G6338 Gb 338 Univ.- Bibl. Giessen 1809 [ ODOBE 0060 89 Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst- Anstalt in Nürnberg Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr ins Himmelreich nicht eingehen. Matth.18, 3. Verlag von Carl Mayer in Nürnberg viteitenth Gurinde Sitarehem, Gehet- Bitde End.a18-245 e Me Hotnet Gesang- Buch für die evangelischen Gemeinden im Fürstenthume Hildesheim, nebst einem Gebet- Buche zur Kirchen- und Haus- Andacht. Neue, genau durchgesehene Auflage. Hildesheim. Druck und Verlag von Gebr. Gerstenberg. 1874. 1 Gb 338 Privilegium. Ernst August, von Gottes Gnaden König von Hannover, Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg 2c. Nachdem zwischen Unserem Consistorium in Hannover und dem Buchhändler und Buchdrucker Johann Daniel Gerstenberg in Hildesheim, wegen des Verlages des Hildesheimschen Evangelischen Gesangbuches unter dem 11. Oktober v. I. ein Vertrag verabredet worden; so wollen Wir, auf geschehenes Nachsuchen, dem benannten Buchhändler das ausschließliche Privilegium zum Druck und Verlag des gedachten Gesangbuches auf zehn Jahre hiermit ertheilen, dergestalt, daß außer IV ihm und seinen Erben, bei Strafe der Confiscation und arbiträrer Geldbuße, Niemand dasselbe weder ganz noch auszugsweise zu drucken oder zu verlegen, von auswärts einzubringen oder zu verkaufen binnen jener Frist befugt sein soll. Gegeben Hannover, den 31. Januar 1838. Ernst August. G. v. Schele. [ urs dansitions daw buio imu; 109 Vorerinnerung. V Nachdem die evangelischen Stände des vormaligen Hochstifts Hildesheim im Jahre 1785 bei dem damaligen Hochfürstlichen Consistorio A. C. darauf angetragen hatten, daß für die evangelischen Gemeinden ein Gesangbuch verfertigt werden möchte, wodurch den Mängeln des bisherigen hinlänglich abgeholfen werden könnte, erhielten die beiden geistlichen Räthe des gedachten Collegii, der Consistorial- Rath und General- Superintendent Conrad Daniel Schumacher zu Bockenem und der Consistorial- Rath und General- Superintendent Christian Leopold Josua Illing zu Alfeld, den Auftrag, die Gesänge für dasselbige zu sammeln und dasselbe herauszugeben. VI Bei der Auswahl der Gesänge ließen sich diese Männer mit einer ruhmwürdigen Sorgfalt von dem Grundsake leiten, daß die Lehren der evangelischen. Religion, wie sie jeder Bekenner derselben zu seiner Beruhigung und Besserung braucht, unverändert und vollständig in einem Gesangbuche enthalten sein müssen, welches für den öffentlichen Gottesdienst evangelischer Gemeinden bestimmt ist, und daß solches zugleich eine Hauptquelle der Religions Erkenntniß und ein vorzüg= liches Erbauungs- Buch für evangelische Christen aus allerlei Ständen sein sollte. In dieser Hinsicht be hielten sie nicht nur die überall bekannten und beliebten alten Gesänge, welche sich durch Wahrheit, edle Einfalt und kraftvollen Ausdruck empfehlen, bei, sondernnahmen auch nur darin mit aller Vorsicht sparſame Veränderungen auf. Den zahlreichsten Theil dieses Gesangbuchs machten jedoch diejenigen Gesänge aus, welche erst nach Erscheinung der alten Gesangbüchermit verdientem Beifall aufgenommen waren und sämmt= lich) aus andern, bereits gedruckten, Sammlungen ent= lehnt worden sind. Nur bei sehr wenigen alten Gesängen, als Nr. 1, 5, 8, 121, 177, wurde die neue Veränderung gleich beigefügt, um dem Leser selbst die Prüfung und Wahl unter beiden zu überlassen. Dem Gesangbuche wurde zum bequemern Gebrauche VII eine ausführliche Inhalts- Anzeige vorgesetzt, welche, um den Raum zu ersparen, alle im Buche selbst, wegge= lassene Unterabtheilungen in sich faßt, und in welcher zugleich auf die Gesänge hingewiesen ist, welche zwar von gleichem Inhalte, aber unter andere gleichartige Rubriken vertheilt sind. Die in unsern Kirchen bekannten Melodien wurden darin beobachtet, und nur der Gesang Nr. 57 hat eine Melodie, die zu der Zeit unbekannt war, jetzt aber bereits hinlänglich bekannt ist. Dieses Gesangbuch erschien im Monat Mai 1792 im öffentlichen Druck, und wurde zwar, was seinen Inhalt und seine Einrichtung betrifft, mit allgemeinem Beifall von den evangelischen Gemeinden aufgenommen, konnte aber nicht in allen sogleich zum öffentlichen Gebrauch in der Kirche eingeführt werden. Indessen wurde es in allen Schulen gebraucht, auch immer mehr und mehr in den Gemeinden zum kirchlichen Gebrauche willig angeschafft und eingeführt. Als wegen völligen Mangels der Abdrücke die vierte Auflage vom Königlichen Consistorio A. C. veranstaltet werden mußte, wurde dem Buche mit Genehmigung des hohen Königl. Cabinets- Ministerii ein Anhang hinzugefügt, welcher auserlesene Gesänge, be= sonders, um auch diesem Bedürfnisse abzuhelfen, kurze VIII und kraftvolle Lob-, Fest- und Abendmahls- Gesänge in sich faßt, ohne daß dadurch der bisherige Verkaufspreis erhöhet worden ist. Das Buch selbst ist nur mit solchen Abänderungen abgedruckt worden, welche den gegenwärtigen Verhältnissen angemessen sind. Indem ich dieses den evangelischen Gemeinden im Fürstenthume Hildesheim, im Auftrage des Königlichen Consistorii A. C., zur Anzeige bringe, empfehle auch ich ihnen und ihren Lehrern in Kirchen und Schulen dieses Gesangbuch mit dem innigsten Wunsche, daß der Herr den religiösen Gebrauch desselben mit seinem reichen Segen begleiten, und zur Befestigung im Glauben und zur Stärkung im Guten gereichen lassen wolle. Alfeld, den 15ten März 1816. August Friedrich Brackmann, Consistorial- Rath und General- Superintendent. Inhalt. I. Lob- und Sonntags- Gesänge. 1. Lob- Gesänge. Nr. 1-21.( 569.) Un hohen Festen. 701. Bei feierlichen Vorfällen. 702. und Danklieder. 703-705. 2. Sonntags- Gesänge. 22-29. 706. Morgen Undacht am Sonntage. 30. Abend- Undacht. 31. II. Chriftliche Glaubenslehre. 1. Gottes Daseyn. 32-35.( 74, 75.) 2. Gottes Wesen und Eigenschaften. IX a. Ueberhaupt. 36-41. b. Insbesondere. Ewigkeit und unverânderlichkeit. 42-44. Allwissenheit und Allgegenwart. 45-47Alweisheit. 48, 49. Ullmacht. 50, 51. Wahrhaftigkeit und Treue. 52:54. Heiligkeit und Gerechtigkeit. 55, 56. Gute und Barmherzigkeit. 57-60. Langmuth und Geduld. 61, 62, Ullgenügsamkeit und Seligkeit. 63. 3. Von Gott dem Dreieinigen und seinen Wohlthaten überhaupt. a. Bekenntniß der Lehre von der Dreicinigkeit. 64, 65, 66, 71. Aufs Fest der heil. Dreieinigkeit. b. Die drei GlaubensArtikel. 67, 68, 707. c. Gebet und Danksagung an den dreieinigen Gott gerichtet. 69, 70, 72, 73. 4. Von der Schöpfung. 74, 75. a. Von dem Menschen und der Unsterblichkeit seiner Seele. 76-78. b. Von den guten Engeln. 79-81. Von den bösen Engeln. 82. Auf das Michaelis- Fest. 5. Von der Erhaltung und Regierung der Welt. 83-91. X Inhalt. 6. Von dem Menschen vor und nach dem Falle. a. Vom Stande der Unschuld und dem Ebenbilde Gottes. 92. b. Vom Sündenfalle und angeerbten Verderben. 93-96. c. Von wirklichen Sünden. 97, 98. d. Von Bosheitssünden. Von Schwachheitssünden und anhängenden Sündenbeschwerden. 100: 103. Traurige Folgen der Sünden. 104-106, 7. Von der Gnade Gottes in Christo und der Erlösung durch ihn. 107-111. 8. Von der Person Jesu Christi. 112-115. 9. Von der Unkunft und dem Wandel Jesu Christi auf Erden.. a. Beim Anfange und Schlusse des Kirchen- Jahrs. 116. b. Auf die Udvents- und Weihnachtszeit. 117: 136, 708. c. Uuf das Namensfest Jesu Christi beim Jahreswechsel. 137-143. d. Auf's Fest der Erscheinung Jesu Chrifti. 144, 145. Auf's Fest der Reinigung Marià. 146, 147. e. Uuf's Fest der Empfängniß Christi oder Marià Verkündigung. 148, 149. f. Auf's Fest Johannis des Taufers. 150. g. Auf's Fest der Heimsuchung Mariå. 151. h. Von dem Wandel Jesu Christi auf Erden. 152, 153. 10. Vom Leiden, Code und Begräbniß Jesu Christi. a. Vom Leiden Jesu Christi überhaupt. 154-165. 709. b. Vom innerlichen Leiden Jesu Chrifti. 166-169. c. Vom außerlichen Leiden Jesu Christi. 170: 174. Petri Verleugnung. 171-173+ Verurtheilung vor Pilato. 174. d. Vom Tode Jesu Christi am Kreuze. 175-186. e. Ueber die Worte Jesu Christi am Kreuze. 179, 180, 183, 184. f. Vom Begräbniß Jesu Chrifti. 187-189. g. Kraft und Unwendung der Leiden und des Todes Jesu Chrifti. 190-204. 11. Von der Auferstehung Jesu Chrifti, aufs Osterfest. 205-218. 710. 12. Von der Himmelfahrt Jesu Christi, aufs Fest der Himmelfahrt. 219-225. 13. Von dem Mittler- Umte Jesu Christi. a. Ueberhaupt. 226: 228. b. Königliches Umt. 229. c. Lehre Umt. 230. d. Hohepriesterliches Amt. 231. e. Ueber die Thränen Jesu Christi. 232. 14. Von dem heil. Geiste und der Heiligung überhaupt. Pfingstlieder. 233-248. 711. 15. Von den Gnadenwirkungen. a. Berufung. 249-251. b. Erleuchtung. 252, 253. c. Wieders geburt. 254, 255. d. Erneuerung. 256, 257. e. Erhaltung im Guten. 258-260. 16. Von der Heilsordnung. 261-263.( 111.) 17. Von dem Stande der Gnaden. a. Nechtfertigung. 264-267.( 107: 110.) b.( Stückseligkeit der Begnadigten. 268-274. Inhalt. XI 18. Von den Gnaden- Mitteln. a. Vom Worte Gottes. 275-279.( 35, 52, 53.) 712. Gefeß. 280, 281, Evangelium. 282, 283. Unterschied des Gesetzes und Evangelii. 284. b. Taufe. 285-288. Erneuerung des Taufbundes. 289, 290. Vor einer Taufhandlung. 291. Nach derselben. 292. Vor der Confirmation junger Christen. 293. c. Vom Bei der Confirmation. 716. Nach derselben. 294. Abendmahle. 295, 296, 714, 715. Vor und bei dem Genusse desselben. 297-304. Fürbitte für die Communicanten. 305. Vor einer Kranken- Communion. 306. Nach dem Genusse des heil. Abendmahls. 307-511, 717. Undacht im Hause nach der heil. Communion. 312. Nach einer Kranken- Communion. 313. 19. Von der christlichen Kirche. a. Von der Stiftung und Erhaltung. 314-318. b. Beschüßung und Erweiterung derselben. 319-323. Um ReformationsFeste. 713. 20. Von der Zukunft nach diesem Leben. a. Tod. Betrachtung desselben zur ernstlichen Heiligung. 324, 325, 327, 329, 332. Troft und Hoffnung des Christen im Tode. 326, 328, 330, 331, 333, 334. Bei Begräbnissen. 335, 336. Beim Tode und Begräbniß eines Kindes. 337. b. Uuferstehung. 338-343. c. Zukünftiges Weltgericht. 344-348. d. Ewiges Leben. 349-354. Ewige Verdammniß. 355, 356. III. Chriftliche Sittenlehre. 1. Wahres Christenthum überhaupt. a. Unzertrennliche Verbindung des wahren Glaubens mit einem heil. Wandel. 357, 358. b. Vornehmste Kennzeichen des wahren Christen. 359. c. Glückseligkeit der christlichen Tugend. 360. d. Nufrichtigkeit derselben. 361. 2. Buße oder Bekehrung. a. Erweckung zur Buße durch die Güte und den Ernst Gottes. 362, Die Ungewißheit unsers Lebensziels. 363. Die bereits verlorne Zeit. 364. Die Nothwendigkeit und Beschaffenheit einer wahren Bekehrung. 365. Durd) die traurigen Folgen der Sünden.( 104, 105.) b. Buß- Gesänge. Entschließung zur Bekehrung. 366.( 251.) Bekenntniß der Sünden und göttl. Traurigkeit darüber. 367, 370. Vertrauen dabei auf die Gnade Gottes in Chrifto Jesu. 368, 369, 371-378. Um Be= festigung des guten Vorsaßes zu einem unsträflichen Leben. 379-382.( 256: 260.) Bei täglichen Schwachheits- Sünden. 383, 384.( 100.103.) Nach dem Rückfall in Leichtsinn. 385. Ins Lafter. 386, 387. c. Dank für die Gnade der Bekehrung. 388, 389. 3. Von dem Glauben an Jesum Christum und sein Verdienst. Beschaffenheit desselben, 390-394.( 110, 228, 265, 266.) Um Stärkung desselben. 393-398. Beständigkeit darin. 399-402, Hohe Freudigkeit des Glaubens. 403. XII 4. Christlicher Lebenswandel überhaupt. Nothwendigkeit desselben. 404, 405.( 357, 358.) Beschaffenheit. 406-408.( 338.) Bitten um göttlichen Beistand dazu. 409-411. 720. Beharrlichkeit dabei. 412, 413. 5. Gesinnungen und Pflichten gegen Gott und Jesum Christum. Inhalt. a. Erkenntniß Gottes. 414. Und Undenken an ihn. 4¹5. b. Furcht Gottes und Gehorsam. 416, 417.( 45, 47, 50.) c. Liebe zu Gott. 418-419. d. Dankbarkeit. 420, 421.( 84+) e. Freude an ihm. 422: 424.( 63.) f. Lob Gottes.( 1:21.) g. Vertrauen auf Gott. 425-431.( 54, 37-91.) h. Ergebung in den Willen Gottes. 432.439. i. Wider den Mißbrauch des Namens Gottes durch Meineid. 440. Fluchen. 441. k. Gebet. 718. Erweckung dazu. 442-444. Rechte Art des Gebets. 445-447+ Beim Mangel der Undacht. 448. Kraft und Segen des Gebets. 149. 1. Allgemeine Bitten. Gebet des Herrn. 450, 45¹, Um adttliche Gnaden- Regierung. 452-459. Beistand zur Arbeit. 460. Allgemeine Fürbitte. 461. m. Gemeinschaftliche Verehrung Gottes. Deffentlicher Gottesdienst. 462, 463.( 22.24.) Haus- Undacht. 464. n. Gesinnungen und Pflichten gegen Jesum Christum unsern Heiland insonderheit. Liebe und Freude an ihm. 465-468.( 112, 115, 228, 270, 272, 274+) Nachfolge. 469-472. 719. Treue. 473, 474+ 6. Gesinnungen und Pflichten gegen uns selbst. Um a. Gottgefällige Selbstliebe. 475. Selbsterkenntniß. 476. Demuth. 477, 478. Wider Selbstvermessenheit. 479. b. Sorge für die Seele. 480. Geistige Weisheit. 481. Gutes Gewissen. 482, 721. Wachsamkeit. 483, 484. Heiligung des Gedanken. 485. Kampf der Christen. 486, 487.( 469.472.) Selbstverlåugnung. 488. Ablegung des irdischen Sinnes. 489, 490. Himmlischer Sinn. 491. Rechter Gebrauch der Zeit. 492, 493. Vorbereitung auf die Ewigkeit. 494.( 324, 325, 327, 329, 332.) Verlangen nach jenem bessern Leben. 495.( 588-591.) c. Sorge für dieses Leben und dessen Erhaltung. 496, 497. d. Keuschheit. 498, 499. Mittel zur Bewahrung der Unschuld. 500. Måßigkeit. 501. e. Christliches Verhalten gegen zeitliche Güter: Urbeitsamkeit. 502, 503. Treue Verwaltung. 504. Genügsamkeit. 505, 506.( 574 575.) Wider Geiz und Habfucht. 507, 508. f. Christliche Ehrliebe. 509. g. Rechter Gebrauch der Seelen- und Leibes- Kräfte. 510. besonders der Sprache. 511. h. Wider unsre fündliche Lüfte. 512. 7. Gesinnungen und Pflichten gegen den Nächsten. a. Ueberhaupt. Erweckung zur christlichen Menschenliebe durch Gottes Gebot und Liebe zu uns allen. 513, 514. Durch Christi Vorbild. 515, 516. Beschaffenheit derselben. 517, 518. Un= veranderlichkeit. 519. Bitte darum. 520. b. Sorge für des Nächsten Seelenheil. 521. c. Sorge für dessen Leib und Leben. 522. d. Theilnehmung an dessen Wohlfahrt. 523. e. Barmherzigkeit und Mildthätigkeit. 524-526. f. Dank Inhalt. XIII barkeit. 527. g. Dienstfertigkeit. 528. h. Leutseligkeit. 529. i. Bescheidenheit und Demuth. 530. k. Sanftmuth, Friedfertigkeit, Versöhnlichkeit. 531-536. 1. Gerechtigkeit und Billigkeit. 537, 538. m. Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. 539, 540. n. Sorge für die Ehre und guten Namen des Nächsten. 54¹, 542. o. Wider Schadenfreude und Neid. 543. p. Freundschaft. 544. IV. Troftgesänge in Kreuz und Leiden. 1. Allgemeine Trostgesänge. a. Elend und Trostbedürftigteit dieses Lebens. 545.( 489.) b. Wohlthätigkeit und Segen der Leiden. 546-549. c. Aufs seben unter dem Kreuze auf Gott. 550-556. d. Aufsehen unter dem Kreuze auf Jefum Chriftum. 557. e. Aufsehen unter dem Kreuze auf die Ewigkeit. 558-560.( 351.) f. Troft aus der Regierung Gottes. 561.( 85, 87, 88, 89, 91.) g. Troft aus den Eigenschaften Gottes, 562. besonders seiner Liebe 563. Weisheit 564. Treue.( 54) h. Kraft des Gebets im Leiden. 565. 1. Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen unter dem Leiden. 566, 567.( 432-439.) k. Beim Verzuge göttlicher Hilfe. 568. 1. Danklied nach erlangter Hilfe. 569. 2. Trostgesänge in geistlichen Anliegen. a, Bei Schwermuth und Schwachheit des Glaubens. 570, 571. b. Bei gotteslästerlichen Gedanken. 572. c. Mangel der Undacht.( 448.) d. Bei Zweifeln wegen der fünftigen Beståndigkeit im Guten. 573. S1819 nd 3. Trostgesånge im Mangel an zeitlichen Gütern. a. Ueberhaupt. 574, 575. b. Nach ansehnlichem Verlust der. ſelben. 576. 4. Bei Haß und Verfolgung von bösen Menschen. 577. 5. Für Kranke und Sterbende. a. In Krankheit. 578-581. b. Morgenlied eines Kranken. 582. ( 623.) Abendlied eines Kranken. 583.( 641.) c. Bei Krankens Communionen.( 306, 313) d. Fürbitte für einen Kranken. 584. Nach der Genesung. 585. e. Troft wider die Schrecken des Todes. 586-591. f. Gebet eines sterbenden Christen. 592. g. Fürbitte für einen Sterbenden. 593. 6. Für Hinterbliebene nach dem Tode der Ihrigen. a. Für Eltern beim Tode geliebter Kinder. 594. b. Für einen Wittwer, oder überall beim Tode geliebter Freunde. 595+ c. Für eine Wittwe. 596. d. Für eine Waise. 597. V. Für besondere Zeiten und Umstände. 1. Morgengesånge. 598-619. Beim Unfang der Woche. 620. Bei Untretung der Arbeit. 621, 622. In Leiden. 623. Für Kinder. 624. 2. Tischgesånge. 625-628. XIV Inhalt. 3. Abendgesänge. 629-638. Nach der Arbeit. 639. Prüfung, besonders am Schluß der Woche. 640. In Leiden. 641. Für Kinder. 642. 4. In gemeinen Unliegen und Nöthen. Un öffentlichen Bußtagen. 643-647. Bei schweren Landplagen. 648, 649. Für die Feldfrüchte bei Hagelfeier. 650-653. Um Regen. 654. Danklied für den Regen. 655. Um Sonnenschein. 656. Danklied für heitere Witterung. 657. 3ur Saat: zeit. 658. Vor herannahender Erndte. 659. Bei und nach der Erndte. 660, 661, 722, Bei mißrathener Erndte. 662. Beim Gewitter. 663-665. Danklied nach demselben. 666. In Feuersnoth. 667. Nach derselben. 668. Un Erinnerungstagen eines Brandunglücks. 669. In Wassersnoth. 670. Danklied nach derselben. 671. In Kriegszeit. 672, 673. Danklied für den Frieden. 674. Um Erhaltung des Friedens. 675. In Theuerung. 676. Nach derselben. 677. Bei und nach ansteckenden Seuchen. 678, 679. 5. Standeslieder. Fürbitte für den Landesherren 680. Pflichten der Obrigkeit und Unterthanen. 681. Fürbitte für den Lehrstand. 682. Für Eheleute. 683, 684. Für eine schwanger Frau. 685. Für Eltern. 686, 687. Für Kinder. 688. Junglinge. 689. Jungfrauen 690. Für das Ulter. 691. Für Herrschaften. 692. Dienstboten. 693. Handwerker. 694. Landleute. 695, 696. Reisende. 697. Nach der Reise. 698. Um Geburtstage. 699. Litanei, oder Fürbitte für alle Stånde. 700.( 461, 643.) VI. Anhang. 701-722. Biblische Vorlesungen an den Sonntagen. Vormittags. Evangelium Marci. 1. und 2. Epistel an die Corinther. Evangelium Johannis. Nachmittags. Episteln Betri, Johannis, Jacobi Evangelium Matthäi. und Judä. Evangelium Lucä. Epistel an die Römer. Apostel- Geschichte. Epistel an die Galater bis an den Philemon. Epistel an die Hebräer und aus der Offenbarung Johannis 6. 1-5. 6. 15. C. 20, v. 11-15. C. 21. 6. 22. Anmerk. 1. Wenn solchergestalt das Neue Testament geendet ist, fo kommen nachher diejenigen Bücher auf den Vormittag, die vorhin Nachmittags verlesen worden, und die auf den Nachmittag, die vorhin am Vormittage gebraucht sind. Psalm 90. Psalm 33. XV Anmerk. 2. Wenn ein Buch von obigen eher zu Ende kommt, als das mit ihm zugleich vorgeschriebene, so werden auserlesene Stücke aus dem Alten Testamente, sonderlich aus den Psalmen und Sprüchwörtern, so lange verlesen, bis das andere Buch geendet ist. Biblische Vorlesungen an Festen und ähnlichen Tagen. Nachmittags. Vormittags. Am 1. Advents- Sonntage. Psalm 40, sonderlich v. 6-18. oder was in der Ordnung folget. Am 1. Weihnachts- Tage. Am 2. Weihnachts- Tage. 1. Johann. C. 4, v. 1-16. Röm. C. 8, v. 28-39. Hebr. 6. 2. 1. Tim. C. 3, v. 15. Gin Pfeiler C. 4, v. 16. = Am Sonntage nach Weihnachten. Psalm 139. Am Neuen Jahrs- Tage. Psalm 67. XVI Vormittags. Ephes. C. 2, v. 4-22. Um Feste der Erscheinung Christi. 1. Johann. C. 1. Die PassionsGeschichte. Röm. C. 5. Am Tage Mariä Reinigung. Coloffer C. 2. Fasten- Zeit. Am Sonnt. Quinquag. Matth. C. 16, v. 13. oder 21-28. Invocavit. 1. Cor. 6. 1, v. 18-31. Reminise. 2. Cor. C. 5, v. 14:21. Oculi. Hebr. C. 12, v. 1-15. Lätare. Joh. C. 17. Palmarum. Jef. C. 52, v. 13= C. 53, v. 12. 011111 Nachmittags. E B = Am Tage der Verkündigung Mariä. Die Passions- Geschichte. Johann. S. 6, v. 47-58. oder Psalm 111. Matth. C. 28. Luca C. 3, v. 2-22. Am Jefatä 6. 42, v. 1-12. Am grünen Donnerstage. 1. Corinth. C. 15, v. 1-22. Am 1. Ofter- Tage. Am 2. Ofter- Tage. 1. Corinth. C. 15, v. 35-58. Auf Christi Himmelfahrt. Hebräer C. 4, v. 14- 6. 5. v. 9. Hebräer C. 9, v. 24- C. 10, v. 14. Am 1. Pfingst- Tage. Ephes. C. 1, v. 2-23. 1. Corinth. E. 2. Joh. C. 14, v. 1-17. Psalm 145. Psalm 103. Am Matth. C. 11, v. 20-30. 1. Petr. C. 1, sonderlich v. 3-21. Römer C. 8, v. 1-11. Am 2. Pfingst- Tage. chill die Apost.- Gesch. C. 2, v. 32-47. Am Feste der Dreieinigkeit. 5. B. Mos. C. 6, v. 1-15. oder Jes. 6. 48, v. 10-22. Am Johannis- Tage. Die in der Ordnung folgende oder ondin Jesată C. 40. ganz. Tage Mariä Heimsuchung. 1. Chron. C. 30, v. 10-18. Am Engel- Feste. Pf. 104, v. 1-15. 24-35. Reformations- Feste. 1. Corinth. C. 3. atinite I. Lob- und Sonntags- Gesänge. 1. Lob- Gesänge. Der festliche Lobgesang. 1. Herr Gott, dich loben Herr Gott, wir danken dir! Dich, Gott Vater in ewigfeit, Ehret die welt weit und breit. All engel und himmelsheer, Und was dienet deiner ehr, Auch cherubim und seraphim, Singen immer mit hoher stimm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Der Herre Zebaoth. Dein' göttlich macht und herrlichkeit Geht über himm'l und erden weit, Der heiligen zwölf boten zahl, Und die lieben propheten all', Die theuren märt'rer allzumal Loben dich, Herr, mit groBem schall. N. A. Die ganze werthe christenheit Rühmt dich auf erden allezeit: Dich, Gott Vater, im höchsten thron, Deinen rechten und eingen sohn, Den heilgen geist und tröfter werth, Mit gleichem dienst sie lobt und ehrt. Du könig der ehren Jesu Christ, Gott Vaters ewger sohn du bist; Der jungfraun leib nicht hast verschmäht, Zu erlösen das menschlich' gefchlecht. Du hast dem tod zerstört sein' macht, Und all' christen zum himmel bracht. Du sig'st zur rechten Gottes gleich, Mit aller ehr ins vaters reich. Ein 1 Lob- Gesänge. 2 Ein Alles, was todt und lebend iſt. Nun hilf uns, Herr, den dienern dein, Die mit dein'm theurn blut erlöset sein. Laß uns im himmel haben theil Mit den heilgen im ewgen heil! Und segne, Hilf deinem volk, Herr Jesu Christ, was dein erbtheil ist; Wart und pfleg ihr'r zu aller zeit, Und heb sie hoch in ewigfeit! richter du zukünftig biſt Täglich, Herr Gott, wir loben dich, dein'n namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer Gott! Und ehrn Vor aller sünd und missethat! Sei uns gnädig, o Herre Gott! Sei uns gnädig in aller noth. Zeig uns deine barmherzigkeit, Wie unsre hoffnung zu dir ſteht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr, In schanden laß uns nimmermehr! Amen. ( Dasselbe Lied verändert.) 2. Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Dein, Vater, ist von ewigkeit Das reich, die kraft, die herrlichkeit; Die welt, dein werk und eigenthum, Verkündigt deines namens ruhm; Der engel heer, die seraphim, Lobsingen dir mit hoher stimm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Jehovah Zebaoth! Weit, über alle himmel weit, Geht deine macht und herrlichkeit. Sie, die den erdkreis wunderbar Bekehrten, deiner boten schaar, Der lehre Jesu märtyrer, Sie preisen ewig dich, o Herr. Auch deine ganze christenheit Preist dich auf erden weit und breit; Dich, Vater, auf der himmel thron, Und deinen eingebornen sohn, Nebst deinem geiste, dessen kraft In uns ein neucs lebenschafft. Du Herr der ehren, Jesu Christ, Der du der sohn des höchsten bist; Du wardst, der heiland uns zu sein, Ein mensch, wie wir, doch sündenrein; Du hast des todes macht zerstört, Den weg zum himmel uns gelehrt; Du herrschest in des vaters reich, An majeſtät und Lob- Gesänge. und huld ihm gleich; Im grabe läsfest du uns nicht, Du kömmst dereinst und hältst gericht. Dein soll sich unsre seele freun, Dir treu, gehorsam, dankbar sein. Einst laß uns an des himmels heil Mit allen selgen haben theil. Hilf deinem volt, Herr Jesu Christ, Und segne, was dein erbtheil ist. Leit uns durch unfre prüfungszeit Den weg zur frohen ewigkeit. Die erd ist auch dein eigenthum; Auch sie erfülle stets dein ruhm! In dieses lebens pilgerschaft Sei, Herr, dein wort uns licht und kraft! Sei gnädig uns, o treuer Gott, Sei gnädig uns in aller noth! Laß dein erbarmen uns erfreun, Wenn wir zu dir um hilfe schrein! Auf dich, o Herr, vertrauen wir; Wir leben und wir sterben dir! Amen. Mel. Es ist das heil uns. 3. Bringt her dem höchsten lob und ehr, Mit freudigem gemüthe; Vergesset nun und nimmermehr Zu preisen seine güte! Er macht uns frei von aller noth: Drum lobet ihn, drum ehret Gott, Und danket seinem namen! 3 wunderwerke, Die majeſtät, die herrlichkeit, Die weisheit, kraft und stärke, Die Gott beweist in aller welt, Der erst sie schuf, und noch erhält; Drum danket seinem 2. Lobt Gott, und rühmet allezeit Die großen namen. 3. Lobt Gott, der uns erschaffen hat, Der seele, leib und leben Aus lauter väterlicher gnad Uns allen hat gegeben; Der uns durch seine engel schüßt; Der täglich darreicht was uns nüßt: Drum danket seinem namen! 4. Lobt Gott, er gab uns seinen sohn, Der selbst für uns gestorben, Und uns des himmels großen lohn Durch seinen tod erworben, Der fried ist nun mit Gott gemacht, Und des erbarmers rath vollbracht: Drum danfet seinem namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den geist Den glauben angezündet, Und alles gute uns verheißt, Uns stärket, fräftigt, gründet; Der uns durch seines wortes kraft Erleuchtung, beßrung, trost verschafft: Drum danket seinem namen! 6. Lobt Gott! er hat dies gute werk Selbst in uns angefangen, Vollführt es auch, giebt fraft und stärk, Das fleinod zu erlangen, Das er uns allen dargestellt und dem verleiht, der 1* glau 4 Lob- Gesänge. glauben hält: Drum danket seinem namen! 7. Lobt Gott, ihr starken seraphim, Nebst fürstenthum und thronen! Es loben Gott mit froher stimm, Die hier auf erden wohnen! Lob ihn, sein volk, mit wort und that, Ja alles, was nur odem hat, Das danke seinem namen! 4. Allein Gott in der höh sei ehr, Und dank für seine gnade, Darum, weil nun und nimmermehr Uns rühren kann kein schade. Ein wohlgefalln wohlgefalln Gott an uns hat; Nun ist groß fried ohn unterlaß, Der streit hat nun ein ende. Regierest 2. Wir loben, preis'n, anbeten dich, Für deine gnad wir danken; Weil du, Gott Vater! ewiglich ohne wanken. Ganz ungemess'n ist deine macht; Fort g'schieht, was dein will hat bedacht! Wohl uns bei solchem herren! 3. O Jesu Christ, Sohn eingeborn Deines himmlischen vaters! Versöhner der'r, die warn warn verlorn, Du stiller unsers haders, Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, Nimm an die bitt von unsrer noth: Erbarm dich unser aller! 4. Dheilger Geist, du höchstes gut, Du all'rheilsamster tröster! Fürs teufels g'walt fortan behüt, Die Jesus Christus erlöset Durch große mart'r und bittern tod; Abwend all unsern jamm'r und noth, Dazu wir uns verlassen. ( Dasselbe Lied verändert.) 5. Allein Gott in der höh sei ehr, Und dank für seine gnade! Er forget, daß uns nimmermehr Gefahr und unfall schade. Uns wohlzuthun ist er bereit; Sein rath ist unsre seligkeit. Erhebet ihn mit freuden! 2. Ja, Vater, wir erheben dich Mit freudigem gemüthe; Du herrschest unveränderlich, mit weisheit und mit güte. Unendlich groß ist deine macht, Und stets geschieht, was du bedacht. Wohl uns, daß du regierest! Gott vom 3. O Jesu Christ, des höchsten Sohn! Dich, seinen eingebornen, eingebornen, Dich fandte himmelsthron, Zur rettung der verlornen.. Lamm Gottes, heilger Herr und Gott! Nimm an die bitt in unsrer noth. Erbarm dich unser aller! 4. heilger Geist, du Geist von Gott! Erleuchte, begre, tröste, Die Jesus Christ durch seinen tod Zum dienst Lob- Gesänge. dienst des Herrn erlöste. Auf deinen beistand hoffen wir; Verlaß uns nicht, so sind wir hier Und auch einst ewig selig. 6. Nun jauchz' dem herren alle welt! Kommt her, zu seinem dienst euch stellt! Kommt mit frohlocken, säumet nicht, Kommt vor sein heilig angesicht. 2. Erkennet, daß Gott unser Herr, Der uns erschaffen sich zur ehr: Nicht von ihm selbst, durch Gottes gnad Ein jeder mensch sein leben hat. 3. Er hat uns ferner wohl bedacht, und uns zu seinem volk gemacht, zu schafen, die er ist bereit zu führen stets auf gute weid. 4. Die ihr nun wollet bei ihm sein, kommt, geht zu seinem Hause ein, zu loben durch der pfalmen klang, Mit geistlich lieblichem gesang. 5. Dankt unserm Gott, lobsinget ihm, Erhebet ihn mit lauter stimm; Lobsingt und danket allesammt: Gott loben ist ja unser amt. 5 * 7. Gott Vater auf dem höchsten thron, Und Jesus Christ sein einger Sohn, Sammt Gott dem werthen heilgen Geist, Sei nun und immerdar gepreis't! 6. Er ist voll güt und freundlichkeit, Voll lieb und treu zu jeder zeit; Sein' gnade währet dort und hier Und seine wahrheit für und für. Mel. Lobt Gott, ihr christen. 7 Bon allen himmeln tönt dir, Herr, Ein froher lobgefang. Zu dir, Anbetungswürdiger, Steig auch der menschen dank! 2. Du brauchst zwar unsers preises nicht, Bist selig ohne ihn; Doch bleibt dein darf sich der entziehn? lob stets unsre pflicht. Wer 3. Dich preisen, ist uns seligkeit; Dir danken, hohe lust; Schon hier fühlt, wer sich deiner freut, Den himmel in der bruſt. 4. Und du, der uns empfindung gab Für deine herrlichkeit, Siehst huldreich auf das lob herab, Das unser herz dir weiht. 5. Wir stammelns zwar in schwachheit nur, So warm das Herz auch glüht: Denn deinen ruhm, Herr der natur, Erreicht kein sterblich lied. 6. Doch du verschmähst das opfer nicht, Das dir die andacht bringt, Die sich mit findes zuversicht Zu deinem throne schwingt. 7. Es sei auch noch so schwach und klein, So gut fies 6 sies bringen kann; Ist nur dabei das herz auch rein, So nimmst du's gnädig an. 8. So soll dein lob denn allezeit In unserm munde ſein, Und dankvoll deiner gütigkeit Stets unser herz sich freun. Lob- Gesänge. oft vom abend, Ist unsre sünd dahin. 3. Wie sich ein vat'r erbarmet Ueb'r seine liebe findelein: So thut der herr uns armen, Wenn wir ihn findlich fürchten rein. Er fennt das arm' geschlechte, Er weiß, wir sind nur staub, Gleich wie das gras zu rechnen, Ein' blum und fallend laub; Der wind nur drüber wehet, So ist es nimmer da: Also der mensch vergehet, 8. Nun lob, mein' seel, Sein ende ist ihm nah. den herren, Was in mir ist, den namen sein: Sein' wohlthat thut er mehren, Vergiß es nicht, o herze mein! Hat dir dein' sünd vergeben, Und heilt dein' schwachheit groß; Errett't dein armes leben, Nimmt dich in seinen schooß: Mit reichem trost beschüttet, Verjüngt, dem adler gleich. Der fön'g schafft recht, behütet Die leid'n in seinem reich. 4. Nur Gottes gnad alLeine Steht fest und bleibt in ewigkeit Bei seiner lieb'n gemeine, Die stets in seiner furcht bereit, Die seinen bund behalten. Er herrscht im himmelreich. Ihr starken engel wartet Sein's lob's und dient zugleich. Dem großen herrn zu ehren, Und treibt sein heilig wort; Mein feel soll auch vermehren Sein lob an allem ort. 9. Einst fingen wir im höhern ton Dir unsrer seele dank, Und dann erschallt an deinem thron Ein beßrer lobgesang. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig recht und sein gericht, Dazu sein' güt ohn maßen; Es mang'it an sein'r erbarmung nicht. Sein'n zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer schuld; Die gnad thut er nicht sparen, Den blöden ist er hold. Sein' güt ist hoch erhaben Bei den'n, die fürchten ihn: So fern der * 5. Sei lob und preis mit ehren Gott Vater, Sohn und heilgem Geist. Der woll in uns vermehren, Was er aus gnaden uns verheißt: Daß wir ihm fest vertrauen, Uns ganz verlaff'n auf ihn, Von herzen auf ihn bauen, Daß uns'r herz, muth und sinn Ihm allezeit anhangen; Drauf singen wir zur stund: Amen, wir werd'ns erlangen, Lob- Gesänge. 7 gen, Glaub'n wirs von her- So ist es nicht mehr da. Wir welfen, wir vergehen; zensgrund. Stets ist der tod uns nah. 4. Gott! deine gnad alleine Steht fest und bleibt in ewigkeit. Sie bleibt bei der gemeine, Die ganz sich deinem dienste weiht. Mit ihr soll auch mein leben Dir geheiligt sein. Dir Wenn engel dich erheben, Sich deines dienstes freun; Wenn sie mit preis dich ehren, Vollziehn dein heilig wort: So will auch ich Dein lob an vermehren jedem ort. 5. Anbetung, preis und ehre Sei dir, Gott Vater, Sohn und Geist! Wir fingens in die chöre Der schaar, die dich vollkommner preift. Anbetung, preis und ehre Dir, der du warst und bist! Wir stammelns nur, doch höre, Hör uns, der ewig ist! Dein lob, das wir hier lallen, Du Gott, auf den wir traun, Soll würdiger er= schallen, Wann wir dich näher schaun! ( Daffelbe Lied verändert.) 9. Auf, meine seele, finge; Es singe Gott, was in mir ist. Der herr thut große dinge An dem, der seiner nicht vergißt; Gern hat er mir vergeben All' meine missethat, Gerettet mir das leben Nach gnadenvollem rath, Gekrönt mit seinem heile, Vom elend mich befreit; Und einst wird mir zu theile Die ruh der ewigfeit. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilges recht und sein gericht; Erbarmung ohne maßen Dem frommen, der den bund nicht bricht. Schnell eilt sein zorn vorüber, Straft nicht nach unsrer schuld. Der herr begnadigt lieber, Nimmt lieber auf zur huld. Beweinen wir die sünden Mit wahrer buße schmerz: So läßt er trost uns finden, Giebt frieden uns ins herz. 3. Wie väter mit erbarmen Auf ihre jungen finder stets stets schaun: So thut der herr 10. Nun danket alle Gott Mit Herzen, mund uns armen, wir nur findlich ihm vertraun. Er weiß es, wir sind sünder: Gott weiß es, wir sind staub, Zum tode reife sünder, Ein niederfallend laub; Kaum daß die winde wehen, und händen, Der große dinge thut Hier und an allen enden; Der lebend uns erhält Von mutterleibe an, Und thut uns alles guts, Mehr als man zählen kann. 2.€ 8 8 2. Cs wolle unser Gott Ein fröhlich herz uns geben; Er lasse uns, sein volk, In sicherm frieden leben Forthin zu unsrer zeit: seine gnad und treu uns und unserm land weg' beständig sei. Daß Bei AllLob- Gesänge. 3. Der große starke Gott Woll uns von allem bösen, Und was uns schaden kann, Gewaltiglich erlösen: Er schüß und rette uns, Er helf uns allezeit, So lang er uns allhie Das leben noch verleiht. 4. Gott Vater! dir sei preis Hier und im himmel oben. Gott Sohn! Herr Jefu Chrift! Wir wollen dich stets loben. Gott heilger Geist! dein ruhm Erschalle mehr und mehr, Herr dreieinger Gott! sei lob, preis und ehr. Dir 11. Mun danket all' und bringet ehr Dem großen herrn der welt; Ihm, dessen ruhm des himmels heer Und jedes werk erzählt. uns helfen kann, Sich selbst zum helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch gnädig bleibt und gut, Die straferläßt, die schuld vergiebt, Uns so viel gutes thut. 3. Der uns von mutterleibe an Gesund und froh erhält, Und wo kein mensch 5. Er geb uns stets ein fröhlich herz Und einen frommen sinn, Und werfe furcht und angst und schmerz Ins meeres tiefe hin! 6. Er laffe seinen frieden ruhn Auf unserm vaterland! Er gebe glück zu unserm thun Und heil für jeden stand! mit geduld und lass uns 7. Er trag uns ferner mit geduld Und lass uns heilig sein, Und seiner väterlichen huld Uns allzeit hoch erfreun! 8. So lange dieses leben währt, Sei er stets unser heil! Und wann wir scheiden von der erd, Verbleib er unser theil! 9. Er drücke, wann das herz nun bricht, uns unsre sein angesicht, Und geb uns- augen zu, Und lass uns sehn: seine ruh! 2. Ermuntert euch und fingt mit schall Gott, unserm 12. Was für ein lob soll höchsten gut, Der seine wunder überall und große dinge thut. man dir, Vater! fingen? Kein mensch vermag es würdig zu vollbringen. 2. Du hast aus nichts den himmel nebst der erden, Und alles, was darin ist, lassen werden; 3. Die Lob- Gesänge. 9 3. Die menschen drauf 13. Nun laßt uns Gott nach deinem bild formieret, Und mit verstand und gaben ausgezieret. dem herren Dank sagen und ihn ehren Von wegen seiner gaben, Die wir empfangen haben. 4. Du läsfest uns in deinem wort auch lehren, Wie wir dir dienen sollen und dich ehren. 5. Von findheit an hast du uns stets ernähret, Was wir bedurft, uns väterlich bescheeret. 6. Du speisest alles fleisch mit wohlgefallen Und schüßest uns, so lange wir hie wallen.. 7. Wenn kreuz und trübsal uns gleich oft berühret; So hast du es doch herrlich ausgeführet. * 8. Sehr groß ist deine weisheit, güt und stärke, Und wunderbar sind alle deine werke. 9. Herr! wir bekennen es mit unserm munde Und danken dir dafür von herzensgrunde. * 10. Lob sei dir, Vater! der du mit dem Sohne Und heilgem Geist regierst in einem throne. 11. Dein großer name set allzeit gepriesen Für alles gute, das du uns erwiesen. 12. Hilf, daß wir dir im glauben fest anhangen, Und dann die seligkeit darauf erlangen. 2. Den leib, die feel, das leben Hat er allein gegeben: Dieselben zu bewahren, Will er an uns nichts sparen. 3. Nahrung giebt er dem leibe; Die feele muß uns bleiben, Wiewohl tödtliche wunden Sind kommen von den sünden. 4. Ein arzt ist uns gegeben, Der selber ist das leben: Christus, für uns geſtorben, Hat uns das heil erworben. 5. Sein wort, sein' tauf, sein nachtmal Dient wider allen unfall; Der heilge Geist im glauben Lehrt uns darauf vertrauen. 6. Die sünd ist uns vergeben, Durch ihn geschenkt das leben: Sm himmel solln wir haben, D Gott, wie große gaben! * 7. Wir bitten deine güte, Daß sie uns fort behüte, Die großen nebst den kleinen; Du kannst's nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der wahrheit; Gieb ewigliche freiheit, Zu preisen deinen namen, Durch Jesum Christum. Amen. Mel. 10 Lob- Gesänge. Mel. Nun freut euch, lieben. 14. gläubig herze! benedei Und lobe deinen herren: Gedenf, daß er der vater sei, Den du allzeit sollst ehren; Dieweil du keine stund ohn ihn, Mit aller sorg in deinem sinn, Dich selber kannst ernähren. 2. Er ist's, der dich von herzen liebt, Viel gutes dir mittheilet, Dir deine missethat vergiebt, Und deine wunden heilet; Dich waffnet zu des geistes krieg, Daß dir dein feind nicht oben lieg, Noch deine Hoffnung raube. 3. Er ist barmherzig, und sehr gut Den armen und elenden, Die sich von allem übermuth Zu seiner wahrheit wenden: Er nimmt sie als ein vater auf, und giebt, daß sie den rechten lauf Zur seligkeit vollenden. 4. Wie sich ein vaterherz bezeigt, Und gutes thut den kindern; Also hat sich auch Gott geneigt Zu uns blutarmen fündern: Er schenkt uns gnade, lieb und huld Vergiebt uns gnädig alle schuld, Und hilft uns überwinden. 5. Er giebt uns seinen guten geist, Verneuert das gemüthe, Daß wir vollbringen, was er heißt, Und trauen seiner güte. Er hilft uns hie mit gnad und heil, Verheißt uns auch ein herrlich theil Von seinen ewgen schätzen. 6. Nach unsrer ungerechtigkeit Hat er uns nicht vergolten, Vielmehr erzeigt barmherzigkeit, Da wir verderben sollten. Er ist mit gnad und freundlichkeit Denselben immerfort bereit, Die ihn von Herzen lieben. * 7. Was Gott nun angefangen hat, Das woll er auch vollenden. Wir geben uns ganz feiner guad Und seinen vaterhänden. Wir thun daneben unsern fleiß, Gewiß, er werd zu seinempreis All unsern wandel wenden. * 8. D Vater! steh uns gnädig bei, Weil wir sind im elende, Daß unser thun aufrichtig sei, Und nehm ein selig ende. Leucht uns mit deinem hellen wort, Daß ung an diesem dunkeln ort Kein Kein falscher schein ver=blende. 9. Gott! nimm an den preis und dank, Den wir voll andacht singen, Und laß dein wort mit freiem flang Durch unsre herzen dringen. hilf, daß wir mit deiner fraft Durch eine gute ritterschaft Die lebensfron erringen. Mel. Lob- Gesänge. Mel. Nun bricht die finstre., 15. Ich finge dir mit herz und mund, Herr! meines herzens lust: Ich sing und mache freudig fund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der brunn der gnad, Des lebens quelle seist, Daraus uns allen früh und spat Viel heil und gutes fleußt. 3. Was sind wir doch? was haben wir Auf dieser ganzen erd, Das uns, o Vater! nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser feld Mit thau und regen nett? 5. Wer wärmet uns in fält und frost? Wer schützt uns vor dem wind? Wer macht es, daß man forn und most Zu seinen zeiten find't? 6. Wer giebt uns leben und geblüt? Wer hält mit seiner hand Den goldnen, werthen, edlen fried In unserm vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott! das kommt von dir, Du, du mußt alles thun; Dein auge wachet für und für, Und läßt uns sicher ruhn. 11 uns, wenn wir in gefahr Gerathen, treulich bei. 9. Du trägst uns fünder mit geduld, Und schlägst nicht allzusehr, Ja endlich nimmst du unsre schuld, Und wirfst sie in das meer. 10. Wenn unser herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht, Und giebst uns, was uns hoch erfreut, Und dir zu ehr gereicht. 11. Wenn auch der christ verlassen scheint, Bist du es, der ihn der ihn stärkt, und keine thräne, die er weint, Bleibt von dir unbemerkt. 8. Du nährest uns von jahr zu jahr, Bleibst immer fromm und treu, Und stehst 12. Du füllst des lebens mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des himmels haus, Wenn uns die erd entgeht. 13. Wohlauf, mein herze! lob und sing, Und habe guten muth: Dein Gott, der ursprung aller ding, Ist selbst und bleibt dein gut. 14. Er ist dein schat, dein erb und theil, Dein glanz und freudenlicht, Dein schirm und schild, dein' hilf und heil, Schafft rath und läßt dich nicht. 15. Was fränkst du dich in deinem sinn, Und grämst dich tag und nacht? Nimm deine sorg und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht. 16. Hat er dich nicht von jagend auf Versorget und er= nährt? Lob- Gesänge. 12 nährt? Wie manchen schweren unglückslauf Hat er zurückgekehrt? 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes end. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun, Und red ihm nicht darein: So wirst du hier im frieden ruhn, Und ewig fröhlich sein. 16.- Sollt ich meinem Gott nicht fingen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Hab ich doch in allen dingen So viel anlaß, mich zu freun. O, es ist ja nichts als liebe, Die sein vaterherz bewegt, Die mich mit erbarmen trägt, Wenn ich seinen willen übe. Alles währet seine zeit; Gottes lieb in ewigkeit. 2. Wie ein adler in gefahren Treulich seine jungen deckt: So hält Gott, mich zu bewahren, Seine schußhand ausgestreckt. Er, der über mir schon wachte, Als ich kaum zu sein begann, Sah mit vaterhuld mich an, Ch ich war und eh ich dachte. Leib und seele gabst du mir; Gott, o wie verdank ichs dir! 3. Für mich armen, mich verlornen, Mich, der ich gefallen bin, Gabst du deinen eingebornen, Jefum Christum selber hin. Mir zum heil kam er auf erden, Lehrte, litt, vergoß sein blut, Starb am freuze, mir zu gut, gut, Daß ich möchte selig werden. Seines heils fann ich mich freun; Gott, dein bin ich, du bist mein! 4. Du mein vater, mein regierer, Hilfst mir selbst im guten fort. Du giebst mir zum sichern führer Deinen geist in deinem wort, Daß er meine seele fülle Mit des glaubens hellem licht, Das des todes schatten bricht, Und das bange herz macht stille. Er ists, der durch seine kraft Gern, was gut ist, in mir schafft. 5. Meinem bessern theil, der seele, Giebst du trost und stärk und ruh. Wenn ich, was du willſt, erwähle, Strömet mir dein friede zu. Was, so lang ich hier noch walle, Ich bedarf in dieser welt, Was den leib ernährtund hält, Daß er nicht in staub zerfalle, Auch das wird von deiner hand Väterlich mir zugewandt. 6. Himmel, erd und ihre heere Sind auch mir zum nuten da; Wohin ich mein auge fehre, Ist mir, Gott, dein segen nah. Thier und fräuter und getreide, In den Lob- Gesänge. den gründen, auf der höh, In den büschen, in der see, Sind mir nahrung, sind mir freude. Deine welt ist, mir zum wohl, Unzählbarer güter voll. 7. Wenn betrübniß meine feele, Schwachheit meinen leib umgiebt: Dann, dann bet ich, und verhehle Nichts vor dir, der doch mich liebt. Wärst du nicht, mein Gott, gewesen, Hätte mich dein angesicht Nicht erquickt: so wär ich nicht Aus so man-, cher noth genesen. Nur allein von dir bewacht Ging ich durch die dunkle nacht. 8. Wie ein vater seinem kinde Niemals ganz sein herz entzeucht, Ob es gleich, verführt zur fünde, Von dem rechten wege weicht: Also siehst du meine schwächen, Höchster, mit erbarmen an, Züchtigst mich, daß ichs gethan, Ohn es doch im zorn zu rächen; Weil, als ichs verirrt beging. Doch mein herz noch an dir hing. 9. Wenn gleich manche harte schläge Meinem fleisch oft bitter sind, Sinds doch, wenn ichs recht erwäge, Zeichen, daß du an dein kind Als ein weiser vater denkest, Und mich von dem dienst der welt, Die mich hart gefesselt hält, Durch die trübsal zu dir lenkest. Deine weise 13 züchtigung Zielt auf meine besserung. 10. Weil denn ohne ziel und ende, Vater, deine gnaden sind: So erheb ich herz und hände Freudig zu dir, als dein kind; Bitte, wollst mir gnade geben, Dir mein ganzes herz zu weihn, Deiner liebe mich zu freun, Ganz zu deinem ruhm zu leben, Bis ich dich nach dieser zeit Lieb und lob in ewigkeit. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 17. Womit soll ich dich wol loben? Mächtiger Herr Zebaoth! Sende mir dazu von oben Deines geistes fraft, mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen Deine huld und liebeszeichen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer könig! dank dafür. 2. Vater! wenn mein herz bedenket, Wie dich meine sündenschuld Oft betrübet, oft gekränket, Und wie deine lieb und huld Mich aus langmuth doch getragen; So muß ich beschämet sagen: Tausend, tausendmal sei 2c. 3. Ach ja, wenn ich überlege, Mit was lieb und gütigkeit Du durch so viel wunderwege mich geführt die lebenszeit; So weiß ich kein ziel zu finden, Noch den grund hier zu ergründen. Lob- Gesänge. 14 den. Tausend, tausendmal sei dir 2c. 4. Bald famst du mit frohen zeiten, Bald mit kummer, angst und last, Nur mein herz dahin zu leiten, Daß es dich allein umfaßt, Daß mein gänzliches verlangen Möcht an deinem willen hangen, Tausend, tausendmal sei dir zc. 5. Wie ein vater nimmt und giebet, Nachdems kindern nüglich ist: So hast du mich auch geliebet, So hast du zu jeder frist, Dich auch meiner angenommen, Wenns auch gleich aufs höchste kommen. Tausend, tausendmal sei ic. 6. Trugst du nicht auf deinen armen Mich oft treu und väterlich? Hast du nicht oft voll erbarmen Wunderbar errettet mich? Wollte alle hilf zerrinnen, Ward ich deinen beistand innen. Tausend, tausendmal set 2c. * 7. Vater! du hast mir erzeiget Lauter gnad und gütigkeit; Und du hast zu mir geneiget, Jesu! deine freundlichkeit. Und durch dich, o Geist der gnaden! Werd ich stets noch eingeladen. Taufend, tausendmal sei dir 2c. 8. Tausendmal sei dir gesungen, Herr mein Gott, preis, lob und dank, Daß es mir bisher gelungen; Ach, laß ferner meinen gang Sicher gehn durch Christi leiten In die frohen ewigkeiten, Da will ich, o Vater! dir Freudig danken für und für. Mel. Es ist das heil uns. 18. Nob, ehr und preis dem höchster gut, Dem vater aller güte, Dem Gott, der große wunder thut, Dem Gott, der mein gemüthe Mit seinem reichen trost erfüllt, Dem Gott, der allen jammer stillt! Gebt unserm Gott die ehre! 2. Gs danket dir des himmels heer Beherrscher aller thronen! Und die, die erde, luft und meer, Von dir belebt, bewohnen, Besingen deine schöpfersmacht, Die alles, alles wohl bedacht! Gebt unserm Gott die ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten; Darüber will er früh und spat mit seiner gnade walten. In seinem ganzen königreich Ist alles recht und alles gleich. Gebt unserm Gott die ehre! 4. Ich rief zum herrn in meiner noth: Ach Gott, vernimm mein schreien! Da half mein helfer mir vom tod, Ließ mir troft angedeihen. Drum dank, o Gott, drum dank ich dir! Ach danfet, Lob- Gesänge. 15 fet, danfet Gott mit mir! die gelobte pflicht, Und laßt Gebt unserm Gott die ehre! uns fröhlich fingen: Der herr hat alles wohl bedacht, Und alles, alles recht gemacht! Gebt unserm Gott die ehre! 5. Der herr ist nah, und ist noch nicht Von seinem volk geschieden. Er bleibt der frommen zuversicht, Ihr segen, heil und frieden. Mit vaterhänden führt er die, Die ihm vertraun, und segnet sie. Gebt unserm Gott die ehre! 6. Wenn hilfe nicht mehr nügen kann, Die uns die welt erzeiget: So nimmt Gott unsrer noth sich an; Er selbst, der schöpfer, neiget Sein vateraug uns gnädig zu, Und schafft uns hilfe, schafft uns ruh. Gebt unferm Gott die ehre! 7. Drum will ich dich mein lebenlang, Gott, von nun an ehren; Man soll, Herr, deinen lobgesang An allen orten hören. Mein ganzes herz ermuntre sich, Mein geist und leib verehre dich! Gebt unserm Gott die ehre! 8. Ihr, die ihr Christi namen nennt, Gebt unserm Gott die ihre! Thr, die ihr Gottes macht erkennt, Gebt unserm Gott die ehre! Die falschen gözen macht spott! Der herr ist Gott! der herr ist Gott! unserm Gott die ehre! zu Gebt 9. So kommet vor sein angesicht, Shm preis und dank zu bringen! Bezahlet Mel. Wer nur den lieben. N. M. 19. Mein herz, ermuntre dich zum preise Des Gottes, der dein vater ist! Bedenk es, auf wie viele weise Du ihm zum dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein helfer war, Mit freuden ruhm und ehre dar. 2. Herr! deine hand ist immer offen, 3u geben, was mir nüßlich ist. Und doch bin ich oft schwach im hoffen Auf dich, der du die liebe bist. Mein Gott, wie wenig bin ichs werth, Daß mir noch hilfe widerfährt. 3. Unendlich groß ist dein erbarmen; Nur wohlzuthun bist du gewohnt. Drum wird auch mir, mein Gott, mir armen, Von dir nicht nach verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine treu Mit segen, trost und hilfe bei. 4. Du bist es, der in meinen sorgen Mit rettung mir entgegen eilt; Und wenn sie noch vor mir verborgen, Nach meinem wahn zu lang verweilt: So kommst du, eh ichs mich versehn, Und hilfft Lob- Gesänge. 16 hilfft mir und erhörst mein flehn. 5. Du wählst und wirkest ſtets das beste;. Und wenn auch meine noth sich häuft, So steht durch dich mein wohl doch feste. Wenn mich das elend ganz ergreift, So bleibst du doch erbarmungsvoll, Und förderst stets mein wahres wohl. 6. Du bist mein heil; mein ganz gemüthe Ist deines ruhms, mein retter, voll. D könnt ich deine große güte Doch so erheben, wie ich soll! Doch meine fraft reicht nicht dahin; Du weißt es, Gott, wie schwach ich bin. 7. Auch siehest du mit wohlgefallen Auf wahre herzensredlichkeit, Und hörest selbst das schwache lallen Der deinen mit zufriedenheit; Du hörst es, wie ein vater pflegt, Der seiner kinder schwachheit trägt. 8. Drum soll mir deine huld und güte Beständig, Gott, vor augen sein. Ich will mit redlichem gemüthe Mein leben deinem lobe weihn, Bis ich vollkommner deinen ruhm Erheb im höhern heiligthum. Mel. Nun bricht die finstre. 20. Du bist's, dem ehr und ruhm ge= bührt; Und das, Herr, bring ich dir! Mein schicksal hast du stets regiert, Und stets warst du mit mir. 2. Wenn angst und noth sich mir genaht, So hörtestdu mein flehn, Und ließest mich, nach deinem rath, Hilf und errettung sehn. 3. Wenn ich in schmerz und krankheit sank, Und rief: Herr, rette mich! So halfft du mir; mit welchem dank, Mein Gott, erheb ich dich? 4. Betrübte mich des feindes haß, So klagt ich dir den schmerz; Du halfst mir, daß ich ihn vergaß, Und gabst geduld ins herz. 5. Wenn ich den richtgen pfad verlor, Und mich verschuldet sah, Rief ich zu dir, mein Gott, empor, gnade war mir nah. Und. 6. Du halfft und hilfst noch immerzu: Denn du biſt fromm und gut. Aus der versuchung rettest du, Und giebst zur tugend muth. 7. Herr! für die leidendank ich dir, Durch die dumich geübt, Und für die freuden, welche mir Dein milder segen giebt. 8. Dir dank ich es, daß die natur Mich nährt und mich erfreut; Ich schmeck in jeder kreatur, Gott, deine freundlichkeit. 9. Ich danke dir für deinen sohn, Der für mich fünder Sonntags- Gesänge. fünder starb, Und der zu deinem gnadenthron Den zugang mir erwarb. 10. Wie sehr liebt Gott der menschen wohl! Erheb ihn, volk des herrn! Die erd ist seiner güte voll; Er hilft und rettet gern. 11. Er hilft und läßt die traurigkeit Bald vor uns übergehn, Will uns, nach kurzer prüfungszeit, Zum ewgen glück erhöhn. 12. Vergiß nicht, seele, was dein Gott An dir bisher gethan; Verehr und halte sein gebot, Und bet ihn ewig an! Mel. Es ist das heil uns. 21. Bis hieher hat mich Gott gebracht Durch seine große güte; Bis hieher hat er tag und 17 nacht Bewahrt leib und gemüthe. Bis hieher hat er mich geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mir geholfen. Mel. Vom himmel hoch da komm. 22. Dies, christen, ist der tag des Herrn! Geschäft und müh sei von euch fern! Kommt vor des höchsten angesicht, Und freuet euch in seinem licht. 2. Kommt, betet euren schöpfer an, Und rühmt, was er an euch gethan! Ihn preisen ist der christen amt, Drum preist und lobt ihn allesammt! N. A. 2. Hab lob und ehre, preis und dank Für die bisher'ge treue, Die du, o Gott! mir lebenslang Bewiesen täglich neue; In mein gedächtniß schreib ichs Der herr hat große ding gethan An mir, und mir geholfen. an: 3. Hilf fernerweit, mein treuer hort, Hilf mir zu allen stunden. Hilf mir an all und jedem ort, Hilf mir durch Jesu wunden; Hilf mir im leben, tod und noth Durch Christi schmerzen, blut und tod, Hilf mir, wie du geholfen. 2. Sonntags- Gesänge. 3. Rühmt seine weisheit kraft und rath, Da er aus nichts erschaffen hat Den himmel und die ganze welt Und alles, was sie in sich hält. 4. Und als er ihren bau vollbracht, Hat er den menschen auch gemacht, Den er, nach seinem ebenbild, Mit weisheit und verstand erfüllt. 2 5. Er 18 5. Erkennt, um euch voll dank zu freun, Wie er durch seine güt allein Uns täglich schützet und ernährt, Und manches elend von uns kehrt. 6. Dankt auch, daß heute Jesus Christ Vom tode auf erstanden ist, und durch die größe seiner macht Das leben an das licht gebracht. 7. O Gott! der du den erdenkreis Erschaffen haft zu deinem preis, Und auch, in trübsal und gefahr, Uns treu bewahrt so manches jahr; Sonntags- Gesänge. 8. Hilf, daß wir voller dankbegier Erkennen, was du für und für Durch deine weisheit, güt und macht Gethan, geordnet und vollbracht. 9. Du sieger über tod und grab, Der sich für uns zum opfer gab! Laß uns der wohlthat würdig sein, Und mache uns von sünden rein. 10. Laß deiner auferstehung kraft, Die neues leben in uns schafft, Uns mit dem hohen trost erfreun, Einst ewig, Herr! bei dir zu sein. 11. heilger Geist! laß uns dein wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine lehr Glaub, lieb und hoffnung reichlich mehr. 12. Erleuchte uns, du wahres licht! Entzieh uns deine gnade nicht; Sei unser trost in aller noth; Stärk uns im leben und im tod. Mel. Wie schön leucht't uns der. 23. Jch will, o Vater! allezeit Erheben. deine gütigkeit, Daß du von so viel jahren Mich haft behütet wunderbar, Wie ichs mein lebtag immerdar, Auch diese woch erfahren. Singet, Bringet Gott dem herren Nah und ferren Dank und ehre; Jedermann sein lob vermehre! 2. Du fährst durch deinen gnadenschein Aus aller trübsal, noth und pein Den, der recht zu dir schreiet. Durch Christum giebst du deinen geist, Der uns den weg zur buße weist, Und innerlich erfreuet. Laß mich, Bitt ich, Deine güte Im gemüthe Fort empfinden, Ohn anfechtung meiner sünden. 3. Sieh ja dasselbe nicht mehr an, Was ich, Herr! wider dich gethan In nächst verwichnen tagen. Nimm zur versöhnung Christi blut: Er hat gelitten uns zu gut Und völlig abgetragen, Was sich Täglich Noch für fünden In uns finden: Drum wir schwachen Uns zum gnadenthron hinmachen. 4. Mein'n leib und feel und was nur mein, Laß dir, o Herr! Sonntags- Gesänge. Po Herr! befohlen sein, Ich Ich will dir all's ergeben. Wend ab noth, angst und herzeleid, Du Vater der barmherzigkeit! In meinem ganzen leben: Daß ich Fröhlich Deinen willen Mög erfüllen, Dich stets lieben, Auch die lieb am nächsten üben. 5. Gieb, daß mir dieser ruhetag Mein' innre ruh befördern mag Durch deines wortes stärke: Daß mir es Daß mir es durch das herze dring, Und hundertfältig früchte bring, Als rechte glaubenswerke. Laß sich Täglich Mein bestreben, Dir zu leben, In mir mehren Durch des geistes kraft und lehren. 19 fang der himmelsheere: Auch unser tempel schall von deiner ehre! Auch unser dank und unsers geistes flehen Soll dich erhöhen. 6. Verleihe, daß in dieser welt Mein' hoffnung sei auf dich gestellt, Und ich dir ganz vertraue; Daß ich die wahre ruh, und freud Erlange dort ohn einges leid, Wenn ich Gott immer schaue. Durch dich Werd ich Große gaben Ewig haben Bei dir oben; Deinen namen will ich loben. 3. Wie freu ich mich, die stätte zu begrüßen, Wo dürstenden des Lebens bäche flieBen, Und wo dein heil von der erlösten zungen Froh wird besungen! 4. Vergebens lockt die welt zu ihren freuden! Mein geist soll sich auf Gottes auen weiden. Sein heilges wort, das seine boten lehren, Das will ich hören. 5. Mit andacht will ich, Höchster! vor dich treten; Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten, Der thoren glück, die sich der sünden freuen, Wirst du zerstreuen. 6. O laß auch heute deinen geist mich lehren, Vom weg, der dir mißfällt, mich abzukehren; Regiere mich, daß meine ganze seele Zum trost dich wähle. Mel. Herzliebster Jesu, was. 7. Dein tag sei mir ein denkmal deiner güte! Er 24. Dies ist der tag, zum bring mir heil, und lenke fegen eingewei- mein gemüthe Auf jenen het; Ihn feiert gern, wer trost, den uns dein sohn dein, o Gott! sich freuet. erworben, Da er gestorben! Dlaß auch mich mit freu- 8. Dich bet ich an, du den vor dich treten, Dich todesüberwinder! Der du an anzubeten. diesem tag zum heil der fünder, Die fern von Gott in todes2. Dich rühmt der lobge2* 20 Sonntags- Gesänge. todesschatten saßen, Dein grab verlassen. 9. Dein siegstag ist ein tag des heils der erden; Als fabbath müss er mir stets heilig werden! Lob sei, Erlöser, deinem großen namen Auf ewig! amen. Vor der Predigt. 25. Liebster Jesu! wir sind hier, Dich und dein wort anzuhören: Lenke sinnen und begier Auf die süßen himmelslehren, Daß die herzen von der erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser wissen und verstand Ist mit finsterniß umhüllet, Wo nicht deines geistes hand Uns mit hellem licht erfüllet. Gutes denken, thun und dichten Mußt du elbst in uns verrichten. 3. O du glanz der herrlichkeit, Licht vom licht aus Gott geboren, Mach uns allesammt bereit, Deffne herzen, mund und ohren: Unser bitten, flehn und singen Laß, Herr Jesu! wohl gelingen. 26. Herr Jesu Christ! dich zu uns wend, Den heilgen geist du zu uns send; Mit Hilf und gnad er uns regier Und uns den weg zur wahrheit führ. 2. Thu auf den mund zum lobe dein, Bereit das Herz zur andacht fein; Den glauben mehr, stärk den ver= stand, Daß uns dein nam werd wohl bekannt. 3. Bis wir singen mit Gottes heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! Und schauen dich von angesicht In ewger freud und selgem licht. 4. Chr sei dem vater und dem sohn, Dem heilgen geist in einem thron; Der heiligen dreieinigkeit Sei lob und preis in ewigkeit! Mel. Liebster Jesu, wir sind hier.. 27. deinem 27. Herr! vor angesicht Sind wir hier, dich anzubeten. Hilf, daß wir ohn andacht nicht, Ohne ernst nicht vor dich treten; Gieb uns herzen, die dich ehren, Redlich flehn, aufmerksam hören. 2. Laß das wort, das hier erschallt, Viele gute früchte bringen, Und mif göttlicher gewalt Tief in unsre herzen dringen, Sedes irrthums nacht zerstreuen, Und uns unsern sinn erneuen. 3. Mach uns so dein wort bekannt, Daß wir dessen vor= schrift üben, Dich und den, den du gesandt, Jesum Christum, herzlich lieben; Daß kein leid und keine freude Uns von dieser liebe scheide. Nach Sonntags- Gesänge. Nach der Predigt. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 28. Selig sind, die Gottes wort Hören und zugleich bewahren! Laß, mein Gott, mein heil und hort! Mir dies glück auch widerfahren, Daß mir das gehörte bleibe Und zur heiligung mich treibe. 2. Drück es fest dem herzen ein; So wird es fein feind mir rauben, Und ich werde selig sein Auch bereits in meinem glauben; Meine seele wird sich laben, und des himmels vorschmack haben. 21 Daß wir uns von ihm nie trennen, Ihn bis in den tod bekennen. Mel. Liebster Jefu, wir sind hier. 29. Gott sei preis und sei preis und dank gebracht! Denn nun haben wir vernommen, Was die fünder selig macht, Gottes wort, den trost der frommen: Lehren, die zu guten werken Unsern schwachen glauben stärken. 2. Unser Gott erhört gebet, Giebt uns feinen vatersegen. Wer nur seine wege geht, Findet heil auf seinen wegen. Laßt uns denn, ihm zu gefallen, Freudig seine wege wallen. 3. Seine liebe müsse sich Immer mehr uns offenbaren, Und die seinen väterlich Vor der sünden lust bewahren, 4. Unsern ausgang segne Gott, Unsern eingang, unfre werke; Segne jeden in der noth Mit geduld, mit trost und stärke: Daß wir, seines sohnes erben, Ihm nur leben, ihm auch sterben. Morgenandacht am Sonntage. 30. 30. Mein Mel. Nun jauchz' dem herren. die Mein Gott! sonne geht herfür; Sei du die sonne selbst in mir. Du sonne der gerechtigkeit, Vertreib der sünden dunkelheit. 2. Mein erstes opfer ist dein ruhm, Mein Herz ist selbst dein eigenthum. Ach, fehre gnädig bei mir ein! Du mußt dir selbst den tempel weihn. 3. Gieb, daß ich meinen fuß bewahr, Wenn ich mit deiner kirchenschaar Hinein zu deinem Hause geh, Daß ich da heilig vor dir steh. 4. Bereite mir herz, mund und hand, Und gieb mir weisheit und verstand, Daß ich dein wort mit andacht hör, zu deines großen namens ehr. 5. Schreib alles fest in meinen sinn, Daß ich nicht nur Sonntags- Gesänge. 22 nur ein hörer bin; Verleih mir deine fraft dabei, Daß ich zugleich ein thäter sei. 6. Hilf, daß ich diesen ganzen tag Mit leib und feele feiern mag; Bewahr mich vor der argen welt, Die diese feier fündlich hält. 7. So geh ich denn mit freuden hin, Wo ich bei dir recht selig bin. Mein Herz ist willig und bereit, D hei= lige dreieinigkeit. Abendandacht am Sonntage. 31. Nun bricht die finstre nacht herein, Du suchst die ruhestätt; Jedoch, mein herz, schlaf noch nicht ein, Bis du mit Gott gered't. 2. D Gott, du großer Herr der welt! Den niemand sehen kann, Du siehst auf mich vom himmelszelt, Hör auch mein seufzen an. 3. Der tag, den ich nunmehr vollbracht, War insbefondre dein: Darum hat er bis in die nacht mir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht geschehn, Denn ich bin fleisch und blut, Und pfleg es öfters zu versehn, Wenn gleich der will iſt gut. 5. Nun such ich deinen gnadenthron: Sich meine schuld nicht an, Und denke, daß dein lieber sohn Für mich genug gethan. 6. Schreib alles, was man heut gelehrt, In unsre herzen ein, Und lasse die, so es gehört, Dir auch gehorsam sein. 7. Erhalt uns fernerhin dein wort, Und thu uns immer wohl; Damit man stets an diesem ort Gott diene, wie man soll. 8. Indessen such ich meineruh; O Vater! steh mir bei, Und gieb mir deinen engel zu, Daß er mein wächter sei. 9. Gieb allen eine gute nacht, Die christlich heut gelebt, Und beßre den, der unbedacht Der gnade widerstrebt. 10. Wofern es dir, mein Gott! gefällt, So hilf mir: morgen auf, Daß ich noch ferner in der welt Vollbringe meinen lauf. 11. Und endlich führe, wenn es zeit, Mich in den himmel ein: Da wird in deiner herrlichkeit Mein sabbath ewig sein. II. Chrift II. Christliche 1. Gottes Mel. Es ist das heil uns. 32. Dir, Gott, sei preis und dank gebracht! Dich soll mein lied erheben! Ich bin ein wunder deiner macht, Du schufft auch mich zum leben. Mein ganzer leib, erbaut von dir, Ein jeder sinn und nerv an mir Ist denkmal deiner größe. 2. Haupt, aug und ohr, und mund und hand, Die ich zu dir erhebe, Die haut, so künstlich ausgespannt, Der nerven fein gewebe, Und alle glieder sagen mir: Ich sei, o Gott, ein werk von dir, Mit weisheit ausgebildet. 3. Wie biegsam, wie gelenkvoll schließt, Den thoren zu verdammen, Der's läugnet, daß ein schöpfer ist, Sich glied an glied zusammen! Wie willig, Herr, gehorchen sie, fie, Wenn meine seele spät und früh Des leibee dienst verlanget! Glaubenslehre. 4. D hätteſt du mein auge nicht So fünstlich zubereitet; Was nützte mir der sonne licht, So wunderbar verbreitet? Dann säh ich nicht, mit welcher pracht 23 Dasein. Du, Herr, die welt, die du gemacht, 3um sitz der freuden schmückest. 5. Ich jauchze, daß ich sehen kann, und hören und empfinden; Froh bet ich meinen schöpfer an. Ihn überall zu finden, In allen werfen, die er schuf, Das ist mein seligster beruf, Mein lobge= sang und opfer. 6. Wer leitet meines blutes lauf? Wer lenkt des herzens schläge? Wer regt die lung und schwellt sie auf, Damit ich leben möge? Gott ist's, auf dem mein leben ruht. Schlag, herz, entflamme mich, o blut! Daß ich den höchsten preise. 7. O pries ich, Höchster, immer dich, Wenn ich die sinne brauche, Geh, lieg, und ruhe, oder mich Bewege, athme, hauche. Gieb, daß ich nie mich selbst entweih; Gieb, daß mein leib ein tempel sei, Worin dein geist stets wohne. Mel. Herzliebster Jesu, was. 33. Ich weiß, daß Gott mich erschaffen! Was hätt ich wider 24 Gottes wider furcht und gram für waffen, Wenn diese welt fein werk zu seiner ehre, Wenn er nicht wäre! 2. Dann müßt ich unter mir das thier beneiden! Ach, mir versiegte jeder quell der freuden; Mir würde selbst ein paradies auf erden Zur wüste werden. 3. Wär ich nicht elend? wär ich nicht verloren? Ach! besser wärs, ich wäre nie geboren, Als wenn ich, blind durch zweifelsucht und lüfte, Von Gott nichts wüßte. 4. Die menschen hätten finnen, hätten seelen, mit tausend bangen zweifeln sich zu quälen? Umsonst erst sich ein dauernd gut zu suchen, Sich dann zu fluchen? 5. Flieht, lästernde gedanfen! ihr beflecket Von ferne schon die seele, die ihr schrecket. Entweicht! ich kenne meines lebens quelle; Entweicht zur Hölle! 6. Ich weiß, daß Gott ist; weiß, an wen ich glaube; Weß hauch mein geist ist; wer den leib vom staube So herrlich schmückt, mich trägt, mich unterstüzet, Mich täglich schüßet! 7. Ich weiß, auf welchen grund mein glück ich baue, Wen ich verehre, wem ich mich vertraue! Ihm zu gefallen will ich mich nur üben; Will ihn nur lieben! Dasein. Mel. Herzliebster Jesu, was. 34. Ist auch ein Gott? wer darf noch also fragen? Hört man nicht laute stimmen, die es sagen? Sieh! rufen schrift, vernunft und kreaturen, Der gottheit spuren! 2. Sieh um dich her! sieh himmel, länder, meere; Sieh. der geschöpfe unzählbare heere! Schließ von dem bau, und vom verstand der geister Auf seinen meister! 3. D, sieh hinauf zu den gestirnten höhen, Wo welten sich in ihren kreisen drehen Und von der bahn, ihr jahrsziel zu erreichen, Kein haarbreit weichen! 4. Sieh, wie die sonne jahr und tage theilet, Wie. auch der mond durch seine laufbahn eilet, Und wie durch beide tag und nacht der erde Regieret werde! 5. Was machts, daß diese ordnung stets vorhanden Und unverrückt jahrtausende be standen? Kannst du der gottheit dasein, kraft und wesen nicht darin lesen? 6. Sieh, mensch! du edler unter treaturen! Sieh an dir selbst der gottheit klare spuren! Kannst du mit wahrheit dich verständig nennen, Und Gott mißkennen? 7. Gottloser! frag das nagende gewissen: Ist denn ein Gottes Dasein. ein Gott? o! fühl doch in den bissen, Die du empfindest, fühl bei böser sache Den Gott der rache. 8. Doch nicht genug: es ist ein Gott, zu sagen. Oft leugnets doch der mensch durch sein betragen, Wenn er, als wär kein Gott, in fünden wandelt, Und gottlos handelt. 9. Du sagst: Gott ist und fennt mein ganzes leben. Bist du ihm denn auch recht zum dienst ergeben? Ist dank und gegenliebe im gemüthe Für seine güte? 10. Im wohlstand troßig, zaghaft in beschwerden, Vergöttert man oft dinge dieser erden, Macht gold zum trost, hält fleisch für seinen retter; Elende götter! 11. D menschen! lernet Gottes heilgen willen Mit redlichkeit und herzenslust erfüllen, Sonst werdet ihr, beim ruhm des glaubens, lügen, Euch selbst betrügen. 12. Laßt euch sein wort den weg der wahrheit lehren! Dies zeuget euch, wie ihr ihn sollt verehren, Bis er euch einst zum himmel wird erheben, Bei ihm zu leben. Mel. Es ist das heil uns. 35. Die himmel preisen Gottes macht mit allen ihren heeren, Und aller 25 ihrer wunder pracht Strahlt, Schöpfer, dir zu ehren. Was deine weisheit, Gott, vermag, Lehrt jeder tag den andern tag, Und jede nacht die andre. 2. Das laute loblied der natur Ertönet, dich zu preisen, Und uns( vernehmen wir es nur!) Von dir zu unterweisen. Wem ruft es nicht frohlockend zu: Der Herr ist Gott! wem läsfest du Dich, Schöpfer, unbezeuget? 3. Lobt den mit uns, der euch erschuf! So schallts in allen landen. Doch, ach! wo wird der schöpfung ruf, Wo Gottes lob verstanden? Es schallt! doch jede tiefe schallts, Und jede höhe wiederhallts Umsonst den gözendienern. 4. Wer ists, der ihren hohen gang Die sterne Gottes lehret? Der Herr ists, den ihr lobgesang Vor allen völkern ehret. Doch, ach! der heiden seelen sind, Wie hell ihr licht auch strahlet, blind, Und können ihn nicht finden. 5. Gleich einem bräutigam geschmückt, Geht aus des morgens pforten Die sonn hervor, erfreut, entzückt Die menschen aller orten. Sie eilet, rüstig wie ein held, Von einer welt zur andern welt, Den weg, den Gott sie führet. 6. Doch 26 Gottes 6. Doch seiner schöpfung unterricht Verstehen selbst die weisen Mit allem ihren forschen nicht, Und lernen Gott nicht preisen. wüßten wir, wenn deinen ruhm, Gott, dein evangelium Uns nicht verkündigt hätte? Was 7. Nur Jesu weisheit, diese nur Giebt blinden fraft zu sehen, Und lehrt die weisheit der natur, Der schöpfung ruf verstehen. Sie macht der heiden augen hell; Von ihr bestrahlet, sehn sie schnell Den schöpfer in der schöpfung. 8. Was gießeft du, o wort des Herrn, In unser herz für wonne! Mehr strahlen, als der morgenstern, Mehr strahlen, als die sonne: Wie strahlst, wie heiligst du, wie schmückst Du unsre feelen! wie beglückst Du uns mit deinen lehren! Wesen 9. Wie lieblich bist du, wie so hold! Was darf sich dir vergleichen? Du bist viel köstlicher als gold, Als alles gold der reichen. Süß ist der honig; doch erfreut, Noch mehr als seine süßigkeit, Die lust aus deiner quelle. 10. Gott, was mein herz vor dir verhehlt, Entdeckst du meiner seele. Vergieb( wer merkt, wie oft er fehlt?) Wo ich unwissend fehle! Bewahre vor den spöttern mich, Die deinen sohn, dein wort und dich Bestreiten und verläugnen. 11. So werd ich, durch dein wort erhellt, Durch seine fraft getrieben, Was dir, o Vater! wohlgefällt, Getreu und eifrig lieben. Dies ist mein wille; laß ihn dir Gefallen, und erfüll in mir, Was uns dein wort verheißet! 2. Gottes Wesen und Eigenschaften. a) Ueberhaupt. Mel. Aus meines Herzens grunde. 36. Schwingt, heilige gedanken, Euch von der erde los! Gott, frei von allen schranken, Ist unaussprechlich groß. Kommt, menschen, und lobsingt Vor seinem angesichte! Gott wohnt in einem lichte, zu dem fein auge dringt. 2. Kein sinn fann ihn erreichen, Kein endlicher verstand. Univ.- Bibl. Giessen und Eigenschaften. stand. Wer darf sich ihm vergleichen? Wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm kein bild! Wer fann den höchsten sehen, Ob er gleich alle höhen Und jede tief erfüllt? 3. Die sonn in hoher ferne Mag strahlenreicher glühn; Glänzt heller noch, ihr sterne! Was seid ihr gegen ihn? Mit aller eurer pracht Seid ihr im schönsten lichte Vor seinem angesichte Doch dunkler als die nacht. 4. Du bist des weltbaus meister, Der deinen ruhm erhöht; Der vater aller geister, Voll macht und majestät. Du schufest, Gott, auch mich, Ganz selig einst zu leben: Mein Herz sei dir ergeben; Mein leben preise dich. 5. Im geiste bet ihn, seele, Und in der wahrheit an. Lieb ich des herrn befehle, Wie selig bin ich dann! Er hat unsterblichkeit, Und seligkeit, und leben; Das alles wird er geben Dem, der sich ganz ihm weiht. 27 stets vor dir Voll ehrerbietung sein. 2. Du bist das höchste gut; Du weißt von feinem leide; Stets ruhig in dir selbst, Schmeckst du vollkommne freude. Dein ist die herrlichkeit. Auch ohne kreatur Bist du dir selbst genug, Du Schöpfer der natur. 3. Du riefft dem, das nicht war, Um luft und seligkeiten Aufs mannigfaltigste Um dich her auszubreiten. Die liebe bist du selbst; Verstand und rath sind dein; Und du gebrauchst sie gern, 3u segnen, zu erfreun. 4. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmächtig: werde! Entstand ein großes werk, Der himmel und die erde. Mit deinem kräftgen wort Trägst du die ganze welt, Und deine macht vollführt, Was uns unmöglich fällt. 5. Du bist der herren herr. Der erde majeſtäten Sind, Höchster! vor dir staub; Auch geister kannst du tödten. Wen du erniedrigest, Gott! wer fann den erhöhn? Wen du erhöhen willst, Deß hoheit muß bestehn. 6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besiget, Der leben giebt und nimmt, Der unsern odem schüßet. Den geist, der in uns lebt, Empfingen Mel. Nun danket alle Gott. 37. Anbetungswürdger Gott, Mit ehrfurcht stets zu nennen! Du bist unendlich mehr, Als wir begreifen können. O flöße meinem geist Die tiefste demuth ein, Und laß mich 28 Gottes pfingen wir von dir. Willst du, so wird er nichts. Du bleibest für und für. 7. Wer hat dich je gesehn? Wer kann im fleisch dich sehen? Kein sterblich auge reicht Bis zu des lichtes höhen, Wo du voll majestät Auf deinem stuble thronst, Und unterm frohen lob Der himmelsheere wohnst. 8. Was wir, Unendlicher! Von deinem wesen wissen, Das hast du selbst zuvor Uns offenbaren müssen. Die schöpfung zeugt von dir; Und deines sohnes mund Macht uns noch deutlicher, Gott! deinen namen fund. 9. Doch hier erkennen wir Dich noch gar unvollkommen. Wird aber dermaleinst Der vorhang weggenommen, Der ießt das heiligste Noch unserm blick verschließt; Dann sehen wir dich, Gott! So Herrlich, wie du bist. 10. Indeß sei auch schon jetzt Dein ruhm von uns befungen. Verschmähe nicht ein lob Von unsern schwachen zungen! Dort soll, wenn wir dereinst Vor dir verherrlicht stehn, Ein lied im höhern chor Dich, großen Gott, erhöhn. Mel. Mein Herz und seel den. 38. Grhabner Gott, was reicht an deine Wesen größe? Denk ich an dich, so fühl ich meine blöße. Ich fühle, Herr, daß du unendlich bist, Und daßß umschränkt mein forschend denken ist. 2. Du wohnst im licht, dazu kein mensch kann kommen. Was ists, das wir von deinem ruhm vernommen? Ach! nur ein theil von jener majestät, Die über alles dich, o Gott, erhöht. 3. Dein ewges sein, dein ganz vollkommnes wesen, Das, was du wirkst, und was dein rath erlesen, Ist viel zu hoch für menschlichen verstand. Von engeln selbst wirst du nie ganz erkannt. 4. Wie sollt ich denn, ich staub, mich mich unterwinden, Unendlicher! dich völlig zu ergründen? O mache mich von solchem dünkel frei, Daß mir dein wort des glaubens richtschnur sei! 5. Mein eigner geist kann sich leicht hintergehen. Dein wort ist wahr: es bleibet ewig stehen. Erforsch ich gleich dein göttlich wesen nicht, So gnüge mir davon dein unterricht! 6. Von dir, durch dich, zu dir sind alle dinge: Gieb, daß ich dir mich selbst zum opfer bringe! Begreif ichs nicht, wie du die welt regierst; So sei mirs g'nug, daß du mich selig führst. 7. Einst und Eigenschaften. 7. Einst wirst du dich mir näher offenbaren; Einst werd ich mehr von deinem rath erfahren, Wenn ich nur dem, was mich dein wort gelehrt, Geglaubt, gefolgt, und treu dich hier verehrt. 8. Drum hilf, daß ich mit ehrfurcht vor dir wandle, In allem thun nach deinem willen handle, Zufrieden sei, wie du mich hier regierst, Bis du mich einst zu deinem himmel führst. 9. Dann werd ich dich im hellern lichte sehen Und, froh in dir, dein ewigs lob erhöhen. Herr, du bist groß, und zeigst es mit der that, Unendlich groß an huld, an macht und rath! 29 allein Von ganzem Herzen. trauen; Dir einzig nur ergeben sein, Auf niemand anders bauen, Und deiner nur mich rühmen. Mel. Christ, unser herr, zum. 39. meine feel! er= hebe dich, mit andacht zu betrachten, Was Gott geoffenbart von sich, Und wie man ihn soll achten: Daß er der allerhöchste ist Im himmel und auf erden, Und soll gerühmt zu jeder frist, Auch angerufen werden, Als ursprung aller dinge. 2. Gott! du bist einig für und für, Nichts sind der heiden götter; Kein heil, noch trost ist außer dir, Kein helfer, noch erretter. Laß mich, o Herr! auf dich 3. Herr, mein Gott! du bist ein geist, Und theilest auch uns allen An gaben aus, was geistlich heißt, Nach deinem wohlgefallen. Laß mich stets geistlich sein gesinnt, Daß, wenn ich vor dich trete, Ich deine kraft in mir empfind, Und dadurch dich anbete Im geist und in der wahrheit. 4. Du bist, o Gott! von ewigkeit, Ohn anfang und ohn ende. Gieb, daß ich von der eitlen freud Des zeitlichen mich wende: Auf daß ich möge immerdar Drum bitten, und drauf denken, Weil alles irdsche wandelbar, Daß du mir wollest schenken Ein unvergänglich erbe. 5. O Gott! du bist an allem ort, Und gar nicht zu ermessen; Ob einer hier ist oder dort, Ist er dir unvergessen. Laß mich nicht zweifeln, wo ich sei, Könnst du dich mein annehmen; Was ich auch thu, laß mich dabei Des bösen vor dir schämen, Und überall dich fürchten. 6. Unendlich, Herr! ist deine macht, zu retten, die dich lieben, und, wenn der frevler dich 30 Gottes dich veracht't, Die rache auszuüben. Gieb, daß sich deiner allmacht schutz Fort über mich erstrecke; mich auch nicht menschen grimm und truß, Nur deine straf erschrecke; Du tödtest leib und seele. 7. Voll höchster weisheit bist du, Gott! Die niemand kann ergründen: Wie groß und schwer auch ist die noth, Weißt du doch rath zu finden. Gieb, daß ich, zu der seelen ruh, Auf dich werf meine sorgen, Auch übels Auch übels weder denk, noch thu; Denn dir ist nichts verborgen, Du prüfest herz und nieren. 8. Gott! du bist heilig und gerecht, Du kannst nicht sünde leiden; Wer sagen will, er sei dein knecht, Der muß das böse meiden. Gieb, daß ich mich zu jeder zeit Der heiligkeit befleiße, Nachjage der gerechtigkeit, Auch dein gericht gut heiße. Ob ichs schon nicht begreife. 9. Du bist sehr gnädig, fromm und gut, Wenn sich bekehrt der fünder; Erbarmst dich, wie ein vater thut, Von Herzen deiner kinder. Herr, laß von deiner lieb und gnad mich immer trost bekommen; Durch sie sei meine missethat So weit hinweg genommen, Als morgen ist vom abend. 10. Gott! deine wahrheit Wesen die besteht, Und wohl dem, der dir gläubet! Wenn erd und himmel auch vergeht, hab ich dein wort, das bleibet. Gieb, daß ich fürchte dein gericht Und alles, was du dräuest; Auch hoffe, was dein wort verspricht, Daß du mirs gern verleihest: So werd ich nicht zu schanden. 11. Höchstselig bist du, Gott, und frei, Du thust, was dir beliebet. Du bist ein milder herr dabei, Der reichlich gutes giebet. Laß mich mit dem zufrieden sein, Was mir bescheert dein wille. Gieb auch, daß ich von dir allein Und deiner güte fülle Erwarte, was mir nüßet. 12. Gott! wenn ich dich so kenn und ehr, Dein wort zum grunde seße; Erfreu ich mich darüber mehr, Als über alle schätze: Bis ich dich dort, mein heil und licht, Ohn lallen werde nennen, Von angesicht zu angesicht Anschauen und erkennen, Und unaufhörlich loben. 13. Gott Vater, Sohn, und heilger Geist! Der du auch willst auf erden Von mir und allen sein gepreist, Laß deinen ruhm groß werden. Verleih mir gnade, kraft und stärk, Daß ich zu allen zeiten, Herr, deinen namen und dein werk Könn mehr und Eigenschaften. mehr und mehr ausbreiten, So lang ich hier noch lebe. 31 aller wege? Wo ist die nacht, da sich dem herrn Ein mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in finsterniß, Was ihr beginnt! er siehts gewiß, Er sieht es schon von ferne. 6. Wer schüßt den weltbau ohne dich, D Herr, vor seinem falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein fittig über alle. Du bist voll freundlichkeit, voll huld, Barmherzig, gnädig, voll geduld, Ein vater, ein verschoner. Mel. Nun freut euch lieben. 40. Der herr ist Gott, und keiner mehr; Frohlockt ihm, alle frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Der herr ist groß, sein nam ist groß! Er ist unendlich, gränzenlos In seinem ganzen wesen. 2. Er ist, und bleibet wie er ist. Wer strebet nicht vergebens Ihn auszusprechen? wer ermißt Die dauer seines lebens? Wir menschen sind von gestern her; Ch noch die erde war, war er, Noch eher als der himmel. 3. Des ewgen thron umgiebt ein licht, Das ihn vor uns verhüllet; Ihn fassen alle himmel nicht, Die seine kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen und auch offenbar In seiner werke wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine fraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, fennet was er schafft, Der wesen ganze fette. Bei ihm iſt weisheit und verstand, Und er umspannt mit seiner hand Die erde sammt dem himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht 7. Unsträflich bist du, heilig, gut, Und reiner als die sonne. Wohl dem, der deinen willen thut: Denn du vergiltst mit wonne. Du haft unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig sein, Haft freuden, Gott, die fülle. 8. Dir nur gebühret lob und dank, Anbetung, preis und ehre! Kommt, werdet Gottes lobgesang, Ihr alle seine heere! Der herr ist Gott, und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? FORSI Mel. Nun danket alle Gott. 41. Durch dich, o groBer Gott, Durch dich bin ich vorhanden; Die himmel und ihr heer Sind durch dein wort entstanden; Denn wenn du sprichst, geschiehts; 32 Gottes schiehts; Wenn du gebeutst, stehts da. Mit allmacht bist du mir, Und auch mit güte nah. meere, 2. Du bist der Gott der kraft; Dich preisen erd und Und himmel predigen Die wunder deiner ehre. Dich bet ich dankend an! Mein heil kommt von dem herrn. Du hörst der menschen flehn, Und du errettest gern. 3. Und wenn ich deiner huld, Gott, gewürdigt werde, Was frag ich außer dir Nach himmel und nach erde? Veralten doch vor dir Selbst himmel, wie ein kleid. Du bleibst unwandelbar, Gott, meine seligkeit. 4. Wenn ich die himmel seh, Die du, Herr, ausgebreitet, Der sonne majestät, Den mond, den du bereitet; So sprech ich: was ist doch Der mensch, daß du sein denkst, Und daß du täglich uns Unzählig gutes schenkst? 5. Als schafe läß'st du uns Auf grünen auen weiden, Nährst uns mit speis und tranf, Und füllst das herz mit freuden. Du dachtest mein, eh mich Die mutter noch gebar, Ja sahst mich, eh der grund Der welt geleget war. 6. Du wogst mein glück mir ab und leiden, die mich Wesen üben, Und meiner tage zahl War in dein buch geschrieben. Du bist der frommen schuß; Du bist der müden ruh; Ein Gott, der gern verzeiht. Wie gnädig, Gott, bist du! 7. Wem sollt ich sonst vertraun, Als dir, du Gott der götter? Wen ehren, als nur dich, mein schuß und mein erretter? Wie sanft ist dein befehl: Gieb mir dein herz, mein sohn, Und wandle meinen weg; Ich bin dein schild und lohn! 8. Herr, dein gebot ist heil, Dein weg ist fried und leben. Wie könnt ich einem Gott Der liebe widerstreben? Der lasterhafte mag Im stolzen glücke blühn; Mich soll er dennoch nicht In seine nege ziehn. 9. Auch wenn kein mensch mich sieht, Will ich mein herz bewahren. Was hier verborgen blieb, Wirst du einst offenbaren. Wann eine böse lust Mir allzureizend ist, Dann will ich denken, Gott, Daß du mein richter bist. 10. Sollt ich der menschen ruhm Stolz zu erringen trachten? Nein, Herr, wenn du mich ehrst, Mag mich die welt verachten. Du bist es, dem zum dienst Ich leib und seele weih; Gieb, daß mein wandel stets Voll deines ruhmes sei. b) Ins und Eigenschaften. b) Insbesondere. Ewigkeit und Unveränderlichkeit. Mel. Allein Gott in der höh. 42. Grhaben über welt und zeit, Lebst du, Gott, ohne schranken, Von ewigkeit zu ewigkeit! Wie staunt bei dem gedanken Mein ganzer geist! er sinnt ihm nach; Er sinnt und forscht, und ist zu schwach, Dein ewges sein zu fassen. 2. Noch ward von feiner sonne licht Durch unsre welt verbreitet; Die himmel jauchzten- dir noch nicht, Durch Durch deine macht bereitet; Noch war das trockne nicht; kein meer Strömt' an der berge gründen her; Du aber warst schon ewig. 3. Von ewigkeit her sahest du Die künftge welt entstehen; Du maßest ihre zeit ihr zu, Du sahst sie untergehen. Vom engel bis zum wurm herab Wogst jedem du sein schicksal ab, Und nanntest ihn mit namen. 4. Ja, ewig bist du, du stirbst nie, Bleibst ewig meiner seele Der fels, den sterbend ich für sie Zur sichern zuflucht wähle: Denn deine gnad und wahrheit ist Gleich ewig, wie du selber bist. Wohl mir, daß ich dir traue! N. A. 33 Mel. Mein Herz und seel den. 43. Herr err Gott, du bist zeiten: in die zuflucht aller Denn du bist Gott Du allen ewigkeiten. warst es schon, eh erd und himmel ward, Eh noch dein arm sich uns geoffenbart. 2. Was bin ich, Herr, und alle menschenfinder? Staub sind vor dir der heilige, der fünder. Wie schnell entflieht das leben doch von mir! Du, Höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du hast vorhin die erde zubereitet, Dein arm, Gott, hat den himmel ausgebreitet; Doch sie vergehn, veralten, wie ein kleid; Du aber bleibst in alle ewigkeit. 4. Es werden noch die himmel und die erden Wie ein gewand von dir verwandelt werden. Du bleibest, wie du bist: denn welche zeit Umgränzet wohl, Herr, die unendlichkeit? 5. Das ist der trost, die hoffnung deiner knechte; Du schüßeft sie mit deiner starken rechte; Du läß'st ihr herz sich ewig deiner freun, Und bleibst ihr Gott: denn sie sind ewig dein. 6. Das sei mein trost in allen trüben stunden, Vom tode selbst werd ich nicht über3 34 Gottes Wesen 8. Und in allgemeine nacht Sinke dann mit seiner pracht Jeder himmel, und die welt Stürze hin, wenn Gott mich hält! überwunden. Kein tod, fein grab trennt mich, o Gott, von dir. Mein fels, mein heil verbleibst du ewig mir. Mel. Nun komm der heiden. 44. Inermeßlich, ewig ist Gott, der höchste! Herr, du bist, Wie du dich uns offenbarst, Nun und ewig, der du warst. 2. Ewig bleibst du selbst dir gleich, Weis' allein und gnadenreich, Ewig mächtig und voll kraft, Selig und untadelhaft. 3. Alle werke deiner hand Waren dir, o Gott, bekannt, Ch die welt auf dein geheiß Da stand, deiner weisheit preis. 4. Herrlich ausgebreitet stehn Deine himmel, doch vergehn Deine himmel, und die welt Sinkt, wenn sie dein arm nicht hält. 5. Du nur bleibest, wie du bist; Was dein weiser rath beschließt, Ist unwandelbar, wie du, Gut und heilig stets, wie du. 6. Sollt ich denn auf menschen baun? Nicht bloß dir mein heil vertraun? Ohne weisheit und verstand Brunnen graben in den sand? 7. Nein, unwandelbarer, dein Soll sich meine seele freun. Sei mein fels, Gott, fei mein licht, Ewig meine zuversicht. Allwissenheit und Allgegenwart. Mel. Gott, du frommer. 45. Herr! du erforscheſt mich, Dir bin ich unverborgen; Du kennst mein ganzes thun Und alle meine sorgen. Was meine seele denkt, War dir bereits be= kannt, Eh der gedanke noch In meiner feel entstand. 2. Auf meiner zung ist Herr, Kein wort, das du nicht wissest. Du schaffest, was ich thu, Du ordnest, du beschließest, Was mir begegnen soll. Erstaunt seh ich auf dich; Wie groß ist dein verstand, Wie wunderbar für mich. 3. Wohin, wohin soll ich Vor deinem geiste fliehen?. Wo könnt ich jemals wohl Mich deinem aug entziehen? Führ ich zum himmel auf, So bist du, Höchster, da; Führ ich zur tief hinab, Auch hier bist du mir nah. 4. Nähm ich auch, schnell zu fliehn, Die fittige vom morgen, Selbst an dem fernsten meer Blieb ich dir nicht verborgen. Und blieb ich und Eigenschaften. ich hier auch gleich Den menschen unbekannt, Gott! so umschlösse mich Doch deiner allmacht hand. 5. Wollt ich in finsterniß Mich deinem aug entziehen; So sucht ich doch umsonst Auch da dir zu entfliehen: Denn auch die finsterniß Ist vor dir helles licht; Die nacht glänzt, wie der tag Vor deinem angesicht. 6. Jm mutterleibe schon Ward ich von dir umgeben, Von dir gebildet, Gott, Von dir geführt ins leben. Ich danke dir, daß du Mich wunderbar gemacht, Und meiner, eh ich war, Schon väterlich gedacht. 7. Du kanntest mein gebein, Eh ich ans licht gekommen, Da ich im dunkeln erst Die bildung angenommen: Dein auge sah mich schon, Eh ich bereitet war, Und meiner tage lauf War dir schon offenbar. 8. Was für erkenntnisse, Für köstliche gedanken! Unzählbar sind sie mir: Denn sie sind ohne schranken. Mit ehrfurcht will ich stets auf dich, mein schöpfer, jehn, Dir folgen und dein lob, So gut ich kann, erhöhn. 9. Erforsche mich, mein Gott, Und prüfe, wie ichs meine, Ob ich der wirklich bin, Der ich zu sein mir 35 scheine. Sieh, ob mein fuß vielleicht Sich einem irrweg naht, Und leite meinen gang Auf ebnem, sicherm pfad. Mel. Es woll uns Gott. 46. Allwiffender, voll= kommner Geist! Deß auge alles siehet, Was nacht und abgrund in sich schleußt, Was unserm blick entfliehet. Es kann vor deinem hellen licht Sich kein geschöpf verstecken; Auch finsterniß verbirgt es nicht; Du weißt sie aufzudecken, Und tag daraus zu machen. 2. Selbst die gedanken sind dir fund, Die unsre seele heget, Eh sie noch der verschloßne mund Durch worte dargeleget. Dir sind die herzen offenbar, Du kannst ihr dichten spüren. Den rath der seele siehst du klar; Du prüfest herz und nieren, Und nichts bleibt dir verborgen. 3. Was deiner freunde herz begehrt, Das weißt du, eh sie beten. Ihr seufzen wird von dir gehört, Eh sie noch vor dich treten. Was deiner feinde herz beschließt, Ist auch dir unverborgen, Dir, der du ihren anschlag siehst, So heiter als den morgen, Den wolken nicht verdunkeln. 4. Was nach verfließung vieler zeit noch künftig wird 3* ge= Gottes Wesen 36 geschehen, Siehst du schon in allwissenheit Als gegenwärtig stehen. Du machst es deinen knechten fund, Es weiter auszubreiten, läßt durch ihren schwachen mund Die größten heimlich feiten Der ganzen welt entdecken. Und 5. Bleibt gleich vor menschen manches noch In dieser welt verschwiegen; So wird vor ihrem auge doch Einst alles offen liegen. Herr, dein gericht, dem nichts entflieht, Wird alles offenbaren. Was noch so heimlich jetzt geschieht, Wird alle welt erfahren und laut alsdann erzählen. 6. Laß mich, o höchste majestät! Dein helles auge icheuen. Wo ist der, der dich hintergeht mit seinen Heucheleien? Laß mich auch in der einsamkeit Dich gegenwärtig denken! Laß wahrheit und rechtschaffenheit Bei allem thun mich lenken, Und stets mein herz behüten. 2. Was ich denke, sieheft du; Du, du prüfest meine seele, Siehst es, wenn ich gutes thu, Und bemerkst es, wenn ich fehle. Nichts kann deinem aug entfliehn, Nichts mich deiner hand entziehn. 3. Wenn in stiller einsamfeit Ich mein herz an dich ergebe, Und, aus pflicht und dankbarkeit, Ich dir zu gefallen strebe, Siehst du es, und stehst mir bei, Daß ich immer treuer sei. 4. Meinen seufzern hörst du zu, Schaffst, daß hilfe mir erscheine, Und voll mitleid zählest du Jede thräne, die ich weine. Du erquitfest mein gemüth, Und der seele fummer flieht. 5. Drück, Allgegenwärtiger, Drück es tief in meine seele, Daß mein herz nur dich, o Herr, Wo ich bin, zur zuflucht wähle; Daß ich stets dein auge scheu, Dir zu dienen eifrig sei. 6. Ueberall gewissenhaft Laß nach deinem wort mich handeln. Stärke mich durch deine kraft, Fromm und treu vor dir zu wandeln. Du bist um mich, Herr, verleih, Daß mirs trost und warnung sei. Mel. Jesus, meine zuversicht. 47. Gott, nie bist du von uns fern; Nein, du wirkst an allen enden. Wo ich bin, Herr aller herrn, Bin ich unter deinen händen. Herr, ich lebe nur Allweisheit. Mel. Wer nur den lieben. N. M. durch dich: Denn du trägst, 48. Schöpfer! jedes du schüßest mich. deiner werke Macht und Eigenschaften. Macht deiner größe ruhm bekannt, Verkündigt deine macht und stärke, Verkündigt weisheit und verstand. Wie herrlich ordnet deine wahl Der wesen unermeßne zahl! 2. Dein kleinstes werk ist, wie das größte, Voll ordnung, herrlichkeit und pracht; Ist,( denn du wählest nur das beste,) Ein spiegel deiner weisen macht. Wie mannigfaltig und wie gut Ist das, was deine weisheit thut! 3. Was du nach ihrem rath erschufest, Regierst du auch nach ihrem rath. Was kommen soll, kommt, wenn dur's rufest, Wie es dein schluß geordnet hat. Wem weisheit und verstand gebricht, Versagst du's, wenn er bittet, nicht. 37 meine seele Kennt ohne dich, was gut ist, nicht. Damit sie stets das beste wähle, Gewähre du ihr selbst dein licht. Deckst du, was täuschen fann, mir auf; So wandl' ich sicher meinen lauf. 4. Oft ist uns, Herr! dein weg verborgen, Dein rath ist dennoch wunderbar. Der ausgang deiner weisen sorgen Erhellt, was unbegreiflich war. Was du beschließest, das besteht; Was dir entgegen strebt, vergeht. 5. Der mensch hat seinen freien willen, Und dennoch muß, wie frei er wählt, Er immer deinen rath erfüllen, Der seines zieles nie verfehlt. Zu schanden machst du tück und list, Und lehrest, daß du weise bist. 6. O weisheit Gottes! 7. Noch immer, Vater meines Lebens, Hat deine hand mich gut geführt. Wohl mir! ich lebe nicht vergebens, Wenn deine weisheit mich regiert. Sie führt Sie führt gewiß durch welt und zeit Mich hin zu deiner herrlichkeit. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 49. Du weiser schöpfer aller dinge, Der alles ganz genau versteht! Nichts ist so groß, nichts so geringe, Das nicht nach deiner ordnung geht. Du schreibest der geschöpfe chor Zweck, maß, gewicht und regeln vor. 2. Die wundervollen prächtgen werke, Die unserm auge fern und nah, Sie stehn sowohl durch deine stärke, Als auch durch deine weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein verstand: Der ganze weltbau machts bekannt. 3. Mit eben der allweisen stärke, mit welcher du die welt gemacht, Regierst du alle deine werke, Die dein verstand hervorgebracht, Du brauchst, o unerschaffnes licht! D 38 Gottes licht! Der menschen rath und beistand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, Das kommt unfehlbar auch zur that. Wenn tausend hindernisse fommen, So triumphiert dein hoher rath. Du siehst und wählst zu deinem zweck Beständig, Gott! den besten weg. 5. Die menge so verschiedner willen, Wo dieser hier, der darauf fällt, muß immer doch den schluß erfüllen, Den sich dein wille vorbehält, Der aller feinde stolzen wahn Als unvernunft beschämen kann. 6. D weisheit! decke meiner seele Die angeborne thorheit auf, Damit sie dich zum führer wähle, In ihrem sonst verwirrten lauf. Ich weiß den weg des friedens nicht; O gönne mir dein sichres licht! 7. Du hast mich durch mein ganzes leben Nach deinem flugen rath geführt. Mein geist muß dir die ehre geben, Daß du aufs beste mich regiert. Leit ferner mich durch welt und zeit Bis zu der frohen ewigkeit. Allmacht. Mel. Nun lob mein' seel den. 50. ommt, kommt, den herrn zu preisen, Der groß von rath ist, groß Wesen von that, Den gütigen, den weisen, Der keinen, der ihm gleich sei, hat! Der herr thut große werke. Wer hindert seine fraft? Wer seines armes stärke, Die nur, was gut ist, schafft? Er dehnet, gleich gezelten, Die weiten himmel aus. Er spricht, so gehen welten Aus ihrem nichts heraus. 2. Er will, und sonnen flammen. Auch drängt das wasser, wenn er spricht, In wolken sich zusammen, Und ihre schleuche reißen nicht. Er ruft den ungewittern Das meer wird ungestüm; Des himmels säulen zittern; Die erde bebt vor ihm. Er will-: und blizze zünden Gebirg an; sie vergehn. Er spricht und ruft den winden -: Schnell wird sein himmel schön. 3. Wer, wer gebeut den wellen: Hieher! nicht weis ter! legt euch hie! Wer schafft in felfen quellen? Sie: rieseln und versiegen nie. Wer füllt auch wüsteneien mit seinen wundern an? Heißt thiere da sich freuen, Wo niemand wohnen kann? Wer kann die sterne führen? Wer weiß, als er allein, Die himmel zu regieren? Und du wagst stolz zu sein? 4. Herr! dein ist alle stärke, Und alle hilfe, Gott! ift und Eigenschaften. 39 5. So ist sein herz bald tropig und bald feige, Und fündigt, glänzt dein licht auf seine steige; Und fündigt, wenn du schlägst, wenn deine schrecken Zur buß ihn wecken. 6. Befreie, Gott, mein herz von solchen sünden! Im glücke lehre mich mein nichts empfinden, Und gieb mir muth, an dir in finstern tagen Nicht zu verzagen. 7. So werd ich nimmer ist dein. Das preisen deine werke, Die deiner fraft allein sich freun. Wir auch erfreun uns ihrer, Ihr lob sei unsre pflicht! O vater, o regierer! Wen hält, wen schüßt sie nicht? Du lebst, du wirkst in allen. Dir, dir vertrauen wir! Erhalter, wer fann fallen, Getragen, Herr! von dir? Mel. Herzliebster Jesu, was haft. 51. Sollt ich an deiner macht, o Gott, verzagen, Wenn, mir zur prüfung, du in trüben tagen Mein thränend auge, meiner seele schmachten Nicht scheinst zu achten? Wahrhaftigkeit und Treue. dich Mel. Christus, der uns selig. 2. Wie dürft ich, o erhalter aller welten, Dich hart, dich grausam, ohnmächtig schelten, nicht mein leid gleich, mein herz dir flehet, Vorüber gehet? Weil wann 3. Herr, du erhebst den menschen; er empfindet, Undankbar, nicht, wer seine wohlfahrt gründet; Vergißt, sein fünftig glück auf dich zu bauen, Voll selbstvertrauen. Weil 52. Der du, Gott, die wahrheit bist, Deinem angesichte Zeigt sich, was nur war und ist, In dem reinsten lichte. Alle wahrheit kommt von dir Zu den menschenkindern, Und erleuchtet uns, wenn wir Nur ihr licht nicht hindern. 4. Dann träumt er stolz, ihn könne nichts erschüttern. Du ziehst die hand ab; er beginnt zu zittern, Und flagt, wenn du nicht hilfft: Gott will nicht retten, Gott kann nicht retten! 2. Vorurtheil und finsterniß Füllen unsre seelen; Unser blick ist ungewiß, Unsre schlüsse fehlen: Aber dein verstand weicht nicht Von der lautern wahrheit; Alles, was du denkst, ist licht, Sonnenhelle klarheit. 3. Wirf das vertraun vergessen, Das dir gebührt, nicht feig sein, nicht vermessen, Im glück und unglück rühmen: Gott ist mächtig! Nur Gott ist mächtig! 40 Gottes 3. Wirf dich, sterbliches geschlecht, Dankbar Gott zu füßen. Seine wahrheit und sein recht Läßt der Herr dich wissen. Weit erschallt das wort des Herrn, Daß die welt befehret. Glaubt es freudig, folgt ihm gern, Völfer, die ihrs höret! 4. Was uns Gottes wort verspricht, Wird und muß geschehen; Auch kann seine drohung nicht Leer vorüber gehen. Haben tausende nicht schon, Wenn sie trotzig waren, Seine strafen, ihren lohn, Ihm zum ruhm erfahren?! 5. Seele, wolltest du nicht Gott Zuversichtlich glauben? Sollen leichtsinn oder spott Deinen trost dir rauben? Wer auf seine wahrheit baut, Bauet nicht auf lügen. Kann sie den, der ihr vertraut, Heuchlerisch betrügen? 6. Haffe die vernunft, die sich Wider Gott empöret, Wider seinen geist, der dich Sein geheimniß lehret. Flieh den spötter, der sich bläht, Mehr als Gott zu wissen; Er wird doch, vielleicht zu spät, Gott noch glauben müssen. 7. Erd und himmel wird vergehn; Gottes wort wird bleiben, und die frevler, die es schmähn, Werdens nicht vertreiben. Liebten fürsten selbst den spott, Chrten sie Wesen verführer: Der im himmel wohnet, Gott, Lacht und spottet ihrer. 8. Du bist wahrheit; ewig soll Nichts von dir mich trennen, eine welt, von arglist voll, Mich erschüttern können. Muß ich auch hier um dein wort Schmach undtrübsal leiden: So belohnst du mirs doch dort, Gott, mit ehr und freuden. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 53. Noch nie haft du dein wort gebrochen, Nie deinen bund, o Gott! verletzt. Du hältstgetreu, was du versprochen, Vollführst, was du dir vorgesetzt. Wenn erd und himmel auch vergehn, Bleibt ewig doch dein wort bestehn. 2. Du bist kein mensch, daß dich gereue, Was uns dein mund verheißen hat. Nach deiner macht, nach deiner treue, Bringst du, was du versprichst, zur that. Scheint die erfüllung gleich noch weit, So kommt sie doch zu rechter zeit. 3. Und wie du das unfehlbar giebest, Was deine lieb uns zugedacht; So wird, wenn du vergeltung übest, Dein drohwort auch gewiß vollbracht. Wer dich, o Gott! beharrlich haßt, Fühlt deiner strafe schwere last. 4. D und Eigenschaften. 4. D, drücke dies tief in mein herze, Zu meiden, was dein wort verbeut. Gieb, daß ich nie leichtsinnig scherze Mit deiner strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, Was dein befehl mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit festem glauben Dem worte deiner gnade traun. Wer kann den trost uns jemals rauben, Den wir auf dein versprechen baun? Du bist ein fels; dein bund steht fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! 6. Wie stark sind unsers glaubens gründe! Hier ist dein wort, das niemals trügt. Und daß dies allen beifall finde, Hast du den eid hinzugefügt. Wahrhaftger! was dein mund beschwört, Ist völlig unsers glaubens werth. 7. Laß, seele! laß dich dies beschämen. D traue Gott, der treu es meint, Such ihn zum muster anzunehmen, Und sei auch allen lügen feind. Beweise dich Beweise dich als Gottes find, Dem treu und wahrheit heilig sind. Mel. Jesu, deine heilgen wunden. 54. Treu ist Gott! das nehmt zu herzen, Menschen, die ihr jammernd klagt! Hört in allen euren schmerzen, Was sein heilges 41 wort euch sagt! Er, der seine hand euch reicht, Macht der trübsal last euch leicht, Und das ende bittrer leiden Euch zum anfang ewger freuden. 2. Laß dir an der gnade gnügen, Die der herr dem schwachen schenkt. Nimmermehr wirst du erliegen, Da er gnädig dein gedenkt. Er, der deine thränen zählt, Hat auch schon die zeit erwählt, Da er deine klagen stillet, Und dein herz mit trost erfüllet. 3. Heben will er dich und tragen, Wenn du schwach und hilflos bist. Auch des grauen alters flagen Hört er, der uns nie vergißt. Die verheißung steht noch fest: Daß er fromme nie verläßt, Nie versäumt Nie versäumt auf die zu schauen, Die sich kindlich ihm vertrauen. 4. Nun so ruh in seinen händen, Seele, die du flagſt und wankst! Er wird deine leiden wenden, Daß du ihm noch freudig dankst. Seiner gnaden bund allein Müsse deine stärke sein! Halte nur mit festem muthe Dich zu Gott, dem höchsten gute. 5. Laß mich diese gnad erreichen, Herr Gott, meine zuversicht! Mögen doch verzagte weichen; Mein vertrauen weiche nicht. Gott der Gottes Wesen 42 der treue, ich bin dein, Du wirst mein erretter sein; Wirst mir, wenn mich leiden fränken, Deines troftes labsal schenken. Heiligkeit und Gerechtigkeit. Mel. Jesu, deine heilgen wunden. 55. Gott, vor dessen angesichte Nur ein reiner wandel gilt, Ewges licht, aus desfen lichte Stets die reinste wahrheit quillt! Höchster! deine heiligkeit Werde stets von uns gescheut! Laß sie uns doch fräftig dringen, Nach der Nach der heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes wesen, und kein böses ist an dir. Ewig bist du so gewesen, Und so bleibst du für und für. Was dein wille wählt und thut, Ist unsträflich, recht und gut, Und mit weisheit und mit stärke Wirkst du stets vollfommne werke. 3. Heilig sollen deine tinder, Aehnlich deinem bilde sein. Nie besteht vor dir der fünder: Denn du bist vollkommen rein. Du bist nur der frommen freund; Uebelthätern bist du feind; Wer beharrt in seinen fünden, Kann vor dir nicht gnade finden. 4. D so laß uns nicht verscherzen, Was dein rath uns zugedacht. Heilge selbst, Herr, unsre herzen! Tödt in uns der sünde macht! Schwach fündenvoll sind wir, Das ist offenbar vor dir; Und nur du allein kannst zählen Die gebrechen unsrer seelen. und und 5. Uns von sünden zu erlösen, Gabst du deinen sohn dahin. Oso reinige vom bösen Durch ihn unsern ganzen sinn! Gieb uns, wie dein wort verheißt, Gieb uns deinen guten geist, Daß er unsern geist regiere, Und zu allem guten führe! 6. Keiner sündlichen be gierde Bleibe unser herz ge= weiht! Unsers wandels größte zierde Sei rechtschaffne heiligkeit. Mach uns deinem bilde gleich! Denn zu deinem himmelreich Wirst du, Herr, nur die erheben, Die im glauben heilig leben. Mel. Es ist gewißlich an der.. 56. Ger 56. Gerechter Gott! vor dein gericht Muß alle welt sich stellen. Du wirst in ihrem angesicht Auch mir mein urtheil fällen., laß mich dein gericht stets scheun, Und hier mit ernst beflissen sein, Vor dir einst zu bestehen! 2. Du siehst von deinem festen thron Auf alle menschen und Eigenschaften. schenkinder; Bestimmest je dem seinen lohn, Dem frommen und dem sünder. Nie siehst du die personen an; Allein auf das, was wir gethan, Siehst du als rechter richter. 3. Viel gutes und barmherzigkeit Giebst du schon hier den frommen. Du schüßest fie vor manchem leid, Darein die fünder kommen. So zeigest du vor aller welt, Daß dir der eifer wohlgefällt. Den man der tugend widmet. 4. Ja, Herr! du liebst, was recht und gut, Und bist ein freund der frommen. Wer deinen willen gerne thut, Wird von dir aufgenommen. Sein werk und dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht so, wie er soll, Ganz rein von allen fehlern. Dem Der Der 5. Doch dem, der dich, o Gott! nicht scheut, frevelnden verbrecher, dein geseß und recht entweiht, Bist du ein strenger rächer. Ihn strafend machst du offenbar, Daß der dir nie gefällig war, Der hier der sünde dienet. 43 wacht, Wie du dem fünder lohnest. 7. Bleibt hier viel böses unbestraft, Viel gutes unbelohnet; So kommt ein tag der rechenschaft, Der keines sünders schonet. Da stellst du, Herr! ins Hellste licht, Wie recht und billig dein gericht. Dann triumphiert der fromme. 6. Der untergang der erften welt, Die aus der art geschlagen, Das feuer, das auf sodom fällt, Egyptens lange plagen, Und andre wunder deiner macht Sind zeugen, wenn dein zorn erN 8. Gerechter Gott! laß mich, wie du, Das gute eifrig lieben! Gieb selber mir die kraft dazu! Wirk inniges betrüben, Wenn sich die sünd in mir noch regt! Dein herz, das lauter gutes hegt, Sei meines herzens vorbild. 9. Und weil vor dir, Herr zebaoth! Nur die allein bestehen, Die gläubig auf des mittlers tod Bei ihrer reue sehen; So laß mich die ge= rechtigkeit, Die mich von straf und schuld befreit, Im glauben eifrig suchen! Güte und Barmherzigkeit. 57. Wie groß ist des allmächtgen güte! Ist der ein mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem gemüthe Den dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte pflicht. Der herr hat mein noch Gottes Wesen 44 noch nie vergessen; Vergiß, mein herz! auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit langmuth mich geleitet? Er, dessen rath ich oft verwarf. Wer stärkt den frieden im gewissen? Wer giebt dem geiste neue kraft? Wer läßt mich so viel glück genießen? Ists nicht sein arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein geist! in jenes leben, zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein recht zu diesen freuden; Durch Gottes güte sind sie dein. Sieh! darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt nicht ehren? Und seine güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? Den weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein will ist mir ins herz geschrieben, Sein wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben, und meinen nächsten gleich als mich! 5. Dies ist mein dank, dies ist sein wille: Ich soll vollkommen sein, wie er. So lang ich dies gebot erfülle, Stell ich sein bildniß in mir her. Lebt seine lieb in meiner seele, So treibt sie mich zu jeder pflicht; Und ob ich schon aus schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die sünde nicht. 6. Gott! laß deine güt und liebe mir immerdar vor augen sein! Sie stärk in mir die gnten triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur zeit der schmerzen; Sie leite mich zur zeit des glücks; Und sie besieg in meinem herzen Die furcht des letzten augenblicks. Mel. Wie schön leucht't uns der. 58. Gott, deſſen starke hand die welt Erschaffen hat und noch erhält, Ich sehe deine güte; Sch sehe sie und werd entzückt, Wohin auch nur mein auge blickt. So bald ich mein gemüthe Auf dich, Schöpfer, Achtsam lenke Und dich denke, Find ich armer Dich als vater und erbarmer. 2. Seh ich, so weit mein auge reicht, Gen himmel, so entdeck ich leicht Die spuren deiner güte. Der himmelslichter lauf und pracht, Der sterne heer, daß du gemacht, Erwecket mein gemüthe, Großer Schöpfer, Dich zu singen, Dir zu bringen Ehr und stärke. Groß sind deiner allmacht werke. 3. In und Eigenschaften. 3. In ungewittern, sturm und wind, Die deines thrones diener sind, Entdeck ich deine güte. Das feuer, wie der wassergrund, Macht deine große liebe fund. Mit fröhlichem gemüthe Will ich Täglich Darauf achten und betrachten Deine werke, Rühmen deine huld und stärke. 4. Dein erdreich, Gott, das jedermann Giebt brot und kleider, seh ich an, Und schmecke deine güte. Ich riech und fühl und höre sie Im feld und wald, ich sehe fie In aller fluren blüte. Von dir Zeugen Alle dinge, So geringe Sie mir scheinen, Wie im großen, so im kleinen. 5. Dzieh mich über welt und zeit Zu dir, o Herr der herrlichkeit, Durch deine groBe liebe! Auf dich laß mich in allem sehn, Für jedes gute dich erhöhn; Belebe meine triebe. O mein Vater, Dir in allen Zu gefallen, Dir zu leben, Sei mein eifrigstes bestreben. Mel. Nun lob mein' feel den. 59. Mit fröhlichem gemüthe Dankt, die ihr Christo angehört, Dankt Gott, daß seine güte, Gleich als sein leben, ewig währt. Nach so viel tausend jahren, Die durch sie alle reich An frohem segen 45 waren, Bleibt sie sich immer gleich. Nie hört sie auf zu sorgen, Und sorget immer treu. Sie wird mit jedem morgen An den geschöpfen neu. 2. Herr! deine güte reichet So weit, als luft und himmel geht, Und ihre dauer gleichet Dem fels, der unbeweglich steht. Vor ihren heitern strahlen, Wo sie hervorbricht, fliehn Auch bange finstre qualen Wie leichte wolken hin. Wer zählt die millionen, Die sie erwärmt und nährt? So weit nur wesen wohnen, Hat sie sich auch verklärt. 3. Süß ist das licht der sonne, Das täglich unser aug entzückt; Weit süßer ist die wonne, Womit uns Gottes güt erquickt. Erfreulich ist das leben, Und schauervoll der tod; Doch besser noch als leben Ist deine güte, Gott! Wie ist sie uns so theuer! Sie, fie verläßt uns nie. Was ist wohl milder, treuer, Und tröstender, als sie? 4. Wer wollte sie nicht loben, Sie, die doch allen alles gab, Vom hohen seraph droben Bis zu des staubs gewürm herab? Von so viel kreaturen läßt sie nicht eine leer, Und ihres segens spuren Verbreitet sie umher. wie sie voll entzücken Stets Und wie Und Gottes Wesen 46 Stets für den himmel quoll, Ist auch, wohin wir blicken, Von ihr der erdkreis voll. 5. Zu ihrem lob erwecke Vor allem du dein herz, o christ! Komm her, und sieh und schmecke, Wie freundlich Gott, dein vater, ist! Auf! seinen ruhm erzähle Dein frommes saitenspiel; Und deine ganze seele Sei inbrunst und gefühl. Von seiner güte sage, Wie treu sie für uns wacht, Ein tag dem andern tage, Die nacht der nächsten nacht. Come 6. Wir sind viel zu geringe Der treu, die du an uns gethan! Wir schaun die großen dinge, Erbarmer! mit bewundrung an. Du schenkst den sohn uns fündern, Erlösest uns durch ihn, Wählst uns zu deinen findern, Willst selbst uns zu dir ziehn. Auf! da in Jesu namen Ihm unser lob gefällt, Lobfingt ihm! amen! Sein lob füll alle welt! amen! Mel. Wer nur den lieben. N. M. 60. So weit, Herr, deine himmel reichen, Reicht deine huld, die uns erhält; Gh werden berg Eh und hügel weichen, deine gnade wankt und fällt. Gleich mächtigen gebirgen steht Die heiligkeit, die dich erhöht. Als 2. Gott, dir ist kein geschöpf verborgen; Du läsfest feines aus der acht; Du würdigst jedes deiner sorgen, Und bist auf aller wohl bedacht. Vom menschen bis zum kleinsten thier Dankt alles seine hilfe dir. 3. Mit frommem freudi gem gemüthe Erheb ich, Gott der gnade, dich! Wie theuer ist doch deine güte! Wie liebst du uns so väterlich, Uns, die wir ohne furcht und graun Im schatten deiner flügel traun! 4. Mit welchem reichen überflusse Erfüllst du diese welt, dein haus! Du theilst ihn allen zum genusse, Zur sättigung und freude aus; Und jedes lebens quelle fließt Aus dir, der du das leben bist. 5. O unerschaffner geist, wir schauen In deinem lichte nur das licht. Entzieh den deinen, die dir trauen, Dein gnadenvolles gnadenvolles antlig nicht! Gott, deine huld sei über die, Die dich verehren, segne sie! Langmuth und Geduld. Mel. Ein lämmlein geht und. 61. Gott, wie viel langmuth und geduld Beweisest du uns armen, Bereit, auch bei gehäufter schuld, Dich unser zu erbarmen! Ach, wie so mancher sünder und Eigenschaften. sünder lebt Nur wie ihn lüftet, sinnt und strebt Dir immerdar entgegen! Und du, o Vater, suchest ihn Von seinen sünden abzuziehn, Zur reu ihn zu bewegen. 47 du denkst daran, Wie leicht ihr herz sich täuschen kann, Und eilest sie zu stärken. 5. Du warnst sie vor des falls gefahr, Noch eh fie irre gehen; Gefallnen reichst du stärke dar, Gleich wieder aufzustehen. Du lockest sie voll lieb und huld, VerheiBest ihnen, ihre schuld Durch Christum zu vergeben; Und stehn sie auf, wie feuert dann Dein geift zur that den willen an, Unsträflich nun zu leben! 2. Der menschen elend jammert dich, Auch wenn sie sich verstocken; Auch dann noch suchst du väterlich Zur beßrung sie zu locken. Wie lange, Gott, verschobst du nicht Der sündfluth schreckliches gericht Und deines volkes strafen! Wie lange gingst du ihm nicht nach, Eh der verwerfung fluch und schmach Die undankbaren trafen! 3. Wem giebst du nicht zur buße raum, Dem fluche zu entgehen? Unfruchtbar bleibt so mancher baum, Und bleibt doch länger stehen. Du wartest ihn, umsonst; und doch Pflegst du des baumes immer noch, Verziehst, ihn abzuhauen. O was für langmuth und geduld! Wer fann die tiefe deiner huld, Wer kann sie ganz durch schauen? 4. So gnädig, Herr, erbarmst du dich Selbst unbiegsamer fünder! Wie zärtlich und wie väterlich Verschonst du deine kinder! Läßt ihrer tugend eifer nach, Und werden sie im glauben schwach Und träg in guten werken; So jammerts dich, 6. Wann sie oft furchtsam und mit angst Den weg des glaubens wallen, Nicht freudig, nicht, wie du verlangst, mit vollem wohlgefallen; Wenn sie, ob gleich mit mühe, sich Entschließen, recht zu thun, für dich Und ihre pflicht zu leiden: Wie nachsichtsvoll gewöhnst du sie, Wie liebreich an der tugend müh Und ihres kampfes freuden! 7. O langmuth, der nichts gleichen kann, Gedenke stets der fünder. Nimm mit geduld dich ihrer an, Wie deiner schwachen kinder. Ach, keiner häufe schuld auf schuld Durch kühnen mißbrauch deiner huld! Laß uns das böse hassen: Daß alle sich, durch dich erneut, Den reichthum deiner gütigkeit, Zum himmel leiten lassen. Mel. 48 Gottes Mel. Herzliebster Jesu, was hast. 62. Jauchzt unserm Gott! er ist von großer güte, Barmherzig und von duldendem gemüthe; Er zürnt nicht ewig, will mit seinen fnechten Nicht ewig rechten. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern sünden, Und läßt verschonend uns das nicht empfinden, Was wir, weil wir ihm unser herz nicht gaben, Verschuldet haben. 3. Hoch ist der himmel über seiner erde. So groß ist auch, daß er geliebet werde, Die huld des Herrn bei denen, die ihn lieben, Und gutes üben. 4. Wem bleibt sein antlig, wenn ers sucht, verborgen? So weit der abend sich entfernt vom morgen, Entfernt auch Gott der fünde schuld und schmerzen Von unsern Herzen. 5. So zärtlich sich ein vater seiner finder Erbarmet, so erbarmt sich Gott der sünder, Wenn sie von herzen sich zu ihm bekehren, Ihm treue schwören. 6. Er schlägt und heilt, verwundet, läßt genesen; Er weiß, der mensch ist ein zerbrechlich wesen; Er denkt daran, daß das geschöpf aus erde Bald asche werde. 7. Ach! er ist gras; er blüht, wie blumen blühen! Wesen Die winde wehn darüber, fie verblühen, und ihre stätte wird nach wenig stunden Nicht mehr gefunden. 8. Von ewigkeit zu ewigkeiten währet Die güte Gottes jedem, der ihn ehret. Ach! leite denn auch mich auf deinem pfade, Du Gott der gnade! 9. So werd ich ewig deiner huld genießen; So wird mein leben sanft vor dir verfließen; So werd ich dort mit allen engelchören Dich fröhlich ehren. Allgenugsamkeit und Seligkeit. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 63. Aus deiner quelle, schöpfer, nimmt. Der mensch, zur seligkeit bestimmt, Zahllose freuden! täglich fließt Ihr strom, der unerschöpflich ist. 2. Er fließt durch deine schöpfung hin, Und hat für einen jeden sinn, Für jeden heiligen genuß, Befriedigung und überfluß. 3. Vom himmel strömt sein segen her, Strömt durch gebirg und thal und meer. Wie schön ist deine welt, wie reich! Herr, was ist deinen schätzen gleich! 4. Noch größre freuden sendest du uns, wenn wir dich und dich nur lieben, zu; Du bietst uns seligkeiten an, Wie sie kein sinn je fassen fann. Eigenschaften. 5. Wenn wir dich kennen, wie entzückt Ist, ihrer finsterniß entrückt, Die seele, die sich deiner freut! Was fühlt sie dann für seligkeit! 6. Welch eine wonne, wenn sie nun, Was du befiehlst, beginnt zu thun, Selbst fühlet, wie der tugend werth Erhebt, beglücket und verklärt! 7. Fließt so viel hohe lust von dir Schon hier auf uns; kannst du schon hier Mit solchen gütern uns erfreun; Wie jelig mußt du selbst nicht sein. 8. Unendlich selig: denn du bist Unendlich! und unendlich ist, fülle der vollkommenheit, Der reichthum deiner herrlichkeit! 49 9. In allen welten gleichet nichts Dem anschaun deines angesichts. Auch nur ein strahl davon zerstreut Die größten leiden dieser zeit. 10. Der engel dort an deinem thron Sieht durch jahrtausende dich schon, Wird immer weiser, stets, o Herr, Von deinem anschaun seliger! Mel. Christ unser herr zum. 64. Was alle weisheit as alle weisheit dieser welt, Was die vernunft nicht findet, Aus stolz wohl gar für thorheit hält, Weil sie es nicht ergründet, Das lehrt uns Gott, und sagt: er sei Hoch über alle götter, Groß, N. A. 11. Und doch, wie hoch er strebt, umfaßt Er nimmer, was du bist und hast. Nur du durchschaust dich ganz allein. Wie selig, selig mußt du sein! 12. Und ewig, ewig! keine zeit Umgränzet deine seligkeit. Aus dir, o aller wonne meer, Strömt ewig heil und freude her! 3. Von Gott dem Dreieinigen und seinen überhaupt. Wohlthaten 13. Preist ihn, den Gott der seligkeit, Der hier und dort uns hoch erfreut; Der herr ist selig nicht allein; Auch wir, wir sollens ewig sein. mächtig, freundlich, fromm und treu, Der frommen schuß und retter, Ein wesen, drei personen. 2. Der vater hat von ewigkeit Gezeugt den eingebornen. Der sohn, bet Gott vor aller zeit, Ward mensch für die verlornen 4 Des Von Gott dem Dreieinigen 50 Des vaters und des sohnes geist, Vom vater uns gegeben, Führt uns zum sohn und unterweist Und leitet Und leitet uns zum leben, Wenn wir nur folgen wollen. 3. Sieh hier, mein herz, wo ist ein gut, Das diesem gute gleichet? Das ist dein freund, der alles thut, Was dir zum heil gereichet. Nach seinem bilde schuf er dich; Er will dich auch ernähren. Der sohn ward mensch, erniedrigt sich, Und starb; dich zu bekehren, Wird Gottes geist gesendet. und der erde, Daß jeder fünder auf der welt Zu dir befehret werde! Gieb den verblendeten dein licht; Führ alle die, die irren; Verführern wehre, daß sie nicht Die gläubigen verwirren; Die schwachen laß nie straucheln. 7. Gieb, daß wir alle, Gott! dein reich und seine fron erringen, Und alle dir dafür zugleich mit deinen engeln singen. Du, den der ganze himmel preist, Bist unser Gott, bist einer! Du bists, o Vater, Sohn und Geift! Und außerdir ist keiner Sm himmel und auf erden. 4. Ihn recht erkennen durch sein wort, Das giebt uns heil und leben, Giebt Mel. Es wolle Gott uns. freude hier und wird uns 65. Herr, unser Gott, Ihn dort Vollkommne wonne geben. Wohl dem, der diesen Gott recht kennt, Ihn fürchtet, liebet, ehret, Ihn zuversichtlich vater nennt; Der wird von ihm erhöret, Ist schon in hoffnung selig. wer ist dir gleich? Du bist das höchste wesen, Und doch hast du, an gnade reich, Uns dir zum dienst erlesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, Du allerhöchster, haben; Mit deinent heil willst du uns hier Und ewig einst begaben, Du quelle alles segens! 5. Ach, daß es doch noch menschen giebt, Die sich selbst so verblenden Und Gottes spotten, der sie liebt, Sich zu geschöpfen wenden. Was wären sie, wenn sie, o Gott, Dein eifer auch verstieße, Und sie für ihren frechen spott Dem schicksal überließe, Das sie sich selbst bereiten? 2. Wir beten dich, o Vater, an. Sind wir gleich vor dir fünder: So nimmst du dich doch unser an, Wie väter ihrer finder. Du hast für uns, aus großer huld, Selbst deinen sohn gegeben. Dein herz voll güte und geduld, Verleih uns troft und 6. Gieb, da ihr tod dir nicht gefällt, Gott himmels und seinen Wohlthaten. 51 und leben, Daß wir dich majestät Fall ich im staube findlich fürchten! nieder. Dich, ewger, deſfen licht Kein sinn erreichen kann, Dich, Vater, Sohn und Geist, Dich, einger, bet ich an. 3. O Jesu, ewger Gottes Sohn! Du heil, darauf wir hoffen! Durch dich steht zu des vaters thron Der weg uns wieder offen. Uns zu befrein von sünd und tod Kamst du zu uns auf erden. O laß uns, unser Herr und Gott, Froh deines segens werden, Und dir im glauben dienen. 4. D heilger Geist, du Geist von Gott! Wehr in uns dem verderben. Im glauben an des mittlers tod Hilf uns der fünde sterben! Du- giebst zum guten lust und kraft, Laß es uns stets erfahren; Stärk uns in unfrer pilgrimschaft, Bewahr uns vor gefahren; Hilf uns dir willig folgen. 45. Laß, Gott, uns dein auf erden schon Als unsers Gotts uns freuen. Herr, segne uns von deinem thron, Daß wir vor dir gedeihen. Dein ist das reich, die herrlichkeit: Dir wollen wir hier leben, Und du wirst, nach vollbrachter zeit, Uns einst dahin erheben, Wo wir dich ewig schauen. STT 2. Erbarmender! du fahst Das elend der verlornen; Du sendest selbst den sohn, Schonst nicht des eingebornen. Wer den zum retter hat, Dem fehlt die freiheit nicht, Und wen sein geist belebt, Dem fehlt nicht kraft noch licht. 3. Nun kann ich gnad um gnad, Kann heil und leben hoffen. Mir steht der gnadenthron, Mir steht der heilsbrunn offen. Mich deckt des vaters huld: Der sohn erwarb sie mir; Sein geist belebet mich; Dreieinger, lob sei dir! 67. Wir glauben glauben all an einen Gott, Schöpfer himmels und der erden, Der sich zum vater geben hat, Daß wir seine finder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und feel auch wohl bewahren; Allem unfall will er wehren, Kein leid foll uns widerfahren. Er forget für uns, hüt't und wacht; Es steht alles in seiner macht. 2. Wir glauben auch an himmelslieder; Vor deiner Jesum Christ, Seinen sohn 4* liger, Besingen und Mel. Nun danket alle Gott. 66. Dich, dreimal hei Von Gott dem Dreieinigen 52 und unsern herren, Der ewig bei dem vater ist, dem vater ist, Gott von gleicher macht und ehren; Von Maria, der jungfrauen, Ist ein wahrer mensch geboren, Durch den heilgen geist im glauben, Für uns, die wir warn verloren, Am kreuz gestorben, und vom tod Wied'r auferstanden ist durch Gott. 3. Wir glauben an den heilgen geist, Gott mit vater und dem sohne, Der aller blöden tröster heißt, Uns mit gaben zieret schöne. Die ganz' christenheit auf erden Hält in einem sinn gar eben; Hier all sünd'n vergeben werden. Das fleisch soll uns wieder leben; Nach diesem elend ist bereit Uns ein leben in ewigkeit. Amen. 68. 3 glaub an einen h Gott allein, Der alle dinge groß und klein, Den himmel und die erden Aus nichts hat laffen werden; Der auch mich selbst aus lauter gnad Zu seinem dienst erschaffen hat, Mir leib und feel gegeben, Sinn und vernunft daneben. Durch seine weisheit, macht und güt All' sein' geschöpfe er behüt't; Er ist mein vater und mein Gott, Der mir zu hilfe kommt in noth, Mich schüßet und ernähret. 2. Ich glaube auch an Jesum Chrift, Der Gott vom vater ewig ist, Ein wahrer mensch geboren, Daß ich nicht würd verloren; Der mir seins vaters huld erwarb, Am stamm des freuzes für mich starb, Fuhr zu der hölle nieder, Stand auf vom tode wieder. Und zu vollenden seinen lauf, Fuhr er ins himmels thron hinauf, Von da er kommen wird einmal, Daß er die menschen richte all, Die lebenden und todten. 3. Ich glaub auch an den heilgen geist, Der gleich ist wahrer Gott, und heißt Ein lehrer unsrer finnen; Dér ewig, ohn beginnen Vom vater und dem sohn ausgeht, Der den betrübten hier beisteht, Daß fie vergebung finden All ihrer schuld und fünden. Ich glaube, daß erhalten werd Ein' allgemeine firch auf erd, Bei der stets bleib des geistes gab. Ich glaub, daß dieses fleisch vom grab leben. Werd auferstehn zum 69. Vater, allmächtiger Gott! Zu dir schreien wir in der noth: Durch deine groß barmherzigkeit, Erbarm dich über uns! 2. Christe! wollst uns erhören! Für uns bist du geboren und seinen Wohlthaten. boren Von Maria. Erbarm dich über uns! 3. Vergieb uns all unsre sünde! Hilf uns in der legten stunde! Für uns bist du gestorben. Erbarm dich über uns! ad indelse 4. O heilger Geist! wollst uns geben, Dich allzeit herzlich zu lieben Und nach deinem willen zu leben. Erbarm dich über uns! dine dall 70. Gott, der Vater, wohn uns bei, Und laß uns nicht verderben! Mach uns aller sünde frei, Und hilf uns selig sterben. Vor dem teufel uns bewahr! Halt uns bei festem glauben, und auf dich laß uns bauen, Aus herzensgrund vertrauen, Dir anhangen ganz und gar Mit allen rechten christen, Entfliehn des teufels listen, Mit waffen Gotts uns rüsten. Amen, Amen, das sei wahr! So fingen wir Halleluja. 2. Jesus Christus wohn uns bei, Und laß uns nicht verderben! u. s. w. 3. Heiliger Geist wohn uns bei, Und laß uns nicht verderben! u. f. w. Mel. Mein Herz und feel den. 71. Herr Gott, den man dreieinig glaubt und nennet, Deß majestät 53 man weit und breit erkennet, Deß große macht sich über alles streckt, Und was ihn kennt und ehrt, beschirmt und deckt. 2. Wir loben dich, sobald die sonn erwachet; Wir preisen dich, wenn sie den abend machet. Was lebt und webt, und was sich dein erfreut, Sei alles, Herr, zu deinem dienst bereit. 3. Dreicher Gott, o unWer umschränktes wesen! hat jemals, was du bist, ganz gelesen? O tiefes meer! o unermeßne pracht! Wie groß, o Gott, wie groß ist deine macht! 4. Wer kann die tiefe deiner wege finden? Kann auch ein mensch wohl dein gericht ergründen? Zu hoch, vernunft, sind Gottes wege dir; Unendlich ist der herr! und wer sind wir? 5. Was hilft, o mensch, dein denken und dein dichten? Du kannst nicht über Gottes wege richten. Wo Gott dich selbst nicht unterweisen wird, Da ist dein urtheil ungewiß und irrt. 6. Drum lehr uns, Herr, die wir uns chriften nennen, Mit ehrfurchtsvollem glauben zu bekennen, Daß du, o Gott, der Vater, Sohn und Geist, Doch nur ein Gott in drei personen heißt. 7. Gieb Von Gott dem Dreieinigen 54 7. Gieb, daß man stets zu deinem ruhme singe: Von ihm, durch ihn, zu ihm sind alle dinge. Ja, unserm Gott sei preis in ewigkeit! Denn was er ist und thut, ist herrlichkeit. 8. Dein nam ist groß; dein reich, Herr, in uns wohne. Dein will gescheh! gieb brod; des sünders schone; Steh in versuchung bei, und nach der zeit Führ uns erlösete zur ewigkeit. Mel. Nun danket alle Gott. 72. Gelobet fei der herr, Mein Gott, mein licht und leben! Mein schöpfer, dessen hand Mir, was ich bin, gegeben! Mein va= ter, der mich schüßt Von mutterleibe an, Der jeden augenblick An mir viel guts gethan! 2. Gelobet sei der herr, Mein Gott, mein heil, mein leben! Des vaters ewger sohn, Der sich für mich gegeben, und mich erlöset hat Mit seinem theuren blut, Auf dessen martertod Mein ganzes leben ruht. 3. Gelobet sei der herr, Mein Gott, mein mein licht, mein leben! Des vaters werther geist, Den mir der john gegeben! Der mir in jeder noth Mein traurig herz erquickt, und neue fraft mir giebt, Wenn mich ein jammer drückt. 4. Gelobet sei der herr, Mein Gott, der ewig lebet! Den alles lobt und preist, Was ist und lebt und webet! Gelobet sei der herr, Deß name heilig heißt! Der einge wahre Gott: Gott Vater, Sohn und Geist! 5. Dem wir, mit dank erfüllt, Gebet und opfer bringen, Und mit der engel schaar Das dreimal heilig fingen! Ihn preise ehrfurchtsvoll Die ganze christenheit! Gelobet sei er mir In alle ewigkeit! 1511191 Mel. Wie schön leucht't une der. 73. obfinget Gott! dank, unserm mehr preis und ehr Sei Gott je mehr und Für alle seine werke! Von ewigkeit zu ewigkeit Lebt er und herrschet weit und breit mit weisheit, güt und stärke. Singet, Bringet Frohe lieder! Fallet nieder! Gott ist herrlich! Unaussprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott! dank, preis und ruhm Sei von uns, deinem eigenthum, Herr Jesu! dir gefungen. Du, mittler zwischen uns und Gott, Hast durch gehorsam bis zum tod Das le= ben uns errungen. Heilig, Selig Ist die freundschaft Und und seinen Wohlthaten. Und gemeinschaft Aller frommen, Die durch dich zum vater kommen. 3. Lobsinget Gott! du Geist des Herrn, Sei nie von unserm geiſte fern, Mit kraft ihn auszurüsten! Du 4. Von der Schöpfung. Mel. Allein Gott in der höh. 74. Wenn ich, o Schöpfer! deine macht, Die weisheit deiner wege, Die liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege: So weiß ich, von bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein auge sieht, wohin es blickt, Die wunder deiner werfe. Der himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der stärke! Wer hat die sonn an ihm erhöht? Wer kleidet fie mit majestät? Wer ruft dem heer der sterne? 55 machst uns gläubig, weis und rein, Hilfft uns getrost und siegreich sein Im streit mit unsern lüsten. Leit uns, Stärf uns In der freude, Wie im leide, Gott ergeben, Und der tugend treu zu leben. 3. Wer mißt dem winde seinen lauf? Wer heißt die himmel regnen? Wer schließt den schooß der erde auf, Mit vorrath uns zu segnen? D Gott der macht und herrlichkeit, Gott, deine güte reicht so weit, So weit die wolken gehen! 4. Dich predigt sonnenschein und sturm, Dich preist der sand am meere; Bringt, ruft auch der geringste wurm, Bringt meinem schöpfer ehre! ehre! Mich, ruft der baum in seiner pracht, Mich, ruft die jaat, hat Gott gemacht! Bringt unserm schöpfer ehre. 5. Der mensch, ein leib, den deine hand So wunderbar bereitet; Der mensch, ein geist, den sein verstand, Dich zu erkennen, leitet; Der mensch, der schöpfung ruhm und preis, Ist sich ein täglicher ein täglicher beweis Von deiner güt und größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein geist! Erhebe seinen namen! Gott, unser vater, sei gepreist, Und alle welt sag: amen! Und alle welt fürcht ihren herrn, Und hoff auf ihn, und dien ihm gern. Wer wollte Gott nicht dienen? Mel. Von der Schöpfung. 56 Mel. Nun komm der heiden. 75. Himmel, erde, luft und meer, Aller welten zahllos heer Jauchzen Gott, dem schöpfer, zu. Meine seele, sing auch du! 2. Wie erhebt die sonne nicht Jeden tag ihn durch ihr licht! Auch der sterne lauf und pracht Lobt ihn in der stillen nacht. 3. Seht, wie er das land beglückt und mit reichem segen schmückt! Jedes fraut und jedes thier Ist ein zeuge, Gott, von dir. 4. Seht! der vögel fröhlich chor Singt und jauchzt zu ihm empor; Ihn verkündigt überall Auch des donners blitz und schall. 5. Seine starke schöpferhand Stillt das meer und tränkt das land. Auf sein drohen schweigt vor ihm Jedes fturmes ungeſtüm. 6. Gott, wie offenbarst du dich! Meine seele freue sich! Drück es tief in meinen sinn, Was du bist, und was ich bin! Von dem Menschen und der Unsterblichkeit seiner Seele. Mel. Wer nur den lieben Gott. 76. Es werde Gott von dir erhoben, Du, feines odems hauch, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes seiner werke preist? Ihn, der mich schuf sein bild zu sein, Und seiner liebe mich zu freun? 2. Schön ist der sonnenreiche himmel, Den er zu seinem stuhle wählt: Doch ist der sonnenreiche himmel Gedankenlos und unbeseelt. Nur mir, dem thone seiner hand, Gab er gefühl, gab er verstand. 3. Anmuthig, prächtig, zum entzücken Ist seine ganze körperwelt. Wer zählt die reize, die sie schmücken? Was ich nur sehen kann, gefällt; Und doch kann ich nie ganz verstehn, Wie wundervoll sie sei, wie schön. 4. Für engel nur und nur für seelen, Die Gott zu ihrer würd erhob, Sind sie so herrlich; sie erzählen Nur geistern meines schöpfers lob. O seele, jauchze, daß sein ruf Auch dich zu einemgeiste schuf! 5. Wie feurig dürftet meine seele Nach lust und ruhm und seligkeit; Nur daß ich, oft betrogen, wähle, Was, wenns errungen ist, gereut! Doch das ist meiner thorheit schuld, Ist bloß ein mißbrauch deiner huld. 6. Begabt mit vollen sinnen, Mit wunderfreiheit, mit Von der Schöpfung. mit vernunft von dir, Sollt ich, o Gott, dich lieb gewinnen, Dich nur, und nichts gebräche mir. Ach, möchte meine seele dein Mit allen ihren fräften sein! 7. Gott, meine lust sei, dich zu kennen, Dich, urquell der vollkommenheit! Von deiner liebe ganz zu brennen, Mein lob und meine feligkeit. Nimm hin mein herz! was fehlt mir dann, Wann dies sich deiner freuen fann? Mel. Wer nur den lieben Gott. 77. Gott! ich preise deine güte, Die mich so wunderbar erschuf, Und mit frohlockendem gemüthe Verehr ich deinen schöpferruf: Ein herold deines ruhms zu sein, Und deiner wunder mich zu freun. 2. Du gabst zum denken und empfinden, Ich sei dein werk, mir diesen geist, Der zwar zu schwach ist, zu ergründen, Wie herrlich du, mein schöpfer, seist, Jedoch, was du an mir gethan, Erkennen und bewundern kann. 3. Und diesen geist, der in mir denket, Schufst du nicht bloß für diese zeit; Nein, Gott! du hast ihn mir geschenket 3um leben in der ewigkeit, Um da voll57 kommner zu verstehn, Was sterbliche nur dunkel sehn. 4. Zu eng sind dieses lebens schranken Für seinen forschenden verstand. Der keim zu höheren gedanken, Als je ein sterblicher erfand, Entwickelt sich erst nach der zeit Im hellern licht der ewigkeit. 5. Ihn sättiget fein gut der erde, Kein zeitlich glück, so groß es sei; Daß er im innern ruhig werde, Bedarf er mehr, das ihn erfreu. Er fühlt, daß diese ganze welt Sein wünschen nicht zufrieden ſtellt. g mid 6. 3war tief ist er herabgesunken Von seines ursprungs herrlichkeit, Sucht oft, von lust der erde trunfen, Sein glück in dingen dieser zeit; Jedoch er sucht und findet nicht, Was ihm der außenschein verspricht. 7. Du prägest ihm durch sein gewissen Gefühl von recht und unrecht ein. Daß böse böses leiden müssen Und tugendhafte glücklich sein, Erkennt er; doch sieht er noch nicht Den richter hier schon im gericht. 8. Dem tugendhaften ist hienieden Oft ein sehr widriges geschick 3um loos für diese zeit beschieden, Dem lasterhaften oft viel glück. Gewiß, erst eine andre welt Ift 58 Von der Ist zum vergeltungsort bestellt. 9. Gott! wenn mein geist dies überleget, So hofft er schon unsterblichkeit. Jedoch, o Herr! wenn er erwäget, Was ihm dein wort für licht verleiht: So wird er selger freuden voll, Daß er einst ewig leben soll. 10. Herr! laß zu jenem beffern leben Mich täglich hier die aussaat streun. Laß deinen geist das wollen geben, und das vollbringen auch verleihn. O wonne der unsterblichkeit, In welcher dann mein geist sich freut! Mel. Freu dich sehr, o meine. 78. Shuf mich Gott für augenblicke? Bloß für diesen traum der zeit? Nur zu ihrem eitlen glücke, Aber nicht zur ewigkeit? Spötter jagens: nur ein hauch Sei das leben; schwinde auch, Wie ein strahl in nacht verschwindet, Daß man seine spur nicht findet. 2. Ist dies leben nicht zum leben Einer bessern welt der pfad; Sagt: warum mirs Gott gegeben, Mir vernunft gegeben hat? Glücklich wär ich, nähm er mirs, Gäbe mir die luft des thiers, Das in freuden hüpft und spielet Und den tod voraus nie fühlet. Schöpfung. 3. Sein, und dann vernichtet werden? Mitternachtsgedanke, fleuch! Oder, ihr gewürm auf erden, Neidisch seh ich hin auf euch! Denn was hülfe mir der flug, Der so oft zu Gott mich trug? Stürb ich ganz im tod, so wäre Tugend weder pflicht noch ehre. 4. Nein, verächter! meinen glauben, Daß ich nicht ganz sterblich sei, Laß ich mir kein blendwerk rauben, keinen hohn der spötterei. Meine seel ist nicht ein rauch, Nicht ein funken: ist ein hauch, Den ich von dem schöpfer habe; Den vers weht kein sturm vom grabe: 5. Dieser heiße durst im Herzen Nach der unvergänglichkeit; Dieser drang in leid und schmerzen Nach der heimath aus der zeit, Zeugen, bürgen sind sie mir, Daß ich mich, mein Gott, zu dir, Daß ich einst, wo hin ich strebe, Mich erheb und ewig lebe. 6. Du, o schrecken im gewissen Bei verbrechern, du, o ruh, Und, was fromme nur genießen, Hoher friede Gottes du! Zeugen, bürgen seid auch ihr Bei des todes schrecken mir, Wann der leib zerstäubt zur erde, Daß mein geist nicht sterben werde. 7. Dankt Von der Schöpfung. 7. Dankt es Jesu, Gottes finder, Daß euch euch feine zukunft schreckt, Daß des todes überwinder Einst auch unsern leib erweckt; Wenn ihr sterbet, führt er gleich Eure seelen in sein reich, Und will selbst ein beßres leben Guren leibern wiedergeben. 8. Ewig, ewig werd ich leben! Sicher der unsterblichkeit, Streb ich, mich empor zu heben Ueber jeden traum der zeit. Wandeln will ich fest und still Jeden pfad des rechts und will, Was davon mich locket, hashassen, Will die ewigkeit umfaffen. 9. Aber daß mein flug nicht wanke, Stärke mich. D Gott, dein wort, Und der selige gedanke: Dort ist meine Heimath, dort! Dort ist weder schmerz noch leid, Wonne nur und herrlichkeit; Dort, o Gott, vor deinem throne Meines kampfes preis und frone. Von den Engeln, auf das Michaelisfest. Mel. Nun ruhen alle wälder. 79. Du, Herr der seraphinen, Dem tausend engel dienen Und zu gebote stehn; Du ewig großer meister Des ganzen reichs der geister! Mein mund foll deinen ruhm erhöhn. 59 2. Herr, deine himmelsheere, Die zeugen deiner ehre, Sind diener deiner macht. Sie sehn von angesichte Dich im vollkommnen lichte, Und haben dennoch auf mich acht. deine Dem 3. Ich preise deine güte Mit dankbarem gemüthe Für engelschaar. menschlichen geschlechte Verschaffet deine rechte Durch sie beschirmung in gefahr. 4. Gieb, geber aller güter, Gieb ferner diese hüter Zu meiner sicherheit! Von ihrem schuß umgeben, Führ ich ein frohes leben In christlicher zufriedenheit. 5. Daß sie nicht von mir weichen, So laß mich ihnen gleichen An wahrer heiligfeit. Wie sie das gute lieben, Und wahre demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun, Herr, deinen willen; Den laß auch mich erfüllen. Sie sind vollfommen rein: Drum wolleft du mich stärken, In worten und in werken, Nach ihrem beispiel, rein zu sein. 300 7. Wann ich dann endlich scheide, So führe mich zur freude Durch deine engel ein. Bei dir, o höchster, droben Werd ich dich ewig loben, Und gleich den selgen geistern sein. Mel. 60 Von der Schöpfung. Mel. Alle menschen müssen. 80. Wenn wir unsern lauf vollenden, Wenn wir unsre seelen nun Uebergeben deinen händen, Bald in deinem schooße ruhn, Eilen wir aus allen leiden Hin zu deiner engel freuden, Ewig, Gott, bei dir zu sein, Ewig deiner uns zu freun. 2. Wir, zu gnaden angenommen, Hoffen, Vater, voll vertraun, Auch, wie fie, mit allen frommen Deine herrlichkeit zu schaun. Gleiche Hoheit wird uns schmücken, Gleiche wonn uns dann entzücken. Wir, erhoben in dein reich, Werden deinen engeln gleich. 3. Dieses glückes der erlösten, Dieser wonne, dich zu sehn, Dürfen wir im tod uns trösten, Wenn wir deine wege gehn: Wenn wir ringen, schon auf erden Deinen engeln gleich zu werden, Standhaft in der heiligkeit, Dir zu dienen stets bereit. 4. Wenn wir vor begierde brennen, Und, den engeln gleich, uns freun, Immer mehr dich zu erkennen, Immer heiliger zu sein; Wenn wir hilfreich gern mit ihnen Unsern schwächern brüdern dienen, Und es unser herz bewegt, Daß der fünder in fich schlägt. ista 5. Wenn wir finder in gefahren Leiten, nie verführen, nie; Sie, wie engel thun, bewahren, Kinderfreunde stets, wie sie; Wenn durch beispiel, wie durch lehren, Wir sie reizen, dich zu ehren, Ihre kindheit dir zu weihn, Fromme jünglinge zu sein! 6. Welch ein heil! Gott! schon auf erden Engeln an vollkommenheit Immer ähnlicher zu werden, Aehnlich einst an seligkeit! Laß uns nicht in eitlen träumen Dieses große heil versäumen; Lehr uns deine wege gehn, Einst, wie sie, dich auch zu sehn. 7. Wenn wir unsern lauf vollenden, Wenn wir unsre seelen nun Uebergeben deinen händen, Bald in deinem schooße ruhn: Eilen wir aus allen leiden Hin zu deiner engel freuden, Ewig, Gott, bei dir zu sein, Ewig deiner uns zu freun. Mel. Nun ruhen alle wälder. 81. Wer zählt der engel heere, Die du, zu deiner ehre, O Herr der welt, erschufst? Sie freun sich, deinen willen Gehorsam zu erfüllen, Wie flammen schnell, wenn du sie rufft. 2. Sie eilen, in gefahren Den frommen zu bewahren In Von der Schöpfung. 61 In seiner pilgerzeit. Sie brüdern Vor deinen thron freun, an deinem throne, Sich einst auch seiner krone, Wie ihrer eignen seligkeit. 3. Befehren, Gott! sich sünder Und werden deine finder, Die dir dein sohn gewinnt: Dann jauchzen ihre lieder, Daß ihre neuen brüder Dem fluch entrissen worden sind. 4. Sie jauchzen deinem sohne, Daß du sie ihm zum lohne Für seine leiden giebst; Daß du fie trägst und leitest, Zum himmel vorbereitest Und zärtlich, wie ein vater, liebst. 5. In solchen geisterchören Dich ewig zu verehren, Welch eine seligkeit! Wer wird sie einst empfinden? Der, der, entwöhnt von sünden, Sich ihnen gleich zu werden freut. 6. Giebst du, daß ich auf erden kann ihnen ähnlich werden, Mir lust und stärke nur: So mag mich in gefahren Erhalten und bewahren Dein engel oder die natur! 7. Ich zittre nicht, ich schaue Auf dich nur; dir vertraue, Gott meines heils, ich mich, Vergnügt, daß einst mit engeln Ich heilig, rein von mängeln, Dein antlig schaue ewiglich. 8. Wann du zu ihren liedern, zu meinen höhern mich rufft: Empor will ich mich schwingen, Und dank und preis dir bringen, Daß du für mich auch engel schufft. 9. Sie, über mich erhoben, Sie lehren, dich zu loben, Mich ihren höhern dank. In deinem heiligthume Wird dann, zu deinem ruhme, Der ganze himmel ein gesang. Miel. O ewigkeit, du donnerwort. 82. Selbst engel sind gefallen, Herr, Weil sie nicht dir, allmächtiger, Nicht dir gehorchen wollten! Durch ungehorsam nun entweiht, Verstoßen aus der seligkeit, Die fie bewahren sollten, Von dir und deinem angesicht, Und aufbehalten zum gericht. 2. Sie fühlens, und versuchen doch, Wie satan, ihr verführer, noch Dir, Herr, zu widerstreben. Der erste mensch verlor, durch ihn Verleitet, dir sich zu entziehn, Die unschuld und das leben. Die lust gebar die sünd, o Gott, Und sie, ach! sie gebar den tod. 3. Wenn wir nicht deiner wahrheit licht, Wenn wir, allmächtiger, dich nicht Zu unserm schuße hätten: Wer widerstünde seiner macht! Nun können wirs, von dir bewacht; Von der Schöpfung. 62 bewacht; Wir können, Gott, uns retten, Nun seiner schlingen täuschung sehn, Nun seiner bosheit widerstehn. 4. Dir, Gott, sei dank! sei hochgelobt! Wir könnens nun, wie sehr er tobt; Mit dir solls uns gelingen. Dein sohn hat satans reich zerstört, Zerstört sein werk und uns gelehrt, Die sünd und ihn bezwingen. Mit ihm zertritt nun, wer nur glaubt, Wer ernstlich kämpft, des mörders haupt. Der glaube siegt: Der zwinget ihn, Bedeckt mit schande, zu entfliehn. 6. Er reiz uns oder reiz uns nicht Zur übertretung unsrer pflicht! Wer frevelt, wird sein sklave! Wer seiner missethat sich freut, Gewarnt und mit beharrlichkeit, Verdient auch gleiche ſtrafe. Verschuldet ist sein untergang: Denn selbstverführung ist nicht zwang. 7. Hilf uns in unserm kampf, o Gott! Dann soll fein leben, soll kein tod Von deiner lieb uns trennen! Erscheint uns auch ein täuschend licht: Doch täuscht, o Herr, dein feind uns nicht; Wir werden ihn erkennen. Getroft! wir kämpfen nicht allein; Du hilfft, wir müssen 5. Verführen kann er nun bloß den, Der schlummern will, nicht widerstehn, Nicht nüchtern sein, nicht beten. Den, welcher, stark durch Gottes macht, Kämpft, seine schwachheit fühlt und wacht, Wird er nicht untertreten. sieger sein. 5. Von der Erhaltung und Regierung der Welt. GMI 2. Du öffnest deine milde hand, Uns menschen wohl zu thun, Und läßst noch Mel. Nun bricht die finstre. immer jedes land In deinem83. Noch immer wechseln segen ruhn. ordentlich Des jahres zeiten ab. Dein regen, Gott, ergießet sich noch auf die erd herab. 3. Von deinem himmel, höchster, träuft Gedeihn und fruchtbarkeit. Die saat geht auf, und blüht, und reift, Und sättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet, giebt der baum Den schatten, den Von der Erhaltung 2c. den man sucht, und unter seiner zweige raum Erfrischung und auch frucht. 5. Du nährest jede kreatur. Herr! wer ist dir gleich? Dein vorrathshaus, Gott! die natur, Ist unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Lust und vergnügen zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, So väterlich, wie du? 7. Herr! ohne dich vergingen wir, Und wir verdientens auch: Und dennoch leben wir in dir, Befreit durch deinen hauch. 8. Wer, Gott, erfährt nicht deine huld? Wem strahlet nicht dein licht? Mit welcher langmuth und geduld Verschonst du unser nicht! 9. D betet Gott, ihr menschen, an! Erwägts, und dankt ihm nun! Was hat Gott schon an uns gethan, Was will er nicht noch thun! 63 alsdann mein blick In deine wunder ein. O Herr! laß dies erhabne glück Mir stets vor augen sein! 10. Nicht bloß für diese turze zeit, Herr! hießest du uns sein: Du schufft uns für die ewigkeit, Uns ewig dein zu freun. 11. Läßst du uns deine freundlichkeit Schon hier so Herrlich sehn: Was wird in der vollkommenheit Der fünftgen welt geschehn? 12. Noch tiefer dringt Mel. Allein Gott in der höh. 84. Der du durch deiner allmacht hand Mein wesen mir bereitet, Und da schon, eh ich dich gekannt, Mit güte mich geleitet: Der du erhältst, was du gemacht, Mein schöpfer, dank sei dir gebracht Für deine weise güte! 2. Zu meinem glücke leb ich hier: Dein wort gab mir das leben. Und was ich hab, hab ich von dir: Von dir ward mir gegeben Verstand, geschmack, gehör, gesicht, Geruch, gefühl, mir fehlt es nicht An proben deiner liebe. 3. Du leitest mich nach deinem rath Bei drohenden gefahren; Dein engel muß auf meinem pfad Vor unfall mich bewahren. Zu meinem dienst war alles da, Schon eh ich diese welt noch sah. Wie groß ist deine güte! 4. Nie ist der mensch, der staub, es werth, Herr, daß du sein gedenkest; Daß du, da er dich oft entehrt, Ihm so viel gutes schenfest. O sähe doch der mensch dies ein! Möcht er dafür dir dank Von der Erhaltung 64 dankbar sein Und dir zum dienst sich weihen! 5. Herr! lehre du mich, wie ich soll Für deine huld dich preisen, Und, ewig deiner liebe voll, Gehorsam mich beweisen! Dir treu zu sein bis in den tod, Dies bleibe meine lust, o Gott, Und mein beruf auf erden. Mel. Das ist fürwahr ein köstl. 85. Mein auge sieht, o Gott! zu dir. Von deinem throne hilf du mir! Mein heil kommt nur von deiner macht, Die diese welt hervorgebracht. 2. Getrost, mein herz! dein treuer hirt Schafft, daß dein fuß nicht gleiten wird. Der dich behütet, schlummert nicht, In finsterniß ist er dein licht. 3. Kein übel sei dir fürchterlich: Denn Gottes rechte schüßet dich. Durch seine treue vaterhand Wird, was dir schadet, abgewandt. 4. Sein schuß gewährt dir sicherheit; Sein troft füllt dich mit freudigkeit. Er leitet dich auf ebner bahn Und nimmt dich einst mit ehren an. 5. Herr! segne und behüte mich! Du bist mein heil, ich hoff auf dich. Dein segen folg aus dieser zeit Mir bis in jene ewigkeit! Mel. Nun bricht die finstre. 86. Was sind wir, Herr und Gott! vordir, Daß du an uns gedenkst? Herr aller welt! was haben wir, Wenn du es uns nicht schenkst? 2. Du hast den himmel ausgespannt, Der unser herz entzückt; Du haft mit göttlich milder hand Den erdfreis ausgeschmückt. 3. Du kleidest hügel, thal und au, Du pflanzest busch und hain; Tränfft sie mit regen und mit thau, Und giebst der saat gedeihn. 4. Du führst die sonn in ihrer pracht Mit jedem tag herauf. Du ordnest in der dunklen nacht Der sterne glanz und lauf. 5. Herr, unser Vater! nur von dir Fließt alles heil uns zu. Dein volk, dein eigenthum sind wir, Und unser Gott bist du! Mel. Von Gott will ich nicht.. 87. Gott! der an allen enden Viel große In deffen wunder thut, treuen Händen Mein ganzes leben ruht! Du zählst die zahl mir zu Von meinen lebenstagen, mit ihrem glück und plagen, Mit unruh und mit ruh. 2. Da ich noch tief verborgen Im mutterleibe lag, Da und Regierung der Welt. 65 und auch immerdar. Da wachte schon dein sor- Und deiner güte singen Jett gen Für mich: und wie vermag Mein endlicher verstand Die wohlthat zu erheben, Die du in meinem leben Mir huldreich zugewandt? 3. Du fängst uns an zu lieben Noch eh wir sind, und hast Nie luft, uns zu betrüben. Doch schickst du eine laft, So bleibst du mitleidsvoll, Sorgft liebreich, deinen kindern Die bürden fanft zu lindern, Beförderst stets ihr wohl. 4. Läß'st du mich noth empfinden: Dein wort, Herr! tröstet mich. Durch dich muß sie verschwinden; Drum hoff ich stets auf dich Mit kindlich treuem finn, Drum werf ich, was zu tragen Mir schwer däucht, ohne zagen Noch täglich auf dich hin. 5. Noch immer ist mein hoffen, Das sich auf dich verließ, So sicher eingetroffen, Wie mirs dein wort verhieß. Du hast mir wohl gethan: Denn deine gnad ist größer und machts mit mir viel besser, Als ichs erfinnen kann. 6. Dein name sei gepriesen, Der sich so oft an mir So herrlich hat erwiesen. Mein Herz und mund soll dir, Du retter aus gefahr, Mein schuldig opfer bringen, N. A. 7. Du hast mir wohl gerathen Und lauter guts gethan, Daß deine liebesthaten Ich nicht gnug rühmen kann. Hilf, vater, daß ich dort, Verklärt und ganz vollkommen, mit allen deinen frommen Dich preise fort und fort. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 88. Fürwahr, du bist, o verborgen! Dein rath bleibt für uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre sorgen: Du sorgtest, eh die welt noch war, Für unser wohl schon väterlich: Dies sei genug zum trost für mich. 2. Dein weg ist zwar in finsternissen Vor unsern augen oft versteckt; Doch wenn wir erst den ausgang wissen, Wird uns die ursach auch entdeckt, Warum dein rath, der niemals fehlt, Den uns so dunkeln weg gewählt. 3. Nie sind die tiefen zu ergründen Von deiner weißheit, macht und güt. Du fannst viel tausend wege finden, Wo die vernunft nicht einen sieht. Aus finsterniß bringst du das licht. Du sprichst, o Gott! und es geschicht. 4. So weicht denn, ängst5 liche Von der Erhaltung 66 liche gedanken! Gott kann weit mehr, als ihr versteht. Bleib, seele, in der demuth schranken; Die demuth wird von Gott erhöht. Ja, Herr! du liebst den, der dich liebt Und deiner führung sich ergiebt. 5. Drum will ich mich dir überlassen Mit allem, was ich hab und bin. Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine macht und weisheit hin. Der ausgang zeigt doch immerdar, Daß stets dein rath voll güte war. 6. Gieb, daß dies mein vertrauen mehre Im glück und unglück, freud und leid. Schick alles, Herr! zu deiner ehre Und meiner seelen feligkeit. So preis ich einst vollkommen dich, So freu ich dein auf ewig mich. Mel. Ermuntre dich, mein. 89. Du bist ein mensch, und Gottes rath Ist sterblichen verborgen. Noch herrscht er, wie er immer that, Und fennet unsre sorgen; Doch irrest du mit bangem sinn Durch tausend eitle sorgen hin, Und denkst: wie wills auf erden Noch endlich mit mir werden? 2. Du sorgst umsonst; verloren ist Dein kummervolles denken. Du kannst doch nicht, so klug du bist, Den lauf der dinge lenken. Dein kummer dient allein dazu, Daß du dich selbst aus deiner ruh In angst und schmerzen stürzest, Und dir das leben kürzeſt. 3. Wirf deine sorgen doch auf ihn, Der schon so lang regieret, Und vielmals, was unmöglich schien, Voll weisheit ausgeführet. D gieb dein leben, deinen stand, Und all dein thun in Gottes hand; Er wird noch ferner wachen, Und alles sehr wohl machen. 4. Ch deine mutter dich gebar, Als noch in ihr verborgen Dein schwaches leben schlummernd war: Wo waren deine sorgen? Wer hat schon da dein wohl bedacht? Wer hat dich an das licht gebracht, Und seele, leib und leben Aus gnaden dir gegeben? 5. Wer hat gesorgt, daß nichts gebrach, Als du die welt betratest, Noch ehe deine zunge sprach, Und du durch thränen batest? Wer hat an einer mutter brust Gesunde nahrung, stille luft Dir schon voraus bereitet, Und dich bisher geleitet? 6. Gebrauche doch nur dein gesicht Hier unten und dort oben. Wo siehst du Gottes güte nicht, Nicht seiner weisheit proben? Oft hat und Regierung der Welt. hat er auch an dir gethan, Was du dich selbst, bei allem wahn, zu hoffen nicht erfühntest, Stets mehr als du verdienteſt. 7. Doch willst du niemals ruhig sein Und Gott nicht walten lassen, Als sähst du seine weisheit ein, Die menschen doch nicht fassen. Wenn du nicht siehst, wie er regiert; Wenn er nicht deinen weg dich führt: So fängst du an zu zagen, zu murren und zu klagen. 8. Bedenke manches mal Du nicht zum ziel gekommen, doch, wie Was Wenn, ohne Gott, auf eigne wahl Du etwas unternommen. aber dir dein Gott ersehn, Das mußte sein und ist geschehn, Und niemand konnt es hindern Von allen menschenkindern. 9. Gott sorgt für unser wahres glück, Macht gut, was wir verwirren, Und lenfet, unsern gang zurück 3um guten, wenn wir irren; Giebt immer das nur, was uns nützt; Errettet uns und hilft und schüßt, Eh wir gefahren sehen, Eh wir um hilfe flehen. 10. Und diesem vater wolltest du Dein heil nicht anvertrauen? Nicht deines lebens ganze ruh Auf diesen felsen bauen? Vertrau S 67 ihm und verzage nicht! Ein herz voll fester zuversicht Darf auch in ungewittern Nicht ohne hoffnung zittern. 11. Wirf, als ein find, voll glaubens dich In deines Gottes arme, Und fleh ihn, daß er väterlich Auch deiner sich erbarme; So wird er, wie sein wort verheißt, Auf wegen, die du jetzt nicht weißt, Bei allen hindernissen, Dich schon zu retten wissen. Mel. Herzlich thut mich verl. 90. Nimmt Gott, dem wir vertrauen, Nicht unsers werks sich an; Will er das haus nicht bauen: Vergebens baun wir dann. Will er die stadt nicht schüßen, Er, groß durch rath und macht: Was wird der nächter nüßen? Umſonſt iſts, daß wacht. 2. Was hilfts, daß ihr vom morgen Bis in die nacht euch quält? Laßt euren vater sorgen! Er weiß es, was euch fehlt: Er, der uns selbst im leiden So treu und zärtlich liebt, und uns so viele freuden Auch unerwartet giebt. Mel. Erschienen ist der Herrl. 91. Gott lebet noch! ich sorge nicht: Denn er ist meine zuversicht. 5* Von der Erhaltung 2c. 68 sicht. Stürzt auch der ganze weltfreis ein: Er wird mein schuß und retter sein. Gott lebet noch! 2. Gott lebet noch! was sorg ich denn, Da ich ihn, meinen vater, fenn? Ist ers nicht, der die ganze welt Durch seiner güte macht erhält? Gott lebet noch! 3. Fehlt mirs an einsicht, macht und rath, Wenn mich gefahr umgeben hat: So denk ich voll vertraun daran, Daß Gott regiert, und bet ihn an. Gott lebet noch! 4. Gott lebet noch, und weiß gar wohl, Wie er mein schicksal lenken soll. Mein vater meint und macht es gut, Wenn er mich prüft: drum hab ich muth. Gott lebet noch! Mel. Komm, heiliger geist. der 92. Gott, Bater vollkommenheit! Der so viel gutes uns verleiht, Und der sich denen, die er liebet, Willig zu genießen giebet: Was hat die güte deiner hand Den sterb5. Gott legt mir auf ein schweres joch. Wie schwers auch sei, so hoff ich doch: Denn er hilft tragen, was uns plagt; Er stärket den, der nicht verzagt. Gott lebet noch! 6. Ich weiß es, daß er mich erquickt, Wie schwer mich auch mein leiden drückt. Er giebt mir kraft zum kampf und lauf, Und fall ich, so hilft er mir auf. Gott lebet noch! 7. Mein Vater, sorge du für mich: Denn ich vertraue nur auf dich. Sieh mich mit lieb und mitleid an, Und fröhlich, fröhlich sing ich dann: Gott lebet noch! 6. Von dem Menschen vor und nach dem Falle. Vom Stande der Unschuld und dem Ebenbilde Gottes. lichen nicht zugewandt! Wie herrlich hast du sie geschmücfet! Wie reichlich haft du sie beglücket! Halleluja! Halleluja! 2. Den leib, den du aus staub erbaut, An dem man so viel wunder schaut, Der ward durch deinen mund befeelet, Zur unsterblichkeit erwählet. Du blieseft einen geist ihm ein, Der sollte sein regie Von dem Menschen vor und nach dem Falle. 69 regierer sein, Den dein herz ehre, preis und lob Für die immer lieben wollte, Und uns anerschaffnen gaben, der dich wieder lieben sollte. Die wir doch zum theil Halleluja! Halleluja! noch haben. Herr! öffn' aufs neue deine hand, Gieb wieder, was die sünd entwandt. Laß uns durch Christum hier auf erden Nach deinem bild erneuert werden. Halleluja! Halleluja! 3. Sein fähiger verstand war ganz mit deines reinen lichtes glanz Und mit der weisheit angefüllet, Die aus deinem Herzen quillet. Dich fannt er fast von angesicht: Er wußte seines standes pflicht. Er sah an allen treaturen Der höchsten macht und weisheit spuren. Halleluja! Halleluja! Vom Sündenfalle und angeerbten Verderben. Mel. Ach Gott vom himmel. 93. 4. Sein wille war dir gleich gefinnt, Er liebte dich als wie ein kind. Die heiligteit war seine zierde; Stets war jegliche begierde, Gott, deinem willen unterthan; Er ging allzeit auf rechter bahn: Drum war sein herz auch voller freude, Und wußte nichts von furcht und leide. Halleluja! Halleluja! 5. Der leib nahm theil an dieser lust; Ihm war kein schmerz, kein tod bewußt, Und auch durch kein geschöpf auf erden Sollt er je verletet werden. Sein wohnplatz war ein paradies, Das kein vergnügen mangeln ließ. Štets wurde, was er nur begehret, Im überflusse ihm gewähret. Halleluja! Halleluja! 6. D schöpfer! der uns so erhob, Dir sei dank, unausſprechlicher verlust, Den wir erlitten haben! Wie fränket die betrübte brust Der mangel jener gaben, Die unsers schöpfers milde hand Den ersten eltern zugewandt Und uns ihr fall entzogen. 2. Der mensch war heilig, gut und rein Von dir, o Herr! erschaffen; Er wußte nichts von schuld und pein, Von sünd und sündenstrafen. Sein wille war voll zuversicht, und sein verstand voll glanz und licht, Voll friede sein gewissen.ph pul 3. Du fordertest zur dankbarkeit, Daß du ihn so erhoben, Pflicht, liebe, treu, ergebenheit, Nebst des gehorfams proben; Gabst ihm zur prüfung ein verbot, Und drohtest ihm sofort den tod, Wenn er es überschritte. 4. Dein 70 Von dem 4. Dein rath war weise, gut und rein, Der dich hiezu bewogen; Allein der mensch, durch falschen schein Vom lügengeist betrogen, Ließ, in der rein erschaffnen brust, Das feuer der verbotnen luft Nur gar zu bald entzünden. 5. Das aug ward lüstern nach der frucht Und der verstand verblendet, Das herz vom ärgsten stolz versucht, Der Gottes ehre schändet. Gedacht, gethan; der mensch vergaß, Was Gott gedroht, und nahm und aß, Und ward nunmehr ein sünder. 6. So ward der menschliche verstand Mit finsterniß umhüllet, Der wille, von Gott abgewandt, Mit böser luft erfüllet, Das herz durch bange furcht geplagt Vom wurm, der das gewissen nagt; Der tod wühlt in den gliedern. 7. Dies elend wird nun fortgeerbt Auf alle menschenkinder; So stamm als zweige sind verderbt: Der fluch trifft alle fünder. Die erste schönheit ist dahin. Der sünden gift hat leib und sinn Durchdrungen und verwüſtet. 8. D Herr! laß uns in deinem licht Den schweren fall erkennen. Verwirf uns, die gefallnen, nicht, Die Menschen wir dich schöpfer nennen. Hilf uns durch Christum wieder auf, Und mach uns tüchtig, unfern lauf Zur seligkeit zu richten. Mel. Wachet auf, ruft uns. 94, Deine schöpfung, erd und himmel, War, Gott, vollendet; erd und himmel, Und alles, was du schufst, war gut. Auch der mensch, dein bild auf erden, Bestimmt, durch dich beglückt zu werden, War deiner würdig, Herr! war gut. Er war untadelhaft, Und hatte licht und kraft, Dir zu dienen. Dein adam war Und eva war In jeder neigung unbefleckt. 2. Weder wahn noch fünden trübten Die reinen seelen. Gott, sie liebten Dich über alles, dich allein! Frei vom tode, frei von sorgen, Und heiter, wie der schöpfung morgen, Wie der von jedem nebel rein! Der freude quell ergoß Der ströme viel, und floß, Wo sie gingen; Und die natur Frohlockte nur; Wehklagte nicht, wie sie nun klagt! 3. Ach, so liebevoll beglücktest Du deine menschen, Gott! so schmücktest, So nah erhobst du sie zu dir! Wir auch sollten alle werden, Was adam war, dein bild auf vor und nach dem Falle. auf erden, Unsündlich und unsterblich hier! Allein wir wurdens nicht. Sie brachen bund und pflicht; Ach, sie fielen! Nun sind auch wir Durch sie vor dir Strafwürdig und des todes raub. 4. Trauern will ich; wer darfs wagen, Die ersten sünder anzuflagen? Ich will bloß meiner schuld mich zeihn. Trauert, brüder! doch wir wollen Auch Gott lobsingen: denn wir sollen Geheiligt einst sein bild noch sein. Entfündigt sollen wir, vater, wieder dir Aehnlich werden: Denn deine huld Will aller schuld Vertilgen, will uns noch erneun. 5. Blut der heiligung, vergoffen In strömen, die vom kreuze flossen, Beweise deine fraft an mir; Wasche mich von meiner fünde, Daß Gott mich einst entsündigt finde Und ihm geheiliget von dir! Du geist der heiligkeit, Gieb mir der unschuld kleid. Geift des vaters, Ach hilf und gieb Mir licht und trieb, Und eifer, Gottes bild zu sein. 71 keit zu wandeln, Stets recht vor dir zu handeln. Mel. Auf meinen lieben Gott. 95. Du, der kein böses thut, Du schufst den menschen gut; Du gabst ihm licht und kräfte Zum seligen geschäfte, In heilig2. Wo ist der unschuld ruhm? Ach, wir, dein eigenthum, Wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter allen Ein mensch ganz rein von sünden Vor dir, o Gott, zu finden? 3. Hier ist kein unterschied. Dein helles auge sieht Auf alle menschenkinder, Und sieht sie alle sünder. Da ist vor dir, Herr, keiner Unschuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist unser sinn; Die weisheit ist dahin, Die uns regieren sollte, Nur, was dein wille wollte, Mit freudenvollen trieben zu wählen und zu üben. 5. Der finne lust und schmerz Rührt leider unser herz Mehr als die höhern freuden, Mehr als die gröBern leiden, Die wir auf ewigkeiten Selbst unserm geiſt bereiten. 6. Dir folgen, dünft uns zwang. Des herzens böser hang Reißt uns mit startem triebe Zu schnöder fündenliebe; Und wer vermags zu zählen, Wie oft wir vor dir fehlen? 7. D Herr! gieb uns dein licht, Daß wir, was uns gebricht, Beschämt vor dir erkennen Und von dem ernst entbrennen, Der sünde zu 72 Von dem zu entsagen, Der beßrung nachzujagen. 8. Wohl dem, der sie gewinnt! Gott, so verderbt wir sind, So willst du uns doch heilen Und kräfte uns ertheilen, Durch Christum schon auf erden Von sünden .frei zu werden. 9. Ach, laß durch unsre schuld Uns diese deine huld Nicht freventlich verscherzen! Erwecke unsre herzen, Dir nicht zu widerstreben, Damit wir ewig leben. Mel. Mein Gott, ich bin jetzt. 96. Herr! du kenneſt fennest mein verderben. Ach! es regt in meiner brust, Wie bei allen adamserben, Sich noch immer böse lust, Die mein herz, Herr! von dir neiget, Und viel böse thaten zeuget. 2. Wie verderbt sind meine wege! Wie verkehrt mein eigner sinn! Ich empfind es, Gott, wie träge Ich dir zu gehorchen bin. Ach, wer wird vom hang zum bösen Mich doch endlich ganz erlösen? 3. Hilf mir durch den geist der gnaden Von der angeerbten noth! Heile meiner seele schaden Durch des mittlers freuzestod! Tilge Menschen alle meine sünden, Laß mich vor dir gnade finden! 4. Deinen willen hier auf erden Zu vollbringen, wird mir schwer. Soll ich dazu tüchtig werden, mußt du selbst von oben her Mir dazu die kraft verleihen, Und mein sündhaft herzerneuen. 5. Schaffe denn ein reines herze, Herr! durch deinen geist in mir, Daß ich nicht mein heil verscherze. Laß der sündlichen begier Mich mit nachdruck widerstehen, Und auf deine hilfe sehen. 6. Unter wachen, beten, ringen Hilf mir selbst mein fleisch und blut Unter deinen willen zwingen: Denn dein wille, Gott! ist gut. Was nicht kann dein reich ererben, Laß schon hier an mir ersterben. 7. Reize mich durch jene frone, Die mir droben beigelegt, Daß ich meiner niemals schone, Wenn die sünd in mir sich regt. Hilf mir selber muthig kämpfen, Alle bösen lüste dämpfen. 8. Sollt ich etwa unterliegen: so hilf mir wieder auf! Laß in deiner kraft mich siegen, Daß ich meinen lebenslauf, Unter deinen treuen händen, Gut und selig möge enden. Von vor und nach dem Falle. Von wirklichen Sünden. Mel. Auf meinen lieben Gott. 97. Mein Gott, dir ist bewußt Die innre böse luft, Die quelle meiner sünden, Die menschen nicht ergründen. O heile du aus Der seele tiefen gnaden schaden. 2. Auch wird des Herzens grund mir selbst durch thaten fund, Die mein gewissen nagen; Wie müßt ich ganz verzagen, Wenn du sie, Herr der welten, Mit strenge wolltft vergelten! 3. Ich habe wider dich, Den nächsten und auch mich Vielfältig, Herr, gehandelt; Ich bin den weg gewan delt. Der menschen von dir wendet und sich in elend endet. 4. Hilf, mein erbarmer, mir, Verwirf mich nicht von dir! Erneure meine seele, Daß sie nur gutes wähle. Wer kann mich sonst vom bösen, Als du allein, erlösen? 5. Drückt gleich der jünden joch mich sehr, so bleibt ja doch Weit mächtger deine gnade. Wie groß auch sei der schade, So kannst du ihn doch heilen Und leben mir ertheilen. 6. Hat sonst der fünde macht In mir ihr werk vollbracht: So gieb mir lust 73 und stärke, Daß ich nur gute werke Beschließe und vollende, Bis an mein selges ende. Mel. Ach Gott vom himmel. 98. Gott, wie verderbt ist von natur Mein herz in allen fräften! Voll haß des guten, eifrig nur In sündlichen geschäften! Ich kann dich, Herr, nicht, wie du bist, Weil mein ver= stand verfinstert ist, Nicht dein gesetz erkennen. 2. Mein wille, nicht von dir bekehrt, Sich selbst noch überlassen, Verabscheut, was du willst; begehrt, Was du befiehlst zu haffen. So sehr hat adams sünd auch mich, Gott, vergiftet, daß ich dich Nicht ehren kann, noch lieben. 3. Daß ich dir nicht vertrauen kann, Und dir mich widersetze, Mich bloß, von meiner findheit an, Am irdischen ergöße;' Daß eigennuß mich treibt, und nicht Gehorsam und gefühl der pflicht! Das zeugt von meinem falle. 4. Wenn ich für mich nur, nicht für dich Noch meine brüder lebe; Wenn ich aus stolz und dünfel mich Gern über sie erhebe; So So ifts verderben der natur. Nach Nach diesem, ach! begehr natur. 74 Von dem begehr ich nur, Was dein geſetz verbietet. 5. Im bösen schnell erfindsam, irrt Mein Herz von sünd in fünden, Und meint, wenns auch betrogen wird, Doch da sein glück zu finden. Mein ohr verschließt sich leicht vor dir, Und, ach! wie lieblich tönet mir Die stimme der verführung. 6. Dies elend leugne, wer da kann! Wer darf es? Gott, mir armen Hast du die augen aufgethan! Gelobt sei dein erbarmen! Ich ward erleuchtet; mein verstand Sah mein verderben; ich empfand Das elend meiner fünde. 7. Du hast mich, Gott, ergriffen, mir Den weg des heils gezeiget. Du hast( wie dank ichs, vater, dir!) Mein stolzes herz gebeuget. Du willst mir verzeihn, Mich von der fünde macht befrein, kraft zur beßrung geben. Mir 8. So überwältige nun ganz In mir den hang zur sünde! Stets heller leuchte, Gott, dein glanz, Die wahrheit deinem finde! 3um guten mehre meine fraft, Damit ich ringe, tugendhaft Und fromm vor dir zu wandeln. Menschen Von Bosheitssünden. Mel. Vater unser im himmelr. 99. Gott, welch verderben wohnt in mir! Wie oft, wie oft mißfall ich dir! Durch wie viel sünden! wer erzählt, Wie oft der mensch nur täglich fehlt; Er, dessen herz dir, weil er lebt, Durch sein verderben widerstrebt! 2. Dir widerstrebt, wenn er sich auch, Erhellt durch deines lichts gebrauch, Bekehrt durch deines geistes kraft, Entschließt, gerecht und tugendhaft, In seinem ganzen wandel rein, und ohne falsch vor dir zu sein! 3. Doch wer zur sünde sklaven sich Verkauft hat, o wie wissentlich, mit welhem frevel sündigt der! Wie häufet seine laster er, Wenn leidenschaft und sinnlichkeit Dir nicht zu folgen ihm gebeut! 4. Er achtet nicht auf dich, o Gott! Sich zu betäuben, treibt er spott Mit alle dem, was göttlich heißt; erbittert deinen Betrübt, geist; Verleugnet zukunft und gericht Aus haß nur gegen seine pflicht. 5. Und, hält in seiner bosheit lauf Ihn andrer menschen macht nicht auf: Was achtet seiner lüfte wuth Der vor und nach dem Falle. 75 Der brüder jammer und ihr gehorsam sein, und gern blut? Wenn er erreicht, was ihm gefällt: Was kümmert ihn das wohl der welt! Dir dienen, meinem Gott und herrn: Doch selig will ich, Gott, allein Durch dich und meinen heiland sein. 6. So schrecklich ist der sünde macht Bei frevlern und bei dem, der wacht, Von Daß er nicht falle, wiffent- und lich nicht, Gott, dir troße, sondern dich Vor augen hab, und dir getreu Auch selbst in seiner schwachheit sei. 7. Und wähnen sollt ich, Gott, daß ich Verdienen könn, und bloß durch mich, Durch eigene rechtschaffenheit, Des glaubens preis, die seligkeit, Die du, weil du den fünder liebst, Ihm nur aus freier gnade giebst? 8. Ich sollte wähnen, daß, o Gott, Dein sohn nicht kam, durch seinen tod Von tod und fluch mich zu befrein? Nur fam, ein beispiel mir zu sein, Ein lehrer nur zu meiner pflicht? Ein sichrer führer durch ſein licht? . 9. Preis dir, o Vater, daß er mir Mehr ist: mein mittler, Gott, bei dir; Daß er mein opfer ward und starb, Und gnad und frieden mir erwarb; Daß er, ihm nachzufolgen, mir Kraft schenkt und freudigkeit zu dir! 10. Ich will mit ernst und eifer mich Dir widmen, nimmer wissentlich Dir unSchwachheitssünden anhängenden Sündenbeschwerden. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 100. Ah, wann werd ich von der sünde, Gott, mein vater! völlig frei, Daß ich sie ganz überwinde, Ganz dir wohlgefällig sei? Noch nicht, ich gestehs mit thränen, Kann ich mich von ihr entwöhnen; Immer noch ereilt sie mich Und versucht mich wider dich. 2. Längst hatt ich den schluß gefaffet, Dir mein leben ganz zu weihn; Alles, was dein herze haffet, Sollte mir ein abscheu sein. Allen vortheil, alle freuden, Die mich könnten von dir scheiden, Wollt ich mit verachtung fliehn, Nie am sündenjoche ziehn. 3. Gott! du sahest, wie ichs meinte, Wie ich alle missethat, Der ich schuldig war, beweinte, Und dich um vergebung bat; Sahst mein ernstliches bestreben, Meinem vorsag treu zu leben; Sahst, daß ich nun immerdar Fromm zu wandeln willens war. 4. Aber, 76 Von dem 4. Aber, ach! wie oft empöret Sich die leidenschaft in mir, Und verführet mich und störet Meine freudigkeit zu dir. Uebereilung, eigenliebe, Des verborgnen stolzes triebe, Eh ichs merke, ziehen sie mich zur sünde, die ich flieh. 5. Doch du heilest die gebrechen Meiner fündigen natur. Nicht die schwachheit wirst du rächen: Bösen vorsatz strafst du nur. Hätt ich nicht den trost, ich würde Unter meiner mängel bürde Ganz erliegen und mich dein, Höchstes gut! nie wieder freun. 6. Stellet mir denn hier auf erden Lebenslang die sünde nach; Kann ich nicht vollkommen werden, Bin und bleib ich hier noch schwach: Ach, so segne mein bestreben, So gerecht ich kann, zu leben, Daß ich stets von Heuchelei Und von bosheit ferne sei! 7. Wenn ich falle, laß michs merken; Laß mich streben aufzustehn! Eile, mich, dein kind, zu stärken! Lehre selbst mich fester gehn! Warne mich, sei mein begleiter; Täglich führe, Gott, mich weiter, Bis ich in der ewigkeit Lebe in vollkommenheit. Menschen Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 101. h, Gott, dein tief gefallnes Bin elend und verloren, Unwürdig deiner huld, in sünd Empfangen und geboren; Zum guten kraftlos von natur, Untüchtig und begierig nur Nach eitelkeit und sünde. 2. Ich trage nicht dein bild an mir, Wie adam, bin ein fünder; Entfernt durch seinen fall von dir, Wie alle seine kinder. Mir, seinem erben, fehlt die kraft, Dir wohlgefällig, tugendhaft Und fromm vor dir zu wandeln. 8. Áus eignen kräften kann ich nicht Dich, meinen Gott, erkennen; Auch nicht mit luft und zuversicht Dich meinen vater nennen. Es fehlt die wahre liebe mir, Die mich entflammen sollte, dir Zu dienen, dir zu S leben. 4. Ich fühle stets der fünden trieb Durch alle meine glieder; Auch mir ist, was du hasfest, lieb, Was du befiehlst, zuwider. Ich armer, wer erlöst mich doch Von meiner sünden schwerem joch, Von allen ihren strafen? 5. Von deinem sohne dir erkauft, Soll ich mich dir ergeben; Und ich, auf seinen tod getauft, Ich wünsch auch dir zu leben. Auch vor und nach dem Falle. Auch treibet mich dein geist zu dir: Doch immer trägt die sünd in mir Viel böse bittre früchte. 6. Unglaube, hoffahrt, wolluft, geiz Sind jedem deiner freunde, Durch ihren zaubervollen reiz, Gefahrenvolle feinde. Wie oft vergeß ich deiner huld, Und häufe täglich schuld auf schuld, Unwissend und aus schwäche. 7. Ach, Vater, handle, handle nicht mit deinem armen fnechte In deinem heiligen gericht Nach deinem strengen rechte! Gott, dein erbarmen fleh ich an, Das mich allein noch retten fann. Gott, sei mir fünder gnädig! 8. Dein sohn ist unbefleckt und rein, Und hat für mich gelitten. Um seinetwillen schone mein, Und höre meine bitten! Wer ihn einer fünde zeihn? wasche denn sein blut mich rein Von allen meinen fünden! konnt So 77 Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. 102. Mein Jesu! meines lebens 9. Laß, Vater! Vater! nicht durch adams schuld, Noch meine schuld mich sterben, Und mache mich durch deine huld Zu deines Sohnes erben. Las meinen hang zum bösen mich mit ernst bestreiten, und durch dich Mich einst ganz heilig werden. licht, Du weißt gar wohl, was mir gebricht; Es ist dir mein betrübter stand Weit besser, als mir selbst, bekannt. 2. Das fleisch ist schwach, obgleich der geist Durch deine kraft sich willig weist. Die sünde klebt mir immer an Und zieht mich von der rechten bahn. 3. So thu ich denn, was ich nicht will, Und steh im laufen oftmals still. Es lenkt mich der verderbte sinn Stets zu verbotnen thaten hin. 4. Die böse lust regt sich in mir, Und zieht mein herz gar oft von dir Die liebe zu der eitlen welt Macht, daß mein thun dir oft mißfällt. 5. Ich nehme mir das gute vor; Doch steigt der böse trieb empor. Oft flieh ich, leider! deine zucht, und höre dein wort ohne frucht. 6. Wie laulich ist nicht mein gebet! Wenn ich, Herr, vor dein antlig tret, Mich mit dem munde zu dir nah, Ist oftmals doch mein herz nicht da. 7. Ich weiß, ich soll rechts schaffen sein; Doch zeigt sich oft nur bloßer schein. Mein christenthum und glaube hat Oft mehr den namen, als die that. 8. Siehst 78 Von dem 8. Siehst du dies als ein richter an, Der herz und nieren prüfen kann, Willst mit mir ins gerichte gehn: So kann ich nicht vor dir bestehn. 9. Ach, Vater, habe doch geduld! Vergieb der schwachheitssünden schuld! Sieh, was ich selbst nicht merken kann, Um Christi willen ja nicht an! 10. Dein geist, der uns der welt entreißt, Ermuntre kräftig meinen geist, Daß er nur nach dem himmel streb, Und auch allein in dir nur leb. 11. Führt mich mein fleisch dann in den streit; So rüste mich mit tapferkeit Zu der verleugnung, die der christ Dir und sich selber schuldig ist. 12. Den alten menschen dämpf in mir, Mit neuer kraft den neuen zier; Laß jenen täglich untergehn, Und mich in Christo auferstehn. 13. Und endlich führe mich dahin, Wo ich erst recht vollkommen bin. Da will ich jauchzend vor dir stehn, Und ewig deinen ruhm erhöhn. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 103. Wie selig, Herr, ist der gerechte! Du bist sein schild und Ber lohn. O, daß ich ganz gerecht sein möchte! Doch, groMenschen ach, wie wenig bin ichs schon! Du weißt es, Gott, ich bin noch weit Entfernt von der vollkommenheit. 2. Wie viel ist noch an mir zu finden, Das nicht mit deiner vorschrift stimmt! Oft übereilen mich noch sünden, Wenns herz gleich bessern vorsag nimmt. Ja, oft verletz ich meine pflicht, Mein Gott, und weiß es selber nicht. 3. Wer kann, wie oft er fehle, merken? Nur du, du siehst mich, wie ich bin. Nur du fannst mich im guten stärken: Drum fall ich, Vater, vor dir hin. mach, um heilig ganz zu sein, Mich von verborgnen fehlern rein. 4. Von aller eitlen eigenliebe Befreie mich durch deine kraft; Erweck und mehr in mir die triebe zu dem, was wahre beßrung schafft. Laß meinen fleiß gesegnet sein, Und meine heiligung gedeihn. 5. Du wirst das demuthsvolle flehen Des fünders, der dich scheut und ehrt, Gott der gnade, nicht verschmähen. Du bist es, der gebet erhört. Mein fels, mein heil! ich traue dir: Das, was ich bitte, giebst du mir. Von vor und nach dem Falle. 79 der Sünde. Von den traurigen Folgen bösen thaten, Und läsfest ihn in schmach und hohn Und andre noth gerathen. Hat ihn der fünden lust erfreut; So muß er auch das herzeleid, Das sie gebiert, empfinden. Mel. Es ist gewißlich an der. 104. Gott! du bist heilig und gerecht In allen deinen wegen. Vor dir bleibt nicht ein böser knecht; Den frommen frönt dein segen. Auf ihm ruht deine vaterhuld; Der böse träget seine schuld, Ihn treffen deine strafen. 2. Du bist der herrscher aller welt. Nach heiligen gesetzen, Die deine weisheit festgestellt, mußt du die menschen schätzen, Mußt übertretern strafe dräun, Und, wenn sie sich vor dir nicht scheun, Die strafe auch vollziehen. 3. D Herr! dein heiliges gericht Entdeckt sich schon auf erden; Du läsfest, fürchten wir dich nicht, Uns hier schon inne werden, Daß du auf unsre thaten siehst Und ein gerechter richter bist, Zur heimsuchung des bösen. 4. Es flagt uns das gewissen an, Wenn wir dir widerstreben, und sagt uns, daß wir mißgethan Durch unser böses leben. Es raubet uns die innre ruh Und spricht uns die vergeltung zu, Die missethat verdienet. 5. Oft stäupst du hier den fünder schon Für seine 6. Jedoch, o Herr! zur besserung Strafst du noch hier die fünder, Und züchtigst auch zur heiligung Oft deine schwachen kinder. Wohl dem, der deinen willen lernt Und sich vom sündenpfad entfernt Und deiner zucht gehorchet! 7. Den aber trifft dein zorngericht, Das ohn aufhören währet, Der in der zeit der gnade nicht Sich recht zu dir bekehret. Kein gutes mehr, fein glück, kein Heil, Nein! lauter elend ist sein theil Von innen und von außen. dan 8. Herr! dies bezeugt dein klares wort, Wahrhaftig ist. dein dräuen. So hilf denn, daß wir immerfort Den weg der sünde scheuen. Erbarm dich unser allesammt, Daß niemand unter uns verdammt, Ein jeder selig werde. Mel. Mein Gott, ich bin jetzt. 105. Ach, wer, Gott! vermag zu zählen, Was zum zorne dich entflammt? Wann, wodurch, wie oft wir fehlen? Alles, 80 Von dem Alles, was dein recht verdammt? Alles gute, was wir haffen, Oder sorglos unterlassen? 2. Gott, nur eines menschen fünden, Was für übel zeugen sie! Und dann aller menschen sünden, Wie viel glück zerstören die! Alle seit dem ersten falle! Jedes menschen sünden alle! 3. Nur ein fehltritt auf den wegen, Die wir wandeln sollen, Gott, Was vernichtet der für segen! Wie versenkt oft der in noth! Ach, was müssen wir oft leiden Bloß für einer thorheit freuden! 4. Wer erkennet die verbrechen, Welche, kaum vollendet, sich Selbst verfolgen, furchtbar rächen, Richter, dein gesetz und dich, Und gehaßt doch wiederkehren, Wieder wüthen und zerstören? 5. Starke, Gott, verfolgen schwache, Schwache schwächre; geiz und neid, Menschenhaß und durst nach rache, Wollust, stolz und üppig keit, Wie erfüllen die mit plagen Deine welt, mit welchen klagen! 6. Wie die arglist frevel brütet! Wie gewalt und tyrannei, Gleich der pest im mittag, wüthet, Ungesehn die heuchelei, Emsig, über alle zeiten Fluch und jammer zu verbreiten! Menschen 7. Und wir fünder konnten wähnen, Gottes heiliges gericht Räche feines elends thränen, Acht auf unsre laster nicht? Der gerechte, der verbrecher Gelt ihm gleich, es sei kein rächer? 8. Welch gericht muß die bis an erwarten, Welche bis ihren tod In der fünde dienst beharrten, Und von dir gewarnt, o Gott! Nicht, getäuscht von eitlen träumen, Ihre rettung zu versäumen. 9. Ich erschrecke, Herr, ich bebe, Daß mein herz so oft vergißt, Daß, wenn ich nicht heilig lebe, Gitel meine hoffnung ist, Selig dort, und schon auf erden Ruhig und getrost zu werden! 10. Laß der fünde bittre früchte mir stets in gedanken sein, Mich nie zweifeln am gerichte, Auch den kleinsten fehltritt scheun: Daß ich gläubig jede sünde, Start durch dich, ganz überwinde: Mel. Herzliebster Jesu, was. 106. Gott, wo ist noth, wo elend auf der erde, Daß von der fünde nicht geboren werde? Wie enden nicht des lasters süßste freuden In bittre leiden! 2. D wären wir, vom jüngling bis zum greise, Gehorsam deinem willen, gut und weise: Was würden wir mit vor und nach dem Falle. mit freudigem gewissen Für glück genießen! 3. Schön, heilsam, zahllos, Vater, sind die gaben, Die wir von dir zu wahren freuden haben. Wo strömt uns nicht der tugend heil und segen Von dir entgegen! 4. Wie würde jede wahre luft auf erden Erhöht und jede last erleichtert werden, Wenn unser Herz den täuschungen der fünde Stets widerstünde! 5. Doch, ach! sie herrscht, um alles zu zerrütten, Erschüttert throne und verwüstet hütten, Trübt jeden segensquell, droht allen tagen Mit neuen plagen. 81 7. Die lust zum bösen fesselt sie und wüthet; Sie leiden selbst durch das, was sie gebietet, Und bahnen sich den weg durch ihre freuden Zu gram und leiden. 8. Wie können wir dich, Gott, genug erheben, Daß du uns führen willst den weg zum leben, Uns heiligen und stärken, alle sünden Zu überwinden! 6. Wie können sünder froh zum himmel schauen, An dich, Gott, denken ohne furcht und grauen, An tod und grab, und an ein ewi leben, Und nicht erbeben! 9. Heil uns, daß uns dein sohn mit dir versöhnte, Uns licht gab, uns vom sündenjoch entwöhnte, Und lust und trieb, auf deiner bahn zu wandeln Und recht zu handeln! 10. Laß uns denn immer mehr geheiligt werden, Und dir stets folgsam, dir getreu auf erden, Thun, was du willst, bis wir, zu dir erhoben, Dich ewig loben. 7. Von der Gnade Gottes in Christo und der Erlösung durch ihn. Mel. Durch Adams fall ist. 2. leidig angesehen: Wir trü107. Durch Adams sünde gen noch des satans joch, Ünd müßten einst vergehen. So weit hats nun sein haß gebracht! Seit jenem schweren falle Herrscht, durch der fünde fluch und Der tod jegt über alle! wurden wir Auch sterblich, strafbar, sünder, Vergiftet und verderbt von ihr: Denn wir sind Adams kinder. Auch, hätte Gott nicht unsre noth Mit- macht, 6 N. A. 82 Von der Gnade alle! In solcher noth verhieß uns Gott, Selbst seinen sohn zu geben, Daß wir, erneut zur seligkeit, Noch möchten wieder leben. 3. Wie wir durch eine fremde schuld In Adam alle sterben, So hilft uns eine fremde huld In Christo vom verderben. Ward überall durch Adams fall Der erste fluch verkündigt; So hat uns Gott, durch Christi tod, Versöhnet und entsündigt. 4. Gott hat uns seinen sohn geschenkt, Als wir noch feinde waren, Die huld, womit er unser denkt, An uns zu offenbaren; Der starb, erstand, fuhr auf, und sandt Uns seines geistes gaben. Wer ihn zum haupt erwählt und glaubt, Soll einst den himmel haben. 5. Er, der uns selbst bei Gott vertrat, Zum opfer dargegeben, Sft unser licht, ist selbst der pfad Zur wahrheit und zum leben. Sein schuß umgiebt die, die er liebt, Wenn sie nur freudig glauben. Die er bewacht, kann keine macht Aus seiner hand ihm rauben. 6. O wie undankbar, wie verrucht Ist der, der ihn verachtet, Sein heil allein bei menschen sucht, Und Gottes troft nicht achtet! Wer in der noth, die ihn Gottes in Christo bedroht, Sucht helfer bloß auf erden, Der muß in zeit und ewigkeit Vor ihm zu schanden werden. 7. Wohl dem, der ihmallein vertraut; Sein schuß wird ihn bedecken: Denn wer auf diesen felsen baut, Wovor darf der erschrecken? In angst und müh hab ich noch nie Den menschen sehen fallen, Der sich nur fest auf ihn verläßt; Gott hilft den seinen allen. 8. Du wolleſt nie, das bitt ich dich, Dein wort, o Gott, mir nehmen, Noch wegen meiner fünden mich Und mein vertraun beschämen! Erlaß die schuld! auf deine huld Set ich all mein vertrauen, Und weiß,- daß ich, durch Christum, dich Einst werd im himmel schauen. 9. Damit ich glaub und immerfort Nur dir gefallen lerne, So leuchte mir dein heilig wort, Gleich einem morgensterne! Belehrt von dir verstehen wir Den werth der hohen gaben, Die Gottes geist uns hoffen heißt, Weil wir zum heil dich haben. Mel. Nun freut euch lieben. 108. Nun christen! laßt uns fröhlich sein, Gott dank und ehre bringen, Von Herzen seines und der Erlösung durch ihn. seines heils uns freun, Mit luft und lieb ihm singen. Wer faßt die große wunderthat, Was Gott an uns gewendet hat, Wie theur er uns erworben? 2. Vom teufel hart verstrickt, war ich Todt, elend und verloren; Der sünden lasten drückten mich, Verderbt war ich geboren; Groß war mein elend, tief mein fall; Verderbt durch sünde überall, Mußt ich zur hölle finken. 3. Da jammerte von ewigkeit Gott meines elends bürde. Nun dacht er der barmherzigkeit, Daß mir geholfen würde. Ihm war es wahrlich ernst! mein schmerz Durchdrang zu sehr sein vaterherz. Sein bestes ließ ers kosten. 4. Er sprach zum sohn: die zeit ist da, Die stunde zum erbarmen. Nun eile, sohn, dein will ists ja, Sei du das heil der armen! Hilf ihnen aus der tiefen noth! Für sie besiege du den tod, Und laß sie mit dir leben. 83 knechtsgestalt, Des satans reich zu stürzen. 6. Er sprach zu mir: halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen! Mich selber geb ich ganz für dich, Will mächtig für dich ringen: Denn ich bin dein, und du bist mein; Auch du sollst, wo ich bleibe, sein; Uns soll der tod nicht scheiden. 7. Vergießen wird man mir mein blut, Dazu mein leben rauben. Gern leid ich alles, dir zu gut; Das halt mit festem glauben: Denn deine schuld, o mensch, ist mein, Und mein verdienst ist, sünder, dein. So bist du selig worden. 8. 5. Ihm folgsam kam von seinem thron Der sohn herab auf erden, Ward einer frommen jungfrau sohn, Wollt unser bruder werden. Er führte seines arms gewalt In niedrigkeit und Den himmel nehm ich wieder ein Und scheid aus diesem leben; Da will ich stets dein meister sein Und meinen geift dir geben; Der soll dich lehren, dich erneun, Mit trost in trübsal dich erfreun Und dich zum himmel leiten. 9. Was ich gethan, was ich gelehrt, Das sollst du thun und lehren. So wird des höchsten reich vermehrt Zu seines namens ehren. Flieh aber falschen menschenwahn, Der dir den schag leicht rauben leicht fann; Halt, was ich dir gebiete! 6* Mel. 84 Von der Gnade Mel. Ich dank dir schon durch. 109. Gedanke, der uns leben giebt, Wer kann dich ganz durchdenken? Also hat Gott die hat Gott die welt geliebt, Uns seinen sohn zu schenken. 2. Ich kann der sonne wunder nicht, Noch ihren bau ergründen, Und doch kann ich der sonne licht Und ihre wärm empfinden. 3. So kann ich auch nicht Gottes rath Von Jesu tod ergründen; Allein das göttliche der that, Das kann mein herz empfinden. 4. Nimm mir den trost, daß Jesus Christ nicht meine schuld getragen, Nicht Gott und mein erlöser ist; So werd ich angstvoll zagen. 5. Ist Christi wort nicht Gottes sinn, So werd ich irren müssen, Und, wer Gott ist, und was ich bin Und werden soll, nicht wissen. 6. Nein, diesen trost der christenheit Soll mir kein spötter rauben. Ich fühle seine göttlichkeit, Und halte feſt am glauben. 7. Ich bin dein ewges eigenthum, Durch dich des himmels erbe. Dies, sohn des höchsten, ist mein ruhm, Auf den ich leb und sterbe. 8. Du giebst mir deinen geist, das pfand, Im glauben mich zu stärken, Und Gottes in Chrifto bildest mich durch deine hand zu allen guten werken. 9. So lang ich deinen willen gern mit reinem herzen thue, So fühl ich eine kraft des herrn, Und schmecke fried und ruhe. 10. Und wenn mich meine fünde fränkt, Und ich zu dir, Herr! trete, Weiß ich, daß dein herz mein gedenkt Und thut, warum ich bete. 11. Ich weiß, daß du, mein Heiland! lebst Und mich einst aus der erde Erweckst und zu dem reich erhebst, Wo ich dich schauen werde. 12. Kann unsre lieb im glauben hier Für dich jemals erfalten? Dies ist die lieb, o Herr! zu dir: Dein wort von herzen halten. 13. Erfüll mein herz mit dankbarkeit, So oft ich dich nur nenne, Und hilf, daß ich dich allezeit Treu vor der welt bekenne. 14. Sollt ich dereinst noch würdig sein, Hier um dich schmach zu leiden; So laß mich keine schmach und pein Von deiner liebe scheiden. 15. Und sollt ich, Gott! nicht für und für Des glaus bens freud empfinden; So wirk er doch sein werk in mir Und reinge mich von fünden. 16. Hat Gott uns seinen sohn geschenkt,( Laß mich noch und der Erlösung durch ihn. 85 noch sterbend denken!) Wie digkeit vertraun, Und wenn follt uns der, der ihn geschenkt, mit ihm nicht alles schenken? mich meine sünden fränken, Getrost auf meinen vater schaun: Da find ich ja zu aller zeit Unendliche barmherzigkeit. 6. Wird alles andre mir entrissen, Was seel und leib erquicken kann, Muß ich der erde freuden misfen, Nimmt auch kein freund sich meiner an: Ich habe, was mich mehr erfreut, Bei Gott, bei Gott barmherzigkeit. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 110. Ich habe nun den grund gefunden, Der meine hoffnung ewig hält. Und wo? in meines Jesu wunden; Da lag er, vor der zeit der welt, Der grund, der unbeweglich steht, Wenn erd und himmel gleich vergeht. 2. Es ist sein ewiges erbarmen, Das allen unsern schaden heilt, Wodurch er mir mit offnen armen, Mich zu befrein, entgegen eilt, Weil ihm sein herz vor mitleid bricht: Wir kommen, oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein: Denn darum litt sein sohn auf erden Und nahm den himmel fiegreich ein, Und rief durch seinen geist uns zu: Kommt her zu mir, bei mir ist ruh! 4. D abgrund, welcher alle fünden Durch Christi tod verschlungen hat! Das heiBet heil und hoffnung gründen! Hier findet kein verdammen statt, Weil Jesu blut beständig schreit: Barmherzigkeit, barmherzigkeit! 5. An diesen ruf will ich gedenken, Will ihm mit freu7. Wenn ich in meinem laufe gleite, Demüthigt seine gnade mich, Ermuntert mich zum neuen streité Und unterstüßt mich väterlich. Und wenn mir sein gesetz auch dräut, Erwart ich doch barmherzigkeit. 8. Gott giebt zur tugend luft und stärke; Doch flebt die fünde stets mir an, Ich habe keine solche werke, Mit denen ich mich retten kann. Ich rühme bloß mich, hocherfreut, Der hoffnung auf barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach seinem willen. In angst und trübsal wird er mich Mit seines geistes trost erfüllen; Er hilft gewiß und väterlich. Er ist, das glaub ich hocherfreut, Ein helfer voll barmherzigkeit. 10. Auf diesen felfen will ich bauen, So lang ich hier im 86 Von der Gnade im leben bin. Im tode will ich ihm vertrauen, Der führt vor seinen thron mich hin. Mein heil vollendet nach der zeit Des ewigen barmherzigkeit. Mel. Werde munter, mein gem. 111. Gwge liebe, mein gemüthe Wagt mit findlichem vertraun, In den abgrund deiner güte Ehrfurchtsvoll hinab zu schaun; Allen kummer zu zerstreun; Ihrer größe mich zu freun; Durch ihr anschaun schon auf erden Herrlich und entzückt zu werden. 2. Ich verehre, Gott voll liebe, Dich für deiner gnade rath, Die aus eignem freien triebe Unser sich erbarmet hat. Du bestimmtest deiner welt Ein vollkommnes lösegeld; Selbst dein sohn, Herr, sollte sterben, Gnad und heil ihr zu erwerben. 3. D ein rathschluß voll erbarmen, Voller huld und freundlichkeit, Welcher uns verlaßnen armen Gnade, hilf und trost verleiht! Liebe, die so brünstig liebt, Daß fie auch den sohn uns giebt, Ihn, der Gott ist, uns zum lehrer, Ihn zum opfer für empörer. 4. Du beſtimmst, o weise liebe, Mir zur gnade selbst die bahn, Führst, durch deiGottes in Chrifto nes geistes triebe, Mich zu buß und glauben an. Wer nicht in der sünde bleibt Und an deinen sohn recht gläubt, Der soll deiner liebe gaben, Heil und ewges leben haben. 5. Diesen glauben anzuzünden, Giebst du uns den guten geist, Den der tilger unsrer sünden Heilbegierigen verheißt. Wer sein unvermögen sieht Und zu diesem helfer flieht, Den willst du zu guten werfen Auch mit kraft und eifer stärken. 6. Wer nur ihm nicht widerstrebet, Wer, nachdem er gläubig ward, Heilig und unsträflich lebet Und im glauben fest verharrt, Der ist auch von dir ersehn, In dein reich einst einzugehn, Deinen findern zugezählet, Und zur seligkeit erwählet. 7. Du bestimmest zum verderben Auch nicht einen; deine huld Hilft auch fündern; wenn fie sterben, Sterben sie durch ihre schuld. Wer nicht glaubt an deinen sohn, Der verdient des fluches lohn. Bloß sein freRaubt velnd widerstreben ihm gnade, heil und leben. 8. Liebe, liebe, laß mich streben, Meines heils gewiß zu sein! Richte du mein ganzes leben Nur nach deinem willen ein! Laß, in meiner pilgrimschaft, Aus des glaubens und der Erlösung durch ihn. 87 todes pfade Ohne graun und muthig gehn. Hab ich deine gnade nur; So wird keine freatur Mich geliebten von dir trennen, Dir mich nicht bens frucht und fraft Stets mich sehn, daß einst mein ende Meine seligkeit vollende. 9. Ueberzeugt von deiner gnade Und gewiß, dich einst zu sehn, Will ich selbst des entreißen können. 8. Von der Person Jesu Christi. Mel. Nun lob mein' feel den. 112. Mein Heiland! deine größe Geht über alle himmel weit. Wer ist, der sie ermesse? Du warst bei Gott von ewigkeit. Du bist der erstgeborne Vor aller freatur; Kamst zwar für uns verlorne menschliche natur; Ein volk dir zu erlösen, Erscheinst du in der zeit. Doch eh die welt gewesen, Warst du von ewigkeit. In 2. Der himmel und die erde Sind durch dein fräftig wort gemacht; Auf dein allmächtig werde! Entstand die welt in ihrer pracht. D unser herr und meister! Du schufft uns, wie das heer Der jeßt schon selgen geister. Du thatst an uns noch mehr: Die strafen unsers falles Nahmst du am freuz auf dich, Regierst nun über alles, Und herrschest ewiglich. 3. Du trägest alle dinge, Allmächtger, durch dein kräftges wort. Das große und geringe Geht bloß durch deinen willen fort. Sohn Gottes! du regierest Den ganzen kreis der welt; Weil du das scepter führest, Geschieht, was dir gefällt. Bei dir steht tod und leben; Drum wird einst jede gruft Die todten wieder geben, Wann deine stimme ruft. 4. Dir soll man ehr erzeigen. Nach deines vaters willen soll Vor dir sich alles beugen; Die welt sei deines lobes voll! Du bist das heil der erden. Wer auf dein wort nicht hört, kann nimmer selig werden! Wer aber dich verehrt, Dem hilfft du vom verderben, Schaffst ihm zufriedenheit, Und machst ihn einst zum erben Vollkommner seligkeit. 5. Wie herrlich ist dein name Schon jetzt, o Herr, in unsrer welt! Wo der gerechten Von der Person Jesu Christi. 88 rechten same Vor dir, dich preisend, niederfällt. Dort preisen seraphinen Dich, groBer menschensohn! Mit freuden dir zu dienen, Stehn fie vor deinem thron. Wer sollte dein sich schämen? Du bist ja unser ruhm, Und würdig, preis zu nehmen Von deinem eigenthum. 6. Mein Heiland, ich verehre Dich, der auch meine sünde trug. Beschäme und bekehre, Durch deiner gnade sanften zug, Die deinem wort nicht glauben, Und dir, der für sie litt, Die schuldge ehre rauben; Theil ihnen kräfte mit, Dich gläubig zu erkennen. Und, welche dich erkannt, Die laß von dir nichts trennen! Erleuchte jedes land! Mel. Herr Gott, der du erforsch. 113. Anbetung, preis und dank sei dir, Jesu unser leben! Preiswürdig bist du für und für; Wer kann dich gnug erheben? Eh noch die welt ward, warst du schon, Groß, herrlich- und des höchsten sohn, Ein erbe seiner ehre. Dein ist das reich, die herrlichkeit, Und du beherrschest weit und breit Der freaturen heere. 2. Dein sind sie: denn durch wessen kraft Ward himmel, meer und erde? Wer hat das leben uns verschafft? Wer sprach zum engel: werde? Du bist das wort, durch welches Gott Der ganzen welt zu sein gebot; Du bists, der alles träget, Was sichtbar und unsichtbar ist, Was erd und himmel in sich schließt, Und was im meer sich reget. 3. Und dennoch bist du uns zu gut In diese welt gekommen, und hast selbst unser fleisch und blut Freiwillig angenommen. Dein leben gabst du willig dar, Zu retten, was verloren war, Und wardst ein knecht auf erden. Ohuld, die sonst nichts gleiches hat! Du starbst für unsre missethat, Ein heiland uns zu werden. 4. Du wardst es uns, und bist es noch Jezt auf der himmel throne, Suchst liebreich von der sünde joch Und ihrem schnöden lohne, Die ihr noch dienen, zu befrein; Beschwerter Beschwerter Herzen: trost zu sein, Ist deines herzens freude. Du giebst den müden seelen ruh, Ünd, wer dich liebt, den stärkest du, Daß nichts ihn von dir scheide. 5. Du hörst der deinigen gebet Und endest ihre plage; Du bleibst, bis zeit und welt vergeht, Bei uns noch alle tage. Herr, dir sei ewig dank Von der Person Jesu Christi. dank und ruhm Für dieses evangelium, Für alle deine liebe! Dir geb ich mich zu eigen hin, Gieb, daß ich mich, so lang ich bin, In deinem lobe übe. Mel. Herr Christ, der einge. 114. Christe, eingeborner, Von ewigkeit gezeugt! Des vaters auserforner, Zu dem sein herz sich neigt! Mit ihm von einem wesen Bleibst du, der du gewesen, Der glanz der herrlichkeit. 2. Für uns ein mensch geboren, Der keuschen jungfran sohn, zu suchen, was verloren, Erlittst du qual und hohn, Starbst, daß wir leben möchten, Erhobst uns zu gerechten Und erben deines reichs. 89 5. Laß uns, mit dir begraben, Mit dir auch auferstehn; Mit dir zu Gott erhaben, Nicht auf das eitle sehn; Dich kennen und dich hören, Dich, dich allein begehren, Dein todt und lebend sein! 3. Laß mich stets mehr erkennen, Wie hoch du uns geliebt, In solcher lieb entbrennen, Die kraft zur tugend giebt. Laß in des todes schrecken Uns einst noch sehn und schmecken, Wie freundlich, Herr, du bist. 4. Du schöpfer aller dinge, Der du allmächtig bist, Durch welchen ich vollbringe, Was Gott gefällig ist, Hilf, daß mich nichts bethöre, Daß nichts von dir mich kehre, Nicht lust, nicht leid der welt. 6. Dank, lob und preis und ehre Sei Gott in ewigkeit Für diese theure lehre, Womit er uns erfreut! Sie tröst uns, wann wir leiden, Sie stärt uns, wann wir scheiden, Sie schütz uns im gericht! Mel. Allein Gott in der höh. 115. Halt im gedächtniß Jesum Christ, O feele! der auf erden Vom hinmeisthron gekommen ist, Ein heiland dir zu werden! Vergiß sein nicht! denn dir zu gut Verband er sich mit fleisch und blut. Dank ihm für diese liebe! 2. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der auch für dich gelitten. Da er am kreuz gestorben ist, Hat er dir heil erstritten. Errettung von der sündennoth Erwarb er dir durch seinen tod. Dank ihm für diese liebe! 3. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der, von dem tod erstanden, Nunmehr zur rechten Gottes ist Und von des todes banden Die seinigen 90 Von der Person Jesu Christi. gen hat frei gemacht Und mel gehst, Ihm ewiglich zu ewges leben wieder bracht. danken. Dank ihm für diese liebe! 4. Halt im gedächtniß Jesum Christ! Er wird einst wieder kommen, zu richten, was auf erden ist, Die fünder und die frommen. Drum forge, daß du dann bestehst Und mit ihm in den him5. Gieb, Jesu! gieb, daß ich dich kann mit wahrem glauben faffen, Und nie, was du an mir gethan, Mag aus dem herzen lassen; Daß ich mich dessen in der noth Getrösten mag und durch den tod Zu dir ins leben dringen. 9. Von der Ankunft und dem Wandel Jesu Christi auf Erden. Beim Anfange oder beim Schlusse des KirchenJahrs. Mel. Nun laßt uns Gott dem. 116. Hier sind wir, dich zu ehren, Dich, dem wir angehören; Dir, Vater, zu lobsingen, Dir preis und dank zu bringen. 2. Noch leuchtet, dir zur ehre, Der offenbarung lehre, Dies licht, von dir be= reitet, Das uns zum leben leitet. 3. Noch hast du uns verschonet, Nach sünden nicht gelohnet, Mit langmuth uns getragen, Erhört gebet und klagen. 4. Noch schonst du deiner finder; Noch trägst du rohe fünder; Hast noch nicht strafen wollen, Weil sie sich bessern sollen. 5. Du duldest uns auf erden; Wir sollen frömmer werden, Und was wir sehn und hören, Soll uns zu dir bekehren. 6. Wir preisen deinen namen, Daß du des wortes samen Zu segnen nicht auf hörest, Und warneft, strafest, lehrest. 7. Dir wolln wir fernertrauen, trauen, Auf deine güte bauen, Dein heilsam wort recht lernen, Vom bösen uns entfernen. 8. Hilf uns zu allen zeiten! Laß uns dein auge leiten! Getreu sei jeder lehrer, Und folgsam jeder hörer! 9. Dein friede wohn im lande! Gieb segen jedem stande! stande! Nach überwundnen leiden Gieb uns des himmels freuden. 