GG 1014 yout Univ.- Bibl. Giessen m² Teufel der Sater der Lügen gehet durch die ganzen Welt und suchet welchen. er verschlingen kan Darum Machet auf der ersten Zeugene die über uns als Wächter stehen, die Tag und Nächten nimmer schr scheweigen und getroft den Feind entgegenn gehen, derren schall die ganzen Brochdring Beigen entgegen Welt dur Völker S 1 alle Lande gehn. Ach Herrin Deine giub doch. Viel Knochteg Ernte. die in teuer Arbeit. spähe O Herr der, Ernte, siehe dus daremn, R Å ÅR PÅ Å ÅR ❀ R R R ❀ ❀ RRRRR!*** R* Å K Familien- Chronik. ధరరరరరరరరర 英 英 英 英 英 关 免 奂 的 死 免 免 免 免 免 HÝÝÝÝFFFFHHHHHH Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Pf. 92, 2. 3. Hausvater: ( Vor- und Zu- Name, Stand, Ort, Geburtstag) Hausmutter: ( Vor- und Zu- Name, Ort, Geburtstag) Trauung: ( Ort und Tag derselben, Hochzeitstext) Boreltern. Gedente der vorigen Zeit bis daher, und betrachte, was der Herr gethan hat an den alten Vätern. 5. Mose 32, 7. Ehre Vater und Mutter, auf daß dir's wohlgehe. Eph. 6, 2.3. Eltern des Hausvaters: ( Vor- und Zuname, Stand, Ort, Geburtstag) a) dessen Vater b) dessen Mutter Eltern der Hausmutter: ( Vor- und Zuname, Stand, Ort, Geburtstag) a) deren Vater b) deren Mutter Kinder. Siehe, Kinder find eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ein Psalm 127, Lasset die Kindlein zu mir fommen, und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. Lufas 18, 16. ( Namen, Ort und Tag der Geburt und der Taufe, Taufpaten) Wilhelm Fisseler geboren den 29 Juni 1896. zu Plettenberg. ziehen V Harnisch Gottes, damit dur auswischen kannst, alle feurigen Pfeile des Behee wicht. das Geiſtlage der Schwert zur Hand. Patenkinder. erhalben auch hören wir nicht auf für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken. Kol. 1, 9. 10. a) des Mannes: ( Namen, Ort und Tag der Geburt) b) der Frau: ( Namen, Ort und Tag der Geburt) Sterbefälle. a ir müssen alle offenbar werden vor dem Nichtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. 2 Kor. 5, 10. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Offenbarung 14, 13. Maria Fisseler gestorben vam 28 November Morgens& Uhr Herr duß tiger wie lange Richtest du und rächst nicht unser Blut an denven auf Erden m ne ohnen! Sterbefälle. eben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Römer 14, 8. Unsere Mutter ist am 17. November gestorben der Abend vor Buß und Betag 1903 Eleonore Fisseler en M девт 1841 за Неузей Ookt gestorben am& Ocht де Franz Shole geb. 1898 in Polen Thr. thonin gestorben am 25ten Sept. 1964 1930 Bichtige Gedenktage xx NA in Freud und Leid. B efiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn; Er wird's wohl machen. Psalm 37, 5. ( Konfirmationen, Trauungen, Krankheitsfälle) Theresa Elfriede Fisselen. geboren d 5 März 1900 zu Plettenberg laß den Engel des Herrn vor der Her zuehner, das er dich führe. Lina Fisseler geboren. am 20 Sechtember 1902 zu Plettenberg und gestorben am 16 November 1903. Sonstige Familienverhältnisſe. anket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Psalm 106, 1. Wilhelm Fisseler, geb. am 29. ten Juni 1898 gestorben am 2 ten Märt 1967. thuh Joh Fried. Stark Johann Friedrich Stark's tägliches Hand- Buch in guten und bösen Tagen, enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Gesänge 2. Für Betrübte. 4. Für Sterbende. 1. Für Gesunde. 3. Für Kranke. Nebst mehreren Fest- Andachten und viel schönen Buk-, Beicht-, Communion- und Wettergebeten, Morgen- und Abendandachten auf alle Tage in der Woche, wie auch Kriegs-, Theurungs-, Veft- und FriedensGebeten. Bei allen Angelegenheiten nützlich zu gebrauchen und mit Kupfern geziert. Mit einem Anhang von Morgen- und Abendgebeten, Aufmunterungen und Gesängen für Schwangere u. Gebärende auf allerlei Zufälle. Wohlfeile Ausgabe in grobem Druck. Buchhandlung der Evang. Gesellschaft. Elberfeld. GE 101 Lieber christlicher Leser! Gegenwärtiges Handbuch des schon am 17. Juli 1756 zu dem Herrn heimgegangenen gelehrten, frommen, demüthigen Herrn Pfarrers und Confistorial- Raths Johann Friedrich Stark, zu Frankfurt am Main, hat in guten und bösen Tagen schon viele tausend Seelen erquickt und getröstet, und ihnen das letzte Stündlein zu einem Freudenstündlein gemacht, so daß es einer weitern Empfehlung nicht mehr bedarf. Es ist nun seit mehr denn 150 Jahren( 1728 kam es zum erstenmal heraus), von vielen Reichen und Armen nebst der heiligen Schrift als das Haupt- und Hausbuch betrachtet, und überall, wo man die deutsche Sprache spricht und liest, mit Sehnsucht und zum Heil der Seelen gelesen worden. Dieses sehnsüchtige Verlangen nach solcher geistlichen Speise hat nothwendig mehrere Auflagen an verschiedenen Orten ins Leben gerufen. Gegenwärtige Auflage dieses in ganz Europa und noch weiterhin so berühmten Handbuchs zeichnet sich besonders dadurch aus, daß dasselbe vor dem Wieder- Abdruck von einem Manne, der mit J. F. Stark's Glaubensansichten ganz einverstanden ist, demnach mit Recht ein Freund desselben genannt werden kann, aufs Neue mit Bedacht durchgesehen, von den bedeutenden Druckfehlern, die sich bei den so mannigfaltigen Auflagen nach und nach einschlichen, so viel möglich gereinigt, und von hartklingenden, unverständlichen END 6 Vorrede. Worten und Säßen, besonders auch von solchen Stellen, die das kaum vorher Gesagte oft wörtlich wiederholten, befreit worden ist. Zudem ist diese Ausgabe um einige kräftige, auf die Witterung sich beziehende, und ganz in Stark's Geist geschriebene Gebete vermehrt worden, und hiemit einem längst gefühlten Bedürfniß abgeholfen. Du hast also hier, mein lieber christlicher Leser, deinen alten Starken, der schon deine Ur- und Groß- Eltern in mancher betrübten Stunde erquickt, und, durch Christi Geist geleitet, schon manchen Schwachen zu einem Starken gemacht hat, in einer neuen Ausgabe wieder vor dir. Möchte dieses von Gott sichtbar gesegnete Buch auch dein Handbuch werden und in betrübten Stunden deine traurige Seele heiter machen. Die Verleger schmeicheln sich durch einen gefälligen, und für schwächere Augen leserlichen Druck, und durch den so niedern Preis des Buches deutlich an den Tag gelegt zu haben, daß sie keine Mühe und keine Kosten gespart haben, dieses Handbuch besonders auch unter der weniger bemittelten Volksklasse zu verbreiten, und somit das Heil der Seelen nach Kräften zu befördern. Dieß ist es, was ich dir, christlicher Leser, sagen wollte, bevor du an die Lesung des Buches selbst gehest, wobei ich nur das noch hinzufüge: Gott wolle dein Lesen und dein Beten segnen! Amen. dilpom Joid of Seele. Jesus. Du weidest mich auf einer Weißt du nicht, daß dich grünen Aue und führest mich Gottes Güte zur Buße leizum frischen Wasser. Pf. 23, 2. tet. Röm. 2, 4. Bist du gesund von Leib und fröhlich von Gemüthe, So such der Seelen Heil und preise Gottes Güte. 38 351 Su Erster Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Gesunde. Vor: Sabbath. Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst vor. Aufmunterung. Psalm 27, V. 4. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen. Es hat der weise Gott sogleich nach dem Sündenfall dem ersten Menschen Adam die Opfer angewiesen, welche seine Kinder Rain und Abel von ihm wiederum empfangen, indem von dieser Beiden Opfer im 1. B. Mose 4, V. 3. 4 ausdrücklich Meldung geschieht. Diese Opfer geschahen nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten sie ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messias, Jesus Christus, der auch würde sein Blut für die Menschen vergießen, wie das Opferthier. Ja, fie lobten bei solchen Opfern Gott für die empfangenen Wohlthaten, und predigten auch von dem Namen des Der glaubige Christ bereitet 2c. 9 Herrn. Hiezu war der siebente Tag bestimmt, als welchen Gott selbst zur Ruhe geheiligt hatte, da er in sechs Tagen die Welt erschaffen, und am siebenten ruhete. Diese Art des Gottesdienstes ist immer von den Erzvätern beibehalten worden, bis Gott in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten ließ, nach deren Bild Salomo nachher den Tempel bauete. Im neuen Testament feiern die Christen Gott dem Herrn auch einen Tag, nämlich den Sonntag, als an welchem Tag Christus ist auferstanden, und der heilige Geist ausgegossen worden; wenn nun ein sol: cher Tag herbeikommt, so soll ein glaubiger Christ: 1) des Sonnabends bei Zeiten Feierabend, sein Gemüth von irdischen Sachen frei machen und seine Arbeit niederlegen. Er soll 2) sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten, und Gott loben für die vielen Wohlthaten, welche er die Woche über empfangen. Er soll 3) dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man des Sonntags erkläret, in der Bibel aufschlagen, und darüber eine Betrachtung anstellen, und sich also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Worts bereiten. Er soll 4) in Zeiten sich mit solchen guten Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sonntage desto früher und munterer bei dem Gottesdienst erscheinen könne. Sebet. Gnädiger und barmherziger Gott, ich komme an diesem Tag vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage so gnå Der glaubige Christ bereitet sich diglich erhalten, und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet haft. Du haft meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen, dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte! weicht von mir, ihr Sorgen! jest bau ich in meinem Herzen Gott einen Tempel auf. Es soll ein BetHaus werden, darin ich meinem Gott allein dienen will. Ich vergesse, was dahinten ist, ich lege meine Arbeitslasten und Hantierung nieder, und richte meinen Šinn allein zum Himmel, zu Gott, um mich in ihm zu erfreuen. Oder unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat, diese Ruhe ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese, da wir ohne mühsame Arbeit allezeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Himmelsruhe: denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen, und 10 11 zum Gottesdienst vor. von Sünden befreit sein. Ach gnädiger Gott! laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, daß nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, wenn er sie mir schicket, daß ich ihnen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christenthum, zu deinem Lobe und Dienst verordnet hast, nicht möge in Müßiggang, Faulheit, Leppigkeit, Lustbarkeit und Sünden hinbringen, und dadurch meiner Seele den größten Schaden zufügen; sondern gib mir deinen heiligen Geist, daß ich den ganzen Tag, von dem Morgen bis auf den Abend, zu deinem Dienst anwende. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und wenn sich je einige melden, daß ich fie durch deine Kraft vertreibe; oder so Satan mir einen bösen Nachbar schicken wollte, der ein irdisch Geschwäß in deinem Hause anfangen wollte, so verleihe mir Stärke, daß ich ihm kein Gehör gebe, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Dienst erwecken und aufmuntern Der glaubige Christ bereitet sich möge. Wenn dein Wort geprediget wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen, als einen theuren Schaß darin bewahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntag auch in meinem Christenthum mich erbaue, in der Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen mache, auf daß ich, wie an Jahren, also auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen, und eine neue Kreatur, ja ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsam verwahren, und den Tag mit Gebet und Lobgesängen schließen. Ach! laß mich stets des angehörten Worts eingedenk bleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, und also beweisen möge, ich sei kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude, zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. 12 zum Gottesdienst vor. Ich will in Gottes Haus mit Gotteskindern gehen, ich will in reinem Schmuck vor seinem Altar stehen, mein Herz soll höchst vergnügt in seinem Willen ruhn, der Leib soll nichts als Noth- und Liebeswerke thun. Komm heute in mein Herz, du König aller Frommen, laß mit dir Segen, Heil und Seelenfrieden kommen; die Sonne deiner Gnad kehr heute bei mir ein, so wird mir dieser Tag ein rechter Sonntag sein. Amen. 13 Sisu smist Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringt mir lauter Freude, Es ist mein höchster Trost, Und meiner Seele Waide, Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab, Der mich erquicken soll, Bis man mich trägt in's Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget Und mich bestraft, wenn sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub nach diesem Wort, Und leb nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Damit ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterkeit In meinem Herzen habe, Wie süß ist's meiner Seel, Wenn sie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell Jm Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, Groß über alle Schätze, Daran ich mich allein In Noth und Tod ergöße; Den Schatz raubt mir kein Feind Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein Eitler zu er Morgengebet am Sonntag. wählen, Viel lieber ist dein Wort Der Gott ergeb'nen Seelen; Wenn man dein Wort und Gold Jhr stellet vor's Gesicht, So greift sie nach dem Wort, Und acht't des Goldes nicht. doti spill 14 6. Rathgeber suchen die, So da im Zweifel stehen, Dieselben sind dein Wort, Dahin ich pfleg zu gehen; Frag ich, was thu ich jetzt, Gehts übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich hienieden gehen, Es soll mein Leitstern sein, O! darnach will ich sehen, Wozu es mich anweist, Das thu ich ungescheut, Und meid mit allem Fleiß Das, was es mir verbeut. 8. Ach! nimm doch nicht hinweg Das Wort aus meinem Munde, Ach! laß es sein mein Trost Bis in die Todesstunde; Wenn sich mein Mund verschließt, Nimmt keine Speis mehr ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise sein. 9. So hab ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, Ich hab auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben; Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Mein Gott, erlang ich dort In jener Herrlichkeit. Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag. Psalm 5, V. 2. 3. Herr, höre mein Wort, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will vor dir beten. Unser ganzes Leben soll nichts anders als Beten und Danken sein, nämlich, daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet anrufen um seinen Segen, Hilfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlangen, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, glaubiger Christ, wenn du des Morgens erwachest von deinem Schlaf, so hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle erst nie 15 Morgengebet am Sonntag. der auf deine Kniee, danke Gott und empfehle dich seinem gnädigen Schuß. Denke nicht, du versäumest zu viel, wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesung eines Kapitels aus der Bibel, oder aus andern geistlichen Büchern anwenden. Onein, die aufs Gebet verwendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachest und des Morgens gefund aufsteheft, so gedenke, 1) wie viel fromme Christen, welche vielleicht frömmer sind als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber haft dergleichen diesesmal nicht empfunden. Gedenke, 2) wie Andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal gerathen sind, dir aber fehlet nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich weder an ihm noch an deinem Nächsten nicht verfündigen mögest. Bitte 4) Gott, er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufswegen fegnen. Ja, übergib dich 5) Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn gedenken und mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögeft, und alsdann zweifle nicht, der Herr wird dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen, was dir an Leib und Seele wird nüßlich und selig sein. 16 Morgengebet am Sonntag. Herr! früh wolleft du meine Stimme hören, früh will ich mich zu dir schicken. Allmächtiger, gnädiger Gott! du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre, wer sollte dich nicht fürchten? Du König der Heiden! wer sollte dich nicht ehren? O liebreicher Vater! ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demüthigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen, und deine Güte und Treue wiederum an mir haft neu lassen werden. Begleite und schüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele sein. Du haft nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß du dein Werk in mir haben mögest. O darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schäße möge sammeln, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Roft fressen, da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Mein Gott! das soll heute meine Luft sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- und Danklie Morgengebet am Sonntag. der anzustimmen, eifrig zu beten und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich find deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Worts werden. Deffne mir das Herz, wie der Lydia, daß ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme, schleuß hernach mein Herz zu, daß mir ihn Satan nicht wieder raube. Laß mich heute in meinem Chriftenthum, in der Erkenntniß Jesu Christi, Glauben, Liebe, in der Verläugnung meiner selbst, Absterben der Welt, einen festen Grund legen, auf daß ich die künftige ganze Woche daran denke, es ausübe, und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schicket, daß ich nicht meine dir geheiligten Stunden der Welt überlasse, oder ihrer fündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte. Ach laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selbst ,, o Jesu! mein Stark's Hdb. gr. Dr. Iter. Thl. 2 17 Morgengebet am Sonntag. Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. Heiliger Geist, du Himmels- Lehrer, mächtiger Tröster und Befehrer, ach! laß meines Herzens Schrein ewig deine Wohnung ſein. Amen. # p3 18 Morgen- Gesang. Mel. Wach auf, mein Herz, und singe 2c. 1190 1. Die Nacht ist nun vergangen, Drum will ich gleich anfangen, Mit Singen und mit Beten Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleich wie die Mütter pflegen Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen, Und um ihr Bett zu stehen. 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben. Ich hab in Schutz und Segen In seinem Schoos gelegen. 190 HMIDO 2. D 4. Mein Herze und Gemüthe Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schutz erhalten. 6. Laßt nns den Tag hinbringen, Mit Loben, Beten, Singen, In Glaub und Liebe stehen, und keine Sünd begehen. 7. Erheben sich die Glieder, O Gott! so kommt auch wieder Die Unruh, Kreuz und Sorgen, Schon an dem frühen Morgen. 8. Ach, hilf mir alles tragen, Wend ab des Kreuzes Plagen, Und laß nach Angst und Weinen Die Freudensonne scheinen. I dun 9. Leit mich auf guten Wegen, Und gib mir deinen Segen, Und daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen ſehe. 6190 Der glaubige Christ bringt 2c. 10. Du wollst mein Herz regieren, Mit Gottesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe, Und dir zu Ehren lebe. 19 ADC 11. Ach Gott! erhör mein Flehen, Und laß die Bitt geschehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. Der glaubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. Aufmunterung. Psalm 84, B. 2. 3. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn, mein Leib und Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhetag in der Woche bestimmt, an welchem er von aller Arbeit, Last und Bemühungen soll befreiet sein; ja Gott hat auf diesen Tag auch einen besonderen Segen gelegt, welches Segens die werden theilhaftig werden, die ihn andächtig hinbringen. Ist dieses nun eine Wohlthat, so soll ein wahrer Chrift sich hüten: 1) daß er diesen Tag nicht mit Trägheit und Müßiggang zurücklege; denn so feiern Pferde und Ochsen und andere Lastthiere den Sonntag. Er soll sich hüten: 2) daß er diesen Tag nicht anwende zu unmäßigem Essen, Trinken oder Ueppigkeit; denn was alle Tage Sünde ist, das ist des Sonntags doppelt Sünde. Er soll sich hüten: 3) daß er nicht den Sonntag mit Arbeit entheilige, mit irdischen Geschäften, als Spazierenfahren, Schulden eintreiben, Rechnungen durchgehen, Arbeitsleute bestellen; denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Die solches thun, sind noch keine rechten Kinder Gottes, 2* Der glaubige Christ bringt sondern Maulchriften, welchen, wie sie sagen, kein Tag so lang wird, als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß diesen Tag besser anzuwenden, nämlich zur Ehre Gottes und zu seiner Seele Besten. 1) Zur Ehre Gottes mit Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthat Gottes, die cr die Woche über und die ganze Zeit seines Lebens empfangen hat. 2) 3u seiner Seele Besten, daß er diesen Tag widme zum Anhören göttlichen Worts, damit er in der Erkenntniß Gottes und in seinem Christenthum zunehmen möge. 3) Dieses Alles aber soll er thun, nicht etwa eine oder eine halbe Stunde, sondern den ganzen Tag; denn das dritte Gebot redet von dem ganzen und nicht von dem halben Tag. Ach gewiß! an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen. Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drücket. Die Alten haben gesagt: Wie man höret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. 4) Hat man Gottes Wort angehöret, so behalte man es in einem feinen guten Herzen, man lebe darnach, und bringe die Lebensregel alsbald in Uebung, und sammle sich dabei einen Vorrath an Troft: lehren und Machtsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen kann. 20 Gebet. Dieß ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Heute ist des Herrn Tag, und der mir von Gott geschenkte Ruhetag; deßhalb will ich ihn zu Gottes Eh 21 den Sonntag andächtig hin. ren, mit Danken und Beten hinbringen. Ich danke dir, o Gott! für deine vielfältigen Gaben, die du an diesem Tag mir ertheilet. An einem Sonntag ist Jesus, mein Heiland, aus dem Grabe auferstanden, und der heilige Geist über die Apostel ausgegossen, darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist, und der Mittheilung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges, reines Wort, so du an diesem Tage läsfest predigen zum Unterricht und Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführet, erhalten, und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan haft. O wer kann doch deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig sind; nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag sein. Ich bitte dich, mein Gott und Vater! laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen. Behüte mich vor Verführungen, eitlen Ge Der glaubige Christ bringt danken, bösen Gesellschaften. Ach, daß keine Stunde verginge, darin ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegle in meinem Herzen das angehörte Wort, daß ich daran fleißig denke, darnach mein Leben und Wandel einrichte, und da ich nun eine Woche älter worden bin, so gib, daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe und Frömmigkeit zunehme, und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gib mir deinen heiligen Geist, der mich die künftige Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gib deinen Segen zu meiner Arbeit und Verrichtungen, und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage ferner erleben, bis ich endlich werde dahin gelangen, da ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbath in dem Himmel feiern werde. Heut ist des Herren Ruhetag, vergesset aller Sorg und Plag, verhindert euch mit Arbeit nicht, kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja. SHOT 184 22 Sonntags- Gesang. jott in der Höh' Mel. Allein Gott in der Mein Gott opy PR DE 1. Der Sonntag ist des Herren Tag, Den läßt uns Gott erleben, Damit ein Jeder ruhen mag, Dazu iſt er 11 ſei Ehr. 23 den Sonntag andächtig hin. gegeben; Ach! bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Gemüth und Sinn Gen Himmel sich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh und Rast, Zu seinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeitslast Aus großer Gnad befreiet; Hier soll von allem seinem Thun Der Herr und das Gesinde ruhn, Und sich in Gott erbauen. 3. Verflucht ist, der ein Werk vornimmt, Das Gott nicht selbst erlaubet, Und der die Zeit, die Gott bestimmt, Durch Arbeit ihm geraubet; Wer Wollust, Wucher, Sünden sucht, Der ist und bleibt von Gott verflucht, Und wird ohn' Segen bleiben. 4. Dieß aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil uns're Seel in Gott soll ruh'n, Mit Lesen, Beten, Singen; Man höre fleißig Gottes Wort, An dem von ihm bestimmten Ort, Und diene Gott von Herzen. 5. Am meisten denk an Gottes Macht, Wenn dein Aug um dich schauet, Wie er die Schöpfung hat vollbracht, Da er die Welt gebauet; Mit Wolken sie schön eingehüllt, mit reichen Gaben angefüllt, Zum Nutz und Freud der Menschen. 6. Betrachte wie auch Jesus Christ An diesem Tag erstanden und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt; Wohl dem, der glaubig das erwägt, Und Jesum dafür preiset. 7. Der heil'ge Geist ist sichtbarlich Am Sonntag ausgegossen, O Reichtum, welcher gnädiglich Auf uns auch uns Licht kommt geflossen. Denn dieses Geistes Kraft Versaget uns der Höchste nicht, Zum Glauben uns zu 100 100 bringen. 13 8. An diesem Tage sollst auch du Dich deiner Tauf erfreuen, und in der stillen Seelenruh Den Bund mit Gott erneuen, Und denk daran die ganze Woch, Ja, auch so lang du lebest noch, Erfreu dich deiner Taufe. 9. Hiebei erwäge allezeit, Was Gott dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit, Erhält annoch dein Leben, Wie er dich schützet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt, Und zu dem Himmel führet. Der glaubige Christ erwäget 10. Du sollst in deinem Christenthum An diesem Tag zunehmen, Und dich zu deines Gottes Ruhm, Der Frömmigkeit nicht schämen; Du sollst in Gottes Tempel stehn, Wenn Andere der Sünd nachgehn, Und sein Wort fleißig leſen. 24 11. Dem Wort gib in dem Herzen Plaß, Und zeig es in den Früchten, Und sammle in dir einen Schatz, Der dich einst kann aufrichten In Traurigkeit, in Angst und Noth, In Krankheit, Trübsal und im Tod, Ja auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnädig sein, Es stellet sich der Segen, Ach, glaub es, bei dir reichlich ein Auf allen deinen Wegen; Und so wirst du beglücket stehn, Und als ein Gotteskind eingehn Zur wahren SabbathsRuhe. Der glaubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath. Auf munterung. Thi Ebr. 4, V. 9. 11. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So laffet uns nun Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, daß unser keiner dahinten bleibe. Wenn ein wahrer Christ den Sonntag Gott wohlgefällig hinbringen will, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist. 1) Ein wöchentlicher Sabbath, wenn er den Sonntag anwendet zur Betrachtung der Wohlthaten, so er von Gott empfangen. Er muß aber 2) auch feiern einen täglichen oder geistlichen Sabbath, welcher nicht darin bestehet, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar müßig gehen solle; sondern unter dem täglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sünden; das heißt: wie er des Sonntags feiert von der Handarbeit, so feiert er alle Tage von Üppigkeit und Bosheit. Er hütet 25 den dreifachen Sabbath. sich, daß er nichts Böses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses thue entweder allein, oder in Gesellschaft anderer Leute, daß er sich auch durch andere nicht lasse verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt halte. Wie er nun dieses meidet, also befleißiget er sich unter seiner Arbeit, öfters an Gott zu denken, zu Gott zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tägliche Sabbath, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun hat den wöchentlichen andächtig und diesen täglichen Sabbath eifrig ge= feiert, der kann versichert sein, er werde 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die glaubigen und auserwählten Kinder Gottes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreiet, Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen. Dein heiliger und herrlicher Sabbath, der niemals wird gestört werden. Dahin werden nur die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesu verharren bis in den Tod. Sebet. Heiliger und barmherziger Gott! da ich heute an diesem Tage den Sabbath und Ruhetag begehe, daran ich nach deiner heiligen Verordnung von aller meiner Wochenarbeit befreit bin, damit ich mich aus deinem Wort erbauen und in dir er 1 265 Der glaubige Christ erwäget freuen könne; ach! so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht, Anhörung, Lesung und Betrachtung deines heiligen göttlichen Worts ihn hinbringen, hingegen aber alle sündlichen Zerstreuungen, Ueppigkeit, böse Gesellschaften und Sünden meiden möge! Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, darin ich von Sünden ruhen und ablassen, und dir meinen Leib und Seele, wie auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun mein Gott! das soll hinfort durch deine Gnade meine tägliche Arbeit sein, daß ich thue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüfte und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, und mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott! gib, daß dieser geistliche und tägliche Sabbath meines Herzens niemals möge zerstöret werden, und führe mich endlich ein zu dem himmlischen ewigen Sabbath, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach, Univ.- Bibl. Giessen 27 den dreifachen Sabbath. mein Gott! laß mich dereinst zu solcher Seligkeit gelangen. Da wird sein das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, stehen da vor Gottes Thron, da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. 190 10 inson nast ef ang. n Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit Gott umzugehn, Zu ihrer Ruh erwählen, Der Tag, der heilig ist, Den Gott hat selbst gemacht, Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2. An diesem pflegen sie Ganz früh vor Gott zu treten, Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten, Ihr Herz ist von der Erd Allein zu Gott gericht't, Es freuet sich in ihm und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird darauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt Von ihnen angefangen, Da sie von Sünd und Schand, Und von der Bosheit ruhn, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er währt durchs ganze Leben, Indem sie alle Stund Ihr Herz zu Gott erheben; Des Herzens Harfe spielt, Die Zunge lobet Gott, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird Nach diesem erst angehen, Dort in der Seligkeit, Wo selbst die Frommen stehen, In großem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleid't, Wo Ruhe, Fried und Freud Sie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan, wer einstens will Zu dieser Ruh gelangen, Der muß den Sabbath hier, Wie sichs gebührt anfangen; Er sei und bleibe fromm, Und nehm im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbathsruh. 28 Abendgebet am Sonntag. Herr! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. O du lebendiger, allmächtiger Gott! wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigeft! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast, du hast meine Seele gespeiset mit dem Brod des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach! laß dein Wort Zeit meines Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln, oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreichet habe. Ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan haft. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt mir zur Seite, hab Acht auf mich, und schließ mich in deinen Schuß ein. Laß dein Wort, das ich ge 29 Abendgebet am Sonntag. hört und gelernt, in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, Gottesfurcht, und im Absterben der Welt wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hitze und Anfechtung, und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Betrübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen: so soll morgen früh all unser Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du Gutes uns an Leib und Seele gethan haft. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedient, wie ich billig sollte, und nimm deßwegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche Alles neu an mir sein; schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht Abendgebet am Sonntag. vergebens hingebracht habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert ſei. So gehe dann hin, mein Leib, in deine Kammer, zur Ruhe, du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu. Laß mich, Herr! von dir nicht wanken, in dir schlaf ich sanft und wohl; gib mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll, so laß doch den Geist in mir, zu dir wachen für und für, bis die Morgenröth angehet, und man von dem Bett aufstehet. Amen. 30 Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich leg zu meiner Ruh, Ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel allein mit meinem Gott beschäftigt sein. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt. Ich bin, mein Gott! weil du bei mir, Wenn ich erwach, auch noch bei dir. 4. Ach Gott! wend alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir, Ach, wirke stets in meinem Herzen, Ich such die Hilf allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Noth und Pein, O Gott, von mir entfernet sein. 31 Der glaubige Christ danket Gott zc. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonst noch zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder aufersteh, Ich alles unverletzet seh. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben Und immer um mein Bette stehn, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen sehn, So schlaf ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Jch fürchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotten Macht und List, Weil Gottes Huld mich selbst will decken, Und weil mein Jesus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht austhun, So muß er mich auch lassen ruhn. 8. Es gehn zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht. Mein Mund bricht aus in Freudenlieder Bei angebrochner finstrer Nacht; Ich steh mit Jesu wieder auf, Und so vollführ ich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des Tags, als auch bei Nacht, Hiemit, o treuer Gott, ergeben Ach, hab du selbst doch auf mich Acht. Ach! laß mich dir empfohlen sein, Denn du bist mein, und ich bin dein. 10. So bleib ich dann in Jesu Wunden, Und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todesstunden Werd ich dann wohl verwahret sein; Darinnen will ich auferstehn, Und zu des Lammes Hochzeit gehn. Der glaubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunterung. Jak. 1, V. 22. Seid Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbſt betrüget. Wie alle göttlichen Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also auch die Anhörung des göttlichen Worts, und sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. 1) Weltkinder bilden sich ein, der Sonntag sei zu ihrer Ueppigkeit und Lustbarkeit eingesetzt, da sie von der 32 Der glaubige Christ danket Gott Arbeit frei, ihrem Fleisch sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch viel thun, des Morgens zu dem Gottesdienste, Nachmittags aber zur Lust, auf die Jagd, zum Spiel, zum fündlichen Vergnügen, da sie hernach, wo nicht berauscht, doch mit eiteln Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten, nach Hause kommen. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht, und wenn man sie Montags fragen wollte, was ihnen ihr Kirchgang genußt, was fie gehört, was sie gelernt? so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, auf daß sie nicht glauben und selig werden.( Luk. 8, V. 12. 4.) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen fie es doch nicht in die Uebung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Tag mit Gott und mit Gebet angefangen haben also 1) hören sie mit Andacht das Wort Gottes an; 2) wiederholen sie zu Hause das Gehörte, schreiben es auf, und freuen sich darüber, als über einen großen Schatz; 3) denken die ganze Woche daran, und trachten, es in die Nebung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Thiere zum Opfer erwählt, welche wiederkäueten; und die Seelen sind ihm auch am liebsten, welche das gehörte und gelesene Wort erwägen, und aus demselben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich also damit zum ewigen Leben erbauen. Sebet. O du gnadenreicher Gott! wie kann ich dir genug danken, dich loben und preisen, nach angehörtem göttlichen Wort. 33 daß du mich diesen Sonntag haft erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört und vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben und dereinst selig sterben. Du haft mir lassen fund werden, was dein gnädiger Wille an mir sei, du hast mich lassen lehren, was ich meiden soll und was ich thun soll. Ach ja, du läsfest dich nicht unbezeugt, damit niemand eine Entschuldigung habe. Du gibst uns dein heiliges Wort und heil. Sakramente, damit wir fie als Gnadenmittel zu unserem Heil gebrauchen sollen, dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott! bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts sei. Was hilft mich alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum verfiegle o Gott! selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und kräftig. Ach, du Thürhüter! schließ doch mein Herz zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in dasselbe gegangen ist, damit es Satan mir nicht raube, und ich leer wieder nach Hause gehen müsse. Gib, Stark's Hdb. gr. Dr. lter Thl. 3 34 Der glaubige Christ danket Gott daß ich mich spiegle an dem Beispiel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o Gott! anhören, aber sich nicht bekehren. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen und verklagen, da sie des Herrn Willen gehört, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach, mein Gott! laß mich diese Woche nun frömmer und gottseliger werden; gib, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich solle sanftmüthig, demüthig und barmherzig sein: ach! so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit mich daran erinnere, und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbst verläugne, und den Armen und Elenden gerne Gutes thue. Habe ich gehört, ich solle gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verläugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen; ich soll züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gib mir Kraft und Stärke, daß ich mich 35 nach angehörtem göttlichen Wort. darin täglich üben und es vollbringen möge. Ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit geschiehet, daß ich doch fortfahre in der Heiligung, und mich je mehr und mehr reinige von der Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach! laß mich mit deinem heiligen Worte umgehen, wie die Weltfinder mit ihren irdischen Schäßen, welche sie einschließen und wohl bewahren; so gib mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, theuren Glaubenslehren, kräftigen Ermahnungen zur Heiligung des Lebens, als einen lieben und werthen Schatz in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trübsal, in Krankheit, ja in dem Sterben daraus einen Trostspruch nach dem andern hervorlangen könne. Ja, mein Gott! laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntnis deines Willens und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott! wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben, ach! gib Gnade, daß auch wir nach demselben heilig leben, du wollft selbst den Glauben stärken, daß er thätig sei in Werken. Höchster Gott! ach 3* 36 Der glaubige Christ danket Gott 2c. sei gepreist, der du lehrst, was wir thun sollen, schenk uns deinen guten Geift, gib uns auch ein eifrigs Wollen, laß es ferner wohl gelingen, gib zum Wollen das Vollbringen. Amen. Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wer Gottes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also seinem Gott Sein Ohr und Herze geben. Viel hören hilfet nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man nach wie vor Die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren, So thu auch wahre Buß, Fang an, dich zu bekehren, Und werd ein neuer Mensch; Ach, bleib nicht, wer du bist, Ja, ändre dich bei Zeit, Und werd ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleich stellen, So sollst du dich auch nicht Zu ihrer Rott gesellen; Was böse Menschen thun, Das thue du doch nicht, Sei fromm, und wandle stets Vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll, Und alle Sünden hassen, So folg auch ihm doch nach, Bestreb dich immerdar, Daß du gesinnet seist Wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, So lasse dieses Wort Dir stets vor Augen schweben, Folg deinem Herzen nicht, Und steh auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottselig, züchtig wandeln, Und niemals wider Gott und sein Gewissen handeln; So folge dieser Stimm, Verlaß die Sündenbahn, Und fang durch Gottes Kraft Ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm aus Morgengebet am Montag. 37 üben, So lieb ihn, wie dich selbst, Verfolg und haß ihn nicht, Und so vollbring an ihm Die anbefohlne Pflicht. 8. Ja, was du Gutes hörst, Das soll von dir geschehen, Das lasse alsobald In die Erfüllung gehen; So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud, Und gehst durch Jesu Blut Dereinst zur Seligkeit. 9. Mein Gott! verleih mir Gnad, Daß ich die Himmelslehren Mög immerdar mit Fleiß Zu meinem Nutzen hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu Und also hier und dort Gelang zu deiner Ruh. Morgengebet am Montag. Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mir fund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiser Gott! der du den Himmel erschaffen und die Erde gegründet und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsterniß, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen. Ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret, und mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderem Uebel behütet, und das Meinige mit deinem Schuß umgeben haft. Herr! groß find deine Werke, die du an den Menschen thuft, deine Güte reichet, soweit der Morgengebet am Montag. Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen; ich schlief und du wachtest, ich war im Schlaf den Todten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach, mein Gott! sei auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und Erbarmer, laß deine Augen über mir offen sein, daß ich unter deinem Geleit unverleßt in meinem Beruf ein- und ausgehen, und den Abend nach deinem Willen wiederum unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott! laß deinen Segen mit und bei mir sein in Allem, was ich in deinem Namen anfange, dazu gib selbst Rath und That, und laß mich niemals wollen, was du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlicht auch das Licht des heiligen Geiftes in mir aufgehen, daß ich den Tag in deiner Furcht, Liebe und Gehorsam hinbringe. Schaffe in mir, o Gott! ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich fündige, und wenn man mich zu fündigen verleiten will, so 38 39 Morgengebet am Montag. laß ihn mich erinnern, und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, Herr Jesu! fleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, Herr Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandle im Rath der Gottlosen, noch size, da die Spötter fißen, deren Freundschaft deine Feindschaft ist; und so ich will der Welt Freund sein, und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheiten treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein Gott! drücke in mein Herz die Worte: wandle vor mir, und sei fromm. O! wie viele fangen eine Woche an, aber vollenden sie nicht, und sind am Ende derselben krank oder schon begraben. Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche Niemand dich schauen wird. Laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Der glaubige Christ bittet Mit Segen mich beschütte, mein Herz sei deine Hütte, dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise. Amen. 40 Der glaubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Col. 3, 3. 17. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Hat man Ursache zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie viel mehr soll ein glaubiger Christ sein Herz und seine Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will? Wie viele Menschen haben den Sonntag, als den ersten Tag in der Woche, gesund erlebet, und sind den Sonnabend darauf schon begraben gewesen? Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe sie solche geendigt, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, mit tausend Thränen und Händeringen geendet haben? Nun, mein lieber Christ, das kann dir und mir auch widerfahren, darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden. Es soll aber ein glaubiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen und ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verlegen, den Nächsten betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. Er soll 2) die Woche über des Gebets und des Gottes 41 um Segen im Anfang der Woche. dienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirchen- und Betstunden fleißig besuche. Und weil es nicht an unserm Rennen und Laufen zur Arbeit liegt, soll er 3) besonders Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitten unter der Arbeit an Gott gedenken, und mit Gebet die Arbeit anfangen und vollenden. Er soll 4) behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinwegeile, bis endlich die letzte Todes- oder Sterbewoche kommt, da unsere Seele soll vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schutz vollenden; und sollte er sie ihm auch eine Kreuzwoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer, Retter und Beistand sein und bleiben. Gebet. O du liebreicher und barmherziger Gott! ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an. Ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird; wie viel Uebels und Unglück kann uns an einem Tag begegnen, wie viel mehr an einer ganzen Woche; darum komme ich gleich im Anfang derselben zu dir, und empfehle mich dir ganz und gar. Ach, mein Gott! gib mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geift Der glaubige Christ bittet das Zeugniß gebe, daß ich ein Kind Gottes sei. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang. Segne meine Berufsarbeit und Geschäfte, segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht, wenn du mich hältst, so falle ich nicht, darum laß deine Treue und Güte mich stets behüten. Segne auch Alles, was mein ist, und laß es in deinem Segen blühen. Ach, mein Gott und treuer Bater! schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück; laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schuß und Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs, laß um mich und die Meinigen deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht unerhört von dem Thron deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden, leite mich in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem 42 43 um Segen im Anfang der Woche. Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Gib, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachse, damit, wenn nun die letzte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert sein. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich Alles unter deinem mächtigen Beistand ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter aus aller Noth. Nun ich befehle mich dir mit Leib und Seele, und Allem, was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle fromme Christen. Darauf so sprech ich Amen, und zweifle nicht daran, Gott schaut es allzusammen mit Wohlgefallen an; drauf streck ich aus mein' Hand, greif an das Werk mit Freuden, dazu mich Gott bescheiden, in dem Beruf und Stand. Amen. enuts& e fang. TO Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will die neue Woch Mit dir, o Gott anheben, Du wollst mir deinen Geist und deinen Segen geben; Im Der glaubige Christ bittet Anfang steh mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. 44 2. Ohn deinen Segen kann, Mein Vater! nichts gedeihen, Drum wir, o Segens- Gott! Um Segen zu dri schreien; Ach! komme selbst zu uns, Und greif das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmerniß An seine Arbeit gehen; Wenn du nicht selbst mit gehst Und stehest mit dabei, Daß Anfang und das End Von dir gesegnet sei. 4. Drum komm, o Gott, zu mir, Und gib mir deinen Segen, Denselben wollest du In meine Arbeit legen; Ach, segne all mein Thun, Ach segne meine Tritt, Und theile gnädiglich mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch hinbringen; Laß meine Arbeit sein, Dich loben, beten, singen; Bewahre mich vor Sünd Und großer Missethat, Und wenn ich Buße thu, So schenk mir deine Gnad. 6. Mein Gott begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch Ein Kreuze mir auflegen, So biet mir deine Hand, Und steh mir kräftig bei, Ja trage selbsten mit, Daß mir's erträglich sei. 7. Nun, was du Gutes wirst Mir diese Woch erweiſen, Dafür soll dich, o Gott, Mein Mund und Herze preisen; Ach! laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen sein, Bis ich durch Jesu Blut Geh zu der Freude ein. Der glaubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Psalm 67, V. 7. 8. Es segne uns Gott, unser Gott. Es segne uns Gott und alle Welt fürchte ihn. Ein jeder Mensch betet und erbittet etwas von Gott; dabei aber ein jeder wohl erwägen soll, wie er betet und was er bittet; ach! der Meisten Gebet gehet nur auf das Irdische und Vergängliche, welches um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 45 fie aber oft zu ihrem Schaden sich erbitten. Ein glaubiger Christ bittet 1) um leibliche Dinge: um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahren, Hilfe in Noth, Beistand in Leiden, Errettung aus Unglück. Er bittet 2) absonderlich um geistliche Dinge: um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist. Röm. 14, B. 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachsthum in dem Guten, Heiligung und die Gabe des heiligen Geistes; dieses ist das Vornehmste, was er von Gott bitten kann. Ein glaubiger Christ bittet 3) auch um ewige Dinge; nämlich um ein seliges Ende, fröhlichen Abschied aus diesem Leben und den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er Gottes Angesicht schauen, mit weißen Kleidern angethan, sich nach dem Kampf ewiglich in Gott erfreuen könne. Dabei er aber 4) fich muß eines unsträflichen, christlichen Wandels befleißigen, damit er auch so lebe, daß ihm Gott die geistlichen und himmlischen Güter mittheilen könne, welche ein unwiedergeborner und böser Mensch nicht empfangen kann. Sebet. O du reicher und gnädiger Gott! wie groß und herrlich, wie reich und mächtig bist du! Du haft Alles, und kannst auch Alles geben. Siehe, ich dein Kind komme zu dir, und bitte dich um deine Gaben, du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir Der glaubige Christ bittet selbst habe, als die Sünde; daher Alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir, denn alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch, was du nicht empfangen haft? Ach, mein Gott und Vater! mache mich sonderlich an meiner Seele reich. Gib mir deinen heiligen Geist, gib mir ein frommes Herz, befehre mich, erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und wahrer Christ werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, daß ich die bösen Lüfte bezwinge, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und Seele dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei. Siehe, mein Gott! wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin, darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführet werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu, und eine neue Kreatur sei; so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater! 46 um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 47 für mich in dem Irdischen, du weißest, was ich bedarf, du steheft, was mir fehlt; aber gib mir nicht nach meinem, sondern Alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach! so gib mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufs und Standes, darein du mich gesetzt haft. Gib mir Nahrung und Kleidung, da du weißeft, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, behüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, Herr! ſegneft, das ist gesegnet ewiglich. Du haft mich in die Welt erschaffen, so wirft du mich auch wohl zu ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe all mein Anliegen und Sorgen auf dich. Ach Gott! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deiner Vatertreue und Gnade reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater! nicht um dieses irdischen Lebens willen erschaffen haft, so hoffe ich noch größere Güter. Denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hier empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch. Darum, mein Vater! gib mir auch die himmlischen Güter, er Der glaubige Christ bittet 2c. halte mich im Glauben bis an mein letztes und seliges Ende. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm hinauf zu dir, zu deinen Freuden. Ach, mein Gott! höre die Stimme meines Flehens, und verweigere nicht, was mein Mund bittet. Meinen Ausgang segne, Gott! meinen Eingang gleicher Maßen, segne auch mein täglich Brot, segne all mein Thun und Laffen, segne mich mit sel'gem Sterben, und mach mich zum Himmelserben. Amen. 48 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Vater! denk an mich, Ach! gib mir deinen Segen, Und thu jetzt auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gib, was ich nöthig hab, Und was mir nützlich ist, Ich schau allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach! gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben; Und wirst du mir durch ihn Ein frommes Herz auch geben, So bin ich reich genug, So bin ich recht beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gib mir mein täglich Brot, Gesundheit auch deßgleichen. Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen; Wend alles Unglück ab, Begleit mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir empfohlen sein. 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut, Die Seligkeit ererben: Laß mich vor deinem Thron In weißen Kleidern stehn, Und, Herr, dein Angesicht mit allen Frommen sehn. 5. Mein Gott! erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd noch meine Lust An deiner Gnade Abendgebet am Montag. 49 schauen; Mein Herze, Geist und Sinn Sei dir allein geweiht, Mein Segen, Freud und Schutz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan! ich bin erhört, Gott wirds aus Gnaden geben, Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben. Mein Vater! schenke mir, Dieweil ich leb auf Erd, Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd. Aufmunterung zum Abendgebet am Montag. Pf. 4, V. 9. Jch liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfest mir, daß ich sicher wohne. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welche Gott und Menschen wohlgefällt, so soll auch ein glaubiger Christ derselben eingedenk sein, wenn ihn nun Gott hat den Abend erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ganze Jahre hinbringen, und nicht erkennen, was Gott an ihnen gethan, sie genießen des göttlichen Schutzes, und danken ihm nicht einmal dafür, meinen, es müsse so sein, Gott müßte also sie erhalten, und es ihnen lassen wohlergehen. Darum, o glaubiger Christ! sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du den Tag unter dem Schutz und Beistand Gottes glücklich zu rückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und mit Beten. 1) Danke Gott, daß er den Tag über dich vor Unglück bewahrt, und denke, wie viele Menschen vielleicht den Tag, daran dich kein Leiden berühret, in das größte Unglück gekommen, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bett sind gelegt worden, da sie den Morgen noch frisch und gesund Stark's Hdb. gr. Dr. Iter Thl. 4 Abendgebet am Montag. waren. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden und deine Thaten; haft du den Tag über etwas geredet wider Gott und den Nächsten; hast du etwas vollbracht, das wider dein Gewissen und Christenthum ist, o alsdann bleibe auf, und bitte es Gott ab, ehe du schlafen gehest. 3) Bedenke, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern; o darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe du die Augen schließest. Bitte Gott um Schuß und seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtreiben. 4) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlafe erwachest, denke an Gott; danke ihm, so schläfest du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schuß sanft und selig. 50 Abendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn du, Herr! hilfft mir, daß ich sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger Gott! Dieses sind meine Abendgedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genug danken, daß du mich aus- und eingeleitet haft, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen. Du haft mich gespeiset und getränket, du haft mich getröstet und erquicket, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und Abendgebet am Montag. andere Wohlthaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lob aufmuntern; darum so lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Vergib mir, o Herr! vergib mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen gesetzt, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebt, und meinen Begierden freien Lauf gelassen habe; wärest du nicht ein langmüthiger Gott, so lebte ich nicht mehr. Ach Herr! ich thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr. Ich gelobe dir hiemit in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen, und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Uebel, drücke mir selbst, wenn ich einschlafe, die Augen zu, und laß mich auch schlafend dein verbleiben. Sei mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth; 4* 51 52 Der glaubige Christ danket Gott mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr follt mein Antlig suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antliß. Bin ich in den Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlos sen, so schlafe ich sicher, wie Jakob; ich schlafe getroft, wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschüßt, wie Petrus. Gedenke, Herr! doch auch an mich, in dieser schwarzen Nacht, und schenke mir doch gnädiglich den Schutz von deiner Wacht. Drauf schließ ich meine Augen zu, und schlafe fröhlich ein; mein Gott wacht jeßt in meiner Ruh, wer wollte traurig sein. Amen. Der glaubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Sir. 30, 3. 14-16. Es ist beffer, einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein, ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gefunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich. Gleichwie Gott unterschiedliche Gaben den Menschen austheilet, geistliche und leibliche, so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten mitrechnen: die Gesundheit. Ein gesunder Mensch ist ein glücklicher Mensch, wenn er dabei fromm ist; er ift aber auch der unglücklichste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig sei, sehen wir für seine Gesundheit. daher, weil er Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, seinem Beruf abwarten und viel Gutes verrichten kann. Ist aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesundheit, so mißbraucht er diese edle Gabe auf das Entsetzlichste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, Zunge, Augen und Leib nicht so viel Sünden verübte; daher auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder eine schwere Verantwortung und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennet diese edle Wohlthat der Gesundheit, 1) wenn er seine gesunden Glieder ansiehet, so danket er Gott dafür. Er wendet seine Gesundheit an: 2) Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christenthum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treulich und aufrichtig zu vollbringen. Er erkennet, 5) daß die Gesundheit kein ewiges und beständiges Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Leib einfinden könne; er mißbrauche deßhalb 6) in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Muthwillen, Verwegenheit, und Bosheit, damit, wenn die Krankheits- und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit. Ein frommer Christ betet 7) auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. 53 54 Der glaubige Christ danket Gott Sebet. O du gnädiger und barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweiseft, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen läsfest. Nun, mein Gott! ich erkenne, daß dieses ist eine der guten Gaben, welche von dir, o Vater des Lichts, von oben herab kommen. Herr! Herr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren lässeft? Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind. Höre ich doch Viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind, als ich, und viel andächtiger beten, als ich, mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach Herr! ich bin allzugering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft, und noch thuft. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich dieſe edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche für seine Gesundheit. zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und Frechheit, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lobe und Ehren, zu Nuß meines Nächsten und Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Grhalte mir nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen, und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen könne. O mein Gott! gib mir auch Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund ſei im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung und getrost im Tode. Ach! heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Gott du frommer Gott! du Brunnquell aller Gaben, ohn' den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben, gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein' unverletzte Seel und rein Gewissen bleib. Amen. 55 Morgengebet am Dienstag. Gesang. 114 Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, Und hast Glück auf dieser Erd, So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trotzig werd; Denk in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehemals ergangen; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 56 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einhergehest, Denk auch an die Lagerstätt; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du frank gewesen; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 3. Blüht dir Freud und lauter Glücke, Steht es um dich wohl jetzund, Denk bisweilen auch zurücke, Wie es doch vor diesem stund; Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergößen, Daß es vordem nicht so war; Selig, wer die Demuth liebet, Wenn ihm Gott viel Güter gibet; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht, Denk so bin ich auch gestanden In dergleichen Trübfalsbanden: Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demuthsschranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebest, Bleib in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnädig sein. Morgengebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfeft, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus 57 Morgengebet am Dienstag. erleuchten. O du barmherziger Gott! dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich diesen Morgen wiederum gesund hast lassen von meinem Lager aufstehen, und meinen Leib vor Schaden, und meine Seele vor Sünden bewahret haft. Wie groß ist deine Güte, Herr! daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel so mächtiglich bewahret werden. Ich schaue nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht; gib mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Licht wandle, und alle Werke der Finsterniß fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedienet, und meinen Mund, Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten gerichtet habe, wofür ich dereinst vor deinem Gericht eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf, mit Leib und Seele; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und denken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir mög geheiligt sein. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Gib mir guten Rath, wenn ich 58 Der glaubige Christ freuet sich Rath bedarf, richte meine Anschläge und Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Gott! so höre die Stimme meines Flehens. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja, richt mein ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn ich es soll geben in's Todes Rachen hin, wenn's hie mit mir wird aus, so laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben des ew'gen Lebens Haus. Amen. Hey in this Der glaubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. INDA 1. Petri 1, V. 3. 4. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten zu einem unvergänglichen und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig können glückselig machen. Ist nun 59 seiner Wiedergeburt. etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen, und darüber er sich freuen kann, so ist's gewiß die Wiedergeburt, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlanget: 1) die Kindschaft bei Gott. Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und uns nicht lassen will. Wir haben empfangen 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; Alles, was Jesus hat durch sein Leiden und Sterben erworben, das ist uns in der heiligen Taufe geschenkt, und zu eigen gegeben worden. Uns ist ertheilt 3) die Einwohnung des heiligen Geistes; der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche einwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wir wachsen im Glauben, Frömmigkeit, Gottesfurcht, wie ein neugeborenes Kind an Kräften und Jahren. Wir erlangen 4) auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Seligkeit sollen Theil haben. Wer dieses erwäget, der muß sich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor: 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum verliere; 2) daß er würdiglich wandle in seinem Beruf; 3) daß er die Welt nicht wiederum lieb gewinne, oder mit Unwiedergebornen und Weltkindern vorsäßlich sündige, und sich ihnen nicht gleich stelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei, wie die lieben Kinder, daß er dem Herrn Jesu nachfolge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hilfe Der glaubige Christ freuet sich und Beistand wird genießen hier in der Zeit, und auch dort in der Ewigkeit. Gebet. Großer Gott und liebster Vater! wie kann ich genug deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe. O welche Herrlichkeit haft du mir in der heiligen Taufe mitgetheilt, da du mich zu deinem Kinde angenommen haft! Rühmen Menschen viel ihre Glückseligkeit, die sie erlangen durch ihre hohe Geburt, Besizung hoher Ehrenstellen, großen Reichthum, ansehnliche Güter; fiehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große 60 seiner Wiedergeburt. Freudigkeit im Sterben, da wird er mich als sein Kind erquicken, laben, trösten und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Sehe ich Jemand Böses thun, höre ich Böses reden, so laß mich gedenken, ich sei ein Gotteskind, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen; laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindsrecht und Kindstheil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist um deine Luftbarkeit und Eitelkeit. Mein Jesu! du weißt, daß ich dich lieb habe, und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach! nimm doch mein Wollen gnädig an, und laß mich mein Leben im Glauben und Frömmigkeit, Heiligkeit, Reinigkeit und findlicher Demuth führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie dein Kind leben und sterben, und zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe Jesum angezogen, schon längst in meiner heil'gen Tauf, du bist mir auch daher gewogen, haft mich zum Kind genommen auf, mein Gott! ich bitt durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. 61 Der glaubige Christ bittet Gott hipt ir Gefang. Mel. Jesu! der du meine Seele. 1. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort ausweist; Denn es muß allhier auf Erden, Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Ewigkeit. 62 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf und Gottes Wort! Wird man dem nicht widerstehen, Stoßet man die Gnad nicht fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott ins Herzens- Haus, So treibt er die Sünd hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben Gott, der werthe heil'ge Geist, Der fängt an ein neues Leben, Daß die Laster aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, muß die Welt und Sünd verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unterlassen, Und von Grund der Seele hassen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, Beten, Gott zu Ehren, Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuziehn; Gottes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten; Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir vorgehen Eine Herzensänderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebensheiligung; So muß Herz, Sinn und Gebärden Ganz an dir erneuert werden, Daß sie Glaub und Liebe zier, Daß sie Gottes Geist regier. 7. Ach, mein Gott! hier fall ich nieder, Fördre in mir dieses Werk, Nendre Sinnen, Herz und Glieder, Gib mir deines Geistes Stärk, Daß ich ja nicht werd verloren, Sondern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr, Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande Immer bleiben, o 63 um Erhaltung des Glaubens. mein Gott! Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod; Daß mich nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe; Alsdann geh ich aus der Zeit In die frohe Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. Röm. 10, V. 9. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Luc. 17, 3. 5. Herr! stärke uns den Glauben. So unglückselig ein unglaubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntniß Gottes, Jesu Christi und ihres Heils stehet. Denn ein Unglaubiger ist gleich einem Gemach, darin kein Licht ist, darin es finster und unangenehm ist, aber eine glaubige Seele ist gleich einem Gemach, darin es helle, und darin ein Licht scheinet, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist's, der ihn in uns anzündet. Deswegen soll ein glaubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben und Erkenntniß Jesu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht hat. Er soll 2) sich seines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern, und den mit Gott gemachten Bund nicht muthwillig übertreten. Er soll 3) Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und mehr erleuchtet zu größerer Erkenntniß gelangen möge, und seinen Glauben in den Werken zeige. Der glaubige Christ bittet Gott Daher es einem wahren Christen nicht soll genug sein zu sagen: ich glaube; sondern er soll 4) auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmuth und dergleichen in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. So kann er sich auch getrösten, daß er werde das Ende seines Glaubens davontragen, nämlich der Seelen Seligkeit. Gebet. O du gnadenreicher Gott! welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntniß meines Heils gebracht haft. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus, mit ſeinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heiligen Saframente. Ich sehe darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht, und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben bin ich unterschieden von unglaubigen Juden, Türken und Heiden. Ach, du gnadenreicher Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erkenntniß in mir lebendig mache. Selig seid ihr, so ihr es wisset, aber selig seid ihr, wenn ihr es auch thut. Gib mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todter Hirn64 um Erhaltung des Glaubens. und Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. Was dein Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, hingegen die Pflichten und Tugenden, die es mir befiehlt, in deiner Gnade, durch des heiligen Geiftes Beistand, zu vollbringen trachten; das heilige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch, ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens, und zu meiner Seligkeit als eine Speise der Heiligung mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach, mein Gott! vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesfürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ leben und selig sterben möge. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht, du, du kannst mich stärfer machen, wenn mich Sünd und Tod ansicht't; deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen, dich, Herr Jesu! nach dem Streit, in der frohen Ewigkeit. Amen. MIX( 1986) Stark's Hdb. gr. Dr. 1ter Thl. 65 66 Abendgebet am Dienstag. Gefang. naisth duri Mel. Alle Menschen müssen sterben. dum10 1. Ach Herr! stärke meinen Glauben! Ach! mein Glaube wird gar schwach; Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hilf läßt finden, So will fast mein Glaub verschwinden; Wo ist doch mein Herr und Gott? Sprech ich jetzt in meiner Noth. 2. Wo sind seine Allmachtsproben, Wo ist seine Vaterhand, Welche Andre freudig loben, Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet, Weiß er nicht, wie's um mich stehet; Ist mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hilfelos? 3. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, Ja, ich glaube festiglich, Daß du alles wohl kannst machen, Drum so komm und stärke mich. Herr! ich glaub, daß du noch lebest, Und stets um und bei mir schwebest, Daß dein Auge auf mich sieht, Ob die Hilfe schon verzieht. 4. Herr! ich glaube, daß mich Armen Jesus auch erlöset hat, Daß er sich will mein erbarmen, Daß ich bin in seiner Gnad, Daß mein Jesus in dem Leiden Nimmer werde von mir scheiden; Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stärk und Hilf gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort; Lehre mich dir fest vertrauen, Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir gibst, Ob du schon die Hilf aufschiebst. 6. Ja, laß deinen Geist mich trösten, Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Noth am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du noch an mich gedenkest, Und mir deine Hilfe schenkest, Wenn da kommt die Stund und Zeit, Die zur Hilfe ist bereit. conte Abendgebet am Dienstag. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen Abendgebet am Dienstag. thun? Also spreche ich, o du gnädiger und liebreicher Gott! in dieser Abendstunde, und sage dir demüthigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schuß und reichen Segen haft zurücklegen lassen. Herr! deine Güte ist groß, und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen, er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ach mein Gott! wie geschwind gehet doch ein Tag dahin; wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind verfließen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Chrifti, daß ein Jeder empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst, und frage: Meine Seele, wie haft du heute den Tag hingebracht? Hast du auch etwas Gutes gedacht? Ift Gott heute mit dir vereinigt blieben, oder haft du ihn mit vorsäßlichen und wiffent5* 67 Abendgebet am Dienstag. lichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet, haft du gesprochen, was ehrbar, was feusch, was wohl lautet? Ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du mit Narrentheidingen und schandbaren Worten übergeflossen? Wo seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübt, ihr Hände? Was habt ihr gehöret, ihr Ohren? Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach, mein Gott! wenn ich auf all diese Fragen antworten soll, o! wie werde ich bestehen? Ach, Herr! nimm weg mit dem abweichenden Tage meine Uebertretungen. Jesu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. Oheiliger Geist, versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die letzte sein sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott! freigesprochen, so schlafe ich mit Freuden, und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor allem dem, was dich betrüben kann. Mein Vater! deine Liebe decke mich und die Meinigen. Mein Jesu! 68 Der glaubige Chrift bittet 2c. in deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl. O heiliger Geift! thue du den leßten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geift in die Hände Gottes empfehle. Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein, hat mich doch dein Sohn verglichen durch sein' Angst und Todespein! ich verläugne nicht die Schuld, aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets an mir empfinde. Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. 69 Aufmunterun g. Hebr. 12, 3. 14. Jaget nach dem Frieden gegen Jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. Wenn sich ein glaubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansiehet, so erinnert er sich: 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern daß das ein Werk Gottes ist; 2) deßhalben braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenket an seine heilige Taufe, darin der heilige Geist über ihn ausgegossen worden, und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig nach, ob er diesen guten Geist in den erwachsenen Jahren nicht durch muthwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Speise der Heiligung ist; darum trachtet er, wenn Der glaubige Christ bittet, er dasselbe empfängt, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder mögen geheiliget werden. Gottes Wort höret er andächtig, schreibet und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung zunehmen möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen sowohl an der Seele, als an dem Leibe durch Gottes Kraft und des heiligen Geistes Wirkung. Ist die Seele geheiliget, so muß das ganze Leben in der wahren Heiligung geführet, und müssen Gedanken, Worte und Werke darnach gebildet werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst im Alter oder auf dem Todbette, sondern solange man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstand gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten; wenn man ungefähr bei Weltkindern sich befindet, da sollen wir in Gebärden, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und das ganze Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Licht gelangen. 70 Sebet. O du heiliger Gott! ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erklingt: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und wiederum: Ohne die Heiligung wird Niemand den Herrn schauen. Wenn ich nun dieses erwäge, und dagegen halte mein unheiliges Herz, unheilige Ge 71 Gott wolle sein Herz heiligen. danken, unheilige Worte, unheilige Werke, so gerathe ich in große Angst, und schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider nach dem Trieb meines Herzens und nach der Gewohnheit der Welt- Menschen mitgesündigt, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidigt habe. Ach! soll Niemand dein Antlig schauen ohne die Heiligung, o wie wenige werden dann selig sein, wie viele verdammt werden! dann hilf, Herr! die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heiliger Gott! gib mir dieses alles wohl zu erkennen, damit ich mich möge der wahren Heiligung inwendig und außwendig befleißigen. Jesu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, Verdienst und Blut, ach! schenke mir von Natur Unheiligen deine Heiligkeit, auf daß ich darinnen, als meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken möge umgehen. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Unchristliches und Böses möge reden. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und voll Gebet um Heiligung des Herzens. bringe, was dir gefällig ist. Laß diese Heiligung wahrhaftig sein, daß ich nicht etwa nur heilig sei, und der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern daß ich auch möge heilig sein und mich der Heiligung bestreben an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, und wenn ich gar unter Weltfindern und ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes möge reden, leben und thun, und in solchem seligen Stande bleiben bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Lebenslicht. Du bist heilig, läßt dich finden, wo man rein und sauber ist, fliehst hingegen Schand und Sünden, heiligster Herr Jesu Chrift! mache mich, o Gnadenquell! durch dein Waschen rein und hell, laß mich fliehen, was du fliehest, gib mir, was du gerne steheft. Amen. 72 Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Soll ohne Heiligung Den Herren Niemand schauen, Und ausgeschlossen sein Von jenen Himmelsauen, So Morgengebet am Mittwoch. 73 tracht ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen Erfordert hohe Kräfte, Das kommet Gott nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; Drum bringe mich, o Gott! Zur wahren Heiligung. Ach! wirke du in mir Des Herzens Aenderung. 3. Ach! heilige mein Herz, Gib heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach! lasse Herz und Geist Beständig heilig sein, Mach es von schnöder Lust, Von Sünd und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein Zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Händ Sind ja dein Eigenthum, Drum brauch ich sie allein zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott! heil'ge mich, Ja heil'ge Seel und Leben, Als welche ich hiemit Dir will zu eigen geben, Hilf, daß ich also leb, Und thue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt, Und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinsten sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben, Mit allen Heiligen, Da werd ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Vor dir gezieret sein. Morgengebet am Mittwoch. Wann ich erwache, bin ich noch bei dir. O gnädiger und liebreicher Gott! mein Fels, meine Burg und Erretter, mein Schild und Hort meines Heils und mein Schuß, ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Throne deiner Gnade, und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet, und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret hast. Morgengebet am Mittwoch. Gelobet sei der Herr täglich, und gelobet sei sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott! du lässeft einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten, und meine Seele dir zum Eigenthum und Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich befehre und lebe; o so laß mich auch diesen Tag dazu anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurück gelegt, laß auch die übrigen drei unter deinem Schuß und Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach, mein Mittler Jesu! bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Noth und Tod laufen, und von dir Hilfe erlangen könne. Ift Gott für mich, wer mag wider mich sein? Sei bei mir in meinen Berufswegen. Ich spreche mit völligem Glauben: Herr! ich laffe dich nicht, du segneft mich denn. Segne 74 75 Morgengebet am Mittwoch. mich im Schlaf und Wachen, segne meinen Schritt und Tritt, segne mich in allen Sachen, theil mir deinen Segen mit. Gesegnet laß mich sein von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufs- Geschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Welt- Luft und Welt- Sünden verwickeln und belustigen will, so gib mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater! in deine Liebe, mein Jesu! in deine Wunden einsenke, daß es sich nicht von deiner Gemeinschaft verirre, und auf den Abend noch darin gefunden werde. Stehet mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden! Meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde an, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinigen dir befohlen sein, und laß allen Betrübten und Kranfen mitten in ihren Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich o Herr! und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort, nirgends als bei dir allein, kann ich recht bewahret sein. Amen. 76 Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Röm. 12, 3. 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Wenn ein glaubiger Christ erwäget, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbst in der Seele wächset, hingegen aber die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß da hinein gesetzt und wohl bewahret werden; so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß die Welt in ihm und außer ihm sei. Welt in ihm sind die bösen Lüste, Tücke, Begierden und Gedanten seines Herzens; Welt außer ihm sind der bösen Menschen Erempel, Lockungen und Verführungen. Diesen allen aber muß ein wahrer Christ 2) widerstehen, den aufsteigenden Lüften und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Neigungen durch Vermeidung der Welt Gesellschaften, Gewohnheiten und Lebensarten. Weil nun dieses nicht steht in unsern eigenen Kräften, so muß er 3) Gott um seine Hilfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dieſes Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen und einsperren wollte, mit Niemand reden und umgehen, sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht fündige, und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachahme. Denn wenn wir mit gar keinem Gottlo Der glaubige Christ bittet 2c. 77 sen umgehen sollten, so müßten wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir sollen in der Welt sein, wie Joseph in Egypten, Loth in Sodom, Daniel und seine Gesellen in Babel, welche aber der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man will Gott seine Sünden bekennen, und zu dem heiligen Abendmahl gehen, sondern diese Arbeit soll beständig sein. Ist die Welt aus dem Herzen heraus, so gehet Jesus ein. Sebet. Barmherziger Gott! du Liebhaber der Menschen, wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns haft in unsern vielen Fehlern und Schwachheiten, und strafft uns nicht auf frischer That; und wie wir es verdienen. Ach! du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst fenne, und das Verderbniß meines Herzens einsehe. Ich fühle Welt in mir und Welt außer mir; ich finde Welt in mir, nămlich: die bösen Gelüste meines Herzens, sündlichen Neigungen und Triebe zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nămlich: die bösen Menschen, die mich mit ihren Sünden- Grempeln und Verführun Der glaubige Christ bittet, gen reizen und verleiten wollen. Ach leider! mein natürlich unartig Herz hat viel mehr Luft und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführt wird; ach! wehe mir, daß ich so lange, so oft und so viel mich durch die Welt reizen und verführen lasse! Ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Thorheit meiner jungen Jahre denke, da ich leider, ach leider! der Welt mehr gedient, als dir, meinem Gott, der Welt mehr zu Gefallen gethan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch damit dich beleidigt, mein Gewissen verleßt, und dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da, mein Gott; ich fehre um, und thue Buße im Staub und in der Asche. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir. Stelle mir vor das klägliche Ende der Weltfinder, damit ich dich liebe, und nicht die Welt, daß ich dich höre, und nicht die Welt, daß ich dir folge, und nicht der Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von Neuem laufen und sündigen will, erhalte mich allezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du 78 Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 79 mich zu deinem Dienst erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligfeit. Mäche mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gib, daß ich beständig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genoffene Weltluft und Weltfreude lauter Angst, ein böses Gewissen und das Seelen- Verderben folgt. Reiß aus meinem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißet, und pflanze deine heilige Furcht in mir. Du Schöpfer aller Dinge, du väterliche Kraft! regierst von End' zu Ende, kräftig aus deiner Macht, das Herz uns zu dir wende, und fehr ab unsere Sinnen, daß sie nicht von dir irren. Amen. Gefang. D Gott, du frommer Gott. Jos Mel. 1. Du willst, o lieber Christ, Dich dieser Welt gleich stellen, Und zu den Sündern dich Und ihrer Lust gesellen, Und meinest das sei recht; Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ muß nicht Ein solches Weltkind sein. 2. Du meinst, es tauge nicht, Ganz sonderlich zu wandeln, Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln, Du schämest dich zu sein Ein solcher Sonderling Und sprichst: man lacht dich aus, Und halt dich für gering. 3. Allein, dran kehr dich nicht! Wo Gottes Wort hin Der glaubige Christ bittet, zielet, Was Gott in seinem Wort Mit Ernst dir anbefiehlet; Sieh, darnach richte dich, Und lasse Welt sein Welt, Sie sage, was sie will, Thu du, was Gott gefällt. 4. Denn, saget Gott nicht selbst: Ihr sollet heilig leben, Wie ich auch heilig bin, Jhr sollt euch mir ergeben, Und stellet Christus nicht, Sich selbst zum Vorbild dar, Daß wir gesinnet sein, Wie er gefinnet war? 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet, Den Bösen nie zu lieb, Den lieben Gott betrübet; Und also mach es auch, Halt deine Seele rein, Leb heilig und gerecht, Denn also muß es sein. 80 6. Sieh Noah lebte nicht, Wie andre Menschen lebten, Es waren acht, die sich Recht fromm zu sein bestrebten; Ach! denke, denke dran, Wenn du die Bösen siehst, Wie wohl! Wenn du mit Fleiß Die Sündenwege fliehst. 7. Gedenk, was thate Loth In jenen Sodoms- Landen, Darinnen sich kaum vier, Die Gott recht liebten, fanden; Er wurde zwar gequält, Und sündigte doch nicht, Sein Herz und Wandel war Allein zu Gott gericht't. 8. Wie, hat denn Joseph auch Egyptens Sünd' getrieben? Ist nicht auch Daniel Jn Babel fromm geblieben? So mache du es auch, Ob man schon wenig find't, Die da von Herzen fromm, Und Christi Jünger sind. 9. Du mußt nicht mit der Welt, Zu ihren Sünden gehen, Du mußt in Gottesfurcht Und seiner Liebe stehen, Und wollt es keiner thun, So thu es du allein, So wirst du deinem Gott Recht angenehme sein. 10. Ach Gott! erinn're mich An diese Lebenspflichten, Ich will mich gern nach dir und deinem Willen richten. Ich sage hiemit ab Der Welt und Sündenfreud, Und bleibe dir getreu In Zeit und Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Pf. 86, v. 11. Weise mir, Herr! deine Wege, daß ich wandle in der Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. 81 Gott wolle ihn regieren und leiten. Es ist dieses Leben nichts anderes, als ein Weg; wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört mit dem Leben der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir einen guten Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endigt sich derselbe zu der Himmels- Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg des Unglaubens, der Bosheit, Gottlosigkeit, so endigt er sich zur Hölle, in der ewigen Verdammniß. Wenn nun das ein Chrift erwäget, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in die sem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Höllenweg, aber er soll mit allem Fleiß den Himmelsweg gehen. 2) Damit er aber darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott und seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle. 3) Bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Mitmenschen Leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und nachfolgen, so höret Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weicht gar von ihm. Wie nun ein Wandersmann einen Geleitsmann von Nöthen hat, der ihm den rechten Weg weise; also bedarf auch ein glaubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hiezu aber gehört die Einwohnung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? 1. Cor. 3, V. 16. Hat man aber Stark's Hdb. gr. Dr. 1ter ThI. 6 Der glaubige Christ bittet, diesen treuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, Zunge, Sinnen und Begierden regieren. 4) Dieser heiligen Regierung widersetzt sich der glaubige Christ nicht, sondern läßt sich führen, ermuntern und leiten und ist versichert, daß er wird wohl geführt werden, hier zeitlich und dort ewig. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat. Sebet. 82 Herr! du erforscheft mich, und kennest mich, du versteheft alle meine Wege. Ach! du siehest und weißt auch wohl, mein lieber Gott! wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen, und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und davon Jesus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hie, bald dort eine Verführung von dem guten Weg abführt. Bald verführt mich mein eigen Herz durch böses Gelüsten, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Erempel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn, ich verlebe mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach leite und führe mich nach deinem Rath. Du Gott wolle ihn regieren und leiten. 83 hast ja gesagt: ich will dich mit meinen Augen leiten. Herr! hie bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott! der du haft dein Volk trockenen Fußes durch das rothe Meer, und unverleßt durch die Wüste in das gelobte Land geführt; ach! führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverletzten Gewissen in das ewige Leben. Ich übergebe dir mein Herz, Mund, Glieder und ganzes Leben. Regiere mein Herz, und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sündenund Höllenwegen gehen. Regiere meinen Mund und Zunge, daß sie weder Flüche, noch unchriftliche und unanständige Worte vorbringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an und nimmermehr muthwillig wider dich fündigen, damit ich ein rechter und frommer Chrift heißen und auch sein möge. Ach! laß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht mei6* 84 Der glaubige Christ bittet 2c. nem eigenen Willen oder Führung; wenn ich mich führe, so werde ich verführt. Ja, leite mich mit deinen Augen, und richt' mein ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn ich es soll geben in's Todes Rachen hin, wenn's hier mit mir wird aus, so laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben des ew'gen Lebens Haus. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Vater! gib mir auch die Gabe, Die du Alle bitten heißst, wie wohl, wenn ich sie habe, Gib mir deinen guten Geist; Vater! ich hab groß Verlangen, diese Gabe zu empfangen, Ach! erhöre meine Bitt, Theile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich lebe in der Zeit, Wie ich mich nun soll bekehren, Und wie ich in Frömmigkeit Soll beständig einhergehen, Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist, und sich gründ't auf Jesum Chriſt. 3. Es soll dieser Geist mich führen Allezeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab gethan; Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach Folgen diesem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit, Wenn die Noth am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit In den Angst- und Trauertagen Und im Leidens- Sturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugniß gibt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft zweifachen Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So soll 85 Abendgebet am Mittwoch. deine Vaterhand Mir den Geist auch zweifach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben sein, Und von groben Fehlern rein. 6. Werther Geist im Himmelsthrone, Gleicher Gott von Ewigkeit Mit dem Vater und dem Sohne, Komm zu mir, ich bin bereit, Meine Seele, Geist und Leben, Will ich dir zur Wohnung geben; Komm, ach komm! und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein. 7. Ach! bewahre mich vor Sünden, Ach! laß meine Zuversicht Sich auf Jesum Christum gründen, Werther Geist, verlaß mich nicht. Ach! durch deine Liebestriebe, Stärke mich in Glaub und Liebe, Führe mich durch diese Zeit In die frohe Ewigkeit. Abendgebet am Mittwoch. Ddu heiliger, gütiger und allein weiser Gott! du hast mich diesen Tag abermals erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißet im Himmel und auf Erden, du haft nach deiner unendlichen Güte für mich gesorgt, daß es mir nicht gemangelt hat an irgend einem Gute. Ach Herr! ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du an mir beweisest. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich an mir thut, der ich nur Staub und Asche bin. Verschmähe nicht das demüthige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergib mir, o gnädiger Gott! was 86 Abendgebet am Mittwoch. ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf! daß ich mit meinen Kleidern alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, und ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht sammt allen meinen Anverwandten und Hausgenossen unter deinem Schuß und Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, ach laß, o Jesu! die Sonne der Gerechtigkeit, deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Erneue im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wachet ein Hirte bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele empfohlen sein. So du aber zur Prüfung meines Glaubens, Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhängen wollteft, so gib mir den gehorsamen Sinn Abrahams, und den geduldigen Geist Hiobs. Laß deine Allgegenwart und allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden abhalten. Ich hebe auch bei der anbrechenden Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe 87 Der glaubige Christ bittet 2c. kommt: meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Herr! es ist von meinem Leben wiederum ein Tag dahin: lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin, zeige mir auch selbsten an, so ich was nicht recht gethan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. Amen. Der glaubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden. Aufmunterung. 1. Johannis 4, V. 16. 19. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Laffet uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Glaubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ift das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz aufs genaueste verbindet. Ein glaubiger Christ demnach bittet 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen wolle. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, dadurch Gottes Liebe in ihm kann angefangen und vermehrt werden, nämlich: die andächtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe Gottes, so muß er auch solche beweisen in einem heiligen christlichen Wandel, anständigen Reden, Gott wohlgefälligen Werken; denn die Liebe ist gleich einem Feuer, welches sein Der glaubige Christ bittet Licht und seine Wärme nicht kann verbergen. 4) Er muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht wie Demas, die Welt wieder lieb gewinne, denn der die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Deßhalben muß er aus Liebe zu Gott die Welt meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführt. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod. 6) Die Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren; man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre in der Luft und Liebe der Welt hingebracht, aber darüber die Liebe Gottes vergessen hat. Sebet. O du liebreicher, gnädiger Gott! du allein bist liebenswürdig, dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbsünde in mir erloschen, sondern daß ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade nicht allezeit Plaß gegeben; damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich 88 89 um wahre Liebe zu Gott. bitte dich, ändere doch mein Herz, reiß aus demselben alle Welt- und Sündenliebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischesluft, Augenluft und hoffärtigem Leben, dazu ich leider von Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben, und alle Eitelkeit fliehen möge. Denn, will ich ein rechtes Kind Gottes sein, so muß die Sündenwelt und eigene Liebe zum Herzen hinaus, und du mußt über Alles allein geliebet werden. Darum komme ich, mein Gott! zu dir, und bitte dich, ach gib mir deinen heiligen Geist, der dieſe christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge, durch dessen Kraft will ich dich, meinen Gott, von Herzen und beständig lieben, meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber sein als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und Herrlichkeit. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich Gebet um wahre Liebe zu Gott. zu fündigen, aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Gesellschaft entschlagen, aus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Willen mein Leben einrichten, dich will ich ehren und fürchten, dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott! entzünde diese Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, daß sie bis an mein ſeliges Ende dauern möge. Gib mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Ach! laß mich in Liebe mit dir vereinigt sein in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott! ja dich um deinetwillen; nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott soll meine Liebe stillen; und sollt kein Höll und Himmel sein, was mich zur Liebe triebe, so wärst du mir genug allein, warum ich dich nur liebe. Amen. 90 Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach! daß sich doch Gottes Liebe Tief ergöße in mein Herz, Ach! daß sie doch immer triebe Meine Seele himmelwärts, Ach! daß doch all mein Beginnen, Ach! daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt, Wär'n durch Gottes Lieb entflammt. Morgengebet am Donnerstag. 91 2. Ach! daß diese Liebe risse, Aus mir alle Lieb der Welt; Ach! daß ich mich stets beslisse, Das zu thun, was Gott gefällt, Und aus Lieb ihn nicht betrübte, Nie was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär, Und Gott süßer mehr und mehr. 3. Ach, daß diese Lieb mich brächte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte, Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflöße, Daß ich nicht der Lieb genöße, Daß ich ihm mit Lieb nachging, Und mit Liebe ihn umfing. 4. O du Liebe! so ergieße Dich in mein Herz tief hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen möge sein, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich sitze, schlaf und gehe, Dir zu Liebe Alles thu, Und aus Liebe in dir ruh. 5. Laß mich in der Lieb auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit, Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigkeit; Dieser Lieb laß mich genießen, Bis ich werd die Augen schließen, Und auch gehn zur Freude ein, Wo wird lauter Liebe sein. Morgengebet am Donnerstag. Herr! höre mein Wort, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe und preiſse dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernährt und bewahrt haft, sondern daß du auch die vergangene Nacht mein Schuß und Beistand bist gewesen, also, daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinem Lager aufstehen und das angenehme Tageslicht anschauen kann. D Morgengebet am Donnerstag. du Liebhaber des Lebens! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engel Wacht umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück hat beschädigen können. Du haft mich durch eine sanfte Ruhe erquicket, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete haben entbehren müssen, da ich wohl eben so viel, ja noch mehr Züchtigung verdient, als sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens empfangen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer und Erhalter! erfordert hätte. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen. Ich habe mir vorgeseßt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten. Ich will meinem Fuß wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach verbotenen Dingen und Personen, ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit, und mein Ohr abwenden von loser Lehre und losem Geschwäß, welches 92 93 Morgengebet am Donnerstag. gute Sitten verderbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott! zu deinem Dienst ergeben; ach! wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade, laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich je Berufs halber und unverhofft zu Bösen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden und Thaten. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit kindlicher Zuversicht auf deine Vorsorge freudig verrichte, und deinen Segen empfinden möge. Nun, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit. Meinen Ausgang segne Gott, meinen Eingang gleicher Maßen; segne auch mein täglich Brod, segne all mein Thun und Lassen, segne mich mit sel'gem Sterben, und mach mich zum Himmelserben. Amen. 94 Der glaubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. and 1. Joh. 4, V. 20. 21. So Jemand spricht: Ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebe, auch seinen Bruder liebe. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet; dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Also beschreibet Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, V. 34 nämlich, daß man sie daran erkennen soll, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll Niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten hafset, o nein; es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter. 2) Auch unser Nachbar, Handwerksgenosse und Mitbürger, selbst wenn er uns neidet, vervortheilet und hafset. 3) Gegen die Feinde soll man alle Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, mit Worten und Werken beweisen, daß man ein liebreich Herz zu ihnen trage, und thue in der That und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5, V. 44. 45. 95 Der glaubige Christ bittet 2c. Sebet. e du day Ach, du liebreicher Gott! der du uns herzlich liebst, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen, wie du uns liebst. Ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben, als mich selbst, ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen gibst, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre. Ich sollte meinen Feind, der mich hasset, schmähet, verfolget, drücket, herzlich lieben, ihm Gutes wünschen, ja ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber, du allwissender Gott! fiehest und weißest, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernt ist, wie leider! wenn du meinem Nächsten wohl thust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichst, mir aber nicht, daß ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du fiehest, o allwissender Gott! wie das Bitten für meine Feinde so träge und gering ist. Der glaubige Christ bittet Ach, mein Gott und Vater! ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jesu bin, wie ich billig sein sollte, welche man daran erkennen wird, daß fie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach! ändere doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten herzlich und aufrichtig lieben möge, als mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gerne und mit Freuden das gönne, was du ihm gibst, und nicht deßwegen betrübt drein sehe, wenn du mich nicht mit gleicher Wohlthat erfreueft. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gib mir Kraft, daß ich es mit Sanftmuth überwinde, 96 um wahre Liebe des Nächsten. nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute wünsche, Herr, mein Gott! du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und Beistand wird es mir möglich werden. Laß mich an Andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jedermann, ohn' Eigennuß und Heuchelschein, und wie du mir's erwiesen, aus reiner Lieb allein. Amen. 97 dans Coll Gesan g. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern sein, Warum ist Falschheit, Tück Bei ihnen so gemein. 2. Ach! in der letzten Zeit, Wird alle Lieb erkalten, Und gar geringe sein Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit schon da, So machet euch bereit Zum lieben jüngsten Tag Und zu der Ewigkeit. 3. Wo findet man jetzt Lieb, Wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind Fast gänzlich aufgehoben; Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu? Regiert die Falschheit nicht, Und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen, Man darf auf keines Wort Anjezzo fast mehr bauen. Ein anders denkt das Herz, Ein anders red't der Mund, Und schöne Worte gehn Doch nicht aus Herzensgrund. 5. O falsche böse Welt, Gott tennet deine Stücke, Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke, Du Stark's Hdb. gr. Dr. lter Thl. 7 Der glaubige Christ hast die Liebe nicht Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe sein. 6. Allein wer feine Lieb Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzensgrund Auch seinen Gott nicht lieben; Drum glaube mir gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei dem man lauter Haß Und keine Liebe find't. 98 7. Mein Gott, verleih mir Gnad, Daß ich in Lieb umfassen Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feindschaft hassen. Ach! mache selbst mein Herz Von aller Bosheit rein, Daß ich auch in der Lieb Mög Christi Jünger sein. 8. Laß deine Liebe mir Vor meinen Augen stehen, Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen, Ja, daß ich mich betracht, Und an mir nehme ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab. 9. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu und Liebe In meinem Herzen sein, Damit ich Lieb ausübe; Gib mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Lieb und ohne List, Und ohn Betrügerei. 10. So leb ich als dein Kind, Und werd dahin gelangen, Wo alle Glaubigen In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit, Und nie auf hören wird In alle Ewigkeit. Der glaubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Matth. 16, V. 24. Will mir Jemand nachfolgen, der verläugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Herr! siehe, ob ich auf bösem Wege bin? So soll ein glaubiger Christ täglich seufzen. Ps. 139, V. 24. Fragt ein behutsamer Wandersmann fleißig nach dem Wege, so soll ein Gläubiger sich fleißig des Himmels- Wegs erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, darum soll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführt werde. Ein glaubiger Christ folgt 1) dem will Jesu nachfolgen. nach nicht den Weltkindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren fündlichen Gesellschaften, viel weniger folgt er dem Trieb seines bösen Herzens, sondern er denkt allezeit, so ihm etwas in die Gedanken kommt: ist das auch recht? Er folgt auch nicht dem Satan, sondern er folgt 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellt, was er glauben, was er thun und unterlassen soll; das ist seine Lebensregel, was die nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu. Er folgt sonderlich 3) dem Herrn Jesu, der uns hat ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; die Fußstapfen Jesu aber sind: seine Demuth, Gehorsam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folgt 4) auch dem Erempel frommer Christen. Siehet er an frommen Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit, Mildigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch solche nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben bis in den Tod, so wird an solchen Seelen auch erfüllet werden, was Johannes Off. 14, V. 4. sagt: Sie folgen dem Lamme nach in dem ewigen Leben. 99 Gebet. Ach, mein Gott und Herr! mein einziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese, die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hin7* Der glaubige Christ geht, aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichkeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, dieweil er noch in der Welt lebt. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert, ich sehe viele Vorgänger, und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen, und die Welt stellt mir ihre Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen, allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nämlich zur Hölle und Verdammniß. O darum will ich dir, o Jesu! nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen im Glauben, Liebe, Demuth, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Vater lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächsten lieben und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel mei100 will Jesu nachfolgen. 101 nen Feinden gern verzeihen. Ich will nach seinem Erempel demüthig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Nun dieß ist mein heiliges Vorhaben, dazu wolleft du mir Kraft verleihen. Ach, erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Weltfinder Geberden, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke, wo gehest du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selbst frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gib, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich sein soll und wer ich bin. Ich soll sein ein Gotteskind, ein Nachfolger Jesu. Ich soll mich von der Welt unbefleckt halten. Hilf, daß ich in deiner Nachfolge beständig verharre bis in den Tod. Ich folge Jesu nach in Gottesfurcht und Glauben, in wahrer Frömmigfeit, die soll mir Niemand rauben, in Demuth folg ich ihm; werd ich im Folgen schwach, so stärkt mich seine Hand, ich folge Jesu nach. Amen. 102 Der glaubige Christ will Jesu nachfolgen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Tid 1. Jesus bleibet meine Freude, Obschon in der Welt nichts bleibt, Er ist meiner Seele Weide, Von dem mich nichts Irdischs treibt; Such ich Freud in diesem Leben, Kann mir solche Jesus geben; Drum soll Jesus nur allein meiner Seele Freude sein. 2. Jesus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Ob schon alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Dieſe Sonne wieder scheinen, Ach! so stehets um mich wohl, Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Jedennoch mein bester Freund, Leb ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden, Und ich hab an ihm gefunden, Was ich in der Welt nicht find', Ja an teines Menschen Kind. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnügen fehlt, Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich vergnügt, was er erwählt. Drum sprech ich: mir soll in allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Mein Vergnügen ist dein Will, Deinem Willen halt ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergößzen, Sonsten acht ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schäßen Ist mir sonst kein Schatz bewußt! Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Ist mein Jesus nur allein, Soll's auch dort im Himmel sein. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh, Denn dieß ist nur mein Verlangen, Daß ich immer ihm nahgeh'; Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden; Ich folg', ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme nach. 7. Wählt ihr Menschen, o erwählet Mit mir dieses höchste Gut, Wenns euch gleich an vielem fehlet, So habt einen guten Muth, Suchet Jesum, halt't ihn feste, Dieses ist das Allerbeste, So habt ihr in aller Noth Hilfe und auch Trost im Tod. 103 and Abendgebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O liebreicher Gott und Vater! hier komme ich abermal mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft und begnadigt in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, daß ich den Abend unbeschädigt habe erlebet, deine Langmuth hat meiner geschonet, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft haft. Ach! verzeihe mir alle Uebertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidigt habe. Ich sollte stärker werden, wider die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel; aber wer fann merken, wie oft er fehle, verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidigt. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, Herr! wer würde noch leben! Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott! ach schließe du felbst die Thüre hinter mir zu, wie an Abendgebet am Donnerstag. dem Kasten Noah, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in den Schuß nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bette auch gedenken, wie ich dereinst werde mit Erden zugedeckt, aber am jüngsten Tag wieder auferwecket werden. Laß mich alle Tage also hinbringen und schließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens trösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heimzuführen. O dreieiniger Gott! unter deinem Schirm und Schild kann mich keine Noth und Tod verleßen. Deine Liebe und Schuß, o Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! find die Wagenburg, darin ruhe ich sanft, und liege darin wohl verwahrt, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schußzes genießen, wie auch alle Arme und Elende. Stärke im Schlaf meine Kraft und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht wieder erblicken. Herr! laß mich ruhig schlafen ein, hilf, daß mich nichts 104 Der glaubige Christ erkennet 2c. 105 erschrecke, und wenn die rechte Zeit wird sein, alsdann mich wieder wecke, daß ich an meine Arbeit tret, wenn ich zuvor hab durchs Gebet dir meine Werk befohlen. Verschmäh, o Gott, mein Vater! nicht mein Seufzen, Bitt und Flehen; laß mich dich, Jesu, wahres Licht, auch in dem Finstern sehen, o heil'ger Geist! am leßten End mit deinem Troft dich zu mir wend, daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Der glaubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Troft und mein Theil. Das höchste Gut zu haben und zu besitzen ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen, aber darin haben die meisten gefehlt, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste und allerbeste Gut ſei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen sein, und muß uns im Leiden und Tod, im Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut: 1) nicht Reichthum, welchen Viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten, denn er verläßt uns im Tode. 2) Ehre und Glück ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Gerechte in Verachtung und Schande, das Glück ver 106 Der glaubige Christ erkennet, wandelt sich in Jammer und Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor allen irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Deßhalb fuchet ein glaubiger Christ sich ein wahres beständiges Gut, welches aber 4) allein Gott ist; hat er Gott, so hat er Alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfreuet den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquickt ihn im Tode, bleibt mit ihm vereinigt in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir gelangen 5) durchs Gebet, Anhörung des göttlichen Worts, Betrachtung desselben, und durch Beistand des heiligen Geistes, nur 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Lust nicht sein höchstes Gut sein lasse. Sebet. O du gnadenreicher Gott! wie bist du doch so herrlich, so vollkommen! Wer dich hat, der hat Alles, der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach! schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz, daß ich allein dich suchen und dich finden möge: Ach! bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum besißen, oder groß Vergnügen und daß Gott allein das höchste Gut sei. 107 Herrlichkeit erlangen, so hätten sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt; dieſe Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und bloß, ja ohne Gott. O darum gib, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut, du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen, so vereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit; find alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und Rost unterworfen, kann sie ein Unglück vernichten, so bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen, mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein Gott! wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; hab ich dich, so hab ich das wahre Leben. O darum wohne in mir, bleib bei mir, so hab ich einen Helfer in Kreuz 108 Der glaubige Christ erkennet 2c. und Elend, einen Beistand in Nöthen, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allersüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltfinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich doch Gott nicht. Ach Herr! wenn ich nur dich hab, ei, so sag ich Allem ab, legt man mich gleich in das Grab, ach Herr! wenn ich nur dich hab. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. In Gott bin ich immer fröhlich, In Gott hab ich lauter Freud, In Gott bin ich reich und selig, Gott ist selbst die Seligkeit. Darum laß die Welt vergehen, Laß die Ungewitter wehen, Bleibet mnur der Höchste mein, So kann ich vergnüget sein. 2. In Gott hab ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt; Der den Himmel mir beschieden, Ist mein Jesus, der mich krönt: Drum kann ich im Frieden sterben, und in Fried den Himmel erben; Fried in dieser Lebenszeit, Fried in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher rasten, Er ist meiner Seele Ruh, Zu Gott, wie zu Noah Kasten, Eil ich, wie das Täublein, zu; Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Ruh in Trübsal, Ruh in Schmerzen, Ruh im Leiden, Ruh in Noth, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schäßen, Welche keine Zeit verstreut, Freud, Vergnügen und Ergötzen, Und des Trostes Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schaue doch in diesem Leben; Wie wird's nicht in vollem Schein Herrlich in dem Himmel sein. 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner 109 Morgengebet am Freitag. Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit Gott verbunden In den letzten Todesstunden. Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. pot Morgengebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnädiger und liebreicher Gott, mein Vater, Erlöser und Heiligmacher! ich erhebe in dieser Morgenstunde mein Herz und Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majestät, von welchem mir Zeit meines Lebens und auch die vergangene Nacht gar viele Wohlthaten zugefloffen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, mein Alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du haft mitten in der Finsterniß an mich gedacht, und meinen Leib und Seele vor allem Schaden und Gefahr väterlich behütet; darum lobe ich dich und lobfinge deinem Namen. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Sei, o liebreicher Gott! auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Him Morgengebet am Freitag. mel und Erde. Gib mir heute und allezeit ein, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz klopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laß, o Jesu! dein blutiges Bild mich vor Augen sehen, daß dadurch alle Luft der Sünde in mir vertrieben werde. Also wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden abfterbe, und in dem neuen Wesen des Geiftes wandle. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgib mich und die Meinigen mit deinem Schuß, wie das Haus Hiobs; bewahre mich, wie den Jakob; habe Acht auf mich, wie auf Elia, daß ich unter deinem Schuß den Abend wiederum fröhlich erlebe. Meinen Leib und meine Seele sammt dem Willen und Verstand, großer Gott! ich dir befehle, unter deine starke Hand; Herr! mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf dein Eigenthum. Amen. 110 111 Der glaubige Christ bittet um Demuth. Aufmunterung. 1. Petri 5, V. 5. 6. Saltet fest an der Demuth, denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Unter denjenigen Sünden, dawider ein glaubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hoch: muth des Herzens, welcher hernach in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur nach dem Sündenfall, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen, und auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein glaubiger Christ erwägt, so bittet er Gott um ein demüthiges Herz 1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch! was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich: Gottes Wort halten, Liebe üben, und demüthig sein vor deinem Gott. Micha 6, V. 8. Er wird gegen Gott aber demüthig werden, wenn er bedenkt Gottes Hoheit, Majestät und Herrlichkeit, und hingegen auch erwägt, wie er ein armer Wurm, ja nichts als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein glaubiger Christ deműthig werden 2) gegen den Nächsten, wenn er bedenkt, wie sein Nächster vielleicht viel frömmer, andächtiger, und daher Gott angenehmer sei als er; ja daß er im Grabe wie der ärmste Bettler zu Asche werde. Es wird ein glaubiger Christ auch demüthig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwägt, daß er alles, was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen nicht Der glaubige Christ bittet von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm alles bald nehmen könne, daher er auf keinerlei Weise stolz werde, fleißig betrachte das Erempel des demüthigen Jesu, der sich unter Gott und alle Kreaturen erniedrigte, und uns zuruft: Lernet von mir, ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. 112 Sebet. Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron alle Auserwählten in Demuth ihr Antlig bedecken; ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmuth geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oft vergesse, daß ich Staub und Asche bin. Ach, mein Gott! gib mir doch ein demüthig Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demüthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Ver um Demuth. 113 dammniß; was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen, aber daß du auf die demüthige Seele dein Licht, Troft, Gnade und Güte haft reichlich fließen lassen, wende von mir ab alle hoffärtigen Gedanken, gib, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringet. Drücke in mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engel und Menschen erniedrigt hat. Ift mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, Stark's Hdb. gr. Dr. Iter Thl. 8 Der glaubige Christ bittet reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben, und dazu berufen habeft, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte und von Niemand Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gib mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß Alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth in Frieden und Einigkeit mit Jedermann leben. Lasse mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu sein, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünde, davor bewahre mich in Gnaden. Und so dir ja gefallen sollte, mein Gott! mich in Spott und Verachtung fallen zu lassen, so gib mir Kraft und Stärke, daß ich alles mit Demuth, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, und dieses zu meiner Demüthigung und desto größeren Behutsamkeit 114 115 um Demuth. in meinem Wandel mir dienen lasse. Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben und sind allzeit arm im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott werd allein gepreist, danken ihm auch für und für, denn das Himmelreich ist ihr: Gott wird dort zu Ehren seßen, die sich selbst gering hier schäßen. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Demuth ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr, Denn sie zieret unsre Jugend, Und das Alter noch viel mehr: Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zu großem Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demüthig, Er erhob sich selber nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bericht't; Ja, man fand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben; Drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist beflissen, Ist bei Jedermann beliebt, Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre gibt! Demuth hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen Allen, Die auf Gottes Wegen gehn Und in Jesu Liebe stehn. 4. Demuth machet nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die Demüthigen anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist, Als ein frecher stolzer Christ. 8* Der glaubige Christ bittet Demuth bringet großen Segen, Und erlanget Gottes Gnad, An ihr ist gar viel gelegen; Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel geschmücket, Und in seinem Thun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 116 6. Diese edlen Demuthsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Mensch stets haben, Welcher sie von Herzen sucht; Wo der Glaub wird angezündet, Da ist Demuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demuth, Lieb Kommt aus Gottes Geistes Trieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein, Es soll Demuth in Gebärden, Demuth soll im Herzen sein, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen Gott, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, Gottes Gnade in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demuth herrlich prangen Und die Ehrenkron erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. 1. Petri 2, V. 21-23. Christus hat uns ein Vorbild gelaffen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen, welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Wenn ein Mensch in seinem Christenthum und in seiner Bekehrung hat einen guten Anfang gemacht, daß er sich von äußerlichen groben Sünden gereinigt, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, leppigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, Spielen, Welt- Gesellschaften, so muß er bedacht sein, auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, 117 um Sanftmuth. Neid, Zorn, Haß und Rachgier, und sich der Sanftmuth befleißigen. Die besteht darin, 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht aus Haß, Zorn und Rachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmüthig seien, und diese edle Tugend besigen, können wir nicht eher wissen, bis uns ein Feind angreift, der nach unserer Ehre, Gut und Namen trachtet; denn wer da gleich im Zorn entbrennt, flucht, schilt, droht, bei dem wohnt der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmuth, Schuß gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief und sich in des Kaisers Schuß begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Apost- Gesch. 25, V. 11. 4) Es steht wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen zu zerreißen, wie wilde Thiere im Grimm und Bitterkeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drückt, will Gott eine Probe unseres Glaubens sehen, und uns zur Erkenntniß der vorher begangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepreßt haben. 6) Die Rennzeichen der Sanftmuth sind: im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, 44, ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gute gönnen, und zur Versöhnung willig sein. Sebet. O du liebreicher Gott! der du die Liebe selbst bist, und willst deine Liebe in mein Herz ausgießen durch den heiligen Geist, 118 Der glaubige Christ bittet Ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oft gar widerspenstig und unbändig ist. Es sollte in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit sein; aber ach! ich finde leider statt dieser christlichen und nothwendigen Tugenden: Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott! aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches thun, nicht sollen ins Reich Gottes fommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der Kinder Gottes und der wahren Christen Art, ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaftig und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott! und gib mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Erempel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er geschol 119 um Sanftmuth. ten wurde, und niemals seinen Feinden drohete, daß er sich an ihnen fünftig rächen wollte, da er litt, stellte aber vielmehr alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gib mir auch einen solchen stillen, sanftmüthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalte, und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lasse. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge sein wie ein Tauber, der nicht höret, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet. Hingegen gib Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl geht, ihm alles Gute wünsche, ja ihm gerne helfe, und wohl thue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten, Geberden und Werken spüren lasse, sondern wie gegen Jedermann, so auch gegen meine Feinde, in dem Herzen sei mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mit Geberden holdselig und mit Werken wohlthätig, damit durch meine Unversöhnlichfeit mein Gebet nicht verhindert, und all mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gib, daß ich von Her Der glaubige Christ bittet zen verzeihe und vergebe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Missethaten verzeihen sollst, daß ich nicht täglich wider mich selbst beten möge. Laß auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast. Selig find die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich befißen. Bezwinge in mir durch deinen Geift die wider diese Tugend aufsteigende Luft, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleinst durch deine Gnade in die Häuser des Friedens verseßt werde. O Seele! schaue Jesum an, hier kannst du recht erkennen, was wahre Demuth heißen kann, und was wir Sanftmuth nennen, er stellet sich zum Muster dar; wie Jesus nun gesinnet war, so sei auch du gefinnet. Das Böse sucht er alsobald mit Gutem zu vergelten; man hörte, wenn die Welt ihn schalt, ihn niemals wieder schelten; er gibt es seinem Vater hin, so sanft ist deines Jesu Sinn, so sei du auch gefinnet. Amen. 120 tilise 121 um Sanftmuth. Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen 2c. 1. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott! ach höre doch, Großer Gott! du lebst ja noch, Sieh, wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre, Herr! ach hör sein Schelten, Aber ach! verleih mir Gnad, Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mög vergelten, Was er wider mich ausübt Und mich bis aufs Blut betrübt. 3. Gib, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt, Und für Gutes Bös's vergilt, Daß ich in Geduld mich fasse und ertrage als ein Christ, Was dem Feind beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir aufs Schlimmste flucht, Und nichts, als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög begegnen Mit gelass'nem, stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Lasse mich auf Jesum sehen, Der da gar nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bös's vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gotteskind Ihn mit Sanftmuth überwind. 6. Ach! laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir setzet zu, Daß ich ihm da Gutes thu, Daß in meinen Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wollest ihn bekehren, Daß er werd hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach! du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich gethan, Rechne doch es ihm nicht an. Und du wollst ihm Gnad verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, Daß wir sterben als versöhnt, Und mit deiner Gnad gekrönt, Laß uns beid den Himmel erben, Zu der Lammeshochzeit gehn Und dein Antlitz ewig sehn. 122 Abendgebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott! laß auch in der bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich lagern, und mich mit ihrem mächtigen Schuß umgeben; hast du den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu! laß nichts Schädliches sich zu mir nahen, ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du haft zu allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glück gegeben. Ach, daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so groß Uebel thun, und wider Gott sündigen. Ach, verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag Böses vollbracht, geredet und gedacht habe. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut be 123 Abendgebet am Freitag. zahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch mein Hüter, mein Hirte nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Guts gethan; laß mich solche deine Güte zur Buße leiten. Laß dein heißes Blut und treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr möge beleidigen, der du so viel Gutes an mir gethan haft. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde; das stehet allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens. Aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater! in deinen Wunden, o Jesu! in deiner Gemeinschaft, o werther heiliger Geist! einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. Ich lege mich in Jesu Wunden, wenn ich mich lege zu der Ruh, ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, er drücket mir die Augen zu, ich fürchte nicht die finstre Nacht, weil Jesus um mein Bette wacht. Amen. 124 Der glaubige Christ bittet um den heiligen Geist. Aufmunterung. Psalm 51, 3. 12. 13. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Um den heiligen Geist zu bitten, ist die allernothwendigste Bitte: denn 1) in diesem Leben haben wir vonnöthen einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster: nun das ist der heilige Geist, der führt uns in alle Wahrheit, er lehrt uns Jesum Christum erkennen und verklärt ihn in uns, er tröstet uns in allerlei Leiden und Trübsal, ja in der Stunde des Todes; wer hier den heiligen Geist nicht hat in seinem Herzen, der kann nicht selig werden. 2) Deßhalben sind das die unglücklichsten Menschen, die ohne den heiligen Geist sind, die können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern sündigen und fallen. Hat uns Gott aber den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch muthwillige Sünden und ein gottloses Leben, sondern täglich seufzen: nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 3) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und in dem Stande der Seligkeit. Sebet. Großer Gott, heiliger Vater, siehe, ich armes Kind komme zu dir, und bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du hast gnädiglich verheißen Allen, die dich darum anrufen; 125 Gebet um den heiligen Geist. darum sende ihn von oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er sei mein Führer, der mich leite nach deinem Rath, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viel Irrwege und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich solle mit ihnen sündigen und Böses thun. Ach Gott! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt und Welt- Sünden wollen gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben führet. Ach! gib mir deinen heiligen Geift, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigfeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sei ein Kind Gottes. O werther heiliger Geist! ach heilige mich, du fiehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, aber Der glaubige Christ bittet du steheft auch, wie ich durch deine Gnade davor einen herzlichen Abscheu habe. Ach, es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt, und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung. Du sollst sein meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens. Ach, heilige mich durch und durch, damit mein Geist sammt Seel und Leib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel, und wohne darinnen. Du heiliges Feuer, brenne und pertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüfte und Begierden. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führest. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost nehmen will: ich sei kein Kind Gottes, ach! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal ha126 127 um den heiligen Geist. ben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben; gib Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hilfe und Beistand verschwindet, daß ich werde der Herrlichkeit theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater! gib mir auch die Gnade, die du Alle bitten heißt, daß ich sie empfind und habe, gib mir deinen heil'gen Geist, denn ich habe groß Verlangen, diese Gabe zu empfangen; ach! erhöre meine Bitt, theile deinen Geist mir mit. Amen. Gesang. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren. 1. Ach, komm doch in mein Herze, O werther heil'ger Geist, Sei meiner Seelen Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und mach sie neu und rein; Ich habe groß Verlangen, Geist, dich zu empfangen. Ach kehre bei mir ein. 2. Komm, gib mir neue Stärke In meinem Christenthum, Und heil'ge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach mache mich ganz neu, Daß ich stets bet und singe, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig sei. 3. Komm, heil'ge meinen Willen, Und reiß ihn von der Welt, Damit ich mög erfüllen, Was dir, mein Gott, gefällt; Ich geb mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, ändre Herz und Leben, Und heil'ge gänzlich mich, Heb auf das Widerstreben, Daß Alles richte sich Allein nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlasse Und wachs in deiner Lieb. Morgengebet am Sonnabend. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist, hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In freche Sündenwort; Sei meiner Zunge Herr, Daß sie Gott lob und preise, Dem Nächsten Lieb erweise, Und dien zu deiner Ehr. 6. Ich will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein, und auf dein Winken sehen, Dir ganz zu Dienste sein; Du bist's, den ich erwähl, Ich will mich dir ergeben; Du sollst nun sein mein Leben und meiner Seele Seel. 128 7. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Plazz, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du sein mein Schatz, Dieweil ich an dir hab Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Saft, Daß ich nicht mehr kann beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd erblassen, So sprich den Trost mir zu: Ich seie nicht verlassen, Ich komm zu meiner Ruh. Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen, Und seliglich durchdringen Zur Himmels- Herrlichkeit. Morgengebet am Sonnabend. Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Starker und allmächtiger Gott! ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschüßet, so mächtig bedecket, daß keine Gefahr und Leiden mich beunruhigen können. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute nichts von mir geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider sein könne. Mein Jesu! der du 129 Morgengebet am Sonnabend. bist das A und das O, der Anfang und das Ende, ich habe nun abermal durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage anfangen und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen möge, daß ich gelebet habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, segne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei, und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Heiligung und Bekehrung in mir haben mögest. Darum, o heiliger Geist! fehr bei mir ein, und laß mich deine Wohnung sein, o komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein bei mir und in mir kräftig sein, zu fteter Freud und Wonne. Laß mich, durch dich fromm zu leben, jetzt anheben, und mit Beten oft deßhalben vor dich treten. Amen. Stark's Hob. gr. Dr. lter Thl. 9 130 Der glaubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. Aufmunterung. Klagl. Jer. 3, V. 22. 23. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währet in Ewigkeit, wie David im 136. Psalm, ,, denn seine Güte währet ewiglich" bei allen Versen wiederholet. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für dasselbe sorget, es verpflegt und erziehet; so thut auch Gott an uns Menschen. Dieses erkennet nun ein glaubiger Christ, 1) daß es sei eine unverdiente Güte; wollte er nach unserm Verdienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken; es ist 2) eine immerwährende Güte, wenn ein glaubiger Christ sein ganzes Leben ansieht, von seiner Geburt, in seiner Kindheit, Jugend und fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes; was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirket; was wir besitzen im Leiblichen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern, es ist 3) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; über die läffet er seine Sonne scheinen, er gibt ihnen Nahrung und Kleidung, nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor verschließen. Ein glaubiger Christ lässet sich aber durch Gottes Güte auch zur Buße, Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er auch derselben genießen wird bis in den Tod. Der glaubige Christ erkennet 2c. 131 Sebet. Gott! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunfen von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkeft sie mit Wollust, wie mit einem Strom. Nun solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott! fie ist bei mir alle Tage, alle Stunden neu gewesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegmutter auf die Arme genommen und erzogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführt, und aller Orten begleitet. Deine Güte hat in den erwachsenen Jahren mich versorgt, erhalten, ernährt und mir viel Gutes bescheert. Ja, deine Güte hat bis auf diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebt, und mich mit Segen, Gnade und Troft erfüllt. Diese deine Güte hat mich bewahrt vor Unglück und Schaden, und ist mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möchte. Diese deine Güte hat mir meine Seele durch den heiligen Geist geheiliget und zu deiner wahren lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach, mein Gott, 9* Der glaubige Christ erwäget laß deine Güte ferner über mir walten, und verlaß mich nicht im Alter, wenn ich grau werde, laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schoos, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit fehlen und sündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wieder auf den Weg der Buße und des Friedens. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir, und lobe dich von Grund meiner Seele, nicht allein lobe ich dich allhie, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott! auch preisen in alle Ewigkeit. Darum, o meine Liebe, die ich oft betrübe, hie in dieser Welt, dir dankt mein Gemüthe, wegen deiner Güte, die mich noch erhält, die mir oft gar unverhofft hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Zagen. Amen. thordop aimtm 132 die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 133 bilpi:& ef ang. ands en Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Gottes Liebe, Gnad und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüthe, Und auch seine Vatertreu; Gott hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen kaun; Ich hab alle Tag und Stunden Gottes Treu und Güt empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergehn Reichlich mir aus Gnad gegeben, Sondern er läßt mich auch sehn, Wie es seiner Güt gefällt, Daß er Alles noch erhält, Ja, mit jedem frühen Morgen Hebt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe und die wahre Seelenfreud, Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich mein Leiden quält, Hilf, wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt hab ich erfahren In dem ganzen Lebenslauf, und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich morgens früh aufsteh, Und des Abends schlafen geh, Läßt sie mir's an meiner Seelen Nie an einem Guten fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen In der frohen Ewigkeit. Ach, mein Gott! ich bitte dich, Lasse deine Güte mich Allezeit den Trost genießen, Bis ich werd die Augen schließen. Der glaubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. 1. Joh. 3, V. 2. 3. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt fich, gleichwie er auch rein ist. 134 Der glaubige Christ erwäget Ein wahrer Christ soll dreierlei täglich erwägen, wer er sei: nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe: einen Vater, einen Wohlthäter, und den allerbesten Freund, und was er von Gott noch zu erwarten habe, nämlich: himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken, und Verachtung gegen alles sündliche Leben erwecken. Denn 1) große Herrlichkeit haben die Gläubigen schon allhier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott, gegen diese Herrlichkeit sind Silber, Gold, Geld und alle königlichen Kronen für nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeit haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gesellschaft der heiligen Engel und Auserwählten, Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlsein, und endlich eine fröhliche und felige Auferstehung des Leibes. Ein glaubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Trübsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinsten alles Leiden in ein ewiges Jauchzen verwandelt werden. Sonderlich aber soll er 4) diese Herrlichkeit nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, sondern bedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibt er im Glauben und siehet das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlassen muß, hingegen schickt er sein Herz oft da hinein, wo er ewig wünscht zu sein. die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 135 Sebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen zu großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, da er gefallen war, wieder eine große Herrlichkeit zugesagt hast Allen, welche da werden die Gnade annehmen, und im Glauben und heiligen Leben dem Trieb deines heiligen Geistes folgen. Denn folche wiedergeborene und geheiligte Seelen können sich trösten, sie haben in der Zeit schon eine große Herrlichkeit, nămlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Chrifti, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Gebet treten und von dir in Nöthen Hilfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere kommen, nach dieser Zeit; denn wenn die Seele ist vom Leib geschieden, so soll sie fröhlich gelangen zum Anschauen deines Angesichts, sie soll deinen Heiligen zugesellt, und mit himmlischer Freude erfüllt werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch 136 Der glaubige Christ erwäget 2c. der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verklärt werden, und leuchten wie die Sonne. Ach, mein Gott! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit möge allzeit vor Augen haben. Ach! erhalte mich im Glauben und Frömmigkeit, daß ich, wenn mich die Welt verführen will, bedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben, und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß ich möge vorsichtig wandeln, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferweckt soll werden, durch Christum neu verklärt, wird leuchten wie die Sonne und leben ohn' all' Noth, in himmlischer Freud und Wonne, was schad't mir dann der Tod. Amen. Abendgebet am Sonnabend. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 137 1. Sieh, es ist alles mir Zum Eigenthum gegeben, Was Gott nur ist und hat: Ja, schon in diesem Leben Ist es schon Alles mein, Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreue, Verpflegung, Lieb und Schutz Wird alle Morgen neue, Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Noth. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt ich mich nicht erfreuen? Was darf ich Noth und Tod, Das Grab und Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit und sein Verdienst ist mein, Soll ich deßwegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn er hat mich geschmücket, Im Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb ich beglücket In diesem Thränenthal, Mein Jesus schenket mir Dieß Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben Mein Jesus, der da ist Am Kreuz für mich gestorben, Ich lebe oder sterb, So weiß ich wohl wohin, Weil ich durch Jesu Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schätzen, Denn diese Schätze sind's, Die mich allein ergößen, Ja, selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab Von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil In vollem Glanz anheben, In Frieden, Trost und Ruh In jenem Freudenleben, Da werd ich herrlich sein In froher Himmelspracht, Und werde ewig sein, Wohin ich stets getracht't. Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandle, so ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und Abendgebet am Sonnabend. gnädiger Gott! jetzt endigt sich der Tag und zugleich auch die Woche, aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche erleben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, nämlich, daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Wohlthaten sind diese Woche viel gewesen, du hast mein Gebet erhört, mich behütet, mir guten Rath mitgetheilt, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segensgaben von dir empfangen habe, ja, keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohlthaten auf mich geflossen sind. Jetzt habe ich, was ich im Anfang gewünschet. O der großen Gnade, Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute, am Schluß der Woche, auch an meine Sünden; viel sind meiner Uebertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorgt, nicht so viele Stunden dir gewidmet, als ich billig hätte 138 139 Abendgebet am Sonnabend. " thun sollen. Ach Herr, Herr! vergib mir diese Sünden; strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her, laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Ich bin nun eine Woche älter, und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange Ewigkeit folgen soll; darum hilf, daß ich alle Wochen, Tage und Stunden also anwende, daß ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hie bin ich ein Pilgrim, im Himmel ist mein Vaterland, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen wirst abwischen, und sie mit ewiger Freude ergößen. Hiemit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke, ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Worts hinbringen will. Gib mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder durch Menschen 140 Der glaubige Christ danket Gott noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. Weicht nichtige Gedanken hin, wo ihr habt euren Lauf, ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. Amen. Spin Der glaubige Christ danket Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Psalm 116, V. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut. Es gehet ein Tag und eine Woche unsers Lebens dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserm Tode; unterdessen ist doch der gütige Gott so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes thut an Leib und Seele und unser Herz erfüllt mit Freuden. Nun das sollen auch die Gedanken sein eines glaubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er dankt Gott für den Segen, den er hat empfangen, für den Schuß, darunter er hat die Woche glücklich hingebracht, für die Hilfe, die er hat erlangt, wenn er Gott mit seinem Gebet angefleht. Hört er, daß Andere die Woche über sind betrübt worden, so hat er Mitleiden mit ihnen, und rühmt Gottes Güte, die ihn mit dergleichen Leiden verschont hat. Ein glaubiger Christ erwägt, 2) daß Gott durch solche beharrliche Beweisung der Güte ihn zur Buße leite, darum bereut er am letzten Tag der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, und lässet also den letzten Tag der Woche seinen Bet-, Buß- und Danktag sein. 3) Er bittet auch 141 am Ende der Woche. um ferneren Schuk, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche. 4) Er erwägt, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird, darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schaut, als von welchem alle guten Gaben kommen, sich der göttlichen Gnade überläßt, in der Liebe Jesu bleibt, und also im Stande ist, nach Gottes Willen selig zu leben und zu sterben, wenn sein Sterbestündlein, Sterbewoche und Sterbejahr vorhanden ist. Sebet. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der Herr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und Herr! da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. Herr! wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmest fie, du erhältst sie, du bewahreft sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein Gott! du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet, und haft mich gesund erhalten, haft mich gesegnet, begleitet, bewahret, an Leib und Seele 142 Der glaubige Christ danket Gott viel Gutes gethan, haft auch die Meinigen deines Schußes und deiner Gnade lassen genießen. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen, lobe den Herrn, meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja, wie viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie viele haben eine Trauer- und Kreuzwoche gehabt, aber mich haft du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuß unverleßt geblieben, dafür sei hochgeliebet, hochgelobet und gepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schuß und Gnade, habe Dank für deine Liebe und mächtigen Beistand, habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach, mein Gott! verzeihe mir auch aus Gnaden, was ich in dieser Woche Unrecht gethan habe. Um der blutigen Wunden Jesu Christi willen schone, und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft in der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden ✔ 143 am Ende der Woche. und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all mein Leben lang. Sei Lob und Preis und Ehren, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, der woll in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, und ganz verlassen auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, daß unser Herz, Muth und Sinn ihm mögen fest anhangen; drauf singen wir zur Stund, Amen, wir werden's erlangen, glauben wir aus Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele! so bedenke dich, Was du Gutes hast genossen, Da dein Gott so mildiglich Aufgethan die Vaterhand Und viel Guts dir zugewandt, Und anjetzt in großem Segen Dich sie läßt zurücke legen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausgestreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Guts gethan? Schau, wie Gottes Brünnlein fließen, Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte Nun bei diesem Wochenschluß, Und ermuntre dein Gemüthe, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst, Und noch täglich mehr empfähst; Keine Stunde ist vergangen, Da du nicht haft Gut's empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Aller deiner Sünden Schuld, Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Vaterhuld; Sprich: mein Vater, sieh nicht an, Was ich Böses Der glaubige Christ beichtet, hab gethan, Laß die Sünd und Straf der Sünden Auch mit dieser Woch verschwinden. 144 5. Laß mich deine Gnad auch spüren, Wenn die neue Woch anbricht, Ach, du wollest selbst mich führen, O du meiner Seelen Licht! Leib und Seel, und was ist mein, Laß dir stets empfohlen sein, Deine Gnad laß bei mir bleiben Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt auch in der neuen Wochen Meine letzte Woch und Tag Sein zugleich mir angebrochen, Oder daß ein Kreuz und Plag Mich empfindlich treffen soll, Ach! so mache Alles wohl, Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Der glaubige Christ beichtet, und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Psalm 51, V. 3. 4. Gott sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Einen gnädigen Gott haben ist wohl der seligste Stand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichthum haben, geehrt sein, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit, aber sie betrüget sich, das Alles muß vergehen. Glaubige Christen untersuchen deßhalben 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so denken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben, sie trauern darüber, und nehmen ihre Zuflucht auf die Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demüthig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners und bittet Gott seine Sünden ab. 145 widerfahren lassen, so trösten sie sich dessen, trachten aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem fie lassen den heiligen Geist regieren, sie befleißigen sich eines christlichen Lebens und beweisen solches auch in Reden, Worten und Werken, fliehen die Laster und vorigen fündlichen Gewohnheiten, alsdann wissen ste, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. Gebet. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich armer Sünder komme vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach, mein Gott! ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig erzürnet habe mit bösen Gedanken, Worten und Werken. Herr, Herr! das betrübet mich, und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Waide und zum Glied an deinem Leib, darum ich deine Stimme allein hören sollte. Ja, ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeStark's Hdb. gr. Dr. Iter ThI. 10 146 Der glaubige Christ beichtet ben zum Opfer, das da lebendig, beilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach, was soll ich sagen? Ich habe mehr der Welt und meines Fleisches als deine Stimme gehöret, und habe vielfältig gethan, was dir zuwider ift. O der Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willft du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich, und meiner Sünden sind mehr als Sand am Meer. Ach! nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich, rechne mir nicht zu, was ich Böses gethan, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan; um Jesu willen sei mir armen Sünder gnädig. Ich will ein neues und frommes Leben anfangen, nicht mehr muthwillig und vorsäßlich fündigen. O Jesu! voller Gnad, auf dein Gebot und Rath kommt mein und bittet Gott seine Sünden ab. 147 betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte; laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünde, mit Troft mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer fie tief versenke! Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ach! geh nicht ins Gericht mit deinem armen Kinde, Ach, Vater! schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde, Hab ich gesündiget, Und Uebels oft gethan, Ach, ach! nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 2. Jch beuge meine Kniee, Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt, Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach, Vater! sieh nicht an Die große Missethat, Ach, ich verhehl sie nicht, Jch bitte dich um Gnad. 3. O wehe, daß ich hab, O Vater! dein vergessen, Und bei der Sünder Schwarm Mit Lust und Freud gesessen! wehe! daß die Sünd Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel In diesen Stand gebracht. 4. Ach! laß in Jesu Blut Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm Durch ihn getilgt verschwinden; Schau mich in Jesu an, Und schenk mir deine Huld; Vergib mir meine Sünd, Erlaß mir meine Schuld. 5. O werther guter Geist! Der du mir Kraft gegeben Zur Buß und Besserung, Ach, änd're ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien' nun immerdar, Wie ich ein Sündenknecht Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad Der Sündenluſt abſterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben, So 10* Der glaubige Christ bittet lang der Athemhauch Noch gehet aus und ein, So lang soll Herz und Geist Nur dir gewidmet sein. 148 Noch ein Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht; Ach, ach! was hab ich doch begangen, Daß ich hab meinen Gott veracht't! Gerechter Gott! verstoß mich nicht, Ach! geh nicht mit mir ins Gericht. 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit, Ich hab mich aber nicht bekehret In meiner großen Sicherheit! Gerechter Gott! verstoß mich nicht, Ach! geh nicht mit mir ins Gericht. 3. Erzürnter Gott! verzeih mir Armen, Verzeih mir meine schwere Schuld, Ach, schenke mir durch dein Erbarmen, Um Jesu willen Gnad und Huld! Gerechter Gott! verstoß mich nicht, Ach! geh nicht mit mir ins Gericht. 4. Jch fliehe hin zu Jesu Wunden, Als welcher mich erlöset hat, Wo alle Sünder Gnad gefunden, Da hoff und suche ich auch Gnad; Gerechter Gott! verstoß mich nicht; Ach! geh nicht mit mir ins Gericht. 5. Ich ändre nun mein ganzes Leben, Und fang ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben, Und nicht mehr thun, was ich gethan. Gerechter Gott! verstoß mich nicht, Ach! geh nicht mit mir ins Gericht. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Röm. 6, V. 12. 13. Laffet die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüften. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Todten lebendig sind und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Ueber um Kraft wider die Sünde. tretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun aber will ein glaubiger Christ nicht gerne von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten, noch Unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen ins Werk setzen kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf besteht darin: 1) der glaubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Vorsak und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsäßlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er wollte auch gerne sein ganzes Herz, Seele, Geist und Leben seinem Gott heiligen und weihen, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, das er geredet, es betrübt ihn ein böser aufsteigender sündlicher Gedanke, und so er in der That Gott oder den Nächsten beleidiget, so seufzt er darüber. In diesem Kampf 3) nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen die Sünde und Welt überwinden. 4) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüfte und Gedanken desto mehr Acht haben, die Orte und Personen meiden, dadurch er in Sünden kann gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert sein, weil er in einer heiligen Verfassung stehet, und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja, das herzliche Verlangen ihm lassen wohlgefallen. 149 Der glaubige Christ bittet Gebet. Starker und allmächtiger Gott! der du alles weißeft, was in den Menschen ist. Ach, du sieheft, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde. Ich wollte gern von Herzen fromm sein und bleiben, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen vollbringen: aber ich fühle ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebet dem Geseß in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stünde nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oft erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwillen gegen den Nächften zeigt, daß fündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja, daß ich fündige mit unbedächtlichen Worten, unanständigen Werken. Ach! es betrübt mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin, reinige du mich, Herr! so werde ich rein. Ich erkenne durch deine 150 151 um Kraft wider die Sünde. Gnade, daß Sünde thun ein großes Uebel sei, davon ich gerne frei werden wollte, daher ich dawider in deiner Kraft kämpfe, und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübt mich! was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehest ja, mein Gott! wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften; darum komme ich zu dir, und bitte dich, gib mir Kraft, der Sünde zu widerstreben, laß deinen heiligen Geist in mir wohnen, und mein Herz reinigen. Gib mir auch das Vollbringen, stärke mich an dem inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern möge ablegen. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun, ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht: Chriftus; ach, hilf 152 Der glaubige Chrift bittet 2c. mir, mein Gott! und gib, daß ich sei von Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum aufrichtig und rechtschaffen sei, nicht Augenschein und Heuchelei. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich lebe in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was aufs Höchste mir mißfällt, Nämlich Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft; Gott will ich mein Herz ergeben, Und in ihm beständig leben, Mein Herz soll sein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben Ihre Weis' und Sündenfreud; Ich will immer sein beflissen, Daß ich hab ein gut Gewissen, Daß es bleibe unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein, Was von Welt gelehret stehet, Wird mit Gott erfüllet sein; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel doch himmlisch werden, So ist meinem Leibe wohl, Und die Seel ist freudenvoll. 5. Ach, mein Gott! verleih aus Gnaden, Daß ich gehe aus der Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seelen Seligkeit; Wer der Welt Gewohnheit liebet, Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und er stirbt also ohn Gott. 153 Der glaubige Christ will 2c. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sondre du mich selbsten ab, Eh der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt absterben, Und entgehen dem Verderben, So komm ich ins Himmelszelt, Wann ich gehe aus der Welt. Der glaubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. Aufmunterung. Röm. 12, V. 1. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Es muß sich jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes find; dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst, und Alles, was wir haben, Gott auch wiederum aufopfern. Diese Opfer des alten Testaments mußten 1) sein freiwillige Opfer. Der Mensch muß nicht in der Welt fromm leben aus Furcht der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist es ein gezwungenes Opfer. 2) Die Opfer mußten Gott ganz und nicht halb gebracht werden, deßhalb sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen und von ganzer Seele, und aus allen Kräften Gott lieben, und uns ihm ergeben. 3) Diese Opfer mußten unbefleckt sein, darum man kein lahmes oder blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns hüten, daß wir Seele und Leib nicht beflecken, denn eine mit Sünden verunreinigte Seele mag Gott nicht in seinen Himmel aufnehmen. 4) Gott hat sonderlich ein Belieben getragen an Opfern, welche noch jung Der glaubige Christ will waren, an jährigen und zweijährigen Lämmern, um uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht sollen warten bis ins hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in der blühenden Jugend Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem guten Vorhaben beständig sein. 154 Gebet. Herr, Herr, Gott! der du deinem Volk Israel befohlen, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir mußten ganz geheiligt und übergeben werden. Siehe, ich bringe dir mein glaubiges und bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Ich opfere dir auf meinen Willen, ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen, und niemals mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidigungen mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle mit einem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade und deiner 155 sich Gott zum Opfer geben. Liebe, ja mit einer wahren Frömmigfeit. Ist es ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach! so wasche es mit dem Blute Jesu Chrifti, welches ich in wahrem Glauben annehme, ach! reinige es durch deinen heiligen Geift, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regiereft und herrscheft. Ich opfere dir auf mein Leben, das will ich nach deinem heiligen Wort, nach dem guten Trieb des heil. Geiftes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder, hilf, daß fie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögen geheiliget bleiben. Wie das Geopferte mit Niemand durfte mehr Gemeinschaft haben, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern. Ja, ich will mich dir aufopfern, dieweil ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette, denn da möchte Der glaubige Christ will 2c. es zu spät sein. Ach Herr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend haft Opfer ange= nommen, siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich es dir etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe; habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du doch deßzwegen mein Opfer nicht verachten, ich bringe es dir im Glauben, wie Abel, ach! schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit, ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigenthum verbleiben. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, Niemand kann uns scheiden; ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut, mir zu gut, in den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich dich fasse, und dich nicht o mein Licht! aus dem Herzen lasse; laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich, und ich dich, liebend werd umfangen. Amen. 156 157 Der glaubige Christ betet 2c. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hie fromm, Dort selig werd. 2. Gib, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif in wahrer Zuversicht, Und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß erlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hie fromm, Dort selig werd. 3. Und daß ich mög die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und alles, was da mich kann scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hie fromm, Dort selig werd. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle, Und nicht versäum die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hie fromm, Dort selig werd. 5. So kann ich endlich selig sterben, Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hie schon im Vorschmack hab. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hie fromm, Dort selig werd. Der glaubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. 1. Cor. 11, 3. 26. So oft ihr von diesem Brot effet und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Unter anderer Stärkung des Glaubens und der Liebe gegen Gott und den Nächsten gehört auch das heilige Abendmahl, in welchem sich Jesus will mit unsern Seelen vereinigen, darinnen wohnen, dieselben reinigen, heiligen und in Frömmigkeit erhalten bis 158 Der glaubige Christ betet ans Ende. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein glaubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Zorn, Rachgier, Hochmuth, Wohlleben so zerstreut sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es gehet ein glaubiger Chrift auch nicht aus Gewohnheit zu dem heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demüthigen, andächtigen und glaubigen Herzen, welches da iſt voll guten Vorsages in der Liebe Jesu und Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott ganz ergebe, kraft dieser Seelenspeise alle Tage frömmer, andächtiger und eifriger werde in seinem Christenthum und in Ausübung christlicher Tugenden, ja seinem Gott im Glauben und in Frömmigkeit getreu bleibe bis in den Tod. Gebet. a e Mein Jesu! wie kann ich genug deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod haft gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meiner Seele Speise in dem heil. Abendmahl eingesetzt haft. O Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 159 zum ewigen Leben. Dadurch bleib ich in dir und du in mir, du lebeft in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke, daher kann mich meine Sünde nicht schrecken, und Satan nicht verdammen; denn in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünden. Hie empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, hie empfange ich das Blut, das für mich ist vergoffen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilgt worden. Du haft in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, so ich empfangen, mir den heil. Geift zum Pfand, und das neue Leben gegeben, dadurch ich verfichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakrament gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, dadurch du das geistliche Der glaubige Christ betet Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach, mein Gott! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Jesu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich ja nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden, komm zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß Gnadeneffen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie hie auf Erden, mög ein Gaft im Himmel werden. Amen. 160 Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1.Jesu, meiner Seelen Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab vor deinem Angesicht Dein Liebesmahl empfangen; Ach! wohne du hinfort in mir, Damit ich möge stets vor dir In wahrem Glauben prangen. 2. O Liebe! die du mich so liebst, Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise gibst; Ach! daß ich ewig bliebe, Mit dir vereint, o höchstes Gut, Gereinigt durch dein theures Blut, Daß mich nichts von dir triebe. 3. Der Vater hat mir heut geschenkt Den Frieden meiner Seelen, Ich bin gespeiset und getränkt, was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jesu bin, So ist die Sündenangst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. bei dem Genuß des heil. Abendmahls. 161 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt mit ſeiner süßen Freude, Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelen- Waide, Dein Leib, o Jesu! und dein Blut Das sind gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist gibt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuet, Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Und bei Gott Trost und Gnade find, Das keine Ungnad scheuet. 6. Gott Lob! der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb und Gnad Mir Armen zu erweisen, Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit, Mit stetem Lobe preisen. Ein Anderes. O Jesu! da ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut bift in die Welt gekommen, daß du möchtest mich zum Erben des ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, dadurch meine Sünden und Strafen find von mir genommen, und deine Gerechtigkeit mir geschenkt worden. Ich denke an deinen Tod und Auferstehung, dadurch mir Leben und Seligfeit ist mitgetheilt. Ich weiß, o Jesu! Stark's Hdb. gr. Dr. Iter Thl. 11 Der glaubige Christ betet um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und Himmelsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu! bin und du in mir. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und regiere darinnen, laß mich dein Eigenthum sein in Zeit und Ewigkeit. Mußte das Manna in ein rein Gefäß gelegt werden, ach! so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen, und be ständig zu meines Glaubens Stärfung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O heiliger Geist! erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wieder muthwillig fündige, aus der Gnade falle, und das Letzte mit mir nicht ärger werde, denn das Erfte, sondern daß ich im Glauben an den 162 bei dem Genuß des heil. Abendmahls. 163 dreieinigen Gott, in Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit verharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit möge davon tragen. Jesus ſei mein Speis und Trank, Jesus sei mein Lobgesang, Jesus sei mein ganzes All, Jesus sei mein Freudenschall; endlich laß, o höchftes Gut! Jesu, laß dein theures Blut, deine Wunden, deine Pein, meine Raft im Tode sein. Amen. Gesang. Mel. Nun laßt uns Gott den Herren. 1. Mein Jesu sei gepreiset, Daß du mich hast geſpeiset Mit deiner Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seele Leben Ist mir jeßund gegeben. Dein Blut hab ich genossen, Das du für mich vergossen. 3. Weil Jesus zu mir kommen, Und mein Herz eingenommen, So ist er nun der Meine, Und ich bin auch der Seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig, Er wird mir Gnad erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu! Seel und Leben Will ich dir ganz ergeben, Ach! machs mit mir in Allem Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen, Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von Jesu scheiden. 11* Der glaubige Christ bittet 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, deinen Erben, Hinauf zur Freud und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. 164 Aufmunterung. Psalm 37, V. 37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zuletzt wohl gehen. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der allerheiligsten Tugenden, nicht allein, weil sie eine Frucht des Glaubens ist, sondern auch, weil sie des Menschen Seele, Leib und Ehre vor Sünden und Schanden bewahret. Diese Tugend ist eine Zierde der Jugend, und stehet den Alten auch wohl an. Gott selbst ermahnt den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und sei fromm. 1. Mos. 17, 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn sie findet man auch bei den Heiden, sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes, und aus dem innern Grund der Seele. 2) Zu solcher Frömmigkeit gehört nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte. 3) Diese Frömmigkeit soll aber beständig sein bis ans Ende. Bis daß mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit. Hiob 27, 5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirket wird, so hat sie auch die herrlichste und schönste Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. um Frömmigkeit. Gebet. Heiliger Gott! ach, ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und fündliches Wesen bedenke. Du rufft auch mir zu: wandle vor mir und sei fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuleßt wohl gehen. Aber ach, meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen, ich bin leider in die Welt, in der Welt Wesen, in die Welt- Gewohnheiten, Welt- Eitelkeiten bisher geflochten gewesen; wo aber die Welt eingeht, da gehet Chriftus aus, und wo die Weltliebe sich befindet, da hört die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustand dir nicht gefallen kann, ach! so gib mir ein frommes Herz. Verleihe mir Gnade, daß ich mich möge einer wahren Frömmigkeit befleißigen, daß ich dich über Alles 165 Der glaubige Christ bittet liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe; ja, daß ich allezeit wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen fiehet, ob sie es auch erlauben, ich auch möge erst in dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen anstehe. Ist so mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede, ja Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott! ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefaßt, gib mir dazu Gnade, Kraft, Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Chrifti willen; was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumt, will ich nun mit defto größerem Eifer ersetzen, und nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott! von Herzen fromm werden und 166 167 um Frömmigkeit. fromm bleiben, damit ich als ein frommer Chrift dereinst auch selig sterben könne. Dazu gib mir deines heiligen Geiftes Kraft um Jesu Chrifti willen. Gib mir ein frommes Herz, du Geber aller Gaben, das soll mein Reichthum sein, den ich begehr zu haben, das soll sein meine Zierd, mein Ruhm und schönste Pracht; denn fromm sein wird bei Gott und Engeln hoch ge= acht't. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden, Soll künftighin darin besteh'n, Daß ich von Herzen fromm mög werden, Und auf den Himmelswegen geh'n; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde, Ist dieses nicht ein großes Glück? Drum schaden ihnen feine Feinde Mit ihrem Hasse, Neid und Tück; Denn Gott weiß wohl, was sie ansicht, Der gute Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit; Jhr Trauern wird in Freud verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei, Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, Der Herr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden Glaubige Eltern tragen folget Trost und Freud, Sie werden großen Segen finden Nach ausgestandnem Herzeleid; Gott wirft ins Feuer solche Ruth, Die seinen Kindern wehe thut. 168 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Noth ste stürzen wird, Jst gleich die Noth am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt; O Schäflein habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann, Drum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: nun ist das Unglück da, So sprechen sie: und Gott ist nah. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, Als welcher ihrer sich annimmt, Jhr Seufzen ist ihm unverborgen, Drum hat er schon die Stund bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Jesum Christ, Sie werden Kron und Himmel erben, Der ihnen längst bereitet ist, Sie sind schon selig in der Zeit, Und kommen dort zur Herrlichkeit. Glaubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor. Aufmunterung. Esaj. 8, V. 18. Siehe hie bin ich, und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, V. 12. Ist etwas, welches frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind theure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, so tragen sie 1) dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und hernach kommen sie niemals vor Gott, sie bringen ihr Kind mit. Es bitten aber fromme Eltern absonderlich, daß Gott ihren Kindern gebe ein from 169 ihre Kinder Gott im Gebet vor. mes Herz und den heiligen Geist, der sie heilige, regiere und führe, als welches der rechte Grund der Glückseligkeit ist. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehört, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig, und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf; darum sollen sie dieselben unterrichten lassen in der Erkenntniß Gottes, und sie zum Gebet und christlichen Wandel anhalten. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrlosten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, indem sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande erLeben müssen. Nachläßige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohlthat erwiesen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit! du haft unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und danke, welche ich aber ansehe als theure Pfänder, die du mir anvertraut haft, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie an als Glaubige Eltern tragen Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blute erkauft, die der heilige Geift in der heiligen Taufe geheiligt, und welche du zu deinen Kindern angenommen haft, darum bin ich bekümmert, daß ich ja feines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht, wo man sein missen wird, da soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnaden! komme ich zu dir, und trage in meinem Herzlichen Gebet meine Kinder dir vor, ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber ach Herr! Herr! thue du das Beste. Ich habe sie in der heil. Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt; siehe, solches thue ich auch in meinem Gebet; ach segne meine Kinder, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewisſen nimmermehr mit Sünden beladen. 170 Parn ihre Kinder Gott im Gebet vor. 171 Gib ihnen ein glaubiges, demüthiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie wie das Kind Jesus zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und unverleßt Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach! laß meine Kinder sein in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl begründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie Niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben, und dadurch ein schwer Gericht auf sich ziehen. Behüte fie vor Verführungen und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geift an deine allerheiligste Gegenwart. Dein Engel begleite fie, wenn sie aus- und eingehen, dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in 172 Glaubige Eltern tragen der Fremde find, gib ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobiä, führe fie durch deinen heiligen Engel aus der Gefahr, wie den Loth, und laß sie der Engel Schuß und Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir auch ein Kinderfreuz zuzuschicken, so verleihe mir in solchen Leiden Geduld, daß ich bedenke, daß ohne dich nichts geschehe. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf diesem Dornenweg in festem Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könneft. Ertheile ihnen auch im Leiblichen den Segen, versorge fie, pflege ihrer, gib 173 ihre Kinder Gott im Gebet vor. ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheiten, und ihr Rathgeber. Pflanze in ihnen die wahre Frömmigfeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Troft und Freude an ihnen erleben möge. Laß mich am jüngsten Tag mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preis sagen: siehe, hie bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben haft, ich habe deren keines verloren. Ach Gott! segne meine Kinder, nimm dich ihrer treulich an, thu an ihnen auch nicht minder, als du haft an mir gethan; segne ihren Schritt und Tritt, theil den Segen ihnen mit, laß es ihnen wohl ergehen, und in deiner Gnade stehen. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Du hast, o großer Gott! Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst sie auch Im Wohlsein und im Leben. Ach! Glaubige Eltern tragen 2c. dafür dank ich dir Als eine liebe Gab, Die ich von deiner Hand, Mein Gott, empfangen hab. 2. Seh ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie sich nach mir nennen. Jedoch sie sind auch dein; Drum komme ich zu dir, Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 174 3. Ach pflanz die Gottesfurcht In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen. Erfülle ihren Geist Mit wahrer Frömmigkeit, Mit Keuschheit, Glaub und Lieb, Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen. Schenk ihnen Kraft und Stärk, Gib Weisheit und Verstand, Und führ sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte spüren, Gib ihnen Jakobs Glück, Und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folgsam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen, Wend ihre Augen ab Von Sünd und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel Vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Und habe auf sie Acht, Begleite ihre Tritt; Begleite sie und geh', Wo sie hingehen, mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel güldnes Heer, Die immer auf sie sehn, Daß sie in deiner Gnad Und mildem Segen stehn. 9. Und noch eins bitt ich dich, Das wollest du mir geben, Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand erleben, Bewahr sie vor der Sünd'; Ach Gott! erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hie bin ich und die Gab, Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab. 175 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Ephes. 6, 2. 1. 2. 3. Jhr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebeft auf Erden. Unter andere schwere Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehört auch die Sünde, wenn sich Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich die Eltern von der ersten Stunde der Geburt mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist's ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaftig gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, als in welchen sie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten; 2) ihre Eltern lieben; zu ihrem Dienst hurtig und willig sein, ihrer pflegen, wenn sie krank sind; 3) ihren Eltern gehorchen, daß fie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widersprechen, wenn sie ihnen etwas heißen und befehlen; auch wenn sie sich verheirathen wollen, ohne der Eltern Wissen und Willen sich nicht heimlich vermählen, welches lauter Fluch und Unglück nach sich zieht; 4) ihre Eltern ehren im Herzen, daß sie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Stätte gesetzt, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern Alles gibt; 5) daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan. 6) Un Fromme Kinder beten dankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohl gehen kann, wenn sie nicht die Sünden und Bosheiten, welche sie an ihren Eltern begangen haben, vor ihrem Tode durch eine herzliche und schwere Buße mit tausend Thränen bereuen. 