GG 989 Verlag von J. Naumann in Leipzig W Overbeck sc. Das Sacrament des wahren Leibes und Blutes JEſu Chrifti. Beicht- und Communionbuch pon Franz Deligschy, Doctor and Proffer a seciogle ja Peipzig, Bünfte nen überarbeitete Auflage. SP Leipzig, Verlag von Justus Fanmain. 1871. Das Sacrament des wahren Leibes und Blutes JEsu Christi. Beicht und Communionbuch von Franz Delitzsch, Doctor und Professor der Theologie zu Leipzig. Fünfte neu überarbeitete Auflage. 31 DEIN TERNYM Leipzig, Verlag von Justus Naumann. 1871. Gb 989 ств Univ.- Bibl. Giessen Vorwort zur ersten Auflage. Die Beicht- und Communiongebete, welche die folgenden Blätter enthalten, sind nicht, wie es scheinen könnte, den alten gottseligen Schriften entnommen, aus denen noch heute gar viele Christen vor und nach dem heiligen Abendmahl sich zu erbauen pflegen. Sie sind aber aus demselben Glauben erwachsen, den jene alten Bekenner unserer evangelisch- lutherischen Kirche hatten, obschon freilich nicht aus einer gleichen Fülle, Stärke und Tiefe des Glaubens. Denn in der findlichen Ehrfurcht vor dem Worte GOttes, in dem heiligen Eifer für die heilsame Lehre, in der brünstigen Liebe zu dem Herrn JEsu werden die lieben Alten wohl unsere Vorbilder bleiben. Ihren Schriften ist eine solche Reife eines in der Gnade gewurzelten Lebens und eine solche Tiefe einer in das Allerheiligste eingedrungenen Erfahrung eigenthümlich, daß ihr Lebensgeruch nimmer verduften wird. Dennoch hoffe ich in diesen Gebeten Manchem eine nicht unwillkommene Gabe zu bieten, weil sie zugleich alt und doch neu sind; alt, insofern sie die unveränderliche, ewige Heils Vorwort zur ersten Auflage. wahrheit, auf welche die Kirche gebaut ist, zur Grundlage haben; neu, insofern sie aus der Mitte der veränderten jetzigen Zeitverhältnisse heraus entstanden sind. Sie sind nicht etwa nur gemacht, um von Andern gebetet zu werden; sie sind vorerst von mir selber gebetet und größtentheils ohne die Absicht der Veröffentlichung meinem eigenen Herzensbedürfniß zufolge niedergeschrieben. IV Es ist eine Stimme, wenn auch eine nur lallende Stimme aus dem Chore der betenden Kirche, die hier laut wird, der Kirche, die zu dem Worte des HErrn, ohne zu meistern, ihr Ja und Amen spricht. Fürwahr diese Kirche, von der es besonders jetzt augenscheinlich wird, daß sie eine Rose unter den Dornen ist, bedarf des gemeinschaftlichen Gebetes ihrer Glieder wider die vielen Feinde außen und innen. Gebet und Thränen sind ihre Waffen. Gebet, brünstiges, unablässiges Gebet ist uns hoch von nöthen, daß wir uns nicht etwa mit einem todten Wissen der heilsamen Lehre begnügen und darauf, wie der Pharisäer auf seine todten Werke, unsere Gerechtigkeit gründen, sondern daß auch die lebendigmachende Kraft des Wortes Gottes in Früchten des Geistes an uns offenbar werde. Denn jedes Wort Gottes ist ein unvergänglicher Same, aus welchem ein ganzer Wunderbaum geiſtlicher Erfahrungen mit früchtebeladenen, bis in den Himmel reichenden Zweigen emporwächst. Wer kann den Reichthum göttlicher Gnadenfülle ausreden, der in den Worten ,, Das ist mein Leib- das ist mein Blut" sich uns auf Vorwort zur ersten Auflage. thut? Was uns der HErr mit diesen Worten darreicht, das kann denen nicht zweifelhaft sein, die an einen allmächtigen Heiland glauben und bereits hier im Glauben seine Herrlichkeit erkannt haben. Aber wie viel uns mit dem wahren Leibe und Blute des HErrn geschenkt wird, das auszudenken und auszuerfahren wird auch die Ewigkeit zu kurz sein. Möge denn dieses Andachtsbuch ein Scherflein dazu beitragen, JEsum Christum, wiefern er im Sacrament sich uns mittheilt, in den Herzen aller derer zu verklären, welche sich desselben zur Erweckung und Förderung ihrer Andacht bedienen!. Möge es ihnen die reine Lehre vom Sacrament des wahren Leibes und Blutes des HErrn recht wichtig und theuer machen! Denn wie hoch wir auch das Sacrament schätzen, immer schätzen wir es noch nicht hoch genug. Wir wollen uns nicht von denen bethören lassen, welche die Lehre vom heiligen Abendmahl als ein unwesentliches Stück der christlichen Heilslehre angesehen wissen wollen. Die heiligen Sacramente sind die größten Heiligthümer des Neuen Bundes, aus denen seine überschwengliche Klarheit dem Auge des Glaubens ganz besonders entgegenleuchtet. Das Wort und die Sacramente sind die drei unzertrennlichen Zeugen Gottes auf Erden( 1 Joh. 5), sie sind die Brunnen alles geistlichen Lebens, die Siegel unsers Gnadenstandes, der Brautschmuck der Kirche. Denn durch das Wasserbad im Wort ist sie ge reinigt, und kraft des Leibes und Blutes Christi, dessen sie theilhaftig worden, ruft sie frohlockend aus: Wir sind Glieder V Vorwort zur zweiten Auflage. seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebeine ( Eph. 5, 25 ff.). Wie viel könnte ich hier über die Geringschätzung des Sacraments in unserer Zeit und über die blutenden Wunden der Kirche sagen und klagen! Aber hier an der Thür des Betkämmerleins, wo du, mein Bruder, meine Schwester, in aller Stille vor Gott dein Herz ausschütten sollst, will das Geräusch vieler Worte sich nicht geziemen. Ich lasse dich allein mit deinem Gott und befehle dich der Salbung von Dem, der da heilig ist. Leipzig, am 15. April 1844. VI Vorwort zur zweiten Auflage. Schon seit sieben Jahren ist an mich zu wiederholten Malen die Aufforderung ergangen, meine Beicht- und Com muniongebete zu einem Beicht- und Communionbuche zu erweitern. Dieſer Aufforderung habe ich endlich nachgeben zu müssen geglaubt. Der Raum der Erweiterung war mir aber ſpärlich zugemeſsen, weil das Büchlein weder sehr vertheuert noch seiner ersten Gestalt, in der es Eingang gefunden, allzusehr entfremdet werden sollte. Neu hinzu gekommen ist der nun vorausgehende Unterricht über Beichte und Abendmahl( woraus Einiges ausführ Vorwort zur zweiten Auflage. licher schon früher in der Zeitschrift für Protestantismus und Kirche und in Stips Pastoral- Kirchenzeitung mitgetheilt worden ist), so wie die den Beschluß machende Lese alter bewährter Lieder, in deren Auswahl neben Stips Gesangbuch besonders Löhe's Beicht- und Communionbüchlein( Aufl. 3. Nürnberg 1850) berücksichtigt worden ist. Nach dessen Vorgange ist auch in dem Gebetstheil die heilige Handlung aufgenommen. Alles Altkirchliche ist in seiner besten ursprünglichen Gestalt gegeben und auch so weit als thunlich in seinem alten Gewande belassen worden. Von den Gebeten sind nur wenige weggeblieben, um Raum für Nöthigeres und Gediegeneres zu gewinnen. Geändert habe ich an ihnen nicht. Eine wissenschaftliche Arbeit habe ich kaum veröffentlicht, so widert sie mich wegen ihrer Mangelhaftigkeit an, aber mit diesen Gebeten stimmt mein Herz noch heute wie vor Alters. Der Glaube, aus dem sie hervorgegangen, ist heute noch das Leben meines Geistes. Er ist mir unverbrüchlich besiegelt. Die Freiheit meiner wissenschaftlichen Forschung hat ihn zum Fundamente. Der HErr segne mein armes und keinerlei Ansprüche machendes Büchlein. Es ist eine Frucht Seiner Führungen. Vielleicht gereicht sie hie und da einer Seele zur Labung. Erlangen, nach Reminiscere 1853. VII VIII Vorwort zur dritten Auflage. Vorwort zur dritten Auflage. Nachdem dieses Communionbuch auch auf seiner zweiten anspruchs- und geräuschlosen Wanderung segnend vom HErrn geleitet worden ist, begibt es sich jetzt zum dritten Mal auf den Weg, indem es seinem seligen Berufe, das Allerheiligste des Neuen Bundes in glaubensverbundenen Seelen zu verherrlichen, nun noch allseitiger zu genügen hofft. Der vorausgeschickte Unterricht ist von neuem durchgesehen und hat manche Bereicherung, besonders in Betreff des über allen Zweifel erhabenen Opfercharakters des Herrnmahls, erhalten. Zu den kurzen Gebeten während der heiligen Handlung sind einige bisher vermißte hinzugekommen. Und da es, zumal im Hinblick auf die morgenländischen Liturgieen, als ein Mangel der unsrigen erscheint, daß das Gebet so wenig Raum hat, so ist zwischen dem Lamm Gottes" und dem Vaterunser eins der schönsten liturgischen Gebete unseres bayerischen Agendenkerns eingelegt worden. Am Schlusse der Gebete vor und bei der Communion ist nun auch Rücksicht auf Neuconfirmirte und Todkranke genommen. Der Liedertheil ist gleichfalls nicht unbedacht geblieben. Wir sind nicht reich an Liedern, in denen die Anbetung des großen Geheimnisses vorherrscht. Deshalb sind drei altkirchliche Uebersetzungen mittelalterlicher lateinischer Lieder, ohne Eingriff in ihre alterthümliche Sprache, herange Vorwort zur dritten und vierten Auflage. zogen worden. In dieser Ueberarbeitung bin ich von meinen lieben Freunden, Diaconus D. Schneider in Leipzig und Bezirksgerichtsrath Hommel in Ansbach, willfährig unterſtützt worden, wofür ich ihnen herzlich danke. IX Uebrigens ist der Grundcharakter dieses Communionbuchs, daß die Gebete( ausgenommen die liturgischen) vom Verf. aus eignem Herzen gebetet sind, gewahrt geblieben. Sie sind nichtsdestoweniger frei von allen eignen Gedanken und ganz und gar aus dem Worte, dessen Echo das Bekenntniß unserer lutherischen Kirche ist, erwachsen. Habe ich auf dem Gebiete wiſsenschaftlicher Forschung hie und da neue Gedanken vorgetragen, die über das kirchliche Bekenntniß hinausgehen, ohne ihm, wie ich hoffe, zu widersprechen, so bin ich doch weit entfernt, dieſe der Gemeinde aufdringen zu wollen, da sie sich erst bewähren müßten, ehe sie für kirchlich gelten könnten. Mein Glaube und meine Theologie sind die meiner Kirche. Und betend zumal leb' und web' ich mit ihr in Einem Elemente. Wie Ruth von Naemi, will ich lebend und sterbend nicht von ihr lassen. Erlangen, am 8. Dec. 1858. Vorwort zur vierten Auflage. Der Inhalt der dritten Auflage erscheint in dieser vierten nicht allein durchweg revidirt, sondern auch, besonders für Vorwort zur vierten und fünften Auflage. das Bedürfniß der Confirmanden, mannigfach erweitert. Außer dem Unterricht über die Confirmation und den Gebeten für Neuconfirmirte sind auch andere neue Gebete und manche kostbare Lieder hinzugekommen, auf die mich Pastor Schneider aufmerksam gemacht und deren einige mir Bezirkgerichtsrath Hommel aus der von ihm für den Druck vorbereiteten Sammlung geistlicher Volkslieder mitgetheilt hat. Außer dieſen beiden Freunden verdanke ich auch unserem lieben v. Zezschwitz manche willkommene Winke. X Der HErr bekenne sich auch ferner zu diesem Buche, und wappne alle die es zur Hand nehmen gegen den um sich greifenden Abfall, und decke uns in seiner Hütte zur bösen Zeit. Erlangen, am 12. März 1864. Vorwort zur fünften Auflage. Diese fünfte Auflage darf eine neu überarbeitete heißen, denn die Lehrstücke sind aufs neue durcherwogen, die Gebete aufs neue durchgebetet worden, um überall, wo es nöthig oder möglich war, die Wahrheit noch treffender zu fassen und angemessener auszudrücken. In den Gebeten sind zwei neue hinzugekommen, eins welches von der geistlichen Nießung handelt und eins für einen solchen der, ohne selbst zu communiciren, bei der Communion nach alter löblicher Ge Vorwort zur fünften Auflage. meindefitte zugegen bleibt. In dem hymnologischen Schlußtheile erscheint hier zum ersten Male eine bisher fehlende Gruppe von Liedern, nämlich von Dankliedern nach empfangener Absolution. In den Abendmahlsliedern ist ein altes hartes Lauda Sion Salvatorem durch ein neues ansprechenderes von Julius Sturm ersetzt worden, und auch außerdem habe ich zwei Lieder meines treuen Mitarbeiters an Saat auf Hoffnung" aufgenommen, denn auch die neue Zeit sagen wir mit Löhe hat Lied und Sang, und thüricht ist wer sein Ohr dagegen abstumpft. 11 Wie bei der vorigen Auflage hat auch bei dieser mein Freund Hommel mir seine hymnologischen Kenntnisse und Erfahrungen zugute kommen lassen. Die Liederabtheilung ist, hinzugerechnet die drei von Sturm, um zehn Lieder vermehrt, welchen aber, weil das Buch nicht umfänglicher werden sollte, sieben bisher aufgenommene weichen mußten. Gern hätte ich das Lied der Böhmischen Brüder: O wie süß ist dein Gedächtniß( in von Tuchers Schatz des evangelischen Kirchengesangs Nr. 366) und manches andre alte Lied aufgenommen, aber ich glaubte auf Alles was der Gemeinde der Gegenwart zu fremdartig klingt verzichten zu müssen; denn die Wahrheit, obwohl an sich über allen Wechsel erhaben, wechselt doch ihre Formen. Es war eine böse Zeit, in welcher ich diese fünfte Auflage meines Communionbuchs druckfertig machte. Der im Sommer 1870 entbrannte Krieg loderte fort, unsere Sieges— XI Vorwort zur fünften Auflage. fahnen umflorten sich immer dichter und wir warteten von Woche zu Woche vergeblich, daß der Gott des Friedens sein verborgenes Antlig enthülle. In dieser Zeit, in welcher Tausende sich für das Vaterland opferten, barg ich mich in den Einen, der sich für die Menschheit geopfert hat, um ihr den Frieden zu erwerben, den die Welt nicht geben kann. Wann, ach wann wird er sein Friedensreich aufrichten? Wir wissen es nicht, aber das wissen wir, daß die ewige Stätte dieses Friedensreiches nicht diesseits sondern jenſeits ist, dort wohin er, nachdem er sein Friedensmahl eingeſetzt, uns vorausgegangen. Leipzig, am 16. Januar 1871. XII F. D. Inhaltsverzeichniß. I. Unterricht über das Amt der Schlüssel, über das Sacrament des Altars und über die Confirmation. Seite 1-72. Vom Binde- und Löseschlüssel, der Absolution und der Beichte S. 3-25.- Vom heil. Abendmahl S. 26-63. Confirmation S. 64-72. Von der II. Einleitende Gebete S. 73-98. Gebet Vorbetrachtung nach Matthäus 2, 11. S. 75-76. um die Gabe des Gebets S. 77. Um Festhaltung der reinen Lehre S. 78. Um lebendigen Glauben an die Worte der Einsetzung S. 81. Danksagung für das Leiden und Sterben des Herrn S. 84. Dantsagung für die Auferstehung des Herrn S. 87. Gebet zu dem guten Hirten S. 89. Zum Seelenbräutigam S. 90.- 3um Spender des wahren Himmelsbrots S. 91. Zu dem treuen Hohenpriester S. 93. Gebet bei Lesung des göttlichen Worts S. 94. Gegen unempfindliche Gleichgültigkeit S. 95. Um Stille und Genüge in dem Herrn S. 96. III. Buß- und Beichtgebete nebst Anleitung zur Selbstprüfung S. 99-152. - - - - - - Morgengebet am Vorbetrachtung nach Matthäus 5, 6. S. 101-102.- Anleitung zur Selbstprüfung S. 102-108.- Gebet um Erleuchtung zur Selbsterkenntniß S. 109. Bußpsalm Pf. 51 S. 113. Gebete reuiger Selbstanklage S. 115-128. Gebete um Erneuerung der ersten Liebe S. 128-132. Tage der Beichte S. 132. Gebet eines Confirmanden vor der Beichte S. 136. Die allgemeine Beichte am Anfang des Hauptgottesdienstes oder das Confiteor S. 138.- PrivatbeichtFormulare S. 140-142. der Absolution S. 142-144. Hausgebete nach der Absolution S. 144-148.- Abendgebet am Beichtsamstag S. 148. Dankpsalm Pf. 32. S. 151. Danksagungen unmittelbar nach — - - - - XIV IV. Gebete bor und bei der Communion S. 153-194. Borbetrachtung nach Hoheslied 1, 2. S. 155-156. Gebete um die rechte Vorbereitung S. 157-160. Gebet zum Gotteslamme S. 160. Unser täglich Brot gib uns heute S. 164. Um Abwendung unwürdigen Genusses S. 168. Um Weltentsagung S. 169. Morgens am Tage des Genusses des heiligen Abendmahls S. 171. Morgengebet eines Confirmirten am Tage der ersten Communion S. 174. Die heilige Handlung S. 177-186.- Gebetsgedanken während der heiligen Handlung S. 186-193. Fürbitte eines im Geiste Mitfeiernden S. 189 Gebet eines Kranken vor der Hauscommunion S. 190. Psalm 111 S. 193. V. Gebete nach der Communion S. 195-242. Inhaltsverzeichniß. - - - - - - Um Vorbetrachtung nach Psalm 16, 6. S. 197-198. Danksagung, Bitte und Fürbitte nach der Rückkehr aus der Kirche S. 199-220.- Gebet der Aufopferung sein selbst S. 204. Gebet um stetes Gedächtniß des Herrn S. 206. Stärkung des Glaubens S. 208. Um stete Gemeinschaft mit dem Herrn S. 210. Um Freudigkeit im Kreuz S. 211. Um Vermehrung der Liebe zu dem Herrn und unter einander S. 214. Um gliedliche Gemeinschaft mit der Kirche Christi S. 216.- Um fortwährende geistliche Nießung S. 218. Gebet am ersten Sonntage des Advents( Beginn des Kirchenjahrs) S. 221. Am Chriftfest S. 223-225. Am Gründonnerstage S. 225-227.- Am Charfreitage S. 227-229. Am Osterfeste S. 229-231. Am Himmelfahrtsfeſte S. 231-233.- Am Pfingstfeste S. 233.- Abendgebete am Communiontage S. 235-239.- Abendgebet eines Confirmirten nach erstmaliger Communion S. 239.- Psalm 23. S. 242.VI. Beicht- und Abendmahlslieder S. 243-288. I. Buß- und Beichtlieder. Lieder vor und bei der Beichte S. 245-255. Lieder nach empfangener Absolution S. 255-257.- II. Abendmahlslieder. Lieder vor und bei der Feier des heiligen Abendmahls S. 258-280. Lieder nach der Feier des heiligen Abendmahls S. 280-288. - - - - - Liederregister. Ach GOtt und HErr Allein zu dir, Herr JEsu Christ Auf Seele, schicke dich Aus tiefer Noth schrei ich zu dir Das Heil der Welt, Herr JEfu Chrift Gott sei gelobet und gebenedeiet. Herr, ich habe mißgehandelt. Herr JEsu Christ, du höchstes Gut sich doch Herr JEsu Christ, du höchstes Gut wir kommen Herr JEsu Christe, mein getreuer Hirte Höchster König, JEsu Christ Höchster Priester, der du dich. Höret zu, ihr hohen Himmel Ich armer Mensch, ich armer Sünder. Ich bet dich an demütiglich Ich weiß ein Blümlein, ist hübsch und fein JEsus, JEsus, du mein Heiland JEsu, Lieb und Leben. JEsu, meines Herzens Freud JEsus Christus, unser Heiland Komm mein Herz in Jesu Leiden Lebendig, kräftig Himmelsbrot Mein Herz, gedenk was JEsus thut Mein JEsu, der du vor dem Scheiden Mein Seel', dich freu. Seite 244 246 258 247 259 280 248 249 260 261 250 281 263 252 264 266 270 267 268 269 271 273 281 282 274 XVI Liederregister. O allerhöchste Speiſe O Christe, Morgensterne O JEsu, du mein Bräutigam O JEsu, meine Wonne O unaussprechlichs Wesen Preise, Zion, tauſendtönig. Schmücke dich, o liebe Seele Wär'n meiner Sünd auch noch so viel Wenn dein herzliebster Sohn, o Gott. Wie wohl hast du gelabet. Wir danken dir, o treuer Gott Wo soll ich fliehen hin. Seite 277 253 275 284 285 277 278 255 256 286 257 254 I. Unterricht über das Amt der Schlüssel, über das Sacrament des Altars und die Confirmation. 1 Drei sind die da zeugen auf Erden: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind beisammen. 1 Joh. 5, 8. I. Vom Binde- und Löseschlüssel, der Abfolution und der Beichte. 1. Alle Menschen sind Sünder. Sünde und Sündenschuld ist unser Erbe von Adam her. Durch unsere Thatsünden, die wir täglich begehen, erhält dieses traurige Erbe einen immer größeren Zuwachs. Sehen wir uns an wie wir von Natur sind, so ist unser ganzes Leben ein Hinsterben in Sünden und unsere Freiheit liegt in knechtenden Banden. Denn die Sünde ist nicht allein das größte Uebel, sondern auch die giftige Wurzel alles Uebels. Sie gebiert den Tod: den zeitlichen, den geistlichen, den ewigen. Sie zerreißt unsere Gemeinschaft mit Gott und macht uns zu Knechten des Fleisches, der Welt und des Teufels. Sie ist ein Feuer, welches das Rad unseres Lebens ergriffen hat und allen Frieden und alle Freude in Gefühl des göttlichen Zornes und Vorschmack der Hölle verwandelt. Was hälfen uns alle Heilsgüter der Erlösung, wenn sie nicht vor allem unser Gewissen entlaſtete! Wir bedürfen vor allem Vergebung der Sünden. Denn wie 1* 4 Unterricht die Sünde die Wurzel alles unseres Unheils ist, so ist Vergebung der Sünden die Bedingung alles unseres Heils. Darum preist die Schrift Vergebung der Sünden als die erste und hauptsächlichste Frucht des Werkes unserer Erlöſung. Jesus Christus hat uns durch seinen Tod und durch seine Auferstehung Vergebung der Sünden erworben. ,, An ihm- ruft Paulus Eph. 1, 7 frohlockend aus- haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichthum seiner Gnade."( 2. Er, der Gottessohn und Menschensohn, hat unsre Sünden auf sein Herz und Gewissen genommen und hat uns Vergebung der Sünden erworben durch sein heiliges Leben und seinen blutigen Tod. Und er hat nicht allein bezeugt, daß er gekommen, sein Leben dahinzugeben als Lösegeld für Viele ( Matth. 20, 28), sondern er hat auch schon während seines Wandels auf Erden einzelnen Personen Vergebung der Sünden zugesprochen oder Absolution, das ist Lossprechung und Entlastung von Sündenschuld, ertheilt. Sünde vergeben kann allerdings nur Gott, aber Jesus bekundete ebendadurch, daß er Sünde vergab, seine Wesens- und Willenseinheit mit dem Vater und die ihm auch nach seiner menschlichen Natur verliehene Macht über Alles. In dieser Machtvollkommenheit, die er als Gottmensch besitzt, spricht er Matth. 9, 2 zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn! deine Sünden sind dir vergeben. Wie zu dem Gichtbrüchigen, so sprach er auch zu der Sünderin in Simons des Pharisäers Hause. Sie war I. über die Beichte und die Absolution. bußfertig; ihre Reue zeigte sich in ihren Thränen und ihr Glaube darin, daß sie die Füße Jesu mit diesen Thränen netzte. Zwar hatte sie Gnade in den Augen des Herrn gefunden schon ehe sie die Absolution empfing; ihr sind viel Sünden vergeben sagt der Herr Luc. 7, 47- denn ſie hat viel geliebet. Aber damit sie ihrer Sündenvergebung recht gewiß werde, bestätigt er ihr dieselbe in äußerlich vernehmbarer Weise, indem er zu ihr spricht: Dir sind deine Sünden vergeben. Ebenso Zachäus dem Zöllner Luc. 19, 1 ff. ,, Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder" diese Worte sind Zachäus' Beichte, und des Herrn Worte: ,, Heute ist diesem Hause Heil widerfahren" sind seine Abſolution. Gewiß hat er diese Macht der Sündenvergebung noch weit öfter ausgeübt; die Welt würde ja die Bücher nicht begreifen, die wenn uns alles erzählt werden sollte zu beschreiben gewesen wären. Er ist ja der im Buche Jesaia geweissagte Knecht Gottes, welcher sich seiner Sendung freut, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen daß sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen daß sie frei und ledig sein sollen Luc. 4, 18. Zu dieser aneignenden Verkündigung des Evangeliums war er gesalbt mit Gottes Geiste, und Gott hatte ihm eine gelehrte Zunge gegeben, daß er wisse zu reden mit dem Müden zu rechter Zeit. — - 6 Unterricht 3. Als er aber nach siegreich vollbrachtem Werke gen Him mel aufgehoben ward und eine Wolke ihn den Augen der Seinen entrückte, da hat er den evangelischen Gnadentroft der Absolution nicht mit sich von hinnen genommen. Schon in den Tagen seiner Niedrigkeit hat er seiner Kirche gedacht, welcher er nach seinem Hingang nicht mehr sichtbar gegenwärtig sein würde. Als gegenüber den schwankenden Meinungen über seine Person Petrus unter den Aposteln das Wort ergreift und sich zu ihm als dem Christ, dem Sohn des lebendigen Gottes, bekennt, sagt Er ihm: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein und alles was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein( Matth. 16, 18. 19). Was hier dem Petrus Sonderliches verheißen wird, hat sich dadurch erfüllt, daß er es gewesen ist, welcher durch seine Pfingstpredigt die Dreitausend gewann und dann in das Haus des Hauptmanns Cornelius einging, also dadurch daß die aus Juden und Heiden gesammelte Erstlingsgemeinde Christi auf Petrus und sein Apostelwort wie ein Haus auf Felsengrund erbaut ward. Die Macht aber zu binden und zu lösen, welche Matth. 16, 19 zuerst Petrus empfängt, wird von dem Herrn Matth. 18, 18 auch den andern Aposteln und, wie dort der Zusammenhang der Rede beweist, nicht allein den Aposteln 7 I. über die Beichte und die Absolution. insgesammt, sondern überhaupt allen Jüngern Christi ertheilt. Jedoch sind es Joh. 20, 19 ff. wieder die Apostel, welche der Auferstandene grüßt: Friede sei mit euch; gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist: welchen ihr die Sünde erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Wir sehen aus der Vergleichung dieser drei Grundstellen, daß die Macht, welche der Herr zweimal seinen Aposteln zuspricht, zunächst und allererst seiner ganzen Jüngerschaft und also seiner Kirche zukommt. Wenn schon im Alten Testament das aaronitische Priesterthum auf der breiten Basis des priesterlichen Charakters des Gesammtvolkes stand( 2 Mos. 19, 6): um wie vielmehr im Neuen Testament, in welchem an die Stelle der Volksgemeinde die Geistesgemeinde d. h. die geistlich entstandene und verbundene getreten ist, von welcher Petrus 1 Petr. 2, 9 sagt: Jhr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk. Es gibt jetzt keinen Geburtsstand mehr, wie den der levitischen Priester, welcher das ausschließliche Recht hätte, sich Gott und seinen Heiligthümern zu nahen und den Zugang der Gemeinde zu ihrem Gott zu vermitteln. Aber ein Amt im Dienste Gottes und der Gemeinde besteht auch im Neuen Teſtamente. Der Herr hat mitten im Werden seiner Kirche gezeigt, daß die Macht, welche er seiner Christenheit verliehen hat, ordentlicher Weise durch berufene und bestellte Organe 8 Unterricht ausgeübt werden soll. Die ersten zu amtlicher Ausübung dieser priesterlichen Macht der Christen unmittelbar von Jeſu Christo selbst berufenen und bestellten Organe waren die Apoſtel. 4. Wir betrachten nun die den Jüngern Christi und ins besondere den Aposteln verliehene Macht näher nach ihrem Inhalt. In dem Ausspruche an Petrus nennt sie der Herr die Schlüssel des Himmelreichs. Ueber diese Schlüssel verfügt er als über sein Eigenthum, denn er ist der König des Himmelreichs, das Haupt der Kirche; er hat den Schlüſſel Davids und kann aufthun so daß Niemand zuschließen, und kann zuschließen so daß Niemand aufthun kann( Offenb. 3, 7); er, der Auferstandene und Ewiglebendige, hat die Schlüſſel der Hölle und des Todes( Offenb. 1, 18). Aber der Herr des Hauses kann die Schlüssel des Hauses einem Diener anvertrauen, wie wir Jes. 22, 22 lesen, daß dem Eljakim als königlichem Diener verheißen wird: ich will die Schlüſsel zum Hause David auf seine Schulter legen. So ertheilt auch der Herr Jesus Matth. 16, 19 seinem Apostel eine ihm, dem alleinherrschenden Könige seines Reiches, untergeordnete Amtsgewalt, oder vielmehr: er verheißt ihm ihre Verleihung, denn ſein königliches Herrschen zur Rechten des Vaters war damals noch zukünftig. Das Himmelreich, dessen König der Erhöhete ist, wird als ein geistliches Reich allen Heilsbegierigen mittelſt des Worts und der Sacramente aufgeschlossen und allen Heilsverächtern mittelst des Wortes zugeschlossen. Also I. über die Beichte und die Absolution. begreifen die Schlüssel des Himmelreichs in sich die ganze mannigfaltige geistliche Gewalt, welche in der Handhabung des Worts und der Sacramente enthalten ist. Es sind aber die zwei hauptsächlichen Stücke dieser Gewalt, welche der Herr namhaft macht, indem er beifügt: Alles was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Die Schlüsselgewalt wird hier besonders als Macht zu binden und zu lösen bezeichnet. Die Kirche redet deshalb von einem Binde- und Löseschlüssel und nennt die Handhabung beider vorzugsweise die Schlüsselgewalt. 5. Dasjenige was gebunden und gelöst wird ist, wie der Herr selbst Joh. 20, 23 erklärt, die Sünde mit ihren Folgen, welche wie ein Bann auf dem Menschen lastet und ihn in Haft und Knechtschaft hält. Die Sünde wird gebunden, wenn sie den Unbußfertigen behalten d. h. nicht vergeben, sondern in ihrer ganzen Schwere mit ihren unseligen Wirkungen zu erfahren gegeben wird; sie wird gelöst, wenn sie vergeben d. h. mit ihrer Schuldlast und ihren unseligen Wirfungen vom Gewissen hinweggenommen wird, so daß in der Seele die lebendige freudige Ueberzeugung entsteht, daß ihre Uebertretungen ihr hinfort nicht zugerechnet werden sollen, daß Gott derselben im letzten Gericht nicht gedenken werde, daß sie vor Gottes heiligen Augen getilgt seien und fortan nichts Verdammliches an ihr sei. Dieses Binden und Lösen ist nicht einerlei mit der evangelischen Predigt, welche dem 9 10 Unterricht Menschen Leben und Tod vorlegt. Denn die Predigt ergeht unterschiedslos an alle Menschen, das Binden dagegen an beharrlich Unbußfertige und das Lösen an Bußfertige. Wäre unter dem Lösen nur die Verkündigung des Heils und unter dem Binden die Verkündigung der Verdammlichkeit des Unglaubens gemeint, so würden die Worte Christi was sich von selbst versteht besagen: Welchen ihr das Heil verkündigt, denen ist es verkündigt; welchen ihr die Strafbarkeit des Unglaubens verkündigt, denen iſt ſie verkündigt. 6. Was ihr auf Erden bindet werdet, betheuert der Herr, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. Ist es denn aber Gottes würdig, menschliches Urtheil hinterdrein bestätigen zu müssen? Und ist es denn nicht Gott allein, welcher solche Wirkungen, wie jenes Binden und Lösen, im innersten Seelenleben hervorbringen kann? Thörichte Einwände! Das Binden und Lösen des Dieners Christi und Gottes im Himmel ist kein verschiedenes, so daß das eine vorher, das andere nachher erfolgte. Auch sind es nicht mensch liche Wirkungen, sondern menschlich vermittelte Wirkungen Gottes. Gott selbst ist es, der in Gemäßheit seines ewigen Gnadenrathschlusses und seines neutestamentlichen Gnadenhaushalts die Seele mittelst des Amtes der Schlüssel entweder der Bürde ihrer Sünden entledigen oder damit beschweren, ihr entweder seine Gnade oder seinen Zorn zu schmecken geben will. Jesus Christus der Erhöhete ist seiner Kirche nicht I. über die Beichte und die Absolution. 11 deshalb ferne weil er ihr unsichtbar ist. Seine Diener sind nur die Werkzeuge seines eignen selbstthätigen Wirkens. Und was Christus ordnet und wirkt, das bestätigt Gott, denn der Vater und der Sohn sind eins, und der Sohn ist nach dem Willen des Vaters den er vollführt hat unser Erlöser, aber auch Richter Aller, welche ihr eignes Verderben wollen, indem sie Ihn der sich ihnen als ihr Erlöser darstellt schnöde von sich stoßen. 7. Von so göttlicher Kraft und ewiger Wichtigkeit ist die von Jesu Christo seinen Jüngern und insbesondere den Aposteln verliehene Macht zu binden und zu lösen. Da sie den Aposteln nicht als ausschließliches Vorrecht verliehen, sondern allen Jüngern Christi zugesprochen ist, so kann ſie nicht mit dem Hinscheiden der Apostel erloschen sein. Sie kann so wenig jemals erlöschen, als die Kirche selbst je von der Hölle Pforten überwältigt werden kann. Aber der Herr hat auch dafür Sorge getragen, daß fort und fort in seiner Kirche ein diese Macht ordentlicher Weise ausübendes Amt beſtehe. Er hat es gestiftet, indem er das Apostolat geſtiftet hat. Das Apostolat war Amt des Wortes und der Sacramente, denn andere Mittel zur Pflanzung, Erbauung und Leitung der Kirche gibt es nicht, als diese Gnadenmittel durchaus geistlicher Art. Aber das Apostolat war dieſes Amt der Gnadenmittel in seiner ersten einzigartigen Gestalt. Dieſe mit besonderen persönlichen Vorrechten der Apostel verbundene Urgestalt des Amtes sollte erlöschen, nachdem sie ihren Zweck, 12 Unterricht die Kirche für alle Zeiten zu gründen, erfüllt hätte. Aber ſeinem in dieser Urgestalt enthaltenen Wesen nach sollte das Amt bleiben, und alle seine Träger theilen mit den Aposteln die an der Handhabung des Wortes und der Sacramente haftenden Pflichten und Vollmachten und Verheißungen. Darum erkennen die Apostel auch diejenigen Verkündiger des Evangeliums und Hirten der Gemeinden, welche nicht, wie sie unmittelbar vom Herrn, sondern nur mittelbar berufen sind, als wesentlich gleichberechtigte Diener Jesu Christi an, als Mitdiener Col. 1, 7 und Mitälteste 1 Petr. 5, 1, welche der heilige Geist zu Bischöfen gesetzt hat, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigen Blut erworben Apost. 20, 28. Unter die Vollmachten aber, welche nicht allein dem apostolischen Amte, sondern überhaupt dem Amte das die Versöhnung predigt für alle Zeiten verliehen worden sind, gehört auch die Macht zu binden und zu lösen. Die Absicht des Herrn, indem er das Amt mit dieser Macht ausrüstete, war auf die Befriedigung eines geistlichen Bedürfnisses gerichtet, welches während des gegenwärtigen Zeitlaufs in der Menschheit nie aufhört. Man wende nicht ein, daß zwar die Apoſtel der Ausübung der Schlüsselgewalt gewachsen waren, nicht aber ihre nichtapoſtolischen Nachfolger im Amte, welche an Erkenntniß und Tiefblick weit hinter ihnen zurückstehen. Auch die Apostel waren keine Herzenskündiger, sondern kennen keinen andern Herzenskündiger als den Herrn Apstg. 1, 24., aber das Amt der Schlüssel fordert auch gar nicht von dem, der I. über die Beichte und die Absolution. es ausübt, daß er das Innerste des Menschen durchschaue, sondern nur daß er die sittliche Beschaffenheit des Einzelnen nach seinem äußeren Leben und abgelegten Bekenntniß zu beurtheilen und Heilsbegierige von Heilsverächtern zu unterscheiden wisse. Auch dazu gehört eine Urtheils- und Willenskraft, welche mehr als bloße Naturgabe ist, aber der Geist, welchen der Auferstandene seinen Jüngern unter dem Hauchen seines Mundes mittheilte, ist ja auch jetzt noch wirksam. Die Kirche fleht ihn bei der Handauflegung auf ihre Diener hernieder und er gibt sich in jegliche sein aufrichtig begehrende Seele. 13 8. So gehört also die Schlüsselgewalt nicht minder als die Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sacramente unter die wesentlichen unerlöschlichen und unveräußerlichen Rechte und Pflichten des neutestamentlichen Kirchenamts. Sie gehört zu der überschwenglichen Klarheit dieses Amtes als eines Amtes der Gerechtigkeit die vor Gott gilt, des Geistes und der Versöhnung( 2 Cor. 3, 6-9. 5, 18). Alles was der Kirche zu ordnen anheimgestellt ist, das ordne und ändere man nach bestem Wissen und Gewissen, damit alles ehrlich und ordentlich zugehe. Was aber dem Kirchenamte vermöge göttlichen Rechts zukommt, ist unantaſtbar und kann ihm nicht durch menschliche Willkür entrissen werden; noch weniger dürfen es die Träger des Kirchenamtes selber aufgeben, wenn sie nicht aus Trägheit und Lauheit, Menschenfurcht und Menschengefälligkeit auf die allerhöchste Ehre, 14 Unterricht Knechte Jesu Christi und Gottes Mitarbeiter zu sein, verzichten und die der Treue verheißene unverwelkliche Krone beim dereinstigen Erscheinen des Erzhirten verlieren wollen. 9. Die Behaltung der Sünden hat zu ihrer nothwendigen Folge die Vorenthaltung des heiligen Abendmahls. Denn ein treuer Haushalter über Gottes Geheimnisse kann das Sacrament nicht einem beharrlich Unbußfertigen preisgeben. Läßt dieser weder die Verweigerung der Absolution noch die des Sacraments trotz alles Ermahnens und Flehens sich zur Bekehrung dienen, so tritt nach dem Matth. 18, 15-17 vorgeschriebenen Verfahren der Ausschluß aus der Kirchengemeinschaft oder der Bann( excommunicatio) ein, welcher nicht von den Amtsträgern allein, sondern immer nur mit Zuziehung der Gemeinde verhängt werden darf; denn ſelbſt da wo Paulus in apostolischer Machtvollkommenheit den Blutschänder excommunicirt, welchen die korinthische Gemeinde zu excommuniciren unterlassen hatte, thut er es als dem Geiste nach gegenwärtig in ihrer Versammlung 1 Cor. 5, 3-5. Die Verhängung des Bannes über beharrlich Unbußfertige ist eine Pflicht der Kirche, welche aus der Heiligkeit ihres Wesens und Berufes hervorgeht 1 Cor. 5, 9-13., und hat den heilsamen Zweck, in denjenigen, welchen die Gnadenspenden der Kirche und der Segen ihrer Gemeinschaft entzogen werden, wahres Verlangen danach zu wecken. Die Betheiligung der Gemeinde an Verhängung des Bannes gründet sich darauf, daß überhaupt die Schlüsselgewalt eine I. über die Beichte und die Absolution. der Jüngerschaft Christi und also der Gesammtgemeinde verliehene Vollmacht ist, an deren Ausübung sie sich hier ordnungsmäßig betheiligt. 10. Die Schlüsselgewalt ist eine rein geistliche, auf den innern Menschen gerichtete Gewalt, weshalb von unserer Kirche der mit bürgerlichen Wirkungen verbundene sogenannte große Bann der römischen Kirche verworfen wird. Die Schlüsselgewalt ist grundverschieden von obrigkeitlicher Strafgewalt und weltlicher Herrschaft. Sie wird entweiht, wenn die Glieder der Kirche dadurch unter menschliches Ansehen geknechtet, wenn redliche Seelen dadurch gequält, schwache Gewissen dadurch verwirrt werden. Denn die Träger des Amtes sind nicht Herren über unsern Glauben, sondern Gehülfen unserer Freude 2 Cor. 1, 24; der Herr hat ihnen Macht gegeben zu bessern und nicht zu verderben 2 Cor. 10, 8, und hat ihnen befohlen, die Heerde williglich und von Herzensgrunde zu weiden, nicht über sie zu herrschen 1 Pet. 5, 2. 3. 15 11. Wie so überaus gnädig ist der Herr, der weil er den Wankelmuth, die Kleingläubigkeit, die Blödigkeit unseres natürlichen Sinnes fennt, uns nicht blos die vielen theuer verbürgten und beschworenen Verheißungen seines geschriebenen Wortes gegeben, sondern auch das Amt der Schlüssel eingesetzt hat, um uns seinen Gnadenwillen zu versiegeln durch den Mund seiner Knechte! Er hat viele Mittel geordnet, um unsere Herzen seiner Gnade gewiß zu machen. 16 Eine geistlich arme nach Gerechtigkeit hungernde und dürſtende Seele verachtet der keines, sondern ruft dem Herrn dankend aus: Wir haben keinen Mangel an irgend einer Gabe! Nur wer auf falsche geistliche Höhen gerathen ist, wird über der innern Gnadenversicherung die Absolution verachten, und nur wer in fleischlicher Sicherheit dahingeht, wird ihrer nicht bedürfen und sich nicht darnach sehnen. Unsere Reformatoren hatten aus eigener tiefer Erfahrung erkannt, daß Herz und Gewissen, wenn sie durch das Gesetz Gottes zerschlagen sind und Gottes Zorn fühlen, nur mittelst des Wortes und besonders mittelst des Wortes der Absolution aufgerichtet werden können. Darum ist es ein in allen Theilen unserer Bekenntnißschriften scharf betonter Satz, daß der Glaube durch die Predigt des Evangeliums gewirkt und durch das Wort der Absolution gestärkt wird, damit er in Schrecken und Aengsten des Gewissens nicht untergehe. 12. In innerem unzertrennlichem Zusammenhange mit der Absolution steht die Beichte. Beichte ist Bekenntniß der Sündenschuld, zugleich aber Erklärung des Verlangens nach dem was die Absolution gewährt: des bußfertigen Verlangens nach Versicherung der Gnade. Wenn Gott, obwohl er der Herzenskündiger ist, dennoch Bekenntniß unserer Sünden fordert 1 Joh. 1, 9., so ist solches Bekenntniß um so nothwendiger vor Menschen, die keine Herzenskündiger sind, sofern wir durch ihr Amt Vergebung der Sünden erlangen wollen. Sie sind nicht dem Herrn Jesu gleich, welcher nicht Unterricht I. über die Beichte und die Absolution. bedurfte daß Jemand Zeugniß gebe von einem Menschen, denn er wußte wohl was im Menschen war( Joh. 2, 25). Sie müssen und sollen erwarten, daß wir ihnen entdecken was uns innerlich bewegt, wogegen sie verpflichtet sind, es als in Gottes Herz hineingesprochen unter dem Siegel unbedingtester Verschwiegenheit( Beichtsiegel) zu bewahren. Gezogen und gelockt durch Gottes Stiftung und Verheißung, ermuthigt durch jene Verpflichtung der Diener Jesu Christi müssen wir kommen und unser Gewissen entlasten, wie von der Menge derer die zu Johannes dem Täufer kamen, um von ihm die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden zu erlangen, erzählt wird, daß sie ihm ihre Sünden bekannten ( Marc. 1, 5), und von den Neubekehrten zu Ephesus, daß sie dem Apostel mit unverholenem und rückhaltlosem Bekenntniß ihres bisherigen Treibens entgegenkamen( Apost. 19, 18). Jedoch macht unsere Kirche die Beichte nicht zur Pflicht mittelst äußeren Zwangs. Die Noth des Gewissens und der Trieb des Geistes sind die rechten Bestimmungsgründe. Nur fleischliche Sicherheit und geistlicher Hochmuth verachten was für bekümmerte und heilsbegierige Seelen geordnet iſt. 13. Die römische Kirche hat aus der Beichte gegen den neutestamentlichen Geist der Freiheit ein gesetzliches Gebot gemacht und der Erfüllung desselben schwere Bedingungen gestellt. Sie fordert von dem Beichtenden namentliche Aufzählung aller sogenannten Todsünden, deren er sich erinnern kann, mit Angabe aller wesentlichen Umstände. Dieſe Art der 2 17 18 Unterricht Beichte, die Ohrenbeichte, wird von unserer Kirche als ein unberechtigter Zwang verworfen. Die Glieder der Gemeinde haben die Freiheit, so zu beichten, wie es ihrem Urtheile nach der Zustand ihrer Seele erfordert. Diejenigen welche von dieser oder jener Sünde in ihrem Gewissen beängstigt werden, werden sich von selbst innerlich gedrungen fühlen, ihr Herz vor dem Seelsorger auszuschütten, um den Trost der Vergebung sich desto zuversichtlicher zueignen zu können. Wo aber nicht besondere Gründe vorhanden sind, von dem Beichtenden( Beichtkinde) das reuige Eingeständniß einer hervorgetretenen bestimmten Sünde zu fordern, und wo überhaupt kein Verdachtsgrund der Heuchelei und des Selbstbetrugs vorliegt, da hat dem Beichtiger( Beichtvater) das einfache Zeugniß eines bußfertigen, gnadenhungrigen Herzens zu genügen. 14. Da aber die Absolution keinesfalls ertheilt werden kann ohne daß dem Beichtiger der Zustand des Beichtenden als bußfertig bekannt ist, so ist die Privatbeichte die der Absolution entsprechendste Art der Beichte. Privatbeichte heißt die Beichte sofern sie ein privater d. i. geheimer Vorgang zwischen dem einzelnen Beichtenden und seinem Beichtiger ist, ohne Anwesenheit von Zeugen und noch weniger angesichts der Gemeinde. Von der Beichte sagt der 11. Artikel der Augsburgischen Confession- wird also gelehrt, daß man in den Kirchen privatam absolutionem erhalten und nicht fallen lassen soll, wiewohl in der Beichte nicht noth - I. über die Beichte und die Absolution. 19 ist, alle Missethat und Sünden zu erzählen, dieweil doch solches nicht möglich ist, denn ,, wer kennet die Missethat?" ( Pf. 19, 13). Hier wird, wie auch in unsern andern Symbolen, die Ohrenbeichte verworfen, aber die Privatbeichte für unveräußerlich erklärt. Von ihr schreibt Luther:„ Ich will mir die heimliche Beichte niemand lassen nehmen, und wollte sie nicht um der ganzen Welt Schatz geben, denn ich weiß was Stärke und Trost sie mir gegeben hat. Es weiß niemand was die heimliche Beichte vermag, denn der mit dem Teufel oft fechten und kämpfen muß, ich wäre längst von dem Teufel überwunden und erwürgt worden, wenn mich dieſe Beichte nicht erhalten hätte." Und an einer anderen Stelle:„ Wenn tausend und abertausend Welten mein wären, so wollt' ich alles lieber verlieren, denn ich wollt dieser Beicht der geringsten Stücklein eines aus der Kirchen kommen lassen." Es ist somit heilige Pflicht der lutherischen Kirche, die Privatbeichte um des Gewissens der Beichtiger und um des Heiles der Beichtenden willen zu erhalten und, wo sie abgeschafft iſt, wieder herzustellen. 15. Der Privatbeichte entspricht die Privatabsolution. Da Absolution persönliche Zueignung der Sündenvergebung ist, so liegt es in ihrem Wesen, daß sie nicht einem Haufen zugleich, sondern dem Einzelnen ertheilt wird. Der Einzelne soll absolvirt werden, und nicht unter der ungewissen Bedingung: sofern er bußfertig sei, sondern auf Grund der Voraussetzung, daß er es sei, deshalb weil er es ist. Denn 2* 20 Unterricht Absolution ist eigentlich nur die ohne Einschränkung ertheilte; der Beichtiger, welchem deutliche Kennzeichen vorliegen, daß es dem Beichtenden mit Bezeugung seiner Reue und seines Besserungsvorsatzes kein rechter Ernst sei, soll gar nicht absolviren. Die Absolution erfordert festen Glauben auf beiden Seiten; was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde Röm. 14, 23. Wer da bindet oder löset, sagt Luther, gläubet aber nicht, sondern zweifelt, ob ers getroffen, gebunden oder gelöset habe, oder denkt so leichtfertig hin: o triffts ſo triffts, der lästert Gott, verläugnet Christum, tritt die Schlüssel mit Füßen. 16. Ist aber nicht zu befürchten, daß durch solche bedingungslos ertheilte Absolution die Heuchler bestärkt werden? Darauf ist zu antworten, daß die der Absolution vorausgehende Beichtvermahnung dies so viel nur immer möglich zu verhüten suchen wird, daß es aber freilich immer solche geben wird, welche trotz aller Vorsicht sich selbst und andere betrügen und die Absolution zum Schanddeckel ihrer Bosheit machen, ja wohl gar meinen, daß Gottes Gnade mit Geld erkauft werden könne. Der Seelsorger darf sich dadurch nicht abhalten laſſen, überall da wo nicht offenbare Kennzeichen der Unbußfertigkeit vorliegen den Trost der Vergebung zu spenden. Er ist nur ein Knecht, er muß thun was ihm sein Herr befohlen und das Uebrige diesem überlassen. Wie es sich mit dem Friedensgruße der Apoſtel verhält nach der Aussage des Herrn, ähnlich auch mit der Absolution. ,, Wo ihr in ein Haus gehet, ſo so I. über die Beichte und die Absolution. grüßet dasselbige. Und so es dasselbige Haus werth ist, wird euer Friede auf sie kommen; ist es aber nicht werth, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden" Matth. 10, 12. 13. So prallt auch die Absolution an dem Unbußfertigen ab, aber noch mehr als das: sie wird ihm zu einem Stricke des Todes. 21 17. Wie aber wenn zwar der Beichtende bußfertig und gläubig ist, an dem Beichtiger dagegen das Leben aus Gott und in Gott vermißt wird? Ist die Absolution kräftig auch wenn sie von einem ungeistlichen Prediger gesprochen wird? Diese Frage ist zu bejahen. Gottes Wort und Gnadenſtiftungen haben Ursprung, Wesen und Kraft nicht von dem der sie verwaltet, sie sind Gottes, und Gott selber ist wo immer sie gehandhabt werden durch sie wirksam. Und auch das Amt bleibt heilig, obgleich derjenige unheilig ist, der es führt, und obgleich sein unheiliger Wandel dem Segen ſeiner Amtsführung Abbruch thut. Der Herr verwirft in den Briefen an die ungeistlichen Bischöfe von Sarden und Laodicäa( Offenb. 3) ihren Zustand, nicht aber ihr Amt und nicht die Nutzung desselben durch die Redlichen in den Gemeinden. Uebrigens steht das Urtheil über Daſein oder Mangel geistlichen Lebens zuletzt dem Einen zu, der in das Verborgene siehet, der Herr allein kennet die Seinen 2. Tim. 2, 19. Aus der Ungewißheit, in der wir schweben müßten, wenn wir es wären, die darüber zu entscheiden hätten, reißt uns die freudige Gewißheit, daß die Kraft der Absolution 22 Unterricht und der Gnadenmittel überhaupt nicht von Menschen abhängt, sondern überall von Gottes wegen ihnen inwohnt, wo sie stiftungsgemäß verwaltet werden. 18. Wir haben hiermit einen Abriß der schrift- und bekenntnißgemäßen Lehre vom Amte der Schlüssel gegeben. Verständniß des Amtes und der Schlüssel ist jedem Communicanten um ſo nothwendiger, da nach kirchlicher Ordnung die Beichte der Communion vorausgeht. Dieſe Einrichtung ist verhältnißmäßig jung sie erscheint zunächſt feit Columban( gest. 615) als Regel für engere Gemeinschaften, erst seit der englischen Synode von Arnham 1109 als allgemein gültige Ordnung aber wenn auch nicht sehr alt, ist sie doch sehr weise und heilsam sowohl in Anbetracht der Communicanten selber als in Anbetracht des Gewissens der Prediger. Um der Communicanten willen, denn dem Genusse des H. Abendmahls soll nach der Ermahnung des Apostels 1 Cor. 11, 28 Selbstprüfung vorausgehen, jede redliche Selbstprüfung aber führt nothwendig zu tieferer Sündenerkenntniß, und diese erzeugt leicht die Beſorgniß der Unwürdigkeit. Nichts kann diese Besorgniß so wirkſam vom Herzen hinwegnehmen, als reuige Beichte und gläubige Hinnahme der Abſolution. Es ist ferner so eingerichtet um des Gewissens der Prediger willen, denn diese sind ja heilig verpflichtet, keinem das Sacrament zu reichen, an welchem deutliche Anzeichen der Unbußfertigkeit vorhanden sind. Die Beichte aber gibt ihnen Gelegenheit, die Herzensverfassung der Com- - I. über die Beichte und die Absolution. ?? municanten zu prüfen und sich gewissenswidriger Zulassung zu erwehren, indem sie Unbußfertigen abrathen und auf Erfüllung der Vorbedingungen wahren Heiligungsernstes dringen. Darum sagt der 25. Artikel der Augsburgischen Confessions Es wird bei uns diese Gewohnheit gehalten, das Sacrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor gehört und absolvirt sind. Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröſtlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und theuer die Absolution zu achten; denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der da die Sünde vergibt. Denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nöthig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehrt; darzu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger denn ſo Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns dero fröhlich trösten und wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünden erlangen." 