10. So oft wir mit den frommen In dein haus fünftig kommen, So laß das doch geschehen, Warum wir zu dir flehen. Advents- und Weihnachts- Gesänge. Auf die Adventszeit und das Weihnachtsfest. Mel. Jesu, meine freude. ejus ift gekommen! Dankt ihm, seine frommen, Dankt ihm, daß er fam; Daß er hier auf erden, Unser heil zu werden, Seine wohnung nahm! Mensch, wie wir, Erschien er hier, Um des vaters gnädgen willen An uns zu erfüllen. 117. 91 4. Wenn wir einst ermüden, Führt er uns in frieden. Durch des todes nacht. Unsre todten glieder Giebt die erde wieder Ihm, der sie bewacht. Jesus ruft Uns aus der gruft, Er, der selbst den tod einst schmeckte, Den das grab auch deckte. 2. Laßt uns niederfallen, Danken, daß er allen Freund und bruder ist! Gott auf seinem throne Liebt uns in dem sohne, Hilft durch Jesum Christ. Welch ein heil! An Chrifto theil, Theil an seiner sendung gaben, An Gott selbst zu haben. 3. Keine macht der leiden Kann uns von ihm scheiden; Er bleibt ewig treu. Einst wird er vom bösen Gänzlich uns erlösen; Hier steht er uns bei. Unser freund, Mit Gott vereint, Kann nicht seine brüder hassen, Noch sie hilflos lassen. 5. Auf dem richterthrone Werden wir im sohne Unsern richter schaun. Heil und ewig leben Wird er allen geben, Die ihm hier vertraun. Er ward hier Versucht wie wir; Ueberschwenglich wird er lohnen Und der schwachheit schonen. 6. Gilet, eilt, ihr sünder! Werdet Gottes finder! Werdet seiner werth! Gilet, eilt, ihr frommen! Seid, wie er, vollkommen! Bleibet seiner werth! Preiset ihn, Daß er erschien, Und führt, gänzlich ihm ergeben, Ein gottselges leben. Mel. Vom himmel hoch da komm. 118. Rob sei dem aller= höchsten Gott! Erbarmend sah er unsre noth Und sandte Jesum, seinen sohn, Zu uns von seiner himmel thron. 2. Ihn sandt er, unser trost zu sein, Vom fündendienst uns zu befrein, Mit licht und kraft uns beizustehn Und uns zum himmel zu erhöhn. 3. D 92 Von der Ankunft und Geburt Jesu. 3. welch ein liebevoller freundlichkeit; O Die andre rath, D unaussprechlich wird, zur großen pein Der große that! Gott thut ein fünder, majestätisch sein. werk, dem keines gleicht, Das keines menschen lob erreicht. 4. Gott nimmt an menschliche natur, Der schöpfer aller freatur; Um uns auf ewig zu erfreun, Schämt er sich nicht, uns gleich zu sein. 11. 3u ehren aber nimmt er dann Mit freuden seine frommen an, Und wird sie in des vaters reich Verklärt erhöhen, engeln gleich. 5. Er kommt zu uns in knechts gestalt, Verläugnet hoheit und gewalt, Und läßt felbst bis zum tod und grab Zu unsrer rettung sich herab. 12. Gelobt sei Gott, der ihn gesandt! Sein ruhm erfülle jedes land! Dank ihm, der dreimal heilig heißt, Gott vater, sohn und heilger geiſt! 6. Was sind wir, daß uns Gott so liebt Und seinen sohn selbst für uns giebt? Was nüßen wir dem höchsten gut, Daß es so großes an uns thut? 7. Nimm, seele, nun dein bestes wahr, Verschmähe den nicht undankbar, Den Gott zum helfer dir bestimmt, Und der sich liebreich dein annimmt. 8. Bet ihn als deinen retter an Und sei ihm willig unterthan. Durch seine lehre zeigt er dir Den weg zum leben: folge ihr! 9. Bei dieser treue hast du theil An dem von ihm erworbnen heil; Wo nicht, ach! so verschließ'st du dir Muthwillig selbst des himmels thür. 10. Sein' erste zukunft in der zeit War voller huld und Mel. Nun bricht die finstre. 119. Also hat Gott die welt geliebt, Daß er aus freiem trieb Uns seinen sohn zum heiland giebt. Wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbarmungsvoller rath Schon in der ewigkeit Zu unserm heil beschlossen hat, Vollführt er in der zeit. 3. Er, unser freund und besies gut, Der alle segnen kann, kann, Des höchsten sohn nimmt fleisch und blut, Doch ohne sünden, an. 4. Ich freue mich, mein heil in dir! Du wirst ein mensch wie ich: Daß ich mit Gott sei, Gott mit mir. Wie sehr beglückst du mich! 5. Du, sohn des allerhöchsten, wirst Auch mir durch Advents- und Weihnachts- Gesänge. durch rath und that Ein Helfer und mein friedefürst Auf dieses lebens pfad. 6. Was mir zum seligsein gebricht, Schafft deine lieb auch mir: Versöhnung, leben, trost und licht. Wie viel hab ich an dir! 7. Dein mangel wird mein reiches theil; Dein leiden stillt mein leid; Durch deine demuth, Herr mein heil, Gewinn ich herrlichkeit. 8. Gelobt sei Gott, gelobt sein sohn, Durch den er gnad erweist; Lobt, engel, ihn vor seinem thron! Erheb ihn auch, mein geist! Mel. Nun komm der heiden. 120. Gott sei dank in aller welt, Der sein wort beständig hält Und der fünder trøft und rath Zu uns hergesendet hat. 2. Was der alten väter schaar Höchster wunsch so lange war, Was der herr uns prophezeit, Ift erfüllt, o feligkeit! 3. Zions hilf und Abrams lohn, Jacobs heil und Davids sohn, Der erhabne wunderheld Hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, D mein heil! Hosianna dir, mein theil! Richte du dir eine bahn Auch zu meinem herzen an. 93 5. Zieh, du ehrenkönig, ein! Es gehöret dir allein; Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller sündenlust! 6. Und wie du voll sanftmuth kamst, Dich der sünder gern annahmst: gern annahmst: Also sei Deine fanftauch jederzeit muth mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen sinn, Wenn ich schwach und elend bin, Und des satans macht und list Wider mich geschäftig ist. 8. kopf an Tritt der schlangen entzwei; entzwei; Zeig mir auch deine treu. Gieb, daß ich in wohl und weh Fest im wahren glauben steh. 9. Laß mich, wenn du, Lebensfürst! Herrlich wiederkommen wirst, Freudig dir entgegen gehn Und vor dir gerecht bestehn. Mel. Herzlich thut mich verl. 121. Wie soll ich dich empfangen, Und wie begegn' ich dir? Daller welt verlangen, meiner seelen zier! mich mich regiere Und deinen geist verleih, Damit, was dir gebühre, Mir fund und wissend sei. Jesu, 2. Dein zion streut dir palmen Und grüne zweige hin; Ich will zu dir in psalmen Ermuntern meinen sinn; Mein herze soll dir grünen In Von der Ankunft und Geburt Jesu. 94 In stetem lob und preis, Und deinem namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem trost und freud, Als leib und seele saßen In ihrem größten leid? Als mir das reich geDa fried und freude lacht, Da bist du, heiland, kommen, Und hast mich froh gemacht. nommen, 4. Ich lag in schweren banden, Du kommst und machst mich los; Ich stand in spott und schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu ehren Und schenkst mir großes gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irgend reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom himmelszelt, Als dein getreues lieben, Damit du alle welt In ihren tausend plagen Und großer jammerlast, Die fein mund kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein herze, Du hoch betrübtes heer, Bei welchem gram mit schmerze Sich häuft je mehr und mehr. Seid unverzagt! ihr habet Die hilfe vor der thür: Der eure herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, Noch sorgen tag und nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures armes macht. Er kommt, er fommt mit willen, Ist voller lieb und lust, All angst und noth zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer sünden schuld! Nein, Jesus will sie decken mit seiner lieb und huld. Er kommt, er kommt den sündern Zum trost und wahren heil, Schafft, daß bei Gottes kindern Verbleib ihr erb und theil. 9. Was fragt ihr nach dem schreien Der feind und ihrer tück? Der herr wird sie zerstreuen In einem augenblick. Er kommt, er kommt, ein könig, Dem wahrlich alle feind Auf erden viel zu wenig Zum widerstande seind. 10. Er kommt zum weltgerichte, Zum fluch dem, der ihm flucht; Mit gnad und süßem lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o sonne! Und hol uns allzumal zum ewgen licht und wonne In deinen freudensaal. ( Daffelbe Lied verändert.) 122. Wie soll ich dich empfangen, Heil aller sterblichen! Du freude, du verlangen Der trostbedürftigen! Gieb selbst mir Advents- und Weihnachts- Gesänge. mir zu erkennen, Wie, deiner güte voll, Dich meine feele nennen, Dich würdig preisen soll. 2. Einst streute man dir palmen; Jett soll die dankbegier, Mein heil! in freudenpsalmen Ergießen sich vor dir. Dich, dich will ich erheben, So gut ich schwacher kann; Mein herz will ich dir geben, Ach, nimm es gnädig an! 3. Damit du mich befreitest, Gabst du dich selbst für mich, Mich zu erretten, freutest Du, seligmacher, dich. Da sahst, es wäre feiner Vermögend gnug dazu; Da jammerte dich meiner ,. Da kamst und halfest du. 4. du, an den ich glaube, Was wars, das dich bewog? Was wars, das dich zum staube, Zu mir herunter zog? Dein göttliches erbarmen! Ja du, o Jesu! hast Mit mitleidsvollen armen Die ganze welt umfaßt. 5. Das schreibt in eure herzen, Betrübte! flagt nicht mehr. Zagt nicht in euren schmerzen, Als ob kein helfer wär. fehet auf! ihr habet Den besten helfer nah; Der eure seelen labet, Der treue freund ist da. 6. Die ihr mit ernster reue Still eure schuld beweint, Wißt, daß er euch verzeihe. 95 Er selbst, der menschenfreund, Ruft heilbegiergen fündern Der gnade trostwort zu, Macht sie zu Gottes kindern, Schafft ihren seelen ruh. 7. Er übersiehet feinen, Und weiß, was jedem nüßt. Hat er nicht stets die seinen Von anbeginn geschüßt? Nicht sie in ihrem leide Zu trösten stets gewußt? Erfreun ist seine freude, Und wohlthun seine luſt. 8. Er macht uns von den banden Des tods auf ewig los; Entreißet uns den schanden Der sünd, und macht uns groß; Giebt weisheit, muth im leiden, Und kraft zu jeder that; Versichert uns die freuden, Die Gott bereitet hat. 9. Er fommt zum weltgerichte, Und bringt, wenn er erscheint, Fluch jedem bösewichte bösewichte und heil dem tugendfreund. tugendfreund. Wohl ewig allen denen, Die seine wege gehn, Und einst mit freudenthränen An seiner rechten stehn! Mel. Nun komm der heiden. 123. Heiland, den uns Gott verhieß, Den der himmel jauchzend pries, Als du sterblichen zum dienst Huldreich auf der erd erschienst! 2. Wie dein nam, ist auch Von der Ankunft und Geburt Jesu. 96 auch dein ruhm. Jesu! wir, dein eigenthum, Ehren dankvoll und erfreut Deine große gütigkeit. 3. Du, deß hand die himmel hält, Du kamst willig in die welt, Uns von sünden zu befrein, Unser licht und trost zu sein. 4. Stark in deines vaters kraft, Hast du leben uns verschafft. Wir, von rath und hilf entblößt, Sind, o Herr! durch dich erlöst. 5. Preis sei dir in ewigfeit! Auf, die ihr erlöset seid, Rühmt den, der mit lehr und that Euch vom tod erlöset hat! 6. Der du liebreich zu uns famst, Unsre rettung übernahmst, Dein uns theur erworbnes heil Sei auf ewig unser theil. 7. Unsre seele trau auf dich! Unser leben preise dich! Und du selber, heil der welt, Hilf uns thun, was dir gefällt. Mel. Aus meines herzens. 124. Grhebt den herrn, ihr frommen, Er hält, was er verspricht; Der heiland ist gekommen, Der völfer trost und licht. Gott, der uns nicht verstößt, Hat uns zum heil und leben Selbst seinen sohn gegeben; Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o welche liebe Hat uns der Herr erzeigt! Mit welchem vatertriebe Sein herz zu uns geneigt! Von seiner himmel thron Kommt, rettung vom verderben Uns sündern zu erwerben, Sein eingeborner sohn. 3. Er kommt zu uns auf erden In tiefer niedrigkeit, Nimmt auf sich die beschwerden Von unsrer pilgerzeit, Enthält sich seiner macht, Verläugnet himmelsfreuden, Bis er durch todesleiden Sein großes werk vollbracht 4. Er hats vollbracht. D bringet Gott euren lobgesang! Erlöste menschen, singet Dem mittler ewig dank! Wo niemand helfen kann, Da hilft er gern aus gnaden, Heilt unsern seelenschaden. D nehmt ihn gläubig an! 5. Du freund der menschenkinder, Verwirf uns, Jesu, nicht! Dein name ,heil der fünder, Ist unsre zuversicht. Gieb unsern seelen ruh! Hilf jeden reiz zu sünden Uns glücklich überwinden! Gieb muth und kraft dazu! 6. Dich wollen wir erheben Hier und in ewigkeit, Wo uns ein beßres leben Vor deinem thron erfreut. Dann Advents- und Weihnachts- Gesänge. Dann sind wir ewig dein, Und nichts wird uns mehr fehlen; Dann werden unsre seelen Vollkommen selig sein. Mel. Von Gott will ich nicht. 125. Mit ernst, o menschenkinder! Das Herz in euch bestellt, Damit das heil der sünder, Der große wunderheld, Den Gott aus gnad allein Der welt zum licht und leben Gesendet und gegeben, Bei euch auch fehre ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig Den weg dem großen gast, Macht seine steige richtig, Laßt alles, was er haßt! Macht alle bahnen recht! Die thal laßt sein erhöhet, Macht niedrig, was hoch stehet, Was krumm ist, gleich und schlecht! 3. Ein herz, das demuth übet, Bei Gott am höchsten steht; Ein herz, das hochmuth liebet, Mit angst zu grunde geht; Ein herz, das richtig ist Und folget Gottes leiten, Das kann sich recht bereiten; Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach! mache du mich armen Zu dieser heilgen zeit Aus güte und erbarmen, Herr Jefu, selbst bereit! Zieh in mein herz hinein Vom stall und von der krippen: So werden herz und lippen Dir allzeit dankbar sein. N. A. 97 Mel. Nun lob mein' feel den. 126. Vom grab, an dem wir wallen, Soll, Jesu Christ, dein lobgefang Empor zum himmel schallen! Dir opfre jede seele dank; Und jeder der gebornen Erfreut sich, mensch zu sein! Und jeder der verlornen. Rühm es, erlöst zu sein! Uns ist das kind gegeben, Geboren uns der sohn; Mit ihm erscheint das leben, Mit ihm des himmels lohn. 2. Kommt, laßt uns niederfallen Vor unserm mittler, Jesu Christ, Und danken, daß er allen Erretter, freund und bruder ist. Er, gleich der morgensonne Mit ihrem ersten strahl, Verbreitet licht und wonne Und leben überall. Durch ihn kommt heil und gnade Auf unsre welt herab; Er segnet unsre pfade Durchs leben bis ans grab. 3. Frohlockt, ihr mitgenossen Der fünde und der sterblichkeit! Nicht länger ist verschlossen Der eingang zu der herrlichkeit. Zu unsrer erd Hernieder Kam Gottes ewger sohn; Nun hebt er seine brüder Empor zu Gottes thron. Er ward das heil der fünder Und der verlornen hort; Hier sind sie Gottes kinder, Und Gottes erben dort. 7 4. D Von der Ankunft und Geburt Jeſu. 98 4. du, dem jetzt die menge Der engel und verklärten fingt, Vernimm die lobgesänge, Die dir dein volk im staube bringt! Auch du warst einst auf erden, Was deine brüder sind: Ein dulder der beschwerden, Ein schwaches menschenkind. Was du nun bist, das werden Einst deine brüder sein, Wenn sie, entrückt der erden, Sich deines anschauns freun. 5. Bald sind wir zu dem lohne Der himmelsbürger dort erhöht. Nah sind wir dann dem throne, Und schauen deine majestät. Nicht mehr aus dunkler ferne Dringt dann der dank zu dir; Weit über sonn und ſterne Erhaben, jauchzen wir. Dann schallt in engelchöre, Herr, unser lobgefang: Dem ewigen sei ehre, Dem weltverföhner dank! Mel. Auf, schicke dich, recht. 127. Herr! laß doch mich Recht feierlich Des heilands fest mit Lob und dank begehen! Lieb ist der dank, Der lobgesang, Durch den wir dich, du Gott der lieb, erhöhen. 2. Wie bin ich froh, Daß du also, Gott! die welt in deinem sohn geliebet. D, wer bin ich, Daß du auch mich So herrlich hoch, noch eh ich war, geliebet? 3. Er, unser freund, Mit uns vereint Zur zeit, da wir noch seine feinde waren: Er wird uns gleich, Um, Gott dein reich Und deine lieb im fleisch zu offen. baren. 4. An seinem heil Gieb mir auch theil! Hilf, daß ich redlich glaub an seinen namen. Der ehrt ihn nicht, Wer herr, herr! spricht, beispiel nachzuahmen. Und doch nicht sucht sein beispiel nachzuahmen. 5. Aus dank wil ich In brüdern dich, Dich, Gottes sohn! bekleiden, speisen, tränken, Der frommen herz In ihrem schmerz Mit trost erfreun, und dein dabei gedenken. 6. Rath, fraft und held, Durch den die welt Und alles ist im himmel und auf erden! Die christenheit Preist dich erfreut Und aller knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den herrn! Er hilft uns gern, Und wer ihn. sucht, den wird sein name trösten. Halleluja! Halleluja! Freut euch des Herrn, und jauchzt ihm, ihr erlösten! Mel. Vom himmel hoch da. 128. Dies ist der tag, den Gott ge= macht; Sein werd in aller welt Advents- und Weihnachts- Gesänge. welt gedacht; Ihn preise, wer durch Jesum Christ Freund und verehrer Gottes ist. 2. Die völker haben dein geharrt, Bis daß die zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem thron Das heil der welt, dich, seinen sohn. 3. Wenn ich dies wunder faffen will, So steht mein geist vor ehrfurcht still; Er betet an und er ermißt, Daß Gottes lieb unendlich ist. 4. Damit der fünder gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der welt! Nimmst selbst an unsrer menschheit theil, Erscheinst im fleisch zu unserm heil. 5. Und zu erfüllen Gottes rath, Sprachst du sowohl durch wort als that: Gott, deinen willen thu ich gern. Lob sei dir, der da kam vom Herrn! 6. Dich, der du mensch geboren bist, Mit uns vereint und Gottes Christ, Auf den die völker hoffend sahn, Dich bet auch ich, mein Heiland! an. 7. Du, unser heil und höchstes gut, Verbindest dich mit fleisch und blut, Wirst unser freund und bruder hier, Und Gottes tinder werden wir. 8. Gedanke voller majestät! Du bist es, der das herz erhöht. Gedanke voller selig 99 feit! Du bist es, der das herz erfreut. 9. Durch eines sünde fiel die welt; Ein mittler ists, der sie erhält. Was zagt der mensch, wenn der ihn schüßt, Der in des vaters schooße fizzt? 10. Jauchzt, himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den tag der heiligsten geburt, Und erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem herrn, ein neues lied! 11. Dies ist der tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller, welt gedacht! Ihn preise, wer durch Jesum Christ Freund und verehrer Gottes ist. Mel. Allein Gott in der höh. 129. Laßt uns mit ehrfurchtsvollem dank Den Gott der lieb erhöhen, Mit feierlichem lobgefang Des heilands fest begehen! Preis sei dem vater, der ihn gab! Preis sei dem sohn! er kam herab Und ward das heil, der menschen. 2. Ist der ein christ, der dieses heil nicht schäßt und lieb gewinnet? Nimm froh an seiner liebe theil, Und werd ihm gleich gesinnet. Wer nicht wie er gefinnet ist, Der ehrt ihn nicht, heißt er gleich christ. Der herr erfennt die seinen. 7* 3. In 100 Von der Ankunft und Geburt Jeſu. 3. In dürftgen laßt uns uns zu lichtes kindern macht. ihn erfreun, Bekleiden, spei- Halleluja! fen, tränken! Ja, laßt uns frohe geber sein Und sein dabei gedenken! Was ihr den seinen habt gethan, Das, spricht er, habt ihr mir gethan; Und er, er wills vergelten. 4. Wer ihn mit treuem Herzen ehrt, Den wird sein name trösten. Vertraut auf ihn, der flehn erhört; Lobfingt ihm, ihr erlösten! Es freut sich deine christenheit, Herr, deiner menschenfreund lichkeit; Dir, dir sei ewig ehre! 130. Gelobet feist du, Jefu Chrift! Daß du mensch geboren bist Von einer jungfrau, das ist wahr; Deß freuet sich der engel schaar. Halleluja! 2. Des ewgen vaters einig find Jett man in der frippen findt. In unser armes fleisch und blut Verkleidet sich das ewge gut. Halleluja! 3. Den aller weltkreis nie beschloß, Der liegt in Marien schooß; Der iſt ein kindlein worden klein, Der alle ding erhält allein. Halleluja! 4. Das ewge licht geht da herein, Giebt der welt nun neuen schein. Es leuchtet mitten in der nacht Und 5. Der sohn des vaters, Gott von art, Ein gast in der welt hie ward. Er führt uns aus dem jammerthal Und macht uns erb'n in seinem saal. Halleluja! 6. Er ist auf erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm, Uns in dem himmel mache reich und seinen lieben engeln gleich. Halleluja! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein' groß' lieb zu zeigen an; Deß freu, sich alle christenheit Und dank ihm deß in ewigkeit. Halleluja Mel. Jesu, trost der armen. 131. Fröhlich laßt une Gott lobsingen; Hoch erfreut Laßt uns heut Ihm anbetung bringen! Jeder, der sonst war verloren, Freue sich Inniglich: Christus ist geboren! 2. Gottes sohn hat sich. mit freuden Eingestellt In die welt, Um für uns zu leiden; Er, der könig aller wesen, Stieg herab Bis ins grab, Sünder zu erlösen. 3. Wer kann Gottes rathschluß fassen? Aber dies Ist gewiß: Gott kann uns nicht hassen. Kam sein sohn, von huld getrieben, zu uns her: Wie sollt er nicht die menschen lieben! 4. Er Advents- und Weihnachts- Gesänge. 4. Er ward mensch, uns zu erretten, Damit wir, Gott, bei dir Einen bürgen hätten. Hätt er lust an unsern plagen: Hätt er wohl Mitleidsvoll Unsre last getragen? 5. Gilt im geist nach bethlems hütten. Seht, was dort Euer hort Schon für euch gelitten. Er wird niedrig euretwegen; Welch ein freund! Er erweint Seinen feinden segen. 6. Darum ruft er jede stunde Mich und dich Hin zu sich, Spricht mit holdem munde: Kommet her zu mir, ihr fünder! Folget mir! Dann seid ihr Durch mich Gottes finder. 7. Nun so laßt zu ihm uns nahen; Unterlaßt, Was er haßt, Daß wir gnad empfahen. Liebt ihn, der von liebe brennet, Unsern Herrn, Der uns gern Seine brüder 101 10. Meine schuld kann mich nicht drücken: Denn du nahmst, Als du tamst, Sie auf deinen rücken. Fluch ist nicht an mir zu finden: Denn durch dich, Herr, bin ich Frei von allen sünden. 11. Ich bin frei um deinetwillen: Denn in dir Kann sich hier Mein gewissen stillen. In mein herz will ich dich schließen. So kann ich Auch durch dich Freud und trost genießen. 12. Dir will ich mein leben weihen, Mich in dir Für und für, Mein erlöier, freuen. Mich soll weder angst noch leiden, Keine noth, Nicht der tod, Nichts von Jesu scheiden. nennet. 8. Er verläßt euch nicht, ihr schwachen! Mehr als ihr, Litt er hier, Selig euch zu machen. Gure kleine zeit der leiden Und der müh: Was ist sie Gegen ewge freuden? 9. O mein heil, laß dich umfangen; Laß an dir, Meine zier, Treu und fest mich hangen! Du bist meines lebens leben; Reich durch dich, Will ich mich Ewig dir ergeben. Mel. Ermuntre dich, mein. 132. Gott, deine gnade ſei gepreist! Sie schuf uns heil und leben. Ermuntre dich, mein träger geist, Ihr wohlthun zu erheben. Denk an die nacht, da auf der welt Des höchsten sohn sich dargestellt, Um ein so theures leben Für fünder hinzugeben. 2. Ogroße that! erwünschte nacht! Von engeln selbst besungen! Du hast den mittler uns gebracht, Der uns das heil errungen. In dir erschien der starke held, Der alles 102 Von der Ankunft und Geburt Jesu. alles schuf und noch erhält, Der freund der menschenfinder, Des todes über winder. 3. Der du, zu uns gesandt vom herrn, Aus deinem himmel famest, Und unser fleisch und blut so gern, Sohn Gottes, an dich nahmest; Erbarmer, o wie hast du dich So tief erniedrigt auch für mich! Wie arm bist du erschienen, Um mir zum heil zu dienen! 4. D lehre mich den großen werth Von deiner huld recht fassen! Was trieb dich an, auf dieser erd Dich se herab zu lassen? Hier wartete dein nichts als noth, Verachtung, fummer, schmerz, und tod; Und doch kamst du auf erden, Ein menschensohn zu werden. 5. Viel stärker, Herr, als schmerz und tod, War deine menschenliebe. Du sahst auf unsre sündennoth Mit mitleidsvollem triebe. Du stelltest, unser heil zu sein, Nach deines vaters rath dich ein, Wardst mensch und famst, mit freuden Für uns den tod zu leiden. 6. Dein, gottmensch, dein erfreu ich mich, Du bist mein heil und leben. Zu meiner seligkeit hat dich Dein vater mir gegeben. Was mir mein wahres wohl verschafft: Erleuchtung, frieden, beßrungskraft, Und freuden, die stets währen, Giebst du, - und willst sie mehren. 7. Was soll ich dir, mein größter freund, Für deine treue geben? Du bists, der mich mit Gott vereint, Du bringst mir heil und leben. Herr, was ich hab und was ich bin, Das geb ich dir zum dienste hin. zum dienste bin. Die liebe soll mich treiben, Dir ewig treu zu bleiben. 8. Zwar seh ich dich im fleisch noch nicht; Doch du wirst wieder kommen: Und dann schaun dann schaun dich von an gesicht, Herr, alle deine frommen. Dann werd auch ich, Herr Jesu Christ, Dich schaun, so herrlich als du bist; Dann wirst du mich zum leben, Das bei dir ist, erheben. Mel. Lobt Gott, ihr christen, allzugl 133. Lobt Gott, ihr chriften, freuet euch! Von seiner himmel thron Beruft er uns zu seinem reich, Und sendet seinen sohn. 2. Der sohn fommt nach des vaters rath, Mit heil uns zu erfreun, Und auf des ewgen lebens pfad Der welt ein licht zu sein. 3. Bei seinem eintritt in die welt Umgiebt ihn keine pracht, Advents- und Weihnachts- Gesänge. 103 Lob sei dir, o Jesu Christ, Daß du mensch geboren bist! Behüt uns vor der hölle! pracht, Die glänzend in die augen fällt und groß vor menschen macht. 4. Er wird dem ärmsten fnechte gleich, Begehrt kein erdenglück, Verlangt allhier kein königreich Auf einen augenblick. 5. Er kommt, durch seiner wahrheit macht Zu Gott uns hin zu ziehn; Vor seinem lichte muß die nacht Des aberglaubens fliehn. 6. Er lehret uns die fünde scheun, Er giebt auch kraft dazu, Und schafft uns, wenn wir sie bereun, Begnadigung und ruh. 7. Er bringt den trost der beffern welt Vom himmel uns herab. Nun schreckt, wenn unsre hütte fällt, Den frommen geist kein grab. 8. Er öffnet uns dereinst die thür Zu seinem himmel reich. Ihr christen, wie beglückt sind wir! Lobt Gott, und freuet euch! 134. Wie liebt Mel. Ein findelein so löbelich. uns Gott so väter lich, Uns sünder, uns verlorne! Frohlockt! für uns erniedrigt sich Sein john, der eingeborne; Er, der Er, der Gott verheißen war, Den eine jungfrau uns gebar, Besieget tod und hölle. DON 2. Wie freudenreich ist diese zeit! Lobsingt dem herrn, ihr frommen! Der abglanz seiner herrlichkeit, Der heiland ist gekommen. Welch eine huld! er kam herab, Daß er ein knecht und bis ins grab Für uns gehorsam würde. Schuldlos litt und trug der sohn, Was uns- die gesetze drohn, Und unsrer strafen bürde. 3. Gesegnet wird mit gnad und heil, Wer nur auf Jesum bauet; Der himmel selbst wird dessen theil, Der gläubig ihm vertrauet. Durch Christum segnet Gott uns nun: Denn er ward mensch, uns wohlzuthun, Und unser heil zu gründen. Oder wundervollen huld! Denn er starb für unsre schuld, Für aller menschen fünden. 4. Jhn preise seine christenheit Für solche große güte. Sie fleh ihn, daß er- allezeit Vor sünden uns behüte. Er wende von uns jeden wahn, Der unsre seelen blenden kann, Damit er uns nicht schade. Dies, Erbarmer, bitten wir, Vater, Sohn und Geist, von dir: Erhalt uns deine gnade! Mel. Von der Ankunft und Geburt Jeſu. 104 Mel. Vom himmel hoch da. 135. Ah! liebster Heiland Jesu Christ, Der du für mich geboren bist, Vergessen will ich nimmer dich; Von herzen lieb ich, Jesu, dich! 2. Ich will mich deiner ewig freun, Mich ewig deinem dienste weihn, Und willig ehren dein gebot, Gehorsam dir bis in den tod! 3. Also hat Gott die welt geliebt, Daß er auch seinen sohn uns giebt! Das preist der engel lobgesang; Das preis auch aller menschen preis auch aller menschen dank! 136. Als Christus gebo18 ren war, Freute sich der engel schaar, Und sangen mit haufen schön: Ehr sei Gott im höchsten thron! 2. Die hirten erschraken ganz Vor der engel hellem glanz, Hörten fröhlich, daß der herr, Daß Christus vorhanden wär. Gottes sohn ist mensch geborn, 2c.ganze welt. Gottes sohn ist mensch geborn, 2. 4. Sie fanden das findlein zart Liegen in der krippen hart, Bei der nacht im finstern stall, Das die stern geschaffen all. Gottes john ist mensch geboren, 2c. 3. Sie suchten das findelein, Eingehüllt in windelein, Wie der engel hat vermeld't, Welches trägt die 5. Aus der mutter brust so rein Nähret sich das findelein, Das durch seine göttlich kraft Aller welt das leben schafft. Gottes john iſt mensch geborn, 2c. 6. Solche groß' barmherzigfeit Laßt uns preisen allezeit, In gottsfurcht und glauben rein, Mit geduld gehorsamsein! Gottes sohn ist mensch geborn, 2c. Mel. Vom himmel hoch da. Gottes sohn ist mensch gez 137. Das jahr, das nun born, Hat versöhnt seins vaters zorn: Freu sich, dem sein' sünd ist leid. vergangen ist, uns, Herr Jesu Auf das Namens- Fest Jesu Christi beim Jahreswechsel. Erinnert Chrift! An unsre pflicht; drum bringen wir In deinem namen dank dafür. 2. O gottes eingeborner Sohn! Wir nahen uns zu deinem thron Und bitten um barmherzigkeit Für deine ganze christenheit. 3. Gieb du der erde fried und ruh; Dem geist der zwietracht steure du In aller welt; Auf das Namens- Fest Jesu Christi zc. welt; vor frieg und brand Bewahre unser vaterland. 4. Hilf uns den lastern widerstehn Und deine wege freudig gehn; Bestrafe, Herr, durch dein gericht Des alten jahres sünde nicht! 5. Laß fromm uns leben, christlich einst Uns sterben, und, wann du erscheinst, Vom tod uns fröhlich auf erstehn Und dich und deinen water sehn! 6. Dann danken, dann frohlocken wir mit allen engeln ewig dir. Erhör uns, Jesu, laß uns dein Im leben und im tode sein. Mel. Gott, du frommer. 138. A Jeju! deſsen treu Sm himmel und auf erden Durch keine zunge fann Genug gepriesen werden, Von herzen dank ich dir, Daß du gekommen bist, Der völker trost zu sein, Daß du mein heiland bist. 2. Ja mein gewissen wird Beruhigt und gestillet, Wenn deines namens troft Mein banges herz erfüllet. Kein troft erquickt wie der, Den mir dein name giebt: Denn er bezeuget mir, Daß mich dein vater liebt. 3. Du wurdest mensch und bist Für meine schuld gestorben; Vergebung hast du mir Durch deinen tod 105 erworben, Und meine seligkeit Hab ich allein von dir; Dies, mein erlöser, dies Bezeugt dein name mir. 4. Und darum, o mein heil! Ist mir kein name lieber. Den leichten nebeln gleich Flieht jede furcht vorüber; Und jede traurigkeit, Die meine seele kränkt, Entweicht, sobald mein herz An deinen namen denkt. 5. Er stärkt mich, daß ich auch Versuchungen zur fünde, Wie reizend sie auch sind, Doch freudig überwinde; Giebt muth und machet mich Geduldig in der noth; Macht hell des grabes nacht, Und selig meinen tod. 6. Er heilige mich dann Zum finde Gottes; gebe Mir freudigkeit Mir freudigkeit zu Gott, Kraft, daß ich ihm nur lebe, Wenn weisheit fehlet, licht, und in der trübsal muth; Sei allezeit mein trost, Mein ruhm, mein höchstes gut! 7. Er zeige mir den weg Zur wahrheit und zum leben; Erleucht und treibe mich, Der tugend nachzustreben, Gehorsam meiner pflicht, Im guten eifrig, rein, Wohlthätig, dir getreu Bis in den tod zu sein. 8. Dir will ich leben, dir, Und dir will ich auch sterben, Durch dich die seligkeit Und deinen himmel erben. Ach, bin ich erst ver 106 Auf das Namens- Fest Jefu Chrifti verklärt, Dann will ich für herz, Und laß mich nicht und für Dir jauchzen, und in noth und schmerz Die voll dank Frohlocken, Herr, glücklichern beneiden! vor dir! Mel. Nun freut euch lieben. 139. Gott ruft der sonn und schafft den mond, Das jahr danach zu theilen; Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und heißt die zeiten eilen; Er ordnet jahre, tag und nacht. Auf! laßt uns ihm, dem Gott der macht, Ruhm, preis und dank ertheilen. 2. Herr, der da ist und der da war, Von dankerfüllten zungen Sei dir für das verfloßne jahr Ein heilges lied gesungen; Für leben, wohlthat, trost und rath, Für fried und ruh, für jede that, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies jahr gesegnet sein, Das du uns neu gegeben! Verleih uns kraft, die kraft ist dein, In deiner furcht zu leben. Du schüßest uns und du vermehrst Der menschen glück, wenn sie zuerst Nach deinem reiche streben. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, Des lebens ruh und freuden; Doch schadet mir das glück der welt, So gieb mir freuz und leiden! Nur stärke mit geduld mein 5. Hilf deinem volke väterlich In diesem jahre wie der; Erbarme der verlaßnen dich Und der bedrängten glieder; Gieb glück zu jeder guten' that, Und laß dich, Gott, mit heil und rath Auf unsre obern nieder! ✓ 6. Daß weisheit und gerechtigkeit Stets gute thaten lohne, Und tugend und zufriedenheit In unsern häusern wohne; Daß treu und liebe bei uns sei; Dies, lieber Vater, dies verleih InChristo, deinem sohne! Mel. Allein Gott in der höh. die 140. Du, Gott, bist der Herr der zeit Und auch der ewigfeiten. Laß mich auch jetzt mit freudigkeit Dein hohes lob verbreiten! Ein jahr ist abermal dahin: Wem dank ichs, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner gnad und güte. 2. Dich, Ewiger! dich bet ich an; Dir will ich mich ergeben; Dir, den fein wechsel treffen kann, Vertrau ich froh mein leben. Wir blühen und vergehn durch dich! Nur du bist unveränderlich: Du warst und bist und bleibest. 3. Herr, beim 3. Herr, ewig währet deine treu, Mit huld uns zu begegnen; An jedem morgen wird sie neu, Mit wohlthun uns zu segnen; Von augenblick zu augenblick Ist mir von ihr stets neues glück Wohlthätig zugeflossen. 4. Du hast auch im verfloßnen jahr Mich väterlich geleitet, Und, wenn mein herz voll sorgen war, Mir trost und hilf bereitet. Von ganzer seele preis ich dich; Aufs neue übergeb ich mich, Gott, deiner weisen führung. Jahreswechsel. 5. Vergieb mir die gehäufte schuld Von den verfloßnen tagen, Und laß, Herr, deine vaterhuld mich schwachen ferner tragen! Laß mich in deiner gnade ruhn, Und lehre lebenslang mich thun Nach deinem wohlgefallen. 6. Gieb neue luft und neue kraft, Vor dir gerecht zu wandeln. Laß mich, Herr, stets gewissenhaft Mit mir und andern handeln. Dein geist belebe herz und muth, Dich, o du allerhöchstes gut, Und nicht die welt zu lieben. 7. Die welt vergeht; dies treibe mich, Die lust der welt zu fliehen; Um beßre freuden müsse sich Mein geist schon jetzt bemühen. Hier ist ja nur mein prüfungsstand: Im himmel ist mein vaterland; Dajin, Herr, laß mich trachten. 107 8. D lehre selbst mich meine zeit mit wahrer weißheit kaufen! Laß mich die bahn zur ewigkeit mit heilger vorsicht laufen! Der tage last erleichtre mir, Bis meine ruhe einst bei dir Kein wechsel weiter störet. Mel. Nun laßt uns Gott dem. 141. Mit freuden laßt uns treten Vor Gott, ihn anzubeten, Vor Gott, der unserm leben Bis hieher fraft gegeben. 2. Wir, seine pilger, wandern Von einem jahr zum andern; Die schnelle flucht der stunden Wird faum von uns empfunden. 3. Und diese wandertage Sind nie ganz frei von plage; Auf sorgenvollen wegen Gehn wir dem grab ent= gegen. 4. Doch, gleich den treuen müttern, Verbirgt Gott in gewittern Die seinen, vor gefahren Sie gnädig zu bewahren. 5, Ach! hüter unsers lebens, Wir sorgten nur vergebens Wenn du uns nicht beschützteft, Mit kraft uns unter= stüßtest. 6. Lob sei dir, Gott, aufs neue Für deine vatertreue! Lob sei den starken händen, Die alles unglück wenden. 7. Hör 108 Auf das Namens- Fest Jesu Christi zc. 7. Hör ferner ferner unser Mel. Aus meines herzens grunde. flehen, uns mächtig bei 142. Helft Gottes güte zustehen, und gieb in unsern preisen, leiden Uns deines geistes freuden! 8. Gieb mir und allen denen, Die sich nach hilfe sehnen, Zu dir in noth und schmerzen Vertrauensvolle Herzen! christen mit mir ein! Uns dankbar zu erweisen, Soll unsre freude sein. Er ist der herr der zeit, Hat ihren lauf regieret, Bisher uns gut geführet Und jetzt das jahr erneut. 9. Herr, wehre du den friegen, Laß menschenliebe siegen Und nach den thränengüssen Die freudenströme fließen! 10. Dein reicher, milder segen Folg uns auf unsern wegen! Laß großen, Herr, und kleinen Der freuden sonne scheinen! 11. Sei der verlaßnen vater, Der irrenden berather, Der unversorgten gabe, Der armen gut und habe! 12. Hilf gnädig allen franfen! Gieb fröhliche gedanken Den kummervollen seelen, Die sich mit schwermuth quälen! 13. Vor allem, Herr, verleihe Uns deinen geist aufs neue, Der uns mit tugend ziere Und so zum himmel führe! 14. Das wollest du uns geben, Herr, in diesem leben. So gehen wir im segen Der ewigkeit ententgegen. 2. Mit ernst laßt uns betrachten Den reichthum seiner gnad, Das nicht geringe achten, Was seine treue that. Er wars, der stadt und land, Der unser leben schüßte; Er gab uns, was uns nügte, Mit väterlicher hand. 3. Er hat sein wort er halten, Der firche schuß gewährt, Die jugend sammt den alten Gepfleget und genährt, Hat mit stets milder hand Viel freuden ausgespendet, Viel unfall abgewendet, Viel segen zugesandt. 4. Er hat uns noch verschonet Aus unverdienter huld, und hat uns nicht gelohnet Nach unsrer fünden schuld. Es ist erbarmen bloß, Daß wohlverdiente strafen Uns nicht vorlängst betrafen: Denn unsre schuld ist groß. 5. Er gönnt mit vatertreue uns noch zur beßrung frist, Und wenn bei wahrer reue Wir traun auf Jesum Christ, Ihm uns zum dienſte uns weihn: So will er ver Aufs Fest der Erscheinung Christi. 109 vergeben, Und zum recht- Aufs Fest der Erscheinung schaffnen leben Selbst unser beistand sein. Chrifti. 6. Sei, Vater! Hochgepriesen Für alle gütigkeit, Die du an uns bewiesen In der verfloßnen zeit. Sei ferner unser Gott! Versorg uns und bewahre Uns auch im neuen jahre, Und hilf aus aller noth! Mel. Herr Gott, der du erforsch. 143. Das jahr( die woch) laß, Herr, gesegnet sein Vom anfang bis zum ende. Wo wir ausgehen oder ein, Alls übel von uns mende. Laß alles, was wir greifen an, In unserm stand sein wohl gethan, Wenn wir den fleiß nicht sparen. Gieb endlich, wenn es dir gefällt, Uns heim zu holen aus der welt, Daß wir in fried hinfahren. nen 2. Gott Vater in dem höchsten thron! Erhöre unser flehen: Verleih durch deieingen sohn, Daß alles mag geschehen. Den vater bitt, o Jesu Christ! Weil du für uns gestorben bist, Daß ers ihm laß gefallen. Durch deine kraft, o heilger Geist! Uns bis ans. ende beistand leist. Hilf uns, Herr, hilf uns allen! Mel. Wie schön leucht't uns der. 144. Erhebt euch, feinde Gottes, nicht! Die heiden sehn des heilands licht Und finden den erretter. Er, den Gott in die welt gesandt, Besiegt mit seiner allmachtshand Den dienst der falschen götter. Gott wird Selbst hirt Seiner heerde; Himmel, erde Himmel, erde Sehn mit freuden Gott vom himmel menschen weiden. 2. Der gottheit fülle wohnt in dir; Durch dich, mein heil, kommt Gott zu mir, Und schenkt mir seine liebe. Wer ist, ders g'nug bewundern kann! Gett nimmt mein sterblichs wesen an, Daß ich nicht hilflos bliebe. Dankvoll, Herr, soll Mein gemüthe Deine güte Hoch erheben! Du, mein heiland, bist mein leben. 3. Ein herz, das deine wahrheit liebt, Und dir sich willig übergiebt, Das kannst du nicht verschmähen. Wer sich zu deinen füßen segt, Und sich an deinem wort ergößt, Der soll dich selbst einst sehen. Dein licht Ist nicht Bei dem fünder: Deine finder Sind die frommen, Welche gläubig zu dir kommen. 4. War Aufs Fest der Erscheinung Christi. 110 4. War armuth gleich dein irdisch loos; So sieht mein glaube dich doch groß, Voll wahrheit, huld und gnade. Dein wort, das meine seel erfreut, Entdeckt mir deine herrlichkeit Auf meinem dunkeln pfade. An dich Glaub ich, Troß dem spötter! Kein erretter Ist auf erden, Durch den ich kann selig werden. 5. Mein glaube sei mein dankaltar; Hier bring ich mich zum opfer dar Dir, der verlaßnen tröster! Ich bete dich in demuth an; Wer ist, der mich verdammen kann? Ich bin ja dein erlöster. Von dir Strömt mir Gnadenfülle, Ruh und stille; Licht und segen Bringt mir deine lieb entgegen. 6. Versichre mich durch deinen geist, Daß du für mich erhöhet seist, Und seligkeit mir schenfest. Dann bin ich meines heils gewiß, Wenn du, bei aller hinderniß, Mein herz zur tugend lenfeſt. Für mich Kann ich Nichts vollbringen; Hilf mir ringen, Freund der see len! Ich will deinen ruhm erzählen. 145 Mel. Herzlich thut mich verl. König aller König aller frommen, O Jesu, Davids sohn! Du bist zu uns gekommen. Im himmel war dein thron: Doch willst du, daß die erde, Zum Zum reiche dir geweiht, Auch wieder heilig werde, Ein reich der frömmigkeit. 2. Vom morgen kommen zeugen, Geführt durch deinen stern, Ihr knie vor dir zu beugen, Dir, ihrem Gott und herrn. Sie opfern, was sie haben, Wie niedrig du auch bist, Und bringen bei den gaben Ein herz, das gläubig ist. 3. Der herr bekommt zur beute Die starken; rüsten gleich Die völker sich zum streite: Sein, sein ist doch das reich! Er herrscht, weil er sein leben Für uns, die er vertrat, Zum opfer hingegeben, Für uns gebetet hat. 4. Er herrscht von einem meere Zum andern; tausend stehn Bereit zu seiner ehre, Bereit, ihn zu erhöhn. Frohlocket ihm, ihr heiden! Daß: ihr berufen seid Zu seines: reiches freuden, Zu seiner seligkeit. 5. Seht, auf des vaters throne Regiert er, betet an! Bleibt alle Gottes sohne Mit freuden unterthan! Durch wahrheit und durch gnade Regieret er sein reich. Was ist wohl, das euch schade? Getrost! er sorgt für euch. 6. Wir wollen dich erheben. ben. Dir, Jesu, opfern wir Mit Aufs Fest der Reinigung Mariä. Mit freuden unser leben; gebühret dir. liebe brennen Und dich mit freudigkeit Vor aller welt bekennen, Sein In dienst deiner Sei unsre seligkeit! Aufs Fest der Reinigung Mariä. Mel. Christus, der ist mein. 146. ommt, pilger, zu dem grabe! Komm, armer erdensohn! An deinem wanderstabe Betrachte Simeon. 2: Er betet in dem tempel Hinauf zu seinem Gott, Und blickt, dir zum erempel, Getroft auf seinen tod. 3. Gott hatte ihn geleitet, Der tugend bahn zu gehn. Der trost war ihm bereitet, Den heiland noch zu sehn. 4. Er sah ihn mit entzücken, Drückt ihn an seine brust, Und aus des heilands blicken Strahlt ihm die reinste luft. 5. Die fülle seiner freuden, Das heil aus Gottes höhn, Das licht der blinden heiden, Hatt' er im fleisch geſehn. 6. Nun sah er ohne beben Auf seine Heimfahrt hin: Denn Christus war sein leben, Und sterben sein gewinn. 111 7. Nicht mehr ein glück hienieden War reizend für sein Herz; Belebt von großem frieden Sah er nur himmelwärts. 8. Herr! leit mich auf dem pfade Der wahren frömmigkeit; Gieb mir durch Jesu gnade 3um sterben freudigkeit. 9. Zwar werd ich ihn nicht sehen, Nicht hier, wie Simeon; Doch in des himmels höhen Erwartet er mich schon. 10. Dann tönen meine lieder: Heil mir! nun seh ich ihn. Der himmel tönet wieder: Heil dir! nun siehst du ihn. 105N00 Mel. Vom himmel hoch da. 147. Dich bitt ich, Heiland aller welt! An welchen sich mein glaube hält, Sei meines herzens troft und theil, Erfreue mich mit deinem heil. 2. Weil du mein treuer heiland bist, Der mir von Gott gegeben ist; So reinige herz, sinn und muth, Und mache mich gerecht und gut. 3. Zeig mir die bahn, o helles licht! Daß ich des heils verfehle nicht. Du bist allein mein preis und ruhm, Und ich dein kind und eigenthum. 4. Dein 112 Aufs Fest der Empfängniß Christi. 4. Dein friede, Herr! be- er, Wenn er einst ein ewig wahre mich, mein auge blicke glück Uns erstritten hat, stets auf dich. So will ich zurück. gern aus dieser welt Hinfahren, wenn es dir gefällt. Aufs Fest der Empfängniß Christi oder Mariä Verkündigung. 148. Sohn, der Mel. Nun komm der heiden. der uns verheißen war, Den die jungfrau uns gebar, Du, deß hand die himmel hält, Du kamst willig in die welt. 2. Du entsproffest nicht wie wir; Gottes geiſt selbſt richtet dir Deiner menschheit hütte zu; Wunderbar erscheinest du! 3. Bringt dem vater ruhm und preis! Die von keinem manne weiß, Die wird schwanger und gebiert Jesum, der. führt. zum vater 4. Keusch, voll zucht und tugend war Sie, die Gottes sohn gebar. Diese wählt, aus Davids haus, Gott zu Jefu mutter aus. 5. Er erfüllt, was er verspricht; Länger säumt die hilfe nicht. Freudig, wie zum fieg ein held, Gilt der sohn in seine welt. 6. Von dem vater fommt er her, Und zum vater fehret 7. Heiland, deinem vater gleich, Führ uns in sein ewig reich; Rett uns arme, siege bald! Dein ist weisheit und gewalt. 8. Ach, du hast uns, Herr, so lieb! So erleucht uns denn, und gieb Jedem kraft, daß er dir treu, Gläubig und auch heilig sei! 9. Fröhlich rühme, wer ein christ, Wer vom tod erlöset ist, Den, der groß von rath und that, Uns vom tod erlöset hat! 10. ob sei dir, du kamst herab! Lob dem vater, der dich gab! Lob dem geiste! dankt und singt, Daß er uns zu Jesu bringt! Mel. Durch Adams fall ist. 149. Nun ist der tag der seligkeit Den sündern angebrochen, Dielang erwünschte gnadenzeit, Die Gott der welt versprochen: Denn Gottes sohn Ift von dem thron Zu uns hernieder kommen; Das höchste gut Hat fleisch und blut Von menschen angenommen. 2. Nun ist des vaters wort erfüllt; Der gläubigen verlangen Ist nun nach herzenswunsch gestillt: Denn Jesus ist empfangen. Der uns Aufs Fest Johannis des Täufers. uns erhält, Hat sich gesellt Zu den verlornen fündern. War er schon reich, Wird er doch gleich Den armen menschenkindern. 3. D süßer trost! o groBes glück, Das aller welt entstehet! Gott giebt uns einen gnadenblick, Und hat uns hoch erhöhet: Denn unfer stand Ist nah verwandt Mit Gott und seinem sohne. Nun haben wir Durch Jesum hier Den weg zu Gottes throne. 4. Gott hat sich unserm fleisch vermählt Und unter uns auf erden Sich seine wohnung ausgewählt, Auf daß wir göttlich werden. Sein sohn erscheint; Mit dem vereint Läßt er uns nicht verderben. Durch ihn sind wir Nun finder hier, Und dort des himmels erben. 5. Troß sei nun dir, du seelenfeind! Trotz allen deinen pfeilen! Denn unter uns wohnt unser freund; Der Heiland kann uns heilen. Hier ist der held, Der dich gefällt Und siegreich überwunden; Durch seine kraft Sind wir sieghaft In den anfechtungsstunden. 6. Jesu, unser Herr und Gott! Der du ins fleisch gekommen, und unser dich bis in den tod So hilfreich angenommen, Haft N. A. 113 nach dem streit Die herrlichkeit Des ewgen reichs empfangen. Drum werden wir Auch einst bei dir Ein ewges glück erlangen. Aufs Fest Johannis des Täufers. Mel. Nun danket alle Gott. 150. Es lag die ganze welt Mit zorn und fluch beladen: Da öffnetest du, Gott, Die fülle deiner gnaden. Dein sohn erscheint; du schickst Den, dessen dienst die bahn Dem herrn bereiten soll, Als seinen knecht voran. 2. Du willst durch ihn die welt Von deinem heil belehren, Und ihn auch ehrest du, Um deinen sohn zu ehren. Sein vater wird erst stumm, Der stumme schnell beredt, Und weissagt, da auf ihn Der geist des herrn geräth. 3. Das find wird stark am geist, Der gnade treuer lehrer, Ein brennend, scheinend licht, Ein mächtiger bekehrer, Ein heilger eiferer, Der ohne schonen straft. Auf seiner seele ruht Eliä geist und fraft. 4. welch ein gnadenwort! O welche süße stimme, Die in der wüst erschallt! Gott straft nun nicht im 8 grimme 114 Aufs Fest der Heimsuchung Mariä. grimme Die fündenvolle welt. hoch erhebet, Den großen Sein himmelreich ist nah: Gott, der ewig herrscht und Denn der die welt mit Gott lebet. Mein geist in mir Versöhnen soll, ist da. sich meines heilands freut, Und seinen ruhm vermehrt er allezeit! 5. Euch ist solch heil bereit't, Ihr fünder! nehmts zu ohren! Freut mit Johanne euch! Wie er noch ungeboren Des heilands sich erfreut: So freut er sich auch nun, Durch tauf und predigen Ihn allen fund zu thun. 6. Allein zu Jesu hin Verweist er seine jünger; Allein auf Jesum zeigt Sein ausgestreckter finger: Seht, das ist Gottes lamm, Das, mit dem fluch belegt, Für uns geschlachtet wird Und aller sünden trägt. 7. Wohl dem, der dieses lamm, Auf das Johannes weiset, Mit festem glauben faßt Und auch im leben preiset, Wer, seinem taufbund treu, Sich Jesu ganz ergiebt, Der ist in ihm von Gott Begnadigt und geliebt. 8. Das werd auch unser theil! Johannis amt und lehre Verherrliche noch stets, Gott, deines namens ehre! Wer buße thut und glaubt, Hat trost auf alle zeit; Wer buße thut und glaubt, Der bleibt in ewigkeit. Aufs Fest der Heimsu chung Mariä. 151. Mein herz und seel den herren 2. Denn er hat mich elenden angesehen, Und mein gebet erhöret und mein flehen; Es hat der herr mich armen nicht veracht't, Er hat mit gnad und rettung mich bedacht. 3. Gott, dessen macht nicht fann ergründet werden, Und dessen nam im himmel und auf erden Hochheilig ist, hat große ding gethan An mir, die ich nicht alle zählen kann. 4. In feiner noth hat er mich je verlassen; Barmherzigkeit ist bei ihm ohne Und währet von maßen geschlechte zu geschlecht, Wo man ihn fürcht't und hoch hält seine recht'. 5. Er übt gewalt mit sei nes armes stärke, Daß jederz mann muß spüren seine werke. Wie fest der stolzen glück zu stehen scheint, Zerstreut er sie und ist denselben feind. 6. Er stößet, die gewaltig sind vor allen, Von ihrem stuhl, daß sie erschrecklich fallen; Die niedrigen erhebet er davor, Und stellet fie ganz unverhofft empor. 7. Die hungrigen, die ihn bor Vom Wandel Jesu vor augen haben, Erfüllet er mit gütern und mit gaben: Die reichen läßt er leer beim überfluß, Daß noth und angst darauf erfolgen muß. 8. Er denfet der barmherzigkeit und güte, Daß er forthin uns väterlich behüte, Und seine kirch im ganzen erdenkreis Erhalt und schüß zu seines namens preis. 9. Die treu, die er im neuen bund und alten Geredet hat, wird er auch ewig halten. Der herr verläßt uns, seine kinder, nicht: Denn zu ihm steht all' unsre zuversicht. * 10. Gott Vater, dir sei dank gesagt und ehre. Herr Jesu Christ! den glauben in uns mehre. O heilger Geist! erneu uns herz und mund, Daß wir dein lob ausbreiten jede stund. Von dem Wandel Jesu Christi auf Erden. Mel. Es ist das heil uns. 152. O Jesu, wahrer wahrer frömmigkeit Vollkommenstes exempel! Dein herz, dem vater ganz geweiht, War jeder tugend tempel; Du, seines wesens ebenbild, Warst in der niedrigkeit erfüllt mit weisheit, macht und güte. 2. Wer war wohl eifriger, Christi auf Erden. 115 als du, zu thun des vaters willen? Dir war es ruhm und seelenruh, Ihn treulich zu erfüllen; Dir, feines eigenruhms bewußt, War es die freude deiner brust, Des vaters rath zu ehren. 3. Wenn wo dein auge frevler sah, Warst du voll gram und schmerzen; Doch wenn des vaters wort geschah, Quoll freud aus deinem Herzen. An ihm nur hing dein ganzer finn; Auf ihn sah stets dein auge hin Mit demuth und vertrauen. 4. Ihn ehrtest du mit wort und that Vor aller welt mit freuden; Du warst bereit nach seinem rath, Zum heil für uns zu leiden. Wie er die liebe selber ist, So warst du auch, Herr Jesu Christ, Ganz sanftmuth und ganz liebe. 5. Du zeigtest, daß die größte noth Dich nicht zum murren reize; Wardst Gott gehorsam bis zum tod, Ja bis zum tod am freuze. Auch da verließ dein muth dich nicht; Auf ihn war deine zuversicht Unwandelbar gerichtet. 6. Von ihm verlassen, blieb dein herz An ihm, trog alles spottes; Dein hoffen war im bängsten schmerz Die sichre bilfe Gottes. Und was 8* dit Von dem Wandel 116 du hofftest, ist geschehn! Gott Hörte deiner stimme flehn Und half dir aus vom tode. 7. Mit ehr und preis von ihm gekrönt Lebst du zu seiner rechten Voll majestät, und dir ertönt Von allen Gottesknechten Das lob, deß du so würdig bist; Dir bringen sie, o Jesu Christ! Anbetung, preis und stärke. 8. Hilf, daß ich dein exem-, pel mir, O Herr! zum muster sege, Und meinen Gott, gesinnt gleich dir, Weit über alles schäße, Mit freuden seinen willen thu Und ganz in seiner fügung ruh, Im leben und im sterben. Mel. Schmücke dich, o liebe. 153. Vorbild wahrer menschenliebe, Jesu! deines mitleids triebe Zogen dich herab auf erden, Der verlornen heil zu werden, Und für sie sogar dein leben In den tod dahin zu geben. Wo ist jemand, der die größe Deiner lieb und Huld ermesse? 2. Ohne vortheil zu begehren Sich in andrer dienst verzehren, Jedem gerne guts erzeigen, zu beleidigungen schweigen, Auch an feinden wohlthun üben: Das heißt menschen göttlich lieben. Und wie voll von solcher güte War, Erlöser, dein ge= müthe! 3. D du zuflucht der elenden! Wer hat nicht von deinen händen, Auf sein red liches verlangen, Hilfe, ruh und trost empfangen? O, wie pflegtest du zu eilen, Das erbetne zu ertheilen! Freude war dirs, seligkeiten Schon auf erden auszubreiten. 4. Menschenseelen zu beglücken, Reuerfüllte zu er= quicken, Unverständge zue belehren, Abgewichne zu bekehren, Sünder, die sichy selbst verstocken, Liebreich zu dir hinzulocken, War deintägliches geschäfte, Selbst mik schwächung deiner fräfte. 5. Und wie hoch stieg dein erbarmen, Da du, Mittler!von uns armen Gottes stra= fen abzuwenden, Unter frecher mörder händen Angst und unerhörte schmerzen Littest mit gelaßnem herzen, Alsein missethäter starbest, Und uns ewges heil erwarbest. 6. Deine huld hat dich getrieben, Sanftmuth und geduld zu üben, Haß mit haß nicht zu vergelten, Deine schmäher nicht zu schelten, Allen freundlich zu begegnen, Die dich lästerten zu segnen, Deine mörder zu vertreten, Und für sie zu Gott zu beten. 7. Demuth war, bei spott und hohne, Deiner tugend schmuck Jefu Chrifti schmuck und krone. Nie haft du nach ruhm getrachtet, Noch auf menschenlob geachtet. Deines vaters heilgen willen mit gehorsam zu erfüllen, Uns zum himmel zu erheben, War der zweck von Deinem leben. 8. Laß mich, Herr, zu 10. Vom Leiden, Tode und Begräbnisse Jesu Christi. Vom Leiden Jesu Christi überhaupt. Mel. Christus, der uns selig. 154. Deine leiden, Gottessohn! Herzlich zu bedenken, Wollst du mir von deinem thron Geist und andacht schenken. Ach, erschein in diesem bild, Jesu! meinem Herzen, Wie du Gottes zorn gestillt Durch die größten schmerzen. 2. Laß mich aber nicht allein Deine schmerzen sehen; Laß die ursach deiner pein Mich zugleich verstehen. Ach! die ursach war auch ich, Ich und meine fünde; Diese schlug und quälte dich, Daß ich gnade fünde. auf Erden. 117 meinem segen, Deinen wandel oft erwägen! Laß mich, in der angst der sünden, Trost und hilfe bei dir finden! Heilge du auch meine triebe Zu rechtschaffner menschenliebe! Laß mich immer mehr auf erden Deinem bilde ähnlich werden. 3. Hilf, daß ich in buß und reu Dieses recht bedente, Und dich künftig nicht aufs neu Durch die fünde fränke. Dämpf in mir die sündenlust; Laß mich alles meiden, Was du, Jesu, büßen mußt Mit so schwerem leiden. 4. Drohet mir die höllenpein Um der fünde willen; Ach! so tritt ins mittel ein, Hilf die schrecken stillen. Laß mich dann mit heilbegier Dich, mein Jesu! fassen: Halt ich gläubig mich an dir, Kann mich Gott nicht hassen. 5. Gieb auch, Jesu! daß ich gern Dir das kreuz nachtrage, Wahre demuth von dir lern, Nicht in noth verzage; Daß ich in der prüfungszeit Nimmer von dir wanke, Und dann einst in ewigkeit Dir, Herr! fröhlich danke. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 155. Meine feel, ermuntre dich, Jesu liebe 118 Vom Leiden und liebe zu bedenken! Auf sein leiden müsse sich Deine ganze andacht lenken: Daß dein herz der größten treue Deines Jefu sich erfreue. 2. Sieh, der wahre Gottessohn Ist für dich ans kreuz geheftet! Hier hängt er voll schmach und hohn, Blutig, schmerzensvoll, entkräftet; Stirbt für eine welt voll fünder, Macht aus ihnen Gottes finder. 3. Auch du solltest große pein Ewig in der hölle leiden Und von Gott verstoßen sein, Ewig fern von allen freuden; Aber Jesus trägt die fünden, Daß du könntest gnade finden. 4. Sein verdienstlich leiden stillt Des gerechten Gottes rache. Er hat das gesetz erfüllt, Gut gemacht die böse sache, Sünde, teufel, tod bezwungen, Und den himmel dir errungen. 5. Nun, was liegt dir ob, mein herz? Dem dich dankbar zu beweisen, Der sogar durch blut und schmerz Seine lieb an dir will preisen. Kannst du wohl in schwachen liedern Seine liebe ihm erwiedern? 6. Ach, ich kann ihm nimmermehr Das geringste nur vergelten! Er verbindt mich thm zu sehr. Meine trägheit muß ich schelten, Daß ich Tode Jesu Chrifti. ihn so lau geliebet, Ja durch sünden oft betrübet. 7. Was geschehen ist, das soll Ferner nicht von mir geschehen. Fest entschlossen, eifersvoll Einen andern weg zu gehen, Will ich meinen Jesum suchen, Und, was ihn betrübt, verfluchen. 8. Weg ihr sünden, weg von mir! Euch kann ich an mir nicht leiden. Welch ein schnöder greul seid ihr! Ach, von dem wollt ihr mich schei= den, Ohne welchen ist kein leben, Keine gnade, kein vergeben! 9. Dir, mein Jesu, dir, mein heil, Dir will ich mich ganz verschreiben, Daß ich dir, mein bestes theil, Ewig will getreu verbleiben; Dir zu ehren will ich leiden Und in dir einst selig scheiden. 10. Du, mein Jesu, sollst es sein, Auf den stets mein auge blicket; Wie du mein, so will ich dein Bleiben stets und unverrücket. Was du liebst, will ich auch lieben; Was dich kränkt, soll mich betrüben. 11. Drohten mir sogar um dich Tod und marter, schmach und bande; Mich schreckt nichts. Von dir hab ich Deinen geist zum unterpfande, Daß ich soll den himmel erben; Darauf fann ich fröhlich sterben. 12. Nun Passions- Gesänge. 12. Nun so bleibt es fest dabei! Jesus soll es sein und bleiben, Dem ich lebe, deß ich sei: Nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen; Ewig will ich dich umfaffen. 13. Ist für uns schon jetzo hier Solche freud und ruh zu finden, Wenn im glauben wir mit dir Uns, mein Jesu, recht verbinden; verbinden; Schenkst du schon so viel auf erden: Was wird uns im himmel werden? 14. O welch eine seligfeit! Welchen frieden, was für freuden, Was für ruhe nach dem streit, Was für ehre bringt dein leiden! Ewig werd ich Gott dort loben, Wenn er mich zu sich erhoben. 15. Ach, ich freue täglich mich Auf dies freudenvolle leben. Heiland, dir sei dank! durch dich Wird es mir dereinst gegeben. Laß, im glauben mich zu halten, Deine fraft in mir stets walten. 119 und bis zum tod am kreuz gehorsam werden; An unsrer statt gemartert und zerschlagen, Die fünde tragen; Mel. Herzliebster Jesu, was. 156. Herr! stärke mich! dein leiden zu bedenken, Mich in das meer der liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller schuld des bösen Uns zu erlösen. 2. Vereint mit Gott, ein mensch, gleich uns auf erden 3. Welch wundervoll hochheiliges geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine fräfte. Mein herz erbebt; ich seh und ich empfinde Den fluch der sünde. 4. Gott ist gerecht, ein rächer alles bösen; Gott ist die lieb, und läßt die welt erlösen: Dies kann mein geist mit schrecken und entzücken Am freuz erblicken. 5. Es schlägt den stolz und mein verdienst danieder; Es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder; Lehrt mich mein glück, macht mich aus Gottes feinde Zu Gottes freunde. 6. Herr, mein heil, an dessen blut ich glaube! Ich liege hier vor dir gebückt im staube, Verliere mich mit dankendem gemüthe In deiner güte. 7. Sie übersteigt die menschlichen gedanken; Allein sollt ich darum im glauben wanfen? Ich bin ein mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das größt in Gott ist: gnad und lieb erweisen; Üns kommt es zu, fie demuthsvoll zu preisen, 3u sehn, wie hoch, wenn Gott uns 120 Vom Leiden und uns gnad erzeiget, Die gnade steiget. 9. So sei denn ewig auch von mir gepriesen Für das erbarmen, das du mir erwiesen, Da du, mein Heiland! auch für mich dein leben Dahin gegeben. 10. Du liebteft mich, ich will dich wieder lieben, Und stets mit freuden deinen wil len üben. O gieb zu diesem seligen geschäfte, Herr! selbst mir fräfte. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 157. Was ist der mensch, deß du gedenkst? Was bin ich? Gott, erbarmer! Du, der du tausend welten lenkst: Was bin ich, Herr! ich armer? Ich lag im blut, und meine noth War fluch und der gedrohte tod; Wo sollt ich rettung finden? Der herr erbarmte meiner sich, Jehovah sprach ganz väterlich: Ich tilge deine sünden. 2. O göttliche barmherzigkeit! Der sohn soll für uns sterben; Der mittler, wohlzuthun bereit, Entzieht uns dem verderben. Er kleidet sich in fleisch und blut, Und was fein freund, fein bruder thut, Wer kann noch größres denken? Er stellt sich aller marter bloß, Er leidet, er stirbt göttlich groß, Und läßt ins grab sich senken. Tode Jesu Chrifti. 3. Ganz faßt dich selbst ein engel nicht, Gedanke zum erschüttern! Zwar biſt du meine zuversicht; Doch denk ich dich mit zittern. Wenn ich im geist Gethsemane, Wenn Golgatha im geist ich seh, Was ists, das ich empfinde? Ich weine, Herr! doch nicht um dich; Ich wein und klage über mich Und über meine fünde. 4. Was du bezahlt, ist meine schuld; Der Herr stirbt für die fnechte. Es büßt mit göttlicher geduld Für fünder der gerechte. Mein ist die last, die Jesus trägt; Der zorn des höchsten, der ihn schlägt, Der sollte mich verderben. Es war nur meine missethat, Die, Heiland! dich gemartert hat; Des todes sollt ich sterben. 5. Osünde, sünde! gute nacht! Zu lang, ach viel zu lange Hast du das herz um trost gebracht. Nun will ich, falsche schlange, Dich haffen, deine lockung fliehn Und mich der liebsten luft entziehn. Bei Christi tod am freuze Entsag ich, was dem fleisch gefällt, Der bösen luft, der argen welt, Und ihrem falschen reize. 6. Herr! laß mich aus barmherzigkeit, Wie freundlich du bist, schmecken, Wenn sünden der vergangnen zeit Mit Passions- Gesänge. Mit ewgen strafen schrecken. Es stärke mich in seelennoth, Herr Jesu! dein versöhnungstod, Die kraft von deinen wunden! Es tröste mich dein banges flehn, Da du nach rettung ausgesehn In heißen prüfungsstunden. 7. Dank, mein Erlöser! dank sei dir Für jede deiner plagen, Für alle leiden, die du hier An seel und leib getragen. Für allen schmerz, für alle angst, Darin du für mich fünder rangst, Sei ehre deinem namen! Gedenk, Herr! meiner in der noth; Gedenk auch meiner einst im tod Und im gerichte! Amen. 158. Jefu, meines Lebens Ueber121 3. Meiner strafen schwere bürde Nahmst du willig über dich, Littest, daß ich selig würde, Der verbrecher tod für mich. Gnade hab ich nun gefunden, Heil und troft durch deine wunden. Tausend-, tausendmal 2c. 4. Wie gemartert, wie verhöhnet Hingst du, Herr, am freuze da! Ach! mit dornen selbst gekrönet; Jeder schmähte, wer dich sah. Und das litt'st du, mich zum leben, Mich zum himmel zu erheben. Tausend-, tausendmal 2c. 5. Bei der feinde lügenklagen Schwiegst du, und ertrugft für mich Gottes mir gedrohte plagen; Alle warf der herr auf dich! Trostlos litt'st du, mich mit freuden zu beglücken, deine leiden. Tausend-, tausendmal 2c. 6. Willig trugst du meine schmerzen Und bezahlteſt meine schuld Mit erbarmungsvollem herzen, Ohne klagen, mit geduld; Hattest alle, mich aus gnaden Zu be= frein, auf dich geladen. Tausend-, tausendmal 2c. 7. Deine große demuth büßte Meines stolzes übermuth. Daß nur ich nicht leiden müßte, Floß für mich dein heilges blut. Was dich quälte, wird mir armen Heil und trost durch dein erbarwinder meiner noth! Du, für mich dahin gegeben Gott zum opfer in den tod; Ach, du wolltest, Jesu, sterben, Mich zu retten vom verderben. Tausend-, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, dank dafür! 2. Was hast du nicht ausgestanden! Lästerungen, Gottes sohn! Schläg und marter in den banden, Selbst am freuze schmach und hohn, Von den strafen uns zu retten, Die sonst wir zu dulden hätten. Tausend-, tausendmal sei dir 2c. 122 Vom Leiden und erbarmen. Tausend-, tausendmal 2c. 8. Nun, ich danke dir von herzen, Jesu, dir für alle noth, Deine wunden, deine schmerzen, Deinen herben bittern tod; Für dein zittern, für dein zagen, Für dein blut, für alle plagen, Ja, für alle deine pein Will ich ewig dankbar sein. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 159. Gin lamm geht hin und trägt die schuld Der welt und ihrer finder; Es geht und büßet in geduld Die sünden aller fünder; Es geht dahin, wird matt und krank, Es giebt sich auf die würgebank, Entzieht sich allen freuden; Es übernimmt schmach, hohn und spott, Angst, wunden, striemen, freuz und tod, Und spricht: ich wills gern leiden. 2. Dies lamm ist Gottes sohn, der freund, Der heiland unsrer seelen. Gott, aller sünden strenger feind, Wollt ihn zum mittler wählen; Mein sohn! sprach er, geh, nimm dich an Der kinder, die im bösen wahn Verdient des zornes ruthen. Die straf ist schwer, der zorn ist groß; Du kannst und sollst fie machen los Durch sterben, pein und bluten. Tode Jesu Chrifti. 3. Leg auf, sprachst du von herzensgrund, Mein Vater! ich wills tragen; Mein an deinem wollen hängt an mund, Mein wirken ist dein Dwunderlieb, sagen. liebesmacht! Du D kannst, was nie ein mensch gedacht, Gott seinen Gott seinen sohn abzwingen. O liebe, liebe! du bist. stark; Du streckest den in grab und farg, Vor dem die felsen springen. 4. Du marterft ihn am kreuzesstamm, Damit wir gnade finden; Du schlachtest ihn, als wie ein lamm, Zum opfer für die sünden. Das herz verlieret seine kraft, Die adern werden leer vom saft Des purpurrothen blutes. werthes lamm!was soll ich dir Dafür erweisen, daß du mir Erzeigest so viel gutes? 5. Mein lebetage will ich dich Aus meinem sinn nicht lassen; Dich will ich stets, gleich wie du mich, Mit liebesarmen fassen. Du sollst sein meines herzens licht, Und wenn dereinst mein herz auch bricht, Sollst du mein leben bleiben. Ich will mich dir, mein höchster ruhm! Hiemit zu deinem eigenthum Auf immerdar verschreiben. 6. Ich will von deiner freundlichkeit Bei nacht und tage singen; Dir will ich auch zuk Passions- Gesänge. zu aller zeit Mich selbst zum opfer bringen. Mein ganzes leben soll nun dir Und deinem namen für und für In dank und preis verfließen. Und was du an mir hast gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein gedächtniß schließen. 7. Wie? sollte sich mein geist nicht freun? Ich soll gewürdigt werden Der schätze, die viel größer sein, Als himmel, meer und erden. Weg ehr und lust der eitlen welt! Weg reichthum, gold und alles geld! Ich hab ein bessers funden: Mein größter schap, mein bestes gut Ist, Jesu! dein vergoßnes blut, Der strom aus deinen wunden. 8. Dies soll und will ich mir zu nuß zu allen zeiten machen; In sturm und hizze seis mein schuß, Lehr in Lehr in gefahr mich wachen, Verleih im glück bescheidenheit, In sorgen ruhe, trost im leid, Vertrauen im gebete; Zum legten siege stärk es mich, Und sei auch dort mein schmuck, wenn ich Vor Gottes richtstuhl trete! 123 Fließt aus deinem leiden! Nimm den dank in gnaden an, Den ich dir jetzt singe. Deß, was du an mir gethan, Bin ich zu geringe. 2. Ich erwäg es hin und her, Was dich doch getrieben, Eine sünderwelt so sehr, Wie du thatst, zu lieben. Uns verlorne zu befrein, Hast du angst und banden, Geißeln, schmach und todespein Willig ausgestanden. 3. War es unsre würdigkeit? Nein, des vaters güte, Deines herzens freundlichkeit Und dein treu gemüthe. Darum trugst du unsre schuld, Unsrer strafe bürden, Aufdaß wir durch deine huld Frei und selig würden. 4. D du wunderbarer rath, Den man nie ergründet! D du wunderbare that, Die man nirgends findet! Sünden, deren, Gott zum hohn, Menschen sich erfrechen, Die läßt Gottes eigner sohn An sich strenge rächen! Mel. Christus, der uns selig. 160. Jefu, meiner seesprung meiner freuden, Wie viel troft und zuversicht 5. Meine große sündenschuld Traf den treuen bürgen; Er ließ sich aus großer huld Mir zu gut erwürgen. So hat er uns heil gebracht; Sollt uns nicht geziemen, Seiner liebe starke macht Ewiglich zu rühmen? len licht, Ur6. Herr, dein friede sei mit mir, Stille mein gewissen; Laß des troftes quell von 124 Vom Leiden und von dir Sich auf mich ergieBen! Du bist ja die zuversicht Der betrübten seelen; Darum fleh ich: laß mir nicht Trost und hoffnung fehlen! 7. Laß, sobald mein herz erschricht Ueber seine sünden, Wenn auf dich mein glaube blickt, Mich, Herr! gnade finden. Sieh, ich fall, zerknirscht von reu, Mit wahrhafter buße, Und dem vorsaß beğrer treu, Jesu, dir zu fuße. 8. Nun ich weiß, worauf ich bau Und bei wem ich bleibe, Weffen fürsprach ich vertrau Und an wen ich gläube. Jesu, du, du bists allein, Welcher mich beschirmet, Wenn gleich des gewissens pein. Auf die seele stürmet. 9. Ich will, da ich einst mit dir Werd im himmel erben, Treu in deinem dienste hier Leben und auch sterben; Daß auch ich einst rühmen mag, Aus dem grab erstanden: Meines Jesu großer tag, Heil mir! ist vorhanden. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 161. Grfülle, Herr, doch selbst mein Herz Mit dank und ehrfurchtstriebe. Ich denk an deines leidens schmerz, Das opfer deiner liebe. Dein kreuz sei mir gebenedeit! Welch wunder der barmherzigkeit Haft Tode Jesu Christi. du der welt erwiesen! Wann hab ich dies genug bedacht, Und dich aus aller meiner macht Genug dafür ge= priesen? 2. Rath, kraft, und friedefürst und held! In fleisch und blut gekleidet Wirst du das opfer für die welt, Und deine seele leidet. Du ringst mit angst und todesnoth, Und gehst doch willig in den tod. liebe sonder ende! Du nimmst auf dich der menschen schuld, Und giebst mit göttlicher geduld Dich in der fünder hände. 3. Dich trifft der missethäter lohn, Und nie haft du gesündigt, Du, der gerechte Gottessohn! So wars vorher verkündigt. Die blindeschaar begehrt dein blut; Du duldest, göttlich groß, die wuth, Um seelen zu erretten. Warum verläßt du mich ,. mein Gott? Riefst du in deiner todesnoth, Damit wir frieden hätten. 4. Ein opfer, nach des ewgen rath, Belegt mit, unsern plagen, Um deines volkes missethat Gemartert und geschlagen, Gehst du den weg zum freuzesstamm In unschuld stumm, gleich als ein lamm, Das man zur schlachtbank führet. Freiwillig, als der helden held, Stirbst du aus liebe für die Passions- Gesänge. die welt Den tod, der uns gebühret. 5. Du neigst dein haupt; es ist vollbracht. Du stirbst; die felsen beben. Du sinkst dahin in grabes nacht, Damit wir ewig leben. Was ist der mensch, den du befreit? D wär ich doch ganz dankbarkeit! Herr, laß mich gnade finden! Und deine liebe dringe mich, Daß ich dich wieder lieb und dich Nie kreuzige mit fünden. 6. Welch warten einer ewgen pein Für die, die dich verachten! Die, solcher gnaden werth zu sein, Nach keinem glauben trachten; Für die, die dein verdienst gestehn, Und dich durch ihre laster schmähn, Und deinen tod verhöhnen! Wer dich nicht liebt, kommt ins gericht; Wer nicht dein wort hält, liebt dich nicht; Ihm hilft nicht dein versöhnen. 7. Du hafts gesagt, du wirst die kraft Zur heiligung mir schenken. Dein blut ists, das mir trost verschafft, Wenn mich die sünden fränken. Laß mich im eifer des gebets, Laß mich in lieb und demuth stets Vor dir erfunden werden. Dein heil sei mir ein schirm in noth, Mein stab in schwachheit, schild im tod, Mein letzter trost auf erden! 125 Mel. Herzliebster Jesu, was. 162. Gott, der du für uns deinen sohn gegeben, Wer kann doch gnugsam deine huld erheben? Wie herrlich zeigst du im erlösungswerke Der gnade stärke! 2. Dein ewger sohn stirbt für die menschenkinder; Der heiligste tritt an die statt der fünder; Der seligste begiebt sich seiner freuden, Für uns zu leiden. 3. Er wird das lamm, das aller sünden träget, Drauf du die strafe weislich selbst geleget: Daß du die schuld an den verlornen schafen Nicht dürftest strafen. 4. Was ist der mensch, daß du sein so gedenkest Und deinen sohn ihm zum versöhner schenkest? Was findest du an mir und an uns allen Für wohlgefallen? 5. Verdient gesetze, verachtung Verdient gütiger verschwendung unschäßbarer schäße, Verdient gehäufte gröbliche verschuldung So viele duldung? 6. welche tiefe deiner menschenliebe! Wer faßt, o Gott, die größe ihrer triebe? Du thust weit mehr zu unserm wohlergehen, Als wir verstehen. 7. Ach! lehre mich recht deine huld erkennen, Voll zu= 126 Vom Leiden und zuversicht dich meinen vater nennen Und zum gehorsam dir mein ganzes leben Willig ergeben. 8. Was mir dein sohn, da er für mich gestorben, Von deiner huld durch seinen tod erworben, Das werde mir, zu meinem ewgen heile, Nun auch zu theile. 9. Dein friede wohne stets in meinem herzen Und tröste mich bei des gewissens schmerzen! Dein geist sei mit mir, deinen guten willen Treu zu erfüllen! Mel. Herzlich thut mich verl. 163. Du, deffen augen flossen, Sobald fie Zion sahn, Zur frevelthat entschlossen, Sich seinem falle nahn: Wo ist das thal, die höhle, Die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger seiner seele, Habt ihr ihn schon erwürgt? 2. Welch jammervolles klagen Seufzt in Gethsemane? Wer ist der mann der plagen, Der langsam sterbende? Ist Jesus das, der finder Von Adam bester, er? Und zittert gleich dem sünder, Und sinkt, und trägts nicht mehr? 3. Ach, wie er tief im staube Bedeckt mit angstschweiß liegt, Mit dem gefühl fein glaube Sm kampfe dennoch siegt! Schon kam Tode Jesu Christi. der mörder rotte, Die fein erbarmen rührt, Die ihn zum hohn und spotte, Ihn, ach! zum freuze führt! 4. Sein volk im bittern grimme Erweicht sein anblick nicht, Nicht fremden mitleids stimme, Die von dem richtstuhl spricht. Er ist ihr hohngelächter, Sie drohn mit wildem ton: Auf uns, auf föhn und töchter Komm setnes blutes lohn!" 5. Zur hohen schädelstätte Trägt er sein kreuz hinan. Sie freuzgen ihn! o bete, Mein geist, mit wehmuth an! Noch höhnt in frechen mienen Sein volk des dulders schmerz; Er ruft: vergieb es ihnen! Vergebend bricht sein herz. 1 6. Es bricht, und mattvon fummer Sinkt auf die brust zur ruh Sein haupt; nun schließt der schlummer Sein müdes auge zu. Am kreuze ruht die hülle; Der geist schwebt, sanft entrückt, zu Gott, wo ihn die fülle Des hohen lohns erquickt. 7. O freund der menschenkinder! Hier liegen wir gebückt. Wie hoch hat uns, die fünder, Wie hoch dein tod beglückt! Dich ehre unser glaube; Anbetung sei dein dank; Hör ihn, verDen nimm vom staube nimm schwachen lobgesang! 164. D Passions- Gesänge. 127 zu laden. Da schon das schwert gezücket war, Stellft du dich seinen streichen dar, Damit sie uns nicht schaden. 2. Du held, der andern stärke giebt, Was kann dich so erschüttern? Ach! seine seele wird betrübt; Des helden glieder zittern; Ach! hingesunken auf die knie, Arbeitet er in schwerer müh Und kämpfet im gebete. Er wünscht den bangen kampf verkürzt. Wer sieht dies, und wird nicht bestürzt? D schauervolle stätte! ( Kürzer:) 3. Gott, wie bist du so 165. Christe, du lamm wunderbar In allen deinen Gottes, Der du trägst die fünde der welt, Erbarme dich unser! Christe, du lamm Gottes, 2c. Erbarme dich unser! werken! Ein knecht, ein engel muß sogar Den herrn vom himmel stärken. Er ringt; von seinem angesicht Träuft schweiß; ach, wer entsetzt sich nicht! Für schweiß träuft blut zur erden. Der du in reinster unschuld prangst, Wie fonntest du von solcher angst, O Herr! bestürmet werden? 4. Ach Herr! der sünden knecht war ich; Ich sollte Es blutschweiß schwitzen. sollten billig nur auf mich Der rache wetter bligen. Ich armer, wie entflöh ich da? Vor Gottes zorne müßt ich ja Ohn allen trost versinken. Und da kommst du, daß du ihn stillst. Sohn Gottes! 164. Lamm Gottes! unschuldig Am stamm des kreuzes geschlachtet, Allzeit erfund'n geduldig, Wiewohl du wurdest verachtet, All' sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unfer, o Jesu! 2. lamm Gottes! unschuldig Am stamm des 2c. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. D lamm Gottes! unschuldig Am stamm des 2c. Gieb uns deinen frieden, o Jesu! Christe, du lamm Gottes, 2c. Gieb uns deinen frieden! Vom innerlichen Leiden Jesu Christi. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 166. So gehst du, Jesu! williglich Dein leiden anzutreten, mit heißen thränen auch für mich zu kämpfen und zu beten, Du, der du nichts verbrochen haft, Gehst hin, um aller sünden last Auf dich allein 128 Vom Leiden und Gottes! du, du selber willst Den ganzen zornkelch trinfen. Tode Jesu Chrifti. duldet hast, So viele schwere plagen, Der mir gedrohten strafen last Hast du für mich getragen. Ach, theurer Jesu, schone mein! Laß meine schuld getilget sein; Für recht ergeh nun gnade! 3. Dein kampf am ölberg dort, dein tod Erinnre mein. gewissen, Was dein geseg dem laster droht, Was sün-: der leiden müssen. Das lehre mich, und allezeit Sei mir verhaßt, was Gott verbeut, Durch deinen tod am freuze. 4. Für mich erniedrigt, Gottes sohn, Hast du, mit angst umfangen, Am freuzehilflos und voll hohn Und ohne trost gehangen. So hast du unsre missethat Getilgt, und nach des vaters rath Auch meine schuld versöhnet. 5. Dir sei mein ganzes herz geweiht; Dir will ich hier lobsingen. Einst wirst du mich zur seligkeit Durch deine leiden bringen. Mit allen frommen stimm ich dann. Dir noch ein beßres loblied 167. Herr Jesu Christe, an, Das loblied der erlösten. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. deine pein, Dein gottversöhnend leiden Laß meiner seele heilig feele heilig sein, Der sünde luft zu meiden! Laß mich an deine große noth, An deine martern, deinen tod, So lang ich So lang ich lebe, denken! 6. Herr Jesu! deine qualund pein, Dein bittres schweres leiden Laß meine letzte zuflucht sein, Wann leib und seele scheiden. Hilf dann, daß ich, durch deinen tod Erlöst aus aller meiner noth, Getrost und felig sterbe! 2. Was du, o Herr, er5. Heil mir! der sohn des höchsten hat Für mich sich richten lassen, Gott! welch ein wundervoller rath! Wer kann dein thun doch faffen! Ach! da uns fluch und rache drohn, Da richtet Gott für uns den sohn, Den er uns selbst gegeben. Nun jauchze, seele! du kommst nicht In Gottes schreckliches gericht; Du dringst hindurch ins leben. 6. Doch denk, um welchen theuren preis Dein heiland dich erkaufet! Für dich rang er im todesschweiß, Für dich mit blut getaufet! Ach, seele! sorge, daß dich nie Die sünd in ihre nege zieh, Nichts deine treu erschüttre! Reizt dich das fleisch, ach, höre nicht! Schau hin ins furchtbare gericht, Das Jesum traf, und zittre! Mel. Passions- Gesänge. Mel. Christus, der uns selig. 168. Herr des himmels, starker held! Was wird mit dir werden? Warum liegst du blaß, entstellt, Bebend auf der erden? Trost ist es, was du verlangst, Tröster unsrer seelen? Was fann mit so schwerer angst Deine seele quälen? 2. Vor dir liegt,( denn dir kann ja, Herr! sich nichts verhehlen,) Eine welt voll sünden da; D, wer kann sie zählen? Niemand, als nur Gott und du, Kann die zahl ergründen. Alle rechnet Gott dir zu. Nun sinds deine sünden. 3. Ach! da unsre sünden dich, Heiligster! ergreifen, Sollt in deinem Herzen sich Da nicht jammer häufen? Welche großmuth, menschenfreund! Uns gerecht zu machen, Läsfest du, der fünde feind, Dich zur fünde machen. 4. Liebe strahlet dir sonst stets Aus des vaters blicken, Und in stunden des gebets Muß sie dich erquicken. Da nun zorn im antlig schreckt, Da es mit gewittern Furchtbar sich vor dir verdeckt, Solltest du nicht zittern? 5. Hier fühl ich der sünde gräul, Ganz von angst erschüttert. Auch für mich haft du, mein heil! Hier im staub gezittert. Held! da N. A. 129 Dich Soll fast der fluch und zorngericht niederschlagen, gräul der sünden nicht Schrecken mir einjagen? 6. Aber du versöhntest mich: Denn, auch mir zum segen, Ließest du allein auf dich Fluch und strafe legen. Du ergabst dich demuthsvoll In des vaters willen, Was uns fünder retten soll, Sterbend zu erfüllen. 7. Nun, Herr, meine zuversicht! Hilf du meiner seele, Daß im letzten kampf sie nicht Angst der hölle quäle. Ach! laß deinen blutgen schweiß, Wenn, von angst beklommen, Ich nun keine hilfe weiß, mir zu statten kommen. Mel. Wenn meine sünd'n mich. 169. Als, Herr, dich im gerichte Der sünden fluch umgab, Da floß vom angesichte Dir blut, wie schweiß, herab. Zur erde stürzte dich die angst, Als, nun von Gott verlassen, Du mit dem tode rangst. 2. Im heißen angſtgebete, Mein mittler, kämpftest du; Die ganze seele flehte Um linderung, um ruh. Doch, ach! da war kein tröster nicht; Du schmachtetest vergebens Nach freudigkeit und licht. 3. Auch sie, die so entschlossen, So männlich dich 9 bekannt, Vom Leiden und Tode Jesu Christi. 130 bekannt, Sind muthlos, sind verdrossen, Von schlummer übermannt. Sie schauen deiner seele schmerz, Und keiner deiner jünger Spricht tröstung dir ins herz. 4. Doch du trägst diese schwachen Mit göttlicher ge= duld. Du eilst, sie stark zu machen, Und milderst ihre schuld. Erbarmend sprichst du: freunde, wacht! D wacht mit mir und betet! Nah ist des feindes macht. 5. Du, tröster schwacher brüder, Herr, nimm dich meiner an! Wie leicht sink ich darnieder, Verführt durch stolzen wahn. Ach! oftmals schlummr' ich sorglos ein, Bin ruhig bei gefahren, Die meiner seele dräun. 6. Herr! rette du mich schwachen, Wenn stolz und sicherheit Den geist verdrossen machen; Gieb muth und kraft im streit; Flöß meiner feele tröftung ein, Sprich zu ihr: wach und bete, Bald ist die krone dein! Vom äußerlichen Leiden Jesu Christi. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 170. Jesu! deffen blut und wunden Heil und leben uns gebracht, Ach! wie hart wurd'st du gebunden In der schauervollen nacht, Da du durch ergrimmte feinde, Zum entsetzen deiner freunde, Vom verräthermund geküßt, Dich gefangen nehmen ließst! 2. Mehr als zwölf der legionen, Welche dort um jenen thron Deines großen vaters wohnen, Stehn bereit, o menschensohn, Deine fetten zu zerschlagen, Deine feinde zu verjagen; Aber du verlangst es nicht, Daß man deine bande bricht. 3. Du bist selber reich an stärke, Die sich jetzt auch nicht verlor; Aber hier, in diesem werke, Geht geduld der allmacht vor: Denn sonst dürftest du nur sprechen; Alle bande würden brechen; Deiner allmacht wink und strahl Stürzte aller feinde zahl. 4. Starker held, mich zu erretten, Streckst du deine hände dar! Giebst dich willig in die fetten, Schonest der ruchlosen schaar, Wehrst dem schwerte deines freundes, Heilst die wunde deines feindes, Und dein arm nimmt feffeln an, Die er doch vermeiden kann. 5. Alles, was du ausgestanden, Ist zu meinem heil geschehn, Und die schmach von deinen banden Macht, daß ich kann ledig gehn. Von den bürden meiner fünden kann ich nun die freiheit finden, Passions- Gesänge. den, Weil du deiner fesseln last mir zu gut getragen hast. 6. Heiland, wie ist deine güte Für mich fündenknecht so groß! Mache denn auch mein gemüthe Immer mehr vom eitlen los. Nimmer laß mit ihren stricken Welt und lüfte mich berücken; Gieb, daß ich von sünde frei Dir nun ganz ergeben sei! 7. Hast du mich dazu ersehen, Daß ich, deines geistes voll, Dir zum ruhm in feffeln gehen, Deinetwegen leiden soll; Ach! so laß mich in den banden, In gefängniß, schmach und schanden, Und im- tod dir ähnlich sein, Deiner ewig mich zu freun! Mel. Auf meinen lieben Gott. 171. Mein Jesu, für dein Herz Welch ein so herber schmerz, Den du weit mehr empfunden, Als banden, schläg und wunden! Die kleine zahl von freunden Kränkt dich, gleich deinen feinden. 2. Kaum naht sich die gefahr, So bebt der jünger schaar. Die erst sich hoch vermessen, Der treu nicht zu vergessen, Den tod gar vorzuziehen, Verlassen dich und fliehen. TESTE 131 drohen; Schämt sich, daß er geflohen; Kehrt um, und eilt verwegen Dem tiefern fall entgegen. 3. Der kühn sein schwert gezückt, Dein Petrus selbst erschrickt. Er flieht, eh bande 4. Wie ist der mensch so schwach! So viel sein muth versprach, Liegt er doch da im staube. Wo ist doch nun sein glaube? Sein muth ist bald gedämpfet: Ach, christen, wacht und kämpfet! 5. Wo ist nun Petri treu? Der Jesum vormals frei Für Gottes sohn bekannte, Für ihn von eifer brannte, Läßt sich durch furcht bethören, Ihn treulos abzuschwören. 6. Doch, Herr! dein liebesblick Bringt ihn noch bald zurück. Er fühlet sein verbrechen, kann nun vor schmerz nicht sprechen, Und weint nur bittre thränen, Die sich nach gnade sehnen. 7. Er sucht und findet sie. Verzagt, gefallne, nie! Kleinmüthge zweifel, schweiget, Die satans list erzeuget! So groß sind keine fünden, Sie können gnade finden. 8. Und trennt dann satans list, Die stets geschäftig ist, Mich, Jesu, von den deinen: Laß mich mit Petro weinen, Um gnad und demuth beten, Nie Judä weg betreten. 9* Mel. Vom Leiden und Tode Jesu Christi. 132 Mel. Wenn meine fünd'n mich. 172. Von furcht dahin gerissen, Verleugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein gewissen: Da weint er bitterlich. Dein blick, o Jesu! rührt sein herz; Er fleht zu dir um gnade, Und du stillst seinen schmerz. 2. Wie wuchs nun deinem zeugen Beständigkeit und muth! Furcht konnt ihn nie mehr beugen; Für dich, Herr, floß sein blut. Dich, seinen herrn und seinen Gott, Verherrlichte sein leben. VerHerrlichte sein tod. 3. Betrübt ist meine seele, Erfüllt mit reu und schmerz, Was hilfts, daß ichs verhehle? Du schaust mir ja ins herz! Bekennen will ich es vor dir: Ich habe dich verläugnet: Vergieb, vergieb es mir! 4. Wann deines namens hasser Dich schmähten, wann ihr spott Von ihrem mund als wasser Dahin floß wider Gott: Dann schwieg ich furchtsam, schämte mich Ein chrift zu sein, und scheute Mehr ihren spott, als dich. 5. du, der du dein leben, Du, Herr der ewigkeit, So willig hingegeben Für meine feligkeit; Wie undankbar, wie schwach war ich, Daß ich den spott der fünder Mehr fürchtete, als dich! 6. Ach, rechne nicht zur sünde Mir diese schwachheit zu! Die reu, die ich em--pfinde, Erlöser, siehest du! Du schenktest Petro seine schuld; Bedeck auch meint vergehen Mit deiner lieb und huld. 7. Laß diesen schmerz der reue Mir unvergeßlich sein. Ich will zu ewger treue Dir meine seele weihn. Dich zu verläugnen, Herr, mein Gott, Das fürchte meine seele Weit mehr, als selbst den tod. 8. Ich will dich frei befennen, Und standhaft vor der welt Dich meinen heiz land nennen, An den mein glaub sich hält. Dein freuz ist meine zuversicht; Selbst denen, die dich schmähen, Verhehl ichs, Jesu, nicht. 9. Beschirmt von deiner gnade, Veracht ich ihren spott. Wer ist es, der mir schade? Du hilfft mir aus, mein Gott. Von meinem haupte fällt kein haar, Und drohten sie mir alle Die schrecklichste gefahr. 173. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, Daß man des todes urtheil dir gesprochen? Du, heiligster, bist ja in missethaten Niemals gerathen. 2. Und Passions- Gesänge. 2. Und doch wirst du verworfen und verhöhnet, Mit einem dornenkranz zur schmach gekrönet, Gegeißelt und, von schmerzen schon entkräftet, Ans freuz geheftet. 3. Was ist die ursach aller solcher plagen? Ach, unsre sünden haben dich geschlagen. Zu ihrer tilgung hast du, Herr, erduldet, Was wir verschuldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese strafe! Du guter hirte, leidest für die schafe; Die schuld bezahlst du, Herr, für böse knechte, Du, der Gerechte! 5. Der fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; Der böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Er, der gerechteste von Gottes findern, Stirbt gleich den fündern! 6. Ich bin verderbt, befleckt von tausend sünden. Wer kann bei menschen einen reinen finden? Was würd ich, sollt ich meine fünden büßen, Nicht leiden müssen! 7. D große lieb, o liebe, kaum zu fassen! Auch mir zum heil hast du dich martern lassen. Damit ich lerne sünden ernstlich meiden, Willst du, Herr, leiden. 133 verbreiten? Kann ich sie dir, beherrscher aller welten, Wohl je vergelten? 9. Doch dir gefällts, wenn ich mich selbst bekämpfe, Dir folge und des fleisches lüfte dämpfe; So sei denn auch forthin mein ganzes leben Nur dir ergeben! 8. Ach, großer Mittler, groß zu allen zeiten! Wie kann ich gnugsam deine treu 10. Gieb felbst zu diesem seligen geschäfte mir schwachen deines guten geistes fräfte, Daß er zu dir mich ziehe und regiere, Zum guten führe. 11. Dann werd ich dankvoll deine huld betrachten; Die lust der welt, aus lieb zu dir, verachten; Mit allem eifer suchen, deinen willen Treu zu erfüllen. 12. Zu deiner ehre will ich alles wagen, Kein drohen achten, keine schmach noch plagen; Mich sollen auch des bängsten todes leiden Nicht von dir scheiden. 13. Dies alles, obs für schlecht gleich ist zu achten, Wirst du doch, mein erbarmer, nicht verachten; Du wirst dies opfer gnädig von mir nehmen, Dich mein nicht schämen. 14. Empfang ich dann dereinst vor deinem throne Aus deiner hand der überwinder krone! So soll dich beffer, unter engelchören, Mein loblied ehren. Mel. 134 Vom Leiden und Mel. Wenn mein stündlein. 174. Seht, welch ein mensch! wie lag so schwer Auf ihm der fluch der sünder! Wie unaussprechlich duldet er Für euch, ihr menschenfinder! So leiden sah vom anbeginn Die erde keinen je, als ihn; So wird auch keiner leiden. 2. Der sohn des vaters, unser Gott, Ein helfer ein gerechter, Ward frecher missethäter spott, Verschmäht durch hohngelächter; Wie ein verbrecher stand er da, Verklagt, verläumdet; wer ihn sah, Der sah ihn mit verachtung. 3. Geschäftig war der frevler wuth, Erfindrisch, ihn Erfindrisch, ihn zu plagen. Sein leib war ihm bedeckt mit blut, Voll striemen und zerschlagen. Gefrönt mit dornen, in der hand Ein rohr, verhöhnt durch sein gewand: So sahn ihn seine feinde. 4. Den heiden, der sein richter war, Ergriff ein menschlich schrecken. Er stellt ihn seinen brüdern dar, Ihr mitleid zu erwecken. Seht, welch ein mensch! den kann ich nicht, Den nicht verdammen; seht, wie spricht Die unschuld für sein leben! 5. Vergeblich, ach! vergeblich war Die menschlichTode Jesu Christi. keit des heiden. Blut wollte die ergrimmte schaar, Sah Jesu schmach mit freuden. Was sättigt sie? sein tod allein! Sie stürmten auf den richter ein, Und schrien:er sterb am freuze! 6. Du denkest ohne schaudern nie An diese wuth der fünder; Du sprichst: die rache strafte sie, Und straft noch ihre finder. D feele, denkst du auch dabei An deine sünden? bist du frei? Nicht schuldig seines todes? 7. Sieh, welch ein mensch! wie er für dich Verschmäht wird und zerschlagen! Hör ihn; er spricht: ich selber, ich Muß deine sünden tragen. Die schuld ist dein; meinen tod Versöhn fünder, dich mit Gott; Du bists, für den ich blute. durch ich, 8. Ddu gerechter Gottes sohn, Du tilger meiner sünden! Du herrscheft auf des vaters thron; Ach laß mich gnade finden! Laß allen deines todes pein Gerechtigfeit und leben sein, Unt deiner liebe willen! 9. Ich schwöre, Gottverföhner, dir, Und ewig will ichs halten: So wahr du lebest, soll in mir Nie deine lieb erfalten! Dein leiden und dein tod soll mich, So lang ich leben werd, an dich und deine lieb erinnern. 10. Ent Passions- Gesänge. 10. Entzündet sich der lüste gluth, Cockt mich die welt zur sünde: Dann rüste mich mit fraft und muth, Daß ich sie überwinde! Im streite sprich mir liebreich zu: Dent, welch ein mensch ich war; und du, Du wolltest mich nicht lieben? Vom Tode Jesu Christi am Kreuze. Mel. Wenn meine fünd'n mich. 175. Hin in an dein kreuz zu treten, In deinem leiden dich Voll glauben anzubeten, Versöhner, stärke mich! Laß mich mit zittern und vertraun, Wie du dich für die sünder Hin in den tod gabst, schaun! 2. Wie ist des besten seele Bis an den tod betrübt! So brünstig, meine seele, Hat Jesus dich geliebt! In heißen ängsten schwebt er da, Mit unsrer schuld beladen, Dem opfertode nah. 3. Fallt nieder, bebt, ihr fünder! Verhüllt das angesicht! Jetzt ist für Adams finder Der mittler im gericht; Er leidet unsers todes pein, Fühlt marter, angst und qualen, Uns menschen zu befrein. 135 rächer, Und doch auch gnad und huld. Wer nun der sünden gräul nicht haßt, Häuft auf den tag des zornes Sich selbst des zornes laſt. 5. Ach, sünder, nehmts zu herzen! Bekehrt euch, werdet rein! Der preis für so viel schmerzen Soll eure rettung sein. D, nehmt an seiner gnade theil! Erkennet seine liebe! Verwerft nicht euer heil! 4. So liebt er uns verbrecher! So groß ist unsre schuld! Gott ist der fünden 6. Vernehmts auch ihr, o spötter, Die ihr den mittler schmäht! Er ist auch euer retter. Hört für euch sein gebet: Sie wissens nicht, was sie begehn; Vergieb, o vater, ihnen, Wenn sie zu dir einst flehn! 7. Jhr, eurer brüder feinde, Ach, schlagt an eure brust! Seid aller menschen freunde; Verdammt der rache luft! Vergeltet euren hassern nie; die Den feinden, euch Den fluchen, Vergebt und segnet sie! 8. Noch währen seine qualen, Noch trinkt er ohne rast Der leiden volle schalen, Trägt noch der fünden last. Er fühlt für uns des todes noth, Und nun ergreift den müden Der sünde fluch, der tod. 1000 9. Vor seines todes schrekken Verlischt der sonne licht, Und sinstre schatten decken Der Vom Leiden und Tode Jesu Christi. 136 Der erde angesicht. Nun finkt er in des todes nacht. Erbarm, o Gott, dich unser! Er stirbt: es ist vollbracht! Mel. Herzlich thut mich verl. 176. haupt voll blut und wunden, Voll schmerzen, schmach und hohn! O haupt, zum spott gebunden mit einer dørnenfron! haupt, sonst schön gekrönet mit höchster ehr und zier, Jegt aber höchst verhöhnet, Gegrüßet feist du mir! 2. Du edles angesichte, Wovor sonst bebt und scheut Das große weltgewichte, Wie bist du so bespeit? Wie bist du so erbleichet? Wer hat dein augenlicht, Dem sonst kein licht mehr gleichet, So schändlich zugericht't? 3. Die farbe deiner wangen, Der rothen lippen pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blassen todes macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft; Und daher bist du kommen Von deines leibes fraft. 4. Nun, was du, Herr! erduldet, Ist alles meine last; Ich hab es selbst verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hier steh ich armer, Der zorn verdienet hat. Gieb mir, o mein erbarmer! Den anblick deiner gnad. 5. Erkenne mich, mein hüter! Mein hirte, nimm mich an! Von dir, quell aller güter, Ist mir viel guts gethan. Dein mund hat mich gelabet Mit trost an deiner brust, Dein geift hat mich begabet Mit mancher himmelsluft. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wenn mir das herz schon bricht. Wenn mein herz wird erblassen In letter todespein, Alsdann will ich dich fassen Und noch dein eigen sein. 7. 8 dient zu meinen=" freuden, Bekommt der seele wohl, Wenn ich in deinem leiden, Mein heil, dich finden soll. Ach, den soll. Ach, möcht ich, o mein leben! Bei deinem freuze dir Mein leben einst hingeben; Wie wohl geschähe mir! * 8. Ich danke dir von herzen, O Jesu, liebster freund! Für deine todesschmerzen, Da dus so gut gemeint. Ach! gieb, daß ich mich halte Zu dir und deiner treu, Und, wenn ich einst erkalte, In dir mein ende sei. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den tod soll leiden, So tritt du dann herfür. Wenn mir am allerBảng= Passions- Gesänge. bängsten Wird um das herze sein, So reiß mich aus den ängsten, Kraft deiner angst und pein. 10. Erscheine mir zum schilde, Zum trost in meinem tod, Und laß mich sehn dein bilde In meiner legten noth; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. ( Dasselbe Lied verändert.) 177. Du, der voll blut und wunden Für uns am kreuze starb, Und unsern legten stunden Den größten trost erwarb! Du, der sein theures leben, Noch eh ich war, auch mir Zum heil hast hingegeben, Mein Jesu, dank sei dir! 2. Wie viel hast du erduldet, Erhabner menschensohn! Als du, so unverschuldet, Empfingst der fünder lohn! Da folgte schmerz auf schmerzen, Da traf dich schmach auf schmach; Da lag auf deinem herzen Angst, die das herz dir brach. 3. Entblößt von allem reize, Der menschen wohlgefällt, Hingst du an deinem kreuze, Ein fluch vor aller welt. Dich flohen deine freunde; Du warst der leute spott; Dich höhnten deine 137 feinde: Wo ist denn nun sein Gott? 4. Wer kann dir nachempfinden Den schmerz, die todesangst, mit welcher du von sünden Uns zu erretten rangst? Die last gehäufter plagen Fiel ja so schwer auf dich, Daß sie dich drang zu flagen: Gott, wie verläßt du mich? 5. Ach! diese last und mühe Hab ich dir auch gemacht. D, mein Erlöser, siehe Vom throne deiner macht In gnaden auf mich armen, Der sich verschuldet hat, Und hilf mir aus erbarmen Von meiner missethat! 6. Ich will auf dich stets sehen Mit voller zuversicht. Wohin soll ich sonst gehen? Verwirf du mich nur nicht! Wo soll ich ruhe finden, Wenn du mich, Herr, nicht liebſt? Wo reinigung von fünden, Wenn du sie mir nicht giebst? 7. Du hast mir durch dein leiden Vergebung, beßrungskraft, In trübsal trost und freuden, Die ewig sind, verschafft. Ogieb an dieser gnade Auch meinem glauben theil, Und auf des lebens pfade mir muth, kraft, troft und heil! 8. Mit innig frohem triebe Bring ich dir meinen dank; Die größe deiner liebe Bleibt stets mein lobgesang. Gieb nur, 138 Vom Leiden und Tode Jesu Chriſti. nur, daß ich mich halte Zu dir mit gegentreu, Daß, wenn ich einst erfalte, Ich noch der deine fei. 9. Belebe dann mein hoffen, 3um himmel einzugehn; Laß mich im geist ihn offen, Und dich verherrlicht sehn. Da ruf ich dann mit freuden: Nimm meinen geist, Herr, auf! Und du nimmst ihn im scheiden Zu deiner wonn hinauf. Mel. Nun ruhen alle wälder. 178, welt, sich hier dein leben Am stamm des freuzes schweben! Dein heil sinkt in den tod; Der große herr der ehren Läßt willig sich beschweren Mit banden, schlägen, hohn und spott. 2. Tritt her zu seinem freuze! Hier fließt sein blut; das reize Zur buße mich und dich. Er fühlt in seinem herzen Unnennbar große schmerzen Aus liebe gegen dich und mich. 3. Wer hat dich so geschlagen, Mein Heil! und dich mit plagen So übel zugericht't? Du bist ja nicht ein sünder, Wie andre menschenkinder; Von missethaten weißt du nicht. 4. Wir, wir und unsre sünden, Der sich so viele finden, Als sandes an dem meer, Die haben dich geschlagen; Die brachten diese plagen Und diese martern auf dich her. 5. Auch ich, ich sollte büßen; Ich hätte leiden müssen, Entbehren Gottes huld; Die geißeln und die banden, Und was du ausgestanden, Verdien ich wegen meiner schuld. 6. Du nimmst auf deinen rücken Die lasten, die mich drücken, Und Gott will mir verzeihn. Du wirst ein fluch; dagegen Erwirbst du mir den segen; Dein schmerz muß mir ein labsal sein. 7. Du setzest dich zum bürgen, Sa läsfest dich erwürgen Für mich und meine schuld! Für mich läßt du dich krönen Mit dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit geduld. 8. Du gehst auch meinetwegen Der todesnacht ent= gegen, mit wahrem Heldenmuth. Du stirbst, mir vom verderben Errettung zu erwerben, Und alles thust du mir zu gut. 9. Hoch bin ich dir verbunden; Mein heil, zu allen stunden Bin ich dein eigenthum; Es thätig zu beweisen, Soll feel und leib dich preisen. Mein ganzer wandel sei dein ruhm! 10. Was könnt in diesem leben Passions- Gesänge. leben Ich dir sonst wiedergeben? Das, Jesu, will ich thun: Es soll dein tod und leiden, Bis leib und seele scheiden, Mir stets in meinem herzen ruhn. 11. Ich wills vor augen segen, Mich stets daran ergegen, Ich sei auch, wo ich set. Es soll mir sein ein spiegel Der unschuld, und ein siegel Von deiner großen lieb und treu. 12. Was sünder fühlen sollen, Die sich nicht bessern wollen, Das lehrt es mich verstehn: Wie viel die werden leiden, Die nicht die sünde meiden, Will ich aus deinen leiden sehn. 13. Dein beispiel soll mich lehren, Des höchsten rath zu ehren, Auch wenn er trübsal schickt. Ich will des lebens plagen Getrost und willig tragen, Bis Gottes hilfe mich erquickt. 14. Nie will ich wieder schelten; Nie spott mit spott vergelten; Nie, wenn ich leide, dräun. Das unrecht will ich dulden, Dem nächsten seine schulden, Wie du, von Herzensgrund verzeihn. 139 und lassen, Gefiel es auch der ganzen welt. 20 16. Soll ich dann endlich sterben; So laß dein reich mich erben, Und so getroft, wie du, Den geift an meinem ende In deines va= ters hände Befehlen zu der ewgen ruh. 15. Gerührt von deinen plagen, Will ich mit ernst entsagen Dem, was dir nicht gefällt; Was deine augen haffen, Das will ich fliehn Mel. Da Jesus an des kreuzes. 179. Grniedrigt hatte sich bereits Mein heiland bis zum tod am freuz; Doch unter allen plagen Blieb er sich gleich, verherrlichte Sein göttliches betragen. 2. Erbarme, Vater, ihrer dich! Vergieb es, sie verfennen mich! So bat der herr für feinde. Ach, wie voll liebe wallt nun nicht Sein herz für seine freunde! 3. Dem schächer schenkt er seelenruh, Sprach: wahrlich heute noch bist du mit mir im bessern leben! So wirst du, Herr, entschlaf ich einst, Auch mich dazu erheben. 4. Zur mutter sprach er, da sie weint: Das ist dein sohn! und hieß den freund, Der mutter beizustehen. So wird Gott einst den meinen auch Nach mir den freund ersehen. 5. Dann flehet er: mein Gott! mein Gott! Verläsfest du mich in der noth? Mein 140 Vom Leiden und Mein Heiland! mich verlassen Wird Gott um deinetwillen nicht, Mich nimmermehr verlassen. 6. Mich dürftet! rief er, matt von schmerz; So sollt in jeder noth sein Herz Mitleiden mit uns haben. Wenn nun kein labsal mehr mich fühlt, Wird er, wird er mich laben. 7. Es ist vollbracht! in ewigkeit Hat er gefiegt und uns befreit. Hilf, Herr, auch mir vollbringen! Du siehst mich kämpfen, stärke mich, Das kleinod zu erringen. 8. Dir, Vater, geb ich meinen geist In deine hand; o sei gepreist! Die hoffnung jenes lebens Bewährtest sterbend du mir noch; Ich hoffe nicht vergebens. 9. Wie rührt dein hohes beispiel mich! Vergeben will ich, sehn auf dich, Nach dir gen himmel schauen, Die meinen lieben, und in noth, Wie du, dem vater trauen. Tode Jesu Christi. erhaben, Dich mit himmelswonne laben. 2. Theures wort aus Jefu munde, Fest versiegelt durch sein blut! In der fin stern todesstunde Giebst du freudigkeit und muth. Wenn der christ nun scheiden soll, Bleibt er fester hoffnung voll, Sieht die nacht in licht verwandelt, Weiß gewiß, wohin er wandelt. 3. Ohne zagen kann er sterben; Seine seele stirbt ja nie. Ihr droht nicht nur kein verderben, Auch kein schlaf betäubet sie, Wo sie erst aus langer nacht Nach jahrhunderten erwacht; Nein, Durch den tod sich schon sie soll zum neuen leben erheben. 4. Theures wort des ewgen lebens! Tröste du mein brechend herz; Und dann ängstet nur vergebens Meinen geist der trennung schmerz. Er sinkt nicht in finsterniß: Denn wahrhaftig und gewiß Ist das wort des treuen zeugen. Hier mußMel. Werde munter, mein gem. 180. Heute, sprach mein jeder zweifel schweigen. heiland, heute, An sein blutges kreuz erhöht, Als ein sünder, ihm zur feite, Sterbend noch um gnade fleht; Heute, so betheur ich dir, Heute noch sollst du mit mir, In mein paradies 5. Herr! nun fühl ich, abzuscheiden, Eine heilge luft in mir. Dort sind unbefleckte freuden, Aber müh und sünden hier. Kein auch noch so frühes grab Kürzt des geiftes leben ab; Er soll nur, los Passions- Gefänge. los von beschwerden, Zeitiger veredelt werden. 6. Selig, furchtlos, rein von mängeln, Ja von nun an selig ist, Brüderlich begrüßt von engeln, Der im herrn entschlafne christ. Was sein glaube je gethan, Jedes gute werk folgt dann Seiner feele von der erden Hin vor Gott, sein lohn zu werden. 7. Nun auch ich, o Herr! befehle, Wenn ich kaum noch lallen kann, Die durch dich erlöste seele Deinen treuen händen an. Und du, Heiland! stärkest mich, Rufest mir auch zu, daß ich noch am tage, da ich sterbe, Deine herrlich feit ererbe. 8. Ja, noch an demselben tage Geh ich in den himmel ein, Los von aller furcht und plage, Herr! bei dir daheim zu sein. Da genieß ich deines lichts, Bis der tag des weltgerichts Meines grabes nacht wird enden, Meine seligkeit vollenden. Mel. Christus, der ist mein. 181. Die sonne stand verfinstert, Der mit tag ward zur nacht; Nun hatt er überwunden, und sprach: es ist vollbracht! 2. Der erde furchtbar beben Hob das gebirg empor, Und todte Gottes gingen Aus ihrem grab hervor. 141 3. Den todesüberwinder Umgab des grabes nacht, Und Gottes engel jauchzten, Daß er sein werk vollbracht. 4. Das opfer für die sünde Ist dargebracht vor Gott; Er starb! und heil und leben Wird aller welt sein tod. 5. Nun wird kein opfer wieder In ewigkeit gebracht; Der, den fein volk erwürgte, Hat alles ganz vollbracht. 6. du, der mich versöhnte Dem richter aller welt, Du hast das heil der erde Allmächtig hergestellt! 7. Du schaffest ewgen frieden Dem menschlichen geschlecht, Und du regierst die völker Mit wahrheit und mit recht. 8. Du kommst und führst die deinen In deines vaters reich; Du machst an heil und würde Sie deinen engeln gleich. 9. Wie herrlich ist dein name! Wie groß ist deine macht! Preis dir und dank und ehre, Daß du dein werk vollbracht! 10. Laß mich dein beispiel stärken, Daß ich im glauben treu Und standhaft in der liebe Bis an mein ende sei! tod 11. Darf ich den noch fürchten? Herr, meines lebens kraft! Auch ich werd überwinden Durch dich, der hilfe schafft! 12. Dut 142 Bom Leiden und 12. Du führst mich hin zum ziele: Vollbracht ist dann mein lauf; Dann nimmt in seine hände Auch mich dein vater auf. Mel. Werde munter, mein gem. 182. Der am freuz ist meine liebe! Meine lieb ist Jesus Christ, Dem ich treu zu sein mich übe, Weil er mein erlöser ist. Was die welt liebt, hasſet Gott; Ihre liebe bringt den tod. Jesum will ich nie betrüben, meinen Jesum will ich lieben! 2. Der am freuz ist meine liebe! Frevler, was befremdets dich, Daß ich mich im glauben übe? Jesus Christus starb für mich; Er hat mich mit Gott verföhnt, Hat mit gnade mich gekrönt. Jesum will ich nie betrüben, meinen Jesum will ich lieben! 3. Der am kreuz ist meine liebe! Ach! der welt entfag ich gern. Daß ich ihn nur nicht betrübe, Meinen Heiland, meinen Herrn! Trät ich auf sein blut mit hohn: Kreuzigt ich nicht Gottes sohn? Nein, ich will ihn nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben! 4. Der am freuz ist meine liebe! Schweig, gewissen, Gott vergiebt. Dadurch Tode Jesu Christi. preist Gott seine liebe, Daß sein sohn stirbt, der mich liebt. Wer verdammt nun? Gott ist hier! Gott verzeiht durch Christum mir! Jesum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben! 5. Der am kreuz ist meine liebe! Ich veracht um meinen herrn, Damit ich ihn nicht betrübe, Aller sünden freuden gern. Von ihm scheidet keine noth, Keine marter mich, kein tod. Jefum will ich nie betrüben, Meinen Jesum will ich lieben! 6. Der am freuz ist meine liebe! Jesus, mein bewährter freund! Dieser staub, mein leib, zerstiebe: Dann werd ich mit ihm vereint. Auf des glaubens furzen streit Seh. ich seine herrlichkeit. Jesum will ich nie betrüben, Ewig meinen Jesum lieben! Mel. Wer nur den lieben. A. M. 183. Gs ist vollbracht! so ruft am freuze. sterbenden erlösers Des mund. O wort, voll trost und leben! reize 3ur freude meiDas nes herzens grund. große opfer ist geschehn, Das Gott auch mir zum heil ersehn. 2. Mein Jesus stirbt! die felfen beben, Der sonne schein verlieret sich; In todte dringt ein neues leben, Der heilgen Passions- Gesänge. gen gräber öffnen sich; Der vorhang reißt, die erde kracht, Und die versöhnung ist voll bracht. 3. Wie viel, mein heil! hast du vollendet, Als dir das herz im tode brach. Du häst den fluch hinweggewendet, Der auf der welt voll sünder lag. Für uns hast du genug gethan; Gott nimmt uns nun noch gnädig an. 4. Geset! dein fluch ist nun entkräftet. Mein glaube sieht nun offenbar Die handMel. Erschienen ist der herrl. ſchrift an das kreuz geheftet, 184. G ist vollbracht! Die vergiß ja nicht, wider meine seele war. Er, den mir Gott zum heil gemacht, Nief auch für mich: es ist vollbracht. Mein herz! dies wort, das Christus spricht, Da er für dich am freuze stirbt, Und dir die seligkeit erwirbt. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht des vaters rath, Und was sein wort verfündigt hat; Was keines engels kraft vermag, Vollendet dieser große tag. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! er hats gethan; Gott nimmt des sohnes opfer an. Des vaters will' ist nun erfüllt, Und sein gerechter zorn ge= stillt. Es ist vollbracht! 5. D Herr! laß mich nun auch vollbringen, Was wahre dankbarkeit begehrt. Laß nach der heiligung mich ringen, Wozu dein tod mir kraft gewährt. O stärke mich dazu mit macht, Bis meine beßrung ganz vollbracht. 6. Du litt'st so viel zu meinem leben; Drum laß mich stets voll eifer sein, Mich deinem dienste zu ergeben, und keine schmach dabei zu scheun. Dein dienst, mein Heiland! sei mein ruhm; Denn ich bin ganz dein eigenthum. 143 Und hat mein Gott gehäufte schmerzen Zu meiner prüfung außersehn; So laß auch mich den troft erfreun: Vollbracht wird einst mein leiden sein. 8. Ja, fühlt mein Herz des todes schrecken; So stärk mich unter solcher last. Laß mich den trost auch sterbend schmecken, Daß du ihn überwunden haft: So tret ich in des todes nacht Mit dem triumph: es ist vollbracht! 7. Soll ich, bei dir ergebnem herzen, Auch hier durch manche trübsal gehn, 4. Es ist vollbracht! vollkommen ist Das opfer, dessen blut hier fließt; Gott nimmt, was er gethan hat, an, Als hätten wir es selbst gethan. Es ist vollbracht! 5.€ 8 144 Vom Leiden und Tode Jesu Christi. 5. Es ist vollbracht! durch ihn befreit, Erwart ich seine seligkeit. Mir ist sein leben, ( denn er nimmt Dem tode seine macht,) bestimmt. Es ist vollbracht! 6. Es ist vollbracht! vergiß ja nicht, mein herz, das wort, das Jesus spricht. Folg ihm; im tode ruft er dann: Ich nehme dich zum leben an. Es ist vollbracht! Mel. Ich hab mein' sach. 185. Nun ist es alles wohl gemacht. Mein Jesus ruft: es ist vollbracht! Der neigt sein haupt, o mensch! und stirbt, Der dir erwirbt Das erbe, welches nie verdirbt. 2. Der, dem an hoheit feiner gleicht, Der Herr der herrlichkeit erbleicht. Was wunder, daß die erde kracht! Die welt deckt nacht; Es stirbt, der sie hervorgebracht. 3. Das heiligthum steht aufgedeckt; Die felfen bersten, alles schreckt; Die freudenlose freatur Klagt jego nur Den tod des herrschers der natur. 4. Sieh! die natur entseget sich. Was sie schreckt, mensch! das schreck auch dich! Der fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dies gericht Beweget, daß dein herz dir bricht? 5. Du selbst, hast du es gnug bedacht? Du haft den herrn ans freuz gebracht. Ihm, der für dich sein leben gab, Folg in sein grab, Und stirb dem sündengräuel ab. 6. Ach, Vater! unter pein und hohn Erbleicht am freuz dein eigner sohn. Nun ist kein zweifel, deine huld Tilgt meine schuld, Und trägt forthin mit mir geduld. 7. Ich will mit ihm zum grabe gehn, Und, wo die unschuld bleibet, sehn. Sein tod soll meine zuflucht sein; Auf ihn allein Schlaf ich einst sanft und selig ein. jsünde mich 8. Und nun dient ich der noch? Wie drücket ihr schweres joch! Auf, seele! daß du dich erhebst, Nur Jesu lebst, Nur Jesu zu gefallen strebst! 9. Tödt', Jesu, selbst in meiner brust, Was sich noch findt von böser luft. Dein tod, der mir das leben schafft, Giebt mir auch kraft Und muth in meiner pilgerschaft. 10. Ja, Herr, mein Hei land! fräftiglich Stärkst du in meinem vorsatz mich. Ich seße freudig, auf dein wort, Den fampf stets fort. Der reiche lohn erfolget dort. 11. Wie dank ich gnug dir, Jesu Christ, Daß du für mich gestorben bist! Dich preis ich auch in angst und leid; Doch, nach der zeit, Noch würdiger in ewigkeit. Mel. Passions- Gesänge. Mel. O traurigkeit, Herzeleid. 186. Das heil ist da! Auf Golgatha Stirbt, als ein missethäter, Jesus, der gerechte, stirbt Für die übertreter. 2. Das heil ist da! Auf Golgatha Seh ich am freuz ihn hängen. Seht, wie da sich ströme bluts Aus den adern drängen. 3. Das heil ist da! Auf Golgatha Hat ihn sein Gott verlassen. Ach, wer kann die ganze qual Seiner seele faffen? 4. Das heil ist da! Auf Golgatha Erwarb sein tod uns leben, Ewig, ewig wollen wir Seinen tod erheben. Vom Begräbnisse Jesu Chrifti. Mel. O traurigkeit, Herzeleid. 187. 3ur grabesruh Entschliefest du, Der du für uns geſtorben, Und am freuz uns schmerzenvoll Ewges heil erworben. 2. Du bist erblaßt, Herr! und hast Doch in dir felbst das leben. Gleich den sterblichen hielt dich Einst das grab umgeben. 3. Doch, heil sei mir! Du konntest hier nicht die verwesung sehen; Bald hieß dich des höchsten kraft Aus dem grabe gehen. N. A. 145 4. Ich weiß, du wirst, Mein lebensfürst! Wie dich, auch mich erwecken. Sollte denn mein gläubigs herz Vor der gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, Bis du erscheinst, Im sanften frieden liegen: Denn durch deinen tod kann ich Tod und grab besiegen. 6. Ihr, die die welt Gefesselt hält, Zagt nur vor der verwesung! der verwesung! Ich, ich Hoff in Chrifto einst Meines leibs erlösung. 7. Nein, nichts verdirbt; Selbst das, was stirbt, Der leib, wird auferstehen, Und, zu himmelsglanz verklärt, Aus dem grabe gehen. 8. So fint ins grab, Mein leib, hinab! Ich will mich drum nicht fränken, Sondern, Jesu! mir zum trost, An dein grab gedenken. Mel. O traurigkeit, herzeleid. 188. Hier ruht der held, Der dich, o tod ervaters welt, Durch seinen worben. Er, des ewger sohn, Ist als mensch gestorben. 2. fünder! dir Zum trost, liegt hier Des lebens herr begraben! Deine sünden sind es, die Ihn getödtet haben. 3. Ach! sollte nicht Dein angesicht Von thränen über10 fließen! 146 Vom Leiden und Tode Jesu Christi. fließen! Da den fels, der Mel. O traurigkeit, herzeleid. dich gezeugt, Fels und gruft 189. 3hr augen weint! verschließen? Der menschen4. Der sterbend siegt, Dein heiland, liegt Erblaßt hier in der erde: Daß der mensch durch seinen tod Einst unsterblich werde. 5. Du starbst für mich! Für uns hat dich Des from men grab bedecket. Sünder, kehrt beschämt zurück, Zittert und erschrecket! 6. Für meine schuld, Herz voll huld! Hast du dein blut vergossen; Deine augen, Herr, mein heil, Mir zum trost geschlossen. 7. Es ist vollbracht! Aus eigner macht Ließ Christus hier sein leben. Von verwefung frei, wird er Sichs auch wieder geben. 8. Bald, bald erwacht Der Herr! die nacht Des grabes geht zu ende; Tod und stein entkräften nicht Seiner allmacht hände. 9. Geheiligt ist Dein grab, o christ! Dich kanns nicht ewig decken. Des erlösers grab befreit Deine gruft von schrecken. 10. Sink ich hinab Ins finstre grab, Und werde staub, ich armer! Dann gedenke gnädig mein, Siegender Erbarmer! freund, Der edle, der gerechte, Wird verachtet, wird- verschmäht, Stirbt den tod der knechte. 2. Ihr augen weint! Der menschenfreund Sinkt unter tausend plagen. Konnte seine. sanfte brust So viel schmerz ertragen? 3. Ihr augen weint! Der menschenfreund Verläßt sein theures leben, Hat dem vater seinen geist Willig hingegeben. 4. Ihr augen weint! Der menschenfreund Ruht in des grabes schatten. Weint nicht! süßer schlaf erquickt Den gequälten matten. - 5. Nein, weint nicht mehr! Es kann der herr Nicht die verwesung sehen; Wird nach kurzer grabesruh Wieder auferstehen. Von der Kraft und. Anwendung der Leiden und des Todes Jesu Christi. Mel. Nun ruhen alle wälder. 190. Frohloce, mein gemüthe, Gottes güte In deinem heiland an! Was selbst der engel schaaren Zu thun nicht fähig Passions- Gesänge. fähig waren, Das hat des menschen sohn gethan. 2. Schau hin, wie der ge= rechte Für uns, der sünden knechte, Den bittern zornfelch trinkt; Wie er, ans freuz erhöhet, Für seine mörder flehet, Und siegreich in den tod hinsinkt. 3. Wir fünder sollten sterben; Fluch lag auf Adams erben, Fluch auf der argen welt; Doch er fam uns zu gute, Und gab mit seinem blute Für uns ein ewges lösegeld. 4. Kein freund meint es mit freunden So treu, als es mit feinden Er, unser mittler, meint. Preis ihm, dem überwinder! Nun sind wir Gottes finder, Mit Gott versöhnt durch unsern freund. 147 laut zeugt, Herr der herrlichfeit! Dein tod von deiner göttlichkeit. 3. Du stirbst, die hohen himmelslehren Von tugend und unsterblichkeit Der welt als göttlich zu bewähren. Mein lehrer, sei gebenedeit! Nun kenn ich meiner seele werth Und Gott, den du uns hier verklärt. 4. Nur segen hast du hier verbreitet, Oft nächte betend durchgewacht, Die sterblichen zu Gott geleitet und treu dein tagewerk vollbracht. Wie freudenvoll stirbt nun ein christ, Dem, Herr! dein freuz den tod versüßt. 5. Froh feierst du die große stunde, Da du zu deinem vater gehst, Und noch zuvor aus herzensgrunde Für deine feinde duldend flehst; Den sterbend segnest, der dich schalt, Dein wohlthun dir mit haß vergalt. 6. Auf die, die weinend um dich stehen, Gieß'st du der freundschaft segen aus; Sprichst glaubensvoll vom wiedersehen Im himmel, in des vaters haus; Strömst hohen muth und trost und ruh Den kummervollen seelen zu. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 191. Golgatha! zu deinen höhen Erhebt sich dankend auch mein Herz. Ich will den heilgen Gottes sehen In seines opfertodes schmerz; Ich will für seine lieb und pein Ihm meine ganze seele weihn. 2. Wie rührend scheidet der gerechte, Im tod als Gottes sohn bewährt! 3war leidet er den tod der knechte, Von frevlern noch am freuz entehrt; Doch 7. Du siehst auf die vollbrachten thaten, Als aussaat auf die ewigkeit; Dankst Gott, durch den dein werk 10* gera Vom Leiden und Tode Jesu Chrifti. 148 gerathen, Der bald dafür den lohn dir beut; Empfiehlst den geist in seine hand, Und gehst getrost ins vaterland. 8. Erlöser! tausend fromme schieden Auf dein verdienst mit freudigkeit, Empfanden sterbend seelenfrieden, Den troft, den uns dein tod verleiht. O, laß mich dir mein leben weihn, Dir auch noch sterbend dankbar sein. 9. Das wort vom kreuz bleibt allen deinen Erquiffung, obs die welt auch schmäht. Es mag dem spötter thorheit scheinen, Der ohne dich verloren geht; Uns ist es ruhm und gottesfraft, Uns trost in unsrer pilgerschaft. 192. Schau, Mel. Herr Gott, der du erforsch. sünder! wie dein Gott dich liebt, Daß in so schwere plagen Er seinen eignen sohn hingiebt, Um ihn für dich zu schlagen. Du hattest qual und tod verschuldt; tod verschuldt; Doch, weil Gott deiner mit geduld, Aus liebe, schonen wollte, Schont er des eignen sohnes nicht, Ging mit dem bürgen ins gericht, Der für dich zahlen sollte. 2. Gebeugter fünder, tritt herzu! Schau seine blutgen wunden! Hier Hier hat schon mancher fünder ruh In seiner angst gefunden. Der strom des lebens, der hier quillt, Dich reinigt, dein gewissen stillt, Wird auch mit trost dich laben. Tritt her! an Jesu sollst du theil, Und unentgeltlich gnad und heil Aus seiner fülle haben. 3. Für dich hat er mit sei nem blut Des satans macht gedämpfet; Für dich gelöscht der hölle glut, Das leben dir erkämpfet. Durch ihn ist das gesetz erfüllt, Der fluch getilgt, der zorn gestillt; Auf ihn hin sollst du schauen. Er heilet das verwundte herz Von jeder wund und jedem schmerz, Wenn wir ihm fest vertrauen. 4. Auf meinen Jesum schau auch ich; Ich werde nun nicht sterben. Nein! leben werd ich; mich, auch mich Entreißt er dem verderben. Er, mein erlöser, er allein Soll immer mir vor augen sein, Ja tief ins Herz gedrücket. Wohl mir! hier darf ich ihm ver= traun, Und dort werd ich Daß sein antlig schaun, ewig mich erquicket. Mel. Herzlich thut mich verl. 193. Tag, der den überwinder Des todes sterben sah, Als er die welt voll sünder Erlöst auf Golgatha! Wie zürnend auf die Passions- Gesänge. die sünde Zeigst du den richter mir! Wie gütig, wie gelinde Zeigt er sich auch an dir! 2. Gott ist ein ernster rächer, Ist heilig, ist gerecht; Vor ihm schützt den verbrecher Nicht ansehn, nicht geschlecht. Vom himmel, wo er wohnet, Kommt er einst zum gericht Voll majestät, und schonet Der übertreter nicht. 3. Der seinen sohn, als bürgen, Für uns genugthun hieß, Der seinen sohn erwürgen, Am freuz erwürgen ließ; Der kann nicht seinem knechte Die missethat verzeihn; Könnt er sonst der gerechte, Der ernste richter ſein? 4. Doch soll der sünder leben! Erbarmungsvoller Gott! Du kannst, du willst vergeben, Durch deines sohnes tod. Wenn wir die sünde hassen, Und glaubend zu ihm fliehn, Willst du die schuld erlassen, Und gnädig sein durch ihn. 5. O wundervolle güte, Wie wirst du g'nug verehrt? Wie fasset mein gemüthe Ganz dieser wohlthat werth? Wie richt ich meine triebe, Gott, ihrer werth zu sein, Mich ewig deiner liebe In deinem sohn zu freun? 6. Wenn noch die lust zu sünden Mich zu verführen 149 droht, Hilf mir sie überwinden Durch deines sohnes tod! Lehr mich die sünde meiden, Weil er geſtorben ist; Mir predige sein leiden, Gott! wie gerecht du biſt. 7. Und deine lieb erfülle Mein Herz mit dankbarkeit; Gehorsam sei mein wille, Mein thun rechtschaffenheit! Fromm lehr mich sein mit freuden, Weil er gestorben ist! Mir predige sein leiden, Wie gütig, Gott, du bist! Mel. Jesu, meines lebens leben. 194. Der du uns mit deinem blute Dir zum eigenthum er= warbst, Und uns sündern, uns zu gute, Schmachvoll an dem kreuze starbst! Ach! wie dienen deine christen Immer noch der sünde lüften! Leben ohne besserung, Fern von ihrer heiligung! 2. Herr! du littst, uns vom verderben, Von der fünd uns zu befrein: Und wir wollen lieber sterben, Lieber ihre knechte sein! Glauben noch in alten sünden Unsers lebens ruh zu finden, Und vergessen dein gebot, Deine schmach und deinen tod! 3. Ach, wann werden wirs erkennen, Warum du gestorben bist? Wann uns nicht bloß christen nennen, Sondern thun, was christlich ist? Wann, Vom Leiden und Tode Jesu Chrifti. 150 Wann, um deines todes willen, Mittier! dein gesetz erfüllen, Fromm auf deine leiden sehn, Und den lüften widerstehn? 4. Wer dich sieht, von Gott verlassen, In der tiefsten traurigkeit Dich, Erlöser! sieht erblassen, Nach vollbrachtem schweren streit, Und läßt doch zum dienst der sünden Seine lüfte sich entzünden: Der hat nicht an deinem heil, Nicht an Gottes gnade theil. 5. Ihn, zum ewgen heil geboren, Trifft der sünden ewger fluch; Schrecklich gehet er verloren! Denn sein glaube war betrug. Er bekannte deinen namen, Ohne dir, Herr! nachzuahmen, Rühmte seines glaubens sich Und verläugnete doch dich. 6. Ach, wenn uns der trieb zur sünde Reizet wider unsre pflicht, Heiligster! so überwinde Uns der trieb zur sünde nicht! Lehr uns muthig ihn bekämpfen, und die macht der lüste dämpfen! Steh uns in versuchung bei, Und erhalt uns dir getreu. 7. Jesu! lehr auf dich uns schauen: Du erlagst der sünde nie! Laß dein beispiel uns erbauen, Und uns stärken wider sie! Und die absicht deiner schmerzen Präge tief in unsre herzen: Daß wir, von der fünde rein, Heiligster! dir ähnlich sein. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 195. Ach, sieh ihn dulden, bluten, sterben! O meine seele, sag ihm dank! Sieh Gottes eignen sohn und erben, Wie mächtig ihn die liebe drang! Ja, dank dir, treuster menschenfreund, Der dus so gut mit mir gemeint. 2. Wie dunkel waren jene stunden, Und welche lasten drückten dich! Wie quoll das blut aus deinen wunden!. Und ach, es floß zum heilfür mich, Und ruft auch jetzt mir trostvoll zu: Du liebst mich, frommer dulder, du. 3. So sollt es sein, dirmußtest leiden; Dein tod macht Gottes buld mir fund.. Er ist für mich ein quell der freuden, Ein siegel auf den friedensbund. So wahr dich Gott zum heiland giebt, So feste stehts, daß er mich liebt. 4. Dein bin ich nun, und Gottes erbe Werd ich gewiß. im glauben fein. Wenn ich auch leide, wenn ich sterbe, Sind doch der zukunft freuden mein. Wenn erd und himmel untergehn, Bleibt Gottes gnade ewig stehn. 5. Bestätigt ist nun deine Lehre; Mein glaube hält sich fest an dich. Denn mir zum troft Passions- Gesänge. trost und dir zur ehre Gabst du dich in den tod für mich. Dein ist nun lob und preis und ruhm, Und mein der unschuld eigenthum. 6. Gieb, daß ich deine stimme höre, Gern thu, was mir dein wort gebeut, Durch frommen wandel dich verehre, Dir folge in der prüfungszeit. Die dankbarkeit dringt mich dazu; Ach, wer verdient sie mehr, als du! 7. Nie will ich mich an feinden rächen; Auch dies lern ich, mein heil! von dir; Nie Gottes schickung widersprechen, Wär sie auch noch so dunkel mir. Auf dornen gingst du hin vor mir, Und ich dein jünger folge dir. 8. Was fürcht ich noch des todes schrecken? Du schliefft auch einst im grab, mein freund! Mag staub auch deine glieder decken, Wenn nun des todes nacht erscheint! Der dir das leben wiedergab, Ruft einst auch mich aus meinem grab. 9. Nimm hin den dank für deine plagen, Mein retter, den die liebe bringt! Einst will ich dirs noch besser sagen, Wenn dir mein geist dort oben singt. Der himmel selbst soll zeuge sein, Und alle selgen stimmen ein. 15t mein Herr Jesu Christ! So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine schuldenlast Am stamm des heilgen kreuzes Auf dich genommen haft. 2. wunder ohne maßen, Wenn mans betrachtet recht! Es hat sich martern laffen Der herr für ſeine knecht: Es hat sich selbst der wahre Gott Für mich verlornen menschen Gegeben in den tod. 196. Wenn meine sündn mich fränken, 3. Was kann mir denn nun schaden Der sünden große zahl? Ich bin bei Gott in gnaden; Die schuld ist allzumal Bezahlt durch Christi theures blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der hölden qual und glut. 4. Drum sag ich dir von herzen, Jetzt und mein lebelang, Für deine pein und schmerzen, O Jesu! lob und danf: Für deine noth und angstgeschrei, Für dein unschuldig sterben, Für deine lieb und treu. 5. Herr! laß dein bittres leiden Mich reizen für und für, Mit allem ernst zu meiden Die fündliche begier: Daß mir nicht komme aus dem sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein freuz und meine plagen, Sollte auch sein schmach und spott, Hilf mir gedul 152 Vom Leiden und geduldig tragen: Gieb, o mein Herr und Gott! Daß ich verläugne diese welt, Und folge dem erempel, Das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn eigennuß und heuchlerschein, Ünd, wie du mir erwiesen, Aus reiner lieb allein. 8. Laß endlich deine wunden Mich trösten kräftiglich In meinen letzten stunden, Und deß versichern mich: Weil ich auf dein verdienst nur trau, Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau. Mel. Herzliebster Jesu, was hast. 197. Laß deinen geist mich stets, mein Heiland! lehren, Dein göttlich freuz im glauben zu verehren; Daß ich getreu in dem beruf der liebe Mich christlich übe. 2. Das gute thun, das böse fliehn und meiden, Herr, diese pflicht lehrt mich dein heilges leiden. Kann ich zugleich das böse mir erlauben, Und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahin gegeben, Wie könnt ich noch nach meinem willen leben? Und nicht vielTode Jesu Christi. mehr, weil ich dir angehöre, Zu deiner ehre? 4. Ich sollte nicht, wenn leiden dieser erden, Wenn freuz mich trifft, gelaßnes. herzens werden? Da du so viel für uns, die wirs verschuldet, Liebreich erduldet? 5. Für welche du dein leben selbst gelassen, Wie könnt ich sie, sie meine brüder, hassen, Und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, Für sie noch beten? 6. Ich will nicht haß mit gleichem haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du, Heiliger, du, Herr und haupt der glieder! Schalt'st auch nicht wieder. 7. Ein reines herz, gleich deinem edlen herzen, Dies ist der dank für deines kreuzes schmerzen. zes schmerzen. Gott gebe uns die kraft, uns die kraft, in deinem namen Dir nachzuahmen. Mel. Herzliebster Jesu, was. 198. Gottesjohn! du littest mir zu gute, Versöhntest mich, o Herr! mit deinem blute. Du hast mir heil, da du für mich gestorben, Am freuz erworben. 2. So bin ich denn schon selig hier im glauben? So wird mir nichts, nichts meine krone rauben? So werd ich dort, Passions- Gesänge. dort, von herrlichkeit umgeben, Einst ewig leben? 3. Ja, wenn ich stets der tugend pfad betrete, m betrete, Im glauben kämpf, im glauben wach und bete; So ist mein heil schon so gewiß erstrebet, Als Jesus lebet. 4. Lockt böse lust mein herz mit ihrem reize, So schrecke mich dein wort, das wort vom freuze; Und werd ich matt im laufe guter werke, So sei mirs stärke. 5. Seh ich dein freuz den klugen dieser erden Ein ärgerniß und eine thorheit werden, So seis doch mir, trop allen frechen spottes, Die weisheit Gottes. 6. Gott! eile nicht, sie rächend zu zerschmettern; Erbarme dich, wenn einer von den spöttern Sich spät bekehrt und dich, den er geschmähet, Um gnade flehet. 7. Wenn endlich, Herr! mich meine sünden fränken, So laß dein kreuz mir wieder ruhe schenken! Dein freuz, dies sei, wenn ich den tod einst leide, Mir fried und freude! 199. Jesu! deine tiefe wunden, Deine qual, dein bittrer tod, Die du auch für mich empfunden, Schaffen troft in jeder noth. Fällt mir etwas arges ein: 153 , so gieb von deiner pein Starfen eindruck meinem herzen, Mit der fünde nicht zu scherzen. 2. Schmeicheln mir der wollust freuden, Und wird mir die tugend schwer: So gedenk ich an dein leiden, Werde meiner lüste herr. Drohet der versucher mir: Ach, so eil ich, Herr, zu dir. Mich schüßt, daß er mir nicht schade, Deines todes fraft und gnade. 3. Will die welt mein herz verführen Auf der eitelkeiten bahn, Wo so viele sich verlieren, Und sich dem verderben nahn: Dann denk ich der marter last, Die du ausgestanden hast, Daß ich dir getreu verbleibe, Und die böse luft vertreibe. 4. Gieb bei allem, was mich fränket, Mir aus deinem leiden ruh. Wenn mein Herz daran gedenket, Ströme neuer trost mir zu. Deines trostes süßigkeit Mildert jedes bittre leid. Ewges heil ist mir erworben; Denn du bist für mich gestorben. 5. Auf dich jetz ich mein vertrauen, Jeju, meine zuversicht. Du vertreibſt des todes grauen. Durch dich schadet er mir nicht. Sicher ist bei dir mein heil. Hab ich Herr! an dir mein theil: D, so wirst du ewges leben Mir 154 Vom Leiden und Mir auch einst aus gnaden geben. 6. Hab ich dich in meinem herzen, Hoffnung jener herrlichkeit! So besieg ich auch die schmerzen Von dem letzten kampf und streit. Wenn gleich meine hütte bricht, Quält doch todesfurcht mich nicht; Durch den trost aus deinen wunden Wird sie glücklich überwunden. Tode Jesu Christi. rung schafft, Was zur tugend leitet, Dazu hast du neue kraft Durch dein freuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun Mich um fraft bewerben, Gottes willen gern zu thun, Sünden abzusterben. 3. Nun kann meine miffethat Noch vergebung finden: Denn du starbst, nach Gottes rath, Für der menschen sünden. Unsre lasten trugest du, Littest, uns zu retten, Daß wir im gewissen ruh, Mit Gott friede hätten. 4. Was uns luft zur beß5. Froh kann ich ins todesthal Schon im voraus sehen, Und zu jener welt einmal Ohne schrecken gehen. Denn du hast aus aller noth Rettung mir errungen, Und durch deinen kreuzestod Meinen tod bezwungen. Mel. Christus, der uns selig. Erlöser, 200. Mein thron, Gottes Sohn, 6. Herr! was bin ich, Der du für mich littest, Und daß du mein So dich angeerhöht auf Gottes Gottes thron, nommen? Laß die furcht Jetzt noch für mich bittest; von deiner pein Nun audy Welche wohlthat ist für mich auf mich kommen! Gieb mir Dein versöhnend leiden! Dweisheit, gieb mir fraft; wie preis ich würdig dich, Stifter meiner freuden! Denn du hast in händen, Was du mir zum heil verschafft, Gläubig anzuwenden. 2. Dir, dem Herrn der herrlichkeit, War es ja gegeben, Ohne schmerzen, ohne leid, Ewig froh zu leben. Aber, o der großen huld! Daß ich selig würde, Uebernahmst du in geduld Schwerer leiden bürde. 7. Strafet mein gewissen mich, Reun mich meine sünden; D, dann lap, gestärkt durch dich, Mich den troft empfinden: Daß du auch für meine schuld Bist am freuz gestorben, Und zu Gottes vaterhuld Zutritt mir erworben. 8. Laß das wort von deinem freuz Mich mit muth beleben, Standhaft jeder sünde reiz Hier zu widerstreben. Treib mich mächtig dadurch Gott zu an, Mich vor scheuen, Passions- Gesänge. scheuen, Was ich unrecht je gethan, Innig zu bereuen. 9. Stärke mich durch deinen tod Auf die letzten stunden. Wie du deines todes noth Siegreich überwunden, O so hilf dazu auch mir; Laß mich fröhlich scheiden. Herr! so dank ich ewig dir Für dein bittres leiden. Mel. Das ist fürwabr ein föſtl. 201. Herr Jesu Christ! dein theures blut Ist meiner seele bestes gut; Das stärkt, das labt, das macht allein Mein herz von aller fünde rein. 2. Dein blut, mein schmuck, mein ehrenkleid, Dein' unschuld und gerechtigfeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und zu der himmelsfreude gehn. O 3. Jesu Christe, Gottessohn! Mein trost, mein heil, mein gnadenthron! Dein blut, das mir erlösung ſchafft, Schenkt immer neue 4. Herr Jesu! in der letzten noth, Wenn mich schreckt teufel, sünd und tod; So laß ja dies mein labsal sein: Dein blut macht mich von sünden rein. 155 Durch dein bittres leiden, Daß wir, stets dir unterthan, All untugend meiden; Deinen tod und sein ursach Fruchtbarlich bedenken, Dafür, wiewohl arm und schwach, Dir dankopfer schenken. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 204. Wir danken dir, o Jesu Christ! Daß du für uns gestorben bist, Und unsrer sünden schwere laft Am freuz auf dich genommen hast. 2. Sohn Gottes und des menschen Sohn, Verherrlicht nun, nach spott und hohn! Sei unsre zuflucht in der noth, Und unser trost Sohn! auch einst im tod! 3. D Mel. Christus, der uns selig. O 202. hilf, Christe, Gottes Mel. Kommt her zu mir, spricht. 203. Naßt uns doch Christo dankbar sein, Daß er für uns in große pein Sich willig hat gegeben; Auch laßt uns sein der sünde feind, Weil wir mit Gott versöhnet seind, Nach seinem willen leben. 2. Die lieb erzeigen jederz mann, Die Christus hat an uns gethan Mit seinem bittern leiden. O menschenfind! betracht es recht, Wie Gottes zorn die fünde schlägt; Bemüh dich, sie zu meiden. 156 Von der Auferstehung Jesu Christi. 3. Dreich uns deine starke hand In diesem unserm pilgerstand, Damit auch wir geduldig sein, Wie du in Wie du in deiner Freuzespein! 11. Von der Auferstehung Jesu Christi. Aufs Osterfest. Mel. Sollt ich meinem Gott. 205. Auferstanden, auf erstanden Ist der herr, der uns versöhnt! Dwie hat, nach schmerz und banden, Gott mit ehren ihn gekrönt! Dort zu ſeines vaters rechten, Ueber schmach und tod erhöht, Herrscht er nun in majeſtät. Freut euch feiner, ihr gerechten! Und ihr seine feinde, bebt! Halleluja! Jesus lebt! 2. Singt dem herrn! er ist erstanden, Er, der starb auf Golgatha. Rühmt es, rühmts in allen landen: Was er uns verhieß, geschah. Wer, wer kann ihm widerſtreben? Mächtig dringt der held empor; Im triumph bricht er hervor, Und des abgrunds pforten beben, Da ihr sieger sich erhebt. Halleluja! Jesus lebt! 4. Auf dich steht unsre zuversicht; Verlaß uns, Herr, verlaß uns nicht! Hilf uns der sünde widerstehn, Und durch den tod ins Leben gehn! 3. Uns vom tode zu befreien, Sank er in des grabes nacht; Uns zum leben einzuweihen, Steht er auf durch Gottes macht. Tod! du bist in sieg verschlungen, Deine schrecken sind gedämpft, Deine herrschaft ist bekämpft, Und das leben uns errungen, Ob man auch uns einst begräbt. Halleluja! Jesus lebt! 4. Aus dem grab uns zu erheben, erheben, Ging er zu dem vater hin. Laßt uns ihm zur ehre leben: Dann ist sterben uns gewinn. Haltet unter lust und leiden Im gedächtniß Jefum Christ, Der vom tod erstanden ist. Unvergänglich sind die freuden Deß, der nach dem himmel strebt. Halleluja! Jeſus lebt! 5. Freut euch seiner, Gottestinder! Er sei euer lobgesang! Bringt dem todesüberwinder Ehr und stärke, preis und dank. Rühmts in der versuchung stunden, Wenn euch fluch und sünde droht; Rühmts in eurer todesnoth! Und habt ihr einst über Aufs Osterfest. überwunden, Wenn er euch zu sich erhebt, Rühmt es ewig: Jesus lebt! Mel. Vom himmel hoch da. 206. Grschienen iſt der fiegestag! Der heiland, der im grabe lag, Christ, unser herr, hat triumphirt, Ist auferstanden und regiert. 2. Den grimm des satans und den tod, Die hölle, jede sünd und noth Hat überwunden Jesus Christ, Der siegreich auferstanden ist. 3. Die jüngerinnen eilen früh Zum grabe; Jesum suchen sie, 3u salben seinen leib: doch er Lebt wieder und sein grab ist leer. 4. Ein engel spricht: wen suchet ihr? Der hier geruht hat, ist nicht hier! Seht hier die leichentücher, geht, Und sagts den jüngern, was ihr seht! 5. Die jünger sehn ihn, könnens nicht Vor freuden glauben; Jesus spricht: Ich bins! Und ihre traurigkeit Wird jubel, wonn und seligkeit. 6. 3ween jünger fragen, tief verirrt In zweifel, was noch kommen wird. Er kommt und lehrt; ihr herz entbrennt, Ob gleich ihr aug ihn nicht erkennt. 7. Er will( o scheints) - 157 vorüber gehn. Er bleibt bei ihnen, und sie sehn Den herrn, als er das brod nun bricht; Sie sehn den Herrn, und zweifeln nicht. 8. Sieh meine nägelmale hier,( Spricht er zu Thomas,) glaube mir! Und Thomas ruft: mein Herr und Gott! Du bists! du bists, mein Herr und Gott! 9. Er lebt! er lebt! die hölle liegt zu seinen füßen! Jesus siegt! Der Löw aus Juda überwand, Der für uns starb und auferstand. 10. Drei tage nur hielt den das grab, Den Gott uns zum erretter gab. Er nahm dem tode seinen raub, Und einst belebt er unsern staub. 11. Wie furchtbar auch das grab uns droht: Wir fürchten doch nicht grab und tod! Zerstört ist nun des todes macht! Er hat das leben wiederbracht! 12. Wie werden wir des siegs uns freun, Wenn wir, von allen sünden rein, Dir ewig jauchzen, Jesu Christ, Daß du für uns erstanden biſt! Mel. Vom himmel hoch da. 207. Grinnre dich, mein geist, erfreut Des hohen tags der herrlichfeit; 158 Von der Auferstehung Jesu Christi. teit; Halt im gedächtniß gehn, Und einst zu deiner Jefum Christ, Der von dem rechten stehn! tod erstanden ist. 2. Fühl alle dankbarkeit für ihn! Als ob er heute dir erschien, Als spräch er: friede sei mit dir! So freue dich, mein geist, in mir. 9. Mit engeln und mit seraphim Soll ich erheben meine stimm! Mit allen frommen aller zeit Soll ich mich freun in ewigkeit! 3. Schau über dich und bet ihn an; Er mißt den sternen ihre bahn; Er lebt und herrscht, mit Gott vereint, Und ist dein bruder und dein freund. 10. Zu welchem glück, zu welchem ruhm Erhebt uns nicht das christenthum! Mitdir gekreuzigt, Gottes Sohn, Sind wir auch auferstanden schon. 4. Macht, ruhm und hoheit immerdar Dem, der da ist und der da war! Sein Von name sei gebenedeit nun an bis in ewigkeit! 5. O glaube, der das Herz erhöht! Was ist der erde majestät, Wenn sie mein herz mit der vergleicht, Die ich durch Gottes sohn erreicht? 6. Vor seinem thron, in feinem reich, Unsterblich, heilig, engeln gleich, Und ewig, ewig selig sein; Herr, welche herrlichkeit ist mein! 7. Du, der du in den himmeln thronst, Ich soll da wohnen, wo du wohnst! Und du erfüllst einst mein vertraun, Dich in der herrlichkeit zu schaun. 8. Ich soll, wenn du, des lebens fürst, In wolken göttlich kommen wirst, Erweckt aus meinem grabe 11. Nie komm es mir aus meinem sinn, Was ich dir, Heiland! schuldig bin; Damit ich, in der liebe treu, Zu deinem bilde micherneu. 12. Du bists, der alles in uns schafft; Dein ist das reich, dein ist die kraft. Ichhoff auf dich, Herr Jesu Christ! Der du vom tod erstanden bist. Mel. Es ist das heil uns. 208. Herr, err, unser heit! du hast gesiegt, Bist frei von todesbanden. Du zeigest, daß dein wort nicht trügt: Denn du bist auferstanden. Dein kreuz, an das man dich erhöht, Verwandelt sich in majestät; Du gehst aus deinem grabe. 2. Gehaßt in deiner niedrigkeit, Warst du ein ziel des spottes, Und zeigtest doch zu gleicher zeit An dir die hoheit Gottes. 159 209. Christ ist erstanden Von der marter Aufs Osterfest. Gottes. Dein kreuz schien zwar der welt ein gräul; Doch sterben für der feinde heil, Das ist die höchste tugend. 3. Dein reich war nicht von dieser welt, Dein ruhm nicht menschen ehre. An demuth groß, an lieb ein held, Und göttlich in der lehre, Geduldig und von sünden rein, Gehorsam bis zum freuze sein, War, Heiland! deine größe. 4. Du starbst am freuz; doch war dir nicht Die kraft des herrn gegeben? Wer gab den blinden das gesicht? Den todten selbst das leben? Und wem gehorchte wind und meer? Und wem der bösen geister heer? Du warst von Gott gekommen. nicht 5. Nun irren schmach und spott, Noch deines freuzes schanden. Du bist mein herr, du bist mein Gott: Denn du bist auferstanden. Du bist mein heil, mein fels, mein hort, Der herr, durch dessen mächtig wort Auch ich einst ewig lebe. 6. Wir sind nunmehr mit Gott versöhnt, Durch dich des himmels erben. Dies ist die hoffnung, die mich krönt, In dieser will ich sterben. Wie du vom tod erstanden bist, So werd auch ich, Herr Jesu Christ! Am jüngsten tag aufstehen. alle. Deß solln wir alle froh sein; Christ will unser trost sein. Halleluja! 2. Wär er nicht erstanden, So wär die welt vergangen; Seit daß er erstanden ist, Lob'n wir den herren Jesum Christ. Halleluja! 3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Deß solln wir alle froh sein: Christ will unser troſst sein. Halleluja! ( Dasselbe Lied verändert.) 210, Christus ist erstanden; Keine todesbanden Hielten ihn, den göttlichen. Freut euch, ihr erlöfeten, Gures erretters! 2. Bei den grabgedanken Mag der unchrift wanken! Unsre hoffnung stehet fest, Die auf Christum sich verläßt, Er ist erstanden! 3. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! Ewig sollen wir uns sein, Unsers seligmachers, freun. Dank dem erbarmer! Mel. Jesus, meine zuversicht. 211. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine schrecken? Er, er lebt, und wird auch mich Von den todten auferwecken. Er verklärt mich 160 Von der Auferstehung Jesu Christi. mich in sein licht; Dies ist meine zuversicht. 2. Jesus lebt, ihm ist das reich Ueber alle welt gegeben. Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; Dies ist meine zuversicht. 3. Jesus lebt! wer nun verzagt, Der verkleinert Gottes ehre. Gnade hat er zugesagt, Daß der fünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; Dies ist meine zuversicht. 4. Jesus lebt! sein heil ist mein! Sein sei auch mein ganzes leben. Reines herzens will ich sein, Und den lüften widerstreben. Er verläßt den schwachen nicht; Dies ist meine zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine macht der finsterniß, Keine herrlichkeit, kein leiden. Er giebt kraft zu dieser pflicht; Dies ist meine zuversicht. 6. Jesus lebt! nun ist der tod Mir der eingang in das leben, Welchen troft in todesnoth Wird es meiner feele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine zuversicht! Mel. Erschienen ist der herrl. 212. Debt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Und stürb auch alle welt mir ab, G'nug, daß ich Christum bei mir hab. Halleluja! 2. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich. Sterb ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil ich ein glied seins leibes bin. Halleluja! 3. Durch seiner auferstehung fráft Komm ich zur engel brüderschaft; Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, Die feindschaft ist ganz abgelehnt. Halleluja! 4. Mein ganzes herz er muntre fich: Gott und die engel lieben mich. Die freude, die mir ist bereit't, Vertreibet furcht und traurigkeit." Halleluja! 5. Für diesen troft, o großer held, Herr Jesu! dankt dir alle welt. Dort wollen wir auf beßre weis Erheben deinen ruhm und preis. Halleluja! Mel. Es ist das heil uns. 213. O tod, wo ist dein stachel nun? Wo ist dein sieg, o hölle? Was kann uns jetzt der teufel thun? Was deine wuth, o hölle? Gott sei gedankt, der uns den sieg So herrlich hat nach hartem krieg, Durch Jesum Christ gegeben. 2. Wie Aufs Osterfest. 2. Wie sträubte sich die alte schlang, Da Christus mit ihr kämpfte! Mit list und macht sie auf ihn drang; Jedennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Fersen sticht So fieget sie doch darum nicht; Der kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus kommt hervor, Die feind nimmt er gefangen, Zerbricht der höllen schloß und thor, Trägt weg den raub mit prangen. Nichts ist, was in dem siegeslauf Den starten held kann halten auf; All's liegt da überwunden. 4. Beschließet einen rath und sucht zu wüthen und zu morden; Beschließet krieg, und gebt die flucht: Das reich ist Christi worden. Du feind, der nicht mehr schaden kann, Klag immer tag und nacht uns an: Nun bist du doch verworfen. fiegt; höhet. 5. Die rechte Jesu Christi Sie siegt und ist erUnd zu des siegers füßen liegt, Was stolz ihm widerstehet. Besiegt ist alles, was uns droht; Besiegt sind fatan, höll und tod; Ihr zorn ist fraftlos worden. 6. Es war getödtet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wieder! Weil nun das haupt erstanden ist, Stehn wieder auf die glieder. So jemand Christi worten gläubt, Im M. A. 161 tod und grabe der nicht bleibt; Er lebt, ob er gleich stirbet. 7. Wer täglich hier in wahrer reu Mit Christo auferstehet, Wird dort, vom andern tode frei, Zur herrlichkeit erhöhet. Genommen ist dem ted die die Unschuld und leben wiederbracht, Und unvergänglichs wesen. 8. Das ist die rechte siegesbeut, Der wir theilhaftig werden: Fried, freude, heil, gerechtigkeit Im himmel und auf erden. Hier dulden wir und traun dem wort, Daß unser leib wird ähnlich dort Christi verklärtem leibe. macht, macht, 9. D tod, wo ist dein stachel nun? Wo ist dein fieg, o hölle? Was kann uns jetzt der teufel thun? Was Gott deine wuth, o hölle? sei gedankt, der uns den sieg So herrlich hat, nach hartem frieg, Durch Jesum Chrift gegeben. 214. Jesus Christus, unser heiland, Der den tod überwand, Ist auferstanden, Frei von des todes banden. Halleluja! 2. Der ohne sünde war. geborn, Trug für uns Gottes zorn, Hat uns versöhnet, Daß uns Gott seine huld gönnet. Halleluja! 11 3. Tod 162 Von der Auferstehung Jesu Christi. 3. Tod, sünd, teufel, leben den. Sie sehn ihn, freun und gnad, Alles in händen sich, danken Dem auferstaner hat; Er kann erretten denen. Sie sehn empor ihn Alle, die zu ihm treten, steigen, Und gehn, wie er Halleluja! gebot, Mit freuden hin, und zeugen Von ihm bis in den tod. Mel. Nun lob mein' seel den. 215. Robfinge, meine ſeele, Dem welterlöser; bet ihn an! Lobsing ihm und erzähle, Was dir zum heil der herr gethan. Er hat für dich gerungen; Durch feine macht hat er Des todes macht bezwungen, Gestürzt der höllen heer. Nun liegt ihr troß danieder; fieg hat uns befreit. krönet Gott nun wieder Mit huld und seligkeit. Sein Uns 2. Froh führte seine sonne Den festlich hohen tag herauf. Da stand er, meine wonne, Mein Gott und mein versöhner, auf. Gedanke, der zu freuden Des himmels mich erhebt! Gedanke, der im leiden Mit reichem troft belebt! Des höhern lebens quelle, Mein schild in jeder noth! Wo ist dein fieg, o hölle? Wo ist dein stachel, tod? 3. Des felsen grund erbebet; Die wächter fliehn; das grab ist leer. Der todt war, sieh, der lebet; Er lebt, und stirbt hinfort nicht mehr. Die schwachen jünger wanken; Er stärkt die wanken4. Herr! deine boten fiegen, Von dir und deinem geist gelehrt; Die gößentempel liegen; Der erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, Bin freudenvoll ein christ. Ihn bet ich an im staube, Ihn, der mein retter iſt. Ich werd ihn ewig schauen, Wenn er auch mich erhebt. Der herr ist mein vertrauen; Er starb für mich, und lebt. Mel. Vom himmel hoch da. 216. Dich bet ich an, erstandner held, Erretter einer fündenwelt! Du, unsre zuflucht für und für, Froh singet meine seele dir. 2. Um deinen thron, der ewig steht, Glänzt wahrheit, heil und majestät. Ich nahe mich voll zuversicht Zu dir: denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr! meine seele preiset dich! Erlöst auf ewig hast du mich, So wahr du selbst vom himmel famſt, Dein leben gabst und wieder nahmst. 4. Wer Aufs Osterfest. 163 4. Wer ists, der mich so süß, meines glaubens verdammen kann? Ich glaub an dich und sage dann: Der Gott, durch den die himmel sind, Der ist mein vater, ich sein kind. grund! Du guter bot, Du todestod, Du friedenswiederbringer! 5. Nun ist dies erste leben mir Ein segensreicher weg zu dir. So lang ich hier bin, Gott, mein heil! Hab ich an deinem frieden theil. 6. 3war trifft noch mancher schmerz uns hier; Noch, Erbarmer! sterben wir. Doch du regierst, und wir find dein, Und ewig werden wir es sein. 2. Nun ist des höchsten wort erfüllt, Nun freut sich herz und sinn; Nun ist des richters zorn gestillt, Nun ist das zagen hin. Mein Jesus hat An meiner statt Die sündenschuld gebüßet. 3. Der friede Gottes herrscht in mir, Der über die vernunft; Mir öffnet sich die himmelsthür, Drum fleuch, du höllenzunft! Du schreckst mich nicht; Mein Heiland spricht: Ich bringe dir den frieden. D 4. Wenn des gesetzes donner knallt, Wenn mir in herz und ohr Der fluch aus Mosis büchern schallt; So schüß ich Jesum vor. fluch schreckt nicht; heiland spricht: Ich bringe dir den frieden. Der Mein 7: Ich weiß, daß mein erlöser lebt. S trost, meinen geist erhebt! seh, durch dich gestärkt, aufs grab Mit unerschrocknem aug Hinab. der Ich 8. Welch eine welt voll seligkeit Erwartet mich nach dieser zeit! Da findet der verklärte christ Das heil, das unaussprechlich ist. 9. Der du für unsre seelen wachst, Sie zu dir ziehst und selig machst, Laß mich mit freudigem vertraun Im tod auf dich, Erlöser! schaun. Mel. Du friedefürst, Herr. 217. Wie lieblich sind doch deine füß! Wie freundlich ist dein mund! Wie tröstet mich dein wort 5. Wenn mich die welt bedrängt und plagt, Und setzt mir heftig zu, Von einem ort zum andern jagt; So schafft mir Jesus ruh. Die welt schreckt nicht; Mein heiland spricht: Ich bringe dir den frieden. 6. Wenn mich die noth und trübfal drückt, Wenn mich ein freund verstoßt; Werd ich doch kräftiglich erquickt, Mir bleibt des her11* ren 164 Von der Auferstehung Jesu Christi. ren trost. Die noth schreckt nicht; Mein heiland spricht: Ich bringe dir den frieden. 7. Wenn mich mein fleisch unruhig macht und reizt zur sündenbahn; Wird doch sein wille nicht vollbracht, Ruf ich nur Jesum an. Das fleisch schreckt nicht; Mein heiland spricht: Ich bringe dir den frieden. 8. Und dringt auf mich zulegt der tod Und rufet: du bist mein; So will auch in der todesnoth Mein heiland bei mir sein. Der tod schreckt nicht; Mein heiland spricht: Ich bringe dir den frieden. 9. Dank sei dir, o du friedefürst! Für das erworbne gut, Das du mir wohl erhalten wirst. Mein herz, das in dir ruht, Erschricket nicht, Auch wenn es bricht: Ich fahre hin in frieden. Mel. Ermuntre dich, mein. 218. Das grab ist leer! des höchsten sohn Verläßt der tødten grüfte, Und seiner firche jubelton Dringt freudig durch die lüfte. Du, den der engel loblied preist, Entreiße, Heiland! meinen geist Den lüftendieser erde, Daß er dir heilig werde. 2. Denn soll ich einst, o Gottes Sohn! In deinem reich dich sehen; So muß ich auf der erde schon Vom tod auch auferstehen. Der lebt nicht, den die luft der welt Und sündendienst gefesselt hält. Nach Gott und tugend streben, Nur das heißt wahres leben. 3. Du, auferstandner menschenfreund! Erweck in mir die triebe, Durch die man sich mit dir vereint: Den glauben und die liebe. Schy will, o Herr! dein eigen sein; Laß mich mit ernst die sünde scheun; Gieb selber muth und kräfte Zum heiligungsgeschäfte. 4. So fann ich als ein wahrer christ Jetzt leben und einst sterben, Und einmal da, wo du, Herr! bist, VollDa= kommne freude erben. hin, mein Heiland! hilf du mir: So bring ich, ewig froh in dir, Mit der verklärten menge Dir lob- und dankgesänge. 12. Von 12. Von der Himmelfahrt Jesu Christi. Aufs Fest der Himmelfahrt. Mel. Wie schön leucht't uns der. 219. Wie herrlich, Jesu, starker Held, Du retter einer sündenwelt, Hat sich dein freuz geendet! Nach überstandnem leidenslauf Fuhrst du verklärt zum vater auf, Der dich zu uns gesendet. Ewig Trifft dich Nun kein leiden; Voller freuden Lebst du droben, Ueber alles hoch erhoben. 2. Dir dienen alle seraphim, Und wir vereinen herz und stimm, Mit ihnen dich zu loben, Weil du dein großes werk vollbracht, Und dich, als sieger nach der schlacht, Zur herrlichkeit erhoben. Preis dir! Daß wir Auf der erden Können werden Gottes finder, Und des todes überwinder. 3. Du, du bist unser haupt, und wir Sind deine glieder; nur von dir Kommt auf uns heil und leben. Was unsern feelen nugen schafft, Licht, friede, freude, tugendkraft Wird uns von dir gegeben. Laß doch Dein joch Gern uns tragen und entsagen Allen sünden Daß wir hier schon ruhe finden. 165 4. Zieh unsre herzen ganz zu dir! Hilf, daß vor allen von dingen wir nach deinem reiche trachten. Mach uns allen fünden rein, Und flöß uns muth und eifer ein, Das eitle zu verachten. Jede Unart Hilf uns meiden, Und mit freuden Unser leben Deinem dienste ganz ergeben. 5. Sei unser schuß und unser hort, Und tröst uns durch dein heilsam wort, Wenn hier uns trübſal dränget. Nur da ist wonne, wo du bist; Die freude, die man hier genießt, Ist noch mit leid vermenget. dir Kommt hier Trost im herzen. Laß in schmerzen Uns schon offen Deinen himmel sehn und hoffen. Von 6. Du bist, uns sterblichen zu gut, Nach theuer hier vergoßnem blut, Zur freude eingegangen. Zieh, Jesu! zich auch uns dir nach, Daß wir, nach kurzem ungemach, Zur freude auch gelangen. Dafür Soll dir Von uns allen Dank erschallen. Ohn aufhören Wollen wir dich, Heiland! ehren. 220. Chrift fuhr gen himmel! Was sandt er uns hernieder? Den tröſter, 166 Von der Himmelfahrt Jesu Christi. tröster, den heilgen geist, freuen sich Der herrlichkeit 3u troft der armen christen- und majestät, Dazu dich Gott, heit. Halleluja! dein Gott erhöht. 2. Halleluja! Halleluja! Halleluja! alle froh sein; unser trost sein. Deß solln wir Christ will Christ will Halleluja! Mel. Vom himmel hoch da. 221. Auf, christen, auf und freuet euch! Der herr fährt auf zu seinem reich. Er triumphirt; lobfinget ihm, Lobsinget ihm mit lauter stimm! 2. Sein werk auf erden ist vollbracht; Zerstört hat er des todes macht. Er hat die welt mit Gott versöhnt, Und Gott hat ihn mit preis gekrönt. 3. Weit, über alle himmel weit Geht seine macht und herrlichkeit; Ihm dienen selbst die seraphim. Lobsinget ihm mit lauter stimm! 4. Sein sind die völfer aller welt. Er herrscht mit macht und gnad, als held! Er herrscht, bis unter seinen fuß Der feinde heer sich beugen muß. 5. Beschirmer seiner christenheit Ist er in alle ewigfeit. Er ist ihr haupt. Lobfinget ihm; Lobsinget ihm mit froher stimm! 6. Ja, Heiland! wir erheben dich, Und unsre herzen 7. Wohl nun auch uns! denn, Herr! bei dir Steht kraft und macht, und dein sind wir. Nimmst du dich unser hilfreich an, Was ist, das uns gebrechen kann? 8. In deiner hand ist unser heil. Wer an dich glaubt, dem giebst du theil Am segen, den du uns erwarbst, Da du für uns am freuzestarbst. 9. Wir freuen uns, nach dieser zeit Bei dir zu sein in ewigkeit. Nach treuvollbrachtem glaubenslauf Nimmſt uns in den himmel du auf. 10. Dzieh uns immer mehr zu dir! Hilf uns mit eifrigfter begier Nach dem nur trachten, was da ist, Wo du, verklärter Heiland, biſt. 11. Dein eingang in die herrlichkeit Stärk uns, in unsrer prüfungszeit Nur dir zu leben, dir zu traun, Bis wir dereinst dein antlig schaun. 12. Dann werden wir uns ewig dein, Du größter menschenfreund, erfreun. Dann singen wir von deinem ruhm Ein neues lied im heiligthum. Mel... Von der Himmelfahrt Jesu Christi. Mel. Nun freut euch lieben. 222. Auf Christi himmelfahrt allein Ich meine hoffnung gründe, Und allen zweifel, angst und pein Damit stets überwinde: Denn weil das haupt im himmel ist, Wird seine glieder Jesus Christ Zur rechten zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan, Und große gab empfangen, Mein Herz auch nur im himmel kann, Sonst nirgends, ruh erlangen: Denn wo mein schatz gekommen hin, Da ist auch stets mein herz und sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach, Herr! laß diese gnade mich Von deiner auffahrt spüren, Daß stets im wahren glauben ich Mög meine wallfahrt führen, Und dann einmal, wenn dirs gefällt, Mit freuden scheiden aus der welt. doch mein flehen! Herr, höre 167 Drum bleibst du unsre zuversicht. 3. Dein ist die macht, dein ist das reich. Wer ist an majestät dir gleich? Mensch, engel, jede kreatur Ist dein, du herrscher der natur! Mel. O Jesu, du mein bräutig. 223. Wir freuen uns, Herr Jesu Christ! Daß du zur rechten Gottes bist. O du, den unser loblied preist, Stärk auch im glauben unsern geist. 2. Du sigest auf der himmel thron Als unser freund, als menschensohn. Auch da schämst du dich unser nicht; 4. Umsonst, umsonst empöret sich Der fürst der hölle wider dich. Dein thron steht fest, der seine liegt; Durch deine macht ist er besiegt. 5. Du, unser triumphirend haupt! Wie selig ist, wer an dich glaubt! Du bist sein licht, sein trost, sein theil, Sein starker schuß, sein ewges heil. 6. Herr! unsre herzen traun auf dich! Dein freuet unsre seele sich. Du held von unserm fleisch und blut, Bist unser trost und höchstes gut. 7. Was uns gebricht, ist dir bekannt; Der segen ist in deiner hand. Von keiner seele bist du fern; Du siehst auf sie, und hilfst ihr gern. 8. Sieh auf uns gnädig allezeit Vom throne deiner herrlichkeit; Hilf unserm schwachen glauben auf Und heilge unsern lebenslauf. 9. Gen himmel fuhrst du als ein held. Als herr und richter aller welt Wird dich dereinst der erdkreis sehn. Laß uns dann freudig vor dir stehn. 10. Dann triumphirt der glaub 168 Von der Himmelfahrt Jesu Chrifti. glaub an dich; Dann jauchzen wir dir ewiglich. Hilf uns dazu, Herr Jesu Christ! Der du zur rechten Gottes bift. Mel. Ermuntre dich, mein. 224. Herr Jesu! zieh uns für und für, Lenk sinnen und ge= müther Durch deines geistes kraft zu dir, Auf deine himmelsgüter: Daß unser wandel himmlisch sei, Und unser del himmlisch sei, Und unser herz sich deiner freu, Daß es von welt und erde Zu dir erhoben werde. 2. Lehr uns das eitle diefer zeit Mit edlem muth verachten, Und nach des bimmels herrlichkeit Voll treuen eifers trachten. Was unsichtbar, was ewig ist, Mach uns recht werth, Herr Jesu Chrift! Weil bleibend glück auf erden nicht kann gefunden werden. 3. Zieh uns dir nach, so laufen wir; Stärk unsers glaubens fräfte; Führ uns durch deinen geist von hier Zum himmlischen geschäfte. Mein Gott! wann führst du mich dahin, Woselbst ich ewig fröhlich bin? Wann werd ich vor dir stehen, Dein angesicht zu sehen? Mel. Jefu, deine heilgen wunden. 225. Herr! du fährst mit glanz und freuden Auf zu deiner herrlichkeit; Doch mich drücken noch die leiden Dieses lebens, dieser zeit. Gieb mir, Jesu! muth und fraft, Daß ich meine wanderschaft So mit dir zurücke lege, Daß ich stets dein bleiben möge! 2. Laß mir deinen zurücke, Dir mein ganzes geist: herz zu weihn. Wenn ich nach dem himmel blicke, Laß mich seinen trost erfreun. Steigt mein flehn zu dir hinauf, Helf er meiner schwachheit auf, Und du sel-. ber wollst im beten Bei dem vater mich vertreten. 3. Lehre mich die welt verachten Und was in ihr eitles ist, Und nach dem, was dortist, trachten, Wo du, mein Erlöser! bist. Wollust, ehrdies zur erde ziehn, Da ich fucht und gewinn, Soll mich jenseits überm grabe Gine größre hoffnung habe? 4. Diese foll fein feind mir rauben! Du erwarbst sie theuer mir. Jegund seh ich sie im glauben; Dorten find ich sie bei dir. Dort belohnst du das vertraun Deiner gläubigen durch schaun, Und verwandelst ihre leiden In unendlich große freuden. 5. Dort bereit auch mir die stätte In des vaters hause zu. oder späte Rufft du frühe Mich zu meines grabes Von der Himmelfahrt Jesu Christi. grabes ruh; Leucht auch mir in dieser nacht Durch die stärke deiner macht, Die des todes macht bezwungen, Und für uns den sieg errungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder An dem ende 13. Von dem Mittler- Amte Jesu Christi überhaupt. Mel. Alle menschen müssen. 226. Großer mittler! der zur rechten Gottes, seines vaters, sitzt, Und die schaar von seinen knechten Ueberall beglückt und schüßt! Es frohlocken, dir zur ehre, Aller deiner engel heere, Und in ihren lobgesang Schallet jetzt auch unser dank. 2. Denn du famst, uns zu erlösen, Und das opfer ist vollbracht, Das von aller schuld des bösen Uns befreit und selig macht. Allen giebst du heil und leben, Die sich gläubig dir ergeben. Herr, du starbst und überwandst Tod und grab: denn du erstandst. 169 dieser zeit; O so sammle meine glieder, Die verwesung einst zerstreut! Heilge und verklär sie ganz, Daß der leib im himmelsglanz, Auferweckt von staub und erde, Aehnlich deinem leibe werde! 3. Alles sollen wir empfangen, Was uns noth ist; denn du bist In den himmel eingegangen, Der nun unsre heimath ist. Da regierst du, da vollendest Du dein großes werk, und sendest Deinen geist auf die herab, Die zum erbe Gott dir gab. 4. Herrlich wirket deine lehre: Denn du giebst ihr licht und fraft. Sünder macht sie, Gott zur ehre, Gläubig und gewissenhaft. Alle lehrer sie, den sünden Widerstehn und überwinden. Straucheln sie in ihrem lauf: Hilfst du ihnen mächtig auf. 5. Du vertrittst bei Gott die deinen; Du versäumst sie, Heiland! nie. Alle thränen, die sie weinen, Zähleft du und stillest sie. welche standhaft gläuben Und mit dir vereinigt bleiben, Führst du aus der welt hinaus, Hin zu deines vaters haus. Alle, 6. Auch vergisst du jener armen, Die der fünde dienen, nicht, Weil dein Herz dir aus erbarmen Ueber ihrem elend bricht; Bittest, daß Gott ihrer schone, Daß er nicht nach Von dem Mittler- Amte 170 nach werken lohne, Daß er die, die dich noch fliehn, Künftig wolle zu dir ziehn. 7. Großer Mittler! o wir preisen Dich, daß du im heiligthum So viel treu uns willst beweisen; Dir sei ehre, dank und ruhm! Dein verdienst laß uns vertreten, Wenn wir zu dem vater beten. Wann der tod die lippen schließt, Dann hilf uns, Herr Jesu Christ! Mel. Nun freut euch lieben. 227. Du stelltest dich zum mittler ein, Herr Jesu! für die sünder, Und wolltest haupt und bürge sein Gefallner adamskinder, Nahmst alle ihre schuld auf dich, Trugst ihre lasten williglich, Sie los und frei zu machen. 2. Du, deines vaters ewger sohn, Geborn ein mensch auf erden, Ertrugst in früher kindheit schon Die größesten beschwerden; Nahmst nach und nach an weisheit zu; Durch frühe tugend wurdest du Ein vorbild frommer jugend. 3. An jahren reif, an weisheit groß, Verließzest du die stille, Darin dein jugendlauf verfloß: So war des vaters wille. Am Jordan weihetest du dich Durch deine taufe öffentlich Zum antritt deines amtes. 4. Dein vater goß vom himmelsthron Auf dich des geistes gabe, Und sprach: dies ist mein lieber sohn, Dran ich gefallen habe. So wurdest du, Herr! vor der welt Vom himmel selber dargestellt Als auserforner mittler. 5. Zwar dem, der unser erstes haupt, Der Adam überwunden, Ward auch an dir viel macht erlaubt In langen prüfungsstunden. Doch hier ward er des siegs nicht froh; Du standst als held, und satan floh; Die engel sahns und jauchzten. 6. Bestimmt nach Gottes weisem rath Zum lehrer und propheten, Sah man dich nun, durch wort und that, Voll fraft dies amt vertreten. Des lasters schande straftest du, Sprachst müden seelen freundlich zu Und predigtest gewaltig. 7. So warest du das wahre licht Mit aufwand deiner fräfte. Jedoch, o Herr, dies war noch nicht Dein wichtigstes geschäfte. Zum hohenprieſterthum beſtellt, Gabst du zum opfer für die welt Dein eignes theures leben. 8. Dem tode nahmst du seine macht, Fuhrst zu des him Jefu Chrifti. himmels höhen, Wo dich in deiner siegespracht Die himmelsbürger sehen, Und wo du unsre sache führst, Als könig herrschest und regierst Zu unserm heil und segen. 9. Herr Jesu, großer Mittler! sei Von herzensgrund gepriesen Für deine gnade, huld und treu, Die du am uns erwiesen! Gieb, daß wir gänzlich dir vertraun, Gehorsam sein, und einst dich schaun Zu unsrer ewgen freude! 171 dritten tag, Nach aller plag, Ist er vom tod erstanden, Mit herrlichkeit Zur himmelsfreud Gegangen ein, Frei aller pein, Gesetzt zu deiner rechten. 228. Herr! ich bekenn von Herzensgrund, mit meinem mund: Nichts sei, das mich abwende; Daß niemand sonst mein heiland ist, Als Jesus Christ, Der wahre Gott ohn ende, Der mir zu gut Mein fleisch und blut Genommen an; Drum er nicht kann Mich armen fünder haffen. 2. Geborn ist er ein kleines find, Für meine sünd, In windeln eingehüllet. Die jugend mit mühseligkeit, Armuth und leid Ist überall erfüllet. Er hat gewacht, Sich matt gemacht; Er ward gestäupt, Sein heilig haupt Mit dornen scharf gekrönet. 3. Er ward ans freuzesholz gehenkt, Mit gall getränkt, Und lag in todesbanden. Doch wiederum am 4. So schaue deinen sohn doch an, Was er gethan; Laß gnad in ihm mich finden. Du hast mich armen nicht veracht't, Ganz frei gemacht Von meinen schweren sünden. Des sohnes tod Hat nun aus noth Den knecht erlöst; Wer deß sich tröst't, Den kannst du nicht verdammen. 5. Der treue hirt fommt jetzt vor dich, Und träget mich, Das schaf, auf seinem rücken: Das schaf, das ganz verirret war, Ging mit gefahr, Es war in satans stricken; Das hat er bracht Aus eigner macht, Wie du begehrt, Zu deiner heerd, Zur heerde der gerechten. 6. Mich, den die welt ganz liftiglich Von dir zu sich mit ihrer luft gezogen, Bringt jetzt dein sohn in deinen schooß Von sünden los, Aus lieb hiezu bewogen. Ich, der sich weit Durch eitelkeit Vom rechten pfad Entfernet hat, Ich bin jetzt wieder kommen. 7. Was satanas aus bösem sinn Gerissen hin Und von dir weggetrieben, Das bringt Von dem Mittler- Amte 172 bringt dein sohn zu deiner heerd, Aufs neu bekehrt, Zu denen, die dich lieben. Er stellet dir Jeßt wieder für Dein kind, das sich Muthwilliglich Von dir verlaufen hatte. 8. Also hab ich nun gnad, o Gott! Durch Christi tod, Den er für mich erduldet. Und ob ich wohl bei mir befind, Daß meine sünd Die höllenpein verschuldet; So So hab ich doch Die hoffnung noch, Durch deinen sohn, Den gnadenthron, Ich werd nicht sein verloren. 9. Die thür zum schönen paradies Hat er gewiß Durch sein blut aufgeschlossen, Das aus den wunden mildiglich Am treuz für mich Versöhnend sich ergossen. glaube fest, Daß du nicht läß'st, O frommer Gott! In angst und noth, Der dies mit glauben fasset. Ich Ich Bom königlichen Amte Jesu Christi. Mel. Schmücke dich, o liebe. 229. önig, dem kein fönig gleichet, Deffen ruhm fein lob erreichet, Ebenbild von Gottes wesen, Der, zum mittler uns erlesen, Sich der welt wollt offenbaren Als das bild des unsichtbaren! Dir gehört das recht zum throne, Äls dem mittler, als dem sohne. 2. Himmel, erde, luft und meere Müssen stets zu deiner ehre Dir, Herr! zu gebote stehen, und dein wille muß geschehen. Fluch und segen, tod und leben, Alles ist dir übergeben, Und vor deinem mächtgen schelten Zittern menschen, engel, welten. 3. In des gnadenreiches gränzen gränzen Sieht man deine siege glänzen, Wo viel taufend treue seelen Dich zu ihrem haupt erwählen, Die nach deiner vorschrift leben, Dir nur zu gefallen streben, Alles gern für dich verlassen, Und, wie du, das unrecht haffen. 4. In dem reiche deiner ehren Hört man stets dein lob vermehren Von dem himmlischen geschlechte, Von der menge deiner knechte, Die dort, ohne furcht und grauen, Dein verklärtes anflig schauen, Die dich unermüdet preisen, Und dir ehr und dienst erweiſen. 5. Herr! in allen diesen reichen Ist dir niemand zu vergleichen An dem überfluß der schätze, An der ordnung der gesetze, der gesetze, An der unterthanen menge, An des regimentes länge, An begnadigung der freunde, An den siegen über feinde. 6. Herr Jefu 6. Herrsche auch in meinem herzen Ueber zorn, furcht, luft und schmerzen; Laß mich deinen schut genießen, Auf mich deine gnade fließen. Dich will ich im glauben lieben Und mich im gehorsam üben, Will mit streiten, will mit leiden, Bis ich einst mit herrsch in freuden. Bom Lehr- Umte Jeſu Chrifti. Mel. Vater unser im himmelr. 230. Dir, Jesu! ist kein lehrer gleich. An weisheit, lieb und eifer reich, Belehrst du uns durch wort und that, Wie niemand uns erleuchtet hat. Von dir nur ist uns offenbart, Was keinem sonst enthüllet ward. 2. Du führst nicht vom geschöpfe nur zu Gott, dem schöpfer der natur; Du führst zu dem, der so uns liebt, Daß er dich, seinen sohn, uns giebt. So machtest du, von ihm gesandt, Den weg zum himmel uns befannt. 3. Die finsternisse sind entflohn; Du bist des vaters glanz, o Sohn! Wir sehn, von dir verklärt, schon hier Des vaters herrlichkeit in dir; Sehn, was, nach seiner weisheit rath, Der mensch einst zu erwarten hat. Chrifti. 173 4. was für wunder zeugten nicht, Du jeift von Gott, dein wert sei licht! Wie göttlich war, was da ge= schah! Der stumme sprach, der blinde sah, Der sturm ward stille; komm herauf! Riefst du, und Lazarus stand auf. 5. So lehrtest du durch wort und that. Dein wandel war der tugend pfad. Viel zeugen folgten dir; voll muth Vergossen sie für dich ihr blut. Verfolgt oft durch gewalt und spott, Siegt immer noch ihr wort von Gott. 6. Wir opfern, Herr! dir dank und ruhm, Daß noch dein evangelium Dem, der die wahrheit redlich liebt, Erleuchtung, kraft und freude giebt; Daß der versöhnung amt der welt Noch licht, noch heiligkeit erhält. 7. Ich will, mein lehrer! nur durch dich mich führen laffen; mache mich Vom wahn und eigendünkel frei, Damit ich dir gehorsam sei, Bis einst in deiner herrlichfeit Mich ein noch hellres. licht erfreut! Bom hohenpriesterlichen Amte Jesu Christi. Mel. Es ist das heil uns. 231. Der sohn, der uns bei Gott ver= trat Durch bitten und durch leiden, Von dem Mittler- Amte 174 leiden, Vertritt uns auch, wie er hier that, Im reiche seiner freuden. Er, unsers glaubens zuversicht, Verläßt uns auch im himmel nicht, Und spricht für seine brüder. 2. Wer darf nun zagen? seht! er sigt Auf Gottes thron, und bittet Für uns zum vater, der uns ist Mit segen überschüttet; Zum vater, der am freuze schon, Als er versöhnt war, seinen sohn In seiner angst erhörte. 3. Auch noch in seinem himmel fleht Sein blut, für uns vergossen, und seiner thränen laut gebet, Die dort am ölberg flossen. Um gnad, um gnade rufen sie; Und Gott versagt sie denen nie, Die zu dem sohne fliehen. 4. Was hier so brünstig schon der sohn Begehrte, des begehret Er noch, erhöht auf Gottes thron, Der, was er will, gewähret. Fließt, thränen unsrer freude, fließt! Der menschen heil und leben ist Des sohns und vaters wille. 5. Er will, und hilfe kommt herab, Kraft wider alle sünden, Und der, der Jesu sich ergab, Kann alles überwinden. Und strauchelt er, so bleibt er doch nicht liegen und ermannt sich noch, Erringt das ziel, und steget. 6. Lobsinget ihm, der uns vertrat Durch bitten und durch leiden, Uns noch vertritt, wie er hier that, Im reiche seiner freuden! Er, unsers glaubens zuversicht, Verläßt uns auch im himmel nicht, mel nicht, Und spricht für seine brüder. Ueber die Thränen Jesu Christi. Mel. Allein zu dir, Herr Jeju. 232. Du weineſt um Jerusalem, Herr Jesu! heiße zähren; Bezeugst, es sei dir angenehm, Wenn sünder sich bekehren. Wenn ich vor dir mit buß erschein, Und über meine sünde wein: So wasche ab aus lauter gnad Die misfethat, Die mich bisher ge= quälet hat. 2. Wenn deines vaters zorn entbrennt Von wegen meiner sünde, Zu deinen thränen ich mich wend, Da ich erquickung finde. Vor Gott sind sie gar hoch geschäßt. Wer auf dich sein vertrauen setzt, Den blickt Gott an mit gütigkeit zu jeder zeit, Und macht sein traurig herz erfreut. 3. Hier muß ich auch im thränenthal Vor großer angst oft weinen, Der welt aushalten manche qual, Sie martert stets die deinen. Auf Jesu Christi. Auf allen seiten, wo sie kann, Fängt sie mit uns zu hadern an. Da tröstet mich zu aller frist, Daß du, Herr Christ! In gleicher noth gewesen bist. 4. Du siehst auch meine thränen an, Und du hast sie gezählet; Ob ich sie gleich nicht zählen kann, Dennoch dir keine fehlet. So oft vor dir sie zeigen sich, So oft bewegen sie auch dich, Daß du dich mein erbarmen mußt; Denn deine lust Ist ja, daß du uns gutes thust. 175 stille, Wird fröhlich sein in jenem haus, Wo freude iſt die fülle; Ja solche freude, die kein mann Mit seiner zung aussprechen kann, Und die da bleibt in ewigkeit. Mein freuz und leid. Wird werden dort zu lauter freud. 6. Für deine thränen dank ich dir, Der du die freudenkrone, Herr Jesu Christ! erworben mir, Bei dir im himmelsthrone. Wenn du mich holen wirst hinauf zu deinem auserwählten hauf, Dann will ich recht lobsingen dir, O höchste zier! Für deine thränen für und für. 5. Wer jego thränen säet aus, Hält in geduld Gott 14. Von dem heiligen Geiste und der Heiligung überhaupt. Pfingstlieder. 233. Somm, heiliger hort! Laß uns leuchten des Geist, Herre lebens wort, und lehr uns Gott! Erfüll mit deiner Gott recht erkennen, Von gnaden gut Deiner gläubi- herzen vater ihn nennen! gen herz, muth und sinn, Dein' brünstge lieb entzünd in ihn'n! O Herr! durch deines lichtes glanz Zu dem glauben versammlet haft Das volk aus aller welt zungen, Das sei dir, Herr! zu lob gesungen. Halleluja! Halleluja! Herr! behüt vor fremder lehr, Daß wir nicht meiſter suchen mehr, Denn Jesum Christ mit rechtem glauben, Und ihm aus ganzer macht vertrauen. Halleluja! Halleluja! 2. Du heiliges licht, edler 3. Du heilige brunst, süßer trost! Nun hilf uns fröhlich und getrost In deinem dienst Von dem heiligen Geiste 176 dienst beständig bleiben, Die trübsal uns nicht abtreiben! Herr! durch dein' fraft uns bereit', Und stärk des fleisches blödigkeit, Daß wir hier ritterlich ringen, Durch tod und leben zu dir dringen. Halleluja! Halleluja! Mel. Komm, heiliger geist. 234. Hör unser gebet, Geist des Herrn! Du hörst der menschen flehen gern. Wir wollen unser herz dir geben; O lehre heilig uns leben. Rüst uns mit stärke, muth und fraft, Du, der das gute in uns schafft, Daß nicht die lockungen der sünden Uns, Christi jünger, überwinden. Wir traun auf dich, Wir traun auf dich! 2. Du heiliges licht, starfer hort! Laß uns der wahrheit helles wort Auf dieses lebens pfade leiten, Daß unsre füße nicht gleiten. Treib fern von uns des irrthums nacht; Laß siegen deiner wahrheit macht: Daß Jesus Christ der ganzen erde Bekannt und angebetet werde. O hilf dazu, hilf dazu! 3. Laß, frendiger Geist! voll vertraun, In noth auf deine hilf uns schaun! Lehr uns, wenn wir zum vater treten, Mit froher zuversicht beten! Mach uns durch deine kraft bereit zum sterben und zur ewigkeit! Daß wir mit frohem muthe ringen, Zu dir durch tod und leben dringen, Erhöre uns, Erhöre uns! Mel. Komm, o Gott schöpfer. 235. Komm, Schöpfer, fomm, o heilger Geift! Schaff deiner menschen herzen neu; Du fennest dein geschöpf und weißt, Wie jeglichem zu helfen sei. 2. Du, geist der weisheit! leite du uns zu der wahl des besten theils; Dem himmel führ uns alle zu, Du führer auf der bahn des heils! 3. Uns strahle deiner wahrheit licht! Gieb uns der liebe reine glut, 3um vater frohe zuversicht, Zur tugend kraft und festen muth! 4. Des lebens wort, das Gottes sohn Vom himmel uns herab gebracht, Erleuchte jede nation Durch deiner leitung sanfte macht. 5. Vereine deine christenheit Durch deines friedens himmlisch band, Und führ uns pilger dieser zeit Zu unserm rechten vaterland. 6. Gott, unsern Gott, und Jesum Christ Recht kennen, dieses ist der quell, Aus welchem ewge wonne fließt. Mach diese kenntniß in uns hell. 7. Lob Pfingstlieder. 7. Lob sei dem vater, lob dem sohn, Lob dir, o tröster, Gottes Geist! Einst singen wir vor deinem thron Ein lied, das würdiger dich preist. 236. Nun bitten wir den heilgen geist, Welchen Jesus Christus uns verheißt, Daß er uns behüte vor falscher lehre, Alle, die in irrthum sind, bekehre, Erbarm dich, Herr! 2. Du Geist der weisheit und der kraft, Mach uns durch dein wort auch tugendhaft! Heilig laß uns leben und Jesu trauen, Daß wir einst durch ihn Gott werden schauen. Erbarm dich, Herr! 3. Du Geist der lieb und einigkeit, Mach uns allesammt dazu bereit, Daß wir uns von Herzen einander lieben, Gern verzeihen, und nicht gern betrüben. Erbarm dich, Herr! 4. Du höchster tröster in aller noth, Hilf, daß wir nicht fürchten grab noch tod. Laß, wenn wir einst sterben, uns nicht verzagen, Sondern mach uns frei von allen plagen. Erbarm dich, Herr! 177 gegeben, Den sohn, der heil uns fündern bringt Und unvergänglichs leben. Ich danke dir, daß du den geiſt, Der seinen sohn durch wunder preist, Nach seinem wort gesendet! Der geist der wahrheit kam herab, Der deinen boten stärke gab, Daß sie dein werk vollendet. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 237. Dir, Bater, dankt mein Herz und fingt, Daß du den sohn N. A. 2. Erfüllt von ihm mit wunderkraft, Gehn sie, die welt zu lehren; Der geist, der neue herzen schafft, Hilft ihnen sie bekehren. Der ganze erdkreis hört erfreut Die botschaft unsrer seligkeit; Vernunft und wahrheit siegen. Die blindheit und das laster flieht, Und wo man Gottes finger sieht, Muß satan unterliegen. 3. Umsonst, daß er noch wilder tobt, Verfolgung zu erregen. Der name Jesu wird gelobt; Sein wort ist kraft und segen. Die jünger schreckt nicht pein noch müh, Der geist der stärke stärkte sie In martern und im tode. Sie blieben ihrem herrn getreu, Bekannten seinen namen frei, Und priesen ihn im tode. 4. Noch jetzt bist du der geist der kraft, Noch jetzt der menschen lehrer, Der Jesu neue jünger schafft, In aller welt verehrer. In sündern wirkst du buß und leid, In from12 Von dem heiligen Geiste. 178 frommen seelen trost und Mel. Nun bricht die finstre. flüchtges guf freud, Und muth im kampf 239. Nicht um ein der sünden. In bangen stunden schenkest du, So wie im tode seelenruh; hilfft überwinden. Du, du 5. Des vaters und des sohnes Geist, Du quelle heilger triebe, Den Jesus betenden verheißt Von Gottes vaterliebe; Wer dich nicht hat, der ist nicht sein. Nimm auch mein herz zur wohnung ein; Hilf mir, im glauben beten. In bangen ſtunden tröste mich, Und zeige voll erbarmen dich mir einst in todesnöthen. Mel. Erschienen ist der herrl. 238. Vom himmel kam der geist herab, Den uns der sohn erwarb und gab. In fremden sprachen that der mund Der jünger Gottes gnade fund. Gelobt sei Gott! 2. Der erde dunkel ward erhellt. Sie gingen aus in alle welt, Und predigten des vafers huld, Vergebung aller sünd und schuld. Gelobt sei Gott! 3. Die ganze welt bekehre sich! Wir preisen, Jesu Vater, dich, Und dich, o Sohn! auch danken wir Dir, Geist des Herrn, und folgen dir. Gelobt jei Gott! der zeit, Ich fleh um deinen geist, Den, Gott! zu meinerseligkeit Dein theures wort verheißt. 2. Die weisheit, die vom himmel stammt, Vater! lehr er mich, Die weisheit, die das herz entflammt Zur liebe gegen dich. 3. Dich lieben, Gott, ist seligkeit; Gern thun, was dir gefällt, Wirkt edlere zufriedenheit, Als alles glück der welt. 4. Dann, dann hab ich vertraun zu dir, Dann schenket selbst dein geist Das freudige bewußtsein mir, Daß du mir gnädig seiſt. 5. Er leite mich zur wahrheit hin, Zur tugend stärf er mich, Beweise, wenn ich traurig bin, Auch mir als tröster sich. 6. Er schaff in mir ein reines herz, reines herz, Versiegle deine huld, Und er bewaffne mich im schmerz Mit muth und mit geduld! Mel. Wie schön leucht't uns der. 240. heilger Geift! O fehr bei uns ein Und laß uns deine wohnung sein. D komm, du herzenssonne! Laß deiner wahrheit hellen schein In unsern Pfingstlieder. unsern herzen kräftig sein, Zu steter freud und wonne: Daß wir Schon hier, Gott ergeben, Ruhig leben Und im sterben Einst vollkommnes glück ererben. 2. Gieb fraft und nachdruck deinem wort, Laß es, wie feuer, immerfort In unsern herzen brennen: Daß wir mit vater und dem sohn, Dich, beider geist auf einem thron, Als wahren Gott befennen; Daß wir nicht hier Uns verwirren, Noch verirren, Sondern gläuben, Und im glauben standhaft bleiben. 3. Du quelle, draus die weisheit fließt, Die uns zum heil so nöthig ist, Ach, schenk aus deiner fülle Uns so viel einsicht und verstand, Daß heilsam von uns werd erfannt Des höchsten gnädger wille! Ja gieb Den trieb Unsern seelen, Nur zu wählen Und zu üben, Was er uns hat vorgeschrieben. 179 nes troftes fraft Zum kampf mit jeder leidenschaft, Darüber herr zu werden; Und sind wir ja dem falle nah, So sei mit deiner hilfe da, Erheb uns von der erden. Neue Treue Gieb uns schwachen; Du kannst machen, Daß wir siegen Und im kampf nicht unterliegen. 4. Steh uns stets bei mit deinem rath Und führ uns auf den rechten pfad Des heils, Den wir nicht wissen. Verleih uns willigkeit, daß wir Dir standhaft folgen, wenn wir hier Auch darum leiden müssen. Schlagen Plagen Uns gleich nieder, Laß uns wieder Trost empfinden, Und die trübsal überwinden. 5. Stärk uns durch dei6. Nimm alle härte von uns hin, Erfülle uns nach deinem sinn Mit wahrer menschenliebe: Daß unser herz mit huld und treu Dem nächsten stets ergeben sei, Und sich darinnen übe, Kein neid, Kein streit Dich betrübe. Fried und liebe Wollst du geben, Daß wir froh und ruhig leben. 7. Gieb, daß in wahrer heiligkeit Wir führen unsre lebenszeit; Sei unsers getstes stärke. stes stärke. Laß uns stets bleiben unbewußt Die eitelkeit, der sinnen lust Und ihre schnöden werke. Rühre, Führe Unser sinnen und beginnen Von der erden, Bis wir himmelserben werden: Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 241. Gott! du haft in deinem sohn Mich von ewigkeit erwählet; Sende nun von deinem thron, Was noch meinem heile fehlet, Und gieb mir 12* des Von dem heiligen Geiste. 180 des geistes gaben; Durch sie werd ich alles haben. 2. Mich umfangen noth und tod Auf dem finstern sündenpfade; Heilger Geist, mein Herr und Gott! Rette mich durch deine gnade. Mach mich los von dem verderben, Laß mich nicht in sünden sterben! 3. Treibe weg die finstre nacht Falscher, zweifelnder gedanken. Wenn die welt mich irre macht, Halte die vernunft in schranken. Würd ich mich von dir entfernen, Wo wollt ich denn weisheit lernen? 4. Schaff in mir ein reines herz, Daß ich stets an Gott gedenke, Und mich oft mit reu und schmerz Ueber meine sünden fränke; Doch, nach den betrübten stunden Tröste mich durch Jesu wunden. 5. Herr! vereinige mich mit ihm, Als ein glied an feinem leibe; Er in mir und ich in ihm, Hilf, daß ich das bin und bleibe, Und stets als ein guter rebe Früchte bring und in ihm lebe. 6. Glaube, lieb und hoffnung sei Stets die zierde meiner seele; In versuchung steh mir bei, Daß ich stets das beste wähle. Gieb mir demuth in den freuden, Gieb geduld und muth im leiden. 7. Hilf mir reden recht und wohl, Und des gottesdienstes pflichten, Wie du forderst, wie ich soll, Ohne heuchelei verrichten, Chriftlich leben, selig sterben, Und dein himmlisch reich ererben. Mel. Von Gott will ich nicht. 242. Freut euch, ihr christen alle! Gott schenkt uns seinen sohn. Lobt ihn mit frohem schalle! Er giebt vom himmelsthron Uns auch den heilgen geist, Der durch sein wort uns lehret, Des glaubens licht vermehret, Und uns auf Christum weis't. 2. Es läffet offenbaren Gott, unser höchster hort, Uns, die voll blindheit waren, Sein himmlisch licht und wort. O seht, wie er uns liebt! Nun können wir ihn kennen und unsern vater nennen, Der alles gute giebt. 3. Verleih, daß wir dich lieben, Gott von großer: huld! Daß wir dich nie betrüben Durch wissentliche schuld! Leit uns auf ebner bahn! Laß uns dein wort recht hören Und thun nach deinen lehren: So ist es wohl gethan. 4. Laß auch des geistes gaben, Die du verheißen hast, Die matte seele laben Im druck der leidenslast, Ja felbft Pfingstlieder. selbst in todespein, Und sprich bei unserm scheiden Durch diesen geist der freuden Uns muth und freude ein! Mel. Werde munter, mein gem. 243. Der du uns als vater liebest, Treuer Gott! und deinen geist Denen, die dich bitten, giebeft, Ja, um ihn uns bitten heißt; Demuthsvoll fleh ich vor dir: Vater! send ihn auch zu mir, Daß er meinen geist erneue, Und ihn dir zum tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem wissen Leben, fraft und fruchtbarkeit, Und mein herz in finsternissen Bleibt dem dienst der welt geweiht, Wenn er nicht durch seine fraft Die gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe, Und zu deiner ehre lebe. 3. Dich kann ich nicht recht erkennen, Jesu! noch mit ächter treu Meinen Gott und Herrn dich nennen, Stehet mir dein geist nicht bei. Drum so laß ihn kräftiglich In mir wirken, daß ich dich Glaubensvoll als mittler ehre, Und auf deine stimme höre. 4. Ewge quelle heilger güter, Hochgelobter Gottes Geist! Der du menschliche gemüther Besserst und mit troft erfreust! Nach dir sehnt 181 mein herze sich; Ich ergebe mich an dich. Mache mich, zu Gottes preise, Heilig und zum himmel weise. 5. Fülle mich mit heilgen trieben, Daß ich Gott, mein höchstes gut, höchstes gut, Ueber alles möge lieben, Daß ich mit getrostem muth Seiner vaterhuld mich freu Und mit wahrer findestreu Stets vor seinen augen wandle Und rechtschaffen denk und handle. 6. Geist des friedens und der liebe! Bilde mich nach deinem sinn, Daß ich lieb Und und sanftmuth übe mirs rechne zum gewinn, Wenn ich je ein friedensband Knüpfen kann, wenn meine hand, Zur erleichtrung der beschwerden, Kann dem nächsten nüglich werden. 7. Lehre mich mich selber kennen, Die verborgnen fehler sehn, Sie voll demuth Gott bekennen Und ihn um vergebung flehn; Mache täglich ernst und treu, Sie zu bessern, in mir reu; Zu dem heiligungsgeschäfte Gieb mir immer neue fräfte. 8. Wenn der anblick meiner fünden Mein gewissen niederschlägt; Wenn sich in mir zweifel finden, Die mein herz mit fummer hegt; Wenn mein aug in nöthen weint, Und Gott nicht zu hören scheint; D, dann laß es Von dem heiligen Geiste. 182 es meiner seelen Nicht an trost und stärkung fehlen. 9. Was sich gutes in mir findet, Ist dein gnadenwerk in mir. Du hast selbst den trieb entzündet, Daß mich, Herr! verlangt nach dir. D, so setze durch dein wort Deine gnadenwirkung fort, Bis sie durch ein seligs ende Herrlich sich an mir vollende. Mel. Sollt ich meinem Gott. 244. Geist der fraft, der zucht und liebe, Der sich in die frommen senkt Und die wohlthat seiner triebe Gottergebnen feelen schenkt, Seelen, die das arge hassen Und den trieben böser lust Nimmermehr mit vorbewußt Folgen und die herrschaft lassen; Wohn und herrsche du in mir! Sieh, mein herz ergeb ich dir. 2. Laß dein licht den sinn erfüllen Zur erkenntniß meiner pflicht; Neige aber auch den willen, Wenn es mir an luft gebricht, Meine pflichten zu vollbringen. Bin ich oft nur gar zu schwach, Geb ich leicht dem fleische nach: So laß träfte in mich drinversuchungsstunden Durch seine blut, das er vergoß. Hilf mir gnädig, wohl zu kämpfen, Und durch einen ernsten streit, Mit gebet und wachsamkeit, Meinen ärgsten feind zu dämpfen. Führ mich auf der rechten bahn Stets zum weitern laufe an. 4. Dwie janft ist dein regieren, Und wie kräftig doch dabei! Wahre freiheit läßt es spüren, Macht des herzens triche neu, Lenkt mit starken liebesseilen Das er= neuerte gemüth, Daß es sich mit luft bemüht, Seinen pflichten nachzueilen. Dabei nimmt, zu unsrer ruh, Glaube, liebe, hoffnung zu. 5. Geist der kraft, der zucht und liebe! Wohne du mir immer bei; Zeug in mir durch deine triebe, Daß ich ein find Gottes sei. Gieb mir trost in allen leiden, Zuversicht, wenn im gebet Ich vor meinen vater tret, Freudigkeit im letzten scheis den. Ach! wie herrlich, Geist der zucht, Ist mir deiner triebe frucht. Mel. Kommt her zu, mir, spricht. gen Und entzünde meinen 245. Gott Vater! sende geist, Das zu thun, was du deinen geiſt, mir heißt. Den uns dein sohn erbitten heißt, Aus deines himmels höhen. Wir bitten, wie er uns gelehrt; Laß uns doch ja 3. Treibe mich zu Jesu wunden, Wenn mein sündenelend groß; Stärk mich in Pfingstlieder. ja nicht unerhört Von deinem throne gehen. 2. Dein geist mehrt unsers glaubens licht, Wenn alle welt dawider sicht Mit sturm und vielen waffen; Und wenn auch gleich der fürst der welt Selbst wider uns sich legt ins feld, So fann er doch nichts schaffen. 3. Wo Gottes geist ist, da ist sieg; Wo dieser hilft, da nimmt der krieg Gewiß ein gutes ende. Was ist doch satans reich und kraft? Wenn Gottes geist uns geist uns stärke So siegen muth schafft, und hände. 4. Er steht uns in versuchung bei, Er tröstet uns fränket. und macht uns frei Von allem, was uns Wenn uns des unglücks wetter schreckt, So ist ers, der uns schüßt und deckt, Viel besser, als man denket. 5. Er macht das bittre freuz uns süß, Ist unser licht in finsterniß, Führt uns als seine schafe; Hält über uns sein schild, und wacht, Daß seine heerd in tiefer nacht Mit ruh und frieden schlafe. 183 und ehrt, Dem wird sein troft nicht fehlen. 6. Er lehret uns die furcht des Herrn, Liebt reinigkeit und wohnet gern In frommen, feuschen seelen. Wer buße thut, sich recht bekehrt, Und Gott und tugend liebt Wer 7. Er ist und bleibet stets getreu. Er steht uns auch im tode bei Und höret unser flehen. Er lindert unsre legte noth, Läßt uns, voll hoffnung, durch den tod Zur himmelsfreude gehen. 8. Nun, Herr und Vater aller güt! Hör unsern wunsch: gieß ins gemüth Uns allen diese gabe. Gieb deinen geist, der uns allhier Regiere und dort für und für Mit himmelswonne labe. Mel. Herr Jesu Christ, du. 246. heilger Geist, du höchstes gut, Der du auf jenem throne, Auf welchem macht und ehre ruht, Mit vater und dem sohne Als Gott regierst in ewigkeit, Und den die ganze christenheit Als Gott ehrt und anbetet! 2. Ach! gieb, daß wir in deinem licht Den heiland recht erkennen und ihn mit starker zuversicht Den Herrn des lebens nennen, Auch stets mit inbrunst zu ihm flehn, Und seine lehre, die so schön, Bis in den tod bekennen. 3. Führ uns mit deiner kraft gewiß! Gieb uns ein neues leben, Auf daß wir ja kein ärgerniß Je nehmen oder 184 Von dem heiligen Geiste. oder geben Mit falscher lehr nen herrn ihn in der wahrund bösem rath, Den glauben vielmehr mit der that Vor aller welt beweisen. heit nennen! Wahrhaftger Geist! erleuchte meinen geiſt, Führ mich den weg, den deine wahrheit weist. 4. Laß mich mein herz dir gläubig übergeben; Entsündge mich, schaff mir ein neues leben! Gieb, daß meingeist in wahrer buß und reu Durch deine kraft heilsam; zerschlagen sei! 4. Theil uns, Herr, deine gaben mit! Salb uns mit deinem öle! Erleuchte, heilge und vertritt Die theur erlöfte seele! Begnadge uns mit deiner gunst! Entzünd im herzen reine brunst, Einander recht zu lieben! 5. Befestige auch unsern muth, Und hilf uns ernstlich kämpfen: Daß wir die welt, auch fleisch und blut, Sammt ihrer reizung dämpfen! Und, wenn die letzte stunde da, Sei uns mit deinem trofte nah Und hilf uns selig sterben. Mel Mein Herz und seel den. 247. Du Geist des herrn! der du von Gott ausgeheft Und doch mit ihm in gleichem wesen stehest, Kraft aus der höh! steh mir in gnaden bei, Damit mein lob dir wohlgefällig sei. 2. Du bists, der uns allein die weisheit sendet; Der menschen sinn ist ohne dich verblendet. Gieb mir verstand, erkenntniß, rath und that, So wie dein wort es uns verheißen hat. 3. Olehre mich daraus den heiland kennen, Und mei5. Ach, reinge mich von allen eitten trieben; Laß michnur dich, und nicht was fleischlich, lieben! Ja mache mich von dem, was sündlich, frei, Daß deinem wink ich stets gehorsam ſei. stärke mich im glauben! Laß 6. Versiegle mich und niemand mir die siegeskrone rauben! O freudengeist! verleih mir deine kraft, Die friede, troft und freude in mir schafft! 7. Laß, reiner Geist! mich heiligung laß sie mich immer. deine wirkung spüren, Zur führen! Verleih, o Geist der.. gnad und des gebets, Zum beten mir doch deinen beistand stets! 8. Gieb mir schon hier den vorschmack jener freuden, Daß ich dabei der erde noth und leiden Vergessen kann, und richte meinen sinn 3um höheren und bessern leben hin. Mel. Pfingstlieder. Mel. Nun freut euch lieben. 248. Heut will ich, werther tröster! dir Mit Herzensfreude singen: Ach, heilger Geist! verleihe mir, Daß ich jetzt möge bringen Ein opfer, frei von heuchelei, Das deiner huld gefällig sei, Der du die herzen prüfest. 2. Wie hat doch meiner seele noth Dich, großer Gott! erbarmet. Mich haft du, da ich geistlich todt, Mit lieb und huld umarmet. Ich ging in ganz verkehrtem wahn! Du nahmst dich meiner gnädig an Und wolltest selbst mich lehren. 3. Ich hatte Gott nicht recht erkannt, Dem ich doch follte leben; Da hast du dich zu mir gewandt Und mir dein licht gegeben. Dein theures wort hat mich erfreut Und meiner augen blödigkeit 3um himmelsweg erleuchtet. 4. D bestes licht! du lehrtest mich Erst meinen heiland kennen; Bei deinem glanze fann nun ich Gott meinen vater nennen. Du hast mein dunkles aufgehellt Und leitest mich durch diese welt Zu jenem bessern leben. 5. Ich wär im höchsten jammerstand In ewigkeit verloren, Wenn du dich nicht zu mir gewandt Und mich 185 aufs neu geboren. Durch dich bin ich nun Gottes find. Ach! laß mich stets auch so gesinnt, Wie Gottes finder, bleiben. 6. Wie oft bin ich auf bösen rath Und falschen weg gekommen! Doch deine theure gnade hat Sich meiner angenommen. Du straftest am gewissen mich; Da schlug mein herz, da lernte ich Den weg der sünde fliehen. 7. Oft haſt du in des lebens müh Dich meiner angenommen, Und bist, wenn ich sehr trostlos schrie, Mit trost zu mir gekommen: Daß ich in hoffnung und geduld, Versichert deiner lieb und huld, Mich Gott ganz überlassen. 8. Ach, könnt ich nun nach würden dich, O treuer Gott, auch preisen! Ach, könnt ich, wie ich soll, nun mich In deinem dienst erweisen! O heilger Geist! laß meinen sinn, So lang ich noch auf erden bin, Recht ernstlich hienach trachten. 9. Kann ich in dieser sterblichkeit Den wunsch nicht ganz erlangen;. So werd ich doch, wenn nach dem streit Die ruh dort angegangen, Dir, sammt dem vater und dem sohn, Im höhern chor vor deinem deinem thron, Preis, dank und ehre bringen. 15. Von 186 15. Von den Gnadenwirkungen. Von der Berufung. Mel. Es ist das heil uns. 249. Auch fünder könsünder können selig sein, Nicht sterben, sondern leben. Wer gläubig werden will und rein, Dem will der Herr vergeben. Er, der uns nicht zum zorn erschuf, Er wills, und dieses ist dein ruf, Dein ruf, o Geist des vaters! 2. Zu allen völkern sendest du Die boten Jesu Christi: Wer müd ist, komm und suche ruh Im reiche Jesu Christi. Hier findet er sie, hier! so schallts Vom fernen aufgang her, so hallts Vom niedergange wieder. 5. Wohl allen denen, welche gern Auf deine stimme hören, Durch deinen ruf erweckt, zum herrn, Zu Jesu sich befehren! Erleuchtet sehn sie nun die bahn Zum leben, nehmen Jesum an Und werden fromm und selig. 4. Sie sterben, ihre lehre bleibt, Wird mächtig auf der erde, Und siegt; die lehre: daß, wer gläubt Und fromm wird, selig werde. Durch ihre lehre rufest du Noch immer allen sündern zu: Laßt euch mit Gott versöhnen! 6. Wohl ihnen, denn di heiligst sie Und wohnst in ihren seelen, Daß sie mit fleiß und vorsaß nie, Was Gott ein greul ist, wählen. Sie freuen ihres heiles sich Und kämpfen, und, gestärkt durch dich, Erringen sie den himmel. 7. Dein ruf erschallet auch zu mir Durch deines wortes lehre. Gieb, daß ich stets, geführt von dir, Auf deine stimme höre: Daß Jesus auch mein heiland sei; Daß ich, durch ihn vom fluche frei, Auch fromm und selig werde! 3. Sie rufen, ob viel feinde gleich Sie hassen und verhöhnen Und martern: laßt, o menschen, euch, Laßt euch mit Gott versöhnen! Du, Geist der wahrheit, stärkeſt fie, Daß sie in allen leiden Mel. Von Gott will ich nicht. nie Aus furcht dein wort 250. Wie treu, mein verleugnen. guter hirte! und Gehst du dem sünder nach, Der sich von dir verirrte, Der, elend, frank schwach, In sein verderben läuft, Wenn deine hand den armen Nicht ſelber aus erbarmen, Eh er versinkt, ergreift. 2. G8 Von der Berufung. 2. Es heißt dein ruf uns kommen; Und merfen wir nicht drauf, Ob wir ihn schon vernommen, Suchst du uns ferner auf. Dein herz, o Heiland! brennt, Daß doch das schaf zur heerde Zurückgeführet werde, Davon es sich getrennt. 3.- Nimmt denn ein frecher fünder Noch deinen ruf nicht an; Verfährst du doch gelinder, Als er erwarten kann, Verlängerst noch sein ziel, Läßst deine langmuth währen, Ob er sich nicht bekehren Und in sich schlagen will. 4. Liebhaber unsrer seelen, Mein hirt, mein treufter freund! Voll danks will ich erzählen, Wie gut du es gemeint. Ich war auf meiner flucht Ein raub der Ein raub der ichnödsten lüste; Doch du haft in der wüste Mich huldreich aufgesucht. 5. Dein wort schallt noch im herzen, Das mich zur buße rief, Als ich), zu deinen ichmerzen, Den weg zur hölle lief. Du aber brachtest mich Von diesem breiten wege Durch freuz zum schmalen stege. Mein Hirt! ich preise dich. 6. Ach, daß ich deiner liebe Nur immer folgsam wär, Nicht oft zurücke bliebe, An gegenliebe leer! Nicht, 187 wie viel du gethan, Mir oft entfallen ließe, Da ich ja mehr genieße, Als ich verdanken kann. 7. Nun, Jesu! ich beklage Den blöden unverstand, Und daß ich meine tage So übel angewandt. Verstoß den sünder nicht! Mich reut und schmerzt mein schade; Verwandle deine gnade Nicht in ein zorngericht. 8. Du trugst ja unsre bürde, Gabst selbst dein leben dar, Daß das gerettet würde, Was sonst verloren war. Uns ist nun heil bereit't. Nichts fann nun unsern seelen Auf deiner weide fehlen; Du schaffst uns seligkeit. 9. Das laß mich herzlich gläuben, Und gieb mir selber kraft, Dem heile treu zu bleiben, Das mir dein tod geschafft; Zeig, wie ich glaubensvoll Aus deinem überflusse Zum wirklichen genusse Stets gnade schöpfen soll. 10. Doch sollt ich mich aufs neue, Ich schwach ge= schöpf, vergehn; So laß mir deine treue, Mein hirte, nie entgehn. Erweck und führe mich, Daß nichts von dir mich wende; So preis' ich ohne ende, O treuer Jesu! dich. Mel. Von den Gnadenwirkungen. 188 Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. 251. Hier bin ich, Herr! Von der Erleuchtung. du rufest mir; Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 252. Gott, mein licht! erleuchte mich, Daß ich mich und dich erkenne, Daß ich voll vertrauen dich meinen Gott und vater nenne; Daß ich dadurch auf der erde Für den himmel weise werde. .2. Zuverlässig ist dein wort; Lehre michs nur recht verstehen. Wenn ichs forsche, hilf mir fort, Sicher daraus einzusehen, Was zu meinem heil mich führet, Was zu meiden mir gebühret. Du ziehest mich, ich folge dir. Du forderst von mir herz und sinn; Mein Heiland! nimm, ach! nimm es hin. 2. Ich hab oft deinen wink verschmäht; Es ist mir leid, ich komme spät. Wie dank ich dir, o Gott der huld, Für deine langmuth und geduld. 3. Nun aber säum ich länger nicht; Mich drängt und treibet meine pflicht. Ich komm, ich komm voll reut und buß; Ach aber, ach! wie wanft mein fuß! 4. Herr, ich bin deinem Petro gleich; Dort kommt ein sturm, ich sink! ach, reich, Reich schnell mir deine starke hand! So wird mein fall noch abgewandt. 5. Du rufest mich; ich komm zu dir. Mein Heiland, komm und hilf du mir! Mein fuß ist müd und weigert sich; Herr, unterstüß und trage mich! 6. Flöß deine kraft mir müden ein; So werd ich fünftig stärker sein; So folg ich dir, mein Herr und Gott! Durch flut und glut, durch noth und ted. 3. Aber laß mich nicht allein Richtig seinen sinn verstehen; Laß mich auch beflissen sein, Den erkannten weg zu gehen; Denn sonst würd ich, bei dem wissen, Doppelt streiche leiden müſſen. 4. Folg ich seinem unterricht, so werd ichs auch erfahren, Was es denen guts verspricht, Die es hören und bewahren. Dann wird es auch mir im leiden Eine quelle wahrer freuden. 5. Hilf auch, daß von zeit zu zeit Meine fenntnisse sich mehren. Find ich dann noch dunkelheit Bei des glaubens hohen lehren: O so laß mich demuth lernen, Mich von zweifelsucht entfernen. 6. Gieb, Von der Erleuchtung und Wiedergeburt. 189 sag ich dieser welt, Die mir manche nege stellt; So kann ich mein heil der seelen, Jesum, finden und erwählen. 6. Gieb, daß ich in deinem licht Immer mehr gerührt erkenne Jener herrlichkeit gewicht und mich dann nur glücklich nenne, Wann ich weislich nach ihr trachte, Und die sündenlust verachte. 7. Gieb mir immer neue kraft, Deinem wort gemäß zu handeln Und vor dir gewissenhaft Auf der tugend pfad zu wandeln. So wird einst in jenem leben Mich ein hellres licht umgeben. Mel. Werde munter, mein gem. 253. Höchfter Gott! in deinem lichte Seh ich erst das rechte licht; Wenn ich mich nach solchem richte, Fehlen meine tritte nicht. Nun, mein licht! erleuchte mich, Ich bin finster ohne dich; Laß dein licht, zu deinen ehren, Sich in mir beständig mehren. 2. Gieb mir weisheit, zu verstehen, Was mir gut und nüglich ist; Gieb verstand, dem nachzugehen, Was ich, als ein rechter christ. Durch den wandel zeigen soll, Daß ich, deines lichtes voll, Allezeit das beste wähle Und des himmels nicht verfehle. 3. Lehre mich, dich recht zu kennen, Und den weltdunst einzusehn; So kann ich dich vater nennen, Und die eitelkeit verschmähn; So ent4. Herr! ich seh, anstatt der klarheit, Noch viel finsterniß bei mir. Ach! dein geist, der geist der wahrheit, Leite ferner mich zu dir! Seines wortes unterricht Gebe meiner seele licht, Bis ich in des himmels höhen Lauter klarheit werde sehen. Von der Wiedergeburt. Mel. Nun ruhen alle wälder. 