weder schläfft noch schlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her wie um Elisa, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät, in Wäldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israels wenn er sich auf eine Reise begibt. 515 mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reiſe; bleibe bei mir, wenn ich ruhe; wache für mich, wenn ich schlafe; ja Herr Herr, habe Acht auf mich, wo ich mich hinwende, und laß mich deiner heiligen Obhut empfohlen sein. Gib, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meinen Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabst, als er von Hause reisen sollte: Wandlevormir, und sei fromm, auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde möge vor Augen haben. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Hause und auf der Reise mich nicht lasſe des Bösen gelüften; behüte mich vor Völlerei, Uleppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Ausübung der Sünden und Schande. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause kehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüste entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich bedenke, du hörest Alles was ich rede, du siehest Alles, was ich thue, und wo ich gehe, stehe, und was ich immer thue, daß du da 33* 516 Der gläubige Christ betet zu Gott, steheft und hörest und sichest mir zu, auf daß ich nicht wider dich fündige und deinen Zorn und Ungnade auf mich ziehe. Ich befehle dir alle das Meine, das ich zu Hause hinterlasſe; bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuer- und Wassersnoth, und laß mich Alles unverstört und unversehrt wiederum antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach mein Gott, ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen, wende alle Gefahr, allen Schaden, alles Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab, laß mich sie gesund wiedersehen, sei ihr Schubherr, erhalte sie, begleite ste, bewahre sie und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft; sondern laß sie vor dir leben und deines Schußes und deiner Gnade genießen. Laß mich auch zu seiner Zeit glücklich wieder nach Hause kommen und unter deinem Schuß die Meinigen gesund wiederfinden. Ach Herr Jesu, der du unter der Gestalteines Wandersmannesmit zween Jüngern gereiset bist, sei auch bei mir auf meiner Reise und erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gib mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und fündlichen Reden uns nicht wenn' er sich auf eine Reise begibt. 517 an dir verfündigen, sondern an dich denken und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wundern, von deiner Treue und Wahrheit halten mögen. Ach mein Gott, in deinem Namen habe ich die Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinen dafür herzlich loben und preisen mein Leben lang. Sende deinen Engel vor mir her, den Weg vor mir zu bereiten; befiehl, daß er dem Satan wehre und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr, in deinen Schutz, Daß ihre List, Gewalt und Truß Mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu seh'n, Laß auf sie als auf die Deinen Deine Gnadenaugen seh'n; Führe sie doch allermeist, Großer Gott, durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr gerathen In Gefahr und Missethaten. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott, ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier; Mit dik hab' ich es angefangen, Ach weiche auch hier nicht von mir. O treuer Wächter Israel. Dir, dir befehl' ich Leib und Seel'. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr' und deinem Ruhm, Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigenthum; Begleite mich, wenn ich ausgeh', Bewahr' mich wo ich bin und steh'. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh' Und nicht auf bösen Wegen geh'. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. 4. Laß in den Reden mich erwägen, Du lieber Vater hörest zu, Und daß auf allen meinen Wegen Du Alles siehest, was ich thu'. Ach bring' mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest wo ich bin. 5. Ach lasse, großer Gott, den Meinen, Du kennest fie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Theil' ihnen deinen Segen aus. Ach laß es ihnen wohlergeh'n, Laß mich sie fröhlich wiederseh'n. 518 3 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wend' auch alles Unglück ab; Dein Gnadenflügel woll' bedecken, Die ich zurückgelassen hab'; Ach treuer Vater sie sind dein, Ach laß sie dir befohlen sein. 7. Ach wache, treuer Menschenhüter, Durch deiner guten Engel Wacht Auch über meine Hab' und Güter Und habe fleißig darauf Acht. Wend' Unglück, Wasserfluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit. Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt' zu seiner Zeit; Indessen Herr beschütze mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach theil' mir deinen Segen mit; Ach laß doch meine Bitt' geschehen, Behüte meine Schritt und Tritt'; So will ich mit der Frommen Schaar Dich preisen jetzt und immerdar. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott, ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zu Handen? Wer hilfet mir in Nöthen aus? Mein Gott, o meine Zuversicht, Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen Auf meiner guten Freunde Rath, Mit dir hab' ich es angefangen Und sprech' deshalben früh und spat: Bleib' in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott, von dir. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. 519 3. Beschere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein, Und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad' gewogen sein; Du bist mein Freund, dich halte ich, Auch in der Fremde' lieb ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht; Gedenk', daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd' sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sünd' und Schande, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremdem Lande, Herr, deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedenk', dein Angesicht Sieht was im fremden Land geschicht. 6. Gib, daß ich freche Sünder hasse Und flieh' die Häuser wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse Wo man verübet Schand' und Sünd', Gib, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd' vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubenslehr', Daß mich Nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichthum, Wollust, Glück und Ehr'; Wer dich verläugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gib mir, mein Gott, auch deinen Segen, Beschere mir mein täglich Brod; Sei stets bei mir auf meinen Wegen Und sei mein Beistand in der Noth; Laß mich in deinem Segen steh'n, Ach Vater, laß mir's wohlergeh'n. 9. Ach segne mich im Schlaf und Wachen, Ach segne meinen Schritt und Tritt, Ach segne mich in allen Sachen, Ach theil' mir deinen Segen mit; Gib mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sei. 10. Du wollest dies Gebet erhören Nach deiner großen Gütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen Jedermann, Was du mir Gutes hast gethan. 520 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Klagl. Jer. 1, V. 10. Ach Herr siehe doch, wie bange mir ist, daß mir's im Leibe wehe thut; mein Herz wallet mir in meinem Leibe. Denn ich bin hoch betrübt, draußen hat mich das Schwert und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Im 2. Cap. V. 4: Der Herr hat seinen Bogen gespannet, wie ein Feind. V. 5: Er hat vertilget alle Paläste. V. 21: Es lagen in den Gassen Knaben und Alte, meine Jungfrauen und Jünglinge sind durch's Schwert gefallen. Die drei Landplagen, womit der erzürnte Gott ganze Länder und Städte verheert und wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pestilenz Jer. 19, V. 17, welche Gott auch David vorlegte 1. Chron. 22, V. 12. Krieg ist eine schwere Strafe, denn wenn Gott seinen Schuß einem Lande entzieht, so macht sich der Feind alsbald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, sind unterschiedlich: 1) Ungehorsam Jef. 1, V. 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüsten lebt, die Furcht Gottes aus den Augen setzt B. d. Richt. 4, V. 1. C. 6, V. 1. 3) Verachtung des göttlichen Wortes, wenn man es entweder gar nicht hört, oder doch nicht darnach lebt 3. B. M. 26, V. 17. 4) Abgötterei, Richt. 2, V. 12-14, es mag auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, dahin die Uleppigkeiten, Hurereien, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehört. Wenn Gott aber dem Schwert rufet, und den Frieden wegnimmt Jer. 15, V. 6, so nimmt er auch die Kraft • Des Schwertes weg Pf. 89, V. 44, daß viel Volks und ein groß Kriegsheer keine Siege erhält; daher entsteht, daß fie müssen fliehen vor ihren Feinden, Pf. 44, V. 11, darauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes und endlich Jammer und Elend folgt. Sebet. Erzürnter Gott! wir kommen allhier mit geängstigtem Herzen und mit gebeug 521 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. ten Knieen vor dein allerheiligstes Angesicht und bejammern das Elend, worin wir durch unsere großen Sünden und deinen gerechten Zorn gekommen sind. Herr Herr, wir wohnten unter deinem Schuße sicher, uns durfte kein Schwert schrecken, da du unſerer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger wareft; wir gingen ruhig zu unsern Thoren aus und ein und genoffen die Früchte des Landes ungestört; aber nun, o großer Gott, hast du deinen Schutz und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht, er hat das Schwert gezückt, er droht, mit Verbrennen und Plündern die Städte zu verderben und unser Land einzunehmen. Was wollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir die Strafe und Ruthe der Züchtigung längstverdient haben; wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht. Da wir sollten uns erbauen und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein, so ist bei uns leider Entheiligung des Sabbaths, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bos heit mit den abscheulichsten Lastern im Schwange gegangen. Wir schämen uns, Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. erzürnter Gott, unsere Gräuel alle zu er= zählen, die ohnedem in den Himmel schreien. Ach barmherziger Gott, gedenke doch nicht unserer Miſsethaten, deren so viele sind, wie des Sandes am Meere, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit; wir haben gesündigt, Unrecht gethan, find gottlos gewesen, abtrünnig geworden und von deinen Geboten gewichen. Ach strafe uns nicht nach deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir flichen zu dem Gnadenthrone, zu Jesu Christo unserm einigen Helfer und Fürbitter. Ach siehe an sein Blut und seine Wunden. Erbarmer, erbarme dich über uns; willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, verschlingen, verbrennen, überwältigen, und es wird kein Erretter da sein. Mächtiger Schußherr der Elenden, stehe auf, daß nicht Menschen die Oberhand friegen. Du kannst uns rüsten mit Stärke zum Streit, du kannſt unter uns werfen, die sich wider uns setzen. 522 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. 523 Auf dich stehet all' unser Vertrauen und alle unsere Hoffnung in dieser großen Noth. Wenn Menschen wider dich wüthen, so legeft du Ehre ein. Ach Gott, wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns Niemand aus seiner Hand erretten könnte? Errette uns, Gott unsers Heils, und vergib uns unsere Sünden um deines Namens willen. Nimm dem Feinde den Muth, vertreibe ihn und wache über unser ganzes Land, über unsere Häuser und über unsere Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen und wende die Gefahr, darin wir schweben. Herr, dir gebühret die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße zerschlägst, und Wagen mit Feuer verbrennest. Erhöre das Schreien, o liebreicher Gott, derer, die jetzt in Gefahr stecken und in des Feindes Händen sind und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden und ausstehen. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein baldiges Ende und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. Der gläubige Christ betet in Kriegszere Ogroßer Gott, voll Treu', Weil vor dir Niemand gilt, Als dein Sohn Jesus Christ, Der deinen Zorn gestillt, So sieh' doch an die Wunden sein, Die große Angst und bitt're Pein, Um dessen Willen schone Und nicht nach Werken lohne. Amen. 524 Gesang. Mel.: Ach was soll ich Sünder machen 2c. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnoth, Die uns jetzt, erzürnter Gott, Soll vom Sündenschlaf aufwecken. Angst und Noth vermehren sich, Großer Gott, erbarme dich. 2. Ach das Schwert ist scharf gewetet, welches uns erwürgen soll, Sa der Feind ist Zornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Städt' und Länder steh'n verstöret, Es vergießet Menschenblut Diese scharfe Kriegesfluth; Man erstaunet, wenn man höret Wie die Unbarmherzigkeit Denen Alt' und Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, Alles weicht, Wer nur fliehen kann der fleucht; Sogar die verborg'ne Kammer, Thäler, Wälder, Wüstenei Ist von Feindesfurcht nicht frei. 5. Höre wie die Armen weinen, Wenn man ihnen Alles nimmt, Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammen scheinen; Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daß man kaum den Ort noch kennt. 6. Oder schrecklichen Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt. Alles macht der Feind zu nichte, Wenn du nicht, o Gott, aufwachst Und zur Hülfe dich aufmachst. 7. Ach wir fallen dir zu Fuße, Rett' uns doch aus dieser Noth, Mächtiger Herr Zebaoth, Ach wir thun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater, schon', Sieh' uns an in deinem Sohn. 8. Deffen Blut sieh' an in Gnaden, Tilg' damit die Missethat, Welche dich erzürnet hat. Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gib ihm nimmermehr den Sieg, Großer Gott, in diesem Krieg. Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. 525 9. Ach zerbrich des Feindes Waffen Und nimm ihm den stolzen Muth, Räche das vergoßne Blut, Nimm weg die verdienten Strafen; Baue was da liegt verheert, Richt' auf was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schleuß' des Jammers Pforte zu, Schenk uns nach der Trübsal Ruh'; Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. So soll, Herr, dein Lob erklingen, Es soll sagen Jedermann: Sehet das hat Gott gethan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Güt' und Gnad', Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja wir wollen hinfort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bitt'rem Schrein' Unser Herz voll Rühmens sein. Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Psalm 46, V. 9-12. Rommet her und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennet. Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin; ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jacobs ist unser Schutz, Sela. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als diese: Es ist Friede! da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser, die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu dem Ihrigen zu kommen, das Land erholt sich und grünet vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein gläubiger Christ erkennt, daß diese Gabe von oben herab komme, darum stimmt sein Herz und Mund zusammen. Er lobet Gott, 1) daß er dem Zer 526 Der gläubige Christ lobet und danket Gott stören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreit sind. Er danket Gott, 2) daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützt und nicht zum Raub in die Hände der Feinde gegeben hat. Er erkennet, 3) wie der Friede gleich sei einer Sonne, die Alles aufrichtet, gleich einem Thau, der Alles erquicket. Er bittet Gott, 4) er wolle den Frieden lassen dauerhaft werden und allen Friedensstörern selbst wehren. Er wendet 5) die Friedenszeit an nicht zur Uleppigkeit und Wollust, sondern dazu, in seinem Christenthum zuzunehmen und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Sebet. Herr, Herr, gnädig, barmherzig und von großer Güte, du haft aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserm Lande weggenommen, weil wir die guten Tage und den Frieden mißbraucht haben, weshalb ein blutiger Krieg entstanden; du haft die Feinde uns zur Strafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdienet, daß dieser Krieg uns gar verderbt hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, du hast den Königen und kriegenden Theilen Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heer= schaaren sind eins worden, das Schwert muß 527 nach erlangtem Frieden. auf deinen Befehl wiederum in die Scheide fahren, die Geflüchteten kommen wieder und wir können aus unsern Thoren wiederum ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise Jerusalem den Herrn, lobe Zion deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore und segnet deine Kinder drinnen, er schaffet deinen Grenzen Frieden. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreuet. Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in euerm Lande wohnen, ich will Frieden geben euerm Lande, daß ihr schlafet und Niemand euch schrecke und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach Herr, erhalte diesen Frieden beständig zu unsern Zeiten, erhebe über uns dein Antliß und gib uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk geleget haft. Laß unsern Frieden sein wie ein Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibt und quillet; denn du allein hältſt Frieden nach deiner gewissen Zusage. Laß Gerechtigkeit und Frieden sich immer küssen und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gib uns deinen heiligen Geist, daß wir den edeln 528 Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. Frieden nicht mißbrauchen zur Ueppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land, habe allezeit Gedanken des Friedens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. Herr Gott, dich loben wir Für deine großen Gnaden, Daß du das ganze Land Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blühen läßt Des goldnen Friedens Zier; Drum jauchze alles Volk: Herr Gott, dich loben wir. Amen. Gesang. Mel.: Nun lob' mein' Seel' den Herrn 2c. 1. Der Fried ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergoffen, Rein Land und Stadt wird mehr zerstört; Das Schwert ist eingestecket, Die Bogen losgemacht, Rein Feind, der uns erschrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut' vor Allen, Nach dieser Kriegesnoth, Ein Freudenlied erschallen Dem Herrn Herrn Zebaoth. 2. O Friede! theure Gabe, O edles Kleinod, das du bist, Dadurch nun unsre Habe Von Neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So gibt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh' in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüther Zum Frieden sind geneigt, Der treue Menschenhüter Hat uns die Gnad' erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Beleucht't die Länder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist Jedermann erfreut; Der Ackermann kehrt wieder zu seinem Ackerbau, Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au'; Die Schäflein weiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt, Und nun die Segensfülle Das ganze Land bedeckt. Der gläubige Christ betet, wenn Theurung und Hungersnoth eintritt. 529 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das Alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert, Und gleichsam von der Stelle weicht: Der Friede pflegt zu heilen Das, was da liegt verheert, Und Samen auszutheilen Dem, was da ist zerstört; Mit Luft sieht man nun bauen Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu thanen, Was unserm Geist gefällt. 5. Laß diesen Frieden dauern, O treuer Vater! lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach! habe stets Gedanken Des Friedens uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Menschen Uebermuth; Nimm wegen unsrer Sünden Uns nur den Frieden nicht, Und laß uns Gnade finden, Wann sonst dein Zorn ausbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden, Da du uns diesen Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O Gott! und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar sein; Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lastenheer, Und alle Lust besiegen Zu unsers Gottes Ehr'. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns Alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt'; Der hat dem Krieg gesteuert, Seht! das ist Gottes That, Den Frieden uns erneuert, unverdiente Gnad'! Laßt Freudenlieder klingen Dem Herrn Herrn Zebaoth, Und laßt uns Alle singen: Nun danket alle Gott! Der glänbige Christ betet, wenn Gott mit Chenrung und Hungersnoth das Land heimsucht. Aufmunterung. Ezech. 4, V. 16. Du Menschenkind, siehe ich will den Vorrath des Brods zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod essen müssen nach dem Gewicht mit Kummer, und das Wasser nach dem Maaß mit Kummer trinken. Werden zahme und wilde Thiere mit Hunger gezüchtigt, daß sie etwas lernen oder ihre wilde Art verlassen müssen, so pflegt Gott eben solchen Zaum und Gebiß den Menschen an34 530 Der gläubige Christ betet, zulegen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott locket fie lange mit Wohlthaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Buße leiten, so schicket er Hunger in's Land, entweder durch Mißwachs oder durch Krieg, oder durch Theurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man isset und nicht satt wird. Diese Strafe kommt gemeiniglich: 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten und nur auf Wohlleben bedacht sind, Jef. 5, V. 13; 2) wenn man fromme Leute und die Knechte Gottes verfolgt, Jer. 11, V. 22; 3) die Stimme der falschen Propheten gern hört, Jer. 14, V. 15. 