23 19. Wie wird dir zu Muthe, mein lieber Mitchrist, wenn Du mit dem bis hieher Abgehandelten den gegenwärtigen Zustand der Kirche vergleichest? Vielleicht ist die Privatbeichte etwas dir völlig Unbekanntes, und du hast noch nie eine Privatabsolution vernommen, weil jetzt an den meisten Orten nur die allgemeine Beichte noch fortbesteht und über alle Communicanten zugleich die bedingungsweise gestellte und etwa gar abgeschwächte Absolutionsformel gesprochen zu wer 24 den pflegt. Du hast aus eigener Erfahrung den hohen Werth, die herzdurchdringende Kraft der Gnadenstiftung des Löſeschlüssels noch gar nicht kennen gelernt, und an eine Handhabung des Bindeschlüssels ist in deiner Umgebung gar nicht zu denken. Da ist keiner, der nicht frischweg absolvirt würde; die Communicanten, größtentheils dem Prediger völlig unbekannt, gehen ohne alle besondere Vermahnung zum Tische des Herrn. Das ist der Jammerstand der Kirche, das ist die Strafe des Abfalls ihrer Glieder, das ist der Schade Josephs, welcher Tag und Nacht allen ihren wahren Bekennern am Herzen naget und sie treibt unablässig zu seufzen: Herr, wende unser Gefängniß, wie du die Wasser gegen Mittag trocknest! Unterricht 20. Zwar ist hie und da unsere Kirche aus dem Schlafe der Sicherheit erwacht und hat, eingedenk der ihr vom Herrn vertrauten, zeither verwahrlosten Schätze, die Privatbeichte und die Kirchenzucht in ihrem göttlichen Rechte wieder anerkannt und wiederherzustellen begonnen. Aber an den meisten Orten liegen beide darnieder, und wenn die Lehrer sie wieder aufrichten möchten, so hören sie erst die Fesseln klirren, in die sie geschlagen sind, und finden wohl gar den stärksten Widerspruch in ihren eigenen Gemeinden. Und dennoch kann der Kirche auf keine andere Weise geholfen werden, als daß sie mit reuiger Beschämung die schwere Verschuldung erkenne, mit der sie sich dadurch belaſtet hat, daß sie sich die Gnadenstiftung des Herrn hat rauben oder verkümmern lassen und I. über die Beichte und die Absolution. selber dazu die Hand geboten hat. Sie muß erst wieder eine treue Haushalterin über Gottes Geheimnisse werden, wozu auch das Amt der Schlüssel gehört, ehe der Herr sich wieder zu ihr bekennen und sie zu Ehren bringen kann. So lange dies nicht geschieht, sitzen wir mit Jeremia auf Jerusalems Trümmern. Und du, mein lieber Mitchrist, wenn du zur Beichte gehest und du mußt, obschon du deinen Seelsorger aufrichtig ehrst, dennoch eingestehen, daß auch in deiner Gemeinde die Schlüsselgewalt nicht der unverstümmelten Ordnung Gottes gemäß gehandhabt wird: bitte Gott daß er die Trümmer der Kirche wieder zusammenfüge, und laß uns ringen im Gebete und ihn nicht lassen bis er uns segne. 25 II. Vom heiligen Abendmahl. 1. Absolution ist Vergebung der Sünden und auch beim H. Abendmahl handelt sichs um Vergebung der Sünden; denn das ist mein Blut des neuen Testaments- sagt der Stifter welches vergossen wird für Viele zur Vergebung der Sünden. Das Heil, welches uns Jesus Christus erworben hat, ist ein Baum, dessen Wipfel, voll von herrlichen Früchten, in den Himmel hineinragt; Vergebung der Sünden aber ist die Wurzel dieses Baumes und also das Gut der Güter. Ihrer uns gewiß zu machen, ist das Amt der Schlüssel und ist auch das h. Abendmahl gestiftet. Aber wie groß ist der Unterschied beider! Die Absolution bringt uns Vergebung der Sünden mittelst des Wortes, das h. Abendmahl mittelſt des Leibes und Blutes Jesu Christi, durch deren Hingabe ſie uns erworben ist. Der Herr selbst gibt sich uns da, wie er sich für uns am Kreuze geopfert. Durch die Absolution wird uns Sündenvergebung zugeeignet, im h. Abendmahl wird sie uns besiegelt dadurch daß ihr Erwerber selbst sich uns zu Univ.- Bibl. Giessen Unterricht II. über das h. Abendmahl. 27 eigen gibt. In Ihm haben wir alles was er erworben und was er besitzet: die Unschuld des Gehorsamen bis zum Tode am Kreuze, die Sühne des Gekreuzigten, die Gerechtigkeit des Auferweckten, das Leben des Ewiglebendigen, die Herrlichkeit des Verklärten, die Kraft des Herrschenden zur Rechten des Vaters, den Trost des Seligen, die Liebe des Gottessohnes des Geliebten. Und wo Leib und Blut des Menschensohnes sind, da ist auch die Gottheit des Gottessohnes und wo Gott der Sohn ist, da ist auch Gott der Vater und wo Vater und Sohn ist, da ist auch der heilige Geist. Das h. Abendmahl verbindet uns also durch Christi Fleisch und Blut mit Gott dem Dreieinigen. O des großen schauererregenden Geheimnisses! 2. Nur eine Abschattung des Künftigen war es, als Melchisedek Abraham, dem Vater der Gläubigen, als Erquickung nach dem Kampfe Brot und Wein entgegenbrachte und ihn segnete( 1. Mos. 14); als Moses in der einen Hand das Bundesbuch hatte und mit der andern das Blut nahm und sprengte das Volk damit und sprach: Sehet, das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch machet über allen diesen Worten( 2 Mof. 24, 8); als der Herr sein Volk durch das rothe Meer hindurch gerettet hatte und ihnen nun als Reisekost auf ihrem langen Wege durch die unfruchtbare und dürre Wüste Brot vom Himmel und Wasser aus dem Felsen gab, wirkliches Brot und Wasser, aber nicht natürliches, sondern durch seine Macht und Gnade wider den Lauf der Natur 28 Unterricht gewirktes, geistliches Brot und geistliches Wasser( 1 Cor. 10, 3, 4). Unter allen altteſtamentlichen Vorbildern steht aber obenan das Passah- oder das Osterlamm. Das Passahmal ist inmitten der Erlösung Israels aus der Knechtschaft Aegyptens zur künftigen Erinnerung an diese Erlösung eingeſetzt, und das. h. Abendmahl ist eingesetzt inmitten unserer Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde, des Todes und des Teufels gleicherweise zur Erinnerung an diese Erlösung. Wir haben auch ein Osterlamm- ruft Paulus 1 Cor. 5, 7 aus— das ist Christus für uns geopfert. Jesus Christus ist das Gegenbild des altteſtamentlichen Passah's und das h. Abendmahl ist das Gegenbild des alttestamentlichen Passahmahles. - 3. Am 10. des Nisan oder des Ostermonats( am Palmsonntag), eben dem Tage, an welchem nach 2 Mos. 12, 3 die Passahlämmer ausgesondert werden sollen, ist der Herr Jeſus in Jerusalem eingezogen; er weihte sich da selber dem Tode, denn seine Stunde war gekommen, dieser Einzug war sein freiwilliger Todesgang. Am Abend des 12. Nisan war es, wo er zu seinen Jüngern sagte:„ Ihr wisset daß nach zween Tagen Ostern wird, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden daß er gekreuziget werde"( Matth. 26, 2). In der Passahnacht d. i. der Nacht vom 14. auf den 15. Nisan ( den ersten jüdischen Osterfeiertag) setzte er gegen Ende der letzten Paſsahmahlzeit, die er mit seinen Jüngern hielt, das heilige Abendmahl ein; er richtete das Neue nicht eher auf, als bis dem Alten sein Recht geschehen. Es war dieselbe Nacht, in II. über das h. Abendmahl. welcher er verrathen ward, nachdem er den schweren Gebetskampf in Gethsemane gekämpft hatte. In der Frühe des anbrechenden ersten Osterfeiertags( so erzählen die drei ersten Evangelien) wurde er vor Gericht gestellt und tumultuarisch schnell verurtheilt und ans Kreuz geschlagen, an welchem er von der 3. bis zur 9. Stunde d. i. von 9 Uhr Morgens bis 3 Uhr Nachmittags hing. Er starb hienach in eben der Stunde, in welcher Tags zuvor das Schlachten der Passahlämmer be gonnen hatte, indem er so Tags darauf das Vorbild durch Verwirklichung dessen, was es geweissagt, für immer außer Geltung setzte. Denn er, das geschlachtete Gotteslamm, ist das Gegenbild des Passah. Das Evangelium und die Offenbarung St. Johannis sind dieses Gedankens voll. Darum wurde ihm auch bei der Kreuzesabnehmung kein Bein zerbrochen. Dies geschah, wie Johannes ausdrücklich bemerkt ( Joh. 19, 36), damit er auch in diesem Stücke dem altteſtamentlichen Passah gliche. 4. Mich hat herzlich verlanget sagte der Herr, die Passahmahlzeit eröffnend( Tuc. 22, 15. 16) dies Oſterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide, denn ich sage euch daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß es erfüllet werde im Reiche Gottes. Hierauf nahm er den Becher( noch nicht den Abendmahlsbecher, sondern nach jüdischer Sitte den ersten Passahbecher), dankte und sprach: Nehmet denselben und theilet ihn unter euch, denn ich sage euch: ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich - 29 30 Unterricht Gottes komme( Luc. 22, 17, 18. Matth. 26, 29). Das Passahlamm ist das Vorbild des Sacramentes des Leibes und Blutes Christi, aber die vorbildliche Bedeutung des Passahmahls reicht noch über die Erde hinaus bis in den Himmel. Es hat ein himmlisches Gegenbild an der Hochzeit des Lammes ( Offenb. 19, 7), wenn einst das Reich Gottes, auf die Höhe seiner Vollendung gelangt, in seiner ganzen Herrlichkeit offenbar werden wird. Das alttestamentliche Passah war das Gedächtnißmahl der zeitlichen Erlösung Israels, das neutestamentliche Passah( das Sacrament des Leibes und Blutes Christi) ist das Gedächtnißmahl unserer geistlichen Erlösung, und das himmlische Passah wird die ewige Feier der allſeitigen schließlichen Erlösung aller Erlösten sein. Da werden wir Den in voller Glorie vor uns haben und sein genießen, der jetzt nur unsichtbar mit uns das Brot bricht. 5. Die Einsetzung des h. Abendmahls wird uns von Matthäus( Cap. 26) als Augenzeugen berichtet. Marcus hat seinen Bericht( Cap. 14) aus Matthäus und aus dem Munde des Petrus, seines geiſtlichen Vaters. Lucas( Cap. 22) berichtet aus dem Munde des Paulus, dessen Gefährte er war. Paulus aber hat, wie überhaupt sein Evangelium, so auch seine Kunde vom h. Abendmahl nicht sowohl von Menschen, als aus unmittelbarer Offenbarung des Erhöheten, der ihm vor Damascus erschien und von da an zum Apostel ausrüstete. Denn unmittelbare Berufung durch den Herrn und unmittelbare Unterweisung durch den Herrn sind wesentliche II. über das h. Abendmahl. Bedingungen des apostolischen Amts. Wenn daher Paulus den Corinthern die Stiftung des h. Abendmahls mit den Worten wieder in Erinnerung bringt: Ich habe es von dem Herrn empfangen das ich euch gegeben habe( 1 Cor. 11, 23) so beruft er sich da auf den unmittelbaren Unterricht Jeſu Christi selbst. Der vierfache Bericht, welcher bei Matthäus und Paulus aus unmittelbarster Quelle geschöpft ist, hat sonach die höchste göttliche und menschliche Beglaubigung, welche nicht dadurch erschüttert wird daß die Berichterstatter mannigfach von einander abweichen. Abgesehen davon daß der Herr, zumal im engeren Jüngerkreise, die paläſtinische Volkssprache redete, aus welcher seine Worte dann in das Griechische übertragen wurden, redeten für die Jünger auch seine Geberden; auch hat er jedenfalls, um seinen Jüngern deutlich zu werden, manches mit andern Wörtern und in andern Wendungen wiederholt. In allen Hauptsachen sind die vier Berichte bis auf Worte und Buchstaben übereinſtimmig. 6. Die jüdische Passahmahlzeit schließt noch heutigen Tages damit ab, daß der Hausvater das aufgehobene Stück der Mazza( des Osterkuchens), über welche zu Anfang der Segen gesprochen ist, herumreicht und daß man hierauf( nach dem Mahle, denn alles Essen ist von da an unerlaubt) den dritten Passahkelch trinkt, den sogenannten Segenstelch, über welchem das Schlußdankgebet gesprochen wird. Diese beiden Schlußgebräuche sind es, welche unser Herr und Heiland mit sacramentlichem Inhalt erfüllte. Alle vier Berichte sagen nach- 31 32 Unterricht drücklich, daß er Brot und Kelch, nachdem er zuvor Segen oder Danksagung darüber gesprochen hatte, herumreichte. Er bediente sich nicht der jüdischen Formeln, denn die Jünger in Emmaus erkannten ihn an dem da er das Brot brach( Luc. 24, 35), er hatte also seine eigne Weise, zumal jetzt wo er den grundleglichen Act der Sacramentstiftung vollzog. Was er damals dankend und segnend gesprochen, wird uns nicht berichtet; es genügt uns zu wissen, daß die erste Consecration der wunderbare Anfang war, welcher überall und zu allen Zeiten da, wo das h. Abendmahl stiftungsgemäß begangen wird, unter erneuerter gleicher Wirkung sich fortsetzt. Die römische Kirche mißt der sich wiederholenden prieſterlichen Consecration wie einem Zauberworte bei, was unsere Kirche mit Recht von der inwohnenden Kraft der Einsetzungsworte und der mit denselben stiftungsgemäß erneuerten Handlung herleitet. Denn freilich ist auch nach unserem Bekenntniß die Consecration ein unveräußerliches Stück der Abendmahlsfeier. Wir consecriren indem wir betend über Brot und Wein die Einsetzungsworte sprechen. 7. Mit dem Worte: Nehmet hin gab der Herr seinen Jüngern der Reihe nach das gesegnete Brot oder er ließ es, was beim Kelche gewiß und auch beim Brote wahrscheinlicher ist, indem er es dem Nächstsitzenden reichte, an der Tafel herumgehen. Die Jünger empfingen es theils unmittelbar theils mittelbar aus seiner Hand und führten es mit der eignen zum Munde. Die Hauptsache ist die Darreichung. II. über das h. Abendmahl. Der Herr reicht Brot und Wein dar, damals mit eigner Hand, jetzt durch die Hand seiner Diener. Die äußerliche Art und Weise der Darreichung und Hinnahme gehört unter diejenigen Gebräuche, welche, wie unser kirchliches Bekenntniß sagt, wenn nur Einigkeit des Glaubens vorhanden ist, immerhin verschieden sein können. 33 8. Nehmet hin, sagt der Herr, esset, das ist mein Leib. Der Text sagt nichts davon daß das Brot sich unter den Händen des Herrn verwandelt habe; das Brot ist auch nach der Segnung das gesegnete unverwandelte Brot 1 Cor. 10, 16. 17. Das was mit den leiblichen Sinnen wahrgenommen wird, war damals, wie jetzt, Brot und nichts anderes als Brot. Die Ansicht der römischen Kirche, daß die Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi und die Substanz des Weines in die Substanz des Blutes Christi verwandelt werde( Transsubstantiation), so jedoch daß die Aeußerlichkeit des Brotes und Weines bleibe, wird deshalb von unserer Kirche als schrift- und erfahrungswidrig sammt der damit zusammenhängenden Anbetung der Hostie verworfen. 9. Aber nicht minder entschieden verwirft unsere lutherische Kirche die Ansicht der reformirten, weiche, sofern sie sich an Zwingli anschließt, das h. Abenomahl für eine nur sinnbildliche Handlung hält, in welcher eine wirkliche Mittheilung des Leibes und Blutes Christi gar nicht stattfinde, oder, sofern sie mit Cuvin eine wirkliche Mittheilung des Leibes 3 34 und Blutes Christi festzuhalten sucht, dennoch Brot und Wein als inhaltsleer ansieht und die Mittheilung nur nebenher vorgehen läßt, so daß von einer Darreichung des Leibes und Blutes Christi durch die Hand seines Dieners keine Rede sein kann. Die zwinglische Ansicht ist zu verwerfen, weil die Worte Christi auf eine wirkliche Gegenwart und Spendung seines Leibes und Blutes lauten, und die calvinische Ansicht ist zu verwerfen, weil sie auf eine wirkliche Gegenwart und Spendung seines Leibes und Blutes in und mit dem Brote und Weine lauten. Wir fußen und bestehen auf den Spendungsworten Christi, welche seinen Leib und sein Blut als dasjenige benennen, was er spendet, und auf Brot und Wein als dasjenige hinweisen, mittelst dessen er es spendet. Das Wort: das ist mein Leib kann keinen anderen Sinn haben als: das was ich euch hiermit darreiche ist mein Leib, und das Wort: das ist mein Blut kann keinen anderen Sinn haben als: das was ich euch hiermit darreiche ist mein Blut. In dem das" ist das Augenmerk des Herrn auf die übernatürlichen Gaben gerichtet, zu deren Darreichung er sich der natürlichen Mittel des Brotes und Weines bedient. Was könnte uns berechtigen, die Worte des Herrn anders zu verstehen als sie lauten? Unterricht 10. Sie kamen den Jüngern auch nicht unvorbereitet. In der Rede, welche der Herr Jesus in der vorjährigen Osterzeit zu Kapernaum gehalten hatte und welche im Johannes- Evangelium ein Ersatz für die hier unerzählt gebliebene II. über das h. Abendmahl. Abendmahlsstiftung ist( Joh. 6), hatte er ausführlich und nachdrücklich gesagt, daß sein Fleisch wahrhaftig eine Speiſe und sein Blut wahrhaftig ein Trank sei und daß wer nicht sein Fleisch esse, das er dahingeben werde für das Leben der Welt, und sein Blut trinke, fein Leben in sich habe. Mag man diese Rede von einer außersacramentlichen geiſtlichen oder von der sacramentlichen Nießung verstehen jedenfalls ist Zweies unumstößlich gewiß: erstens daß der Genuß des Fleisches und Blutes Jesu mehr als ein Bild für die gläubige Aneignung seines Opfertodes sein muß; zweitens daß diese Rede sich zur Einsetzung des H. Abendmahls verhält, wie Joh. 3, 5 zur Einsetzung der h. Taufe. Wenn der Herr Joh. 6, 63 ſagt: Fleisch ist kein nütze", so meint er Fleisch, wie es an und für sich selbst ist, nach der grobsinnlichen Vorstellung der Kapernaiten; sein Fleisch will geistlich angeschaut sein als das Fleisch des vom Himmel herniedergekommenen, auch seiner menschlichen Natur nach vom h. Geiste empfangenen Sohnes Gottes. Jene gewaltige Rede, mit welcher der Herr wie mit einer Worfschaufel seine Tenne fegte, hatten die Jünger gehört, und Petrus hatte, als der Herr sie fragte: Wollet ihr auch hingehen? die bekannte glaubensentschiedene Antwort gegeben. Es ist gar nicht anders möglich, als daß sie jetzt, wo der Herr ihnen Brot und Wein mit den Worten: Das ist mein Leib, das ist mein Blut darreichte, bei sich denken mußten: der Herr, welcher das vorm Jahre gesagt hat, daß der Genuß seines Fleisches und Blutes eine Bedingung des Heils, des Lebens, 3* 35 Unterricht 36 der Auferstehung zur Seligkeit sei, der gibt uns jetzt seinen Leib und sein Blut. 11. Der Verstand und die fünf Sinne fragen freilich: wie ist das möglich?! Mit diesem Wie bleibt der Unglaube vor der Pforte des Geheimnisses stehen und starrt es an und findet keinen Einlaß. Jesus saß ja vor ihnen, sagt der grobe Unglaube, er hatte sein Fleisch und Blut an sich, er zerstückte es nicht. Und der feinere Unglaube sagt: Er war ja noch nicht gekreuzigt, oder: er war ja noch nicht verklärt. Aber der einfältige Glaube besteht auf den Worten: Das ist mein Leib, das ist mein Blut und spricht dazu Ja und Amen. Er sieht durch die Knechtsgestalt des Erniedrigten hindurch in die Tiefe seiner Herrlichkeit, welche schon auf dem Berge der Verklärung wie die Sonne durch die Wolken hindurchbrach. Aus dieser unendlichen, damals, als der Herr das Sacrament stiftete, noch verschleierten, jetzt aber, nachdem er auferstanden und gen Himmel gefahren, aufgedeckten Tiefe schöpft der Glaube Verständniß. Die Pforte des Geheimnisses thut ſich auf, und er betet an vor dem Auerheiligsten des Neuen Bundes. 12. Um dem Mißverstande zu wehren, als ob er uns sein Fleisch theilweise darreiche, spricht der Herr: Das iſt mein Leib. Das leibhaftige Wesen seiner Leiblichkeit ist es, welches er uns wahrhaft und wirklich, ganz und ungeſtückt mittheilt. Dieses Wesen seiner veiblichkeit ist das gleiche in dem Erniedrigten, wie in dem Erhöheten, in dem seinem Tode und II. über das H. Abendmahl. seiner Verklärung Entgegengehenden, wie in dem Gekreuzigten und Verklärten. Er selbst ist es, der sich uns seiner wesentlichen leibhaftigen Leiblichkeit nach mittheilt, er selbst aber ist immer derselbe. Seine menschliche Natur, mit der er sich in den Tod gegeben, ist keine wesentlich andere als die, in welcher er zur Rechten Gottes sitzet. Zwischen dem, was die Jünger empfiengen, und was wir empfangen, ist also kein Unterschied. Das ist mein Leib, sagt der Herr, der für euch gebrochen( gegeben) wird. Nicht darauf liegt aller Nachdruck, daß es der verklärte Leib, sondern darauf, daß es der wahre wesentliche Leib des Erlösers ist. Der Tod am Kreuze ist nur der Gipfel der Passion, und die Erhöhung zur Rechten des Vaters der vollendete Durchbruch der Verklärung, deren Macht seine menschliche Natur schon von Anfang in sich trug, denn er ist zwar Mariens Sohn, aber nicht in Folge natürlicher Zeugung, sondern empfangen vom heiligen Geiste und also auch als Mensch himmlischen Ursprungs. 13. Wie das alttestamentliche Passah zum Gedächtniß einer Erlösung gestiftet ist 2 Mos. 12, 14, so sagte der Herr bei Darreichung seines Leibes: Das thut zu meinem Gedächtniß. Der Apostel erklärt uns dies 1 Cor. 11, 26: So oft ihr von diesem Brote esset und von diesem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Das ,, Gedächtniß" ist hier nicht eine Handlung des natürlichen, in eine ferne Vergangenheit sich zurückversetzenden Erinnerungsvermögens, es ist ein lautes öffentliches Bekennt37 38 Unterricht niß zu dem Herrn, ein thatsächliches Bezeugen unseres Antheils an seinem einmaligen Opfer für die Sünde der Welt, eine lebendige Erneuerung unserer Gemeinschaft mit ihm auf Grund seines erlösenden Leidens und Sterbens. Das ,, Gedächtniß" gilt dem Tode des Herrn, aber nicht einem todten Herrn. Er ist nicht im Grabe, sondern im Himmel. Von da ist er einmal sichtbar erschienen, und von da wird er sichtbar wiedererscheinen. In der Zwischenzeit gedenken wir sein, so oft wir von seinem gebenedeieten Brote essen, als des Unsichtbaren, aber Ewiglebendigen. 14. Nach der Spendung seines Leibes unter dem Brote, welche das Essen beim Passahmahle abschloß, ergriff der Herr den eingeschenkten Kelch, sprach in seiner eigenthümlichen Weiſe den Segen darüber und spendete ihn den Jüngern, welche alle der Reihe nach davon tranken. Warum seinen Leib besonders und sein Blut besonders? Deshalb weil es sein Tod ist, dessen fühn- und heilungskräftige Wirkung er uns zueignen will, und deshalb weil dieser sein Tod, um gegenbildlicher Opfertod zu sein, mittelst gewaltsamer Scheidung des Blutes vom Leibe erfolgte. Diese beiden wurden, indem er sich als Opfer für uns dahingab, geschieden, gehören aber, um uns der Opferkraft seines Todes theilhaftig zu machen, unzertrennbar zusammen, wie im vorbildlichen Opfer das Blut, das zur Sühne an den Altar gesprengt ward, und das Fleisch, das Gott zu süßem Geruch auf dem Altar in Feuer emporstieg. Die römische Kirche theilt den Laien nur 39 II. über das H. Abendmahl. den Leib des Herrn mit( Kelchentziehung), unter Berufung darauf, daß der Leib das Blut mitenthalte. Aber die Kirche soll nicht flüger sein als ihr Haupt. Sie soll nicht scheiden, was Gottes alt und neutestamentliches Wort unzertrennlich vereinigt. Der Herr sagt zu den Jüngern, welche bei der Abendmahlsstiftung die Gläubigen aller Zeiten vertreten, mit Nachdruck: trinket alle daraus. Wider dieses nachdrückliche Wort Christi beraubt die römische Kirche ihre Laien des Blutes Christi. Sie hat das Testament des Herrn zerrissen. O daß dies alle bedächten, welche die römische Einheit blendet! 15. Der Herr nennt sein Blut das Blut des neuen Testaments. Testament bedeutet Bund, aber auch Erbverschreibung, Vermächtniß. In beiderlei Sinne ist nach der Schrift Christi Blut testamentarisch. Durch Vergießung dieses Blutes ist die Menschheit in ein neues Bundesverhältniß zu Gott gesetzt, welches uns durch Mittheilung dieses Blutes zugeeignet und bestätigt wird; durch den Tod des Herrn ist wie durch den Tod eines Testators( Vermächtnißstifters) das ewige himmlische Erbe für uns frei geworden, welches uns nun durch Mittheilung dieses Blutes zugetheilt und besiegelt wird. Wo ein Testament ist, sagt der Brief an die Hebräer 9, 16-22, da muß der Tod geschehen deß, der das Testament machet, und ohne Blut wird kein Bund gestiftet, weil ohne Blutvergießen keine Vergebung geschiehet, ein Bund mit Gott aber nicht geschlossen werden kann, ohne daß vor allem 40 Unterricht die Scheidewand der Sünde hinweggethan wird. In der Zeit vor Christo geschah dies nur vorbildlich mittelst des Todes und des Blutes von Opferthieren; es geschah oft, weil immer ungenügend. Christus aber ist einmal gestorben, damit wir das verheißene Erbe empfiengen, und hat sich einmal geopfert, die Sünde aufzuheben und den verheißenen neuen Bund zu stiften. Woraus erstens folgt, daß das Blut, welches er im h. Abendmahl mittheilt, kein bildliches, sondern sein wesentliches gegenbildliches Blut ist, denn das Schattenwerk ist abgethan; zweitens, daß das h. Abendmahl keiné Opferung Christi ist, denn es ist nur Zueignung des einmal für aller Welt Sünde dargebrachten Opfers. Die römische Auffaſsung des h. Abendmahls als eines Sündopfers( Meßopfer) nebst den vielen daraus erwachsenen Mißbräuchen der Messe verwerfen wir, ohne deshalb in Abrede zu stellen, daß das H. Abendmahl gewissermaßen eine Opferhandlung ist, und zwar nicht blos insofern, als da die Gemeinde des Herrn Tod verkündigt und also das Lobopfer ihrer Lippen darbringt ( eucharistia), und nicht blos insofern, als sie da die irdischen Gaben opfert( Brot und Wein), die sie, mit himmlischen ( Christi Leib und Blut) erfüllt, zurückzuempfangen begehrt ( offertorium), sondern insofern, als ihr da Fleisch und Blut des einmal für aller Welt Sünde gebrachten und ewig gültigen Opfers dargereicht wird, um es in der Weise eines Opfermahls zu genießen. Das h. Abendmahl ist das Gegenbild des Passah, und überhaupt der Dank- oder Communionopfer II. über das h. Abendmahl. 41 mahle der Israeliten, und der Opfermahle der Priester, die Gott speiste von seinem Tische. Denn wir haben auch einen Altar, davon nicht Macht haben zu essen die der Hütte pflegen ( Hebr. 13, 10). Unser Altar ist das Kreuz, auf dem unſer Eines allgenugsames allerheiligstes Opfer sich verblutet hat und zum Himmel gestiegen ist. Das h. Abendmahl ist Eſsen und Trinken von diesem Altar. 16. ,, Vergossen für viele zur Vergebung der Sünden." Um Vielen, d. h. der zahlreichen Menge der Menschen, Vergebung der Sünden zu erwerben, hat der Herr sein Blut vergossen; um uns diese Vergebung der Sünden zu bekräftigen, theilt er es uns im Sacramente mit. Aber der Zweck des Sacramentes geht weiter. Es vergewiſsert uns unserer Rechtfertigung vor Gott, indem es uns Leib und Blut Christi mittheilt, und diese sind ja, wie wir aus Joh. 6 wissen, die wirksamen lebendigen Mächte eines neuen, heiligen, ewigen, aus dem Tode erstehenden Lebens. Das Blut ist die Seele, das Leben 3 Mos. 17, 11. In der Zeit des Gesetzes war aller Blutgenuß, nämlich Thierblutgenuß, verboten, das Thierblut war wegen seiner Bestimmung zur Sühne dem Genusse gänzlich entzogen. Nachdem aber der Menschensohn erschienen ist und durch sein Selbstopfer das Schattenwerk der Thieropfer aufgehoben hat, ist ein Opferblutgenuß möglich und, während er beim Thieropferblute zwecklos gewesen wäre, nun sogar nothwendig, damit die geleiſtete blutige Sühne nicht blos Gegenstand unseres Glau 42 Unterricht bens, sondern Eigenthum unseres ganzen Wesens werde und dieses mit dem Versöhner verbinde, daß er es reinige und heilige und verkläre. Die Seele in unserem Blute ist unter die Sünde geknechtet; die Seele in Christi Blute ist heilig und der ewigen Gottheit persönlich verbunden. Die Seele in unserem Blute ist dem Tode verfallen; die Seele in Christi Blute ist über den Tod erhaben und lebt nicht nur, sondern macht lebendig. Christi Blut ist Gottes Blut Apstg. 20, 28. Christi Fleisch und Blut sind Mächte unverweslichen Lebens Apstg. 2, 31. So empfangen wir denn im h. Abendmahle Antheil an dem gottverbundenen heiligen Leben Christi, Antheil an dem unvergänglichen ewigen Leben Christi, Antheil an dem vom Tode erstandenen verklärten Leben Christi. Der neue Lebensanfang, der in uns durch die h. Taufe gepflanzt ist, wird da genährt und befestigt. Wir werden mit dem Sohne Gottes vereinigt, wie dieser vereinigt ist mit dem Vater und dem heiligen Geiste. Wir empfangen die Kräfte des Sieges über Sünde, Tod, Teufel und Hölle. Wir haben in Christi Leib und Blut die Unterpfänder nicht blos unsrer Rechtfertigung, sondern auch unserer Auferweckung. Denn Christi Fleisch ist unsterblich machendes Manna. ,, Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken"( Joh. 6, 54). 17. Aber das H. Abendmahl vereinigt uns nicht allein mit Christo und in Christo mit Gott, sondern auch unter einander. Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen,- ſagt - II. über das H. Abendmahl. - Paulus 1 Cor. 10, 16. 17 ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn Ein Brot ists, so sind wir viele Ein Leib, dieweil wir alle Eines Brotes theilhaftig sind." ,, Denn gleichwie Ein Leib ist- ſagt derselbe Apostel 1 Cor. 12, 12. 13 und hat doch viel Glieder, alle Glieder aber Eines Leibes, wiewohl ihrer viel sind, sind sie doch Ein Leib: also auch Christus; denn wir sind durch Einen Geist alle zu Einem Leibe getauft, wir ſeien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu Einem Geiste getränket." Die h. Taufe und das h. Abendmahl machen die Gemeinde Christi zu Einem Leibe mit Einem Geiste unter Christo dem Einem Haupte. Denn die Gemeinde steht zu Christo in einem gleichen Verhältnisse der Abstammung wie das Weib zum Manne. Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und seinem Gebeine. ,, Das Geheimniß- setzt der Apostel Eph. 5, 32 hinzu- ist groß, ich sage aber von Christo und der Gemeine." Geheimniß heißt auf lateinisch) sacramentum und Gemeinschaft communio. Das H. Abendmahl ist ein gemeinschaftstiftendes Geheimniß. Die apostolischen Gemeinden nannten ebendeshalb ihre gemeinsamen Mahlzeiten, mit denen die Feier des h. Abendmahls verbunden war, Agapen d. i. Liebesmähler. Denn das h. Abendmahl ist eine Stiftung der Liebe Christi zu dem Zwecke, die Seinigen in Liebe aus der Fülle seiner Liebe unauflöslich zu verbinden. 43 44 Unterricht 18. So unaussprechlich reichen Segens werden wir theilhaftig, wenn wir das h. Sacrament würdiglich d. h. in der seinem Wesen und Zwecke entsprechenden Weise genießen. Wir müssen glauben, daß es das wirklich und wahrhaft sei, was der Herr sagt; wir müssen glauben, daß es das wirke und auch an uns wirken werde, wozu es eingesetzt ist; wir müssen in bußfertigem Bewußtsein unserer Bedürftigkeit danach verlangen, daß es das an uns wirke. Wenn dieser Glaube, verbunden mit solchem Heilsverlangen, sich bei uns findet, so genießen wir den Leib und das Blut Jesu Christi zu unserem Heile. Aber es ist nicht so, wie die reformirte Kirche lehrt, daß wir nur unter dieser Bedingung überhaupt den Leib und das Blut des Herrn empfangen. Nicht der Empfang an sich ist an die Bedingung unseres Glaubens gebunden, sondern nur der gesegnete Empfang. Denn Leib und Blut des Herrn werden uns in, mit und unter Brot und Wein gespendet, und also nicht mit dem Munde des Glaubens, sondern mit dem Munde unseres Leibes empfangen; zum Heile freilich nur von denen, bei welchen diese mündliche Nießung im Glauben geschieht. Und die Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes des Herrn ist nicht von unserem Glauben abhängig, sondern sie ist in der Stiftung des Herrn begründet, so daß also Leib und Blut des Herrn ausnahmslos allen Communicanten gespendet werden, wo nur immer das Sacrament stiftungsgemäß verwaltet wird. Es wird stiftungsgemäß verwaltet da, wo die Handlung ſelbſt: II. über das h. Abendmahl. die Segnung der Gaben( Consecration) und ihre Spendung ( Distribution) nach der Norm und in dem Sinne der Stiftung und des Stifters vollzogen wird, oder sofern wenigstens irrige Lehre der Kirche oder des Einzelnen, der die Handlung vollzieht, dieser nichts der Norm und dem Sinne der Stiftung und des Stifters Widerstreitendes beimischt. Ueberall da empfangen alle Communicanten ohne Ausnahme das, was die Worte der Spendung besagen. Nur da, wo die Handlung stiftungswidrig vollzogen wird, ist die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi zu bezweifeln. Die Entscheidung überlassen wir da dem Herrn, denn so hoch der Himmel über der Erde, sind seine Gedanken höher als unsere Gedanken. 45 19. Unwürdig genießen diejenigen das h. Sacrament, welche, wie der Apostel 1 Cor. 11, 27-29 jagt, sich vor dem Genusse nicht prüfen und den Leib des Herrn nicht unterscheiden, d. h. welche, ohne die Heiligkeit und Hoheit der Gaben zu bedenken, nicht bußfertig, heilsbegierig, gläubig, sondern aus Gewohnheit, Menschengefälligkeit, Heuchelei oder andern ungeistlichen Beweggründen hinzugehen. Solche verschulden sich an dem Leibe und Blute des Herrn, und die Kraft der gemißbrauch en Gaben äußert sich an ihnen, sofern noch Empfänglichkeit für solche Wirkungen bei ihnen vorhanden ist, als strafrichter.iche Züchtigung zu ihrem Heile. ,, Darum sind auch so viele Schwache und Kranke unter euch sagt der Apoſtel- und ein gut Theil schlafen, denn so wir uns selber richteten( d. i. in bußfertiger Selbstverurthei 46 Unterricht lung hinzugiengen), so würden wir nicht gerichtet; wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtigt, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammet werden." Paulus setzt hier offenbar voraus, daß auch die unwürdig Genießenden Christi Leib und Blut empfangen. Aber die Macht des Heils, die in diesen Gaben liegt, verwandelt sich ihnen in die Macht eines leiblich züchtigenden und zwar zum Heile züchtigenden Gerichts. Lassen sie sich aber die Züchtigung nicht zur Rettung ihrer Seelen gereichen, so werden die Gaben der Liebe in ihnen zu verdammendem Fluche, zu verzehrendem Zornfeuer. Deshalb ist es schriftgemäße, einerseits ebenso schreckende als unter Umständen tröstliche Lehre, was unsere Kirche in ihren Symbolen ausspricht:„ Wir glauben, lehren und bekennen, daß nicht allein die Rechtgläubigen( d. i. wahrhaft an Christum Gläubigen) und Würdigen, sondern auch die Unwürdigen und Ungläubigen empfahen den wahrhaftigen Leib und Blut Christi, doch nicht zum Leben und Trost, sondern zum Gericht und Verdammniß, wenn sie sich nicht bekehren und Buße thun. Denn ob sie wohl Christum als Seligmacher von sich stoßen, so müssen sie ihn doch auch wider Willen als einen strengen Richter zulassen, welcher so gegenwärtig das Gericht auch in den unbußfertigen Gäſten übet und erzeiget, als gegenwärtig er Leben und Trost in den Herzen der Rechtgläubigen und würdigen Gäste wirket." Ja, so und nicht anders ist es. Die h. Sacramente sind Thaten Gottes an uns. Sie sind unentwindbare Liebesnetze, die Gott II. über das h. Abendmahl. 47 nach uns auswirft. Sie sind diamantene Bande, mit denen er uns an sich festhält. Durch sie eignet er sich uns an. Durch sie versetzt er uns in seine Gemeinschaft. Durch sie werden wir eingepflanzt dem wahrhaftigen Weinstock. Durch sie werden wir eingegliedert dem Leibe Christi. Aber wer den Saft des Weinstocks nicht sich durchdringen läßt, der wird endlich abgehauen, und wer das Leben des Leibes Christi nicht sich durchwalten läßt, den wird es töd: 20. Es gibt, wie unsere lieben Alten sagen, fünf geheimnißvolle Arten innigster Vereinigung, von denen die Schrift redet. Die erste und höchste ist die wesentliche Vereinigung der drei Personen der Gottheit, die in Einheit des Wesens durch ewige unauflösliche Bande verbunden sind, wie der Sohn Gottes von sich in Bezug zu seinem Vater sagt: Ich und der Vater sind eins. Die zweite ist die persönliche Vereinigung der beiden Naturen, der göttlichen und der menschlichen, in dem Gottmenschen Christus, denn das Wort ward Fleisch, und in Ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Die dritte: die sacramentliche Vereinigung der irdischen Elemente, des Wassers in der Taufe, und des Brotes und Weines im h. Abendmahl, mit den unter ihnen verborgenen himmlischen Gütern. Die vierte: die geistliche Vereinigung der Gläubigen mit Gott, und die fünfte: ihre geistliche Vereinigung unter einander zu Einem Leibe und Einem Geiste. In dem h. Abendmahle laufen alle dieſe geheimnißvollen Vereinigungen wie in einem Punkte zusammen. 48 Unterricht Denn wo der Sohn Gottes ist, da ist auch der Vater und der h. Geist, und wo Jesus Christus ist nach seiner menschlichen Natur, da ist er auch nach seiner göttlichen, und wo Brot und Wein sind, mit seinen Stiftungsworten geſegnet, da ist sein Leib und sein Blut, und indem er diese Gaben uns mittheilt, verbindet er uns mittelst derselben mit Gott in Einem Geiste und mit sich selber und unter einander zu Einem Leibe. Und wer Ihn nicht in sich gegenwärtig sein lässet nach seiner Gnade, in dem ist er doch gegenwärtig nach seiner Macht und handelt mit ihm nach seiner Gerechtigkeit; wer aber seiner Gnadengegenwart durch Glauben entspricht, den zieht er mit sich zu gleicher Herrlichkeit empor, denn er will, wie er Joh. 17, 24 betet, daß wo Er ist, auch die bei ihm seien, die ihm der Vater gegeben hat, daß sie seine Herrlichkeit sehen, die er ihm gegeben. 21. O des unaussprechlichen Geheimnisses! Entsteht denn nicht in dir der Wunsch, daß du es erfahren möchtest? So beuge denn, wenn du zum Tische des Herrn gehen willst, deine Kniee gegen den Vater unseres Herrn Jesu Christi, daß er dir Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in deinem Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden. Da die Lade des Bundes des Herrn in das Lager kam, jauchzte das ganze Israel mit einem großen Jauchzen, daß die Erde erschallete"( 1 Sam. 4, 5). Zu dir kommt II. über das h. Abendmahl. Christus Jesus, welchen Gott vorgestellet zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut( Röm. 3, 25). O so freue auch du dich und jauchze, daß die Wände deines Herzens erbeben, daß alle deine Gebeine sagen: Herr, wer ist wie du! 22. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Seine menschliche Natur ist aufgenommen in persönliche Einheit mit der göttlichen. Alle die Herrlichkeit göttlicher Eigenschaften, welche hienieden den ruhenden Hintergrund seiner Person bildete und nur in einzelnen Strahlen durch seine Knechtsgestalt leuchtete, ist seit seiner Auferstehung und Auffahrt hervorgetreten, wie die Sonne wenn sie aufgehet in ihrer Macht, und hat seine menschliche Natur, ohne sie in sich aufzuheben, zur Gleichheit mit sich selbst emporgehoben. Unter diese Eigenschaften gehört auch die Allgegenwart. Denn der hinuntergefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf daß er alles erfüllete" Eph. 4, 10. Wie die Seele nicht außerhalb des Leibes iſt, und der Leib nicht außerhalb der Seele, so ist auch die Gottheit des Sohnes Gottes nicht außerhalb der angenommenen und nun verklärten Menschheit, und seine Menschheit ist nicht außerhalb der Gottheit. Wie kann es dir also seltsam erscheinen, wenn Christus im h. Abendmahl sich selbst gegenwärtig dargibt, und zwar die Jahrhunderte hindurch bis ans Ende der Tage! Seine Gemeinde ist ja die Fülle deß, der alles in allem erfüllet( Eph. 1, 23). Er sendet uns nicht blos von ferne die Strahlen seiner Kraft, er ist mitten unter uns, wie 4 49 50 Unterricht ihn Johannes wandeln sah unter den sieben goldenen Leuchtern( Offenb. 1, 13). Und sein Leib ist ja der Leib des Sohnes Gottes, sein Blut ist Gottesblut. Seine Menschheit ist wie seine Gottheit ein unausschöpflicher Segensborn für Himmel und Erde. Wie die Gottheit nichts von ihrem Weſen verliert, obgleich Millionen Creaturen durch sie Daſein und Leben empfangen, so verliert auch die Menschennatur Christi nichts von ihrem Wesen dadurch daß sie sich Millionen mittheilt, denn das Endliche an ihm ist vom Unendlichen durchdrungen, die Menschheit ist aufgenommen in die Gottheit. 23. O Seele, wie herrlich ist dein Heiland! Myriaden Engel huldigen ihm, der zur Rechten des Vaters sizzet; Seraphim verhüllen sich vor ihm mit ihren Flügeln. Sie stehen in Entfernung von ihm, da wo er sich den Seligen offenbart, und beten an. Zu dir aber im Thale der Thränen naht er sich, umfaßt dich mit brünstiger Liebe, und seinen Leib, sein Blut das, was die Engel anbetend schauen gibt er dir zu genießen. O Seele, wenn dies Geheimniß sich vor dir aufthäte, nnd die Decke fiele dir mit Einem Male von den Augen, und du sähest bei diesem heiligen Sacramente die Herrlichkeit deines Heilandes und die Heerschaaren der ihn umgebenden dienenden Geister mit aufgedecktem Angesicht du würdest wie Daniel und Johannes niederfallen zu seinen Füßen als ein Todter, du würdest vergehen vor staunender, dein Innerstes durchbebender Ehrfurcht. Du könntest es hienieden in dem Leibe der Sterblichkeit nicht ertragen- es ― II. über das H. Abendmahl. 51 ist auch das eine Gnade, daß er das Dunkel über deinen Augen nicht völlig lichtet und den Glanz seiner Herrlichkeit dir nicht völlig enthüllet. 24. Wo ist ein so herrlich Volk, ruft Mose aus( 5 Moſ. 4, 7), zu dem die Götter also nahe sich thun, als der Herr unser Gott, so oft wir ihn anrufen! Ja herrlich war seine Offenbarung auch schon im Alten Bunde, wo er in der Wolken- und Feuersäule vor seinem Volke herzog und über den Cherubim der Bundeslade inmitten seines Volkes wohnte. Aber Gott war noch nicht geoffenbaret im Fleisch, das Geheimniß, das verborgen gewesen ist von der Welt her und von den Zeiten her( Col. 1, 26), war den Gläubigen des Alten Bundes noch verborgen. Je tiefer der Herr im Neuen Bunde sich herabgelassen hat, desto erhabener ist der Neue Bund über den Alten. Das Wort ward Fleisch dieser Vollzug des ewigen Liebesrathschlusses scheidet zwischen Altem und Neuem Bunde wie zwischen sternheller Nacht und sonnigem Tage. Das Wort ward Fleisch in diesem Geheimniß, in welches auch die Engel gelüstet zu schauen, ist alles, was die Kirche vor Israel voraus hat, begründet. Die neutestamentlichen Sacramente sind nicht blos Zeichen und Unterpfänder der Gnade des jenseitigen Gottes: sie sind die Wege, auf denen der Gottmensch zu uns kommt in der Gnadenfülle seines zwiefältigen persönlichen Wesens. Beide, Taufe und Abendmahl, sind reelle doppelseitige, das heißt: sowohl unser natürliches als geistiges Wesen ergreifende Wirkungen — 4* - Unterricht 52 und Mittheilungen aus dieser Gnadenfülle. Denn kraft Eines Geistes sind wir Alle zu Einem Leibe getauft und sind Alle zu Einem Geist getränket( 1 Cor. 12, 13); dort gibt uns der Menschgewordene seine heilige Menschheit wie zum Kleide, denn wie viele ihrer getauft sind, die haben Christum angezogen ( Gal. 3, 27), hier gibt er sie uns zur Speise und zum Tranke und nährt den dort gepflanzten Anfang. Und für diese Heiligthümer des Neuen Bundes gibt es kein irdisches Jerusalem, wo sie, wie im Alten Bunde die Bundeslade mit dem Cherubsthron, ausschließlich zu finden wären; sie werden nach allen Enden der Erde getragen und lassen sich überall nieder, wo man sie aufnimmt. Der Cherubimthron ist beweglich geworden, in Wort und Sacrament fährt Christus, wie auf Cherubsfittigen, durch die Menschheit hin und streut den Samen einer neuen Menschheit aus, deren Wesen geiſtlich und himmlisch ist. Wer es an sich erfahren, der wird's verstehen. 25. Was ist also alle Pracht des alttestamentlichen Gottesdienstes gegen die beiden Sacramente der Gemeinde Jesu Christi! Die Herrlichkeit dieser Reichskleinodien ist zwar verhüllt, wie die des Herrn selbst als er sichtbar auf Erden wandelte. Aber Menschen- und Engelzungen können sie nicht aussprechen. Alles, was die Gläubigen des Alten Bundes ersehnten und erflehten, enthalten die zwei Sacramente des Neuen Bundes: die Beschneidung ohne Hände, die Beschneidung Christi, die h. Taufe, und unser Passah, das h. Abendmahl. Dort war der Tisch mit den Schaubroten, ein II. über das H. Abendmahl. Bild irdischen Segens, den der Herr seinem Volke spendet, hier ist der Tisch des Herrn mit ihm selbst, dem Brote des Lebens. Dort war in der goldenen Urne bei der Lade das zur Erinnerung aufbewahrte Manna, hier ist das Brot vom Himmel, das unvergängliche und unsterblich machende Manna, das Fleisch Jesu Christi. In wie viel tieferem Sinne können wir sagen als David( Ps. 23, 5): ,, Du bereitest mir einen Tisch gegen meine Feinde, du salbest mein Haupt mit Dele und schenkest mir voll ein," und( Ps. 111, 4. 5): ,, Er hat ein Gedächtniß geſtiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. Er gibt Speise denen, die ihn fürchten, er gedenket ewiglich an seinen Bund." Denn was David als Vorbild und Prophet Christi gelobet, daß er ein Dankopfermahl anrichten wolle, davon die Elenden in allen Landen essen und satt werden, davon ihr Herz ewiglich leben soll( Pf. 22, 26-28), das ist erfüllet vor unsern Augen. Wenn aber vom Herrn Feuer ausging und Nadab und Abihu verzehrte, weil sie unreines Feuer auf seinen Altar brachten( 3 Mos. 10, 2), was wird denen geschehen, welche des Herrn Leib und Blut mit unreinem Herzen empfangen? Wenn 3 Mof. 7, 20 gedroht wird: ,, Welche Seele wird essen von dem Fleisch des Dankopfers, das dem Herrn zugehört, und sie ist unrein, die soll ausgerottet werden aus ihrem Volke" was steht denen bevor, welche Leib und Blut des Lammes Gottes nicht unterscheiden? O bedenke es, dein Gang ist so wichtig, als der Gang des Hohenpriesters ins Allerheiligste am großen Ver- - 53 54 Unterricht -- söhnungstage: er trat zur Bundeslade mit dem Gnadenstuhle und hatte Räucherwerk in der einen Hand, daß der Nebel vom Räucherwerk den Gnadenstuhl bedecke, auf daß er nicht sterbe( 3 Mos. 16, 13) du aber trittst in weit nähere Nähe dessen, den Gott vorgestellt hat zu einem Gnadenſtuhl in seinem Blut. Empfange ihn nicht mit gesetzlichem knechtischem Zittern, er ist ja dein Heiland. Erschrecke nicht, aber erbebe vor heiliger Scheu. Eile ihm entgegen wie eine Braut mit freudigem Beben. 26. Die apostolische Kirche betrachtete das h. Abendmahl als ein durchaus evangelisches Mahl und feierte es deshalb so oft man überhaupt zu gemeinsamer Mahlzeit sich vereinigte; das Brotbrechen"( Apost. 2, 42) bezeichnet die Liebesmähler in ihrer Verbindung mit dem Sacramente. Die nachapostolische Kirche feierte das h. Abendmahl entweder täglich oder doch außer allen Sonntagen auch an allen irgendwie festlichen Wochentagen. Man sah in dem Sacramente das tägliche Brot, um welches im Vaterunser gebetet wird, die den Christen täglich nothwendige geistliche Nahrung und Stärfung. ,, Empfange täglich sagt Ambrosius was dir täglich von Nutzen ist. Lebe so, daß du es täglich würdig empfangen kannst. Wer es nicht täglich würdig empfangen kann, der wird es auch in Jahresfrist nicht würdig empfangen. Es ist das Blut, zur Vergebung unserer Sünden vergoffen; nun fündige ich immer, so bedarf ich auch immer der Heilung." Und wenn in der alten Kirche das h. Abendmahl begangen - - 55 II. über das h. Abendmahl. wurde, so war es immer ein Gemeindeact. Die ganze Gemeinde der Gläubigen betheiligte sich, ausgeschlossen nur die noch nicht Aufgenommenen( Katechumenen) und die der Kirchenzucht Verfallenen. Es war Communion im wahren eigentlichen Sinne, das ist, eine Wechselhandlung zwischen dem Herrn und der ganzen Gemeinde. Alle Gemeindegottesdienſte liefen in die Abendmahlsfeier aus als ihren höchsten und innerlichsten Bestandtheil. Von dem Zutritt zu dieſem Allerheiligsten ausgeschlossen zu sein, galt als ein Mangel; ausgeschlossen zu werden, als eine Schande; sich selbst auszuschließen als ein Frevel oder doch als Zeichen des Entfallenſeins aus der Gnade. 27. Wie die alte Kirche das h. Abendmahl als den Höhepunkt des Gemeindegottesdienstes ansah, weil die der Gemeinde sich dargebende Liebe des Herrn darin gipfelt, so galt es ihr auch als der höchste Act des Bekenntnisses, welches die Gemeinde vor dem Herrn und unter einander ablegt, als die allerernsteste und heiligste Bethätigung ihrer Glaubensgemeinschaft. Diese Speise- sagt Justin der Märtyrer in seiner ersten Bertheidigungsschrift der Christen- wird bei uns Eucharistie genannt, und es ist keinem Anderen die Theilnahme geſtattet, als nur dem, welcher glaubt, daß das wahr ist, was von uns gelehrt wird, und welcher das Wasserbad zur Vergebung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und so lebt, wie Christus geboten hat; denn wir nehmen diese Gaben nicht hin als gemeines Brot und gemeinen Trank, 56 Unterricht sondern sind belehrt, daß die durch das darüber gesprochene Wort Christi gesegnete Nahrung Fleisch und Blut des Fleisch gewordenen ewigen Wortes Gottes ist." So war es in der alten Kirche, und auch jetzt sollte bei der wirren Mannigfaltigkeit von Ueberzeugungsstandpunkten, Erkenntnißgraden und Seelenzuſtänden dies der unverbrüchliche Grundsatz kirchlicher Praxis bleiben, daß Zulassung zum h. Abendmahle durch Uebereinstimmung mit dem Bekenntniß der es begehenden Kirche bedingt ist und daß überall da, wo diese Uebereinſtimmung nicht vorausgesetzt werden darf, die Frage gestellt werden soll, ob sie vorhanden sei oder nicht, denn das Altarsacrament soll nicht zur Begünstigung des Indifferentismus ( der Religionsgleichgültigkeit) und des Synkretismus( der Bekenntnißmengerei) gemißbraucht werden, und ein gewissenhaftes Kirchenregiment wird kirchenordnungsmäßig dafür zu sorgen haben, daß nicht jenes bunte und confuse Durcheinander einer bekenntnißscheuen, mattherzigen, lauen Zeit, ohne daß die Kirche in ihren Dienern sichtend dazwischen tritt, die Schwelle des Altars überwoge, an welchem Christi Leib und Blut gespendet wird. Es sollte Niemand zugelassen werden, der nicht mit dem Bekenntnisse des Psalmisten kommt( Ps. 26, 6. 7): Jch halte mich Herr! zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankes und da man prediget alle deine Wunder. 