254. Der mensch, vom fleisch geboren, Denkt, lebt, wie eitle thoren, Nach seinem fleischestrieb. Der mensch, vom Geist geboren, Zu Gottes kind erkoren, Hat wahrheit, Gott und tugend lieb. 2. So zeuget Jesu lehre Zu seines geistes ehre, Erfahrung stimmt ihr bei. Zu Gottes ruhm erzählen ihm ergebnen seelen: Dein geist macht sinn und wandel neu. Die 3. Ohn ihn und seine gnade Irrn wir auf dunfelm pfade In sehr verkehrtem sinn; Da fließen unsre zeiten Im traum der eitelkeiten, In unverstand und thorheit hin. 4. Gott wird von uns ver-= gessen; Von den Gnadenwirkungen. 190 geffen; Wir lernen nicht ermessen Der ewigkeit gewicht. Wir wollen glücklich werden Durch lüfte dieser erden, Und sehn das wahre leben nicht. 5. Was uns für fünden drücken, Wie sehr sie uns uns verstricken, Das macht uns keine pein; Und straft uns das gewissen In unsern finsternissen, So schläfern wir es wieder ein. 6. D Gott! welch tief verderben, Daß wir vom fleische erben! Sei ewiglich gepreist, Daß du, uns neu zu zeugen, Das herz zu dir zu neigen, Uns schenfest deinen guten geist! 7. Durch ihn heilst du aus gnaden Den großen seelenschaden, Der uns verderbet hat. Er lehret unsre seelen Den weg der wahrheit wählen, Giebt weisheit, tugend, trost und rath. 8. Von ihm aus dir geboren, Sind wir nicht eitle thoren In dieser flüchtgen zeit; Wir lernen weise werden Zum wahren glück auf erden Und zu dem glück der ewigkeit. 9. Dich lehret er uns ken nen, Dich unsern vater nennen Durch Jesum, deinen sohn, Und läßt, im schmerz der fünden, Uns ruh und trost empfinden, Im zugang zu dem gnadenthron. 10. Er giebt uns glaubensstärke, Wirft in uns gute werke, Nach deinem vatersinn. Durch seine huld und gnade Führt er auf rechtempfade Uns zu dem bessern leben hin. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 255. In Gottes reich. geht ein, Er sei denn neu geboren; Sonst ist er, bei dem besten schein, In sünden doch verloren. Was fleischliche geburt verderbt, In der man sünd und schwachheit erbt, Das muß Gott selbst vers beffern. 2. Soll unser herz sich seiner freun Und seinen frieden haben; So muß er selber es verneun Durch seines geistes nes geistes gaben: Denn wer nicht, als ein frommes find, Nach seinem herzen wird gesinnt, Der kann ihm nicht gefallen. 3. Ach, Vater der barmherzigkeit! Sind wir denn sehr verdorben, Und, wenn dein geist uns nicht ver neut, Zum guten ganz erstorben; So wirk in uns durch seine kraft, Die alles gute in uns schafft, Ein neues herz und wesen. 4. Durch ihn gebäre du uns neu Und ändre die gemüther; Mach uns vom fün Von der Erneuerung. 191 ner finder. fündendienste frei; Schenk paradies Das erbtheil det= uns die hin: melsgüter. Zwar in der tauf ist es geschehn; Doch haben wir durch manch vergehn Nachher den bund gebrochen. 5. Drum wollst du durch dein kräftges wort Uns abermal erneuern: Wir wollen dir, o treuer hort! Mit herz und mund betheuern, Von nun an nicht in sicherheit, Vielmehr mit fleiß, beständigfeit Und treu vor dir zu wandeln. 6. Nimm uns, o Vater! wieder an. Ob wir, als schnöde sünder, Gleich nicht, was du befiehlst, gethan; So werden wir doch finder, Wenn uns dein geist von neuem zeugt, Und unser herz zum guten neigt Im glauben und in liebe. 7. Wir wollen, was du gutes giebst, Hinfüro treuer üben; Wir wollen dich, weil du uns liebst, Als unsern vater lieben: Daß deines ebenbildes spur In uns, der neuen kreatur, Beständig sei und bleibe. 8. Nun, Herr! laß deine vaterhuld Uns jederzeit bedecken, Damit uns weder sündenschuld, Noch zorn und strafen schrecken. Mach uns der findschaft hier gewiß hier gewiß Und schenk uns dort im Von der Erneuerung. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 256. Ach Herr! bekehre mich zu dir Und schaff ein reines herz in mir, Zu einem neuen leben. Denn du mußt zur erneuerung, Zum steten fleiß der heiligung, Den neuen geist mir geben. 2. Ich war ein finstrer sündenknecht; Du aber machtest mich gerecht, Dein licht ist mir erschienen. Da treibt mich nun des glaubens kraft, Im lichte fromm und tugendhaft Dir, als ein find, zu dienen. 3. Herr, stärke diese fraft in mir, Du wirkest selbst, und ich mit dir, Durch deines geistes triebe. Erst wirkteſt du, ich wirkte nicht; Jegt wird des glaubens zuversicht Auch thätig durch die liebe. 4. Denn Jesu sakrament und wort Erhält und stärket immerfort Des glaubens kraft und leben; Die mittel müſsen zu der frucht, Die Jesus an den reben sucht, Auch saft und nahrung geben. 5. Da nimmt denn die erleuchtung zu, Den willen neigst und stärkest du, Mein Gott! zu zu neuen trieben: Daß ich von ganzem Herzen dich, Von den Gnadenwirkungen. 192 dich, Und meinen nächsten gleich als mich, Mit redlichfeit fann lieben. 6. Mein glaubenslicht wird offenbar: Im glauben reich ich tugend dar, Ich will von Jesu lernen. Dem folg ich nach, ihm nah ich mich, Und von der sündenbahn will ich mich immer mehr entfernen. 7. So wirkt, so kämpft, so ringt und strebt Der neue mensch, der heilig lebt, Und reinigt sich von sünden. Ich jage nach der heiligung, Gott ichenkt zu meiner besserung Die kraft zum überwinden. 8. 3war fehlet die vollkommenheit, Ich finde selbst, daß allezeit Mein thun nur stückwerk bleibe: Doch darum bessert Gott auch mich, Sein ebenbild erneuert sich Bei mir an seel und leibe. 9. Gott Vater! du willst deine treu An mir noch alle morgen neu Beweisen und vermehren: Du schenfest mir das findschaftsrecht; Ach! so erneure deinen knecht, Dich findlich zu verehren. 10. Herr Jesu, groß von rath und that! Dein rath, der angefangen hat, Muß auch die that vollenden. Ach! hilf du mir, die neue kraft, Die mir dein blut und tod verschafft, Zum leben anzuwenden. 11. Gott heilger Geist! laß mich dein wort Gewiß und immer weiter fort Auf guten wegen führen. Laß all mein thun geheiligt sein!Gieb täglich kraft, mich zu erneun Durch dein licht und regieren! Mel. Wer nur den lieben. A. M. 257. großer Gott! du reines wesen, Du hast nur reine herzen dir Zu deiner wohnung auserlesen: Ach, schaff ein reines herz in mir; Ein herz, das unbefleckt und frei von allen bösen lüften sei! 2. Ich falle dir, mein Gott, zu fuße, Mich mache Christi blut auch rein! Laß redlich meines herzens buße, Und ernstlich meinen glauben sein! So mache mich zur reinigkeit Des lebens fertig und bereit. 3. Dein guter geist, o Gott! regiere Mein ganzes herz, und stehe mir In meis ner schwachheit bei, und führe mich von der eitelkeit zu dir! Gieb einen geist, der dir getreu, Und willig zu gehorchen sei. 4. Verwirf mich wegen meiner werke Von deinem angesichte nicht! Zu guten werken gieb mir stärke, Zur wahl des besten lust und licht! Laß in der gnade mich Von der Erhaltung im Guten. mich bestehn, Um einst zum himmel einzugehn. 5. Nimm deinen geist, den geist der liebe, Den geist des glaubens nie von mir, Und stärke mich durch seine triebe, Durch seinen beistand für und für! leite So durch die pilgerzeit Mich aus der welt zur selig feit! Von der Erhaltung im Guten. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 258. Ach Gott! es kann nicht anders sein, Hier stellt sich, weil wir leben, Noch täglich viel versuchung ein; Wir sind mit noth umgeben. Der schmale weg zur seligkeit Ift voller müh, voll angst und streit; Die finstre macht der höllen, Die welt, die nur im argen liegt, Und unser fleisch, das uns betrügt, Sucht immer uns zu fällen. 193 deine kraft erquickt, In keiner noth verzagen. 2. Doch deine felfenfeste treu Läßt uns nicht unterliegen; Sie steht uns auf dem kampfplatz bei Und hilft uns herrlich siegen. Uns schwache setzt sie in den stand, Zur linken und zur rechten hand Den anlauf abzuschlagen, So, daß die lust uns nicht verstrickt, Und wir, durch N. A. 3. Dein sohn, der uns mit eignem blut In ängsten und beschwerden Erkaufte, weiß, wie uns zu muth, Wenn wir versuchet werden. Er hat an seinem freuz gewiß Die ganze macht der finsterniß Vollkommen überwunden. Du hieltest dich vor ihm verdeckt, Und er hat höllenpein geschmeckt In dreien finstern stunden. 4. So gieb denn, daß wir freudig sein, Auch wann die noth am größten, Und laß, in aller angst und pein, Uns Christi leiden trösten. Ach, wenn der satan uns versucht, Und wenn die böse welt uns flucht, Wenn wir verlassen scheinen: So bist du uns in Christo ja Mit deiner reichen gnade nah, Und näher, als wir meinen. $ 5. Verlaß uns matte streiter nicht. Ach, hilf uns überwinden, Bis wir in jenem freudenlicht Vollkommne ruhe finden. Treib uns zum wachen und gebet, Und laß uns, wenns gefährlich steht, Dich desto fester fas sen. Du, Vater! fannst uns nicht verschmähn; Du läsfest uns nicht trostlos gehn; Du wirst uns nie verlassen. 13 Mel. Von den Gnadenwirkungen. 194 Mel. Alle welt, was lebt und. 259. Fern ern vom ziel, wonach ich ringe, Fleh ich, o mein Gott, zu dir. Hilf, daß ich den lauf vollbringe! Wirke muth und kraft in mir! Mache täglich ernst und treu, Mich zu bessern, in mir neu! 2. Ach, ich irr' in finsternissen, Geist der wahrheit, ohne dich. Von begierden hingerissen, Täuscht oft meine feele sich, Suchet ruh und findet sie In der erde gütern nie. 3. Hilf mir nach dem himmel streben, Der den lohn mir aufbehält; Gott und Jesu laß mich leben, Nicht den lüſsten dieser welt. Lehre mich, von sünden rein, Eifrig nur im guten sein. 4. Leite du mich auf dem pfade Deines lichts zum leben hin, Und mich stärke deine gnade, Wann ich schwach und muthlos bin: Daß ich näher jeden tag meinem ziele fommen mag. 5. Gieb zur übung guter werke Mir erkenntniß, fraft und lust, Und im kampfe flöße stärke Mir in die verzagte brust. Gieb mir trost in jeder noth, Hilf mir treu sein bis zum tod. 6. Sei mein beistand, wenn ich sterbe; Zeige meinem geiſt von fern Das mir aufbehaltne erbe In der herrlichkeit des Herrn. Dann, gestärkt durch deine kraft, End ich froh die pilgerschaft. Mel. Es ist das heil uns. 260. Mein treuer Gott! dein gutes werk, Das in mir angefangen, Laß auch, durch deines geistes stärk, Zu ſeinem ziel gelangen; Daß ich bis in den tod getreu In deinem ganzen dienste sei Und gläubig überwinde. 1400 2. Den glauben, den du mir geschenkt, mußt du in mir auch stärken; Die kraft, die du in mich gesenkt Zu wahren guten werken, Die hoffnung, die du mir verliehn, Daß ich des himmels erbe bin, mußt du in mir erhalten. 3. Hier hat mein glaube kampf und streit. Laß deinen geist mich schüßen, Zum beten und zur wachsamkeit Mich mächtig unterstüßen. Fall ich, dein armes schwaches find, So eil er, um mich noch geschwind Vom falle aufzurichten. 4. So bleib ich dir, mein Gott, getreu, Daß feine lust, kein leiden, So groß auch Von der Heilsordnung. auch die versuchung sei, Von dir mich könne scheiden. Wohl mir! mein gläubiges 16 16. 16. Von der Heilsordnung. 7520 80 1034, 13500 Mel. Sollt ich meinem Gott. 261. Gott, aus deffen gnadenfülle Segen sich auf uns ergießt! Was dein heilger rath und wille Fordert, ordnet und beschließt, Ist der weg zum wahren leben. Buße, glauben, heiligung, Stete lebensbefferung Sollen uns dahin erheben, Daß wir, ganz von sünden rein, Ewig deines heils uns freun.biz 2. Von den sterblichen ist feiner Dieser großen gnade werth; In der ganzen welt nicht einer, Der sich nicht von Gott gekehrt. Dennoch will er das verderben Sündenvoller menschen nicht; Gnädig lockt er sie, und spricht: Sünder! warum wollt ihr sterben? Kommt! bekehret euch zu mir; Lebet mit mir für und für. 195 vertraun Wirst du einst in ein himmlisch schaun Der herrlichkeit verwandeln. 3. Gieb, Herr! daß dies wort mich dringe, Daß in wahrer buß und reu Ich mein Herz zum opfer bringe, Ohne trug und heuchelei. Komm ich mühvoll und beladen Mit der sündenlast zu dir; D, so nahe dich zu mir, Gott, du Vater aller gnaden! Führe mich als richter nicht Vor dein strenges zorngericht. 4. Laß im glauben mich empfinden, Daß du mir barmherzig seist, Und von schwerer last der sünden Mein zerknirschtes herz befreist. Senke durch des heilands leiden Meine schuld ins tiefste meer, Und, wird deine hand mir schwer, Dann gieb mir den geist der freuden, Der uns die versichrung giebt, Daß uns Gott in Christo liebt. 5. Dein erbarmen überwieget Alle schuld, die mich verklagt. Deines geistes beistand sieget, Wenn mein geist voll schrecken zagt. D, wie soll mein herz dich lieben, Der du mich in Christo liebst Und mir neue fräfte giebst, Gern die pflichten auszuüben, Die das wort der seligkeit Den begnadigten gebeut! 6. Dich von ganzem Herzen lieben; Deinem wink gehorsam sein; am nächsten 13* auch Und mich Liebe üben üben 196 Bon der Heilsordnung. mich seines wohlseins freun; noch beharrt, Wofür der Fromm, bei allen meinen herr ein opfer ward. pflichten, Gott! auf deinen willen sehn; Deine wege folgsam gehn; Redlich, was du willst, ausrichten; Sündenwege ernstlich fliehn: Dies sei täglich mein bemühn. 5. Drum fall ich dir, mein Gott! zu füßen; Vergieb mir gnädig meine schuld, Und heile mein verwundt gewissen Mit trost aus deiner vaterhuld. Ich will mit ernst die sünde scheun Und willig dir gehorsam sein. 6. Daß mit gerechtigkeit auch stärke Zur tugend mir geschenket sei, Laß mich durch übung guter werke Beweisen; mache selbst mich treu, Herr, in der liebe gegen dich! Sie dringe stets und leite mich!. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 262. Wie theuer, Gott! ist deine güte, Die alle missethat vergiebt, Sobald ein reuiges gemüthe Die fünden, die es sonst geliebt, Erkennt, verdammt und ernstlich haßt, Und zuversicht zum mittler faßt. 2. Doch laß mich ja nicht sicher werden, Weil du so reich an gnade bist! Wie kurz meine zeit auf erden, Die mir zum heil gegeben ist! Gieb, daß sie mir recht wichmir recht wichtig sei, Daß ich sie meiner beßrung weih. E 3. 3war deine gnade zu verdienen, Sind reu und beßzrung viel zu klein. Doch darf sich auch ein mensch erkühnen, Zu glauben, dir versöhnt zu sein, Wenn er noch liebt, was dir mißfällt, Und nicht dein wort von herzen hält? 4. Nie kannst du dem die schuld erlassen, Der wissentlich in fünden lebt. Der kann kein herz zu Jesu fassen, Der sein verdienst zwar hoch erhebt, Doch in der sünde 7. Laß mich zu deiner ehreleben, Der du die missethat vergiebst; Das haffen, was du mir vergeben, Das lieben, was du selber liebst! Laß, Va=ter, mein gewissen rein Und meinen wandel heilig sein. Mel. Wie schön leucht't uns der. 263. Ein volk des eigenthums sind wir! Der für die menschen starb, ist hier! Was kann von Gott uns scheiden? Das wort des. herrn: es ist vollbracht! Führt aus des ewgen todes nacht Ins reich der ewgen freuden. Jesus Christus Kam, die fünder, Adams finder, Zu erlösen, Und ertrug den fluch des bösen. 2. Wir waren Adams bilde gleich, Und fern von jenem gna Von der Heilsordnung. gnadenreich, Das Gott für uns gegründet. Kein mensch war vor dem Herrn gerecht, Und jeder war ein böser knecht, Der fluch und strafen findet; Und doch hat noch Gott mit armen Viel erbarmen. Uns zum leben hat er seinen sohn gegeben. 3. Er ward das opfer für die welt, Hat Gottes lieb uns hergestellt, Gerechtigkeit erworben. Mit unsrer sündenschuld beschwert, Wie uns der mund der wahrheit lehrt, Ist er für uns gestorben. Heilig Soll ich Durch ihn werden, Hier auf erden Gott verehren, Ihm und nicht der welt gehören. 4. Wie kann ich der erlösung ruh, Wenn ich nicht wahre buße thu, Von meinem Gott erlangen? Mich von der sünde zu befrein, Ist Christus durch des todes pein Zum himmel eingegangen. Laß mich Durch dich Meiner sünden Greul empfinden Und bereuen; Dann wird mir der herr verzeihen. 5. Für mich hast du, Herr! 197 gnug gethan; Zünd auch in mir den glauben an, Daß ich vergebung habe. Die kraft, mich meines heils zu freun, Fromm, heilig und gerecht zu sein, Ist der erlösung gabe. Fröhlich Werd ich, Stark und kräftig Und geschäftig Gott zu dienen, Wenn dein licht in mir erschienen. 6. Dich ganz dem dienst des vaters weihn, Barmherzig, liebreich, heilig sein, Dies, Herr! war deine speise. Ach, mache mich durch deinen geist, Der uns dem fündendienst entreißt, Zum guten stark und weise. Alsdann, Herr! kann Mein bestreben Und mein leben Dir in allem, Was ich thue, wohlgefallen. Von der Rechtfertigung. 264. Gs ist das heil uns kommen her Aus 7. Wenn mich dein tod zum leben weckt, Dann bleibt mein wandel unbefleckt, Und ich kann freudig beten, Voll hoffnung, daß du, friedensfürst! Mich gnädig vollbereiten wirst, Vor deinen thron zu treten. Hier ist kein christ Ohne leiden; Dort find freuden! Hilf mir siegen, Herr, mein seligstes vergnügen! 17. Vom Stande der Gnaden. Gottes freien gnaden. Die werke helfen nimmermehr Zu heilen unsern schaden. Der glaube siehet Christum an, Der 198 Vom Stande Der hat für uns genug gethan Und ist der mittler worden. 2. Da man, was das gesetz gebot. Nicht völlig konnt erfüllen, Erhob sich zorn und große noth, Die niemand mochte stillen. Der sünde macht nahm immer zu, Nichts gab uns fündern trost und ruh Beim fluche des gesetzes. 3. Denn das gesetz gab teine fraft Noch stärke, Gottes willen Ganz, redlich und untadelhaft Und freudig zu erfüllen. Es ist ein spiegel, der nur zeigt, Wie schuldig wir sind, wie geneigt Zu jeder art von fünden. 4. Und doch mußt es erfüllet sein, Sonst mußten wir verderben. Drum stellt vor Gott sein sohn sich ein, Als mensch für uns zu sterben. Der hat es ganz für uns erfüllt, Damit den schweren zorn gestillt, Deß laft uns alle drückte. 5. Da es durch den erfüllet ist, Durch welchen wir genesen; So lern und faffe wohl, o christ, Des glaubens rechtes wesen. Der glaube spricht: du, Herr! bist mein; Dein tod wird mir das leben sein; Du haft für mich gebüßet. 6. So glaub ich fest und zweifle nicht; Dein wort der Gnaden. wirst du nicht brechen. Wenn alle welt die treue bricht, Hältst du doch dein versprechen. Wer glaubt an dich und wird getauft, Dem ift die seligkeit erkauft, Der ge= het nicht verloren. 7. Vor Gott gerecht find die allein, Die dies von herzen gläuben. Die werke sind des glaubens schein; Ohn den wird er nicht bleiben. Er lehrt in Gottes willen ruhn; Er lehrt dem nächsten gutes thun, Geduld und sanftmuth üben. 8. Schlägt das geseß den eigenruhm Durch seinen fluch darnieder; Gleich eilt das evangelium Und stärkt den fünder wieder. Dies spricht: komm nur zum freuz herzu! Denn das gesetz giebt feine ruh Mit allen seinen werken. 9. Die werke kommen allzeit her Aus einem rechten glauben; Weil das kein rechter glaube wär, Dem man die werk wollt rauben. Von schuld macht nur der glaube los; Die werke dienen andern bloß, Den glauben dran zu merken. Mel. Es ist das heil uns. 265. Der glaub er= greifet Jesum Christ, Sein freuz, verdienst und sterben, Dadurch uns nun erworben ist Was keiner Von der Rechtfertigung. feiner fonnt erwerben. Die eigene gerechtigkeit Thut nichts dabei, ist wie ein fleid, Das durch und durch beflecket. 2. Doch wenn man durch den glauben nun Gerechtigfeit empfangen, muß man auch rechte werke thun, Und fest am guten hangen; Weil, wer gottloses wesen treibt, Im glauben nicht beständig bleibt, Ihn durch die that verläugnet. 3. User gnad bei Gott er langet hat, muß ihn vor augen haben, Daß er bei ihm such hilf und rath, Dank ihm für alle gaben; In seiner furcht freiwillig leb, Des fleisches lüften widerstreb: Das ist der weg zum leben. 4. Wer aber sicher gehet hin, Thut, was ihm nur beliebet, Lebt fort nach seines herzens jinn, Des fleisches luft raum giebet, Ruft Gott nicht an, daß er ihn führ Und stets mit seinem Geist regier: Der läuft den weg zur hölle. 199 6. Die hoffnung wartet still der zeit Nach göttlicher zusage, Bestimmt zur hilf in unserm leid Dem höchsten nicht die tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist, Er, der die seinen nie vergißt Und will, daß wir ihm trauen 5. Den meidet jeder, der recht gläubt, Bewahrt, was ihm gegeben; Sieht zu, daß er das fleisch betäubt, Sehnt sich nach jenem leben, Dient seinem nächsten, ehrt und preist In Christo Gott mit stillem geist Es geh ihm, wie es wolle. 7. Ob sichs anließ, als hülf er nicht, Laß dich es nicht erschrecken; Denn wo er uns die bahn schon bricht, Will ers oft nicht entdecken; Sein wort laß dir gewisser sein, Und ob dein herz spräch lauter nein, So laß dir doch nicht grauen. 8. Von allen zungen sei gepreist, Um dieser gutthat willen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Du selber wollst erfüllen Dein in uns angefangnes werk, Zu ehren deiner größß und stärk; Geheiligt werd dein name! 9. Dein reich komm, daß dein wille mag, Wie droben, hier geschehen! Gieb unser brot uns jeden tag; Verzeih uns die vergehen, Als wir den schluldigern verzeihn. Versuchung laß erträglich sein! Hilf uns vom bösen! Amen. Mel. Ach Gott vom himmel. 266. Wenn dein geliebter sohn, o Gott! Nicht wär auf erden kommen, Und hätt, da ich in Vom Stande der Gnaden. 200 in fünden todt, Mein fleisch nicht angenommen; So müßt ich ewig elend sein, Zur hölle fahren in die pein, Um meiner unart willen. 2. Jetzt aber hab ich ruh und rast, Darf nimmermehr verzagen, Weil er die schwere sündenlast Für mich selbst hat getragen. Er hat mit dir versöhnet mich, Da er am freuz ließ tödten sich, Aufdaß ich selig würde. 3. Drum ist getrost mein herz und muth, Mit kindlichem vertrauen. Auf sein unendlich theures blut Will ich mein hoffaung bauen, Das er für mich vergossen hat, Gewaschen ab die missethat, Daß ich schneeweiß bin worden. 4. In seinem blut erquick ich mich, Und komm zu dir mit freuden. Ich suche gnad demüthiglich; Von dir soll mich nichts scheiden. Was mir erworben hat dein sohn Durch seinen tod und marterkron, Kann mir der feind nicht rauben. 5. Nichts hilft mir die gerechtigkeit, Die vom gesetz Herrühret. Wer sich im eignen werf erfreut, Wird sicherlich verführet. Des Herren Jesu werk allein Das macht, daß ich kann selig sein, Weil ich fest an ihn glaube. * 6. Gott Vater! der du alle schuld Auf deinen sohn geleget; Herr Jesu! dessenlieb und huld All meine sünden träget; heilger Geist! deß gnad und kraft Allein das gute in mir schafft, Laß mich ans end beharren. Mel. Herzliebster Jesu, was haft. 267. Der werke ruhm muß vor der gnade schwinden; Verdienst kann nicht den weg zum himmel finden; Weil Gott nur dem, der glaubt, das ewge leben Umsonst will geben. 2. Gott kann, was nicht den göttlichen gesegen Ganz gnüge thut, auch nicht für gültig schätzen; Wer darf, als lohn, den himmel zu verdienen, Sich wohl erkühnen? 3. Wie würd ich doch mit meinem thun bestehen, Wenn ins gericht mit mir Gott wollte gehen? Bleibt alles doch, was ich je unternommen, Ganz unvollkommen! 4. Und wenn gleich Gott der guten werke denket, Und reichlich uns dafür belohnung schenket, Geschiehts doch nicht aus schuld, nein, nur aus liebe Und freiem triebe. 5. Du, Jesu! nur befriedigst das gewissen: Ich flieh zu dir, will von verdienst nichts wissen: thun ist nichts, um Mein gnade will Von der Glückseligkeit der Begnadigten. 201 ist unser haupt und ruhm, Wir sein erkauftes eigenthum, Und schafe seiner weide. Gutes Muthes Sind auf erden Inbeschwerden Unsre seelen. Herr! was kann bei dir uns fehlen? will ich flehen, Durch sie bestehen. 6. Doch falschen troft laß mich auch nicht verführen; Gottseligkeit laß meinen glauben zieren, Und mache mich zu einem guten reben. In dir zu leben. Von der Glückseligkeit der Begnadigten. Mel. Wie schön leucht't uns der. 268. Wie groß ist unsre seligkeit, Gott! schon in der prüfungszeit, Selbst unter viel beschwerden, Wenn unser Herz sich dir ergiebt Und treu in Jesu dienst sich übt! Wie groß wird sie einst werden, Wenn sich Herrlich Jenes leben Wird anheben, Wo man freuden Erntet von der saat der leiden! SEE 2. Dwie erhaben ist das recht, Das du uns schenkest, dein geschlecht Und bundesvolk zu heißen! Bei dir ist unser vaterland; Und wer will deiner starken hand, Allmächtger! uns entreißen? Wenn wir Gleich hier müssen streiten, Und zu zeiten Schwach uns finden: Hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre schulden zu, Schenkst unsern seelen wahre ruh Und stärkest uns mit freude. Dein sohn 4. Es bleibet zwar der hohe werth Der gnade, die uns widerfährt, Verborgen hier auf erden. Doch wann der herr vor aller welt In majestät gericht einst hält, Dann wird er sichtbar werden. Alsdann Sieht man Ihn mit kronen Uns belohnen Und die seinen Ewiglich mit sich vereinen. 5. Wie glücklich, Gott, sind wir alsdann! Wie viel hast du an uns gethan! D laß uns unsre würde Vor augen haben jederzeit; So tragen wir mit willigkeit Der kurzen leiden bürde. Herr! gieb Den trieb In die seelen, Dich zu wählen, Und im leben Uns dir Herzlich zu ergeben. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 269. ch hoff, o Gott! mit festem muth Auf deine gnad und Christi blut; Ich hoff ein ewges leben. Du bist ein vater, der verzeiht, Haft mir das recht zur seligkeit Durch deinen sohn gegeben. 2. Herr! welch ein unaus 202 Vom Stande der Gnaden. aussprechlich heil, An dir, an deiner gnade theil, Theil an dem himmel haben! Im Herzen durch den glauben rein Dich lieben, und versichert sein Von deines geiftes gaben! 3. Dein wort, das wort der seligkeit, Wirkt göttliche zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns trost im elend zu, Verfüßet dieses lebens ruh Und stärkt uns in gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein hort! Den glauben an dein göttlich wort, Um deines namens willen! Laß ihn mein licht auf erden sein, Ihn täglich mehr mein herz erneun Und mich mit troft erfüllen. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 270. Herr Jesu Chrift, mein höchstes gut! Du machest meinem herzen muth, Schaffst meiner seele freude; Und darum bleibe ich an dir. Es ist auch nichts, das dich von mir Und unsrer liebe scheide. Du machst mir deinen weg bekannt, Hältst mich bei deiner rechten hand, Regierst und führst den lebenslauf, Hilfst gnädig meiner schwachheit auf. Herr Jesu Christ! Herr Jesu Christ! Du bist mein licht: Ich folge dir, so irr ich nicht. 2. Du leitest mich nach deinem rath, Der anders nichts beschlossen hat, Als was mir segen bringet. Gehts gleich zu zeiten wunderlich; So weiß ich dennoch, daß durch dich Der ausgang wohl gelinget. Nach hartem tritt auf rauher bahn Nimmst du mich dort mit ehren an, Wo mich vor deinem thron er freut Die krone der gerechtigkeit. Herr Jesu Christ! Herr Jesu Christ! Ach, voll begier, Wünsch ich zu sein, mein Gott, bei dir. 3. Mein alles ist auf dich gericht't, Hab ich nur dich, so frag ich nicht Nach himmel und nach erden: Denn wär der himmel ohne dich, So fönnte keine lust für mich In tausend himmeln werden. Wärst du nicht schon auf erden mein, Möcht ich auch nicht auf erden sein: Denn auch die ganze weite welt hat nichts, das mir, wie du, gefällt. Herr Jesu Christ! Herr Jesu Christ! Wo du nicht bist, Sft nichts, das mir erfreulich ist. 4. Und sollte mir durch kreuz und noth, Durch marter, durch gewalt und tod Auch seel und leib verschmachten; Dies alles wird zu deiner ehr, Wenns mir auch Mein noch so bitter wär, glaube doch nicht achten. Du bist Von der Glückseligkeit der Begnadigten. 203 Mel. Wenn mein stündlein. 271. Ich bin ein chrift, Gott ist mein freund. In dieser hohen würde Steh ich und fürchte keinen feind, Trag muthig meine bürde. Dies glück erfüllt mit muth und kraft Mein herz in dieser pilgerschaft, Darin ich hier noch wandle. bist und bleibest doch mein heil Und meines herzens troft und theil. Ich werde doch durch dich allein Ganz herrlich, ewig selig sein. Herr Jesu Christ! Herr Jesu Christ! Ich hoffe fest, Daß deine fraft mich nicht verläßt. 5. Wer von dir weicht, und auf der welt Dir nicht beständig glauben hält, Muß freilich wohl verderben Und kann, weil er die lust und pracht Des fleisches hier zum himmel macht, Den himmel dort nicht erben. Wer satan folgt und ärgerlich In sünden lebet wider dich, Und denkt an keine buße nicht, Den bringst du um durch dein gericht, Herr Jesu Chrift! Herr Jesu Christ! Und bist dabei Dem, der dir treu ist, ewig treu. 6. Drum halt ich mich getroft zu dir, Du aber hältst dich auch zu mir, Und das ist meine freude. Ich setze meine zuversicht Auf dich, mein fels, der nicht zerbricht, In noch so großem leide. Ich will mich deiner gnade freun, Dir treu bis an mein ende fein, Will dir in noth und tod vertraun! So werd ich dort dich ewig schaun. Herr Jesu Christ! Herr Jesu Christ! Ich warte drauf; Komm, Herr, mein Gott! und nimm mich auf. 2. Mein glaube steht und wanket nicht; Stark, fest ist er gegründet. Er stüßet sich voll zuversicht Auf Jesum Christ und findet Bei ihm kraft, rath, trost, ruh und heil, Und nimmt an allem segen theil, Den Christus hat erworben. 3. Mich soll hinfort nicht eitelkeit, Nicht bitterfeit der leiden, Auch nicht ein schlaf der sicherheit Von Gottes liebe scheiden. Was Gott an ' meiner seele thut, Macht mir zum kampfe zum kampfe starken muth, Darinnen nicht zu weichen. 4. Was sind die leiden dieser zeit Doch gegen jene kronen, Womit Gott in der herrlichkeit Die frommen will belohnen! Was ist die eitle lust der welt, Wenn man das glück dagegen hält, Das Gott uns dort will schenken! 5. Mich soll auch nicht des todes macht Von Gottes liebe scheiden. Er führt mich durch des grabes nacht 3u jenem licht der freuden, Dar= 204 Vom Stande der Gnaden. Darinnen ich, nach allem der feinde wüthen Auch in leid, Ihn seh in seiner eil gebieten. Herrlichkeit Und ewig mit ihm lebe. 272. Jefu, meine freude! Bester trost im leide! Meines Herzens theil! Deine mittlertreue Macht, daß ich mich freue Deiner, Herr, mein heil! Hab ich dich, Wie reich bin ich! Ohne dich kann ich auf erden Nie recht glücklich werden. 2. Unter deinem schirme Können keine stürme Mir erschrecklich sein. Laßt auch felsen splittern, Laßt den erdkreis zittern Und den einsturz draun. Was ists mehr? Rings um mich her Mögen donner furchtbar bligen; Jesus will mich schützen. 3. Donnert auch im grimme Des gefepes ſtimme; Jesus stillet sie. Mag der tod sich nahen, Mich das grab umfahen; Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht Das weltgericht; Freudig, daß ich Jesum sehe, Blick ich auf zur höhe. 4. Wer ist, der den glauben Meinem Herzen rauben, Ihn erschüttern kann? Bei der feinde toben Stimm ich, Gott zu loben, Freudenlieder an. Mich bewacht Des mitt lers macht, Die kann selbst 5. Lockt nur, gold und schätze! Ehre sei der göte Der betrognen welt! Mich sollt ihr nicht blenden, Nicht von dem mich wenden, Der mich treu erhält. Elend, noth, Kreuz, schmach und tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 6. Weich, unreine liebe! Weicht, verbotne triebe! Thoren nur täuscht ihr. Mich sollt ihr, ihr fünden, Nie mehr willig finden; Fliehet fern von mir! leppigkeit, Stolz, schmähsucht, neid! Ihr beschweret das gewissen; Euch will ich nicht wissen. 7. Weichet, sorg und zagen! Schweiget, bange flagen! Jesus ist ja mein. Jeden, der ihn liebet, Muß, was erst betrübet, Noch zuletzt erfreun. Hab ich hie Viel angst und müh; Jesu! auch im größten leide Bleibst du meine freude. Mel. Jesu, meine freude. 273. Wie getroft und heiter, Herr, mein licht und leiter, Machst du meinen geist! Der du, die dir trauen, Führst zu grünen auen, Und so gern erfreust! Niemals wird Bei dir, mein hirt, Freund und tröster Von der Glückseligkeit tröster meiner seelen! Mir erquickung fehlen. 2. Deinem rath ergeben, Freu ich mich zu leben; Was du willst, ist gut. Nichts vermag ich schwacher; Du, mein seligmacher, Rüstest mich mit muth. Wenn die welt Erbebt und fällt, Wenn gericht und hölle schrecken Willst du mich bedecken. 3. Ich kann ohne grauen Gräber vor mir schauen; Mein erlöser lebt! Ich weiß, wem ich glaube, Weiß, daß aus dem staube mich sein arm erhebt. Todestag, Dein schrecken mag Eines frevlers herz erschüttern; Wovor sollt ich zittern? 4. Auch in mir ist sünde; Doch ich überwinde, Jesu! fie durch dich. Sink ich oft noch nieder; Du erhebst mich wieder, Du begnadigst mich. Deine huld Tilgt meine schuld, Und nie rächest du die fünde, Herr! an deinem kinde. 5. Der du blut und leben Für mich hingegeben, Daß in meiner noth Ich nicht hilflos bliebe; Groß ist deine liebe, Stärker als der tod. Herr! und ich, Ich sollte mich Deiner huld nicht dankbar freuen? Dir mein herz nicht weihen? Würdig dir zu leben, sei mein bestreben, 6. Dies der Begnadigten. 205 Meine lust und pflicht! Was die welt vergnüget, mein Gott! das gnüget Meiner seele nicht. Hab ich dich, Wie gern will ich Das, wonach die eitlen trachten, Reich in dir, verachten. 7. Macht ein gut der erde, Daß ich glücklich werde Durch zufriedenheit? Sind nicht auch die ehren, Die die welt bethören, Traum und eitelfeit? Du erfreust Des menschen geist Und willst denen, die dich ehren, Bleibend glück gewähren. 8. Deinen hohen frieden Schmeck ich schon hienieden, Und was hoff ich dort? Unbegränzte zeiten Voller seligkeiten Hoff ich auf dein wort. Sind sie mein Durch dich allein: Bleib ich dir getreu im glauben, Wer kann sie mir rauben? 9. Voll von deiner güte, Danket mein gemüthe, Gott, mein Heiland! dir. Dieser geist der freuden Stärke mich im leiden, Weiche nicht von mir! Laß mich so Beherzt und froh Einst durchs thal des todes dringen, Dort dein lob zu singen. Mel. Wie schön leucht't uns der. 274. Wie herlich strahlt der morgenstern! O welch ein glanz geht auf vom herrn! Wer sollte fein 206 Vom Stande der Gnaden. sein nicht achten? Glanz erquicken. Tröste Du mich, Gottes, der die nacht durch- Seligmacher! Daß ich schwabricht! Du bringst in sinstre cher Auf der erde Himmelsseelen licht, licht, Die nach der freuden inne werde. wahrheit schmachten. Dein wort, Jesu! Ist voll klarheit, Führt zur wahrheit Und zum leben. Wer kann dich genug erheben? 5. Und wie, Gott Vater, preis ich dich? Von ewigfeit her hast du mich In deinem sohn geliebet! Dein sohn hat mich mit dir vereint; Er ist mein bruder. und mein freund; Was ists, das mich betrübet? Seele, Wähle Ihn, den besten, Jhn, den größten, Dir zum freunde! Und dann fürchte feine feinde. 2. Du hier mein trost und dort mein lohn! Sohn Gottes und des menschen Sohn! Des himmels großer könig! Von ganzem Herzen preif ich dich. Hab ich dein heil, so rühret mich Das glück der erde wenig. Zu dir Komm ich. Wahrlich! feiner Tröstet deiner Sich vergebens, Wenn er dich sucht, Herr des lebens! 3. Durch dich nur kann ich selig sein. O drücke tief ins herz mir ein Empfindung deiner liebe: Damit ich ganz dein eigen sei, Aus weltfinn deinen dienst nicht scheu, Gern deinen willen übe. Nach dir, Nach dir, Den ich fasse Und nicht lasse, Ewig wähle, Dürstet meine ganze feele. 4. Von Gott strahlt mir ein freudenlicht, Die hoffnung, daß dein angesicht Ich einstens soll erblicken. Du fannst indeß durch deine kraft, Die ruh in müden seelen schafft, Mich stärken, mich 6. Ihm, welcher tod und grab bezwang, Ihm foll mein froher lobgesang Mit jedem tag erschallen; Dem lamme, das erwürget ist, Dem freunde, der uns nie vergißt, Zum ruhm und wohlgefallen. Tönet, Tönet, Jubellieder! Schallet wieder! Daß die erde Voll von seinem lobe werde. 7. Wie freu ich mich, o Jesu Christ! Daß du der erst und legte bist, Der anfang und das ende! Du nimmst zur herrlichkeit mich auf, Wenn ich im glauben meinen lauf meinen lauf Dereinst durch dich vollende. Amen! Amen! Freudenkronen Werden lohnen Deine treuen, Die sich deiner zukunft freuen. 18. Von 18. Von den Vom Worte Gottes. Mel. Es ist das heil uns. 275. Wir menschen sind zu dem, o Gott! Was geistlich ist, untüchtig. Dein wesen, wille und gebot Ist viel zu hoch und wichtig: Wir wissens und verstehens nicht, Wo uns dein göttlich wort und licht Den weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor zeiten ausgesandt Propheten, deine knechte, Daß durch dieselben würd befannt Dein will und deine rechte. Zum legten ist dein lieber sohn, O Vater! selbst vom himmelsthron Gekommen, uns zu lehren. 3. Für solches heil sei, Herr! gepreis't, Laß uns dabei verbleiben, und gieb uns deinen heilgen geist, Daß wir dem worte gläuben; worte gläuben; Daß wirs annehmen jederzeit Mit sanftmuth, ehrfurcht, lieb und freud, Als Gottes, nicht der menschen. 4. Hilf, das der frechen spötter hauf Uns nicht vom wort abwende; Weil ihr gespött, sammt ihnen drauf, Mit schrecken nimmt ein ende. Gieb du selbst deinem worte traft, Daß deine lehre in uns haft, Auch reichlich bei uns wohne! 207 Gnadenmitteln. 5. Herr! öffne du verstand und herz, Daß wir dein wort recht fassen, In lieb und leid, in freud und schmerz Es aus der acht nicht lassen; Daß wir nicht hörer nur allein, Nein, auch des wortes thäter sein, Frucht hundertfältig bringen! 6. Am weg der same wird sofort Vom teufel hingenommen; In fels und steinen kann das wort Die wurzel nicht bekommen. Der same, der in dornen fällt, Von sorg und wollust dieser welt Verdirbet und ersticket. * 7. Ach hilf, Herr! daß wir werden gleich Dem guten fruchtbarn lande, Und sein an guten werken reich In unserm amt und stande, Viel früchte bringen in geduld, Bewahren deine lehr und huld In feinem guten herzen. 8. Laß uns, so lang wir leben hier, Den weg der sünder meiden, Gieb, daß wir halten fest an dir In anfechtung und leiden. Rott aus die dornen allzumal, Hilf uns die weltsorg überall Und böse lüfte dämpfen. * 9. Dein wort, o Herr! laß allweg sein Die leuchte unsern füßen. Erhalt es bei uns klar und rein, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, rath Von den Gnadenmitteln. 208 rath und trost in aller noth, Daß wir im leben und im tod Beständig darauf bauen. 10. Gott Vater! laß zu deiner ehr Dein wort sich weit ausbreiten. Hilf, Jesu! daß uns deine lehr Erleuchten mög und leiten. Oheilger Geist! dein göttlich wort Laß in uns wirken fort und fort Glaub'n, lieb, geduld und hoffnung. Mel. Gott, du frommer. 276. Soll dein verderbtes herz Zur heiligung genesen, Christ! so versäume nicht, Das wort des herrn zu lesen. Bedenke, daß dies wort Das heil der ganzen welt, Den rath der feligkeit, Den geist aus Gott enthält. 2. Merk auf, als ob dir Gott, Dein Gott gerufen hätte! Merk auf, als ob er selbst zu dir vom himmel redte! So lies, mit ehrfurcht lies, Mit luft und mit vertraun, Und mit dem frommen ernst, In Gott dich zu erbaun! 3. Sprich fromm: o Gott! vor dem Ich meine hände falte, Gieb, daß ich dein gebot Für dein wort ewig halte, Und laß mich deinen rath Empfindungsvoll verstehn, Die wunder am gesetz, Am wort vom kreuze sehn. 4. Er, aller wahrheit Gott, Kann dich nicht irren laffen. Lies, christ, sein heilges buch, Lies oft, du wirst es fassen, So viel dein heil verlangt. Gott ists, der weisheit giebt, Wenn man fie redlich sucht Und aus gewissen liebt. 5. Lies, frei von leidenschaft Und ledig von geschäften, Und sammle deinen geist mit allen seinen fräften. Der beste theil des tags, Des morgens heiterkeit, Und dann der tag des Herrn, Der sei der schrift geweiht. 6. Rührt dich ein starker spruch: So ruf ihn, dir zum glücke, Des tags oft in dein herz Im stillen oft zurücke; Empfinde seinen geist Und stärke dich durch ihn zum wahren edelmuth, Das gute zu vollziehn. 7. Um tugendhaft zu sein, Dazu sind wir auf erden. Thu was die schrift gebeut, So wirst du inne werden, Die lehre sei von Gott, Die dir verkündigt ist, Und dann das wort verstehn, Dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnißvoll; So laß dich nicht erschrecken. Ein endlicher verfstand Kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt; So glaube, was er Vom Worte Gottes. er spricht, nicht was dein witz begehrt. 9. Sich seines schwachen lichts Bei Gottes licht nicht schämen, Ist ruhm; und die vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn Gott sich offenbart, Ist der geschöpfe pflicht; Und weise demuth ists, Das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, from= mer christ! Durch keinen zweifel kränken. Hier bist du find; doch dort Wird Gott mehr licht dir schenken. Dort wächst mit deinem glück Dein licht in ewigkeit; Dort ist die zeit des schauns, Und hier des glaubens zeit. 11. Verehre stets die schrift, Und, siehst du dunkelheiten, So laß dich deinen freund, Der mehr als du sieht, leiten. Ein forschen der verstand, Der sich der schrift geweiht, Ein ange fochtnes Herz Hebt manche dunkelheit. 12. Halt fest an Gottes wort; Es ist dein glück auf erden, Und wird, so wahr Gott ist, Dein glück im himmel werden. Verachte, christlich groß, Des bibelfeindes spott; Die lehre, die er schmäht, Bleibt doch das wort aus Gott. M. A. 209 Mel. Ach Gott und Herr. 277. Gott ist ist mein hort! Und auf sein wort Soll meine seele trauen. Ich wandle hier, Mein Gott! vor dir Im glauben, nicht im schauen. 2. Dein wort ist wahr; Laß immerdar Mich seine kräfte schmecken. Laß keinen spott, Herr, mein Gott! Mich von dem glauben schrecken. 3. Wo hätt ich licht, Wofern mich nicht Dein wort die wahrheit lehrte? Gott! ohne sie Verstünd ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein wort erklärt Der seele werth, Unsterblichkeit und leben. Zur ewigkeit Ist diese zeit Von dir mir übergeben. 5. Gott! deinen rath, Die missethat Der fünder zu verfühnen, Den kennt ich nicht, Wär mir dies licht Nicht durch dein wort erschienen. 6. Nun darf mein herz In reu und schmerz Der sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen geist Im glauben: Vater! sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines heils geschäfte. Durch meine müh Vermag ichs nie; Dein wort giebt mir die kräfte. 8. Herr, unser hort, Laß 14 uns Von den Gnadenmitteln. 210 uns dies wort! Du hast es uns gegeben. Es sei mein theil, Es sei mein heil Und fraft zum ewgen leben. Mel. Wer nur den lieben. A. M. D 278. Dein wort, Höchster! ist vollkommen. Es lehrt uns unsre ganze pflicht; Es giebt dem sünder und dem frommen Zum leben sichern unterricht. O selig, wer es achtsam hört, Bewahrt und mit gehorsam ehrt. 2. G8 leuchtet uns auf unsern wegen, Zerstreut des irrthums finsterniß; Verkündigt gnade, heil und segen, Und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster! was du bist, Und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein wort erweckt uns, dich zu lieben, Lehrt, wie viel guts du denen giebst, Die dein gebot mit freuden üben; Wie du so väterlich uns liebst. Was uns darin dein mund verspricht, Bleibt ewig wahr; du lügest nicht. 4. Gott! deine tröstungen sind besser, Und mehr der sehnsucht werth, als geld; Ein schaß, weit köstlicher und größer, Als alle schäße dieser welt. Wer thut, was uns dein wort gebeut, Dem ist dein fegen stets bereit. 5. So laß mich denn mit lust betrachten Die wahrheit, die dein wort mich lehrt. Laß mich auf das gehorsam achten, Was dein befehl von mir begehrt. So fließen troft und seelenruh Auch mir aus deinem worte zu. Mel. Wer nur den lieben. N. M.. 279. Der du dein wort mir hast gegeben, Wie preis' ich dich, o Nie kann Gott, dafür! mein dank dich g'nug erheben; Durch Christum schenkst du weisheit mir. Kennt ich die lehre Jesu nicht, Wie wenig hätt ich trost und licht! 2. Auf ungewissen finstern pfaden Würd ich ein raub des irrthums sein; Mit sündenschuld und fluch beladen, Müßt ich des richters strafe scheun. Ich fände feinen trost in noth; Mich schreckte stündlich grab und tod. 3. Doch allen diesen finsternissen Des irrthums und der fünde macht Hat Jesu lehre mich entrissen; Ihr licht zerstreut des zweifels nacht. Sie zeiget mir des höchsten rath, Und führt mich auf der wahrheit pfad. 4. Ich weiß, wozu mich Gott erschaffen; Ich kenne meine ganze pflicht. Mein geist wird nicht im tod entschlafen; Wer an dich glaubt, wird im gericht Durch Vom Gesebe. Durch dich, o Heiland! wohl bestehn, Verklärt an deiner seite gehn. 5. O Sesu! laß mich deiner lehre Gehorchen mit stets größrer lust, Und keines spötters wahn zerstöre Dies heiligthum in meiner brust. Mein ganzes leben preise dich; Dein heil erfreu im tode mich! Vom Gesetze. Mel. Vater, unser Gott, es. 280. Herr! deine rechte und gebot, Wonach wir sollen leben, Wollst du, o mein getreuer Gott! Ins herz mir selber geben: Daß ich zum guten willig sei, Und ohne falsch und Heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau, Allein dich fürcht und liebe, Und nicht auf menschenhilfe bau, Nicht trostlos mich betrübe. Laß großer leute gnad und gunst, Gewalt und reichthum, wit und kunst mir nicht zum abgott werden. 3. Gieb, daß ich dich von Herzensgrund Für meinen Herrn bekenne; Daß deinen namen nie mein mund Ohn ehrerbietung nenne. O Herr! vergessen laß michs nicht, Welch fürchterliches straf211 gericht Den trifft, der ihn mißbrauchet. 4. Am tage deiner heilgen ruh Laß mich früh vor dich treten! Mein geist bring ihn auch heilig zu Mit danken und mit beten. Dein wort sei meines Herzens lust, Dein friede sei in meiner brust, Dein lob in meinem munde. 5. An ältern, an der obrigkeit, An denen, die mich lehren, Laß mich, o Vater! jederzeit Dein göttlich bild verehren. Für ihre treu und müh laß mich, Auch wenn sie werden wunderlich, Gehorsam sein und dankbar. 6. Hilf, daß ich nimmer eigne rach Aus zorn und feindschaft übe; Dem, der mich kränkt durch troß und schmach, Verzeihe und ihn liebe; Sein glück und wohlfahrt jedem gönn; Schau, ob ich jemand dienen fönn, Und thu es dann mit freuden. vor 7. Laß durch verbotne lüsternheit Mich nie mein herz entweihen, und mich deiner heiligkeit Auch im verborgnen scheuen! O laß mich heilig, keusch und rein, Enthaltsam, mäßig, wachsam sein, Selbst bei erlaubten freuden. 8. Verleih, daß ich mich redlich nähr, Der bösen ränte schäme, Mein herz vom 14* geiz Von den Gnadenmitteln. 212 geiz und unrecht fehr, Und fremdes gut nicht nehme. Was von der arbeit meiner hand Mir übrig bleibt, werd angewandt Auf arme, nicht auf hoffart. 9. Hilf, daß ich meines nächsten ehr zu retten mich befleiße, Das, was ich kann, Zum besten fehr, Doch böses nie gut heiße. Gieb, daß ich lieb aufrichtigkeit, Und abscheu trage jederzeit Anfalsch heit, schmähn und lügen. 10. Laß mich des nächsten gut mit list Und unrecht nie begehren; Das aber, was mir nöthig ist, Wollst du mir, Gott! bescheeren. Doch laß mich auch das beste gut, Genügsamkeit und frohen muth, Bei deiner gnade haben. * 11. Ach Herr! ich wollte deine recht Und deinen heilgen willen, Wie mir gebühret, deinem knecht, Chn mangel gern erfüllen; So fühle ich, was mir gebricht, Und wie ich das geringste nicht Vermag aus eignen fräften. 12. Drum gieb du mir von deinem thron, Gott Vater! gnad und stärke; Verleih, o Jesu, Gottes Sohn! Daß ich thu rechte werke; heilger Geist! hilf, daß ich dich Von ganzem herzen, und, als mich, Ohn falsch den nächsten liebe. Mel. Es ist das heil uns. 281. Du haft, o weiser, heilger Gott, Herr über tod und leben! Dein heilig recht und dein. gebot Uns nicht umsonst gegeben. Du willst, daß wir aus aller fraft, Die deine treue gnade schafft, Gewissenhaft es halten. 2. Wen sündenlaft gefangen hält, Der wird sich nicht bequemen, Dein joch, das ihm gar nicht gefällt, Mit lust auf sich zu nehmen. Sein sinn, bethört vom eitlen wahn, Ist dem gesetz nicht unterthan; Er haffet dessen strenge. 3. Wenn aber, Herr! dein guter geist Uns lehrt, belebt, regieret; So gehn wir gern, wie du uns heißt, Den weg, den er uns führet. Desglaubens kraft erzeiget sich Durch wahre liebe gegen dich Und gegen unsern nächsten.. 4. Fehlt unsrer tugend gleich noch viel, Ist sie noch voller mängel; Erreicht man nicht das höchste ziel, Nie heiligkeit der engel; So gilt vor Gott doch redlichkeit In dieser unsrerprüfungszeit, Um Jesu Christi willen. 5. Es sei von meinem herzen fern Der mißbrauch dieser lehre! Ich weiß, daß. manches herz sich gern Durch falschen wahn bethöre, Als decke Vom Evangelio. 213 decke Gottes große huld rath. Daß dein eid Dich Auch unbereute sündenschuld Mit dem verdienst des mittlers. nicht gereut, Zeigst du nun; in Jesu namen Wird er ja und amen. 6. O dieser wahn sei fern von mir! Ich will mich stets bestreben, Als müßt ich in der zeit schon hier Ganz ohne mängel leben. Alsdann macht des versöhners blut, Was ich aus schwachheit fehle, gut, Macht rein von aller fünde. 3. Alles ist vollendet. Gott hat den gesendet, Der verheißen war. Jesus, der sein leben Wollte für uns geben, Stellete sich dar; Ja, er hat Des höchsten rath Ganz vollbracht, zu seiner ehre. Ach, erwünschte lehre! 4. Weg ist aller schade; Heil uns nun und gnade! Wenn wir anders dir, Heiland! uns ergeben Und der tugend leben; Dann sind wir schon hier Ohne schuld, In deiner huld, Und wer dich aufrichtig ehret, Wird von dir erhöret. 7. So mache du mir dein gebot, Herr! angenehm und süße; Dein wille sei bis in den tod Die leuchte meiner füße; Schreib dein geseß in meinen sinn. Fall ich, so wirf mich ja nicht hin; Stärk mich durch deine gnade! Vom Evangelio. Mel. Jesu, meine freude. 282. Wort aus Gottes munde! Wort vom friedensbunde! Evangelium! Bald, da wir gefallen, Ließ dich Gott erschallen; Du bist unser ruhm! Gottes fraft, Die glauben schafft! Gute botschaft, uns zum leben Von Gett selbst gegeben. 2. Was dein wohlgefallen Vor der zeit uns allen, Gott! bestimmet hat; Was sonst dunkle schatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein 5. Hierauf will ich bauen, Dir allein vertrauen, und in dir mich freun. Dir, Herr! will ich leben, Dir mich ganz ergeben, Ewig treu dir sein. So werd ich Auch einst durch dich, mein Heiland! selig sterben, Und den himmel erben. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 283. Troftvoll, o mein Heiland! ist Deines wortes gnadenlehre. Jeder, dessen licht du bist, Glaubt und lebt zu deiner ehre, Wird die fülle deiner gaben, Ewig heil und freude haben. 2. Gr Von den Gnadenmitteln. 214 2. Er wird weis und irret nicht, Lernt nun seinen Gott recht kennen, Und mit voller zuversicht Seinen lieben vater nennen; Lernt auch, nach des vaters willen, Seine pflichten gern erfüllen. 3. Keiner menschen weisheit lehrt, Wie wir Gott uns nahen sollen, Wenn wir, seiner strafen werth, Gnad und trost erlangen wollen; Aber du erhebst die sünder Selbst zur würde deiner finder. 4. Deine lehre zeiget mir, Wo ich heil und ruhe finde: Denn sie zeiget mir in dir Den versöhner meiner sünde, Der, mir gnade zu erwerben, Sich entschloß, für mich zu sterben. 5. Freundlich rufest du uns zu: Kommt zu mir, beschwerte ſeelen! Kommt, es soll zu eurer ruh Euch an heil bei mir nicht fehlen! Seht, der vater will vergeben, Weil ich starb, und ihr sollt leben! 6. Ja, dein evangelium Hat viel tausend tausend tausend zeugen, Die zu deines namens ruhm Ihre knie dir dankvoll beugen, Daß du, weil du für uns littest, Gnad und friede uns erbitteſt. 7. Herr! empfange meinen dank, Den ich dir im glauben bringe; Höre meiners lobgesang, Den ich deiner güte singe, Daß du meine schuld versöhnest, Daß du mich mit gnade fröneſt. 8. Köstlicher, als allesgold, Herr! ist deines wor tes lehre. Gott ist meiner seele hold. Dank dir, ewig dank und ehre, Daß du mich so hoch erhoben! Dort werd ich dich besser loben. 9. Weil indeß ich hier noch bin, Will ich dir zu ehren wandeln, Täglich in verneutem sinn, Herr! nach deinem willen handeln. So sterb ich auf deinen namen Einst getroft und fröhlich... Amen. Vom Unterschiede des Ge== setzes und des Evangelii. Mel. Es ist gewißlich an der. 284. Gefeß und evan gelium Hat beide Gott gegeben. Sie. dienen unserm christenthum: Im glauben und im leben; Doch bleibt ein großer unterschied, Den solch ein auge deutlich sieht, deutlich sieht, Das Gottesgeist erleuchtet. 2. Schon steht, was das gesetz gebeut, Im herzen uns geschrieben: Du sollst, o mensch! zu aller zeit Gott und den nächsten lieben. Daß aber Gott die welt geliebt ,. Vom Unterschiede des Gesetzes und Evangelii. 215 geliebt, und seinen sohn für fünder giebt, Das mußt er selbst entdecken. zweck erreicht, So hört es auf zu fluchen. Sein zwang, sein bliß, sein drohen weicht, Lernt man recht gnade suchen. Es treibt zum kreuz des mittlers hin; Wenn ich an diesen gläubig bin, So find ich heil die fülle. 8. Mein Gott! laß diesen unterschied Mich besser noch erfahren. Nach sündenangst laß troft und fried In mir Schreckt sich offenbaren. mich noch des gesetzes fluch, So hilf doch, daß ich gnade such Mit gläubigem verlangen. 9. Gieb aus dem evangelio Mir kräfte, dich zu lieben, Und, als dein find, mich frei und froh In dem geseß zu üben. Gieb gnade, daß ich meine pflicht Mit heiligkeit und zuversicht In lieb und glauben leiste. 3. Scharf weis't uns das geſeg zur pflicht, Danach wir sollen leben. Durchs evangelium wird licht Von Gottes huld gegeben. Was du sollst thun, zeigt jenes an; Dies lehrt, was Gott an dir gethan; Dies schenfet, jenes fordert. 4. Was das gesetz dir guts verspricht, Wird dir nicht zugewendet, Es sei denn, daß du deine pflicht Vollkommen hast vollendet. Was Christi gnade guts verheißt, Wird dem, der gläubig sich erweis't, Frei und umsonst gegeben. 5. Was das gesetz dem sünder dräut, Das schläget ihn danieder; Das evangelium erfreut, Und heilt die wunden wieder. Aus jenem fennst du sünd und fluch; Dies öffnet dir des lebens buch Durch deines heilands gnade. 6. Wenn jenes dir dein elend zeigt; So sagt dies von erbarmen. Wenn jenes dich zur erde beugt, Hebt dies und trägt die armen. Wenn jenes die verdammniß droht; So hilft dir dies aus noth und tod Und bringt ir geist und leben. 7. Wenn das gesetz den Von der heiligen Taufe. Mel. Christ, unser herr, zum. 285. Als unser herr zum Jordan kam, Und nach des vaters willen Die taufe von Johannes nahm, Ume alles zu erfüllen; Da heiligte er selbst ein bad, zu waschen uns von sünden, Daß wir hier könnten heil und rath Und kraft zum guten finden. Es galt ein neues leben. 2. So 216 2. So hör und merke jeder wohl, Was Gott selbst taufen nenne, Damit er, was er glauben soll, Von wahn und irrthum trenne. Gott spricht und will, daß wasser sei; Doch ist die taufe kräftig. Sie ist ein stegel seiner treu; Sein geist ist selbst geschäftig. Er ist der rechte täufer. Von den Gnadenmitteln. 3. Er selber wollt uns dieses flar In wort und bildern lehren. Am Jordan ließ sich offenbar Des vaters stimme hören. Er sprach: dies ist mein lieber sohn, An ihm hab ich gefallen; Den sende ich von meinem thron, Daß er gehört von allen Und ihm gefolget werde. 4. Auch steht hier Gottes sohn verklärt, Als einer unsrer brüder, Und, gleich als eine taube, fährt Auf ihn der geist hernieder: Daß hieran jeder wiss und merk, Gott selbst hab ihn gesendet, Und ihn zu dem erlösungswerk, Das er getreu vollendet, Mit geist und kraft gesalbet. 5. Den jüngern sagte Jesus Christ: Geht, alle welt zu lehren. Es folle, was verloren ist, Zur buße sich bekehren. Wer glaubet und sich taufen läßt, Soll einst den himmel erben; Hält er an solchem glauben fest, Kann er nicht ewig sterben: Denn er ist neu geboren. 6. Wer Gottes weisen gnadenrath Verachtet, bleibt in sünden, Und büßt, waser verwirket hat, Einst in der hölle schlünden. Der straf entrinnt er ewig nicht Durch eigne gute werke: Denn zur erfüllung seiner pflicht Fehltsihm an licht und stärke; In sünd ist er geboren. 7. Dein leiblich auge sieht allein, Wie menschen wasser gießen: Der glaube dringet tiefer ein, Sieht Jesu wunden fließen. Ihr blut, das Adams schuld und fünde, reinigt, das befreit VonVon eigner ungerechtigkeit, Daß der noch gnade finde, Der sich will heilen lassen. 8. Drum danken wir dir inniglich Für deine treu und güte, Herr Jesu Christ! und bitten dich, Gieb stets ein neu gemüthe: Daß, wie du uns hast durch die tauf Ins gna-. denreich genommen, Wir hier so führen unsern lauf, Damit wir dorten kommen Zu dir. ins reich der ehren. Mel. Christ, unser herr, zum. 286. Gott! da ich gar keinen rath Für meine feel fonnt finden, Hast du mich durch dein wasserbad Gereiniget von sünden. Dein unerforschter rath Von der heiligen Taufe. rath beweist Hier durch ein sichtbar zeichen, O Vater, Sohn und heilger Geist! Es sei nichts zu vergleichen Mit deiner gnad und liebe. 2. Du hast in deinen gnadenbund Zum kind mich aufgenommen, Und machst voll huld den weg mir fund, Wie ich soll zu dir kommen. Du hattest ursach, mich vielmehr 3u strafen und zu hassen, Und hast dich, großer Gott! so sehr, zu mir herabgelassen, Den bund mit mir geſtiftet. 3. Dadurch bin ich nun, als dein kind, Versichert deiner gnaden: Was sich für schwachheit an mir findt, Das läßt du mir nicht schaden. Den geist der findschaft giebst du mir; Und wenn ich vor dich trete, Mein herz ausschütte, Gott! vor dir, Nach deinem willen bete, Werd ich allzeit erhöret. 4. Hingegen hab ich mich verpflicht't, Ich wollt ein gut gewissen Stets, bei des glaubens zuversicht, zu halten sein beflissen; Dich nicht, o Vater, Sohn und Geist! Bloß meinen herrn zu nennen; Nein! wie dein wort mich unterweist, Dich thätig zu bekennen, Von Herzen dich zu lieben. 217 Wenn mich der hang zur sünde plagt, Soll dieser bund mich stärken. Zum tempel richtest du mich zu; Dir bin ich neu geboren. Daß ich nur lauter gutes thu, Dazu bin ich erforen, Erschaffen und erlöset. 5. Dem teufel habe ich entsagt Und allen seinen werken. 6. Dem alten menschen sterb ich ab, Damit der neue lebe, Und daß ich standhaft bis ins grab Den lüſten widerstrebe. Dem guten hang ich eifrig an, und liebe deinen willen: Mit fleiß und forgfalt denk ich dran, Wie ich ihn mög erfüllen Durch deines geistes stärke. 7. Gott Vater, Sohn und Geist verleih, Daß ich fest an dich gläube, Mich meines taufbunds tröst und freu, Und treu darin auch bleibe; Daß ich das böse flieh und haff, Die fleischeslüfte dämpfe, Im guten niemals werde laß, Hier bis ans ende kämpfe, Und dort dein reich ererbe. Mel. Was Gott thut, das ist. 287. 3ch bin getauft, und in dein reich Soll ich, o Vater! kommen; Bin frei vom fluch, und auch zugleich Zur kindschaft angenommen. Was der erwarb, Der für mich starb, Der reichthum aller gnade, Ward mein im wasserbade. 2. Ich Von den Gnadenmitteln. 218 2. Ich bin getauft; der sündenschuld Will Gott nicht mehr gedenken; Er will voll väterlicher huld- Ein ewges heil mir schenken. Sein vatersinn Weiß, was ich bin; 3ch bin nicht mehr verloren; Ich bin aus ihm geboren. 3. Ich bin getauft; nun kann der tod, Nun soll er mich nicht schrecken. Mein trost ist, wie er mir auch droht: Gott wird mich auferwecken. Voll freudigkeit Wart ich der zeit, Da ich als Gottes erbe Getrost und selig sterbe. 4. Ich bin getauft; Gott iſt mein freund. Geheiligt ihm auf erden, Soll ich auch einst, mit ihm vereint, Des himmels bürger werden. Nur wer nicht gläubt Und fündig bleibt, Den wird er einst verdammen; Mich wird er nicht verdammen. 5. Ich bin getauft, und Gott verheißt, Mein herr und Gott zu bleiben. An ihn, den vater, sohn und geist, Will ich beständig gläuben. Ich will forthin Den satan fliehn, Und mich in guten werken Durch Jesu gnade stärken. 6. Ich bin getauft; erin halte mich, Mein Gott, deiner liebe! Und gieb, daß dein erlöster sich In jeder tugend übe. Auf Gott getauft, Von Gott erkauft, Sterb ich in dem vertrauen, Sein angesicht zu schauen. Mel. Nun danket alle Gott. 288. Ka aum war ich, treuer Gott! Ans licht der welt gekommen, So hast du meiner dich Schon herzlich angenommen. Das wasserbad im wort Wusch mich von sünden rein, Du sagtest mir es zu, Mein treuer Gott zu sein. 2. Mir ward gerechtigkeit Und kraft zum neuen leben, Mir ward der heilge geist Und alles das gegeben, Was Jesus, Gottes sohn, Da er für fünder starb, mit leiden, blut und tod Der welt und mir erwarb. 3. Erleucht, Dreieinger! mich, Daß ich die gnad erkenne, Daß ich dich ehrfurchtsvoll Und dankend vater nenne. Die tauf erhalte mich, Durch ihre heilge fraft, Im wahren glauben fest, Im leben tugendhaft. Von der Erneuerung des Taufbundes. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 289. Qiebster Jeſu, der du mich Theuer durch dein blut erkaufet, Und auf dessen namen ich Längstens bin als christ getaufet, Von der heiligen Taufe. 219 taufet, Laß mich deinen geist Mel. Wer nur den lieben. N. M. regieren, Solchen namen recht zu führen. 2. Laß mich meiner taufe bund Immerdar mit ernst betrachten! Laß mich doch von herzensgrund Alle fleischeslust verachten, Und mich immer treulich üben, Gott und menschen recht zu lieben. 3. Laß mich, Herr! den schmalen weg Durch die enge pforte gehen. Laß auf deiLaß auf deines wortes steg Herz und augen ernstlich sehen. Gieb Gieb geduld in kreuz und leiden, Daß sie mich nie von dir scheiden. 4. Jesu! fomm, verbinde dich Gnadenvoll mit meiner ſeele, Daß in wahrem glauben ich Dich zu meinem führer wähle, Stets in deiner liebe brenne, Und mich nimmer von dir trenne. 5. Gieb mir kraft, in dieser welt Als ein wahrer christ zu leben. Laß mich dann, wenn dirs gefällt, Christlich meinen geist aufgeben, und im himmel zu den frommen, Die dich schauen, fröhlich kommen. 6. Freudig laß ich glück und ruhm, Ehre, lust und pracht der erden, Kann ich nur dein eigenthum Dort vor deinem throne werden, Wo die ewgen lebenskronen Wahrer christen fleiß belohnen. 290. Ich bin getauft, nach Jesu lehren Dich Vater, Sohn und heilgen Geist So zu bekennen und zu ehren, Daß herz und mund und that dich preist. Und dann des glücks, ein christ zu sein, Mich hier und ewig zu erfreun. 2. Durch diese stiftung deiner gnade Ward jedes recht der christen mein; Du weihtest mich in diesem bade Zu deinem find und erben ein, Und thatest in der folgezeit An mir noch mehr barmherzigkeit. 3. Du öffnetest mir das verständniß Durch deines sohnes lehr und geiſt. Durch sie gelangt ich zur erkenntniß, Wie man dich würdig ehrt und preist, Und welches heil dein gnädger rath Dem, der dich ehrt, bereitet hat. 4. Daß nicht, vom leichtsinn hingerissen, Undankbar dich mein herz vergaß, Erinnertest du mein gewissen An seine pflicht ohn unterlaß, Und wecktest mich zum tugendlauf Durch deine wahrheit mächtig auf. 5. Gelobt, mein Gott! sei deine liebe, Die mir, noch eh ich dich gekannt, Aus freiem väterlichen triebe Schon so viel gutes zugewandt. Von den Gnadenmitteln. 220 wandt. Wie huldreich hast du mein gedacht Und für mein wahres wohl gewacht! 6. Wie sollt ich dich denn nicht verehren Und dir ein herz voll liebe weihn? Nicht gern auf deine stimme hören Und findlich dir gehorsam sein? Was dich entehrt, sei fern von mir; Geheiligt sei mein leben dir! 7. D stehe nur mit deinem geiste, Wie du verheißen hast, mir bei, Daß ich, was ich versprach, auch leiste, Und treulich dir ergeben sei. Und fehl ich, so verwirf mich nicht, Mein Gott, von deinem Nach einer Taufhandlung. angesicht. 8. Erwecke mich durch deine gnade 3um steten ernst der besserung, Und leite mich auf sicherm pfade Des glaubens und der heiligung. Gott mei nes heils, sei ewig mein, Und laß mich stets der deine sein! kind empfohlen! Du nimmst es auf; dein wort ist wahr. Wir bringens, wie du selbst befohlen, Dir in der heilgen taufe dar. Ach segn es, Vater, Sohn und Geist! Wie uns dein theures wort verheißt. 3. Durch dieses siegel deiner gnade Wird jedes recht der christen sein. Weih du es in dem wasserbade Zu deinem find und erben ein. O selig, kennt es einst den werth Des glücks, daß es dir angehört. Vor einer Taufhandlung. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 291. Du wiefeft, Jesu! nicht die kleinen, Die dir die eltern brachten, ab; Nahmst tinder auch an für die deinen, und sahst voll huld auf sie herab. Laßt, sprachst du, lasset sie zu mir, Und wißt, das himmelreich ist ihr'r. 2. Dir sei auch dieses Mel. Nun lob mein' feel den. 292. Geweiht zum christenthume, Ist dieses kind nun Gott geweiht! Erzieh es dir zum ruhme, vater der barmherzigkeit! Verlängert deine liebe Sein leben, so verleih Durch deines geistes triebe, Daß es, dir immer treu, Den hohen werth der tugend Schon früh empfinden lern. Es ziere, seine jugend, Die selge lust am herrn! 2. Auch wir sind Gottgeweihte, Durch unsre taufe Gott geweiht: Dies glück entflamm uns heute Zu lob und preis und dankbarkeit; Erweck uns zum vertrauen, Mit findlich frohem sinn Gen Von der Confirmation. Gen himmel aufzuschauen, Zu unserm vater hin; Erweck uns zu ermessen, Was uns sein wort verspricht, Und nimmer zu vergessen Der ihm gelobten pflicht! 3. Du Vater von uns allen, O lehre du uns selber thun Nach deinem wohlgefallen; Laß deinen segen auf uns ruhn. Du wirst zu diesem leben, Wie du bisher gethan, Was wir bedürfen, geben. Verleih uns nur als dann Die beste deiner gaben, Daß wir durch Jefum Christ Theil an dem erbe haben, Das unvergänglich ist. Von der Confirmation junger Christen. 221 Im glauben treu, im herzen rein, Im wandel ohne falsch zu sein. Dreieiniger! sprich du das amen Zum festen schwur bei deinem namen, Und stärke sie! Und stärke sie! 3. Schenk ihnen muth und freudigkeit! Laß ihrer zusag heiligkeit So stark, so tief ihr herze rühren, Daß sie sie ernstlich vollführen! Auch uns laß jetzt mit herz und mund Mit dir erneuern unsern bund, Und einst vereint vor dir bestehen, Mit ihnen in den himmel gehen! Erhör uns, Gott! Erhör uns, Gott! 2. Sie wollen, deiner sich zu freun, Gott! ihren bund mit dir erneun, Und feierlich den eid dir schwören, Dich, Gott! zu lieben, zu ehren, Nach der Confirmation. Mel. Ach Gott und Herr. 294, Wie feierlich Bist du für mich, Miel. Komm, heiliger Geist. Gott! 293. Grhör, o das heiße flehntag des heilgen bundes! Der finder, die hier vor dir Dem herrn geweiht, Schwur stehn! Denn dein sind sie und Jesu glieder. Sieh auf sie gnädig hernieder! Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geist! Den segen, den dein wort verheißt. Erfülle sie mit deinen gaben, An deiner gnade theil zu haben! Erbarme dich! Erbarme dich! ich den eid Des herzens und des' mundes. 2. Gelobt hab ich Jetzt feierlich Dir, Vater! ewge treue. Verleihe mir, Daß ich mich dir Von ganzem herzen weihe. 3. Gott voll huld! Wie viel geduld Hast du mit deinem finde! Du sprichst mich frei, Bei wahrer reu, Von meiner jugend sünde. 4. Ich will forthin Mit ernst sie fliehn, Und deine wege Von den Gnadenmitteln. 222 wege gehen. Herr, segne mich! Behüte mich! Laß mich dein antlig sehen. Vom heiligen Abendmahle. Mel. Jesus Christus, unser heil. 295. Jesus Christus hat sein leben In den tod für uns gegeben. Uns vom tode zu befrein, Uns zum himmel einzuweihn. 2. Daß wir deß gedenken mögen, Giebt er uns, o welch ein segen! Seinen leib und, welch ein gut! Sein für uns vergoßnes blut. 3. Willst du diesem mahl dich nahen, Such es würdig zu empfahen! Welch ein fluch, worein versinkt, Wer unwürdig ist und trinkt. 4. Gott den vater sollst du preisen, Daß, dir gnade zu beweisen, Selbst sein eingeborner starb Und vergebung dir erwarb! 5. Glauben sollst du und nicht wanken, Daß er ist der arzt der kranken, Dich so hoch und brünstig liebt, Seinen leib, sein blut dir giebt. 6. Nur der schwachen, nur der armen Will der heiland sich erbarmen. Fürchte, wenn du vor ihm nicht Dich demüthigst, sein gericht. 7. Er spricht selber: kommt, ihr armen! Ich will euer mich erbarmen. Starken ist der arzt nicht noth; Kranke nur rett ich vom tod. 8. Könntest du dir was erwerben, Hätt ich dürfen für dich sterben? Willst du felbst dir helfen, dann Geht dich auch mein mahl nicht an. 9. Doch fühlst du, was du bekennest, Wenn du deinen arzt mich nennest, Dann bist du geschickt, und ich Stärke durch mein mahl auch dich. 10. Gläubig mußt du dann dich üben, Deinen nächsten auch zu lieben. Nimm dich seines elends an, Denn Gott hats an dir gethan! Mel. Christus, der uns selig. an 296. Seele! denk jene nacht, Drinnen ward verrathen Der die sünder selig macht Von den missethaten. Denke, was er uns zuletzt noch zurückgelassen, Das die seelen höchst ergeßt, Die ihn gläubig fassen. 2. Jesus aß das ofterlamm In den abendstunden, Und hat drauf am freuzesstamm Uns der schuld entbunden. Hilf, o gotteslamm! daß ich Deiner nie vergesse, Und dein fleisch oft würdiglich, Mir zum leben effe. 3. Jesus, als er durch den tod Seinen lauf wollt enden, Nahm mit dank und brach das brot In den allmachts- händen. Laß mich denken Vom heiligen Abendmahle. 223 denken deiner treu, Die nicht Vor und bei dem Geauszusprechen, und dem nächsten auch dabei Brot im hunger brechen. nusse des heiligen Abendmahls. 4. Eßt, das ist mein leib, für euch In den tod gegeben, Sprach er; ach, vernunft, hier schweig! Glaube wirkt das leben. Hilf, Herr Jesu! daß ich mich Auf dein wort nur gründe, Und den zweifel ritterlich Dadurch Dadurch überwinde. 5. Jesus gab die lebensflut Seinen tischgenossen; Trinkt, sprach er, das ist mein blut, Das für euch vergossen. Gieb den theuren lebenssaft, Jesu! mir zu trinken, Wenn mir leben, muth und kraft In der angst entsinken. 6. Liebster, der mein herz ergeßt, Der du dieses essen, Dieses trinken eingesetzt, Dein nicht zu vergessen! Hilf, daß ich mit lob und dank An dein leiden denke, Und mich, wenn ich geistlich krank, In dein blut versenke. 7. Jesu! laß durch deine qual, Durch dein blutvergießen, Dein hochtheures abendmahl Würdig mich genießen! Laß mir dieses jederzeit, Herr! zum leben nützen, Und mich in der ewigkeit Einst zu tische sigen! Mel. Jesus, meine zuversicht. 297. Tag, den mir der herr gemacht, Sei gesegnet, tag der freude! Du erhellst des fummers nacht Und erquickest mich im leide. Heil und leben schenkst du mir. Gott, wie dank ich dir dafür! 2. Unachtsam auf seinen ruf, Hab ich meinen Gott betrübet, Ihn, der mich zum glück erschuf Und mich stets so treu geliebet. Ich verdiente straf und tod, Den er frechen sündern droht. 3. Und doch nimmt er huldreich mich Wieder auf zu seinem kinde; Heut vergißt er väterlich Seines zorns und meiner fünde; Giebt durch seiner boten hand Mir der gnade süßes pfand. 4. Tag der wonne! heilges mahl! Ewig will ich dein gedenken! Meines Jesu todesqual Soll mir trost im leiden schenken, Und mein leben soll allein Seinem dienst gewidmet sein. Mel. Es ist gewißlich an der. 298. Ich will den bund mit meinem Herrn Bei seinem mahl erneuen; Ich will, von weltge= Von den Gnadenmitteln. 6. sünde Dann will ich, jeder feind, Dich über alles lieben, Und ernstlich mich, mit dir vereint, In guten werken üben. möchte ich mein lebenlang Dir, mein erlöser, preis und dank Durch wort und werke bringen! 7. Ich steh vor deinem angesicht, Du siehst, daß ich nicht heuchle; Du siehst auch, daß mein herz sich nicht mit vorsatz selber schmeichle. So komm ich denn mit freudigkeit, Voll hoffnung meiner seligkeit, Zu deinem abendmahle. 224 geschäften fern, Mich seines todes freuen. O tag, wie heilig bist du mir! Wie soll sich meine seel an dir Zu meinem Gott erheben! 2. Gewohnheit führe mich nicht hin, Noch der betrug der fünde, Daß auch ein lasterhafter sinn Schon dadurch gnade finde. Nein! mache mich, mein Heiland! frei Vom laster und von heuchelei, Selbst von der luft zur sünde. 3. Bekennen will ich öffentlich: Dein sterben sei mein leben. Dir, mein erlöser! hab ich mich Zum eigenthum ergeben. So lang Und ich lebe, will ich dein deiner liebe mich erfreun, Mich sterbend ihrer trösten. 4. Demüthig laß mich meine schuld Vor meinem Gott gestehen; Durch dich gewiß von seiner huld, Zu ihm um gnade flehen. Laß mich mit freudigem vertraun Nach deinem freuz, o Jesu! schaun, Und froh vergebung hoffen. 5. Dein leib und blut versichre mich Von deines vaters gnade. Hilf, Senn ich bin sein kind durch dich, Hilf mir, daß mir nichts schade; Daß ich, durch deinen kreuzestod Entsündigt und versöhnt mit Gott, Ein erbe sei des lebens! Mel. Schmücke dich, o liebe. 299. Schicke dich, erlöste seele! Gläubig nach des herrn befehle, Seinen mittlertod zu feiern, Deinen dank ihm zu erneuern. Auch für dich hat er sein leben In den bängsten tod gegeben, Dir auf zeit und ewigkeiten Heil und wohlfahrt zu bereiten. 2. Zum genusse seiner gnaden Wirst du von ihm Gil ihm deeingeladen. Und muthsvoll entgegen nimm theil an seinem segen. Komm getrost, es ist sein wille, Komm und schöpf aus seiner fülle Neuen muth und neue triebe Zur verehrung seiner liebe. 3. Herr! Vor und bei dem Genusse d. h. Abendmahls. 225 Sondern 3. Herr! ich komme mit lebens! Hilf, daß ich doch verlangen, Glaubensstärkung nicht vergebens, zu empfangen, Da du huldreich deinen frieden Sterbend auch mir hast beschieden. Hier fall ich zu deinen füßen, Laß mich würdig doch genießen Dieses mahl, die seelenspeise, Mir zum heil und dir zum preise. mir zum heil in gnaden Sei zu deinem tisch geladen. Laß mich durch dies theure effen Deine liebe recht ermessen, Daß ich einst, wie jetzt auf erden, Mag dein gast im himmel werden. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r. 4. Dwie sehnt sich mein gemüthe, Menschenfreund! nach deiner güte. Ewig wäh- 300. O Jesu Christe, Ach, ret deine treue, Und du siehst mein herz voll reue. so wollst du mich erhören, Deine fröftung mir gewähren, Meiner fünden nicht gedenken Und mir deinen frieden schenken! Gottes lamm! Der du aus lieb am freuzesstamm, Zur tilgung meiner fündenlast, Den schwersten tod erduldet hast. 5. Ja, ich hoff auf deine gnade, Daß sie mich der schuld entlade Und mit neuer kraft zum werke Meiner heiligung auch stärke. Was du, da du für uns starbest, Jedem, der Gott sucht, erwarbest, Seelenruh und ewges leben, Wirst du mir gewiß auch geben. 6. Deiner will ich stets mich freuen, Ganz mich deinem dienste weihen, Nur nach deinem willen leben Und dich dankbar froh erheben. Deine huld ist unermeßlich, Herr! sie sei mir unvergeßlich, Daß ich dich auf alle weise Herzlich lieb und thätig preise. 7. Jesu, wahres brot des N. A. 2. Ich komm zu deinem abendmahl, Gebeugt durch manchen fündenfall; Doch meines Herzens zuversicht Steht, Herr! zu dir: verwirf mich nicht! 3. Du bist der arzt, der seelen heilt, Der reuerfüllten trost ertheilt Und zur rechtschaffnen heiligkeit Den schwachen muth und kraft verleiht. 4. Darum, Herr Jesu! bitt ich dich: Von meinen sünden heile mich. Mach in mir das gewissen rein, Und laß mich ganz dein eigen sein. 5. Erleuchte durch dein wort mein herz Und richt es zu dir himmelwärts: Daß glaubensvoll und dankbarlich Ich deiner lieb erinnre mich. 6. Gieb 15 Gnadenmitteln. 226 Von den 6. Gieb, daß ichs mir zum heile thu, Zur fördrung meiner seelenruh, Zur stärkung in der heiligung Und wahrer lebensbesserung. 7. Tilg alle laster aus in mir; Mein Herz mit lieb und glauben zier, Und was sonst ist von tugend mehr, Das pflanz in mir zu deiner ehr. 8. Gieb mir, was meiner seele nügt Und mich vor dem verderben schützt. Du bist mein heil; laß mich mit dir Vereinigt bleiben für und für. 9. Du, der in mir das gute schafft, Ach stärke mich dazu mit kraft, Damit ich glücklich welt und fünd Im glauben an dich überwind. 10. Dein freue meine seele sich; Mein ganzes Leben preise dich; Den guten vorsatz, den ich hier Erneure, mache fest in mir. 11. Gieb, daß ich treu sei meiner pflicht, und mich nach deinem willen richt; So bring ich christlich und in ruh Auf erden meine tage zu, 12. Bis du mich, o du lebensfürst! In deinen himmel nehmen wirst, Daß ich da bei dir ewiglich An deiner güte freue mich. Mel. Jesu, deine heilgen wunden. 301. Voller ehrfurcht, dank und freuden, Komm ich, Herr! auf dein gebot, Zu dem denkmal deiner leiden, Und gedenk an deinen tod. Mittler, der du für mich starbst,.. Mir ein ewges heil erwarbst, Ach, möcht ich mich würdig nahen Und das leben hier empfahen! 2. Ich empfind es jetzt aufs neue, Was ich dir, Herr! schuldig bin. Du, du gabst mit großer treue Ganz dich mir zum dienſte hin; Wiefest mir den weg zu Gott, Uebernahmst für mich den tod, Mir im leben und im sterben Sichre trö stung zu erwerben. 3. Du verschaffst mir Gottes gnade, Selige beruhigung; Stärkst mich, auf der tugend pfade, In der lebensbesserung. Und du winkst aufs neue mir Durch dein nachtmahl, daß ich hier Theil an deinem segen nehme Und mich deiner niemals schäme. 4. Sollte ich denn nun vergebens Diese deine huld empfahn? Und mich diesem mahl des lebens Mir nur zum gerichte nahn? Nein, es stärke kräftig mich, Mittler, im vertraun auf dich; Stärk aufs neue meinen willen, Deine vorschrift zu erfüllen. 5. Diesen vorsag, den ich habe, Mich nicht wieder zu entweihn, Laß ihn, Jesu! bis Vor und bei dem Genusse d. h. Abendmahls. 227 bis zum grabe Stark in Nach deinem gnadenvollen meiner seele sein. Gieb mir willen Zur pflicht und wohlkraft, ihn zu vollziehn, Lehre that mir gemacht. Verleih mich, mit vorsicht fliehn, Was zur übung dieser pflicht Mir ihn könnte bei mir schwächen, deines geistes kraft und licht. Was mich reizt, ihn gar zu brechen. 6. Ich will über alles schätzen Dein mir theur erworbnes heil, Und nie aus den augen setzen Meiner seele bestes theil. Dich in deinem worte hörn, Mit gehorsam dich verehrn, Täglich heiliger zu werden, Sei mein erster wunsch auf erden. 2. Es werde mir für mein gewissen Dein mahl ein tröstlich unterpfand, Daß ich, der fündenschuld entrissen, Durch dich bei Gott vergebung fand; So freuet meine feele sich In deinem heil und lobet dich. 7. Sollt ich aber wieder fehlen, Und aus schwachheit irre gehn; Sollt ich nicht das beste wählen, Und wie leicht ist dies geschehn!- 3. Bewundernd denk ich an die liebe, Womit du unser heil bedacht. Wie stark sind deine mitleidstriebe, Die dich bis an das kreuz gebracht! Ogieb von deinem todesschmerz Jetzt neuen eindruck in mein herz! so hilf mir liebreich auf, Daß ich in dem tugendlauf Nimmer wanke, nie ermüde; So erquicke mich dein friede. 4. Laß mich mit ernst die fünde scheuen, Für welche du, dich opfernd, starbst; Mit schnödem mißbrauch nie entweihen, Was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zur sicherheit Der troft, den mir dein tod verleiht. 8. Ewig will ich dir es danken, Daß du so barmherzig bist, Und des schwachen in dem wanken, In dem straucheln nicht vergißt. Hilf mir, daß ich dir getreu Und mein vorsag standhaft sei, Durch ein tugendhaftes leben Meinen heiland zu erheben. 5. Ich übergebe mich aufs neue, du, mein Herr und Gott! an dich; Ich schwöre dir beständge treue Vor deinem tische feierlich. Dein eigen will ich ewig sein. Du starbst für mich: drum bin ich dein. - Mel. Wer nur den lieben. A. M. 302. Hier bin ich, Jeſu, zu erfüllen, Was du in deiner leidensnacht 6. Nie will ich mich vor spöttern schämen Des dienstes, den man dir erweist; 15* Nie Von den Gnadenmitteln. 228 Nie mich zu einem schritt bequemen, Den mein gewissen sündlich heißt. O flöße mir den eifer ein, Wie du, o Herr! gesinnt zu sein. 7. Laß mich mit ernst den nächsten lieben, Und, wenn er strauchelnd sich versteht, Versöhnlichkeit und sanftmuth üben. Nie komm es mir aus dem gemüth, Welch eine schwere sündenlast Du mir aus huld erlassen hast. 8. Es stärke sich in mir der glaube, Daß meine seele ewig lebt, Und daß einst aus des grabes staube Mich dein allmächtger ruf erhebt, Wenn du dich, großer Lebensfürst, Den völkern sichtbar zeigen wirst. 9. Gebeugt lieg ich zu deinen füßen, Mit dank und Tob, gebet und flehn. Laß auf mich neue gnade fließen! Mein Heiland, laß es doch geschehn, Daß mir, zur stärfung meiner treu, Dein abendmahl gesegnet sei. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 303. ch komme, Herr! und suche dich, Mühselig und beladen. O mein erbarmer! würdge mich Des siegels deiner gnaden. Ich liege, Herr! vor deinem thron, Sohn Gottes und des menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner fünden müh; Ich suche ruh und finde sieIm glauben der erlösten. 2. Dich bet ich zuversicht- lich an. Du bist das heil der sünder; Hast ihre schulden abgethan, Und wir sind Gottes finder. Ich denk an deine leidensnacht. Und an das wort: es ist vollbracht! Du hast mir heil erworben. Für mich hast du dich dargestellt. Mit sich versöhnte Gott die welt, Da du für sie gestorben. 3. Deß freuet sich mein herz in mir! Du tilgest meine sünden Und läßt bet deinem mahle hier Mich gnad um gnade finden. Du hörst der reue sehnlich flehn, Willst gern mich frei und glücklichy sehn, Gern alle schuld vergeben; Nur soll ich dem, der für mich starb Und mir so großes heil erwarb, mit fester treue leben. 4. Ja, Herr! mein glück ist dein gebot; Ich will es treu erfüllen. Verleihe mir durch deinen tod Die kraft zu diesem willen. Laß mich von nun an eifrig sein, Mein ganzes leben dir zu weihn, Und deinen tod zu preisen. Laß mich den ernst der heiligung Durch eine wahre besserung Dir und der welt beweisen. Mel. Vor und bei dem Genusse d. h. Abendmahls. 229 Mel. Herr Gott, der du erforsch. 304. Du, Herr! haft aus barmherzigkeit, Zum denkmal deiner gnaden, Das ganze volk der christenheit Wohlthätig eingeladen. Du rufst: mühfelge, kommt zu mir! Ich komme, Heiland! ja, zu dir Erheb ich meine feele. Entzieh mir deine gnade nicht; Sei auch mein trost, mein heil, mein licht. Du siehst, wie oft ich fehle. tig mich, Daß ich vorsichtig handle, Und heilig, voll vertraun auf dich, Nach deinem willen wandle. Gieb, daß aus dank für deine huld In glauben, liebe und geduld Ich dir auf erden lebe; Bis ich dereinst in deinem reich, Verklärt, unsterblich, engeln gleich, Dich ewig froh erhebe. 2. Ja, meiner schulden sind weit mehr, Als ich vermag zu zählen. Ich fühl es wohl, und leide sehr Vor unruh meiner seelen. Doch du bist meine zuversicht. Verlaß mit deinem troft mich nicht; Du siehest meine reue. Erbarmer, nimm sie gnädig an; Du bists, der helfen will und kann, Daß sich mein herz erfreue. 3. Nach deinem troste sehn ich mich, Gebückt vor dir im staube. Dein tröst ich mich, und nur auf dich, Erlöser! hofft mein glaube. Gebeugte willst du nicht verschmähn, Versprichst den schwachen bei zustehn, Die nach der beßzrung trachten. Stets bleibst du deinen worten treu, Und wirst ein gläubig herz voll reu, Auch meines nicht verachten. 4. Regiere nur auch künfMel. Jesus, meine zuversicht. 305. Die ihr Christi jünger seid, Theure miterlöste brüder, Alle seinem dienst geweiht, Alle seines leibes glieder! Kommt, erneut versöhnte, kommt, Euren bund der seligkeit! 2. Nehmt und eßt, das ist sein leib, In den tod für euch gegeben. Nehmt und trinkt, das ist sein blut, Er vergoß es euch zum leben. Schmeckt und sehet hocherfreut Eures mittlers freundlichkeit. 3. Die mit voller zuversicht, Jesu! deines heils sich freuen, Laß sie stets in diesem licht Wandeln, ewig dir sich weihen. Laß ihr herz vom stolze rein, Voll von deiner demuth sein. 4. Tröste, die in traurigkeit Ueber ihre seelen wachen. Hilf du, Herr der herrlichfeit! Herr, sie glauben, hilf den schwachen! Die gebeugt von Von den Gnadenmitteln. 230 von ferne stehn, können unerhört nicht flehn! 5. Nehmt und eßt, das ist sein leib, In den tod für euch gegeben. Nehmt und trinkt, das ist sein blut, Er vergoß es euch zum leben. Schmeckt und sehet hocherfreut Eures mittlers freundlichkeit. 6. Hoherpriester! Jesu Christ! Du bist einmal eingegangen In das heiligthum; du bist Als ein fluch am freuz gehangen; Doch gingst du durch schmach und tod Hin, mit preis gekrönt, zu Gott! 7. Hoherpriester! ja du du bist, Bist für sie auch eingegangen; Stärk in ihnen, Jesu Christ! Wenn sie nun dein mahl empfangen, Ihres glaubens zuversicht, Daß sie frei sind vom gericht. 8. Nehmt und eßt, das ist sein leib, In den tod für euch gegeben. Nehmt und Nehmt und trinkt, das ist sein blut, Er vergoß es euch zum leben. Schmeckt und sehet hocherfreut Eures mittlers freundlichkeit. Vor einer KrankenCommunion. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 306. A tönnt ich doch mit deinen gliedern Im tempel, Jesu! dich erhöhn, Und freudenvoll mit meinen brüdern Das denkmahl deines tods begehn! Doch weil mich noth und krankheit plagt, 3st diese freude mir versagt. 2. Sieh, hier auf meinem frankenbette Feir ich dein abendmahl allein. Doch, Herr! ich weiß, an jeder stätte Hast du verheißen nah zu sein. Wo je ein frommer seufzt und weint, Da bist du, großer menschenfreund. 3. Vielleicht, o Herr! erquickt mich heute Zum letzten mal dein leib und blut.. du, der oft mein herz era freute, Gieb ihm auch jetzt geduld und muth. Dem grabe nah, Herr! bitt ich dich, Ach sei mir gnädig, fegne mich 4. Laß das gedächtniß deiner leiden Mir schwachen trost und kraft verleihn; Laß es die quelle reiner freuden Und deines himmels vorschmack sein. Dein leiden, dein versöhnungstod Erquicke mich in meiner noth! 5. Ich seh, ich seh den himmel offen; Ich fühle meine seligkeit. Nun kann ich alles, alles hoffen Von dem, der mir die schuld verzeiht. Es drohe mir die größte noth; Mein retter und mein schutz ist Gott. 6. Und naht der tod mit seinen schrecken: Ich bin getrost Nach dem Genusse trost und zage nicht. Vom tode wirst du mich erwecken; Ich komme nicht in dein gericht. Ich bin getrost; dein leib und blut Giebt mir im tode trost und muth. Nach dem Genusse des h. Abendmahls. des h. Abendmahls. 231 Die du an mir bewiesen hast. Laß meinen glauben thätig sein Und mir zum guten kraft verleihn. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 307. Dant, ewig dank, ſei deiner liebe, Erhöhter mittler, Jesu Christ! Gieb, daß ich deinen willen übe, Der du für mich gestorben bist, Und laß die größe deiner pein Mir immer in gedanken sein. 2. Wie kann ich dich ges nug erheben, Ich, der ich zorn und tod verdient? Ich ſoll nicht ſterben, ſondern le= ben, Weil du mich selbst mit Gott versühnt. Du, der gerechte, starbst für mich! Wie preis ich, Herr! wie preis ich dich! 3. Heil mir! den leib hab ich genossen, Der für mich an dem kreuze starb; Ich trank das blut, das der vergoffen, Der sterbend mir das heil erwarb. Herr! ewge treue schwör ich dir, Schenkst du nur deine gnade mir. 4. Laß, Herr! mich dankbar stets ermeffen, Was du für mich gelitten hast, Und deiner liebe nicht vergessen, 5. Hilf mir das böse überwinden und stärke mich zu jeder pflicht. Bewahre mich vor neuen sünden; Verlaß mich in versuchung nicht; Und dein für mich vergoßnes blut Schenf mir im todeskampfe muth. 6. Und euch, ihr seines leibes glieder, Die Jesu heil, wie mich, erfreut, Euch lieb ich stets als meine brüder, Als erben einer herrlichkeit. Wir haben einen herrn und Gott: Uns tränkt und speist ein wein, ein brot. Mel. Nun laßt uns Gott dem. 308. Herr! der du selbſt dein leben Für mich dahin gegeben, Ich falle vor dir nieder Und singe freudenlieder. 2. Ich fam, mit schuld beladen, Zum mahle deiner gnaden: Da ließest du mich finden Vergebung meiner sünden. 3. Nun ist der bund erneuet; Mein herz sei dir geweihet! Nach deinem sinn zu leben, Sei forthin mein bestreben. 4. Ich will aus treuem herzen Der brüder noth und schmerzen, So viel ich kann, ver 232 Von den verhindern, Und, kann ichs nicht, doch lindern. Gnadenmitteln. 5. Ich will, wie du, mit freuden Gott preisen in den leiden, Nie ungeduldig klaUnd nie an Gott vergen zagen. 6. Von dir will ich nicht lassen, Will, was du hassest, haffen; Was du liebst, will ich lieben, Mich im gehorsam üben. 7. O, möcht ich mein versprechen Doch nimmer wieder brechen! Herr! verleih mir stärke Zur übung guter werke. 8. Den ersten reiz der sünden Hilf glücklich überwinden, Und wo ich wieder fehle, Erinnre meine seele. 9. Ach, Herr, laß mich bei zeiten, mich auf den tod bereiten! Dann leb ich in Gott fröhlich, Und sterbe sanft und selig. 10. Dann werd ich mit den frommen Zu dir, Herr Jesu! kommen, Und du führst nach dem leiden Mich zu des himmels freuden. Mel. Es ist gewißlich an der. 309. Ich preise dich, o Herr, mein heil! Für deine todesleiden. Hab ich an ihren früchten theil, Was fehlt dann meinen freuden? Du wurdst ein opfer auch für mich. D gieb, daß meine seele sich Deß ewig freuen möge. 2. Was kann mein geist durch deinen tod Nicht noch für segen finden! Erlösung aus der todesnoth, Vergebung aller sünden, Gewissensruh, zur beßrung kraft, Das hast du, Herr! auch mir verschafft, Da du am kreuze starbest. 3. Dein mahl ist mir ein unterpfand Von deiner großen güte. Wie viel hast du an mich gewandt! D, stärke mein gemüthe Zum gläubigen vertraun auf dich, Daß ich, so lang ich lebe, michAn deine gnade halte. von 4. Ich fühlte, Herr! voll reu und schmerz Die last meinen sünden. Du ließeft mein gebeugtes herz Den großen trost empfinden, Daß du, aus Gottes vaterhuld, Auch mir vergebung meiner schuld Auf buße hast erworben. 5. Der trost, den mir dein tod verschafft, Werd ewig mir zum segen! Er stärke mich mit neuer kraft, Auf allen meinen wegen Nur das zu thun, was dir gefällt Und alle furcht und lust der welt Standhaft zu überwinden. 6. Die liebe, die du mir erzeigt, Ist gar nicht zu ermessen. D! mache selbst mein herz Nach dem Genusse herz geneigt, Sie nimmer zu vergessen, Daß ich, aus ächter gegentreu, Dir bis zum tod ergeben sei Und dir zur ehre lebe. 7. Laß deines leidens gro5. Dein leib ward für mein leben Zum opfer darBen zweck Mir stets vor gegeben; Dein blut, am augen stehen. Räum alle hindernisse weg, Die ebne bahn zu gehen, Die mir dein heilges vorbild weist, Und die einst den erlösten geist Zu deiner freude führet. kreuz vergoffen, Ist auch für mich geflossen. 6. Dies alles giebt mir stärke, Damit durch gute werke Ich meinen glauben übe, Und ewig treu dich liebe. 7. Mit freudigem gemüthe Laß deine große güte, Laß allen deinen segen Mich oft mit ernst erwägen: 8. Daß dich nur meine seele Zu ihrer freude wähle, Mit brünstigem verlangen Allein an dir zu hangen: 9. Damit ich jede sünde Bekämpf und und überwinde, Und, bis vom streit ich ruhe, Gern deinen willen thue. 10. Gieb, wo ich bin und wandle, Was ich auch denk und handle, Daß ich an dich gedenfe, Mein ganzes herz dir schenke. 11. O, kann ich schon auf erden Durch dich so selig werden, Was werd ich nicht für gaben In deinem himmel haben! 8. 3um ewgen leben hast du dich Für mich dahin gegeben; Dein abendmahl erwecke mich, mit ernst danach zu streben. Herr! mache mich dazu geschickt; Und werd ich einst der welt entrückt, So sei dein tod mein leben. Mel. Nun laßt uns Gott dem. 310. O Jesu, meine wonne! Du meiner seelen sonne, Du freundlichster auf erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Dwie fannst du erquicken! Dich preis ich voll entzücken Für deines mahles gaben, Die mich gestärket haben. des h. Abendmahls. 233 herzen Für alle deine schmerzen, Für alle deine leiden, Du ursprung meiner freuden! 3. Wie soll ich dirs verdanken, Du arzt hilfloser kranken, Du todesüberwinder, Du heiland aller sünder? 4. Ich preise dich von derben, 12. Entrissen dem verWerd ich einst selig Einst herrlich auferstehen, Um, Jesu! dich zu sehen. sterben, 311. 234 Von den Gnadenmitteln. 311. Gott sei gelobet Bis wir uns zu dir erheben. und gebenedeiet, Gott sei uns gnädig! Daß er selber uns erfreuet Mit seines sohnes leib und seinem blute. Das komm uns, Herr Gott, zu gute. Gott sei uns gnädig! 2. Du wardst für alle, die wir warn verloren, Von Maria, Herr! geboren. Dein leib, dein blut mach uns gerecht auf erden; Laß uns Laß uns ewig selig werden. Gott sei uns gnädig! 3. Dein leichnam ward für uns dahin gegeben, In den tod hin, uns zum leben. Nicht größre güte konntest du uns schenken, Deiner dankvoll zu gedenken. Gott sei uns gnädig! 4. Nur deine liebe fonnte dich bewegen, Leib und blut zu unserm segen, Gott darzubringen, ihm uns zu verföhnen, und mit gnad und huld zu frönen. Gott sei uns gnädig! 5. Gott! gieb uns allen deiner gnade segen, Daß wir gehn auf deinen wegen, In rechter lieb und brüderlicher treue, Daß dies mahl uns nie gereue. Gott sei uns gnädig! 6. Herr! segn' uns stets mit deinem guten geiste, Daß er stets uns beistand leiste, Damit wir all in fried und eintracht leben, Mel. Jesu, deine tiefe wunden. 312, effentlich in der gemeine, Mittler! hab ich dich bekannt. Ich empfing in brot und weine Deiner liebe göttlich pfand. Feierlich war da mein eid Ewiger beständigkeit. Du, der sich mit mir vereinte, Haſt gesehen, wie ichs meinte. 2. O wie ward da deine güte, Menschenfreund! von mir verehrt. Wie empfand da mein gemüthe Mächtig ihren ganzen werth, Als ich dich auf golgatha Für mich sünder sterben sah! Wie erstaunt ich, wie entzückke Mich die huld, die ich erblickte! 3. Laut rief in mir mein gewissen: Bist du würdig dieser huld? Siehst du ihn sein blut vergießen; Wisse, das macht deine schuld! Scham und reu erfüllten mich, Glaubensvoll blickt ich auf dich. Sünder! sprachst du, du sollst leben, schuld ist dir vergeben. Alle 4. Ja, ich weiß es, ich soll leben, und des himmels erbe sein. Alle schuld ist mir vergeben: Denn dein blut, Herr! macht mich rein. Du vertrittst mich im gericht! Gott verurtheilt mich nun nicht, Nach dem Genusse des h. Abendmahls. 235 nicht, Wenn ich standhaft an dich gläube Und auf deinen wegen bleibe. 5. Nun, ich will dich nicht verlassen, Nicht von deinen wegen gehn! Jede sünde will ich haffen, Und den lüften widerstehn. Mein erretter, ach! gieb du Stärk und freudigkeit dazu, Daß ich standhaft an dich gläube Und auf deinen wegen bleibe! 6. Laß mirs mein gewissen sagen, Wie so schmerzhaft seine pein, Wie so schwer der sünden plagen Und der hölle schrecken sein. Es erinnre mich daran, Wie viel du an mir gethan! Und umsonst sei deine liebe, Wenn ich dir undankbar bliebe! 7. Neine liebe meiner brüder Sei die frucht der dankbarkeit. Sie sind alle deine glieder, Erben deiner seligfeit. Selbst auch mein beleidger ist Dein erlöster, Jesu Christ! Drum will ich nicht rache üben, Nein, ich will ihn thätig lieben. 8. Gott! zu dem ich findlich trete, Blicke väterlich auf mich, Höre gnädig, was ich bete: Ganz verlaß ich mich auf dich. Reiche frucht der besserung, Wachsthum in der heiligung, Hoffnung auf das ewge leben Laß dein abendmahl mir geben! Nach einer KrankenCommunion. mel. Wer nur den lieben. A. M. 313. Dant, dank sei dir für dein erbarmen, mein erlöser, Jesu Christ! Du, der du einst auch für mich armen Den tod am freuz gestorben bist! Nur deine leiden trösten mich; Was wär ich, mittler, ohne dich? 2. Du hast mir deinen leib geschenfet, Nun weiß ich, ich bin ewig dein. Ich ward mit deinem blut getränket; Dies blut macht meine seele rein, Befreite mich von fluch und schuld, Erwarb mir Gottes vater= huld. 3. Nun laß mich sterben oder leben, Herr! wie du willst, ich folge gern. Von schmerz gequält, mit angst umgeben, Freut meine seele sich des herrn. Durch dich versöhnt, erschreckt mich nicht Des grabes graun, nicht das gericht. 4. Im glauben will ich dich umfassen, Gewiß, daß du mein retter bist. Du wirst mich schwachen nicht verlassen, Mir geben, was mir nüglich ist. Ein wink von dir, so endet sich Mein jammer und ich preise dich! 5. Und 236 Von der christlichen Kirche. 5. Und kommt sie denn, munde Erwartet mein erlösdie ernste stunde, Die mich ter geist Ein frohes urtheil.. dem irdischen entreißt; Wohl Ewges heil Ist deiner ausmir auch dann! aus deinem erwählten theil. 19. Von der Von der Stiftung und Erhaltung derselben. christlichen Kirche. Mel. Herzliebster Jesu, was. 314. Mel. Allein Gott in der höh. Sesu! ewig wird 315. Jesu, licht und heil der welt, Der du in diesem leben Dein wort, das Gottes rath enthält, Zur leucht uns haſt gegeben! Du bist der herr der christenheit, Die du in dieser gnadenzeit Dir aus den menschen sammleft. 2. Sie willst du als dein eigenthum Zur wahren weisheit leiten und durch dein evangelium Zur seligkeit bereiten. Du bist, Herr! groß von rath und that, Und, was dein mund versprochen hat, Wirst du gewiß erfüllen. 3. Du bist der deinen trost und heil. Soviel nur an dich glauben, Die haben an dir alle theil, Die wird kein feind dir rauben. Von dir fließt weisheit, trost und ruh Dem, der dir folgt, unfehlbar zu. Dein ist des guten fülle. 4. Mag doch die menge immerhin Auf deinen ruf nicht volk, das hier dein geist regieret, Dort triumphiret. dein wort be= stehen, Und erd und himmel werden eh vergehen, Eh eine macht das reich, das du errichtet, Jemals vernichtet. 2. Noch immer sammlest du dir auf der erden Menschen, die willig dir gehorsam werden und deinen frieden hier schon im gewissen Fröhlich genießen. 3. Reizt blendende versuchung sie zu sünden, Bist du ihr beistand und hilfst überwinden. Nichts wird sie jemals deiner hand entreißen; Du hasts verheißen. 4. Wohl allen denen, die dir, Jesu, trauen! Was sie dir glauben, wird ihr aug einst schauen: Dich und die freuden, womit du belohnest Da, wo du throneſt. 5. Dann schallen fröhlich von der deinen menge Dir, unserm haupte, ewge lobgesänge, Wenn einst dein Von der Stiftung und Erhaltung derselben. 237 blendet an verstand und sinn, Sich selbst nicht konnten rathen, Den stummen gözen immerhin Göttliche ehr anthaten, Die doch kein leben hatten. ten 2. Vom baum und holze ward ein theil Vom zimmermann verbrennet; Das übrige ward mittlerweil Ein bild und gott genennet. Der meister, der es erst gemacht, Mußt alsdann davor treten; Was seine hand hervorgebracht, Das mußt er nun anbeten, Sein eignes werk höchst ehren. 3. Des himmels heer von andern ward Zum gottesdienst erwählet; Viel ſterne sind zu solcher art Der götter mit gezählet. Auch sind gar viel verstorbne leut Hernach zu göttern worden, Die doch vérübt zu ihrer zeit Sünd, schande, rauben, morden: Die wurden angebetet. nicht hören, Und mancher im verkehrten sinn Sich wider dich empören: So fällt doch deine firche nie; Du hältst und du beschüßest sie Durch deines geiftes gaben. 5. Dein ist das reich, dein ist die kraft. Wer sollte dir nicht trauen, Und auf dein wort gewissenhaft Feft seine hoffnung bauen? Dein heil ist unser höchstes gut; Hilf, daß wir stets mit frohem muth Dich vor der welt bekennen. 6. Zwar kämpfen wir noch manchen streit Auch mit uns selbst auf erden; Doch werden zur vollkommenheit Auch wir erhoben werden. Dann endet sich der deinen müh; Dann krönest und belohnst du sie Ohn end mit preis und ehre. 7. Wir sehn dich dann in majestät, Und uns, gleich deinen engeln, zu nie empfundnem glück erhöht, Befreit von allen mängeln; Frohlokken dir und preisen dich, Daß deine macht und gnade sich So hoch an uns verherrlicht. dein wort gepreist, Und was 4. Drum set, Herr! für wir darin lesen, Daß du, o Vater, Sohn und Geist! Nur einig bist im wesen. Du bist der wahre Gott allein, Der einige erretter! Nicht gegen dich zu rechnen sein Der heiden falsche götDie können niemand ter: helfen. 5. Daß uns dein wille Vater! hier Mel. Christ unser herr zum jord. 316. Gott! dir sei ewig preis und ruhm, Der unsere vorfahren Gebracht aus jenem heidenthum, Darin sie alle waren Ver- würd bekannt, Von der christlichen Kirche. 238 hier auf erden, So hast du deinen sohn gesandt Und ihn mensch lassen werden: Da Gottes heil und gütigfeit Uns allen ist erschienen, Daß wir ihm züchtig jederzeit, Gerecht und heilig dienen, Auf sein' erscheinung warten. * 6. Herr Jesu! gieb uns gnad und stärk, Daß wir der blinden heiden Ungöttlich wesen, thun und werk Verleugnen stets und meiden. Erleucht auch, die im irrweg sein, Bring sie zu deinen heerden; Führ sie in deinen schafftall ein, Daß aller zung auf erden Dich, Jesum Christ, bekenne. 7. Wie du vor diesem, Herr! dein wort Durch heilge fromme leute Haft ausgebreit't an manchem ort, So thu es auch noch heute, Gieb treue hirten, die zu dir Fortan auch andre bringen: Mit reiner lehre für und für Durch alle herzen dringen, Und alle dir zuführen. 8. Hilf, daß fie fleißig allezeit Ermahnen, trösten, strafen; Im glauben, lieb, gottseligkeit Vorgehen ihren schafen. Laß uns ja alle thäter sein Des wortes, nicht nur hörer: Daß überall und allgemein Wir und all unsre lehrer Des glaubens end erhalten. Mel. Durch Adams fall ist. 317. Herr! dein seligmachend wort Ist lang verdunkelt blieben, Dieweil sie fast an jedem ort Nur menschensatzung trieDer glaubenskraft ben. ward nicht gedacht, Durch die man dir vertrauet, Und allen andern trost nicht acht't, Nur bloß auf Jesum schauet. 2. Die heilgen wurden immerdar Zur fürbitt' hergezählet, Verehrt und endlich auch sogar zu helfern auserwählet: Da du doch, Gott! der helfer bist Im himmel und auf erden, Der von uns nur durch Jesum Christ Will angerufen werden. 3. Die werke, die man da befahl, Hatt eigenwi erfunden; Der aberglaube war zumal Recht ernstlich eingebunden. Was aber du geboten hast, Das war nicht noth zu wissen; War man. nur sonst, die menschenlastzu tragen, recht beflissen. 4. Dies einzuführen, ist die list Vornehmlich die gewesen: Dein wort, das unsre richtschnur ist, Hat man nicht dürfen lesen. Das blinde volk war zu der zeit Also leicht zu betrügen; Sie wußten nicht den unterscheid Der wahrheit und der lügen. 5. Da wurde denn nach eignem finn Ein gottesdienst erdich Von der Stiftung und Erhaltung derselben. 239 erdichtet, Den man, aus lassen uns von diesem grund geiz, nur auf gewinn Und Durch macht und list nicht gleißnerei gerichtet. Des treiben. Es werde deine gühöchsten wort blieb unbe- tigkeit, Die du an uns erfannt, Man konnt es selten wiesen, Herr, unser Gott! hören. So mußte sich der zu aller zeit Erkannt und menschen tand Fast täglich hoch gepriesen! häufig mehren. 6. Und wenn man gleich das schwere joch Durch lange zeit getragen; So zweifelten die herzen noch, Und konnte niemand sagen, Ob er damit genug gethan, Den himmel zu erwerben, Und, trat die letzte noth heran, Mußt er im zweifel sterben. 7. Herr! dir sei dank und preis gebracht, Daß wir zur wahrheit kommen, Daß deines wortes licht die nacht Der blindheit weggenommen. Wir wissen, wer auf Christum traut, Erlanget heil und Leben; Indem er gläubig auf ihn schaut, Wird ihm die schuld vergeben. 8. Dann thut der mensch, nach deinem rath, Durch deines geistes stärke, Was ihm dein wort befohlen hat, Rechtschaffne gute werke: Daß er sich in bescheidenheit, Geduld, treu, demuth übet; Voll keuschheit, friede, freudigkeit Dich und den nächsten liebet. 9. Dies lehret uns, Herr! dein mund, Wobei wir standhaft bleiben; Wir 10. Herr! eile und befehre noch, Die in der irre gehen. Wach auf, und wehre denen doch, Die dir entgegen stehen! Laß nichts dein feligmachend wort Und seinen lauf verhindern; Erhalt-es lauter fort und fort Bei uns und unsern kindern! Mel. Erschienen ist der Herrl. 318. obfingt! denn Gottes huld und macht nacht Und jedes irrthums Vertrieb des aberglaubens finsterniß, Der uns sein heilges wort entriß. Lobfingt dem Herrn! 2. Lobsingt, lobsingt dem herrn! denn er Herrn! denn er hat uns befreit. Nun ist nicht mehr Der christ ein sclav, und kein tyrann Sein lehrer; das hat Gott gethan. Lobsingt dem herrn! 3. Er kam und stand der kirche bei: Da wurden die gewissen frei. Schon strahlt bei denen auch, die nicht So glücklich sind, wie wir, mehr licht. Lobsingt dem Herrn! 4. Be 240 Von der christlichen Kirche. 4. Bewahrt das wort des bald verloren. Es streit't herrn und seid Verträglich. für uns der rechte mann, Wahrheit, frömmigkeit Und Den Gott selbst hat erforen. tugend sei der kirche zier: Fragst du auch, wer der ist? So sieget fie, Gott ist mit Er heißet Jesus Christ, Der ihr; Gott ist ihr schuß! herre Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das feld muß er behalten. 5. Zagt nicht, daß seines wortes licht nicht gleich durch alle nebel bricht, Daß spötter seine wahrheit schmähn. Die lehre Jesu wird bestehn; Sie ist von Gott! 6. Seht Gottes sonn an; sie erhellt Nicht gleich auf einmal unsre welt. Wohl dem, der seines lichts genießt, Wenn er ein find des lichts auch ist! Das laßt uns sein! 7. Lobfingt, lobsingt dem Herrn und freut, Ihr christen, euch der ewigkeit! Da wird kein zwiespalt, da allein Ein hirt und eine heerde sein! Lobsingt dem herrn! Um Beschütung und Erweiterung der Kirche. 319. Gin' feste burg iſt unser Gott, Ein' gute wehr und waffen. Er hilft uns frei aus aller noth, Die uns anjetzt betroffen. Der alte böse feind Mit ernst ers jego meint; Groß macht und viel lift Sein grausam rüstung ist: Auf erd'n ist nicht seins gleichen. 2. Mit unsrer macht ist nichts gethan, Wir sind gar 3. Und wenn die welt voll teufel wär, Und wollt uns gar verschlingen; So fürch ten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der fürfte dieser welt, Wie sauer er sich stellt, Thut er's uns doch nicht: Das macht, er ist gericht't, Ein wörtlein kann ihn fällen. 4. Das wort sie sollen lassen stehn, Und kein'n dank dazu haben: Er ist bei uns, auf unser flehn, Mit seinem geist und gaben. Nehmen sie uns den leib, Gut, ehre, find und weib; Laß fahren dahin, Sie habens fein'n gewinn: Das reich muß uns doch bleiben. Mel. Ein' feste burg ist unser. 320. Wenn Christus seine kirche schüßt, So mag die hölle wüthen. Er, der zur rechten Gottes sißt, Hat macht ihr zu gebieten. Er ist mit hilfe nah; Wenn er gebeut, stehts da. Er schüßt zu seinem ruhm Mit macht das christenthum; Mag doch die hölle wüthen! 2. Gott Um Beschüßung und Erweiterung der Kirche. 241 deine christenheit, Daß sie dich lob in ewigkeit. 2. Gott sieht die fürsten auf dem thron Sich wider ihn empören: Denn den gefalbten, seinen sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des worts, Des heilands, unsers horts; Sein freuz ist selbst ihr spott. Doch ihrer lachet Gott: Sie mögen sich empören! 3. Der frevler mag die wahrheit schmähn; Uns kann er sie nicht rauben. Der unchrist mag ihr widerstehn; Wir halten fest am glauben. Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier sein jünger ist, Sein wort von herzen hält, Dem kann die ganze welt Die seligkeit nicht rauben. 4. Auf, chriften, die ihr ihm vertraut! Laßt euch kein drohn erschrecken! Der Gott, der von dem himmel schaut, Wird uns gewiß bedecken. Der herr, herr Zebaoth, Hält über sein gebot, Giebt uns geduld in noth Und kraft und muth im tod; Was will uns dann erschrecken? 321. Grhalt uns, Herr! bei deinem wort Und steure deiner feinde mord, Die Jesum Chriftum, deinen sohn, Vom throne frech zu stürzen drohn. 2. Zeig deine macht, Herr Jesu Christ! Der du herr aller herren bist. Beschirme N. A. 3. Gieb, heilger Geist! uns einen sinn, Nimm alle zwietracht von uns hin. Vor deines wortes licht und macht Entflieh des wahns und irrthums nacht. 4. Herr! laß uns dir befohlen sein. Schau unsre noth, wir sind ja dein. Erhalt im glauben uns getreu Und mach uns von den feinden frei. 5. Olehre fie erkennen doch, Du, Herr! seist Gott und lebest noch. Und stehst bei deiner kirche fest, Die sich allein auf dich verläßt. 322. Verleih uns frieden gnädiglich, Herr Gott! zu unsern zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, Der für uns könnte streiten, Denn du unser Gott alleine. 2. Gieb unserm könig und aller obrigkeit Fried und gut regiment, Daß wir unter ihnen Ein geruhigs und stilles leben führen mögen In aller gottseligkeit und ehrbarkeit. Amen! 323, Gs wolle Gott uns gnädig sein Und seinen segen geben. Sein antlig uns mit hellem schein Erleucht zum ewgen leben; Daß wir erkennen seine werk 16 Und 242 Von der Zukunft Und was ihm lieb auf erden, Und Jesu Christi heil und stärk Bekannt den heiden werden Und sie zu Gott bekehren. 2. So danken, Gott! und loben dich Die völker überalle, Und alle welt erfreue sich Und sing mit großem schalle: Daß du auf erden richter bist und läßt die sünd nicht walten. Dein wort die hut und weide ist, Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r. 324. Wie sicher lebt der mensch, der staub! Sein leben ist ein fallend laub, Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der tag des todes sei noch fern. 2. Der jüngling hofft des greifes ziel, Der mann noch seiner jahre viel, Der greis zu vielen noch ein jahr, Und feiner nimmt den irrthum wahr. nach diesem Leben. Die alles volt erhalten, In rechter bahn zu wallen. 20. Von der Zukunft nach diesem Leben. Vom Tode. ewigkeit, zu thun, was uns der herr gebeut, Und unsers lebens fleinster theil Ist eine frist zu unserm heil. 5. Der tod rückt seelen vors gericht; Da bringt Gott alles an das licht Und macht, was hier verborgen war, Den rath der herzen offenbar. 3. Sprich nicht: ich denk in glück und noth Im herzen oft an meinen tod. Der, den der tod nicht weiser macht, Hat nie mit ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur 3. Es danke, Gott! und lobe dich Das volk in guten thaten. Das land bring frucht und beffre sich; Dein wort laß wohl gerathen. Uns segne vater und der sohn; Uns segne Gott, der heilge geist, Dem alle welt die ehre thu, Vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von herzen: amen! 6. Drum, da dein tod dir täglich dräut, So sei doch wachsam und bereit. Prüf deinen glauben als ein christ, Ob er durch liebe thätig ist. 7. Ein seufzer in der letzten noth, Der bloße wunsch, durch Christi tod Vor Gottes thron gerecht zu sein, Dies macht dich nicht von sünden rein. 8. Ein herz, das Gottes stimme hört, Ihr folgt und fich Vom Tode. 243 sich vom bösen kehrt, Ein menschen gaben, Nichts wird gläubig herz von lieb erfüllt, Dies ist es, was in Christo gilt. dich im tod erfreun; Diese güter sind nicht dein. 9. Die heiligung erfordert müh; Doch Gottes beistand wirket sie. Drum ringe freudiger nach ihr: Denn Gott vollführt sein werk in dir. 10. Der zweck, zu welchem du hier lebst, Dein ziel, wonach du weise strebst, Und was dir ewig glück verschafft, Ist tugend in des glaubens kraft. 11. Ihr alle seine tage weihn, Heißt eingedenk des todes sein; Und wachsen in der heiligung, Ist wahre todserinnerung. 12. Gieb mir, o Gott! dies weise herz, Das täglich zu dir himmelwärts, Weit über erd und welt sich hebt Und nach dem ewgen ernstlich tlich strebt. Mel. Jesus, meine zuversicht. 325. Meine lebenszeit verstreicht, Stündlich eil ich zu dem grabe, Und was ists, das ich vielleicht hier annoch zu leben habe? Denke, mensch, an deinen tod. Säume nicht, denn eins ist noth. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir 3. Nur ein herz, das Jefum liebt, Nur ein ruhiges gewissen, Daß vor Gott dir zeugniß giebt, Wird dir deinen tod versüßen; Dieses herz, von Gott erneut, Giebt zum tode freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten noth Freunde hilflos um dich stehen, Dann wird über welt und tod Dich dies reine herz erhöhen; Dann erschreckt dich kein gericht: Gott ist deine zuversicht. 5. Daß du dieses herz erwirbst, Fürchte Gott und bet und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine zeit ist Gottes sache. Lern nicht nur den tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch vertraun, Sprich: ich weiß, an wen ich gläube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem leibe. Er, der rief: es ist vollbracht! Nahm dem tode seine macht. 7. Tritt im geist zum grab oft hin, Siehe dein gebein versenken; Sprich: Herr! daß ich erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre das mich jeden tag, Daß ich weiser werden mag. 16* Mel 244 Von der Zukunft Mel. Wer nur den lieben. A. M. 326. Wer weiß, wie nahe mir mein ende! Die zeit geht hin, es kommt der tod. Ach, wie geschwind, ach, wie behende Kann kommen meine todesnoth! Mein Gott! ich bitt durch Christi blut, Machs nur mit meinem ende gut. 2. Es kann vor nacht leicht anders werden, Als es am frühen morgen war. So lang ich leb auf dieser erden, Leb ich in steter todsgefahr. Mein Gott! ich bitt durch zc. 3. Herr! lehr mich stets ans ende denken, Und laß mich, eh ich sterben muß, Die feel in Jesu wunden senken, Und ja nicht sparen meine buß. Mein Gott! ich bitt durch 2c. 4. Laß mich beizeit mein haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sagen könn in allen fällen: Herr! wie du willst, so schicks mit mir. Mein Gott! ich bitt durch zc. 5. Vermehr in mir die lust am himmel, Verbittre mir die eitle welt, Gieb, daß mir in dem weltgetümmel Die ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott! ich bitt durch 2c. 6. Ach, Vater! deck all meine fünde Mit dem verdienste Christi zu, Darin ich die versöhnung finde; Das nach diesem Leben. giebt mir recht erwünschte ruh. Mein Gott! ich bitt durch zc. 7. Ich weiß, in Jesu blut und wunden Treff ich die beste ruhe an; Da find ich trost in todesstunden Und alles, was erquicken kann. Mein Gott! ich bitt durch zc. 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei leben oder tod; Ich sehe seine händ und seite Und sage: mein Herr und mein Gott! Mein Gott! ich bitt durch. 9. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen tauf: Du bleibst mir auch daher gewogen, Nimmst mich zum kind und erben auf. Mein Gott! ich bitt durch 2c. 10. Ich habe Christi leib gegessen, Sein blut hab ich getrunken hier: Nun kann er meiner nicht vergessen; Ichy bleib in ihm und er in mir. Mein Gott! ich bitt durch ze. 11. So fomm mein end heut oder morgen, Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Er ists, der mich in allen sorgen, Er ists, der mich im tod erquickt. Mein Gott! ich bitt durch 2c. 12. Ich leb indeß in dir vergnüget, Und sterbe ohn bekümmerniß; Mir gnüget, wie dein will es füget. Ich glaube und bin ganz gewiß: Durch Vom Durch deine gnad und Christi blut Machst dus mit meinem ende gut. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 327. Du Herr und Va= ter meiner tage! Du weißt, daß ich, dein schwaches kind, Des todes keim in gliedern trage, Die irdisch und zerbrechlich sind; Drum gieb, daß ich zu jeder zeit Zu meinem tode sei bereit. Tode. 245 rechtigkeit, Um einst des himmels glück zu erben, Dazu laß meine sterblichkeit Mir immerdar vor augen sein. So wird mich selbst der tod erfreun. 6. Willst du mich länger` leben lassen, So laß es mir zum heil geschehn! Doch soll ich heute noch erblassen, So höre, Vater, auf mein flehn! Sei, wenn mein herz im tode bricht, Mein trost und meine zuversicht. 4. Nicht auf der erde, nein nur droben Bei dir, Gott! meiner seele theil, Ist mir das beste aufgehoben; Dort ist für mich vollkommnes heil, Da, wo mein schaß ist, sei mein herz! Herr, lenke selbst es himmelwärts. 5. Hier allen sünden abzusterben, Zum leben der ge1 2. Daß du hier meinem ersten leben Ein mir verborgnes ziel bestimmt, Und daß die zeit, die mir gegeben, Vielleicht gar bald ein ende nimmt; Das flöße mir die weisheit ein, Stets auf mein heil bedacht zu sein. 3. Hier hab ich lebenslang zu lernen, Mein herz von Mel. Herr Jesu Christ, du. fünden abzuziehn, Mich von 328. Herr Jeſu Chrift, ich weiß gar der weltlust zu entfernen Und um den himmel zu bemühn; O mache mich dazu geschickt, Eh mich der tod der welt entrücft. wohl, Ich weiß, ich werde sterben; Nur nicht die zeit, nicht wo ich soll, nicht wo ich soll, Nicht wie ich werde sterben. Mein ende steht allein bei dir; Die stunde, Herr! verbirgst du mir, Wann ich die welt verlasse. 2. Ich weiß, und dir ists auch bewußt, Es ist ja deine gabe: Daß ich hier meine höchste lust An dir, o Jesu! habe. habe. Ich weiß, daß meine fündenlast Du auch auf dich ge= 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, Dir, dessen eigenthum ich bin. Bist du, mein heiland, nur mein leben, So bleibt selbst sterben mein gewinn. mein gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; Sei nur mein trost, so gnüget mir. 246 Von der Zukunft nach diesem Leben. genommen hast, Damit ich selig würde. 3. Erhalt in mir, o Jesu Christ! Dies felige vertrauen, Daß du auch mein erlöser bist Und ich dich werde schauen. Bewahre meine feel, D Gott! In deiner gnade, bis der tod Mich hin zum himmel führet! 4. Dann geb ich meine seele dir In deine vaterhände. Nur bitt ich dich, verleihe mir, Herr! ein vernünftges ende, Im todeskampf erleichterung, Trost, freudigkeit, beruhigung Und gegenwart des geistes. 5. Flieht aber die stand-, haftigkeit Vor gar zu großen schmerzen; Weicht endlich ruh und heiterkeit Aus meinem bangen herzen; So rechne mir alsdann nicht zu, Wenn ich was rede oder thu Aus irrthum oder schwachheit. 6. Nimm, Vater! meine seufzer an; Laß, wann mein herz nicht beten, Wann mein verstand nicht denken kann, Mich deinen fohn vertreten! Geh ich zu deinem himmel ein, Will ich mich meines endes freun, Ich sterb auch, wie ich wolle. 7. Dann bin ich immer wohl verwahrt. Schnell oder langsam sterben Ist eins; bei jeder todesart Kann ich den himmel erben. Nur hilf mir, daß ich allezeit Zur rechenschaft vor dir bereit, Recht christlich sterben könne. 8. Damit ich so bereitet sei, Laß mich hier auf dererden Je mehr und mehr von fünden frei Und dir gehorsam werden. Denn, wird mein herz geheiligt sein, So bin ich, heilger Gott! auch dein Im leben und im tode. 9. Ich will mich mit gelaßnem sinn In deinen rath ergeben; Wird mir der tod doch ein gewinn: Denn Jesus ist mein leben. Er wird gewiß, zu seiner zeit, Auch meinen leib zur herrlichkeit, Zum himmel auferwecken. Mel. Wer nur den lieben. A. M.. 329. Jetzt leb ich; ok ich morgen lebe, Ob diesen abend, weiß ich nicht. Wohl mir, wenn ich mich Gott ergebe! Dann kenn und thu ich meine pflicht; Dann bin ich, durch des geistes kraft, Bereit zu meiner rechenschaft. 2. Am morgen blüht und glänzt die blume, Und fällt oft schon am abend ab. So sinkt mit seinem glück und ruhme Der mensch, oft eh ers denkt, ins grab. Unddoch mißbrauchst du, mensch, so leicht Ein leben, das so schnell entfleucht! 3. Denk in zerstreuung und Vom Tode. und getümmel: Hier ist der kampf, dort ist die ruh! Und sehne dich nach Gottes himmel; Gil einer bessern wohnung zu. Wie bald verfließt der prüfung zeit! Wie bald fommt dir die ewigkeit! 4. Verschiebe niemals deine pflichten. Was du zu thun jetzt schuldig bist, Das eile heute zu verrichten; Wer weiß, obs morgen möglich ist? Nur dieser augenblick ist dein, Der nächste möcht es nicht mehr sein. 5. Es sei, o Vater meines lebens! Die warnung: wachet, seid bereit! An meiner seele nicht vergebens, Verloren nicht der gnade zeit. Dann führt mich selbst ein schneller tod Zu deiner seligfeit, o Gott! 330. Herr Jesu Chrift, err Jesu Christ, wahr'r mensch und Gott! Der du erlittest angst und' spott, Für mich am freuz auch endlich starbst, Und mir deins vaters huld erwarbst; 2. Ich bitt durch deine todespein, Du wollst mir sünder gnädig sein. Wenn ich nun komm in sterbensnoth Und ringen werde mit dem tod; 247 zunge nicht mehr spricht, Und mir vor angst mein herze bricht; 4. Wenn mein verstand sich nicht besinnt Und menschenhilfe mir zerrinnt: So stehe du, nach deiner treu, In meiner letzten noth mir bei, 5. Und führ mich aus dem jammerthal, Verkürze mir des todes qual, Laß deinen geist stets in mir sein Und seinen trost mein herz erfreun. 6. Wenn sich die feel vom leibe trennt, Da nimm sie, Herr, in deine händ. Der leib ruh in der stillen gruft, Bis ihn einst deine stimme ruft. 7. Dann laß ihn fröhlich auferstehn Und mich dein gnädges antlig sehn, Wo du der schuld nicht mehr gedenkst, Aus gnaden mir das leben schenkst. 8. Wie du haft zugefaget mir In deinem wort, das trau ich dir: Fürwahr! fürwahr! euch sage ich, Wer mein wort hält und glaubt an mich, 3. Wenn mir vergehet mein gesicht Und meine ohren hören nicht; Wenn meine 9. Der wird nicht kommen ins gericht, und den tod ewig schmecken nicht; Und ob er gleich hier zeitlich stirbt, Mit nichten er drum gar verdirbt. 10. Vielmehr will ich mit starker hand Ihn reißen aus des 248 Von der Zukunft des todes band Und zu mir nehmen in mein reich; Da soll er dann mit mir zugleich 11. In freuden leben ewiglich; Dazu hilf uns ja gnädiglich! Ach, Herr! vergieb all unsre schuld, Hilf, daß wir warten mit geduld, 12. Bis unser ende kommt herbei, Gieb, daß der glaube wachsam sei, Auf dein wort festiglich zu traun, Bis wir verklärt dein antlig schaun. Mel. Alle menschen müssen sterben. 331. Noch bin ich ein gast der erde! Gott mehrt meiner tage zahl. Daß ich reif zum himmel werde, Prüft er mich, läßt mir die wahl, Böses oder guts zu wählen. Doch werd ich viel jahre zählen? Oder ruft ein naher tod Mich zu banger sterbensnoth? 2. Herr! du weißts! du haft die tage meines lebenslaufs gezählt; Ihre freuden, ihre plage Sah dein auge, das nie fehlt, Früher noch, als du auf erden Ließest mich geboren werden; Da schon schriebst du meinen tod Auf dein buch, allweiser Gott! 3. Einst, wenn es dein wille fodert, Wird mein äußrer mensch zu staub, Und das feur, das in mir lodert, Wird des falten todes raub. So wie frühlingsblumen welken, nach diesem Leben. Wird mein leben auch verwelken! Kraft und odem nehmen ab Und den leichnam nimmt das grab. 4. Nimm ihn hin zu deinem staube, Grab, verwandle ihn in erd! Dennoch triumphirt mein glaube: Denn mein leib wird einst verklärt. Des verwesten körpers trümmer Bleiben wahrlich nicht auf immer Der vermodrung schnöder raub: Neu beseelt wird einst mein staub. 5. Durch dein allmachtswort: es werde! Rufst du, Herr! in mein gebein Neues leben; nicht mehr erde Werd ich, dein verklärter, sein. Zu den himmlischen geschäften Schmückst du mich mit neuen fräften Und von schmerz und sterblichkeit Werd ich ewig dann befreit. 6. Hör, o feele, einst mit freuden Jenen ruf: das grab ist da! Denn das ende deiner leiden Ist mit ihm zugleich dir nah. Der, der deinen tod bezwungen, Hat das leben dir errungen; Durch den weg der sterblichkeit Führt er dich zur ewigkeit. 7. Stärke mich auf diese stunde, Jesu! der du für mich starbst, Und an Gottes gnadenbunde Ewgen antheil mir erwarbst. Laß mich tod und grab nicht scheuen, Laß vielmehr mich darauf freuen; Denn Vom Tode. Denn nach treuvollbrachtem lauf Nimmst du mich zum himmel auf. Mel. ewigkeit, du donnerwort. 332. 3 bin, o Herr! in deiner macht; Du hast mich an das licht gebracht Und du erhältst mein leben. Du kennest meiner tage ziel, Du weißt, wie wenig oder viel Zum antheil mir gegeben. Wo, wie und wann ich sterben soll, Alwissender! das weißt du wohl. 2. Wen hab ich nun, als dich allein, Der mich in meiner- letzten pein Mit hoffnung fann beleben? Wer blickt voll huld mich schwachen an, Wenn mir kein mensch mehr helfen kann, Noch trost und lindrung geben? Wer schafft der trüben seele licht? Thust du es, o mein heiland, nicht? 249 alle stehen. In seiner hand ist heil und fluch, Unwiderruflich ist sein spruch, Ihn hintertreibt fein flehn. Nur seiner frommen loos ist heil; Verdammniß bleibt der fünder theil. 3. Mich dünkt, schon lieg ich kraftlos da, Dem letzten augenblicke nah, Von todesangst befallen. Der finnen kräfte lassen nach, Gehör und augen werden schwach, Kaum kann die zunge lallen; Doch des gewissens stimme spricht Noch laut genug: Gott hält gericht. 4. Schon hör ich der posaunen ton, Ich sehe meinen richter schon, Und vor ihm 5. Nicht stand und macht erretten dann; Umsonst beut fich ein bruder an, Den andern zu erlösen. Nach dem, was jeder hier gethan, Wird jeder dort den lohn empfahn; Nichts schüßet dann den bösen. Verschwendern ihrer gnadenzeit Folgt unglück in der ewigkeit. 6. Drum fleh ich, Herr, mein heil! zu dir, Erleuchte mich, damit ich hier In fteter buße lebe. Erhalte mich im guten treu, Daß ich, vom joch der sünde frei, Mich gänzlich dir ergebe. So geh ich voller zuversicht Hier in den tod, dort vor gericht. 7. O menschenfreund! dein theures blut Floß auch für mich: dies giebt mir muth, Da ich dir angehöre. Doch fällt in meiner todespein Mir noch ein banger zweifel ein, So rette deine ehre Und nimm dich meiner Huldreich an. Du bists, der schwache stärken kann. 8. Ja, ja, du meines lebens heil! Ich nehm an deiner wonne theil: Denn ich Von der Zukunft nach diesem Leben. 250 ich bin ganz dein eigen. Nun sieg ich über angst und noth; Nun mögen sich mir höll und tod Mit ihren schrecken zeigen. So lang ich lebte, war ich dein; Dein werd ich auch im tode ſein. Mel. Ich hab mein' sach. 333. Gott hab ich alles heimgestellt; Er machs mit mir, wies ihm gefällt. Verlängert er der prüfung zeit: Ich bin bereit Zu allem, was der herr gebeut. 2. Die stunde wähl er, wie er will; Ich set ihm weder maßß noch ziel. Er, der auch meine Haare zählt, Hat schon gewählt, Auch meine tage schon gezählt. 3. Er schmückt zwar auch mein irdisch haus Mit seinem reichen segen aus; Doch, was ist diese lebenszeit? Mühseligkeit! Ein kampf, ein sorgenvoller streit. 4. Hier finden wir kein dauernd glück; Wir blühn nur einen augenblick; Wir fallen, gleich den blumen, ab; Dann nimmt das grab Den leib, den uns der schöpfer gab. 5. Jetzt find wir noch gesund und stark: Doch bald umschließet uns ein farg. Wie groß, wie angesehn du bist; Ach, bald vergißt Die welt, was du gewesen bist. 6. Es mache denn der tod ,o Herr, Mich jeden tag bedächtiger! Hält doch um keinen augenblick Ihn jugend, glück, Stand, reichthum oder macht zurück. 7. Das ist der fünde schuld, o Gott! Denn sie allein gebar den tod. Von seiner macht ist niemand frei, Wie groß er sei: Denn wer ist, Gott, von sünden frei? 8. Und ach, wie wechseln lust und leid In meiner furzen pilgerzeit! Drum geh ich mit gelaßnem sinn Zum grabe hin; Das sterben ist mir eine gewinn. 9. Und ob mich meine sünd anklagt, So bleib ich den noch unverzagt. Es litt dein eignet sohn, o Gott! Für mich den tod, Litt alles, was dein fluch mir droht. 10. Er stand auch auf; das tröstet mich: Denn auferstehen werd auch ich. Ich glaube, was er mir verspricht, Voll zuversicht; Er läßt mich auch im grabe nicht. 11. Was er mir auflegt, trag ich gern; Ich leb und Mein sterbe meinem Herrn. leib wird leben, Gott! und dann Bet ich dich an, Wo mich kein tod mehr tödten fann. 12. Ich schaue dann dein ange= Bei Begräbnissen. angesicht; Das glaub ich fest und zweifle nicht. Ich lebe dann in ewigkeit, Durch dich befreit, In deiner wonn und herrlichkeit. 13. Nimm, Gottes Sohn, mein heil! mich an, Wann feine welt mich trösten kann; Schließ du in deine huld mich ein Und laß mich dein Im leben und im tode sein! 14. Amen! erhöre mich, mein Gott! Gieb allen einen selgen tod! Ja, mach uns selbst dazu bereit Und nach der zeit Führ uns in deine herrlichkeit! 251 Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor gericht und höllennoth! Erbarm dich unser! 3. Mitten in die größte angst Uns die fünden treiben. Wo entfliehen wir dann hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ! alleine: Vergoffen ist dein theures blut, Das gnug für die sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten glaubens trost! Erbarm dich unser! 334. Mitten in dem leben sind Wir vom tod umfangen: Wer ist, der uns hilfe schafft, Daß wir gnad erlangen? Das bist du, Herr! alleine. Uns reuet unsre missethat, Die dich, Herr! erzürnet Bei Begräbnissen. ' Mel. Nun laßt uns den leib. hat. Heiliger Herre Gott! 335, Begrabt den leib in seine gruft, Heiliger starker Gott! HeiBis ihn des richters stimme ruft. Er kommt lebendig einst hervor und steigt verklärt zu Gott empor. liger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern todes noth! Erbarm dich unser! 2. Mitten in dem tod anficht Uns der hölle schrecken; Wer will uns in solcher noth Trösten und bedecken? Das thust du, Herr! alleine; Es jammert dein barmherzigkeit Unsre sünd und großes leid. 1. Grabt mein verwesliches gebein, ihr noch sterbliche, nur ein! Es bleibt, es bleibt im grabe nicht: Denn Jesus kommt und hält gericht. 2. Aus erde schuf ihn doch der herr. Er war schon staub, und wird's nur mehr; Doch nicht auf ewig, er erwacht 252 Von der Zukunft nach wacht Einst herrlich aus des grabes nacht. 2. Es wird mein aufgelöst gebein 3war die verwesung weit zerstreun; Allein gezählt ist, wie mein haar, Mein staub; Gott weckt ihn wunderbar. 3. Des frommen seele lebt bei Gott, Der sie aus aller ihrer noth, Aus aller ihrer missethat Durch seinen schn erlöset hat. 3. Gott ist barmherzig und verstößt Im tode nicht, die er erlöst; Die nicht, für deren missethat Sein mittler sich ge= opfert hat. 4. Hier wandelt er im finstern thal, Erduldete viel schmerz und qual, Trug Jesu Christi sanftes joch, Entschlief im tod, und lebet noch. 4. Bei euch hat trübfal mich gedrückt; hat mich ruh' erquickt. Im finstern thale wandelt ich, Doch führte Gottes rechte mich. 5. Er lebet noch, der seele nach; Und kommt dereinst der große tag, Wird auch der körper auferstehn Und zu der ewgen freud eingehn. 5. Wie selig macht, der seele nach, Den gläubigen der todestag! Nicht für das größte erden glück Wünsch ich mich jetzt zu euch zurück. diesem Leben. 6. Ich duldete bis in mein grab; Nun wischt Gott meine thränen ab. Was sind die leiden jener zeit, Gott, gegen deine herrlichkeit. 6. Hat ihn gleich manche noth gedrückt, So wird er nun bei Gott erquickt. Was find die leiden dieser zeit Doch egen jene herrlichkeit! 7. Wir werden uns dort wiedersehn; Gott weiß, wie bald es wird geschehn. Der mache täglich uns bereit Auf tod und grab und ewigkeit. 7. Bald oder spät wird es geschehn, Daß wir einander wiederfehn. Doch lebet erst, wie ich, dem Herrn; Dann sterbet ihr getrost und gern. 8. Herr Jesu! dein verföhnungstod Stärk uns in unsrer legten noth. Wir find in unserm leben dein Und werdens auch im tode sein. Mel. Jesus, meine zuversicht. 336. Selig, Gott! sind die, die nun Schon in ihrem fühlen grabe Von des lebens arbeit ruhn Und sich deiner größten gabe, Eines ewgen lebens, freun. Möchten wir es auch schon sein! 2. Doch du willsts; wir leben noch Mühsam hier in pilgerhütten. Alle trugen einst dies joch, Die des lebens fron erstritten. Endlich aber führt der tod Uns auch hin zu dir, o Gott! 3. Jesus selber lebte hier Vormals auch in pilgerhütten. Noch unendlich mehr, als wir, Hat er auf der welt er= Bei Begräbnissen. erlitten. Laß uns gläubig auf ihn sehn, Und durch ihn im kampf beſtehn. 4. Was ist diese lebenszeit? Ach, nur eine furze stunde Gegen jene ewigkeit! Gleichwohl fommt auf diese stunde, Die Gott noch verfürzen kann, Unser ewges schicksal an. 5. Gieb uns weisheit, Herr! und kraft, Diese stunde wohl zu nüßen, Und beim schluß der pilgerschaft Wollest du uns unterstützen, Daß wir freudig auf dich sehn Und getroft zum tode gehn. 6. Daß wir dein sind, nicht der welt, Daß du uns wirst auferwecken, Diesen trost der bessern welt Laß uns, wenn wir sterben, schmecken. Flöß uns muth und ruhe ein, Selbst im tode froh zu sein. 7. Wenn wir, um einst auch zu ruhn, Zu den todten Gottes gehn; Wollst du mehr noch an uns thun, Als wir bitten und verstehn, Der du in der todesnacht Für uns riefft: es ist vollbracht! Beim Tode und Begräbnisse eines Kindes. Mel. Wer nur den lieben. A. M. mein lauf eilt früh Und auch mein 337. Gottlob! Gottlob! zum ende, 253 leid und ungemach; Durch seine liebevollen hände Zieht mich mein seelenfreund ihm nach. Hier ist mir heil von ihm geschehn, Dort werd ich ihn, den heiland, sehn. 2. Ihr lieben, hemmet schmerz und grämen; Seid, wie es christen ziemt, betrübt! Gott kann das seine wieder nehmen, Wann, wo und wie es ihm beliebt. Ich war ja nur von Gottes hand Ein euch geliehnes liebespfand. 3. Daß ich die welt und euch verlasse, Geschiehet nicht von ohngefähr; Und daß ich schon so früh erblasse, Kommt von des schöpfers weisheit her. Gott ists, der unser ziel bestimmt Und alt und junge zu sich nimmt. 4. Der Gott, der unsre tage zählet, Hat diesen tag von ewigkeit Zu meinem sterbetag erwählet; Ich sterbe zu der rechten zeit. Denn, wenn Gott spricht: es ist genung! Stirbt auch der jüngste nicht zu jung. 5. Gott, der sich selbst die liebe nennet, Thut alles liebreich, was er thut; Auch dann, wenn er die herzen trennet, Meint es sein, vaterherze gut. Was Gott thut, das ist wohlgethan! O wohl dem, der es glauben kann! 6. Die schrift bezeugts, daß 254 Von der Zukunft nach diesem Leben. daß jedem kinde Die bosheit schon im herzen steckt: Drum ruft mich Gott, daß nicht die fünde Mein sündlichs Herz noch mehr befleckt; Ja, durch der fünden sold, den tod, Befreit er mich von sünd und noth. 7. Was sind der menschen lebenstage? Ein schatten, nebel, rauch und damps. Was sind sie? voll von angst und plage; Noth folgt auf noth, kampf folgt auf kampf. Man klagt, man weint, man Von der Auferstehung. ſorgt, man wacht, Bis daß 338. Jeſus, meine zuver8. Die taufe schenkte mir den glauben, Und durch den glauben alles heil. Wer will mir nun die krone rauben? Der himmel ist mein loos und theil. Ich schlief im wahren glauben ein; Wer gläubig stirbt, wird selig fein. Nun 9. Nun bin ich frei von allen leiden, Und vor der welt in sicherheit; schmeck ich ungestörte freuden, Im himmel ist kein leid und streit; Nun bin ich schön, geehrt und reich, selbst den engeln Gottes gleich. a 10. Ihr meinen! lebt und bleibt im segen! Kein schweres unglück rühr euch an; Geht freudig auf der tugend wegen; Liebt Gott, sein wort, liebt jedermann; Flieht welt, flieht sünd und heuchelei; Bleibt Jesu bis ihr sterbt getreu! 11. Betrachtet, freunde! statt der leiche, Die euer herz in trauer setzt, Den geist, der sich im freudenreiche An vater, sohn und geist ergett! Glaubt christlich, daß ich selig bin; So werden schmerz und zähren fliehn. heiland, ist im leben! Dieses weiß ich; sollte nicht Sich mein herz zufrieden geben, Was die lange todesnacht mir auch für gedanken macht? 2. Jesus, mein erlöser, lebt! Ich werd auch das leben schauen, Sein, wo mein erlöser lebt; Warum sollte mir denn grauen? Läßt auch. dieses haupt ein glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der hoffnung band Zu genau mit ihm verbunden; Seine starke allmachtshand Hält mich in den todesstunden, Daß mich nicht die dunkle bahn Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin fleisch und muß daher Auch einmal zu asche Das gesteh ich; werden. doch wird er Mich erwecken aus Bon der Auferstehung. aus der erden, Daß ich in der herrlichkeit Um ihn sein mög allezeit. 5. Dann wird eben diese haut Mich umgeben, wie ich gläube; Gott wird werden angeschaut Dann von mir in diesem leibe, Und in diesem fleisch werd ich Jesum schauen ewiglich. 6. Dieser meiner augen licht Wird ihn, meinen heiland, kennen; Ich, ich selbst, ein fremder nicht, Werd in seiner liebe brennen; Nur die schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. 7. Was hier fränkelt, feufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen; Zur verwesung sink ich ein: Dann werd ich unsterblich sein. 8. Seid getroft und hoch erfreut, Jesus trägt euch, meine glieder! Gebt nicht statt der traurigkeit! Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wann der letzte schall erklingt, Der auch durch die gräber dringt. 9. Scheut denn, christen, nicht die gruft, Scheuet nicht die macht der höllen! Wenn einst Jesus Christus ruft, Wird er sich euch zugesellen; Dann liegt schwachheit und verdruß Ewig unter eurem fuß. 255 10. Nur daß ihr den geist erhebt Von den lüsten dieser erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr dort sollt ähnlich werden; Schickt das herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Mel. Was Gott thut, das ist. 339. 3 freu mich auf die frohe zeit, Da ich soll auferstehen und Gott in schönster herrlichkeit Und meinen heiland sehen; Da ich soll sein In der gemein Der auserwählten frommen Und zu den vätern kommen. 2. Ach! käme bald der tag heran, Die stunde der erlösung, Der tag, an dem ich hoffen kann Die freiheit und genesung; Da, engeln gleich, Im himmelreich Sch werd ein leben haben Voll ewger gottesgaben. 3. Ich weiß durch dich, Herr Jesu Christ! An den ich herzlich gläube, Der du die auferstehung bist, Daß ich im tod nicht bleibe, Und daß dein tag Mir nicht sein mag Ein tag der schmach und schmerzen, Wie den verruchten herzen. 4. Ich hoffe dann, den gnadenlohn Durch dich selbst zu erlangen, Und vor des allerhöchsten thron Die krone zu empfangen. Mach auf die zeit, 256 Von der Zukunft nach diesem Leben. zeit, Herr! mich bereit, Daß sie mich mög erquicken Und ewiglich beglücken. Mel. Allein Gott in der höh. 340. Mein heiland lebt; er hat die macht Des todes ganz bezwungen, Und siegreich aus des grabes nacht zu Gott sich auf geschwungen. Er ist mein haupt; ſein sieg ist mein. Sein soll mein ganzes Leben ſein, Und ihm will ich auch seligkeit umgeben, Dich schaun 5. O welch ein selges theil ist mir In jener welt bereitet! Der freuden fülle ist. bei dir. Von dir, o Herr! geleitet, Werd ich in deinem himmelreich, Unsterblich, deinen engeln gleich, Vollkommne lust genießen. 6. Denn, wo du bist, da sollen die, Die dir hier folgen, leben, Und, ewig frei von schmerz und müh, Von sterben. in deiner herrlichkeit. D, was find leiden dieser zeit, Herr! gegen jene freuden? 7. Laß die zukünftge herr lichkeit Mir stets vor augen schweben, und oft sich in der Prüfungszeit Mein herz dahin erheben, Wo keine schwachheit uns mehr drückt, Wo wir, der sterblichkeit entrückt, Frohlockend vor dir wandeln. 8. Erwecke mich dadurch zum fleiß, Der tugend nachzustreben, Voll glaubensfrüchte dir zum preis, Nach deinem wort zu leben. Und fühl ich hier noch noth und schmerz, So tröste du damit mein herz: Es kommt ein beßres leben. 2. Nicht ewig wird, wer dein wort hält, Den tod, o Jesu, schauen. Das ists, was mich zufrieden stellt, Selbst bei der gräber grauen. Ich bin getroft und unverzagt, Weil du den deinen zugesagt: Ich leb und ihr follt leben. 3. Wird gleich mein leib des todes raub; Er wird doch wieder leben, und einst aus der verwesung staub Voll klarheit sich erheben, Wenn du, o großer lebensfürst! Nun deine todten rufen wirst, Zum leben aufzuwachen. feele ganz verklärt, Leb ich bei dir dann ewig. 4. Wie froh und herrlich werd ich dann Vor dir, mein heiland, stehen! Dann nimmſt du mich mit ehren an, Läßt in dein reich mich gehen. Forthin von feiner last beschwert, An leib und 341. Wachet auf! ruft einst die ſtimme, Des sohnes Gottes allmachtsstimme: Berlaßt, ihr todten! Von der Auferstehung. todten, eure gruft! Wachet auf, erlöste sünder! Versammlet euch, ihr Gottes finder! Der welten herr ists, der euch ruft. Des todes stille nacht Ist nun vorbei; erwacht! Halleluja! Macht euch bereit Zur ewigfeit! Sein tag, sein großer tag ist da! 2. Erd und meer und hölle beben, Die frommen stehen auf zum leben, 3um neuen leben stehn sie auf. Ihr versöhner kommt voll klarheit, Vor ihm ist gnade, treu und wahrheit; Des glaubens lohn krönt ihren lauf. Licht ist um deinen thron Und leben, Gottessohn! Hosianna! Erlöser! dir, Dir folgen wir Zu deines vaters herrlichkeit. 3. Ewges lob sei dir gesungen! Wir sind zum leben durchgedrungen! Am ziel sind wir beim großen lohn! Christus strömt der freuden fülle Auf uns; wir schaun ihn ohne hülle, Ihn, unsern freund und Gottes sohn! Kein auge sahe fie, Dem ohr erscholl sie nie, Diese wonne! In ewigkeit Sei dir geweiht, Herr! unser dank und lob und preis! Mel. Jejus Christus, unser heil. 342. Auferstehn, ja auferstehn wirst du, M. A. 257 Mein staub, nach kurzer ruh; Unsterblichs leben Wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! 2. Wieder aufzublühn, werd ich gesät. Der herr der ernte geht Und sammelt garben Uns ein, uns ein, die starben. Halleluja! 3. Tag des danks! der freudenthränen tag! Du meines Gottes tag! Wenn ich im grabe Genug geschlummert habe, Erweckst du mich. 4. Wie den träumenden wirds dann uns sein. Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen freuden. Der müden pilger leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach! ins allerheiligste führt mich Mein mittler dann, wenn ich Im heiligthume Hier lebe ihm zum ruhme! Halleluja! Mel. Sollt ich meinem Gott. 343. Meinen leib wird man begraben, Aber doch auf ewig nicht; Neues leben wird er haben, Wenn das letzte weltgericht Alle gräber wird aufdecken Und der engel feldgeschrei Zeigen, was vorhanden ſei: Dann wird ihn mein Gott erwecken Zu der frohen ewigfeit. Sei, o feele, hocherfreut! 2. Dann so werden meine glieder, Die jetzt staub und asche 17 258 Von der Zukunft nach diesem Leben. asche sind, Unverweslich leben wieder, Und ein jegliches gewinnt Solchen glanz, als hier auf erden Nimmermehr zu finden ist. Ja, mein leib, Herr Jesu Christ! Wird dem deinen ähnlich werden, Voller pracht und herrlichkeit. Dank sei dir in ewigkeit! Bom zukünftigen Weltgerichte. Mel. Es ist gewißlich an der. 344. Schon ist der tag von Gott be= stimmt, Da, wer auf erden wandelt. Sein loos aus Gottes händen nimmt, Nachdem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des menschen sohn! Er kommt, und wolken sind sein thron, Den erdenkreis zu richten. 2. Hier an dem rand der ewigkeit, Hier stehn die millionen, Die, seit dem ersten tag der zeit, Auf dieser erde wohnen, nur dem allwissenden bekannt, Unzählbar, wie am meer der sand; stehn sie vor dem richter. Hier 3. Der richter spricht, der himmel schweigt Und alle völker hören Erwartungsvoll und tief gebeugt: Kommt, erbt das reich der ehren! widerspenstig war, heißt er nun von sich weichen. 4. D Herr, mit welcher majestät Wirst du das urtheil fällen! Die fünder, die dich.hier verschmäht, Gehn dann gewiß zur höllen. Da trifft sie schande, schmerz und pein. Wer wird dann noch ihr retter sein? Ihr warten ist verloren. 5. Sieh, die gerechten leuchten dann, Wie sonnen an dem himmel. Du selbst nimmst sie zu ehren an. D welch ein froh getümmel! Nun sehn sie mit erstauntem blick, Daß glaub und liebe zu dem glück Der auserwählten führen. 6. Nun erben sie des vaters reich, Vom anbeginn bereitet, Und schaun, auf ewig engeln gleich, Dich, der uns dahin leitet. Das stückwerk wird vollkommenheit: Kein kummer, feine traurigkeit Vermindert ihre freude. 7. Mein heiland! laß mich dein gericht Oft und mit ernst bedenken. Es stärke meine zuversicht, Wenn mich die leiden fränken. Es reize mich, gewissenhaft Und, eingedenk der rechenschaft, Nach deinem wort zu handeln. Mel. Wachet auf, ruft uns. So spricht er zu der from= 345. Wachet auf vom men schaar; Doch die, die schlaf der sünder! Vom zukünftigen Weltgerichte. der! Erwacht! denn euch, ihr menschenkinder, Erwarten tod und ewigkeit. Lohn und strafe, tod und leben Hat Gott zu eurer wahl gegeben; Erwacht! noch ists zur bessrung zeit! Gerecht, gerecht ist Gott! Er hört der frevler spott. Frevler, zittert! Wißt, was er spricht, Gereut ihn nicht; Er kommt gewiß und hält gericht. 259 Mel. Herzlich thut mich verl. 346. Ich denk an dein gerichte, Du richter aller welt! Das nur für ein gedichte Der thor im herzen hält. Mich soll sein wahn nicht stören, Weil mich dein göttlich licht- Und mein gewissen lehren, Du halteft ein gericht. 2. Plößlich wird sein zorn entbrennen; Dann wird der spötter ihn erkennen, Des vaters eingebornen sohn. 2. Ich höre die posaunen, Herr! im geiste schon! Ich sehe mit erstaunen Dich auf dem richterthron, Um den die heilge menge Erhabner engel steht. Welch Jauchzet, jauchzt, ihr seine herrliches gepränge! Welch hohe majestät! frommen! Er wird zu eurem heile kommen; Bald kommt er und mit ihm ſein lohn! Euch richtet Christus nicht; Er selbst ging ins gericht Für die fünder. Wir sind versöhnt, Mit Gott versöhnt! Wer überwindet, wird gekrönt. 3. Seid bereit, ihn mit verlangen, mit reinem herzen zu empfangen; Denn plößlich bricht sein tag herein, Und der richter wird vom bösen Sein volk, die frommen, ganz erlösen, Von sünd und tode sie befrein. Dann ist vollkommnes heil In ewigkeit ihr theil. Jauchzt, ihr frommen! Seid stets bereit Auf diese zeit, Und singt Gott dank in ewigkeit! 3. Umsonst sucht nun der fünder Vor deiner macht zu fliehn. Herr! alle menschenkinder Wirst du zur rechnung Du rufft, und sie ziehn. erscheinen Vor deinem richterthron. Den fündern und den deinen Giebst du gerechten lohn. 4. Frohlockend sehn die frommen Dein göttlich angesicht. Schon hier dem fluch entnommen, Zagt ihre seele nicht. Nun triumphirt ihr hoffen: Erlöst von aller müh, Sehn sie den himmel offen, Und du, Herr! segneſt sie. 5. Wie angstvoll aber beben, Die hier dein wort verhöhnt, Und durch ein fleischlich leben Das eitle herz verwöhnt! Du giebst der fünde 17* fnech 260 Von der Zukunft fnechten Ihr theil in ewger pein Und führest die gerechten Zu deiner freude ein. 6. Laß, Jesu! dein gerichte mir stets vor augen sein, Und drücke sein. gewichte In mein gewissen ein. Laß fromm vor dir mich wandeln Und hier zu aller zeit Mit weiser vorsicht handeln, Die jede sünde scheut. 7. Ist denn dein tag vorhanden, Wird diese welt vergehn: So werd ich nicht mit schanden Vor deinem thron bestehn. Du stellst mich dann zur rechten, Von aller schuld befreit, Führst mich mit deinen knechten In deine herrlichkeit. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. 347. Grhöhter Jefu! Gottes Sohn! Der du schon längst der himmel thron Als herrscher eingenommen; Du wirst dereinst zu rechter zeit, In großer kraft und herrlichkeit, Vom himmel wieder kommen. Gieb, daß dann froh und mit vertraun Auch meine augen, Herr! dich schaun. 2. Wer faßt, o heiland! jetzt die pracht, Die deinen tag einst herrlich macht? Wie groß wirst du dich zeigen, Wenn du auf lichten wolken einst mit deiner engel heer erscheinst, Die sich vor dir, nach diesem Leben. Herr! beugen! Dann sieht die welt die majestät, zu der dich, Gott! dein Gott erhöht. 3. Dann tönt dein ruf in jedes grab Mit allmachtsvoller fraft hinab Und schafft ein neues leben. Auf deinen wink muß erd und meer Das große unzählbare heer Der todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, Herr! neu beseelt Nun alle auf, und keiner fehlt. 4. Du jammleſt sie vor deinen thron, Um jedem den bestimmten lohn Nach seiner that zu geben. Dann trifft den bösen schmach und pein; Den frommen aber führst du ein In das verheißne leben. Wer läugnet dann noch, Jesu Christ! Daß du der erden richter bist? 5. D gieb, wenn nun dein tag erscheint, Daß ich in dir dann meinen freund Und heiland wiederfinde; Daß. ich mit freuden vor dir steh, Und mit dir in den himmel geh, Ganz frei von fluch und sünde. Laß mich im glauben wachsam sein Und auch die kleinste sünde scheun. 6. Dein name sei mir ewig werth, Und was dein wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben. Niemals ermüde hier mein geist, Dich, den schon jetzt der himmel preist, Aus aller kraft zu lieben: So hab ich in der ewig Vom zukünftigen ewigkeit Auch theil an deiner herrlichkeit. Mel. Jeju, meine freude. 348. Dieser bau der erden Wird zu asche werden, Kommt einst unser herr. Kommt er zum gerichte, So macht er zunichte Euch, ihr zweifeler! Stolz sagt ihr: Es wird allhier Alles, wie es ist, bestehen, Nimmermehr vergehen. 2. Solche spötter waren Auch in jenen jahren, Eh die sündflut fam. Aber diese spötter Fanden feinen retter, Der in schuß sie nahm. Troß dem spott Beries doch Gott Wasser zu der welt verderben; Sünder mußten sterben. 3. Also währts gleich lange, Spart zum untergange Gott nun auch die welt; Einst stürzt sie zusammen, Wenn durch feuerflammen Sie in asche fällt. Unser herr, Gerecht ist er, Kommt ereinst zum weltgerichte, Macht den spott zunichte. Weltgerichte. 261 5. Aber einst erscheinet, Che man es meinet, Doch fein großer tag, Wo des zornes wettern Keiner von den spöttern Dann entfliehen mag. Feuersglut Schlägt dann mit wuth Ueber erd und welt zusammen: Alles steht in flammen. 6. Selbst die himmel frachen. Theuer wird das lachen Roher sünder dann. Auch die elemente, Die kein feuer trennte, Greift dies feuer an. Durch die wuth Von dieser glut Wird man plöglich sie zergehen Und zerschmelzen sehen. 7. Erd und ihre werke Sind von keiner stärke, Wenn dies feuer brennt. Alles wirds verheeren, Alles wirds verzehren, Was man irdisch nennt. Was die welt Sept noch enthält In dem irdischen bestehen, Wird alsdann vergehen. 8. D! wie sollen christen Allen erdenlüften Ernstlich widerstehn, Soll Gott fie zum leben, Das er dort will geben, Dermaleinst erhöhn! Wahrlich wir, Im leben hier, Müssen Gottes wege gehen, Um dort ihn zu sehen. 9. So schaun wir im glauben, Den kein feind wird rauben, Auf die begre welt, Sind in hoffnung selig, Sind getroft und fröhlich, Wenn der 4. Scheint er zu verziehen: Tausend jahr entfliehen, Wie ein tag, vor ihm. Noch währt sein verschonen; Noch will er nicht lohnen, Straft noch nicht im grimm. Seine huld läßt noch geduld Ueber diesen weltkreis wäh. ren, Sünder zu bekehren. 262 Von der Zukunft nach diesem Leben. der leib zerfällt. Und wenn Gott Einst nach dem tod Läfset diese welt zertrümmern, Wirds uns nicht bekümmern. 10. Gott wird sein versprechen Doch gewiß nicht brechen, Dessen wir uns freun. Ewige belohnung Wird in jener wohnung Unser erbtheil sein. Noch sind wir Im elend hier; Heiligkeit und ewges leben Wird Gott dort uns geben. Vom ewigen Leben. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 349. Warum erbebst du, meine seele, Bei dem gedanken an das grab? Nicht dich umschließt einst seine höhle, Nur deine hütte sinkt hinab. Sie schuf der allmacht wink aus staub; Drum wird sie der verwefung raub. 2. Du, zur unsterblichfeit erlesen, Schwingst dich Schwingst dich empor zu Gottes licht, Und schaust den ursprung aller wesen Von angesicht zu angeficht, Bewunderst deines Gottes macht In jener welten bau und pracht. 3. Dann, seele, wirst du das verstehen, Was hier kein weiser mund erklärt, Was hier vollkommen einzusehen Des wissens trieb umsonst begehrt; Dann täuscht dich wahn und irrthum nicht, Und selbst die sinsterniß wird licht. 4. Dann wirst du den, ach! den erblicken, Den hier allein der glaube sieht; Den ,. der, dich ewig zu beglücken ,. Nach Gottes rath am freuz verschied. Dann jauchze, daß kein wahn, kein spott Dich hier getrennt von deinem. Gott. 5. Wann nun der tag des Herrn erscheinet, Verläßt dein leib der gräber ruh; Zum zweitenmal mit dir vereinet, Wird er unsterblich, so wie du. O seele, zittre länger nicht, Daß deiner hütte bau zerbricht. Mel. Wer nur den lieben. N. M... 350. Gs ist noch eine ruh vorhanden Für jeden Gott ergebnen geist, Wean er sich dieses förpers banden Nach Gotteswillen einst entreißt, Und nun nicht nun nicht mehr so eingeschränkt, Als hier auf erden, lebt und denkt. 2. Die, Herr! zu dieser ruhe kommen, Wie selig sind doch alle die! In deinen himmel aufgenommen, Ruhn sie von dieses lebens müh. Nach aller laft, die sie gedrückt, Wird ewig nun ihr herz erquickt. 3. Wie mütter ihre finder tröz Vom ewigen Leben. 263 trösten, So tröstet deine gü- verheißen ist, Ich gern des tigkeit Mit himmelswonne die erlösten Nach überstandner prüfungszeit. Dann wird es ihnen offenbar, Wie gut stets deine führung war. vaters willen thue, Wie du darin mein vorbild bist; So folgt auf meine prüfungszeit Gewiß vollkommne seligkeit. 4. Da schweigen alle ihre klagen; Da bringt mit frohem lobgesang, Selbst für die ausgestandnen plagen, Dir ihre seele preis und preis und dank. Da jauchzen sie: es ist vollbracht! Der herr hat alles wohl gemacht! 5. Auf ewig trifft sie dann fein leiden, Kein schmerz und keine schwachheit mehr; Gott führt sie zu vollkommnen freuden Und frönet sie mit preis und ehr. O unaussprechlich süße ruh! Wie ruh! Wie Herrlich, höchster, segneft du! 6. Wer kann, Herr! deine gnade fassen! Du willst den, der dich redlich liebt, Nicht ewig in der unruh lassen, Die dieses leben noch umgiebt. Das flöße muth und kraft mir ein, Im leiden auch dir treu zu sein! 7. Mein heiland, der du selbst auf erden Der leiden joch getragen hast! Will ich des lebens müde werden, Und fühl ich dieser tage last: So stärke mächtig meinen geist, Daß er dem unmuth sich entreißt. 8. Gieb, daß in hoffnung jener ruhe, Die Gottes volk Mel. Wer nur den lieben. N. M. 351. Nach einer prüfung furzer tage Erwartet uns die ewigkeit. Dort, dort verwandelt sich die klage In himmlische zufriedenheit. Hier übt die tugend ihren fleiß, Und jene welt reicht ihr den preis. 2. Wahr ists, der fromme schmeckt auf erden Schon manchen selgen augenblick; Doch alle freuden, die ihm werden, Sind ihm noch kein vollkommnes glück. Er bleibt ein mensch und seine ruh Nimmt in der seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des körpers schmerzen, Bald das geräusche dieser welt. Bald kämpft in seinem eignen herzen Ein feind, der öfter siegt, als fällt. Bald sinkt er durch des nächsten schuld In fummer und in ungeduld. 4. Hier, wo die tugend öfters leidet, Das laster öfters glücklich ist, Wo man den glücklichen beneidet Und des bekümmerten vergißt; Hier kann der mensch nie frei von pein, Nie frei von eigner schwachheit sein. 5. Hier such ichs nur, dort werd 264 werd ichs finden; Dort werd ich, heilig und verklärt, Der tugend ganzen werth empfinden, Den unaussprechlich großen werth. Den Gott der liebe werd ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der vorsicht heilger wille Mein will und meine wohlfahrt sein, Und lieblich wesen, heil die fülle, Am throne Gottes mich erfreun. Dann läßt gewinn stets auf gewinn mich fühlen, daß ich ewig bin. Von der Zukunft nach diesem Leben. 7. Da werd ich das im licht erkennen, Was ich auf erden dunkel sah, Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah! Da denkt mein geist mit preis und dank Die schickung im zusammenhang. 8. Da werd ich zu dem throne dringen, Wo Gott, mein heil, sich offenbart; Ein heilig, heilig, heilig singen Dem lamme, das erwürget ward. Und cherubim und seraphim Und alle himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der engel schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte glück erfahren, erfahren, Mit frommen stets fromm umzugehn. Da wird durch jeden augenblick Ihr heil mein heil, mein glück ihr glück. 10. Da werd ich dem den dank bezahlen, Der Gottes weg mich gehen hieß, Undihn zu millionen malen Noch segnen, daß er mir ihn wies. Da find ich, Herr! in deiner hand Den freund, den ich auf erden fand. 11. Da ruft( o möchte Gott es geben!) Vielleicht auch mir ein selger zu: Heil sei dir! denn du hast mein leben, Die seele mir gerettet, du! D Gott! wie muß dies glück erfreun, Der retter einer seele sein! 12. Was seid ihr, leiden dieser erden, Doch gegen jene herrlichkeit, Die an uns offens bart soll werden Von ewigfeit zu ewigkeit! Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein augenblick voll müh! Mel. Wie schön leucht't uns der. 352. Mein ganzer geist, Gott! wird entzückt, Wenn er hinaufgen himmel blickt, Wohin dein rath uns leitet, Wo deine milde vaterhand Aus neuen wundern wird erkannt, Die du da haft verbreitet. Mächtig Fühl ich mich getrieben, Dich zu lieben, Der zum leben, Das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die freuden dieser zeit, Herr! gegen jene Herr Vom ewigen Leben. 265 Herrlichkeit, Die dort bei ter seelen, Die dann weiter dir zu finden! Du stellst uns hier auf erden zwar Viel wunder deiner güte dar, Daß wir sie froh empfinden; Doch hier Sind wir Bei den freuden Noch mit leiden Stets umgeben; Dort nur ist vollfommnes leben. 3. Kein tod ist da mehr und fein grab; Dort wischest du die thränen ab Von deiner finder wangen. Da ist kein leid mehr, fein geschrei: Denn du, o Herr! machst alles neu; Das alte ist ver= gangen. Hinfort Sind dort Für gerechte, Deine knechte, Keine plagen Mehr zur prüfung zu ertragen. 4. In deinem höhern heiligthum Erschallet deines namens ruhm Von lauter frohen zungen. Da strahlt die herrlichkeit des Herrn; Da schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie neu befungen. Heller, Schnelier, Als hienieden, Ohn ermüden, Sehn wir droben, Gott! wie hoch du bist zu loben. nicht mehr fehlen. 6. Gott! welche schaar ist dort vereint! Die frommen, die ich hier beweint, Die find ich droben wieder. Dort sammlet deine vaterhand Sie, die ein sinn schon hier verband, Herr! alle deine glieder. Ewig Werd ich Frei von mangeln, Selbst mit engeln, Mir zum segen, Da die reinste freundschaft pflegen. 7. Da komm ich zu des menschen sohn, Der für mich starb, um dessen thron Viel tausend selge stehen. Der du der deinen wonne bist, Dich werd ich da, Herr Jesu Christ! Mir zum entzücken sehen. sehen. Dann wird, Mein hirt; Nichts mich können Von dir trennen; Ohn aufhören Werd ich bei dir sein, dich ehren. 8. Wie selig werd ich dann erst sein! Wie sicher werd ich dann mich freun, Dir ewiglich lobsingen! O Jesu, Herr der herrlichkeit! Du hast dies glück auch mir bereit't, Hilf mir es auch erringen. Laß mich Eifrig Danach streben und mein leben Hier so führen, Daß ich dort kann triumphiren. 5. Mit neuer inbrunst lieben wir Dich, Vater! dann und dienen dir Mit fröhlichem gemüthe. Nichts stört den frieden unsrer brust Und unsre tausendfache lust An deiner großen güte. Kein Mel. Alle menschen müssen sterben. neid, Kein streit Hemmt 353. O wie unaussprechdie triebe Reiner liebe Unlich selig Werden wir 266 Von der Zukunft nach diesem Leben. wir im himmel sein! Da, da ernten wir unzählig Unfers glaubens früchte ein; Da wird ohne leid und zähren Unser leben ewig währen. Gott! zu welcher seligkeit Führst du uns durch diese zeit! 2. Hier ist zwar, was du den frommen Dort für glück bereitet hast, Noch in feines Herz gekommen;( Welcher mensch auf erden faßt Deines himmels große freuden?) Doch, nach dieses lebens leiden, Werden alle, die dir traun, Mehr noch, als sie hoffen, schaun. 3. Neue wunder deiner güte Werden da ihr glück erhöhn; Mit erstaunendem gemüthe Wird dann unser auge sehn: Deine huld sei überschwänglich, Und das gute unvergänglich, Das dem, der dich redlich liebt, Deine vaterhand dort giebt. 4. Dann wirst du dich unsern seelen Offenbaren, wie du bist. Keine wonne wird uns fehlen Da, wo alles wonne ist. Zu vollkommnen feligkeiten Wird uns dort der mittler leiten, Der uns die fes glückerwarb, Alsam freuz er für uns starb. 5. Da wird deiner frommen menge Ein herz, eine seele sein, Dienst und dank und lobgesänge Dir, erhabner Gott! zu weihn; Dir und dem, der selbst sein leben Willig für uns hingegeben. Mit ihm, unserm größten freund, Sind wir ewig dann vereint. 6. O, wer sollte sich nicht sehnen, Aufgelöst und da zu sein, Wo, nach ausgeweinten thränen, Emge güter uns erfreun! Wo sich unser Unser kampf in palmen, klagelied in psalmen, Unfre angst in lust verkehrt, Die forthin kein fummer stört. 7. Was ist unser loos auf erden? Obs auch noch so föstlich sei, Ists doch nie ganz von beschwerden, Sorgen, furcht und kummer frei. Schnell folgt hier auf luft das weinen; Dort nur wird die zeit erscheinen, Wo kein wechsel mehr uns beugt, Wo das glück beständig steigt. 8. Cei, o feele, hoch erfreuet Ueber das erhabne glück, Das dir einst dein Gott verleihet! Richte deines glaubens blick Oft nach jener stadt der frommen, mit dem ernst, dahin zu kommen. Trachte, weil du hier noch bist, Nurnach dem, was droben ist. 9. Ohne heiligung wird keiner, Herr! in deinen himmel gehn. O, so mache immer reiner Hier mein herz, dich einst zu sehn! Hilf du selber meine seele, Daß sie nicht den weg verfehle, Der mich Vom ewigen Leben. mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobsingt. Mel. Wie schön leucht't uns der. 354. Wie Wie wird mir dann, o dann mir sein, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, In ihm entschlafen werde? Dann, seele, wirst du, ganz befreit Von sünde und von sterblichkeit, Entfliehen dieser erde. Freu dich Innig! Stärke, tröste Dich, erlöfte, Mit dem leben, Daß dir dann dein Gott wird geben. 2. Ich freue mich und bebe doch. So drückt mich meines- elends joch, Der fluch der fünde nieder. Doch du, o Herr! erleichterst mir Dies joch; mein herz stärkt sich in dir, Glaubt und erhebt sich wieder. Durch dich Laß mich Dahin streben, Dir zu leben, Dir zu sterben Und dein himmelreich zu erben. 3. Verachte denn des todes graun, Mein geist; er ist ein weg zum schaun In jenem bessern leben. Er sei dir nicht mehr fürchterlich; zum allerheiligsten wird dich Der herr dadurch erheben. Dann wird Dein hirt, Nach den thränen, Nach dem sehnen, Dich erlösten Völlig und auf immer trösten. 267 wenn nun mein auge bricht, 3u teinen todten sammelt. Vielleicht umgiebt mich ihre nacht, Eh ich dies flehen noch vollbracht, Mein lob dir ausgestammelt. Mach mich Fertig! Ich befehle Meine seele Deinen händen, Dein werk in mir zu vollenden. 5. Vielleicht sind meiner tage viel; Ich bin vielleicht noch fern vom ziel, An dem die krone schimmert. Bin ich von meinem ziel noch weit, So sei mein leben dir geweiht. Bis einst mein leib zertrümmert. Hilf mir, Herr! dir Ganz mein leben Zu er= geben, Daß ich droben Dich ohn ende könne loben. 4. Herr! Herr! ich weiß die stunde nicht, Die mich, 6. Wie wird mir dann, mein heiland! sein, Wenn ich, mich deiner ganz zu freun, Dich dort anbeten werde? Dann bin ich frei von sünd und leid, Ein mitgenoß der Herrlichkeit, Nicht mehr der mensch von erde. Preis dir! Daß mir Durch dein leiden Jene freuden Offen stehen. Ewig will ich dich erhöhen. Von der ewigen Verdammniß. Mel. Es ist gewißlich an der. 355. Ach! ewig wird die strafe sein, Die sünder leiden sollen, Wenn sie nicht hier gerecht und rein Durch 268 Von der Zukunft Von der Zukunft nach diesem Leben. Durch Christum werden wollen! Ja, ewig ist der zweite tod, Den Gottes recht den frevlern droht, Die seine huld verachten. 2. Der Gott, der uns so schont und liebt, Wenn wir die laster hassen, Der gnädig jede schuld vergiebt, Wenn wir uns bessern lassen; Der hats verkündigt, er, der gut, Gerecht in allem, was er thut, Wahrhaftig ist und heilig. 3. Auch der, der unser heil erwarb, Der, von der sünde bürden uns zu erretten, litt und starb, Damit wir selig würden; Der lehrt es, Jesus, unser herr. Wer ist so gut, wer gnädiger, Als Gott, als Jesus Christus? 4. Erzittert! nur verwerfet nicht Die schauervolle lehre, Als wenn nicht auch ihr glaube pflicht, Nicht Gottes würdig wäre! Die ihr so leicht euch täuschen laßt, Könnt ihr durchschaun, was er umfaßt. Der zukunft tief ergründen? 5. Vermeßt ihr euch, barmherziger zu sein, als er? gerechter zu richten, weiser als der Herr, Den frevelnden verächter? Hat er euch seiner strafen art Mit ihren folgen offenbart, Daß ihr ihn meistern wollet? 6. Sein würdig ist, was er gebeut, und recht, daß ers gebiete; Anständig alles, was er dräut, Der heiligkeit und güte. Laß ihm die waag; er, der nicht irrt, Wird keines menschen recht, und wird Sein eignes recht nicht beugen. 7. Nicht jedes volk empfängt das licht, Was seine christen haben; Verschieden wird auch sein gericht Und lohn sein, wie die gaben. Da, wo er nicht gesäet hat, Wird er, wie er schon hier nicht that Auch dort nicht ernten wollen. 8. Du zitterst vor der ewigkeit? Ach, zittre, dir zum heile, Daß, eh dus glaubst, nicht, was er dräut, Dich sichern übereile! Zu deinem heil enthüllt er dir Die flammen des gerichts, um hier Und dort dich zu beglücken. 9. Zerbrich in glaubenskraft das joch Der sünd und ihre ketten; Dann such auch deine brüder noch Vom tode zu erretten. Doch thu dies nicht aus furcht allein; Gern mußt du dich der tugend weihn: Denn sie schenkt ehr und freude. 10. O, wenn du einst vollendet biſt, endet bist, Dann wirst du ganz verstehen, Daß Gott gerecht und gnädig ist; Frohlockend wirst dus sehen. Dann ist, was dich hier zittern Von der ewigen Verdammniß. tern macht, Enthüllt von jedes schatten nacht, Ganz herrlichkeit und wonne. Mel. O traurigkeit, Herzeleid. 356. schrecklichs leid Der ewigkeit, Das sünder dort erfahren, Die durch keine zucht von Gott Hier zu bessern waren! 2. Durch ihre schuld Von Gottes huld und angesicht geschieden, Sehn sie nimmermehr das licht, Haben nimmer frieden. 3. In dieser welt, Wo's Gott gefällt, Daß wir geprüfet werden, Haben auch ruchlese noch Theil am glück der erden. 4. Hier können sie In ihrer müh Sich noch des eitlen freuen, Und, wenn das gewissen plagt, Ihr gemüth zerstreuen. 5. In jener welt, Die nichts enthält Für sie an 269 guten gaben, Auch ein tröpflein wassers nicht, Sie im durft zu laben; 6. Und wo forthin Ihr böser sinn Umsonst zerstreuung fuchet: Da, da fühlen sie sich ganz Von dem Herrn verfluchet. 7. Ihr wurm, der nagt Und sie stets plagt, Stirbt nimmer im gewissen: Nie erlöscht die innre glut, Die sie leiden müssen. 8. So dräut der herr! Gerecht ist er: Wahrhaftig ist sein dräuen. Wehe denen, welche doch Sein gericht nicht scheuen! 9. Gott des heils! Wir, unsers theils, Verehren dich im glauben, Laß den trost der bessern welt Keinen feind uns rauben. 10. O rette doch Auch sünder noch, Die jetzt dir widerstreben! Laß sie, recht zu dir bekehrt, Ewig mit uns leben. III. Shriftliche Sittenlehre. 1. Vom wahren Christenthume überhaupt. Mel. Es wolle Gott uns. 357. Bewahre mich, Herr! daß der wahn Nie mein gemüth bethöre, Als wär es schon genug gethan, Wenn dir nur äußre ehre Der mensch, dein unterthan, erweist. Erinnre mein gewissen, Wie in der wahrheit und im geist Die Vom wahren Christenthume. 270 Die dich verehren müssen, Die dir gefallen wollen. 2. Die kommen nicht ins himmelreich, Die herr! zu Jesu sagen, Und nicht mit rechtem ernst zugleich Der heiligung nachjagen. Nur die, die deinen willen thun, Läßt du, als deine kinder, D Gott! in ewgem frieden ruhn, Wenn heuchlerische sünder Von dir verstoßen werden. 3. Drum laß mich doch vom glauben nie Ein heilges leben trennen, Mich nicht für Jesu jünger hie Bloß äußerlich bekennen. Gieb, daß mein glaube thätig sei Und tugendfrüchte bringe, Daß ich, vom sündendienste frei, Mit eifer danach ringe, Im guten zuzunehmen. 4. Du kennst, o Gott! der menschen herz, Und liebst, die redlich handeln. D, laß in freude, wie im schmerz, Mich richtig vor dir wandeln. Dein wille sei mein augenmerk, Hilf Hilf selbst mir zu vollbringen. Durch dich muß jedes gute werf, Sollt es auch nicht gelingen, Zum segen mir gereichen. 5. Doch, wenn ich aus unwissenheit und übereilung fehle; So thu an mir barmherzigkeit und richte meine feele Durch deine gnade auf vom fall. Erhalt mich bei dem einen, Daß ich dich fürchte überall, Bis ich einst, mit den deinen, Dir ohne fehler diene. Mel. Gott, du frommer. 358. Du sagst: ich bin ein christ. Wohl dir, wenn werk und leben Dir dessen, was du sagst, Beweis und zeugniß geben, Und wenn dein ganzes thun, Durch Gottes fraft und geiſt, Des herzens besserung Auch öffentlich beweiſt! kennet, 2. Du sagst: ich bin ein christ. Der ists, der Jesum kennet, Ihn seinen Gott und herrn Nicht bloß vor menschen nennet; Nein, sondern gern auch thut, Was ihm sein herr gebeut. Thust du das nicht, so ist Dein ruhm nur eitelkeit. 3. Du sagst: ich bin ein christ: Denn ich bin ja getaufet Auf Christi tod, der mich mit seinem blut erkaufet. Ja wohl! doch prüfe dich, Wie stehts um deinen bund, Den du mit Gott gemacht In jener gnadenstund? 4. Hast du nicht diesen bund Schon längst und oft gebrochen? Hast du, als Gottes kind, Dich, wie du ihm versprochen, In allem thun erzeigt? Dem guten nachgeſtrebt? Vom wahren strebt? Hat nicht der alte mensch Bisher in dir gelebt? 5. Du sagst: ich bin ein christ, Weil ich die gnadenlehre Zu haus und öffentlich Beständig les und höre. Wohl! aber thust du auch, Was Gottes wort dich lehrt? Nur, wer es hört und thut, Der ist dem höchsten werth. 6. Du sagst: ich bin ein christ, Ich laß mich öfters finden Bei Jesu bundesmahl, Mit Gott mich zu verbinden. Doch zeiget sich bei dir In deinen werken auch Rechtschaffne besserung Nach dieses mahls gebrauch? 7: Bist du ein wahrer Christ, So müssen sinn und triebe Nach Christi vorbild sein. Wenn unverfälschte liebe Dein ganzes herz erfüllt; Wenn du voll sanftmuth bist, Voll demuth, wie der herr; So sag: ich bin ein christ! 8. Jedoch, so lange dich Der finn der welt regieret, Dein stolz zu eitelkeit Und schmähsucht dich verführet; Statt sanftmuth dir dein herz Nur zorn und neid gebeut: So bist du ja gewiß Vom christenthum noch weit. 9. Du sagst: ich bin ein christ, Und rühmst dich deß mit freuden: Doch thust du auch wohl mehr, Als manche fluge heiden? Ach! zu beChristenthume. 271 sorgen ist, Sie flagen einst dich an, Weil du vielleicht noch nicht So viel, als sie gethan. 10. Sag nicht, ich bin ein christ, Bis daß dir werk und leben Auch dessen, was du sagst, Beweis und zeugniß geben. Der name machts nicht aus: Ein christ muß ohne schein Das, was er heißen will, Im thun und wesen sein. 11. Gott! schenke mir doch fraft, Mich ernstlich zu befleißen, Gin wahrer chrift zu sein, Und nicht bloß so zu heißen: Denn wer den namen bhat Und nicht die that zugleich, Gelanget nimmermehr Zu dir ins himmelreich. Mel. Jesu, deine heilge wunden. 359. Kommt und laßt den herrn euch lehren! Kommt und lernet allzumal, Welche die sind, die gehören zu der rechten christenzahl. Die im glauben fest bestehn, Redlich Gottes wege gebn, Frei ihn vor der welt bekennen, Dürfen sich die seinen nennen. 2. Selig, wer in demuth lebet, Seiner schwachheit nie vergißt, Gott nur, und nie sich erhebet, Wenn er groß und glücklich ist. Gottes hilf wird ihn erfreun, Und das himmelreich ist sein, Gott wird dort zu ehren setzen, Vom wahren Christenthume. 272 seßen, Die sich hier geringe schätzen. 3. Selig ist, wer seine sünden Wehmuthsvoll vor Gott beweint Und, barmherzigkeit zu finden, Glaubensvoll vor ihm erscheint. Gott will ihm die schuld verzeihn, Kraft zum guten ihm verleihn; Er, sein jünger, soll auf erden Und auch dort getröstet werden. 4. Selig ist, wer sanftmuth übet, Keinem seiner feinde flucht Und, wie sehr er ihn betrübet, Sich doch nicht zu rächen sucht, Ruhig seine pflicht vollbringt Und sein eignes herz bezwingt. Gott wird selber ihn beschüßen; Er wird Gottes reich beſigen. 5. Selig, die nichts mehr verlangen, Als gerecht vor Gott zu sein; Welche fest am guten hangen, Ernstlich jede sünde scheun; Deren herz nichts mehr begehrt, Als was Gottes ruhm vermehrt. Gott wird ihr verlangen stillen, Jeden frommen wunsch erfüllen. 6. Selig, wer der noth des armen Nie gefühllos sich entzieht, Ihm aus zärtlichem erbarmen Wohlzuthun sich gern bemüht; Welcher dem mit trost erscheint, Der um trost und hülfe weint. Hilfe wird auch er empfangen Und barmherzigkeit er= langen. 7. Selig sind, die sich bemühen, Unbefleckt vor Gott zu sein; Die der wollust stricke fliehen, Mäßig sind und keusch und rein. Die nur thun, was Gott gefällt, Die der lockung dieser welt Immer standhaft widerstehen, Werden Gottes antlitz sehen. 8. Selig, wer im frieden lebet, Wer stets ruh und einigkeit zu erhalten sich bestrebet, Feindschaft haft und zorn und streit. Die da stiften fried und ruh, Rathen allerseits dazu, Sich des friedens selbst befleißen, Werden Gottes finder heißen. 9. Selig, die um Chrifti willen Leiden und sich dessen freun, Standhaft ihre pflicht erfüllen, Schmach und tod dafür nicht scheun. Gott steht ihnen mächtig bei Und will sie für ihre treu Einst mit wonn und siegeskronenIn der ewigkeit belohnen. * 10. Herr! regier zu allen zeiten Meinen wandel hier auf erd, Daß ich wahrer seligkeiten Auch aus gnaden fähig werd. Gieb, daß ich mich acht gering, Meine klag oft vor dich bring, Sanftmuth auch an feinden übe, Die gerechtigkeit stets liebe. 11. Daß Vom wahren Christenthume. 11. Daß ich armen helf und diene, Immer hab ein reines herz, Die in unfried stehn, verfühne, Dir anhang in freud und schmerz. Vater! hilf von deinem thron, Daß ich glaub an deinen sohn Und durch deines geistes stärke Mich befleißge guter werfe. Mel. Durch Adams fall ist. denkt der 360. Oft mensch, wie schwer es sei, Herr! deinen weg zu wandeln, Und täglich deinem worte treu zu denken und zu handeln. Wahr ist's, die tugend fostet müh, Sie ist der sieg der lüste; Jedoch, mein Gott, wäre sie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? was 2. Die sich in ihren lastern freun, Trifft ja auch schmerz hienieden; Sie sind die fflaven eigner pein Und haben keinen frieden. Der fromme, der die lüste dämpft, Hat oft auch seine leiden; Allein der schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in freuden. 273 zum heil Und endlich zum entzücken. 4. Gott! hättest du es uns vergönnt, Nach unsers fleisches willen, Wenn wollust, neid und Iust, neid und zorn entbrennt, Die lüfte frei zu stillen; Erlaubtest du dem frevler hier, Aus bosheit uns zu kränken: Was müßten wir doch dann von dir, Du weiser Vater! denken? TOTELESER 3. Des lasters bahn ist anfangs zwar Ein breiter weg durch auen; Allein sein fortgang wird gefahr, Sein ende nacht und grauen. Der tugend pfad ist anfangs steil, Läßt nichts, als mühe, blicken! Doch weiter fort führt er N. A. 5. Du willst, wir sollen glücklich sein, Drum gabst du uns gesetze. Sie sind es, die das herz erfreun, Sie find des lebens schätze. Du sprichst in uns durch den verstand, Du sprichst durch das gewissen, Was wir, geschöpfe deiner hand, Fliehn oder wählen müssen. 6. Dich fürchten, das iſt weisheit nur, Und freiheit ist's, sie wählen. Ein thier folgt trieben der natur, Ein mensch dem licht der seelen. Mein unvergänglichs eigenthum Und mein beruf auf erden Ist tugend, und mein höchster ruhm Ist: dir, Gott! ähnlich werden. 7.D stärke mich dazu mit fraft, So wird es mir gelingen. Du bist es, Gott! der beides schafft, Das wollen und vollbringen. Wer kräfte hat, wird durch gebrauch Von dir noch mehr bekommen; Wer aber nicht 18 hat, Vom wahren Christenthume. 274 hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. 8. Mich stärke auf der tugend pfad Das beispiel selger geister. Ihn zeigte mir, und ihn betrat Ja selbst mein herr und meister. O, laß mich nie des frechen spott Auf diesem pfade hindern. Mein wahrer ruhm ist bei dir, Gott! Und nicht bei menschenkindern. 9. Gieb, daß ich mit der ewigkeit Den fampf so kurzer jahre Vergleich und ernstlich allezeit Gedenk an meine bahre. Das kleinod, das der glaube hält, Laß neuen muth mir geben, und zu den freuden jener welt Mich oft im geist erheben. 10. Erhalte mich stets unverzagt, Wenn mirs nicht immer glücket, Wenn mich, so viel mein herz auch wagt, Stets neue schwachheit drükfet. Du siehst nicht auf die that allein, Du siehst auf meinen willen. Ein göttliEin göttliches verdienst ist mein! Dies laß mein herze stillen. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 361. Mein Gott! du prüfest herz und nieren, Du siehest die gedanfen ein. Du weißt, was wir im finne führen, Und haffest allen falschen schein. Du bringest alles an den tag, Was noch so tief verborgen lag. 2. Laß mich in meinem christenthume Die heuchelei von herzen fliehn. Es dienet mir zu keinem ruhme, Wenn ich den gräbern ähnlich bin, Die man von außen schön geschmückt, Von innen dochy voll asch erblickt. 3. Die frömmigkeit liebt fein verstellen, Sie braucht der falschen schminke nicht. Die sich den heuchlern zuge= sellen, Vermeiden gern der wahrheit licht. Wer ein rechtschaffnes wesen hat, Beweist es auch in wort und that.. 4. Ach! laß mich deiner ja nicht spotten: Denn jola ches thut ein heuchelchrist. Du drohest alles auszurotten, Was ein geschminktes wesen ist. Wer böse ist, der bleibet nicht Vor deinem hellen angesicht. 5. Bekenn ich dich mit meinem munde; So laß es auch von herzen gehn Und mich in deinem gnadenbunde Durch frommen wandel feste stehn: Daß keine falschheit mich bethör, Noch in der einfalt Christi stör. 6. Was hilft es, vor den menschen prangen, Vor Gottes augen häßlich sein? Soll ich den wahren schmuck erlangen, So kleide mich in tugend ein, Die ungefärbt und lauter Vom wahren lauter ist, Die liebet nur ein wahrer christ. 7. Sie giebt mir auch ein gut gewissen, Im kreuze trost und freudigkeit, Und, wenn heilig bin. Christenthume. 275 sich einst die augen schließen, Geschieht es ohne angst und leid. Mein tod befördert mich dahin, Wo ich vollkommen 2. Von der Buße oder Bekehrung. Erweckung zur Buße. Mel. Vater unser im himmelr. 362. So wahr ich lebe! spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des fünders tod; Vielmehr ist dies mein wunsch und will, Daß er von sünden halte still, Von seiner bosheit fehre sich Und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies wort bedenk, o menschenfind! Verzweifle nicht in deiner sünd! Hier findest du trost, heil und gnad, Die Gott dir zugesaget hat, Und zwar mit einem theuren eid. selig, dem die sünd ist leid! 3. Doch hüte dich vor sicherheit! Denk nicht: zur buß ist noch wohl zeit, Ich will erst fröhlich sein auf erd; Wenn ich des lebens müde werd, Alsdann will ich bekehren mich; Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ists, Gott ist wohl stets bereit Dem fünder mit barmherzigkeit; Doch wer auf gnade sündigt hin, Fährt fort in seinem bösen sinn Und seiner seele selbst nicht schont, Der wird mit ungnad abgelohnt. 5. Gnad hat dir zugesaget Gott, Durch Jesu Christi blut und tod; Zusagen hat er nicht gewollt, Ob du bis morgen leben sollt. Daß du mußt sterben, ist dir fund; Verborgen ist die todesstund. 6. Heut lebst du, heut bekehre dich; Eh morgen fommt, fanns ändern sich. Wer heute frisch, gesund und roth, Ist morgen frank, ja wohl gar todt. So du nun stirbest ohne buß, Dein seel und leib dort brennen muß. * 7 Hilf, o Herr Jesu! hilf du mir, Daß ich noch heute komm zu dir Und mich befehre unverweilt, Eh mich mein ende übereilt: Aufdaß ich heut und jederzeit Zu meiner heimfahrt sei bereit. Mel. Mache dich, mein geist. mensch, 363. Sichrer noch ist es zeit, Aufzustehn vom schlafe! Nahe ist 18* 276 Von der Buße oder Bekehrung. ist die ewigkeit, Nahe lohn mit angst umgeben? Iſt und ftrafe. Hör, Gott nichts mehr, das dich bange spricht: Säume nicht, Sei- macht, Daß du bisher ſo nen ruf zu hören Und dich schlecht bedacht, Was du dir zu bekehren. zugezogen? 2. Noch weckt der posaunen schall Nicht die todten alle; Noch bebt nicht der erdenball, Nahe seinem falle; Aber bald, Bald erschallt Gottes ruf: zur erden Sollst du wieder werden! 3 Kommt nun, ehe dus gedacht Unter fündenfreuden Deines Lebens legte nacht; Was wirst du dann leiden, Wenn dein herz, Von dem schmerz Deiner schuld zerrissen, Wird verzagen müssen! 4. Wenn vor deinem antlitz sich Jede sünd enthüllet; Wenn dann eine jede dich Ganz mit graun erfüllet; Dich nichts dann Stärken kann, Keine deiner freuden; Was wirst du dann leiden! 5. Noch, noch wandelst du allhier Auf des Lebens pfade; Noch ist zur errettung dir Nah des ewgen gnade. Eil ihr zu, Sie wird ruh Sie wird ruh Und auch kraft dir geben, Als ein christ zu leben. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 364. Wie kannst du doch, o sündlich herz, In sicherheit so leben? Empfindest du denn keinen schmerz? Bist nicht 2. Beschau dein leben, das du führst; Betrachte deine wege Und sich, ob du dich so regierst, Daß du gehst Gottes stege. Hast du den höchsten so verehrt, Wie sein gebot von dir begehrt? Haft du ihn recht geliebet? 3. Ach! du hast schlecht an ihn gedacht; Du folgtest deinem willen. Dein wunsch und ziel war tag und nacht, Die fünde zu erfüllen! Qu kehrtest zwar, in leid und noth, Mit thränen oft zu deinem Gott, Doch auch gar bald zurücke. 4. Mit falten lippen dienst du Gott, Weißt oft nicht, was sie fallen. Die andacht ist dir oft ein spott, Die sünde dein gefallen. Du bist erfüllt mit lust der welt; Drum kannst du nicht, wies Gott gefällt, Zu ihm die seele richten. 5. Kommt dir die reu bisweilen ein, So fehlt doch dein bestreben. Du wünschst von sünden los zu sein, Willst doch nicht frömmer leben. Fest ist in dir der vorsag nicht, Weil ihn die luft oft unterbricht, Die dich zur sünde leitet. 6. Du Erweckung zur Buße. 6. Du läß'st die andacht bald vergehn, Sie währet niemals lange. Die wollust däucht dir gar zu schön, Das kämpfen macht dich bange. Du suchst die breite sündenbahn; Es kommt dir gar zu lieblich an, Nach deinem sinn zu leben. 7. Erwache doch, o sichres herz! Bereue deine sünden! Noch läßt sich Gott auf reu und schmerz, Wie vormals gnädig finden. Er hat dir oftmals huld erzeigt, Wenn du dein herz zu ihm geneigt, Und dir die schuld vergeben. 8. Ich weiß, er läßt sich auch- jegund Voll güt und liebe finden; Entsage nur von herzensgrund Aufrichtig deinen sünden. Ja komm, beweine deine schuld, Faß gläubig seine vaterhuld; So wirst du gnad erlangen. 9. Kehr dich zu Gott, Gott wird auch sich mit gnaden zu dir kehren. Doch faß den vorsag, niemals dich Mit sünden zu beschweren. Verfluch und haß, was sündlich heißt; Gott wird dir selbst den neuen geift, Ihm recht zu dienen, geben. 277 könnt ich sonst mich lieben? Ist wahre besserung nicht meiner seele glück? O warum säum ich denn Noch einen augenblick? Mel. Gott, du frommer Gott. 365. Laß mich doch, o mein Gott! Die buße nicht verschieben, Die mir dein wort gebeut; Wie 2. So süß ein laster ist, So giebts doch keinen frieden; Der tugend nur allein Haft du dies glück beschieden. Wer dir, o Gott! gehorcht, Erwählt das beste theil. Wer dich, o Gott! verläßt, Verläßt sein eignes heil. 3. Was weigre ich mich denn, Das laster zu verlassen? Weil es mein unglück ist, Befiehlst du, es zu haffen. Was säum ich länger noch, Der tugend mich zu weihn? Weil sie mich glücklich macht, Befiehlst du sie allein. 4. Die buße führt mich nicht In eine welt voll leiden; Sie führet mich vielmehr, Gott! zu deinen freuden, Macht meine feele rein, Stärkt mich mit zuversicht, Giebt weisheit, wahre ruh Und muth zu meiner pflicht. 5. Wahr ist es! es ist schwer, Sein eignes herz bekämpfen, Begierden widerstehn Und seine lüfte dämpfen. Doch bleibts ja meine pflicht; Und diese schwierigkeit, Die heute mich erschreckt, Wird schwerer durch die zeit. 6. Je öfter ich vollbring, Was 278 Von der Buße Was fleisch und blut befohlen; Je stärker wird der hang, Die that zu wiederholen. Scheu ich mich heute nicht, Herr! dein feind zu sein; Um wie viel weniger Werd ich mich morgen scheun! 7. Du reichst ja kräfte dar, Uns selber zu besiegen. Der sieg, so schwer er ist, Bringt göttliches vergnügen. Geht er im anfang gleich Nur noch sehr langsam fort; So bist du, Gott! mir nah, Und stärkst mich durch dein wort. 8. Wie schnell kann nicht der tod Mich dieser welt entrücken! Und buße ist kein werk Von wenig augenblicken. Ein seufzer, Gott! zu dir, Ein wunsch nach besserung, Und angst auf missethat, Ist noch nicht heiligung. 9. So gieb denn, weil ich noch, Herr! deine stimme höre, Daß ich mich ungesäumt Von allem bösen kehre! So darf ich nicht dereinst, Zu meiner größten pein, Die hier verlorne zeit In ewigkeit bereun. Bußgesänge. Mel. Es ist gewißlich an der. 366. 3h will von mei= ner missethat Zu dir, Herr! mich bekehren; Du wollest selbst mir hülf und rath Hiezu, o Gott! oder Bekehrung. bescheeren Und deines guten geistes kraft, Der neue herzen in uns schafft, Aus gnaden mir gewähren. 2. Natürlich kann einmensch doch nicht Sein elend selbst empfinden; Er ist ohn deines wortes licht, Blind, taub, ja todt in fünden. Verkehrt ist will, verstand und thun. Des großen jammers wollst du nun, O Vater! mich entbinden. 3. Klopf durch erkenntniß bei mir an bei mir an Und führ mir wohl zu finnen, Was böses ich vor dir gethan. Du kannst mein herz gewinnen, Daß ich aus fummer und beschwer Laß über meine wangen her Viel heiße thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den reichthum deiner gnaden! Mein leben dank ich deiner hand; Du hast mich überladen Mit ehr, gesundheit, ruh und brot; Du machst, daß mir noch keine noth Bis hieher können schaden. 5. Du hast in Christo mich erwählt Tief aus der höllen fluten; Es hat mir sonst auch nicht gefehlt An manchem andern guten; Bisweilen bin ich auch dabei, Daß ich nicht sicher lebt und frei, Gestäupt mit vaterruthen. 6. Hab ich denn nun auch, Herr! Bußgesänge. Herr! vor dir Gehorsams mich beflissen? Ach nein! ein anders faget mir Mein herze und gewissen; Darin ist leider nichts gesund; An allen orten ist es wund, Vom sündenwurm gebiſsen. 7. Die thorheit meiner jungen jahr Und alle schnöde sachen Verklagen mich zu offenbar; Was soll ich armer machen? Sie stellen, Herr, mir vors gesicht Dein unerträglich zorngericht, Der höllen offnen rachen. 8. Ach! meine gräuel allzumal Schäm ich mich zu bekennen; Thr'r ist auch weder- maß noch zahl, Ich weiß sie kaum zu nennen. Du kennst sie alle, Gott! allein, Und wolltest du bloß richter sein, So müßt ich ewig brennen. 279 11. Wo bleib ich denn in solcher noth? Nichts helfen thor und riegel. Wo flieh ich hin? o morgenroth, Ertheil mir deine flügel! Verbirg mich, o du fernes meer! Bedecket mich, fallt auf mich her, Ihr klippen, berg und hügel! 9. Bisher hab ich in sicherheit Fast unbesorgt geschlafen, Gesagt: es hat noch lange zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen; Er fähret nicht mit unsrer schuld So strenge fort; es hat geduld Der hirt mit seinen schafen. 10. Jetzt aber all's zugleich erwacht, mein herz will mir zerspringen; Ich sehe deines donners macht, Dein feuer auf mich dringen; Du regeſt wider mich zugleich Des todes und der Höllen reich, Die wollen mich verschlingen. 12. Ach all's umsonst! und wenn ich gar Könnt in den himmel steigen Und wieder in die höll, alldar Mich zu verbergen, neigen; Dein lichtstrahl dringt durch alles sich, Du wirst da meine schuld und mich Der lichten sonne zeigen. * 13. Herr Jesu! nimm mich zu dir ein, Ich flieh zu deinen wunden; Laß mich da eingeschlossen sein Und bleiben alle stunden. Dir ist ja, o du gotteslamm! All meine schuld am freuzesstamm 3u tragen aufgebunden. 14. Dies stell du deinem vater für, Daß er sein herze lenke, Daß er sich gnädig kehr zu mir, Nicht meiner Und wegen sünden denke dieser straf und last, Die du auf dich genommen hast, Ins meer sie alle sente. 15. Hierauf will ich zu jeder zeit Mit ernst und sorgfalt meiden All böse lust und eitelkeit und lieber alles leiden, Denn daß ich sünd aus vorsag thu. Ach, Herr! gieb Von der Buße oder Bekehrung. 280 gieb du stets kraft dazu, Bis von hier werd scheiden. Mel. Herzliebster Jesu, was. 367. Aus einem tief vor dir gebeugten Herzen Ruf ich zu dir in meinen fündenschmerzen. O mache mich, Gott! meines fummers ledig Und sei mir gnädig! 2. Beschämt erkenn und fühl ich meine sünden. Laß, Vater! mich erbarmung vor dir finden. Willst du auf schuld und übertretung sehen, Wer wird bestehen? 3. Bei dir allein, Herr! steht es, zu vergeben. Du willst nicht, daß wir sterben, sondern leben; Uns soll die größe deiner liebe lehren, Dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir, Herr! alle meine fehle; Dein har-, ret, Vater! meine müde seele. Laß trost und ruh, um des versöhners willen, Mein Herz erfüllen. 5. Vom abend an bis an den frühen morgen Hoff ich auf dich; o stille meine sorgen! Du schenkest ja beladenen und müden Gern deinen frieden. 6. Ja, hoffe nur, mein herz, auf Gottes- gnade! Viel größer ist sie, als dein seelenschade, Und endlich wird sie dich von allem bösen Herrlich erlösen. 368. Aus tiefer noth schrei ich zu dir, Herr Gott! erhör mein rufen. Dein gnädig ohr neig. her zu mir Und meiner bitt es öffne. Denn so du willst das sehen an, Was fünd und unrecht ist gethan, Wer kann, Herr! vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn gnad und gunst, Die sünde zu vergeben: Hiezu ist unser thun umsonst, Auch in dem besten leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; Es muß dich fürchten jedermann Und deiner gnade leben. 3. Darum auf Gott wills hoffen ich, Auf mein verdienst nicht bauen; Auf ihn mein herz soll lassen sich Und seiner güte trauen, Die mir zusagt sein werthes wort: Das ist mein troſt und treuer hort, Deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die nacht Und wieder bis zum morgen; Soll doch mein herz an Gottes macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thut der fromme rechter art, Der aus dem geist erzeuget ward Und seines Gottes harret. 5. Ob bei uns ist der sünden viel; Bei Gott iſt viel mehr gnade. Sein' hand zu helfen hat kein ziel, Wie groß Bußgefänge. groß auch sei der schade. Er ist allein der gute hirt, Der Israel erlösen wird Aus allen seinen fünden. * 6. Chr sei dem vater und dem sohn Und auch dem heilgen geifte, Als es im anfang war und nun, Der uns sein' gnade leiste, Damit wir gehn auf seinem pfad, Daß uns des teufels list nicht schad; Wer das begehrt, sprech: amen! Mel. Mein Gott, ich bin jeßt. 369. Herr! r! an dir hab ich gesündigt; Dein gerechter urtheilsspruch, Allerheiligster! verfündigt Jedem übertreter fluch. Und was kann vor deinen schrekfen, Richter aller welt! mich decken? 2. Kann ich deinem arm entfliehen? Du bist allenthalben nah. Flöh ich, dir mich zu entziehen, Himmel an, so bist du da; Stürzt ich in die tiefe nieder, Deine rechte faßt mich wieder. 3. Herr! ich flieh in deine hände; Außer dir ist keine ruh. Dein erbarmen hat kein ende; Wer ist gnädiger, als du? Du bist Gott und kannst vergeben; Ach, vergieb und laß mich leben! 281 mich zu dulden, Deine langmuth müde wär, Müßt ich, würdest du nur winken, In des todes nacht versinken. 4. Groß sind meine sündenschulden; Ihre last ist mir zu schwer. Ja, wenn, länger 5. Mich für straflos zu erklären, Reicht nicht bloße reue zu. Und zerflöß mein herz in zähren, Fänd ich darum doch nicht ruh. Können eines sünders thränen Dich, o heiliger! versöhnen? 6. Jesu! nichts als dein erbarmen, Dein für mich vergoßnes blut Und dein tod erlöst mich armen, Heilet. mich und giebt mir muth. Dein verdienst ists, was mich decket, Wenn mich dein gerichtstag schrecket. 7. Rette mich von meinen sünden: Schaff ein reines herz in mir. Laß bei dir mich ruhe finden, Zieh mich immer mehr zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, Mein erlöser! dir zu leben. Mel. Mein Herz und seel den. 370. Hier liege ich, Gott, vor dir tief ge= beuget, Da wider mich mein ganzes Leben zeuget. Ach, Herr! sich mich doch mit erbarmen an; Bestrafe nicht, was ich bisher gethan. ver2. Ich muß mich selbst vor dir, mein Gott! klagen: D, was für schuld hab ich dir abzutragen! Wie schrecklich ist und doch gerecht der 282 Von der Buße der tod, Den dein geseß den schnöden fündern droht! 3. Und doch war ich bisher zum guten träge, Betrat so gern, so oft verbotne wege; Schlug gleich das herz in meiner bangen brust: So fehlte doch zur beßrung fraft und luft. 4. Wie manches ist aus leichtsinn unterblieben, Ob mir es gleich stand und beruf vorschrieben! Wie manche that ward doch von mir gewagt, Obgleich dein wort fie ernstlich untersagt! 5. Wie oft hab ich dies wort hintan gesetzet, Den bund, den du mit mir gemacht, verletzet, Mich nicht vor dir, gerechter Gott, ge= scheut Und nicht gedacht an tod und ewigkeit! 6. schnöde frucht von unerlaubten freuden, Die mich von Gott und meinem glücke scheiden! Wie reuet mich jetzt die verlorne zeit, Die ich dem dienst der eitelteit geweiht! 7. Nicht reu und leid, nicht eine flut von thränen, Kein engel selbst kann mich mit Gott versöhnen. Nur Jesu tod verschafft beruhigung, Bei meinem wunsch nach lebensbesserung. 8. Darum vergieb durch ihn mir meine sünden! Laß, Bater, mich durch ihn doch oder Bekehrung. gnade finden; Ach, laß mich doch auf dies mein sehnlich flehn Nicht ohne trost von deinem antlig gehn! 9. Du kennst und liebst die schafe deiner heerde, Willst, wenn eins irrt, daß es gerettet werde. Ach, rette mich, ich habe mich verirrt; Nun kehr ich um; dein ruf hat mich gerührt. 10. Laß über mich im himmel freud entstehen, Wenn engel meine buß und rückfehr sehen. Nie thu ich mehr, was ich bisher gethan! Nur führe mich dein geift auf ebner bahn! Mel. Ach Gott vom himmel. 371. O Vater der barmherzigkeit! Ich. falle dir zu fuße. Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut rechtschaffne buße; Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große güte. 2. Durch deiner allmacht wunderthat Nimm von mir, was mich quälet. Durch deine weisheit schaffe rath, Woran mir sonst es fehlet. Gieb willen, mittel, fraft und stärk, Daß ich mit dir all meine werk Anfange und vollende. 3. D Jesu Christe! der du hast Am kreuze für mich armen Getragen aller sünden laft, Bußgesänge. laft, Du wollst dich mein erbarmen! wahrer Gott, o Davids sohn! Erbarm dich mein, und meiner schon! Erhör mein sehnlich rufen! 4. Laß deiner wunden theures blut, Dein' todespein und sterben Mir kommen kräftiglich zu gut, Daß ich nicht müß verderben! Bitt du den vater, daß er mir Im zorn nicht lohne nach gebühr, Wie ich es wohl verschuldet. 5. O heilger Geist, du wahres licht, Regierer der gedanken! Wenn mich die sündenlust anficht, Laß mich nicht von dir wanken; Verleih, daß nun und nimmermehr Begierd nach wollust, geld und ehr In meinem herzen herrsche! 6. Und wenn mein stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des satans trug und list Durch Christi sieg mag dämpfen: Aufdaß mir krankheit, angst und noth Und dann der letzte feind, der tod, Nur sei die thür zum leben. 283 zen, Gott! mein flehn, Und meine thränen sind vor dir. Mein Gott! wann läsfest du dich sehn? Wie lang entfernst du dich von mir? 3. Geh, Herr! mit mir nicht ins gericht, Vergilt mir nicht nach meiner schuld. Noch bleibst du meine zuversicht, Du Gott der langmuth und geduld! 4. Erfülle selbst, allgütiger! Mein herz vor dir mit freudigkeit. Es ist dein ruhm von alters her: Du bist ein Gott, der gern erfreut. 5. Dir trau ich; lehre mich, wie gut, Wie heilig deine rechte sind. Laß mich sie thun mit frohem muth, Du bist mein vater, ich dein find. Mel. Wenn wir in höchsten nöth. 372. An dir hab ich gefündigt, Herr! Und übel oft vor dir gethan. Du siehst die schuld, allwissender! Ach, sieh auch meinen jammer an! 2. Du kennst mein seuf6. Herr! eile du mir beizustehn Und leite mich auf ebner bahn. Er hört, der herr erhört mein flehn Und nimmt sich meiner seele an. Mel. Christus, der uns selig. 373. Gott, mein Va= ter! ich, dein find, Falle vor dir nieder. Siehe, was mein herz empfind't, Und erbarm dich wieder! Groß ist meine sündenschuld, Die mich innigst reuet; Größer deine vaterhuld, Die mich noch erfreuet. 2. 3war, ich bins nicht werth, zu dir Kindlich aufzu= 284 Von der Buße zusehen. Doch du bleibst ein vater mir, Du vernimmst mein flehen, Kennst mein Kennst mein herz, ermunterst mich, Es vor dir zu stillen. Du erhörst mich väterlich noch um Christi willen. 3. Du bist meine zuversicht; Außer dir ists feiner. Dein geschöpf verwirfst du nicht, Gott! dich jammert seiner; Der du deinen sohn für mich In den tod gegeben. Sein erlöster bin auch ich, Theur erkauft zum leben. 4. Dies, dies soll in jedem schmerz Mein vertraun erwecken; Vor der sünde soll mein herz, Nicht vor dir, erschrecken. Trauen will ich, Vater! dir, Stets die fünde hassen, Nie vergessen, daß du mir So viel schuld erlassen. 5. Preis sei dem allgütigen, Der mein seufzen kennet! Der dem gnadesuchenden Freien zutritt gönnet! Dank, o feele, danks dem herrn, Fließ von freuden über: Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, Er begnadigt lieber. 6. Ewig bist du so gesinnt, Schöpfer meiner seele! Ach, wenn ich, dein strauchelnd find, Noch aus schwachheit feble: So gedenkst du, der du weißt, Daß mein herz dich ehret, Idh) sei staub; und du verzeihst Dem, der wiederkehret. oder Bekehrung. 374. Ach Gott und Herr! Wie groß und schwer Sind meine vielen sünden! Wie drückt mich doch Des elends joch! Wo kann ich hilfe finden? 2. Flöh ich gleich weit, Voll bangigkeit, Bis an des erdreichs enden, Der angst und pein Befreit zu sein: Würd ich sie doch nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich, Verstoß mich nicht, Der ichs so sehr verdienet. Ach, geh doch nicht, Gott, ins gericht! Dein sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so sein, Daß straf und pein Auf sünde folgen müssen; So fahr hier fort, Nur schone dort Und laß mich hier wohl büßen. 5. Erlaß die schuld! Gieb mir geduld Und ein gehorsam herze: Daß ich mein heil, Mein bestes theil, Durch murren nicht verscherze. 6. Machs, wie es dir Gefällt mit mir; Du stärkst mich, es zu leiden. Nur wollst du mich nicht ewiglich Von deiner gnade scheiden. 7. Das thust du nicht; Mit zuversicht Kann es mein glaube hoffen. Durch Christi tod Steht ja, mein Gott! Auch mir der himmel offen. 8. Herr Jesu Christ! Mein' zuflucht ist Das kreuz, an dem du starbest, Und mir zu Bußgesänge. zu gut mit deinem blut Die seligkeit erwarbest. 9. Dies tröstet mich. Und ob auch sich Mein leib und seele scheiden; So werd ich dort, Bei dir, mein hort! Grerben ewge freuden. 10. Dir, Gott, sei ruhm! Dein eigenthum Bleib ich in Jesu namen. Ich zweifle nicht; Mein heiland spricht: Wer glaubt, wird selig. Amen. Mel. Auf meinen lieben Gott. 375. Wo soll ich fliehen hin, Da ich beschweret bin Mit viel und großen fünden? Wo kann ich rettung finden? Wenn alle welt herkäme, Die angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu, voller gnad! Auf dein gebot und rath Kommt mein betrübt gemüthe Zu deiner großen güte. Laß du auf mein gewissen Ein gnadentröpflein fließen. Ich, dein betrübtes kind, Werf alle mein sünd, So viel ihr'r in mir stecken, Und mich so heftig schrecken, In deine tiefe wunden, Wo ich stets heil gefunden. 3. 285 5. Du bist der, der mich tröst't, Weil du mich selbst erlöst. Was ich gesündigt habe, Hast du verscharrt im grabe: Da wollst du es verschließen, Da wirds auch bleiben müssen. 4. Durch dein unschuldig blut, Die schöne rothe flut, Wasch ab all meine sünde; Mit trest mein herz verbinde Und ihr'r nicht mehr gedenke, Ins meer sie tief versenke. 6. Ist meine sünde groß, So werd ich ihr doch los, Wenn ich dein blut auffaſſe, Und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, All angst dem bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel; Doch was ich haben will, Ist alles mir zu gute Erlangt mit deinem blute, Womit ich überwinde Tod, teufel, höll und fünde. 8. Und wenn des satans heer Mir ganz entgegen wär, Darf ich doch nicht verzagen: Mit dir kann ich sie schlagen. Dein blut darf ich nur zeigen. So muß ihr trop bald schweigen. 9. Dein blut, der edle saft, Hat solche stärk und fraft, Daß es kann ganz alleine Die welt von sünden reine, Ja aus des teufels rachen Frei, los und ledig machen. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ! verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verderben, Dein reich muß ich ererben: Denn du hast mirs er= 286 Von der Buße erworben, Da du für mich geſtorben. 11. Ach, führ mein herz und sinn Durch deinen geist dahin, Daß ich mög alles meiden, Was mich und dich kann scheiden; Daß ich an deinem leibe Ein gliedmaß ewig bleibe. * 12. Amen zu aller stund Sprech ich aus herzens grund; Du wollest mich ja leiten, Herr Chrift! zu allen zeiten: Aufdaß ich deinen namen Ewiglich preise. Amen! Mel. Herzlich lieb hab ich. 376. Vor dir, Herr Jesu, steh ich hier; Mein Herz schnt sich nach troft bei dir. Was darf ich armer sagen? Ach! groß iſt meine missethat; Doch, Mittler! deine huld und gnad Läßt sünder nicht verzagen. Herr Jesu! dein verdienst allein Macht mich von allen sünden rein, Wenn ich in wahrer reu und buß An dich glaub und dir fall zu fuß. Herr Jesu Christ! Ich glaub an dich, ich traue dir! Ich will mich bessern; hilf du mir! 377. Herr Jesu Christ, du höchstes gut! Du zuflucht der erlösten! Ich komme mit gebeugtem muth Zu dir, mich dein zu oder Bekehrung. trösten; Durch dich zum vater mich zu nahn, Von ihm vergebung zu empfahn Und fraft zum neuen leben. 2. Wie drückt mich meiner sünden last! Nimm sie von meinem herzen, Der du für mich gebüßet haft Am freuz mit todesschmerzen; Damit ich nicht vor angst und weh In meinen sünden untergeh, Nicht ohne trost verzage. 3. Denn, ach! denk ich mit ernst zurück An mein geführtes leben, An das von mir verscherzte glück; Was soll dann trost mir geben? Trost giebt mir dein verdienst allein; Ich würde ganz verloren sein, Wenn ich dein wort nicht hätte. 4. Dies ewig theure wort verheißt Heil allen, die beVon reu und klommen schmerz, mit bangem geist Im glauben zu dir kommen, Und dann, vom fündenjoch befreit, In wahrer glaubensheiligkeit Zu deiner ehre wandeln. 5. Zu dir flieh ich auf dein gebot, Versöhner meiner sünden! Ach, laß bei dir in meiner noth Mich trost und rettung finden! Erbarme, Herr, dich über mich! Vergieb mir, was ich wider dich Von jugend auf begangen. 6. schenke mir die seligkeit, Mein herz vor dir zu ſtil= 287 seiner noth. Dieser trost erquickt auch mich. Gläubig, Vater! fleh ich dich, Laß für meine schweren sünden Auch mich armen gnade finden. 4. Dein sohn selbst kam auf die erde Und vergoß sein theures blut, Daß ein jeder selig werde, Der hier glaubt und buße thut. Ach, sein 7. Stärt mich mit deinem freudengeist, Heil mich mit deinen wunden! Hilf mir, wie du zu helfen weißt, In meinen legten stunden; Und kreuz und dornenkron Bring nimm mich dann, wann dirs auch ich vor deinen thron; gefällt, Im wahren glauben Durch sein heilig blutvergieaus der welt zu deinen ßen Laß Zu deinen Ben Laß auf mich erbarauserwählten. mung fließen. 