553 کاری 0915 Die Liebe verkräiget belles, ſie glaubet Alles, sie hoffet. Alles sin duldet Alles!!" 1.10. 13, 7. liebe From Darge geb. Habe zur freundlichen Einnen und täglichen Erquickung J LEN Ich Steinbeit, stestin Heinnerburg den 17. 9.81 Herrn Benj. Schmolkens Pastor Prim. und Inspect. der Evangelischen Kirchen und Schulen von Schweidnik, GOtt geheiligte Morgenund AbendAndachten. Sammt dessen Lebens- Beschreibung und beigefügten Wetter- Gebeten. Neu- Ruppin. Verlag von F. W. Bergemann. t A 1 G 6553 Jslonce dio Univ.- Bibl. Giessen Geneigter Leser. Andächtig und erhörlich beten ist eine Kunst, welche nicht den menschlichen Kräften, sondern der Wirkung des Geistes GOttes zuzuschreiben ist, 1 Cor. 12, V. 3. Derselbe treibt die Kinder GOttes an, ihre Noth und Anliegen dem himmlischen Vater, im Vertrauen auf Seine Hülfe und Erhörung, durch Christum vorzutragen. Bei ihnen ist ein Gefühl eines Mangels und Elendes, zugleich aber auch eine Absicht auf GOttes Majestät und Güte. Beides unterscheidet sie von den Weltfindern und Heuchlern. Bei diesen spürt und hört man zwar auch etwas vom Gebet; sie reden GOtt an mit ihrem Munde, im Herzen aber wissen sie nichts davon. Auf die Majestät und Güte GOttes haben sie keine Absicht, weil sie sonst mit gebührender Ehrfurcht des Herzens vor den Würdigen treten, der Herzen und Nieren prüft, Pf. 7, V. 10., und nicht bloß äußerlicher andächtiger Gebehrden sich befleißigen würden. Von dem Glend, worin ihre Seele steckt, haben sie kein Gefühl, sonst würde auch dies vermögend sein, größern Eifer und An 4 Vorrede. dacht im Gebet bei ihnen zu erwecken. Denn Menschen können so wenig sich selbst glücklich machen, so wenig sie durch eigene Kraft ihre Widerwärtigkeiten überwinden, denselben ausweichen, oder sie von sich abkehren mögen, sondern sie müssen GOtt um Versorgung ihrer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt anflehen. Und also geschieht das Gebet der Heuchler nur mit dem Munde, aus Gewohnheit, oder damit sie von den Leuten gesehen werden. Wenn sie bei demselben auch gleich die beste Ordnung beobachten, der geistreichsten Ausdrücke sich bedienen, und allerlei Bewegungen der Glieder des Leibes machen, dergleichen sonst rechten Betern nur eigen sind: so wird doch ihr Gebet nicht erhört; sie schänden GOtt, dessen Wort sie in ihren Mund nehmen, dabei aber Zucht hassen. Ps.50, V. 17. Ein andächtiger Beter und wahres Kind GOttes aber wird, so oft er vor seinen himmlischen Vater tritt, mit findlicher Furcht vor Ihm erscheinen. Er sieht und weiß, daß ihm nicht nur im Leiblichen Manches abgehe, sondern er spürt auch im Geistlichen mancherlei Mängel und Unvollkommenheiten, welchen allein die Güte und Macht GOttes abhelfen kann. Solchem nach ist sein Gebet von dem Vorrede. 5 Gebet eines Heuchlers ganz verschieden. Dieser betet aus Gewohnheit, jener aus Trieb seines Elendes und Unvermögens; dieser allein mit dem Munde, jener mit Herz und Munde; dieser erlangt keine Erhörung, jener aber hat sie nach der Verheißung Christi gewiß zu erwarten. Joh. 16, V. 23. Doch ist auch bei denen, die alle erforderlichen Eigenschaften eines rechten Beters haben, noch einiger Unterschied zu bemerken. Einige find selbst im Stande, ihre Noth GOtt vorzutragen, ohne sich an eine gewisse Formel zu halten; Andere aber sind wegen ihrer natürlichen Blödigkeit und Einfalt, oder wegen Betrübniß ihrer Seelen, oder wegen anderer Ursachen nicht im Stande, dieses zu thun. Diese Letteren halten sich gerne an solche Gebets- Formeln, welche auf ihre Umstände gerichtet sind, oder welche ihnen, zur Erhaltung und Vermehrung ihrer und der Ihrigen Andacht, am hinlänglichsten zu sein scheinen. Diesen nun nach Wunsch zu genügen, haben bald, nach dem Anfang der gesegheten Reformation, öffentliche Lehrer, oder auch andere andächtige Beter, entweder die von ihnen selbst verfertigten Formeln, oder solche, die aus andern Schriften gesammelt, zum gemeinen Gebrauch drucken lassen. Hieher sind 6 Vorrede. zu rechnen, außer Luthers und Melanchthons Arbeit, Musculi, Matthesii, Melisandri, Arnds, Scrivers und andere Sammlungen, welche öfter dem Druck übergeben und von vielen nicht ohne großen Segen und Frucht sind gebraucht worden. Unter den neuesten ist Herr Benjamin Schmolk, wegen seiner geistreichen und wohl eingerichteten Gebete, am beliebtesten; und da er auch unter den berühmtesten Dichtern eine Oberstelle verdient, wegen seiner vielen Lieder und Cantaten, so hat dessen ungemeine Stärke in der deutschen Dichtkunst viele Gemüther dermaßen eingenommen, daß sie sich vor andern seiner Gebetsformel bedienen. Es werden zwar die vielen Schriften dieses angesehenen Gotteslehrers und seine Verdienste um das evangelische Schlesien das Schmoltische Andenken wohl nimmermehr untergehen lassen. Da aber doch manche andächtige Beter von den besondern Lebensumständen des Hrn. Schmolkens gerne etwas wissen möchten, so achtet man es wohl für nöthig, aus des Herrn Johann Caspar Weßel's Historischen Lebens- Beschreibung der berühmtesten Lieder- Dichter, 3. Theil, pag. 85 u. f., aus Herrn Gabriel Wilhelm Göten's, jetzt lebendem Gelehrten in 7 Vorrede. Europa, 2. Theil, pag. 289. 295, einige derselben zu wiederholen. Brauchitschdorf, im Schlesischen Fürstenthum Liegniß, hat die Ehre, Herrn Benjamin Schmolkens Vaterland zu sein, woselbst er an dem Gedächtnißfeste des H. Apostels Thomä, im Jahre Chrifti 1672, war geboren worden. Sein Herr Vater war daselbst 47 Jahre Pastor und Circuli Senior, vorher aber 12 Jahre lang Conrector in Schmiedeberg, welcher in dem 84. Jahre seines Alters verstorben. Nachdem er den Grund seiner Studien zu Lauban und im Vaterlande gelegt hatte, setzte er dieselben auf der berühmten Leipziger Universität 5 Jahre lang mit großem Ruhm fort und wurde bei seiner Zurückkunft in's Vaterland seinem Hrn. Vater substituirt. Als aber Anno 1702 Hr. Michael Wiedemann, nachmaliger Superintendent zu Stollberg am Harz, wegen der in der Jugend verfertigten Boetischen Gefangenschaften, seines 8 Jahre lang an der Evangelischen Kirche zu Schweidnitz verwalteten Diaconats entlassen ward, succedirte ihm Herr Schmolk in dieser Stelle, wurde hierauf in dieser Kirche 1707 Archi- Diaconus, 1712 Senior E. E. Ministerii, 1714 aber Pastor Primarius, wobei ihm zugleich die Inspection 8 Vorrede. dafiger Kirchen und Schulen anvertraut wurde. Während der Zeit seines so rühmlich geführten Lehr- Amtes hat er außer verschiedenen Leichenpredigten und Abdankungen, auch andere herrliche Schriften in gebundener Rede herausgegeben, welche bei Herren Weßel und Göten in oben angeführten Stellen nachzuschlagen sind. Daß Herr Schmolke wegen seiner reinen und fließenden Gedichte unter die besten deutschen Poeten zu zählen, hat außer Theod. Grusio, in den vergnügungsmüßigen Stunden 6. Theil, 61. Blatt, auch der berühmte Jenaische Professor, Hr. Gottlieb Stolle, in der kurzen Anleitung zur Historie der Gelahrtheit, Jena 1727, in 4 to, p. 210, 212. M. Christoph Pfeiffer, im Evangelischen Sabbath betender Christen, 1719, in 12. obl. mit gutem Grund behauptet. Wiewohl der obengelobte Herr Göten, p. 290, meinet, daß, wenn Herr Schmolke seine Gedichte nicht in solcher großen Eile und Menge hätte schreiben müssen, er mit weit leichterer Mühe die größere Reinheit der Worte und Reime würde befördert haben, und von seiner vortrefflichen Fertigkeit noch viel mehr und schönere Früchte hätte liefern können. Allein auch das erstere könnte man viel Vorrede. 9 leicht wohl von andern Dichtern, welche nicht mindere Verdienste um die deutsche Poesie haben, sagen; das andere aber muß nach der Mundart Schlesiens beurtheilt werden. Genug, daß des Hrn. Schmolkens Schriften bisher viele Liebhaber gefunden, sie mögen in gebundener oder ungebundener Rede geschrieben worden sein. Weil aber nicht Jedermann die Schmolfeschen Schriften nach Verlangen hat bekommen können, und doch sehr viele Beter gewünscht, die Morgen- und AbendAndachten Hrn. Schmolkens, beides in gebundener als ungebundener Rede, aus allen seinen Schriften in einem besondern Büchlein geſammelt zu sehen: so hat dieses Hrn. Friedrich Rothscholzen sel. veranlaßt, die Anfangs Anno 1720 in gebundener Rede geschriebenen geistreichen Morgen- und AbendGebete dieses geistreichen GOttes- Lehrers zusammen zu tragen und durch den Druck offenbar zu machen, welchem Anno 1721 der andere Theil gefolgt, welcher die in gebundener Rede verfertigten schönen Morgenund Abend- Andachten des Hrn. Inspectors in sich enthielt. Beiden wurden gewisse Abendund Morgen, als auch andere Gesänge, sowohl des Hrn. Schmolkens, als, anderer nicht minder geistreicher Theologen, beigefügt. 10 Vorrede. Dieses Unternehmen hatte nicht nur Hr. Schmolk gebilligt, sondern auch noch andere Sachen zum Verlag und Druck zu überliefern versprochen, wie man mit glaubwürdigen und auch eigenhändigen Briefschaften des Hrn. Inspectors darthun fann. GOtt hat auch beiden Werkchen dermaßen viele Liebhaber finden lassen, daß man nunmehr dieselben das einundzwanzigste Mal der Presse überliefern fann, indem die ersten Auflagen alle schleunig vergriffen worden. GOtt lasse ferner vielen Segen durch diese Sammlung auf die Betenden kommen, und mit der Empfindung von der Gnadengegenwart JEsu und der Kraft Seines Leidens, verbinde sich die Empfindung der Gewißheit, daß ihr Gebet GOtt angenehm sei. Heilige Vorbereitung zum Gebet auf alle Tage des Jahres. H Err, höre! HErr, erhöre! breit' Deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte die drei Stände durch Deiner Allmacht Hände, beschüße Kirch' und Haus. Ach, laß Dein Wort uns Allen noch ferner reichlich schallen, zu unsrer Seelen Nuß. Bewahr' vor allen Rotten, die Deiner Wahrheit spotten, beut allen Feinden Truß. Gieb Du getreue Lehrer und unverdroßne Hörer, die beides Thäter sein. Auf Pflanzen und Begießen laß Dein Gedeihen fließen, die Erndte reichlich sein. Gieb unserm König Glücke, laß seine Gnadenblicke auf unser Zion geb'n; schüßz ihn auf seinem Throne und lasse seine Krone in vollem Glanze steh'n. Laß Alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff' Jedermann sein Recht, daß Fried' und Treu' sich müssen in unserm Lande küssen, ja segne Herrn und Knecht. Wend' ab in allen Gnaden, so Benjamin Schmolkens Feu'r- als Wasser- Schaden, treib' Sturm und Hagel ab; bewahr' des Landes Früchte, und mache nicht zu nichte, was Deine Hand uns gab. Gieb uns den lieben Friede, mach' alle Feinde müde, verleih' gesunde Luft. Laß keine theure Zeiten auf unsre Grenze schreiten, da man nach Brodte ruft. Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke, die sonst verirret sein. Die Wittwen und die Waisen wollst du mit Troste speisen, wenn sie um Hülfe schrei'n. Sei Vater aller Kinder, der Schwangeren Entbinder, der Säugenden Gedeih'n. 12 Zeuch unsre zarte Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, daß sich die Eltern freu'n. Komm als ein Arzt den Kranken, und die im Glauben wanken, laß nicht zu Grunde geb'n; die Alten heb' und trage, auf daß sie ihre Plage geduldig übersteh'n. Bleib' der Verfolgten Stüße, die Reisenden beschüße, die Sterbenden begleit' mit Deinen Engel- Schaaren, daß sie in Frieden fahren zu Zions Herrlichkeit. Nun, HErr, Du wirst erfüllen, was wir nach Deinem Willen in Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen in unsers JEsu Namen. So ist der Wunsch gewährt. Allgemeines Morgen- Gebet. Allgemeines Morgen- Gebet auf alle Tage in der Woche. 13 Danksagung. Heilige Dreifaltigkeit! ich steh' auf in Deinem Namen, sprich zu Seufzern Amen. Diese Nacht ist nun vergangen und der Tag giebt uns sein Licht, Werde munter, mein Gemüthe, und gedenk' an deine Pflicht. Großer Schöpfer dieser Welt, Du allein bist groß zu nennen, Weil Dich Erd' und Himmel nun als den rechten Meister kennen. Beides, Licht und Finsternisse, Zeit und Stunden, Tag und Nacht, Hast Du uns zu Nutz erschaffen und in Ordnung auch gebracht. O, wie leichte wär' es doch die vergang'ne Nacht geschehen, Daß ich meine letzte Nacht und des Todes Schlaf gesehen; Daß sich Jemand von den Meinen plötzlich aus der Welt gemacht, Oder sonsten böse Leute mich in Unfall hätten bracht. Aber Du, mein Wächter, hast mich mit Hülf' und Schutz umgeben, Daß mein Weniges noch da, und die Meinigen noch leben; Ja, daß ich noch selbst vorhanden, das kommt Alles, HErr, von Dir, Du schreibst alle meine Tage mir in deinem Buche für; Benjamin Schmolkens Darum ehr' ich Deine Macht, darum rühm' ich Deine Güte, Weiser, starker, treuer GOtt! Dich erhebet mein Gemüthe; Sei gepreist für alles Gute, das mich diese Nacht erfreut, Daß Du auch mein gestrig's Beten mit Erhörung be14 nedeit. Du hast mir vergnügten Schlaf und ganz sich're Ruh' gegeben, Du hast mich gefund erweckt, läsfest mich den Tag erleben, Deine liebe Sonne scheinen und die Meinen wiederseh'n. Das ist Alles aus Genaden, HErr, von Dir allein gescheh'n. Habe Dank, daß Du von mir so viel Böses abgetrieben, Unter Deiner Augen Wacht bin ich unversehrt geblieben, Unter Deiner Hände Schirmen fand ich ungestörte Ruh', Unter Deiner Engel Beistand schloß ich sanft die Augen zu. Da mich Finsterniß umfingen, mußte mich Dein Licht umfassen, Deine Huld verließ mich nicht, ob gleich Menschen mich verlassen; Da ich selbst von mir nichts wußte, war ich dir doch wohl bewußt, Da ich gleichsam todt gelegen, lebteft Du in meiner Brust. Mächtig hast Du mich beschützt, daß mich Sünde nicht beflecket, Daß kein Schrecken, kein Verlust, keine Krankheit mich erwecket, Gnädig hast Du mich beschirmet, daß des Satans feine List Und der bösen Menschen Tücke ganz zu Schanden worden ist. Diese Morgenstunde soll aller Deiner Wohlthat denken, 15 Allgemeines Morgen- Gebet. Und ein dankbarliches Herz für so viele Treue schenken, Die Du mir Zeit meines Lebens aus der treuen VaterHand, Ob ich es gleich nicht verdienet, doch so reichlich zugewandt. Wie Du mich erschaffen hast, da ich vormals nicht gewesen, Wie Du mich erlöset hast, da ich doch zum Zorn erlesen, Wie Du ferner mich geheiligt, da ich war verkehrt im Sinn, Und mich bis auf heut' erhalten, da ich's doch nicht würdig bin. Alles, Alles ist von Dir und aus Deinem Schooß ge= nommen, Weil ich diesen Morgen nun Alles neu geschenkt bekommen, Und auch selbsten ganz von Neuem gleichsam lebend worden bin, Ach, so nimm zu einem Opfer, Alles, was ich habe, hin! Ich will heut und allezeit Dich bekennen, an Dich denken, Liebe, Lob und Ehrenpreis Dir mit Mund und Herzen schenken. Seele, Leib und was ich habe, stehet Dir zu Dienst bereit, Ich will Deine Güte rühmen hier und dort in Ewigkeit. Bitte. Siehe, mein GOtt! dieser Tag ist nun abermal erblicket, Und Du weißt, daß jeden Tag seine neue Plage drücket, Ja, Du weißt, daß ich noch sündlich, dürftig und be= laden sei, Und mein Elend, wie Du kennest, wird auch alle Morgen neu; Drum so lasse diesen Tag Deine Güte nicht verschwinden, Benjamin Schmolkens Straf' mich nicht, verwirf mich nicht, und verlaß mich nicht in Sünden. 16 Hilf, daß auch der Feind der Seelen keine Macht an mir erhält Und mit seinen Höllen- Stricken mich nicht gar zu Boden fällt. Ach, vergieb, wenn schnöden Lüsten ich mein Herze eingeräumet, Wenn ich Sündliches gedacht, wenn ich Schändliches geträumet, Meine Lagerstatt beflecket, mein Gewissen sehr verletzt, Meinen Nächsten nachgestellet und mich wider Dich gesetzt. Frommer GOtt, verhänge nicht, daß der Tag, der mir erschienen, Als ein unglücksel'ger Tag mir zum Falle möge dienen. Deine Gnade zu verscherzen, im verstockten Sinne geh'n, Und also von Deinem Himmel ewiglich getrennt zu steh'n, Der Du Vater bift des Lichts, ach, erwecke mein Gewissen, Daß es diesen Tag nicht schläft, weil die Augen wachen müssen; Laß mich heute nichts Verkehrtes denken, reden oder thun, Deinen Zorn und mein Verderben nicht vor meiner Thüre ruh'n. Laß die Nacht der Finsterniß mit der Nacht sich von uns kehren, Laß mich nicht mein Brod umsonst nur mit Müßiggeh'n verzehren. Hilf, daß ich den Tag nicht brauche wie ein Kind der Finsternis, Noch das Licht von Deiner Sonnen meinen Sünden schaden müß': Faulheit, Unbedachtsamkeit und unordentliches Wesen Allgemeines Morgen- Gebet. Heiße ferner von mir sein; was Du mir zu thun erlesen, Laß mich ungehindert schaffen, daß ich diesen ganzen Tag In Geschäften des Berufes keine Trägheit zeigen mag. Hilf, daß ich nichts unterlaß, nichts vergesse, nichts verschiebe, Nichts zur Unzeit nehme vor, oder sonst Versäumniß liebe: Daß die Nacht mich nicht zum Tage, und der Tag zur Nacht gemacht, Noch mein Leib durch schnödes Sorgen vor der Zeit ins Grab gebracht. Treib' durch Deinen Schuß von mir böse Menschen, böse Thiere; Laß nicht zu, daß mich mein Gang auf Verführungs- Wege führe, Daß ich nicht Gesellschaft finde, die auf mein Verderben sieht, Oder sonsten wohin gehe, da mein Ungelücke blüht. Soll ich endlich diesen Tag noch auf Erden überleben, Wolleft Du in Fried' und Ruh' einen Feierabend geben, Daß ich alsdann nicht gefränkter und betrübter schlafen geb', 17 Als ich jetzt an diesem Morgen, HErr! vor Deinen Augen steh'. Und in Summa, nimm hinweg Alles, was mich sonst betrübet, Hind're Alles gnädiglich, was mir etwa Schaden giebet. Soll der Tag mein letzter heißen, o so steh' mir endlich bei, Daß mein Ende nicht unselig und mein Tod nicht böſe sei. Benj. Schmolk. 2 18 Benjamin Schmolkens Gebet. Vater, deffen Güt' und Treu' alle Morgen neu geboren, Hör' auch jezund mein Gebet mit genadenreichen Ohren; Gieb mir heut' nach deinem Willen, was ich diesen ganzen Tag Sowohl in dem Christenthum, als im Leben brauchen mag, Friste meine Lebens- Zeit und bewahre mein Gesichte, Gieb den Gliedern neue Kraft, mach es im Verstande lichte Und erhalte die Gesundheit; mache mich geschickt dazu, Daß ich, was du mir befohlen und was Dir gefälỨng, thư, Gieb, daß ich im Lichte licht Dein' Erkenntniß mag erblicken. Deine Gnade müsse mich wie ein Morgen- Thau erquicken. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern JEsum Chriftum an mich zieh', Und als wie ein Kind des Lichtes in dem Guten mich brid bemüh'. Laß Gedanken, Wort' und Werke gegen GOtt und Menschen spüren Gottesfurcht und Ehrbarkeit, und was sonst für Gaben Wazieren; Gieb, daß ich gerecht, treu, redlich, klug, bescheiden, * donüchtern sei, Und mich Deines jüngsten Tages stets bei gutem Wandel freu'; O HErr JEsu! sei bei mir, ich will alle meine Sachen, Was ich denke, red' und thu', nur in Deinem Namen stis machen. Mache Du den Anfang fröhlich, stehe mir in Segen bei, Daß das Mittel ungehindert und das Ende glücklich sei; Allgemeines Morgen- Gebet. Gieb mir Kräfte, dem Beruf wohl und treulich vorzustehen, Laß die Tages- Stunden mich recht vertheilen, wohl begehen; Gieb Gelegenheit, zu wirken das, was Deines Namens Ehr', And'rer Wohlfahrt, wie auch meinen und der Meinen Nut' vermehr'. 19 Ift mir's gut, so laß den Tag enden, wie er angehoben, Gieb mir heut' mein täglich Brod, segne Du mein Thun von oben, Mache leicht, was schwer, und änd're was Gefahr erwecken mag, Daß ich auch an diesem Tage mit Geduld die Laft ertrag'. Heilige Dreifaltigkeit! Dir ergeb' ich bestermaßen Leib und Seele, Hab und Gut, Wissen, Wollen, Thun und Lassen, Reden, Schweigen, Siten, Liegen, Stehen, Gehen aus und ein, Ja, mein Leben und mein Sterben laß Dir, HErr, bedone fohlen sein. Wie du mich versorgen willst, stell' ich ganz in Dein'n 196 Gefallen, Laß mich heut' und auch hinfort nur in Deiner Gnade as wallen, Gieb mir Deinen guten Engel, daß er mich geleit' und trhu führ', Von dem Morgen bis zum Abend sei und bleibe stets in mir, O GOtt Vater, Deine Macht schütze mich zu allen Zeiten, Deine Weisheit, o GOtt Sohn! führe mich auf allen robe Seiten; Deine Kraft, Du Geist der Gnaden, halte mich in aller dan Noth, 2* Benjamin Schmolkens Führe mich in Tod und Leben. Dein ist Leben und auch Tod. Gart- dis 20 Nun, HErr, segne Deinen Knecht( Deine Magd) und behüte mich vor Schaden; HErr, erleucht' Dein Angesicht über mich mit Licht und Gnaden. I luod 20 HErr! erhebe Du Dein Antlitz auf Dein Kind und steh' mir bei, $ 1191C Daß Dein Friede heut' und immer, und auch ewig bei mir sei. Fürbitte. Dise Lieb ieber Vater, frommer GOtt! Du läßt nicht allein den Deinen, sondern auch der bösen Schaar Deine GnadenSonne scheinen; ach, erbarm' Dich aller beider! daß kein Mensch auf diesen Tag, weder zeitlich hier noch ewig, sein Verderben finden mag. Laß in aller Christenheit Dir mit Ernst und Eifer dienen! Laß in allem Regiment Rath und That zum Frieden grünen! Laß in allen andern Häusern etwas Nützliches gedeih'n, und den Tag bei Allen heilig, Dir allein zu Ehren sein. Hör' die Frommen, welche Dir jetzt ein Morgen- Opfer schenken; den Boshaftigen verzeih', die an kein Gebete denken, sondern in den Tag hinleben, ohne Furcht und ohne Scheu, als ob ihnen nur zur Sünde Licht und Zeit geschaffen sei. Führe wohl die Reisenden, die jetzt auf die Straße müssen, sorge für die Dürftigen, die noch keine Speise wissen. Gieb Gelegenheit zur Arbeit dem, der was verdienen will. Setz' auch eines jeden Plage ihr bestimmtes Maaß und Ziel. Laß getreulich Jedermann sein befohl'nes Werk vollbringen, was er thut und schaffen will, das laß alles wohl gelingen! Nimm diejenigen in Obacht, deren Arbeit voll Gefahr, und stell' endlich auch dem Müden nach der Last Erquickung dar. Endlich, HErr, befehl' ich 21 Allgemeines Abend- Gebet. auch alle Menschen Deiner Güte, Eltern, G'schwister, ( Weib und Kinder), und wer sonst am Geblüt und am Gemüthe, mir verwandt und auch verbunden, so bekannt als unbekannt, auch die Feinde mit den Freunden nimm in Deine Gnaden- Hand. Leite die nach Deinem Rath, die sich heut' zu mir gesellen; stehe mir und ihnen bei, daß uns nichts vermag zu fällen, alle Deine Creaturen laß in Deinem Schutze sein; und so bitt' ich nur noch dieses: Sprich ein gnädigs Amen drein. Allgemeines Abend- Gebet auf alle Tage in der Woche. Danksagung. Werde munter, mein Gemüthe, eh' der Leib' zur Ruh sich wendet; dieser Tag ist nun dahin und die Arbeit auch vollendet. Jeßund kommt der Feierabend und die Nacht bringt ihre Frist, du bist einen Tag schon älter, als du vor gewesen bist. Stelle dein Bemühen ein, spar' die Arbeit bis auf morgen. Lege deine Sorgen hin, GOtt will jetund für dich sorgen. Denke nunmehr an dich selber, ehe du zu Bette gehst, daß du erst vor deinem Schöpfer mit Gebet und Lobe stehst. Ewiger, getreuer GOtt, der Du keinen Wechsel treibest zwischen Licht und Finsterniß, sondern, wie du bist, verbleibeft; Deiner Jahre sind kein Ende, beides, Tag und Nacht, ist Dein, Du machst, daß Sonn', Mond und Sterne im gewissen Laufe sein. Du hilfft immer einen Tag nach dem andern hinterlegen; Du weißt täglich eine Last nach der andern abzulegen, und durch Deine große Güte ist es auch dahin gebracht, daß Dein Kind nach seiner Arbeit einen Feierabend macht. Alles, was ich diesen Benjamin Schmolkens Tag besser bin und zugenommen, das ist, HErr, allein von Dir und von Deiner Gnade kommen; was ich älter, flüger, reicher und gesunder worden bin, heiß' ich Alles Deinen Segen, denn wo wär' es mein Gewinn? Darum denk' ich Deiner Huld auch in dieser Abend- Stunde; ich erhebe Deiner Treu' mit dem Herzen, mit dem Munde: Deine Wohlthat ist unzählig, unbegreiflich Deine Macht, der Du mir den Tag zur Arbeit und die Nacht zur Ruh' gemacht. Was ich dich am Morgen bat, hast Du mir den Tag gegeben. Du hast mein Gemüth regieret, Du ertheiltest mir das Leben, Du erleuchtetest die Augen, gabst dem Leibe Speis' und Trank, meinen Gliedern die Gesundheit, meiner Arbeit ihren Gang. Und jezunder, da der Tag vor der Nacht hat weichen müssen, läßt du fröhlich und gesund mich die müden Augen schließen, daß ich ruhig und mit Freuden in mein Bette gehen kann, schreib ich Alles Deiner Güte mit verbund'nem Herzen an. Es ist Alles gut, mein GOtt, wenn ich Böses gleich empfangen, oder nicht nach meinem Wunsch Alles wäre wohl ergangen; hab' ich's ärger doch verdienet, würd' auch übel um mich steh'n, wenn Du mir's gelindert hättest, oder besser lassen geh'n. D Du langmüthiger GOtt! Du hast mich so wohl erlesen, da ich doch nicht allemal Deiner eingedenk gewesen. Manches hab' ich nicht gebeten, und Du hast mir's doch verlieh'n. Defters hab' ich Dich beleidigt und Du hast mir's doch verzieh'n. Nun, für dies und alles das sei gelobet und gepriesen, was Du mir, den Meinigen, und sonst Anderen erwiesen. Was Du Böses abgewendet, was Du Gutes haft gethan, dieses nehm' ich hier und dorten ewiglich mit Danken an. deur Mas, snien tisdier Bitte. 22 is 2 LOTUS 2 Vater der Barmherzigkeit! Ach, verzeih' um JEsu willen, Was ich heute, diesen Tag wider Wissen, wider Willen, 23 Allgemeines Abend- Gebet. Deffentlich sowohl als heimlich, wider Dein Gebot gethan, Siehe mich in Christi Wunden mit Genadenaugen an; Decke meine Sünden zu, wo das Gute außen blieben, Wo was Böses ist gedacht, bald geredet, bald getrieben on Wider Dich und meinen Nächsten, als auch selbsten wider mich. Straf' mich, HErr, nicht nach Verdienste und vergieb tid genädiglich! Wende diese Nacht von mir alle Macht der Finsternisse, Daß ich nicht im Sünden- Schlaf meine Augenlider schließe, Ich mag schlafen oder wachen, so gieb mir Gedanken ein, Welche Dir und mein'm Gewissen keinerlei zuwider sein. Treib' den Satan von mir weg, was ihm pfleget anzu= hangen, Laß mich mit den Meinigen eine sanfte Ruh' erlangen; Schüß' uns, HErr! vor Dieb' und Mörder, WassersNoth und Feuers- Macht, Steure denen, die nicht schlafen, bis sie böse Ding' vollbracht; Aston Laß das Grauen in der Nacht und des bösen Feindes Schrecken, Noch was sonsten Unruh' macht, mich vom Schlafe nicht aufwecken; bo Laß traurige Gedanken, Furcht und Schrecken ferne sein, Wiege mich in Deinem Schooße ohne Sorg' und Kummer ein. 7503010 Gieb, daß mich kein schwerer Traum in der sanften Ruhe ile hind're, Keine Krankheit meine Kraft weder raube noch vermind're, Keine Schmerzen mich befallen, oder sonst Gefahr und Mic 1192ma na Noth, Und zuletzt verhäng' mir nicht einen bösen, schnellen Tod. 24 515 81013 Benjamin Schmolkens 0 29dilddaj a i Gebet. fryt H& r Err GOtt Vater, Sohn und Geist, sei auch jetzund mir tangegeben; you also FOTIE if Ich will mich in Deinen Schooß und in Deinem Namen saure soffboil sad du matfe legen; ( 110 Nimm, o Schöpfer! Dein Geschöpfe, Leib und Seele, Hab' und Gut, lib mum il Und was Du mir sonst gegeben, gnädiglich in Deine Hut. Was ich lebe, leb' ich Dir, denn Du bist allein mein Leben, Wenn ich sterbe, sterb' ich Dir, denn Du kannst das Leben dop hingeben, Also bin ich in dem Tode und auch in dem Leben Dein, Laffe beides, Tod und Leben, Dir auch wohl befohbilen sein.said mi mag sut Hilf' daß ich an Alles denk', was ich heut' von Dir silo empfangen, Alle Sünden wohl bereu', die ich diesen Tag begangen, Hab ich heut' in Thun und Reden mir zum Schaden had ni@ ind had nadr was gemacht, nad 9 Ei, so bringe Du zurechte, was ich unrecht angebracht. Decke mich in dieser Nacht mit dem Schatten Deiner Güte, Daß mich Deiner Hände Schutz und der Engel Wacht rodro 1: 162 colles behüte. 071 ning 90 Gieb mir fröhliche Gedanken, wenn ich in mein Bette geh', Daß ich ungehindert ruhe und gesunder aufersteh'. Sei bei mir, wenn ich allein, führe mich auf finstern dirrn Wegen, Tröste mich in aller Noth, schlaf' ich, wache Du dagegen; Wach' ich, laß mich an Dich denken, warne mich vor der Gefahr, Wecke mich auch morgen wieder, wenn die Arbeit wieder dar, 25 Allgemeines Abend- Gebet. Gieb ein fröhliches Gemüthe und gesunde Leibes- Kräfte, Wenn ich aus dem Bette geh', laß mich die Berufsgeit anschäfte Mit Gebete vor mich nehmen', frist' auch meine Leshaft manis@ ni ami goudbenszeit, mi im e Dir zu Ehren, mir zum Besten und des Nächsten Nutzals@ drtu dis! sidabis barkeit. 10 No Doch, weil auch mein Leben sich endlich muß zum Ende tuds b@ mi bilgiding lenken, tim u apo dnff Und ich keine Stunde weiß, ach, so laß mich wohl bedenken, Wenn ich mich zur Ruhe lege, daß der Tod stets um ads mich geh', Daß der Sarg bei meinem Bette täglich in Gedan= daled Idour thundken steh'. fen steh'. sedind six? Ja, wenn gar in dieser Nacht mich mein Ende treffen sollte, Oder auch Dein jüngster Tag mich zur Rechnung rufen manniqmwollte, O, sei mir, HErr, genädig, nimm mich in den Himonthe mug rim nda mel ein, a tudi dne Laß den letzten Blick auf Erden dort bei Dir den thordogne therm him ersten sein. C squird of stronis@ sit The hot and O Smeddin Abpfe astard i thim sho Fürbitte.nis pim 142 HErr, Du Hüter Israels, welchem aller Schlaf verborgen, Wolleft auch in dieser Nacht für die lieben Meinen firstun sednutog du forgen, dmidams bi 100 Ja, für alle Menschen- Kinder sorge heut' und mor= gen früh, Laß Dein' Augen für sie wachen, Deine Hand bedecke sie. Höre gnädig und erhöre, wenn die Frommen jetzund beten! Schone die Beleidiger, die Dir heut' zu nah' getreten. Trag' Geduld auch mit den Sündern, die bei dieser finstern Nacht Benjamin Schmolkens Nur auf Fressen, Saufen, Huren und Berauben sind bedacht. Reiß' die Trunkenen nicht hin, wenn sie noch in Sünden ftehen, Laß die Sonne nicht im Zorn bei den Zänkern untergehen, Und erbarme Dich auch derer, die sich jetzund zwar gelegt, Aber Dich nicht mit Gebete zur Verföhnlichkeit bewegt, Laß die Müden, wohl erquickt, ihr gehabtes Werk beschließen, Stärke die, so in der Nacht noch aus Noth arbeiten müssen. Gieb, daß Niemand in dem Finstern seinen Fall und Schaden find't, Hilf den Reisenden zurechte, die noch auf der Straße sind. Schaffe denen einen Ort, die noch keine Bleibung haben. Welche hungrig schlafen gehen, wollest Du mit Stärkung laben, Wache selbsten bei den Kranken, nimm die Kinder wohl in Acht; 26 Denen, die nicht schlafen können, kürze Du die lange Nacht, Steh' mit Deinem Trofte bei Allen, die in Nöthen stecken, Die sich heut' mit Angst und Schmerz und mit lauter Kummer decken, Mache der Elenden Nächte heller durch den GnadenSchein, Und laß ihre Laft erträglich auf dem Jammer- Lager sein. Endlich lasse Stadt und Land unter Deinem Schuße steh'n, Lärmen, Aufruhr und Gewalt ferne von den Grenzen geh'n, Rauben, Stehlen, Mord und Todschlag, Wassers- Noth und Feuersgluth, Treib' genädiglich zurücke, daß uns ja nichts schaden thut, Laß die Wächter auf der Hut treulich für uns alle wachen, Und behait' in Fried' und Ruh' einem Jeden seine Sachen, Univ.- Bibl. Giessen 27 Morgen- Andacht am Sonntage. Bis wir aus der Finsterniß zu dem großen Tage geh'n, Und alsdann laß uns im Licht ewiglich erfreuet steh'n. Amen. Morgen- Andacht am Sonntage. W illkommen, lieber Tag, Tag über alle Tage! du bist des HErren Tag, den Er ſelbst hat gemacht. Mein Herze schläget schon bei deinem Glockenschlage und giebt der Finsterniß mit Freuden gute Nacht. Wie schöne siehst du aus, du angenehmer Morgen, da deiner Sonnen Glanz mir in die Augen lacht, doch lieget unter dir ein größer Glück verborgen, das mir in's Herze scheint und einen Sonntag macht. Mein JEsu, Du bist es, Du heißest meine Sonne, Dich bet' ich nur allein an diesem Morgen an. Geh' in der Seelen auf mit reiner Luft und Wonne, daß ich durch Dich das Licht im Lichte sehen kann. Ich grüße deinen Tag, als einen Tag der Wunder, weil Deine Wunderhand ihn oft gezeichnet hat. O, lege Du in mir den wahren Glaubenszunder, so fängt mein Herze Gluth durch Deine Wunderthat. Das war Dein Ostertag, an welchem Du erstanden, ach! laß mich heute doch aus meinem Grabe geh'n; befreie meinen Fuß von allen Todes119 Benjamin Schmolkens Banden, und wirke selbst in mir ein geistlich Aufersteh'n. Geuß Deinen Geist auf mich, und mache heute Pfingsten, wie weiland dieser Tag dadurch geheiligt ward. Dein Wort erleuchte mich, daß ich nicht im Geringsten von diesem weichen mag, was Du mir offenbart. Gieb Augen, welche Dich und Deinen Sohn erkennen, gieb Ohren, welche Dir begierig offen steh'n, gieb Lippen, die voll Geist's in Deinem Lobe brennen, gieb Füße, die mit Lust in Deinen Vorhof geh'n. Vor Allem gieb ein Herz, das gleich dem guten Lande, im Glauben und Geduld viel hundert Früchte bringt. Behüte meinen Sinn vor allem Mißverstande, damit das gute Werk in mir sehr wohl gelingt. Mein Hirte, weide mich auf Deiner grünen Aue und führe mich, Dein Schaf, zum frischen Wasser hin, schleuß Deinen Himmel auf, daß er mir Manna thaue, laß mir Vergißmeinnicht in Deinem Worte blüh'n. Mich hungert, lasse mich mit Lebensbrode speisen, mich dürstet, tränke mich vom Brünnlein Israel: gieb Deinen Dienern Kraft, daß sie mich unterweisen, aus ihrem Munde geuß die reine Lebensquell'. Dein Weinberg ist für mich, ach! laß mich Trauben bringen und keine Härlinge an meinem Stocke steh'n. Erwecke Saft und Kraft, die 28 29 Morgen- Andacht am Sonntage. bis zur Wurzel dringen, daß Deine Werke bald bei mir ins Leben geh'n. Laß mich mein Antliß nicht im Spiegel so beschauen, wie einer, der vergißt, wie er gestaltet war, ein jedes Wort, das Du mir läsfest anvertrauen, stell' als ein Denkmal mir in meinem Leben dar. Sobald mich Dein Gesetz mit seinem Hammer troffen, sobald sei auch mein Herz zermalmet und zerknirscht, Dein Evangelium steh' mir auch wieder offen, wenn der geängste Geist nach Deinem Worte dürft't. Laß einen Tempel mich in Deinen Tempel bringen; mein Herz Dein Predigtstuhl, die Lippen Dein Altar; der Weihrauch mein Gebet, das Opfer Fleh'n und Singen; Du aber stell' Dich selbst zu meinem Priester dar. So geh' ich in Dein Haus, auf Deine große Güte, und sebze mich getroft zu Deinen Füßen hin, verberge mich allhier in Dein Gezelt und Hütte, daß ich ganz ungestört in Deinem Dienste bin. Ach HErr, wie lieblich sind die Wohnungen zu nennen! Wie freuet sich mein Geift auf Zions Heiligthum; dort seh' ich Licht und Recht auf Deinem Heerde brennen, dort predigt man Dein Heil und Deines Namens Ruhm. So wollst Du nun mein Herz beim Einigen erhalten, daß Deinen Namen ich mit Ernste fürchten mag; ja, lasse Deinen Benjamin Schmolkens Geist in meiner Seele walten, so wird Dein Sonntag mir ein rechter Sonnentag. Die Welt mag ihre Luft nach eitlem Sinne pflegen, ich will, GOtt helf es mir, fein Sabbathschänder sein und diese Worte mir tief in mein Herze prägen: Stellt euch der Welt nicht gleich, dient eurem GOtt allein. Bet' ich, so schleuß mir auf Dein Herz und Deinen Himmel, sing' ich, so spiele Du in meiner Seelen drein; mach es ganz still in mir, laß alles Weltgetümmel, das sonst die Andacht stört, von mir verbannet sein. Kein Schlaf versüße mir die Augen und die Sinnen, fein Nachbar irre mich mit seiner Plauderei; ja, laß mich selbsten nichts noch reden, noch beginnen, was Deines Wortes Lauf in mir zuwider sei. Gieb, daß Dein guter Geist auf alle Seelen falle, die heute, HErr! vor Dir in Deinem Tempel steh'n, damit das Wort nicht nur in ihren Ohren schalle, so laffe seine Kraft durch ihre Herzen geh'n. Erhör' die Betenden und die, für die wir beten, laß sie in ihrer Noth nicht ohne Hülfe steh'n. Gieb, daß die Beichtenden mit Reue vor Dich treten, mit Glauben würdiglich zu Deiner Tafel geh'n. Die allgemeine Noth laß Dir zu Herzen gehen, nimm Deiner Kirchen Dich und ihrer Glieder an, daß wir im Geiste hier 30 Morgen- Andacht am Sonntage. verknüpft beisammen stehen und feines Feindes Macht Dein Häuflein stürzen kann. Wohlan, Du rufest mich, so will ich mit dem Haufen zum Hause wallen geh'n, wo Dein Gedächtniß ist, bewahre meinen Fuß und laß mich also laufen, daß Du mir Wahrheit, Weg und auch das Leben bist. Laß mich nicht ohne Dich alsdann zurücke gehen, wenn ich gelehrt, vermahnt, gewarnt, getröstet bin. Laß einen Brand in mir nach Deinem Wort entstehen, wie dort bei Emmaus der Jünger Herzen glüh'n. So ehr' ich Deinen Tag, o Du dreieinig's Wesen, GOtt Vater, Sohn und Geist, als Dein geweihtes Fest, und werde diese Schrift an allen Wänden lesen: Gedenk' des Sabbathes, daß du ihn heiligest. um fino 31 @ 100 trol and in Morgen- Lied. SHIS) Mel.: Meinen JEsum laß ich nicht zc. Licht vom Licht, erleuchte mich bei dem neuen Tages- Lichte; Gnaden- Sonne, stelle Dich vor mein munt'res Angesichte, wohne mir mit Glanze bei, daß mein Sabbath luftig sei. go 304 305 3 2. Brunnquell' aller Süßigkeit, laß mir Deine Ströme fließen! Mache Mund und Herz bereit, Dich in Andacht recht zu küssen. Streu' das Wort mit Segen ein, laß es hundertfrüchtig sein. 3. Zünde selbst das Opfer an, das auf meinen Lippen Benjamin Schmolkens lieget. Sei mir Wahrheit, Licht und Bahn, daß kein Irrthum mich betrüget und kein fremdes Feuer brennt, welches Dein Altar nicht fennt. 32 4. Laß mich heut' und allezeit Heilig! Heilig! Heilig! fingen, und mich in die Ewigkeit mit des Geistes Flügeln schwingen. Gieb mir einen Vorschmack ein, wie es wird im Himmel sein. 5. Ruh' in mir und ich in Dir, bau' ein Paradies ins Herze. Offenbare Dich doch mir, und geuß meiner Andachts- Kerze immer neues Dele zu, o Du Liebesflamme Du. 6. Dieser Tag sei Dir geweiht; weg mit allen Eitelkeiten. Ich will Deiner Herrlichkeit einen Tempel zubereiten, nichts sonst wollen, nichts sonst thun, als in Deiner Liebe ruh'n. 7. Du bist mehr als Salomon, laß mich Deine Weisheit hören, ich will Deinen Gnaden- Thron mit gebeugten Knieen ehren, bis mir Deine Sonne lacht, und den schönften Sonntag macht. Abend- Andacht am Sonntage. Der er Sonntag ist vollbracht, der Sonnen Glanz verschwunden. Mein JEsu, der Du mir mehr als die Sonne bist, bestrahle durch Dein Licht die dunkeln Abendstunden, gieb einen Schein der Nacht, die schon vorhanden ist. Entreiße meinen Geist den schwarzen Finsternissen, wenn mich der sanfte Schlaf zum Todten- Bilde macht, laß mich Abend- Andacht am Sonntage. die süße Ruh' in Dir allein genießen, so wird es Sonntag sein auch mitten in der Nacht. Ach, aber wie so schwarz bin ich vor Deinen Augen, ich sollte, HErr, vor Dir ein Kind des Lichtes sein, so find' ich Werfe hier, die leider gar nichts taugen und mir der Höllen Nacht zu einem Lohne dräu'n. Dein lieber Sonntag ist von mir entheiligt worden, wie hab' ich doch Dein Wort so schläfrig angehört, wie wenig mich bemüht im wahren Christen- Orden, dasjenige zu thun, was Du mir hast gelehrt, mein Ohr ist gleichsam taub, mein Herze todt gewesen, mein ganzer Gottesdienst nur laulicht und verkehrt, und also sollt' ich wohl ein Urtheil von mir lesen: Der Sünder sei nicht mehr so großer Gnade werth. O, eine schwarze Nacht, die meine Sünden machen. Ach, stoß' mich darum nicht in Finsterniß hinaus! Errette doch, mein GOtt! mich aus des Todes Rachen, und tilge meine Schuld mit Christi Unschuld aus. Mein Herze suchet Dich, ach, laß Dich wieder finden, ich klopfe an die Thür, ach, thu' mir gnädig auf. Ich will von Neuem Dir mich ganz und gar verbinden, und gebe Herz und Hand zu einem Pfand darauf. Schreib' Alles in den Sinn, was diesen Tag geschehen, und laß Dein Wort in mir ja nicht vergebens Benj. Schmolt. 33 3 34 Benjamin Schmolkens sein; Du Herzenskündiger fannst in das Herze sehen, ach, so bewahre mich vor allem Heuchelschein. Laß Deine Lehren mich wie Milch und Honig speisen, damit der Vorschmack mir die ganze Woche bleibt. Laß die Vermahnungen mir Ziel und Maaße weisen, wie man das Christenthum mit rechtem Gifer treibt. Laß Deine Tröstungen wie lauter Zucker schmecken, wenn mich das Kreuze drückt, ach, so verlaß mich nie. Laß Deine Warnungen mich im Gewissen schrecken, daß ich die Sünde mehr als eine Schlange flieh'. Dein Saam- Korn muß in mir verlangte Früchte bringen, daß ich kein fauler Baum in Deinem Garten bin. Das Kleinod wecke mich zum Laufen und zum Ringen, dies Wort befestige in mir des Geistes Sinn. Hat Moses mich geweckt mit des Gesetzes Flüchen, so laß mir seinen Schall durch Ohr und Herze gehn. Hat JEsus mich getröst't mit Seinen Segenssprüchen, so laß mich darauf fest in Noth und Tod bestehn. Der Glaube werde starf durch Deines Geistes Lehren, die Liebe zünde sich bei diesem Feuer an, die Hoffnung müsse sich durch diesen Anker mehren, so grünt ein Klee- Blatt hier, das nie verwelken fann. Im Glauben laß mich Dich und auch Dein Wort bekennen, im Leben führe mich Abend- Andacht am Sonntage. 35 nach Christi Vorbild hin. Im Leiden laß mich nichts von Deiner Liebe trennen, im Sterben mache selbst den Tod mir zum Gewinn. Gieb, daß ich nicht allein ein Chrift im Wissen heiße, vielmehr ein wahrer Christ nach dem Gewissen sei. Und daß ich mich mit Ernst der Heiligkeit befleiße, entfernt von eitlem Ruhm und schnöder Heuchelei. Laß mich vor Allem Dich von ganzem Herzen lieben, und meinen Nächsten dann, als wenn ich's selber wär'. Ja, laß mir dein Gesetz in's Herze sein geschrieben, und was Dein Wille heischt, das sei auch mein Begehr. Bin ich auf Dich getauft und bin Dein Glied geworden, so hilf, daß mich kein Feind von Deinem Leibe reißt. Dein Geist regiere mich im reinen Christen- Orden, der Dich als Haupt erkennt und Deine Kirche heißt. Ich kann nicht immer hier im GOttes- Hause bleiben, drum geb' ich Dir mein Herz zu einem Tempel ein, und will an meine Brust die süße Losung schreiben: Hier ist der HErr, mein GOtt, hier soll ein Bethel sein. Gleichwie ein Hirsch, der hier nach frischem Wasser schreiet, so schreiet meine Seel' und dürftet, GOtt! nach Dir; wann komm' ich doch dahin, wann werd' ich doch erfreuet, Dein Angesicht zu seh'n in Zions schönster Zier! 3* Benjamin Schmolkens Wohlan, Du wirst mich einst aus dieser Kirche führen, die nur die streitende auf Erden wird genannt. Dort aber geht man ein zu andern Kirchen- Thüren, wo man Triumphe fingt, und keinen Feind mehr kennt. Ich werde diese Lust hier in der Ferne schauen, bis daß mein Glaube mich zum wahren Schauen bringt. Indessen will ich mich nur Deiner Macht vertrauen, da abermal der Schlaf zu meinen Augen dringt. Hast Du mein GOtt! in mir die Ruhe heut' genommen, so nehm' ich meine Ruh' auch wiederum in Dir; Du bist zu mir in's Herz mit Deinem Worte kommen, so komme doch auch nun in meine Kammer hier. Sei über mir mit Schuß, sei neben mir mit Segen, sei in mir, daß ich auch in dir verbleiben kann, so mag der Teufel sich mit allen Schuppen regen, mein Bette bleibet doch ein sich'res Canaan. Ich werf' in Deinen Schooß auch alle meine Lieben, o Vater! lege Du auch Deine Hand auf sie; laß weder Stadt noch Land Mord, Raub und Brand betrüben, so schallet überall Dein Lobspruch morgen früh. Die neue Woche wird von neuer Güte sagen, denn die ist über uns auch alle Morgen neu. Man wird nicht über Noth, noch über Mangel flagen; GOtt ist für uns, wer ist, der uns 36 Morgen- Andacht am Montage. 37 zuwider sei? So geh' ich denn zur Ruh', auch wenn Du willst, zu Grabe, geuß Du mir Glaubens- Del in meine Lampen ein; ich weiß, wenn ich genug und sanft geschlafen habe, daß dort im Himmel wird der rechte Sonntag sein. Abend- Lied. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. D er Sabbath ist vergangen, ich habe mein Verlangen nach Herzens- Wunsch erfüllt. GOtt hat mich unterweiset, mit Lebens- Brod gespeiset, und meiner Seelen Durft gestillt. 2. GOtt ruht durch's Wort im Herzen, drum leg' ich ohne Schmerzen auch meinen Leib zur Ruh', denn allen Sünden- Schaden deckt JEsus nun in Gnaden mit Seinem Purpur- Mantel zu. 3. D Du dreieinig's Wesen, mein Geist ist schon genesen, weil ich Dein Tempel bin. Ich habe Licht vom Lichte, Dein leuchtend Angesichte treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bei mir wachen, und eine Sonne machen, auch mitten in der Nacht. Bis bei den Cherubinen ein Sonntag ist erschienen, der alle Nacht zu nichte macht. 5. Ich schlafe ganz vergnüget, denn wo mein Herze lieget, da ist der Engel Heer. Mich stört kein Welt- Getümmel, es träumt mir nur vom Himmel. Ach, wer doch nur bald droben wär'! Morgen- Andacht am Montage. Ott, der Du Sonn' und Mond am Himmel läsfest scheinen, der Montag hat 38 Benjamin Schmolkens nunmehr den Sonntag abgelöst, und Deine Güt' und Treu' ist täglich bei den Deinen, weil Du nun immer auf- und nimmer untergeb'st. Ich beuge meine Knie vor Deinem Gnaden- Throne, und opf're Dank und Ruhm für den verlieh'nen Schuß. Du warest in der Nacht mein Schild und meine Krone, drum bot ich aller Noth und allen Feinden Truß. Ich schlief, so hattest Du die Augen offen stehen, ich lag, Du standest mir zur rechtund linken Hand; ich war den Todten gleich, Du heißt mich auferstehen, und macheft Deine Huld auf's Neue mir bekannt. Nimm hin die Erstlinge von dieser neuen Woche, der Anfang soll allein in Deinem Namen sein. Was Du mir gestern schon für Segen bast versprochen, das stelle heute sich in der Erfüllung ein. Der Mond muß ja sein Licht von seiner Sonne nehmen, ich nehme Licht und Heil, mein JEsu, nur von Dir; doch laß mich auch der Art des blassen Mondes schämen, daß ich nicht Unbestand in meinem Schilde führ'. Die Ruh' ist nun vorbei, die Glieder sind erquicket, ich hülle meinen Leib in seine Kleider ein. Gieb, daß die Seele sich mit Tugend- Kleidern schmücket, und wasche nebst der Hand auch das Gewissen rein. Sei meines Leibes Licht, und auch das Licht der Morgen- Andacht am Montage. 39 Seelen, daß ich den ganzen Tag ein Kind des Lichtes bin; vor Deiner Augen Licht kann Niemand sich verhehlen, drum leite meinen Fuß auf rechtem Wege hin. Zur Arbeit hast Du mich, und nicht zum Müßiggange, in diese Welt gebracht, wo Schweiß und Fleiß gebührt; so gieb mir Deine Kraft, daß ich den Zweck erlange, zu dem mich Dein Beruf und mein Gehorsam führt. Erleuchte den Verstand, daß ich wohl unterscheide, was Nuß' und Schaden bringt, was Fluch und Segen ist; den Willen bessere, daß ich das Böse meide, und das hingegen thu', woraus der Segen fließt. Dein Geist regiere mich, daß ich recht christlichen idle, und denke, daß mein Lauf nur nach dem Himmel geht. Steh' mir in Allem bei, daß, was ich thu' und handle, mir und dem Nächsten nüß', und Deinen Ruhm erhöht. Gieb beides, Nath und That, das Wollen und Vollbringen, daß nichts versäumet wird, auch nichts umsonst geschieht, den Anfang segene, das Mittel laß gelingen, das Ende benedei, so ist es wohl verricht't. Du Aufgang aus der Höb', laß Deine Güte thauen auf Alles, was ich heut' gedenke, red' und thu'. Ich will allein auf Dich und Deine Gnade trauen, schleuß Du Dein Herze nicht vor meinen Seufzern zu. Benjamin Schmolkens Geh' mit mir aus und ein, auf allen meinen Wegen, Dein Auge leite mich, Dein Arm beschüße mich. Sobald ein Unfall sich will wider mich erregen, sobald verberge Du Dein Schäflein hinter Dich. Es muß ein jeder Tag auch seine Plage haben, drum werd' ich heute wohl nicht ohne Kreuze sein, doch wirst Du mich, mein GOtt! auch in der Trübsal laben, Du richtest ja die Last nach unsern Schultern ein. Es sei dir heimgestellt, wie Du mit mir willst fahren, ich nehme Luft und Last von deiner Schickung an. Es muß Dein Herze sich doch endlich offenbaren, wie es zu keiner Zeit was Böses meinen kann. Laß mich mein Bißlein Brod in stiller Ruh' genießen, gieb wenig oder viel, ich bin mit Dir vergnügt; denn hab' ich nur dabei ein freudiges Gewissen, so ist's ein großer Schatz, der mir im Herzen liegt. Behüte Leib und Seel' vor allen Unglücksfällen, besonders vor dem Fall, den uns die Sünde dräut. Laß Deine Gegenwart mir stets vor Augen stellen, die Alles sieht und hört, und richtet mit der Zeit. Geselle mich ja nicht zu gottvergeß'nen Leuten, man wird von ihrem Thun gar leichtlich angesteckt. Laß mich der Engel Schaar den ganzen Tag begleiten, daß mich der Satan nicht mit seinen Klauen schreckt. Bleib' auch 40 Morgen- Andacht am Montage. der Meinigen getreuer GOtt und Vater, bewahre, sättige und überschatte sie. In Kummer sei ihr Trost, in Mangel ihr Berather, damit durch Deine Hand ihr Wohlergehen blüh'. Bewahre Stadt und Land vor allen Fährlichkeiten, hilf, daß kein Ungemach Lehr-, Wehr- und Nähr- Stand trennt; sei Deiner Kirchen Fels in diesen lezten Zeiten, erhalt' uns gnädiglich beim Wort und Sacrament. Nun, HErr! ich laß Dich nicht, Du hast mich denn gesegnet, ſprich nur ein einzig's Wort, so ist mein Wunsch erfüllt. So nehm' ich Alles an, was heute mir begegnet, und wär' es auch der Tod, wenn Du, HErr! also willst. Ich leb' und sterbe Dir, es sei heut' oder morgen, es kömmt der letzte Tag doch einmal ganz gewiß, drum laß mich in der Zeit für meine Seele sorgen, so tret' ich dort an's Licht, nach aller Finsterniß. Indessen weil ich noch in dieser Hütten wohne, tret' ich mein Amt und Pflicht in Deinem Namen an. In Deinem Namen sei's, GOtt Vater und GOtt Sohne, und Du, o werther Geist! so ist es wohl gethan.idh 41 Morgen- Lied. iMel.: Wer nur den lieben Gott 2c. in in neuer Tag, ein neues Leben geht mit der neuen Woche an; GOtt will mir heut' auf's Neue geben, Benjamin Schmolkens was mir sonst Niemand geben kann. Denn hätt' ich seine Gnade nicht, wer gäbe mir sonst Trost und Licht? 2. Ich grüße diesen lieben Morgen, und küsse GOttes Vaterhand, die diese Nacht so manche Sorgen in Gnaden von mir abgewandt! Ach, HErr! wer bin ich Armer doch? Du sorgft für mich, ich lebe noch. 42 3. Nun, das erkennet meine Seele, und giebt sich selbst zum Opfer hin; doch weil ich noch in dieser Höhle mit Noth und Tod umgeben bin, so weich auch heute nicht von mir, denn meine Hülfe steht bei Dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche soll nur in Deinem Namen blüh'n. Ach, laß mich nicht am Sünden- Joche mit meinem Fleisch und Blute zieh'n; gieb Deinen Geist, der mich regie'r, und nur nach Deinem Willen führ'. 5. Soll ich mein Brod mit Kummer essen, so laß es doch gesegnet sein, und was Du sonsten zugemessen, das richte mir zum Besten ein. Ich bitte keinen Ueberfluß, nur was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein GOtt! das Deine, und laß mich auch das Meine thun. Behüte Beides, Groß' und Kleine, daß sie auf Deiner Huld beruh'n, und daß ein Jeder diesen Tag mit Dir vergnügt beschließen mag. Abend- Andacht am Montage. stirbt der erste Tag in dieser neuen Wochen: Mein JEsu! habe Dank für Deine Güt' und Treu', und weil die finst're Nacht bereits bereingebrochen, so gieb, daß meine Ruh' in Dir gesegnet sei. Doch denk' ich auch zuvor an meine Missethaten, die schon Abend- Andachten am Montage. 