28. Die heilsame Zucht ist dahin, und die schönen Gottesdienste sind verfallen, und die brennende Liebe zu dem Liebes II. über das H. Abendmahl. mahle des Herrn ist fast verglommen. Wie ganz anders iſt es in der Kirche geworden! Einmalige, zweimalige höchstens viermalige Theilnahme am h. Abendmahl ist das Gewöhnliche, und wenn die Abendmahlsfeier beginnt, strömen unsere Gemeinden zur Kirche hinaus und überlassen die Feier den Einzelnen. Es ist nicht mehr ein Gemeindeact, sondern ein dem Gemeindegottesdienst als Anhängsel folgender Privatact. Manche sind sogar in der Täuschung befangen, daß sie das Sacrament durch häufigen Zugang entweihen würden. Und selbst das Christenthum der meisten redlichen Christen ist so gesetzlich, daß sie sich mit Mühe einige Male des Jahres in den Stand vermeintlicher Würdigkeit versetzen. Darum liegen die Straßen gen Zion so wüste. Es ist von der Tochter Zion aller Schmuck dahin. Jerusalem denkt in dieser Zeit, wie elend und verlassen sie ist, und wie viel Gutes sie von Alters her gehabt hat. 57 29. Du beklagst und verabscheust dich selber als Sünder und deshalb hältst du dich für ungeschickt zum Sacrament. Aber wie irrst du dich! Du willst geheiligt sein, ehe du gerechtfertigt bist: du willst als ein Heiliger zu Jesu kommen, der doch nur die Sünder annimmt, als ein Gesunder zu dem Arzte der Kranken. Wo hoffst du denn Ruhe zu finden für deine Seele? Es gibt keine Rettung für dich, als geraden Wegs zu Dem zu gehen, der die Mühseligen und Beladenen zu sich ruft, zu dem Herrn, der dir zur Gerechtigkeit und zur Erlösung gemacht ist, ohne den du, wenn du in Unterricht 58 alle Ewigkeit dich quältest und kasteietest, dir keine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, zuwegebringen könntest. Wenn dir doch die Erkenntniß deiner Sünde ein Mittel zur Erkenntniß der unvergleichlich größeren Liebe deines Heilandes würde! Deine Sünde ist eine große Tiefe, aber die Barmherzigkeit Gottes ist eine noch viel größere, in die er sie hineinwerfen will. Deine Sünde ist blutroth, aber weil sie dich ängſtigt und du Hände voll Bluts zu Gott aufzuheben fürchteſt, ſo gehört für dich das Blut, welches vergossen ist, dich rein zu machen von aller Sünde. Willst du die göttliche Gnade der Ehre dieses Triumphes berauben, daß sie dich, obwohl du ein großer Sünder bist, dennoch losspricht und gerecht macht?- Oso gehe mit der ganzen Bürde, die dich beschwert, zum Tische des Herrn, und glaube, daß er nach dem Drange seines Erbarmens dir helfen kann, und daß er dir helfen will nach der Kraft seines überschwenglichen Verdienstes. Nimm hin seinen Leib, der dein Leben, und das Blut, das deine Sühne ist, und im festen Glauben, daß nichts Verdammliches an denen ist, die in Christo Jesu sind und in denen Christus Jesus ist, setze den Kampf gegen die Sünde mit erneuten Kräften fort, bis dich Gott von dem Leibe dieses Todes einst völlig erlösen wird. 30. Indem wir aber auf Grund göttlichen Worts behaupten, daß der Mensch um so geschickter zum Tische des Herrn ist, je heilsbedürftiger er sich fühlt, wollen wir eine Leistung nicht vergessen, die der Herr von allen Gästen an II. über das h. Abendmahl. opferst seinem Tische fordert. Wenn du deine Gabe auf dem Altar sagt der Herr Matth. 5, 23. 24- und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas gegen dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Das heilige Abendmahl ist zwar kein Opfer, aber es ist doch insofern ein Opfermahl, als es ein Genießen des einigen Opfers für die Sünde der Welt ist. Wehe dir, wenn du dieses Siegel deiner Sündenvergebung mit einem Herzen voll mörderischen Hasses, geheimen Grolles, teuflischer Rachsucht, heuchlerischer Unversöhnlichkeit hinnimmſt, das himmlische Manna mit einem Herzen voll bitterer Galle! O so folge dem Worte Christi, und wenn dir in der Zeit der Vorbereitung beikommt, daß dein Bruder etwas gegen dich habe, so gehe zu ihm und versöhne dich mit ihm. Hast du ihn irgendwie beleidigt, gekränkt, zurückgeſetzt, in seinen Rechten geschmälert und ihm Veranlassung zur Klage über dich gegeben, so demüthige dich und bitte ihn um Vergebung. Bist du aber der Beleidigte, so poche nicht auf dein Recht, sondern jage dem Frieden nach. Erwidere den Fluch mit Segen, erweise Gutes für Böses, erkenne in dem erfahrenen Unrecht eine heilsame Führung Gottes zu deiner Demüthigung, und denke nur, daß du, wenn Gott nach deinen Sünden mit dir verfahren wollte, tausendmal Aergeres verdient hätteſt. Ist dein Bruder weit von dir entfernt, so versöhne dich mit ihm brieflich, und ist auch das nicht möglich, - 59 60 Unterricht so entledige wenigstens deine Seele alles Grolles und umfange ihn im Geiste mit herzinniger Liebe, welche Vergebung sucht und selbst gern vergibt. Es ist eine alte gute Sitte, daß die Glieder einer Familie sich vor dem Genusse des heiligen Mahles um Bergebung ihrer wechselseitigen Verschuldungen bitten. Ist denn aber nicht die ganze Kirche Christi Eine Familie, und das heilige Abendmahl der Tisch ihres Hausherrn? Und ist nicht die ganze Menschheit Eine Familie, und das h. Abendmahl der Tisch des Erlösers für alle Erlöseten? O so bete nicht nur: Vergib uns unsere Schulden, wie wir vergeben unsern Schuldigern, sondern übe auch das, was du beteſt! 31. Mancher redliche Christ, dem es weder an bußfertiger Heilsbegierde noch an demüthiger Bruderliebe fehlt, klagt, daß bei dem Genusse des h. Abendmahls, ungeachtet der großen ihm widerfahrenen Gnade und ungeachtet innerer Geiſtesanstrengung, sich ihrer recht bewußt zu werden, dennoch sein Herz kalt und empfindungslos geblieben sei. Er klagt sich ſelbst darüber an, und in der That ist der letzte Grund in unserem Fleisch und Blut zu suchen, welches den Geist beschwert und ihn nicht zu einer recht lebendigen Erfahrung und Empfindung der himmlischen Güter kommen läßt, die im H. Abendmahle uns wahrhaft und wesentlich mitgetheilt werden. Aber weil es nun einmal in unserem jetzigen irdischen Zustande, wo die Wurzel der Sünde noch in uns haftet, zu keinem vollkommenen und ungetrübten Schmecken und Sehen der Freundlichkeit des Herrn kommen kann, so vertheilt und II. über das H. Abendmahl. 61 ordnet Gott nach seiner erziehenden Liebe die wonnigen Empfindungen des Heils bei einem jeden Gläubigen so, wie es ihm für Zeit und Ewigkeit am heilsamsten ist. So geschieht es denn, daß der Eine, wo er den empfindlichsten süßesten Genuß erwarten sollte, nichts davon verspürt, damit er nicht in Selbstbespiegelung und Selbsterhebung verfalle und nicht auf geistliche Höhen gerathe, von denen man so leicht in fleischliche Sicherheit überstürzt, sondern in dem Thale der Demuth und Geistesarmuth verbleibe, während ein Anderer, der lange im Dunkeln gesessen hat, plötzlich und unvermuthet von dem Aufgang aus der Höhe besucht und von der Klarheit des Herrn umleuchtet wird. Der Eine bleibt beim Empfang des h. Abendmahls ohne besonderes Gefühl des großen Schatzes, der ihm zu Theil wird: er ist auf den Glauben gewiesen, der geraden Blicks auf den Herrn Jesum gerichtet ist, ohne den Widerstrahl seines Antliges innerlich zu empfinden. Der Andere wird mit einem Strome himmlischer Wonne überschüttet, seine Augen werden von Freudenthränen genäßt, sein Herz wird ein Lobethal wo nichts als Halleluja erklingen. Aber in kurzem folgt auf die Erquickung eine Zeit der Dürre und bei dem Andern auf die Dürre eine Zeit der Erquickung vom Angesichte des Herrn. Denn das Christenthum bleibt ein steter Wechsel von schweren Kämpfen und süßen Erquickungen, welche zu neuen schwereren Kämpfen vorbereiten sollen; Gott schickt das Eine und das Andere, er ist der Seele nahe, sie mag es empfinden oder nicht. Dieser Wechsel ist durch 62 die göttliche Weisheit und Liebe geordnet, damit wir durch alle Klippen hindurch den Port der ewigen Ruhe erreichen. 32. Hast du die Kraft seines Leibes und Blutes nicht alsbald empfunden, so hast du sie doch zu deinem ewigen Heil empfangen, und gehst du treu mit der himmlischen Gabe um, so wird sie dir auch immer mehr in der Empfindung ein Manna vom Himmel werden. Glaube nur fest: der Herr hat Wohnung in dir gemacht, und bedenke, daß du ein Tempel geworden bist des lebendigen Gottes. Setze deiner Vernunft, deinem Herzen und allen Einreden, woher sie auch kommen mögen, mit fester Zuversicht entgegen: wenn ichs auch nicht empfinde, der Herr ist dennoch bei mir und in mir, denn sein Wort, seine Verheißung kann nicht trügen. Dadurch, daß er mirs nicht zu sehen und zu schmecken gibt, will er meinen Glauben prüfen, ob er die vergängliche Empfindung, oder ob er, wie es sein soll, das unvergängliche felsenfeſte Wort zu seinem Grunde macht, auf den er sich erbauet. Ja das ist der rechte Glaube, der, wenn auch Leib und Seele verschmachtet, Gott seines Herzens Trost und Theil sein läſſet, der mit Jona mitten in der Tiefe des stürmenden Meeres und im Bauche des Fisches nach dem Gnadenstuhle schauet. Empfindest du nicht sagt einer unserer lieben Alten das Brausen des gewaltigen Pfingstwindes, so laß dir an dem stillen sanften Sausen genügen; verspürst du nicht eine helle und lichte Flamme, so sei zufrieden, daß dennoch dein Herz im Glauben wie ein Tocht glimmet. Kannst du nicht Unterricht - II. über das H. Abendmahl. 63 jauchzen, so seufze; kannst du nicht weinen, so sehne dich nach Gott; kannst du nicht satt und trunken sein von dem süßen Trost des heiligen Geistes, so nimm vorlieb und danke ihm für seine verborgene Kraft, dadurch er dich innerlich stärkt und erhält wider allen Trotz des Teufels. III. Von der Confirmation. 1. Und nun, lieber Sohn, liebe Tochter, kommt die Reihe des Unterrichts insonderheit an dich, an euch, jugendliche Mitchristen, die ihr nun bald das erste Mal zum Tische des Herrn gehen wollt. Die Confirmation ist die Feier, mittelſt welcher die Kirche euch den Zugang zum Sacrament des Altars eröffnet. Das h. Abendmahl ist das innerste Heiligthum der Kirche. Ehe sie euch zu diesem zuläßt, muß sie sich dessen vergewissern, daß sie dazu berechtigt iſt. 2. Als du getauft wurdest, warst du noch sprachlos und deine Pathen bezeugten an deiner Statt, daß du dem Teufel und seinen Werken und seinem Wesen entsagen und auf den christlichen Glauben getauft sein wollest. Und als du so dem dreieinigen Gotte zugeführt wurdest, kam Er dir mit der Fülle einer Gnade entgegen. Gott der Vater nahm dich in seine Liebesarme auf; Gott der Sohn, Jesus Christus, gab sich dir mit der Sündenfühne und dem neuen Leben, die er uns Adamskindern erwirkt hat, zu eigen und Gott der Unterricht III. über die Confirmation. H. Geist begann sein Erneuerungswerk an deiner in Gottes Liebe eingeschlossenen und in die Gemeinschaft des Todes und der Auferstehung Christi versetzten Seele. Unbewußt warst du in dieses irdische Leben hineingeboren worden, und unbewußt wurdest du nun auch in ein neues himmlisches hineingeboren. Der dreieinige Gott schloß mit dir einen ewigen Bund, den Taufbund, in welchem er sich dir in ewiger Treue zu eigen gab und du durch den Mund deiner Pathen ihm treue Erwiderung dieser Treue gelobteſt. 3. Diesen durch die h. Taufe in dir gewirkten neuen Lebensanfang zu befestigen ist das h. Abendmahl beſtimmt, in welchem sich dir der Herr Jesus mit den Gaben seines Leibes und Blutes entgegenbringt. Die h. Taufe hat den Grund eines neuen Lebens in dir gelegt und das H. Abendmahl ist das Ziel, auf welches hin die Arbeit menschlicher Erziehung und göttlicher Gnadenwirkung ineinandergriffen, um jenen Lebenskeim in dir zur Entfaltung zu bringen. Du bist zwar schon als Getaufter Mitglied der Gemeinde Christi, aber erst in der Mitfeier des h. Abendmahls kommt dieſe Mitgliedschaft zur selbstständigen und höchsten Bethätigung. 4. Aller Religionsunterricht hat die Taufe zum Ausgangs- und das h. Abendmahl zum Zielpunkt. Er hat die Aufgabe, stufengängig in Erkenntniß dessen einzuführen, was uns in der Taufe geschenkt ist und uns im Abendmahl geschenkt werden soll. Was der Religionsunterricht der Schule geleistet hat, soll der Confirmationsunterricht dergeſtalt 5 65 Unterricht 66 zum Abschluß bringen, daß die Confirmanden( das heißt, die zu Confirmirenden) nicht allein zu der Erkenntnißreife, sondern auch zu der Gemüthsverfassung gelangen, welche für den innern Kreis der des Herrn Mahl begehenden Gemeinde erforderlich ist. Die öffentliche Confirmandenprüfung soll zeigen, daß die Confirmanden zu dieser Erkenntnißreife wirklich gelangt sind und daß ihre Erkenntniß nicht blos angelerntes Formelwerk ist. 5. Zwischen die Confirmandenprüfung oder, wie unsere alten Kirchenordnungen sie nennen, das„ Glaubensexamen", und die erste Communion, das ist, Theilnahme am Sacrament des Leibes und Blutes Christi, tritt dann die Confirmation. Es ist eben der Name, welchen in der katholischen Kirche diejenige Handlung hat, welche gewöhnlich kürzer die Firmung( Firmelung) genannt wird. Der Bischof, welcher für ausschließlich berechtigt gilt, sie zu vollziehen, macht auf der Stirn des Confirmanden oder Firmlings mit geweihtem Del( Chrisma) das Zeichen des Kreuzes, indem er dazu spricht: ,, Ich zeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und bestätige dich( lateiniſch: confirmo te) mittelst des Deles des Heils." Dieser Act der Confirmation, oder der Beſtätigung im Besitz und in der Bethätigung der Taufgnade, gilt der katholischen Kirche als Sacrament. Jedes Sacrament beſteht aus mitzutheilenden himmlischen Gaben und irdischen Mittheilungsmitteln, in und mit welchen diese himmlischen Gaben sich mittheilen. Dieses Mittheilungsmittel soll in der Con III. über die Confirmation. 67 firmation das geweihte Del sein. Aber nur der Herr kann Sacramente einsetzen, nicht die Kirche. Diesem vermeintlichen Sacramente fehlt die Hauptsache: es beruht nicht auf göttlicher Stiftung. 6. Mit Recht hat unsere Kirche an die Stelle der Salbung die Handauflegung gesetzt. Die Handauflegung erscheint durch die ganze h. Schrift hindurch als Act der Weihe zu besonderen heiligen Zwecken und der Zueignung von oben. kommender Gaben. In Verbindung mit der Taufe, aber als besondere Handlung erscheint die Handauflegung Hebr. 6, 2, und wenn man dazu die Erzählung Apstg. 8, 12-17 vergleicht, so wird man einräumen müssen, daß die Kirche, wenn sie auf die heilige Taufe, zumal die Kindertaufe, einen Act der Handauflegung folgen läßt, sich auf apostolisches Vorbild berufen darf. 7. Das Verhältniß dieses Acts der Handauflegung zur Taufe ist folgendes. Alles, was uns aus Kindern des Zorns zu lieben Kindern Gottes und zu Erben des vom Herrn Jesu erworbenen Heils macht, ist uns in der Taufe zutheil geworden und bedarf keiner Ergänzung. In dem Confirmationsact aber fleht die Kirche auf ihre nun gereiften jugendlichen Mitglieder alle die Gaben herab, deren sie bedürfen, um ihren Christenstand fortan selbstständig durch ein gutes Bekenntniß und Beispiel in Wort und Werk und Wandel, Christo und seiner Kirche zu Dienst und Ehren, zu bethätigen. Ein Sacrament ist diese Handlung nicht, schon 5* 68 Unterricht deshalb nicht weil ihr die göttliche Stiftung fehlt. Aber auch abgeſehen vom apostolischen Vorbilde kommt ihr die allgemeine Verheißung zugute, welche das Gebet im Namen Jesu Christi hat, wo nur immer zwei oder drei eins werden, warum es ist das sie bitten wollen( Matth. 18, 19). Auf Grund dieſer Verheißung und in der Gewißheit, Gottes Geist in sich wohnend zu haben, streckt die Kirche durch ihre Diener ihre Hand über dich aus und spricht: ,, Nimm hin den heiligen Geist, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hülfe zu allem Guten, von der gnädigen Hand Gottes des Vaters und des Sohnes und des H. Geistes. Amen." . 8. Ehe sie dich aber solchergestalt confirmirt, das heißt, ehe sie dich in dem Rechte eines selbstständigen Mitglieds bestätigt und dich fürbittend und segnend mit den zur Ausübung dieses Rechts nöthigen Gaben auszurüsten sucht, ſtellt sie an dich die Aufforderung, angesichts Gottes und der versammelten Gemeinde deinen Taufbund zu erneuern. Auf Seiten Gottes steht der Bund, den er mit dir in der Taufe geschlossen, unverbrüchlich fest und, wenn du auf dein Leben bis heute zurückblickst, hat er dir nicht Treue gehalten und dich auf Vaterhänden getragen, dich wie ein guter Hirt geleitet, versorgt und beschirmet? Du aber- hast du Jhm Treue gehalten, bist du in der Taufgnade bestanden, hast du dich in der Gemeinschaft mit Ihm durch Gebetsverkehr, durch Gehorsam gegen sein Wort und durch Verabscheuung und Bekämpfung III. über die Confirmation. der Sünde behauptet? Oder bist du in Gottvergessenheit dahingegangen, hast du die Sünde über dich herrschen laſsen, hast du seine Gnade von dir gestoßen und dich seiner Zucht entwunden? Prüfe dich selbst, denn eindrücklicher als je ergeht am Confirmationstage der Gnadenruf an dich von neuem. Heute sollst du deinen Taufbund erneuern, du sollst die Zusagen und das Glaubensbekenntniß, welche als du getauft wurdest deine Taufzeugen für dich aussprachen, nun mit eignem Munde wiederholen. Die Treue, welche du dem gnadenreichen und treuen Gotte in der Taufe gelobt hast, sollst du ihm jetzt vor vielen Zeugen von neuem geloben und feierlich versprechen, daß du entsagest dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen, daß du von Herzen glaubeſt an Gott den Dreieinigen und daß du in diesem Glauben deinen Geist ganz sammt Seele und Leib unsträflich behalten wollest auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Welch ein wichtiger Wendepunkt deines Lebens ist diese öffentliche Erneuerung des Gelübdes der Bundestreue gegen den Gott deines Heils! Welch eine ewig verantwortungsvolle That selbstständiger freier Entscheidung! 69 9. Weil aber die Kirche Christi auf Erden sich in Sonderkirchen mit ausgeprägten Bekenntnissen darstellt und man sich zu dem Bekenntnisse derjenigen Kirche mitbekennt, mit welcher zusammen man das Mahl des Herrn feiert: so ist die Confirmation immer zugleich Bestätigung der Gemeinschaft des Confirmanden mit der Bekenntnißkirche, in welcher Unterricht 70 er confirmirt wird. Wenn du also dein Glaubensbekenntniß am Confirmationstage in der evangelisch- lutherischen Kirche ablegst, so bezeugst du ebendamit, möge die Confirmationsfeier eingerichtet sein wie sie wolle( das Herkommen iſt in den verschiedenen Landeskirchen verschieden), dein Verlangen, fortan dieser und keiner andern Kirche als selbstständiges Mitglied anzugehören und mit ihr in die denkbar innigste Gemeinschaft, nämlich Abendmahlsgemeinschaft, zu treten. Du gelobest standhaftes Festhalten an ihrem Bekenntniß, gewissenhafte Theilnahme an ihren Gottesdienſten, pflichttreues Eingehen in ihre Ordnungen. Auf dieses Be gehren und Gelübde hin erklärt dich unsere Kirche für ihr nunmehr mündiges Mitglied und eröffnet dir den Zugang zu ihrem Altar. Auch nach dieser Seite hin ist der Schritt, den du thust, ein für Zeit und Ewigkeit wichtiger. Denn es iſt nicht gleichgültig, welcher Kirche du angehörst und Treue gelobeſt- es ist für dein inneres Leben von schwergewichtigen Folgen und steht in engem Zusammenhang mit deinem ewigen Heil. 10. Nachdem du nun auf's neue zu Christi Fahne geschworen hast und den Reihen der Streiter Christi eingegliedert worden bist, ist dir das innerste Heiligthum des Hauses Gottes, das Allerheiligste des Neuen Bundes aufgethan und du feierst zum ersten Male das Sacrament des Herrn mit der die Gegenwart seines wahren Leibes und Blutes unter Brot und Wein bekennenden Kirche. Du bist III. über die Confirmation. 71 nun am Ziel der kirchlichen Erziehung angelangt, die in der Confirmation ihren Abschluß gefunden hat, denn der Herr selbst will nun das neue Leben, welches die Taufe in dir begründet hat, mit seinem Leibe und Blute besiegeln und nähren und befestigen und vollenden. Erst jetzt, indem du die Altarstufen hinaufsteigst, gelangst du zur Höhe eines vollberechtigten Mitglieds der Gemeinde, denn das H. Abendmahl ist die Krone ihrer Gottesdienste, der Labetrunk ihrer Streiter, die Letze( Erquickung) ihrer Sterbenden, das Liebesband ihrer Gemeinschaft, das Geheimniß ihrer Einheit mit dem Herrn, vermöge dessen sie sagen kann: ,, Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebeine" ( Eph. 5, 30). Dein Tauftag und dieser dein erster Communiontag, zu dem dich die Kirche durch die Confirmation hinüberleitet, sind die allerbedeutsamsten Tage deines Lebens. O daß die Größe der göttlichen Liebe, die sich da mit dem Reichthum ihrer Gnade dir hingibt, eine starke Gegenliebe in dir entzündete, welche sich von den in unseren Tagen immer höher gehenden Fluthen des Abfalls weder dämpfen noch auslöschen läßt! Der Herr erhalte dich in täglicher Buße und lebendigem Glauben. Er verwirkliche an dir die Segenswünsche und Fürbitten deiner Eltern und Pathen und Lehrer und der ganzen Gemeinde, er segne und behüte deinen Ausgang aus dem unmündigen Kindheitsstande und deinen Eingang in die volle Gemeinschaft der Kirche, und zwar unserer lutherischen Kirche, welche an abtrünnigen und gleich Unterricht III. über die Confirmation. gültigen Mitgliedern nur zu reich ist, an bekenntnißtreuen und liebebrennenden aber immer ärmer wird. O tritt fie nicht mit Füßen, die dich gesäugt hat und deren Brot du isfest! Erfreue sie mit deiner Liebe, tröste sie durch deine Treue! 72 Gelobt sei Jesus Christus, das ewige Wort, durch welches die Welt geschaffen und erlöst worden, der Mund der ewigen Liebe, welche unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung! Gelobt sei Er, der Menschgewordene, der gekommen mit Wasser und Blut, nicht mit Waffer allein, sondern mit Wasser und Blut! Gelobt sei Er, der Gekreuzigte, aus dessen mit dem Speere geöffneter Seite ein Blutstrahl und ein Wasserstrahl sich ergossen! Gelobt sei Er, der Auferstandene und Aufgefahrene und Verklärte, der den Geist der Pfingsten herniedergesandt und die heilige Kirche gegründet hat, Er der wieder zu uns gekommen in seinem Geiste und wiederkommen wird in sichtbarer Herrlichkeit. O Jesu, schenke uns dein Heil! O Christe, salbe uns mit deinem Geiste! O Gottes- und Menschensohn, nimm uns auf in deine Kindschaft und laß uns ewig genesen in dem sanften süßen Lichte deiner Liebe!! II. Einleitende Gebete. Und fielen nieder und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Matth. 2, 11. Die Weisen aus dem Morgenlande suchten Jesum und sie fanden ihn in dem Hause, da der Stern oben über stund. Wo sollst du ihn finden, o heilsbegierige Seele, welcher Stern leuchtet dir in deinem Suchen? Du findest ihn in den heiligen Sacramenten- die sind die Krippe, in welcher er für dich liegt, die Windeln, in die er dir gewickelt ist. Und der Leitstern, der dir leuchtet, ist das Wort Gottes, welches dir gegeben ist, daß es im dunklen Thale dieses Lebens deines Fußes Leuchte und ein Licht auf deinen Wegen sei. Gehe in das Haus des Herrn, dorthin weist dich sein Wort, da findest du im Sacrament des Altars Jesum so sicher, als jene Weisen ihn fanden. Und wie sie niederfielen und anbeteten, so beuge auch du dich, im Staube anbetend, vor dem, den dein Glaubensauge schauet. Was aber sollst du ihm zum Geschenk bringen? Jene thaten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Du hingegen bist arm, und äußere Gaben gefallen ihm ja auch nicht, wenn sie nicht die Zeichen innerlicher Gaben sind. Oder bist du vielleicht reich in Gott, der dein Herz geneigt hat, dem Evangelio zu glauben, der das Sehnen und Seufzen, den Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, in dir entzündet, der die 76 Vorbetrachtung. Quellen deiner Augen geöffnet hat, deine Sünden zu beweinen? So thue denn diese Schätze auf, welche du aus der Hand deines Erbarmers empfangen hast und in irdischem Gefäße trägeſt, und bringe deinem Jesus das Gold rechtschaffenen Glaubens, den Weihrauch inbrünstigen himmelansteigenden Gebets, die Myrrhen göttlicher Traurigkeit und seliger Reue. Fühlst du aber auch an diesen Gaben dich arm, so komme zum Sacrament des Herrn, bittend und flehend, daß er solchen Glauben in dir schaffe, der viel köstlicher erfunden werde, als das vergängliche Gold( 1 Petr. 1, 7), und folge seinem treuen Rathe: Ich rathe dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest( Offenb. 3, 18). Bitte ihn, daß er durch das Feuer seines heiligen Geistes jenes Gebet ohne Unterlaß in dir entzünde, welches wie Räucherwerk aus güldenen Glaubensschalen( Offenb. 5, 8), Gott zu einem süßen Geruch, aus dem Herzen aller Heiligen aufsteigt. Bitte ihn um die Myrrhen aufrichtiger Bußthränen, daß sein strafender Liebesblick, wie er den Petrus bitterlich zu weinen trieb, also auch dein hartes Herz zerschmelze. Kann dich der Donner des göttlichen Gesetzes nicht rühren, so versenke dich nur mit deiner Betrachtung in das bittere Leiden und Sterben deines Heilandes, trage es wie einen Myrrhenbüschel fest auf deinem Herzen( Hohest. 1, 13) und so komme zu seinem Altar, und empfange den reinen Leib dessen, der, für dich blutend, mit bitterer Myrrhe getränkt worden ist. Was willst du ihm geben, das du nicht zuvor von ihm empfangen hättest? Nur seine eigenen Gaben können wir ihm darbringen, und bringen sie ihm, um sie immer völliger zu empfangen. Bitte um die Gabe des Gebets. 1. Um die Gabe des Gebets. 77 Mein Gott, der du nicht Gefallen haft am Tode des Sterbenden, gib mir doch den Geist der Gnaden und des Gebets, daß er meines Fleisches Trägheit überwinde und mich unaufhörlich antreibe, zu dir zu seufzen und mein Herz in andächtigem, brünstigem, ernstem und anhaltendem Gebete vor dir auszuschütten. Denn ich fühle es ja, daß, wenn das Gebet in mir erstirbt, das Leben aus Gott in mir immer matter wird, und ich mir selbst in meiner fleischlichen Sicherheit ein Efel werde. O darum rüttle mich doch auf, laß den Schlaf der Sünde mich nicht aufs neue übermannen; laß das Feuer auf dem Altar meines Herzens nicht verlöschen, laß die Bitte für mein eignes Heil und für das Heil aller Menschen, namentlich die du mir nahe gestellt hast, und die Danksagung für dein unaussprechliches Erbarmen mir eine rechte Freude, ein Bedürfniß meiner Seele werden, das mich alle Stunden, ja allezeit mahnet. Und wenn ich keine Worte finde, dann will ich doch vor deinem Angesichte liegen und harren, weil ich die Verheißung habe, daß dein Geiſt meiner Schwachheit aufhelfen und mich vertreten will Einleitende Gebete. 78 mit seinen unaussprechlichen Seufzern. In der Schule deines Geistes will ich lernen, in deinem Gezelt bei den Stürmen dieses Lebens mich zu verbergen und betend aus der Fülle Jesu Christi zu nehmen Gnade um Gnade. Dich will ich unverrückt anschauen, dein Angesicht, das du in deinem lieben Sohne mir zugewandt hast; denn die dich ansehen und anlaufen, derer Angesicht wird nicht zu Schanden. Gib mir den Geist, der das süße Abba in uns rufet, der den Herrn Jesum in uns verkläret, besonders auch zur Vorbereitung auf den Zutritt zu dem größten Heiligthum des neuen Bundes, auf den Genuß des Sacramentes des wahren Leibes und Blutes meines Heilandes, daß ich von dir mir Alles erbitte, was mich zu einem würdigen Gaste macht an dem Tische, den er wider meine Feinde mir bereitet hat. Ja, mein Gott, lehre mich beten, gib mir ein Herz, das dir wohlgefällt und Worte, die den Weg zu deinem Vaterherzen finden. Amen. 2. Um Festhaltung der reinen Lehre. Herr Jesu, weil du die untrügliche ewige Wahrheit und ein allmächtiger Heiland bist, der seine Zusage erfüllen kann, obschon es vor Menschenaugen unmöglich scheint, so traue und glaube ich den klaren Worten der Um Festhaltung der reinen Lehre. Stiftung deines Sacraments, und bitte dich, du wollest mich bei der reinen Lehre deines Wortes und dem Bekenntnisse der Kirche, die auf dieses Wort sich gründet, erhalten ohne Wanken und Weichen. Laß meinen Glanben in deinem Worte immer tiefer wurzeln, laß mich die Wahrheit deines Wortes immer lebendiger erfahren, damit ich mich nicht durch allerlei Wind der Lehre wägen und wiegen lasse. Laß mich auf dem Felsengrunde deines Wortes feststehen und aller groben und feinen Versuchung, die mich davon abbringen will, sieghaften Widerstand thun. Gib mir Kraft, in dieser Zeit herrschenden Unglaubens und überhandnehmenden Abfalls die Wahrheit ohne alle Menschenfurcht und Menschengefälligkeit zu bekennen und nicht etwa um irdischen Vortheils willen zu verleugnen, sondern alle Zurücksetzung, alle Schmach und Verfolgung um ihretwillen willig und freudig zu leiden. Laß mich halten an dem Vorbilde der heilsamen Worte und diese gute Beilage bewahren durch deinen heiligen Geist, laß mich nachfolgen dem Glauben der treuen Lehrer, die uns das Wort Gottes gesagt haben, vor allem aber aufsehen auf dich, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Bewahre mich vor aller pharisäischen Hoffahrt und allem fleischlichen unverständigen Eifer, aber auch vor aller menschengefälligen Wankelmüthigkeit und aller falschen Liebe, die nicht der Wahrheit, sondern der Ungerechtigkeit sich freuet. Laß die 79 9 80 Einleitende Gebete. wiedergebärende Kraft der heilsamen Lehre deines Wortes an mir offenbar werden, laß es sich an mir als einen unvergänglichen, hundertfältige Frucht bringenden Samen beweisen und meinen Wandel Zeugniß davon ablegen, daß dein Wort ein lebendiges und kräftiges, deine Wahrheit eine freimachende ist. Laß mich dein Wort nicht allein haben, sondern auch aus Liebe zu dir halten und in dieser Liebe immer mehr zunehmen. Laß das furchtbare: Gehet hin ihr Verfluchten, welches die Herr- HerrSager hören müssen, mich in innerster Seele erschrecken. Bewahre mich vor allem Selbstbetruge, der zur Verdammniß führt, vor einer todten unfruchtbaren Erkenntniß, vor fleischlicher Sicherheit, die deine Gnade nicht in Wirklichkeit, sondern nur in der Erinnerung besitzt. Gib mir auch demüthig erbarmende Liebe zu allen, die noch in diesem hochwichtigen Artikel vom Sacramente deines wahren Leibes und Blutes irren, Liebe, die sie mit Herzgewinnender Sanftmuth und unermüdlicher Geduld vom Irrthum ihres Weges zurück zu führen sucht; die unablässig zu dir, in dessen Lichte allein wir das Licht sehen, für sie betet; die inbrünstig darnach sich sehnt, daß doch bald alle, die nach deinem Namen genannt und durch dein theures Blut erlöst sind, hinan kommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß des Sohnes Gottes. Es ist ja allein deine Gnade, die unsre Finsterniß lichtet, die einen hellen Schein in unsre Herzen gibt; sie ist es, welche die Er Um lebendigen Glauben an die Worte der Einsetzung. 81 kenntniß der Wahrheit in uns wirkt und in uns erhält. O so laß doch diese Gnade in den Herzen Aller, welche sie aus dem geistlichen Tode erweckt hat, das gute Werk vollenden. Laß dein Wort sich unserer Zeit von neuem ausweisen als das Wort des lebendigen Gottes und einen Sieg nach dem andern erringen. Deffne auch mir die Augen, daß ich in die Wunder an der Wunderstiftung deines heiligen Mahles immer tiefer hineinschaue. Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort deiner Wahrheit, sondern besiegele es immer mehr in meinem Herzen durch deinen heiligen Geist, um deiner Gnade und Wahrheit willen. Amen. 3. Um lebendigen Glauben an die Worte der Einsetzung. Herr Jesu Christe, du allgewaltiger und wahrhaftiger Herr, weil du bestimmt und deutlich sagest: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, so wirke und erhalte doch in mir den festen und zuversichtlichen Glauben, daß ich in deinem allerheiligsten Sacramente deinen wahren wesentlichen Leib und dein wahres wesentliches Blut empfange. Denn deine klaren Worte können ja unmöglich trügen, und weil du den Streit, welcher über deinen Einsetzungsworten entstehen würde, nach deinem Allwissen 6 82 Einleitende Gebete. vorausgesehen, wirst du ja nicht ungewiß und zweideutig gesprochen haben. Zudem kannst du geben, was du verheißen und darbieteſt; denn du bist nach deiner göttlichen Natur das ewige Wort, durch welches alle Dinge geschaffen sind, und bist auch nach deiner erhöheten menschlichen Natur kraft der inwohnenden Gottheit allmächtig und allgegenwärtig. Und wie könntest du den Deinen im Brote und Weine nur ein Sinnbild deines Leibes und Blutes geben, da ja das Schattenwerk des alten Bundes aufgehört hat und in dir das Wesen selbst erschienen ist, und da du ja auch außerhalb des Sacramentes mit den Deinen in wesentliche persönliche Gemeinschaft eingeheſt und dich selber ihnen mittheilest. Ja, deine Worte stehen fest, wenn gleich die unerleuchtete Vernunft daran zweifelt und der Teufel, der von Anfang an das Wort Gottes verneint hat, an diesem herrlichsten aller Kleinodien deiner Kirche rüttelt. Die Worte deines Testamentes stehen fest, dein Sacrament ist und bleibt ein schauererregendes anbetungswürdiges Geheimniß, ein Wunder deiner wunderbaren Liebe, ein unschätzbares über all unser Bitten und Verstehen hinausgehendes Vermächtniß, in welchem du selbst mit Allem, was du erworben und verheißen, deiner Kirche dich mittheilst. Meine leiblichen Augen sehen da freilich nichts, als Brot und Wein, aber es hat dir einmal wohlgefallen, deine Majestät also zu verhüllen, wie du auch während deines sichtbaren Wandels auf Erden Um lebendigen Glauben an die Worte der Einsetzung. 83 unter der Knechtsgestalt deine ewige Herrlichkeit verbargeſt. O so öffne und schärfe mir doch die Augen des Geistes, daß sie nicht am äußeren Scheine haften, sondern zum Wesen hindurchdringen, und mit innigem erbebendem Frohlocken die unsichtbaren Güter, das Himmelsbrot deines Leibes und den Lebenstrank deines Blutes, schauen, die du unter sichtbarer Hülle uns spendest. Laß meinen Glauben an deinem wunderbaren Liebesmahle geübt werden und erstarken, und laß es mich lebendig an meiner Seele erfahren, daß hier nicht bloße Zeichen sind, daß du hier nicht blos aus weiter Ferne auf uns wirkest, sondern du selbst bist gegenwärtig, du selbst kommst zu uns mit deinem wahren wesentlichen Leibe und Blute und vereinigest dich mit uns, wie es der Liebe Art ist, sich selbſt zu geben und sich zu vereinigen mit dem, das sie lieb hat. Mein Jesus, wie selig ist es, dies zu glauben, wie ſelig, dies zu erfahren! Du selbst besiegelst diesen Glauben in den Deinen, dadurch daß du sie sehen und schmecken läsfest was sie glauben. Denn du bist auch noch heute ein lebendiger Heiland, du bist wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind mitten unter ihnen, du bist wie du verheißen bei den Deinen alle Tage bis an der Welt Ende, du wandelst noch heute, wie dich Johannes schaute ( Offenb. 1, 13), unter den sieben Leuchtern, und deine Kirche freuet sich deß und rühmet laut: Mein Freund ist weiß und roth, auserkoren unter viel Tauſen6* Einleitende Gebete. 84 den. Ein solcher ist mein Freund; mein Freund ist ein solcher, ihr Töchter Jerusalems( Hohest. 5, 10. 16). so erhalte uns doch dein Sacrament und den Glauben daran als ein wesentliches, lebendiges Liebesband mit dir, unserem einigen Haupte, bis dahin, wo wir Alle dich sehen werden, wie du bist, und dich erkennen werden von Angesicht zu Angesicht. Amen. 4. Danksagung für das Leiden und Sterben des Herrn. Wir danken dir, Herr Jesu Christe, wahrer Mensch und Gott, daß du uns arme verdammnißwürdige Sünder durch die Hingabe deines heiligen Lebens in blutigen Tod erlöset hast! O Herr, wie unendlich tief, wie unausdenkbar groß war dein Leibes- und Seelenleiden, als du, mehr ein Wurm denn ein Mensch, den gerechten Zorn des himmlischen Vaters um unsertwillen über dich ergehen ließest! Es war deine Liebe, die dich trieb, den Himmel zu verlassen und Knechtsgestalt anzunehmen, um uns den Himmel zu öffnen und uns zu Kindern Gottes zu machen. Deine Liebe war es, die dich willig machte, dich als einen Uebelthäter fesseln und binden zu lassen, um uns von den Ketten der Sünde und den Banden Belials zu befreien. Du hast dich in des Hohenpriesters Palast schlagen und Danksagung für das Leiden und Sterben des Herrn. 85 verspeien lassen, daß wir nicht auf ewig die Schläge des Teufels fühlen möchten; du hast Dich mit Dornen krönen lassen, damit wir mit der Krone der Gerechtigkeit und des Lebens gekrönet werden möchten; du hast deinen heiligen reinen Leib entblößen und in den Scharlach gemeiner Kriegsleute hüllen lassen, damit wir die Gewänder des Heils und das Kleid der Gerechtigkeit empfiengen. Du haft deine heiligen Hände mit Nägeln durchschlagen lassen, um uns darein zu zeichnen; du streckest am Marterholze deine heiligen Arme aus, um uns zu umfangen; du thust deinen holdseligen Mund auf, um für deine Kreuziger zu bitten; du neigest das Haupt, um der Trost aller Sterbenden zu werden. Herr, dir sei Dank für den blutigen Schweiß, den du auf deinen Knieen liegend am Delberge vergoffen, da du allein die Kelter des göttlichen Zornes tratest. Dir sei Dank für alle Tropfen deines heiligen Blutes, die im Richthause des ungerechten Richters unter Geißeln und Dornen von dir geronnen sind, und für die Ströme deines heiligen Blutes, in denen du auf Golgotha aus Liebe dein Leben für uns vergosfeſt. Herr, wer kann ermessen die Größe deiner Leiden, als Gott die Sünde unser Aller auf dich einstürmen ließ und die Fluthen und Flammen seines Zornes über dir zusammenschlugen? Die Sonne verhüllte sich in schwarzen Trauerflor, die Erde bebte, die Felfen zersprangen, der Vorhang des Tempels zerriß von oben bis unten- die 86 Einleitende Gebete. vernunftlose Creatur entsetzte sich über dem Leiden ihres Schöpfers, über dein Leiden, Gott unser Heiland, das unsere Sünden dir verursacht haben. O daß doch unser Herz in wahrer Buße trauerte, in seinen innersten Gründen erbebte und in Betrachtung deiner Liebe zerspränge und zerschmölze! Herr, laß die Arbeit, die wir dir gemacht in unseren Sünden und die Mühe, die wir dir gemacht in unsern Missethaten, an keinem von uns verloren sein. Mache uns dein Leiden zu einem rechten Zornspiegel, daß wir die Sünde verabscheuen und beweinen, die ein so unendlich hohes Opfer erheischt hat; zu einem rechten Liebesspiegel, daß wir dich wieder lieben, der du uns, den Gefangenen, herausgeholfen aus tiefer Grube durch das Blut deines Bundes; zu einem rechten Tugendspiegel, daß wir dir ähnlich werden in deinem willigen Gehorsam gegen den Vater, in deiner Geduld, in deiner Sanftmuth, in deiner Demuth. Heile uns durch deine Wunden, reinige uns mit deinem Todesschweiße, wasche uns wohl mit deinem Blute; denn dein göttlich Blut, o Jesu, verwandelt die Blutröthe unserer Sünden in den weißesten Schnee und die Rosinfarbe unserer Uebertretungen in die weißeste Wolle. Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, erbarme dich unser; gib uns deinen Frieden, o Jesu! Amen. Danksagung für die Auferstehung des Herrn. 5. 87 Danksagung für die Auferstehung des Herrn. Herr Jesu Christe, du Fürst des Lebens, der du die Bande des Todes und des Grabes siegreich durchbrochen und den abgebrochenen Tempel deines Leibes nach dreien Tagen wieder aufgerichtet, gegrüßet und gepriesen seieſt du uns, der du auferstanden bist von den Todten, der du dem Tode die Macht genommen, und Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hast. Du haſt durch deine Auferstehung allen Sündern die Kraft erworben, vom Tode der Sünde aufzustehen; du biſt der Erstling geworden unter denen, die da schlafen, und haſt als unser auferstandenes Haupt allen deinen Gliedern ihre Auferstehung zum ewigen Leben verbürget. O du Ewiglebendiger, welcher Tod und Hölle überwunden, so laß uns nicht bleiben in dem Grabe der Sünde, welches der Teufel, der uns halten will, verriegelt und versiegelt hat; gib uns geistliche Simsons- Kraft, die Bande der Finsterniß zu zerreißen und zum Leben hindurchzudringen, vor allem bewahre uns vor Heuchelei und Selbstbetrug, daß wir uns nicht etwa für Christen ausgeben und halten, während wir doch nur übertünchte Gräber sind; bewahre uns vor Rückfall in den alten Todesschlaf, daß wir, nachdem wir durch deine Gnade aufgewacht und aufgestanden 88 sind, nicht etwa wieder zu schlafen anfangen und Christen zu sein nur träumen, während wir es doch nicht mehr sind. Herr, wir klagen es dir: unser geistiges Leben ist sehr schwach, und es gewinnt oft den Anschein, als ob wir eher Sterbende wären, als Lebende. Wir müssen uns schämen, ja Angst und Schrecken muß uns überfallen, wenn wir unser sieches, lanes, krüppelhaftes, weltförmiges Christenthum im Lichte deines glorreichen Sieges über Sünde, Tod und Teufel betrachten. Wir sind uns selbſt eine Last, und es efelt uns vor diesem leeren Scheine ohne Wesen, vor diesem trägen Kämpfen ohne Durchbruch, vor diesem schwächlichen ohumächtigen Glauben ohne Früchte. O darum flehen wir zu dir aus allen Kräften unserer Seele: werde doch auch für uns das, was du bist, die Auferstehung und das Leben. Laß deinen Kampf und Sieg, dein Evangelium und Sacrament, deine Gnadenfülle und Gnadenbeweise nicht an uns verloren sein und fruchtlos bleiben; laß uns heilsam erschrecken und uns aufraffen, ehe denn die Posaune des Gerichts uns aus den Gräbern weckt. Reiß uns heraus mit deinem gewaltigen Arm aus dem Tode der Sünde, damit wir Theil haben an der ersten Auferstehung, der Auferstehung der Gerechten, und errettet werden von dem anderen Tode, durch dich, der du uns zugut auferstanden bist von den Todten. Amen. Einleitende Gebete. Gebet zu dem guten Hirten. 89 6 Gebet zu dem guten Hirten. Du, o Jesu, bist der gute Hirt, du bist es, den die Propheten vorausverkündigt, daß Gott ihn senden und in ihm sich selber seiner Heerde annehmen werde. Du haft dein Leben gelassen für die Schafe, und auch heute noch bricht dir dein Herz über den verlornen, du geheſt ihnen nach, und wenn du sie gefunden, nimmst du sie voll Liebe auf deine Schultern und trägst sie mit großer Freude zu deiner Hürde. Noch heute wäschest und reinigeſt du deine Heerde mit deinem Blute, heilest und stärkest ſie mit deinem Wort und Sacrament und gibst ihnen den Tröster, den heiligen Geist. O Jesu, du guter Hirt! so weide denn auch mich, dein armes Schäflein, das ohne dich in der Wüste dieses Lebens verschmachten würde, auf der grünen Aue deines göttlichen Wortes, und führe mich zum frischen Wasser, zum lebendigen Wasser, zum Felsen Israels. Erquicke meine Seele, sättige sie mit deinen Gaben, fülle sie mit deinen Gütern. Du erkennest deine Schafe und bist bekannt den Deinen, und sie kennen deine Hirtenstimme und folgen keinem Fremden, sondern nur dir allein. Du gibst ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus deiner Hand reißen. Zu diesen Schafen deiner Hand und 90 Einleitende Gebete. Weide, o Jesu, laß mich immerfort gehören; mache dich mir immer bekannter; bewahre mich, daß ich bei dir und in dir bleibe, und stelle mich einst, wenn du als Richter der Welt erscheinest, zu deiner Rechten. Amen. 7. Gebet zum Seelenbräutigam. Herr Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, du himmlischer König, gelobet seist du und gebenedeiet, daß du in unaussprechlicher Liebe dich herabläsfest, der Bräutigam deiner Gemeinde und jeder Seele, die ihr angehört, zu heißen. Du hast deine Braut von Ewigkeit her erwählet, du hast sie je und je geliebet, du hast sie dir selbst zubereitet, du hast dich selbst für sie gegeben, auf daß du sie heiligtest, und hast sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf daß du dir selbst darstelleteſt eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern daß sie heilig ſei und unsträflich. Du kleidest sie mit Kleidern des Heils, und gibst ihr deinen heiligen Geist zum Unterpfande deiner Liebe und Treue; du speisest sie mit deinem Worte, ja mit deinem Fleisch und Blute, du redest mit Zion freundlich und sprichst: Komm her, meine Braut, meine Schöne, und wenn sie keine thörichte, sondern eine kluge Jungfrau ist, 91 Gebet zum Spender des wahren Himmelsbrots. welche sich mit Del des Geistes versorgt hat und wachsam deiner Zukunft harret: so kommst du um Mitternacht und holest sie heim, und sie, die du dir anverlobt in Ewigkeit, erkennet dich nun von Angesicht zu Angesicht. O so bewahre mich vor dem Schlaf der Ermattung und der Sicherheit! Laß mein Glaubenslicht nicht verlöschen und die Ströme des Abfalls, die mich umgeben, meine Liebe nicht ersäufen! Laß mich den himmlischen Freudensaal nicht dereinst verschlossen finden! Laß mich einst Theil haben an der Hochzeit des Lammes! Amen. 8. Gebet zum Spender des wahren Himmelsbrots. Herr Jesu Christe, du Brot des Lebens, was ist gegen dich das Manna, mit welchem Israel gespeiſet wurde in der Wüste! Dieses war nur für den Leib und gewährte nur vergängliche Sättigung, du aber bist das wahrhaftige ewigdauernde Brot vom Himmel; wer zu dir kommt, den wird nicht hungern, und wer an dich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Jenes sandte Gottes Allmacht aus dem Wolkenhimmel hernieder, du aber bist vom Himmel der Herrlichkeit, der hoch über allen Sternen, herabgekommen, von da, wo die Engel an deinem Anschaun sich ergößen, und gibst nicht blos einem Volke, 92 Einleitende Gebete sondern der ganzen Welt das Leben. Wer dich genießet, der hat das Leben in sich, und wird leben, ob er gleich stürbe; denn du bist das lebendige Brot, welches aus der Hand des Vaters kommt und alle hungrigen Seelen sättigt, das lebendigmachende Brot, welches schon vor der Auferstehung ewiges Leben mittheilt und göttlicher Natur theilhaft macht. Du bist das Brot, welches die aus dem Diensthause Erretteten in der Wüste dieser Welt erhält, daß sie nicht verschmachten. Und solch ein Lebensbrot bist du für alle Geschlechter und alle Zeiten, unaussprechlich süß in den Herzen derer, die dich im Geist und Glauben genießen, die dich in deinem heiligen Sacrament im Glauben mit dem Munde empfahen. Süßer Honig, köstliches Del bist du in den Herzen der Deinen; nachdem sie dich einmal geschmeckt, ist ihnen die Welt auf immer verleidet, nach dir allein hungert sie, und von dir werden sie allewege gesättigt und haben keinen Mangel, bis sie einst durch die Wüste hienieden als Sieger in das himmlische Canaan einziehen, wo du sie mit dem verborgenen Manna erquickest und an dir ihre ewige Freude und Wonne sein wird. Amen. Gebet zu dem treuen Hohenpriester. 9. Gebet zu dem treuen Hohenpriester. 93 Herr Jesu Christe, du ewiger Hoherpriester, der du durch Ein Opfer in Ewigkeit vollendet haft die geheiliget werden, vollende auch mich und laß durch dein Selbstopfer meine Sünden hinweggenommen sein auf ewig. Besprenge mich in meinem Herzen mit deinem Blute, und, wie ich durch deine Gnade bereits gewaschen bin mit reinem Wasser, also laß dein Blut meine tägliche Reinigung sein und mich Ruhe daraus schöpfen, wenn mein Gewissen mich ängstigt und mein Herz mich verdammet. Wirke du in mir eine selige Reue und völligen Glauben, der, ohne zu wanken, auf dein Opfer sich stützet. Und wie du durch dein eigen Blut in das Allerheiligste des Himmels eingegangen bist, also laß auch mich durch dieſes dein Blut Freudigkeit gewinnen, dahin, wohin du vorangegangen bist, dir zu folgen auf dem neuen und lebendigen Wege, den du durch deine Menschwerdung und dein Sterben uns zubereitet hast. O wie selig werde ich sein, wenn ich kraft deines Leibes und Blutes in das Jenseits hindurchgedrungen bin, wo Gott nicht mehr im Dunkel wohnt und unter Cherubim, von Menschenhänden gemacht, seine Stätte hat, sondern wo er den Seinen mit enthülltem Antlitz sich offenbart, und eine unabsehbar große Gemeine Einleitende Gebete. 94 von Engeln und Menschen seinen Thron umgibt. Dahin, dahin, o Jesu, richte meine Augen, dahinauf laß unverwandt mich blicken. Dein gebenedeiter Leib mit den Wunden, die dir geschlagen, ist dieses Allerheiligsten zerrissener Vorhang. Durch deine Wunden sieht man hinein ins ewige Leben und in das Vaterherz Gottes. Von deinem Leibe und Blute, der honigsüßen Speise, lichten sich unsere Augen und schauen das himmlische Heiligthum, da du eingegangen bist, als du auffuhreft über aller Himmel Himmel. Dorthin, mein Heiland, zeuch mich dir nach, dort laß schon jetzt im Glauben meinen Wandel sein. Mache meine Seele durch das Sacrament deines Leibes und Blutes tüchtig, dorthin ihre Flügel auszubreiten und mit allen ihren Kräften sich dorthin zu strecken, wo du bist und wohin du alle die Deinen versammelst. Amen. 10. Gebet bei Lesung des göttlichen Worts. Herr Jesu Christe, wir bekennen dir daß, wie wir von Natur sind, unser Leben kein Leben nach Gottes Bilde ist: unser Verstand ist verfinstert, unser Wille iſt von Gott abgewandt, unser Herz ist ein Brunnquell böser Gedanken geworden. Aber du hast uns dein Wort gegeben, in welchem deine Klarheit sich spiegelt, o so laß uns nicht Gegen unempfindliche Gleichgültigkeit. 