5. Längst zwar sollt ich sein gekommen; Doch, Herr! deiner gütigkeit Ist dadurch noch nichts entnommen; Noch, noch ist die gnadenzeit. Keine buße ist zu spät, Wenn sie nur von herzen geht: D, so wird ja auf mein flehen Gnade noch für recht ergehen! Bußgesänge. stillen; Getrosten muth, entschlossenheit, zu thun nach deinem willen. O leite mich auf ebner bahn, Daß, dir gehorsam, ich fortan Nur dir zu ehren lebe! Mel. Jesu, deine heilge wunden. 378. Bater! laß mich gnade finden, Tröste meinen blöden sinn, Der ich wegen meiner sünden Tief gebeugt und traurig bin! Siehe, mein Gott! wie ich hier Jetzt vor deiner gnadenthür, Gleich dem zöllner, schamroth stehe Und dich um vergebung flehe. 2. Du bist heilig, ich hingegen Bin voll ungerechtigfeit. Was kann dich zur huld bewegen? Ach, auf deine gütigkeit Seß ich meine zuversicht: Denn, Herr! sollte dein gericht Ueber mich nach recht ergehen, Wie würd ich vor dir bestehen? 3. Doch nach deines wortes lehre Willst du feines sünders tod, Sondern daß er sich bekehre Und frei werde 6. Gott, du Gott der lieb und treue! Laß durch Jesu tod und pein Meine späte buß und reue Dir noch wohlgefällig sein. Denke doch nicht weiter dran, Wie viel böses ich gethan. Mein undankbar fündenleben Wollst du huldreich mir vergeben. 7. Vater, heilige mich sünder! Sieh nicht an, was ich gethan! Nimm mich unter deine finder Wiederum aus gnaden an! Und dann rühm und preis ich dich, Vater, jegt und ewiglich! Höre Von der Buße oder Bekehrung. 288 Höre mich in Jesu namen! Sprich zu meinen bitten: amen! Mel. Wer nur den lieben. A. M. 379. Gott! dir gefällt kein gottlos wesen; Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum laß von sünden mich genesen Und schaff ein reines herz in mir, Ein herz, das sich vom sinn der welt Entfernt und unbefleckt erhält. 2. Laß mich auf die begangnen sünden Mit inniger beschämung sehn, Durch Christum vor dir gnade finden Und auf dem weg der tugend gehn. Ich will forthin das unrecht scheun Und deinem wort gehorsam sein. 3. D stärke mich in dem gedanken, Gieb meinem vorfaz festigkeit! Und will mein schwaches herz je wanken, So hilf der unentschlossenheit. Wie viel vermag ich. Gott, mit dir! Nimm deinen geist nur nicht von mir! 4. Gieb, daß er mir stets hilfe leiste Und muth und fräfte mir verleih, Daß ich mit findlich treuem geiste Dir bis zum tod ergeben sei: So sieg ich über fünd und welt Und thue, was dir wohlgefällt. 5. Wenn ich indeß aus schwachheit fehle, Mein Vater! so verwirf mich nicht. Verbirg nicht der betrübten seele, Wenn sie dich sucht, dein angesicht; Und mache in bekümmerniß Mein herz von deiner huld gewiß. 6. Erquicke mich mit deinen freuden, Schaff ein getroftes herz in mir und stärke mich in allen leiden; So balt ich mich, mein Gott! zu dir, Bis nach vollbrachter prüfungszeit Mich ungestörte ruh erfreut. Mel. Werde munter, mein gem. 380. Höchster! denk ich an die Die du mir bisher erzeigt; so wird mein ganz gemüthe Zu der tiefsten scham gebeugt, Daß ich dich gering geschäßt, Häufig dein gebot verlegt, Und dich, der mich so geliebet, Doch so oft und schwer betrübet. 2. Alle meine seelenkräfte, Meine glieder sind ja dein, Und sie sollen zum geschäfte Deines dienstes fertig sein, Doch hab ich der eitelfeit Unbedachtsam sie geweiht; Ja zum schnöden dienst der sünden Ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine huld war jeden morgen Ueber mir, o Va= ter! neu. Von wie manchen schweren sorgen Machtest du mein herze frei! Meine Bußgesänge. 289 Meine hilfe tam von dir! tig bei, Mache du mich selbst Was mir nüßte, gabst du recht treu. Dich zu lieben, mir; Gleichwohl hab ich so dir zu leben, Sei mein vermessen Den dir schuld'gen herzliches bestreben! dant vergessen. 4. Bei so hellem licht der gnaden Sollt ich ja die fünde fliehn, Und um rettung von dem schaden Meiner seele mich bemühn. Deine güte lockte mich zu der buße; aber ich Floh vor ihrem sanften locken, Suchte selbst mich zu verstocken. 5. Ich erkenne meine sünden, Beuge mich, mein Gott! vor dir. Laß mich bei dir gnade finden, Neige, Herr! dein ohr zu mir! Ach, vergieb, was ich gethan! Nimm mich noch erbarmend an! Führe mich vom sündenpfade Auf den sel'gen weg der gnade; 6. Dir ergeb ich mich aufs neue. Gieb, daß mein gebeugter geist Deiner vaterhuld sich freue, Die dein tröstend wort verheißt. Was dein sohn auch mir erwarb, Als er für die fünder starb, Fried und freude im gewissen, Laß mich, Vater! auch genießen. 7. Stärke selbst in meiner seele Den entschluß, mich dir zu weihn. Gieb, daß mirs an kraft nicht fehle, Folgsam deinem wort zu sein. Stehe mir stets mächN. A. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 381. Grbarm dich, Herr! mein schwaches herz, Geneigt zu eitelkeiten, Läßt bald durch freude, bald durch schmerz Sich auf den irrweg leiten. Gleich einem rohr, vom wind bewegt, Wankt auch, von leidenmeine schaft erregt, Oft schwache seele. Wann komm ich zu der wahren ruh, Daß ich recht feste tritte thu, Und nur das gute wähle? 2. Laß doch mein herz nicht fernerhin In seiner neigung wanken. Stärk meinen ungewissen sinn Zu festeren gedanken, Wenn von der luft zur eitelkeit Mich deines geistes kraft befreit; Wie will ich dir lobsingen! Mich gänzlich deinem dienst zu weihn, Soll stets mein ernster wille sein. Gieb dazu das vollbringen! 3. Doch wenn ich auf der tugend pfad Bisweilen gleitend walle, So unterstüße deine gnad Mich vor dem nahen falle. Wenn in mir böse lust aufsteigt, Und ich zum weichen bin geneigt; So lenke meinen willen. Erhebe meinen schwachen muth, 19 Daß Von der Buße oder Bekehrung. 290 Daß ich der leidenschaften wuth Durch dich, Herr! möge stillen. 4. Mein Gott, mein Gott! gedenke nicht Der sünden meiner jugend! Wie hart schien mir oft meine pflicht, Wie rauh die bahn der tugend! Und doch trugst du mich mit geduld. Laß, Vater! laß mich diese huld Nicht undankbar verachten. Dir folgen ist mein wahres heil; laß michs als mein bestes theil Auch immerfort betrachten! 5. Ich bin ein mensch; du fennest mich. Wie schwach find meine fräfte! Doch meine seele hofft auf dich; Du wirst zu dem geschäfte Der heiligung mir kraft verleihn, Mein herz je mehr und mehr erneun, Vor dir gerecht zu leben. Ich aber will hier in der zeit Und einst in der vollkommenheit, Herr! deine kraft erheben. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 382. Grbarmer deiner menschenkinder, Du, der allein begnad'gen kann, sich auch mich gebeugten fünder Mit schonung und erbarmen an. Ich fühle reuend meine schuld, Den mißbrauch deiner vaterhuld. 2. Wie oft hab ich dir nicht versprochen, zu fliehn der übertretung schmach! Und doch hab ich so oft gebrochen, Was ich dir feierlich versprach. Anstatt der fünde reiz zu fliehn, Ließ ich doch in ihr net mich ziehn. 3. Wie beugt dies mich! wie ist mir bange Um trost in dieser meiner noth! Wer rettet mich vom untergange, Den dein gesetz den sündern droht? Mein ganz vertraun set ich auf dich, Du, freund des lebens, rette mich! 4. Es floß ja auch für meine fünden Des welterlösers theures blut. D, laß mich durch ihn gnade finden, Und mache mich gerecht und gut. Sprich, mein erbar= mer! sprich zu mir: Die ganze schuld erlaß ich dir! 5. dir, Ich schwör es mein Gott! aufs neue: Mein Herz soll dir gewidmet sein; Dir will ich nun mit ernst und treue Hinfort mein ganzes Leben weihn. Der fünde will ich widerstehn Und standhaft deine wege gehn. 6. Doch ich bin schwach, wer wird mich stärken? Wer helfer in versuchung sein? Wer mir zum fleiß in guten werken Kraft und beständigkeit verleihn? Du kannst es, meine zuversicht! D stärke mich, so wank ich nicht. Bei Bei täglichen Schwachheitssünden. Bei täglichen Schwachheitssünden. Mel. Erhalt uns, Herr, bei. 383. 3d ch erd und asche, wer bin ich, Weltrichter! daß du meiner dich Erbarmst, daß du noch meiner schonst, Und mir nicht nach verdienste lohnst? 2. 3um glauben und zum thun zu schwach, Giebt oft mein Herz der fünde nach. Ich kämpf, o Vater! nicht genung Den kampf der ernsten heiligung. 3. Wie leicht ist von der rechten bahn Zum irrweg doch der schritt gethan! Wie schnell! mein ganzes herz erschrickt, Wenn es in diesen abgrund blickt! 4. Wie nahe gränzt die missethat An unsers herzens bösen rath! Wie bald wird frevel selbst verübt, Wenn man erst schwachheitsfehler liebt! 5. Vertreib, o Gott! des irrthums nacht! Entreiße mich der fünden macht! Wie glänzet deiner streiter schaar, Die einst, wie ich, auf erden war. 6. Und die nun, weil sie überwand, Den lohn em pfängt aus deiner hand! Sie sind gekrönt, ich noch im streit: D, gieb auch mir beständigkeit! 291 7. Schmal ist der weg zu Gottes höhn, Und wenige sind, die ihn gehn: Die pført ist eng, und der nur dringt Durch sie zu Gott empor, wer ringt. 8. Ach, Herr! vor deinem angesicht Fleh ich und bete: laß dein licht mir leuchten, Vater! laß mich dein Sm leben und im tode sein. 9. Der mir in Christo alles gab, Gott! schaue doch auf mich herab! Auf mich, der fünde schnellen raub, Den himmelserben und den staub! 10. Erbarm dich mein und steh mir bei, Daß ich des kleinods würdig sei, Das Christus mir so theur erwarb, Als er für mich am kreuze starb. 11. Ja, du erbarmest über mich, Versöhnter Gott und Vater! dich. Vom leibe dieses tods befreit, Schau ich einst deine herrlichkeit; 12. Wo dann mein herze nicht mehr wankt Und dir, Gott! ewig, ewig dankt, Daß mich dein gnadenlohn beglückt Und deiner sieger krone schmückt. Mel. Was Gott thut, das iſt. 384. Ach! wird denn dein erlöster nie Frei vom gesetz der fünden? Ich kämpfe täglich wider sie Und kann nicht überwinden. 19* Ich Von der Buße oder Bekehrung. 292 Ich haß ihr joch, Und trag es doch! Du siehst, Herr, dem ichs klage, Wie ungern ich es trage! 2. Weit mehr, mein Gott! betrübt mich dies, Als alle noth der erde, Daß ich noch immer nicht gewiß Und fest im guten werde. Wie fürcht ich mich, Ich werde dich. Durch fleisch und blut getrieben, Nicht treu, nicht ewig lieben. 3. Doch ich will ruhig sein in dir; Du giebst nicht nur den willen, Auch das vollbringen schenkst du mir Und wirst mein herze stillen. Ja, dein gericht Verdammt uns nicht, Daß wir nicht schon auf erden, Wie engel, heilig werden. 4. Wir gehn in unvollkommenheit Auf dieses lebens pfade; Doch unsre schwache frömmigkeit Belohnst du auch mit gnade. Das herz soll rein Von bosheit sein: So willst du die gebrechen Der finder ja nicht rächen. 5. Ich weiß, du, mein Herr Jesu Christ! Christ! Haft meine schuld getragen. Weil du für mich gestorben bist, So darf ich nicht verzagen. Durch dich allein Bin ich ganz rein, Und dein verdienst bedecket Die schuld, die mich beflecket. 6. Dies giebt mir kraft und freudigkeit, Im kampf zu überwinden. Von jeder fünde ganz befreit, Werd ich einst ruhe finden: Denn dort wird sie mein herze nie Vondeiner liebe trennen, Mich nie versuchen können. Nach dem Rückfalle in Weltsinn und Laster. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 385. Du, der alles ſieht und fennet, Ewiger! du kennst auch mich. Ach, ich bin von dir getrennet, Vater! ach, erbarme dich! Höre mein gebet, mein sehnen, Sieh die inbrunst meiner thränen, Schenk mir ferner deine huld Und vergieb mir meine schuld. 2. Forsche selbst in meinem herzen, Sieh, es fehlt und wanket noch, Und mit unruhvollen schmerzen Fühlet es Strauder sünde joch. chelnd, ungewiß und träge, Geht mein fuß der tugend wege; Nur zu oft noch sieht mein blick Auf des lasters bahn zurück. 3. Ach! als einst vor meinen blicken Der verblendung nebel schwand, Und mein auge voll entzücken, Gott! dein antlig wieder fand; Wie war da der reiz der sünden Mir so leicht zu überwinden! Ihre Nach dem Rückfalle in Ihre schrecken sah ich nur, Aber keiner lockung spur. 4. Wenn, von andacht hingerissen, Ich den himmel offen sah, Lag die welt zu meinen füßen, Und, Gott! deinem throne nah, Mischt ich in der engel chöre Den gesang von deiner ehre, Von der huld, die ewig liebt, Sünden decket und vergiebt. 5. Welche ruhe, welcher friede Wohnte da in meiner brust! Eitelkeit, dein war ich müde! Sünd, ich flohe deine lust! Welt, ich ließ dir deine gaben! Mir war, Gottes huld zu haben und ein herz, das ihn verehrt, Mehr als erd und himmel werth. 6. Ihr, dem beten heilge stunden! Voller ruhe, voll gewinn, Ach, wohin seid ihr verschwunden? Glut der andacht, ach! wohin? Oft noch such ich Gott durch zähren, Durch gebet und flehn zu ehren; Doch der welt geräusch zerstreut Des gebetes brünstigteit. 7. Wenn die menge der verächter meines frommen wandels lacht, Aus der andacht ein gelächter, Aus dem beten thorheit macht; Wenn sie spöttisch auf mich sehen, Mich und meinen glauben schmähen: Dann vergeß ich meine pflicht; Ich bekenne Jesum nicht. Weltsinn und Laster. 293 8. Unter der verfolger steinen Bebten Jesu zeugen nie; Seine wahrheit zu verneinen, 3wang nicht drohn, nicht folter sie. Auf der marter rauhen wegen Gingen sie dem lohn entgegen, Sahn den himmel offen stehn, Konnten so den tod verschmähn. 9. Der du sie mit kraft von oben Zu dem kampfe stark gemacht Und zu deinem thron erhoben, Wo kein feind mehr ihrer lacht; Hilf auch mir den spott bezwingen! Hilf auch mir den lauf vollbringen! Vater! bis ans ende sei Dir mein ganzes herz getreu. 10. Wer getreu bleibt bis ans ende Und nicht achtet spott und hohn, Dem bereiten Gottes hände Eine ewge siegeskron. Kampf und müh ist nicht vergebens; Gott giebt ihm vom baum des lebens, Und er kommt nicht ins gericht, Stirbt des ewgen todes nicht. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 386. Mein Gott! du bists, zu dem ich flehe, Erbarme dich, erbarme dich! barme dich! Noch einmat sich von deiner höhe Mit gnadenvollem blick auf mich! Erbarme dich und geh noch nicht mit mir ins strenge. zorngericht! 2. Wie 294 Von der Buße 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, Wenn um begnadigung ich bat! Wie oft verhieß ich dir ein leben, Gereiniget von missethat! Wie feierlich war dann mein eid Des glaubens und der frömmigkeit! 3. Ach! aber bald ergriff mich wieder Die fünd und ihre luft mit ihr, Riß meinen ganzen vorsatz nieder Und herrschte, wie vorher, in mir; 3um widerstande nicht zu schwach, Gab ich doch ihrer reizung nach. 4. Wie viele sündenvolle tage Durchlebt ich, Vater! als im traum, Und sammelte mir schmach und plage, Und fühlte dies mein elend kaum! Verwundet blutete mein herz; Betäubt empfand ich keinen schmerz. 5. Nun bin ich nah dem untergange, Den dein gereizter zorn mir droht. Um trost wird meiner seele bange, Um einen retter aus der noth. Mein richtendes richtendes gewissen wacht, und alles um mich her ist nacht. 6. 3u wem, o Vater! soll ich fliehen? Wo findet meine feele ruh? Wer kann fie aus dem abgrund ziehen, In dem sie seufzet, als nur du? Mein ganz vertraun seg ich auf dich; Du freund des lebens, rette mich! oder Bekehrung. 7. Für meine wiederholten fünden Floß auch des weltversöhners blut. Ach, laßmich wieder gnade finden Durch meinen glauben an sein blut! Ach, sage, höchster richter! mir: Auch diese schuld erlaß ich dir. 8. Gott! sei mein zeuge, da ich schwöre: Mein herz soll dir gehorsam sein! Dir, deinem willen, deiner ehre, Will ich mein ganzes leben weihn. Der sünde will ich widerstehn Und standhaft deine wege gehn. 9. Vergiß nicht wieder, meine seele, Wie oft du schon gefallen bist, Merk auf die heiligen befehle Des Gottes, der dein retter ist; Ruf ihn im glauben täglich an: Erhalt mich, Herr! auf ebner bahn. 10. Ja, ich bin schwach: du wollst mich stärken, Mein helfer in versuchung sein, Zum glauben und zu guten werken Mir kraft und freudigkeit verleihn! So steh ich fest und wanke nicht, Und du bleibst meine zuversicht! Mel. Wer nur den lieben. A. M. 387. Ah! abermal bin ich gefallen Mit überlegung und mit wahl! Tief, o wie tief bin ich gefallen, Vielleicht noch nicht zum letztenmal! Elender fünder, Nach dem Rückfalle in Weltsinn und Laster. 295 schwunden; Mein herz schlug, mein gewissen rief. Gott, richter! ich gedacht an dich, Und dennoch, dennoch sündigt ich. 7. O tief verborgne sündenliebe, Wie werd ich endlich frei von dir? Wie überwind ich deine triebe, Und dämpfe dich und sie in mir? Gott, mein erbarmer! hör mein flehn Und lehre mich ihr widerstehn! aschin 8. Liebt ich dich nur so, wie ich sollte, So flöh die lust zur sünde mich; Wenn sie mich auch versuchen wollte, Geläng es ihr nicht wider dich; Durch deiner wahren liebe kraft Würd ihre macht hinweggeschafft. der, der ich bin, In welchen abgrund eil ich hin! 2. O die verhaßte lieblingsfünde, die gewohnheit böser lust, Der hang, Der hang, den ich zu ihr empfinde, Wie wüthen sie in meiner brust! Wie unumschränkt, wie fürchterlich Ist ihre herrschaft über mich! 3. Längst warnte schon mich mein gewissen: Mensch, du empörst dich wider Gott! Von böser lust dahin gerissen, Betrogner, eilst du in den tod! Dir raubt die sünd in kurzer zeit Dein glück in zeit und ewigkeit. 4. Wie oft hab ich mir vorgenommen: Nun will ich meine fünde fliehn; Rein und unsträflich und vollkommen Zu wandeln, will ich mich bemühn! Wie oft, o Gott, hat mein gebet Um fraft dazu dich angefleht! 5. Bald reizt aufs neue mich die fünde: Wie schwach war gleich mein widerstand! Ach! sie gefiel mir, und geschwinde Ergriff sie mich und Die lust verschwand mir im genuß; Nun folgten efel und verdruß. überwand. 6. Auch diesmal bin ich überwunden; Ach! niemals sonst fiel ich so tief. Mein vorsag war noch nicht ver9. D! pflanze du in meine seele Rechtschaffne lieb und lust zu dir. Gott! was ich denke, was ich wähle, Das zeuge durch die that von ihr. Dich lieben als mein eigenthum, Das sei mein werk, mein heil, mein ruhm. 10. Dann werd ich endlich überwinden Und herrscher meiner lüfte sein; Dann wirst du alle meine fünden, Wie viel, wie groß sie sind, verzeihn. Mein leben hier, mein lobgesang Im himmel, Vater! sei dein dank! 103019 un bir find_n2 d 9p p5of mad is call this Dank 296 Von der Buße Dank für die Gnade der Bekehrung. Mel. Gott, du frommer. 388. Was kann ich doch für dank, O Herr! dir dafür sagen, Daß du mich mit geduld So lange zeit getragen, Da ich in mancher sünd Und übertretung lag Und dich, du frommer Gott! Erzürnte manchen tag. 2. Sehr große lieb und huld Erwiesest du mir armen. Ich fuhr in bosheit fort, Du aber in erbarmen. Ich widerstrebte dir Und schob die buße auf; Du trugst mit mir geduld In meinem sündenlauf. 3. Daß ich nun bin bekehrt, Hast du allein verrichtet: Du hast des satans reich Und werk in mir vernichtet. Herr! deine güt und treu, Die an die wolten reicht, hat auch mein steinern herz Gebrochen und erweicht. 4. Selbst fonnt ich allzuviel Erzürnen dich mit fünden; Ich konnte aber nicht Selbst gnade wieder finden. Selbst fallen konnte ich Und ins verderben gehn; Nur selber konnt ich nicht Von meinem fall aufstehn. 5. Du hast mich aufgericht't Und mir den weg geoder Bekehrung. wiesen, Den ich nun wandeln soll: Dafür sei, Herr! gepriesen. Gott sei gelobt, daß ich Die alten fünden haß, Aus lieb und furcht vor dir Die todten werke laß. 6. Damit ich aber nicht Aufs neue wieder falle: So gieb mir deinen geist, So lang ich hier noch walle, Der meine schwachheit stärk Und darin mächtig sei, Und mein gemüthe stets Zu deinem dienst erneu. 7. Ach! leit und führe mich, So lang ich leb auf erden. Laß mich nicht ohne dich Durch mich geführet werden. Führ ich mich ohne dich, So werd ich bald verführt; Wenn du mich führest selbst, Thu ich, was. mir gebührt. 8. D Gott, du großer Gott! Vater, hör mein flehen! Jesu, Gottes Sohn! Laß deine kraft mich sehen. werther heilgerGeist! Regier mich allezeit; Daß ich dir diene hier Und dort in ewigkeit. Mel. Herzliebster Jesu, was. 389. Dein bin ich, Gott! zu deinem ew=gen ruhme Hast du mich dir erwählt zum eigenthume; Haft mich den weg der wahrheit treu gelehret Und mich belehret. 2. Du Dank für die Gnade der Bekehrung. 297 2. Du hast mich armen meinen augen Die binde, jenen finsternissen, Die mich die mich lange gnug betroumgaben, gnädiglich entrissen, gen, Hinweg gezogen. Mein Herz gebessert, mich der schuld entladen, Gott aller gnaden! 3. D wär dein licht dem Herzen nicht erschienen, So würd ich noch den eitlen den eitlen lüften dienen, In meiner laster schweren fesseln gehen, Sie doch nicht sehen. 8. Mein Herz war voll von eitler dinge liebe, Und folgte blindlings seinem bösen triebe. Du hast dies herz zu deiner furcht bereitet, Zu dir geleitet. 4. Und, ach mein Gott! was würd ich schon empfinden, Wenn du mich hättest in dem lauf der fünden, Die mich bethörten, nach verdienst gestrafet Und hingeraffet! 5. Ich sähe nimmermehr das licht der freuden, Nein, würde nun schon jene schmerzen leiden, Darin, voll unruh, die verworfnen seelen Sich trostlos quälen. 6. Herr Gott, barmherzig, gnädig und geduldig! Welch heißen dank bin ich der gnade schuldig, Die du so treulich haft an mir bewiefen! Sei hoch gepriesen! 7. Blind ging ich hin in lüsten, die nicht taugen; Du aber hast, o Herr! von da es von dir geschieden, 9. Leer war mein herz, Von innrer ruh; es fand gar keinen frieden, Wenn unglück oder das gewissen schreckte Und angst erweckte. 10. Gott meines heils! geheilt hast du den schaden, Haft meiner schuld durch Jesum mich entladen, Und lässest diesen trost mich im gewissen Voll huld genießen. 11. Ich finde mich gestärkt zu guten werken, Und kann daran des glaubens kraft bemerken. Du labest auch, ich leide oder fehle, Mit troft die seele. 12. Lob, preis und dank sei dir von mir gegeben! D Herr! regiere doch forthin mein leben, und laß mich dann in frieden selig sterben, Den himmel erben. 3. Von 298 3. Von dem Glauben an Jesum Christum DISTUS und sein Verdienst. Mel. Es ist das heil uns. 390. Der glaub ist feste zuversicht Zu Gottes gnad und treue, Daß ihn der tod des fünders nicht, Daß ihn sein Leben freue; Er ist der findschaft sichrer grund, Auf Gottes wort und feinen bund Von Jesu selbst gegründet. 148 2. Er ist ein göttlicher beweis, Daß Gott nicht gern betrübe, Daß er, zu seiner güte preis, In seinem sohn uns liebe. Er macht mein banges herz gewiß, Daß Jesus mich dem fluch entriß, Dem ich entgegen eilte. 3. Er richtet auf und giebt mir muth, Zum vater mich zu nahen, Vergebung durch des sohnes blut Und gnade zu empfahen. Was er mir giebt und noch verheißt, Mir einst zu geben, sieht mein geist, Als wärs mir gegenwärtig. 4. Er giebt mir kräfte, daß ich hin zum unsichtbaren dringe, Daß ich in hoffnung selig bin Und nach dem himmel ringe. Gott ist mein Gott, mein heil sein sohn, Sein geist mein pfand; mein schild und lohn Ist feine vaterliebe. nole 5. Ich fürchte nicht der hölle heer, Noch ihrer strafen flammen; Ich bin kein kind des zornes mehr: Gott wird mich nicht verdammen. Weicht, alle meine feinde, fort! Ich höre meines Jesu wort: Die sünd ist dir vergeben! 6. Stürmt sorg und unruh auf mich zu Voll zweifelnder gedanken: Sein geift versichert meine ruh, Und läßt mein herz nicht wanfen. Der glaube fürchtet feinen schmerz; Er sieht ja Gottes vaterherz Und seines sohnes wunden. 7. Mein glaube sei oft schwach und klein, Wenn trübsal sich erhebet: Er darf sich dennoch Gottes freun, Wenn er nach hilfe strebet. So lang ich Jesum Christum gern Verehr und lieb als meinen herrn: So lebt der glaub im Herzen. 8. Gott übt in solchen kämpfen mich, Um mein vertraun zu stärken, Und so vermehrt er väterlich Den fleiß in guten werken; Denn meine hoffnung bleibet fest, Daß mich mein vater nie verläßt, Wie hart mein kampf auch werde. 9. Ich weiß, auf wen ich bauen Von dem Glauben an Jesum 2c. 299 bauen kann; Ich weiß, an ist auch ewig wahr: Der wen ich gläube. Auch mich nimmt Gott zu ehren an, Wenn ich nur standhaft bleibe. Die welt mag um mich her vergehn: Ich falle nicht, ich bleibe stehn; Ich glaube seisohn hat mich verfühnet. Ich glaub an ihn, er macht gerecht. Der herr kann nicht für seinen knecht Umsonst gelitten haben. 4. nem worte. Eins bitt ich Gott, das hätt ich gern: Kraft, was er haßt, zu hassen, Und meinen heiland, meinen Herrn, Nie treulos zu verlassen. Um seiner liebe willen sei Mein ihm geheiligt herz ihm treu! Was hab ich dann zu fürchten? 5. Gott! leite mich durch deine kraft Auf meines Jesu pfade, Und mache mich gewissenhaft Durch deines geistes gnade! Hilf überwinden meinen hang meinen hang Zur übertretung, und mein dank Wird ewig dich erheben. 6. Erhöre mich! du hast gesagt: Shr sollt mein antlig suchen! Ich, wenn mein schwaches herz verzagt, Ich will dein antlig suchen. Ich bitte stärke, Gott! von dir; Verbirg dein antlig nicht vor mir! Denn du nur bist mein helfer. 10. In diesem glauben will ich nun Nach seinem beifall streben, In seiner vaterliebe ruhn, Mich Jesu ganz ergeben. Sein geist soll pfand und siegel sein; Und so will ich in Gott allein Durch meinen glauben leben. Mel. Nun freut euch lieben. 391. Der sohn ist meine heiligkeit! Was bebt denn mein gewissen? Was zagts, daß das geseß mir dräut? Er litt, für Der sohn mich zu büßen. ist hier; was schreckst du doch, des gesetzes fluch, mich noch? Der sohn ist mein vertreter. 2. Und häufen meine sünden sich zu meiner qual zusammen, Und Gott, mein Gott begnadigt mich: Wer darf mich dann verdammen? Sie fordern tod; sie drohen mir verderben: Gottes sohn ist hier; Der ist für mich gestorben. 3. Für mich! für mich! ich habe zwar Den zorn des herrn verdienet: Allein das 7. Ich hab es dir gelobet; ich Will, was du hasfest, hassen. Hilf nur, wenn meine kräfte mich Auf deiner bahn verlassen! Ach, wank ich, nimm dich meiner an, Erhalte mich auf deiner bahn, Um deines sohnes willen! 8. Ich 300 Von dem Glauben an Jesum 8. Ich Ich werde nach der immerfort Auf dein verdienst prüfungszeit, Gott! dein verlasse: Daß zur gerechtigantlig sehen; Ich werd in feit mir werd, Wenn mich deiner herrlichkeit Vollkomm- die sündenlast beschwert, Dein ner dich erhöhen. Ich bin kreuztod zugerechnet. getrost und unverzagt; Du, mein erlöser! hasts gesagt: Wer gläubt, soll ewig leben. 5. Laß meinen glauben trösten sich Des bluts, so du vergossen: Aufdaß in deinen wunden ich Bleib allzeit eingeschlossen, und durch den glauben auch die welt, Und was dieselb am höchsten hält, Für foth und unflath achte. Mel. Ach Gott vom himmel. 392. Gottes sohn, herr Jesu Chrift! Daß man recht könne gläuben, Nicht in des menschen träften ist, Noch standhaft drin zu bleiben. Drum hilf du mir von oben her, Den wahren glauben mir gewähr Und laß mich drin beharren. 2. Lehr du und unterweise mich, Daß ich den vater tenne; Daß ich, o Jesu Christe! dich Den sohn des höchsten nenne; Daß ich auch ehr den heil'gen geift, Zugleich gelobet und gepreis't, Als drei in einem wesen. 3. Laß mich vom großen gnadenheil Die wahr erfenntniß finden, Wie der nur an dir habe theil, Dem du vergiebst die fünden. Hilf, daß ichs such, wie mirs gebührt: Du bist der weg, der mich recht führt, wahrheit und das leben. Die 4. Gieb, daß ich traue deinem wort, Es wohl ins herze faffe: Daß sich mein glaube 6. Wär auch mein glaube noch so klein, Und daß man ihn faum merke: Wollst du doch in mir mächtig sein, Daß deine gnad mich stärke, Die das zerstoßne rohr nicht bricht, Das glimmend tocht auch vollends nicht Auslöschet in den schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sei, Den glauben zu behalten, Ein gut gewissen auch dabei, Und daß ich so mög walten, Daß ich sei lauter jederzeit Ohn anstoß, mit gerechtigkeit Erfüllt und ihren früchten. * 8. Herr! durch den glauben wohn in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sei fruchtbar für und für Und reich an guten werken: Daß er sei thätig durch die lieb, Mit freuden und geduld sich üb, Dem nächsten fort zu dienen. 9. Insonderheit gieb mir die und sein die kraft, Daß ich einst bei dem ende Ueb eine gute ritterschaft, zu dir allein mich wende Und, nach vollbrachter todesnoth, Des glaubens end durch deinen tod, Die seligkeit, erlange. 10. Herr Jesu! der du angezünd't Das fünklein in mir schwachen, Das sich vom glauben in mir find't; wollst es stärker Was du gefangen an, vollführ Bis an das end, daß dort bei dir Auf glauben folg das schauen. Du machen. Mel. Herzlich thut mich verl. 393. Auf felfenfestem grunde Ruht meiner seele heil. Ich hab am friedensbunde, An Gottes gnade theil. Der grund, auf den ich baue, Ist von Gott selbst gelegt; Das ziel, nach dem ich schaue, Steht fest und unbewegt. 2. Auf unvollkommne werke Vertrau ich sünder nicht; Gott gab mir dazu stärke, Und was ich that, war pflicht; Ich blieb noch tief verschuldet; Nur meines Jesu tod, Den er für mich erduldet, Versöhnet mich mit Gott. 3. Und hierauf will ich bauen. Mein mittler! stärke mich, Dir freudig zu vertrauen. Mein glaube gründet sich Auf sein verdienstVerdienst. 301 lich leiden, Wenn sünd und strafen drohn, Erwartet ewge freuden Durch dich vor Gottes thron. 4. Zu dir will ich mich halten; Laß meine hoffnung nie Erlöschen, nie erkalten; Dein geist Dein geist vermehre sie. Dann weiß ich mich zu faf= Selbst in der größten noth, Und sterbe einst gelassen Auf deinen kreuzestod. sen 5. Ich weiß, an wen ich glaube: Denn ich vertraue Gott. Dies theure kleinod raube mir keines lästrers spott. Es giebt mir trost im leiden, Vergebung im gericht, Ein paradies voll freuden, Wenn herz und auge bricht. 6. Ich weiß, an wen ich glaube; Mein heiland überläßt läßt nicht meinen leib dem staube; Das weiß und hoff ich fest. Er wird auch ihn verklären, Und, wenn der frevler bebt, Dann wein ich freudenzähren: Denn mein erlöser lebt. 7. Ich weiß, an wen ich glaube; Mein glaube täuscht mich nicht. theurer hoher glaube, Verlaß, verlaß mich nicht: Damit ich heilig werde Und, von der fünde frei, Schon fröhlich auf der erde, Dort ewig selig, sei. Mel. Von dem Glauben an Jesum 302 Mel. Gott, du frommer. 394. Herr! ohne glauben kann Kein mensch vor dir bestehen; Drum wend ich mich zu dir Mit demuthsvollem flehen: Dzünde selbst in mir Den wahren glauben an, Weil ich durch meine kraft Ihn mir nicht geben kann! 2. Laß mich, Gott! daß du seist, mit überzeugung glauben. Nichts müsse mir das wort Aus meinem herzen rauben: Daß du dem, der dich sucht, vergelter seist Und hier und ewig ihn mit deinem heil erfreuſt. 3. Wahrhaftig ist dein wort. Gieb, daß ich darauf traue Und meine hoffnung fest Auf deine treue baue. Gieb, daß ich dir im glück Und unglück stets getreut, Und dem, was du gebeutst, Von herzen folgsam sei. 4. Auch hilf mir, daß ich den, Den du gesandt, erkenne, Ihn meinen herrn und Gott Im geist und wahrheit nenne Und treu und redlich thu, Was mich sein wort gelehrt, Daß ihn herz, mund und that Als meinen heiland ehrt. 5. Sein göttliches verdienst Sei mir beständig theuer. Es fülle mich mit trost; Es mache mich stets freier Vom schnöden lasterdienst; stärke mich mit fraft, Zu deines namens ruhm, Zu meiner pilgerschaft. 6. Wie selig leb ich dann Im glauben schon auf erden! Noch herrlicher wird einst Mein theil im himmel werden. Da werd ich, was ich hier Geglaubt, im lichte Und du erfüllst schaun, dann ganz Mein kindliches vertraun. 395. Ich ruf zu dir, Ich bitt, erhör Christ! mein klagen. Verleih mir gnad zu jeder frist, Laß mich doch nicht verzagen. Den rechten glauben, Herr! ich mein, Den wollest dumir geben, Dir zu leben, Dem nächsten nüß zu sein, Dein wort zu halten eben. 2. Ich bitt noch mehr, o Herr, mein Gott! Du kannst es mir wohl geben, Daß ich werd nimmermehr zu spott: Die hoffnung gieb daneben, Voraus wenn ich muß einst davon, Daß ich dir mag vertrauen Und nicht bauen Auf all mein eigen thun, Sonst würd michs ewig reuen. 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund Den feinden mag vergeben. Verzeih mir auch zu jeder stund, Schaff mir und sein mir ein neues leben. Dein wort mein speis laß allzeit ſein, Damit mein seel zu nähren, Mich zu wehren, Wenn unglück bricht herein, Das mich bald möcht abkehren. 4. Laß mich kein lust noch furcht von dir In dieser welt abwenden. Beständig sein ans end gieb mir; Du hasts allein in händen, Und wem dus giebst, der hats umsonst; Es mag niemand ererben, Noch erwerben Durch werke deine gunst, Die uns errett vom sterben. 5. Ich lieg im streit und widerstreb: Hilf, o Herr Christ! dem schwachen. An deiner gnad allein ich kleb, Du kannst mich stärker machen, Kommt nun anfechtung her, so wehr, Daß sie mich nicht umstoße, Noch so große Gefahr mich von dir fehr: Ich weiß, du wirsts nicht lassen. Verdienst. 303 2. Mein sünd ist schwer und übergroß Und reuet mich von Herzen. Derselben mach mich quitt und los Durch deinen tod und schmerzen! Und zeige deinem vater an, Daß du hast gnug für mich gethan: gethan: So werd ich los der sünden last. Herr! halt mir fest, Weß du dich mir versprochen hast. tröſter biſt; Kein troft mag mir sonst werden. Von anbeginn ist nichts erkorn, Auf erden ist kein mensch geborn, Der mir aus nöthen- helfen kann: Dich ruf ich an, Zu dem ich mein vertrauen hab. 3. Gieb mir nach dein'r barmherzigkeit Den wahren christenglauben, Aufdaß ich deine freundlichkeit Mög inniglich anschauen; Vor allen dingen lieben dich Und meinen nächsten gleich als mich. Im tode deine hilf mir send, Und nimm am end Die seel in deine treue händ. * 4. Ehr sei Gott in dem höchsten thron, Dem vater aller güte! Und Jeſu ſeinem eingen sohn, Der uns allzeit behüte; Und Gott dem werthen heilgen geist, Der uns stets hilf und beistand leiſt! Damit wir ihm ge396. Allein zu dir, Herr- fällig sein In dieser zeit Und folgends in der ewigkeit. Jesu Christ! Mein Hoffnung steht auf erden. Ich weiß, daß du mein Mel. Gott, du frommer Gott. 397. Herr, allerhöchster wir alle gaben Und was uns nüglich ist, In reichem maße haben; D, sich erbarmend mich In meiner schwachheit an, Weil ich nicht, 304 Von dem Glauben an Jesum nicht, wie ich will, Dir jetzt Mein sehnliches gebet, recht vertrauen kann. Und schenke glaubenskraft Dem, der dich darum fleht. 7. In deiner mittlershand Ist heil und aller segen Herr! unterstüße mich Auf allen meinen wegen; So geh ich freudig fort In dieser pilgerzeit Zu meines glaubens ziel, Der feelen seligkeit. 2. Ich glaube zwar an dich, Doch nur mit schwachem glauben; Oft will die zweifelsucht mir alle hoffnung rauben. Wer macht das Herz gewiß, Als du, o Herr, allein? Laß deine hilfe doch Von mir nicht ferne sein! 3. Dreiche du mir selbst Aus gnaden deine hände! Hilf meiner schwachheit auf, Daß mich nichts von dir wende. Ist schon, dem senfforn gleich, Mein glaube noch sehr klein, So laß ihn doch bei mir In stetem wachsthum sein. 4. Gieb, daß die zuversicht In meinem geist sich mehre, Daß du mein vater seist, Und ich dir angehöre, Daß alle meine schuld Von dir vergeben sei; Damit mein herz sich dein, Als seines Gottes freu. 5. Mach diese zuversicht In mir, o Gott! so kräftig, Daß ich mein lebelang In deinem dienst geschäftig, Und stets beflissen sei, zu thun, was dir gefällt: So hab ich schon in dir Den himmel auf der welt. 6 Mein Heiland! der du einst Für deine jünger bateſt, Und, wenn sie wanketen, Beim vater sie verratest; Ach, unterstüß auch Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 398. h komme, friedensfürst! zu dir; Erbarmend rufst du ja auch mir, Den frieden zu empfangen. Der sünden last ist mir zu schwer; O laß mein herz von troft nicht leer, Laß es zur ruh gelangen, Die jedem tief gebeugten geist Dein theuerwerthes wort verheißt. Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein herz von sünden rein? Herr Jesu Christ! Mein trost, mein licht! mein troft, mein licht! Verwirf mein sehnlich flehen nicht! 2. Anbetend steh ich, Herr! vor dir; Dein antlig neige du zu mir Und sei mir fünder gnädig! Wenn mein vergehn um rache schreit: So mache aus barmherzigkeit mich aller strafe ledig. Der du am freuz gelitten haſt, Du trugst auch meiner fünden last, Als du zum heil der fünder starbst, Und ihnen Gottes und sein Verdienst. tes huld erwarbst. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Erlöse mich durch deinen tod. 3. Du, du bist meine zuversicht! Durch dich entflieh ich dem gericht, Dem schweren lohn der sünden. Durch dich kann ich dem fluch entgehn Und mich mit Gott vereinigt sehn, Durch dich das leben finden. Dein tod ist der verlornen heil; Gieb mir an seinem segen theil! Er sei auch mir beruhigung Und meines lebens heiligung! Herr Jesu Christ! Ich hoff auf dich! ich hoff auf dich! In dieser Hoffnung stärke mich! 4. Mein ganzes leben preise dich! Erlöst, mein mittler, hast du mich, Dein eigenthum zu werden. Bin ich nur dein, so fehlt mir nichts; Nichts einst am tage des gerichts, Nichts hier auf dieser erden. Auf dieser bahn zum vaterland Entzieh mir niemals deine hand; 3u als lem guten stärke mich Und laß mich siegen einst durch dich. Herr Jesu Christ! Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Hilf mir zum leben durch den tod. Mel. Gott, du frommer Gott. 399. Mag doch der spöt= ter heer Des N. A. 305 namens Jesu spotten; Dich, heiland! bet ich an; Du kommst, sie auszurotten. Dein kreuz ist thorheit nur Dem, der verloren geht; Uns, die der glaube stärkt, Ifts heil und majestät. 2. Nur du, des höchsten sohn, Konntst uns, des zornes erben, Bersöhnung, kindschaft, trost Und selig= keit erwerben. O, beides ist gleich groß: Der welt ein schöpfer sein, Und eine welt, die fiel, Von ihrem fall befrein! 3. Wer kann die majestät Der lieb und großmuth fassen? Als sohn des ewigen Der himmel thron veclassen, Sich selbst erniedrigen, Einher in demuth gehn, Der wahrheit zeuge sein Und sich verspottet sehn; 4. Die wunder Gottes thun Und, an das kreuz geschlagen, Bis in den herbsten tod Der menschen schulden tragen, Um der zu sein, der uns Ein ewges heil erwirbt! Deß herz ist göttlich groß, Der selbst für feinde stirbt. 5. Dies müsse mein vertraun Zu dir, o Herr! er= wecken. Zu schwach, der gottheit rath Vom men= schen zu entdecken, Bet ich der liebe macht, Die ich nicht fassen kann, Mit fro= 20 Von dem Glauben an Jesum 306 froher zuversicht, Doch auch in demuth an. 6. Herr! deine ewigkeit Wird mir mehr licht gewähren, und deine große lieb Im schauen mir erklären. Unendlich ist mein heil! O glaube, der erfreut! Gelobet sei der herr, Gelobt in ewigkeit! Mel. Nun freut euch lieben. weiß, an wen 400. Ich weiß, an wen mein herz sich hält, Kein feind soll mir ihn rauben. Als bürger ei= ner bessern welt Leb ich hier nur im glauben; Dort schau ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir mein erbtheil raubt? Es ruht in Jesus händen. 2. Mein leben ist ein kurzer streit, Und herrlich ist die krone. Das glück der gan= zen ewigkeit Wird mir zum frohen lohne. Der du für mich den tod geschmeckt, Durch deinen schild werd ich bedeckt; Was kann mir denn nun schaden? 3. Herr! du bist mein ganzer ruhm, Mein bester trost auf erden, In jener welt mein eigenthum; Was kann mir größers werden? Von fern glänzt mir mein kleinod zu. Du schaffst mir nach dem streite ruh Und reichst mir meine krone. 4. Herr! lenke meines geistes blick Von diesem welt= getümmel Auf dich, auf meiner seele glück, Auf ewigkeit, auf himmel. Die welt mit ihrer herrlichkeit Vergeht und währt nur kurze zeit; Im himmel sei mein wandel. 5. Jetzt, da mich dieser leib beschwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was jene beßre welt gewährt, Wo wir Gott ewig dienen. Dann, wann mein auge nicht mehr weint Und mein erlösungstag erscheint, Dann werd ichs froh empfinden. 6. Jm dunkeln seh ich hier mein heil; Dort seh ichs klar und heiter. Hier ist die schwachheit noch mein theil; Dort hebt mein geist sich weiter. Hier ist mein werth mir noch verhüllt; Dort wird er sichtbar, wenn dein bild Mich einst vollkommen schmücket. 7. Zu diesem glück bin ich erkauft, Herr! durch deine leiden. Auf deinen tod bin ich getauft; Wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine hand; Ich bin dir, Herr! du mir bekannt. Mein sind des himmels freuden. 8. Wie groß ist meine herrlichkeit! Empfinde sie, o seele! Vom tand der erde Erhebe Gott, unentweiht, o seele! Der erde glänzend nichts und sein Verdienst. nichts vergeht; Nur des gerechten glück besteht Durch alle ewigkeiten. 307 er zu den seinen zählt? Hier ist Gott; nichts kann mir schrecken, Auch die Hölle nicht, erwecken. Ist gleich meine sünde groß, Gott, mein vater, spricht mich los. 5. Theuer bin ich ihm erworben! Heil mir! hier ist Jesus Christ; Er, der auch für mich gestorben, Auch für mich erstanden ist, Nun zur rechten Gottes fizet, Auf mich sieht, mich mächtig schützet, Mich vertritt, mich nie verstößt, Mich aus aller noth erlöst! Mel. Alle menschen müssen sterb. 401. Schweiget, chweiget, bange zweifel, schweiget! Mein erbarmer ist getreu, Und sein geist in mir bezeuget, Daß ich ihm versöhnet sei. Mir drohn nicht der hölle flammen; Und will mich mein herz verdammen, Fasse ich doch muth im schmerz. Gott ist größer, als mein herz! 2. Er, der das verborgne kennet, Kennt auch mich und weiß allein, Wie dies herz von sehnsucht brennet, Ganz sich seinem dienst zu weihn; Schaut den kummer meiner seele, Der mich beugt, so oft ich fehle; Und nicht meiner zweifel wahn, Meinen glauben sieht er an. 3. Sesum hat er mir ge geben; Durch den glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben Und in ihm einst selig sein. Mich sah Gott von seinem throne; Mich erwählt er in dem sohne, Eh noch seiner allmacht ruf Mich und alle wesen schuf. in 4. Wer will den nun noch verklagen, Den Gott selber auserwählt? Wer den zu verdammen wagen, Den 6. Troß der welt und ihrem spotte! Trotz der höll und ihrer wuth! Mir bleibt doch bei meinem Gotte Ei= ne starke sichre hut. Was will je von ihm mich scheiden? Nein, ich werd in allen leiden Mehr als bloß geduldig sein, Mich vor Gott auch ihrer freun. 7. Laßt denn rauhe wetter stürmen! Alles um mich her sei nacht! Gott, mein Gott wird mich beschirmen, Der für meine wohlfahrt wacht! Wenn ich lang auch hilflos bliebe, Leitet doch mich seine liebe Durch die nacht, ( drum fürcht ich nichts,) In die wohnungen des lichts! 8. 3war ich weiß auch, es bethöre Reichthum leicht das herz zum geiz. Blendend ist der glanz der ehre; Stark 20* Von dem Glauben an Jesum 308 Stark der wollust süßer reiz; Schlüpfrig sind des glückes pfade; Schmeichelnd ist der hohen gnade. Stolzes lob führt leicht von Gott, Und noch leichter bittrer spott. 9. Dennoch weiß ich, schmerz und freuden, Tod und leben, lob und schmach Werden mich von Gott nicht scheiden! Gott ist stark, bin ich gleich schwach. Gunst der großen, haß der feinde, Ueberredungen der freunde, Nichts erschüttert meine treu; Gottes liebe steht mir bei. 10. Ich beharr in meinem glauben. Nichts, wenn man auch alles raubt, Kann mir Gottes lihe rauben! Drum erheb ich froh mein haupt. Gnug, daß meiner der gedenket, Der mir seinen sohn geschenket Und mich nimmermehr verläßt! Dieser fels bleibt ewig fest! hüter! wache du, Daß keine feinde meine ruh Und meinen trost mir rauben. 402. Ich weiß und bins gewiß, daß ich Erlöst bin, Gottes Sohn! durch dich Bon aller meiner sünde. Gelobt sei Gott! ich bins gewiß! Hilf, o erretter! daß ich dies Bis an mein end empfinde. 2. In dieser so verderbten zeit Des leichtfinns und der sicherheit Wach über meinen glauben! Du menschen3. Den spott der frevler über dich Und über deinen. tod laß mich, Wie ers verdient, verachten! Mit desto stärkerer begier stärkerer begier Laß meine seele, Gott! nach dir Unddeinem reiche trachten. 4. Wenn mir die welt gelegenheit und reizung giebt zur eitelkeit und zu verbotner freude: So dämpfe du in meiner brust Die reizung aller bösen lust, Daß ich sie standhaft meide. 5. Ich möchte sonst, durch sie verführt, Die fünde, die den tod gebiert, Mich überwinden lassen; Alsdann wol gar entschlöß ich mich Vom glauben abzugehn und dich, Nach art der welt, zu hassen. 6. Wenn meine freudigkeit zu dir, Mein glaub und meine hoffnung mir, O Mel. Kommt her zu mir, spricht. Gott! entrissen würde: So würde nichts mein herz er. freun, Nichts meiner seele tröstlich sein, Fühlt ich des elends bürde. 7. Wenn ich von meinem glauben wich, So würd in meinem herzen sich Bald angst und kummer häufen; Und bräche dann mein tod herein, So würde mich die bängste pein, Verzweiflung selbst, ergreifen. 8. Der und sein Verdienst. 8. Der du für meine sünden starbst Und hoffnung mir und trost erwarbst, Laß mich so tief nicht fallen! Erhalt in mir der seelen ruh, Und meinen wandel lenke du Nach deinem wohlgefallen! Mel. Aus diesem tiefen grunde. 403. ft Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das haupt zum freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der feinde Und widersacher rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne scheu, Taß Gott, der höchst und beste, Mein freund und vater sei, Und daß in allen fällen Er mir zur rechten steh, Und dämpfe sturm und wellen Und stille all mein weh. 3. Der grund, drauf ich mich gründe, Ist Christus und sein blut; Das machet, daß ich finde Das ewge wahre gut. An mir und meinem leben Ist nichts auf dieser erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein' chre, Mein glanz und schönes licht. Wenn der nicht in mir wäre, So dürft und könnt ich nicht Vor Gottes augen stehen Und vor dem richtersik; Ich 309 müßte stracks vergehen Wie wachs in feuers hik. 5. Der, der hat ausgelöschet, Was mit sich führt den tod; Der ists, der mich rein wäschet, Macht schneeweiß, was ist roth. In ihm kann ich mich freuen, Hab einen heldenmuth, Darf kein gerichte scheuen, Wie sonst ein sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts nimmt mir herz und muth; Die höll und ihre flammen Löscht Jesu Christi blut; Nichts ist, das mich erschrekket, Nichts ist, das mich betrübt, Weil mich mit flügeln flügeln decket Mein heiland, der mich liebt. 7. Sein geist wohnt mir im herzen, Regiert mir meinen sinn, Vertreibet sorg und schmerzen, Nimmt allen kummer hin; Giebt segen und gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das abba schreien Durch seine gnadenkraft. 8. Und wenn an meinem orte Sich furcht und schrecken findt; So seufzt und spricht er worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des herzens grunde Ersiehet seine lust. 9. Sein geist spricht meinem geiste Manch süßes trostt wor= 310 wort zu: Wie Gott dem hilfe leistet, Der bei ihm suchet ruh, Und wie er hab erbauet Ein' edle neue stadt, Da aug und herze schauet, Was es geglaubet hat. 10. Da ist mein theil und erbe Mir prächtig zugericht't; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein himmel nicht. Verbring ich gleich hienieden Mit thränen manche zeit; Mein Jesus und sein frieden Durchfüßet alles leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, Den satan flieht und haßt, Der wird verfolgt und findet Hier manche schwere last 3u leiden und zu tragen, Geräth in hohn und spott; Das kreuz und alle plagen Sind oft sein täglich brot. Vom christlichen Leben und Wandel. 12. Das ist mir nicht verborgen, Doch bin ich unverzagt; Gott will ich lassen sorgen, Dem ich mich zugesagt! Es koste leib und leben, und alles, was ich hab; An dir will ich fest kle. ben Und nimmer lassen ab. 13. Die welt mag immer brechen; Du stehst mir ewiglich. Nichts soll die liebe schwächen, Soll trennen mich und dich. Kein hunger und kein dürsten, Kein' armuth, keine pein, Kein zorn des größten fürsten Soll mir. ein' hindrung sein. 14. Kein engel, keine freuden, Kein thron, kein' herrlichkeit, Kein lieben und kein leiden, Kein' angst und fährlichkeit, Was man nur kann erdenken, Es sei klein oder groß, Der feines soll mich lenken Aus deinem arm und schooß. 15. Mein herz ist voller freude und kann nicht trau=rig sein; Es weiß von keinem leide, Sieht lauter sonnenschein. Die sonne, die mir lachet, Ist mein herr Jesus Christ. Das, was mich singen machet, Ist, was im himmel ist. 4. Vom christlichen Leben und Wandel überhaupt. Mel. Herr Gott, der du erforsch. gerecht und rein 3u wandeln 404. Was hilft es mir, mich bestrebe? Wenn ich dem ein chrift zu seligen beruf, 3u welchem sein, Wenn ich nicht christlich mich mein Gott erschuf, lebe, Und heilig, fromm, fromm, Nicht würdig Nicht würdig mich beweise, Und Vom chriftlichen Leben und Wandel. 311 Und den, der mich erlöset 5. Weh mir! was hilft hat, In worten bloß, nicht durch die that Und gute werke preise? 2. Was hilft der glaub an Jesum Christ, Den ich im munde führe, Wenn nicht mein herz rechtschaffen ist, Und ich die frucht verliere? Wenn mich die eitelkeit der welt Mit ihrer luft gefangen hält, Ich ihre fesseln liebe? Wenn ich, verführt vom sündenreiz, 3orn, hoffahrt, fleischeslüfte, geiz, In werk und thaten übe? 3. Weit strafenswürdger bin ich dann, Ich, der ich Christum kenne Und weiß, was er für mich gethan, Ihn herrn und heiland nenne, Als der, der in der finsterniß Des irrthums tappt, noch ungewiß, Ob er auch richtig wandle! Ließ nicht mein herr und heiland hier Ein vorbild ſeines wandels mir, Aufdaß ich danach handle? 4. Und woher nehm ich trost und ruh, Wenn leiden mich umgeben, und meine sünden noch dazu Mir dann vor augen schweben? Was hilft mir in der letzten noth Die heuchelei, wenn sich der tod Mir zeigt mit seinen schrecken, Und mein gewissen wachet auf, Von meinem ganzen lebenslauf Die schuld mir aufzudecken? es mir einst dort, Erweckt aus meinem grabe, Daß ich an Christum und sein wort 3um schein geglaubet habe: Wenn nicht mein glaube durch die that, Nach Gottes sinn und weisem rath, Sich in der kraft läßt merken? Nur glaube wirket seligkeit; Doch zeugt er auch rechtschaffenheit Und fleiß in guten werken. 6. Des christennamens werth zu sein, Hilf, daß ich christlich lebe Und vor dir, Gott! auch fromm und rein Zu wandeln mich bestrebe. Gieb mir erkenntniß, kraft und muth, Damit ich sünde, fleisch und blut Im glauben überwinde; Daß ich, nach wohl durchlebter zeit, Den lohn in jener ewigkeit, Den du verheißen, finde. Mel. Es ist gewißlich an der. 405. Wer, Gott! dein wort nicht hält, und spricht: Ich kenne Gott! der lüget; In solchem ist die wahrheit nicht, Die durch den glauben sieget. Wer aber dein wort glaubt und hält, Der ist von dir, nicht von der welt, Und dieser nur wird selig. 2. Der glaube, den dein wort erzeugt, Muß auch die liebe zeugen. Je höher mein' erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der glaub er= 312 Vom christlichen Leben und Wandel. erleuchtet nicht allein; Er du deinen lohn dahin, Thust stärkt das herz und macht du gleich große thaten. es rein, Er macht das leben heilig. 2. Sei durch die gaben der natur Das wunder dieser erden; Beglückst du andre menschen nur, Um hier ge= ehrt zu werden; Erfüllt die liebe nicht dein herz, Strebst du nicht sie zu haben; So bist du nur ein tönend erz Bei allen deinen gaben. 3. Durch Jesum rein von missethat, Sind wir, Gott! deine kinder. Wer solche hoffnung zu dir hat, Der flieht den rath der sünder, Folgt Christi beispiel als ein christ, Und reinigt sich, wie er rein ist, Bon allen bösen lüsten. 4. Dann bin ich dir, Gott! angenehm, Wenn ich gehorsam übe. Wer deinen wil len thut, in dem Ist wahrlich deine liebe. Ein immer thätges christenthum, Das ist des glaubens frucht und ruhm Und sein beweis und siegel. 5. Der bleibt in dir und du in ihm, Wer in der liebe bleiz bet. Die lieb ists, die die seraphim Dir, Herr! zu folgen treibet. Du bist die lieb; an deinem heil Hat ohne liebe niemand theil. Herr! schenk uns solchen glauben. Mel. Was mein Gott will, gesch. 406. Wenn zur vollbringung deiner pflicht Dich liebe nicht beseelet; So rühme dich der tugend nicht, Weil dir dann alles fehlet. Wenn vortheil nur und eigensinn Und stolz dir gutes rathen; So hast 3. Bau häuser auf und brich dein brod, Die armen zu verpflegen; Entreiß die wittwen ihrer noth Und sei der waisen segen; Gieb alle deine güter hin; Noch hast du nichts gegeben, Wenn lieb und pflicht nicht deinen sinni Vor Gott dazu beleben. 4. Läg ihm an unsern werken nur; Könnt er, sie zu vollbringen, Uns leicht durch fesseln der natur Und seine allmacht zwingen. Vor ihm, der alles schafft und giebt, Gilt weisheit nichts, nichts stärke. Er sieht aufs herz, ob das ihn liebt, Sieht auf den zweck der werke. 5. Ein herz, von eigenliebe fern, Fern von des stolzes triebe, Geheiligt durch die furcht des herrn, Voll glauben und voll liebe: Dies ists, was Gott von uns verlangt. Nichts wird ein le= ben nützen, Das mit den größten thaten prangt, Ohn dies herz zu besitzen. 6. Drum Vom christlichen Leben und Wandel. 313 6. Drum täusche dich nicht von der sünde herrschaft läßt durch den schein, Nicht durch erlösen; Wer an den sohn der tugend namen. Sieh glaubt, seinen herrn ihn nicht auf deine werk allein, nennet, Shn frei bekennet; Sieh auch, woher sie kamen. Prüf dich vor Gottes angesicht, Ob liebe dich beseelet; Dem herzen fehlt die liebe nicht, Dem nicht der glaube fehlet. 3. Wer deine wahrheit unter adamskinder Verbreitet, sie erleuchtet und die sünder Durch thaten reizt, mit einem bessern leben Dich zu erheben; 7. Wohnt liebe gegen Gott in dir, Wird sie zur pflicht dich stärken; Du wirst die gegenwart von ihr An lieb zum nächsten merken. Die liebe, die dich schmücken soll, Ist gütig, ohne tücke; Sie ist nicht stolz, ist langmuthsvoll, Beneidet niemals glücke. 8. Sie deckt des nächsten fehler zu, Freut sich nicht feines falles; Sie suchet nicht bloß ihre ruh, Sie hofft und duldet alles. Sie ists, die dir den muth verleiht, Hier als ein chrift zu leiden, und bleibt für dich in ewigkeit Die quell der höchsten freuden. Mel. Herzliebster Jesu, was. 407. Wen wird, o Gott! die wonne der erlösten Nach dieses lebens kurzem kampfe trösten? Wen schmückt im himmel einst vor deinem throne Des mittlers krone? 2. Wer heilig wird; wer, abgewandt vom bösen, Sich 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, Die menschen all als seine brüder liebet, Nicht lästert, sie nicht kränkt, nicht stolz sich blähet, Und keinen schmähet; 5. Wer sünden hasset und doch mit den sündern Mitleiden fühlet, und an deinen kindern Die gottesfurcht und ihre gaben ehret, Hält, was er schwöret; ruhm Vom 6. Wer nicht der brüder und glück beneidet, überfluß die armen speist und kleidet Und, reich in Gott, sich freut, durch milde gaben Genützt zu haben; 7. Wer, züchtig in gedanken, keusch auch lebet; Wer seiner hoheit sich nie überhebet; Im glücke mäßig, gütig und bescheiden, Getroft im leiden; 8. Den, den wird, Gott! die wonne der erlösten Nach dieses lebens kurzem kampfe trösten; Den schmückt im himmel einst vor deinem throne Des mittlers krone! Mel. 314 Vom christlichen Leben und Wandel. Mel. Gott, du frommer Gott. ger Wird er in noth erfreun; we- Gut, wie sein Gott, gesinnt, 408. Wer Gottes Wird er auch milde sein. ge geht, Nur der hat großen frieden. Wie herrlich ist sein lohn Ihm selbst von Gott beschieden! Voll glaubens widersteht Er jeder bösen lust, Ist seiner tugend sich Froh vor dem herrn bewußt. 6. Er fränkt den nächsten nie, Schüßt seinen ruhm, sein leben; Er trägt ihn mit geduld, Ist willig zum vergeben. Und übereilt ihn auch Ein zorn, so faßt er sich, Und denket gleich: wie oft Verschonet Gott auch mich! 2. Er merkt auf seinen gang, Geht ihn mit festem muthe, Wird in der schwachheit stark, Liebt immer mehr das gute. Ihn machet Gottes geist Gerecht und tugendhaft, Und er nimmt immer zu An kenntniß und an kraft. 3. Gott hat er allezeit Vor augen und im herzen, Prüft täglich sich vor ihm, Und stillt der sünden schmerzen Durch seines mittlers huld, Durch redliches bemühn, Der tugend treu zu sein, Und durch vertraun auf ihn. 4. Getreu in seinem stand, Genießt er Gottes gaben, Vergnügt, wenn andre gleich Mehr glück und ansehn haben; Durch Gott bei wenigem 3ufrieden, frei von neid, Von habsucht und von geiz, Von stolz und eitelkeit. 7. Er suchet jedes herz Im guten zu bestärken, Und alle reizet er 3u allen guten werken. Mit frommen suchet er Ein leib und geist zu sein, Mit ihnen eines herrn Und heils sich einst zu freun. 8. Das heil der ewigkeit, Das hier der fromme schmekfet, Erhält ihn so getrost, Daß auch kein leid ihn schrekket, Giebt ihm im leiden muth Und stillet jeden schmerz. Im tode selbst frohlockt Sein Gott ergebnes herz. Mel. Was mein Gott will, gesch. 409. Hilf, mir, mein verleihe mir, Daß ich nur dich begehre Mein ganzes glück nur such in dir und dich allein verehre; Daß ich in noth Dich meinen Gott Und vater gläubig nenne; Daß weder leid, Noch glück und freud Mich jemals von dir trenne. 2. Erfülle mich mit wahrer Wenn ich dich, Gott! be= 5. Schenkt Gottes hand ihm viel: So wird er vielen nüßen, Des freundes glück erhöhn, Berlaßne tugend schützen. Auch selbst beleidi- reu, Vom christlichen Leben und Wandel. 315 betrübe. Gieb, daß ich alles hoheit, macht Und großem böse scheu Und stets das gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr! meine pflicht Mit vorsatz je verletzen. Der seele heil, Mein ewges theil, Laß mich recht theuer schätzen. namen streben; Laß mich vielmehr, Nach deiner lehr, In wahrer demuth leben. 3. Mein Gott! ich bitte dich, verleih Mir einen festen glauben, Der standhaft, treu und thätig sei, Und laß mir den nichts rauben. Gieb, daß ich mich Allzeit auf dich Und auf dein wort verlasse, Und in der noth, Ja selbst im tod Dein heil getroft umfasse. 7. Gieb, daß ich list und heuchelei Mit steter forgfalt fliehe, Mich nie durch trug und gleisnerei Um menschengunst bemühe, Laß ja und nein Mir heilig sein; Laß mich nicht lieblos richten, Und zank und streit Mit freundlichkeit, Mit lieb und sanftmuth schlichten. 4. Hilf mir, der ich erlöset bin, Daß ich den heiland liebe, Und bilde mich nach seinem finn; Gieb, daß ich mich stets übe, Auf ihn zu sehn, Ihm nachzugehn, Mich seiner nicht zu schämen, Und stets bereit Mit freudigkeit Sein kreuz auf mich zu nehmen. 8. Herr! lehre mich enthaltsamkeit, Gieb mir ein rein gemüthe, Daß ich in dieser prüfungszeit Vor böser lust mich hüte. Der lügen feind, Der wahrheit freund, Laß mich aufrichtig wandeln Und jederzeit Nach billigkeit Mit meinem nächsten handeln. 5. Nie müsse stolz und eitelkeit Mein schwaches herz regieren; Nie haß und zorn und bitterkeit 3ur rache mich verführen. Dein wort gebeut Versöhnlichkeit, Verdammt der rachsucht triebe: Gieb, daß den feind, So wie den freund, Mein herz aufrichtig liebe. 6. Nach vielem reichthum, gut und geld, Herr! laß mich ja nicht trachten. Laß mich die ehren dieser welt Für eitle schatten achten, Und nie nach pracht, Nach 9. Gieb, daß ich stets den müssiggang Sammt aller trägheit fliehe; Daß ich der welt mein lebenlang 3u dienen mich bemühe. Laß meinen fleiß Zu deinem preis, D Gott! mir wohl gelingen, Und segnest du Das, was ich thu, Dir dafür ehre bringen. 10. Ach! gieb mir deinen guten geist, Der selbst mein herz regiere Und mich, wie es dein wort verheißt, Auf So deinen wegen führe. wird mein herz In freud und schmerz Dir zu gefallen streben, und du wirst mir, Gott! 316 Vom christlichen Leben und Wandel. Gott! einst bei dir Den legen. Trost, fried und lohn der treue geben. freud Laß jederzeit Sich in mir armen regen. 5. Den glauben stärk, die lieb erhalt, Die hoffnung mache feste, Daß ich vor dir nicht wanke bald: Beständig sein ists beste. Den mund bewahr, Daß nicht gefahr Durch ihn mir werd erwekket. Speis auch den leib; Doch daß er bleib Von geilheit unbeflecket. 6. Gieb, daß ich treu und fleißig sei In dem, was mir gebühret: Daß ich auch nicht durch heuchelei Und ehrgeiz werd verführet. Leichtfertigkeit, Haß, zank und neid Laß nicht in mir ver=bleiben. Berstockten finn Und diebsgewinn Wollst du fern von mir treiben. 7. Hilf, daß ich folge treuem rath, Von falscher meinung trete, Den armen helfe mit der that, Für freund und feind stets bete, Dien jedermann So viel ich kann, Das bösehaß und meide, Nach deinem wort An jedem ort, Bis ich von hinnen scheide. Mel. Was mein Gott will, gesch. 410. Hilf mir, mein Gott! hilf, daß nach dir Von Herzen mich verlange: Daß ich dich suche mit begier, Wenn mir wird angst und bange. Verleih, daß ich Mit freuden dich In meiner angst bald finde. Gieb mir den sinn, Daß ich forthin Meid alle schand und sünde. 2. Hilf, daß ich stets mit reu und schmerz Mich deiner gnad ergebe, Hab immer ein zerknirschtes herz, In wahrer buße lebe, Vor dir erschein, Herzlich bewein Al meine missethaten. Die händ allzeit Laß sein bereit, Den dürftigen zu rathen. 3. Die lust des fleisches dämpf in mir, Daß sie nicht überwinde. Rechtschaffne lieb und luft zu dir In meiner feel anzünde; Daß ich in noth Bis in den tod Dich und dein wort bekenne, Und mich kein truk, Noch eigennut Von deiner wahrheit trenne. 4. Behüte mich vor zorn und grimm, Mein herz mit fanftmuth ziere; Auch alle hoffahrt von mir nimm, 3ur demuth mich anführe. Was sich noch findt Von alter sünd, Laß mich hinfort ab411. Gott, du frommer Gott! Du brunnquell guter gaben! Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben, Gesunden leib gieb mir, daß in solchem leib Und Ein' un Vom chriftlichen Leben und Wandel. 317 unverletzte seel Und rein gewissen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein befehl In meinem stande führet. Gieb, daß ichs thue bald, zu der zeit, da ich soll; Und wenn ichs thu, so gieb, Daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnützes wort Aus meinem munde gehen. Und wenn nach meiner pflicht Ich reden soll und muß; So gieb den worten kraft Und nachdruck ohn verdruß. 4. Findt sich gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen. Gieb einen heldenmuth, Das kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meinen feind Mit sanftmuth überwind, Und wenn ich rath bedarf, Auch guten rath erfind. 5. Laß mich mit jedermann In fried und freundschaft leben, So weit es chriftlich ist. wahr, Daß ich mit ehren trag Alstann ein graues haar. 7. Laß mich an meinem end Auf Christi tod abscheiden. Die seele nimm zu dir Hinauf zu deinen freuden. Dem leib ein räumlein gönn Bei frommer christen grab, Aufdaß er seine ruh An ihrer seite hab. 8. Wenn du an jenem tag Die todten wirst erwecken, Wollst du auch deine hand Zu meinem grab ausstrecken. Laß hören deine stimm, Und meinen leib weck auf, Und führ ihn, schön verklärt, 3um auserwählten hauf. * 9. Gott Vater! dir sei preis Hier und im himmel oben! Gott Sohn, Herr Jesu Chrift! Dich will ich allzeit loben. Gott heilger Geist! dein ruhm Erschalle mehr und mehr. O Herr dreieinger Gott! Dir sei lob, preis und ehr! Mel. Herzliebster Jesu, was. Willst du mir etwas geben 412. Ich hab, o Gott! Un reichthum, gut und geld; So gieb auch dies dabei, Daß von unrechtem gut Nichts untermenget ſei. mir ernstlich vorgenommen, Nie auf der übertreter pfad zu kommen, Vor dir zu wandeln, dir mich und mein leben 3u über= geben. 6. Soll ich auf dieser welt Mein leben höher bringen, Durch manchen sauren tritt Hindurch ins alter dringen; So gieb geduld, und mich Vor sünd und schand be2. Erforsche mich, sieh, ob ichs redlich meine; Gieb, daß ich nicht bloß, was ich sein soll, scheine; Mit allen kräf= 318 Bom christlichen Leben und Wandel. kräften strebe, deinen willen Ganz zu erfüllen. 3. Wenn deine furcht mich überall begleitet, Und meinen gang, wenn mich kein mensch sieht, leitet: Wie sicher werd ich deine wege wan= deln, Wie richtig handeln! 4. Verschließ mein ohr der sünde schmeicheleien; Laß auch im dunkeln mich dein auge scheuen, Aufmerk= sam des gewissens stimme hören Und folgsam ehren. 5. Gieb eifer, kraft und muth zu meinen pflichten, So mag die welt, wie ihrs gefällt, mich richten; Gefall ich dir, mein Gott! will ich mit freuden Verachtung leiden. 6. Du achtest nicht das ansehn der personen, Wirst billig alles richten und belohnen, Mit herrlichkeit und ehre deine kinder, Mit schmach die sünder. 7. Bald, bald vollend ich meine prüfungsstunden. Werd ich im tode nur bewährt erfunden, Wie schön verwandeln sich dann meine leiden Und werden freuden! Miel. Gott, du frommer. 413. Herr! böre mein gebet Und laß es dir gefallen! Es ist mein ganzer ernst, Auf deiner bahn zu wallen. Ergreife, leite, stärk Den schwachen, der dir fleht; Verwirf die bitte nicht, Die mir von herzen geht. 2. Du willst, daß ich mich treu In jeder tugend übe. Der glaube, den du wirkst, Soll fruchtbar durch die liebe In wahrer heiligkeit Und guten werken sein; Drum will ich dir, mein Gott! Mein ganzes leben weihn. 3. Dies will ich, und doch macht Die schwäche meiner seele Und der versuchung reiz, Daß ich so oft noch fehle. Ich seh der tugend glück, Ich wünsche gut zu sein; Und doch giebts immer noch So vieles zu bereun, 4. Das siehst du, Herr! mein Gott! O sieh es mit erbarmen Und reiche väterlich Die helfershand mir armen! Gieb meinem geiste licht, Gieb meinem vorsatz kraft; So kämpf ich glücklicher Mit welt und leidenschaft. 5. Eröffne den verstand, Stets heller einzusehen, Daß sünd uns elend macht, Daß Und wahres wohlergehen innrer frieden nur Aus reinem herzen fließt; Daß du mit deiner huld Der freuden quelle bist. 6. Laß in versuchung mich Nicht zaghaft unterliegen; Ermuntre mich zum muth Und hilf dem schwachen siegen. Mein auge laß allein Auf deine weisheit schaun, Mein Vom christlichen Leben und Wandel. 319 Mein herz dir folgsam sein lichkeit Der eitlen nie verUnd dann dir froh vertraun. blende. Ihr kurzes lachen wird Bald lange reu und pein: Laß diesen wechsel mir Doch ja vor augen sein. 7. Ich bin ein pilger hier, Umringt von vielen sündern; Ihr beispiel könnte leicht Der tugend eifer hindern. Wenn der verführung gift, Des leichtsinns frecher spott Dem geist gefährlich wird, Dann steh mir bei, mein Gott! 8. 9. So werd ich, Herr, mein Gott! Dir nicht umsonst vertrauen; Einst, wenn ich treu dir bin, Der freuden fülle schauen, Und wenn du ewig lohnst Für jede gute that, Frohlocken, daß mein mein ende, Die falsche fröh- herz Sich dir geheiligt hat. Bewahre mein gemüth, Daß mich, bis an 5. Von den Gesinnungen und Pflichten gegen Gott und Jesum Christum. Erkenntniß Gottes und Andenken an ihn. Mel. Wer nur den lieben. A. M. ein Gott! du 414. Mein Gott! wohnest zwar im lichte, Wohin kein sterblich auge dringt; Doch giebst du uns zum unterrichte Dein wort, das uns erkenntniß bringt, Was du, o allerhöchster! bist, Was mit uns deine absicht ist. 2. So gieb denn, daß ich darauf achte, Als auf ein licht im dunkeln ort, Und wenn ich ernstlich es betrachte, So bilf selbst meinem forschen fort. Vor deiner wahrheit hellem schein Laß aug und herze offen sein. 3. Hilf, daß ich deinem worte glaube, Das mich zur wahren weisheit führt, Damit kein falscher wahn mir raube, Was mir ein ewges heil gebiert. Kein spöttergeist verführe mich; Kein zweifel sei mir hinderlich. 4. Das ist der weg zum ewgen leben: Daß wir, o Vater! dich und den, Den du zum heil uns haft gege= ben, Erkennen, lieben und erböhn. O führe du auf dieser bahn Mich selbst durch deine wahrheit an! 5. Vor allem gieb, daß stets lebendig Bei mir, Gott! dein erkenntniß sei, Und daß ich dir darnach dir darnach beständig Lieb, ehrfurcht und gehorsam Von den Gesinnungen und Pflichten 320 sam weih. Gieb, daß ich thu mit allem fleiß, Was ich von deinem willen weiß. 6. Was hilft die richtig ste erkenntniß, Wenn sie zu deiner lieb nicht treibt? Was nützt ein aufgeklärt verständniß, Wenn doch das herz noch böse bleibt? Drum hilf, daß ich der wahrheit treu Und daß mein glaube thätig ſei. 7. Laß dein erkenntniß mir im leiden Die quelle wahren trostes sein, Um mich, wenn leib und seele scheiden, Des besten trostes zu erfreun; Da irr und wank ich weiter nicht Und sehe dich im hellen licht. Mel. Von Gott will ich nicht. 415. An Gott will ich gedenken, Denn er gedenkt an mich. Wenn mich die sorgen kränken, So hebt mein herze sich 3u meinem Gott empor. Bald weichen alle schmerzen: Denn stellt meinem herzen Nichts als vergnügen vor. er 2. Denk ich an seine liebe, Wie werd ich doch entzückt, Daß, wenn es noch so trübe, Mir doch die sonne blickt; Da fällt mir immer ein: Er will mein nie vergessen. Wird das von mir ermessen, Wie kann ich traurig sein? 3. Denk ich an seine güte, Die alle morgen neu; So freut sich mein gemüthe Bei solcher vatertreu. Die last werf ich auf ihn; So wird die arbeit süße, Ob ich gleich schweiß vergieße: Denn Gott ist mein gewinn. 4. Denk ich an sein erbarmen; Er schenket mir sein kind. Ognade für mich armen! Heißt das nicht treu gefinnt? Gott ist in Chrifto mein. Gott müßte Jesum hassen, Wenn er mich wollte lassen; Das kann unmöglich sein. 5. Drum will ich an Gott denken. Die welt mag immerhin Den sinn aufs eitle lenken; Hier ist ein andrer sinn. Ich trage Gott allein Im Herzen und im munde; So kann mir keine stunde Allhier zu lange ſein. 6. An Gott will ich gedenken, So lang ich denken kann. Wird man ins grab mich senken: So ist dies zwar die bahn, Da mein die welt vergißt; Doch glaub ich dieses feste: Gott denket mein aufs beste, Wo er uns alles ist. Furcht Gottes und Gehorsam gegen ihn. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 416. Willst du der weisheit quelle kennen? Es ist die furcht vor Gott gegen Gott und Gott, dem herrn. Nur der ist weis und klug zu nennen, Der alle seine pflichten gern, Weil Gott sie ihm gebeut, vollbringt, Wenn gleich dazu kein mensch ihn zwingt. 2. Lern Gottes größe recht empfinden Und fühle deine nichtigkeit; So wirst du nie dich unterwinden, Mit thörichter verwegenheit 3u tadeln, was sein rath beschließt, Der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den höchsten kindlich scheuen, So wird dir keine pflicht zur last; Nur das wirst du vor ihm bereuen, Daß du fie oft versäumet hast. Wer Gott als zeugen vor sich hat, Der freut sich jeder guten that. 4. Wenn nacht und dunkelheit dich decken, Die dem verbrecher muth verleihn, Wird dich die furcht des herrn er= wecken, Auch dann, was un= recht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem angesicht Ist finsterniß wie mittagslicht. 5. Den höchsten öffentlich verehren Sowohl als in der einsamkeit; Auf des gewissens stimme hören Und willig thun, was es gebeut: Auch das lehrt dich die furcht des herrn; Auch das thut, wer ihn fürchtet, gern.* 6. Läst dich die welt verachtung merken, Wenn du dich fromm von ihr entfernst: N. A. Jesum Christum. 321 Die furcht des höchsten wird dich stärken, Daß du auch dies verschmerzen lernst. Wer seinem Gotte wohl gefällt, Ist glücklich, selbst beim spott der welt. 7. Sich stets vor dem allmächtgen scheuen Giebt heldenmuth und freudigkeit, Wenn uns der menschen stolzes dräuen, Was Gott mißfällt, zu thun gebeut. Ist Gott mein schuk, mein heil und licht; So bebe ich vor menschen nicht. 8. Laß deine furcht, Gott! mich regieren, Auf dich stets glaubensvoll zu sehn. Laß sie mich zu der weisheit führen: So werd ich niemals irre gehn. Wohl dem, der dich stets kindlich scheut! Dich fürchten, Gott! ist seligkeit. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 417. Dich, höchster! ehrerbietig scheuen, Ist unser glück und unsre pflicht. Kein mensch kann deiner huld sich freuen, Scheut er dein heilges auge nicht. Drum wirke, Vater! selbst in mir Durch deinen geist die furcht vor dir. 2. Sie leite mich auf meinen wegen, Sie sei mir weisheit und verstand Und treibe mich, das abzulegen, Was ich als unrecht hab erkannt. Denn wer noch lust 21 zur 322 Von den Gesinnungen und Pflichten zur fünde hat, Liebt wahrlich dich nicht in der that. 3. Gieb, daß ich stets zu herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das vor dir zu thun mich schäme, Was dir, mein Gott! zuwider ist. Was hilft das lob der ganzen welt, Wenn dir mein wandel nicht gefällt. 4. Nie laß mich dein gericht vergessen, Mich nie mit sündern sündlich freun; Nie muthlos, doch auch nie vermessen, Noch stolz in deinem dienste sein. Nie führe mich zur sicherheit Der reichthum deiner gütigkeit. 5. Laß mich mit weiser vorsicht fliehen, Was mich zu sünden reizen kann, Mich um ein reines herz bemühen, Und nimm dich meiner hilfreich an; So komm ich in der gnadenzeit Durch dich zur wahren seligkeit. 6. Erhalt in mir ein gut gewissen, Das weder spott noch trübsal scheu, Und mache von den hindernissen Der wahren tugend selbst mich frei. Nie störe furcht und lust der welt Mich, das zu thun, was dir gefällt. 7. Mit ehrfurcht laß mich vor dir wandeln Und stets, ich sei auch, wo ich sei, Nach deiner vorschrift redlich handeln, Entfernt von aller heuchelei. Wer dich von herzen liebt und ehrt, Nur der ist dir, o Bater! werth. 8. In deiner gnade läß mich sterben; So schreckt mich weder tod noch grab; So werd ich jenes leben erben, Wozu dein sohn sich für mich gab. Da werd ich dein mich ewig freun Und völlig in dir selig sein. Liebe und Dankbarkeit gegen Gott und Freude an ihm. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 418. Du, Bater deiner menschenkinder! Der du die liebe selber bist, Und dessen herz auch gegen sünder Noch gütig und voll mitleid ist! Laß mich von ganzem Herzen dein, Läß michs mit allen kräften sein. 2. Gieb, daß ich als dein kind dich liebe, Da du mich als ein vater liebst, Und gesinnt zu sein mich übe, Wie du mir dazu vorschrift giebst. Was dir gefällt, gefall auch mir; Nichts scheide mich, mein Gott! von dir. 3. Bertilg in mir durch deine liebe Den hang zur liebe dieser welt Und gieb, daß ich verleugnung übe, Wenn mir was eitles noch gefällt. Wie? sollte ich die kreatur Dir vorziehn, schöpfer der natur? 4. Laß gegen Gott und Jesum Chriftum. 323 von mir; Deß bin ich eingedenk. 2. Gieb mir, mein sohn, dein herz! sprichst du, Es ist mir lieb und werth. Ich schenke dir die wahre ruh, Die selbst der tod nicht stört. 3. So werd es dann dein eigenthum, Und müß es ewig sein! Doch bilde du es selbst erst um Und mach es gut und rein. 4. Laß mich, um deines um deines namens willen, Gern thun, was mir dein wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ichs soll erfüllen; So sieh auf meine willigkeit Und rechne mir, nach deiner huld, Die schwachheit, Vater! nicht zur schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit freuden Das thut, was dir, o Gott! mißfällt. Drum laß es mich mit ernst vermeiden, Gefiel es auch der ganzen welt. Die kleinste sünde selbst zu scheun, Laß, Vater! mich behutsam sein. 6. Aus liebe laß mich alles leiden, Was mir dein weiser rath bestimmt. Auch trübsal führt zu ewgen freuden; Wer ihre last gern übernimmt, Geduldig trägt und weislich nützt, Wird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner liebe laß mich sterben. Dann wird der tod selbst mein gewinn; Dann werd ich deinen himmel erben, Wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in vollkommenheit Dich, Vater der barmherzigkeit! Mel. Nun bricht die finftre. 419. Mein Gott! das herze bring ich dir Zur gab und zum geschenk; Du forderst dieses ja 4. Es fühle dies befleckte herz, Erweckt zur besserung, Der wahren reue tiefen schmerz, 3u seiner heiligung. 5. 3ermalme seine härtigkeit, Erweiche meinen sinn. 3ur tugend gieb entschlossen. heit, Wenn ich gereinigt bin. 6. Gieb, Jesu! gieb mir kraft und muth, Mit freudigem vertraun Mein heil auf dich nur und dein blut Und dein verdienst zu baun: 7. Daß ich nicht zweifle, daß du mich Versöhnt hast, daß ich frei Bon allen stra= fen und durch dich Gott wohlgefällig sei. 8. Und du, o Geist der heiligung, Ach, nimm dich meiner an! Weil ohne dich die besserung Doch nicht gelingen kann. 9. Hilf, daß ich meinem herrn und Gott Im glauben ewig treu Und gegen list, gewalt und spott Im guten standhaft sei. 21* 10. Wenn 324 Von den Gesinnungen und Pflichten 10. Wenn mich auch alle war. Eh noch mein geist welt verläßt, So mache deine dich kannte, Mein Herz dich huld Mein herze auch im vater nannte, Da wogst du leiden fest, Durch hoffnung schon mein theil mir dar. und geduld. 5. Du ließ'st mich gnade finden Und sahst doch meine sünden Vorher von ewigkeit. Ohöchster! welch erbarmen! Du sorgest für mich armen Und bist ein vater, der verzeiht. 6. Für alle deine treue, Für das, deß ich mich freue, Lobsinget dir mein geist. Es ist dein größt geschenke, Daß ich durch ihn dich denke; Dein ists, daß er dich vater heißt. 7. Daß du mein leben fristest Und mich mit kraft ausrüstest, Dies, Bater! dank ich dir. Daß du mich liebreich führest, Mit deinem geist regierest, Dies alles, Bater! dank ich dir. - 8. Was mir in diesem leben Noch nützt, wirst du mir geben; Du giebsts, ich hoff auf dich. Dir, Vater! dir befehle Ich meinen leib und seele. Herr! segne und behüte mich. 11. Auch sei es gegen jedermann Demüthig, frei vom neid, Und nehme gern sich andrer an Mit ernst und redlichkeit. 12. Gott zu verehren sei mein ruhm, Daß, rein von heuchelei, Mein gottesdienst, mein christenthum Ihm wohlgefällig sei. Mel. Nun ruhen alle wälder. 420. Dir dank ich für mein leben! Gott! der du mirs gegeben, Ich danke dir dafür. Du hast, von huld bewogen, Mich aus dem nichts gezogen, Durch deine güte bin ich hier. 2. Du, Herr! hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bis diesen augenblick. Du gabst mir frohe tage, Und selbst der leiden plage Verwandeltest du in mein glück. 3. Ich bin, Herr aller dinge! Der treu viel zu geringe, Mit der du mich bewacht. Damit ich, staub Mel. Jesus, meine zuversicht. und erde, Auf ewig glücklich 421. Habe deine luſt am werde, Hast du schon ewig mein gedacht. herrn! Bei dem herrn ist freud und leben, Und er wird, als vater, gern Dir auch, was dir dienet, geben. Seine liebe beut dir 4. Du hörtest schon mein sehnen Und zähltest meine thränen, Eh ich bereitet gegen Gott und Jesum Christum. dir an, Was dein herz nur wünschen kann. 2. Laß der welt die eitle lust, Die in weinen sich verkehret. Wisse, wer in seiner brust Gottes liebe fühlt und nähret, Findet stets auf seiner bahn, Was das herz nur wünschen kann. 3. Lust an Gott erfüllt mit licht, Wenn man Gott im wort erkennet. Lust an Gott stärkt uns zur pflicht, Wenn man in der liebe brennet. Solche lust beut alles an, Was das herz nur wünschen kann. 4. Wer die lust am höchsten hat, hat auch lust an seinem willen, Suchet ihn durch wort und that Unverdrossen zu erfüllen; Und so trifft er alles an, Was das herz nur wünschen kann. 5. Bleibst du auch nicht ohne last; Trag geduldig die beschwerden. Wenn du wohl gelitten haft, Wird dir ewge freude werden, Und im himmel triffst du an, Was dein herz nur wünschen kann. 325 die süß'ste pflicht, Seiner dich zu freuen? Mel. Christus, der uns selig. 422. Deines Gottes freue dich, Danf ihm, meine seele! Sorget er nicht väterlich, Daß kein gut dir fehle? Schüßt dich seine vorsicht nicht, Wenn gefahren dräuen? Ist es nicht 2. Ja, mein Gott! ich hab in dir, Was mein herz begehret: Einen vater, der mich hier Huldvoll pflegt und nähret, Der mich durch sein göttlich wort Hier zum guten lenket Und mit himmelswonne dort Mich einst ewig tränket. 3. Wenn ich ernstlich dein gebot Und mit freuden übe! Wenn ich kindlich dich, mein Gott! Fürchte, ehr und liebe: wie ist mir dann so wohl! Wie ist mein gemüthe Seliger empfindung voll, Voll von deiner güte! 4. Dann darf ich mit zuversicht Nach dem himmel blicken; Meine leiden fühl ich nicht, Wie sie mich auch drücken. Hoffnung und zufriedenheit Wohnen mir im herzen, Trösten und erhöhn mich weit Ueber alle schmerzen. 5. Du bist mein! se jauchz ich dann; Wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: Mein ist deine gnade! Dir ist meine wohlfahrt werth; Du gabst mir mein leben, Wirst auch, was mich täglich nährt Und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem rath In die welt gekommen: Alle meine missethat Hat er weggenommen. Ihm ver= trau t 326 Von den Gesinnungen und Pflichten trau, ihn bet ich an, Glaub an seine leiden, und die Mich macht der sünde kann von dir nicht scheiden. 7. Dich, du troft der sterblichkeit, Heil des bessern les bens, Himmlische vollkommenheit, Such ich nicht vergebens! Wenn mein lauf vollendet ist und vollbracht mein leiden, Ruft mein mittler Jesus Christ Mich zu deinen freuden. 8. Meine freud in dir, mein Gott! Wird dann ewig währen; Noch so furchtbar sei der tod, Er kann sie nicht stören. Willig werd ich mein gebein Der verwesung geben. Herr! dein tag bricht bald herein, Mit ihm neues leben! 9. Gieb mir, Gott! so lang ich hier In der fremde walle, Das bewußtsein, daß ich dir Als dein kind gefalle! Diese sanfte freudigkeit, Die ich zu dir habe, Sei mein heil in dieser zeit und mein trost am grabe. 10. Laß die lust der sünde nie Dieses heil mir rauben! Rüste du mich wider sie, Stärke meinen glauben! Gieb mir deinen geist, der mich Und mein thun regiere, Daß ich mein vertraun auf dich Nimmermehr verliere. Mel. Nun ruhen alle wälder. 423. Auf, auf mein ganz gemüthe! Und preise Gottes güte, Die ie und ewig währt; Die alles hat zu geben, Was man im ganzen leben 3um segen wünschet und begehrt. 2. Gott hat sie lassen walten und mich dadurch erhalten Von mutterleibe an: Ich spüre sie noch täglich, Daß also ganz unsäglich, Wie viel sie gutes mir gethan. 3. Gott macht sie alle morgen Durch väterlich versorgen An leib und seele neu. Er lässet sie desgleichen Bei nacht nicht von mir weichen, Daß sie mir schild und sonne ſei. 4. Sie fördert meine werke, Daß ich mit freuden merke, Wie Gott mir freundlich ist. will mich ein kummer stechen Und mein vergnügen brechen, Wird er durch ihren trost versüßt. 5. Wenn durch betrübte tage Manch kreuz und manche plage Mir an die seele tritt, So ist sie auch zuge= gen Und bringet trost und segen Aus meines Gottes liebe mit. 6. Ja, wenn die noth am größten, So folgt, daß man am besten Die güte Gottes spürt. Zuletzt muß doch erscheinen, Daß Gottes band gegen Gott und Jesum Christum. hand die seinen 3war wunderlich, doch selig führt. 7. Drum preise, mein gemüthe! Die wunderbare güte, Die dir von Gott geschicht. Im leben und im sterben Läßt sie dich nicht verderben: Denn Gott verläßt die seinen nicht. Mel. Ein' feste burg ist unser. 424. Auf ewig ist der herr mein theil, Mein führer und mein tröster! Mein Gott ist er, mein licht, mein heil, Und ich bin fein erlöfter. Du verwirfst mich nicht Selbst im gericht; Mit- jenes lebens ruh Erquickst, umschattest du mich schon in diesem leben. 327 fleht, Erhoben aus dem staube; Wenn ich in freudigem gebet, Mein Vater! mächtig glaube: Dann steig ich empor 3um siegerchor; Dann ruh ich ganz in dir; Dann ist mein geist schon hier Durch hoffnung in dir selig. 2. Fern von der welt, mit dir allein, allerhöchstes wesen! Wie ist von aller seiner pein Durch dich mein herz genesen! Der die ganze welt Schuf und erhält, Half mir und war mein Gott, Half mächtig mir in noth Und gab mir seinen frieden! 3. Des glaubens sei mein herz nur voll; Herr, laß sein licht mir scheinen; Gerettet aus der trübsal, soll Mein herz vor freuden weinen! Der mich leiden sah, Halleluja! Durch den siegt ich, durch den, Der meiner scele flehn, Selbst mein verstummen hörte. 4. Wenn meine ganze seele 5. Allgegenwärtig hast du mich, Auch mich, den staub, umgeben. Du siehst mich, ich empfinde dich; Sehn werd ich dich und leben. Hier und dort und da Ist Gott mir nah. Gedanke meiner ruh, Wie reich an heil bist du! Wie reich am troste Gottes! 6. Ich lebe dir, ich sterbe dir, Doch nicht durch meine kräfte. Bin ich des herrn: so ists in mir Sein göttliches geschäfte. Ja, ich lebe dir, Ich sterbe dir! Ja, Bater! Bater! dein Will ich auf ewig sein, Auf ewig dein versöhnter! Vertrauen auf Gott. Mel. Was Gott thut, das ist. und 425. Auf Gott nicht auf men= schen rath Will ich mein glücke bauen Und dem, der mich erschaffen hat, Mit gan= zer seele trauen. Er, der die welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen tagen, Als Gott und vater, tragen. 2. Er sah von aller ewigkeit, 328 Von den Gesinnungen und Pflichten keit, Wie viel mir nüßen würde, Bestimmte meine lebenszeit, Mein glück und meine bürde. Was zagt mein herz? Ist auch ein schmerz, Der, zu des glaubens ehre, Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott fennet, was mein herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, Wenns seine weisheit litte. Er sorgt für mich Recht Recht väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, Sein wille nur geschehe! 4. Ist nicht ein ungestörtes glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige geschick, Bei dessen last wir klagen? Die größte noth Hebt einst der tod, Und ehre, glück und habe Verläßt uns doch im grabe. 5. An dem, was seelen glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, ehre, reichthum, pracht Sind nicht das glück der seelen. Wer Gottes rath Vor augen hat, Dem wird ein gut gewissen Die trübsal auch versüßen. 6. Was ist des lebens herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das leiden dieser zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den herrn! Er hilft uns gern; Seid fröhlich, ihr gerechten! Der herr hilft seinen knechten. Mel. Was Gott thut, das ist. 426. Der herr ist meine zuversicht, Mein einzger troft im leben. Dem fehlt es nie an trost und licht, Der sich dem herrn ergeben. Gott ist sein Gott; Auf sein gebot Wird seine seele stille, Ihm gnügt des vaters wille. 2. Wer wollte dir, Herr! nicht vertraun? Du bist des schwachen stärke. Die augen, welche auf dich schaun, Sehn deine wunderwerke. Herr, groß von rath Und stark von that! Mit gnadenvollen händen Wirst du dein werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, Verlassen sehen müssen; Du läß'st ihn, wenn ihn noth umgiebt, Doch deiz nen trost genießen. Des frommen herz Wird frei von schmerz. Der sünder eitles dichten Pflegst du, Herr! zu zernichten. 4. Drum hoff, o seele, hoff auf Gott! Der thoren trost verschwindet, Wenn der gerechte in der noth Hilf und erbarmen findet. Wenn alles fällt, Ist er ein held; Er steht, wenn frevler zittern, Als fels in ungewittern. 5. Wirf nicht die große hoffnung hin, Die dir dein glaube reichet. Verflucht sind, die zu menschen fliehn; Verflucht, gegen Gott und Jesum Christum. flucht, wer von Gott weichet! Schreckt sünde schon; Sein eigner sohn, Der sich für dich ließ tödten, Erwarb dir hilf in nöthen. wenn 6. Sei unbewegt, wenn um dich her Gleich ungewitter stehen! Gott hilft, christen freudenleer 3u ihm um gnade slehen. Die zeit der qual, Der thränen zahl Zählt er; er wiegt die schmerzen Und wälzt sie von dem herzen. 7. Herr! du bist meine zuversicht, Auf dich hofft meine seele. Du weißt gar wohl, was mir gebricht, Wenn ich in noth mich quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger! verlassen Und sich im fummer fassen? 329 borgen; Wie sollt ich ängstlich sorgen, Da du mein vater bist! Du, Herr! gabst mir mein leben Und wirst mir alles geben, Was mir zur wohlfahrt nöthig ist. 3. Wir streben oft nach dingen, Die, wenn sie uns gelingen, Des unglücks quellen sind. Ein schein, der uns bethöret Und unsern stolz vermehret, Macht uns für wahre güter blind. 4. Der hang zu eitelkeiten Stört doch zu allen zeiten Die wahre seelenruh. Wann wir dir unser leben, O Vater! übergeben, Dann fließt dem herzen friede zu. 5. Dein rathschluß sei mein wille! Ich will in heilger stille Mich deiner vorsicht freun. Dein ewiges erbarmen, Dein beistand soll mir armen Zufriedenheit und muth verleihn. 8. In deine hand befehle ich Mein wohlsein und mein leben. Mein hoffend auge blickt auf dich; Dir will ich mich ergeben. Sei du, mein Gott! Bis in den tod Mein fels, auf den ich traue, Bis ich dein antlitz schaue. 6. Laß mich nicht zweifelnd wanken, Wenn traurige gedanken Mir deinen trost entziehn. Ich werde nie vergebens 3u dir, Herr meines lebens! Mit findlichem Mel. Nun ruhen alle wälder. 427. Auf deine weisheit vertrauen fliehn. schauen, Gott! deiner güte trauen, Das schafft zufriedenheit. Wer kann mein wohl entscheiden? Wer schenkt mir beßre freuden, Als du, brunn aller feligkeit? 2. Vor dir ist nichts ver7. Erleichtre meine leiden Durch deines geistes freuden, Durch muth und hoffnung mir. Drückt mich die last der schmerzen, Dann sprich zu meinem herzen: Ich, dein erretter, helfe dir. 8. Was 330 Von den Gesinnungen und Pflichten 8. Was sollt ich mich betrüben? Den menschen, die dich lieben, Muß alles segen sein. Ich bin ja dein erlöfter. Sonst weiß ich keinen tröster, Sonst keinen schuß, als dich allein. 428. Wer nur den lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderlich erhalten In allem kreuz und traurigkeit. Wer nur dem allerhöchsten traut, Der hat auf keinen sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren sorgen? Was hilft uns unser weh und ach? Was hilft es, daß wir alle morgen Bescufzen unser un gemach? Wir machen unser kreuz und leid Nur größer durch die traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsers Gottes gnadenwille, Wie sein' allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten freudenstunden, Er weiß wohl, was uns nüßlich sei. Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine heuchelei; So kommt Gott, eh wirs uns versehn, Und lässet uns viel guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner trübsalshite, Daß du von Gott verlassen seist, Und daß der Gott im schooße size, Den alle welt für glücklich preist. Die folgend zeit verändert viel Und setzet jeglichem sein ziel. 6. Es find ja Gott sehr schlechte sachen und ist dem. höchsten alles gleich, Den reichen klein und arm zu machen, Den armen aber groß und reich. Gott ists allein, der jedermann Bald stürzen, bald erhöhen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes wegen, Berricht das deine nur getreu Und trau des himmels reichem segen; So wird er bei dir werden neu: Denn welcher seine zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Mel. Herzlich thut mich verl. 429. Befiehl du deine wege, Und was dein herze kränkt, Der allertreusten pflege Deß, der den himmel lenkt. Der wolken, luft und winden Giebt wege, lauf und bahn, Der wird auch wege finden, Da dein fuß gehen kann. 2. Dem herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohl ergehn; Auf sein werk mußt du schauen, Wenn dein werk soll bestehn. Mit sorgen und mit gegen Gott und Jesum mit grämen, Mit selbstge- nacht. machter pein Läßt Gott sich gar nichts nehmen; Es will erbeten sein. 3. Dein' ewge treu und gnade, O Bater! weiß es recht, Was gut sei oder schade Dem menschlichen geschlecht. Und was du denn erlesen, Vollführst du, starker held! Und bringst zum stand und wesen, Was deinem rath gefällt. 4. An mitteln und an wegen Fehlt dir es, Höchster! nicht. Dein thun ist lauter segen, Dein gang ist lauter licht. Dein werk kann niemand hindern, Dein' arbeit kann nicht ruhn, Wenn du, was deinen kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle teufel Hier wollten widerstehn; So wird doch ohne zweifel Gott nicht zurücke gehn. Was er sich vorgenommen Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen Bu seinem zweck und ziel. 6. Hoff, o du arme seele! Hoff und sei unverzagt. Gott wird dich aus der höhle, Da dich der kummer plagt, Mit großen gnaden rücken. Erwarte nur die zeit; So wirst du schon erblicken Die sonn der schönsten freud. Christum. 331 Laß fahren, was das herze Betrübt und traurig macht. Bist du doch nicht regente, Der alles führen soll; Gott sitzt im regimente Und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten, Er ist ein weiser fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirft, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem rath Das werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 7. Auf, auf! gieb deinem schmerze Und sorgen gute 9. Er kann zwar eine weile Mit seinem trost verziehn, Und thun an seinem theile, Als hätt in seinem sinn Er deiner sich begeben, Und sollt'st du für und für In angst und nöthen schweben, Und frag er nichts nach dir. 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst: So wird er dich entbinden, Da du es kaum noch gläubst; Er wird dein herz erlösen Von der so schweren last, Die du zu keinem bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du kind der treue! Du hast und trägst davon, Mit ruhm und dankgeschreie, Den fieg und ehrenkron; Gott giebt dir selbst die palmen In deine rechte hand, Und du singst freudenpsalmen Dem, der dein leid gewandt. 12. Mach end, o Herr! mach 332 Von den Gesinnungen und Pflichten mach ende Von aller unsrer 5. Gieb meinem herzen noth! Stärk unser herz und hände Und laß, bis in den tod, Uns allzeit deiner pflege Und treu empfohlen sein! So gehen unsre wege Gewiß zum himmel ein. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 430. Befiehl dem herren deine wege Und mache dich von sorgen los. Vertraue seiner vaterpflege; Vor ihm ist nichts zu schwer und groß, Das er, zu seines namens preis, Nicht herrlich auszuführen weiß. 2. Wo du ihn nur hast rathen lassen, Da hat er alles wohl gemacht: Denn was dein denken nicht kann fassen, Das hat er längst zuvor bedacht. Wie dies sein rath hat außerfehn, So und nicht anders muß es gehn. 3. Wie werden deine lebenstage Von manchem fummer sein befreit! Wie leicht wird alle noth und plage Dir werden in der prüfungszeit, Wenn du nichts wünschest in der welt, Als was Gott will und ihm gefällt! 4. Dir wirds an keinem gute fehlen, Wenn du dein herz gewöhnst und lehrst, Nur Gottes willen zu erwählen Und deinem eignen willen wehrst, Der immer sich zum bösen neigt, Wie gut auch seine wahl dir däucht. solche stille, Mein Jesu! daß ich sei vergnügt Mit allem, was dein gnadenwille Mit mir und meinem leben fügt; Nur nimm dich meiner seefe an; So hab ich, was ich wünschen kann. 6. Ich weiß, du thusts, sie ist die deine Und kostet dich dein theures blut; Dadurch erhalte sie dir reine! Für dies dein mir vertrautes gut Laß ernstlich mich besorget sein; So trifft mein ganzes wünschen ein. 7. Indeß sei stets, mein heil! geprieſen Für alle gnade, die du mir, Eh ich noch da war, schon erwiesen, Da du, mein süßer Jesu! dir Zum eigenthum mich haft. erwählt und deinen schafen zugezählt. 8. Dir sei auch ewig lob gegeben, Daß du so unverdienet haft Für mich gesorgt in meinem leben! So lang ich bin dein erdengast, Ist alles liebreich, nütz und gut, Was deine fügung mit mir thut. 9. Dort preis ich deiner liebe thaten Dereinst erst Wenn in vollkommenheit, mir der höchste wunsch ge= rathen, Daß ich in jener ewigkeit Erkenne, wie dein weiser rath Gs wohl mit mir gefüget hat. 431. Auf gegen Gott und 431. Auf meinen lieben Gott Trau ich in angst und noth: Er kann mich allzeit retten Aus trübfal, angst und nöthen. Mein unglück kann er wenden, Es steht in seinen händen. 2. Ob mich die sünd ansicht, Verzag ich dennoch nicht, Auf Christum will ich bauen Und ihm allein vertrauen; Ihm bleib ich fest ergeben Im tod und auch im leben. 3. Ob mich der tod nimmt hin, Ist sterben mein gewinn: Denn Christus ist mein leben, Dem hab ich mich ergeben. Ich sterb heut oder morgen, Mein' seel wird er versorgen. 4. mein Herr Jesu Chrift! Der du so willig bist Für mich am kreuz gestorben, Haft mir das heil erworben: Führ du uns aus den leiden Bu ewgen himmelsfreuden. * 5. Amen! zu aller stund Sprech ich aus herzensgrund; Du wollest uns ja leiten, Herr Christ! zu allen zeiten, Aufdaß wir deinen namen Ewiglich preisen. Amen. Ergebung in den Willen Gottes. Mel. Nun ruhen alle wälder. 432. n allen meinen thaten Laß ich den höchsten rathen, Der Jesum Christum. 333 alles kann und hat. Er muß zu allen dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben segen, rath und that. 2. Vergebens ist mein forgen Vom abend bis zum morgen, Vergebens müh und kunst. Er mags mit meinen sachen Nach seinem willen Ich stells in seine machen, vatergunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, Als was er ausersehen Und für mich heilsam hält. Ich nehm es, wie ers giebet; Was ihm von mir beliebet, Das hab ich auch zum zweck erwählt. 4. Ich traue seiner gnaden, Die mich vor allem schaden Und allem übel schützt. Leb ich nach seinen sätzen, So wird mich nichts verleken, Nichts fehlen, was mir ewig nützt. 5. Er wird mich meiner sünden In gnaden ganz- entbinden, Durchstreichen meine schuld. Er wird auf mein verbrechen Nicht gleich das urtheil sprechen; Ich weiß, er hat mit mir geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder zieh ich fort; In wohlstand, ehr und freuden, In mangel, schmach und leiden, Da stärket mich sein kräftges wort. 7. Hat er es denn beschlos 334 Von den Gesinnungen und Pflichten schlossen, So will ich unverdrossen An mein verhängniß gehn. Kein unfall unter allen Wird mir so schrecklich fallen; Mit Gott werd ich ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich ergeben 3u sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut. Es sei heut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen; Er weiß die allerbeste zeit. 9. So sei nun, seele, seine Und traue dem alleine, Der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe; Dein vater in der höhe Weiß schon zu allen sachen rath. Mel. Mein Herz und seel den. 433. Herr, Gott! mein durch den ich bin und lebe, Gieb, daß ich mich in deinen rath ergebe! Laß ewig deinen heilgen willen mein, Und was du thust, dem herzen theuer sein! 2. Du, du regierst, bist weisheit, lieb und stärke! Du, Herr, erbarmst dich aller deiner werke! Was zag ich denn noch einen augenblick? Du bist mein Gott, und willst nichts, als mein glück. 3. Von ewigkeit hast du mein loos entschieden. Was du bestimmt, das dient zu meinem frieden. Du wogst mein wohl, du wogst mir auch mein leid, Und was du schickst, ist für mich seligkeit. 4. Gefällt es dir: so müsse keine plage Sich zu mir nahn; gieb mir zufriedne tage. Allein verwehret es mein ewges heil; So bleibe du nur. selbst mein trost, mein heil. 5. Du giebst aus huld uns dieser erde freuden; Aus gleicher huld verhängst du unsre leiden. Lad ich sie nicht auf mich durch meine schuld; So zag ich nicht: du giebst dabei geduld. 6. Soll ich ein glück, das du mir gabst, verlieren, Und willst du, Gott! mich rauhe wege führen; So wirst du doch mir, auf mein kindlich flehn, Gewiß alsdann noch eine hilf ersehn. 7. Vielleicht muß ich nach wenig tagen sterben: Herr! wie du willst, soll ich den himmel erben, Und dieser ist im wahren glauben mein, - Wie sollte dann der tod mir schrecklich sein? — 434. Was mein Gott will, gescheh allzeit! Sein wille ist der beste. 3u helfen ist er dem bereit, Der an ihn glaubet feste. Er hilft aus noth, Der fromme Gott. Er tröstet ohne maßen. Wer Gott vertraut, Fest auf ihn baut, Den will er nicht verlassen. 2. Gott gegen Gott und Jesum Chriftum. 2. Gott ist mein trost und zuversicht, Mein' hoffnung und mein leben. Dem, was Gott will, das mir geschicht, Will ich nicht widerstreben. Sein wort ist wahr, Daß er mein haar Auf meinem haupt gezählet. Er hüt't und wacht, Stets für uns tracht't, Aufdaß uns ja nichts fehlet. 3. Muß gleich ich sünder von der welt Hinfahren, wies sein wille, 3u meinem Gott; wenns ihm gefällt, Will ich ihm halten stille. Mein' arme seel Ich Gott befehl In meinen letzten stunden. O frommer Gott! Sünd, höll und tod Hast du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr! will ich bitten dich, Du wirst mirs nicht versagen: Wenn mich der böse geist ansicht, Laß mich doch nicht verzagen! Ach hilf und wehr, Gott mein Herr! Zu ehren deinem namen. Was du zusagst, Das hältst du fest, Drauf sprech ich fröhlich: amen. 335 und bin, Geb ich dir zu eigen hin! Du gabst es, dir geb ichs wieder; Mache daraus, was du willt, Was du willt, mein Gott und schild. Mel. Sollt ich meinem Gott. 435. dh ergebe mich dem willen Meines Gottes ganz und gar, Der wird auch an mir erfüllen, Was mir nüket immerdar. Siehe, höchster Gott, hernieder! Alles, was ich hab 2. Von dir hab ich ja mein leben, Gott! der du mein vater bist. Mir zum heil hast du gegeben Deinen sohn selbst, Jesum Chrift; Und mein sichrer, treuer führer, Der mir deine wege weist, Ist ja selbst dein guter geist. Hab ich denn nun zum regierer Dich, o du dreieinger Gott! O, so schreckt mich keine noth! 3. Und wie könnt ich doch verzagen, Ging es noch so wunderlich, Da ich kann bis heute sagen: Gottes güte führet mich! Nun, erleb ich denn auch morgen: O, so lebt auch noch mein Gott, Der für mich in jeder noth Treu und liebreich ferner sorgen, Weis und gut mich führen wird, Weil er vater ist und hirt. 4. Ginge mir es, wie ich wollte, So ging es mir selten gut. Wenn das stets geschehen sollte, Was sich wünscht mein eigner muth; Würd ich oft mein unglück wählen: Ich erfahre gar zu oft Böses, wenn ich guts ge= hofft; Meine besten wünsche fehlen. Drum in Gott, mein herz, sei still! Mir geschehe, was Gott will. 5. Was 336 Von den Gesinnungen und Pflichten 5. Was Gott will, ge- 4. Was Gott thut, das ist schehe immer! Was ich will wohl gethan; Er ist mein und schädlich ist, Das laß ja licht und leben, Der mir geschehen nimmer, Gott, der nichts böses gönnen kann: du so gütig bist! Und da Ihm will ich mich ergeben dir mein unvermögen, Dir In freud und leid. Es kommt zu folgen, ist bekannt: die zeit, Da öffentlich erso laß doch deine hand Mei- scheinet, Wie treulich er es ner schwachheit kraft beile- meinet. gen! Und dann, Vater, folg ich dir! Was du willst, geschehe mir! 436. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Es bleibt gerecht sein wille. Wie er fängt meine fachen an, Halt ich ihm willig stille. Er ist mein Gott, Der in der noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Er kann mich nicht betrügen. Er führet mich auf rechter bahn; Drum laß ich mich begnügen An seiner bhuld Und hab geduld. Er wird mein unglück wenden, Es steht in seinen händen. 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Er wird mich wohl bedenken. Er, als mein arzt, der helfen kann, Wird mir nicht gift einschenken Für arzenei. Gott ist getreu! Drum will ich auf ihn bauen Und seiner gnade trauen. 5. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Muß ich den kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem wahn: Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil er zuletzt Mich doch ergeht Mit süßem troft im herzen; Da weichen alle schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe bahn Noth, tod und elend treiben; So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. Mel. Gott, du frommer. 437, Willst du dir, meine feel, Von dem gedanken machen, Was nicht zu ändern steht? Befiehl Gott alle sachen. Was ich nicht fassen kann, Da weiß der höchste wohl, Wie er zu seinem preis Noch alles richten soll. 2. Clender erdenwurm! Willst du gen himmel steigen? Du arme kreatur! Willst dem gegen Gott und Jesum Christum. dem schöpfer zeigen, Was er anordnen soll? Bedarf der jeho rath, Der so viel tausend jahr Die welt regieret hat? 3. Ach nein, dir, großer Gott! Sei alles heimgestel let; Mach du es auch fortan Bloß, wie es dir gefället. Obs gleich oft oft seltsam scheint; So ists doch endlich gut, Was deine wundermacht Und höchste weisheit thut. 4. Indessen wollest du, O Vater! nur verleihen, Daß alles endlich noch 3um besten muß gedeihen So andern als auch mir: Damit es ins= gemein, Und mir insonder heit, Erträglich möge sein. 5. 3war ist mein glaube schwach; Doch, Herr! aus lauter gnaden Gieb, daß es heilsam sei Und mir nicht könne schaden, Wie wunderbar sichs kehrt; Denn alles steht bei dir. Ich will auch dir allein Drum danken für und für. * 6. Gott Vater! dir, nicht uns, Nicht uns, nur dir sei ehre! Dein lob, o Jesu Chrift! Dein lob sich immer mehre! Nur dir, Gott heilger Geist! Nur dir sei ewig preis Für alles, was du thust Im ganzen erdenkreis! 337 dirs gefällt, In allen meinen sachen. Die hoffnung ist auf dich gestellt, Du wirsts am besten machen. Ich seh auf deine rechte hand, Dabei ist mir der trost bekannt, Daß sie kann alles ändern. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 438. Machs, lieber Gott! wie N. A. 2. Wirds für unmöglich angesehn, Deswegen un verzaget! Was Gott will, das muß doch geschehn; Wohl dem, ders auf ihn waget! Der höchste kann in heil und glück Durch seine hand im augenblick Mein unglück leicht verwandeln. 3. 3war fällt mir oft ein zweifel vor, Der dies und das will sprechen; Doch du wirst das zersioßne rohr Nicht vollends gar zerbrechen. Das tocht des glaubens, das nur glimmt Und bloß von dir noch kräfte nimmt, Wirst du nicht gar verlöschen. 4. Gieb nur geduld, und stärke mich, Wenn ich in schwachheit leide. Ich halte mich allein an dich, Und das ist meine freude. Die welt sei welt und bleibe welt; Du bist der schat, der mir gefällt, Da ist mein ganzes herze. 5. Wenn du mich schlägst, so dank ich dir Und will die ruthe küssen: Denn in dem kreuze läßt du mir Dein vaterherze wissen; Das wallt vor liebe gegen mich, 22 Du 338 Von den Gesinnungen und Pflichten Du sprichst: mein kind! ich Gewöhnen festzustehen. Wenn werde dich Nicht lassen, noch sich mein geist Nur treu erversäumen. weist, So wird er mich erhöhen. 3. Er hat mich selber zu gericht't, Mir feel und leib gegeben; Er nährt mich reichlich und verspricht Mir dort ein ewges leben; Erbarmet sich Und zählet mich Aus gnaden zu den seinen. Wer so viel thut, Deß herz und muth Kanns nimmer böſe meinen. 4. Bei ihm ist weisheit und verstand Und macht in allen thaten; Zeit, ort und stund ist ihm bekannt, 3u helfen und zu rathen. Er weiß, wenn freud, Er weiß, wenn leid Uns, seinen kindern, diene, Und was er thut, Ist alles gut, Obs noch so traurig ſchiene. 5. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, Was fleisch શ ls und blut begehret, Als ob dich Gott mit großer last Und gar im zorn beschweret; Hast spät und früh Biel sorg und müh, 3u deinem wunsch zu kommen, Und denkest nicht, Das, was geschicht, Gescheh zum heil der frommen. 6. Das tröftet meinen blöden muth, Daß ich mich wenig kränke; Du machst doch endlich alles gut Und besser, als ich denke. Wer weiß, wie nah die freudenzeit, Wo mir mein herzenswunsch gedeiht Und ich im segen lebe? 7. Drum weiche sorg und traurigkeit! Ich bin in Gott zufrieden. Gott hat mir schon zu rechter zeit Mein theil und heil beschieden. Ist mirs zur zeit noch unbekannt; So kanns des höchsten rechte hand Doch bald und fröhlich ändern. Mel. Was mein Gott will, gesch. 439. h hab in Gottes herz und sinn Mein herz und finn ergeben. Was böse scheint, ist mir gewinn, Der tod selbst ist mein leben. Ich bin deß kind, Der von der sünd Mich selbst zu sich gezogen. Wenn er gleich schlägt Und kreuz auflegt, Bleibt er mir doch gewogen. 2. Ich glaub in fester zuversicht, Mein vater muß mich lieben. Verbirgt er gleich sein angesicht, So will er mich nur üben, Mich durch geduld In seiner huld 6. Ach! er, der dich geschaffen hat Und mit vernunft beseelet, Hat längst in seinem weisen rath Dein bestes dir erwählet. Er sieht voll treu, Was dienlich sei Für gegen Gott und Jesum Christum. Für dich und für die deinen: Drum laß ihn nun, Was er will, thun; Er kanns nicht böse meinen. 7. Wills Gott, so kanns nicht anders sein, Es muß zuletzt erfreuen. Was du jetzt nennest schmerz und pein, Muß dir zum heil gedeihen. Wart in geduld! Denn seine huld Wird endlich rettung 339 in dem tod So meinen lauf vollendet, Daß dich mein geist Dort ewig preist Und all mein leid sich endet. 10. Und soll ich auch in tod und grab Nach deinem willen gehen: So wirst du mir, mein schutz und stab, Auch dann zur seite stehen. Du bist mein Gott, Der Wider den Mißbrauch des Namens Gottes durch Meineid oder Fluchen. Mel. Es wolle Gott uns gnädig. finden; Angst, noth und qual 440. Du ſchauft, mein Wird auf einmal, Gleich wie ein rauch, verschwinden. Schöpfer und 8. Nun, Herr, mein Gott! so fall ich dir Getrost in deine hände; Erwähle, ordne, sende mir, Bis an mein letztes ende, Was herz und geist, So wie du weißt, Erbauet, bessert, lehret; Was deinen ruhm, Mein christenthum Und seligkeit vermehret. 9. Giebst du mir ruh und sonnenschein; So nehm ichs an mit freuden. Solls aber kreuz und unglück sein, Will ichs geduldig leiden. Soll ich allhie Noch fort voll müh, Voll leid und kummer leben: Ich folge dir, Dünkts schwer gleich mir, Gelassen und ergeben. mein Herr! Ins innerste der feelen, Und niemand kann, Allwissender! Dir, was er denkt, verhehlen. Laß deine macht und hoheit mich Mit heilger scheu erfüllen, Wenn ich als wahrheitszeuge dich, Nach meiner obern willen, Anruf und bei dir schwöre. 2. Arglistig können menschen zwar Auch menschen hintergehen; Doch dir ist alles offenbar, Du siehst, was sie nicht sehen. Im zorn schaust du die lügner an; Berheimlichte verbrechen, Die menschenmacht nicht strafen kann, Wirst du, Gerechter! rächen. Kein mensch kann dir entfliehen. 3. Und ich, ich sollt aus geiz und neid, Aus falscher scham, aus rache Verkehren die gerechtigkeit Und meines nächsten sache; Durch meineid sollt ich ihm den ruhm 22* Der 340 Von den Gesinnungen und Pflichten Der redlichkeit entwenden? herr muß diese sünde räMein Gott! du bringst die chen: Dies, dies erfordert lügner um; So will ich mich seine ehr. O wie abscheunicht schänden, So nicht ins lich tastet man Durch fluchen elend stürzen. seine ehre an! 4. Wenn ich, o Herr! so freventlich Dir trotzt und deiner rechte, Muthwillig deinen zorn auf mich Durch solchen frevel brächte; Wie elend würd ich dann nicht sein Schon hier in diesem leben! Der selbstverdammung, furcht und pein Von mir selbst übergeben! Wie elend nach dem tode! 3. Gewinnt durch fluchen deine ehre? Meinst du, das fluchen stehe wohl? Meinst du, daß es dein ansehn mehre? Meinst du, daß man dich fürchten soll? Vernünftige verachien dich; Dein rasen nur ist fürchterlich. 4. Dem gottesfürchtgen macht es schmerzen, Wenn er dein freches fluchen hört. Er seufzt zu Gott mit from= mem herzen, Daß so sein name wird entehrt. √e kommt viel ärgerniß durch dich. Weh solchen menschen ewiglich! 5. lerne deine junge zwingen! Bedenke Gottes majestät! Dort wird er vors gericht einst bringen, Was hier des fluchers mund ge= redt. Gott sieht, Gott hört, Gott ist um mich: Dies, frecher flucher, schrecke dich! 6. Herr! präge deines namens ehre Aufs tiefste allen seelen ein, Taß man nicht freche flucher höre, Tie deine majestät nicht scheun. O mach dich ihren herzen fund! So geht kein fluch aus ihrem mund.. 5. Betrug und lügen hilf mir, Gott! Von ganzem herzen hassen Und, treu der wahrheit bis zum tod, Mich nur auf dich verlassen. Laß mich kein glück, so groß es sei, Mit seinem rei; verführen, Turch falschen eid und heuchelei Den himmel zu verlieren und mich selbst zu verdammen. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 441. Mein herz haßt billig alle sün= den Und alle bosheit, die man übt; Doch ist kaum eine sonst zu finden, Tie meinen geist so sehr betrübt, Als wenn ich wider Gottes ehr Die frechen flucher toben hör. 2. Sind alle laster ein verbrechen; So ists das fluchen zwiefach mehr. Der Vom gegen Gott und Jesum Christum. 341 Als wenn wir flehend auf dich sehn? O Vater! unsre seelenruh Nimmt durchs gebet beständig zu. 6. Dein wort ist immer ja und amen! Wer gläubig bittet, der empfäht. Drum laß auch mich, in Jesu namen, Oft vor dich kommen im gebet. Nie sei mir diese pflicht zur last, Die du zum heil geboten haft. Vom Gebete. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 442. Dein heil, o chrift! nicht zu verscherzen, Sei wach und nüchtern zum gebet. Ein kindlichs flehn aus reinem herzen Hat Gott, dein vater, nie verschmäht. Erschein in demuth oft und gern Mit dank und flehen vor dem herrn. 2. Welch glück, so hoch geehrt zu werden Und im gebet vor Gott zu stehn! Der herr des himmels und der erden, Bedarf der eines menschen flehn? Er will bloß deine seligkeit, Wenn er zu beten dir gebeut. 3. Sagt Gott nicht: bittet, daß ihr nehmet? Ist des gebetes frucht nicht dein? Wer sich der pflicht zu beten schämet, Der schämt sich Gottes freund zu sein Und stößt das angebotne glück Muthwillig selbst von sich zurück. 4. Sein heil von dir, o Gott! begehren, Ist wahrlich keine schwere pflicht. Des herzens wünsche dir erklären, Erhebt dies unsre seele nicht? welch ein trost, daß du uns liebst Und, was uns nützet, gerne giebst! 5. Was kann zum fleiß in guten werken Die seele kräftiger erhöhn, Was mehr den muth in leiden stärken, Mel. Wer nur den lieben. A. M. 443. Von dir kommt jede gute gabe: Nur du, mein Gott! kannst mich allein Mit allem, was ich nöthig babe, 3u meinem wahren wohl erfreun. Mein leben und mein glück beruht Allein auf dir, du höchstes gut! 2. Umsonst ist alle meine mühe, Wenn sie dein segen, Herr! nicht krönt. Was ich auch noch so ängstlich fliehe, Wird doch von mir nicht abgelehnt, Wenn vor dem übel, das mich schreckt, Dein starker schutz mich nicht bedeckt. 3. Wie sollt ich denn von dir nicht bitten, Was meiner seele wunsch begehrt? Vor dir, o Gott! sein herz ausschütten, Wenn noth und fummer uns beschwert, Be= sänftigt unsern seelenschmerz Und öffnet deinem trost das herz. 4. Sollt 342 Von den Gesinnungen und Pflichten 4. Sollt ich nicht dank dringen! Weil Gott dich und ruhm dir bringen, Wenn mich ein wahres glück erfreut? Dir, Allerhöchster! dir lobsingen, Ift für uns hier schon seligkeit Und flößt uns wahren eifer ein, In deinem dienste treu zu sein. beten heißt Und du durch seinen sohn Ganz freudig treten kannst Vor seinengnadenthron. 5. Du hörst es, Gott! mit wohlgefallen, Wenn deine kinder zu dir flehn; Verschmähest nicht ihr schwaches lallen, Wenn sie lobsingend dich erhöhn. Du ehrst den wieder, der dich ehrt, Und hörest den, der dich, Gott! hört. 6. Mit segen uns zu überschütten, Bist du, o Vater! ftets bereit. Was wir nach deinem willen bitten, Giebst du uns aus barmherzigkeit, Und wer dir dankt, dem sendest du Beständig neuen neuen segen zu. 7. So will ich denn zu deinem throne Oft im gebet mich findlich nahn. Nimm, Bater! nimm in deinem sohne Der andacht opfer gnädig an. Dein geist regiere meinen geift, Daß er dich, betend, würdig preist. Mel. Nun danket alle Gott. 444. Wohlauf, mein herz, wohl auf, Ein opfer Gott zu bringen! Laß seufzer und gebet 3u ihm gen himmel 2. Dein vater ists, der dir Befohlen hat, zu beten; Dein bruder ists, der dir Versprach, dich zu vertreten; Der werthe tröster flößt Den trieb zum beten ein: Drum muß dein seufzen auch Gewiß erhöret sein. 3. Da siehst du Gottes herz; Das kann dir nichts versagen. Sein wort, sein treues wort Vertreibt ja alles zagen. Was dir unmöglich dünkt, Kann seine vaterhand Noch geben, die von dir Schon so viel noth gewandt. 4. Komm nur, komm freudig her In Jesu Christi namen! Sprich: lieber vater, hilf! Ich bin dein kind; sprich: amen! Ich weiß, es wird geschehen; Dein herz verläßt mich nicht: Du wirst, du willst, du kannst; Thu, was dein wort verspricht! unser 445. Bater, Gott! es ist Dein werk, uns zu belehren, Wie du recht anzurufen bist, Daß du uns kannst erhören; Drum gieß, wie uns dein wort verheißt, Selbst über uns aus deinen geift Der gnad und des gebetes. 2. Daß gegen Gott und 2. Daß er bei dir uns kräftiglich Mit seufzen mög vertreten, So oft wir kommen, Herr! vor dich, 3u danken und zu beten. Laß nicht nur reden unsern mund; Hilf, daß zu dir aus herzensgrund, großer Gott! wir rufen. 3. 3ieh unser Herz zu dir hinauf Im beten und im fingen, Und thu uns auch die lippen auf, Ein opfer dir zu bringen, Woran dein herz gefallen hat, Weil sich auch unser herz dir naht, Und nicht bloß unsre lippen. 4. Im geist und wahrheit laß zu dir Das herz uns gläubig richten, Mit andacht beten für und für, Ohn fremdes thun und dichten. Gieb uns des glaubens zuversicht; So zweifeln wir in Chrifto nicht, Die bitte zu erhalten. Jesum Chriftum. 343 doch unser flehn erhört Von dir, aus alter gnade. 7. Du, Vater! weißt, was uns gebricht, So lange wir hier leben. Verborgen ist dir gleichfalls nicht, Wenn nöthen schweben. wir in Wir, deine kinder, flehn dich an; Wir sind gewiß, daß uns nicht kann Dein vaterherz verlassen. 5. Hilf, daß wir keine zeit und maß Im beten dir vorschreiben, Unhalten ohne unterlaß, Bei dem allein auch bleiben, Was uns dein wille bitten lehrt, Was deinen großen namen ehrt Und unser wohl befördert. 8. Wir haben ja die freudigkeit In Jesu tod empfangen: Der gnadenstuhl ist da bereit, Die hilfe zu erlangen. Laß heilge händ uns immer hier Aufheben, Vater! In wahrer inund zu dir brunst beten. 9. Dein nam, o Gott! geheiligt werd, Dein reich laß uns erfreuen; Dein will gescheh auch hier auf erd; Gieb frieden, brot, gedeihen; All unsre sünden uns verzeih, Steh uns in der versuchung bei, Erlös uns von dem bösen. 10. Dies alles, Bater! werde wahr, Du wollest cs Erhör und hilf erfüllen! Erhör Um Jesu uns immerdar Christi willen: Denn dein, o Herr! ist allezeit, Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht, die ehre. 6. Laß uns im herzen und gemüth Auf unser werk nicht bauen; Auf deine nie erschöpfte güt Laß einzig uns Mel. Christ, unser herr, zum. vertrauen. Und sind wir auch 446. Bater! aller= nicht dessen werth; So sei höchster Gott! Daß 344 Von den Gesinnungen und Pflichten Daß mir, wie einem kinde, Verstattet wird, in aller noth, Wie groß auch meine sünde, Mein herz vor deinem gnadenthron In einfalt auszu schütten: Das, Bater! dank ich deinem sohn; Der heißt mich freudig bitten Und kindlich zu dir nahen. 2. O liebe! weil an mei: ner statt Dein sohn für meine sünden Gebüßet und bezahlet hat, So kann ich gnade finden. Dein sohn bezeugt: es stehe mir Dein herz und himmel offen: Ich könne im gebet von dir Getroft erhörung hoffen; Du seist mein treuer vater. 3. angenehmer vaternam! Nunmehr komm ich, ich fünder, Der sonst voll zweifel zu dir kam, Getrost, wie liebe kinder. Ich weiß, mein flehen rühret dich, Weil du mich zärtlich liebest. Du wirst, weil du den sohn für mich In tod und marter giebest, Mit ihm mir alles schenken. 4. O fester grund der freudigkeit! In meinen missethaten Kommt mir der unschuld reines kleid, Das Je= sus schenkt, zu statten. Er spricht: ich bete selbst mit dir, Mein geist soll dich vertreten; Mein redend blut soll für und für Dem klopfen, suchen, beten Gewicht und nachdruck geben. 5. So faffe dich, mein blöder geist! Ich hab inJesu wunden zu Gott, der nun mein vater heißt, Den offnen weg gefunden. Es bringt der heilge geist mein ach! Hin zu des himmels höhen. Ihm lall ich: abba, Bater! nach; Er heiliget mein slehen; Er leitet die gedanken. 6. O reicher trost! Gott kann und will Mein antlik nicht beschämen. Ich darf aus Jesu gnadenfüll Im glauben alles nehmen. Mein frohes beten stützet sich Auf drei sehr feste gründe: Der vater droben liebet mich; Sein sohn tilgt meine sünde; Sein geist wohnt mir im herzen. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 447. Komm betend oft und mit vergnügen, christ! vor Gottes angesicht. tes angesicht. Laß dich die trägheit nie besiegen In der erfüllung dieser pflicht. D übe sie, zu Gottes preis Und deinem heil, mit treuem fleiß. 2. Bet oft in einfalt deiner seelen; Gott sieht aufs herz, Gott ist ein geist. Wie können dir die worte fehlen, Wenn nur dein herz dich beten heißt? Der glaub an Gott und seinen sohn Rührt ihn, nicht leerer worte ton. 3. Bet gegen Gott und Jesum 3. Bet oft zu Gott und fühl in freuden, Wie freundlich er, dein vater, ist. Bet oft zu Gott und fühl in leiden, Wie göttlich er das leid versüßt. Gott hörts, Gott ists, der hilfe schafft; Er giebt den müden trost und kraft. 4. Bet oft und, heiter im gemüthe, Schau dich an seinen wundern satt. Schau auf den ernst, schau auf die güte, Womit er dich geleitet hat. Oft irrtest du, er trug geduld; Erkenn und preise seine huld. 5. Bet oft, durchschau mit frohem muthe Die herz: liche barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren blute Uns vom verderben hat befreit; Und eigne dir zu deiner ruh Und heiligung sein opfer zu. 6. Bet oft, Gott wohnt an jeder stätte, In keiner minder oder mehr. Denk nicht, wenn ich mit vielen bete, So find ich eh'r bei Gott gehör. Ist, was du wünschest, recht und gut; So sei gewiß, daß Gott es thut. Christum. 345 8. Bet oft zu Gott für deine brüder, Für alle men= schen, als ihr freund; Denn wir sind eines leibes glieder, Ein glied davon ist auch dein feind. Solch bitten, das aus liebe fließt, Ehrt Gott, der selbst die liebe ist. 7. Doch säume nicht, in den gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn Und seinen namen mit den seinen, Mit deinen brüdern, zu erhöhn. Fühl der vereinten andacht werth, Die deine eigne stärkt und nährt. 9. Bet oft, so wirst du glauben halten, Dich prüfen und das böse scheun, An lieb und eifer nicht erkalten Und reich an guten werken sein: Denn muth und kraft und seelenruh Sagt Gott dem, der ihn bittet, zu. 10. Dies reize mich, vor dich zu treten, Mein Gott! mit dank, mit wunsch und flehn; Doch meine fehler bei dem beten Wollst du, mein Vater! übersehn, Weil mich, der dir zur rechten sitzt, Durch seine fürsprach unterstützt. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 448. Mit seufzen klag ich dir, mein Gott! Gern wollt ich eifrig beten Und, drückt mich meiner sünden noth, Voll glauben zu dir treten; Gern brächt ich, lieber Vater! dir Im geist und wahrheit mit begier Die opfer meiner lippen. 2. Allein mein herz, ach Gott und Herr! Kann sich nicht 346 Von den Gesinnungen und Pflichten nicht recht erheben; 3um 7. Gott, laß den eifer des guten oft zu kalt und schwer, gebets Ja nie in mir erBleibt es am eitlen kleben. Träg ist oft leider sinn und muth, Und oft muß ich mein fleisch und blut 3ur andacht mühsam zwingen. kalten! Der andacht feuer wollst du stets Durch deine kraft erhalten. Den hindernissen wehre du Und setze meine feel in, ruh, Sich frei empor zu schwingen. 3. Umsonst faß ich oft den entschluß; Die welt fammt ihren kindern Sucht, meinem herzen zum verdruß, Am beten mich zu hindern. Und fleht mein seufzend herz zu dir, Bringt sie, zu meiner kränkung, mir Viel eitles ins gemüthe. 4. Dies, Herr, mein Gott! dies kränkt mich sehr, Und ich denk oft mit schmerzen, Als wär dein guter geist nicht mehr In meinem trägen herzen, Das dich so oft beleidigt hat, Weil luft und andacht keine statt In meiner seele findet. 5. Ach, leider, Vater! hab ich dich nicht allezeit gehöret, Wenn du in deinem worte mich Erweckt, gerührt, gelehret. Doch schone jetzt, verzeihe mir; Wehmüthig fleh ich, Gott! zu dir, Vergilt nicht nach verdienste! 6. Ich will hinfort nachlässigkeit Und alle trägheit meiden. O mache du mein herz bereit, Vom eitlen mich zu scheiden. Laß es dich hören und allein Aufs himmlische gerichtet sein. Gieb du mir kraft und stärke. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 449. Mein bester trost: in diesem leben Ist ein gebet zu meinem Gott; Dies kann mir kraft in schwachheit geben, Geduld und muth in jeder noth, Bei jedem gram, bei jedem schmerz Ein ruhges und zu friednes herz. 2. Wie kann ich trost und zuflucht finden, Wenn mein gewissen mich verklagt? Wenn bei der menge meiner sünden Mein herz vor seinem richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein gebet, Das bei dem herrn um gnade fleht. 3. Muß ich, um meines heilands willen, Ein spott der lasterhaften sein; So bet ich demuthsvoll im stillen Zu meinem Gott; er hört mein schrein, Nimmt väterlich sich meiner an Und stärkt mich auf der tugend bahn. 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, Wenn mich ein feind zu kränken sucht; Und nie will ich dem wieder fluchen, Der mir aus unver= gegen Gott und Jesum Christum. 347 verstande flucht. Mein herz besänftigt ein gebet, Das Gott um gnade für ihn fleht. 5. Und wenn ein kummer mich verzehret, Den keinem ich entdecken kann: Dann ruf ich Gott, der mich erhöret, Um trost in diesem fummer an. Ich weiß, wer ihm mit zuversicht Sein leid klagt, den verwirft er nicht. 6. Ruf ich ihn an bei dem geschäfte Des standes, den er mir verlieh; So fleh ich nie umsonst um kräfte; Der Gott der stärke giebt mir sie. Er giebt aus väterlicher huld Mir segen, klugheit und geduld. 7. Wenn, eine böse lust zu dämpfen, Mir wille, muth und und kraft gebricht: Dann bitt ich Gott; er hilft mir kämpfen, Er giebt mir muth zu jeder pflicht Und schenkt mir kraft und willigkeit, 3u thun, was mir sein wort gebeut. 8. Wenn ich im letzten kampf des lebens Bei niemand hilfe finden kann: finden kann: So ruf ich Gott doch nicht vergebens Um seinen trost und beistand an, Der, wenn die sprache mir vergeht, Selbst meine seufzer noch versteht. Allgemeine Bitten. Mel. Wo Gott der herr nicht. 450. Gott, unser Bater! der du bist Im himmel hoch erhöhet und schauest, was auf erden ist, und hörst, was zu dir flehet; Verwirf, Gott, unsre zuversicht! Das slehen deiner finder nicht, wenn sie voll inbrunst beten. 2. Dem namen, der da heilig ist, Laß uns die ehre geben; Wie groß und wunderbar du bist, Mit freudigkeit erheben; Dich, deine weisheit, macht und treu Erkennen und ohn heuchelei Dir und dem nächsten dienen. 3. Laß uns in deinem gnadenreich Des heilgen geistes gaben, Dein wort und dessen Fraft zugleich, Glaub, lieb und fatans reich zerstöre du; Erhoffnung haben. Des halte deine kirch in ruh Und wahrheit, dir zur ehre. 4. Gleich als im himmel, so gescheh Dein will auch auf der erde: Daß dir kein wille widersteh, Das fleisch bezähmet werde. Verleih uns unter freud und leid Ein rubig herz, herz, daß daß jederzeit, Was du willst, uns gefalle. 5. Gieb uns heut unser täglich brot Durch arbeit unsrer hände. Gestatte keiner plag und noth, Daß fie 348 Von den Gesinnungen und Pflichten sie von dir uns wende. Gieb Mel. Das ist fürwahr ein köstl. gute obern, fried und heil, 451. Du, deß sich alle himmel freun, Auch jedem sein bescheiden theil, Und laß uns dran begnügen. Auch unsre seele freut sich dein, Daß du, deß macht. unendlich ist, Daß du, Gott! unser vater bist. 6. Vergieb uns gnädig unsre schuld Durch unser ganzes leben. Hilf, daß mit lieb und mit geduld Wir andern auch vergeben. Straf uns nicht nach gerechtigkeit Und laß uns unrecht, haß und neid Nicht an an dem nächsten rächen. Wer 2. Weit, über unsre einsicht weit, Geht deines namens herrlichkeit; Ihn ehre stets, von lieb entbrennt, deinen großen namen fennt. 3. Verbreite deiner gnade ruhm Durch Jesu evange= lium; Mach unser herz ihm unterthan, So beten wir dich freudig an. 7. In der versuchung gieb uns stärk Und hilf uns überwinden Das fleisch, die welt, des satans werk Und was uns lockt zu fünden: Daß wollust, ehrsucht oder geiz Durch ihren gleisne= rischen reiz Uns dennoch nie besiegen. 4. Der du in deiner wahl nie irrst Und wohlzuthun nie müde wirst; Dein wille, weisester! geicheh Auf erden so, wie in der höh. 5. Was unser leben hier erhält, Gieb uns, so lang es dir gefällt; Doch gieb uns auch ein herz dabei, Das dankvoll und genügsam sei. 8. Bon allem übel, angst und noth Erlös uns deine gnade, Daß uns im leben und im tod Des feindes list nicht schade. Bedrängt uns hier schon manches leid, So laß uns doch mit freudigkeit Des glaubens end erhalten. 6. Ach, oft vergehn wir. uns an dir! Verzeih uns, Bater! so wie wir, Um dei-. ner huld uns zu erfreun, Auch unserm nächsten gern verzeihn. 7. Dringt auf uns wo versuchung her, So sei fie nie für uns zu schwer; Steh uns zum siege mächtig bei, Mach Mach uns im guten fest und treu. 9. Dies alles, Bater! werde wahr, Du wollest es erfüllen; Erhör und hilf uns immerdar, Um Jesu Christi willen: Denn dein, o Bater! ist allzeit, Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht und ehre. 8. Erlös, erlös uns, unser Gott! gegen Gott und Jesum Gott! Nach deinem rath, aus aller noth. Nimm, nach vollbrachtem prüfungslauf, Uns zu dem bessern leben auf. 9. In deines himmels hei= ligthum, Auf deiner erd erschallt dein ruhm! Dein ist die macht und herrlichkeit Von ewigkeit zu ewigkeit! vor Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 452. h komme dein angesicht; Verwirf, o Gott! mein flehen nicht! Bergieb mir alle meine schuld, Du Gott der gnaden und geduld. 2. Schaff du ein reines herz in mir, Ein herz, voll furcht und lieb zu dir, Ein herz voll demuth, preis und dank, Ein ruhig Ein ruhig herz, mein lebenlang. 3. Sei mein beschüßer in gefahr; Ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein übel, das mich schreckt. Wenn deine rechte mich bedeckt? Christum. 349 6. Gieb von den gütern dieser welt Mir, Herr! so viel als dir gefällt; Gieb mir nur mein bescheiden theil, 3u meinem fleiße glück und heil. 4. Das ist mein glück, was du mich lehrst. Das sei mein glück, daß ich zuerst Nach deinem reiche tracht und treu In allen meinen pflichten sei. 5. Ich bin zu schwach aus eigner kraft Zur dämpfung meiner leidenschaft; Du aber ziehst mit kraft mich an, Daß ich den sieg erlangen kann. 7. Schenkt deine hand mir überfluß; So laß mich mäßig im genuß Und, dürftge brüder zu erfreun, Mich einen frohen geber sein. 8. Gieb mir gesundheit und verleih, Daß ich sie nük und dankbar sei, Und nie, aus liebe gegen sie, Mich zaghaft einer pflicht entzieh. 9. Erwecke mir stets einen freund, Ders treu mit meiner wohlfahrt meint, Mit mir in deiner furcht sich übt, Mir rath und trost und beispiel giebt. 10. Bestimmst du mir ein längres ziel Und werden meiner tage viel; So bleib, Gott! meine zuversicht; Verlaß mich auch im alter nicht! 11. Und wird sich einst mein ende nahn; So nimm dich meiner herzlich an Und sei, durch Christum deinen sohn, Mein schirm, mein schild und großer lohn. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 453. Wer kann, Gott! je was gutes haben, Das nicht von dir den ursprung hat? Du bist der 350 Von den Gesinnungen und Pflichten der geber aller gaben Und das unter noth und plagen immer groß an rath und Vor dir still und demüthig that. Du willst, daß mit ist; Ein herz, voll zuversicht gebet und flehn Wir stets zu dir Und voll geduld, verauf deine hilfe sehn. leihe mir. 7. Das andre alles wirft du fügen, Du weißt am besten, was mir nützt. An deiner huld laß ich mir gnügen, Die schwache mächtig unterstützt. Zufrieden, Vater! folg ich dir. Ach! stärke diesen sinn in mir. 8. Soll ich auf erden län= ger leben, So gieb, daß ich dir leben mag. Laß mir den tod vor augen schweben; Und kommt dereinst mein sterbetag, So sei mein aus gang aus der zeit in ein gang in die herrlichkeit. 2. Drum komm ich auch mit meinem beten, Gott! vor deinen heilgen thron. Wie freudig kann ich vor dich treten: Denn mich vertritt bei dir dein sohn. In ihm hab ich die zuversicht: Mein schwaches flehn verwirfst du nicht. 3. So gieb mir denn nach deinem willen, Was deinem kinde heilsam ist. Du nur kannst meinen mangel stillen, Weil du des segens quelle bist. Vor allen dingen sorge du Für meines geistes wahre ruh. 4. Gieb mir beständigkeit im glauben, Mach ihn an Mel. Vater unser im himmelr.- guten werken reich, Und will 454. Herr und regent ganzen versuchung ihn mir rauben, So hilf, daß ich von dir nicht weich! O, stärke mich mit heilgem muth, So sieg ich über fleisch und blut. 5. Bewahr in mir ein gut gewissen, Ein herz zu dir voll freudigkeit; Ein herz, aufs gute stets beflissen, Das sich vor deinem auge scheut. Und fehl ich, Gott! so züchtge mich, 3u meiner beßrung, väterlich. 6. Ein herz, das in beglückten tagen, Vater! deiner nie vergißt; Ein herz, Der sie einst schuf, sie noch erhält! Du bist es, Gott! der alles trägt, Was ist, was lebt und sich bewegt. Dein ist die macht, kraft, majestät, Durch die der weltbau herrlich steht. 2. Ich aber bin blind, dürftig, bloß; Mein elend, meine noth ist groß. Drum bring ich mein gebet vor dich, Erhör, erhör es gnädiglich! Schenk du mir, der du gütig bist, Gott! alles was mir nöthig ist. 3. Er gegen Gott und Jesum Christum. 351 3. Erleuchte mein sonst Mel. Herr Christ, der einge. finstres herz. Gieb wahre buße, 455. Herr Seſu, gnas reu und schmerz, Und habe, bei so mancher schuld, Noch fernerhin mit mir geduld. Gieb meinem glauben kraft und licht: Erseke du, was mir gebricht. densonne, Du wahres lebenslicht! Laß le= ben, licht und wonne Mein blödes angesicht Nach deiner huld erfreuen Und meinen geist erneuen; Mein Gott! versag mirs nicht. 2. Vergieb mir meine sünden Und wirf sie hinter dich. Laß allen zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich, Laß deine friedensgaben Mein armes herz stets laben; Ach, Herr! erhöre mich. 4. Nimm, Vater! der es einzig kann, Dich meiner seele liebreich an. Bewahre mich vor heuchelschein Und mache mein gewissen rein: Daß ich( o stehe du mir bei!) Ein ächter freund der tugend sei. 5. Gieb mir verstand in allem thun; Der weisheit geist laß auf mir ruhn, Und wo mein herz im zweifel steht und gleich den kindern wankend geht; Da leite mich nach deinem rath Und fördere zugleich die that. 6. Wenn dann mein fleiß das seine schafft, So gieb dem leibe stärk und kraft; Erhalte mich gesund und frisch Und segne nahrung, haus und tisch. Bescheere mir mein täglich brot Und forge für mich in der noth. 7. Hilf, daß des Lebens hitz und last, Die du mir aufgeleget hast, Mir nicht zu schwer zu tragen sei. Und bricht des leibes hütt entzwei, So führ durch Christi blut und pein Den geist in deinen himmel ein. 3. Vertreib aus meiner seelen Des alten adams sinn, Und laß mich dich erwählen: Aufdaß ich mich forthin 3u deinem dienst ergebe Und dir zu ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein erkenntniß In mir, mein seelenhort! Und öffne mein verständniß, Herr! durch dein heilges wort: Damit ich an dich gläube Und in der wahrheit bleibe, Bis ich dich schaue dort. 5. Ja, zünde deine liebe In meiner seele an: Daß ich aus innrem triebe Dich ewig lieben kann Und, dir zum wohlgefallen, Beständig möge wallen Auf rechter lebensbahn. 6. Nun, Herr! verleih mir stärke, Verleih mir muth und 352 Von den Gesinnungen und Pflichten und kraft Zu jedem guten werke, Die dein geist in uns schafft; Mein eigenes bestreben Ist ohne kraft und leben, Ist viel zu mangelhaft. 7. Darum, du Gott der gnaden, Du Vater aller treu! Wend allen seelenschaden Und mach mich täglich neu. Gieb eifer, deinen willen Mit freuden zu erfüllen, Und steh mir kräftig bei. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. du 456. Herr! wie willst, so schicks mit mir Im leben und im sterben. Zu dir allein steht mein' begier, Laß mich doch nicht verderben. Erhalte mich in deiner huld, Sonst, wie du willst, gieb nur geduld. Dein will ist doch der beste. 2. Verleihe mir zucht, treu und ehr Und lust zu deinem worte. Behüte mich vor falscher lehr; Gieb mir an jedem orte, Was dient zu meiner seligkeit. Wend ab all ungerechtigkeit In meinem ganzen leben. 3. Soll ich einmal, nach deinem rath, Von dieser welt abscheiden: So gieb mir, Herr! nur deine gnad, Daß ich es thu mit freuden. Mein'n leib und seel ergeb ich dir, Ein selges end, o Herr! gieb mir Durch Jesum Christum. Amen. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 457. Mein lieber Gott! gedenke meiner Im besten jetzt und allezeit: Denn außer dir, mein heil! ist keiner, Der mich mit rath und trost erfreut. Dein wort macht mich voll zuversicht Und sagt mir: Gott vergißt dein nicht. 2. Gedenke meiner, wenn ich höre Dein süßes evangelium, Und mache mir die himmelslehre Zur kraft im wahren christenthum: Daß sie mir stets ins herze dring Und hundertfältig früchte bring. 3. Gedenke meiner, wenn ich bete, Und merke stets in gnaden drauf. Weil ich in Christo vor dich trete, So schließ dein herz mir gnädig auf. auf. Doch gieb mir, Vater! das allein, Was mir kann gut und selig sein. 4. Gedenke meiner, wenn ich falle, Und wirf mich nicht im zorne hin. Weil ich ja, leider, wie wir alle, Im fleische schwach und blöde bin; So fördre meinen gang und stand Durch kraft und stärke deiner hand. 5. Gedenke meiner, wenn ich leide; Wen hab ich sonst, als dich allein, Der, bei der menschen haß und neide, Mein freund freund und tröster könnte sein? Hab ich nur dich, gegen Gott und Jesum Christum. 353 ritterschaft Ausübe, auch dabei In hoffnung immer stark Und fest gegründet ſei. 3. Gieb, daß ich, als ein christ, Wie Christus mich bezeige Und herz und ohren stets 3u seiner lehre neige. Im glauben stärke mich, Daß ich der argen welt Nicht folge, wenn sie mich Von deinem wort abhält. 4. Entzünde du mein herz Mit deiner wahren liebe Und gieb, daß ich zugleich Am nächsten liebe übe. Verleihe mir geduld, Wenn trübsal bricht herein, Und hilf, daß ich im glück Temüthig möge sein. dich, verlacht mein muth Der welt und gar des teufels wuth. 6. Gedenke meiner auch in allem, Woran ich nicht gedenken kann, Und siehe mich mit wohlgefallen In meinem ganzen leben an: Denn giebst du mir, was dir gefällt, Veracht ich alle lust der welt. 7. Gedenke meiner, wenn ich sterbe, Und wenn mich alle welt vergißt; Versehe mich in jenes erbe, Wo du mein theil und leben bist: Denn bleibst du nicht im himmel mein, So möcht ich nicht geboren sein. 8. Nie will ich trostlos mich betrüben. In deine hände hast du mich 3um heil und segen angeschrieben: Drum sieht mein hoffen bloß auf dich Und denkt, im glauben ungekränkt, Daß mein Gott mein im besten denkt. Mel. Gott, du frommer Gott. O 458. Mein Vater und mein Gott! Der du mir dieses leben, Leib, seele und vernunft Aus gnaden haft gegeben, Res giere ferner mich Durch deinen guten geist, Daß er in allem thun Mir kraft und beistand leist. 2. Hilf, daß ich stets ein feind Der fleischeslüfte bleibe, Hingegen emsiglich Des geistes werke treibe Und gute N. A. 5. Verleihe, daß ich stets Nach deinem reiche ringe: Aufdaß dein segen sich 3u mir herunter dringe. Wer nach dem ewigen Vor allen dingen tracht't, Der wird auch wohl mit dem, Was zeitlich ist, bedacht. 6. Haß, falschheit, übermuth Und heuchelei daneben, Laß ja nicht an mir sein In meinem ganzen leben. Lift, unrecht, frevel, geiz Und unbarmherzigkeit Sei ferne weg von mir, O Gott! zu aller zeit. * 7. Mit deiner rechten hand, Herr! wolleft du mich leiten Und schützen tag und nacht, Daß meine tritt nicht gleiten. Du wolleft meine 23 kraft 354 Von den Gesinnungen und Pflichten kraft Und schutz in nöthen licht, Das stets von deinem sein, Auch wenn in meinem angesicht Auf fromme seelen stand Ich gehe aus und ein. fließet, Und das zugleich Der weisheit kraft Und geist in sie ergießet. 8. 3uletzt erlöse mich Von allem kreuz und leiden: Und soll ich denn einmal Bon dieser welt abscheiden; So stehe du mir bei Mit deiner gnadenhand Und führe mich hinauf Ins rechte vaterland. 6. Gieb mir verstand aus deiner höh, Aufdaß ich ja nicht ruh und steh Auf meinem eignen willen. Sei du mein freund Und treuer rath, Was recht ist, zu erfüllen: Mel. In dich hab ich gehoffet. 459. Ich weiß, mein Gott! daß all mein thun Und werk auf deinem willen ruhn; Von dir kommt glück und segen. Was du regierst, Das geht und steht Auf rechten guten wegen. 2. Es steht in keines menschen macht, Daß sein rath werd ins werk gebracht, Er seines gangs sich freue. Des höchsten rath Der machts allein, Daß menschenrath gedeihe. 3. Oft denkt der mensch in seinem muth, Dies oder jenes sei ihm gut, Und ist doch weit gefehlet. Oft sieht er auch Für schädlich an, Was doch Gott selbst erwählet. 4. Drum, lieber Vater! der du kron Und scepter trägst im himmelsthron Und auß den wolken blißest; Vernimm mein wort Und höre mich Vom stuhle, da du sizest. 5. Verleihe mir das edle 7. Führ du mich selbst, und was mir gut, Das gieb mir ein; was fleisch und blut Erwählet, das verwehre. Mein höchster zweck, Mein bestes theil Sei deine lieb und ehre. 8. Ifts werk von dir, so hilf zum glück; Ifts wider dich, so treibs zurück Und ändre meine sinnen. Was du nicht wirkst, Pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. 9. Sucht aber dein und unser feind An dem, was dein herz gut gemeint, Voll bosheit sich zu rächen: Was fürcht ich, Herr! Von seinem zoon? Wie leicht wirst du ihn brechen! 10. Der weg zum guten ist fast wild, Mit dorn'n und hecken angefüllt; Doch wer ihn freudig gehet, Wird endlich, Herr! Durch deinen geist 3u freud und wonn erhöhet. 11. Du bist mein vater, ich gegen Gott und Jesum Chriftum. 355 6. mein Mit beten geh ich an werk; Gieb du dem leibe kraft und stärk. Mit dir fang ich die arbeit an, Durch den ich sie vollenden kann. 7. ich dein kind! Was ich bei mir nicht hab und find, Hast du in voller gnüge. So hilf mir nur, Daß ich im kampf Fest steh und herrlich siege. 12. Dein soll sein aller ruhm und ehr; Ich will dein thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter seclen, Vor deinem volk Und aller welt, So lang ich leb, erzählen. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 460. Gott dessen hand die welt ernährt Und jedermann sein theil gewährt, Laß deinen segen auf mir ruhn Und mich mein werk mit freuden thun. 2. Du sorgst für mich; doch so, daß ich Auch sorgen soll, zu thun, was mich Dein offenbarter wille heißt; Dazu verleihe deinen geist. 3. Hilf, daß ich stets in dieser welt So lebe, wie es dir gefällt. Mich von der fünde zu befrein, Laß meine erste sorge sein. Erleichtre mir der arbeit last; Laß mich, wie du befohlen hast, Das thun, was meines standes ist, Erfreut, daß du mein helfer bist. 8. Zu dir hoff ich voll zuversicht, Du werdest meinem fleiße nicht Dein segnendes gedeihn entziehn; Vergebens ist sonst mein bemühn. 9. Du machst die dürren berge naß; Du kleideft blumen, laub und gras; Für deine sorg ist nichts zu klein: Du wirst auch mein versor= ger sein. 10. Verstünd ich nur, nach deinem sinn, So lang ich noch auf erden bin, Mit deinen gaben umzugehn: Wie wohl würd es dann um mich stehn! 40970s 11. mache mich dazu recht treu, Daß ich dir thätig dankbar sei! Hilf, daß ich sorge, wie ich soll; Ja sorge du, so geht mirs wohl. 4. Stehts erst mit meiner seele wohl, Dann lehre mich auch, wie ich soll Auf mei= nes leibes wohlergehn Mit wahrer christenweisheit sehn. Mel. Was mein Gott will, gesch. 5. Dich ruf ich an, ver= 461. Gott! deſſen nam laß mich nicht! Du weißt ja wohl, was mir gebricht. Was du willst geben, gieb du mir Und dann zufriedenheit in dir. ist wie dein ruhm, Ich wags, zu dir zu treten, Und will, als für mein eigenthum, Für andrer wohlfahrt beten. Für sich 23* allein 356 Von den Gesinnungen und Pflichten allein Beglückt zu sein, streiten, Und seinen schall Bringt christen nicht gnug Sich überall Zu deinem ruhm freuden. Drückt mich kein verbreiten. joch, So kränkt mich doch Des nebenchristen leiden. 2. Du schufft ja, was von Adam stammt, 3um wahren glück und leben, Willst allen auch, von lieb entflammt, Gern deinen himmel geben. Erleuchte doch Die jeho noch, Bei dicken finsternissen, Sich selbst allhier Den weg zu dir Durch menschenwahn schließen. verC3402 3. Erweiche der verstockten herz, Bekehre die verführten. Ach! daß sie doch der sünden schmerz Und deine gnade spürten, und keiner nicht In dein gericht Und strenges urtheil fiele! Ach leite fie Doch spät und früh 3um vorgesteckten ziele! 4. Erhalte, die im glauben stehn Und kindlich dich verehren, Daß deinen weg sie freudig gehn Und deinen ruhm vermehren. Hilf ihnen auf In ihrem lauf, Wenn ihre füße gleiten, und lehre sie Des lebens müh In deiner kraft bestreiten. 5. Hilf, daß die ganze christenheit Dich recht und heilig ebre, Daß weder Hochmuth, haß, noch neid Dein heilges wort verkehre. Laß seine macht Des irrthums nacht, Der sünde reich be6. Gieb, daß sich ehre, recht und treu Im ganzen lande küsse; Daß jeder fromm und heilig sei, Und richte jedes füße Vom lasterweg 3um himmelssteg; Daß deines namens ehre, Herr! durch dein wort Sich fort und fort Bei allen menschen mehre. 7. Die armen laß durch deine huld Sich ihrer arbeit nähren, Den kranken wolleft du geduld, Betrübten trost gewähren. Wer dich verehrt, Sich redlich nährt, Dem schenke glück und segen, Und bei gefahr Laß sich die schaar Der engel um ihn legen. 8. Wir alle flehen: wir find ja Ein werk von deinen händen! Laß nie, ist angst und trübsal da, Dein herz sich von uns wenden. Du bist ja der, Dem nichts zu schwer; Drum sprich durch Jesu namen 3u deren flehn, Die vor dir stehn, Gott! dein allmächtges amen. Gemeinschaftliche Verehrung Gottes. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 462. Den höchsten öf= fentlich verehren Und in sein haus mit freuden gehn, Um andachtsvoll gegen Gott und voll sein wort zu hören Und ihn lobpreisend zu erhöhn, Ist eine pflicht, wozu der christ, So lang er lebt, verbunden ist. p 2. Wenn du nur in der still ihn ehrest, 3war Jesum deinen heiland nennst, Doch ihn nicht öffentlich verehrest, Ihn nicht auch vor der welt bekennst: Bist du dann sein? bist du ein christ, Der seinem heiland dankbar ist? 3. Wer sich dem gottes= dienst entziehet An seines 7. Kommt, fromme christen, theure brüder, Vereint im geist vor Gott zu stehn! Kommt, wir sind eines leibes glieder! Kommt, unsern schöpfer zu erhöhn! Frohlockend preiset Jesum Christ, Der unser haupt und mittler ist! 070 36 18. O laßt uns schmecken Gottes ruhetag, Aus träg- und empfinden, Wie freundheit die versammlung fliehet Und nicht mit andern beten mag: Entzieht sich einer heilgen pflicht Und giebt, was Gottes ist, ihm nicht. lich Gott den seinen ist! Er, der so gnädig unsre sünden, Sobald wir buße thun, vergißt, Von neuem uns als kinder liebt und liebreich gnad um gnade giebt! 4. Auch deinen nächsten zu erbauen, Mußt du zum hause Gottes gehn. Wie manche sind, die auf dich schauen, Die bloß auf andrer beispiel sehn! O denke dran, daß du als christ Ein gutes beispiel schuldig bist! 5. Doch selber dich von deinen pflichten Und von der bahn zur seligkeit Noch immer mehr zu unterrichten In dieser deiner prüfungszeit, Wie nöthig ist dies nicht, o christ, Der du geneigt zu fehlern bist! Jesum Christum. 357 gottesdienst ist ein geschäfte, Wozu Gott gütig uns verband, Ein mittel, das uns neue fraft 3um glauben und zur tugend schafft. 6. Wie schwach sind unsre eignen fräfte! Wie schwach erkenntniß und verstand! Der 9. Erleuchte, Herr! selbst unsre seelen; Vertreib aus uns des irrthums nacht; Laß uns die wahrheit nicht verfehlen, Die du uns selber kund gemacht: Damit dein großer ruhetag Dort ewig uns beglücken mag. Mel. Herzliebster Jesu, was. 463. Wo deine lehrer, Gott! Dein wort uns lehren, Da will ich dich mit deinem volke ehren, Um mich im glauben und zu guten werken Durch dich zu stärken. 2. Wohl mir, wenn ich al8 358 Von den Gesinnungen und Pflichten alsdann für meine brüder 9. Nur stärke mich dein Ein beispiel bin, und andre geist, auch in gefahren Die christen wieder Für mich ein kraft von deinen lehren zu beispiel werden, die mit ihnen bewahren! So wird mein Getreu zu dienen! geist und leib für dich auf erden 3um tempel werden! 3. Wenn wir dich da mit einem munde loben: Wie fühlen wir uns dann zu dir Mel. Alle menschen müssen sterben. erhoben! Ein neuer eifer, 464. Welch ein ſegens= voll geschäfte was du willst, zu wählen, Entflammt die seelen. 4. Wie stärkt mich da zum fleiß und ernst im laufe Nicht die erinnerung an meine taufe; Wenn ich erwäge, wem ich angehöre, Wen ich verehre! 5. Mit deinem himmel willst du, Herr der welten! Des edlen kampfes mühe mir vergelten, Willst, was nur du hast, mir zum lohne geben, Ein ewges leben! 6. Ich fünder soll durch dich geheiligt werden; Ich soll, vereint mit deinem sohn auf erden, Einst sterben, wie er starb, und auferstehen, Dich, Gott! zu sehen. 7. Mich inniger und froher dir zu nahen, Soll ich hier seinen leib, sein blut empfahen, In trübsal trost, zu jedem guten werke Licht, muth und stärke. 8. Wie könnt ich dann auf deinen wegen wanken! Wie noch in werken oder in gedanken Den herrn verleugnen, deß ich mich ge= tröste, Der mich erlöste! Ist ein häusliches gebet! Muth zur arbeit, lust und kräfte Giebt Gott dem, der zu ihm fleht. Tröstung in betrübten stunden Haben fromme stets gefunden. Stieg ihr herz zu ihm hinauf, Hemmte sich der thränen lauf. 2. Sichtbar mehrt sich glaub und tugend, Glück und segen blüht und grünt, Wo das alter und die jugend Gott mit mund und thaten dient; Aber unordnung und sünden Wird man in den häusern finden, Wo man lebt wie ohne Gott, Nicht denkt an gericht und tod. 3. Gute fromme kinder haben, Froh in seinem hause sein, Treue hausgenossen haben; Wen muß nicht dies glück erfreun? Im gebet ist reiz zur tugend Für bediente, für die jugend. Sich einander zu erbaun, Wirket liebe und vertraun. 4. Eine stunde, frei von sorgen, In der stillen abendzeit, Und ein jeder neuer mor= gegen Gott und Jesum Christum. morgen Sei vor allem Gott geweiht. Bete selbst und laß die deinen Im gebet vor Gott erscheinen. Lies, o christ! zugleich die schrift; Sie lehrt, was dein heil betrifft. 359 dest du dein wahres heil Und das allerbeste theil. 3. Du kannst auch das glück erlangen, Was Maria sich erlas, Als mit ernstli= chem verlangen Sie zu Jesu füßen saß. O wie brannt ihr herz, die lehren Aus der weisheit mund zu hören! Sie vergaß die welt und sich, Hört und sah nur, Jesu! dich. 5. Höchster! mache dies geschäfte Allen häusern theur und werth. Gieb dazu uns trieb und kräfte, Hindre, was es uns erschwert. Laß dir unser schwaches lallen In der stille wohlgefallen, Bis wir ewig vor dir stehn Und mit engeln dich erhöhn. 4. Also richt auch mein verlangen, Mein Erlöser! nur nach dir; Deiner wahrheit anzuhangen, Schenke trieb und Fräfte mir! Wenn auch andre sie nicht achten, Will ich sie mit lust betrachten Und, mich deines heils zu freun, Ihren lehren folgsam sein. Gesinnungen und Pflichten gegen Jesum Christum unsern Heiland insonderheit. Mel. Jefu, meines Lebens leben. 465. Fins ift noth! o Herr, dies eine Lehre meine seele doch! Alles andre, wies auch scheine, Ist nur ein beschwerlich joch, Unter dem das herz sich quälet Und der ruhe doch verfehlet; Nur dies einzige giebt mir Wahren frieden dort und hier. 5. In dir liegt der weisheit fülle. Was die seel allein beglückt, Zeigst du mir; und wann mein wille Sich in deine ordnung schickt: Dann werd ich wahrhaftig weise, Mir zum heil und dir zum preise, Lerne Gottes rath verstehn Und den weg des lebens gehn. 6. Mit vergebung aller sünden, Herr! begnadigst du 2. Seele, willst du dieses mich dann, Läßt mich wahre finden, Suchs bei keiner ruhe finden, Daß ich fröhlich kreatur; Laß nichts irdisches rühmen fann: Ich bin auch dich binden; Erdengüter täu- bei Gott in gnaden, Und schen nur. Nur bei dem was könnte mir denn schaden? auf Gottes throne Hocher- Jesu! deiner gütigkeit Dank höhten menschensohne Fin- ich diese sicherheit. 7. Aber 360 Von den Gesinnungen und Pflichten 7. Aber du bist meiner ben sollte. Laß mich Gläuseele Auch zur heiligung ge- big Deine güte Ins gemüthe macht, Daß sie nicht mit Stärker fassen, Dir mich vorsatz fehle, Fliehe vor der ganz zu überlassen. sünde macht. Muth und kraft zum heilgen leben Kannst und willst du allen geben, Die mit ernst sich nur bes mühn, Schnöde sündenlust zu fliehn. 8. Darum sollst du mir das eine, Jesu! und mein alles sein. Prüf und forsche, wie ichs meine, Tilge allen heuchelschein. Daß ich hier schon auf der erde Durch dich gut und selig werde Und dir treu sei bis zum tod: Nur dies eine ist mir noth. Mel. Wie schön leucht't uns der. 466. Jesu, Gottes ewger Sohn! Der du, noch eh ich war, mich schon Geliebt aus rei nem triebe! Vor dir ist alles sonnenklar; Mein herz ist dir auch offenbar, Du weißt, daß ich dich liebe. Herzlich Such ich Dir vor allen 3u gefallen; Nichts auf erden Kann und soll mir theurer werden. 2. Dies eine nur bekümmert mich, Daß ich mit solcher inbrunst dich Nicht liebe, wie ich wollte. Ich selbst empfind es nur zu sehr, Daß ich dich mit der that noch mehr, Mein heiland! lie3. Stehst du mit deiner kraft mir bei: So werd ich stets mit feftrer treu Und einzig dir anhangen. Nichts, was sonst menschen wohlgefällt, Nicht lust der sinne, ehr und geld Befriedigt mein verlangen. Ohn dich Kann mich Nichts von schätzen Recht ergetzen, Recht ergehen, Noch beglücken. Du nur fannst mein herz erquicken. 4. Den, der dich liebt, den liebest du, Dem schaffst du für die seele ruh Und troft für sein gewissen. Ob ihn auch manche noth hier drückt, So wird er doch durch dich erquickt In seinen kümmernissen. Endlich Wird sich Nach dem leide Volle freude Für ihn finden: Da wird all sein trauern schwinden. 5. Noch hat kein aug es je gefehn, Es fanns auch hier kein mensch verstehn Und würdig gnug beschreiben, Was denen dort für herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit't, Die dir ergeben bleiben. Was hier Von dir Wird gegeben, Unser leben zu ergeben, Ist dagegen nichts zu schätzen. 6. Drum laß ich billig dies allein, O Jesu! meine freude gegen Gott und Jesum Christum. freude sein, Daß ich dich herzlich liebe Und mich in dem, was dir gefällt, Je mehr und mehr in dieser welt Nach deinem worte übe, Bis sich Für mich Jenes leben Wird anheben, Wo die from: men Aller trübsal sind entnommen. 7. Da werd ich deine gütigkeit, Die mich schon hier so hoch erfreut, Im vollen umfang schmecken; Da seh ich in dem hellsten licht Dein gnadenvolles angesicht, Auf immer frei von schrecken. Wohl mir! Preis dir! Der mir droben Aufgehoben Ewge freuden; Nichts, Herr! soll mich von dir scheiden. Mel. Christus, der uns selig. 467. Von des himmels ewgem thron Kam zu uns auf erden Sesus Christus, Gottes sohn, Unser heil zu werden. Er, er ward ein mensch, wie wir; Daß wir selig würden, Uebernahm er willig hier Schwerer leiden bürden. 361 3. Wer den sohn ehrt, ehrt zugleich Gott, durch den wir leben. Ist des vaters macht und reich Ihm nicht übergeben? Wer zu Jesu herr! herr! spricht, Und doch böses übet, Kennt ihn und den vater nicht, Der nur fromme liebet. 4. Ewig liebe dich mein herz, Göttlicher erbarmer! Denn durch deinen todesschmerz Leb und sieg ich armer. armer. Du, du kennst, o menschenfreund! Unsre leidensstunden, Und, wie ein verlaßner weint, Hast du selbst empfunden. 5. Du, den in der niedrigkeit Noth und angst umgaben, Kannst nun in der herrlichkeit Mitleid mit uns haben. Jene seelenangst, die du Für uns hast ertragen, Ist die quelle unsrer ruh, Lindert unsre plagen. 6. Wenn gebet und angstgeschrei Auf zum himmel dringen, Stehst du mitleidsvoll uns bei, Hilfst den sieg erringen; Schenkest unsern seelen licht, Unsern herzen leben, Daß wir vor dir im gericht Nicht als sünder beben. 7. Weich, erbarmer! nicht von mir Ginst an meinem ende: Daß auch ich den weg zu dir Freudig dann vollende! Laß, weil ich auf erden bin Und mit noth umgeben, 2. Nun herrscht er voll majestät, Nach vollbrachtem leiden, Als der held von Gott erhöht, Und regiert mit freuden Weisheitsvoll das große reich, Das ihm Gott gegeben. Fromme sollen, engeln gleich, Ewig mit ihm leben. 362 Von den Gesinnungen und Pflichten geben, Deinen liebevollen sie dulde williglich. Herr finn Meinen geist beleben. Jesu Christ! Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Hilf mir auch in der letzten noth. 8. Lehre in der todesnacht, Wenn die augen brechen, augen brechen, Mich dein wort: es ist vollbracht! Auch mit freuden sprechen. Hilf, daß ich mein vaterland Dann im geist erblicke Und mich in des vaters hand Ewges heil erheil er quicke. 3. Verleih, wenn du mich sterben heißt, Daß dann dein engel meinen geist Ins reich der wonne trage! der wonne trage! Dann wird mein sterbliches gebein 3war erde, doch nicht länger sein, Als bis zum letzten tage. 468. Herzlich lieb. hab Alsdann vom tod erwecke ich dich, o Herr! Ich bitte, laß mein herz nicht leer Von deiner gnade gaben. Die lust der welt erfreut mich nicht, Nach ihren schätzen frag ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben. Wenn auch mein herz im tode bricht, Bist du doch mich, Daß meine augen sehen dich In aller freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland und mein gnadenthron! Herr Jesu Christ, Erhöre mich! erhöre mich! So preis ich hier und ewig dich. Mel. Was mein Gott will, gesch. meine zuversicht, Der mich 469. Kommt, die ihr nicht gewöhnet durch sein blut hat erlöst Und mich im tode nicht verstößt. Herr Jesu Christ! Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Hilf mir im leben und im tod. seid, Daß ihr euch selbst entsaget! Die ihr nur stets nach eitelkeit, Ruhm, vortheil, wollust fraget! Kommt, schauet Jesu vorbild an! Dies, dies muß euch beschämen: men: Kommt! lernt, geheilt von eurem wahn, Hinfort euch selbst bezähmen. 2. Gott war sein alles; nur an dem Hing seine ganze liebe. Dem dienen, war ihm angenehm; Dem waren seine triebe Von ganzem herzen zugewandt. Sein labsal war, den willen Des vafer8 2. Es ist ja dein geschenk und gab Mein geist, mein mein leib und was ich hab In meinem ganzen leben; Daß ich es deinem lobe weih, Dem nächsten damit nützlich sei, Wollst du mir gnade geben. Laß mein erkenntniß Gottes rein Und heilig meinen wandel sein; In aller trübsal stärke mich, Daß ich gegen Gott und Jesum ters, welcher ihn gesandt, Vollkommen zu erfüllen. 3. Hoch über welt und eitelkeit, Ganz heilig, ganz Gott eigen, Vermied er nie aus schüchternheit, Sich, wie er war, zu zeigen. Wenn er die bosheit freveln sah, Sah ers mit heilgem leide; Wenn Gottes wille nur geschah, Wars seinem herzen freude. Christum. 363 blieb sein herz An ihm, trok alles spottes. Sein sehnen war, im bängsten schmerz, Nichts, als das antlik Gottes. Folgt, menschen, seinem vorbild nach! Er hat für euch gelitten; Er selbst hat euch, seid ihr schon schwach, Die kraft dazu erstritten. 4. Die freude, die die welt verheißt, Verlangt er nicht zu schmecken; Und rein bewahrte sich sein geist, Ganz rein von allen flecken. In allem sah er immerdar Von herzen, nie zum scheine, Auf das, was seiner brüder war, Nicht aber auf das seine. 5. Stets floh er das geräusch des ruhms, Blieb niedrig und geringe. Entschlug sich alles eigenthums, erbe aller dinge. Arm ward er selber, daß wir reich Durch seine armuth würden. Er ist der herr; sein ist das reich. Doch trug er fremde bürden. Er, 6. War Gottes hand auf ihm gleich schwer, Fand ers doch gut und billig, Und jeden tropfen bluts war er Für uns zu opfern willig. Stets zeigte er, daß keine noth Ihn je zum murren reize. Er ward gehorsam bis zum tod, Ja bis zum tod am kreuze. 7. Von Gott verlassen, 8. Hilf meinem glauben, daß ich dir, Mein Heiland! ähnlich werde. Bezähm das fleisch, vertilg in mir Die liebe dieser erde: Daß ich dein großes beispiel mir Alzeit vor augen setze, Des vaters willen thun, gleich dir, Für freud und wonne schätze. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 470. Mach doch den engen lebens= weg, Den du, mein heil! betreten, Und deinen schmalen kreuzessteg, Dein ringen, wachen, beten, Mir täglich mehr und mehr bekannt; So eil ich, Herr! an deiner hand, Voll sehnsucht nach dem himmel. 2. Gieb, daß ich, als ein kind des lichts Die finsterniß besiege. Die ganze welt hat wahrlich nichts, Das völlig. mich vergnüge: Drum gieb mir kraft, dir nachzugehn Und nie von dir zurück zu sehn; Ich folge dir, dem lamme. 3. Wie 364 Von den Gesinnungen und Pflichten 3. Wie groß wird meine mein herz doch täglich neu, freude sein, Wenn ich dir Mach es aller bosheit frei. treu geblieben, Wenn weder schmach noch freuzespein Mich je zurück getrieben; Wenn ich nur deinen ruf gehört, Dir treu gefolgt und ungestört In liebe nachgegangen. 4. Pflanze du in mein gemüthe Wahre frömmigkeit, geduld, Sanftmuth, freundlichkeit und huld, Andacht, heiligkeit und güte, Liebe, treu, zufriedenheit, Wahrheit und gerechtigkeit. 4. Wohlan, so sei es denn gewagt, Ich wähl auch deine dornen. Was mir dein treuer mund gesagt, Dient mich stets anzuspornen: Drum geh ich hin durch spott und hohn Sur lebenskrone, wel chen lohn Du einst den deinen schenkest. 471. Seſu! du, Mel. Alles, was mir Gott. A. M. mein licht und leben, Meiner seele trost und zier, Rufest: kommt und lernt von mir! Ich, der ich dir ganz ergeben, Komme jetzt voll reu und leid; Lehre mich die frömmigkeit. 2. Ach, wie ist mein herz verderbet! Fesselt nicht das sündenband Glieder, sinne und verstand? Was von Adam angeerbet, Sündlich wesen, fleisch und blut, Bleibet fleisch und thut nicht gut. 3. Reiß mich, Herr! aus dem verderben; Laß doch wolluft, haß und neid, Hochmuth, ungerechtigkeit Und was sündlich in mir sterben. Mach 5. Laß mich dir zu ehren leben, Jesu! meines lebens licht, Mein trost, heil und zuversicht! Laß mich dir so sein ergeben, Daß ich sterbe dieser welt, Daß ich thu, was dir gefällt. 6. Führe mich auf deinen wegen, Gieb mir deinen guten geist, Der mir hilf und beistand leist. Laß mich deine gnad und segen Stets empfinden; früh und spat Segne denken, wort und that. 7. Endlich laß mich, Jesu! kommen Aus der unvollkommenheit 3u des himmels herrlichkeit: Da ich denn mit allen frommen Deine huld nach dieser zeit Preise dort in ewigkeit. Mel. Herr, deine allmacht reicht. 472. Mir nach! spricht Christus unser held, Mir nach, ihr christen alle! Verleugnet euch, entsagt der welt, Sucht nur, was Gott gefalle; Nehmt euer kreuz und meine schmach Auf euch; folgt meinem wandel nach! 2. Ich gegen Gott und Jesum Christum. 365 2. Ich bin das licht, ich leucht euch hier Durch leh7. So laßt uns nun dem lieben herrn Mit leib und ren, leiden, handeln. Wer seel nachgehen, Mit festem zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im finstern wandeln. Ich bin sein licht und zeig ihm wohl, Wie er rechtschaffen wandeln soll. muth, getrost und gern Bei ihm in leiden stehen. Denn wer nicht kämpft, trägt auch die kron Des ewgen lebens nicht davon. 3. Mein herze ist voll freundlichkeit, Voll liebe meine seele; Durch trübsal führt zur herrlichkeit Der weg, den ich erwähle. Mein ganzer geist, mein ganzer finn Ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeige euch, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, Eur herz von Heuchelei und lift 3u reingen und zu scheiden. Hier leit ich euch durch geist und wort Und kröne den, der fieget, dort. 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh euch an der seite; Ich kämpfe selbst, ich brech die bahn, Bin alles in dem streite. Ein böser streiter, welcher flieht, Wo er den feldherrn kämpfen sieht. 6. Wer hier sein glück zu finden meint, Wirds ohne mich verlieren; Wer es hier Wer es hier zu verlieren scheint, Den werd ich dazu führen. Wer mich nicht unterm kreuz auch ehrt, Sst mein und meines heils nicht werth. Mel. Jesus, meine zuversicht. 473. Meinen Jeſum laß ich nicht! Er hat sich für mich gegeben: Sollt ich nicht aus dank und pflicht Ihm anhangen, ihm nur leben? Er ist meines lebens licht. Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Er, der welt und mir gesandt, Uns zu lehren, uns zu retten, Gab sein leben uns zum pfand, Daß wir Gottes gnade hätten. O, wie bin ich ihm verpflicht't! Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn mein auge schon verlischt, Wang und lippen sich entfärben, Mich kein labsal mehr erfrischt, Alle sinne mir ersterben Und das matte herz nun bricht: Laß ich meinen Jesum nicht. 4. Dort auch laß ich Sesum nie, Hange stets an seinen blicken! Denn nach dieses lebens müh Will er ewig mich erquicken. Ewig strahlt mir dort sein licht. Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht auf dieser erde ists, 366 Von den Gesinnungen und Pflichten ists, Was des herzens wün- nächsten übe, Wenn er dich sche stillet. Du, o Jesu! gleich oft betrübt. Denke, du nur bists, Der sie ewig wie dein heiland that, Als ganz erfüllet Und mich frei er für die feinde bat. So spricht vor gericht. Meinen mußt du verzeihn im leben, Jesum laß ich nicht. Wenn dir Gott auch soll vergeben. mein Jesu! 6. Dich, halt ich fest, Lasse nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr sein vergeßt! Ihr beraubt euch ewger freuden. Selig, wer in wahrheit spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. Jesu, deine Heilge wunden. bis 474. Sei getreu an das ende, Damit keine qual und noth Dich von deinem Jesu wende, Sei ihm treu bis in den tod. Ach! das leiden dieser zeit Ist nicht werth der herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben Dort in seinem freudenleben. 2. Sei getreu in deinem glauben, Laß desselben festen grund Dir nicht aus dem herzen rauben, Halte treulich deinen bund, Den du in der heilgen tauf Haft mit Gott gerichtet auf. Wie leicht geht der mensch verloren, Der nicht hält, was er geschworen. 3. Sei getreu in deiner liebe Gegen Gott, der dich geliebt; Auch die lieb am 4. Sei getreu in deinem leiden Und laß dich kein ungemach, Keine noth von Jesu scheiden; Murre nicht in weh und ach: Denn du machest deine schuld Größer durch die ungeduld. Selig ist, wer willig träget, Was sein Gott ihm auferleget. 5. Hat dich kreuz und unglück troffen Und Gott hilft nicht alsofort: Bleibe treu in deinem hoffen, Traue fest auf Gottes wort; Denke, daß Gott manche zeit Auch umsonst die hand dir beut und dein' ohren sind verstopfet, Wenn er an das herze klopfet. 6. Drum sollst du getreu aushalten Deinem lieben frommen Gott. Wirst du ihn nur lassen walten: So hilft er aus aller noth; Ch' du rufest, ist er hier, Sein herz bricht ihm über dir, Seine hilf ist schon vorhanden; Wer ihm traut, wird nie zu schanden. 7. Sei getreu in todesstunden, Halt dich glaubensvoll an Gott; Flieh getroft in gegen Gott und Jesum Christum. 367 in Christi wunden: Sei ge= tode bleibt getreu, Dem will treu bis in den tod! Wer er in jenem leben Seine ihm ohne heuchelei Bis zum freudenkrone geben. 6. Von den Gesinnungen und Pflichten' gegen uns selbst. Gottgefällige Selbstliebe. Mel. Gott, du frommer. 475. Du willst es, Herr mein Gott! Ich soll mich selber lieben. laß mich diese pflicht Nach deiner vorschrift üben! Laß, Herr! den selgen trieb, Mich meines glücks zu freun, Den du mir eingepflanzt, Nie mein verderben sein. 2. Gieb, daß mein ganzes herz Sich deiner liebe weihe, Und daß ich überall Dein auge kindlich scheue. Wer als ein christ sich liebt, Der flieht auch, als ein christ, Was deiner furcht und lieb, Gott! entgegen ist. 3. Kein schnöder eigennut Beherrsche meine seele, Und, wenn zu meinem glück Ich weg und mittel wähle, So laß mich stets dabei Auf recht und wahrheit schaun Und nie mein wohlergehn Auf andrer elend baun. 4. Dein fluch trifft jedes glück, Wobei die tugend lei= det, Wobei der, der es sucht, Gott! deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen himmel nicht; Nie treffe mich, o Gott! Dies schreckliche gericht! 5. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer! Die welt und ihre lust Vergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze lust? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergänglichs gut Ifts, was uns glücklich macht. 6. Ein Gott ergebnes herz, Ein unverletzt gewissen, Nur das kann uns allein Das leben hier versüßen; Das bleibt uns auch im tod Und folgt uns aus der zeit 3um größten segen nach, Bis in die ewigkeit. 7. O selig, wer danach Mit heilgem eifer trachtet Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht, Der find't schon in der zeit Die wahre ruh und einst Vollkommne seligkeit. Selbst 368 Von den Gesinnungen und Pflichten Selbsterkenntniß und Auf wahre beßrung sein beDemuth. flissen, Er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt? Sich selbst recht kennen, ist verstand: Drum mache mich mit mir bekannt. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 476. Wer bin ich? wel che wichtge frage! Gott, lehre mich sie recht verstehn! Gieb, daß ich mir die wahrheit sage, Ulm mich, so wie ich bin, zu sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein werk von deinen händen, Du schufft mich, Gott! zu deinem preis; Dazu mein leben anzuwenden, Das ist dein väterlich geheiß. Doch leb ich, als dein eigenthum, Auch, wie ich soll, zu deinem ruhm? 3. Ich bin ein christ nach dem bekenntniß; Doch bin ich das auch in der that? Herr! öffne selbst mir das selbst mir das verständnis, Recht einzusehn, ob ich den pfad, Den Jesus mir gewiesen, geh, Und ob ich auch im glauben steh. 4. Du kennest unsers herzens tiefen, Die uns selbst unergründlich sind; Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, Ob ich sei Christo gleich gefinnt. Befreie mich vom falschen wahn, Der auch den klügsten täuschen kann. 5. Wie kann der, der, bei allem wissen, Des herzens zustand sich verhehlt, 6. Was mir zu meinem heil noch fehlet, Mein Vater, das entdecke mir; Hab ich der wahrheit weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier. Erleuchte mich mit deinem licht, So täuschen mich verführer nicht. 7. Bin ich jetzt von dem fichern pfade, Der mich zum leben führt, noch fern; So wecke mich durch deine gnade, Daß ich ihn ernstlich suchen lern. Gieb mir zur beßrung luft und kraft; Du bists, der beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan; O laß michs nicht bis dahin sparen, Wo reue nichts mehr helfen kann. Hier mache mich zum himmel flug Und frei vom schnöden selbstbetrug. Mel. Nun ruhen alle wälder. 477. Gieb, Gott! wenn ich dir diene, Daß ich mich nicht erkühne, Darüber stolz zu sein. Wer kann bei seinen werken, Wie oft er fehlet, merken? Wer ist von mängeln völlig rein? 2. Such ich stets deinen willen gegen uns selbst. willen So eifrig zu erfüllen, Als es dein wort gebeut? Trag ich der tugend bürde, Aus kenntniß ihrer würde, Auch immer mit zufriedenheit? 3. Entzieh ich mich den sünden Auch stets aus rech- in mir. ten gründen? Aus wahrers 300 305 frömmigkeit? Oft sind die guten triebe ner liebe, 369 8. Sollt ich mich deß erheben, Was du mir, Herr! gegeben? Empfang ich lohn von dir, So trug mich deine gnade Auf dieses lebens pfade Und krönt ihr eignes werk Nicht früchte dei= 478. Was ich nur guz tes habe, Nur früchte der Ist 6. Wer gab mir, dich zu lieben Und dein gebot zu üben, Die lust und freudigkeit? Wer stärkte meine kräfte Im heiligungsgeschäfte? Wer gab mir muth und sieg im ftreit? Mel. Nun ruhen alle wälder. natur und zeit.deine milde gabe, Du Vater 4. Der sünden meiner ju= gend, Der mängel meiner tugend, Wie viel sind ihrer nicht! Welch unbeständges wanken In thaten, in gedanken, Bei deiner wahrheit hellstem licht! alles lichts! Mein dasein und mein leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 5. Doch, wenn auch dir zur ehre Rein meine tugend wäre, Weß ist dies eigenthum? Wer ließ mich unter richten? Wer ließ in meinen pflichten Mein glück mich sehn und meinen ruhm? 2. Sowohl verstand als kräfte 3um nüßlichen geschäfte Hab ich aus deiner huld. Dein ists, wenn gute thaten Dem vorsatz wohl gerathen; An fehlern bin ich einzig schuld. Host: br 7. Du schaffst, daß ich dich wähle; Du rufft mich, wenn ich fehle, 3ur tugend, Gott! zurück; Du ziehst mich ab von sünden Und läßt mich gnade finden Und giebst zu meiner beßrung glück. N. N. 3. Das glück, deß ich mich freue, Schaffst du nach deiner treue, Du Herr der ganzen welt! Du ordnest unsre tage, Ihr glück und ihre plage, Nur so, wie es dir wohl gefällt. 4. Sollt ich mich dann erheben, Wenn mir in diesem leben Viel gutes widerfährt? Was hat dich, Herr! bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin viel zu geringe Der huld, Herr aller dinge! Die du mir haft erzeigt. D laß 24 370 Von den Gesinnungen und Pflichten laß michs nie vergessen, Wenn wird nicht sein eifer kalt, fich mein herz vermessen 3um stolz und eigendünkel neigt! 6. Das nüßlich anzuwenden, Was du mit vaterhän: den Mir gütig zugewandt; Gehorsam dir zu werden: Das sei mein fleiß auf erden; Dazu gieb demuth und verstand. Und schläfrig sein gewissen! Weh ihm, wenn er vermessen. ist, Wenn seiner schwachheit er vergißt, In sich nur stärke siehet! Ach, ihn besiegt in jedem streit Der irrthum und die sinnlichkeit, Wenn er nicht zeitig fliehet! Mel. Herr Gott, der du erforsch. 479. Wenn ich, o Gott! von dir geführt, Auf deinen wegen wandle; Wenn ich, durch deinen geist regiert, Nach deiner vorschrift handle; Wenn mir mein herz das zeugniß giebt, Daß meine seele mehr dich liebt, Als alles gut auf erden: O, dann laß nicht durch sicherheit, Durch stolz und durch vermessenheit Mich deiner unwerth werden. 2. Wie leicht erliegt ein fichrer sinn, Bekämpft durch schnöde lüste, Sieht ruhig auf gefahren hin, Wovor er zittern müßte! Vollkommen glaubet er zu sein, Glaubt, diese sünde sei nur klein Und jene pflicht nicht wichtig! Nun ist er seinem falle nah, Fällt schrecklich, aber glaubt noch da, Er wandle fest und richtig. 3. Wie schwach ist nicht der mensch! wie bald 3ur sünde fortgerissen! Wie leicht 4. Ach, lehre mit behutsamkeit Auf meine bahn mich schauen Und nie, o Gott! in sicherheit Auf meine tugend trauen! Wenn meinem heil gefahren drohn, Zeig in der ferne mir sie schon, Daß ich mich zeitig rüste. Aufmerksam mache meinen blick Auf diese welt, auf zeit Und auf die und glück macht der lüste. 5. Mein glaube, meine frömmigkeit Und was ich in mir habe Von tugend und Ist alles rechtschaffenheit, deine gabe. Ich bin nur staub, den du erschufft, Den du begnadigst und berufst, In deinem reich zu leben. Laß mich, entfernt von stolzem wahn, Mit demuth deine gab empfahn Und dir die ehre geben! 6. So werd ich, Gott! von dir geführt, Auf deinen wegen wandeln Und stets, durch deinen geist regiert, Nach deiner vorschrift handeln. Ich werde nicht durch sicherheit, Durch stolz und durch gegen uns selbst. durch vermessenheit Von deinen rechten weichen. Heil allen frommen, heil auch mir! Wir werden, preis und dank sei dir! Des glaubens ziel erreichen. 371 5. Mit dir, o Gott! vereint zu sein, Mich ewig deiner huld zu freun Und dich zum troft zu wählen; Das sei mein fleiß und höchster zweck! Laß mich dazu den rechten weg Aus leichtsinn nie verfehlen. Sorge für die Seele. Mel. Kommt Her zu mir, spricht. 6. Wer böse ist, bleibt 480. Herr! meiner feele nicht vor dir. Drum schaffe großen werth, Den mir dein theures wort erklärt, Laß mich mit ernst bedenken und auf die sorge für ihr wohl, So unermüdet, als ich soll, Den größten eifer lenken. selbst, o Gott! in mir Gin herz, das sünden hasset, Das seine schuld vor dir bereut, und das zu deiner gütigkeit Durch Christum hoffnung faffet. 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't! Welch glück haft du ihr zugedacht, Wie viel an sie gewendet! Du schufft fie, Gott, dein bild zu sein, Und hast, vom fluch sie zu befrein, Selbst deinen sohn gesendet. 3. 3u groß für diese kurze zeit, Bestimmt zum glück der ewigkeit, Lebt sie im fleisch auf erden, Durch glauben und gottseligkeit zu größerer vollkommenheit Im himmel reif zu werden. 3u 4. Mit großer treue willst du sie Selbst durch des Lebens kurze müh Zu diesem ziele führen. D! laß mich nicht durch eigne schuld Das heil, das deine vaterhuld Ihr zugedacht, verlieren. 7. Gieb, daß ich mich dir ganz ergeb, Und was ich hier im fleisch noch leb, Laß mich im glauben leben An dich, Sohn Gottes! der du mich So hoch geliebet hast und dich Für mich dahin gegeben. 8. In meiner ganzen pilgerschaft Laß mich, gestärkt durch deine kraft, Nach jenem kleinod trachten, Das mir dein ruf vor augen stellt, Und alle leiden dieser welt Wie nichts dagegen achten. 9. Wie selig werd ich dann nicht sein! Schon hier wird dann mein herz sich freun, In dir, Gott! ruhig leben; Und du wirst nach vollbrachter zeit Auch mich gewiß zur herrlichkeit In deinem reich erheben. 24* Mel. 372 Von den Gesinnungen und Pflichten Mel. Jefu, deine tiefe wunden. 481. Lehre mich, Herr! recht bedenken, Was wahrhafte weisheit sei. Meinen fleiß darauf zu lenken, Steh mir selbst mit gnade bei: Denn die klugheit, so die welt Ohne grund für weisheit hält, Fördert nicht mein wohlergehen Und wird nie vor dir bestehen. 2. Weisheit ists, wenn unsre seelen Sich, Herr! dei= nes wortes licht Nur allein zum leitstern wählen Und mit fester zuversicht Diesem licht sich anvertraun: Denn die folgsam darauf schaun, Ihre hoffnung darauf gründen, Werden heil und leben finden. 3. Weisheit ist es, danach trachten, Recht mit sich bekannt zu sein, Sich nicht schon vollkommen achten Und den eigendünkel scheun, Gern auf seine fehler sehn, Sie mit scham vor Gott gestehn, Eifrig stets nach beßrung streben Und doch nie sich stolz erheben. 4. Weisheit ist es, Christum ehren, Seiner mittlershuld vertraun, So auf seine stimme hören Und auf seinen wandel schaun, Daß man falsche wege flieht Und mit eifer sich bemüht, Seinem bilde hier auf erden Immer ähnlicher zu werden. 4303 Weisheit ist es, alles meiden, Was mit reu das herz beschwert, Und sich hüten vor den freuden, Die der sündendienst gewährt; Eitlen ruhm, der bald verblüht, Lust, die im genuß noch flieht, Nicht für wahre wohlfahrt achten; Nein, nach bessern gütern trachten. 6. Weisheit ist es, Gottes. gnade Sich zu seinem ziel ersehn, Und auf seiner wahrheit pfade Diesem glück entgegengehn, Gerne Gottes willen thun, Froh in seiner fügung ruhn Und, wenn leiden uns beschweren, Hoffend mit geduld ihn ehren.. 17. Weisheit ist es, stets bedenken, Daß wir hier nur pilger sind, Wunsch und hoffnung dahin lenken, Wo die. seele ruhe findt, Seine augen unverwandt Nach dem ewgen vaterland Richten und sich Wie man hier bestreben, droben lebt, zu leben. 8. Diese weisheit ist auf erden, Höchster! unser bestes theil. Die von ihr geleitet werden, Deren weg ist licht und heil. Solche weisheit kommt von dir; Gott! verleihe sie auch mir. Laß sie mich zu allen zeiten Auf den weg des friedens leiten. 1101 14 Mel. Nun ruhen alle wälder. 482. in ruhiges gewissen Laß, Herr! mich michie gegen uns selbst. ns mo83 373 vertrauen Sich rühmen: ich bin dein; Im glauben der erlösten Sich deiner huld getrösten; Welch glück, mein Gott! kann größer sein? 8. Läßt du mich im gewissen Einst diesen trost genießen, Wenn alles von mir weicht; Kann ich dann voll vertrauen Auf dich als vater schauen: So wird mir selbst das sterben leicht. 9. O laß zu allen zeiten Mich deine weisheit leiten Zur glaubensthätigkeit; Und hab ich dann noch flecken, So wird sie Jesus decken; In ihm hab ich gerechtigkeit. mich stets genießen: Denn, hab ich dieses nur, So ist für mich in tagen, Wo andre ängstlich zagen, Nichts schreckliches in der natur. O 2. Wenn meine schuld mich beuget, Und dann dein geist bezeuget, Daß ich begnadigt bin; Wenn mich dein trost erquicket, So oft mich trübsal drücket: Wie unschätzbar ist mein gewinn! 3. Sollt ich solch ruhig leben Für luft der sünde geben Und dann die innre pein, Mich selber zu verklagen, In meinem busen tragen? Gott! laß dies ferne von mir sein. 4. Sein eignes herz bekämpfen und seine neigung Dämpfen, Ist freilich schwere pflicht; Doch, wenn wir uns besiegen, Welch himmlisches vergnügen. Gewährt die überwindung nicht! nu and said 5. Nichts kann im wohlergehen So unser glück erhöhen, Als ein gerubges berz. Das schafft uns innre freuden Und mildert auch im leiden Durch seinen trost den größten schmerz.onist 6. Die güter zu verachten, Wonach die thoren schmachten, Was giebt uns dazu muth? Was tröstet Gottes kinder Beim spotte frecher fünder? Ein ruhig herz, das beste gut. 7. 3u dir gen himmel schauen, Gott! und mit 483. Mache dich, mein asian geist, bereit, Wache, fleh und bete! Daß dich nicht die böse zeit Unverhofft betrete: Denn es ist Satans list Ueber viele from-= men 3ur versuchung kommen. 2. Doch wach erst von sünden auf Und vom sündenschlafe. Denke nach, was folgt darauf? Cine lange strafe; Und die noth, Ja, der tod Möchte dich in fünden Unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst wird das licht Dir stets ferne bleiben. Deine nacht kann Jesus nicht, Wie er wünscht, vertreiben, Denn Gott will, Für die füll Seiner gnadengaben, Offne augen haben. 4. Wache! 374 Von den Gesinnungen und Pflichten 4. Wache! daß dich satans Da du uns wirst richten list Nicht im schlummer finde Und die welt vernichten. Und, weil du zu sicher bist, Leichter überwinde. Gott giebt zu, Daß auch du, Wenn du sorglos wallest, In versuchung fallest. 5. Wache! daß dich nicht die welt Durch gewalt bezwinge, Oder, wenn sie sich verstellt, Listig an sich bringe. Wach und sieh, Daß dich nie Falsche brüder fällen, Die dir netze stellen. 6. Wach auch selber gegen dich Und dein böses herze, Daß es ja nicht freventlich Gottes huld verscherze: Denn es ist Voller list, kann sich selber heucheln Und voll Hochmuth schmeicheln. 7. Aber bete stets dabei, Bete bei dem wachen. Ruf zu Gott; er muß dich frei Von dem elend machen, Das dich drückt Und bestrickt, Wenn du schläfrig bleibest Und sein werk nicht treibest. 8. Ja, Gott will gebeten sein, Soll er etwas geben, Und auf unser flehn und schrein Krönt er unser leben. Ruf ihn an; Denn er kann Welt, fleisch, satan, sünden Kräftig überwinden. 9. Ach, so laß mich immer dar Wachen, Herr! und beten, Weil versuchung und gefahr Mir sonst näher treten. Ja, die zeit Ist bereit, Mel. Wer nur den lieben. A. M. 484. Nicht, daß ichs schon ergriffen hätte, Die beste tugend bleibt noch schwach;- Doch, daß ich meine seele rette, Jag ich dem kleinod eifrig nach: Denn tugend ohne wachsamkeit Verliert sich bald in sicherheit. 2. So lang ich hier im leibe walle, Bin ich ein kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse lust Stirbt nie. mals ganz in unsrer brust. 3. Nicht jede besserung ist. tugend, Oft ist sie nur das werk der zeit. Oft wird die hike roher jugend noch mit den jahren sittsamkeit; Und was natur und zeit gethan, Sieht unser stolz für tugend an. Stian - 4. Oft ist die ändrung deiner seelen Ein tausch der triebe der natur. Du fühlst, wie stolz und ruhmſucht quälen, Und dämpfst sie; doch du wechselst nur: Dein herz fühlt einen andern reiz, Dein stolz wird wollust oder geiz. 5. Oft ist es kunst und eigenliebe, Was andern strenge tugend scheint. Der trieb des gegen uns selbst. des neids, der schmähsucht triebe Erweckten dir so man= chen feind; Du wirst behutſam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die schmähsucht, nur den schein. 6. Du denkst, weil dinge dich nicht rühren, Durch die der andern tugend fällt, So werde nichts dein herz verführen; Doch jedes herz hat seine welt. Den, welchen stand und gold nicht rührt, Hat oft ein blick, ein wort verführt. 7. Oft schläft der trieb in deinem herzen; Du scheinst von rachsucht dir befreit. Jest sollst du eine schmach verschmerzen, Und sieh, dein herz wallt auf und dräut Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der stille pflegen, Das herz im stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die welt entgegen, So reget sich die leidenschaft. Wir werden im geräusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 375 10. Du fliebst, geneigt zur rub und stille, Die welt und liebst die einsamkeit; Doch bist du, forderts Gottes wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein herz haßt habsucht, neid und zank; Fliehts unmuth auch und müßiggang? 9. Du opferst Gott die leichtern triebe Durch einen strengen lebenslauf; Doch opferst du, wills seine liebe, Ihm auch die liebste neigung auf? Dies ist das auge, dies der fuß, Die sich der christ entreißen muß. 11. Du bist gerecht; drum auch bescheiden? Liebst mäßigkeit; drum auch geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; Vergiebst du feinden auch die schuld? Von allen lastern sollst du rein, 3u aller tugend willig sein. 12. Sei nicht vermessen! wach und streite! Denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein herz hat seine schwache seite, Die greift der feind der wohlfahrt an. Die sicherheit droht dir den fall; Drum wache stets, wach überall! Mel. Es ist gewißlich an der. 485. Umsonst, umsonst verhüllst du dich, Mein herz, in finsternisse! Was kann ich Gott verbergen, ich? Was thun, das er nicht wisse? Wärst du auch dunkler Got= als das grab; Das auge ses schaut hinab Und kennt auch deine tiefen. 2. Wo ist die nacht der einsamkeit, Die mich vor ihm verhehle? Er sieht euch schon, eh ihr noch seid, Gedanken 376 Von den Gesinnungen und Pflichten danken meiner seele! Eh ich euch selbst empfinden kann, Bon eurer ersten bildung an, Bis ihr vollendet werdet. 3. Er fennet, er durch schauet euch, Wenn ihr euch mir entziehet; Bemerkt euch, Mel. Vater unser im himmelr. wenn ihr, strahlen gleich, 486. Hier ist noch unfre Schnell auffahrt, schnell entfliehet. Vergebens wünsch ich: sterbt! vergeht. Vergebens! aufgezeichnet steht Ihr all in seinem buche. prüfungszeit. Hier sind wir immerdar im streit; Hier, wo uns irrthum leicht berückt, Das schwache herz sich bald verstrickt, Die sinne jedes blendwerk rührt, Auch böses beispiel oft ver= führt. 4. Der herr gedenket ihrer noch, Wenn sie auch mir verschwinden. Sie bleiben, und ich träume doch: Sie wären keine sünden! Sie alle müssen an das licht, Wenn er erscheint, und sein gericht Der herzen rath entdecket. 5. Dann wird das siegel seines buchs Vor aller welt gebrochen, Das urtheil des verdienten fluchs Gedanken selbst gesprochen. Wo ist die nacht, die sie verhehlt? Der richter hatte sie gezählt: Nicht einer ist vergessen. 6. Seid heilig, seid von Gott nur voll, Gedanken meiner seele! Daß, wenn gerichtet werden soll, Nicht einer dann mich quäle! Seid heilig, und ihr fürchtet nichts! Gott wird am tage des gerichts, Wie thaten, euch belohnen. rein? Wer merkt, wie oft er fehle? Ach, Heiligster! so laß vor dir Mich gnade finden, schaff in mir, Gott! selbst ein reines herze. Ro 7. Allwissender! du kennst allein Die tiefen meiner seele. Wer von uns allen ist wohl 2. Oft nehmen laster überhand Und Und strömen übers ganze land. Drum hüte dich! Das weltgericht Bringt alle sünden an das licht. seele! sei zum kampf bereit Und flieh den schlaf der sicherheit. 3. Mein vorsatz ist, ich will ihn fliehn. Doch, wie gelingt mir mein bemühn? Gefahr nehm ich hier bei gefahr, Ein netze bei dem an-. dern wahr. Wie so viel feinde drohen mir, Mir schwachen! wie entrinn ich hier? 4. Die welt hüllt in der tugend schein Oft ihre laster künstlich ein, Preist den genuß des lebens an, Schilt frömmigkeit für finstern wahn. Ihr weg ist lustig, breit und voll; Sie winkt mir, daß ich folgen soll. 5. Du abgegen uns selbst. 5. Du, Jesu! mußt das beste thun. Mein hoffen soll auf dir beruhn. Ach, durch dein blut bin ich ja dein! Du wollest stärke mir verleihn, Daß ich unüberwindlich treu, Herr! in jeder prüfung sei. 6. Der sündendienst scheint zu erfreun Und endigt sich in höllenpein. Drum steh dein guter geist mir bei, Daß ich beständig wachsam sei; Verstatte dem versucher nie, Daß er mich deiner hand entzieh. 7. 3war ist mein glaube klein; doch du, Du starker held, sagst hilfe zu. Mein ganzes herz ergiebt sich dir; 377 Daß ich dem argen widersteh Und nicht von deinem weg abgeh 3ur rechten oder linken. 2. Ob böse lust noch mannigfalt Mich anficht, weil ich lebe; So hilf, daß ich ihr alsobald Sm anfang widerstrebe, Und daß ich ja vergesse nicht Die todesstunde, das gericht, Den himmel und die Hölle. 3. Gieb, daß ich denke jederzeit An diese letzten dinge Und dadurch alle sündenfreud Aus meinem herzen bringe: Damit ich mög mein lebenlang Dir dienen, ohne furcht und zwang, In willigem gehorsam. Ich weiß, durch dich gelingt* 4. Gott Bater! deine es mir. Auf dich verläßt, in aller noth, Mein herz sich fest bis in den tod. kraft und treu Laß reichlich mich empfinden; Jesu Christe! sich mir bei, Daß ich könn überwinden; Hilf, beilger Geist! in diesem krieg, Daß ich da immer einen sieg einen sieg Erhalte nach dem andern. Mel. Ach Gott vom himmel. 487. Laß, Bater! deinen guten geist Mich innerlich regieren, Daß ich vollbringe, was du heißt, Und mich nicht laß verführen; 8. Wenn schon die trübsal auf mich dringt, Und angst mich überall umringt: Bleib ich doch stets in deiner hand Und halt in jeder prüfung stand. Du, du bist durch den glauben mein; Mel. Wo Gott der herr nicht. Drum muß mir alles heil= 488. Wil jemand Christi sam sein. jünger sein, Der muß sich sein nicht schämen, Nicht dornenvolle wege scheun, Sein kreuz gern auf sich nehmen. Drum, Jesu! gieb mir deine kraft, Die dieses einzig in mir schafft, Damit ich dir nachfolge. 2. Du Von den Gesinnungen und Pflichten 378 2. Du weißt ja, daß es schwerer fällt, Den eigenfinn zu lassen, Sich selbst verleugnen, als die welt Und ihre luft zu hassen. Drum wirk in mir, was ich nicht kann; Führ mich zu deiner liebe an Und dämpf die eigenliebe. 3. Gieb, daß ich aller bösen lust Absterbe, dir nur lebe; Rein wankelmuth sei mir bewußt, Wenn ich mich dir ergebe. Gieb, Jesu! daß ich niemals mir Noch meinem willen, sondern dir Und deinem willen folge. 4. Wird fleisch und blut erst unterdrückt, Wird schnöder eigenwille In meiner eitlen brust erstickt, Sind die begierden stille; So fängt Gott sein werk in mir an, Daß ich durch seine gnade kann mir selber ganz absterben. 5. Mein herz ist eitler lüste voll, Blind, finster, ohne leben; Was Gott in mir gefallen soll, Muß er mir selber geben. Erleuchtet mich sein gnadenschein; So kann ich ihm gefällig sein Und ihm zu ehren leben. 6. Gieb, Herr! mir deines lichtes schein, Daß ich dich recht erkenne, Dich ehre, gegen dich allein In wahrer liebe brenne. Entreiß mich mir und gieb mich dir; Laß meine seele für und für Mit dir verbunden bleiben. 7. Ich seufze, Herr! nach Stärk mich deiner kraft, durch deine güte! Dein geist, der alles gute schafft, Erfülle mein gemüthe! Daß es nichteigne ehre such, Dir ähnlich werd und stets verfluch, Was mich von dir abführet. 8. Herr! deine liebe giebt allein Heil, seligkeit und le= ben; Die eigenliebe fann nur pein, Unruh und unheil geben. Du giebst uns segen, heil und ruh; Der eigne ruhm schreibt sich es zu: Drum muß es dir mißfallen. 9. Dein ist preis, ehr und ruhm, den dir Doch stolz und hochmuth rauben: Darum er wecke selbst in mir Stets demuth bei dem glauben! Nimm eigenliebe völlig hin Und gieb mir Christi herz und sinn, Der dich stets liebt und ehret. Mel. Nun ruhen alle wälder. 489. Die herrlichkeit der erden Muß staub und asche werden, Und nichts bleibt ewig stehn. Das, was uns hier ergetzet, Was man für ewig schätzet, Wird als ein leichter traum vergehn. 2. Was sind doch alle sachen, Die uns so trokig machen, Als tand und eitelkeit? Was ist der menschen leben? Stets mit gefahr umgeben, Währt es nur eine kurze zeit. 3. Was hilft uns kunst und gegen uns selbst. und wissen? Wirds, wenn wir sterben müssen, Ein sich- jahre: rer trost uns sein? Was hilft uns macht und ehre? So glänzend sie auch wäre, Kann sie uns wohl alsdann erfreun? 4. Der ruhm, nach dem wir trachten, Den wir unsterblich achten, Ist meist ein falscher wahn: Sobald der geist gewichen Und unser leib verblichen, Fragt oft kein mensch, was wir gethan. 5. Wie bald wird das zer rinnen, Was wir mit müh gewinnen, Was unser fleiß erwirbt! Kann wohl, was wir besitzen, Uns vor dem tode schützen? Stirbt nicht dies alles, wenn man stirbt? 6. Was sind des lebens freuden? Wie oft folgt angst und leiden Und reu auf den genuß? Was ists, womit wir prangen? Wo wirst du ehr erlangen, Die nicht zu letzt verschwinden muß? 379 9. Wir rechnen jahr auf Inzwischen wird die bahre Vor unser haus gebracht. Man scheidet von den seinen, Die hilflos uns beweinen, Und uns bedeckt des grabes nacht. 7. Wie, wenn die sonn aufgehet, Die rose blühend stehet In ihrer schönsten zier, Und doch verwelkt sich beuget, Eh sich der abend zeiget: So blühen und verwelken wir. 8. Froh wachsen wir auf erden Und hoffen groß zu werden, Von schmerz und sorgen frei; Doch in den schönsten tagen, Eh wir noch früchte tragen, Bricht uns des todes sturm entzwei. 10. Dies laßt uns wohl bedenken Und uns zum himmel lenken, Weil er uns offen steht. Wer dahin will gelangen, Darf an der welt nicht hangen, Da sie mit ihrer lust vergeht. Mel. Es ist gewißlich an der. den: 490. Ach nein! mein herz kann seine ruh Im zeitlichen nicht finGut, wollust, ehre auch dazu, Muß wie ein Un= dampf verschwinden. sterblich ist in mir mein geist; Nur das, was keine zeit entreißt, Kann seine wünsche stillen. 2. Das alles ist für ihn zu klein, Was welt und erde haben; Nur Gott, das höchste gut allein, Kann ihn mit wonne laben. Darum entschwinge dich, mein herz, Der erde, steige himmelwärts 3u Gott, dem ewgen gute! 3. O höchstes gut! sei hier und dort Mein reichthum, lust und ehre. Gieb, daß in mir sich fort und fort Das sehnen nach dir mehre; Daß ich dich stets vor augen hab, Mir selbst und 380 Von den Gesinnungen und Pflichten und allem sterbe ab, Was mich von dir will ziehen. 4. Hilf, daß ich meinen wandel führ Bei dir im himmel oben, Da ich werd ewig sein bei dir, Dich schauen und dich loben; So kann mein herz zufrieden sein Und findet, Gott! in dir allein Die wahre ruh und freude. 15. Hiezu gieb mir von deinem thron, O Vater! gnad und stärke. Zerstör, o Jesu, Gottes Sohn! Des satans reich und werke. Dheilger Geist! steh du mir bei, Daß mein begehren dies nur sei: Gott über alles lieben. Mel. Alle welt, was lebt und. 491. Meines Lebens beste freude Ist der himmel, Gottes thron; Meiner seele trost und weide Ist mein Jesus, Gottes sohn. Was mein herze recht erfreut, Ist in jener herrlichkeit. 2. Andre mögen sich erquicken An den gütern dieser welt; Ich will nach dem himmel blicken, Der ein bleibend gut enthält: Denn der erden gut vergeht; Jesus und sein reich besteht. 3. Reicher kann ich nirgends werden, Als ich schon in Jesu bin; Alle schätze dieser erden Sind beschwerlicher gewinn. Jesus ist das rechte gut, Der der seele gnüge thut. 4. Glänzet gleich das weltgepränge, Ist es reizend anzusehn: Währt es doch nicht in die länge; Schnell ist es damit geschehn! Und des lebens glanz und schein Pfle= get plötzlich aus zu sein. 5. Aber dort des himmels gaben, Die mein Jesus für mich hat, Können herz und seele laben, Machen ewig reich) und satt. Nie vergehet mit der zeit Jenes lebens herrlichkeit. 6. Rost und motten, raub und feuer Schaden auch der freude nicht, Die mein Jesus, mein getreuer, Und sein himmel mir verspricht. Dort ist alles weggethan, Was die seele kränken kann. 7. Einen tag bei Jesu sizzen, Ist viel besser, als die welt Tausend jahr in sünden nühen; Aber Jesu zugesellt Und bei ihm auf ewig sein, Gott! wie muß dies glück erfreun! 8. Auch die größte lust der finnen Sättigt meinen geist doch nicht: Aber himmlisches beginnen Und des glaubens zuversicht Füllt mit wonne meine brust Und giebt hier schon engelsluft. 9. Ach, so gönne mir die freude, Jesu! die dein himmel hegt! Sei du selber meine weide, Die mich hier und Dort verpflegt! Und, an dir recht froh zu sein, Nimm mich in den himmel ein. Mel. gegen uns selbst. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 492. as eilt der letzte aniny von den tagen, Die du hier lebest, mensch! herbei. Erkauf die zeit und statt zu klagen, Sie sei zu kurz, gebrauch sie treu! Nimm mit erkenntlichem gemüth Der nahen stunde wahr; sie flieht. fie flieht. 2. Getäuscht von eitlen kleinigkeiten, Verlierst du deines lebens zweck, Verschiebst dein heil auf ferne zeiten Und wirfst so sicher jahre weg. Bist du, zu kühner sterblicher, Des nächsten augenblickes herr? 381 deiner huld zu freun, Mein leben gern der tugend weihn. 6. Erleucht und stärke meine seele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du gönnst, daß ich mein heil erwähle, Aus gnaden mir noch diesen tag. Was ist nicht eine stunde werth, Die deine langmuth mir gewährt? 7. Wohl mir! wenn ich aus allen kräften Nach Gottes reiche hier gestrebt, In gottgefälligen geschäften Die pilgertage durchgelebt Und einst im glauben sagen kann: Du nimmst mich, Herr! zu ehren an. 8. Mein sprachlos flehn bei meinem ende Vernimmst du, herzenskündiger! In deine treuen vaterhände Be= fehl ich meinen geist, o Herr! Er schwingt sich über grab und welt Zu dir, wenn seine hülle fällt. 3. Ginst ewigkeiten zu besiken, Sollst du des kurzen lebens zeit Als deine saatzeit weislich nützen Und thun, was dir der herr gebeut. Er ruft dir menschenfreundlich zu: Sieh, eins ist noth! was säumest du? 7700 4. Drum eil, errette deine seele Und denke nicht: ein Mel. Nun komm der heiden. andermal! Sei wacker, bet 493. Christen! unser le= ben eilt; Ohne und überzähle Der menschen tage kleine zahl, Gesetzt dein ende wär auch fern; Sei fromm und wandle vor dem herrn. 5. Mit jedem neu geschenkten morgen Erwecke dich zu dieser pflicht. Sprich: dir, o Gott! ist nichts verborgen, Ich bin vor deinem angesicht Und will, mich raft und unverweilt Strömet seine kurze zeit In das meer der ewigkeit. 2. Habt auf eure stunden acht! Wirket gutes: denn die nacht, Wo man nichts mehr wirken kann, Bricht, eh ihr es denket, an. 3. Jetzt noch währt der tag des heils; Trefft die wahl des 382 Von den Gesinnungen und Pflichten des besten theils. Stellt euch Mel. Aus tiefer noth schrei ich. dieser welt nicht gleich; Seid 494. Nach meiner feez len seligkeit an guten werken reich. Laß, Herr! mich eifrig rin= gen. Sollt ich die kurzegnadenzeit In sicherheit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestehn? Wer in dein reich wünscht einzugehn, Muß reines herzens werden. 4. Wisset: für die ewigkeit Giebt euch euer herr die zeit. Weh euch, wenn ihr fie verderbt und in euren sünden sterbt! 5. Die versäumniß eurer pflicht Straft sein ewiges gericht, Und den mißbrauch jeder kraft Eine strenge rechenschaft. 6. Dies empfindet, wer ein christ, Wer es in der wahrheit ist; Eingedenk der ewigkeit, Nützt er weislich seine zeit. 7. Jede stund, in der sein geist Sich der erde mehr entreißt, Geht zu seinem vater hin, Wird ihm ewiger gewinn. 8. Jede stunde, wo er nüßt, Gutes thut, bedrängte schützt, Dauert unverloren dort Stets in seinem lohne fort. 9. Wohl dem, der an Jesum gläubt, Muthig kämpft, sein fleisch betäubt, Gott und seinem nächsten lebt Und hinauf zum himmel strebt! 10. Wohl ihm! er entschläft im herrn, Ruhig, und getrost und gern; Schaut, entrissen dem ge= richt, Ewig, Gott! dein angesicht. 2. Erst an dem schluß der lebensbahn Auf seine sünden sehen; Wenn man sich kaum befinnen kann, Gott um erbarmung flehen; Das ist der weg zum leben nicht, Den uns, o Gott! dein unterricht In deinem wort bezeichnet. 3. Du rufft uns hier zur heiligung; Drum laß auch hier auf erden Des geistes wahre besserung Mein hauptgeschäfte werden. Herr! stärke mir dazu den trieb. Nichts sei mir je so groß, so lieb, Mich davon abzuwenden. 4. Gewönn ich auch die ganze welt Mit allen ihren freuden, Und sollte das, was dir gefällt, O Gott! darüber meiden; Was hülfe mirs? nie kann die welt Mit allem, was sie in sich hält, Mir deine gnad ersehen. 5. Was führt mich zur zufriedenheit Schon hier in diesem leben? Was kann mir trost und freudigkeit In noth, im tode geben? Nicht menschengunst, nicht irdisch glück, Nur gegen uns selbst. 383 Nur Gottes gnade und ein entreißen? Mein ist er und blick Auf jenes lebens freuden. ich bin sein! Ich,( er hat es 6. Nach diesem kleinod, mir verheißen,) Soll mich Herr! laß mich Vor allen seiner ewig freun. Ja, durch dingen trachten, Und was mir daran hinderlich, Mit edlem muth verachten. Daß ich auf deinen wegen geh Und im gericht dereinst besteh, Sei meine größte sorge. ihn soll mirs gelingen, Mich zu ihm empor zu schwingen, Im gerichte zu bestehn, Seine herrlichkeit zu sehn. 7. Doch, was vermag ich, wenn du nicht Vor trägheit mich beschühest Und mich, zur treu in dieser pflicht, mit Fräften unterstützest? O stärke mich, mein Gott! dazu: So find ich hier schon wahre ruh Und dort das ewge leben. Mel. Alle menschen müssen sterben. 495. Menschen ists gesetzt, zu sterben; Shre herrlichkeit verblüht. Keiner von des himmels erber der den tod nicht sieht. Staub wird dieser leib von erde! Aber, daß er himmlisch werde, Wird er zur unsterblichkeit Einst erwecket und erneut. 