16; 4) halsstarrig ist, Jer. 24, V.10; 5) ungehorsam bleibt, Ezech. 4, V. 16; oder 6) wenn man Gewalt gegen Geringe verübt, 2. Sam. 21, V. 1. 2. Diese Hungersnoth bringt mit sich Armuth, Elend, Verschmachten, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger effen. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, V. 11, so ist der Hunger unaussprechlich. Sebet. Gerechter Gott! der du einem Jeden gibst nach seinen Werken und läsfest Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses thun: wir kommen allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und schämen uns, daß wir uns dermaßen an dir verfündiget, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren gespeiſet, wir haben Brod die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hätten uns sollen als Liebesseile zu dir dem reichen Geber wenn Theurung und Hungersnoth eintritt. 531 ziehen und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind diese Güter zur Völlerei, zum Wohlleben und Ueberfluß mißbraucht worden, so daß die Creatur selbst über uns hat geseufzt, daß sie von den undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen ist empfangen worden. Was ist's denn Wunder, daß ein fruchtbar Land Nichts trägt um der Sünde willen derer, die darin wohnen? Du strafest uns mit Theurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte färglich gibt, daher die Theurung das Land drücket. Herr höre das Schreien der Armen, die um Brød bitten und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen daß Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllt. Es scheint, du habest den Segen von unserer Speise ge= nommen, wir effen und werden nicht satt, wir nehmen viel Speise zu uns und verschmachten fast vor Hunger, und das Vich, die unvernünftige Creatur, rufet um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach Herr, Herr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du 34* 532 Der gläubige Christ betet, uns entzogen hast. Deine Brünnlein haben Wasser die Fülle, darum suche das Land heim und wässere es; laß den Himmel die Erde erhören und erhöre du uns selbst von deinem Heiligthum. Laß die Theurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungrigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brod, so wir nad, dem Gewicht und mit Kummer täglich zr uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod leben können, sondern am meisten von dem Segenswort, das aus deinem Munde gehet, und dadurch du Kraft in unsere Speiſe legest. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllt werden, vermehre das wenige Mehl wie das der Wittwe zu Sarepta, laßden geringen Vorrath genug sein zur Erhaltung Vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allewege sein, uns damit zu nähren, denn das ist unsers Herzens Trost, unser Honig und Honigseim; wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Leben lang. Ach Herr, sieh' an die große Noth, Entzieh' uns nicht das liebe Brod, Schütt' deinen Segen aus; Du bist ja unfre Zuversicht, Drum bitten wir: Verstoß' uns nicht. Amen. wenn Theurung und Hungersnoth eintritt. 533 Gesang. Mel.: Zion flagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Mit den scharfen Theurungsruthen Machst du, o erzürnter Gott, Unser hartes Herze bluten. Ach die bitt're Hungersnoth Drohet uns den Untergang, Sie macht unsrer Seele bang, Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Noth erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel Alles drückt; Es möcht' dem sein Herze brechen, Der die Thränenfluth erblickt, Welche diese Noth auspreßt, Darin Gott uns sinken läßt; Schau', Erbarmer, auf die Armen, Vater denk an dein Erbarmen. 3. Mangel drücket Groß und Kleine, Unser Vorrath ist dahin, Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel, ruft der Arme aus, Mangel ist in's Reichen Haus, Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns Nichts ist übrig blieben. 4. Ach das machen unsre Sünden, Diese steigen himmelan, Daß man keine Hülf' kann finden, Die dem Mangel steuern kann; Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben Müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue wie die Kinder jammern: Ach wir sind ja noch nicht satt! Auf dem Feld und in den Kammern Liegen Viel' vor Hunger matt; Dort sieht man viel' Arme steh'n, Die um Brod und Hülfe fleh'n, Ja man hört das Vieh auch brüllen, Das will seinen Hunger stillen. 6. Herr, du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Brod, Und ach daher ist gekommen Diese Theurung, diese Noth; Unsre Speise sättigt nicht, Welch ein schreckliches Gericht. Hunger bleibt auch in dem Essen Und der Speis ist bald vergessen. 7. Herr, wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last, Gib uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Aecker wieder blüh'n Nach dem Säen und Bemüh'n, Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 8. Speis' uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater, so verstoß' uns nicht; Dieses wahre Lebensbrod Stärke uns in dieser Noth; Auf den fetten Seelenweiden Ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensfluth Diese Thenrungsnoth verschwinden, So wird Alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag' und alle Stund' Sprechen: Gott hat Brod und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. 534 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Aufmunterung. 5. B. Mos. 28, V. 15. 21. 22. Wenn du der Stimme des Herrn deines Gottes nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen. Der Herr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis er dich vertilge; der Herr wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Hitze, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. Wenn über die, welche Böses thun, Zorn, Trübsal und Angst soll kommen, Röm. 2, V. 8. 9, so gehören zu solcher Angst allerdings ansteckende Krankheiten und die Pest. Diese Plage kommt mehrentheils: 1) wenn die Menschen dem Worte der Warnung und Vermahnung keinen Glauben beimessen, 4. B. Mos. 14, V. 12; 2) wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dienet, Jer. 14, V. 12; 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen setzt, Jer. 24, V. 10; C. 27, V. 9; 4) die Diener Gottes verachtet, Jer. 29, V. 17; 5) wenn das Volk frech und unbändig wird, Ezech. 14, V. 19; 6) wenn Hurerei und Mord im Schwange gehet, Ezech. 33, V. 26. 27; 7) wenn keine Bußvermahnungen mehr angenommen werden, Amos 4, V. 10; 8) um Ehebruchs willen, 4. B. Mose 25, V. 9; 9) um Gotteslästerung willen, 2. B. d. Kön. 19, V. 35; 10) um Hochmuths willen, 2. Sam. 24, V. 15, auch um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißt, da ist nothwendig, daß man Buße thue, weil Der gläubige Christ betet in Bestzeiten. 535 doch der Herr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt, derhalben auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählte. Gebet. Starker und allmächtiger Gott! groß ist dein Zorngegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht lassen zur Buße leiten; du handelst eine Zeit lang mit Menschenkindern als wie ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich locket, nachmals aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, so beweisest du dich als ein strenger Richter. Dieses erfahren wir jetzt auch, gerechter Gott, wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche hervorthue, welche viele tausend Menschen dahinrafft, ſo daß fast in jedem Hause Todte sind und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Das macht dein Zorn, daß sie so verderben und dein Grimm, daß sie so plötzlich dahin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache, zu befürchten, du werdest das um sich reißende Uebel auch in unsere Grenzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott, gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor Andern sind, welche du diese scharfe Ruthe läsfest empfinden, wir 536 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. müssen vielmehr bekennen, daß wir werth sind, alle also umzukommen, wie jene. Es findet sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Worts, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja es ist fast keine Furcht Gottes imLande; die Heiligen haben abgenommen und der Gläubigen sind wenige unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen, Herr, wer wird vor dir bestehen? Ach Herr, Herr, wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suchen wir auch, Herr, dein Antliß; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; darum schuldigen wir uns und thun Buße im Staub und in der Asche. Sieh' nicht an unsre Sünden groß, sprich uns derselben aus Gnaden los, steh' uns in unserm Elend bei und mach' uns aller Strafen frei. Wir haben gesündiget mit unsern Vätern, wir haben nicht recht gehandelt und sind gottLos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führet, daß er ablaffe und sage, es sei genug. Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade werth, so sind wir ihrer Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 537 doch bedürftig; sind wir Alle Kinder des Todes, so hast du doch den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade für Recht ergehen lassen. O so schenke uns deine Gnade und das Leben, um Jesu unsers einigen Mittlers und Fürsprechers willen; erbarme dich, erbarme dich, Gott unser Erbarmer, über uns, sei uns gnädig, verschone uns, lieber Herr; sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott. Erbarmedich der Armen und Glenden, welche durch die heftige Seuche sind angegriffen und die Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubet und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Trost bei, und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geist, daß fie Kinder Gottes find, ob sie gleich an dieser Plage sterben müßten. Ach Herr, erhöre unser Gebet, schüße unser Vaterland, so wollen wir sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan; ja du kannst erretten Alle, die zu dir treten. Ach Herr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein', Beweis an uns dein' große Gnad' Und straf uns nicht auf frischer That; Wohn' uns mit deiner Güte bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. 1. Was große Angst und Herzeleid Läßt uns Gott jetzt erleben, Da wir in dieser Jammerzeit In Todesnöthen 538 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. schweben, Und fast, o schreckliches Gericht, Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben. 2. In mancher Stadt, in manchem Land Hört man von lauter Leichen, Kaum liegt der Eine in dem Sand, Muß dieser auch erbleichen; Die Todten liegen überall, Von Alten, Jungen, ihre Zahl Ist fast nicht zu erreichen. 3. Dort stirbt ein Armer und verschmacht't, Das Haus ist schon beschrieen, Ein Jeder ist darauf bedacht, Der Seuch' sich zu entziehen; Ein Andrer stirbt aus Hungersnoth. Ohn' alle Pfleg' und kann dem Tod Unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter Gott, dies läsfest du Uns hören und fast sehen, Und sprichst dabei: Kommt, sehet zu! So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missethat, Die mich zum Zorn gereizet hat, Nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja die große Sicherheit Kann Niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein Jeder läßt sich treiben Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 6. Willst du nach unserm Sündenmaaß Die scharfe Ruthe binden, Und unsre Bosheit, Neid und Haß Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch' und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach wer wird Gnade finden? 7. Ach Gott, wir fallen dir zu Fuß, Ach Bater, schone, schone! Wir thun mit Thränen herzlich Buß' Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht was wir gethan, Und sieh' uns doch in Gnaden an In Christo, deinem Sohne. 8. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen, Wir bringen hier sein Blut vor dir, Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dies heiße Blut kann doch allein Des Zornes Fluthen stillen. 9. Verleih' uns doch gesunde Luft Und schenk' uns noch das Leben, Vertreib' der gift'gen Besten Duft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herz, Geist und der Mund Dir Lob und Ruhm zu aller Stund' Mit tausend Dank erheben. Register der Gebete. Erster Theil. Erster Abschnitt. Für Gesunde. Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. Morgengebet am Sonntag. bringt den Sonntag andächtig hin erwägt den dreifachen Sabbath dankt Gott nach angehörtem göttlichen Wort Abendgebet am Sonntag Morgengebet am Montag bittet um Segen im Anfang der Woche Abendgebet am Montag. Morgengebet am Dienstag. Abendgebet am Dienstag Morgengebet am Mittwoch Abendgebet am Mittwoch Morgengebet am Donnerstag Abendgebet am Donnerstag Morgengebet am Freitag Abendgebet am Freitag. Morgengebet am Sonnabend Abendgebet am Sonnabend dankt Gott am Ende der Woche 3 weiter Abschnitt. Feft- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur heil. Adventzeit Christi Ankunft im Fleisch betrachtet die Geburt Jesu Christi betet und dankt Gott am Schluß des Jahres betet beim Anfang des neuen Jahres. betrachtet das Leiden Jesu Christi beim Anfang der zc. erwägt den Tod Jesu freut sich über die Auferstehung Christi betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi Seite 1 7 12 17 20 26 30 33 35 41 43 46 48 51 54 56 59 61 64 67 71 77 83 89 . 95 102 . 109 116 Register der Gebete. 540 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung des heil. Geistes am heil. zc. erwägt das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit betrachtet am Michaelisfeste den Schutz der heil. Engel dankt Gott nach eingesammelter Ernte Dritter Abschnitt./ Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen dankt für seine Gesundheit. bittet, Gott wolle sein Herz heiligen bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten bittet Gott um die wahre Liebe zu ihm bittet Gott um die wahre Liebe zum Nächsten Gebete um allerlei geiftliche und leibliche Wohlthaten. bittet um Sanftmuth erkennt die immerwährende Güte Gottes ● bittet um Kraft wider die Sünde. will sich Gott zum Opfer geben bittet um Frömmigkeit. bittet um ein unverletztes Gewissen erkennt, daß Gott allein das höchste Gut sei bittet Gott um Erhaltung u. Vermehrung seines Glaubens bittet um Demuth erwägt die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. beichtet und bittet Gott seine Sünden ab betet beim Genuß des heiligen Abendmahls. Gläubige Eltern beten für ihre Kinder Fromme Kinder beten für ihre Eltern • Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes tröstet sich der Liebe Gottes tröstet sich der Hülfe Gottes ● Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen will Jesu nachfolgen bittet um den heil. Geist ● . tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes erwägt die göttlichen Verheißungen ● • Zweiter Theil. Zum Gebrauch der Betrübten. · ● ● . ● Seite 123 129 136 142 149 154 158 162 167 171 176 180 184 190 195 199 203 209 215 219 223 227 232 238 243 248 252 256 262 266 270 274 278 Register der Gebete. Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Kreuz bittet um Geduld und Stärke. bittet um Abnehmung der Trübsal erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus Verlassene Waisen flagen Gott ihre Noth Der Betrübte flagt über seinen schwachen Glauben. ● Der Betrübte flagt über fündliche Gedanken. Klagen über lästerliche Gedanken Gebet gegen lästerliche Gedanken Morgengebet eines Kranken Abendgebet eines Kranken Der Kranke · Dritter Theil. Zum Gebrauch der Kranken. bittet Gott um Geduld bittet um Gottes Beistand. erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. ergibt sich dem Willen Gottes. erkennt, daß das Kreuz von Gott kommt' erkennt den Nutzen der Krankheit. segt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht erinnert sich seines Taufbundes gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes will seine Leiden ohne Murren tragen schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls an bittet Gott um Vergebung der Sünden.. betet vor dem Genuß des heil. Abendmahls. betet nach dem Genuß des heil. Abendmahls betet, wenn er Arznei gebraucht bittet um Linderung der Schmerzen seufzt, Gott wolle ihn nicht verlaffen erinnert sich seines Todes ● ● betrachtet Grab und Auferstehung dankt Gott nach wieder erlangter Gesundheit ● ● stellt sich vor das göttliche Gericht verzeiht und bittet um Verzeihung nimmt Abschied und segnet die Seinigen. . ● ● • ● ● ●• ● ● ● ● ● ● • . ● 541 Seite 282 286 290 295 299 305 311 315 321 322 325 329 334 339 343 347 351 355 360 364 369 373 Vierter Theil. Zum Gebrauch der Sterbenden und derer, welche um dieselben find. Der Sterbende 377 381 385 390 394 398 402 407 412 417 423 428 433 542 Der Sterbende befiehlt sich Gott stellt eine Himmelsbetrachtung an Register der Gefänge. erwägt die Verheißungen Gottes betrachtet die Himmels- Freude und Gesellschaft. tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. will auf Jesum Christum sterben. bittet um ein seliges Ende. Gebet der Umstehenden für Sterbende Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden 2c. Seufzer und Gebete eines Sterbenden Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. • Fünfter Theil. Gebete bei besonderen Gelegenheiten. Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter betet zu Gott, wenn er sich auf eine Reise begibt Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält Der gläubige Christ Segenswunsch über einen Sterbenden 504 Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden ist 505 betet in Kriegszeiten lobt und dankt Gott nach erlangtem Frieden ● betet, wenn Gott mit Theurung und Hungersnoth zc. betet in Pestzeiten Register der Gefänge. Ach daß sich doch Gottes Liebe Ach geh' nicht in's Gericht Ach Herr stärke meinen Glauben. Ach komm doch in mein Herze Ach mein Gott hilf mir doch Ach wie lang' soll ich noch kämpfen Ach wo ist nun mein Gott Aufgelöset bald zu werden. Das Pfingstfest freuet mich Demuth ist die schönste Tugend . W Der Engel goldnes Heer. Der Fried' ist nun geschlossen Der Sonntag ist des Herren Tag Die Ernt' ist nun geschehen Die Nacht ist nun vergangen. Du hast, o großer Gott ♦ ● ● ● Seite 437 441 446 449 454 458 462 467 470 489 . 504 ● . 506 513 518 520 525 529 534 170 205 183 260 402 337 265 466 128 189 141 528 15 148 11 237 Du willst, o lieber Chrift Ein Gotteskind zu sein Es bricht der Sabbath an Es stirbt mein liebster Freund Register der Gesänge. Geht dir's wohl nach deinem Leiden. Gott Lob, das neue Jahr tritt ein Gottes Liebe, Gnad' und Güte Gott wir hören deine Stimme Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden Hat mich Gott denn gar verlassen Hier ist gut sein! also sagen. Hier ist Imanuel Ich armer Sünder komme wieder Ich bin getauft, und steh' im Bunde Ich freue mich auf meinen Tod Ich gebe mich in Gottes Willen. ● Ich glaub' an Gott, von dem wir alle lesen. Ich klage dir, o Gott. Ich lege mich in Jesu Wunden Ich liege hier vor dir. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe ● Ich sterbe gern, warum sollt' ich. 3ch trage mein Kreuz nicht alleine Ich will anjezzo mich Ich will die neue Woch' Ich will von der Welt ausgehen. Ich will, o großer Gott Ich will mich nach der Ruh' umsehen Ich will was Jesus will. Ich will Jedermann verzeihen ● Ich will mit frohem Muth Jesus bleibet meine Freude Jesus fähret auf gen Himmel Jesus lebt, des freu' ich mich Ihr Todten, stehet auf. Ihr Waisen, weinet nicht. Ihr Wittwen, seid getrost. In Gott bin ich immer fröhlich ● ● ● Ist denn die Liebe gar Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich Ist mein Gewissen frei Kommt laßt uns Christi Todestag begehen. . ● 543 Seite 251 354 19 100 157 94 198 511 376 273 445 76 384 367 457 285 135 321 29 322 416 449 406 380 36 218 242 333 346 432 462 255 121 115 427 310 304 179 175 372 231 108 Register der Gesänge. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen Lasset doch den weisen Gott Mein allergrößter Fleiß auf Erden Mein Gott, ich bin in fremden Landen Mein Gott, ich bin von Haus gegangen Mein Gott, ich habe noch das Leben Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen 544 Mein Gott, verzieh' doch nicht Mein Gott, verlass' mich nicht Mein Jesu sei gepreiset Mein Stündlein nahet sich heran Mein Vater, denk an mich Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben Mit den scharfen Theurungsruthen. Nun die Woche ist verflossen Nun ist meine Seel' gespeiset O allerliebstes Seelenpfand O Jesu meiner Seele Licht O welch ein Freudenfest Schauet doch das bittre Leiden Sieh' doch, wie mein Feind mich schmähet. Sieh' es ist alles mein Sieh' es ist Gottes Segen Soll ohne Heiligung ● Unter meinem Schmerz und Weinen Vater gib mir auch die Gabe Wann kommt mein Jesus doch Wann wird Gottes Stunde kommen Wann wird mich mein Gott erhören Was für Jammer, was für Schrecken Was große Angst und Herzeleid. Was soll ich Sünder nun anfangen Weichet, weichet nur von mir Welche füße Himmelsfreude. Wer du will als ein frommer Christ Wer Gotte. Wort anhört. Wer in Kreuz 1d Trübsal stecket ↓ Wer nicht wieder in geboren. Wie ist mein Herz erfreut. Wie kann ich doch genugsam preisen Wie lieblich ist dein Wort Wie sind wir so gar nichts Wohl dem, der Gott vertraut · . . ● ● Seite 359 363 226 518 517 440 222 289 342 214 436 153 269 533 70 393 389 211 82 101 194 202 146 161 328 165 298 281 294 524 537 208 324 452 411 25 397 247 88 421 6 346 277 Tägliches Gebet- Büchlein für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen enthaltend Morgen- und Abend- Gebete, Aufmunterungen, Troft- und Erquickungs- Andachten und Gesänge so wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, welche in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen sind. Erinnerungs- und Troft- Gebete und Gesänge für Unfruchtbare. Bur Ehre Gottes und Erbauung der christlichen Gemeinde, als den fünften und sechsten Theil des täglichen Sandbuchs. Herausgegeben. von Johann Friedrich Stark, Evang. Prediger zu Frankfurt a. M. Vorrede an den geneigten und Gott liebenden Leser. Ist je ein Werk, an welchem man Gottes Allmacht und Weisheit augenscheinlich erkennen kann, so ist es die Empfängniß, das Heranwachsen und die Erhaltung eines Kindes im Mutterleibe, und sodann die Geburt desselben. Hier mag die kluge Vernunft fragen und grübeln: Wie geht dies zu? und sie wird doch nichts davon zu sagen wissen, wenn sie nicht mit der heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht Gott allein zuschreibt; und also thut Gott alle Tage neue herrliche und unbegreifliche Wunderwerke, wenn er ein Kind im Verborgenen bildet, erhält, ihm Leib und Leben gibt, sodann die verschlossenen Bande öffnet und es an's Licht bringt, ja, auch nachher ihm zum Besten in der Mutter Natur so wirkt, daß ihre Speise und ihr Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süßze Milch verwandelt wird. Wenn David die Seele in heiliger Betrachtung vorstellt, so dankt er Gott dafür, wenn er spricht: Ich danke dir dafür, daß ich wunderbarlich gemacht bin. Wunderbarlich sind deine Werke und das erkennet meine Seele wohl. Er waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erden, Psalm 139, V. 14. 15. Freilich macht der wunderbare Gott alles wunderbarlich, über Alles was wir wissen und verstehen. Wenn Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung des Menschen erwägt, so spricht er: Deine Hände haben mich gearbeitet, und gemacht Alles was ich um und bei mir habe. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast du mich nicht wie Milch gemolken und wie Käse lassen gerinnen? Du hast mir 35* 548 Vorrede. Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammen gefügt, Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem, Hiob 10, V. 10. 11. 12. Wenn wir diese und andere Stellen der heiligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werk Gott ein verborgener Gott, der Etwas aus Nichts macht, und stellt es dem Menschen zur Betrachtung und zur Verwunderung dar, damit er daraus Gottes Allmacht und Weisheit lerne. Beweist aber Gott seine Weisheit und Allmacht in der Bildung des Menschen im Verborgenen, so leuchtet dieselbe noch herrlicher in der Geburt hervor; denn die kann kein Mensch befördern und glücklich machen, als Gott allein. Es geht aber mit diesem Werke des großen Gottes, wie mit andern göttlichen Werken und Wohlthaten; weil sie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da uns doch deren Betrachtung zu Gott erheben sollte, so daß man jetzt fast nicht einmal mehr Gott bei der Geburt eines Menschen preist, sondern es heißt meistentheils: Die Frau liegt im Kindbett; sie hat wieder ein Kind geboren, und was dergleichen kurze verächtliche Redensarten mehr sind. Gewiß wenn alle 25 Jahre der mit goldenen Sternen gezierte Himmel nur einmal erschiene, wie würden wir nicht in der Nacht, wo solches vorginge, wachen, die Herrlichkeit betrachten, unsere Hände und Herz zu Gott erheben und uns freuen, Gott loben und preisen! so aber, da es öfters geschieht, denkt fast Niemand an Gott. Ebenso geht es auch mit der Geringachtung der Werke Gottes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Daher sagt auch Luther: ,, Wenn Gott ,, seine Gaben auszutheilen und zu geben färger wäre, so würden ,, wir ihm viel dankbarer sein. Wenn er einen Menschen nur ,, ließe mit einem Bein oder Fuße geboren werden, und gäbe ihm hernach im siebenten Jahre das andere Bein, im vierzehnten Jahre erst eine Hand, und im zwanzigsten die andere, so würden ,, wir Gottes Gaben und Wohlthaten beffer erkennen, auch viel lieber und werther haben."( Bis hierher Luther.) 11 Gottesfürchtige Ehefrauen und wahre Christen preisen Gott, wenn sie von der Geburt eines Kindes hören; sie beten Vorrede. 549 und seufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werke begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne Gottes Gnade, Hülfe und Beistand kein Kind geboren werden kann. Ja man sieht es zuweilen, wenn Gott seine Hand ein wenig zurückhält, wenn er sein Angesicht verbirgt, seine Hülfe verzeucht, wie die Noth so groß ist und wie die Umstehenden erblaffen, zu Gott rufen und sagen: Hier kann kein Mensch helfen, hier muß Gott helfen. Als ich denn nun vor drei Jahren ein tägliches Handbuch für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende herausgegeben hatte, so ist mir bald hernach von Angehörigen des weiblichen Geschlechtes mitgetheilt worden, daß ich des Zustandes der Schwangern, Gebärenden und Kindbetterinnen nicht gedacht. habe, da doch dieselben auch Trost und Unterricht nöthig haben; und gewiß ist es daher, daß bei diesen Umständen das Gebet und Rufen zu Gott eines der heilsamsten Mittel zu einer glücklichen Geburt ist. Denn fängt die Schwangerschaft an, so muß ja um Abwendung der Gefahren, des Schadens, um Verleihung des göttlichen Beistandes gebeten werden. Nahen sich die Nöthen herbei, so ist das Gebet und Flehen zu Gott der beste Anter, an dem sich die durch Schmerzen- Fluthen geängsteten Seelen halten. Ist die Entbindung geschehen und man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, der Fürbitte und Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Stand ist nun dieses Gebetbüchlein eingerichtet, in welchem die Aufmunterungen den Ehefrauen nützliche Erinnerungen mittheilen, das Gebet ihr Anliegen Gott vorträgt, und sodann ein Gesang die Andacht beschließt. Zu den Sprüchen und Gebeten habe ich auch diejenigen angeführt, welche mir von einigen christlichen Frauen zur Hand gegeben worden sind, und die sie in dergleichen Fällen für erbaulich und erquickend schön gefunden haben. Da aber der Ehestand einiger Personen unfruchtbar ist, welche also dieser Gebete und Unterricht nicht bedürfen, so habe ich auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und einen Trost sammt einem Gebete und Gesang angehängt, damit sie auch in diesem Fall Gottes Willen sich geben, in Gott fich erfreuen, und auch in diesem Stand im Vertrauen und in Vorrede. Zuversicht auf die göttliche Liebe, Gnade und Hülfe erhalten werden mögen. 550 Du aber, o heiliger, starker Gott, sei der Schwangern Beistand, der Gebärenden Helfer, der Sechswöchnerinnen Schutzherr, der Unfruchtbaren Trost und Zuversicht. Erquicke die Schwangern durch deine Stärke, erhalte sie durch eine fröhliche Entbindung, und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfandes. Beschütze die Sechswöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre sie vor allem Unfall, und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus- und Kirchengang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfruchtbaren, damit sie in deinen heiligen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch die Arbeit zur Verherrlichung deines großen Namens und zur Erbauung vieler Seelen, damit alle Leserinnen dadurch ermuntert, erquickt und aufgerichtet werden mögen; das thue durch deine Kraft um Jesu Christi willen. Amen. Andachten für Schwangere. Die Schwangere spricht ihr Morgen- Gebet. Aufmunterung. Ein jeder wahre Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schuße und der göttlichen Gnade empfehlen, daß Gott seinen Leib und seine Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Soll nun ein jeder Mensch in die Obhut Gottes sich empfehlen, wie vielmehr sollen es Schwangere thun. Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) Er wolle den Tag über sie in guten und heiligen Gedanken erhalten, damit sie an Gott denken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben und mit ihm umgehen mögen. 2) Sie sollen Gott auch ihr Leben und ihre Glieder empfehlen, daß Gott ihre Tritte bewahren und sie vor gefährlichen Fällen und anderem Unglück behüten wolle. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Obsicht Gottes empfehlen, damit sie wachse, gestärkt, wohl gebildet und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllt werden möge. 4) Besonders aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht Alles übel nehmen, nicht Alles genau untersuchen oder sich über Alles erzürnen, damit sie nicht über ihrem Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfand Unglück, Krankheit und gar den Tod verursachen. Wenn sie sich so der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seinem Engel über fie befehlen werde, der sie auf allen ihren Wegen behüten wird. Morgen- Gebet. Herr Gott Vater, was du erschaffen haft, Herr Gott Sohn, was du erlöset hast, Herr 552 Die Schwangere spricht ihr Morgen- Gebet. Gott heiliger Geist, was du geheiliget haft, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit! Amen. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, der du selbst das Licht bist, bei welchem kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß ſtattfindet, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser finstern Nacht ſo gnädig bewahrt, und mich dieses fröhliche Morgenlicht wieder haft erblicken laſſen. O du Licht meiner Seele, gib auch an diesem Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, im Vertrauen und in der Hoffnung gestärkt werde. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich denken, in dir mich erfreuen und deiner Gnade mich getrösten möge. Gib, daß ich an diesem Tag nicht vorsäßlich gegen dich fündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene und vor dir wandle. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart mit den Gedanken vor Augen, damit ich dadurch desto mehr aufgemuntert werden möge, in der Heiligung fort zufahren und dich nicht zu beleidigen. Ich Die Schwangere spricht ihr Morgen- Gebet. 553 befehle dir Leib und Leben, Schritte und Tritte. Du hast mich jetzt, o du Gott aller Güte und Gnade, in einen besonderen Zustand gesetzt, in dem ich deines besondern Schußes und Beistandes benöthigt bin. Darum bitte und flehe ich demüthig: O du Schußherr deiner Kinder, behüte meinen Ausgang und Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deine Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stärke mich, erhalte mich. Wende ab von mir Alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn, und laß mich den Abend wieder unter deinem Schußeerleben. Nunder Herrsegue mich und behüte mich, der Herr laffe sein Angesicht leuchten über mich und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe Jesu decke mich, und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit. Ach segne mich im Schlaf und Wachen, Ach segne meinen Schritt und Tritt, Ach segne mich in allen Sachen 554 Die Schwangere spricht ihr Morgen- Gebet. Und theil' mir deinen Segen mit; Laß mich gesegnet sein von dir, Und nimm den Segen nicht von mir. Amen. Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele! 1. Ich erblick' die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin; Ich erblick auch meine Wonne, Jesus ist mir schon im Sinn; Mit ihm hab' ich hingebracht Die vergang'ne finst're Nacht; Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich voll Freude machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen Mit dir, Jesu meine Freud'; Beten, Loben, Danken, Singen Soll sein meine Arbeit heut'; Jesus du mein Trost, mein Ruhm, Meiner Seele Eigenthum, Du kommst nicht aus meiner Seelen, Dir will ich mich anempfehlen. 3. Ach regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab, Ach behüte meine Schritte, Stärke die verborg'ne Gab', Ich empfehl' dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht. Ach Herr, laß sie vof dir leben, Du wollst ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei; Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir sei; Wenn ich gleite, halte mich, Sieh', ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollst du mich mein Herr bewahren. 5. Laffe sein mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitterkeit, Daß mein Geist, Gemüth und Wille Bleibe in der Frömmigkeit; Jesu, o mein Trost und Schild, Laß dein lieblich Jesus- Bild Immer mir vor Augen schweben, In dem was ich will, anheben. 6. Jesus bleibt mir in Gedanken, Jesus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein wo ich auch bin. Meinen Jesum laff' ich nicht, Jesus meiner Seele Licht Ist bei mir auf meinen Wegen Und ertheilet mir den Segen. 7. Hat denn, Jesus, dein Begleiten Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Händ' ausbreiten Nun bei angebroch'ner Nacht; Ich will danken deiner Treu', Welche Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. 555 alle Morgen neu, Und mit Beten, Danken, Flehen Mit dir auch zu Bette gehen. Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. Aufmunterung. O welch' eine große Wohlthat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben läßt, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welch' herrliche Ruhe ist das, wenn man im Frieden mit Gott, im Frieden mit seinem Gewissen, im leiblichen Frieden und Vergnügen sich zu Bette begibt, da kann der Mensch zum Lobe des dreieinigen Gottes sagen: Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich! Schläft er sodann mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Munde ein, so wird die nöthige Nachtruhe auch von Gott gesegnet sein. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, ihre Augen und ihren Mund zu Gott erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben; sie sollen Gott für ihre Erhaltung, für seinen Schutz und seine Gnade danken, und sollen sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Sie sollen Gott anrufen, er wolle 1) allerlei Schrecken und alles Unglück abwenden, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangern öfters in die größte Gefahr gesetzt werden können. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Erwolle seine Segenshand über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet sein laffen. Abend- Gebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott, ich erscheine hier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. Herr, wietheuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Ja unter dem Schatten deiner Flügel bin ich 556 Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. heute aus- und eingegangen; unter demſelben bin ich bewahrt worden; kein Unfall hat mich berührt, sondern ich habe nunmehr den Abend gesund erreicht. Gelobt sei die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als sein Kind auf seinen Armen getragen hat. Gelobt sei Jesus Christus mein Heiland, der mich an ſeiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Gelobt sei Gott der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ift. O duheilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, bleibe auch in dieser Nacht bei mir. Breite deine Güte, Herr Herr, über die, so dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall; laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wennicherwache, ich dennoch bei dir sei. Siehe ich weiß keinen Helfer, als nur allein dich, du Gott Israel! Laß deine Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und dem, das du mir aus Gnaden verliehen haft, nichts schädlich sein könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnöthigen Sorgen, alle bösen Gedanken und falschen Vorstellungen; treibe von meinem Bette und von meinem Hause Alles, was mir Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. 557 Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich nun in die Arme meines Gottes nieder; ich schlafe in den Armen meines Jesu; ſeine Linke ist unter meinem Haupte, und seine Rechte decket mich. Odumein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, sei und bleibe bei mir. Du dreieiniger Gott bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja mir grauet vor nichts, weil Gott bei mir ist; ich fürchte mich nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ist's finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furchteinfinden, der heilige Geistiftmein Trostund Beistand. Laß diese Nachtglücklich unter deinem Schußzevorübergehen, damitich errettet, beglückt, bewahrt, erhalten, die liebe Sonne erblicken möge! Da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir für Alles danken, was du Gutes an mir gethan haft. So oft die Nacht mein' Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So vielmal sich mein Herz bewegt, Soll dies sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall' Möcht rufen überall: O Jesu, Jesu, du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. So will ich dann nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen; Dein' Aufsicht soll die Decke sein, Mein Lager dein Erbarmen, Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fließt Und dein'n Geist in mein Herz eingießt. Amen. 558 Die Schwangere spricht ihr Abend- Gebet. Gesang. Mel.: Werde munter mein Gemüthe! 1. Sieh' die Sonn' will von uns gehen, Jesu, geh' doch nicht von mir. In der Noth will er auch stehen Bei mir an dem Bette hier; O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht Jesu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Drum will ich mich ganz ergeben, Jesu, deiner Treu' und Gnad'; Ach erhalte mir mein Leben, Und was mir geschenket hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das verborg'ne Pfand; Auf das laß den Segen fließen Und mich deinen Schutz genießen. 3. Sieh' hier bin ich, Menschenhüter, Ach behüt' mich vor Gefahr, Schütz' die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar, Wenn ich schlaf, so wache du, Decke du mich selbsten zu, Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Ich leg' mich in Jesu Armen, Ich leg' mich in Jeſu Schooß; O wie groß ist sein Erbarmen, Seine Liebe ist sehr groß; Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb' verläßt mich nicht; So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun mit Jesn will ich schließen Meine müden Augen zu; Jesu, ach laß mich genießen Eine sanft und süße Ruh', Segne mich und auch mein Kind, Und auch die, so um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, Herr, bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausgeschlafen had, Laß mich einstens fröhlich sehen Die noch jetzt verborg'ne Gab', Wenn ich gehe aus und ein, Laß mich dir befohlen sein; Laß kein Unglück, Herr, aus Gnaden Mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg' mich mit Jesu nieder, Mit ihm steh' ich wieder auf, Und sing' alsdann Freuden- Lieder Und vollführe meinen Lauf; Jesu ich befehl' mich dir, Jesu weiche nicht von mir, So sprech' ich in Jesu Namen Nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. 559 Aufmunterung. Wenn Gott eine Ehefrau den Ehesegen empfinden läßt, so will sie sich herzlich darüber erfreuen und Gott dafür danken, aber sie soll sich auch vorstellen: 1) daß in diesem Stande sich viele Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden; 2) kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so soll sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sei, der sie als sein Kind nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater erbarmt über seine Kinder, so erbarmt sich der Herr über die so ihn fürchten. Sie soll sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihr wird Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihr angefangen hat. Sollte es ihr bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meint, sie könne es nicht aushalten, so soll sie sich erinnern, daß bei Gott nichts unmöglich ist; und wenn er ein Wort spricht, so müssen sich die stolzen Wellen und Schmerzen des Leidens und der Beschwerlichkeit legen. 3) Sollten aber die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Vertrauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern sie soll gedenken, Gott habe ihre Stunde schon bestimmt, da er wieder helfen will. 4) Sprecht ihr aber: Es laffen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antwortete ich: Gott hat einem Jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Erempel von Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie auch viele Erempel derer, welche glücklich entbunden und fröhliche Mütter geworden sind; ja deren Anzahl ist ungemein größer, die der Herr erlöset und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in diesem Stande gestorben sind. Der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir auch helfen und mir auch beistehen, und darauf verlaßt euch von Grund eurer Seele! Widersprecht allen zweifelhaften Gedanken, und schaut hingegen auf die mächtige und starke Hand Gottes. 5) Auch sollen sich Schwangere fassen, daß sie nicht durch Zorn und Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. Eigensinn sich selbst den Tod bringen; denn weil ihnen in diesem Stande Alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutſamer auf sich Acht geben. Es ist an vielen schwangern Frauen gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaftig und empfindlich sind, alle Schritte und Tritte, so die Ihrigen thun, sind ihnen nicht recht; sie erzürnen sich über Alles; keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht; da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten; ja ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem verbitterten Gemüth wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie nicht schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die so ein widerspenstiges Gemüth haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. 