95 vergeblich in diesen Spiegel schauen, sondern verkläre uns in dasselbige Bild durch deinen heiligen Geist von einer Klarheit zur andern. Laß uns in deinem Gesetze immer mehr unser eigenes Jammerbild, in deinem Evangelium aber immer mehr dein holdseliges Gottesbild erkennen und laß uns in Liebe zu dir entbrennen, und schon hier im Reiche der Gnaden in der Verklärung zunehmen, bis wir einst im Reiche der Herrlichkeit dich nicht mehr im Spiegel eines dunkeln Wortes, sondern von Angesicht zu Angesicht schauen. O dahin laß uns Alle gelangen, daß wir dir gleich werden, denn wir werden dich sehen wie du bist. Amen. 11. Gegen unempfindliche Gleichgültigkeit. Wenn man mir sagte: Nimm hin diesen Kasten voll Goldes oder voll Juwelen, würde ich nicht vor Freuden hüpfen und springen? Nun aber sagst du, o Jesu: Nimm hin, das ist mein Leib, mein Blut und mein Herz bleibt kalt und gefühllos. Und doch ist dein Leib kostbarer, als viel tausend Diamanten, und dein Blut koſtbarer, als viel tausend Rubinen, und der Reichthum der darin beschlossenen himmlischen Güter kostbarer, als viel tausend Stück Goldes und Silbers. Aber unser Herz 96 Einleitende Gebete. hängt an dem Sichtbaren und dem, was die Sinne erfreut; Herr mein Gott, gib ihm doch Flügel, sich über den Staub der Erde zu erheben, und Augen, nach der unverwelklichen Krone zu schauen. Mache deine felsenfesten Verheißungen mir köstlicher, als Diamanten, und deine feurige, durch Hingabe ihres Blutes bewährte Liebe köstlicher, als Rubinen, und dein theures Verdienst, welches das Feuer des Zornes Gottes bestanden hat, köſtlicher, als Gold, und richte meine Blicke nach dem himmlischen Jerusalem, dessen Mauern von Jaspis und dessen Thore von Perlen sind. Amen. 12. Um Stille und Genüge in dem Herrn. Wie vergänglich und unbefriedigend ist doch alles Irdische, auch der Genuß der erlaubten Freuden, die du uns, deinen Creaturen, deinen Kindern, so gerne gönnest! Unvergänglich und wahrhaft befriedigend ist allein die Freude in dir, dem unsichtbaren Gott; denn was sichtbar ist, ist zeitlich, nur was unsichtbar ist, das ist ewig. Wie süß ist es, von aller Creatur auszugehen und sich zurückzuziehen von den Zerstreuungen und Störungen dieſer Welt und im Geist des Gemüthes an dir sich zu ergötzen, du höchstes Gut, du ewige Wahrheit, du herrlichste Schön Um Stille und Genüge in dem Herrn. 97 heit, du unendliche Güte und allheilige Liebe! Wie süß ist es, sich hingedrängt und hingezogen zu fühlen zu dir, o Jesu, der Freunde bestem, und dir Alles, was man Menschen nicht sagen kann, zu entdecken und mit deiner Braut, der dir bekannten und dich kennenden Gemeinde, jauchzen zu können: Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet! Wie selig ist es, nach dir sich zu sehnen und von Liebe zu dir krank zu sein! Denn wie traulich, freundlich und milde gehest du mit deinen Geliebten um! Du erquickest sie mit Blumen und labeſt fie mit Aepfeln, du legest deine Linke unter ihr Haupt und herzest sie mit deiner Rechten. Du bereitest ihnen einen Tisch wider ihre Feinde und schenkest ihnen voll ein und sprichst: Esset und trinket, meine Lieben, und werdet trunken! Du hältst ihnen nichts zurück von dem unendlichen Reichthum deiner Gnade, denn du gibst dich ihnen selber mit Leib und Blut und Leben, und in dir haben sie Alles. O mein Jesu, schreib mir dies doch recht in Herz und Sinn, daß ich in dir Alles habe, daß, weil du mein Hirte bist, mir nichts mangelt, daß ich mich selber betrüge, wenn ich weiter etwas verlange, nachdem in dir mir Alles geschenkt ist. O nimm doch von mir alles Murren der Unzufriedenheit und alles undankbare Gelüsten nach Irdischem, das mir versagt ist, und lege doch dieses Alles" mir innerlich mehr und mehr auseinander, entfalte mir immer mehr diese verborgene Herr7 98 Einleitende Gebete. lichkeit, diesen inwendigen Schmuck, und sprich, wenn ich traure und zage, das Liebeswort: Ich bin dein in meine Seele, und laß es allezeit daraus wiederhallen: ,, und ich bin sein. Mir fehlet nichts, Himmel und Erde ist mein, Alles ist mein, denn der Herr aller Dinge ist mein und ich des Herrn". Amen. III. Buß- und Beichtgebete nebst Anleitung zur Selbstprüfung. 7* Cu Selig sind, die da hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Matth. 5, 6. Hungern und Dürsten bezeichnet das sehnsüchtige Verlangen der Seele im Gefühl ihres gänzlichen Mangels, nicht blos das Verlangen derselben, sondern das heftige, dringliche Verlangen, denn wer hungert und dürftet, fühlt sowohl Dürre als Leere. Und worauf ist das Verlangen derer gerichtet, welche der Herr selig preiset? Gerechtigkeit ist's, wonach sie wie nach sättigender Speise, labendem Tranke sich sehnen. Sie fühlen also ihren Mangel an Gerechtigkeit, ihre Ungerechtigkeit, ihren der Richtschnur des gerechten Wollens und Waltens Gottes nicht gemäßen, sondern zuwiderlaufenden Zustand. Das macht ihnen Unruhe; sie schmachten, sie lechzen, sie strecken sich mit allen Kräften der Seele nach Gerechtigkeit aus, die ihre Ungerechtigkeit bedecke und von ihnen nehme. Wo aber anders kann diese zu finden sein, als in Gott, von wo anders kann sie ihnen werden, als aus Gott? Nicht aber seine vergeltende Gerechtigkeit kann ihren Hunger und Durst stillen, denn dieſe ist für den Ungerechten ein verzehrendes Feuer. Eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, suchen sie, und diese kann nur eine von Gott geschenkte, von seiner Gnade gewirkte sein: sie kommt nicht aus dem Gesetz, welches der fündige Mensch nicht erfüllen kann, sondern aus dem Glauben an den, welcher die Sünder gerecht macht, Christus. Wenn dir Gott dies zu Vorbetrachtung. erkennen gibt, daß Christus dir zur Gerechtigkeit gemacht ist, so hat die Verheißung des Herrn sich schon zur Hälfte an dir erfüllt, wenn du Ihn aber im Glauben als deine Gerechtigkeit ergreifest, so ist sie ganz an dir in Erfüllung gegangen. Denn dieser Glaube stillt deinen Hunger und Durst. Aber er schärft ihn auch zugleich, weil du in diesem Ergreifen Christi dir nie genügen wirst: du wirst Ihn, weil du täglich fündigst und noch täglich deine natürliche Ungerechtigkeit fühlest, immer völliger erfassen, immer fester an dich ziehen, immer tiefer dir einprägen wollen. Du wirst dich sehnen, daß die Gerechtigkeit Christi nicht allein deine Sünde bedecke, sondern auch deine Ungerechtigkeit tilge, und dieser Hunger und Durst wird erſt dann seine vollkommene Sättigung finden, wenn du vom Leibe dieser Sünde befreit sein und ihn dermaleinst in der Auferstehung des Lebens ohne Sünde wiederempfangen wirst. Aber du bist schon selig in deinem Sehnen, selig, weil der Herr dich selig preist, selig, weil Gott dieses auf ihn gerichtete Sehnen nicht unerfüllt laſsen kann, selig, weil du dadurch die Anwartschaft auf jene selige Ewigkeit hast, wo du am Anschauen Gottes satt werden und mit Wonne getränkt werden wirst als mit einem Strom. 102 Anleitung zur Selbstprüfung. Der natürliche Mensch ist mit seinem ganzen Wesen von dem Gott des Lichtes und des Lebens abgekehrt und dabei doch so selbstverblendet, seine Finsterniß für Licht, seinen Tod für Leben zu halten, zumal wenn er, was auch ohne die Kraft der Gnade möglich ist, einen äußerlich ehrbaren Wandel führt; 103 Anleitung zur Selbstprüfung. er erkennt nicht die trotzdem tief in seiner Seele und seinem Fleische haftende Wurzel der Sünde, den ruhelosen unreinen Quell böser Gedanken und Neigungen, die an sich schon verdammliche böſe Lust, den gänzlichen Mangel an wahrer Gottesfurcht und Gottesliebe, dessen er sich anklagen muß, wenn er zur Besinnung über sich selbst kommt. Es gehört aber göttliche Gnadenerleuchtung dazu, um zum rechten sittlichen Selbstbewußtsein zu gelangen und die Greuel des Verderbens in unserem Innern, das unserer Natur angestammte Gesetz der Sünde und des Todes mit den tausendfachen Verzweigungen beider sehen und erschrecken zu lernen, und diese Gnadenerleuchtung kommt uns nirgend anders, als aus dem Worte Gottes, und wird uns um so reichlicher zu theil, je strenger wir uns unter ernstlichem Gebet und Wachen über uns selbst nach dem Gesetze Gottes prüfen. Auch in sonst redlichen Christen, welche auf dem Wege der Buße und des Glaubens Gnade bei Gott gefunden haben, findet sich oft eine feinere Selbstgerechtigkeit, welche lange Zeit unerkannt bleiben und ihren Fortschritt im lebendigen Christenthum hindern kann: sie gründen die Hoffnung ihrer Seligkeit mehr auf ihr dem Heile Anderer gewidmetes Wirken, ihre Gaben, ihr Gebet, ihre geistlichen Empfindungen und Erfahrungen, als allein auf Christum und sein Verdienst; da sind sie denn nahe daran, in geistlichen Hochmuth zu verfallen, auf den nicht selten durch Gottes Gericht ein tiefer Fall von der falschen Höhe zu folgen pflegt. Darum ist es höchst nöthig, daß ein jeder, der in dem rechten gottgefälligen Stande der Armuth des Geistes d. h. in lebendiger reuiger Erkenntniß seines Sündenelendes und überwiegendem Verlangen nach der Gerechtigkeit des Herrn Jesu zur Beichte kommen will, die zehn Gebote vor sich nehme, um 104 Vorbereitung zur Beichte. daraus die zehntausend Pfund seiner Sündenschuld zu erkennen, davon er aus eigenem Vermögen auch nicht einen Heller bezahlen kann. Das Gesetz Gottes ist geistlich d. h. es fordert nicht blos äußeren Gehorsam und verurtheilt nicht blos die äußere That, sondern es fordert, wie es als Gesetz des heiligen Gottes nicht anders kann, den lautersten und unbedingteſten Gehorsam des inneren Menschen und verurtheilt auch schon die bösen Gedanken, die sündliche Regung. Daß es so zu verstehen, hat uns der Herr in der Bergpredigt klar vor Augen gelegt. Weil nun der Christ, wenn er anders am inwendigen Leben wächst und erstarkt, auch in der Selbsterkenntniß fortschreitet, so daß sein vom heiligen Geist geschärftes Gewissen auch durch die feinsten Verfündigungen, wie das Auge durch jedes Stäubchen, sich verletzt fühlen wird: so wird auch der gefördertste Christ, wenn er sich nach dem Gesetze Gottes prüft, immer neue Tiefen des Verderbens, immer neue Krümmungen seines Herzens, immer neue Schlupfwinkel der Sünde in sich entdecken, und reichen Stoff zu immer neuen Bekenntnissen vorfinden. Und dies um so mehr, da unsere Untreue, unser Undank, unser Mangel an recht brünstiger Liebe zu Gott uns um so schändlicher erscheinen muß, je reichlicher er uns seine Gnade zu erfahren und seine Freundlichkeit zu sehen und zu schmecken gegeben hat. Um dir einige Anleitung zur Selbstprüfung zu geben, laß mich nur einige Fragen an dich richten. Ich frage dich bei dem ersten Gebote, welches sich wie der Reif eines Kranzes durch alle übrigen hindurchzieht: Liebst du nicht vielleicht dich felbst oder irgend eine andere Creatur mehr als Gott? Es ist Abgötterei, selbst wenn deine Gattin, deine Kinder, dein Freund der Gegenstand dieser Liebe wären, die über die von Gott Anleitung zur Selbstprüfung. 105 selbst gesetzten Schranken hinausgeht. Bist du dir auch immer bewußt geblieben, daß du Alles, was du hast, nicht allein an irdischen Gütern, sondern auch an geistigen Gaben und Kräften durch die Gnade des Herrn hast, daß alle Selbstbeſpiegelung, aller Stolz, alle Selbstsucht eine mehr oder weniger feine Selbstvergötterung ist? Und hast du auch die Gaben Anderer also betrachtet, daß du stets darin den Geber ehrtest? Ich setze den Fall, daß du durch Gnade nach dem Ebenbilde des, der dich geschaffen hat, erneuert bist und den Anfang gemacht haft, Gott über alle Dinge zu fürchten, zu lieben und zu vertrauen: ist aber seine Furcht dir immer vor Augen gewesen, hast du deine Gegenliebe zu Gott allezeit in Gedanken, Worten und Werken bekundet, oder hat sich nicht öfter in dir ein mit Gottes Führungen unzufriedenes Murren geregt?- Ich frage dich bei dem zweiten Gebot: Wie steht es mit deinem Gebet? Hast du dabei auch immer die Majeſtät deſsen vor Augen, der dir den Zutritt zu seinem Throne gestattet? Jſt dir das Gebet eine Lust, freuest du dich auch recht über die Gnade, daß du beten darfst und durch Christum einen versöhnten gnädigen Vater hast, der deinen Abba- Ruf nicht verschmähet? Oder ist dir das Gebet eine Fast, der du dich möglichst bald zu entledigen suchst, bringst du Untüchtiges( Mal. 1, 14) auf Gottes Altar, machst du die That des Geistes zu einem todten mechanischen Werk? Bist du bei deinem Gebet nicht öfter faltsinnig und schläfrig gewesen, daß du den Namen deines Gottes und Heilandes mit den Lippen genannt hast, ohne daß dein Herz davon wußte? Und wie steht es mit dem unablässigen Gebet, welches der nie stockende Pulsschlag des inwendigen Lebens sein soll, mit der unverrückten Richtung des Gemüths auf Gott, mit dem steten vertrauten Umgang 106 Vorbereitung zur Beichte. deiner Seele mit deinem Herrn, der in Gnaden sich so nahe zu dir gethan hat? Sprichst du nicht oft von ihm, ohne daß das Auge deines Geistes auf ihn gerichtet ist, ja rufest du ihn nicht öfters in Seufzern an, durch die du in deinem gottentfremdeten sichern Zustande seinen Namen mehr entheiligeſt als ehrest? Ich frage dich beim fünften Gebot: Nährst du etwa einen geheimen Haß und Groll gegen irgend einen deiner Brüder, der, wenn dir nur die Gelegenheit gegeben würde, in harten Worten oder wohl gar in Handlungen sich Luft machen würde? Liebst du auch diejenigen, die dich verachten, zurücksetzen und vielleicht gekränkt und beleidigt haben? Liebst du auch deine Feinde und segnest du sie, betest du für sie, thust du ihnen Gutes für Böses? Es ist dies ein nothwendiges Kennzeichen wahrer Jünger Christi, worin sie dem Vorbilde ihres Heilandes und der Vollkommenheit ihres Vaters im Himmel nacheifern. Findest du in dir ein herzliches Mitleiden mit dem Unglück und der Trübsal deines Nächsten, so daß es dir so wehe thut,' als ob es dich selber beträfe, oder lauert im Grunde deines Herzens etwa ein heimliches Ergötzen an Anderer Unglück, ein Wohlgefallen an fremder Trübsal, ein wohlthuendes Gefühl bei allerlei schrecklichen Nachrichten, die dir zu Ohren kommen? Siehe das ist die Mordlust im Keime, das ist das Ungethüm, welches nur entfeſselt zu werden braucht, um sich, wie die Geschichte lehrt, in fremdem Blute zu baden. lute zu baden. Ich frage dich beim sechsten Gebot: Hast du jeden Anlaß der Befleckung deiner Einbildungskraft durch Ansehn sündlicher Dinge, durch Anhören schandbarer Reden ernstlich gemieden? O bedenke, daß Augen und Ohren es sind, durch welche der im Herzen liegende Zunder böser Lust entzündet wird; daß die Sünde, wenn sie in ihren ersten - Anleitung zur Selbstprüfung. 107 Anfängen nicht überwunden wird, eine ganze Brut ihres Gleichen nach sich zieht. Ist es dir Ernst gewesen, von der Gefahr der durch sinnliche Empfindungen aufsteigenden Lüste frei zu werden? Hast du dein Auge, wenn es dich zum Böſen reizen wollte, ausgerissen? jede Gelegenheit, dein Wissen um dir bisher unbekannte Dinge durch Verschuldung zu erweitern, vermieden? Ach die Seele, die einmal mit unreinen Bildern befleckt ist, kann ihrer schwer wieder los werden. Hast du, wie Hiob( 31, 1), einen Bund mit deinen Augen gemacht, daß du nicht achtetest auf eine Jungfrau? Es gehört ein großer Ernst, ein unablässiges Ringen dazu, seine Seele durch das Blut Jesu reinigen zu lassen und sie dem Herrn auch rein und unbefleckt zu bewahren. Gott hat dir die Augen geöffnet, daß du in den Himmel und in die Hölle, in die heilige Schrift, in dein Herz, in die Schönheit Jesu und der neuen Creatur hineinschauen könntest: hast du dies unverwandt gethan und sie dagegen dem Feinde deiner Seele, der den Anblick des Gekreuzigten durch allerlei sinnlich lockende Bilder dir entziehen will, verschlossen? Ich frage dich bei dem neunten und zehnten Gebote: Kannst du auch ohne alles sündliche Begehren dich über Anderer Glück freuen als über dein eigenes, über Anderer Gaben als über deine eigenen? Hat sich nicht öfter in dir ein Gelüst nach ebendem in dir geltend gemacht, in dessen Besitze dein Nächster glücklich ist? Hast du etwa gar in deinem Innern mit Gott gerechtet, warum er dir nicht ein gleiches Glück zu Theil werden lasse? Hast du Neid und Mißgunst empfunden und dich so der Sünde theilhaftig gemacht, die nächst dem Hochmuth gewiß die teuflischste von allen ist?Nur wenn du so nach dem Gesetze Gottes die Sünde bis in die geheimsten Falten deines Herzens verfolgest und rück Vorbereitung zur Beichte. haltslos bekennest und nach Vergebung dich aufrichtig sehnest, wird deine Beichte Gott wohlgefällig sein. Kommt sie nicht aus einem bußfertigen, alles Vertrauens auf sich selbst entleerten Herzen, oder klebt gar an deinen Händen das Blut vorsätzlicher Sünden so magst du immerhin deine Hände ausbreiten, der Herr verbirgt doch seine Augen vor dir, und ob du schon viel betest, Er hört dich doch nicht( Jes. 1, 15). Die Absolution gehört dir nicht, obschon du sie auf dich ziehest. Es ist ein Raub am Heiligthum, den du begehest, die Absolution ist wie ein Diamant aus der Himmelskrone, den du dir zu desto größerem Verderben gestohlen. 108 — 1. Ulm Erleuchtung zur Selbsterkenntniß. O du allwissender heiliger Gott, du Herzenskündiger, der Herzen und Nieren prüfet, vor dem mein Inwendiges bloß und entdecket ist, von dir kommt alle gute und vollkommene Gabe; von dir stammt alle wahre Weisheit, auch alle gründliche Selbsterkenntniß kommt von dir. Denn das Herz ist ein trotzig und verzagt Ding du allein kannst es ergründen, allein dein allsehendes Auge dringt bis in die Schlangenwindungen und geheimen Winkel seiner Bosheit, und schaut alle die groben und feinen Bande, mit welchen die Sünde und der Teufel es umstrickt hält. Herr, du erforschest mich, und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wissest. O mein Gott, so lehre mich doch mich selbst erkennen, offenbare mir, wie mein Herz zu dir steht, mache • - Buß- und Beichtgebete. es mir klar, ob ich im lebendigen Glauben stehe und also dein Kind bin oder nicht, bewahre mich vor allem groben und feinen Selbstbetrug, daß ich mich nicht für lebendig halte, während ich todt bin, und deiner Gnade mich getröste, während dein Zorn auf mir ruhet. Mache zuschanden alle Künste des Teufels, der mich im Dunkeln über mich selbst zu erhalten trachtet, reiße alle seine Blendwerke in mir darnieder und laß keinen geheimen Bann auf meiner Seele lasten, der sie an göttlicher Gewißheit und Frendigkeit hindert. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ichs meine. Pflanze das Licht deiner Erkenntniß meines Zustandes in meine Seele, laß alle Finsterniß in meinem Innern vor dent Lichte deines Geistes sich zerstreuen. Führt mein Weg vor einem Abgrund vorbei, o so laß mich ihn sehen und heilsam erschrecken. Ist mein Sinn und Wandel nicht angenehm in deinen Augen, so nimm die Decke hinweg, die meine Augen umschleiert, und laß mich nicht eher zur Ruhe kommen, bis meine Wege dir wohlgefallen. Habe ich Lust an der Sünde oder an falscher Lehre, so enthülle mir doch die Jammergestalt meines Innern, damit meine Seele nicht gar hinabfahre zu den Todten. Stehe ich in Verläugnung deines Namens, schände ich durch meinen Wandel deine Wahrheit, die ich durch deine Gnade erkannt habe, stelle ich mich der Welt gleich und ziehe an Einem Joche mit den Ungläubigen- Herr, mein Gott, so erfaſſe 110 Um Erleuchtung zur Selbsterkenntniß. 111 mich mit deiner rechten Hand und bringe mich, den Verblendeten, zur Besinnung. Denn ohne dich bin ich blind, ohne dein Licht ist eitel Finsterniß in mir; ist dein Geist nicht mit meinem Geiste, so führt dieser mich immer den Irrweg; ich täusche mich selbst und denke: ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weiß nicht, daß ich bin elend und jämmerlich und blind und bloß. O entsetzlicher Zuſtand des Selbstbetruges, da man des Himmels sich tröstet und mit jedem Schritt und Tritt weiter in den Abgrund des Verderbens hinabsinkt! Mein Gott, der du Gebete erhörest, salbe meine Augen mit Augensalbe, daß ich sehen möge, damit ich nicht gehöre zu den unnügen Knechten, die des Herrn Willen wissen und nicht thun, zu den selbstgerechten Pharisäern, die in ihrer Tugend und in ihren Gaben sich spiegeln, zu jenen Betrogenen, die Herr Herr sagen, aber dereinst das Urtheil der Verdammniß vernehmen müssen. Ach wie fürchterlich ist es, vor dir und den Menschen als ein Christ gelten zu wollen und doch keiner zu sein, sondern den Gräbern zu gleichen, die auswendig übertüncht sind, aber inwendig voll Moder und Todtengebeine; deine Gnade zum Leben erfahren zu haben, und doch wieder erkaltet und erstorben zu sein, gleich einem kahlen unfruchtbaren Baume, zweimal erstorben und ausgewurzelt. Herr, meine Seele erbebt in ihrem Innersten, wenn ich daran gedenke und an mir jenes Feuer der ersten Liebe, jene Inbrunſt 112 Buß- und Beichtgebete. des Geistes, jene Andacht des Gebetes, jene Sehnsucht, auch andern Seelen zu ihrem Heile nüßlich zu werden, womit du mich früher begnadiget hattest, vermisse; wenn ich erwäge, wie wenig ich jetzt noch von dem Gefühle deiner Gnade und den Erfahrungen deiner Einwohnung zu sagen weiß; wenn ich fast fürchte, daß ich nur in der Rückerinnerung an Vergangenes ein Christ bin, daß du deine Wohnung in mir abgebrochen hast und mein Inneres zu einer Einöde geworden ist. Herr, gib mir den Sieg in diesem innern Kampfe der Gedanken, die sich gegenseitig verklagen und entschuldigen, laß mich deine Stimme hören, damit ich erkenne, ob ich in deiner Gnade stehe oder aus ihr gefallen bin. Siehe ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege. Meine Seele ist sehr unruhig, wie ein stürmisch bewegtes Meer, und ich werde von allerlei trüben beängstigenden Gedanken umhergetrieben. Gib du mir einen festen Halt, und laß mich nicht der Wahrheit verfehlen, wenn ich mich prüfe nach deinem Worte. Löse mir alle Zweifel, gib du mir Antwort auf meine Fragen, mache meine Finsterniß lichte. Laß das Blut meines Heilandes Jesu Christi nicht verloren an mir sein; laß mich erkennen, wo es mir fehlt, damit ich aus seiner Fülle Gnade um Gnade nehme; sprich ein Wort, so ist der Strick zerrissen und ich bin frei. Herr erfülle mein Sehnen, stelle mich unter die Zucht deines heiligen Geistes und züchtige mich hier Bußpfalm. zeitlich, damit ich nur nicht ewig verloren gehe. Amen, in Jesu Namen, Amen. 2. Der vierte der sieben Bußpsalmen. Pf. 51. 113 GOtt, sey mir gnädig nach deiner Güte, Und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wol von meiner Missethat, Und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missethat, Und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein hab ich gesündigt, Und übel vor dir gethan- Auf daß du recht behaltest in deinen Worten, Und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst. Siehe, ich bin aus sündlichem Saamen gezeuget, Und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Siehe, du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt, Du läsfest mich wissen die heimliche Weisheit. Entfündige mich mit Isopen, daß ich rein werde, Wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Laß mich hören Freude und Wonne, Daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haft. 8 Buß- und Beichtgebete. Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden, Und tilge alle meine Missethat. 114 Schaffe in mir, GOtt, ein rein Herz, Und gieb mir einen neuen gewissen Geiſt. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, Und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, Und der freudige Geist enthalte mich. Denn ich will die Ulebertreter deine Wege lehren, Daß sich die Sünder zu dir bekehren. Errette mich von den Blutschulden, GOtt, der du mein Gott und Heiland bist, Daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, thu meine Lippen auf, Daß mein Mund deinen Ruhm verkündige. Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollt dir es sonst wohl geben, Und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die GOtt gefallen, sind ein geängster Geist, Ein geängstes und zerschlagen Herz wirst du, GOtt, nicht verachten. Thue wohl an Zion nach deiner Gnade, Baue die Mauern von Jeruſalem. Dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brandopfer und ganzen Opfer, Dann wird man Farren auf deinem Altar opfern. ( Die sieben Bußpfalmen: 6. 32. 38. 51. 102. 130. 143.) Gebete reuiger Selbstanklage. 115 Gebete reuiger Selbstanklage. 3. Heiliger Gott, der du die Sünde hasfest und dem Sünder zürnest, wenn ich mich im Lichte deines Gesetzes, welches deiner Heiligkeit Abbild ist, prüfe, welche Grenel der Sünden werde ich da in mir gewahr! wie unaussprechlich tief ist das Verderben, in das ich versenkt bin! Dich sollte ich über Alles lieben, denn du hast mich aus dem Nichts ins Dasein gerufen und hast dich der abgefallenen Menschheit in deinem lieben Sohne erbarmet und bist auch mir, noch ehe ich ins Dasein getreten war, mit deinem Erbarmen zuvorgekommen. Deine herablassende Liebe übersteigt all mein Bitten und Verstehen, und doch ist mein Herz kalt wie Eis, und statt dich wieder zu lieben, hängt es sich an die Creatur und vergräbt sich in den Schlamm der Liebe dieser Welt; statt deine Wunderliebe zu betrachten, weidet es sich an den Bildern irdischer Lust und Freude; statt dir zu danken, vergißt es deiner und sucht in allen Dingen nicht deine Ehre und Verherrlichung, sondern seine eigene. Diese greuliche Selbstsucht befleckt all mein Thun, wenn es auch noch so sehr gleißet, und macht alle meine Gerechtigkeit vor dir zu einem unflätigen Kleide. Und wie schändlich sind die Gedanken, die in mir sich jagen, wie eine Welle die andere treibet; welche arge Gedanken steigen in mir auf, wenn 8* Buß- und Beichtgebete. ich mich selbst beobachte. Da ist keine Sünde, die nicht ihrem Keime nach in mir läge, und zu der ich nicht fähig wäre, wenn deine Hand mich nicht hielte. Mein ganzes Inneres ist in steter Empörung wider dein heiliges Gesez begriffen, ein Tummelplatz der widerlichsten Gebilde der Sünde, ein unruhig Meer, welches allezeit Koth und Schlamm auswirft. Ich bin mir selbst ein Greuel, wenn ich dein heiliges Gesetz betrachte, um wie vielmehr dir, dem heiligen Gott, und deinen reinen Augen, die das Böse nicht ersehen können. Sehe ich in den Spiegel deines Wortes, so erschrecke ich vor mir selber und muß mir selbst das Verdammnißurtheil sprechen. Denn ich bin durch meine Sünden deiner strafenden Gerechtigkeit verfallen, und muß dir die Ehre geben, daß auf mir, dem also Beschaffenen, dein Zorn und dein Fluch ruhet. O mein Gott, so wirke doch in mir eine immer tiefere Erkenntniß meines Sündenelendes, eine göttliche Traurigkeit und ernste Reue über meinen gottentfremdeten Zustand; zerschlage mein steinern Herz mit dem Hammer deines Gesetzes, zerknirsche und wirf darnieder meine hoffährtige Seele, laß mich deinen Zorn wider die Sünde fühlen und alle meine Gebeine erschrecken, auf daß die Sünde mir recht sündig werde und ich sie haffen lerne, weil ich durch sie ein Schensal in deinen Augen geworden bin. Aber strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm, sondern mit Maßen und 116 117 Gebete reuiger Selbstanklage. mir zum Heile; habe Erbarmen mit mir, der ich in meinem Blute liege, und sprich über mich, den fündigen Wurm, den du ja freilich mit dem Fußtritte deiner Gerechtigkeit zermalmen könntest, dein allmächtiges ,, Du sollst leben". Du hast ja eine ewige Erlösung erfunden, in Jesu Christo hast du gezeigt, daß deine Liebe mächtiger ist als der Zorn und daß du nicht den Tod des Sünders willst. O so strecke deine Hand aus und reiß mich durch das Blut des Bundes aus der tiefen Grube. Laß Gnade für Recht über mich ergehen, und laß es mich erfahren, daß, wo die Sünde mächtig geworden, deine Gnade viel mächtiger ist. Vergib mir alle meine Sünden um Jesu Christi willen, wirke in mir den Glauben, der seine Gerechtigkeit sich zu eigen macht, und laß mich in ihm Ruhe finden für meine arme, von der Sünde übel zugerichtete Seele. Sei mir armem Sünder gnädig, und schaue mich an in deinem Sohne, dem Geliebten, der meine Sünden getragen und gesühnet. In seine Wunden verberge ich mich, in seine Gerechtigkeit hülle ich mich, ihn ergreife ich, obwohl mit zitternder Hand. O so siehe doch das schwache Fünklein von Glauben, das in mir ist, und fache es an durch deinen Geist, denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer ge= worden. Laß mich nicht von ihnen verschlungen oder erdrückt werden, laß den süßen Trost des Evangeliums meine Angst und Unruhe beschwichtigen, laß mich hören Buß- und Beichtgebete. Freude und Wonne, mache wieder fröhlich die Gebeine, die du zerschlagen hast, um des Herrn meines Heilandes willen. Amen. 118 4. O mein Gott, wenn ich den Reichthum der Gnade bedenke, die du mir erwiesen, die Fülle der Gaben, die du mir geschenkt, die Tiefe des Erbarmens, mit dem du dich meiner angenommen, die Treue der Liebe, mit der du mich gesuchet, die Größe der Langmuth und Geduld, mit der du mich getragen, und dagegen die Menge meiner Sünden, mit denen ich dich täglich beleidigt, die Schändlichkeit des Undanks, mit dem ich deine Gnadenwohlthaten erwidert, den Kaltsinn, die Trägheit, die Sicherheit, die Gottentfremdung, die Liebe zur Sünde, die Ungeduld und Kleingläubigkeit in Trübsal, den Trotz und die Selbsterhebung in guten Tagen, all das endlose und zahllose unergründlich tiefe Verderben, in dem ich noch gefangen bin: so ergreift mich Schrecken und Angst, ich muß mich selber verabscheuen, ich muß mich selber verurtheilen und des Gerichts schuldig geben; aber auch Staunen, für das ich keinen Ausdruck finde, ergreift mich, daß deine Gerechtigkeit mich noch nicht zu Boden geschlagen und dein Zornfeuer mich noch nicht verzehrt hat, daß du deinen Odem von mir noch nicht weggenommen und 119 Gebete reuiger Selbstanklage. mich noch nicht vor den Richterstuhl gezogen hast, wo ich auf tausend dir nicht eins antworten könnte. Und wenn ich denke, daß ich die Gnadenfrist, die du mir noch schenkeſt, ungenützt vorübergehen ließe und in meiner Sicherheit dahingienge, ohne den Arm zu sehen, der mich retten will, ohne die Stimme zu hören, die mich ruft, ohne die Bande zu zerreißen, die mich fesseln, ohne der Sünde zu entsagen, die mich bezaubert: ach, so erbebt mein Herz und das Wort: Gehet hin, ihr Verfluchten, gellt mir wie ein Donnerschlag in meinen Ohren. Und dennoch fühle ich mich so matt und kraftlos, um aufzustehen von dem Schlaf der Sünde, ich bin wie festgebannt in der böſen Lust, die dein Gesetz verdammt, ich bin in meinen Augen wie ein Todter. Herr, mein Gott, der du nicht bist ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen, der du die Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen und dessen allmächtiges Wort auch Todtengebeine ins Leben zurückruft, zu dir rufe ich, nach dir strecke ich meine Hände aus, vor deinen Augen breite ich aus mein liebeleeres, sündenvolles Herz, vor dir bekenne ich all meinen Jammer und mein Elend, und ach! daß ich's thun könnte mit Strömen von Thränen, daß meine Felsenhärte vor deinem Antlige zerschmölze, daß meine Angst mich nicht ruhen ließe, bis ich Frieden für meine Seele gefunden! Mein Gott, laß doch diesmal meinen Vorsatz, mich dem Verderben zu entreißen, nicht unausgeführt mir wieder entschwinden; laß mich Buß- und Beichtgebete. eindringen in die enge Pforte, ehe sie auf ewig verschlossen wird; laß mich heute deine Stimme hören, auf daß ich nicht dem gerechten Gericht der Verstockung anheimfalle; nimm deinen heiligen Geist, der mich innerlich bestraft, nicht von mir. Laß mich endlich aufhören, deine Gnade auf Muthwillen zu ziehen und die heilsamen Wirkungen deines Worts und Sacraments an mir zu vereiteln. Gib dem Donner deines Gesetzes Kraft, die Grundfesten meines Herzens zu erschüttern, daß die Ketten von mir fallen, in denen der Feind meiner Seele mich gebunden hält. Wirke du in mir rechtschaffene Buße, gründliche Buße, und gib mir ein zerknirschtes Herz, einen zerschlagenen Geist, daß ich von Herzensgrund nach Gnade mich sehne, daß ich nach Balsam für meine tiefen, eiternden Wunden verlange, daß alle meine Gebeine sagen: Wer ist wie du, du Gott der Gnade, der nicht vernichten will was er geschaffen, obgleich dein Geschöpf seinen Weg verderbt hat; der Gedanken des Friedens über uns gefaßt hat; der seinen Sohn zu unserer Rettung dahingegeben; der in seinem Sohne, dem geliebten, auch mich an sein erbarmendes Herz drückt; der nicht meinen Tod, sondern mein Leben will, und das Netz seiner Erbarmungen ausgeworfen hat, mich selig zu machen!! Ja, mein Gott, laß mich erfahren, wie honigsüß dein Evangelium denen ist, die den Ernst deines Gesetzes erkannt und empfunden haben. Erwecke in mir heißes Verlangen nach deiner Gnade, lebendigen Hunger und 120 121 Gebete reuiger Selbstanklage. Durst nach der Gerechtigkeit des Glaubens, laß mich nicht ruhen, bis ich der Liebe meines Heilandes wieder gewiß geworden. Vertreib die Finsterniß, die auf mir lastet, zerschmelze die Eisrinde meines Herzens, laß es wieder Frühling werden in meiner Seele, laß die Gnadensonne in mir wieder aufgehen. Ja, mein Gott, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn; ich lasse dich nicht, bis du mich lossprichst von meinen Sünden, bis ich mich wieder deiner Gnade getrösten kann, bis ich die Kraft in mir verspüre, in einem neuen Leben zu wandeln. Vergib, ach vergib mir meine großen und schweren Sünden, nimm hinweg die Bürde, die mich beschwert, die Scheidewand, die von dir mich trennt, die blutrothe Schuld, die mich besudelt, die schmähliche Knechtschaft, unter der ich seufze; laß die Krankheit meiner Seele nicht zum Tode sein, sondern daß dein Sohn dadurch geehret werde. Ja, beweise es an mir, daß dein Erbarmen größer ist, als unsere Sünde, deine Liebe stärker, als der Tod, dein Eifer fester, als die Hölle. Um meines Heilands willen, der auch an mich gedacht, als er sein Blut vergossen, der noch heute lebet und zu deiner Rechten mich vertritt, sei mir armem Sünder gnädig. Herr, ich warte auf dein Heil, ich will vergessen, was dahinten ist, und nach deiner Gnade mich strecken, ich will nicht aufhören zu seufzen und zu beten, bis ich es erfahre und weiß, daß du dein Antlig mir wieder zugewendet hast. Und du wirst es thun, ja Buß- und Beichtgebete. du thust es schon, denn deine Gnade ist's, die mir den Mund geöffnet, dein Geist, der mein Herz gerührt und dessen unaussprechliches Seufzen in mir sich reget. Mein Gott, laß mich deinen Liebesarmen nicht wieder entsinken, laß mich nichts deiner Liebe wieder entreißen, laß mich durch dich und in dir siegend sterben und sterbend siegen, um des Herrn willen, der meine Gerechtigkeit ist. Amen. 122 5. du Allerheiligster, wie betrübe ich dich mit meinen Missethaten, dich, den dreieinigen Gott, dessen Liebe allenthalben mich umfängt, der alle Schätze seiner Gnade aufgethan, mich selig zu machen! Welcher Schmerz mag die heiligen Engel, die reinen Geister, ergreifen, wenn sie, die über jeden bußfertigen Sünder sich freuen, mich, den Unreinen, den an Leib und Seele durch die Sünde Befleckten ansehen! Das Gesetz Gottes verdammt mich, der Geist Gottes straft mich, mein eignes Gewissen verklagt mich, und doch wandele ich fort auf dem breiten Wege, der zum Verderben führt. Ich habe keine Ruhe in meiner Seele, ich fühle den Wurm in mir, der nicht stirbt, ich erschrecke vor jedem rauschenden Blatte, und doch suche ich nicht mit allem Ernst den Frieden, wo er zu finden. Ach mein Gott, was soll es für ein Ende mit mir nehmen, 123 Gebete reuiger Selbstanklage. da ich schon hier die Hölle in mir trage und es fühle, daß du dein Antlitz vor mir verborgen und in gerechtem Zorn dich von mir abgewandt haft! Will ich es denn nimmer verstehen, daß, wer Gotte leben will, der Sünde abzusterben hat, und daß, wer den Sohn Gottes nicht von neuem freuzigen will, sein eignes Fleisch kreuzigen muß? Mein Gott, führe mich doch, den Knecht der Sünde, aus dem finstern Kerker! Laß das Blut meines Heilandes seine reinigende, aber auch seine heiligende Kraft an mir beweisen! O daß ich Ströme von Thränen weinen könnte über mein tiefes Elend! Daß ich nicht aufhörte zu schreien und zu flehen, bis das steinerne Herz in mir erweicht und zerschmolzen ist!- Herr, ich will vor dir liegen und nicht aufstehen, bis du dein Antlitz mir wieder leuchten läsfest. Ich will meine Augen nicht schlafen lassen, noch meine Augenlider schlummern, bis ich durch die finstere Nacht, die mich umgibt, wieder bis zu deinem liebreichen Vaterherzen hindurchgedrungen bin. Dich, gekreuzigter Heiland, den der Schlangenbiß der Sünde zum Tode verwundet, will ich anschauen, will unverrückt dich anschauen, bis ich in dir Genesung gefunden habe. Meine Sünden sind blutroth, aber dein Blut kann mich reinigen. Unter deinem Kreuze will ich liegen, will deine um meinetwillen durchgrabenen Füße baden mit meinen Thränen. Mein Heiland, der du den Petrus, der dich verleugnete, erbarmend anblicktest, der du die Sünderin in Simonis Hauſe Buß- und Beichtgebete. liebreich lossprachst, der du die Bitte des Schächers am Kreuze gnädig erhörtest, sich auch mich freundlich an und sprich ein Wort des Trostes in meine geängstete Seele, um deiner auch jetzt noch nach dem Heile der Sünder dürstenden Liebe willen. Amen. 124 6. Mein Gott und Vater, ich wage es nicht, meine Augen zu dir aufzuheben, denn ich bin ein unnützer, untreuer Knecht. Ich kann nichts, als mit dem Zöllner an meinte Brust schlagen und sprechen: Gott sei mir Sünder gnädig. Und o daß ich dieses mit einem so reumüthigen und heilsbegierigen Herzen sagen könnte, wie der Zöllner! Mein Herz ist so sicher und kalt, daß weder die Sünde es so bekümmert und erschreckt, wie es fein sollte, noch deine Gnade es erfreuet. Ein kaltsinniges, träges, todtes Wesen hat sich meiner bemächtigt; es ist ein weltförmiges, halbherziges Christenthum, das ich führe; mein Gebet ist zu einem bloßen äußerlichen Werk geworden; statt mit der Sünde bis auf's Blut zu kämpfen, stehe ich im geheimen Einverständniß mit ihr; mein Glaube ist mehr auf den Lippen, als im Herzen, und ich habe wohl den Schein der Gottseligkeit, erfahre aber nicht ihre Kraft. Mein Gott, mein Gott, reiße mir doch die 125 Gebete reniger Selbstanklage. Heuchlerlarve herunter, mache doch dieses Scheinchristenthum mir recht zum Ekel; laß doch das furchtbare Wort des Richters aller Welt: ,, Gehet hin, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer" wie einen Blitzstrahl in mein Inneres einschlagen, daß ich auffahre aus meinem Schlafe und nicht fürder mich selbst betrüge. Denn wo ist bei mir die Erkenntniß, die das ewige Leben selbst ist? wo der Glaube, welcher der Sieg ist, der die Welt überwunden? wo die Ströme lebendigen Wassers, die von denen fließen, die da glauben? Kann ich sagen: ich bin der Welt gekreuzigt und mir die Welt? Trage ich allezeit das Sterben des Herrn Jesu an meinem Leibe? Jst mein Wandel im Himmel und sehne ich mich daheim zu sein bei dem Herrn? Ach, wenn ich mich prüfe nach den Merkmalen wahrer Christen, wie Gottes Wort sie angibt, so erscheine ich mir selbst als ein elender Krüppel, als ein sich hinschleppender Siechling, der deine Gnade, die du ihm erwiesen, nicht als eine Arznei zum Leben an sich hat wirken lassen, der dir, dem Arzte der Seelen, durch seine eigene Schuld nur Unehre macht. O so höre doch mein reuiges Bekenntniß; ich will mich selbst richten, auf daß ich nicht sammt der Welt verdammet werde; ich will nun nicht eher ruhen, als bis ich aus diesem Tode 311 bleibendem Leben erwacht bin. Sprich mich los von meinen vorigen Sünden, du gnädiger Gott! Ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße, mache mich zu einem deiner Tagelöhner; Buß- und Beichtgebete. ach enthebe mich nur der Schuldlast, die mich niederdrückt, so will ich hinfort einherschreiten in der Kraft des Herrn und durch die That beweisen, daß ich nicht mehr der Welt, sondern dir, meinem Gott, allein und ganz angehöre. Amen. 126 7. Herr, mein Gott, meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden; wenn du nicht deine allmächtige Hand ausstreckeſt, so versinke ich. Nach dem neuen Menschen habe ich zwar Mißfallen an der Sünde, aber viel größer ist das Wohlgefallen daran, welches mein alter natürlicher Mensch hat. Es ist ein ungleicher Kampf, ich werde von der Sünde einmal über das andere überwunden. Und dann suche ich mich wohl wieder aufzuraffen, aber ich habe keine Kraft aufzustehen; ich fasse Vorsätze, aber sie kommen nicht zur Ausführung; die Sünde, die mich immer tiefer in's Verderben stürzt, immer weiter von deiner Gemeinschaft abbringt, wird mir widerlich, ich verurtheile und verwünsche sie, aber unversehens hat sie durch ihre verführerischen Künste mich wieder gefangen und bewältigt. Ich bin wider Willen ihr Gefangener, ihr Knecht; ich muß es vor dir bekennen, daß sie herrschet in meinem sterblichen Leibe und daß ich ihr Gehorsam leiste in ihren Lüsten. In Gebete reuiger Selbstanklage. 127 wem aber die Sünde herrscht, der ist noch unter dem Gesetz und nicht unter der Gnade; im Stande der Knechtschaft und nicht im Stande der Freiheit, die dein lieber Sohn uns erworben hat. Ach, mein Gott, so gib, daß ich mich nicht selbst belüge; daß ich in solchem schändlichen Zustande mir nicht selbst schmeichle und etwa das Verdienst meines Herrn Jesu Christi zum Schanddeckel meiner Bosheit mache. Es fehlt mir an rechtem Haß der Sünde; wirke du in mir einen recht gründlichen Abschen vor ihr, daß ich in ihr das Ungeheuer, die Schlange erkenne, die mir auflauert und mich tödten will. Gib mir Thränen ernster Reue darüber, daß ich deine Gnade immer und immer wieder auf Muthwillen ziehe und deinen gerechten Zorn auf mich lade, vor dem alle meine Gebeine erbeben und mein Inneres erzittern sollte. Und wasche du mich von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde durch das Blut meines Heilandes, welches allein die Flamme der bösen Lust in mir auslöschen kann. Verstoß mich nicht, wie ich wohl verdienet, von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist, den ich so oft betrübt, nicht gar von mir. Mache mich frei von der Schuld der Sünde, aber auch von ihrer Herrschaft, daß ich, der ich bisher der Sünde gehorsam war zum Tode, nun ein Knecht der Gerechtigkeit werde von Herzen gehorsam dem Vorbilde deiner himmlischen Lehre; daß ich meine Glieder, die ich bisher begeben habe Buß- und Beichtgebete. zum Dienst der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zur andern, fortan begebe zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden; daß ich in täglicher Reue und Buße den alten Menschen ersäufe, damit der neue Mensch auferstehe, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewig lebe. Herr, mein Gott, du allein kannst mich frei machen. Du allein kannst mir Kraft geben, meine Bande zu durchbrechen und zu einem rechtschaffenen Wandel nach dem Geiste und nicht nach dem Fleische mich emporzuraffen. Hilf mir dazu und wende mein Gefängniß, und laß das Blut deines lieben Sohnes nicht vergeblich für mich geflossen sein. Amen. 128 Um Erneuerung der ersten Liebe. 8. Mein himmlischer Bater, ach wie so bald ist doch das Feuer der ersten Liebe in mir erloschen, wie so bald bin ich durch eigene Schuld diesem seligen Zustande entfallen, da mein durch die Gnade nengebornes Herz vor Freuden hüpfte und mit Wonne getränkt ward als mit einem Strom. Welch innige Freude empfand ich damals über dein Wort, welch eine Seelenlust war mir das Gebet, wie wallte mein Herz in stetem Seufzen nach deiner Nähe, wie oft hast du mir damals zu sehen und zu Um Erneuerung der ersten Liebe. schmecken gegeben, wie freundlich du bist. Jetzt aber, ach! wie finster und leer und todt ist es in meinem Innern, daß ich oftmals denke, du habest ganz deine Hand von mir abgezogen. Denn das verdiente ich wohl, weil ich so untren mit deiner Gnade umgegangen bin; weil ich das, was ich hatte, nicht treu benutzt habe, daß ich mehr empfienge; weil ich den Geist der Gnade so oft betrübt, den Tempel, darinnen er Wohnung gemacht, so oft entweiht und durch fleißiges und anhaltendes Gebet aus der lebendigen Quelle zu schöpfen so sehr unterlassen habe. Herr, du bist gerecht in allen deinen Wegen; es ist meine eigene Schuld, daß du die Empfindung und den Genuß deiner Gnade von mir weggenommen, und wohl wäre ich werth, daß du mir deine Gnade ganz entzögest. Aber gehe nicht mit mir ins Gericht; vergilt mir nicht nach meiner Untreue, sondern erbarme dich mein nach deiner Treue, die größer ist; siehe an das Glaubensfünklein in dem Grunde meines Herzens, und fache es wieder an durch den Odem deines lebendigmachenden Geistes. Reinige mein Herz durch das Blut meines Heilandes, heilige es von neuem dir zur Wohnung, erleuchte es mit deinem himmlischen Licht, erwärme es mit deiner feurigen Liebe, schmücke es mit deiner reichen Gnade. Errette mich aus meiner Lauheit und mache mich brünstig; aus meinem Siechthum und mache mich stark; aus meiner Trägheit und mache mich eifrig; aus meiner Sicherheit und mache mich wach9 129 130 Buß- und Beichtgebete. sam, und laß es mich von neuem erfahren, welche Seligkeit es ist, sagen zu können:„ Ich bin dein und du bist mein." Ja, verherrliche dich an mir an diesem Tage, daß ich rühmen und jauchzen kann: Mir ist heute Heil widerfahren, mein Jesus ist in mir eingezogen! Und gib mir Glaubensbeständigkeit, daß ich ihn, der meine Krone, mein Kleinod, mein Leben ist, mit festen Glaubensarmen umschlossen halte, und durch Wachen und Beten den Schatz bewahre, den du mir von neuem geschenkt hast, bis auf den Tag der Zukunft meines Herrn Jesu Chrifti. Amen. 9. Allbarmherziger Gott, wie finster, kalt und dürre ist es doch in meiner Seele! Entschwunden ist mir das Gefühl deiner Gemeinschaft, schier erstorben ist das Leben, das du in mich gepflanzt hast, ich fühle mich einsam und verlassen und bin wie ein verwüsteter Acker voll Disteln und Dornen. Das ist die Sünde, die eine Scheidewand ist zwischen mir und meinem Gott; die Sünde ist daran schuld, daß du dein Angesicht vor mir verbirgst. Meine Sünden verklagen mich, der Feind meiner Seele frohlockt, daß er mich gefangen hält, und zeigt mir meinen Schuldbrief. Meine Gebeine sind erschrocken und meine Seele ist sehr erschrocken; ach du, Herr, wie so lange! Wende Um Erneuerung der ersten Liebe. 131 dich, Herr, und errette meine Seele, hilf mir um deiner Güte willen. Herr, ich bekenne es dir, daß ich durch die Sünde einem Aussätzigen, einem Todten bei Leibesleben gleich geworden bin, daß ich nicht werth bin, vor dein heiliges Angesicht zu treten, sondern hinausgestoßen zut werden in die äußerste Hölle. Aber du hast geschworen, daß du am Tode des Sünders keinen Gefallen hast, du sprichst voller Erbarmen: Kehre wieder, du abtrünniges Israel, so will ich mein Antlig nicht gegen dich verstellen, du streckest auch nach mir, dem verlornen Sohne, deine Arme aus, gehest auch mir, dem verlornen Schafe nach, und hast Gedanken des Friedens über mir, nicht des Verderbens. O gelobt, gepriesen und gebenedeiet sei dein unaussprechliches Erbarmen! Meine Schuld ist groß bis in den Himmel, aber deine Barmherzigkeit reicht so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit so weit die Wolken gehen. Oso erhöre das laute Schreien meiner geängſteten Seele, und nimm von mir den Fluch der Sünde, wende mir wieder zu das Licht deines Antlitzes und laß mich nicht sterben in meinen Sünden. Höre mein Rufen aus der tiefen Tiefe, in die ich versunken bin, und reiß mich empor, und stelle meine Füße auf einen Felsen, den Felsen deines gnadenreichen wahrhaftigen Wortes. Vertilge meine Missethat wie eine Wolke, und meine Sünde wie den Nebel. Sprich Ein Wort, so ist dein Knecht gesund. Laß mich hören dein seligmachendes Trostwort: 9* Buß- und Beichtgebete. Mein Sohn( meine Tochter), deine Sünden sind dir vergeben, so ist meine Seele genesen. Ja, Herr, ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürftet nach dir wie ein dürres Land; erquicke durch einen gnädigen Regen dein lechzendes Erbe. Herr, erhöre mich bald, mein Geiſt vergehet, verbirg dein Antlig nicht vor mir, daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich und setze all mein Vertrauen auf deinen Gnadenrathschluß und den der ihn vollführt hat, deinen lieben Sohn Jesum Christ. Gelobt sei Er, der Mittler zwischen Gott und Menschen! Amen. 132 10. Morgengebet am Tage der Beichte. Durch deine Gnade, treuer himmlischer Bater, bin ich wieder erwacht. Du hast mich diese Nacht zugedecket mit deiner rechten Hand, deine Augen haben mich behütet, o Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert; du haft deinen Engeln befohlen über mir, daß sie mich bewachten und kein Unglück zu meiner Ruhestätte nahte. Du hast mich nicht durch einen plötzlichen, schnellen Tod dahingerafft, du hast mich nicht sterben lassen in meinen Sünden, die auch des Nachts nicht aufhören, sich zu regen, 133 Morgengebet am Tage der Beichte. sondern hast mich aufbehalten auf diesen Tag des Heils, da ich aus dem Munde deines Dieners die tröstliche Versicherung der Vergebung meiner Sünden empfangen soll. Mein Gott, ich danke dir, daß du deinen ernsten Gnadenwillen, dem bußfertigen Sünder seine Sünden um Christi willen vergeben zu wollen, nicht allein mit theuren Eidschwüren bei deinem eigenen Leben besiegelt hast, sondern daß du auch unter uns aufgerichtet hast das Wort von der Versöhnung, daß du ein Amt überschwenglicher Klarheit, das die Gerechtigkeit prediget, gestiftet und dir Diener erwählt hast, die da Botschafter seien an Christus Statt, Haushalter über deine Geheimnisse, deine Mithelfer im Werke unseres Heils, Herolde der Gnade und Boten des Friedens, denen dein lieber Sohn, mein auferstandener Heiland, die Schlüssel des Himmelreichs übergeben und die Gewalt ertheilt hat, den Bußfertigen die Sünden zu vergeben, indem er spricht:„ Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." O du Gott aller Gnade, dir sei Dank, daß du den bekümmerten Seelen also zu Hülfe kommst und sie nicht allein durch das geschriebene Wort, sondern auch immerfort aus dem Munde deiner Diener deiner Gnade versicherst. So will denn auch ich mich aufmachen und suchen die Stätte deines Hauses, wo deine Ehre wohnet und wo du deine himmlischen Güter austheilest. Denn auch ich bin ein Sünder, 134 Buß- und Beichtgebete. der deines Trostes bedarf; die Angst meines Herzens ist groß und ich sehne mich nach dem Frieden, den die Welt nicht geben kann. Die Last meiner Sünden drückt mich nieder, denn je größer deine Gnade, die du mir erwieſen, desto größer ist meine Verschuldung, daß ich die mir verliehenen Gnadenkräfte vergendet und dir nicht, wie du es forderst, mit ganzem Herzen und ganzer Seele gedient habe. Ich habe die Sünde nicht so verabscheut und niedergekämpft, wie ich sollte, sondern habe ihr Macht über mich gelassen und im Verborgenen mich an ihr ergößt. Darum ist auch der Eifer im Gebet bei mir erschlafft, die Liebe zu deinem Wort erkaltet, die Gemeinschaft mit dir lockerer geworden, und ich habe Stunden, ja selbſt Tage in fleischlicher Sicherheit hingebracht, ohne deiner zu gedenken. Wenn dein Geist mich strafte, wenn mein Gewissen mich verklagte, dann habe ich deine Stimme überhört oder, wenn ich erschrocken bin, neue Vorsätze gefaßt, die ich nicht in Ausführung gebracht habe. Darum ist keine Kraft und Freudigkeit und Gewißheit deines, Heils in mir, sondern eitel Schwäche und Unruhe und Angst, daß ich mir selbst ein Greuel bin und, wenn ich könnte, mir ſelbſt entfliehen möchte. Und welch ein Greuel muß ich erst dir sein, du heiligste Heiligkeit! welch ein Scheusal deinen reinen Augen! Ich, an den dein Sohn sein Blut gewandt hat, den du zu dir gezogen aus lauter Liebe, dem du je und je mit Erbarmen nachgegangen und Morgengebet am Tage der Beichte. 