176 Gebet. Ach, du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern haft lassen geboren werden, das ist die erste Wohlthat, die du mir erwiesen. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, o mein himmlischer Vater! durch die heilige Taufe in deine Arme gelegt wurde, darin du mir den heiligen Geist zum Pfand meiner Kindschaft und himmlischen Erbes gegeben, so laß diesen guten Geist mich immerdar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in Acht nehmen. Ich liege mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich, ach! laß meine Eltern gesund, bewahre sie vor Unglück, segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und Beruf, gib ihnen für ihre Eltern. langes Leben, vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geiftlichen und himmlischen Gaben. Gib mir, 177 o himmlischer Vater! ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gib, daß ich mir immer vor Augen stelle das Erempel meines Jesu, der dir, seinem himmlischen Vater, nicht allein gehorsam war, sondern auch seinem Pflegevater Joseph und seiner Mutter Maria, damit ich mit einem findlichen Gehorsam meinen Eltern zu aller Zeit und auch in ihrem Alter lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch meinen Ungehorsam und Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedroht ist, sondern daß es mir möge hie zeitlich und dort ewig wohl gehen. Gib mir ein ehrerbietig Herz gegen sie, daß ich in Demuth ihnen begegne, mit Freudigkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhStark's Hdb. gr. Dr. Iter Thl. 12 178 Fromme Kinder beten nen, verachten, und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch anziehen werden, wie ihr Hemd, und alles Segens, den du frommen Kindern verheißen haft, werden beraubt bleiben. Gib mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht versündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden, und mit was für Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüt solches Zeit meines Lebens erkenne, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Unverstandsjahren meinen Eltern etwas zuwider gethan, das bitte ich dir, o Gott! und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam und christlicher Aufführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in Glauben und Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebührt, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollst ehren und gehor für ihre Eltern. sam sein dem Vater und der Mutter dein, und wo dein' Hand ihnen dienen kann, so wirst du langes Leben han. Amen. 179 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, o großer Gott, Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind, Für meine Eltern beten, Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzuſehn, Ach! laß auch meine Bitt Und Herzenswunsch geschehn. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh ich geboren war, Und weil ich bin entsprossen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf gebracht Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott, gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun, Auf Jesum heißen sehen, Ihr Herz war immerdar, Bei Tage und bei Nacht, Mit unermüd'tem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb Sie wieder herzlich lieben, Laß ihre Liebe mir Ins Herze sein geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann, und bleibe eingedenk, Was sie an mir gethan. 5. Ach laß sie viele Jahr Zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben, Erhalte sie, o Gott! Auf lange späte Jahr, Damit ich sie noch seh In ihrem grauen Haar. 6. Ach schenke ihnen doch, O Vater, deinen Segen, Laß deinen Segen sein Auf allen ihren Wegen. Erhalte, was du gibst, Und was du hast bescheert, Das segne, daß es werd Durch deine Gnad vermehrt. 7. Gib mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rath Die Sünde möge fliehen, Daß ich gehorsam sei, Ohn allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud, Und keine Schand erleben. Ach laß mir deine Furcht, Mein Gott! vor Augen 12* Der glaubige Christ betet schweben; Schenk mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu, Und bleibe dir, o Gott! In Glaub und Liebe treu. 180 9. Laß mich an jenem Tag Auch meine Eltern sehen, In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen, Und laß mich auch daselbst, Durch Jesu Blute rein, Mit Himmelsglanz geschmückt, Bei meinen Eltern sein. Der glaubige Christ betet bei entstandenem Ungewitter. Aufmunterung. Pf. 18, 3. 12-14. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze dicke Wolken, darinnen er verborgen war. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken mit Hagel und Blißen. Und der Herr donnerte im Himmel und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Bliken. Zu den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltfinder pflegen geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden, gehören auch die Gewitter; denn da will der sonst freche Mund sobald beten, nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Furcht der Strafe. Glaubige Christen erkennen zwar: 1) Daß Donner und Blizz von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch 2) daß dieselben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Kreaturen wider die bösen Menschen waffnen kann, also ift's ihm auch leicht, Menschen und Vieh zu erschlagen, und durch seine Blike Häuser, Flecken und Städte anzuzünden, daher sollen 3) fromme Christen von dem gräulichen Fluch, da man mit Wetter und Donner flucht, sich enthalten, hingegen 4) bei entstandenem Ungewitter nicht kleinmüthig werden und aus Angst verzagen wollen, welches ein Zeichen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist, sondern 5) sich erinnern, daß Gott Blitz und Donner in seinen Händen hat, und daß er sie wohl 181 bei entstandenem Ungewitter. werde schüßen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr im Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr Nichts und Gottes Alles erkennen, wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verbrennen, und demnach 7) sich vor diesem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheint, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu beleidigen, sonderlich aber also leben, daß man eines gnädigen Gottes sich versichern könne zu allen Zeiten, auch wenn er uns wollte in einem Wetter von der Welt abfordern. Gebet. O du starker und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken; wie deine Bliße leuchten, und wie dein Donner brüllt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wenn du wollteft, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick sammt allen Kreaturen zu Boden schlagen. Aber ach, Herr! Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Uebertretung, gedenke aber mein 182 Der glaubige Christ betet nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdient hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbest und zerschmetterteft. Aber ach, du langmüthiger Gott! verschone meiner bei diesem Ungewitter, Gott! ſei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es ift mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt, und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe; ach! ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin! Wo sollen aber Kinder in ihren Nöthen und Aengsten hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich zu dir, o mein Va= 183 bei entstandenem Ungewitter. ter! und bitte dich, sei deinem Kinde gnädig, schüße mich, bewahre mich, stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre und kein Strahl verleße. Ach, Herr Jesu! du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland! sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir, sei mir ein starker Schuß, verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab. Gott, mein Heil! siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Menschen verlassen; aber ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, und errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu; ich schreie mit den Jüngern: Herr! hilf uns, wir verder= ben. O du werther heil. Geift! erwecke mein Herz zum Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter möge erweckt und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich Acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägst, daß ich Buße thun, mich Der glaubige Christ betet bekehren und von Sünden ablaffen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren fündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. O du heilige Dreieinigfeit! erbarme dich über mich und über alle fromme Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand mein Leib und Leben, Haus und Hof, bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Blizz nicht mein Haus anzünden, oder mich verleßen, sei du mein Beistand in der Noth, denn Menschenhilfe ist kein nüße. Ach, du mächtiger Schußherr deiner Kinder! schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schuß und Schirm sicher wohnen. Ach Herr! wer ift dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckeft und deckeft; ach! verschone meiner, und laß mich auch diesesmal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, 184 bei entstandenem Ungewitter. 185 erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geift, erbarme dich über uns! sei uns gnädig, verschone uns, lieber Herre Gott! sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herre Gott! vor Feuer- und Wassersnoth behüt uns, lieber Herre Gött! vor einem bösen schnellen Tod behüt uns, lieber Herre Gott! schlag nicht bei uns ein, frommer Gott! sich an des Herren Jesu Tod. Du heilige Dreietnigkeit, nimm Leib und Seel in deine Hut, bewahr auch Häuser, Hab und Gut. Verschon uns, lieber Herre Gott! und wende von uns diese Noth, so wollen wir zu aller Zeit stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Gefang. Mel. Ach was soll ich Sünder machen. 1. Gott wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt, Und mit Schrecken uns erfüllt, Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd und Luft erregst, Und uns zu der Buß bewegst. 2. Hören wir den Donner knallen, Wie er grausamlich herfährt, Und fast Stadt und Land umkehrt, Wie so Der glaubige Christ betet 2c. harte Schläge fallen, So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. 186 3. Ja wir sehen deine Blizze, Wie das Feuer auf uns schießt, Und wie Ströme auf uns fließt; So daß wir erschrocken sizzen Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vor Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott! Ach hilf uns aus dieser Noth; O du Helfer und Erretter, Großer Gott! erbarme dich, Sieh uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschützt, Da es also schrecklich blizzt. Alles muß zu Grunde gehen, Wenn du uns nicht selbsten deckst, Und die Hilfeshand ausstreckst. 6. Gott, wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht, Die oft wird gering geacht't; Deine großen Allmachtswerke Zeigen Blitz und Donnerschall, Großer Gott! jetzt überall. 7. Treuer Vater! schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schütz uns vor des Wetters Wuth, Schau auf uns von deinem Throne, Treuer Vater! steh uns bei, Mach uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluth und Brand, Daß sie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebensbesserung. 9. Und sieh nicht an unsre Sünden, Die ein Jeder hat gethan, Ach, nimm uns in Gnaden an. Laß den Blizz doch nicht anzünden Unsre Häuser, Hab und Gut, Wend ab Feu'r und Wasserfluth. 10. Ach wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt; Ach! in solchen Ungewittern Uebest du oft Straf und Recht Ueber einen bösen Knecht. 11. Ach, du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt sein; Ach! willst du uns dann hinraffen, Vater der Barmherzigkeit? Schon uns doch zu dieser Zeit. 12. Siehe nicht an unsre Sünden, Siehe doch an Je 187 Der glaubige Christ danket Gott 2c. sum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deßwillen laß uns finden Hilf, Errettung, Trost und Gnad, Die er uns erworben hat. 13. Ach Herr! hilf uns, wir verderben; Ach Herr! hilf, verlaß uns nicht, O Gott! unsre Zuversicht, Laß uns nicht in Sünden sterben, Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlor'n. 14. Ach, du großer Gott! behüte Menschen, Thiere, Feld und Land Vor Verwüstung, Fluth und Brand; Herr! nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorüber gehn, Und uns deine Hilfe sehn. 15. Ach! bedecke unsre Früchte, Decke uns're ganze Stadt, Und das, was ein Jeder hat, Mach es nicht im Zorn zunichte, Du bist, der uns helfen kann, Ach, Herr! nimm dich unser an. 16. Ach Herr! höre uns in Gnaden, Theil uns deinen Segen mit, Ach, erhöre uns're Bitt: Laß das Wetter uns nicht schaden; Ach! wir fallen dir zu Fuß, Sieh an uns're wahre Buß. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns anjetzt befreist, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seine Kinder schont, Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wundermacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen, Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der glaubige Christ danket Gott nach einem Ungewitter. Aufmunterung. Hiob 37, V. 5. Gott donnert mit seinem Donner greulich, und thut große Dinge, und wird doch nicht erkannt. Gott donnert mit seinem Donner. Er regieret die mit Dünsten und Feuer geschwängerten Wolken. Er leitet dieselben nach seinem Wohlgefallen. Er zieht 188 Der glaubige Christ danket Gott in den Wolken vorüber an den Menschen; sie erschrecken; selbst das unvernünftige Vieh geräth in Angst und Zittern; denn greulich donnert Gott mit seinem Donner. Er thut große Dinge. Starke Bäume läßt er durch seinen Blitz zersplittern, läßt Häuser anzünden, Menschen und Thiere erschlagen; aber er reinigt auch die Luft durch sein Gewitter, und erquicket Felder, Wiesen und Gärten. Große Dinge thut er durch seinen Donner und wird doch nicht erkannt. So lange der Blitz durch die Wolken fährt und der Donner brüllt, sind die meisten Menschen zaghaft und niedergeschlagen; sobald aber das Gewitter vorüber ist, so wird Alles vergessen, was der Herr des Gewitters Großes an ihnen gethan hat. Oder sträflichen Unempfindlichkeit! O der schändlichen Undankbarkeit! Anders aber handelt der wahre Christ. Er bewundert die Majestät, die Größe und Herrlichkeit dessen, der in den Wolken donnert. Wenn der Donner über seinem Haupt dahinrollt, und die Blizze um ihn Leuchten, so ergibt er sich getrost in die Hand des Herrn, und wenn glücklich das Wetter vorüber ist, so lobt und preist er die Güte und Treue seines Gottes. Sebet. Gelobt sei Gott, daß er die Gefahr so glücklich abgewendet hat! Mir war bange, da ich deine mächtige Stimme, du Herr aller Herren, in den Lüften hörte. Groß war die Gefahr, in der ich mit den Meinigen schwebte; aber du, Herr! hast 189 nach einem Ungewitter. mein findliches Gebet erhört, und die Gefahr abgewendet, und Haus und Hof und die prangenden Feldfrüchte mit allmächtiger Hand beschirmt. Deine Güte ist es, daß wir unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und nun wieder sicher wohnen können. Das erkennet meine Seele wohl. Gerührt komme ich daher vor dich, und sage dir Lob, Preis und Dank, daß du auch jetzt Großes an mir gethan haft. Ich will deine Güte nie vergessen, und in allen Nöthen, die mich noch treffen können, daran denken, daß wir an dir einen Gott haben, der da hilft. Dein Gewitter, gütiger Gott! ift bei uns glücklich vorüber gegangen, und hat lauter Spuren deines Segens zurückgelassen, anstatt der befürchteten Gefahr. Vielleicht hat es anderswo Schaden gethan; ach: dann erbarme dich der Beschädigten in Gnaden. Erwecke Alle, die du beschüßt haft, zum Mitleiden und zur Hilfe; denn das ist der rechte Dank für deine geleistete Hilfe, wenn wir Nothleidenden beistehen. Laß mich als einen treuen Haushalter mit meinen Gütern umgehen. Nimm auch in Zukunft all das Meinige in deinen gnädigen Schuß. Der glaubige Christ betet, Schenke uns ferner gesunde und fruchtbare Witterung, und bewahre uns vor jedwedem Unglück. Führe uns auf ebener Bahn, und laß am großen Tage des Gerichts uns zum ewigen Leben eingehen! Ach! laß mich ja nicht aus der Acht, wenn uns dein jüngster Tag erscheinet, der Tag, da vor Gericht gebracht auch das, so man hier nicht gemeinet; laß mich zu deiner Rechten stehen, und zu des Lammes Hochzeit gehen; mein Jesu! dann hab Acht auf mich, so will ich ewig preisen dich. Amen. 190 Der glaubige Christ betet, wenn er sich von Haus auf die Reise begibt. Aufmunterung. Pf. 121, 3. 5-8. Der Herr behüte dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Uebel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Von Hause zu reisen, können einen glaubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben, theils die Berufsgeschäfte, theils die Liebe des Nächsten, theils der Zustand der Gesundheit; denn Ueppigkeit- und Wollustreifen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, warum ein glaubiger Christ eine Zeitlang sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll wenn er sich auf die Reise begibt. 191 er solche Reise 1) mit Gott antreten, und bedenken, daß Gott aller Orten bei ihm in fremden Landen sei, der Alles sieht und hört, daher er sich auch selbst, als vor Gottes Angesicht ehrbar, züchtig, fromm und christlich aufführen soll. 2) Ein glaubiger Christ soll sich Gottes Schuß und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gefunden und geraden Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. 3) Er soll auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter befehlen, daß er durch seine heiligen Engel alles in seine heilige Verwahrung nehmen, vor Feuer, Wasserfluth und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Er soll bitten, daß Gott ihn all das Seinige und die Seinigen unverlegt und gesund wieder wolle antreffen lassen. Sebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich habe mir vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen! Darum komme ich zu dir, und bitte dich, ach segne meinen Ausgang und Eingang; in deinem Namen will ich diese Reise antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten und unter deinem Schuß wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß umgeben, wie den Jakob, laß deinen Engel Der glaubige Christ betet in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, laß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreisen, wie mit Joseph und Maria und dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück befreit bleibe. Ach, du Hüter Israel! der du weder schläfest noch schlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elias, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät in Wäldern und Feldern mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israel mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet haft. Gib, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meine Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabeft, als er von Haus reisen sollte: wandle vor mir und sei fromm. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Haus mich nicht lasse des Bösen gelüsten, behüte mich vor Völlerei, Ueppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Ausübung der Sünden und Schanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hauſe fehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen, wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüfte 192 wenn er sich auf die Reise begibt. 193 entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Ich befehle dir all das Meine, das ich zu Hause hinterlasse, bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuer und Wassernoth, und laß mich alles unversehrt wieder antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach, mein Gott! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen, wende alle Gefahr, Schaden, Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab. Sei ihr Schußherr, erhalte sie, begleite fie, bewahre sie, und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft. Ach, Herr Jesu! der du unter der Gestalt eines Wandersmanns mit den zwei Jüngern gereist bist, sei auch bei mir auf meiner Reise, erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gib mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und sündlichen Reden uns an dir nicht versündigen, sondern an dich denken und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wunden, von deiner Treue und Wahrheit halten mögen. Ach, mein Gott, in deinem Namen habe ich diese Stark's Hdb. gr. Dr. Iter Thl. 13 Der glaubige Christ betet Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herzlich loben und preisen unser Lebenlang. Sende deinen Engel vor mir her, den Weg für mich zu bereiten; befiehl, daß er dem Satan wehr und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr! in deinen Schuß, daß ihre List, Gewalt und Truß mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, die mich wünschen bald zu sehn, laß auf sie, als auf die Deinen, deine Gnadenaugen sehn; führe sie doch allermeist, großer Gott, durch deinen Geist, daß sie nimmermehr gerathen in Gefahr und Missethaten. Amen. H 194 Gesang. HID Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier, Mit dir hab ich es angefangen, Ach! weiche auch hie nicht von mir; O treuer Wächter Israel, Dir Herr empfehl ich meine Seel. 2. Ich will hie meine Zeit zubringen, Zu deiner Ehr und deinem Ruhm, Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigenthum, Begleite mich, wenn ich ausgeh, Bewahr mich, wo ich bin und steh. 3. Laß mich allhie behutsam wandeln In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh, Und nicht auf bösen Wegen geh. wenn er sich auf die Reise begibt. 195 4. Laß in den Reden mich erwägen, Du lieber Vater, hörest zu, Und daß auf allen meinen Stegen Du Alles siehest, was ich thu; Ach! bring mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 5. Ach lasse, großer Gott! den Meinen, Du kennest sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Theil ihnen deinen Segen aus; Ach! laß es ihnen wohl ergehn, Laß sie mich fröhlich wieder sehn. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wende alles Unglück ab, Dein' Gnadenflügel woll bedecken, Die ich zurückgelassen hab; Ach treuer Vater, sie sind dein, Ach laß sie dir empfohlen sein. 7. Ach! wache, treuer Menschenhüter! Durch deiner guten Engel Wacht Auch über meine Hab und Güter, Und habe fleißig darauf Acht: Wend Unglück, Wasser, Fluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit! Laß mich gesund nach Hause kehren, Durch deine Gnad zu seiner Zeit; Indessen, Herr, beschüße mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach, theil mir deinen Segen mit, Ach, laß doch meine Bitt geschehen, Behüte meinen Schritt und Tritt; So will ich mit der Frommen Schaar Dich preisen jetzt und immerdar. Gebet eines Christen, der sich in fremden Landen aufhält. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus, Wer gehet mir allhie zu Handen, Wer hilfet mir in Nöthen aus? Mein Gott! o meine Zuversicht! Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen Auf meiner guten Freunde Rath, Mit dir hab ich es angefangen, 13* 196 Gebet eines Christen in fremden Landen. Und sprech deßhalben früh und spat: Bleib in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott, von dir. 3. Bescheere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein, Und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad gewogen sein; Du bist mein Freund, dich halte ich, Auch in der Fremde lieb ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht, Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht, Gedenk, daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sünd und Schanden, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremden Landen, Herr, deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedent, dein Angesicht Sieht, was im fremden Land geschieht. 6. Gib, daß ich freche Sünder hasse, Und flieh die Häuser, wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand und Sünd; Gib, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubenslehr, Daß mich nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichthum, Wollust, Glück und Ehr; Wer dich verläugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gib mir, mein Gott! auch deinen Segen, Bescheere mir mein täglich Brod, Sei stets bei mir auf meinen Wegen, Und sei mein Beistand in der Noth; Laß mich in deinem Segen stehn, Ach, Vater! laß mirs wohlergehn. 9. Ach, segne mich im Schlaf und Wachen, Ach, segne meinen Schritt und Tritt, Ach, segne mich in allen Sachen, Ach, theil mir deinen Segen mit; Gib mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sei. 10. Du wollest dies Gebet erhören Nach deiner großen Sütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen Jedermann, Was dn mir Gutes hast gethan. 197 Der glaubige Christ bittet um ein unverlegt Gewissen. Aufmunterung. 2. Cor. 1, 3. 12. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugniß unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf Erden gewandelt haben, allermeist aber bei euch. Die meisten Menschen tragen große Sorge für ihren Leib, denselben gefund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach! daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten. Das Gewissen ist 1) gleich dem Auge, welches kein Stäublein leiden kann, es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter, ja, das Andenken der Sünden bleibt im Gewissen, wie Schmarren im Gesicht. 2) Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen Zeuge sein, dawider man nichts wird einwenden können. Ein glaubiger Christ wird ein unverlegtes Gewissen behalten, 3) wenn er fleißig Gottes Wort hört und liest, und darnach sein Leben anstellt, und in allem, was er vornimmt zu reden und zu thun, bedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Worte erlaube? Wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet, denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgehet, leicht gebrannt oder benetzt wird, also wird das Gewissen im Umgang mit gewissenlosen Leuten leicht verletzt. 5) Sonderlich wird das Gewissen bewahrt durch ein andächtiges, eifriges Gebet, und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, vor dessen Augen wir immer wandeln. Der glaubige Christ bittet Gebet. Herr, mein Gott! wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweiſest. Du gibst uns Leben und Gesundheit, und läsfest es uns wohl ergehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach, mein Gott! dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gesunden Leib und bei allen Gaben und Gütern nicht ein rein und unverleßt Gewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verleße. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe nur das geringste Stäublein kommt, so ist es unruhig, es thränet, es wird roth, und man kann es nicht recht öffnen; so gehts auch mit dem Gewissen; hat man wider daſselbe etwas vollbracht, so wird es unruhig, es verklagt, verdammt, und wenn es recht aufwacht, so getraut man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach, mein Gott! ich möchte gern eine unverleßte Seele und ein rein Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o darum 198 199 um ein unverlett Gewissen. regiere mich durch deinen heil. Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gutes Gewissen so ein edles Kleinod und sanftes Kissen; wer will mich verklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott durch unsern Herrn Jesum Chriftum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreut? wer kann mich ängsten und fränken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? O, mein Gott! laß mich diesen Schatz wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals etwas reden möge, welches mir eine Gewissensangst verursachen könnte; hilf mir, daß ich nie in eine Sünde einwillige, dadurch ich eine schwere Laft auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben oder auf dem Todbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könnte; ach! bewahre mich vor Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten chriftlich und behutsam aufführe. Gib, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart und Der glaubige Christ bittet vor dir Böses zu thun mich scheue und bedenke, du seieft ein Herzenskündiger, vor welchem nichts verborgen ist. Gib, daß ich meinem Heilande und dessen heil. Fußstapfen folge. Gib, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Ach, Herr Jesu! reinige mein Gewissen mit deinem heil. Blut, verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir die stille und wahre Herzens- und Gewissensruhe. Ach! dein heil. Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverleßt und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott! du Brunnquell aller Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben; gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib. Amen. 200 Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Jst mein Gewissen frei, Was frag ich nach den Leuten, Die all mein Thun verdreußt, Und Alles übel deuten, Was nun von mir geschieht; Im Himmel ist, der zeugt Von allem meinen Thun, Und der gewiß nicht leugt. 2. Jst mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt, Was darf ich darnach fragen, um ein unverlegt Gewissen. Was man mir falsch aufbürd't Und von mir übel spricht? Doch mein Gott siehet wohl, Wie unrecht mir geschieht. 3. Jst mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden, Ob man mich schon verdammt, Bin ich bei Gott in Gnaden; Was frag ich nach der Welt, Mein Richter ist ja Gott, Drum ficht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 4. Jst mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten, Und darf vor meinen Gott Mit Freudigkeit hintreten, Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd befleckt. 201 5. Ist mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen; Ihr Tadeler gedenkt, Gott kennet euch und mich, Drum sprecht hinfüro nicht Von mir so freventlich. 6. Mein Gott! du weißt, daß ich nicht hab die That begangen, Von wegen dieser Sünd Kann meine Unschuld prangen; Mein Herz ist unbefleckt, Die Hände sind auch rein, Und kein Gewissenswurm Kann mir beschwerlich ſein. 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen; Wenn man läßt über mich Ein schnödes Urtheil gehen; Ach! rechne keinem doch Die Missethaten zu, Und gib mir Freudigkeit Und innre Seelenruh. Seele. Wann tröstest du mich? Pf. 119, 82. Jesus. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir. Jesaja 43, 5. Ist deine Seel betrübt, so schau' den Himmel an, Gott ist, der helfen will und der auch helfen kann. Zweiter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Jef. 41, V. 10. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Ist etwas, was eine glaubige Seele aufrichten kann, so ist es die Allmacht Gottes, denn diese ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich. Es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten, keine Last so schwer, er kann sie abnehmen, kein Unglück so heftig, Gott kann es wenden. 2) Soll der Betrübte bedenken, daß Andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat, er soll daher mit Freuden sprechen: Ach Gott! du bist noch heute so reich, als du ewig gewesen bist; mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollen Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und den Der Betrübte tröstet sich Muth nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie und wodurch und auf welche Weise ihnen könnte geholfen werden. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der Herr, und eure Wege find nicht meine Wege. Ef. 55, 8. Diese Betrachtung soll einer betrübten Seele Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll deßhalb stille sein, hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübsal mit Geduld ertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben, und sagen: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Gebet. 204 O du gnädiger und freundlicher Gott, du weißt und sieheft, wie mein Herz betrübt ist, es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Laft, die ich kaum tragen kann. Drum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott! ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversicht bist, ich werfe mein Anliegen von mir auf dich und bitte dich, du wolleft mich erretten, mir beistehen. Das von Wellen gejagte Schifflein hält sich an den Anfer, 205 der Allmacht Gottes. und ich halte mich an dich, lebendigen und starken Gott; das gejagte Wild eilt zu den Bergen und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schußherr! Ich will nicht verzagen, ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bift, und kannst helfen, darum, Herr! hilf mir, so ist mir geholfen; sprich nur ein Wort, so erlange ich Hilfe. Ach, mein Gott! ich weiß, du bist barmherzig, darum erbarme dich auch über mich Elenden, du weißt meinen Schmerz, erkenneft mein Herz, du haft mirs aufgelegt, so hilf mirs tragen, ich weiß, du bist ein weiser Gott! du wirft Mittel und Wege wissen, die mir unbekannt sind. Ach! zeige mir ein Troftbrünnlein, wie der weinenden Hagar, sage mir Hilfe zu, wie der betrübten Wittwe, hilf mir, wie dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem ge= fangenen Petro; laß die Bande mei Der Betrübte tröstet sich nes Elendes und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir aufgehen, dadurch du mich versicherst: ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlaffen. O fiehe, Herr mein Gott, wie hier eine elende und hilflose Seele vor deinem Gnadenthron liegt, sende mir Hilfe vom Heiligthum, und stärke mich aus Zion. Herr, ich lasse dich nicht, du segneft mich denn. Mein Gott und Vater, wenn du mir nicht hilfft, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich ge= worfen von Mutterleibe an, du haft mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen und bisher darin getragen, ach! darum laß mich auch jeßt darin Hilfe finden. Ach Gott! 206 der Allmacht Gottes. erhör mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, du weißt mein' Schmerz, erkennst mein Herz, haft du mirs aufgelegt, so hilf mirs tragen. Amen. 207 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, wo ist nun mein Gott? So muß ich jetzo fragen, Weil ich von nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen sein. 2. Ach! wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir sein Und mich der Noth entreißen! Warum verzeucht er dann, Verbirgt sein Angesicht, Als wär er nicht mein Gott, Als kenne er mich nicht? 3. Ach! wo ist nun mein Gott In diesen meinen Nöthen, Die an das Leben gehn, Und mich fast wollen tödten? Zwar seine Allmacht ist Mir allzuwohl bekannt, Und doch empfind ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach! wo ist nun mein Gott, Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja, ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit, Mich einst erfreuen wird, Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz, mit solchen Fragen? Gott lebet ja annoch, Was willst du immer flagen? Der dich mit seiner Hilf Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaubs nur, auch diesesmal. 6. Es hat ja Gott auch nie In Nöthen dein vergessen, Warum willst du denn jetzt So ängstiglich dich pressen? Gott sieht dein Leiden wohl, Und läßt es so geschehn, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben sehn. 7. Verzage nicht an Gott, Willst du den nicht mehr kennen, Der ja dein Vater ist, und den du pflegst zu Der Betrübte tröstet sich nennen Den allerbesten Freund? Drum stell dein Trauern ein, Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater sein. 208 8. Mein Gott! ich hoff auf dich, Ach! laß die Stunde kommen, Da meine große Last Mir werde abgenommen, Indessen steh mir bei, Und hilf mir gnädiglich, Ach Gott! erbarme dich, Ach Gott! erhöre mich. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Esaja 54, V. 7. 8. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlaffen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zornes ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Siner betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres vorkommen und gesagt werden, als dieses, daß sie dennoch von Gott geliebt werde. In schwerem Kreuz ist dieſes der erste Gedanke, der vom Satan und Fleisch beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebt dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr also betrüben, und sein Gnadenangesicht vor dir verbergen. Allein diesem Gedanken foll kein Betrübter Gehör geben, sondern ihm entgegenseßen die ewige Liebe Gottes, welcher seine Kinder nicht verläßt, und sich erinnern: 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben, und doch ein Kind Gottes zu sein, wohl könne bei einander sein, denn Christus, der geliebte Sohn Gottes, hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Daß solches Kreuz nicht wird der betrübten Seele zugeschickt aus Zorn zu ihrem Verderben oder Schaden, sondern daß fie Gottes Güte, Allmacht, Treue und Weisheit der Liebe Gottes. desto mehr erkennen lerne. 