6) Weil christliche Ehefrauen gerne in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann um so mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem Herrn Jesu zu überbringen, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. 560 Gebet. Heiliger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vorzubringen. Du haft, o großer Gott, mir den Ehesegen jetzt widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, und ich bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anblick. Weil du aber, o gerechter Gott, auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach gelegt haft, so nehme ich denſelben unter deinem Beistand willig auf. Kommen demnach betrübte Stunden, Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. 561 schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, Herr mein Gott, so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht alle meine Leiden lindern; du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger Gott. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja fast unerträglich werden, so will ich doch darum nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott, mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen kann. Wenn ich seufze: Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir, so gedenke doch an deine Hülfsstunde, und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott, deine Allmacht vor Augen, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa Andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheiten ausstehen, ja gar der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüthe und Gedächtniß eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viel hundert Schwangere 36 Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. glücklich entbunden werden. Hilf mir in der Geburtsstunde und erfreue mich mit einem gesunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber beschlossen haben, mir in diesem Stande meines Lebens- Ende zu bescheeren, Herr, so geschehe dein Wille. Gib mir aber, o mein Gott, indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gib mir einen stillen und sanften Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Lebens und des Gemüths ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne und meine Traurigkeit in Freuden verkehren. Nun Herr mein Gott, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, erbarme dich meiner nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade. Amen. 562 ― Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. 563 Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. Gesang. Mel.: Zion flagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Er soll immer bei mir sein; Auf ihn will ich allzeit sehen, Wenn ich gehe aus und ein; Ohne ihn geh' ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus; Ich kann nicht mehr ohn' ihn leben, Nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll stets an ihn denken; Gott ist der mein Herz erfüllt, Ich will es in ihn versenken, Es soll sein mit Gott umhüllt; Seht, ich denke nun nicht mehr, Gott ist der Gedanken Herr, Gott ist alles mir in allen; Ohn' ihn kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen; Gott im Herzen, Gott im Mund; Mein Mund soll davon ausbrechen Was da liegt im Herzensgrund; Was mein Mund nun immer spricht, Ist zu Gottes Ruhm gericht't: Gott im Herzen, Gott in Worten, Von Gott sprech' ich aller Orten. 4. Mein Aug' soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find' ich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Thränenthal; Wo mein Auge nur blickt hin, Da ist Gott in meinem Sinn; Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit und Geschäften, Da vergeß' ich Gottes nicht; Arbeit' ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch im Gesicht, So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht; Ohne Gott kann ich nichts machen, Er muß sein bei allen Sachen. 6. Eff' ich, so will ich empfangen Von ihm alle meine Speis', Trink' ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis Dieses Alles mir gedeih', Und daß er stets bei mir sei, Und mir Speis und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 7. Will ich mich zu Bette legen, los, So ertheilt er mir den Segen, Wenn ich bin der Arbeit Und ich ruh' in seinem 36* 564 Die Schwangere erwägt Schooß; Ich schlaf' in ihm sanfte ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah' zu mir machet Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh' ich mit Gott wieder auf; Mein Berlangen, Sehnen, Sorgen Ist, daß ich den Lebenslauf Mit Gott führ', und daß kein Tritt, Ja kein Wort, kein' That und Schritt Seie meinem Gott zuwider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nichts abtreiben, Elend, Jammer, Kreuz und Leid; Dieser Umgang soll auch bleiben Hier und dort in Ewigkeit; Leben scheid't mich nicht von Gott, Keine Trübfal, Angst und Noth, Weil mich Gott nicht kann verlassen, So lang' ich ihn werd' umfassen. 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, Wenn zerreißt das Lebensband; Warum sollt' ich das nicht wissen? Hat er doch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will beglücken ewiglich, Ja mir auch nach diesem Leben Dort die Himmels- Krone geben. 11. Ich werd' auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort im Himmelsglanz Werd' vor seinem Throne stehen, Und von ihm durchstrahlet ganz Werde gleich den Engeln sein, Ganz verkläret, hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die gold'ne Sonne. Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie Gott den Ehestand selbst eingesetzt und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, und zu unsern ersten Eltern in dem Paradiese sprach: Seid fruchtbar und mehret euch, also hat auch eine gottselige Ehefrau fich in Gott zu erfreuen, wenn sie solche Fruchtbarkeit vermerkt. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, welche Gabe er etlichen gibt, andern aber versagt, damit die Menschen ihren Gott wohlgefälligen Stand. 565 nicht etwas möchten ihrer Kraft zuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspürt, so soll sie bedenken, Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie es dorten von Sara und Rahel heißt: Und der Herr gedachte an Sara, der Herr gedachte an Rahel. 3) Hierauf nun soll sie sich zufrieden geben, Gott danken und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen ertheilt. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwerlichkeiten ein, so soll sie gedenken, daß Gott sie zu diesem Stande verordnet habe, aber daß er darum fie nicht verlassen wolle, sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn setzen solle, da sie dann empfinden wird, wie der Herr Alles Herrlich machen wird. 5) Sie soll zu dem Ende im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jesu und wahren Frömmigkeit verharren und versichert sein, sie stehe in einem seligen und einem Gott wohlgefälligen Zustand, darin sie sich des Beistandes und der Hülfe Gottes getrösten könne. Gebet. O du liebreicher Gott und Vater, wie kann ich genugsam deine Vater- Treue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und geſetzt hast. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetzt sei. Du weißt, Herr, daß ich feines Mannes begehrt habe aus Leichtfertigkeit, und meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu 566 Die Schwangere erwägt nehmen habe ich gewilligt in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zur Ehre. Da du denn auch in Gnaden an mich gedacht und eine Frucht des Leibes mirbescheert hast, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren. Sei in diesem Stande mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre. Sei in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schüßze, begleite und bewahre. Sei in diesem Stande mein Trost, meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte, der mich erfreue, wenn ich betrübt bin, der mich erquicke, wenn ich mattbin. Sei in diesem Standemein Helfer, der mich versichere: ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Sei in diesem Stande mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeit einfinden sollten. Sei in dieſem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde und mich erfreue. Sei in diesem Stande, o du himmlischer Vater, meine Stärke; ach trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sei in diesem Stande, o Jesu, mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete, und mein ihren Gott wohlgefälligen Stand. 567 schwaches und zuweilen unter vielen Schmerzen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sei in diesem Stande mein Tröster, o Gott heiliger Geist, der mich tröste, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes ſei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hülfe versichere. Ja du dreieiniger Gott, sei mit mir in dieſem Stande, so werde ich wohl beglückt, beschüßt, bewahrt und errettet bleiben. Herr Jesu, leite meinen Gang, Daß ich forthin mein Lebenlang Nach deinem Willen walle; Behüte mir mein' Seel' und Leib, Mich selbst in deine Hände schreib', Damit ich ja nicht falle. Ach gib, Mein Lieb', Deine Wunden Alle Stunden zu betrachten Und die Welt für nichts zu achten. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. Wie hat der große Gott doch mich In Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein gläubig's Flehen, So daß mein höchst erfreut Gemüth Erkennet seine Wunder- Güt', Dafür sei Gott gepriesen. 2. Ist's nicht mein Schöpfer, der da hat Mir Leib und Seel' gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad' Das mir geschenkte Leben? Ja was ich habe in der Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit, Dafür sei Gott gepriesen. 3. Es hat mich Jesu theures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich auch stets erquicken, Ja dieses Blut, das macht mich rein, Darinnen werd' ich selig sein, Dafür sei Gott gepriesen. 4. Es ist mir auch der heil'ge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich führt 568 Die Schwangere dankt Gott im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus, Er treibet alle Sünd' hinaus, Dafür sei Gott gepriesen. 5. Er theilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen; Er segnet meinen Schritt und Tritt In allen meinen Wegen, Ja was ich mit Gott immer thu', Da fließet lauter Segen zu, Dafür sei Gott gepriesen. 6. Sollt' Leiden, Angst und Schmerzenswuth Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübfalsfluth Mir doch zur Seite stehen; Er hilft, wenn Niemand helfen kann; Er ist mein Trost und Helfersmann, Dafür sei Gott gepriesen. 7. Ach wie hat er so väterlich Bishero mich geleitet, Und seine Gnade über mich Die Flügel ausgebreitet. So leb' ich dann in seiner Huth, Und habe in Gott frohen Muth, Dafür sei Gott gepriesen. 8. Ja wie kann doch mein schwacher Mund Die Wohlthat hier erzählen; Viel Gutes thut er jede Stund' Dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich Ja er versorgt mich mildiglich, Dafür sei Gott gepriesen. 9. Und was für frohe Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich in jener Ewigkeit Bei ihm mög' ewig leben; D'rum wenn ich sterb', so sterb' ich nicht; Ich komm' zu Gott, zur Freud', zum Licht, Dafür sei Gott gepriesen. Die Schwangere dankt Gott für ihre Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Wenn eine gottselige Ehefrau die Fruchtbarkeit merkt, so soll sie 1) Gott dafür danken und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr auch nun ertheilt. 2) Hierauf soll sie behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmuth und christlichen Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtliche Geschäfte, vorwitziges Tragen und Heben, bos haftigen Zorn und andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie alsdann, wenn sie merkt, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich für ihre Fruchtbarkeit. 569 und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen, er wolle sie selbst bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröhlich an das Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlichkeit ihres Standes nicht murren, nicht hizig, zornig und rachgierig gegen ihren Ehemann, Gesinde und andere Personen sein, als welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit und zugleich ein Undank sein würde, welches gewiß Gott sieht, erkennt und merkt, und solchen Personen es kann entgelten lassen. Gebet. Herr allmächtiger Gott, der du bist ein Gott des Lebens, der uns Allen Odem und Leben gibt, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast, ich danke dir, daß du auch an mich gedacht und mich dieses Segens in meinem Ehestand theilhaftig gemacht haft. Du mächtiger Herr haft mir eine größere Wohlthat erwiesen, als Andern, welche nach dieser Gabe seufzen und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan hast. Ich befehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Herr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbar bildest! Wie groß iſt deine Allmacht, daß du sie selbst an's Licht bringst! Wie groß ist deine Güte, daß du 570 Die Schwangere dankt Gott auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und mehrst. Ich danke dir mein Gott, daß du mich auch zu einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werks bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht hast. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Mutter werden, und das Verborgenemit Freudenerblicken. Herr, laß deine Güte und Treue mich alle Wege begleiten; behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchle, meine Glieder, daß deren keines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädigt werde. Erhalte die geschenkte Gabe und laß sie dir empfohlen sein. Indessen aber will ich auf deine Hülfe schauen: ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem Herrn danken für all'das Gute, daß er an mir gethan hat. Lobe den Herrn, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel die Ströme der Liebe geregnet; Denke daran, Was der Allmächt'ge gethan, Der dir mit Gnade begegnet. Amen. für ihre Fruchtbarkeit., 571 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich danke dir mein Gott Für eine jede Gabe, Die ich nun lebenslang Von dir empfangen habe; Nimm an den schlechten Dank Für deine große Gnad', Die deine Vaterhand Mir dargereichet hat. 2. Ich danke dir mein Gott, Daß du mich haft erhöret, Und was mein Herz gewünscht, Aus Gnaden mir bescheeret. Ach, ach erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab' Von deiner Segenshand. 3. Ich danke dir mein Gott, Daß du in meinem Leben Mit großer Mildigkeit Viel Gutes hast gegeben. Ach tausend, tausend Dank, Hab' Dank, Herr Zebaoth, Für alle deine Gnad', Ich danke dir mein Gott! 4. Ich danke dir mein Gott, Daß du mir beigestanden In meinem schweren Leid, In schweren Trübsals- Banden; Ach bleibe auch bei mir, Wenn sich die Noth einſtellt, Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir mein Gott, Daß du hast abgewendet So manches bitt're Kreuz, Und mir die Hülf' gesendet, Die Hülf', so weggethan Die Angst, so ich gescheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem Trost erfreut. 6. Ich danke dir mein Gott, Daß du mich nie verlassen, Auch nicht verlassen wirst, So lang ich werde haffen Der Sünden Wust und Greu'l; Sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will Hier und dort ewiglich. 7. Ach bleibe doch mein Gott, Ach bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schutz und Rath, Damit ich Hülfe merke; Wenn nun die Noth einbricht, So steh' mir kräftig bei, Daß ich zu aller Zeit Von dir geschützet sei. 8. Ach bleibe doch mein Gott, Hilf, daß ich überwinde Und in der Trübfalsstund' Die Hülfe bei dir finde, So will mein froher Mund Nach ausgestand'ner Noth Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir mein Gott! 572 Die Schwangere empfiehlt Gott Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn eine gottselige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merkt, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit besonders dieses zu thun: 1) Soll sie sich Gott fleißig alle Tage und Stunden empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten; 2) die Frucht Gott in ihrem Gebet treulich vortragen. 3) Denn das ist der Unterschied unter christlichen Ehefrauen und Ungläubigen, unter gottseligen Ehefrauen und leichtsinnigen Huren. Ungläubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehefrauen aber find hierbei anders gesinnt. Sie beten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; sie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es bei'm Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. 4) Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten Alles, worein sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. 5) Ja sie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. Sebet. O heiliger Vater und Schöpfer aller Menschen, siehe ich komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und bitte dich demüthig um deine Gnade. Du hast, o großer Gott, nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Darum ach, Herr Herr, sich und ihre Frucht. 573 vor dir steht all' meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Herr Herr, was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem väterlichen Gnadenschutz mich ganz und gar. Herr habe Acht auf mich Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich ausgehe; behüte mich, wenn ich auf der Gasse bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Hause. Laß meine Seele still und vergnügt sein. Laß meine Seele allezeit mit dir umgehen, in dir sich freuen, an dir sich ergößen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und einen Tempel des heiligen Geistes sein, daß Jeſus in mir lebe, in mir wandle, mich regiere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrießlichkeiten, Zorn, Schrecken. Laß dein Aufſehen meinen Odem, Schritt und Tritt bewahren. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich ein und aus. Im Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich an meine Arbeit. O du dreieiniger Gott, bewahre, behüte und schüßze mich durch deine 574 Die Schwangere empfiehlt Gott Kraft; trage mich auf deinen Händen, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Uebel widerfahre, so will ich dir dafür danken und dich loben Zeit meines Lebens. Ich befehle aber auch, o dreieiniger Gott, meine Frucht, die ich trage; Herr, ich bete für sie; ich tragedir sie dir vor; ach erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja um Jesu willen. Ach gib meinem Kinde deinen heiligen Geist. Laß es auch im Verborgenen mit deiner himmlischen Kraft, wie dort Johannes, erfüllt werden. Gib ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich Zeit Lebens fürchten und lieben möge. Gib ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibes- und Gemüthsgaben. Haftdues aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemüthsgaben begnadigt, so lasse es nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast ja o Jesu gesagt: Laffet die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Du haft die Kinder auf deine Arme genommen und gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme und segne es auch; schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich dei sich und ihre Frucht. 575 nen heiligen Geist; heilige und erneure es zum ewigen Leben; mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm und es mit mir dereinst der ewigen Seligkeit möge theilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste Auf den Herren meinen Gott; Er ist mir der allerbeste, Der mir beisteht in der Noth; Er allein Soll es sein, Den ich nur von Herzen mein'. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott! 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen, Dem Helfer, der mir hilft Am Leibe und der Seelen; Er ist mein als mein Hort, Mein' Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott, Mein Gott verläßt mich nicht. 2. Ich weiche nicht von Gott; Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß es mit Geduld Mein Herze auszuschicken, Auch in dem größten Leid Will ich beständig sein, Kommt Kreuz, so dring' ich auch zu meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott Auch in den größten Nöthen, Ob sie so heftig sind, Als wollten sie mich tödten; Alsdann schrei' ich um Hülf, Verlaß mich nicht, mein Gott, Ach komm, ach rette mich Aus aller Angst und Noth. 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu verbleiben, Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer Gott, Ich weiche nicht von dir, Ach bleib' du auch bei mir, Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, Denn warum sollt' ich weichen? Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen? Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt Und hilft mir allezeit. 6. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht in LeidensStunden, Denn ich hab' immerdar Rath, Heil und Trost em 576 Die Schwangere erinnert sich pfunden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vorbei, Daraus erkenn' ich ja, Daß mein Gott bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht wenn ich soll sterben, Denn alsdann werde ich Die Seligkeit ererben; Drum leb' und sterb' ich ihm, Ich dien' ihm in der Zeit, Und bleib' mit ihm vereint Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheissungen. Aufmunterung. So betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangern Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen seinen Beistand in der Noth zusagt, und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen, noch versäumen; er wolle ihnen helfen, sie erretten, sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kräfte und Machtsprüche mehr sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen, und sich deren getrösten. 2) Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Rettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie dieselbe verlangt und vonnöthen hat, so soll sie darum nicht verzagen und meinen, die Verheißung sei aus und werde gar nicht erfüllt werden, sondern 3) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wenn seine Hülfsstunde erscheint, auch was er zusagt treulich halten wird. Indessen aber 4) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Allerhöchsten sagen wird: Bis hierher hat mir der Herr geholfen; der Herr hat Großes an mir gethan, Des bin ich fröhlich! Gebet. Mein Gott, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum der göttlichen Verheißungen. 577 suche ich auch, Herr, dein Antlig. Du weißt, mein Gott, daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen, als nur du allein? Darum komme ich zu dir und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst, du wolleft die Deinen nicht verlassen; ach verlaß mich nicht; du wolleft bei ihnen sein in der Noth, ach meine Noth rückt heran, bleibe bei mir; du wollest den Deinen helfen, ach hilf mir; du wolleft sie stärken, ach stärke mich; du wolleft sie heraus reißen, ach reiß' mich heraus. Herr, ich weiß in meinem Zustande nirgends hin, als nur zu dir allein. Ich habe viel Sorgen, Bekümmernisse und Aengsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößen meine Seele; dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schutzherr deiner Gläubigen, der Helfer der Verlaffenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hülflosen bist, so bin ich darüber gutes Muths und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten, wenn meine Schmerzen und die Angst meines Herzens groß würde; da will ich seufzen: Herr, ich lasse dich nicht, du helfestmirdenn. Verziehſt du die Hülfe, so erscheint sie endlich zum 37 578 Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Troft der Glenden; du hilfft ihnen herrlich. Du Herr legst eine Last auf, aber hilfft ſie auch tragen; darum wenn du meine Last mir tragen hilfst, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in allen Nöthen, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht; und warum sollte ich mich fürchten? ist doch der Herr bei mir. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getroft an meine bevorstehende Arbeit gehen; unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. Odu gnädiger Gott, stärke meinen Glauben, befestige meinen Glauben, befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich vor allem Unfall beschirmt, fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und fingen, dir vertrauen, bis ich fröhlich entbunden dir in dem Tempel und Zeit meines Lebens für deine Wohlthaten in meinem Herzen Lob und Preis opfern werde. Amen, ja das will ich glauben, Denn hier hab' ich Gottes Wort; Das soll mir kein' Trübsal rauben, Ich will immer fort und fort Mich auf diesen Grund verlassen, Und den Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. Hoffnungs- Anker fassen in diesem neuen Stand. 579 Mit der starken Glaubenshand Auch Amen. Gesang. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder. 1. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll sich fest an ihm halten Und ihm vertrauen fest, Ja den nur lassen walten, Der mich doch nicht verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen; Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit ihme sei's gewagt. Er wird sein Wort erfüllen, Das mir die Hülf' verspricht, Und meine Schmerzen stillen,. Wenn seine Stund' anbricht. 3. Zwar däucht es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt. Dennoch ist mir nicht bange, Weil Gott mir nicht ausbleibt. Er weiß gar wohl die Stunde, bestimmt, Und da er aus dem Grunde mir nimmt. Die er zur Hülf' Das Leiden von 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann ja die nicht hassen, Die so sein eigen sind. Sollt' er des Kindes Thränen Ohn' Hülfe stets anseh'n, Und sollt' mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen geh'n? 5. Gott hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen Trug Angst und Herzeleid. Sollt' er denn nun anheben, Da ich der Hülf' begehr', Und sie mir ja nicht geben? Das glaub' ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, Denn er ist fromm und gut, Und seine Hülfe schauen Mit recht getrostem Muth; Die Stunde wird nun kommen; Alsdann, wenn die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängniß, Erhaltung, Wachsthum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht 37* 580 Die Schwangere erfreut sich nicht genug preisen; ohne Gottes Allmacht kann kein Kind auf diese Weise geboren werden; und wenn eines geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Gläubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf die Allmacht ihres Gottes sich verlassen; so viel sie Kinder geboren sieht, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. 2) Wenn nun die allmächtige Hand Gottes Andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß Gott ihr helfen werde. 3) Sie soll, wenn sich Kleinmüthigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich, Luc. 1, 37. 3ft mun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. 4) Sollten sich Umstände einstellen, die bei Andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch die gefährlichen Wunden heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 5) Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand auch da, die Alles regiert und durch deren Kraft Alles glücklich von Statten gehen wird. Gebet. Mein Gott, wie freut sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht denke, an deine allmächtigen Hände, die Alles heben, Alles tragen und aus allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stande an, somuß deine Allmacht Alles allein thun; deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll. Deine Allmacht muß meine Beschwerlichkeit lindern, ja deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöthen der Allmacht Gottes. 581 Alles allein verrichten. Sehe ich meine Frucht an, so muß abermals deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und an's Tageslicht bringen. Dieses ist nun mein letter Trost jetzt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott; bin ich schwach, so bist du stark; bin ich elend, so bist duallmächtig; binich ohnmächtig, sovermagst du Alles. Diesen Trost nun soll mir Niemand rauben, Gott kann und will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Darum, o allmächtiger Gott, befehle ich mich dir ganz und gar; wache über mich, erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht laffe mich glücklich meine Zeiterreichen. Deine Allmacht stärke mich, wenn meine Geburtsstunde herannaht; deine Allmacht stehe mir bei, wenn sie nun da ist, deine Allmacht ſei im Anfang, Mitte und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindes- Mutter werde. Ich will mich demnach nicht fürchten, es stehe wie es will; ich habe ja einen allmächtigen Gott; ich will nicht verzagen, wenn die Noth groß wird; ich habe einen allmächtigen Gott; ich will gutes Muths sein, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe 582 Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. einen allmächtigen Gott; ich will in meinen Nöthen schreien und seufzen: Odu allmächtiger Gott hilf mir; siehe, ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich; dein Kind wartet auf deine Hülfsstunde. Eile auch, barmherziger Vater, mit deiner Allmacht zu mir; laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haft. Deine Allmacht erhalte meine Frucht; deine Allmacht gebe mir Kraft, ja deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung, so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen und sagen: Lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich rief zum Herrn in meiner Noth; Ach Gott erhör mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Hülf' gedeihen; D'rum dank', ach Gott, D'rum dank' ich dir; Ach danket, banket Gott mit mir, Gebt unserm Gott die Ehre. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübsal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid Und viele Schmerzen da, So ist auch Gott nicht weit Und seine Hülf' ist nah'. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöthen, Die können nimmermehr, Weil Gott mir hilft, mich tödten, Und wären sie so groß, Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch Gott, Der sich nimmt meiner an. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. 583 3. Wir haben einen Gott, der hilft in allen Leiden; Und ist das Leiden hart, So soll's mich doch nicht scheiden Von meinem lieben Gott; Dem ist ja Alles leicht, So leicht, daß auf ein Wort Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft und hört den Armen, Der herzlich zu ihm schreit; Er wird sich sein erbarmen; Die Armen siehet Gott, Er hört, er sieht, er gibt Zur Zeit, wenn mir's ist nüß, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, sollt' man auch sprechen: Hier ist die Hülfe aus; Alsdann will ich ausbrechen Und sagen: hier ist Gott, Ist der kein Helfer mehr? Ach ja, er hilft gewiß Zu seines Namens Ehr'. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich jego fröhlich sagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlaß ich mich; Aus allem Kreuz und Leid Hilft er mir gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, Er hilft, dies soll verbleiben Mein Trost, dieweil ich leb', Ja dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein; Empfind' ich dann die Noth, So sprech' ich auch getrost: Wir haben einen Gott. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wenn hülfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeiten vor sich haben, so sind sie doch guten Muths, wenn sie Jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern, und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwangern. Hören sie 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verziehe nicht. 3) Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich: Der Herr legt eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen. 4) Fürchten sie sich 584 Die Schwangere tröstet sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der Herr werde ihre Arbeit beglücken und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches Schwangern nicht einen guten Muth machen, besonders da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennt? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen und können nicht, aber Gott kann und will helfen; deshalb, ob es schon nicht so traurig und gefährlich ausgehen sollte, so soll ihnen doch in das Herz geschrieben bleiben: Der Herr ist mein Helfer. Sebet. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir; Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Ja mein Gott, das ist mein Trost in gegenwärtigem Zustande, daß du meines Angesichts Hülfe sein werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrliche Hülfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Thränen, du kannſt sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hülfe erscheinst. Darum will ich mich auf dich verlassen und allem dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, ent gegenseßen diesen Trost: Gott ist mein Helfer, und wird mein Helfer sein und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott, eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei, wenn mir Hülfe noth ist. Herr, ich warte auf dein Heil der göttlichen Hülfe. 585 und rufe deine Hülfe; ich verlasse mich auf deine Hülfe; wenn du mir nicht hilfft, so bin ichverloren. Erscheint meine Geburtsstunde so erscheine auch mit deiner Hülfe. Du bist meine einzige Zuflucht, mein Gott und Beistand: ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf du mir, Gott mein Heil! wenn ich bete, so erhöre mich; hilf mir, wenn die Noth angeht; bilf mir, wenn es gefährlich aussieht; hilf mir, wenn meine Stunde kommt; alsdann will ich mit freudigem Vertrauen mit meinem Jesu seufzen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde. Hab ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freuden verkehrt werden. O wie herrlich hast du Andern geholfen, ach so hilf mir auch; du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen. Herr, ich halte an mit Beten, wie das cananäische Weib, und sage: Herr hilf mir; ja ich gehe nicht von dir, ich lasſe nicht ab, bis du mich mit deiner Hülfe erfreut und mir geholfen hast. Komm, ach Vater der Gnaden und Barmherzigkeit, und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich kann nicht geholfen werden. Komm, o Jesu, du Heiland 586 Die Schwangere tröstet sich aller Menschen und hilf mir; bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm und hilfmir, owerther heiliger Geist, und versiegle in mir den Trost, daß meine Hülfsstunde bald anbrechen werde. Dreieiniger Gott, dir ergebe ich mich; dreieiniger Gott, zu dir fliehe ich, auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wenn du willst, aber im Verzug der Hülfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth, reiß' mich aus der Noth, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indessen frisch auf, mein Herz, verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rath, Hülf' will er dir theilen mit, Er ist ein Schutz der Armen, Ob's oft steht hart, Im Rosengart' Kann man nicht allzeit sitzen; Wer Gott vertraut, Hat wohl gebaut, Den will er ewig schützen. Ja ich will meine Zuversicht Auf dich beständig setzen; Du wirst, wenn mir's an Hülf' gebricht, Mit Hülfe mich ergößen. Indessen will ich stille sein, Bis sich die Hülfe stellet ein, Und deinen Namen preisen. Amen. Gesang.. Mel.: O Gott du frommer Gott! 2c. 1. Mein Gott ist ja bei mir, D'rum muß die Furcht verschwinden, Weil sich in Noth und Tod Gott will bei mir einfinden Mit seiner Hülf' und Treu', Mit Beistand, Trost und Rath, Wie auch sein theures Wort Mir Hülf' versprochen hat. 2. Mein Gott ist ja bei mir; Kommt schon ein Krenz gegangen, So will ich es mit Gott Ohn' alle Furcht empfangen; Kommt Kreuz, so kommt auch Gott; Kommt das Kreuz nicht allein, Und es ist mancherlei, So will Gott bei mir ſein. 3. Mein Gott ist ja bei mir; Muß ich die Trübfalschmecken, Se will ich mich dadurch Zu seiner Lieb' aufwecken; Stellt der göttlichen Hülfe. 587 sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl' ich mich Des Allerhöchsten Schuß, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücks- Fluthen Gar über mich hingeh'n, So ist es mir zum Guten; Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, Und wär' es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir, Will auch die Nacht eindringen, Bis sich die Hülf' einstellt, So will ich hoffen, singen, Und mich voll Zuversicht Empfehlen Gottes Treu', Der Treu', die Tag und Nacht, Ja alle Stund' ist neu. 6. Mein Gott ist ja bei mir, Mich kann der Tod nicht tödten, Des Höchsten Hülfe steht Mir bei in allen Nöthen; Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht, Mein Gott, mein Trost und Hülf, Gott meine Zuversicht. 7. Mein Gott ist ja bei mir, Ich scheue nicht das Grab; Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe hab' Von aller Angst und Qual, Es bringt mir süße Ruh', Denn Gott, der bei mir ist, Der deckt mich sanfte zu. Nach meinem 8. Mein Gott ist ja bei mir! Gott wird mir schon erscheinen Zum Trost, zur Hülf', zum Heil, bittern Weinen. Mein Herze sei getrost, Stell' dir die Hülfe für, Und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir. Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Geburt. Aufmunterung Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie werden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten die Seligkeit erwerben; denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben, sondern er gibt ihnen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müssen Kinder gebären, daß sie dennoch einen gnädigen und versöhnten Gott hätten, und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden sollten. Nur 1) daß fie im Glauben bleiben; sie sollen ihr Vertrauen, wenn die Geburtsstunde herankommt, nicht wegwerfen, nicht wider Gott murren, sondern im Glauben, Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zuginge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollen fie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab' ich dich o Herr, ich bitt', du wollest sein von mir nicht fern mit deiner Hülf' und Gnade. Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen, wie gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl empfangen, um dadurch sich Gott zu heiligen und aufzuopfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rath und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt wider Andacht bei herannahender Geburtsstunde. 589 spenstig stellen, und nicht thun wollen, was ihnen Gott auferlegt und was sie zu thun schuldig find( wobei Kaiserinnen, auch Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind, und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen), so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Bosheit ihr Leben genommen und sie also vor der Geburt getödtet haben. 3) Endlich sollen sie auch bleiben in der Heiligung sammt der Zucht, da sie ein heiliges, züchtiges und christliches Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten, und in solcher Heiligung die Geburtsstunde erwarten. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, getreuer, lieber Vater, es kommt nunmehr meine Geburtsstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hülfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigkeit. Komm zu mir und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt; wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gib mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei und alle Furcht fahren lasse, daß ich getrost mich möge erzeigen, getrost steben, getroft niederfißen oder liegen, und 590 Andacht bei herannahender Geburtsstunde. mich getrösten, weil du bei mir bist, so werde Alles glücklich von Statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir Alles leicht werden; ist der Herr bei mir und mit mir, sobinich genesen. Gibauch, lieber Gott, denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich Alles anordnen, mir nicht zu wenig und zu viel thun; segne ihr Beginnen und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gutem Rath folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch mir selbst nicht Schaden, und meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen, und deswegen eine schwere Verantwortung aufmich ladenmöge. Höre, ach gnädiger Gott, mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilfmir bald, und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute KindesMutter werden. Siehe Herr, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht und thue nicht die Hand Andacht bei herannahender Geburtsstunde. 591 von mir ab, Gott mein Heil, bleibe bei mir in der äußersten Noth; und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde, meine Hoffnung, daß ich sie nicht sinken laſse. Nun vermag ich Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich; die Gnade des Sohnes erquicke mich. Treulich will ich Gott bitten Und nehmen zum Beistand In allen meinen Nöthen, Die ihm gar wohl bekannt; Um Geduld will ich stets bitten In allen Anliegen mein, Er wird mich wohl behüten Und mein Nothhelfer sein. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Ach hilf mir in dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit; So schrei' ich mit Herz und Munde Jetzt zu dieser Leidenszeit, Ach ich wende mich zu dir, Großer Gott, ach hilf du mir, Laß du mich bald Hülfe finden Durch dein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's gescheh'n, Wirst du deine Hülfe senden, So wird's bald nach Wunsche geh'n; Komm, mein Gott, und lös' das Band, Reich' mir deine Baterhand, Herr, hilf mir in meinen Nöthen Sonsten werden sie mich tödten. 3. Herr, du hast es ja verheißen, Daß du wollest bei mir sein Und aus aller Noth mich reißen, Hilf mir, Herr, 592 Troft bei herannahender Geburt. denn ich bin dein; Helfer, hilf jetzt gnädiglich, Großer Gott, erbarme dich! Höre, rette, komm' und eile, Und doch länger nicht verweile. 4. Zwar ich will dir nicht vorschreiben Deiner Hülfe Stund' und Zeit, Ich will doch geduldig bleiben In des Leidens Bitterkeit, Gib mir jetzo Kraft und Stärk' Hier zu diesem schweren Werk; Ach hilf selbsten mir arbeiten, Und weich' nicht von meiner Seiten. 5. Herr, ich will dir fest vertrauen, Währet es auch noch so lang', Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang'; Sieh' ich sehne mich nach dir, Vater, Vater hilf doch mir, Hilf, o Bater, deinem Kinde, Hilf, mein Vater, doch geschwinde. 6. Ach mein Gott, erhör' mein Bitten, Deffne, was verschlossen ist, Tritt jetzt selber in die Mitten, Weil du doch der Helfer bist; Leg' du selber Hand mit an, Die Hand, die mir helfen kann, Sieh', wie ich dich fest umfasse Und mich ganz auf dich verlaffe. 