43 den ersten Tag von mir begangen sein. In was für große Schuld bin ich bei Dir gerathen, Gedanken, Wort und Werk sind keines vor Dir rein. Dein Auge hat's geseh'n, Dein Ohr hat es gehöret, und Deine Hand hat es gewißlich aufgemerkt, wie oft mich Satan, Welt und eig'ne Lust bethöret, ja in der Bosheit noch erhalten und gestärkt. Vor Dir ist Alles bloß, Du prüfest Herz und Nieren, es kann das Innerste Dir nicht verborgen sein, und wollt' ich gleich mein Thun mit eitlem Ruhme zieren, so gilt vor Dir kein Ruhm, kein falscher Heuchelschein. Allwissender, Du weißt die Menge meiner Sünden, die ich nicht alle weiß, und auch nicht zählen kann, die wird man groß und klein in Deinem Buche finden, wie übel hab' ich doch, o HErr! vor Dir gethan? Wenn Dein Gesetze spricht, ich soll Dich herzlich lieben, so hab' ich mehr die Welt und ihre Lust geliebt. Was mir das Christenthum für Regeln vorgeschrieben, die hab' ich niemals recht, wohl gar nicht ausgeübt. Mein JEsus ist mir wohl mit Beispiel vorgegangen, allein wie folg' ich Ihm in Seinem Vorbild nach? Ich sollte Fleisch und Blut fest an Sein Kreuze hangen, so laß ich ihm den Zaum und scheue keine Schmach. Kein Wunder, wenn Du mich gar nicht mehr Benjamin Schmolkens fennen wolltest, weil ich so ferne nun von Dir gewichen bin. Ja, wenn Du, HErr, nach Recht mit mir verfahren solltest, müßt' ich vor Deinem Grimm hinab zur Höllen flieh'n. Jedoch Du haft gesagt, du sollst Mein Antlitz suchen, mein Herze hält jetzund Dein eigen Wort Dir für; fehr' Deinen Zorn in Huld und segne, statt zu fluchen, verstoß' mich Aermster nicht von Deiner Gnaden- Thür. Du willst ja wohl gerecht, doch auch barmherzig heißen; so handle nun mit mir nach Gnade, nicht nach Recht, und laß mich Deine Hand aus dem Verderben reißen, so wird ein Gnaden- Kind aus einem Sünden- Knecht. Mein JEsu! mache gut mein sündliches Verbrechen, durchstreich' mit Deinem Blut der Sünden Handschrift gar. Brich Deines Vaters Herz, wenn es die Schuld will rächen, und stelle Dein Verdienst zum GnadenStuhle dar. Laß keine Sünde mich mit mir in's Bette nehmen, es möchte mir gewiß ein hartes Kissen sein. Ja, laß mich auch des Nachts vor Deinem Auge schämen, denn dieses dringet auch zur finstern Kammer ein. Mein Geist erquicke sich durch Deines Geistes Kräfte, daß, wenn der Leib schon schläft, das Herze dennoch wacht. Ertödte Du in mir die sündlichen Geschäfte, dadurch uns oft der 44 45 Abend- Andacht am Montage. Feind die Ruh' zur Unruh' macht. Zerbrich des Satans List, der in dem Finstern schleichet, Du weißt, daß Fleisch und Blut nicht widerstehen kann, drum gieb, daß seine Macht den Willen nicht erreichet, und lege Du ein Schloß an seinen Rachen an. Umgieb mich diese Nacht mit Deinen Feuer- Flammen, umlag're Herz und Haus zu Deines Namens Ruhm, und schleuß die Meinigen in Deine Hand zusammen, denn ich befehl' fie Dir, als wie Dein Eigenthum. Die mir mit Muth und Blut befreundet und verbunden, ja meine Feinde selbst, die mir zuwider sein, die leg' ich, JEsu, Dir in Deine Gnaden- Wunden, Dein Flügel hülle sie mit lauter Segen ein. Vergiß, o Hüter, nicht, auch diese zu behüten, die arm, verwaist, betrübt, frank und in Nöthen sein; steh' bei den Sterbenden, und wenn sie g'nug gelitten, so führe sie zur Ruh' in Deinen Himmel ein. Besonders sei Dir, HErr, Dein Zion anbefohlen, bewahre Du Dein Haus, und wer darinnen dient, bis Du uns einsten wirst in's and're Zion holen, wo Deine Kirch- Gemein im rechten Flore grünt. Nun will ich schlafen geh'n, Du wirst mich selber wiegen, die Engel singen mich mit süßen Liedern ein, ja, unter meinem Haupt wird Deine Linke liegen, die Rechte herzet 46 Benjamin Schmolkens mich, wie ruhig werd' ich sein. Doch sollt' es ja mit mir in dieser Nacht geschehen, ich müßt' auf Dein Geheiß zur letzten Ruhe gehen, so laß mich auch Dein Licht im TodesSchlafe sehen, und auf den großen Tag mit Freuden auferstehen. Schließt euch, ihr Augen, zu, in meines JEsu Namen, Er schließet hinter mir auch meine Kammer ein; mein Seufzen ist erhört, denn GOtt spricht selbst das Amen; dies soll mein erstes Wort und auch mein letztes sein. Abend- Lied. 102 Mel.: JEsu, meine Freude, meines 2c. Hirte Deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wiſmag. war Schild und Hütte den vergang'nen Tag. Sei die Nacht auch auf der Wacht, und laß mich von Deinen Schaaren um und um bewahren. 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vater- Huld; ein versöhnt' Gewissen sei mein SchulterKiffen, drum vergieb die Schuld; denn Dein Sohn hat mich davon, durch die tief geschlag'nen Wunden, gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Noth betrüben, sie sind mein und Dein. Schleuß uns mit Erbarmen in Dein' Vater- Armen, ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich dei Dir, also sind wir ungeschieden und ich schlaf' in Frieden. 4. Komm, verschleuß die Kammer, und laß allen Jammer ferne von uns sein. Sei Du Schloß und Riegel, un Morgen- Andacht am Dienstage. 47 ter Deine Flügel nimm Dein Küchlein ein. Decke zu mit Schuß und Ruh', so wird uns nicht dürfen grauen vor des Satans Klauen. 5. Wie wenn ich mein Bette heut' zum Grabe hätte! Wie bald roth, bald todt! Doch hast du beschlossen, daß mein Ziel verfloffen, kommt die Todes- Noth, so will ich nicht wider Dich; lieg' ich nur in Chrifti Wunden, sterb' ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue in vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben hab' ich Dir ergeben, o Du Hüter du! Gute Nacht, nimm mich in Acht; und erleb' ich ja den Morgen, wirst Du weiter sorgen. Morgen- Andacht am Dienstage. Der Tag vertreibt die Nacht, das Dunkle weicht dem Lichte, die Morgenröthe sagt den Glanz der Sonnen an. Ach, leuchte mir, mein GOtt! mit Deinem Angesichte, daß ich mit Freudigkeit gen Himmel sehen kann. Giebst Du mir jegund Kraft, die Augen aufzumachen, so weck' auch meinen Geist durch Deines Geistes Trieb: Laß mein Gewissen jetzt von Neuem wieder wachen, Du hast der Seelen Licht mehr als des Leibes lieb. Soll ich des Tages Werk am Tage nun vollbringen, so reinige den Sinn durch Deinen Gnadenschein, laß keine Finsterniß in den Verstand sich dringen, und meinen Willen auch in allem Lichte sein. Mein erster Odem soll Benjamin Schmolkens Dein Morgenopfer heißen, mein erster Anblick soll zu Deinen Bergen geh'n. Laß die Gedanken sich vom Irdischen entreißen, und mich vor Deinem Thron in heißer Andacht steh'n. Das Hallelujah schallt aus meines Herzens Grunde, zu Deines Namens Ruhm, Du Herrscher aller Welt. Der Lippen Harfen- Klang preist Dich in dieser Stunde, daß Du die Wache hast bei mir so wohl bestellt. Dein Zelt, die Dunkelheit, hielt meinen Leib bedecket, ich lag als wie ein Kind an seiner Mutter Brust, und wenn sonst da und dort die Nacht mit Grauen schrecket, war mir in Deinem Schooß nichts Grauliches bewußt. Nun hebt mich Deine Hand auch selber aus dem Bette, und Deine Liebe legt mir meine Kleider an. Ja, wenn mich Deine Kraft nicht neu belebet hätte, so ginge längst mein Fuß auf schwarzer Todtenbahn. Nun leb' ich wiederum und lobe Deine Güte, ich klopfe wieder an vor Deiner Gnaden- Thür, und bitte, Vater, Dich mit findlichem Gemüthe, sei diesen Tag auf's Neu' mit Deiner Huld bei mir. Ich trage meinen Schatz im irdischen Gefäße, die arme Seele schwebt in mancherlei Gefahr, gleich als ich in der Welt in lauter Dornen säße, drum stelle heute Dich zu meinem Schuße dar. Laß meine Tritte nicht von 48 49 Morgen- Andacht am Dienstage. Deinen Wegen gleiten, Du weißt, wie bald der Feind uns einen Abweg zeigt, sei, wo ich geh' und steh', mit Deiner Furcht zur Seiten, gieb mir ein Herz, das sich nach deinen Rechten neigt. Will mein Beruf und Amt durch Mühe sauer werden, so stell' mir vor, daß Du es so geschaffen haft. Wer hat was ohne Fleiß auf dieser rauhen Erden; wenn nicht die Sünde wär', so wäre keine Last. Der ganze Lebenslauf wird wohl ein Dienstag bleiben, o, laß mich nur getreu in Deinem Dienste sein, und nicht nur obenhin mein Werk und Wesen treiben, so wird mein Egg' und Pflug sich auch der Erndte freu'n. Nichts bin ich ohne Dich, durch Dich vermag ich Alles, ohn' Dich ist Alles Fluch, mit Dir ist Alles Heil. Regierst Du meinen Gang, so fürcht' ich keines Falles, von Deinem Segen kommt auch mein bescheiden Theil. Erhalt' in meiner Brust ein ruhiges Gewissen, das mich am Ende nicht des Lebens halben beißt. Ich bin ein Sterblicher, wie kann ich also wissen, ob mich nicht heute noch der Tod zum Grabe weist. Gieb, daß ich lebe so, als müßt' ich heute sterben, so findet mich der Tod, wie er mich haben will, und reiß' mich, wenn er kommt, durch ihn aus dem Verderben, hier ist ja wenig Gut's und Böses gar zu viel. Benj. Schmolt. 4 Benjamin Schmolkens Nun schreibe diesen Tag in Deine Vaterhände, mit einer solchen Schrift, die lauter Heil bedeut't, daß ich ihn als ein Christ auf's Chriftlichste vollende, so gieb mir Chrifti Kraft, des Geistes Willigkeit. Soll ich auch diesen Tag die Vater- Ruthe küssen, so schlage doch nur zu, ich bleibe doch Dein Kind, es wird doch Alles mir zum Besten dienen müssen, kein Dorn ist so verwirrt, da man nicht Rosen find't. Nicht bitt' ich nur für mich, ich bitt' auch für die Meinen, die mein mit Blut und Muth auch sonst am Glauben sein, laß ihnen insgesammt die Gnadensonne scheinen, schleuß Deine Christenheit in Deine Schußband ein. Laß überall den Fuß in lauter Fette triefen, und fröne Jahr und Tag mit Deiner Güt' und Treu; ja, was in dem Gebet nicht Alles ist begriffen, erfülle Du gleich wohl, damit es Amen sei. SOUS 120- single 50 chind onsd Morgen- Lied. Mel.: Liebster GOtt! wann werd' ich sterben?) Angenehme Morgenblicke, die mir GOttes Auge macht. Ich gedenke noch zurücke an die todtenschwarze Nacht, die mit ihren Finsternissen jetzt der Sonne weichen müssen. 2. Ach! wie tief lag ich begraben in dem Schlaf als in dem Tod; jetzt kann ich mich wieder laben, daß ich lebe, macht mein GOtt. Ach, HErr über Tod und Leben, sollt' ich nicht Dein Lob erheben? diat Abend Andacht am Dienstage. 51 3. Gieb mir heut' ein neues Leben, das nicht todt in Lastern sei. Laß mich nicht am Eiteln kleben, mache mich vom Dienste frei, der das Joch der Höllen träget, der den Sünden- Dienstag heget. 4. Niemand kann zwei Herren dienen, ach! so gieb mich Dir allein. Laß den Tag, der mir erschienen, einen heil'gen Dienstag sein, daß ich Dir zu Ehren lebe, und des Glaubens Früchte gebe. sdiold, the 5. Dein Herz sei mit meinem Herzen, Deine Hand mit meiner Hand. Macht mir Deine Ruthe Schmerzen, wird ein Kreuze zugesandt, ach! so gieb Geduld zum Leiden, nach dem Leiden wieder Freuden. 6. Laß Gedanken, Wort und Werke heilig und gesegnet sein, laß des guten Geistes Stärke mir so Kraft als Troft verleih'n. Diesen Führer laß mich führen, diesen Beistand nicht verlieren. 7. Nun, Du wirst's am besten machen, denn auf Dich kommt Alles an; drum vollführe meine Sachen, daß ich klüglich handeln kann. Morgen, Mittag, Abend müssen nichts als lauter Gnade wissen. Abend- Andacht am Dienstage. Mein Gott! der Abend hat sich wieder eingefunden, daß ich um einen Schritt dem Grabe näher bin. Ach, wie vergeht die Zeit, wie eilen alle Stunden, wie bald ist doch ein Tag von meinem Leben hin, drum gieb mir, HErr, ein Herz, das stets an's Ende denket, so ofte Tag und Nacht in ihrem Wechsel steh'n; denn wie die Sonne sich zum Untergange lenket, so wird auch dermaleinst mein 4* Benjamin Schmolkens Leben untergeh'n. Eh' ich zu Bette geh', so laß mich selber fragen, ob ich am Dienstag Dir auch einen Dienst gethan? und ob ich dem Beruf, den Du mir aufgetragen, so treulich nachgelebt, daß ich bestehen kann? Es ist ja nicht genug, nur bloß gelebt zu haben, und wenn der Tag vorbei, so liefe man zur Ruh', Du forderst Rechenschaft von allen Deinen Gaben, thu' Rechnung, rufft Du mir vor meinem Bette zu. Ach, hier muß ich mein Knie in tiefster Demuth beugen; wenn Du, HErr, rechten willst, weiß ich kein Wörtlein nicht, und muß aus lauter Scham vor Deinem Throne schweigen; nun schrei' ich, HErr! ach geh' nicht mit mir in's Gericht. Wo ist der Wucher denn von meinem Pfunde blieben, das Du mir anvertraut in dieser Sterblichkeit, Du hast den Unterschlag in Allem aufgeschrieben, verschwendet hab' ich nur die theure Gnaden- Zeit. Ich habe wohl geschmeckt, wie freundlich Du gewesen, es ging kein Augenblick ohn' Deinen Segen hin. Doch Du hast wenig Frucht von Deiner Huld gelesen, weil ich ein Schuldner stets in Deinem Buche bin. Du hast mich mit Geduld so lange Zeit getragen, und den und jenen dort in Sünden hingerafft; da Du doch billig mich zu Boden können schlagen, weil Deine Lang52 53 Abend- Andacht am Dienstage. muth nichts zur Buße hat geschafft. Wenn Du mich auch gestraft, so hab' ich wohl versprochen, ich wollte frömmer sein und Deinen Willen thun! Allein, wie öfters ist der Vorsatz schon gebrochen? die Sünde will nur stets vor meiner Thüre ruh'n. Jetzt schrecket mich Dein Zorn, jetzt weckt mich mein Gewissen, wo soll ich aber hin vor Deinem Antlik geh'n? Hier wind' ich armer Wurm mich, HErr, vor Deinen Füßen, laß Gnade geh'n vor Recht, sonst kann ich nicht besteh'n. Mein Hirte suche doch das arme Schäflein wieder, nimm das verlor'ne Kind, Du lieber Vater auf. Laß Deinen Gnaden- Stuhl zu meinen Seufzern nieder, hingegen meine Noth vor Deinen Thron hinauf. Ach, hast Du noch ein Herz, so laß es jetzo wallen; haft Du noch einen Trost, so ruf ihn mir doch zu; es darf ein Wörtlein mir aus Deinem Munde schallen, das von der Gnade spricht, so geb' ich mich zur Ruh'. Wohlan, ich zweifle nicht, mein Glaube heißt mich hoffen, der Friede zwischen uns ist wiederum gemacht; Dein Sohn hat den Vergleich mit Seinem Blut getroffen, so geb' ich fünftig nun der Sünden gute Nacht. Du wirst in mir, o GOtt, ein reines Herze geben, und einen neuen Geist durch Deine Kraft verleih'n, ich will Dir Benjamin Schmolkens nimmermehr mit Bosheit widerstreben, und ein gehorsam Kind vor Deinen Augen sein. Das Wollen ist bereit, gieb Du mir das Vollbringen, und mache morgen mich zur neuen Creatur, so will ich Dir, mein GOtt, ein neues Danklied singen, und mein Gelübde thun, daß Dir mein Herze schwur. Ich gehe nun versöhnt mit Dir, mein GOtt, zu Bette, ich führe Dich zu mir in meine Kammer ein, und wenn ich sonsten nichts zu meinem Lager hätte, so soll Dein Gnadenschooß die sanfte Ruhe sein. Du Hüter Israel, ich werfe meinen Kummer auf Deinen Rücken hin, der Alles tragen kann. Komm, lege meinen Leib in einen süßen Schlummer, doch schauet Dich mein Geist auch in dem Dunkeln an. Soll's aber anders sein, daß sich nach Deinem Willen die letzte Lagerstatt in einen Sarg verkehrt, so sterb' ich auf Dein Wort und ruhe ganz im Stillen, weil meines JEsu Blut den Schlaftrunk mir gewährt. D, welch ein Morgen wird in Zion dort erscheinen, dort wird kein Dienstag nicht, ein rechter Freitag sein. Egypten, gute Nacht, GOtt führt zuletzt die Seinen da, wo kein Diensthaus ist, zur Himmels- Freiheit ein. Indessen schlaf' ich nun, sei Du bei Groß und Kleinen, sie sei'n hier oder da, mit Deiner Vaterhut, Du wirst es 54 55 Abend- Andacht am Dienstage. treu mit uns, wie wir mit Dir, es meinen, versiegle dies Gebet mit Deines Sohnes Blut. no and Abend- Lied. un TASH E in ni Mel.: Christ, der Du bist der helle Tag 2c. Cin in Tag geht nach dem andern hin, da ich noch stets im Leben bin; die Zeit verläuft und ich mit ihr, nur Du, mein GOtt, bist stets bei mir. 909 2. Du giebest, daß ich manchen Tag mit Segen hinterlegen mag. Und wenn mich eine Laft gedrückt, so warst Du es, der mich erquickt. 3. Hingegen ist mein Wandel nicht nach Deinem Willen eingericht't. Ich bin nicht werth, daß Deine Gnad' so lange mich verschonet hat. 4. Doch trau' ich fest auf Deine Huld, die größer ist, als meine Schuld. Ich halte Dich, und laß Dich nicht, bis mir dein Mund den Segen spricht. 5. Ach, segne, Vater! meine Ruh', und gieb mir Dein Geleite zu; so schlaf' ich wie ein Jakob ein, weil Mahanaim um mich sein. 6. Getreuer JEsu! steh' mir bei, und tritt des Satans Kopf entzwei, daß, wenn mich seine List bekriegt, er bald zu meinen Füßen liegt. 7. Gieb, guter Geift! daß mir Dein Licht auch in dem Dunkel nicht gebricht. Verleih' mir einen solchen Sinn, daß ich im Schlaf auch wachend bin. 8. Du heilige Dreifaltigkeit! Dein bin und bleib' ich allezeit; soll diese Nacht die letzte sein, so leb' und sterb ich Dir allein. Benjamin Schmolkens Morgen- Andacht am Mittwoch. Mein ein GOtt! es fommet hier bei früher Morgenröthen ein Jakob, der mit Dir im Glauben ringen will, es hat mich diese Nacht kein Esau können tödten, denn Deine starke Hand war aller Feinde Ziel. Ich preise Dich dafür mit aufgehob'nen Händen, mein Mund und auch mein Herz erhebet Deine Macht. Es soll sich Leib und Seel' zur Dankbarkeit verpfänden, dieweil Du beides haft so väterlich bewacht. Doch Esau lebet noch, der Feind ist noch vorhanden, der mein am Tage so als in der Nacht begehrt. Bewahr auch heute mich vor den gelegten Banden, und gieb, daß Pfeil und Lift bei mir vorüber fährt. Ich lasse Dich nun nicht, bis Du mich, HErr! gesegnet, ich hab' und halte Dich, bis mir die Sonne lacht; so fürcht' ich keinen Feind, der heute mir begegnet, ich habe GOtt besiegt, trotz aller Feinde Macht! die Morgen- Stunde trägt sonst lauter Gold im Munde, ich aber trage GOtt in meinem Herzen ein, so hab' ich mehr als Gold, und kann mit gutem Grunde bei Deiner Vater- Huld reich und gesegnet sein. Nun bin ich heut' ein Mensch, gleich wie die andern Tage, ich kann was Menschliches erfahren und begeh'n, 56 57 Mogren- Andacht am Mittwoch. drum brauch' ich Deinen Geist, der sich in's Mittel schlage, daß ich der Sünde kann mit Ernste widersteh'n! Durch diesen führe mich auf der gebahnten Straße, die man die richtige vor allen andern heißt, und leite meinen Gang nach Deines Wortes Maße, daß mich kein Sündenfall so leicht zu Boden reißt. Nächstdem werf' ich mein Netz in Deines Sohnes Namen mit allen Freuden aus, wie Du befohlen haft, gieb einen Segens- Zug, wie dort in Petri Hamen, und wenn mir's sauer wird, so mache Luft aus Last. Es lebt Niemand davon, daß er viel Güter heget, der größte Reichthum ist nur die Vergnüglichkeit. Hast Du mir diesen Schaß im Herzen beigeleget, so frag' ich nichts darnach, was Andrer Herz erfreut. Du weißt, was ich bedarf, ich will Dich lassen sorgen, weil Du so lange Zeit schon Haus gehalten hast; giebst Du mir heute was, so giebst Du es auch morgen, denn mein bescheiden Theil hast Du schon abgefaßt. Laß mich vernünftig sein bei allen meinen Werken, auch nichts zur Unzeit thun, auch nichts versäumet sein, giebt sich ein Fehler an, so laß mich ihn bald merken, und gieb mir Besserung zu meinem Besten ein. Du wirst mich heute wohl des Kreuzes nicht verschonen, es sei groß oder klein, so bring' es Benjamin Schmolkens immer her, wer ohne Dornen will in dieser Wüste wohnen, der ist kein rechter Christ, und alles Trostes leer. Sind meine Schultern schwach, Du haft den breiten Rücken, der aller Frommen Kreuz und Trübsal überträgt, drückst Du, so wirst Du auch zu rechter Zeit erquicken, Du heilst mit einer Hand, wenn gleich die andre schlägt. Und weil so in der Welt die Lebens- Zeit vergehet, wann immerfort ein Tag den andern abgelöst, so gieb, daß auch der Tag mir stets vor Augen stehet, der uns nach aller Noth mit sanfter Ruhe tröst't. Wer weiß, ob ich den Tag zum Ende bringen werde, Du weißt es wohl, mein GOtt! drum mache mich geschickt, ich bin doch weiter nichts, als eine Hand voll Erde, wohl mir! wenn deine Hand mein Auge zugedrückt. Doch bin ich Dir, mein GOtt! noch in der Welt was nüße, so flöße heute mir ein neues Leben ein, erhalte, kräftige, versorge, leite, schüße mich, als Dein Eigenthum, ich will Dir dankbar sein. Leib, Seele, Freund und Feind, die Deinen und die Meinen, Kirch', Regiment und Haus befehl' ich Deiner Hand. Laß Allen überall Dein Gnaden- Antlitz scheinen, mach fruchtbar unser Herz und auch das liebe Land. So bleibe dann bei uns auch mitten in der Wochen, auch mitten im Beruf, 58 59 Abend- Andacht am Mittwoch. auch mitten in der Noth. Du wirst es Alles thun, der Mittler hat's versprochen, zuletzt bist Du bei uns auch mitten in dem Tod. 320 umbile motion and find, ubuar di lojdi Morgen- Lied. inst T pr sto Mel.: Aus meines Herzens Grunde 2. Du u Aufgang aus der Höhe, Du Glanz der Herrlichkeit! durch Deine Gnade gehe ich aus der Dunkelheit, den hellen Tag zu seh'n. Ach, lasse Deine Strahlen mir recht vor Augen malen, wie wohl ist mir gescheh'n. TUTTAM 2. Ich lag in sanftem Schlummer in der vergang'nen Nacht, und dacht' an keinen Kummer, der And're traurig macht. Jetzt, da das Licht herblickt, so leb' ich gleichsam wieder, und habe meine Glieder mit neuer Kraft erquickt. 3. Nun, HErr! von Deinem Morgen kommt alles Wohlergeh'n; der Abend und der Morgen muß Deinen Ruhm erhöh'n. Ach, halte ferner an, daß mein BerufsGeschäfte der neuen Lebens- Kräfte auch wohl genießen kann. 4. Erfüll' mit Deiner Gnade mein Herze früh und spat, daß mir kein Unfall schade; gieb beides, Rath und That. Erhalt' in Lieb' und Leid ein ruhiges Gewissen; soll ich mein Leben schließen: Ach komm', ich bin bereit. Abend- Andacht am Mittwoch. Die Nacht ist wieder da, mein Bette ruft mich wieder, doch ruft mich auch mein GOtt vorher zur Dankbarkeit. Drum werf' ich mich allhier vor Seinem Throne nieder, und habe Herz und Hand zur Andacht Ihm geweiht. Allein, wie darf sich wohl ein Sün Benjamin Schmolkens der unterstehen, vor dem gerechten GOtt so ungerecht zu geh'n, es donnert ja Sein Grimm von den entbrannten Höhen, kein Missethäter kann vor Seinem Wetter steh'n. Ach ja, mein Herze will mich leider selbst verdammen, der Satan zeiget mir der Sünden Handschrift für; mich schrecket GOttes Zorn, wie auch der Höllen Flammen, ach, wo verberg' ich mich, mein GOtt! ich flieh' zu Dir. Die Mittwoch lässet mich wohl mitten in der Sünde, ich seh' wohin ich will, so ist's nicht recht gethan, doch dieses ist mein Trost, daß ich den Mittler finde, der mitten in dem Zorn Dich, Vater! stillen kann. Bin ich es gleich nicht werth, doch hat's Dein Sohn verdienet, daß Du noch gnädig bist, wenn man zum Kreuze friecht, der hat mich durch Sein Blut bei Dir schon ausgeföhnet, weil Er gerichtet ward, so fürcht' ich kein Gericht. Bedecke meine Schuld mit Deinem Purpur- Kleide und zeuch mir Dein Verdienst als einen Schlafrock an; mein Hirte, lasse nicht das Schäflein Deiner Weide, daß mir der Höllen- Wolf fein Schrecken bringen kann. Mein Glaube sagt es mir, Du willst mich nicht verschmähen, es läßt es Deine Huld und Christi Tod nicht zu, drum will ich nur getrost auf Deine Güte sehen, in der alleine 60 61 Abend- Andacht am Mittwoch. steht die allerbeste Ruh. Doch weil ich noch an mir den Leib der Sünden trage, so lehre doch in mir dem Fleische widersteh'n, daß kein Gewissens- Wurm an meinem Herzen nage und meine Füße stets auf Deinem Wege gehn. Ich will, vollbringe Du, und soll ich morgen leben, so wirke selbst in mir rechtschaff'ne Besserung. Mein ganzer Wandel ſei nur Dir allein ergeben, und leb' und sterbe Dir, so hab' ich schon genug. Kein süßes Wort kann mir in meinen Ohren schallen, als wenn Du mir versprichst, ich bin bei Dir in Noth, ob tausend und noch mehr zur Recht und Linken fallen, so steh' ich dennoch fest bei Dir, HErr Zebaoth. Besonders laß die Nacht mich überall erfahren, Du eben seist der GOtt, der unsre Zuflucht ist, wo Deine Hand mich nur will decken und bewahren, so frag' ich nicht ein Haar nach aller Feinde List. An David's Bette stund: Ich lieg' und schlaf' in Friede, denn Du, HErr! hilfeft mir, auf daß ich sicher wohn', o, tröste doch auch mich mit diesem Abend- Liede, ich lege mich mit Dir, sei Du mein Schild und Lohn. Sei, JEsu! Du mein Licht bei diesen Finsternissen, sei meine Sonne mir, auch mitten in der Nacht, laß Deiner Engel Schaar den Feind an Ketten schließen, der wie ein Löwe nur Benjamin Schmolkens auf mein Verderben tracht't. Dein Name ſei das Schloß, die Liebe sei das Zeichen, so mir als ein Panier an meinem Bette steht; ich will Dein theures Blut an Haus und Herze streichen, damit des Würgers Schwert umsonst vorüber geht. Hilf, daß kein Raub noch Brand, noch and'res Ungewitter uns von dem Schlafe weckt und unsre Ruhe stört; sei auch der Meinen Schuß und gnädiger Behüter, daß keinen, wer sie sein, ein Ungemach verſehrt. Träumt uns, so bilde Dich in unsere Gedanken, und leg' uns unvermerkt die Jafobs- Leiter an, sei bei den Traurigen, Verfolgeten und Kranken, daß jeder seine Noth bei Dir vergessen kann. Laß den verblichnen Tag mir diese Lehre geben, wie er als Mittwoch hier der Wochen Mitte sei, so sei ich Sterblicher auch mitten in dem Leben, mit Noth und Tod umringt, und nie vom Sterben frei. Soll heute nun mein Schlaf sich mit dem Tode küssen, so nehm' ich Deinen Tod, o JEsu! mit in's Grab, der kann die Bitterfeit im Tode mir versüßen. O selig, wer so stirbt, der scheidet fröhlich ab. anlam 390, ndoft schiAbend- Lied.find spn 2 smis susd Mel.: Wer nur den lieben GOtt 2c. d#@ 62 Ich suche Dich in meinem Bette, holdſeligſter Immanuel! daß ich Dich hätte, sich mein Morgen- Segen am Donnerstage. Leib und Seel'. Komm', kehre willig bei mir ein, Herz soll Deine Kammer sein. 63 mein 2. Kannst Du Dein Haupt sonst nirgends legen, ach, leg' es hier an meine Bruft. So kann ich süße Ruhe pfle= gen, und nichts verstöret meine Luft. So schläft der Leib, das Herze wacht, so wird es Tag bei finst'rer Nacht. 3. Ihr angenehmen IEsus- Hände, kommt, drückt die müden Augen zu, und schreibt dies Wort an alle Wände: Ein GOttes- Kind hat hier die Ruh'. Werft allen Kummer hinter mich, und schwächt des Satans Fersen- Stich. 4. Laß mich die schöne Morgenröthe in Deinem Lichte wiederseh'n, daß sie die Nacht der Sünden tödte, und lehre mich die Welt verschmäh'n, die nur Egyptens Schatten liebt und wenig Licht der Tugend giebt. 5. Wohlan, Du treuer Freund der Seelen! ich habe Dich, ich halte Dich. Schlaf' ich in Deiner Wunden Höhlen, so ist mir gar nichts hinderlich. Ich weiß, daß, wo Du JEsus bist, mein Bette gar der Himmel ist. 13 Morgen- Segen am Donnerstage. Ermuntre dich, mein Geiſt, in dieſer Morgenstunde, und feu're meinen Mund zum Lobe GOttes an, erneuere die Pflicht von Seinem Gnaden- Bunde, daß ich den neuen Tag auch recht begeben mag. HErr, der Du meine Zeit in Deinen Händen trägeft, und meine Tage haft in Deinem Buche stehn, der Du den Odem noch in meiner Brust bewegest, und Deine Kräfte läßt in meine Seele gehn. Ich rühme Deine Huld, die nach dem Benjamin Schmolkens dunkeln Schatten ein helles Tages- Licht mir wieder aufgesteckt, die Augen, welche sich mit Schlaf verhüllet hatten, hat Deine sanfte Hand gewöhnlich aufgeweckt, daß mir mein Bette nicht zum Grabe können werden, daß mich kein Feind gestört, kein Unfall hat berührt, und daß ich sonst noch frei von anderen Beschwerden, dies Alles hast Du, HErr! ganz glücklich ausgeführt. Drum nimm Du, höchstes Gut, den Dank für Deine Güte, so sehr ich in der Zeit aus Schwachheit danken kann, nun kommt der neue Tag mit einer neuen Bitte, nimm sie auch gnädiglich in Chrifti Namen an, dieweil ich von mir selbst nichts Gutes kann vollbringen, so sei Du überall bei, in und neben mir; laß Alles, was ich thu', durch Deine Kraft gelingen, und stecke mir ein Licht in Deinem Worte für. Ich bin ein armes Schaf, wie leichte fann ich irren, drum gehe mir, mein Hirt', stets auf dem Fuße nach, und laß mich nicht in's Neß der Eitelkeit verwirren, so stürzt der Thorheit Schuld mich in ein Ungemach. Gieb, daß ich heute mag mit frommen Leuten wandeln, auch mit der bösen Schaar stets unanstößig sein. Laß Denken, Reden, Thun, mich nach Gewissen handeln, und schleuß mich überall in Deine Vorsicht ein. Soll ich mein 64 Morgen- Andacht am Donnerstage. täglich Brod mit Kummersalzen essen, so lege Deine Huld als einen Zucker bei; ich weiß, Du wirst mich auch im Kreuze nicht vergessen, Dein Herze sagt es mir, das über Alles treu. Ich gebe Dir mein Herz, lenk' es nach Deinem Willen; ich gebe Dir das Obr, gieb ihm des Wortes Frucht. Ich gebe Dir den Mund, laß ihn Dein Lob erfüllen, mein Auge geb' ich Dir, halt' es in Deiner Zucht. Ich gebe Dir die Hand, laß sie was Gutes machen, ich gebe Dir den Fuß, führ' ihn auf eb'ner Bahn. Ja, Alles geb' ich Dir; in allen meinen Sachen will ich Dein eigen sein, was ich nur bin und kann. Gieb Dich hinwieder mir, laß mich Dein Auge leiten, Dein Ohr erhöre mich, Dein Mund erfreue mich; es steh' mir Deine Hand in aller Noth zur Seiten, sei meines Herzens Herz, so hab' und halt' ich Dich. Gieb, daß ich leb' in Dir, laß Alles in mir sterben, was Deines Reiches Macht in mir verhindern kann; denn Satan, Welt und Fleisch geh'n nur auf mein Verderben, und locken meinen Fuß auf breite Höllen- Bahn. Versalze mir die Welt, die in dem Argen lieget, und halt' das wilde Fleisch durch Dein Geseß im Zaum; gieb, daß der Seelen- Feind mich nicht in's Neze krieget, und wenn er an mich setzt, so find' er keinen Raum. Nun, ich Benj. Schmolt. 65 5 Benjamin Schmolkens befehle Dir mein Leben und mein Leiden, und sollte beides auch den Tag zu Ende geh'n, so will ich gerne mich auf Dein Geheiß bescheiden, laß mich im Tode nur auf Christum feste steh'n. Es ist das Letzte doch, wenn wir gelebet haben, so macht der Tod den Schluß und führt uns aus der Welt; da wird der Himmel uns nach aller Arbeit laben, wo keine Hiße mehr auf unsre Glieder fällt. In dieser Hoffnung will ich an die Arbeit gehen, und an dem Joche noch, so lang ich lebe, zieh'n. Ach, laß in Deiner Huld mich und die Meinen stehen, und Deines Segens Kraft an allen Orten blüh'n. Sei unser Aller GOtt, jeßt und zu allen Zeiten, so werden wir Dein Volk und Deine Kinder sein; es decke uns Dein Schild bei allen Fährlichkeiten, und Deine milde Hand versorget Groß und Klein; so wird kein Donner uns am Donnerstage schrecken, und lauter Sonnen- Licht um unsre Scheitel sein; ja, wenn Dein Donner wird uns zum Gerichte wecken, so gehn wir freudenvoll in's stille Zion ein. HD 190 gum 66 mister Morgen- Lied... Jod gildu Mel.: GOtt des Himmels und der Erden 2c. Gott, Du wohnst in einem Licht, dahin Niemand kommen kann, doch Dein helles Angesicht schaut uns alle Morgen- Andacht am Donnerstage. 67 Morgen an, daß uns ein solch Licht umfaßt, welches Du geschaffen haft. 2. Da der Vorhang aufgezogen, den die Nacht um uns gehüllt, und die Träume hingeflogen, die mit Schrecken angefüllt: sehen wir mit Freuden an, was der HErr an uns gethan. 3. Deinen Schild, der uns bedecket, salben wir mit Dankbarkeit. Deine Hand, die uns gewecket, küssen wir und find erfreut, daß Du noch an uns gedenkst und uns neues Leben schenkst. 13dailsrimun th 4. Unsrer wäre längst vergessen, unser Bette längst ein Grab; doch Du wachtest unterdessen, bis der Schlaf fich wegbegab; und so ist's, als stünden wir neugeboren hier In difer vor Dir. 5. D Du hochgepries'ner Schöpfer! laß nicht Deiner Hände Werk; wir sind Thon, Du bist der Töpfer, wir voll Schwachheit, Du voll Stärk'. Haft Du uns an's Licht gebracht, schüß' uns auch durch Deine Macht. 6. Schreibe das, was wir verrichten, in das große Segens- Buch. Unser Reden, Thun und Dichten sei vor Dir ein Wohlgeruch, daß die angewandte Müh' viel Gedeihen nach sich zieh'. 7. Lock' uns stets mit Deinem Himmel, schreck' uns mit der Hölle ab; zeig' uns bei dem Welt- Getümmel, daß zuletzte folgt das Grab; daß man an das Ende denkt und das Herz auf Klugheit lenkt. 13 8. Folgt der Tod uns auf dem Fuße, ach, so schärf' uns täglich ein, wie man immer in der Buße, seiner muß gewärtig sein, daß auf diesen Donnerstag uns kein Donner schrecken mag. me mu Blommig Bad HGO E -moi Crnmeist nicht this manis r finden 13 # 2 la na vodi iblisgn Balled withod at ma 5* Benjamin Schmolkens Abend- Andacht am Donnerstage. 65tt Ott Lob! der Donnerstag ist auch nun überlebet. Ach donnerte, mein GOtt! nur Dein Gesetze nicht, denn weil ich diesen Tag Dir öfters widerstrebet, so geht ein Wetter auf, und dräut mir Dein Gericht. Mein Herze schlägt mir schon, ach, schone Du mit Schlagen, doch wo du schlagen willst, so denk' an Deinen Sohn, der hat ja meine Schuld und Deinen Zorn getragen; ich werfe mich zerknirscht vor diesen Gnaden- Thron. Ist meine Sünde groß, Du hast viel größ're Gnade, die ist wie Sand am Meer, gehäuster denn mein Haar, ich weiß, daß Deine Huld sie dennoch überlade, und meines JEsu Blut stellt viel mehr Tropfen dar. Nimm diesen Bürgen an, und schreib' die Sünden- Schulden aus dem Gerichtsbuch ab, in die Vergessenheit; mein Hoherpriester will das Alles für mich dulden, was die Gerechtigkeit für Strafe mir gebeut. Laß Deinen Donner sich in Sonnenschein verkehren, verwandle Deinen Fluch in Segen und Gedeihn, denn sollt' ich Deinen Blick in dieser Nacht entbehren, so wollt' ich lieber todt, als so verlassen sein. Nun, Du herzfreundlicher und allertreuster Vater, nimm das verlorne Kind noch einmal 68 69 Abend- Andacht am Donnerstage. wieder auf und sei in's Künstige mein Führer und Berather, Dein Geist verbeuge mir den alten Sündenlauf. Hilf mir mein Fleisch und Blut durch Kraft von oben dämpfen; vergälle mir die Welt, die man verleugnen muß, und will mein ärgster Feind, der Satan, mit mir fämpfen, so tritt den Belial selbst unter Deinen Fuß. Hast du mich diesen Tag auf Deiner Hand getragen, so füß' ich sie dafür in tiefster Dankbarkeit, hat Deine Ruthe mich als wie ein Kind geschlagen, so dank' ich Dir, mein GOtt, von Dir kommt Lieb' und Leid. Du hast mir manches Kreuz schon helfen überwinden; war mir die Last zu schwer, so warf ich sie auf Dich. Und lerne mich nunmehr in diese Weise finden; Du führeft wunderlich, doch aber seliglich. Du wirst es immer gut mit Deinen Kindern machen; wer seine Wege nur mit Ernste Dir befiehlt, kann mitten in der Noth wie in den Rosen lachen, weil diese Ruthe stets auf unser Bestes zielt, und also nehm' ich Dich auch heute mit zu Bette, ich werfe mich auf Dich, ich lasse nicht von Dir, wenn aller Feinde Schaar mich gleich umgeben hätte, bin ich doch sicher g'nug, denn Du, HErr! bist bei mir, Du wirst um mich herum die sechzig Starfen stellen, durch die ein Salomo die Furcht der Nacht Benjamin Schmolkens vertreibt, und mir das große Heer getreulichst zugeſellen, bei dem ein Jakob dort unangefochten bleibt. Du bist mein Licht, mein Heil, vor wem sollt' ich erschrecken? Du bist des Lebens Kraft, so grauet mir vor nichts; Du bist mein Schirm und Schild, mein Stab und auch mein Stecken, so acht' ich keine List des alten Bösewichts. Drei Hütten hab' ich hier, mein JEsu! bei Dir funden; die erste geben mir der Füße Nägelmaal', die andre bau' ich mir in Deiner Hände Wunden, und Deine off'ne Brust zeigt mir die dritte Zahl, o JEsu! laß mich hier die süße Ruh' genießen. Ein Andrer hülle sich in Sammt und Seiden ein, ich will mich nur allein in Deine Wunden schließen, und sage ganz getrost: o HErr! hie ist gut sein. Laß morgen Deine Kraft mich wieder neu beleben, und wecke mich zu dem, was mein Beruf mich heißt. Soll aber mich mein Schlaf den Todten übergeben, so bitt' ich, daß Du mir mein Weg zum Himmel seist. Ich bitt' auch, HErr! für die, so Du mir anvertrauet, laß Krankheit, Furcht und Noth von ihnen ferne sein. Die Kirche, die auf Dich, als ihren Fels gebauet, beleuchte Tag und Nacht durch Deinen Gnaden- Schein. Wohlan, ich lege mich, verschleuß Du meine Kammer, ich schlafe, wache 70 71 Morgen- Andacht am Freitage. Du, bis daß die Nacht verschwind't. So ruhet Leib und Seel', befreit von allem Jammer, und an dem Bette steht: Hier schläfet GOttes Kind. arsby mardino Abend- Lied. ent mar and Mel.: Die Nacht ist vor der Thür 2c. Die Nacht ist Niemands Freund; doch weil ich JEsum habe, so fürcht' ich keinen Feind bei solcher Uebergabe, Er ist, der mir die Nacht zur guten Freundin macht. $ 72. Heb' alle Feindschaft auf, Freund! den mein Herze liebet, und wo mein Lebenslauf Dich da und dort betrübet, so tilge meine Schuld mit Huld und mit Geduld. 3. 3war hab' ich einen Feind, der voller List und Tücke; doch wo Dein Antlitz scheint, da fällt er bald zurücke. Trop Teufel und der Höll'! Hier ist Immanuel. 4. Ich werde diese Nacht als wie ein Todter liegen, drum laffe Deine Macht sich um mein Lager fügen, und Deiner Allmacht Schein bei meiner Ohnmacht sein. 5. Der Schlaf, des Todes Bild, heißt mich an's Grab gedenken; doch komme, wenn Du willt, ich will mich gar nicht fränken; mich bringt des Lebens Feind zu Dir, mein. bester Freund. G Morgen- Andacht am Freitage. Gott Lob! der Freitag hat mich von der Nacht dunkeln Schooß mich ganz gefangen hielt. Es hat sich meine Kraft erholet und erneuet, mich schrecket nun nicht mehr der Träume Todten Benjamin Schmolkens Bild. Der helle Himmel zeugt von meines Schöpfers Güte, die immer neues Licht und neues Leben giebt, und fordert jeßund auf mein dankbares Gemüthe, daß es mit Freuden sich in Deinem Lobe übt. Du überreicher GOtt, Du Brunnquell aller Gnaden, groß von Barmherzigkeit und übergroß von Treu', vor Deinem Vaterschuß wich aller SeelenSchaden, der Leib war vor Gefahr in Deinen Armen frei; Du hattest meine Ruh' mit Engeln ganz umgeben, und ihre Wagenburg war meine Lagerstatt; so durfte nicht ein Haar vor Satans Grimme beben, wie eifrig er die Nacht mir nachgestellet hat. Ach, HErr! ich bin zu schwach, für Alles Dich zu preisen, so nimm nur für die That den guten Willen an; ich will Dir Lebenslang verbund'ne Pflicht erweisen, bis ich im Himmel dort Dein Lob verbessern kann. Doch meine Dankbarkeit ist eine neue Bitte, der Freitag brauchet auch die Blicke Deiner Huld, so zeichne demnach ihn mit Deiner Wundergüte, verbinde heute mich zu einer neuen Schuld. Laß mich den Tag begeh'n zu Deines Sohnes Ehren, es war Sein Leidenstag und auch Sein Sterbetag; was könnt' ich Schön'res wohl von Seinem Tode hören, als daß ich Vater Dich in Christo nennen mag. Die 72 73 Morgen- Andacht am Freitage. Morgenröthe kann mit ihrem Purpur prangen, mir heißet JEsus Blut das schönste Morgenroth, darin die Sonne mir zum Leben aufgegangen, sonst wär' ich in der Nacht ja gar in Sünden todt. Gieb also, daß ich stets an den Erlöser denke, daß ich Ihn heute nicht auf's Neue freuzige, und meine Blicke stets auf Seine Wunden lenke, damit ein Wohlgeruch zum Leben draus entsteh'. Wenn sich Gelegenheit zu einer Sünde zeiget, so zeige mir Sein Blut und Seine Todes- Pein, und wenn mein Herze sich zur Welt und Wollust neiget, laß Seinen Dornenkranz mir bald vor Augen sein. Laß Deinen Angstschweiß sich mit meinem Schweiße mischen, den mein Beruf mir hie aus meinen Adern treibt. Laß Deinen Gallentrank mein Thränenmaß erfrischen, und gieb, daß mir Sein Kreuz ein Trost im Kreuze bleibt, mit Seinen Banden zeuch mich immer von der Erden, in Seine off'ne Seit' begrabe meine Noth; und soll ich heute noch zur blassen Leiche werden, so sei durch Seinen Tod auch meines Todes Tod. So wird mir dieser Tag ein rechter Freitag bleiben und keinesweges nicht der Bosheit Deckel sein; Du wirst ihn in Dein Buch mit Christi Blute schreiben, dasselbe machet mich von allen Sünden rein. Benjamin Schmolkens Und Du, o GOtteslamm! laß mich Dein Vorbild lieben, daß ich gehorsam bin, wie Du gewesen bist, daß ich geduldig sei, wenn man mich will betrüben, daß meine Liebe treu, so wie die Deine ist. Dann bleibet mir der Trost, Du hast so viel gelitten, daß meine Seele nun nicht darf verloren geh'n, so wirst Du auch den Leib mit Segen überschütten und mich, Dein Gliedmaß, nicht in Kummer lassen steh'n. Die Schädelstätte wird mit lauter Gnade thauen, wo Du gedurftet haft, werd' ich gesättigt sein. Wo Dich Dein GOtt verließ, werd' ich Sein Antliß schauen, wo Du getrauert hast, da werd' ich mich erfreu'n. Wo man Dir Alles nahm, wirst Du mir Alles geben; wo man Dich hat entblößt, ziehst Du Dich selbst mir an; wo Du gestorben bist, da wirst Du mir das Leben. Dein Weg zum Kreuze hin ist meine Himmels- Bahn. Du wirst ein Fluch für mich und ich durch Dich ein Segen, Du trugest GOttes Zorn und ich die Huld davon. Das laß mich heute nun mit rechtem Ernst erwägen, daß ich die Sünde flieh', die Dir gab solchen Lohn. Laß auch den Meinigen aus Deinen Wunden fließen, was sie vergnügen kann, Dein Blut ihr rothes Seil, bei dessen Zeichen sie von feinem Unfall wissen; dies sei ihr Trost, ihr Schuß, ihr 74 75 Morgen- Andacht am Freitage. allerbestes Theil. Und endlich sei auch stets bei Deiner Kreuz- Gemeine, die Deiner Fahne folgt und Dich als König schüßzt; gieb, daß uns dermaleinst ein Freitag dort erscheine, der aus Egypten uns in's freie Land versetzt. Amen. De Morgen- Lied. Mel.: Meinen IEsum laß ich nicht zc. Schließet euch, ihr Augen, auf, denn das Auge dieser Erden will durch Seinen neuen Lauf euch zur MorgenFackel werden. Geht, die Sonne geht euch vor und weist euch zu GOtt empor. 2. Lasset euren ersten Blick sich nach Zions Höhe wenden. Sehet auf die Nacht zurück, die GOtt half so glücklich enden. Ach, ein solcher GOtt verdient, daß Sein Lob beständig grünt. 3. HErr Zebaoth! Deine Treu' hat wie Flügel mich bedecket, und jetzt wird sie wieder neu, da Du mich haft aufgewecket; ach! was geb' ich Dir dafür? ich verehr' mich selber Dir. 4. Bin ich nun Dein Eigenthum, so versorge mich auch heute, daß zu Deines Namens Ruhm Lieb' und Segen mich begleite. Was ich thun und reden soll, alles dies gerathe wohl. 5. Laß den Himmel offen sein, wenn mein Herz sich zu Dir hebet, und laß meine Seufzer ein, wenn die Noth vor zu mir: Fürcht' Augen schwebet. Sprich ein gnädig's Wort dich nicht, Ich bin mit dir. 6. Laß mich Dein Augapfel sein, den Du, HErr, wirst wohl bewahren, und mir Deinen Gegenschein aller Orten Benjamin Schmolkens widerfahren. Sei mir immer Sonn' und Schild, sonsten mach' es wie Du willt. 76 7. Gieb, daß ich kein Brandmaal mir in's Gewissen heute mache. Schieb' der Sünden Riegel für, hilf mir, daß ich bet' und wache; denn wer weiß, ob diesen Tagnicht mein Ende kommen mag. 8. Nun, ich werfe mich auf Dich, Du kannst Alles übertragen; Deine Hand erhalte mich, wenn mich Kreuz und Unglück plagen. Kommt der Abend dann herbei, gieb, daß ich gebessert sei. Abend- Andacht am Freitage. Err JEsu! bleib' bei mir, denn es will Abend werden, der Tag hat sich geneigt, die finst're Nacht ist da. Komm', fehre bei mir ein, mein bester Trost auf Erden, sei mir mit Deiner Huld auch in dem Finstern nah. Der Freitag ist vorbei, ach, wär' ich frei von Sünden, so würd' ich auch bei Dir frei von der Strafe sein. Allein, so muß ich mich auch heute schuldig finden, mir kommt viel Böses jetzt und wenig Gutes ein. Ich hab' es schlecht bedacht, wie Du an diesem Tage für aller Menschen Schuld so schmerzlich haft gebüßt, wie Dir Dein Leidensgang durch ungemeine Plage bis an des Kreuzes Stamm so sauer worden ist. Die Banden, die Du trugst, die Dornen, die Dich rizten, die Geißeln, die den Leib mit Striemen angefüllt, die Wunden, 77 Abend- Andacht am Freitage. welche Blut mit ganzen Strömen schwißzten, Dein Durst, Dein Gallen- Tranf, Dein blasses Todten- Bild, die hätten heute mir vor Augen sollen schweben, Dir, Du Gefreuzigter, sollt' ich gefreuzigt sein; allein mich überzeugt mein sündenvolles Leben. Dein Blut will über mich und meine Bosheit schrei'n. O unbeflecktes Lamm, ich habe dich erwürget, und meine Missethat hat Dich an's Kreuze bracht, doch hast Du meine Schuld mit Blut und Tod verbürget, und selbsten Dich für mich zum Schuldener gemacht. Ich zeige Dir Dein Blut, das Du für mich vergossen, soll dieser theure Schatz an mir verloren sein? Du hast ja Deine Brust den Sündern aufgeschlossen, so nimm mich Aermsten auch in Deine Wunden ein. Aus Deinen Dornen laß mir lauter Rosen blühen, durch Deine Bundes- Kraft verbinde mich mit Dir. Dein Kreuze müsse mich recht nach der Höhe ziehen, die off'ne Seite sei mein Weg zur Gnadenthür. Ach, sprenge doch Dein Blut auf mein zerknirschtes Herze, lösch ab des Vaters Zorn in dieser rothen Fluth, hilf mir durch Deinen Schmerz von meinem Sünden- Schmerze, was ich nicht recht gethan, mach' Alles wieder gut. Ich will mein Fleisch und Blut hinfort an's Kreuze heften, die Welt soll fünftig Benjamin Schmolkens mir, ich ihr gefreuzigt sein. Doch weil ich viel zu schwach in meinen eig'nen Kräften, so pflanze Du mir selbst Dein Kreuz ins Herz hinein. Laß Deine Nägel mir durch mein Gewissen gehen, so ofte sich die Luft zu einer Sünde regt. Traf dies das grüne Holz, wie wird's um's dürre stehen, wie wird der Knecht bestraft, wenn GOtt den Sohn so schlägt? Ganz ferne sei von mir, mich von was Anderm rühmen, als JEsu, nur von Dir und Deinem Kreuz allein. Das will ich nun allein als meinen Trost beniemen, in Deinen Wunden soll mein einzig's Labsal sein. Laß auch in dieser Nacht Dein hochgepries'nes Kreuze zum Zeichen über mir und meinem Bette steh'n, daß mich mein Fleisch und Blut zu feiner Sünde reize, und alle Feinde sonst bei mir vorübergeh'n. Laß Deine TrauerNacht zur Freuden- Nacht mir werden, der Engel sei bei mir, der Dich gestärket hat, Dein hartes Lager dort am Delberg auf der Erden verwandle sich bei mir zur sanften Ruhestatt. Doch lasse mich nicht so wie Deine Jüngerschlafen. Gebet und Wachsamkeit erfordert auch mein Stand; kommt Judas und die Schaar mit Satans Wehr und Waffen, so gieb des Geistes Schwert mir in die Glaubens- Hand. Will mich der arge Feind als 78 79 Abend- Andacht am Freitage. wie den Weizen sichten, so bete Du für mich, damit mein Glaube bleibt; bewahre meinen Schlaf vor Satans Mord- Gerichten, die er sonst in der Nacht mit seinen Schuppen treibt. Wie Du am Kreuze Dich dem Vater haft befohlen, so laß auch meinen Geift Dir jetzt ergeben sein. Willst Du mich heute noch in Deinen Himmel holen, so schlaf' ich ganz getrost in Deinen Wunden ein. Dein Kreuzweg führet mich aus allem Kreuz und Leiden, Dein Tod macht meinen Tod zur rechten Lebens- Bahn; Dein letztes Angstgeschrei erwirbt mir Himmelsfreuden, auf Deinem Golgatha treff' ich mein Tabor an. Du hast Dich in der Noth der Deinen angenommen, so laß die Meinen auch in Deiner Obsicht steh'n; will ihnen diese Nacht etwas zu nahe kommen, sprich nur ein einzig's Wort: Fort, laß mir diese geh'n. Wir machen Dein Verdienst zu unserm Schulter- Kiffen, und legen uns zur Ruh', weil Du für uns gewacht, so können wir getroft die müden Augen schließen, und auf den Freitag folgt auch eine freie Nacht. s tistih Abend- Lied. Mel.: Die Nacht ist vor der Thür. uonio Lamm GOttes, schaue mich vor Deinem Kreuze liegen, mein mattes Herz will sich in Deine Wunden schmiegen; ach, öffne diese Kluft der Seele, die da ruft. Benjamin Schmolkens 2. Geschlag'ner Fels, nimm jetzt die Täublein in die Rißen, das Blut, das Du geschwißt, laß mir auch heute nüßen, daß es die Schulden löscht, und mich von Sünden wäscht. 80 3. Zerbrich in dieser Nacht die Macht der Finsterniffe, daß ich bei Deiner Wacht die Augen fröhlich schließe. Dein Dorn- Kranz stelle mir ein Rosenkissen für. 4. Wirf mir den Purpur zu, den Du mit Blut beflecket, daß er bei meiner Ruh' mich als ein Schlafrock decket; vor dieser schönen Tracht entfärbt sich selbst die Nacht. 5. Breit' über meinen Schlaf die ausgestreckten Armen, und laß Dein armes Schaf an Deiner Brust erwarmen. Dein off'ner Seiten- Riß sei mir ein Paradies. 6. Laß einen Schlaftrunk mir aus Deinen Wunden fließen, und Deine Lippen hier zu guter Nacht mich küssen, weil mich nach Dir nur dürft, o Du mein Lebens- Fürst. 7. Kein Teufel soll mich hier von Deinem Kreuze reißen, ich will es mein Panier und meine Freistatt heißen: wo dieses Zeichen steckt, da bin ich wohl bedeckt. 8. So schlaf' ich ruhig ein auf Dein Verdienst und Leiden; es kann mich keine Pein von Deiner Liebe scheiden, aus Liebe wünsch' ich mir zu sterben gar mit Dir. Morgen- Andacht am Sonnabend. Das Auge dieser Welt zeigt wieder ſeine Strahlen, ach! brenne Du mein Herz die Andachts- Flamme an. Die Sonne suchet dir im Bilde vorzumalen, wie man zu GOttes Ruhm am Morgen leuchten kann. O Vater alles Lichts! erleuchte mein Gewissen, damit die Sündenmacht im Herzen Abschied 81 Morgen- Andacht am Sonnabend. nimmt; denn Deine Kindschaft weiß von feinen Finsternissen, so wenig Tag und Nacht jemals zusammen stimmt. Entzünde meinen Mund zu lauter Lobessprüchen, und mache Dir mein Herz zu einem Dankaltar. Weil Du die ganze Nacht nicht bist von mir gewichen, und Alles abgewandt, was zu befürchten war. Nimm meine Seele hin zu Deinem Eigenthume, ich gebe Dir den Leib zu einem Tempel ein; verkläre Dich in mir zu Deines Namens Ruhme, und laß mich festiglich mit Dir vereinigt sein. Ich bin jezund bereit, die Kleider anzuziehen, zeuch Deine Liebe mir als einen Leibrock an, und laß den güld'nen Schmuck in allen Werken blühen, der mich in Christo nur gefällig machen kann. Ja, schmücke Du mich selbst mit Glauben und mit Liebe, mit Keuschheit, mit Geduld, mit Demuth, Mäßigkeit, und führe meine Füß' nach Deines Geistes Triebe, in wahrer GOttesfurcht und auch Gelassenheit. Laß Deine Gegenwart mir stets vor Augen schweben, die, wo ich geh' und steh', mich wie die Luft umgiebt, und weil Du Alles fiebst, so gieb mir so zu leben, daß sich Dein Vater- Blick nicht über mich betrübt. Verleihe Deine Kraft, mir selbsten abzusterben und für den alten Menschen den neuen Benj. Schmolf. 6 Benjamin Schmolkens anzuzieh'n; ja, was die Welt sonst liebt zu ihrem Selbstverderben, das laß mich allemal als eine Schlange flieh'n. Der Feind läßt seinen Pfeil auch an dem Tage fliegen, drum gieb mir einen Schild, an dem kein Stoß nicht haft't, und sucht mich seine List in Sünden einzuwiegen, so weck' und schrecke mich mit Deines Donners Kraft. Gieb beides, Rath und That, zum Sinnen und Beginnen, was ich in Chrifto thu', sei Alles wohl gethan, und laß in dieser Welt mich nur so viel gewinnen, daß ich den Meinigen die Nothdurft reichen kann. Dein Segen machet reich, nicht aber unsre Mühe, doch giebst Du Keinem was, der müßig gehen will, so schaff', daß meine Hand die Arbeit niemals fliehe, und fülle sie alsdann mit wenig oder viel. Kehrst Du mit Trübsal ein, so mach' es nur erträglich, das ist kein guter Tag, da man kein Kreuze bat; Dein süßer Trost macht mir die größte Noth behaglich, und alles Leid verschwind't, wenn JEsus zu mir naht, die schwere Kreuzes- Last macht doch ein leicht Gemüthe, das Herze hebet sich nur drunter mehr empor, und endlich scheinet doch die treue Vater- Güte, der Zucker Deiner Huld schmeckt aller Wehmuth vor. Sei Du mir Sonn' und Schild bei mir und bei den Mei82 Morgen- Andacht am Sonnabend. nen, wend' ab Gefahr und Leid, Pest, Krieg und Hungers- Noth; und sollte diesen Tag mein Ende gar erscheinen, so gieb durch Christi Blut mir einen sanften Tod. Ich lebe länger nicht, als Du mein Ziel gestecket, der Tod klopft täglich auch bei meiner Schwachheit an, drum gieb, daß jeder Tag zum Sterben mich erwecket, ich ihm recht freudiglich entgegen gehen kann. Laß mich indessen nicht dem Namen nach nur leben, wer Dich nicht liebt und ehrt, der ist lebendig todt. Vielmehr laß allezeit mich zu erkennen geben, mein Leben sei aus Dir, so hat's mit mir nicht Noth. Denn Keiner lebt ihm selbst, kann auch ihm selbst nicht sterben, drum leb' ich, leb' ich Dir, sterb' ich, so sterb ich Dir; und also kann ich todt und lebend nicht verderben, Du bist des Todes HErr und meines Lebens Thür. Die Woche wird sich auch mit diesem Tage schließen, ein gutes Ende macht auch alles And're gut; das aber wirst Du, HErr! mir selbst verleihen müssen, Du bist das A und O, so schließ' ich wohlgemuth. Noch heute währt die Müh', denn morgen ist gut feiern, ein einz'ger Tag wird mich auf alle sechs erfreu'n, da werd' ich meine Kraft in Deiner Kraft erneuern, der Sonnenabend wird mein Feierabend sein. dwind dib day ne 83 6* Benjamin Schmolkens is Morgen- Lied. danie) sms bim Mel.: Die Nacht ist vor der Thür. 18 Die Nacht giebt gute Nacht, der Tag herrscht schon auf Erden. GOtt, der da beides macht, soll hoch gepriesen werden. Du HErr der ganzen Welt, haft Alles wohl bestellt. 