2. Wollt ich länger hier verweilen, Als es meinem Gott gefällt? Seinem reiche zuzueilen, Ring ich nach der bessern welt. Jesus tilget meine fünden, Stärkt mich, hilft mir überwinden. Auch aus meiner letzten noth Rettet mich sein blut und tod. 3. Und wer kann mich ihm 4. Sein ist seligkeit und leben. Viele schaaren stehen schon, Ihren retter zu erheben, Um des überwinders thron, Wo sie mit der engel heeren Tief anbetend ihn verehren, Mit triumph, mit preis und dank, Daß er tod und grab bezwang. verklärter 5. Baterland frommen! Gottes herrlichkeit in dir hat kein sterblich ohr vernommen, und kein herz empfand sie hier. Freudenernten schenkt Gott denen, Welche säen hier mit thränen. Alle thränen trocknet er; Schmerz und gram sind dort nicht mehr. 6. Ich entbrenne vor verlangen, Dies verheißne land zu sehn, Jene krone zu empfangen, Auch am throne dort zu stehn: Denn ich weiß, an wen ich gläube Und bei wem ich ewig bleibe. Sterben ist für mich gewinn: Denn ich geh zum vater hin. 7. Welche tröstung, das zu wissen! Dieser großen hoffnung voll, Klag ich nicht in kümmernissen, Die ich hier noch 384 Von den Gesinnungen und Pflichten noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese leiden; Gott verwandelt sie in freuden, Wenn ich christlich sie ertrug, Und spricht bald: es ist genug! Sorge für dieses Leben und dessen Erhaltung. Mel. Nun ruhen alle wälder. 496. Was ist mein zeitlich leben, Das du mir, Gott! gegeben? Ein unschätzbares gut. Du gabst mirs, hier auf erden Žum himmel reif zu werden, Worauf mein wahres glück 893100 beruht. 2. Hier wird die saat ge= streuet, Dort, wenn sie wohl gedeihet, Wird reich die ernte sein; Je länger ich hier lebe Und gut zu handeln strebe, Je größer wird mein glück dort sein. 3. Sollt ich dies glück mir rauben? Herr! laß mir, im glauben Der künftgen erntezeit, Mein leben auf der erden So werth und wichtig werden, Als es mir selbst dein wort gebeut. 4. Mir selbst es zu verkürzen, Mich in den tod zu stürzen, Ist wider meine pflicht. Ein redliches gemüthe Lohnt nie mit undank güte, Entweicht auch dem berufe nicht. 5. Was leicht in frankheit stürzet, Das leben leicht verkürzet, Laß mich mit sorgfalt fliehn; Doch auch nicht ängstlich zagen, Für meine pflicht zu wagen, Was du mir, Gott! für sie verliehn. 6. In deine vaterhände Befehl ich, Herr! mein ende Und meiner tage lauf. Es sei mein ganzes leben Dir hier zum dienst ergeben! Hilf du nur selbst der schwachheit auf. 7. Was nützt ein langes leben, Wenn man nicht, Gott ergeben, Nach wahrer tugend strebt! Wer Gott und men= schen liebet Und sich im glauben übet, Nur der hat lang und wohl gelebt. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 497. Des leibes warten und ihn nähren, Das ist, o Schöpfer! meine pflicht; Durch eigne schuld ihn zu zerstören, Verbietet mir dein unterricht. O stehe Daß mir mit weisheit bei, diese pflicht mir heilig sei! 2. Sollt ich, o Herr! ge= ringe schätzen, Was deine hand mir anvertraut? Den wundervollen bau verletzen, Den du als schöpfer selbst erbaut? Weß ist mein leib? er ist ja dein: Sollt ich denn sein zerstörer sein? 3. Ihn gegen uns 3. Ihn zu erhalten, zu beschützen, Giebst du mit milder vaterhand Die mittel, die dazu uns nüßen, Und zum gebrauch giebst du verstand. Dir ist die sorge nicht zu klein: Wie sollte sie es mir denn sein? selbst. 385 8. Mein größter fleiß auf dieser erde Sei meinem geiſte, Gott! geweiht: Daß er zum himmel weise werde Noch hier in dieser prüfungszeit. So wird sich leib und seele dein In jener bessern welt erfreun. 4. Gesunde glieder, muntre kräfte, O Gott, wie viel sind die nicht werth! Wer taugt zu des berufs geschäfte, Wenn krankheit seinen leib beschwert? Ist nicht der erde größtes gut Gesundheit und ein heitrer muth? 5. Drum gieb, daß ich mit forgfalt meide, Was meines körpers wohtsein stört; Daß nicht, wenn ich je schmerzen leide, Mein geist den innern vorwurf hört: Du selbst bist störer deiner ruh, Du zogst dir selbst dein übel zu. 6. Laß jeden sinn und alle glieder Mich zu bewahren achtsam sein. Drückt mich die last der krankheit nieder, So flöße selbst geduld mir ein. Gieb frohen muth und dann verleih, Daß auch des arztes rath gedeih. 7. Doch gieb, daß ich nicht übertreibe, Was auf des körpers pflege zielt; Vielmehr stets in den schranken bleibe, Die dein gesetz mir anbefiehlt. Des leibes wohl laß nie allein Das ziel von meinen sorgen sein. N. A. Keuschheit und Mäßigkeit. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 498. Der wollust reiz zu widerstreben, Laß, Höchster! meine weißheit sein. Sie ist ein gift für unser leben Und ihre freuden werden pein. Drum fleh ich demuthsvoll zu dir: schaff ein reines herz in mir. Und 2. Die wollust kürzt des menschen tage; Sie raubt dem körper seine kraft, armuth, schmerzen sorg und plage Sind früchte dieser leidenschaft. Der haßt sich selber, der sie liebt Und sich in ihre fesseln giebt. 3. Sie raubt dem geiste muth und stärke, Schwächt den verstand, der seele licht; Sie raubt den eifer edler werke, Und ernst und lust zu jeder pflicht; Führt reue, führt gewissensschmerz In das ihr hingegebne herz. 4. Der mensch sinkt unter ihrer bürde 3ur niedrigkeit 25 des 386 Von den Gesinnungen und Pflichten des thiers herab; Er schän- für deinen ruhm Stets undet und entehrt die würde, befleckt bewahre. Die ihm sein weiser schöpfer gab; Vergist den zweck, dazu er lebt, Weil er nach niedern lüsten strebt. 2. Gieb eine keusche seele mir, Daß ich mit meinem leibe Nie frevle; daß er immer dir, O Gott! geheiligt bleibe; Daß rein und keusch mein auge sei Und sittsam; daß ichs immer frei 3u dir erheben könne! 5. So schimpflich sind der wollust bande! Schon vor der welt sind sie ein spott; Sie sind vor dem gewissen schande Und noch weit mehr vor dir, o Gott! Wer lastern dient, entflieht dir nicht; Du forderst ihn vor dein gericht. 6. Den übergiebst du dem verderben Schon hier, der seinen leib entweiht; Und nie wird deinen himmel erben, Wer sich unreiner lüste freut. Drum laß mich ihre lockung fliehn Und keusch zu sein mich stets bemühn. 7. Gieb, daß ich allen bösen lüsten Mit muth und nachdruck widersteh Und stets, dawider mich zu rüsten, Auf dich, Allgegenwärtger, seh. Denn wer dich, Gott! vor augen hat, Flieht auch verborgne missethat. 3. Auch meine lippen schände nie, Was schändlich ist zu hören, laß durch freche scherze sie Die unschuld nie entehren! Bestimmt zum opfer des gebets Und deines lobes, rede stets Mein mund, was nützt und bessert! 4. Mein ohr laß dir nur offen sein, Taub bei der wollust bitten; Mein herz und meine sitten rein, Wie Josephs herz und sitten! Daß ihrer stimme schmeichelei Mir nicht durch ihre zauberei Der unschuld würde raube! 5. Ach! wo die unschuld weicht, da flieht Der tugend ruh und stille; Da, wo der wollust flamme glüht, Fehlt selbst der gute wille; Sie wüthet, tödtet und verheert Mehr segen, als das schwert 499. Mein leib soll, zerstört, Als pest und gluth Mel. Es ist gewißlich an der. zerstören. Gott! dein tempel sein mit allen seinen gliedern; Ihn soll ich dir zum dienste weihn, 3um dienst auch meinen brüdern. Gieb, daß ich dies dein heiligthum Für sie und, Herr! 6. In seinem taumel, Gott! vergißt Der trunkene verbrecher, Daß du allgegenwärtig bist, Ein eiferer, ein rächer; Verstockt sich und verfolgt mit spott Die Die tugend, höhnt gegen uns selbst. höhnt dein wort, o Gott! Und Jesum, den erlöser. 7. Und dieser leib, den er entweiht, Der wird einst auf erstehen, Dann wird er ihn in ewigkeit Bedeckt mit schande sehen; Wird selbst sich fluchen; auch wird er Der wollust opfer um sich her Ihm ewig fluchen hören. 8. Heil dem, der deiner nie vergißt; Nicht, Gott! dein werk zerstöret; Der immer reines herzens ist; Der deinen tempel ehret! Heil ihm! auch er wird auferstehn, Wird, Herr! dein antlitz ewig sehn, Verklärt, wie Jesus Christus. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 500. Soll dich die wolluft nicht bethören, So lieb, o mensch! die mäßigkeit. Laß speis und trank dich nicht beschweren, Und steure deiner sinnlichkeit. Ist deine schwäche dir bewußt, So meid oft selbst erlaubte lust. 387 Der angesichts. Der unschuld schuhwehr sind geschäfte; Nichtsthun das net des bösewichts. Bei trägheit und bei müßiggang Besiegt uns jeder böse hang. 4. Willst du der wollust trieb bekämpfen, Eh er die freiheit dir verwehrt; So such ihn früh in dir zu dämpfen; Hat ihn dein herz zuvor genährt, Und du hast ihn nicht gleich erstickt, So wird er schwerlich unterdrückt. 5. Oft täuschen dich des lasters triebe; Du fällst und wirst es kaum gewahr. Oft wird das unerlaubte liebe, Was anfangs nichts als freundschaft war. Ein langer umgang macht dich dreist, Und du vergißt, was unrecht heißt. 6. Dein herz, geneigt sich zu verzeihen, Wenn es des lasters triebe nährt, Wird oft nur seinen ausbruch scheuen, Weil dieser vor der welt entehrt, Die kleinen fehler übersehn, Und so zu größern übergehn. 2. Sei, um die wollust zu verhüten, Stets schamhaft gegen deinen leib. Dein auge laß dir nicht gebieten; Flieh eitlen scherz und zeitvertreib. Des wollüstlinges frecher scherz Erniedrigt und verdirbt das Herz. 3. Entzieh der wollust ihre kräfte Im schweiße deines 7. Ists sünde nur, die that vollbringen? Ist, ders nicht thut, schon tugendhaft? Sollst du nicht auch den trieb bezwingen, Nicht auch den wunsch der leidenschaft? Soll bloß dein äußrer wandel rein, Solls nicht auch deine seele sein? 25* 8. Be 388 Von den Gesinnungen und Pflichten 8. Begierden sind es, die uns schänden, Und die verletzung unsrer pflicht, Auch ohne daß wir sie vollenden. Drum rühme dich der keuschheit nicht, Es sei denn, daß dein herz und geist Der lüste herrschaft sich entreißt. 9. Denk oft den mächtigen gedanken: Die unschuld ist der seele glück. Der halte, fängst du an zu wanken, Dich noch von deinem fall zurück. Dir giebt dein gan= zer lebenslauf Sie nicht zu rück, giebst du sie auf. 10. Drum fliehe vor der wollust pfade! Und lockt dir schmeichelnd ihre bahn, So rufe ernstlich Gott um gnade Und weisheit in versuchung an. Erzittre vor dem ersten fall! Du fällst gewiß mehr als einmal. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 501. Wie mannigfaltig sind die gaben, Womit, Herr! deine huld uns nährt, Und die, so geist als leib zu laben, Uns täglich deine hand gewährt! Auch das, was unser mund ge= nießt, Zeigt uns, wie freundlich, Gott! du bist. 2. Du giebst uns brot für unser leben, und läsfest auch, uns zu erfreun, Die mittel, die uns nahrung geben, So mannigfach erquickend sein. Wie angenehm ist der genuß Bon dem, was uns ernähren muß! 3. Doch laß die kraft, uns zu vergnügen, Die du inspeis und trank gelegt, Mich nie, o Höchster! so besiegen, Daß sie zum schwelgen mich bewegt. Laß. deiner gaben mich zu freun, Mich mäßig im genusfe sein. 4. Mit speis und trank sein herz beschweren, Steht niemals wahren christen an. Dadurch wird das, was uns ernähren und unsern geist erquicken kann, Ein gift, das in die adern schleicht Und frankheit, schmerz und tod erzeugt. 5. Die schwelgerei raubt uns die kräfte Zu dem, was uns die pflicht gebeut; Macht träge zum berufsgeschäfte, Untüchtig zur gottseligkeit; Erweckt unordnung, streit und zank, Erstickt den dir, Gott! schuldgen dank. 6. Wer sich den bauch zum gott erforen, Unmäßig Gottes gabe braucht, Der ist fürs himmelreich verloren, Für das kein knecht der lüfte taugt. Gott! laß mich ja dies laster scheun, Enthaltsam, mäßig, nüchtern sein. 7. So oft ich speis und trank genieße, So laß es mit vernunft geschehn, Und, daß ich beides mir versüße, Mit dank auf dich, den geber, sehn; gegen uns selbst. sehn; Auf dich, der du uns zärtlich liebst, Uns nahrung und erquickung giebst. Chriftliches Verhalten ge= gen zeitliche Güter. Mel. Es ist das heil uns. 502. Nach deinem rath, o Gott! find wir Bestimmt zum fleiß auf erden; Du willst es, daß wir alle hier Einander nüßlich werden. Gieb mir verstand und lust und kraft, Geschickt, treu und gewissenhaft thun, was mir gebühret. 3u 2. Du wollest selbst vor weichlichkeit Und trägheit mich bewahren. Laß nimmer aus gemächlichkeit Mich meine kräfte sparen. Wenn sie erschöpft sind, dann will ich Durch reine, stille freuden mich 3u neuer arbeit stärken. 3. Gieb weisheit, Herr! und laß mich nicht Die zeit mit nebendingen Und mit versäumung meiner pflicht Verschwenderisch verbringen. Nichts kann mein herze mehr erfreun, Als in dem allen treu zu sein, Was du mir auferleget. 389 zu der arbeit munterkeit, Versüßt uns unsre lasten. 5. Laß mich vor dir, Herr! unverrückt mit einem herzen wandeln, Das geiz und ehrsucht nie bestrickt, Gewissenlos zu handeln. Mein leben deinem dienst zu weihn, So nützlich, als ich kann, zu sein: Das sei mir ehr und reichthum. 6. Dir zu gefallen, sei mein ziel Bei, allem, was ich thue. So hat, es gehe, wie es will, Doch mein gewissen ruhe: Denn wer dir, Heiligster! mißfällt, Was nühet dem die ganze welt Mit allen ihren schätzen? 7. Laß mich im zeitlichen beruf, Wozu mich, Herr! auf erden Dein ewig weiser wille schuf, Getreu erfunden werden, So kann ich einst in jener welt, Die höheren beruf enthält, 3u höhern würden steigen. 4. Ein heilger trieb belebe mich, Höchster! meine pflichten In deiner furcht, gestärkt durch dich, Mit freuden zu verrichten. Ein herz, das sich des guten freut, Giebt J Mel. Nun freut euch, lieben. 503. Gott, welcher das vermögen schafft, Das gute zu vollbringen, Giebt auch zur arbeit muth und kraft, Und läßt sie uns gelingen. Wer sie mit Gott nur unternimmt, Wird, was sein vater ihm bestimmt, Durch fleiß und treu erringen. 2. Wer nur zu Gottes ehre lebt, Wer ernstlich nur auf erden 390 Von den Gesinnungen und Pflichten den Zuerst nach seinem reiche strebt Und sucht gerecht zu werden: Den wird er Gottes hand Beglücket seinen fleiß und stand Und giebt ihm, was ihm nützet. 3. Gott ist der frommen schild und lohn; Er krönet fie mit gnade, Daß ihnen keiner feinde hohn Noch list und misgunst schade. Mit seinem schutz bedeckt er sie, Erleichtert ihres lebens müh Und stärket ihre hoffnung. 4. Hilf mir, o Gott! daß ich auf dich Bei meiner arbeit schaue! Mit licht und weisheit segne mich, Daß ich dir stets vertraue! Nach dem, was mir dein wort gebeut, Nach deines reichs gerechtigkeit Laß mich vor allem trachten! 5. Laß müßiggang und trägheit mich, Weil du sie hasfest, meiden; Thun, was du willst, gestärkt durch dich, Gehorsam und mit freuden: Daß ich in meinem stande treu, Dem nächsten darin nüßlich sei Und dir zur ehre lebe! 6. Sei überall, mein Gott, mit mir! Die werke meiner hände Befehl ich, o mein Vater! dir, Bis ich fie selig ende; Damit, zu deines namens preis, Einst mir die frucht von meinem fleiß In deinen himmel folge. Me Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 504. Herr! laß mich doch Mein zeitlich gut verwalten. Gieb selbst mir weisheit, giebmir kraft, Damit so haus zu halten, Wie es mir nützt und dir gefällt: Damit ich nicht in jener welt An ewgen gütern darbe. 2. Mein hab und gut kommt ja von dir Und deinem milden segen. Nicht mir zum fallstrick gabst du mir Mein zeitliches vermögen. Du gabst es mir zum wahren wohl; Drum gieb, Herr! daß ichs, wie ich soll, Nach deiner vorschrift brauche. 3. Was ist das mir geschenkte gut? Vergänglich und von erde. Hilf, daß ich nie zum übermuth Dadurch verleitet werde! Nie reiß ein irdischer gewinn Mein herz so weit zum eitlen hin, Daß ich mein heil vergesse. 4. Was hülfe mir die ganze welt Mit allen ihren schätzen, Verführt mich zeitlich gut und geld, Sorglos hintan zu setzen, Was meiner seelen heil begehrt Und mir ein ewges glück gewährt; Wie strafbar würd ich handeln! 5. Mein größtes trachten sei allhier Nach deines geistes gaben. Wie reich bin ich, o Gott! in dir, Wenn ich nur die kann haben! Besiß ich, Höch 391 mir nicht; Allzu arm und allzu reich Ist nicht gut, macht beides gleich Sorglos für dein himmelreich. b gegen uns selbst. Höchster! deine huld; Bin ich voll glauben und geduld: Was fehlt dann meinem glücke? 6. Den geiz laß ferne von mir sein, Die wurzel alles bösen. Von sünden und gewissenspein Kann reichthum nicht erlösen. Er hilft in to desstunden nichts Und nichts am tage des gerichts; schützt er keinen fünder. Da 7. Gieb mir die weise sparfamkeit, Nicht güter zu verschwenden, Die du mir gabst, um in der zeit Sie nützlich anzuwenden. Gieb mir die Klugheit, daß ich hier Dadurch dem nächsien, so wie mir Des lebens müh erleichtre. 8. Es kommt ein tag der rechenschaft; Das laß mich stets erwägen: So brauche ich gewissenhaft Den mir vertrauten ſegen; Damit ich in der ewigkeit Noch von den gütern dieser zeit Den reichsten segen ernte. 3. Laß mich aber, o mein heil! Nehmen mein bescheiden theil, Und bescheere mir zur noth Täglich hier mein ehrlich brot. Wenig, wobei froher muth Und ein gut gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes gut. 4. Sonst möcht ich im überfluß Bei dem reichlichen genuß Dich verleugnen und mit spott Fragen: wer ist herr und Gott? Wenn das herz wird frechheit voll, Weiß es nicht, weil ihm so wohl, Wie es sich erheben soll. 5. Aber wird der mensch zu bloß, Seine armuth drükkend groß, Wird er untreu, stiehlt und stellt Nach des nächO sten gut und geld: wie gar zu leicht vergißt Er dann dich, braucht ränk und lift, Fragt gar nicht, was chriftlich ist. 6. So entferne denn von Mel. Singen wir aus herzensgr. 505. 3weierlei bitt ich mir, Was mich scheiden kann von dir, 3weierlei verleihe mir, Du, der uns aufs höchste liebt, Allen gern und weislich giebt. Jedes gute kommt von dir, Bater! so gieb dies auch mir, Weil ich annoch lebe hier. von dir: Armuth, die verzweiflung lehrt; Reichthum, der das herz beschwert! Das ist, Vater! ja dein will Und auch meiner wünsche ziel: Nicht zu wenig, nicht zu viel! Mel. Jesus, trost der armen. 2. Gieb, daß ferne von mir sei Lügen und abgötte- 506. Warum sollt ich rei, Armuth, da zu viel gebricht, Großen reichthum gieb mich denn grämen? 392 Von den Gesinnungen und Pflichten men? Hab ich doch Christum noch; Wer will mir den nehmen? Wer will mir den himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im glauben? 2. Nackend lag ich auf dem boden, Da ich kam, Da ich nahm Meinen ersten odem; Nackend werd ich auch hinziehen, Wenn ich werd Von der erd Als ein schatten fliehen. 3. Gut und blut, leib, seel und leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich kehren, Nehm ers hin; Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und pein: Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten tagen Oft ergeßt: Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und straft mit maßen; Er, mein licht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, welt und ihre rotten können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß fie lachen: Gott, mein heil, Kann in eil Sie zu schanden machen. 7. Unverzagt und ohne grauen Soll ein christ, We er ist, Stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der tod aufreiben, Soll der muth Dens noch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern geist Aus viel tausend nöthen; Schließt das thor dem bittern leiden Und macht bahn, Wo man kann Gehn zu himmelsfreuden. 9. Da soll ich an Christi schätzen Geist und herz, Auf den schmerz, Ewiglich ergehen. Hier ist kein recht gut zu finden; Was die welt In sich hält, Muß wie rauch verschwinden. 10. Was sind dieses le-. bens güter? Eine hand Voller sand, Kummer der gemüther. Dort, dort sind die edlen gaben, Wo mein hirt Christus wird Michy ohn ende laben. 11. Herr! mein hirt, brunn aller freuden! Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein leben Und dein blut, Mir zu gut, In den tod gegeben. ich 12. Du bist mein, weil dich fasse Und dich nicht, mein licht! Aus dem herzen lasse. Laß mich, laß mich hin gelangen, Wo du gegen du mich Und ich dich Lieblich werd umfangen. Mel. Herr, deine allmacht reicht. 507. Wohl dem, der beßre schätze liebt, Als schätze dieser erden! Wohl dem, der sich mit eifer übt, An tugend reich zu werden, Und in dem glauben, deß er lebt, Sich über diese welt erhebt! 2. Wahr ist es, Gott verwehrt uns nicht, Hier güter zu besitzen; Er gab sie uns und auch die pflicht, Mit weisheit sie zu nüßen; Sie dürfen unser herz erfreun Und unsers fleißes antrieb sein. uns selbst. 393 6. Um wenig vortheil wird er schon Aus dir mit meineid sprechen, Dich zwingen, der arbeiter lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der waisen flehn, Der wittwen thränen widerstehn. 7. Wie könnt ein herz, vom geize voll, Des wohlthuns freuden schmecken; Wo es bedrängten helfen soll, 3um mitleid sich erwecken? Und wo ist eines standes pflicht, Die nicht der geiz entehrt und bricht? 8. Erhalte mich, o Gott! dabei, Daß ich mir gnügen lasse, Geiz ewig als abgötterei Von mir entfern und hasse. Ein weises herz und guter muth Sei meines le= bens größtes gut! 3. Doch nach den gütern dieser zeit Mit ganzer seele schmachten; Nicht erst nach der gerechtigkeit Und Gottes reiche trachten: Ist dieses eines menschen ruf, Den Gott zur ewigkeit erschuf? 4. Der geiz erniedrigt unser herz, Erstickt die edlen triebe. Die liebe für ein schimmernd erz Verdrängt der tugend liebe und machet, der vernunft zum spott, Ein elend gold zu seinem gott. 5. Der geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich kein gut genieBen; Er quält durch habsucht deinen geist Und tödtet dein gewissen, und reißt, durch schmeichelnden gewinn, Dich blind zu jedem frevel hin. Mel. Gott, du frommer. 508. Laß mich doch nicht, o Gott! Den schätzen dieser erden So sehr ergeben sein, Daß sie mein abgott werden! Oft fehlt beim überfluß Doch die zufriedenheit! Und was ist ohne sie Des lebens herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich gut Auch unsre wünsche stillen? Es steht ja sein besitz Nicht bloß in unserm willen; Nicht stets wirds dem zu theil, Der ängstlich danach ringt, Und schnell verlierts oft der, Dem sein bemühn gelingt. 3. Ein 394 Von den Gesinnungen und Pflichten 3. Ein gut, das unsern geist Wahrhaftig soll beglücken, Muß nicht vergänglich sein, Muß für den geist sich schicken. Der thor hat geld und gut, Er hats und wünscht noch mehr; Doch immer bleibt sein herz Von wahrer ruhe leer. 4. D Gott! so wehre doch Der habsucht niedern trieben Und heilige mein herz, Nie geld und gut zu lieben, Das man mit müh gewinnt, Bald schwelgerisch verzehrt, Bald unruhvoll bewacht Und bald mit fluch vermehrt. 5. Ein weises, frommes herz, Das sei mein schatz auf erden! Sonst alles, nur nicht dies, Kann mir entrissen werden; Das bleibt im tod auch mein Und folgt mir aus der zeit 3um seligsten gewinn Bis in die ewigkeit. 6. Wenn dies mir fehlt, was sind Die herrlichsten vergnügen? Nur süße träume sinds, Die unsern geist begeist betrügen. Drum lenke, Gott, den wunsch Vom irdischen gewinn, Durch deines geistes kraft, 3u ewgen gütern hin. Der ehre mich zu freun, Die Und ewiglich vor dir besteht mit mir von der erde Zum himmel übergeht. 2. Nie blende mich der.schimmer Des ansehns vor der welt: Denn der ist doch nicht immer Ein mensch, der dir gefällt, Der titel, rang und würden hat; Und wer damit sich brüstet, Ist fern vom tugendpfad. 3. Nicht im besitz von schätzen Und gütern dieser zeit Laß meinen ruhm mich setzen; Sie sind doch eitelkeit, Sind oftmals auch des thoren glück, Verlassen uns im sterben Und bleiben hier zurück. 4. Laß mich in demuth leben, Wenn mich die welt verehrt, Durch stolz mich nie erheben ,. Wenn sich mein ansehn mehrt; Und schenkst du mir der erde gut, Vater! so bewahre Mich auch vor übermuth. 5. Dich kennen, meine pflichten Mit treu und redlichkeit Gewissenhaft verrichten, Wie mir dein wort gebeut Und überall mein christenthum Nach Jesu vorbild üben: Das sei mein wahrer ruhm. 6. Dein beifall ist das beste, Was ich mir wünschen kann. Wenn ich mich deß getröste, Christliche Ehrliebe. Mel. Wenn meine sünd'n mich. 509. Herr! laß nach So hab ich gnug daran, eitler ehre Mich niemals geizig sein. Gieb, Wenn mir es auch an ruhm der welt, Bei allen guten thadaß dein geist mich lehre, ten, Die ich verrichte, fehlt. 7. Nie gegen uns selbst. 395 Manch freudig lob erschalle, Den nächsten zu erbauen. 7. Nie laß mich ruhm mehr von meinen lippen dir erschmeicheln, Der mir doch nicht gehört; Nie als ein gleisner heucheln, Den menschengunst bethört. Im stillen mich der pflicht zu freun, Und andrer glück zu fördern, Laß mein bestreben sein. 3. Bewahre, Gott! mein ohr, daß ich nicht gern auf spötter höre, Damit in meinem glauben mich Ihr frecher mund nicht störe. Hilf, daß kein witz der lästersucht Mir ohr und herz vergifte, Noch jemals, wie er tückisch sucht, Durch mich unfrieden stifte, Nie mich zur schmähsucht reize. 8. Auf dieser bahn der ehre Erhalte meinen gang, Durch deines sohnes lehre, Mein ganzes lebenlang; So werde ich vor dir bestehn, Und meinen guten namen Genug gesichert sehn. 4. Die augen, Gott! bewahre mir Bor unverschämten blicken Und vor unzüchtiger begier, Die unschuld zu bestricken. Laß mich den schmuck der sittsamkeit Weit über alles schätzen. Was reiner engel aug erfreut, Das sei auch mein ergetzen; Was du liebst, mein bestreben! Rechter Gebrauch der Seelen- und Leibeskräfte. Mel. Es wolle Gott uns gnäd. 510. Der du verstand und tugend schenkst, Gott, Vater meines lebens! Wo du nicht thun und lassen lenkst, So leb ich hier vergebens; Denn, wen dein geist nicht nicht neu gebiert, Der bleibt der sünd ergeben, und wen die sünde noch regiert, Der ist zum rechten leben Noch nicht hindurch gedrungen. 2. Drum neig, o Gott! dich väterlich Zu deinem schwachen kinde. Gieb mir ein frommes herz, daß ich Entsage jeder sünde. Bewahre meinen mund, daß mir kein schlüpfrig wort entfalle, Biel5. Behüte mich vor schwelgerei, Die leicht das herz beschweret; Vor trunkenheit, die ohne scheu Schandthaten, üben lehret. Die lust, die bloß den leib ergeht, Verdirbt auch fromme herzen, Und was die welt für freude schätzt, Bringt nachreu, elend, schmerzen und stürzet ins verderben. શાક 6. Hilf, daß mein geist nichts lieber hört, Nichts lie: ber spricht und denket, Als was den glauben stärkt und nährt, Und luft zum guten schenket, Was mich zu jenem leben 396 Von den Gesinnungen und Pflichten lift Den nächsten hintergehet! leben bringt, Wo man bei der mit falschheit und mit dir stets lebet, Dein lob mit allen engeln singt, Den heiland sieht, erhebet, Und ihm sich ähnlich schauet. 5. Gott! schaff in mir ein reines herz, Und laß mich spöttereien, Schandbare worte, frechen scherz Gewissenhaft stets scheuen. Was züchtig, keusch und lieblich ist, Laß mich stets reden als ein christ, 3u rechter zeit auch schweigen. Mel. Es ist gewißlich an der. 511. Die zunge, die vernehmlich spricht, Hat dir dein Gott gegeben. Welch ein geschenk! mißbrauch sie nicht; Sie bringet tod und leben. Sie ists, womit man lobt und schmäht. Ach Gott! erhöre mein gebet! Laß mich ſie recht gebrauchen. 2. Laß erst in meines herzens grund, Herr! deine Beständig Herr! deine furcht stets wohnen; Gewissenhaft wird dann mein mund Der wahrheit rechte schonen, Und wohl dem, der von schmeichelei, Von läftrung und verstellung frei, Nicht mit den lippen fündigt! 3. Auf deinen ruhm und andrer wohl Laß meinen sinn sich lenken, Und dies laß, wenn ich reden soll, Mich auch mit ernst bedenken. Dein lob, o Gott! des nächsten nuß, Der tugend ruhm, der unschuld schutz Beschäftge meine zunge. 4. Weh dem, der seinen Gott betrübt Mit falschheit und mit lügen! Weh dem, der falsche tücke liebt, Und dessen worte trügen! Dem fluch und schwur gewöhnlich ist, Und Wider unsere sündlichen Lüfte. Mel. Es ist gewißlich an der. 512. Herr! weil dir niemand ohn gebet Beständig kann anhangen: So gieb, daß ich oft vor dich tret, Die gnade zu erlangen, Und so mein ganzes christenthum Des nächsten nut; nächst deinem ruhm, Und auch mein heil befördre. 2. Gieb mir des geistes freudigkeit, Daß ich dadurch verachte Geld, ehr und wollust dieser zeit, Das ewige betrachte. Ach, nimm mich mir, und gieb mich dir, Daß ich dir leb, und sterbe mir Und meinen bösen lüften. 3. Des fleisches und des geistes krieg Währt fort bei jung und alten. Laß mich doch immerdar den sieg Durch deine kraft erhalten. Herr! stärke mich und mach mich neu, Daß ich stets unverdrossen sei, An diesen streit zu treten. 4. Bor 397 lust einschenken. 3orn, angst und trübsal ohne maß Erfolgen dort ohn unterlaß Auf kurze lust und freude. 8. Laß mich allzeit vorsichtig sein, Mit wem und wie ich wandle: Daß ich halt mein gewissen rein In allem, was ich handle, Und achte keines menschen gunst, Wenn mich die welt durch ihre kunst Von dir zu sich will ziehen. 9. Gieb dem versucher nimmer zu, Mich irgend zu verletzen Und meine seel aus ihrer ruh Aufs neu in noth zu setzen. Wenn sich versuchung zu mir wend't, Laß sie gewinnen so ein end, Daß ich es könn ertragen. 10. Verleih, o Vater! gnädiglich, Daß es ja mag geschehen, Was ich, dein kind, jetzt bitte dich Mit seufzen 7. Gieb, daß ich oft der und mit fleben; Hilf, wenn höllen qual Dagegen mag mir alle hilf zerrinnt, Daß bedenken, Wie man den zorn- ich doch fröhlich überwind kelch werd einmal Für böse In Jesu Christi namen. gegen uns selbst. 4. Vor stolz und ehrgeiz mich behüt, Daß sie nicht funden werden In meinem herzen und gemüth, In worten und geberden; Denn hoffahrt war des teufels fall; Drum hilf, Herr! daß ich über all Fest an der demuth halte. 5. Die sorg der nahrung nimm von mir. Laß mich nicht mehr begehren, Als was ich nöthig habe, hier Mich ehrlich zu ernähren; Daß ich auch keinen zweifel hab, Du werdest mich bis in mein grab Mit unterhalt versorgen. * 6. Herr! gieb mir gnade, daß ich dämpf Des fleisches bösen willen, Und wider mich ja selber kämpf, Die lust nicht zu erfüllen, Wenns gleich nur in gedanken wär; Hilf auch, daß ich mich nicht beschwer Mit essen oder trinken. 7. Von den Gesinnungen und Pflichten gegen den nächſten. Nächstenliebe überhaupt. Guren nächsten sollet ihr Als euch selbst von herzen lieben! Christen! was Gott hier ge513. Allen menschen und beut, Sei uns heilig allezeit! Mel. Jesus, meine zuversicht. auch mir Hat der herr dies vorgeschrieben: 2. Wir sind bürger einer welt, Kinder eines vaters, brü 398 Von den Gesinnungen und Pflichten brüder, Die er huldreich all erhält, Alle eines leibes glieder, Die sein weiser allmachtsruf Sich zur ehr und dienst erschuf. 3. Eine sterbliche natur Hat er allen uns gegeben, Und auch eine hoffnung nur, Hoffnung auf ein beßres leben, Wovon Gott nur den ausschließt, Der nicht glaubt und lieblos ist. 4. Und wir sollten uns entzwein? Lieblos uns einander hassen? Uns, zu unsrer eignen pein, Stolz und neid beherrschen lassen? Wer kein freund des nächsten ist, Ist fürwahr kein mensch, kein christ. 5. Was wir auch aus Gottes hand 3um voraus vor andern haben, Ansehn, reichthum, hoher stand, Leibeskräfte, geistesgaben; Alles dies befreit uns nicht Von der menschenliebe pflicht. 6. Selbst der gaben unterschied Dient zum allgemeinen besten, Wenn nur jeder sich bemüht, Von dem kleinsten bis zum größten, Andern und nicht sich allein Nützlich, wie er kann, zu sein. 7. Darum gieb uns, Gott! ein herz Voll von wahrer menschenliebe, Das an andrer freud und schmerz Antheil nehm und gerne übe, Was hier Jesus bis zum tod tod Selber übte und gebot. 8. Diesem großen menschenfreund Laßt uns alle ähnlich werden: Daß wir, hier mit ihm vereint, Nach vollbrachtem lauf auf erden, Einst auch ewig bei ihm' fein, Seiner lieb uns ganz zu freun. Mel. Herr, deine allmacht reicht. 514. So jemand spricht: ich liebe Gott, Und haßt doch seine brüder, Der treibt mit Gottes wahrheit spott Und handelt ganz dawider. Gott ist die lieb und will, daß ich Den nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wir haben einen Gott und herrn, Sind eines leibes glieder. Drum diene deinem nächsten gern: Denn wir sind alle brüder. Gott schuf die welt nicht bloß für mich; Mein nächster ist sein kind, wie ich. 3. Sein heil ist unser aller gut. Ich sollte brüder haffen, Die Gott durch seines sohnes blut So theur erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich versühnt, Hab ich dies mehr als sie verdient? A 4. Du schenkst mir täglich so viel schuld, Du, Herr von meinen tagen! Ich aber sollte nicht geduld Mit meinen brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, gegen den Nächsten. giebst, und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den menschen hier gethan, Dem kleinsten auch von diesen, Das siehst du, mein Erlöser! an, Als hätt ichs dir erwiesen. Und ich, ich sollt ein mensch noch sein Und dich in brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist und nicht Die rettet, die ihm flehen; Drum gieb mir, Gott! durch deinen geift Ein herz, das dich durch liebe preist. Mel. Alles, was mir Gott. A. M. 515. Sollten menschen, meine brüder, Mir, mein Gott! nicht theuer sein? Sollt ich sie nicht gern erfreun? Sind nicht alle christen glieder Dessen, der für alle starb, Allen Gottes huld erwarb? 399 Um vergebung bat, die laft, Welche du getragen hast, War die last der übertreter; Doch warst du von rache fern, Duldetest, vergabest gern. 5. Wenn mein herz, vom hang zur sünde Hingerissen, dich verkennt Und zu haß und rach entbrennt, Hilf dann, daß ich überwinde Meinen haß, und laß mich sehn In den tod für uns dich gehn. 6. Wie dir deine thränen flossen, Als dein aug um mich geweint! Wie du, großer menschenfreund! Auch für mich dein blut vergossen; Wie du starbst, mich zu erfreun: Das laß mir vor augen sein. 7. Gieb es mir so zu erkennen, Daß ich thu, wie du gethan. Wer nicht liebt, geht dich nicht an, Ist kein glied von dir zu nennen, Ist dem Gott der lieb ein gräul Und verscherzt sein eignes heil. 8. so hilf mir, daß ich übe, Was dein wille mir ge= beut: Nachsicht, beut: Nachsicht, sanftmuth, gütigkeit; Daß ich, wie du liebest, liebe, Innig liebe, milde, treu, Und leicht zu versöhnen sei! 9. Ja, ihr meines Jesu glieder, Der für alle lebt und starb, Allen gnad und huld erwarb, Lieben will ich euch, ihr brüder! Für euch beten, euch erfreun, Wohl= thun, dulden und verzeihn. 2. Alle sind wir eines stammes, Gleich an dürftiger natur; Allen hilft ein opfer nur Des unschuldgen gotteslammes; Und dieselbe seligkeit Ist für alle gleich bereit. 3. Gottes kinder sollt ich hassen, Lieblos, unbarmherzig sein? Meinem feinde nicht verzeihn? Keine schulden ihm erlassen? Gott! nicht fürchten dein gericht? Dein erbarmen achten nicht? 4. Ja du, der für übelthäter Mel. 400 Von den Gesinnungen und Pflichten selber bist Und gern uns menschen segnest, Ja selbst dem, der dein feind doch ist, mit wohlthun noch begegnest; O bilde meinen sinn nach dir Und laß mich doch, mein Heiland! hier, Wie du gewandelt, wandeln! Die können keine christen fein, Die sich nicht andrer wohlfahrt freun Und menschenfeindlich handeln. Mel. Herr Gott, der du erforsch. bild sehen! Erfülle mich mit 516. Der du die liebe Luft und kraft. Dem nächsten beizustehen, Betrübter herzen trost zu sein, Mich mit den fröhlichen zu freun, Mit weinenden zu klagen. Dem, der sich in verlegenheit Mir anvertraut, laß redlichkeit Und treu mich nie versagen. 2. Dein leben in der sterblichkeit War für die menschen segen; Dir folgten lieb und freundlichkeit Auf allen deinen wegen. Wohin du gingst, ging wohlthun mit; Dein wort, dein werk und jeden schritt Begleitete erbarmen. Du übernahmest schmach und pein, Uns vom verderben zu befrein, Und starbst, zum heil 5. Laß mich mit brüderlicher huld Des nächsten fehler decken Und ihn durch sanftmuth und geduld 3ur besserung erwecken, Und sündiget er gegen mich, So freue meine seele sich, Ihm willig zu vergeben; So werd ich dich, Herr Jesu Chrift! Der du die liebe selber bist, Aufs würdigste erheben. uns armen. 3. Auch jetzt noch auf der himmel thron Bist du das heil der fünder; Auch da bleibst du, o Gottes Sohn! Ein freund der menschenkinder. Du schaffst den deinen wahre ruh, Und die verirrten suchest du Auf rechten weg zu leiten. Du hörst der seufzenden gebet Und braucheft deine majestät, Nur segen auszubreiten. 4. O laß in meiner pilgrimschaft Mich auf dein vorMel. Ach Gott, vom himmel. 517. Wenn ich mit mehr als menschenkraft, Wenn ich wie engel red'te, Der jünger Jesu wissenschaft Und wundermacht selbst hätte, Und hätte doch kein liebreich herz: Was wär ich? nur ein tönend erz, Nicht Jesu wahrer schüler. 2. Gäb ich mein ganzes eigenthum Den dürftigen und armen Und thäte dies aus trieb nach ruhm, Nicht aber aus erbarmen; Ließ ich, doch ohne liebe, mich Für sie auch brennen: was könnt ich Das durch für mich gewinnen? 3. Die wahre lieb ist langmuth gegen den Nächsten. 401 muthvoll, Wohlthätig und Mel. Herr, deine allmacht reicht. gefällig, Hilft willig, wo sie 518. Wer dieſer erden helfen soll, Nie hart noch ungesellig; Sie hasset streit und bitterkeit, Kennt weder eifersucht noch neid, Thut gern, was andre freuet. güter hat Und sieht die brüder leiden, Und macht den hungrigen nicht satt, Läßt nackende nicht kleiden: Der ist ein feind der ersten pflicht Und hat die liebe Gottes nicht. 4. Sie, die nie aufgeblasen ist, Ehrt alle, strebet, ihnen, Entfernt von eigennut und lift, Wo sie nur kann, zu dienen. Langsam zum zorne, hört sie nicht, Was bosheit und verleumdung spricht, Kehrt alles gern zum besten. 5. Sie freut sich nie des unrechts, freut Sich bloß des rechts und liebet, Was wahr und gut ist, und verzeiht, Wenn jemand sie betrübet; Sie, zum erbarmen bald er= weicht, Glaubt gern das beste, hoffet leicht, Kann alles unrecht dulden. 6. Wenn andre gaben kurze zeit Und nur dies leben währen; So bleibt die lieb in ewigkeit, Und wird sich noch vermehren. Wenn wir uns einst vor Gott erfreun, Wird jeder durch die lieb allein Vollkommen selig werden. 7. Du machtest, Jesu! selber dich 3um vorbild wahrer liebe. Dir will ich folgen: gieb, daß ich Die lieb am nächsten übe; Daß ich in allem, wo ich kann, Barmherzigkeit an jedermann, Wie ich mir wünsch, erweise. M. A. 2. Wer seines nächsten ehre schmäht Und gern fie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein feind vergeht, Und nichts zum besten kehret, Nicht dem verleumder widerspricht, Der liebt auch seinen bruder nicht. 3. Wer zwar mit rath, mit troft und schutz Den nächsten unterstützet, Doch nur aus stolz, aus eigennut, Aus weichlichkeit ihm nüßet, Nicht aus gehorsam, nicht aus pflicht: Der liebt auch seinen nächsten nicht. 4. Wer harret, bis, ihn anzuflehn, Ein dürftger erst erscheinet, Nicht eilt, dem armen beizustehn, Der im verborgnen weinet, Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht: Der liebt auch seinen nächsten nicht. 5. Wer andre, wenn er sie beschirmt, Mit härt und vorwurf quälet, Und ohne nachsicht straft und stürmt, Sobald sein nächster fehlet: Wie bleibt bei seinem ungestüm Die liebe Gottes wohl in ihm? 26 6. Wer Von den Gesinnungen und Pflichten 402 6. Wer für der armen heil und zucht Mit rath und that nicht wachet, Dem übel nicht zu wehren sucht, Das viele dürftig machet, Nur sorglos ihnen gaben giebt: Der hat sie wenig noch geliebt. 7. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die that zu lieben; Doch du bist nur geneigt, die pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die kraft dazu, Und sorgst dafür; so liebest du. 8. Ermattet dieser trieb in dir; So such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die lieb, und mir Hat er sein bild gegeben. Denk oft: Gott! was ich bin, ist dein, Sollt ich, wie du, nicht gütig sein? Mel. Herr Christ, der eingeb. 519. Du wesentliche liebe, Gott Bater, Sohn und Geist! Gieb, daß ich lieb ausübe, Wie mich dein wort anweist; Wie Christus hat geliebet Bis in den tod, das giebet Uns recht der liebe bild. 2. Gieb, daß ich nicht am freunde Allein die lieb ausüb, Nein, auch an meinem feinde Erweise treue lieb, Ihm gutes wünsch und gönne, Und trachte, wo ich könne, 3u helfen mit der that.. 3. Laß mich des nächsten schaden Verhüten, wo ich kann; Ist er mit noth beladen, Mich seiner nehmen an; Mit rath und that bemühen, Ihn aus der noth zu ziehen, Aus leibs- und seelennoth. 4. Laß seine noth mich schmerzen, Wie meine eigne noth. Die liebe geh von herzen, Lieb ihn bis in den tod, Erkalte nie, vermehre Sich gegen ihn, und währe In alle ewigkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott. 520. Gieb mir, o Gott! ein herz, Das jeden menschen liebet, Bei seinem wohl sich freut, Bei seiner noth betrübet; Ein herz, das eigennuß und neid Und härte flieht, Und sich um andrer glück Wie um sein glück bemüht. 2. Seh ich den dürftigen, So laß mich liebreich eilen, Von dem, was du mir giebst, Ihm willig mitzutheilen. Laß mich nicht gutes thun, Groß vor der welt zu sein Und mich verehrt zu sehn; Nein, menschen zu erfreun. 3. Dies sei mein gottesdienst. Auch unbemerkt von ihnen, Soll andern stets mein herz Mit rath und hilfe dienen. Mich treibe nicht erst dank 3u milder wohlthat an; Nein, was ich brüdern thu, Das sei dir, Gott! gethan. 4. Gin trunk, mit dem mein dienst Dem dürftigen begegnet; Ein blick voll troft, gegen den Nächsten. 403 Sm trost, mit dem Mein herz Herr! meiner seele triebe, bedrängte segnet; Ein rath, mit dem mein mund kummer andre stärkt; Nichts bleibt, so klein es ist, Von dir, Herr! unbemerkt. Durch deine lieb und furcht, 3u wahrer menschenliebe. Wer nicht den nächsten liebt, Geht nicht zum himmel ein: Laß diese wahrheit mir, Gott! stets vor augen sein. 5. Sucht ein boshaftes Herz Unfrieden anzurichten: So laß mich sorgsam sein, Der brüder zwist zu schlichten. Aus schmähſucht störe nie Mein mund des nächsten Sorge für des Nächsten Seelenheil. Mel. Es ist gewißlich an der. ruh; Er rühme sein ver= 521. Gott! meines nächdienst, Deck seine fehler zu. sten bestes theil 6. Die rach ist dein, o Gott! Du sprichst: ich will vergelten; Drum laß mich stille sein, Wenn menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeih, Der mir zu schaden sucht, Den liebe, der mich hast, Den segne, der mir flucht. 7. Doch laß mich nicht allein Auf zeitlichs wohlergehen mit eingeschränktem blick Bei meinem nächsten sehen. Noch stärker müsse mich Sein ewoges glück erfreun; Noch mehr sein seelenheil Mir angelegen sein. 8. Den, der im glauben wankt, 3u leiten und zu stärken; Den, der noch sicher ist Bei seinen bösen werken, Von der verkehrten bahn Des lasters abzuziehn: Dazu verleih mir kraft Und segne mein bemühn. 9. heilige du selbst, Laß mich stets theuer achten Und auch nach seiner seele heil Mit lieb und sorgfalt trachten. Du schufft sie zur unsterblichkeit und hast sie selbst zur seligkeit Durch deinen sohn erlöset. 2. 3um irrthum, zur verschlimmerung, 3u sünd und eitelkeiten, Durch list, durch zwang und anreizung Den schwachen zu verleiten; Durch that und böses beispiel ihn In laster und in elend ziehn: Gott! welch ein verbrechen! 3. Laß mich nach seiner besserung Im glauben und im leben, Durch rath und durch erinnerung, Durch lehrreichs beispiel streben; Ihm achtung für religion Und liebe gegen deinen sohn Fest suchen einzuprägen. 4. Je mehr du mir gelegenheit und fähigkeiten giebest; Je mehr laß mich mit 26* red= 404 Von den Gesinnungen und Pflichten redlichkeit Die seelen, die du liebest, 3u retten auch befliffen sein Und nicht verdruß, nicht arbeit scheun, Dir, Gott! sie zuzuführen. 5. Giebst du mir kinder, Herr mein Gott! Giebst du mir hausgenossen: Laß mich dein recht und dein gebot Sie lehren unverdrossen. Du gabst sie mir, und deine hand Wird dies mir anver= traute pfand Von mir einst wieder fordern. 6. Kann ich kein zeitlich glück und gut Den meinigen erwerben; So laß sie doch das größte gut, Gottseligkeit, ererben. Hilf, daß ich dir sie, Gott! erzieh, Selbst sünd und laster eifrig flieh Und stets behutsam wandle. 7. Gott! hab ich eine seele je Geärgert und verblendet, Durch leichtsinn oder bosheit sie Bon dir, Gott! abgewendet; Ward irgendwo durch meine schuld Ein mensch verlustig deiner huld: So gieb, daß ichs bereue. 8. Erbarmer! Vater! ja verzeih Mir diese große sünden. Laß mich, laß ihn auf wahre reu Vergebung vor dir finden. Führ ihn zurück zur heiligung; Laß mich durch eigne besserung Ihn stärken und erbauen. A Sorge für des Nächsten Leib und Leben. Mel. Nun ruhen alle wälder. 522. Dein, Gott! ist un ser leben; Denn du hasts uns gegeben, Du nimmst dich seiner an. Dies leben will ich nüßen, An mir und andern schützen, So lange und so gut ich kann. 2. Selbst feinden will ichs gönnen, Daß sies verlängern können, und mich darüber freun; Wills keinem je verkürzen, Es in gefahr nie stürzen Und aus gefahren es befrein. 3. Beglückt durch deinen segen, Will ich des kranken pflegen, Erleichtern ſeinen schmerz. Unglücklichen in nöthen Nicht helfen, hieße tödten: Davor bewahre, Gott! mein herz. 4. Sind wir nicht alle brüder, Nicht alle Christi glieder, Nicht all', o Vater! dein? Wie kann ich sie verachten, Sie darben sehn und schmachten Und fühllos, hart und grausam sein? 5. Nein, Gott! ich will die armen Erquicken, voll erbarmen Des blinden auge sein. Kann ich die unschuld schützen, Das gute unterstützen, So will ich mich von herzen freun. 6. Macht es mir gleich oft fummer, Raubt es mir man= gegen den Nächsten. manchen schlummer, Ift undank oft der lohn; So solls mich nie ermüden. Was that zu unserm frieden, Für uns undankbare, dein sohn! Theilnehmung an anderer Wohlfahrt. Mel. Alle welt, was lebt und. 523. Laffet uns einander lieben, Gern einander glücklich sehn, Keinen kränken und betrüben, keinen drücken, keinen schmähn, Aller zwietracht, alles streits Feinde sein: denn Gott gebeuts. 2. Laßt uns halten treu und glauben, Fliehn, was andern schädlich ist; Arm und schwache nicht berauben Durch gewalt, betrug und list. Welch ein grăul vor Gott ist nicht Falsches maß und falsch gewicht! 3. Laßt uns nie, was wir versprechen, Widerrufen, weils uns reut; Nie, was zugesagt ist, brechen, Oder schänden unsern eid; Von betrug und tücken rein, Lieber arm, als treulos sein. 405 belohnen, Wies uns unser Gott belohnt, Und der brüder fehler schonen, Wie der herr auch unser schont. Ach! er schont mit großer huld, Nachsicht, langmuth und geduld. 4. Hassen laßt uns alle lügen, Alle schmähsucht, jeder sei Offenherzig und verschwiegen, In der freundschaft fest und treu; Jeder nehme, wo er kann, Der verleumdeten sich an. 5. Laßt das gut uns gern 6. Also laßt, von Gott getrieben, uns einander gern und treu Und als seine kinder lieben, Ohne zwang und heuchelei. O wie selig werden wir Dann nicht werden dort und hier! Barmherzigkeit und Mildthätigkeit. Mel. Mein Gott, ich bin jetzt. 524. Seid barmherzig, menschen! höret, Hört das heilige gebot, Das uns Jesus Christus lehret: Seid barmherzig! seids wie Gott! Gebt, so wird auch euch gegeben, Was euch noth ist, heil und leben! 2. So viel menschen, so viel brüder; Denn nur Gott ists, der uns schuf. Alle sind wir Christi glieder; Allgemein ist Gottes ruf. Seine sonne läßt er scheinen Auch den bösen, wie den seinen. 3. Gleicht dem vater im erbarmen! Seid barmherzig, seids wie er! Gebt den dürftigen und armen! Was ihr gebt, empfängt der herr. Helft und eilt, auch ungese en! Euren brüdern beizustehnh 4. Hilf 406 Von den Gesinnungen und Pflichten 4. Hilfreich zu bedrängten eilen, Sie beschützen und erfreun, Kummer lindern, wunden heilen, Wohlthun, trösten und verzeihn Und dies ohne stolz verrichten: Was für edle, große pflichten! 5. Herr! wir geben von dem deinen, Was wir geben; laß uns nie Fühllos sein, wo menschen weinen! Unser mitleid tröste sie; Daß, wenn wir zu dir uns nahen, Wir auch trost und hilf empfahen! Mel. Mein Gott, ich bin jetzt. 525. Wohlzuthun und mitzutheilen, Christen, das vergesset nicht! Mitleidsvoll und willig eilen, Urmen beizustehn, ist pflicht; Pflicht, die Jesus selbst uns lehret, Und die Gott den höchsten ehret. 2. Speiset die, die hunger leiden, Und die durstig sind, erquickt. Eilt, die nackenden zu kleiden; Tröstet, die ein christ! Hoheit ist es, ruhm und würde, Wenn du mild und hilfreich bist. Welch ein ruhm für dich erlösten: Arme brüder Jesu trösten! 5. Und was schaffts für sanfte freuden, Der verlaßnen helfer sein! Sehn, wie sie in ihren leiden Sich, durch uns gestärkt, erfreun! Ein betrübtes herz erquicken: Welch ein himmlisches entzücken! 4. Und dies sei dir keine bürde, Keine laft, beglückter 6. Heil und glück auf unfern wegen, Innige zufriedenheit, Huld bei menschen, Gottes segen, Folgen auf barmherzigkeit; Und dereinst, zum gnadenlohne, Schenkt ihr Gott des himmels krone. 7. Laßt uns eilen, unfre gaben, Weil es zeit ift, auszustreun! Was wir hier gesäet haben, Ernten wir einst reichlich ein. Seid barmherzig! liebt die armen! Gott will euer sich erbarmen! Mel. Christus, der uns selig. fummer drückt. Schwache 526. Wer des lebens güſucht zu unterst* ßen, Unterter hat, Wenn drückte zu beschützen. sein nächster schmachtet; Doch 3. Nicht nur denen, die euch lieben, Oder euch um hilfe flehn, Allen eilt, von Gott getrieben, Nach vermögen beizustehn. Führt zu unverhofften freuden Auch, die unbemerket leiden. nicht hilft mit rath und that, Seines grams nicht achtet, Fühllos bleibet bei der noth Der verlaßnen armen: Der erwarte nicht von Gott Nachsicht und erbarmen. 2. Von dem himmel schaut der herr Auf der armen plagen; Ihre thränen zählet er, Hörek 407 Schäße für die Sammlet und gewie groß wird euer lohn, Euer glück auf erden, Und wie groß durch Gottes sohn Einst im himmel werden! 8. Dann sagt Jesus einst zu euch: Kommt, getreue knechte! Erbet meines vaters reich! Erbt es, ihr gerechte! Was ihr meinen brüdern gabt In dem ersten leben, Sie zu trösten, alles habt Ihr auch mir gegeben! gegen den Nächsten. Höret ihre klagen; Sieht gesinnet, auch, wenn das harte herz Kummerfreier reichen Keine thränen und fein schmerz Mildern und erweichen. ewigkeit winnet: 3. Ach! das urtheil ist gefällt: Jammer und verder ben Sollen sie in jener welt, Nicht den himmel, erben; Ferne wird von ihnen sein Wonne der erlösten, Weil fie arme nicht erfreun, Nicht verlaßne trösten! 4. Reiche, hörts! erbar= met euch, Fleht zu euch der arme; Daß sein Gott auch über euch Sich dereinst erbarme, Weil ihr, da er zu euch schrie, Auf sein schreien hörtet, Den bedrängten halft und sie Tränktet und er= nährtet. 5. Mitleidsvoll und hilfreich sein, Seiner miterlösten Retter werden, und sich freun, Traurige zu trösten; Dank in ihrem angesicht, Und in ihren blicken Wonne sehn: wie rührt das nicht! ne Reiche! welch entzücken! a 6. Aber, wer den armen liebt, Geb aus freier liebe; Sei nicht mürrisch, wenn er giebt, Daß er nicht betrübe! Lieblich sei,( das will der herr,) Wie der thau, sein segen;-Eh er seufzen hört, eil er Armen mild entgegen! 7. Christen! wenn ihr in der zeit, Mild, wie Gott, Dankbarkeit. Mel. Wer nur den lieben. N. M. menschen 527. Wenn streben, dir 527. an güte Und wohlthun, Bater gleich zu sein, Und mich mit willigem gemüthe Durch ihren rath und troft erfreun: Mit reichem segen lohne dann, Was ich selbst nicht vergelten kann. 2. Gs zeuge meiner freude Von meines her= zähre Sie gern zens dankbarkeit, zu leisten ich begehre, Was meiner gönner herz erfreut; Mit welcher inbrunst mein gebet Für sie zu dir, mein Vater, fleht! 3. Gieb, daß ich über ihre freuden Und wohlstand mich von herzen freu, Voll fummer über ihre leiden, 408 Von den Gesinnungen und Pflichten So gut ichs kann, ihr trö- sie stehn an deinem thron! ster sei; Kann ich erleichtern Groß, herrlich, ewig sei ihre noth, Mit freuden laß ihr lohn! michs thun, o Gott! 4. Laß mich sie lieben, dankbar ehren, Auch über mein bedürfniß fie Mit meinen klagen nie beſchweren, Bescheiden, überlästig nie; Wenn ihre hand auch andern giebt, Nie mürrisch, neidisch und betrübt. 5. Kann ich, was ihnen schadet, hindern, Befördern, was ihr wunsch begehrt, Erleichtern, was sie drückt, und lindern, Was sie bekümmert und beschwert; So laß mich eilen und nicht ruhn, Es eifrig, bald und gern zu thun. 6. Und kann ichs nicht, o Gott! so dringe Mein brünstiges gebet zu dir, Und was sie wünschen, das gelinge: Denn, Herr! fie thaten wohl an mir. Auf jeden komme freud herab, Der freude giebt und freude gab! 7. Umfasse sie mit deiner güte, Und deine huld verlaß sie nie. Sei stets ihr helfer und behüte Vor widerwärtigkeiten sie; Und trifft sie doch gefahr und schmerz, So tröst und heile selbst ihr herz. 8. Im tode nimm sie mit erbarmen Zu deines reiches erben an. Sie haben, weil sie lebten, armen Mit deinen gaben wohlgethan. O laß Dienstfertigkeit. Mel. Gott, du frommer. 528. Wie selig lebt ein mensch, Der dienstbegierde kennet, Und, ihre pflicht zu thun, Aus menschenliebe brennet! Der, wenn ihn auch kein eid 3um dienst der welt verbind't, Beruf und eid und amt Schon in sich selber find't. 2. Dir, Höchster! ahmt er nach, Dir als dein bild zu gleichen; Durch dienstbeslis senheit Sucht er dies zu erreichen. Er hält für eignes wohl Sich nicht allein ge macht; Er hält sich für die welt Von dir hervorgebracht. 3. Die welt, denkt er, hat recht Auf meinen dienst und kräfte; Ihr nützen, ist für mich Ein seliges geschäfte. Als glieder schuf uns Gott, Als bürger einer welt, In der des einen hand Die hand des andern hält. 4. So denkt der menschenfreund; Und das ist sein bestreben, So treu, als er sich lebt, 3um wohl der welt zu leben. Ihm wird des näch= sten heil Sein eigener gewinn; Er fühlet fremde noth, Als träf sie selber ihn. 5. Er gegen den Nächsten. 5. Er eilt dem, ders bedarf, Mit hilfe beizustehen; Sein ansehn und sein freund, Sein stand und wohlergehen Sind mittel, die er braucht, Behilflich gern zu sein, Und einen leidenden Mit troste zu erfreun. 6. Des nächsten noth allein Erwecket seine triebe, Auch ohne ruhm und lohn, 3u wahrer menschenliebe. Kein stolz noch eigennuk Wirkt seine gütigkeit; Er fieht auf seinen Gott, Der Liebe ihm gebeut. 7. So laß mich auch ge= finnt, Mein Gott! durch Christum werden. Voll dienstbegierde sei Mein leben hier auf erden, So nützlich, als ich kann, Dem nächsten stets zu sein; Dann geh ich einst, o Gott! Ins reich der freu: den ein. Leutseligkeit. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 529. Nicht mürrisch, finster, unge sellig Sei, wer ein christ zu sein sich freut; Sei ohne schmeichelei gefällig, Berbinde ernst mit freundlichkeit; Sei traurig mit den traurigen, Und fröhlich mit den fröhlichen. 409 froher tücke, Und groll in lächelnder gestalt. Sein blick, entfernt von heuchelei, Sei liebreich, offen, gut und frei. 3. Bescheiden, sittsam, ehrerbietig und keinem lästig sei der christ; Nie kriechend, auch nicht übermüthig, Wenn er vor andern glücklich ist; Sm unglück nie zu sehr betrübt, Mit dem zufrieden, was Gott giebt. 2. Es liege nie in seinem blicke, Als wie in einem hinterhalt, Die arglist schaden= 4. Er schleich, um fromm genannt zu werden, Nicht traurig, heuchlern gleich, einher; Doch sündenreizende ge= berden Und rohe scherze hasse er. Sein blick, unschuldig, keusch und rein, Sei fröhlich, ohne frech zu sein. 5. Durch solche freundlichkeit erheitert Er auch des blöden angesicht; Da fühlt sich jedes herz erweitert Und freudenvoller, wenn er spricht; Denn was er sagt und was er thut, Ist bessernd, lehrreich, wahr und gut. 6. Nie will er kränken, er gebiete, Er warn, er straf auch: er gebeut, Und warnt und straft voll lieb und güte, Mit ernst und doch mit freundlichkeit; Und wen er tröstet, der vergißt, Wie schmerzhaft ihm sein kummer ist. 7. Nicht rauh, nicht hart, nicht menschenfeindlich; Nein, eifrig, jeden zu erfreun, Und. sanft 410 Von den Gesinnungen und Pflichten fanft und liebevoll und freundlich Soll jeder jünger Jesu sein. Ach, wären wirs! ach, glichen wir, O vorbild aller liebe, dir! 8. In allen worten und geberden, In allen thaten laß, o Herr! Uns wahre Uns wahre menschenfreunde werden, Dir, Heiland! immer ähnlicher. So werden wir uns ewig freun, Und Gottes wahre kinder sein. Bescheidenheit und Demuth. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 530. Von dir auf diese welt gerufen, Stehn, Schöpfer! alle menschen hier Auf vielerlei verschiednen stufen Der kräfte, die du gabst, vor dir, Ungleich einander an gestalt, An neigung, ständen und gewalt. 2. Verschieden sind auch unsre freuden, Verschieden aller last und müh Und aller deiner kinder leiden; Der duldet jene, dieser die. Verschieden ist des vaters zucht, Verschieden auch gewinn und frucht. 3. Wer hat mich andern vorgezogen? Wer wieder andre menschen mir? Du thusts, durch freie huld bewogen: Denn alles gute kommt von dir. Ich gab dir nichts zu vor, und ich Bin alles, was ich bin, durch dich. 4. Und ich, ich sollte nicht bescheiden, Ich stolz und übermüthig sein? Ich den nicht achten, den beneiden? Mich, weil er mehr empfing, nicht freun? Allgütiger! als theiltest du Nicht allen alles weislich zu! 5. Laß, Gott! in meinem ganzen leben Mich meines glücks und vorzugs nicht zu andrer kränkung überheben, Verkennen nie der demuth pflicht! Nicht bloß auf meinen vorzug sehn; Nicht andrer gaben stolz verschmähn. 6. Nein, meine brüder will ich ehren, Wie arm, wie niedrig sie auch sein. Sie können meiner nicht entbehren, Ich kann mich ohne sie nicht freun. Nimmt keiner meines glücks sich an: Wie arm, wie niedrig bin ich dann! 7. Gieb, Herr! zu allen deinen gaben Auch diese: laß vom stolze rein, Uns alles brauchen, was wir haben, Uns durch einander zu erfreun! Dann werden wir in deinem reich) An seligkeit einander gleich. Sanftmuth, Friedfertigkeit und Versöhnlichkeit. Mel. Sollt ich meinem Gott. 531, Gott! der du die menschen liebest, Der du nicht ein strenges recht, gegen den Nächsten. recht, Sondern lauter gnade vor dich, du friedensfürst, übest An dem sündlichen geschlecht! Laß mich deinen geift beleben, Daß ich, Va= ter! als dein kind, Liebreich sei, wie du, gefinnt. Herr! du wollst den sinn mir geben, Der bei fehlern nachsicht zeigt Und mit sanftmuth spricht und schweigt. 2. Laß mich meines nächsten schonen, Willig tragen ſeine last, Und so lang ich hier soll wohnen, Bleibe zanksucht mir verhaßt. Auch das ist, o Gott! dein wille, Und die eintracht liebest du; so hilf auch mir dazu! Gieb ein herz mir, das die stille Und den frieden sucht und liebt, Das statt rache sanftmuth übt. 411 3. O wie wird das herz beschweret Durch des zornes Leidenschaft! 3anksucht, zorn und haß verzehret Nach und nach des lebens kraft, Hemmt den lauf von unsern jahren, Macht zum himmel unge schickt. Herr! der auf mich schwachen blickt, Ach, du wollest mich bewahren, Daß des jähzorns raserei Nie des herzens meister sei! 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, So wie mein erlöser that, Und dem nachsichtsvoll begegnen, Der zum zanken neigung hat; Für die feinde will ich beten Und Wenn du menschen richten wirst, Ausgesöhnt mit ihnen treten. Gott des friedens! stärke du mich mit deiner kraft, dazu! 5. Ewges heil ist dem beschieden, Der nach frommer eintracht strebt. Höchster! gieb mir deinen frieden, Der zur sanftmuth uns erhebt. Er regiere herz herz und sinnen: Denn wenn er das herz regiert, Wird, was zu der Niemals zwietracht führt, übermacht gewinnen; Bis einst in der herrlichkeit Ew= ger friede uns erfreut. Mel. Herzliebster Jesu, was. 532. Herr, mein ver= söhner! der du für mich littest Und noch zur rechten Gottes für mich bittest! Erweck in mir, du muster wahrer liebe, Der sanftmuth triebe. 2. Wann hast du jemals haß mit haß vergolten? Du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten. Du segnetest mit wohlihun nicht bloß freunde, Nein, selbst auch feinde. 3. Und ich, Herr! dürfte mich den deinen nennen Und doch von rachgier gegen andre brennen? Ich sollte je= mals haß mit haß vergelten Und wieder schelten? 4. Wie 412 Von den Gesinnungen und Pflichten stehen, Auf dich nur sehen. 4. Wie kann ich: Bater! so laß mich, ihr zu widerzu dem höchsten sagen und groll im herzen gegen brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen? Und rache schreien? 5. Wer nicht vergiebt, der wird für seine sünden Auch nicht bei dir, o Herr! vergebung finden. Dein jünger iſt nur, wer, wie du, ver= feinde liebet. 6. So heilige denn meiner seele triebe, Mein Heiland! durch den geist der wahren liebe; Daß nie die unglückselge lust zur rache Mich strafbar mache. 7. Wenn meine brüder sich an mir vergehen; So lehre mich ihr unrecht übersehen. Laß mich, wenn sie mich auch empfindlich kränken, An dich gedenken. 8. Erwecke dann, o Herr! in meinem herzen Aufs neue das gedächtniß jener schmerzen, Die du in deinen schweren leidensstunden Für mich empfunden. 9. Laß mich mit sanftmuth meinem feind begegnen Und so, wie du, den, der mir fluchet, segnen. Herr! mache gegen alle, die mich hassen, Mein herz gelassen. 10. Will zu der rachsucht mich die furcht verführen, Als würd ich sonst mein gan= zes glück verlieren: O Herr! 11. Du schützest den, der redlich vor dir wandelt Und überall nach deinem vorbild handelt: Drum laß in allem mich, schon hier auf erden, Dir ähnlich werden. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 533. Herr Jefu! gieb mir sanften muth, Nach deinem wort zu leben! Wie dürft ich, schwaches fleisch und blut, So trotzig mich erheben? Ich übte rach und hielte zorn? Mag wohl zugleich ein süßer born Auch bittres wasser geben? 2. Gin vater hat uns ja gemacht 3u seines hauses kindern. Das leben hat ein herr gebracht Uns sonst verlornen sündern; So wie auch ein geist uns regiert und in ein himmlisch erbe führt, Wenn wirs nur nicht verhindern. 3. Mein Gott! wie darf doch ich, dein kind, Den schwachen bruder hassen? Ach, wie so große schulden sind Mir selbst von dir erlassen! Wer wär ich), wenn nicht allezeit Ich willig blieb, in einigkeit Den bruder zu umfassen? 4. Komm, bruder, komm, reich her die hand! Wir wollen uns versöhnen, Uns auch von dem, was uns entbrannt, Von stolz und neid entwöhnen. gegen den nen. Verzeihn hält zwar die welt für schmach; Doch wir, wir folgen Jesu nach; Mag doch die welt uns höhnen. 5. Wir tragen allesammt sein joch, Die wir uns christen nennen. Was wollten sich die glieder doch An einem leibe trennen? An sanftmuth, lieb und freundlichkeit Kann man den christen allezeit Als Gottes kind erkennen. 6. Wir haben alle Gottes gnad In einem herrn zu finden; Auch wäscht ein heilges wasserbad Uns alle rein von sünden. Da auch ein nachtmahl alle speist: Wie soll denn nicht ein herz und geist Uns allesammt verbinden? 7. Dort stehn wir auch vor einem herrn, Der wird es an uns rächen, Wenn wir, vom sinn der liebe fern, Die eintracht unterbrechen. Nun, Herr! so gieb uns sanften muth, Hilf uns, in unserm fleisch und blut Der rachsucht triebe schwächen. Mel. Vater unser im himmelr. 534, menschenfreund, Herr Jesu Christ, Der du die liebe selber bist, Und nichts von haß und zorne weißt, Der du die sanftmuth selber heißt! Du rufest uns voll liebe zu, Wir sollen heilig sein, wie du. 2. Wie ich gethan, sprichst Nächsten. 413 du, so liebt Die feinde, welche euch betrübt. Wünscht niemand böses, sluchet nie, Und wenn sie fluchen, segnet sie. Seid denen, die euch hassen, gut, Ertraget sie mit sanftem muth. 3. Ach, gieb mir freundlichkeit und nimm Aus meinem herzen zorn und grimm, Der sonst die liebe unterdrückt Und alle glaubensfrucht erstickt. Vertreibe du, nach deiner huld, Aus meinem geist die ungeduld. 4. Regt sich der rache schnöde lust, So tilge sie aus meiner brust, Du höchste liebe! und verleih, Daß ich den feinden gern verzeih, Daß nie mein eifer ihnen fluch, Auch nirgends ihren schaden such. 5. Du schenkst, ob sie schon böse sein, Doch ihnen deinen sonnenschein. So laß auch meinen segen ruhn Auf denen, die mir böses thun, Und schreib mir tief in herz und sinn, Wie huldreich ich versöhnet bin. 6. Gieb, daß ich immer hilfreich sei; Selbst feinde, wo ich kann, erfreu. Gieb langmuth, die ertragen kann, Was sie mir zum verdruß gethan. Gieb huld, die gegenhuld erweckt Und ihrer fehler menge deckt. 7. Herr! der du selbst die herzen lenkst Und wollen 414 Von den Gesinnungen und Pflichten gutes von ihm sprechen: Wie könnt er länger schmähn? len und vollbringen schenkst, An ihm das gute sehn Und O vater, der du gnädig bist! Du sohn der liebe, Jesu Christ! Du geist des friedens! höre mich; So preis ich dich dort ewiglich. 5. Ich will niemals ermüden, Ihm thätig zu verzeihn Und, als ein chrift, zum frieden, Zu diensten willig sein. Wenn, mich zu untertreten, Mel. Herzlich thut mich verl. 535. Nie will ich wieder fluchen, Wenn mir mein hasser flucht; Nie dem zu schaden suchen, Der mir zu schaden sucht. Ich will Mel. Herr, deine allmacht reicht. leben nicht, ihm sanft begegnen, Nicht 536. Verbittre dir dein drohen, wenn er droht; Schilt er, so will ich segnen. Dies ist des herrn gebot. 2. Mein Jesus, der gerechte, Vergalt die schmach mit huld; Die wuth ergrimmter knechte Ertrug er mit geduld. Sollt ich denn wieder schelten, Da er nicht wieder schalt? Mit liebe nicht vergelten, Wie er dem feind vergalt? 3. Verleumdung dulden müssen, Ist schwer; doch diese pflicht Wird leicht, wenn das gewissen Für meine unschuld spricht. Dies will ich treu bewahren; So bessert mich mein feind Und lehrt mich klug verfahren, Indem ers böse meint. 4. Ich will die fehler scheuen, Die er von mir ersann; Auch die will ich bereuen, Die er nicht wissen kann. Durch huld will ich mich rächen, ich mich rächen, Ihn güte mehr erhitzt; So will ich für ihn beten Und Gott vertraun! Gott schützt! christ! durch eigne rache. Vergeben ist des menschen pflicht, Vergelten Gottes sache. Die sanftmuth, die sein wort gebeut, Liebt feinde, segnet und verzeiht. 2. Wahr ists, empfindlich ist der schmerz, Von menschen unrecht leiden; Und dennoch soll des christen herz Am zorne sich nicht weiden, Soll nicht sein eigner richter sein, Soll alles unrecht gern verzeihn. 3. So widrig diese pflicht dir scheint, So mußt du sie doch üben; Sonst bist du nicht des heilands freund, Der sie dir vorgeschrieben. Empört dein herz dawider fich, So sieh auf ihn; besiege dich. 4. Wer hat wohl größern widerspruch Von sündern hier erduldet, Als er, der herr, der schmach und fluch von andern nie gegen den Nächsten. 415 nie verschuldet? Und dennoch der sanftmuth sinn: Nach deiner gnade gieb mir ihn. will er langmuthsvoll, Daß keiner ewig sterben soll. 5. Ihm folgen, ist dein wahrer ruhm. Beleidigern verzeihen, Ist ehre für dein christenthum; Sich ihres falls nicht freuen, nicht den, der dich schmäht, wieder schmähn, Gereicht dir selbst zum wohlergehn. 6. Im zorn denkt nies mand ernstlich nach, Was Gott gefallen sollte. Die rache selbst vermehrt die schmach, Die man bestrafen wollte. Kein schimpf wird ungeschehn gemacht, Wenn deine rachgier wild erwacht. 7. Die rachgier reißt gerechtigkeit, Reißt glauben aus dem herzen, Stört des gemüths zufriedenheit Und straft mit bittern schmerzen. Sie hindert dank, gebet, vertraun, Und raubt den muth, auf Gott zu baun. 8. Ulebst du der sanftmuth felge pflicht, Wirst du den feind besiegen. O raube deiner seele nicht Dies göttliche vergnügen. Dann wird der herr auch dir verzeihn, Dein vater und vergelter sein. 9. Laß mich aus liebe, Gott! zu dir Das unrecht nicht selbst rächen. Du wirst, verzeih ich gern, auch mir Ein gnädges urtheil sprechen. Von dir kommt auch Gerechtigkeit und Billigkeit. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 537. Du liebst, o Gott! gerechtigkeit, Und hasfest den, der sie entweiht, Am nächsten unrecht übet. Du bists, der jedem seinen lohn, Ohn alles ansehn der person, Nach seinen werken giebet. 2. Gerechter Gott! laß deinen geift 3u dem, was recht und billig heißt, Stets meine seele lenken. Nie komm es mir doch in den sinn, Aus habsucht, mir nur zum gewinn, Des nächsten recht zu kränken. 3. Pflanz redlichkeit in meine brust, Und laß mich stets mit wahrer lust Der liebe pflichten üben. Sin herz, das nur auf unrecht denkt, Nur schaden sucht und andre kränkt, Wie kann das brüder lieben? 4. Nie seufze jemand über mich! Mein ganzes herz bestrebe sich, Dem nächsten gern zu geben, Was er mit recht verlangen kann, Und immerfort mit jedermann In einigkeit zu leben. 5. Laß mich beständig dahin sehn, Mit jeglichem so umzugehn, Wie ichs von ihm begehre; Damit ich keines men= 416 Von den Gesinnungen und Pflichten menschen herz, Durch meine fluch, Der seinen nächsten härte, je mit schmerz Und durch betrug, Durch dieberei kümmerniß beschwere. an seinem gut Und seiner habe schaden thut. 7. Das haus des diebes ist verflucht, Wird hier schon zeitlich heimgesucht, Und dort trifft vollends dein gericht Den ungerechten bösewicht. 8. Darum, mein Gott! bewahre mich Vor allem un= recht väterlich! Beging ichs je, so sei mirs leid Und zum ersatz mein herz bereit. 9. Wer andern schaden hat gethan Und irgend ihn erstatten kann, Doch deß sich weigert, findet nicht Vor dir erbarmen im gericht. 10. Auf buße, die er meint zu thun, Kann nie dein Wenn wohlgefallen ruhn, er nicht willig er nicht willig das ersetzt, Womit er andrer recht ver= letzt. 6. Herr! mit dem maß, womit ich hier Cem nächsten messe, wirst du mir Dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur billigkeit Und lasse mich zu feiner zeit Der liebe pflicht vergessen. Mel. Das ist fürwahr ein köstl. 538. Fern ern sei mein leben Wie jederzeit Von aller ungerechtigkeit! könnt ich sonst der deine sein, Und deiner gnade, Gott! mich freun? 2. Wer seines nächsten rechte kränkt, Auf seinen schaden boshaft denkt, Verlezzet des gewissens pflicht, Und ehrt dich, Gott der liebe! nicht. 3. Du schriebst in jedes herz, o Gott! Tief ein das billige gebot: Was du nicht willst, das dir geschicht, Das thu auch du an andern nicht. 4. Wenn ich dies heilige gesetz Durch ungerechtigkeit verletz; So sprech ich selber über mich Das urtheil: Gott ist wider mich. 5. Dein wort, das sündern strafe droht, Schärft mir das heilige gebot: Frei von unrechtem gut zu sein, Mit noch viel größerm ernste ein. 6. Es drohet jedem deinen 11. Gieb, Herr! daß ich dies wohl bedenk, Und nie durch unrecht andre kränk. Die habsucht, auch die armuth nicht, Verleite mich von meiner pflicht. Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Mel. Alle menschen müssen sterb. 539. Laß mich, Höchster! danach streben, Stets der wahrheit freund zu sein. Zu des himmels frohem leben gegen den Nächsten. leben Geht kein frecher lügner ein, Und vor deinem angefichte Werden sie beschämt zunichte: Denn vor dir sind immerdar Aller herzen offenbar. 2. Andern zu gefallen lügen, Leeren schwätzern gleich zu fein, Heuchelnd brüder zu betrügen: Herr, das falle mir nicht ein! Wahrheit leit an allen orten Mich in werken und in worten. Redlich sei des herzens grund, Redlich spreche auch der mund. 3. Die der falschheit sich ergeben, Sind vor dir, o Gott! ein gräul, Und ein unglückselig leben Ist gewiß ihr- künftges theil. Hier schon trifft verdiente schande Sie bei redlichen im lande: Denn ein jeder menschenfreund der falschheit ränken feind. st 4. Schmäht mich, ohne mein verschulden, Der verleumder lästermund: Herr! so laß michs still erdulden, Einst wird doch die wahrheit kund. Darf ich ja nicht länger schweigen, Meine unschuld zu bezeugen; So verleihe, daß dabei Herz und mund voll sanftmuth sei. 5. Daß du, Herr! an jedem orte Zeuge meines wandels bist; Daß kein einzges meiner worte Deinem ohr verborgen ist: Dies sei stets mir im gemüthe, Daß ich mich vor lügen hüte: Denn du N. A. 417 liebst den wahrheitsfreund Und bist allen falschen feind. Mel. Herzlich thut mich verf. 540. Wohl dem, der richtig wandelt, Der als ein wahrheitsfreund Stets denket, spricht und handelt Und das ist, was er scheint; Der recht und treue liebet Und von dem sinn der welt, Die trug und falschheit übet, Sich unbefleckt erhält! 2. Wohl ihm, wenn ſein gemüthe, Herr! so die wahrheit übt. Ihn leitet deine güte; Er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst erhöhen, Wenn in der wahrheit licht Beschämt die falschen stehen, Geschreckt durch dein gericht. 3. Herr! laß mich deine rache Mit ganzem ernste scheun, Daß ichs zur pflicht mir mache, Der lügen feindzu sein. Erinnre mein gewissen: Du hasseft heuchelei; Damit ich stets beslissen Der treu und wahrheit sei. 4. Laß niemals mich ver= sprechen, Was ich nicht halten kann, Auch nie zusagen brechen, Die ich einmal gethan; Nie mich den stolz verleiten Und nie des beispiels macht, Als wahrheit auszubreiten, Was ich doch selbst erdacht. Doch laß zu allen zeiten Auch deiner wahrheit licht, Herr! meine seele leiten, 27 Da= 5. 418 Von den Gesinnungen und Pflichten Damit ich meine pflicht Mit rücht Ihm schadeft und ihn klugheit üb und wisse, Wann kränkest; Wenn leichtsinn, ich für andrer wohl Und für neid und haß Ihn vor der mich reden müsse, Und wann welt entehrt: Bist du dann ich schweigen soll. ferner noch Des christennamens werth? 6. Wenn je, um mich zu drücken, Des feindes anschlag gilt, Der sich, bei bösen tükken, In guten schein verhüllt, So stärke meine seele, Daß fie nicht unterliegt Und alles dir befehle, Durch den die unschuld siegt. 3. Wer, wenn er lästrer hört Und unter spöttern sizet, Schweigt und aus menschenfurcht Nicht andrer unschuld schützet; Wer aus gefälligkeit Selbst ein verleumder ist Und nichts zum besten kehrt: Ist dieser auch ein christ? 7. Ein herz voll treu und glauben, Das, Gott! zu dir sich hält, Das soll mir niemand rauben. So kann ich aus der welt Einst mit der hoffnung gehen: Auch ich werd als ein kind Dich mit den frommen sehen, Die reines herzens sind. 4. O mensch, bedenke doch: Gott hört an jedem orte, Wo du zugegen bist, Ein jedes deiner worte. Ach! er, der alles sieht, Wie sollt er dich nicht sehn, Wenn du dich frech erkühnst, Die unschuld selbst zu schmähn! 5. Wenn du der frommen lachst, Wenn du die tugend schändest, Dem würdigen das lob, Das er verdient, entwendest: Verleumder! siehts nicht Gott, Wie zügellos dann du Ihn in den seinen schmähst? Dein richter hört dir zu! Sorge für die Ehre und den guten Namen des Nächsten. Mel. Gott, du frommer Gott. 541. W enn du des nächsten ehr Und achtung suchst zu schmälern Und von nichts lieber sprichst, Als von des bruders fehlern; Aus ehrsucht oder stolz Verkleinerst seinen ruhm Und seine schwachheit schmähst: Wo bleibt dein christenthum? 2. Wenn du aus argwohn bloß Von ihm nur böses denkest Und durch ein falsch ge6. Die thränen zählt der herr, Die von von gekränkten frommen, Die du entebret hast, Wehklagend vor ihn Es kommt, es kommen. kommt ein tag, Wo Gott einst vor gericht Im angeficht der welt Auch dir dein urtheil spricht. 7. Drum gegen den Nächsten. 7. Drum will ich nimmermehr Des nächsten ruhm verletzen, Und, hab ichs je gethan, Den schaden bald er= setzen. Des nächsten ehre sei Mir theurer, wie mein ruhm, Und meiner freunde ruf Ein wahres heiligthum. 8. laß uns, Gott der huld, Mit dieser pflicht nie scherzen! Tief präge du vielmehr In unser aller herzen Die große wahrheit ein: Nur der sei deiner werth, Der seine brüder liebt Und durch die that sie ehrt! Mel. Herzliebster Jesu, was. 542. Hilf, Jeſu! daß ich meinen nächsten liebe, Durch lieblos richten ihn ja nicht betrübe, Ihn nicht verleumde, nicht durch falsche ränke Sein wohlsein kränke. 2. Gieb, daß ich nachfichtsvoll des nächsten fehle, Wenns meine pflicht erlaubt, der welt verhehle Und, wenn er fällt, auf mich, der ich noch stehe, Mit vorsicht sehe. 3. Hilf, daß ich klüglich ihn zu bessern trachte und seiner seele wohlfahrt theuer achte. Wie viel hast du für fie in todesbanden Selbst ausgestanden! 419 mein herz des nächsten freuden Und glück beneiden. 5. Gieb, daß ich nie zum zorne leicht entbrenne, Nie auch dem feinde etwas übels gönne Und, allen zu beweisen güt und treue, Mich herzlich freue. 6. Laß mich, mein Heiland! An immer mehr auf erden lieb und gütigkeit dir ähnlich werden. Gieb kraft das zu; so schmeck ich schon hienieden, Herr! deinen frieden. 4. Laß mich aufrichtig schätzen andrer gaben, Die sie doch auch von deiner güte haben. Es müsse nie Wider Schadenfreude und Neid. Mel. Nun ruhen alle wälder. 543. Gieb, Gott voll lieb und güte! Den trieb in mein gemüthe, Mich fremden glücks zu freun. Bei meines nächsten schmerzen Laß fern von meinem herzen Der bosheit wilde freude sein. 2. Auf andrer wohlergehen Mit wohlgefallen sehen, Gefällt dir ja, mein Gott! Durch Dem schadenfrohes lachen nächsten kränkung machen, Ist teufelischer hohn und spott. 3. Wer sich des guten freuet, Was deine huld verleihet, Er find es, wo ers findt, Der ist nach deinem bilde Barmherzig, gütig, milde Und als ein wahrer christ gefinnt. 4. Der stolz, die eigenliebe, Sind freilich mächtge triebe, 27* Auf 420 Von den Gesinnungen und Pflichten Auf andrer wohlergehn Und 2. Der fest vereinigt erst auf die größern gaben, Die mit dir, In einem geiste fie von dir, Gott! haben, Mit dann mit mir, Gott! scheelen augen hinzusehn; nach deinem willen lebt, Mit mir nach einem ziele strebt. 5. Jedoch du hilfst mir kämpfen, Hilfst neid und mißgunst dämpfen, Wenn ich nur wachsam bin; Und wenn ich auf dich sehe Und dich um hilfe flehe, So hilfft du mir zum bessern sinn. 6. Dein sind, Gott! die gaben, Die ich; und andre haben; Mit weisheit hältst du haus Und theilest unter allen, Nach freiem wohlgefallen, Die güter deines hauses aus. 7. Beneid ich meinen nächsten, So greift dich selbst, den höchsten, Mein unmuth tadelnd an. Gott! welche schwere sünde, Wenn ich mich unterwinde 3u meistern, was du hast gethan! 8. Ich thor! ich selber quäle Mit unmuth meine seele, Herrscht neid in meiner brust. Herr! mache mir dies laster Je mehr und mehr verhaßter. Auch andrer glück ſei meine lust! Freundschaft. Mel. Vom himmel hoch da. 544, welch ein segen ist ein freund, Der, Gott! durch dich mit mir vereint, Mich zärtlich und vertraulich liebt, Mit mir sich freuet und betrübt! 3. Gedanke, neigung, will und that Sind eins in beiden, nur den pfad, Den wir in deinem lichte sehn, Getreu und hand in hand zu gehn. 4. Der feelen heil und besserung, Nicht eitler lüste sättigung, Der freundschaft seliges gefühl Ist unsre sehnsucht, unser ziel. 5. Einträchtig theilen wir dein licht, Das uns erleuchtet, jede pflicht Uns zu erleichtern, jede kraft, Gleich fromm zu sein, gleich tugendhaft. 6. Er, in gefahr zu irren, hört Auf meiner liebe ruf und kehrt, Durch meine wachsamkeit gerührt, Zurück vom wege, der verführt. 7. Und wenn ich strauchle: - denn wie leicht Fällt nicht der schwache mensch! so reicht Er seine treue hand auch mir Und führet mich zurück zu dir. 8. Kein streit, fein mißtraun, kein verdacht, Nichts, was uns froh und traurig macht, Auch nicht des glückes unbestand Trennt unsrer liebe feites band. 9. Wir theilen alles, lust und leid, In inniger vertraulichkeit; Des einen zärtlich gegen den Nächsten. lichkeit versüßt Dem andern, was ihm schmerzlich ist. 10. Entfernst du auch von mir den freund: Die herzen bleiben doch vereint Durch liebe, durch gebet und rath, Und, wo wir können, durch die that. 11. Bollenden wir den pilgerlauf, So nimmt uns, Gott! ein himmel auf. Un= endlich ist die seligkeit, Die uns zugleich vor dir erfreut. 421 12. Da hab ich ewig jeDer sich mit den freund, mir durch dich vereint, Mir 0 Bater! herz um herz, giebt, Mich zärtlich, treu und ewig liebt. 2. Weß soll ich mich, o Herr! denn trösten? Nur dei ner huld, du bist mein heil Und bleibst, wenn auch die noth am größten, Doch meines herzens trost und theil. Du stehst, nach deiner vatertreu, Mir stets mit rath und hilfe bei. 3. Du stärkst mir unter aller plage, D Gott! durch Deinen geiſt den muth, 13. Da hab ich doch den besten freund, Ders ewig redlich mit mir meint, Den mittler, der mich nie vergißt, Weil er mein freund und bruder ist. IV. Trostgesänge in Kreuz und Leiden. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 545. Was ist Daß ich gelassen sie ertrage, Und machst zuletzt doch alles gut. Auf kummer folgt zufriedner dank; Auf klagen froher lobgesang. mein leben auf der erde? Ein wechsel ists von lust und leid. Hier störet unruh und beschwerde Oft 4. 3u ungestörten sicherruhe und zufriedenheit; Hier wohn ich noch in einer welt, die kein vollkommnes glück enthält. heiten Schickt sich gewiß kein prüfungsstand. Wie würde, drückt uns nicht zu zeiten Ein leiden, unsre treu erkannt? Vollkommne ruh und sicherheit Ist nur ein glück der ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine seele, In deiner noth so so kummervoll? Vertraue 3u Gott! nur ihn erwähle Deinem trost; er schützt dein wohl. Einst dankst du ihm nach der gefahr, Daß er dein Gott und retter war. 6. Er 422 6. Er wird es sein; ruf in gefahren Ihn als den eingen helfer an! Er weiß dich mächtig zu bewahren, Und da, wo niemand helfen kann, Fehlt ihm die kraft zu helfen nicht. Dies stärke deine zuversicht. Trostgesänge 7. Befiehl ihm alle deine wege, Hoff und vertrau ihm allezeit. Auch auf dem rauben leidensstege Denk froh an jene ewigkeit; Da wirst du, frei von aller pein, Ganz selig, ganz zufrieden sein. 8. So laß mich, Gott! stets dahin schauen Und dann mit starkem muth auf dich Auch in der größten noth vertrauen! Du bist bei mir, das stärke mich. Wer dessen stets versichert ist, Der lebt und stirbt getroft als christ. Mel. In dich hab ich gehoffet. 546. 3m n trübsal, chrift, sei stark im geift! Auch das ist gut, was trübsal heißt. Erheitre dein gemüthe! Du weißt, auch dich Liebt väterlich Der vater aller güte. 2. Der dich in Jesu herzlich liebt, Sucht, wenn er dich durch kreuz betrübt, Das wahre heil der seele; Weckt dich, daß nicht zu deiner pflicht Dir luft und eifer fehle. 3. Das freuz beugt stolz und übermuth, Erstickt der wollust wilde glut, Bricht die gewalt der finne; Erweicht das herz, Daß fremder schmerz Dein mitleid leicht gewinne. 4. Auch übt das kreuz dich zur geduld, Erhöht den werth von Gottes huld, Stärkt mächtig dein vertrauen; Lehrt im verlust Dich nun mit lust Aufs unsichtbare schauen. 5. Des leidens hitz entflammt dich stets zu größrer inbrunst des gebets Und läutert deinen glauben. Weit minder kann Verführung dann Dir deine krone rauben. 6. 3war stört das kreuz oft deine ruh;- Mit bangen thränen säest du Und unter viel beschwerden. Christ, hoffe doch! Es wird dir noch Zur reichen ernte werden. 7. Berschmerzt ist leicht ein irdisch leid; Kurz ist der augenblick der zeit: Doch ewig, ewig währet Dort dein genuß Ohn überdruß, Wie ihn der geist begehret. 8. In demuth traue deinem Gott Und dann verzag in keiner noth: Denn Gott erhört dein flehen. Bald weicht dein leid; Zu seiner zeit Wirder dich schon erhöhen. Mel. Nun ruhen alle wälder. 547. Was soll ich troftlos sorgen? Gott scheint mir zwar verbors in Kreuz und Leiden. borgen; Doch seine hilf ist nah, Schafft, daß ich wege gehe, Die ich zwar nicht verstehe, Doch er zu meinem heil ersah. 423 bange, Nimmt Gott, an dem ich hange, Sich meiner herzlich an herzlich an Und führt, den gram zu stillen, um seines namens willen, Den irren= den auf ebner bahn. 2. Längst wog er die gefahren, Eh erd und himmel waren, Nach meinen fräften ab. Er linderte durch freuden Die tage meiner leiden, Eh er sie mir zu tragen gab. 3. Mir konnt ein glück der erden 3um strick und falle werden; Mein vater nahm es mir. Mich konnt auf seligkeiten Gin kummer vorbereiten, und seine gnade schenkt ihn mir. 4. Bald könnt in guten tagen Mein berz verwegen fragen: Ist über mir ein Gott? Dann würd in schwelgereien Ich mich des lasters freuen Und tugend wäre mir ein spott. 5. Gott nahm mir ruhm und schätze; Er zog mich aus dem nehe, Das oft den klugen fällt. Daß ich, treu in der liebe, Sein außerwählter bliebe, Entfernt er die gefahr der welt. 6. Oft will in bösen tagen Mein herz zwar furchtsam klagen: Wo ist der herr, mein licht? Warum verzieht mein retter? Es lachen mein die spötter; Ich ruf, und er erhört mich nicht. 7. Doch ist um trost mir 8. Preis sei dem herrn gesungen! Auch in den züchtigungen Liebt er mich väterlich. Sein wille sei mein wille; Sein harr ich und bin stille Und rühme meiner trübsal mich. Mel. Aus meines Herzens grunde. 548. Mein herze, ſei zufrieden, Stell doch dein trauern ein! Du mußt nicht gleich ermüden, Noch so verzaget sein, Wenn dich ein unglück drückt. Laß dir vielmehr in allen Gelassen wohlgefallen, Wie Gott es mit dir schickt. 2. Gott sucht durch kreuz und plagen Dein bestes alleDu fällst bei guten zeit. tagen Sehr leicht in ficherheit, Wirst dann voll sündenlust, Hängst an den eitelkeiten, Die dich also verleiten, Daß du verderben mußt. 3. Kommt aber je zuweilen Gin kreuz und drücket dich: Pflegst du zu Gott zu eilen, Dein geift ermuntert sich, Dein beten hat mehr kraft. Du lernest Gott vertrauen, Geduldig auf ihn bauen, Bis er dir hilfe schafft. 4. Drum 424 4. Drum sei doch gutes muthes, Mein herz, in deiner noth; Bedenke, wie viel gutes Erweiset dir dein Gott. Dem klage deine pein; Vor ungeduld dich hüte Und hoff auf seine güte, So wirst du glücklich sein. 5. Laß nur den höchsten machen, Sei still und murre nicht; Befiehl Befiehl ihm deine fachen: Er weiß, was dir gebricht, Und wird, nach seiner treu, Durch seiner allmacht thaten, Dir wohl und weislich rathen; Getrost! Gott steht dir bei. Trostgesänge 6. Es ist niemals geschehen, Daß ein geplagter christ, Wenn er auf Gott gesehen, 3u schanden worden ist. Gewiß ist, daß sich Gott Nicht unsern vater nennte, Wenn er nicht helfen könnte Noch wollte in der noth. 7. Nun, Herr! was dir gefället, Das mir begegnen soll, Das werd ins werk gestellet. Ich bin der hoffnung voll: Du wirst nach deiner gnad Geduld und trost verleihen, Zuletzt mich auch erfreuen Durch hilfe in der that. 8. Du wollest mich nur stärken In meiner blödigkeit, Daß ich mag christlich merken Des kreuzes nußbarkeit, Und daß desselben pein, Wie sehr sie auch betrübet, Doch jedem, der dich liebet, Muß nüß und heilsam ſein. 9. Weil ich dich auch soll preifen Für kreuz und ungemach, Dies aber zu erweisen Ich hier bin viel zu schwach; So hilf doch, daß ich dir Im himmel einst mit freuden Für all mein kreuz und leiden Dank sage nach gebühr. Mel. Nun ruhen alle wälder. 549. Mein herz, gieb dich zufrieden Und laß dich nicht ermüden Von sorge, furcht und gram! Die noth, die dich jetzt drükket, Hat Gott dir zugeschikket; Sei still, wie Jesus, Gottes lamm. 2. Mit sorgen und mit zagen Und unmuthsvollen plagen Häufst du nur deine pein; Durch stillesein und hoffen Wird, was dich jetzt betroffen, Erträglich, sanft und lieblich sein. 3. Ranns doch nicht ewig währen; Oft hat Gott unfre zähren, Eh mans meint, abgewischt. Wenns bei uns heißt: wie lange? wie lange? Und uns um trost wird bange, Wird leib und feel oft schnell erfrischt. 4. Bon Gott ist abgemessen Die last, die uns soll pressen, Aufdaß wir werden klein; Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen, Sollts auch noch so geringe sein. 5. Denn es sind liebesschläge, in Kreuz und Leiden. 425 Weiß er mich zu versorgen, Ich sei auch, wo ich sei. schläge, Wenn ich es recht Mit jedem neuen morgen erwäge, Womit er uns belegt; Nicht schwerter, sondern ruthen Sinds, womit Gott zum guten Hier seine lieben Finder schlägt. 6. Er will uns dadurch ziehen 3u kindern, welche fliehen Das, was ihm nicht gefällt; Die bösen lüfte bösen lüfte schwächen, Den eigenwillen brechen Und uns entwöhnen von der welt. 7. Er will uns dadurch; lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit glauben und geduld: Daß wir in unsern nöthen, Auch wenn er wollte tödten, Uns doch getrösten seiner huld. 8. Denn was will uns je scheiden Von Gott und seinen freuden, Dazu er uns versehn? Man lebe, oder sterbe; So bleibet uns das erbe Des himmels ewig feste stehn. 9. Ist Christus unser le= ben, So muß uns, seinen reben, Der tod sein ein ge= winn. Muß gleich der leib verwesen, Wird doch der geist genesen; Der eilt zu seinem schöpfer hin. 2. Wenn menschengunst verschwindet, In kaltsinn sich verkehrt, Eilt Gottes hilf, und findet man seine treu be währt. Er hilft in jeder noth, hilft von der sünde banden, Befreit von ihren schanden Und rettet selbst vom tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen, Auch in der schwer. sten zeit Auf seine hilfe bauen. Er wendet alles leid; Ihm sei es heimgestellt. Leib, Sei seele, gut und leben Gott dem herrn ergeben; Er machs, wies ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Als was uns nützlich ist. Er meints gut mit uns allen; Er gab uns Jesum Christ. Hat er so viel gethan, So wird er auch gewähren, Was unsern leib ernähren, Den geist erfreuen kann. 5. Lobt ihn mit herz und munde Für das, was er uns schenkt. Wie selig ist die stunde, Darin Darin man sein gedenkt! So braucht man recht der zeit! Wir sollen ja auf erden In ihm schon selig werden, 550. Von Gott will ich noch mehr in ewigkeit. nicht lassen, Denn er verläßt mich nicht; Im kummer mich zu fassen, Giebt er mir trost und licht. Er steht mir hilfreich bei; 6. Mag doch die welt vergehen Mit aller ihrer pracht! Das glück bleibt ewig stehen, Das er mir zugedacht. Zwar schließ ich hier den lauf; Doch, 426 Doch, wenn ich nun im grabe Genug geruhet habe, Weckt er mich wieder auf. 7. Die seel ist unverloren In Gottes vaterhand; Der leib wird neu geboren Zum bessern vaterland, Voll glanz und herrlichkeit! Den felfenfesten glauben Soll mir kein irrthum rauben, Kein blendwerk dieser zeit. Trostgesänge 8. Darum, ob ich schon dulde Viel widerwärtigkeit, Wie ich auch wohl verschulde, Kommt doch die ewigkeit, Ist aller freuden voll, Die, weil ich Christum kenne Und mich von ihm nicht trenne, Mein erbtheil werden soll. 9. Das ist des vaters wille, Der mich erschaffen hat; us seines sohnes fülle Empfahn wir gnad um gnad; Er giebt uns seinen geist, Damit er uns regiere, Die bahn zum himmel führe. Hoch sei der herr gepreist! Mel. Aus diesem tiefen grunde. 551. einen hat Gott verlassen, Der ihm vertraut allzeit, Und ob ihn gleich viel hassen, Geschieht ihm doch kein leid. Gott will die seinen schützen, Zuletzt erheben hoch Und geben, was ihn'n nüßet, Hier zeitlich und auch dort. 2. Treulich will ich Gott bitten und nehmen zum beistand In allen meinen nöthen, Ihm bess'r als mir bekannt; Um g'duld will ich stets bitten, Er wird sie mir verleihn, Mich treu und wohl behüten Und mein nothhelfer sein. 3. Mein unglück und mein glücke, Das kommt allein von Gott; Ich weiche nicht zurücke Und fleh in meiner noth; Wie sollt er mich nicht trösten Und wiederum erfreun? Ja, wenn die noth am größtén, So will er bei mir sein. 4. Reichthum und alle schätze, Was sonst der welt gefällt, Drauf ich mein'n sinn nicht sehe: Es bleibet in der welt. Ein'n schatz hab ich im himmel, Der Jesus Christus heißt, Der ist üb'r alle schäße, Schenkt uns den heilgen geist. 5. Ihn hab ich eingeschlos sen Auf immer in mein herz; Sein blut hat er vergossen Für mich im größten schmerz, Daß ich erlöst sollt werden Von ewger angst und pein: Wie könnt auf dieſer erden Doch größre liebe sein? 6. Nun soll ich mich er= zeigen Dankbar für solche gnad; Ich geb mich Gott zu eigen Mit allem, was ich hab; Wie ers will weiter machen, Sei ihm all's heimgestellt, Ich b'fehl ihm all mein' sachen, Er machs, wies ihm gefällt. Mel.. 427 dem herrn. Dir, Dir, Bater! dir befehle Ich jeden wunsch der seele; Du hörst, du hilfst, du segneft gern. 7. Du hast mir hier im leben Schon größres heil gegeben Und deinen sohn ge= schenkt. Du wirst mir allesschenken Und mir zum besten lenken, Was mich zu sorgen reizt und kränkt. 8. Du leitest, Herr! die deinen Nicht so, wie sie es meinen, Nein, nur nach deinem rath. Ob ich mich auch betrübe, Bleibt doch dein rath voll liebe: zu rath voll liebe: Das zeigt der ausgang und die that. 9. Wenn ich hier tiefen sehe Und es nicht ganz verstehe, Was du mit mir gethan; Kann ich doch deß mich trösten: Mein Gott nimmt mich erlösten Gewiß dereinst zu ehren an. in Kreuz und Leiden. Mel. Nun ruhen alle wälder. 552. Was soll ich ängstlich klagen Und ohne hoffnung zagen? Der höchste sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner seele Ihr wahres wohl nie fehle. Genug zum trost, mein herz, für dich! 2. Was nützt es, heidnisch sorgen Und jeden neuen morgen Mit neuem kummer sehn? Du, Bater meiner tage! Weißt, eh ich dirs noch klage, Mein leid und auch mein wohlergehn. 3. Auf deine hand zu schauen, Dir kindlich zu vertrauen, Das, Herr! ist meine pflicht. Ich will sie treulich üben Und dich, mein Vater! lieben: Denn du verläßt die deinen nicht. 4. Der du die blumen fleis deft Und alle thiere weidest, Du, Schöpfer der natur! Siehst alles, was mir fehlet. Drum seele, was dich quälet, Befiehl dem herrn, und glaube nur. 5. Herr! alle meine for gen, Die noth, die oft verborgen An meinem herzen nagt, Werf ich auf dich, den treuen; Du weißt den zu erfreuen, Der es auf deinen beistand wagt. 6. Ja, wenn mein auge thränet Und sich nach hilfe sehnet, So flag ichs dir, 10. Dort bei den from= men schaaren, Dort werd ich Wie gut du es erfahren, mich geführt. Da bring ich dir mit freuden, Nach über= standnen leiden, Den dank, der deiner huld gebührt. Mel. Mache dich, mein geist. 553. Weine nicht, Gott lebet noch, Du betrübte feele! Drückt dich gleich ein hartes joch In der trauerhöhle: Nur geduld! Gottes huld Läßt oft, nach dem weiz Trostgesänge 428 weinen, Auch die scheinen. 2. Weine nicht, Gott denkt an dich, Ob dus gleich nicht denkest. Oftermals verbirgt er sich, Wenn du dich sehr kränkest: Da die welt, Ehr zerfällt, h er dich wird haffen, Oder ganz verlassen. 3. Weine nicht, Gott siehet dich, Scheint er gleich verdecket. Wenn du nur ge= duldiglich Seinen kelch geschmecket, Reichet er Labsal her Und giebt nach dem leiden Wieder troft und freuden. 4. Weine nicht, höret dich In den größten nöthen. Wengstet gleich dein herze sich und kann kaum noch beten: Halt nur an, Denn er kann All dein unglück heben Und errettung geben. 4. 5. Weine nicht, Gott liebet dich, Wenn die welt betrübet. Und so manchen schlangenstich Deinem her zen giebet. Gott schützt dich Väterlich Und giebt bei dem leide Trost und nachher freude. 6. Weine Weine nicht, Gott sorgt für dich; Gi, was kann dir fehlen? Was willst du dich stetiglich mit den sorgen quälen? Wirf auf ihn Alles hin, Er wird deinen sachen Ein gut ende machen. 7. Weine nicht, tröstet dich Nach die sonne Gott Gott Gott den thränengüssen. Endlich wird der kummer sich Ganz verlieren müssen. Durch den tod Stirbt die noth, Und wenn der erscheinet, Hast du ausgeweinet. Mel. Jesu, du mein bräutig. 554. Von dir, o Vater! nimmt mein herz Glück, unglück, freuden oder schmerz, Bon dir, der nichts als lieben kann, Bertrauensvoll und dankbar an. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes leid Für heil bringt in der ewigkeit. 3. Ist alles dunkel um mich her, Die seele müd und freudenleer: Bist du doch meine zuversicht, Bist in der- nacht, o Gott! mein licht. 4. Verzage, herz, verzage nie! Gott legt die last auf, Gott kennt sie. Er weiß den kummer, der dich quält, Und geben kann er, was dir fehlt. .. 5. Wie oft, Herr! weint ich, und wie oft Half deine hand mir unverhofft, Oft jammert ich untröstbar heut, Und morgen schon ward ich erfreut. 6. Oft sah ich keinen ausgang mehr; Dann weint ich laut und klagte sehr: Wo bist du, mein Gott? schauest du Denn in Kreuz und Leiden. Denn meinem elend gar nicht zu? 7. Dann hörtest du, o Herr! mein flehn Und eiltest bald mir beizustehn. Du öffnetest mein auge mir; Ich sah mein glück und dankte dir! 8. Die stunde kommt früh oder spät, Wo dank und freud aus leid entsteht; Wo pein, die stunden nur gewährt, In ewge freuden sich verkehrt. 429 5. Drum hab, o ſeele, guten muth! Vertraue Gott! es wird noch gut Nach aller trübsal werden. Er ziehet dich Durchs kreuz zu sich, 3um himmel von der erden. 6. Gott ist dein Gott! er ist getreu Und stehet dir als vater bei In allem kreuz auf erden. Der leiden heer Wird nie zu schwer Durch ihn dem christen werden. 4. Wie lange währt der frommen leid? Nicht ewig, Herr! nur kurze zeit. Nach überstandnem leide Erquickest du Ihr herz mit rub Und einst mit ewger freude. 7. 68 haben ja zu aller zeit Die heiligen in traurigkeit hier oftmals wandeln müssen. Warum willst du Hier nur von ruh, Und nichts von trübsal wissen? 8. D bet und sich auf deinen Gott, In aller deiner angst und noth Laß, wie er will, es gehen. Sein will ist gut, Behalte muth: Gott wird dich einst erhöhen. Mel. In dich hab ich gehoffet. 555. Sei, feele! starf und unverzagt, Wenn irgend dich ein kum= mer plagt; Befiehl Gott deine sachen. In aller pein Bertrau allein Auf ihn! er wirds wohl machen. 2. Kein leiden kommt von ohngefähr, Die hand des höchsten schickt es her; Sein rath hats so ersehen. Drum sei nur still! Und was Gott will, Laß immer gern geschehen. 3. Bricht gleich der trübsal viel herein, So solls dir doch nicht schädlich sein; Gott kann sein kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. Sich ihm ergiebt, Den wird 556. Hilf, Helfer! bilf er nicht verlassen. in angst und noth; Erbarm dich mein, o treuer Gott! Ich bin doch ja dein liebes find, Trok teufel, welt und aller sünd. 2. Ich trau auf dich, o Gott, mein Herr! Wenn ich 9. Der du ein Gott des trostes bist, Laß jeden, der hier traurig ist, Doch deinen trost empfinden; Hilf, den du liebst Und prüfend übst, Den unmuth überwinden. Trostgesänge 430 ich dich hab, was will ich mehr? Ich hab ja dich, Herr Jesu Christ! Der du mein herr und heiland bist. 3. Deß freu ich mich! ja du bist mein. Ich bin getroft und harre dein. Du hilfft, du hilfst gewißlich mir; Dein name ist mir gut dafür! Mel. Vater unser im himmelr. 557. Ach Gott! wie manches herze= leid Hab ich in meiner wallfahrtszeit! Der schmale weg ist trübsalsvoll, Den ich zum himmel wandeln soll. Wie schwerlich lässet fleisch und blut Sich zwingen zu dem ewgen gut! 2. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein sinn, Bei dem mein herz trost, hilf und rath Allzeit gewiß gefunden hat. Niemand jemals verlassen ist, Der dir vertraut, o Jesu Chrift! 3. Du bists allein, der jedermann Rath, trost und hilf erzeigen kann, Welch wunder, das fein mensch ermißt! Daß du, mein Gott! mensch wor= den bist Und führest uns durch deinen tod Ganz wunderbar aus aller noth. 4. O du, mein Herr und Gott allein! Wie hoch kann uns dein nam erfreun! Es kann kein trauern sein so schwer, Dein süßer nam erfreut vielmehr. Kein elend mag so bitter sein, Dein süßer trost flößt lindrung ein. 5. Ob mir gleich leib und seel verschmacht, So weißt du, Herr! daß ichs nicht acht. Wenn ich dich habe, hab ich wohl, Was ewig mich erfreuen soll. Dein bin ich ja mit leib und seel: Was kann mir thun sünd, tod und höll? 6. Ktein' beßre treu auf erden ist, Als nur bei dir, Herr Jesu Chrift! Ich weiß, daß du mich nicht verläß'st; Dein' wahrheit bleibt mir ewig fest. Du bist mein rechter treuer hirt, Der ewig mich behüten wird. 7. Jesu, meine freud und ruhm, Mein herzensschaß und mein reichthum! Ich kanns doch ja nicht zeigen an, Wie hoch dein nam erfreuen kann! Wer glaub und lieb im herzen hat, Der wirds erfahren in der that. 8. Drum hab ich oft und viel gered't: Wenn ich an dir nicht freude hätt, Wollt ich den tod mir wünschen her, Ja, daß ich nie geboren wär. wär. Wer dich nicht hat, o lebensbrot! Der ist gewiß lebendig todt. 9. Du bist mir über alles werth, Mein höchster trost auf dieser erd, An dem allein ich mich ergek Weit über alle goldne schätz. Mein ganz gemüth in Kreuz und Leiden. 431 gemüth erfreuet sich. So oft lacht, Hat schleunig ihr geich nur gedenk an dich. sicht verstellt und den in leid gebracht, treu, 4. Der auf sie baut; wer aber traut Allein auf Gottes treu, Der siehet schon die himmelskron Und freut sicr ohne reu. 5. Mein Jesus bleibet meine freud; Was frag ich nach der welt, Die voll gefahr und traurigkeit Und endlich selbst zerfällt! 6. Ich bin ja schon mit Gottes sohn Im glauben hier vertraut, Der droben sitzt und hier beschützt Sein' auserwählte braut. 10. Wenn ich mein' hoffnung stell zu dir, So fühl ich fried und trost in mir; Wenn ich in nöthen bet und fing, So wird mein herz recht guter ding. Dein geist bezeugt, daß schon dabei Des ewgen lebens vorschmack sei. 11. Drum will ich, weil ich lebe noch, Gern tragen deines kreuzes joch. Mein Gott! mach mich dazu bereit, Es dient zum besten allezeit. Hilf mir dies werk recht greifen an, Daß ich den lauf vollenden kann. 12. Hilf mir auch zwingen fleisch und blut; Vor sünd und schanden mich behüt; Erhalt mein herz im glauben rein: So leb und sterb ich dir allein, Und du nimmst, Jesu! mich von hier Ins freudenreich hinauf zu dir. Mel. Nun bricht die finstre. 558. Was mich auf dieser welt betrübt, 7. Ach, Jesu! tödt' in mir die welt Und meinen alten finn, Der sich dir stets entgegen stellt; Herr! nimm mich völlig hin. 8. Und binde mich ganz feftiglich An dich, o Herr! mein hort! So irr ich nicht in deinem licht, Bin selig hier und dort. Mel. Was Gott thut, das iſt. Das währet kurze zeit; Was 559. Die bahn ist rauh, aber meine seele liebt, Das bleibt in ewigkeit. auf der ich hier Nach meiner heimath eile. Wie viel gefahr seh ich vor mir! Wie droht sie meinem heile! Gott, wärst du nicht Mein troft und licht, Mein heil in finstern tagen, So müßt ich längst verzagen. 2. Vor dir darf ich mein trau: 2. Drum fahr, o welt! mit ehr und geld Und deiner wollust hin; Im kreuz und spott kann mir mein Gott Erquicken muth und sinn. 3. Die thorenfreude dieser welt, Wie füß sie immer Trostgesänge 432 traurig herz, Erbarmer! nicht verhehlen, Darf meinen kummer, meinen schmerz Vertraulich dir erzählen; Dann schaffest du Mir troft und ruh Aus deiner gottesfülle, Und meine seel ist stille. 3. Du lebrest mich den hohen werth Der trübsal, die ich leide, Daß sie mich dir Mel. Wenn mein stündlein. vertrauen lehrt, Mich führt 560. Gin fremdling bin ich in der welt, zu wahrer freude. Ich würde dein Mich minder freun, Nur dieser welt begehren, Wenn keine leiden wären. Und kurz sind meine tage. So manche noth, die mich befällt, Reizt mich hier noch zur klage. Doch, Vater! deine ewigkeit Verfüßt mir Und prüfungszeit meine stärkt mich selbst im leiden.. 2. Jetzt, da die fünde mich noch drückt, noch drückt, Seufzt meine bange seele. Wie bald ist nicht mein herz berückt! Wer merkt, wie oft er fehle? Doch einst werd ich vollkommen rein, Ganz heilig und ganz selig sein: Dies tröstet meine seele. 4. Dein wort giebt mir die zuversicht: Du sorgst für meine tage; Dein auge schläft und schlummert nicht, Du hörest meine klage; Du krönst mich einst, Wenn du erWenn du erscheinst, In deinem heiligthume, Mit wonne, preis und ruhme. 7. Drum will ich dieses lebens schmerz, Mein Gott! geduldig tragen; Beruhigen soll sich mein herz, Nicht mehr voll unmuth klagen. Du bist bereit, Zur rechten zeit, Gott! von allen bösen Mich herrlich zu erlösen. 5. D, dann wird alle traurigkeit Aus meiner brust verschwinden; Vergessen werd ich ganz mein leid Und nur dein heil empfinden. Mein lobgesang, Voll preis und dank, Wird, dir zum wohlgefallen, Durch deinen himmel schallen. 6. Mich, den vollendeten, darf dann nicht mehr die sünd entweihen; Mit unschuld steh ich angethan In treuer knechte reihen, Und ewiglich Erfreust du mich, Daß ich, der mensch von erde, Gleich deinen engeln werde! 3. In stiller nacht fleh ich oft, Herr! Hinauf zu deiner höhe. Mein schwaches herz seufzt freudenleer, Wenn ich den morgen sehe. Ein blick gen himmel tröstet mich, Und meine thränen stillen sich Einst ganz in jenem leben. 4. Wenn mich der zukunft schicksal schreckt, Die noth der fernen tage; Wenn sie in mir die sorg erweckt, Ob ich in Kreuz und Leiden. 433 ich sie auch ertrage; So mil- bedacht Für aller menschen dert mir die ewigkeit Das kurze elend dieser zeit, Daß nicht mein herz verzage. sachen. Gott herrschet noch, Das glaube doch, Und laß ihn alles machen. 5. Wenn einst, der jetzt von ferne dräut, Der tod mir näher winket; Wenn, nach der arbeit dieser zeit, Mein haupt zum schlummer sinket: So sterb ich froh; die ewigkeit ewigkeit Zeigt mir des himmels herrlichkeit, Die alles übersteiget. 6. Herr! diesen troft, der mich erfreut, Vermehr in meinem herzen. Mich stärke deine ewigkeit Bei meiner wallfahrt schmerzen. Sie sei in meinem tod mein heil, Sei einst mein längstgewünschtes theil, Wenn ich die welt verlasse. Mel. Was mein Gott will, gesch. 561. Mein liebes herz, was zagest du Und kränkest deine sinnen? Du wirst, sorgst du gleich immerzu, Doch nichts dadurch gewinnen. Gehts nicht so her, Wie dein begehr; Was willst du dich drum grämen? Gott lebet noch, Den bitte doch, Er wird es auf sich nehmen. 2. Dort oben herrscht der herr der welt, Der alles wohl regieret, Der alles schützet, trägt, erhält Und wohl und weislich führet. Er schützt und wacht Mit vorN. A. 3. Die gaben seiner gütigkeit Vertheilt er nach gefallen, Doch mit gewissem unterscheid: Er schenkt nicht alles allen. Dort giebt er viel, Hier setzt er ziel Und maß in seinem geben. Drum glaube doch, Gott schenket noch Die nothdurft deinem leben. 4. Dem hat er großes gut bescheert, Der kann sich kaum ernähren; Dem fehlet witz, der ist gelehrt; Der niedrig, der in ehren. So ists be= stellt, So wird die welt Durch unterscheid erhalten. O, schließ daraus: Gott selbst hält haus, Den mußt du lassen walten. 5. Doch dein Gott will die arbeit auch nicht unterlassen haben; Er fordert auch den rechten brauch Der anvertrauten gaben. Drum deine gab Ja nicht vergrab; All deine kraft anwende Und glaube doch, Gott nährt dich noch Durch arbeit deiner hände. 6. Ist das, wonach man strebt und ringt, Mit Gott nur angefangen; So siehet man, daß es gelingt, Mit Gott es zu erlangen. sauren schweiß Und steten fleiß Läßt Gott gedeihen 28 komAuf Troftgesänge 434 kommen. Gott segnet doch, Das glaub ich noch; Er hilft ja allen frommen. 7. Ich sei in armuth oder reich, Steh unten oder oben: Mach mir es, Bater! alles gleich, Laß mich dich dennoch loben. So nehm ich an, So gern ich kann, Was deine vorsicht schicket: Sie schickt es doch, Das glaub ich noch, Wie mir es nützt und glücket. 8. Gehts gleich den from men oftmals schlecht Und wohl den schlimmsten leuten; Gilt unrecht oftmals mehr als recht: Laß mich es christlich deuten. Du ordnest schon Den gnadenlohn, Mich einst damit zu zieren. Gott liebt mich doch, Das glaub ich noch Und werd es künftig spüren. 9. Nun, ich befehl mein ganzes thun Dir, Herr! und mich daneben; Ich lasse angst und sorgen ruhn, Dir sei es beimgegeben. Ich bleibe still; Nur wie Gott will Mag künftig alles gehen: Er hilft mir doch, Das glaub ich noch, Sein wille muß geschehen. G8 2. Gott, 68 hilft uns unser Der alles weiß und fiehet, Dem auch das innerste Des herzens nicht entfliehet. Ja alles, was uns fehlt, Und unser sehnlich flehn, Das hat der höchste schon, Bon ewigkeit gesehn. 3. Es hilft uns unser Gott, Der alles wohl voll= führet Und auf das weiseste Zu aller zeit regieret. Sein herrlicher verstand Sieht es am besten ein, Was uns wahrhaftig kann Gut oder schädlich sein. 4. 68 hilft uns unser Gott, Der alle macht besitzet, Dem nichts unmöglich ist; Wohl uns, daß er uns schützet! Ift unser leiden gleich Sehr groß und mancherlei; Getroft und unverzagt! Die allmacht steht uns bei. 5. Es hilft uns unser Gott, Den unser jammer rühret, Der aus so mancher noth Uns väterlich geführet; Der aller güte voll, Die liebe selber ist, Und von dem alles beil Auf uns durch Chriftum fließt. Mel. Gott, du frommer. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 562. s hilft uns unser 563. Getreuer Gott! Gott, Er höret unser flehen;, Wir dürfen stets getroft 3u seinem throne gehen. Wenn wir in demuth ihm Nur klagen unsre noth; So werden wir erhört, So hilft uns unser Gott. dein vaterherz, Deß güte sich nie endet, Hat, wie ich weiß, mir diesen schmerz, Dies leiden zugesendet; Ja, Herr! weiß, daß du die last ich Aus liebe in Kreuz und Leiden. 435 liebe aufgeleget hast Und zen, beten. So lang ein herz gar aus feinem hasse. du nur hofft und gläubt Und im gebet beständig bleibt, So lang ists unbezwungen. 7. Ach, Jesu! der worden bist Mein heil mit deinem blute; Du weißt, was kreuz und leiden ist, Und wie dem sei zu muthe, Den kreuz und schweres leiden plagt: Drum wirst du, was mein herz dir klagt, Auch leicht zu herzen fassen. 8. Ich weiß, du wirst in deinem sinn Mit mir mitleiden haben und mich, wie ichs bedürftig bin, Mit deinem trofte laben. O, reich mir schwachen bald die hand, Wenn aus versehn und unverstand Mein fuß ja straucheln sollte. 9. Sprich meiner seele kräftig zu! Du fannst mein herze trösten: Denn du bist ja der müden ruh, Die zuflucht der erlösten; Drum nimm dich meiner schwachheit an, Du weißt wohl, was ich tragen kann, Und siehst auf mein vermögen. 10. Und wenn ich ja, nach deinem rath, Hier soll noch länger leiden; So laß mich nichts von deiner gnad Und deiner liebe scheiden: Daß ich im glauben stets geduld Und durch geduld, Bis an Gott! deine huld mein end erhalte. 28* 2. Denn das ist allzeit dein gebrauch: Wer dein kind ist, muß leiden; Wen du aufnimmst, den stäupst du auch, Giebst schmerzen, statt der freuden; Führst in die tiefe, thust uns weh, Und führst uns wieder in die höh Und wechselst lust und thränen. 3. Das hat, Herr! dein geliebter sohn Erfahren selbst auf erden: Denn eh er kam zum ehrenthron, Mußt er gekreuzigt werden. Er ging durch trübsal, angst und noth; Ja durch den herben bittern tod Drang er zur himmelsfreude. 4. Hat nun dein sohn in deinen rath So willig sich ergeben, Was will, bei meiner missethat, Ich dir doch widerstreben? Er ist der spiegel der geduld, Und wer sich fehnt nach deiner huld, Der muß ihm ähnlich werden, 5. Was mir noch fehlt, gieb selbst, o Gott! Erhalte meinen glauben, Daß mir denselben weder noth Noch fummer möge rauben. Erhalte mich, mein fels und hort! Befestge mich in deinem wort, Behüte mich vor murren. 6. Bin ich ja schwach, laß deine treu Mir an die seite treten; Hilf, daß ich unverDroffen sei 3um rufen, seufMel. Troftgesänge 436 Mel. Christus, der uns selig. 564. Lasset doch den weisen Gott Nach belieben machen. Ueberlaßt ihm eure noth Und verworrne fachen. Seine weisheit weiß ja wohl, Wann sie hilfe geben, Wo und wie sie rathen soll In dem ganzen leben. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, zeit und maße; Fraget nicht mit ungebühr, Was er thu und lasse? Er fängt ja nicht heut erst an Auch für euch zu sorgen. Alles, was euch nüßen kann, Ist ihm unverborgen. 3. Was der weise Gott nur thut, Was er schafft auf erden, Das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden: Gingen gleich die fachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie, nach unserm licht, Etwa gehen sollten. 4. Drum, o weiser Gott! dir sei Alles heimgestellet; Leite mich nach deiner treu, Wie es dir gefället. Geht es mir gleich wunderlich Hier auf dieser erden; Laß mich nur, ich bitte dich, Endlich selig werden. wanken, Wie soll ichs Gott verdanken, Daß ich dann zu ihm beten kann? 2. Oft raubten bange schmerzen Den frieden meinem herzen Und störten meine ruh; Doch wenn mich kummer quälte, Dann sleht ich, dann beseelte Dein troft mich, Gott! dann hörtest du. 3. Dann trug ich meine leiden Mit größerm muth und freuden, Und ruh empfand mein geist: Ich fand dann im gebete Den troft, um den ich flehte, Den trost, den uns dein wort verheißt. 4. Fleht ich zu dir am morgen, So schwiegen meine sorgen Den ganzen tag in mir; Mit ruhigem gemüthe Vertraut ich deiner güte Und überließ mein schicksal dir. 5. Und ruhig war mein schlummer, Wenn ich dir meinen kummer, O Gott! zuvor geklagt. Von diesem troft umgeben, Daß du wachst für mein leben, War meine seele unverzagt. 6. Wenn auch noch manche tage Mir traurig, unter plage Und unter gram, vergehn: Laß, Herr! in meinen leiden Mich nie dein antlik meiden, Mich immer kindlich zu dir flehn. Mel. Nun ruhen alle wälder. 565. Könnt ich in meinen nöthen Nicht Gott vertraun, nicht beten, Wie elend wär ich dann! 7. Und laß mich stets emWenn troft und hoffnung pfinden, Daß die dein antlikz in Kreuz und Leiden. 437 lik finden, Die gläubig dir glücklich werden; Und was vertraun. Mit ruhevollem herzen Will ich, in meinen schmerzen, Auf dich nur meine hoffnung baun. Mel. Herzliebster Jesu, was. 566. Ein herz, o Gott! in leid und kreuz geduldig, Das bin ich dir und meinem heile schuldig. Laß mich die pflicht, die wir so oft vergessen, Täglich ermessen. 2. Bin ich nicht staub, wie alle meine väter? Bin ich vor dir, Herr! nicht ein übertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren tage Standhaft ertrage? 3. Wie oft, o Gott! wenn wir das böse dulden, Erdulden wir nur unsrer thorheit schulden Und nennen lohn, den wir verdient bekommen, Trübsal der frommen! 4. Doch selbst, o Gott! in strafen unsrer fünden Läß'st du den weg zu unserm heil uns finden, Wenn wir sie uns, die missethat zu hassen, Erwecken lassen. 5. Streb ich nur nach dem frieden im gewissen, Wird alles mir zum besten dienen müssen. Du, Herr! regierst, und stets gewährt dein wille Gutes die fülle. SUIT 6. Ich bin ein gast und pilger auf der erden; Nicht hier, erst dort soll ich ganz sind gegen euch, ihr ewgen freuden, Dieser zeit leiden? 7. Ich bin ein mensch, und leiden müssen kränken; Doch in der noth an seinen schöpfer denken Und ihm vertraun, dies stärket unfre herzen Mitten in schmerzen. 8. Schau über dich, wer trägt der himmel heere? Merk auf, wer spricht: bis hieher! zu dem meere? Ist er nicht auch dein helfer, dein berather? Ewig dein vater? 9. Willst du so viel als der allweise wissen? Jetzt weißt du nicht, warum wir leiden müssen; Allein du wirst, was seine wege waren, Nochmals erfahren. 10. Er züchtigt uns, daß wir uns zu ihm nahen, Die heiligung des geistes zu empfahen Und mit dem trost der hilfe, die wir merken, Andre zu stärken. 11. Das kreuz vom herrn wirkt weisheit und erfahrung; Erfahrung giebt dem glauben muth und nahrung. So stehe dann in deinem glauben feste; Hoffe das beste! Mel. Herr Jesu Christ, du. 567. Wie mein getreuer vater will In allen schweren sachen, So halt ich ihm gehorsam still Und laß ihn ferner machen. Er 438 Er wird schon, wie ein vater thut, Dieweil ich steh in seiner hut, Für meine wohlfahrt wachen. Troftgefänge 2. Ob ich gleich denke dies und das Mit hochbetrübten finnen; Ob ich gleich sorg ohn unterlaß, Was ich doch soll beginnen; So kann ich, durch mein herzeleid, Der kleinsten widerwärtigkeit Doch nie was abgewinnen. 3. Drum laß ichs gehen, wie es geht, Und meine thränen fließen; Gott wird sie, weil es bei ihm steht, 3u rechter zeit versüßen; Sein liebreich herz wird schon einmal Nach dieser überstandnen qual Mich zu erfreuen wissen. 4. Indessen leid ich mit geduld, Bis Gott sich wieder finde; Denn dies und mehr hab ich verschuld't Mit meiner großen fünde. Ich weiß, Gott reißt mich wunderbar Noch solchermaßen aus gefahr, Als ich jetzt nicht ergründe. 5. Wirst du nur ferner, Gott mein hort! Vom zweifel mich befreien Und mir im glauben durch dein wort Beständigkeit verleihen: So weiß ich, daß mein großes leid, Sammt aller widerwärtigkeit, Mir muß zum heil gedeihen. Mel. Nun ruhen alle wälder. 568. Was ists, daß ich mich quäle? Harr Gottes, meine feele, Harr und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüßzet! Gott weiß es und Gott schützet; Er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine tage, Mein glück und meine plage, Eh ich die welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, Ch ich ihn vater nannte, War er mir schon mit hilfe nah. 3. Die kleinste meiner forgen Ist dem Gott nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem frieden, Wärs auch die größte last der welt.co 4. Ich lebe nicht auf erden, Ganz glücklich hier zu werden; Die lust der welt vergeht. Ich lebe hier, im segen Den grund zum glück zu legen, Das ewig, wie mein geist, besteht. 5. Was dieses glück ver= mehret, Sei mir von dir gewähret, Gott! du gewährst es gern. Was dieses glück verletzet, Wenns alle welt auch schätzet, Sei, Herr mein Gott! mir ewig fern. 6. Sind auch der krankheit plagen Und mangel schwer zu tragen, Noch schwerer haß und spott; Se harr ich und bin stille 3u Gott: denn nicht mein wille, Dein wille nur gescheh, o Gott! 7. Du in Kreuz und Leiden. 7. Du bist der müden stärke, Und aller deiner werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn du mich willst bewahren? Und du, mein Gott, bewahreft mich. Mel. Jesus, meine zuversicht. 569. Seele, lobe deinen herrn Mit erkenntlichem gemüthe! Auf, und bring ihm herzlich gern Preis und dank für seine güte! Seele, auf! vergiß es nicht, Was von Gott dir guts geschicht: 2. Der dir fünden gern vergiebt, Der dir dein gebrechen heilet, Der dein leben schützt und liebt, Wenn es zum verderben eilet; Der dir, wenn dein auge weint, Doch mit troft und hilf erscheint. 439 seufzest: Herr, wie lange! Und, seele, dir wird bange, von Gott verDaß du lassen bist. 2. Hat, sprichst du, Gott vergeben, Mir gnade, heil und leben In seinem sohn verliehn; Wo sind des geistes triebe? Warum fühl ich nicht liebe, Nicht freudiges vertraun auf ihn? 3. Gutes und barmherzigkeit Folgen mir in meinem leben: Ja, er wird mir nach der zeit Platz in seinem hause geben. Da, da werd ich ewig sein, Ewig seiner huld mich freun! In geistlichen Anliegen. da Mel. Nun ruhen alle wälder. 3. Mühselig und beladen Hör ich das wort der gnaden; Allein mich tröstets nicht. Ich kann in meinen nöthen Nicht zuversichtlich beten. Ich denk an Gott, doch ohne licht. 570. Du klagst in schweren leiden, Klagst, daß der geist der freuden Von dir gewichen ist. Du 4. Sonst fonnt ich seinen willen Mit freudigkeit er füllen, Sein wort war mir gewiß. Jetzt kanns mein herz nicht fassen; Mein muth hat mich verlassen, und meinen geist deckt finsterniß. 5. Mit bangen zweifeln quäle Ich mich, und meiner seele Ist Gottes hilfe fern. Ich suche ruh und finde In mir nur immer sünde, Nur unmuth, keine lust am herrn. 6. Gott siehts, und deine schmerzen Sind zeugen beßrer herzen, Christ, als dir deines scheint. Selbst dies, daß dichs betrübet, Daß ihn dein herz nicht liebet, Beweist: noch seis mit ihm vereint. 7. Kein mensch kann Gott erkennen, Noch Jesum gläubig 440 big nennen, Als durch den heilgen Geist. Er ists, den du empfangen, Der dich nach Gott verlangen Und sein erbarmen suchen heißt. 8. Trau ihm: er wohnt bei denen, Die so nach ihm sich sehnen. Er kennt und will dein glück, Hört deines weinens stimme, Verbirgt er, als im grimme, Sich dir gleich einen augenblick. Troftgesänge 9. Gott ließ so manchen frommen In diese trübfal kommen Und stand ihm mächtig bei. Du sollst dein nichts empfinden, Auf Gott allein dich gründen Und sehn, was seine gnade sei. 10. Vor stolz dich zu bewahren, Läßt er dich angst erfahren Und häufet dir die laft; Prüft dich wie gold im feuer, Macht dir dein heil recht theuer, Damit du haltest, was du hast. 11. Jetzt ist um trost dir bange: Denn züchtigung, so lange Sie da ist, scheint uns hart. Doch nachmals wird fie geben Zufriedenheit und leben Dem, der durch sie geübet ward. 12. Faß dich in deinen nöthen; Sprich: wollt er mich auch tödten, So harr ich dennoch sein, Des Gottes der erlösten! Will er nicht eh'r mich trösten, Wird er mich doch im tod erfreun. Mel. 571. Christus, der uns selig. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte seele! Was liegst du, Gott fast zum spott, In der schwermuthshöhle? Merkst du nicht des satans list? Er will durch sein kämpfen Deinen trost, den Jesus Christ Dir erworben, dämpfen. 2. Halte dich an Gott und sprich: Flieh, du alte schlange! Was erneu'rst du deinen stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der kopf zerknickt, Und ich bin durchs leiden Meines Jesu dir entrückt In das reich der freuden. 3. Wirfst du mir die sünde für? Wo hat Gott befohlen, Daß mein urtheil ich bei dir Ueber mich soll holen? Wer hat dir die macht geschenkt, Andre zu verdammen? Liegest du doch selbst versenkt In der höllen flammen. 4. Hab ich was nicht recht gethan, Reut es mich von herzen; Dahingegen nehm ich an Christi blut und schmerzen: Denn dies ist das lösegeld Für die missethaten; Wenn mein herz das Gott vorhält, So wird mir gerathen. 5. Christi unschuld ist mein ruhm, Sein recht meine frone, Sein verdienst mein eigenthum, Wo ich sicher wohne Als in Kreuz und Leiden. 441 Als in einem festen schloß, zwar Traurig und mit thräDas kein feind kann fällen, Stürmete gleich auf mich los Alle macht der höllen. nen; Aber endlich bringt das jahr, Wonach sie sich sehnen: Denn es kommt die erntezeit, Wo fie garben machen. Da wird all ihr gram und leid Lauter freud und lachen. 6. Stürme, teufel, höll und tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner noth Gott mit vielen gnaden, Der Gott, der mir seinen sohn Selbft geschenkt aus liebe, Daß der ewge spott und hohn Mich dort nicht betrübe. 7. Ich bin Gottes, Gott ist mein: Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe kreuz herein Sammt dem bittern leide; Laß es dringen: kommt es doch Von geliebten händen Und verschwindet heute noch, Wenn es Gott will wenden! 11. Ei so faß, o christenherz! Alle deine schmerzen; Wirf fie fröhlich hinterwärts, Laß den troft im herzen Dich erfüllen mehr und mehr: Gieb dem großen namen Deines Gottes preis und ehr, Er wird helfen. Amen. 572. Weicht, weichet nur von mir, Ihr lästernde gedanken! Ich bleibe Gott getreu, Von dem will isl ich nicht wanken. Ihr seid ja nicht mein sinn, Noch meine lästerung, Weil ich ein andres glaub, Gott zur verherrlichung. bod 8. Kinder, die der vater soll Ziehn zu allem guten, Die gerathen selten wohl Ohne zucht und ruthen. Bin ich denn nun Gottes kind; Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner sünd Bill zum guten ziehen? 9. Es ist herzlich gut gemeint Mit der christen plagen; Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen. Nein, Gott selbst macht uns bewußt: Die mit Chrifto leiden, Die genießen mit ihm lust Dort im reich der freuden. pinallis Mel. O Gott, du frommer Gott. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich ge= schiehet Und was mein will nicht ist; Ja, was mein herze fliehet, Woran ich abscheu hab, Was ich nicht selber thu, Das rechnet er mir auch Als meine schuld nicht zu. 3. So lang in Gottes kraft Ich nur noch widerspreche Und hiemit jeden pfeil, So viel ich kann, zerbreche; So schadet er mir nicht, Weil ja AT 450 10. Gottes Finder säen mein widerspruch Bon Christi 101 Bidugnade Trostgesänge Ant 442 gnade zeugt, Der mich befreit vom sluch. 4. Crum, ängstet ihr mich gleich In lästerhaften worten; Ja, tobt ihr noch so sehr In mir an allen orten: Gott ist dennoch mein freund; Ich weiche nicht von Gott; Er weicht auch nicht von mir In meiner angst und noth. 5. Bisher habt ihr von Gott Mein herz noch nicht vertrieben. Ihr könnet es auch nicht; Gott will ich ewig lieben! Und, weils mein will nicht ist, Was ich so oft empfind, So bin und bleib ich doch Des höchsten liebes find. 6. Gott sieht mein elend wohl, Mein seufzen, weinen, schreien Und wird zu seiner zeit Mich auch davon befreien. Indeß begnüg ich mich An seiner huld und gnad, Die in den schwachen sich Stets stark erwiesen hat. 7. Ach ja, ich werde einst Vollkommen überwinden; Bald werd ich ruh und trost In meinem herzen finden. Ich seh den himmel dann Mit freuden wieder an; Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. 593250/0 on Mel. Jesu, deine heilge wunden. 573. Ach!! die zweifelnden gedanken: Werd ich treu und standhaft sein? Werd ich siegen? werd ich wanken? Wank ich, wird mir Gott verzeihn? Dieser zweifel sind so viel; Diesesuchen, Gott! das ziel Deines rufes meinen blicken 3u verdunkeln, zu entrücken. 2. Aber du hast auch gelitten, Jesu Christe! nicht für dich; Einen harten kampf gestritten, Der versuchung kampf für mich. Meine hilfe sei denn du! Gieb der müden seele rub! Jede sünde will ich hassen. Ach, wie kannst du mich verlassen? 3. Meine seele betet: stärke Mich, o mittler! und du hörst.. Ruhe giebst du; ja ich merke, Daß du kraft und muth ge= währst. Sei der lüfte weg doch breit, Schmal der weg der heiligkeit; Fröhlich sei dort das getümmel: Deine bahn nur führt zum himmel. 4. Weicht, ihr zweifelnden gedanken: Werd ich treu und standhaft sein? Werd ich siegen? werd ich wanken? Wank ich, wird mir Gott verzeihn? Mein versuchter mittler giebt Hilfe jedem, der ihn liebt, Giebt mir hei lige gedanken, Muth und treue, nicht zu wanken. 18 Bei Mangel an zeitlichen men Gütern. 574. 574. Warum betrübst War du dich, mein herz? in Kreuz und Leiden. 443 hielt er zu Und gab ihm sicherheit und ruh. Ver herz? Bekümmerft dich und trägest schmerz Nur um das zeitlich gut? Vertrau du deinem herrn und Gott, Der alle ding erschaffen hat. 2. Er kann und will dich laffen nicht, Er weiß auch wohl, was dir gebricht, Himmel und erd ist sein; Mein vater und mein herr ist Gott, Der mir beisteht in aller noth. 3. Weil du mein Gott und vater bist, Dein kind wirst du verlassen nicht, Du väter liches herz! Ich weiß, daß du mich nicht verstoß'st, Auf erden hab ich keinen troft. 4. Der reich' verläßt sich auf sein gut; Ich aber will vertraun mein'm Gott; Ob ich gleich werd veracht't, So weiß und glaub ich feftiglich: Wer dir vertraut, dem mangelts nicht. 5. Elias! wer ernährte dich, Als einst des himmels regen sich So lange zeit verzog? Dich nährte einer wittwe hand, zu der du warst von Gott gesandt. 6. Wer war es, der zu andrer zeit In deinem fummer dich erfreut? Wer gab dir speis und trank? Hat nicht zur stärfung deiner fraft Sie Gott durch engel dir verschafft? 7. Gott dachte auch an Daniel, Als ein erzwungener befehl Ihn zu den löwen warf. Der löwen rachen 8. Der junge Joseph ward bestraft Um tugend mit gefangenschaft: Wozu erhob ihn Gott? 3um herrn, der, seiner hoheit werth, Des vaters ganzes haus ernährt. 9. Und ging aus seines vaters haus Nicht Jacob leer und einsam aus? Ein flüchtling, ohne schuß! Und sehet! überhäuft mit glück, Kam er nach kanaan zurück. * 10. Ach Gott! du bist noch heut so reich, Als du gewesen ewiglich, Mein vertraun steht ganz zu dir. Mach mich an meiner seele reich; So hab ich gnug hier und ewiglich. 11. Der zeitlich'n ehr will ich gern entbehrn, Du wollst mich nur des ew'gen gewährn, Das du erworben hast Durch deinen herben bittern tod, Das bitt ich dich, mein herr und Gott. 12. Alles, was ist auf dieser welt, Es sei pracht, ehre oder geld, Reichthum und zeitlich gut, Das währt nur eine kleine zeit Und hilft doch nicht zur seligkeit. 13. Sohn Gottes! herzlich dank ich dir; Daß du auch solchen finn in mir Durch dein wort haft erzeugt. Erhalt ihn in mir jederzeit Zu meiner seelen seligkeit. 14. Lob, ehr und preis fei Troftgesänge 444 sei dir gebracht, Daß du es immer wohl gemacht. In Demuth bitt ich dich: Verwirf von deinem angesicht Mich, Herr mein Gott! nur ewig nicht. kann? Bleibt nicht alles in der welt, Wenn dein geift, nach Gottes schluß, Diese welt verlassen muß?:: 6. Aber was die seele nährt, Gottes huld durch Chrifti blut, Wird von keiner zeit verzehrt, Ift und bleibt ein ewig gut. Irdisch gut zerfällt und bricht, Himmlisch gut verschwindet nicht.:,: 7. Wüßte, der im himmel lebt, Daß dir wäre nütz und gut, Wonach hier so eifrig strebt Dein verderbtes fleisch und blut; O so reicht er dir fürwahr Dies und mehrers reichlich dar.:,: 8. Gott ist lieb- und gnadenvoll; Gott ist dir von herzen treu. Wenn du wünscheft, prüft er wohl, Wie dein wunsch beschaffen sei. Ist dirs gut, so geht ers ein; Ist dirs schädlich, spricht er nein!:,:#nis 811? i 9. Ei, so richte dich empor, Du betrübtes angesicht! Laß das seufzen, nimm davor Deines glaubens freuden4. Thöricht ist, wer sich licht; Das behalt, wenn dich hier kränkt Um ein wenig die nacht Deines fummers eitelkeit, Da ihm Jesus traurig macht.:: ir schätze schenkt, Welche keine 10. Seße, als ein himzeit zerstreut. Bleibt der melssohn, Deinen wünschen himmel dein gewinn, Gieb den maß und ziel. Rühre oft ftaub nur immer hin.:,:vor Gottes thron Deines dankes saitenspiel, Weil dir mehr gegeben ist, Als du, sünder! würdig bift.:: 5. Schau nur alle güter an, Die dein herz für güter hält; Sag, ob eins mitgehen 11. Führe Mel. Singen wir aus herzensgr. 575. Nicht so traurig, nicht so sehr, Meine seele! sei betrübt, Daß dir Gott an gut und ehr Nicht so viel als andern giebt. Habe gnug an deinem Gott! Hast du den, so hats nicht noth.:,: usd 2. Was hast du, o menschenkind, Für ein recht zu gut und geld? Sind nicht wir, die sterblich sind, Gäste einer fremden welt? Gott ist herr, sein ist dies haus; Wie er will, so theilt er aus.:,: 3. Bist du doch darum nicht hier, Daß du schätze haben sollt. Schau den himmel über dir, Da ist mehr, als irdisch gold; Da ist ehre, da ift freud, Freud ohn end, ehr ohne neid.:,: in Kreuz und Leiden. 445 11. Führe deinen lebens- ich würd in guten tagen, lauf Allzeit Gottes eingedenk. Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohl bedacht geschenk: Geht dirs widrig, laß es gehn; Gott und himmel bleiben stehn.:,: Nicht mehr nach dir und deinen rechten fragen, Mich stolz erheben, dir undankbar sein, Mich mehr der gaben, als des gebers freun. 6. Du sahst, die liebe würd in mir ersterben, Die zeit würd ich in müßiggang verderben, Das eitle lieben und in sicherheit Nicht sorgen für das glück der ewigkeit. Nach Verlust der zeitlichen Güter. Mel. Mein Herz und feel den. 576. Du hast es mir ge= geben und genommen; Ich danke dir, regierer deiner frommen! 3war ist mein geist nun sehr betrübt in mir, Doch, o mein weiser Vater! dank ich dir. 2. Du willst es, Gott! untadlig ist dein wille, Du bist der herr, und meine feel ist stille! Gewiß, du führst mich dennoch väterlich; Das trau ich dir und deß getröst ich mich. 3. Wenns nützlich mir und wenn es deiner ehre, Allwis sender! gemäß gewesen wäre; So hättest du mit milder vaterhand Mir lieber mehr an gütern zugewandt. 4. Was hülfs, hätt ich die ganze welt gewonnen Und wäre doch nicht der gefahr entronnen, Darin man leicht durch güter dieser welt, Bei ihrem überfluß und mißbrauch, fällt? On monip 5. Du sahst vielleicht, 7. Gott! wenn ich dies aufrichtig überlege, So preis ich dich und ehre deine wege. So viel gefahren schwebten über mir! Errettet hast du mich; deß dank ich dir. 8. Viel segen ist mir doch noch überblieben: Ein guter ruf und freunde, die mich lieben, Gesundheit, stärke und gewissensruh. Wie gnädig, o mein treuer Gott, bist du! 9. Sollt ich dir nicht von ganzem Herzen danken? Darf mein vertraun auf deine güte wanken? Gott! deine huld ift noch auf mich gericht't Und du verläsfest deine kinder nicht. 10. Ich bins gewiß, du wirst mir ferner geben, Was nöthig ist in diesem armen leben. Von dir, der so viel tausende ernährt, Wird mir ja leicht, was ich bedarf, gewährt. 11. Nun fördre du die arbeit meiner hände! Bur arbeit gieb mir kraft bis an mein ende! Sei du mein troft Trostgesänge 446 trost in meiner prüfungszeit! Reich werd ich einst bei dir in ewigkeit. Bei Haß und Verfolgung böser Menschen. auf richtger bahn In deiner furcht zu wandeln! 5. Den feinden übergieb mich nicht, Die mich voll frevel schmähen! So werd ich einst dein angesicht Im land des lebens sehen. Sei froh, harr unverzagt des herrn, Mein herz! denn er errettet gern; Er ist der arm des schwachen! Mel. Es ist das heil uns. 577. Der herr ist meines lebens fraft: Soll mir vor unglück grauen? Er ists, der rath und hilfe schafft; Ihm soll mein herz vertrauen. Er schützt mich vor der feinde heer; Ihr überIn Krankheit. Mel. Nun ruhen alle wälder. muth schreckt mich nicht mehr, 578. Ich hab in guten Hab ich ihn nur zum freunde. 2. Empöre dich, ohnmächtge welt! Mein herz soll nicht erschrecken. Gott wird in seinem heilgen zelt 3ur bösen zeit mich decken. Es muß doch, wie er will, ergehn. Er wird mich segnen, mich erhöhn Zum heile der erlösten. 3. Ja, Vater! neige mir dein ohr, Wenn höll und welt mir fluchen! Mein herz hält dein gebot dir vor: Ihr sollt mein antlik suchen. Ich eile, Herr! getroft zu dir, Verbirg dein antlih nicht vor mir Und laß dich gnädig finden! 4. Verlaß mich nicht, o Gott, mein heil! Wenn menfchen mich verlassen. Nimm du mich auf und sei mein theil Und befre, die mich haffen! Herr! nimm du mich zu gnaden an Und lehre mich, lebens glück empfunden Und freuden ohne zahl: So will ich denn gelassen Mich auch im leiden fassen; Geduld verfüßet mir die qual. 2. Ja, Herr! ich bin ein fünder, Und stets strafft du gelinder, Al gelinder, Als es der mensch verdient. Will ich, beschwert mit schulden, Kein zeitlich weh erdulden, Das doch zu meinem besten dient? geben, leben leben 3. Dir will ich mich erIn meinem ganzen Dich lieben, meinen herrn. Dir, Gott! will ich vertrauen Und nicht auf menschen bauen; Du hilfft und du errettest gern. 4. Laß du mich gnade finden, mich alle meine fünden Erkennen und bereun. Jetzt hat mein geist noch kräfte, Sein heil in Kreuz und Leiden. 447 heil laß mein geschäfte Und gnaden Und heilst den seedeine huld mein leben sein. lenschaden, Wenn du den körper stäupst. Mein leiden wird mir segen; Auch auf den rauhen wegen Seh ich, daß du die liebe bleibst. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des himmels erbe! Was schreckt mich grab und tod? Auch auf des todes pfade Bertrau ich deiner gnade. Du, Herr! bist bei mir in der noth. 6. Ich will dem fummer wehren, Gott durch geduld verehren, Im glauben zu ihm flehn. Ich will den tod bedenken; Du, Herr! wirst alles lenken: Und was mir gut ist, wird geschehn. 6. Vermindre meine plage, Verlängre meine tage, Wenn es mir nüßlich ist. Im neugeschenkten leben Will ich mich dir ergeben Und rüh579. Mein Sesu, der, men, daß du hilfreich bist. Mel. Nun ruhen alle wälder. 7. Doch ist mein werk vollendet, Sind zeit und lauf geendet, So waffne mich mit muth. Ich will mein sieches leben Gern für ein beßres geben; Machs nur mit meinem ende gut. voll schmerzen Und matt am leib und herzen, Am ölberg niedersank, Mein befter arzt und tröster! Ach! fiehe, dein erlöfter, Dein gläubiger, dein freund liegt frank! 5. Bernimm mein ächzendflehen! Laß mich dein antlitz sehen! Verbirg es nicht vor mir! Mein arzt, mein helfer, eile! Berbinde, lindre, heile! Denn meine hoffnung steht zu dir. 2. Wie viel gesunde stunden Sind wie ein traum verMel. Herzlich thut mich verl. schwunden! Wie schnell vers 580. Zeit, die ich ſeufz floß ein jahr! Du, Herr! bast mich gestärket Und kaum hab ichs bemerket, Daß ich gesund und glücklich war. zend Boll qual und ungemach! Betrübt ist meine seele Und kraft und odem schwach. Fast jeder morgen mehret morgen mehret Besorgnis mir und schmerz: Doch Gott will sein geehret; Chr ihn auch nun, mein herz! 3. Jeht, da ich schmerz empfinde, Denk ich an meine sünde; Mein unrecht ist mir leid. Du hast mich stets geliebet Und treu an mir geübet; Ich liebte dich nicht allezeit. 2. Was zieht dich noth und plage Von freud und danken ab? Gedenk der ersten tage, 4. Du züchtigst mich mit Die 448 Troftgesänge Die dir dein vater gab. O güte tage, reich an freuden, Un tausend segen reich! Was sind nun diese leiden, Vergleich ich sie mit euch. 3. Daß ihr mich einst beglücket, Wem dank ichs? Gottes huld! Daß krankheit mich jetzt drücket, Wem dank ichs? meiner schuld! Nun muß mir schmerz beweisen, Was leichtsinn oft vergißt, Daß dies mein fleisch nicht eisen, Mein bau nicht ehern ist. 4. Mein Gott! in tiefer reue mir meiner schuld bewußt, Komm ich, der ungetreue, Und schlag an meine brust: Laß mich nun gnade finden; So duld, ich demuthsvoll, Was ich, um meine sünden, 3um guten leiden soll. 5. Denn du lenkst stillen herzen Selbst plagen zum gewinn, Zeigst mir in großen schmerzen, Wie schwach, wie nichts ich bin, und läß'ft mich innen werden, Daß diese ganze welt Und alles gut der erden Nicht troft für mich enthält. 6. Du machst mich los von sünden, Dämpfst meinen übermuth Und läsfest mich empfinden, Das leiden sei mir gut. Du zeigst- mir in der nähe Zod, ewigkeit, gericht. Wenn ich nun in mich gehe, Verstößest du mich nicht. 7. Gott! dein weg ist Und ewig wird ers sein. Drück tief in mein ge= müthe Mir diese wahrheit ein, Daß in den tiefsten nöthen Ich doch von dir nicht laß, Und scheints, du wollt'st mich tödten, Ich dich im glauben faß. 8. O, schenk mir licht und gnade, Lebendig einzusehn, Es sei für mich kein schade, Den trübsalsweg zu gehn: Damit die last ich trage In siegender geduld Und nimmermehr verzage An dir und deiner huld. 9. Nun, so gescheh dein wille! Getreuer Gott! vor dir Ist meine seele stille; Denn täglich hilfft du mir. Wovor sollt ich erbeben, Bist du, o Gott! mein theil? Im tode, wie im leben, Bist du mein licht und heil. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 581. Die krankheit, du gerechter Gott! Die ich jetzt an mir spüre, Bezeugt mir, daß ich meinen tod Stets in und bei mir führe: Ja, jede stunde, jede zeit Erinnert mich der sterblichkeit Und spricht: denk an dein ende! 2. Du hast die schmerzen auferlegt, Die meine glieder plagen; Doch da mich deine liebe schlägt, Willst du mir damit sagen: Des todes ursach in Kreuz und Leiden. sach ist in dir, Dein leben aber kommt von mir Und steht in meinen händen. 3. Ja, wahrlich! deine vaterhand Will mich durch leiden rühren Und mich von dieser erde tand 3u edlern sorgen führen. Wenn ich gleich sehr entkräftet bin, Wird doch dein treuer vatersinn Mir, wo es dienlich, helfen. 4. Du giebst den blinden ihr gesicht, Die lahmen heiß'st du gehen; 68 müssen, wenn dein wort nur spricht, Auch todte auferstehen: Und also kannst du auch allein Der arzt in meiner schwachheit sein, Wenn menschenhilfe fehlet. 5. Willst du, mein Gott! der alles schafft, schafft, Ich foll Ich soll hier länger leben; So kannst du leicht den mitteln kraft Durch deine allmacht geben. Doch ist mein ziel des lebens da, Mein tod in dieser krankheit nah; Herr! so gescheh Herr! so gescheh dein wille. 6. Dies eine bitt ich: heile du Die wunden meiner seelen Und gieb dem müden herzen, rub, Wenn alle mittel fehlen. Denn lebt mein geift in dir, o Gott! So soll der mund bis in den tod Doch deine güte preiſen. N. A. Morgenlied eines Kranken. 449 Mel. Herr Jesu Christ, du. 582. Nach einer schmerzensvollen nacht Seh ich den morgen wieder. Dein auge, Gott! hat mich bewacht; Dich preisen meine lieder. In großer angst verliehst du mir Nicht trost allein,( ich danke dir, Mein Gott!) auch seelenstärke. 2. So trag ich gern der krankheit schmerz Und jedes meiner leiden. Zu dir erhebe sich mein herz, Du geber wahrer freuden! Durch leiden ziehst du mich zu dir Und immer, Vater! bist du mir Der fels, auf den ich baue. 3. Ich weiß, daß Gott mich nicht verläßt, Wenn auch der tod erscheinet; Ihn hält mein glaube dann auch feft, Wenn alles um mich weinet. Ich bin getrost, wenn, wer mich liebt, Mein sterbelager, tief betrübt, Mit frommen thränen nehet. 4. Auch sie verläßt mein vater nicht; vater nicht; Er stärket ihre herzen, Giebt trost und frohe zuversicht Und lindert ihre schmerzen. Ja, dir empfehl ich sie, o Herr! Sei du ihr schutz, allgütiger! So sind sie wohl versorget. 5. Doch sollten meiner tage viel Auf dieser erde werden; 29 Wär i Trostgesänge 450 Wär ich noch fern von meinem ziel, Dem ende der beschwerden: So gieb mir, Schöpfer! deine kraft, Die mir auch muth im leiden schafft Und in der noth mich stärket. Abendlied eines Kranken. Mel. Es ist gewißlich an der. 583. Herr! err! hab ich jetzt zum letztenmal Das sonnenlicht gesehen Und soll aus diesem jammerthal In dieser nacht ich gehen; So leuchte mir aus dieser zeit Du, sonne der gerechtigkeit! Zur bessern welt hinüber. 2. Ich fürchte nicht die lange nacht, Die wir im tode schlafen: Denn Jesus Christus nahm die macht Den die uns trafen. schrecken, die uns Sein tod ist unsre zuversicht, Und seine himmelfahrt das licht Auf dunkeln todeswegen. 3. Voll heilger hoffnung ist der christ, Der, von der welt entfernet, Auf erden schon im himmel ist Und täglich sterben lernet. Jetzt leb ich, morgen bin ich todt; Dies lehr mich denken, Herr mein Gott! Damit ich weise werde. 4. Schließt bald sich, was mich traurig macht, Des lebens gram und kummer, Und bist du, schlaf, in dieser nacht Zugleich mein todesschlummer; Gelobt sei Gott! ich bin bereit, Die hütte meiner sterblichkeit Mit freuden abzulegen. Fürbitte für einen Kranken. Miel. Laß, o Herr, dein ohr. 584. d gch will vor dein antlik treten; Du heiß'st uns für kranke beten! Drum will ich, Gott, zu dir flehn; Du wirst nicht mein flehn verschmähn. An dein wort halt ich mich feste: Was es heißt, das ist das beste; Es bleibt wahr, wenn alle welt Weder treu noch glauben hält! 2. Beßrung fleh ich für den kranken! Herr, ich glaub, laß mich nicht wanken! Dich, der helfen will und kann, Fleht Du mein herz um hilfe an. allmächtges, höchstes we Laß den kranken bald genesen! Zeig du án ihm deine kraft, Die vom tode rettung schafft. 3. Stärke die geschwächten glieder, Gieb den muntern geist ihm wieder; Reiß du ihn mit treuer hand Mächtig Wie von des todes rand! viel tausend matte herzen Hat von krankheit, angst und schmerzen, Jesu, Herr der herrlichkeit! Bloß dein wink, dein wort befreit! 4. Hat die kraft jetzt abgenommen? Gilt nicht mehr das flehn der frommen? Bist du in Kreuz und Leiden. du nicht an huld mehr reich? Nicht dir selber ewig gleich? Hörst du nicht mehr deine kinder? Bist du nicht das heil der fünder, Die voll demuth, voll vertraun Aus dem jammer auf dich schaun? 5. Beige, Jesu! daß du lebest Und den müden stärke gebest; Daß du trauernde erfreust, Auch für uns ein heiland seist! Denen, die sich zu dir drangen, Stilltest du ja ihr verlangen, Wiesest keinen Franken ab, Keinen, der sich dir ergab. 451 3. Wie viele meiner brüder, Die stärker sind als ich, Warf schmerz und frankheit nieder; Ich überwand durch dich. 4. Ich will mein neues leben,- Herr, ich gelob Dir ganz zu es dir! eigen geben. Sei ewig, Gott, mit mir! 6. Auch mich wirst du nicht abweisen. Dich, dich soll mein glaube preisen, Der von warmer liebe glüht, Dich umfaßt, wo er nichts sieht. Laß jetzt während meinem flehen Deine hilf den kranken sehen! Ach jetzt, Jesu, säume nicht! Halte, was dein wort verspricht! - Trost wider die Schrecken des Todes. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 586. 3 ch Ich will dich noch im tod erheben, Selbst nah am grabe preis ich dich. Zum segen gabst du mir mein leben; Nimmst du es mir, du segnest mich. Mein Gott! im leben war ich dein; Dein will ich auch im tode ſein. 2. Gott! welche feierliche stunden, Wenn du mich nun der erd entziehst, Auf mich, den du getreu befunden, Boll schonender erbarmung siehst! Allmächtiger, in dein gericht Gehst du mit mir erlösten Nach der Genesung. Mel. Christus, der ist mein. 585. Mit dankerfüllter nicht. seele Ruf ich dich, Bater! an: Ich rühm es und erzähle, Was du an mir gethan. 2. Wie elend war ich armer! Du hörtest mein geschrei; Du halfst mir, mein erbarmer! Und standst mit trost mir bei. 3. Der leib wird schwach; die irdsche hütte, In der mein geist hier wohnt, zerfällt; Schon gehen meine müden schritte Den weg zu Gott, aus dieser welt. Ich bin getrost und zage nicht; Denn Gott ist selbst mein heil und licht. 4. Wie sollt ich vor dem 29* tode Troftgesänge 452 tode beben, Da du für mich, Erlöser, starbft? Er ist durch dich der weg zum leben, Das du am kreuze mir erwarbst. Wie du ihn gingst, will ich ihn gehn; Wie du, werd ich auch auferstehn. 5. Laß qual und leid mich noch umringen; Laß mir die letzten schrecken dräun: Du, Herr! halfft mir die welt bezwingen, Mit dir darf ich den tod nicht scheun. So nah dem lohn, den Gott verspricht, So nah dem ziele, sink ich nicht. 6. Du wachefst über meine seele, Wenn ihre stärke sich verliert; Giebst deinem engel schon befehle, Der sie zu deinen freuden führt, Zu welchen der versöhnte christ, Durch Jest tod, berechtigt ist. 7. Ich will dich noch im tod erheben, Selbst nah am grabe preis ich dich: Denn ewig werd ich vor dir leben; Vor dir erfreu ich ewig mich! Für mich ist selbst der tod gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! 2. Wenn dann mich meine fünden sehr Bekümmern undanklagen, Weil ihrer viel, wie sand am meer, So laß mich nicht verzagen. Laß mich Ge= in meiner letzten noth denken, Herr! an deinen tod; So werde ich erhalten. 3. Ich bin ein glied an deinem leib, Deß tröst ich mich von herzen; Von die ich ungeschieden bleib In todesnoth und schmerzen, Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir; Ein ewges leben haft du mir mit deinem tod er= worben. 4. Weil du vom tod erstanden bist, Werd ich im Mein grab nicht bleiben; höchster trost dein auffahrt ist, Tod'sfurcht kann sie vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum geh ich bin mit freuden. 5. Ich geh zu dir, Herr Jesu Christ! Drum kann das grab nicht schrecken. Da rub mein leib! nach kurzer frist Wirst du ihn auferwecken. Dann führeft du, o Gottes Sohn! Mich ganz verklärt zu deinem thron, Führst mich zum ewgen leben. Mel. Wenn mein stündlein. 587. Wenn meine stunde da nun ist, Von dieser welt zu scheiden: So stärke mich, Herr Jesu Christ! Mit trosft aus deinem leiden, Mein' seel an meinem Mel. Jeju, deine tiefe wund. letzten end Befehl ich, Herr! 588. Freu dich ſehr, in deine händ, Du wirst wohl bewahren. meine Endlich komm ich doch zur ruh: Den in Kreuz und Leiden. 453 Den ich mir zum heil er- tern mag der bösewicht Vor wähle, Jesus Christus ruft mir zu: Aus der noth, aus großem leid Bring ich dich zur herrlichkeit, Zu dem sit verklärter frommen, In den himmel selbst zu kommen. dem tode und gericht; Aber nicht, der mit den frommen Soll zu Gottes ruhe kommen. 2. Ach, mich hat viel kreuz betroffen, Mancher sturm mein glück gestört! Gottes tröstung konnt ich hoffen, Und oft ward ich nicht erhört. Wie ein schwacher wandrer klagt, Oft nach seinem ziele fragt: So mußt ich mich oft mit thränen Nach dem lebensziele sehnen. 3. Heiter schien mir mancher morgen, Doch der abend wölkte sich, Und ein ganzes heer von sorgen Und von plagen schreckte mich). Mühe folgt den ganzen tag Jedem auf dem fuße nach. Auch der glücklichste muß sagen: Jeder tag hat seine plagen. 4. Welt und teufel, sünd und hölle, Unser eignes fleisch und blut, Sind so mancher leiden quelle, Lassen uns bei keinem muth. Leiden ist des säuglings los Schon auf seiner mutter schoß, Und der glücklichste auf erden Ist nie ganz frei von beschwerden. 5. Sollt ich also mich nicht freuen, Wenn ein sanfter tod mir winkt Und mich, um mich zu befreien, 3u Der ewgen ruhe bringt? 3it6. Und dies kann mein glaube hoffen, Daß ich werde auferstehn, Werde Gottes himmel offen, Werde meinen Jesum sehn. Ist der letzte kampf vorbei, So bin ich auf ewig frei. Jesus starb für meine fünden: Darum muß ich überwinden. 7. Mit dem freudigsten gewissen Gehe ich den letzten gang Und will meine bahn beschließen Mit gebet und mit gesang. Herr, der einst das paradies Jenem gläubigen verhieß, Hör auch meine letzte bitte; Segne meine letzten schritte! 8. Wollen mir die augen brechen Und vergeht mir das gehör; Kann die zunge nicht mehr sprechen Und befinn ich mich nicht mehr; Dann wirst du mir licht allein, Sprache und gedanke sein, Bis die seele von der erde Ganz ins licht erhoben werde. 9. Freu dich sehr, o meine feele! Endlich komm ich doch zur rub. Den ich mir zum heil erwähle, Jesus Christus ruft mir zu: Aus der noth, aus großem leid Bring ich dich zur herrlichkeit; Zu dem sitz verklärter frommen, In den himmel sollst du kommen! Mel. Trostgesänge 454 Mel. Herzlich thut mich verl. 589. In Gottes rath er= geben, Verlaß ich gern die welt: Ich geh zum bessern leben, Sobald es Gott gefällt. Was wärs, das mich betrübte! Dort schau ich ewig den, Den meine seele liebte, Noch eh ich ihn gesehn. 2. Er ruft, zur zeit der schmerzen, Uns voll erbarmen zu: Kommt her, beladne herzen, 3u mir und findet ruh! Dies wort aus deinem munde Soll, Herr! auch mich erfreun, Soll in der letzten stunde Mir geist und leben sein. 3. Mit dir muß mir es glücken, Den kampf zu über: stehn. Im gläubigen entzücken Laß meine seele sehn, Wie im gericht der sünder Du mit dem tode rangst, Und wie du, überwinder! Allmächtig ihn bezwangst. 4. Der frohe siegsgedanke: Wo ist dein stachel, tod? Stärk mich, daß ich nicht wanke In meiner todes noth! So ist, ob ich gleich sterbe, Doch sterben mein gewinn. Ich bin des himmels erbe; Dein wort sagts, daß ichs bin. 5. Du schriebst ins buch des lebens Auch meinen na= men ein. Dein blut kann nicht vergebens Für mich vergossen sein. Dir trauet meine seele; Dich lobt, was in mir ist, Erlöser meiner seele, Der du die liebe bist! Mel. Herr, deine allmacht reicht. 590. Mach 590. Mache mit mir, Gott, wie dirs gefällt; Hilf mir in allen leiden! Und rufest du mich von der welt, So will ich fröhlich scheiden. Dir, der du ewig mich erfreust, Befehl ich, Vater! meinen geist. 2. Gern will ich folgen, lieber Herr! Ich werde nicht verderben. Du bist bei mir, Allmächtiger! Drum kann ich freudig sterben: Verlaß ich auch gleich manchen freund, Der herzlich meinen tod be= weint. 3. Ruht doch mein leib in stiller gruft; 3um vater geht die feele, Bis ihn des Aus heilands stimme ruft seiner grabeshöhle. Wie werd ich mich dann seiner freun! Wie selig werd ich dann nicht sein! Totes 4. Und seh ich dich, o richter! dann, So werd ich nicht erbeben. Du nimmst mich, Herr! zu gnaden an; Die sünden sind vergeben. Dein eigner sohn, voll lieb und huld, Ertrug und tilgte meine schuld. WED 5. Warum sollt ich denn traurig sein, Wenn ich vor dir bestehe? Wenn ich, durch Chrifti in Kreuz und Leiden. Christi blut nun rein, In deinen himmel gehe? Getrost verlaß ich dich, o welt, Weil Gottes himmel mir gefällt. 591. Alle menschen müssen sterben, Alles fleisch vergeht wie heu: Was nur lebet, muß verder= ben, Soll es anders werden neu. Dieser leib muß erst verwesen, Soll er anders einst genesen 3u der großen herrlichkeit, Die den from men ist bereit. 2. Darum will ich dieses Wenn es meinem leben, Gott beliebt, Willig ihm zurücke geben, Bin darüber nicht betrübt: Denn in meines Jesu wunden Hab ich schon erlösung funden, Und mein trost in todesnoth st des herren Jesu tod. 3. Jesus ist für mich gestorben, Und sein tod ist mein gewinn. Er hat mir das heil erworben, Drum fahr ich mit freuden hin In die ruh aus dem getümmel, Aus der trübsal in den himmel, Da ich werde jederzeit Schauen die dreieinigkeit. 455 fangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der vater, sohn und geist! 5. Wo die patriarchen wohnen, Die propheten allzumal; Wo auf zwölf erhabnen thronen Sitzet der apo= stel zahl; Wo in so viel tausend jahren Alle fromme hingefahren, Deren jeder Gott lobsingt Und sein halleluja. bringt. 6. 4. Da, wo in dem freudenleben So viel tausend seelen schon, Mit des himmels glanz umgeben, Die nen Gott vor seinem thron; Wo die seraphinen prangen Und dies hohe lied anJerusalem du schöne, O wie helle glänzest du! Welch ein lieblich) lobgetöne Hört man da in stiller ruh! und der großen freud wonne! Dort, dort geht mir auf die sonne, Dort, dort bricht mir an der tag, Der kein ende nehmen mag. 7. O, ich habe schon erblicket Jenen glanz der herrlichkeit; Ich werd schon im geist geschmücket Mit dem weißen himmelskleid. Mit der goldnen ehrenkrone Steh ich schon vor Gottes throne, Schaue solche freuden an, Die kein mensch beschreiben kann. 8. Froh werd ich mein haupt erheben, Wenn die todten auferstehn, Und verklärt zum bessern leben In den neuen himmel gehn. Da, da finde ich verwandte, freunde und bekannte, Bin mit ihnen hoch erfreut, Preise Gott in ewigkeit. Treue -ada Gebet 456 Trostgesänge Gebet eines sterbenden Christen. Mel. Christus, der ist mein. 592. Mein Jesus ist mein leben! Reißt schon der tod mich hin: Was sollt ich ängstlich beben? Der tod ist mein gewinn. 2. Wer an ihn glaubt, wird selig; Dies wort steht ewig fest. Die freuden sind unzählig, Die es mich hoffen läßt. 3. Drum fahr ich hin in frieden Zu dir, o Jesu Christ! Von dir stets ungeschieden, Der du mein bruder bist. 4. Du kennest meinen glauben; Und keine furcht, noch) pein Wird mir auch nun ihn rauben: Ich bin und bleibe dein! 5. Bald hab ich überwunden! Schon weicht die finsterniß! Denn, Herr! durch deine wunden Ist mir der sieg gewiß. 6. Durch sie bin ich gereinigt; Durch sie mit Gott versöhnt, Durch sie dir fest vereinigt Und bald mit preis gekrönt! 7. Wer kann dich gnug erheben? Du hast, Sohn Gottes, dich Für uns dahin gegeben; Heil mir! du auch für mich! 8. Du wolltest strafen dulden, Die ich doch auf mich lud. Du tilgtest meine schulden Ganz durch dein göttlich blut! 9. Geheilt ist nun mein schade! Im himmel ist mein theil; O theure, hohe gnade! unaussprechlich heil! 10. Erlöser! sieh, ich sammle Noch meine letzte kraft Und preise preise dich dich und stammle, Welch heil du mir verschafft. 11. 3u dir, Herr! will ich flehen, So lang ich lallen kann; Du kannst mein innres sehen Und nimmst auch seufzer an. 12. Du selber hilfft mir ringen; Allmächtig hilfft dù mir Ins leben durchzudringen. Bald, bald bin ichbei dir. 13. Owohl mir! ich vollende Nun bald den schweren lauf! Du nimmst in deine hände Den geist, mein Heiland, auf! Fürbitte für einen Sterbenden. Mel. Laß, o Herr, dein ohr sich. 593. Vater aller menschenkinder! Jesus, mittler aller sünder! Jesus, der uns helfen kann, Höre unsre fürbitt an! Ach, mit göttlichem erbarmen Komm zu hilfe dieser armen Hilfs in Kreuz und Leiden. Hilfsbedürftgen kreatur! Liebe bist du, liebe nur! 2. Laß sie nicht in angst versinken! Jesus, du, du darfst nur winken! Laß fie nicht in noth vergehn; Was du willst, das muß geschehn! Heiland, arzt, sind deine namen! In der schwachen seele namen, Die nicht laut mehr flehen kann, Flehen wir dich, Heiland! an. 3. Sei mit deiner tröstung nahe! Was kein aug auf erden sahe, Laß sie sehn in deinem licht; Gieb ihr muth und zuversicht! Laß sie bald dein heil empfinden, Tod und schmerzen überwinden, Glauben, was dein wort verheißt; Hilf ihr, Gott, durch deiGott, durch deinen geiſt! 4. Reinige sie ganz von sünden! Laß sie gnade vor dir finden, Der du sie versöhnet hast! Nimm von ihr die schwere last; Nimm du an des lebens ende, Mittler, fie in deine hände! Eile und erlöse sie, Diese seel, aus aller müh. 5. Sieh, Herr! wie zu deinen füßen Unsre thränen vor dir fließen! Ach, beschließe ihren lauf! Nimm die müde seele auf, Auf zu dir, weg von der erde, Daß sie ewig selig werde, Daß wir ewig uns mit ihr Freun und selig sein in dir! Beim Tode geliebter Kinder. 457 Mel. O ewigkeit, du donnerwort. 594. Ach! mein kind ist bei mir( meine finder sind) nicht mehr! Mein traurig herz ist hoffnungsleer, Von freuden leer mein leben. Ich sah es( sie) wie den frühling blühn; Dir, dir hofft ich es( sie) zu erziehn, Gott! der es( fie) mir gegeben. Mein alter sollte es ( sollten sie) erfreun Und mir einst trost im tode sein. 2. Herr! ich verehre dein gebot. Doch laß mich meines findes( meiner kinder) tod, Barmherziger! beweinen. Du, der du aller vater bist Und weißt, was herz der eltern ist, Laß mich jetzt weinen! Ber= gehn und zeih den trieben der natur: Nicht murren- klagen will ich nur. NO T 3. Auch meine thränen preisen dich! Sie sind die zeugen, Gott! daß ich Das( die) liebte, was( die) du liebest Und nun im lichte deines throns, In der gemeinschaft deines sohns, In größrer tugend übest. Herr!- meine seufzer danken dir! Ich weiß, du trägst geduld mit mir. 4. Mit thränen preis ich dich auch einst, Wenn du zum weltgericht erscheinst. Ach! dann Trostgesänge 458 dann mit freudenthränen Werd ich mein kind dort wieder( dann meine finder) ſehn Und mit ihm( Mit ihnen) dankend vor dir stehn, Mich nicht mehr trostlos sehnen: Dann werden wir bei ſammen sein Und ewig uns vor dir erfreun. Beim Tode einer geliebten Ehegattin oder geliebter Freunde überhaupt. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 595. Ach, hier nicht mehr, ach, fern von mir, Bist du! ich weiß nichts mehr von dir, liebe, treue feele! Entflohn aus meinen armen weit Bist du vom thal der sterblichkeit, D beste, treuste ſeele! 2. Der freundschaft labsal ist dahin, Dein trost, wenn ich verlassen bin, Dein mitleid, wenn ich leide! Mir fehlt, mir fehlt die treue hand Am weg ins begre vaterland, Dein blick voll ernst und freude! 3. Ja, weinen darf ich, Gott! vor dir, Daß du die fromme seele mir So früh und bald entrissen. Die wunde blutet sehr, und ich, Ich flage, treue feel! um dich: Gott hat dich mir entrissen! 4. Doch, sei mein schmerz auch noch so groß; Die seele ruht in Gottes schoß: Ge= duldig will ich schweigen! Nein, Bater! feinen augenblick Wünsch ich sie in den staub zurück: Ich will vor dir mich beugen. 5. Der leichnam ruht im kühlen grab; Gott nahm ihm seine schmerzen ab Und jede last von leiden. Empor schwang sich der frohe geist Zu dem, der ganz die liebe heißt, Genießt nun Gottes freuden. 6. Die seele, die hier heilig war, Fei'rt dort mit der verklärten schaar Den sabbath der erlöften; Ist wonne; liebe, dank und licht Und lebt und schaut!- das sollte nicht Mein banges herze. trösten? 7. D trost, o hoher trost für mich! Mein banges herz, erheitre dich Und stille deine klagen! Erlöst von ihres leibes joch, Lebt die geliebte seele noch; Und ich, ich sollte zagen? 8. Nein, stille will ich Gott vertraun. Wer hier ihm glaubt, wird dort ihn schaun Und hier ihn schon empfinden. Ich weiß, streb ich zu Gott empor, Ich werde, was ich hier verlor, Bei ihm dort wieder finden. 9. 3war hört, wenn einst mein auge bricht, Mein ohr von in Kreuz und Leiden. von dir, o theure, nicht Gebet, nicht trost, nicht segen; Doch wenn, durch Gottes kraft, mein geist Sich im triumph dem staub entreißt, So eilst du mir entgegen. 10. Dann schau und bet ich an mit dir; Wir beid ein herz: dann singen wir Von weggeweinten leiden Und von des glaubens hohem lohn, Sind freud und dank und schmecken schon Der seligkeiten freuden. 11. Gedanke der unsterb= lichkeit, Erleuchte jede dunkelheit! Gieb muth mir, wenn ich wanke! Veredle jede leidenschaft, Erfülle mich mit heldenkraft, Erhabener gedanke! 459 3. So viel seit so viel Verlaßne wittwen jahren waren, So viel hast du verpflegt. Die in bekümmernissen Sich, Gott! auf dich verließen, Sahn ihre last auf dich gelegt. 4. Auch mich wird dein arm stärken, Auf mich dein auge merken und auf mein flehn dein ohr! Mit ernstem, heißem flehen Will ich auch vor dir stehen und seufzen, Gott! zu dir empor. 5. Still will ich mein joch tragen. Dir, Vater! darf ich sagen, Was je mein herze drückt! Du bist mir in der nähe, Gott! den ich zwar nicht sehe, Den aber doch mein glaub erblickt. Für eine Wittwe. 6. Du siehst mich,( o ge= danke Des trostes, wenn ich wanke!) In meiner einsamfeit! Und stört gleich manMel. Nun ruhen alle wälder. 596. Fest soll mein' hoff- cher kummer Jetzt oftmals meinen schlummer, Bist du es, der mein herz erfreut. nung stehen! Gott hört der wittwen fleben; Er ist mir mehr, als mann! In jedem schmerz und leide Ift Gott mein troft und freude, Der fels, auf den ich bauen kann. 2. Getrost! ruft seine gnade, Ich bin auf jedem pfade Bei dir bis an dein grab! Nie will ich dich verlassen! Dies soll mein glaube fassen Als meinen wittwen- wanderstab. 7. Ja, bis zum letzten schritte, Und wenn ich noch mehr litte, Hält sich mein herz an dich! Nur dir, dir zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sei mein bestreben; stärke mich! 8. Mit ernst und frohen muthes Will ich, mein Vater, qutes Vor deinen augen thun! Gern mich der welt entziehen, Zerstreuung, thorbeit 460 heit fliehen Und nur in deinem schoße ruhn. Trostgesänge 9. Dann eilen meine tage, Mit jeder laft und plage, Leicht, wie ein traum, dahin. Dann leg ich meine glieder Froh einst im tode nieder, Wenn ich zum himmel reifer bin! 10. Dann geh ich, den zu schauen, Der mein stab, mein vertrauen, Mein Gott ist und mein freund. Wie will ich dann ihn ehren! Wie danken für die zähren, Die ich als wittwe hier geweint! 11. Dann find ich, die ich liebte, Der'n abschied mich betrübte, In meines schöpfers hand; Wo freudenquellen fließen, Dort werd ich sie genießen Im thränenfreien vaterland. 12. Indeß stärkt Gottes gnade Mich auf dem rauhen pfade, Er trägt mir meine noth! Nicht ewig werd ich weinen, Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bei meinem Gott. ( Wenn sie Kinder hat.) 13. Dann solln auch meine waisen Den gütgen vater preisen, Der sie erhalten kann! Ach, Herr! zu dem ich flehe, Schau doch aus deiner Höhe Mit gnade die verlaßnen an! Für eine Waise. Mel. Nun ruhen alle wälder. 597. Wer war es, dermich beugte, So tief zum staube neigte? Warst dus dus nicht, weiser Gott? Dein weiser rath regieret Der menschen schicksal, führet Es fort durch leben und durch tod. 2. Du willst dich auch an waisen, Allmächtger! stark beweisen, An armen wunder thun; Verlaßne willst du nähren, Willst ihr gebet erhören, Durch dich soll unser kummer ruhn. 3. Und seit viel tausend jahren Hast du, die waisen waren, So väterlich ernährt, Die sich auf dich verließen, Sahn in bekümmernissen Ihr heißes flehn von dir erhört. 4. Auch mich kannst du nicht hassen, Auch mich nicht ganz verlassen; Auch ich will dir vertraun. Dein herz sei mir auch offen: Auch ich will auf dich hoffen, In trüben stunden auf dich schaun. 5. Du wirst auch mich ernähren, Mir unterhalt gewähren, Du, mein versorger, du! Was ich bedarf, das schenke Mir, deinem kind, und lenke Mir frommer men= schen liebe zu. 6. Und wenn in zarten jahren Verführung und fahren, in Kreuz und Leiden. 461 ziehen, Mit redlichem bemühen An ältern statt mir sind; Die laß mich zärtlich lieben, Nie wissentlich betrüben, Sie dankbar ehren als ihr kind. fahren, Wenn laster um mich find; O, da sei du mein vater, Mein führer, freund und rather! O, da verlaß, Gott, nie dein kind! 7. Ja, pflanz in früher jugend Gottseligkeit und tugend Mir, Vater, tief ins herz! Aufrichtig fromm zu leben, Sei einzig mein bestreben, und fünde thun mein größter schmerz. 8. Arbeitsamkeit und treue, Begangner fehler reue, Ein wahres christenthum, Ein zärtlich herz für freunde, Versöhnlichkeit für feinde: Dies sei mein bestes theil, mein ruhm. 9. Die christlich mich er10. Sei du, Gott! ihr be: lohner, Wohlthäter und ver= schoner Für das, was sie mir thun. Und wenn sie nun einst sterben, Laß sie den himmel erben Und mich mit ihnen ewig ruhn. 11. Berklärt werd ich dann stehen, Die ältern wieder sehen, um die ich hier geweint. Da werd ich vor dich treten, 3u dir, Erlöser! beten: Lohn ihnen ewig, menschenfreund! V. Für besondere Zeiten und Umstände. 1. Morgengesänge. Mel. Wie schön leucht't uns der. treue Rührt aufs neue 598. Dich seh ich wie Mein gemüthe; Froh empfind ich deine güte. der, morgenlicht, Und freue mich der 2. Du warst auch diese edlen pflicht, Dem höchsten nacht um mich. Was wär lob zu singen. Ich will, ent- ich, hättest du nicht dich So brannt von dankbegier, hilfreich mir bewiesen? 3u mildester erbarmer! dir meinem leben sehest du Jetzt Mein morgenopfer bringen. einen neuen tag hinzu; Sei Schöpfer! Vater! Bater! Deine Deine hoch dafür gepriesen! Durch dich Morgengesänge. 462 dich Bin ich, Und ich merke Neue stärke, Dich erhebe Meine seele, weil ich lebe. 3. Verleih, o Gott der lieb und macht! Daß sünd und gram, wie diese nacht, Auf ewig von mir fliehe; Daß ich die kurze lebenszeit In christlicher zufriedenheit 3u nutzen mich bemühe. Innig Bitt ich, Vater! leite Du mich heute; Meine sorgen Sind dir alle unverborgen. 4. Ich bin ein christ; o Herr, verleih, Daß ich des namens würdig sei! Mein ruhm ist deine gnade. Denn ach! was bin ich ohne dich? Ein irrend schaf; erhalte mich, Mein birt, auf deinem pfade. Stärk mich, ich Stets mich übe, liebe 3u betrachten, alles dich zu achten. Daß Deine Ueber 5. Auch im geräusch der welt soll mich. Der heilige gedank an dich Oft still zu Im dunkeln dir erheben. thale wall ich hier; Einst nimmst du mich hinauf zu dir, 3um licht und höhern leben. Auf dich Hoff ich! Wenn ich werde Mich der erde Einst entschwingen, Will ich ewig dir lobsingen. Es preise deine treue, Mein früher lobgefang! Denn du. bast mir das leben Bis diesen tag verlängt, Mir kraft und heil gegeben Und täglich neu geschenkt! 2. Beherrscher aller welten, Mein Gott! wie dank ich dir? Wie soll ich dir vergelten, Was du gethan an mir? Ich bin viel zu geringe; Doch du verschmähest nicht Das opfer, das ich bringe, Dies herz voll zuversicht. 3. Gedenk nicht meiner sünde, Gott der barmherzigkeit! Sei deinem schwachen kinde Sin vater, der verzeiht. Du, Gott der liebe! dämpfe Die sündliche begier, Mit welcher ich noch kämpfe, Und ziehe mich zu dir. 4. Herr! send auf meinen wegen Mir deine hilfe zu, Und sprich du selbst den segen 3u allem, was ich thu. Ja, sende du mir kräfte Von deiner himmelshöh, Damit all mein geschäfte Erwünscht von statten geh. 5. Gieb mir vor allen dingen Getrosten muth und geist, Das freudig zu vollbringen, Was mein beruf mich heißt. Laß mich in guten tagen Nicht übermüthig sein, Doch auch nicht trostlos zagen, Dringt Mel. Herzlich thut mich verl. 599. Mein Gott, deß gleich ein kreuz herein. ich mich freue! Dir sing ich meinen dank. 6. Hilf, daß in meinem stande Ich thu, was dir gefällt, Morgengesänge. fällt, Und laß mich nicht in schande Gerathen vor der welt. Richt, Herr! mein gan zes leben Nach deinem willen ein, Laß, die du mir gegeben, Von dir gesegnet sein. 7. Gieb, daß im glück und leide Ich stets so leben mag, Daß ich mit heilger freude Denk an den letzten tag. Und wenn der wird anbrechen, So hilf, daß ich erfreut Von herzen könne sprechen: Komm, Herr! ich bin bereit. 463 5. Ein gut gewissen sei mein theil! Dies wirk in mir zu meinem heil Und segne meinen fleiß. Dir ist, was ich Und alles bedarf, bekannt, steht in deiner hand. Mel. Warum betrübst du dich. 600. Dir, der das licht entstehen hieß, Und mich gesund erwachen ließ, Sei preis und froher dank! Des neuen morgens heiterkeit Sei dir, mein Gott! zuerst geweiht. 2. Ein jedes gut, deß ich mich freu, Empfang ich jetzo wieder neu Aus deiner milden hand. Mein auge wird, wohin es blickt, Von wundern deiner huld entzückt. 3. Dich, dem ich nichts vergelten kann, Dich, Vater! bet ich kindlich an, Ich opfre dir mein herz. Ein herz voll dank und zuversicht Verwirfst du, Allerhöchster! nicht. 4. O du, den meine seele preist, Erwecke mich durch deinen geist 3ur übung meiner pflicht. Er helfe meiner schwachheit auf, Bis ich voll ende meinen lauf. 6. Die blume kleidest du mit pracht, Nährst jeden vogel, Gott der macht! Bin ich nicht mehr, denn sie? Ich werfe meine sorg auf dich; Du, mein erbarmer, forgst für mich. Mel. Ich dank dir schon durch. 601. Mein erst geſchäft sei preis und dank; Erhebe Gott, o feele! Der herr hört deinen lobgefang; Lobsing ihm, meine feele! 2. Mich selbst zu schützen ohne macht, Lag ich und schlief im frieden. Wer schafft die sicherheit der nacht Und ruhe für die müden? 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, Mein leben Wer stärkt zu bewahren? mein blut in seinem fleiß und schützt mich vor gefahren? 4. Wer lehrt das auge seine pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem tag und seinem licht, Die feele zu erwecken? 5. Du bist es, Herr und Gott der welt! Und dein ist unser leben; Du bist es, der Morgengesänge. 464 der es uns erhält Und mirs jetzt neu gegeben. 6. Gelobet feist du, Gott der macht! Gelobt sei deine treue, Daß ich, jetzt nach verflossner nacht, Mich dieses tags erfreue. 7. Laß deinen segen auf mir ruhn, Mich deine wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem wohlgefallen. 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine seele. Sei mir ein retter in gefahr, Ein vater, wenn ich fehle. 9. Gieb mir ein herz voll zuversicht, Erfüllt mit lieb und ruhe, Ein weises herz, das seine pflicht Erkenn und willig thue. 10. Daß ich, als dein gehorsam kind, Dir zu gefallen strebe; Dir treu ergeben, gutgesinnt, In deinem reiche lebe! 11. Daß ich, dem nächsten beizustehn, Nie fleiß und arbeit scheue, Mich gern an andrer wohlergehn llnd ihrer tugend freue! 12. Daß ich das glück der lebenszeit In deiner furcht genieße Und meinen lauf mit freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe! Dem schöpfer aller dinge, Dem geber aller güter, Dem treuen menschenhüter. 2. A16 mich die dunkeli schatten Der nacht umgeben hatten, Hat Gottes hand verwehret, Daß mich kein leid versehret. 3. Ja, Vater! ohne kummer, In ungestörtem schlummer, Ist mir die nacht ver= flossen, Weil mich dein schut umschlossen. 4. Du sprachest voll erbarmen: Mein kind, in vaterarmen Schläfst du, laß dir nicht grauen, Du sollst die sonne schauen. 5. Dein wort ist, Herr! geschehen, Ich kann das licht nun sehen, Von noth bin ich befreiet, Dein schutz hat mich verneuet. 6. Du willst ein opfer haben; Hier bring ich meine gaben, Mein herz und meine glieder, Zu deinem preise wieder. 7. Dies wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins herz ja sehen und weißt wohl, daß zur gabe Ich ja nichts bessers habe. 8. Dein werk wollst du vollenden Und deinen engel senden, Der mich an diesem tage Auf seinen händen trage. 9. Sprich ja zu meinen 602. Wach auf, mein thaten, Hilf selbst das beste herz! und singe rathen; Den anfang und das Mel. Nun laßt uns Gott dem. Morgengesänge. das ende, Ach, Herr! zum besten wende. 10. Mit segen mich beschütte, Mein herz sei deine hütte, Dein wort sei meine speise Auf meiner himmelsreiſe. Mel. Mache dich, mein geist. 603. Auf, mein geist! ermuntre dich Bei den frühen stunden; Licht und sonne zeigen sich, Da die nacht verschwunden. Weckt dies nicht Dich zur pflicht? Willst du nicht mit fingen Gott ein opfer bringen? 2. Gott! mein herz loba finget dir, Sei du hoch gepriesen Für die wohlthat, die du mir Diese nacht erwies sen: Deine kraft Hat ver: schafft, Daß ich ohne weinen Seb die sonne scheinen. 465 mir geduld, Wenn ich mich vergehe. Rühre mich Kräftiglich, Daß ich dann in buße Falle dir zu fuße. 6. Laß mich mein beschied: nes theil Bis ans ende finden; Sei in noth mein schuk und heil, Hilf fie überwinden. Steh mir bei, Herr! verleih, Daß ich bis zum grabe Dich vor augen habe. 7. Segne, was ich red und thu, Laß es wohl gelingen, Und mich in gewissensruh Meinen lauf vollbringen. Bis ich dort Dich, mein hort, Unter engelchören Ewig werde ehren. 8. Soll auch meines lebens band Diesen tag zerspringen; So wird Jesu starke hand mir auch helfen ringen. Jesu pein Soll allein Auf dem sterbekissen meinen tod verfüßen. 3. Laß mich, Herr! auch diesen tag Deine güte spüren. Gieb, daß ich mein leben mag Mel. Alle welt, was lebt und. Dir zu ehren führen. Lehre 604. Gott des himmels und der erden, mich, Daß ich dich Ueber alle schätze Dieser erde setze. 4. Lehre mich den falschen schein Dieser welt verachten Und nach deinem reich allein Stets am ersten trachten. Wenn die welt Netze stellt, Herr! so bilf mir kämpfen Und das böse dämpfen. Vater, Sohn und heilger Geist! Der du tag und nacht läß'st werden, Sonn und mond uns scheinen heiß'st; Dessen starke hand die welt, Und was drinnen ist, erhält! 5. Hilf, daß ich die alte schuld Nicht noch mehr erhöhe; Doch hab auch mit N. A. 2. Gott! ich danke dir von herzen, Daß du mich in dies ser nacht Vor gefahr, angst, noth und schmerzen Hast bes hütet und bewacht; Daß 30 noch Morgengesänge. 466 noch keines feindes list Meiner mächtig worden ist. 3. Laß die nacht auch meiner sünden Jetzt mit dieser nacht vergehn! O Herr Jesu! laß dich finden Und mich gewähre, Der du selbst mich bitten heiß'st; So will ich dich hier und dort Herzlich preisen fort und fort. is at your nis@ Herzliebster Jesu, was. Mel. mich deine wunden sehn, Wo 605. In dieser morgen. alleine hilf und rath Ist für meine missethat. fund will ich dich loben, Gott mein Bater in dem himmel oben! Was du für gnade mir pflegst zu beweisen, Will ich nun preisen. 2. Du hast mich an das tagslicht lassen kommen, Auch durch die tauf in dein reich aufgenommen, Und läsfest mich in deinem sohn entbinden Von schuld und sünden. 4. Hilf, daß ich mit die: sem morgen Geistlich auf erstehen mag Und für meine seele sorgen, Daß, wenn nun dein großer tag Uns erscheint und dein gericht, Sch davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr! und leite Meinen gang nach deinem wort! Sei und bleibe du auch heute Mein beschützer und mein hort! Nirgends, als bei dir allein, Kann ich recht bewahret sein. opni 6. Meinen leib und meine seele, Freunde, habe, ehr und stand, Alles, großer Gott! befehle Ich in deine starke hand; Herr, mein schild, mein ehr und ruhm! Nimm mich auf, dein eigenthum! 17. Deinen engel zu mir sende, Welcher aller feinde macht, Lift und anschläg von mir wende Und mich balt in guter acht; Der auch endlich mich zur ruh Bringe nach dem himmel zu. * 8. Höre, Gott! was ich begehre; Bater, Sehn und heilger Geist! Meiner bitte 3. Du hast dabei mir deinen geist gegeben, Daß er mich lehr und führ in meinem leben: Damit ich lern auf dich alleine schauen Und dir vertrauen. 4. Du hast mich allzeit väterlich ernähret, Was ich bedurft, mir immerzu be scheeret, Und, wenn mich noth und unglück hat berühret, Heraus geführet. S 5. Jetzt hast du auch durch deiner engel schaaren Mich lassen in verwichner nacht bewahren, Daß mich darin kein unfall hat erschrecket, Noch aufgewecket. 80 dal 6. D Herr! mit meinem munde und gemüthe Erzähl und rühm ich solche große güte, Morgengesänge. güte, Die ich empfangen hab an allen enden Aus deinen bänden. 7. Sch bitt, du wollest über mir fort walten und mich auch heute diesen tag erhalten, Daß ſatan nicht durch seine list und pfeile Mich übereile. splind 8. Erhalte mich, wie zu steht frommen christen, Rein von der welt und ihren sündenlüften! Daß ich auch meinen eignen bösen willen Nicht mög erfüllen. 9. Herr! laß in deinen schuß sein eingeschlossen Leib, feele, freund, verwandte, ( Leib, seele, ebgatt, kinder,) hausgenossen Und was ich sonst durch deine milde gabe Auf erden habe. 467 13. So bin ich denn an leib und feel genesen Und wohl auf dieser welt allhie gewesen: Dort habe ich das rechte kleinod funden, Hier überwunden. 10. Die obrigkeit erhalt in gutem stande, Gieb frieden, glück und heil im ganzen lande; Behüt uns allerfeite, o Herr! aus gnaden, Vor sünd und schaden. 11. Du wollst mich auch an diesem tage stärken Durch deine kraft in des berufes werken, Aufdaß ich möge in denfelben allen Dir wohlgefallen. st 12. 3uletzt verleih, wenn ich aus diesem leiden, E8 sei heut oder morgen, werd abscheiden, Daß ich auf Christi tod mag fröhlich sterben, Den himmel erben. ( 14. Das hilf mir, Bater! der du mit dem sohne Und beilgem geift regierst auf einem throne! Gieb, daß ich dessen, was ich jetzt begehret, Ja werd gewähret. 606. Des morgens erſte Host how stunde Soll dir, Gott! heilig sein. Das herz ftimmt mit dem munde 3u lobgesängen ein. Ob ich dein lob hier schon Mit schwachen lippen lalle, Weiß sich doch, es gefalle Dir, he Mel. Aus meines Herzens. Herr! durch deinen sohn. 2. Es hat mich deine gnade In dieser nacht bedeckt, Daß mich kein schmerz noch schade Verleht, mich nicht geschreckt. Der schlaf hat mich erquickt, Daß nun mit frischen Kräften Zu des berufs geschäften Mein geist sich freudig schickt. 3. Beschirme mich auch heute, Wenn satan netze legt. Hilf, daß ich widerstreite, Sobald das fleisch sich regt. Laß mich den ganzen tag Vor deinen augen wandeln, Daß ich nicht bloß fromm handeln, Nein, auch fromm denken mag. 4. Bei fleiß und arbeit 30* schleiche Morgengesänge. 468 schleiche Kein geiz sich in mein herz, Und fremde noth erweiche Mich leicht zu edlem schmerz. Kein glück, das andern blüht, Verleite mich zum neide, und kein genuß der freude Verderbe mein gemüth. 5. Gieb, daß an diesem tage Sich mir kein unfall nah; Jedoch ist eine plage Nach deinem rathe da: So gieb, daß ich alsdann, Selbst unter angst und schmerzen, Dir mit getroftem herzen, Mein Gott! vertrauen kann. 6. Wie bald ist überwunden Das leiden dieser zeit! Auf wenig bange stunden Folgt glück in ewigkeit. Dies stärket mich in noth, Daß ich nicht ängstlich zage. Am letzten meiner tage Giebt dies mir muth im tod. den, Der wallfahrt kurze zeit; Doch hängt an ihren stundenDas heil der ewigkeit. 3. O süßer, hoher glaube: Nicht ewig zu vergehn; Es soll der mensch vom staube Einst wieder auferstehn! Ach ,. laß michs nie vergessen! Der heilgen hoffnung voll, Laß täglich mich ermessen, Was ich einst werden soll. 4. Sollt ich nach reichthum trachten? Nie komm es in mein herz! Nach ehr: und wolluft schmachten? Ihr lohn ist reu und schmerz. Hienieden schon auf erden Soll meine seele rein, Ein tempel Gottes werden, Ganz ihm geheiligt sein. 5. 3war unvermischte freuden Sind nicht der christen loos; Doch ist in ihren lei den Des herrn erbarmung groß. Wir leiden nicht ver gebens, Und schaun von ferneschon Die wonne jenes lebens ,. Der überwinder lohn. 6. Getroft, mein geist!' ermüde In deinem kampfe nicht! Dich stärket Gottes friede Mit kraft und zuver= sicht. Ermuntre dich und streite! Des fieges lohn ist nah. Getroft! vielleicht ist heute Des kampfes ende da. Mel. Herzlich thut mich verl. 607. Lob sei Gott! der den morgen Uns sendet nach der nacht; Der, wenn wir ohne sorgen Ents schlummern, für uns wacht; Der uns im schlaf erquicket, Und unsre kraft verneut; Gott! der die erde schmücket Und, was er schuf, erfreut. 2. Von dir ist mir gegeben, Herr! was ich hab und bin, Und dies mein irdisch leben Mel. Das ist fürwahr ein föftl. Flieht schnell zum tode hin. 608. Vor deinen thron Bald ist sie ganz verschwuntret ich hiemit, Morgengesänge. D Gott! und dich demüthig bitt: Wend doch dein gnädig angesicht Von mir höchst armen fünder nicht. 2. Es hat, o Vater! deine macht mich an des tages licht gebracht. In dir und durch dich lebe ich, Vergehen müßt ich ohne dich. 3. Errettet hast du mich gar oft Ganz wunderbar und unverhofft, Da nur ein schritt, ja nur ein haar Mir zwischen tod und leben war. 5. Gott Sohn! du hast mich durch dein blut Erlöset von der höllenglut, Für mich auch das geset erfüllt, Damit des vaters zorn gestillt. 10. Daß ich fest in anfechtung steh Und nicht in trübsal untergeb; Daß ich im herzen trost empfind, 3ulett mit freuden überwind. * 11. Drum dank ich( Ich 4. Berstand und ehr hab danke) dir mit herz und mund, ich von dir, Des lebens noth- Gott! in dieser tagesstund, durft giebst du mir, Dazu Für alle güte, treu und auch einen treuen treuen freund, gnad, Die meine seel em= Der mich in glück und un- pfangen hat; glück meint. 12. Und bitt, daß deine gnadenhand Bleib über mir stets ausgespannt. Beruf, gut, ehr, freund, leib und seel Ich dir in deinen schuh befehl. * 13. Hilf, daß ich sei von herzen fromm, Damit mein ganzes christenthum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht bloßer schein noch heuchelei. 6. Wenn sünd und satan mich anklagt, Und mir das herz vor angst verzagt, Alsdann macht es dein mittleramt, Daß mich der vater nicht verdammt. 469 an mir gut und rein, So ist es wahrlich alles dein. 7. Du bist mein fürsprach allezeit, Mein heil, mein trost und meine freud; Ich kann durch dein verdienst allein Hier ruhig und dort felig sein. 8. Gott heilger Geist, du höchste kraft! Deß gnade in mir alles schafft: Ist etwas 9. Dein ists, daß ich Gott recht erkenn, Ihn meinen herrn und vater nenn, Sein wahres wort und sacrament Behalt und lieb bis an mein end; 14. Erlaß mir meine fün= denschuld Und hab mit deinem kind geduld; Zünd in mir glauben an und lieb, 3u jenem leben hoffnung gieb. 15. Ein felges ende mir bescheer, Am jüngsten tag erweck mich, Herr! Daß ich dich schaue ewiglich. Amen, amen, erhöre mich! Mel. Morgengesänge. 470 Mel. Werde munter, mein gem. 609. Wenn ich einst von jenem schlummer, Welcher tod heißt, auf ersteh, Frei von dieses lebens kummer, Nun den schönern morgen seh: O, dann wach ich anders auf; Schon am ziel ist dann mein lauf. Träume sind an deinem morgen, Großer tag! des pilgers sorgen. 2. Hilf, daß keiner meiner tage, Geber der unsterblichkeit! Im gericht mich einst verklage: Er sei ganz von mir entweiht. Auch noch heute wacht ich auf. Herr, mein Gott! zu dir hinauf Müsse jeder tag mich leiten, Mich zur ewigkeit bereiten! 3. Herr! laß mich dann nicht erschrecken, Wenn mein letter tag erscheint, Nacht und todesschweiß mich decken, Und mein freund nun um mich weint. Lindre dann des todes pein Und laß mich ge= troster sein, Meinen freund gen himmel weisen Und dich, Herr des todes! preisen. mißfallen, Das aus dem herzen floß. od dist d. 2. Daß nicht in tiefem schlummer Des Lebens tocht verlischt, Und daß mich, frei von kummer, Ein sanfter schlaf erfrischt, Dies dank ich deiner macht Und deiner vatertreue; Durch sie bin ich aufs neue Mit heiterm muth. erwacht. 13. Beschüßer unsrer seelen! Ich traue stets auf dich. Was soll ich für mich wäh= len? D wähle du für mich! Gieb, was mir nützlich ist. Gott! dem ich alles danke, Mich stärke der gedanke: Daß du stets um mich bist. 4. Er stärke mich, mit freuden 3u thun, was dir gefällt; Er trösie mich im leiden, Undwill die lust der welt Mich jemals nach sich ziehn, Helf er mein herz bewahren, Helf er mir die gefahren Der sünde sehn und fliehn. 5. Beglücke du die meinen Nach deiner gütigkeit. Verlaß der armen keinen; Wend alles herzeleid. Du eilft zwar ohnedem, Gern allen beizustehn; Doch ist der liebe flehen Dir, Vater! angenehm. Gott! dem ich ange= Dein friede ruh auf Mein seufzen, meine zähre, Erbarmer! ist vor dir. Deß soll mein herz sich freun. Wer dir nicht traut, der bebe! Ich Mel. Aus meines Herzens grunde. 610. Allmächtiger! ich hebe Mein aug 6. empor zu dir. Preis dir, durch den ich lebe; Und neuer dank dafür! Herr! deine huld ist groß, Und niemals hat das lallen Des dankes dir höre, mir! Morgengesänge. Ich sterbe oder lebe, So bin ich ewig dein. samt Sund Unu 5 Mel. Mein herz und feel den. 611. Mein erster wunsch, mein innigstes bestreben Sei, Herr mein Gott! dich würdig zu erheben. Unendlich groß ist deine vatertreu; Mit jedem tag ist deine güte neu. Lord 2. Die fonn enthüllt den schauplah deiner werke, Und alles zeugt von deiner huld und stärke. Sie, die das ziel von ihrer laufbahn weiß, Gilt rastlos hin, und strahlt zu deinem preis. 201 3. Die erd ist dein, und du regierst das ganze. Vom menschen an bis auf die kleinste pflanze Seh ich, wie groß sich deine vorsicht zeigt; Sie reicht so weit, so weit der himmel reicht. del 4. Und sie umfaßt auch mich! du, Höchster! denkest An mich, den staub, der du die himmel lenkest; Du sorgst für mich! Gott, wie vergelt ichs dir? Ein dankvoll herz das bring ich dir dafür. 471 kindlichem vertrauen Auf dich allein, so lang ich lebe, schauen. Du bist mein Gott, mein retter in gefahr, Mein starker fels, mein helfer immerdar.ne 5. Nimms gnädig an; gedenk nicht meiner fünden! Durch deinen sohn laß mich vergebung finden. Ihm, welcher nie ein gläubig slehn verwarf, Dank ichs, daß ich dich vater nennen darf.**** 6. So will ich denn mit 7. Du weißt, wie lang ich hier noch wallen werde. Fällt ohne dich kein sperling auf die erde, So nimmst du, Herr! auch meines lebens wahr; Du kennest mich, zählst meines hauptes haar. 8. Mein Heiland! gieb mir fraft zum neuen leben; Gieb mir den muth, dem beiſpiel nachzustreben, Das du, o Herr! uns hinterlassen hast. Dein joch ist sanft, und leicht ist deine last. heto us! 9. Dein auge sieht die schwächen meiner seele; Verwirf mich nicht, vertritt mich, wenn ich fehle. Ja, du, zu dem jetzt meine seele fleht, Vernimmst gewiß mit gnade mein gebet. All dil om fredet det Mel. Wer nur den lieben. N. M. 612. Mein Gott! nun ist es wieder morgen; Die nacht vollendet ihren lauf. Nun wachen alle meine sorgen Mit mir, o Vater! wieder auf. Die rub ist aus, der schlaf ist hin, Und ich seh wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der erde, Wo jeder tag sein elend hat; Hier, wo ich 1101 910 täg= 472 täglich älter werde, 3um tode reifer, der sich naht. O Gott, der mich beschützt und nährt, Wär ich doch deiner liebe werth! Morgengesänge. 3. Du gabst mir kraft, jetzt aufzustehen. Laß mich dir leben, nicht der welt! 3war weiß ich nicht, wie mirs wird gehen; Doch thu, o Herr! was dir gefällt. Schließ du in deinen schutz mich ein; Dein will ich tod und lebend sein. 4. Bergieb mir, Bater! alle sünden; Vergieb, was ich nicht recht gethan., laß mich gnade vor dir finden Und siehe meinen mittler an! In seinem namen bitt ich dich; Es ist dein sohn, er starb für mich. 5. Hilf du in allen sachen rathen; Ich bin mir selber nicht genug. Behüte mich vor missethaten, Vor böser menschen lift und trug. Hilf gu= tes schaffen, wo ich kann; So leg ich diesen tag wohl an. 6. Behüte mir leib, seel und leben, Verwandte, freunde, hab und gut! Laß deine huld den segen geben, Indem mein fleiß das seine thut. Hilf, daß ich alles wohl verricht; Du wirst es thun, ich zweifle nicht. Mel. Lobet den herren:,: denn. 613. Robet den herren:,: Alle, die ihn ehren, Laßt uns mit freuden seinem namen fingen:,: Und preis und dank zu seinem throne bringen. Lobet den herren!:,: 2. Der unser leben,:,: Das er uns gegeben, In dieser nacht so väterlich bedecket:,: Und aus dem schlaf uns fröhlich auferwecket. Lobet den. herren!:,: 3. Daß unsre sinnen:: Neue fraft gewinnen, Wir durch den schlaf gestärkt uns wieder regen,:,: Das haben wir zu danken seinem segen. Lobet 2c. 4. Daß feuerflammen:: Uns nicht allzusammen Mit unsern häusern unversehns verzehret,:,: Das hat allein die hand des herrn ver=wehret. Lobet 2c. 5. Daß dieb und räuber:,: Unsre hab und leiber Nicht angetastet, uns grausam verlehet,:,: Dawider hat sein engel sich gesehet. Lobet 2c. 6. O treuer hüter,:,: Brunnquell aller güter! Ach, laß doch ferner unser ganzes leben:,: Bei tag und nacht stets deine güt umgeben. Lobet zc. 7. Gieb, daß wir heute,:,: Herr! durch dein geleite Auf unsern wegen unverhindert gehen:,: Und überall in dei= ner gnade stehen. Lobet zc. 8. Lenk unsern willen,:,: Dein Morgengesänge. 473 Dein wort zu erfüllen; Lehr In dieser morgenstunde, Dauns verrichten :,: heilige ge- zu mein lebenlang. O Gott! schäfte,:,: wir von deinem thron Wollst du schwach sind, da gieb du uns mit gnaden hören, Was ich träfte. Lobet 2c. zu deinen ehren Dir sing in deinem sohn. Und Und wo 9. Rühr unsre herzen,:,: Daß wir ja nicht scherzen Mit deinen strafen, sondern fromm zu werden: Vor deiner zukunft uns bemühn auf erden. Lobet 2c. 10. Herr! du wirst kommen:,: Und all deine from men, Die sich bekehrten, gnädig dahin bringen,:,: Wo wir mit allen engeln ewig fingen: Lobet den herren! Mel. Nun danket alle Gott. 614. Laß mir doch diesen tag, Mein Gott! vor augen schweben, Laß dein' allgegenwart Mich, wie die luft, umgeben; Aufdaß mein ganzes thun Aus reinem herzensgrund Dich lobe inniglich, mein Gott! zu aller stund. 2. Ach! segne, was ich thu, Ja rede oder denke; Durch deines geiftes kraft Es also führ und lenke; Daß alles nur gescheh Zu deines namens ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib dein eigenthum. 615. Aus meines ber zens grunde Sag ich dir lob und dank 2. Weil du mich, Herr! aus gnaden In der vergangnen nacht Vor noth, gefahr und schaden Behütet und bewacht; Ich bitt demüthiglich, Du wollst die sünd vergeben, Womit in diesem leben Ich oft erzürnet dich. 3. Mein'n leib, mein' seel, mein leben, Mein' ehr und gut bewahr: Dir will ich übergeben, Jehund und immerdar, Als dein geschenk und gab, Die ältern und verwandte, Auch freunde und bekannte und alles, was ich hab. 4. Gott will ich lassen rathen, Der alle ding vermag: Er segne meine thaten Auch an dem heutgen tag. Ihm bleibe heimgestellt Mein leib, mein' seel, mein leben Und was er sonst gegeben; Er machs, wie's ihm gefällt. 5. Darauf so sprech ich amen Und zweifle nicht daran: Gott hört in Christi namen Mein seufzen gnädig an. Nun leg ich meine hand An mein geschäft, zufrieden, Wozu mich Gott beschieden In meinem amt und stand. Mel. 474 Mel. Wer nur den lieben. N. M. 616. Gieb mir, Gott! heute, was mir nüket, Vor allem ein zufriednes herz, Das sich auf deine vorsicht stüzet Und dir vertraut im größten schmerz. Du weißt, was mir zum wohl gebricht; Und du verfäumst mein bestes nicht. 2. In diesem kindlichen vertrauen Will ich an mein geschäfte gehn, Auf deinen fichern beistand bauen, Der zukunft still entgegen sehn. Du führst mich auf der rechten bahn Und nimmst mich einst zu ehren an. Morgengesänge. Mel. Alle welt, was lebt und. 617. Dir sei preis! ich lebe wieder, Bater, und empfinde mich! Froh beginnen meine lieder Und erheben dankbar dich; Denn dein aug hat in der nacht lleber mich, dein kind, gewacht. 2. Wach auch über meine tage, Vater, meine zuversicht! Daß mich keiner einst verflage, Wenn du kommst zum weltgericht; Daß ich meiner pflicht hier treu Und getroft im tode sei! niss 3. Keinen tag zählst du vergebens, Gott! durch den ich bin, mir zu! Jeder ist ein theil des lebens; Jeden, jeden richteft du. Lehr mich wachen, daß mir nie Ungenüßt ein tag entflieh! 4. Heute leb ich, laß auch heute nicht umſonst mein leben sein! Laß mich, nach vollbrachtem streite, Dieses tages auch mich freun! Recht zu handeln gieb mir heut Stärke, lust, gelegenheit. si sented the Mel. O ewigkeit, du donnerwort. Mun un tret ich wie= 618. der aus der ruh Und geh dem sauren tage zu, Wie mir ist auferleget. Nicht weiß ich, was für neue plag Mir heute noch begegnen mag; Doch weiß ich, daß mich träget Mein frommer Gott in seiner hut, Daß mir die last nicht schaden thut. im Joy. 2. 3war meine bürd ist täglich neu, Doch ist mein Gott auch täglich treu: Der träget meine sorgen. Vor abends keiner recht vernimmt, Was ihm den tag all ist bestimmt. Es bahnet mancher morgen Mir einen frischen weg zur pein, Der kann mit Gott erstiegen sein. 3. Wie wenig hab ich oft gedacht, Daß so würd sein zu end gebracht Der tag mit ſeinen plagen; Doch hab ich abends wohl gespürt, Daß du mich, höchster Gott! ge= führt Und alles helfen tragen; Daß mich dein licht geleitet hat Auf meinem weg und kreuzespfad. 316 4. Beil Morgengesänge. 475 8. Ich schließ in Chrifti wunden ein, Die meine lieben freunde sein, Da sind sie wohl beschlossen. Ich lege meinen geist hinzu; Hier schließ ihn ein, hier gieb ihm ruh: Und wenn mein ziel verflossen, So nimm ihn auf und sei mein Gott Im leben, leiden, noth und tod. 94. Weil ich nun deß versichert bin: Was trauerst du, verzagter sinn, Die bürd auf dich zu legen? Trag, was du kannst, Gott tråget mit, Begleitet dich bei jedem schritt Mit gnade, kraft und segen. Mit ihm geh ich denn frisch daran Und scheue nicht die leidensbahn. Nid- da Amp 5. So ist getroft mein frischer muth, Wenn ich mich in des höchsten hut Kann eingeschlossen sehen; Doch daß ich deß versichert sei, Muß ich von sünden leben frei Und Gottes wege gehen; Mein Gott geht nimmer meinen steg, Wo ich nicht wandle seinen weg. 6. Drum, liebster Gott! leit meinen fuß, Daß ich dir folg in wahrer buß, Und läutre mich von sünden; So kann ich, als ein fühner held, Bestreiten Bestreiten diese böse welt, Mit dir sie überwinden; So tret ich muthig an den tag Und scheue nicht, was kommen mag. 7. Ich leg auf dich, mein Gott und Herr! Was mir zu tragen wird zu schwer, Die last, die mich gebogen; Ich lege meine bürd und stand In deine große allmachtshand, Die du mir nie entzogen, mit der du haft von jugend auf Geleitet meinen lebenslauf. bir 4550 sid Mel. Nun bricht die finstre. 619. Er Bater! deine gütigkeit f alle morgen neu. Du thust uns wohl hier in der zeit Und bleibest ewig treu. Me 2. Jetzt schenkst du mir zu meinem heil Von neuem Deinen tag. Gieb, daß ich davon jedes theil Mit weisheit nützen mag. 3. Die zeit, in deiner furcht vollbracht, Bringt ewigen gewinn. So fließe vor dir, Gott der macht! Auch dieser tag mir hin. 4. Gieb, daß ich, fern vom müßiggang, In meinem stande treu Und, wem ich kann, mein lebenlang Bereit zu dienen sei. 5. In allem, was ich denk und thu, Sei dein gebot vor mir; Und wenn ich von geschäften ruh, So sei mein herz bei dir. 6. Was du mir zum vergnügen giebst, Vermehr' in mir die lust, Ganz dein zu sein, 476 sein, der du mich liebst Und so viel guts mir thust. 7. Wenn sorg und kummer mich befällt, So laß mich auf dich schaun, Und deiner vorsicht, Herr der welt! Mit frobem muthe traun. Morgengesänge. 8. An deiner gnade gnüge mir! Sie ist mein bestes theil, Mein troft und meine zuflucht hier, Und dort mein volles heil. Morgengesang beim Anfang der Woche. Supflicht Mel. Was Gott thut, das ist. 620. Die neue woche geht nun an Und ist schon eingetreten. Wach auf, mein herz! und denke dran, Daß du zu Gott sollst beten, Und ihm dabei Für seine treu Mit danken und mit fingen Ein morgenopfer bringen. 2. Wie viele wochen hab ich schon Im leben angefangen! Und doch ist keine noch davon Erlebet und begangen, In welcher nicht Ein gnaden= licht Von Gott mich angeblicket, Und reichlich mich erquicket. lassen stehen, Noch drinnen untergehen. 4. Ach! fallen mir die sünden ein: Was wird in so viel wochen Für schuld nicht aufgebäufet sein! Und doch, was ich verbrochen, Hat er dabei Auf buß und reu In Christo mir verziehen Und gnad und hilf verliehen. 5. Nun, treuer Gott! ich danke dir, Ich danke dir von herzen. 3war meine schwachheit machet mir Bekümmerniß und schmerzen, Da meine pflicht Ich hier noch nicht Vollbringe, als ich sollte Und gern erfüllen wollte. 6. Jedoch in Chrifto wirst du dir Mein thun gefallen lassen. In Chrifto will ich ferner mir Die gute hoffnung fassen, Daß du mich wirst, mein lebensfürst! Bei allen meinen werken In dieser woche stärken. 3. Das kreuz und leiden dieser zeit, Das mir bisher begegnet, Hat er mit viel barmherzigkeit Gemildert und gesegnet: So, daß er nie In angst und müh Mich trostlos 7. Mein ein- und ausgang sei beglückt An seel: und leibessegen. Bring mir, was meinen geist erquickt, In deinem wort entgegen: Denn dies allein Kann recht erfreun, Giebt frieden, trost und segen Mir auch auf dunkeln wegen. 8. Ja, sollte sich auch meine zeit Mit dieser woche schließen; Wohlan, so wird die ewigkeit Mir auch den tod versüßen! Denn dich und mich, Ja mich und dich Kann weder Morgengesänge. 477 weder freud noch leiden, freuden Zuletzt von hinnen Noch tod und leben scheiden. scheiden. 9. Wohlan, so mags gleich wunderlich In dieser woche gehen; Es kann doch anders nicht um mich, Als gut und heilsam, stehen: Denn was Gott fügt, Wird mich vergnügt Bei allen meinen sachen, Und endlich selig machen. Bei Antretung der Arbeit. Mel. Auf meinen lieben Gott. 621. So tret ich wieder an, So gut ich weiß und kann, Die arbeit dieses lebens: Denn sie ist nicht vergebens, Und Gott wird seinen segen Aus gnaden darauf legen. Mel. Nun danket alle Gott. 622. In Jeſu namen bin Ich heute aufgestanden, In ihm vollbring ich heut, Was mirkommt unter handen. In seinem namen ist Der anfang schon gemacht, gemacht, Das mittel und der schluß Werd auch durch ihn vollbracht. 2. Dir leb ich, und in dir, In dir will ich auch sterben; Herr! sterben will ich dir, In dir will ich ererben Das ewge himmelreich, Das du erworben mir, Von dir verklärt will ich Dir dienen für und für. 2. Dir, Vater! sag ich dank, Daß du mein lebenlang So reichlich mich ernähret Und mir so viel be. Mel. Wer nur den lieben. A. M. scheeret; Laß mich bei deinen 623. Der morgen kommt, gaben Ein dankbar herz auch haben. 3. Ach, mein Herr Jesu Chrift! Der du mein helfer bist, Gesegne meine werke, Und mich vom himmel stärke, Damit ich deinen willen In allen mög erfüllen. und meine Flage Wird auch mit diesem morgen neu. Wie traurig eilen mir die tage In meiner pilgerschaft vorbei! Der sonne neu geschenktes licht Erheitert meine seele nicht. Morgengesang für Leidende. 2. Noch immer bin ich auf der erde, Wo mich ges fahr und noth umringt, Und täglich härtere beschwerde 3u klagen und zu thränen 4. Behüte seel und leib, Und alles von mir treib, Was meine arbeit hindert Und deinen segen mindert; Laß mich in fried und zwingt. Noch scheints, ich flebe Morgengefänge. 478 flehe unerhört Um stärkung, die mein geist begehrt. d 3. Erbarm dich, Herr, mir beizustehen! Verlaß dein schwaches kind ja nicht! neige, Bater, auf mein flehen 3u mir dein freundlich angesicht! Gieb mir geduld und, bei dem schmerz, Ein hoffend und zufriednes berz. Mir ist mein schicksal hohen glauben Verfolg ich ruhig meinen pfad. Herr! stärke, stärke meinen glauben Auch dann, wann sich der tod mir naht. Ich fürchte seine schrecken nicht: Denn du bist meine zuversicht. lid tot 16: 0 si 5. Soll ich die last noch länger tragen; Ich halte dei Dein will ner fügung still. geschehe, will ich sagen, Herr! wie du willst, nicht wie ich will. So, Bater! laß bei jeder pein Geduldig mich wie Jesus sein. 6. Hab ich des lebens laft empfunden, So rückt sein ende doch herbei: Dann hab ich ewig überwunden Und bin von aller trübsal frei. Und für die leiden dieser zeit Belohnt mich dann die ewigkeit. 97. Gestärkt durch diesen Morgenlied für Kinder. UFE Mel. Nun bricht die finstre. noch verborgen, Das diesen 624. Der tag iſt da, und die nacht, tag mich treffen soll. Doch ich bin ohne gram und sorgen; Du, Bater! kennst mein wahres wohl. Und was dein rath beschließt und thut, Ist heilig und gerecht und gut. Ich bin und lebe noch. Der Gott, der wieder tag gemacht, Wie gütig ist er doch! 2. Gott! alles gute kommt von dir; Du bists, der alles kann! Und wie viel gutes hast du mir, Mein Vater, schon gethan! 3. Du, bester Gott! durch den ich bin, Der täglich mich erhält, Oschenke mir den rechten sinn, 3u thun, was dir gefällt. touton 4. Du bist, mein lieber Gott! bei mir, Wenn ich Du dich gleich nicht seh; siehst und hörst mich dort und hier, Ich sitze oder geh. 5. Wenn ich mit freudenvollem trieb Das gute lern und thu, So bin ich dir und menschen lieb und hab im herzen ruh. dan misin 8012 dat mga nomind and wal 2. Tischmonbrda. dne nogal? damisc)-boltanto dan in al 403.) Tischgesänge. 479 3800 min 2. Tischgesänge.maple bite stol. 890 tratrol mopot Dimod d Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. lüften schwebt, Was im tie625. Herr! err! du schenkst fen meere lebt, Hofft, versorger! nur auf dich, Freuet deiner gaben sich, Und du giebst sie mildiglich. uns so mildiglich Jetzt speis und trank; wir preisen dich: Denn alles, was uns stärkt und nährt, Wird uns durch deine huld bescheert. 2. Sieh! deine gaben nehmen wir Aus deiner hand, o Gott! von dir: Laß gnädig den genuß gedeihn Und uns für alles dankbar sein. 411 m 1900r] di ming Mel. Wer nur den lieben. N. M. 3. Bater, ja auch mich erfreut Deiner güte mildigfeit! Du bists, der mir alles schenkt, Was mich speiset, was mich tränkt, Reichlich schenkt und gern es thur, Und im wohlthun niemals ruht. O wie bist du, Gott, so gut! Est enigmird 4. Dank, ach, dank sei dir dafür, Milder geber! daß du mir Väterlich auch jetzt bescheert, Was mir unterhalt gewährt; Daß ich auch mit frohem sinn, Was du gnädig mir verliehn, 3u genießen fähig bin. 626. Gott! laß uns in deiner nicht vérgessen, Wenn wir uns bei ner gaben freun; Laß, wann wir trinken, wann wir essen, Uns theuer deine güte fein. Dir sei für speise, sei für trank, Für alles gute preis und dank.dns nedsl man bin ipin Mel. Singen wir aus Herzensgr. 627. Was den leib erhält und nährt, Hat uns unser Gott ge währt, Der uns alle gaben reicht, Dem im wohlthun keiner gleicht, Der die ganze weite welt, Wie es seinem rath gefällt, Durch ſein allmachtswort erhält. 