7. In Gott hab' ich Kraft und Stärke, In Gott hab' ich guten Muth, Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hülfe ruht; Gottes Hülfe ist schon nah', Wenn er spricht, so stehet's da. Mein Muth ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie will ich Gott dann preisen, Wenn ich nun entbunden bin, Wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüthe, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hülfesstund' Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad' und Ruhm erheben. Trost bei herannahender Geburt. Aufmunterung. Es pflegen sich gottselige Ehefrauen öfters zu ängstigen und zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist: aber warum wollt ihr erschrecken? ihr habt ja Gott bei euch; der Gott, der Seufzer vor der Geburt. 593 euch hat die Schmerzen aufgelegt, der will sie euch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt: 1) Gott ist ein guter und getreuer Gott. 2) Erist getren; er weiß eure Kräfte und Vermögen besser, denn ihr selbst. Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen. 3) Gott ist barmherzig; er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) Gott ist stark; was ihr nicht vermögt, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 5) Erinnert euch, eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Jahr und Tag, wie Davids Elend und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und ob sich's länger verziehen sollte, so sprecht im Vertrauen: Und ob es währet bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. Sehet, dieses laffet euern Trost sein bei der Geburt. Seufzer vor der Geburt. Herr allmächtiger Gott, wenn ich denn nun merke, daß meine Stunde bald anbrechen wird, daß ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir und bitte dich, ach weiche nicht von mir, ach bleibe bei mir, gib mir Kraft zu gebären, und entbinde mich gnädiglich; lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlecht aufgelegt haft. O starker und allmächtiger Gott, hilf mir kräftig; meine Hülfe stehet bei dir; nach dir, Herr, verlanget mich; mein Gott, ich hoffe auf dich; laß mich nicht zu Schanden werden; eile mir beizustehen, Herr meine Hülfe! S 38 594 Seufzer vor der Geburt. Jesu, der du bist Mensch geboren worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwerdung willen erbarme dich über mich. O werther heiliger Geist, bleibe in meinem Herzen und schreie das Abba, lieber Vater. Gib Zeugniß meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sei. O du heilige Dreifaltigkeit, hilf mir und erbarme dich über mich. Amen. Ein Anderes. O du liebreicher Gott, der du uns Menschen herzlich liebst, und besonders in unsern Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen hast, du weißt ja den Stand, darin ich stehe; du siehst auch, wozu ich mich bereite und was ich jetzt vorhabe; o darum steht alle meine Hoffnung zu dir! O du starker Gott, der du den verlaſsenen Hirschen im Walde ohne menschliche Hülfe beistehst, ach laß dir auch meines Leibes Frucht anbefohlen sein, und segne die Hände, die zu der Geburt sich darbieten; leiste du mir selbst die beste Hülfe und entbinde mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich und helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner 595 Seufzer vor der Geburt. Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißnng verlasse ich mich, und greife an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott hat beschieden in meinem Berufund Stand. Ich will getroft sein und auf deine Hülfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gerne leiden, was du mir auferlegtest; sei du mir nur nicht schrecklich. Herr Herr, meine Zuversicht in der Noth, sei und bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott! erhalte, o Herr, was deine Hände bereitet haben. Deffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur, und wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig; stärke mich an meinem Geist und Leib; lindere und erleichtere mir meine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege fie mir lebendig in meine Arme und Hände, so will ich mit ausgestreckten Armen und gefalteten Händen dir lobsingen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als Kind der heiligen Taufe dir wieder geben. Sollt' aber in deinem heiligen Rath über mich beschlossen sein, daß ich über dieser Arbeit 38 596 Seufzer bei und unter der Geburt. meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille: du bist mein Gott, mein Herr, mein Vater, ich deine Creatur, deine Magd, dein Kind; mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; aber ich bin bereit zum Leben und Tod; und wenn du gleich mich tödten wolltest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg' im Streit und widerstreb, Hilf, o Herr Christ, mir Schwachen, An deiner Gnad' allein ich kleb', Du kannst mich stärker machen; Kommt nun Anfechtung her, so wehr', Daß sie mich nicht umstoßen, Du kannst machen, daß mir's nicht bring' Gefahr, Ich weiß, du wirst's nicht lassen. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. Herr Herr, groß von Rath und mächtig von That, siehe hier bin ich und seufze allein nach deiner Hülfe. Hier kann kein Mensch helfen, als nur du allein. Deshalb flehe ich dich, mächtiger Nothhelfer, demüthig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du selbst fie mir aufgelegt haft; ich size oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, und du, Herr, bist um mich. Du siehst auch meine Thränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unend 597 Seufzer bei und unter der Geburt. lichen Allmacht; du kannst überschwänglich thun, über Alles, was wir wissen und verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet; sie haben es mit Fleisch und Haut angezogen; Leben und Wohlthat hast du ihm schon lange erwiesen und durch dein Aufsehen seinen Ödem bewahret. Darum bringe es auch an's Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. Herr Herr, der du so viel Tausenden geholfen haft an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen, ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich thun, damit ich auch ein gutes Gewissen behalte, du aber stärke mich Schwachen. Betrübtes Herz sei wohlgemuth, Thu nicht so gar verzagen, Es wird noch Alles werden gut; All' deine Schmerz und Klagen Wird sich in lauter Fröhlichkeit Verwandeln in gar kurzer Zeit, Das wirst du wohl erfahren. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. Ein Anderes. Ach gnädiger und barmherziger Gott, da haft gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen; auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir in meiner Noth, ach höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. Herr, wenn ich Noth leide, so lindere mir's; Jesu du Sohn Davids, erbarme dich mein; durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herr Gott! stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Heiliger Geift, du Tröster in aller Noth, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindes- Mutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vorden Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, o Jesu, so bitte für mich; o werther heiliger Geist, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O dreieiniger Gott, reiche mir und meinem Kinde deine Hand, die wir unsere Herzen und Hände zu dir ausstrecken. Laß uns nicht verderben, noch Schaden leiden. Beweise an uns deine 598 Seufzer bei und unter der Geburt. 599 Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht. Nicht nur in der Sterblichkeit ſoll dein Ruhm sein ausgebreit't, Ich will's auch hernach erweisen Und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes als dein Geschöpf in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Amen. Ein Anderes. Gnädiger und starker Gott, es ist die Stunde da, welche du zir meiner Entbindung beſtimmt haſt! darum wende ich mich zu dir und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! In deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden; Herr mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich. Jesu du Sohn Gottes, der du bist Meusch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich; ach umfasse mich mit deinen Armen, und halte mich. O werther heiliger Geist, gib mir Geduld und Freudig 600 Sprüche, Seufzer und Gebete keit zu dem Werke, erbarme dich meiner und erfreue mich. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, eile mir beizustehen. Stehe auf, Herr, und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich! Christe du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir Frieden! Amen. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. Psalm 145, V. 18. 19. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ich wende mich von allen Dingen Und kehre mich zu Jesu Christ; Ich weiß, es wird mir bald gelingen, Weil Jesus nahe bei mir ist; Mein' Hoffnung ist auf ihn gericht't, Ich halte ihn und lass' ihn nicht. Ich will wie Jakob mit ihm ringen; Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen, Ich greife es mit Freuden an; Ich rufe: Herr, ich laff' dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach mein Jesu, sei jetzt nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen, ach thue doch, was ich begehre; ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hülfe. Psalm 43, V. 5. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Was kränkst du dich, mein' arme Seel'! Sei still und thu' nicht wanken, Gott ist mein' Burg, mein Trost und Heil in Nöthen zu sprechen. 601 Das werd' ich ihm noch danken; Drück dich und leid ein' kleine Zeit, Auf Angst kommt Freud' und Wonne. Ach mein Jesu, ich warte auf dein Heil; ich harre auf deine Hülfe, ach laß sie mir bald erscheinen; du bist allein meine Hoffnung, ach erhöre mich, ach erfreue mich, ach entbinde mich, so will ich dir danken ewiglich. Jef. 54, V. 6-8. Der Herr hat dich lassen im Geschrei sein, daß du feieft wie ein verlassenes und von Herzen betrübtes Weib. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ach Jesu, hilf mir doch, Auf dich steht mein Verlangen, Ach laß mich deine Hülf' Mit Freuden bald empfangen; Du bist's, der Hülfe leist't, Ja du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hülfe ein. Ach mein Gott, erbarme dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott, meine Augen schauen auf gen Himmel, und sehnen sich nach deiner Hülfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir; deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach Herr wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Jef. 59, V. 1. Siehe, des Herrn Hand ist nicht kurz, daß er nicht helfen könne. Gottes Hände sind ohn' Ende; Sein Vermögen hat kein Biel; Ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein Gott, daß dir nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich; Herr, strecke deine Hand zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro; deine Hand kann helfen aus allem, in allem und von allem. Ach Herr, schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. Sprüche, Seufzer und Gebete Psalm 91, V. 14-16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; erkennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Herr Jesu Christ, groß ist die Noth, Darin ich jetzt thu' stecken; Ach hilf, mein allerliebster Gott, Schlaf' nicht, laß dich erwecken; Niemand ist, der mir helfen kann, Kein' Kreatur nimmt sich meiner an, Und bin ohn' dich verlassen. Ach mein Jesu, weil mir Niemand helfen kann als du, so eile ich mit deiner gnädigen Hülfe herbei. Siehe ich bin jetzt in der Noth; ach reiß' mich nach deiner Verheißung heraus! ich begehre dein, hilf mir aus. Mein Herz hält mir vor dein Wort, Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. 602 Jer. 45, V. 10. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund des Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr dein Erbarmer. Was ich nicht kann, das gib du mir, Du höchstes Gut der Frommen! Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd' entnommen; Erhalte mich, o starker Hort, Befest'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. Jesu, nimm deine Gnade und deinen heiligen Geist nicht von mir, ach weiche nicht von mir, stärke mich zu dem Werke und in dem Werke. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht hast; Kraft dieses Bundes bist du mein Vater, und ich dein Kind; ach mein Vater, denk' an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Psalm 103, V. 13. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Weil du mein Gott und Vater bist, du verlassen nicht, Du väterliches Herz! Erdenklos, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Dein Kind wirst Ich bin ein armer in Nöthen zu sprechen. 603 Ach mein gnädiger Gott und Vater, ich weiß keinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach hilf mir mein Vater! erbarme dich über mich, mein Vater! ach laß dein Vaterherz erweichen, damit ich möge bald erfreut werden, ach du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen thue es doch. Tob. 3, V. 22. 23. Das weiß ich fürwahr: Wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn nach dem Ungewitter läffest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sei ewiglich Ehre und Lob, du Gott Ifrael. Es hat kein Unglück nie so lang gewähret, Es hat doch endlich wieder aufgehöret, Beut mir deine Händ' Und mach' ein End', Auf dieser Erd' Mein Herz sonst nichts begehrt. Ach Gott, laß mich nach meinen Schmerzen und Nöthen bald auch deine Hülfe sehen; du bist ja der Nothhelfer und starke Held, der allein helfen kann; erlöse mich und laß mich Gnade finden, gehe nicht vorüber vor deiner Magd; du hast Lust zum Leben, darum erhalte mir und meinem Kinde das Leben; laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. Psalm 71, V. 1-3. Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt haft mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. Herr Jesu Christ, ich schrei' zu dir Aus Hochbetrübter Seele. Dein' Allmacht laß erscheinen mir Und mich nicht länger quäle; Viel größer ist die Noth und Schmerz, So anficht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach Herr, mein Jammer und Elend ist dir wohl bekannt; Herr Herr, je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich 604 Sprüche, Seufzer und Gebete um Hülfe schreien; ich will es in meinen Nöthen machen, wie mein Jesus, denn da er mit dem Tode rang, da betete er heftiger. Psalm 130, V. 6. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht und sorgen. Mein Gott, das ist auch und soll mein fester Entschluß bleiben; ich will nicht an deiner Hülfe zweifeln, wenn es auch noch so lange währte; sollte der Herr sich vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen und mir gnädig sein. Jef. 38, 3. 14. 15. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrte wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. Herr, ich leide Noth; lindere mir's. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und thuts auch. Aus der Tiefe rufe ich, Will sonst Niemand hören mich, Ach so hör', o Jesu mein, Du wirst ja der Helfer sein. ( Die Antwort des Herrn Jesu.) In der Höh' erhör' ich dich, Drückt der Schmerz dich jämmerlich, Macht die Noth dem Herzen bang', Meine Hülf' verzieht nicht lang. Ach Jesu, alle meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer, ach thue, wie du mir gesagt haft. Mit dir habe ich das Werk angefangen, ach gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kind; laß uns einander fröhlich erblicken und vor dir leben. Herr, erbarme dich über uns. Psalm 25, V. 15-18. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und veraib mir alle meine Sünden, in Nöthen zu sprechen. 605 Laß mich wiederum empfinden Mein Gott, deinen Freudenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Lindere die Schmerzenspein; Wirst du mich nicht bald erquicken, Wird die Last mich unterdrücken. Ist mein Seufzen denn vergebens? Wird mein Beten nicht erhört? Soll ich denn, o Hort des Lebens, Bleiben immerdar beschwert? Laß den Schmerz vorüber gehen Und mich deine Hülfe sehen. Herr Jesu, ich blicke im Glauben nach dir; ach komme zu mir, siehe wie mir so wehe ist; stärke meinen Glauben; erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach tritt du mir selbst zur Seite. Herr, höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfreut werde? Offenb. Joh. 22, V. 20. Siehe ich komme bald. Ja komm, Herr Jesu! Herr, wenn du mir nicht helfen wirst, So ist's mit mir verloren, Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zu gut geboren. Komm, Jesu, komm, ach komm zu mir, Denn siehe, Herr, die Noth ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. Ach mein Jesu, das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommest. Ach komm und entbinde mich, komm und erfreue mich, komm und errette mich, komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Psalm 39, V. 8. 13. Nun Herr, weß soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine Thränen. Ich weiß, daß du meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollt' aus Leid mein Herz abfressen; Mitten in der Noth denk ich an Gott, Ob er mich gleich mit Kreuz und Angst thut pressen. Herr Jesu eile zu mir; hilf mir, mein Gott, mein Helfer, so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rath in dieser Angst und Noth, darum flehe ich zu dir, ach komm, ach komm, ach hilf mir. Jef. 40, V. 29. 31. Der Herr gibt den Müden Kraft und Stärke den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, 606 Sprüche, Seufzer und Gebete daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Herr Jesu Christe Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron; Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilfst ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Ach Herr mein Gott, gib mir auch neue Kraft, verleihe mir Muth, Kraft und Stärke deines heiligen Geistes; ich bin zu schwach dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich Alles. Herr, stärke mich dieses Mal, mein Gott, hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sei gelobt! Psalm 94, V. 17. 19. Wo der Herr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößen meine Seele. Meine Hülfe kommt vom Herrn, Also will ich mich getrösten, Wenn die Hülfe scheinet fern Und die Noth am allergrößten; Wenn kein Mensch mir helfen kann, So schau' ich den Himmel an. Herr allmächtiger Gott, von dem alle Hülfe kommt, so auf Erden geschieht, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth; auf deinen Befehl rufe ich und sage: Herr hilf mir, Herr erbarme dich, nimm weg die Bekümmerniß und Sorge meiner Seele, schenke mir, was ich hoffe, gib mir, was ich bitte. Herr, es steht in deinen Händen. Röm. 5, V. 3-5. Wir rühmen uns der Trübsal, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt; Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Wer hofft in Gott und ihm vertraut, Der wird nimmer zu Schanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm schon kommt zu Handen Viel Unfall hie, Hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt auf Gottes Trost, Er hilft sein' Gläub'gen allen. in Nöthen zu sprechen. 609 sich befinden, Daß du ihm tren verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mind'sten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. Ach mein Gott, entbinde mich auch von meiner Last; verzeuch' doch nicht länger mit deiner Hülfe; verkehre mein Trauern in Freude, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübniß; bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; meine Zuversicht ist auf Gott. Psalm 121, V. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Denn Gott verläßt der keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Herr dreieiniger Gott, ich habe alle meine Hoffnung auf dich gestellt; nach dir sehne ich mich. Herr Gott Vater, erbarme dich mein und meines Kindes; Herr Jesu, stärke mich und stehe mir bei; o heiliger Geist, erquicke mich mit dem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hülfe erlangen werde; dreieiniger Gott, erbarme dich mein. Habac. 2, V. 3. Die Weissagung( die Verheißung der göttlichen Hülfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht außen bleiben. Ob sie aber verzieht, so harre ihr; sie wird kommen und nicht verziehen. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir; Führ' mich auf rechter Straßen, Wenn ich geh' in der Irr'; Er reicht mir seine Hand, Am Abend wie ain Morgen Thut er mich wohl versorgen, Sei's wo ich wohn' im Land. Ach ja, mein Gott, ich lass' dich nicht, du segnest und hilfft mir denn. Laß doch auf den Verzug deiner Hülfe die fröhliche Hülfsstunde anbrechen. Indessen will ich anhalten 39 610 Sprüche, Seufzer und Gebete mit Seufzen und Beten und sagen: Herr Jesu hilf mir ringen. Meine Entbindung, mein Leben und meine Hülfe steht in deinen Händen. Psalm 13, V. 2-4. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Schaue doch und erhöre mich. Ach wann wirst du dich erbarmen Ueber meine schwere Pein? Wann wirst du mir gnädig sein? Ach wann wirst du dich erbarmen, Ach mein Gott, wie lang, ach lang, Soll mir sein so angst und bang. Ach mein gnädiger und barmherziger Gott, da deine Hülfe verzieht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater und ich dein Kind. Ach verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir; sprich nur ein Wort, so werde ich genesen, denn wenn du sprichst, so geschieht's, und wenn du gebeutst, so stehet's da. Herr, erhöre mich gnädiglich. Jer. 17, V. 13. 14. 17. Herr, du bist meine Hoffnung; heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jeſu, steht mein Sinn; Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath Allzeit gewiß gefunden hat! Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja mein Jesu, alle meine Hoffnung steht jetzt zu dir und zu deiner Allmacht. Hilf mir mein Heiland bald, wenn es dein heiliger Wille ist; hilf mir, daß ich mich über deine Hülfe erfreuen kann. O wie will ich deinen Namen rühmen und lobsingen, wenn du mich herrlich erlöset hast. Meine Zuversicht steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. in Nöthen zu sprechen. Psalm 13, V. 6. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. Bin ich zu schwach, laß deine Treu' mir an die Seite treten, Hilf, daß ich unverdrossen sei Zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herze hofft und gläubt Und im Gebet beständig bleibt, So lang ist's unbezwungen. 611 du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Ich weiß, du kannst helfen und hilfft auch gerne, darum hoffe ich auf dich; ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott, laß es jetzt Zeit sein; Herr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen steht meine Hoffnung auf dich fest. Klagl. Jer. 2, V. 18-21. Mein Vermögen ist dahin, aber meine Hoffnung stehet auf den Herrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen mit Wermuth und Galle getränket bin; du wirst daran gedenken, denn meine Seele sagt mir's. Das nehme ich zu Herzen darauf hoffe ich noch. Wollte mich der Herr auch tödten, Lässet ihn mein Herz doch nicht; Er hilft mir aus meinen Nöthen, Er bewahrt mein Lebenslicht, Ob er sich schon anders stellt Und bei sich verborgen hält; Der mir Leib und Seel' geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja, mein Gott denkt an mich, darum spreche ich: der Herr denket an mich und segnet mich; er läßt sein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so habe ich doch bei und in Gott Kraft und Stärke. Ich werde noch meine Lust an seiner Hülfe sehen. Pfalm 71, V. 20. 21. Du läsfest mich erfahren viel und große Angst, und machest mich wieder lebendig, und holest mich aus der Tiefe der Erde heraus. Du machest mich sehr groß und tröstest mich wieder. 39* Sprüche, Seutzer und Gebete Greif' mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe; Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe, Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Wie balde geht ein Wind herein, So fall' ich hin und sterbe. Ach Gott, willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach so greif' mich nur nicht zu heftig an; du weißt mein Vermögen; meine Kraft ist dir nicht verborgen. darum erquicke mich; wenn ich sinke, so hebe mich; wenn ch ohnmächtig werde, so labe mich; wenn ich müde werde, so tärke mich. Herr Gott meines Lebens, erhalte mir und meinem Finde das Leben; dafür soll dein Name ewiglich gepriesen werden. 612 Jef. 12, V. 2. 5. Siehe, Gott ist mein Heil; ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Pfalm, und ist mein Heil. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich Herrlich bewiesen; solches sei kund in allen Landeu. Und weil ich ja nach deinem Rath Hier soll ein wenig leiden; So laß mich ja in deiner Gnad' Als wie ein Schäflein weiden, Daß ich im Glauben die Geduld Und durch Geduld die edle Huld Nach schwerer Noth erhalte. Ach, ja mein Gott, das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes and fröhliches Ende nehmen wird, darum weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung, darum will ich stille sein und hoffen, durch Stillesein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Psalm 22, V. 12. 16. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen. Hast du denn, Jesu, dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß ich die Stunde der Nächte muß warten bis morgen? Wie hast du doch, Süßester, können annoch bringen die traurigen Sorgen? Mußt du denn, Liebster, dich also von Herzen be 613 in Nöthen zu sprechen. wenig zu lange bin außen geblieben, Wie sich mein Herze verpflicht't, Dich trüben, Daß ich ein Weißt du denn nicht, stets und ewig zu lieben? Ja deine Liebe und Treue, mein Jesus, ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht, du hast mich je und je geliebt, und kraft derselben mir öfters geholfen und mich errettet, darum hoffe ich, du werdest auch diesesmal mich erquicken; obgleich meine Noth groß ist, meine Hülfe noch ferne scheint, und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in allen mein Herz auf dich gerichtet, du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaube ich, das weiß ich; ach Herr stärke meinen Glauben und Zuversicht. Klagl. Jer. 3, V. 22-24. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus find; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Sollt' es gleich bisweilen scheinen, Als ob Gott verließ die Seinen, Ei so weiß und glaub' ich dies, Gott hilft endlich doch gewiß. Hülfe, die er aufgeschoben, Hat er d'rum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nöthig ist. Ach mein gnädiger Gott, deine Güte ist bei mir nicht nur alle Morgen, sondern alle Augenblicke neu; du stärkst und erhältst mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich Alles verrichten? Dein Aufsehen bewahrt meinen Odem; du stärkst Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlassen; Gott weicht nimmer von mir, und ich weiche nicht von Gott. Darum wird auch meine Hülfsstunde bald herein brechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hülfe kommt. Psalm 4, V. 2. 4. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der Herr seine Heiligen wunderbar führet; der Herr höret, wenn ich ihn anrufe. Sprüche, Seufzer und Gebete Sei getreu in deinem Hoffen, Hilft Gott gleich nicht, wie du willst, Er hat bald ein Mittel troffen, Daß dein Wünschen wird erfüllt. D'rum getreu, getreu aushalten Mußt du deinem lieben Gott; Ihn mußt du stets lassen walten, Wenn du nicht willst haben Spott; Rufe nur, er ist schon hier, Sein Herz bricht ihm gegen dir; Rufe nur, Gott ist vorhanden, Hoffnung machet nicht zu Schanden. 614 Ach mein Gott, ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir vertrauen in meiner schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderbar, so führe mich nur selig; ich weiß, du bist und stehest neben mir, ob du gleich dich mit deiner Hülfe noch nicht offenbarest; ich spreche indessen im Glauben: Eile mir beizustehen, Herr meine Hülfe. Klagl. Jer. 3, V. 25. 26. Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe des Herrn hoffen. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn Mit mir Mitleiden haben, Und mich, wie ich es dürftig bin, Mit Gnad' und Hülfe laben. Ach stärke meine schwache Hand, Ach heil' und bring' in bessern Stand Das Straucheln meiner Füße. Ja mein Gott, auf dich harret meine Seele und mein Vertrauen wanket nicht. Du freundlicher Jesu erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöthen; richte auf die wankenden Füße; stärke die matten Hände; ich hoffe auf deine Güte; ich warte auf dein Heil und tröste mich deiner Gnade. O du Gott aller Gnade, der du uns tröstest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Psalm 17, V. 6-8. Ich rufe zu dir, daß du, Gott, mich wollest erhören; neige deine Ohren zu mir; höre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertranen.. Behüte mich, wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. in Nöthen zu sprechen. 615 Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen Deiner großen Freundlichkeit; Jesu Christe, dein Erbarmen Helfe meiner Blödigkeit; Wirst du mich nicht zu dir ziehen, Ach so muß ich von dir fliehen. Zeuch mich mit den Liebesfeilen, Zeuch mich kräftig, o mein Gott! Ach wie lang willst du verweilen, Starker Gott, Herr Zebaoth! Doch ich hoff' in allen Nöthen, Wenn du mich gleich wolltest tödten. Ach Herr, bewahre uns vor Unglück, mich und mein Kind; bedecke uns mit deinen Gnadenflügeln; höre mein Seufzen und hilf mir. Werden die Nöthen heftiger, so laß auch kräftiger Hülfe erscheinen; ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheint, als ob du mich tödten wollest. O! deine Hand ist nicht verkürzt; ich sehe nicht auf mein Vermögen, sondern auf dich, meinen gnädigen, starken und barmherzigen Gott. 5. Buch Mos. 4, V. 31. Der Herr dein Gott ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht lassen noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. Jesu, mein Erretter, siehe, Wie oft ich in Nöthen bin. Ach du bist's, zu dem ich fliehe, Sonsten weiß ich nirgends hin. Darum fürcht' ich keine Noth, Keine Schmerzen, Kreuz und Tod; Aus den größten Leidens- Ketten Weiß mein Jesus mich zu retten. Ach mein Vater, gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast; gedenke, daß du mein Vater bist und ich dein Kind. Jesu, der du mich gewaschen und gereiniget hast mit deinem heiligen Blut, zu dir fliehe ich und flehe dich um Hülfe in meinen Nöthen an; ach errette mich; ach erfreue mich. Psalm 68, V. 20. 21. Gelobet sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Laſt auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Schickt mir Gott ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt' ich d'rum verzagen? Der es schickt, 616 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All' mein Unglück enden. Herr, du hast diese Last mir aufgeleget, ach nimm sie mir auch wieder ab; du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Gläubigen. O wie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thüre aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich; laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig, bis zur Stunde meiner Erlösung verharren. Psalm 50, V. 15. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Ach Herr Gott, wie reich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen, Die Gnadenthür steht nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht, es ist nun all's verlor'n, Daß doch das Kreuz hat neu gebor'n, Die deiner Hülfe warten. Ach mein Gott, ich warte auf deine Hülfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich dich an in meiner Noth; errette mich, erhöre mich, erbarme dich, ach tröste mich mit deiner Hülfe, und der heilige Geist erhalte mich dir. Psalm 109, V. 21. 26. Herr Herr, sei du mit mir um deines Namens willen, denn deine Gnade ist mein Trost; errette mich. Stehe mir bei, Herr mein Gott! hilf mir nach deiner Gnade. Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Dies ist mein Trost in allen meinen Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schutzherr seiner Kinder, dem empfehle ich mich; der wird es wohl machen. Anmerkung. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Seufzer und Gebete auf S. 470 und folgenden Blättern nachzuschlagen. Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. Ein Weib, wenn sie das Kind zur Welt geboren hat, denkt nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist; also lehrt der Mund der Wahrheit, Christus, Joh. 16, V. 21. Sie sollen Gott preisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt und gelindert hat; 3) sie sollen Gott danken, daß er sie ihr Kind mit Freuden habe erblicken lassen, oder so es ja todt wäre, daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen habe; 4) fie sollen die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwitz oder unnöthiges Umhergehen nicht brechen, sondern derselben genießen und annehmen; 5) sie sollen Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Ulebel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißigem Gebet Gott täglich vortragen. Endlich 6) sollen sie anch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchengang wolle halten lassen. Gebet. Allmächtiger, großer und starker Gott, ich erscheine allhier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, womit du mich begnadigt haft. Ich preise dich, daß 618 Die Kindbetterin dankt Gott du meine Geburts- Schmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden und in der Geburt deine Hand über mich gehalten haft. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir iſt, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Gelobt ſei der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flehens; der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen, und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich; die er aus der Noth erlöset hat und zum Herrn riefen in ihrer Noth, und sie errettet aus ihren Aengsten, die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ach bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und allen gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlornen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. Ó du Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, breite deine für ihre glückliche Entbindung. 619 Gnaden- Flügel aus über mein Haus, bewahre es vor Feuer und Wassersnoth über mein Wochenbett, und laß mich darin geſund meine Zeit im Gebet und in deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und deinem Ruhm erhalten, und mir Gnade verleihen, daß ich dereinsten mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchengang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden; Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut, Bis hieher hat gethan. Amen. Gefang. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein 2c. 1. Gelobet sei der große Gott, Der nun die Hülf' gesendet, Der meine große Angst und Noth Hat gnädig abgewendet, Der mein betrübt Geschrei erhört Und meine Bitte mir gewährt. Lobt seine Gnad' und Güte. 2. Er ist in dieser Leidenszeit Mein Beistand recht gewesen, Durch seine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrlich helfen kann. Lobt seine Gnad' und Güte. 3. Wie war mir doch so angst und bang, Doch wurd' ich nicht verlassen, Es däuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöthen saßen; Nun ist verkehrt die Noth in Frend', Die Traurigkeit in Süßigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte. 4. Ja seine starke Gotteshand Hab' ich jetzt recht gespüret; Als Menschenhülfe gar verschwand, Hat Gott das Werk ge 620 Die Kindbetterin verrichtet führet. Es fand sich Gottes Hülfe ein Und tränkte mich mit Freudenwein. Lobt seine Gnad' und Güte. 5. Darum will ich zu keiner Zeit, O großer Gott, vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Schooß gesessen; Ich saß in deinem Schooße wohl, Und war auf dich vertrauensvoll. Lobt seine Gnad' und Güte. 6. Gott sei gelobet und gepreist, Die Noth ist nun verDer hat mich auch Ja danket, danket schwunden; Der alle Bande leicht zerreißt, entbunden; O großer Gott, ich danke dir, Gott mit mir. Lobt seine Gnad' und Güte. 7. Ja ich will nun mit Lob und Preis Gott hinbringen, Hinfüro auch mit allem Fleiß Gnad besingen; Ich will ihn loben, wo ich geh'; ihn loben, wo ich steh'. Lobt seine Gnad' und Güte. Die Zeit mit Die große Ich will 8. O großer Gott, ich danke dir Für dein getreues Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir In meiner Noth geblieben, Und nunmehr mich davon befreit, Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgen- Gebet. Aufmunterung. Ist Beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen, wie viel mehr soll eine Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die göttliche Hülfe sich verlassen. Sie soll 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. 4) Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselben mit Geduld ertragen und glauben, daß der Gott, der so herrlich sie aus den Nöthen geführt hat, werde das übrige Weh auch in Gnaden abwenden ihr Morgen- Gebet. Gebet. 621 O du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund und Hände, und danke dir für den gnädigen Schuß, den du mir diese Nacht geleistet haft. Dein Engel hat um mein Bette gewacht, daß mich kein Unfall berührt; du hast mich und mein Kind bewahrt, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen. Herr Herr, wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist. Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben; Dein Schuß ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Darum auf, mein Geist und Seele, und lobe den Herrn, der dir so viel Gutes gethan hat. Herr Herr, du bist immer und auch dieſe Nacht mein Beistand gewesen; du haft deine Hand über mich gehalten! Herr Herr, ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan haft. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich befehle dir meinen Leib und Seele, ach bewahre meine Seele und Gemüth vor schweren Gedanken, Angst 622 Die Kindbetterin verrichtet und Betrübniß. Laß hingegendeinen heiligen Geist in meinem en wohnen, daſſelbe beiligen, mit himmlischem Trost und Freude erfüllen, damit ich den Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelen- Vergnügen, in der Liebe Jesu und kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Senke aber auch meinem Leibe die verlornen Kräfte wieder; vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, widrige Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere auch das Leiden, das du mir nach deiner .. noch auflegenwirst. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Herr Gott Sohn der Welt Heiland, erbarme dich über mich, ſei mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein Jesus und Seligmacher, und laß deine Gnade wie einen kühlen Thau diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke mich und erhalte mich; Herr Gott hei Gift el= barme dich über mich, bete in mu Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei! Nun der Herr segne mich und behüte mich; der Herr erleuchte sein Angesicht über mich und sei mir gnädig; der ihr Morgen- Gebet. 623 Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und derede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele und Sinn in Chrifto Jesu unserm Herrn. Amen. Gesang. Mel.: Wach' auf mein Herz und singe zc. 1. Die Nacht ist nun verschwunden," Es hat sich eingefunden Das Licht, der Tag, die Sonne Und Jesus meine Wonne. 2. Mein Jesus war mir nahe, Als ich die Sonn' nicht sahe, Er ist mir noch zugegen Und gibt mir seinen Segen. 3. Ich bin geschützt geblieben, Das Unglück ist vertrieben; Ich habe sanft geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verletzet, Sein Trost hat mich ergötzet; Mich hat kein traurig's Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 6. Ich lag in deinen Armen, barmen Läßt mich jetzund auch sehen 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnädig abgewendet Und deine Hülf' gesendet. Ich schlief' und dein ErDer Sonne Licht aufgehen. 7. Wie kann ich g'nugsam preisen, Wie soll ich Dank erweisen Dem, der mir Heil und Leben Bis hieher hat gegeben. 8. Kommt Kreuz, so komm geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß mich und es gedeihen, Und uns in dir erfreuen. 9. O Jesu, meine Freude, O meiner Seele Weide Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringen. 10. Wenn ich will vor dich treten, Ach so erhör' mein Beten, Regiere meine Sinneu, Begleite mein Beginnen. 11. Ach stärke meine Glieder, Gib mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen Uud deinen Altar sehen. 12. Bewahre mich vor Sünden Und laß mich Gnad' empfinden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. r P 1 t B n le n ħ n r h n 1= id n. Die Kindbetterin verrichtet 13. In jeder Tages- Stunde Will ich mit Herz und Munde, Mit dankbarem Gemüthe Stets preisen deine Güte. 624 14. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab' genoffen Den Schuß, der mich umgeben Und mir erhält mein Leben, 15. So will ich dir lobsingen Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen. Amen. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abend- Gebet. Aufmunterung. Eine Wöchnerin soll mit den Jüngern sprechen: Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, Luc. 24. 1) Soll sie Gott danken, daß Gott fie vor Schmerzen und ihr Kind vor Unruhe bewahrt hat. 2) Sollte aber Gott nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie Gott preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe hat ertragen können, und er sie den Abend hat erleben lassen. 3) Hierauf soll sie sich und ihr Kind dem Schutz des dreieinigen Gottes für die bevorstehende Nacht empfehlen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und Schooß ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott gedenken, sich in ihm erfreuen und sich ihm ergeben. Gebet. Herr allmächtiger Gott, wie soll ich dir genug für deine Liebe und Treue danken, die du mir diesen Tag erwiesen haft? Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glücklich hingebracht; ich habe den Abend fröhlich erlebt; die Schmerzen und Beschwerden meines Standes hast du mir thr Abend- Gebet. 625 tragen und überwinden helfen; du hast mich beschüßt und bewahrt; du bist mein und meines Kindes gnädiger Vater, Schußgott und Beistand gewesen. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Guaden- Flügeln bedeckt, ach so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus; behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden Alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich nun legen, o Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, in deine Arme, und will sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. Ja, roßer Gott, in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen, ach wache du selbst um mein Bette und treibe Alles zurück, was mich stören kann. Herr Gott Bater, laß nur dein Vaterherz diese Nacht offen stehen; Herr Jesu du Licht meiner Seele, umstrahle mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht; o werther heiliger Geist, erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen! finge und bete in meinem Herzen. 40 626 Die Kindbetterin verrichtet ihr Abend- Gebet. und verfiegle in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. O du dreieiniger Gott, laß mich so in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wenn ich erwache, dennoch bei dir sei. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, daß ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohlthaten lobe und preise. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe Jesu decke mich, und der Beistand des werthen heiligen Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein Jesus bei mir bleibe, O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe, Geh' auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit! Erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn meine Glieder schlafen! Ach laß die Seel' im Schlaf auch Gutes schaffen! O Lebens- Sonn', erquide meinen Sinn, Ich laff dich nicht, da nun der Tag ist hin. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Herr Jesu, wahres Licht, Der Tag ist nun vergangen, Es hat sich eingehüllt Der gold'nen Sonne Prangen; Herr Jesu, wahres Licht, Ach weiche nicht von mir, Laß mich vereinigt sein Auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb' ich, weil ich leb', Denn du hast mir mein Leben Nach deinem Segensstrom Aus großer Güt' gegeben; Dir leb' ich, Seelenfreund, Dir leb' ich nur allein, Mein Herz, die Seele soll, Herr, deine Wohnung sein. 3. Herr Jesu, gib mir auch In dieser Nacht den Segen, Ach decke du mich zu, Ich will zur Ruh' mich legen; Herr 627 Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. Jesu, bleib' bei mir, Ach siehe es wird Nacht; Hab' auf mein'n Leib und Seel', Mein Heiland, allzeit Acht. 4. Dir sterb' ich williglich, Wenn ich dereinst soll sterben, Denn du hast mich gemacht Zu deinem Himmels- Erben; Dir sterb' ich jeden Tag, Und sterb' den Sünden ab, Im Sterben leb' ich dir, Weil ich dich, Jesu, hab'. 5. Dein bin ich Tag und Nacht, Des Tags wirst du mich leiten, Ach weich' des Nachts auch nicht, Mein Gott, von meiner Seiten; Dein bin ich allezeit, Gesund, krank und betrübt, Ich weiß in jedem Stand, Daß mich mein Heiland liebt. 6. Todt und im Grab zu sein, Pflegt And're zu erschrecken, Doch aus dem Grab und Tod Wird Jesus mich erwecken; Todt und begraben sein, Ruft uns das Bette zu, Doch Jesus weckt mich auf Vom Tod und Schlafesruh'. 7. Lebendig werd' ich auch Aus meinem Bett aufstehen, Und nach genoff'ner Ruh' Das Licht der Sonne sehen; Lebendig bringt mich auch Mein Jesus aus dem Grab, Nachdem in seinem Arm Ich süß geschlafen hab'. 8. Amen, erhöre mich Und laß mich süße schlafen, Wend' alles Unglück ab, Durch deiner Engel Waffen. Amen, nimm auf dein Kind, Mit Jesu schlaf' ich ein, Mein Jesus soll im Schlaf In meinem Herzen sein. Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor und nach der Taufe vor. Aufmunterung. Wenn christliche Eltern mit einem Kinde beschenkt werden, so muß es nach der Geburt desselben ihre erste Aufgabe sein, daß sie dasselbe, sowie es die Verhältnisse nur immer gestatten, durch die heilige Taufe in den Christenbund aufnehmen lassen. Da aber die Taufe nicht allein ein Bund ist für dieses Leben, sondern für die ganze Ewigkeit, so wird eine fromme Mutter ihr Kind 1) vor der Taufe Gott demüthig vortragen, daß er es zur heiligen Taufe gelangen lassen möge, und daß er es als 40* 628 Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. sein Kind in Gnaden aufnehme; 2) nach der Taufe Gott für diese große Gnade danken und das Kind in Gottes ferneren Schutz befehlen. Gebet, wenn das Kind zur hl. Taufe gelangt. O du gnädiger und liebreicher Gott, der du der rechte Vater über Alles bist, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden; siehe ich komme zu dir in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neugebornes Kind vor. Du hast, o Jesu, gesagt: Laffet die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; siehe ich bringe er auch an diesem Tage mein Kind; gib ihm deinen heiligen Geist, der es durch Wasser und Geist wiedergebäre, der es heilige, regiere und sein Herz mit himmlischem Lichte erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach mein Gott, hiemit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigenthum, ich lege es, o himmliſcher Vater, in die Arme deiner Barmherzigkeit; ach versorge und beschüße es. Ich übergebe es dir, o Jesu, wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deine Wunden gegen alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott heiliger Geist, zu deiner Pflege, ach Die Sechswöchnerin schickt sich zu ihrem Kirchengang an. 629 heilige es durch und durch, damit sein Geist sammt Seel' und Leib unsträflich behalten werden möge bis auf den Tag Jesu Christi. Amen. Gebet, wenn das Kind die Hl. Taufe empfangen hat. Laß, o Gott, diesen Tag sein meines Kindes Bundes-, Segens- und WiedergeburtsTag, und gib, daß es dessen allezeit eingedenk bleibe, und ich daran es oft erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen und aus dem Stande der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung bis an sein Ende verharren, da du es als dein Kind und Erbe zu der ewigen Freude aufnehmen wirst. Du Volk, das du getaufet bist Und deinen Gott auch kennest, Auch in dem Namen Jesu Chrift Dich und die Deinen nennest, Nimm's wohl in Acht und denk' daran, Wie viel dir Gutes ſei gethan Am Tage deiner Taufe. Amen. Die Sechswöchnerin schickt sich zu ihrem Kirchengang an. Aufmunterung. Wenn Gott eine Wöchnerin gnädig erhalten hat, so foll ihr Mund voll Rühmens sein. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bett gelegt, aber auch, wie Gott ihre Kräfte erneuert, daß fie mun gesund und frisch wieder 630 Die Sechswöchnerin schickt sich ausgehen kann. 2) Sie soll bedenken, wie andere Wöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, ja gar gestorben sind. 3) Wenn sie überdies auch ihr Kind frisch und gesund sieht, so hat sie Ursache, diese hohe Wohlthat Gottes demüthig zu erkennen. 4) Ihr Kirchengang foll demnach mit Andacht, mit einem dankbaren Herzen und lobendem Munde geschehen, damit sie Gottes Güte allzeit dankend rühme. Gebet. Wie soll ich dem Herrn danken für alle Wohlthaten, die er an mir gethan hat? O du gnädiger und starker Gott, ich will nun meinen Aus- und Kirchengang halten, dir in deinem Tempel für deine gnädige Hülfe und deinen starken Beistand zu danken. Herr Gott, du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich erblicken lassen; du hast mir die verlornen Kräfte wiedergegeben, daß ich nun im ganzen Wohlsein zu deinem Tempel mich nahen kann. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörte mich und tröstete mich. Herr, ich danke dir, daß du mein Leben erhalten haft; ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben haft; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten und dir für alle empfangenen Wohlthaten danken kaun; ach Herr, nimm das schwache Lobopfer meiner Lippen an. zu ihrem Kirchengang an. Ach mein Gott, laß diesen Ausgang gesegnet sein, gib mir mit jedem Tage mehr Kräfte; laß mein Kind zu deinem Preise heranwachsen. Ich bringe dir an diesem Tage ein paar Turteltauben, mein dankbares Herz und meinen lobenden Mund; ach verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Sühnopfer, Jesu Blut und Tod im wahren Glauben; damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich schon in der heiligen Taufe gethan; ach sei hinfort sein Vater, sein Pfleger, Schußherr, Erhalter und gnädiger Gott. Laß aber deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet sein über mich und mein Kind; laß uns vor dir leben und deinen Namen preisen. Gib mir und meinen Kindern deinen heiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder zu deiner Herrlichkeit in das neue Jerusalem eingehen werden, wo du selbst Sonne und Licht bist. Amen. 631 Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Gott hat mein Gebet erhöret, Also sprech' ich hocherfreut, Weil er das, was mich begehret, Gnädiglich verliehen Heut; Nun erkennet mein Gemüthe Gottes große Gnad' und 632 Die gottselige Mutter dankt Gott, Güte, Der betrübt und doch zuletzt Uns in Freud' und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret; Meine Traurigkeit und Klag' Hat doch nunmehr aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernichtet, Mir ein Lachen zugerichtet, Der nach der betrübten Nacht Alles hat voll Freud' gemacht. 3. Gott hat mein Gebet erhöret, Denn als ich in Nöthen schrie, Hat er sich zu mir gekehret Und gesprochen: Ich bin hie, Ich bin hie; ich will dich retten Und an deine Seite treten! Ich war, da du riefest mir, Gar nicht ferne mehr von dir. 4. Gott hat mein Gebet erhöret; Preiset mit mir alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was uns ist noth; Der da liebreich den ansiehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu uns in Trübsal spricht: Seid getrost, ich laff' euch nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret, Traue ihm nur, wer du bist; Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist; Gott kann schützen und auch decken Und zu uns'rer Hülf' ausstrecken Seine starke Hülfeshand, Die mein Leiden hat gewandt. Die gottselige Mutter dankt Gott, wenn ihr Kind entwöhnt wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sie das Gebet, wenn das Kind entwöhnt wird. Darum soll 1) eine gottselige Mutter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. 2) Sie soll Gott danken, daß er ihr gesunde Milch gegeben hat. 3) Sie soll Gott anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise segnen, und es zu seiner Ehre aufwachsen lassen. 4) Und weil auch die Kinder um diese Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter Gott bitten, er wolle ihr wenn ihr Kind entwöhnt wird. 633 Kind durch seinen heiligen Geist bewahren und gesund erhalten, und so in seiner Gnade von einem Alter zum andern gelangen lassen. Gebet. Barmherziger und gnädiger Gott, wie ist mein Herz erfreut, daß ich nun auch die Zeit erlebt habe, da ich mein Kind der Mutterbrust entwöhnen kann. Gelobt sei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen ist. Habe Dank für deinen Segen; habe Dank für deinen Schuß; habe Dank für deine Treue und Gnade. Ach Gott, hast du nun meinem Kinde die Mutterbrust angedeihen lassen, so segne ihm auch die übrige Speise und seinen Trank; laß es auch ferner wachsen, und mit jedem Tage an Kräften zunehmen. Bleibe bei ihm, wenn es anfangen will zu gehen; begleite es durch deinen Engel; halte es, wenn es fallen will; behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach laß dieses mein Kind dir an Leib und Seele empfohlen sein; stärke es auch an dem inwendigen Menschen; heilige es durch deinen heiligen Geist, daß es in Gehorsam und Gottesfurcht sich erziehen laffe. Amen. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Der Herr der große Gott, Der seinen reichen Segen Auf mich geschüttet hat Als einen sanften Regen, Den preis' ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergeh'n Noch jetzt im Segen sind. 634 2. Hat großes Ungemach Viel Andere gedrücket, So hat mit seiner Gnad' Der Höchste uns geschmücket; Die Milch, die süße Speis', O welche große Gnad' Ist welche Gott bisher Mein'm Kind gesegnet hat. 3. An mir und meinem Kind Sind Wunderding' geschehen, D'rum will an diesem Tag Ich Gottes Ruhm erhöhen, Uns beide schützte er; Er gab uns Kraft und Stärk, Bis er an uns vollbracht Sein großes Wunderwerk. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Wenn Gott Eheleute ohne Kinder sein läßt, daß sie wie Abraham sagen: Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder, 1. B. Mos. 15, V. 2, so sollen sie 1) denken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit bei beiden Eheleuten natürlich sein können. Wenn mun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deswegen mit Gott zufrieden sein und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der ihnen gewogen sei. Wie viel Bäumlein zieren nur den Garten und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. So sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich find. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch übel dazu sehen. Ist dieſe Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben folche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zornes Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 635 fie daraus entnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute daran denken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand besser erkenne, als sie selbst, denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie doch Gott vielleicht zu schwach zur Geburt oder zur Erziehung der Kinder. 5) Besonders aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder zur Strafe. 6) Es sollen hiebei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1. Tim. 2, V. 15. nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung sammt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber durch Kinderzeugen selig werden sollen, sondern wir werden durch das Verdienst Jesu Christi und um seines vergossenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Röm. 3, V. 28. Röm. 5, V. 1, und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja gar keine Jungfrau selig werden können, welches gegen Gott und sein heiliges Wort ist; sondern er führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich ob ihnen. Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgelegt, darum weil sich das Weib im Paradiese hat verführen lassen und die Ulebertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott in der Geburt ihnen beistehen und durchhelfen wolle; sie sollen doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühlen, nämlich wenn sie in solchem Stande im Glauben an den Herrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und die Menschen, in der Heiligung des Lebens, in der Zucht und im christlichen Wandel bleiben werden. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten und im Gebet anhalten. Einige Bäume tragen gleich im ersten Jahre, andere aber erst nach Verfluß vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen. 8) Hiebei sollen sich Eheleute auch fleißig vor gegenſeitigem Mißvergnügen hüten, wenn die Frau die Schuld auf den Mann 636 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. und der Mann auf die Frau schieben wollte, sondern gedenken, daß es Gott sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1. B. Mos. 30, V. 2. 9) Läßt Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da diejenigen, welche Kinder haben, so oft am Gebet, am Gottesdienst und an der Erbauung durch die Kinder verhindert werden, so können sie desto mehr den Dienst Gottes unverhindert und ungestört abwarten. 10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich empfohlen sein lassen, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule schicken, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen und auch vor Gott rühmen werden: diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket, Matth. 25. 11) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie nur etwa die Kinder als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der That sind, halten. Meinen sie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren fie, und es will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum will er gebeten sein, 1. B. Mof. 25, V. 21. Dieses Alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen und sich gegen alles Murren, gegen Ungeduld und Gemüths- Unruhen bewahren und bedenken, ihr Haus sei einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler heiligen Engel sein werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Thron des dreieinigen Gottes erfreuen sollen. Gebet. Herr Herr, was willst du mir geben? ich gehe ohne Kinder dahin. Ach mein Gott, ich sehe, wie du Andern den Ehesegen mit reichem Maaß zutheilst, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten und nicht ge Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 637 geben. Herr Herr, laß mich doch dieses Alles mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kann, wann du willst. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebt und mir seine Gnade noch nie versagt hat, darum will ich mich auch hier geduldig deinem Willen unterwerfen; du weißt am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheert haft. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu träg in der Erziehung der Kinder oder zu niedergeschlagen in KinderKreuz sein, so erkenne ich daraus deine Güte, die meiner schonen und mich nicht über Vermögen versuchen lassen will. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr erfreuen, daß ich dich herzlich lieben, an dir all' mein Ergößen und Vergnügen haben möge. Laß mich indeffen im Glauben an dich dreieiniger Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens bleiben, ja laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. gnädiger Wille über mich sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich ihn herzlich liebe, ihn für mein Kind halte und ihn lieber habe, als zehn Söhne und Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten und du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, an mich wie an Hanna gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber keinen Erben geben, Herr, so soll das mein Erbe sein, daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Theil sein. Herr Herr, es ist dir Alles möglich; hast du Sara und Elisabeth über die Zeit der Natur schwanger werden laſsen, so ist es dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. Herr, laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir mein Lebenlang danken, und sie dir zum Preis und Ehren erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wieder weihen. Laß mich nicht scheel sehen, wenn du Andern das Haus voll Kindern gibst, sondern lasse mich desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an 638 639 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. armen und verlassenen Kindern erweiſen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun Herr, deine Güte sei über uns, die wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande. Ist's mir nützlich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kein Kind abzwingen, ja ich will gegen deinen gnädigen Willen nichts, und auch keine Kinder haben. Herr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeigen wirst. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. Weil ich ohne Geht in vielem 1. Ach Herr, was willst du mir geben, Kinder bin? Meine Zeit und auch mein Leben Kummer hin, And're muß ich fröhlich sehen Und mit Kindern heiter gehen, Aber ich geh' ganz allein Und muß stets bekümmert sein. 2. Warum thust du an mir minder, Als an Andern, lieber Gott? And're haben viele Kinder, Die kaum haben täglich's Brod, Du gibst mir sonst großen Segen, Aber ach mein Gott, hingegen Gibst du mir nicht diese Gab', Die ich oft erbeten hab'. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 3. Ich will nichts von dir erzwingen, Gib mir ja kein Kind im Zorn, Es möcht' mir sonst Jammer bringen Und mir sein ein scharfer Dorn, Der mein Lebelang mich stäche Und mir mein Vergnügen bräche, Was mich martert, quält und sticht, Lieber Gott, das gib mir nicht. 4. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein in Jesu laben, Dem schenk' ich mein Herz und Lieb'; Jesu, deine Lieb' und Schöne Ist mir lieber als viel Söhne, Wenn ich Jesum bei mir hab', So hab' ich dich, größte Gab 640 5. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat; Wer weiß, was er mir noch schenket; Wer weiß, was da seine Gnad' Mir noch zugedacht zu geben; Wer weiß, werd' ich noch erheben Nach der Hülfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund'. Register. I. Gefänge. Ach Herr was willst du mir geben Ach hilf mir in dieser Stunde Der Herr der große Gott. Die Nacht ist nun verschwunden. Gelobet sei der große Gott Gott hat mein Gebet erhöret. Gott wird mich nicht verlassen Herr Jesu, wahres Licht Ich danke dir mein Gott Ich erblick' die helle Sonne Ich weiche nicht von Gott Ich will stets mit Gott umgehen Mein Gott ist ja bei mir. Sieh' die Sonn' will von uns gehen Wie hat der große Gott doch mich Wir haben einen Gott, der hilft II. Andachten für Schwangere. Die Schwangere spricht ihr Morgengebet Die Schwangere spricht ihr Abendgebet Tägliche Betrachtungen einer Schwangeren. Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand dankt Gott für ihre Fruchtbarkeit empfiehlt Gott sich und ihre Frucht erinnert sich der göttlichen Verheißungen erfreut sich der Allmacht Gottes tröstet sich der göttlichen Hülfe Andacht bei herannahender Geburtsstunde Trost bei herannahender Geburtsstunde Seufzer vor der Geburt Ein Anderes. Seufzer bei und unter der Geburt Ein Anderes Ein Anderes. Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöthen zu sprechen Seite 639 591 634 623. . 619 631 579 626 571 554 575 563 586 558 567 582 551 555 559 . 564 568 . 572 576 579 583 588 592 593 594 596 598 599 600 642 Register. III. Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung spricht ihr Morgengebet spricht ihr Abendgebet ● Gebet der Wöchnerin, wenn das Kind z. heil. Taufe gelangt Gebet der Wöchnerin, wenn das Kind die heil. Taufe empfangen hat. Die Sechswöchnerin schickt sich zu ihrem Kirchengang an. Die gotts. Mutter dankt Gott, wenn ihr Kind entwöhnt wird IV. Erinnerung und Troff für Anfruchtbare Drud von Fischer& Wittig in Leipzig. Seite 617 620 624 628 629 629 632 634 TERIAL mmargu Strate SNII Lanunue FITO manualm மான் NIFIGURE Pha amoronel quar Inches 1 Centimetres Blue 2 Hu 3 2 He 4 Cyan intos Shmilinen 220 Andur ¹6 DIRHODINE URUDITIN Rom E- MUMKIN EM Farbkarte# 13 Green 7 3 Yellow ET ¹8 LET EL RE GESTUMIU Ehpan com 192 LE B 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8