135 zugerufen hast: ,, Kehre wieder, kehre wieder," und der doch sein Ohr verstopft hat wie eine Otter, welche die Stimme ihres Beschwörers nicht hören will. Mein Gott, ich bin dieses Lippenchristenthums, bei dem ich deinen Zorn zwiefältig verdiene, herzlich müde, nun will ich dir bekennen meine Sünde, damit meine Gebeine nicht gar verdorren und mein Lebenssaft vertrockne, wie es im Sommer dürre wird. Ich will es bekennen, daß ich der unfruchtbare Feigenbaum bin, an dem du bisher vergeblich gearbeitet und der deinen Fluch verdient; o gib mir doch ein aufrichtiges Herz ohne Falsch, das sein ganzes Elend vor dir aufdeckt, damit du es zudeckest, und Thränen der Buße, meine Untreue und Gottentfremdung zu beweinen. Rüttle mich auf aus meinem Schlafe, erwecke mich aus meinem Tode, reiß mich heraus mit deiner allmächtigen Rechten, zerreiß die Stricke die mich noch fesseln, und gib mir ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz, wie es dir ein angenehmes Opfer ist. Denn das macht mir noch überdies den meisten Kummer, daß ich mein Verderben nicht so fühle, wie ich sollte. Herr, mein Gott, so komme ich denn mit meinem ganzen Elend zu dir, dem Arzte Israels; du allein kannst mich heilen, mich, an dem von der Fußsohle bis zum Haupte nichts Gesundes ist, du allein kannſt mir den Frieden geben, nach dem mein schwacher Glaube sich sehnet. Entbinde mich meiner Sünden durch deine Gnade, und gib mir Kraft, sie fortan unter meine Füße 136 Buß- und Beichtgebete. zu treten, um des Blutes und des Sieges meines Heilandes willen. Amen. 11. Gebet eines Confirmanden vor der Beichte. O du Gott aller Gnade, der du deines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns Alle dahingegeben und der du nichts ungethan läsfest, um uns alles das was du in ihm uns geschenkt haft zu eigen zu machen und ins Herz zu drücken: ich danke dir, daß du mir heute zum ersten Mal zu erfahren geben willst, wie große Macht des Trostes in der Absolution liegt, welche jedem einzelnen bußfertigen Sünder zu ertheilen dein lieber Sohn Jesus. Christus die Verkündiger seines Evangeliums ermächtigt hat und welche, wenn auch auf Erden von Menschenmund gesprochen, doch vor dir im Himmel gültig sein soll. O wirke doch in mir durch Prüfung nach deinem Gesetze und durch den Anblick des Lammes Gottes, das auch um meiner Sünden willen zur Schlachtbank geführt worden, recht gründliche Sündenerkenntniß und tiefe Reue und heißes Verlangen nach dem Trost der Vergebung. Eine ganze Reihe von Jahren liegt hinter mir, in denen auch nicht ein Tag vergangen ist, an dem ich mich nicht an dir verfündigt; du aber hast, getreu dem Bunde, den du in Gebet eines Confirmanden vor der Beichte. 137 der h. Taufe mit mir geschlossen, nicht aufgehört, mich erbarmungsvoll zu tragen und mit suchender Liebe mir nachzugehen und mich durch Lockungen und Züchtigungen aus der Irre herumzuholen. Aber ach! immer auf's neue habe ich über erlaubten und unerlaubten Vergnüigungen dein vergessen, habe über der Arbeit und in Feierstunden dich nicht vor Augen und im Herzen gehabt; im Verhältniß zu meinen Eltern und Lehrern und Altersgenossen bin ich häufig den bösen Neigungen meines Herzens mehr gefolgt, als deinem mir wohlbekannten heiligen Willen; ich habe, wenn dein Geist mich strafte und mein Gewissen mich verurtheilte, nicht sofort Vergebung bei dir gesucht im Blute Jesu Christi, sondern habe Uebertretung auf Uebertretung gehäuft und deine unermüdliche Hirtentreue mit schnödem Undank vergolten. Und wenn die Menge der mir bewußten Sünden schon ſo groß ist, wie groß mag die Menge der mir verborgenen sein! Du der Allwissende, vor dessen Augen Alles bloß und entdecket ist, du kennst sie alle, und sie würden mich zu einem Kinde des Zornes machen, wenn du mich nicht in Jesu Christo ansähest, deinem lieben Sohne, auf den ich getauft bin. Heute aber willst du mich dieser großen schweren Last entbinden, wenn ich bußfertig und gläubig danach verlange; o so wirke in mir aufrichtige Bußtraurigkeit, daß ich nicht zu den Sündern gehöre, die durch die Gewalt des Bindeschlüssels erst geschreckt werden müsſen, Buß- und Beichtgebete. sondern zu den erschrockenen und heilsbegierigen, denen zugut der Trost des Löseschlüssels gestiftet ist. Aus der Tiefe rufe ich, HErr, zu dir. HErr, höre meine Stimme und laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willst, HErr, Sünde zurechnen: HErr, wer wird bestehen? Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung; gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Auf dich bin ich gewiesen von Mutterschooße an, du hast mich bis hieher getragen und geleitet und regiert mit großem Verschonen, mit dir will ich meinen Lauf von neuem beginnen, auf deine Gnade in Christo Jesu will ich leben und sterben. Amen. 138 12. Die allgemeine Beichte am Anfang des Hauptgottesdienstes oder das Confiteor. ( Nach der Wittenberger Kirchenordnung von 1559.) Die Meß oder Communion soll, wie in etlichen Landen geordnet und im Brauch ist, mit der gemeinen oder öffentlichen Beicht, Gebet und Absolution durch den Priester angefangen werden. Nämlich also: Der Priester wende sich vor dem Altar um gegen das Volk und spreche: Meine Allerliebsten in Gott, eröffnet eure Herzen, laßt uns Gott unsre Sünden bekennen und um Vergebung im Namen unsers Herrn JEsu Christi bitten. Das Confiteor. 139 Sprecht mir nach mit herzlichem Begehren zu Gott, im Glauben an den Herrn JEsum Christum, durch den heiligen Geist. Dann knieet der Priester nieder vor dem Altar und ein anderer Kirchendiener oder Custos neben ihn, und spricht der Priester mit lauter Stimme: Unsere Hilfe stehet im Namen des HErrn. Antwortet der Chor: Der geschaffen hat Himmel und Erde. Der Priester: Ich armer fündiger Mensch bekenne vor Dir, o allmächtiger Gott, meinem Schöpfer und Erlöser, daß ich gesündigt habe nicht allein mit Gedanken, Worten und Werken, sondern daß ich auch von Natur fündig und unrein bin, in Sünden empfangen und geboren. Ich habe aber Zuflucht zu Deiner grundlosen Barmherzigkeit, suche und begehre Gnade um des Herrn JEsu Christi willen. HErr, sei gnädig mir armen Sünder. Der andere Diener antwortet dieses Gebet: O allmächtiger, barmherziger Gott, der Du Deinen eingebornen Sohn für uns in den Tod gegeben hast, wollest Dich unser erbarmen und um desselben Deines geliebten Sohnes willen uns alle unsre Sünde vergeben, auch Deinen heiligen Geist uns geben, der in uns wahre Erkenntniß Deines göttlichen Wesens und Willens, dazu wahren Gehorsam gegen dich entzünde und vermehre 140 Buß- und Beichtgebete. auf daß wir das ewige Leben durch Deine Gnade um des Herrn JEsu Christi willen erlangen. Amen. Der Priester spricht hernach die Absolution: Der allmächtige, barmherzige Gott hat sich unser erbarmt, vergibt uns wahrhaftiglich alle unsre Sünde um seines lieben Sohnes willen, den er um unsertwillen in den Tod gegeben, und hat Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden, Allen, die an seinen Namen glauben, gibt uns dazu seinen heiligen Geist. Wer glaubt und getauft wird, soll selig werden. Das verleihe uns Gott Allen. Amen. Dieweil diese Beicht, Gebet und Absolution gesprochen wird, soll die ganze Kirche still sein und solches anhören, auch mit dem Prieſter also bekennen, beten und die Absolution zu Herzen faffen, wohl lernen und vor Gott oft desgleichen sprechen. 13. Privatbeicht- Formulare. 1. ( Aus der Pommerschen Kirchenordnung.) Ich armer sündiger Mensch, bekenne vor Gott und vor Euch, daß ich wider alle Gebote Gottes mit Gedanken, Worten und Werken viel gefündigt habe und von Natur in Sünden empfangen und verdorben bin, unter Gottes Zorn, des ewigen Todes schuldig. Darum ist mein Herz betrübt und ist mir leid, daß ich Gott, Privatbeicht- Formulare. 141 meinen Herrn, erzürnet habe, und bitte von Herzen, Gott wolle mir alle meine Sünden um Seines lieben Sohnes, des Herrn JEsu Christi willen aus Gnaden vergeben, mein Herz mit dem heiligen Geiste erneuen, wie ich auf Sein göttliches Wort glaube und traue. Weil Ihr denn von dem Herrn Christo Befehl habt, allen Bußfertigen ihre Sünde zu vergeben, so bitte ich Euch durch Christum, Ihr wollet mich mit Gottes Wort unterrichten und trösten, mir im Namen JEsu Christi die Vergebung der Sünden sprechen und Seinen Leib und Blut im Sacrament zur Stärkung meines Glaubens reichen. Ich will mich mit Gottes Hülfe bessern. 2. ( Aus der Fürstlich Braunschweigischen Kirchenordnung.) Ich bekenne als ein armer Sünder vor Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich auf mancherlei Weise mit Gedanken, mit Geberden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein Herr und Gott an mir erkennet und ich leider! so vollkömmlich nicht erkennen kann. Also reuen sie mich und sind mir leid, und begehre von Herzen Gnade von Gott durch Seinen lieben Sohn, JEsum Christum, und bitte, daß er mir Seinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mittheilen wolle. Amen. 142 Buß- und Beichtgebete. 3. ( Aus der Fürstlich Hessischen Kirchenordnung von 1574.) Ich armer, betrübter Mensch klage und bekenne vor Gott und allen Christgläubigen, daß ich nicht allein in Sünden empfangen und geboren bin, sondern auch die ganze Zeit meines Lebens viel gesündigt habe mit Gedanken, Worten und Werken, insonderheit daß ich meinen Gott von ganzem Herzen, von ganzem Gemüthe, von ganzer Seelen und allen meinen Kräften nicht geliebt habe, auch meinen Nächsten nicht wie mich selber, wie mein Herr und Gott mir solches befohlen und geboten hat. Mit welchen Sünden ich mich schuldig gebe aller meiner Sünde und rufe zu Gott um Gnade, mit Herzlicher Bitte und Vertrauen, daß er mir dieselbige von wegen des Verdienstes seines lieben Sohnes, meines Herrn und Heilandes Jesu Christi, erzeigen und mittheilen wolle! Amen. 14. Danksagungen unmittelbar nach der Absolution. 1. ( Aus 2. Mof. Cap. 34.) HErr HErr Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Trene, der du beweisest Gnade in tausend Glied und vergibst Missethat, Danksagungen unmittelbar nach der Absolution. 143 Uebertretung und Sünde: ich danke dir, HErr, daß ich Gnade vor deinen Augen gefunden und bitte dich, ſei auch ferner mit mir und vergilt mir nicht nach Verdienſt der Werke, sondern sei gnädig meiner Missethat und Sünde und laß mich dein Erbe sein und an mir offenbar werden die Wunder deiner Bundestreue diesseits und jenseits. Amen. 2. ( Aus Micha Cap. 7. Jesaia Cap. 44.) Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Der die Sünde vergibt und erläßt die Missethat den Uebrigen seines Erbtheils; der seinen Zorn nicht ewiglich hält, denn er ist barmherzig! Du hast dich unser wieder erbarmet, haſt unsere Missethat gedämpft und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres geworfen. Du hast erfüllt was du verheißen: Ich tilge deine Missethat wie eine Wolke und deine Sünde wie den Nebel. Darum will ich dein nicht vergessen und, abgekehrt von der Welt und ihrer Luſt, dir zugekehrt bleiben immerdar, der du mich erlöset. Jauchzet ihr Himmel, denn der HErr hat es gethan; brecht aus in Jubel, ihr Tiefen der Erde; ihr Berge, frohlocket mit Jauchzen, der Wald und alle Bäume darinnen, denn der HErr hat Jacob erlöset und ist in Israel herrlich. Halleluja. 144 Buß- und Beichtgebete. 3. ( Aus Röm. Cap. 8.) Preis, Ehre und Dank sei dir, du Gott meines Heils, daß du den süßen Trost der Sündenvergebung mir wieder einmal ins Herz gesprochen und deine rechtfertigende Gnade an mir verherrlicht hast. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, nun aber ergötzen deine Tröstungen meine Seele und ich kann jubeln und rühmen: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht! Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns! Mag mun Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Leiden aller Art daherkommen, in dem Allen überwinden wir weit um deßwillen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel- noch Menschengewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine Creatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn. Amen. Hausgebete nach der Absolution. 15. Mein himmlischer Vater, ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du durch den Mund deines Dieners 145 Hausgebete nach der Absolution. mir Vergebung meiner Sünden ertheilt und der schweren Bürde, die als eine Centnerlast mein Gewissen beschwerte, mich gnädig entbunden hast. Gelobt und gepriesen sei deine Gnade, die du so hoch, als der Himmel über der Erden ist, walten läsfest über denen, so dich fürchten; denn so fern der Morgen ist vom Abend, läsfest du unſere Uebertretung von uns sein, du kommst dem verlornen Sohne, sobald er sich aufmacht, zu dir zu gehen, mit ausgebreiteten Liebesarmen entgegen und gibst deinen Knechten Befehl, ihn anzuziehen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit zu bekleiden. O gib mir festen Glauben, um das Trostwort der Absolution als das Unterpfand deiner Liebe, die du in Christo, dem Geliebten, mir zugewandt, wider alle Anfechtung treu zu bewahren. Denn sie ist ja allen denen, die nach Vergebung sich sehnen, ein festes, unverbrüchliches Siegel deiner Gnade. Darum will ich fortan, wenn auch die Sünde mich anficht, wenn ich auch aus Schwachheit strauchle, nicht zweifeln, daß du dennoch mich als dein Kind liebest und einen ewigen Bund, der da stehet auf Vergebung der Sünden, mit mir geschlossen hast. Gib mir aber auch Kraft, Wachsamkeit und Beharrlichkeit, unter treuer Benutzung der empfangenen Gnade über die Sünde zu herrschen und sie unter meine Füße zu treten. Entzünde in meiner Seele das Feuer brünstiger Gegenliebe, daß ich dich wiederliebe, der du mir so viel vergeben 10 146 Buß- und Beichtgebete. hast. Laß mich fortan als vor deinen Augen wandeln, laß mich nicht in den vorigen Wandel zurückfallen, damit das Letzte nicht mit mir ärger werde, als das Erste. Bewahre mich vor allen vorsätzlichen Sünden, daß ich die Hände nicht wieder beflecke, die du mit dem Blute Jesu Christi gewaschen hast. Sündige ich aber aus Schwachheit, so laß die Wunden meines Heilandes mir einen allezeit offenen Born wider alle Unreinigkeit sein; erhalte mir die Gewißheit meines Gnadenstandes, daß ich mit Freudigkeit, so oft meine Sünden mich verklagen, hinzutrete zu dem Gnadenstuhl und aus der Fülle Christi nehme Gnade um Gnade. Ja besiegele mir durch deinen heiligen Geist den empfangenen Schatz der Vergebung und das zugleich mit ihm mir beigelegte himmlische Erbe; laß mich mit der Gerechtigkeit zugleich auch den Frieden und die Freude deines Reiches erfahren, und mache deinen lieben Sohn Jesum Christum, dessen Gerechtigkeit du mir geschenkt hast, mir auch zur Heiligung und endlichen Erlösung, um deines treuen Vaterherzens willen. Amen. 16. Herr Jesu Christe, ich danke dir, daß du ein Amt, das die Versöhnung prediget, gestiftet und, nachdem du in deine Herrlichkeit eingegangen bist, immer noch, obwohl unsichtbarer Weise, durch den Mund deiner Diener zu Hausgebete nach der Absolution. 147 uns redest; du selbst wirkest mit ihnen und durch sie und haft unserem Glauben, damit er ja nicht wanke, die Absolution und die heiligen Sacramente zu festen Stützen gegeben; denn du kennst die Kleingläubigkeit, die Blödigkeit, den Wankelmuth unseres Herzens. Du hast den ganzen Reichthum deiner Gnade aufgethan, so daß wir ausrufen müssen: Wir haben keinen Mangel an irgend einer Gabe! O so sei gepriesen, erhöheter Heiland und barmherziger Hoherpriester, daß du auch mir deine Verheißung, deinen Gnadenwillen, deine Liebe auf's neue durch den Mund deines Dieners versiegelt und, obwohl ich nicht, wie jene Sünderin in Simonis Hause, mit meinen Thränen deine Füße netzen konnte, doch mein Verlangen nach Gnade nicht verschmähet hast. Laß dein lebendigmachendes Wort nun auch seine Kraft an mir beweisen, daß ich aufstehe und wandele; daß ich das Grab der Sünde verlasse und alle Bande, die mich noch fesseln, durch deine züchtigende Gnade mir abnehmen lasse; daß ich die verdorrte Hand nun ausstrecke, dein Werk zu treiben, und die stumme Zunge rege, deine Liebe zu preiſen. Gib mir einen festen, unverrückt auf dich gerichteten Glaubensblick, damit ich in den hochgehenden Wogen dieses Lebens nicht versinke; gib mir den Geist der Gnade und des Gebetes, um alle Tage, ja alle Stunden neue Kraft aus deiner Gottesfülle zu schöpfen; laß deinen heiligen Geist mich treiben und strafen, daß ich, so oft ich 10* 148 Buß- und Beichtgebete. mich versündigt, meine Heilskleider wieder reinige in deinem Blut; laß mich nicht in den Unflat dieser Welt, dem ich durch dein Erbarmen nun entflohen bin, wieder verflochten werden. Dein ernstes Liebeswort: ,, Gehe hin, sündige fort nicht mehr, daß dir nicht Aergeres widerfahre," soll mir nicht aus dem Sinn kommen. Du wirst das gute Werk, das du in mir angefangen hast, auch vollführe, und kraft deines Gnadenwortes, das ich heute vernommen, mich in deine selige Gemeinschaft und die Gemeinschaft aller Vollendeten aufnehmen, um deiner blutigen Versöhnung willen. Amen. 17. Abendgebet am Beichtsamstag. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater unfres Herrn Jesu Christi! wiederum habe ich eine Woche meines Elends, meiner Pilgrimschaft durch dieses irdische Leben zu Ende gebracht. Wo soll ich anfangen, die Gnade, die Barmherzigkeit, die Treue zu rühmen, die du mir erwiesen hast? Du hast nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden und mir nicht vergolten nach meinen Missethaten, sondern deine Gnade war über mir alle Morgen neu, und groß, unaussprechlich groß deine Treue. 149 Abendgebet am Beichtsamstag. Du hast mir mein täglich Brot gegeben, mein Herz erfüllet mit Speise und Freude, meine Berufsarbeit gefegnet, und wie den Leib, so hast du auch meine Seele gnädiglich bedacht, daß sie unsträflich bewahrt würde auf den Tag Jesu Christi. Du hast mich im Glauben an dein Wort erhalten und mir deinen Segen zu heilsamer Betrachtung desselben verliehen. Du bist um mich und um die lieben Meinigen eine feurige Mauer gewesen und haft deine Gnade nicht von uns gewendet. Und 311 all diesen unverdienten Wohlthaten hast du heute die allergrößte hinzugethan: du hast mich die Himmelsstimme der Absolution vernehmen lassen und hast mir durch das Wort deiner Gnadenstiftung verbrieft und versiegelt, daß alle meine Sünden quittirt sind mit dem Blute meines Herrn Jesu Christi. Nun ist die schwerste Last von mir genommen: sie ist versenkt in das Meer deines unergründlichen Erbarmens. O so laß mich doch keine Sünde, die ich noch liebte und hegte, in die neue Woche hinübernehmen! Laß mich ein Neues pflügen und nicht unter die Hecken säen! Sprich über mich, sprich über einen jeglichen Beichtgenossen das Wort deiner Allmacht und Gnade: Siehe, ich mache Alles neu; das Alte ist vergangen, siehe, es ist Alles neu geworden. Und weil ich inorgen zu dem Tische deines geliebten Sohnes, meines Herrn Jesu Christi, zu kommen gedenke, o so laß mir seinen Leib und sein Blut eine Elias Buß- und Beichtgebete. speise sein, in deren Kraft ich ferner die Wüste dieses Lebens durchwandere. Laß dein heiliges Sacrament mir gedeihen zu unauflöslicher Vereinigung mit Ihm, durch den unsre Sünden uns vergeben sind, durch den wir streiten und siegen, dem wir leben und sterben. Laß es mir gedeihen zu unauflöslicher Vereinigung mit allen den Deinen, daß der böse Feind das Band des Glaubens, der Liebe und des Friedens, das uns verknüpft, nicht zu zerreißen vermöge. Laß uns kraft des himmlischen Trostes, der uns aus deinem Sacrament als aus einem Brunnen des ewigen Lebens zufließt, vergessen, was dahinten iſt, und uns strecken nach dem, das da vornen ist, und in aller Trübsal und Anfechtung weit überwinden um deß willen, der uns geliebet und sich selbst für uns dargegeben, ja sich uns zur Speise und zum Tranke gegeben. Entsündigt durch das Wort deiner Gnade will ich mich nun niederlegen und in Frieden schlafen, bis deine Vaterhand mich wieder weckt, damit ich in dein Haus gehe und des Herrn Tod verkündige mit seiner Gemeinde und aus seiner Fülle nehme Gnade um Gnade. O laß mein Herz, auch wenn ich schlafe zu dir wachen! Alle meine Gebeine müssen sagen: HErr, wer ist dir gleich, dir dem Hohen und Erhabenen, der hoch droben wohnet in unnahbarem Lichte und doch auch hienieden bei denen, die zerschlagenen und demüthigen Geistes sind. Preise, Jeruſalem, den Herrn, lobe, Zion, deinen Gott! Halleluja, Amen. 150 Dankpsalm. 18. Dankpfalm. Pſ. 32. 151 Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist. Wohl dem Menschen, dem der HErr die Missethat nicht zurechnet, In deß Geist kein Falsch ist. Denn da ich's wollt verschweigen, verschmachteten meine Gebeine Durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, Daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Sela. Darum bekenne ich dir meine Sünde und verhehle meine Missethat nicht. Ich sprach: ich will dem HErrn meine Uebertretung bekennen, Da vergabest du mir die Missethat meiner Sünde. Sela. Dafür werden dich alle Heiligen bitten Bu rechter Zeit. Darum wenn große Wasserfluten kommen, Werden sie nicht an dieselbigen gelangen. Du bist mein Schirm, Du wolltest mich vor Angst behüten, Daß ich errettet ganz fröhlich rühmen könnte. Sela. 152 Dankpfalm. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst, Ich will dich mit meinen Augen leiten. Seid nicht wie Roß und Mäuler, die nicht verständig sind, Welchen man Zaum und Gebiß muß ins Maul legen, Wenn sie nicht zu dir wollen. Der Gottlose hat viel Plage, Wer aber auf den HErrn hoffet, den wird die Güte umfahen. Freuet euch des HErrn und seid fröhlich, ihr Gerechten, Und rühmet, alle ihr Frommen. ( Andere Dankpsalmen: 30. 66. 103.) IV. Gebete vor und bei der Communion. Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; deine Liebe ist lieblicher denn Wein. Hohest. 1, 2. So spricht die erwählte Gemeinde zu dem, der ihr Herr und Gott ist, aber sich zu ihr herabgelassen und in Gnade und Barmherzigkeit sich ihr verlobt hat, zu Christo, ihrem Bräutigam, ihrem Geliebten. So sprich auch du, o Seele, die du ein Glied am Leibe der heiligen Kirche bist; mit solchem Wunsche bräutlicher Liebe tritt hinzu zum Tische des Herrn. Was sind die Küsse seines Mundes anders, als die Beweisungen seiner süßen Liebe, die Ein Fleisch und Geist mit dir werden will? Und wo anders naht er dir mit ſol cher Liebe, als in dem Wort des Lebens, das da ist der Odem seines Mundes, und in den Gnadenstiftungen der heiligen Sacramente, die da sind die Unterpfänder seiner Treue? O so bitte ihn, daß er diese süße Liebe dir erweise, diese Liebe, die lieblicher ist als Wein, lieblicher als alle irdische Lust, in der die Welt sich berauschet. Tritt herzu nicht mit knechtischer Furcht, sondern mit Freude, daß er so hoch dich ehren will; tritt herzu wie Esther zum königlichen Stuhl im königlichen Hauſe, denn du hast Gnade gefunden in deines Königs Augen, und er neigt dir zu nicht blos einen goldenen Scepter, sondern sich selbst, dich an sein Herz zu drücken und sich mit dir zu vereinigen. O welche tiefe Herablassung, daß er dich küssen 156 will mit dem Kusse nicht blos der Freundschaft, sondern der Bräutigamsliebe; daß er dich, die du so oft ihm untreu würdest, füssen will mit dem Kusse des Friedens und der Versöhnung. O küsse du ihn wieder, aber nicht wie jener Judas, der mit dem Munde ihn küßte und im Herzen ihn haßte. Denn er will von dir angebetet sein als dein Gott und König, und will von dir geliebt sein mit ungetheilter Liebe über Alles. Und bist du ihm das nicht schuldig? Nicht blos zweimal sieben Jahre hat er um dich gedient, wie Jakob um Rahel; er, der ewige Sohn des Vaters, ist Mensch geworden um deinetwillen, hat sein Leben zur Erlösung für dich dahingegeben, hat dich erworben mit seinem Blute, du bist sein. Oso küsse ihn mit dem Kusse huldigender Anbetung, mit dem Kusse ewigen, unzertrennlichen Verlöbnisses, und bleibe sein, bis er dich heimholt aus dieser argen Welt und deine Augen ihn schauen, an den dein Herz hier geglaubt hat. Gebete vor und bei der Communion. Gebete um die rechte Vorbereitung. Gebete um die rechte Vorbereitung. 1. 157 Herr Jesu Christe, du allbarmherziger Heiland, der du in der Nacht, da du verrathen wurdeſt, invoraus dafür gesorgt hast, daß die Deinen alle bis an's Ende der Tage ein Siegel deines Versöhnungswerks hätten, ein Mittel, es sich recht fest zuzueignen; der du deinen eigenen Leib als Sündopfer für uns geopfert auf dem Holz des Kreuzes und ihn mit dem Blute des neuen Testaments uns zur Speise und zum Tranke eingesetzt hast: wir danken dir für dieses Denkmal deiner Wunder, für diese Stiftung deiner Liebe, und bitten dich, schenke uns deinen heiligen Geist, dieses Geheimniß aller Geheimnisse anbetend zu bewundern, nach dieser Gabe aller Gaben brünstig zu verlangen, dieses Kleinod aller Kleinodien fest zu ergreifen und in einem reinen Herzen zu bewahren. Laß uns recht lebendig erkennen, welcher Abstand zwischen uns und dir ist, zwischen uns, den unreinen, tief gesunkenen Sündern und dir, dem Hocherhabenen und Heiligen, vor dem auch die Himmel nicht rein sind. Aber laß uns auch mit Freuden erkennen, wie du von deiner Höhe in unsere Tiefe herabsteigeft; wie es dein eigentliches Werk ist, Sünder, die nach Gnade sich sehnen, herauszulieben aus Gebete vor und bei der Communion. 158 dem Verderben; wie freundlich du alle Mühseligen und Beladenen zu deinem Tische einladest und wie es dir heiliger Ernst ist, uns selig zu machen. Auf deine Einladung hin, Herr Jesu, wollen wir zu deinem Tische kommen, denn wo anders soll uns geholfen werden, als bei dir, unserm einigen Heiland und Seligmacher? O so laß uns Alle erscheinen, wie du uns haben willst, bereite du selbst uns zu, wie wir dir wohlgefallen; bedecke uns ganz mit dem Kleide deiner Gerechtigkeit, gürte uns mit deiner Kraft, mache uns Eins mit dir und Eins in dir unter einander, und hilf uns durch deine Einwohnung seliglich überwinden, um deines bittern Leidens und Sterbens willen. Amen. 2. Herr Jesu, bereite du selbst uns vor, dein heiliges Abendmahl würdiglich zu genießen. Laß uns Gnade finden in deinen Augen, wenn wir auf deine freundliche Einladung herzunahen. Wären wir gleich heiliger als die Engel, so wären wir doch nicht würdig dieses Tisches, es sei denn, daß du uns würdig machest. Aber du kannſt und willst uns reinigen, du wollest uns selbst das Feierkleid deiner Gerechtigkeit geben und uns so machen, wie wir dir wohlgefallen. Du hast ja deinen Jüngern die Füße gewaschen, ehe du ihnen das gegenbildliche Passah Gebete um die rechte Vorbereitung. 159 zu genießen gabst. So reinige, heilige, rüste denn auch uns, stärke unsern Glauben, entzünde unsere Liebe, erwecke unsere Andacht, daß wir das Gottespfand deines Leibes und Blutes zu unserer Seele Heil und Leben empfangen. Laß uns sehen deine Freundlichkeit und deine Süßigkeit schmecken. Laß uns deine Liebe, die in dem Sacrament des Altars, wie die Sonne im Mittag, am hellsten scheint, lebendig erfahren und in dein Herz, das du da ,, weit aufgethan, gleich einer Rose, die in voller Blüthe stehet", tief hineinschauen. Erfülle an uns deine Verheißung: Wer mein Fleisch iffet und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Amen. 3. Herr Gott heiliger Geist, du Geist des Vaters und des Sohnes, mache du uns tüchtig, daß wir zu dem Heiligthume aller Heiligthümer, zu dem Sacramente des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi, würdig hinzunahen, damit nicht etwa das Zornfeuer des gerechten Gottes vom Altare des Herrn ausgehe, uns zu verzehren. Entdecke uns die tiefen, auch die verborgenen Schäden unserer Seele und gib uns ein Herz ohne Falsch, das ohne Rückhalt seine Sünden erkennt und bekennt, und gib uns Thränen der Buße oder doch jene göttliche 160 Gebete vor und bei der Communion. Traurigkeit, die nach Vergebung sich sehnet und Vergebung erlanget. Ja mache du uns recht mühselig und beladen, daß wir erquickt, recht krank in den eigenen Augen, daß wir geheilt werden, und wirke in uns ein brennendes Verlangen nach dem himmlischen Manna. Geselle uns Alle den Traurigen in Zion bei, denen Schmuck für Asche, und Freudenöl für Traurigkeit, und schöne Kleider für einen betrübten Geist gegeben werden. Führe du, als der Brautführer, uns dem Herrn Jesu zu als eine demüthige, ihrer Armuth, Niedrigkeit und Unwürdigkeit sich bewußte, aber auch mit Liebesinbrunst, mit Verleugnung aller unreinen Creaturliebe ihm entgegeneilende Braut, und laß unsere Vereinigung mit ihm unauflöslich sein auf ewig. Herr Gott, heiliger Geist, du bist es ja, der Buße und Glauben in uns wirket und alles Gute in uns schaffet; o so mache uns zu würdigen Gästen an des Herrn Tische, geleite du uns, und hilf du uns durch deine Kraft, den Schatz aller Schätze im Glauben zu empfangen und im Glauben treu zu bewahren, um deiner heiligen Liebe willen. Amen. 4. Gebet zum Gottes- Lamme. Wir haben auch ein Osterlamm, das bist du, o Jesu, für unsere Sünden geopfert, für uns am Stamme des Gebet zum Gottes- Lamme. 161 Kreuzes geschlachtet, du, das unschuldige und unbefleckte Lämmlein, welches für uns, die irrenden Schafe, zur Schlachtbank geführt ward, nun aber in königlicher Siegesherrlichkeit auf den himmlischen Zion erhöhet ist. Wir waren in dem Aegypten der Sünde und des Todes, und standen unter der Knechtschaft des Teufels, wie einst Israel unter der Dienstbarkeit Pharao's, da ist uns in dir eine ewige Erlösung gestiftet und ein seliger Ausgang bereitet worden; da hat uns in dir ein gnädiges Jahr des Herrn begonnen: der Winter ist vergangen, der Lenz ist herbeigekommen; das Alte ist vergangen und siehe, es ist Alles neu geworden. Denn du, der ewige Sohn Gottes, bist Mensch geworden und hast den Samen Abrahams an dich genommen und hast dich als ein Lamm von der Heerde Israels, heilig, unschuldig, unbefleckt und von den Sündern abgesondert, der göttlichen Gerechtigkeit dargestellt und hast als das gegenbildliche Passah für uns dein Blut vergossen, ohne daß eins deiner Gebeine zerbrochen werden durfte. Aber du hast dich nicht allein auf dem Altar des Kreuzes für uns dargegeben, sondern, wie das Passahlamm dem Volke Israel zur Mahlzeit verordnet war, so hast du uns deinen Leib und dein Blut zur Speise und zum Tranke verordnet, auf daß wir dieselben mit dem Munde im Glauben genössen. Denn nachdem du mit deinen Jüngern das Passah gegessen, da thatest du das Schattenwerk ab, weil das Wesen und 11 162 Gebete vor und bei der Communion. der Körper des Vorbildes in dir erschienen war, und an die Stelle des alttestamentlichen Osterlammes setztest du dein heiliges Abendmahl ein. Herr Jesu, du Vollender unseres Heiles, in dem alle Weissagungen und Vorbilder des Alten Bundes Ja und Amen sind, wie sollen wir dir diese große Wunderliebe danken! Wie sollen wir dich, der du geſtern und heute und derselbe in Ewigkeit biſt, würdig dafür preisen! Da haben wir den Leib, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt und durch den wir geheiligt und gestärkt werden, dem Aegypten dieſer Welt zu entgehen und das Land der Verheißung zu ererben; da haben wir das Blut, welches uns fühnt und schirmt, daß der Würgengel vor uns vorüberschreite und der Zorn des gerechten Richters uns nicht treffe. In der Nacht, da du verrathen wardst, da hast du dieses Gedächtniß deiner Wunder gestiftet, so wie Israel in der Nacht vor seinem Auszuge das Osterlamm essen mußte; dein heiliges Nachtmahl erleuchtet die Nacht unsrer irdischen Pilgrimschaft wie ein helles Liebesfeuer, daran wir immer von neuem unsere Lampen anzünden können, wenn unser Glaubensdocht zu verglimmen droht. Nun denn, o Jesu, laß uns mit heiliger Ehrfurcht hinzutreten zu dem geheimnißvollen Mahle, in welchem du dem Israel des neuen Bundes dich selber, das wahrhaftige Passah, zu genießen gibst. Wie das alte Israel essen mußte, die Lenden gegürtet, die Schuhe an ihren Füßen, den Reisestab in Gebet zum Gottes- Lammie. ihren Händen so laß uns dein heiliges Sacrament als solche genießen, die hier keine bleibende Stadt haben, sondern deren Reise nach dem Jerusalem geht, das droben ist, und die nirgend anders sich Hütten bauen wollen, als wo sie dich in deiner Herrlichkeit sehen; als solche, die nach einer stärkenden Reisekost sich sehnen, um aufs nene gerüstet und beflügelt ihre Wanderung durch das ThränenThal und Angst- Meer dieser Welt antreten zu können. Und wie Israel zu dem Osterlamm ungesäuert Brot essen und seine Wohnungen von allem Sauerteig reinigen mußte, so laß auch uns Ostern halten nicht im alten Sauerteig, nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit; denn du bist heilig und willst, daß auch die nach der Heiligung, ohne welche Niemand Gott sehen wird, ernstlich trachten, die dieser himmlischen Kost zu ihrem Heile und nicht zu ihrer Verdammniß theilhaftig werden wollen. Laß uns die Tage, wo wir dein heiliges Sacrament genossen, eine ewige Erinnerung sein an deine erlösende, dich ganz uns zu eigen gebende Liebe, einen ewigen Antrieb, dich wiederzulieben und uns ganz dir zum Opfer zu geben. Ja laß uns einst erscheinen unter den Schaaren der vollendeten Gerechten, die durch des Lammes Blut überwunden, die in des Lammes Blut ihre Kleider helle gemacht und nun Theil haben an der Hochzeit des Lammes. Laß uns kommen zu dem Jerusa11* 163 Gebete vor und bei der Communion. 164 lem, dem du, das Lamm, Leuchte und Tempel bist, und auch uns dereinst erfunden werden unter den viel Tausendmaltauſend, welche mit großer Stimme sprechen: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichthum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Amen, Halleluja! Amen. 5. Unser täglich Brot gib uns heute. Herr Jesu Christe, du allertreuester Freund und liebreichster Versorger der Deinen, du hast uns verstattet, ja selbst uns gelehrt und geboten, den himmlischen Vater, der dein Vater und in dir und durch dich auch unſer Vater ist, um das tägliche Brot zu bitten und um Alles, was zu unserer irdischen Wohlfahrt uns nöthig und nütze ist. Und was wir in deinem Namen bitten, das wird uns auch widerfahren, sofern wir nur glauben und am allerersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachten. Aber gerade auch hier macht sich der Unglaube, die Zweifelsucht, das Mißtrauen unserer Herzen geltend, daß wir oft, wenn wir Mangel im Irdischen leiden, bei uns gedenken, die Verheißungen Gottes feien ungewiß oder gegen uns wenigstens habe er sich in einen Grausamen verwandelt. Wir selbst wollen bestimmen, Unser täglich Brot gib uns heute. 165 was uns an irdischen Gütern gegeben werden soll, und wissen doch nicht, was uns frommt und ob, was wir wünschen, nicht etwa unser irdisches Glück gerade zerstören oder doch auf Kosten unseres ewigen Heils fördern würde. Was wir besitzen, das ist uns nicht genug; wir streben immer weiter und weiter und bedenken nicht, daß es die göttliche Weisheit und Barmherzigkeit ist, die uns das Gewünschte verweigert, damit wir nicht ewig verderben. Wir setzen unser Vertrauen mehr auf Menschen als auf den lebendigen Gott, darum scheitern so oft unsere Hoffnungen, und wir rennen und laufen vergeblich. Wir arbeiten, aber indem wir mehr von uns selber, als von deinem Segen die Frucht unserer Arbeit erwarten; wir vergessen über der Arbeit das Gebet und verlieren über der Unruhe und Zerstreuung der Arbeit den Frieden der Seele, die in dir ruhen, immer von neuem in dir sich sammeln soll. Wir vergessen über den irdischen Gütern die himmlischen; über dem irdischen Reichthum den unausforschlichen Reichthum deiner Gnade; über dem irdischen Vergnügen die Paradiesesströme der Wonne, mit denen du die Deinen tränkest, und über der irdischen Ehre die Herrlichkeit des unverwelklichen Erbes. Wir möchten so gern das Kreuz, das wir täglich dir nachtragen sollen von uns schütteln, und vergessen, wenn wir die Kinder dieser Welt im Besitze alles dessen sehen, was ihr Herz wünschet, daß den Deinen vor der Ehrenkrone die Ge 166 Gebete vor und bei der Communion. meinschaft deiner Dornenkrone beschieden ist. Herr Jesu, wir klagen dir diese Verzagtheit, diese Verkehrtheit und Tücke unseres Herzens, und bitten dich, mache doch alles Himmlische recht groß und alles Irdische recht klein in unseren Augen! Mache uns los von aller Creatur, und gib uns Kraft, alle Hoffnung auf Menschen und irdische Dinge aufzugeben und den Anker unserer Hoffnung in das Inwendige des Vorhanges hineinzuwerfen. Warum sollen wir uns einmal über das andere getäuscht und betrogen fühlen, indem wir uns auf einen Rohrstab stützen und dieser zerbricht oder wohl gar unsern Arm durchbohrt? Warum setzen wir nicht vielmehr all unser Vertrauen auf dich, den lebendigen Gott, der das Vertrauen der Seinen noch nie hat zu Schanden werden lassen? Wer dich hat, der hat ja Alles; wer dich besitzt, dem kann nichts mangeln, und der braucht nichts außer dir zu begehren, weil er in dir Leben und volle Genüge hat. Wer die Süßigkeit deiner Liebe geschmeckt hat, der kann an der Welt und ihrer Lust keinen Geschmack mehr finden. Wer von den reichen Gütern deines Hauses gesättigt ist, den wird nicht hungern nach den Gütern dieser Welt. O Jesu, so zerreiße doch alle die feinen und groben Bande, die uns noch mit der Welt verketten, und gib uns die Kraft der Verlängnung, ihr ganz zu entsagen und ganz abzuſterben. Laß uns zufrieden sein mit dem, was uns an Irdischem beschieden ist, mit dem Brote, das der himmlische Vater, 167 Unser täglich Brot gib uns heute. treu seiner Verheißung, täglich uns darreicht, aber dagegen schärfe unsern Hunger nach deiner Gerechtigkeit, den Durst nach dir, der Quelle lebendigen, ewigen Wassers, und gib, daß wir bei dem irdischen Brot stets an dich, das himmlische, denken; denn du nennest dich selbst das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist und der Welt das Leben gibt. Du hast ein Sacrament gestiftet, wo du unter irdischem Brot und Wein uns die himmlischen Güter deines Leibes und Blutes zu genießen gibst; da wo du dich finden läsfest, wollen wir dich suchen, da wollen wir unsern Mund weit aufthun, daß du ihn füllest, da wollen wir dich ergreifen und nicht lassen, den unsere Seele liebt, da wollen wir uns freuen und fröhlich sein in deinem Heil. O Jesu, du Brot des Lebens, laß uns dein würdiglich genießen; laß diese himmlische Speise mit ihrer lebendigmachenden Kraft unsere Seele durchdringen und alle unsere Blutstropfen heiligen, daß wir fortan dich allein lieben und alle Kräfte unserer Seele, alle Glieder unseres Leibes zu deinem Dienſte begeben, bis du einst unsern Leib der Sünde und des Todes, wenn er als ein Weizenkorn in die Erde gefäet und verweset ist, kraft deines Leibes und Blutes, das wir genossen, wieder lebendig machest und uns als reine Aehren, in das Bündlein der Lebendigen gebunden, in deine Scheuern sammlest. Amen. 168 Gebete vor und bei der Communion. 6. Um Abwendung unwürdigen Genusses. Herr, mein Gott, verhüte doch durch deine Gnade, daß ich nicht etwa unwürdig zu dem Tische deines Sohnes hinzunahe und was mir zum Heile verordnet ist mir selber zum Gerichte genieße. Denn wenn du in der Zeit des alten Bundes alle die, welche sich an der Bundeslade, an deinem Altar, an deinen Heiligthümern vergriffen und fie entweihten, mit dem Tode bestraftest: wie mag dein Zorn entbrennen, so Jemand am Leibe und Blute des Herrn sich verschuldet und dieselben nicht mit anbetender Ehrfurcht unterscheidet, sondern mit unbußfertigem, unreinem Herzen genießet! Denn hier ist mehr als die Heiligthümer, die nur ein Schatten waren der zukünftigen Güter, hier ist Gott, geoffenbaret im Fleisch, hier ist unter der Gestalt des Brotes und Weines der Leib und das Blut des Sohnes Gottes, des Herrn der Herrlichkeit, ein Geheimniß, in welches auch die Engel gelüstet zu schauen. O so nimm hinweg von mir alle fleischliche Sicherheit, und laß heilige Schauer staunender, tief im Staube anbetender Ehrfurcht mein Gemüth durchbeben. Und wie die Jünger den Leichnam Jesu in reine Linnen mit Specereien banden, also gib mir Gnade, mich zu reinigen, gleichwie Er rein ist, und schaffe in mir ein reines Herz, Um Weltentsagung. durchdrungen von den Myrrhen aufrichtiger Buße, un so meinen Herrn in mich aufzunehmen. Aber laß mich auch nicht zum Tische des Herrn gehen zitternd und erschrocken, wie das Volk Israel, als es zum Berge Sinai trat, denn mein Jesus ist ja nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern selig zu machen, und er ist ja ein freundlicher, holdseliger Heiland, der die Sünder annimmt und isset mit ihnen. Laß mich hingehen voll Freude über die große Gnade, die mir zugedacht ist, mit gesenkten Augen ob meiner Niedrigkeit, aber mit fröhlichem Herzen über die Leutseligkeit Gottes, meines Heilandes, der meine Niedrigkeit angesehen hat und so unaussprechlich hoch mich erheben will. Herr, mein Gott, lege du mir den Schmuck an, in dem ich meinem Herrn begegnen kann. Vor ihm decken die Seraphim, die in Liebe brennen, ihr Antlig. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth! Amen. 169 7. Um Weltentsagung. Herr Jesu Christe, daß ich mir selbst und der Welt doch ganz und auf immer abstürbe und dir allein lebte! Daß ich es doch recht treulich mit dir meinte und Alles aus meinem Herzen verbannte, was neben dir es einnehmen will, und Allem auf ewig Lebewohl sagte, was 170 Gebete vor und bei der Communion. mich aufhalten will, dir entgegenzueilen. Denn du meinst es ja doch mit mir am besten; mein Heil ist dein Verlangen, meine Seligkeit deine Freude. Du bist mein bester Freund, der treueste Liebhaber meiner Seele; denn die Freundschaft und Liebe der Menschen sucht ja meistens das Ihre, und alle wahre Freundschaft und Liebe ist nur ein Funke aus der Flamme der deinen. Die Welt vergehet mit ihrer Lust, und Alles, was in der Welt ist, das ist eitel und nichtig. Mein Jesu, so sei und bleibe du doch meine Lust, meine Wonne, mein Alles in Allem. Laß deine Liebe alle Liebe zur Welt in mir verzehren; laß deine Schönheit mein Herz und Auge fesseln, daß die vergängliche Schönheit irdischer Dinge mich hinfort nicht bezaubern könne; laß vor deiner Herrlichkeit mich anbetend zur Erde auf mein Angesicht fallen, wie Daniel und Johannes niederfielen, so daß alle Herrlichkeit der Erde auf immer ihren Reiz für mich verliere. Alles Fleisch ist wie Heu, und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Aber dein Fleisch, o Jesu, ist unverweslich und unvergänglich, denn es ist durchdrungen von deiner ewigen Gottheit, und in deinem Blute quillt ein unzerstörbares ewiges Leben, das du für unser Aller Sünde dahingegeben und zu unser Aller Gerechtigkeit wiedergenommen hast. O Jesu, ertödte in mir alle fleischlichen Begierden, vernichte in mir alles offenbare Gelüsten und heimliche Schmachten nach den sinnlichen Freuden dieser Morgens am Tage des Genusses des h. Abendmahls. 171 Welt, lösche das unreine Feuer der bösen Lust in meinem Innern mit deinem reinen, heiligen Blute, und pflanze in mich ein sehnliches Verlangen nach dem Fleische, durch welches alles Fleisch erlöset ist und geheiligt wird. O daß mein Fleisch und Blut, das durch und durch von der Sünde durchdrungen ist, durch dein Fleisch und Blut, o Jesu, das sündenreine, heilige, von deiner Gottheit durchdrungene, gereinigt und geheiligt würde! Welch eine unbegreifliche, anbetungswürdige Liebe, die so tief sich herabläßt! Wer bin ich, der fündige Knecht, daß du unter mein Dach gehen willst! Aber du willst o so komm, mein Heiland; anbetend zu deinen Füßen warte ich deiner, will dich halten, den meine Seele liebt, und auf ewig dich nicht lassen. Hosianna! Amen. 8. Morgens am Tage des Genusses des heiligen Abendmahls. Herr Gott, himmlischer Vater, durch deine Gnade erblicke ich das Licht dieses Tages, denn deine Augen standen auch in dieser Nacht über mir offen; du, der du Israels Hüter bist, schläfft noch schlummerst nicht, sondern breitetest, da ich in tiefen Schlaf versenkt war, über mich das Zelt deines Friedens und sahest mic) an in deinem 172 Gebete vor und bei der Communion. Sohne, dem geliebten. Du sahest, obwohl die Sünde in allerlei verkehrten Gedanken sich regte, auf das Glaubensfünklein im Grunde meiner Seele und ließest den glimmenden Docht nicht verlöschen und rafftest mich nicht dahin in deinem Zorn, sondern gedachtest, mich dieſen Ehren- und Freudentag erleben zu lassen, da mein Heiland und König Jesus Christus mich zu seinem Tische ladet und durch Mittheilung seines Leibes und Blutes sich auf ewig mit mir verloben und vereinigen will. Dasist der Tag, den der Herr gemacht; freuen will ich mich und fröhlich darinnen sein. Das ist der Tag, da ich weilen soll an der Stätte deines Hauses, an dem Orte, wo deine Ehre wohnet; wo ich schauen soll die schönen Gottesdienste des Herrn; wo ich wandeln soll um deinen Altar, da man höret die Stimme des Dankes und da man prediget alle deine Wunder; da meine Augen sehen sollen den König in seiner Schöne, da mir in die Ohren tönet die Stimme meines Freundes: Stehe auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her; da ich sitzen soll unter dem Schatten deß ich begehre, und genießen die Frucht vom Baume des Lebens. O des seligen, gebenedeieten Tages, da mein Geist aus dem Elend dieser Zeit in die selige Ewigkeit entrückt wird. Ich danke dir dafür, mein himmlischer Vater, du Vater meines Herrn Jesu Christi, und will dich in Ewigkeit dafür loben und preiſen. Morgens am Tage des Genusses. 173 Und weil Niemand zu dem Abendmahl deines lieben Sohnes hinzunahen kann, er sei denn angethan mit dem hochzeitlichen Gewande des Glaubens, welches du allein uns geben kannst und auch gern geben willst, o so wasche mich rein von Allem, was meinem Heiland zuwider ist; lege du mir selbst durch den heiligen Geist den Brautschmuck an, darin ich seinen Augen wohlgefalle, und gib mir ein Herz voll Hunger und Durst nach dem lebendigen Brot, das vom Himmel gekommen ist, ein Herz, arm und leer in sich selber, das nach dem unausforschlichen Reichthum Christi sehnlich verlanget, ein Herz, das in rechtschaffener Buße über seine Sünden trauert, aber auch über den Heiland, den du uns zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht hast, im lebendigen Glauben an dein Wort frohlocket. Ja, laß an mir in Erfüllung gehen das Wort meines Heilandes: Alles was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Auf dein Wort will ich mich aufmachen und entgegeneilen dem, den meine Seele liebt, und will ihn halten und ihn nicht lassen. Und wie du in ihm vor aller Zeit mich erwählt und geliebt hast, so will ich dich in ihm und durch ihn auf ewig lieben, loben und preisen, der du deinen einigen Sohn und in ihm uns Alles geschenkt hast. Amen, in Jesu Namen, Amen. 174 Gebete vor und bei der Communion. 