2. Ja, mehr und mehr als wohl, hat mich Dein Schild bedecket, daß ich erkennen soll, wie Deine Güte schmecket, und daß sonst keine Treu' so groß als Deine sei. 3. Ach, laß Dir meinen Dank in Schwachheit wohlgefallen; Dein Lob soll Lebenslang in meinem Munde schallen; ich werde niemals mein, nur Dein alleine sein. d 4. Du wollst mich diesen Tag ins Buch des Segens schreiben, daß ich so leben mag, wie mich Dein Geist wird treiben, durch deffen Leitung führ' mich mehr und mehr 981196 zu Dir. 84 5. Mein Thun und Lassen laß Dein Aufseh'n nicht verlassen; Dein Wort sei mein Kompaß, den Lauf darnach zu fassen, gieb ein bescheiden Theil am Kreuz und auch am Heil. 6.2 Versorge meinen Mund, doch aber mehr die Seele, erhalte sie gesund in ihrer Leibeshöhle, gieb einen Gnadenblick auch zu der Meinen Glück. tdo 7. Die Woche läufet nun an diesem Tag zu Ende, drum hilf, daß ich mein Thun in Deiner Kraft vollende, daß morgen mich der Tag geruhig finden mag. 8. Laß mich die kurze Zeit des Lebens klüglich theilen, und nach der Ewigkeit mit frohen Schritten eilen, so leb' ich, weil es gilt, so sterb' ich, wann Du willt. Abend- Andacht am Sonnabend. o endigt sich der Tag zugleich mit dieser Wochen; ach, endige, mein GOtt! nur 85 Abend- Andacht am Sonnabend. Deine Gnade nicht. Ich habe heute zwar auf's Neue viel verbrochen, doch tröstet mich Dein Wort, Du willst mein Sterben nicht. Und also werf' ich auch mein Herz zu Deinen Füßen, mit Wehmuth ganz zerknirscht, doch gläubig und getrost, laß mich nur einen Blick von Deiner Huld genießen, und hemme Deinen Grimm, der sonst zur Höllen stößt. Kein Mensch ist engelrein, wir allzumal sind Sünder, es mangelt uns der Ruhm, der uns vor GOtt gebührt, jedoch Dein Sohn hat mich und andre Sünden- Kinder vor Deinen Gnaden- Stuhl durch Sein Verdienst geführt. Ach, streich die Schulden aus mit Seinem rothen Blute, und fühle Deinen Zorn in diesen Strömen ab! was Er gelitten hat, das komme mir zu Gute, der Wunden tiefes Meer sei meiner Sünden Grab. In diesem Glauben geht mein mattes Herz zu Bette, ich werde wieder Kind, Du wieder Vater sein; wenn ich auch diesen Trost bei meiner Ruh' nicht hätte, so schlief' ich ganz gewiß auf lauter Dornen ein. Doch ehe sich mein Haupt zum Schlafe niedersenfet, so brenn' ich Dir zuvor der Lippen Weihrauch an: Du hast mir so viel Heil die Woche durch geschenket, daß ich Dir Deine Treu' nicht g'nug verdanken kann. Kein Tag ging mir vorbei, ich zählte keine Benjamin Schmolkens Stunde, es war kein Augenblick, der nicht gesegnet hieß; mein Wohlfein stand bei Dir auf einem festen Grunde, daran der arge Feind sich selbst den Kopf zerstieß. Du hast im Geistlichen die Seele wohl berathen, und auch im Irdischen den armen Leib bedacht, mein armes Leben zeugt von Deinen Wunderthaten, Du hast es auch mit mir im Kreuze gut gemacht. Dein Segen war bei mir, daß ich in meinem Schweiße mein Brod mit Freuden aß, und mir genügen ließ. Es kam von Deiner Kraft und nicht von meinem Fleiße, wenn ich was Nüßliches in meinem Amte weiß; wer weiß, was sonsten mich für Glend hätte troffen, wenn Du das Beste nicht, o GOtt! bei mir gethan, so hast Du über mir Dein Auge täglich offen, daß ich vor mancher Noth befreiet leben kann. Was bin ich besser wohl als andre Menschenfinder, die Du die Woche durch im Zorne heimgesucht? Die Andern strafest Du, und fährst mit mir gelinder, da Dein Gesetze mir sowohl als ihnen flucht. Langmuth, o Geduld, to freundliches Erbarmen, wo schreib' ich solche Treu' und solche Gnade hin? ich werfe mich dafür in Deine Liebes- Armen, und sage, daß ich ganz und gar Dein eigen bin, o Bater voller Huld, o Heiland aller Leben,& Geist 86 87 Abend- Andacht am Sonnabend. voll Süßigkeit, nimm dieses Opfer an; Herz, Mund und Hand soll Dir Lob, Preis und Ehre geben, bis ich im Himmel dort vollkommen danken kann. Fahr' aber ferner fort mit Deiner großen Gnade, voraus in dieser Nacht sei Du mein Trost und Licht, daß mir fein Ungemach an Leib und Seele schade, so gönne mir nun, HErr! Dein gnädig's Angesicht. Laß in der Dunkelheit Dein helles Auge wachen, Dein Arm umfasse mich, daß uns nichts trennen fann; treib' ab die Grausamkeit des alten Höllen- Drachen, und stecke vor mein Bett des Glaubens Siegesfahn'. Der Träume Larvenspiel laß mich doch nicht erschrecken, Fluch, Gluth und Satansbrut sei fern von meiner Ruh'; es müsse mich kein Leid und keine Sorge wecken, Dein Flügel decke mich als wie ein Küchlein zu. Schließ' Deine Wagenburg um mich und um die Meinen, sei Mauer, Schild und Wacht durch Deinen Cherubin; ruht etwa'n Haupt und Herz auf harten Kummer- Steinen, so stelle mir zum Trost auch Jakobs Leiter hin. Wie süße werden wir in Deinem Namen schlafen, wie ruhig wird der Leib und auch die Seele sein; denn Du, der Hirte, bist bei Deinen lieben Schafen, und wirst Dein Eigenthum von aller Noth befrei'n. Laß morgen mich gesund 88 Benjamin Schmolkens G zu Deinem Throne treten, Dein Sonntag wecke mich mit Loben wieder auf, so werd' ich vor Dir steh'n mit Hören, Singen, Beten, ach, wie sehr freuet sich mein Herze schon darauf. Soll aber in der Nacht der Tod die Augen brechen, und dieser Wochen- Schluß der Schluß des Lebens sein, so laß mir Deinen Mund ein gnädig's Urtheil sprechen, und binde meine Seel' ins Lebens- Büchlein ein. Wo kann mir besser sein, als droben in dem Himmel, man trifft doch in der Welt nur Marter- Wochen an; mein Jesu! eile doch, daß ich dem Weltgetümmel die letzte gute Nacht auf Erden sagen kann. Indessen will ich mich dem Irdischen entreißen, und nur des Himmlischen im Glauben mich erfreu'n; ein sanfter Tod wird mir ein Sonnenabend heißen, und wenn ich aufersteh', mein Sonnenmorgen sein.ua@biola asaft mblidad par of wist *** Abend- Lied.inda duis misce immig 19TETO0 stad TDE Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. Die ie Woche geht zu Ende, nicht aber GOttes Treu', denn wo ich mich hinwende, da ist sie immer neu. Die Zeit kann wohl verschwinden, nur GOttes Güte nicht, sie läßt sich täglich finden, und giebet Trost und Licht. 2. Genädigster Erhalter von Allem, was ich bin, hör' meines Mundes Psalter, und nimm mein Opfer hin; es find ja Deine Gaben, die nicht zu zählen sein, und was ich nur kann haben, das ist ja Alles Dein. Abend- Andacht am Sonnabend. 89 3. Die ganze Woche zeuget von Deiner Gütigkeit, die Du mir zugeneiget; ja meine Lebenszeit vom Anfang bis jetzunder, auf diesen Augenblick, rühmt Deine Gnadenwunder in Glück und Ungelück. 4. Allein mein Herze bebet, wenn es zurücke denkt, wie übel ich gelebet, und Dich, mein GOtt! gekränkt, je mehr Du mich geliebet, und meiner haft verschont, je mehr ich Dich betrübet, und nur mit Haß belohnt. 5. Ach strafe nicht im Grimme gehäufte Missethat, weil Deine Vater- Stimme mich selbst gerufen hat, so schrei' ich um Erbarmen, erbarm' Dich über mich! Ich fall' Dir in die Armen, ach, schone gnädiglich. 6. Mein Glaube heißt mich hoffen, es sei durch Christi Blut ein neuer Bund getroffen und Alles wieder gut. Drum will ich Dir geloben, auf ewig treu zu sein. Dein guter Geist von oben wird mir die Kraft verleih'n. 7. Ich bin Dein Kind auf's Neue, drum gieb, daß diese Nacht mich auch Dein Schuß erfreue, der Alles sicher macht. Ich werde gleichsam sterben, der Schlaf ist wie ein Tod; doch kann ich nicht verderben, Du lebst in mir, mein GOtt! 18. Ja Du, mein GOtt! wirst wachen, ich werde ruhig sein, so mag der Höllen- Rachen gleich Donner auf mich spei'n. Dein Kind wird nichts empfinden, als wenn's im Himmel wär', von vornen und von hinten deckt mich der Engel Heer. 9. Du wirst auch die versorgen, die mein und Deine scin; so werden wir uns morgen in Deiner Kraft erfreu'n. Wir werden Opfer bringen mit Herzen, Mund und Hand, und Dir ein Loblied singen, wo Du, HErr! bist bekannt. 10. Soll das in diesem Leben die letzte Woche sein, will ich nicht widerstreben und mich im Geifte freu'n auf einen Feierabend, den Christi Tod gemacht, und diese Hoffnung habend, sprech' ich nun gute Nacht! P O⇒ 90 Benjamin Schmolkens Spadne Wöchentliche insuls sin shird Morgen- re ' do gilink manis so big En sid JE 8019790 sniem 60 dni und bom the Good Abend- Liederic isth. s berdlog jest thing to steal modniillp.35 Ausg ng boll tod noe fin C 18 El Morgen- Lied am Sonntage. I Mel.: Des Morgens, wenn ich früh aufsteh'. Mein ein GOtt! die Sonne geht herfür, sei Du die Sonne selbst in mir, Du Sonne der Gerechtigkeit, vertreib' der Sünden Dunkelheit. Und notinis mad mi mate 2. Mein erstes Opfer ist Dein Ruhm, mein Herz ist selbst Dein Eigenthum. Ach, kehre gnädig bei mir ein, Du mußt Dir selbst den Tempel weih'n. bus da 3. Gieb, daß ich meinen Fuß bewahr', eh' ich mit Deiner Kirchen- Schaar zum Hause GOttes wallen geh', daß ich auch heilig vor Dir steh'. gilet du to 4. Bereite Herze, Mund und Hand, und gieb mir Weisheit und Verstand, daß ich Dein Wort mit Andacht hör', zu Deines Namens Ruhm und Ehr'. nicestné 100 5. Schreib' Alles fest in meinen Sinn, daß ich nicht nur ein Hörer bin, verleihe Deine Kraft dabei, daß ich zugleich ein Thäter sei. Cala 1923 6. Hilf, daß ich diesen ganzen Tag mit Leib und Seele feiern mag. Bewahr' mich vor der argen Welt, die Deinen Sabbath fündlich hält. niso smpaing 7. So geh' ich denn mit Freuden hin, wo ich bei Dir zu Hause bin, mein Herz ist willig und bereit, o heilige Dreifaltigkeit! 91 Morgen- und Abend- Lieder. Abend- Lied am Sonntage. In voriger Melodie. Mein GOtt! die Sonne geht zu Ruh', komm, drücke mir die Augen zu, laß mich vor Deinem Antlitz steh'n, und höre meines Herzens Fleh'n. 2. Dein Schäflein kommt in Deinen Schooß, ach mach' es aller Sünden los; ist dieser Tag nicht recht vollbracht, Dein Sohn hat Alles gut gemacht. 3. Nimm Du Sein Blut für meine Schuld, erneu're Deine Vater- Huld, und nimm Dein Kind Gnaden an, zu daß ich fein sanfte ruhen kann. 4. Du bist der Wächter Israel, bewahre beides, Leib und Seel', sei mir und auch der Meinen Schild, wenn Satan in dem Finstern brüllt. $ 19 5. Und störet etwas meine Ruh', so ruf' mir Deine Worte zu, die heute mich sowohl erquickt, so werd' ich träumend auch entzückt. dist 194 6. Des Schlafes Bruder ist der Tod, doch hat es mit mir keine Noth; ich leb' und sterbe Dir allein, so schlaf' ich sanft und selig ein. 7. Schleuß dich, o Herzens- Tempel, zu, denn GOtt hat in mir Seine Ruh. Die Ueberschrift steht an der Thür: GOtt Vater, Sohn und Geist ist hier! rem min Morgen- Lied am Montage. * 08( bi In voriger Melodie. s ro ein GOtt! erwecke Herz und Mund, erneure Deinen Gnaden- Bund, daß dieser Wochen erster Tag in Dir M gesegnet heißen mag. Mei 2. Die Nacht war mir als wie der Tag, weil ich in Deinen Armen lag. Steh' mir nur in Genaden bei, daß mir der Tag nicht finster sei. Benjamin Schmolkens 3. Laß mich in Deinem Lichte steh'n, kein Werk der Finsterniß begeh'n. Gieb mir ein Dir ergeb'nes Herz, daß ich nicht Deine Huld verscherz'. 4. Dein Auge sieht mich, wo ich bin, Dein Ohr hört aller Orten hin. Du wirft von Allem Richter sein, das binde mir zur Warnung ein. 5. Weil Deine Hand der Brunnquell ist, aus welchem alles Gute fließt, so wirke Du damit bei mir, daß ich den Lauf mit Freuben führ'. 92 6. Kehrt auch das Kreuze bei mir ein, so laß es nur erträglich sein. Ein Blick von Deiner Gnade macht, daß auch mein Herz in Dornen lacht. 7. So geh' ich freudig zum Beruf, GOtt, der die Welt und mich erschuf, wird Kraft von oben mir verleih'n, der Anfang und das Ende sein. Abend- Lied am Montage. In voriger Melodie. H& Err Zebaoth, Dein Ruhm verdient, daß er in meinem Herzen grünt, drum nimm auch diesen Abend an, was Deinen Ruhm vermehren kann. 2. Du hast mich heute sehr geliebt, Da ich Dich leider sehr betrübt, und mein Gewissen stellet mir die allergrößten Sünden für. Waist Shin 3. Mein Mund beklagt, mein Herz bereut des Wandels Ungerechtigkeit, und hätt' ich meinen JEsum nicht, so käm' ich billig in's Gericht. B 4. Den lasse meinen Bürgen sein, Sein Blut wird kräftig für mich schrei'n, sieh' doch in Seinen Wunden an, was Er und nicht was ich gethan. douche danis 5. Um Chrifti willen bleib bei mir, versiegle meine Morgen- und Abend- Lieder. Kammer- Thür, und streich' das Blut des Lammes dran, daß mich kein Würger tödten kann. 93 6. So heilige denn meine Ruh', und schließe mir die Augen zu. Soll ich den Tod im Schlafe seh'n, wer Dir stirbt, dem ist wohl gescheh'n. 7. Nun, gute Nacht, mein JEsus wacht, der nimmt die Meinen auch in Acht. Mein GOtt ist mein und ich bin Sein, das soll die letzte Losung sein. ti sto risuu977 tind Morgen- Lied am Dienstage. and thom sono In voriger Melodie.* 190 mm bur u alter GOtt machst Deine Treu' an diesem Morgen wieder neu, so komm' ich auch von Neuem hier, und trage Dir mein Herze für. nisl sdn- end day ng 2. Ach, habe Dank für Deine Hut, Du höchstes Gut machst's immer gut. Im Schlafe war ich außer mir, Du aber in mir für und für. 11: 0 d 3. Der Feind hat Böses wohl gedacht, Du aber haft es gut gemacht. Das ist nunmehr am Tage da; mein Herze singt Hallelujah! insida maut mis Stand: 370 4. Ach, sei mir heute wie ein Thau, daß ich mein Werk im Segen bau'; der Schweiß in meinem Angesicht fließt ohne Deinen Segen nicht. 5. Fall' ich, so hebe Du mich auf, laß Fleisch und Blut nicht seinen Lauf. Der Dienstag förd're Deinen Dienst, Dein Gnaden- Lohn sei mein Gewinnst. 6. Sei Du mein Schild und großer Lohn, und mein Immanuel Dein Sohn. Schlägst Du, verbinde mich nur auch, und handele nach Vaters- Brauch. offel s 7. So geht es auf die Arbeit los, mein GOtt! eröffne Deinen Schooß, gieb mir nur wenig oder viel; denn was GOtt will, das ist mein Ziel. Hellion itindo Benjamin Schmolkens Abend- Lied am Dienstage. In gleicher Melodie. Die Nacht verlöscht des Tages Licht, mein GOtt! nimm Deinen Glanz mir nicht, zeuch Du in meinem Herzen. ein, so hab ich immer Sonnenschein. in ditt 521nf 2. Allein die Nacht der Sünden schreckt, die mein Gewissen aufgeweckt; der Dienstag ist ein Sünden- Tag, da ich im Sünden- Dienste lag. I con t 3. Doch das Verdienst von Deinem Sohn wird mir ein rechter Gnaden- Thron. Ach siehe, lieber Vater! drauf, schreib' ab die Schulden und nicht auf. 300 301 81911 4. O Menschen- Hüter, hüte mein, die Geister, die Dir dienstbar sein, gieb mir zu einer starken Wacht, die Satans List zu Schanden macht. 94 dnat 19/11/15 don JENER 5. Bleib' bei mir, weil es Abend wird, mein Gast, mein Trost, mein guter Hirt; mein Bett sieht wie Egypten aus, ach, mach' ein lichtes Gosen draus.od 6. Halt' mir Dein Wort, das immer gilt, Daß Du mich nicht versäumen willt, und hilf mir endlich dorten hin, wo ich in keiner Nacht mehr bin. tbildot thin sd bilo 7. Komm, süßer Schlaf, erquicke mich, der müde Leib begehret dich, bis daß die Nacht ihr Ende find't, GOtt selbsten ruft: nun schlaf', mein Kind! & Morgen- Lied am Mittwoch. In voriger Melodie. Bol nahr Brich an, gewünschte Morgen- Stund', es träget lauter Gold dein Mund. In meinem Munde soll allein mein GOtt mein Gold, mein Alles sein. stb.nd, at# 2. GOtt, Vater! nimm mein Opfer hin, das ich mit Leib und Seele bin; denn beide hast Du wohl bewacht, und wieder an das Licht gebracht. Morgen- und Abend- Lieder. 3. Ich breite meine Hände dar, ach! nimm auch heute meiner wahr. Du siehst, was ich nicht sehen kann, wie schlüpfrig meine Lebens- Bahn. 4. Welt, Fleisch und Teufel geh'n mir nach, und dräuen mir viel Ungemach; ach, waffne mich mit Tapferkeit, und stärke mich in diesem Streit. nammi ni dad 5. Laß Deine Weisheit bei mir steh'n, und mich auf guten Wegen geh'n, was Du mir heut befohlen hast, das mache mir zu keiner Last. Anne 95 6. Gesegne mir mein täglich Brod, gieb, daß ich denke an den Tod; ein Tag geht nach dem andern hin, daß ich stets fromm und fertig bin.bistru dluh sid 17. Auf Dich, mein GOtt! kommt Alles an, was Du nicht thust, heißt nicht gethan; so thu' auch heute wohl an mir, mir gieb den Nuß', die Ehre Dir.m Abend- Lied am Mittwoch. In voriger Melodie.stbil is Die Laft ist aus, nun kommt die Luft, die mir in sanfter Ruh' bewußt, mit JEsu wach' und schlaf' ich ein, wie sollt' ich denn nicht fröhlich sein. adam boit ruis 2. Ach, aber wie betrübt bin ich; ich denk' jetund mein GOtt! an Dich, und mein Gewissen klagt mich an, weil ich die Schuld nicht leugnen kann. jak mun 3. Ach, dieser Abend stellet mir des Tages finst're Werke für. Für Deine Liebe gab ich Haß, zum Bösen schnell, zum Guten laß. 1981106 m S 4. Ach, laß den Fluch nicht auf mir ruh'n, und JEsum die Bezahlung thun. Bin ich nicht heilig und gerecht, Er ist ja der gerechte Knechta nis da nam 130 mi 5. Der Feierabend stellt sich ein, laß mein Gebete feurig sein, und gieb, daß meine Lagerstatt Elias Roß und Wagen hat. derdag ti and in sedajat di Benjamin Schmolkens 6. Verbinde mich in Dein Gezelt, woselbst die Liebe Wache hält. Des Löwen Rachen stopfe zu, daß er mir keinen Schaden thu'. 96 7. So schlaf' ich wohl in Deiner Hand, die alles Grauen abgewandt. Ich fürchte weder Noth noch Tod, denn wo ich bin, da ist mein GOtt. Morgen- Lied am Donnerstage. In voriger Melodie. Mei ein GOtt! Du schaffest dieses Licht, das jetzund durch die Wolken bricht; laß es auch lichte bei mir sein, durch Deinen neuen Gnaden- Schein. 2. Der Donnerstag ist auch erlebt, darüber Dich mein Herz erhebt; mein erstes Wort ist Jakobs Wort: der HErr ist wahrlich an dem Ort. 3. Nimm auch nun mein Gelübde hin, mit dem ich Dir verbunden bin, und gieb, daß ich den ganzen Tag Dir solches auch bezahlen mag. 4. Laß JEsum heute mir allein Weg, Wahrheit und das Leben sein. Sein Name Heilige mein Thun, so wird Dein Segen auf mir ruh'n. 5. Verleih' mir ein vergnügtes Herz, und lenk' es immer himmelwärts; laß mich im Rath der Frommen geh'n, und allem Bösen widersteh'n. 6. Ich werfe meine Noth auf Dich, es ist Dein Joch, erquicke mich. Du hast ja wohl ein Thränenmaaß, doch aber auch ein Stundenglas. 7. Gieb, daß ich diesen Donnerstag an den Gerichtstag denken mag, und also hier mein Leben führ', daß mich alsdann kein Donner rühr'. Morgen- und Abend- Lieder. Abend- Lied am Donnerstage. In voriger Melodie. Dir, o Du HErr der Herrlichkeit, sei Lob und Dank und Ruhm bereit, daß ich nun wieder einen Tag in Segen hinterlegen mag. 97 2. Ich bin nicht werth der großen Huld, ja, es verdienet meine Schuld nur lauter Zorn und Ungenad', dieweil ich Dich verworfen hab'. 3. Ach, HErr! verwirf mich darum nicht, schau', wie Dein Sohn Dein Herze bricht, den halt' ich Dir im Glauben für, sei gnädig und verzeihe mir. 4. In JEsu Wunden leg' ich mich, zu einer Decke nehm' ich Dich; so schrecket mich kein Höllenbild, ich bin in Dich ganz eingehüllt. 5. Geselle mir bei meiner Ruh' die Starken Solomonis zu, und laß sie um mein Bette steh'n, daß sie der Noth entgegen geh'n. 6. Leb' ich, so trag' ich morgen Dir ein dankergeb'nes Herze für. Sterb' ich, so binde mich alsdann ins Bündlein der Lebendigen. 7. In Deinem Namen schlaf' ich ein, laß mich bei Dir ganz sicher sein, damit auf diesen Donnerstag auch eine Stille folgen mag. Morgen- Lied am Freitage. In voriger Melodie. De er Morgenglanz macht hellen Schein, mein JEsu! kehre bei mir ein, in Deinem Blute stelle mir die rechte Morgenröthe für. 2. Der Freitag war Dein Sterbetag, da ich auf's Neue leben mag. Gieb, daß ich so mein Leben führ', daß Welt und Sünde sterb' in mir. Benj. Schmolf. 7* Benjamin Schmolkens 3. Ich seh' Dich als mein Opfer an, das ich dem Vater bringen kann, wenn Er ein Lamm von mir begehrt, daß sich Sein Zorn in Huld verkehrt. 4. Besprenge meinen Morgendank und meines Herzens Lobgesang mit Deines Blutes Lebensthau, daß GOtt darauf in Gnaden schau'. 5. In meinem Wandel stelle mir Dein Vorbild heut' und all'zeit für; verleih mir Deine Kraft dabei, daß ich der Welt gekreuzigt sei. 98 6. Aus Deinen Wunden quelle mir ein rechter Segensbach herfür. Mit Deinem Kreuze labe mich, wenn Kreuz und Trübsal findet sich. 7. Und wenn mein Lauf zu Ende geht, gieb, daß Dein Kreuze vor mir steht, die off'ne Seite sei die Thür, die mich zu Dir gen Himmel führ'. Abend- Lied am Freitage. In gleicher Melodie. o ist der Freitag auch vorbei, ach, wär' ich von der Sünde frei, die ich auch heute schon verübt und GOt= tes Vaterherz betrübt. On 2. Wie wenig hab' ich doch bedacht, was IEsum an das Kreuz gebracht; vielmehr gethan, gedacht, gered't, was Ihn auf's Neue kreuziget. dog pigismoni 3. Ach, Vater! schlugst Du Deinen Sohn mit so viel Schmerzen, Schmach und Hohn, da Er doch fremde Schuld verfühnt, was hab' ich Sünder denn verdient? Chap 4. Jedoch mein Glaube tröstet sich, Dein Sohn vergoß Sein Blut für mich, nimm diese Zahlung für mich an, und sei mir wieder zugethan. All Ge 5. Wirf meine Sünd' in's tiefe Meer, und gieb mir Morgen- und Abend- Lieder. Seine Wunden her, weil ich kein Lager sonst nicht weiß, so schlaf' ich wie im Paradeis. 6. Dein letztes Wort soll meine sein, ich will aus ganzem Herzen schrein: mein GOtt, der Du mein Vater heißt, nur Dir befehl' ich meinen Geist. 99 7. Die Kleider sind schon abgethan, ich ziehe meinen JEsum an, der giebet mir durch Seine Macht zum Freitag eine freie Nacht. Morgen- Lied am Sonnabend. In gleicher Melodie. D u angenehmer Morgenthau, mein JEsu! laß des Herzens Au von Deiner Gnade triefend sein, und feuchte mich mit Segen ein. 2. Sehr groß war heute die Gefahr, darinnen ich begraben war, doch noch viel größer Deine Macht, die mich gesund an's Licht gebracht. 3. Dafür bin ich Dein Eigenthum, ich opfere Dir Dank und Ruhm, Niemand auf Erden ist Dir gleich, so mächtig und so gnadenreich. 4. Ach, gieb mir ferner Rath und That, daß dieser Tag das Seine hat, und leite mich in meiner Pflicht durch Deines Geiftes Gnadenlicht. 5. Behalte mein Gewissen rein, regiere Du in mir allein, daß ich der Sünden müßig geh', und stets zum Tode fertig steh'. ndo mon pattcb nag 6. Der Tag ist dieser Wochen Schluß; wenn ich nun auch beschließen muß, so schleuß mich in Dein' Wunden ein, die aller Frommen Zuflucht sein. duni 119111 7. Indessen leb' ich in der Welt, so lange Dir's, mein GOtt! gefällt. Gieb, daß einmal der letzte Tag der erst' im Himmel heißen mag. 7* Benjamin Schmolkens Abend- Lied am Sonnabend. In voriger Melodie. Der er letzte Wochentag ist hin, dafür ich Dir verbunden bin. Du bist mein GOtt, das A und O, und Deine Weisheit schafft es so. 2. Der Anfang war mit Dir gemacht, mit Dir ist auch das End' vollbracht. O, habe Dank für Deine Treu', und steh' auch in der Nacht mir bei. 3. Die Menge meiner Sünden schreckt, ich habe Deinen Zorn erweckt; doch lösch' ihn nur in Christi Blut, so ist mein Herze wohlgemuth. 4. Laß meine Sünden ferne sein, Du aber kehre bei mir ein, Dein Herz begleite mich zur Ruh', und decke mich mit Liebe zu. 100 5. Der Fürst der Finsterniß stellt sich in seiner Rüstung wider mich; ich halt' ihm nur Dein Kreuze für, bald schreckt ihn dieses Siegspanier. 6. Gieb, daß ich mich bereiten mag, denn morgen ift des HErren Tag; daß ich auch geistlich aufersteh' und meinen Kirchweg fröhlich geh'. 7. Der Feierabend kommt herbei, wer weiß, wie nah' mein Ende sei! Das Ende dieser Woche spricht: O Mensch, vergiß dein Ende nicht. 8. Wohlan, mein Glaube hält Dich fest; und wenn der Tod mich rufen läßt, so bin ich dennoch wohlgemuth, denn Ende gut, macht Alles gut. Morgen- Lied. er Tag ist vor der Thür und lieget schon auf Erden, mein JEsu! tritt herfür, und laß es lichte werden! denn nur bei Dir allein ist lauter Sonnenschein. 2. Geh' in dem Herzen auf, Du Sonne meiner SeeG Morgen- und Abend- Lieder. len, erleucht' durch Deinen Lauf die dunkeln Jammerhöhlen, damit ich diesen Tag im Lichte finden mag. 3. Nimm dieses Opfer hin, ich kann Dir sonst nichts geben, als was ich selber bin; Dir schenk' ich Leib und Leben; ach, laß des Herzens Schrein nur Deinen Weihrauch sein. 101 4. Gieb, daß die schwarze Nacht der Sünden sich verliere, und daß ich mit Bedacht mein Leben heute führe; es geh' kein Augenblick ohn' Deine Furcht zurück. 5. Laß Alles, was ich thu', in Deinem Namen machen; ich bete, segne Du, sprich ja zu allen Sachen; kein Stündlein geh' vorbei, das mir nicht selig sei. 6. Willst Du mich diesen Tag mit Kreuz und Kummer plagen, so gieb, daß ich es mag still und geduldig tragen. Führst Du mich wunderlich, so mach's nur seliglich. 7. Und endlich lasse mich den Abend auch erleben, alsdann so will ich Dich mit diesem Ruhm erheben, daß Deine Vatertreu' noch ewig neue sei. 8. Wohlan, so will ich nun zu meiner Arbeit schreiten; GOtt wird mein ganzes Thun mit Segen schon begleiten. Mein Anfang soll allein der Name IEsus sein. Abend- Lied. Mel.: Nun sich der Tag geendet hat. Die ie schwarze Nacht zieht ihren Flor um unser Schlafgemach, der Himmel führt das Sternenchor den blassen Monden nach. 2. Nur Du, mein JEsu! bleibest Licht, wenn Alles dunkel ist; Dein Gnadenglanz verfinstert nicht, ist gleich die Sonn' zur Rüft'. 3. Ach! aber was für Finsterniß erblick' ich doch in mir; mein sündlich Herze stellt gewiß die schwärz'fte Nacht mir für. Benjamin Schmolkens 4. So oft ich diesen Tag vollbracht, was Dich betrüben kann, so ofte ficht der Höllen Nacht mich im Gewissen an. 102 5. Doch weiche darum nicht von mir, Du Gnadensonne Du. Ich sage Dir, mein GOtt! hinfür ein neues Leben zu. 6. Die Abendröthe weiset mich auf Dein vergoß'nes Blut; dies bring' ich, HErr! mit Reu' vor Dich, es machet Alles gut. Scian. 7. Schleuß mich in Deine Arme ein, Dein Herz laß meinen Pfühl, Dein Auge meine Decke sein, wenn ich mich legen will. 8. Schaff', daß mein Herze zu Dir wacht, wenn sich das Auge schließt, daß Dich mein Geist die ganze Nacht in süßen Träumen füßt. 9. Gieb, daß die Morgenröthe mich frisch und gesund erweckt, damit mein Herz von Neuem Dich in Deiner Güte schmeckt. 10. So geh' ich auf mein Bette zu, wer weiß, wann in das Grab; drum hilf, daß ich die letzte Ruh' stets in Gedanken hab'. 11. Ihr Engel kommt, deckt meinen Ort mit eurer Flügelwacht. Ich schlafe schon, doch noch ein Wort: mein JEsus, gute Nacht! Muntere Früh- Stunde. Mein Auge schließ' ich nun in GOttes Namen auf, der ausgeruhte Leib befördert seinen Lauf; weiß aber nicht, ob ich den Abend möcht' erleben, es könnte mich vielleicht der Tod noch heut umgeben. 2. Drum sag' ich Dir, o GOtt! von Herzen Lob und Preis, weil Deine Güt' und Treu' bei mir kein Ende weiß. Du hast mich diese Nacht so väterlich bedecket, daß mich kein Ungelück in meiner Rub' erschrecket. 3. Du haft des Satans Grimm genädig abgekehrt, der Morgen- und Abend- Lieder. Fürst der Finsterniß hat mir kein Haar versehrt. Beschütz' auch diesen Tag mich, HErr! auf meinen Wegen, laß Deinen Engel mir die Hand selbst unterlegen. 4. Regiere mein Gemüth, und richt' es ganz zu Dir, daß keine böse Luft zur Sünde mich verführ'. Gieb, daß ich den Beruf mit allen Freuden treibe, und auch in meinem Schweiß nicht ohne Segen bleibe. 5. Also, wenn sich der Tag zu seinem Ende neigt, verheiß' ich Dir ein Lob, das nach dem Himmel steigt. Nimm alle Sorgen selbst auf Deinen Vaterrücken, mach' alles Kreuze leicht, so wirst Du überschicken. 6. Und so ja dieser Tag mein letzter Tag soll sein, so richte meinen Gang in solchem Wandel ein, auf daß ich wohl bereit im wahren Glauben stehe, und alsdann voller Glanz zum großen Tage gehe. 103 GOtt geheiligte Nacht- Stunde. chlaf' ein, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge zuvor ein Lied von Buße, fall' Ihm betrübt zu Fußze. 2. Wie sehr hast du betrübet den, der dich hat geliebet, den Geber aller Güter, den frommen Menschen- Hüter. 3. Sind es nicht Sünden- Schatten, die dich umgeben hatten? du hast dich nicht gewehret, da Satan dein begehret. 4. GOtt will ein Opfer haben, drum bringe deine Gaben; dein Weihrauch und dein Widder sei'n deine Thränenlieder. bir stundl 5. Ach, seufze: HErr, genädig! mach' mich von Schulden ledig, um Christi Blutes willen, laß Deinen Zorn doch stillen. 6. Gieb, daß die Dunkelheiten mir nicht ein Grab bereiten, eh' ich in meinen Sünden kann Buß' und Gnade finden. Benjamin Schmolkens 7. Sprich doch: Mein Kind, nun liege, trotz dem, der dich betrüge, schlaf' wohl! laß dir nicht grauen, dein Gott will auf dich schauen. 104 8. Will gleich der Satan brüllen, so laß ihm nicht den Willen, daß ich kann sanfte schlafen, bei Deiner Engel Waffen. 9. Bedenke, HErr, die Meinen, verlaffe heute keinen, daß sie in Deinem Segen sich Alle niederlegen. 10. Und laß mich endlich morgen, befreit von allen Corgen, aus meinem Bette gehen, so will ich Dich erhöhen. 11. Schlaf' nun, mein Herz, und ruhe, und glaube, daß GOtt thue, was deine Seufzer bitten, du schläfft, GOtt will behüten. Morgen- Lied. Di ie Nacht ist hin, wach' auf mein Herz, du sollst ein Opfer bringen; laß deine Flügel himmelwärts sich nach den Wolken schwingen. Denn GOttes Treu' ist wieder neu, Er hat dir Licht und Leben von Neuem jetzt gegeben.- 2. Ihr Seufzer bringet Wohlgeruch vor eures Schöpfers Throne; kommt, bittet Segen für den Fluch in Chrifto, Seinem Sohne; die Gnadenthür ist offen hier, drum laffet euer Beten zu GOttes Herzen treten. 3. Du Sonne der Gerechtigkeit, vertreib die Nacht der Sünden, und laß an diesem Morgen heut viel Gnadenthau mich finden. Hast Du die Nacht mich wohlbewacht, so sei auch nun am Tage ein Schutz vor aller Plage. 4. Das Gute wende Du mir zu, das Böse laß mich fliehen, und Deine Hand mich für und für nur nach dem Himmel ziehen. Gieb Rath und That, so früh als spat, zu allen meinen Werken, laß Deinen Geist mich stärken. 5. Ich werfe meine Last auf Dich, ach, hilf fie treulich tragen. Mach's wunderlich, nur seliglich, ich will es auf 105 Morgen- und Abend- Lieder. Dich wagen. Kein Kreuz ist mir zu schwer bei Dir! es thut mir Deine Ruthe auch heute was zu Gute. 6. Du bist mein GOtt, das weiß ich wohl, laß mich nur Deine bleiben, und was ich heute wirken soll, zu Deinen Ehren treiben. Dein Segen blüh' durch meine Müh', daß, wenn ich Schweiß vergieße, er nicht umsonsten fließe. 7. Laß auch die Meinen diesen Tag Dein Gnaden- Auge leiten; und weil ich gar nicht wissen mag das Ende meiner Zeiten, so gieb, daß ich mich stetiglich des letzten Tags erfreue und meine Schuld bereue. Abend- Lied. In voriger Melodie. D er Tag ist hin, ich lebe noch, mein Schöpfer sei gepries sen! Ach, was für Wohlthat hast Du doch von Neuem mir erwiesen. Dein Gnaden- Strahl hat überall mit Segen mich geschmücket, ja Leib und Seel' erquicket. 2. Hingegen hab' ich Dich betrübt, viel Missethat begangen, doch weil sich JEsus für mich giebt, so laß mich Gnad' erlangen; Sein theures Blut macht Alles gut, drum will ich meine Sünden auf seinen Rücken binden. 3. In Deine Wunden bett' ich mir, ach, laß mich sanfte liegen. Ist Deine Liebe mein Panier, so schlaf' ich mit Vergnügen. Dein Schatten macht, daß diese Nacht ohn' einige Beschwerden mir muß zum Tage werden. 4. Komm, drücke mir die Augen zu, doch laß mein Herze wachen, damit ich nicht des Leibes Ruh' zur Sünde möge machen. Träumt etwa mir, so sei's von Dir, damit Dich meine Sinnen auch schlafend lieb gewinnen. 5. Die Starken Salomons gieb mir zur Rechten und zur Linken, auf daß sie um mein Bette hier wie Dothans Lager blinken; so wird der Feind, der Arges meint, mit seinen Finsternissen von dannen fliehen müssen. Benjamin Schmolkens 6. Mein Leib und Seel', mein( Weib und Kind) Hab' und Gut, befehl' ich Deinen Händen; laß sich Beraubung, Mord und Gluth von unserm Haupte wenden; deck' unsre Ruh' mit Segen zu, daß uns kein Feind erschrecke, auch Krankheit nicht erwecke. 106 7. Soll aber diese Nacht der Tod des Schlafes Bruder werden, so mache mir nach aller Noth ein Bettlein in der Erden. Auf Christi Blut entschläft sich's gut, drum laß mich dies erwerben, Ihm leben und auch sterben. Geistliche Früh- Wache. Mel.: Wach' auf, mein Herz, und singe. Du angenehmer Morgen, dein Gruß vertreibt die Sorgen, dein Glanz verschlingt die Schatten, die mich umhüllet hatten. minnat 2. Komm, bringe Licht in's Herze, daß Deine Sonnenkerze mich nicht in Sünden finde und wie ein Rauch verschwinde. 3. Du Anfang aus der Höhe, schau', wie ich vor Dir stehe, und Dich, Du Morgensterne, von Neuem fennen lerne. 4. Du hast die Nacht vertrieben, Du bist bei mir geblieben. Du lagst an meiner Seite, Du wecktest mich auch heute. dis 5. So nimm nun Dank und Lieder, ich lebe heute wieder. Doch dieses neue Leben sei Dir allein gegeben. 6. Sei Du mein GOtt auch heute, daß mich Dein Auge leite, Dein Herz mein Herze rühre und Deine Hand mich führe. sdin 7. Laß Fleiß und Schweiß gelingen, und solche Früchte bringen, die Deinen Namen ehren und meinen Nutz vermehren. diplo ht: 90 stubnj2 8. Gieb ein vergnügtes Herze, in Lust und auch im Morgen- und Abend- Lieder. Schmerze; soll ich in Kummer leben, so gieb Geduld daneben. 9. Bleib' mir und meinen Lieben mit Liebe zugeschrieben. Ja, Deine Gnadensonne sei aller Menschen Wonne. 107 10. Ich hab' es Dir befohlen, willst Du mich heute holen, so sei's nach Deinem Willen, nur selig und im Stillen. 1981 19 Geistliche Nacht- Wache. In eigener Melodie. Abe bend heller als der Morgen, weil mein JEsus bei mir ist; gute Nacht, ihr müden Sorgen, sanfte Liebe, sei gegrüßt. Weil mich GOttes Flügel decket, und Sein Auge für mich wacht, ach, so werd' ich nicht erschrecket von der sonst betrübten Nacht. 2. Kommt, ihr angenehmen Schatten, wieget meine Glieder ein, daß sie ihre Kraft erstatten, wenn sie wie gestorben sein. Deckt, ihr schwarzen Finsternisse, dieses Tages Fehler zu, und wenn ich mein Bette grüße, so befördert meine Ruh'. on stustjusnin@ ore din 3. Aber du, mein Herze, wache, denn dein JEsus klopfet an, daß Er sich ein Lager mache, wo Er bei dir ruhen kann. Laß die Glaubenslampe brennen, geuß das Del der Andacht ein, so wirst du den Freund erkennen, der dir will zur Seite sein. 4. Laß mein Opfer Dir gefallen, ewiger Genadenthron, höre meines Mundes Lallen und der Lippen schwachen Ton. Ach, durchstreich' mit Deinem Blute des vergang'nen Tages Schuld; schone meiner mit der Ruthe und erzeige mir Geduld. nopilep Bisbe dergisind 5. Treuer Hirte Deiner Schafe, Wächter mitten in der Nacht; decke mich in meinem Schlafe, gieb mir Deiner Engel Wacht. Sei Du meine Feuersäule, daß der arge Feind Benjamin Schmolkens erschrickt, wenn er die vergift'ten Pfeile auf mein schlafend Herze drückt. 6. Deine Wagenburg umschließe Alles, was mir ange= hört, daß man nichts von Grauen wisse, welches sonst die Ruh' verstört. Laß an unser Bette schreiben: GOttes Kinder schlafen hier, und GOtt wird bei ihnen bleiben: O wie sanfte schlafen wir. Mit 108 GOtt zur Arbeit. Mel.: Von GOtt will ich nicht lassen. Sewagt in JEfu Namen, so ist es wohl gewagt, denn das heißt Ja und Amen, was Er uns zugesagt. Der Held in Israel kann uns kein Wort nicht lügen, drum muß Er uns vergnügen am Leib und an der Seel'. 2. Von Ihm kommt aller Segen, aus Seiner treuen Hand; geh'n wir auf unsern Wegen nach Pflicht, Beruf und Stand, so fällt sein Gnadenthau auf unser Thun und Werke, Er giebet Kraft und Stärke zu unserm Kummerbau. 3. Oft will es sauer werden, doch weil es GOtt gefällt, daß wir auf dieser Erden zur Arbeit sind bestellt, so lassen wir den Schweiß vom Angesichte fließen, weil wir den Trost schon wissen: GOtt segnet Müh' und Fleiß. 4. Der Fluch wächst zwar auf Erden, der Dorn und Disteln trägt. Doch wenn man die Beschwerden mit GOtt nur überlegt, kann Seine Gnadenhand die Disteln leicht verkehren und Rosen drauf gewähren; das hat man oft erkannt. 5. Drum gehen wir mit Frieden an unser Amt und Pflicht, GOtt hat uns viel beschieden, ein Fauler erntet nicht. Gebet und Arbeit nützt, nur frisch daran gegangen, der wird den Schatz erlangen, der hier geduldig schwitzt. 6. O, selig ist zu schätzen, der sich mit GOtt vergnügt; kein Neid mag ihn verletzen, weil er den Segen kriegt, den 109 Morgen- und Abend- Lieder. Niemand wehren kann. Wohlan, GOtt wird ihn geben, denn unsre Hände heben in JEsu Namen an. Morgen- Lied. Bei ungesunden Läuften. Mel.: Aus meines Herzens Grunde 2c. De er Schlaf ist nun verschwunden, des Todes Ebenbild; ich lag in Chrifti Wunden, mit Glauben eingehüllt, da Mancher diese Nacht in Finsterniß geleget, so hat GOtt mein gepfleget, das Leben wiederbracht. 2. Ich preise Dein Erbarmen, Du Hüter Israel, in Deinen Liebesarmen schlief beides, Leib und Seel'; Dein Auge sah' darauf, Dein Schirm hat sie bedecket, und Deine Liebe wecket mich jetzund wieder auf. 3. DJEsu! Deine Taube war in der Felsen Ritz befreit von allem Raube, bewahrt vor Sturm und Blizz! Weil Deines Blutes Macht mein Haus und Herz bestrichen, so ist auch der gewichen, der uns zu würgen tracht't. 4. Was soll ich Dir nun geben, das Du nicht selber haft? Dein ist mein Leib und Leben, ich bin ja nur Dein Gast. Drum nimm, was Dein ist, hin; leb' ich, so leb' ich Deine, weil ich nur Dein alleine im Tod und Leben bin. 5. Soll ich den Tag beschließen, der mich jetzt aufge= weckt, so gieb, daß mein Gewissen kein Lasterkoth befleckt. Wie wird es um mich steh'n, wenn ich in meinen Sünden mein Ende sollte finden; zur Hölle müßt' ich geh'n. 6. Gieb, daß mein Herz bedenke, wie mich ein jeder Schritt zu meinem Tode lenke, der stündlich näher tritt. Stirbt Jemand neben mir, den ich gekennet habe, so schallt aus seinem Grabe: Heut' mir und morgen dir. 7. Drum laß mich alle Stunden dem Tod entgegengeh'n. Laß, JEsu! Deine Wunden mir Armen offen steh'n. Benjamin Schmolkens Und soll's gestorben sein, so nimm am letzten Ende den Geist in Deine Hände, so schlaf' ich selig ein. Interf 110 Abend- Lied. Mein Gott! es stellt sich wieder des Todes Bruder ein, da meine Augenlider bereits voll Schlafes sein. Nun kann sich's leichte schicken, daß ich mein Bette muß als einen Sarg erblicken, durch Deines Rathes Schluß. 2. Drum wecke mein Gewissen, eh' ich zur Ruhe geh', die Augen nicht zu schließen, bis ich in Gnaden steh'. Ich opfre Dir ein Herze, das seine Schuld bereut; ich schrei' im tiefsten Schmerze: Ach, HErr, Barmherzigkeit! 3. Ich bin sowohl ein Sünder und auch des Todes Kind, wie andre Menschenkinder, die heut erblaffet sind; doch läßt Du mich noch leben, und willst mir Raum und Zeit zu meiner Buße geben, o große Gütigkeit! 4. Das laß mich wohl bedenken, und deine Gnadenthür nicht selber mir beschränken; ja, gieb mir die Begier, zu wachen und zu beten, weil ich nicht wissen kann, wenn ich muß vor Dich treten, auf schwarzer Todtenbahn. 5. Beweise Deine Güte auch diese Nacht an mir, Dein Schirm sei meine Hütte, Dein Name mein Panier. Treib' Du mit Deinem Schilde des Feindes Pfeil zurück, und gieb, daß ich im Bilde dein Antlig stets erblick. 102112 6. Halt' Du dem alten Drachen den schwarzen Rachen zu, und laß die Engel wachen bei Deiner Kinder Ruh'. Was in dem Finstern schleichet, das laß vorübergeh'n, daß, wenn die Nacht entweichet, wir Alle vor Dir steh'n. 11045 7. Doch, HErr, nach Deinem Willen, denn sollt' ich diese Nacht in's Leichentuch mich hüllen, so laß mein Lebensdocht, in Chrifti Blut geneßet, als wie ein Licht vergeh'n, den Geist zu Dir verseßet, in lauter Lichte steh'n. 111 Morgen- und Abend- Andacht. Tägliches Gebet um ein seliges Ende. ein GOtt, ich lebe wohl, doch weiß ich nicht, wie lange; mein Tod ist ganz gewiß, nur seine Stunde nicht, und daß mein Leben nur an einem Faden hange, bezeugt mein siecher Leib, der alle Stunden bricht. Ich habe Manchen schon zum Grabe helfen tragen, der jünger war als ich( gesunder war als ich); ach, sollte nicht dabei mein schwaches Herz mir schlagen, denn es ist ausgemacht, die Reih' kommt auch an mich. Und dennoch denke ich so selten an mein Ende, als wenn der Tod mit mir gar einen Bund gemacht. Er aber faßt vielleicht den Pfeil schon in die Hände und ist auf meinen Fall und auf mein Grab bedacht. Was bild' ich mir wohl ein, daß ich so sicher lebe? Was hab' ich auf der Welt? Vielleicht die güld'ne Zeit? Ist meine Freude nicht wie eine Spinnewebe, und die geringste Lust vermengt mit Bitterfeit? Wie bitter wird der Tod, wenn man bei guten Tagen so wenig an ihn denkt, und wie entsetzt man sich, wenn er uns unverhofft die Worte läffet sagen: Bestelle du dein Haus, hier ist kein Raum für dich. Ach, mein GOtt! stelle mir mein Ende stets vor Augen, weil nichts Gewissers doch einmal erfolgen fann; 112 Benjamin Schmolkens eh' mir der Tod die Kraft beginnet auszusaugen, so führe fleißig mich die letzte Todesbahn. Es ist mir Jahr und Tag und Augenblick verborgen; der Tod mahnt seine Schuld oft unversehens ein, drum laß, o liebster GOtt, von allen meinen Sorgen die größt' und wichtigste die Todessorge sein. Es ist nicht Rath, daß ich die Buße wollte sparen bis auf den letzten Punkt; die späte Neu' ist schwer; wie übel würd' ich doch in meine Grube fahren, wenn in der Eil' fein Raum zu meiner Buße wär'. Da kommt die Sünde denn mit Haufen vor das Bette; der Satan leget uns ein schwarz Register für; die Hölle schnappt nach uns, man wünschet, daß man hätte nicht in der Welt gelebt, als so gesündigt hier. Das Alles lerne mich im Leben so erwägen, weil es noch heute heißt, so laß mich Buße thun. Verleih' mir Deine Kraft, die Sünde abzulegen, ich würde sonsten schwer auf diesen Kissen ruh'n. Wer fröhlich sterben will, muß sterben, eh' er stirbet; so sterbe denn, mein Herz, der Sünden täglich ab; gieb, daß in mir die Welt mit ihrer Lust verdirbet, und zeige stündlich mir der Eitelkeiten Grab. Ach, reiß' das Herze los von dem, was irdisch heißet; befreie meinen Sinn, der an der Erden klebt, denn wer Morgen- und Abend- Andacht. sich allzusehr auf's Zeitliche befleißet, vergißt das Ewige, und stirbt schon, weil er lebt. Betäube Fleisch und Blut, und tödte meine Glieder, damit die Sünde nicht darinnen herrschen kann; denn wirft mich diese Last auf's Krankenbette nieder, so seh' ich meinen Tod als eine Marter an. Ein gut Gewissen kann das Ende leichte machen. Gieb, daß ich diesen Schatz stets rein bei mir bewahr'; denn wenn es erst beginnt im Sterben aufzuwachen, der Satan blaset zu, so steht man in Gefahr. Laß mich des Lebens Wort mit Luft und Andacht hören, weil ich noch bin gesund, das giebt im Tode Kraft; man hat den Vorschmack schon in solchen Himmelslehren, was uns für Süßigkeit das and're Leben schafft. Ich liebe, laß mich auch mit meinem Nächsten leben, denn dort im Himmel wird nur lauter Freude sein. Und wenn ich denn der Welt die gute Nacht soll geben, so schleuß vor Allem mich in JEsu Wunden ein. Gieb, daß ich in den Tod als auf den Kampfplatz gehe, darauf Dein eig'ner Sohn für mich gerungen hat, und daß ich wie ein Held im Glauben feste stehe, je näher sich der Tod zu meinem Herzen naht. Vergeht mir alle Kraft, die Zunge fann nicht sprechen, die Hände werden laß, die Füße faltes Eis, das Benj. Schmolt. 8 113 Benjamin Schmolkens Ohr verstopfet sich, die müden Augen brechen, durch meinen ganzen Leib läuft falter Todesschweiß, mein Angesicht verfällt; es starren alle Sinnen, die Kraft zerfleußt wie Wachs, der letzte Stoß ist da, alsdann so weiche Du, mein JEsu! nicht von hinnen, und zeige mir im Geist Dein blutig's Golgatha. Hilf, daß ich als ein Christ an Deinen Wunden sterbe, und daß der letzte Blick in Deine Seite flieht; im Tode zeige mir das schöne Himmelserbe, wie dort ein Stephanus den Himmel offen fieht. Dein rother Purpur soll mein Sterbefittel werden, der Lippen letzter Hauch Dein füßer JEsus- Nam'. Alsdann so kommt mein Leib, die Erde zu der Erden, der Geist zu Dir, mein GOtt! von dem er erstlich kam. Nun, ich befehle Dir mein Leben und mein Sterben, leb' ich, so leb' ich Dir, sterb' ich, so sterb' ich Dir; Dein Sterben läßt mich auch im Sterben nicht verderben, und weil Du ewig lebst, so lebst Du auch in mir. Indessen lasse mich das Ende stets bedenken, das Ende meiner Noth, das Ende meiner Zeit, und wenn sich Leib und Geist zu ihrem Ursprung lenken: so führe mich erlöst zur süßen Ewigfeit. Amen. Jedn 114 bac 45 Morgen- und Abend- Lieder. Täglicher Blick in das Grab. Mel.: Wer nur den lieben GOtt läßt walten. Da as Grab ist da! hier steht mein Bette, da ich den Tod umarmen soll. Ach, wer sich gut gebettet hätte, der schliefe sanft und ruhte wohl! Man denket ja zu wenig dran, daß man so leichtlich sterben kann. 2. Das Grab ist da! so heißt es immer, wir gehen ein und gehen aus. Die Welt ist wohl ein schönes Zimmer, doch aber ein geborgtes Haus. Bequemt man sich am besten hier, so weiset uns der Tod die Thür. 3. Das Grab ift da! oft bei der Wiegen; wie manches Kind grüßt kaum die Welt, so muß es schon im Sarge liegen, dieweil der Tod nicht Ordnung hält, und Alles ohn' Erbarmen bricht, die Frucht ist zeitig oder nicht. 4. Das Grab ist da! die besten Jahre sind auch des blaffen Todes Raub; der wirft den Stärksten auf die Bahre, und legt den Schönsten in den Staub. Ein jeder Schritt, den man vollbracht, naht sich mit uns zur Grabesnacht. 115 5. Das Grab ist da! sobald wir älter, so geh'n wir auf den Kirchhof zu. Die Glieder werden immer kälter, und sehnen selbst sich nach der Ruh': denn Sterben ist der feste Schluß, der Junge kann, der Alte muß. 6. Das Grab ist da! was sollt' ich wähnen, daß es noch ferne von mir sei? denn man begräbt jà den und jenen, und Jeder muß an diese Reih'; wie Manchen legt man auf die Bahr', der jünger und gesunder war. 7. Das Grab ist da! ich will mit Buße dahin ftets meine Wallfahrt thun. Ich falle Dir, mein GOtt! zu Fuße, ach, laß mich nicht in Sünden ruh'n: Wer Sünde mit sich nimmt in's Grab, stirbt Dir und auch dem Himmel ab. 8. Das Grab ist da! wo mich's soll laben, so muß ich auch im Glauben mich in meines JEsu Wunden graben. 8* Benjamin Schmolkens Mein Heiland! ich umfasse Dich; denn Du bist meines Todes Tod, steh' mir bei in deiner letzten Noth. 9. Das Grab ist da! mein kurzes Leben soll künftig desto frommer sein und nicht nach Pracht und Reichthum streben, das ist ein kahler Leichenstein. Die Grabschrift, die die Tugend gräbt, macht, daß man auch im Tode lebt. anis da 10. Das Grab ist da! Kein Weltgetümmel führt mich zu dem Gedanken nicht. Je näher Grab, je näher Himmel, wer weiß, wie bald mein Herze bricht; und doch erschreck' ich nicht dafür, mein Grab wird mir zur Himmelsthür. 11. Das Grab ist da! ich steh' vielleichte mit einem Fuße drinnen schon; wie? wenn ich's heute noch erreichte? die Zeit eilt flügelschnell davon. Doch bin ich immer da bereit, das Grab sei nahe oder weit. ndnu 12. Das Grab ist da! weg Eitelkeiten, bei euch vergißt man nur das Grab. Ich will mich täglich so bereiten, daß ich den Tod vor Augen hab'. Ich bin ein Mensch, so heißt es ja: Das Grab ist da, das Grab ist da! mi dita 116 Das wohlbedachte Ende. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2. Mensch! gedenk an's Ende, willst du nichts Uebels thun, der Tod bringt oft behende das allerletzte Nun. An einem Augenblicke hängt ewig Wohl und Weh'; drum denke wohl zurücke, wohin dein Ende gehad h 2. O Mensch! gedent an's Ende; wer weiß, ob nicht noch heut' der Tod sich zu dir wende; drum mache dich bereit, wenn du sollst Rechnung geben von dem, was du gethan, damit dein eigen Leben dich nicht verklagen kann. 3. D Mensch! gedent an's Ende, stirb stets der Sünden ab; gieb dich in GOttes Hände und fürchte nicht das Grab. Sei fertig alle Stunden, halt' dich an Chrifti Blut; stirbst du in JEsu Wunden, so ist dein Ende gut. 02 Morgen- und Abend- Lieder. Testament frommer Christen. 7031 117 m Hallo In voriger Melodie. Ich habe Luft zu scheiden, mein Sinn geht aus der Welt. Ich sehne mich mit Freuden nach Zions Rosenfeld; weil aber feine Stunde zum Abschied ift benennt, so hört aus meinem Munde mein letztes Testament. 2. GOtt Vater, meine Seele bescheid' ich Deiner Hand, führ' sie aus dieser Höhle ins rechte Vaterland. Du haft sie mir gegeben, so nimm sie wieder hin, daß ich im Tod und Leben nur Dir alleine bin. 3. Was werd' ich, JEsu! finden, das Dir gefallen kann. Ach! nimm Du meine Sünden als ein Vermächtniß an! Wirf fie in Deine Wunden, in's rothe Meer hinein, so hab' ich Heil gefunden und schlafe selig ein. 4. Dir, o Du Geift der Gnaden! laß ich den letzten Blick; werd' ich im Schweiße baden, so sieh' auf mich zurück; ach, schrei in meinem Herzen, wenn ich kein Glied mehr rühr', und stell in meinen Schmerzen, mir nichts als JEsum für. 5. Ihr Engel nehmt die Thränen von meinen Wangen an; ich weiß, daß euer Sehnen sonst nichts erfreuen kann. Wenn Leib und Seele scheiden, tragt mich in Abram's Schooß, so bin ich voller Freuden und aller Thränen los. 6. Euch aber, meine Lieben, die ihr mich dann beweint, euch hab' ich was verschrieben: GOtt, euren besten Freund; drum nehmt den letzten Segen, es wird gewiß gescheh'n, daß wir auf Zions Wegen einander wieder seh'n. 7. Zuletzt sei dir, o Erde! mein blasser Leib vermacht, damit dir wieder werde, was du mir zugebracht. Mach' ihn zu Asch' und Staube, bis GOttes Stimme ruft, denn dieses sagt mein Glaube: Er bleibt nicht in der Gruft. 8. Das ist mein letzter Wille, GOtt drückt das Siegel 118 Benjamin Schmolkens drauf, nun wart' ich in der Stille, bis daß ich meinen Lauf durch Christi Tod vollende, so geh' ich freudig hin und weiß, daß ich ohn' Ende des Himmels Erbe bin. nore Folgen zwei Lieder Herrn Christian Hirschens*), weiland Diakonus zu St. Debald. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. Vater! ater! siehe Deine Kinder, welche sich von Dir verloren, und für Dich die Welt erforen, liegen hier als große Sünder, beichten ihre Missethat, die Dich, HErr! erzürnet hat. 2. Ach! es reu't uns, was geschehen, was wir Böses ausgeübt, daß wir Fleisch und Blut geliebt und gar schlecht auf Dich gesehen, thöricht Koth für Gold erwählt und dem Satan uns vermählt. 3. Aber, HErr! wir kommen wieder zu Dir, unserm treuen GOtt, haffen die verfluchte Rott', alle weltgefinnten Brüder halten unsre Luft für Laft, die wir thöricht aufgefaßt. 4. Drum, so nimm uns an zu Gnaden, rechne nicht, was wir gethan, siehe unsern JEsum an, der die Straf' auf sich geladen und die Schuld für uns gebüßt, die uns sonst den Himmel schließt. BDUSS 5. Forthin wollen wir Dir folgen, wie der Kinder Pflicht erheischt, meiden, was uns hat getäuscht; halten uns allein 181 mod at idazte *) Von dem Leben dieses in GOtt eifrigen Predigers findet der geneigte Leser mehrere Nachrichten in Herrn Wessels historischer Lebensbeschreibung der berühmtesten Liederdichter. 8. Erster Theil, pag. 431. Mehrere von seinen Liedern sind in D. Johann Habermanns Kern aller Morgen- und Abend- Segen, 8. pag. 43. seq. beigedruckt worden, und nun in dem zweiten Theil der Schmoltischen Morgen- und Abend- Andachten auch zu finden. Er starb 1735. Morgen- und Abend- Lieder. zu solchen, die der Kinder Schuld und Pflicht aus den Augen seben nicht. Von GOttes Regierung. Ueber den 74. Vers des 73. Psalms Christian Hirschens. 