2. Alles, alles, was ich seb In den gründen, auf der höh, Was hoch in den 5. Hilf, daß ich, beim überfluß in Deiner gaben, im genuß Riemals überhebe mich) ,. Allzeit, Höchster! fürchte dich Und, wenn ich mich ihrer freu, Auch aus men= schenlieb dabei Gingedenk des armen ſei. tibnu m 6. So werd ich zu deiner ehr, un Wie du mir befiehlst, o Herr! Froh genießen, was du mir Gnädig haft verliehen hier, Und mich hoffnungsvoll erfreun, Daß auch künftig du allein Werdest mein versorger sein. ndot Mel. Tischgesänge. 480 Mel. Singen wir aus herzensgr. 628. 11nfer vater, der uns liebt, Der uns, was uns gut ift, giebt, Gab auch jetzt uns speis und 3. Abendgesänge. Mel. Nun ruhen alle wälder. 629. Die fonne sinket nieder, Die trant. Lobt den vater! sagt ihm dank! Aller segen kommt vom herrn: Danft ihm und gehorcht ihm gern; Liebt ihn, freuet euch des herrn! stille nacht kommt wieder Und ruh und schlaf mit ihr. Sie bringt uns neue kräfte Für jedes tags geschäfte; Das danken wir, o Vater! dir. In deiner schöpfung da. Sos bald du riefft: es werde! So stand auch meer und erde Mit allen himmeln herrlich da. 6. Wem fann denn ohne grauen Ich froher mich vers trauen, Allmächtiger! als dir? Ja, Bater! dir befehle Ich jetzt auch leib und seele: Ber= herrliche dich auch an mir! 2. Noch wach ich und erhebe Dich, Herr! daß ich noch lebe, Daß du mein Gott noch bist. Mit dank will ichs erwägen, Daß diesen tag dein segen Noch nicht von mir gewichen ist. 3. Was ist nicht deine gabe? Das leben, das ich habe, Die ficherheit der nacht: Dies und viel andre güter Verdank ich, treuer hüter! Bloß deiner vaterhuld und macht. 4. Du führst aus dunkler ferne Den mond und tausend sterne Am firmament herauf. Mel. O traurigkeit, D herzeleid. Natur und nacht Sie leuchten, dir zur ehre, 630. Es ist vollbracht! Hoch über erd und meere; Du aber lenkeft ihren lauf. 5. 3um preise deiner stärke Steyn lauter wunderwerke Gebieten mir zu schließen, Und mein müder leib sehnt sich, Ruhe zu genießen. 2. Doch 7. Herr! deinen ruhm zu singen, Dir preis und dank zu bringen, Sei meine liebste pflicht! Dir will ich mich ergeben; Entzieh nur mei nem leben Den beistand deines geiftes nicht. 8. Wenn ich von dieser erde 3u dir erhoben werde, Wie werd ich dann mich freun! Im himmel angenommen, Will ich mit allen frommen Dir beffre lobgesänge weihn. 481 Mel. Nun bricht die finstre. Bu dem, der 631. Nun sich der tag geendet hat, Die sonne nicht mehr scheint, Schläft ruhig, was sich abgematt't Und was zuvor geweint. 2. Abendgesänge. 2. Doch sieh zuvor, Mein geift, empor für dich wachet, Alle deine tage zählt Und sie fröhlich machet. 3. Er schlummert nie, Wacht spät und früh; Auf! fammle Deine fräfte 3u dem allerfeligsten Menschlicher ge= schäfte. 4. Dank sei dir, Gott! Du starker Gott! In den verlebten tagen Half dein arm mir wunderbar Meine last ertragen. 5. Und welche ruh Verschaffest du mir jeden tag Mir jeden tag aufs neue, Wenn ich mich voll zuversicht Meines Jefu freue! 6. Ich flehte dir; Du halfest mir, Die mir vertrauten pflichten, 3war im schweiß des angesichts, Dennoch froh verrichten. 7. Dein engel wacht Auch diese nacht Und schützt auch unsre hütte. Du thust mehr, als ich versteh, Mehr, Herr! als ich bitte. 8. Ich weiß es nicht, Was mir gebricht, Vater O in der höhe! Nicht mein wille, sondern nur, Was du willst, geschehe. 9. Schließt einst der tod Des lebens noth Und allen meinen fummer: dann komm er auch so sanft, Wie ein süßer schlummer! M. A. Nur du, mein Gott! wachst für und für, Du schläfst noch schlummerst nicht; Die finsterniß ist licht vor dir: Denn du bist selbst das licht. 3. Gedenke, Herr! doch auch an mich In dieser finstern nacht Und schenke auch mir gnädiglich Den schuk von deiner macht. 4. Stehst du mir, lieber Vater! bei Durch deiner engel schaar; So bin ich aller sorgen frei und bringt mir nichts gefahr. 5. Ich fühle zwar der sünden schuld, Die mich bei dir klagt an; Ach! aber deines sohnes huld Hat g'nug für mich gethan. 197 19 6. Den setz ich dir zum bürgen ein, Wenn ich muß vor's gericht; Ich kann ja nicht verloren sein In solcher zuversicht. 7. Drauf schließ ich meine augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht bei mir, wenn ich ruh, Wer wollte traurig sein? SUMAR 8. Weicht, eitele gedanken, Wo ihr habt euren Ich baue jetzt in meinem hin, lauf; 31 Abendgesänge. 482 meinem sinn Gott einen tempel auf. 9. Soll diese nacht die letzte sein In diesem thränenthal; So führ mich in den himmel ein 3ur auserwählten zahl. 10. Und also leb und sterb ich dir, Mein Gott, Mel. Wer nur den lieben. N. M. Herr Zebaoth! Im tod und 633. Gottlob! der tag ist nun ver= leben hilf du mir Aus aller angst und noth. flossen, Die ruhestunde stellt sich ein. Viel gutes hab ich heut genossen, Gott muß daMel. Nun ruhen alle wälder. 632. Herr! der du mir für geprieſen sein. Un Gott leben Bis und und an sein lob gedacht, Bringt eine rechte gute nacht. 2. Des leibes arbeit geht zu ende: Die seele nimmt das ihre vor. Mein Gott! ich hebe herz und hände In Jesu nun zu dir empor. Weil ich dich kann, SD vater nennen nimm mein kindlich opfer an. diesen tag gegeben, Dich bet ich kindlich an! Ich bin viel zu geringe Der treu, die ich befinge Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem gemüthe Freu ich mich deiner güte, Ich freue mich in dir. O gieb mir kraft und stärke, Gedeihn zu meinem werke Und schaff ein reines herz in mir! 3. Gott! welche ruh der seelen, Nach deines worts befehlen Einher im leben gehn; Auf deine güte hoffen, Im geist den himmel offen, Und dort den preis des glaubens sehn! 5. segen, Bedeckt mit deinem Eil ich der ruh entDein name sei geMein leben und mein ende Ist dein, in deine hände Befehl ich, Vater, meinen geist! gegen; preist! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im staube Zu dir, o Gott, mein heil! Ich bin der schuld entladen, Ich bin bei dir in gnaden, Und in dem himmel ist mein theil. 3. Der tag verstreichet ohne plagen, Der abend bricht vergnügt herein. Muß mancher über unglück klagen, So kann ich gutes muthes sein. Dein aufsehn schützt mich väterlich Und deine liebe segnet mich. 4. Nun, Gott! vom grunde meiner feelen Stimm ich ein lob- und danklied an. Gern wollt ich alles das erzählen, Was deine hand an mir gethan; Doch, lieber Gott! unzählig ist, Was seel und leib von dir genießt. 5. Ach, nur vergieb mir alle sünde! Abendgesänge. sünde! Mein Jesus nahm die schuld auf sich; Darum in diesem deinem kinde, Getreuer Gott, erbarme dich! Ich weiß, du gehest mit mir nicht Um Christi willen ins gericht. 6. So schlaf ich unter deiner liebe, Und was mir lieb, befehl ich dir. Ich fürchte nichts, das mich betrübe: Denn deine hand bleibt über mir, Die mich getroft und ruhig macht Und mich mit vatertreu bewacht. 483 mich bei des tages last Gestärket und geleitet hast. 3. Du gabst gesundheit, kraft und muth, Und unter deiner vaterhut Floß ruhig dieser tag mir hin, Den ich nun wieder älter bin. 4. Du machtest mir die arbeit leicht; Durch dich hab ich das ziel erreicht, und deines segens milde hand Versüßet mir beruf und stand. 5. Beschüße mich in dieser nacht Mit deiner gnade, lieb und macht, Der du für mich am kreuze starbst Und meiner seele ruh erwarbst. 7. Wohlan, ich will der ruh genießen; Soll diese nacht die letzte sein, Da ich mein leben soll beschließen, So gebe ich mich willig drein. Das leben ist mir kein gewinn, Als wenn ich wohl gestorben bin. 8. So geb ich mich in Deine hände, Ich leb und sterbe, wie du willt. Ich weiß, daß aus des lebens ende 635. Ich dank dir, Bater! daß du haft Des rechten lebens anfang quillt. So schlaf ich nun auf Jesum ein; So muß mein schlaf gesegnet sein. 634. Herr Jesu, Heiland aller welt! Dem auch ein schwaches lob gefällt; Ach! höre gnädig, wie mein geist Dich am beschluß des tages preist. 2. Nimm dies mein abendopfer an. Dank ists, was ich dir bringen kann, Da du BUS 6. Wohl dem, der als dein eigenthum, 3u deines namens preis und ruhm, Bricht morgen oder abend an, Sich deiner liebe freuen kann! alredomils Mel. Aus tiefer noth schrei ich. Die nachtzeit bei dem tage Erschaffen frei von sorg und last, Von arbeit, noth und plage: Daß man sie bring Mel. Das ist fürwahr ein köstl. in stille zu, Und vieh und menschen ihre ruh Zu ihrer stärkung haben. 2. Herr! deine weisheit, güt und macht Ist nimmer zu ergründen; Du hast es alles wohl bedacht, Wie wir es oft empfinden. Gieb, daß ich dich je mehr und mehr Erkenne, und dein lob und 31* ebr Abendgesänge. 484 ehr Bei tag und nacht ausbreite. 3. Jetzt preis ich dich insonderheit, Daß du aus lauter gnaden Mich und die meinigen auch heut Bewahrt vor allem schaden. Du bist es, der verhütet hat, Daß ich in schand und missethat Nicht gröblich bin gerathen. 4. Wobei ich doch nicht leugnen kann, Daß ich viel guts gelassen, Hingegen aber das gethan, Was du befiehlst zu hassen. Ich habe nicht so immerfort, Wie mir gebeut dein heilges wort, Untadelig gewandelt. 5. Was aber auch versehen ist, Und wo ich überschritten, Das hat versöhnet Jesus Chrift, Als er am freuz ge litten. Um dessen willen, Herr! verzeih Mir alle sünden und verleih, Daß ich mich täglich bessre. 6. Nun richte ich noch, Herr! zu dir Mein herzliches verlangen: Du wollest ferner sein bei mir Jetzt, da der tag vergangen, Und mir leib, ſeele, sinn und muth, Mein ehre und mein hab und gut In dieser nacht behüten. 7. Du wolleft wider jeden feind In deinen schutz mich faffen; Von dir bedeckt, mit dir vereint, Mich ruhig schlummern lassen; Mich auch vor schnellem bösen tod, Vor feuer- und vor wassersnoth Und allem leid beschirmen. 8. Erhalt durch deine gnadenhand, Zu deines namens ehren, Die mir mit freundschaft sind verwandt Und sonst mir angehören. Gieb, daß die nacht und immerdar Dein heilger engel sie bewahr Vor unfall, noth und schaden. * 9. Herr! laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich nichts erschrecke! Und wenn die rechte zeit wird sein, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine arbeit tret, Wenn ich zuvor durch. mein gebet Dir meine werk befohlen. 10. Verschmäh, o Gott mein Vater! nicht nicht Mein. seufzen, bitten, flehen; Laß, Jesu, dich, o wahres licht! mich auch im finstern sehen; Oheilger Geist! am letzten end Mit deinem troft dich zu mir wend, Daß ich drauf sanft einschlafe. Mel. Nun ruhen alle wälder. 636. Nun ruhet schon Ein Ihr in friede, Von sorg und arbeit müde, guter theil der welt; aber, meine sinnen, auf! ihr sollt beginnen, Was eurem schöpfer wohl gefällt. Auf, 2. Du, sonne, bist verschwunden, Scheinst in den stillen 485 beide, O Jesu, meine freude! Und nimm dein küchlein ein; Will satan auf mich dringen, So laß die engel fingen: Dies kind soll unverletzet ſein. 3. Der tag ist nun vergangen, Die güldnen sterne 9. Auch euch, ihr meine prangen Am blauen him- lieben! Soll keine noth bemelssaal; Also werd ich auch trüben, Kein unfall, noch stehen, Wenn mich wird gefahr; Gott laß euch ruhig heißen gehen Mein Gott schlafen, Stell euch die güldaus diesem jammerthal. nen waffen Ums bett und seine engelschaar. Abendgesänge. stillen stunden Der dunkeln nacht mir nicht; Fahr hin! ein andre sonne, Mein Jesus, meine wonne, Giebt meinem herzen helles licht. 4. Der leib, zum schlaf geneiget, Legt ab das kleid und zeiget Das bild der sterblichkeit; Die hört einst auf, dagegen Wird Christus mir anlegen Das kleid der ehr und herrlichkeit. 5. Das haupt, die füß und hände Sind froh, daß nun zum ende Die arbeit kommen ſei; Herz! freu dich! du sollst werden Vom elend dieser erden Und jeder last des lebens frei. ſei; 6. Nun geht, ihr matten glieder! Geht hin und legt euch nieder Zur ruh, die ihr begehrt; Es kommen stund und zeiten, Da man euch wird bereiten 3ur ruh ein bettlein in der erd. 7. Die augen stehn verdroffen, Bald sind sie zugeschlossen; We bleibt denn leib und seel? Behüte sie mit gnaden, Sei gut vor allem schaDen, Du wächter über Israel! 8. Breit aus die flügel Mel. Werde munter, mein gem. 637. Auf, o feele, werde munter Und gedenk an deine pflicht! Denn die sonne geht zwar unter, Aber Gottes güte nicht. Heut auch hat sie mich genährt, Heut auch freud und trost gewährt, Vor gefahren mich geschüßet, Meine schwachheit unterstützet. 2. Sei denn auch von mir gepriesen, Vater der barmherzigkeit! Der viel gutes mir erwiesen, Mich gesegnet und erfreut. Du hast, war ichs schon nicht werth, Dennoch mein gebet erhört, Das ich heut, als ich erwachte, Dir in Jesu gläubig brachte. 3. Gott! da ichs voll dank erzähle, Wie so groß dein wohlthun war, Stellen sich auch meiner seele Die begangnen sünden dar. Wie ist ihre zahl so groß und vor dir ent= Abendgesänge. 486 entdeckt und bloß! Denn auch Mel. Mein Herz und seel den. nach des herzens dichten Wirft 638. Die fonn hat ihren du einst die menschen richten. 4. Doch, von ernster reu durchdrungen, Wag ichs, Gott! zu dir zu nahn. Sieh nicht die beleidigungen, Sieh das blut des mittlers an. Ich verleugne nicht die schuld; Doch weiß ich, daß deine huld Größer sei, als unsre sünden, Auch wo ihrer viel fich finden. glanz von uns gewendet Und ihren lauf für diesen tag vollendet. Die dunkle nacht dringt allenthalben zu, Bringt menschen, vieh, und stadt und land zur ruh. 2. Ich preise dich, du Herr der nächt und tage! Daß du mich heut vor aller noth und plage, Durch deine hand und gnadenreiche macht, So unverletzt und ficher durchgebracht. 5. Gieb nun bis zum frohen morgen Meinem leibe sanfte ruh! Durch dich schlaf ich ohne sorgen; Wenn ich schlafe, wachest du. Seel und leib befehl ich dir; Walt allmächtig über mir; Sei zugleich der Gott der meinen, Zähle sie auch zu den deinen. 3. Bergieb, wenn ich bei tage so gelebet, Daß mein gemüth nach finsterniß gestrebet. Laß alle schuld durch deinen gnadenschein In ewigkeit vor dir verschwunden sein. 6. Ach! laß uns kein banges4. Gieb, daß mein geist schrecken, Weder raub noch feuersglut Aus dem süßen schlummer wecken; Nimm uns, Herr! in deine hut, Hilf, wenn krankheit oder tod Uns im sichern schlafe droht, Oder laß uns, wenn wir sterben, Doch des himmels freuden erben. 7. Höre, Bater! ach, erhöre, Was dein kind von dir begehrt. Sohn Gottes! dir zur ehre, Werd es mir durch dich gewährt. Heilger Geist! verlaß mich nicht; Gieb mir muth und zuversicht. Hör, Dreieiniger! mein fleben. Amen! ja es wird geschehen. auf dich recht kindlich schaue, Indem ich dir mich völlig anvertraue, Und daß der leib, auf diesen schweren tag, Durch sanfte ruh sich wohl erholen mag. 15. Vergönne, daß der lieben engel schaaren Mich und mein haus in dieser nacht bewahren; Daß ich vor dem, was schädlich, sicher sei Und deiner huld mich morgen wieder freu.. 6. Herr! wird mich einst die lange nacht bedecken Und in die ruh des tiefen grabes strecken; So blicke mich mit gnadenaugen an, Woraus ich licht im tode nehmen kann. 7. Laß Abendgesänge. 7. Laß mich hernach, zugleich mit allen frommen, 3u jenem glanz des andern lebens kommen, Allwo du uns den langen tag bestimmt, Dem keine nacht licht, glanz und klarheit nimmt. 1S Nach der Arbeit. Mel. Nun lob mein seel den. 639. Dein name sei erhoben, Gott, Vater der barmherzigkeit! Du, der so oft von oben Mit kraft und stärke mich erfreut! Die arbeit meiner hände, Mein Vater! segne du; Dein sei der ruhm! ach, sende Mir ferner hülfe zu; Daß ich das meine thue, Als dein gehorsam kind, Bis seligkeit und ruhe Mein theil auf ewig sind. 487 herrn. Daß ich ihn( fie) angefangen? Mit dank und mit gebet, Mit eifrigem verlangen, Als ein geschöpf von Gott, Der tugend mich zu weihn, Und züchtig und gerecht, Und Gottes freund zu sein? 3. Hab ich in dem beruf, Den Gott mir angewiesen, Durch eifer und durch fleiß Ihn, meinen Gott, gepriesen? Mir und der welt genützt? Und jeden dienst gethan, Weil Nicht, ihn der herr gebot, weil mich menschen sahn? Prüfung am Abend, besonders am Schlusse der Woche. 4. Wie habe ich bisher Mein eignes herz regieret? Hat mich im stillen oft Ein blick auf Gott gerühret? Erfreut ich mich des herrn, Der unser flehn bemerkt? und hab ich im vertraun Auf ihn mein herz gestärkt? 5. Dacht ich, bei dem genuß Der güter dieser erden, An den allmächtigen, Durch den sie sind und werden? Verehrt ich ihn im staub? Empfand ich seine huld? Trug ich das glück mit dank, Mel. Gott, du frommer. 640, Gin tag( die woch) Den unfall mit geduld? ist wieder hin; Und diesen theil des lebens, Wie hab ich ihn verbracht? Verstrich er mir vergebens? Hab ich mit allem ernst Dem guten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, Nicht meiner pflicht gelebt? 6. Und wie genoß mein herz Des umgangs süße stunden? Fühlt ich der freundschaft glück? Sprach ich, was ich empfunden? War auch mein ernst noch sanft, Die freude unschuldsvoll? Und hab ich nichts gered't, Das ich bereuen soll? 2. Wars in der furcht des 7. Hab 488 7. Hab ich die meinigen Durch sorgfalt mir verpflichtet? Sie durch mein beispiel still 3um guten unterrichtet? War zu des mitleids pflicht Mein herz nicht zu bequem? Ein glück, das andre traf, War das mir angenehm? 8. War mir der fehltritt leid, Sobald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir Gin unerlaubt verlan= gen? Und, wenn auch heute noch Gott über mich gebeut, Bin ich, vor ihm zu stehn, Auch willig und bereit? 9. Gott! der du alles weißt, Was könnt ich dir verhehlen? Ich fühle täglich noch Die schwachheit meiner seelen. Vergieb, durch Christi blut, Mir die verletzte pflicht! Bergieb, und gehe du Nicht mit mir ins gericht! Abendgesänge. 10. Ja, du verzeihest dem, Den seine sünden kränken; Du liebst barmherzigkeit Und wirst auch mir fie schenken. Sei auch in dieser nacht Mit gnade über mir! Leb ich, so leb ich dir; Sterb ich, so sterb ich dir. deiner vaterlieb und macht Verdank ich es, o Gott! 2. Warst du nicht meines lebens kraft, Mein retter und mein heil; So würd in meiner wanderschaft Rein trost mir je zu theil. 3. Ach! ohne dich, Allgütigster! Verging ich in der noth. Von troft und aller hoffnung leer Wär ohne dich mein tod. 4. Doch, welchen troft fühlt nun mein herz! Du bist und bleibst mein Gott! Dein wort versüßt mir jeden schmerz Und lindert jede noth.- 5. Froh kann ich mich dem schlaf vertraun; Auch schla fend bin ich dein. Vor kei= nem unfall soll mir graun, Du wirst mein helfer sein. 6. Und sollt, o Bater! diese nacht Des leidens letzte sein: Wohl mir! dann ist mein lauf vollbracht, Vollbracht des Lebens pein. Abendlied für Kinder. Mel. Herr, deine allmacht reicht. 642. Herr! deſſen gnade alles Durch dich hab ich mein leben. Gesundheit, segen, lust und kraft Hast du mir heut gegeben. Den ganzen tag warst du mit mir; Mit froher Abendgesang für Leidende. Mel. Nun bricht die finstre. 641. Auch diesen tag hab seele dank ich dir. ich vollbracht, Mit aller seiner noth; Nur 2. Du hast mich heute väterlich Gespeiset und getränket, An öffentlichen Bußtagen. 489 let, Behütet vor gefahren du Wirst ferner für mich mich, 3um guten mich ge= lenket; 3ur arbeit gabst du kraft und muth. Wie bist du doch, mein Gott, so gut! 3. Du ewig guter Bater! sorgen; Gieb meinem leibe sanfte ruh Bis zu dem frohen morgen. Wenn ich erwache, fang ich dann Den neuen tag mit loben an. 4. In gemeinen Anliegen und Nöthen. An öffentlichen Bußtagen. thum und versuchung nie Uns auf die bahn des lasters zieh. Herr, unser Gott! Vor ungeduld, vor aller schuld Behüt uns deine vaterhuld. 3. Sieh gnädig, Herr, auf stadt und land; Ringsum bedeckt von deiner hand, Laß uns der ruh genießen! Wend ab von uns, durch deine hut, Des wassers und der flammen wuth, Des krieges blutvergießen. Sei unser vater, wenn die noth Des mangels und der seuchen droht, Und laß uns ihren raub nicht sein; Laß sicherheit das land erfreun. Herr, unser Gott! Das land ist dein; o laß gedeihn Noch ferner stadt und land erfreun. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 643. Du Gott, der unsre zuflucht ist, Gott, unser mittler, Jesu Christ, Gott, heilger Geist der gnaden! Unendlicher! verwirf uns nicht. Wir kommen vor dein angesicht, mit missethat beladen. Nimm von uns unster sünden schuld, Ou Gott der langmuth und geduld! Und merk auf unser heißes flehn, Daß wir dein heil, Erbarmer! sehn. Herr, unser Gott! Verbirg uns nicht dein angesicht Und geh mit uns nicht ins gericht. 2. Wir haben unsern bund entweiht, Gebrochen unsern theuren eid Und deinen weg verlassen. Doch sieh, wir kehren voller reu Zurück zu dir; o laß aufs neu Uns deine rechte fassen! Laß sie uns leiten auf den pfad, Den dein befehl geheiligt hat, Daß irr4. Sohn Gottes! der zur erde kam Und unsre schwachheit auf sich nahm, Mit Gott uns zu verföhnen; Der durch den tod ins leben drang, Sich dann zur rechten Gottes schwang, Wo ehr und preis dich krönen! Vertritt, o Mittler! 490 An öffentlichen Bußtagen. ler! uns bei Gott Durch noth dir sleht, Dem hilf aus deine leiden, deinen tod; seinen nöthen! Gieb kranken Stärk uns in unsrer prüfung linderung und ruh; Die sterlauf, Und wenn wir strau- benden erlöse du, Erhör ihr cheln, hilf uns auf. Herr, letztes beten! Sei aller ununser Gott! Dein trost, dein terdrückten heil, Der wittwen licht verlaß uns nicht Im und der waisen theil; Vertod, im grab, im weltgericht. eitle der verfolger rath Und lehre sie den rechten pfad! Herr, unser Gott! Durch alles leid der pilgerzeit Führ uns zu deiner herrlichkeit! 5. Schüß uns vor irrthum und gefahr; Erhalte deiner frommen schaar Der glaubenseintracht segen! Uns leite, Gott! dein guter geist, Und was dein wort verspricht und heißt, Sei licht auf unsern wegen! Laß auch in lehr und wandel rein Die diener deines wortes sein, Und bringe zu der wahrheit glück, Zu dir die irrenden zurück. Herr, unser Gott! Breit aus dein wort an jedem ort; Gieb geist und fraft zu deinem wort! 8. Du thuft weit mehr, als wir verstehn, Kannst mehr gewähren, als wir flehn; Laß uns erhörung finden! Oneig auf unser flehn dein ohr; Heb unser herz zu dir empor Und mach uns rein von sünden! Laß uns nun ganz dein eigen sein, Im leben und im tode dein! Wir sind durch Christi blut erlöst; O du, der fünder nicht verstößt, Herr, unser Gott! Erbarme dich! erbarme dich! Bergieb uns; leit uns väterlich! 6. Auch die regenten lenke du, Daß sie durch weisheit und durch ruh Der länder wohlstand heben. Dem könig, der uns schützt und liebt, Gieb, der in ihm so viel uns giebt, Das beste, längste le= ben! O schütt auf ihn und auf sein haus Die fülle deines segens aus! Erhalt uns unsre obrigkeit und durch sie recht und sicherheit! Herr, unser Gott! In deiner hand ist stadt und land; Beglücke, segne jeden stand! 7. Vernimm der leidenden gebet; Wer in gefahr und Mel. Mache dich, mein geist. 644. Laßt uns fürchten Gott den herrn, Eh sein zorn verdamme! Ach, noch sehn wir nur von fern Seines eifers flamme. Noch ists zeit, Wenn Gott dräut, Daß wir, los von sünden, Bei ihm gnade finden. 2. Herr! noch in der gnadenfrist Fall'n wir dir zu fuße, Wissen, daß du gnädig bist Und An öffentlichen Bußtagen. 491 Und uns rufft zur buße. Ach, Herr von großer güt Sünde, fleuch! Weltlust, und treu! Und fühlen, leiweich! Ihr, verlorne brüder, der, im gewissen, Wie wohl= Kehrt doch alle wieder! verdient die strafe sei. Ach, strafest du uns, Herr! im zorn, So sind wir ganz und gar verlorn. 3. Unsre sünde hält uns sehr An gewohnten ketten! Heiland! ach, zu deiner ehr Wollest du uns retten! Mach uns frei; Steh uns bei, Stark in dir zu kämpfen, Und das fleisch zu dämpfen. 2. Du bist gerecht, wir alle sünder; Wie wollen wir vor dir bestehn? Wir sind die ungerathnen kinder, Die des verderbens wege gehn, Sind würdig, daß uns pest und schwert Und hunger längstens aufgezehrt. Chi Mel. Vater unser im himmelr. 645. Gott Bater, denk an Christi tod, An seine wunden, blut und noth; Die sind ja für die ganze welt Die zahlung und das lösegeld! Deß trösten wir uns allezeit und hoffen auf barmherzigkeit. 2. Den könig leit mit deiner hand; Beschütz und ſegne unser land; Gieb überall dein heilges wort; Wend ab pest, theurung, krieg und mord! All denen, die in nöthen sein, Mit rettung, hilf und troft erschein. * 3. Amen, dies alles werde wahr! Erhör und hilf uns immerdar, O Vater! in dem höchsten thron, Durch Christum, deinen ein'gen sohn! Daß du, dein sohn, und beider geist, In allem von uns werd gepreist. Mel. Wer nur den lieben. A. M. 646. Wir liegen hier zu deinen füßen, 3. Doch, Vater! denk an deinen namen, Gedenk an Dein deinen lieben sohn. wort ist in ihm ja und amen, Dein eidschwur selber zeugt davon: Du wollst den tod der fünder nicht; Drum geb mit uns nicht ins gericht. 4. Wir liegen, Herr! vor dir im staube, Und unser herz ist voller reu. Uns tröstet noch allein der glaube, Daß dein herz voll erbarmen sei. Ach, du hast noch ein vaterherz; Drum sich doch jett auf unsern schmerz. 5. Gedenke, Herr! der großen gnaden, Die du in Christo zugesagt, Heil uns durch ihn von unserm schaden, Den unsre sünden uns gebracht. Ach, laß sein blut, laß seine pein An uns, Herr! nicht vergeblich sein. 6. Ach blut! ach blut DOR 492 An öffentlichen Bußtagen. von Gottes sobne! Schrei nicht achtet Und nach deinem für uns um barmherzigkeit. reiche nicht, Nur nach weltSchau, Bater! drauf von lust trachtet. deinem throne, Und denke doch der alten zeit, Da du den sündern gnad erzeigt, Die reuvoll sich vor dir gebeugt. 7. Ach, laß die wohlverdiente strafe Nicht über unsre häupter gehn, Daß wir nicht als verlorne schafe Von deiner hut verlassen stehn. Verschone uns, nach deiner huld, Und trage doch mit uns geduld! 9. Dir wollen wir dann opfer bringen Im schmucke Im schmucke der gerechtigkeit; Dir frohen dank von herzen singen, Daß deine gnade uns erfreut; Dir unser ganzes leben weihn, Dein treues bundesvolk zu sein. 3. Wenn todesnoth Erst nahe droht: nahe droht: Wie spät ist dann die buße! Jetzt, am tage meines heils, Fall ich dir zu fuße! 4. Erbarme dich, Gott! väterlich Um deines sohnes willen! Hilf uns deiner gnade ruf Gern und früh erfüllen! 8. Gieb fried im land und im gewissen, Gesunde luft und gute zeit, Und laß uns Mel. Herr Gott, der du erforsch. deinen schuß genießen; Be= 648. Gerechter Gott! fördre die gerechtigkeit; Krön unser feld mit deinem gut; Nimm kirch und haus in deine hut. wie schrecklich drohn Uns deines zornes flammen! Sie drohn nicht mehr, sie schlagen schon Hoch über uns zusammen! Du trugst uns lange mit geduld; zu groß, zu schwer ward unsre schuld, Du bist des schonens müce! Nun lagert deiner strafen heer, O Gott! sich furchtbar um uns her, Und in uns ist kein friede. Mel. traurigkeit, Herzeleid. 647. Gieb beilsam leid Und traurigkeit, Gott! jedem, der da sündigt! Kräftig sei uns dein gericht Hier zum heil verkündigt. 2. Ach, störe du Die eitle ruh Deß, der dein wort Bei schweren Landplagen. 2. Die freche thorheit, deinen sohn, Den mittler, nicht zu ehren, Erhebt sich stolz und spricht dir hohn Und ruft: wer will mirs wehren? Vom throne bis zur hütte zieht Sie alles hin in ihr gebiet, Läßt nicht sich widersprechen. Die zahl der heiligen Bei schweren Landplagen. gen wird klein;. Dir glauben, das muß thorheit sein; Dich fürchten, ein verbrechen! 3. Wie fluten, die dein zorn gesandt, Die saaten zu zernichten, So strömen laster hin ins land mit allen ihren früchten. Nicht schüchtern, mit verbülltem haupt, Nein, frech, gebietrisch und erlaubt Tritt sie einher, die sünde, Und zweifelt nicht und ist gewiß, Daß jedes werk der finsterniß Lob und belohnung finde. 4. Du aber sprichst: nun ist es zeit 3u ftrafen, die mich haffen. Der sünde schmach und schädlichkeit Will ich sie fühlen lassen. Du gehst mit Du gehst mit ihnen ins gericht; Du schlägst fie, und sie fühlens nicht, Und wollen es nicht fühlen! Sie tragen ihrer laster schmach Und geben darum doch nicht nach, Und wollen es nicht fühlen! 493 dich zu abgefallnen kindern! Vielleicht beweist dein wohlthun sich Noch mächtig an den sündern. Vielleicht läßt sich ihr stolzes herz, Unbeugsam gegen qual und schmerz, Durch dein erbarmen rühren, Bejammert seine missethat, Läßt dich, der es begnadigt hat, Sich und sein thun regieren. 7. Doch mußt du strafen, so gescheh. Herr, unser Gott! dein wille! Du erdkreis, zittre! könige Und völker, werdet stille! Gott zürnet, der das meer erregt Und felsen in den abgrund schlägt Und aus den wolken blitzet! Er, er verzehrt durch seinen hauch Den stolzen fünder, wenn er auch Auf einem throne sitzet! 8. du gerechte vaterhand! Du wollst der frommen schonen, Die noch das sündenvolie land, Das du so strafft, bewohnen! Sie, die den dienst der fünde flohn, Dir standhaft folgten, Gottessohn! Sie rett aus dem ver= derben! Laß sie die schrecken dieser zeit Nicht sehn! laß sie mit freudigkeit In deinem namen sterben! 5. Ach, Herr! wie lange werden sie Selbst deinen zorn nicht achten? Wird der ge= strafte sünder nie Nach deiner gnade schmachten? Kannst du, vor dem die hölle bebt, Vor welchem zittert, was da lebt, Und sturm und abgrund schweigen,- Kannst du, du Mel. Wenn wir in höchsten nöth. Allgewaltiger! Du Gnädig- 649. Bricht allgemeine noth herein ster, du Schrecklichster! Nicht menschenherzen beugen? 6. Du bist die liebe! wende Und scheint es mit uns aus zu sein, Ja sehn wir weder hilf 494 Bei schweren hilf noch rath, Ob wir gleich sorgen früh und spat: 2. So willst du, daß an heilger stätt Wir mit ver= einigtem gebet Uns zu dir nahn, o treuer Gott! Und flehn um rettung aus der noth; 3. Und heben unser aug und herz Zu dir in wahrer reu und schmerz, Und bitten um begnadigung Und aller strafen linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich, Im namen deins sohns Jesu Christ, Der unser heil und mittler ist. 5. Drum kommen wir auch jetzt, o Gott! Und klagen dir all unsre noth, Weil wir stehn als verlassen gar In großer trübsal und gefahr. 6. 3war unsre schuld vor dir ist groß, Doch sprich davon uns gnädig los; Steh uns in unserm elend bei, Mach uns von allen plagen frei! 7. Dann, Vater! ach, dann wollen wir Nachmals mit freuden danken dir, Gehorsam sein nach deinem wort, Dich allzeit preisen hier und dort. * 8. Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Von dem uns alle gnad herfleußt; Hilf uns, daß wir uns deiner freun; Du bist ja unser Gott allein. Landplagen. Für die Feldfrüchte. 360 Mel. Allein Gott in der höh. 650. Lobt Gott, der uns den frühlingschafft, Gott, der den erdkreis schmücket, Der mit allmächtig reicher kraft Das, was er schuf, erquicket. Der herr erschafft, der herr erhält; Er liebt und segnet seine welt: Lobsinget ihm, geschöpfe! 2. Das land, das erst erstorben lag, Erwacht und lebt nun wieder. G8 strömt mit jedem neuen tag Der segen neu hernieder. Der wurm, der in dem staube lebt, Dek vogel, der in lüften schwebt, Erfreut sich seines Lebens. 3. Der erde antlik ist verjüngt, Und heiter glänzt der himmel; Gebirg und thal und wald erklingt Von freudigem getümmel. Du aber schaust auf deine welt, Gott! der sie schuf und sie erhält, Herab. mit wohlgefallen. 4. Doch fühllos nur und unbeseelt Sind auen und gefilde; Auch hast du nicht das thier erwählt zu deinem eben= bilde. Der mensch nur freuet deiner sich, Kennt, fühlet und empfindet dich, Und hofft ein ewges leben. 5. Lobsinget ihm! er ist uns nah, Singt, alle seine heere! Der herr ist allenthalben Für die Feldfrüchte. halben da, Im himmel, erd und meere. Ich lobe, Gott! ich preise dich; Wo ich nur bin, bist du um mich Mit deiner lieb und gnade. 6. Du rufft die wolken übers land Und tränkest diese erde, Daß mit den gaben deiner hand Der mensch gesättigt werde. Thau, regen, sonnenschein und wind, Die deiner allmacht diener sind, Erzählen deine güte. 7. Gs strömen, wenn dein donner dräut, Wenn berg und thal erzittern, Gesundheit, stärkung, fruchtbarkeit Selbst aus den ungewittern. Dann bricht die sonne neu hervor, Und aller kreaturen chor Jauchzt und erfreut sich wieder. 8. Von dir kommt, was uns hier erfreut, Du brunnquell aller gaben; Dort wirst du uns mit seligkeit In reichen strömen laben. In dir freun deine engel sich; Auch wir, o Gott! wir loben dich Mit ihnen einst auf ewig. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 651. Dir, milder geber aller gaben, Herr! dir gebühret ruhm und dank. Du hörst das schrein der jungen raben, Der lerche frühen lobgesang. Oneige jetzt dein ohr zu mir! Du forderst dank, ich danke dir. 495 2. Die kleinste deiner kreaturen Macht deine weisheit offenbar. Man siehet deiner güte spuren Und deine macht von jahr zu jahr. Ein jedes gräschen lehret mich: Wie groß ist Gott, wie klein bin ich! 3. Du sorgst, nach treuer väter weise, Für alle werke deiner hand; Du giebest allem fleische speise, Beschirmst und segnest jedes land; Du liebest unveränderlich; Der bösen selbst erbarmst du dich. 4. Der erdkreis ist von deiner güte, Von deiner weisheit ist er voll. Herr! unterweise mein gemüthe, Wie ich dich würdig loben soll. Gieb, daß mein herz dich freudig liebt, Dich, der mir so viel gutes giebt. 5. Der same wird in deinem namen Auf hoffnung in das feld gestreut. Allgütiger! du gabst dem samen, Da du ihn schufft, die fruchtbarkeit; 3ur aussaat giebst du auch allein Dem landmann kraft, zeit und gedeihn. 6. Du machst den schoos der erde schwanger; Du machst des ackers furchen naß; Du schmückest wiesen, flur und anger Mit blumen, sträuchern, laub und gras; Du träufelst mit dem kühlen thau Die fruchtbarkeit auf feld und au. 7. Was Für die Feldfrüchte. 496 7. Was dürr ist, feuchtest du mit regen; Was kalt ist, wärmt dein sonnenschein; Du theilst die zeiten, wie den segen, 3u unserm besten weislich ein. Bei wärme, hitze, kält und frost Grünt, wächst und reifet unsre kost. 4. Straf uns, Herr! nicht in deinem zorn! Sei uns ein Gott der güte! Erhalte unsrer felder korn! Ach, Bater! ach, verhüte, Daß frost und sturm und hagelschlag schlag Sie nicht zerstörend treffen mag Und wir dann trauern müßten! 5. Entstehen wetter mit gefahr, So laß den blitz nicht zünden! Vor großer dürre uns bewahr Und gar zu trocknen winden! Mach auch Mel. Es ist das heil uns. 652. Ge baut, Herr! die erde nicht zu naß Und laß uns boden, scheur und faß Mit deinem segen füllen. deiner menschen schaar Auf dein geheiß die geheiß die erde Und hofft dabei von jahr zu jahr, Daß sie verforget werde: Denn du versprichst, du treuer Gott! Daß fie bei fleiß und müh ihr brot Von dir erhalten solle. 6. Gieb gnädig, was uns deine hand Jetzt in der hoffnung weiset! Und, krönt dein segen unser land, dann sei, Herr, gepreiset! Dann bringen wir dir dank und ehr, Der du der kreaturen heer Mit wohlgefallen sättigst. 7. Wir trauen dir, Herr unser Gott! Und lassen dich frei walten. Du, Vater! fennft all unsre noth, Haft Und lange hausgehalten, wirft in deinem eigentbum, 3u unserm wohl, zu deinem ruhm, Dich ferner gnädig 8. Kommt, preift des schöpfers huld und stärke! Bringt seinem namen ehre dar! Groß ist der herr! und feine werke Sind herrlich, groß und wunderbar! Kommt, laßt uns seine macht erhöhn! Der herr ist gut, sein lob ist schön! unsern fleiß begleiten. Durch dich nur feimt der ſame auf, Wächst, treibt, sett frucht und reift darauf; Du bists, der alles schaffet. 2. Bis hieber trifft die aufag ein; Gieb ferner deinen segen! Laß unsre früchte wohl gedeihn; Gieb sonnenschein und regen! Cenn ohne deine fegene hand Bringt selbst ein fettes gutes land Uns nimmer, was es könnte. 3. Vergebens ist all unsre kunft, 20 müh und zube= reiten, Wenn nicht, Gott! deine gnad und gunst Hier zeigen. Mel. Für die Feldfrüchte. Mel. Wenn wir in höchsten nöth. 653. Bater! deine sonne scheint Auf bös' und fromme, freund und feind; Die erde wird von dir erleucht't, Mit thau und regen auch befeucht't. 2. Du machest berg und auen naß und läß'st drauf wachsen laub und gras, Daß sich die thiere mannigfalt Im felde nähren und im wald. 3. Uns menschen giebst du brot und wein, Daß unser herz kann fröhlich sein; Du machst, daß es die erde bringt Und uns die arbeit wohl gelingt. 497 ( Um Sonnenschein.) 8. Den himmel mach von wolken rein, Auf daß die sonne wieder schein Und bald erwärme und aufricht, Was sonst verdirbt und wird zunicht. ( Um Regen.) 8. Gott! erhöre unsre bitt Und theil uns milden regen mit, Daß wir genießen deine gab Und auch das vieh sein futter hab. 9. Wenn deine gnad das jahr dann krönt, Sind wir mit deinem gut belehnt; Thu aber dieses noch dazu Und gieb gesundheit, fried und ruh. 4: Wir bitten deine gnad und güt, Dein eigne wohlthat uns behüt. Die frucht der erde uns bewahr Und gieb uns ein gesegnet jahr. 5. Ein fruchtbar wetter uns bescher: Frost, hagel, mißwachs von uns kehr. Wind, regen, thau und sonnenschein Muß deinem wort gehorsam sein. Mel. Gott, du frommer Gott 6. Die mäuf und schnek- 654. Herr, allerhöchster ken, deine ruth Und was den früchten schaden thut, Das ungeziefer von uns treib, Daß dein geschenk uns völlig bleib. 7. Und wenn sich fünde bei uns find't, Denk, daß wir deine finder sind. Thu auf, Herr! deine milde hand Und fegne gnädig unser land. N. A. 10. Bei dir steht alles, Herr! allein; Wir wollen treu und dankbar sein Und deines großen namens ehr Dafür ausbreiten mehr und mehr. Um Regen bei großer Dürre. mel und auf erden, Dem wolken, luft und wind Allzeit gehorsam werden! Was du befiehlst, geschieht; D, laß auch unser flehn Durch dich, Allmächtiger! Jetzt in erfüllung gehn. 2. Wir bitten findlich dich Um deinen vatersegen; Gieb 32 uns, Für die Feldfrüchte. 498 uns, o Vater, gieb uns einen milden regen! Staub ist jetzt unser land, Erstorben jede flur; Es schmachtet feld und thier, Es trauert die natur. 3. Wir haben es verdient; Ach, groß sind unsre sünden, Und billig strafft du uns; Doch laß uns gnade finden! Vergieb uns unsre schuld! Thu auf die milde hand! Wirf einen vaterblick Auf uns und unser land! 4. Befeuchte berg und thal, Erfrische unsre felder. Dein regen träufle sanft Auf änger, gärten, wälder. Das, was bisher gelechzt, Erquicke, Herr! aufs neu, Daß jede kreatur Dir freudig dankbar ſei. 5. Ergieß zugleich dein wort, Gleich einem milden regen, Auf unser träges herz Mit tausendfachem segen. Der fromme nur kann sich, Gott! deines fegens freun; O, laß uns alle reich) An wahrer tugend sein! Danklied für verliehenen Regen. Mel. Nun lob mein seel den. 655. Gin milder regen sinket Erquickend auf die dürre flur. Wie labt sie sich, wie trinket Ihn die verschmachtete natur! Die sanften ströme kühlen Der lüfte weites meer, Und die geschöpfe fühlen Sich nicht mehr träg und schwer. Gott spricht; das seufzen schweiget, Und hitz und dürre fliehn; Der frommen danklied steiget Hinauf und preiset ihn. 2. Mit muth im angesichte, Beschaut der landmann nun sein feld. Erquickt hat Gott die früchte, Er, der versorger seiner welt. Schön steht die saat; die ähren Sind seines segens voll, Der seine menschen nähren Und sie erfreuen soll. Auf, preiset Gottes milde! Er ists, der regen schickt Und lechzende gefilde Voll vaterhuld erquickt. 3. Erhalter unsers lebens, Gott! dem wir uns jetzt dankbar nahn; Olaß uns nicht vergebens Die gaben Du deiner hand empfahn! sendest thau und regen, Giebst Du sonnenschein; milden eilst, mit deinem segen Uns alle zu erfreun. Ach, laß uns nicht vergebens So manche gab empfahn Und nimm, o quell des lebens! Dich unser ferner an. Um Sonnenschein bei anhaltendem Regen. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 656. Gott! der du den himmel ganz Mit wolken kannst bedecken Und bald der heitern sonne Für die Feldfrüchte. sonne glanz Auch wiederum erwecken, Halt deinen regen jetzt zurück Und laß der sonne frohen blick Uns wiederum erfreuen. 2. Die felder trauern weit und breit, Die früchte leiden schaden, Von gar zu vieler feuchtigkeit Und nässe überladen; Der segen, Herr! den du gezeigt, Droht, da er sich zur erde neigt, Fast gänzlich zu verderben. 3. Herr! unsre sünd und missethat Hat dies sehr wohl verdienet; Jedoch erzeig uns huld und gnad, Dein sohn hat uns verfühnet. Wir nahn zu dir voll reu uns nun; Lehr du uns deinen willen thun Und unser leben bessern. 4. Gieb uns, o du liebreicher Gott! Den heitern schein der sonne Und überschütt uns, nach der noth, Mit freude, lust und wonne; Und zeig uns jetzt, nach deiner treu, Daß außer dir kein segen sei Im himmel und auf erden. Danklied für heitere Witterung nach anhaltendem Regen. Mel. Nun danket alle Gott. 657. Mein Gott! du bist gerecht, Und gleichwohl lauter liebe, 499 Selbst, wann es dir gefällt, Daß leiden uns betrübe; Scheints gleich, als dächtest du, Bei unsrer sündenschuld, Nicht ferner mehr an uns Mit vatertreu und huld. 2. Durch wolken ließest du Das sonnenlicht bedecken; Wind, regenwetter, regenwetter, sturm Erfüllten uns mit schrecken, Weil man den himmel nicht, Nur schwarzes dunkel sah, Und unsers landes frucht War dem verderben nah. 3. Nun hast du sonnenschein Uns wiederum gegeben; Die felder sind erquickt, Wir fühlen neues leben. Wir preisen deine huld, Daß du auf unser flehn, Bei unsrer kümmerniß, Erbarmungsvoll gesehn. 4. Ja, Herr! wir preisen dich Mit freudigem gemüthe. sorg auch künftig noch Für uns mit vatergüte! Gieb uns zu rechter zeit regen, sonnenschein! wollen dir dafür Von herzen dankbar sein. Thau, Wir 3ur Saatzeit. Mel. In dich hab ich gehoffet. 658. Liebreicher Gott! dein segenswort sich noch immerseiner kraft auf Erzeiget fort In erden, Daß unser feld Nußbar bestellt und angebaut kann werden. 32* 2. In Für die Feldfrüchte. 500 2. In hoffnung streun wir samen aus; Doch segnest du nicht feld und haus, So ist die müh vergebens. Nur deine kraft Und güte schafft Uns unterhalt des lebens. und gottseligkeit Viel gute frucht zu bringen; So will ich dir Dereinst dafür In ewigkeit lobsingen. Vor herannahender Erndte. 3. Laß unsre saat geſegnet sein! Gieb regen, wind und sonnenschein! Daß wachs- Mel. Wer nur den lieben. A. M. thum und gedeihen Uns ſpät 659. Herr! fegne ferner und früh, Nach sorg und müh, Einst wiederum erfreuen. 4. Bewahre sie auch die ses jahr Vor so vielfältiger gefahr, Die sie leicht kann verlegen Und den, den heut Sein feld erfreut, In kummer bald versetzen. 5. Bei solcher saat seh ich allhier Zugleich ein tröstlich bild vor mir: Denn unter sturm und winden Erhebt sie sich; So muß auch ich Durch kreuz den himmel finden. 6. Und wie das körnlein erst verdirbt und in der erde liegt und stirbt, um neue frucht zu bringen: So werd, o Gott! Ich durch den tod Ins beßre leben dringen. 7. Auf diesen seligen gewinn Freut sich bereits mein herz und sinn; Muß ich, bei trüben fällen, Die thränensaat, Nach deinem rath, Gleich öfters hier bestellen. 8. Nur mache mich, o Gott! bereit, Im glauben Die jetzt in unsern feldern stehn; Laß uns gut erndtewetter haben und alle noth vorüber gehn. Gieb, lieber Gott! daß jedermann Die früchte völlig erndten kann. 2. Hilf, daß wir sie in ruh verzehren Und auch den ar men in der noth Voll lieb und treu davon ernähren. Verhüte doch, o treuer Gott! Bei. deiner wohlthat jederzeit Den mißbrauch deiner gütigkeit. 3. Und laß uns künftig also leben, Wie uns dein theures wort gelehrt, Daß wir dir dank und ehre geben, So wird dein segen stets gemehrt; So erndten wir nach dieser zeit Einst freuden jener ewigkeit. Bei und nach der Erndte. Mel. Was Gott thut, das ist. christen! 660. Preift, mit zufriedenheit, Preist Gott, den Herrn der Für die Feldfrüchte. der erndte, Daß sich nicht ganz die fruchtbarkeit Von au und feld entfernte. Noch stets erhält Er seine welt; Was nöthig ist zum leben, Will er uns alles geben. 2. Er ist der Herr! in seiner hand Ift, was die erde bringet. So sehr auch menschenfleiß das land Baut, pfleget und bedünget, Kommt doch allein Von ihm gedeihn. Nur er läßt unsre saaten Blühn, reifen und gerathen. 3. Oft sehn wir froh in Hoffnung schon Der reichsten erndt entgegen, und plötzlich ist er uns entflohn, Der uns gezeigte segen. Gott nimmt und giebt, Was ihm beliebt, Daß er, als herr der erde, Von uns verehret werde. 501 wegen Und trauen unveränderlich Auf deinen milden segen. Auch unser brot Wirst du uns, Gott! Von zeit zu zeit gewähren, Wenn wir dich kindlich ehren. 4. Zeigt auch nicht immer sichtbar sich Der reichthum seiner gaben: So giebet er doch sicherlich, So viel wir nöthig haben; Ist stets bedacht, Voll gnad und macht Die seinen zu erhalten, Die ihn nur lassen walten. 5. Und, o was ists für ein gewinn, An dem sich gnügen lassen, Was da ist, und mit heiterm sinn Das feste zutraun fassen, Daß, der die welt Regiert und hält, Auch uns, so lang wir leben, Was nöthig ist, wird geben! 6. Ja, Höchster! wir verehren dich In allen deinen 7. Wir beten demuthsvoll dich an, Der alles weislich füget, Deß vorsicht niemals irren kann, Deß wohlthun niemals trüget. Froh danken wir, Erhalter! dir Und preisen deine güte Mit gnügsamem gemüthe. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 661. Wir fingen, Herr! von deinen segen, Wiewohl sie nicht zu zählen sind. Du giebst uns sonnenschein und regen, Frost, hitze, donner, thau und wind: So blüht und reifet unsre saat, Nach deinem wundervollen rath. 2. Der himmel träufelt lauter güte, Die erd ist deiner schätze voll; Damit ein achtsames gemüthe Dich finden und bewundern soll, Dich, der durch seine weise macht Das alles hat hervorgebracht. 3. So sei die liebe denn gepriesen, Gepriesen sei die wunderkraft, Die auf den feldern, auf den wiesen Den erdbewohnern nahrung schafft. Du nähreft uns, wir werden satt; Du giebst, daß man noch übrig hat. 4. Du Für die Feldfrüchte. 502 4. Du schüttest deines segens fülle Herab, die wir doch nicht verdient. Es ist allein dein guter wille, Daß feld und au und garten grünt Und uns, sind wir es gleich nicht werth, Die frucht der erde reichlich nährt. er uns doch nicht minder. Er zieht das herz Doch himmelwärts, Ob wir gleichoft auf erden Beim mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohl gethan! Im nehmen und im geben Sind wir bei ihm stets wohl daran Und können ruhig leben. Er nimmt und giebt, Weil er uns liebt, Und uns zu seligkeiten Durch trübsal will bereiten. 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan! Er zeigt uns oft den segen, Und ehe man. ihn erndten kann, Muß sich die hoffnung legen; Weil er allein Der schat will sein, So nimmt er andre güter Und bessert die gemüther. 4. Was Gott thut, das ist wohl gethan! Es geh nach seinem willen. Läßt sich es auch zum hunger an, Weiß er ihn doch zu stillen, Obgleich das feld Nicht viel enthält; Man kann bei wenig gaben Ein fröhlich herze haben. 5. Was Gott thut, das ist wohl gethan! Das feld mag traurig stehen; Wir gehn getrost auf seiner bahn Und wollen ihn erhöhen. Sein wort verschafft Uns lebens662. Was Gott thut, kraft: Er nennt uns Gottes erben; Wie können wir verderben? das ist wohl gethan! So denken Gottes kinder. 6. Was Gott thut, das reichlich erndten kann, Liebt ist wohl gethan! So wollen Wenn man nicht wir 5. Bewahre ferner unsre saaten Und unsre häuser, hab und gut. Bewahr uns, Herr! vor missethaten, Vor wollust, geiz und übermuth: Weil sonst im reichsten überfluß Die seele doch verderben muß. 6. Ja, Vater! wenn wir dein vergessen, Der du so liebreich an uns denkst; So muß der fluch den segen fressen, Mit dem du feld und haus beschenkst; Wird auch der vorrath nicht zerstreut, So mangelt doch zufriedenheit. 7. So lasset uns denn hier auf erden Des guten samen auszustreun Nie müde, nie verdrossen werden, Und uns vielmehr der erndte freun, Die einst, nach dieser zeit der saat, Der christ bei Gott zu hoffen hat. Bei und nach mißrathener Erndte. Für die Feldfrüchte. 503 wir stets schließen. Ist gleich 6. Wir werden dann zu bei uns kein kanaan, Wo einem neuen leben Hervormilch und honig fließen: So wird von Gott Doch unser brot 3ur nothdurft uns bescheret, Wenn man ihn gläubig ehret. gehn, werden dir entgegen schweben, In diesen neuen himmel aufgenommen Mit allen frommen. 7. Weil wir noch hier sind, sei von uns erhoben! Im sturm, im donner wollen wir dich loben. Es sei um uns der himmel noch so Beim Ungewitter. Mel. Herzliebster Jesu, was. 663. Auf, Christen! laßt trübe, Du bleibst die liebe. uns unsern Gott erheben, Vor seinem donner Mel. Auf meinen lieben Gott. nicht kleinmüthig beben. Er 664, Gin wetter steiget auf; Mein herz, ist die liebe, und kann uns beschüßen Vor seinen bligen. 2. Sie zeugen, Gott! wie alle deine werke, Von deiner weißheit, deiner huld und stärke. Gleich Gleich herrlich ist, im sturm und in der stille, Dein rath und wille. zu Gott hinauf! Fall ihm getroft zu fuße Durch wahre reu und buße; Dann müssen deine sünden Durch Christi tod verschwinden. 3. Bon tiefer ehrfurcht, Herr! vor dir durchdrungen, Sehn wir in der natur er= schütterungen, Auch güte, die fie schmücket und belebet, Selbst wenn sie bebet. 4. Wenn deine donner die natur erschüttern, Dann strahlt sie schöner nach den ungewittern; Als schmückte sie nun eine neue sonne Mit neuer wonne! 5. So steigt, wenn einst, am größten aller tage, Für fromme nicht mehr sein wird leid und klage, Empor aus deines weltgerichts getümmel Ein neuer himmel. 2. Herr! der du gut und fromm, 3u dem ich gläubig komm Und bitte um erbarmen, Du wollest jetzt uns armen Aus vaterhuld verschonen, Uns nicht nach sünden lohnen. 3. Durch Christi theures Gieb uns getrosten Der sich nicht knechBVielmehr auf In allem kindUnd deiner allblut muth, tisch scheue, deine treue lich schaue macht traue. 4. Ich will mit dem, was mein, Dir ganz gelassen sein. Dein flügel wird uns decken, Verjagen alle schrecken Und uns aus gnaden lassen Das Bei und nach dem Gewitter. Danklied nach dem Gewitter. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 666. Wie gnädig ist des höchsten wille! 504 Das wetter gar nicht schaden. 5. Wohlan, verlaß uns nicht! Bleib unsre zuversicht! Und ob es noch so trübe, Laß deiner vaterliebe, So lange wir hier leben, Uns preis und ehre geben. Mel. Nun bricht die finstre. 665. Vor deines Gottes majestät Erzittre nicht, o christ, Wenn er in donnerwolken geht Und um sich blize schießt. 200 2. Und wenn sein don nerndes geschütz Den frevler tief erschreckt; So wisse, daß er vor dem blik Und donner dich bedeckt. 3. Der pfeil des herrn fährt wunderbar Von seinem wolkenthron; Trifft, wen er will, und krümmt kein haar, Wenn Gott ihm ruft: verschon! 4. Sprich, wenn dein Gott dich tödten will: Gerecht ist dein gericht! Er ist der herr! ihm halt ich still Und laß im tod ihn nicht! 5. Des donners könig ist mein freund; Wenn er mich schnell entrückt, So weiß ich, daß ers gnädig meint Und ewig mich beglückt. 6. Wer Gott bei stillem himmel ehrt, Singt ihm auch froh ein lied, Wenn er auf schwarzen wolken fährt, Steht, wenn der frevler flieht. Der donner schweigt, die blike fliehn! Bald schmückt, bei angenehmer stille, Der sonne glanz das feuchte grün. Erhebe deinen lobgesang, Du, meine seele, opfre dank! 2. nimm bewundernd Gottes güte Im blitz und ungewitter wahr! Dem frohen forschenden gemüthe Stellt sich ein großer schaudar plak dar Von ungezählter segensspur, 3um labsal aller kreatur. plak 3. Wenn, bei erhitzter dünste glühen, Sowohl die menschen als das vieh Den odem matt und kraftlos ziehen:Wie froh, wie munter werden sie, Wenn in die ängstlich schwüle luft Der donner kühle winde ruft! 4. Wie lieblich hebt sich das getreide, Getränket durch den regenguß! Und wie vergnügt betritt die weide Der neu belebten thiere fuß! Der muntern vögel frohes heer Verkündigt des erhalters ehr. 5. Auch ich will seine gute loben. Im wetter, wie beim sonnenschein, Werd er von dir, mein herz, erhoben! Du kannst dich seiner güte freun; Und Bei und nach einer Feuersnoth. 505 Und wenn des donners stim7. Der finder und der kranme brüllt, Ist er dein helfer ken, Herr! Erbarme dich, und dein schild. und wer nicht mehr, Von alter schwer belastet, sich Jetzt retten kann, der finde dich. In Feuersnoth. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r. 667. Gott, deffen macht des feuers kraft 3um segen und verderben schafft; Mit welcher schrecklichen gewalt Verwüstet es, wie leicht und bald! Danklied nach derselben. Mel. Was lobes solln wir. 2. Ach, manches haus hat es verzehrt Und man- 668. Gott lob! nun ist ches glück hat es zerstört! Auch dies hat deine hand gethan; Wir weinen, Herr, und beten an! die feuersnoth vorüber, Wir freuen uns von ganzem herzen drüber. 2. Gott lob! es ist zwar groß gnug unser schade, Nur größer ist gewesen Gottes gnade. 3. Gott lob! der dies nicht alles hat zusammen Durch seinen zorn gesetzet in die flammen. 4. Gott lob! es stürmt', und mitten in den stürmen Gottes lieb uns Kann mächtiglich beschirmen. 5. Gott lob! es brannt, und mitten in dem brennen Gab Gott dennoch sein heil uns zu erkennen. 3. Mit unsern brüdern seufzen wir, In ihrem jam= mer, Gott! zu dir. Laß sie nicht hilflos; tröste sie, Die du gebeugt hast; segne ste! 4. Gieb, daß der, den du schontest, nicht Vergesse sei ner schönsten pflicht: Der pflicht, betrübte zu erfreun, Barmherzig gegen sie zu sein. 5. Was du uns nimmst, das kannst du, Gott! Auch wieder geben; jede noth In heil verwandeln; weis und gut Ist alles, was dein wille thut. 8. Der finde bei dir, wenn er matt Umberwankt, hilf und trost und rath. Erhör, erhöre das gebet, Das heiß für unsre brüder fleht. 6. Gieb unterwerfung und geduld, Und laß uns deiner vaterhuld Mit frommer zuversicht vertraun, Und stets auf deine hilfe baun. 6. Gott lob! mit uns verfährt er nicht nach sünden, Und läßt uns gnade und errettung finden. 7. Gott lob! er kann den schaden leicht erstatten, Wenn, was 506 was wir thun, er lässet wohl gerathen. 8. Gott lob! auf ihn soll unsre seele trauen; So werden wir sein antlig ewig schauen. Bei und nach einer Feuersnoth. Bei der Erinnerungsfeier eines Brandunglücks. Mel. Ich dank dir schon durch. 669. Das as war ein fürchterlicher tag! O säh ihn keiner wieder! Ein feuer, das vom herrn ausbrach, Schlug alles plötzlich nieder. 2. Es drohete der flamme wuth, Den ort ganz zu verheeren Und augenblicks in asch und schutt Die häuser zu verkehren. 3. Der reiche war jetzt nicht mehr herr Von seinem großen gute; Der arme fand nun auch nicht mehr Die hütte, wo er ruhte. 4. Wie mancher mußte, abgebrannt, Vor andrer leute thüren, Mit trübem blick und leerer hand, Jetzt seine kinder führen, 5. Und flehen brot für sich und sie Und winseln um erbarmen. welche noth! so groß war nie Die menge wahrer armen. handle, Bater! handle nicht Mit uns nach unsern sünden. 7. Bergebens baut der mensch und spricht, Daß er ein haus besitzet, Der wächter wacht umsonst, wo nicht Der herr es baut und schüket. 8. Drum wolln wir dir allein vertraun, Dich fürchten, lieben, ehren. In unsern häusern, die wir baun, Soll sich dein lob vermehren. 9. Und wenn wir arme abgebrannt Und nackend vor uns sehen, Soll unser herz und milde hand Stets ihnen offen stehen. 10. Denn wenn von uns srer härtigkeit Des armen thränen zeugen: So kann, wenn er zum himmel schreit, Uns gleiches unglück beugen. 11. Ach, Herr, bewahre stadt und land! Und, brennen unsre häuser: So mache selbst durch glut und brand Uns frömmer, besser, weiser. 12. 3u wichtig ist dem kein verlust, Der Gott und himmel gläubet. Die welt vergeht mit ihrer luft; Gott und sein himmel bleibet! In Wassersnoth. 6. Ach Gott! wie bald Mel. Was mein Gott will, gesch. kann dein gericht Ein schreck- 670. Wir find in noth; lich feur anzünden! Uch Laß uns, o Gott, Bei und nach einer Wassersnoth. 507 Gott, Die flut nicht über- 3. Das that dein arm, schwemmen! Nimm uns in o Gott! Der jeder slut geacht; Wehr ihrer macht; Du bieten, Der meere zähmen Wie furchtbar sie kannst die wogen hemmen! kann, Verbirg jetzt nicht Dein an- auch wüthen. Du schützest, gesicht; Gedenk an uns in du erhältst; Du hilfft in gnaden! Gott! wenn uns jetzt jeder noth; Du bist der Dein arm beschützt, Was fluten Herr, Du bist der kann die flut uns schaden? meere Gott. 2. Ach, hilf uns, Herr, Allmächtiger, Um Jesu Christi willen! ich, Du allein Kannst uns befrein, Kannst sturm und wellen wellen stillen. Erbarme dich! Hilf väter lich; Beschüß uns gut und Dann wollen wir Dir, Gott, dafür, Dank, preis und ehre geben. leben! In Kriegszeiten. Mel. Wer nur den lieben. N. M. Danklied nach derselben. 672. Gs zieht, o Gott! Mel. Nun danfet alle Gott. ein kriegeswet671. Qob, preis und dank sei dir, Allmächtiger, gesungen! Du bast des wassers macht Durch deine hand bezwungen. Die wellen brausten, Gott, Und schon sank unser muth. Du sprachst: nicht weiter! da Gehorchte sturm und flut. 2. Wie tobten sie! doch du Bewiesest an uns armen, Als wir um hilfe schrien, Dein mächtiges erbarmen; Bewiesest, daß du nie Von herzen uns betrübst Und, züchtigst du uns gleich, Uns väterlich doch liebst. 4. Dir, Allgewaltiger, Las uns nie widerstreben! In heiligkeit laß uns Nur dir zu ehren leben; Der du zum sturme sprichst: Zerstöre nicht! zur flut: Verschone land und volk! Und zu den wellen: ruht! ← ter Jetzt über unser haupt einher. Doch bist du unser schutz und retter, So fürchten wir uns nicht so sehr, Wie heftig auch gefahr und noth Den völkern und den Ländern droht. 2. Gieb, Vater! in so trüben tagen Uns nur den sinn, auf dich zu sehn, Und da, wo andre trostlos zagen, Mit zuversicht zu dir zu flehn, Weil nie doch menschenhilfe nützt, Wenn deine rechte uns nicht schützt. 3. Kein blinder zufall herrscht auf erden; Du bist 28, 308 Bei und nach dem Kriege. es, der die welt regiert. Laß stets mit maßen, Und auch jetzt alle inne werden, meinst es immer väterlich; Daß dir allein die macht ge- Auch uns wirst du nicht bührt. Seid böse, völker, ganz verlassen; Auch unsrer rüstet euch! Ist Gott für noth erbarmst du dich. Wir. uns, so fehlt der streich. sollen nur durch angst und pein Geläutert und gereinigt sein. 4. Je weniger sich oft auch zeiget, Woher uns hilfe noch entspringt; Je mehr gefahr und plage steiget Und alles in zerrüttung bringt: Um so viel mehr laß voll vertraun Uns, Gott! auf deine vorsicht schaun. 5. Was hilft der streiter große menge? Was hilft gewaltgen ihre macht? Der roß und wagen dicht gedränge Hat doch nicht im9. Froh werden wir auch rühmen müssen, Wenn du uns wieder wohlgethan: Gott brach, nach uns verborgnen schlüssen, 3um heil uns, auch durch noth, die bahn. Du bleibest unsre zuversicht! Barmherziger, verlaß uns nicht! Mel. Herzliebster Jesu, was. mer sieg gebracht; Der 673. Herr, unſer Gott! wird allein von deiner hand, Wem du ihn gönneft, zu gewandt. 6. Drum fallen wir in deine arme, Du Vater der barmherzigkeit! Und slehen demuthsvoll: erbarme Dich über uns zur bösen zeit! Laß gnade nur für recht ergehn, So bleiben wir noch aufrecht stehn. 7. Und findet, Herr! dein weiser wille Noch ferner züchtigungen gut; So hoffet in gelassner stille Auf deinen beistand unser muth, Und weiß, daß du zur rechten zeit, Uns zu erretten, feist bereit. 8. Du züchtigest, doch nicht zu schanden werden Die, so in ihren nöthen und beschwerden Bei tag und nacht auf deine' güte sehen und zu dir flehen. 2. Mach alle die zu schanden, die dich hassen, Die sich allein auf ihre macht verlassen. Ach, kehre dich mit göttlichem erbarmen Doch zu uns armen. 3. Schaff du uns beistand wider unsre feinde. Sprichst du ein wort, so werden sie bald freunde. Dann müssen sie die waffen niederlegen Und sich nicht regen. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen: Vergebens Bei und nach dem Kriege. bens ists, auf menschenhilfe bauen; Mit dir nur kann man thaten thun und kämpfen, Die feinde dämpfen. 5. Du bist der held, der sie kann untertreten Und die erretten, die im glauben beten. Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu namen: Hilf, Helfer! amen. Danklied nach wiedererlangtem Frieden. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 674. Gottlob! da bist du, kind des friede! der zerstörer ruht; Es schweigt die stimme des getümmels, Der angst, des würgens und der wuth! Gott hat das flehn der noth erhört, In freude unser leid gekehrt. himmels, 2. Das thut der herr! was er behütet, Dem darf sich kein zerstörer nahn. Wenn der allmächtige gebietet, Ist alle zwietracht abgethan. Auch über uns hat er gewacht, Auch uns die ruh zurückgebracht. 509 4. Preist ihn durch freudiges vertrauen; Ihr seht, was seine hilfe kann. Er läßt sie uns auch ferner schauen Und nimmt sich unser gnädig an. Wo wir nichts können, nichts verstehn, Wird, was uns nüht, durch ihn geschehn. 5. Preist ihn durch wohlthun und erbarmen, Wo ihr der brüder noth erblickt, Daß ihr die leidenden und armen Speist, tränket, kleidet und erquickt; Damit sich alles wieder freu Und durch den frieden glücklich sei. 6. Vor allem preist ihn durch eur leben: Dies ist der beste lobgesang. Durch heiligung den herrn erheben, Ist christenpflicht, ist wahrer dank! O, lasset herz und wandel rein Und ihm ein würdges opfer sein. 7. Nimm, Vater! unsers dankes lieder Denn jetzt mit wohlgefallen an. Froh schallen unsre tempel wieder Von dem, der uns so wohl gethan. Herr unser Gott, dich loben wir! Herr unser Gott, wir danken dir! 3. O christen! fühlt das ganz und preiset Frohlockend ihn, der uns erfreut; Der seines armes macht beweiset, Und in der macht barmherzigkeit, Der uns mit vie= Mel. Es ist gewißlich an der. Um Erhaltung des Friedens. ler schonung trägt Und wun- 675. Herr Gott! wir den heilet, die er schlägt. preisen deine asiadis s macht Bei und nach dem Kriege. 510 macht Mit freudigem gemüthe! Du hast bisher für uns gewacht; Du haft aus großer güte Vor krieg und raub und schwerem leid, Das deine hand den sündern dräut, Uns väterlich behütet. 2. Wir häufen täglich unfre schuld Durch unser sündlich leben; Und doch bleibt uns, du Gott der huld! Die wohlthat noch gegeben, Daß jedermann von uns in rub Sein' arbeit und beruf, wie du Befiehleft, kann verrichten. 3. In unserm lande blitt kein schwert, Unschuldige zu tödten; Es ist von feinden unverheert Und frei von frei von kriegesnöthen; Uns schreckt kein fürchterlicher truh; Wir können unter deinem schutz Noch immer sicher wohnen. 4. Laß, Höchster! deine vatertreu Auch künftig uns bewahren! Steh du, Allmächtiger! uns bei Und deck uns vor gefahren! Breit in der welt den frieden aus; Gieb fried im land, in jedem haus Und ruh auf unsern grenzen. 5. Und wenn ein feind uns überfiel', So wollest du ihm wehren. Seß du ihm schranken, maß und ziel, Heiß ihn zurücke kehren. Beschütze mächtig unser land; Laß sicherheit durch deine hand Sich über uns verbreiten. 6. Gieb allen mächtigen den sinn, In frieden zu re gieren; Und laß in frömmigkeit forthin Uns deine gnade spüren. Erhalt uns deine lehr und wort; Und laß in ruh an jedem ort Glück, heil und segen blühen. In Theuerung. Mel. Von Gott will ich nicht. 676. Du bester troft der armen, Gott, Schöpfer aller welt! Du vater voll erbarmen, Der seine zusag hält! Du, du erhörst erhörst gebet; So hör, was unser glaube Zu dir jetzt aus dem staube In noth und theurung fleht. 2. Ach, unser sündhaft leben Verklagt vor dir uns hart; Doch schonen und vergeben, Ist ja der väter art. Du, treuer Vater! du Bist gut vor allen vätern Und neigst selbst übertretern Dein herz bald wieder zu. 3. Wenn sie mit ernster reue 3u dir um hilfe schrein; So willst du auch aufs neue Ihr Gott und retter sein. Herr, unsre zuversicht! Auf den auch wir jetzt sehen Und hilflos zu dir flehen, Verlaß, verlaß uns nicht! 4. Gott, unser heil! ach Der zeiten schweren Thu deine milden hände, wende lauf; Bei und nach der Theuerung 511 hände, Den schatz der all- hungersnoth Errettung uns macht auf. Was nur ein leben hat, Nährst du mit wohlgefallen: O, schaffe denn uns allen Bei unserm mangel rath. gewähret; Und nun hat deis ne segenshand Von uns und unserm vaterland Den mangel abgewendet. 5. Herr, der du uns auch schufest, Hör unser angstgeschrei! Allmächtiger! du rufest Dem nichts, damit es ſei. 3u helfen ist dir leicht; Du kannst dem mangel webren, In theurung uns ers nähren, Wenns uns unmöglich däucht. 6. Laß einen jeden eilen, Mildthätig jeden tag Bedrängten auszutheilen, Was seine hand vermag! Einst sieht das Jesus an, Wenn wir die brüder retten Und sättigen, als hätten Wir das ihm selbst gethan. und 7. Laß jede frucht gerathen, uns wieder zu erfreun, Und allen unsern scaten Gieb wachsthum gedeihn! Mit milder vaterhand Gieb wärm und thau und regen; So kehrt dein reicher segen Zurück in unser land! Ma Nach geendigter Theuerung. Mel. Es ist das heil uns. 677. Du baft, o gnadenreicher Gott! In theurung uns er nähret, Im elend und in 2. Dich jammerte, Herr! unser leid, Das angstgeschrei der armen. Du, Vater der barmherzigkeit! Siehst auf sie voll erbarmen. Groß war die noth, groß unsre schuld; Noch größer war, Gott! Und deiner alldeine huld macht stärke. 3. Auf, laßt uns unserm belfer dank Und preis und ehre bringen Und durch vereinten lobgesang Ihn dankbar froh befingen! Der höchste hält, was er verspricht; So lang die schöpfung steht, soll nicht hier saat und erndte fehlen. 4. Gott! Gott! unsre sünde wars, die dich Zur züchtigung bewogen; Durch trübsal hast du väterlich Uns jetzt zu dir gezogen. Laß uns die sünden ernstlich fliehn Und dir, der gnädig uns verziehn, Ganz unser leben widmen. 5. Wie fürchterlich lehrt hungersnoth Uns unser nichts erkennen! Dlaß uns dich allein, o Gott, Stets unsern retter nennen! Lehr uns in allem auf dich schaun, Dich kindlich fürchten, dir vertraun, Und deine gaben 6. Laß schätzen. Bei und nach der Theuerung. 512 6. Laß auch, o Herr! im überfluß Uns nie durch stolz erheben, Stets mäßig bleiben im genuß, Der wollust widerstreben, und von dem, was uns deine hand Bisher so liebreich zugewandt, Auch arme gern erfreuen. 7. Bor mangel wollst du gnädiglich In zukunft uns bewahren. Mit dir ist uns nichts fürchterlich; Du deckst uns in gefahren. Mit lust, o Vater! wendest du Dem lande deinen segen zu, welchem fromme wohnen. In 4. Erbarme dich, erbarme dich! Und blicke jetzt auch väterlich Auf tiefgebeugte füns der! Du kannst allein Mit hilf erfreun: Errette deine kinder! 5. Errette, Herr! durch deine hand Von dieser seuche unser land, Entferne furcht und plagen! Gieb, was uns gut, Gieb frohen muth, Gesundheit unsern tagen! 6. Doch sollen wir gezüchtigt sein; So flöß uns die gesinnung ein, Daß wir bereitet stehen, Wann dirs gefällt, Aus dieser welt Vor deinen thron zu gehen. Bei ansteckenden Seuchen. Mel. In dich hab ich gehoffet. 7. Beut denen deine hände dar, Die jetzt die tödtliche 678. Herr Gott! vor gefahr Umringt mit bangen schrecken, Und laß ihr herz. Im herben schmerz Den kelch des trostes schmecken. deiner majestät Wirft mit inbrünstigem gebet Sich unser herze nieder. Dein grimm erwacht, Der seuche macht Würgt schon die nahen brüder. 2. Gott! wie groß ist diese noth! Sie kommt, fie wächst, und fall und tod Bedeckt das land mit leichen. Auf widerstand Von menschenhand Will ihre wuth nicht weichen. 3. Ach, Bater! gehe mit uns nicht Nach unsern fünden ins gericht! Erbarmer, ach, verschone! Erlaß die schuld, Nach deiner huld, In deinem liebsten sohne! 8. Laß, da die demuth vor dir fleht, Laß, treuer Bater! dies gebet 3u dir erhörlich dringen; So soll den dank Dir lebenslang Das herz zum opfer bringen. Nach geendigter Seuche. Mel. Herr Gott, der du erforsch. 679. Nun wollen wir dir preis und dank, Gott, unser helfer, bringen! Es soll vereinter lobgesang Su deinem throne dringen! Du hast uns in der ster= Bei ansteckenden Seuchen. 513 sterbensnoth So treu be- die seuchen fliehn; Du heilest schüßet, daß der tod Uns nicht dahin gerissen. Pflicht ist es, daß wir lebenslang, Allgütigster! dir dafür dank Von herzen sagen müssen. unsre schmerzen. O du Erbarmer, voll geduld, Nach unsrer übertretung schuld Hast du uns nicht gelohnet! Gezüchtigt o wir preisen dich! Gezüchtigt hast du väterlich Und väterlich geschonet. 2. Wir sahen dort und sahen hier So viele brüder sterben, und allenthalben waren wir Umfangen vom verderben. Da war kein schonen; stündlich war Furchtbarer, näher die gefahr, Und alle kunst vergebens. Nichts trieb des würgers macht zurück, Und uns schien jeder augenblick Der letzte dieses lebens. 4. Wir wollen, der du uns befreist, Gott! dich ewig loben. Sei ewig, Vatér, Sohn und Geist, Von deinem volk erhoben! Es bete dich, Erretter! an Und danke, wer nur danken kann, Und diene deinem namen Und rühme: Gott ist unser Gott! Frohlockt! er hilft uns in der noth; Frohlockt ihm! amen, amen! 3. Zu dir, du Menschen retter! schrien Der deinen bange herzen. Du hörtest uns; 120 5. Standeslieder. Fürbitte für den Landesfürsten. Mel. Allein Gott in der höh. 680. Dem lande, dem Gott gnädig ist, Wird ein regent geschenket, Der seines volkes freude ist, Wie vater herrscht und denket, Ihn hast du, Gott, auch uns verliehn. Preis dir! er halte, segne ihn Und uns durch ihn noch ferner! - 2. Laß deine gnade mit ihm gehn Auf seinem hohen pfade. N. N. - Sie, die auf dieser höhe stehn, Bedürfen deiner gnade, Bedürfen sie im höhern maß; Auf ihn, auf unsern könig laß Sie reichlich sich ergießen. 3. Gieb, daß der geist der weisheit ihn Bei jedem schritte leite, Daß seine absicht und bemühn Dein segen stets begleite. Was ihn und uns, sein volk, beglückt, Was den, der hilfe sucht, erquickt, Sei ihm von dir gewähret. 4. Laß auch in lieb und einigkeit, Die ihm zur seite 33 stehen, and Standeslieder. 514 stehen, Durch weisheit und gerechtigkeit Des landes wohl erhöhen. Was den genuß des friedens stört, Mit kümmerniß sein herz beschwert, Sei fern von unsern gränzen! 5. Erhöre feinen wunsch, und laß Den flor des landes fleigen! Erhöre unsern wunsch und laß Spät seinen tag fich neigen! Und, wenn nun seine zeit entflohn, Dann gieb ihm dort vor dei nem thron Die krone der gerechten! Pflichten der Obrigkeit und Unterthanen. Mel. Allein Gott in der höh. 681. Erhalt uns, Herr! die obrigkeit, Die du uns gabst, auf erden, Mit wohlstand und mit sicher heit, Durch sie beglückt zu werden. Verleih ihr weisheit, trieb und kraft, Was wahres wohl dem lande schafft, Mit forgfalt wahrzunehmen. 2. Gieb, daß fie, deinem vorbild gleich, Uns väterlich regiere; An einsicht, muth und liebe reich), Das ruder glücklich führe; Der unschuld schutz und stüße ſei; Dem land und den gesetzen tren, Dem unrecht kräftig fleure. 3. Laß uns, von ihrem schuh bewacht, Des friedens glück genießen, Und ruhig unter ihrer macht Das leben sanft verfließen. Laß, wenn der wittwen auge thränt, Die waise sich nach hilfe sehnt, Sie sich als väter zeigen. 4. Beschirme fie durch deinen schuß, Daß, die ihr übels gönnen, Mit ihrer lift und ihrem truk Ihr niemals schaden können. Nie fehle jeder guten that, Die sie sich vorgenommen hat, Dein fegnendes gedeihen. 5. Gieß denen eifer, fleiß und freu, Die ihr sind untergeben, Daß jedermann befliffen sei, Nach seiner pflicht zu leben. Erleichtre ihr des amtes müh; Mit deinem ſegen Fröne fie Und sei ihr lohn auf ewig. 6. Laß sie mit uns beflissen sein, In deiner furcht zu leben; Uns deiner oberherrschaft freun, Mit ihr dein lob erheben: Daß so vor deiner majestät, Die über alle hoheit geht, Regent und volk fich beuge. M130 088 Fürbitte für den Lehrstand. Mel. Erhalt uns, Hert, bei. 682. Das amt der lehret, Herr! ift dein; Dein soll auch dank und ehre sein, Daß du der firche, die du liebst, Roch immer treure lehrer giebst. 2. Gc= Standeslieder. 2. Gesegnet sei ihr amt und stand! Sie pflanzen, Herr, von dir gesandt, Von zeit zu zeit dein heilges wort Und mit ihm licht und tugend fort. 3. Wie freut ein guter lehrer sich, Wenn ev, er= leuchtet, Gott! durch dich, Den jüngern Jesu gleich gefinnt, Biel seelen für dein reich gewinnt! 4. Wohl uns, wenn du uns auch so liebst, Daß du uns treue führer giebst, Die weise sind und tugendhaft, In lehr und that voll geist und kraft. 515 9. Laß uns sie lieben, sie erfreun; Dankbare, fromme hörer sein. So führst du auch einst uns zugleich Mit ihnen in dein ewges reich. 5. Laß ihres unterrichts uns freun, Gewissenhafte hörer fein, Selbst forschen, ob dein wort auch lehrt, Was uns ihr unterricht erklärt. 6. Und ist ihr wort dein wort, o Herr! So laß uns folgen deiner lehr Und besser werden, die allein 3um preis, und auch sie zu erfreun. 19 7. Ermahnen, warnen, strafen fie; So weigre, wer sie hört, sich nie, 3u hassen, was du uns verbeutst, 3u thun, was du durch sie gebeutst. 8. Laß darum ihren anterricht, Weil sie als menfchen strauchein, nicht Verachtet werden; nimm dich dann Auch ihrer schwachheit gnädig an. id Vom Ehestande und für Eheleute. Mel. Wie schön leucht't uns der. 683. Der ehstand foll uns heilig sein; Du, Schöpfer! setztest selbst ihn ein, Der welt zum glück und segen. Noch immer fließt in diesem stand, Aus deiner milden vaterhand, Den frommen heil entgegen. Großer Stifter! Dich erhöhen, Die in ehen Dein sich freuen, Durch dich blühen und gedeihen.m 2. Wie glücklich lebt ein frommer mann, Wenn die sein herz ihm abgewann, Die Gott ihm außersehen! Wie glücklich lebt an seiner hand Die fromme, die Gott ihm verband, Ihm hilfreich beizustehen! Wohl euch! Wohl euch, Fromme gatten! In dem schatten Seiner güte Lebt mit fröhlichem gemüthe.p 3. So ftrecket sich weit um ein haus Gin rebenzeicher weinstock aus; So blühn auch ehgenossen. Ringsum umpflanzen ihren tifeh Die kin der fröhlich, munter, frisch, Wie junge frühlingssprossen. Sorgt nicht! Sorgt nicht! 33* Bie Standeslieder. 516 Wie viel beter Zählt ihr, väter! Zählt ihr, mütter! Sorg und müh ist hier nicht bitter. Men nu u 4. Seid ihr gesegnete des herrn; So deckt auch eure liebe gern Die gegenseitgen flecken. Und häuft die last des kreuzes sich: Ihr traget sie gemeinschaftlich; Drum last euch nichts erschrecken! Eintracht, Andacht Kann euch trösten Und die größten Leiden lindern und des lebens bürde mindern. 5. Gott! du hast alles wohl gemacht und dein geschöpfe wohl bedacht, Daß ihm kein gutes fehle. Laß gatten nie den bund entweihn, Keusch laß sie, friedsam, zärtlich sein, Ein herz und eine seele. Heilge, Heilge, Gott der liebe, Ihre triebe! Deine gnade Leite fie auf deinem pfade! 6. Lenk ab ihr herz von üppigkeit Auffreuden, die man nie bereut, Auf freuden echter tugend; Damit noch einst ihr alter sei Von drückenden be= schwerden frei, Noch munter, gleich der jugend. Segne, Segne, Lieber vater, Nährer, rather, Schutz der ehen, Alle, die um segen flehen! Tu Mel. Herr Jefu Chrift, wahr'r. 684. Wir schloffen unsern ehebund Vor dir, o Herr! mit herz und mund Und sagten uns, das hörtest du, Auf immer lieb und treue zu. 2. Mit gnade schau auf uns herab, Daß wir zusammen bis ins grab Verträglich, freundlich, gleichgesinnt, Vor allem gottesfürchtig sind. 3. Laß uns einander inniglich Stets lieben, doch nie mehr als dich; Von untreu fern, im herzen rein, Und keusch in wort und thaten sein. Cruz 4. 3usammen laß uns dir vertraun, 3usammen unsre seel erbaun; 3usammen deine hilf erflehn, 3usammen auch dein lob erhöhn. 5. Was jedem sein beruf gebeut, Gescheh von uns mit freudigkeit; Und so geling uns unser fleiß 3u unserm wohl und deinem preis. 6. Erfährt ein theil des lebens müh, So murre doch der andre nie; Ein jeder trage vielmehr gern Des andern last, von unmuth fern. 7. Willst du mit kindern uns erfreun, So gieb zu ihrer zucht gedeihn; Daß wir mit segen uns bemühn, Sie gut und christlich zu erziehn. 8. Wenn kreuz nach deinem rath uns drückt, So laß uns dann nicht unerquickt. Gieb heitre tage nach dem leid Und segn' es für die ewigkeit. 9. Und Standeslieder. 9. Und trennt der tod einst unser band, Sei unser trost, daß deine hand Die, welche fich hier treu geliebt, Einander ewig wiedergiebt. Für eine schwangere Frau. Mel. Es wolle Gott uns gnäd. 685. Du haft, o weiser Schöpfer! mir 517 weib Mein kind nun soll gebären: So hilf du mir in nöthen! 4. Jetzt leibesfrucht gegeben. Von herzen dank ich dir dafür, Du Herr von meinem leben! Erbeten war sie, Gott, von dir! Du ließest sie mir werden: Ach, laß sie auch, zur ehre dir, Dein eigenthum auf erden Und einst dein erbe werden! Ja kommt, Gott! meine stund und zeit, Dann stärke mich in gnaden! Ents binde mich zu rechter zeit; Behüte mich vor schaden! Gieb zur geburt mir muth und kraft Und lindre meine schmerzen! Du bist es, der mir hilfe schafft! Ich fleh aus ganzem herzen: Erhöre mich, o Vater!! 19 5. Und wenn mein liebes find nun ist Gesund zur welt gekommen: So laß es, o Herr Jesu Christ! Dann werden aufgenommen In deinen tauf- und gnadenbund; Schenk du ihm geistlichs leben! So soll, o Gott! mein herz und mund Stets deine güt erheben Und Lob und preis dir bringen! 315 2. Behüte mich bei tag und nacht Vor sorgen, furcht und schrecken; Laß mich, Gott! deine güt und macht Vor allem unfall decken! Es kann dein liebreich augenmerk Dem unglück leicht gebieten: Ach, schütze deiner Für Aeltern. 188 $ 109 Mel. Von Gott will ich nicht. Hände werk! Nur du kannst 686. Aus freudigem ge= mich behüten und meine frucht bewahren. müthe Sing 3. Gieb meinem kinde eine feel, Geschmücket mit verstande, Die stets den tugendweg erwähl und fliehe sünd und schande. Gieb ihm auch einen muntern leib; Du fannst gebrechen wehren! Und wenn, o Gott! ich schwaches ich zu Gott hinauf; Es zeugt von seiner güte Mein ganzer lebenslauf. Von dir, mein Gott! von dir Kommt jede gute gabe, Kommt alles, was ich habe; Auch kinder gabst du mir. 2. Laß mich stets überlegen, Daß du ihr vater bist Und Standeslieder. 518 Und daß auch ihretwegen Dein sohn gestorben ist. Verhüte, daß ich die Nicht árgre, nicht verachte, Die Christus selig machte; Ach, dies gescheb ja nie! 3. Dir, Bater! dir zum preise, Wollt ich sie gern erziehn. O, mache du mich weise Und segne mein bemühn. Dies sei mein augenmerk, Dir, Gott! sie zuzuführen und keines zu verlieren; Welch großes, wichtges werk! 4. 3u schwach sind meine kräfte, zu schwach ist mein verstand; Der kinderzucht geschäfte Steht unter deiner hand; Gott! darum bitt ich dich, Um Jesu Chrifti willen,( Du wollst die bitt erfüllen!) Regiere fie und mich. Mel. Erhalt uns, Herr, bei. 687. Groß ist, ihr ältern, eure, pflicht! Berzärtelt eure kinder nicht; Gewöhnet sie zu rechter zeit 3u nützlicher geschäftigkeit. 2. Wohl euch, wenn keiner je vergißt, Was aller weiß beit anfang ist! Daß liebe gegen Gott und scheu Bor ibm die beste klugheit sei. 3. Lehrt sie, wenn ihrverstand erwacht, Gott kennen, seine lieb und macht; Lehrt sie, auf seine werke sehn Und, was sie lernen, auch verstehn. 4. Besorgt für ihren leib und mehr Für ihren geist, schaut stets umher, Was ihrer unschuld schaden kann, Und führet sie zur tugend an. 5. Erstickt durch unterricht und zucht Der ersten sünde keim und frucht, Dos mit sie Gottes ebenbild Früh werden, liebreich, sanft und mild. 6. Gedenkt, daß kinder leicht verstehn, Wenn sie auf euren wandel sehn, Was gut, was bös ist, und daß leicht Ihr biegsam herz vom guten weicht. 7. Rühmt,— denn ihr herz ist schwach und weich, Rühmt doch vor ihren ohren euch Der übertretung eurer pflicht In eurer frühen jugend nicht. 8. Muthwillen nennt nie witz; nie preist Des fnaben schadenfrohen geist Als munterkeit, ein trüglich herz Und lügen nie als spiel und scherz. 9. Erweckt des guten schnell gefühl In ihren herzen; euer ziel Sei nicht bloß anstand vor der welt, Sei liebe deß, was Gott gefällt. - 10. Gewöhnet sie zur ars beit früh, An ernst und fleiß, und lehret sie, Daß ar= Standeslieder. arbeit keine sclaverei, Daß sie das glück des menschen sei. 11. So nehmt euch ihrer seelen an! Gott richtet einst, und fordert dann, Wenn ihr nicht, was ihr thun sollt, thut, Bon eurer hand der kinder blut. 12. Erwägts und fürchtet fein gericht! Um auch vor seinem angesicht Euch ewig ihrer zu erfreun; Denn sie find sein geschenk und sein. Für Kinder. Mel. Jesus, meine zuversicht. 688. Gott! dir fei mein dank Heilig dir mein ganzes leben! Denn aus freier mildigteit Hast du selbst es mir gegeben, Es durch ältern mir verliehn, Die zur tugend mich erziehn. 519 dar, Er, das beiſpiel frommer finder! Der der Herr Gottes vom himmel war, sohn, das heil der fünder, Er war doch von kindheit an Seinen ältern unterthan. 5. Freude sei es denn auch mir, Folgsam sein; denn daß ist billig Und gefällig, Gott! vor dir, Mach du selbst dazu mich willig. Wohl mir dann! es wird auch mein Dein verheißner segen sein. 2. Hilf, daß gegen sie mein herz Kindlich sei und nicht bloß scheine Und daß ich, trifft sie ein schmerz, 3u dir fromme thränen weine, Für ihr glück dir dankbar sei Und mich ihrer freuden freu. 3. Laß auf ihre winke mich Kindlich und mit forgfalt achten; Ja, selbst ihren wünschen mich Noch zuvorzukommen trachten; Was sie heißen, gern vollziehn, Und was ihnen mißfällt fliehn. 4. Jesus ftelle mir fich Für Jünglinge. Mel. Ermuntre dich, mein. 689. Ich komme vor dein angesicht, Du meiner jugend! Schöpfer Verwirf mein kindlich flehen nicht Um weisheit und um tugend. Mein ganzes leben dank ich dir, Erbarmer! weiche nicht von mir, Damit ich deine wege Unsträflich wandeln möge. 2. Du pflanztest, Herr! in meine brust Verlangen nach vergnügen; Laß mich den hang zu jeder luft, Die du verbeutst, besiegen. Dein unausbleibliches gericht Vergesse meine seele nicht, Und weder glück noch leiden Laß, Herr! von dir mich scheiden. 3. Wenn, Bater! fich auf meiner bahn, Mich in ihr net zu ziehen, Berführer meiner seele nahn, Se laß mich flüglich. 520 lich fliehen. Ihr beispiel, Herr! entferne nicht mein herz von dir und meiner pflicht. Ihr spotten und ihr lachen Laß nie mich wankend machen. 4. Der tugend heilige mich ganz, Mein Schöpfer und Erhalter! Sie werde meiner jugend glanz Und einst mein trost im alter. Erhalte mein gewissen rein; Laß keinen meiner tage sein, Der nicht, zu deiner ehre, Von mir ge= heiligt wäre. 5. Ach! lehre mich den werth der zeit, Daß ich sie nicht verschwende; Daß ich mit weiser thätigkeit 3um guten fie verwende. Laß meiner jugend fleiß und müh Umsonst nicht sein und segne fie; Laß auch durch mich auf erden Dein werk gefördert werden. Standeslieder. gabst mir meine seele. Preis dir und dank, mein Mittler, Gott! Du starbst für meine seele. Preis sei dem geiste, dank und lob, Der mich zu seinem licht erhob, Der mich zur wahrheit führet, Erleuchtet und regieret! 3. Ich bin, o Herr, mein Gott! dein kind; Mein heil ists, dich zu lieben. O mache mich dir gleich gefinnt In allen meinen trieben! Laß meine seele keusch und rein, Stets deiner liebe wohnung sein Und suchen, dir vor allen, O Bater! zu gefallen. 4. Bor eitler selbstgefällig keit Bewahre meine jugend. Stets sei ihr schmuck bescheidenheit und ihre schönheit tugend! Kein schmuck gefalle mir, wie sie! Den gieb mir! gieb, daß ich mich nie Für unbescheidne blicke, Um sie zu reizen, schmücke. Für Jungfrauen. Mel. Ermuntre dich, mein. 5. Die luft zur eitelkeit laß nicht Mein junges herz 690. Ich will in stiller entzünden; Sie streitet wider einsamkeit Mein herz zu dir erheben. Nur deinem dienste seis geweiht, Dir ewig, Gott, ergeben! Vernimm, o Bater! mein gebet, Das dich um licht und stärk anfleht, Mit treue deinen willen Und freudig zu erfüllen. meine pflicht Und locket mich zu sünden. Was hilft das prangen vor der welt, Wenn, Gott! mein herz dir nicht gefällt? Drum will ich mich bescheiden In zucht und demuth kleiden. 6. Auch sei mein auge, wie mein herz, Unsträflich; nie entzünde Ein freier unsittsamer scherz Geheime luft zur 1911455 2. Preis dir und dank, mein Schöpfer, Gott! Du 1 Standeslieder. zur fünde! Die unschuld sei mein liebster ruhm, Ein guter ruf mein eigenthum, Den jeder gern mir gönne, Den niemand lästern könne! 7. Gieb, daß in stiller häuslichkeit Ich eitle zeitvertreibe Stets gern entbehr und allezeit Im bleibe. Der verführung schrecklicher mir, als der tod; Laß seine wilden freuden Wie eine peft mich meiden. 2. Ich hatt oft große sorgen; Doch wie ein heitrer morgen Durch dunkle nächte bricht, So hab ich guten thätig stets erfahren: Der herr umgang, weiß zu bewahren Und führt droht, Sei durch finsterniß zum licht. der 8. Mit wahren frommen will ich mich Durch frömmigkeit verbinden Und, ihrer liebe werth durch dich, Der freundschaft glück empfinden! Laß diesen umgang sanft und rein Mir lehrreich durch ihr beispiel sein, Daß mich, wenn ich mich freue, Nie mein vergnügen reue. 521 ner jugend auf; Hat mich auf meinen wegen Geleitet und zum segen Gelenket meines lebens lauf. Y 9. Ach, sende deine hilfe mir, Dies gern zu thun; erhöre Mein brünstiges gebet zu dir, Daß ich dich ewig ehre. Dir weih ich, Gott! mein leben lang Der unschuld und der tugend dank Und will, zu dir erhoben, Dich einst vollkommen loben. 1 6. Nach wenig bangen. stunden Hab ich ganz überwunden; Ich bin dem ziele nah, Dem ziele meiner leiden. O welche hohe freuden Erwarten meine seele da! tagen Mich 7. Ich harre froh und stille, Bis meines Gottes wille Mich 9 3. War menschenrath vergebens, So kam der herr des lebens Und half und machte bahn. Ihn ließ ich thun und rathen; Denn er thut große thaten, Und nimmt sich unser gnädig an. 4. Bis zu des alters tagen Will ich dich heben, tragen, Und dein erretter sein!" Dies hat mir Gott versprochen, Hat nie sein wort gebrochen; Deß will ich mich auch jeho freun. 5. Er wird in meinem al= ter Mich tragen; mein erhalter 3ft gütig und getreu. Bin ich gleich schwach und müde; Bei ihm ist troft und friede; Er steht auch meiner schwachheit bei. withbir Für das Alter. Mel. Nun ruhen alle wälder. 691. Gott hat in meinen säterlich getragen Von mei 522 Mich nach dem kampfe krönt. An meiner laufbahn ende Sink ich in Gottes hände: Denn Gott hat mich mit sich versöhnt. Standeslieder. Für Herrschaften. Mel. Aus tiefer noth schrei ich. 692. Durch dich, Gott! bin ich, was ich bin, Und es ist deine gabe, Daß ich, als herr, dienst und gewinn Von meinen brüdern habe. Daß sie mir ihre kräfte leihn, Das kommt von dir, von dir allein: Du bist der herr der menschen. 2. 3u meinem besten die nen sie, Verwenden ihre kräfte Und dulden hier des lebens müh In meinem haußgeschäfte. Auch dafür laß mich dankbar sein, Und nie dies vorrecht stolz entweihn, Das du mir, Bater! gabest. 3. Auch der geringste diener ist Bestimmt zum ewgen leben. Für ihn und mich hat Jesus Christ Sich in den tod gegeben. Vor Gottes richtstuhl hat mein knecht Mit mir dereinst ein gleiches recht: Dort sind wir nicht verschieden. 4. Gott! präg es meinem herzen ein. Als bruder ihn zu lieben; Und laß es ferne von mir sein, Den boshaft zu betrüben, Der, hier gekränkt und unterdrückt, Im stillen bittre klagen schickt Zu dir, Gott! meinem richter! 5. Laß mich ihm seine saure pflicht Durch menschlichkeit versüßen; Und wenn ihm hilf und rath gebricht, Soll er sie stets genießen. Ihn tragen will ich, ihm verzeihn, Sein pfleger in der krankheit sein, Sein freund im glück und unglück. Für Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle wälder. 693. Gott! deinen weis sen willen Soll jeder hier erfüllen; Laß ihn mir heilig sein Und alle meine kräfte Von herzen dem geschäfte, 3u dem du mich beriefest, weihn. 2. Du beiß'st mich andern dienen, Und, dien ich treulich ihnen, So folg ich dir, mein Gott! Drum hilf der herrschaft willen Mir gern und treu erfüllen: Denn dies ses ist ja dein gebot. 3. Behr ohne bittre klagen Des lebens last mich tragen Und immer auf dich sehn. Lehr du mich reden, schweiz gen Und mich stets so bezeigen, Daß ich vor dir, Herr! mag bestehn.us Sp 4. Der herrschaft wohlergeben zu fördern, zu erhöhen, Sei meine herzenslust. Vor Standeslieder. Vor schadenfroher freude, Vor argwohn, stolz und wei= de Bewahre, Höchster! meine brust.d 5. In meinem dienst auf erden Stets tüchtiger zu werden, Sei freude mir und pflicht. Ich bin ja, wo ich wandle, Bei allem, was ich handle, Herr! vor deinem angesicht. nad pe 6. Du bist stets der ge= rechte, Der herr der herrn und knechte Und aller troft und heil. Der niedrigste auf erden kann groß im himmel werden, Hat, fürsten gleich, an dir, Gott, theil. 7. Laß mich dies recht er messen, Nie meine pflicht vergessen und recht zu thun mich freun. So wirst du, Herr der welten! Ge reichlich mir vergelten, Und ich werd ewig glücklich sein. Gott Sohn Und heilger Geist im höchsten thron! Mit dir fang ich die arbeit an, Hilf, daß ich sie vollenden kann. 523 2. Herr, segne mich! dein geist verleih, Daß, was ich treibe, glücklich sei; Leit meinen anschlag, that und rath, Daß es erwünschten fortgang hat. 3. Ach, lenke meine müh und fleiß Zu deines großen namens preis, 3u meinem nutzen und dabei, Daß es auch andern dienlich sei. 4. Laß mein werk wohl beschaffen sein Und deinen segen mich erfreun; Giebst du nicht überfluß, mein Gott! So gieb mir doch mein ehrlich brot. Für Handwerker. Für den Landmann. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. Mel. O Gott, du frommer Gott 694. Das walt Gott 695. Mein Gott! du Vater und selber haft Die erde uns gegeben, Daß von derselben frucht Der mensch beim fleiß soll leben. Aus weiser liebe hast Du arbeit aufgelegt Und bifts, der uns dabei Voll treu erhält und trägt. 2. Gieb, daß ich fleißig fei In meines standes werfen. 5. Nimm dich auch meines hauses an, Das ohne dich nichts schaffen fann; Giebjedem ein, steh jedem bei, Daß er fromm, treu und fleißig sei. 6. Nun, Herr! durch deine milde hand Beglücke mich und meinen stand Und nimm einst, nach vollbrachtem lauf, 3u deinem freudenreich uns auf. 524 Laß deine fraft mich stets Bei meiner arbeit stärken. Gieb, daß mein herz an dich Bei aller arbeit denk Und sich von eitelkeit und geiz zum himmel lenk.l 3. Erhalte uns dein wort Und sakramente reine. Gieb, daß ichs treu mit dir Und meinem nächsten meine. Erhalte mich gesund, Bewahre mir mein land; Bewahre Haus und hof Vor dieben, mord und brand. Standeslieder. 4. Ach, segne mich, mein Gott! Und alles, was ich habe; Denn alles dieses ist Ja deine gute gabe. Gesegnet sei die frucht, Gesegnet sei mein vieh, Gesegnet haus und hof Von dir so spät als früh. 5. Laß mich zufrieden sein Mit dem, was dein rath giebet; Du kannst leicht mehr verleihn, Wenn dir es nur beliebet. Gieb mir nur lebenslang, Herr! mein ehrlich brot Und bleib im sterben auch Mein und der meinen Gott. herrlicher Und schöner und gesegneter Wird jede flur und jedes feld Durch meinen fleiß in Gottes welt, Und auch für mich. 5. Mühseligkeit ist aller loos, Der mensch sei niedrig oder groß; Doch kommen wahre ruh und lust Auch gern und nur in dessen brust, Der Gott gefällt. 6. Thu ich, was mir befohlen ist, So bin ich frei, vor arger lift Der schmeichler sicher, bin ein mann, Der schmeicheln haßt, und bete an Nur meinen Gott. Nd. Erschienen ist der herrl. 2007. In seiner werke herrlichkeit Seh ich Gott täglich; mich erfreut Der sonne glanz, der sanfte mond; Wald, thal und berg und flur belohnt mir meinen fleiß. 696. Wohl mir, 0 der Schöpfer! Denn mein stand Ist auch von dir. Du schufft das land Für meinen fleiß, und väterlich Beglückft und segneft du auch mich. Gelobt seist du! 2. Gelobt sei Gott! denn 3. Im schweiße meines angesichts Arbeite ich: doch nie gebrichts Mir, wenn ich thu, was Gott gebeut, An segen, an zufriedenheit! Was brauch ich mehr? 4. Wie lächeln freudig au und flur! In meiner hütte wohne nur Die unschuld, die nie arges thut: Und Gottes wohlgefallen ruht Und wohnt bei mir. 8. Wohl mir! mein stand ist auch vom herrn! Deß bin ich froh und baue gern Das feld: denn er erschufs für mich, Er segnet und beglückt Standeslieder. 525 glückt auch mich. Gelobt nicht zu dir vergebens; Du sei Gott! hast mich väterlich bewacht. Durch deine gnade bin ich hier, Und schuß und zu= flucht bist du mir! Für Reisende. Mel. Es ist das heil uns. 697. In deinem namen, Herr mein Gott! Schick ich mich jetzt zur reise: Beschirm mich vor gefahr und noth, Damit ich froh dich preise. Herr! leib und feel befehl ich dir; Gut, ehr und alles, was du mir Auf dieser welt gegeben. 2. Hilf mir nach deiner großen treu, Daß ich stets christlich wandle, Behutsam, klüglich, und dabei Gewissenhaftig handle. Regier und leite meinen pfad; Verleih mir segen, rath und that Zu meinem thun und lassen. 3. Bring mich gesund zur rechten zeit Zu den geliebten meinen. Erhalte, ſchüße sie vor leid! Und wird der tag erscheinen, Wo wir uns fröhlich wieder sehn, Wie wollen wir dich, Gott! erhöhn Und deiner güte danken! HONG shot Nach der Reise. Mel. Wer nur den lieben. N. M. 698. Dank og fei dir, Vater meines lebens! Du hast mich froh zurück gebracht, Ich flehte 2. Nun kann ich wieder mit den meinen Mich deiner güt und hilfe freun, Mit ihnen mein gebet vereinen, Und dir des dankes opfer weihn. Mein thun gelang, o Gott! durch dich; Du schütztest, du beglücktest mich. 3. Sei ewig, Gott! ſei hoch gepriesen! Denn wie viel gutes hast du mir Auf meiner reise nicht erwiesen? Mein schwaches lob gefalle dir! Dir will ich künftig mich vertraun Und stets auf deine hilfe schaun. Am Geburtstage. Mel. Werde munter, mein gem. 699. Herr! dir sing ich freudenlieder Und verehre deinen rath: Denn der tag kommt heute wieder, Da ich diese welt betrat. Werfe ich nun einen blick Auf die vorge zeit zurück; So hab ich in allen jahren Deine segenshuld ers fahren. 2. Von der kindheit bis ins alter Trug mich deine vaters hand. Du, mein Schöpfer und Erhalter! Setzteft selbst mich in den stand, Meines olmay mat glücke Standeslieder. 526 glückes mich zu freun, Dem berufe treu zu fein Und bei meinem wohlergehen Auch dem nächsten beizustehen. 3. Wechselten in meinen tagen Traurigkeit und freude ab; Führten auchy der krank heit plagen Mich oft nahe an mein grab: Hast du doch, du Herr der zeit! Auch noch stets die traurigkeit Mix in freude selbst verkehret Und mich flug zu fein gelehvet. 4. Durch die wirkung dei ner gnade Ist mein herz nun zweifelsfrei, Daß die züchtigung nicht schade Und das freuz kein unglück sei. Darum leb ich als ein christ, Der mit dir zufrieden ist, Der sein kreuz, wenn er sich freuet, 3war nicht sucht, doch auch nicht scheuet. 5. Groß, mein Gott! ist deine treue, Liebe und barmherzigkeit; Sie ist alle mor gen neur Und zum wohlthun ftets bereit. Groß ist deine vaterhuld und verschonende geduld! Hast du doch in meinem leben Proben gnug davon gegeben. 6. Nun erhebet dich, o Bater! Mein in dir erfreuter geift. Du, mein schuherr und berather, Wirst mit recht von mir gepreist, Daß du alles wohl gemacht, Mich Bis hieher haft gebracht, Heute auch noch an mich denkest und mit deinen segen schenkest. 7. Feft bin ich darum entHeilig und gerecht Herzlich gern und zu sein. unverdrossen Schlag ich deine Herr! ich leb und wege ein. sterbe dir. Du beffimmst das ende mir; Nahe sei es, oder ferne! Wann du rufft, so folg ich gerne. schlossen, Litanei, oder Fürbitte für alle Stände. 700. rr Gott, ewiger 700. Herr Gott! Erbarme dich! Herr Gott, Vater und Schöpfer! Erbarm dich über uns! Herr Gott, Sohn, der welt Heiland! Erbarm dich über uns! Herr Gott, heiliger Geift! Lehrer und Tröfter! Erbarm dich über uns! Sei uns gnädig! Wir sind fünder! Verschen uns, sei uns gnädig! Herr, Herr! unser Gott! Wir armen fünder bitten, Du wolles uns behüten, Herr, Herr! unser Gott! Vor dem leichtsinn, vor dem betrug, vor dem stolz, vor der trägheit unsers bösen herzens, Vor allen sünden, Bor Litanei. Vor dem gift der spötter deines worts, Vor irrthum und unglauben, Vor den finsternissen des aberglaubens, Bor zu schwerer anfechtung, Bor des teufels trug und lift, Vor krieg, theurung, hungersnoth, Vor pestilenz und bösen feuchen, Vor feuer- und wassersnoth, Bor bösem schnellen tode, Bor dem ewigen tode, Wollest du uns behüten, Herr, Herr! unser Gott! Hilf ums, Herr, Hyerr! unfer Gott! Mittler und Versöhner! 527 herzig, gnädig, geduldig, von großer güte und treue! Durch deine heilige geburt, Durch dein unfchuldiges leben und leiden, Durch deinen todeskampf und Blutigen fchweiß, Durch deinen tod am freuge, Hilf uns, Herr, Herr! unser Gott! Weil du vom tode auf erstandst, Weil du zu deinem vater gingst, Weil du zu seiner rechten herrschest, Hilf uns, Herr, Herr! unser Gott! Hilf uns im leben und im tode. Herr, Herr, Gott! barmCARON Erhöre unser seufzen und bitten! premn Laß die erkenntniß deines heilgen namens sich weit in der welt ausbreiten! Erhalte und regiere in gnaden deine heilge firche; Sende treue lehrer und prediger, die am heilsamen wort und heiligen leben bleiben; Laß deinen geist reichen segen zum worte geben; Die noch nie bekehrten, oder wieder abgefallnen fünder aus der irre zurecht bringen; Deine gläubigen in der heiligung erhalten, Allen Betrübten und blöden helfen und sie tröften. Erhör uns, Herr, Herr! unser Gott! Allen königen und fürsten wollest du fried und eintracht geben; Ihnen allen ein geneigtes herz zu der wahrheit deines worts und den lieben frieden verleihen; Unsern König mit allen seinen gewaltigen leiten und schützen; Unsere oberen und gemeine segnen und behüten, und allen schweren sachen ein glückliches ende verschaffen; Uns 528 Uns alle ein geruhiges und stilles leben in aller gottseligkeit und ehrbarkeit führen lassen; Handlung, nahrung und gewerbe fördern und beglücken; Die früchte auf dem lande geben und bewahren. Erhör uns, Herr, Herr! unser Gott! Litanci. Allen, die in noth und gefahr sind, wollest du mit hilfe erscheinen; dist Alle schwangere glücklich entbinden und den neugebornen fröhliches gedeihen geben; Alle kinder, schwache und kranke pflegen und warten; SIM Alle wittwen und waisen versorgen und beschirmen; Alle unschuldig gefangene trösten und erretten; 90 siirty islan Aller menschen dich erbar= men; 3: 31-3 verfolgern Unsern feinden, und lästerern vergeben und fie bekehren. Und uns ein versöhnliches herz verleihen, daß wir sie lieben und ihnen wohlthun. Erhör uns, Herr, Herr! unser Gott! O Jesu Christe, Gottesor sohn! Erbarm dich über uns! O du lamm Gottes, das der welt sünde trägt, Erbarm dich über uns! O du lamm Gottes, daß der welt sünde trägt, Erbarm dich über uns! O du lamm Gottes, das der welt sünde trägt, Gieb uns deinen frieden! Herr, Herr! erhöre uns, Sei uns gnädig! Amen. Lus T- 6m 56s in 30 Inhang SID DE Anhang. Sonntags- Gesänge. 1. Lob- und An hohen Festen. Mel. Herr Gott, dich loben wir. 701. Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Dir, Vater, Sohn und heilgem Geist, Dir, den die ganze schöpfung preist, Vom aufgang bis zum niedergang Erschallet dir ihr lobgesang. Der engel lobgesang bist du. Ein seraph ruft dem andern zu: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott, der allgewaltge Gott! Weit, über alle himmel weit, Reicht deine macht und herrlichkeit. Was je den erdkreis aufgeklärt, Was je die welt dein heil gelehrt, Prophet, apostel, märtyrer, Preist dort im höhern chor dich, Herr! N. A. Hier preist dich, noch vom leib beschwert, Dein volk nur schwach, doch gern gehört, Dich, Bater, auf der himmel thron, Dich, Jesu Christ, des vaters Sohn, Und dich, o Geist, deß gnad und kraft In sündern neues leben schafft. Du, Gottes sohn von ewigkeit! Du abglanz seiner herrlichkeit! Ließ'st dich herab, ein mensch zu ſein, Uns menschen wieder Gott zu weihn, Und herrschest nun in deinem reich Mit gnad und macht dem vater gleich, du in herrlichkeit dersteinst D Als richter aller welt erBis scheinst. Hilf! hilf uns, Herr! wir sind ja dein, 34 Freun Anhang. 530 Freun uns, durch dich erlöst zu sein. Zu deines hohen namens rubm Hilf deinem volk und eigenthum! Leit uns durch unsre prüfungszeit Den weg zu deiner herrlichkeit! 34 d Wir wollen ihn, dir folgsam, gehn, Und dankbar froh dein lob erhöhn. Die erd erfülle, Herr! dein ruhm, Wie deines himmels bei= ligthum. In unsers lebens pilgerschaft Ist, Herr! dein wort uns licht und kraft! Sei gnädig uns, o treuer Gott! Du starker schutz in jeder noth! Du hilfft, wo hilf und rath gebricht; Im tod auch läsfest du uns nicht. Dann wird im himmel unser theil Dein großer lohn, dein ewges heil. Amen. Bei feierlichen Vorfällen. Mel. Herr Gott, dich loben wir. 702. Herr Gott, dich wir! Herr Gott, wir danken dir! Dein segen strömt ohn unterlaß Auf uns herab im reichsten maß. Von uns steig denn zu deinem obr Ohn unterlaß auch dank empor, Unendlicher! wer ist wie du? Uns rufen alle himmel zu: Der uns erschuf, ist groß! An macht und weisheit groß! An güt und segen groß! ist unermeßlich groß! ON Der du das nichts ins dasein rufft, Groß zeigtest du dich, als du schufft. Dein wort gebot, und es geschah: Gleich standen zahllos welten da, Und jede trat alsbald die bahn, Die ihr dein wink wies, freudig an. Groß bleibst du, da du aller denkst, Du aller welten schicksal lenkst. Die erd auch ist dir nicht zu klein, Du willst ihr milder herrscher sein. Wer deine wege forscht, erkennts, Und freut sich deines regiments. Groß Anhang. Groß, weise, gut und herr: lich ist, Allherrscher! was dein rath beschließt. Die kronen sind in deiner hand. Den weisen schenkst nur du verstand; Giebst helden ihren heldenmuth, Und frönst das jahr mit deinem gut. Du treibst vom staate seuch und krieg, Verleihst am tag des streites fieg; Gewährst zu fröhlichem genuß Durch frieden neuen überfluß. In unserm staub, Herr! flehen wir, Gott, unsre zuflucht für und für! Thu deinem knecht, dem könig, wohl; Das land mach deines segens voll; Schüß es und sichre seinen flor, Und hebe stets ihn mehr empor; Vor allem hilf, daß frömmigkeit 531 Nimm an die opfer unsers danks, In unserm land stets mehr gedeiht. Von deines hohen namens ruhm Erschallet heut dein heiligthum. Die jubel unsers lobgesangs. Herr! dir gefällts ja wohl, wenn dein Vor dir sich deine menschen freun. Sie zu beglücken schufst du sie. Und deine güt erschöpft fich nie. Wenn wir dich lieben und dir traun, Wirst du auf uns mit gnade schaun. Amen. Lob- und Danklieder. Mel. Nun danket alle Gott. 703. So lang ich athme, Gott! Will ich dein lob erheben. Du riefst mich aus dem nichts; Du gabst mir dieses leben. Du schenktest mir vernunft, Die dich erkennen kann, Und botest ewges heil Durch deinen sohn mir an. 2. Was bin ich, milder Gott! Daß du so viel mir schenkest? Was ist der erdensohn, Herr! daß du sein gedenkest? Und doch gedachtest du Schon vor der welt an mich, Denkst meiner auch noch stets; Nur ich vergeß oft dich. 3. Und dennoch nimmst du mich, Wenn ich die schuld bereue, Voll gnade wieder an, Und segneft mich aufs 34* neue. Anhang. 532 neue. Bis an des grabes nacht Sei dir mein dank geweiht, Und einst vor deinem thron, Gott der barmberzigkeit! Mel. Allein Gott in der höh. 704. Wie viele freuden dank ich dir, Die du mir, Herr, verliehen! Und wie viel sünden hast du mir Aus gnaden nicht verziehen! Gott voll langmuth und geduld! Noch täglich häuf ich meine schuld, Und deine liebe währet. 2. Bedenk ich, Schöpfer! deine macht, Blick ich in jene ferne, Und überseh des himmels pracht und sonne, mond und sterne; So bet ich dich voll ehrfurcht an: Was ist der mensch, ruf ich alsdann, Daß du dich sein erbarmest? 3. Dein auge schaut auf ihn herab; So geht er nicht verloren. Nicht für die welt, nicht für das grab Ist er allein geboren. Die welt vergeht mit ihrer lust. Der du den willen Gottes thust, Dein glück soll ewig dauern. 4. Wenn ich erwache, denk ich dein, Und wenn ich schlafen gehe: Denn du, mein Vater! fannst verleihn, Um was ich findlich slehe. Drum seufz ich immerfort zu dir: Herr! dir: Herr! was mir nüket, schenke mir Um deiner güte willen. Mel. Wie schön leucht't uns der. 705. Dein leben, Gott! ist seligkeit, Dein denken ist allwissenheit, Und allmacht ist dein wollen. Unendlicher, wie groß bist du? Stets ruft uns alles, alles zu, Daß wir dich preisen sollen. Heilig, Heilig, Heilig singen, Dir zu bringen Preis und ehre, Deiner engel hohe chöre. 2. O Bater! Deine lieb und macht Läßt uns, die sie hervorgebracht, Auch nun kein gutes fehlen. Du hast uns, da wir dich verkannt, Aus liebe deinen sohn gesandt 3ur rettung unsrer feelen. Bater! Bater! Dein erbarmen Bleibuns armen Unvergeßlich! Deine lieb ist unermeßlich. 3. O Sohn, der aus des vaters schoß Hernieder fam! die gnad ist groß, Die uns dein tod erworben. Wer dan= ket jemals g'nugsam dir? Als mensch geboren, gleich als wir, Bist du für uns gestorben. Mittler! Mittler! Dies heil bleibet Dem, der gläubet, Unvergänglich; Deine gnad ist überschwenglich. 4. heilger Geist! der du uns lehrst, Das herz erforschest und bekehrst, Uns hin zu Christo führest, Die wunden: Anhang. erden des gewissens heilst, Der tindschaft zeugniß uns ertheilst. Uns leitest, uns regierest. Tröster! Tröster! Wie erquickend, Wie beglückend, Himmelsgaben Durch gemeinschaft mit dir haben! 5. Gott Bater, Sohn und heilger Geist! Dich, geber hoher segen, preist Dein volk mit einem munde. Von dir erschaffen, dir erkauft, Geheiligt dir, auf dich getauft, Stehn wir mit dir im bunde. Heilig, Heilig, Heilig singen, Dir zu bringen Preis und ehre, Wir auch in der engel chöre. Sonntagslied. Mel. Unumschränkte liebe. 706. Gott ist gegenwärtig. Laßt uns vor ihn treten, Ihn in ehrfurcht anzubeten! Gott ist gegenwärtig. Jedes herz erfülle Demuth, andacht, from me stille. Wer ihn kennt, 533 Wer ihn nennt, Falle vor ihm nieder, Singe fromme lieder! Vom christlichen Glauben. Mel. Allein Gott in der höh. 707. Wir glauben all an einen Gott, 2. Höchster! wir entsagen Allen eitelkeiten, Die von dir die seele leiten. Unsers geiftes kräfte, Sinne, leib und leben Wollen wir dir übergeben. Du allein Du allein Sollst es sein, Dessen wir uns freuen, Dem wir ganz uns weihen. 3. Möchten wir doch würdig Deinen namen preisen, Stets dir dankbar uns erweisen! Möchten wir, gleich engeln, Einst dein lob erhöhen wie sie, dein und, antlik sehen! Hilf, daß wir Hier schon dir, Einzig dir vor allen, Streben zu gefallen. 4. Gieb, daß unsre kenntniß Sich von dir vermehre, Uns zum heil und dir zur ehre. Unsre ganze seele Müsse schon auf erden, Großer Gott! dein tempel werden. Wo wir stehn, Wo wir gehn, Hilf uns dir nur leben Und dich stets erheben. 2. Christliche Glaubenslehre. Den geber aller gaben, Von dem wir hilfe in der noth, Dort erges leben haben. Kein Gott ist außer ihm; er heißt 534 beißt Gott und heilger ewige, der eine. 2. An Gott den vater glauben wir. Wie sein allmächtger wille Die welt erschuf, so giebt er ihr Noch stets des guten fülle. Auch hat er, da wir ihn verkannt, Uns seinen eignen sohn gesandt, Mit ihm uns zu versöhnen. Anhang. sohn sich dar! Kommt, menschen, Der her, und sehet! Des ewgen vaters ebenbild Erscheint, in unser fleisch gehüllt, Wie wir, zur welt geboren. 2. Im elend schauten wir umher Nach rettern; da war keiner. Doch unsrer noth erbarmt sich er, Wird als der unsern einer. sohn unsern einer. Er, der der welt ihr dasein gab, Läßt bis zu uns sich tief herab, 3u sich uns zu erhöhen. 3. Wenn nun schon tod und elend drohn; Was wollten wir noch zagen? Uns wird der menschgewordne sohn Nie unser flehn vers sagen. Er hilft, er ist uns nah verwandt; Mit uns, geschöpfen seiner hand, Stammt er aus einem blute. vater, geist, 3. Wir glauben auch an Gottes sohn, Der mensch ward, uns zu retten. Er starb am kreuz in schmach und hohn, Damit wir frieden hätten; Bezwang der hölle macht, erstand, Fuhr auf zu Gottes rechter hand, Und kommt dereinst zu rich ten. 4. Wir glauben auch an Gottes geist. Der heilig uns verbindet, Und durch sein wort uns unterweist, Wie man vergebung findet. Er flößt, wenn tod und grab uns dräun, Uns trost der auferstehung ein, Und trost des ewgen lebens. Auf das Weihnachtsfest. Mel. Es ist das heil uns. 708. So tief der mensch gesunken war, So hoch wird er erhöhet. Welch wunder stellt der welt 4. Mit uns freun über unser glück Sich selbst der engel chöre. Der friede kehrt zu uns zurück. Gott in der höh sei ehre! Der von der höhe seines throns Auf uns, die brüder seines sohns, Mit wohlgefallen schauet! 5. Des glücks, das hier dir widerfuhr, Christ! würdig dich zu freuen, Mußt du die menschliche natur Durch sünden nie entweihen. Sie, die dein Gott so hoch geehrt, Sie sei dir heilig, sei dir werth! Daß nun auch du fie ehrest. * 6. Auf 535 2. Schon lag vor deinen blicken da, Dein ganzes leiden Bon des verrätherb tücken 3um kreuz auf golgatha. Du sahst die grabeshöhle, Und fühltest todesnoth; Betrübt war deine seele, Betrübt bis in den tod. Anhang. * 6. Auf! deine würd ist groß; du bist Dem ewgen sohn verbrüdert. schande, wenn nun noch der christ 3ur fünde sich erniedert! Drum, wenn sie locket, widersteh! Blick auf und sieh, auf welcher höh Durch ihn die menschheit strablet! 3. Auf dich, der menschen bester, Drang angst auf angst herzu, Und doch hing niemand fester An seinem Gott, als du. Sollt ich den kelch nicht trinken, Den mir Dies mein vater beut?" 7. Denn, ob er wohl zu leiden kam, Wollt er doch, nach dem leiden, Der menschheit, die er an sich nahm, Nicht wieder sich entkleiden. Er nahm, nach ganz voll brachtem lauf, Sie im tri- ließ dein Sie im tri- ließ dein herz nicht sinken, umph mit sich hinauf, Und Wars gleich voll bangigkeit. stets- bleibt er dein bruder. 4. Nach seinem rath zu leiden, Bleibt dein entschluß doch fest, Der dich so hohe freuden Von fern erblicken läßt. Um millionen seelen Vom tode zu befrein, Willst du den tod selbst wählen, Nicht schmach, noch marter scheun. 8. So fühle sich denn auch dein geist Mit ihm zur höh erhoben! Wie dorthin dich dein glaube weis't, Sei auch dein wandel droben! Chrift! göttlichen geschlechts bist du! Des sohnes menschheit ruft dir zu: Denk edel, denke göttlich! 5. 3war aus der bosbeit fülle Strömt auf dich wilde wuth; Doch, welche geistesstille! Welch unerschrockner muth! Du scheuest teine 709. Du, der aus edlem schmerzen, Womit ihr grimm Passionsgesang. Mel. Herzlich thut mich verl. dir droht. 3u schwer wird deinem herzen Selbst nicht der kreuzestod. triebe Uns sündern heil errang! Du, den sein herz voll liebe Für uns zu bluten drang! O, mit wie schweren plagen Schloß deine laufbahn sich! Welch zittern und welch zagen Befiel am ölberg dich! 6. Der menschen heil zu fördern, Gabst du, mit sanstem sinn, Dich willig deinen mördern mördern Und ihren martern hin. 536 hin. Um dich war alles trübe: Doch du bliebst ruhevoll. So stark war deine liebe 3u uns und unserm wohl. Anhang. * 7. O freund der menschenkinder, Den ehr und preis nun schmückt! Wie hoch haft du uns sünder Durch deinen tod beglückt! Er heilet das gewissen, Stärkt uns zu jeder pflicht, Giebt trost in kümmernissen, Im tode zuversicht. 8. Wie viel sind wir dir schuldig, Daß du die schwere last Des kreuzes so geduldig Für uns getragen hast! Dich wollen wir erheben, So viel die schwachheit kann, Und dir zu ehren leben. Nimm unser opfer an! Ostergesang. Mel. Es ist das heil uns. 710. Bringt preis und ruhm dem heiland dar! Auf, singt ihm jubellieder! Er, der für uns getödtet war, Heil uns! er lebet wieder. Indem er starb, bat er gefiegt. Er stand vom tod auf, und nun liegt Der tod zu seinen füßen. attie 2. We ist, da ihn sein Gott erhöht, Der unsern trost uns raube? Nein! ewig unerschüttert steht Durch ihn des christen glaube, Trotz dem, was sich dagegen legt. Die hohe gotteslehre trägt Der wahrheit festes siegel. 3. We wollt ich sünder, wär er nicht Erstanden, ruhe finden? Ich hätte weder trost noch licht und blieb in meinen sünden. Doch seines opfers hoher werth Jst feierlich von Gott bewährt. Er hat ihn auferwecket. 4. Sein werk wars, uns die neue bahn 3um himmel zu bereiten. Sein opfer gilt, dankt, betet an! Es gilt auf alle zeiten: Denn Gott hat ihn, da er, mit sieg Gekrönt, aus seinem grabe stieg, Als seinen sohn verkläret. 5. Mein herz frohlockt, Erstandner! dir, Der du nun ewig lebest. Ich weiß, du lebst, daß du auch mir Das ewge leben gebest; Weiß, daß du mein versöhner seist; Weiß, daß du kräfte mir verleihst, Mit freuden Gott zu dienen. 6. Mein Herr und Gott! hilf mir dazu! Hilf, daß ich, frei von sünde, Im frieden Gottes feste ruh Für meine seele finde! Herr! pflanze deinen sinn in mich Und lebe selbst in mir, daß ich Stets deiner würdig wandle. 7. So darf ich nicht vor tod und grab, Wenn Gott mich ruft, erschrecken: Denn herrlich Anhang. Herrlich kommst du einst herab, Die todten zu erwecken. Froh werd auch ich dann auf erstehn, Froh dich, des todes sieger, sehn, Nicht deinen richtstuh! fürchten. * 8. Wo du, Herr! bist, soll auch dein freund, Mit herrlichkeit umgeben, Auf ewig nun mit dir vereint, In deiner wonne leben. Solch hohes erbtheil werd auch mein! Und ewig werd ich deß mich freun, Daß du vom tod erstanden. Pfingstgesang. Mel. Jesu, deine heilge wunden. 711. Geist vom vater vom vater und vom sohne, Der du unser tröster bist Und von unsers Gottes throne Hilfreich auf uns schwache siehst! Stehe du mir mächtig bei, Daß ich Gott ergeben fei, Daß mein ganzes herz auf erden Mög ein tempel Gottes werden. 537 getrieben, Meinem Gott und vater treu, Ihn mög über alles lieben, und mir nichts so wichtig sei, Als mich seiner huld zu freun Und drum sünden stets zu scheun, Seinen namen zu erhöhen, Seine wege gern zu gehen. 4. Stärke mich, wenn zu der sünde Mein gemüth versuchet wird, suchet wird, Daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich verirrt: O, so stärke selbst mein herz, Daß ich, unter reu und schmerz, Mich vor Gott demüthig beuge, Meinen sinn zur beßrung neige. 5. Fehlt mir kraft zu guten werken: Treibe zum gebet mich an, Das zur tugend schwache stärken, Träge neu beseelen kann. Laß mich aber mein vertraun Nie auf meine tugend baun, Nie der thaten lohn verlangen, Was Gott giebt, als gnad empfangen. 6. Steh in allen meinen leiden Mir mit deinem troste bei, Daß ich auch alsdann mit freuden Deiner führung folgsam sei. Still im fierben angst und schmerz, Daß noch da mein brechend herz Deines troftes kraft empfinde, Männlich kämpf und überwinde. 2. Laß auf jedem meiner wege Deine weisheit mit mir sein Und, daß ich nicht irren möge, Deine wahrheit mich erfreun. Suchen laß mich in der welt Nichts, als was dir wohlgefällt. Lehrst du mich, was recht ist, wählen: Werd ich nie mein heil verfehlen. 3. Hilf, daß ich, von dir Vom 538 Anhang. Vom Worte Gottes. 712. Gerührt Mel. Es ist das heil uns. erhebe Gottes ruhm, Wer ihn als christ erkennet, Daß er sein evangelium Bon jugend auf uns gönnet, Uns hier den weg zur wahrheit zeigt, Selbst unser herz zum guten neigt. Gebt unserm Gott die ehre! 2. Gott! durch dies wort erkennen wir: Im himmel und auf erden Kommt alles, alles nur von dir; Du hießest welten werden. Der du des segens quelle bist, Deß furcht der weisheit anfang ist, Dir, dir gebühret ehre! 3. Dies wort entdecket uns das heil, Das du der welt gegeben. Dir, Jefu! durch den unser theil Hier ruh ist und dort leben; Der du für uns am kreuze starbst Und uns ein ewges heil erwarbst; Dir, dir gebühret ehre! 4. Dies wort verspricht uns deinen geist, Der uns zum glauben leitet, Zur gote tes furcht uns unterweist, 3um himmel uns bereitet. Er giebt uns freudigkeit ins herz, Versüßt uns einst des todes schmerz Und hilft uns überwinden. 5. Sei innigst, Gott, da für gepreist, Du, den wir vater nennen! Von dem, was uns dein wort verheißt, Soll ewig uns nichts trennen. Nicht lob der menschen, nicht ihr spott, Kein leiden, wär es auch der tod, Nichts soll von dir uns scheiden. * 6. Den weg der wahrheit wählen wir; Wir wissen deinen willen. Gieb uns die kraft,( sie kommt von dir,) Ihn treulich zu erfüllen. Erhalt in deiner furcht das herz, Daß es in freuden und in schmerz; An dich sich kindlich halte. 7. Herr! wir sind dein; verlaß uns nicht! Stärk uns in unserm glauben! Vermehr des glaubens zuversicht! Nichts, nichts laß uns ste rauben! Getreu bist du; auch uns mach treu, Daß uns dein wort stets wichtig sei. Gott, dir sei dank und ehre! Am Reformationsfefte. Mel. Nun jauchz dem herren. 713. Lobfingt! das licht strahlt wieder hell, Das einst, in seinen fiegen schnell, Durch wahrheit, die Gott selbst gelehrt, Den finstern erdkreis aufgeklärt. 2. Ach! kaum war jene nacht zerstreut, Als selbst im schoß der christenheit Schon viele herzen menschenwahn Der wahrheit Gottes abges wann. 3. Ber Anhang. 539 Gott ist mit ihr. Der hilft ihr, und sein wort besteht, Bis einst der erdkreis untergeht. 3. Verdunkelt ward ihr helles licht; Viel christenlehrer sahens nicht. Aus unterricht ward ward glaubenszwang, Der kämpfend nach der herrschaft rang. 4. Und bald hatt' er sich fie erkämpft; Bald war der Mel. Ich glaub an einen Gott. edle muth gedämpft, Der für 714. Der für die fünder der wahrheit rechte sprach, Da der verfolgung grimm ihn brach. starb, befahl, 3u feiern ein gedächtnißmahl Der wunder seiner liebe, Das auf die nachwelt bliebe, Bis einst der erdkreis untergeht Und er in pracht und majestät, 3um jubel aller frommen, Wird sichtbar wieder kommen. Dann zeigt sichs ganz, was er erwarb, Als er für uns aus liebe starb. Noch währt jetzt unser prüfungsstand: Und doch schon hier, welch segenspfand In seinem leib und blute! 5. Lobsingt! besiegt durch Gottes macht Ward schnell des aberglaubens nacht, Die auf der kirche Jesu lag. In ihr wards plötzlich wieder tag. 6. Du, Gott! standst deinen knechten bei. Nur du hast von der tyrannei, Die die gewissen unterjocht, So herrlich zu befrein vermocht. 7. Ob auch noch jetzt die wahrheit nicht Die nebel überall durchbricht, Ihr licht nicht alle länder sehn; Gott hat sich seine zeit ersehn. 8. Seht Gottes sonn an! fie erhellt Nicht auf einmal die ganze welt. Wohl dem, der reinres licht genießt, Wenn er ein kind des lichtes ist! 9. Bleibt, wenn sich mancher irrthum regt, An Gottes wahrheit unbewegt! Doch bleibt dabei auch stets bereit 3u frommer, sanfter duldsamkeit! 10. Die tugend sei der wahrheit zier. So sieget fie; VOIN Vom heiligen Abendmahle. 2. O herrlichs mahl, an wonne reich! Was ist der liebe Jesu gleich? Daß er uns ihm vereine, Macht er im brot und weine Uns theilhaft seiWie nes leibs und bluts. wird die seele da voll muths! Im glauben fest gegründet, 3u heißrer lieb entzündet! Wir fühlen uns mit neuer kraft Gestärkt zu unsrer pilgerschaft. Wie sollten wir uns deß nicht freun! Der herr ist unser, wir sind sein. selige gemeinschaft! Nel. Anhang. 540 Mel. Jesus, meine zuversicht. 715. Sohn des höchsten! wir sind hier, Deinen mittlertod zu feiern, Und mit ganzem Herzen dir Das gelübde zu erneuern, Wie du uns erkauft hast, dein, Dein bis in den tod zu ſein. 2. Freudig nahn wir uns herzu; Wir empfahn hier heil und leben. Hier, hier stärkt dein leib, den du Selbst für uns dahin gegeben, Dein für uns vergoßnes blut, Uns das herz mit trost und muth. * 3. Auf, bringt Christo preis und ehr! Betet an! er ist zugegen; Mitten unter uns ist er, Ists mit allem feinen segen. Und, o wie gesegnet ist, Wessen freund du, Jesu! bist. 4. Unser Herr und unser Gott! Nur an dir hängt unser glaube. Hilf, daß weltluft oder spott Uns ihn nie vom herzen raube! In des todes finsterniß Mach er noch das herz gewiß. afdar Besonders bei Confirma tionen zu gebrauchen. Mel. Schmücke dich, o liebe. MUST 716. Dankbar fall ich vor dir nieder, Singe dir, Herr! freudenlieder. Wer, o tilger meiner sünden, Wer kann deine lieb 67 ergründen? Mit wie liebevolLem herzen Wolltest du die tiefsten schmerzen, Schmach und spott für meine schulden, Ja des kreuzes tod erdulden! 2. Meine sünden willst du decken, Mich zur tugend neu erwecken, Auch mir dort ein ewges leben, Wenn ich an dich glaube, geben. Nun, so sei der bund erneuet! Ganz sei dir mein herz geweihet! Täglich will ich mich bestreben, So wie du gelebt zu leben. 3. Dir gelob ich, deine glieder, Jesu Chrift! als deine brüder, Stets mit rei nen frommen trieben, Stets in ihnen dich zu lieben. Ich gelobe dirs von herzen, Meiner brüder noth und schmer zen Gern und brüderlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mindern. 4. Ich gelob es dir, auch freuden Leicht zu missen; still zu leiden; Ungeduldig nie zu klagen Und an Gott nie zu verzagen. Herr! was du liebst, will ich lieben; Nie mit vorsatz dich betrüben; Was du hasseft, fliehn und hassen; Ganz von dir mich leiten lassen. 5. 3war ich kenne meine schwäche, Jesu! da ich dies verspreche; Drum hilf du mir selbst und stärke Mich zu jedem guten werke. Laß den ersten Anhang. ersten reiz zu fünden Unge- Nach der Communion. säumt mich überwinden, Mich Mel. Wie schön leucht't uns der. der fünden folgen schrecken, 717. Dant, Jeſu! dir; Mich der unschuld freuden schmecken. 6. Schaff dir noch der jünger viele, Die bis zu des laufes ziele Dir, Herr! leben, leiden, sterben, Deine herrlichkeit zu erben. Großes abendmahl der frommen! Freudentag! wann wirst du kommen, Wo wir mit der engel chören Dich, Herr! sehn und ewig ehren? ach! sind wirs werth, Daß so viel heil uns widerfährt? Du unser so gedenkest? Erst bis zum tod am kreuz uns liebst; Nun solch ein pfand der lieb uns giebst, Ach! dich so ganz uns schenkest? Heil uns! Heil uns! Wir empfinden, Rein von sünden, Gottes frieden. Mehr noch ist uns dort beschieden. te 3. Christliche Sittenlehre. 541 Vom Gebete. Mel. Allein Gott in der höh. 718. Gott! Deine gute reicht so weit, So weit die wolken gehen. Du frönst uns mit barmherzigkeit Und eilst, uns beizustehen. du, zu dem der engel fleht, Bernimm, o Gott, auch mein gebet! Vernimms, und sei mir gnädig! 2. Ich bitte nicht um überfluß Und schätze dieser erden. Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner gnade werden. Gieb mir nur weisheit und verstand, Dich, Gott! und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um ehr und ruhm, So sehr sie menschen rühren. Des guten namens eigenthum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer ruhm sei meine pflicht, Der ruhm vor deinem angesicht Und frommer freunde liebe. On 4. So bitt ich dich, mein Herr und Gott! Auch nicht um langes leben; Nur wollest du mir muth in noth, Im glücke demuth geben. In deiner hand steht meine zeit, Laß du mich nur barmherzigkeit Vor dir im tode finden. Nach 542 Anhang. Nachfolge Jesu. Mel. Herr, deine allmacht reicht. 719. Welch hohes bei ſpiel gabst du mir, Mein Heiland! durch Dein leben! Sollt ich nicht gern und mit begier Dir nachzuahmen streben? Nicht gehn den weg, den du betratst? Nicht freudig thun, was du, Herr! thatst? 2. Dein herz, von sünden nie entweiht, War rein, wie deine lehre; Dein ganzer wandel heiligkeit; Dein sterben Gottes ehre. Du gabst mit echtem findessinn Dich ganz in seinen willen hin. 3. Der kummervollen troft zu sein, 3u wehren jedem leide, Stets wohlzuthun und zu erfreun, War deine sorg und freude, Und jedes men: schen noth und schmerz Durchdrang und jammerte dein herz. 4. Du trugst mit sanftmuth und mit huld Die schwachheit deiner freunde. Auch sünder trugst du mit geduld, Batst selbst für deine feinde, Und uns zum Und uns zum dienst entsagtest du Gern Gern deiner hoheit, freud und ruh. 5. Solch hohes beispiel hast du mir 3um vorbild hinterlassen: Wie du zu leben, ähnlich dir In meinem thun und lassen. O wohl mir, wenn ich deinem sinn In jeder tugend ähnlich bin! 6. Herr! stärke mich, giebkraft und licht, Daß ich mein heil erkenne, Dein wahrer jünger sei und nicht Mich nur den deinen nenne: Damit ich, deinem bilde treu, Nun andern auch ein beiſpiel ſei. Vom christlichen Lebenswandel. 720. Mein Schöpfer, steh mir bei, Sei meines Lebens licht! Dein auge leite mich, Bis mir mein auge bricht. Hier leg ich herz und glieder Vor dir zum opfer nieder, Und widme meine kräfte Für dich und dein geschäfte. Du willst ja, daß ich deine sei; Drum, Schöpfer! steh mir bei! 2. Gott Vater, Sohn und Geist! Dir bin ich, was ich bin. Ach, drücke selbst dein bild Recht tief in meinen finn. Erwähle mein ge= müthe müthe 3um tempel deiner güte. Erweise an mir armen Dein väterlichs Dein väterlichs erbarmen. Wohl mir, wenn du der meine heißt, Gott Vater, Sohn und Geist! Vom Anhang. Vom guten Gewissen. Mel. Es ist das heil uns. 721. Welch edles, unschätzbares gut Ist nicht ein rein gewissen! Wer das besitzt, hat da noch muth, Wo frevler zagen müssen. Sein ruhigs herz erzittert nicht; Ihn schreckt nicht tod, nicht weltgericht: Denn er hat Gott zum freunde. 2. Gott! deines beifalls sich bewußt, Vertraut er deiner gnade. Dein friede wohnt in seiner brust; Und wer ist, der ihm schade? Er sieht auf dich in jeder noth, Mit der die zukunft ihn bedroht. Ihn tröstet deine vorsicht. 3. Befleckt auch seines namens ruhm Das gift von lästerzungen: Gemüthsruh bleibt sein eigenthum, Wird nicht durch sie durchdrungen. Er weiß ja sein gewissen rein; Auch flieht er sorgsam jeden schein. Die unschuld wird Gott retten. 4. Sein geist sieht mit zufriedenheit Der künftgen welt entgegen; Die giebt ihm muth und freudigkeit Selbst auf den rauhsten wegen: Denn dort, o Herr! macht einst dein mund Den 543 wahren werth von jedem kund. Dort wird der fromme siegen. me fiegen. 17 5. Verleihe denn, mein Vater! mir Ein unverlegt gewissen, Und meine seele werde dir Durch sünden nie entrissen. Gott! deines beifalls mich zu freun, Dein heilges recht nicht zu entweihn, Sei täglich meine sorge. 6. Wer des gewissens richterspruch Als stimme Gottes ehret, Hört nie dann des gesetzes fluch, Den einst der frevler höret. Hilf, daß ich seinen wink versteh, Nie seine warnungen verschmäh, Gern seinem ausspruch folge. 7. Mich müsse, täuscht mich sicherheit, Schnell mein gewissen wecken. Bei fehlern stehs sogleich bereit, Sie frei mir aufzudecken, Und dringe mich, daß unverweilt Mein herz voll reu und glaubens eilt, Vergebung zu erflehen. 8. Gott! deine gnade stärke mich, Daß ich stets wach und bete, Und nie voll leichtfinns wissentlich Aus deinem pfade trete, Wohl dem, der reines herzens ist! Hier dir versöhnt durch Jesum Chrift, Wird er einst dort dich schauen. 4. Für 544 Anhang. 4. Für besondere Zeitumstände. Erndtelied. Mel. Lobet den Herrn, denn. 722. auchzt, christen! jauchzet!:,: Die gefilde lachen. Herr! deine luft ists, alles froh zu machen.:,: Durch dich, Gott! feimt und reifet das getreide Zu unsrer freude.:,: 2. Mit jedem jahre:: Füllt das land dein segen. Auf glut der sonne giebst du milde regen.:: Gleich stehn erfrischt die hingeſunknen saaten, Und sie gerathen.:,: 3. Stete unerschöpflich:,: Bleibt, Gott! deine gnade, Und wo du wandelst, zeichnen deine pfade:: Gedeihn und wachsthum, also daß 100 chody von ihnen Selbst wüsten grünen.:,: 4. Du, welternährer!:,: Lässeft keinen darben. Den arm der schnitter füllen volle garben,,: Die satten heerden auf der fetten weide Beseelet freude.:,: 5. Und dank und jubel:,: Jauchzet dann aus allen, Und wald und hügel und gefild erschallen:,: Vom lauten dir frohlockenden getümmel Bis zu dem himmel.:;: 6. Dankt, christen, danket!:: Danket dem erhalter! Dem schuß der findheit! ihm, der stütz im alter!: Dem frohen geber, dessen treu nicht wanket, Dankt, christen, danket!:,: 320k Register der Gesänge nach den Nummern im Gesangbuche. 573 Ach! ch! abermal bin ich gef. 387 Uch! die zweifelnden Uch! ewig wird die strafe Uch Gott! es kann nicht Uch Gott und Herr! Wie Uch Gott! wie manches Uch Herr! bekehre mich zu Ach, hier nicht mehr, ach! Uch! Jesu, dessen treu Sm Ach! könnt' ich doch mit Uch liebster Heiland, Jesu Uch! mein kind ist bei mir Ach nein! mein herz kann Uch sieh ihn dulden, bluten Uch! wenn werd' ich von der Uch! wer, Gott, vermag Uch! wird denn dein erlöster Allein Gott in der höh' sey ( verändert.) Allein zu dir, Herr Jesu 396 Alle menschen müssen sterben 591 Ullen menschen und auch Allmächtiger, ich hebe Ullwissender, vollkommner Als Christus geboren war Als, Herr, dich im gerichte 169 Also hat Gott die welt gel. 119 Uls unser Herr zum Jordan 285 Anbetung, preis und dank 113 Unbetungswürd'ger Gott! 5 513 610 46 136 210 Un dir hab' ich gefündigt, 372 Dankbar fall' ich vor dir 716 Dank, dank sey dir 313 307 An Gott will ich gedenken Auch diesen tag hab' ich Auch fünder können selig 249 Auf, auf! mein ganz gemüthe 423 Auf, christen! auf und freuet 221 Auf, christen! laßt uns unsern 663 Auf Christi himmelfahrt 222 Auf deine weisheit schauen, 427 - 355 258 374 557 256 595 595 138 306 135 594 Auferstanden, auferstanden 205 Auferstehn, ja auferstehn 342 424 393 425 2uf ewig ist der Herr mein 2uf felfenfestem grunde Auf Gott und nicht auf Auf meinen lieben Gott 20uf, mein geist! ermuntre Xuf, meine seele! singe; Auf, o feele! werde munter 9 637 Aus deiner quelle, Schöpfer 63 Aus einem tief vor dir geb. 367 Uus freudigem gemüthe, 686 Aus meines herzens grunde Uus tiefer noth schrei ich 415 641 490 490 195 100 105 Refieht dem Herren deine 430 384 wege 429 33% Begrabt den leib in seine Bewahre mich, Herr! daß Bis hieher hat mich Gott Bricht allgemeine noth herein Bringt her dem Höchsten lob Bringt preis und ruhm dem Shrifte, du tamm Gottes Shriften, unser leben Christ fuhr gen himmel! Christ ist erstanden Von ( verändert.) 431 603 - 615 368 357 21, 649 3 710 165 4.93 220 209 Dank, ewig dank sey dein 717 698 Dank, Jesu! dir, ach! sind Dank sey dir Vater mein Das amt der lehrer, Herr! Das grab ist leer! des 682 218 Das heit ist da! auf Golg. 186 Das jahr, das nun vergang, 137 Das jahr,( die woch') laß 35 143 Das Register der Gesänge. 694 669 389 278 182 714 Das walt' Gott Vater Das war ein fürchterlicher Dein bin ich, Gott! zu Deine leiden, Gottessohn! Deine schöpfung, erd und Deines Gottes freue dich, Dein, Gott! ist unser Leben Dein heil, o christ! nicht Dein leben, Gott ist seligk. Dein name sey erhoben, Dein wort, o Höchster! ist Dem lande, dem Gott gn. 680 Den Höchsten öffentlich ver. 462 Der am freuz ist meine Der du dein wort mir hast Der du die liebe selber bist, Der du durch deiner allm. Der du, Gott! die wahrh. Der du uns als Vater liebest, Der du uns mit deinem blute Der du verstand und tug. Der eh'stand soll uns beil. Der für die sünder starb Der glaub' ergreifet Jesum 265 Der glaub' ist feste zuvers. 390 Der Herr ist Gott und kein. 40 Der Herr ist meines Lebens 577 Der Herr ist meine zuvers. 426 Der mensch, vom fleisch geb. 254 Der morgen kommt, und. 623 Der Sohn, der uns bei 231 Der Sohn ist meine heiligk. Der tag ist da und hin die Der werke ruhm muß vor Der wollust reiz zu widerstr. Des leibes warten und ihn Des morgens erste stunde Dich bet' ich an, erstand'n. Dich bitt' ich, Heiland Dich, dreimal Heiliger! 66 Dich, Höchster! ehrerbietig 417 Dich seh ich wieder, morg. Die bahn ist rauh, auf der Die Herrlichkeit der erden Die himmel preisen Gottes Die ihr Christi jünger seyd Die krankheit, du gerecht. Die neue woche gebt nun 497 606 216 147 598 154 94 422 422 522 442 705 639 279 516 84 52 243 194 510 683 391 624 267 498 559 489 35 305 581 620 Dieser bau der erden Die sonne sinket nieder, Die Sonne stand verfinstert, Die sonn' hat ihren glanz Dieß, christen ist der tag Dieß ist der tag, den Gott Dies ist der tag zum segen Die zunge, die vernehmlich Dir dank ich für mein leb. Dir, der das licht entsteh. Dir, Gott! sey preis und Dir, Jesu! ist kein lehrer Dir, milder geber aller Dir sey preis, ich lebe wieder Dir, Vater, dankt mein Du bester troft der armen, Du bist ein mensch, und Du bist's, dem ehr' und ruhm Du, der alles sieht und Du, der aus edlem triebe Du, der kein böses thut, Du, der voll blut und wund. 348 626 181638 22 Du wiesest, Jesu! nicht die Du willst es, Herr! mein 128. 24 511 420600 32 Durch dich, Gott, bin ich Durch dich, o großer Gott! 230 651 617 237 676 89 2095 177. 163 451 247 Du, dessen augen floffen, Du, deß sich alle himmel Du Geist des Herrn, der Du Gott, der unsre zufl. 643 Du, Gott! du bist der Herr 140. Du hast es mir gegeben u. 576 Du hast o gnadenreicher 677 Du hast, o weiser heil'ger Du hast, o weiser Schöpf. 385 709 Du Herr der seraphinen! 79 Du Herr! haft aus barmh. 304 Du Herr und Vater mein. 327 Du tlagst in schweren leid. 570 281 685 Du liebst, o Gott! gerecht. 537 Du sagst: ich bin ein christ 358 Du schau'st, mein Schöpf. 440 Du stelltest dich zum mittl. 227 Du, Vater deiner menschen. 418 Du weineft um Jerusalem, 232 Du, weiser Schöpfer aller 49 Du wesentliche liebe, Gott 519 291 475 Durch Udams sünden wurd. 107 692 41 Ein Register der Gesänge. 159 655 482 465 640 263 664 382 381 161 144 in' in' feste burg ist unser 319 Ein fremdling bin ich 560 Ein herz, o Gott! in leid 566 Ein lamm geht hin und Ein milder regen sinket Ein ruhiges gewissen Laß Eins ist noth! o Herr, Ein tag( die woch') ist wieder Ein volk des eigenthums Ein wetter steiget auf Erbarmer deiner menschenk. Erbarm' dich, Herr! mein Erfülle Herr! doch selbst Erhaben über welt und zeit 42 Erhabner Gott! was reicht 38 Erhalt' uns Herr! bei dein. 321 Erhalt' uns, Herr! die obr. 681 Erhebt den Herrn, ihr from. 124 Erhebt euch, feinde Gottes Erhöh'ter Jesu! Gottes S. Erhör' o Gott! das heiße Erinnre dich, mein geist, Erniedrigt hatte sich bereits Erschienen ist der siegestag! Es baut, Herr! deiner m. Es eilt der letzte von den Es hilft uns unser Gott, Es ist das heil uns komm. Es ist noch eine ruh vorh. Es ist vollbracht! Natur Es ist vollbracht! so ruft Es ist vollbracht! vergiß ja Es lag die ganze welt Mit 150 Es werde, Gott, von dir erh. 76 Es wolle Gott uns gnädig 323 Es zieht, o Gott! ein krieg. 672 Ew'ge liebe! mein gemüthe 111 Zern sey mein leben jeder. 538 vom ziel', 630 183 184 259 596 Fest soll mein' hoffnung Freu dich sehr, o meine seele 588 Freut euch, ihr christen alle! 242 Fröhlich laßt uns Gott Frohlocke mein gemüthe! Fürwahr, du bist, o Gott! 131 190 88 edanke, der uns leben Geist der kraft, der 347 293 207 179 206 652 492 562 264 350 109 244 711 72 130 56 648 712 Geist vom Vater und dem Gelobet sey der Herr, Gelobet seyst du Jesu Chr. Gerechter Gott! vor dein Gerechter Gott! wie schreck. Gerührt erhebe Gottes ruhm Geset und evangelium Hat Getreuer Gott! dein vater. 564 Geweiht zum christenthume, Gib, Gott, voll lieb und Gib, Gott! wenn ich dir Gib heilsam leid Und 282 Gib mir, Gott! heute, was Gib mir, o Gott! ein herz, Gott! aus dessen gnaden. Gott! deine gnade sey gepr. Gott! deine gute reicht so Gott! deinen weisen willen Gott! der an allen enden Gott! der du die menschen Gott, der du für uns deinen Gott der Vater, wohn' uns Gott! deffen hand die welt Gott! dessen macht des Gott! dessen nam' ist, wie Gott, dessen starke hand die Gott des himmels und der 293 543 477 647 616 520 261 132 718 693 87 531 162 70 460 667 461 58 604 Sott! dir gefällt kein gottl. 379 316 Gott dir sey ewig preis Gott! dir sey mein dank 691 Gott! du bist heilig und 241 Gott! du hast in deinem Gott hab' ich alles heimgest. 333 Gott hat in meinen tagen Gott ist gegenwärtig. Laßt Gott ist mein hort! Und Gott, laß uns deiner nicht Gott lebet noch! ich sorge Gottlob! da bist du, kind Gottlob! der tag ist nun Gottlob. mein lauf eilt 367 Gottlob! nun ist die feuers. 668 Gott, meines nächsten bestes 521 Gott! mein licht, erleuchte 252 Gott, mein Vater! ich dein 674 633 373 Gott, nie bist du von uns 47 Gott ruft der sonn' und 139 Gott sey dank in aller welt 120 Gott 688 104 706 277 626 91 Register der Gesånge. 311 29 Gott sey gelobet und geb. Gott sey preis und dank Gott, unser Vater, der du 450 Gott Vater! denk' an Christi 645 Gott Vater! der vollkomm. 92 Gott Vater! sende deinen 245 Gott, vor desfen angesichte 55 Gott, welcher das vermögen 503 Gott, welch verderben wohnt 99 Gott, wie verderbt ist von 98 Gott, wie viel langmuth Gott, wo ist noth, wo elend 106 Großer Mittler! der zur 226 Groß ist, ihr eltern, eure 687 abe deine luft am Herrn Heiland, den uns Gott verh. 123 Helft Gottes güte preisen, 142 Herr, allerhöchster Gott! Im 654 Herr, allerhöchster Gott! Von 397 Herr! an dir hab' ich gesünd. 369 Herr! deine rechte und gebot 280 Herr! der du mir das leben 632 Herr! der du selbst dein 308 Herr des himmels! starker Herr! dessen gnade alles Herr! dir sing' ich freudent. 699 Herr! du erforschest mich, 45 Herr! du fährst mit glanz 225 Herr! du kennest mein verd. 96 Herr! du schenkest uns so 625 Herr Gott, den man dreieinig 71 Herr Gott dich loben wir! 168 642 1 2 ( verändert) ein anderes 701 noch ein anderes 702 Herr Gott, du bist die zufl. 43 Herr Gott, vor deiner - Herr Gott, wir preisen Herr! hab' ich jetzt zum 421 115 678 675 583 270 455 634 224 127 504 509 Herr Jesu Christ, mein Herr Jesu Christ! wahr'r 330.. Herr Jesu! gib mir ſanften 533 Herr Jesu, gnadensonne, Herr Jesu, Heiland aller Herr Jesu! zieh uns für Herr! laß mich doch recht Herr! laß mich doch gewiss. Herr! laß nach eitler ehre Herr! meiner seelen großen 480 Herr, mein Versöhner! der 532 Herr! ohne glauben kann 394 Herr! fegne ferner deine 659 Herr! stärke mich, dein leiden 156 Herr und regent der ganzen 454 Herr, unser Gott! laß nicht Herr, unser Gott, wer ist Herr, unser heil! du haft Herr, vor deinem angesicht Herr! weil dir niemand ohn 512 Herr! wie du willst, so 456 Herzlich lieb hab' ich dich, 468Herzliebster Jesu, was hast 173 Heute, sprach mein Heiland, 180 Heut' will ich, werther 673 65 208 27 258 251 302486 370 Hier bin ich, Herr! du Hier bin ich, Jefu! zu Hier ist noch unsre prüfungsz. Hier lieg ich, Gott! vor Hier ruht der held, 556 542 Hier sind wir, dich zu ehren, Silf, helfer! hilf in angst Hilf Jesu! daß ich meinen Hilf mir, mein Gott! hilf 410 hilf mir, mein Gott! vert. 409 Himmel, erde, luft und 75 188 116 Hin an das kreuz zu treten 175 Höchster, denk' ich an die Höchster Gott! in deinem 380 Hör unser gebet, Geist des 253 234 Herr! höre mein gebet, 413 auchzt, christen! jauchzet 722 Herr! ich bekenn' von Herz. 228 S Jauchzt unserm Gott! er 62 167 Ich bin ein christ! Gott 271 201 Herr Jesu Christe, deine Herr Jesu Chrift: dein Herr Jesu Christ! dich zu Herr Jesu Christ, du höchst. 377 Herr Jesu Christ, ich weiß 328 26 Ich bin getauft nach Jesu 290 287 Ich bin, getauft, und in Ich bin, o Herr! in deiner 352 Ich dank' dir, Vater! daß 635 Ich Register der Gesånge. Ich denk an dein Gerichte 346 Ist auch ein Gott! wer Sft ft Gott für mich, so trete Ich erd' und asche, wer bin 383 Ich ergebe mich dem willen 68 101 110 435 Ich freu mich auf die frohe 339 Ich glaub' an einen Gott Ich, Gott, dein tiefgefallner Ich habe nun den grund Ich hab' in Gottes herz und Ich hab' in guten stunden Ich hab', o Gott! mir ernstlich 412 Ich hoff', o Gott! mit festem 269 Ich komme, friedensfürst! 398 303 Ich komme, Herr! und 439 578 Ich komme vor d. 2c. du Sch. 689 Ich komme vor dein 2c. Verw. 452 Ich preise dich, o Herr, Ich ruf zu dir, Herr Jesu Ich finge dir mit herz und 15 Ich weiß, an wen mein herz 400 Ich weiß, daß Gott ist; Gott Ich weiß, mein Gott! daß Ich weiß, und bins gewiß, Ich will den bund mit 33 459 402 309 395 298 160 Ich will dich noch im tod' 586 Ich will in stiller einsamkeit 690 Ich will, o Vater! allezeit 23 Ich will von meiner missethat 366 584 Ich will vor dein antlig Jesu, deine tiefe wunden, 199 Jesu! dessen blut und wund. 170" 471 Jesu! du mein licht und Jesu, meiner seclen licht, Jesu, meines Lebens leben, Jesu, meine freude! Jesus Christus hat sein Jesus Christus unser Heil. Jesus ist gekommen! Jesus lebt, mit ihm auch Jesus, meine zuversicht Jetzt leb ich; ob ich morgen Ihr augen, weint! Der In allen meinen thaten In deinem namen, Herr! 158 272 295 214 147 211 338 329 189 432 697 In dieser morgenstund' will 605 In Gottes rath ergeben In Gottes reich geht In Jesu namen bin Jch 622 In trübsal, christ! sey stark 546 288 Kaum Paum war ich treuer Keinen hat Gott verl. Komm betend oft und mit 551 447 235 Komm, heiliger Geist, Herre 233 Komm pilger zu dem grabe 146 Komm, Schöpfer! komm Kommt, die ihr nicht gew. Kommt, kommt den Herrn Kommt und laßt den Herrn König, dem kein könig Könnt ich in meinen nöthen 565 aß deinen Geist mich stets Laß mich doch nicht, Lob, ehr' und preis dem Lobet den Herren:,: 34 403 Lob, preis und dank sey dir 2ob sey dem allerhöchsten Lob sey( Gott! der den Lobsinge meine seele, Lob sey Gott! dank, preis Lobsingt, das licht strahlt Lobsingt! denn Gottes huld 469 50 359 229 203 Laß mich doch, o mein Gott! Loß mich, Höchster! danach Laß mir doch diesen tag Laß, Vater! deinen guten Lasset doch den weisen Gott Laffet uns einander lieben Last uns doch Christo Laßt uns fürchten Gott den 644 Laßt uns mit chrfurchtsvoll. 129 Lebt Christus, was bin ich 212 Lehre mich, Herr! recht Liebreicher Gott! dein Liebster Jesu! der du mich Liebster Jesu! wir sind hier, Litanei, 481 589 M Mache dich mein geiſt doch' den engen 255 107 508 365 539 614 487 564 523 658 289 25 700 18 613 671 118 607 215 73 713 318 650 Lobt Gott, der uns den Lobt Gott, ihr christen, freuet 133 470 483 438 Mach's, lieber Gott! wie Mach's mit mir, Gott! wie 590 Mag Register der Gesänge. Mag doch der ſpötter heer 399 Mein auge o zu 85 Mein bester trost in diesem 449 Mein Erlöser, Gottessohn, 200 Mein erster wunsch, mein 611 Mein erst geschäft sen preis 601 Meine lebenszeit verstreicht 325 Meine seel, ermuntre dich, 155 Meinen Jesum laß ich nicht 473 Meinen leib wird man 343 Meines Lebens beste freude 491 Mein ganzer Geift, Gott! 352 Mein Gott, bas herze bring 419 Mein Gott, deß ich mich 599 Mein Gott, die sonne geht 30 Mein Gott! dir ist bewußt 97 Mein Gott! du bist gerecht, 657 Mein Gott! du bists, zu 386 Mein Gott! du prüf- st herz 361 Mein Gott! du selber haft 695 Mein Gott! du wohnest 414 Mein Gott, nun ist es wieder 612 Mein Heiland, deine größe, 112 Mein Heiland lebt; er hat 340 Mein herz, ermuntre dich Mein herz sey zufrieden, Mein herz gib dich zufrieden Mein herz haßt billig alle 19 548 549 441 Mein herz und seel' den 151 499 Mein Jesu! der voll schmerz. 579 Mein Jesu! für dein herz 171 Mein Jesu! meines Lebens 102 Mein Jesus ist mein leben! 592 Mein leib soll Gott! dein Mein lieber Gott! gedenke Mein liebes herz, was zagest Mein Schöpfer! steh mir Mein treuer Gott! dein Mein Vater und mein Gott 458 Menschen ists geseßt, zu 457 561 720 260 495 Mir nach! spricht Christus, 472 Mit dankerfüllter seele, 585 Mit ernst, o menschenkinder! 125 Mit freuden laßt uns treten 141 Mit fröhlichem gemüthe Mit seufzen klag' ich dir, Mitten in dem leben sind 59 448 334 Nach deinem rath 302 351 Nach einer prüfung Nach einer schmerzensvollen 582 Nach meiner seelen seligkeit 474 Nicht, daß ichs schon ergriff. 484 Nicht mürrisch, finster, 529 Nicht so traurig, nicht so Nicht um ein flücht'ges gut Nie will ich wieder fluchen, Nimmt Gott, dem wir Noch bin ich ein gast dec 331 Noch immer wechseln ordentl. 83 Noch nie hast du dein wort 53 Nun bitten wir den beil'gen 236 Nun bricht die finstre nacht 31 Nun christen! laßt uns Nun danket alle Gott Nun danket all' und bringet Run jauchz' dem Herrn alle Nun ist der tag der seligk. Nun ist es alles wohl gem. Nun laßt uns Gott dem Nun lob', mein seel', den Nun ruhet schon in friede Nun sich der tag geendet Nun tret' ich wieder aus Nun wollen wir dir preis 108 575 239 535 90 10 11 6 149 185 13. 8 636 631 118 679 D Christe, Eingeborner Öffentlich in der gem. Oft denkt der mensch, wie Oglaubig herze benedei Golgatha! zu deinen 191 Gott! da ich gar keinen 286 Gott, der du den himmel 656 Gott, du frommer Gott, 411 Gottessohn! du littest 198 392 114 312 360 14 77 257 176 O Gottessohn, Herr Jesu Gott! ich preise deine O großer Gott, du reines O haupt voll blut und Oheil'ger Geist! du höchst. 246 heil'ger Geist, kehr bei 240 Herr! dein seligmachend 317 Herr, mein Gott! durch 433 Dhilf, Christe, Gottessohn 202 Jesu Christe, Gotteslamm 300 Jesu! ewig wird dein 314 Jesu, Register der Gesänge. Jesu, Gottes ew'ger 466 Jesu, licht und heil der 315 Jesu, meine wonne! 310 Jesu, wahrer frömmigk. 152 Okönig aller frommen, 145 Olamm Gottes! unschuldig 164 O meine seel'! erhebe dich, menschenfreund, Herr O Schöpfer! jedes deiner 39 534 43 213 193 O schrecklichs leid! der ewigt. 356 Tag, den mir der Herr 297 O tod, wo ist dein stachel Dunaussprechlicher verlust, 93 Vater, allerhöchster Gott! 446 Bater, allmächtiger Gott! 69 O Vater, deine gütigkeit 649 O Vater! deine sonne Tag der den überwinder Treu ist Gott! das nehmt Trostvoll, o mein Heiland! ist 283. 54 653 O Vater der barmherzigk. O Vater, unser Gott, es 371 445 544 178 O welch ein segen ist ein O welt sich hier dein leben wie unaussprechlich selig 353 500 515 51 Soll dich die wollust nicht Sollten menschen, meine Sollt' ich an deiner macht, Sollt' ich meinem Gott nicht 16 So tief der mensch gesunken 708 So tret' ich wieder an, 621 So wahr ich lebe! spricht 362 So weit, Herr, deine himmel 60 Umsonst, umsonst verhüllft 485 Unermeßlich, ewig ist 44 Unser Vater, der uns liebt, 628 Vater ater aller menschenkind. 593. Bater laß mich Gnade 378 Verbittre dir dein leben 536 Verleih uns fricden gnädigl. reiset, christen! mit zufr. 660 Voller ehrfurcht, dank und Preiset, christen! mit zufr. 660 174 82 336 322. 301 Vom grab', an dem wir 530 443 Vom himmel kam der Geift 238Von allen himmeln tönt dir, 7 Von des himmels ew'gem 467 Von dir auf diese welt Von dir kommt jede gute Von dir, o Vater! nimmt Von furcht dahin gerissen ,, Von Gott will ich nicht Vorbild wahrer menschent Vor deinen thron' tret' ich 554 172 550 192 chau, sünder! wie dein Schicke dich, erlöste 299 Schon ist der tag von Gott 344 Schuf mich Gott für augenbr. 78 Schweiget, bange zweifel, 401 Schwing' dich auf zu deinem 471 Schwingt, heilige gedanken 36 Seele! dent' an jene nacht Seele! lobe deinen Herrn, Seht, welch ein mensch! Selbst engel sind gefallen, 296 569 Selig, Gott! sind die, die Selig sind, die Gottes wort 28 Wachet auf! ruft einst 341 auf mein herz und 602 524 345 574 555 363 166 349 Send barmherzig! menschen Sey getreu bis an das ende, 474 Sey, seele! stark und unv. Sichrer mensch! noch ist es So gehst du, Jesu! williglich Sohn, der uns verheißen Sohn des Höchsten! wir sind 715 So jemand spricht, ich liebe 514 So lang' ich athme, Gott! 703 Soll dein verderbtes herz 276 148 Wachet auf vom schlaf der Warum betrübst du dich Warum erhebst du, meine Warum sollt' ich mich denn Was alle weisheit dieser Was den leib erhält und Was für ein lob soll man Was Gott thut, das zc. es Was Gott thut, das 2c. so Vor deines Gottes majestät Vor dir, Herr Jesu, steh ich 126. 153, 608 665 376 506 64 627 12. 136. 662. Was Register der Gesänge. 572 553 Was hilft es mir, ein christ 404 Was ich nur gutes habe, 478 Was ist der mensch, deß du 157 Was ist mein Leben auf der 545 Was ist mein zeitlichs leben, 496 Was ist's, daß ich mich quäle 568 Was kann ich doch für dank 388 Was mein Gott will, gesch. 43: Was mich auf dieser welt 558 Was sind wir, Herr und Gott 86 Was soll ich ängstlich klagen 552 Was soll ich troftlos sorgen? 547 Weicht, weichet nur von Beine nicht! Gott lebet Welch edles unschäßbares 721 Welch ein segensvoll geschäft 464 Welch bohes beispiel gabst 719 Wenn Christus seine tirche 220 Wenn dein geliebter Sohn, 266 Wenn du des nächsten ehr' 541 Wenn ich einst von jenem Wenn ich mit mehr als Wenn ich, o Gott, von dir, 479 Wenn ich, o Schöpfer! deine 74 Wenn meine sünden mich 196 Wenn meine stunde da nun 587 Wenn menschen streben Wenn wir unsern lauf voll. Wenn zur vollbringung Wen wird, o Gott! die Wer bin ich? welche wichtge 476 527 Wer des lebens güter hat, 526 518 609 517 80 406 407 Wer dieser erden güter. Wer, Gott! dein wort nicht 405 Wer Gottes wege geht, 408 Wer kann, Gott! was 453 Wer nur den lieben Gott 428 Wer war es, der mich beugte 597 326 81 32% 221 Wie groß ist des Ullmächtgen 57 Wie groß ist unsre seligkeit 268 Wie herrlich, Jesu, starker 219274 Wie herrlich strahlt der Wie kannst du doch o sündl. Wie lieblich sind doch deine Wie liebt uns Gott so väterl. Wie mannigfaltig sind die Wie mein getreuer Vater Wie selig, Herr! ist der Wie felig lebt ein mensch Wie sicher lebt der mensch Wie soll ich dich empfangen ( verändert.) 121 7M Wie theuer, Gott! ist deine 262 Wie treu, mein guter hirte 250 Wie viele freuden dank ich Wie wird mir dann, o dann Will jemand Christi jünger 488 Willst du der weisheit quelle 416 Willst du mir, meine seel! 437 Wir danken dir, o Jeſu Wir freuen uns, Herr Jesu Wir glauben all an einen Wir glauben 2c. den geber Wir liegen hier zu deinen Wir menschen sind zu dem Wir schlossen unsern ehebund 70% 354 Wir sind in noth; laß Wir singen, Herr! von Wo deine lehrer, Gott! dein Wohlauf, mein herz! wohl Wohl dem, der beßre schäße Wohl dem, der richtig Wohl mir, o Schöpfer! Wer weiß, wie nahe mir Wer zählt der engel heere Wie feierlich bist du 294 Wie getroft und heiter 273 Wie gnädig ist des Höchsten 666 3weierlei bitt ich von dir, eit, die ich seufzend zähle 364 217134 501 567 103 528 670 661 363 444 507 540 696 Wohlzurhun und mitzutheil. 525 Womit soll ich dich wol loben? 17 Wort aus Gottes munde! 282 Wo soll ich fliehen hin? 375 3 sur grabesruh 204 223 67 707 646 275 684 580 187 505 Gebetbuch zur Kirchen- und Haus- Andacht, nebst Kirchencollecten und Antiphonen. Neue Auflage. Hildesheim, Druck und Verlag von Gebr. Gerstenberg. 1873. sihto 2011tindakan dan nothin 1. Gebete für den öffentlichen Gottesdienst. 1. Am Sonntage und in den wöchentlichen Betstunden. Um die Gnade des heiligen Geistes, recht und wohl: gefällig zu beten. 1. ewiger, barmherziger Gott, du Bater unsers Herrn Jesu Christi! weil wir von uns selbst nicht wissen können, was und wie wir beten sollen, du aber überschwenglich zu thun vermagst über alles, was wir bitten oder verstehen: so sleben wir, gieß über uns aus, nach deiner Verheißung, den Geist der Gnaden und des Gebets, der unserer Schwachheit aufhelfe, aufdaß wir dich mit Mund und Herzen andächtig in rechtem Ernst anrufen und dir ein angenehmes Lobopfer bringen mögen. Herr! thue unsere Lippen auf, daß unser Mund deinen Ruhm verkündige. Erwecke unsere Seelen und Gemüther, daß wir uns nicht nur mit unserm Munde zu dir nahen, und dich allein mit den Lippen ehren, das Herz aber ferne von dir sei; sondern verleihe uns Gnade, daß wir dich, als die rechtschaffenen Anbeter, im Geiste und in der Wahrheit anrufen mit herzlicher Aufmerkung unsers Gemüths, ohne Heuchelei und Erhebung unserer selbst, und daß wir nur das von dir begehren, was deinem göttlichen Willen und deiner Ehre gemäß, auch zu unserer Seelen Seligkeit diensam ist. Verleihe auch, daß wir alles dasjenige, was wir so von dir bitten, mit starkem Glauben und gewisser Zuversicht von deiner milden Güte zu erlangen ungezweifelt hoffen, doch so, daß wir dir hierin nicht Zeit, Ziel oder Maß der Hilfe setzen, sondern uns deinem gnädigen Willen, der allemal der beste ist, in allen Dingen mit anhalA 2 tender 4 Kirchengebete. tender Geduld und Hoffnung, in Demuth unserer Herzen, gänzlich unterwerfen. Dabei gieb Gnade, daß wir mit unserm Gebete nicht vor dir liegen auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit und in dem Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi, in welchem wir Freudigkeit haben, vor dich zu treten und dich mit kindlicher Zuversicht unsern lieben Vater zu nennen. Stärke uns auch, daß wir vom Beten. nicht abgeschreckt werden durch unsere Unwürdigkeit. du gütiger Gott! so hilf nun, daß wir( jetzt allhier in deinem Hause und sonst) an allen Orten aufheben heilige Hände, ohne Born und 3weifel, und emsig anhalten mit Flehen, aufdaß wir, nach deiner gnädigen Verheißung, das, was uns an Leib und Seele nöthig ist, von deiner milden Güte empfangen,( und insonderheit in gegenwärtiger allgemeinen Gefahr und Noth Hilfe und Rettung erlangen,) durch deinen lieben eingebornen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Oeffentliche Beichte. 2. Jch armer Sünder bekenne Gott, meinem himmliſchen Bater, daß ich leider! und gefündiget habe, nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern auch und vielmehr mit innerlicher angeborener Blindheit, Unglauben, 3weifelung, Kleinmüthigkeit, Ungeduld, Hoffahrt, bösen Lüsten, Geiz, heimlichem Neid, Haß und Mißgunst, auch andern Sünden, daß ich auf mancherlei Weise, mit Gedanken, mit Geberden, Worten und Werken, die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein Herr und Gott an mir erkennet, und ich, leider! so vollkommen nicht erkennen kann. Also reuen sie mich, und sind mir leid, und ich begehre von Herzen Gnade von Gott, durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum, und bitte, daß er mir seinen heiligen Geist, zur Besserung meines Lebens, mittheilen wolle. Hiebei lautet die Form der Absolution also: Der allmächtige Gott hat sich euer erbarmet, und durch das Verdienst des allerheiligsten Leidens, Sterbens und Auferstehens unsers Herrn Jesu Christi, seines geliebten Sohnes, vergiebt er euch alle eure Sünde, und ich, als ein verordneter Diener der christlichen Kirche, verkündige, kraft meines Amts, allen denen, so wahrhaftige Buße thun und durch den Glauben all Kirchengebete. 5 all ihr Vertrauen auf das einige Verdienst Jesu Christi setzen und gedenken ihr Leben nach den Geboten und Willen Gottes anzustellen, solche Vergebung aller ihrer Sünden, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Dagegen aber sage ich allen Unbußfertigen und Ungläubigen,( zum Zeugniß über sie,) aus Gottes Wort und im Namen Jesu Christi: daß ihnen Gott ihre Sünden vorbehalten hat, und gewißlich strafen wird, wofern sie nicht in der Gnadenzeit ablassen und Buße thun, welche Buße wir ihnen von Herzen wünschen. Amen. Allgemeines Kirchengebet. 3. mächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi! wir danken dir in Demuth für deine Gnade, Liebe und Treue, die du uns bisher bewiesen hast. Insonderheit preisen wir dich, daß du dein seligmachendes Wort und den reinen Gottesdienst unter uns bei allen Hindernissen noch immer erhältst. Schenke uns allen die Gnade, daß wir diese unschätzbare Wohlthat dankbar erkennen und anwenden, und vernichte du selbst die unseligen Bemühungen derjenigen, welche die Wahrheit deines Wortes verachten oder verkehren, und uns dadurch den höchsten Trost im Leben und im Tode rauben wollen. Sende treue, rechtschaffene Lehrer, und erhalte fie in reiner Erkenntniß und einem heiligen Leben, daß dein Evangelium unter uns in Lauterkeit verkündiget werde, und dadurch der allein seligmachende Glaube und die damit unzertrennlich verbundene Liebe gegen dich und alle Menschen in uns wachse und zunehme. Beschütze, segne und erhalte unsern innigst verehrten und geliebten König und Landesherrn, wie auch das gesammte Königliche Haus, und laß die Regierung dieses Landes zur Ausbreitung deiner Ehre und des Wohlstandes der Unterthanen gesegnet sein. Verleihe den zur Ausrichtung der Regierungsgeschäfte und Verwaltung der Gerechtigkeit verordneten Räthen und allen Obrigkeiten Weisheit, Gnade und Eintracht, die Unterthanen nach deinem göttlichen Willen mit gewissenhafter Treue zu regieren, und laß durch ihre Bemühungen die Ruhe und Wohlfahrt des ganzen Landes gesichert und befördert werden. Laß dir auch die sämmtlichen Schulen unsers Landes em= Kirchengebete. empfohlen sein, und gieb Gnade, daß durch dieselben nicht nur heilsame Erkenntnisse, sondern auch christliche Tugenden und Sitten befördert werden. Erhalte und befördere unter Ehegatten, Aeltern und Kindern, Herrschaften und Bedienten aufrichtige Liebe, Treue, Folgsamkeit und Ehrbarkeit. Laß Handel und Wandel und jedes nützliche Gewerbe in unserm Lande immer mehr blühen und zunehmen. Segne den Fleiß der Handwerker und des Landmannes, und gieb jedem bei der gewissenhaften Ausrichtung seines Berufs auch sein ehrliches Auskommen. Stehe allen bei, die sich in ihrer Gefahr und Noth zu dir wenden, und versage ihnen deinen Trost und deine Hilfe nicht. Vergieb allen unsern Feinden und Widersachern, und ändere ihre Gesinnungen, daß sie in Liebe und Eintracht mit uns leben mögen; ja, erfülle unser aller Herzen mit dem Geiste der Liebe, daß wir gern und mit Freuden und aus allen Kräften dasjenige thun, wodurch die allgemeine Wohlfahrt und die Glückseligkeit eines jedweden insonderheit befördert werden kann. Entferne in Gnaden von unsernGrenzen alle schwere Landplagen, Theuerung und ansteckende Seuchen, Feuer- und Wassersnoth, Krieg und Aufruhr! und wenn du uns ja mit dergleichen heimsuchest: so verleihe, daß wir darunter nicht von dir weichen, sondern deine väterlicheZüchtigung mit Geduld annehmen und zu unserer Besserung anwenden, auch deinen Trost und Hilfe darin zu rechter Zeit erfahren mögen. 6 Und da wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern als Christen zu deinem himmlischen Reiche berufen sind: so gieb uns vor allen Dingen deinen heiligen Geist, daß wir dahin in Buße und Glauben mit ganzem Herzen trachten, am Ende unserer Wallfahrt desselben auch aus Gnaden theilhaft werden mögen, um Jesu Christi unsers Herrn und Heilandes willen. Amen. Ein anderes. 4. Herr Gott, himmlischer Vater, der du mit dem Sohne und dem heiligen Geiste ein einiger, ewiger, allmächtiger Gott bist! wir deine Kinder bitten dich von Herzen, du wollest uns vor falscher Lehre behüten, deine Kirche bei dem rechten Gebrauche deines seligmachenden Worts und der heiligen Sakramente ferner erhalten, und von allen Aergernisſen 7 Kirchengebete. nissen immer mehr reinigen, damit deine reine Erkenntniß und eine wahre Gottseligkeit unter uns überall befördert, und dein Wille von uns auf Erden vollbracht werde, wie er geschieht im Himmel. Gieb der Obrigkeit, unter deren Schuß wir leben, deine göttliche Gnade, daß sie die Wahrheit deines Worts liebe und vertheidige, und die Unterthanen nach deinem Wohlgefallen mit väterlicher Sorge friedlich regiere. Gieb den Unterthanen ein treues gehorsames Herz gegen ihre Obrigkeit, daß Friede und Ruhe im Lande ungestört wohnen mögen. Behüte uns in Gnaden vor Krieg und Aufruhr, vor Feuer- und Wassersnoth, vor Theuerung, ansteckenden Seuchen und allen schweren Landplagen. Segne die Früchte des Feldes, die Nahrung in allen Ständen, und gieb jedem unter uns, was du nach deiner Weisheit für das Beste zu seinem zeitlichen und ewigen Heile erkennest. Siehe dabei, o gnädiger Vater! nicht an unsere Sünde, sondern vergieb uns dieselbe um des Verdienstes deines Sohnes Jesu Christi willen, und verleihe uns Gnade, daß wir uns täglich bessern, und heilig, als deine Kinder, vor dir leben mögen. Erbarme dich auch unserer Widersacher und Feinde, daß sie, von dir erleuchtet und bekehret, mit uns ewig selig werden. Laß uns in keiner Versuchung, womit wir angefochten werden, verderben, sondern hilf uns darin überwinden und den Sieg behalten. dlich, wenn unsere letzte Stunde in diesem Leben kommt, wollest du uns aus Gnaden von allem Uebel erlösen, und aushelfen zu deinem ewigen himmlischen Reiche. Dir sei Ehre und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. In den Montagsbetstunden. 5. Barmherziger Gott und Bater! nachdem wir abermal eine Woche zurückgelegt haben, und in eine neue eingetreten sind: so danken wir dir für alle erwiesene Wohlthaten. Du hast dein Wort und deine Sakramente unter uns rein und lauter erhalten, uns Ruhe und Frieden, auch tägliche Nahrung bescheeret, und, ob wir dich schon mit Sünden oft erzürnet, dennoch unser in Gnaden geschonet, uns zwar gezüchtiget, aber im 3orne nicht aufgerieben, noch dem Tode übergeben. Du hast uns der vorigen Woche Tage und Plage gnädig überwinden helfen, und läsfest uns diese Woche mit Ge= 8 Kirchengebete. Gesundheit und Freuden antreten. Für solche und alle andere Gutthaten sagen wir dir von Herzen Lob und Dank. Weil wir aber in der vergangenen Woche wider dich, Herr unser Gott! vielfältig gesündiget haben: so ist uns solches herzlich leid, und bitten wir alle um Gnade und Vergebung. Laß uns der heiligen Leidens- und Marterwoche deines lieben Sohnes, und dessen, was er uns durch sein Leiden, Kreuz und Tod in derselben erworben hat, heilsamlich genießen. Verleihe uns, daß wir mit jeder Woche unsere vorige sündliche Neigungen und Gewohnheiten immer mehr ablegen, und dagegen an aufrichtiger Gottseligkeit von Tage zu Tage wachsen und zunehmen. Gieb uns mit dieser neuen Woche neue Herzen und einen neuen gewissen Geist, auch Kräfte, ein neues, dir wohlgefälliges Leben zu führen. Insonderheit laß deine Gnade alle Morgen über uns neu aufgehen, und erhalte uns bei deinem reinen Worte und bei dem rechten Gebrauche der heiligen Sakramente. Stärke auch mit Kraft aus der Höhe unsere gnädigste Landesherrschaft und alle christliche Obrigkeiten und fromme Regenten, sonderlich an diesem Orte. Fördere guten Rath und nützliche That, und wende Krieg, ansteckende Seuchen, Mißwachs, Theuerung, Feuer- und Wassersnoth, Hagel und schädliches Ungewitter, auch sonst alles Herzeleid in Gnaden. von uns ab. Gieb uns Frieden und Gesundheit, auch Glück und Heil zu unser aller Beruf und Stande. Und weil wir nun mit der neuen Woche unsere Amts- und Berufsarbeit wieder antreten: so fange, o Gott! von neuem an, uns zu segnen. Laß uns das Werk, wozu du uns beschieden hast, mit Freuden angreifen, und führe durch deinen Segen alles, was wir in deinem Namen anfangen, zu deiner Ehre, zu unserer und unsers Nächsten Wohlfahrt, glücklich hinaus. Und wenn es uns bei unserm Stande und Nahrung sauer und schwer fällt: so laß uns an die Hoffnung unsers Berufs im Himmel denken, wo alle unsere Arbeit von dir aus Gnaden desto völliger soll belohnt werden. Besicht deinen heiligen Engeln diese Woche über uns, daß sie uns und die lieben Unsrigen auf allen unsern Wegen behüten und uns auf den Händen tragen, damit der böse Feind und sein Anhang keine Macht an uns finde. Ist es ferner dein Wille und uns nützlich und selig, so laß uns, nicht diese Woche allein, sondern auch viele folgende, in guter Gesundheit und erwünschtem Wohlstande Kirchengebete. 9 stande leben und ableken. Gefällt es dir aber, lieber Vater! uns in der angehenden Woche mit Kreuz und Trübsal heimzusuchen: so gieb Geduld, vergiß der Schuld, verleih ein gehorsames Herz, und mache uns das Kreuz nicht schwerer, als wir es ertragen können. Hast du endlich über einen oder den andern von uns beschlossen, ihn in dieser Woche durch den zeitlichen Tod aus dieser Welt abzufordern: so gieb demselben hier ein seliges Ende, daß er dort ewig bei dir sei, und wir zuletzt insgesammt, nach aller Mühe und Arbeit auf Erden, bei dir im Himmel einen Sabbath nach dem andern in ewiger Freude und Herrlichkeit feiern mögen. Das verleihe uns, o Gott! in des heiligen Geistes Kraft, durch Jesum Christum. Amen. Erneuerung des Laufbundes. 6. Wir glauben an den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist! den einigen wahren Gott Himmels und der Erden, unsern Schöpfer, Erlöser und Tröster! auf dessen allerheiligsten Namen wir getauft sind. Wir erneuern hiemit den Bund unserer heiligen Taufe, und entsagen allem, was uns von rechter Erkenntniß Gottes und einem heiligen Leben abwendig machen will; ergeben uns dir aber aufs neue, Gott Bater, Sohn und heiliger Geist! mit Leib und Seele in deine Hände, mit dem ernstlichen Vorsate, unter deinem Beistande Glauben und gutes Gewissen zu bewahren bis an unser Ende. Wir befehlen dir unsere und aller Mitchristen, ja aller Menschen zeitliche und ewige Wohlfahrt. Deinem allerheiligsten Namen, du dreieiniger Gott! sei von uns und allen Menschen Lob, Preis und Dank gesagt, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Um Vermehrung des Glaubens und der Gottseligkeit. 7. Herr, rr, du dreieiniger Gott! wir glauben an dich, stärke unsern Glauben; wir hoffen auf dich, befestige unsere Hoffnung; wir lieben dich, aber zünde deine Liebe immer mehr in unsern Herzen an. Wir beten dich an als unsern ersten Ursprung; wir verlangen nach dir als unserm höchsten Gute; wir danken dir als unserm ewigen Wohlthäter; wir rufen dich an als unfern allmächtigen Beschützer. Gott! du bist unser Gott in Christo, und aller deiner Eigenschaften können wir, als deine erlöseten und begnadigten Kinder, uns trösten und 10 Kirchengebete. und erfreuen. Regiere uns denn durch deine Weisheit; halte uns in rechten Schranken durch deine Gerechtigkeit; tröste uns durch deine Treue und Barmherzigkeit, und schütze uns durch deine Allmacht. Wir sind aber auch dein; dein theuer erkauftes und dir geheiligtes Eigenthum. Darum übergeben wir uns heute dir aufs neue mit allen unsern Wünschen, Gedanken, Worten und Werken; mit allen unsern Freuden, Sorgen und Trübsalen, ja mit allem, was wir in dieser Welt sind und haben, damit wir künftig nichts so hoch lieben als dich; an nichts mehr und inniger denken, als an dich;, mit keinem lieber und vertraulicher reden, als mit dir; nichts anders thun noch leiden, als nur nach deinem Willen. Ja, Herr! lenke du selbst unsere Herzen, daß wir nur wollen, was du willst, weil du es willst, wie und wann du es willst. Erfülle zu dem Ende unsere Herzen mit dankbarer Erkenntniß deiner unendlichen Liebe in Christo Jesu; mit liebreicher und thätiger Sorge für die Wohlfahrt unsers Nächsten; mit ernstlichem Abscheu an allen Sünden und verderblichen Lüsten der Welt. Gieb uns ein Herz, das folgsam sei gegen die Oberen, liebreich gegen die Geringen, treu und aufrichtig gegen Freunde, gelinde und versöhnlich gegen Feinde, friedfertig und hilfreich gegen Jedermann. Mache uns durch deinen Geist verständig in unsern Geschäften, getrost in Gefahren, geduldig in Widerwärtigkeiten, demüthig im Glücke. Stärke uns durch deine Gnade, daß wir dich verehren mit Andacht und kindlichem Vertrauen, ohne Heuchelei und Leichtsinn; die irdischen Vergnügungen genießen mit Mäßigung; unsern Beruf ausrichten mit Ordnung und Fleiß, und in guten Entschließungen beharren ohne Wankelmuth. So laß uns von Tage zu Tage wachsen in allem Guten, dir zum Preise und Ruhm, der du allein alles Gute in uns schaffeft, mit göttlicher Geduld uns alle unsere Sünden um Christi willen verzeihest, und, was wir versehen, durch deine unerforschliche Weisheit wieder zurechte bringest. So laß uns dir lebenslang hier dienen in willigem Gehorsam, bis du uns durch einen seligen Tod aus Gnaden um Jesu Christi willen zu dir nehmen, und du, o Gott! uns auf ewig Alles in Allem sein wirst. Amen. 8. Um Vorbereitung zu einem seligen Ende. Ewiger, alles regierender Gott! wir leben hier auf Erden, und wissen nicht wie lange; wir werden sterben, Kirchengebete. 11 sterben, aber die Zeit und Stunde unsers Todes wissen wir nicht. Du, o allwissender Vater! weißt sie. Welche Zeit oder Art des Todes du auch für jeden von uns bestimmt hast: so geschehe dein Wille, der alle Zeit der beste ist. Nach diesem deinen heiligen Willen laß uns allezeit bereit sein, im wahren Glauben an unsern Erlöser Jesum Christum zu leben und zu sterben. Gieb uns zu erkennen die Nichtigkeit der Erde, die Herrlichkeit des Himmels, die Kürze dieser Zeit, und die unendliche Dauer jener Ewigkeit. Verleihe uns rechtschaffene Erkenntniß, Reue und Leid über unsere begangenen Sünden, und stelle sie uns noch hier im Leben unter die Augen, damit sie uns nicht am jüngsten Tage zu unserer Verdammniß vorgestellt und zugerechnet werden mögen. Erfülle unsere Seelen mit lebendigem Vertrauen auf deine unergründliche Barmherzigkeit in Christo Jesu, und mache es unserm Herzen durch deinen Geist gewiß, daß alle unsere Sünden durch desselben Tod und Blut gebüßet und bezahlet sein. Hilf, daß wir in solchem Glauben züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und also mit getrofter Hoffnung unser seliges Ende erwarten, es komme, wann und wie du willst. Ja, unser Jesu! nimm du selbst unsere Seelen, als dein theuer erkauftes Eigenthum, in deine Hände, und laß sie dir befohlen sein. Amen! Amen! 2. An Buß- und Festtagen. Auf Advent. 9. Herr, gnädiger Gott, und barmherziger Bater! wir preisen deine alles Denken übersteigende Liebe, nach welcher du uns arme Sünder also geliebet hast, daß du deinen eingebornen Sohn zu unserer Erlösung in die Welt gesandt, und ihn unsere menschliche Natur haft annehmen lassen, aufdaß er darin für uns leiden und sterben könnte. Wir danken dir, o Gottes- und Menschensohn, Jesu Christe! daß du ge. kommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war; daß du arm geworden bist, damit du uns reich machtest; daß du unser Elend auf dich genommen, aufdaß du uns davon befreietest, und wir an dir einen Hohenpriester hätten, der Mitleiden haben könnte mit unserer Schwachheit. Wir danken dir, 12 Kirchengebete. dir, daß du freiwillig gen Jerusalem gekommen bist, wo du deinen Tod vorher sahest, und dich zum Opfer uns dargestellt hast. Du bist nun zwar nach deiner sichtbaren Gegenwart in den Himmel eingegangen; wie du aber dennoch unsichtbarer Weise, nach deiner Verheißung, alle Tage bei uns bist: so bewegt dich deine nie aufhörende Menschenliebe noch immer, geistlicher Weise durch dein Wort in unsere Herzen zu kommen, und Wohnung darin zu machen. Ja, du willst auch sichtbar am jüngsten Tage wiederkommen in der Herrlichkeit deines Baters, und uns zu dir nehmen, aufdaß wir mit Leib und Seele dahin kommen, wo du bist. Hilf und regiere uns, o Gott heiliger Geist! daß wir ihn, den König des geistlichen 3ions, mit wahrem Glauben und herzlicher Bußfertigkeit recht empfangen und ihm unsere Herzen aufthun, damit wir seine himmlischen Schäße ewig genießen mögen. Bewege unsere Herzen, daß wir auch ihm mit Freuden zurufen: Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Herr, hilf! o Herr, laß alles wohl gelingen! Amen. Auf Weihnachten. 10. Herr Jesu! du unser holdseliger Heiland! wie sollen wir deine unbegreifliche Liebe und Güte zur Genüge rühmen und preisen, daß du uns arme Menschen so hoch gewürdiget, und als ein Menschenkind in unserm Fleische und Blute, dazu in Armuth und Niedrigkeit hast wollen geboren werden, damit du uns von Sünden, Tod, Teufel und Hölle erlösen, und wiederum bei deinem himmlischen Vater zu Gnaden bringen möchtest. Dir sei für solche Liebe, Demuth und Gnade ewig Lob und Preis gesagt. Du, o Herr Jesu! bist nicht uns allein oder etlichen wenigen, sondern der ganzen Welt zu Dienst geboren worden. Ach! daß wir doch auch so glücklich sein möchten, dich von der ganzen Welt und aller Menschen Schaar dafür loben zu hören. Aber, leider! ist der Haufe derjenigen klein, welche dich mit gläubigen und dankbaren Herzen empfangen und willkommen heißen; denn riele wollen an dir nicht Theil haben. Darum erwecke unsere Seelen, daß wir um so viel mehr dir den schuldigen Dank mit herzlicher Freude und Frohlocken darbringen mögen. Weil du auch, liebster Heiland! deswegen Mensch geworden bist, damit du für uns leiden und sterben, und, als unser Mittler Kirchengebete. 13 Mittler bei Gott, uns mit demselben wieder aussöhnen möchtest: so hilf uns durch deine Barmherzigkeit, daß wir also in wahrer Buße, und in allen christlichen Tugenden leben, damit dein theures Mittleramt uns wirklich zu statten kommen, und wir der großen Wohlthat, die du uns durch deine heilige Geburt erworben hast, genießen können, hier in diesem Jammerthale durch einen lebendigen Glauben, durch eine freudige tröstliche Hoffnung und gewisse Zuversicht, dort aber in deinem Himmelreich durch ewige Freude und Seligkeit, allwo wir dich mit allen Engeln und Auserwählten ohne Ende rühmen und preisen werden. Amen. Auf Neujahr. 11. Allmächtiger, gnädiger Gott und Bater! Wir haben heute abermal ein Jahr unsers irdischen Lebens zu Ende gebracht, und fangen in deinem Namen wiederum ein neues an. Ach, Herr! wie groß und unzählig ist deine Güte, welche du uns bisher aus väterlichem Herzen erwiesen hast, da wir doch mit unsern Sünden nichts als Strafe bei dir verdient haben. Wie oft hätten wir in so mancher Gefahr, in besondern Nöthen und gemeinen Landplagen schon verderben müssen, wie vielen andern geschehen ist, wenn deine Gnadenhand uns nicht beschirmt hätte. Für alle deine Güte, Treue, Geduld und Langmuth sagen wir dir denn von Herzen Lob und Dank, und bitten demüthig: verzeihe uns alle Sünde und Missethat! Fange mit diesem neuen Jahre an, uns aufs neue zu segnen, und laß deine Güte über uns nicht aufhören. Erhalte uns bei der reinen Erkenntniß deines Worts: befördere den rechten Gebrauch deiner heiligen Sakramente, und gieb zu der Arbeit in Kirchen und Schulen dein reiches Gedeihen. Stärke und leite unsere liebe Obrigkeit, und laß ihre Bemühungen zum Besten des Landes wohl gerathen. Segne Hausväter und Hausmütter; regiere Kinder und Gesinde, und gieb jedem in seinem Berufe und Stande zu erkennen, daß du es allein seist, der alles regieret und alles wohl macht. Ist es dein gnädiger Wille, so bewahre uns vor Krieg und Aufruhr, ansteckenden Seuchen ,. Mißwachs und Theuerung. Gieb Frieden im Lande, Freude und Trost unsern Herzen, Gesundheit und Lebensnothdurft für unsern Leib, und laß sich deinen Segen in allem über uns reichlich ergießen. Doch 14 Kirchengebete. Doch mache unsere Herzen mit allem zufrieden, was du ordnest und thuſst, daß wir uns deiner Führung kindlich gelassen übergeben, und in allen Fällen sprechen: nicht unser, sondern dein Wille, o Bater, geschehe! Herr Jesu! du getreuer Heiland! sei auch für deine großen und unzähligen Wohlthaten, die du uns armen Sündern erwiesen hast, von Herzen gepriesen. Wir erinnern uns an dem heutigen Tage, daß du schon in deiner zartesten Kindheit den Anfang gemacht hast, dein heiliges Blut um unsertwillen zu vergießen, und bitten dich, bleibe in alle Ewigkeit uns mit deiner holdseligen Liebe zugethan, und gieb, daß wir uns deines heiligen Namens und theuren Verdienstes in Noth und Tod getrösten. Herr Gott heiliger Geist! unendlich Lob und Preis sei dir für deinen Beistand, für deine Hilfe und trostvolle Leitung, welche du uns bisher haft genießen lassen. Regiere uns ferner mit deiner Gnade, daß wir heilig und unsträflich wandeln, in diesem neuen Jahre unsere sündlichen Neigungen und Gewohnheiten immer mehr ablegen, an Glauben und Gottseligkeit aber wachsen und zunehmen, und endlich die Krone der ewigen Herrlichkeit aus Gnaden erlangen mögen. Amen. Auf das Fest der Erscheinung. 12. Herr, allmächtiger Gott, himmlischer Vater! wir danken dir herzlich, daß du auch uns, die wir aus dem Heidenthum herkommen, das Licht deiner Wahrheit zur seligmachenden Erkenntniß Jesu Christi deines Sohnes haft erleuchten lassen. Wir bitten dich, barmherziger Gott! erhalte bei uns dasselbige Licht, und gieb, daß wir dich und den du gesandt hast, Jesum Christum, recht erkennen und im wahren Glauben und beständiger Gottseligkeit dir dienen. Verzeihe uns, o Herr! alle unsere begangene Sünden, und besonders den bisher oftmals bewiesenen Kaltsinn und Undank gegen die reine Lehre deines Worts. Warne und bewahre uns, o du treuer Menschenhüter! vor allen Verführern, welche unsere Seelen in die gefährlichen Irrwege des Unglaubens oder Aberglaubens zu bringen suchen. Laß dir auch in deinen väterlichen Schutz befohlen sein unfre liebe Obrigkeit, welche du gnädig erhalten und an Leib und Seele segnen wollest. Gieb, daß durch sie Wahrheit und Gerechtigkeit befördert, die Kirchengebete. 15 die Bosheit aber verhindert und bestraft werde. Bedecke uns mit den Flügeln deiner Gnade, und bewahre uns durch deine heilige Engel. Wende alles in Gnaden von uns ab, wodurch wir über unser Vermögen versucht werden könnten, und gieb, daß wir in steter Bereitschaft erfunden werden, zu stehen vor des Menschen Sohn, und mit ihm einzugehen in unser ewiges himmlisches Vaterland. Amen. Auf Mariä Reinigung. 13. Herr Jesu Christe, du wahrhaftiges Licht der Welt! wir danken dir, daß du unsertwegen dich unter das Gesetz gethan, damit wir von dem Fluche desselben erlöset würden. Du hast, als das unschuldige Lamm Gottes, alle unsere Unreinigkeit und Sünde auf dich genommen, aufdaß wir durch den Glauben an dich die Unschuld und Gerechtigkeit erlangten, die vor Gott gilt. Hilf denn, daß wir in solchem Glauben uns dir wiederum ergeben, zu einem Opfer, das lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei. Laß uns auch deinen Tempel oft mit Andacht besuchen, und dich als unsern, ja der ganzen Welt Heiland, daselbst in deinem Worte und den heiligen Sakramenten finden, betrachten und innigst ver= ehren. Reinige zu dem Ende unsere sündliche Natur und verkehrtes Herz durch deinen heiligen Geist und dein unschuldiges Blut. Zünde in uns an das Licht der Erkenntniß deines göttlichen Willens, eines thätigen Glaubens, und einer lebendigen Hoffnung, daß wir am Ende unserer Wallfahrt mit Simeon in Frieden aus dieser Welt scheiden, und zu dir in dein ewiges Freudenreich eingehen mögen. Amen. Auf Mariä Verkündigung. 14. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir, daß du deine tröstliche Verheißung erfüllt, uns deinen geliebtesten einigen Sohn zum Heilande gesandt, und denselben von der Jungfrau Maria hast menschliche Natur annehmen lassen. Hilf, daß wir uns solcher deiner Liebe, die du hierin gegen uns arme Sünder erwiesen hast, jederzeit von Herzen trösten, und uns dessen im Glauben erfreuen, daß wir an Jesu einen solchen Hohenpriester haben, der von seiner Empfängniß an war heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert, und höher, denn der Himmel ist. Herr 16 Kirchengebete. Herr Jesu Christe, Gottes und Mariä Sohn! wir danken dir, daß du unsere menschliche Natur an dich genommen hast, und unser Heiland und Seligmacher geworden bist. Wir freuen uns dessen von Herzen, und sind nun versichert, daß du uns, als dein eigenes Fleisch und Blut, nie verlassen werdest. Du bist ja darum Mensch geworden, daß du uns helfen möchtest: daher vertritt uns bei deinem himmlischen Vater. Sei du auch unser Immanuel, durch den Gott mit uns versöhnt und vereinigt ist. Schüße und erhalte uns, o ewiger König! wider Welt, Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und laß uns in deinem Reiche mit dir leben, und dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. O Gott heiliger Geist! der du durch deine Kraft die Empfängniß des Sohnes gewirket haft, hilf, daß wir uns deiner unendlichen Macht jederzeit trösten, uns nicht fürchten, wenn wir Gnade bei Gott gefunden haben, ihm mit wahrem Glauben, willigem Gehorsam und herzlicher Demuth jederzeit anhangen, und also die Absicht der feligmachenden Menschwerdung Christi, nämlich die ewige Freude im Himmel erlangen mögen. Amen. Auf grünen Donnerstag. 15. Herr Jeſu! du guter und getreuer Hirte deiner Heerde! dir sei ewiger Dank gesagt für deine unaussprechliche Liebe, womit du dich nicht nur für unsere Sünde in den Tod gegeben, sondern auch zur Versicherung unsers Antheils an deiner theuren Erlösung verordnet hast, daß wir im heiligen Sakramente auf eine geheimnisvolle Weise deinen Leib und dein Blut essen und trinken, und dabei deinen Tod verkündigen sollen, bis du kommst. Welch eine große, anbetungswürdige Liebe, daß du, o Herr des Himmels und der Erden, dich so tief zu uns Sündern herunterläsfest! Dir sei Preis und Dank dafür gesagt, daß du die reine Lehre von diesem troftvollen Geheimnisse noch immer unter uns bisher erhalten, und dafür gesorgt hast, daß wir dies dein heiliges Sakrament bei uns in der unveränderten Ordnung behalten und genießen, worin du es selbst zuerst gestiftet hast. Vergieb, nach deiner göttlichen Langmuth und Geduld, wenn auch wohl viele unter uns bisher diese deine unermeßliche Gnade nicht dankbar genug erkannt, ohne wahren Glauben und herzliche Liebe sich zu diesem Mahle genahet, ja wohl gar dieses theure Gnaden 17 Kirchengebete. Gnadenmittel zur Sicherheit in ihren Sünden gemißbraucht haben. Verwirf uns deswegen nicht, o Herr! von deinem Angesichte, sondern laß hier Gnade für Recht ergehen, und erhalte uns dein heiliges Sakrament und dessen reinen Gebrauch so lange, bis du selbst kommst. Steure dem Geiste des Verderbens, welcher deine heilige Ordnung zu verkehren sucht, und richte deine Kirche immer mehr dazu ein, daß die seligen Früchte dieses Mahles bei allen befördert werden, welche dasselbe genießen. Laß indeß jeden unter uns, der sich dazu nahet, nicht sowohl auf andere sehen, als vielmehr ernstlich die Ermahnung deines Geistes bedenken: der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Erwecke, o getreuer Heiland! selbst unsere Herzen, so oft wir zu deinem Mahle kommen, daß wir uns vorher aufrichtig nach Gesetz und Evangelio prüfen, unsere sündlichen Gebrechen recht einsehen, und uns also selber richten, damit wir nicht von dir gerichtet, sondern in Gnaden losge= sprochen werden. Sei mit deiner Gnade kräftig in uns, daß wir nicht nur in tiefster Chrerbietung deinen Leib und dein Blut mit unserm Munde empfangen, sondern zugleich im Glauben mit dir auf's innigste verbunden, und unsers seligen Antheils an deiner Versöhnung auf's gewisseste versichert werden. Stärke uns, so oft wir dieses Pfandes unserer Seligkeit gewürdiget werden, selbst mit deinem Geiste, daß wir deinen Tod dabei würdiglich verkündigen, die Wohlthaten, welche aus deinem Leiden auf uns fließen, dankbar erkennen, und deinem göttlichen Erempel, durch Gehorsam gegen Gott, durch Liebe und Treue gegen unsern Nächsten, und durch Geduld in allem Leiden nachfolgen. Endlich führe uns, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit, die du in uns wirkest, zu jenem Freudenleben, wo eine ganz reine und ungestörte Liebe uns mit dir, unserm hochgelobten Haupte, in Ewigkeit vereinigen wird. Ach! haben wir dich, und giebst du dich uns ganz: so haben wir genug. Amen! Ewiger Preis und Dank sei für deine Liebe und Güte dir sammt dem Vater und dem heiligen Geiste! Amen. Auf Charfreitag. 16. Wir danken dir, Herr Jesu Chrift, wahrer Gott und Mensch! daß du uns arme und verlorene Menschen, B ohne 18 Kirchengebete. ohne alle unsere Werke, Verdienst und Würdigkeit, durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen erlöset haft. D Herr Jesu Christ! wie groß war dein Leiden! wie schwer deine Pein! wie viel deiner Marter! wie empfindlich deine Wunden! wie schmerzlich war dein Tod! wie unaussprechlich deine Liebe, durch welche du uns mit deinem himmlischen Vater versöhnet hast, da deine Seele betrübt war bis an den Tod, und dein Schweiß in deiner großen Angst ward wie Blutstropfen; da du darauf von allen deinen Jüngern verlassen worden, und dich in die Hände der schnöden Juden und gottlosen Schar willig für uns gegeben hast, welche dich hart gebunden und von einem ungerechten Richter zu dem andern unbarmherzig geführet hat! Daselbst bist du fälschlich verklagt, verurtheilt, verspeiet, verhöhnet, und mit Fäusten ins Angesicht geschlagen worden. Du bist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und jämmerlich zugerichtet worden, wie ein armer Wurm, der keinem Menschen ähnlich ist: denn du warst der Allerverachtetste und Unwertheste, voll Schmerzen und Krankheit, also, daß es auch ein heidnisches Herz gerührt hat, daß es sagte: Siehe, welch ein Mensch ist das! Du bist wegen unserer Mißhandlungen unter die Uebelthäter gerechnet und als ein Fluch mitten zwischen ihnen aufgehenkt, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, dazu in deinem höchsten Durste mit Essig und Galle getränket worden, worauf du in großen Schmerzen deinen Geist aufgegeben, aufdaß du unsere Schuld bezahltest, und wir durch deine Wunden geheilet würden. Für alle diese deine Marter und Pein sagen wir dir Lob und Dank, und bitten dich: laß dein heiliges bitteres Leiden an uns nicht verloren sein, sondern gieb, daß wir uns dessen von Herzen trösten und rühmen, auch desselben Gedächtniß also begehen, und es solchergestalt betrachten, daß alle böse Lüste dadurch in uns ausgelöscht und gedämpft, dagegen alle Tugenden eingepflanzt und vermehrt werden; aufdaß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, und deinem uns gelassenen Vorbilde nachfolgen, das Uebel mit Geduld ertragen, und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Das gieb und verleihe uns, o Herr Jesu! um deines heiligen theuren Verdienstes willen. Amen. Vom 19 Kirchengebete. Vom Leiden Christi. 17. Herr Jesu Christe! du Heiland der Welt! erwecke unsere Seelen durch deinen heiligen Geist, daß wir dein Leiden und Sterben mit Andacht ernstlich betrachten, die Ursache davon tief bedenken, und dessen selige Früchte hier und ewig genießen mögen. Du, der eingeborene Sohn des Baters und das Ebenbild seines Wesens, hast, in unser Fleisch und Blut gekleidet, dich für uns erniedriget bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze, und dadurch eine ewige Erlösung erfunden. Unsäglich und unzählig waren die Qualen deiner Seele, als du für uns ins Gericht gingst, im Staube auf deinem Antlite lagst, mit dem Tode rangst, und dein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde floß. Unaussprechlich und unermeßlich war die Angst deines Herzens, als du nackend, dürstend und blutend in den Stunden der schrecklichsten Finsterniß am Kreuze hingst, und ausriefft: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? Und was hat nicht dein zärtliches Herz gelitten, als du dich von einem deiner vertrautesten Freunde verrathen, von einem andern verleugnet, und mit wüthendem Hasse von deinem eigenen Volke verworfen sahest, dessen künftiges Elend du doch mit Thränen eines göttlichen Mitleidens beweint hattest. Was hast du nicht, o geduldiges Lamm Gottes! gelitten, als die freche Rotte dich verspeiete, verhöhnte und ins Angesicht schlug; als man dich, gegeißelt, mit Dornen gekrönt, und in Purpur gekleidet, deinen Feinden öffentlich zur Schau darstellte; als Pilatus sprach: Sehet, welch ein Mensch! und das wüthende Volk rief: Kreuzige, kreuzige ihn! sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Herr, Herr Gott! barmherzig und gnädig und geduldig! wir beten dich in deiner tiefsten Erniedrigung, als unsern Gott und Mittler an, und erkennen in diesem schmachvollen Leiden deine unendliche Größe und unergründliche Liebe zu uns verlornen Menschen: denn du warst ja heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert, und höher denn der Himmel ist. Darum ertrugst du das alles auch mit göttlicher Geduld, betetest für deine Mörder, sorgtest noch am Kreuze für deine verlassene Mutter, versichertest dem einen Schächer die Freuden des Paradieses, und bekanntest dich, unter allem Spotte, vor deinen verblendeten Feinden als den zukünftigen Richter der Welt und den ewigen Sohn des Ba= 2 20 Kirchengebete. Baters, in dessen Hände du deinen Geist befahlest, als du nun, nach aller überstandenen Angst und Qual, endlich dein- Haupt sterbend neigtest und sprachest: Es ist vollbracht! Ja fürwahr, du trugest unsere Krankheit, und ladeteft auf dich unsere Schmerzen; die Strafe lag auf dir, damit wir Frieden hätten, und durch deine Wunden sind wir geheilet. Gieb uns denn die tödtliche Krankheit unserer Seelen hiebei wohl zu erkennen, und wirke durch den Anblick deiner Marter in unseren Herzen göttliche Traurigkeit über unser Sündenelend, dessen Größe uns in deinem Leiden erst recht offenbar wird. Doch, wenn nun unser zagendes Herz die Schrecken des Gerichts Gottes und den Stachel der Sünde empfindet; wenn es von derselben gern los sein will, und sich doch nicht selbst helfen, noch seine Schuld bezahlen kann; alsdann, o göttlicher Erbarmer! erscheine uns in dem Bilde, wie du dein Blut mildiglich für uns vergossen hast, und sprich uns freundlich zu: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte; ich, ich tilge deine Uebertretung um meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht. Ja, erfülle unsere Seelen durch die Betrachtung deines Versöhnungstodes mit göttlichem Troste und Ruhe, und mache es unserm Herzen immer heller und gewisser, daß Gott dich, der du von keiner Sünde wußtest, für uns zur Sünde gemacht hat, aufdaß wir in dir würden die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt! Gieb uns dadurch täglich neue Kraft, jede sündliche Lust in uns bald zu dämpfen, und alles gern zu Vermeiden, was uns von deiner Liebe trennen könnte. leihe uns Weisheit, Muth und Stärke, die seligmachende Lehre von deinem Kreuze vor aller Welt getroft zu bekennen; unsern eigenen Willen, wie gut er uns auch scheine, dem Willen Gottes ganz zu unterwerfen; die Fehler unserer Freunde mit Sanftmuth, die Bosheit ungerechter Feinde mit Geduld zu ertragen, und gegen alle Menschen herzliche Liebe und Treue zu beweisen bis ans Ende. Stärke uns endlich, o göttlicher Mittler! durch das Andenken an deine Wunden, Marter und Tod, noch in der Stunde unsers Abscheidens von dieser Welt, daß wir da voll Glaubens und Zuversicht auf dein Verdienst unsere Seele in deine Hände befehlen, und darauf bei dir ewig der Ruhe und Seligkeit genießen, welche du uns mit so überschwenglicher Erbarmung und Liebe erworben hast. Amen! Kirchengebete. 21 Amen! Das Lamm, das erwürgt ist, ist würdig, zu nehmen Preis und Dank und Anbetung. Amen! Ein anderes. 18. Heiliger, barmherziger Gott! der du deinen eingebornen Sohn für uns in den Tod am Kreuze dahin gegeben hast, aufdaß du durch ihn uns mit dir versöhnen und vom ewigen Verderben erlösen möchtest, gieb uns Gnade, dieses hohe Geheimniß deiner Liebe also zu bedenken, daß wir daraus unsern sündlichen Zustand mit Reue und Scham vor dir erkennen, nach deiner Gnade uns ernstlich sehnen, auf deine ewige Barmherzigkeit unser ganzes Vertrauen setzen, und durch deinen heiligen Geist unsers Antheils an der uns erworbenen Seligkeit im Glauben fest versichert werden. Behüte uns aus Gnaden vor aller Gleichgültigkeit gegen das Wort vom Kreuzestode Jesu Christi, und die darauf gegründete Lehre deines wahrhaftigen Wortes: daß wir ohne unser Verdienst gerecht werden aus deiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Jesum Christum ge= schehen ist. Gieb uns auch den rechten Verstand an diesem Geheimniß, damit sein vergossenes Blut und ganzes heiliges Verdienst nicht nur der höchste Troft bleibe, womit wir unser Gewissen vor dir im Leben und Tode stillen, sondern wir auch daraus täglich neue Kraft empfangen, zu verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig zu leben in dieser Welt, bis zur völligen Offenbarung deiner Herrlichkeit und der Erscheinung unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, aufdaß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Amen. Auf Oftern. 19. Herr Jefu Chrift! du Ueberwinder des Todes und der Höllen! wir sagen dir herzlich) Dank für deine siegreiche Auferstehung, durch die du dem Tode die Macht genommen, und ein ewiges unvergängliches Wesen wieder ans Licht gebracht hast. warst todt, und siehe, nun lebst du von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du hast dein Volk Du vom 22 Kirchengebete. vom Tode errettet und aus der Höllen erlöset, daß wir nun mit Freudigkeit sagen können: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? denn nun wissen wir, daß du den Frieden mit Gott zu Stande gebracht, und eine vollkommene Genugthuung geleistet hast, da der höchste Richter dich, unsern Bürgen, aus dem Tode und Grabe herausgeführt hat. Du lebst nun immerdar, und wir sollen mit dir leben. Du, unser Haupt, bist vom Tode auferwecket; so werden wir, deine Glieder, auch nicht im Tode bleiben, sondern durch dich gleicher Auferstehung theilhaftig werden. Overherrlichter Fürst des Lebens! wir bitten dich, laß uns in unsern Herzen die Kraft deiner Auferstehung und den beständigen Trost empfinden, daß nunmehr weder Sünde noch Verdammniß, weder Fluch noch Tod, weder Satan noch Hölle einige Macht an uns habe. Laß uns auch, o Herr! durch wahre Buße auferstehen, und in einem neuen Leben wandeln, so daß alles Sündliche in uns immer mehr untergehe, und dagegen die Früchte des Geistes: Glaube, Liebe und Hoffnung, wachsen und gemehret werden. Erwecke am jüngsten Tage durch die Kraft deiner Auferstehung unsere Leiber zum ewigen Leben, damit unser nichtiger, verweslicher Leib anziehe Unverweslichkeit und Unsterblichkeit, und ähnlich werde deinem verklärten Leibe. Denn unser wahres Leben ist jetzt noch verborgen bei dir: wenn du aber, o unser Leben! offenbar werden wirst, so werden wir auch mit dir offenbar werden in der Herrlichkeit. Das verleihe uns, o Herr Jesu Christe! durch deine siegreiche Auferstehung, und um deines Namens Ehre willen! Amen. Ein anderes auf Ostern. 20. Ewiger, allmächtiger Gott, himmlischer Vater! es freuet sich Himmel und Erde, und es freuet sich auch unser Herz und unsere Seele, daß dein eingeborner Sohn, der um unserer Sünde willen gestorben war, am dritten Tage wieder von den Todten auferstanden ist, und alle unsere Missethat in seinem Grabe verborgen und verfiegelt hat. Dafür danken wir dir an dem heutigen Gedächtnißtage seiner siegreichen Auferstehung in vereinigter Andacht und von Grund unserer Seele, und bitten dich: du wollest uns Kirchengebete. 23 uns aus dem Schlummer der Sünden aufwecken, daß wir nun, im lebendigen Glauben an unsern auferstandenen Heiland, unsere höchste Lust und Verlangen zu dir gen Himmel richten mögen. Präge es unsern Seelen wohl ein, daß wir auf deines lieben Sohnes, unsers Heilandes, freudenreiche Auferstehung jederzeit können getroft sein, und festiglich glauben, daß Sünde, Tod, Teufel und Hölle getilgt sind, auch nun kein Christ verzagen darf, wenn er nur im wahren Glauben sich an die Gerechtigkeit hält, die uns dein Sohn erworben hat, und die Kraft des Glaubens in täglicher Lebensbesserung an sich erfährt. Dies wollest du uns, so lange wir hier leben, gnädiglich verleihen, bis wir dereinst, von allem Uebel ganz befreiet, zu dir kommen, dich von Angesicht zu Angesicht schauen, auch mit allen heiligen Engeln und Auserwählten ewig preisen werden. Amen! In Jesu, unsers auferstandenen Heilandes, Namen. Amen. Auf Himmelfahrt. 21. Herr Christe! du allmächtiger Siegesfürst! Lob, Shre, Preis und Dank sei dir gesagt, daß du nach ers haltenem fröhlichen Siege wider Sünde, Tod und Hölle gen Himmel gefahren, und dich zur Rechten deines Vaters gesetzt hast, da du dich unser in allen Nöthen annimmst, und uns treulich vertrittst. Gieb uns deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken bei dir sind, und in steter Bereitschaft deine herrliche Wiederkunft erwarten. Wir glauben und trösten uns nun festiglich, weil du, als unser Haupt, gen Himmel gefahren bist, du werdest uns, als deine Glieder, nicht immer im Elende zurücklassen, sondern dereinst auch nachholen. So hilf denn, wenn die Zeit unsers Abschiedes von dieser sichtbaren Welt herannahet, daß wir mit gläubigem Herzen und inniger Zuversicht auf dein heiliges Berdienst in Frieden fahren mögen. Zwar werden wir unserer Wallfahrt auf Erden oft müde, und verlangen sehnlich nach unserer seligen Erlösung von allem Ungemach und Sünden; doch stehet es, o getreuester Heiland! allein bei dir und in deinem gnädigen Willen, wann wir dir folgen sollen. So lange wir daher nach deinem weisen Rathe hier noch wallen müssen, wollest du uns durch deinen Geist Stärke und Kraft verleihen, alles freudig und getrost zu überwinden, uns 24 Kirchengebete. uns in aller Widerwärtigkeit trösten, wider alle Feinde schützen, und endlich, mit erwünschtem Triumph, in Deine ewige Herrlichkeit gelangen lassen. Dir, sammt Vater und heiligem Geiste, sei Lob, Preis und Dank gesagt jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. An der Hagelfeier. 22. mächtiger Gott, liebreichster Bater! wir danken dir in tiefster Demuth, daß du uns nicht nur erschaffen, sondern auch für unsere Ernährung so gütig gesorgt hast. Du haft den Erdboden mit so mancherlei Gewächsen geschmückt, und erfüllst dadurch unsere Herzen nicht nur mit Speise, sondern auch mit Freude. Du zeigst uns auch für dieses Jahr einen mannigfaltigen Segen; allein er bleibt noch immer Gefahren ausgesetzt, welche wir abzuwehren zu ohnmächtig sind. Kälte und Hitze, Nässe und Dürre, Hagel und Ungeziefer, Blitz und andere Unfälle können ihn verderben und ihn uns entziehen. Hiedurch lehrest du uns, unsere Augen und unser Bertrauen auf dich, den Herrn und Regierer der Welt, zu richten, und dich als den Geber der Güter anzubeten. Allwaltender Gott! wir erkennen es, daß alles in deiner Hand stehe, und kommen in kindlicher Demuth und Vertrauen auf deine. Gnade, und bitten dich um Christi willen; Erfülle unser Land mit deinen Gütern. Gieb zu rechter Zeit Regen und Sonnenschein und fruchtbares Wetter, damit die Gewächse wohl gerathen. Erhalte und bewahre sie aber auch, daß kein Ungeziefer, kein Hagel, keine Wasserfluthen, kein Feuer fie verderbe und verzehre. Bringe sie zur Reife, und laß sie uns mit Freuden einernten, und in Friede und Gesundheit mit Danksagung genießen. Du bist ja unser Gott und Bater! Wenn du uns giebst, so sammeln wir; wenn du deine Hand aufthust, so werden wir mit Gutem gesättiget. Unsere Augen warten auf dich, gieb uns Speise, und sättige uns mit Wohlgefallen. Wir, deine Kinder, erneuern hiebei den Bund, daß wir dich lieben, fürchten und ehren, und dich nicht mit vorsätzlichen Sünden reizen wollen, deine Gnade und deinen Segen von uns zu nehmen. Herzen und Lippen sollen dir danken, und deine göttliche Kraft sowohl, als deine milde Güte preisen. Verleihe uns dazu den Beistand deines Geistes, und erhöre uns um dieser deiner Güte und um Christi willen. Amen. Bor 25 Kirchengebete. Vor und bei der Ernte. 23. Herr, allmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi! du machst fröhlich, was da lebet, beide des Morgens und Abends; du bauest das Land, segnest sein Gewächs, läsfest das Getreide wohl gerathen, und krönest das Jahr mit deinem Gute. Du hast auch dieses Jahr unser Land heimgesucht, reich gemacht, und das Getreide wohl gerathen lassen. Dein milder Segen, o Bater! steht in seiner Reife, und wir sind beschäftiget, ihn einzusammeln. Herr unser Gett! wir danken dir für deine unverdiente Güte, und bitten dich herzlich, weil dir Wind und Meer gehorsam sind, die Wolken sich kehren, wohin du willst, und thun, was du ihnen gebietest: du wollest zu dieser Erntearbeit bequemes Wetter und guten Sonnenschein geben,( auch nach dem Regenwetter die Sonne wieder scheinen lassen,) damit die Feldund Gartenfrüchte, vor allem Schaden behütet, ihre völlige Reife erlangen, und zu unserm Nußen trocken eingesammelt werden. Verleihe uns dabei die Gnade, daß sie von uns und den Unsrigen aus deiner milden Hand mit einem erkenntlichen Herzen genommen, zur Ernährung unsers Leibes mit Danksagung gebraucht, und in guter Gesundheit und sicherm Frieden genossen werden. Du weißt, lieber Bater! wie sehr wir des täglichen Brotes und deines Segens aus der Erde bedürfen. Darum schenke uns auch in diesem Jahre deinen gezeigten Segen, und wie du angefangen hast uns zu segnen, so segne uns ferner. Gieb uns unsere Speise zu seiner Zeit, thue deine milde Hand auf, und sättige uns mit deinem Gute. Herr! du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir. Höre auch jetzt unser Gebet, und vernimm unser Flehen, daß wir hiebei dein väterliches Herz erkennen, und neue Ursache haben, dich zu loben und zu preisen. Dazu hilf uns, liebreicher Gott! und gieb uns, was wir von uns selber nicht vermögen: denn dein ist das Reich und die Kraft, wie überall, also auch in der Natur. Dir sei Ehre und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Auf Pfingsten. 