9. Morgengebet eines Confirmirten am Tage der ersten Communion. Herr Gott, himmlischer Bater, ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du mich in dieser Nacht so gnädiglich vor allem Unfall behütet hast und daß du mich diesen hohen Ehrentag erleben läsfest, an welchem ich zum ersten Male zum Tische deines lieben Sohnes, meines Herrn und Heilandes, zugelassen werden soll. Blicke ich rückwärts in mein vergangenes Leben, so liegt hinter mir eine lange Reihe großer und unzähliger Gnadenerweiſe deiner unverdienten Liebe. Du hast mich in der heiligen Taufe, dem Bade der Wiedergeburt, zu deinem Kind und Eigenthum angenommen; du hast mich unter treuer Elternpflege Heranwachsen lassen und mich mit den Lämmern deiner Heerde auf grüner Aue geweidet und zu frischem Wasser geführet, so daß ich weder leiblichen, noch geiſtlichen Mangel hatte; du hast im Elternhause, in Schule und Kirche das neue Leben, welches die heilige Taufe in mir gewirkt hatte, durch dein Wort mir zum Bewußtſein gebracht und hast es mit der lautern Milch deines Evangeliums genährt; du hast mich unter die Zucht deines Geistes gestellt, der mich zu allem Guten antrieb und, wenn ich mich verfündigt hatte, mir nicht Ruhe ließ, bis Morgengebet eines Confirmirten am Tage der ersten Communion. 175 ich bei dir Vergebung gesucht und gefunden im Blute Jesu Christi; du hast die Arbeit deiner Gnade an mir nicht aufgegeben, obschon ich es durch meinen Ungehorsam und meine Untreue wohl verdient hätte, sondern hast mich mit Baterliebe geschirmet und geleitet, mit Lindigkeit ge= züchtigt und mir durch alle Tage meiner Jugend bewährt, was du mir in der heiligen Taufe verheißen. Nun habe auch ich dir, du getreuer Gott, das Gelübde meiner Treue vor versammelter Gemeinde erneuert, habe öffentlich und feierlich meinen Taufbund durch eignes Bekenntniß bekräftigt und bin nun aufgenommen in die volle Gemeinschaft der Kirche, die dich und deinen lieben Sohn Jeſum Christum bekennet. Dank, ewiger Dank sei dir, daß du mich bis hierher gebracht hast und daß du nun alle die vielen Liebeserweise, womit du den Weg meiner Jugend überschüttet, krönen willst mit dem Sacramente des wahren Leibes und Blutes meines Herrn Jesu Christi. O Gnade über alle Gnade, o Wonne, Wonne über Wonnen, daß mein lieber Herr Jesus, den dein Wort mir vor Augen gemalt und in's Herz geschrieben, nun zu mir kommen will mit den Gaben seiner Liebe, die sich für mich geopfert, und daß er das geistliche Leben, das die Taufe in mir gepflanzt hat, speisen will mit seinem eigenen Leibe und tränken mit seinem eigenen Blute! Schon von Mutterschooße an hast du mich ihm verbunden. Durch dein Wort, durch den Zug deiner Gnade, 176 Gebete vor und bei der Communion. durch die Zucht deines Geistes hast du mich an ihn gekettet. Ihm habe ich mich auf's neue gelobt. Und nun will er sich mit mir vereinigen; nun soll ich sehen und schmecken, wie freundlich er ist; nun will er mein wiedergebornes Leben durch sein eigen Leben stärken, daß es immer mehr zunehme und ihm zu Lobe und der Gemeinde zu Nutz viel geistliche Früchte bringe. O Herr Gott, himmlischer Vater, mache diesen Tag der Bundesbesiegelung mir zu einer nie versiegenden Quelle des Segens! Deine Kraft ist ja in dem Schwachen mächtig, der zut dir schreiet. O so stärke meinen Glauben, um meinen Heiland würdiglich zu empfangen, und entzünde in mir brünstige Liebe, um ihm, wenn auch bebend, doch freudig entgegenzueilen, und befestige meine Treue, daß ich seine Liebe dankbar erwidere, daß ich, mit seinem Leibe und Blute neu gestärkt, auffahre mit Flügeln wie Adler, daß ich laufe nach dem himmlischen Kleinod und nicht matt werde, daß ich wandele auf dem schmalen Wege und nicht müde werde, bis auf den Tag der seligen Vollendung und der Aufnahme in das Jerusalem das droben iſt. Abba, lieber Vater, der du mich bis hieher erbarmungsvoll regieret und geführet, erfülle die Bitten deines Kindes, so will ich verkündigen bis ins Alter deine Wunder. Amen, in Jesu Namen, Amen. Die heilige Handlung. 10. 177 Die heilige Handlung ( als zweiter Theil des sonntägigen Hauptgottesdienstes). 1. Offertorium ( nach dem ursprünglichen Sinne des Wortes: Gesang der Gemeinde, während dessen sie ihre Liebesgaben, dem Herrn ein Opfer, auf dem Altar niederlegt). Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Berwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und Er, der freudige Geist, erhalte mich. Wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde. 2. Das gemeine Gebet ( das Gebet, in welchem die das Liebesmahl feiernde Gemeinde Gotte die Bedürfnisse der ganzen Kirche und aller Menschen vorträgt). Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, du Herr Himmels und der Erden, wir bitten dich herzlich, du wollest deine heilige Kirche mit ihren Dienern, Wächtern und Hirten durch deinen heiligen Geist regieren, auf daß sie bei der rechtschaffenen Weide deines allmächtigen, ewigen Wortes erhalten, der Glaube an dich dadurch gestärket werde und die Liebe gegen alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Antw. Erhöre uns, lieber Herre Gott. 12 178 Gebete vor und bei der Communion. Wollest auch der weltlichen Obrigkeit langes Leben, beständige Gesundheit sammt aller zeitlichen und ewigen Wohlfahrt, allen ihren Räthen und Amtlenten aber Gnade und Einigkeit verleihen, das Land nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen zu regieren, auf daß die Gerechtigkeit gefördert, die Bosheit verhindert und gestraft werde, damit wir in stiller Ruhe und gutem Frieden, wie Christen gebührt, unser Leben vollstrecken mögen. Antw. Erhöre uns, lieber Herre Gott. Gib auch, daß unsere Feinde und Widersacher ablassen und sich mit uns friedlich und sanftmüthig zu leben begeben wollen. Antw. Erhöre uns, lieber Herre Gott. Alle, die in Trübsal, Armuth, Krankheit, Kindesbanden, Todesnöthen und anderen Anfechtungen sind, auch die, so um deines heiligen Namens und der Wahrheit willen angefochten, gefangen sind oder sonst Verfolgung leiden, tröste sie, Gott, mit deinem heiligen Geiste, daß sie solches Alles als deinen väterlichen Willen aufnehmen und erkennen. Antw. Erhöre uns, lieber Herre Gott. Und ob wir zwar mit unsern Sünden deinen gerechten Zorn und allerlei Strafen wohl verdienet haben, so bitten wir doch, o treuer, barmherziger Vater, von Grund unserer Herzen, daß du nicht gedenken wollest der Sünden unsrer Jugend, noch aller unfrer Uebertretung, sondern vielmehr eingedenk bleiben deiner grundlosen Die heilige Handlung. 179 Güte, Gnade und Barmherzigkeit und uns mit allerlei schweren Plägen Leibes und der Seele verschonen. Behüte uns gnädig vor fremder, verderblicher Lehre, vor Krieg und Blutvergießen, vor Bestilenz und theurer Zeit, vor Feuer und Wassersnoth, vor Hagel und Ungewitter, vor allem Herzeleid und sonderlich vor unleidlicher, hoher Anfechtung der Seele und einem bösen, schnellen Tod. Hilf allenthalben aus aller Noth und sei ein Heiland aller Menschen, sonderlich deiner Gläubigen. Antw. Behüte uns, lieber Herre Gott; erhöre uns, lieber Herre Gott. Wollest uns auch alle Früchte der Erde, zur leiblichen Nothdurft gehörig, mit fruchtbarem Wachsthum gerathen und gedeihen lassen; auch christliche Kinderzucht, alle ehrliche Nahrung und Hantierung zu Wasser und zu Lande, alle edlen Künste und Wissenschaften mit deinem göttlichen Segen krönen. Antw. Erhöre uns, lieber Herre Gott. Endlich um Alles, darum du, ewiger Gott, gebeten sein willst, bitten wir mit der ganzen heil. Kirche auf Erden und mit allen deinen Auserwählten im Himmel. Vernimm, du Herr Himmels und der Erden, das einmüthige Gebet aller der Deinigen hier und dort. Laß bald erfüllt werden die Zahl deiner Auserwählten und das Maß ihrer Plagen. Laß bald zu Ende gehen die Tage, da wir mit allen in Christo Entschlafenen auf die selige Freiheit der Kinder Gottes und unsers Leibes Erlösung sehnlich warten, und vereinige an jenem großen 12* 180 Gebete vor und bei der Communion. Tage alle deine Kinder von der Welt her vor deinem Angesicht. Antw. Erhöre uns, lieber Herre Gott. Solches Alles wollest du uns gnädiglich verleihen durch das bittere Leiden und Sterben Christi JEsu, deines einigen Sohnes, unsers geliebten Herrn und Heilandes, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und herrschet, gleicher Gott, hochgelobet in Ewigkeit! Antw. Amen. 3. Die gemeine( außerfestliche) Präfation oder Danksagung. Der HErr sei mit euch! Antw. Und mit deinem Geiste! Die Herzen in die Höhe! Antw. Erheben wir zum HErrn. Lasset uns danksagen dem Herrn, unserem Gotte! Antw. Das ist würdig und recht. Wahrhaft würdig und recht, billig und heilsam ist es, daß wir dir, heiliger HErr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, allezeit und allenthalben danksagen durch Chriſtum, unsern HErrn, durch welchen deine Majestät loben die Engel, anbeten die Herrschaften, fürchten die Mächte, die Himmel und aller Himmel Kräfte sammt den seligen Seraphim mit einhelligem Jubel preisen. Mit ihnen laß auch unsre Stimmen uns vereinen und anbetend zu dir sprechen: Heilig zc. 4. Das Sanctus Die heilige Handlung. oder seraphische Dreimalheilig mit dem Hosianna. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der HErre Zebaoth; Voll sind Himmel und Erdreich deiner Ehren! Hosianna in der Höhe! Gebenedeit sei Mariens Sohn, der das Passahlamm, das f 181 im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe! da kommt 5. Die Testamentsworte. ( Nachdem die Gemeinde sich in Anbetung des Gottes der Heerschaaren, dessen Herrlichkeit das Haus erfüllen will, versenkt und frohlockend den Herrn begrüßt hat, der sich in seiner heiligen Menschheit ihr zu eigen geben will, fällt sie auf die Kniee und der Pfarrer vollzieht die Consecration, indem er vorerst über Brot und Wein die Worte des Testamentes spricht:) Unser Herr JEsus, in der Nacht, da Er verrathen ward, nahm er das Brot, danket' und brachs und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib( †), der für euch gegeben wird. Das thut zu meinem Gedächtniß. Desselben gleichen nahm Er auch den Kelch nach dem Abendmahl und danket' und gab ihnen den und sprach: Trinket Alle daraus, 182 Gebete vor und bei der Communion. das ist mein Blut( †) des Neuen Teſtaments, das für euch und für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihrs trinkt, zu meinem Gedächtniß. 6. Das Agnus oder der Gebetsruf zu dem Lamme Gottes. ( Gefang der Gemeinde nach den Testamentsworten.) Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden! 7. Gebet der Vorbereitung auf den Genuß( oratio fractionis). Gelobet feist du, Herr Jesu Christe, ewiger und allmächtiger Sohn Gottes, daß du mit dem einmaligen und vollkommenen Opfer deines Leibes und Blutes in Ewigkeit vollendet hast, die geheiliget werden, und haft deß zum Gedächtniß und Siegel dein heiliges Abendmahl verordnet, in welchem du uns dein Fleisch zu essen und dein Blut zu trinken gibst, auf daß wir, in dir seiend gleichwie du in uns, das ewige Leben haben und auferweckt werden am jüngsten Tage. Gnädiger, erhöheter Heiland wir sind viel zu gering der Barmherzigkeit und 183 Die heilige Handlung. Trene, die du uns beweisest, und sind unsrer Sünden halber viel zu unrein und schwach, deine heilsame Gabe würdiglich zu empfahen. Heilige darum du selbst uns an Leib und Seele durch deinen heiligen Geist, und mache uns also bereit und geschmückt, deinem Tische zu nahen, dir zur Ehre und uns zum Segen. Und was uns in solcher Schwachheit mangelt an rechter Buße und Reue über die Sünde, an festem Glauben und Vertrauen auf dein Verdienst, an ernstlichem Vorsatz, unser Leben zu bessern, das erstatte und erfülle du gnädiglich mit dem Reichthum des Verdienstes deines bitteren Leidens und Sterbens, auf daß also wir, die wir jetzt noch in der Welt auf dem Wege unserer Pilgerschaft dich, unseren einigen Trost und Seligmacher, im heiligen Sacramente begehren zu genießen, dereinst auch dort in dem rechten Vaterland dich von Angesicht zu Angesicht schauen und sammt allen Gläubigen mit dir leben mögen in Ewigkeit. Sei du unser Fürsprecher und Vertreter, wenn wir in einhelligem Glauben mit der ganzen Christenheit auf Erden in deinem Namen und mit deinen Worten also beten: Vater unser... 8. Schluß der Consecration: das Gebet des Herrn. Vater unser, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Zu komm dein Reich. Dein Will geschehe, als im Himmel auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heut. Und vergib uns unsre Schulden, 184 als wir vergeben unsern Schuldigern. Und führ uns nicht in Versuchung. Sondern erlös uns vom Uebel. Antw. Amen. Gebete vor und bei der Communion. 9. Pax Domini oder Begrüßung der Abendmahlsgäſte. Der Friede des HErrn sei mit euch Allen! Antw. Amen. 10. Die Distribution oder Ausspendung. ( Während der Ausspendung singt die Gemeinde Luthers deutsches Sanctus: Jesaia dem Propheten das geschah zc., Jesus Christus, unser Heiland 2c., Gott sei gelobet und gebenedeiet zc. oder Pf. 111: Ich danke dem Herrn 2c.) Nehmet hin und effet, das ist der wahre Leib unsers Herrn JEsu Christi, der für euch in den Tod gegeben ist: der stärke und erhalte euch im wahren Glauben zum ewigen Leben! Nehmet hin und trinket, das ist das wahre Blut unsers Herrn Jesu Christi, das für euch vergossen ist zur Vergebung der Sünden: das stärke und erhalte euch im wahren Glauben zum ewigen Leben! 11. Das Nune dimittis oder der Lobgesang Simeons. Luc. 2. ( Nach vollzogener Ausspendung singt die durch diese höchste aller Gnaden beseligte Gemeinde knieend:) Herr, nun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren, als du gefaget haſt. Die heilige Handlung. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, Welchen du bereitet haft vor allen Völkern, Ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, 185 Als es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 12. Die Danksagungs- Collecte. Der HErr sei mit euch! Antw. Und mit deinem Geiste! Lasset uns beten: Wir danken dir, allmächtiger Gott, daß du uns durch diese heilsame Gabe haft erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lasseft zu starkem Glauben gegen dich und zu brünstiger Liebe unter uns Allen, durch JEsum Christum, unsern Herrn. Antw. Amen. Oder: O Herr, allmächtiger Gott, der du uns hast lassen deines Sacraments theilhaftig werden, wir danken dir und bitten dich, daß du uns auch mit dir und deinen auserwählten Heiligen und den Seligen droben an deiner ewigen Ehre und Herrlichkeit lassest Theil haben durch 186 Gebete vor und bei der Communion. unsern Herrn JEsum Christum, welcher lebet und regieret mit dir und dem heiligen Geiste in Einer Gottheit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Antw. Amen. 13. Das Benedicamus. Der Herr sei mit euch! Antw. Und mit deinem Geiste! Lasset uns benedeien den HErrn! Antw. Gott sei ewiglich Dank! 14. Der Segen. 4 Mos. 6. Der HErr segne dich und behüte dich! Der HErr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der HErr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir( †) Frieden! Antw. Amen. 11. Gebetsgedanken während der heiligen Handlung. ( Nr. 3-7 entlehnt.) 1. Bei Beginn der Ausspendung. Ja, der Friede des Herrn sei mit mir und euch Allen, die ihr vom Hause des Herrn seid. Kommt herzu, 187 Gebetsgedanken während der heiligen Handlung. laßt uns dem HErrn frohlocken, und jauchzen dem Horte unseres Heils. Laßt uns mit Danken vor sein Angesicht kommen, und mit Psalmen ihm jauchzen. Gelobt sei Er, der aufgefahren ist über alle Himmel und doch also nahe sich thut zu seinem hienieden pilgernden Volke. Gelobt und gebenedeiet seist du, o Jesu, der du nicht verschmäheſt, mit uns das Brot zu brechen; der du uns bewirthest von deinem Altar; der du uns Himmelsbrot reichst und Lebenstrank einschenkst, o du milder, lentseliger König, du guter, treuer Hirte deiner Gemeinde! Amen. 2. Vor dem Hinzutritt. So will ich mich aufmachen und zu meinem Heiland gehen. Herr Jesu, ich komme auf deinen Ruf, der du die Mühseligen und Beladenen rufest; ich komme auf deine Verheißung, der du nicht hinausstoßen willst, die zu dir kommen; ich komme in dem weißen Kleide deiner Gerechtigkeit, das du mir auf meine Beichte geschenket. O so küsse mich mit dem Kusse deines Mundes, daß meine Seele genese, und vereinige dich mit mir, daß ich in deiner Kraft fortan Sünde, Tod und Teufel überwinde. Herr, ich komme; die Liebe sei dein Panier über mir! 3. Beim Empfang des heiligen Leibes. Sei mir willkommen, du süßer Herr Jesu Christe, mit der edlen Speise deines allerheiligsten Leibes, den du mir im Brot zu essen gibst, wie du ihn für mich in 188 Gebete vor und bei der Communion. den Tod gegeben hast; das lasse mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. 4. Beim Umgang um den Altar. Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr thut dir Gutes. So wahr, als ich jetzt das gesegnete Brot mit dem Munde gegessen, so wahr habe ich auch in, mit und unter demselben den Leib meines Jeſu empfangen, der für mich in den Tod gegeben ist. Und so wahr wird er mir auch bei dem gesegneten Kelche sein theures Blut mittheilen, das für meine Sünde vergossen ist. Der Name des Herrn sei gelobet und gebenedeiet. 5. Beim Empfang des heiligen Blutes. Sei mir willkommen, du süßer Herr Jesu Christe, mit dem edlen Tranke deines rosenfarbnen Blutes, das du mir jetzt im Wein zu trinken gibst, wie du es für mich am Kreuze vergossen hast, zur Vergebung der Sünden; das lasse mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. 6. Im Hinweggehen. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen; Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücken bricht, Sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiemit 311 deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. Gebetsgedanken während der heiligen Handlung. 189 7. Wenn man wieder an seinen Platz getreten ist. O Jesu Christe, dein Leib, den du für uns in den Tod gegeben hast, und dein Blut, das du für uns und für Viele vergossen hast, wolle uns nicht gereichen zur Verdammniß, noch zum Gericht, sondern nach deiner Güte zu einem Schirme der Seele und des Leibes und zu einer Arznei des ewigen Lebens. 8. Bei währender Ausspendung. Wie theuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses und du tränkest sie mit Wonne als mit einem Strom. Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden, und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen. Ja, euer Herze soll ewiglich leben! Gott gesegne euch dieses Manna und diesen Wein vom wahrhaftigen Weinstock. Er bewahre uns Alle vor unwürdigem Genusse. Er vereinige uns Alle in seinem Eingebornen mit Sich und untereinander, daß wir uns Alle wiederfinden, wenn er Abendmahl mit uns hält im Reiche Gottes. 9. Fürbitte eines im Geiste Mitfeiernden. Ognadenreicher Gott, erschließe diesen Allen, welche heute des Herrn Mahl feiern, den Reichthum deiner Gnade. Laß keinen mit ungerührtem, unzubereitetem Herzen 190 Gebete vor und bei der Communion. herzutreten. Laß einen Jeglichen in den himmlischen Gaben empfangen was seiner Seele Bedürfniß ist. Kette sie alle an den der sich ihnen dargibt und verkette uns alle in Ihm, und erneuere deine Kirche aus den Brunnquellen deines Heils. O Herr Jesu, laß keinen derer, die hier dir nahen, dir verloren gehen. Laß uns einst alle zusammentreffen vor deinem Angesicht und mit dir Abendmahl halten in deines Vaters Reich. Wir segnen euch die ihr vom Hause des HErrn seid! Der HErr segne euch alle mit geistlichem Segen in himmlischen Gütern! Gelobt seist du, o Jesu, unser Opfer und Hoherprieſter, der du dich selbst in Brot und Wein uns entgegenbringst! Nimm uns hin dir zum Opfer und mache uns zu einem heiligen priesterlichen Volke, gesegnet von dir und der Welt zum Segen! Deine Kirche wartet nicht auf Menschen, sondern auf dich allein- erquicke dein Erbe, das dürre ist, mit einem gnädigen Regen! 12. Gebet eines Kranken vor der Hauscommunion. HErr Gott, himmlischer Vater, es ist deine Vaterhand, die mich auf das Krankenlager geworfen: du züchtigst mich aus Liebe, um mich zu läutern, und prüfeſt mich aus Liebe, um mich zu bewähren, und verleidest mir Gebet eines Kranken vor der Hauscommunion. 191 dieses gegenwärtige Leben, um mein Verlangen nach dem himmlischen zu lenken. Du thust mir zeitlich wehe, um mir ewig wohl zu thun; deine Absicht ist eitel Wohlmeinen, deine Gedanken sind Gedanken des Friedens. O so stärke meinen Glauben, durch diese finstre Wolke in dein Vaterherz hindurchzublicken, und gib mir treue Liebe, die auch im finsteren Thale an dir festhält und nicht irre wird, und laß meine Hoffnung, die zu dir stehet, nicht ermatten und zu Schanden werden. Dazu segne mir den Genuß deines allerheiligsten Sacraments. Binde dadurch mein armes, schwaches Leben mit dem wundermächtigen Leben deines lieben Sohnes Jesu Christi zusammen, daß ich in Ihm bleibe und Er in mir und daß ich, welchen Ausgang es auch mit mir nehme, nur nicht ewig verloren gehe. Mache mich gerecht in Ihm, daß ich um meiner vielen und großen Sünden willen nicht verzage, und stark in Ihm, daß ich in dem Kampfe, den du mir verordnet, nicht erliege, und unsterblich in Ihm, daß ich mit Ihm, dem Auferstandenen und Erhöheten, durch Noth und Tod zum Leben hindurchdringe. Sein Leib und Blut mögen mir besiegeln die Vergebung meiner Sünden, mich wappnen gegen alle Todesfurcht und meinen Leib und meine Seele weihen zum ewigen Leben. Mache du selbst mich geschickt, Leib und Blut des Gotteslammes, das auch meine Sünden getragen und getilgt hat, mit rechtem Glaubensverlangen würdiglich zu empfahen. Mache Gebete vor und bei der Communion. 192 die Thore meines Herzens weit, daß der König der Ehren einziehe. Nimm alles Trauern und Zagen von mir, daß ich ihm entgegen frohlocke und alle meine Gebeine sagen: Herr, wer ist wie du, der du in der Höhe und im Heiligthum wohnest und bei Denen, so zerschlagenen und demüthigen Geistes sind, auf daß du erquickest den Geist der Gedemüthigten und das Herz der Zerschlagenen! Ja, gelobt seist du, o Jesu, der du noch heute, wie in den Tagen deines Fleisches, die Kranken heilest und mit den Sündern isfest und die Todten lebendig machst. Gebenedeiet und gegrüßet seist du mir, du barmherziger Hoherpriester, der versucht ist allenthalben gleichwie wir, und Mitleiden haben kann mit unsrer Schwachheit; du Gottes- Lamm, das unsre Krankheit auf sich genommen und unsre Schmerzen getragen; du Erquicker der Mühseligen und Beladenen, der du selber durch den Tod zum Leben hindurchgedrungen, daß du über Todte und Lebendige Herr seist. Komm zu mir, nimm mich zu dir, lasse Nichts mich aus deiner Hand reißen, um deiner ewig treuen Liebe willen. Amen. Psalm 111. 13. 193 Psalm 111. Halleluja. Ich danke dem HErrn von ganzem Herzen Im Rath der Frommen und in der Gemeine. Groß sind die Werke des HErrn; Wer ihr achtet, der hat eitel Lust dran. Was er ordnet, das ist löblich und herrlich, Und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich. Er hat ein Gedächtniß gestiftet seiner Wunder, Der gnädige und barmherzige HErr. Er gibt Speise denen, so ihn fürchten; Er gedenket ewiglich an seinen Bund. Er lässet verkündigen seine gewaltigen Thaten seinem Volk, Daß er ihnen gebe das Erbe der Heiden. Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht, Alle seine Gebote sind rechtschaffen. Sie werden erhalten immer und ewiglich, Und geschehen treulich und redlich. 13 194 Psalm 111. Er sendet eine Erlösung seinem Volk; Er verheißet, daß sein Bund ewiglich bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name. Die Furcht des HErrn ist der Weisheit Anfang. Das ist eine feine Klugheit; wer darnach thut, Deß Lob bleibet ewiglich. V. Gebete nach der Communion. 13* aisummo3 396 han stads Das Loos ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbtheil worden. pr. 16, 6. So kannst du frohlockend ausrufen, o Christ, der du vom Tische des Herrn kommst. Der Herr selbst, der aller Welt Schöpfer, alles Lebens Urquell, aller Güter erstes und höchstes ist, hat sich dir, indem du des Leibes und Blutes Christi theilhaftig geworden bist, zu eigen gegeben. Denn wo Christus ist nach seiner Menschheit, da ist er auch nach seiner Gottheit, und wo der Sohn ist, da ist auch der Vater und der heilige Geist. So bist du also mit dem dreieinigen Gotte in die innigste, wesentlichste Gemeinschaft getreten; du kannſt ihn nun deinen Gott nennen, er ist dein Erbtheil, dein Besitzthum geworden und will es bleiben auf ewig. Mögen Anderen die Güter dieser Welt in Menge zufallen, mögen sie von einer Ehrenstufe zur andern emporsteigen, mag ihnen, wohin sie sich wenden, Freude auf Freude begegnen- du kannst, wenn du auch noch so arm, noch so verachtet, noch so abgeschnitten von jedem Quell irdischer Freude bist, zuversichtlich jauchzen und sagen: Der Herr ist mein Reichthum, der Herr ist meine Ehre, der Herr ist meine Freude, in Ihm und mit Ihm habe ich einen unendlichen Schatz von Herrlichkeit und Wonne, zu dessen Entfaltung diese Zeit nicht hinreicht, dessen ich in die ewigen Ewigkeiten genießen werde. O Seele, wie hoch biſt 198 Vorbetrachtung. du begnadet, wie so gar groß ist dein inwendiger Schmuck, wie unaussprechlich süß was du erfährst und einst noch vollkommener erfahren sollst! Ist der Herr nicht ein Meer von Seligkeit, unendlich von Umfang, unerschöpflich an Fülle? Nur Tropfen sinds, die du hier kostest, aber der Vorschmack ist dir die Bürgschaft des Vollgenusses, denn der Herr ist dein und in ihm alle Seligkeit, die dort auf Engel und Auserwählte von ihm ausströmt, alle Güter seines Hauses, welche sie sättigen, alle Herrlichkeit, die sie umleuchtet. In dem Leibe und Blute deines Heilandes ist Alles dein, es ist dir Alles im Glauben bis auf den Tag der herrlichen Offenbarung bei gelegt, denn weil Christus die menschliche Natur mit ſeiner göttlichen vereinigt hat, bist du durch unauflösliche Bande der Gemeinschaft der Gottheit selber einverleibt. Und du willst noch traurig sein? O es wäre kein Wunder, wenn du vielmehr vor Freuden stürbest. Du willst scheel sehen, wenn Andere irdisches Glück genießen, das dir versagt ist? O bedenke doch, daß es eine Schande ist, wenn derjenige Andere um irdische Güter beneidet, welchen die Engel selbst um die ihm beigelegten himmlischen beneiden könnten, wenn sie, die von keinem Neide wissen, nicht vielmehr den Aufgang aus der Höhe, der dich besucht hat, lobten und priesen. Du willst traurig ſein, daß Menschen dich zurücksetzen und verachten? O Seele, bedenke doch, wie der Herr, der König aller Könige, dich bevorzugt hat, daß er dich arme Magd in güldene Stücke gekleidet und zur Hochzeit des Lammes geladen hat. Also bitte vielmehr, daß der Herr dir bleibe was er heute dir geworden ist, daß er dein Erbe bleibe, und verlange nichts weiter, denn weil du den Herrn hast, so hast du Alles. Nach der Rückkehr aus der Kirche. 199 Danksagung, Bitte und Fürbitte nach der Rückkehr aus der Kirche. 1. Liebreichster Heiland, dir sei Dank für den Leib, den du für das Leben der Welt, auch für mich dahingegeben, und den du in deinem allerheiligsten Sacramente uns zur Speise verordnet hast. Durch den Leib deines Fleisches bin ich versöhnet, durch das einmalige Opfer dieses Leibes bin ich geheiliget und vollendet, durch die Wunden dieses Leibes bin ich heil worden. O so laß mich die lebendigmachende Kraft dieses Leibes erfahren wider den Tod zur Auferstehung des Lebens, seine heilende Kraft wider alle Krankheit und alles Siechthum meiner Seele, seine heiligende und vollendende Kraft wider alle Macht der Sünde und des Teufels. Laß meinen Leib und meine Seele durch die Kraft deines Leibes, der die Verwesung nie gesehen hat, behalten werden zum ewigen Leben. Amen. Liebreichster Heiland, dir sei Dank für das Blut, das du zur Vergebung unserer Sünden, auch meiner Sünden, vergossen, und das du in deinem allerheiligsten Sacramente uns zum Tranke verordnet hast. Das ist das Blut der ewigen Erlösung, das Blut des Bundes, das Blut der Besprengung, das da besser redet, als Abels 200 Gebete nach der Communion. Blut. O so laß sich die versöhnende Kraft dieses Blutes an mir erweisen wider die Anklage meines Gewissens, seine reinigende Kraft wider alle Befleckung des Fleisches und des Geistes, seine bewahrende und stärkende Kraft wider alle Anfechtung und Schwachheit, seine labende und erquickende Kraft wider alle Beängstigung in Noth und Tod. Laß mich einst der vollen Seligkeit theilhaftig werden, die du durch dieses dein theures Blut mir erworben hast, und deren du mich durch die denkbar höchsten Unterpfänder versicherst. Amen. 2. Herr Jesu Christe, wir bitten dich durch deine unaussprechliche Barmherzigkeit, daß dein heiliges Mahl, dessen du uns gewürdigt, uns sein und bleiben möge ein Siegel der Vergebung unserer Sünden, eine Arznei und Labetrunk unserer kranken Seelen, ein Pfand unseres himmlischen Erbes, ein Zehrpfennig auf der Reise nach dem ewigen Leben, eine feste Burg wider unseres Fleisches, der Welt und aller Feinde Anfechtung. Laß es uns geleiten, wenn wir auf rechtem Wege wandeln; uns zurechtbringen, wenn wir irre gehen; uns halten, wenn wir straucheln; uns aufhelfen, wenn wir fallen; uns trösten, wenn wir wiederkehren; uns stärken und kräftigen, wenn wir stehen. Ja, Herr Jesu, laß die beseligende Süßigkeit 201 Nach der Rückkehr aus der Kirche. seines Geschmackes, die überschwengliche Größe seiner Kraft, die unendliche Wirkung der darin verborgenen Gnadenfülle uns nicht verloren gehen. Es wäre ja schrecklich, wenn wir deine Gnade vergeblich empfangen hätten, wenn du vergeblich heute sagen müßtest: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret und habe dir am Tage des Heils geholfen. Denn fürwahr, heute ist die angenehme Zeit, heute ist der Tag des Heils. Herr, du weißest was im Menschen ist, du kennst die Bedürfnisse eines Jeglichen unter uns. Es sind Matte unter uns, denen Erfrischung noth thut, Angefochtene, die wider die feurigen Pfeile des Teufels deines Schildes bedürfen; Glaubensschwache, die ihre Gebrechlichkeit einsehen und Gefahr laufen, an deiner Gnade zu verzagen; Leidende und Schwergeprüfte, denen um Trost bange ist und die nach Erquickung vom Angesichte des Herrn sich sehnen; Aengstliche, welche Ermuthigung, Betrübte, welche der Aufrichtung zur geistlichen Freude bedürfen; Gnadenhungrige, die nach stärkerem Glauben, gründlicherer Selbsterkenntniß, brünstigerer Liebe zu dir, nach einem rechtschaffenen Wesen in dir verlangen; ja wohl auch Träge, welche angespornt, Sichere, welche aufgerüttelt, Verirrte, welche zurechtgebracht werden müsſen. Herr Jesu, alle diese himmlichen Gaben, deren ein Jeder benöthigt ist, liegen in deinem heiligen Sacrament, wie Edelsteine und Perlen in einem köstlichen Schrein, eingeschlossen; gib denn einem Jeglichen, was er insonder Gebete nach der Communion. heit bedarf, drücke es tief und unentreißbar ihm in die Seele und laß uns Alle von heute an Gesegnete des Herrn sein und bleiben. Laß dein heiliges Sacrament sich an uns bewähren als ein Brunnen lebendigen Wassers, das ins ewige Leben springet; als ein Fener, das auch viele Wasser nicht mögen auslöschen, noch die Ströme ersäufen; als das Brot des Lebens, von dem wir selbſt uns geistlich nähren und auch wieder Andere speisen können; als ein unzerreißbares Band, das uns mit dir und unter einander verknüpfet. Wehre dem Teufel, der deine Gnade uns durch tausend Ränke entreißen will; steure der Trägheit des Fleisches, das so bald wieder in den vorigen Sündenschlaf zurücksinkt, und führe uns Alle kraft dieses geheimnißvollen Mahles zu der himmlischen Seligkeit, wo du nicht mehr verborgener, sondern offenbarer Weise deiner Auserwählten Licht und Freude und Leben bist; wo nun erscheinen wird, was wir sein werden; wo wir ein ewiges Ostermahl mit dir halten werden; wo du, das Lamm mitten im Stuhl, uns weiden und zu lebendigen Wasserbrunnen führen wirst da, ja da wollen wir dich, Herr Jesu, ewig loben und preisen. Amen. 202 3. Herr Jesu Christe, der du dich jetzt wiederum so überaus gnädig gegen uns bewiesen hast, der du uns 203 Nach der Rückkehr aus der Kirche. nicht etwa mit den Brosamen deines Tisches, sondern mit der köstlichsten Speise, die im Himmel und auf Erden gedacht werden kann, bewirthet hast, wie schrecklich wäre es, wenn deine Gnade an uns vergeblich wäre, wenn wir durch den Reichthum deiner Güte uns nicht zu einem rechten Ernst im Christenthume leiten ließen, wenn wir, nachdem wir geschmeckt haben die himmlische Gabe und die Kräfte der zukünftigen Welt, wieder in das vorige Wesen verfielen. O Herr Jesu, bewahre uns davor, und gib uns dankbare und wachsame Herzen, die dich ob der empfangenen Gnade preisen und sie gegen die Anläufe des Teufels und die Lockungen des Fleisches treu bewahren. Gib uns die Gebetsbeständigkeit, die Glantbensfestigkeit, die Demuth des kananäischen Weibes, die dir nachschrie, die dich nicht losließ, die dein erbarmendes Herz endlich besiegte. Laß ein neues Leben in uns entstehen, und Ströme lebendigen Wassers von uns fließen. Thue hinaus Alles, was dir nicht gefällt, und wie du Wohnung gemacht hast in einem Jeglichen von uns, so wohne auch unter uns Allen; halte im Bau, was deine Rechte gepflanzt hat, und laß uns bleiben an dir, dem lebendigen Weinstock, grünende Reben und viel Früchte bringen, dir zum Preise. Herr Jesu, bleibe in uns, bleibe unter uns, bekenne dich zu uns, um deiner erbarmenden Liebe willen. Amen. 204 Gebete nach der Communion. 4. Gebet der Aufopferung sein selbſt. O du Lamm Gottes und himmlischer Hoherpriester Jesu Christe, ich danke dir, daß du dein Blut für mich verdammnißwürdigen Sünder vergossen, und daß du dich selbst für mich geopfert auf dem Altar des Kreuzes, und daß du mir dieses Blut, das mich gesühnt hat, und deinen Leib, durch den ich Gotte wieder angenehm gemacht worden bin, zur Speise und zum Trank verordnet hast. Ich war ein Kind des Zorns, du hast mich versöhnt; ich war in der Gewalt des Teufels, du hast mich frei gemacht; ich war todt in Sünden, du hast mich lebendig gemacht; ich bin ein sündiges Adamskind, du aber hast mir in deinem Leibe und Blute die Anfänge und Triebe einer neuen, heiligen Natur mitgetheilt. Was ich zu Gottes Wohlgefallen bin und habe, das bin und habe ich Alles durch dich und in dir; darum schulde ich mich dir und bringe mich nun auch dir zum Opfer mit Allem, was ich bin und besitze. Dir opfere ich meinen Leib, indem ich ihn kreuzige sammt den Lüsten und Begierden und seine Glieder begebe zu Waffen der Gerechtigkeit. Dir opfere ich meine Seele, indem ich mich selbst verleugne und alle Kräfte meines Lebens empor zu dir richte. Dir opfere ich meinen Geist, indem ich Alles, was sich in mir wider 205 Gebet der Aufopferung seiner selbst. dich erhebt, zu Boden trete und nicht nach dem, was auf Erden ist, trachte, sondern nach dem, was droben ist, da du bist, Herr Christe, sitzend zur rechten Hand Gottes. Dir opfere ich die Rede meines Mundes; alle meine Worte seien fortan ein dir dargebrachtes Lob- und Dankopfer, daß ich deinen Namen predige und erzähle deine Werke mit Freuden. Dir opfere ich mich in täglicher Buße, denn die Opfer, die dir gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du nicht verachten. Dir opfere ich mich in hingebender Liebe zu den miterlösten Brüdern, denn Wohlthun und Mildthätigkeit sind dir und dem Vater ein süßer Geruch, ein angenehm Opfer. Ja, dir will ich mich opfern, wenn man um deines Namens willen Hab' und Gut, Blut und Leben von mir fordern sollte, denn wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wird es erhalten zum ewigen Leben. O Herr, hilf, daß ich mich ganz und gar und bis in den Tod dir und in dir Gotte aufopfere, und übertrage durch das Verdienst deines allervollkommensten Opfers die vielen Mängel und Fehler des meinigen. Ohne dich kann ich nichts thun und ohne die Besprengung deines fühnkräftigen Blutes kann ich nichts Gottgefälliges leisten. Oso erfasse mich in allen Beziehungen und nach allen Seiten meines Seins und Besitzes, und mache mein ganzes Leben zu einem Opfer der Gegenliebe für die alles Denken übersteigende Liebe Gottes, die in dir offen 206 Gebete nach der Communion. bar geworden ist, o du süßes Lamm und himmlischer Hoherpriester. Amen. 5. Um stetes Gedächtniß des Herrn. Herr Jesu Christe, unsere Liebe und unser Leben, der du deinen Jüngern deinen Leib reichtest und sprachest: Solches thut zu meinem Gedächtniß, der du ihnen dein Blut reichtest und sprachest: Solches thut, so oft ihrs trinket zu meinem Gedächtniß wir danken dir, daß du uns auch heute wieder dieses Denkmal deiner Wunder aufgerichtet und dich selbst mit uns vereiniget hast, daß wir allewege und auf ewig dein gedächten, und bitten dich: laß doch diese unaussprechlich große Gnadenwohlthat nimmer unserem Gedächtnisse entschwinden, laß deine brünstige Liebe, die sich selbst mit Allem, was sie iſt und hat, uns zu eigen gegeben hat, unsere Lauheit und Kaltsinnigkeit überflammen und uns zu herzlicher, aufrichtiger Gegenliebe entzünden. Schreib dein bitteres Leiden und Sterben mit unauslöschlichen Zügen in unsere Seelen, laß dein holdseliges Bild uns überall vor Augen schweben, deinen süßen Namen stets in unsern Ohren klingen und laß es uns in der That erfahren, welch ein Vorschmack der Seligkeit, welch ein Himmel und Paradies 207 Um stetes Gedächtniß des Herrn. auf Erden es ist, der Welt und ihrer Lust ganz zu entsagen und zu vergessen, und sich mit allen Kräften der Seele in das Gedächtniß, in die Betrachtung deines Werkes, deines Heils, deiner Person ganz zu versenken. Dein Name sei das feste Schloß, dahin wir in aller Noth und Angst fliehen und beschirmet werden; dein Gedächt= niß ſei unsere Waffe gegen alle Reizung der Sünde und Anfechtung des Teufels; deine Liebe das Panier, unter dem wir kämpfen und siegen. Wo wir gehen und stehen, sitzen und liegen, laß unsere Augen zu dir emporgerichtet sein und unsere Seele in steten Seufzern aus deiner Fülle schöpfen Gnade um Gnade. Und erfülle uns die drei Bitten, die einst einer deiner Heiligen an dich gerichtet hat: laß unsere letzte Speise in diesem Leben dein heiliges Nachtmahl, unsern letzten Gedanken dein bitteres Leiden und Sterben, unser letztes Wort deinen Jesus- Namen ſein, und also nimm uns dorthin auf, wo wir nicht mehr mit weltlichen Gedanken zu kämpfen haben, die dein Gedächtniß uns verdunkeln; wo die Herrlichkeit, die du uns beigelegt hast, nicht mehr eine verhüllte und verborgene ist; wo wir den kostbaren Schatz, deinen Leib und Blut, nicht mehr in zerbrechlichen Gefäßen tragen, sondern aufgenommen in die Gemeinschaft deiner Herrlichkeit dich sehen werden wie du bist, um auf ewig dein zu genießen. Amen. 208 Gebete nach der Communion. 6. Um Stärkung des Glaubens. Herr Jesu, du holdseliger freundlicher Heiland, der du den Jüngern, die betrübten Herzens nach Emmaus giengen, dich zugeselltest und mit ihnen wandeltest, der du ihnen alle Schriften Mosis und der Propheten von deinem Leiden, als dem Wege zu deiner Herrlichkeit, auslegteſt und bei ihnen einkehrtest, mit ihnen zu Tische saßest und das Brot brachest auch jetzt noch gehest du angefochtenen, bekümmerten Seelen nach, öffnest ihnen das Verständniß deines trostreichen, herzerquickenden Wortes und reichest ihnen dein gesegnetes Brot und deinen gesegneten Kelch. Herr, auch uns hast du also gethan; thue uns ferner also! Zwar aller Zweifel an deiner Auferstehung, alle Ungewißheit über den Ausgang deines Werkes wäre jetzt verdammlicher Unglaube, namentlich bei uns, denen du durch deinen heiligen Geist Zeugniß von der Wahrheit deines Wortes gegeben hast; wir glauben und wissen es, daß du todt warest, aber siehe du biſt lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit; du bist, nachdem du dich freiwillig bis zum Tode am Kreuze erniedrigt, mit Schmuck und Ehren gekrönt, und sizest, allenthalben gegenwärtig nach deiner Gottheit und Menschheit, zur Rechten der Majestät in der Höhe. Aber gar oft, wenn Um Stärkung des Glaubens. das Gefühl unseres Verderbens uns niederdrückt, wenn die Trübsal uns zu verschlingen droht, wenn feurige Pfeile der Anfechtung unser Herz zerreißen, da scheint es uns, als ob du todt seiest für uns, als ob du dein Erbarmen vor uns verschlossen, und vergessen habest gnädig zu sein. O dann wirf uns nicht weg um unserer Kleingläubigkeit willen; laß uns nicht einsam wandeln und in Finsterniß bleiben, sondern thue uns, wie du den Jüngern thatest, die nach Emmaus giengen. Geselle dich zu uns, strafe uns freundlich, lege uns die Schrift aus, daß unser kaltes, finsteres Herz licht werde und brenne, und gehe nicht an uns vorüber, sondern gib uns selbst die Worte des Gebetes ein, die dich bewegen können, daß du zu uns eingehest und das Abendmahl mit uns haltest. Ja dann erneuere und belebe uns wieder durch das selige Gefühl deiner Einwohnung; dann laß uns neue Kraft und neue Gewißheit deiner barmherzigen Liebe an deinem Tische ge= winnen. Währt es auch nur Augenblicke, daß wir in diesem Jammerthal mit geöffnetem Auge deine Herrlichkeit schauen und deine selige Nähe empfinden, verschwindest du auch bald unserem Gefühle o so entschwinde doch nie unserem Glauben, gib diesem demantfeste Hände, dich zu fassen und nicht zu lassen, laß ihn fest und unwankelbar stehen auf deinem untrüglichen Worte, dankbar und fröhlich preisend die Gnadenblicke, durch welche du ihn schon so oft gestärkt hast, bis er endlich sich in Schauen 14 209 - 210 Gebete nach der Communion. verwandelt, bis wir dich dereinst von Angesicht sehen und du uns in alle Ewigkeit nicht mehr entschwindest, bis wir einst mit allen Engeln und Auserwählten freudig fingen und bekennen: der Herr ist wahrhaftig auferstanden; es hat überwunden der Löwe vom Stamme Juda. Amen. 7. Um stete Gemeinschaft mit dem Herrn. O mein Jesu, du meine einige Liebe, mein liebstes Leben, wie süß, wie selig ist es, fern von dem Geräuſche und Gewirre dieser Welt in deine Gemeinschaft sich zu verbergen. Bleibe bei mir, mein Jesus, und laß mich allezeit bei dir bleiben, laß mich sitzen zu deinen Füßen, du mein einiger Meister, liegen an deiner Brust, du barmherziger Hoherpriester, mich ergötzen an deiner Herrlichkeit, du herrlicher König. Laß mich nimmer vergessen, daß ich deinen Leib und dein Blut genossen, und daß du mich zu deiner Wohnung gemacht hast. Laß mich fort und fort mit dir umgehen, und rede freundlich mit meiner Seele, deiner Einsamen, die da ist wie eine stumme Taube unter den Fremden. Laß nie verstummen in meiner Seele die Stimme des Bräutigams und der Braut. Laß dein holdes Bild mir nicht durch den Nebel der Sünde getrübt und entzogen werden. Laß mich nicht Um Freudigkeit im Kreuz. 211 gegen die Luft des Fleisches die Wonne deiner Liebe vertauschen. Laß mich das Auge des Geistes unverrückt auf deine holdseligen, treuen Augen richten, die bis in mein Inneres hineinschauen. Mein Jesu, gib, daß ich dich allein meine, daß meine Liebe zu dir keine getheilte, sondern eine ganze, lautere, ungefärbte Liebe sei; daß ich stets wandle als unter deinen Augen, und vor allem darum sorge, dir wohlzugefallen. Du mein Herr und mein Gott, der du mir nicht blos vergönnt hast, meine Hände in deine Seite und meine Finger in deine Nägelmale zu legen, sondern der du dich selbst leibhaftig mit mir vereinigt, bleibe in mir, ziehe mich immer näher und näher in deine Gemeinschaft, laß im Leben und Sterben deine Liebe mein Panier sein, sei auch im Sterben mein Beistand und im Tode mein Leben. Amen. 8. Um Freudigkeit im Kreuz. Mein Heiland, der du durch Trübsal zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist und erst mit Dornen dich krönen ließzest, nun aber, mit Schmuck und Ehren gekrönt, in Ewigkeit auf dem Throne. der Herrlichkeit sigest gib mir doch freudige Geduld und unerschütterlichen Glanbensmuth, dir täglich das Kreuz nachzutragen und auf 14* 212 Gebete nach der Communion. dem Wege, da du vorangegangen bist, dir nachzufolgen. Ach, ich klage es dir, daß bei der Hitze der Anfechtung, bei dem Ausbleiben deiner Hülfe, bei der von Tag zu Tag sich erneuernden Trübsal gar oft ein heimliches Murren sich in mir reget und den Gedanken, als ob du vergessen habeſt, gnädig zu sein und nicht mehr im Regimente sitzest, in mir laut werden läßt. Statt aus der Züchtigung, die mich trifft, deine mein Heil suchende Liebe zu erkennen, und statt mitten in den Leiden, deren du mich würdigest, über deine Gnade zu frohlocken, die besser ist als Leben, gehe ich traurig und schwermüthig dahin, versinke in weltliche Traurigkeit, die den Tod bringt, und erscheine als der Knecht eines unfreundlichen Herrn, da du doch so freundlich bist und in Allem, was du mir zuschickst, mein ewiges Heil suchest und mich reicher machen willst an den unvergänglichen, verborgenen Gütern, welche allein wahrhaft glücklich und selig machen. O mein Heiland, nimm dieses grämliche Wesen, diese kleingläubige Unzufriedenheit und Schwermuth von mir, gib mir Kraft, den Trauergeist zu verscheuchen, und schreib es mir tief in Herz und Sinn, daß Wollen was du willst der einige Weg ist, auf dem ich Ruhe für meine Seele finden kann. Ja in deinen Willen will ich den meinigen versenken, und will dich lieben und preisen, wenn du mich in die Schule der Leiden führst, damit ich mir selber und der Welt immer mehr absterben und dir allein leben lerne. Um Freudigkeit im Kreuz. Wie sollte ich trauern und zagen, da du, mein Herr und mein Gott, im heiligen Abendmahl dich mir zum Eigenthum und Erbe gegeben hast! da ich singen und sagen kann: Mein Freund ist mein und ich bin sein, der unter den Lilien weidet! da, wenn auch alle Welt mit Abscheu sich von mir wendete und ich, von Allen verlassen, allein dastände, doch du mein Geliebter bleibest, mein Herzensfreund, mein Bräutigam, der du mich in die Wüste führeſt, nur um da desto freundlicher mit mir zu reden! Nein, alle Trübfal muß nur dazu dienen, mein Verlangen nach dir zu schärfen, meine Liebe zu dir zu immer hellerer Flamme anzufachen und meine Sehnsucht nach dem Jenſeits zu beflügeln, wo ich dich sehen werde, wie du bist. Ja dorthin sehne ich mich, hinweg aus dieser Welt voll Elend und Sünde, wo auf jedem Schritt und Tritt nur Jammer und Noth, Versuchung und Anfechtung mir entgegentritt; dahin hole mich bald, mein Jesu, du meine Gerechtigkeit und Erlösung. Dein will ich harren in Geduld und stehen auf meiner Warte, bis du mich rufest. O dann laß mich im letzten Kampfe überwinden, und angethan mit der weißen Seide deiner Gerechtigkeit, mi dem Purpur deines Blutes eingehen in die Hütten der Gerechten. Amen. 213 214 Gebete nach der Communion. 9. Um Vermehrung der Liebe zu dem Herrn und unter einander. Herr Jesu Christe, allerliebreichster Heiland, wie gar unvergleichlich heiliger, reiner, brünstiger ist doch deine Liebe, als aller Menschen Liebe, die eitel Selbstsucht ist, wenn sie nicht erst an deiner Liebe entzündet ist! Du sucheſt nicht dich selbst, sondern das Heil der Menschen, du nimmst ihre Sünden auf dich und schenkest ihnen dafür deine Gerechtigkeit; du fährest fort uns zu lieben, ungeachtet unserer Untreue, obschon wir täglich, ja stündlich dich beleidigen und betrüben; du machst Wohnung bei den Sündern, so sie nur zerschlagenen Herzens und gebrochenen Geistes sind, ja du gibst dich selbst ihnen ganz hin im heiligen Sacrament mit deinem wesentlichen Leib und Blut, worin die Fülle der Gottheit wohnet. Dit, der Heilige und Reine, verschmähest es nicht, dich mit uns in der Sünde Schlamm versunkenen Creaturen zu verbinden, um uns deiner göttlichen Natur theilhaftig zu machen und uns die durch die Sünde verlorene Herrlichkeit des göttlichen Ebenbildes reichlich zu ersetzen. Herr, wer kann ermessen die Breite und die Länge, die Tiefe und die Höhe deiner Liebe, deiner allumfassenden, deiner unergründlichen, deiner alles Bitten und Verstehen über Um Vermehrung der Liebe zu dem Herrn und unter einander. 