119 BRATION In gleicher Melodie. Wie wohl ist mir, wenn ich bedenke, was GOttes weise Leitung thu', wie Er die Seinen führ' und lenke nach vieler Unruh' zu der Ruh'! wie Er sie führe durch die Wüsten, an ein'n vergnüglich feinen Ort; drum mach' ich es wie rechte Chriften und wähl' zum Wahlspruch diese Wort: GOtt wird nach Geinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 2. Ich hab' zum Grund des HErren Leitung: das, was Sein theures Wort mir zeigt, das bringt mir die erwünschte Zeitung, wie er zu meinem Wohl geneigt. Ich hab' zum Grund, wie Er geführet, sehr viel zwar wunderlich, doch gut; davon mein Herz oft Troft gespüret, der dann in diesen Worten ruht: GOtt wird nach Seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 3. Mein Joseph, sag' mir doch die Wege, die dich des HErren Hand geführt. Was hatten deine Füß' für Stege, was hat für Zustand dich berührt. Du sprichst: Er führet mich durch Krümmen und Umweg zu dem schönsten Glück. Wohl, in dem Wort soll jetzo schwimmen mein Herze, daß es sich erquickt. GOtt wird nach Seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 4. Ja, Joseph, du wirst wohl geleitet, recht seltsam und recht wunderbar: du warst ein Hirt', der Schaf' geweidet, hernach als Sklav' in viel Gefahr, bald in Gefängniß und 120 Benjamin Schmolkens in Banden, in wohl recht unverschuld'ter Schmach: doch bald ein Herr in vielen Landen; dies macht, daß ich zum Trofte sag': GOtt wird nach Seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. Studnu gust dall 5. Sag', Israel! fag' mir die Weise, mit welcher dich dein GOtt geführt! gelt, du thatst eine lange Reise, bis dein Fuß den Canaan berührt; daß du viel kürzer können wallen nach dem so schön gelobten Grund, allein so woll' es GOtt gefallen. Drum denkt mein Herz und sagt mein Mund: GOtt wird nach Seinem Rath wohl leiten und endlich nehmen an mit Freuden. nism 6. D, wenn ich Davids Glück erwäge, zu dem ihn endlich GOtt gebracht, wie er ihn von der Schafe Pflege nahm und zum großen König macht; aus einem Hirten zum Monarchen, und dies durch manche saure Gäng', trotz aller groben Feinde Schnarchen. So sag' ich stets im Kreuzge= dräng': GOtt wird nach Seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 7. Du liebste Efther, fromme Waise, wie seltsam führte dich dein GOtt! das Thränenbrod war erst die Speise, die dich ernährt in mancher Noth. Doch mein, wie war dir da zu Muthe, als du wurd'ft eine Königsbraut, als du kriegst königliches Gute, dies Glück macht, daß mein Herz GOtt traut: GOtt wird nach Seinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden. de mi fost nisto 8. Was aber macht dies seltsam' Führen, daß GOtt durch Weh' und Wohl uns bringt? Dies, Er will nur damit probiren, wie unser Mund im Unglück klingt! Ob wir auch Ihn im Kreuze loben, und unverändert bleiben treu. Sieht er die schönen Glaubensproben, so macht Er, daß man sich erfreu'. Er kann nach Seinem Rath wohl leiten und endlich nehmen an mit Freuden. 9. Auch siehet GOtt, wie falsch die Stege, die das ver 121 Morgen- und Abend- Lieder. derbte Fleisch uns zeigt, wie es nur führt auf solche Wege, darauf der Fuß zur Höllen steigt. Er sieht, wie unser Fleisch und Blut nicht wohl ertrage gute Tag'; drum nimmt Er lieber Kreuz und Ruth', macht doch, daß man hernacher sag': Er kann nach Seinem Rath wohl leiten und endlich nehmen an mit Freuden.l anis flindt ud tisp tiap tadig tiGO and 1910. Ei nun, so stell ich mein Geschicke in GOttes gut und weisen Rath. Ich weiß, Er machet wohl mein Glücke, ob's gleich zuerst kein Anseh'n hat. Er führ' mich über Stock und Steine, Er führ' durch Dorn' und Hecken mich, ich acht's nicht, daß mein Auge weine, und sag' vielmehr recht tröftiglich: GOtt wird nach Seinem Rath wohl leiten und endlich nehmen an mit Freuden. tbordag 1130 11. Sein Rath ist wunderbar, doch herrlich, ob's gleich von Anfang widrig scheint; es end't sich glücklich, was ge= fährlich man oft zu sein zuerst gemeint; was aber man für Glück gehalten, ging oft auf großes Unglück aus; drum laß ich meinen Vater walten und sag' in allem Trübsalsstrauß: GOtt wird nach Geinem Rath mich leiten und endlich nehmen an mit Freuden.nur dards and 12. Ja, ich will wählen GOttes Willen, zur Richtschnur nehmen seinen Rath; ich will mit dem mein Herze stillen, daß GOtt nie bös' geführet hat, die, so sich Ihm nur ganz ergeben und Seiner Führung halten still, so bleibet dies mein Troft im Leben, was Affaphs Mund mich lehren will: GOtt wird nach Seinem Rath mich leiten, und endlich nehmen an mit Freuden. gind e done dhe duk viat Morgen- Lied. 1939 Mel.: Brauner Abend, sei willkommen. Güldner Morgen, sei willkommen, nunmehr ist die Nacht vollbracht; nun die Sonn' ist angekommen, sind wir aus dem Schlaf erwacht. Auf, ihr ausgeruhten Glieder, Benjamin Schmolkens schicket euch zur Arbeit wieder, wozu euch in eurem Stand hat verordnet GOttes Hand. 2. Erstlich will vor allen Dingen ich dem Hüter Israel meiner Lippen Opfer bringen, daß Er sich nun meiner Seel' hat so treulich angenommen, daß sie nicht zu Schaden kommen und des Teufels Macht und Lift an mir kraftlos worden ist. 122 3. Ferner sei Sein Nam' gepriesen für das Gute, das Er mir hat in dieser Nacht erwiesen; daß Er meines Hauses Thür hat mit Seiner Macht umgeben, daß Er mir mein Leib und Leben, meine Lieben, Hab' und Gut hat bedeckt mit Seiner Hut. 4. Drauf will ich den Tag so leben, wie mich lehret GOttes Geist, nichts sonst thun, nach nichts sonst streben, als wozu Er selbst mich weist. Ich will Alles fliehen, hafsen, was Er mir befiehlt zu lassen, damit diesen ganzen Tag mein Lauf GOtt gefallen mag. 5. Wenn ich thu', was GOtt will haben, so wird Seine Gütigkeit mir noch manche Segensgaben zuzuwerfen sein bereit; will Er aber Unglück schicken, wohl, ich beuge meinen Rücken willig unter Seine Ruth'; ist GOtt gut, ift Alles gut. 2 erst 6. Käm' auch vor des Tages Enden meines Lebens End' herbei, so befehl' ich Seinen Händen und zu Seines Vaters Treu' meinen Geist, und will mit Freuden scheiden ab auf IEsu Leiden, und auf Sein vergoß'nes Blut. Sterbe ich, so sterb' ich gut. Noch andere andächtige Lieder.d and sold Bunc in ang Mel.: Soll't es gleich bisweilen scheinen. 191 Gott, ich habe Dir ergeben meine Seele, Leib und Leben, Alles ist Dir unterthan, was ich habe um und an. Morgen- und Abend- Lieder. 123 2. Ach, verleihe mir die Gnade, daß kein Unfall mir nicht schade, daß kein Uebel mich berühr', heut' und all'zeit für und für. 3. Laß mich Deine Hülf' empfinden, daß ich unbefleckt von Sünden, heilig, chriftlich lebe wohl, wie ein Chrift sich halten soll. 4. Ja, laß mir und auch den Meinen Deine Gnadensonne scheinen, daß wir All' in Deinem Schutz unsern Feinden bieten Truß. 5. Sei bei uns auf Weg und Stegen und verleih' uns Deinen Segen, daß wir unser täglich Brod haben, und was mehr ist noth. 6. Leite unsre Tritt und Schritte und erhöre unsre Bitte, und beförd're nach der Zeit uns zur sel'gen Ewigkeit. We er weiß, wie nahe mir mein Ende? Hin geht die Zeit, Her kommt der Tod! Ach, wie geschwinde und behende fann kommen meine Todesnoth! Mein GOtt, ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am Hellen Morgen war, dieweil ich leb' auf dieser Erden, leb' ich in fteter Tod'sgefahr. Mein GOtt, ich bitt' durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. 3. HErr, lehr' mich stets mein End' bedenken, und wenn ich einsten sterben muß, die Seel' in Chrifti Wunden senken und ja nicht sparen meine Buß'. Mein GOtt, ich bitt' durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für und für, und sage frisch in allen Fällen: HErr, wie Du willt, so schick's mit mir! Mein GOtt, ich bitt' durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. d Benjamin Schmolkens 5. Mach' mir stets zuckersüß den Himmel und gallenbitter diese Welt; gieb, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein GOtt, ich bitt' durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. theil 372 6. Ach, Vater! deck' all' meine Sünden mit dem Verdienste Christi zu, darin ich mich fest gläubig winde, das giebt mir recht erwünschte Ruh'. Mein GOtt, ich bitt durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. 7. Ich weiß, in Christi Blut und Wunden hab' ich mich recht und wohl gebett't: da find' ich Troft in Todesstunden, und Alles, was ich gerne hätt'. Mein GOtt, ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. offee C 8. Nichts ist, das mich von IEsu scheide, nichts, es sei Leben oder Tod. Ich leg' die Hand in Seine Seite und sage: Mein HErr und mein GOtt. Mein GOtt, ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe IEsum angezogen schon längst in meiner heil'gen Tauf'; Du bist mir daher auch gewogen, haft mich zum Kind genommen auf. Mein GOtt, ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. 124 10. Ich habe JEsu Fleisch gegessen, ich hab' Sein Blut getrunken hier; nun fann Er meiner nicht vergessen, ich bleib' in Ihm und Er in mir. Mein GOtt, ich bitt' durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende' gut.usd du sid 11. So kommt mein End' heut oder morgen, ich weiß, daß mir's mit JEsu glückt; ich bin und bleib' in meinen Sorgen mit JEsu Blut schön ausgeschmückt. Mein GOtt, ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut.de dig i dmu pua elojus Bad af d 12. Ich leb' indeß in Ihm vergnüget, und sterb' ohn' alle Kümmerniß; mir g'nüget, wie es mein GOtt füget, ich glaub' und bin es ganz gewiß: durch Deine Gnad' und Christi Blut machst Du's mit meinem Ende gut.non thi 125 Morgen- und Abend- Lieder. M. Joh. Adam Leonhardt Reißens vier erbauliche Lieder. # x02) trud Die Nacht ist hin, der Tag bricht an: GOtt Lob! daß ich aufstehen kann. Ich preise, Vater! Deine Macht, die mich im Schlaf so wohl bewacht. itfinde 2. Mein Leib und Seel' stand in Gefahr, doch half mir Deiner Engel Schaar, die Du, HErr! um mein Bett gestellt, daß mich der Satan nicht gefällt.ni gim 3. Kein Ungeftüm hat mich bethört, kein Zufall meine Ruh' gestört. Ich schlaf befreit von Wassersnoth, auch Diebstahl, Brand und schnellem Tod. bom jul 4. Der müde Leib ist wohl erquickt, daß er sich nun zur Arbeit schickt, die Du, o GOtt, zur Tageslaft mir gnädig aufgeladen haft. SB HC misma no niste 5. Drum lob ich Dich mit Herz und Mund in dieser frohen Morgenstund', und bitt', vergieb mir meine Sünd', daß sie mit dieser Nacht verschwind'. 66. Laß aber mit der Sonne Lauf mir Deine Gnad' auch gehen auf, damit ich meine Lebenszeit erfüll' in Buß' und Frömmigkeit. bloga bis 10 adod 4 7. DJEsu Christe, GOttes Sohn! Du Seelenhort und Gnadenthron! mach' alle meine Fehler gut durch Dein Verdienst und theures Blut. 8. GOtt heil'ger Geift, Du werthes Licht! verklär' der Seelen Angesicht; geuß Deine Gabe in mein Herz und wend' es all'zeit himmelwärts. 13) tim napra 9. Du selige Dreifaltigkeit! bewahre mich vor allem Leid, und steur' des Teufels Trug und List, gieb aber, was mir nüglich ist. inggrid an 10. Verleih' mir heute Kraft und Stärk', und segne meiner Hände Werk, daß Alles wohl gerathen mag, was ich anfange diesen Tag. Benjamin Schmolkens 11. Und bleib' ich nicht von Trübsal frei, so schenke mir Geduld dabei; ja, tröste mich mit Deiner Lieb', daß mich kein Kreuz so sehr betrüb'. 12. Dein Wort laß mir Dein Labsal sein in aller Angst, Gefahr und Pein; stärk mich, wenn ich im Glauben schwach, und führe selber meine Sach'. 126 13. Mein Leib und Seel', und was ich hab', als Dein Geschenk und Gnadengab', befehl' ich, HErr, in Deine Händ', ach, steh' mir bei bis an mein End'. Abend- Lied. Mohlan, der Tag ist nun vollbracht, es rückt heran die stille Nacht, so mir den Feierabend bringt, daher mein Danklied noch erklingt. 2. D HErr! wie groß war Deine Gnad', die meiner heut gepflogen hat, daß ich von keinem Unfall weiß, hiervon sei Dir Lob, Ehr' und Preis. 3. Der müde Leib schläft nunmehr ein, GOtt soll indeß mein Wächter sein. Ich lieg' in Chrifti Wundenhöhl', da sicher ist mein Leib und Seel'. 4. Ihr.bangen Sorgen, fahret hin, weil ich so wohl verforget bin. Weg Trauergeist, weg Kummerlast, mein Heiland schafft mir Hülf' und Rast. 5. Weg Sünde, Teufel, Höll' und Tod, ich fürchte von euch keine Noth, denn ich gehör' dem Goel an, der mich von euch erretten kann. BIT 6. Und ob ich heut gestrauchelt hab', so bitt' ich's GOtt demüthig ab und halte mich an Seine Gnad', die schenkt mir alle Miffethat. 7. Käm' auch nun stracks mein End' herbei, so glaub' ich, daß ich selig sei; denn ich bin GOttes, GOtt ist mein, dem leb' und sterb' ich nur allein. 8. D HErr! ich schlafe, deck' mich zu, gieb, daß ich in Morgen- und Abend- Lieder. 127 Dir sanfte ruß'; zu Deines Namens Lob erwach' und preise Dich all' meine Tag'. 9. Mein Leib und Seel', mein Hab' und Gut empfehl' ich Deiner Lieb und Hut! Beschirm' uns Alle diese Nacht durch Deiner Engel starke Wacht. 10. Wenn auch mein Lebenstag dahin, und ich das Elend müde bin, so hilf mir in der letzten Noth, mach' sanft und felig meinen Tod. Lebens- und Sterbens- Gedanken über Röm. 14, V. 7-8. Mel.: Meinen JEsum ich erwähle. Ah gewißlich, unser Keiner lebt ihm selber in der Welt, ob's ein Großer oder Kleiner, voller Mangel oder Geld! Merket, wem der Ruhm gebühr'. Dich allein, HErr, lieben wir. 2. Nur von Dir stammt unser Wesen, und von Deines Sohnes Blut sind wir von der Sünd' genesen und befreit von Satans Wuth. GOtt, Dein Geist regier' uns hier, drum heißt's auch: Dir leben wir. 3. Doch das wird oft schlecht geachtet, wenn man für das Recht die That und der Menschen Sinn betrachtet, der sich ganz verlaufen hat in die Weltlust, und noch gern sagen wollt': man lobt den HErrn. 4. Ich will Dir mit Wahrheit leben, daß ich Dein auch sterbend sei. Ich will mich Dir ganz ergeben, denn so gilt's mir einerlei, ich bleib' oder fahr' dahin, wenn ich nur des HErren bin. innu 5. Niemand kann ihm selber sterben; es kommt auf den Höchsten an. Die durch Eigenmord verderben, geh'n die Sauls- und Cains- Bahn. Wünscht ihr nur des HErrn zu sein, ei, so sterbt Ihm auch allein. 6. Ich erlaß mich Seinem Willen: Leb' ich, so leb' ich 128 Benjamin Schmolkens nur GOtt. Soll ich wandern zu den Stillen, sterb' ich Ihm ohn' alle Noth. Meines Lebens beste Frucht wird zuletzt im Tod gesucht. 7. Nichts kann mich von JEsu trennen, ich mag leben oder nicht. Er wird doch Sein Glied erkennen, auch dereinsten vor Gericht und mich führen aus dem Grab, weil ich Ihm gelebet hab'. 8. Dort wird sich das Sterben enden, dort wird nichts denn Leben sein, und ich trag' an meinen Händen lauter Siegespalmen ein, leb' im Himmel ohne Leid, bei dem HErrn in Ewigkeit. Mel.: Mach's mit mir, GOtt, nach Deiner Güte. füßes Wohl, o Himmelsfreud'! nach dir fteht mein Verlangen. Käm' nur die liebe Stund' noch heut, da du mich wirst umfangen; mir ekelt hier, ach! wär ich dort im sichern, stillen Hoffnungsport. 2. Weh, aber Weh'! ach ewig Weh' den frevelhaften Sündern. Die Höllenpein im Schwefelsee währt fort ohn' einzig's Mindern, davor bewahre mich, o GOtt, durch Chrifti Wunden, Blut und Tod. 3. Laß mich nicht mit der großen Schaar die breite Straße wandern. Die Sicherheit ist voll Gefahr, stürzt Einen nach dem Andern, und bringt auf kurze Sündenfreud' unendlich großes Herzeleid. 4. Ein Christ muß g'nug im Jammerthal der bösen Welt schon leiden. Ei, sollt' er sich vermehrte Qual auch nach der Zeit bereiten? Steh' bald von Sünden ab, mein Herz, eh' ich die Geligkeit verscherz'. 5. Auf Buß' und Glauben kommt es an, daß man der Höll' entrinnen und in den Himmel dringen kann, drum lente meine Sinnen, GOtt heil'ger Geift, auf dieser Erd', daß ich hier fromm, dort selig werd'. Morgen- und Abend- Lieder. Inte Zehn Lieder Herrn Benjamin Schmolkens. Für Sterbens begierige Christen. Denk- Zettel des Todes. 129 Mel.: Wohlan, es geht mit mir zu Ende. Ich steh' mit einem Fuß' im Grabe, es ist um einen Schritt gethan, so leg' ich meine Hütten abe, die nichts als Schwachheit heilen kann. Drum sei mir stets ein Wort bewußt: Gedenke, daß du sterben mußt. 2. Dem Menschen ist ein Ziel gesetzet, und da wird auch nichts anders draus. Wenn man am sichersten sich schätzet, so ist der Lebens- Seiger aus. Drum schreibe stets in meine Brust: Gedenke, daß du sterben mußt. 3. Wie Mancher ist vorangegangen, wer weiß, wann ich ihm folgen muß. Der Tod giebt oft den frischen Wangen ganz unverhofft den kalten Kuß. Drum weg, mein Herz, mit eitler Lust, gedenke, daß du sterben mußt. se 4. Wohlan, so will ich täglich sterben, daß ich nicht ewig sterben muß; ein Kluger fliehet das Verderben, und macht sich diesen festen Schluß: O Mensch, in Allem, was du thust, gedenke, daß du sterben mußt.dul mad on n matb). Die nöthige Bereitschaft zum Sterben. Car In voriger Melodie. Bestell' dein Haus, denn du mußt sterben. Wer weiß, wann mich die Stimme ruft; wir sind doch All' des Todes Erben, und Jedem wartet Sarg und Gruft; so bild' ich mir nichts anders ein, es muß einmal gestorben sein. 2. Was ist mein Leib? ein Haus der Sünden, ein Ort, da mancher Gräuel wohnt; und sollte mich der Tod so finBenj. Schmolk. 9 130 Benjamin Schmolkens den, so würd' ich wahrlich nicht verschont. Drum laß mich räumen in der Zeit, durch wahre Buß' und Sündenleid. 3. Wie mancher Schmerz pocht an die Thüre, und jede Krankheit ist ein Bot'. Wohin ich meinen Fuß nur rühre, begleitet mich der blasse Tod. Mein Leben nimmt im Wenden ab, ein jeder Schritt führt mich in's Grab. 4. Drum laß mich stets an's Ende denken, in dieser meiner Sterblichkeit. Mein GOtt, hilf mir die Sinnen lenken und mache Du mich selbst bereit. Dein Himmelshaus sei mir bestellt, wenn hier ein morsches Haus verfällt. Blick in den Sarg. Ein Mel.: Herzlich thut mich verlangen. Mei ein letztes Haus auf Erden, wie traurig siehst du aus; mir sollte bange werden vor dir, du Todtenhaus. Doch weg mit den Gedanken, denn wer dich recht betracht't, der find't in Deinen Schranken, was ihn vergnüget macht. 2. Du bist mein Ruhekasten, wenn ich in dieser Welt nicht mehr vermag zu raften, wenn eine Sündfluth fällt; so ist der Tod beschieden, der muß mein Noah sein, und nimmt mich auch mit Frieden in dieser Archen ein. 3. Du bist die sich're Kammer, wo GOtt Sein Kind hinführt; wenn nichts als lauter Jammer auf Erden hier regiert, so schleußt GOtt selbst die Thüre nach Seinen Kindern zu. Trotz dem, der uns berühre in dieser stillen Ruh. 4. Du bist mein sanftes Bette, wenn ich auf Dornen hier gleich stets geschlafen hätte, so find' ich doch in Dir ein weiches Ruhekissen, darauf mein Haupt sich lehnt, wenn sich die Augen schließen, wenn sie genug gethränt. 5. Wohlan, bleib' in Gedanken mir immer vorgestellt; ich weiß, daß mich kein Schranken nicht ewig in sich hält. Wie dort des Fisches Rachen den Jonas wiedergab, so wirft du es auch machen, wenn GOtt schleußt auf mein Grab. Morgen- und Abend- Lieder. Der Himmel im Grabe. Mel.: Wohlan, es geht mit mir zu Ende. Beglücktes Herz, was willst du haben, ach, wenn du deinen JEsum haft? Recht selig kannst du dich nun laben, bei Ihm ist ja dein Luftpalast; auf Seinem Schooß, in Seiner Hand, rührt dich kein eitler Unbestand. 2. Ach, sagt mir nicht mehr von der Erden, hier find' ich mehr, als Himmel heißt. Es trägt die Erde nur Beschwerden, Luft wird mit Thränen abgespeist. Ein Augenblick, wo ich jetzt bin, nimmt mehr als tausend Welten hin. 3. An JEsu Brust schlaf' ich nun süße, getränkt mit lauter Engelwein. Auf Rosen wandeln meine Füße, licht ist mein Kleid wie Sonnenschein. Ich sehe GOtt von Angesicht, so brauch' ich keiner Thränen nicht. 4. Cypreffen sind zu Palmen worden, Hallelujah heißt jetzt mein Lied. Ja, ich bin in des Himmels Orden nun eine rechte Sulamith. Mein Auge sieht, was Tausendschön, mein Ohr hört lauter Luftgetön. 131 5. Verschmachte, Leib, in deinem Grabe, bis dir die Frühlingssonne scheint; und weil ich nichts auf Erden habe, als den, der meinen Tod beweint, so ruf' ich ihm noch dieses zu: Im Himmel lebe ich und du. Tägliche Sterbens- Gedanken. Mel.: Wer nur den lieben GOtt läßt walten. Me ein GOtt! ich weiß wohl, daß ich sterbe, ich bin ein Mensch, der bald vergeht, und finde hier kein solches Erbe, das ewig in der Welt besteht. Drum zeige mir in Gnaden an, wie ich recht selig sterben kann. 2. Mein GOtt! ich weiß nicht, wann ich sterbe, kein Augenblick geht sicher hin; wie bald zerbricht doch eine 9* Benjamin Schmolkens Scherbe: die Blume kann ja leicht verblüh'n. Drum mache mich nur stets bereit, hier in der Zeit zur Ewigkeit. 3. Mein GOtt! ich weiß nicht, wie ich sterbe, dieweil der Tod viel Wege hält; dem Einen wird das Scheiden herbe, wenn sonst ein And'rer sanfte fällt. Doch, wie Du willst, gieb, daß dabei mein Ende nur vernünftig sei. 4. Mein GOtt! ich weiß nicht, wo ich sterbe, und welcher Sand mein Grab bedeckt. Doch, wenn ich dieses nun ererbe, daß Deine Hand mich auferweckt, so nehm' ich leicht ein Stellchen ein, die Erd' ist allenthalben Dein. 132 5. Nun, liebster GOtt! wenn ich ja sterbe, so nimm Du meinen Geist zu Dir, den ich mit Chrifti Blute färbe; und hab' ich den im Grabe hier, so gilt mir's gleich und geht mir wohl, wann, wo und wie ich sterben soll. Kirchhofs- Blume. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, was sollte mir denn grauen, wenn mir der Tod vor Augen schwebt und ich mein Grab soll bauen. Er lebt gewiß, und ich weiß dies: Er kann mir auch das Leben im Tode wieder geben. 2. Die schwarze Gruft erschrecket wohl, des Todes Nacht ist finster. Wo man im Kerker ruhen soll, sind lauter WurmGespenster. Doch ist bei mir auch JEsus hier, so muß die Last der Erden zum Wollen- Bette werden. 3. Laß sein, daß ich die Würmer muß mit meinem Leibe speisen. Es bringt mir keinen Ueberdruß, denn JEsus kann erweisen, daß Asch' und Staub wie grünend Laub zum Leben wird erstattet, wenn Er uns überschattet. 4. Die Sünde wird in's Grab gelegt, wir sterben in dem HErren; weil Er des Todes Schlüssel trägt, kann uns Niemand versperren. Sobald Er ruft, springt unsre Gruft, und wir sind so erlesen zum Wesen durch's Verwesen. 5. Drum wißt ihr Andern, was ihr wollt, wißt, wie ihr 133 Morgen- und Abend- Lieder. reich sollt werden; wißt immer, wie ihr steigen sollt, wißt alle Luft auf Erden. G'nug, daß ich dies weiß so gewiß, wenn mich die Welt vergräbet, daß mein Erlöser lebet. Kranken- Lied. In voriger bekannter Melodie. Wa as GOtt thut, das ist immer gut, wie sollt' ich mich denn fränken, ob er mir gleich jetzt wehe thut und einen Kelch will schenken, der voller Leid und Bitterkeit durch meine Glieder fähret, ja Mark und Bein verzehret. 2. Was GOtt thut, das ist immer gut, es geh' auch, wie es gehet, ob es auch unser Fleisch und Blut nicht allemal verstehet. Doch weiß der Geist, daß allermeist GOtt diese nur betrübet, die Er von Herzen liebet. 3. Was GOtt thut, das ist immer gut; lacht man in guten Tagen, so muß man auch mit gutem Muth die bösen Tage tragen. Denn GOttes Hand ist bald gewandt, und hat in wenig Stunden geschlagen und verbunden. 4. Was GOtt thut, das ist immer gut, durch Krankheit sucht Er eben, als wie ein Schmelzer durch die Gluth, dem Golde Glanz zu geben, das heißt bewährt, und der erfährt, der an dem Fleische leidet, daß Sünde von Ihm scheidet. 5. Was GOtt thut, das ist immer gut, wenn wir es nur bedenken, so soll uns keine Jammerfluth im Kreuze hier ertränken. Es koft't ein Wort, so muß der Ort, wo wir im Siechbett kreißen, ein Sieges- Bette heißen. 6. Was GOtt thut, das ist immer gut, kein Arzt ift Ihm zu gleichen; die Kranken sind in Seiner Hut, Er kann ein Labsal reichen für alles Gift, das uns betrifft. Auch gar von Todesketten weiß Seine Hand zu retten. 7. Was GOtt thut, das ist immer gut, ich will es auch erkennen, und was Er jetzund an mir thut, nur lauter Liebe Benjamin Schmolkens nennen. Mein krankes Herz soll allen Schmerz in Chrifti Wunden senken, was darf mich denn nun fränken? 134 8. Was GOtt thut, das ist immer gut; will Er noch länger schlagen, so bleib ich dennoch wohlgemuth, Er wird es helfen tragen. Ja, wenn die Noth auch gar in Tod mich endlich sollte reißen, so wird es doch gut heißen. 9. Was GOtt thut, das ist immer gut, auch mitten in dem Sterben. Denn stirbet man auf Christi Blut, so heißt das Sterben erben. Dort ist es gut, drum wohlgemuth, geht es aus diesem Leben, GOtt wird ein beff'res geben. Sterben und Erben. Mel.: Es ist genug. Welt, gute Nacht! mein Weg geht Himmel an, nach Zions Freudensaal. Es ist vollbracht der harte Leidenskampf, der Weg durch's Thränenthal. Mein Kreuze wird zu lauter Palmen, mein Thränenlied zu lauter Psalmen. Welt, gute Nacht! 2. Welt, gute Nacht! Ich lasse zwar in dir, was mich bisher erfreut; mein Sterben macht viel Herzen voller Schmerz, viel Wunden voller Leid! Doch weiß ich, daß auf Himmelsauen wir dort einander wieder schauen. Welt, gute Nacht! 3. D Himmelsluft! auf Rosen geht mein Fuß, voll Lachen ist mein Mund. An JEsu Bruft schlaf' ich ganz ungestört; nun bin ich erst gesund, die Schmerzen sind ja nun vergraben, hingegen muß mich Freude laben. O Himmelsluft! 4. D Himmelsluft! Ihr Thränen, stört mich nicht; ruft, Lieben! mir Glück zu; mir ist bewußt, was unaussprechlich ist, in ewig süßer Ruh'. Mein Sterb'tag ist im Himmelsorden ein Namens- und Geburts- Tag worden. O Himmelsluft! Morgen- und Abend- Lieder. Der selige Ueberwinder. Aus der Offenb. 3, V. 5. 135 Mel.: Christus, der ist mein Leben. N₁ un hab' ich überwunden, zu guter Nacht, o Welt; ich zieh' durch Christi Wunden in's rechte Zionsfeld. 2. Die Bande sind zerrissen, die mir die Welt gelegt, und das liegt mir zu Füßen, was Noth und Schmerz erregt. 3. Die Wahlstatt ist gefärbet mit meines JEsu Blut, der Alles mir erwerbet, was meiner Seelen gut. 4. Hier ist die Siegeskrone, die meinen Scheitel deckt, und die zu einem Lohne des Glaubens ausgesteckt. 5. Den Rock von weißer Seide legt mir mein JEsus an, wo ich auf Zions- Weide die Rosen brechen kann. 6. Mein Name steht geschrieben im Buch der Seligkeit, da ist er nun verblieben, trotz aller Feinde Neid. 7. Hier löscht ihn keine Sünde und auch kein Tod nicht aus, da, wo ich JEsum finde, da ist mein Vaterhaus. 8. Schreibt Er doch meinen Namen vor GOtt und Engeln an, daß ich für Thränensamen nun Freude erndten kann. 9. Beweint mich nicht, ihr Lieben! ich sterbe GOtt, nicht euch. Was wollt ihr euch betrüben? ich bin in GOttes Reich. 10. Gedenkt an euren Vater und folgt ihm selig nach; Ihr habt GOtt zum Berather, was seufzt ihr Ach und Ach! 11. Nun gute Nacht, du Erde! du Himmel sei gegrüßt, wo ich getröstet werde mit dem, was ewig ist. 12. Laß mir die Grabschrift hauen: hier schlief ein Pilger ein; der muß in Zions Auen ein guter Bürger sein. THA Der redende Tødte. ttt 112 re Sterblicher, du gehst vorbei, wo man mich hat hingeleget, schaue hier dein Conterfei, wenn man dich zum Grabe träget, meine Gruft ist dein Prophet, daß es dir wie mir ergeht. Dieser Staub ist auch vorhin Fleisch und Bein wie du gewesen. Wie ich jetzund Asche bin, so wird man auch von dir lesen. Man vergißt im Tode mein, so wird dein vergessen sein. Heute mir, und morgen dir, du mußt endlich an die Reihen. Darum stirb in Zeiten hier, so darfst du den Tod nicht scheuen, du haft keine Todes- Frist, Mensch, bedenke, was du bist. Herrn Benj. Schmolkens, Pastor Prim. und Inspect. der Evangelischen Kirchen und 10 Schulen von Schweidnitz, 2 GOtt geheiligte Morgenund AbendAndachten. om 3weiter Theil. fi Nebst M. Christian Scrivers GOtt geheiligtem Bet- Altar = fromver Christen. 32/13 7150310 om dig so on si dob im 1345 mms inne improt a mi no manh 301 pm 2 mnd sid aut made using Josipy na das matanding stic oshment and/ 5796 2009/1362 oder and now idombing bris 2 tonse sed ut 20 md m SIT da uomo mops the manus mit dark arms stad 394 t id uspornom 10 Geneigter Leser. Je er vor sich mehr Veränderungen ein Mensch untersieht, in welche er verwickelt wird, desto sorgfältiger muß er seine Zeit eintheilen, und feinen Theil derselben, da er von Geschäften frei ist, vorbei gehen lassen, in welcher er nicht im Gebet mit GOtt rede. Die Morgen- und Abend- Stunden soll er vor andern hierzu ausstellen, nicht, als ob die übrige Tageszeit er gar nicht beten dürfte, welches wider den apostolischen Befehl wäre, 1 Theff. 5, V. 7., Ephes. 6, V. 18., sondern weil zu solcher Zeit das menschliche Gemüth von Sorgen am ersten frei, überdies man in den Morgen- Stunden GOtt für den Nacht- Schuß, in den Abend- Stunden aber für die den Tag über bewiesene Güte zu danken und Ihn zugleich um fernere Fortsetzung derselben anzuflehen Ursache hat. Dieses geschieht von den mehrften entweder mit eigenen Worten, oder sie bedienen sich der Werke eines Andern, die sie nach ihren Umständen eingerichtet zu sein er Benjamin Schmolkens achten. Gegenwärtigen andern Theil der Schmolkischen Morgen- und Abend- Andachten, welche die in ungebundener Rede von dem hochverdienten Herrn Verfasser verfertigten Gebete in sich hält, scheint ehemals aus gleicher Absicht gesammelt zu sein. Man hat auch bisher wahrgenommen, daß diese Sammlung bei vielen andächtigen Betern Frucht geschafft, weil nunmehr die siebzehnte Auflage hiervon an das Licht treten kann. GOtt lasse ferner durch dieses Buch viele Beter erweckt werden, und erhöre, was sie bitten, damit Sein Name verherrlicht, Seiner Betenden Seelen aber erquickt werden. Verleiht GOtt Leben und Gesundheit, so soll auch dieser Theil zum bequemen Gebrauch alter Leute mit größern Buchstaben gedruckt erscheinen. 140 wwwwwwww Vorrede zu seinem Bet- Altar. Herrn Benjamin Schmolkens Vorrede zu seinem Bet Alt a r. = 141 Andächtiger Beter! ech habe lange angestanden, mit meiner wenigen Arbeit die Menge der Gebet- Bücher zu vermehren. Ob ich zwar dafür halte, daß das beste Gebet- Buch in dem Herzen eines gläubigen Anrufers sei, so bin ich doch auch überredet, daß die geistreichen Gebet- Bücher gar nüßliche Gefäße des Heiligthums sind. Da aber von denselben schon ein gesegneter Vorrath vorhanden ist, hätte ich gewünscht, daß die wenigen Bogen, die ich vor etlichen Jahren allbereit einer Person zur Liebe verfertigt, im Verborgenen geblieben wären. Allein das gütige Verlangen Anderer, die gerne mit mir beten wollten, hat mich zur Fortsetzung solcher Andachten aufgemuntert. Hier steht nun mein Bet- Altar. Du siehest, 142 Benjamin Schmolkens daß er keinem unbekannten GOtt gewidmet ist. Was Paulus zu Athen gefunden, das muß man nicht in Zion antreffen. Was ich zu deiner Andacht aufgebaut, führt die Ueberschrift zur heiligen Dreifaltigkeit. Du findest hier Gelegenheit, wie du dich zu einer jedweden Person mit besondern Seufzern wenden kannst. Das war schon eine Weise der ersten Kirchen; und so wenig dieselben sich an die darüber lästernden Arianer und Macedonier kehrten, ebenso wenig fragen die heutigen Beter darnach, was ein Standius und Whiston ihnen noch für gottlose Einwendungen machen. Opfere deine Gabe ungehindert auf diesem Altare. Bringe hierher die Farren deiner Lippen. Schütte hier aus die güldenen Schalen deines Rauchwerks, auch die Fülle deiner Thränen. Je kleiner dieser Bet- Altar ist, desto leichter kannst du ihn für deinen Scherf anschaffen. Ein reicher Obed Edom mag sich eine ganze Bundes- Lade in sein Haus holen, du aber nimm vorlieb mit diesem kleinen Bet- Tische. Die Steine dazu sind in dem geistlichen Jordan geſammelt, das Holz darauf aus dem Walde Zions geholt, die Kohlen aus den Seufzern der Heiligen genommen. In der Stifts- Hütte und Tempel war ein Altar mit Golde überzogen. Vorede zu seinem Bet- Altar. 143 Opfre GOtt ein Herz voller Glaube und Liebe, so wird dein Altar gülden, der Allmächtige selbst dein Gold sein. Bitte von dem Höchsten, daß Sein Feuer und Heerd unter uns bleibe, und der Himmel selbst unsere Flammen anzünden möge. Der HErr rieche den lieblichen Geruch deines Opfers, und das Lamm, welches sich selbst ohne Wandel geopfert hat, besprenge dasselbe mit dem Blute des Bundes, daß es ein gerader Rauch gen Himmel sei. Deine Trübsal sei kein Wasser, sondern Oel in deine Flammen; und der Sturm des Unglücks blase sie nicht aus, sondern auf. Kurz, dein Bet- Altar werde allemal zu einem Dank- Altar; bis du dermaleinst ein ewiges Feuer opfern wirst auf einem Altar, der nicht mit Händen gemacht ist. GOtt erhöre und vermehre Deiner Andacht heiße Gluth, Laß die Flammen nur zusammen, Geuß' darin die Thränen- Fluth, Das heißt Del in's Feuer schütten, Du wirst nicht vergebens bitten; Dein' Gebete, Fleh'n und Schrei'n, Das wird Abels Opfer sein, Amen, Komm und bet' in JEsu Namen. Amen. 144 Benjamin Schmolkens Heilige Vorbereitung zum Gebet. Gott Ott Vater, mein Vater! Ich, Dein Kind, erscheine vor Deinem Angesicht, und flopfe mit einem brünstigen Abba an Dein väterliches Herz. Ich will beten, denn mich locket Deine Barmherzigkeit. Ich soll beten, so erfordert es meine Dürftigkeit. Wie kann ich aber beten, ohne Deines Geistes Beredtsamkeit? Darum laß mir denselben in meiner Schwachheit aufhelfen. Hast Du mich berufen, daß ich zu Dir kommen soll, so rufe ich jetzund Dich, daß Du zu mir kommen mögest. Ich weiß wohl, daß ich nicht werth bin, Dein Kind zu heißen. Aber ich weiß auch, daß Du Dich über mich erbarmeft, wie ein Vater über sein Kind. Ach, so erzeige mir Deine Gnade, und verbirg Dein Angesicht nicht von mir. Laß Dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens. Neige Dein Ohr, gönne mir Deinen Blick, öffne mir Dein Herz. O, wie fröhlich werde ich sein über Deine Hülfe, Heilige Vorbereitung zum Gebet. wenn Du mein Gebet erhörest und meine Thränen siehst. GOtt Sohn, mein Erlöser! Löse meine Zunge mit dem Finger Deiner Allmacht. Thue auf den Mund zum Lobe, das Herz zum Gebete. Laß Dein Blut heute reden für mich, daß ich mit Freudigkeit hinzutrete zum Gnaden- Stuhl, und Hülfe suche zur Zeit, da es noth ist. Zerreiß den Himmel über mir, daß mein Gebet hindurchdringe. Zeige mir durch Deine Wunden das brünstige Herz Deines himmlischen Vaters. Mache es weich in Deinem Blute, daß es gegen mich breche und daran gedenke, was Er mir geredet hat. Ja, wo ich nicht beten kann, so sei Du selbst mein Fürsprecher, und vertritt mich zur rechten Hand GOttes. Mache mich frei von der Sünde, damit ich desto freier mit GOtt reden möge. Schweige den Satan, bedräue die Welt, tödte Fleisch und Blut, daß mein Gebet im Glauben desto lebendiger, in der Liebe desto heimlicher, in der Versuchung desto sieghafter sei. Du wirst es wohl machen. GOtt heiliger Geist, mein Tröster! Ach, seufze in meinem Herzen, und schreie in meinem Munde. Ohne Dich kann ich meinen JEsum feinen HErrn heißen. Ohne Dich hab' ich kein Zeugniß der göttlichen KindBenj. Schmolk. 10 145 Benjamin Schmolkens schaft. Ohne Dich kann ich nichts thun. Also wirke doch in mir jeßt, Du Geist des Gebets! Lege alle Worte auf meine Lippen. Presse alle Seufzer aus meiner Seele. Gieb in mir eine heilige Stille; reinige die Sinnen von aller eiteln Absicht. Erleuchte den Verstand, heilige den Willen, befestige den Vorsatz, vermehre das Vertrauen, gründe die Hoffnung, erwecke die Geduld. Mein Herz sei Dein Bet- Haus. Meine Seele Deine Seele. Laß mich also beten, damit ich nicht die Antwort hören möge: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. O heilige Dreifaltigkeit: Erhöre mich! Erhöre mich! Erhöre mich! Ich bete an zu Deinem Fuß- Schemel. Ich liege vor Dir auf Deiner Barmherzigkeit. Heiliger GOtt! barmherziger GOtt! wahrhaftiger GOtt! ich halte Dir vor Deine Allmacht. Ich berufe mich auf Deine Liebe. Ich gründe mich auf alle Deine Verheißungen. Ich lasse Dich nicht, Du segneft mich denn. Sprich nur ein Wort, so heißt es Amen, in Deinem allerglorwürdigsten Namen, Amen. 146 Du hochgepries'ne Majestät, Erhör' mein sehnliches Gebete, Daß es von Herz zu Herzen geht; Und da ich jetzund vor Dich trete, So sieh' auf mich von Deiner Höh', Bis ich mit Amen von Dir geh'. Morgen- Andacht am Sonntage. Morgen- Andacht am heiligen Sonntage. Mein GOtt! die Sonne geht herfür, Sei Du ein helles Licht in mir. Du Sonne der Gerechtigkeit, Vertreib' der Sünden Dunkelheit. 147 Gott Bater, mein Schöpfer! O wie heilig ist der Tag, an welchem Du selbst geruhet hast. Ich komme von der Ruhe und gehe zur Ruhe. Geruhet habe ich diese Nacht in Deinen Armen, dafür danke ich Dir. Diesen Tag willst Du in meinem Herzen ruhen, darüber freue ich mich. Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeikommen. Laß es nun auch lichte werden in meinem Herzen, Du Vater des Lichts, daß ich in Deinem Lichte sehe das Licht, und darinnen wandele. Bewahre meinen Fuß, wenn ich heute zu Deinem Hause gehe. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach deinen Vorhöfen. Lege Dein Wort in meinen Mund. Erfülle mit Deiner Stimme meine Ohren. Erleuchte mit Deiner Wahrheit meine Augen. Rühre mit Deinem Finger meine Lippen. Erfülle mit Deiner Süßigkeit mein Herz. Laß meine GOttesfurcht nicht Heuchelei sein, und meinen GOttesdienst nicht Menschen- Werk. 10* Benjamin Schmolkens Wenn ich mit dem Zöllner in Deinem Vorhose stehe, so sei mein erster Seufzer: GOtt, sei mir Sünder gnädig! 148 GOtt Sohn, mein Heiland! Dieser Tag ist Dein. An dem bist Du auferstanden. Ach, laß mich heute aufstehen vom Irrthum zur Wahrheit, von der Sünde zur Heiligkeit, vom Trauern zu der Zufriedenheit. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ach, rede heut' in Deinem Heiligthum, so bin ich froh. Ich lege mich an Deine Brust. Tränke mich mit der Milch des lautern Evangelii. Du aber lege Dich durch Dein Wort in mein Herz, daß ich reichen Trost von Deinem Hause habe. Erhalte mein Herz bei dem einen, daß ich Deinen Namen fürchte. Baue dieses Land und wässere es. Denn Deine Brünnlein haben Wasser die Fülle. Streue Deinen Samen auf ein gutes Feld, daß es hundertfältige Früchte bringe. Laß Dein Wort sein mein Licht auf dem Wege, meinen Weg zum Himmel, und meinen Himmel im Herzen. So werde ich Luft an Deinen Zeugnissen und selbst einen lustigen Sabbath haben. GOtt, heiliger Geist, mein Tröster! Der Tag ist auch ein Tag, an welchem Du sichtbarlich bist ausgegossen worden. Ergieße Morgen- Andacht am Sonntage. 149 Dich heut' über mich, gieße Dich heute in mich. Zeige mir an diesem Sonntage die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Falle Du auf mich, wenn ich das Wort höre. Laß mir's durch die Ohren in's Herz gehen. Schreibe es durch Deinen Finger in meinen Sinn. Reinige mich in der Buße. Befestige mich im Glauben. Erbaue mich in der Liebe. Bessere mich im Leben. Tröste mich in der Anfechtung. Bereite mich zu einem seligen Sterben, so werde ich nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Thäter sein. Du aber wirst geben das Wollen und Vollbringen, und die gute Beilage in mir bewahren, ja versiegeln bis auf den Tag zu meiner Erlösung. Heilige Dreifaltigkeit! Heilige mich heute durch und durch. Sei Du Alles in mir, so vermag ich Alles durch Dich. Mache Dir einen Tempel in meinem Herzen, so wird meinem Hause heute Heil widerfahren. Wohne nicht nur bei mir, sondern bleibe auch in mir. Die Gemeine der Gläubigen sei an diesem Tage ein Herz und eine Seele. Niemand diene Dir mit falschem Herzen. Behalte alle Frommen in einer heiligen Ruhe, bis wir noch eine Ruhe finden, welche dem Volke GOttes vorhanden ist. Dort wer 150 Benjamin Schmolkens den wir mit allen Auserwählten einen Sabbath nach dem andern halten, Amen. Abend- Andacht am Sonntage. Mein GOtt! die Sonne geht zur Ruh', Komm, drücke mir die Augen zu; Doch lasse meinen Geist Dich schauen, So darf ich vor der Nacht nicht grauen. Gott v Ott Vater, mein Wächter! Du Hüter Israel. Ich nehme meine Zuflucht an diesem Abend zu Deinen offenen Augen. Du schläfft noch schlummerst nicht. Ich aber muß beides thun, daß der müde Leib erquickt werde. Erleuchte demnach meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Ich habe heute die Wunder in Deinem Gesetz gesehen. Wie deutlich hast Du mich gelehrt, wie väterlich vermahnt, wie treulich gewarnt, wie herzlich getröstet. Aber ich erschrecke, wenn ich dagegen auf mich sehe. Wie sparsam habe ich Dich gehört, wie laulicht Dich geliebt, wie ungerne Dir gefolgt, wie muthwillig Deinen Zug verachtet. Ach, laß mich das Wort, welches ich verachtet habe, nicht richten an jenem Tage. Laß nicht die Sonne über meine Bosheit und Deinen Zorn untergehen. Gnade vor Recht bitte ich, Erbarmen vor Züchtigung. Sei auch in der 151 Abend- Andacht am Sonntage. Finsterniß mein Licht, daß ich morgen zu einem neuen Licht und Wandel aufstehe. GOtt Sohn, mein Hirte! mache mir jezzo in Deinem Blute eine schöne Abend- Röthe. Dein Schäflein legt sich in Deinen Schooß. Dein Hühnlein wirft sich unter Deine Flügel. Dein Jünger( ja Deine Jüngerin) schmieget sich an Deine Brust. Bewahre Du mich wie Deinen Augapfel. Seße mich wie ein Siegel auf Deinen Arm. Halte mich wie einen Ring an Deinem Finger. Laß Deine Liebe meinen Traum, und Dein Wort das Gespräch meines Herzens auf meinem Lager sein. Deine Linke lege sich unter mein Haupt, und Deine Rechte herze mich. Kleide mich aus von den heutigen Sünden, und kleide mich an mit dem Purpur Deines Verdienstes. In diesem Schlaf- Kleide werde ich süß ruhen bis der Tag anbricht, und der Morgen- Stern aufgeht in meinem Herzen. GOtt heiliger Geist! mein Beistand, versiegle in mir, was ich diesen Tag gehört habe. Du hast mir Himmel und Hölle vorgestellt, Segen und Fluch angekündigt, Leben und Tod zur Wahl gegeben. Laß mich also wählen, daß ich das Beste und Einige erwählen möge. Sei in mir ein Brunn des lebendigen Wassers, das in's ewige Leben quillt. Zer Benjamin Schmolkens theile in mir die angeborne Finsterniß durch Dein himmlisches Licht, lösche dagegen die Liebe der Welt in meinem Herzen aus. Laß mich diese bevorstehende Nacht in Deiner Liebe einschlafen und in derselben auch wiederum fröhlich erwachen. Ermuntere meine Seele durch heilige Bewegungen, daß sie stets zu Dir wache, obgleich der Leib schläft. Zeige mir auch im Bette meinen Sarg, und in meinem Schlafe den Tod, daß mich der letzte Schlaf nicht übereile, sondern wachend und betend finden möge. Tröste die Betrübten, beruhige die Unruhigen, befehre die Boshaftigen. 152 Heilige Dreifaltigkeit! meiner Väter GOtt! Erbarme Dich der Meinen und aller Menschen. Laß Deinen heiligen Sonntag überall Strahlen der Liebe und Gnade zurücklassen. Deine Sonne geht Keinem unter, der Dich nur kennt und liebt. Niemand ist gut, denn Du, einiger GOtt. Laß uns von Dir nichts trennen, o Du unzertrennliches Wesen, bis wir zu dem ewigen Sabbath kommen, und das dreimal Heilig unaufhörlich rufen werden. Amen. Schleuß dich, o Herzens- Tempel zu, Denn GOtt hat in dir seine Ruh'; Die Ueberschrift steht an der Thür: GOtt Vater, Sohn und Geist ist hier. 153 Morgen- Andacht am Montage. Morgen- Andacht am Montage. Mein GOtt! erwecke Herz und Mund, Erneure Deinen Gnaden- Bund, Daß dieser Wochen erster Tag In dir gesegnet heißen mag. Ott Vater, mein HErr! das ist Dein Name, denn du willst Deine Ehre feinem Andern geben. In diesem allerheiligsten Namen stehe ich jetzund auf, und bringe Dir am ersten Wochen- Tage die Erstlinge meiner Lippen. Ich preise Dich, Vater und HErr des Himmels und der Erden, daß Du mich die abgewichene Nacht mit Deiner Liebe überschattet und mit Deiner Allmacht umgeben hast. Sei gelobt, o Du verborgener GOtt! daß Du mich so wohl verbirgst und jetzt an's Licht hervortreten läßt. Fülle mich nun auch frühe mit Deiner Gnade; frühe wollest Du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu Dir schicken und darauf merken. Ich komme heute zum Anfange der neuen Woche. Im Namen unsers GOttes werfe ich mein Panier auf. Ich rufe Dich, damit Du mir beistehst, in dem, wozu Du mich gerufen hast. Du bist der Brunnquell alles Guten, laß Deine Brünnlein reichlich auf mich fließen. Du bist meine Kraft, fräftige Benjamin Schmolkens meinen Leib und Seele. Du bist mein Licht, sende Deine Weisheit herab von Deinem heiligen Himmel, daß sie bei mir sei und mit mir arbeite, damit ich erkenne, was Dir wohlgefalle. 154 GOtt Sohn, mein A und O! Du bist der Erste und der Letzte, mit Dir trete ich die neue Woche an. Vertritt mich mit Deiner kräftigen Fürbitte, daß ich in Deinem süßesten JEsus- Namen viel Segen erbitte. Der Tag führt den Namen von dem Monde, der Mond hat sein Licht von der Sonne. Du bist das wahre Licht und der Glanz der Herrlichkeit. Ertheile mir nur ein Fünklein von dem Lichte Deiner Gnade, so werde ich heller sein als der Mond, der Mond nimmt ab und zu. Laß mich im Bösen ab- und im Guten hingegen zunehmen. Und soll heute der Tag kommen, an welchem Sonne, Mond und Sterne sich verfinstern werden, so mache mich theilhaftig Deines ewigen Lichtes, daß ich in Deinem Reiche leuchte wie des Himmels Glanz, wie die Sterne immer und ewiglich. Indessen segne mich, so lange ich in dieser Hütte wohne. Segne alle Tritte, die ich auf Deinen Wegen thue. Segne alle Worte, die von meinen Lippen gehen. Segne alle Werke, die ich in meinem Beruf treibe. Segne alle Biſsen, die 155 Morgen- Andacht am Montage. ich in meinen Mund stecke. Segne alle Menschen, mit denen ich umgehe. Segne auch alles Kreuz, daß es zu meinem Besten diene. GOtt heiliger Geist, mein Pfleger! pflege meiner mit Geist und Gnade. Mache in der neuen Woche auß mir einen neuen Menschen, und laß mich in einem neuen Leben wandeln. Gieb mir Gaben, daß ich dieselben GOtt und meinem Nächsten wieder geben kann. Erwecke in mir Lust und Fleiß zu den Werken meines Berufs und betäube hingegen mein Fleisch und Blut, welches zu lauter Trägheit geneigt ist. Mache meinen Verstand weise auf's Gute, meinen Willen begierig zum Guten, mein Herz beständig zum Guten. Guter Geist, führe mich auf ebener Bahn. Führe auch alle meine Lieben und behüte uns und alle Frommen vor Unsegen. Heilige Dreifaltigkeit! Du bist reich von Barmherzigkeit. Erbarme Dich unser, Du bist die Liebe selbst, ach, so liebe uns je und je, und zeuch uns zu Dir aus lauter Güte. Gieb Friede im Lande, segne einen Jeden in seinem Stande. Laß unser Herz und Haus Deines Ruhmes voll werden. Wenn die Tage unsers Leidens werden ein Ende haben, so laß uns einen Tag anbrechen in Deinen Vorhöfen, der besser ist, denn sonst tausend. In Benjamin Schmolkens dessen rufen wir: Gelobet sei der HErr täglich! Amen. 156 GOtt Lob! der Anfang ist gemacht, Ich habe mein Gebet vollbracht, Und gehe nun an den Beruf. GOtt, der die Welt und mich erschuf, Wird Kraft von oben mir verleih'n, Der Anfang und das Ende sein. Abend- Andacht am Montage. Gott V HErr Zebaoth, Dein Ruhm verdient, Daß er in meinem Herzen grünt. Daß es ein Tag dem andern Tage Und eine Nacht der andern sage, Drum nimm auch diesen Abend an, Was Deinen Ruhm vermehren kann. Ott Vater, meine Stärke! Dir sei Dank gesagt, daß Du mich stark gemacht, des Tages Last und Hiße zu ertragen. Lob sei Dir, daß Du ein väterliches Aufsehen auf mich gehabt und in meinem Berufe mannigfaltig gesegnet hast. Groß sind Deine Wunder und Deine Wohlthaten. Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. Du haft mir heute viel Gutes gethan, allein ich habe Dir leider viel Böses dafür erwiesen. Mein Gewissen zeigt mir mehr Flecken, als der Mond in seinem Lichte. Ja, der Montag überzeugt mich einer gro 157 Abend- Andacht am Montage. ßen Finsterniß meines Herzens; mein Mund beklagt es, mein Herz bereuet es. Ach, richte HErr, Dein Angesicht nicht wider mich, sondern auf mich. Sei mir Sünder gnädig! Errette mich von der Obrigkeit der Finsterniß und laß mich nicht im Schatten des Todes sizen.. Ueberschatte mich aber mit Deiner Rechten in der gegenwärtigen Nacht, und laß meine Zuversicht unter Deinen Flügeln sein. Sei wie eine feurige Mauer, mein Schild wider alle Schrecken, meine Ruhe in der Unruhe, mein Leben, wenn ich als ein Todter liegen werde. GOtt Sohn, mein Heil! Ach nimm doch alles Unheil von mir, welches meine Sünde hat angerichtet. Heile die Wunden meines Gewissens, daß ich nicht heulen dürfe vor Unruhe meines Herzens. Streiche dein Blut an die Pfosten meiner Kammer, daß der Würgengel vorübergehe. Ich will mein Herz mit Deinem theuren Namen versiegeln. Laß dieses meine Losung, laß dieses mein Zeichen sein, daß ich Dir zugehöre, und der Satan keinen Theil an mir habe. Bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Sehe ich um mein Lager nichts als ein finstres Egypten, so laß doch ein lichtes Gosen durch Deinen Glanz in meinem Benjamin Schmolkens Herzen. Denn auch Finsterniß ist nicht finster bei Dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag, wo Du bist, o Du Licht vom Lichte. Himmlischer Salomon, stelle Deine Starken um mein Bette, und laß mich mit Augen des Geistes sehen, daß derer mehr, die bei mir sind, als derer, die wider mich sind. Du Engel des großen Raths, laß mich nicht der Engel mangeln, sondern berathe Leib und Seele mit diesen heiligen Wächtern, daß ich bei Deinem Schußze sicher ruhen möge. GOtt heiliger Geist, mein Tröster! Habe Dank, daß Du viel Gutes heute in mir gewirft hast. Sei gepreiſet, daß Du viel Böses heute in mir verhindert haft. Es ist Deine, was ich Löbliches gethan habe, meine aber, was gefehlt und versehen ist. Habe ich heute den Tempel meines Herzens verunreinigt, ach! so weiche darum nicht von mir. Heilige und reinige ihn wiederum in dem Blute des Lammes, Seße das Siegel auf mein Herze, welches ich durch meine Sünden abgerissen. Ueberschatte mich heute, Du Kraft des Höchsten. Bezeige in mir die göttliche Kindschaft, zeige mir im Schlafe die himmlische Erbschaft. und bereite mich durch Erblickung des Todes. zu meines Lebens seliger Endschaft. Heilige Dreifaltigkeit! von Dir sind alle 158 Morgen- Andacht am Dienstage. Dinge und wir in Dir. O Du unerforschliche Tiefe des Reichthums, erbarme Dich heute über Reiche und Arme! Habe ein Aufsehen auf Deine Auserwählten. Behüte Verwandte und Bekannte. Schüße Einheimische und Fremde. Segne Freund und Feind. Sei aller Nothleidenden GOtt, aller Betrübten Trost, aller Schlafenden Hüter und Wächter. Niemand ift gut, als Du, einiger GOtt; also verleihe uns allen in Dir eine gute Nacht. 159 Zu guter Nacht, mein JEsus wacht, Daß mir die Nacht kein Grauen macht. Jetzt schließ' die Ruh' mein Auge zu. Mein GOtt ist mein, und ich bin Sein, Dies soll die letzte Losung sein. Morgen- Andacht am Dienstage. Du treuer GOtt machst Deine Treu' An diesem Morgen wieder neu. So komm ich auch von Neuem hier Und trage Dir mein Herze für. Gott Ott Vater, mein Erhalter! der Dienstag erfordert einen neuen Dienst von mir. Ach! sei gepreiset für Deinen gnädigen Schuß, der mich die vergangene Nacht umgeben hat. Im Schlafe war ich außer mir, Du aber warest in mir. Der arge Feind gedachte es böse mit mir zu machen, aber Du, Benjamin Schmolkens GOtt, hast es gut gemacht, wie es jetzt am Tage ist. O Du allergetreuster Menschenhüter! wie groß ist Deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten Deiner Flügel trauen. Ach, habe Dank, daß Du meines Angesichts Hülfe und mein GOtt bist. Laß aber auch diesen Morgen mit dem neuen Lichte Dein Antliß auf's Neue über mich leuchten, daß mein Leib und Seele genese. Hat ein jeglicher Tag seine eigene Plage, so laß auch einen jeglichen Tag seinen Segen finden. Sei mir heute wie ein Thau, der das Land befeuchtet. Laß mich nicht im Schweiße meines Angesichtes, sondern auch im Preise Deiner göttlichen Güte mein Brod essen. Deine Hand sei mit mir im Werke, daß ich mit meinen Händen etwas Gutes schaffe. Willst Du mich züchtigen, ach! so thue es nicht im Grimm, daß Du mich nicht aufreibest. 