24. Gott heiliger Geist! wir kommen jetzt mit ver= einigter Andacht vor deine göttliche Majestät, und weil wir ohne deine Hilfe in unserm Christenthume nichts ver 26 Kirchengebete. vermögen, so bitten wir dich herzlich, du wollest in uns wohnen, uns leiten, regieren und führen, daß wir das Ende unsers Glaubens, der Seelen Seligkeit, davon bringen mögen. Du bist ein Geist der Lehre; ach! unterweise uns in dem heiligen Worte Gottes, damit wir dasselbe wohl fassen, be= halten, und danach leben mögen. Lehre uns unsern Gott erkennen, über alles fürchten, lieben, ehren und vertrauen. Du bist ein Geist der Andacht und des Gebets; erwecke in uns eine heilige Begierde, oft und viel, auch eine herzliche Andacht, kräftig und rechtschaffen zu beten, daß wir damit durch die Wolken dringen, und die Erhörung erhalten mögen. Du bist ein Geist der Reinigkeit und Heiligkeit; ach! reinige unser Herz von allem Bösen. Schaffe in uns ein reines, feusches Gemüth, daß wir allen bösen Lüften feind sind, vor denselben uns hüten, und nimmer in eine Sünde willigen. Du bist ein Geist der Weisheit; ach! erleuchte unsern dunkeln Verstand, und erfülle uns mit deiner Weisheit, daß wir erkennen mögen, was gut oder böse, wahr oder falsch, schädlich oder nützlich sei. Stärke uns in unserm Berufe, daß wir denselben nach Gebühr verrichten können. Du bist ein Geist aller Tugenden; ach! laß uns, deinen Tempel, mit allen christlichen Zugenden schön geschmückt sein. Insonderheit bist du ein Geist der Freude und des Trostes; ach! vertreibe bei uns alle unnöthige Sorge und Kleinmüthigkeit. Mache uns freudig und getrost in aller Trübsal, die in diesen letzten Seiten der Welt häufig ist, damit wir unserm Heilande durch Noth und Tod mit freudigem Muthe folgen. Treibe von uns des Satans Schrecken und alle traurige Anfechtung. Insonderheit an unserm letzten Ende, wenn uns aller menschliche Trost verläßt, so stehe du uns bei mit deinem göttlichen Troste. Sprich uns ein freudiges Herz ein, und versichere uns der Vergebung unserer Sünden, der Gnade und Kindschaft Gottes, daß wir ruhig und gottgelassen unsere Seele in die Hände unsers Erlösers andächtig befehlen, und also auf sein heiliges Verdienst selig einschlafen, auch hernach in der ewigen Freude dich für alle Wohlthaten ohne Ende rühmen mögen. Amen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen, Amen. 25. Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. Unendlicher und unerforschlicher Gott! Bater, Sohn und Geist! wir danken dir, daß du uns durch dein Wort Kirchengebete. 27 Wort in der seligen Erkenntniß befestiget haft: du, Herr unser Gott! seist ein einiger Gott, du seist der Erste und der Letzte, und außer dir sei kein Gott. Durch helle und gewisse Zeugnisse deines Wortes hast du uns belehrt, daß du bist ein wahrer Bater, Sohn und heiliger Geist in einem einigen, ewigen und unzertrennlichen Wesen. Auf diesen deinen Namen sind wir getauft, und durch die Taufe zu deiner Verehrung und Anbetung, o dreieiniger Gott! verpflichtet. Erhalte denn uns und unsern Nachkommen diese reine, seligmachende Erkenntniß deines unerforschlichen Wesens, und laß uns dasselbe mit demüthigem Glauben annehmen, fest dabei verharren, und nichts davon abwendig machen. Verhüte gnädiglich, daß wir den großen Trost, welchen uns diese Ueberzeugung giebt, nicht durch Unglauben und thörichten Vorwitz schwächen oder gar verlieren, und uns nicht unterstehen, das erforschen und begreifen zu wollen, was doch den engen Schranken unsers Berstandes hier noch unerforschlich und unbegreiflich ist. Laß uns aber auch diese geheimnißvolle Lehre zur wahren Heiligung unsers Lebens anwenden, daß wir dir, der nirgend seines gleichen hat, auch in unsern Gesinnungen nichts an die Seite setzen, sondern dich, den einigen wahren Gott, über alle Dinge fürchten, lieben und dir vertrauen. Verleihe uns dabei die Gnade, daß wir der unaussprechlich großen Wohlthaten, durch welche du dich, dreieiniger Gott! an uns verherrlichest, immer völliger theilhaft werden, und deine ewige Liebe, o Bater! durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes stets mit uns sei, bis wir in jener Ewigkeit dich noch völliger erkennen, dich von Angesicht zu Angesicht schauen, und deinen großen Namen in himmlischer Vollkommenheit erhöhen werden. Amen. Am Feste Johannis. 26. Almächtiger Gott! ewiger Vater! wir rühmen und preisen dich, daß du bei der Erscheinung deines ewigen eingebornen Sohnes auf unserer Erde die fröhliche Botschaft von unserer Erlösung hast verkündigen, und solche auch zu uns haft kommen lassen. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! So kündigte ihn Johannes, als sein Vorläufer an, welcher vor dem Herrn hergehen, und ihm den Weg bereiten sollte, und so beten auch wir ihn als das 28 Kirchengebete. das Opfer für unsere Sünde und der ganzen Welt Heiland an. Wir bitten dich denn demüthiglich, du wollest dies seligmachende Wort von unserer Versöhnung unter uns und in unsern Herzen durch deinen heiligen Geist rein und lauter erhalten, dasselbe uns fest glauben, und wider alle Anfechtung zum kräftigen Troste gedeihen lassen. Hilf aber auch, daß solche gnadenreiche Botschaft uns zu keiner Sicherheit diene, sondern wir vor dir mit willigem Gehorsam in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu leben bemühet sein, bis wir dort bei dir zur seligen Vollkommenheit gelangen, durch Jesum Christum, unsern Heiland und Helfer. Amen. Am Feste der Heimsuchung Mariä. 27. Herr, wahrhaftiger Gott! der du deine gnädigen Berheißungen von unserer Erlösung durch Christum so herrlich erfüllt hast, verleihe uns die Gnade deines Geistes, daß wir uns diese deine unaussprechliche Wohlthat recht gläubig zueignen, und dir inbrünstig dafür danken. Auch unsere Seele erhebe dich, unsern Herrn, und unser Geist freue sich Gottes, unsers Heilandes. Du siehst uns Elende in Christo gnädig an, und erhebst uns durch ihn aus den Tiefen eines ewigen Verderbens zu den größten Seligkeiten. Du hast große Dinge an uns gethan, der du mächtig bist und deß Name heilig ist, und deine Barmherzigkeit währet über uns für und für, wenn wir dich fürchten. Allmächtiger Gott! du übest Gewalt mit deinem Arm, zerstreuest die hoffärtig find in ihres Herzens Sinn, und erhebest die Niedrigen. Ach! bewahre uns vor aller Erhebung unser selbst wider deinen Ge= salbten, und wider sein heiliges Wort, durch Unglauben und Selbstgefälligkeit. Laß uns deinen Rath von unserer Seligkeit durch Chriftum über alles verehren, und mit der Demuth und Armuth unsers Geistes denselben annehmen, daß du uns mit deinen durch Christum erworbenen Heilsgütern füllen, und dereinst zum ewigen Genuß deiner Gnade erheben könnest. Gedenke stets der Barmherzigkeit über uns, und hilf deinem gesammten theuer erkauften Volke und Eigenthum immer völliger auf. Erhalte und stärke uns im Glauben und der Gottseligkeit bis an unser Ende, und vollende dann an uns, was du uns in Christo zugesagt haft, zu deinem ewigen Preise und unserer ewigen Seligkeit. Amen. Am Kirchengebete. Am Michaelisfeste. 28. Herr! allmächtiger und liebreicher Beschützer des menschlichen Geschlechts, durch welchen alles ge= schaffen worden, was im Himmel und auf Erden ist! wie hast du die Menschen so lieb, daß du ihnen von Kindheit auf deine heiligen Engel als unsichtbare Gefährten und Wächter zugeordnet hast. Dir sagen wir Lob und Dank, daß du diese herrlichen Geister, die vor deinem Throne stehen, noch immerfort zum Dienst um dererwillen aussendest, welche die Seligkeit ererben sollen, und bitten dich herzlich, du wollest diesen deinen heiligen Engeln auch ferner über uns befehlen, daß sie uns behüten auf allen unsern Wegen. Ach, Herr! wehre allen feindseligen Anfällen und Versuchungen der bösen Geister, welche Lügner und Mörder von Anfang sind, und laß deine heiligen Engel uns, die Unsrigen und alles, was wir haben, allezeit bewahren, aufdaß der böse Feind keine Macht an uns finde. Schenke uns allen aber auch die Gnade, daß wir schon hier anfangen, diesen reinen Geistern in ihren Tugenden ähnlich zu werden. Hilf uns, daß wir, gleich ihnen, in kindlicher Furcht, Liebe und Gehorsam vor dir wandeln, dein inbrünstiges Lob unser angenehmstes Geschäft sein lassen, unserm Nächsten treu und willig dienen, und überall deinen Willen auf Erden mit Lust und Freuden vollbringen. Bringe diejenigen unter uns, welche sich von dir verirrt haben, selbst wieder durch eine rechtschaffene Sinnesänderung zurück, damit Freude über ihre Buße vor deinen Engeln im Himmel sein möge. Endlich, wenn unsere letzte Stunde auf dieser Welt kommt, so laß deine lieben Engel unsere Seelen zu den Wohnungen des ewigen Friedens geleiten, und uns, nach der fröhlichen Auferstehung an jenem großen Tage, in ihrer seligen Gesellschaft ewig bei dir sein, wo wir nach deinem Worte ihnen gleich sein, und dich, o großer Gott! mit ihnen ohne Ende verherrlichen werden. Das verleihe uns durch deinen lieben Sohn Jesum Christum, der uns solches alles theuer erworben und verheißen hat. Amen. 1914 850 29 da ni Dankgebet nach der Ernte. 29. mächtiger Herr Gott Himmels und der Erden! du läsfest deine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und läsfest regnen über Gerechte und Ungerechte. Du erfüllest der Menschen Herz mit Speise und Freuden, und giebst 30 Kirchengebete. giebst uns allerlei Gutes reichlich zu genießen. Du hast abermals deine gnädige Zusage erfüllt, daß, so lange die Erde stehet, nicht aufhören soll Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter. Unsern Samen haben wir auf Hoffnung ausgefäet, und siehe, nun ernten wir durch deinen Segen die Früchte unsers Landes mit Freuden ein. Du hast ihnen Wachsthum und Gedeihen, du hast ihnen Thau, Regen und Sonnenschein verliehen, und sie vor dem Verderben gnädig und treulich behütet. Für diese deine Wohlthat danken wir dir von Herzen, und sagen: Nun danket alle Gott, der große Dinge thut hier und an allen Enden, der uns vom Mutterleibe an lebendig erhält, und thut uns alles Gutes. Dank sei dir, o mildreicher Bater! daß du das Gebet deiner Kinder erhöret, und die Arbeit derer gesegnet hast, welche das Feld bauen! Dank sei dir, daß du uns diese Ernte in Gesundheit und Frieden hast erleben und einsammeln lassen! Du wollest nun auch, o getreuer Gott! nach deinem heiligen Willen, des Eingesammelte vor Raub und Feuer und andern Unfällen gnädig bewahren, und uns deine Gaben in Gesundheit und Ruhe, mit fröhlichem dankbaren Herzen genießen lassen. Vor allem gieb uns die Gnade, daß wir sie anwenden dir zu Lob und Preis, uns und unsern Nächsten zu nothwendiger Erhaltung, und wehre du selbst allem sündlichen Mißbrauche derselben unter uns, daß der Ueberfluß keinen zum Geize, Stolze oder Ueppigkeit, und der Mangel keinen zur Untreue, Mißgunst oder zur Unzufriedenheit verleite. Gieb, daß wir uns alle an dem genügen lassen, was da ist, und den großen Gewinn eines gottseligen und genügsamen Herzens stets vor Augen behalten, damit wir, durch deine Gnade gestärkt, nie müde werden Gutes zu thun, und endlich, wenn alle beschwerliche Arbeit vollbracht ist, zu deiner ewigen Ruhe gelangen, wo wir ohne Aufhören ernten, und dir mit allen Heiligen ein ewiges Dankopfer bringen werden. Amen. Gebet um Erhaltung der christlichen Kirche, am Refor mationsfeste, welches auch nach den Predigten oder in den Betstunden kann gebraucht werden. Bater der Barmherzigkeit! der du dir eine heilige Gemeinde und Kirche auf Erden durch dein Wort 30. und deinen heiligen Geist sammelst und erhältst, und auch uns Kirchengebete. 31 dem Schoße derWir danken dir uns die Gnade verlichen hast, daß wir in selben geboren und erzogen worden sind. von Herzen für diese deine unaussprechliche Liebe, und bitten dich demüthig, du wollest alle, welche dein Wort durch deine Gnade angenommen haben, ehren und befördern, bei der erkannten reinen seligmachenden Lehre, dem rechten Gebrauch der Sacramente und im heiligen Leben kräftig erhalten, wider alle Bersuchungen des Satans, und wider alle List und Ge= walt der verderbten Welt. Laß deine Kirche, welche auf Jesum Christum durch die Lehre der Apostel und Propheten gegründet ist, fest und unbeweglich stehen auf diesem Grundfels, worauf sie erbaut sind. Erhalte, bewahre und segne hohe und niedere Schulen, und mache sie zu Werkstätten deines heiligen und guten Geistes, daß darin die reine Erkenntniß deines Wortes gepflanzt und ausgebreitet, Zucht und Frömmigkeit befördert, und solche Leute erzogen werden, die dermaleinst deiner Kirche und dem gemeinen Wesen dienen und nützlich sein können. O Herr, unser Gott! schaue vom Himmel, und siehe an, und suche heim deinen Weinstock, und halte ihn im Bau, den deine Rechte gepflanzt hat, und den du dir festiglich erwählet hast, aufdaß sein Gewächs ausgebreitet und seine Zweige groß werden. Nimm uns, als deine theuer erworbene Heerde, in deinen Schuß, daß uns niemand aus deiner Hand reiße. Behüte uns vor aller Verführung zum Unglauben, und wehre du selbst allen denjenigen, welche, unter dem Scheine von Wahrheit, nur suchen deine rechte Lehre zu vertilgen, und dagegen ihre verderblichen Irrthümer aufzurichten und zu bestätigen. Laß dein liebes Wort, das helle und unwandelbare Licht, das uns jetzt noch scheinet, nicht wiederum durch Menschenträume verdunkelt, oder gar ausgelöscht werden, sondern erhalte uns durch dasselbe in rechtem Glauben und gottseligem Leben, aufdaß du unter uns hier auf Erden ein Volk habest, das dich im Geiste und in der Wahrheit erkenne, ehre, anbete, und deinem heiligen Namen diene. Verleihe uns, o Heiland der ganzen Welt! daß wir, so viel an uns ist, mit jedermann in Friede und herzlicher Eintracht zu leben uns befleißigen; aber stärke uns auch, daß wir nicht aus Menschenfurcht oder Gefälligkeit deine Wahrheit verleugnen, sondern dich, o Jesu Christe! als unsern einigen Mittler und Seligmacher vor den Menschen bekennen, damit du uns wieder als die 32 Kirchengebete. die Deinigen bekennen mögest vor deinem himmlischen Vater. Es ist ja deine Ehre und deine Sache, und wir haben sonst keinen Schuß, worauf wir uns verlassen, als allein auf dich. Darum erhöre unser Gebet, vernimm unser Flehen, und erfülle auch an uns deine göttliche Verheißung, da du selber sprichst: meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Amen. Gebet an öffentlichen Bußtagen. 31. Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue! wir erscheinen hier vor deinem heiligen Angesichte mit gebeugtem Herzen, unsere Unwürdigkeit und Sünde dir zu bekennen, deine Gnade zu suchen, und uns in deinen Schuh und Schirm zu ergeben. Ach, lieber Gott und Vater! wir müssen ja bekennen, daß wir deiner unzähligen Wohlthaten, die du uns täglich an Leib und Seele erweisest, leider wenig wahrgenommen, und dir dafür nicht immer von Herzen und in der That gedankt haben. Wohl sehr viele unter uns haben deine Güte und Gnade undankbar gemißbraucht, dein Wort, welches du uns reichlich läsfest vortragen, entweder geringe geschätzt, oder gar verachtet und nicht hören wollen, oder, da sie es gehöret haben, es nicht mit Sanftmuth angenommen, noch nach demselben in deiner Furcht zu leben sich ernstlich beslissen, so, daß der Ungehorsam gegen dich und dein Wort fast immer größer geworden, und Ungerechtigkeit und Sünden auch bei uns überhand genommen haben, wie solches offenbar und am Tage ist, und wir vor dir, allwissender und allgegenwärtiger Gott! nicht leugnen können. Deswegen müssen wir ja gestehen, daß du, Herr! als ein gerechter Richter, dem gottloses Wesen nicht gefällt, Ursach genug hättest, wenn du die Strafen über uns kommen ließeft, die du den Uebertretern deiner heiligen Gesetze gedrohet hast. Aber wir kehren uns zu dir, o getreuer barmherziger Gott! mit gebeugten Herzen, und bitten um Gnade. Wir bitten und flehen: vergieb uns! ach, Herr, vergieb uns, und sei gnädig unserer Missethat, die groß ist. Wende dich nicht von uns wegen unserer Sünde, sondern vergieb uns dieselbe um deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers einigen Mittlers wil Kirchengebete. 33 willen. Gieb ja, gnädiger Bater! nicht zu, um unsers Undanks willen, daß über deine Christenheit solche Feinde Macht bekommen, die deinen Namen nicht kennen, oder die evangelische Wahrheit anfeinden und verfolgen, daß sie nicht rühmen und sagen: wo ist nun ihr Gott? Verleihe uns vielmehr Gnade, daß wir uns einer wahren und allgemeinen Besserung von Herzen befleißigen, dich findlich über alles fürchten, unsern Nächsten aufrichtig lieben, und in unserm Berufe treu erfunden werden. Erhalte uns zu dem Ende immerdar bei deinem heiligen Worte, und laß dasselbe unsers Herzens Trost und Freude sein. Behüte uns vor falscher Lehre und Verführung; sende tüchtige, fromme und treue Diener in Kirchen und Schulen, und gieb reichen Segen zu ihrer Arbeit. Laß dir sonderlich unsern geliebten König und unsere Obern in deinen Schutz befohlen sein. Gieb ihnen den Geist der Weisheit und deiner Furcht, daß durch sie allenthalben deines Namens Ehre und des Landes Wohlfahrt befördert werde. Behüte uns, lieber Vater! vor schweren Strafen und Plagen, und wende in Gnaden von uns Aufruhr und Krieg, Mißwachs, Theuerung, Feuers- und Wassersnoth, ansteckende Seuchen und Krankheiten. Erbarme dich aller Irrenden und Verführten, aller, die noch im Unglauben und Unbußfertigkeit stecken. Erleuchte und bekehre sie durch deinen heiligen Geist. Tröste und errette alle, welche unter uns oder auch anderswo unschuldig betrübt, bedrängt und geplagt werden. Beige ihnen und uns allen dein Heil, wie du, frommer Gott! weißt, daß es uns insgesammt und jedem insonderheit nüklich und selig sei. Weil du aber deine Gnade nur denen verheißest, die in rechter Buße und Gottseligkeit beharren: so bitten wir dich, erneuere und bekehre uns je mehr und mehr durch die Kraft deines heiligen Geistes. Erhalte und vermehre in uns den lebendigen Glauben, herzliche Liebe, beständige Hoffnung, und Geduld in allen Leiden. Lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen; denn du bist unser Gott, dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Dies alles, und was wir sonst an Leib und Seele bedürfen, wollest du, o himmlischer Bater! uns verleihen, um Jefu Chrifti deines lieben Sohnes willen, in Kraft und Gemeinschaft des heiligen Geistes. Amen. Ein anderes. 32. Allmächtiger, gütigster Vater in Christo! wir, deine Kinder, bekennen dir mit gebeugtem Herzen, daß wir S durch 34 Gebete für Communicanten. durch schwere und mannigfaltige Sünden von dir oft gewichen sind, und deine gerechten Strafen wohl verdienet haben. Daher es auch zu Zeiten scheinet, als wolltest du mit deiner Gnade wieder von uns weichen, und uns übergeben mancherlei großer Noth, da wir wohl verdienet, daß du uns heimsuchtest mit Armuth und Krankheit, Mangel und Theuerung, Kriegesdrangsal und andern Kümmernissen. Und wenn du das thust, o Gott! so bist du gerecht, wir aber müssen uns schämen, daß wir deine Güte so lange gemißbraucht, und wider dich, den Herrn unsern Gott, so gröblich gesündigt haben. Allein, lieber Vater! du hast ja nicht Lust an unserm Verderben, sondern züchtigest uns nur zu dem Ende, daß wir uns zu dir bekehren, und ewig mit dir leben sollen. So kehre dich denn wieder zu uns, und erzeige deinem Volke Gnade. Leite uns zuförderst durch deinen Geist der Wahrheit zu inniger Bußfertigkeit, und in derselben zu beständiger Gottseligkeit. Höre nicht auf, uns durch Liebe zu dir zu ziehen, und deine dürftige Kreaturen mit allem zu erquicken, was zu ihrer Lebensnothdurft dienlich ist. Segne die Berufsarbeit und Nahrung; gieb jedem nach väterlichem Willen sein beschiedenes Theil, und uns allen ein ruhiges und vergnügtes Herz, das mit allen deinen Fügungen zufrieden sei. Wende in Gnaden von uns ab Krieg, Aufruhr, ansteckende Seuchen, Feuers- und Wassersnoth, Mißwachs, Theuerung und andere schwere Plagen, wodurch wir über unser Vermögen versucht werden könnten. Sendest du aber dergleichen über uns: so stehe uns darin bei mit deinem göttlichen Troste, daß wir auch unter der Trübfal deinen Namen ehren, und alles uns zum Besten dienen müsse. Dies bitten wir von dir, Abba, lieber Vater! durch unsern Versöhner, welchen du selbst uns zum Gnadenstuhl verordnet hast, Jesum Chriftum, unsern einigen Mittler und Fürbitter, durch den du uns erhören wollest um dein selbst willen. Amen. 2. Gebete für Communicanten. 1. Gebete vor und nach der Beichte. Morgengebet, wenn man beichten will. 33. Allmächtiger und gnädiger Gott! ich danke dir inbrünstig für die väterliche Treue, mit welcher du mich in der Gebete für Communicanten. 35 der abgewichenen Nacht bewahret und erquicket, und mich diesen Tag haft erleben lassen, den ich dazu bestimmt habe, mich in wahrer Buße zu dir zu wenden, deiner Gnade in Chrifto, durch das Amt, das die Versöhnung prediget, gläubig zu versichern, und dadurch zu einem würdigen und freudigen Genusse des heil. Abendmahls zu bereiten. Barmherziger Vater! dein ewiger Sohn, mein göttlicher Erlöser, hat allen Sündern, die zu der herzlichen Erkenntniß ihres Verderbens gelangt sind, zugerufen: kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. O! so erhöre demnach das demüthige Gebet eines Mühseligen und Beladenen, den die Sündlichkeit seiner Natur und die Empfindung von seinen wirklichen Sünden nach neuer Stärke zum geistlichen Leben, und nach erneuerter Versicherung von deiner Gnade begierig macht. Mit inniger Demüthigung und Betrübniß denke ich an meine vielen Verfündigungen, seit dem Gebrauche meiner Vernunft, und insonderheit seit der Erneuerung meiner feierlichen Gelübde, bei dem Genusse des heiligen Abendmahls. Uber, o du Gott und Vater der Menschen! das ist je gewiß wahr, und ein theures werthes Wort, daß Jesus Christus, dein eingeborner Sohn, in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen. Sei denn auch mir gnädig um Christi willen, der auch für mich gelitten hat, und vergieb mir alle meine Sünden, für welche er ja die Strafe auf sich genommen hat. Befördere und vermehre auch durch meine heutige Undacht in mir eine göttliche Traurigkeit über meine Sünden, und einen herzlichen und fortdauernden Abscheu gegen alles Böse. Stärke meinen Glauben an die, auch für mich durch Christum geschehene Versöhnung, und verleihe mir immer mehr Kräfte und findliche Freudigkeit zum Gehorsam gegen dich, und zur Erfüllung meiner allgemeinen und besonderen Pflichten. Segne dazu dein Wort aus dem Munde deines Dieners an meine Secle, und bereite mich durch den Geist der Gnaden also zum würdigen Genusse deines heiligen Liebesmahls, daß ich es mit gläubigem und dankbarem Herzen empfange, daß meine Versicherung von meiner völligen Begnadigung in Christo dadurch versiegelt, und ich noch kräftiger zum kindlichen Gehorsam gegen dich, und zur allgemeinen und thätigen Liebe aller Menschen angetrieben werde. Erhöre mein flehentliches und gläubiges Gebet, nach der theuren Verheißung deines eingebornen Sohnes, meines Erlösers und Fürsprechers. Amen. $ 2 Um 36 Gebete für Communicanten. Um wahre Erkenntniß und Bereuung der Sünden. 34. heiliger und gerechter Gott, barmherziger Vater! ich bekenne und klage dir meine angeborene Blindheit, daß ich meine Sünden nicht so vollkommen erkenne, noch so herzlich bereue, als es wohl sein sollte. Ich sehe nur den wenigsten Theil meiner Uebertretungen, und mein Herz ist über die, welche ich sehe, nicht so empfindlich gerührt, gebeugt und zerknirscht, als es wohl sein sollte. Laß mich doch, o mein Gott! so viel davon einsehen, als zur Wirkung eines inbrünstigen Verlangens nach Christo, zur Veränderung meines Herzens, und zur Vermeidung der vorigen Fallstricke und Sünden nöthig ist. Ach, Herr! du stellest unsere unerkannte Sünde in's Licht vor deinem Angesichte. Gieb mir die große Abscheulichkeit und Mannigfaltigkeit meiner Sünden recht zu erkennen; stelle sie mir in diesem Leben unter die Augen, aufdaß sie mir nicht am jüngsten Tage unter die Augen gestellt, und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu Schanden werden möge. Ach, Herr! du siehest des Herzens Härtigkeit, die mir angeboren ist. Nimm sie von mir hinweg, und erweiche mein Herz durch dein heiliges Wort, daß ich meine Sünden herzlich bereuen möge. Eine jede Sünde verdient ja den Fluch: Verflucht ist, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllet, daß er danach thue; und wer auch nur an einem Gebote fündiget, der ist noch das ganze Gesetz schuldig. Ist der Fluch schon da, wenn nur ein Gebot übertreten wird, ach! so habe ich unzähligen Fluch verdient, weil ich unzählige Male gesündiget, und deine Gebote übertreten habe. Dies laß mich doch, o gerechter Gott! zu meiner innigsten 3erknirschung lebendig erkennen, und zugleich den Reichthum deiner Güte recht bedenken, die du an mir Unwürdigem mit so väterlicher Langmuth bisher bewiesen hast, um mich dadurch zur Buße zu leiten, die ich Undankbarer aber oft genug gering geschätzt, und wohl gar gemißbraucht und verachtet habe, wodurch dein gerechter Zorn über mich gehäuft worden. O Herr Jesu, der du dein heiliges Blut am Stamme des Kreuzes um meiner Sünden willen vergossen hast! Laß mich aus dieser theuren Erlösung lebendig erkennen, wie schwer die Schuld meiner Sünden sei, da es dich so viel gekostet hat, sie zu bezahlen, aufdaß ich so mühselig und beladen zu dir kommen möge, daß ich deiner Erquickung fähig, und dein heiliges Blut und theu Gebete für Communicanten. 37 theures Leiden an mir nicht verloren sei. O heiliger Geist! der du dein Gnadenwerk in der Seele mit einer kräftigen Ueberzeugung von der Sünde anfängst, erleuchte auch mein Herz, daß ich das große Elend desselben aufrichtig erkenne, meine Sünden herzlich bereue, und so zu Jesu, dem Sündentilger, im wahren Glauben fliehe, aufdaß er auch mir zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht werde. Erhöre mich, o Gott! der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Amen. Selbstprüfung und gute Entschließungen. Herr, du erforschest mich, und kennest mich! Ich fiße oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich, und siehest alle meine Wege: denn siebe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, daß du, Herr, nicht alles wisfest. 35. Was ist meine Absicht, da ich mir nun vorgenommen habe, das von Jesu verordnete Gedächtnißmahl seines Todes zu feiern? Thue ich es auch freiwillig auf seinen Befehl, um ihn öffentlich vor der Welt zu bekennen, um seinen verdienstvollen Tod dankbar und freudig zu verkündigen? unternehme ich diese heilige Handlung, um mich in der Liebe zu Gott, und in der eifrigen Ausübung aller Tugenden auf die Zukunft zu stärken? was würde mir der Trost der Vergebung der Sünden nützen, den ich aus dem Munde des Predigers empfange, wenn ich mich von muthwilligen Sünden nur eine kurze Zeit enthalten wollte? Nein! mein Entschluß soll ernstlich und unbeweglich sein. Um Jesu Christi, meines geliebten Erlösers willen, entfage ich hiemit allem, was meinem Gott mißfällt, und will fest dabei bleiben, alle meine Kräfte zur getreuen Ausübung meiner Pflichten gewissenhaft anzuwenden. Ach, Gott! stärke mich, dies theure Gelübde zu halten, und dir stets mit einem heiligen Wandel zu dienen. Liebte ich Gott, meinen Vater, von ganzem Herzen und von ganzem Gemüthe? Dachte ich oft genug an seine Allwissenheit, und schämte mich vor ihm auch jeder bösen Begierde? Vergaß ich es nie, daß er an allen Orten bei mir sei, und daß ich auch im Dunkeln ihm nicht verborgen bleiben könne? Suchte ich heilig zu werden, wie Gott heilig ist? barmherzig, wie er barmherzig ist? Habe ich die Wohlthaten, mit denen Gott mich täglich erfreut, stets mit dem rechten Sea 38 Gebete für Communicanten. Gefühle der Dankbarkeit genossen? Habe ich mich zum willigen Gehorsam gegen alle seine Gebote dadurch ermuntern lassen? Ach, entzünde in mir deine Liebe, o Gott! erfülle mich mit Eifer für Religion und Tugend, mache mich immer geschickter, dich durch einen reinen Wandel und viele gute Werke zu preisen. Du hast mich, Herr Jesu! durch deine weisen Lehren von dem unterrichtet, was recht und gut, was dem Willen meines Gottes gemäß ist! Du hast mich durch dein vollkommenes Beispiel zu allen Tugenden ermuntert, durch deinen blutigen Tod von den Strafen der Sünden befreiet, und vom ewigen Verderben gerettet. Was empfindet mein Herz gegen dich? Ist es mit dankbarer Liebe dir gänzlich ergeben? Ist es mein rechter Ernst, meine Begierden zu kreuzigen, alle bösen Lüste in mir zu tödten, und dir zu leben, der du für mich gestorben bist? Neige mein Herz zu dir, o mein geliebter Erlöser! Verbinde mich mit dir auf ewig! Habe ich die Menschen, mit denen ich lebe, durch reine, herzliche Liebe zu erfreuen, habe ich ihre Glückseligkeit aus allen Kräften zu befördern gesucht? Habe ich jeden Schaden, jeden Verdruß, so viel in meinen Kräften war, von ihnen abgewendet? Habe ich das Gesetz der Gerechtigkeit nie übertreten? Habe ich durch Wohlthun die Armen unterstützt, so viel es in meinem Vermögen stand? Erfreute ich mich auch über die Wohlfahrt meines Nebenmenschen? Unterdrückte ich Zorn und Rache in meiner Seele? Bestrebte ich mich, langmüthig, menschenfreundlich, geduldig zu sein? Erzeuge du doch selbst, gütigster Vater! in mir die rechten Gesinnungen der wahren Menschenliebe, daß ich gelinde gegen die Untergebenen, gehorsam gegen die Vorgesetzten, milde gegen die Dürftigen, dankbar gegen die Wohlthäter, der Wahrheit immer getreu, stets rechtschaffen zu handeln geneigt und fähig sein möge. Gott hat durch seinen Geist meine Natur für sich geheiliget. Befleckte ich nie meine Seele mit wollüstigen Gedanken, nie meinen Leib mit unkeuschen Handlungen? Habe ich nie durch Unmäßigkeit meiner Gesundheit geschadet, und dadurch bösen Lüften neue Nahrung verschafft? Habe ich alle meine Kräfte zur Ausrichtung der Werke meines Berufs gewissenhaft angewendet? jede Stunde meines kurzen Lebens recht nach deinem Willen gebraucht, und so dir, o Gott! meinen Leib und Gebete für Communicanten. 39 und meine Seele zum heiligen Opfer gebracht? Ach, Geist des Herrn, schaffe in mir ein reines, Gott liebendes, Gott ehrendes Herz! gieb mir einen im Guten beständigen Sinn! Gott liebet die Wahrheit, und hasset Lügen und Heuchelei. Er kennet mein Herz, und weiß, daß ich die Wahrheit liebe. Aber hat die Furcht vor Menschen mich nie verleitet, die Wahrheit da zu verhehlen, wo ich sie hätte gerade heraus sagen sollen? Suchte ich nie durch eine verstellte Freundlichkeit die Gunst der Menschen zu gewinnen, oder befleckte ich sogar meine Lippen mit schändlichen Lügen? Ewig verabscheuungswürdig sei mir dies Laster. Nie will ich zum Schaden des Nächsten eine Unwahrheit sagen; nie durch verleumderische Reden, nie durch fränkenden Spott meinen Nebenmenschen betrüben. Gieb mir die Weisheit, zu rechter Zeit zu reden, zu rechter Zeit zu schweigen! Gieb mir den Muth, die Unschuldigen zu vertheidigen! Gieb mir die fromme Behutsamkeit, stets zu reden, was andere bessert, erfreut und glücklich macht! Alles Gute, was ich an mir finde, und was ich besitze, kommt von dir, mein Schöpfer und Urheber aller vollkommenen Gaben. Habe ich mich keiner derselben je überhoben? Dachte ich stets daran, daß ich sie alle von dir erhielt? Habe ich niemand wegen seiner geringen Kräfte, oder wegen seiner Fehler verachtet? Kam ich jedem, wie es sein sollte, mit Ehrerbietung zuvor? Suchte ich nach dem Beispiel meines Jesu in steter Demuth zu wandeln? Bertilge du selbst, o Gott, aus meiner Seele alle stolze, hoffärtige Gesinnungen! mache mich demüthig, daß du mich erhöhen könnest zu seiner Zeit! Alles auf Erden ist vergänglich; alles Sichtbare dauert nur kurze Zeit. Für eine bessere Welt hast du mich geschaffen; o Vater! du hast mir durch deinen Sohn die große Hoffnung der Unsterblichkeit und des ewigen Lebens gegeben. Habe ich diese vergänglichen sichtbaren Dinge auf Erden nicht zu hoch geschätzt? Dachte ich oft genug daran, daß ich berufen sei, nach unvergänglichen Gütern in dem Reiche Gottes zu trachten? Droben ist mein rechtes Vaterland; dorthin ist mein Jesus durch seinen Tod eingegangen. Daran will ich mich bei diesem heiligen Mahle vornämlich erinnern, und meine Seele durch die Kraft des Glaubens zu seinem Thron erheben, um schon durch Hoffnung etwas von jener künftigen Seligkeit zu genießen. Erhebe du selbst meinen Geist über alles, was 40 Gebete für Communicanten. was irdisch ist; erfülle mich ganz mit himmlischen Gesinnungen, daß ich meinem Gott gefalle, daß ich würdig sei, bei deinem Mahle mit dir vereiniget zu werden. Siehe auch Gesang Nr. 358. Gebet um wahren Glauben und dessen Stärkung. 36. Unendlich heiliger, aber auch unendlich gütiger Gott! Ich komme abermals zu dir mit Erkenntniß meiner großen natürlichen Schwachheit, Bedürfniß und Verwerflichkeit, und meiner sehr vielen und mannigfaltigen wirklichen Sünden. Ich erkenne, daß ich durch mich selbst deiner Gnade und der Vergebung meiner Sünden gänzlich unwürdig sei, und daß ich auch von mir selbst nicht die Kräfte habe, deinen heiligen Willen zu erfüllen, und meine Fehler zu überwinden. Ich erkenne daher auch, daß ich ohne Hoffnung wäre, wenn ich nicht zu dem versöhnenden Tode unsers göttlichen Mittlers und der darin allen angebotenen Gnade meine Zuflucht nehmen könnte. Ich kann ja mein Vertrauen nicht setzen auf meine, ohnedem noch höchst unvollkommene, Reue und Traurigkeit, noch auf meine eben so unzulänglichen Entschließungen zur künftigen Besserung, oder auf meine ohnmächtigen Bemühungen, noch auf einige meiner elenden Werke. Ich weiß und kenne keine andere Gerechtigkeit, die vor dir gilt, als die durch den Glauben an Jesum Chriftum kommt. Aber das ist dein Werk, o Gott! daß wir an den glauben, den du gesandt hast. Ach! so wirke du diesen Glauben in mir, wirke ihn immer mehr und mehr. Hilf mir von meinem noch übrigen Unglauben. Hilf, daß ich mein einziges und ganzes Vertrauen allein auf deine freie Erbarmung in Christo setze. Laß meine Erkenntniß von der Vollkommenheit seines Verdienstes immer heller, meinen Beifall immer gewisser, meine 3uversicht auf deine Liebe in ihm immer fester werden, und mich also deine allgemeinen Gnaden- und Heilsschätze in Chrifto immer völliger mir zueignen. Du bietest ja die Gerechtigkeit, die vor dir gilt, durch den Glauben in seinem Blute uns an, in dem, daß du Sünde vergiebst. So vergieb denn auch mir um dieses Blutes willen alle meine Sünden, und rechne sie mir nicht zu; rechne mir aber zu die vollkommene Gerechtigkeit Jesu Christi, und wenn ich dadurch gerecht worden bin, so versichere mich meines Friedens mit dir, und laß meine Uleberzeu= Gebete für Communicanten. 41 zeugung von meinem seligen Antheil daran bis zur völligen Freudigkeit wachsen. Solchergestalt stärke, o du Gott aller Gnaden! meinen Glauben, und hilf mir, durch ihn die Lockung der Welt und meines Fleisches immer mehr überwinden. Laß mich nicht so unglücklich und strafbar werden, meine Begnadigung undankbar zu empfangen, sondern laß mein Herz dadurch zur innigsten und beständigsten Dankbarkeit für deine versöhnende Liebe und meine kostbare Erlösung bewogen und gerührt werden. Verleihe mir durch den fortdauernden Beistand deiner Gnade neue Kräfte, künftig in einem Glauben, der durch die Liebe und Gehorsam thätig ist, mit größerer Treue und Standhaftigkeit zu wandeln. Wenn ich aber wieder von einer Versündigung übereilt würde, so laß mich in wahrer Beschämung und Reue mit demüthigem Glauben durch Christum sogleich Vergebung und neue Hilfe suchen. Verleihe mir also einen solchen Glauben, der sich immerdar an deiner Gnade und Huld ergehe, an deiner Liebe sättige, an deine Treue halte, nach deinem Worte richte, nach dem Vorbilde Christi lebe, nach deinem Willen geduldig leide, und den Tod selbst freudig und glücklich besiege, bis ich vom Glauben zum Schauen komme, durch Christum, meinen Seligmacher. Amen. Gebet vor der Beichte. 37. Gnädiger Gott! ich habe nach meiner Gewissensprüfung dir bisher meine Sünden in Demuth bekannt. Jetzt aber will ich vor dem Diener deiner Kirche mein Sündenbekenntniß wiederholen. Ach! gieb, daß dieses mit aufrichtigem Herzen, zur Beruhigung und Besserung meiner Seele, als vor deinem heiligen Angesichte, geschehen möge. Laß mich kein Wort reden, welches nicht mit dem innern Zustande meiner Seele überein kommt. Laß mich bei meiner Beichte allein auf dich sehen, und mein Herz auf deinen Gnadenstuhl gerichtet bleiben. Gieb, daß ich alles, was ich dir vor deinem allerheiligsten Angesichte angelobe, in meinem ganzen Leben treulich halte. Befördere, o Gott! durch deinen heiligen Geist diese gute Absicht meiner Seele. Verhindere alles, was meine Andacht stören, und deine Gnade von mir abwenden kann. Laß mich wohl bedenken, daß mir zwar dein Diener bei meiner Beichte nicht in's Herz sehen könne, du aber, o Gott! alle meine 42 Gebete für Communicanten. meine Gedanken und Neigungen wisfest und verstehest. Ich weiß, daß mir meine Beichte, falls ich ohne wahre Herzensbuße erscheine, gar nichts nütze, und sodann der Trost der gnädigen Lossprechung ohne Kraft und Wirkung bleibe. Ich bin aber auch versichert, daß dir mein Bekenntniß, wenn es aus einem bußfertigen und wahrhaftig geänderten Herzen gehet, wohlgefallen werde. So bereite du mich denn, lieber himmlischer Bater! wie du mich haben willst. Ich übergebe mich dir und deinem Geiste zur Zucht und heilsamen Borbereitung. Richte alles, was hier geredet und gehandelt wird, zum Segen meiner Seele so ersprießlich ein, wie sie es bedarf. und laß mich dadurch auf dem rechten Wege der Buße und des Glaubens gestärkt und erhalten werden. Ich danke dir, daß du ein Amt, welches die Versöhnung predigt, eingesetzt hast. Gieb diesem Amte auch jeht an meiner Seele Raum und Kraft. Laß mich durch dies Amt, von meinen Sünden lebendig überzeugt, heilsamlich gestraft, göttlich getröstet, und zum neuen. Gehorsam kräftig erweckt werden. Laß mich auch an diesem Orte hören Freude und Wonne. Laß mich mit dem Zöllner gerechtfertiget von dannen gehen, da ich mit demselben zu deinem Gnadenstuhle trete, und in Buße und Glauben seufze: Gott sei mir Sünder gnädig! Amen. Privatbeichte. 38. allmächtiger Gott, barmherziger Bater! ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünden und Missethaten, womit ich dich jemals erzürnt, und deine Strafen zeitlich und ewig wohl verdient habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit und durch das heilige, unschuldige, bittere Leiden und Sterben deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, du wollest mir armen sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein. Ich will mich durch deine Gnade hinfort bessern. Amen. Oder: Vor dir, Herr Jesu! steh ich hier. Mein Herz sehnt sich nach Trost bei dir! Was darf ich Armer sagen? Ach! groß ist meine Missethat; doch, Mittler, deine Huld und Gnad' läßt Sünder nicht verzagen. Herr Jesu, dein Verdienst allein Gebete für Communicanten. 43 allein macht mich von allen Sünden rein, wenn ich in wahrer Reu und Buß an dich glaub und dir fall zu Fuß. Herr Jesu Christ! ich glaub an dich, ich traue dir! ich will mich bessern; hilf du mir! Danksagung nach der Beichte. 39. Herr, mein Gott! ich lobe und preise deinen heiligen Namen, daß du mein armes Gebet erhöret, und mir alle meine Sünden vergeben hast. Ach! ich habe diese große Huld nicht um dich verdient. Wenn du mir nach meinem Verdienst lohnen wolltest, so müßte ich dem ewigen Tode unterworfen sein: denn der Tod ist der Sünden Sold. Aber, Herr! du handelst nicht mit mir nach meinen Sünden, und vergiltst mir nicht nach meiner Missethat, sondern du bist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte. Du vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde, und reuet dich bald der Strafe. Ich weiß wohl, mein Gott! wenn ich noch die Sünde in mir herrschen ließe, so müßte ich in meinen Sünden sterben, und hätte keine Vergebung. Wenn ich noch Unrecht vorhätte in meinem Herzen, so würdest du mein Gebet nicht erhören. Oder wenn ich außer Christo Gnade suchte, so würde ich kein Heil finden. Aber, mein ewiger Erbarmer! durch deine mächtige Gnade hast du an meinem bösen Herzen gearbeitet. Du hast es verändert, zerknirscht, mühselig und beladen, hungrig und durstig gemacht, zu Jesu gezogen, und mir den Sinn gegeben, daß ich in deiner Kraft alle Sünden hasse, und mich dir zum Eigenthum ergebe. Weil nun dieses die Kennzeichen sind, nach welchen du in deinem Worte deine begnadigten Kinder beschreibest; so glaube ich, daß du mich auch begnadigt, und mir alle meine Sünden vergeben hast. Du hast mir sie vergeben, aus lauter unverdienter Gnade und Barmherzigkeit, allein um des vollkommenen Versöhnungsopfers Jesu Chrifti willen, das da ewiglich gilt. Du hast mir alle Sünden völlig vergeben, alle Schulden völlig geschenkt, und alle meine Uebertretungen völlig getilgt und ausgelöscht, daß ihrer nimmermehr wieder gedacht werden soll. Du hast mir eine reiche Gnade und Vergebung widerfahren lassen. Meine Sünden waren mächtig, aber deine Gnade war noch viel mächtiger. Du hast mir nicht nur meine Schulden erlassen; sondern mir auch, an= 44 Gebete für Communicanten. anstatt der Sünden, die wahre Gerechtigkeit geschenkt, mit welcher ich ewig vor dir bestehen kann. Anstatt des Todes hast du mir das Leben, anstatt des Fluchs den Segen, und anstatt der Hölle den Himmel gegeben. Dein ewiges Gnadenwort rufet mir nun zu: Sei getrost, mein Kind, dir sind deine Sünden vergeben! Du sollst leben und nicht sterben! Du hast mich von dieser unendlichen Gnade durch deinen Diener versichern lassen: Darum glaube ich, daß dieses Wort auch mich, mich noch insonderheit angehe, und daß mir meine Sünden vor dir, o Gott! im Himmel wahrhaftig vergeben sind. Dunermeßliche Barmherzigkeit! o unendliche Liebe! o unaussprechliche Gnade! Mir sind meine Sünden vergeben! Ach, mein Vater! wie soll ich dir danken, und wie kann ich deinen Namen genug preisen? Ich habe Vergebung der Sünden; ich bin gerechtfertigt; das Urtheil des Todes ist aufgehoben; das Leben ist mir zugesprochen; ich bin dein begnadigtes Kind; du bist mein versöhnter Bater; ich bin nun dein Erbe, und ein Miterbe Christi. Ach, mein treuer Gott! ich erstaune über alle diese Gnade! Ach, Herr! ich bin zu geringe, ach! viel zu geringe aller dieser großen Barmherzigkeit! Ach! nimm mich selbst ganz hin zu einem Lobund Dankopfer, zu deinem Eigenthum, und brauche, leite und führe mich, wie du willst. Mache mich nun recht treu in deinen Wegen, aufdaß ich dir allein lebe, dir allein sterbe, und nur dein Eigenthum sei in alle Ewigkeit! Amen. Gebet um Gnade zur ferneren Besserung des Lebens. 40. Gnädiger Gott und Vater! der du mir in Christo Jefu alle meine Sünden vergeben, und mich zu deinem Kinde angenommen hast, ich erkenne, daß ich nun auch verbunden sei, als dein gehorsames und liebes Kind vor dir zu wandeln und fromm zu sein, und dich, meinen lieben getreuen Vater, mit meinen Sünden nimmermehr zu betrüben. Ich habe dir auch solches mit Mund und Herzen zugesagt, und es ist mein Ernst, ja, Gott! es ist mein rechter Ernst, daß ich mit willigem und getreuem Herzen deinen Willen vollbringen, und durch deine Gnade in den Schranken deiner Gebote laufen will. Doch, mein Gott! mein Geist ist zwar willig, das Fleisch aber schwach; ich bin in dieser Welt mancherlei Rei Gebete für Communicanten. 45 Reizungen zur Sünde und Verleitungen von der Gottseligkeit unterworfen, und gebrauche also deine heiligende Gnade, Gutes zu thun, täglich. Darum demüthige ich mich vor dir, und bitte von Grunde meines Herzens: schaff in mir, Gott! ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Beige mir, Herr! den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre bis ans Ende. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz und halte es von ganzem Herzen. Führe mich auf dem Steige deiner Gebote, denn ich habe Lust dazu. Neige mein Herz zu deinen 3eugnissen, und laß das meinen Schab sein, daß ich deine Wege halte. Erleuchte meinen Verstand immer mehr und mehr, deinen Willen zu erkennen, und heilige meinen Willen, nach deinem Wohlgefallen zu thun. Gieb mir in Christo Jesu Kraft, mein Fleisch zu kreuzigen sammt den Lüften und Begierden, damit ich, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben möge. Laß mich wachsen in allen Stücken an Christo meinem Haupte, und täglich zunehmen an dem inwendigen Menschen. Mache aus meinen Gliedern Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß sie dir geheiliget werden, und laß mich wohl bedenken, daß dieselben Christi Glieder sind, die ich meinem Heilande zu Ehren allein gebrauchen müsse. Leite mich durch deinen heiligen Geist in alle Wahrheit. Mache mich fruchtbar in allen guten Werken. Dein Geist heilige mich durch und durch, daß mein Geist ganz, sammt Seel und Leib unsträflich behalten werde auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Erhalte mich in wahrem Glauben, und durch denselben in deiner Gnade. So will ich deinen Namen lobfingen, und dir für deine Gnade danken, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Abendgebet, wenn man gebeichtet hat. 41. Barmherziger Gott, versöhnter und liebreicher Vater! ich opfere dir auch an diesem Abend, als dein begnadigtes Kind, herzlichen Dank, und bete dich demüthig an, weil du an dem heutigen Tage nicht nur mein natürliches Leben erhalten, und mich mit vielen leiblichen Wohlthaten überschüttet, sondern auch auf mein bußfertiges Gebet mich meines geistlichen und ewigen Lebens durch dein gnädiges Wort so kräftig versichert hast. Dich, o dreieiniger Gott! erhebet meine Seele, daß du so gnädig bist, und mein Herz freuet 46 Gebete für Communicanten. freuet sich, daß du so gerne hilfft. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist, der die Sünde vergiebt! Wie unwürdig war ich deiner Güte! Wie oft hatte ich mich in Gedanken, Begierden, Worten und Werken, wie oft mit Unterlassung des Guten, wie oft mit saumseliger und träger Ausübung meiner Pflichten verfündiget! Dennoch hast du mir aufs neue Gnade und Verzeihung versichern lassen, und mir alle meine Uebertretungen und Undankbarkeiten völlig vergeben. Laß mich diese Gnade immer lebendiger erkennen und ehren. Gütiger Gott! laß mein ganzes Herz von deiner väterlichen Güte durchdrungen werden, und laß mich insonderheit den Reichthum deiner Erbarmung in Christo, und den unendlichen Werth meiner großen Erlösung durch ihn, mit innigst gerührtem Herzen immer mehr einsehen. Laß mich nie vergessen, wie abscheulich und strafbar die Sünde sei; was für Angst und Herzeleid es bringe, gegen deine gütigen und heiligen Gesetze zu handeln, und wie sehr man deinen Zorn durch die Verachtung des Reichthums deiner Gnade in Christo häufe. Stehe mir bei mit der Kraft deines Geistes, künftig meine Dankbarkeit durch einen aufrichtigen kindlichen Gehorsam thätig zu bezeigen. Laß durch eine fündige Welt, durch die Zerstreuungen dieses Lebens, durch den Leichtsinn des größten Haufens, und durch das tiefe Verderben meiner Natur, den schwachen An= fang des Guten in mir nicht wieder vertilgt werden, sondern erhalte und vermehre deine Gnade täglich in mir! Laß hiezu das feierliche Gedächtnißmahl des martervollen Todes, den mein göttlicher Erlöser für mich erlitten, in mir gesegnet sein, und durch die innigste Vereinigung mit ihm deine weisen, heiligen und wohlthätigen Absichten bei diesem wahrhaft göttlichen Liebesmahle an mir völlig erreicht werden. Thue zu diesen großen geistlichen Wohlthaten, o barmherziger Gott! auch diese leibliche hinzu, daß du mich in der bevorstehenden Nacht nebst den Meinigen, und allem, was ich durch deine Gnade besitze, in deinen väterlichen Schutz nehmest, mich vor allem Uebel bewahrest, und auch durch eine erquickende Ruhe mich zu dem wichtigen Geschäfte des morgenden Tages stärkest. Erhöre mich, versöhnter Vater der Menschen! um Jesu Christi deines eingebornen Sohnes willen, in welchem du Gnade und Erhörung verheißen hast. Amen. 2. Ge Gebete für Communicanten. 2. Gebete vor und nach dem heiligen Abendmahle. 47 Morgengebet eines Communicanten. 42. Anbetungswürdiger Gott, du Liebhaber des Lebens! dich erhebet meine Seele, daß du mich in der abgewichenen Nacht so gnädiglich erhalten und beschirmet hast, und mich diesen Morgen( gesund und froh) erleben läsfest. Ich erkenne, Herr! auch dieses zeitliche Leben billig, mit dem demüthigsten Danke, als deine unverdiente Gabe. Verleihe mir Gnade, so lange du mir solches gönnen wirst, es nach Deiner Absicht anzuwenden, und laß mich und die Meinigen, und unsere ganze Wohlfahrt, heute und fernerhin deiner liebreichen Obhut und Regierung empfohlen sein. Besonders danke ich dir an dem heutigen Tage, o du Herr meines Lebens! daß du mich abermals der Gnadentafel deines Sohnes, würdigen, und durch den Genuß seines Leibes und Blutes mich in meinem geistlichen Leben stärken, und in der Hoffnung des ewigen Lebens befestigen willst. Herr! stehe mir mit der Kraft deines Geistes bei, daß ich dies heilige und selige Gnadenmittel würdig empfange, es recht heilsamlich bedenke, wie mein Erlöser sein Leben auch für mich in den Tod gegeben, und diese unaussprechliche Wohlthat mit innigster Dankbarkeit preise. Laß mich denn aber auch des großen Segens theilhaftig werden, den du uns in Chrifto verheißen hast. Vermehre in mir das Leben des Glaubens, daß ich durch die vollkommene Versöhnung meines Heilandes, die du mir heute so geheimnißvoll zueignest, mich der Vergebung aller meiner Sünden mit völliger Zuversicht versichere, und in deiner Gnade recht getroft und freudig fei. Mache meine Liebe, meine Dankbarkeit, meinen Gehorsam, meinen Fleiß in guten Werken recht lebendig und anhaltend. Stärke mich zum Kampfe wider die Sünde, und laß mich, so lange ich lebe, im Glauben deines Sohnes leben, der auch mich geliebet, und sich selbst für mich dargegeben hat. Erleichtere und versüße mir auch, o mein Gott! durch diese erneuerte Gemeinschaft mit meinem Heilande alle Leiden und Bekümmernisse des gegenwärtigen Lebens, und befestige mich in der seligen Hoffnung, daß ich bei einer beharrlichen Treue dereinst von dir die Krone des ewigen Lebens empfangen folle. Erzeige diese Gnade, die ich mir in Jesu Na= 48 Gebete für Communicanten. Namen inbrünstig erbitte, auch allen, die heute mit mir sein Abendmahl empfangen werden. Laß uns insgesammt mit ihm, dem Haupte, und unter einander im Glauben und in der Liebe, als seine wahren Glieder verbunden bleiben, und wie wir eines Brots theilhaftig werden, also auch insgesammt dadurch zum ewigen Leben gestärket, und zu deiner ewigen Verherrlichung und Anbetung vor deinem Throne vereinigt werden. Amen. Gebet um Gnade zum würdigen Genusse des heiligen Abendmahls. 43. Liebreicher Heiland! auf deine holdselige Einladung will ich dein heiliges Abendmahl empfangen, das du zum feierlichen Gedächtniß deines Leidens und Sterbens, und zur genauesten Vereinigung mit dir und den Deinen geſtiftet hast. Laß mich Gnade finden vor deinen Augen, du Liebhaber des Lebens! Denn wer bin ich, daß du mir so freundlich rufest? Wäre ich gleich noch so heilig, so wäre ich doch darum dieses göttlichen Mahles nicht würdig; wie sollte ich denn würdig sein, da mein Herz unrein und verderbt ist. Du, o Herr! mußt selbst mich würdig machen. Derohalben komm' mir zuvor mit deiner Gnade, und bereite mich. Du hast ja gesagt: wer zu dir kommt, den wollest du nicht hinaus stoßen; so nimm dich doch nun meiner Seele an, nach deiner großen Barmherzigkeit, und gieb, daß ich auf eine dir wohlgefällige Art zu deinem Tische kommen, und deinen Leib und Blut würdig empfangen möge. Du weißt, mein Jesu! daß ich von mir selbst zwar viel Böses, aber nichts Gutes habe: ach! hilf mir um deiner Güte willen. Siehe doch, wie arm und elend ich bin. Gedenke an deine Treue, du Heiland der Welt, und erfülle mein Herz mit deines Geistes Gnade. Wie gern wollte ich mit brünstiger Andacht und tiefster Ehrerbietigkeit im völligen Glauben erscheinen; aber das Vollbringen finde ich nicht, wenn ich es nicht von dir erlange, dem Anfänger und Vollender meines Glaubens! Darum nimm in Gnaden von mir, was dir mißfällt, und gieb mir, was dir wohlgefällig ist: aufrichtige Armuth des Geistes, und einen wahren Hunger und Durst nach deiner Gerechtigkeit. Bedecke meine Unvollkommenheit mit dem Kleide der Gerechtigkeit. Wohl der Seele, die dir angenehm ist! Eröffne mir Gebete für Communicanten. 49 mir die Augen, daß ich sehe die Wunder deiner Liebe bei diesem Gnadenmahle. Erwecke mein Herz, und entledige mich von allen fremden Gedanken. Stärke meinen Glauben, entzünde meine Liebe, vermehre meine Hoffnung, mache meine Andacht inbrünstig, reinige mich von aller Unreinigkeit, und heilige mich durch und durch, aufdaß ich in freudiger Zuversicht hinzutrete, mit recht gläubigem und reinem Herzen deinen heiligen Leib und dein theures Blut empfange, deinen Tod dankbarlich verkündige, und der Früchte desselben zu meiner Seele Leben, Heil und Segen, und zur Versicherung meiner ewigen Seligkeit theilhaftig werden möge. Das thue um deiner Liebe willen. Amen. Gebete vor dem heiligen Abendmahle. 44. Herr Jesu Christe! wahrer Gott und Mensch, der du für uns den schmählichsten Kreuzestod erlitten, und uns dadurch von allen unsern Sünden und der ewigen Verdammniß erlöset hast! Wir danken dir inbrünstig, daß du zum immerwährenden Gedächtniß und zur genauesten Zueignung dieser großen Erlösung dein heiliges Abendmahl geſtiftet hast, in welchem du uns mit dem gesegneten Brot und Wein deinen allerheiligsten Leib und dein theures Blut, als das einzige Opfer für unsere Sünden, geheimnisvoll mittheilest, aufdaß wir mit dir auf das innigste vereiniget, in deiner Gemeinschaft der Vergebung aller unserer Sünden gewiß, zum geistlichen Leben gestärket, und des ewigen Lebens versichert würden! Herr! wir naben uns jetzt nach deiner Verordnung zu deinem heiligen Tisch, um dieser himmlischen Güter, die du auch für uns bereitet hast, theilhaftig zu werden. Obereite du uns selbst durch deine Gnade, daß wir als würdige Gäste vor dir erscheinen. Befreie unser Gemüth von allen irdischen Gedanken, und laß dasselbe ganz auf dich und deine Versöhnung, voll Andacht und Ehrerbietung, gerichtet sein. Reinige unsere Herzen von allem, was dir mißfällig, und erfülle uns mit göttlicher Traurigkeit über unsere Sünden, für welche du gestorben bist, mit einem völligen Vertrauen auf dein vollgültiges Verdienst, und mit den inbrünstigen Trieben der Dankbarkeit, als dein theuer erkauftes Eigenthum nur dir zu leben und zu sterben. Laß uns denn aber auch den herrlichen Reichthum deiner Gnade im heiligen Abend Gebete für Communicanten. Abendmahl recht lebendig erkennen und empfinden. Vermehre unsern Glauben, und mache uns in der seligen Zuversicht recht freudig, daß wir an dir haben die Erlösung durch dein Blut, nämlich die Vergebung aller unserer Sünden. Entzünde unsere Herzen zu einem neuen Eifer, in deinen Geboten zu wandeln, so lange wir leben, und verleihe uns Kräfte, in der kindlichen Liebe zu Gott und in einer recht aufrichtigen und thätigen Liebe gegen alle Menschen deinem Bilde immer ähnlicher zu werden. Stärke uns in dem Kampfe wider die Sünde, in der Verleugnung der Welt, in dem Trachten nach dem ewigen Leben. Gieb uns Geduld und Trost in allen Leiden, Standhaftigkeit in allen Versuchungen, Treue bis in den Tod, und versichere uns, daß, weil du uns hier mit deinem heiligen Leibe und Blute speisest und tränkest, das du dahin gegeben für das Leben der Welt, auch wir um deinetwillen leben werden in Ewigkeit. Amen. Gebet vor der Einsegnung. 50 45. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir von Herzen, daß du deinen einigen Sohn, unsern Heiland Jesum Christum, für unsere Sünden zu unserer Seligkeit hast Mensch werden, so viele und große Marter leiden, und am Kreuz eines bittern Todes sterben lassen, welcher uns auch befohlen hat, sein Gedächtniß im heiligen Abendmahle zu begehen, in welchem er uns eben den Leib, welcher am Kreuze für uns gestorben, und eben das Blut, welches am Kreuze für uns vergossen, vermittelst des gesegneten Brots und Weins wahrhaftig zu essen und zu trinken giebt, damit wir desto fester glauben, sein Tod und Blutvergießen am Kreuz sei unsere gewisse Seligkeit. Durch denselben, deinen lieben Sohn, und durch dessen blutiges Verdienst bitten wir dich, o himmlischer Vater, du wollest dich unser aller erbarmen. Siehe an das Angesicht unsers getreuen Heilandes Jesu Christi, welcher zu deiner Rechten sitzt und uns vertritt; siehe an sein unschuldiges Blutvergießen, Leiden und Sterben, und in Ansehung dessen vergieb uns alle unsere Sünden, und gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir verleugnen alles ungöttliche Wesen und weltliche Lüste, hingegen züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und also warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlich Gebete für Communicanten. 51 lichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi. Laß auch einen jeglichen unter uns sein Kreuz geduldig tragen, deinem lieben Sohne folgen, einen den andern lieben, wie dein lieber Sohn uns geliebet hat: denn es ist dies heilige Sakrament ein Brot, wir alle aber ein Leib, weil wir alle eines Brotes theilhaftig werden, und alle aus einem Kelche trinken. Gieb uns auch alles, was uns zu diesem und jenem Leben nüglich und nöthig ist, damit wir christlich leben, und endlich einmal selig sterben. Unterdessen laß uns in deiner Liebe und Erkenntniß zunehmen, daß wir im Glauben bleiben, und dienen dir also, daß wir hier mögen schmecken die Süßigkeit dieser himmlischen Speise und dieses Tranks im Herzen, und dürsten stets nach dir. Amen. Seufzer im Hinzunahen zum Empfange des heiligen Leibes Christi. 46. Herr Jefu Chriſte! dein heiliger Leib, den du für uns in den Tod gegeben, stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Theuerster Erlöser! der du an diesem deinen Leibe meine Sünden selbst geopfert hast auf dem Holze des Kreuzes, laß mich durch deine Wunden heil werden, aber auch der Sünde absterben, und der Gerechtigkeit leben. Amen. Oder: Jesu, wahres Brot des Lebens! hilf, daß ich doch nicht vergebens, sondern mir zum Heil in Gnaden sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies theure Essen deine Liebe recht ermessen, daß ich einst, wie jetzt auf Erden, mag dein Gast im Himmel werden. Im Hinzunahen zum Empfange des heil. Blutes Christi. 47. Herr Jesu Christe! dein heiliges Blut, das für meine Sünden vergoffen ist, das stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, mache mich rein von aller Sünde, und reinige mein Gewissen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Amen. Oder: Herr Jesu Christ! dein theures Blut ist meiner Seele bestes Gut; das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von aller Sünde rein. D2 Nach 52 Gebete für Communicanten. Nach dem Empfange des heil. Leibes und Blutes Chrifti. 48. Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes. Ich lebe, aber doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir: denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an dich, du Sohn Gottes! der du mich jetzt von neuem versichert hast, daß du auch mich geliebet, und dich selbst für mich dargegeben habest. Dir danke ich, daß du für alle und auch für mich gestorben bist, aufdaß ich nicht mir selbst lebe, sondern dir, der du für mich gestorben und auferstanden biſt. Laß mich nun über deinen Namen täglich fröhlich und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein. Amen. Oder: Ich beuge meine Kniee vor dir, du Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, der sich jetzt so liebreich mit mir vereiniget hat; vor dir, der du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden, und danke dir, daß du mich armen Sünder meiner Gnadenfindschaft in Christo abermals versichert hast. Ich bitte dich aber auch, du wollest nach dem Reichthum deiner Herrlichkeit mir Kraft geben durch deinen Geist, stark zu werden an dem inwendigen Menschen, daß Christus durch den Glauben in meinem Herzen wohne, und ich durch die Liebe in ihm eingewurzelt und gegründet werde. Zeige mir die Größe der Liebe Christi, die alle Erkenntniß übertrifft. Ja, laß mich erfüllet werden mit deiner göttlichen Kraft, in der Gemeinschaft dessen, in welchem alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohnet. Dir, der überschwenglich thun kann über alles, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirket, dir sei Chre in meiner Seele, die nun von neuem in Chrifto ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Oder: heiliger Geist! durch dich wird die Liebe Gottes ausgegoffen in unser Herz; so verherrliche denn auch jetzt dieſe Liebe in meiner Seele. Gieb Zeugniß meinem Geiste, daß ich in der Gemeinschaft meines Erlösers ein Kind Gottes sei, und nach diesem Genusse seines Leibes und Blutes mit Recht sagen könne: Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? welcher auch seines eigenen Sohnes nicht verschonet, son= Gebete für Communicanten. 53 sondern ihn für mich dahin gegeben hat: wie sollte er mir mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht machet. Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Mache mich gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mich scheiden möge von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu unserm Herrn ist. Amen. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei und bleibe mit mir. Amen. Danksagung nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 49. Theuerster Jesu, verherrlichter Mittler! Wie du mir jetzt die Gnade verliehen, dein heiliges Abendmahl bußfertig und gläubig zu genießen, so stärke mich nun auch mit der Kraft deines Geistes, daß ich die unaussprechlich großen Wohlthaten, deren du mich dadurch theilhaftig gemacht hast, mit einer fortdauernden Andacht überlege, dir inbrünstig dafür danke, sie sorgfältig bewahre und treulich anwende. Du hast mir, o mein Heiland! bei diesem Gedächtnisse deines martervollen Leidens und Sterbens deine auch für mich geschehene ewige Erlösung auf meine Person zugeeignet, und alle dadurch erworbene Heils- und Gnadenschätze auch mir von neuem geschenket. Du hast noch mehr an mir gethan. Du hast auch dich selbst mit mir vereiniget, und nach deinem wahrhaftigen Worte und nach deiner überschwenglichen Kraft, deinen allerheiligsten Leib, der für mich dahin gegeben, und dein theuerstes Blut, das für mich vergossen ist zur Vergebung der Sünden, mir selbst geheimnißvoll mitgetheilet. Ich bin also nicht nur im Glauben, sondern auch durch eine höhere, von dir verheißene und gewirkte Gemeinschaft deines Leibes und Blutes, des allergenauesten Antheils an allem, was du durch die Aufopferung deines Leibes und durch die Vergießung deines Blutes uns erworben hast, versichert worden. Ich weiß nun und bin gewiß, o Jesu! daß ich an dir habe die Erlösung durch dein Blut, nämlich die Vergebung aller meiner Sünden; denn du hast mich dieses Lösegeldes selbst theil Gebete für Communicanten. theilhaftig gemacht. Ich weiß und bin gewiß, daß ich in dir, dem Geliebten, Gott angenehm sei; denn du hast dich selbst mit mir vereiniget. Ich weiß und bin gewiß, daß allerlei deiner göttlichen Kraft, die zum Leben und göttlichen Wandel dienet, mir von dir geschenket sei: denn du bist das Brot des Lebens, und in dir habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Ja, ich weiß und bin gewiß, daß ich in dir das ewige Leben habe, und daß du mich am jüngsten Tage auferwecken werdest, denn du hafts verheißen; und wie dich gesandt hat der lebendige Vater, und du lebest um des Vaters willen, also werde auch ich leben um deinetwillen in Ewigkeit. O mein Heiland! wie groß sind diese Seligkeiten, deren ich mich in deiner Gemeinschaft nun so gewiß zu erfreuen habe! Wie theuer hast du mir solche erworben! Wie wenig verdiene ich sie! Ach! nimm das Opfer meines zwar schwachen, doch herzlichen Dankes, ja nimm mich selbst ganz zu deinem ewigen Eigenthume gnädig an. Ich will nur dir leben, der du für mich gestorben bist. Ich will dich preisen mit meinem Leibe und mit meinem Geiſte, die so theuer von dir erkauft sind. Stärke mich nur täglich, mein Herr und mein Gott! in diesen Gesinnungen des Glaubens, der Freude und der Dankbarkeit. Vermehre in mir eine recht herzliche, lebendige und thätige Liebe gegen meinen durch dich versöhnten Gott und Vater, gegen dich, meinen theuersten Heiland, und gegen alle meine Nebenmenschen, die du, wie mich, erlöset hast. Verleihe, daß ich insonderheit diejenigen innigst liebe, die mit mir als Glieder an dir, unserm gemeinschaftlichen Haupte, durch den Glauben verbunden sind. Laß mich, o mein Heiland! meine ewige Ruhe und Glückseligkeit darin suchen, daß ich stets in dir vor Gott erfunden, und deinem Vorbilde, in allen Verhältnissen und Pflichten, die dein Ruf und mein Stand in der Welt von mir fordern, immer ähnlicher werden möge. Gieb mir Kraft, dich auch in den Trübsalen dieses Lebens mit Geduld und Vertrauen zu ehren, und im Leben, Leiden und Sterben meine fünftige Verherrlichung mit dir in völliger Gewißheit zu hoffen, bis ich endlich zu deiner vollkommenen Anbetung und zu der himmlischen Gemeinschaft mit dir in der Ewigkeit gelange, wozu du mich erlöset hast. Amen. Siehe auch Ges. Nr. 312. Deffentlich in der Gemeine 2c. 54 Gebet 55 Gebete für Communicanten. Gebet um Erhaltung und Vermehrung der erlangten Guade. 50. Getreuer Heiland! in deiner Gemeinschaft will ich nun und ewig bleiben, im Glauben an dich will ich meinen Wandel führen, und was noch übrig ist im Fleische zu leben, nach deinem Willen und in deiner Nachfolge zubringen. Weil es aber nicht in eines Menschen Kraft stehet, wie er wandle und seinen Gang richte: so gieb du, der du das Wollen gegeben hast, mir auch das Vollbringen. Regiere mich durch deinen heiligen Geist; laß deine Güte und Treue mich allewege behüten. Laß mich empfinden, daß du durch den Glauben in mir wohnest, durch die Liebe in mir lebest, und durch die Hoffnung mich täglich stärkest. Gieb, daß ich ohne Heuchelei in Sanftmuth und Demuth beständig einhergehe, damit das Leben, das aus dir ist, je länger je mehr an mir offenbar werde. Gieb mir alle Tage neue Kraft, daß ich mich verleugne, die Welt verschmähe, dein Kreuz auf mich nehme, und dir beständig nachfolge. Gieb mir Muth und Stärke, daß ich den Feinden meiner Seele getroft widerstrebe, mein Fleisch kreuzige und tödte, auch die Welt, und was in der Welt ist, als: Augenlust, Fleischesluft und hoffärtiges Wesen, großmüthig verachte. Laß meine Seele an allen geistlichen und übernatürlichen Kräften zunehmen. Laß mich wachsen an allen Früchten des Geistes; laß mich wachsen an Gnade und Erkenntniß; laß mich wachsen im Glauben und Lieben; laß mich wachsen in der Heiligung meiner Seele und meines Leibes zu deinem Preise: laß mich wachsen in allen Stücken an dir, meinem Haupte, bis ich endlich gelange an das Maß deines vollkommenen Alters. Laß mich fruchtbar sein in allen guten Werken, und gieb Gnade, daß ich im Glauben darreiche die von demselben unzertrennliche Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, in der Bescheidenheit Mäßigkeit, in der Mäßigkeit Geduld, in der Geduld Gottseligkeit, in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe. Ueberhaupt, vollführe das gute Werk, welches du in mir angefangen hast; bleibe in mir, und laß mich in dir bleiben, mein Heil! denn wenn ich nur dich habe, Wenn mir so frage ich nichts nach Himmel und Erden. gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, o Gott! meines Herzens Trost und mein Theil. Laß mich in deiner Liebe 56 Gebete für Communicanten. Liebe und Erkenntniß zunehmen, daß ich im Glauben bleibe, und dir im Geiste so diene, daß ich hier ritterlich ringe, und durch den Tod zu dir in das Leben dringe, wo Freude in Fülle, und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich ist'; da ich denn mit allen Auserwählten vor deinem Throne stehen und singen werde: Lob, Preis und Dank, und Weisheit, und Kraft, und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe auch Ges. Nr. 260. Mein treuer Gott, dein gutes Werk 2c. Abendgebet eines Communicanten. 51. Robe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünde vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht. Ich danke dir, o mein Erbarmer! von ganzem Herzen; denn du hast mich mit vielem Segen geschmückt, und mein Herz mit überschwenglicher Gnade, Trost und Freude erfüllt. Gelobet seist du derowegen, mein Gott und Heiland! daß du so wohl an mir gethan, mich armen, elenden und sündigen Menschen abermal zu Gnaden angenommen, mich von allen meinen Sünden losgezählet, auch zu wahrer Versicherung deiner Gnade und der erlangten Vergebung der Sünden, mich in deinem hochheiligen Abendmahl mit deinem wahren Leibe und Blute unter dem Brote und Weine heilsamlich gespeiset und getränket hast. Ach! daß ich nun dich, mein Herr und Erlöser! von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüthe dafür so zu lieben und zu loben vermöchte, als deine Wohlthaten von mir erfordern! Verleihe mir deine Gnade, daß ich durch deines guten Geistes Wirkung solche Güte und Barmherzigkeit in ſtetem Andenken behalte, dich in meinem ganzen Leben dafür lobe und preise, nichts denke, rede, oder thue, was deinem heiligen Willen oder meiner Zusage zuwider ist, sondern in allen Dingen deinen heiligen Geboten freudig nachwandle, auch meinen Glauben durch Liebe gegen meinen Nächsten thätig erweise. Versichere mich, durch dies Siegel der Gerechtigkeit, der erlangten Gnade und Vergebung der Sünden, der allerge= Gebete für die Hausandacht. 57 genauesten Vereinigung mit dir, deiner Hilfe und deines Beistandes in allem Kreuz und Leiden, auch der gnädigen Erhaltung im Tode und auf den Tod erfolgenden Auferweckung zum ewigen Leben. Ach, treuer Gott und Herr! ziehe die Hand nimmermehr von mir ab. Gott mein Heil! laß auch diese Nacht, da der Leib sich zur Ruhe legt, meine Seele und Geist doch zu dir wachen. Laß mich nach deinem gnädigen Willen am morgenden Tage gesund wieder aufstehen, und mit dem frohen Tageslichte deine Güte und Treue, die alle Morgen neu ist, von neuem spüren und genießen, auch loben und preisen, ja jetzt und allezeit freudig sagen: Gott Vater, was du erschaffen hast; Gott Sohn, was du erlöset hast; Gott heiliger Geist, was du geheiliget hast, das befehle ich dir in deine Hände; das erhalte, stärke, regiere und führe in diesem, und nach diesem zum ewigen Leben. Deinem Namen sei Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit; uns aber Friede, Freude, Trost und Seligkeit jetzt und in Ewigkeit! Amen. 3. Gebete für die Hausandacht. Morgengebet am Sonntage. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn. Ps. 84. v. 2. 3. 52. Lebendiger Gott! der du der Urheber und Erhalter meines Lebens, und die immerwährende Quelle meiner Freuden bist, dir bringe ich durch Christum mein demüthiges Lob- und Dankopfer an diesem frohen Morgen, welcher mich an die Auferstehung meines Erlösers und meine darauf gegründete Hoffnung eines ewigen Lebens so feierlich erinnert. Deine Weisheit und Gnade hat uns diesen Tag zu deiner besondern Verehrung, zur Beförderung unserer Ruhe in dir, dem lebendigen Gott, und zu unserer näheren Vorbereitung zu deiner ewigen Gemeinschaft geheiliget und gesegnet. D, wie gesegnet wird er denn auch mir sein, wenn ich ihn nach dieser deiner liebreichen Absicht zur Erquickung und Heiligung meiner Seele durch dein seligmachendes Wort anzuwenden suche! Dein großer Name sei demnach gelobet, daß 58 Gebete für die Hausandacht. daß du mir die öffentliche Feier dieses heiligen und frohen Tages in Gesundheit, Ruhe und Gewissensfreiheit verleihest. Verherrliche dich denn, o Gott! auch heute in den öffent lichen Versammlungen durch einen allgemeinen Segen. Heilige du selbst die Opfer unsers Gebets und unserer Lieder, daß wir dich im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Erfülle mit Weisheit und Kraft deine Knechte zum heilsamen Vortrage deines Worts, und alle, die sie hören, mit Andacht, Glauben und Gehorsam. Allwissender! du kennst insonderheit auch meinen und der Meinigen Seelenzustand. Ach, laß uns auch heute die göttliche Kraft deines seligmachenden Worts also an unsern Seelen erfahren, daß wir nach unserer Beschaffenheit dadurch wahrhaftig gebeffert, im Glauben und allen dir wohlgefälligen Tugenden gestärkt, durch deine Tröstungen beruhigt, und in deiner Gnade zum ewigen Leben befestigt werden. Laß uns aber nicht nur in deinem Heiligthume deine wohlthätigen Absichten erfüllen, sondern auch in unserm übrigen Verhalten außer der Kirche uns befleißigen, daß wir dir ganz geheiligt werden. Die Ruhe, die du uns heute von unsern leiblichen Geschäften verstattest, werde doch insonderheit zur wahren Erholung unserer Kräfte, zur Sammlung des Gemüths, und zu dessen Richtung auf unser ewiges Heil angewandt. Bewahre uns, gütiger Gott! daß wir nicht durch unnöthige Geschäfte und unnütze Zerstreuungen den Segen dieses Tages und deines Wortes an uns vereiteln. Unser ganzer Wandel müsse dich, o Gott! verherrlichen, und es beweisen, daß wir dir dienen. Insonderheit laß uns dieses alsdann beweisen, wann du uns Gelegenheit giebst, unsern Glauben und Liebe zu dir durch eine thätige Liebe gegen unsern Nächsten an den Tag zu legen. Heilige, o Gott! auch alle unsere Vergnügungen an diesem heiligen Tage. Laß uns nichts vergnügen, als was mit der Versicherung deiner Gnade genossen werden kann. Laß uns vielmehr durch die Freuden, die uns deine Freundlichkeit auch im Leiblichen schenket, immer mehr zu dir, der Quelle aller Freuden, geführt werden, damit also dein Tag uns in allem eine wahre Vorbereitung zu deiner ewigen Anbetung und zu der ewigen Ruhe und Seligkeit sein möge, die du den Deinen verheißen hast, durch Jesum Christum. Amen. Abend Gebete für die Hausandacht. Abendgebet am Sonntage. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset, und dich frönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Pf. 103. v. 2-4. 59 53. Gelobet feist du, Vater unsers Herrn Jesu Christi! daß du uns, nach deiner großen Barmherzigkeit, wiedergeboren haft zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi, auch heute, zur Stärkung und Erneuerung derselben, uns bei der Predigt deines Wortes auf's neue gesegnet mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum! Wie köstlich ist die Freiheit und Gelegenheit, die du uns vor so vielen tausend andern, die deren entbehren müssen, bisher zu unserm Gottesdienste geschenkt und erhalten hast! Ja, du hast auch heute unsern Leib dabei väterlich versorgt und beschüßt, ob du gleich vornehmlich unserer Seelen dich angenommen. Darum sei du, o dreieiniger Gott! für dies alles demüthig und herzlich gelobet und gepriesen. Du kennest aber, Herr! unsers Herzens Trägheit zu allem geistlichen Guten, und so sind dir auch meine heutigen Verschuldungen nicht verborgen, und wie es, leider! bei so vielen Stücken meines Christenthums nur bei dem Hören und bloßen Wissen deines Wortes geblieben sei. Habe doch aber, lieber Vater! noch Geduld mit mir. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarme dich auch heute noch über mich, und laß mich künftig einen emsigen Thäter deines heute vernommenen Wortes sein, aufdaß dasselbe mich ja nicht einmal richte und verdamme, sondern immer mehr heilige, erquicke und selig mache. Erwecke und erhalte in mir eine gläubige und recht findliche Zuversicht, daß ich jetzt und allezeit alles mein Anliegen auf dich werfe, mich in deine Hände übergebe, und unter dem Schatten deiner Flügel ficher traue. Gieb, daß in dieser Nacht, nebst der Seele, mein Leib ruhe, meine Gesundheit bewahret, und alles, was du mir an Freunden und Gütern gegeben haft, unter deinem Schußze wohl aufgehoben bleibe, aufdaß ich auch an dem morgenden Tage, nach deinem heiligen Willen, wieder zu rechter Zeit erwachen, und an die Werke meines Berufs fröhlich gehen möge, auch durch deine Gnade geschickt sei, dieselben wohl und redlich 60 Gebete für die Hausandacht. redlich auszurichten. Da aber deine Kinder einst zur vollkommenen Ruhe von aller Arbeit und Mühe dieser Welt eingehen sollen; so bereite mich auch dazu, o mein Gott! daß ich nicht voit deiner seligen Ruhe ausgeschlossen werde, sondern durch einen seligen Abschied zu deiner Freude im Himmel eingehe, allda mit den Geistern der vollkommenen Gerechten dir ohne Unterlaß zu dienen. Thue das, o Herr! an mir und allen, die deine Erscheinung lieb haben, um deß willen, der uns jenen ewigen Sabbath erworben hat. Amen. Morgengebet am Montage. Die Güte des Herrn ists, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Klagel. Jerem. 3. v. 22. 23. 54. Herr! durch deine kein Ende nehmende Barmherzigkeit fange ich mit diesem Morgen meine Wochenarbeit von neuem an. Deine ewige Liebe und Treue, womit du mich je und je geliebet, und die mit deinem Segen mich und die Meinigen bisher überschüttet hat, gehe denn auch heute mir von neuem auf, wie die Morgenröthe! Wer bin ich, Herr, Herr! daß du mich bis hieher gebracht hast? Ich bin ja, leider! nur noch immer ein Sünder, dem es an allem Ruhme mangelt, den er vor dir haben sollte. Ich thue, leider nicht immer, noch völlig, was ich thun sollte, und was ich auch manchmal durch deine Gnade will; meine Gedanken sind eitel; mein Herz ist bald troßig, bald verzagt. Ach! so siehe denn, mein Gott! mich auch heute ja nicht an, wie ich an mir selbst von Natur und in meinen Sünden bin. Gedenke aber, lieber Vater! an deines Sohnes Gehorsam und Gerechtigkeit, daß ich durch ihn vor dir gerecht und von dir gesegnet sei. Verlaß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! Lehre mich auch heute und die ganze Woche thun nach deinem Wohlgefallen; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Ich weiß nicht, was mir in dieser angefangenen Woche begegnen wird; behüte du mich aber darin vor allem Uebel, behüte meine Seele, meinen Leib, meinen Eingang und Ausgang. Wehre allem Bösen, welches mir das Ziel meines Christenthums verrücken könnte. Laß mich leben im Glauben deines Sohnes, und dadurch Alles, was ich thue, in dir Gebete für die Hausandacht. 61 dir gethan sein, und in ihm dir wohlgefallen. Gieb zu meiner Arbeit dem Leibe Kraft und Gesundheit, dem Gemüthe Ruhe und Freudigkeit bei einer gewissenhaften Sorgfalt, und erfreue mich mit deinem göttlichen Gedeihen. Erhalte mir den Segen, den du mir bisher zugewandt; ernähre mich, versorge mich, beschirme mich. Gieb mir Weisheit, meine Zeit wohl anzuwenden. Legst du mir dabei eine Last auf, so hilf mir auch, und laß mich auch heute erfahren, daß du der seist, der uns von allem Uebel erlöset hat und noch täglich erlöset, auch hoffen, du werdest mich auch weiter erlösen. Verbreite deinen Segen auch über die Meinigen; sege zum Segen ewiglich; sättige sie mit langem Leben, und zeige ihnen dein Heil. Und wie alles auf dich, mein Gott! wartet, so segne auch heute und in dieser Woche alle gute Nahrung und dir wohlgefällige Arbeit, und gieb, daß ein jeder dabei sich redlich nähre, und mit gutem Gewissen vor dir wandle. Ja thue deine milde Hand allenthalben auf, und erfülle alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Denke an uns alle und segne uns; segne die dich fürchten, beide, Kleine und Große; segne uns je mehr und mehr, uns und die Unsrigen. Laß uns allesammt sein deine Gesegneten, der du Himmel und Erde gemacht hast. Alles um deines lieben Sohnes Jesu Christi, und um seiner kräftigen Fürbitte willen! Amen. Abendgebet am Montage. Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erden geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich. Er giebt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Jef. 40. v. 28. 29. 55. Du, Herr! bist der Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert; uns Menschen aber hast du den Tag zur Arbeit, und die Nacht zur Ruhe gegeben. Lob und Preis sei dir für diese so weise, als gütige Anordnung, wie auch insonderheit für deine unermüdete Vorsorge, mit welcher du heute über meine Seele und Leib, über meine Gesundheit und Leben, über mein Gut und Ehre, über meine Arbeit und Verrichtungen, über die Meinigen und alle deine Kinder gewaltet, und mit welcher du auch in der Nacht über uns alle wachest, und hilfst, daß wir sicher wohnen. Wie theuer 62 Gebete für die Hausandacht. theuer ist deine Güte, o Gott! daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel bei Tage und Nacht so sicher trauen. Du leitest uns mit deinen Augen, und hast ein unermüdetes Aufsehen auf deine Auserwählten. Hingegen wie ist doch bei uns Menschen der Dank noch so schläfrig, und, o wie wenige geistliche Wachsamkeit haben wir für unsere Seele, zu recht sorgfältiger Verwahrung vor Sünden! Wie träge und nachlässig werden oft die Werke unsers Berufs verrichtet! Wie müde und verdrossen sind wir oft, unserm Nächsten Gutes zu thun! Hingegen wie viel aufmerksamer sind wir auf des Nächsten Fehler! wir, die wir doch nicht genugsam bemerken können, wie oft wir selbst fehlen. Verzeihe du, o mein Gott! auch mir meine heute hierin und sonst begangenen, ja auch meine verborgenen Fehler, um der vollkommenen Genugthuung meines Bürgen willen. Sei ferner bei mir, o treuer Hüter Israels! Ich lege mich jetzt nach deiner Ordnung zum Schlafe nieder. Wache du für mich, und hilf, daß ich sicher liege, weil du mich erhältſt. Bewache und bewahre mich und das Meinige vor Gewalt, Ueberfall und Feuersgefahr, meine Seele und Glieder vor allem Schaden, Schrecken und Schmerzen. Laß meinen Schlaf sanft sein, daß meine müden Kräfte sich dadurch erholen, aufdaß ich auch, nach deinem heiligen Willen, neue Stärke des Leibes und Gemüthes auf den morgenden Tag erlangen möge. Im übrigen, o mein Gott! laß auch jetzt deine Vorsorge wachen über dies ganze Land, über unsern Ort, und alle fromme Christen, sonderlich über die lieben Meinigen, über alle, die mir angehören, wohlwollen und wohlthun. Ja, beweise dich, o treuer Gott! auch in dieser Nacht als einen Hüter aller Menschen. Sollte aber diese oder eine andere Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal: so führe mich, Herr! zum Himmel ein, zur Auserwählten Zahl. Und also leb und sterb ich dir, mein Heiland und mein Gott! Im Tod' und Leben hilfst du mir aus aller Angst und Noth. Amen. Morgengebet am Dienstage. Du, Herr! wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten. Pf. 40. v. 12. 56. Unendlicher Gott! durch deine Güte bin ich abermals wieder zu diesem Leben erwacht; verleihe mir Gebete für die Hausandacht. 63 mir nun auch die Gnade, daß ich als ein Mensch und Christ erwacht sein möge, der nicht nur Vernunft und Nachdenken hat, sondern auch dich, den unendlichen Geber und Erhalter meines Lebens, nach deinem Worte recht erkennen, fürchten und lieben, und von deiner so unverdienten Güte recht tief gerührt sein kann und soll! Ja, Gott von unermeßlicher Erbarmung! wie kann ich deine gnädige Fürsorge genugsam loben und preisen, die mich während meines ganzen Lebens, und auch diese Nacht, vor so mannigfaltigen unglücklichen Zufällen bewahret hat! Erhalte du den Eindruck felbst in meiner Seele beständig und lebhaft, daß von deiner allgegenwärtigen Macht, Weisheit und Güte, Alles, was ich bin, was ich habe, und was ich erwarte, gänzlich abhange. Laß mich, durch den beständigen Genuß deiner unverdienten Güte, auch beständig und kräftig angetrieben werden, mit dankbarem Gehorsam dieses Leben und alle meine Umstände zur Erfüllung deiner weisen und gütigen Absichten anzuwenden! Hilf, daß ich niemals die Wichtigkeit dieses flüchtigen Lebens vergesse, das, bei aller seiner Kürze und Flüchtigkeit, durch die böse oder gute Anwendung desselben, mich zu dem allerunwürdigsten und unglückseligsten, oder zu dem edelsten und glückseligsten deiner Geschöpfe machen kann. Laß mich auch insonderheit heute so glücklich sein, daß ich, durch den Beistand deiner Gnade, diesen Tag nicht in einer unfruchtbaren Unthätigkeit, in leeren Zerstreuungen, und in unnützen Beschäftigungen verliere, sondern daß ich heute meinen Verstand und mein Herz zu verbessern, und alle Handlungen der Gerechtigkeit, Wohlthätigkeit, Dienstfertigkeit und Leutseligkeit, wozu ich nur Gelegenheit finden kann, auszuüben bemüht sein möge. Regiere mich, mein Gott! besonders in allen Geschäften die mein Beruf in der Welt von mir fordert, und laß mich auch bei denselben deinen gnädigen Segen sehen, den du denen verheißen hast, die in deiner Furcht arbeiten. Erbarme dich denn auch, unendlich gütiger Gott! aller Menschen, insonderheit aller Elenden, Unterdrückten und Bekümmerten, wo sie auch immer sein mögen. Deiner Leitung und Gnade befehle ich insonderheit alle diejenigen, die mir besonders angehören. Bringe sie immer mehr und mehr zur Erkenntniß und Erfahrung von der Glückseligkeit, deren fie 64 Gebete für die Hausandacht. sie durch Religion und Tugend fähig sind, und segne fie auch im Leiblichen mit allem demjenigen, was deine Weisheit als heilsam für sie erkennet. Erhöre mein demüthiges Gebet, Unendlicher! nach deiner großen Erbarmung, die du uns in Christo Jesu, deinem eingebornen Sohne, meinem göttlichen Mittler, geoffenbaret hast. Amen. Abendgebet am Dienstage. Gelobet seist du, Herr, ewiglich! Dir gebühret die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank: denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Du herrschest über alles. 1. Chron. 30. v. 10. 11. 12. 57. Nun, unser Gott! ich danke dir deswegen auch heute, und rühme den Namen deiner Herrlichkeit: denn was bin ich, daß du mich bis hieher gebracht, beim Leben erhalten, mir so viel Gutes gethan, und mich so reichlich gesegnet hast? Von deiner Gnade, o mein Gott! bin auch ich was- ich bin, und deine Gnade ist nicht von mir gewichen. Also hast du auch heute meiner armen Seele und meines sterblichen Leibes dich herzlich angenommen, meine Arbeit gesegnet, meinen Unterhalt mir verschaffet, alle meine geistliche und leibliche Nothdurft nach dem Reichthum deiner Gnade erfüllet, ja, überhaupt meiner Schwachheit mit deiner Kraft mächtig geholfen. Wer ist, o Herr! wie du, der du dich so hoch gesehet hast, und doch auf das Niedrige so gnädig siehest? Nun, o mein Gott! da du nicht nur wohnest in der Höhe und im Heiligthum, sondern auch bei denen, die zerbrochenen und zerschlagenen Geistes sind, aufdaß du erquickest den Geist der Gedemüthigten und das Herz der Zerschlagenen; so bitte ich dich demüthig, tilge alle noch an mir befindliche Sündenflecken durch das Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi. Du bist der Herr, nach dessen Worte alles geschehen, und dem alles dienen sollte; wie finde ich hingegen meinen Willen deinem heiligen Willen oft so sehr zuwider, und mein Herz so kalt gegen das Andenken deiner Gnadengegenwart! Um Christi willen schone meiner, vergieb mir alle, auch meine verborgenen Fehler. Erfülle ferner an mir deine gnadenreiche Verheißung: ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Du bist ja nicht ein Gott, der ferne sei; du erfüllest vielmehr Himmel und Erde, und umgiebst Gebete für die Hausandacht. 65 giebst auch mich, wo ich size oder liege. So sei demnach auch in dieser Nacht nicht ferne von mir, eile auch mir beizustehen, Gott, meine Hilfe! Beweise auch an mir deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die auf dich hoffen! Behüte mich und die Meinigen wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich und alles, was du mir verliehen, unter dem Schatten deiner Flügel. Sei du für mich, so wird nichts wider mich sein. Ja, Vater! wie du deines einigen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle, und auch für mich dahin gegeben, so schenke mir und allen, die ihn angenommen haben, heute und allezeit mit demselben alles andere, was wir an Leib und Seele bedürfen. Amen, um Jesu willen, Amen. Morgengebet am Mittwochen. Christus hat sich für uns gegeben, aufdaß er uns erlösete von aller. Ungerechtigkeit, und heiligte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre in guten Werken. Tit. 3. v. 11. 58. Mit findlichem dankbarem Herzen verehre ich dich, mein gütigster Vater! für den Schutz dieser Nacht und für die neue Stärke, die du mir durch einen sanften Schlaf verliehen hast. Möchte ich doch auch an dem heutigen Tage durch findlichen Gehorsam und durch recht viele gute Verrichtungen dich zu verherrlichen fähig sein! Erhalte du mich selbst bei den guten Gesinnungen, die dein Geist durch Jesu Religion mir eingeflößt hat. Gieb mir immerhin Lust und Kraft, deinen Willen mit Freuden zu vollbringen. Ach, wie leicht werden schwache menschliche Seelen durch Verführung ungebesserter Leute, oder durch andere Reizungen und Cockungen der Welt von dem geraden Wege der Tugend abgebracht! Wie leicht könnte ich auch der Gelübde vergessen, womit ich mich schon so oft vor dir zu einem heiligen Wandel verbunden habe! Stärke du denn selbst meinen Geist, daß ich in den vielen Versuchungen dieses Lebens glücklich siege. Erfülle mein ganzes Herz mit Neigung und Liebe zu dir, daß ich aus findlicher Ehrfurcht gegen dich alles, was böse ist, hasse und fliehe, mit neuem Eifer in allen Tugenden auch heute mich übe, daß ich dir, o Vater! in allem gehorche. So erhalte mich die ganze fünftige Zeit meines Lebens in ungeheuchelter Frömmigkeit, damit dir alle meine Werke gefallen, und ich würdig sei, von 66 Gebete für die Hausandacht. von dir gesegnet zu werden. In deinem Namen gehe ich an die Arbeiten meines Berufs; im Vertrauen auf deinen gnädigen Beistand laß mich sie fröhlich vollenden, und verleihe mir dazu deinen Segen um Jesu Christi willen. Amen. Abendgebet am Mittwochen. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Jac. 1. v. 17. 59. Barmherziger, gnädiger Gott! nach deiner Verordnung bedecket jetzt wiederum Finsterniß unser Erdreich; bei dir aber, du Vater des Lichts! muß auch die Finsterniß Licht sein; die Nacht scheinet wie der Tag. Da nun wieder ein Tag unter deiner gnädigen Obhut zurückgelegt ist; so preise ich deinen heiligen Namen für alle deine guten und vollkommenen Gaben, die mir deine Gnade heute geschenkt oder erhalten hat. Ich danke dir nicht nur, daß du mir das Licht meiner leiblichen Augen verliehen und bisher bewahret hast; sondern auch und fürnehmlich, daß du dein heiliges Wort noch immerfort meiner Seele leuchten läsfest, als ein Licht auf meinen Wegen. Zwar muß ich, o mein Gott! auch heute vor dir bekennen, daß ich nicht stets nach diesem heiligen Lichte gewandelt habe. Stelle aber meine heutige, mir bewußte, Uebertretung nicht im Zorne vor dich, noch meine unerkannte Sünden ins Licht vor deinem Angesicht; sondern wirf sie hinter dich zurück, und sei mir um Christi willen gnädig. Bleibe du nun ferner bei mir, mein Gott! da es jetzt Abend geworden ist. Bist du mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Bist du meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wenn meine Augen geschlossen sind, so laß deine Augen über mir offen stehen, daß meine Seele und mein Leib, und alles, was ich habe, unter deiner liebevollen Vorsorge auch im Finstern wohl verwahret sei. Sollte aber nach deinem heiligen Willen mich einiges Schrecken oder Betrübniß überfallen, so gieb, daß ich auch im finstern Thale kein Unglück fürchte, weil du, Herr! bei mir bist. Tritt auch in dieser Nacht ins Mittel zwischen uns und alles das, was mir und den Meinigen, ja allen dei Gebete für die Hausandacht. 67 deinen Gläubigen Schaden thun könnte. Steuere allen bösen Werken der Finsterniß, die im Verborgenen geschehen, und wecke das Gewissen muthwilliger Sünder gnädig auf, die heute dergleichen gethan haben, daß sie sich von der Finsterniß zum Lichte bekehren. Gott sei uns allen gnädig und barmherzig! er lasse uns sein Antlig leuchten, daß wir auf Erden erkennen seine Wege! Es segne uns Gott, unser Gott; es segne uns Gott, und gebe uns seinen Frieden! Amen, in Jesu Christi Namen, Amen. Morgengebet am Donnerstage. 201 Gott! du bist mein Gott. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. Meine Seele hanget dir an; deine rechte Hand erhält mich. Pf. 63. v. 1. 7. 9. 60. Herr Himmels und der Erden, barmherziger Wohlthäter der Menschen! dich bete ich, als den Geber und Erhalter meines Lebens, als den Gott meines Heils, als die unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit jetzt demüthigst an. Dir danke Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte, für alle geistlichen und leiblichen Vortheile, die ich besitze. Dir danke ich insbesondere dafür, daß du mich in dieser Nacht mit deinem mächtigen Schuße bedeckt, daß du alle Gefahren von mir abgewandt, daß du meinen Leib durch einen sanften Schlaf erquickt und mir neue Kraft und neues Leben eingeflößet hast. Gott! deine Güte ist weit größer, als daß wir dir jemals würdig genug dafür danken könnten. Wer bin ich, o Gott! wer bin ich, daß du auch meiner gedenkst, und dich meiner so väterlich annimmst? Ich bin ein Sünder, der deine heiligen Gefeße oft übertreten, der deine Gaben oft gemißbraucht, der sich dadurch des schändlichsten Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher nichts, als Ungnade und Strafe verdient hat. Dennoch fährst du noch immer fort, meiner zu schonen, ja, mich zu segnen, und willst mich durch Güte näher zu dir ziehen. Gott, wie beschämt mich diese deine Güte und Huld! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdienet habe. Sei mir gnädig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um seinetwillen alle meine Sünden. Ich erneuere hiemit in deiner Gegenwart, o mein Gott! den aufrichtigen Vorsatz, alle unordentliche Begierden, die & 2 in 68 Gebete für die Hausandacht. in mir aufsteigen, zu unterdrücken, alle bösen Gewohnheiten, die ich noch an mir habe, zu bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten nicht nach dem Willen meines Fleisches, oder nach dem Beispiele der Lasterhaften, sondern allein nach deinem guten und heiligen Willen zu richten. Schenke aber dazu mir, der ich ohne dich nichts vermag, deinen Geist, der mich erleuchte, reinige, und auf den Weg der Wahrheit und der Tugend führe. Bewahre mich auch heute vor schweren Versuchungen zur Sünde, und, wenn ich versuchet werde, so laß mich nicht fallen. Bewahre mich insonderheit vor den Sünden, zu denen ich am meisten geneigt bin, und die noch die größte Gewalt über mich haben. Gieb, daß ich sorgfältig über mich selbst wache, auch alle Veranlassungen und Gelegenheiten zum Bösen fliehe. Laß die Vorstellung von deiner Allwissenheit und Allgegenwart mich überall begleiten, und mich fromm und behutsam machen. Laß mich oft an den Tod, an das Gericht, und an die Ewigkeit denken, damit ich nicht nur diesen Tag, sondern meine ganze Lebenszeit in wahrer Gottfeligkeit vollenden, und das Ziel meines Glaubens, der Seelen Seligkeit durch Jesum Christum erlangen möge. Amen. Abendgebet am Donnerstage. Erforsche mich, Gott! und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich meine, und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Ps. 139. v. 23. 24. 61. Herr, mein Gott! jeder Tag meines Lebens giebt mir neue Beweise von deiner väterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Verpflichtungen auf zur Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen dich, meinen Vater und Wohlthäter. Darum komme ich auch jest mit Danken vor dein Angesicht, und erinnere mich mit Freuden deiner Güte. Auch heute hast du dich an mir Unwürdigem nicht unbezeugt gelaffen. Viele Gefahren und lebel hast du durch deine gnädige Vorsehung von mir abgewandt. Vor vielen Sünden, die unter allen Uebeln die größten sind, hast du mich Schwachen bewahret. Viele geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner freigebigen Hand empfangen. Womit soll ich dir alles das Gute vergelten, das du an mir gethan haft? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein, und deinem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig geheiligt sein. Gieb Gebete für die Hausandacht. 69 Gieb mir nur die Weisheit, mich jetzt und alle Abende unparteiisch zu prüfen, ob ich auch den vergangenen Tag in allen Absichten so zugebracht habe, wie es einem vernünftigen Geschöpfe, einem Christen, einem Erben der zukünftigen Herrlichkeit anständig ist; ob ich in deiner Furcht gewandelt und die Empfindung deiner Gegenwart sorgfältig in meiner Seele unterhalten habe; ob ich mir das Beispiel meines Heilandes zum Muster der Nachahmung vorgesetzt, und durch mein Verhalten bewiesen habe, daß ich ein Nachfolger des demüthigen, des sanftmüthigen, wohlthätigen und himmlischgesinnten Jesu sei; ob ich jeden Anlaß, mich selbst zu bessern und andern nützlich zu werden, begierig ergriffen, und allen Reizungen zum Stolze, zur Eitelkeit, zum Zorn, zur Unzufriedenheit, zur Wollust widerstanden habe; ob ich in meinen Berufsgeschäften und Arbeiten redlich, treu und fleißig, und zwar um deinetwillen gewesen bin; ob ich mich recht sorgfältig gehütet habe, weder mit Gedanken und Begierden, noch mit Worten und Werken zu sündigen; ob ich in einer solchen Verfassung sei, daß ich freudig sterben, und mich einer seligen Ewigkeit getrösten könnte, wenn es dir gefallen sollte, meinem irdischen Leben in dieser Nacht ein Ende zu machen. D Gott, wie beschämt, wie erniedrigt mich eine solche Prüfung! Ich bekenne und bereue meine Eünden und Uebertretungen vor dir von ganzem Herzen, und suche Gnade allein um der Gerechtigkeit Jesu willen, wit welcher du sie alle bedecken wolleft. Ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu reinigen, und meine Heiligung in deiner Furcht zu vollenden. Stärke mich selbst, o Gott, in diesem guten Vorsage zur Ausführung desselben. Dir übergebe ich meinen Leib, meine Seele, und alles, was mein ist, mit dem kindlichen Vertrauen: du werdest mich in dieser Nacht gnädig beschügen, und, wenn ich hier länger leben soll, dein in mir angefangenes gutes Werk hinausführen, bis auf den Tag Jesu Christi. Amen. H Morgengebet am Freitage. Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichthum, und Weisheit, und Stärke, und Ehre, und Preis, und Lob. Offenb. Joh. 5. v. 12. 62. Treuester Mittler, liebreichster Heiland! du bist darum für alle gestorben, aufdaß die, so da leben, hinfort nicht 70 Gebete für die Hausandacht. nicht ihnen selbst leben, sondern dir, der du für sie gestorben und auferstanden bist, und wir also dein seien, wir mögen schlafen oder machen. Da du mich nun jetzt vom Schlafe erwachen läsfest, und meinem Leben abermals einen Tag zulegest, so danke ich dir dafür, und widme dir mein Denken und Leben von neuem, weil ich mich erinnere, daß du an einem Freitage dein theures Leben, aus Liebe für mich, gelassen hast. Bist du für uns gestorben, da wir noch unverföhnte Sünder waren; so bewahre mich doch nun vielmehr vor dem Zorne, den ich mit meinen mir noch immer anklebenden Sünden sonst verdiente, nachdem ich durch dein Blut gerecht worden bin. Erinnere mich aber auch beständig, wie viele Mühe und Arbeit dir meine Sünden gemacht haben, damit ich keine derselben gering achte. In deinem Leiden laß mich die Güte und den Ernst Gottes schauen. Gieb, daß ich mich dieser Güte im Glauben freue, und dich, o Gottessohn! lebenslang für meinen höchsten und besten Freund halte, indem ja niemand größere Liebe hat, als die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Und da ich in deinem Leiden, mein Bürge! sehe, wie ernstlich Gott Sünde hasfet und strafet; so gieb mir Gnade, solche auch ernstlich zu hassen und zu vermeiden. Wie du aber mitten in deiner Pein der Deinen nicht vergaßest, sondern auch auf deren leibliche Wohlfahrt und Erhaltung dachtest, so laß mich auch heute dieser deiner treuen Vorsorge ebenfalls genießen. Wende dadurch alles Uebel von mir ab, und alles nöthige Gute mir zu; ja, erwecke redliche Herzen, die auch mir zu allem Guten mit Rath und That be förderlich sind. Bewahre mich und die lieben Meinigen heute vor Krankheiten und Schmerzen; oder, wenn wir ja an unserm Fleische heute leiden sollen, so gieb, daß wir uns gegen alle Ungeduld mit demselbigen Sinne waffnen, mit welchem du gelitten hast. D Herr Jesu! du bist am Kreuze ein Fluch für uns geworden, aufdaß alle Völker in dir gesegnet würden. Laß mir denn auch reichen Segen an Seele und Leib, und zu allen guten Verrichtungen und Vornehmen, zufließen. Wie du aber sogar für deine Kreuziger voll Sanftmuth bateſt, so gieb auch mir standhafte Sanftmuth bei allen unangenehmen Vorfällen, die mir etwa heute durch Menschen begegnen möchten. Ja, du Lamm Gottes! das der ganzen Welt Sünde getragen, erbarme dich Aller und bekehre Alle, die dich noch Gebete für die Hausandacht. 71 noch nicht kennen, die nicht wissen, was sie thun, wenn sie dich verwerfen, und die dich wohl durch vorsätzliche Sünden von neuem freuzigen. Gedenke an mich und an alle die Meinigen, Herr! der du im Reiche deiner Herrlichkeit jetzt herrschest, und laß uns dereinst mit dir im Paradiese sein: denn in deine Hände befehle ich heute und allezeit meinen und ihren Geist. Du hast uns erlöset, Herr, du getreuer Gott! Amen. Abendgebet am Freitage. Gelobet jei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Ephef. 1. v. 3. 63. Unendlich großer und allgegenwärtiger Gott! ich bin so glücklich, daß ich abermals zu dir, als meinem versöhnten Vater, mit der kindlichen Zuversicht reden kann: mein demüthiger Dank werde dir bei aller seiner Unvollfommenheit in Christo angenehm sein, und meine flehentliche Bitte erhöret werden. Nun, du Gott der Barmherzigkeit! ich danke dir von Herzen, daß du mich auch den heutigen Tag unter deiner gnadenvollen Regierung haft zurücklegen lassen, und mich an demselben vor so vielem Kummer und Elend bewahret haft, die mich hätten treffen können. Vergieb mir aber, mein Vater! vergieb mir, nach deiner erbarmenden Liebe, alles, was ich heute in meinen Pflichten versäumt habe, und wo ich aus Flüchtigkeit oder Zerstreuung, oder aus Mangel des schuldigen Eifers zum Guten, gefehlt habe! Ewiges Lob, ewiger Preis und Dank sei deiner göttlichen Liebe, für die theure Lehre, welche die Versöhnung undankbarer Sünder zeigt, und doch den Sündern keine Ursache zur Leichtsinnigkeit giebt! Ja, unendlich gütiger Gott! nur durch die in deinem Worte und durch unsern ewig anbetungswürdigen Erlöser geoffenbarte Religion kann der Mensch mit Vernunft ruhig sein; nur durch sie kann er ein so gutes und glückliches Geschöpf werden, als er nach deinen gütigen Absichten sein soll. Erhalte du meine Einsicht und Empfindung von dieser großen und theuren Wahrheit immer lebendig in meiner Secle, und mache mich dadurch von Tage zu Tage weiser, frömmer und endlich ewig selig. Ja, gütiger, unendlich gütiger Gott! du erhörest das Gebet deiner Kinder, du kannst es nicht unerhört laffen. In 72 Gebete für die Hausandacht. In diesem kindlichen Vertrauen übergebe ich mich dir auch diese Nacht, mit allen meinen Angehörigen und Freunden. Sorge für sie und für mich, nach deiner väterlichen Weisheit und Erbarmung. Soll ich nach deinem gnädigen Willen noch länger hier leben; so laß mich morgen mit einer dankbaren Empfindung von deiner Güte erwachen, und mich den Tag zur Erfüllung deiner gütigen Absichten anwenden. Soll aber in dieser Nacht die Zeit meiner Vorbereitung zur Ewigkeit aufhören, ach! so vergieb mir, was ich von diesem großen Endzweck versäumt habe, um Jesu Christi willen, und erfülle deine theure Verheißung, daß du mich um seines Gehorsams und seiner großen Erlösung willen, ohne mein Verdienst, als völlig gerecht annehmen, und bei dir ewig selig machen wolleft. Erhöre mich, mein Gott! mein Vater! ja, erhöre mich durch Jesum Christum. Amen. Morgengebet am Sonnabend. Herr! du erforschest mich. und kennest mich. Ich size oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich, und siehest alle meine Wege. Denn fiehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr! nicht alles wisseft. Ps. 139. v. 1-4. 64. allmächtiger, barmherziger Gott! ich erkenne in dieser Morgenstunde deine väterliche Gnade und Huld, wodurch du mir von meiner sündlichen Geburt an, bis auf diese Stunde, alles Gute an Leib und Seele reichlich bewiesen hast. Ich preise dich, o gnädiger Vater! für solche unzählige Wohlthaten; besonders aber, daß du mich in der wahren christlichen Kirche haft laffen geboren werden, und mich durch die heilige Taufe in deinen Gnadenbund aufgenommen haft, auch mich mit deinem heiligen Worte lehrest, tröstest und unterrichtest. Ach, allgütigster Gott! ich bitte dich herzlich, gieb, daß ich solcher deiner großen Gnade nimmermehr vergesse, sondern dich mit stetem Danke dafür ehre. Laß mich stets vor dir, o allwissender und allgegenwärtiger Gott! wandeln und fromm sein. Laß mich immer wohl bedenken, daß du mein steter und genauer Aufseher seist, alle meine Worte hörest, alle meine Werke schaueft, alle meine Gedanken bemerkest, und alle meine Wege erforschest. Und weil der Satan, die Welt und mein eigenes von Natur verderbtes Herz mich stets von dir abzuführen suchen: so stehe du, Gebete für die Hausandacht. 73 du, allmächtiger Gott! mir bei, daß deren Reizungen an mir vergeblich sein mögen. Laß auch heute alles mein Thun gesegnet sein. In deinem Namen fange ich es an, sei mit mir, und laß es zu deiner Ehre, zu meinem und anderer wahren Nußen wohl gerathen. O mein Heiland! laß mich in Liebe und aus Liebe zu dir auch meine weltlichen Geschäfte und Arbeiten so verrichten, daß ich dir zu gefallen suche, redlich darin handle, und diesen Willen Gottes nicht allein mit Dienst vor Augen, sondern von Herzen und mit gutem Willen thue. Segne sodann nach deiner Zusage meine Arbeit, und was mir deine Hand gegeben hat, daß ich für mich und die Meinigen die tägliche Nothdurft haben möge. Soll ich auch nach deinem Willen an diesem Tage oder sonst mit Trübsal und Noth belegt werden: so reiche mir Schwachen nur deine Hand, daß ich nicht versinke, noch verzage; stärke mich, daß ich Geduld habe, und auf dich hoffe. Erbarme dich nach deiner unendlichen Güte aller Menschen, die dich suchen und lieben. Schüße deine wahre Kirche, und erhalte dir allezeit gläubige Christen, die dich anbeten und ehren. Laß aller Nothleidenden und Verlassenen Gebet von dir erhöret sein; schaffe ihnen Rath und Trost. Gieb dem Lande Frieden, und laß uns die Gaben deiner Güte mit Danksagung empfangen, und mäßig gebrauchen. Vor allen Dingen gieb mir, deinem Kinde, ein Herz, daß dich ehret, liebet, und dir vertrauet. Verlaß mich nicht, mein Gott! denn ich hoffe auf dich. Meinen Leib und Seele, und alle die Meinigen, meine Ehre und Gut befehle ich jetzt und allezeit in deine mächtige Obhut. Erhöre mich, o Gott Vater! um Jesu Christi deines geliebten Sohnes willen. Amen. Abendgebet am Sonnabend. Herr Gott! du bist unsere Zuflucht für und für; ehe denn die Berge worden, und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Pf. 90. v. 2. 65. Ewiger Gott! bei uns Menschen hat alles ein Ende. Das Eine fommt, das Andere vergehet, und eine Woche, ein Monat, ein Jahr unsers Lebens vergeben so geschwind nach dem andern, als flögen sie davon. Du aber bleibest immer, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Deine Güte währet noch täglich, und deine Barmher 74 Gebete für die Hausandacht. herzigkeit hat noch kein Ende. Dafür preise ich dich nun auch, o mein Gott! am Ende dieser Woche vom Grunde meiner Seelen. Ach, liebster Vater! alle Tage, ja alle Stunden dieser Woche sind wir Zeugen von deiner wunderbaren Güte, Geduld und Langmuth, von deiner väterlichen Liebe, von deiner treuen Fürsorge, und von deinem allmächtigen Schutze. Alle meine Kräfte, meine Gesundheit, meine Speise und Tranf, Beistand, Segen und Gedeihen bei meiner Arbeit, und alles, was ich sonst an geistlichem und leiblichem Gute genossen, das habe ich allein von deiner Hand empfangen, und dies nicht zum ersten Mal, sondern schon so viele Wochen hast du, wohlthätiger Gott! Leben und Wohlthat an mir gethan, und hast mich an mir selbst und andern erfahren lassen, daß denen, die dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Gelobet seist du, o Herr! täglich; sonderlich aber bekenne ich am Ende dieser Woche: ich bin viel zu geringe aller der Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft: denn, lieber Vater! wie groß ist dabei auch die Zahl meiner Sünden geworden? wie wenig nehmen wir Menschen in mancher ganzen Woche in unserm Christenthunie zu? und wohin würden wir doch gerathen, wenn du uns nicht mit unermüdeter Geduld trügeft, und aus der Irre wieder zurechte führtest? Wie oft wird deine Liebe in unsern Herzen kalt, deine Furcht von uns der Menschenfurcht nachgesetzt, und deine Fürsorge bald getadelt, bald durch Zweifel und Kleinmüthigkeit entehret? Dein Werk, o mein Gott! wird oft nachlässig getrieben; deine Wohlthaten werden nicht genug bedacht, deine Befehle hintangesetzt, deine Geschöpfe gemißbraucht, und, wenn wir auch etwas gethan haben, überheben wir uns dessen bald. Wir reden oft das, was nicht ist; denken von unserm Nächsten Arges, ob er gleich unschuldig; verschließen unser Herz vor ihm, wenn er nothdürftig; eifern, wenn es nicht nöthig ist; sehen scheel, wenn du ihm gütig bist. Ach, mein Vater! du siehst und weißt, was auch ich in diesen und andern Stücken von der vergangenen Woche schuldig bin. Erlaß mir, wegen der vollgültigen Bezahlung Jesu Christi, solches alles. Mache du alles gut, was meine Unart verdorben hat, und laß alles, was ich Gutes gethan habe, wohl gedeihen. Und wenn auch dein Geist in dieser Woche in mir etwas Gu= Gebete für die Hausandacht. 75 Gutes gewirkt hat, so erhalte und vermehre dasselbe in meiner Seele gegen alle Versuchungen. Heilige auch jetzt meinen Schlaf, daß ich mit dir und deinem Andenken diese Nacht anfange und vollende. Wende furchtsame Vorstellungen, unruhiges und bekümmertes Wachen, heftiges Schrecken, Feuers- und andere Gefahr, schmerzliche Krankheit, plößlichen Tod, und alles Uebel in dieser Nacht gnädig von mir und den Meinigen ab. Entledige diesmal insonderheit mein Herz von allen weltlichen Sorgen, die unsere Seele beschweren, aufdaß ich an deinem morgenden heiligen Ruhetage zu deinem Dienste tüchtig sei, nur für das zu sorgen, was dir angehöret. Doch, mein Gott! lehre mich beim Ende dieser Woche auch bedenken, daß es überall ein Ende mit mir haben müsse; und wer weiß, wie nahe mir dieses mein Ende ist? Vielleicht ist dies die letzte Woche, die ich jetzt beschließe. O so hilf denn, daß ich jetzt und allezeit auf die Ankunft meines Herrn bereit, und mein Ende selig sei. Erhöre dies alles in Gnaden um des unendlichen Verdienstes Jesu Christi willen. Amen. Gebet um tindliche Furcht Gottes. 66. Herr, du großer und gewaltiger Gott! der du Himmel, Erde, Meer und alles, was darinnen ist, gemacht hast! dich soll billig fürchten alles, was da lebet. Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Heiligen! Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen nicht preisen? denn du bist allein heilig. Aber ach, Herr! wie gar verderbt sind wir von Natur, daß wir so leicht und gern ohne deine Furcht in eitlem Wesen dahin wandeln, dein Wort und Gesetz, deine Liebe und Wohlthaten, ja deine Gerichte und Strafen aus den Augen sehen, und den Lüften des Fleisches, wie auch den Verführungen der Welt, leider! allzuviel folgen. Ich bekenne auch in diesem Stücke meine Uebertretungen vor dir, und bitte dich im Namen Christi Jesu, deines Sohnes, um Vergebung. Und weil ich mir selbst in diesem Elende nicht helfen kann, so wollest du, o Herr! durch deinen heiligen Geist, der ein Geist deiner Furcht ist, die fleischliche Sicherheit in mir austilgen, und mein Herz zu deiner wahren Furcht lenken, damit ich dich allezeit vor Augen habe, und mich 76 Gebete für die Hausandacht. mich vor Sünden mit größter Sorgfalt hüte. Verleihe mir aber auch Gnade, daß ich dich nicht als meinen Feind und erzürnten Richter mit knechtischer Gesinnung, sondern als meinen durch Christum versöhnten Vater im Glauben kindlich fürchte und ehre. Weise mir, Herr! deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte, und in solcher kindlichen Furcht und festem Vertrauen auf deine Güte bis ans Ende beständig bleibe. Amen. Gebet um wahre Gottseligkeit. 67. Heiliger und gnädiger Gott! du haft der Gottseligfeit die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens gegeben; darum bitte ich dich demüthig, verleihe mir deine Gnade, daß ich nach demjenigen, was dir wohlgefällig ist, fleißiges und inbrünstiges Verlangen trage, weislich und verständig danach forsche, es wahrhaftig und eigentlich ertenne, es rechtschaffen und völlig bewerkstellige. Nichte und lenfe meinen Stand zu deines Namens Lob und Ehre, und gieb deine Gnade zu alle dem, was du von mir forderst, daß ich es recht wisse und verstehe, auch durch deine Kraft könne und vermöge. Gieb, daß ich es also ausrichten möge, wie es sich geziemet, und wie es mir und andern nüglich und heilsam ist. Verleihe mir deine Gnade, daß der Weg, den ich zu dir wandle, sicher und richtig sei, ich auch davon im Glück und Unglück nicht abweiche; daß ich bei guten Tagen mich nicht erhebe, und in bösen nicht verzage; daß ich dir Dank sage, wenn es mir wohl geht, und geduldig sei, wenn es mir übel geht; daß mich nichts so erfreue, als das, was mich zu dir leitet, und mich nichts so betrübe, als das, was mich von dir abführt. Laß mich alles thun aus Liebe zu dir, und das, was zu deinem Dienste und Ehren gereichet, nur als mein rechtes Geschäft ansehen. Laß mich nicht nur aus Gewohnheit Gutes thun, sondern alles zu dir richten mit herzlicher Andacht. Laß alles, was vergänglich ist, vor meinen Augen gering scheinen, und deine Gnade mir lieber sein, als das andere alles. Laß mich mein ganzes Herz zu dir richten, und meine Mängel und Gebrechen mit einem guten Vorsage der Besserung bereuen. Hilf, mein Gott! daß ich sei demüthig ohne Heuchelei, fröhlich ohne Leichtsinn, traurig ohne Verzagen, aufrichtig ohne Gebete für die Hausandacht. 77 ohne Unvorsichtigkeit. Laß mich dich fürchten ohne Aengstlichkeit, auf dich hoffen ohne Vermessenheit, züchtig sein ohne Unfreundlichkeit, den nächsten erinnern ohne Tadelsucht, ihn lieben ohne Falschheit, ihm erbaulich sein mit Worten und Werken ohne Hochmuth, den Obern gehorsam sein ohne Widerwillen, geduldig ohne Murren. Gieb mir, o du gnädigster Vater! ein munteres und mit der Liebe Christi erfülltes Herz, welches auf nichts so sehr, als auf deine Ehre und die Verherrlichung deines hochheiligen Namens bedacht sei. Zu dieser Absicht schenke mir Verstand, dich zu erkennen; Fleiß, dich zu suchen; Weisheit, dich zu finden. Laß mich deine Etrafen und Züchtigungen treiben zur Buße, deine Wohlthaten aber reizen zur Dankbarkeit. So laß mich den Glauben und ein gutes Gewissen bewahren, bis ich das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit erreiche. Amen. Gebet um treue Verrichtung unsers Berufs. 68. Allmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater! wir danken dir, daß du die Arbeit, als deine Ordnung, in deinem Worte uns angewiesen hast, uns dadurch in unserm Berufe Gelegenheit zu vielem Guten giebst, ja auch unsere äußerliche Arbeit, als einen dir wohlgefälligen Dienst aufnehmen willst, wenn wir sie in Absicht auf dich und um deines Befehls willen gewissenhaft und fleißig verrichten. Wir müssen dir aber bekennen und klagen, daß wir in unserm Stande und Berufe nicht immer so treu und fleißig gearbeitet haben, als wir billig thun sollen; daß wir manchesmal träge gewesen sind zu dem, was wir hätten thun sollen, oder es nicht in der rechten Absicht gethan haben. Ach, lieber Vater! verzeihe uns diese Sünde, und gieb Gnade, daß wir künftig die Werke unsers Berufs mit treuem Fleiße verrichten. Verleihe uns die Weisheit, unsere Arbeit flüglich einzurichten. Schenke uns Lust und nöthige Kräfte dazu, und erhalte zu dem Ende unsere, Gesundheit. Segne unsere Geschäfte, und gieb dein Gedeihen dazu. O Herr Jesu Christe! du bist uns selbst mit deinem Erempel vorgegangen, indem du das Werk, wozu dich dein himmlischer Vater auf Erden gesandt hatte, mit größtem Fleiße verrichtet hast; gieb Gnade und Segen, daß wir deinem heiligen Vorbilde folgen, in unserm Stande und Berufe fleißig arbeiten, und des göttlichen Segens und Gedeihens dabei mit Geduld er= 78 Gebete für die Hausandacht. erwarten. Oheiliger Geist! dämpfe und bezwinge das sündliche Fleisch, welches immerdar zum Müßiggange, zur Trägheit und Untreue geneigt ist. Treibe uns an, daß wir mit der Gabe, die du uns verliehen hast, unserm Nächsten so treulich dienen, wie wir wünschen, daß er uns mit seinen Gaben diene und helfe. Bewahre uns nicht nur vor Untreue und betrüglicher Arbeit, sondern auch vor Nachläßigkeit. Verhüte, daß wir, der Mühe und Beschwerden wegen, unsers Berufs nicht überdrüßig werden, uns aber auch nicht dergestalt darin vertiefen, daß wir des Ewigen darüber vergessen, oder die Sorge für unsere Seele versäumen. Regiere vielmehr unsere Herzen also, daß wir alle unsere Arbeit zu Gottes Ehren, unserm und des Nächsten Nugen richten, und endlich in die ewige Ruhe und Freude, nach der mühseligen Arbeit dieses Lebens, eingehen mögen, durch Jesum Christum unsern treuen Heiland. Amen. Gebet um ein seliges Ende. 69. gütiger Gott! du hast dem Menschen ein Ziel gefept zu leben, welches er nicht überschreiten kann: denn er hat seine bestimmte Zeit; die Zahl seiner Monden stehet bei dir. Darum lehre mich doch bedenken, daß ich sterben muß, und allhier in dieser Pilgrimschaft keine bleibende Statt habe. Thue mir fund mein kurzes und vergängliches Wesen, daß ich oft und ernstlich an mein Ende gedenke, aufdaß ich in dieser Welt nicht mir selbst, sondern dir lebe und sterbe, damit ich im wahren Glauben den Tag meiner Heimfahrt, und der Erscheinung deines Sohnes Jesu Christi wachend, betend und fröhlich erwarte, und geschickt sei, derselben mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen freudig entgegen zu eilen. Begnadige mich mit einem seligen Abschiede, wenn mein Ende herzu nahet, daß ich selig sterbe. Verleihe mir nach deinem gnädigen Willen dabei ein vernünftiges Ende, daß ich mich meines Gnadenstandes und der mir beigelegten seligen Hoffnung bewußt bleibe, andere auch sterbend erbaue und dich preise. Vor allem behüte mich, gnädiger Gott! vor der ewigen Verdammniß, und vor einem solchen schnellen und also bösen Tode, wobei ich plöglich und unbereitet aus diesem Leben hinweg genommen würde. Gieb vielmehr nach deiner Barmherzigkeit, daß ich mich zuvor mit wahrer Buße und rechtem Glauben auf mein Ende bereitet habe, und wenn dasselbe kommt, fo mache Gebete für die Hausandacht. 79 mache mich freudig und unverzagt gegen den zeitlichen Tod, der mir ja nur, nach deinem Worte, die Thür zum ewigen Leben aufthut. Laß mich auch sterbend im Glauben deinen Heiland sehen, den du auch mir bereitet hast, und in seiner Gemeinschaft mich, als dein Kind, in Friede fahren. Gieb, daß mein leptes Wort das sei, welches dein lieber Sohn am Kreuze gesprochen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Und wenn ich nicht mehr reden kann, so erhöre doch mein letztes Seufzen, durch Jesum Christum. Amen. Gebet in Noth und Trübsal. 70. A du grundgütiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes! ich erkenne, daß mein Leiden, unter welchem ich seufze, mich nach deiner heiligen und weisen Regierung betreffe. Ich bekenne auch mit Reue und Demuth, daß ich nicht allein die Trübsal, die du mir aufgelegt haft, sondern noch viel größere Strafen mit meinen Sünden wohl verdient habe. Laß aber deine Hand nicht zu schwer auf mir sein, daß ich nicht vergehe. Sei, lieber Vater! deiner Barmherzigkeit und meiner Schwachheit eingedenk; strafe mich nicht in deinem Zorn, züchtige mich nicht in deinem Grimme, und laß mich in meiner Noth nicht verderben. Ach, Vater! wenn es ja dein Wille ist, daß ich dieses Leiden ferner tragen soll; so vollbringe deinen heiligen Willen an mir, nicht zu meinem Verderben, sondern mir zum Besten und zu meiner Seligkeit. Du hast ja nicht Lust am Tode der Sünder, und haft deinen lieben Sohn nicht gesandt, die Menschen zu verderben, sondern zu erhalten. Ach, lieber Vater! erhalte mich unter der Last dieses Leidens. Laß mir das Licht deiner Gnade in der Finsterniß wieder aufgehen, daß ich meine Lust an deiner Gnade sehe. Laß meinen schwachen Glauben, das glimmende Tocht, nicht verlöschen, und zerbrich das zerbrochene Rohr nicht vollends. Gieb, daß ich dich im Kreuze so herzlich liebe, als in guten Tagen, und das Vertrauen zu dir habe, du werdest auch unter dem Kreuze ein Vaterherz gegen mich, dein armes Kind, behalten. Ach, liebreicher Gott! du hast ja gesagt: kann auch eine Mutter ihres Kindes vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob sie gleich desselben vergäße, will ich doch deiner nicht vergessen! Siehe! in die Hände habe ich dich gezeichnet. Dieses deines Worts 80 Gebete für die Hausandacht. Worts wollest du, Herr! eingedenk sein, und meiner nie vergeffen. Ach! stärke meine Geduld, aufdaß ich deinen Willen thue, und die Verheißung empfange. Stärke meine Hoffnung, denn du hast gesagt, es sollen nicht zu Schanden werden alle, die auf dich hoffen. Herr! auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Ich begehre dein, o Herr! darum wollest du mir aushelfen; ich kenne deinen Namen, darum wollest du mich schützen; ich rufe dich an, so wolleft du mich erhören. Sei du bei mir in meiner Noth, reiß mich heraus, und, wenn mir auch Leib und Seele verschmachtet, so bleibe du, o Gott! nur meines Herzens Trost und mein Theil. Amen. Gebet in der Krankheit. 71. Gerechter Gott, barmherziger Vater! der du Gesundheit und Krankheiten nach deiner heiligen Regierung ordnest, und einem jeden Menschen sein Lebensziel gesetzt hast, welches er nicht überschreiten kann, ich danke dir von Herzen für die mir bisher gnädig erhaltene Gesundheit. Verleihe mir aber auch deine Gnade, daß ich die Krankheit, die du mir jetzt nach deinem väterlichen Willen auferlegt hast, mit Geduld und christlichem Verhalten annehme und nuße, und mich deinem gnädigen und guten Willen gänzlich ergebe. Ach, führe mir recht zu Gemüthe, daß Krankheiten nach deiner weisen und gütigen Absicht uns träftige Erinnerungen sein sollen, von Sünden abzulassen, uns zu bessern, die Mühseligkeit dieses Lebens zu erkennen, an unser Ende zu denken, und uns zum Sterben bereit zu machen. Ja, lehre mich, o Herr! daß du die Deinigen durch Leiden heimsuchest, damit sie nicht mit der Welt verdammt, sondern dem Ebenbilde deines lieben Sohnes gleichförmig werden, aufdaß sie auch dort mit ihm zur Herrlichkeit eingehen mögen. Laß, o gütiger Gott! diese so selige Absichten auch an mir durch diese Krankheit erreicht werden. Gieb mir deinen Geist in mein Herz, daß ich mein Elend und meine Sterblichkeit bedenke, mich in wahrer Buße vor dir demüthige und deine Gnade suche, mein sündliches Leben beffere, mein Leiden mit Geduld ohne Murren trage, deiner Ruthe still halte, dich anrufe, und deiner Barmherzigkeit fest vertraue, du werdest mich auch in dieser Noth nicht verlassen, son Gebete für die Hausandacht. 81 sondern nach deinem gnädigen Wohlgefallen entweder wieder gesund, oder durch einen sanften Tod ewig selig machen. Herr! dein Wille geschehe an mir nach der Liebe, die da ist in Christo Jesu, meinem Herrn. Amen. Gebet in anhaltender Krankheit. 72. Gott, mein Schöpfer und Erbarmer! Ich liege hier vor deinem heiligen Angesichte in mancherlei Leiden und Schmerzen, und sehe noch kein Ende derselben. Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern, aber deine Stunde ist noch nicht gekommen. Ach! so gieb mir doch aus Gnaden zu erkennen, warum du mich so lange züchtigeft, fintemal du ja die Menschen nicht von Herzen plagest, noch betrübest. Hege ich etwa, o allwissender Herr! noch geheime, dir mißfällige Neigungen, und Absichten, oder mangelt es sonst meiner Buße an Aufrichtigkeit? Oder suchest du, o getreuer Vater! mich nur zu prüfen, zu läutern und auserwählt zu machen in diesem Ofen des Elendes? Willst du insonderheit meinen Glauben auf die Probe stellen, ob er auch so rechtschaffen sei, daß er Geduld wirke, und ob diese Geduld fest bleiben werde bis ans Ende? Ach, Herr! gieb mir deinen heiligen Rath in meinem anhaltenden Leiden recht zu erkennen, zu lieben und zu verehren, damit du deinen Zweck an mir erreichest. Dir sei alles heimgestellt; mache es nur mit mir, wie es mir nüglich und selig ist. Segne mein langwieriges Lager zu täglicher Bußübung, zur Sammlung meines Gemüths aus aller Zerstreuung, und zum vertraulichen Umgange mit dir im Gebete und in Betrachtung deines Worts, zur Beherzigung und genauen Prüfung meines ganzen Lebens, zur Erquickung an deiner darin reichlich erfahrenen Güte, die besser ist denn Leben, und zur Erbauung derer, die mein Elend sehen, auch zu immer völligerer Zubereitung auf mein seliges Ende. Mache meines Leibes Krankheit zu einer heilsamen Seelenarzenei! Laß mich auch in Schmerzen dich loben, und im Sterben das rechte Leben finden. Bewahre mich auch vor schweren Anfechtungen, oder wenn du mich ja dadurch üben willst, so laß mich doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Erinnere mich gegen alle Zweifel an die mannigfaltigen Versicherungen deiner Liebe in deinem Worte, und an die viel größeren Zeichen derselben, die du mir sonst geF geben 82 Gebete für die Hausandacht. geben hast. Du hast mir ja gar deinen eigenen Sohn, den Inbegriff aller deiner Güte, geschenkt. Du hast deinen göttlichen Geist, und durch ihn deine Liebe in mein Herz ausgegossen. Und welch eine Liebe hast du uns darin erzeigt, daß wir deine Kinder und Erben sein sollen? Habe Geduld, o lieber Vater! mit aller meiner Schwachheit und aufsteigenden Ungeduld, um der vollkommenen Geduld meines Erlösers willen, die er in seinem Leiden bewiesen hat. Züchtige mich mit Maßen, und nicht in deinem Zorn. Herr! du weißt ja, daß ich Fleisch und ein schwacher Mensch bin, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Heile du mich, der du mich geschlagen hast: so werde ich heil; hilf du mir: so wird mir geholfen. Verleihe, daß mir meine Trübsal Geduld bringe, die Geduld Erfahrung, und die Erfahrung Hoffnung, die nicht zu Schanden werden läßt: so wird mir dieses alles besser sein, als lauter gute und gesunde Tage; denn du züchtigest uns ja, als ein Vater, zu dem Ende, daß wir deine Heiligung erlangen. Es geschehe dieses auch an mir aus lauter Gnaden, jetzt und allezeit, durch meinen einigen Mittler und Heiland Jesum Chriftum, in Kraft des höchsten Trösters. Amen. Seufzer eines sterbenden Christen. 73. Gott, du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! erbarme dich über mich, dein armes Geschöpf, um Christi willen. Gedenke nicht der Sünden meines Lebens und meiner Uebertretung, gedenke aber mein nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Auf dich hoffe ich, du bist meine Hilfe und mein Gott. Herr, laß mich, deinen Diener,( deine Dienerin,) in Friede fahren, um des Heilands willen, den du auch mir bereitet haft. D Jefu Christe, mein einiger Heiland! der du bist das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt trägt: der du auch mich mit deinem Blute zu deinem Eigenthum erkauft hast, ich bitte dich durch dein bittres Leiden, und durch deinen Tod, erbarme dich über mich, stärke mich, und vertritt mich in meinem Sterben mit der kräftigen Fürbitte: Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben haft. Gieb mir, deinem Eigenthum, nach deiner Verheißung das ewige Gebete für die Hausandacht. 83 ewige Leben, und laß mich nimmermehr umfommen, und durch nichts aus deiner Hand gerissen werden. O Gott, heiliger Geist! mein einiger Führer und Tröster! erbarme dich über mich, erhalte mein Herz im Glauben und lebendiger Hoffnung des ewigen Lebens. Bleibe du bei mir als das Pfand meines Erbes zu meiner Erlösung, und zeige mir den Himmel offen, und Jesum zur Rechten Gottes als meinen Seligmacher. So befehle ich, dreieiniger Gott! meinen Geist in deine Hände, und meinen Leib bis zu dessen Auferweckung deiner allwaltenden Aufsicht. Du hast mich erlöset, Herr, du trener Gott. Amen. Gebet der Umstehenden für den Sterbenden. 74. Barmherziger Gott und Vater, der du Tod und Leben in deinen Händen hast! Hier liegt vor uns dieses dein Kind in seiner äußersten Schwachheit und Noth, und niemand ist, der ihm helfen kann, als du allein. Darum bitten wir dich in dem Namen Jesu Christi, im wahren Glauben auf seine theure Verheißung: sei ihm und uns um Christi willen gnädig. Vergieb ihm und uns alle unsere Sünden; heilige und stärke uns, und sonderlich diesen Todtfranken, mit der Kraft deines heiligen Geistes. Ach, getreuer Gott, du Vater der Barmherzigkeit! laß ihn nicht über sein Vermögen versucht werden, sondern laß auch diese seine letzten Leiden ein gnädiges Ende gewinnen. Sei du durch deine Kraft in seiner Schwachheit mächtig. Lindere und verkürze ihm Angst und Schmerzen; tröste ihn, du kräftiger Tröster! hilf ihm, du starter Nothhelfer! und zeige uns und ihm dein Heil. Erhalte in ihm den wahren Glauben, beständige Hoffnung und Geduld, und am Ende hilf ihm, alles selig zu überwinden, durch die Kraft des heiligen Geistes, zum ewigen Leben, um Jefu Chrifti willen. Amen. Außer diesen letzten Gebeten können bei franken und sterbenden Christen noch folgende Schriftstellen, Gebete und Gefänge gebraucht und vorgelesen werden, wobei jedoch zu Verhütung des Mißbrauchs die Erinnerung nöthig scheint, daß hier mehrere Schriftstellen und Gesänge bloß um deswillen angezeigt werden, damit der Stranke oder Vorleser selbst, nach den Umständen, daraus sich einige wählen könne, das Vorlesen aber nur alsdann geschehen müsse, wenn es der Kranke selbst verlangt, und noch Besonnenheit genug hat, dasjenige zu verstehen und zu bedenken, 2 was 84 Gebete für die Hausandacht. was vorgelesen wird; dagegen es in vielen Fällen heilsamer ist, die Kranken oder Sterbenden ihren eigenen ruhigen Gedanken zu überlaffen, und solche nur von Zeit zu Zeit mit kurzen, bekannten Versen aus der Bibel und dem Gesangbuche zu unterstüßen, indem durch anhaltendes Vorlesen oftmals derselben nöthige Ruhe gestört und die gemeinschaftliche Andacht ermüdet wird. 1. Beim Anfange der Krankheit. Pf. 25, 50, 139. Ebr. C. 12 v. 1 bis 11. Gesang Nr. 324, 325, 327, 332, 434, 435, 456, 581. Gebet Nr. 8. 2. Bei anhaltender Krankheit. Ps. 77. v. 1 bis 14. Pf. 90, 91, 130. Joh. Cap. 11 bis 21. Gef. 191, 192, 195, 196, 425 bis 427, 439, 560, 563 bis 568, 578 bis 580, 582 bis 584. Geb. Nr. 36, 69, 70. 3. Bei Kranken- Communionen. Pf. 23. Jes. Cap. 53. Joh. C. 6. v. 37 bis 69. Gef. 180, 201, 303, 306, 309, 313. Geb. Nr. 15 bis 18, 34, 35, 40, 47 bis 49. 4. Nach der Genesung. Pf. 103. Gef. Nr. 18, 21, 569, 585. 5. Bei herannahendem Ende. Jes. C. 41. v. 10. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht: denn ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Luc. Cap. 23. v. 43. Wahrlich! ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Joh. Cap. 3. v. 16. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, aufdaß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 6. 11. n. 25. 26. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet, und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. C. 14. v. 2. 3. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch Collecten oder kurze Kirchengebete. 85 cuch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen, und euch zu mir nehmen, aufdaß ihr seid, wo ich bin. Röm. C. 8. v. 31 bis 34. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eignen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben, wie follte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht machet. Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. 2. Cor. C. 4. v. 17. 18. Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare: denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Phil. C. 3. v. 20. 21. Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn. Welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. 1. Tim. C. 1. v. 15. Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Offenb. C. 1. v. 17. 18. Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte, und der Lebendige. Ich war todt, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Offenb. Cap. 2. v. 10. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Offenb. C. 14. v. 13. Selig sind die Todten, die in dem Herrn ſterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit: denn ihre Werke folgen ihnen nach. Gesang Nr. 349 bis 354, ingleichen Nr. 586 bis 593. 4. Collecten oder kurze Kirchengebete. Auf Advent. 75. Nieber Herr Gott! wecke uns auf, daß wir bereit sein, wenn dein lieber Sohn kommt, ihn mit Freuden zu 86 Collecten oder kurze Kirchengebete. zu empfangen, und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch denselben deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 76. Herr Gott himmlischer Vater! wir danken dir von ganzem Herzen, daß du uns armen Sündern zum Troste deinen Sohn Jesum zu einem Gesalbten verordnet und gesandt hast. Wir bitten dich von Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist also erleuchten, regieren und führen, daß wir diesen gerechten König und Heiland gläubig erkennen, uns an ihn allein halten, und weder an seiner vormals geringen Gestalt, noch an seinem von der Welt verachteten Worte und Reiche ärgern, sondern in einem rechten Vertrauen auf ihn ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Auf Weihnachten. 77. Hilf, lieber Herr Gott! daß wir aller Früchte der heiligen Geburt deines lieben Sohnes theilhaftig werden, und von den Folgen unserer sündlichen Geburt be--freiet, durch die Gnade der neuen Geburt dir also im wahren Glauben dienen, daß Christus in uns immer mehr eine Gestalt gewinne, durch denselben deinen lieben Sohn unsern Herrn. Amen. 78. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir für deine große Gnade und Barmherzigkeit, daß du deinen eingebornen Sohn in unser Fleisch kommen, und uns durch ihn von Sünden und dem ewigen Tode gnädiglich haft erlösen lassen. Wir bitten dich, erleuchte unsere Herzen durch deinen heiligen Geist, daß wir dir für solche deine Gnade dankbar sein, uns derselben in aller Noth und Anfechtung trösten, und dermaleinst dadurch ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Auf Neujahr; auch zu anderer Zeit. 79. Ach, lieber himmlischer Vater! wir sind zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, welche du ( in dem vergangenen Jahre, und) die ganze Zeit unsers Lebens an uns gethan haft. Vergieb uns unsere vielen Sünden und Collecten oder kurze Kirchengebete. 87 und Missethaten, und erhalte unsern Gang auf deinen Fußsteigen, daß unsere Tritte( in diesem neuen Jahre) nicht gleiten. Bewahre und segne unsern geliebten König, und regiere mit deinem Geiste alle, welche Gewalt von ihm haben. Laß uns allesammt ein ruhiges und stilles Leben führen, und dir unserm Herrn und Gott dabei mit Luft und Freuden unsers Herzens dienen, durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Am Feste der Erscheinung Christi. 80. Herr Gott, himmlischer Bater! der du deinen eingebornen Sohn Jesum Christum den Heiden geoffenbaret, und uns auch in diesen letzten Zeiten, durch das selige Licht deines göttlichen Wortes, zu der Erkenntniß deines lieben Sohnes hast kommen lassen, wir bitten von ganzem Herzen, du wolleft uns durch deinen heiligen Geist also regieren, daß wir nach solchem Lichte deiner Wahrheit immerdar wandeln, uns mit ganzer Zuversicht unsers Heilandes allezeit erfreuen, und also zur ewigen Seligkeit erhalten werden, durch denselben deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Am Feste Mariä Reinigung. 81. Herr Gott, himmlischer Vater! der du deinen Sohn allen Völkern zum Heilande bereitet hast, daß er der Heiden Licht und deines Volkes Israel Preis sein sollte, wir bitten dich, erleuchte auch unsere Herzen, daß wir deine Gnade und väterlichen Willen in ihm erkennen, Hilfe und Schutz wider die Sünde, ja wider alle unsere Feinde, an ihm haben, und endlich ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Am Feste Mariä Verkündigung. 82. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir für deine unaussprechliche Gnade, daß du uns arme Sünder so gnädig bedacht, deinen Sohn in unser Fleisch ge= sandt, und ihn um unsertwillen Mensch hast werden lassen. Wir bitten dich von ganzem Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist Gnade verleihen, daß wir uns seiner Menschwerdung, seines Leidens und Sterbens gläubig trösten, ihn für unsern Herrn und ewigen König erkennen und annehmen, 88 Collecten oder kurze Kirchengebete. nehmen, und durch ihn, mit dir und dem heiligen Geiste, ewig leben und selig werden mögen. Amen. Am grünen Donnerstage. 83. Herr Jesu, theuerster Erlöser! wir danken dir von Herzen, daß du uns zu gut dein heiliges Abendmahl eingesetzt hast, in welchem du uns mit dem gesegneten Brote und Weine deinen Leib und dein Blut, zur Vergebung unserer Sünden und genauesten Vereinigung mit dir, geheimnißvoll mittheilest. Verleihe uns aber deine Gnade, daß wir diese theure Gabe recht hoch schätzen, sie oft und würdig gebrauchen, dadurch in deiner Gemeinschaft befestigt und unsers Antheils an deinem ganzen Verdienste völlig versichert werden. Amen. Vom Leiden Christi. 84. Barmherziger, ewiger Gott und Vater! der du deines einigen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle dahin gegeben hast, daß er unsere Sünde am Kreuze tragen sollte, verleihe uns, daß unsere Herzen in solchem Glauben nie verzagen, sondern fest darauf vertrauen, daß er alle unsere Sünde hinweg, und die Strafe auf sich genommen hat, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben mögen, durch denselben deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 85. barmherziger, gnädiger Gott und Vater! wir danken dir von Herzen, daß du deinen lieben Sohn Jesum Christum für uns den schmählichen Tod des Kreuzes haft leiden lassen, aufdaß wir durch seine Wunden geheilet würden, und bitten dich demüthigst: gieb, daß wir uns solches seines Leidens und Sterbens wider alle Anfechtung des Teufels, der Welt, und unsers Fleisches kräftig trösten, nach seinem Erempel, in allerlei Kreuz und Leiden Geduld, und gegen unsern Nächsten herzliche Liebe und Treue beweisen, bis wir endlich, von allem Uebel erlöset, ewig selig werden, durch denselben deinen lieben Sohn unsern Herrn. Amen. Am stillen Freitage. 86. Allmächtiger Gott, ewiger Vater! der du deinen Sohn für uns des Kreuzes Pein hast leiden lassen, aufdaß Collecten oder kurze Kirchengebete. 89 daß du uns von der Gewalt der Sünde und des Satans erretten möchtest, verleihe uns, daß wir das Gedächtniß seines Leidens so bußfertig und dankbar begehen, daß wir dadurch die Vergebung der Sünden und Erlösung vom ewigen Tode erlangen, und dermaleinst durch den zeitlichen Tod zu dir in das ewige Leben dringen mögen, durch denselben deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Auf Oftern. 87. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir, daß du deinen eingebornen Sohn um unserer Sünde willen dahin gegeben, und um unserer Gerechtigkeit willen wieder auferwecket hast. Verleihe uns deine Gnade, daß wir uns dessen gegen Sünde und Tod in wahrem Glauben trösten, der Sünde täglich absterben, und in einem neuen Leben wandeln, aufdaß wir dereinst auch durch die Kraft seiner Auferstehung zum ewigen Leben erwecket werden mögen. Amen. 88. Allmächtiger Gott und barmherziger himmlischer Vater! der du durch den Tod deines Sohnes die Sünde und den Tod zunichte gemacht, und durch seine Auferstehung Unschuld, Gerechtigkeit und ewiges Leben wiedergebracht hast, daß wir von der Gewalt des Teufels erlöset, in deinem Reiche leben und dir dienen sollen, verleihe uns, daß wir solches von ganzem Herzen glauben, der Sünde täglich absterben, und durch einen heiligen Wandel dich preisen, durch denselben deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Auf das Fest der Himmelfahrt. 89. Herr Jesu Christe, du Sohn des allmächtigen Gottes! der du vor deinen Jüngern sichtbar gen Himmel gefahren bist, und zur Rechten deines Vaters, als ein gewaltiger Herr, über alles, was im Himmel und auf Erden ist, herrschest und regierest, wir bitten dich, du wolleft uns bei deinem Vater ohne Unterlaß vertreten, uns deinen heiligen Geist geben, der unsere Herzen und Wandel zum Himmel richte, fromme und getreue Lehrer und Vorsteher deiner Gemeine senden, und dein Reich wider alle Feinde mächtig schüßen und erhalten, bis wir von allem Uebel erlöset, und zu deiner Herrlichfeit mit erhoben werden, um deines Namens Ehre willen. Amen. Auf Collecten oder kurze Kirchengebete. Auf Pfingsten. 90. Gelobet feist du, o Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi! daß du uns durch ihn gesegnet hast mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern, insonderheit daß du durch Ausgießung des von ihm verheißenen Geistes die ersten Lehrer des Evangelii zu dessen Verkündigung tüchtig gemacht hast. Wir bitten dich um Christi willen, laß uns ferner die Wirkung deines guten Geistes kräftig empfinden, daß wir durch ihn in alle Wahrheit geleitet, wider alle Versuchung im Guten gestärket, und in allem Leiden getröstet werden. Gieb auch durch deinen Geist Zeugniß unserm Geiste, daß wir deine Kinder sein, und mit Freudigkeit dich als Kinder anrufen mögen, der du unser Gott und Vater bist, gelobet in Ewigkeit. Amen. 90 91. Herr Gott, lieber Vater, der du vormals deiner Gläubigen Herzen durch deinen heiligen Geist erleuchtet und gelehret hast, gieb uns, daß wir auch durch denselbigen Geist dich aus deinem Worte recht erkennen, und zu aller Zeit seines Trostes und seiner Kraft uns freuen, durch deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Aufs Fest der heiligen Dreieinigkeit. 92. mächtiger, ewiger Gott! der du uns gelehret hast, im rechten Glauben zu wissen und zu bekennen, daß du in drei Personen gleicher Macht und Ehren ein einiger, ewiger Gott, und dafür anzubeten bist, wir bitten dich, du wolleft uns in solchem Glauben wider alle Anfechtung und Zweifel fest erhalten, der du lebest und regiereft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aufs Fest Johannis des Zäufers. 93. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir von Herzen für deine große Gnade, nach welcher du allen Bußfertigen zum Troste haft bezeugen lassen, daß Jesus Christus das wahre unschuldige Lamm sei, welches der ganzen Welt Sünde tragen sollte, wir bitten dich von Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist erleuchten, daß wir uns solches Zeugnisses von unserm Heilande Jesu Christo allezeit bußfertig trösten und erfreuen, im wahren Glauben an ihn be= 91 Collecten oder kurze Kirchengebete. beständig beharren, und endlich mit allen Gläubigen die ewige Seligkeit erlangen mögen, durch denselben deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Aufs Fest der Heimsuchung Mariä. 94. Herr Gott, himmlischer Vater! wir danken dir für alle geistliche und leibliche Wohlthaten, die du uns so reichlich haft widerfahren lassen, und bitten dich, behüte uns vor Hoffart und Sicherheit, daß wir nicht in Undankbarkeit und Sünden gerathen, und deine Huld verlieren, weil weder Weisheit und Gewalt, noch Reichthum denen helfen soll, die dich nicht fürchten. Gieb uns aber ein solches Herz, das in deiner Furcht bleibe, und an deinem Worte hange, aufdaß wir deinen Segen erhalten, und ewig selig werden mögen, durch deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Aufs Fest Michaelis. 95. Allmächtiger Gott und Vater! wir danken dir von ganzem Herzen, daß du deine heilige Engel zu dienstbaren Geistern erschaffen und verordnet hast, daß sie sich um die Gottesfürchtigen her lagern und sie auf allen ihren Wegen behüten müssen. Wir bitten dich von Herzen, du wolleft uns durch deinen heiligen Geist im rechten Glauben, in wahrer Gottesfurcht und findlicher Demuth erhalten, damit wir in dem Geleite und Schutze dieser himmlischen Heerscharen und heiligen Wächter allezeit sein und bleiben mögen, aufdaß wir allhier an Leib und Seele, sammt allem, was wir haben, wohl bewahret, dir allezeit ungehindert dienen, und dermaleinst zu ihnen in dein Reich versammelt werden, um deines lieben Sohnes Jesu Christi unsers Herrn willen. Amen. Aufs Ernte- Dankfest. 96. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! wir danken dir herzlich für deinen( reichen) Segen, den du uns bisher auf dem Felde und sonst täglich aus väterlicher Güte mitgetheilet hast. Hilf uns durch deinen heiligen Geist, daß wir alle deine Gaben mit Dank annehmen, und nach deinem Willen anwenden, damit wir dasjenige, was du bescherest, in Friede und Ruhe genießen, und zugleich mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern gesegnet werden, durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Um Collecten oder kurze Kirchengebete. Um Erhörung des Gebets. 97. Allmächtiger, ewiger Gott! der du uns durch deinen Sohn die gnädige Erhörung eines gläubigen Gebets verheißen hast, wir bitten dich, du wollest unsere Herzen durch deinen heiligen Geist also führen und erwecken, daß wir allezeit, und sonderlich in allen Nöthen, durch ein andächtiges Gebet im Namen deines Sohnes Hilfe bei dir suchen, und durch festen Glauben auf sein Wort und wahrhaftige Zusage nach deinem Willen gewiß finden und erlangen, durch denselben deinen Sohn unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 92 Um wahre Buße und Vergebung der Sünden. 98. Herr err Gott, himmlischer Vater! der du nicht Lust hast an der armen Sünder Tode, läsfest sie auch nicht gerne verderben, sondern willst, daß sie bekehret werden und leben; wir bitten dich herzlich, du wollest die wohlverdienten Strafen unserer Sünden gnädig abwenden, und uns hinfort nach deiner Barmherzigkeit die Kraft zu unserer Besserung reichlich verleihen, um Jesu Christi unsers Herrn willen. Amen. 99. Herr err Gott, himmlischer Vater! wir bitten dich, di wollest durch deinen heiligen Geist uns also leiten, daß wir unsere Sünde nie geringe achten noch sicher sein; sondern in steter Bußfertigkeit erfunden werden, und uns von Tage zu Tage beffern, dabei aber uns allein dessen trösten, daß du uns Gnade beweisen, alle Sünde vergeben, und ewig selig machen wollest, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Um göttliche Gnadenregierung. 100. Allmächtiger Herr Gott! der du bist ein Beschüßer aller, die auf dich hoffen; ohne dessen Gnade niemand etwas vermag, noch vor dir gilt; laß deine Barmherzigkeit uns reichlich widerfahren, aufdaß wir durch dein heiliges Eingeben denken was recht ist, und dasselbe auch durch deine Kraft vollbringen, um Jesu Christi unsers Herrn willen. Amen. 101. Herr Gott, himmlischer Vater! wir bitten dich, du wollest uns den Geist der Wahrheit und des Frie 93 Collecten oder kurze Kirchengebete. Friedens verleihen, daß wir erkennen, was dir wohlgefällt, und deinem Willen allein und von ganzem Herzen und mit allen Kräften folgen mögen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 102. Herr Gott, himmlischer Bater! weil dein lieber Sohn versprochen hat, daß du deinen heiligen Geist denen geben wolleft, die dich darum bitten; so bitten wir dich herzlich in dem Namen Jesu Christi deines geliebten Sohnes, du wollest uns deinen heiligen Geist geben, daß er uns in alle Wahrheit leite, und uns zu allem Guten antreibe, regiere und führe. Heilige uns durch denselben durch und durch, und erfülle uns mit seinen Heiligungsgaben, damit wir als deine Kinder wandeln, Christo angehören, und deine Rechte halten mögen, um der theuren Verheißung und Fürbitte deines geliebten Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Um Vermehrung des Glaubens und seiner Früchte. 103. Herr err Gott, himmlischer Vater! der du aus väterlicher Liebe uns armen Sündern deinen Sohn geschenkt hast, daß wir an ihn glauben, und durch solchen Glauben selig werden sollen, wir bitten dich, gieb deinen heiligen Geist in unsere Herzen, der unsern schwachen Glauben allezeit stärke, damit wir in Anfechtung an deinen Verheißungen aus Unglauben niemals zweifeln, sondern uns im Leben und Sterben von ganzem Herzen darauf verlassen, und durch solchen Glauben alles überwinden mögen, um desselben deines lieben Sohnes Jesu Christi unsers Herrn willen. Amen. 104. Allmächtiger Herr Gott Vater! verleihe uns einen beständigen Glauben an deinen Sohn Jesum Christum, eine unbewegliche Hoffnung auf deine Barmherzigfeit wider unsere sündliche Gebrechen, und eine aufrichtige, thätige und reine Liebe zu dir und allen Menschen, um Jesu Christi deines Sohnes unsers Herrn willen. Amen. 105. Allmächtiger, barmherziger Gott! wir bitten dich herzlich, du wolleft unsern Glauben in uns stärken, daß wir in deinem Gehorsam wandeln, und das Ende des Glaubens, welches da ist der Seelen Seligkeit, davon bringen, durch Jesum Christum deinen lieben Sohn unsern Herrn. Amen. Um Collecten oder kurze Kirchengebete. Um Treue und Beständigkeit im Glauben. 106. Herr Gott, himmlischer Bater! der du deinen Sohn unsern Herrn Jesum Christum in die Welt gefandt hast, daß er die Werke des Teufels zerstöre, und wider alle Feinde unserer Seligkeit uns schütze, du wolleft uns vor Sicherheit behüten, in aller Anfechtung stärken, und im Glauben und heiligen Wandel treu und beständig erhalten bis an unser Ende, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Um rechte Heiligung des Sabbaths. 94 107. Herr Gott, himmlischer Vater! wir bitten dich, du wollest uns durch deinen heiligen Geist also regieren und führen, daß wir als die wahrhaftigen Anbeter dich im Geiste und in der Wahrheit heute und allezeit anbeten, dein Wort mit ganzem Herzen hören und annehmen, und den Sabbath recht heiligen, damit wir durch dein Wort und durch die Anrufung deines Namens auch geheiliget werden, auf Jesum Christum deinen Sohn alle unsere Zuversicht und Hoffnung im Tode und Leben setzen, vor allem Aergerniß uns hüten, und nach deinem Worte unser Leben täglich bessern, bis wir endlich aus Gnaden ewig selig werden, durch denselben deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Um Erhaltung der reinen Lehre und für die chriftliche Kirche. 108. Wir danken dir, Herr Gott himmlischer Vater! von Grunde unsers Herzens, daß du uns dein heiliges Evangelium gegeben, und dein väterliches Herz daraus haft erkennen lassen. Wir bitten dich durch deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest solch seliges Licht deines Wortes uns gnädiglich erhalten, und durch deinen heiligen Geist unsere Herzen so leiten und führen, daß wir nimmermehr davon abweichen, sondern fest daran halten, demselben würdiglich wandeln, und ewig dadurch selig werden, durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn. Amen. 109. Allmächtiger, ewiger Gott! der du allein die ganze Christenheit durch deinen heiligen Geist heiligest und regierest, erhöre unser Gebet, und gieb gnädiglich, daß sie mit allen ihren Gliedern in reinem Glauben, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist, durch deine Gnade dir diene, um Jesu Christi deines Sohnes unsers Herrn und Heilandes willen. Amen. 110. Herr Collecten oder kurze Kirchengebete. 95 110. Herr err Gott, himmlischer Vater! wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist in unsere Herzen geben, uns in deiner Gnade und Wahrheit ewiglich erhalten, in aller Anfechtung behüten und trösten, vor allen Feinden und Verfolgern bewahren, und deiner ganzen Christenheit heilsamen Frieden verleihen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 111. Allmächtiger Herr Gott! wir bitten dich, gieb uns deinen Geist und göttliche Weisheit, daß dein Wort unter uns mit aller Freudigkeit, wie sichs gebühret, geprediget, und deine christliche Gemeinde dadurch gebessert werde, aufdaß wir mit beständigem Glauben dir dienen, und im Bekenntniß deines Namens bis an unser Ende verharren, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 112. Almächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater! wir bitten dich, du wollest dich deines Volkes gnädig erbarmen, uns an Leib und Seele schüßen und regieren, und deiner ganzen Christenheit heilsamen Frieden verleihen, durch Jefum Christum unsern Herrn. Amen. Um Friede. 113. Herr Gott, himmlischer Vater! der du heiligen Muth, guten Rath, und rechte Werke schaffest, gieb deinen Dienern den Frieden, welchen die Welt nicht kann geben, aufdaß unsere Herzen an deinen Geboten hangen, und wir unsere Zeit, durch deinen Schutz, still und sicher vor Feinden leben, durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn. Amen. Für die Obrigkeit. 114. Barmherziger himmlischer Vater, in dessen Hand alle Gewalt und Obrigkeit stehet! wir bitten, sei gnädig allen christlichen Regenten, insonderheit unserm König und Landesherrn, wie auch allen, die Gewalt von ihm haben; erleuchte und regiere sie durch deinen heiligen Geist; gieb ihnen Weisheit, Gerechtigkeit, eine glückliche und friedliche Regierung, aufdaß sie alle ihre Unterthanen in Gottesfurcht, in Friede und Ruhe schüßen und regieren. Verlängere ihnen ihre Tage, aufdaß wir unter ihrer Herrschaft mit ihnen deinen göttlichen Namen heiligen und preisen mögen, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Um Dankbarkeit für die göttlichen Gaben. 115. Allmächtiger Herr Gott, himmlischer Vater! von dem wir ohne Unterlaß allerlei Gutes ganz über= 96 Collecten oder kurze Kirchengebete. überflüssig empfangen, und noch täglich vor allem Uebel gnädiglich behütet werden, wir bitten dich, laß uns solches alles durch deinen Geist mit ganzem Herzen in rechtem Glauben erkennen, aufdaß wir deiner milden Güte und Barmherzigkeit hier und dort ewiglich danken und dich loben, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Um gnädige Witterung. 116. Herr, allmächtiger Gott! der du alles, was da ist, regierest und ernähreft, ohne welches Gnade nichts geschehen kann, gieb uns, deinen Kindern, lieber Vater! dienliches Wetter,( und warmen Sonnenschein,)( und fruchtbaren Regen,) aufdaß unser Land durch deinen Segen mit Früchten erfüllet werde, und die Früchte, die du uns aus Gnaden bescheret hast, nicht verderben, sondern( fein trocken eingesammelt werden, und) wir unser tägliches Brot und Nothdurft davon haben mögen. So wollen wir dich, gnädiger Gott und Vater! dafür loben und preisen, durch deinen Sohn Jesum Chriftum unsern Herrn. Amen. Um Vorbereitung zum seligen Ende. 117. Allmächtiger Herr, ewiger und barmherziger Gott! der du durch den Tod uns aus dieser sündlichen Welt zu dir forderst und hinweg nimmst, aufdaß wir nicht stets in Sünden und im Elende bleiben, sondern in deinem Reiche die vollkommene Gerechtigkeit und Seligkeit deiner Auserwählten erlangen und besigen mögen, wir bitten dich, du wolleft uns solches recht erkennen und glauben lassen, aufdaß wir uns unsers Abschieds herzlich freuen, und dem Rufe zu deinem ewigen Reiche gern und willig folgen, durch Jesum Christum deinen Sohn unsern Herrn. Amen. 118. Allmächtiger, ewiger Gott! der du durch deinen Sohn Vergebung der Sünden und Rettung von dem ewigen Tode zugesagt hast, wir bitten dich, stärke uns durch deinen heiligen Geist, daß wir in solchem Vertrauen auf dich durch Christum täglich zunehmen, und die Hoffnung fest und gewiß behalten, daß wir nicht sterben, sondern nur dem Leibe nach entschlafen, und am jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecket werden sollen, durch denselben deinen Sohn Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 5. Antiphone n. 3u aller Zeit. 1. Bittet, so werdet ihr nehmen, Halleluja! Daß eure Freude vollkommen sei. Halleluja! 2. Rufe Gott an in der Zeit der Noth, Halleluja! So will er dich erretten, und du sollst ihn preisen. Halleluja! 3. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, Halleluja! Allen, die ihn mit Ernst anrufen. Halleluja! 4. Bei dem Herrn findet man Hilfe, Halleluja! Und seinen Segen über sein Volk. Halleluja! 5. Der Herr denk an uns, und segne uns, Halleluja! Er segne, die den Herrn fürchten, beide, Kleine und Große. Hall. 6. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, Hall. Er wird es wohl machen. Halleluja! Auf Sonn- und Festtage. 7. Der Herr sei mit euch Und mit deinem Geiſte. 8. Dienet dem Herrn mit Freuden, Halleluja! Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken. Halleluja! Nach der Communion. 97 9. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, Hallel. Und seine Güte währet ewiglich. Halleluja! 10. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja! Und was in mir ist seinen heiligen Namen. Halleluja! 11. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist, Hall. Wohl dem, der auf ihn trauet. Halleluja! Auf Advent. 12. Bereitet dem Herrn den Weg, Halleluja! Machet seine Steige richtig. Halleluja! 13. Daran ist erschienen die Liebe Gottes, daß er seinen Sohn gesandt hat, Halleluja! Daß wir durch ihn leben sollen. Halleluja! Auf Weihnachten. 14. Euch ist heute der Heiland geboren, Halleluja! Welcher ist Christus, der Herr in der Stadt David. Halleluja! 15. Ein Kind ist uns geboren, Halleluja! Ein Sohn ist uns gegeben. Halleluja! 16. Das 98 Antiphonen. 16. Das Wort ward Fleisch, Halleluja! Und wohnete unter uns. Halleluja! 17. Kündlich groß ist das gottselige Geheimniß, Hall. Gott ist geoffenbaret im Fleische. Halleluja! 18. Christus kommt her aus den Vätern nach dem Fleische, Halleluja! Welcher ist Gott über alles, gelobet in Ewigkeit. Halleluja! Am Neujahrstage. 19. Herr, fröne das Jahr mit deinem Gute, Und laß deine Fußstapfen triefen von Fett. 20. Die Güte des Herrn ists, daß wir nicht gar aus find, Halleluja! Und seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Halleluja! Am Feste der Erscheinung Chrifti. 21. Lobet den Herrn, alle Heiden, Halleluja! Und preiset ihn, alle Völker. Halleluja! Auf Mariä Reinigung. 22. Wandelt in der Liebe, gleich wie Christus uns hat geliebet, Halleluja! Und sich selbst dargegeben für uns Gott zur Gabe und Opfer.. Halleluja! 23. Herr! nun läsfest du deinen Diener in Friede fahren, Halleluja! Denn meine Augen- haben deinen Heiland gesehen. Halleluja! Zur Fastenzeit. 24. Christus ist um unserer Missethat willen verwundet, Und um unserer Sünde willen zerschlagen. 25. Die Strafe liegt auf ihm, aufdaß wir Friede hätten, Und durch seine Wunden sind wir geheilet. 26. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet; Sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben. 27. Christus hat unsere Sünden selbst geopfert an seinem Leibe auf dem Holze, Aufdaß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Auf Mariä Verkündigung. 28. Einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig und unbefleckt, Von den Sündern abgesondert, und höher denn der Himmel iſt. Am Antiphonen. 99 Am grünen Donnerstage. 29. So oft ihr von diesem Brote effet, und von diesem Kelche trinket, Sollt ihr des Herrn Tod verkündigen. Am stillen Freitage. 30. Siehe, das ist Gottes Lamm, Welches der Welt Sünde trägt. Auf Oftern. 31. Christus ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, Halleluja! Und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket. Halleluja! 32. Christus, von den Todten erwecket, stirbt hinfort nimmer, Halleluja! Der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Halleluja! 33. Christus hat dem Tode die Macht genommen, Hall. Und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht. Halleluja! 34. Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, Halleluja! Und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken. Hall. Auf Hagelfeier, auch sonst um gutes Wetter. 35. Herr! erzeige uns deine Gnade und Güte, Daß unser Land sein Gewächs gebe. 36. Aller Augen warten auf dich, Herr! Halleluja! Und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Halleluja! 37. Herr! wie sind deine Werke so groß und viel, Hall Du haft sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Halleluja! Auf Himmelfahrt. 38. Unser Wandel ist im Himmel, Halleluja! Von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi. ** Halleluja! 39. Christus ist in den Himmel eingegangen, Halleluja! Um zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns. Hall. Auf Pfingsten. 40. Schaffe in uns, Gott! ein reines Herz, Halleluja! Und gieb uns einen neuen gewissen Geist. Halleluja! 41. Herr! 2 100 Antiphonen. 41. Herr! lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist unser Gott! Dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. 42. Also hat Gott die Welt geliebet, Halleluja! Daß er seinen eingebornen Sohn gab. Halleluja! Aufs Trinitatisfeft. 43. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; Halleluja! Alle Lande sind seiner Ehre voll. Halleluja! 44. Wir loben Gott den Vater, Sohn und heiligen Geist, Halleluja! Und preisen ihn von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja! Auf Johannistag. 45. Gelobet fei der Herr, der Gott Israel, Halleluja! Denn er hat besuchet und erlöset sein Volk. Halleluja! 12 Auf Mariä Heimsuchung. 46. Meine Seele erhebet den Herrn, Halleluja! Und mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes. Hall: Auf Michaelistag. 47. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, Halleluja! Und hilft ihnen aus. Halleluja! 48. Der Herr hat seinen Engeln befohlen über dir, Hall. Daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Halleluja! An Bußtagen und zu anderen Zeiten. Um Vergebung der Sünden. 49. Herr! handle nicht mit uns nach unsern Sünden, Und vergilt uns nicht nach unserer Missethat! 50. Bekehre du uns, Herr! so werden wir bekehret, Denn du, Herr! bist unser Gott. 51. Hilf uns, Herr, unser Helfer! um deines Namens Ehre willen. Errette uns, und vergieb uns unsere Sünde um deines Namens willen. 52. Gott! sei uns gnädig nach deiner Güte, Und tilge unsere Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Um Friede. 53. Gott! gieb Friede in deinem Lande, Glück und Heil zu allem Stande. Bri 24. Antiphonen. Um göttliche Regierung. 54. Weise uns, Herr! deinen Weg, daß wir wandeln in deiner Wahrheit; Erhalte unser Herz bei dem Einigen, daß wir deinen Namen fürchten. 55. Herr! mache uns fertig in allem guten Wert, zu thun deinen Willen, 101 Und schaffe in uns, was vor dir gefällig ist, durch Jesum Christ. 56. Herr, hilf uns, deinem Volke, und segne dein Erbe, Halleluja! Und weide sie, und erhöhe sie ewiglich. Halleluja! Um Erhaltung des göttlichen Wortes. 57. Heiliger Vater! heilige uns in deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit! 58. Herr! erhalte uns dein Wort, Halleluja! Dein Wort ist unsers Herzens Freude und Trost. Hallel. 59. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, Halleluja! Und ein Licht auf unsern Wegen. Halleluja! Für die Kirche. 60. Herr! schüße das Volk deiner Rechten, das du dir erwählet hast. So wollen wir nicht von dir weichen, sondern deinen Namen anrufen. 61. Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, Halleluja! Eine Hilfe in den großen Nöthen. Halleluja! 62. Hilf, Herr! die Heiligen haben abgenommen, Und der Gläubigen ist wenig unter den Menschenkindern. Um Glauben und Liebe. 63. Herr! laß Christum durch den Glauben in unsern Herzen wohnen, Und durch die Liebe festgewurzelt und gegründet werden. 64. Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen; Denn daselbst verheißet der Herr Segen und Leben immer und ewiglich. 65. Herr! vermehre unsern Glauben, und laß die Liebe völlig werden. Daß unsere Herzen gestärket unsträflich sein in der Heiligkeit. AN= Antiphonen. Allgemeine Danksagung für göttliche Wohlthaten. 66. Ich will den Herrn loben, so lange ich lebe, Hall. Und meinem Gott lobsingen, weil ich hie bin. Halleluja! 67. Preiset mit mir den Herrn, Halleluja! 102 Und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Hall. 68. Gelobet fei der Herr täglich, Halleluja! Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Hall. 69. Herr! deine Güte reichet so weit der Himmel ist, Hall. Und deine Wahrheit so weit die Wolken gehen. Halleluja! 70. Der Name des Herrn sei gelobet und gebenedeiet, Halleluja! Von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja! Im Leiden. 71. Herr! du bist meine Stärke und Kraft, Halleluja! Und meine Zuflucht in der Noth. Halleluja! Bom Lode und Sterben. 72. In deine Hände befehle ich meinen Geist, Du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott! 73. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an; Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit. 74. Herr! lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, Aufdaß wir flug und selig werden. 75. Der Staub muß wieder zur Erden kommen, wie er gewesen ist, Und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. 76. Leben wir, so leben wir dem Herrn, Halleluja! Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Halleluja! Vom ewigen Leben. 77. Vor dir ist Freude die Fülle. Halleluja! Und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Halleluja! 78. Wir haben hie keine bleibende Statt, Halleluja! Sondern die zukünftige suchen wir. Halleluja! 79. Dieser Zeit Leiden ist nicht werth der Herrlichkeit, Die an uns soll offenbaret werden. Der Herr segne dich und behüte dich; Der Herr erleuchte sein Angesicht über dich, und sei dir gnädig; Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Friede! Amen. Register über die Gebete, nach den Nummern. 1. Gebete für den öffent- 2. Gebete für Communilichen Gottesdienst. canten. Nr. 1 Am die Gnade des heiligen Geistes, recht und wohlgefällig zu beten Deffentliche Beichte Illgemeine Kirchengebete 3 u. 4 in den Montags- Betstunden 2 Erneuerung des Taufbundes Im Vermehrung des Glaubens und der Gottseligkeit 7 Im Vorbereitung zu einem jeligen Ende Auf Advent Auf Weihnachten Auf Neujahr Auf das Fest der Erscheinung Auf Maria Reinigung Auf Mariä Verkündigung Auf grünen Donnerstag Auf Charfreitag Vom Leiden Christi Auf Ostern 5 6 Auf Himmelfahrt Auf Hagelfeier Vor und bei der Ernte Auf Pfingsten Am Feste der heiligen Dreieinigkeit Am Feste Johannis Am Feste der Heimsuchung Maria 12 13 14 15 16 17 t. 18 19 u. 20 21 22 23 24 Am Michaelisfeſte Dankgebet nach der Ernte Gebet um Erhaltung der christlichen Kirche, am Reformationsfeste Gebet an öffentlichen Bußtagen 8 9 10 11 25 26 27 28 29 30 103 31 u. 32 Morgengebet, wenn man beichten will Um wahre Erkenntniß und Bereuung der Sünden. Selbstprüfung und gute Entschließungen Gebet um wahren Glauben und dessen Stärkung Gebet vor der Beichte Privat- Beichte Danksagung nach der Beichte Gebet um Gnade zur fernern Besserung des Lebens Abendgebet, wenn man gebeichtet hat Morgengebet eines Communicanten Gebet um Gnade zum würdigen Genuß des heiligen Abendmahls Gebet vor dem heiligen Abendmahle Gebet vor der Einsegnung Seufzer im Hinzunahen zum Empfange des heiligen Leibes Chrifti Im Hinzunahen zum Empfange des heiligen Blutes Chrifti Nach dem Empfange des heiligen Leibes und Blutes Christi Danksagung nach dem Genusse des Heiligen Abendmahls Gebet um Erhaltung und Vermehrung der erlangten Gnade 33 Abendgebet eines Communicanten 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 3. Gebete 104 3. Gebete für die Hausandacht. Register. 52 5312 54 55 56 57 Morgengebet am Sonntage Abendgebet am Sonntage Morgengebet am Montage Abendgebet am Montage Morgengebet am Dienstage Abendgebet am Dienstage Morgengebet am Mittwochen 58 Abendgebet am Mittwochen 59 Morgengebet am Donnerstage 60 Abendgebet am Donnerstage 61 Morgengebet am Freitage Abendgebet am Freitage Morgengebet am Sonnabend 64 Abendgebet am Sonnabend 62 63 65 Gebet um findliche Furcht Gottes 66 Gebet um wahre Gottseligkeit 67 Gebet um treue Verrichtung unsers Berufs 68 69 Gebet um ein seliges Ende Gebet in Noth und Trübsal 70 Gebet in Krankheit 71 Gebet in anhaltender Krank-/ heit 72 Seufzer eines sterbenden Christen 73 Gebet der Umstehenden für den Sterbenden 74 4. Collecten oder kurze Kirchengebete. Auf Advent Auf Weihnachten Auf Neujahr; auch zu anderer Zeit 75 u. 76 77 u. 78 Am Feste Maria Reinigung 81 Am Feste Mariä Verkündigung 82 Am grünen Donnerstage 83 Vom Leiden Chriſti 84 u. 85 86 87 u. 88 79 Am Feste der Erscheinung 80 Am stillen Freitage Auf Oftern Auf das Fest der Himmels fahrt 89 90 u. 91 92 93 94 95 96 97 Auf Pfingsten Aufs Fest der heiligen Dreieinigkeit Aufs Fest Johannis des Täufers Aufs Fest der Heimsuchung Maria Aufs Fest Michaelis Aufs Ernte- Dankfest Um Erhörung des Gebets Um wahre Buße und Vergebung der Sünden Um göttliche Gnaden- Regierung Um Vermehrung des Glaubene und seiner Früchte 103-105. Um Treue und Beständigkeit im Glauben 106 98 u. 99 100-102 Um rechte Heiligung des Sabbaths Um Erhaltung der reinen Lehre und für die christliche Kirche Seite Um Friede Für die Obrigkeit Um Dankbarkeit für die göttlichen Gaben 108-112 113 114 Um gnädige Witterung Um Vorbereitung zum seligen Ende 5. Antiphonen. 107 115 116 117 u. 118 97-102 Episteln und Evangelien auf alle Sonn- und Fest- Tage nebst den Festlichen Vorlesungen, mit der Geschichte von dem Leiden, Sterben und Auferstehen unsers Herrn Jesu Christi, aus den vier Evangelisten zusammengezogen, und der Beschreibung der Zerstörung Jerusalems. Hildesheim, Druck und Verlag von Gebr. Gerstenberg. 1874. alipun di Epistel am 1. Sonntage des Advents. Röm. C. 13, b. 11-14. weil wir die die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlafe; sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir es glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei gefommen: so lasset uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage; nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christum, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium am 1. Sonntage des Advents. Matth. C. 21, v. 1-9. sie nahe bei Jerusalem kamen, gen Betphage an den Oelberg, fandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken. der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr; löset sie auf, und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, aufdaß erfüllet würde, das gesaget ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir fanftmüthig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Efelin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die Andern hieben Zweige von den Bäumen, und streueten sie auf den Weg. Das Volt aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids; Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Da a Vorlesung. Vormittags. Pfalm 40, v. 6-18. err, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest. Dir ist nichts gleich. Ich will sie verfündigen, und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. Opfer und Speisopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgethan. Du willst weder Brandopfer noch Sündepfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme, im Buche ist von mir geschrieben: Deinen Willen, mein Gott, thue ich gerne, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Ich will predigen die Gerechtigkeit in der großen Gemeine; siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen; Herr, das weißt du. Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen, von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich, ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeine. Du aber, Herr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden; lağ deine Güte und Treue alletvege mich behüten. Denn es hat mich umgeben Leiden ohne Zahl; es haben mich meine Sünden ergriffen, daß ich nicht sehen fann; ihrer ist mehr, denn 1* 4 Episteln und Evangelien, Haare auf meinem Haupte, und mein Herz hat mich verlassen. Laß dirs gefallen, Herr, daß du mich errettest; eile, Herr, mir zu helfen. Schämen müssen sich und zu Schanden werden, die mir nach meinerSeele stehen, daß sie die umbringen; zurück müssen sie fallen und zu Schanden werden, die mir Ulebels gönnen. Sie müssen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da! Es müssen sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, müssen sagen allewege: Der Herr sei hoch gelobet! Denn ich bin arm und elend; der Herr aber forget für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verzeuch nicht! Epistel am 2. Sonntage des Advents. Röm. C. 15, b. 1-13. Wir, ir, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an ihm selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben stehet: die Schmach derer, die dich schmähen, ist über mich gefallen. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, aufdaß wir, durch Geduld und Trost der Schrift, Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid unter einander nach Jesu Christo; aufdaß ihr einmüthiglich mit einem Munde Lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volte. Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermal spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jeffe, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium am 2. Sonntage des Adsents. Luc. 6. 21, b. 25-36. Jefus gesus sprach zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen geschehen an der Sonne, Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolfe mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfähet zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jest ausschlagen, so sehet ihr es an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, nebst den Festlichen Vorlesungen. 5 ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.*) *) Oder: das Evangelium vom 26. Sonnt. nach Trinitatis, Matth. Cap. 25, v. 31-46, wenn solches in demselben Jahre ausgefallen. Epistel am 3. Sonntage des Advents. 1. Cor. C. 4, v. 1-7. Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Chriſti Diener, und Haus= halter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertiget; der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr tomme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren. Solches aber, lieben Brüder! habe ich auf mich und Apollo gedeutet um euretwillen, daß ihr an uns Lernet, daß Niemand höher von sich halte, denn jetzt geschrieben ist; aufdağ sich nicht Einer wider den Andern um Jemandes willen aufblase. Denn wer hat dich vorgezogen? Was hast du aber, das du nicht empfangen haft? So du es aber empfangen hast, was rühmest du dich denn, als der es nicht empfangen hätte? D Evangelium am 3. Sonntage des Advents. Matth. C. 11, v. 2-10. a Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines Andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin, und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret; die Blinden sehen, die Zahmen gehen, die Aussäßigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, die sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet; denn dieser ist es, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich fende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Epistel am 4. Sonntage des Advents. Philipp. C. 4, v. 4-9. Preuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freue euch. Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr 6 Episteln und Evangelien, ist nahe. Sorget nichts; sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott fund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Weiter, lieben Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was teusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denfet nach. Welches ihr auch gelernet, und empfangen, und gehöret, und gesehen habet an mir, das thut; so wird der Herr des Friedens mit euch sein. Evangelium am 4. Sonntage des Advents. Joh. C. 1, v. 19-34. ies ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte, und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben; was sagest du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn; wie der Prophet Efaias gejagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen, und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht fennet. Der ist es, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufte. Des andern Tages fiehet Johannes Jesum zu sich kommen, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Dieser ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war eher, denn ich. Und ich kannte ihn nicht; sondern aufdaß er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes zeugte und sprach: Ich sahe, daß der Geist herab fuhr, wie eine Taube vom Himmel, und blieb auf ihm. Und ich fannte ihn nicht; aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, derselbige sprach zu mir: Uleber welchen du sehen wirst den Geist herab fahren und auf ihm bleiben, derselbige ist es, der mit dem heiligen Geiste taufet. Und ich sah es und zengete, daß dieser ist Gottes Sohn. Epistel am 1. Christtage. Tit. C. 2, b. 11-14. 3 ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Züste, und züchtig, gerecht und gotiselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, aufdaß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium am 1. Christtage. Luc. 6. 2, b. 1--20. G s begab sich zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzet würde. Und diese Schatzung 7 nebst den Festlichen Vorlesungen. war die allererste, und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, daß er sich schäzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißet Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, aufdaß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe. Die war schwanger; und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst teinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verfündige euch große Freude, die allem Volte widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Ehristus, der Herr in der Stadt Davids. Und das habet zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegend. Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobeten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten unter einander: Lasset uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr fund gethan hat. Und sie tamen eilend, und fanden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es tam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle dieſe Worte und bewegte nie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, preijeten und lobten Gott um Alles, das sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Vorlesungen. Vormittags. 1. Joh. 4, v. 1-16. hr Lieben! glaubet nicht einem jeglichen Geiste, sondern prüfet die ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeglicher Geist, der da bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehöret, daß er kommen werde, und ist jetzt schon in der Welt. Kindlein! ihr seid von Gott, und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist. Sie sind von der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt höret jie. Wir sind von Gott, und wer Gott erkennet, der höret uns; welcher nicht von Gott ift, der höret uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Srrthums. Ihr Lieben! Lasset uns unter einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott; und wer lieb hat, der ist von Gott geboren, und kennet Gott. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Daran ist erschienen die Liebe Gottes 8 Episteln und Evangelien, gegen uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen. Darinnen stehet die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebet haben; sondern, daß er uns geliebet hat, und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Ihr Lieben! hat uns Gott also geliebet, so sollen wir uns auch unter einander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns unter einander lieben, so bleibet Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns. Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben, und er in uns, daß er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und zeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat zum Heiland der Welt. Welcher nun bekennet, daß Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibet Gott, und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubet die Liebe, die Gott zu uns hat. Nachmittags. Hebr. C. 2, v. 1-18. Mir sollen desto mehr wahrnehmen des Wortes, das wir hören, daß wir nicht dahin fahren. Denn so das Wort fest worden ift, das durch die Engel geredet ist, und eine jegliche Uebertretung und Ungehorsam hat empfangen seinen rechten Lohn: wie wollen wir ent= fliehen, so wir eine solche Seligkeit nicht achten? Welche, nachdem fie erstlich geprediget ist durch den Herrn, ist sie auf uns gekommen, durch die, so es gehöret haben. Und Gott hat ihr Zeugniß gegeben mit Zeichen, Wundern und mancherlei Kräften, und mit Austheilung des heiligen Geistes, nach seinem Willen. Denn er hat nicht den Engeln untergethan die zukünftige Welt, davon wir reden. Es bezeuget aber einer an einem Orte, und spricht: Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Sohn, daß du ihn heimsuchest? Du hast ihn eine kleine Zeit der Engel mangeln lassen; mit Preis und Ehre hast du ihn gekrönet, und hast ihn gesetet über die Werke deiner Hände. Alles hast du untergethan zu seinen Füßen. In dem, daß er ihm alles hat untergethan, hat er nichts gelassen, das ihm nicht unterthan sei; jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles unterthan sei. Den aber, der eine kleine Zeit der Engel gemangelt hat, sehen wir, daß es Jesus ist, durch's Leiden des Todes gekrönet mit Preis und Ehre, aufdaß er von Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte. Denn es ziemte dem, um deß willen alle Dinge sind, und durch den alle Dinge sind, der da viele Kinder hat zur Herrlichfeit geführt, daß er den Herzog ihrer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Sintemal sie alle von Einem kommen; beide, der da heiliget, und die da geheiliget werden. Darum schämet er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, und spricht: Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeine dir lobsingen. Und abermal: Ich will mein Vertrauen auf ihn sehen. Und abermal: Siehe da, ich und die Kinder, welche mir Gott gegeben hat. Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ift er es gleicher= maßen theilhaftig geworden, aufdaß er durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel, und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten. Denn er nimmt nirgend die Engel an sich; sondern den Samen Abrahams nimmt er an sich. Daher mußte er aller Dinge seinen Brüdern gleich werden, aufdaß er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor nebst den Festlichen Vorlesungen. Gott, zu verföhnen die Sünde des Volks. Denn darinnen er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden. 9 Epistel am 2. Christtage. Hebr. 6. 1, v. 1-14. achdem vor Zeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten: hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzet hat zum Erben über alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat. Welcher, fintemal er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens, und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Worte, und hat gemacht die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst, hat er sich gefehet zu der Rechten der Majestät in der Höhe; so viel besser gewor den, denn die Engel, so gar viel einen höheren Namen er vor ihnen ererbet hat. Denn zu welchem Engel hat er jemals gefaget: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget? Und abermal: Ich werde sein. Vater sein, und er wird mein Sohn sein? Nnd abermal, da er einführet. den Erstgebornen in die Welt, spricht er: Und es follen ihn alle Engel Gottes anbeten. Von den Engeln spricht er zwar: Er machet seine Engel Geister, und seine Diener Feuerflammen; aber von dem Sohne: Gott, dein Stuhl währet von Ewigkeit zu Ewigkeit; das Scepter deines Reiches ist ein richtiges Scepter. Du hast geliebet die Gerechtigkeit, und gehaffet die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott! gesalbet dein. Gott mit dem Dele der Freuden über deine Genossen. Und du, Herr, haft vom Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werke. Dieselben werden vergehen, du aber wirst bleiben; und sie werden alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie wandeln, und sie werden sich verwandeln; du aber bist derselbige, und deine Jahre werden nicht aufhören. Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße! Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgefandt zum Dienst, um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit? Evangelium am 2. Christtage. Joh. C. 1, v. 1-18. 3₁ m Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheinet in der Finsterniß, und die Finsterniß haben es nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der= felbige tam zum Zeugniß, daß er von dem Lichte zeugete, aufdaß sie alledurch ihn glaubeten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Lichte. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er tam in sein Eigenthum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüte noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 10 Episteln und Evangelien, Und das Wort ward Fleisch, und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeuget von ihm, rufet und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist, denn er war eher, denn ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mosen gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. Niemand hat Gott je gesehen. Der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schooß ist, der hat es uns verfündiget. Vorlesungen. Vormittags. Röm. C. 8, v. 28-39. ir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Borjabe berufen sind. Denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, aufdaß derselbige der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht, Was wollen wir denn hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Chriſtus ist hier, der geſtorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübfal? oder Angst? oder Verfolgung? oder Hunger? oder Blöße? oder Fährlichkeit? oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag; wir sind geachtet für Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit, um değ willen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod, noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Tiefes, noch keine andere Greatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Nachmittags. 1. Tim. C. 3, b. 15 bis C. 4, b. 16. Gin in Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit, und kündlich groß ist das gottjelige Geheimniß: Gott ist geoffenbaret im Fleisch, gerechtfertiget im Geiste, erschienen den Engeln, geprediget den Heiden, geglaubet von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Der Geist aber faget deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtreten, und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel, durch die, so in Gleisnerei Lügenredner sind, und Brandmale in ihrem Gewissen haben, und verbieten ehelich zu werden, und zu meiden die Speise, die Gott geschaffen hat, zu nehmen mit Danksagung, den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen. Denn alle Creatur Gottes ist gut und nichts verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird. Denn es wird geheiliget durch das Wort Gottes und Gebet. Wenn du den Brüdern solches vorhältst, so wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, auferzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, bei nebst den Festlichen Vorlesungen. 11 welcher du immerdar gewesen bist. Der ungeistlichen aber und altbettelischen Fabeln entschlage dich. Uebe dich selbst aber an der Gottseligteit. Denn die leibliche Nebung ist wenig nüße; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüße, und hat die Verheizung dieses und des zukünftigen Lebens. Das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort. Denn dahin arbeiten wir auch, und werden geschmähet, daß wir auf den lebendigen Gott gehoffet haben, welcher ist der Heiland aller Menschen, sonderlich aber der Gläubigen. Solches gebiete und Lehre. Niemand verachte deine Jugend; sondern sei ein Vorbild den Gläubigen im Worte, im Wandel, in der Liebe, in Geiste, im Glauben, in der Keuschheit. Halte an mit Lesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich fomme. Laß nicht aus der Acht die Gabe, die dir gegeben ist durch die Weissagung, mit Handauflegung der Aeltesten. Solches warte, damit gehe um, aufdaß dein Zunehmen in allen Dingen offenbar sei. Habe Acht auf dich selbst, und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken. Denn wo du solches thust, wirst du dich selbst selig machen, und die dich hören. Epistel am Sonntage nach dem Christtage, oder am Tage Stephani. Apostg. C. 6, v. 8-15 und C. 7, v. 54--59. tephanus, voll Glaubens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volke. Da standen etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner, und der Cyrener, und der Alexanderer, und derer, die aus Cilicia und Asien waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk und die Aeltesten und die Schriftgelehrten, und traten herzu, und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rath, und stellten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf, zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gejet; denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie fahen auf ihn alle, die im Rathe saßen, und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht. Da sie solches hörten, ging es ihnen durchs Herz, und bissen die Zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen Geistes war, sahe er auf gen Himmel, und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus, und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus; und steinigten Stephanum, der anrief, und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Er fnieete aber nieder, und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium am Sonntage nach dem Christtage, oder am Tage Stephani. Matth. C. 23, v. 34--39. esus sprach zu den Pharisäern und Schriftgelehrten und Obersten der Juden: Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Episteln und Evangelien, Schriftgelehrte, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern: aufdaß über euch fomme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blute an des gerechten Abels bis aufs Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht fommen. Jerusalem, Jerufalem, die du tödtest die Propheten, und steinigest, die zu dir gesandt find! wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt. Siehe, enter Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobet sei, der da fommt im Namen des Herrn! 12 Vorlesungen. Vormittags. Pfalm 90. H err Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden, und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit; der du die Menschen läsfest sterben und sprichst: Kommet wieder. Menschen- Kinder! Denn tausend Jahre sind vor dir, wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du läsfest sie dahinfahren, wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf; gleichwie ein Gras, das doch bald welt wird, das da frühe blühet und bald welf wird, und des Abends abgehauen wird und verdorret. Das machet dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen. Denn unsere Missethat stellest dit vor dich, unsere unerfannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsere Jahre zu, wie ein Geschwäß. Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenns hoch kommt, so sinds achtzig Jahr, und wenns föstlich gewesen ist, so ists Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Wer glaubt es aber, daß du so sehr zürnest? und wer fürchtet sich vor solchem deinem Grimm? Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, aufdaß wir flug werden. Herr, fehre dich doch wieder zu uns, und sei deinen Knechten gnädig. Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Lebelang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke, und deine Ehre ihren Kindern. Und der Herr unser Gott sei uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. Nachmittags. Psalm 139. err, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich, und siehest alle meine Wege. Denn fiehe, es ist fein Wort auf meiner Zunge, daß du, Herr, nicht alles wisseft. Du schaffest es, was ich vor oder hernach thue, und hältst deine Hand über mir. Solches Erkenntniß ist mir zu wunderlich und zu hoch, ich kann es nicht begreifen. Wo soll ich hingehen vor deinem Giste? und wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen nebst den Festlichen Vorlesungen. 13 Himmel, so bist du da; bettete ich mir in die Hölle, siehe, so bist du auch da; nähme ich Flügel der Morgenröthe und bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch deine Hand daselbst führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsterniß möge mich decken; so muß die Nacht auch Licht um mich sein. Denn auch Finsterniß nicht finster ist bei dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag; Finsterniß ist wie das Licht. Denn du hast meine Nieren in deiner Gewalt; du wareft über mir in Mutterleibe. Ich danfe dir darüber, daß ich wunderbarlich ge macht bin; wunderbarlich sind deine Werte, und das erkennet meine Seele wohl. Es war dir mein Gebein nicht verhohlen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, da ich noch unbereitet war, und waren alle Tage auf dein Buch geschrieben, die noch werden sollten, und derselben keiner da war. Aber wie köstlich sind vor mir, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihrer so eine große Summe! Sollte ich sie zählen, so würden ihrer mehr sein, denn des Sandes. Wenn ich aufwache, bin ich noch bei dir. Ach Gott, daß du tödtetest die Gottlosen, und die Blutgierigen von mir weichen müßten! Denn sie reden von dir lästerlich, und deine Feinde erheben sich ohne Ursach. Ich hasse ja, Herr, die dich hassen, und verdrießt mich auf sie, daß sie sich wider dich setzen. Ich hasse sie in rechtem Ernst; darum sind sie mir feind. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; priife mich, und erfahre, wie ich es meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Epistel am Neujahrstage. Gal. C. 3, v. 23 bis G. 4, v. 7. Ghe he denn der Glaube tam, wurden wir unter dem Gesetz verwahret und verschlossen auf den Glauben, der da sollte geoffenbaret werden. Also ist das Gesez unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein Jude noch Grieche; hie ist kein Knecht noch Freier; hie ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Samen, und nach der Verheizung Erben. Ich sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Sazungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, aufdaß er die, so unter dem Gesetze waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gefandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sind es aber Kinder, so sind es auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium am Neujahrstage. Luc. C. 2, b. 21. D a acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genennet Jesus, welcher genennet war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Episteln und Evangelien, Vorlesungen. Vormittags. Pfalm 33. F reuet euch des Herrn, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn schöne preisen. Danket dem Herrn mit Harfen, und lobsinget ihm auf dem Psalter von zehn Saiten. Singet ihm ein neues Lied; machet es gut auf Saitenspielen mit Schalle. Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zufagt, das hält er gewiß. Er liebet Gerechtigkeit und Gericht. Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht, und alles sein Heer durch den Geist feines Mundes. Er hält das Wasser im Meere zusammen, wie in einem Schlauch, und leget die Tiefe ins Verborgene. Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn so er spricht, so geschieht es; so er gebeut, so steht es da. Der Herr macht zunichte der Heiden Rath, und wendet die Gedanten der Völker. Aber der Rath des Herrn bleibet ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für. Wohl dem Volke, deß der Herr ein Gott ist, dem Volke, das er zum Erbe erwählet hat. Der Herr schauet vom Himmel und siehet aller Menschen Kinder. Von seinem festen Throne siehet er auf alle, die auf Erden wohnen. Er lentet ihnen allen das Herz, er merket auf alle ihre Werke. Einem Könige hilft nicht seine große Macht; ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft. Roffe helfen auch nicht, und ihre große Stärke errettet nicht. Siche, des Herrn Auge siehet auf die, so ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen, daß er ihre Seele errette vom Tode, und ernähre fie in der Theuerung. Unsere Seele harret auf den Herrn; er ist unsere Hülfe und Schild. Denn unser Herz freuet sich sein, und wir trauen auf seinen heiligen Namen. Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. 14 Nachmittags. Psalm 67. Gett ott sei uns gnädig und segne uns; er lasse uns sein Antlig leuchten, Sela, daß wir auf Erden erkennen seinen Weg, unter allen Heiden sein Heil. Es danken dir, Gott, die Völker; es danken dir alle Völker. Die Völker freuen sich und jauchzen, daß du die Leute recht richtest, und regierest die Leute auf Erden, Sela. Es danken dir, Gott, die Völker; es danken dir alle Völker. Das Land giebt sein Gewächs. Es fegne uns Gott, unser Gott. Es fegne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Epistel am Tage der Erscheinung Christi.( 1) Jej. Cap. 60, v. 1-6. Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrdes Herrn auf über dir. Denn ſiche, Finſterniß bedecket das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanze, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher: diese alle ver= fammelt fommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seite erzogen werden. Dann wirst du deine Luft sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich nebst den Festlichen Vorlesungen. 15 bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Oder:( 2) Tit. C. 3, v. 3-8. Mir waren auch weiland Inweise, Ungehorsame, Irrige, Dienende den Lüften und mancherlei Wollüsten, und wandelten in Bosheit und Neid, und hasseten uns unter einander. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland; aufdaß wir durch desselben Gnade gerecht, und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung; das ist gewißlich wahr.*) *) Oder: die Epistel vom ersten Sonntage nach dem Feste der Erscheinung Christi, wenn es auf diesen Sonntag fällt. Da Evangelium am Tage der Erscheinung Christi. Matth. C. 2, v. 1-12. a Jesus geboren ward zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da tamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk; und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: 3u Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die fleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr jei. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernete mit Fleiß von ihnen, wenn der Stern erschienen wäre, und wies sie gen Bethlehem, und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so faget mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er fam ( und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und ficlen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schäße auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Vorlesungen. Vormittags. Ephejer 6. 