215. steigenden Liebe, deiner Liebe, die nichts für sich behält, sondern sich selbst ganz und ungetheilt dem Sünder hingibt; die ihre Seligkeit darin findet, Sünder gerecht und selig zu machen und aus dem tiefen Abgrund über aller Himmel Himmel zu erheben. Ach daß doch die Betrachtung dieser Liebe unsere steinernen Herzen zerschmölze, unsere kalten Herzen in Flammen setzte; daß doch dein Liebesmahl uns zu brünstiger Gegenliebe bewöge und uns mit dir und unter einander verbände; daß wir uns dir ganz zu eigen gäben, dich über Alles liebten, dir gern Alles zum Opfer brächten, nicht mehr uns selbst lebten, sondern dir, der du uns geliebet und dich selbst für uns dargegeben hast. Und daß doch in und unter uns alle Selbstsucht, alle Unbarmherzigkeit, alle Feindschaft verschwände, und einer den andern trüge und ihm vergäbe, gleichwie deine Liebe uns trägt und uns vergeben hat. Herr, laß uns kraft der von neuem empfangenen Unterpfänder deiner Liebe die Liebe üben, die des Gesetzes Erfüllung ist, die ewigbleibende Liebe, daran du deine Jünger erkennen willst. Laß uns immer größere Seligkeit in der Liebe zu dir empfinden und die Pflichten der Liebe gegen den Nächsten, besonders gegen die Brüder immer treuer erfüllen. Laß uns Eins sein und bleiben mit dir und Eins in dir unter einander, durch die Kraft deines allerheiligsten Leibes und Blutes. Amen. 216 Gebete nach der Communion. 10. Um gliedliche Gemeinschaft mit der Kirche Christi. Herr Jesu Christe, der du mich durch Wort und Sacrament deiner Kirche eingegliedert hast, welche dein Leib ist, laß mich diese Gemeinschaft mit dir und durch dich mit allen den Deinen doch recht gewiß und froh werden und mich alle diejenigen immer inniger lieben nicht allein mit Worten, sondern in der That und Wahrheit, die mit mir zu Einem Leibe getauft und zu Einem Geiſte getränket sind; laß mich es immer lebendiger erkennen, daß wir allesammt Einer sind in Christo, deine Einzige, deine Taube, deine Fromme, so wir bleiben in dir und durch die Liebe immer tiefer in dir eingewurzelt werden. Laß uns Alle Eins sein, gleich wie der Vater mit dir und du mit dem Vater Eins bist; laß die Liebe, damit dich der Vater liebet, in uns sein, und bleibe du in uns und lebe in uns und wohne und wandle in uns, und laß dein hohepriesterliches Gebet Ja und Amen an uns werden. Mache mich zu einem immer lebendigeren, dienſtwilligeren, nutzbareren Gliede an diesem geheimnißvollen Leibe, daß auch ich den übrigen Gliedern Handreichung thue nach dem Maße der Gaben, die du mir gegeben, und des Berufes, den du mir vertrauet hast; bewahre, ach bewahre mich vor Kaltsinn, Gleichgültigkeit und 217 Um gliedliche Gemeinschaft mit der Kirche Christi. Sicherheit, daß ich, nachdem du mich lebendig gemacht und deiner Kirche einverleibt hast, nicht wieder ersterbe und als eine verdorrte Rebe abgehauen und ins Feuer geworfen werde. Laß mich in steter Gemeinschaft bleiben mit dir, dem Haupte, und also in allen Stücken, im Glauben und in der Liebe, täglich wachsen und zunehmen, damit ich mit dem ganzen Leibe heranwachse zur göttlichen Größe und auch einst unter der großen Schaar sei, deren Stimme wie die Stimme großer Wasser und starker Donner ertönen wird, derer, die da singen und sagen: Halleluja! denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen. Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist kommen und sein Weib hat sich bereitet." Oder dreimal seligen Zeit, wo deine Kirche statt des Trauergewandes mit reiner und schöner Seide angethan wird und in deiner Gerechtigkeit pranget; wo sie nicht mehr die Waffen zum Kampfe, sondern nur die Harfe zum Lobgesange führen wird; wo sie, von dir heimgeholt, deiner sich ohne Trübung freuet und ihre Freude Niemand von ihr nimmt. Ja selig selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind. Amen, die Worte Gottes sind wahrhaftig! Amen. 218 Gebete nach der Communion. 11. Um fortwährende geistliche Nießung. ( Unsere Bekenntnißschriften unterscheiden zweierlei Genuß des Leibes und Blutes Christi, den sacramentlichen Genuß und den geistlichen, welcher auch mit dem sacramentlichen, wenn er uns zum Heile gereichen soll, verbunden sein muß. Der geistliche Genuß, sagen sie, ist nichts Anderes als der Glaube an das Wort, welches uns Christum sammt allen den Gutthaten darbietet, die er uns mit seinem Fleisch, für uns in den Tod gegeben, und mit seinem Blut, für uns vergossen, erworben hat. Dieser Glaube würde aber ein Essen des Fleisches Christi und Trinken seines Blutes nicht heißen können, wenn er uns nur zu den Thatsachen und Früchten des Werkes Christi und nicht zu seiner Person selber in wirkliche Beziehung setzte, und zwar zu seiner Person als dem für uns Geopferten, denn die gesonderte Reichung von Fleisch und Blut weist, wie in meinem Commentar zum Hebräerbrief S. 747 f. ge= zeigt worden ist, auf des Herrn Tod hin, welcher, um gegenbildlicher Opfertod zu sein, mittelst gewaltsamer Scheidung des Blutes vom Leibe geschehen mußte. Aber wird der Glaube wirklich außerhalb des Sacraments des Fleisches und Blutes Christi theilhaft? Wir bejahen die Wirklichkeit( s. den Aufsatz über Joh. c. 6 in der Lutherischen Zeitschrift 1845, 2), verneinen aber die Gleichheit der Art und Weise. Die Doctrin darf dem christlichen Erfahrungsleben nichts aufreden was nicht wirklich Thatsache der Erfahrung ist. Das folgende Gebet bringt das was der Herr mit der geistlichen Nießung meint zu einem Ausdruck, welcher sich innerhalb der Grenzen des erfahrungsmäßigen Thatbestandes hält.) Herr Jesu Christe, du Eingeborner des Vaters, du bist auch nach deiner menschlichen Natur der Herr vom Himmel, denn du bist nicht Fleisch geboren vom Fleisch, sondern geboren vom heiligen Geiste, hineingepflanzt in die Welt der Sünde und des Todes als eine Gabe des Himmels. Die Menschheit starb dahin in ihren Sünden, da hat der Himmel dich, das himmlische Manna, herniedergethauet, da hat uns Gott dich, das Himmelsbrot, geschenket, damit wir, dich genießend, nicht in der Wüſte 219 Um fortwährende geistliche Nießung. dahinsterben, sondern unseren Hunger stillen und genesen und leben. Das Brot, das du uns reichest, ist dein Fleisch, welches du dahingegeben für das Leben der Welt, dahingegeben in gewaltsamen Tod, in welchem Fleisch und Blut sich von einander schieden, und dieses dein Fleisch und dein Blut, die du für uns geopfert, bringst du Allen, über die dein Name genannt ist, im heiligen Abendmahl unter Brot und Wein entgegen; da theilest du sie deiner Gemeinde mit, die deinen Tod verkündigt, der ihr Leben ist; da verbindest du sie mit dir und unter sich mit den festeſten Banden. Aber du willst auch, daß wir nicht blos da, sondern allezeit zu dir kommen und im Glauben dein Fleisch essen und dein Blut trinken, um kraft dieser geistlichen Speise und dieses geistlichen Tranks theilhaft zu werden des ewigen Lebens, denn wer an dich glaubt und im Glauben dich, den für uns Gestorbenen und Auferstandenen, in sich aufnimmt, der stirbt nicht, obschon er stirbt, der verfällt nicht dem Tode, denn du bist in ihm und er in dir, dem Ewiglebendigen. O Herr Jesu, du unseres Todes Tod und unseres Lebens Leben, stärke doch in uns durch dein heiliges Sacrament diesen Glauben, welcher immerfort nach dir hungert und dürstet und von Gnadenverlangen und Liebessehnsucht getrieben, dich erfasset und dein für uns in den Tod gegebenes und aus dem Tode erstandenes Leben in sich aufnimmt und von deinem Fleische und Blute, wie ein Kind von seiner 220. Mutter Brust, sich nähret. Laß uns immerfort im Geiste unter deinem Kreuze weilen, o du Gotteslamm, und deinen Leib umfahen, der da für uns erbleichet, und dein Blut aufsaugen, das du da für uns vergießest, und immerfort dich im Glauben gegenwärtig haben, du himmlischer Hoherpriester, welcher durch sein eigenes Blut einmal in das Allerheiligste eingegangen, und immerfort die Wunden küssen, welche du uns zum Heile dir haft schlagen lassen, und immerfort anbetend zu deinen Füßen liegen und dir sich anschmiegen, du herrlicher und doch so leutseliger König, damit wir auch außerhalb des Sacraments inne werden, daß dein Fleisch die rechte Speise und dein Blut der rechte Trank ist, und was es heißt, daß du zu dem, der deine Stimme höret und dir die Thür aufthut, eingehen willst, damit du das Abendmahl mit ihm haltest und er mit dir. O Herr, entrücke mich dem fündigen Fleische, welches dich und deine Geheimnisse mir verhüllt, und lehre mich im Geiste leben und wandeln, und gib mir eine minnende Seele, welche über die Welt und ihre Luft sich wie mit Taubenfittigen aufschwingt, um in dich sich zu bergen, in dir zu ruhen und dein zu genießen. Amen. Gebete nach der Communion. Am ersten Sonntage des Advents. 221 Gebete nach der Communion an Festtagen. 12. Am ersten Sonntage des Advents. Herr Jesu Christe, du Haupt und Heiland deiner Gemeine, in deinem Namen beginnen wir dieses neue Kirchenjahr, in deinem Namen werfen wir Panier auf. Groß und unzählbar sind die unverdienten Gnadenwohlthaten, die du uns Allen, die wir nach deinem Namen genannt sind, in dem vergangenen Jahre erwiesen hast. Du hast deinen Ernst, aber auch deine Freundlichkeit an uns offenbaret, hast uns gezüchtiget, aber mit Maßen und aus Liebe, hast uns regiert mit großem Verschonen; du hast es uns oft spüren und erfahren lassen, daß du mitten unter uns bist, und wenn auch unsere Liebe oft erkaltete, so ist doch deine Liebe nie erkaltet; wenn auch wir uns untreu bewiesen, so blieb doch deine Treue unwankelbar; du suchtest das Verlorene, richtetest auf die Strauchelnden, tröstetest die Angefochtenen, pflegtest die Kranken, und haſt den unfruchtbaren Feigenbaum nicht ausgerottet, sondern haft Fürbitte eingelegt, daß dein himmlischer Vater noch Geduld mit ihm habe. Herr, dein Erbarmen ist groß, sehr groß, unendlich groß, du bist ein barmherziger Hoherpriester, ein gnädiger König. Und nun hast du uns gleich am Eingange dieses neuen Kirchenjahres ein Denkmal deiner Wunderliebe 222 Gebete nach der Communion. aufgerichtet. Du hast uns in deinem gebenedeieten Leibe und Blute die Reisekost mitgetheilt, deren wir auf dem Wege, der vor uns liegt, bedürfen. Du hast dich mit uns vereinigt, so daß wir nun allen unseren Feinden gegenüber sagen können: Der in uns ist, ist stärker denn der in der Welt ist; so daß wir den Anfechtungen des Teufels, der uns den Glauben rauben will, trotzen und sagen können: Christus ist hier, wer will verdammen! Du hast uns unter einander verbunden als Glieder Eines Leibes, so daß, wenn wir nur in dir bleiben, weder Welt noch Noth noch Tod uns auseinanderzureißen vermögen. O Herr Jesu, so sei und bleibe denn auch im neuen Kirchenjahre bei uns, unter uns, in uns! Mit dir laß uns ausgehn und eingehn, mit dir ruhen und arbeiten, mit dir einsam und beisammen sein, mit dir leben und sterben! Laß dir unser keinen aus deiner Hand gerissen werden! Reiß aber hingegen immer mehr Seelen aus der Gewalt der Finsterniß und versetze immer mehr in dein wunderbares Licht. Sei mit deiner Kirche und führe du das Steuer des Schiffes, welches die immer heftiger andringenden Wogen zu verschlingen drohen. Mache die Anschläge ihrer Feinde zunichte, beweise es, daß dir der HErr die Völker zum Erbe und der Welt Enden zum Eigenthum gegeben hat. Herr Jesu Christe, hilf, laß wohlgelingen! Gelobet und angebetet sei dein heiliger Am heiligen Christfest. Name von Engeln und Menschen in alle Ewigkeit. Amen. 223 12. Am heiligen Christfest. Herr Gott himmlischer Vater, wir danken dir, daß du schon vor Grundlegung der Welt den Rathschluß unserer Erlösung gefaßt; daß du, als wir der Versuchung erlegen waren, den Trost der Verheißung in der Menschheit aufgerichtet und als nun die Zeit erfüllet war den gnadenreichen Plan deiner erfinderischen Liebe ins Werk gesetzt hast. Was du den Vätern des alten Bundes in Weissagungsworten und Vorbildern in Aussicht gestellt hast, das hast du treulich und herrlich über Bitten und Verstehen erfüllet, denn also hast du die Welt geliebt, daß du deinen eingebornen Sohn gabst, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Auch danken wir dir, Herr Gott Sohn; Jesu Christe, daß du von Ewigkeit her dich in unaussprechlicher Liebe entschlossen hast, für uns, die Kinder des Zorns, ins Mittel zu treten; daß du, als die Zeit erfüllet war, die Herrlichkeit, die du bei dem Vater hattest, ehe der Welt Grund geleget war, verlassen hast, um dich in unser Fleisch und Blut zu versenken und deine Gottesherrlich 224 Gebete nach der Communion. keit mit der Knechtsgestalt zu vertauschen, und daß du, unsres Gleichen geworden, unsre Sünden gebüßt und unsre Schuld mit deiner Unschuld gedeckt und uns Gott wieder angenehm gemacht hast in dir, dem ewig und unendlich Geliebten. Als die Erde gegründet wurde, da jubelten zusammt die Morgensterne und jauchzten alle Kinder Gottes; als aber die Erde durch deine Menschwerdung der allerhöchsten Ehre gewürdigt und das ewige Liebesgeheimniß offenbar ward, da staunten die Himmel und die Menge der himmlischen Heerschaaren feierte dieſen Anbruch des Lichts in der Mitternacht und sang: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Du aber, Gott heiliger Geist, warst es, der einst die Wasser der Schöpfung überschwebte, daß die Erde daraus emportauchte, und der auch die Gebenedeite unter den Weibern überschattete, damit der Sündlose empfangen und geboren würde, der die sündige Erde erlösen sollte. Von dir in den Schooß der Jungfrau hineingewirkt, ward uns die unaussprechliche Gabe des Christfestes zu Theil, das Himmelskind, welches Himmel und Erde versöhnt hat, Christus Jesus, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. Ja gelobt seist du, Gott Vater, der du deinen Eingebornen uns zum Heile dahingegeben, und gelobt seist Am Gründonnerstage. 225 du, Gott Sohn, der du uns zu gut dich deiner eignen Herrlichkeit entäußert hast, und gelobt seist du, Gott heiliger Geist, der du den Heiland der Menschen in unſer Fleisch und Blut herabgeleitet hast! Wir danken dir, daß du uns seiner heiligen Geburt in der Taufe theilhaftig gemacht und bitten dich: mache auch, so oft wir sein Abendmahl feiern, sein Fleisch und Blut zum Pfande unserer Entsündigung, zur Triebkraft unserer Heiligung, zur Macht unserer Verklärung, auf daß wir, die wir jegt an der Krippe anbeten, einst um seinen Thron versammelt sind und ihn sehen von Angesicht. Amen. 14. Am Gründonnerstage. Herr Jesu Christe, du ewige, unendliche Liebe, der du den bußfertigen Sündern in deinem Wort die Vergebung ihrer Sünden zusagest und deine Zusage mit viel theuren Eidschwüren bekräftigt hast, wir danken dir, daß du, weil du die Blödigkeit und Verzagtheit unseres Fleisches durchschauest, zu deinem Worte deine heiligen Sacramente hinzugefügt hast, durch welche du uns deine Gnade mittheilest und bekräftigst. Wir danken dir für das Sacrament der heiligen Taufe, in welcher du einen ewigen Bund mit uns aufgerichtet hast; aber du kommst nicht mit Wasser allein, sondern auch mit Blut, und hast zu den 15 Gebete nach der Communion. zwei Zeugen deiner Gnade auf Erden, deinem Worte und deiner Taufe, auch noch einen dritten, dein heiliges Abendmahl, hinzugethan, in welchem du den Leib und das Blut, die du für uns geopfert, uns zu genießen gibst, und uns dadurch deiner selbst und aller Früchte deines Opfertodes hteilhaftig machst. Herr dir sei Lob und Preis gesagt, daß du auch uns heute wieder mit deinem am Kreuze für uns gebrochenen Leibe und deinem zur Vergebung unserer Sünden vergossenen Blute gespeiset und getränket haſt. Wer sind wir, die tiefgefallenen Menschenkinder, daß du, den die himmlischen Geister ohne Aufhören loben, Wohnung bei uns gemacht hast. O so gib uns doch dankbare Herzen, die diese Gnade preisen, die dieses Erbarmen anbeten, die deine Liebe erwidern; laß den unausdenkbaren Reichthum dieser Gnade sich an uns offenbaren, laß es kund werden, daß du, der Fürst des Lebens, der Sieger über Teufel und Hölle, der Herzog der Seligkeit, bei uns eingekehrt bist und in uns wohnest und waltest. Nun fehlet uns nichts, was wir zum geistlichen, ewigen Leben bedürfen; denn du selber bist bei uns und in uns, der Erwerber und Grund unseres Heils, du, die ewige Weisheit, die vollkommene Gerechtigkeit, die unendliche Heiligkeit, die unüberwindliche Allmacht. O daß wir nicht durch neue Sicherheit und Einwilligung in die vorigen Sünden die Wirkungen deiner Gnade in uns dämpften und unterdrückten! Schaffe du in uns reine Herzen und gib uns 226 Am Charfreitage. einen neuen gewissen Geist! Laß das Alte vergangen sein und Alles neu werden! Bleibe du in uns, du süßeſter Jesu, daß wir in dir bleiben, in dir leben und sterben! Amen, Amen. 227 15. Am Charfreitage. Herr Jesu Christe, wir versammeln uns heute im Geiste unter deinem Kreuze und schauen dich da, wie du für uns, die wir den Fluch verdienet, ein Fluch geworden, wie du für uns mit durchgrabenen Händen und Füßen mitten unter Uebelthätern am Marterholze hängest, mit dornengekröntem Haupte, mit geöffneter Seite, wie dein Blut in Strömen zur Erde rinnet und dein holdseliges Antlit nach unaussprechlichen Qualen des Leibes und der Seele verbleichet. Ach das sind unsere Sünden, die dieſe Wunden dir geschlagen, die diesen Kelch göttlichen Zornes dir eingeschenkt, die diesen Todeskampf dir gekostet haben, und deine Liebe ist es, die dich bewogen, unsere Sünden mit dem was sie verschuldet auf dich zu nehmen und dich selbst für uns zum Schuldopfer zu bringen. O daß doch diese Liebe, die für uns bis aufs Blut gekämpft hat, uns zur Gegenliebe entzündete! daß doch dieses unendlich tiefe Leiden, vor dem die Sonne ihren Schein verhüllt und die Felsen zerspringen, unsere Herzen rührte und zer= 15* Gebete nach der Communion. schmölze, zumal heute, wo wir deinen Tod verkündigt und deinen Opferleib und dein Opferblut genossen haben! Herr, nimm unsern schwachen Dank für deine unendliche Liebe, deren Gottesflamme auch viel Wasser nicht auslöschen und viele Ströme nicht ersäufen konnten. Laß deine Arbeit und Mühe, dein Wachen und Beten, dein Zagen und Stöhnen, deinen Schweiß, deine Thränen, dein Blut an uns nicht verloren sein! Laß uns deine Wunden als eine Zuflucht in aller Noth immer offen stehen! Laß dein Blut fort und fort unsere Reinigung sein von aller Befleckung des Fleisches und Geistes, und unsere Erquickung in der Hitze der Anfechtung! Ergreife uns mit deinen verwundeten Armen, umfasse uns mit der Kraft deines Leidens und ziehe uns mächtiglich in deinen Tod hinein, daß wir der Welt und uns selber absterben! Fasse und binde alle unsere zerstreuten Sinne an dein Kreuz. Schreibe und präge alle deine Leiden und Schmerzen in unser Inwendiges, daß wir dein nimmermehr vergeſsen. Und wie du für uns am Fleische gelitten hast so wappne uns mit demselbigen Sinn, daß wir um deinetwillen gern das Kreuz erdulden und der Schande nicht achten; würdige uns der Gemeinschaft deiner Leiden, daß wir deinem Tode ähnlich werden. Und wie du heute Wohnung in uns gemacht hast, also bleibe in uns, du Anfänger und Vollender unseres Heils, und durchdringe unsern ganzen Menschen, daß nichts mehr in uns lebe, als du, nichts uns 228 229 feffele, als deine Liebe, nichts in uns sich rege, als deine Kraft. Laß dein Mahl, o Herr, uns gedeihen zur Stärkung unseres Glaubens, zur Erneuerung und Versiegelung unseres Gnadenstandes, zum täglichen Wachsthum im inwendigen Leben, besonders auch zur Erhaltung und Vermehrung unserer herzlichen brüderlichen Liebe unter einander. Ja, Herr Jesu, du ewiger Hoherpriester, breite über die geſammte Gemeinde, welche heute unter dem Kreuze zu deinen Füßen anbetet, deine durchgrabenen Hände, in die du uns Alle gezeichnet hast, und sprich deinen süßen Friedensgruß in eine jegliche Seele! Amen. Am Osterfeste. 16. Am Osterfeste. Herr Jesu Christe, der du durch das Feuer der Todesqual zu einer lebendigen Speise deiner Gemeinde zubereitet worden bist, du mein Osterlamm, ich danke dir, daß du mich abermals mit dem Leibe gespeiset, der für mich unter unsäglichen Schmerzen ans Kreuz geheftet worden ist, und mit dem Blute getränket, das du für mich in Strömen heißer Liebe vergossen hast. Nun bin ich durch dein Fleisch und Blut, die das Lösegeld sind für meine Sünde, aufs neue meiner Gerechtigkeit in dir versichert; nun bin ich aus den Brunnen deiner Gnade ge Gebete nach der Communion. stärkt und gerüſtet, weiter durch dieses Thränenthal zu pilgern; nun ist meine Seele mit deinem entsündigenden Blute gezeichnet, so daß ich geborgen sein kann in meiner Kammer, bis daß der Zorn vorübergehe. Mein Jeſu, laß mich doch kraft dieses Gedächtnisses deiner Wunder, das du gestiftet, deiner erlösenden Liebe nimmermehr vergessen! Laß mich, nachdem ich sacramentlich deiner genossen, fort und fort im Glauben geistlich dein genießen! Und wie zu dem Osterlamme ungesäuert Brot und bittere Kräuter gegessen werden mußten, so laß den alten Sauerteig der Bosheit durch die Zucht deines heiligen Geistes immer völliger aus mir hinausgethan werden und mich allezeit Ostern feiern im Süßteig der Lauterkeit, und auch der bittern Salze der täglichen Buße und des heilsamen Kreuzes mich nicht weigern. Du hast den Mund, der dich so oft betrübt, und den Leib, der so oft wider dich gefündigt, und das Herz, das dich lange noch nicht genug liebt, nicht verschmähet, sondern des Empfanges deines gebenedeiten Leibes und Blutes gewürdigt o so laß diese himmlischen Gaben dem neuen Menschen in mir zur Stärkung, der Sünde zum Tode und dem Teufel zum Schrecken gereichen; laß mich dadurch auf ewig mit dir vereinigt und dir so nahe sein, als ein Glied dem Leibe; mache mich dadurch deiner göttlichen Natur theilhaftig und verkläre mich in dein holdseliges Bild, bis du einſt kraft dieser Speise der Unsterblichkeit und dieses Kelches 230 Am Himmelfahrtsfeſte. 231 des Lebens meine vermoderten Gebeine auferweckest und meinen Leib deinem verklärten Leibe ähnlich machen wirst. Herr Jesu Christe, du geschlachtetes Lämmlein Gottes, laß meinen Namen nicht ausgelöscht werden aus deinem lebendigen Buche, laß mich nicht fehlen unter deinen Auserwählten, die von Grundlegung der Welt darin verzeichnet stehen, laß mich Theil haben an der Auferstehung der Gerechten, um deines Leibes und Blutes willen. Amen. 17. Am Himmelfahrtsfeſte. Herr Jesu Christe, wir danken dir, daß du nicht allein als Sieger über Tod und Hölle aus dem Grabe erstanden, sondern auch, nachdem du dich vierzig Tage hindurch den Deinen als Lebendiger gezeigt hattest, als Triumphator gen Himmel gefahren bist; denn Alles, was du von deiner Geburt an gethan und gelitten hast, iſt uns zugut geschehen, und so ist auch dieser Abschluß deines Wandels hienieden für uns ein Brunnquell des Heils. Denn eingegangen in den Himmel hast du allen den Deinen den Himmel erschlossen, so daß nun der Weg aller, die in dir sterben, nicht abwärts, sondern aufwärts geht, wie du hienieden gebetet und verheißen hast: Bater, ich will, daß wo ich bin auch die bei mir seien, die du mir Gebete nach der Communion. gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen die Herrlichkeit, die dir dein Vater gegeben hat, denn nachdem du ausgeduldet und ausgekämpft in Selbsterniedrigung bis zum Tode am Kreuz, hat der HErr zu dir, unserem Herrn, gesprochen: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Du lebest und herrschest nun auf ewig, nicht blos für dich, sondern für uns, denn sterben wir mit dir, so werden wir auch mit leben, und dulden wir mit dir, so werden wir auch mit herrschen. Aber nicht König allein bist du zur Rechten des Vaters, du bist zugleich Priester nach der Weise Melchisedeks, denn nachdem du dich selbst für uns geopfert, bist du mit deinem eignen Blute in das himmlische Allerheiligste eingegangen und waltest dort als unser barmherziger Hoherpriester, welcher, selber hienieden versucht gleichwie wir, obwohl ohne Sünde, Mitleid hat mit unsrer Schwachheit und uns vertritt, so daß wir mit Freudigkeit hinzutreten können zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wann uns Hülfe noth sein wird. Und im Himmel königlich thronend und hohepriesterlich waltend bist du uns nicht fern, sondern erst recht nahe geworden; denn deine Machtgegenwart erstreckt sich diesseits und jenseits über Alles, und deiner Gnadengegenwart nach bist du das Haupt deiner Gemeinde. Ja wie du machtvoll herrschest unter deinen Feinden, so wohnest und 232 - Am Pfingstfeste. 233 wandelst du gnadenvoll unter den Deinen und gibst dich allen Heilsbegierigen zu eigen in deinen heiligen Sacramenten, bis du wie du gen Himmel aufgenommen worden so auch auf Himmelswolken wieder sichtbar erscheinen wirst und alle die, welche dich obwohl sie dich nicht sahen doch lieb hatten, nun dich sehen werden, an den sie geglaubt, und sich freuen werden mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. O so mache uns doch los von dieser Erde, richte all unser Tichten und Trachten himmelwärts und ziehe uns mit Seilen der Liebe himmelan, daß wir bald mit der triumphirenden Gemeinde das Lied Mose's und des Lammes singen und unsere Augen den König sehen in seiner Schöne. Gelobt und gebenedeiet seist du, himmlischer König! Amen. 18. Am Pfingstfeste. wir Herr Jesu Christe, auferstandener Heiland danken dir, daß du, nachdem du dein Werk hienieden vollbracht hast, aufgefahren bist, um es jenseits zu vollenden und den verheißenen Geist herniederzusenden, den du uns erworben und der nun vom Vater durch dich, den verklärten Gottes- und Menschensohn, ausgeht, um dich in den Herzen deiner Gläubigen zu verklären. ,, Es ist gut, Gebete nach der Communion. es ist sehr gut, daß du bist hingegangen, süßes Lamm, deine Taube hat alles wieder ersetzet." Du hast uns nicht Waisen gelassen, du hast uns den himmlischen Tröster gesendet, du bist auch selber unsichtbar bei uns, um einst sichtbar wiederzukommen. Du bist aufgefahren über aller Himmel Himmel, aber ohne uns entrückt zu sein, sondern auf daß du Alles erfülletest. Wenngleich wir dich mit Sinnesangen nicht sehen, bist du doch gegenwärtig in deiner Kirche, die dein Leib ist, nämlich die Fülle deß, der Alles in Allem erfüllet. Wie du nach deiner Auferstehung um deine Jünger warest und dich ihnen offenbartest und mit ihnen aßest, so bist du auch bei uns und gibst dich selber uns zu genießen. Ja du bist ein lebendiger Heiland, du waltest in deiner Gemeine und führest dein Werk, das du im Stand der Erniedrigung begonnen, nun im Stand deiner Erhöhung herrlich hinaus. O so vollende es doch auch in uns, laß dein allerheiligstes Sacrament uns gedeihen zu unauflöslicher Vereinigung mit dir und unter einander, und versiegele uns mit dem Geiste der Verheißung, welcher ist das Pfand unseres Erbes zu unserer Erlösung, das wir dein Eigenthum sein und bleiben zu Lobe deiner Herrlichkeit. Seße den heiligen Geist in uns zum Hüter des großen Schatzes, den du uns beigelegt hast, gib uns feurige Zungen, deine Gnade zu preisen, und Herzen, trunken von den reichen Gütern deines Hauses, krank vor Liebe, besprengt und gezeichnet 234 Abendgebete am Communiontage. 235 mit deinem Blute, daß der Versucher keine Macht an ihnen habe. Nimm hinweg alles Siechthum, alles halbe und kränkelnde Wesen, und laß die überschwengliche Größe der Kraft Gottes an uns, die wir glauben, sich erweisen nach dem Reichthum seiner mächtigen Stärke. Ja dieſer überschwengliche Reichthum der göttlichen Gnade, der in deinem allerheiligsten Sacrament zuſammengefaßt iſt, offenbare sich an einem Jeglichen von uns, durch die Wirkung deines heiligen Geistes, um deiner Verheißung willen. Amen. Abendgebete am Communiontage. 19. Mein himmlischer Vater, wenn ich an diesem Abend daran gedenke, wie viel Gnadenwohlthaten du mir heute erwiesen, wie du durch dein Aufsehen meinen Odem bewahret und mich nicht allein leiblich, sondern auch geiſtlich gesättigt und in Christo deinem lieben Sohne, mir Alles geschenkt hast, so muß ich ausrufen: Ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Trene, die du an deinem Knechte gethan hast. O daß meine Seele, ja Alles, was an mir ist, dich dafür lobte und priese und die Flamme des Dankes aus meinem Herzen ohne Aufhören himmelan stiege! Daß es doch offenbar an mir würde, daß deine Gebete nach der Communion. göttliche Kraft mir in dem allerheiligsten Sacrament Alles geschenkt hat, was zum Leben und göttlichen Wandel dienet, und mein ganzes Leben hinfort zur Verherrlichung deines Namens gereichte! Aber ich muß vor dir bekennen, daß ich leider! auch heute schon deine große Gnade mit Undank erwidert und in Gedanken, Worten und Werken an dir mich mannichfach verfündigt und dem Feinde, der das empfangene Kleinod und seinen Segen mir entreißen will, nicht rechten Widerstand geleistet habe. Selbst an diesem hochheiligen Tage, an welchem die ganze Gnadenfülle meines Heilandes mein Besigthum geworden ist, hat die Sünde, die in meinem Fleische und Blute wohnet, nicht gefeiert, und, nachdem ich BVergebung meiner Sünden empfangen, muß ich auf's neue um Vergebung der Sünden bitten. O mein himmlischer Vater, so mache du meine besudelten Heilskleider wieder rein in dem Blute deines lieben Sohnes; versenke auch meine an dieſem Tage begangenen Sünden in das blutrothe Meer seines Verdienstes; laß die himmlischen Gaben, deren ich heute theilhaftig worden bin, mir nicht zum Gerichte, sondern fort und fort zum Heile gereichen, daß ich, obwohl ich solchen großen Schatz in dem unreinen Gefäße meiner fündigen Natur trage, doch an der Gnade nicht zweifle, die mir widerfahren ist. Denn mein Jesus ist ja in mir, und ich in ihm kraft seines Wundermahles, und an denen ist nichts Verdammliches, die in Christo Jesu sind, die 236 237 Abendgebete am Communiontage. nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist, obgleich der Kampf zwischen beiden bis an unser Ende nicht aufhört. Und mein Heiland selber spricht: Selig sind die geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Mache Du mich recht geistlich arm in mir selber, immer geringer in meinen Augen, daß ich immer tiefer einsehe, wie ich in mir selber nichts und todt und nackt und leer bin, und daß allein deine Gnade mein Leben, meine Hülfe, mein Reichthum ist. Ja selig bin ich bei aller meiner Armuth, denn mein Jesus mit dem Reichthum seiner Gnade hat sich in meine Armuth herabgelassen und hat mein leeres Herz mit seinen Gütern erfüllet; in mir selber bin ich arm, in Ihm aber reich; in mir selber ein sündiger Staub und Asche, in Ihm aber angethan mit der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Nun frage ich nichts nach Himmel und Erden, denn du, der Gott Himmels und der Erden, bist mein Gott. O so erhalte mich und Alle, die mit mir heute im Glauben zum Tische des Herrn gegangen sind, im Besitze solcher Gnade! Laß uns durch dieselbe über die Sünde herrschen, die Welt überwinden und allen Anfechtungen den Schild des Glaubens entgegenhalten. Breite über mich und alle die Meinigen in dieser Nacht deine schirmende Rechte und ſei rings um uns eine feurige Mauer. Laß uns im Aufblick zu dir einschlafen. Laß unser Herz, auch wenn wir schlafen, zu dir wachen. Laß uns in Jesu Christo, dem 238 Gebete nach der Communion. Geliebten, dein sein und bleiben, dir leben und sterben. Amen. 20. allerholdseliger und freundlichster Herr Jesu Christe, wie gnädig bist du heute mir, deinem geringsten Jünger, entgegengekommen! Du hast mich liebreich umfaſset, hast mich geküffet mit dem Kusse deines Mundes und hast dich selbst mir zu eigen gegeben. Du hast die Vergebung meiner Sünden mir versiegelt, haft mir Kraft geschenkt, in allen Kämpfen zu überwinden, hast mich dir aufs neue verlobt und einen ewigen Bund mit mir aufgerichtet und bestätigt, der nicht hinfallen soll, wenn auch Berge wichen und Hügel hinsänken. Schon am ersten Tag dieser Woche hast du mir unaussprechliche Gnade erwiesen und mir aus der Schatzkammer deiner himmlischen Güter Manna des Himmels und Wasser des Lebens gespendet. Darob will ich dir danken und will dir ein neues Lied singen, das Lied der viel Tausendmal Tausend: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichthum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Halleluja! Gelobt und gepriesen sei dein herrlicher Name, o Jesu, den du heute an mir so herrlich gemacht hast. Dein Jesus- Name sei mir und allen denen, die mit mir deines Abendgebet eines Confirmirten nach erstmaliger Communion. 239 Leibes und Blutes theilhaftig worden sind, fortan eine Quelle der Freude, der Süßigkeit und des Trostes. Dein Jesus- Name sei uns eine ausgeschüttete Salbe; er heile die zerbrochenen Herzen, erquicke die Mühseligen und Beladenen, und mache uns alles Bittere süß, alles Leid lieb, alles Schwere leicht. Dein Jesus- Name funkele in dem Grunde unseres Herzens. Er sei uns Honig im Munde, Gesang im Ohre, Jubel im Herzen. Dein Jesus- Name töne aus allen unseren Gesprächen. Dein Jesus- Name wecke uns auf, wenn wir schlafen; erheitere uns, wenn wir trauern; er sei uns ein festes Schloß, dahin wir fliehen in aller Trübsal, ein heilender Balsam für alle Wunden, die uns schmerzen. Dein Jesus- Name sei unser letztes Wort, wenn wir sterben. Amen. 21. Abendgebet eines Confirmirten nach erstmaliger Communion. Ich danke dir, lieber himmlischer Vater, daß du mich diesen gnadenreichsten aller Tage seit meinem Tauftag haft erleben lassen, diesen hohen herrlichen Tag, wo die Gemeinde Christi mir die Pforte ihres Allerheiligſten aufgethan hat; wo ich mit ihr gegessen und getrunken habe von dem Altar des Kreuzes, darauf mein Erlöser und Herr, dir zu süßem Geruch, sein Fleisch geopfert und Gebete nach der Communion. uns zur Sühne sein Blut vergossen; wo ich umschritten habe den Altar der Stätte deines Hauses, da man höret die Stimme des Dankes und prediget alle deine Wunder. Gelobet und gebenedeiet seist du, du Gott meines Heils, daß du mich aus Gnaden gewürdiget hast, mit deiner Gemeinde das Gedächtnißmahl Jesu zu feiern und mit ihr des Herrn Tod, der unser Leben, zu verkündigen; nun hat er mich durch die allerheiligsten Bande an sich gekettet, so daß ich mit seiner Gemeinde rühmen kann: Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebeine. O du Gott aller Gnade, verleihe mir für den mun beginnenden neuen Abschnitt meines Lebens unerschütterliche Treue und Beständigkeit, fest zu halten was ich habe, damit Niemand meine Krone nehme, und alle die Rechte und Güter, deren ich in der Confirmation und an diesem meinem ersten Abendmahlstage theilhaftig geworden bin, nicht in frevlem Muthwillen zu mißbrauchen, sondern zu meinem ewigen Heile zu verwenden; wappne mich gegen jegliche Macht der Verführung und bewahre mich vor schändlichem Treubruch; laß die Heiligungskräfte deines Wortes und deiner heiligen Sacramente an mir offenbar werden, daß ich als mitthätiges Glied deines priesterlichen Volkes durch gutes Bekenntniß und unbefleckten Wandel verkündige die Tugenden des, der uns berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Licht. Aber ach! sogar heute muß ich mich anklagen, daß 240 Abendgebet eines Confirmirten nach der Communion. 241 ich durch eitle Gedanken, unnüße Worte und auf mancherlei Weise an dir verfündigt: vergib, ja vergib mir alle meine Sünden um des blutigen Verdienstes und der heiligen Unschuld Jesu Christi willen; laß mich diesen Tag und alle Tage meines Lebens mir keine Ruhe gönnen, bis ich meine besudelten Kleider wieder helle gemacht habe im Blute des Lammes, und laß mich doch ja nicht in Sünden fallen, die mich aus dem Gnadenstande stürzen, der mir durch Christi Leib und Blut von neuem bekräftigt und befestigt ist. Breite auch in dieser Nacht deine treuen Vaterhände über mich, daß meine Seele und mein Leib beschirmt bleiben vor allem Bösen. Segne alle, die mit mir zu des Herrn Tische gegangen sind, mit geistlichem Segen und himmlischen Gütern. Nimm meine lieben Eltern und Lehrer in deinen Gnadenschutz und vergilt ihnen alles Gute, das sie mir erwiesen, nach dem Reichthum deiner Güte. Thue nach deiner Verheißung an allen die dich fürchten, und laß alle die dich anrufen deine Nähe erfahren. In deinem Namen, himmlischer Vater, du Vater meines Herrn Jesu Christi, will ich mich niederlegen, in deinem Namen will ich aufstehen; gelobt seist du, gelobt sei Jesus Christus, der für uns gestorben iſt, auf daß wir wachend oder schlafend zugleich mit ihm leben sollen. Amen. 16 22. Psalm 23. Der HErr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Auen, Und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele, Er führet mich auf rechter Straße Um seines Namens willen. Und ob ich schon wandert im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde, Du salbest mein Haupt mit Dele, Und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen Mein Leben lang Und werde bleiben im Hause des HErrn Immerdar. VI. Beicht- und Abendmahlslieder. 16* Werdet voll Geistes und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen. Eph. 5, 18. 19. I. Buß- und Beichtlieder. A. Lieder vor und bei der Beichte. 1. 1. Ach GOtt und HErr, wie groß und schwer sind mein begangne Sünden! Da ist Niemand, der helfen kann, in dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu solcher Zeit bis an der Welt ihr Ende und wollt los sein des Elends mein, würd ich doch solchs nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich: verstoß mich nicht, wie ichs wohl hab verdienet! Ach GOtt, zürn nicht, geh nicht ins G'richt: dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so sein, daß Straf und Bein auf Sünde folgen müssen, so fahr hie fort und schone dort, und laß mich ja jetzt büßen. 5. Gib auch Geduld, vergiß der Schuld, verleih ein g'horsam Herze; laß mich ja nicht, wies wohl geschicht, mein Heil murrend verscherzen. 6. Handel mit mir, wies wohlgfällt dir; durch dein Gnad will ichs leiden. Laß mich nur nicht dort ewiglich von dir sein abgescheiden! Buß- und Beichtlieder. 7. Gleichwie sich fein ein Vögelein im hohlen Baum verstecket, wenns trüb hergeht, die Luft unftät Menschen und Vieh erschrecket: 8. Also, Herr Christ, mein Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden. Wenn Sünd und Tod mich bringt in Noth, hab ich mich drein gefunden. 9. Darin ich bleib, ob hie der Leib und Seel von' nander scheiden: so werd ich dort bei dir, mein Hort, sein in ewigen Freuden. 246 10. Ehre sei nun GOtt Bater, Sohn und heilgem Geist zusammen! Zweifle auch nicht, weil Christus spricht: wer glaubt, wird selig. Amen. Mart. Rutilius+ 1618 und Joh. Major+ 1654. 2. Eine gemeine Beicht in Gesangs Weise. 1. Allein zu dir, Herr JEsu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist; kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, auf Erden war kein Mensch geborn, der mir aus Nöthen helfen kann: ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen han. 2. Mein Sünd sind schwer und übergroß, und reuen mich von Herzen; derselben mach mich quitt und los durch deinen Tod und Schmerzen, und zeig mich deinem Vater an, daß du hast gnug für mich gethan, so werd ich quitt der Sündenlast. Herr, halt mir fest, weß du dich mir versprochen hast. 3. Gib mir nach deinr Barmherzigkeit den wahren Christenglauben, auf daß ich deine Süßigkeit möcht inniglichen Buß- und Beichtlieder. schauen, vor allen Dingen lieben dich, und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End dein Hilf mir send, damit behend des Teufels List sich von mir wend. 247 4. Ehr sei GOtt in dem höchsten Thron, dem Vater aller Güte, und JEsu Christ, seim liebsten Sohn, der uns allzeit behüte, und GOtt dem heilgen Geiste, der uns sein Hilf allzeit leiſte, damit wir ihm gefällig sein, hier in der Zeit und folgend zu der Ewigkeit. Joh. Schneesing( Chiomusus) † 1597. 3. De profundis($ ₁. CXXX.). 1. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir, HErr GOtt, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffen; denn so du willt das sehen an, was Sünd und Unrecht ist gethan: wer kann, HErr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; deß muß dich fürchten jedermann und deiner Gnaden leben. 3. Darum auf GOtt will hoffen ich, auf mein Verdienſt nicht bauen. Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein werthes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort, deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen: doch soll mein Herz an GOttes Macht verzweifeln nicht noch sorgen. So thu Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward, und seines GOtts erharre. Buß- und Beichtlieder. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel: bei GOtt iſt viel mehr Gnaden; sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. 248 Luther. 4. 1. HErr, ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Last: ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget haft, und jetzt wollt ich gern aus Schrecken mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt ich dir entfliehen? Du wirst allenthalben sein. Wollt ich über See gleich ziehen, stieg ich in die Gruft hinein, hätt ich Flügel gleich den Winden, gleichwohl würdest du mich finden. 3. Drum, ich muß es nur bekennen: HErr ich habe mißgethan; darf mich nicht dein Kind mehr nennen: ach, nimm mich zu Gnaden an! Laß die Menge meiner Sünden deinen Zorn nicht gar entzünden. 4. Könnt ein Mensch den Sand gleich zählen an dem weiten Mittelmeer, dennoch würd es ihm wohl fehlen, daß er meiner Sünden Heer, daß er alle mein Gebrechen sollte wiſsen auszusprechen. 5. Wein, ach wein jetzt um die Wette, meiner beiden Augen Bach! O daß ich gnug Zähren hätte, zu betrauern meine Schmach! o daß aus dem Thränenbronnen käm ein starker Strom geronnen! 6. Ach, daß doch die strengen Fluthen überschwemmten mein Gesicht und die Augen möchten bluten, weil mir Wasser 249 Buß- und Beichtlieder. sonst gebricht! Ach, daß sie wie Meereswellen möchten in die Höhe schwellen! 7. Jedoch, Christe, deine Beulen, ja ein einzig Tröpflein Blut: das kann meine Wunden heilen, löschen meiner Sünden Glut. Drum will ich, mein Angst zu stillen, mich in deine Wunden hüllen. 8. Dir will ich die Last aufbinden: wirf sie in die tiefste See; wasche mich von meinen Sünden, mache mich so weiß als Schnee. Laß dein guten Geist mich treiben, einzig stets bei dir zu bleiben. Joh. Frand+ 1677. 5. In eignem Ton oder nach: Ach Gott vom Himmel sieh darein. 1. Herr JEsu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden! Sieh doch, wie ich in meinem Muth mit Schmerzen bin beladen, und in mir hab der Pfeile viel, die im Gewissen ohne Ziel mich armen Sünder drücken. 2. Erbarm dich mein in solcher Last, nimm sie aus meinem Herzen, dieweil du sie gebüßet hast am Holz mit Todesschmerzen, auf daß ich nicht mit großem Weh in meinen Sünden untergeh noch ewiglich verzage. 3. Fürwahr, wenn mir das kömmet ein, was ich mein Tag begangen, so fällt mir auf mein Herz ein Stein, und bin mit Furcht umfangen; ja, ich weiß weder aus noch ein, und müßte stracks verloren sein, wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Aber dein heilsam Wort das macht mit seinem ſüßen Singen, daß mir das Herze wieder lacht, als wenns beginnt zu springen, dieweil es alle Gnad verheißt denen, die mit zerknirschtem Geist zu dir, Herr JEsu, kommen. Buß- und Beichtlieder. 5. Und weil ich denn in meinem Sinn, wie ich zuvor geklaget, auch ein betrübter Sünder bin, den sein Gewissen naget, und gerne möcht im Blute dein von Sünden abgewaschen sein, wie David und Manasse: 250 6. Als komm ich auch zu dir allhie in meiner Noth geschritten, und thu dich mit gebeugtem Knie von ganzem Herzen bitten: vergib mirs doch genädiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen. 7. Ach HErr, mein GOtt! vergib mirs doch um deines Namens willen, und thu in mir das schwere Joch der Uebertretung stillen, daß sich mein Herz zufrieden geb und dir hinfort zu Ehren leb in kindlichem Gehorsam. 8. Stärk mich mit deinem Freudengeist, heil mich mit deinen Wunden, wasch mich mit deinem Todesschweiß in meiner letzten Stunden, und nimm mich einst, wann dirs gefällt, in wahrem Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. 9. Auf daß ich in der ewgen Freud mit Singn und Jubiliren preis' ewig deine Herrlichkeit mit Springn und Triumphiren. Erhör mein Bitt nach deinem Wort, nimm auf dein Kind, o treuer Hort, durch JEsum Christum. Amen. Barth. Ringwaldt † 1598. 6. Aus: Dies irae, dies illa. In eignem Ton. 1. Höchster König, JEsu Christ, der du groß und schrecklich bist, der du willst umsonst das Leben allen Auserwählten geben, Brunnquell aller Gütigkeit, führ auch mich zur Himmelsfreud. Buß- und Beichtlieder. 251 2. Frommer Hirt, erhöre mich und erinnre gnädig dich, daß du in die Welt bist kommen, Kreuz und Tod auf dich genommen, daß ich dort auf jenen Tag aller Qual entgehen mag. 3. Du hast eher nicht gerast't, bis du mich gefunden haſt, biſt am Kreuz für mich gestorben, daß du meine Seel erworben: o laß solche Müh und Pein an mir nicht verloren sein. 4. Rechter Rächer aller Schuld, ich begehre deine Huld. Laß Vergebung meiner Sünden mich bei deiner Güte finden, eh der große Tag einfällt, der zur Rechnung ist bestellt. 5. Ich beseufze meine That, die den Zorn verdienet hat, es erröthen meine Wangen über dem, was ich begangen; ach, ich bitt in solcher Noth: Schone meiner, treuer Gott! 6. Weil Maria fand Genad, da sie thränend Buße that, weil dem Schächer ward gewähret, was er hat von dir begehret, setze billig auch noch ich meine Hoffnung fest auf dich. 7. Mein Gebet ist zwar nicht werth, daß ihm Solches widerfährt; aber du, mein Hort, verhüte aus unendlich großer Güte, daß nicht in der Höllen Weh ich in Ewigkeit vergeh. 8. Hilf, daß wo du stellest hin deine Schäflein, ich auch bin; reiß mich ferne von den Böcken, die ein strenger Spruch wird schrecken; laß mich zu der Rechten stehn und zur Herrlichkeit eingehn. 9. Wann du wirst in deinem Grimm durch des strengen Urtheils Stimm zu der Höllen Pfuhl und Flammen die verfluchte Schaar verdammen, sprich mir, wie den Frommen, zu: Komm, Gesegneter, auch du! 10. Daß ich in des Himmels Saal unter deiner Heilgen Zahl, die du selber ausgeföhnet und mit Unschuld hast gekrönet, freudenvoll, ohn einig Leid leb' in alle Ewigkeit. Amen. Lüneburger Gesangbuch 1686. 252 Buß- und Beichtlieder. 7. 1. Jch armer Mensch, ich armer Sünder, steh hier vor Gottes Angesicht. Ach GOtt, ach GOtt, verfahr gelinder, und geh nicht mit mir ins Gericht. Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. 2. Wie ist mir doch so herzlich bange von wegen meiner großen Sünd, biß daß ich Gnad von dir erlange, ich armes und verlornes Kind! Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. 3. Hör und erhör mein seufzend Schreien, du allerliebstes Baterherz, wollst alle Sünden mir verzeihen und lindern meines Herzens Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. 4. Wie lang soll ich vergeblich klagen! Hörst du denn nicht? hörst du denn nicht? Wie kannst du das Geschrei ertragen? Hör was der arme Sünder spricht: Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. 5. Wahr ist es, übel steht der Schade, den Niemand heilet außer du. Ach, aber Gnade! Gnade! Gnade! Ich laß dir doch nicht eher Ruh. Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. 6. Nicht, wie ich hab verschuldet, lohne, und handle nicht nach meiner Sünd. Um JEsu willen, Vater, schone, erkenn mich wieder für dein Kind. Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. 7. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben; sag, daß der arme Sünder hör: Geh hin, die Sünd sind dir vergeben, hinfürder fündge nur nicht mehr. Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. Buß- und Beichtlieder. 253 8. Jch zweifle nicht; ich bin erhöret, erhöret bin ich zweifelsfrei, weil sich der Trost im Herzen mehret; drum will ich enden mein Geschrei. Erbarme dich, erbarme dich, GOtt mein Erbarmer! über mich. Christoph Titius † 1703. ( Nach dem Texte des Breslauer Gesangbuchs von 1761.) 8. 1. O Christe, Morgensterne! leucht uns mit hellem Schein, schein uns vons Himmels Throne an diesem dunklen Ort mit deinem reinen Wort. 2. JEsu, Trost der Armen! mein Herz heb ich zu dir, du wirst dich mein erbarmen, dein Gnade schenken mir, das trau ich gänzlich dir. 3. Ich kann und mag nicht schlafen, ich kann nicht fröhlich sein, mir ist verwundt mein Seele, und fürcht der Höllen Pein; o Christ, erbarm dich mein! 4. O JEsu, lieber Herre, du einger GOttessohn! von Herzen ich begehre, du wollst mir Hilfe thun; du bist der Gnadenthron. 5. Du hast für mich vergossen dein rosinfarbnes Blut, das laß mich, HErr, genießen, tröst mich durch deine Güt, hilf mir, das ist mein Bitt. 6. Ist dir verwundt so sehre die arme Seele dein, thu du dich zu mir kehren, ich will dein Helfer sein, vergeben Schuld und Bein." 7. ,, Laß du von Sünden abe, und sei ein frommer Christ, ich will dich selber laben, und schenken meinen Geist, der dich zum Himmel weiſt." Buß- und Beichtlieder. 8. Ich will dich selber speisen mit meinem Leib und Blut, mein Lieb an dir beweisen, und will dir theilen mit mein'n Schatz und höchstes Gut." 9. O JEsu! Lob und Ehre sing ich dir allezeit; den Glauben in mir mehre, daß ich nach dieser Zeit mit dir eingeh zur Freud. 254 Basil. Förtsch+ 1619. 