160 GOtt Sohn, mein Immanuel, GOtt mit uns, sei auch heute mit mir. Mache an diesem Tage ein Gefäß Deiner Gnade und Ehre aus mir. Bei Dir allein ist Gnade und viel Erlösung. Sündige ich, ach, so behalte meine Sünde nicht. Falle ich, ach, so lasse mich nicht liegen. Schreibe meine Schulden nicht auf, sondern ab. Tilge meinen Namen nicht aus Morgen- Andacht am Dienstage. dem Buche der Lebendigen. Laß mich an diesem Dienstage nicht dienen der Sünde, denn sie lohnt mit lauter Reue, nicht dienen der Welt, denn sie bezahlt uns mit unserm eigenen Verderben; nicht dienen dem Satan, denn sein Lohn ist in dem Pfuhle. Gieb, daß ich Dir diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, welche Dir gefällig ist. Und alsdann sei auch mein Schild und mein sehr großer Lohn; ich will vor Dir wandeln und fromm sein. Laß mich Deinen Geist unter den vielfältigen Versuchungen in alle Wahrheit führen. Unter den mancherlei Trübsalen aber gieb mir ein Herz nach Deinem gnädigen Willen. Schlägst Du, so verbinde auch. Betrübst Du, so erfreue auch. Soll ich mit Thränen säen, so laß mich auch mit Freuden ernten. Ich will des Morgens Deine Gnade, und des Abends Deine Wahrheit verkünden. 161 GOtt, heiliger Geist, mein Gnaden- Geift! laß mich auch heute wandeln im Geiste und die Lüfte des Fleisches nicht vollbringen. Erleuchte die Augen meines Verstandes, daß ich erkennen möge, welches da sei die Hoffnung meines Berufes. Verleihe das Wollen, wirke Vollbringen. Du bist der Finger GOttes, schreibe JEsum Christum in mein Herz. Erneuere mich an dem inwendigen Menschen. Benj. Schmoll. 11 Benjamin Schmolkens Herrsche in allen meinen Gliedern. Gieb mir Einfalt des Herzens und Lauterkeit des Mundes. Wirke Alles in Allem, nach Deinem Wohlgefallen, und laß mich jederzeit prüfen, welches das Beste sei, und erfülle mich mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch JEsum Christum geschehen, zur Ehre und Lobe GOttes. Bewahre den theuren Schatz, den ich in einem irdischen Gefäß trage. Und sollte heute mein letztes Stündlein kommen, so bewahre und erhalte mich zum ewigen Leben. O heilige Dreifaltigkeit! Ich begebe mich Dir zum Opfer, das da lebendig, heilig und GOtt wohlgefällig ist. Sei mit mir und den Meinen in Glück und Unglück, in Gesundheit und Krankheit, in allem Anliegen. Laß heute mich und keine Seele verloren gehen, erhalte uns in Ewigkeit des Glaubens, im Bande des Friedens, und in der Hoffnung des Erbes. Mache endlich durch einen seligen Tod unsern mühseligen Dienstag zu einem himmlischen Frei- und Freudentage, und führe uns aus Egypten durch's rothe Meer der Wunden JEsu in's ewige Kanaan. Da wollen wir Dir dienen in Deinem Tempel Tag und Nacht. Amen. 162 Nun geht es auf die Arbeit los, Mein GOtt! eröffne Deinen Schooß, Abend- Andacht am Dienstage. Und schütte Segen aus in Fülle. Nur Deine Ehre sei mein Ziel, Giebst Du mir wenig oder viel, Ach! so geschehe, HErr, Dein Wille. 163 Abend- Andacht am Dienstage. Die Nacht verlöscht des Tages Licht, Mein GOtt! nimm Deinen Glanz mir nicht, Zeuch Du in meinem Herzen ein, So hab' ich immer Sonnenschein. Gott Ott Vater, mein Hort und Heil! Es ist abermal ein Tag zu Ende, aber Deine Güte nicht, welche fein Ende hat. Ach, daß doch meine Sünde auch ein Ende hätte, mit welcher ich diesen Tag mein Gewissen beschwert habe! O, ich elender Mensch, wer will mich erlösen von dem Leibe dieses Todes! Ich habe leider an diesem Dienstage meine Glieder sehr wenig begeben zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Ich hätte Dir billig alleine dienen sollen, denn Niemand kann zwei Herren dienen. Aber so habe ich dem Geschöpfe mehr gedient, als dem Schöpfer. Ich bin der Sünden Knecht ( Magd) worden, und habe sie lassen herrschen in meinem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüften. Was habe ich nun zur Zeit für Frucht, derer ich mich schämen 11* Benjamin Schmolkens muß, denn das Ende derselben ist der Tod. Ach, Vater! strafe mich nicht, wie ich verdient habe! Laß auch an diesem Dienstage das Verdienst Deines Sohnes gelten für alle meine Sünde, weil es dunkel wird, so stelle meine Sünde nicht in's Licht vor Deinem Angesicht, sondern laß sie in den Wunden JEsu vergraben sein. GOtt Sohn, mein HErr und mein GOtt! Du bist unter uns wie ein Diener gewesen, Du hast Knechts- Gestalt an Dich angenommen, daß Du uns von der Sünden Knechtschaft befreien und zur himmlischen Freiheit der Kinder GOttes bringen möchtest. Ach, befreie mich auch heute von dem Dienste der Ungerechtigkeit, daß ich hinfort der Sünde nicht mehr diene. Ach, gieb mir doch Deine dienstbaren Geister zu, die um Deinen Thron stehen. Steure, o Du Löwe vom Stamme Juda, dem brüllenden Löwen, der mich zu verschlingen sucht. Hast Du mich heute mit Deinen Augen geleitet, so drücke nun auch selber meine müden Augen zu. Bewahre mich und das Meinige, denn es ist das Deinige. Wende ab Wassers- und Feuers- Noth, denn Du bist der Nothhelfer. Behüte vor Grauen und Erschrecken, Deine Hand kann Alles ändern. Du hast mir heute viel Gutes erwiesen; 164 Abend- Andacht am Dienstage. 165 ach, setze auch dieses hinzu, daß ich ein mit Dir versöhntes Herz zur Ruhe bringen möge. Soll etwa das Bett zu meinem Grabe werden, so laß mich an Dein Grab gedenken, und meine Seele in Deine Wunden betten. GOtt, heiliger Geist, mein Licht vom Lichte! Laß mir Dein Gnaden- Licht ja nicht mit der Sonne zur Rüste gehen. Schlafen die Augen, so laß doch mein Gewissen wachen. Laß mich mein Lager lieber mit Thränen, als mit Sünden beflecken. Behüte mich vor ärgerlichen und entseßlichen Träumen. Mache mein Herz zu Deinem Heiligthum, und heilige es in meiner Ruhe durch Deine süßen Regungen. Befreie mein Gemüth von der Last aller irdischen Sorgen, und laß mich feine als menschliche Versuchungen betreten. So oft ich Deinen Dienstag beschließe, so oft gieb mir zu bedenken, daß dieses Leben ein Dienst- Haus sei, damit ich mich freue, den Dienst der Eitelkeit abzulegen, und mich stets bereite, Dir dermaleinst im ewigen Licht zu dienen. Erhalte mich in Deinem Dienst getreu bis in den Tod, auf daß, wo mein JEsus ist, alsdann ich Sein Diener( Seine Dienerin) sein möge. Heilige Dreifaltigkeit! Offenbare Deine Herrlichkeit auch diese Nacht an mir und 166 Benjamin Schmolkens allen Menschen, die Deiner Macht vertrauen, Deine Gnade suchen, Deines Schußes bedürfen. Gedenke an Deine Verheißung: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Sei Du, großer GOtt, bei Deinem kleinen Häuflein. Du reicher GOtt, bei den Armen, Du starfer GOtt, bei den Schwachen. Du Vater des Trostes, bei den Betrübten; Du Arzt Iſrael, bei den Kranken; Du ewiges Leben, bei den Sterbenden. Verhilf uns Allen endlich auch dahin, wo feine Nacht mehr ist, sondern lauter Licht immer und ewiglich. Amen. Komm, süßer Schlaf, erquicke mich, Mein müder Leib begehret dich, Wirf meine Glieder sanfte hin, Laß alles Schrecken von mir flieh'n, Bis daß die Nacht ihr Ende find't, GOtt selbsten ruft: nun schlaf', mein Kind. Morgen- Andacht am Mittwoch. Brich an, gewünschte Morgen- Stunde! Du trägeft lauter Gold im Munde! In meinem Munde soll allein Mein GOtt, mein Gold, mein Alles sein. Gott Ott Vater, mein Erbarmer! Mein Herz ist bereit, GOtt, mein Herz ist bereit, ich will singen und dichten. Deine Barmherzigfeit ist es, daß ich nicht gar aus bin. Der an Morgen- Andacht am Mittwoch. 167 brechende Tag leuchtet mir nicht so sehr in die Augen, als Deine Güte und Treue, die alle Morgen bei mir neu ist. O, wie soll ich Dich genugsam preisen, daß Du so wohl an mir thust. Mitten in der Woche, mitten in dem Leben mit dem Tode umfangen. Ich lag, als wär' ich begraben. Wie leicht hätte mich der Schlaf seinem Bruder, dem Tode, überantworten können; aber in Deiner Kraft stehe ich gesund von meinem Lager auf. Du hast durch Dein Aufsehen meinen Odem bewahret, ich will Dich preisen, so lange ein Odem in mir ist. Du hast mich behütet wie einen Augapfel, mein Auge soll dafür auf den HErrn sehen. Du hast meine müden Hände gestärkt, ich breite fie aus zu Dir. Du haft mein Herz erquickt, ich werfe es dafür als ein Opfer in Deinen Schooß. Mein ganzes Leben sei Dir ergeben, weil Du mich lebendig erhalten hast. Gedenke auch heute meiner im Besten. Behüte den Leib vor Krankheit, die Seele vor Verführung. Laß Dir all mein Thun und Vollbringen in Deine Hände befohlen sein. GOtt Sohn, mein Mittler, laß mir alle Tage einen Mittwoch sein. Tritt mitten ein bei mir und den Meinen, wie bei Deinen Jüngern, durch den Kuß des Friedens. Mittle 168 Benjamin Schmolkens Alles heute zu meiner Seligkeit. Segne in meinem Thun Anfang, Mittel und Ende. Sei bei mir in der Arbeit, und erleichtere mir die Last meines Berufes. Sei bei mir mitten im Kreuze, und versuche mich nicht über mein Vermögen. Wenn ich mitten in der Angst wandele, so erquicke mich. Sündige ich, so tritt zwischen mich und den erzürnten Vater mit dem Rauchwerf Deiner hohenpriesterlichen Fürbitte, damit der Plage gewehrt werde. Laß mich auch den Mittwoch erinnern, wie Du mich in Deinen Weinberg gemiethet, daß ich nicht müßig stehe an dem Markte dieser Welt, sondern als ein treuer Arbeiter in demselben erfunden werde. Soll ich heute sein als eine Rose mitten unter den Dornen, als ein Schaf mitten unter den Wölfen, ach, so verlaß mich nicht mit Deinem Troste, denn mit Dir kann ich Alles überwinden.ynort GOtt, heiliger Geist, mein Führer! Führe mich auch an diesem Tage nach dem Worte meines GOttes, daß ich als ein Kind GOttes sei ohne Tadel, lauter und unsträflich, mitten unter dem unartigen und argen Geschlechte. Mache meinen Gang gewiß auf Deinem Fußsteige. Zäume meine Zunge, halte meine Augen, betäube meine Ohren, Morgen- Andacht am Mittwoch. 169 binde meine Hände und Füße, bedeute mein Herz, wenn böse Gedanken, Worte und Werke hervorbrechen wollen. Behüte mich vor meinem eigenen Willen und gieb mir ein Herz nach Deinem Willen. Reiß' die Welt aus meiner Brust und pflanze hingegen in der= selben das Reich GOttes. Laß mich alle meine Berufs- Geschäfte im Glauben ohne Zweifel anfangen, in der Liebe ohne Hinderniß fortseßen, in der Hoffnung ohne Unsegen vollenden. Mache mich tüchtig, wo ich untüchtig, mache mich erleuchtet, wo ich thöricht, mache mich getrost, wo ich betrübt bin. Ohne Dich kann ich nichts, durch Dich will ich Alles thun. Heilige Dreifaltigkeit! Sei an diesem Mittwoch mit uns, unter uns, in uns. Wenn alle Berge mitten in's Meer sänken, und die Welt unterginge, so laß uns doch erfahren, daß Du mitten unter Israel bist, und daß Du der HErr, unser GOtt, seist. Wie Du, o starker GOtt! Dein Volk mitten durch's rothe Meer führtest, so führe uns auch mitten durch alle Angst- Fluthen hindurch. Erhalte uns mitten in der Anfechtung, wie die frommen Männer mitten im feurigen Ofen. Endlich bringe uns mitten durch Noth und Tod hindurch in's ewige Leben, so wollen wir 170 Benjamin Schmolkens Dir mitten in der Gemeine lobsingen, die bei Dir im Himmel ist, Amen. Es wolle mich nun segnen GOtt Vater, Sohn und Geist, So kann mir nichts begegnen, Was Noth und Uebel heißt. Es muß mir Alles Nutzen geben, Lieb' oder Leid, Tod oder Leben. Abend- Andacht am Mittwoch. Die Laft ist aus, nun kommt die Luft, Die mir in sanfter Ruh' bewußt; Mit JEsu wach' und schlaf' ich ein, Wie sollt' ich da nicht fröhlich sein? Gott Ott Vater, mein Erretter! Ich will Dir abermal ein Freuden- Opfer thun und Deinem Namen danken, daß er so tröstlich ist. Du errettest mich aus meiner Noth. Je mehr ich Tage hinter mich lege, je mehr erfahre ich Deine Treue, je mehr genieße ich Deine Liebe, je mehr schmecke ich Deine Freundlichfeit; je näher aber komme ich auch dem Tage, der allen meinen Tagen ein Ende macht. Ach, daß ich doch einen jeden, und also auch den heutigen Tag zugebracht hätte, daß Deine Liebe nicht wäre beleidigt, Deine Gerechtigfeit nicht gereizt, mein Gewissen nicht beschwert, meine Strafe nicht gehäuft worden! Abend- Andacht am Mittwoch. 171 Ach, ich erkenne die Finsterniß meines Herzens bei diesem dunkeln Abend. Der Mittwoch zeigt mir eine Mitternacht meiner Sünde. Wo soll ich hingehen vor Deinem Angesicht! Sollte mich nicht Dein Fluch treffen, daß meine Leuchte verlösche mitten in der Finsterniß? Ach, mein GOtt! züchtige mich nicht nach deiner Gerechtigkeit! Verwandele Deinen Richterstuhl in einen Gnadenstuhl. Laß meine Sünde wohl ferne von mir sein, Du aber sei nicht ferne von mir. Vergieb und vergiß meine Schuld, gedenke aber an Deine Huld, und sei auch in der zukünftigen Nacht mein GOtt, der sich über mich erbarmt. GOtt Sohn, mein Fürsprecher, tilge aus die Handschrift, so wider mich ist. Thue aus dem Mittel, was ich an diesem Mittwoch gefündigt habe. Du Baum des Lebens mitten im Paradiese GOttes, laß mich heute unter Deinem Schatten ruhen. Ich suche auch des Nachts Dich, den meine Seele liebt. Ruhe bei mir, so schlafe ich sicher. Ruhe in mir, so schlafe ich selig. Wo ja meine Feinde nicht ruhen, so widerstehe ihnen mit Deinem Arm. Liege ich mitten unter den Löwen, so laß mich auch mitten unter den Engeln liegen, die ihren Rachen zuhalten. Bin ich wie ein Benjamin Schmolkens Mensch, der mitten im Meer schläft, so gieb mir dennoch eine Stille in meinem Herzen, daß meine Seele nicht unruhig sein dürfe. Verbirg mich heimlich in Deinem Gezelte, welches die Losung hat: Die Liebe ist ein Panier über mir. 172 GOtt, heiliger Geist, mein Redner! Laß mich diesen Feierabend mit recht feurigem Gebet machen. Bin ich heute faltſinnig gewesen in meinem Christenthum, so entzünde doch deine brünstige Liebe in mir, und laß das Fünklein meines Glaubens nicht in der Asche ersticken. Habe ich gewandelt nach dem Fleische, so erneure mich im Geiste. Lege ich meine Kleider ab, so ziehe mir JEsum an. Schließe ich meine Augen zu, so erwecke Du mein Gewissen. Seufze ich in der Nacht, so schrei Du selbst das Abba für mich. Rede ich mit meinem Herzen auf meinem Lager, so laß den Inhalt meines Gesprächs nichts als meinen JEsum sein. Will mir ja eine Furcht ankommen, so halte mir vor, daß ich nicht einen knechtischen, sondern einen findlichen Geist empfangen habe, und mich also nicht fürchten dürfe. Heilige Dreifaltigkeit! Auf Deine Gnade lege ich mich, mit Deiner Barmherzigkeit decke ich mich, hinter Deine Allmacht verberge ich Morgen- Andacht am Donnerstage. 173 mich. Verriegelemein Haus. Versiegele mein Herz mit Deinem Schußz. Sei bei uns zur Rechten und Linken. Sei meiner Freunde Freund. Erquicke alle Mühseligen und Beladenen. Gieb uns eine ruhige Nacht, einen fröhlichen Morgen; bis endlich kein Mittwoch mehr sein wird, und wir Alle dort versammelt werden, wo das Lamm mitten auf dem Stuhl uns weiden wird. Dir sei Ehre in Zeit und Ewigkeit, Amen. So bin ich nun in GOttes Hand, Die alles Grauen hat verbannt. Ich fürchte weder Noth noch Tod, Denn wo ich bin, da ist mein GOtt. Mit JEsu will ich schlafen geh'n, Mit JEsu wieder aufersteh'n. Morgen- Andacht am Donnerstage. Mein GOtt! Du schaffest dieses Licht, Das jetzund durch die Wolken bricht. Laß es auch lichte bei mir werden, Gieb einen Himmel auf der Erden. 6 St Ott Vater, mein Versorger! Meine erste Sorge an diesem Morgen ist das Lob Deiner unaussprechlichen Güte. Der Donnerstag ist nun auch erlebt, und ich lebe noch. Dafür bringe ich Dir die Farren meiner Lip Benjamin Schmolkens pen, und bezahle Dir das Gelübde meines Herzens. Ich sage mit Jacob, da er aufwachte: Wahrlich ist der HErr an diesem Orte. Um mein Bette finde ich die Fußstapfen Deiner Liebe. Die hat meine Wache bestellt, die hat meine Ruhe gewirkt, die hat mich jetzo sanft wiederum aufgeweckt. Aber wer bin ich, HErr! daß Du Dich meiner so herzlich angenommen? Du hast mein Lager nicht zur Todtenbahre, noch mein Haus zur Mördergrube werden lassen. Unter Deinem Schirm verlache ich den Sturm der Gottlosen. Deine Macht widerstand der Macht der Finsterniß. Nun haben sich meine Kräfte geſammelt, meine Glieder erquickt, und ich stehe gesund vor Deinen Augen. Ach, Vater! nimm Dich auch heute Deines Kindes an! Laß Deine Barmherzigkeit hervorbrechen, wie die Morgenröthe und Deine Gnade wie einen Thau, der das Land befeuchtet. Gieb, daß alle meine Tritte von Segen triefen, die ich auf Deinen Wegen thun werde. Schlecht und recht behüte mich, denn ich harre Dein, erlöse mich von aller meiner Noth. 174 GOtt Sohn, mein König! Laß mich auch an diesem Morgen den Scepter Deiner Gnade küssen. Wenn Dein Angesicht freundlich ist, so ift's mein Leben. Laß auch an diesem Morgen- Andacht am Donnerstage. 175 Donnerstage dasselbe leuchten, daß meine Seele genese. Sei mit freundlich und fördere das Werk meiner Hände. Sollte ich ja heute ein verirrtes und verlornes Schäflein werden, ach, so suche Deinen Knecht. Bekehre Du mich, HErr! so werde ich bekehrt; hilf Du mir, HErr! so ist mir geholfen. Behüte mich vor Sicherheit des Herzens und vor Gottlosigkeit des Wandels. Zeige mir Deine Fußstapfen, daß ich nicht mir, noch der Welt oder dem Satan folgen möge. Zeuch mich Dir nach, so laufe ich, und wo Du mir ein menschliches Joch auflegst, so laß mich doch dabei den ganzen Tag in den Seilen der Liebe gehen. Gieb, daß dieser und jeder Tag, den ich noch zu leben habe, mein Donnerstag sei, daß ich mich erinnere des letzten Gerichtsdonners, erschrecke vor dem gegenwärtigen Geseßdonner, und also täglich in wahrer Buße erfunden werde. Weil ich nicht weiß, wann das letzte Stündlein kommt, so laß mich alle Stunden bereit sein, Dir, meinem Könige, entgegen zu gehen. GOtt, heiliger Geist, meine Stärke! Sei auch in mir Schwachen heute mächtig. Laß mich diesen Tag also leben, daß es mich auf den Abend nicht reuen möge, gelebt zu haben. Zünde mir ein Licht an in dem Verstande, 176 Benjamin Schmolkens und baue Dir ein Heiligthum in meinem Willen. Laß mich in dem Rathe der Frommen wandeln. Meine Seele fomme nicht in den Rath der Gottlosen. Mein Fuß trete nicht auf den Weg der Sünder. Lege meinen sündlichen Neigungen Zaum und Gebiß an, daß sie in dem Gehorsam des Reiches Christi behalten werden. Beruhige mein Gewissen, daß Gerechtigkeit und Friede sich in meiner Seele küssen. Verwandle alle Bitterkeit des Kreuzes in eine Arzenei, und bringe das Licht des Trostes mitten aus der Finsterniß der Trübsal hervor. Gieb mir ein vergnügtes Herz bei meinem bescheidenen Theile. Laß mich nicht begierig sein nach Gütern, die mich eitel machen, sondern pflanze in mir eine Sehnsucht nach den wahren Schäßen, die eine beständige Vergnügung geben, und die ich auch im Sterben mitnehmen fann. Heilige Dreifaltigkeit! Ich heilige Dir heute meinen Leib und Seele. Ach, laß mein Leben und Weben ein stetes Lob Deiner Herrlichkeit sein. Wende Dich auch zum Gebete der Verlassenen. Erbarme Dich Deines Erbes. Segne Dein Volk. Laß die Meinen nicht aus Deinen Augen, noch aus Deinem Herzen. Leite uns nach Deinem Rath und nimm uns endlich mit Ehren an. Ehre sei Abend- Andacht am Donnerstage. 177 Dir, GOtt, in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen, Amen. So zieh' ich meine Kleider an, Und bin mit JEsu angethan, Der kann den rechten Schmuck mir schenken. Jedoch bei Allem, was ich thu', Will ich auch an die letzte Ruh' Und an den Sterbefittel denken. Abend- Andacht am Donnerstage. Dank und Ruhm sei Dir bereit, O Du HErr der Herrlichkeit, Daß ich wieder einen Tag Fröhlich hinterlegen mag. Gott Ott Vater, mein höchstes Gut, ach, wie gut hast Du es abermal an dem vergangenen Tage mit mir gemacht! Deine Güte ist besser denn Leben. Wenn ich meine Unwürdigkeit mit der Größe Deiner Barmherzigkeit vergleiche, so muß ich mit Jakob sagen: ich bin dessen nicht werth, was Du an mir gethan haft. Mit was für väterlicher Vorsorge haft Du mich berathen! Mit was für getreuer Wachsamkeit hast Du mich so viel tausend Gefährlichkeiten entrissen! Mit was für Langmuth hast Du mich in meinen Sünden getragen! Mit was für Geduld und Liebe hast Du mich zur Buße geleitet! Ach, Benj. Schmoll. 12 178 Benjamin Schmolkens gieb mir doch eine rechte Empfindung von der Größe dessen, was ich Dir schuldig bin! Aber wie erschreck' ich auch, wenn ich nach all' diesem Guten in meinem Fleische nichts Gutes finde. Du hast mich wohl mit Wohlthaten überschüttet, aber ich habe Deine Gnade und Gabe gemißbraucht. Die Seile der Liebe habe ich zerrissen. Meine Sünde ist jetzt vor mir, Dein Zorn ist über mir, die Angst der Höllen in mir. O Vater der Barmherzigkeit! wie sündlich ich auch bin, so nehme ich dennoch meine Zuflucht zu Dir. Bei Dir ist die Vergebung, daß man Dich fürchte. Ach, HErr! vergieb nach Deiner Liebe, die Du fest zu mir trägst. GOtt Sohn, meine einzige Zuflucht, zu Dir fliehe ich, verstoße mich nicht. Ich höre wohl an diesem Donnerstage Deine Gesetze donnern, aber auch Dein süßes Evangelium Gnade und Gerechtigkeit predigen. Habe ich schon große Ursache, traurig zu sein über meine Sünde, so habe ich doch noch viel größere Ursache, mich zu erfreuen über Deine Liebe, die mich nicht will lassen verloren gehen. Verwandle durch diese Liebe den Zorn Deines himmlischen Vaters in lauter Gnade, die Finsterniß der gegenwärtigen Nacht in lauter Licht, ja meinen Tod, wenn er heute Abend- Andacht am Donnerstage. 179 erfolgen sollte, in lauter Leben. Hast Du nichts, o Seelen- Freund, wo Du Dein Haupt hinlegst, ach, lege es heute auf mein Herz, so werde ich in Dir ruhen, und Du in mir. Ich will Dich halten und nicht lassen, bis ich Dich in meine Kammer bringe. Ach, bist Du bei mir darinnen, so werde ich wohl bleiben. GOtt, heiliger Geist, mein Pfand und Siegel! versiegele mich auch heute mit dem Zeichen der göttlichen Kindschaft. Erinnere mich meines Taufbundes, damit ich im Bündlein der Lebendigen eingebunden bleibe. Baue Dir auch im Schlafe einen Tempel in mein Herz, und erfülle dasselbe mit süßen Träumen. Verlaß mich nicht, wenn mich alle Menschen verlassen. Wenn ich von mir selber nichts weiß, so gedenke Du an mich. Befreie meinen Geist von der Laft aller irdischen Sorgen, welche mir oft die Nacht zum Tage machen, verbanne aus meinen Gedanken alle unreinen Lüste, aus meinen Ohren alle bösen Zeitungen, aus meinen Augen alle Schreckbilder der Höllen. Wecke mich wieder zu einer glückseligen Stunde. Ist aber mein lettes Stündlein vor der Thüre, so laß meinen Blick in die Wunden JEsu gehen. Nur selig, obgleich plößlich: Auf Christum und in Chrifto ist es am Besten schlafen gehen. 12* Benjamin Schmolkens Heilige Dreifaltigkeit! Laß auch heute die Meinigen dieses Siegel haben: Der HErr kennet die Seinen. Mache zu nichte den Rath der Gottlosen. Heilige die Ruhe aller Frommen. Schüße die Wohnungen Jakobs. Gieb uns diejenigen zu, die um Deinen Thron stehen, so wollen wir uns morgen vor diesem Thron bücken, sagen: Der GOtt Iſrael iſt mit uns, der GOtt Jakobs schützt uns. In Deinem Namen sprechen wir indessen: Amen. 180 In JEsu Namen schlaf' ich ein, Der Feind mag lauter Donner spei'n, Ich werde darum nicht erwachen. GOtt wendet einen jeden Schlag, Und kann auf einen Donnerstag Die angenehmste Stille machen. Morgen- Andacht am Freitage. Gieb, JEsu! daß die Morgenröthe Die Macht der Finsternissen tödte. In Deinem Blute stelle mir Den rechten Himmels- Purpur für. 6 ott Ott Vater, meine Freude! So stehe ich wieder auf zu Deinem Lobe. Wache auf, meine Ehre. Das Herze mein Psalter, die Lippen meine Harfe, klingen von Deinem Ruhme. Dieser Freitag mein Freitag. Mein Auge frei von der Finsterniß; mein Ohr frei 181 Morgen- Andacht am Freitage. von Schrecken; meine Füße frei vom Stricke des Jägers; mein Herze frei von allem Grauen der Nacht. O herrliche Freiheit! das Auge fieht es, der Mund rühmt es, die Seele erkennt es. Fahre fort, o allergütigster Vater! in solcher Freiheit mich zu befestigen. Befreie mich von Allem, was mir schädlich und Dir mißfällig ist. Ziehe meinen Fuß aus dem Neße, das mir Welt und Satan gestellt hat. Zerschneide alle Bande der Eitelkeit, die mich fest an die Erde heften und vom Himmel losreißen; laß meine Begierde nicht ruhen auf Dingen, die keine Ruhe haben. Schütte in mir aus Deine Gnade, und gieb mir keinen geringern Reichthum, als Dich selbst. Mache mich in meinem Berufe emfig und vergnügt. Dein Segen verfüße mir, was mir zu sauer wird. Frei vom Kreuz will ich an diesem Freitage nicht sein; ich werde auch, leider, nicht frei von der Sünde bleiben! Dort aber laß mich Deinen Trost, und hier Deine Gnade finden, wenn ich sie suchen werde. Laß mich im Kreuze nicht verzagt, in der Sünde nicht verstockt sein; in jenem Linderung, in dieser aber Vergebung erhalten. Sei mein GOtt, der mir hilft, und meine Hülfe, die mich in keiner Noth verläßt. GOtt Sohn, meine Freiheit! Der Freitag 182 Benjamin Schmolkens war Dein Sterbetag. Durch Deinen Tod hast Du mich frei gemacht vom ewigen Tode. Hast Du, Sohn GOttes, mich frei gemacht, so bin ich recht frei. Gieb, daß dieser Tag mir heute und nimmer aus dem Gedächtniß komme. Heute bin ich mit Israel aus dem Diensthause gegangen, heute hast Du meine Seele aus dem Kerfer geführt; das danke ich Deinem Namen. Ach, laß mich die herrliche Freiheit, die Du mit Deinen Banden erworben hast, nicht brauchen zum Deckmantel der Bosheit, daß Deine Gnade an mir nicht vergebens sei. Gieb vielmehr, daß ich eine Dienstbarkeit mit der andern verwechsele, die Dienstbarkeit der Sünden mit der Dienstbarkeit der Gerechtigkeit. Du hast mich theuer erkauft, laß mich heute und künftig Dein eigen sein, damit ich mich nicht wieder von dem knechtischen Joche fangen lasse. Pflanze heute Dein Kreuze in mein Herze. Drücke Deine Dornen in mein Fleisch, daß es nicht geil werde. Hefte mich an Dich mit Nägeln der Liebe. Zeige mir durch die geöffnete Brust Dein in Blut wallendes Herz, als meine einzige Freistatt, wenn die Seele in Aengsten ist. Gieb Balsam her aus Deinen geheiligten Wunden für mein geängstigtes Gewissen. Dein im Tode geneigtes Haupt laß mich 183 Morgen- Andacht am Freitage. heute küssen, wo ich nach Deinem Willen dem Tode begegnen sollte; das sei meine Losung an diesem Tage: JEsus, meine Liebe, ist gefreuzigt. GOtt, heiliger Geist, mein Freund! bewahre mich heut' vor aller Sünde, welche ist eine Feindschaft wider GOtt. Laß mich der Welt Feind und GOttes Freund sein, und alsdann auch schmecken und sehen, wie freundlich der HErr ist. O, was für Freiheit werde ich an diesem Freitage besitzen, wenn ich meinen Verstand und Willen Dir völlig unterwerfen werde. Denn wo der Geist des HErrn ist, da ist Freiheit. Gieb, daß ich dem Fleische nicht Raum gebe, noch mich lasse den eitlen Wahn der Welt gefangen nehmen. Reiß' mich je mehr und mehr los von dem, was irdisch ist, und zeige bei allen Trübsalen, daß auch dermaleinst die Creatur frei werden wird vom Dienste der Eitelkeit, zur herrlichen Freiheit der Kinder GOttes. Wir sind Kinder der Freien, und warten auf Jerusalem, das droben ist, da ist die Freie, die unser aller Mutter ist. Da werden wir vollkommen frei sein. Unsere Seele aus dem Tode gerissen, unsere Augen frei von Thränen, unser Fuß frei vom Gleiten. Eia, wären wir da. Heilige Dreifaltigkeit! Sei heute nicht Benjamin Schmolkens ferne von einem jeglichen unter uns, in Dir leben, weben und sind wir. Israel hoffet auf Dich, laß unsere Hoffnung nicht zu Schanden werden, denn Du bist unser GOtt. Erhebe über uns das Licht Deines Antlißes. Vermehre Dein Reich in uns. Bleibe mit Deiner Wahrheit bei uns. Laß uns muthig glauben, heilig leben, geduldig leiden, selig sterben. Wir lassen Dich nicht, Du sega nest uns denn, Amen. 184 Ich bitt', HErr JEsu! Dich, Dein Blut komm' über mich! In Segen und in Gnaden; So kann mir keine Noth, Kein Elend und kein Tod, Auch gar kein Teufel schaden, Amen. Abend- Andacht am Freitage. Ihr blutigen Wunden der leidenden Liebe, Ich lege mein Herze im Glauben in euch: So hab' ich ein Bette, dem Salomon gleich, Und fürchte nicht, daß mich ein Unfall betrübe. Gott Ott Vater, mein Geber alles Guten! was gebe ich Dir wieder für alle Deine Gaben, die ich an diesem verfloffenen Tage von Dir empfangen habe! Ich bin Dein Kind des Zorns, und dennoch haft Du mir Deine Gnade so reichlich erwiesen. Da ich nichts 185 Abend- Andacht am Freitage. verdient, so hast Du mir Alles gegeben, was mir noth ist. Alle Wohlthaten, die Du über mich ausgeschüttet, sind Früchte Deiner erbarmenden Liebe. Alles Kreuz, was Du mir zugeschickt, ist eine Wirkung Deiner väterlichen Neigung. Und diesen Augenblick muß ich sagen: Bis hierher hat mir der HErr geholfen. Ach, warum habe ich nicht Engelzungen, Deine Treue und Barmherzigkeit nach Würden zu erheben? Allein, wie beschämt mich meine Sünde vor Deinem Angesichte, daß ich mich fürchten muß, mein Dankopfer werde Dir nicht gefällig sein. Es ist wahr, daß der Sünder vor Dir nicht bestehen kann; aber das ist auch gewiß, daß Du den Sünder in seiner Buße nicht verstoßen willst. Ich will Deine heilige Verheißung ergreifen, daß, wer an JGsum Christum glaubt, nicht soll verloren werden. In diesem Glauben rechtfertige mich, sei mir um Christi willen gnädig und barmherzig. Finsterniß bedecke nun das Erdreich. Du aber decke mich mit Deiner allergetreusten Liebe. Sende mir Deine Nachtwache bis zur fröhlichen Morgenwache. GOtt Sohn, mein Alles in Allem! Je= dermann denket jetzt an seine Ruhe. Ich aber denke an meine Sünde. Ach, meine Gedan 186 Benjamin Schmolkens ken sind heute nicht allemal Deine Gedanken, und meine Wege nicht immer Deine Wege gewesen. Ich weiß aber, daß Du nicht Gedanken des Leidens, sondern Gedanken des Friedens über mich hast. O, so denke an mich in Deiner Barmherzigkeit, wie Du am Kreuze des armen Schächers gedacht hast. Wirf meine Sünde in die Tiefe des Meeres, daß ihrer nimmermehr gedacht werde. Gedenk', o HErr! der schweren Zeit, darin der Leib gefangen leidet, der Seele, die Du hast erlöst, gieb, o HErr JEsu! Deinen Trost. Tröste mich in dieser Nacht durch das Andenken Deiner Wunden, weil Du mich in derselben von der Obrigkeit der Finsterniß errettet hast, so laß mich auch jetzt vor des Satans Grauen und Klauen sicher ruhen. Dein letztes Wort sei auch mein Wort: Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände. Sollte ich diese Nacht mein Haupt neigen müssen, so lasse es Dir auf Deine blutrünstige Brust fallen. Soll mir mein Herz brechen, ach, so breche es in Deiner geöffneten Seite. Das sei mein Weg ins Paradies. Ich küsse Deine priesterlichen Wunden und sage: Dir leb' ich, Dir sterb' ich, Dein bin ich todt und lebendig. GOtt, heiliger Geist, mein Vertreter! Be Abend- Andacht am Freitage. 187 schleuß meine Seufzer mit Deinem Abba. Besprenge sie mit dem Blute des unschuldigen Lammes. Versiegele sie mit dem letzten Angstgeschrei meines sterbenden JEsu; wenn ich jetzt mein Licht auslöschen werde, so sei das Licht in meinem Herzen. Wenn ich meine Kleider ablege, so ziehe mir an die Kraft aus der Höhe, daß ich wider alle listigen Anläufe des Satans bestehen möge. Wenn ich die matten Glieder auf mein Lager werfe, so versichere meine Seele, daß ich in den Wunden meines JEsu ruhe. Laß auch mein Bette mir von meinem Grabe predigen, daß ich nicht in Sicherheit schlafe wie die Jünger am Delberge, sondern alle Augenblick meines Endes erwarte. Stecke das Kreuz meines Erlösers als ein Siegeszeichen vor mein Bette. Das soll meine Ruhe, das soll meine Ehre sein. Bekehre auch alle Feinde des Kreuzes Chrifti, daß sie sich unter dieses Panier sammeln und der Verdammniß entgehen mögen. Versiegele mit dieſem Gnadenzeichen die Ruhe der Meinigen, und laß keinen verloren gehen, den Du damit bezeichnet haſt. Heilige Dreifaltigkeit! Deine Gnade sei unser Licht im Finstern. Dein Schuß sei unser Schild in der Gefahr. So wird sich keine Plage zu unsrer Hütte nahen. Sei mit uns 188 Benjamin Schmolkens o Vater! in Deinem Sohne, mit Deinem Geist. Laß diese Schrift an unser Haus und Herze geschrieben sein: Hier ist der HErr. Ist GOtt für uns, wer will wider uns sein! Amen! So ist der Freitag nun vorbei, Und Du, mein JEsu! machst mich frei, Daß ich in Deinen tiefen Wunden Der Kinder GOttes Freiheit funden. Gieb auch nunmehr durch Deine Macht. Zum Freitag eine freie Nacht. Morgen- Andacht am Sonnabend. Mein JEsu! sei mein Morgenthau, Erquicke meines Herzens Au, Und laß mich heute fruchtbar sein, Mit Früchten, welche Dich erfreu'n. Ott Vater, meine Hülfe! Bis hieher haft Du abermal geholfen. Du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Groß war die Gefahr, darin ich diese vergangene Nacht schwebte. Groß war die Macht und List der Feinde, die auf meine Seele lauerten. Noch viel größer aber Deine Kraft, die mich wider Alles mächtiglich beschützt hat. Darum will ich Dir des Morgens Deine Güte, und des Abends Deine Wahrheit verkündigen. Wie soll ich Dir aber Deine Wohl Morgen- Andacht am Sonnabend. 189 thaten vergelten, ich, der ich nichts habe, was nicht Dein ist. Ich will Dir Alles wieder geben, was Dir gehört. Ich heilige Dir meinen Leib zu einem lebendigen Opfer, und meine Seele zu einem immerwährenden Gigenthum. Mein Herz soll Dich lieben, mein Mund soll Dich loben, alle meine Gliedmaßen sollen Dir dienen, alle meine Sinne Dir gehorchen. Ich bitte aber auch für diesen Tag, daß Du denselben mit Deinem Segen heiligen wollest. Laß mich wandeln, wie sich's gebühret in meinem Berufe, darin ich berufen bin. Regiere die Zufälle meines Lebens nach Deiner Weisheit, ich will Dir in Allem still halten. Du kannst mir mehr geben, als ich begehre. Ich bitte aber nichts mehr als dieses: HErr, Dein Wille geschehe. Du wirst, Du kannst, Du willst nichts Böses über mich wollen, Dein Wille ist der beste. GOtt Sohn, mein Hoherpriester! Ich bringe Dir diesen Morgen ein Lamm zum Opfer. Ach, was könnte ich Dir Angenehmeres bringen, als Dich selber! Ich richte mich jetzt auf in Deinen Wunden, in welche ich gestern zu Bette ging. Laß dieses die Brunnen sein, durch welche mir heute alles Heil zufließt. Laß dieses die Fenster sein, durch welche mir heute Dein himmlischer 190 Benjamin Schmolkens Vater die Gnadenblicke zuwerfe. Laß dieses die Felsenrißzen sein, in welchen ich mich heute bei aller Gefahr als ein schüchternes Täublein verbergen könne. Laß dieses die Lippen sein, welche heute mich bei GOtt vertreten, wenn ich in Sünde und Strafe fallen sollte. Rathe mir heute nach Deinem Herzen, daß ich nicht auf Abwege gerathe. Bei Dir ist Rath und That, Du kannst mir geben, was mein Herz wünschet. Rüste mich mit Kraft aus der Höhe, und mache meinen Weg ohne Wandel. Ich hoffe darauf, daß Du so gnädig bist, mein Herz freuet sich, daß Du so gerne hilfft. Breite Deine Güte über die, so Dich kennen, und Deine Gerechtigkeit über die Frommen. Laß mich den letzten Tag in dieser Woche also zubringen, daß, wenn es der letzte meines Lebens sein sollte, ich denselben in Dir sanft und selig beschließen möge. GOtt, heiliger Geist, mein Leitstern! Leite mich heute auf rechter Bahn. Schaffe, daß ich mich übe, ein gutes Gewissen zu haben, damit dasselbe mich nicht beißen möge meines ganzen Lebens halber. Bewahre mich wider die Verführungen. Erhalte mich in den Versuchungen, stärke mich in den Anfechtungen. Sei mein Rathgeber, wenn ich zweifele. Sei mein Geleitsmann, wenn ich wandele. Stärke Morgen- Andacht am Sonnabend. 191 mich bei dem Elende dieses mühseligen Lebens mit der Hoffnung eines bessern und ewigen Lebens. Herrsche über alle meine Neigungen. Gebiete über alle meine Werke, mache all meinen Wandel zu einem guten Geruch vor GOtt. Befriedige mein Herz durch Deine heiligen Verordnungen, daß es aller unordentlichen Sorgen müßig gehe, und Deinen göttlichen Vorsehungen keinen Eintrag thue. Laß mich zuvörderst das Reich GOttes suchen, und alsdann versichert sein, daß mir das Andere alles zufallen werde. Und nach allen Deinen Gaben gieb Du Dich mir selber, wie ich, ich an meiner Seite wünsche Dir ganz und gar ergeben zu sein. Heilige Dreifaltigkeit! vollende das gute Werk in mir beim Ende dieser Woche. Mache an diesem Tage gut, was ich an den übrigen böse gemacht. Schüße und errette Deine arme Christenheit bis an das Ende der Welt. Gieb uns des Glaubens Beständigkeit, Geduld in Kreuz und Widerwärtigkeit. Gieb unsern Grenzen Friede, unsern Häusern Segen, unsern Angehörigen Leben und volle Genüge. Erlöse uns, so lange wir leben, Amen. Nun, JEsu! sprich den Segen Auf allen meinen Wegen, 192 Benjamin Schmolkens Und stecke selbst das Ziel! So wird das Werk vollführet, Wie mir zu thun gebühret, Und Deine Ehr' es haben will. Abend- Andacht am Sonnabend. Die Sonne geht zur Rüste, Bleib' Du bei mir, HErr Christe, So hab' ich Licht und Leben, Wenn mich die Nacht umgeben. Gott Ott Vater, mein Anfang und Ende in allen meinen Dingen! Wie ich diese Woche mit Deiner Gnade angefangen, also habe ich sie auch durch dieselbe zu Ende gebracht. Ach, was für Dankbarkeit, was für Liebe bin ich Dir, mein GOtt! schuldig für so viele unaussprechliche Wohlthaten, die ich zwischen diesem Anfange und Ende genossen habe. Du hast mir so viel Liebe erwiesen, da ich Dich doch beleidigt habe. Du bist so nahe bei mir gewesen, da ich doch meine Augen so oft von Dir abgewendet. Du haft Gutes und ich Böses gehäuft. Ach, ich kann die Größe Deiner Liebe nicht genugsam begreifen, aber auch leider die Menge meiner Uebertretung nicht übersehen! Jedoch, o barmherziger Vater! nehme ich meine Zuflucht zu Deiner theuern Verheißung! Wo meine Sünde Abend- Andacht am Sonnabend. 193 mächtig ist, da ist Deine Gnade noch viel mächtiger. Ach, HErr! der Du das Werk Deiner Hände nicht verschmähest. Was erwartest Du anders von mir armen Sünder, als ein zerknirschtes Herz, welches sich von ganzem Herzen zu Dir bekehrt und von Deiner Gerechtigkeit zu Deiner Barmherzigkeit ſeine Zuflucht nimmit. Laß doch heute Deine Gnade sein wie ein Abendregen. So ferne der Morgen ist vom Abend, so ferne laß auch meine Sünde an diesem Sonnabend von mir sein. Gieb, daß ich das Ende dieser Woche also mache, daß ich nicht ein Ende nehme mit Schrecken, wie die Gottlosen, deren Ende ist die Verdammniß. Sondern laß mich aus Gnaden davon bringen das Ende des Glaubens, welches ist der Seelen Seligkeit. GOtt Sohn, meine Gerechtigkeit! Du bist des Gesetzes Ende, wer an Dich glaubt, der wird gerecht. Ich schließe mich beim Schlusse dieser Woche in Deine Wunden. Stelle mich Deinem himmlischen Vater vor in Deinem Blute. Bekleide mich mit Deiner Gerechtigfeit. Tilge meine Sünde durch Deine ewige Liebe. Ich befehle Dir Leib und Seele, Du haft beides erlöset, Dugetreuer GOtt. Zeichne mich in Deine durchbohrten Hände. Laß heute Dein Haupt über mir voll Thaues und Deine 13 Benj. Schmolk. Benjamin Schmolkens Locken voller Nachttropfen sein. Gieb auch, daß ich allezeit unter den klugen Jungfrauen erfunden werde, und wenn Du um Mitternacht kommst, mit dem Dele des Glaubens Dir entgegen gehen möge. Weil ich auch unter denen bin, auf welche das Ende der Welt kommen soll, so lasse mich beim Ende dieser Woche auf eine selige Bereitschaft bedacht sein, Deine Ankunft mit Freuden zu erwarten. Wie Du die Deinen bis an's Ende geliebt, so bleibe auch bei uns bis an's Ende der Welt nach Deiner allergetreuesten Verheißung. Gieb uns Beständigkeit des Glaubens in der Liebe, und erfülle endlich Dein Wort an uns: Wer beharret bis an's Ende, der soll selig werden. So werden wir Dich ohn' Ende rühmen dort, wo Deines Königreichs wird kein Ende sein. GOtt, heiliger Geist, mein Lehrer! Lehre mich heute inbrünstig beten: HErr, lehre mich bedenken, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Bereite mich alle Abend zum Tode und laß mich niemals in Sicherheit zu Bette gehen. Gieb, daß ich allezeit warte auf die Offenbarung JEfu Chrifti, welcher auch mich wird festbehalten bis an's Ende, daß ich unsträflich sei auf den Tag Seiner Zukunft. 194 Abend- Andacht am Sonnabend. 195 Soll ich morgen leben, so erwecke mich zu einem geistlichen Leben. Morgen ist des HErrn Fest. Bereite mich dazu in heiliger Furcht. Indessen versiegele meine Ruhe heute mit der Gnade und Liebe meines JEſu. Breite Deine Flügel über alle meine Angehörige. Sei der Traurigen Licht in der Finsterniß. Erleichtere die Laft der Müden. Schaffe, daß bei Deinen Kreuz- Trägern die Versuchung so ein Ende gewinne, daß sie es ertragen können. Laß heute alle Menschen an ihr Ende gedenken, so werden sie nimmermehr Uebels thun. Heilige Dreifaltigkeit! Deine Jahre nehmen kein Ende, aber bei uns ist nahe gekommen das Ende aller Dinge. Ach, laß es nicht gar aus sein mit uns, sondern Deine Barmherzigkeit kein Ende haben! Und wenn sich das Ende unsers Lebens herzu nahen sollte, so laß uns kommen zum Anfang der großen himmlischen Woche, die Du Deinem Erbe vorlängst verheißen hast. Laß uns sterben des Todes der Gerechten, und unser Ende sein, wie das Ende der Frommen, so heißt es: Ende gut, Alles gut, Amen. So ist die Woche nun beschlossen, Und auch der Tag zugleich verfloffen. Wer weiß, wie nah' mein Ende sei, 13* 196 Benjamin Schmolkens zc. Nimm, JEsu! mich in Deine Hände, So komme, wenn Du willst, mein Ende, Ich warte dessen ohne Scheu: Denn was mein Ende hier auf Erden, Das muß mir dort der Anfang werden. Herrn M. Christian Scrivers GOtt geheiligter Bet- Altar frommer Christen, darauf sie ihr tägliches Haus- Opfer mit brennendem feuer der Liebe zu GOtt bringen. Zur Erweckung wahrer Herzens- Andacht von Neuem aufgerichtet. the fl- 128 ( E- 20110 aicingus ni mo M. Chr. Scrivers Haus- und Herzens- Opfer. 199 Tägliches Hausund = Herzens Opfer frommer Christen, damit sie GOtt für geist- und leibliche Wohithaten danken, um Glück und Segen bitten, ferner sich und die lieben Ihrigen, sammt der ganzen Christenheit dem großen GOtt und Vater in Demuth empfehlen. S allmächtiger, ewiger, gütigster GOtt, Vater unsers HErrn JEfu Chrifti, Du GOtt aller Gnaden, Du Vater der Barmherzigkeit und GOtt alles Trostes, mein lieber Vater und gnädiger GOtt in Chrifto JEſu! Mein HErr JEfu Christe, Du ewiger eingeborner Sohn GOttes, Du Heiland der Welt, mein theuerster Erlöser, getreuester Hirte, liebreichster Mittler, ewiger Hoherpriester und Seligmacher. GOtt, heiliger Geist, Du süßester Tröster aller Betrübten, Du Kraft der Schwachen, Du Licht der Irrenden, Du Lehrer der Un M. Christian Scrivers wissenden, Du Beistand der Betenden, mein bester Freund, meine Kraft, mein Leben, mein Licht und Heil. Du einiger, ewiger, wahrer GOtt, hochgeLobet in Ewigkeit. 200 Ich armer, sündhafter Mensch komme vor Dein allerheiligstes Angesicht, daß ich vor Dir beten will, wie es Dein Befehl und meine Noth und Schuldigkeit erfordert. Weil ich mich auch hierzu unwürdig und untüchtig befinde, so bitte ich Anfangs herzlich und demüthig, daß Du mir meine Sünden nach Deiner großen Barmherzigkeit vergeben, in meinem Herzen kindliche Furcht und Andacht erwecken, allen fremden, flatternden, sündlichen Gedanken steuern und mir die Gnade geben wollest, Dich im Geiste und in der Wahrheit anzurufen! Laß Dir auch mein armes Gebet in Gnaden wohlgefallen, und erhöre es um Dein selbst willen, Amen. Mein GOtt und Vater! ich danke Dir erst billig für alle Deine geistlichen und leiblichen Wohlthaten, die Du mir mein Lebelang erwiesen und noch täglich erweisest. Ich danke Dir, daß Du mich zu der Zeit, die Dir beliebt, haft erschaffen, das Leben und Wesen mir gegeben, mit einer feinen, vernünftigen Seele und einem wohlgestalteten, gesunden 201 Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. Leibe begabt, mich aus Mutterleibe gezogen und gesund und wohl an's Licht der Welt gebracht hast. Ich danke Dir, daß Du mich in Deiner rechtgläubigen evangelischen Kirche von christlichen, ehrlichen, gottseligen Eltern hast lassen geboren und mit der vernünftigen und lautern Milch des Evangelii zu aller Gottseligkeit lassen angewiesen und erzogen werden. Ich danke Dir auch insonderheit, daß Du mich durch die heilige Taufe wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, mir die Herrlichkeit Deiner Kindschaft geschenkt, mich von der Obrigkeit der Finsterniß errettet und in das Gnadenreich Deines lieben Sohnes JEsu Christi versetzt und darin wider des Teufels Macht und Lift und aller Welt Aergerniß und Bosheit erhalten hast! Ich danke Dir, daß Du von solcher Zeit an mich stets als Dein liebes Kind erhalten, mich herzlich geliebt, väterlich versorgt, mächtiglich beschüßet, mich wunderlich, doch seliglich ges führt, Deine göttliche Langmuth an mir reichlich erzeigt, aus mancher Noth und Gefahr Leibes und der Seele errettet und mich bis hieher erhalten hast. Ich danke Dir für das tägliche Brod und den zeitlichen Segen, den Du mir über alles mein Vermuthen, ohn' all' mein Verdienst und Würdigkeit, nach M. Christian Scrivers Deiner Güte überflüssig und reichlich gegeben, also, daß ich Ursache habe, mit dem Erzvater Jacob von Herzen zu sagen: Ich bin zu gering, mein GOtt! aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir gethan hast. Üeber Alles aber danke ich Dir, daß Du mir auch Deinen allerliebsten Sohn JEsum Chriftum zum Heiland geschenkt und zum Gnadenstuhl in Seinem Blut vorgestellt hast; daß ich mich im Glauben an Ihm halte und in Ihm die Gerechtigkeit, das Leben und volle Genüge haben soll; wie auch, daß Du mir die Mittel der Seligkeit, Dein heiliges Wort und die hochwürdigen Sacramente gegeben und mich dadurch zu Deiner seligen Erkenntniß gebracht, in Deinem Licht geleitet und in Deiner Gnade bisher bewahrt und erhalten haft. 202 Ich danke Dir, mein HErr JEsu Christe, mein allerliebster Erlöser, daß Du in die Welt kommen bist, nebst andern auch mich Sünder selig zu machen. Du hast mich auch geliebt, Dich selbst für mich dahingegeben und mich Dir zum Eigenthum, nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, sondern mit Deinem göttlichen theuren Blut erkauft. Du hast mich in Deine selige Gemeinschaft aufgenommen, Dein ganzes heiliges Verdienst, Deine Gerechtigkeit und Deine Seligkeit mir Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. 203 in der heiligen Taufe geschenkt; hast mich auch mein Lebenlang als ein getreuer Hirte behütet, bist mir auf allen meinen Wegen mit Deiner Gnade nachgefolgt, haft, wenn ich mich verirrt, mich gesucht und zurecht gebracht. Du hast es mir nie an irgend einem Gute ermangeln lassen, mich wider Teufel und Welt geschüßt, mich bei Deinem ewigen lieben Vater vertreten, mich stets in Deiner Liebe und Gnade eingeschlossen und mit Deiner Güte umfangen. Ich danke Dir, GOtt, heiliger Geist, daß Du mich durch's Wort und die Sacramente geheiligt, zur Gemeinschaft JEfu Christi und Seiner Kirchen berufen, den Glauben in mir erweckt, und ob er gleich manchmal einem glimmenden Docht ähnlich gewesen, doch wi der des Teufels Macht und List in meinem Herzen erhalten hast. Du hast Dich meiner Seele jederzeit herzlich angenommen, mich in Trübsal getröstet, in Schwachbeiten gestärkt, in Krankheiten erquickt, in Zweifel mir ge rathen und durch Dein innerliches kräftiges Zeugniß mich meiner Kindschaft bei GOtt und des himmlischen ewigen Erbes versichert, und dadurch nochmalen mein Herz mit Frieden und Freude erfüllt. dm dro Nun, mein GOtt, mein Vater! mein Er M. Christian Scrivers löser, mein Tröster! Ich danke Dir von Herzen für diese und alle anderen Deine Wohlthaten, die Du mir in meinem ganzen Leben erwiesen. Ich lege mich deswegen zu Deinen allerheiligsten Füßen, opfre und ergebe mich Dir mit Leib und Seel' zu einem Opfer, das lebendig, heilig und Dir wohlgefällig sei; mache mich zu einem solchen Opfer! Laß Deinen glorwürdigsten Namen durch mich auch geheiligt, verherrlicht und gepreiset, Dein Reich auch durch mich erbauet, fortgepflanzt und erhalten und Deinen heiligen Willen an mir, in mir und durch mich, in Zeit und in Ewigkeit vollbracht werden! GeLobet sei GOtt der HErr, der GOtt Israel, der allein Wunder thut, und gelobet sei Sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande müssen Seiner Ehre voll werden, Amen. 204 Ach, HErr! nimm vorlieb mit meinem schlechten Lob- und Dankopfer, so gut ich's in dieser Sterblichkeit Dir bringen kann, hilf mir zum Himmel und bringe mich zu der Menge Deiner Auserwählten, daß wir Dich, unsern GOtt, vollkommen, heilig und ewig preisen mögen, Amen. Hiernächst, mein GOtt! erinnere ich mich auch und mein Gewissen überzeugt mich, daß ich Deine mannigfaltige Güte, welche Du so 205 Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. reichlich an mir erzeiget, nicht allezeit, wie ich geſollt, erkannt, Dich nicht so herzlich geliebt, so findlich gefürchtet, so feftiglich vertraut und so heilig und eifrig gedient, wie es Deine Hoheit, Deine Liebe, Deine Gebote und mein Laufbund erforderte: sondern ich habe mit Worten, Werken und Gedanken, mit Unterlaffung des Guten, mit Vollbringung des Bösen, wissentlich und unwissentlich, von mei ner Kindheit an bis auf diese Stunde dawider gesündigt und damit Deinen gerechten Zorn, zeitliche und ewige Strafe verdient. Weil Du aber, Du gnädiger und barmherziger HErr! nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich befehre und lebe, und Du, mein allerliebster HErr JEsu! bist in die Welt kommen, die Sünder selig zu machen, Du auch mein Tröster, GOtt, heiliger Geist, durch das Wort der Gnaden die Sünder zur Buße rufft und ihnen Vergebung der Sünde in Christo verheißest: so verlaß ich mich gänzlich auf Deine Gnade und Barmherzigkeit und bitte im herzlichen Vertrauen auf das theure Verdienst und vergossene Blut des Sohnes GOttes, daß Du mir alle meine Sünden vergeben und mich solcher Gnade versichern, mein Gewissen beruhigen, mein Herz mit Friede und Freude im hei M. Christian Scrivers ligen Geift erfüllen, mich auch von Tage zu Tage mehr und mehr erneuern, erleuchten, heiligen, segnen und Dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen bereit und tüchtig machen wollest. 