2, v. 4-22. Gott, ott, der da reich ist von Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebet hat, da wir todt waren in den Sünden, hat er uns jammt Christo lebendig gemacht, denn aus Gnaden seid ihr felig geworden, und hat uns sammt ihm auferwecket, und sammt ihm in das himmlische Wesen verseket, in Christo Jesu, aufdaß er erzeigete 16 Episteln und Evangelien, in den zukünftigen Zeiten den überschwenglichen Reichthum feiner Gnade, durch seine Güte über uns in Christo Jesu. Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden, durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, aufdaß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollen. Darum gedenfet daran, daß ihr, die ihr weiland nach dem Fleische Heiden gewesen seid, und die Vorhaut genannt wurdet von denen, die genannt sind die Beschneidung nach dem Fleische, die mit der Hand geschiehet, daß ihr zu derselbigen Zeit waret ohne Christo, Fremde und außer der Bürgerschaft Ifrael, und Fremde von den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung hattet, und waret ohne Gott in der Welt. Nun aber, die ihr in Christo Jesu seid, und weiland ferne gewesen, seid nun nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines hat gemacht, und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, in dem, daß er durch sein Fleisch wegnahm die Feindschaft, nämlich das Gefeß, so in Geboten gestellet war; aufdaß er aus zween einen neuen Menschen in ihm selber schaffete, und Frieden machte, und daß er beide versöhnete mit Gott in einem Leibe, durch das Kreuz, und hat die Feindschaft getödtet durch sich selbst; und ist gekommen, hat verfündiget im Evangelio den Frieden, euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Zugang afte beide in einem Geiste zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen, und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau in einander gefüget, wächset zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbauet werdet, zu einer Behausung Gottes im Geiste. Nachmittags. Jes. 6. 42, v. 1-12. iehe, das ist mein Knecht, ich erhalte ihn, und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftiglich halten lehren. Er wird nicht mürrisch noch greulich sein, aufdaß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Gesetz warten. So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schaffet und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volte, so darauf ist, den Odem giebt, und den Geist denen, die darauf gehen: Ich der Herr habe dich gerufen mit Gerechtigkeit, und habe dich bei deiner Hand gefasset, und habe dich behütet, und habe dich zum Bund unter das Volk gegeben, zum Licht der Heiden; daß du sollst öffnen die Augen der Blinden, und die Gefangenen aus dem Gefängniß führen, und die da sitzen in der Finsterniß, aus dem Kerker. Ich der Herr, das ist mein Name; und will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen. Siehe, was kommen soll, verkündige ich zuvor, und verkündige Neues; ehe denn es aufgehet, lasse ich euch hören. nebst den Festlichen Vorlesungen. 17 Singet dem Herrn ein neues Lied, sein Ruhm ist an der Welt Ende; die im Meer fahren, und was drinnen ist, die Inseln, und die drinnen wohnen. Rufet laut, ihr Wüsten und die Städte drinnen, sammt den Dörfern, da Kedar wohnet. Es jauchzen, die in Felsen wohnen, und rufen von den Höhen der Berge. Lasset sie dem Herrn die Ehre geben, und seinen Ruhm in den Inseln verkündigen. Epistel am 1. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Röm. Cap. 12, v. 1-6. ch ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienſt. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, aufdaß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von sich halte, denn sich's gebühret zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher, nachdem Gott ausgetheilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben; also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern Glied, und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium am 1. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Luc. C. 2, v. 41-52. Jefu efu Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerufalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und feine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und famen eine Tagereise, und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sizen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete, und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen Epistel am 2. Sonntage nach der Erscheinung Chrifti. Röm. C. 12, b. 6-16. Wi ir haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand Weissagung, so sei fie dem Glauben ähnlich. Hat 2 3 18 Episteln und Evangelien, jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sei er sorgfältig. lebet jemand Barmherzigkeit, so thue er es mit Luft. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium am 2. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Joh. C. 2, v. 1-11. 6.³ ( 3 ward eine Hochzeit zu Cana in Galiläa, und die Mutter Jefit war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es am Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringet es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er tam,( die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten,) rufet der Speisemeister den Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden find, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jefus that, geschehen zu Cana in Galliläa, und offenbarete seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Epistel am 3. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Röm C. 12, b. 17-21. Ha altet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorne( Gottes); denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium am 3. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Matth. C. 8, b. 1-13. Da a Jesus vom Berge herab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und stehe, ein Ausfähiger kam und betete ihn an, und sprach: Herr, nebst den Festlichen Vorlesungen. 19 so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührete ihn an, und sprach: Ich will es thun, sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es niemand; sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester, und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach; Herr! mein Knecht liegt zu Hause, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete, und sprach: Herr! ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so gehet er; und zum andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knechte: Thue das, so thut ers. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Ifaat und Jakob im Himmelreich fiken. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Epistel am 4. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Röm. C. 13, v. 1-10. gedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit sebet, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urtheil empfangen. Denn die Gewaltigen sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so thue Gutes; so wirst du Lob von derselbigen haben. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zu gut. Thust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. So seid nun aus Noth unterthan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. Derohalben müsset ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben. So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebühret, Zoll, dem der Zoll gebühret, Furcht, dem die Furcht gebühret, Ehre, dem die Ehre gebühret. Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander Liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Gesetz erfüllet. Denn das da gesagt ist: du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugniß geben; dich soll nichts gelüsten; und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort verfasset: du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. 3 2* 20 Episteln und Evangelien, Evangelium am 4. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Matth. C. 8, b. 23-27. esus trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Jhr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf, und bedrohete den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich, und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Epistel am 5. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Col. C. 3, b. 12 bis C. 4, b. 1. Ziehe iehet an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld; und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Uleber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen feid in einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgefängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Ihr Weiber, seid unterthan euren Männern in dem Herrn, wie sichs gebühret. Ihr Männer, liebet eure Weiber, und feid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Herrn gefällig. Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht. aufdaß sie nicht schen werden. Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht. Alles, was ihr thut, das thut von Herzen, als dem Herrn, und nicht den Menschen; und wisset, daß ihr von dem Herrn empfangen werdet die Vergeltung des Erbes: denn ihr dienet dem Herrn Christo. Wer aber Unrecht thut, der wird empfangen, was er Unrecht gethan hat, und gilt fein Ansehen der Person. Ihr Herren, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten, und wiffet, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt. Evangelium am 5. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Matth. C. 13, v. 24-30 und v. 36-43. ejus sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, fam sein Feind und jäete Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gefäet? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen, und es nebst den Festlichen Vorlesungen. 21 ausgäten? Er sprach: Nein, aufdaß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Lasset beides mit einander wachsen bis zu der Ernte; und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut, und bindet es in Bündelein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuern. Da ließ Jesus das Volk von sich und fam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns dieses Gleichniß vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete, und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist es, der da guten Samen säet. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sie fäet, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut ausgätet und mit Feuer verbrennet, so wird es auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reiche alle ergernisse und die da Unrecht thun, und werden sie in den Feuerofen werfen: da wird sein Heulen und Zähnklappen. Dann werden die Gerechten Leuchten, wie die Sonne, in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Epistel am 6. Sonntage nach der Erscheinung Christi. 2. Petri C. 1, b. 16-21. Wi ir sind nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan -haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit gesehen, da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit, dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Orte, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in eurem Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschiehet aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht: sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Evangelium am 6. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Matth. C. 17, b. 1-9. esus nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, seinen verkläret vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Sicht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Betrus aber antwortete, und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine. er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschrafen sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet 22 Episteln und Evangelien, euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus, und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. Epistel am Sonntage Septuagesimä. 1. Cor. C. 9, b. 24-27. Miſset ihr nicht, daß die, ſo in den Schranken laufen, die laufen alle, aber nun ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges: jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen; wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Zuft streichet. Sondern ich betäube meinen Leib, und zähme iht, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. Evangel. am Sonntage Septuagesimä. Matth. C. 19, b. 27 bis 6.20, v.16. etrus sprach zu Jesu: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolget; was wird uns dafür? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die ihr mir seid nachgefolget, in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sizen auf dem Stuhle feiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sizzen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israel. Und wer verlässet Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Necker, um meines Namens willen, der wird es hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben. Aber viele, die da sind die ersten, werden die letzten, und die letzten werden die ersten sein. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sahe andere an dem Markte müssig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und die neunte Stunde, und that gleich also. Um die eilfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müssig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müssig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und gieb ihnen den Lohn; und hebe an an den letzten, bis zu den ersten. Da famen die, so um die eilfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten tamen, meineten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hike getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesent letzten geben, gleichwie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was nebst den Festlichen Vorlesungen. 23 ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die letzten die ersten, und die ersten die letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Epistel am Sonntage Seragesimä. 2. Cor. C. 12, b. 1-10. s ist mir das Rühmen nichts nüße; doch will ich kommen auf die Gefichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, von vierzehn Jahren,( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich es nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich es auch nicht; Gott weiß es;) derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen,( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies, und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber des, aufdaß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und aufdaß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, aufdaß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Daram will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, aufdaß die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich gutes Muths in Schwachheiten, in Schmachen, in Nöthen, in Verfolgungen, in Aengsten, um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich start. Evangelium am Sonntage Seragesimä. Luc. C. 8, v. 4-15. D a viel Volfs bei einander war, und aus den Städten zu ihm eileten, sprach Jefus durch ein Gleichniß: Es ging ein Säemann aus, zu fäen seinen Samen; und indem er fäete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat, zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; danach kommt der Teufel, und nimmt das Wort von ihrem Herzen, aufdaß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel, eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen Episteln und Evangelien, keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. 24 Epistel am Sonntage Quinquagefimä, oder: Esto mihi. 1. Cor. 6. 13, b. 1-13. W enn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht: so wäre ich ein tönendes Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versette, und hätte der Liebe nicht; so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht; so wäre mir es nichts nüße. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibet nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden; sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit, sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, fie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jeht erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Evangelium am Sonntage Quinquagesimä, oder: Esto mihi. Luc. C. 18, v. 31-43. Cesus nahm zu sich die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und tödten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho fam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jeſu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne an gingen, bedroheten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber stand stille, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott. nebst den Festlichen Vorlesungen. Vorlesungen. Vormittags. An diesem und den folgenden Sonntagen in den Fasten soll ein Stück der Leidensgeschichte Jesu Christi vorgetragen werden, außer am Feste der Empfängniß Christi, auf Judica, da solche Nachmittags vorgelesen werden kann. 25 Nachmittags. Matth. C. 16, v. 13-20 oder 21-28. Jei kesus kam in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi, und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seist Johannes der Täufer; die andern, du seist Elias; etliche, du seist Jeremias, oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Und Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbaret, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Da verbot er seinen Jüngern, daß sie niemand sagen sollten, daß er Jesus der Christ wäre. * * Lon der Zeit an fing Jesus an, und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte hin gen Jerusalem gehen, und viel leiden von den Aeltesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und getödtet werden, und am dritten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone deiner selbst, das widerfahre dir nur nicht. Aber er wandte sich um und sprach zu Petro: Hebe dich, Satan, von mir, du bist mir ärgerlich; denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf fich, und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verlieret um meinetwillen, der wird es finden. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Denn es wird je geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters, mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen fehen in seinem Reiche. Epistel am 1. Sonntage in der Fasten, oder Invocavit. 2. Cor. C. 6, b. 1-10. Mir ermahnen euch, als mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfanget. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe die am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. Laffet uns aber niemand irgend ein Aergerniß geben, aufdaß unser Amt nicht Episteln und Evangelien, verlästert werde; sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübfalen, in Nöthen, in Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geiste, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. 26 Evangelium am 1. Sonntage in der Fasten. Matth. 6. 4, b. 1-11. Jefus esus ward vom Geiste in die Wüste geführet, aufdaß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm, und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brote allein, sondern von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellete ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, aufdaß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit; und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan; denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm, und dicneten ihm. Vorlesung. Nachmittags. 1. Cor. C. 1, b. 18-31. Da as Wort vom Kreuze ist eine Thorheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gottestraft. Denn es stehet geschrieben: Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen. Wo sind die Klugen? Wo sind die Weltweisen? Wo sind die Schriftgelehrten? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Thorheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte; gefiel es Gott wohl, durch thörichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben. Sintemal die Juden Zeichen fordern, und die Griechen nach Weisheit fragen. Wir aber predigen den gekreuzigten Christum, den Juden ein Aergerniß, und den Griechen eine Thorheit. Denen aber, die berufen sind, beide, Juden und Griechen, predigen wir Christum, göttliche Kraft und göttliche Weisheit. Denn die göttliche Thorheit ist weifer, denn die Menschen sind; und die göttliche Schwach 27 nebst den Festlichen Vorlesungen. GR. heit ist stärfer, denn die Menschen sind. Sehet an, lieben Brüder, euren Beruf: nicht viel Weise nach dem Fleische, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen. Sondern was thöricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er zu Schanden mache, was stark ist; und das Unedle vor der Welt, und das Verachtete hat Gott erwählet, und das da nichts ist, daß er zu nichte mache, was etwas ist; aufdaß sich vor ihm kein Fleisch rühme. Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, aufdaß,( wie geschrieben stehet) wer sich rühmet, der rühme sich des Herrn. Epistel am 2. Sonntage in der Fasten, oder Reminiscere. 1. Theff. C. 4, v. 1-12. Nieben Brüder, wir bitten euch und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Luftfeuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, was wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht noth euch zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehret, euch unter einander zu lieben. Und das thut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonia sind. Wir ermahnen euch aber, lieben Brüder, daß ihr noch völliger werdet, und ringet darnach, daß ihr stille seid, und das Eure schaffet, und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben; aufdaß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, die draußen sind, und ihrer feines bedürfet. Evangel. am 2. Sonntage in der Fasten. Matth. C. 15, v. 21-28. efus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Thrus und Sidon; und siehe, ein Cananäisches Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner; meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn, und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel. Sie tam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir. Aber er antwortete, und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Episteln und Evangelien, Vorlesung. Nachmittags. 2. Cor. G. 5, v. 14-21. Die ie Liebe Christi dringet uns also; sintemal wir halten, daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für alle gestorben, aufdaß die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben; sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden iſt. Darum von nun an fennen wir niemand nach dem Fleische; und ob wir auch Christus gekannt haben nach dem Fleische, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Creatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnet hat durch Jesum Christum, und das Amt gegeben, das die Versöhnung prediget. Denn Gott war in Christo und versöhnete die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt; denn Gott vermahnet durch uns. So bitten wir nun an Christi statt: Sasset euch versöhnen mit Gott. Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, aufdaß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 28 Epistel am 3. Sonntage in der Fasten, oder Oculi. Ephef. C. 5, v. 1-9. als die lieben wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet, und sich selbst darge= geben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem füğen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz, lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen; sondern vietmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger,( welcher ist ein Gößendiener) Erbe hat an dem Reiche Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen fommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Evangelium am 3. Sonntage in der Fasten. Luc. C. 11, v. 14-28. vefus trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da wunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter nebst den Festlichen Vorlesungen. 29 sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibet das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und theilt den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere. Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätte, suchet Ruhe, und findet sie nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, findet er es mit Besemen gefehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst; und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volfe die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Beib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Vorlesung. Nachmittags. Hebr. 6. 12, b. 1-15. Laffet uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhle Gottes. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß ihr nicht in eurem Muthe matt werdet und ablasset. Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde; und habt bereits vergessen des Trostes, der zu euch redet, als zu den Kindern: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn, welchen der Herr lieb hat, den züchtiget er; er stäupet aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbietet sich euch Gott als Kindern: denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget? Seid ihr aberohne Züchtigung, welcher sie alle find theilhaftig geworden, so seid ihr Bastarte, und nicht Kinder. Auch so wir haben unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheuet, sollten wir denn nicht vielmehr unterthan sein dem geistlichen Vater, daß wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtiget wenige Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zu Nuß, aufdaß wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Darum richtet wieder auf die läffigen Hände und die müden Kniee; und thut gewisse Tritte mit euren Füßen, daß nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. Jaget nach dem Frieden gegen jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen. Und sehet darauf, daß nicht jemand Gottes Gnade versäume; daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte, und viele durch dieselbige verunreiniget werden. 30 Episteln und Evangelien, Epistel am 4. Sonntage in der Fasten, oder Lätare. Hebr. C. 9, v. 11-15. Christus ist gekommen, daß er sei ein Hoherprieſter der zukünftigen Güter, und der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit; wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gotte geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, aufdaß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen,( die unter dem ersten Testamente waren,) die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Jeu Evangelium am 4. Sonntage in der Fasten. Joh. C. 8, v. 46-59. esus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort: darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden, und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel; sondern ich ehre meinen Vater, und ihr verunehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben, und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprechet, es sei euer Gott; und kennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn, und so ich würde sagen: ich kenne ihn nicht; so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sahe ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm. Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich. Da hoben fie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus. Vorlesung. Nachmittags. Joh. C. 17. esus hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Bater, die Stunde auch verkläre; gleichwie du ihm Macht hast gegeben über alles Fleisch, aufdaß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das nebst den Festlichen Vorlesungen. 31 ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gefandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich habe dich verkläret auf Erden, und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es thun sollte. Und nun verkläre mich, du Vater, bei dir selbst, mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen geoffenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben haſt, habe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin; und glauben. daß du mich gefandt hast. Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt, findern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verfläret. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleich wie wir. Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich fie in deinem Namen. Die du mir gegeben haft, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir, und rede solches in der Welt, aufdaß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset fie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest; sondern daß du sie bewahrest vor dem Nebel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, aufdaß auch sie geheiliget seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, aufdaß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir, und ich in dir; daß auch sie in uns eins seien, aufdaß die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast. daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen, und du in mir, aufdaß sie vollkommen seien in eins, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt haft und liebest sie, gleichwie du mich liebest. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt fennet dich nicht; ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kund gethan, und will ihnen fund thun, aufdaß die Liebe, damit du mich liebeſt, sei in ihnen, und ich in ihnen. Epistel auf das Fest der Empfängniß Christi oder der Verkündigung Mariä, so am fünften Sonntage in der Fasten oder Judica gefeiert wird. Jes. 6. 7, b. 10-15. er Herr redete abermal zu Ahas, und sprach: Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei unten in der Hölle, 32 Episteln und Evangelien, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause Davids: Ist es euch zu wenig, daß ihr die Beute beleidiget, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. Evangelium auf das Fest der Empfängniß Christi oder der Verkündigung Mariä. Luc. C. 1, b. 26-38. er Engel Gabriel ward gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißet Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßet feist du, Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern. Da sie ihn aber sahe, erschrak sie über seine Rede, und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du haft Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gebären, değ Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß, und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jacobs ewiglich, und seines Königreichs wird fein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? fintemal ich von feinem Manne weiß. Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundete, ist auch schwanger mit einem Sohne in ihrem Alter, und gehet jetzt im sechsten Monat, die im Geschrei ist, daß fie unfruchtbar sei; denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. Vorlesungen. Vormittags. Röm. C. 5, v. 1-21. Wenn Nachmittags ein Stück der Passion oder die Epistel vorgeleſen wird; sonst bis v. 11, und Nachmittags die andere Hälfte. N un wir sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübfal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Denn auch Christus, da wir noch schwach waren, nach der Zeit, ist für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt faum jemand um des Rechtes willen; um etwas Gutes willen nebst den Festlichen Vorlesungen. 33 dürfte vielleicht jemand sterben. Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. So werden wir je vielmehr durch ihn behalten werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht worden sind. Denn so wir Gott versöhnet sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnet sind. Nicht allein aber das; sondern wir rühmen uns auch Gottes, durch unsern Herrn Jesum Christ, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben. * erhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt, und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gefündiget haben; denn die Sünde war wohl in der Welt, bis auf das Gesetz; aber wo kein Geset ist, da achtet man der Sünde nicht. Sondern der Tod herrschte von Adam an bis auf Mose, auch über die, die nicht gefündiget haben mit gleicher Uebertretung, wie Adam, welcher ist ein Bild deß, der zukünftig war. Aber nicht hält sich's mit der Gabe, wie mit der Sünde. Denn so an Eines Sünde viele gestorben sind, so ist vielmehr Gottes Gnade und Gabe vielen reichlich widerfahren, durch die Gnade des einigen Menschen, Jesu Christi. Und nicht ist die Gabe allein über Eine Sünde, wie durch des Einigen Sünders einige Sünde alles Verderben. Denn das Urtheil ist gekommen aus Einer Sünde zur Verdammniß; die Gabe aber hilft auch aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit. Denn so um des Einigen Sünde willen der Tod geherrschet hat durch den Einen, vielmehr werden die, so da empfangen die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit, herrschen im Leben durch Einen, Jesum Christ. Wie nun durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen ist, also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also auch durch Eines Gehorsam werden viele Gerechte. Das Gesetz aber ist neben eingekommen, aufdaß die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig worden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger geworden; aufdaß, gleichwie die Sünde geherrschet hat zu dem Tode, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesum Christ, unsern Herrn. Epistel am Palmsonntage. Philipp. C. 2, v. 5-13. in jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich sein; sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden; erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Also, meine Liebsten, wie ihr allezeit seid gehorsam gewesen, nicht allein in meiner Gegenwärtigkeit, sondern auch nun vielmehr in meinem Abwesen; schaffet, daß ihr selig werdet, mit 3 34 Episteln und Evangelien, Furcht und Zittern. Denn Gott ist es, der in euch wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Statt des Evangelii. Jes. C.53, welches auch Nachmittags vorgelesen wird. o spricht der Herr: Siehe, mein Knecht wird weislich thun, und wird erhöhet, und sehr hoch erhaben sein, daß sich viele über dir ärgern. werden, weil seine Gestalt häßlicher ist, denn anderer Leute, und sein Ansehen, denn der Menschen Kinder. Aber also wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten. Denn: welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werdens mit Lust sehen; und die nichts davon gehöret haben, die werden es merken. Aber wer glaubt unserer Predigt? Und wem wird der Arm des Herrn geoffenbaret? Denn er schießt auf vor ihm wie ein Reis, und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der allerverachtetste und unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplaget und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, aufdaß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Wir gingen alle in der Irre, wie Schafe, ein jeglicher sahe auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, that er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführet wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scheerer und seinen Mund nicht aufthut. Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missethat meines Volkes geplaget war. Und er ist begraben wie die Gottlosen und gestorben wie ein Reicher; wiewohl er niemand Unrecht gethan hat, noch Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des Herrn Bornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Und durch sein Erkenntniß wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starten zum Raube haben; darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat, und den Uebelthätern gleich gerechnet ist, und er vieler Sünde getragen hat, und für die Ulebelthäter gebeten. Epistel am grünen Donnerstage. 1. Cor. C. 11, b. 23-32. 3h gch habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm. er das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein: Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft nebst den Festlichen Vorlesungen. 35 ihr es trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brote esset und von diesem Kelche trintet, sollt ihr des Herrn Tod verfündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brote iffet, oder von dem Kelche des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brote und trinke von diesem Kelche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch so viele Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, aufdaß wir nicht sammt der Welt verdammet werden. Evangelium am grünen Donnerstage. Joh. C. 13, b. 1-15. Nor Lor dem Feste der Ostern, da Jesus erkannte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater; wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ifcharioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging: stand er vom Abendmahl auf, legte ſeine Kleider ab, und nahm einen Schurz, und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hob an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Jhr heißet mich Meister und Herr, und saget recht daran, denn ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gege= ben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Vorlesungen. Joh. C. 6, v. 47--58. Jehu esus sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste, und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, aufdaß, wer davon isset, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brote essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Da zankten die Juden unter einander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, 3* 36 Episteln und Evangelien, ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes, und trinten sein Blut, so habt ihr fein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset, und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch isset, und trintet mein Blut, der bleibet in mir, und ich in ihm. Wie mich gefandt hat der lebendige Vater, und ich lebe um des Vaters willen: also wer mich isset, derselbige wird auch leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist, nicht wie eure Väter haben Manha gegeffen, und sind gestorben. Wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit. Oder: Psalm 111. ich danke dem Herrn von ganzem Herzen, im Rath der Frommen und der hat eitel Lust daran. Was er ordnet, das ist löblich und herrlich; und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich. Er hat ein Gedächtniß geſtiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. Er giebt Speise denen, so ihn fürchten; er gedentet ewiglich an seinen Bund. Er läßt verfündigen seine gewaltigen Thaten seinem Volt, daß er ihnen gebe das Erbe der Heiden. Die Werte seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Gebote sind rechtschaffen. Sie werden erhalten immer und ewiglich, und geschehen treulich und redlich. Er sendet eine Erlösung seinem Volke; er verheißet, daß sein Bund ewiglich bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name. Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang; das ist eine feine Klugheit; wer darnach thut, deß Zob bleibet ewiglich. Epistel am 1. Ostertage. 1. Cor. G. 5, v. 6-8. ( uer Ruhm ist nicht sein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf= daß ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum laffet uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit und Schaltheit; sondern in dem Süßteige der Lauterkeit und Wahrheit. Evangelium am 1. Ostertage. Marc. C. 16, v. 1-8. a der Sabbath vergangen war, fauften Maria Magdalena und Maria Jacobi und Salome Specerei, aufdaß sie kämen und salbeten Jesum. Und sie famen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war: denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entseget euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gefreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, und sagten niemand nichts; denn sie fürchteten sich. 37 nebst den Festlichen Vorlesungen. Vorlesungen. Vormittags. Matth. C. 28.55 Am Abend des Sabbaths, welcher anbricht am Morgen des erſten Feierdas Grab zu besehen. Und siehe, es geschahe ein großes Erdbeben; denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu, und wälzte den Stein von der Thür, und setzte sich darauf. Und seine Gestalt war wie der Blib, und sein Kleid weiß wie der Schnee. Die Hüter aber erschrafen vor Furcht, und wurden, als wären sie todt. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: Fürchtet euch nicht, ich weiß, daß ihr Jesum den Gekreuzigten fuchet. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommet her, und sehet die Stätte, da der Herr gelegen hat; und gehet eilend hin und saget es seinen Jüngern, daß er auferstanden sei von den Todten. Und siehe, er wird vor euch hingehen in Galiläa, da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und fie gingen eilend zum Grabe hinaus mit Furcht und großer Freude; und Liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten. Und da sie gingen, seinen Jüngern zu verkündigen, siehe, da begegnete ihnen Jesus, und sprach: Seid gegrüßet! Und sie traten zu ihm und griffen an seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht; gehet hin und verfündiget es meinen Brüdern, daß sie gehen in Galiläa, dafelbst werden sie mich sehen. Da sie aber hingingen, siehe, da kamen etliche von den Hütern in die Stadt, und verkündigten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Und sie famen zusammen mit den Aeltesten und hielten einen Rath, und gaben den Kriegsknechten Geld genug und sprachen: Saget: Seine Jünger famen des Nachts, und stahlen ihn, dieweil wir schliefen. Und wo es würde auskommen bei dem Landpfleger, wollen wir ihn stillen und schaffen, daß ihr sicher seid. Und sie nahmen das Geld, und thaten, wie sie gelehret waren. Solches ist eine gemeine Rede worden bei den Juden, bis auf den heutigen Tag. Aber die elf Jünger gingen in Galiläa auf einen Berg, dahin Jesus sie beschieden hatte. Und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Nachmittags. 1. Petr. C. 1, v. 3-21. elobet fei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Varmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverweltlichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit( wo es sein soll) traurig seid in mancherlei Anfechtungen, aufdaß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das pergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu Lob, Preis und Ehre; wenn nun geoffenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn 38 Episteln und Evangelien, nicht sehet; so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. Nach welcher Seligkeit haben gesuchet und geforschet die Propheten, die von der zukünftigen Gnade auf euch geweisfaget haben, und haben geforschet, auf welche und welcherlei Zeit deutete der Geist Christi, der in ihnen war, und zuvor bezeuget hat die Leiden, die in Chrifto find, und die Herrlichkeit darnach; welchen es geoffenbaret ist. Denn sie haben es nicht ihnen selbst, sondern uns dargethan, welches euch nun verkündiget ist durch die, so euch das Evangelium verkündigt haben, durch den heiligen Geist vom Himmel gesandt; welches auch die Engel gelüstet zu schauen. Darum so begürtet die Lenden eures Gemüths, seid nüchtern, und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi, als gehorsame Kinder, und stellet euch nicht gleich wie vorhin, da ihr in Unwissenheit nach den Züsten lebetet; sondern nach dem, der euch berufen hat und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem euren Wandel. Denn es stehet geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Und sintemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk; so führet euren Wandel, so lange ihr hie wallet, mit Furcht; und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise; sondern mit dem theuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, der zwar zuvor versehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber geoffenbaret zu den letzten Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubet an Gott, der ihn auferwecket hat von den Todten, und ihm die Herrlichkeit gegeben, aufdaß ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet. Epistel am 2. Ostertage. Ap.- Gesch. C. 10, v. 34-41. etrus that seinen Mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volt, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verfündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum,( welcher ist ein Herr über alles,) die durch das ganze jüdische Land geschehen ist, und ausgegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte: wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gefalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft, der umher gezogen ist, und hat wohl gethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, das er gethan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehänget. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volke, sondern uns den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangelium am 2. Ostertage. Luc. 6. 24, v. 13-35. ween aus den Jüngern Jesu gingen an dem Tage seiner Auferstehung 3 in einen Flecken, der war von Jerusalem sechszig Feldweges weit, deß Name heißet Emmaus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten und befragten sich mit ein nebst den Festlichen Vorlesungen. 39 ander, nahete Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterweges, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten vor Gott und allem Volte: wie ihn unsere Hohenpriester und Oberften überantwortet haben zur Verdammniß des Todes und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die find frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, tommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden es also, wie die Weiber sagten, aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren, und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben; mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Moſse und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie tamen nahe zum Flecken, da sie hingingen; und er stellte sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, fehreten wieder gen Jerusalem, und fanden die Elfe versammelt und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erfannt wäre an dem, da er das Brot brach. Vorlesungen. Vormittags. 1. Cor. C. 15, v. 1-22. 3th ch erinnere euch, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verfündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch vertündiget habe, so ihr es behalten habt, es wäre denn, daß ihr es umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen; darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber find entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo; darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Apoſteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich Die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das 40 Episteln und Evangelien, ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene, also predigen wir, und also habt ihr geglaubet. So aber Christus geprediget wird, daß er sei von den Todten auferstanden; wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Todten sei nichts? Ist aber die Auferstehung der Todten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Chriftus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden aber auch erfunden falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Sott gezeuget hätten, er hätte Christum auferwecket, den er nicht auferwecket hätte, sintemal die Todten nicht auferstehen. Denn so die Todten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Chriftum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Todten, und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen. Sintemal durch einen Menschen der Tod, und durch einen Menschen die Auferstehung der Todten kommt. Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden. Nachmittags. 1. Cor. C. 15, v. 35-58. Möchte jemand fagen: Wie werden die Todten auferstehen? und mit sie kommen? Du das du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und was du säest, ist ja nicht der Leib, der werden soll; sondern ein bloßes Korn, nämlich Weizen, oder der andern eins. Gott aber giebt ihm einen Leib wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein anderes Fleisch ist der Menschen, ein anderes des Viehes, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel. Und es sind himmlische Körper und irdische Körper. Aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen, und eine andere die irdischen. Eine andere Klarheit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne; denn ein Stern übertrifft den andern nach der Klarheit. Also auch die Auferstehung der Todten. Es wird gefäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird gefäet in Unehre, und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gefäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es wird gefäet ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Hat man einen natürlichen Leib, so hat man auch einen geistlichen Leib. Wie es geschrieben stehet: Der erste Mensch, Adam, ist gemacht in das natürliche Leben; und der letzte Adam in das geistliche Leben. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Davon sage ich aber, lieben Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche. Siehe, ich sage euch ein Geheim 41 nebst den Festlichen Vorlesungen. niß: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbige plötzlich in einem Augenblick, zu der Zeit der legten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Todten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichfeit. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen das unverwesliche, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit; dann wird erfüllet werden das Wort, das geschrieben stehet: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Über der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Geset. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christum. Darum, meine lieben Brüder, feid fest, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werke des Herrn; sintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Epistel am 1. Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti genannt. 1. Joh. C. 5, v. 1-13. W er da glaubet, daß Jesus sei der Christ, der ist von Gott geboren. Und wer da liebet den, der ihn geboren hat, der liebet auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da fommt mit Wasser und Blut. Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort, und der heilige Geist; und diese drei sind eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist, und das Wasser, und das Blut; und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer; denn Gottes Zeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Wer Gott nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubet nicht dem Zeugniß, das Gott zeuget von seinem Sohne. Und das ist das Zeugniß, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Solches habe ich euch geschrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes, aufdaß ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habet, und daß ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes. Evangelium am 1. Sonntage nach Ostern. Joh. 6. 20, b. 19-31. [ m Abend desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede fei mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden. die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu 42 Episteln und Evangelien, ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meinen Finger in die Nägelmale, und lege meine Hand in seine Seite, will ich es nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger darinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buche. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. Epistel am 2. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini genannt. 1. Petri C. 2, b. 19-25. as ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Uebel verträgt, und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhni, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher teine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holze, aufdaß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Evangelium am 2. Sonntage nach Ostern. Joh. C. 10, v. 12-18. Yesus sprach: Ich bin ein guter Hirte. Ein guter Hirte läßt sein Leben Schafe nicht eigen sind, sichet den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und fliehet; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber fliehet; denn er ist ein Miethling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Heerde und ein Hirte werden. Darum liebet mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, aufdaß ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu lassen, und nebst den Festlichen Vorlesungen. habe es Macht wieder zu nehmen. Solches Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. Epistel am 3. Sonntage nach Ostern, Jubilate genannt. 1. Petri C. 2, b. 11-18. 43 Dieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, aufdaß die, so von euch afterreden als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Uebelthäter und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit; sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Evangelium am 3. Sonntage nach Ostern. Joh. C. 16, v. 16-23. esus sprach zu seinen Jüngern: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er saget zu uns: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, daß er jaget, über ein Kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter einander, daß ich gesagt habe: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Epistel am 4. Sonntage nach Ostern, Cantate genannt. Jac. C. 1, v. 12-21. elig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Niemand sage, wenn er ver= sucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen, er versucht niemand; sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Luft gereizt und gelockt wird. Darnach wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde; die Sünde 44 Episteln und Evangelien, id aber, wenn sie vollendet ist, gebicret sie den Tod. Jrret nicht, lieben Brüder! Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, aufdaß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit, und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches fann eure Seelen selig machen. E CROI Jefus Evangelium am 4. Sonntage nach Ostern. Joh. C. 16, v. 5-15. gesus sprach zu seinen Jüngern: Nun gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo gehest dit hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könntet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selbst reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er es nehmen, und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wird es von dem Meinen nehmen, und euch verkündigen. sportofobi per whild- ite er Epistel am 5. Sonntage nach Ostern, Rogate genannt. Jac. C. 1, v. 22-27. li eid Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stund an davon und vergißt, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Geseß der Freiheit und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter; derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich jemand unter euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz; deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: die Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt behalten. Evangelium am 5. Sonntage nach Ostern. Joh. C. 16, v. 23-33. gesus sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So nebst den Festlichen Vorlesungen. 45 es euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprüchwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüchwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will: denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprüchwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jeßt glaubet ihr. Siehe, es tommt die Stunde und ist schon gekommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich allein lasset; aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber feid getrost, ich habe die Welt überwunden. Die Epistel am Tage der Himmelfahrt Christi. Ap.- Gefch. C. 1, v. 1-11. ie erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem, das Jesus anfing, beides zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da ex aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, welche er hatte erwählet, durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte. Welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem heiligen Geifte getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebühret euch nicht, zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahrend, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangel. am Tage der Himmelfahrt Christi. Marc. C. 16, v. 14-20. a die Elfe zu Tische saßen, offenbarte sich Jesus und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden; und er sprach zu ihnen: D 46 Episteln und Evangelien, Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; auf die Kranten werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Vorlesungen. Vormittags. Hebr. C. 4, v. 14 bis C. 5, v. 9. Dieweil wir einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist; so lasset uns halten an dem Bekenntnisse. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben, gleichwie wir, doch ohne Sünde. Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhle, aufdaß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe noth sein wird. Denn ein jeglicher Hoherpriester, der aus den Menschen genommen wird, der wird geseßt für die Menschen gegen Gott, aufdaß er opfere Gaben und Opfer für die Sünden; der da könnte mit leiden über die, so unwissend sind und irren, nachdem er auch selbst umgeben ist mit Schwachheit. Darum muß er anch, gleichwie für das Volk, also auch für sich selbst, opfern für die Sünden. Und niemand nimmt ihm selbst die Ehre; sondern der auch berufen sei von Gott, gleichwie der Aaron. Also auch Christus hat sich nicht selbst in die Ehre geseßt, daß er Hoherpriester würde, sondern der zu ihm gesagt hat: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget. Wie er auch am andern Orte spricht: Du bist ein Priester in Ewigkeit, nach der Ordnung Melchisedek's. Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhöret, darum, daß er Gott in Ehren hatte. Und wiewohl er Gottes Sohn war, hat er doch an dem, das er litte, Gehorsam gelernet. Und da er ist vollendet, ist er worden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit. Nachmittags. Hebr. C. 9, v. 24 bis C. 10, v. 14. hristus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist,( welches ist ein Gegenbild des rechtschaffenen,) sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns. Auch nicht, daß er sich oftmals opfere, gleichwie der Hohepriester gehet alle Jahre in das Heilige mit fremdem Blute; sonst hätte er oft müssen leiden von Anfang der Welt her. Nun aber am Ende der Welt ist er einmal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen ist geseßt einmal zu sterben, darnach aber das Gericht: also ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden. Zum andernmal aber wird er ohne Sünde erscheinen denen, die auf ihn warten, zur Seligkeit. Denn das Gesetz hat den Schatten von den zukünftigen nebst den Festlichen Vorlesungen. 47 Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Alle Jahre muß man opfern immer einerlei Opfer, und kann nicht, die da opfern, vollkommen machen. Sonst hätte das Opfer aufgehöret, wo die, so am Gottesdienste sind, kein Gewissen mehr hätten von den Sünden, wenn sie einmal gereiniget wären. Sondern es geschiehet nur durch dieselbigen ein Gedächtniß der Sünden alle Jahre. Denn es ist unmöglich, durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegnehmen. Darum, da er in die Welt kommt, spricht er: Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, den Leib aber hast du mir zubereitet. Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme, im Buche stehet vornehmlich von mir geschrieben, daß ich thun soll, Gott, deinen Willen. Droben, als er gesagt hatte: Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht,( welche nach dem Gesetz geopfert werden;) da sprach er: Siehe, ich komme zu thun, Gott, deinen Willen. Da hebt er das erste auf, daß er das andere einsetze. In welchem Willen wir sind geheiliget, einmal geschehen durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage Gottesdienst pflege, und oftmals einerlei Opfer thue, welche nimmermehr können die Sünden abnehmen. Dieser aber, da er hat ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt, sigt er nun zur Rechten Gottes, und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiliget werden. Epistel am 6. Sonntage nach Ostern, Graudi genannt. 1. Petri C. 4, v. 8-11. ( eid mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe decket auch der Sünden Menge. Seid gastfrei unter einander ohne Murmeln, und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß er es thue als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, aufdaß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Je Evangel. am 6. Sonntage nach Ostern. Joh. C. 15, v. 26 bis C. 16, v. 4. Cesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet; der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, aufdaß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. Epistel am 1. Pfingsttage. Ap.- Gesch. C. 2, v. 1-18. [ Is der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren die Jünger des Herrn alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen 48 Episteln und Evangelien, vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man jahe an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden bestürzt; denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entfeßten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind?( Barther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa, und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Bamphylien, Egypten, und an den Enden der Sybien bei Kyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber: wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden.) Sie entsegten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten es ihren Spott, und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elfen, hob auf seine Stimme, und redete zu ihnen: Ihr Juden, lieben Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kund gethan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet; sintemal es ist die dritte Stunde am Tage; sondern das ist es, das durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist: Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Aeltesten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in denselbigen Tagen von meinem Geiste ausgießen, und sie sollen weissagen. Evangelium am 1. Pfingsttage. Joh. C. 14, v. 15-31. esus sprach zu seinen Jüngern: Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen; denn sie sieht ihn nicht, und fennet ihn nicht. Ihr aber fennet ihn, denn er bleibet bei euch, und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Es ist noch um ein Kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen; denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ihr in mir, und ich in euch. Wer meine Gebote hat, und hält sie, der ist es, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, und ich werde ihn lieben, und mich ihm offenbaren. Spricht zu ihm Judas, nicht der scharioth: Herr, was ist es, daß du uns dich willst offenbaren, und nicht der Welt? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine nebst den Festlichen Vorlesungen. 49 Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird es euch alles lehren, und euch erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es ge= schiehet, aufdaß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht mehr viel mit euch reden; denn es fommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir. Aber aufdaß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat, stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Vorlesungen. Vormittags. Ephef. 1, v. 2-21. Gnade nade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe; und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichthum seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist, durch allerlei Weisheit und Klugheit. Und hat uns wissen lassen das Geheimniß seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, und hat dasselbige hervorgebracht durch ihn, daß es geprediget würde, da die Zeit erfüllet war, aufdaß alle Dinge zusammen unter ein Haupt verfaffet würden in Christo, beides das im Himmel und auf Erden ist, durch ihn selbst; durch welchen wir auch zum Erbtheil gekommen sind, die wir zuvor verordnet sind, nach dem Vorsage deß, der alle Dinge wirket nach dem Rathe seines Willens; aufdaß wir etwas sein zu Lobe seiner Herrlichfeit, die wir zuvor auf Christum hoffen. Durch welchen auch ihr gehöret habt das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit; durch welchen ihr auch, da ihr glaubtet, versiegelt worden seid mit dem heiligen Geiste der Verheißung, welcher ist das Pfand unseres Erbes zu unserer Erlösung, daß wir sein Eigenthum würden, zu Zobe seiner Herrlichkeit. Darum auch ich, nachdem ich gehöret habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesum, und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebete, daß der Gott unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, zu seiner selbst Erkenntniß, und erleuchtete Augen eures Verständnisses, daß ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eures Berufes, und welcher da sei der Reichthum seines herrlichen Erbes an 4 50 Episteln und Evangelien, seinen Heiligen, und welche da sei die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung seiner mächtigen. Stärke, welche er gewirfet hat in Christo, da er ihn von den Todten auferwecket hat, und gefeßet zu seiner Rechten im Himmel, über alle Fürstenthum, Gewalt, Macht, Herrschaft, und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und hat alle Dinge unter seine Füße gethan, und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeine über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle deß, der alles in allem erfüllet. Nachmittags. Röm. C. 8, v. 1-11. G s ist nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gefeße unmöglich war,( sintemal es durch das Fleisch geschwächet ward,), das that Gott, und sandte seinen Sohn in der Gestalt des fündlichen Fleisches, und verdammte die Sünde im Fleisch durch Sünde: aufdaß die Gerechtigkeit, vom Geset erfordert, in uns erfüllet werde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste. Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnet; die aber geistlich sind, die find geistlich gesinnet. Aber fleischlich gesinnet sein, ist der Tod; und geistlich gesinnet sein, ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnet sein, ist eine Feindschaft wider Gott; sintemal es dem Gesetze Gottes nicht unterthan ist, denn es vermag es auch nicht. Die aber fleischlich find, mögen Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnet. Wer aber Christus Geist nicht hat, der ist nicht sein. So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar todt um der Sünde willen, der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. So nun der Geist deß, der Jesum von den Todten auferwecket hat, in euch wohnet: so wird auch derselbige, der Christum von den Todten auferwecket hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen, um deß willen, daß sein Geist in euch wohnet. Epistel am 2. Pfingsttage. Ap.- Gesch. C. 10, v. 42-48. Bet etrus sprach: Der Herr hat uns geboten, zu predigen dem Volfe, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entsetzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward; denn fie höreten, daß sie mit Zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium am 2. Pfingsttage. Joh. C. 3, v. 16-21. gefus sprach zu Nicodemo: Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, aufdaß alle, die an ihn glauben, nebst den Festlichen Vorlesungen. 51 nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte; sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hafset das Licht, und fommt nicht an das Licht, aufdaß seine Werte nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Vorlesungen. Vormittags. 1. Cor. Cap. 2. Nieben Brüder! da ich zu euch kam, tam ich nicht mit hohen Worten, oder hoher Weisheit, euch zu verkündigen die göttliche Predigt. Denn ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohne allein Jesum Christum, den Gefreuzigten. Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und mit großem Zittern. Und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft; aufdaß euer Glaube bestehe nicht auf Menschen Weisheit, sondern auf Gottes Kraft. Da wir aber von reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen; sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit, welche keiner von den Obersten dieser Welt erfannt hat: denn wo sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuziget; sondern, wie geschrieben stehet: Das tein Auge gesehen hat, und kein Ohr gehöret hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben; uns aber hat es Gott geoffenbaret durch seinen Geist. Denn der Geist erforschet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. Welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann; sondern mit Worten, die der heilige Geist lehret, und richten geistliche Sachen geistlich. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Thorheit, und kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich gerichtet sein. Der Geistliche aber richtet alles und wird von niemand gerichtet. Denn wer hat des Herrn Sinn erfannt? oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi Sinn. Nachmittags. Ap.- Gesch C. 2, b. 32-47. etrus sprach: Gott hat Jesum auferwecket, deß sind wir alle Zeugen. Nun er durch die Rechte Gottes erhöhet ist und empfangen hat die Verheißung des heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr sehet und höret. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren. Er spricht aber: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Sete 4* 52 Episteln und Evangelien, dich zu meiner Rechten, bis daß ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße. So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuziget habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat. Da sie aber das höreten, ging es ihner durchs Herz, und sprachen zu Petro und zu den andern Aposteln: Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir thun? Petrus sprach zu ihnen: Thut Bußze, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung, und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzu rufen wird. Auch mit viel andern Worten bezeugete er und ermahnete und sprach: Lasset euch helfen von diesen unartigen Leuten. Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen; und wurden hinzu gethan an dem Tage bei drei tausend Seelen. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebete. Es kam auch alle Seelen Furcht an; und geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig waren worden, waren bei einander, und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und Habe verkauften fie und theilten sie aus unter alle, nachdem jedermann noth war. Und sie waren täglich und stets bei einander einmüthig im Tempel und brachen das Brot hin und her in Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber that hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeine. Epistel am Feste der Dreieinigkeit. Röm. Cap. 11, v. 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beide der Weisheit und Erkennt= niß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat, des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Rathgeber gewesen? oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen. Evangelium am Feste der Dreieinigkeit. Joh. C. 3, b. 1-15. 3 war ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden; der kam zu Jefu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so fann er nicht in das Reich Gottes fommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er fommt, und wohin er fährt. nebst den Festlichen Vorlesungen. 53 Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich fage dir: Wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben; und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel iſt. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, aufdaß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Vorlesungen. Vormittags. Joh. C. 14, v. 1-17. Jefus efus sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen und euch zu mir nehmen, aufdaß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr! wir wissen nicht, wo du hingehest, und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand fommt zum Bater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so tennetet ihr auch meinen Vater. Und von nun an fennet ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Bater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennest mich nicht? Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubest du nicht, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet, derselbige thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die ich thue, und wird größere, denn diese thun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, aufdaß der Vater geehret werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun. Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen; denn sie siehet ihn nicht, und kennet ihn nicht. Ihr aber fennet ihn, denn er bleibet bei euch, und wird in euch sein. Nachmittags. 5. B. Mos. C. 6, v. 1-15. ies sind die Gesetze und Gebote und Rechte, die der Herr, euer Gott, geboten hat, daß ihr sie lernen und thun sollt im Lande, dahin ihr ziehet, dasselbe einzunehmen; daß du den Herrn, deinen Gott, fürchteſt, und haltest alle seine Rechte und Gebote, die ich dir gebiete, du 54 Episteln und Evangelien, und deine Kinder, und deine Kindes Kinder, alle eure Lebtage, aufdaß ihr lange lebet. Israel, du sollst hören und behalten, daß du es thust, daß dirs wohl gehe, und sehr vermehret werdest; wie der Herr, deiner Väter Gott, dir geredet hat, ein Land, da Milch und Honig innen fließet. Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen; und sollst sie deinen Kindern schärfen, und davon reden, wenn du in deinem Hause sizest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest, oder aufstehest; und sollst fie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein; und sollst sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Thore. Wenn dich nun der Herr, dein Gott, in das Land bringen wird, das er deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, dir zu geben, große und feine Städte, die du nicht gebauet hast, und Häuser alles Gutes voll, die du nicht gefüllet hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen. haft, und Weinberge, und Delberge, die du nicht gepflanzet hast, daß du effeſt und satt wirst: so hüte dich, daß du nicht des Herrn vergessest, der dich aus Egyptenland, aus dem Diensthause, geführet hat; sondern sollst den Herrn, deinen Gott, fürchten und ihm dienen und bei seinem Namen schwören. Und sollst nicht andern Göttern nachfolgen, der Völker, die um euch her sind. Denn der Herr, dein Gott, ist ein eifriger Gott unter dir; daß nicht der Zorn des Herrn, deines Gottes, über dich ergrimme und vertilge dich von der Erde. Oder: Jej. C. 48, b. 10--22. D ( o spricht der Herr: Siehe, ich will dich läutern, aber nicht wie Silber; sondern ich will dich auserwählt machen im Ofen des Elendes. Um meinetwillen, ja um meinetwillen, will ich es thun, daß ich nicht gelästert werde; denn ich will meine Ehre keinem andern lassen. Höre mir zu, Jakob, und du Israel, mein Berufener: Ich bin's, ich bin der Erste, dazu auch der Letzte. Meine Hand hat den Erdboden gegründet, und meine rechte Hand hat den Himmel umspannet; was ich rufe, das stehet alles da. Sammelt euch alle, und höret: Wer ist unter diesen, der solches verkündigen fann? Der Herr liebt ihn: darum wird er seinen Willen an Babel, und seinen Arm an den Chaldäern beweisen. Ich, ja, ich habe es gesagt, ich habe ihn gerufen; ich will ihn auch kommen lassen, und sein Weg soll ihm gelingen. Tretet her zu mir und höret dies; ich habe es nicht im Verborgenen zuvor geredet. Von der Zeit an, da es geredet wird, bin ich da; und nun sendet mich der Herr Herr und sein Geist. So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige in Israel: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehret, was müzlich ist, und leitet dich auf dem Wege, den du gehest. daß du auf meine Gebote merktest: so würde dein Friede sein, wie ein Wasserstrom, und deine Gerechtigkeit, wie Meereswellen; und dein Same würde sein, wie Sand, und das Gewächs deines Leibes, wie desselbigen Kies; değ Name nicht würde ausgerottet noch vertilget vor mir. Gehet aus von Babel, fliehet von den Chaldäern mit fröhlichem Schall; verkündiget und lasset solches hören, bringet es aus bis an der nebst den Festlichen Vorlesungen. 55 Welt Ende. Sprechet: Der Herr hat seinen Knecht Jakob erlöset. Sie hatten keinen Durst, da er jie leitete in der Wüste; er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen; er riß den Fels, daß Wasser heraus Aber die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden. Epistel am 1. Sonntage nach Trinitatis. 1. Joh. Cap. 4, v. 16-21. ott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, aufdaß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe. sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Laffet uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Jesus Evang. am 1. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 16, v. 19-31. Cesus sprach: Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch famen die Hunde, und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sahe Abraham von ferne und Lazarum in seinem Schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner, und sende Lazarum, daß er das Neußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedente, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böſes empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß, die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, aufdaß fie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten; laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten aufstände. Epistel am 2. Sonntage nach Trinitatis. 1. Joh. C. 3, v. 13-24. erwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; Denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet V 56 Episteln und Evangelien, im Tode. Wer seinen Bruder hafset, der ist ein Todtschläger; und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, und siehet feinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu: wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge: sondern mit der That und mit der Wahrheit. Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm stillen, dağ, so uns unser Herz verdammet, Gott größer ist, denn unser Herz, und erkennet alle Dinge. Ihr Lieben! so uns unser Herz nicht verdammet, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm nehmen; denn wir halten seine Gebote und thun, was vor ihm gefällig ist. Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesu Christi, und lieben uns unter einander, wie er uns ein Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, der bleibet in ihm, und er in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in uns bleibet, an dem Geiste, den er uns gegeben hat. Jejus Evang. am 2. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 22, v. 1--- 14. esus sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte; und sandte seine Knechte aus, daß fie die Gäste zur Hochzeit riefen: und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und födteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein gekommen, und hast doch fein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen; denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Oder: Luc. 6. 14, b. 16-24. esus sprach: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommet, denn es ist alles bereit. Und sie fingen an alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, fie nebst den Festlichen Vorlesungen. 57 zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht fam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen und Krüppel und Sahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, aufdaß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer feiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. A₁ Epistel am 3. Sonntage nach Trinitatis. 1. Petri C. 5, v. 5-11. Nesammt seid unter einander unterthan, und haltet fest an der Demuth. Denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher, wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet feſt im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigteit. Amen. Evangel. am 3. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 15, v. 1-10. s naheten zu Jesu allerlei Zölliter und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß, und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eins verlieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Epistel am 4. Sonntage nach Trinitatis.. Röm. C. 8, b. 18-27. ch halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sei, die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ängstliche 58 Episteln und Evangelien, Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren Willen, sondern um değ willen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienste des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unseres Leibes Erlösung. Denn wir sind wohl felig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man siehet, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man deß hoffen, das man fiehet? So wir aber deß hoffen, das wir nicht sehen; so warten wir sein durch Geduld. Desselbigen gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gebühret; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste, mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen, nach dem, das Gott gefällt. Evangel. am 4. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 6, v. 31-42. gejus sprach: Wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr. Und so ihr liebet, die euch lieben; was Dants habt ihr davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber. Und wenn ihr euren Wohlthätern wohl thut; was Dants habt ihr davon? Denn die Sünder thun dasselbige auch. Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen; was Dants habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, aufdaß sie gleiches wieder nehmen. Doch aber liebet eure Feinde; thut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet: so wird euer Lohn groß sein, und werdet Kinder des Allerhöchsten sein. Denn er ist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schooß geben: denn eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und Jesus sagte ihnen ein Gleichniğ: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie fannst du sagen zu deinem Bruder: Ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge, und siehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Epistel am 5. Sonntage nach Trinitatis. 1. Petri C. 3, b. 8-15. eid allesammt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort nebst den Festlichen Vorlesungen. 59 mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen ererbet. Denn wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nicht Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen und thue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. G Evangelium am 5. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 5, v. 1-11. ( a begab sich, da sich das Volk zu Jesu drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth und sahe zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten, und wuschen ihre Netze: trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führete. Und er sette sich und lehrete das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die in dem andern Schiffe waren, das sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also, daß sie santen. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein fündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken angekommen und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten; desselbigen gleichen auch Jakobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgten ihm nach. W Epistel am 6. Sonntage nach Trinitatis. Röm. C. 6, v. 3-14. isset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die find in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, aufdaß, gleichwie Christus ist auferwecket von den Todten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein: dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuziget ist, aufdaß der fündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus, von den Todten erwecket, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht Herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem mal; das er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, 60 Episteln und Evangelien, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüften. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit; sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus dent Todten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigteit. Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch; sintemal ihr nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade. Evang. am 6. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 5, v. 17-26. gefus sprach: Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tüttel vom Gesetze, bis daß es alles geschehe. Wer nun cins von diesen fleinsten Geboten auflöset, und lehret die Leute also, der wird der kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habet gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum wenn du deine Gabe auf dem Altare opferst und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem Altare deine Gabe, und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder; und alsdann komm, und opfere deine Gabe. Sei willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, aufdaß dich der Widerfacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. Epistel am 7. Sonntage nach Trinitatis. Röm. Cap. 6, v. 15-23. ollen wir fündigen, dieweil wir nicht unter dem Geset, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! Wisset ihr nicht, welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, deß Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid; es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigteit. Gott sei aber gedankt, daß ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam worden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid. Denn nun ihr frei worden seid von der Sünde, seid ihr Knechte worden der Gerechtigkeit. Ich muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienste der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zu der andern: also begebet nun auch eure Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; nebst den Festlichen Vorlesungen. 61 denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte worden, habet ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium am 7. Sonntage nach Trinitatis. Marc. C. 8, v. 1-9. 3 Du der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brote? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt; und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei vier tausend, die da gegessen hatten; und er ließ fie von sich. Oder: Joh. C. 6, v. 1-15. Jefu esus fuhr weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen? Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte. Philippus antwortete ihm: Zweihundert Pfennige werth Brots ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zween Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Orte. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umtomme. Da sammelten sie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die übrig blieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. 62 Episteln und Evangelien, Epistel am 8. Sonntage nach Trinitatis. Röm. Cap. 8, b. 12-17. Wir ir sind, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleische, daß wir nach dem Fleische Leben. Denn wo ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist giebt Zeugniß unserm Geiste, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi; so wir anders mit leiden, aufdaß wir auch mit zu der Herrlichkeit erhoben werden. Evang. am 8. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 7, b. 13-29. v. esus sprach: Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet; und Wenige sind ihrer, die ihn finden. Sehet euch vor vor den falschen Propheten. die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben Lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen, Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; fondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erfannt; weichet alle von mir, ihr llebelthäter! Darum, wer diese meine Rede höret, und thut sie, den vergleiche ich einem flugen Manne, der sein Haus auf einen Felsen bauete. Da nun ein Plaßregen fiel, und ein Gewässer tam, und weheten die Winde und stießen an das Haus: fiel es doch nicht, denn es war auf einen Felsen gegründet. Und wer diese meine Rede höret, und thut sie nicht, der ist einem thörichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand bauete. Da nun ein Platzregen fiel, und kam ein Gewässer, und weheten die Winde und stießen an das Haus: da fiel es und that einen großen Fall. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre. Denn er predigte gewaltig, und nicht wie die Schriftgelehrten. Epistel am 9. Sonntage nach Trinitatis. 1. Cor. C. 10, b. 1-13. ch will euch. lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind gegangen, und sind alle unter Mofen getauft, mit der Wolte und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speisen gegessen, und haben nebst den Festlichen Vorlesungen. 63 alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geiſtlichen Fels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüften lassen des Bösen, gleichwie jene gelüftet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden; als geschrieben ſtehet: Das Volk setzte sich nieder zu essen und zu trinken und stand auf zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche, Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Jejus Evangel. am 9. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 16, v. 1-12 esus sprach zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amte gesetzt werde, daß fie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Oels. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, sebe dich und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt find flüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte. Und ich fage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, aufdaß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht tren seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist? Epistel am 10. Sonntage nach Trinitatis. 1. Cor. C. 12, b. 1-12. Von Ron den geistlichen Gaben will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wiffet, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Gözen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich 64 Episteln und Evangelien, euch fund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben zu reden von der Erkenntniß, nach dentselbigen Geist; einem andern der Glaube, in demselbigen Geist; einem andern die Gabe gefund zu machen, in demselbigen Geist; einem andern Wunder zu thun; einem andern Weissagung; einem andern Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Sprachen; einem andern die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirket derselbige einige Geist und theilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Denn gleichwie ein Leib ist und hat doch viele Glieder; alle Glieder aber eines Leibes, wiewohl ihrer viele sind, sind sie doch ein Seib: also auch Christus. Evang. am 10. Sonntage nach Trinitatis. Suc. C. 19, v. 41-48. Is Jesus nahe bei Jerusalem tam, sahe er die Stadt an und weinete über sie und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken, zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen und feinen Stein auf dem andern lassen; darum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesuchet bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volke trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an und hörte ihn. Epistel am 11. Sonntage nach Trinitatis. 1. Cor. C. 15, b. 1-10. ch erinnere euch, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verhabt, ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welchergestalt ich es euch verkündiget habe, so ihr es behalten habt; es wäre denn, daß ihr es umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünf hundert Brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes ver nebst den Festlichen Vorlesungen. 65 folget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; aber nicht ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Jejus Evangel. am 11. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 18, v. 9-14. vesus sagte zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solches Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel, zu beten; einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbſt. also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben_gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Epistel am 12. Sonntage nach Trinitatis. 2. Cor. C. 3, v. 4-9. in solches Vertrauen haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott: welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments; nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Ifrael nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhöret: wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammniß prediget, Klarheit hat; vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Evang. am 12. Sonntage nach Trinitatis. Marc. C. 7, v. 31-37. Da a Jesus wieder ausging von den Grenzen Thrus und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volke besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spühete und rührete seine Zunge und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata! das ist: thue dich auf! Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten, und verwunderten sich über die Maaße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend, und die Sprachlosen redend. C5 Epistel am 13. Sonntage nach Trinitatis. Gal. C. 3, v. 13-22. hristus hat uns erlöset von dem Fluche des Gesetzes, da er ward ein. Fluch für uns,( denn es stehet geschrieben: Verflucht sei jeder5 66 Episteln und Evangelien, mann, der am Holze hänget,) aufdaß der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christo Jesu, und wir also den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben. Lieben Brüder! ich will nach menschlicher Weise reden: verachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätiget ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht, durch die Samen, als durch viele, sondern als durch einen, durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon: das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durch das Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vier hundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines Einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? ist denn das Gesetz wider Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da tönnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetze. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, aufdaß die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangel. am 13. Sonntage nach Trinitatis. Zuc. C. 10, b. 23-42. Jefus Yesus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehört. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn, und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieſelbige Straße hinab zog; und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Del und Wein, und hob ihn auf sein Thier und führete ihn in die Herberge und pflegte sein. Des andern Tages reisete er und 30g heraus zween Groschen und gab sie dem Wirthe und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst darthun, will ich dir es bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen nebst den Festlichen Vorlesungen. 67 war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen. Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Da war ein Weib, mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörete seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragest du nicht darnach, daß mich meine Schwester lässet allein dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; Eins aber ist noth. Maria hat das gute Theil erwählet, das soll nicht von ihr genommen werden. Epistel am 14. Sonntage nach Trinitatis. Gal. C. 5, v. 16-24. ch sage: Wandelt im Geiste, so werdet ihr die Lüste des Fleisches Fleisch gelüftet wider den Geist nicht vollbringen. nicht vollbringen. Denn das und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so feid ihr nicht unter dem Gesetze. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, 3wietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen, und dergleichen; von welchem ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Christo angehören, die freuzigen ihr Fleisch sammt den Züsten und Begierden. & Evangel. am 14. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 17, v. 11-19. s begab sich, da Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn ausfähige Männer, die standen von ferne, und erhobent ihre Stimme, und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, fehrete er um, und pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht Zehn rein geworden; wo sind aber die Neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrete und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Epistel am 15. Sonntage nach Trinitatis. Gal. C. 5, v. 25 bis C. 6, v. 10. o wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln. Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, uns unter einander zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch ver5* 68 Episteln und Evangelien, suchet werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich jemand läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbst Werk; und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Worte, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleische das Verderben ernten; wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geiste das ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangel. am 15. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 6, v. 19-34. Jejus esus sprach zu seinen Jüngern: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nach graben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nach graben, noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge ein Schalt ist, fo wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn aber das Licht, das in dir ist, Finsterniß ist; wie groß wird dann die Finsterniß selber sein? Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben; oder er wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie fäen nicht, fie ernten nicht, fie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusehen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum forget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird; sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns fleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. nebst den Festlichen Vorlesungen. 69 Epistel am 16. Sonntage nach Trinitatis. Ephes. Cap. 3, b. 8-21. Mir, ir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, unter den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichthum Christi und zu erleuchten jedermann, welche da sei die Gemeinschaft des Geheimnisses, das von der Welt her in Gott verborgen gewesen ist, der alle Dinge geschaffen hat durch Jesum Christum; aufdaß jetzt fund würde den Fürstenthümern und Herrschaften in dem Himmel an der Gemeine die mannigfaltige Weisheit Gottes, nach dem Vorfaze von der Welt her, welche er bewiesen hat in Christo Jesu, unſerm Herrn; durch welchen wir haben Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Trübsalen willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden; aufdaß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles wissen; aufdaß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangel. am 16. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 7, v. 11-17. 3 begab sich, daß Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging, und seiner Jünger gingen viele mit ihm, und viel Volks. Äls er aber nahe an das Stadtthor fam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Wittwe, und viel Volts aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und rührete den Sarg an; und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Todte richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es tam sie alle eine Furcht an, und priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Länder. Epistel am 17. Sonntage nach Trinitatis. Ephes. C. 4, v. 1-6. ch Gefangener in dem Herrn ermahne euch, daß ihr wandelt, wie fichs gebühret eurem Berufe, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch alle unt durch euch alle und in euch allen. Episteln und Evangelien, G Evangelium am 17. Sonntage nach Trinitatis. Luc. C. 14, b. 1-11. 3 begab sich, daß Jesus kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer auf einen Sabbath, das Brot zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharifäern, und sprach: Ist es auch recht, auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilete ihn und ließ ihn. gehen; und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsobald ihn heraus ziehet am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten oben an zu siten, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem; und du müsseft dann mit Scham unten an sizzen. Sondern wen. du geladen wirst, so gehe hin und sebe dich unten an, aufdaß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sizen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. 70 Epistel am 18. Sonntage nach Trinitatis. 1. Cor. C. 1, v. 4-9. ch danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntniß. Wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig worden ist, also daß ihr feinen Mangel habt angend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi; welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zu der Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangel. am 18. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 22, b. 34-46. D a die Pharifäer höreten, daß Jesus den Sadduzäern das Maul ge= stopfet hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn, und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesez? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüthe. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus und sprach: Wie dünket euch um Christo? weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geiste einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Sezze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße? So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. nebst den Festlichen Vorlesungen. 71 Epistel am 19. Sonntage nach Trinitatis. Ephef. C. 4, b. 17-32. ch fage und zeuge in dem Herrn, daß ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens; welche ruchlos sind, und ergeben sich der Unzucht, und treiben allerlei Unreinigkeit sammt dem Geize. Ihr aber habt Christum nicht also gelernet; so ihr anders von ihm gehöret habt und in ihm gelehret seid, wie in Jesu ein rechtschaffenes Wesen ist. So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Frrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüths; und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, fintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und fündiget nicht; laffet die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr; sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes,-aufdaß er habe zu geben dem Dürftigen. Lasset fein faules Geschwäß aus eurem Munde gehen; sondern was nüßlich zur Besserung ist, da es noth thut, daß es holdselig sei zu hören. Und betrübet, nicht den heiligen Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. Alle Bitterfeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Västerung sei ferne von euch, sammt aller Bosheit. Seid aber unter einander freundlich, herzlich, und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Chrifto. Jefus Evangel. am 19. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 9, vb. 1-8. gefus trat in das Schiff und fuhr wieder über das Meer und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gicht= brüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben; oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Aufdaß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden die Sünde zu- vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bette auf, und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich, und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Epistel auf das Fest der Reformation, welches am 20. Sonntage nach Trinitatis gefeiert wird. Ephef. C. 5, v. 8-21. hr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Und prüfet, was da sei wohlgefällig dem Herrn. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß, strafet sie aber Episteln und Evangelien, vielmehr. Denn was heimlich von ihnen geschiehet, das ist auch schändlich zu sagen. Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Lichte gestraft wird. Denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum spricht er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches Wesen folgt; sondern werdet voll Geistes und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern. Singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen, und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi; und seid unter einander unterthan in der Furcht Gottes. 72 Oder: Epistel Gal. C. 5, v. 1-15. Beste estehet in der Freiheit, damit uns Christus befreiet hat, und lasſet euch nicht wiederum in das, knechtische Joch fangen. Siehe, ich Paulus sage euch: Wo ihr euch beschneiden laßt, so ist euch Christus kein nüße. Ich zeuge abermal einem jeden, der sich beschneiden läßt, daß er noch das ganze Gesetz schuldig ist zu thun. Ihr habt Christum verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen. Wir aber warten im Geiste durch den Glauben der Gerechtigkeit, der man hoffen muß. Denn in Christo Jeju gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Ihr liefet fein. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Solches Neberreden ist nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Ich versehe mich zu euch in dem Herrn, ihr werdet nicht anders gesinnet sein. Wer euch aber irre macht, der wird sein Urtheil tragen, er sei wer er wolle. Ich aber, lieben Brüder, so ich die Beschneidung noch predige, warum leide ich denn Verfolgung? So hätte das Aergernis des Kreuzes aufgehöret. Wollte Gott, daß sie auch ausgerottet würden, die euch verstören. Ihr aber, lieben Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein sehet zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleische nicht Raum gebet; sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn alle Gesetze werden in einem Worte erfüllet, in dem: Liebe deinen Nächsten als dich selbst. So ihr euch aber unter einander beißet und fresset, so sehet zu, daß ihr nicht unter einander verzehret werdet. Statt des Evangelii. Psalm 119, v. 29-52. err! wende von mir den falschen Weg und gönne mir dein Gesetz. Ich habe den Weg der Wahrheit erwählet, deine Rechte habe ich vor mich gestellet. Ich hange an deinen Zeugnissen; Herr, laß mich nicht zu Schanden werden. Wenn du mein Herz tröstest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Zeige mir, Herr, den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre bis ans Ende. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz und halte es von ganzem Herzen. Führe mich auf dem Steige deiner Gebote, denn ich habe Lust dazu. Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht zum Geize. Wende meine Augen ab, daß sie nebst den Festlichen Vorlesungen. 73 nicht sehen nach unnüßer Lehre; sondern erquicke mich auf deinem Wege. Laß deinen Knecht dein Gebot festiglich für dein Wort halten, daß ich dich fürchte. Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn deine Rechte sind lieblich. Siehe, ich begehre deiner Befehle; erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit. Herr, laß mir deine Gnade widerfahren, deine Hülfe nach deinem Wort, daß ich antworten möge meinem Lästerer; denn ich verlasse mich auf dein Wort. Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Rechte. Ich will dein Gesetz halten allewege, immer und ewiglich. Und ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle. Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht, und habe Lust an deinen Geboten und sind mir lieb, und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind; und rede von deinen Rechten. Gedenke deinem Knechte an dein Wort, auf welches du mich läsfest hoffen. Das ist mein Trost in meinem Elende; denn dein Wort erquicket mich. Die Stolzen haben ihren Spott an mir; dennoch weiche ich nicht von deinem Geset. Herr, wenn ich gedente, wie du von der Welt her gerichtet hast, so werde ich getröstet. Vorlesungen. Vormittags. Matth. C. 11, v. 20-30. esus fing an, die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner Thaten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebessert: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! wären solche Thaten zu Tyro- und Sidon geschehen, als bei euch geschehen sind: sie hätten vor, Zeiten im Sack und in der Asche Buße gethan. Doch ich sage euch: Es wird Tyro und Sidon erträglicher ergehen am jüngsten Gerichte, denn euch. Und du, Capernaum, die du bist erhoben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden. Denn so zu Sodom die Thaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind: sie stünde noch heutiges Tages. Doch ich sage euch: Es wird der Sodomer Lande erträglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn dir. Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen geoffenbaret. Ja Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch, und Lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Nachmittags. 1. Cor. C. 3. ch, lieben Brüder, konnte nicht mit euch reden als mit geistlichen, Milch habe ich euch zu trinken gegeben, und nicht Speise; denn ihr konntet noch nicht; auch könnet ihr noch jetzt nicht, dieweil ihr noch fleischlich seid. Denn sintemal Eifer und Zank und Zwietracht unter euch sind; seid ihr denn nicht fleischlich und wandelt nach menschlicher Episteln und Evangelien, Weise? Denn so einer sagt: Ich bin Paulisch; der andere aber: Ich bin Apollisch; seid ihr denn nicht fleischlich? Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig worden; und dasselbige, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzet, noch der da begießet, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen giebt. Der aber pflanzet, und der da begießet, ist einer wie der andere. Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerwerk und Gottes Gebäude. Ich von Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt, als ein weiser Baumeiſter; ein anderer bauet darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baute. Einen andern Grund kann zwar niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. So aber jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln: so wird eines jeglichen Werk offenbar werden, der Tag wird es klar machen; denn es wird durchs Feuer offenbar werden, und welcherlei eines jeg= lichen Werk sei, wird das Feuer bewähren. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebauet hat; so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er deß Schaden leiden: er selbst aber wird selig werden, so doch, als durchs Feuer. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? So jemand den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott ner-derben; denn der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr. Niemand betrüge sich selbst. Welcher sich unter euch dünket weise zu sein, der werde ein Narr in dieser Welt, daß er möge weise sein. Denn dieser Welt Weisheit ist Thorheit bei Gott. Denn es stehet geschrieben: Die Weisen erhaschet er in ihrer Klugheit. Und abermal: Der Herr weiß der Weifen Gedanken, daß sie eitel sind. Darum rühme sich niemand eines Menschen. Es ist alles euer: es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige; alles ist euer. Ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes. 74 Epistel am 21. Sonntage nach Trinitatis. Ephef. C. 6, v. 10-20. Meine Brüder! seid start in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Bottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um değwillen so ergreifet den Harnisch Gottes, aufdaß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Senden mit Wahrheit und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurige Pfeile des Bösewichts; und nehmet den Helm des Heils, und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Und betet stets in allem Anliegen, mit Bitten und Flehen 75 nebst den Festlichen Vorlesungen. im Geiste, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen, und für mich, aufdaß mir gegeben werde das Wort mit freudigem Aufthun meines Mundes, daß ich möge fund machen das Geheimniß des Evangelii; welches Bote ich bin in der Kette, aufdaß ich darinnen freudig handeln möge und reden, wie sichs gebühret. Evangelium am 21. Sonntage nach Trinitatis. Joh. C. 4, v. 47-54. ( s war ein Königischer, deß Sohit lag frank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläam, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinab käme und hülfe seinem Sohne; denn er war todtkrant. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet! Da forschte er von ihnen die Stunde, in mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, dağ es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen Haufe. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam kam. welcher es besser G Epistel am 22. Sonntage nach Trinitatis. Philipp. C. 1, v. 3-11. ch danke meinem Gott, so oft ich euer gedente,( welches ich allezeit thue in allem meinem Gebet für euch alle, und thue das Gebet mit Freuden,) über eurer Gemeinschaft am Evangelio vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte; darum, daß ich euch in meinem Herzen habe in diesem meinem Gefängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade theilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrunde in Jesu Christo. Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei; aufdaß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Chriftum geschehen( in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Evangel. am 22. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 18, b. 21-35. etrus sprach zit Jesu: Herr, wie oft muß ich meinem Bruder, der an mir fündiget, vergeben? Jst's genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib, und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da 76 Episteln und Evangelien, fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig biſt. Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn in das Gefängniß, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: Du Schalksknecht! alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Epistel am 23. Sonntage nach Trinitatis. Phil. C. 3, v. 8-21. ych achte es alles für Schaden gegen die überschwengliche Erkenntniß Schaden gerechnet, und achte es für Dreck, aufdaß ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde; daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gefeße, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde: damit ich entgegen komme zur Auferstehung der Todten. Nicht, daß ich es schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. Meine Brüder, ich schäße mich selbst noch nicht, daß ich es ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was da hinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist; und jage nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Wie viele nun unser vollkommen sind, die laßt uns also gesinnet sein; und sollet ihr sonst etwas halten, das laßt euch Gott offenbaren; doch so ferne, daß wir nach einer Regel, darein wir gekommen sind, wandeln und gleich gesinnet sein. Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi; welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jeſu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. 77 nebst den Festlichen Vorlesungen. Evangel. am 23. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 22, v. 15-33. Di ie Pharisäer gingen hin und hielten einen Rath, wie sie Jesum fingen in seiner Rede; und fandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrest den Weg Gottes recht und du fragest nach niemand; denn du achteft nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünfet dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schaltheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon. An demselbigen Tage traten zu ihm die Sadduzäer, die da halten, es sei keine Auferstehung, und fragten ihn und sprachen: Meister, Moses hat gesagt: So einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder Samen erwecken. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freiete und starb, und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er fein Weib seinem Bruder. Desselbigen gleichen der andere, und der dritte, bis an den siebenten. Zuletzt nach allen starb auch das Weib. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie sein unter den sieben? Sie haben sie ja alle gehabt. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret, und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes. In der Auferstehung werden sie weder freien, noch sich freien lassen; sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im Himmel. Habt ihr aber nicht gelesen von der Todten Auferstehung, das euch gesagt ist von Gott, da er spricht: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott saaks und der Gott Jacobs? Gott aber ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Und da solches das Volk hörete, entsetzten sie sich über seine Lehre. Epistel am 24. Sonntage nach Trinitatis. Coloff. C. 1, v. 9-14. W ir hören nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß seines Willens in allerlei geiſtlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken und wachset in der Erkenntniß Gottes und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit, mit Freuden; und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Lichte; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß und hat uns versezzet in das Reich seines lieben Sohnes; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangel. am 24. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 9, b. 18-26. s kam der Obersten einer und fiel vor Jeſu nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf und folgte ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre 78 Episteln und Evangelien, den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm und rührete seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wendete sich Jesus um und sahe sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam und jahe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erschallete in dasselbige ganze Land. Epistel am 25. Sonntage nach Trinitatis. 1. Theff. C. 4, v. 13-18. Mir wollen cuch, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, aufdaß ihr nicht traurig seid, wie die andern, die feine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist: also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrigbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst; darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangel. am 25. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 24, v. 15-28. vesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn ihr sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen Stätte;( wer das lieset, der merke darauf!) alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre, nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübfal sein, als nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bisher und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da: so sollet ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste: so gehet nicht hinaus! Siehe, er ist in der Kammer: so glaubet es nicht! Denn gleichwie der Blizz ausgehet vom Aufgange und scheinet bis zum Niedergange; also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohnes. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. nebst den Festlichen Vorlesungen. 79 Epistel am 26. Sonntage nach Trinitatis. 2. Thess. C. 1, v. 3-10. ir sollen Gott danken allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächset sehr und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegen einander; also, daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von eurer Geduld und Glauben, in allen euren Verfolgungen und Trübsalen, die ihr duldet; welches anzeigt, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reiche Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht iſt bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübfal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird offenbaret werden vom Himmel sammt den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers Herrn Jesu Christi; welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesichte des Herrn und von seiner herrlichen Macht; wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubet. Jeju Evangel. am 26. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 25, b, 31-46. Yesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er siten auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit; und werden. vor ihm alle Völfer versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen! Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich geſpeiset? oder durstig, und haben dich getränket? wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? oder nackend, und haben dich bekleidet? wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und find zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin frank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig, oder durstig, oder 80 Episteln und Evangelien, einen Gast, oder nackend, oder krant, oder gefangen gesehen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht gethan habt einem unter diesen geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Epistel am 27. Sonntage nach Trinitatis. 2. Petri C. 3, b. 3-14. Miffet das aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spöt= ter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn, nachdem die Väter entschlafen find, bleibt es alles, wie es vom Anfange der Kreatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort; dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Als auch der Himmel jekund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammniß der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße fehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hize zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hize zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet; so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Evangel. am 27. Sonntage nach Trinitatis. Matth. C. 25, v. 1-13. esus sprach zu seinen Jüngern: Das Himmelreich wird gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Del mit sich; die klugen aber nahmen Del in ihren Gefäßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen. Da standen diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem Dele, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, aufdaß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu faufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Thür ward verschlossen. Zuletzt kamen. nebst den Festlichen Vorlesungen. 81 auch die anderen Jungfrauen, und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Episteln, Evangelien und Vorleſungen an denjenigen Festen, welche, wenn sie nicht auf Sonntage fallen, an dem nächstfolgenden gefeiert werden. Epistel am Feste der Darstellung Jesu im Tempel, oder: Der Reinigung Mariä. Die Epistel desselben Sonntags, oder: Maleach. C. 3, v. 1-5. ( iche, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siehe, er fommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmieds und wie die Seife der Wäscher. Er wird sizzen und schmelzen und das Silber reinigen. Er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit, und wird dem Herrn wohl gefallen das Speisopfer Juda und Jerusalem, wie vorhin und vor langen Jahren. Und ich will zu euch kommen, und euch strafen, und will ein schneller Zeuge sein wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen, und wider die, so Gewalt und Unrecht thun den Tagelöhnern, Wittwen und Waisen, und den Fremdling drücken, und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth. Evangelium am Feste der Darstellung Jesu im Tempel, oder: Der Reinigung Mariä. Luc. C. 2, v. 22-40. O a die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mofis tamen, brachten Maria und Joseph das Kind Jesum gen Jerusalem, aufdaß fie ihn darstelleten dem Herrn,( wie denn geschrieben stehet in dem Gesetz des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen,) und daß sie gäben das Opfer, nachdem 6 82 Episteln und Evangelien, gesagt ist in dem Gesetz des Herrn, ein paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbige Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort worden von dem heiligen Geiste, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn geſehen. Und tam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Gesetze; da nahm er ihn auf seine Arme und Lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Friede fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preise deines Volkes Israel. Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.( und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen,) aufdaß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Aser, die war wohl betaget und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft und war nun eine Wittwe bei vierundachtzig Jahren; die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetze des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläam zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geiste, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Vorlesungen. Vormittags. 1. Joh. C. 1, b. 1-10. as da von Anfang war, das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unseren Augen, das wir beschauet haben, und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens;( und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und zeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen,) was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, aufdaß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet, und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesu Christo. Und solches schreiben wir euch, aufdaß eure Freude völlig sei. Und das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehöret haben und euch verkündigen, daß Gott ein Licht ist, und in ihm ist keine Finsterniß. So wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in Finsterniß, so lügen wir und thun nicht die Wahrheit. So wir aber im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander; und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünde bekennen; so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergiebt, und nebst den Festlichen Vorlesungen. 83 reiniget uns von aller Untugend. So wir sagen, wir haben nicht gesündiget; so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Nachmittags. Col. G. 2, v. 1-23. ych lasse euch wissen, welch einen Kampf ich habe um euch und um die zu Laodicea und alle, die meine Person im Fleische nicht ge= sehen haben; aufdaß ihre Herzen ermahnet und zusammengefasset werden in der Liebe zu allem Reichthum des gewissen Verstandes; zu erkennen das Geheimniß Gottes und des Vaters und Christi, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß. Ich sage aber davon, daß euch niemand betrüge mit vernünftigen Reden. Denn ob ich wohl nach dem Fleische nicht da bin; so bin ich aber im Geiste bei euch, freue mich und sehe eure Ordnung und euren feſten Glauben an Christum. Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christum Jesum, so wandelt in ihm; und seid gewurzelt und erbauet in ihm, und seid fest im Glauben, wie ihr gelehret seid, und seid in demselbigen reichlich dankbar. Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Sagungen, und nicht nach Christo. Denn in ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Und ihr seid vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstenthümer und Obrigteit; in welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleische, nämlich mit der Beschneidung Christi; in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe, in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferwecket hat von den Todten; und hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, da ihr todt waret in den Sünden und in der Vorhaut eures Fleisches; und hat uns geschenket alle Sünden, und ausgetilget die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzungen entstand und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel gethan und an das Kreuz geheftet; und hat ausgezogen die Fürstenthümer und die Gewaltigen und sie Schau getragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbſt. So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise, oder über Trank, oder über bestimmte Feiertage, oder Neumonden, oder Sabbather; welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war, aber der Körper selbst ist in Christo. Lasset euch niemand das Ziel verrücken, der nach eigener Wahl einher gehet in Demuth und Geistlichkeit der Engel, deß er nie keines gesehen hat, und ist ohne Sache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn; und hält sich nicht an dem Haupte, aus welchem der ganze Leib durch Gelenke und Fugen Handreichung empfängt, und an einander sich enthält, und also wächst zur göttlichen Größe. So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo den Sazungen der Welt: was lasset ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? Die da sagen: Du sollst das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren, welches sich doch alles unter Händen verzehret, und ist Menschen- Gebot und Lehre; welche haben einen Schein der Weisheit, durch selbst erwählte Geistlichkeit und Demuth, und dadurch, daß sie des Leibes nicht verschonen, und dem Fleische nicht seine Ehre thun zu seiner Nothdurft. 6* Episteln und Evangelien, Epistel am Feste Johannis des Täusers. Jef. C. 40, b. 1-8. Pröstet, tröstet mein Volt, spricht euer Gott; redet mit Jerusaleme freundlich und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat; denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat zweifältiges empfangen von der Hand des Herrn um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedriget werden; und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlecht werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbaret werden, und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; denn des Herrn Geist bläset darein. Ja, das Volk ist das Heu. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber das Wort unseres Gottes bleibet ewiglich.. Evangel. am Feste Johannis des Täufers. Luc. C. 1, b. 57-80. G lisabeth tam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundte höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage, kamen sie zu beschneiden das Kindlein; und hießen ihn, nach seinem Vater, Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen? Und er forderte ein Täflein, schrieb und sprach: Er heißet Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsobald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und diese Geschichte ward ruchtbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es höreten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was, meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weisfagte und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Ifraels, denn er hat befuchet und erlöset sein Volk; und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners Davids. Als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten; daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen; und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebenlang in Heiligkeit und Gerechtigfeit, die ihm gefällig ist. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg. bereitest und Erkenntniß des Heils gebest seinem Volke, die da ist in Vergebung ihrer Sünden; durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, aufdaß er erscheine denen, die da sizen in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das 84 nebst den Festlichen Vorlesungen. 85 Kindlein wuchs und ward start im Geiste und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Vorlesungen. Vormittags. Luc. C. 3, b. 2-21. D a Hannas und Caiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zachariä Sohn, in der Wüste. Und er tam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben stehet in dem Buche der Rede Jefaiä, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, und machet seine Steige richtig. Alle Thale sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedriget werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlechter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er zu dem Volke, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Zorne entrinnen werdet? Sehet zu, thut rechtschaffene Früchte der Buße, und nehmet euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich fage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder er wecken. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn thun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zween Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, thue auch also. Es tamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen, zu ihm: Meister, was sollen denn wir thun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir thun? Und er sprach zu ihnen Thut niemand Gewalt noch Unrecht, und lasset euch begnügen an eurem: Solde. Als aber das Volk im Wahn war, und dachten alle in ihrem Herzen von Johanne, ob er vielleicht Christus wäre; antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuhe auflöse. Der wird euch mit dem heiligen Geiste und mit Feuer taufen; in desselben Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen. Und viel anderes mehr vermahnete und verkündigte er dem Volke. Herodes aber, der Vierfürst, da er von ihm gestraft ward um Herodias willen, seines Bruders Weib, und um alles llebels willen, das Herodes that; über das alles legte er Johannem gefangen. Und es begab sich, da sich alles Volt taufen ließ, und Jesus auch getauft war und betete, daß sich der Himmel aufthat; und der heilige Geist fuhr hernieder in leiblicher Gestalt auf ihn, wie eine Taube; und eine Stimme tam aus dem Himmel, die sprach: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Nachmittags. Jes. C. 40. Nebst der vorstehenden Fest- Epistel v. 1-8, auch das Folgende v. 9--31. ion, du Predigerin, steige auf einen hohen Berg. Jerusalem, du Predigerin, hebe deine Stimme auf mit Macht; hebe auf, und 3⁰ 86 Episteln und Evangelien, fürchte dich nicht. sage den Städten Juda: Siehe, da ist euer Gott. Denn siehe, der Herr Herr kommt gewaltiglich; und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm. Er wird seine Heerde weiden, wie ein Hirte; er wird die Lämmer in seine Arme sammeln und in seinem Busen tragen, und die Schafmütter führen. Wer misfet die Wasser mit der Faust und fasset den Himmel mit der Spanne und begreift die Erde mit einem Dreiling und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Wage? Wer unterrichtet den Geist des Herrn, und welcher Rathgeber unterweiset ihn? Wen fragt er um Rath, der ihm Verstand gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn die Erkenntniß und unterweise ihn den Weg des Verstandes? Siche, die Heiden sind geachtet wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, und wie ein Scherflein, so in der Wage bleibt. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein. Der Libanon wäre zu gering zum Feuer, und seine Thiere zu gering zum Brandopfer. Alle Heiden sind vor ihm nichts und wie ein Nichtiges und Eiteles geachtet. Wem wollt ihr denn Gott nachbilden? oder was für ein Gleichniß wollt ihr ihm zurichten? Der Meister gießt wohl ein Bild, und der Goldschmied übergoldet es und macht silberne Ketten daran. Desgleichen, wer eine arme Hebe vermag, der wählet, ein Holz, das nicht fault, und sucht einen flugen Meister dazu, der ein Bild fertige, das beständig sei. Wisset ihr nicht? höret ihr nicht? ist es euch nicht vormals verkündiget? habt ihr es nicht verstanden von Anbeginn der Erde? Er sitzt über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken. Der den Himmel ausdehnet wie ein dünnes Fell, und breitet sie aus wie eine Hütte, da man innen wohnet; der die Fürsten zunichte macht, und die Richter auf Erden eitel macht, als hätte ihr Stamm weder Pflanzen noch Samen, noch Wurzel in der Erde, daß sie, wo ein Wind unter sie wehet, verdorren, und sie ein Windwirbel wie Stoppeln wegführet. Wem wollt ihr denn mich nachbilden, dem ich gleich sei? spricht der Heilige. Hebet eure Augen in die Höhe, und sehet! Wer hat solche Dinge geschaffen, und führet ihr Heer bei der Zahl heraus, der sie alle mit Namen rufet? Sein Vermögen und starke Kraft ist so groß, daß nicht an einem fehlen kann. Warum sprichst du denn, Jacob, und du, Israel, sageſt: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht gehet vor meinem Gott über? Weißt du nicht? Hast du nicht gehöret? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich. Er giebt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen. Aber die auf den Herrn harren, friegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln, wie Adler, daß sie laufen, und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. Epistel am Fefte der Heimsuchung Mariä. Jes. C. 11, b. 1-5. 3 wird eine Ruthe aufgehen von dem Stamm Jsai, und ein Zweig aus seiner Wurzel wird Frucht bringen; auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Raths und der Stärke, der Geist der Erkenntniß und der nebst den Festlichen Vorlesungen. 87 Furcht des Herrn. Und sein Riechen wird sein in der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch strafen, nach dem seine Ohren hören; sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und mit Gericht strafen die Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und der Glaube der Gurt seiner Nieren. Max Evangel. am Feste der Heimsuchung Mariä. Luc. C. 1, v. 39-56. aria stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich ( eilend), zu der Stadt Juda, und kam in das Haus Zachariä und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörete, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll und rief laut und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir fommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubet haſt; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindes- Kinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist; und seine Barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebet die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läßt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf; wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monate; darnach fehrete sie wiederum heim. Vorlesungen. Vormittags. Psalm 145. 3 ch will dich erhöhen, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich. Der Herr ist groß und ſehr löblich, und seine Größe ist unaussprechlich. Kindes- Kinder werden deine Werke preisen und von deiner Gewalt sagen. Ich will reden von deiner herrlichen schönen Pracht und von deinen Wundern; daß man soll reden von deinen herrlichen Thaten, und daß man erzähle deine Herrlichkeit; daß man preise deine große Güte und deine Gerechtigkeit rühme. Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Der Herr ist allen gütig, und erbarmet sich aller seiner Werke. Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke, und deine Heiligen dich loben und die Ehre deines Königreichs rühmen und von deiner Gewalt reden, daß den Menschenkindern deine Gewalt fund werde und die verehrliche Pracht deines Königreichs. Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. Der Herr erhält alle, die da fallen, und richtet auf alle, die niedergeschlagen sind. Aller Augen 88 Episteln und Evangelien, warten auf dich, und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und heilig in allen seinen Werken. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien und hilft ihnen. Der Herr behütet alle, die ihn lieben, und wird vertilgen alle Gottlosen. Mein Mund soll des Herrn Lob sagen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich. Nachmittags. 1. Chron. C. 30, v. 10--19. Davit avid, der König, lobete Gott, und sprach vor der ganzen Gemeine: Gelobet seist du, Herr, Gott Israels, unsers Vaters, ewiglich. Dir gebühret die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein ist das Reich, und du bist erhöhet über alles zum Obersten. Dein ist Reichthum und Ehre vor dir, du herrschest über alles; in deiner Hand stehet Kraft und macht; in deiner Hand stehet es, jedermann groß und stark zu machen. Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen den Namen deiner Herrlichkeit. Denn was bin ich? Was ist mein Volk, daß wir sollten vermögen Kraft, freiwillig zu geben, wie dies gehet? Denn von dir ist es alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir's gegeben. Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir, wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schaften, und ist kein Aufhalten. Herr, unser Gott, aller dieser Haufe, den wir geschickt haben, dir ein Haus zu bauen, deinem heiligen Namen, ist von deiner Hand gekommen, und ist alles dein. Ich weiß, mein Gott, daß du das Herz prüfest, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm. Darum habe ich dies alles aus aufrichtigem Herzen freiwillig gegeben, und habe jetzt mit Freuden gesehen, dein Volk, das hier vorhanden ist, daß es dir freiwillig gegeben hat. Herr, Gott unserer Väter, Abrahams, Isaaks und Israels, bewahre ewiglich solchen Sinn und Gedanken im Herzen deines Volks, und schicke ihre Herzen zu dir! Epistel am Feste der Engel, oder: Michaelis. Statt der Epistel, Psalm 34. Ich ch will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Welche ihn ansehen und anlaufen, derer Angesicht wird nicht zu Schanden. Da dieser Elende rief, hörete der Herr und half ihm aus allen seinen Nöthen. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn trauet. Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Die Reichen müssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgend einem Gute. Kommt her, Kinder, höret mir zu; ich will euch die Furcht des Herrn lehren. Wer ist, der gut Leben begehret und gern gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem, nebst den Festlichen Vorlesungen. 89 und deine Lippen, daß sie nicht falsch reden. Laß vom Bösen, und thue Gutes; suche Frieden, und jage ihm nach. Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien; das Antlit aber des Herrn stehet über die, so Böses thun, daß er ihr Gedächtniß ausrotte von der Erde. Wenn die Gerechten schreien, so höret der Herr und errettet sie aus aller ihrer Noth. Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenes Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenes Gemüth haben. Der Gerechte muß viel leiden; aber der Herr hilft ihm aus dem allen. Er bewahret ihm alle seine Gebeine, daß derer nicht eins zerbrochen wird. Den Gottlosen wird das Unglück tödten; und die den Gerechten hassen, werden Schuld haben. Der Herr erlöset die Seele seiner Knechte; und alle, die auf ihn trauen, werden keine Schuld haben. S TOUR Evangel. am Feste der Engel, oder: Michaelis. Matth. C. 18, b. 1-11. Die Jünger traten zu Jeſu, und ſprachen: Wer ist doch der Größeste im zu stellete mitten unter fie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt der Aergerniß halber! es muß ja Aergerniß kommen; doch mehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm, oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus, und wirf es von dir. Es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest, und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist. Vorlesungen. Vormittags. Psalm 103. men me Lobe obe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich trönet mit Gnade und Barmherzigkeit; der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst, wie ein Adler. Der Herr schaffet Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege Moſe wissen lassen, die Kinder Israel sein Thun. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer 90 Episteln und Evangelien, hadern, noch ewiglich Zorn halten. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, läßt er unsere Ulebertretung von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Denn er fennet, was für ein Gemächt wir sind; er gedentet daran, daß wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben, wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber gehet, so ist fie nimmer da, und ihre Stätte fennet sie nicht mehr. Die Gnade aber des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindes- Kind, bei denen, die seinen Bund halten, und gedenken an seine Gebote, daß sie darnach thun.- Der Herr hat seinen Stuhl im Himmel bereitet, und sein Reich herrschet über alles. Lobet den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme seines Wortes. Lobet den Herrn, alle seine Heerschaaren, seine Diener, die ihr seinen Willen thut! Lobet den Herrn, alle seine Werke an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele. Nachmittags. Psalm 104, v. 1-15 und v. 24-35. obe den Herrn, meine Seele. Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich. Du wölbest es oben mit Wasser; du fährest auf den Wolken, wie auf einem Wagen, und gehest auf den Fittigen des Windes; der du machest deine Engel zu Winden, und deine Diener zu Feuerflammen; der du das Erdreich gründest auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Mit der Tiefe deckest du es, wie mit einem Kleide, und Wasser stehen über den Bergen. Aber von deinem Schelten fliehen sie, von deinem Donner fahren sie dahin. Die Berge gehen hoch hervor, und die Breiten setzen sich herunter, zum Ort, den du ihnen gegründet hast. Du haft eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht, und müssen nicht wiederum das Erdreich bedecken. Du läsfest Brunnen quellen in den Gründen, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfließen, daß alle Thiere auf dem Felde trinken, und das Wild seinen Durst lösche. An denselben siken die Vögel des Himmels, und singen unter den Zweigen. Du feuchtest die Berge von oben her; du machest das Land voll Früchte, die du schaffest. Du läsfest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nuß den Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest; und daß der Wein erfreue des Menschen Herz, und seine Gestalt schön werde vom Del, und das Brot des Menschen Herz stärke. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt es ohne Zahl, beide, große und kleine Thiere. Daselbst gehen die Schiffe; da sind Wallfische, die du gemacht hast, daß sie darinnen scherzen. Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebeft zu seiner Zeit. Wenn du ihnen giebst, so sammeln sie; wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gut gesättiget. Verbirgst du dein nebst den Festlichen Vorlesungen. 91 Angesicht, so erschrecken sie; du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub. Du läsfest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und verneuerst die Gestalt der Erde. Die Ehre des Herrn ist ewig; der Herr hat Wohlgefallen an seinen Werken. Er schauet die Erde an, so bebet fie; er rühret die Berge an, so rauchen fie. Ich will dem Herrn singen mein Lebenlang, und meinen Gott loben, so lange ich bin. Meine Rede müsse ihm wohlgefallen. Ich freue mich des Herrn. Der Sünder müsse ein Ende werden auf Erden, und die Gottlosen nicht mehr sein. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja! 30 13097 ditu web anst HC pod 1910 miund 38 sur 128 or scabided stron um ad quadrado no rosid sakbitgi r mited 2009) Grad) and did ott stare di South TADE 315 Cehian Movs und du. 310-31 utrops 1953beat R k 10 and d Sosted Kule 10# 1001 Nor si odporte 1000 92 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, aus den vier Evangelisten zusammengezogen. sud dan 234 CAM Erste Abtheilung. Das Leiden Jesu am Oelberge. a Jesus und seine Jünger( nach dem Genusse des Osterlanmes und der Einsegung des heiligen Abendmahls) den Lobgesang gesprochen hatten, ging er hinaus nach seiner Gewohnheit über den Bach Kidron an den Delberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir; denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch an dir nimmermehr ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal frähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber( Petrus) redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht verleugnen. Desfelbigen gleichen sagten auch alle Jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Seßet euch hie, bis daß ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an, zu trauern, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübi bis in den Tod, bleibet hier, und wachet mit mir, aufdaß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und knieete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: Abba, mein Vater! es ist dir alles Geschichte vom Leiden, Sterben 2c. 93 möglich; überhebe mich dieses Kelches! doch nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon, schläfest du? vermöchtest du nicht eine Stunde mit mir zu machen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung und Versuchung fallet; der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andernmal ging er aber hin, betete, und sprach: Mein Vater! ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschehe dein Wille. Und er kam und fand sie abermal schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, und ging aber hin und betete zum drittenmal dieselbigen Worte und sprach: Vater! willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es fam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stand auf vom Gebet, und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend für Traurigkeit und sprach zu ibnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr? Es ist genug. Sehet, die Stunde ist gekommen, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände. Stehet auf und lasset uns gehen! siehe, der mich verräth, ist nahe. Betet aber, aufdaß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und alsobald da er noch redete, siehe, Judas, der Zwölfer einer, da er nun hatte zu fich genommen die Schaar und Diener der Hohenpriester und Pharisäer, der Aeltesten und Schriftgelehrten, ging er zuvor der Schaar, und kommt dahin mit Fackeln, Lampen, mit Schwertern und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist es, den greifet, und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jefum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bin's! Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermals: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ich's sei; suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Aufdaß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast. p Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen, und alsobald trat er zu ihm und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi! und füsfete ihn. Jefus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Juda, verräthest du des Menschen Sohn mit einem Kuffe? Da traten fie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. 50 Da aber fahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen fie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerte darein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. led it a rends u chorai Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. Und er sprach zu Petro: Stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert nimmt, der soll durch's Schwert umfommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr 94 Geschichte vom Leiden, Sterben denn zwölf Legionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Ga muß also geschehen. Und er rührete sein Ohr an und heilete ihn. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Aeltesten, die über ihn gekommen waren: Ihr seid als zu einem Mörder mit Schwerten und mit Stangen ausgegangen, mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr habt keine Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß, aufdaß die Schrift erfüllet werde. Das ist aber alles geschehen, aufdaß erfüllet werde die Schrift der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn; er aber ließ die Leinewand fahren und flohe bloß von ihnen. Zweite Abtheilung. Das Leiden Jesu vor dem geistlichen Gerichte. Die Schaar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden an führten zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherprieffer war. Es war aber Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führten ihn zum Hohenpriester Caiphas( das ist, zum Fürsten der Priester), dahin alle Hohepriester und Schriftgelehrten und Aeltesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jesu von ferne, und ein anderer Jünger, bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führte Petrum hinein. Es standen aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, danieden mitten im Palast, denn es war falt, und wärmten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmte sich, aufdaß er sähe, wo es hinaus wollte. Die Magd aber des Hohenpriesters, die Thürhüterin, sahe Petrum bei dem Lichte, da er sich wärmte, und sahe eben auf ihn und sprach: Und du warst auch mit dem Jesu von Galiläa? Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er leugnete aber vor allen und sprach: Weib, ich bin's nicht, ich kenne sein nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt, ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Winkel geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die es gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß und der Auferstehung Jesu Christi. 95 es unrecht sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gefandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Simon Petrus aber stand und wärmte sich. Und über eine kleine Weile, nach dem ersten Verleugnen, als er hinaus ging nach dem Vorhofe, frähete der Hahn, und eine andere Magd sah ihn und hob abermal an zu sagen zu denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermal und schwur dazu und sprach: Mensch, ich bin's nicht, und ich kenne auch des Menschen nicht. Und über eine kleine Weile bei einer Stunde bekräftigte es ein anderer mit denen, die da standen, und sprach: Wahrlich! du bist auch der einer: Denn du bist ein Galiläer, und deine Sprache verräth dich. Spricht des Hohenpriesters Knecht, ein Gefreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr faget. Und alsobald, da er noch redete, fräbete der Hahn zum andernmal. Und der Herr wandte sich um und sahe Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal frähet, wirst du mich dreimal verleugnen! und ging hinaus und weinte bitterlich. Die Hohenpriester aber und die Aeltesten und der ganze Rath suchten falsche Zeugnisse wider Jesum, aufdaß sie ihn zum Tode hülfen, und fanden feines, wiewohl viele falsche Zeugen herzu traten; denn ihre Zeugnisse stimmten nicht überein. Zulegt traten herzu zween falsche Zeugen und gaben falsch Zeugniß wider ihn und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann und will abbrechen den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Und ihre Zeugnisse stimmten noch nicht überein. Und der Hohepriester stand auf unter sie und fragte Jefum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns fagest, ob du feist Christus der Sohn Gottes? Jesus sprach: Du sagest. es, ich bin's; doch sage ich euch, von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört; was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn und speieten. aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber verdeckten ihn und schlugen ihn in sein Angesicht, besonders die Knechte, und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist es, der dich schlug? Und viel andere Lästerung sagten sie wider ihn. Des Morgens aber sammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Aeltesten des Volks, dazu der ganze Rath, und hielten einen Rath über Jesum, daß sie ihm zum Tode hülfen, und führten 96 Geschichte vom Leiden, Sterben ihn hinauf vor ihren Rath und sprachen: Bist du Christus? Sag' es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubet ihr nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt es, denn ich bin's. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugniß? Wir haben es selber gehört aus seinem Munde. Dritte Abtheilung. Das Leiden Jesu vor dem weltlichen Gerichte. nd der ganze Haufe stand auf, und banden Jesum, führten ihn von Caiphas vor das Richthaus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato, und es war noch frühe. Da das sahe Judas, der ihn verrathen hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an? da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, ging bin und erhenkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen: denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath und kauften um die Silberlinge, um den Lohn der Ungerechtigkeit, eines Töpfers Acker, zum Begräbniß der Pilger. Und es ist fund worden allen, die zu Jerusalem wohnen; also, daß derselbe Acker genannt wird auf ihre Sprache: Akeldama, das ist, ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie fauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um einen Töpfers- Acker, als mir der Herr befohlen hat. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, aufdaß sie nicht unrein würden; sondern die Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gefeße. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand tödten. Aufdaß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er jagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Da fingen an die Hohenpriester und die Weltesten ihn hart zu verflagen und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet und verbietet den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht: Er sei Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jefum und fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben's dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein 97 und der Auferstehung Jesu Christi. Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagest es, ich bin ein König, ich bin dazu geboren, und auf die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen foll; wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder heraus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragte ihn abermals und sprach: Antwortest du nicht? siehe, wie hart sie dich verklagen! Hörest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also, daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erreget, damit, daß er gelehret haf hin und her im ganzen Jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hierher. Da aber Pilatus Galiläam hörte, fragte er: Ob er aus Galiläa wäre. Und als er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit war, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei. Er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwendet, und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache keine, die ihr ihn beschuldiget, Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und sehet, man hat nichts auf ihm gebracht, das des Todes werth sei, darum will ich ihn züchtigen und los geben. Auf das Fest aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volfe einen Gefangenen los geben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, der war fast rüchtig, nämlich einen Uebelthäter und Mörder, der hieß Barrabas, der mit den Aufrührerischen war in's Gefängniß geworfen, welcher im Aufruhr, der in der Stadt geschah, einen Mord begangen hatte. Und das Volk ging hinauf und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen los gebe auf Ostern; welchen wollt ihr, daß ich euch los gebe, Barrabam oder Jesum, den König der Juden, den man nennet Christus? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richtstuhle saß, schickte sein Weib zu ihm und 7 98 Geschichte vom Leiden, Sterben ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und Aeltesten überredeten und reizten das Volk, daß sie um Barrabas bitten sollten und Jefum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zween, den ich euch soll los geben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jesum los lassen und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christum nennet? Sie schriecn abermal: Kreuzige, freuzige ihn. Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat er denn Uebels gethan? ich finde feine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrieen noch viel mehr und sprachen: Kreuzige ihn. Und sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forderten, daß er gekreuziget würde, und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die Kriegsknechte aber des Landpflegers führten ihn hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Rotte und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Kniee vor ihm und spotteten ihn und fingen an, ihn zu grüßen, und sprachen: Gott grüße dich, lieber König der Juden. Und schlugen ihn in's Angesicht und spieen ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt und fielen auf die Kniee und beteten ihn an. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, weld ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn. Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und freuziget ihn: denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Geseß, und nach dem Gesetze soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm feine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? weißt du nicht, daß ich macht habe dich zu kreuzigen, und macht habe dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben, darum, der mich dir überantwortet hat, der hat's größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht: denn wer sich selbst zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörte, führte er Jesum heraus und setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da heißet Hochpflaſter, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in den Oſtern um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König. Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, freuzige ihn. Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. und der Auferstehung Jesu Chriſti. 99 Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffte, sondern daß ein gröBeres Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urtheilte, daß ihre Bitte geschehe, nahm Wasser und wusch die Hände vor dem Volke und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut jei über uns und über unsere Kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um des Aufruhrs und Mords willen war in's Gefängniß geworfen worden, um welchen sie baten, Jesum aber, gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuziget würde. Vierte Abtheilung. Die Kreuzigung und der Tod Jeju. Da a nahmen die Kriegsknechte Jesum, zogen ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn hin, daß sie ihn freuzigten, und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinaus gingen, fanden sie einen Menschen, der vorüber ging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexandri und Ruffi war, den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trüge, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jefu nachtrüge. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder; denn stehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns, und zu den Hügeln: Decket uns. Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführt zween andere Uebelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißt auf Hebräisch- Golgatha, das ist verdolmetschet: Schädelstätte; und sie gaben ihm Essig oder vermyrrheten Wein zu trinken, mit Gallen vermischt, und da er's schmeckte, wollte er's nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn an der Stätte Golgatha, und zween Uebelthäter mit ihm, einen zur rechten, und einen zur linken Hand, Jesum aber mitten inne. Und die Schrift ist erfüllet, die da sagt: Gr ist unter die Uebelthäter gerechnet. Und es war die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Jejus aber sprach: Vater! vergieb ihnen: denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, geschrieben, was man ihm Schuld gab, die Ursache seines Todes, und setzte sie auf das Kreuz, oben zu seinem Haupt. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Ueberschrift lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf Hebräische, Griechische und Lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: der Juden 7* 100 Geschichte vom Leiden, Sterben König; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Pilatus Die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknechte ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll. Aufdaß erfüllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Und sie saßen allda und hüteten sein; solches thaten die Kriegsknechte, und das Volk stand und sahe zu. Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jefus feine Mutter sahe, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib! siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund' an nahm sie der Jünger zu sich. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn und schüttelten die Köpfe und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel, und bauest ihn in dreien Tagen, hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze. Desgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und Aeltesten, sammt dem Volke, und sprachen: Er hat andern geholfen und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christ, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom Kreuze, aufdaß wir's sehen und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Daffelbe rückten ihm auch auf die Mörder, die mit ihm gekreuziget waren, und schmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Aber der Uebelthäter einer, die da gehängt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so bilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig drinnen; denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind, dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr! gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommest. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich! ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Und da es um die sechste Stunde kam, ward eine Finsterniß über das ganze Land, bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, Lama Asabthani! Das ist verdolmetschet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie das hörten, sprachen fie: Er rufet den Elias. Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürftet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Effig und Ysopen und steckte ihn auf ein Rohr und hielt's ihm dar zum Munde und tränkte ihn und sprach mit den andern: Halt, laß sehen, ob Elias komme und ihn herab nehme. und der Auferstehung Jesu Christi. 101 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und abermal rief er laut und sprach: Vater! ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und gab seinen Geiſt auf. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus, und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen viele. Aber der Hauptmann, der dabei stand gegen ihm über, und die ihm waren und bewahrten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben, und was da geschahe, erschraken sie sehr und preiseten Gott und sprachen: Wahrlich! dieser ist ein frommer Mensch gewesen, und Gottes Sohn. Und alles Volk, das dabei war und zusahe, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten wieder um. Es standen aber alle seine Verwandten von ferne und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, und sahen das alles, unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jacobs und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, welche ihm nachgefolget waren, da er in Galiläa war, und gedienet hatten, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichnamte auf dem Kreuze blieben am Sabbath,( denn desselbigen Sabbathstag war groß,) baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jeju kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsobald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugniß iſt wahr, und derselbige weiß, daß er Wahrheit faget, aufdaß auch ihr glaubet; denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr follt ihm kein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Fünfte Abtheilung. Das Begräbniß Jesu Christi. Darnach am Abend, weil es der Rüfttag war, welcher ist der Vorreicher Mann von Stadt der Juden, mit Namen Joseph, der war ein Rathsherr, ein guter frommer Mann, welcher auf das Reich Gottes wartete; der hatte nicht gewilliget in ihren Rath und Handel, denn er war ein Jünger Jesu, doch beimlich aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging hinein zu Pilato und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann und fragte ihn: Ob er längst gestorben wäre? Und als er es erkundet hatte von dem Hauptmann, befahl er, man sollte Joseph 102 Geschichte vom Leiden, Sterben den Leichnam Jeju geben. Und Joseph kaufte eine Leinewand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhen und Aloen unter einander bei hundert Pfun den. Da nahmen sie den Zeichnam Jesu, der abgenommen war, und wickelten ihn in eine reine Leinewand und banden ihn in leinene Tücher mit den Specereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und im Garten ein neues Grab, das war Josephs, welches er hatte lassen hauen in einen Felfen, in welches niemand je gelegt war. Dafelbst hin legten sie Jefum um des Rüsttages willen der Juden, dieweil der Sabbath anbrach und das Grab nahe war, und wälzten einen großen Stein vor die Thür des Grabes, und gingen davon. Es war aber allda Maria Magdalena und Maria Joses und die Weiber, die mit Jefu gekommen waren aus Galiläa, die folgten nach, setzten sich gegen das Grab, und beschaueten, wohin und wie sein Leib gelegt ward. Sie kehrten aber um und bereiteten Specerei und Salben, und den Sabbath über waren sie stille nach dem Gesetz. Des andern Tages, der da folgte nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, aufdaß nicht seine Jünger kommen. und stehlen ihn und sagen zum Volke: Er ist auferstanden von den Todten, und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter, gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein. Sechste Abtheilung. Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. ( Zur Ersparung des Raumes ist das in den Evangelien und Vorlesungen hievon Enthaltene nur dem Inhalte nach angeführt, das Uebrige aber in harmonischer Ordnung ausführlich beigefügt worden.) Als [ Is die im vorigen Abschnitt benannten gottseligen Weiber, und etliche mit ihnen, an dem ersten Sabbather( d. i. Wochentage) mit dem Anbruch des Tages sich nach dem Grabe Jesu begaben, um ihn mit den zubereiteten Specereien zu falben: wird noch vor ihrer Ankunft das Grab Jeiu bei seiner Auferstehung unter einem Erdbeben durch einen Engel zur großen Bestürzung der Hüter eröffnet. ( Siehe das Evangelium und die vormittägige Vorlesung am ersten Ostertage, verglichen mit Luc. 24, 1.) Unter ihnen kommt Maria Magdalena zu dem Grabe und siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war. Da läuft fie, kommt zu Simon Petro und zu dem andern Jünger, welchen Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Auch die übrigen- Weiber sehen den Stein abgewälzt, und gehen hinein in das Grab, wo sie den Leib Jesu nicht finden, aber zu ver und der Auferstehung Jesu Christi. 103 schiedenen malen durch Engel die Versicherung seiner Auferstehung und den Auftrag erhalten, solche seinen Jüngern zu verkündigen. ( Siehe das Evangelium und die Vorlesungen des ersten Ostertages, verglichen mit Luc. 24, 2 bis 11.) Unterdessen ging Petrus und der andere Jünger auf die von Maria Magdalena erhaltene Nachricht hinaus, und kamen zum Grabe. Es liefen aber die zween mit einander, und der andere Jünger lief zuvor, schneller denn Petrus, und kam zuerst zum Grabe, gucket hinein, und siehet die Leinen geleget; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab, und siehet die Leinen gelegt und das Schweißztuch, das Jesu um das Haupt gebunden war, nicht bei die Leinen gelegt, sondern beiseits eingewickelt an einem besondern Ort; und es nahm ihn Wunder, wie das zuginge. Da ging auch der andere Jünger hinein, der am ersten zum Grabe kam, und ging und glaubte es. Denn sie wußten die Schrift noch nicht, daß er von den Todten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wieder zusammen. Jesus aber, da er auferstanden war, früh am ersten Tage der Sabbather, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte. Diese Maria nämlich,( die Petro und dem andern Jünger gefolget und bei deren Weggehen zurück geblieben war,) stand vor dem Grabe und weinte draußen. Als sie nun weinte, sah- sie in das Grab, und siehet zween Engel in weißen Kleidern siten, einen zum Haupte, und den andern zu den Füßen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und diefelbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als fie das sagte, wandte sie sich zurück und siehet Jesum stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? wen suchest du? Sie meinet, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hingelegt? so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni! das heißt: Meister. Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern, und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt und verkündigt den Jüngern, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weinten: Ich habe den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt. Und dieselbigen, da sie hörten, daß er lebte und wäre ihr erschienen, glaubten sie nicht. Gleich nach dieser ersten Erscheinung des Herrn Jesu geschah die zweite den übrigen Weibern, als sie auf dem Wege waren, um die Verfündigung der Engel den Jüngern anzuzeigen. Zu welcher Zeit auch die Hüter des Grabes den Hohenpriestern von demjenigen, was geschehen war, Nachricht bringen; aber von selbigen durch Bestechung zur Verfälschung der Wahrheit verleitet werden. ( Siehe die Vorlesung am ersten Ostertage.) Jesus offenbarte sich hierauf noch an dem Tage seiner Auferstehung den zween Jüngern, die nach Emmaus gingen, Geschichte vom Leiden, Sterben ( Nach dem Evangelio des zweiten Ostertages, wo zugleich die nachy 1. Cor. 15, v. 5, dem Petro besonders geschehene Erscheinung erwähnt wird.) 104 und am Abend desselbigen Tages feinen versammelten Jüngern, ( Siebe den ersten Theil des Evangelii am ersten Sonntage nach Ostern, verglichen mit Marc. 16, 14. Luc. 24, 36-49.) denen er acht Tage darauf, im Beisein des Thomas, zum andernmale erscheint. ( Siehe den andern Theil des Evangelii am ersten Sonntage nach Oftern.) Darnach offenbarte sich Jefus abermal den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarte sich aber also: Es waren bei einander Simon Petrus und Thomas, der da heißt Zwilling, und Nathanael von Cana in Galiläa und die Söhne Zebedäi und andere zween feiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will bin fiichen gehen. Sie sprachen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das Schiff alsobald, und in derselbigen Nacht fingen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten's nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie, und tonnten's nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Petro: Es ist der Herr. Da Simon Petrus hörte, daß es der Herr war, gürtete er das Hemd um sich,( denn er war nackt,) und warf sich in's Meer. Die andern Jünger aber kamen auf dem Schiffe,( denn sie waren nicht fern vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen,) und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun austraten auf das Land, sahen fie Kohlen gelegt, und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz auf's Land voll großer Fische, hundert und drei und fünfzig. Und wiewohl ihrer so viel waren, zerriß doch das Net nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern durfte ihn fragen: Wer bist du? denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und giebt's ihnen, desselbigen gleichen auch die Fische. Das ist nun das drittemal, daß Jesus offenbaret ist seinen Jüngern, nachdem er von den Todten auferstanden ist. Nachdem sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jefus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Spricht er zum andernmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe. Spricht er zum drittenmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum drittenmal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jefus zu ihm: Weide meine Schafe. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Da du jünger warst, gürtetest du dich selbst, und wandelteft, wo du hin wolltest. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das und der Auferstehung Jesu Christi. 105 sagte er aber, zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach. Petrus aber wandte sich um und sahe den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war und gesagt hatte: Herr, wer ist's, der dich verräth? Da Petrus diesen sahe, spricht er zu Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gebet es dich an? folge du mir nach. Da ging eine Rede aus unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: Er stirbt nicht, sondern: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben. Und wir wissen, daß sein Zeugniß wahrhaftig ist. Hierauf erfolgte die Offenbarung des Erlösers auf einem Berge in Galiläa, ( Nach der Vorlesung am ersten Ostertage, verglichen mit dem Evangelium am Himmelfahrts- Tage.) wohin auch wahrscheinlich die( nach 1. Cor. 15, v. 6) mehr denn fünfhundert Brüdern widerfahrene Erscheinung gehört. Nach selbiger ist er gesehen worden von Jacobo; darnach von allen Aposteln ( Siehe die Epistel am 11ten Sonntage nach Trinitatis.) bei seiner Himmelfahrt. -Er führte sie nämlich hinaus bis gen Bethania, und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude. Und waren allewege im Tempel, preiseten und lobten Gott. ( Siehe auch das Evangelium und die Spistel am Himmelfahrts- Tage, - und in Ansehung der dem Paulo nach der vorhin angezogenen Epistel geschehenen sehr merkwürdigen Offenbarung, ApostelGeschichte G. 9.) 106 Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. Als is das vormals von Gott so außerordentlich begnadigte Volk der Juden das Maß seiner gehäuften Sünden durch die Verwerfung und Kreuzigung des unter ihnen erschienenen Heilandes der Welt erfüllt hatte: so näherte sich dasselbe demjenigen erschrecklichen Strafgerichte immer merklicher, welches durch die Propheten und den- mitleidigen Erlöser selbst mit Thränen zuvor verkündiget war, und in der gänzlichen Zerstörung Jerusalems und des ganzen Jüdischen Reichs der Welt ein belehrendes Denkmal vor Augen legte: wie schwer der Zorn Gottes gegen beharrliche Verächter seiner Gnade, und wie groß insonderheit die Verschuldung sei, die dieses unglückliche Volk durch die Vergießung des unschuldigen und heiligen Blutes Jesu Christi auf sich geladen. Josephus erzählt verschiedene, vor dem Ausbruche dieser Gerichte Gottes hergegangene Zeichen; allein die sicherste und nächste Anzeige davon war wohl das in dem Jüdischen Reiche immer weiter sich ausbreitende gänzliche Verderben. Man verließ nun völlig die heiligen Gesetze Gottes, feßte die ganze Religion nur in eine abergläubige Beobachtung äußerlicher Gebräuche und überließ sich mit einem frechen Leichtsinne allen Lastern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Ständen immer mehr überhand; Jerusalem und das ganze Land ward mit Räubern und Mördern angefüllt, und die ganze Nation beförderte ihren Untergang durch ihre eigene Zerrüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Diese beherrschten seit den Zeiten Jesu Christi das Jüdische Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das Römische Joch den Juden noch unerträglicher machten. Geffius Florus, der zuletzt diese Stelle verwaltete, übertraf hierin alle seine Vorgänger. Er beförderte alle Unordnungen, auch selbst die öffentlichen Räubereien, wenn er nur seine unerfättliche Gewinnsucht dabei befriedigen konnte, vergriff sich sogar an dem Schaße des Tempels, und war recht beflissen, das Volk zur Empörung gegen die Römer zu reizen. Daher entstand in mehreren Gegenden des Landes ein häufiges Blutvergießen, und Florus ließ selbst bei einem solchen Aufstande in Jerusalem über 3000 Juden erschlagen und viele der Angesehensten geißeln und freuzigen. Die Juden suchten zwar in diesen Bedrängnissen bei dem Syrischen Statthalter Cestius Gallus Hülfe; allein Florus wußte nicht nur solche zu vereiteln, sondern auch die Unruhen so zu vermehren, daß endlich Cestius genöthigt ward, mit einem Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. 107 Heere anzurücken, mit welchem er, nach Verwüstung vieler Städte, in Jerusalem drang, die Juden in den Tempel einschloß und dem Kriege würde ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwereren Gerichten wären aufbehalten gewesen. So aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verrätherei zur Verzögerung, die Juden gewannen Zeit zur Gegenwehr und nöthigten sogar den Syrischen Statthalter mit einem sehr beträchtlichen Verluste zum Abzuge. Diejer anscheinende Vortheil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Muth. Die damals fast allge, meine Erwartung eines irdischen Erretters und mächtigen Beherrschers stärkte ihre eitele Hoffnung, und der Krieg wider die Römer ward mit großer Heftigkeit beschlossen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte in Jerusalem Joseph, einen Sohn Gorions, nebst dem Hohenpriester Unanus, in Idumäa den Eleazar, und in Galiläa Josephum, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diese Geschichte hinterlassen hat, zu Anführern, und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Gegenden, doch mehrentheils mit sehr großem Verluste an; wie denn allein vor der Stadt Ascalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten. Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingedenk und setzten sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit. Als der Römische Kaiser Nero den allgemeinen Aufstand der Jüdischen Nation erfuhr, trug er dem Vespasian, einem sehr erfahrenen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohne Titus mit einem zahlreichen Heere den Anfang desselben in Galiläa machte. Josephus hatte daselbst zwar 100,000 Mann versammelt; allein der Schrecken zerstreuete solche sogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus war genöthiget, mit dem Reste seiner Truppen sich in die Festung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapfern Vertheidigung ers obert, und 40,000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus gerieth felbst in die Gefangenschaft der Römer, erhielt aber durch die Fürsprache des Titus und weil er dem Vespasian die fünftige Gelangung zur kaiserlichen Würde vorher sagte, sein Leben und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vespasian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa, wobei viele tausende erschlagen, oder als Leibeigene verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverei geführt wurden. In Jerusalem und den übrigen Gegenden des Jüdischen Landes häufte sich inzwischen das größte Elend. Die Partei derer, die auf den Krieg drangen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines besondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen, und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Ananus suchte zwar in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giscala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20,000 Jdumäer in die Stadt zog: so ward die Partei des Ananus überwältiget und dieser Hohepriester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibt, nebit 12,000 der vornehmsten Einwohner getödtet. Vespasian eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutver 108 Die Beschreibung von gießen die um Jerusalem liegenden festen Derter und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des Jüdischen Landes. Sein Heer verlangte zwar, daß er solche bei der darin herrschenden Uneinigkeit unverzüglich angreifen möchte; allein der Römische Feldherr hielt für rathsamer, einem Volke, das sich selbst aufrieb, und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eigenen Beförderung seines Untergangs noch ferner Raum zu lassen. Der Tod des Nero und die darauf erfolgten öfteren Veränderungen mit dem Römischen Kaiserthum verzögerten bie Belagerung noch weiter; und als Vespasian selbst zum Kaiser erwählt ward, begab er sich nach Rom und überließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannis und der Zeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem hatten inzwischen ein neues Heer von Räubern unter einem Anführer, Namens Simon, in die Stadt gelaffen, um durch sie von jenen Ungeheuern befreiet zu werden; allein diese abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieſer Simon, der bereits in Idumäa die fürchterlichsten Verwüstungen angerichtet hatte, übertraf noch den Johannes an Grausamkeit und Blutbegierde, zwang denselben, sich in den Tempel zurück zu ziehen, und da auch dessen Partei sich trennte und ein Theil derselben unter dem Eleazar den innern Tempel behauptete; so bekriegten diese drei räuberischen Haufen sich unter einander auf das heftigste, opferten eine große Menge der Ein-. wohner ihrer Wuth auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrath der Lebensmittel, und legten dadurch den Grund zu der bald darauf erfolgten schrecklichen Hungersnoth. Titus näherte sich darauf im siebenzigsten Jahre nach Christi Geburt, im Anfange des Aprils, mit seinem wohlgerüsteten Heere und in Begleitung. des Josephus der Stadt Jerusalem. Selbige war mit einer dreifachen sehr starken Mauer und vielen Thürmen umgeben und faßte außer dem sehr befestigten Tempel die Burg Antonia und andere feste Schlösser in sich. Die Feier des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derselben versammelt, wodurch sowohl die Hungersnoth desto geschwinder vermehrt, als auch der auf der ganzen Nation ruhende Fluch um so deutlicher geoffenbaret wurde. Bei dem Anfange der Belagerung vereinigten sich die drei aufrührerischen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu und setzten bei einem derselben selbst den Titus in die äußerste Gefahr. Allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigte durch List und Gewalt die Partei des Eleazar und bemächtigte sich unter vielem Blutvergießen des ganzen Tempels. Die Vertheidigung der Stadt war also zwischen ihm und Simon getheilt, die indeß nicht aufhörten, sich unter einander zu bekriegen, sobald nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden hatte anbieten laffen, ward die Belagerung mit großem Eifer fortgefeßt, und gegen Ende des Aprils die erste Mauer, und fünf Tage nachher die andere eingenommen, und obwohl die Juden sich der lettern wieder bemächtigten, solche doch nach einer dreitägigen Bestürmung mit einer großen Niederlage der Juden völlig behauptet. Wenige Tage nachher ward der Angriff auf die Burg Antonia gerichtet. Titus ließ zwar nach seiner der Zerstörung Jerusalems. 109 gütigen und mitleidigen Gesinnung die Belagerten abermals durch Josephum zur Uebergabe ermahnen; allein, ob dieser gleich durch eine sehr nachdrückliche Rede und mit Thränen sie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpfwörtern und sogar mit Pfeilen erwidert. Viele Einwohner suchten indeß durch die Flucht ihre Errettung und erhielten auch solche, wenn sie anders der Wachsamkeit und den Schwertern der Besaßung zu entgehen vermochten, durch die Gelindigkeit des Titus. Die aber als Gefangene in die Hände der Römer fielen, wurden in so großer Menge im Angesichte der Stadt gekreuziget, daß, nach Josephus Ausdrucke, es zuletzt an Raum und Holz zu Kreuzen mangelte; ein gewiß sehr merkwürdiger Anblick vor einer Stadt, deren Einwohner die Kreuzigung Christi dem Pilatus mit der größten Wuth abgedrungen hatten! Titus ließ inzwischen diese Grausamfeit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Bestrafung die Hartnäckigkeit der Belagerten überwinden möchte. Aber so wenig dieses, als die bereits sehr zunehmende Hungersnoth, noch auch die wiederholten Warnungen des Römischen Feldherrn, die Stadt, den Tempel und ihr eigenes Leben zu retten, vermochten etwas bei diesen gänzlich Verstockten auszurichten; sie sagten vielmehr dem Tito selbst mit untermengter Verschmähung, daß sie lieber sterben, als sich ergeben wollten, und beriefen sich dabei frech auf den Schutz Gottes, dessen Verächter sie doch waren. Die Fortsetzung ihrer verzweiflungsvollen Gegenwehr nöthigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hiedurch ward dasjenige aufs genaueste erfüllt, was Christus vorher geweissagt hatte, und die schrecklichste Hungersnoth nebst allem damit verbundenen äußersten Glende nahm nun völlig überhand. Ausgezehrte Menschen suchten bei Tausenden in den letzten Zügen vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Räuber fielen in die Häuser, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel und quälten mit den entsetzlichsten Martern Alle und Jede, auf welche nur der Verdacht einiger Verbergung fiel. Die Eltern riffen ihren Kindern, und diese ihren Eltern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch die Flucht zu den Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldaten, in der Vermuthung, daß sie Gold verschlungen hätten, lebendig aufgeschnitten. Man suchte durch die unnatürlichsten Mittel die Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch diese Plage zur äußersten Verzweiflung gebracht war, schlachtete und kochte ihr eigenes Kind, und bot, da sie einen Theil desselben verzehrt hatte, den grausamen Kriegsknechten die andere Hälfte dar. Alle Straßen waren mit Zeichen bedeckt, und das Sterben war so häufig, daß vom 14ten April bis zum ersten Julius 115,880 Leichen zu einem Thore hinaus gebracht, und 600,000 über die Mauer geworfen wurden. Titus ward durch diese erschrecklichen Umstände äußerst gerührt und bezeugte mit gen Himmel gehobenen Händen, daß er an diesen unnatürlichen Grausamkeiten unschuldig sei, und solche unerhörte Greuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. Nachdem endlich die Burg Antonia unter vielem Blutvergießen erobert und völlig niedergerissen war, mußte nun auch der sowohl durch seine Lage, als durch die stärksten Mauern ausnehmend feste Tempel angegriffen 110 Die Beschreibung von werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für dieses herrliche Gebäude und für den Gottesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich zwar deffen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen sein, und ermüdete nicht, sowohl in eigener Perfon, als durch Josephus, den Johannes mit feinem gottlosen Haufen durch wiederholte rührende Vorstellungen zu bewegen, daß fie durch ihren fortgesetzten Frevel das Heiligthum Gottes nicht entweihen, und durch eine endliche Ulebergabe es dem nahen Untergange entreißen möchten, wobei er ihnen die ungestörte Fortsetzung ihres Gottesdienstes versprach. Allein diese Bösewichter verschmäheten dieses alles, besetzten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschinen, und machten denselben durch Raub und Blutvergießen, nach Chrifti Worten, nun völlig zur Mördergrube. Daher sah sich Titus endlich genöthigt, die äußerste Gewalt zu gebrauchen, und nach verschiedenen abgeschlagenen Stürmen' an die Tbore desselben Feuer legen zu lassen, welches denn alle bedeckten Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich den Befehl, das Feuer wieder zu löschen, um das noch unversehrte Hauptgebäude des Tempels zu erhalten; aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Ratbschluß Gottes zu verhindern. Ein heftiger Ausfall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein Römischer Soldat warf aus eigenem Antriebe, oder vielmehr von einer höheren Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenster der an den Tempel. gebaueten Zimmer. Sogleich breitete sich das Feuer in diese Nebengebäude aus. Titus eilte zwar alsobald den Brand zu löschen; aber seine Befehle wurden nicht vernommen. Die Römischen Regionen drangen wüthend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um sich greifenden Flammen und erfüllten alles mit Blut und Leichen. Titusbegab sich mit einigen seiner Heerführer selbst in den Tempel, besah deffen Heiligthum und die darin befindlichen Geräthe und fand, daß die Pracht alle Nachrichten davon weit überträfe. Er erneuerte die eifrigsten Bemühungen, dieses Innere des Tempels zu retten; aber vergeblich. Der ganze Tempel ward, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage, da der erste von den Babyloniern verbrannt worden war, durch die Flammen völlig verzehrt. Ein allgemeiner Raub und die blutigste Niederlage verbreitete sich ohne einiges Verschonen in dem ganzen Raume des Tempels. Die Römischen Soldaten pflanzten an das östliche Thor desfelben ihre Kriegszeichen, brachten daselbst ihre heidnischen Opfer und riefen Titus als Sieger aus. Eine Anzahl Priester, die auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit gesucht hatten, fleheten vergeblich um ihr Leben; Titus antwortete, daß die Zeit der Begnadigung geendet, und sie mit ihrem Tempel umkommen müßten. Die Aufrührer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempel geöffnet und verlangten eine Unterredung mit Titus. Dieser erbot sich zwar, ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegen und sich ergeben würden; als sie sich aber dessen unter der Vorschützung eines Eides weigerten, und einen freien Abzug verlangten, versagte er ihnen alle Gnade, übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer und griff den noch übrigen obern Theil derselben an, in welchen sich nun die sämmtlichen Aufrührer unter Simon und Johannes gezogen hatten. Sobald die Römischen Maschinen der Zerstörung Jerusalems. 111 auch hier die Mauer durchbrochen hatten, überfiel diese Hartnäckigen die muthloseste Verwirrung. Voll Furcht und Schrecken verließen sie die von ihnen besetzten sehr festen Thürme, versuchten vergeblich durch die Römischen Verschanzungen zu entkommen und verbargen sich endlich in unterirdische Höhlen. Die Römer bemächtigten sich also auch der ganzen obern Stadt, plünderten selbige und zündeten sie, nach der entsetzlichsten Niederlage unter den Einwohnern, mit Feuer an. Dieses geschah am 8. September des Jahres 70 nach Christi Geburt. Als Titus in die nun völlig eroberte Stadt ging und die ungemeine Festigkeit ihrer Mauern und Thürme bewunderte, brach er in dieses ihm rühmliche Geständniß aus: Wir haben mit Gottes Beistand ge= führt; es ist Gott, der die Juden aus diesen Festungen herausgetrieben hat; denn was würden menschliche Hände und Maschinen gegen solche Thürme vermögen? Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Aufrührer sämmtlich getödtet. Die ansehnlichsten Jünglinge wurden zum Triumph des Titus, die übrigen Gefangenen aber zu den Römischen Schauspielen oder zu schweren Arbeiten bestimmt; die, so unter 17 Jahren waren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen Kriege Gefangenen rechnet Josephus auf 97,000, und der in der Belagerung Umgekommenen auf 1,100,000, außer der großen Menge, die sonst in diesem Kriege ihr Leben verloren, und macht jenes aus der unter dem Cestius berechneten Zahl der Osterlämmer begreiflich. Simon und Johannes geriethen aus ihren Höhlen endlich auch in die Hände der Römer. Sie wurden gleichfalls zum Triumphe des Titus aufbehalten und nach selbigem der erste zum Tode, der andere aber Zeitlebens zum Gefängniß verurtheilt. Die sämmtlichen Ueberbleibsel der Stadt, außer dreien Thürmen und einem Theile der Mauer, wurden auf Titus Befehl dem Erdboden gleich gemacht; und Jerusalem ward also nach Christi Weissagung völlig geschleift. Wie nun diese merkwürdige Geschichte, nebst der ganz sonderbaren Erhaltung der Jüdischen Nation bei ihrer großen Zerstreuung, die Göttlichkeit der Lehre Jesu ausnehmend bestätiget; so muß einem Jeden, der folche erkennet, bei einer mitleidigen Erwägung dieser Gerichte Gottes, jene Warnung des Apostels stets wichtig bleiben: Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet, daß er vielleicht dein auch nicht verschone. Darum schaue die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind; die Güte aber an dir, so ferne du in der Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden. C XN inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 16 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black