9. Trostgesänglein, darinnen ein betrübtes Herz alle seine Sünden mit wahrem Glauben auf Christum leget. Aus Tauler. Im Ton: Auf meinen lieben Gott. 1. Wo soll ich fliehen hin, weil ich beschweret bin mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt her käme, mein Angst sie nicht wegnähme. 2. O JEsu, voller Gnad, auf dein Gebot und Rath fommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte: laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. 3. Jch, dein betrübtes Kind, werf alle meine Sünd, so viel ihr in mir stecken und mich so heftig schrecken, in deine tiefen Wunden, da ich stets Heil gefunden. 4. Durch dein unschuldigs Blut, die schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünde; mit Trost mein Herz verbinde und ihr nicht mehr gedenke: ins Meer sie tief versenke. 5. Du bist der, der mich tröst, weil du mich selbst erlöſt; was ich gesündigt habe, hast du verscharrt im Grabe. Da hast du es verschlossen, da wirds auch bleiben müſsen. 255 Lieder nach empfangener Absolution. 6. Jst meine Bosheit groß, so werd ich ihr doch los, wenn ich dein Blut auffasse und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, all Angst ihm bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel: doch was ich haben will, ist alles mir zu Gute erlangt mit deinem Blute, damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 8. Und wenn des Satans Heer mir ganz entgegen wär, darf ich doch nicht verzagen: mit dir kann ich sie schlagen. Dein Blut darf ich nur zeigen, so muß ihr Truß bald schweigen. 9. Dein Blut, der edle Saft, hat solche Stärk und Kraft, daß auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt kann reine, ja gar aus Teufels Rachen frei, los und selig machen. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verderben: dein Reich muß ich ererben; denn du hast mirs erworben, da du für mich geſtorben. 11. Führ auch mein Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mög alles meiden, was mich und dich kann scheiden, und ich an deinem Leibe ein Gliedmaß ewig bleibe. Joh. Heermann † 1647. B. Lieder nach empfangener Absolution. 10. Jm Ton: Verzage nicht, o frommer Christ. 1. Wärn meiner Sünd auch noch so viel, dennoch ich nicht verzagen will: Christ will ich lassen walten; der alle Sünd wegnimmt und trägt, den will ich lassen walten. 2. Sein tröstlich Wort hab ich gehört, damit er hat mein Herz gerührt: wer glaubet diesem Sohne, der wird verloren werden nicht, empfängt der Freuden Krone. Lieder nach empfangener Absolution. 3. Es traure, wer da trauren will, mein Herz aufspringt vor Freuden viel; kein Leid mag mich nicht rühren, kein Unfall mich abwenden soll von Christo, meinem Herren. 4. Mein Jesu Christ, mein Herr und Gott, dein Treue hilft allein aus Noth: hilf meinem schwanken Glauben, so kann mich auch der bitter Tod aus deiner Hand nicht rauben. 5. Frisch und fröhlich, mein liebe Seel! dir ist bescheert das ewig Heil; dein Feind sind all gedämpfet. Den Streit der nicht verlieren kann, der in dem Glauben kämpfet. 256 6. Dank sei dir, Gott, in Ewigkeit, o Vater der Barmherzigkeit, sammt Christo, meinen Herren! Dein Lob ich allzeit preisen will, stets deinen Namen ehren. Amen. Hermann Wepse( Vespasius) 1571. 11. Im Ton: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1. Wenn dein herzliebster Sohn, o Gott, nicht wär auf Erden kommen, und hätt, als ich in Sünden todt, mein Fleisch nicht angenommen: so müßt ich armes Würmelein zur Höllen wandern in die Pein um meiner Sünde willen. 2. Jetzt aber hab ich Ruh und Rast, darf nimmermehr verzagen, weil er die schwere Sünden- Last für mich hat ſelbst getragen. Er hat mit dir versöhnet mich, da er ließ willig tödten sich, auf daß ich selig würde. 3. Drum ist getrost mein Herz und Muth mit kindlichem Vertrauen: auf dies sein rosinfarbnes Blut will ich mein Hoffnung bauen, das er für mich vergossen hat, gewaschen ab die Miſsethat, und mir das Heil erworben. Lieder nach empfangener Absolution. 257 4. In seinem Blut erquick ich mich, komm hin zu dir mit Freuden; ich suche Gnad und hoff auf dich, von dir soll mich nichts scheiden. Was mir durch seine Marter- Kron erworben hat dein lieber Sohn, kann mir kein Teufel rauben. 5. Nichts hilft mich die Gerechtigkeit, die vom Gesetz herrühret: wer sich in eignem Werk erfreut, wird jämmerlich verführet. Des Herren Jesu Werk allein, das macht daß ich kann selig sein, der ichs mit Glauben faſſe. Joh. Heermann † 1647. 12. Jm Ton: HErr Gott, dich loben alle wir. 1. Wir danken dir, o treuer Gott, daß du uns hilfst aus Sündennoth, vergibst uns alle Schuld und Fehl, hilfst uns am Leib und an der Seel. 2. Durchs Priesters Mund sprichst du: Mein Kind, dir alle Sünd vergeben sind; geh hin im Fried, sündig nicht mehr und allweg dich zu mir bekehr. 3. Dir sei Dank für solch gnädig Herz, der du selbſt heilest allen Schmerz durchs theure Blut des HErren Christ, welchs für all Sünd vergossen ist. 4. Gib uns dein Geist, gib Fried und Freud von nun an bis in Ewigkeit. Dein Wort und heilig Sacrament erhalt bei uns bis an das End. Nik. Selneccer † 1592. 17 258 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. II. Abendmahlslieder. A. Lieder vor und bei der Feier. 1. 1. Auf, Seele, schicke dich! dein Heiland nahet sich. Geh ihm entgegen! Nimm Abschied von der Lust, und laß jetzt deine Brust nichts Eitles hegen. 2. Der wird dein Gast, o Geist, den das, was Himmel heißt, nicht fann umschließen. Der, dem die Welt zu klein, gibt sich in Brot und Wein dir zu genießen. 3. O Liebe, die sich hier in ihrer schönsten Zier vollkommen zeiget. Huld, der kein Ziel bekannt, die über den Verstand der Engel ſteiget. 4. Was ist, o Lamm, im Staub ein Mensch, der Würmer Raub, ein Mensch, die Made, daß du ihn so ergötzt, daß du ihn würdig schätz'st so hoher Gnade. 5. Ach, wie komm ich dazu, daß so ein Herr wie du mein Haus beschreitet, daß mir das höchste Gut von seinem Leib und Blut ein Mahl bereitet? 6. Doch da dirs so gefällt, hab ich mich eingestellt; du willst es haben. Dein Wort entschuldigt mich, bei dieſem halt ich dich: du wirst mich laben. 7. Bin ich gleich arm und bloß, so wird dein holder Schooß mich doch umgeben. Die Arzenei ist ja nur für die Kranken da zu ihrem Leben. 8. Nur Glauben schenke mir, der mich, mein Arzt, mit dir genau verbinde, damit mein franter Geist, wenn er dies Mahl geneußt, Gesundheit finde. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 259 9. Laß dein geſegnet Blut, das lauter Wunder thut, mein Herz durchdringen. Laß diesen edlen Saft Heil, Trost und Lebenskraft mir Armen bringen. 10. Der Leib, der für die Welt zum Opfer dargeſtellt, sei meine Speise; durch deren Kraft mein Geist, der sich der Welt entreißt, zum Himmel reise. 11. Dies Pfand von deiner Huld, die dich für meine Schuld in Tod getrieben, verbinde meinen Sinn, so lang ich leb und bin, dich treu zu lieben. 12. Wie du, o höchstes Gut, dich mir mit Leib und Blut hast übergeben, so wirke du in mir, daß ich hinwieder dir mag einig leben. 13. Gib daß ich als ein Zweig, an Saft und Leben reich, nun an dir bleibe, und als in dich versetzt, stets frisch und unverletzt, viel Früchte treibe. 14. Mein Leben sei in dir, dein Leben sei in mir; nimm mich zu eigen. Ich will auf dich nur sehn, und nur die Wege gehn, die du wirst zeigen. 15. Du hast an mir gethan ein Wert, das niemand kann nach Würden preisen: gib daß ich willig sei, dem Nächsten Lieb und Treu auch zu erweisen. 16. Zuletzt erlaube mir, daß ich auch dort mit dir zu Tische liege, und mich in deinem Reich mit Abraham zugleich an dir vergnüge. Joh. Jac. Rambach † 1735. 2. Im Ton: HErr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott. 1. Das Heil der Welt, HErr Jesu Christ, an dieſem Tisch wahrhaftig ist; im Sacrament das höchste Gut herniedersteigt mit Fleisch und Blut. ▸ 17* Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 2. Hier ist das wahre Osterlamm für uns geschlacht am Kreuzesstamm, das nimmt hinweg von uns die Sünd und macht uns wieder Gottes Freund. 260 3. Das himmlisch Manna das ist hie, davor der Himmel biegt die Knie; hie ist das rechte Himmelbrot, das unsern Hunger stillen thut. 4. O was für Lieb, HErr Jesu Christ, den Menſchen hie bewiesen ist! O Gott, wie bist du doch so gut, daß du uns gibst dein Fleisch und Blut! 5. O Christe, was wars für ein Lieb, so dich zu solchem Werk antrieb, daß du uns gibst dein Fleisch zur Speis auf solche unerhörte Weis! 6. O süße Speis! o süßer Trank! wie labst du unsre Seelen frank! O wie erquickst du das Gemüth durch deine unbegreiflich Güt! 7. O göttlichs Fleisch! o göttlichs Blut! du löschest aus der Höllen Glut. Wer dich genießt mit Würdigkeit wird leben in all Ewigkeit. 8. Verleih mir denn, o gütger Gott, daß einst in meiner letzten Noth dein heilger Leib, dein heilges Blut zu Trost und Hilf mir komm zu gut 9. Daß mir nach dieser Pilgerreis gedeih diese göttliche Speis zum Leben so da ewig ist in deinem Reich, HErr Jesu Christ. Cölln 1638 u. Würzburg 1721. - 3. Nach d. Weise: Nun freut euch lieben Christen gmein. 1. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnqueli aller Gnaden: wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du 261 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. uns hast geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit und unsrer Seelen Seeligkeit zu essen und zu trinken. 2. O Jesu, mach uns selbst bereit zu diesem hohen Werke; schenk uns dein schönes Ehrenkleid durch deines Geistes Stärke. Hilf daß wir würdge Gäste sein, und werden dir gepflanzet ein zu ewgem Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis ans Ende bleiben; laß Sünd und Noth uns für und für nicht wieder von dir treiben, bis wir durch deines Nachtmahls Kraft zu Auserwählten fortgeschafft und ewig selig werden. Barth. Ringwaldt 1598. 4. Jm Ton: Gott sei gelobet und gebenedeiet. 1. Herr JEsu Christe, mein getreuer Hirte, komm, mit Gnaden mich bewirthe. Bei dir alleine find ich Heil und Leben; was ich darf, kannst du mir geben. Kyrieleison. Dein arm Schäflein wollest du weiden auf Israels Bergen mit Freuden, und zum frischen Wasser führn, da das Leben her thut rührn. Kyrieleison. 2. All andre Speis und Trank ist ganz vergebens; du bist selbst das Brot des Lebens. Kein Hunger plaget den, der von dir isset, alles Jammers er vergisset. Kyrieleison. Du bist die lebendige Quelle; zu dir ich mein Herzkrüglein stelle: laß mit Trost es fließen voll, so wird meiner Seelen wohl. Kyrieleison. 3. Laß mich recht trauren über meine Sünde, doch den Glauben auch anzünde, den wahren Glauben, mit dem ich dich fasse, mich auf dein Verdienst verlasse. Kyrieleiſon. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. Gib mir ein recht bußfertig Herze, daß ich mit der Sünde nicht scherze, noch durch meine Sicherheit mich bring um die Seligkeit. Kyrieleiſon. 4. Greulich beflecket ist mein arm Gewissen: ach, laß ein Blutströpflein fließen aus deinen Wunden, welche du empfangen, da du bist am Kreuz gehangen. Kyrieleiſon. Wann mein Herz damit wird gerühret, wirds von Stund an rein und gezieret durch dein Blut mit Glauben schön, kann in dir vor GOtt bestehn. Kyrieleison. 262 5. Der darf des Arztes, den die Krankheit plaget, mit Begier er nach ihm fraget. O süßer JEsu, schau, wie tiefe Wunden werden auch in mir gefunden. Kyrieleison. Du bist ja der Arzt, den ich rufe, auf den mit Verlangen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott! Hilfst du nicht, ſo bin ich todt. Kyrieleison. 6. Du rufest allen zu dir in Genaden, die mühselig und beladen. All ihre Missethat willt du verzeihen, ihrer Bürden sie befreien. Kyrieleison. Ach, komm selbst, leg an deine Hände, und die schwere Last von mir wende. Mache mich von Sünden frei; dir zu dienen Kraft verleih. Kyrieleison. 7. Mein Geist und Herze wollst du zu dir neigen; nimm mich mir, gib mich dir eigen. Du bist der Weinstock, ich bin dein Rebe; nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyrieleison. Ach! in mir sind ich eitel Sünden, in dir müssen sie bald verschwinden; in mir find ich Höllenpein, in dir muß ich selig sein. Kyrieleiſon. 8. Komm, meine Freude, komm, du schönste Krone, JEsu, komm und in mir wohne! In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, ja mit Lieb und Glauben füssen. Kyrieleison. Bringe mit, was alle Welt erfreut, deiner Liebe süße 263 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. Lieblichkeit, deine Sanftmuth und Geduld, die Frucht deiner Gnad und Huld. Kyrieleison. 9. Dies sind die Blümlein, die mich können heilen und mir Lebenssaft ertheilen, daß ich nun aus mir all Untugend reiße, dir zu dienen mich befleiße. Kyrieleison. In dir hab ich alles, was ich soll; deiner Gnaden Brünnlein iſt ſtets voll. Laß mich ewig sein in dir, und bleib ewig auch in mir. Kyrieleison. Joh. Heermann+1647. 5. Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Delberg. Matth. 26, 30. ( Aus dem Dänischen übersetzt von W. v. Biarowsky.) 1. Höret zu, ihr hohen Himmel! Höre zu, du Engelheer, Höre zu, du Volksgewimmel auf dem Erdkreis weit umher! Höre zu, wer hören kann, wessen Geist je dacht und sann, wem nur Sinn und Ohr erschlossen, jeder höre unverdrossen! 2. Unser JEsus singt! Geklungen hat nie so der Engel Sang. Darum schweigt, ihr Engelzungen, vor des Meisters füßem Klang! Aller Himmel Harmonie wird zu heilger Melo-. die in des Meisters Mund und Herzen, da ihm nahn des Todes Schmerzen. 3. Welche Freude mußt durchdringen deines Herzens tiefsten Grund, du Apostelschaar, da singen du nun hörteſt Jesu Mund Israels Hallelujah, preisend sprachst: ,, Das Heil ist da, Kanaan hat Freudentage, weg ist Jammer, Joch und Plage." Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 4. Süßer Himmelsfänger! Alle, die gefangen weit und breit, meintest du mit deinem Schalle, danktest, daß der Trost bereit: in die Freiheit einzugehn und das Reich des HErrn zu sehn durch dein' Band' und Todesschmerzen, drunter du geseufzt im Herzen. 5. Wie so süß und sanft ertönet deiner Zunge Himmelslaut! Du, durch den die Welt versöhnet, sangst, da du den Tod geschaut. Während Adam fluchbeschwert weinend sich von Eden kehrt, öffnest wieder mit Gesange du die Pfort es ächzt die Schlange. 6. Stimm, von deiner Hand berühret, Zunge mir, o HErr, und Herz, daß ich so, wie sichs gebühret, sing und preise deinen Schmerz! Mach des Lebens ganzen Kreis Dir zu deines Namens Preis, daß ich deinen Tod bezeuge, siegreich selbst den Tod einst beuge! 7. Sing, o Seele! Nimmer stören Thränen deiner Freude Klang, weil das süße Wort zu hören: ,, Nimmer sticht die alte Schlang!" Sing von Ihm, deß Leidenslast dir zu gut kein Engel faßt! Glaub und sing, so wirst du schweben singend einst ins ewige Leben. Bischof Kingo. 264 6. Adoro te devote. Von Thomas v. Aquin. Nach der Weise: Nun seht und merket lieben Leut. 1. Ich bet dich an demütiglich, wahr Gott, Herr JEsu Christ, der du allhie unsichtbarlich in deinen Gaben bist. Mein Herz mit allen Kräften sich unterwirft dir ganz, denn wenn es dich betrachtet, zerschmilzts vor deinem Glanz. 265 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 2. In dir Hand, Mund und Augen finden betrogen sich; bloß durchs Gehör der Ohren glaubt man dir sicherlich. Was Gottes Sohn geredet, das glaub ich festiglich: nichts wahrers ist auf Erden denn was die Wahrheit spricht. 3. Am Kreuz allein die Gottheit wollte verbergen sich, hie aber ist die Menschheit zugleich unsichtbarlich. Doch glaub ich beid von Herzen, bekenns auch mit dem Mund, bitt mit dem frommen Schächer: gnad mir zu dieser Stund. 4. Ich schau nicht an wie Thomas dein heilge Wunden roth, doch glaub ich und bekenn das, du bist mein Herr und Gott. Laß mich in diesem Glauben zunehmen immerdar, mit Hoffnung auf dich trauen, dich lieben ganz und gar. 5. O allerheiligst Seelenspeis, du wahres Himmelsbrot, durch dich wird in der Christenheit verkündigt Christi Tod. Gib daß mein Seel zum Leben gespeiset werd von dir, und deiner Gnaden Süßigkeit ich stets empfind in mir. 6. O du getreuer Pelican*), o mein Herr JEsu gut, nimm mich unreinen Sünder an, wasch mich mit deinem Blut; das ist von solchen Kräften, daß nur ein Tröpflein klein die ganze Welt von Sünden allein kann machen rein. 7. Jetzt schau ich dich verborgen, mein Heiland JEsu Christ: ach wend mein Noth und Sorgen, still meiner Seelen Durst, daß ich dein göttlich Angesicht mög schauen offenbar und mit dir leben ewiglich in deinem Lichte klar. Aus: Catholisch Cantual, Meint 1605. *) Vom Pelican ging die Sage, daß er sich im Nothfall die Brust öffne, um die Jungen mit seinem Herzblut zu nähren; er ist deshalb ein altes Sinnbild Chriſti. 266 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 7. Im Ton: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt. 1. Ich weiß ein Blümlein, ist hübsch und fein, das thut mir wohlgefallen: es liebt mir in dem Herzen mein, das Blümelein vor andern Röslein allen. 2. Das Röslein ist das göttlich Wort, das uns GOtt hat gegeben: es leucht uns durch die enge Pfort das göttlich Wort wohl in das ewig Leben. 3. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben! wer Reu und Leid für sein Sünd hat und nicht verzagt, dem sinds im Glauben vergeben. 4. Der HErr spricht: Tretet her zu mir all, die ihr ſeid beladen, ich will nach eurs Herzens Begier, das glaubet mir, euch heilen euren Schaden. 5. Nehmt hin und eßt, das ist mein Leib, den ich euch thue schenken; ich verschreib euch all mein Gut dabei, glaubet nur frei, daß ihr mein sollt gedenken. 6. Nehmt hin und trinkt, das ist mein Blut, das ich für euch vergossen; nehmt hin, solchs thut, denn dieß mein Blut schafft großen Muth euern verzagten Herzen. 7. Wir bitten dich, Herr JEsu Christ, wohl durch dein bitter Leiden: weil du für uns gestorben bist, Herr JEſu Christ, du wollst nicht von uns scheiden. 8. Nimm uns für deine Kinder an, daß wir dich allzeit loben; dein Wort bekenne jedermann. HErr, nimm uns an durch JEsum Christum. Amen. Aus dem 16. Jahrh. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 267 8. Stimme des Bräutigams und der Braut. Nach der Weise: Jesu, meine Freude. 1. JEsu, Lieb und Leben, der du für mich geben hast den Leib in Tod, und dein Blut vergoßen, daß zwei Ströme floßen von dir weiß und roth- sieh doch mein Verlangen an und die Seufzer die ich schicke: Jeſu, mich erquicke. 2. Hast du doch aus Gnaden mich zu dir geladen und so weit gebracht, daß ich los von Sünden Ruh und Trost kann finden, daß mein Herze lacht. O du güldner Tag des Heils! da mein Leben mich so labet und die Lieb begabet. 3. Süße Liebe, schenke, schönstes Leben, senke in mich was du hast. Der du herrlich ehrest und so reichlich nähreſt, laß auch deinen Gast, der vor deinen Füßen liegt, nur ein Brosamlein genießen und ein Tröpflein fließen. 4. Doch du willt ergetzen und noch höher setzen, Liebster, deine Braut. Eßt von meinem Tische, trinkt, daß euch erfrische," rufst du, ,, kommt und schaut: Dieses ist mein Leib und Blut; ich geb euch mich selbst zur Speise wunderbarer Weise." 5. Wol, ich will hingehen und dies Wunder sehen, schmecken was für Kraft mein Erlöser gönnet, daß mein Herz so brennet, was für Stärk und Saft Er mit schlechtem Brot und Wein seinen Freunden vor will legen, reichen Himmelssegen. 6. O wie freundlich zeiget, o wie lieblich neiget sich mein Bräutigam, mich zu führn in Garten, da von schönsten Arten grünet jeder Stamm! Himmelgleiches Paradeis! Da wo keine Dörner stechen will ich Rosen brechen. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 7. Füll, mein Herze, fülle! dieses ist sein Wille, sammle Wolthat ein. Diese reiche Güte soll mir eine Blüthe und ein Vorschmack sein, bis der Baum des Lebens dort tausend Freudenfrüchte bringet, daß man jauchzt und singet. 8. Aber komm geschicket, mit dem Kleid geschmücket, das ihm wolgefällt, Herz das glaubt und liebet, den Gehorsam übet, fern von Lust der Welt. Schmieg dich an die Brust und bitt: Willst du, HErr, dein Schäflein weiden, wollst du es auch kleiden. 268 9. Stärke du den Glauben, daß der Feind nicht rauben kann mein höchstes Gut. Du weißt meine Kräfte, drum hab dein Geschäfte in mir; Geist und Blut reinge mich und wasch mich wol, daß es mög zum Tempel werden, Himmel auf der Erden. 10. Hier ist mein Vergnügen, das kann mich nicht trügen wie die Lust der Welt. Wenn ich dich erwähle, findt mein arme Seele alles wol bestellt bei des Lammes Abendmal. Drum laß mich dir sein ergeben, Jesu, Lieb und Leben. Gottlieb Balduin 1681( † 1684.) 9. Salve cordis gaudium. 1. Jesu, meines Herzens Freud, süßer Jesu! Meiner Seelen Seligkeit, süßer Jesu! Des Gemüthes Sicherheit, süßer Jesu! Jesu, süßer Jesu! 2. Tausendmal gedenk ich dein, mein Erlöser! Und begehre dich allein, mein Erlöser! Sehne mich bei dir zu sein, mein Erlöser! Jesu, mein Erlöser! 269 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 3. Weide mich und mach mich satt, Himmelsspeise! Tränke mich, mein Herz ist matt, Seelenweide! Sei du meine Ruhestatt, Ruh der Seelen! Jesu, Ruh der Seelen! 4. Nichts ist Lieblichers als du, liebste Liebe! Nichts ist Freundlichers als du, milde Liebe! Auch nichts Süßers ist als du, süße Liebe! Jesu, süße Liebe! 5. Ich bin frank; komm, stärke mich, meine Stärke! Ich bin matt, erquicke mich, süßer Jesu! Wenn ich sterbe, tröste mich, du mein Tröster! Jesu, du mein Tröster! Joh. Flittner+ 1678. 10. S. Johannes Hussen Lied, gebesſert. 1. JEsus Christus, unser Heiland, der von uns den GOttes Zorn wandt, durch das bitter Leiden sein, half er uns aus der Höllen Pein. 2. Daß wir nimmer des vergessen, gab er uns sein Leib zu essen, verborgen im Brot so klein, und zu trinken ſein Blut im Wein. 3. Wer sich will zu dem Tisch machen, der hab wohl Acht auf sein Sachen. Wer unwürdig hinzugeht, für das Leben den Tod empfäht. 4. Du sollt GOtt den Vater preisen, daß er dich ſo wohl wollt speisen, und für deine Missethat in den Tod sein Sohn geben hat. 5. Du sollt gläuben und nicht wanken, daß ein Speiſe ſei den Kranken, den ihr Herz von Sünden schwer und vor Angſt ist betrübet sehr. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit sucht ein Herz in großer Arbeit. Ist dir wohl, so bleib davon, daß du nicht kriegest bösen Lohn. 7. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen, laßt mich über euch erbarmen; kein Arzt ist dem Starken noth, sein Kunſt wird an ihm gar ein Spott. 8. Hättst du dir was konnt erwerben, was dürft ich denn für dich ſterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, so du selber dir helfen willt. 270 9. Gläubst du das von Herzensgrunde, und bekenneſt mit dem Munde, so bist du recht wohlgeschickt, und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: deinen Nächsten sollt du lieben, daß er dein genießen kann, wie dein GOtt an dir hat gethan. Luther. 11. 1. JEsus, JEsus, du mein Heiland, dein Erbarmen ist mein Eiland, da mein Schiff vor Anker liegt, sanft von deinem Geist gewiegt. 2. Ach es flog, von Sturm verschlagen und von wilder Fluth getragen, auf dem klippenreichen Meer haltlos ohne Ziel umher. 3. Da ergriffst du, Vielgetreuer, mit der starken Hand das Steuer, triebst mein Schiff dem Hafen zu und gebotst den Stürmen Ruh. 4. Himmelsluft vom Heimatlande weht entgegen mir am Strande, und die frohen Augen schaun deiner Gnade grüne Aun.. 271 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 5. Leuchtend strahlt mir nun zur Wonne deiner heilgen Liebe Sonne, und nach langer Fastenzeit hältst du mir das Mahl bereit. 6. Brot und Wein sind deine Gaben, und daß sie das Herz mir laben, senkest du in Brot und Wein dich und all dein Heil hinein. 7. Ach bei dir ist viel Vergeben. Heilger, heilge du mein Leben, lege dein Verdienst mir bei, daß ich Gott gefällig ſei. 8. JEsus, JEsus, du mein Heiland, dein Erbarmen iſt mein Eiland, und mein Schmuck und Ehrenkleid dein Blut und Gerechtigkeit. Julius Sturm geb. 1816. 12. 1. Komm, mein Herz, in JEsu Leiden dich zu laben und zu weiden! Stille hier dein sehnlich Dürsten an dem Mahl des Lebensfürsten. Daß ich einen Heiland habe, und in seinem Heil mich labe, und in sein Verdienst mich kleide: das ist meines Herzens Freude. 2. Zwar hab' ich Ihn alle Tage, wenn ich Sehnsucht nach Ihm trage; er ist auf der Himmelsreise täglich meine Seelenspeise. Daß ich einen Heiland habe, bleibt mein alles bis zum Grabe, und ich mag nichts Andres wissen, als sein theures Heil genießen. 3. Aber ich will mit Verlangen auch sein Abendmahl empfangen. Hier darf Seel und Leib ihn essen, und so kann ichs nicht vergessen: daß ich einen Heiland habe, der am Kreuz und in dem Grabe, wie sein Wort mir sagt und schreibet, mein Erlöser war und bleibet. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 4. Ach wie werd ich oft so müde! Wie entweicht der süße Friede! Sünd und Welt kann mich verwunden, wenn mir dieses Licht entschwunden: daß ich einen Heiland habe, der mit seinem Hirtenstabe, sanft und mild und voll Vergeben, mir nichts ist als Heil und Leben. 5. O ich Armer, ich Verlorner, ich in Sünden schon Geborner! Was wollt ich vom Troste wissen, wäre dies mir weggerissen: daß ich einen Heiland habe, dessen Blut mich Sünder labe! Besser wär es, nie geboren, als dies theure Wort verloren! 272 6. Sei geſegnet, ewge Liebe, daß du mir aus treuem Triebe, da das Mißtraun mich vergiftet, solch ein Denkmal ſelbst geſtiftet: daß ich einen Heiland habe, der gekreuzigt ſank zu Grabe, daß er meinen Tod bezwänge, und in seinen Sieg verschlänge. 7. Heilges Brot, sei mir gesegnet, weil mir Der mit dir begegnet, deſsen heilge Todeswunden die Erlösung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, der erblaßt und todt im Grabe auch für meine Schuld gelegen, will ich schmecken und erwägen. 8. Heilger Wein, sei mir gesegnet, weil mir Der mit dir begegnet, dessen Blut mich lässet finden die Vergebung aller Sünden! Daß ich einen Heiland habe, der die arme Seele labe: muß nicht dieß mein Dürsten ſtillen, und mein Herz mit Wonne füllen? 9. Er befiehlts mich satt zu essen, meines Jammers zu vergessen; Er gebeuts, mich satt zu trinken, und in Freude zu versinken: daß ich einen Heiland habe, der sich selbst zur Opfergabe, ja zur Nahrung und zum Leben mir aus ewger Huld gegeben. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 273 10. Gott! was brauch ich mehr zu wissen? ja was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Heil ermessen? Werd ich das nur nie vergessen: daß ich einen Heiland habe! Ich bin frei vom Tod und Grabe; wenn mich Sünd und Hölle schrecken, so wird mich mein Heiland decken. 11. Ja, mein Heiland, den ich nehme, weil ich mich nicht knechtisch schäme! Nehmet hin, so rufst Du allen- darum soll es laut erschallen: daß ich einen Heiland habe, und an ihm mich muthig labe. Trotz den Feinden, die mich hassen, will ich mich nicht stören laſsen. 12. Will hinfort mich etwas quälen, oder wird mir etwas fehlen, oder wird die Kraft zerrinnen: so will ich mich nur besinnen, daß ich einen Heiland habe, der vom Kripplein bis zum Grabe, bis zum Thron, wo man ihn ehret, mir, dem Sünder, zugehöret. E. G. Woltersdorf † 1761. 13. Die Wandlung.*) 1. Lebendig, kräftig Himmelsbrot, aus Gnaden uns gegeben, du Brot, das uns der Vater bot, damit wir mögen leben: o speise mich, Herr Jesu Christ, der du das wahre Manna bist. 2. Kraft, die in meinem Leibe ruht, verwandelt zur Bewahrung des Leibes mir in Fleisch und Blut die dargebotne Nahrung: so wandle dich, Herr Jesu Christ, in mir, bis du mein Leben bist. *) Eben diese Ueberschrift führt ein Abendmahlslied von Pfeils ( † 1784), beginnend: Vater unser in der Höhe; beide Lieder bringen den wahren Begriff der Wandlung, so wie er im Sacrament des Altars heimisch ist, zum Ausdruck. 18 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 3. Was frommt mir dieser Erde Pracht? Sie nährt mit ihren Gaben den Leib nur für des Grabes Nacht, kann nicht die Seele laben; das kannst nur du, Herr Jesu Christ, der du der Seelen Speiſe bist. 274 4. Nur dich begehr ich, dich allein, und will vor dir nicht schweigen, bis Alles mir mit dir gemein und Alles nur dein eigen, und mir nichts bleibt, Herr Jesu Christ, als was von dir gekommen iſt. Julius Sturm geb. 1816. 14. Im Ton: Ach Gott und Herr. 1. Mein Seel, dich freu und lustig sei, mit Glauben wohl gezieret! Zur Mahlzeit schön wirst heut du gehn, zu der dich Christus führet. 2. Merk auch mit Fleiß die werthe Speis, sein Leib, für dich gegeben. Der Trank ist gut: sein werthes Blut stärkt dich zum ewgen Leben. 3. Mit Himmelsbrot versieht dich GOtt bei diesem Tisch von oben. Der Fels dich tränkt, das Leben schenkt; drum thu. ihn herzlich loben. 4. Von Herzen ich will freuen mich, daß mich der HErr geladen. Er ist ja mein und ich bin sein, mein'r Seel ist wohl gerathen. 5. Ich komme heut mit höchster Freud, HErr Christ, zu deinem Tische und stell mich ein zur Mahlzeit dein: mein Leib und Seel erfrische! 6. Geängstet Herz, zerschlagn mit Schmerz von wegen seiner Sünden, sehnlich ich bitt, veracht ja nit; laß mich Verzeihung finden! Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 7. Kein Opfer sonst ich deiner Gunst auf dieser Welt kann bringen; o HErr, laß mein erschrockn Gebein vor Freuden wieder springen. 275 8. Die Mahlzeit dich, HErr Christ, und mich verbindt himmlischer Weise; bleib doch in mir, und ich in dir, daß ich dich ewig preiſe. 9. Gewiß ich weiß, daß da mit Fleiß viel tausend Engel ſtehen, wenn wir so fein im Glauben rein zum Tisch des HErren gehen. 10. Wenn in der Näh ich recht anseh den Kelch in dieser Stunden, denk ich, dein Blut als eine Fluth fließ aus dein heilgen Wunden. 11. Mich dünkt, als sei der Himmel frei, wie Stephano mir offen: dein Liebe hat in höchster Gnad mein Seel so süß getroffen. 12. Ei, daß nur bald die Engl mit Schall mein Seel führtn aus dem Leben ins Himmels Thron, da mir ein Kron Christus der HErr wird geben. 13. HErr, laß die Freud zu keiner Zeit aus meinem Herzen weichen; deins Geists gewiß wahrlich ist dieß, der in mir wohnt, ein Zeichen. 14. Unterdeß ich ergeb dir mich und laß dichs im Kreuz walten; ich werd einmal ins Himmels Saal die ewig Tafel halten. Siegm. Scherer † 1639. 15. Jm Ton: Herr Jesu Christ wahr Mensch und Gott( O Jesu Christ meins Lebens Licht). 1. O JEsu, du mein Bräutigam, der du aus Lieb am Kreuzesstamm für mich den Tod gelitten hast, genommen weg der Sünden Laſt. 18* Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 2. Ich komm zu deinem Abendmahl, verderbt durch manchen Sündenfall; ich bin krank, unrein, nackt und bloß, blind und arm, ach! mich nicht verstoß. 3. Du bist der Arzt, du bist das Licht, du bist der HErr, dem nichts gebricht; du bist der Brunn der Heiligkeit, du biſt das rechte Hochzeitskleid. 276 4. Drum, o Herr JEsu, bitt ich dich, in meiner Schwachheit heile mich; was unrein ist, das mache rein durch deinen hellen Gnadenschein. 5. Erleuchte mein verfinstert Herz, zünd an die schöne Glaubenskerz, mein Armuth in Reichthum verkehr, und meinem Fleische steur und wehr. 6. Daß ich das rechte Himmelsbrot, dich, JEsu, wahrer Mensch und Gott, mit höchster Ehrerbietung eß, und deiner Liebe nicht vergeß. 7. Lösch alle Laster aus in mir, mein Herz mit Lieb und Glauben zier, und was sonst ist von Tugend mehr, das pflanz in mir zu deiner Ehr. 8. Gib, was nütz ist zu Seel und Leib, was schädlich ist, fern von mir treib; komm in mein Herz, laß mich mit dir vereinigt bleiben für und für. 9. Hilf, daß durch dieser Mahlzeit Kraft das Bös in mir werd abgeschafft, erlassen alle Sündenschuld, erlangt des Vaters Lieb und Huld. 10. Vertreibe alle meine Feind, die sichtbar und unsichtbar seind. Den guten Vorsatz, den ich führ, durch deinen Geist fest mach in mir. 11. Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht nach deinem heilgen Willen richt; ach, laß mich meine Tag in Ruh und Friede christlich bringen zu. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 277 12. Bis du mich, o du Lebensfürst! zu dir in Himmel nehmen wirst, daß ich bei dir dort ewiglich an deiner Tafel freue mich. Joh. Heermann † 1647. 16. O esca viatorum. Von Thomas v. Aquino(?). 1. O allerhöchste Speise auf dieser Pilgerreise, wahrhaftes Himmelbrot, wollst uns den Hunger stillen, mit deiner Gnad erfüllen, uns retten von dem Tod. 2. O süßer Trank des Lebens, den du nicht hast vergebens uns Armen zubereit, lösch uns den Durst der Sünden, gib daß wir recht empfinden dein Kraft und Süßigkeit. 3. Mit Glauben und Vertrauen wir dich verdeckt anschauen in dieser Sterblichkeit; drum laß einmal geschehen, daß wir im Himmel sehen dein klare Herrlichkeit. Aus: Mainzisch Gesangbuch 1686. 17. Nach Thomas Aquinas' Lauda Sion salvatorem. 1. Preise, Zion, tausendtönig mit Gebet und Lobgesang deinen Herrn und deinen König, der den Tod für dich bezwang und für dich ans Kreuz geschlagen Gottes Zorn für dich getragen. 2. Laß in seines Hauses Hallen, von dem tiefsten Dank erfüllt, ihm dein schönstes Lied erschallen, der, in Brot und Wein verhüllt, dir mit seinem Heil und Segen heut so freundlich tritt entgegen. Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 3. Allen reicht er seine Spende, wie er sie den Jüngern bot, doch aus seinem Sacramente kommt das Leben wie der Tod; da die Wahl dir freigegeben, wähle für den Tod das Leben. 4. Auf! ihn würdig zu empfangen, bring ihm ein zerschlagnes Herz, das voll Zagen und Verlangen in der Reue bittrem Schmerz nur das Eine wünscht von Allen: ihm als Opfer zu gefallen. 278 5. Laß dir keinen Zweifel rauben deinen ewig reichen Hort, halte fest an deinem Glauben, traue fest auf Christi Wort: Himmlisches will er dir reichen mit und unter irdschen Zeichen. 6. Und so nimm ihn auf im Herzen, gib ihm eine offne Bahn, Ihm, der unter Qual und Schmerzen auch für dich genug gethan, der sein Blut für dich vergossen und den Himmel dir erschlossen. 7. Herr, dein Fleisch, das Engel nähret, und dein Blut, das Heilge tränkt, hast du gnädig uns gewähret, daß dein Zion dein gedenkt und im Glauben fest gegründet freudig deinen Tod verkündet. 8. Mag im raschen Flug der Zeiten Erd und Himmel untergehn, Herzog aller Seligkeiten, ewig wird dein Bund bestehn; ewig bleibt in deinem Namen die Verheißung Ja und Amen. Julius Sturm geb. 1816. 18. 1. Schmücke dich, o liebe Seele! laß die dunkle Sündenhöhle, komm ans helle Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen. Denn der Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaste laden; der den Himmel kann verwalten, will jetzt Herberg in dir halten. 279 Lieder vor und bei dem heiligen Abendmahl. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, deinem Bräutigam entgegen, der da mit dem Gnadenhammer klopft an deine Herzenskammer. Deffn' ihm bald des Geistes Pforten, red ihn an mit schönen Worten: Komm, mein Liebster, laß dich küssen, laß mich deiner nicht mehr missen. 3. Zwar in Raufung theurer Waaren pflegt man sonst kein Geld zu sparen: aber du willst für die Gaben deiner Huld kein Geld nicht haben, weil in allen Bergwerksgründen kein solch Kleinod ist zu finden, das die blutgefüllten Schaalen und dies Manna kann bezahlen. 4. Ach wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach wie pfleg ich oft mit Thränen mich nach dieser Kost zu sehnen! Ach wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine sich durch GOtt mit GOtt vereine. 5. Beides, Lachen und auch Zittern, lässet sich in mir jetzt wittern. Das Geheimniß dieser Speise und die unerforschte Weise machet, daß ich früh vermerke, HErr, die Größe deiner Werke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, der dein Allmacht kann ergründen? 6. Nein, Vernunft, die muß hier weichen, kann dies Wunder nicht erreichen, daß dies Brod nie wird verzehret, ob es gleich viel tausend nähret, und daß mit dem Saft der Reben uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten, die nur GOttes Geist kann deuten! 7. JEsu, meines Lebens Sonne, JEsu, meine Freud und Wonne, JEsu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen, laß mich würdiglich genießen dieser deiner Himmelsspeise, mir zum Heil und dir zum Preise. Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 8. HErr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel h'rab getrieben, daß du willig hast dein Leben in den Tod für uns gegeben und dazu ganz unverdrossen, HErr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. 280 9. JEsu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens oder mir vielleicht zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen, laß mich durch dies Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mög ein Gast im Himmel werden. Joh. Frand 1677. B. Lieder nach der Feier. 1. Der Lobgesang Gott ſei gelobt. 1. GOtt sei gelobet und gebenedeiet, der uns selber hat geſpeiset mit seinem Fleische und mit seinem Blute, das gib uns, HErr GOtt, zu gute. Kyrieleison. HErr, durch deinen heiligen Leichnam, der von deiner Mutter Maria kam, und das heilige Blut hilf uns, Herr, aus aller Noth. Kyrieleison. 2. Der heilig Leichnam ist für uns gegeben zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größer Güte konnte er uns schenken, dabei wir sein solln gedenken. Kyrieleison. HErr, dein Lieb so groß dich zwungen hat, daß dein Blut an uns groß Wunder that und bezahlt unser Schuld, daß uns Gott ist worden hold. Kyrieleison. 3. GOtt geb uns allen seiner Gnaden Segen, daß wir gehn auf seinen Wegen in rechter Lieb und brüderlicher Treue, Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 281 daß uns die Speis nicht gereue. Kyrieleison. HErr, dein heilig Geist uns nimmer laß, der uns geb zu halten rechte Maß, daß dein arm Christenheit leb in Fried und Einigkeit. Kyrieleison. Luther. 2. Aufopferung der Seele in dankbarer Gegenliebe. 1. Höchster Priester, der du dich selbst geopfert haft für mich: laß doch, bitt ich, noch auf Erden auch mein Herz dein Opfer werden. 2. Denn die Liebe nimmt nichts an, was du, Liebe! nicht gethan; was durch deine Hand nicht gehet, wird zu Gott auch nicht erhöhet. 3. Drum so tödt und schlachte hin meinen Willen, meinen Sinn: reiß mein Herz aus meinem Herzen, sollts auch sein mit tausend Schmerzen. 4. Trage Holz auf den Altar, und verbrenn mich ganz und gar. O du allerliebste Liebe, wenn doch nichts mehr von mir bliebe! 5. Also wird es wohl geschehn, daß der Herr es wird ansehn; also werd ich noch auf Erden Gott ein Liebes- Opfer werden. Joh. Angelus+ 1677. 3. Nach der Weise: Mein Seel, o Gott, muß loben dich. 1. Mein Herz gedenk was JEsus thut: o große Lieb! o höchstes Gut! Auf neue Weis zur Seelenspeis gibt Jesus hier sein Fleisch und Blut. Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 2. O liebster Gott, im Sacrament bleibt deine Lieb bis an das End: wie soll denn ich nicht lieben dich? O daß mein Herz in Lieb verbrennt! 3. Aus Lieb ich denn verlang zu dir, nichts als die Lieb soll wirken hier; bei dir allein mein Herz will sein: ach liebster Jesu, komm zu mir. 282 4. Zu dir mein Herz verlanget sehr, dein Gnad und Lieb immer vermehr! Allein du bist, HErr Jesu Christ, was ich auf dieser Welt begehr. 5. Nun hab ich was mein Seel begehrt, was will ich mehr auf dieser Erd? wahre Freud! o Süßigkeit! o Ruh der Lieb, die ewig währt! 6. Kein andre Ruh vergnügt mein Herz, ohn Jeſum sein ist lauter Schmerz; darum allein mein Sorg wird sein, daß ich nicht mehr dies Gut verscherz. 7. O schönstes Gut! o theures Pfand! o reine Lieb! o keusches Band! Mit Lieb an dich, o Jesu, mich gebunden halt im Gnadenstand. 8. Ach bleib bei mir, ich bitte dich, in deiner Lieb erhalte mich. Mein Leib und Seel ich dir befehl, dein will ich bleiben ewiglich. Würtzburg 1764. 4. Im Ton: Erquicke mich, du Heil der Sünder. 1. Mein JEsu, der du vor dem Scheiden in deiner letzten Trauernacht uns hast die Früchte deiner Leiden in einem Testament vermacht: es preisen gläubige Gemüther dich, Stifter dieser hohen Güter. 283 Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 2. So oft wir dieses Mal genießen, wird dein Gedächtniß bei uns neu. Man kann aus frischen Proben schließen, wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen verneuern sich in unsern Herzen. 3. Es wird dem zagenden Gewissen ein neues Siegel aufgedrückt, daß unser Schuldbrief sei zerrissen, daß unsre Handschrift sei zerstückt, daß wir Vergebung unsrer Sünden in deinen blutgen Wunden finden. 4. Das Band wird fester zugezogen, das dich und uns zusammenfügt. Die Freundschaft, die wir sonst gepflogen, fühlt, wie sie neue Stützen kriegt. Wir werden mehr in solchen Stunden mit dir zu Einem Geist verbunden. 5. Dies Brot fann wahre Nahrung geben, dies Blut erquicket unsern Geist. Es mehrt sich unser innres Leben, wenn unser Glaube dies geneußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke in unserm Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genau're Bande mit deines Leibes Gliedern ein, mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele sein. Der Geist muß mehr zuſammenfließen, da wir Ein Fleisch und Blut genießen. 7. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, daß unſer Fleisch, das Schwachheit voll, einst herrlich aus dem Staube grünen und unverweslich werden soll, ja daß du uns ein ewig Leben nach diesem kurzen werdeſt geben. 8. Otheures Lamm, so edle Gaben hast du in dieſes Mahl gelegt, da wir dich selbst zur Speise haben, wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein verdient, daß aller Engel Zungen zu deſsen 284 Lieder nach dem heiligen Abendmahl. Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir erhoben, so wird er dich vollkommner loben. I. I. Rambach † 1735. 5. Im Ton: Nun laßt uns Gott dem Herren. 1. O JEsu, meine Wonne, du meiner Seelen Sonne, du Freundlichster auf Erden, laß mich dir dankbar werden. 2. Wie kann ich gnugsam schätzen dies himmelsüß Ergetzen, und diese theure Gaben, welch uns gestärket haben. 3. Wie soll ich dirs verdanken, o HErr! daß du mich Kranken gespeiset und getränket, ja selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen für alle deine Schmerzen, für deine Schläg und Wunden, der du so viel empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, den Ursprung meiner Freuden; dir dank ich für dein Sehnen und heiß vergoßne Thränen. 6. Dir dank ich für dein Lieben, das standhaft ist geblieben; dir dank ich für dein Sterben, das mich dein Reich läßt erben. 7. Jetzt schmecket mein Gemüthe dein übergroße Güte, dies theure Pfand der Gnaden tilgt allen meinen Schaden. 8. HErr, laß mich nicht vergessen, daß Du mir zugemessen die kräftig Himmelsspeise, wofür mein Herz dich preiſe. 9. Du wollest ja die Sünde, welch ich annoch empfinde, aus meinem Fleische treiben, und kräftig in mir bleiben! 10. Nun, ich bin los gezählet von Sünden, und vermählet mit dir, mein liebstes Leben! was kannst du mehrers geben? 11. Laß, Schönster, meine Seele doch stets in dieſer Höhle des Leibes mit Verlangen an deiner Güte hangen. 285 Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 12. Laß mich die Sünde meiden, laß mich geduldig leiden, laß mich in Andacht beten, und von der Welt abtreten! 13. Jm Handeln, Wandeln, Essen, laß nimmer mich vergessen, wie trefflich ich beglücket, ja himmlisch bin erquicket! 14. Nun kann ich nicht verderben, drauf will ich selig sterben und freudig auferstehen, o JEsu, dich zu sehen. Joh. Rift 1667. 6. 1. O unaussprechlichs Wesen! Mein JEsus ist in mir, und ich bin schon genesen bei dieser Tafel hier. Die Frucht, die ich genieße, ist meiner Kehlen süße, mehr als ich sagen kann 2. Mein Geist, von Wonne trunken, ist in ein Gnadenmeer entzückt hinabgesunken. Wer gibt mir Flügel her, mich in die Höh zu schwingen, und dem ein Lied zu singen, der mir so wohl gethan. 3. Ach nun ist meine Seele ein rechtes Paradies. Es ruht in dieser Höhle mehr als ein güldnes Vließ. Ich gäbe diese Schätze, woran ich mich ergöße, nicht für die ganze Welt. 4. Mein Loos ist mir gefallen aufs Allerlieblichste; der alles ist in allem, der Aufgang aus der Höh, hat in mir Platz genommen, und ist so nahe kommen, als ich mir selber bin. 5. Das sind die grünen Auen, wo Lebens- Weide wächſt. Hier läßt der Himmel thauen, wenn meine Seele lechzt. Hier kann ich JEsum küssen, und den ans Herze schließen, der mir das Herze gibt. 6. Wohl mir! den Himmels- Fürsten trag ich in meiner Brust. Nun wird mich nicht mehr dürsten bei der geschmeckten Lust. Mich schreckt der Tod vergebens, weil mir das Brot des Lebens zur Speise worden ist. Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 7. Das sind die Liebes- Siegel, die auf mein Herz gedrückt. In diesem Gnaden- Spiegel wird Heil und Theil*) erblickt. Bei diesem Lebensbaume find ich in kühlem Raume, was Leib und Seel erquickt. 8. Ich hab und will ihn halten, den meine Seele liebt. Er soll mein Herz verwalten, das sich ihm ganz ergibt. Mein Geist soll an ihm kleben, ich will in Ihme leben, und Er allein in mir. 286 9. Der Nachschmack dieser Speise soll mir ein Vorschmack sein, auf meiner Lebensreise, vom Himmel- Brot und Wein, die ich dort werde schmecken, wenn du wirst Tafel decken zu Zions Hochzeits- Mahl. 10. Ich gehe nun von hinnen, und nehme dich mit mir. Ach stelle meinen Sinnen das zum Gedächtniß für: Wer dich recht will empfinden, der muß sich auch verbinden, dir ewig treu zu sein. 11. Bei mir soll es nun heißen: Mein Herz ist wo mein Schatz. Ich werde mich befleißen, den dir geweihten Platz der Sünde zu verschließen, und dich allein zu küssen, bis ich gar bei dir bin. Benjamin Schmolck † 1737. 7. Im Ton: Nun lob mein Seel. 1. Wie wohl hast du gelabet, o liebster JEsu! deinen Gast, ja mich so reich begabet, daß ich jetzt fühle Freud und Rast. O wundersame Speise! o süßer Lebenstrank! o Liebmahl, das ich preise mit einem Lobgefang, indem es hat erquicket mein Leben, Herz und Muth; mein Geist, der hat erblicket das allerhöchste Gut. *) Theil heißt hier nach Pf. 142, 6 das himmlische Erbe. Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 2. Du hast mich jetzt geführet, o HErr, in deinen Gnadensaal, daselbst hab ich berühret dein edle Güter allzumal. Da hast du mir gegeben, umsonst und mildiglich das werthe Brot zum Leben, das sehr ergetzet mich. Du hast mir zugelassen, daß ich den Seelenwein im Glauben möchte fassen und dir vermählet ſein. 3. Bei dir hab ich gegessen die Speise der Unsterblichkeit, du hast mir voll gemessen den edlen Kelch, der mich erfreut. Ach GOtt! du hast erzeiget mir Armen solche Gunst, daß billig jetzt sich neiget mein Herz vor Liebesbrunst; du hast mich lassen schmecken das köstlich Engelbrot, hinfort kann mich nicht schrecken Welt, Teufel, Sünd und Tod. 4. So lang ich leb auf Erden, preis ich dich, liebſter JEsu, wohl, daß du mich läsfest werden von dir und durch dich satt und voll. Du hast mich selbst getränket mit deinem. theuren Blut, und Dich zu mir gelenket, o unvergleichlichs Gut! Nun werd ich ja nicht sterben, weil mich gespeiset hat, der nimmer kann verderben, mein Trost, Schutz, Hilf und Rath. 5. Wie kann ichs aber fassen, Herr JEsu, daß du mit Begier dich hast so tief gelassen vom Himmelssaal herab zu mir? Du Schöpfer aller Dinge, besuchest deinen Knecht: ach hilf, daß ich dir bringe ein Herz, das fromm und schlecht, das gläubig dir vertraue, damit nach dieser Zeit ich ja dein Antlik schaue dort in der Ewigkeit. 287 6. Du bists, der ewig bleibet, ich aber bin dem Schatten gleich, den bald ein Wind vertreibet; HErr, ich bin arm, und du bist reich. Du bist sehr groß von Güte, kein Unrecht gilt bei dir; ich, boshaft vom Gemüthe, kann fehlen für und für: noch kommest du hernieder zu mir dem Sündenmann geb ich dir doch wieder, das dir gefallen kann? was — Lieder nach dem heiligen Abendmahl. 7. Ein Herz durch Reu zerschlagen, ein Herz, das ganz zerknirschet ist, das, weiß ich, wird behagen, mein Heiland dir zu jeder Frist; du wirst es nicht verachten. Demnach ich emsig bin, nach deiner Gunst zu trachten: nimm doch in Gnaden hin das Opfer meiner Zungen; denn billig wird jetzund dein theurer Ruhm besungen, HErr Gott, durch meinen Mund. 8. Hilf ja, daß dies Genießen des edlen Schatzes schaff in mir ein unaufhörlichs Büßen, daß ich mich wende stets zu dir. Laß mich hinfüro spüren kein andre Lieblichkeit, als welche pflegt zu rühren von dir in dieser Zeit. Laß mich ja nichts begehren, als deine Lieb und Gunst; denn niemand kann entbehren hier deiner Liebe Brunst. 288 9. Wohl mir! ich bin versehen mit Himmelsspeis und Engeltrank: nun will ich rüstig stehen, zu singen dir Lob, Ehr und Dank. Ade, du Welt- Getümmel, du bist ein eitler Tand, ich seufze nach dem Himmel, dem rechten Vaterland! Ade, dort werd ich leben ohn Unglück und Verdruß! Mein GOtt, du wirst mir geben der Wonne Ueberfluß. Joh. Rift+ 1667. Selig sind, die zu dem Abendmahl des Lammes berufen sind! Offenb. Joh. 19, 9. Druck von E. Pöschel& Co. in Leipzig. Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 1444 5 6 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 CO 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8