206 Hierauf erneure ich den Bund meiner heiligen Taufe. Ich sage ab dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen, der gottlosen, bösen Welt und meinem sündlichen Fleisch und Blut: Ich ergebe mich aber Dir, GOtt Vater, Sohn und heiliger Geist, mit Leib und Seel'! Ich empfehle Dir mein und der lieben Meinigen zeitliche und ewige Wohlfahrt! Ich überlasse mich willig Deiner Fürsorge, Barmherzigkeit, Liebe und Treue, GOtt Vater, ich wickle mich ein in Deine selige Gemeinschaft, in Dein Verdienst, Gerechtigkeit, Blut, Tod und Wunden, HErr JEsu, mein Heiland, ich ergebe mich gänzlich in Deine Regierung, Leitung, Licht, Trost und Bewahrung, GOtt, heiliger Geist! So bist Du nun mein und ich bin Dein, Du bist mein Vater, ich Dein Kind, Du bist mein Hirte, ich bin Dein Schäflein, Du bist mein HErr, ich bin Dein Eigenthum. Ach, GOtt, gnädigster und gütigster GOtt! wie kann ich Dir genug danken, daß Du mich armen, sündhaften Menschen solcher hohen Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. Gnade gewürdigt und mich in solchen seligen Stand gesetzt haft? Ach, erhalte mich darin bis an mein seliges Ende! Vermehre in mir Deine selige Erkenntniß, bewahre in mir den Glauben und laß dieses Licht in mir nimmermehr verlöschen. Gieb auch, daß mein Glaube durch die Liebe thätig sei, daß ich Dich, meinen GOtt, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben, Dich findlich fürchten, Dir festiglich vertrauen, in kindlichem Gehorsam vor Dir wandeln, Dich stets vor Augen und im Herzen haben, aus reiner Liebe zu Dir allem sündlichen Wesen von Herzen feind sein und Dich nimmermehr mit Wissen und Willen beleidigen möge. Erneuere, erleuchte, befehre, heilige und segne mich in geistlichen Gütern je mehr und mehr. Gieb mir eine christliche Demuth, Sanftmuth, Liebe, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Versöhnlichkeit, Gutthätigkeit. Weise mir gottselige und fromme Arme zu, die, HErr JEsu! Deine wahren Glieder sind, und lenke dann mein Herz, daß ich ihnen, als Dir selbst, mit fröhlichem Herzen Gutes thue, und von dem Segen, den Du mir gegeben haft, ihnen mildiglich mit einfältiger Seele mittheile. Gieb mir auch ein reines, keusches, nüchternes und mäßiges Herz. Bewahre mich vor 207 M. Chriftian Scrivers Geiz und Ungerechtigkeit. Gieb, daß ich mein Herz nicht an das Zeitliche und Vergängliche hange, sondern Dich und Deine geistlichen und himmlischen Güter für meinen höchsten Schatz und die Gottseligkeit und Genügsamfeit für meinen größten Gewinn halte. Lehre mich je mehr und mehr mich selbst verleugnen, die Welt und was darinnen ist verschmähen und nach dem Himmlischen mich ſehnen. 208 Ach, mein GOtt! Du hast nach Deinem Wohlgefallen ein Wunder Deiner Güte an mir erwiesen, indem Du mich, da ich arm und elend war( und als ich in diese Stadt kam, nichts hatte, als etwa einen Stab), hervorgezogen, mich in meiner Handelschaft und Gewerbe mit einem ungemeinen reichen Segen überschüttet, von Dir, mein liebster himmlischer Vater! ist Alles kommen, von Deiner Hand habe ich's empfangen, und es ist Alles Dein. Gieb mir Gnade und zeige mir doch Gelegenheit, daß ich es zu Deiner Ehre, im Dienst Deiner Kirche und in der Liebe meines Nächsten anwenden und im Uebrigen auch ja einer von denen sein möge, von welchen Dein heiliger Apostel dorten sagte, daß sie sich freuen, als freueten sie sich nicht, daß sie kaufen, als besäßen sie es nicht, daß sie Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. 209 der Welt zwar brauchen, jedoch aber nicht mißbrauchen, weil sie wissen, daß das Wesen dieser Welt vergeht. Gieb mir auch ein stilles, geduldiges, Dir ergebenes und gelassenes Herz, daß ich in Lieb und Leid, in Glück und Unglück mit Deinem heiligen Willen zufrieden sei, Dich stets für meinen Schaß, Trost und Stärke halte und im findlichen, willigen, unverrückten Gehorsam Dir nachwandle. Weil Du auch, mein lieber GOtt und Vater, mich durch einen heiligen Beruf zur Gemeinschaft Deiner Auserwählten, Heiligen und Geliebten, in Deine Kirche auf Erden gebracht hast, also, daß sie mit mir und ich mit ihnen im Glauben, Liebe und Hoffnung zu Dir, HErr JEsu! durch Deinen Geist vereinigt sei: so bitte ich Dich herzlich, daß Du alle meine Mitbrüder und Mitschwestern an allen ihren und unsern Orten wollest segnen, heiligen, erneuern, schützen, versorgen, trösten, und sie durch Deine Macht zur Seligkeit bewahren und erhalten. HErr, Du allwissender GOtt! Dir ist ihrer aller Zustand, Anliegen, Noth und Gefahr nicht unbekannt; hilf ihnen Allen, wie, wo und wann sie Deiner Hülfe bedürftig und begierig sind. Tröste alle Betrübten, stärke die Schwachen, hilf den Gefallenen wieder auf, bringe die Irrigen Benj. Schmolt. 14 M. Christian Scrivers und Verführten zurecht und heilige sie in Deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit. Erquicke die Kranken und sei ihr Labsal, Trost, Arzt und Pfleger. Ernähre die Armen und Dürftigen; versorge und schüße die Wittwen und Waisen; sei eine Zuflucht aller Flüchtigen und Verjagten, die um Deines Namens und der Wahrheit willen Verfolgung gelitten haben und noch leiden, die in harter Bedrängniß und Gefängniß leben. Bekehre auch die Sünder und Gottlosen, errette ihre Seelen aus den Stricken das Satans, eröffne ihnen ihre Augen, daß sie ihr Glend erkennen und sich von ganzem Herzen zu Dir bekehren mögen. Bewahre sie durch Deine unendliche Barmherzigkeit und Langmuth vor dem ewigen Verderben. Bringe auch die Ungläubigen in der Welt, die blinden Heiden, Türken, Juden, zu der Erkenntniß Deines lieben Sohnes JEsu Chrifti und erbarme Dich aller Menschen. 210 Segne und erhalte Deine evangelische Kirche, die kleine Heerde, daß verlassene, trostlose, elende Häuflein, welches jetzt allenthalben bedrängt wird, bei der himmlischen Wahrheit Deines Worts und dem Gebrauche Deiner heiligen Sacramente; schüßze sie wider des Teufels Macht und List und aller Welt Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. 211 Bosheit und erhalte sie bis an's Ende der Welt. Erhebe und erweitere sie und steure denen, die Deinem Worte seinen Lauf durch Macht und Lift zu wehren sich unterstehen. Mache ihre gefährlichen Anschläge zunichte, brich ihren Hochmuth und mache ihre Macht zur Ohnmacht, laß ihre Weisheit zur Thorheit und ihren Rath zunichte werden. Gieb ihnen einen Meister, daß sie erkennen müssen, daß sie Menschen sind und wider Dein Volk, das Du Dir erwählt haft und das sich auf Dich allein verläßt, nichts vermögen. Versorge auch uns und alle Gemeinen jederzeit mit gottseligen und geistreichen, erleuchteten und getreuen Hirten, Lehrern und Predigern, rüste sie mit Gaben und Kraft vom Himmel aus; segne ihre Arbeit und laß fie den ihnen anvertrauten Seelen zum gründlichen Unterricht, zum lebendigen Glauben, zum kräftigen Trost und seliger Erbauung gedeihen. Gieb ihnen Muth und Freudigkeit und schüße sie wider Teufel und Welt. Erhalte fie in Deiner Wahrheit und gieb, daß sie ihr heiliges Amt mit ihrem heiligen und unsträflichen Wandel allezeit zieren, und sich selbst und die sie hören durch Dein Wort und Deinen Geist selig machen.. Gieb uns auch aller Orten fromme, fried14* M. Christian Scrivers fertige, gerechte Regenten, gieb ihnen den Geift der Wahrheit und des Verstandes, des Raths und der Stärke und Deiner heiligen Furcht; segne Du ihre Regierung und richte dieselbe zu Deines allerheiligsten Namens Ehre und Deiner Kirchen Schutz und Trost und aller frommen und getreuen Unterthanen zeitliches, geistliches und ewiges Wohlergehen. Erhalte bei uns und in unserm geliebtesten Vaterlande, ja in der ganzen Christenheit, den edlen Frieden! Ach, laß um unserer Sünde willen nicht zu, daß der Satan und seine Werkzeuge neue Kriegsgefahr und Unruhe, Blutvergießen und Verwüstung anrichten, mache zunichte die Anschläge der Völker, die da gerne kriegen. Laß uns unsre Lebenszeit in Friede und Ruhe und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit hinbringen! Bewahre uns vor der erschrecklichen Seuche der Pestilenz und andern anfälligen Krankheiten, vor schrecklichem, schwerem Ungewitter, vor Hunger und theurer Zeit, vor Feuer- und Wassers- Noth, vor einem bösen, schnellen und dem ewigen Tod. Erhalte auch mich und die lieben Meinigen im Glauben, Liebe und Hoffnung. Bewahre uns, daß wir in das gottlose Wesen der letzten Zeit nicht eingeflochten werden, auch in Seelen verderblichen 212 Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. 213 Irrthum nicht verfallen; verleihe uns in Gnaden, daß wir unter denen sind, die Deine letzte Zukunft zum Gericht nach Deinem Wort von Herzen glauben und Deine Erscheinung lieb haben. Bereite Du uns, HErr JEsu, so sind wir bereitet! Gile mit dem lieben jüngsten Tage, mache bald aller Sünden und Schanden und alles Elendes auf Erden ein Ende. Erlöse uns und alle Auserwählten aus allem Uebel und hilf uns aus zu Deinem himmlischen Reiche, daß wir Dich sehen und in alle Ewigkeit loben und preisen mögen, Amen. Ferner befehle ich Dir, mein GOtt! meinen Leib und Seele, heute und allezeit in Deine Liebe und gnadenreiche Regierung, in Deinen mächtigen Schuß, in Deine väterliche Aufsicht, Fürsorge und Treue. Laß mir heute fein Ulebels begegnen und keine Plage zu meinem Haus sich nahen! Laß mich und die lieben Meinigen Deine heiligen Engel auf allen unsern Wegen begleiten. Laß uns Deinen heiligen Geist fräftiglich regieren und unser Herz zum findlichen Gehorsam lenken, daß wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Laß den Satan und die böse Welt feine Macht, uns an Leib und Seele, an Gut und Ehre zu schaden, an uns finden! M. Christian Scrivers Segne mich heute an Leib und Seele, segne meine Haushaltung und Nahrung, laß mir in allen meinen Geschäften und Vornehmen Dein himmlisches Licht leuchten, Deine Kraft mich stärken, Deine Liebe mich dringen, Deine Furcht bei mir wohnen, daß ich in Gerechtigfeit wandele, meinen Taufbund stets vor Augen habe, meinen Nächsten mit aufrichtiger Liebe, mit Sanftmuth, Demuth, Freundlichkeit, Dienstwilligkeit und Wahrheit begegne und Deine Worte im Herzen habe: Wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihr ihnen auch. Erhalte mich bei Gesundheit Leibes und Gemüths, so lange ich hier wallen soll. Gieb, daß ich die Zeit, so ich hier noch zu leben habe, wohl und christlich anwende, zu Deines glorwürdigsten Namens Ehre, meines Nächsten Dienst und meiner Selbstbesserung. Gieb mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige richte! Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet und das Ziel, so Du mir in Gnaden gesetzt, erreicht habe, so verleihe mir nach Deiner großen Barmherzigkeit, um JEsu Christi willen, ein sanftes, fröhliches und seliges Ende. Laß mich, mein GOtt und Va214 Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. 215 ter! in der Versicherung Deiner Liebe und des himmlischen, ewigen Erbes, in Deiner seligen Gemeinschaft, HErr JEsu! durch wahren Glauben, in Deinem Trost, GOtt heiliger Geist! sanft und selig einschlafen. Mein allerliebster HErr JEsu! Du baft für uns Alle den Tod geschmeckt, ich bitte Dich um Deines blutigen Schweißes und Deiner heftigen Todes- Angst willen, stehe mir bei und hilf mir in meiner letzten Noth, lindere mir und hilf mir überwinden alle Angst und Schmerzen, bewahre mich vor schweren Anfechtungen des Satans und laß ihm nicht zu, daß er meine Seele in ihrem Abschiede beunruhige und betrübe. Behüte mich vor Ungeduld und Ungeberde, gieb mir die Gnade, daß ich alles Irdische willig und fröhlich verlasse und um bei Dir, mein JEsu! zu sein, mit Lust abscheiden möge; erfülle an mir alsdann Deine theure Verheißung, da Du versprochen, Du wolltest Deinen Schäflein, die Deine Stimme hören und Dir folgen, das ewige Leben geben, sie sollen nimmermehr umfommen und Niemand soll sie aus Deiner Hand reißen. Ach, so laß mich denn weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Greatur, von 216 M. Christian Scrivers Dir und Deiner Liebe scheiden, Amen, o HErr JEsu! Amen. Ich befehle Dir auch, mein GOtt! meine liebe Ehegenossin, danke Dir von Herzen, daß durch Deine gnädige Vorsehung Du sie mir zugeführt, unsere Herzen in keuscher, treuer Liebe verbunden und in Fried' und Ruhe erhalten und in währendem Ehestande viel Gutes an Seel' und Leib erwiesen haft; ach, laß sie nebst mir in Deiner Erkenntniß, in Deiner Liebe und in aller Gottſeligkeit immer wachsen, segne, bewahre und erhalte sie in guter Gesundheit und am Leben, weil ich lebe; laß fie ferner meine getreue Gehülfin und liebreiche Pflegerin sein bis an mein seliges Ende und wenn sie auch ihr Lebensziel nach Deinem Rath erreicht hat, so nimm ihre liebe Seele auf in die ewige Ruhe, daß wir vor Deinem Angesicht in himmlischer Liebe bei einander ewig leben mögen. Ich danke Dir auch, mein GOtt! daß Du unser keusches Ehebette gesegnet und uns verschiedene liebe, gesunde und wohlgestaltete Kinder gegeben. Du hast sie uns, mein Vater! gegeben und wir haben sie Dir wiedergegeben, wir opfern, heiligen und übergeben sie Dir von Herzen; laß sie Dein sein und bleiben in Zeit und Ewigkeit! Du hast sie, 217 Tägliches Haus- und Herzens- Opfer. mein GOtt, in der heiligen Taufe wiedergeboren, die Herrlichkeit Deiner Kindschaft ihnen geschenkt und sie zu Erben des ewigen Lebens verordnet; sie sind Deine Schäflein, HErr JEsu! die Du mit Deinem theuren Blute Dir erkauft haft; sie sind Dein Tempel und Eigenthum, GOtt, heiliger Geist! ach, erhalte sie in solcher Gnade allezeit, segne, heilige, erneure, erleuchte sie je mehr und mehr. Dämpfe die Erbsünde in ihnen, bewahre sie vor des Satans Trug und List, vor der Welt Aergerniß und Verführung, vor Sünden und allem Unheil! Laß sie in allen chriftlichen Tugenden und feinen Sitten aufwachsen und was Redliches und Nüßliches lernen, damit sie Dir, Deiner Kirche und ihrem Nächsten hinkünftig dienen können. Mache aus ihnen rechtschaffene, tüchtige, gottselige Leute, Werkzeuge Deiner Gnade, Gefäße Deiner Ehre und endliche Erben des Himmels und der ewigen Seligfeit. Ich befehle Dir endlich auch mein Gefinde und sämmtliche Hausgenossen. Ich danke Dir von Herzen, daß Du mich, der ich weiland Andern diente, nunmehr gewürdigt hast, von Andern, meinen Mitchristen, bedient zu werden. Ich danke Dir für alle Ehre, Liebe, Treue und Auswartung, die sie mir 218 M. Chr. Scrivers Haus- und Herzens- Opfer. täglich erweisen; erhalte sie in Deiner heiligen Furcht und Liebe, durch die Regierung des heiligen Geistes; bewahre sie, daß sie nicht vom Teufel, der Welt und ihrem Fleisch und Blute zum Ungehorsam, zur Widerspenstigkeit, Untreue, Unzucht und andern groben Sünden sich verführen lassen; gieb, daß sie mit Wohlthaten gegen Dich, unsern GOtt, und den Nächsten mir treulich dienen und sich selbst eine gute Stufe zur zeitlichen Wohlfahrt erwerben! Sorge für sie väterlich und versorge sie, einen jeglichen, wie Du es zu Deinen Ehren und ihrer Seligkeit gut befindest. Dieses Alles und was mir sonst nutz und selig, bitte ich von Dir, mein GOtt! im Namen Deines lieben Sohnes JEsu Chrifti, um deß willen Du es mir gegeben und mein Gebet erhören wollest nach Deiner Verbeißung, Deinem allerheiligsten Namen sei Lob, Preis, Ehr' und Dank, jetzt und in Ewigkeit, Amen. H Hierauf kann man sprechen die Litanei, und nächst dem Vater Unser mit folgenden Worten beschließen: Err GOtt Vater im Himmel, Du Schöpfer aller Dinge, erbarme Dich über uns und erhöre uns! 219 Benjamin Schmolkens Andachten. HErr GOtt Sohn, DuHeiland aller Welt, erbarme Dich über uns und bitte für uns! HErr GOtt, heiliger Geist, Du Tröster in aller Noth, erbarme Dich über uns und seufze in uns! O Du heilige, heilige, heilige und hochgelobte Dreieinigkeit! erbarme Dich über uns und sei uns armen Sündern gnädig, vergieb uns unsere Sünde, erhalte uns Dein reines seligmachendes Wort bis an's Ende der Welt und schenke uns Deinen zeitlichen und ewigen Frieden, Amen. Herrn Benjamin Schmolkens Morgen- Andacht eines Reisenden. Mein HErr und GOtt, HErr JEfu Chrift, Der Du Weg, Wahrheit, Leben bist, HErr! Deinen Namen will ich preisen, Wirst Du in Gnaden mit mir sein, Und meine Arbeit benedei'n, So soll Dich Mund und Herze preisen. Ott Vater, mein Schuß! Deine Gnade bricht über mir hervor, wie die schöne Morgenröthe! Du giebst einen hellen Schein in mein Herz von Deiner erbarmenden Liebe. Gott Benjamin Schmolkens In Deinem Licht sehe ich das Licht. Gelobet sei dafür Dein herrlicher Name, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergange. Sei mir aber auch heute ein Licht auf meinem Wege, den ich ziehen soll. Ich bin beide, Dein Pilgrim und auch Dein Bürger, wie alle meine Väter. Wo Du mich nicht leitest, so irre ich; wo Du mich nicht trägst, so falle ich; wo Du mich nicht schüßest, so leide ich Gefahr und Unglück. Darum leite mich mit Deinen Augen, gängele mich an Deinen Händen, bedecke mich mit Deinen Flügeln. Ich size oder stehe auf, so weißt Du es, ich gehe oder liege, so bist Du um mich und siehst alle meine Wege. Behüte mich vor bösen Menschen, bewahre mich vor gefährlichen Orten. Dein Stecken und Stab trösten mich. Sei in der Noth mein GOtt. 220 GOtt Sohn, mein Truß! Mit Dir troße ich allen Gefährlichkeiten, die mir heute begegnen können. Schreibe mir einen Paß zu meiner Reise in Deinem Blut und sprich wider alle meine geistlichen Feinde: Lasset diesen gehen. Du heißest Immanuel. Šei auch GOtt mit mir. Wo ich gehe und stehe, laß Deine süße Verheißung überall in meinen Ohren schallen: Fürchte dich nicht, Ich habe dich erlöset, Ich habe dich bei deinem Namen 221 Morgen- Andacht eines Reisenden. gerufen, du bist Mein. Soll ich demnach durch's Wasser gehen, so lasse mich die Ströme nicht ersäufen. Soll ich durch's Feuer gehen, so lasse mich die Flammen nicht anzünden. Unter Deinem Schirm sei ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Begegnet mir der höllische Esau, sei Du auch bei mir, wie bei dem verlassenen Jacob, und erlöse mich wie denselben aus allem Uebel. Deine Begleitung sei wie eine Feuer- und Wolkensäule, wie bei Israel in der Wüsten. Wenn ich wie ein Schiff auf den Wellen des Unglücks schwebe, so besuche mich, wie Deine Jünger auf dem Meer. So ich meinen Fuß nur werde hinseßen, da laß einen jeden Ort den Namen führen: Wahrlich, der HErr ist an dieſem Orte! GOtt, heiliger Geist, mein Trost! Tröste mich auf meinem heutigen Wege mit Deiner gnädigen Beiwohnung. Werde ich müde, so sei meine Kraft; werde ich furchtsam, so sei meine Freudigkeit; werde ich einsam, so sei mein Gefährte; werde ich von Finsterniß umgeben, so sei mein Licht; werde ich von Feinden verfolgt, so versichere mich in meinem Herzen, daß derer mehr sind, die bei mir, als die bei ihnen sind. Behüte den Leib vor Krankheit; bewahre die Seele vor Verfüh Benjamin Schmolkens rung; befreie das Gewissen vor Verletzung; geselle mich zu frommen Leuten; sei Du aber selbst mein getreuester Gefährte und mein bester Wegweiser. Laß mich das Meine wohl zu Rathe halten, meine Zunge beredtsam reden, meine Augen vorsichtig sein, und meinen Fuß nicht gleiten, damit ich nicht zum Fall komme. Bringe mich gesund und ungehindert an Ort und Stelle, wo ich zu schaffen habe, und segne meine Verrichtungen, daß ich fröhlich zurückkehre, woher ich kommen bin. Breite indessen Deine Flügel über die Meinigen. Sei Du Haus- und Schußherr bei den Verlassenen. Verleihe uns unter Deinem Aufsehen ein erfreutes Wiedersehen. Sollen wir aber auf dieser Welt durch dieses Scheiden geschieden werden, so laß uns deswegen nicht von Dir geschieden sein und dort im Himmel einander wiederfinden. Denn unser Wandel ist im Himmel, er wird auch zum Himmel sein. 222 Heilige Dreifaltigkeit! So erhebe denn über mich das Licht Deines Antlißes: In Deinem Namen mache ich mich auf den Weg. Laß mich vor Dir wandeln und fromm sein. Sei Du mein Schild und mein sehr großer Lohn. Wirst Du mit mir sein auf diesem Wege, so soll der HErr mein GOtt sein. Ich Morgen- Andacht eines Reisenden. will Dir einen Altar bauen in Deinem Hause und in meinem Herzen, und das soll mein Hallelujah sein: Gelobet sei der HErr täglich, Amen. 223 Segne, JEsu! wie ich bitte, Alle Tritte, alle Schritte, Aus- und Eingang segne Du, Leib und Seele woll'st Du segnen, Und mir überall begegnen, Wo ich etwas schaff' und thu', So reise ich mit JEsu gar fröhlich davon: So bleibet auch JEsus mein Schild und mein Lohn. Abend- Andacht eines Reisenden. Mein JEsus! kehre bei mir ein, Der Tag hat sich nunmehr geneiget; Laß Deinen Schooß mein Lager sein, Wenn Nacht und Feind mir Grauen zeiget, Wo Deine Hand die Wache hält, Da ist die Herberg' wohl bestellt. Du bist der Hirte bei den Schafen. Ach, laß Dein Schäflein sicher schlafen. Gott Vater, meine Hülfe! Bis hieher haft Du geholfen. Du bist der GOtt, der alle Hülfe thut, so auf Erden geschieht. Das erkenne ich mit meinem Herzen und preise es mit meinem Munde. Du hast mich heute auf meinen Wegen treulich geführt und väterlich versorgt, mächtig beschüßt und überall in den Benjamin Schmolkens Seilen der Liebe gehen lassen. Zeige mir auch hier einen sichern Ort, wo ich die matten Glieder erquicken und meine Kräfte wieder sammeln kann. Ich schwebe zwischen Noth und Tod. Allein, ich vertraue Dir, Du Hüter Israel. Aus Deiner Hand kann mich nichts reißen. Du wirst meinen Fuß aus dem Netz ziehen, daß ich errettet ganz fröhlich sagen könne: Hadere mit meinen Haderern, streite wider meine Bestreiter. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hülfe. Sei bei mir, wie bei einem Jacob auf seinem harten Lager; wie bei einem David in der finstern Höhle; wie bei einem Paulo in den Gefährlichkeiten zu Wasser und zu Lande; wie bei einem Petro in dem Gefängnisse. Wenn meine Pilgerschaft dermaleinst zu Ende ist, so gieb meinem Leibe eine stille Herberge im Grabe, meiner Seele aber die Einkehr in den Wunden meines JEsu! 224 GOtt Sohn, mein Begleiter! Du hast mich heute begleitet zur Rechten und zur Linken. Lege nun auch Deine Linke unter mein Haupt und schüße mich durch die Rechte Deiner Gerechtigkeit. Laß mich die Bürde der Sünde von meinen Schultern werfen, die mich diesen Tag über gedrückt hat, daß sie nicht zu einem harten Stein unter meinem Haupte werde. Abend- Andacht eines Reisenden. 225 Schaffe, daß ich mich lagere, und lagere auch Deine Engel um mich her, daß sie mir aushelfen. Laß keine List der Gottlosen unter der Decke der Finsterniß an mich kommen und decke mich in Deiner Hütte, verberge mich heimlich in Deinem Gezelte. Die Erde ist allenthalben Dein: ich bin an allen Orten vor GOtt; der Himmel ist überall offen über mir. Du wirst mich nicht verlassen noch versäumen. Du bist der Schild für mich, der mich zu Ehren setzt und mein Haupt aufrichtet. Du hast alle meine Härlein auf dem Haupte gezählt, Du wirst derselben feines lassen verloren gehen. In solchem Vertrauen werfe ich mein Haupt in Deinen Schooß und sage: Wer will mich von JEsu scheiden! GOtt, heiliger Geist, mein Beistand! Ach, zeichne mich heute in die Hände meines gekreuzigten JEsu. Ich denke wohl: O, möchte ich bis morgen leben! Aber ich lebe und weiß es nicht, ob ich das Tageslicht wieder sehen werde. Wie bald könnte sich die Herberge in eine Mördergrube und meine Lagerstatt in eine Wahlstatt verwandeln. Ach, so weiche nicht von mir, Du Geist des Raths, der Kraft und Stärke! Stärke mich wider alle Anfechtung dessen, der ein Mörder von Anfang ist. Ach, waffne mich mit Glauben und mit Ge15 Benj. Schmolt. Benjamin Schmolkens 226 bet wider alle Bosheit seiner Schuppen. Treibe Du alles Unglück hinter mich. Warne mich, wie dorten die Weisen aus Morgenland, wenn Gefahr vorhanden. Sollte aber auch an diesem Ort der Grenzstein aller meiner Wallfahrt sein, so führe mich durch die Wunden meines JEsu aus der Fremde in's Vaterland; von Jericho nach Jerusalem, aus der Pilgrimschaft zur himmlischen Bürgschaft. Heilige Dreifaltigkeit! Das Verlangen der Elenden hörst Du, mein Herz ist gewiß, daß Dein Ohr darauf merkt. Wende Dich auch zum Gebet der Verlassenen, und verschmähe an diesem Abend ihr Gebet nicht. Breite Deine Güte über sie. Sei ihr Licht und Heil, daß sie sich nicht fürchten dürfen. Gieb sie nicht in den Willen ihrer Feinde. So soll unsere fröhliche und gesunde Zusammenkunft Deines Ruhms voll werden. Ich aber schlafe nun, Du wirst wachen, Du Aug' und Wächter Israel! Amen. Und so schlaf' ich nun in Friede, Von der Reise matt und müde, GOttes Engel steh'n bei mir, Ja, mein JEsus ruht im Herzen, Also fürcht' ich keine Schmerzen, Jakobs Leiter lieget hier. Und wenn mir gleich sollte vom Tode was träumen, So werd' ich den Himmel nicht drüber versäumen.. Morgen- Andacht eines Kranken. Morgen- Andacht eines Kranken oder andern Kreuzträgers. Betrübte Nacht weicht nun dem Tage, Du aber, JEsu! sei das Licht, Wenn auch der Tag mir wird zur Plage, Daß mir's am Troste nicht gebricht. Ich leide, weil Du selbst gelitten, Nur gieb Geduld, das ist mein Bitten. 227 Ott Vater, mein Erbarmer! O, wie groß ist doch Deine Barmherzigkeit, die mich Aermsten auch in dieser elenden Nacht erhalten hat. Wenn diese nicht gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elend. Deine Güte ist es, daß ich nicht gar aus bin, meine Augen wurden gehalten, daß sie nicht schlafen konnten. Der Schmerz ging durch alle meine Gliedmaßen. Meine Seele war voll Jammers und mein Leben gleichsam nahe bei der Hölle. Ich suchte Ruhe und fand sie nicht. O, hätte ich bald gedacht: Ist der HErr mit mir, warum ist mir solches Alles widerfahren? Doch hast Du Dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Die Laft hat mich wohl drücken, aber nicht unterdrücken können. Du hast mich wohl gezüchtigt, aber nicht dem Tode übergeben. Darum preise ich Dich auch jetzt in meinen Thrä15* 228 Benjamin Schmolkens nen. Du, HErr! verstoßest nicht ewiglich. Du betrübst wohl, aber Du erbarmst Dich auch wieder nach Deiner großen Güte. Ich weiß aber auch, daß ein jeder Tag wird seine Plage haben. Das Kreuz liegt schon bei meinem Bette, das ich heute auf meine Schultern nehmen soll. Laß aber auch den Zucker Deiner Liebe in den Wermuth- Kelch fallen, den Du mir eingeschenkt hast, wenn es gar nicht möglich ist, daß er bei mir vorübergehe. Lasse mich nicht versucht werden über mein Vermögen, sondern schaffe, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ich's ertragen könne. Wenn Du mich schon tödten willst, so will ich doch auf Dich hoffen. GOtt Sohn, mein Vorgänger! Ich bin Dein Jünger( Deine Jüngerin), Du mein Haupt, ich ein Glied Deines Leibes, wie kann mir's besser gehen, als Dir. Welch' eine elende Nacht hattest Du um meiner Sünde willen. Sollte ich mich Deiner blutigen Fußstapfen schämen, die Du so willig getreten haft? Sollte ich wünschen, auf Rosen zu ruhen, da du, mein König, mit Dornen gefrönt bist? Du hast alles mein Leiden geheiligt, wie sollte es mir nicht zum Besten dienen? Deine Maalzeichen sind meine Siegeszeichen. Besser ist es, mit Dir leiden, als 229 Morgen- Andacht eines Kranken. in der Welt ohne Dich in Freuden leben. Ach, so laß mir nach der Nachttraurigkeit die Sonne Deines Trostes an diesem Morgen aufgehen. Du bist der Arzt des Leibes. Wenn weder Kraut noch Pflaster hilft, so ist Dein Wort, HErr! welches Alles heilet. Heile Du mich, HErr! so werde ich heil, bilf Du mir, HErr! so ist mir geholfen. Du bist der Arzt der Seelen. Heile Du mein verwundetes Gewissen. Reinige mich vom Aussazze der todten Werke. Nimm von mir die Blindheit des Verstandes. Befreie meine Zunge von den Banden des faulen Geschwäßes. Deffne meine Ohren von Deiner Bußstimme. Brich doch mein Herz durch Deine göttliche Traurigkeit. Reiß' mich aus den Klauen des Satans. Siehe hinein in die Tiefe meines Elendes. Ich rufe an die Tiefe Deiner Barmherzigkeit. Doch, HErr! nicht wie ich will, sondern wie Du willst. Ich will gerne Deinen Zorn tragen, denn ich habe wider Dich gesündigt. Ist mir dieses Kreuz ( diese Krankheit) seliger, ach, so unterwerfe ich mich demselben geduldig und sage: Ich will schweigen, Du wirst's wohl machen. GOtt, heiliger Geist, mein Tröster! Ich dachte wohl, mein Bette sollte mich trösten, aber um Trost war mir sehr bange. Ich Benjamin Schmolkens heulete und meine Hülfe war doch ferne. Wiewohl mein Jammer groß ist, bat er mir doch nicht die Empfindung Deines Trostes rauben können. Du bist in der Schwachheit meine Stärke, in der Nacht mein Licht, im Tode mein Leben gewesen. Ach, Du göttliche Kraft, ohne Dich werde ich auch die heutigen Trübsale nicht ertragen können. Ach, gieb mir doch zuvörderst eine heilsame Erkenntniß der Liebe GOttes, welche sich in meinem Kreuz offenbart. Je lieber Kind, je schärfer ist die Ruthe. Ach, wirke in meiner Seele heilige Geduld und Hoffnung, welche sind köstlich vor GOtt. Laß mein Kreuz die selige Kraft haben, mich von der Welt loszureißen und an's Kreuz Chrifti zu heften. Segne geistliche und leibliche Arzenei zu einer heilsamen Genesung. Zeige mir auf dem Boden des bittern Kelches Deine Hülfe. Tröste mich in aller Trübsal mit der Herrlichkeit, die dermaleinst an mir soll offenbart werden. Bringe endlich meinen Jammer und Elend zu einem seligen Ende. 230 Heilige Dreifaltigkeit! ich opfere Dir mein betrübtes Herz. Ich weiß, daß Du am allermeisten Lust hast, in solchen Herzen zu wohnen. Starfer GOtt! stärke mich. Gnädiger GOtt! heile mich. Trostreicher GOtt! tröste 231 Abend- Andacht eines Kranken. mich. Es sei zum Leben, oder zum Sterben. Dein Wille ist der beste. Erlöse mich endlich von allem Uebel. Indessen sei heute und allezeit mit mir. Mit mir in's Kreuze, durch's Kreuze, aus dem Kreuze. Das Kreuze beut mir guten Morgen, Ich heiß' es auch willkommen sein; Und laffe meinen IEsum sorgen, Der mich mit Troste wird erfreu'n, Daß auch der allerschlimmste Tag Bei mir ein guter heißen mag. Abend- Andacht eines Kranken oder andern Kreuzträgers. Die Tages- Laft ist wohl dahin, Da ich noch an dem Kreuze bin, Wer weiß, ob meine Noth die Nacht Nicht auch zu einem Tage macht? Jedoch, es geh' mir, wie GOtt will, Geduld und Hoffnung ist mein Ziel. Gott Ott Vater, mein Licht und mein Heil! Wie traurig sieht die gegenwärtige Nacht aus; aber wie viel trauriger ist mein Herz unter dem Kreuze, das mich noch immer drückt. Der Tag ist wobl zu Ende, aber nicht mein Leiden. Du weißt es besser, als ich's erzählen kann. Ich kann und will mich nicht unschuldig machen, als ob ich solches nicht verdient hätte. Benjamin Schmolkens Wer wider seinen Schöpfer fündigt, der muß dem Arzt in die Hände fallen. Es ist meine Bosheit schuld, daß ich also gestäupt werde. Aber ich weiß auch, daß Du diejenigen lieb haft, die Du strafft und züchtigst. Also will ich Deine Zucht nicht verwerfen und nicht ungeduldig sein unter Deiner Strafe. Legst Du mir diese Last auf, ach, so hilf mir auch. In Deinem Zorne hast Du mich geschlagen; aber nach Deiner Gnade erbarme Dich wieder über mich. Verbinde, was Du verletzt haft; Deine Hand heile wieder, was sie geschlagen hat. Beruhige mich auch mitten in der Unruh' der gegenwärtigen Nacht und laß mich durch Stillesein und Hoffen stark werden. Verläsfest Du mich einen kleinen Augenblick, so sammle mich auch wieder mit großer Barmherzigkeit. GOtt Sohn, mein Licht und Leben! Du hattest ein hartes Lager, dort am Delberge, bei Deiner einbrechenden Kreuzesnacht. Ich lege mich und weiß wohl, daß ich auch heute mein Lager mit Thränen beneßen werde. Aber Du bist der Trost aller Traurigen. Deine heiligen Thränen, Dein ausgepreßter Angstschweiß und Deine geronnenen Blutstropfen sollen mein mattes Herz bespritzen und erquicken. Ich will in dieser Nacht auch 232 Abend- Andacht eines Kranken. 233 gern mit den betrübten Jammerstunden vorlieb nehmen, verkürze mir nur die Zeit mit Deinem so geduldig leidenden Leibe. Tröste mein erschrockenes Gewissen, daß ich in Dir Friede habe. Wenn ich gedenke, ich sei von Deinen Augen verstoßen, so sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hülfe. In Deiner Hand steht Leben und Tod. Sprich nur ein Wort, so wird Dein Knecht( Deine Magd) gesund. Soll ich aber sterben, ach, so laß von mir ab, daß ich mich erquicke, ehe ich hinfahre: Du bist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn. In Deine Hände befehle ich meinen Geist, Du hast mich erlöset, HErr! Du mein getreuer GOtt. GOtt, heiliger Geist, mein Licht und Trost! Was soll ich für Freude haben, der ich hier im Finstern size, HErr! weß soll ich mich nun trösten! Ich hoffe auf Dich. Laß das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Furcht und Zittern ist mich angekommen und Grauen hat mich überfallen. Ich winsele wie ein Kranich und girre wie eine Taube. Ich leide Noth, lindere mir's. Thue nicht von mir Deine Gnadenhand ab. Habe Geduld mit meiner Schwachheit. Erquicke mich mit Deinen Tröstungen. Wenn ich müde von Seuf 234 Benjamin Schmolkens zen bin, so seufze Du in meinem Herzen. Stehe bei mir, getreuester Beistand, und wollten mir diese Nacht meine Augen verdunkeln, so erleuchte mein Herz mit der Klarheit meines HErrn JEsu. Ich bitte Dich durch Christi Blut, mach' nur mein letztes Ende gut. Thue mir die Himmels- Thüre weit auf, wenn ich beschließe meinen Lebenslauf. Soll ich aber noch länger unter dieser Ruthe bleiben, ach, wirke Geduld in meiner Seele. Vielleicht heißt es auch: des HErrn Zorn währt einen Augenblick und Er hat Lust zum Leben. Den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens die Freude. Heilige Dreifaltigkeit! Herrscher über Tod und Leben. Ich bin bereit. Komm heut oder morgen. Mitten im Leben mit dem Tod umfangen. Heiliger HErre GOtt, heiliger, starfer GOtt, heiliger, barmherziger Heiland, Du getreuer GOtt! Laß mich nicht versinken in der bittern Todesnoth, laß mich nicht verzagen in der tiefen Höllengluth. Ach, laß mich nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Indessen zeige mir auf meinem Kreuz- Bette den Schooß Abrahams und in meiner Trübsal des Himmels Labsal. Amen. Nun mag ich schlafen oder wachen, Mein GOtt wird es erträglich machen, Vorbereitung zum Tode. Ich werfe meine Noth auf Ihn; Und sollt' ich gar im Kreuze sterben, So muß ich doch den Himmel erben, Weil ich ein Kind des Höchsten bin; Die längste Nacht muß doch verschwinden, Die größte Noth ein Ende finden. 235 Tägliche Vorbereitung zum Tode. Der Tod ist wohl gewiß, Doch ungewiß die Stunde, Mein GOtt! verleih' mir dies, Daß ich aus Herzens- Grunde Stets um ein selig's Ende bete, Dem Grabe täglich näher trete. Gott Vater! Du haft mir Leib und Seele gegeben, doch also, daß ich Dir beides einmal wieder geben muß. Der Tag, da ich sterben muß, wird so gewiß kommen, als der heutige, und ich bin feinen Augenblick sicher, ob er nicht der letzte sei. Ich gehe aus meinem Hause und weiß nicht, ob ich wieder darein kommen werde. Ich fange ein Werk an und weiß nicht, ob ich's vollenden werde. Ich sehe mich zu Tische und weiß nicht, ob vielleicht der Tod in den Töpfen sei. Ich lege mich schlafen und weiß nicht, ob ich wieder aufstehen werde. Der Tod folgt mir auf 236 Benjamin Schmolkens allen Schritten, er isset mit aus der Schüssel, er liegt bei mir im Bette, ich trag' ihn in meinem Busen. Ich bin geboren zum Tode und werde sein nicht los, bis ich begraben bin. Da nun mein Tod so unvermeidlich, die Stunde aber meines Todes so ungewiß ist, so erinnere mich täglich meines Abschiedes, daß mich dieser Fallstrick nicht übereilen möge. Habe ich kein Theil in der Welt, so laß mich bei Zeiten allem Irdischen entsagen. Reiße aus meinem Herzen alle Sorgen dieses Lebens und gieb, daß ich mich um nichts mehr bekümmere, als wie ich Dir gefallen möge. Schaffe, daß ich mein Gewissen reinige von den todten Werken und mich der Tod in keinen herrschenden Sünden finden möge. Laß mich Buße thun in Staub und Asche, ehe Du mich in den Staub legst, daß, wenn mein Grab vor mir ist, auch meine Sünde immer vor mir sei und ich mich ernstlich bemühen möge, mich dem Leibe dieses Todes zu entreißen. Ich befehle Dir meinen Geist immer in Deine Hände. Weil ich nicht weiß, zu welcher Zeit, an welchem Orte und auf was für Art und Weise der Tod mir begegnen wird, so stelle ich Alles Deiner heiligen Vorsicht heim. Siehe, hier bin ich, mache es mit mir im Leben und im Sterben, Vorbereitung zum Tode. 237 wie es Dir gefällig und mir selig ist. Dein bin ich todt und lebendig. GOtt Sohn, Du hast mich erlöset, Du getreuer GOtt, auch vom Tode; doch also, daß ich sterben muß. Wohl mir aber, daß Du auch vor mir und für mich gestorben bist. O, lasse mich täglich Deines Todes gedenken, so werde ich meines Todes nicht vergessen. Laß mich unter Deinem Kreuze recht sterben lernen. Kreuzige mein Fleisch und laß mich auch der Welt gekreuzigt sein, daß ich nicht im Fleische lebe, sondern durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödte; daß ich mich nicht in die Welt verliebe, sondern verleugne, was in der Welt ist. Deffne mir Deine Wunden zu allen Stunden, daß mich der Tod sonst nirgends finde, wenn er mich suchen wird. Hefte mich mit Nägeln der Liebe an Dein Kreuz, daß mich auch der Tod nicht davon reißen möge. Erwecke in mir einen brünstigen Durst nach meiner Seligkeit und nach Deiner Herrlichkeit, daß mich keine Bitterfeit des Todes schrecken möge. Dein Blut sei immer das Zeichen an meiner Stirne und die Beilage an meinem Herzen, daß Du mich kennen mögest, wenn mich der Tod vor Dein Gericht stellt. Laß mein letztes Wort Deinen süßen Namen sein, meinen letzten Blick in Benjamin Schmolkens Deine offene Seite gehen, so werde ich auch den Himmel offen finden, wenn ich die Welt gesegnen werde. GOtt, heiliger Geist! Durch Dich bin ich zum geistlichen Leben kommen, daß ich des ewigen Lebens theilhaftig würde. Aber lehre mich bedenken, was für ein elendes Ding es um mein Leben sei. Das Letzte ist doch der Tod. Laß aber den Tod immer das Erste in meinen Gedanken sein. Gieb, daß ich täglich sterbe. Ob ich gleich noch im Leibe walle, so laß mich doch immer mit meinem Geiste im Himmel sein. Ich bin hier ein Fremder, erwecke in mir eine sehnliche Begierde nach dem himmlischen Vaterlande. Ich habe vor mir eine schwere Reise, laß mich bei Zeiten die Bürde der Sünde abwerfen. Durch den Tod ist die Sünde in die Welt kommen; aber wehe mir, wenn ich mit der Sünde in den Tod gehen wollte. Zerknirsche mein Herz täglich, daß es zum Tode mürbe werde. Zeuch mir durch wahre Buße die Sünderkleider ab und kleide mich in den Rock der Gerechtigkeit Christi; das wird ein schöner Sterbefittel sein, darin werde ich bestehen, wenn ich vor GOtt treten soll. Erhalte mich in einem heiligen Wandel und laß mich sterben des Todes der Gerechten. 238 239 Gebet eines Kranken. Heilige Dreifaltigkeit! Du läsfest die Menschen sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenfinder. Laß mich nur Dir leben, so werde ich auch Dir sterben. Du bist mein Leben, und Sterben wird alsdann mein Gewinn ſein. Amen. An einem kleinen Augenblicke, Hängt ewig's Wohl und ewig's Weh. Hilf, GOtt! daß, wo ich geh' und steh', Ich stets mein Grab vor mir erblicke. Wohl dem, der täglich sterben kann, Der trifft im Tod das Leben an. Gebet eines Kranken. HErr! heile mich in Gnaden, Denn ich bin schwach und krank, Und lind're meinen Schaden, So opf're ich Dir Dank. Hilf mir so, wie mir selig ist, So hab' ich Dich zum Arzt erkiest. GOtt Vater! Ich fühle Deine Ruthe. Kein Wunder, daß Du ein ungehorsames Kind züchtigst. Es ist meiner Bosheit Schuld, daß ich also gestäupt werde. Wäre ich meinem Schöpfer nicht ungehorsam gewesen, so dürfte ich dem Arzt nicht in die Hände fallen. Die Sünde ist der Leute Verderben. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor Deinem Drauen und ist kein Friede in meinen Gebei 240 Benjamin Schmolkens nen vor meiner Sünde. Wo soll ich Hülfe suchen, da ich meinen GOtt erzürnt habe? Aber ich küsse Deine Ruthe. Es ist mir lieb, HErr! daß Du mich gedemüthigt hast, daß ich Deine Rechte lerne. Nun, mein GOtt! züchtige mich doch mit Maßen, daß Du mich nicht gar aufreibest. Wenn Du mich gleich tödten wolltest, so will ich doch auf Dich boffen. Heile Du mich, HErr! so werde ich heil, hilf Du mir, HErr! so ist mir geholfen. Erquicke mich unter meiner Last und laß mich wieder Lust an Deiner Gnade sehen. Und heilt mich weder Kraut noch Pflaster, so ist ja Dein Wort, welches alles heilt. Doch Alles nach Deinem Willen! Denn ich bin frisch oder krank, laß mir beides zum Besten dienen. GOtt Sohn! fürwahr, Du trugst unsere Krankheiten. Du bist auch der Arzt Iſrael. So nehme ich auch meine Zuflucht zu Deiner Liebe und Barmherzigkeit. Du kannst verwunden, aber auch verbinden; tödten, aber auch lebendig machen. So Du willst, kannst Du mich wohl heilen. JEsu, liebster Meister! erbarme Dich meiner. Um Deiner Schmerzen willen lindere Du meine Schmerzen. Dein Name, wenn ich ihn anrufe, sei wie eine ausgeschüttete Salbe. Dein Wort, Gebet eines Kranken. wenn ich mich damit tröste, ergötze meine Seele. Sei mir nicht schrecklich, meine Zuversicht, in der Noth. Weiche nicht von mir, stärke mich, hilf mir aus durch die Rechte Deiner Gerechtigkeit. Vergieb mir alle meine Sünden, heile alle meine Gebrechen, errette mein Leben vom Verderben. Kröne mich mit Gnade und Barmherzigkeit. Soll ich länger leben, so will ich Dir leben und Deinen Namen loben und Deine Rechte lieben. 241 GOtt, heiliger Geist! sei durch Deine Kraft in mir Schwachen mächtig. Vertritt mich in meinem Herzen mit unaussprechlichem Seufzen. Bewahre meine Seele vor aller Ungeduld. Laß mich nicht hinweggerafft werden mit den Sündern. Leide ich am Fleische, so stärke mich im Geiste. Befördere durch des Leibes Krankheit die Gesundheit der Seele. Jage mich durch dieses Kreuz zu GOtt. Lehre mich in dieser Noth beten. Führe mich durch diese Schwachheit zur Erkenntniß meiner selbst. Verzeihe mir durch diesen Kreuzkelch die Sünde. Verbittere mir durch dieses Elend die Welt. Ist meine Krankheit nicht zum Tode, so sei sie zur Ehre GOttes, zu meiner Besserung, zu Deiner Verherrlichung durch Stille sein und Hoffen, laß mich indessen Benj. Schmolt. 16 242 Benjamin Schmolkens stark sein, bis Dein gnädiger Wille an mir wird erfüllt sein. Heilige Dreifaltigkeit! Ich ergebe mich in Deinen heiligen Willen. Von Dir hab' ich das Leben, willst Du mir dasselbe fristen, so sollst Du mein GOtt sein und ich will Dir dienen mein Lebenlang. Willst Du mir aber auch dasselbe wieder nehmen, so will ich mit Hiob sagen: Der HErr hat es gegeben, der HErr hat es genommen. Der Name des HErrn sei gelobt. Weil ich doch ein besser Leben hoffe, da ich nicht mehr sterben werde. Amen. Lind're, JEsu! meine Schmerzen, Und nimm meine Noth zu Herzen, Hilf mir, wie Du willst und weißt, Daß es gut und selig heißt. Gebet bei harter und langwieriger Krankheit. Ach, hast Du mein vergessen? Mein Herz vor Aengsten bricht, Und will mir Thränen pressen, Weil mich die Noth anficht; Ach! sieh' doch einmal drein, Erhör' der Armen Schrei'n. Gott Ott Vater, hast Du denn vergessen, mein Vater zu sein, der sich über Seine Kin Gebet eines Kranken. der erbarmet! Will Dein Herz nicht mehr brechen? Da lieg' ich auf meinem Krankenbette und Du legst Deine Hand hart auf mich. Mein Saft ist vertrocknet meine, Kraft hat mich verlassen, ich bin ausgeschüttet wie Wasser, mein Herz ist in meinem Leibe verzehrt. Ich heule, aber meine Hülfe ist ferne. Ich rufe und Du antwortest nicht. Deine Pfeile stecken in mir, Deine Hand drückt mich. Ach, Du HErr, wie lange. Wende Dich doch und errette mich. Nach Dir, HErr! verlangt mich, mein GOtt! ich hoffe auf Dich. Habe ich Deinen Zorn gereizt durch meine großen Sünden, so laß Dich doch zur Gnade bewegen durch Deine übergroße Barmherzigkeit. Leide ich billig, weil ich Dich beleidigt habe, so hat ja Dein Sohn unschuldig gelitten, daß Du wieder versöhnt würdest. Erbarme Dich, erbarme Dich, GOtt, mein Erbarmer, über mich. Was bin ich denn? Ein armer Wurm und wurde Deine Barmherzigkeit nicht überschwenglicher sein, wenn Du mich schontest, als Deine Gerechtigkeit, wenn Du mich zertreten wolltest? Laß von mir ab, daß ich mich erquicke, ehe ich hinfahre. Und soll ich unter dieser Last erliegen, so laß mich doch auch Luft an Deiner Gnade sehen. Willst Du mir nicht Besserung verleihen, ach, so gönne mir 16* 243 Benjamin Schmolkens doch nur Linderung! Soll ich nicht wieder gesund werden, ach, so laß mich doch bald erlöset werden. Doch Dein Wille geschehe, der ist der beste. 244 GOtt Sohn! willst Du das Girren Deiner Taube, meiner geängsteten Seele, nicht hören? Du hast ja noch ein Bruder- Herz; willst Du Deines Fleisches und Blutes vergessen? Der elenden Nächte sind mir viel worden. Wann wird der Tag des Heils kommen? Mein Gebein flebt an meinem Fleisch vor Heulen und Seufzen, wann willst Du meine Noth lindern? Ich stimme mit Dir an meinem Kreuze an: Mein GOtt, mein GOtt, warum hast Du mich verlassen? Verlaß mich doch nicht, HErr, mein GOtt! Sei nicht ferne von mir. Eile, mir beizustehen, HErr, meine Hülfe. Ist kein Pflaster in Gilead, so ist ja Balsam in Deinen Wunden. Ist keine Hülfe bei Menschen, so bist Du ja der Trost Israels und mein Nothhelfer. Sprich doch nur ein Wort, so wird Dein Knecht( Deine Magd) gesund. Ich lege mich in meinem Kreuz auf Dein Kreuz. Ich werfe mich an Dein treues Herz, wie ich vom Mutterleibe auf Dich geworfen bin. HErr, ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn. Laß mich doch die sanfte Stimme hören: Ich 245 Gebet eines Kranken. will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, ich hoffe auf Dich, Du wirst, Du willst, Du mußt mich hören. Ach, ich will auch nicht anders erhört sein, als wie es Deine Ehre und mein Bestes ist. Soll ich diesen Kreuz- Kelch noch länger trinken, versüße ihn mit Deiner Liebe, weil auch die frank liegen, die Du liebst. Ja, gieb mir christliche Geduld, daß ich es wohl fühle, wenn Du mich schlägst, aber nicht murre wider Dich; daß ich mit Beten anhalte, was Du über mich zu meiner Seligkeit beschlossen hast. GOtt, heiliger Geist! Ach, sei mit meinem Geiste, der in mir geängstet ist. In dem Leibe dieses Todes weiß ich nicht, wessen ich mich trösten soll. Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Glend und vergieb mir alle meine Sünde. Ach, die Sünde ist es freilich, die ein Mord in meinen Beinen ist. Mein Gewissen sagt es mir, ich hab' nicht nur diese zeitliche, sondern auch ewige Strafe verdient. Du solltest mich billig in die Hölle betten und mich von Deinem Angesicht verstoßen. Aber ich schwemme in mein Bette die ganze Nacht und neße mit Thränen mein Lager. Meine begangenen Sünden reuen mich, der Gnade GOttes tröste Benjamin Schmolkens ich mich. Zürne Du nicht ewiglich. Laß die Gebeine fröhlich werden, die Du zerschlagen hast. Verberge Dein Antlig vor meiner Sünde, nicht aber vor meinen Thränen. Versichre mich nur der Gnade GOttes, alsdann schlage so lange, so lange Du willst. Mache mein Kreuz zu einem Zeichen Deiner Liebe, so trage ich's mit Geduld. Segne alle heilsamen Mittel, so rühme ich Dich in Deinen Werken. Richte mich auf, wo es in Deinem Rath beschlossen ist. Nimm mich aber auch weg, wo es mir rathsam ist, der Tod ist besser, als ein fieches Leben. Viel lieber heute als morgen, so bin ich ewig gesund. Heilige Dreifaltigkeit! Aus der Tiefe meines Elendes rufe ich zu dem Abgrunde Deiner Barmherzigkeit. Ach, hilf mir, HErr, um Deines Namens willen! Errette mich aus der Noth um Deiner Güte willen. Ich werfe mein Anliegen auf Dich, Du wirst es wohl machen. Soll ich hier das Elend noch länger bauen, so wirst Du meine Kraft sein. Soll ich aber durch diesen Kreuzweg aus der Welt gehen, so wirst Du im Himmel mein Theil sein. Amen. 246 Reiche Deine Hand mir Schwachen, Starter GOtt! erhöre mich, Meine Seele hofft auf Dich, Gebet eines Kranken. Du wirst Alles besser machen. Wird es auch nicht besser hier, Ist das Beste doch bei Dir. 247 Gebet eines Kranken zum Tode. Genug, mein GOtt! ich sehne mich Nunmehr nach einem bessern Leben, Ich will mich willig drein ergeben. Mein JEsu! warum säumst Du Dich? Zerreiße doch des Elends Kette, Mein Siechbett ist ein Siegesbette. 60tt Ott Vater! ich merke es wohl, Dein Kind soll in's Vaterland kommen. Es steht ein harter Bote vor meinem Bette. Meine Krankheit wird sich nicht eher, als mit einem seligen Tode enden. Will ich doch gerne mit ihm fort, je länger hier, je später dort. Aber Sterben ist nicht Rosen brechen. So stärke mich doch mit Deiner Kraft, daß ich mit diesem letzten Feind alle anderen überwinden möge. Es wird nicht nur der Schmerz größer, da der Tod an's Herz kommt, meine Seele ist auch betrübt bis in den Tod. Nun denke ich an die Menge meiner Sünden; aber denke Du an die Größe Deiner Barmherzigfeit. Mein Glaube ist ein kleines Docht, aber lasse es nicht auslöschen. Der Satan will mich, wie den Weizen, sichten; aber stopfe 248 Benjamin Schmolkens Du ihm seinen Rachen. Der Tod will mir zu einem Könige des Schreckens werden; aber tritt Du ihn unter meine Füße. Die Thränen meiner Verlassenen wollen mir das Herz brechen, aber sorge Du für sie. Laß mich nun nicht entfallen von des rechten Glaubens Troft. Ich glaube feftiglich, daß ich nach Deiner Verheißung bald sehen werde das Gute des HErrn im Lande der Lebendigen. Eia, wäre ich schon da! GOtt Sohn! denke nun an mich in Deinem Reiche. Jetzt liege ich noch am Delberge. Dein Blutschweiß versüße meinen Todesschweiß. Dein Todeskampf helfe mir ritterlich ringen. Dein Angst- Geschrei eröffne meinen letzten Seufzern den Himmel, öffne mir das Paradies in Deinen Wunden und entbinde meine Sünden mit Deinen Banden. Vertritt mich mit Deinem Seufzen. Labe mich mit Deinem Durst. Mache mir Deinen Essigtrunk zu einem Vorschmack des ewigen Lebens. Nimm meine Seele in Deine Hände. Dein Name sei mein letztes Wort. Nun nichts mehr als JEsus. JEsus, meiner Augen Licht im Schatten des Todes. JEsus, meines Herzens Theil, auch wenn Leib und Seele verschmachten. Nur JEsus, mein JEsus! HErr JEsu, Dir leb' ich, HErr Gebet eines Kranken. 249 JEsu, Dir sterb' ich! HErr JEsu, Dein bin ich todt und lebendig. HErr JEsu, in Dir bin ich gerecht und selig, Amen, ja komm, HErr JEsu, Amen. GOtt, heiliger Geist, mein Trost im Leben! Mein Troft nun auch im Sterben. Bewahre meinen Glauben bis an's Ende, erleuchte meine Augen, wenn ich auch im Tode ent= schlafe. Versiegele in meinem Herzen JGsum, wenn es brechen wird. Mache mir des Todes Angesicht lieblich, meine Geberden sonderlich, mein letztes Wort und Seufzer erhörlich. Schreie in meinem Herzen, wenn ich nicht mehr schreien kann, und wenn aller menschliche Trost verschwindet, so tröste Du mich innerlich mit Deiner Kraft. Neige ich mein Haupt, so neige Du den Himmel zu mir, und wenn der letzte Augenblick vorhanden ist, so laß die Engel meine erlöste Seele in Abrahams Schooß bringen. Erquicke sie alsdann bei den reinen Geistern mit ewiger Freude, mit süßem Frieden. Sprich auch zu meinem Leibe: ruhe von deiner Arbeit! und laffe an jenem Tage beide vor dem Stuhl des Lammes auf's Allerherrlichste vereinigt werden. Heilige Dreifaltigkeit! Segne meinen Ausgang aus der Welt, segne meinen Eingang Benjamin Schmolkens in den Himmel, von Dir hab' ich Leib und Seele, Dir gebe ich sie wieder. Gieb mir aus Gnaden, was Du mir verheißen hast, den Himmel. So fahre ich aus dem Leide zur Freude. So komme ich zu meinem GOtt, der mich erschaffen, der mich erlöset, der mich geheiligt hat. Heiliger HErr GOtt! Hei liger, starfer GOtt! Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger GOtt! Laß mich nicht versinken in der lezten Todesnoth; Kyrie Eleison, Christe Eleison, Kyrie Eleison. Amen, Amen, Amen! 250 Amen! GOtt erhöre mich, Nun ist mir nichts hinderlich, Welt, dir sag' ich gute Nacht, Denn mein Lauf ist nun vollbracht. Eile, liebe Seele, fort, Aus den Thränen an den Port; Nun mag Aug' und Herze brechen, Ich will nur noch JEsus! JEsus! JEsus! sprechen. Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden, wenn er nicht mehr beten kann. HErr, ach HErr! erbarme Dich Ueber Dein Kind in Genaden; Laß den Tod bald seliglich Es von aller Laft entladen. Ach, verkürz' ihm alle Pein, Laß es doch bald bei Dir sein. 251 Gebet eines Kranken. Gott Ott Vater! Wir, Deine Kinder, legen diesen sterbenden Menschen an Dein våterliches Herz. Wasche alle seine Sünde ab mit dem Blute Deines lieben Sohnes. Laß ihn die kräftigen Fürbitten JEsu Chrifti genießen in der Stunde seines Todes. Sei sein Stecken und Stab in dem finstern Thale des Todes. Erhalt' ihn wider die Anklage des Gewissens und stärke ihn wider die Anläufe des Teufels. Deffne ihm die Thür des Himmels und führe ihn aus allem Jammer zu der ewigen Freude, durch den Tod in's ewige Leben. GOtt Sohn! Wir legen dieses sterbende Schäflein in Deinen Schooß, an Dein treues Hirten- Herz; führe es zur ewigen Freude und Weide. Die Seele, die Du mit Deinem theuren Blute erkauft hast, bringe zum Erbtheil der Heiligen im Lichte. Du bist allein die Thüre zum Leben, laß sie durch Dich eingehen und selig werden. Sättige sie nun im Himmel mit langem Leben, zeige ihr Dein Heil. Laß kein einziges von Deinen Blutströpflein an ihr verloren sein. Nimm sie in Deine Hand, daß sie keine Qual anrühre. GOtt, heiliger Geist! Breite Deine Flügel über dieses Dein Küchlein. Bezeuge die Kindschaft GOttes in seinem Herzen und Benjamin Schmolkens versiegele in ihm die Beilage des ewigen Lebens. Es ist dieser Christ Dein Tempel gewesen, laß ihn nun kommen in den Tempel des Friedens. Heilige uns durch und durch und bringe ihn in's Allerheiligste, das droben ist. 252 Heilige Dreifaltigkeit! Wir arme Sünder bitten: Du wollest diesem Sterbenden alle Schmerzen verkürzen und ihm nach diesem Elende ein Leben in der Ewigkeit geben. Erhöre uns! Erlöse ihn, erbarme Dich! O, Vater aller Barmherzigkeit! nimm ihn zu Dir in Deine Herrlichkeit. D, Du Lamm GOttes, das der Welt Sünde trägt, trage ihn durch Deine Flügel in Abrahams Schooß. D, Du Geist des Trostes, tröste ihn dort ewiglich. Amen. Nun laß ihn in Friede fahren Zu den auserwählten Schaaren; Hilf aus allem Ungemach Uns, HErr! einmal selig nach. Herzliches Verlangen nach dem man ewigen Leben. Sus Ach, wann werd' ich dahin kommen, Daß ich GOttes Antlitz schau'? Werd' ich nicht bald aufgenommen, Wenn zerbricht des Leibes Bau? Gebet eines Kranken. Ach, wann kommt die Seele hin, Wo ich ewig selig bin. 253 69th Ott Vater! Dein Kind sehnet sich nach dem Vaterlande. Laß mich doch bald in Dein Reich kommen, welches Du bereitet haft denen, die Dich lieben. Es ist wohl noch nicht erschienen, was ich sein werde, aber der Morgenstern geht schon auf in meinem Herzu. Dein Wort giebt mir schon die Trauben zu kosten von einem Lande, da Milch und Honig fließt. Wer wollte noch länger ein Pilgrim sein und nicht wünschen, Bürger zu werden? Sollte ich nicht das Zukünftige suchen, da ich hier keine bleibende Stätte habe? O, laß mich doch mein Herz täglich heimschicken, wo mein Schatz ist. Laß mich mein Leben also christlich führen, daß mein Wandel stets im Himmel ist. GOtt Sohn! meine Seele dürftet nach dem Brünnlein der Stadt GOttes. Hier effe ich die Aschen wie Brod und mische meinen Trank mit Weinen. Ach, wann werde ich mit Abraham, Isaak und Jacob im Himmelreiche zu Tische fißzen? O, Du Sonne der Gerechtigkeit; laß mir doch das Heil bald aufgehen unter Deinen Flügeln! Führe mich aus Babel, errette mich aus Sodom, bringe mich in's himmlische Jerusalem. Muß ich in 254 Benjamin Schmolkens Gebet eines Kranken. der Welt sein, so laß mich der Welt nicht gleich sein; die Welt muß im Glauben überwunden sein; im Himmel ist mein Erbe, dahin richte meine Augen, dahin gängele meinen Fuß, dahin versehe mein Herz. O, wie will ich Dich, mein Bruder! küssen, wenn ich Dich dort küssen werde. GOtt, heiliger Geist! mein Geift verlangt wieder zu seinem Ursprunge. Binde ihm doch die Flügel an, daß er sich stets über das Irdische schwinge. Mache mir bereits einen Himmel im Herzen, durch herzliches Verlangen nach dem Himmel. Stelle die Welt hinter meinen Rücken, laß allein das ewige Gut ein Ziel meiner Augen sein. O, HErr! ich warte auf Dein Heil. Wann werd' ich Dein Antlig schauen in Gerechtigkeit? Wann werde ich satt werden nach Deinem Bilde? Heilige Dreifaltigkeit! Hier sehe ich Dich in einem Spiegel! Bringe mich bald dahin, wo ich Dich werde schauen von Angesicht zu Angesicht. Da werden alle Feinde zum Schemel Deiner Füße liegen. Da wird Freude sein die Fülle, liebliche Stille, lauter Wonne, lauter Sonne. Amen. Reiß' dich los von dieser Welt, di Los von Seele, laß das Eitle liegen, Dorten find' ich nur Vergnügen, Tägliche Gewissens- Prüfung. Wo mein Loos so lieblich fällt. JEsu! reiche mir die Hände, Mache bald der Noth ein Ende. Tägliche Gewissens- Prüfungen, 255 fammt andern geistreichen Betrachtungen und Liedern. Tägliche Gewissens- Prüfung. Die tägliche Gewiſſens- Prüfung ist eine von den wichtigsten Pflichten unsers Christenthums. Diese hält in sich die Buße und den Glauben, neben der aus dieser nothwendig herfließenden Heiligkeit, und besteht eigentlich in einer steten Wache und Achtgebung auf uns selbst und unsere Seele, wie wir in unserm Christenthum und vor GOtt stehen: Ob man vor oder hinter sich gehe; im Guten zu- oder abnehme. Denn wie ein fluger Kaufmann alle Abend seinen Ueberschlag macht, was er des Tages ausgegeben und eingenommen, damit der Verlust den Gewinnst nicht übertreffe; wie eine treue, sorgfältige Hausmutter und reinliche Menschen täglich ihre Kleider wohl beschauen, ob Tägliche dieselben besudelt oder zerrissen sind, damit sie sofort wieder gemacht und wohl gereinigt werden: also muß ein Christ sich täglich prüfen, um dadurch sich von dem Unflath und Schuld der Sünden zu reinigen. Kein Gold oder Silber ist so rein, es hat seine Läuterung, und fein Christ so fromm, er hat seine Abend- Prüfung nöthig. Wer sanft ruhen will( sagt jener), muß ein gut HauptKissen, wer sicher ruhen will, muß eine verschlossene Kammer, wer aber sanft und sicher zugleich ruhen will, muß ein gut Gewissen haben, das ist das beste Hauptkissen und die allerstärkste Wache. In Betrachtung dessen hat der Editor diese also betitelte GewissensPrüfung und was er von dieser Materie in den Schriften eines frommen Gottesgelehrten gefunden, zusammengetragen und in diesen wenigen Zeilen verfaßt. Es ist nicht für die Gelehrten und Wohlgeübten geschrieben ( denn diese wissen schon, wie sie sich prüfen sollen, obwohl leider manche es unterlassen und daher ihre Verantwortung desto schwerer machen, je mehr sie vor Andern des HErrn Willen wissen und doch nicht thun), sondern den Einfältigen zum Besten, und hat der Autor geglaubt, es sei nicht genug, wenn nur er, sammt den Seinigen, mit solcher Ge256 Gewissens- Prüfungen. 257 wissens- Prüfung alle Abend vor GOtt trete und der den Tag über mit manchen wissentund unwissentlichen Sünden verscherzten göttlichen Gnade sich wiederum versichere: sondern es sei ein nöthiges Stück seiner christlichen Pflicht, auch Andere besser zu erinnern, und wie es anzustellen, fie anzuweisen. Wem nun die gute Meinung des Autors beliebt, den wird es schwerlich jemals gereuen. Wer sich aber dünfen läßt, er habe solche Prüfung nicht nöthig, der irrt sehr und giebt damit an den Tag, er glaube nicht, was der Geist des HErrn dorten durch den Propheten sagt: Es ist das Herz ein betrüglich Ding. Jerem. am 17. Cap. Liebe Seele, wir sind nun abermals dem Ende unsers Lebens, des jüngsten Gerichts und der unendlichen Ewigkeit einen Tag näher gekommen, und weil derjenige, der nicht nur wenigstens alle Tage einmal nach allen Kräften sich kehret zu dem Grund seiner Seele und Gewissen, noch nicht lebt, wie ein frommer Christ leben soll, so laßt uns jeßt hinabsteigen in die Tiefe unsers Herzens und Gewissens, und unser Leben erforschen, auch besehen, wie du aussiehst, damit nicht, wenn wir uns ohne Prüfung zur Ruhe begeben, das Bett unsere Hölle sei, noch wir zur Herberge des Satans werden mögen. Bin ich geschickt zu einem seligen Sterbestündlein, wenn mich der Tod etwa diese Stunden oder diese Nacht überfallen sollte? In was Verfassung stehen meine Gedanken? In welchem Zustande befinde ich mich? Kann nicht unversehens die Poft kommen: Diese Stunde Benj. Schmolk. 17 Tägliche oder diese Nacht wird man deine Seele von dir nehmen? Getraue ich wohl mit gutem Gewissen und freudigem Herzen vor dem Richterstuhle Christi zu erscheinen, vor allen Engeln und Menschen, wenn Er, der Richter der Lebendigen und der Todten, diese Stunde oder diese Nacht plößlich vom Himmel kommen sollte? Bin ich in meinem Gewissen versichert, daß ich nicht werde verdammt, sondern selig werden? Habe ich diesen vergangenen Tag mit schuldiger Andacht, mit inniglichem Lob und Preis meines GOttes, und Andacht Seines heiligen Namens angefangen, meines Taufbundes mich erinnert und mit allen meinen Kräften und Vermögen zum Dienst GOttes und des Nächsten mich ergeben? Habe ich heute stets als vor dem allerheiligsten Angesicht des allgegenwärtigen und majestätischen GOttes gewandelt und Ihn mit Wissen und Willen nicht erzürnt noch beleidigt? Hab' ich meinen Beruf, Amt und Geschäfte in der Furcht und Liebe GOttes, blos zur Ehre Seines heiligen Namens, ohne alle Eigenehre und Nutz, auch zum Dienst, Nuß und Liebe des Nächsten verrichtet, die Zeit recht gebraucht, auch sie mit Müßiggang, Spielen, noch anderer thörichten Weltluft nicht verderbt? Hab' ich mein Weib zur heiligen Furcht GOttes und zur Erkenntniß Seines heiligen Willens angeführt, ingleichen meine Kinder und Gesinde? Hab' ich diese in der Zucht und in der Vermahnung zum HErrn auferzogen, für sie gebetet, und also für ihre zeitliche und ewige Wohlfahrt gesorgt, und damit ich ihnen das beste Erbgut, nämlich die Gnade GOttes und Seinen Segen hinterlassen möchte, mich auch eines recht heiligen Wandels beflissen? Habe ich sie nicht verzärtelt und in der Bosheit ohne ernste Strafe fortwachsen lassen? Bin ich ihnen mit bösen Erempeln in Worten und Werken ärgerlich gewesen? Hab' ich hingegen mit guten Erempeln ihnen vorgeleuchtet, und nichts verstattet, als was gut, ehrbar und christlich ist, und sie als 258 259 Gewissens- Prüfungen. eine theure GOttesgabe, vor der Welt Nergerniß höchsten Fleißes bewahrt? Hab' ich, wo ich gewesen und mit wem ich umgegangen, allenthalben und bei Allen mich eines guten Gewissens, der Reinigkeit des Herzens, ingleichen der Zucht und Keuschheit mich beflissen, und darum den Höchsten eifrig angerufen? Habe ich mich auch allemal in Gedanken keusch, in den Worten züchtig, in Geberden schamhaftig, in der Kleidung ehrbar verhalten, oder habe ich vielmehr unreine Gedanken gehegt? Bin ich von Herzen feind und meide Ehebruch, Hurerei, schändliche Brunst, vichische Luft, unordentlichen Beischlaf, Buhlerei, Betaftung, Küssen, unzüchtige Gesellschaft, Gespräch, Gesang und Bücher? Fliehe ich leichtfertige Tänze, dergleichen Spiel, wie auch Pfeifer und Geiger, als Anreizung und Lockvögel gar verbotener Weltluft? Meide ich solches ärger als den Teufel selbst, oder habe ich Wohlgefallen daran gehabt, und ein Anderes begangen? Hab' ich meinem Nächsten mit Rath und That gerne geholfen, bin ich ihm nicht ärgerlich, sondern erbaulich gewesen? Was hab' ich geredet? Hab' ich mir Scherz und Narrentheidigung belieben lassen, oder ist nicht Fluchen und Schwören mit unterlaufen? Hab' ich meines Nächsten Fehler und Gebrechen mit gebührender Bescheidenheit und mit christlicher Sanftmuth gestraft, oder durch Stillschweigen mich fremder Sünden theilhaftig gemacht? Hab' ich etwa in meinem Haus oder Beruf, oder Geschäften unzeitig geeifert, gepoltert oder gestürmt? Hab' ich mich auch gegen meinen Nächsten in dem Herzen günstig und liebreich, in den Geberden und Worten holdselig, freundlich und sanftmüthig, auch demüthig und barmherzig in Werken erzeigt? auch Niemand weder an Leib, Ehr' noch Gut, weder mit Gewalt noch List, weder mit verstellten Geberden, noch grimmigen Worten, oder feindlichen Werken betrübt, beleidigt noch erzürnt? Hab' ich armen Leuten Gutes gethan, oder sie mit harten Worten abgewie17* Tägliche sen und mein Herz vor ihnen verschlossen? Erkenne ich, daß meine Güter nicht mein, sondern GOttes sind und ich nur zum Haushalter darüber gesetzt, und daß ich nicht nur mit solchen, sondern mit meinem Leibe und Leben dem Nächsten zu dienen schuldig? Habe ich auch heute Niemand übervortheilt, noch mich sündlich bereichert? Bedenke ich auch, daß kein Unreiner, der die Welt, so da ist: Fleischesluft, Augenlust und hoffärtiges Leben, lieb hat, in's Reich GOttes eingehen, noch GOtt schauen kann? Bedenke ich, daß GOtt aus Liebe zu mir und allen armen Sündern Seinen einig geliebten Sohn JEsum Chriftum in die Welt, nicht nur für mich und meine Sünden, zu deren Versöhnung und Vergebung zu leiden und zu sterben, sondern uns Alle zur Buße zu rufen, von dem Sündendienste los und gerecht, fromm, rein, heilig und selig zu machen? Habe ich solche unermeßliche Liebe in heiliger und schuldiger Gegenliebe, sowohl in Thun, Leiden und Lassen erkannt, mit dem festen Entschluß, eher mein Leben zu lassen, als GOtt muthwillig zu erzürnen? Habe ich heute dem heiligen Berufe GOttes gefolgt und für meine Seele gesorgt? Habe ich alle meine von Jugend auf bis diese Minute begangenen Sünden dem heiligen und gerechten GOtt bekannt und abgebeten, von Herzen, mit gebeugten Knieen, mit Fasten, Weinen und Klagen? Habe ich auch heute solche Reue und Abbitte wiederholt, denselben Taufbund wieder erneuert und mich mit meinem gnädigen GOtt versöhnt? Habe ich von vorigem und allem Schaden wahrhaftig abgelassen? Bin ich nunmehr allen Sünden und weltlichen Lüften von Herzen feind, oder bleibt mir noch eine und andere? Welches sind die Sünden, wozu ich am meisten geneigt bin? Schäme ich mich auch vor GOtt und vor mir selbst, daß ich den schnöden Sünden, dem verfluchten Teufel und der bösen, verführerischen Welt so eifrig und treulich, hingegen aber meinem 260 Gewissens- Prüfungen. 261 gnädigen, liebreichen GOtt, Schöpfer und Vater, der mir so unzählige Seelen- und Leibeswohlthaten zu-, ingleichen so viel tausend Böses von mir und den Meinigen an Seel' und Leib abgewandt, so wenig und nachlässig gedient habe? Eifre ich nun von Herzen über alles sünd- und fleischliche Welt- Wesen? Bin ich durch die Gnade JEfu Chrifti an Gedanken, Herz, Muth und Sinn, am inner- und äußerlichen Menschen anders worden, als ich gestern war? Bin ich gänzlich verändert, ein neuer Mensch? Arte ich nun Christo nach, oder dem alten Adam und der Welt? Denke ich an das Wort Chrifti: Wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß Jemand von Neuem( von oben herab) geboren werde, kann er das Reich GOttes nicht sehen? Habe ich auch alle meine Worte, die ich heute geredet, bedacht? Be= denke ich, daß sie in GOttes Tagebuch verzeichnet worden, und daß man müsse dem Nichter alles Fleisches Rechenschaft geben von einem jeden unnüßen Worte? Hab' ich auch heute die Gaben GOttes mit Dankbarkeit, in Erkenntniß meiner Unwürdigkeit, mäßig und nicht zur Wollust genossen? Hab' ich bedacht, daß die Creaturen über den schändlichen Mißbrauch seufzen, darüber sich ängsten und durch solche Angst den Menschen bei seinem Schöpfer verklagen? Bedenke ich, daß eine schwere Rechnung darauf erfolgt, daß durch Unmäßigkeit der heilige Geift vertrieben, GOttes Zorn erweckt, die Amts- Geschäfte verhindert, ja alle Lafter und alles Seelen- und Leibes- Unheil gestiftet wird? Habe ich etwa heute auf's Neue eine schwere Sünde gethan? Von was für Fehlern bin ich heute übereilt worden? Wo und wie habe ich mit bösen Gedanken, Worten und Werken gesündigt wider GOtt und den Menschen? Wie viel Gutes habe ich unterlaffen? Wie viel Böses habe ich gethan? Habe ich mich von den bösen Lüften überwinden lassen, oder hab' ich fie durch GOttes Kraft überwunden, sie gedämpft und meinen Tägliche bösen Willen gebrochen? Soll mich der Tod oder der jüngste Tag in meinen Sünden ergreifen? 262 Ach, mein GOtt! ich sehe in dieser Prüfung den Sünden- Schlamm, womit meine Seele besudelt ist, bekenne auch zugleich, daß ich die Menge meiner Sünden nicht recht ergründen und ausforschen kann. Barmherziger, himmlischer Vater! gehe mit mir, Deinem unwürdigen Knechte, nicht in's Gericht. Ach, ich bin nicht werth, daß ich Dein Kind heiße. Erbarme Dich mein und sei mir gnädig, um JEsu Chrifti willen, Amen. Ach, mein GOtt! gieb, daß ich Dich, mich und die Welt recht erkennen möge, Amen. O Mensch, bedenk' die letzten Dinge, Was Tod und Auferstehung bringe. Fürchte GOtt und sein Gericht, Himmel, Hölle ist kein Gedicht. Ich habe Luft zu scheiden, mein Sinn geht aus der Welt, ich sehne mich mit Freuden nach JEsu Himmels- Zelt. Weil aber keine Stunde zum Abschied ist benennt, so hört aus meinem Munde mein letztes Testament. 2. GOtt Vater, meine Seele bescheid' ich Deiner Hand, führ sie aus dieser Höhle in's rechte Vaterland. Du haft sie mir gegeben, so nimm sie wieder hin, daß ich im Tod und Leben nur Dir alleine bin. 3. Was werd' ich, JEsu! finden, daß Dich erfreuen kann? Ach, nimm Du meine Sünden als ein Vermächtniß an, wirf sie in Deine Wunden, in's rothe Meer hinein, so hab' ich Heil gefunden, und schlafe fröhlich ein. 4. Dir, o Du Geist der Gnaden, laß ich den Todesblick, werd' ich im Schweiße baden, so sieh' auf mich zurück. Ach, schrei' in meinem Herzen, wenn ich kein Glied mehr rühr', und stell' in Todes- Schmerzen mir nichts als JEsum für. 263 Gewissens- Prüfungen. 5. Ihr Engel, nehmt die Thränen von meinen Wangen an, ich weiß, daß euer Sehnen sonst nichts erfreuen kann. Wenn Leib und Seele scheiden' tragt mich in Abram's Schooß, so bin ich voller Freuden, und aller Thränen los. 6. Euch aber, meine Lieben, die ihr mich dann beweint, hab' ich zum Troft verschrieben GOtt, euren besten Freund. Drum nehmt den besten Segen, es wird gewiß gescheh'n, daß wir auf Himmels- Wegen einander wieder sehn. 7. Zuletzt sei dir, o Erde, mein blaffer Leib vermacht, damit dir wieder werde, was du mir zugebracht, mach' ihn zu Asch' und Staube, bis GOttes Stimme ruft; denn diefes fagt mein Glaube, er bleibt nicht in der Gruft. 8. Dies ist mein letzter Wille, GOtt drückt das Siegel drauf, nun wart' ich in der Stille, bis daß ich meinen Lauf durch Christi Tod vollende, so geh' ich freudig hin, und weiß, daß ich ohn' Ende des Himmels Erbe bin. tadbag of and Joss Eine andere tägliche Gewissens- Prüfung. Ah, mein GOtt! lehre mich stets meine Tage zählen, auf daß ich geistlich klug, nicht mög' aus Irrthum fehlen, ein Theil ist wieder heut' von meinem Leben hin, da Deinem Richterstuhl ich so viel näher bin. 2. Allwo ich Rechenschaft von meinem ganzen Leben, wann Du in Wolken kommst, Dir dermaleinst muß geben, ach, hilf, daß meine Seel' zur Förd'rung meiner Ruh', vorher aus Buß' und Reu', Dir heut' noch Rechnung thu'. 3. Komm, meine Seele, komm, wir wollen selbst uns richten, auf Alles unser Thun recht eifrig denken, dichten. Schon' deiner selbsten nicht, durchsuche doch mit Fleiß, bedenk', daß Alles GOtt und dein Gewissen weiß. 4. Fang' an dem Morgen an, vom Tage bis zu Nachte, daß deine Prüfung auch dasselbe wohl betrachte, ob du auch Tägliche mit Gebet begangen hast den Tag; gelobet deinen GOtt bei jedem Glockenschlag. 264 5. Ob du haft heut' gedankt für Christi Tod und Leiden, an Taufbund oft gedacht mit inniglichen Freuden? GOtt allermeist geliebt, den Nächsten so als dich, ob du bist fromm gewest und Niemand ärgerlich? 6. Ob du kein faul Geschwäß, kein Fluchen angefangen? Wo du gewesen bift, mit wem du umgegangen? Ob du geliebt, gehört, gelesen GOttes Wort, und dich darnach gericht't, stets und an jedem Ort? 7. Ob als vor GOttes Aug' im Glauben du gewandelt? Mit Wiss' und Willen Ihm zuwider nie gehandelt? Ob auch der alte Mensch in dir ist abgelebt, daß du mit keiner Luft ihm ferner nachgestrebt? 8. Ob du heut' ohne Dank haft GOttes Gab' empfangen? Dem Geiz und eitler Ehr' beständig nachgehangen? Die dir GOtt vorgesetzt, geliebt und so geehrt, daß du auch ihre Fehl' zum Besten haft gekehrt? 9. Ob du dem Nächsten haft gestrebt, mit Lift zu scha= den? Mit seinem Gut und Blut dich sündlich zu beladen, auch seinen Nutz gesucht, ihn fälschlich nie gericht't, den Armen wohl gethan, kraft deiner Christen- Pflicht? 10. Ob du bist keusch gewest' in Wort, Gedank' und Werken, in Ess'n und Trinken dich stets mäßig lassen merken? Ob du Geduld erzeigt, wenn Kreuz dichy hat betrübt? Nur GOttes Ehr gesucht, und Billigkeit geliebt? 11. Ob du bei GOttes Rath gehorsam, still gesessen, auch Seine Güt' und Treu' nach deinem Glück gemessen, und endlich so gelebt, daß du dabei gewollt, daß dich dein GOtt so fänd', wenn Er jetzt kommen sollt'? 12. Die Prüfung ist geschehen, da leider ich befunden, es sei der große GOtt beleidigt alle Stunden; die Zeit war Gewissens- Prüfungen. 265 mißgebraucht, an Tod gedacht' ich nicht, nicht viel an GOttes Wort, noch an Sein letzt' Gericht. 13. Wer kann der Sünden Art und ihre Meng' erzählen? Wer weiß, ach HErr! wer weiß, wie oft er pflegt zu fehlen, weil Augen, Mund und Hand voll Sünd' und Frevel steckt, und mir, wenn ich's bedenk', das Herz im Leib' erschreckt. 14. Nun nimmer, nimmer thun, das ist die beste Buße, dem ich gesündigt hab', dem falle ich zu Fuße. Ich schlag an meine Brust, und glaub' an Dich, o GOtt! Schau' mich in Gnaden an, durch Chrifti theuren Tod. 15. Denn ich, ich tröfte mich blos Deines GnadenThrones! Ach wasch', o Vater! mich im Blute Deines Sohnes; dies, wo Er mit gebüßt, ist, was ich Dir bezahl', womit ich Rechnung thu', für jetzt und allemal. 16. Laß, JEsu! mich und Dich, ich bitte durch Dein Leiden, die Sünde, die uns scheid't, fortan nicht wieder scheiden; durch Deines Geistes Kraft sag' ich nun bis in's Grab Dir treue Folge zu, und allen Sünden ab. 17. Lehr' nun, o HErr! mich thun nach Deinem Wohlgefallen, daß ich nie wissentlich in Sünden möge fallen; regier' und führ' mein Herz, daß ich in Glück und Noth, Dich fürcht' aus allem Ernst, und halte Dein Gebot. 18. Nun, Chrifti Blut hat mir die Sünden- Schuld durchstrichen, mit GOtt, dem Vater, mich auf ewig ganz verglichen, die Rechnung gut gemacht, durch Seine To= des- Pein; wie wird die Ruh' so sanft nach dieser Arbeit sein! 19. Wie leicht ist nun mein Herz, ich leb' auch oder fterbe, getröst' ich mich, daß ich mit meinem Heiland erbe: Muß ich gleich offenbar vor Seinem Nichtstuhl sein, weiß ich doch, daß darauf ich geh' zum Leben ein. Tägliche Tägliches Gebet eines frommen Christen nach jedem Morgen- und Abend- Segen, um gute Vorbereitung zum Tode zu sprechen. 266 Ach, liebster GOtt und HErr! Ich lebe, aber ich weiß nicht, wie lange! Ich muß sterben, und weiß nicht, wo und wann! Du, mein himmlischer Vater! weißt es. Wohlan! soll dieses Stündlein oder dieser Tag etwa der letzte Tag( die letzte Nacht) meines Lebens sein, HErr! Dein Wille geschehe, der ist allein der beste. Nach demselben bin ich bereit, in wahrem Glauben an Christum, meinen Erlöser, zu leben und zu sterben. Allein, lieber GOtt! gewähre mir nur diese Bitte, daß ich nicht möge so plötzlich in meinen Sünden sterben und verderben. Gieb mir rechtschaffene Erkenntniß, Reue und Leid über meine begangene Sünde, und stell' sie mir hier unter Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tage unter Augen gestellt und ich dadurch vor Engel und Menschen zu Schanden werden möge; sondern verleihe so viel Zeit und Raum zur Buße, daß ich meine Uebertretung von Herzen erkennen, bekennen und derselben Vergebung und Trost aus Deinem seligmachenden Worte erlangen möge. Ach, barmherziger Vater! verlaß mich nicht und nimm ja Deinen heiligen Geist nicht von mir; mein Herz und meines Herzens Zuversicht ist Dir, o Herzenskündiger! wohl bekannt, in derselben erhalte mich zum ewigen Leben. Laß mich sterben, wann, wie und wo Du willst; verleih' mir nur ein vernünftiges, sanftes und seliges Ende. Amen! HErr JEsu! nimm meine Seel' in Deine Händ' und laß sie Dir befohlen sein. Amen. HErr JEsu Christ, Du höchstes Gut, Ich bitte durch Dein theures Blut, Gewissens- Prüfungen. Mach' nur mein letztes Ende gut! Obgleich dasselb' ist wunderlich, So laß es doch ein seliglich. 267 All 1402 Ach, getreuer und barmherziger GOtt! Behüte mich vor langwieriger, schmerzlicher Krankheit und vor einem bösen, schnellen Tod. Laß mich ja nicht in unerkannten Sünden übereilt ohne wahre Buße sterben. Gieb mir ein vernünftiges, stilles, sanftes und seliges Ende, ohne Furcht und Schrecken, Angst und Schmerzen. Laß mich bei guter Vernunft, bei gutem Bedachte, ein gutes, christliches und seliges Ende nehmen. Jedoch ich Dir nichts lehren will, noch Dir mein End' beschreiben, sondern Dir allwege halten still, bei Deinem Wort zu bleiben und glauben, daß Du als ein Fürft des Lebens mich erhalten wirst, ich sterb' gleich, wo ich wolle. Derhalben ich in meinem Sinn mich Dir thu' ganz ergeben, denn sieh', der Tod ist mein Gewinn, Du aber bist mein Leben, und wirst meinen Leib ohn' alle Klage( das weiß ich gewiß) am jüngsten Tage zum Leben auferwecken. Deinen Namen laß mich bis zum letzten Seufzer frei bekennen und anrufen, oder wo ich ja nicht mehr reden kann, solchen in meinem Herzen haben und meine Seele in Deine Hände herzlich befehlen. Das verleihe mir, mein lieber GOtt und Vater! um Deines Sohnes JEsu Christi Blut und Todes willen, in Kraft des heiligen Geistes. Amen. omisti 268 Thomä v. Kempis Thomä von Kempis Todes- Benachtung zur Erinnerung der Sterblichkeit einer bußfertigen Seele. Diese geistliche Betrachtung kann auch gesungen werden nach der Metodie des bekannten Liedes: Treuer GOtt, ich muß Dir tlagen. Oder: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. Denket doch, ihr Menschen- Kinder, an den letzten TodesTag! denket doch, ihr frechen Sünder, an den letzten Seiger- Schlag! Heute sind wir frisch und stark, morgen füllen wir den Sarg, und die Ehre, die wir haben, wird zugleich mit uns begraben. 2. Doch wir dummen Menschen sehen nur, was in die Augen fällt: Was nach diesem soll geschehen, bleibt an seinen Ort gestellt; an der Erde kleben wir leider über die Gebühr, aber nach dem andern Leben will der Geist sich nicht erheben. 3. Wo ihr euch nicht selber haffet, ach, so legt die Thorheit ab! Was ihr thut und was ihr lasset, so gedenkt an euer Grab. Ewig Glück und Ungelück hängt an einem Augenblick. Niemand kann uns Bürgen geben, daß wir noch bis morgen leben. 4. Ungewissenhafte Leute zittern vor des Todes Pein, gute Christen wünschen heute lieber aufgelöst zu sein. Denn sie wissen, daß der Tod ist ein Ausgang ihrer Noth, und gemalte Todten- Köpfe seh'n sie an wie Blumen- Töpfe. 5. Vor der Sünde soll man zittern, weil sie GOttes Zorn entzünd't, aber nicht vor Leichenbittern, welches gute Boten sind! Einmal müssen wir daran, lieber bald dazu Todes- Betrachtung. gethan; heute laßt uns lernen sterben, daß wir morgen nicht verderben. 269 6. Was hilft doch ein langes Leben, ohne Buß' und Besserung, wer nicht will nach Tugend streben, ach, der sterbe lieber jung. Unsre Bosheit nimmt nicht ab, sondern mehrt sich bis in's Grab: Frei von Sünden wird man nimmer, Mancher wird ja täglich schlimmer. 7. Daß doch nur ein Tag des Lebens möchte frei von Lastern sein! Doch mein Wünschen ist vergebens, unter uns ist Niemand rein. Man bleibt fündig von Natur, bei der neuen Creatur. Viele pflegen Scherz zu treiben, wenn sie sich an GOtt verschreiben. 8. Langes Leben, große Sünde, große Sünde, schwerer Tod! Lernet das an einem Kinde, dem ist Sterben keine Noth. Selig, wer bei guter Zeit sich auf seinen Tod bereit't, und so oft die Glocke schläget, seine Lebenszeit erwäget. 9. Jede Patienten- Stube kann auch eine Schule sein. Fährt ein And'rer in die Grube, wahrlich, ihr müßt auch hinein. Steht ihr auf, so sprecht zu GOtt: Heute kommt vielleicht der Tod! Legt ihr euch, so führt im Munde: Heute kommt vielleicht die Stunde. 10. Stündlich sprecht: in Deine Hände, HErr! befehl ich meinen Geist, daß euch nicht ein schnelles Ende unverHofft von hinnen reißt. Selig, wer sein Haus bestellt; GOtt kommt oft unangemeld't, und des Menschen Sohn erscheinet zu der Zeit, da man's nicht meinet. 11. Das Gewissen schläft im Leben, doch im Tode wacht es auf; da sieht man vor Augen schweben seinen ganzen Lebenslauf, alle seine Kostbarkeit gäbe man zur selben Zeit, wenn man nur gescheh'ne Sachen ungeschehen könnte machen. 12. Drum betrachtet eure Gaben dergestalt in dieser 270 Thomä v. Kempis Zeit, wie ihr wünscht gethan zu haben, wenn sich Leib und Seele scheid't. Sterben ist kein Kinderspiel; wer im HErren sterben will, der muß ernstlich darnach streben, wie man soll im HErren leben. 13. Diese Welt geringe schätzen, allen Laftern widersteh'n, an der Tugend sich ergötzen, willig GOttes Wege geh'n, wahre Lebens- Besserung, stete Fleisches- Züchtigung, sich verleugnen und mit Freuden Schmach um Chrifti willen leiden. 14. Das sind Regeln für Gesunde, da man Zeit und Kräfte hat; in der letzten Todes- Stunde ist es insgemein zu spat. Krankheit gleicht der Pilgrimschaft; keine giebt dem Geiste Kraft; beides macht die Glieder müde und verstört der Seelen Friede. 15. Trauet nicht auf Seelen- Messen, die man den Verstorb'nen hält! Todte sind ja bald vergessen und der Baum liegt, wie er fällt. Ach, bestellt selbst euer Haus, machet hier die Sache aus; fremde Bitten und Gebete kommen hinten nach zu späte. 16. Suchet GOtt stets zu versöhnen, greifet selbst nach Chrifti Blut; kein Gebete wird euch dienen, das man nur zur Fröhne thut, denkt ihr selber in der Zeit nicht an eure Sterblichkeit, wahrlich, in des Grabes Höhle sorgt kein Mensch für eure Seele. 17. Jehund ist der Tag des Heils und die angenehme Zeit; aber leider, meistentheils lebt die Welt in Sicherheit. Stündlich ruft der treue GOtt, doch die Welt treibt ihren Spott. Ach, die Stunde wird verfließen und GOtt wird den Himmel schließen. 18. Da wird Mancher erst nach Dele, bei des Bräut'gams Ankunft geh'n, und da wird die arme Seele vor der Thüre müssen steh'n: Darum haltet euch bereit, füllt die Todes- Betrachtung. Lampen in der Zeit; sonst erschallt das Lied am Ende: Weicht von Mir, ihr Höllen- Brände. 271 19. In dem ganzen Bibel- Buche kommt mir nichts so schrecklich für, als die Worte von dem Spruche: Ihr Verfluchten, weicht von Mir! Selig, wer davor erschrickt, eh er noch den Tod erblickt; Furcht und Zittern hier auf Erden schafft, daß wir dort selig werden. 20. Hier in lauter Freuden schweben, macht im Tode lauter Noth. Aber auf ein traurig Leben folgt ein freudenreicher Tod. Drum mit dieser Welt hinweg, achtet sie für Koth und Dreck und erhebet eure Sinnen, daß sie Christum lieb gewinnen. 21. Tödtet eure bösen Glieder, kreuzigt euer Fleisch und Blut. Drückt die böse Lust darnieder, brecht dem Willen seinen Muth: Werdet JEsu Christo gleich, nehmt Sein Kreuz und Joch auf euch; daran wird euch Christus kennen und euch Seine Jünger nennen. 22. Auf ein langes Leben harren, da man täglich sterben kann, das gehört für einen Narren, nicht für einen klugen Mann. Mancher spricht bei Geld und Gut: Liebes Herz, sei wohlgemuth, und in vier und zwanzig Stunden ist die Seele schon verschwunden. 23. Ach, wie ofte hört man sagen, daß ein Mensch entleibet sei. Ach, wie Mancher wird erschlagen, oder bricht den Hals entzwei, einen Andern rührt der Schlag wohl in Sauf- und Spiel- Gelag; Mancher schlummert ohne Sorgen und erlebet nicht den Morgen! 24. Feuer, Wasser, Luft und Erden, Blitz und Donner, Krieg und Pest müssen uns're Mörder werden, wenn es GOtt geschehen läßt. Niemand ist vom Tode frei, nur die Art ist mancherlei. Insgemein sind unsre Stunden einem Schatten gleich verschwunden. 25. Nach Verfließung dieses Lebens hält GOtt keine Thomä v. Kempis Todes- Betrachtung. Gnaden- Wahl. Jener Reiche rief vergebens in der Pein und in der Qual. Fremdes Bitten hilft euch nicht, wer weiß, ob es auch geschicht. Also fallt in wahrer Buße eurem GOtte selbst zu Fuße. 26. Sammlet euch durch wahren Glauben einen Schatz, der ewig währt, welchen euch kein Dieb kann rauben und den auch kein Rost verzehrt. Nichts ist Ehre, nichts ist Geld, nichts ist Wollust, nichts ist Welt; alles Trachten, alles Dichten muß man auf die Seele richten. 27. Freunde machet euch bei Zeiten mit dem Mammon, den ihr habt. Lasset den bedrängten Leuten, keinen Menschen unbegabt. Christus nimmt die Wohlthat an, gleich als wär' es Ihm gethan: Und der armen Bettler Bitten hilft euch in des Himmels Hütten. 28. Euer Wandel sei im Himmel, da ist euer BürgerRecht. Lebt in diesem Weltgetümmel unbekannt, gerecht und schlecht. Flieht vor aller Sclaverei, machet eur eSeele frei, daß sie sich zu GOtt erhebe und hier als ein Fremdling lebe. 272 29. Diese Gnade zu erlangen, sparet das Gebet ja nicht. Netzt mit Thränen eure Wangen, bis daß GOtt Sein Herze bricht. Rufet JEsu Christo nach, wie Er dort am Kreuze sprach: Vater! nimm an meinem Ende meine Seel' in Deine Hände. Christian Hirschens Wochen- Andacht. Erbauliche 273 Zeit- und Wochen- Andacht, zu Anfang, Fort- und Ausgang jeder Woche heilsam zu gebrauchen, in drei Liedern verfaßt von Christian Hirschens, Diac. Seb. Zum Anfang jeder Woche. Mel.: HErr JEfu Christ, ich weiß gar wohl. o fänget dieser Sonntag an, HErr! wieder eine Woche, mein Werk sei drin in Dir gethan, auch unter Deinem Joche. Gieb, daß ich drinnen alle Tag', dem Du selbst Feind bist, gar absag' und mich Dir ganz ergebe. 2. Geh', Sonne der Gerechtigkeit! heut' auf in meiner Seelen, treib' Finsterniß der Sünden weit, laß mich Dein Licht erwählen, daß ich wie eine Sonnen- Blum', mich als Dein kostbar Eigenthum, nach Dir beständig richte. 3. Laß mich das Monden gleiche Glück am Montag wohl bedenken, daß ich mein Herz darein nicht drück', noch den Verlust laß ftränken; vielmehr mach' mir den Unbestand des Zeitlichen recht wohl bekannt, das Ewige zu suchen. 4. Laß mich am Dienstag dienen Dir in ungefälschter Treue und Alles machen nach Gebühr, so daß es wohl gedeihe: Denn Du bist ja mein HErr und GOtt, der Seinen Dienern hilft aus Noth und gnädig fie belohnet. 5. Tritt Mittwochs, JEsu! mitten ein, zu uns mit Gnad' und Segen; laß uns in Dir beisammen sein, Dich fuchen allerwegen. Sei bei uns mitten in der Noth und reiß' uns endlich nach dem Tod gar mitten aus dem Rachen. Benj. Schmolt. 18 Christian Hirschens 6. Gieb Deinem Donner starke Kraft am Donnerstag im Worte, der in der Seel' viel Früchte schafft und treib' zur Himmels- Pforte. Laß der Gerichte Donnerschläg' die Furcht des HErren machen reg', daß wir uns vor Dir scheuen. 7. Mach' uns am Freitag geistlich frei von unsern Sünden- Banden und auch von Satans Tyrannei, von Strafen, Fluch und Schanden. Gieb, daß wir in der Seel' erneut, als die der Sohn hat recht befreit, zu Dank stets heilig leben. 274 8. Laß am Sonnabend untergeh'n ja nicht die Sonn' der Gnaden. Uns freuen nicht, noch stille steh'n im Christenthum mit Schaden. Hört wieder eine Woche auf, so laß der andern ihren Lauf auch wieder wohl anfangen. 9. So sei im Anfang, Mittel, End' die Woch' in Dir gesegnet. Laß nun die Werke unsrer Händ' mit Gnaden sein beregnet; bis endlich unser Lebenstag sich endet und dann kommen mag die Zeit ohn' Tag' und Wochen. Auf alle Tage in der Woche zu ge= branchen. Mel.: HErr JEsu Christ, meines 2c. welch ein theures Gut die Zeit, die sich senkt in die Ewigkeit: O weh, wer solches Gut verschwend't und übel seine Zeit anwend't. 2. Nun denk', daß jeder Augenblick dahin zwar geht und bleibt zurück, doch muß man einst vor GOttes Thron genaue Rechnung thun davon. 3. Genaue Rechnung, wie man sie hab' zugebracht im Leben hie, ob jede Stunde und Minut' vollbracht sei übel oder gut. Wochen- Andacht. 275 4. Zu dem oft plößlich und geschwind' sich ein die letzte Stunde find't, die einen rückt hin aus der Welt und vor den strengen Richter stellt. 5. Weh', wenn sie einen find't beim Spiel, wenn auch beim Schmaus des Lebens Ziel, wenn sie im Zorn, Geiz, Scherz wegrafft und wenn man sonst was fleischlich schafft. 6. Ach HErr! der Du das Leben giebst und einen heil'gen Wandel liebst, gieb, daß ich meine Lebenszeit zubring' in lauter Heiligkeit. 7. Gieb, daß ich diesen Augenblick mich Dir getreu zu dienen schick', daß alle meine Aederlein gerich't zu Deinem Dienste sein. 8. Daß kein Moment in Sünd' mich seh', ich nie auf eitlen Wegen geh', daß ich nicht den Verderb der Zeit bejammern darf in Ewigkeit. 9. Laß alle Tröpflein meines Bluts sein von des Dir ergeb'nen Muths, die nur bezielen Deine Ehr' und wie des Nächsten Heil ich mehr'. 10. Daß jeden und den letzten Tag, ich wohl zubring' und schließen mag, und wenn verfloffen meine Zeit, geh' in die sel'ge Ewigkeit. Beim Ausgang aus der Woche. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. GOtt Lob! die Woche ist verflossen und sieben Tage geh'n zu End', darin ich Deine Gnad' genossen, die Du mir reichlich zugewend't; drum mach ich mir vergnügt den Schluß, mit Dir den Gnaden- Ueberfluß. 2. Es ist am Sonntag mir geschienen die Wahrheitssonn' in Deinem Wort, die mußte mir zur Leuchte dienen, zu reisen hin zur Himmelspfort'. Laß dieser Sonne Wärm und Schein zum Seelen- Wachsthum fördernd sein. 18* Christian Hirschens 3. Der Montag konnt' am Mond mir stellen den Wechsel des Geschickes für, daß bald ich finster, bald von Hellen, bald wenig hell und dunkel hier, ach, laß im Chriftenthum mich rein und niemals unbeständig sein. 276 4. Am Dienstag haft Du mir gedienet mit Deiner Gnad' und reichen Güt', die mir zu meinem Wohl gegrünet, obgleich mein Dienst Dir schlecht geblüht: Gieb, daß ein jeder Tag mir sei ein Dienstag, Dir zu dienen treu. 5. Am Mittwoch, mitten in der Wochen, warft Du auch mitten unter uns mit Segen, der uns angebrochen, auch in der Mitte unsers Thuns. Laß mich hier gehen mitten ein, wo Fromme, dort wo Sel'ge sein. 6. Du ließ'st am Donnerstag nicht rollen als einen Donner Deinen Zorn, der mich hätt' billig treffen sollen, als Sünder, daß ich würd' verlor'n. Laß mich statt dessen jeden Orts recht rühr'n den Donner Deines Worts. 7. Am Freitag hast Du mich befreiet von vielerlei Gefahr und Noth! Dein Sohn sei drum gebenedeit, der mich befreit von Sünd' und Tod, gieb, daß ich in der Freiheit leb', mich nie in Sünden- Knechtschaft geb'. 8. Nun der Sonnabend ist gekommen, der mir ein Feierabend ist, so rühm' ich nun mit allen Frommen, wie Du so gut gewesen bist; geht unter meine Lebenssonne, so laß mir aufgeh'n ew'ge Wonne. 9. Dies denk' und bitt' ich nun zum Schlusse mit Dant, da diese Woche hin, und fleh' zu Dir in wahrer Buße, vergieb, was ich gesündigt drinn: Gieb in der neuen Woche mir ein neu Herz, das ergeben Dir. 10. Laß Deine Sonn' mir ferner scheinen und laß noch leuchten mir den Mond, laß mich Dir dienen mit den Meinen, stets mitten, wo Dein Name wohnt, mach' von dem Unglücks- Donner mich frei am Fei'rabend ewiglich. Wochen- Andacht. Die verworfene Welt- und auserwählte Christen- Freude. 277 In einem andächtigen Liede vorgestellt von eben diesem Autor. Mel.: Straf' mich nicht in Deinem Zorn. Das ist meine Freude nicht, was die Welt hochachtet, daß sie ganz darauf verpicht, nur nach Eitlem trachtet. Aber GOtt Zebaoth haben stets zur Weide, das ist meine Freude. 2. Das ist meine Freude nicht, Herrengunst auf Erden. Ach, der Großen Augenlicht kann bald finster werden; GOtt zum Freund und vereint haben stets zur Seite, das ist meine Freude. 3. Das ist meine Freude nicht, mit den Kleidern prangen, und mit stolzem Angesicht kommen hergegangen; JEsu Blut, mir zu Gut, mich am besten kleide, das ist meine Freude. 4. Das ist meine Freude nicht, in Weltgütern siten, und sie als zur Zuversicht, eine Zeitlang nüßen. Ew'ges Gut macht recht Muth, mitten auch im Leide, das ist meine Freude. 5. Das ist meine Freude nicht, mit der Welt wohl leben und nach niedlichem Gericht guter Bissen streben; ach, ich weiß beff're Speis', der Gebenedeite, das ist meine Freude. 6. Das ist meine Freude nicht, volle Gläser leeren und mit solchem Trinkgewicht Leib und Seel' beschweren; in der Most von der Kost, JEsu thun bescheide, das ist meine Freude. 7. Das ist meine Freude nicht, Hüpfen, Tanzen, Springen, und so nach der Musikpflicht seine Lust vollbringen, George Christoph Muntz das gelingt, wenn man springt wie die Himmels- Leute, das ist meine Freude. 8. Das ist meine Freude nicht, eitel musiciren, wie die Welt es eingericht't, Instrumenten rühren; musicirt man und rührt GOtt zu Lob die Saite, das ist meine Freude. 9. Das ist meine Freude nicht, für die Langweil spielen, oder, wie es meist geschicht, auf Gewinnste zielen; mein Gewinn, Luft und Sinn geht zum Sterngebäude, das ist meine Freude. 278 10. Das ist meine Freude nicht, schwätzen und veriren, lächerliche Welt- Geschicht' nur zum Spaß anführen; das Gespräch, das den Weg bahnt zur Seelen- Weide, das ist meine Freude. 11. Das ist meine Freude nicht, an Geschäften hangen, und des Meisters edle Frücht', wie ihn selbst umfangen. Er allein muß es sein, von dem ich nicht scheide, das ist meine Freude. 12. Das ist meine Freude nicht, kurz davon zu sagen, was nicht auf den HErrn gericht't, noch ihm kann behagen; aber was zielt auf das, das Ihm giebt zur Beute, das ist meine Freude. Morgen- Andachten von George Christoph Munts, Nector. Das ist meine Freude, daß ich mich zu GOtt halte, und meine Zuversicht setze auf den HErrn HErrn, daß ich verkündige alles Sein Thun. Ps. 73, V. 28. In eigner Melodie. N imm hin, o Welt, dein Schein- Vergnügen; wohlan, ich theile mit dir ab: Wähl' du das Leben, ich das Grab, 279 Morgen- Andachten. erhebe dich, ich will erliegen, nimm Geld, ich Armuth an. Sei fröhlich, laß mich weinen. Was mein ist, heißet GOtt, erquick' dich an dem deinen. 2. Du wunderst dich, daß ich nicht wähle, was trefflich in die Augen fällt? Ach, was dein Sinn für lieblich hält, erquickt den Leib, doch nicht die Seele. Was du hier stehen siehst, das wird ein Tag verwehen: was jetzt unsichtbar ist, das werd' ich ewig sehen. 3. Wie schlüpfrig bist du doch gestellet; dein Fuß glischt nur auf dünnem Eis, wo der, der deine Tritte weiß, dich ungefähr zu Boden fället. Du liegst in einem Traum, und eh' du kannst erwachen, wird GOtt von deiner Pracht ein End' mit Schrecken machen. 4. Drum brüste dich nicht so vermessen, ich strauchele deswegen nicht. Ich hab' noch nie den Unterricht aus GOttes Heiligthum vergessen; ich merke auf das End' und seh', daß ich hier scheide: du bist dem Jammer nah', und das ist meine Freude. 5. Ich aber bleib' an GOtt behangen, ich achte auch des Himmels Licht, und dieser Erden Schätze nicht, weil mich des Höchsten Hand umfangen, klag' ich, GOtt ist mein Trost, mein Theil und reiche Beute. Leb' ich in Traurigkeit, auch das ist meine Freude. 6. Nur das allein ist meine Freude und darin werd' ich nicht zum Spott, daß ich mich wende nur zu GOtt, und halte ftill, daß ich recht leide und meine Zuversicht, die ich zum Grunde setze, die auf den HErren sieht, im HErren sich ergötze. 7. Denn ich bin ja dazu erhoben, dabei bin ich auf Ihn getauft, so theuer erlöst, so hoch erkauft, daß ich soll Seine Güte loben, daß ich verkündige die Wunder Seiner Stärke, und nur allein Sein Thun vor aller Welt bemerke. 8. Hierinnen wird mein süßes Hoffen ein Vorschmack 280 George Christoph Muntz Morgen- Andachten. jener Herrlichkeit; so steht mir schon in dieser Zeit das Land, wo Honig fließet, offen. Kann mich der Glaube hier in solche Freude setzen, ach, wie viel höher wird das Schauen dort ergößen! Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. D er Himmel läßt Vergnügen finden, die sich mit steter Anmuth küßt. Doch diese Lust muß bald verschwinden, wo GOtt nicht auch darinnen ist. Die Sterne sind wie lauter Nacht, wo JEsus sie nicht licht gemacht. 2. Die Erde stellt betrog'nen Augen die Töpfe von Egypten für. Sie läßt die Lippen Honig saugen und schenkt kostbaren Malvasier. Allein die Kost ist schlecht bestellt, wo nicht mein JEsus Tafel hält. 3. Die Erde baut erhab'ne Stufen, da man nach hohen Gipfeln steigt, die lüstern'n Seelen hin zu rufen, wo Nam' und Ruhm den Sternen gleicht. Doch führen sie mich dahin nicht, wo JEsus Kron' und Thron verspricht. 4. Die Erde macht in tiefen Fällen den rothen Abgott offenbar. Es öffnet sich das Reich der Welten und reichet ihre Schätze dar. Mir ist ein beff'rer Werth bekannt: Ein Kleinod in des Höchsten Hand. 5. Drum bleib' ich hieran nicht behangen, mein Geift erhebt sich von der Welt, von Dingen, deren Schein und Prangen wie Reif bei heißer Sonne fällt, denn was die Erde in sich trägt, hat Unbestand zum Grund gelegt. 6. Das aber bleibet meine Freude, daß ich bei meinem Heiland bin. In Ihm nur such' ich Trost und Weide. Er hat den Grund der Seelen in, wo in Ihm, als dem höchsten Gut, die Sehnsucht meiner Liebe ruht. 7. Das ist ein Gut, das ewig währet, wenn Erd' und Himmel bricht und sinkt. Die Lust der Zeit ist bald ver M. Christoph Bezels Morgen- Andacht. 281 zehret und was uns noch so lieblich dünkt, ist eine Perle, deren Zierd' gar leicht in Essig fließen wird. 8. Wenn ich schon harte Streiche leide, wozu Sein Rath mich hat erkiest, so bleibt auch dieses meine Freude. Denn wo nur Er noch bei mir ist, da müssen Wolken Sonnenschein, die Schläge Lebensbalsam sein. 9. Erzittert, ihr verzagten Herzen, wenn ihr an Tod und Sterben denkt. Ich überwinde diese Schmerzen, weil ich mein Herz in GOtt gesenkt; der mir die letzte Furcht vertreibt, daß Sterben meine Freude bleibt. 10. Und ach, wer weiß, wie nah' mein Ende! Drum fürchtet sich der schwache Geist, mein JEsu, Dir in Deine Hände, eh' noch des Leibes Band zerreißt; und weiß dabei, es macht Dein Blut das Ende meiner Wallfahrt gut. 11. Dort soll ich in dem weißen Kleide und vor dem Thron des Lammes steh'n. Nun sehet, das ist meine Freude, die nimmer soll zurücke geh'n. Drum geb' ich gern der eitlen Pracht verlarvter Freuden gute Nacht. M. Christoph Bezels, P. L. C. Chriftliche Morgen- Andacht. Nach der Hallischen Melodie. Mel.: Mein Vater, zeige mir, Dein Kind. Erhab'ne Heiligkeit, Du drei vereintes Wesen, GOtt Vater, Sohn und Geist! Durch Dich, HErr Zebaoth! bin ich nach sich'rer Ruh' des frohen Lichts genesen, mich zieht die Dankbarkeit vor Dich, auf Dein Gebot. 2. Ich überwinde mich, schon früh von Dir zu reden, der ich ein schändlich Nichts, nur Erd' und Asche bin! Doch wird Dein hoher Glanz mich Blöden nicht ertödten, mein Mittler spricht für mich und nimmt die Schulden hin. M. Christoph Bezels 3. Er hat in Seinem Volk mir auch ein End' ertheilet, drum heißt ein Opferdienst gerechter Christen Pflicht. Der Dank, der jetzt für Dich durch alle Wolken eilet, bleibt meine Morgengab' und Du verschmähst sie nicht. 4. Erbarmer, Dir sei Preis für alle Lieb' und Treue, die mich im Schlaf bewacht und der Gefahr gewehrt. Dein gütig's Wesen zeigt sich alle Morgen neue und Deine Langmuth trägt mich immer unversehrt. 282 5. Wie düster war die Nacht, wie furchtsam ihre Schatten, doch muß auch dieser Stand den Deinen dienlich sein; denn mit der Finsterniß muß sich die Ruhe gatten, und deren Wechsel zeigt den schönsten Gnadenschein. 6. Der Schlaf, des Todes Bild, hat mich nun erst verlassen, ich steh' von meinem Bette, gieb, auch von Sünden auf! Am Morgen endete mein Heiland Sein Erblaffen; vm Morgen ende sich auch meiner Sünden Lauf. 7. Ich seh' die Morgenröth', durch meines JEsu Lieben, macht mich in Seinem Blut schön, roth, versöhnt und rein. Die Sonne hat die Nacht und Nebel schier vertrieben: Auch meiner Sünden Nacht wird bald ein Ende sein. 8. Die Perlen von dem Thau sind prächtig anzusehen! Jedoch des Himmels Thau verspricht mir bess're Frucht, befeuchte meine Seel', so wird, o GOtt! geschehen, daß sie, fraft Deines Geist's, nur Deine Weisheit sucht. 9. Die Arbeit wird sie stets nach Deinem Willen wählen, der Glieder Dienst und Kraft bleibt, Abba, Dir geweiht; des Leib's Gesundheit soll mein Leben nicht beseelen, wo nicht mein Speis' und Trank zu Deinem Preis gedeiht. 10. Dies ist der Segen, den ich heut' von Dir erbitte, um den ich heftiger, als dorten Jakob, ring'. Mich hört mein Bundes- GOtt, Er fördert meine Schritte, Er tröstet meine Seel', wenn ich in Nöthen sink'. 11. Jetzt will ich ganz getrost mein Thun und Werk Abend- Andacht. besorgen, weil heut' Jehovah selbst in meinen Gliedern wirkt. Ein froher Abend folgt auf einen solchen Morgen; kraft dessen uns am Tag des Himmels Huld umzirkt. 12. Noch etwas neben mir muß ich Dir, HErr! empfehlen, das Liebste, welches uns Geblüt und Freundschaft zeigt. Heut müsse sich ihr Glück mit Deiner Treu' vermählen, doch bleibst Du ohnedem dem frommen Volk geneigt. M. Christoph Bezels, P. C. L. Chriftliche Abend- Andacht. 283 Nach der Melodie in des seligen Dr. Heinrich Müllers Erquick- Stunden. Mel.: Wer bist du? Ach, ein armer Sünder. Mein GOtt! die Nacht ist angetreten, ich schick mich schon zu ruhen an, und doch ist noch nicht abgebeten, was ich Dir, HErr! zu Leid gethan; es wird schon mein Gewissen reg', mich, Höchster! vor Dir anzuklagen, und dennoch scheut es sich zu sagen, was ich im Herzen Böses heg'. 2. Du aber kennst die Mängel besser, als ich sie zu eröffnen weiß, und dadurch wird das Uebel größer, wenn sich das Fleisch mit höchstem Fleiß vergeblich weiß zu brennen sucht, wenn es die rohe Freiheit preiset und seine Seele täglich speiset mit Sodoms süßer Todes- Frucht. 3. Laß mich demnach, gerechter Vater! von Heuchelwerk entfernet steh'n! Entdecke mir die Mord- Geschwader, die mir mit Sünden nahe geh'n, laß die Erkenntniß kräftig sein und bringe mich zur wahren Reu': Schaff', daß die Buß' einmal gedeih' durch Deines Lichtes Gnadenschein. 4. In solchem seh' ich mich entdecket, der Andacht schlechten Fleiß und Kraft; die Luft, die nur dem Fleische M. Christoph Bezels Abend- Andacht. schmecket; den Vorwitz, der nichts Gutes schafft, den Unbestand in meinem Thun, die Sicherheit im ganzen Leben; das Aergerniß, das ich gegeben: Mein GOtt! wie soll ich Sünder ruh'n! 5. Doch, Abba, sei mir Armen gnädig, sieh' meine Neu' und den Entschluß, nach dem ich mich vor Dir stets thätig im Christenwandel zeigen muß. Nimm mich in Chrifto wieder auf, kann ich in Dein Verdienst bestehen, so sucht mein Dank in Zionshöhen, zu Dir den ungekränkten Lauf. 284 6. Wiewohl Dir weiht mein ganzes Leben für tausend Güte Ruhm und Preis, nur heut' haft Du so viel gegeben, als ich nicht auszureden weiß. Dein' Wohlthat nähret Seel' und Leib. Du läsfest Gnad' für Recht ergehen, wie sollt ich nicht so freudig stehen, da ich in Dir gesegnet bleib'. 7. Dir, Dir ist dankbar zuzuschreiben, daß ich gesund und lebend bin, muß jener krank im Bette bleiben, rafft diesen Tod und Unfall hin, so weiß ich mich von Dir ges schützt, sig' ruhig, satt und wohl gekleidet, ich werde noch vom Glück geweidet, da jener lang' im Kummer schwitzt. 8. Auch hat die Sünde, heut zu siegen, die größte Kraft an mir gewagt; Du aber lehrest mich so kriegen, daß ich noch einen Sieg erjagt, Du haft mir Lehr' und Rath ertheilt, Du läsfest Werk und Wort gedeih'n: Drum muß mich Deine Liebe freu'n, die nicht zu streng zu strafen eilt. 9. Hab' Dank für diesen großen Segen, den dieses heute mir gebracht, laß solchen mich doch stets erwägen, erfreu mich auch in dieser Nacht mit gleichem Glück und Sicherheit, laß mich den Morgen fröhlich leben und meine Ruh' in Dir gescheh'n: Denn Dein verbleibt mein Wohl geweiht. 10. Halt' auch die Liebsten, meine Freunde, in Deiner Engel Schutz verwahrt; laß alle Menschen, auch die Feinde, vornehmlich Christen wahrer Art, vor jedem Unfall ficher Zufällige Gedanken. fein! Laß uns vom Feuer, Wetter, Dieben, Erbarmer! nimmermehr betrüben, so schlafen wir mit Freuden ein. 285 C. F. S. Bufällige Gedanken über die Verwirrung und Wiederkehr eines bußfertigen Sünders. Wo o flieh' ich Sünder hin? Wo find' ich Sicherheit? Wo soll ich vor dem Grimm des Höchsten mich verftecken? Ach, wer vertheidigt mich vor dessen Strengigkeit? Wer läßt sich gegen Ihn zu meinem Schutz erwecken? O düst'rer Wiederschall, der mir in Antwort ruft: Verruchter Bösewicht, verdammter Sklav' der Sünden, Kein Fels bedecket dich, du kannst in keiner Kluft Den sichern Aufenthalt vor deinem Richter finden, Du warest in das Kleid der Thorheit eingehüllt: Du bist im weichen Schooß der Sicherheit geseffen Und haft dein Sündenmaaß bis oben angefüllt, Drum wird der Strafe Maaß dir völlig zugemessen. Ich Unglückseliger, was hab' ich doch gethan, Daß ich den breiten Weg der Bosheit mir erkoren? Was aber fang' ich jetzt in meinem Jammer an? Da Erd' und Himmel mir den Untergang geschworen, Was fang' ich Armer an? Eil' ich dem Himmel zu? Ach, dieser wird vor mir unfehlbar zugeschlossen. Wähl' ich den Bau der Welt und such' in solchem Ruh', Daraus wird mich der Tod bald grausamlich verstoßen. Soll ich denn endlich mit dem finstern Ort der Qual, Zufällige Gedanken. Den schwefelvollen Pfuhl, den weiten Schlund der Höllen, Zum Aufenthalt erseh'n? Ach, soll denn auch der Zahl Der bösen Geister ich mich künftig zugesellen? Onein, ich will vielmehr den eingefangnen Fuß Aus dem Verzweiflungsnetz behend zurücke ziehen, Ich will in wahrer Neu' und ungefärbter Buß' Hin zu dem ew'gen GOtt, als meinem Vater, fliehen, Vor dessen Majestät und hoch erhab'nem Thron Soll sich mein schwaches Knie in tieffter Demuth beugen. Ich will, wie jenes Mal der ungerath'ne Sohn Vor seinem Vater that, mein Unrecht nicht verschweigen. Vielleicht erweist der HErr mir noch Barmherzigkeit, Und läßt die wider mich gefaßte Ruthe schwinden, Vielleicht ertheilt Er mir den tröstlichen Bescheid: Tritt her, mein Sohn! Ich will dich deiner Last entbinden. Wohlan, es sei gewagt, ich fasse frischen Muth Und will mit rechtem Ernst zum Werk der Neue schreiten. Es soll mein schüchtern'r Geist nun in der wilden Fluth Der Widerspenstigkeit nicht ferner Schiffbruch leiden, Dreieinig großer GOtt: Du Schöpfer dieser Welt, Hier wirft sich Dein Geschöpf gebückt zu Deinen Füßen. Der Knecht, der Deiner Hand sich selbst nicht würdig hält, Sucht seine Missethat bei JEsu Kreuz zu büßen; Vernimm, o Jehovah! mein ängstiges Geschrei, Erlaube, daß ich dich darf wieder Vater nennen, Ach, neige doch Dein Ohr, Dein zartes Ohr, herbei Und höre, denn ich will Dir Alles gern bekennen, 286 Es heget mein Verstand nur dicke Finsterniß, In meinem Willen steckt nichts als verkehrtes Wesen, Aus meinen Neigungen( ich sag' es ohn' Verdruß) Läßt die Verwirrung sich mehr als zu deutlich lesen. Ich habe Dein Gericht oft freventlich verlacht 287 Zufällige Gedanken. Und meine Seel' sogar selbst wider mich bestochen. Den Bund, den ich mit Dir in meiner Tauf' gemacht, Hab' ich verweg'ner Mensch in jedem Punkt gebrochen, Und kurz, es ist an mir nicht das geringste Gut', Ich bin ein böser Baum, aus faulem Grund entsproffen, HErr! siehe nicht auf mich, als durch das theure Blut, Das Dein unschuld'ger Sohn am Kreuz für mich vergoffen, Verbirg Dein Antlitz nicht vor mir in einem Grimm Und lasse Dich der Straf', die Du gedrohet, reuen, Du Fürst der Herrlichkeit, laß meine Glaubensstimm', Ach, laß dieselbe Dein Urtheil überschreien; Willst Du denn in's Gericht mit mir, dem Sünder geh'n, So wird mein böses Herz gleich Espenblättern beben, Und voller Furcht und Scham vor Deinen Schranten steh'n. Auf Tausend kann ich Dir nicht Eins zur Antwort geben, Ich muß es frei gefteh'n; es ist kein Advokat Auf diesem großen Platz der Erden aufzutreiben, Es ist kein Sterblicher, der mit bedachtem Nath Für meine Sachen könnt' mir einen Schußbrief schreiben. Drum wird mein bleicher Mund nur meiner Worte Grab, Der Sinnen Kraft versinkt in einen Strom der Thränen. Mein kummervoller Geist bricht sein Bekenntniß ab Und will aus fremdem Mund nur dieses noch erwähnen: Bin ich gleich von Dir gewichen, Stell' ich mich doch wieder ein. Hat uns doch Dein Sohn verglichen Durch Sein' Angst und Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld, Aber Deine Gnad' und Huld 288 Benjamin Schmolkens Lieder. Ist viel größer, als die Sünde, Die ich stets bei mir noch finde. Benjamin Schmolkens Lieder. Beschluß. Mel.: Wer nur den lieben GOtt läßt walten. Ich schließe mich zu allen Stunden in meines JEsu Wunden ein. Hier hab' ich immer Ruhe funden, da soll auch gar mein Himmel sein. Und jagte man mich aus der Welt. Hier ist der Ort, der mich behält. 2. In JEsu tiefe Wunden- Maale versenk' ich meiner Sünden Schuld, aus JEsu rother Wunden- Schaale schöpf' ich auch Seines Vaters Huld, bei JEsu Wunden, Blut und Tod vergess' ich alle meine Noth. 3. O wundervolle JEsuswunden, ich leb' und sterbe nur in euch, und hab ich eure Kraft empfunden, so dring' ich durch in GOtts Reich: weil ihr die rechten Pforten seid zur allergrößten Herrlichkeit. 4. Gebt meiner Seele eine Stelle, wenn sie wird in die Stille geh'n, und werdet mir zur Gnaden- Quelle, wenn ich einmal vor GOtt soll steh'n, Ja, redet selbst alsdann aus mir, ihr theuren JEsuswunden ihr. Das Ende. Mel.: Was GOtt thut das ist wohlgethan. Wohl dem, der stets an's Ende denkt, der wird nicht ficher leben. Wenn er den Sinn zum Grabe lenkt und lernet Achtung geben, daß uns zuletzt ein Ziel gesetzt, so wird er sich bei Zeiten auf seinen Tod bereiten. 289 Benjamin Schmolkens Lieder. 2. Niemand weiß seinen Sterbetag, GOtt hat ihn ausersehen; wohl dem, der jeden Seigerschlag den Seufzer lässet wehen: HErr, lehre mich beständiglich nach einem andern Leben vor meinem Tode streben. 3. Die Sünde kann uns zwar den Tod durch ihren Gift verbittern; doch wem er nur in Buße droht, darf nicht vor ihm erzittern. Sein scharfer Pfeil darf keinen Theil an unsrer Seele haben, und nur den Leib begraben. 4. Ein Chrifte wandelt himmelan, da ist sein rechtes Erbe. Trifft er gleich eine rauhe Bahn, und Sterben schmecket herbe. Der Glaube sieht, was dorten blüht; er kämpfet, laufet, ringet, als er in's Schauen dringet. 5. Die Welt muß doch verleugnet sein, sie hält uns gerne wieder. So geht kein Mensch zum Leben ein, er tödtet seine Glieder; der ist bereit, der in der Zeit des Fleisches Luft begräbet und nur dem Geifte lebet. 6. Mein GOtt! vielleicht ist es nicht weit zu meinem Tod und Grabe. Gieb, daß ich meine Sterblichkeit stets in Gedanken habe, und immerzu noch Buße thu', daß mich der Tod nicht finde in unbereu'ter Sünde. 7. So lang' ich lebe, leb' ich Dir, sterb' ich, Dir will ich sterben, und tritt der Tod vor meine Thür, so laß mich nicht verderben. Auf Chrifti Blut fterb' ich ganz gut, in Seine treue Hände befehl' ich mich am Ende. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele, und zc. Ah, HErr! lehre mich bedenken, daß ich einmal sterben muß. Lehre mich die Sinnen lenken auf den letzten Lebensschluß. Stelle mir mein Ende für und erwecke die Begier, mich noch bei gesunden Zeiten auf das Grab wohl zu bereiten. 2. Endlich muß ein Licht verbrennen, endlich läuft der Seiger aus. Also muß ich wohl bekennen, daß ich dieses 19 Benj. Schmolk. Benjamin Schmolkens Lieder. Leimenhaus endlich auch gesegnen muß, denn es ist der alte Schluß: Menschen, als des Todes Erben, müssen auch im Tode sterben. 3. Wenn wir kaum geboren werden, ist vom ersten Lebens- Tritt, bis in's kühle Grab der Erden uns ein kurz gemess'ner Schritt. Ach, ein jeder Augenblick geht mit unsrer Kraft zurück, und wir sind in jedem Jahre allzureif zur Todten- Bahre. 290 4. Und wer weiß, in welcher Stunde uns die letzte Stimme weckt. Denn GOtt hat's mit Seinem Munde keinem Menschen noch entdeckt. Wer sein Haus nun wohl bestellt, geht mit Freuden aus der Welt: Da die Sicherheit hingegen ew'ges Sterben kann erwägen. 5. Predigen doch meine Glieder täglich von der Sterblichkeit. Leg' ich mich zur Ruhe nieder, zeigt sich mir das Leichenkleid. Denn der Schlaf stellt für und für seinen Bruder Tod mir für! Ja, das Bette will mir sagen: So wird man in's Grab getragen. 6. Drum, mein GOtt! lehr' mich bedenken, daß ich niemals sicher bin. Will die Welt mich anders lenken, ach, so schreib' in meinen Sinn: Du mußt sterben, Menschenkind! Daß mir alle Luft zerrinnt, die mir sonst in eitlen Sachen kann der Tod geringe machen. 7. Laß mich nicht die Buße sparen, bis die Krankheit mich ergreift; sondern bei gesunden Jahren, ehe sich die Sünde häuft, laß mich täglich Buße thun; daß das allerletzte Nun mich befreit von aller Sünde und mit Dir verjöhnet finde. 8. Nun, mein GOtt! Du wirst es machen, daß ich fröhlich sterben kann. Ich befehl' Dir meine Sachen, nimm Dich meiner Seele an. Deines Sohnes theures Blut komme mir alsdann zu gut, daß mein letztes Wort auf Erden: JEsus, JEsus möge werden. Benjamin Schmolkens Lieder. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele, und 2c. Ach, wie freu' ich mich, zu sterben, wenn es meinem GOtt gefällt. Denn es bleibet nur Verderben in der elendsvollen Welt. Unser Leben voller Leid, voller Thränen unsre Zeit. D, wie selig, wer gestorben, der hat Besserung erworben. 291 2. Defters sucht man ein Vergnügen und trifft doch nur Jammer an, was sich soll zur Freude fügen, führt uns eine Dornenbahn. Alle Lieb' und Treu' ist todt, und statt deren wird die Noth alle Stunden neu geboren, daß wir ganz zur Pein erforen. 3. Lieber GOtt! mach' es ein Ende, wenn es gut und selig ist; reiche mir die Vaterhände in der letzten Todesfrist. Ach, wie wohl wird mir doch sein, wenn ich werde schlafen ein; doch, soll es noch länger währen, wirst Du, HErr, Geduld bescheeren. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Die Zeit geht hin, ach, wie geschwinde läuft unser ganzes Leben fort. Gleichwie ein Schiff, gejagt vom Winde, so eilt es auch zu seinem Port; und was vergeht, kommt nicht zurück, auch nicht ein kleiner Augenblick, 2. Der Tod kommt her auf allen Schritten, der Reiter auf dem fahlen Pferd hat uns gar leichtlich überritten, weil man zu leben noch begehrt. Er wartet täglich vor der Thür. Mir gilt es heute, morgen dir. 3. D, Mensch, thu' recht in deinem Leben, und fürchte GOtt, so hat's nicht Noth. Es mag die Zeit auf Flügeln schweben, es komme, wenn er will, der Tod. So bist du immer wohl bereit't und folgt der Zeit die Seligkeit. -sout bee 19* 292 Anhang einiger geistreichen Wetter- Gebete. Im Fall der andächtige Beter durch die Heftigkeit des Donners vom Schlaf erweckt und aus seinem Bette aufzustehen bewogen würde, kann er nach seinem gewöhnlichen Segen fortsetzen zu seufzen: GOtt sei uns gnädig und segne uns! Der HErr laffe Sein Antlitz leuchten über uns, daß wir auf Erden erkennen Seine Wege! Er segne uns, GOtt! und alle Welt fürchte Ihn! GOtt! Vater, der Seinen Sohn des Kreuzes Pein für uns hat lassen leiden, erhalte uns! JEsus von Nazareth, ein König der Juden, für uns gestorben, bewahre uns! GOtt, der heilige Geist, der uns mit der Salbung und Zeichen des heiligen Geistes geheiligt und gezeichnet hat, beschütze uns, daß uns kein Unfall widerfahre. Amen. Unter dem Ankleiden kann hierauf gesungen und gebetet werden: GOtt, der Vater, wohn' uns bei 2c. Gebet bei entstehendem Wetter. Laß dieses Wetter, sonder Schaden, Von unserm Haus und Hütten steh'n, Und uns die Menge Deiner Gnaden Auch aus den schwarzen Wolken seh'n. Geistreiche und andächtige Wetter- Gebete. 293 Gedenke nicht der schweren Sünden, Ach, liebster Vater! hab' Geduld, O GOtt! laß uns von uns'rer Schuld Das Blut von Deinem Sohn entbinden. Amen. D Du ewiger, allmächtiger GOtt! Beherrscher und Regierer aller Dinge. Wie herrlich ist Dein Name in allen Landen. Du kleideft den Himmel mit Wolken, machest denselben zu kleinen Tropfen und treibst fie gewaltig zusammen zum Regen, damit sie herabfließen und triefen auf die Menschenfinder und erquickst das Dürre. Du machst Deinen Blizz entstehen und leuchten über den ganzen Erdboden und bedeckst alle Enden des Meeres. Du läsfest Deine Stimme fallen und donnerst mit Deinem Donner in der Höhe, daß man merke Deinen ausgereckten Arm und Niemand kann Deiner Macht entrinnen. Du hältst den Hagel zurück bis zur Zeit der Trübsal; alsdann so müssen seine Strahlen schießen, gleichwie von einem hart gespannten Bogen, und bereitet ihn sammt der Feuerflammen, den Gottlosen zur Strafe. Ach, HErr! siehe, wir bitten Deine große unendliche Güte und Treue, zertrenne und hintertreibe dieses hervordringende Wetter mit Deinem Alles vermögenden Arm, auf daß es uns und was Du uns beschert haft Geistreiche und andächtige nicht beschädige noch verderbe. Wenn es aber nach Deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen hereinbrechen und entstehen sollte, ach, so verwandle die heidnische Furcht und das knechtische Entseßen in eine kindliche Zuversicht und Vertrauen zu Dir! Denn unsere Seele harret auf Dich und Du bist unsere Hoffnung. Beschüße uns, Dein erwähltes Israel, in dem Lande Gosen Deiner Barmherzigkeit und laß es ohne Schaden wieder weichen. Gedenke nicht an die Menge unserer Sünden und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten; sondern erbarme dich unser! denn wir stehen und verbergen uns vor Deinem gerechten Zorn in die theuren, vielgültigen Wunden JEsu Christi, daselbst Dein Grimm nicht auf uns Donner strahlen wird. Amen. Ach, GOtt und HErr! wie groß und schwer zc. Das zweite Gebet. Wenn der Höchste donnert, so ist des Wassers die Menge unter dem Himmel und zeucht die Nebel auf vom Ende der Erden, Er macht die Blizze im Regen und läßt die Winde kommen aus heimlichen Dertern. Jer. 10, 13. Des Donners Knall, 294 Des Hagels Fall Sind gewißlich helle Glocken, Damit GOtt zur Buß will locken. Wetter- Gebete. 295 D GOtt, Du starker GOtt! der Du ewiglich lebst, gegen welchen Alle, die auf Erden wohnen, wie Nichts zu rechnen sind! Du machst es, wie Du willst, beide mit den Kräften im Himmel und mit denen, die auf Erden wohnen. Dir, HErr! ist Niemand gleich, Dir ist Alles unterworfen und muß Alles Dein Wort ausrichten. Wer sollte Dich nicht fürchten, Du König der Heiden? Dir sollte man ja gehorchen. Du thust große Dinge, die nicht zu erforschen sind und Wunder, deren keine Zahl ist. Du bist ein GOtt! Deinen Zorn kann Niemand stillen, Du verhältst den Hagel auf die Zeit der Trübsal und auf den Tag des Streites und Krieges. Du hast auch die Winde ein Theil zur Rache erschaffen und durch ihr Stürmen thun sie Schaden: Feuer und Hagel sind auch zur Rache erschaffen und thun mit Freuden Deinen Befehl. Wir hören jetzt, lieber GOtt! wie Dein Donner zürnt und brüllt und was für Gespräch von Deinem Munde ausgeht, wir hören Deine Stimme und zittern vor Deiner hohen Majestät! Dieweil Du aber nicht zürnst wie ein Mensch und nicht thun willst nach Deinem grimmigen Zorn, noch Dich kehren, uns gar zu verderben, so beugen wir die Kniee unserer Herzen und bitten Dich Geistreiche und andächtige demüthiglich, Du wollest uns gnädig sein, unsere Sünden tilgen und dämpfen und sie in die Tiefe des Meeres werfen. Behüte uns, o HErr! vor Deinem grimmigen Zorn, der unerträglich ist, daß wir nicht sterben; beschere uns einen gnädigen Regen, der fruchtbar und wachsend mache und laß dies zornige, ungestüme Wetter ohne Schaden vorüber gehen. Gieb uns Kraft und segne uns, Dein Volk, mit Friede, Amen! O großer, starker GOtt. Amen. Wenn wir in höchsten Nöthen sein 2c. 296 Das dritte Gebet. Du wirst vom HErrn Zebaoth heimgesucht werden mit Wetter und Erdbeben und großem Donner, Windwirbel und Ungewitter und mit Flammen des verzehrenden Feuers. Jes. 29, 6. Du höchster GOtt Siehst uns're Noth, Dent' an Deine große Güte, Uns vor allem Leid behüte. Großmächtiger und starker GOtt, im Himmel und auf Erden! Durch diesen Donnerschall willst Du uns, als durch die rechten Bußglocken, zur Erkenntniß unserer Sünden und zur wahren Buße locken, damit wir nicht mit der gottlosen, bösen Welt verdammt werden: Ach, HErr! so mächtig bist Du, daß, wenn Du der Strenge nach mit uns Wetter- Gebete. 297 verfahren wollteft, so könntest Du uns und die ganze Welt in einem Augenblick, mit einem einzigen Donnerschlag und Blizz, verderben: Ach, lieber HErr! laß doch Deinen grimmigen Zorn fallen und sinken! erbarme Dich unser, verschone unser, erhebe über uns Dein gnädiges Angesicht und sei uns barmherzig; bewahre unser Leib und Leben, Haus und Hof, Stadt und Land, Hab' und Gut, die Früchte auf dem Felde und Alles, was wir haben, vor allem Nachtheil und Schaden; behüte uns auch vor einem bösen, schnellen Tod und verleihe gnädiglich, daß viel Sünder durch Dein Wort, Donnern und Blißen, vom gottlosen Leben und Wesen abgeschreckt, sich von Herzen zu Dir bekehren, alle Stund' und Augenblick an Deine herrliche Zukunft des jüngsten Gerichts denken und bereit seien, Dich mit Freuden zu empfangen und mit Dir zur ewigen Freude einzugehen, um JEfu Chrifti und Seines vergossenen rosinfarbenen Blutes willen. Amen. HErr, erbarme dich über uns 2. Nimm von uns, HErr! Du treuer GOtt 2c. Das vierte Gebet. Bei stark anhaltendem Wetter. Sen ewaltiger und erschrecklicher GOtt! Du läsfest Deinen Donner abermal hören in 298 Geistreiche und andächtige den Wolken mit großer Kraft und Deine Bliße leuchten von einem Ende der Welt zum andern! Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und müssen auch die starken Felsen und Steine Deinen Donnerkeil fürchten! Du machst durch Deine Machtstimme, daß sich alle Völker auf Erden entseßen, alle Thiere in den Wäldern versammeln, alles Gevögel aus den Lüften versteckt, alles Gewürm auf Erden verfriecht, alle Wälder und Felder erschallen, alles Erdreich zittert und bebt, alle Fische im Meere heftig erschrecken, und weisest damit den Uebertretern und Ungläubigen, daß Du, gerechter GOtt! im Himmel noch lebst und über ihre Missethat billig zürnst. Ach, HErr! sei doch gnädig mir armen Sünder, der ich Dich vielleicht auch oft mit meiner Missethat erzürnt, und Deinen Grimm mit bösen Werken erregt habe! Halt' inne mit der Ruthe, verschone mit der Strafe, wende alle gefährlichen Schläge, verhüte alles schädliche Zünden und Feuer, weise ab allen verderblichen Hagel und laß uns ja nicht durch ein plötzliches Unglück übereilt, noch durch dieses schreckliche Gewitter gerichtet werden! siebe, mein Herz ist in Aengsten und mein Geist betrübt! Meine Gebeine sind erschrocken und meine Wetter- Gebete. 299 Seele ist erschrocken! Gedenke doch an Deine überschwengliche Barmherzigkeit, nach welcher Du Gnade läsfest vor Recht gehen! Erinnere Dich Deiner großen Langmuth, nach welcher Du die Sünder nicht auf frischer That heimsuchst! Erwäge den theuern Eid, der aus Deinem Munde gegangen, daß Du an feines Sünders Tode noch Verderben einigen Gefallen habest. Ja, siehe an Deines ewigen Sohnes bittern Tod und Sein' heilig fünf Wunden roth! Die sind für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; deß trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barmherzigkeit! O, mein Heiland, Christo JEsu! Du bist ja der allmächtigste Mann, dem Wind und Meer, Feuer und Schnee, Hagel und Dampf, Sturm und alle Wetter gehorchen müssen, stille doch dieses grausame Ungewitter, bedräue den Wind, wehre dem Blizz, steure dem Donner und laß uns nach diesem finstern Wetter die angenehme Sonne bald wieder scheinen! Und Du, GOtt, heiliger Geist! steh' mir bei mit Deinem Trost, stärke mich im Glauben und Vertrauen, befestige mich in der Hoffnung, vertritt mich mit unaussprechlichem Seufzen und laß mich bei diesem Sturm weder an Leib noch Seele verwahrloset werden! Nun, der HErr segne 300 Geistreiche und andächtige mich und behüte mich! Der HErr erleuchte Sein Angesicht über mich und sei mir gnädig! Der HErr erhebe Sein Angesicht auf mich und gebe mir Friede. Amen. Lied, bei entstandenem Ungewitter, zur Erweckung der Andacht zu gebrauchen. M. Christoph Bezels, P. L. C. Mel.: Mein Vater, zeuge mich 2c. Jeht, da das Firmament bewegt und trauernd ſtehet; die Erde ganz erbebt; das Vieh ganz schüchtern eilt; da selber die Natur vor GOtt zu eifern gehet, bin ich der Mensch allein, der mit der Buß' verweilt. 2. Ich sehe Blizz und Feuer und höre meinen Schöpfer, der meiner Sicherheit schon mit dem Garaus dräut; mit Recht verwirft mich GOtt, gleichwie den Thon der Töpfer, weil ich so mißgebraucht den Schatz der Gnadenzeit. 3. Je öfter ich, mein GOtt! die Besserung versprochen: je mehr mich Deine Huld an Liebesseilen zog, je mehr hat nach der Zeit das böse Kind verbrochen, das durch die Heuchelbuß' sich bis hieher betrog. 4. HErr! wolltest Du mit uns in das Gerichte gehen, wär' Deine Huld erschöpft und lohntest Du nach Recht; wer wollte, Heiligster! vor Deiner Macht bestehen? doch Deine Langmuth trägt das sündliche Geschlecht. 5. Du willst der armen Erd', der schnöden Asche schonen, die sich voll Blödigkeit vor Deinem Throne beugt! Du pflegst nicht nach Verdienst und nur nach Gnad' zu lohnen, wenn unser Weihrauch nur Dein Vaterherz erreicht. Wetter- Gebete. 6. Israel mag gleichwohl am Horeb flüchtig werden, da Deine Majestät mit Fluch und Donner schreckt; mich aber zieht Dein Schall zum Himmel von der Erden, so bleib' ich vor dem Sturm, vor Noth und Tod bedeckt. 301 7. Mich hat mein Glaube schon von banger Furcht be= freiet! da ich nunmehr Dein Kind, nicht Knecht alleine bin, des Geistes Freudigkeit, die Deine Furcht erneuet, nimmt, was noch heidnisch ist, aus meinem Fleische hin. 8. Ich zähle zwar die Meng' der Sünden an den Schloßen, die der erregte Sturm auf Frucht und Felder streut; doch mit dem Regen kommt Sein Zährenstrom geflossen, der Brust und Herzen hilft zu neuer Fruchtbarkeit. 9. Kaum wach' ich Sünder auf aus jenem Schlaf der Sünden, der mir den Untergang bereits gedrohet hat, so läßt mein Goel sich als einen Bürgen finden, und wandelt Furcht in Trost, gleichwie den Zern in Gnad'. 10. Er läßt mich mit Vernunft jetzt aus der Wirkung schließen, daß, wie zur Fruchtbarkeit das Donnern dienlich war, so habe GOttes Ernst auch mich erwecken müssen; mithin vergeß ich schon der Angst und der Gefahr. 11. Immanuel, mein Hort, wird mich, Sein Schäflein, decken, da Er den Himmel selbst zum Schafftall mir geweiht; daß ich die Glaubenshand getroft nach Ihm strecken, weil er mir auch im Sturm die Hand der Liebe beut. 12. Mein Hort! befestige der Jünger schwachen Glauben, daß sie auf Dir, dem Fels, bis in den Tod besteh'n, in Deiner Seitenhöhl' verwahr' uns, wie die Tauben, so werden Sturm und Strahl beglückt vorübergeh'n. 13. Heißt aber dies die Stund', mein Heiland! mich zu richten, so muß die Gnad' so groß als meine Sünde sein! Nicht in dem Wetter nur nach Deinen Mittlerpflichten, so führt, Elia gleich, die Seel' zum Himmel ein! Amen. 302 Geistreiche und andächtige Das fünfte Gebet. von und mächtig von That, thust große Dinge, die nicht zu forschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind, und ist unbegreiflich, wie Du regierst; Deine Wege sind im Wetter und im Sturm; Du machst durch Deine Kraft die Wolken dick, daß Hagel herausfällt: Du kleideft den Himmel mit Dunkel und machst seine Decke als einen Sack: HErr! Du machst die Bliße im Regen und läsfest den Wind kommen aus heimlichen Orten, Du uchst die Gottlosen heim mit Wetter und Erdbeben, mit Windwirbel und Ungewitter und mit Flammen des verzehrenden Feuers. Weil wir denn nun bis daher wider Dich mißgehandelt und gottlos gewesen, als stehen wir in großen Sorgen, es möchte an uns erfüllt werden, was der heilige Prophet Jeremias gesprochen hat und gedroht: Siehe, es wird ein Wetter des HErrn mit Grimm kommen, ein erschreckliches Ungewitter wird den Gottlosen auf den Kopf fallen. Denn des HErrn grimmiger Zorn wird nicht nachlassen, bis Er's thue und ausrichte, was Er im Sinn hat. Weil Du aber, o Du Liebhaber des Lebens! Buße für die Sünde willst Wetter- Gebete. 303 annehmen: also beugen wir die Kniee unsers Herzens und bitten Dich, HErr! um Gnade: Wir bitten und flehen, vergieb uns, o HErr! vergieb uns, laß uns nicht in unsern Sünden verderben und laß die Strafe nicht ewiglich auf uns bleiben. Siehe an die Striemen, die Wunden und das Blut Deines lieben Sohnes JEfu Chrifti, unsers einigen Heilandes! und sei uns gnädig, vergieb die Sünden und erlasse auch zugleich die Strafen der Sünden, so wollen wir danken unser Lebenlang und Deine Treue verkündige für und für. HErr! Deine Güte sei über uns, wie wir auf Dich hoffen. Amen. Um demüthige und gnädige Errettung. Ah, schone, schone, lieber GOtt! ach, handle doch mit Gnaden! es kostet Dich nur ein Gebot, so sind wir ohne Schaden: was du befiehlft, das muß geschehn! Dir, HErr! kann gar nichts widersteh'n, es muß Dir Alles folgen. 2. So wird demnach dies Wetter nun, das in der Luft vorhanden, auch ohne Dich gar Nichtes thun, und wenn es schon entstanden, so stellst Du ihm noch Maaß und Ziel, ob es soll wenig oder viel in dieser Welt verrichten. 3. Demnach so kommen wir zu Dir, als denen angst und bange, und klopfen an vor Deiner Thür, daß man die Gnad' erlange: Daß dieser Blitz und Feuerstrahl, HErr! unsre Sünde nicht bezahl', noch uns der Donner tödte. Geistreiche und andächtige 4. Denn wenn Du, wie wir würdig sind, wirst unser Thun belohnen, so kann kein Sonnenschein noch Wind der armen Menschen schonen, und wird also in aller Eil' uns nun vielmehr Dein Donnerkeil zerschlagen und zerschmettern. 5. Doch, HErr! Du wirst Dir Deinen Ruhm ja nimmer lassen nehmen, wir sind ja doch Dein Eigenthum, wiewohl wir uns fast schämen, und billig mit gesammter Hand verfluchen unsern Sündenstand, darein wir sind gerathen. 6. Es ist uns leid, was wir gethan, hilf, daß man sich bekehre, und führ' uns, GOtt! auf eb'ner Bahn und Deinen Willen lehre! Erhör', HErr! unsers Herzens Stimm' und straf' uns nicht in Deinem Grimm, auch nicht in Deinem Eifer. 304 7. Laß diesen Donner nur allein ein Zeichen Deiner Gnaden, nicht aber Deines Eifers sein, und laß ihn ohne Schaden, o liebster GOtt! vorüber geh'n, damit wir Alle klärlich seh'n, daß Du seist meine Güte. 8. So wollen wir hinwiederum, so viel hier unser Leben, ganz wohl bedacht mit heller Stimm' Dir die Gelübde geben: daß wir, o GOtt! bei Dir allein im Tod und Leben wollen sein; es geh' uns, wie es wolle. Das sechste Gebet. ewiger, allmächtiger, wahrhafter, lieber, treuer GOtt, himmlischer Vater! Ich erkenne und bekenne von Grund meines Herzens, daß ich leider ein großer, schrecklicher Sünder bin und die Zeit meines Lebens böslich mit wissentlichen und unwissentlichen Sünden zugebracht, auch damit nicht allein zeitliche, sondern auch ewige Strafe und Ver Wetter- Gebete. 305 dammniß leider nur allzuwohl verschuldet habe. Aber ach, mein lieber Vater, ich komme in der Zeit der Gnaden zu Dir und bitte Dich um Deines lieben Sohnes JEsu Chrifti, meines lieben Sündenträgers und Gnadenthrons willen, Du wolltest mir alle meine greulichen Sünden verzeihen, Deinen gerechten Zorn gegen mich schwinden und fallen lassen, mich auch sammt den Meinigen in Deinen gnädigen, allmächtigen Schuß und Geleite fassen, Deine Flügel über mich ausbreiten und da es zu Deinen Ehren und meiner Seligkeit gereichen soll, mich in diesem Wetter unbeschädigt erhalten. Wo es aber in Deinem Rath beschlossen ist, daß ich soll von hinnen scheiden, mich gnädiglich aus diesem betrübten Jammerthal in Deinen himmlischen Freudensaal leiten. Hilf, allerliebster Vater! daß der Donner mein schlafendes Gewissen erwecke, daß ich Dich, starfer GOtt! fürchte und vor Augen habe, verkürze die Zeit und laß einmal den letzten Donner und Posaunen erschallen, daß ich sammt allen, die in den Gräbern sind, auf solches Getöne mit Freuden aufwache, Deinem lieben Sohn in den Lüften entgegen gerückt werde, Dich von Angesicht zu Angesicht sehe und unter Deine Schäflein gestellt die freudenreiche Benj. Schmolt. 20 Geistreiche und andächtige Stimme meines HErrn Christi höre: Kommt her, ihr Gesegneten Meines Vaters! ererbet das Reich, das euch von Anbeginn bereitet ift. Amen. 306 Demüthiges Bußlied. N, GOtt! Dein schrecklich großer Grimm uns blöd und zaghaft machet, wenn Deine starke Donnerstimm* ob uns in Wolken krachet, dieweil das Wetter sauft und braust, darum uns schwachen Menschen graust, die Blize uns erschrecken. 2. Der Erdenkreis erschüttert sich, der sich sonst gar nicht reget, wenn Du nur schnaubest, fürchtet Dich, der Berggrund wird beweget; Dein Arm ist stark, Dein' Hand ist schwer, die Strahlen wirfst Du hin und her, daß wir darob erzittern. 3. Wir hätten wohl verdient, o GOtt! mit unsern Uebelthaten, daß Du uns solltest schlagen todt, weil Niemand sich läßt rathen: Doch, weil wir Deine Kinderlein, die Schafe Deiner Heerde sein, so hoffen wir das Beste. 4. Kein'n Ort wir wissen in der Welt, dahin wir sicher fliehen, die Creatur zur Rach' sich stellt, des Schöpfers Wort vollziehen: Wir wissen nichts als Deine Gnad', die groß als Du, kein Ende hat, und täglich neu aufgehet. 5. Wir schreien aus dem Jammerthal, durch Christum, Deinem Sohne, hinauf zu Dir in Himmelssaal, um Seinetwillen schone. Ach, Vater! hab' mit uns Geduld, und straf' uns nicht, wie wir's verschuld't, Gnad', Gnad', wir herzlich bitten. 6. Laß nicht anzünden Deinen Blizz, was Du uns hast verehret: Vor Donnerschlägen uns beschütz', der Leib bleib' Wetter- Gebete. 307 unversehret. Sei Du bei uns in dieser Noth, behüt' vor bösem, schnellen Tod, auf Dich die Hoffnung stehet. 7. Bedeck' mit Deiner starken Hand Haus, Hak', Vich, Leib und Leben, erhalt' die Früchte auf dem Land und was Du sonst uns geben, vor Hagel, Feu'r und Wasserfluth, halt' uns o GOtt! in Deiner Hut, so preisen wir Dein' Güte. 8. Du bist allein der große GOtt, dem Donner, Blitz, Feu'r, Winde, all' Creatur steht zum Gebot, Dein'n Willen thun geschwinde. Ach, HErr! wo ist Dir Jemand gleich? Wer hat ein solch gewaltig Reich, dem Alles untergeben? 9. Darum sprich nur ein Wort, so weicht des schweren Wetters Grauen, denn Dein Wort mit Gewalt durchstreicht, dem wir allein vertrauen. Ach komm! ach komm! uns Hülf' beweis', so wollen wir Dir sagen Preis, von Deiner Allmacht singen. Ein anderes. Großmächtiger GOtt lebet noch, Seele was 2c. Das siebente Gebet. roßmächtiger GOtt! Deinem Namen sollen alle Gewaltigen auf Erden Ehre bringen und Dich, ewigen GOtt! anbeten in dem heiligen Schmuck; denn Du bist der HErr im höchsten Thron, Du beweiseft Deine Kraft an allen Orten. Die Stimme des HErrn geht auf den großen Wassern. Der GOtt der Ehre donnert. Die Stimme des HErrn geht mächtig und mit Macht. Die Erde bebt und wird bewegt und die Grundfeste der Berge regen sich. Dampf geht aus von Deiner Nase und verzehrend 20* Geistreiche und andächtige Feuer von Deinem Munde, daß es davon blißt. Dein Gezelt um Dich her ist finster und schwarze, dicke Wolken, darin Du verborgen bist, und Dunkel ist unter Deinen Füßen. Vom Glanz vor Dir trennen sich die Wol ken. Der HErr donnert im Himmel und der Höchste läßt Seinen Donner aus. Du bringst hervor die Winde aus Deinen verborgenen Löchern und treibst sie wieder an ihren Ort, wenn sie Deinen Befehl ausgerichtet haben. Es ist Dir Alles unterworfen, alle Dinge erkennen Dich für ihren Schöpfer und zittern vor Deiner göttlichen Majestät. Die hohen Berge und die Abgründe der Tiefen erschrecken, wenn Du zornig bist, der ganze Erdboden zittert, Meer und Wasser fliehen vor Deinem Zorn. Die Stimme des HErrn hauet die Feuerflammen. Die Stimme des HErrn reget die Wüsten. Der HErr bleibt König in Ewigkeit. Er wird Seinem Volk Kraft geben, der HErr wird Sein Volk segnen mit Frieden. O, gütiger GOtt! behüte uns vor Deinem grimmigen Zorn, der unerträglich ist, und vergieb uns unsre Sünde. Erleuchte Dein Antlitz über uns und sei uns gnädig. Verschone unser, daß dieses bevorstehende, zornige, ungestüme, grausame und sehr schwere Wetter ohne allen Schaden ab308 Wetter- Gebete. 309 und vorübergehe. Bewahre unsern Leib und Leben, Haus und Hof vor Entzündung des Wetters, vor Schießung der Strahlen, vor Donnerschlägen und allem Verderben. Desgleichen beschüße die Früchte auf dem Felde vor Schloßen und Hagel, vor großer Wasserfluth und vor allem Schaden. O, heiliger GOtt! behüte uns vor einem bösen Tod. GOtt, der Vater, der Seinen Sohn des Kreuzes Pein für mich hat lassen leiden, erhalte mich. JEsus von Nazareth, ein König der Juden, für mich gestorben, bewahre mich. Der heilige Geist, der mich gezeichnet hat mit der Salbung und mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, beschirme mich, daß mir kein Unfall widerfahre. Amen. Lied: O großer GOtt von Macht und ze. Das achte Gebet. Aft Wenn das Wetter lange anhält. Umächtiger, ewiger GOtt! barmherziger, lieber Vater, der Du gewaltig, schrecklich und herrlich, wenn Du Deine Macht in den Wolken hören läsfest. Wir arme, schwache, furchtsame und blöde Creaturen erkennen Deine Gewalt und große, herrliche Macht; Du bewegst die Erde, daß sie bebt vor Deinem Donner und die Grundfeste der Berge Geistreiche und andächtige regen sich; vom Glanz vor Dir her trennen sich die Wolken, denn der HErr donnert im Himmel und der Höchste läßt Seinen Donner aus, Deine Blizze leuchten auf dem Erdboden, das Erdreich sieht's und erschrickt. Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem HErrn, vor dem Herrscher des ganzen Erdbodens; HErr! von Deinem Schelten, von dem Odem und Schnauben Deiner Naſe. HErr! wir sehen und hören Deine Gewalt, stark ist Dein Arm und hoch ist Deine Rechte, wir loben, preisen und fürchten dieselbe und erschrecken billig vor Deiner Macht und vor Deinem Zorn, erkennen auch, daß wir mit unsern Sünden wohl verdient hätten, daß Du uns mit Deinem Grimm verderbest und zerschmetterst. Aber weil wir Dein armes Geschöpf und Kinder sind, und sonst nirgend vor Deinem Zorn hinfliehen könnten, denn zu Deiner grundlosen, holdseligen, väterlichen Gnade und Barmherzigkeit, so rufen wir aus diesem Elende und Jammerthal zu Dir im Himmel und bitten um Hülfe und Gnade, durch Deinen lieben Sohn, JEsum Chriftum. Ach, HErr GOtt! der Du bist ein Vater der Barmherzigkeit und GOtt alles Trostes, strafe uns nicht in Deinem Zorn und züchtige uns nicht in Deinem Grimm, laß uns Deine 310 Wetter- Gebete. 311 Blize, so da schrecklich leuchten, nicht beschädigen, unser Haus und Hof nicht anzünden, noch die harten Donnerschläge zerschmettern, sei Du bei uns in der Noth und behüte uns vor einem bösen, schnellen Tode. Tröste, stärke und erhalte uns in wahrem Glauben und herzlicher, kindlicher Zuversicht und Vertrauen auf Deine große Gnade und Barmherzigkeit. Bedecke mit Deiner allmächtigen Hand unser Leib und Leben, Haus und Hof, Vieh und Früchte auf dem Felde und alles, was wir haben; beschirme dieselben vor Schloßen, Hagel und Wasserfluthen. Bedecke uns mit Deinen Gnadenflügeln, bis Dein Zorn und das schreckliche Ungewitter vor übergehe. Ach, HErr! es müssen ja Donner und Blizz, Feuer und Wasser, Hagel und Sturmwinde Deinen Befehl ausrichten, aber sei uns gnädig und schone unser. Ach, HErr! wer ist Dir gleich, der so herrlich, löblich, heilig, schrecklich und wunderthätig ist? Beweise an uns, daß Du der rechte Nothelfer bist, ein Schuß zur Zeit der Noth, und laß uns Dein Vaterherz wieder sehen, durch Deinen heiligen und starken Namen JEfum Chriftum, welchem mit Dir und dem heiligen Geiste sei Ehre und Herrlichkeit, Lob und Preis in alle Ewigkeit. Amen. 312 Geistreiche und andächtige Seufzer bei harten Donnerschlägen. Abba! mein GOtt und Vater im Himmel! erhöre unser ängstliches Gebet und Flehen und hilf uns in dieser Noth, da keine Creatur uns helfen kann. Laß Dein liebreiches Herz über uns, Deine Kinder, brechen, uns nach dem trüben Unglückswetter bald die Sonne Deiner Gnaden wieder scheinen. HErr JEsu! sei uns gnädig und laß Deine heiligen Wunden und alle theuren Blutstropfen für uns bitten. Bedecke uns mit Deinem Schutz und Gnadenflügeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihren Flügeln beschirmt, und gieb, daß dieses Zornwetter bald vorübergehe. D, heiliger Geist! vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen vor dem Thron der göttlichen Majestät im Himmel, und tröste unsere erschrockenen Herzen, daß sie nicht vor Angst verzagen, sondern sich auf GOttes Gnade und Barmherzigkeit gewiß verlassen. Ach, HErr, Du dreieiniger GOtt! sei uns armen Sündern gnädig, so wollen wir Dich loben und Deinem Namen danken hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Gebet, wenn das Wetter Schaden gethan hat. allmächtiger, barmherziger GOtt und Vater unsers lieben HErrn JEfu Chrifti! Du hast uns leider in diesem schädlichen Wetter erschrecklich heimgesucht und mit Strahl, Hagel und Wasserfluth Deinen Zorn über uns ausgeschüttet, darüber mit uns Laub und Gras, Aecker und Weinberge und andere unserer Feldgüter trauern. Denn das Feld ist verwüstet, die Aecker stehen jämmerlich, das Getreide ist zerschlagen, so sehen auch die Weinberge kläg= 313 Wetter- Gebete. lich und die Bäume auf dem Felde sind verderbt und sonst viel Schaden und Jammer geschehen. Nun, unser GOtt! Du bist gerecht in Allem, was Du uns jetzt gethan haft, alle Deine Werke sind rechtschaffen und alle Deine Gerichte sind unsträflich, denn wir haben übel gethan, damit, daß wir von Dir männiglich abgewichen und Dir bisher ungehorsam gewesen sind: 3war, Du hast uns ein Hartes versetzt und das Brod, Wein und die Nahrung von unserm Munde hinweggenommen, aber Du haft dennoch in Deinem Zorn um Deines Namens willen uns, Dein Volk, nicht gar verstoBen, noch Deine Barmherzigkeit von uns genommen, sondern uns in der Trübsal die Gnade erzeigt, daß wir an Leib und Leben, an unserm Haus und Hof unversehrt ge= blieben sind und noch etliches Feldes verschont worden. Daran ist, o HErr! Deine Güte schuld, daß wir nicht gar aus sind, dafür wir auch von Herzen Dank sagen. Wir bitten Dich aber, herzlicher Vater! demüthiglich und kommen vor Dich mit zerschlagenem, betrübtem Geist, Du wolleft uns in unserm Kreuz und Elend durch Deinen heiligen Geist trösten und lehren, daß wir nicht wider Dich und Deine Creatur, sondern vielmehr wider unsere Sünden, mit welchen wir noch wohl größern Fluch verdient hätten, murren, solchen zugefügten Schaden für eine väterliche Züchtigung mit Geduld erkennen und ertragen und hinfüro unser sündliches Leben bessern. Dieweil aber Deine Hand nicht zu kurz ift, noch Dir zu schwer, durch viel oder wenig zu helfen, so wollest Du, o treuer GOtt! uns das Wenige, so in dem Wetter auf dem Felde überblieben, desto reichlicher segnen, Deine Kinder zu dieser bösen Zeit speisen und ernähren und vor großem Unfall binfüro väterlich behüten. Erhalte uns doch noch länger bei Deinem heiligen Wort in gutem beständigen Frieden; gieb uns gefunden Leib und pflanze in unser Herz die brüderliche Liebe, daß Einer sich 314 Geistreiche und andächtige des Andern in unserer Trübsal von Herzen annehme und erbarme, und wolleft nach Deinem väterlichen Willen diesen Abgang und Verlust künftig in andern Wegen gnädig erstatten und nach diesem elenden, mühseligen Leben uns Allen geben die himmlische Freude und ewige Seligkeit, durch JEsum Christum, unsern einigen Seligmacher, in Kraft des heiligen Geistes. Amen. Danksagung, wenn das Wetter glücklich abgegangen. Der Donner hört auf: Ach, GOtt und Vater! laß den Donner Deines Zornes auch aufhören gegen uns! Das Bligen läßt nach: Ach, hilf, HErr JEsu! daß wir immerdar gedenken an die letzte Zukunft, welche wird schnell kommen wie der Bliz. Das Donnern und Blißen hat uns erschreckt: Ach, edler Tröster, heiliger Geist! tröste uns wieder jetzt und allezeit, daß wir unserm GOtt getroft vertrauen, auf Seine große Macht feftiglich bauen und immer zu Ihm in den Himmel schauen. Nun ist das Wetter vorüber und hat sich gewendet: darum solle sich keiner verdrießen lassen, sich mit einem schönen Dankpsalmen zu GOtt in dem Himmel zu wenden; weil wir im Werk erfahren, daß GOtt unser in Gnaden gedacht, unsern Wunsch wegen väterlicher Erlösung erfüllt, sollen wir billig auch Seiner mit einer schuldigen Danksagung gedenken: Alsdann sind wir recht gläubig, wenn wir das, so wir mit Worten versprochen, im Werk erfüllen. Denn wer seine Augen im kindlichen Vertrauen zu GOtt im Himmel erhebt, denselben schaut Er hinwiederum väterlich an: Wer fleißig GOtt, seinem Wohlthäter und Beschüßer, für Alles dankt, an den gedenkt Er auch mit Wohlthun und Schuß je länger je mehr. Darum so laßt uns Wetter- Gebete. 315 mit unserer Danksagung mit fröhlichem Gemüthe vor GOtt kommen, weil Er uns aus dieser Noth geholfen hat. Ihm gebührt hierüber Ehre, weil er den Donner heißt kommen und wieder aufhören; Ihm gebührt Preis und Würde, weil die Blizze nach Seinem Befehl sich wieder begeben haben in ihre Hütten. Die Wetter-Stimme des HErrn hat sich auf unser Gebet gelegt, darum sollen wir nun auch unsere Stimme zu Seinem Lobe erheben; des Donners Grausamkeit hat Er verwandelt in eine stille Lieblichkeit, zu vernehmen unsere schuldige Dankbarkeit: darum sollen wir auch hören lassen, GOtt mit gebührender Danksagung zu verehren, daß Er uns zur andern Zeit wiederum erhöre und auf unser demüthiges Flehen gnädige Hülfe beschere. Denn es sollte ein Unterschied sein unter uns Christen und dem gottlosen Welthaufen, welche, wie das unvernünftige Vieh, der Gaben und Gutthaten GOttes, ohne alles Nachdenken genießen, auf ihre Seele hinfressen, nie an GOtt gedenken, alle Seine Hülfe und Rettung in Wind schlagen, ja wohl nie zu Gemüth führen, daß die Errettung von GOtt komme, und sie deswegen, wenn sie einem großen Unglück und Gefahr entgangen, Ihm zu danken schuldig seien: Daher findet man immer neun oder mehr Undankbare, bis sich nur ein Dankbarer findet. Von diesen sollen wir uns absondern und es mit denen halten, deren größte Freude ist, wenn sie GOtt ohn' Unterlaß mit fröhlichem Schall loben sollen. Denn wie GOtt dem HErrn nichts so sehr mißfällt, als der Undank, welchen Er Seinem Volk oft mit hartem Dräuwort hat lassen vorwerfen und durch Salomo gesagt: Eines Undankbaren Hoffnung wird wie eine Reife im Winter zergehen und wie ein unnützes Wasser fließen: also läßt Er Ihm die Dankbarkeit über alles gefallen, darum sagt Er selber: Opfere GOtt Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde; und David sagt: Ich will den Namen Geistreiche und andächtige Wetter- Gebete. GOttes loben mit einem Liede und will ihn hoch ehren mit Dank, das wird dem HErrn besser gefallen, denn ein Farr, der Hörner und Klauen hat. In allen Gutthaten des HErrn unsers GOttes, in aller Züchtigung, in aller Verzeihung, da Er uns nicht gestraft hat, wie wir es verdient haben, soll unsere Seele den HErrn loben, sagt Augustinus. Denn der ist würdig, noch größere Gutthaten zu empfangen, der da beweiset, daß er der vorigen in seinem Herzen nicht vergessen hat, sagt Caßidorus. Was GOtt den Dankbaren giebt, nimmt Er den Undankbaren, sagt Auguftinus. Und so Feuer, Hagel, Schnee, Dampf und Sturmwind auf ihre Weise GOtt loben, vielmehr sollen wir Christen dieses thun. So auch wir Dank sagen sollen für Alles, GOtt und dem Vater in dem Namen JEsu Christi, also sollen wir Ihm insonderheit dafür danken, wenn Er ein gefährliches, schreckliches Wetter ohn' allen Schaden gnädiglich abgehen lassen und Seine gerechte Rache an uns nicht geübt hat: denn es ist ein köstliches Ding, dem HErrn danken und Seinem Namen lobsingen, des Morgens Seine Gnade und des Nachts Seine Wahrheit verkündigen. Ein anderes. 316 Allmächtiger GOtt, himmlischer Vater! der Du uns gesagt haft: Rufe Mich an in der Zeit der Noth, so will Ich dich erretten, so sollst du Mich preisen. Wir sagen Dir. von Grund unserer Herzen Lob und Dank, daß Du unser Gebet gnädig erhört, und dies zornige Wetter also haft vergehen lassen, daß uns dadurch an Leib und Gut kein Schaden geschehen ist. Damit haft Du abermal Dein getreues Vaterherz zu erkennen gegeben, daß Du nicht mit uns handeln wollest nach unsern Sünden, und uns nicht vergelten nach unsern Missethaten! Verleihe nur, barmherziger Vater! uns, um Deines eingebornen Sohnes JEfu Chrifti willen, Gebet um fruchtbare Zeit. daß wir uns auf solche Deine ernstlichen Warnungen beständiglich bessern, in Deiner Furcht hinfüro leben und auf die Zukunft Deines lieben Sohnes uns bereit machen, damit wir Ihm mit Freuden entgegen ziehen, den neuen Himmel, in welchem Gerechtigkeit wohnt, mit Jauchzen und Frohlocken einnehmen und mit Dir in Deiner seligen Anschauung ewiglich besitzen mögen, durch denselben Deinen lieben Sohn unsern HErrn und Heiland, JEsum Chriftum. Amen. 317 Gebet um fruchtbare Zeit durch das ganze Jahr. Du suchst das Land heim und wässerst es und machst es sehr reich: GOttes Brünnlein hat Wassers die Fülle, Du läsfest ihr Getreide wohl gerathen, denn also baueft Du das Land. Du tränkst seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes; mit Regen machst Du es weich und segneft seine Gewächse; Du krönest das Jahr mit Deinem Gut und Deine Fußstapfen triefen von Fett. Pf. 95, V. 10-12. Gieb Korn, Getreid' Zu rechter Zeit, Such' das Land heim und die Erde: Daß sie reich und trächtig werde. HErr, allmächtiger GOtt, ein Herrscher Himmels und der Erden! der Du durch Deine große Güte den gan= zen Erdboden mit allerlei Früchten zierst, erfüllst und segnest, davon Menschen und Vieh ihre Nahrung haben und Deiner Gaben genießen: Wir, als deine armen und dürftigen Creaturen, bitten Dich demüthiglich, Du wollest unser Land segnen und ein gnädiges, fruchtbares Wetter geben, daß alle Früchte der Erde ohne Hinderniß wachsen und die Bäume wohl tragen: Wolleft sie auch vor Schloßen und Gebet, um fruchtbare Zeit. Hagel, vor Platzregen, Raupen, Ungeziefer, Brand, Mehlthau und Allem, was ihnen schädlich ist, väterlich behüten! Auch alle Samen und alle Früchte des Feldes, in Frost, Kälte, Eis, Schnee, Hitze und Dürre, im starken Regen und allem vorfallenden Wetter gnädiglich erhalten, daß sie nicht Schaden nehmen und wir also durch Deine väterliche Fürsorge vor Mißwachs, Theurung, Hunger und Kummer mächtiglich beschüßt und Menschen und Vieh mit Deinem reichen Segen erfüllt werden. Ach, HErr! strafe uns nicht in Deinem Zorn und laß das Land nicht feiern in Deinem Grimm, daß es nicht wüste liege und unfruchtbar bleibe! Schließe den Himmel nicht zu um unserer Sünden willen, daß er nicht werde wie Eisen und die Erde wie Erz; sondern thue uns Gutes, gieb Regen und fruchtbare Zeiten und erfülle unsere Herzen mit Speise und Freuden, thue Deine Hand auf und sättige Alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Ach, HErr! verlaß uns nicht mit zeitlicher Nahrung, sondern versorge uns reichlich, gieb uns unsern bescheidenen Theil Speise und unser tägliches Auskommen; auf daß wir in allen Dingen Deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen und Dich immerdar loben und preisen: der Du uns reichlich ernährst an Leib und Seele, hie zeitlich und dort ewiglich. Amen. 318 Dein' Güte, Treu' und Vaterhand, Und macheft sie in allem Land Genug bekannt. Des Feldes Früchte hievon zeugen, Das Gras, die Blümlein und die Zweigen, Darum sich unser Herz erfreut, Und rühmet Deine Gültigkeit Zu jeder Zeit. Uns diese Augenluft bewahre, Daß ihr kein Unfall widerfahre, Gut fruchtbar Wetter auch bescher', Was jetzt vor Augen täglich mehr. Dem Fresser wehr'. Durch Hagel, Frost laß nichts verderben, und keinen Menschen Hungers sterben, Gieb, was zu diesem Leben noth, Und dort bei Dir das Himmelsbrod. Du frommer GOtt. ENDE. th Register sen zwei Theilen und im Anhange enthaltenen Lieder. 8 der Morgen ! Der schrecklich großer Grimm IN noviflimatser Keiner Angenehm Morgenblicke ● hre mich bedenken mein 6! lehre mich stets pie en h mich zu sterben. done idone, lieber GOtt! cub= 40 de der Tag. Die Stadt ist bi wach auf ● • er, was willst du haben Saus, denn du mußt sterben chte Morgenstunde , hier steht mein reude nicht Denfet bad, the Menschenkinder Da Simana ft Vergnügen finden od tag ist hin Ver tu englong macht hellen. vergangen og ift an verschwunden to be er der Thür. ich lebe noch 092 nun fommt ute Nacht. ● ● ● ● ● ● ● · ● ● ● ● Die Staat nands Freund Tie Nacht berlöist des Tages Licht Die somarge Racht zieht ihren. Die Woche geht Ende Die Zeit gebt hinach wie Dir, o Herr der Herrlichkeit Du alter GOtt machst Deine Treu' Du Ausgang aus ber Höhe Du angenehmer Morgenthau 0 ● ● u augenehmer orgen ● Ein neuer Tag eit neues Leben Con geht nach dem andern hin ● ● 319 ● Seite 107 306 127 289 263 291 303 50 131 129 94 115 277 268 280 100 97 37 109 105 100 95 84 125 104 71 94101 88 291 97 93 59 99 106 42 55 Register. Erhab'ne Heiligkeit, Du drei vereintes Wesen Gewagt in JEsu Namen GOtt, Du wohnst in einem Lichte 320 GOtt; ich habe Dir ergeben GOtt Lob, die Woche ist verfloffen Güld'ner Morgen sei willkommen HErr Zebaoth, Dein Ruhm verdient. HErr GOtt, weil Du die Erd' Hirte Deiner Schafe, der von. Ich habe Lust, zu scheiden, mein Ich schließe mich zu allen Stunden Ich steh' mit einem Fuß im Grabe Ich suche Dich in meinem Bette Ich weiß, daß mein Erlöser lebt Jetzt, da das Firmament bewegt Lamm GOttes, schaue mich vor Licht vom Licht, erleuchte mich Mein Auge schließ' ich nun in GOttes Mein GOtt, die Nacht ist eingetreten Mein GOtt, die Sonne geht herfür Mein GOtt, die Sonne geht zur Ruh' Mein GOtt, Du schaffest dieses Licht Mein GOtt, erwecke Herz und Mund Mein GOtt, es stellt sich wieder des Mein GOtt, ich weiß wohl, daß ich sterbe Mein letztes Haus auf Erden Nimm hin, o Welt, dein Schein- Vergnügen Nun hab' ich überwunden Schließzet euch, ihr Augen, auf So fänget dieser Sonntag an So ist der Freitag auch vorbei Bater, siehe Deine Kinder O Mensch! gedenk' an's Ende. O süßes Wohl, o Himmels- Freude welch ein theures Gut, die Zeit Schlaf' ein, mein Herz, und singe. ● ● . ● ● Was GOtt thut, das ist immer gut Welt, gute Nacht, mein Weg geht. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende Wie wohl ist mir, wenn ich bedenke Wohlan, der Tag ist nun vollbracht Wohl dem, der stets an's Ende denkt ● O ● ● ● Druck von E. Buchbinder in Neu- Ruppin! ( 262) mu roflt 66 515 300 21 31 10% 83 30 2.71 4 Inches 1 Centimetres Blue 2 ¹3 T₁ 4 2 Cyan 5 ¹6 Farbkarte# 13 3 + 4, ³11+ 12 17 18 Green Yellow 4 10 Red 5 +++ 1/12 11 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black