3) Diese Liebe Gottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftigt, sie erhält den Betrübten, bewahrt ihn, stärkt ihn, segnet ihn, er wird zuweilen wunderbar erquickt und erfreuet, die Last wird erleichtert, welches alles Proben der Liebe sind. 209 Sebet. Der Herr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. Also seufze ich, mein Gott! in meiner jeßigen Betrübniß und Angst der Seele. Ach Herr, Herr! du weißt ja wohl, wie weh mir ums Herz ift, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beisteheft. Ach! verbirg doch dein Angesicht nicht länger vor mir. Du haft mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen; ach mit solcher Liebe umfasse du mich auch jetzt in der Betrübniß meiner Seele. Ein Schäflein flieht, wenn es gejagt wird, zu seinem Hirten, ein Kind, Stark's Hdb. gr. Dr. 2ter Thl. 14 Der Betrübte tröstet sich wenn es geängstet wird, geht zu seinem Vater; darum komme ich auch, mein Hirte und mein Vater! zu dir. O großer Gott! du haft mir deinen Beistand versprochen, ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, o großer Gott! jetzt habe ich Hilfe vonnöthen, jeßt stehe mir bei, jeßt weiche nicht von mir, jetzt verlaß mich nicht. Umfasse mich mit deinen Liebesarmen, erhalte mich, daß ich nicht ſinke, erquicke mich in meinem Leiden, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haft. Beweise auch an mir, was Andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O du 210 der Liebe Gottes. Gott der Liebe! versiegle den Troft in meinem Herzen, du du habeft mein nicht vergessen, so wenig wie ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater! fiehe, dein Kind ist betrübt, erfreue es, es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm. Ich will, dieweil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich tragen nach, mein Gott, mach mich dazu bereit, es dient zum Besten allezeit. Amen. 211 Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wäre es auch noch so groß, Mein Vater! du wirst bei mir bleiben, Ach! nimm mich auf in deinen Schooß, In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in deinen Händen, Was mich betrübt und heftig quält. Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen, Wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit, Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar; Er macht daraus oft grüne Maien, Was eine scharfe Ruthe war; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund wird schlagen, So 14* Der Betrübte tröstet sich höret auch mein Elend auf, Indessen will ichs willig tragen, Gott hemmt der wilden Wellen Lauf; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, Drum halt ich ihm im Glauben still, Er wird mir meine Bitt gewähren, Daß ich ihm ewig danken will. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 212 in Der Betrübte tröstet sich der Hilfe Gottes. Aufmunterung. Psalm 121, V. 1. 2. Jch hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Keine Hilfe zu haben in seinem Leiden und Elend ist wohl betrübter als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen; 2) Gott will ihnen helfen; 3) Gott hat schon oft geholfen. Auf solche Hilfe sollen Be trübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten; denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spricht lauter nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erinnern, Gott könne thun über Alles, was wir bitten und verstehen; er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst sein. Ja, das ist eine Wohlthat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unser Leiden lindert. Gebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an der Hilfe Gottes. Gott. Ach! wo soll ich mich anders hinwenden, an wen soll ich anders denken in meinem Leiden und Kummer, als nur an dich, mein Gott? Ach! du haft mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen laſsen. O darum höre auch jetzt mein Gebet, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! und wenn ich rufe, so erhöre mich. Von deiner Hand ift mir das Leiden, so ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du Herr, Herr! tödteft und machst lebendig, du führeft in die Hölle und wieder heraus. Du Herr machst arm und machst reich, du erniedrigeft und erhöheft. Du erhebst den Dürftigen aus dem Staub, und erhöheft den Armen aus dem Koth, darum spreche ich im Glauben: Herr! hilf mir. Du haft gesagt: ehe sie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören, mein Herz bricht mir gegen 213 Der Betrübte tröstet sich dir, daß ich mich dein erbarmen muß; darum will ich dir auch nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wenn du helfen sollft. Stärke mich indessen durch deinen heil. Geift, stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen, gib mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen. Ach, mein Vater! du haft noch keinen verlassen, verlaß mich auch nicht; du haft Betrübte allezeit erfreuet, erfreue mich auch; du haft den Elenden geholfen, hilf mir auch, wenn, wie und wo du willst, das Alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiemit gänzlich heimgestellt. So sei denn wieder zufrieden. Meine Seele! was betrübest du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Herr Jesu Chrift! groß ist die Noth, worinnen ich thu stecken; ach hilf, mein allerliebster Gott! schlaf nicht, laß dich erwecken. Niemand ift, 214 215 der Hilfe Gottes. der mir helfen kann, kein' Kreatur nimmt sich mein an, ich darf's auch Niemand klagen. Herr Jesu Chrifte, Gottes Sohn! zu dir steht mein Vertrauen, du bist der rechte Gnadenthron; wer nur auf dich thut bauen, dem stehst du bei in aller Noth, hilfft ihm im Leben und im Tod, darauf ich mich verlasse. Amen. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hat mich denn Gott gar verlassen, Jetzt in meiner Traurigkeit! Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem bittern Kreuz und Leid; Ach, wo ist doch nun mein Gott In der großen Angst und Noth? Ach! wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden. 2. Willst du meiner nicht gedenken, Denk doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden nicht versinken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such, Ist ja nichts als ein Verspruch, Willst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben, Ich weiß, Gott rläßt mich nicht, Er wird meinen Glauben üben Und auch meine Zuversicht, Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein, Seine Lieb kann mich nicht hassen, Noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunderlich, Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Noth ist ihm bekannt, Und mir seine starke Hand, Diese kann mein Leiden wenden Und mir seine Hilfe senden. Der Betrübte tröstet sich 5. Jch will Gott im Glauben fassen, Wie es Glaubigen gebührt, Ich will nimmer von ihm lassen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl ich gleich die scharfe Ruth, Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet, Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leid wird abgenommen, Da mein Vater mich erfreut; Vielleicht ist die Stunde nah, Ja vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: du bist erhöret, Dir ist diese Bitt gewähret. 7. Sei getrost, o meine Seele, Fasse dich in deinem Gott, Sage, klage und empfehle Ihm alleine deine Noth, Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will, Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit er quicken. 216 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Psalm 103, V. 8. 9. 13. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun zu haben; allein ein betrübtes Kind Gottes soll verfichert sein: 1) daß ein getreuer Gott im Himmel wisse all sein Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und schwer es sei, wie lange es daure, und wie empfindlich es der Seele sei; nicht allein aber weiß es Gott, sondern 2) er erbarmet sich auch des Elenden. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen; denn die Betrübten sollen getröstet werden. 217 der Barmherzigkeit Gottes. 4) Gott erweiset aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden, theils wenn er ihnen gibt Freudigkeit und getrosten Muth, theils wenn er in ihrem Leiden ihnen Stärke gibt, daß sie es ausstehen und tragen können, theils aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. Erbarmet sich ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten in seinem Elend auch nicht verderben lassen. Gebet. O du barmherziger Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete vor dein allerhöchstes Angesicht, und schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich getroffen hat, meine Seele ift betrübt, mein Geift geängstet, und Leiden hat mich umge ben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern. Menschen wollen sich theils meiner nicht annehmen, theils wissen sie meine Noth nicht, theils mag ich's auch nicht offenbaren, aber dir, o Der Betrübte tröstet sich Gott! klage ich es mit betrübtem Herzen, ich weiß, du bist barmherzig, und läfseft dich unser Elend jammern. G jammerte dich der betrübten Wittwe, die da weinete um ihr Kind; es jammerte dich des Volks, welches nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verknüpft. O darum komme ich zu dir und spreche: ach, erbarme dich über mich! Ach Gott! ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen haft; darum spreche ich: ach, mein Vater! erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes. Mein Jesu! ich bin ja mit deinem heiligen Blute erkauft: darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. O du werther heiliger Geift! lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei allem meinem 218 219 der Barmherzigkeit Gottes. Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde, und fast nicht mehr beten kann, so schreie du in mir das Abba, lieber Vater! fiehe, ich sinfe, ach biete mir deine Hand. Ach Herr! nach deiner großen Barmherzigkeit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elend, gib mir alle Tage neue Kräfte, daß mein Glaube nicht aufhören, daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du hast mich ja noch niemals verlassen! ach! so verlaß mich jetzt auch nicht, hilf deinem Kinde, daß zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach! ich kenn sein Vaterherz; er ist schon auf Hilf bedacht, meine Trübfal, Angst und Schmerz, und was mich sonst traurig macht, wird sich alsdann sogleich wenden, wenn er mir wird Hilfe senden, drum, mein Vater! fomm zu mir, Herz und Auge thränt nach dir. Amen. 220 Der Betrübte tröstet sich zc. Gesang. Mel. O Gott du frommer Gott. 1. Wohl dem, der Gott vertraut In allen seinen Sachen und alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen; Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schooß, Der wird ganz ruhig sein, Und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem nichts unmöglich, Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich, Was uns dünkt allzuschwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Noth von uns, Wenn ers befiehlet, weicht. 3. Wohl dem, der Gott vertraut; Kannst du kein Mittel finden, Und meinest, deine Noth Wär nicht zu überwinden, So trau dem weisen Gott, Der alle Hilfe hat; Bei dem ist Rath und That, Wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut; Denn seine Liebesproben Muß jede Kreatur Mit frohem Muthe loben: Der jeder Kreatur Die Nahrung reichlich gibt, Der forget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut Und nicht den Menschenkindern; Sie sind gar oftmals falsch, Und suchen zu verhindern Das, was uns nüßlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und verstehn, So helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem Gott vertrauen, Auf deine Vaterhand In meiner Trübsal schauen; Ach Gott! ich komm zu dir, Ach! sorge du für mich, Ach! nimm dich meiner an, Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan! ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Ich bleib darauf bestehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der fest stets auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. 221 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Psalm 91, V. 14-16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen. Er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschlägt, ſo herrlich richten die göttlichen Gnadenverheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter bedenken, 1) alle göttlichen Verheißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn Paulus ſpricht, Röm. 15, V. 4: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er 2) bedenken, alle göttlichen Verheißungen werden erfüllet werden zu der Zeit, die Gott bestimmt hat. Darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern in Demuth und im Glauben die Hilfe erwarten; 3) soll ein Betrübter bedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hilfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Uebel bisweilen auch in diesem Leben erfüllet werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreut, Elende errettet und Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllet. In Betrachtung dessen soll 4) ein Betrübter stille sein, und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so vielen Tausenden schon erfüllet hat. Der Betrübte erwäget Gebet. Herr, mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlit suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antliß. Ich weiß in meiner Bekümmerniß nirgends Troft und Rath zu finden, als bei dir, bei dem mein Herz Troft, Hilfe und Rath, allezeit gewiß gefunden hat; sonderlich suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen, darinnen finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum, ich suche in deinem heiligen Worte ein stärkendes Manna für meine hungrige Seele, und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du haft gesagt: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Ach Herr! die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Du haft gesagt: fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich 222 die göttlichen Verheißungen. 223 durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du haft gesagt: es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach Herr! erbarme dich doch meiner, ach! weiche nicht von mir, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, dein freudiger Geist erhalte mich. Dein heiliges Wort stellt dich mir vor als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen, besorgten Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen gewissen Erretter, darauf verlaß ich mich, deß tröfte ich mich. Darum sei wieder zufrieden, meine Seele, der Herr verstößt nicht ewiglich, er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenröthe bis zur andern, meine Seele wartet auf den Herrn, bis er uns gnädig werde. Fasſe Der Betrübte erwäget mich in deine Arme, und erquicke mich, verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil. Auf dich will ich vertrauen in meiner schweren Zeit, es mag dich nichts gereuen, du wendest alles Leid, dir ſei es heimgestellt, mein Leib, mein Seel, mein Leben, und was du mir gegeben, Herr, mach's, wie's dir gefällt. Amen. 224 Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen, Ach, wann kommet doch die Zeit, Ach, wann wird mir abgenommen Meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz ich doch darnach von Herzen, Wart ich doch darauf mit Schmerzen, Es spricht oft mein matter Mund: Ach wann schläget Gottes Stund. 2. Ach! ich zähle alle Stunden, Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hilf gefunden; In der Nacht wie an dem Tag Sprech ich öftermal mit Weinen: Ach, wann wird die Stund erscheinen, Die zur Hilfe ist beſtimmt, Die mein Leiden von mir nimmt. 3. Doch ich will dir nicht vorschreiben, Es geschehe, Herr! dein Will, Dir will ich getreu verbleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt: Ach! kommt deine Stunde bald? 4. Ach, laß deine Stund anbrechen, Deine Stund, o lieber Gott! Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Noth; Nach dem Winseln, nach dem die Absicht Gottes im Kreuz. 225 Schreien Laß mir Hilfe angedeihen, Alle Noth bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater, hör mein Flehen, Sieh, es betet Herz und Mund, Laß mich bald erfreuet sehen Die erwünschte Hilfesstund; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken, Ach, mein Vater, höre mich, Höre mich doch gnädiglich. Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. Aufmunterung. Ebr. 12, 3. 11. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Wenn das Kind die Züchtigung empfindet, weint es, und meint, es geschehe ihm gar zu wehe; was ists denn Wunder, wenn Betrübte oftmals nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen? Ein Betrübter soll erwägen: 1) Gott will uns durch Kreuz nicht ins Verderben bringen, sondern uns daraus erretten; wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, beißende Sachen auflegt, so will er sie heilen und säubern; und durch Trübsal will uns Gott abziehen von der Welt und uns zu sich ziehen. 2) Sieht Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Kreaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, daß wir ihn allein lieben sollen, und unsere Freude an ihm haben. Ja, wenn er sieht, daß wir durch die beständige Glückseligkeit, Ruhe und Wohlergehen sollen träg zum Gebet, und in unserem Christenthum nachläßig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wiederum nach ihm verlangen, und in Stark's Hdb. gr. Dr. 2ter Thl. 15 Der Betrübte erwäget seiner Liebe und Erkenntniß zu wachsen trachten. Bei diesem Allem aber bleibt er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger Gott, der uns herzlich liebt. 226 Gebet. Mein Gott! der du mich in so große Traurigkeit und Betrübniß sebeft, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen und meine Augen voll Thränen sind; ach! ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll. War ich nicht glückselig? Hatte ich nicht Ruhe? WoHer kommt solche Unruhe? Ach, mein Jammer ist groß! aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte! Haft du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen; ach, so richte mich wieder auf mit deinem kräftigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschickt haft. Ich weiß ganz gewiß, daß dieß Kreuz mich getroffen nicht zu meinem Verderben; sondern da du mich in solchen traurigen Zustand seßft, willst du prüfen die Absicht Gottes im Kreuz. 227 meine Liebe, ob ich dich auch sowohl in guten als in bösen Tagen lieben will? Du willst prüfen meinen Glauben, ob ich auch glaube, du seieft ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elend erretten und in demselben erhalten könne? Du willst prüfen meine Geduld; ob ich dir zu Ehren dieß Kreuz gerne tragen will? Du willst prüfen mein Vertrauen, ob ich dir über Alles vertrauen, und auf dich, auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit bauen will? Du willst prüfen meine Hoffnung, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen ist, und deinem Wort und Verheißungen Glauben beimessen will? Ja, mein gnädiger Gott und Vater! du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüften, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir halten soll. Wohlan, mein lieber Gott! ich will so werden, wie du mich haben willst, ich will das 15* Der Betrübte erwäget tragen, was du mir auflegft; gib mir deinen heiligen Geift, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mittheile. Ich will gern geduldig sein, es währe, so lang es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen, und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen, und meiner Seele nüßlich sein. Die Hilfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit. Gott wird mich nicht verlassen, ob ich verlassen bin, in Gott will ich mich fassen; mein Herz, Gemüth und Sinn soll treulich an ihm halten, und ihm vertrauen feft, und den nur lasſen walten, der mich niemals verläßt. Amen. 228 Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich ansicht, Mein Jesus kann den Jammer stil len, Ob man mir alle Hilf abspricht, und ob es gleich mir wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. die Absicht Gottes im Kreuz. 2. Das Kreuz gehöret zu den Dingen, Die Anfangs gehen bitter ein, Und gleichwohl großen Nutzen bringen, Wenn sie nur ausgestanden sein; Fühl ich gleich oft die scharfe Ruth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt allein zu sich; Empfind ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb, So will mich Gott demüthig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb; Ich achte nicht der Feinde Wuth, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 229 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit. Zwar kränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 6. Und muß ich öftermal empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mirs Gott doch überwinden, Und schenkt mir süße Seelenfreud; Drum hab ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl in allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllengluth, Drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Hebr. 10, V. 35. 36. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut und die Verheißung empfahet. Geduld ist eine Frucht des Geistes; sie kommt von Gott, und er muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und herzlicher beten, je heftiger sein Leiden ansetzt, wie dorten von Christo stehet: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Deshalb soll der Betrübte erwägen: 1) Der Betrübte bittet das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibet, und mit sich läßt umgehen, wie Gott will; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herzlich liebt, und daß er darum nicht habe aufgehöret Vater zu sein, ob er ihn gleich mit Kreuz beleget hat. Darum 2) murret ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer ist, sondern sagt: Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst es wohl machen. Sollte er 3) je durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmüthig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärkt Betrübte, theils, wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen gibt, es werde das Kreuz bald aufhören, theils, er wolle sie nicht verlassen, theils auch, wenn er einige Hilfe und Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wiederum stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. 230 Gebet. Herr, mein Gott! mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohl bekannt; dieß ist mein Troft, daß ich weiß, es komme von geliebten Händen, du habeft es mir aufgelegt; hast du mir es aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die 231 um Geduld und Stärke. Geduld auch gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach, so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärfft, wenn du mir hilfft und beisteheft, fo kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird es mir nicht schwer werden; ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Chriftus. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ich's kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die strauchelnden Kniee, sage meinem verzagten Herzen: dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du hilfft, so ist mir geholfen! darum hilf mir, o mein Heil! Stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich also leiden, und mein Kreuz tragen soll; darauf ich mich denn mit Freuden entschließe, und sage: Vater! nicht mein, sondern Der Betrübte bittet dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß liebeft, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seieft, daß dieses Kreuz nicht sei ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade. Stelle meiner Seele vor das Erempel der Geduld meines lieben Heilandes Jesu Chrifti, der alles geduldig auf sich nahm. Gib, daß ich dir in solcher Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gib, daß ich mit dulde und leide, damit ich auch mit zur Herrlichfeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, und das Gebet verhindern, sondern gib mir neue Kraft und neuen Muth, wenn ich einen Sturm aus232 um Geduld und Stärke. stehen muß, oder ausgestanden habe. Ja, stelle mir vor, daß mich deine Hilfe bald erfreuen und dein kräftiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, mein Schild, meine Kraft, sagt mir dein Wort, meine Hilf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller Noth, wer mag dir widerstreben? Amen. 233 Gesang. 1600 Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott! verzeuch doch nicht, Ach sieh, wie ich muß weinen; Wann willst du, o mein Licht! Zu meinem Trost erscheinen! Zu Hause hab ich Kreuz, Und geh ich schon oft aus, So geht mein Leiden mit, Und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff ich alle Tag: Sieh, heute wird es besser; Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer, Ich werde schwach und matt, Mein Herze ist beklemmt, Es ist mein Angesicht Mit Thränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will Auch die Geduld verschwinden, Weil sich die Linderung So gar nicht will einfinden, Ich warte von dem Tag Bis auf die stille Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein Gott! die Hilf verziehen, Wie wird es mir ergehn? Ach! wo soll ich hinfliehen? Ach Gott! verzeuch doch nicht, Ach, eile doch herbei; Ach Herr! wann machst du mich von meinen Banden frei? Der Betrübte bittet 5. Die Hilfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen, Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden; Ach, wende dich zu mir, Komm und errette mich, Erleichtre mir mein Kreuz, Ach Gott! erbarme dich. 234 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir hilfest tragen, Ich will, wenn du mitträgst, Von keinem Leiden sagen; Denn trägest du mit mir, So trägst du das Gewicht, Ich habe zwar das Kreuz, Und fühl die Last doch nicht. 7. Ach ja, mein Herr und Gott! Laß mich die Stund erblicken, Da du nach meinem Leid Mich endlich wirst erquicken, Ach, schenke mir dereinst Die lang gewünschte Stund, Darnach mein Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Wirst du mir diese Gnad, O großer Gott, erweisen, So will ich, weil ich leb, Dafür dich herzlich preisen, Mein Freudenwort soll sein Nach ausgestandner Noth: Wie gnädig ist doch Gott, Der Herre Zebaoth. Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübfal. Aufmunterung. Esaj. 38, 3. 14. 17. Jch winselte wie ein Kranich und Schwalbe und girrete wie eine Taube, meine Augen wollten mir brechen, Herr! ich leide Noth, lindre mir's. Siehe um Trost war mir sehr bange, du aber haft dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Denn du wirfest alle meine Sünden hinter dich zurück. Gott hat seinen Kindern eine Linderung und Erquicklung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Leben, es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Erfüllung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Deßwegen 1) wenn sie empfinden ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit, dürfen sie roohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle. Denn so 235 um Abnahme der Trübsal. machte es ja Christus, unser Heiland selbst, welcher um Wegnehmung des bittern Kelchs den himmlischen Vater anflehte; hiemit legen Betrübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) besser ists, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig. Diese Bitte um Abnehmung der Trübsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott desto freudiger und ungehindert dienen können, indem die Trübsal uns oft niederschlägt und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt sein aus Ungeduld oder um der Weltluft und Weltfreude wieder zu genießen, so sieht man leicht, daß Gott ein solches Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel und irdisch gesinnt, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es, als ein heiliges Feuer, diese Stoppeln und Unreinigkeit des Herzens ausgebrannt hat. Sebet. O du gnadenreicher Gott! der du die Betrübten und Elenden ansieheft, und dich erbarmest aller deiner Werke, ach fiehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thür deiner Gnade und flehe dich um Hilfe an. Die Vaterhand, die mich verwundet, muß mich heilen; der mich getödtet, muß mich wieder lebendig machen. Der Betrübte bittet Darum, du gnadenreicher Gott! fomme ich zu dir und spreche: Herr, hilf mir! ach erbarme dich meiner, laß mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Ach! laß mich doch deine Erquickung empfinden; willst du mein Glend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur ein Stück deffelben von mir. Du willst dich vor deinen Glaubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach, mein Gott! wie lange willst du mein so gar vergessen, wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir; ift's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seieft, der sich über mich erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sei. Ach! wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir; dir ist ja nichts 236 um Abnahme der Trübsal. 237 unmöglich. Herr Zebaoth ist dein Name, groß von Rath und mächtig von That. Du bist der Troft Israels und ihr Nothhelfer, darum verlaß mich nicht; hilf mir, errette mich und sei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! Ift aber deine Hilfesftunde noch nicht da, so stärke mich inwendig, und gib mir solche Kraft, daß ich es ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater! mit mir trägst, oder mir es linderft, wenn ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch als ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken; willst du mir es aber in diesem Leben nicht abnehmen, sondern ist es dein heiliger Rath, daß ich mich bis in den Tod damit tragen solle, so geschehe dein Wille. Soll ich noch mehr hier leiden, so steh mir, Herr! durch deine Kraft zur Seiten, fein Der Betrübte erwäget ritterlich, beständiglich hilf mir mein' Widersacher all bestreiten. Amen. 238 Gesang. 07114 Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach wie lang verzeucht er doch, Will er sich nicht zu mir kehren, Weg zu thun das schwere Joch? Ach! ich muß ja fast vergehen, Wenn er mich nicht will ansehen; Nimmt sich meiner Gott nicht an, Ach so ists um mich gethan. 2. Hat mirs Gott doch ja versprochen, Daß er mich erhören woll, Wenn die Stund ist angebrochen, Die mir Hilfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen, Und darauf mich fest verlassen, Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Vater! auf dein Kind; Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so verlassen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Aller Orten ihm nachgehen; Ihm schick ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hilf und Ruh. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethsemane, Länger auf die Hilfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hilf verzagen, Und mein Kreuz geduldig tragen; Seh ich meinen Jesum hier In dem Garten noch bei mir. 5. Nun wohlan ich bin vergnüget, Es geh wie es gehen soll; Wie es mein Gott mit mir füget, So thut er der Seele wohl. Endlich werd ich noch lobsingen, Und ihm meine Opfer bringen, Ja, erzählen Jedermann, Was er an mir hat gethan. Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Klagl. Jer. 3, V. 31. Der Herr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder seiner den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 239 großen Güte; denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Alle Trübsal wird leicht, wenn man hoffet, es werde bald besser werden. Hiebei soll ein Betrübter sich vorstellen: 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde, und vielleicht noch in diesem Leben; wie Gott also Davids Flucht, Hiskiä Krankheit, Hiobs Elend, der Wittwen Thränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben gewendet. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden nach dem Tode, und abwischen alle Thränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, daß seine Seele von der Welt weg zu Gott getrieben werden soll; so bleibt der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag fich enden hie zeitlich oder dort ewig. Gebet. Ach, du großer Gott! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß, wie du selbft weißest, aber doch soll mein Glaube, Hoffnung und Vertrauen deßwegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt, nämlich zu dir, allmächtiger, gütiger und barmherziger Gott. Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübfal Der Betrübte erwäget mich erfreuen, ja, nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du haft versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wolleft; nun ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung, ach! gib mir, wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet. Denn du bist meine Zuversicht, Herr, Herr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann alles ändern. Ach, so ändere, wenn es dein heiliger Wille ift, meinen Zustand. Nun sehe ich deinen heiligen Rath, du haft mich demüthig, sanftmüthig und fromm machen wollen, mich zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben, und meine Hoffnung auf dich stellen soll, und da nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und läsfest mein Gemüthe, das vorher ganz unruhig war, wieder still, gelassen und zufrieden werden. O wel240 den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 241 che herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! o welch großer Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfertigen. Meine Thränen sollen ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen die mich stechen, sollen Rosen tragen, nach dem Kampf soll der Sieg, nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird am jüngsten Tag die fröhliche Erlösung sein, wenn ich von allem Uebel erlöset in das himmlische Freudenleben eingehen werde. Ift dieses denn das erstemal, daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual bisher gehabt Stark's Hdb. gr. Dr. 2ter Thl. 16 Der Betrübte erwäget 2c. auf Erden, wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, und doch hat Gott uns drauf geschenkt ein Stündlein voller Freuden. Amen. 242 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil, wann werd ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach, wenn mein Seelenfreund Ja ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh, Andre sind beglücket, Sie stehn in Herrlichkeit, Mit Wohlergehn geschmücket, Nur ich muß traurig gehn; Ja, ich muß gehn allein, In meinem Jammerstand Von Gott verlassen sein. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Dieweil ich Jesum fast Weiß nirgends mehr zu finden; Wo ich mich nur hinwend, Sieh, da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif, Sieh, da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach, höre doch mein Klagen, Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein Jesus? sagen; Jesu, komm doch bald, Die Zeit wird mir so lang; O Jesu, komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald, O Seele, sei doch stille, Und stell dein Trauern ein, Es ist so Gottes Wille; Weil Jesus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud. 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen, Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen, Er sieht dein Leiden wohl, Sieh da, in kurzer Zeit, Erquickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald; Er wird dich nicht ver 243 Gebet betrübter Wittwen. lassen, Denn du bist ja sein Kind, Wie könnt er dich denn haffen? Schau doch auf Andre nicht, Die da beglücket stehn, Bald wird dir auch sein Licht Nach trüber Nacht aufgehn. 8. Dein Jesus kommet bald; Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Aufs Freundlichste empfahen. Auf, Seele, sei getrost, Dein Heiland ist dir nah, Nun ist dein Wunsch erfüllt; Dein Jesus, sieh, ist da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. 2. B. Mose 22, B. 22. 23. Jhr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibt das fluge Weib von Thekoa eine Wittwe, 2. Sam. 14, 5. Es ist der Wittwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemanns Hilfe, Rath, Troft, Gegenwart und Freundlichkeit entbehren muß, welches auch reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen thut es desto weher, weil ihnen die Person durch den Tod geraubt ist, welche sie und ihre Kinder ernährt und durch Gottes Segen verforgt hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oft unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üben, ihnen das Jhrige nehmen, sie drücken, verachten, ihnen Unrecht thun. Es ist aber der Wittwenstand 3) ein von Gott beschüßter Stand; Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen, und hat ihnen gedroht, wenn sie ihnen Unrecht thun würden, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle 16* Betrübte Wittwen schütten der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter sein. In dessen Betrachtung sollen fromme Wittwen 1) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist doch Gott nicht gestorben. 2) Sie sollen dieses annehmen als eine Probe ihres Vertrauens und Hoffnung auf Gott. Darum sollen sie 3) im Gebet anhalten, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott fie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. 244 Gebet. O du barmherziger und gnädiger Gott, der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach, es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rath gefallen, mich in den betrübten Wittwenstand zu setzen. Meine Sonne ist am hellen Mittag untergegangen, und die Krone meines Hauses ist abgefallen. Ich bin ein Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? wo soll ich Rath und That suchen? Ach, mein Gott! ich komme zu dir. Du haft in deinem heiligen Wort verheißen, du wolleft 245 ihr Herz vor Gott aus. sein der Wittwen Richter und der Watsen Vater: Ich, der Herr, bin dein Mann, Gott Israel ist mein Name. Ach, so sei auch jeßo mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Sich an meine Thränen, sich an mein Seufzen und erbarme dich mein. Mein Gott und Vater, ich glaube von Herzen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schüßen, ernähren, versorgen kannst. Herr, führe mich, wie Naemi, versorge mich, wie die Ruth, segne meinen Delkrug wie der Wittwe in Israel, laß das Mehl und Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe in Sarepta, wische meine Thränen ab, und sprich zu mir: weine nicht! wie du zu der Wittwe zu Nain sprachest. Ach Herr, bescheere mir mein tägliches Auskommen, segne meinen Aus- und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach Betrübte Wittwen schütten deiner Verheißung. Ich seße alle meine Zuversicht auf dich, lebendigen Gott, dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bift weise genug, mich zu erhalten; du bift mächtig genug, mich zu schüßen; du bist reich genug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir Alles zu geben, was ich vonnöthen habe; du bist allgegenwär tig genug, in allen Nöthen mir beizustehen, zu helfen und zu erretten. Verläßt sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen; vertraut ein Kranfer dem Arzt seinen Leib und Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiser Gott, nicht vertrauen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o Herr, nimmst mich auf. Siehe, um Troft ist mir gar bange, du aber haft dich allezeit meiner Seele herzlich 246 247 ihr Herz vor Gott aus. angenommen, daß sie nicht verdürbe. Gib, daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, Niemanden ein Aergerniß gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott! Gnade nach dem Leiden, Hilfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Wetnen, Troft nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gib mir Huld und Gnade bei Jedermann. Wittwen find in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schoos, ihrer will er sich erbarmen, wär die Noth auch noch so groß; denn ein ungerechter Mann taftet Gottes Auge an, der die armen Waisen zwicket, und der Wittwen Herze drücket. Wenn sie bleiben in den Schranken, darein fie Gott hat Gebet betrübter Wittwen. gestellt, und von ihme niemals wanfen, weil er sich zu ihnen hält, sollen sie im Himmelsschloß werden alles Kummers los, da soll nicht mehr wie auf Erden, Wittwennoth gehöret werden. Amen. 248 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Wittwen seid getrost, Laßt ab von eurem Weinen, Es will der starke Gott, zu eurem Trost erscheinen, Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht, und setzt auf dieses Wort All eure Zuversicht. 2. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch nicht verlassen, Wenn ihr zu sinken scheint, So will er euch umfassen; Der Herre Zebaoth, Der Herr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich eurer an. 3. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch schon versorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält, Er aber ist der Herr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen, Er höret eure Stimm, Er trägt euch in den Armen, Er will deß, der euch fränkt, Ein strenger Richter sein, Drum stellt das Ach und Weh Und bitt'res Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr vonnöthen habt In eurem ganzen Leben, Gott, der nach seinem Rath Zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Noth am größten, Er wischt die Thränen ab, Drum sprecht: du bist 249 Gebet verlassener Waisen. mein Gott, Mein Gott! ach steh mir bei In aller meiner Noth. 7. Der Herr ist euer Mann, Drum sollt ihr ihm vertrauen, Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch sehn, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche gehn. 8. Nun dienet eurem Gott Mit Singen, Danken, Beten, Kommt jede Stund und Tag Vor seinen Thron getreten, Und klagt ihm eure Noth; Bleibt in der Frömmigkeit, und steht im Glauben fest, Und in Zufriedenheit. 9. Gott, frommer Wittwen Gott, Und Vater frommer Waisen, Du wollest gnädiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgends hin, Denn nur zu dir allein, Drum wollest du ihr Gott Und treuer Vater sein. 10. Versorg der Wittwen Haus, Die Waisen wollst du leiten, Ach Vater, schau, wie sie, Zu dir die Händ ausbreiten; Ach, höre ihre Stimm, Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott, Und frommer Wittwen Mann. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Auf munterung. Psalm 27, V. 10. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. Ist ein betrübter Stand, so ist's der der Waisen, wenn Kinder von Vater und Mutter verlassen unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen müssen. So betrübt aber dieser Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlassene Kinder gedenken, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben. Es sollen 2) fromme Waisen gedenken, daß Gott oft den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, Verlassene Waisen wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja, sie in Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Erempel uns vor Augen gestellt, die mit fröhlichem Munde sagen wie Jakob: ich hatte nichts als diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Haus nahm ich den Wanderstab, die Armuth und mein Leben, drum Alles, was ich jetzo hab, das hat mir Gott gegeben. Es sollen aber auch 3) Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in allem ihrem Thun aufrichtig sein, sonderlich aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, und thun wider Gottes Gebot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderlich, doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. 250 Sebet. 71301 Ach du gnädiger, barmherziger Gott und Vater! ich armes und verlaffenes Kind werfe mich allhie nieder vor deinen erhabenen Thron, und bitte dich in Demuth und von Herzen, nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Rath gefallen, 251 klagen Gott ihre Noth. mich meiner Eltern Vorsorge und Pflege zu berauben; wo soll ich nun hin? Ich bin ein Waise geworden, ich habe keinen Vater mehr, wer will sich jetzt meiner annehmen? Deßwegen, liebreicher Gott und Vater! komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich meiner, auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Ach, mein Gott, du gibst Speise den Vögelein, die auf freiem Felde fliegen, du kleidest die Blumen, du versorgest das Wild im Walde; ach! so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, und dich meiner erbarmen, und mir gnädig sein; mein Auge sehnt sich nach dir. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Grempel solcher Kinder stehen mir vor Augen, welchen du Vater und Mutter haft lassen sterben, sie aber dennoch herrlich geführt, versorgt und ernährt hast. Ach Gott, der du Moses aus dem Wasser gezogen, Verlassene Waisen ach, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast über mir zuſammen schlagen. Ach, Herr Jesu, der du der Kinder dich haft treulich angenommen und sie gesegnet, ach, segne mich auch, nimm mich in die Arme der Barmherzigkeit, trage mich und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werther heiliger Geist! der du die Glaubigen führeft, führe mich auch. Weise mir, Herr deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach, du dreieiniger Gott, sei mein Erhalter, der mich schüßet, mein Helfer, der mir beistehet, mein Geleitsmann, wenn ich auß- oder einreise. Ach, bescheere mir gute Freunde, wo ich ein- oder ausgehe, erwecke mir Gönner und Gutthäter, die sich meines Elends erbarmen, laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllt sein; thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück und vergilt ihnen mit zeitlichem, geistlichem und himmlischen Segen, was sie Gutes an mir gethan. Gib mir ein demüthig und gehorsam Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, Bosheit und 252 253 klagen Gott ihre Noth. sündliche Unarten mich der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armut dich möge verläugnen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allezeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführt werde. Laß mich nicht in Unkeuschheit gerathen, und behüte mich vor verfehrtem Herzen. O, du gnädiger Gott und Vater, schrecke mich ab von den gottlosen Wegen, warne mich, wenn ich sündigen will, erinnere mich, wenn ich des Bösen mich will gelüften lassen, halte mich, wenn ich falle, hole mich herum, wenn ich irren will, stärke mich, wenn ich schwach bin, mache mich gesund, wenn ich frank bin. O, treuer Gott und Vater! ich ergebe mich dir ganz und gar, ach! laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen sein. O wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohl thuft; meine Zunge soll sagen: das hat Gott gethan, Gott hat mich gesegnet, erhalten, bekleidet, ge Gebet verlassener Waisen. führt, versorgt; ja, ich will Jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen haft. Ach Herr, Herr, hdre das Gebet des verlassenen Waisen, höre die Stimme deines Kindes, ich weiß, du kannst mir helfen; ach Herr, so bilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preis sagen kann: Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Denn, weil du mein Gott und Vater bift, dein Kind wirst du verlassen nicht, du våterliches Herz! ich bin ein armer Erdenkloß, auf Erden weiß ich keinen Troft. Amen. 254 Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. Int 1. Ihr Waisen, weinet nicht, Wie wollt ihr euch nicht fassen? Verlasset euch auf Gott, Der wird euch nicht verlassen! Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch Gott; Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Noth. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesammt Beschüßen, kleiden, speisen; Dem übergebet euch, Der nimmt sich eurer an, Seht, Gott ist euer Schutz Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon versorgen, Er tennet eure Noth, Die ist ihm unverborgen; Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrath ist sehr klein, So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja verheißen, Daß er Verlassene Aus Trübsal wolle reißen, Das gehet 255 Der Betrübte klagt 2c. euch auch an, Ihr werdet balde sehn, Das Wort wird auch an euch In die Erfüllung gehn. 5. Ja glaubet, bleibet fromm, Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheißnen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens. 76 Aufmunterung. Esaj. 42, V. 3. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Herr! stärke uns den Glauben. Luk. 17, 3. 5. Ist etwas, das eine glaubige Seele schrecken kann, so ists die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer lebendiger Glaube sei, daher denn der Zweifel entstehet, ob sie auch selig werde. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost, 1) daß ein im Namen Jesu auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet sei. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirfung ist des heiligen Geistes; ein Gottloser begehret nicht zu glauben. 3) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen. 4) Ob die Glaubens- Freudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fünklein unter der Asche da ist, ob man es schon nicht siehet. 5) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß wider die Sünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen. Gal. 5, V. 22. Liebe, Der Betrübte klagt Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängstete Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. 6) Gebet, Lesen der heiligen Schrift, Geduld, auf Gott harren, stärket den Glauben. 7) Christus ist auch für die Schwachglaubigen gestorben, und bittet für fie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so ists doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt. Gebet. Ach, du gnadenreicher Gott, ich weiß aus deinem heiligen Wort, daß der Glaube allein selig mache, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen könne. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wollte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geiste an das Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret haft, und daß ich deinem geoffenbarten Wort möge von Herzen glauben, und 256 über die Schwachheit seines Glaubens. 257 deine Verheißung von deiner Gnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch Jesum erworben, mit feftem Vertrauen und Zuversicht möge annehmen. Denn mich dünket zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde noch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieses klage ich dir, mein Gott, darum, weil ich weiß, daß alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ift, ach! so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Döchtlein auslöschen. Mein Gott, schreibe den Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der fich fest an dich, o dreieiniger Gott, nämlich an dich, o 17 Stark's Hbb. gr. Dr. 2ter Thl. Der Betrübte klagt über fündliche, himmlischer Vater! als unsern Schöpfer, an dich, o Jesu, als unsern einigen Erlöser und Seligmacher, an dich, o heiliger Geift, als unsern Heiligmacher und Tröfter, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle und auch selig mache. Ach, mein Jesu! bitte auch für mich, wie du für Petrum gebeten haft, daß mein Glaube nicht aufhöre; verfiegle in mir den Troft, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft, und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen. Und du werther heiliger Geift, wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens, treibe mich, heilige mich, regiere mich, ja wohne in mir, und gib Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Mehre und erhalte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage füßer und empfindlicher; wirst du dieses mir, o 258 garstige und gotteslästerliche Gedanken. 259 dreieiniger Gott! verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrieden sein. O mein Gott! vor den ich trete, jeßt in meiner großen Noth, höre, wie ich sehnlich bete, laß mich werden nicht zu Spott; mach zunicht des Teufels Werk, meinen schwachen Glauben stärk, daß ich nimmermehr verzage, Chriftum stets im Herzen trage. Amen. Eine andere Klage über Anfechtung. Der Betrübte klagt über fündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. Aufmunterung. 2. Cor. 12, V. 7. 8. 9. Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schläget, dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche, und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Betrübt ist es, einen Kranken klagen hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes, aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über fündliche und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) geistliche Anfechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach dessen Willen sie dieses leiden müssen; ohne 17* 260 Der Betrübte klaget über fündliche, Gottes Willen kann nicht ein Härlein von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen dergleichen Seelenangst widerfahren. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die garstigen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen. 4) Dieser Schrecken über die lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohne; wäre Satan darinnen, wie die Angefochtenen meinen, so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesung des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern viel und auch oft beten und lesen. 6) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten noch an Gott denken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen, denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade, ja, sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräftigsten. 7) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie thun, so nimmts ihnen Gott nicht übel auf, und siehet ihren Willen und ihr Verlangen an. 8) Sie sollen geduldig ausharren; denn Gott erfreuet, erquicket und tröstet sie wieder. 9) Diese Anfechtungen machen den Menschen demüthig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag, ja, diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, Laulichkeit im Gebet AL garstige und gotteslästerliche Gedanken. 261 und Anhörung des göttlichen Worts reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nußen? 10) Diese Gründe soll man, einen nach dem andern, betrachten, oder von Freunden Gottes sie weiter auslegen lassen, und dabei leibliche Arznei gebrauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder aufs Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben; mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich; man lese auch fleißig das 8. Kapitel an die Römer, ingleichem den 27. und 28. Pfalm. Gebet. Ach, du heiliger Gott! der du wohneft unter dem Lob Israel, und welchen alle heiligen Engel und Außerwählten ohne Unterlaß loben und preisen, ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhindert werde durch garstige und lästerliche Gedanken, welche in meinem Herzen so oft und fast täglich aufsteigen. Du allwissender Gott weißt ja wohl, daß sie mich wie die feurigen Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängsten; aber 262 Der Betrübte klaget über fündliche, du weißeft auch, daß ich darüber erschrecke, bitterlich weine, wenn ich die feurigen Pfeile empfinden muß. Ach, mein Gott! rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschiehet; du fieheft, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich darüber seufze, wie ich davor einen Abschen habe, und fie gerne aus dem Herzen vertreiben wollte. Ach Herr! laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ach, sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Erquicke mich, du dreieiniger Gott! und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und reichen Troft wieder empfinden, fa, gib mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach, garstige und gotteslästerliche Gedanken. 263 so gib mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gib Zeugniß meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Du haft gesagt, es sollen nicht zu Schanden werden, die auf dich harren. Herr! auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit, hilf mir. Sei mir ein starker Fels, und eine Burg, daß du mir hilfft; um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du haft gesagt: deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach Herr! Herr! laß auch. jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Luft an deiner Gnade sehe. Ach, mein Vater! laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangft mir wieder abnehmeft; stärke mich, hilf mir, bewahre mein Herz mit einer Mauer; umgib es, wie das Haus Der Betrübte klagt 2c. Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hinein kommen, ja daß ich fie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott, du wirft mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hilfe annehmen, bis du mich endlich zu deiner Zeit gar davon befreien wirst. Jesu, du Brunn aller Gnaden, der du Niemand von dir stößft, der mit Schwachheit ist beladen, sondern allen Troft einflößst; sollt ihr Glaube noch so klein, als ein kleines Senfforn sein, wollst du sie doch würdig schätzen, große Berge zu verseßen. Laß mich Gnade vor dir finden, der ich bin voll Traurigkeit; hilf du mir selbst überwinden, so oft ich muß in den Streit; meinen Glauben täglich mehr', deines Geiftes Schwert verehr', damit ich den Feind kann schlagen, alle Pfeile von mir jagen. Amen. 264 265 Klagen wegen gotteslästerlicher Gedanken. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Jch klage dir, o Gott, Mit hochbetrübter Seelen, Der scharfen Pfeile Sturm, Die mich entseßlich quälen; Ach, böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach, wo soll ich doch hin, Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht, Ach Gott, dir will ich's klagen, Du kennst des Herzens Grund, Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach, wär ich doch, mein Gott, Der Pfeile überhoben; Ich quäl und martre mich, Wenn sie so grausam toben; Ach, wenn mein Herze nicht An dich, mein Gott, gedenkt, So wird's im Augenblick In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort Jm Herzen mir verkehret, Ja, man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret; Ich höre andre Wort, Als ich im Herzen hab, Und diese große Qual Frißt mir das Herze ab. 5. Ach schaue meine Noth, Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil, Gott wüßte nichts von mir; Ich wäre, o mein Gott, Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich in alle Dinge, In Alles, was ich thu, Ich lese, bete, singe, Was ich zu deiner Ehr Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht ich es nur meines Unflaths voll. 7. Ich kann der Lästerwort Sogleich mich nicht entschlagen, Ich muß sie oft gar lang Ohn' meinen Willen tragen; Ach, rechne mir nicht zu, Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech, Ich leid es mit Verdruß. 8. Mein Gott, dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre, Ich schreie tausendmal: Mein Gott, ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung vorspricht. 266 Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Jch liege hier vor dir Mit hochbetrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott, Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind In mir ohn Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Aug' von Thränen naß. 2. Ach Gott, ich leide dieß Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst Zu seiner Zeit schon stillen; Ach, ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigenthum; Du bist mein Gott und Herr, Mein Freund, mein Trost und Ruhm. 3. Ach, die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie säubert Seel und Geist, Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott Und wehrt der Sicherheit. 4. Gefället es denn dir, Mein Herze rein zu machen, Durch ein so scharfes Feu'r, So fast aus Satans Rachen Wie schwarzer Dampf auffteigt, So bleib ich doch bei dir, Ach, stehe mir nur bei, Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja, ich merke wohl. Ich bin vielmehr im Leiden, Ich treibe nicht das Werk, Das ich gern wollte meiden, Ich schlöße gerne zu Des matten Herzens Haus, Und treib die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der annoch In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind,( Wird er schon nicht gestillet,) Ja, der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh, er versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich bin ganz scheu, Vor dich, o Gott, zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dieß mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrigs Beten sei. 8. Ach Gott, die Noth ist groß, Doch dir nicht vorzuschreiben Die Zeit und Hilfesstund, So will ich gerne bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gib mir nur Kraft dazu, Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh. 267 Troft gegen lästerliche Gedanken. 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mein schonen, So willst du doch, o Gott, In den Betrübten wohnen; Ach, wohne auch in mir, Und rufe auch mir zu: Sieh da, ich bin bei dir, Du Hochbetrübter, du. 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund, aufhören; Ach, laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören; Zeig mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht, Und nach der Finsterniß Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach, großer starker Gott, Ach stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie Denselben könne rauben, Versichere du mich, Du seist mein Herr und Gott, Mein Vater, der mich liebt, Mein Helfer in der Noth. 12. Und weil du Niemand hast In Anfechtung verlassen, So will ich deine Gnad Mit frohem Muth umfassen; Ach, sende mir doch bald Die rechte Hilfeszeit, Da sich in Trost und Freud Verkehrt die Traurigkeit. 13. Sieh an die Jammerklag, Die Thränen meiner. Wangen, Ich schrei dir immer nach, Bis ich werd Hilf erlangen, Und schweigest du gleich still, So schrei ich doch zu dir, Und sprech ohn Unterlaß: Mein Gott, ach, hilf doch mir. 14. Mein Gott, erbarme dich, Sieh an mein bittres Weinen, Ach, laß dein Gnadenlicht In meiner Seele scheinen; Ach Gott, erquicke mich, Und gib mir Freudigkeit; Ach, gib mir Trost und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. Troft gegen lästerliche Gedanken. Gesang. In voriger Melodie 1. Weicht, weichet nur von mir, Jhr sündlichen Gedanken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanken; Ich achte euer nicht, Und euer Lästerung, Ihr dienet mir vielmehr Zur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich ge schiehet, Ja, was mein Will nicht ist, Und was mein Herze fliehet, Und davor Abscheu hat. Gott kennet mei 268 Trost gegen lästerliche Gedanken. nen Sinn, Daß ich hie nicht im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufze immerdar Mit Hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, Ins Herze kommt sie nicht, Dawider streite ich, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft Ich nur noch widerspreche, Und alle Lästerpfeil Durch seinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein Jesus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühl ich öftermals, Wie Satans Engel schläget, Und giftig diese Wort Mir an das Herze leget; Doch was kann ich dafür, Daß ich geschlagen werd, Wenn ohne Schläg zu sein Das matte Herz begehrt. 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit Mich schon davon - befreien, Weil ich für solche Wort Hab Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir Gott die Schuld Auf meine Buß und Reu. 7. Ja, tobet immerhin, Jhr lasterhaften Worte, Ja tobet wie ihr wollt, In mir an allem Orte, Gott ist dennoch mein Freund, Ich achte euer nicht, Mein Jesus ist mein Trost Und meiner Seele Licht. 8. Jhr habet mich von ihm Bisher noch nicht vertrieben, Ihr könnet es auch nicht, Ihn will ich ewig lieben, Und weil's mein Will nicht ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja, ich werde schon Auch einst noch überwinden, Ich werde Ruh und Trost In Jesu Wunden finden, Ich seh den Himmel schon mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. Jesus. Seele. Ich will dich nicht verlassen Nach dir, Herr, verlanget noch von dir weichen. Jof. 1,5. mich. Pf. 25, 1. Am Krankenbette steht dein Jesus dich zu trösten, Das glaube, wenn die Noth dir scheint am allergrößten. Dritter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Kranke. Morgengebet eines Kranken. Aufmunterung. Pf. 55, 2. 17. 18. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich flagen und heulen, so wird er meine Stimme hören. Obgleich Gott einen Menschen lässet krank werden, so soll er darum nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten; ja, je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie auch Christus that, wie Lukas bezeuget, R. 22, 44: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott Jemanden auf das Krankenbette niedergelegt, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott ermuntern, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht geleisteten Schuß. Ist die Nacht betrübt und unruhig gewesen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Nacht ruhig und erträglich gewesen, so soll er Gott dafür danken. 2) Hat er also sein 271 Morgengebet eines Kranken. Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er nun fein Gebet vor Gott bringen, und sich den Tag über in seinen Schutz und Obhut empfehlen, fleißig an Gott denken, geduldig leiden, was er ihm zuschickt. 3) Er soll sich dabei erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn will da lehren und unterrichten. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen kein fleißiger Kirchgänger oder andächtiger Beter gewesen, diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lerne, und sehe, wie es ihm an Trost und Erbauung mangle, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Wortes gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die Uebung bringen soll, was er von der Geduld, Vertrauen auf Gott, Gelaffenheit, Ergebung in den Willen Gottes gehört hat. Gebet. O du heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geift! ich komme vor deinen allerheiligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag wieder haft erleben lassen. Du weißest, Herr! wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht ha Morgengebet eines Kranken. be, jedennoch kann ich nicht genug deine Güte preisen, daß du mich das Licht der Sonne wieder sehen und alle Schmerzen und Ungemach glücklich haft vorüber gehen lassen. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine unendliche Liebe; o du starker Gott! ich danke dir für deinen Segen und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedecket, deine Gnade hat mich erhalten. O mein Gott, die Sonne gehet wieder auf, ach, laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen; gib mir mit diesem Tage neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr, mein Gott! es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt, vielleicht wirst du mich dadurch absondern von meinen gewohnten Sünden, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögeft, wie ich soll für meine Seele 272 Morgengebet eines Kranken. 273 sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, dich geehrt, dir gehorcht habe, daß ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme, und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache, und also schaffe mit Furcht und Zittern, selig zu werden. Gib, daß ich, o Jesu! den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, Blut und Tod denken, und das wahre Heil und das ewige Wohlsein meiner Seele betrachten. Gib mir einen schönen Troftspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vaterliebe mich versichere, deine Gnade mir verfiegle, und deiner baldigen Hilfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor geschwinden Zufällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen heiligen Geift in meiner Schwachheit; Start's Hbb. gr. Dr. 3ter ThI. 18 Morgengebet eines Kranken. willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden lassen empfinden, so bleibe nur bei mir, und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit und stillem Muth annehmen, was du mir auflegen wirft. Siehe, mein Gott, hie bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten, und mich mit deiner Hilfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen, und deine Barmherzigkeit herzlich preisen über Alles, was du an mir gethan haft. Meinen Leib und meine Seele sammt den Sinnen und Verstand, großer Gott! ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigenthum. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, Lift und Anschlag von mir wende, und mich 274 Morgengebet eines Kranken. halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh führe nach dem Himmel zu. Amen. 275 Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh ich jetzt die Sonne scheinen, Welche Alles fröhlich macht; Darum fang ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, Herr, das ist dein Will und Rath, Welcher mir als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat; Nun ich nehm es gern auf mich, Ja, ich trag es williglich; Was du pflegest aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad erhält, Laß mich auch das End erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt, Lindre meinen Schmerz und Noth, Ach, mein Vater, Herr und Gott, Jesu, meiner Seelen Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will geschehen, Herr, dein Wille nur allein, Wie du willst, so soll's mir gehen, So will ich zufrieden sein; Ich will leben, wenn's dein Will, Auch im Leiden halt ich still, Ich will mich zum Tod und Leben, Dir hiemit, mein Gott, ergeben. 5. Segne alle Arzeneien, Segne mich je mehr und mehr, Laß dieselben mir gedeihen, Herr, zu deines Namens Ehr. Hör in Gnaden mein Gebet, Wenn ich glaubig vor dich tret, Daß ich dich im Glauben fasse, Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß mir's besser wieder werd; Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd; Herr, das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir, Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. 18* 276 Abendgebet eines Kranken. Aufmunterung. JOINK Pf. 77, 3. 2-4. Jch schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den Herrn. Meine Hand ist des Nachts ausgestrecket und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott, wenn mein Herz in Nengsten ist, so rede ich. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tag, als bei Nacht begegnen können, so soll er ja niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn sammt Leib und Seele dem mächtigen Schuß des gnädigen Gottes befohlen. Sonderlich soll das ein Kranker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag herum geholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken. Kommt nun die Nacht herbei, davor sich Kranke sonderlich zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle gefährliche Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich also mit Leib und Seele Gott befohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, sein pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe, Schuß und Gnade übergeben. Abendgebet eines Kranken. Gebet. 277 Ach, du barmherziger Gott! ich habe nun wieder einen Tag überlebt, Herr, Herr! du haft nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Sonderlich preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag meine Schmerzen und Krankheit mir haft tragen helfen. Ach Herr, du legeft eine Laft auf, aber du hilfft auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott, die Nacht bricht herein, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet, und spreche: Mein Vater, ach, bleibe bei mir und weiche Abendgebet eines Kranken. diese Nacht nicht von mir. Ja, befiehl dem Engel, daß er komm, und uns bewach, dein Eigenthum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Ruh; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein, o heilige Dreieinigkeit! wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir alle gefährlichen und plößlichen Zufälle, lindre meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach himmlischer Vater! bleibe doch bei deinem kranken Kinde; wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu! die Sonne gehet unter, und weicht von uns, aber du, o Sonne der Gerechtigkeit! weiche nicht von mir. O mein Jesu! faffe mich diese Nacht in deine Arme, deine 278 Abendgebet eines Kranken. 279 Linke liege unter meinem Haupt, und deine Rechte decke mich. O du werther heiliger Geift! du Tröfter der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stärke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und chriftlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit, nimm mich auf in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mich und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und sollt ja diese Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal, so nimm mich Herr in Himmel ein, zu deinem Freudensaal. Und also leb und sterb ich dir, du starker Zebaoth, im Tod und Leben hilf du mir aus aller Angst und Noth. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh umsehen, Weil mich die Krankheit müd gemacht, Ich will mit Jesu schlafen gehen, 280 Der Kranke bittet Gott um Geduld. Der selbsten bei dem Kranken wacht, Ich denk dabei an meinen Gott, Ja, auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf ich aller Sorgen los, Und ruhe sanft in seinem Schoß. 3. Wenn ich mich deck, denk ich, die Erde Wird einstens also decken mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab ich, o Jesu, dich, So ruh ich wohl in meinem Bett, Und auch wohl in der Grabesstätt. 4. Ich denk, wenn ich das Licht austhue, Weil man des Nachts nichts hat zu sehn, So wird auch, wenn ich komm zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgehn; Doch Jesus meiner Seelen Licht, Berlöscht in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einstens aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide, Und gehe in des Grabes Haus, Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög der Ruh genießen, Und mich kein frecher Feind berühr; So schließt mein Auge zu der Ruh Mein liebster Jesus selbsten zu. 7. Ich werd auch von dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröth anbricht, Ich werde aus dem Grabe gehen, Wenn Jesus, meiner Seelen Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit, Und führet mich zur Himmelsfreud. 8. Dieß sind die seligen Gedanken, Sieh, damit schlaf ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von Jesu wanken, Ich will im Schlaf auch bei ihm sein; O süßer Schlaf! o helle Nacht! Da Jesus in dem Herzen wacht. Der Kranke bittet Gott um Geduld. Aufmunterung. Psalm 43, V. 5. Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 281 Geduld ist euch vonnöthen, daß ihr den Willen Gottes vollbringet; und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig und gelassen sein. Zur Geduld aber soll einen Kranken bewegen: 1) Christi Erempel, welcher in den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm. 2) Der Kranke soll bedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei. Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die göttliche Liebe und Allmacht; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte: darum soll er anstatt der Ungeduld vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demüthigen, und ihn um Gnade anflehen. Gebet. Barmherziger Gott, gnädiger Va= ter, siehe, ich armer Mensch liege auf meinem Krankenbette, und kann nicht auskommen, aber zu dir komme ich, und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach! es hat dir gefallen, statt der bisher genossenen Gesundheit mir dieſe Krankheit zuzuschicken; nun, mein Gott und Vater, es geschehe dein Wille; 282 Der Kranke bittet Gott um Geduld. gib mir Geduld, daß ich alles tragen möge ohne Murren und ohne Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott, und schärft mit Maßen sein Gericht, fann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich Gutes von dir empfangen, haft du mich in gesunden Tagen oft erquickt und erfreuet, so will ich auch diese Leidenstage durch deine Kraft und Geduld annehmen, und mich in Demuth erinnern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie nichts zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott! daß du liebreich und gnädig bift, darum wirft du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein Ende gewinne, Der Kranke bittet Gott um Geduld. 283 daß ihr's könnet ertragen. Sieh an dein schwaches und krankes Kind, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht zu leiden, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein Gott, hie bin ich, mach's mit mir, wie du willst, gib mir deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß dieſe Krankheit soll ein Feuer sein, welches meine Unreinigkeit, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen, und mich reinigen soll; wie es soll sein eine Bußglocke, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, und dieselben herzlich zu bereuen, eine Betglocke, daß ich um Jesu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Uebertretungen suche, ja eine Stimme, die mir zurufe: bestelle dein Haus, denke an deinen Tod und an dein Grab, bereite dich zur Ewigkeit; wohlan, so mache mich fertig und bereit, wie du mich haben willst dort in 284 Der Kranke bittet Gott um Geduld. der Ewigkeit; denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leben eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Darum sei stille, meine Seele, was betrübst du dich und bift so unruhig in mir? Harre auf Gott, ja harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ift. Was willst du dich betrüben, o meine liebe Seele! du sollst den einzig lieben, der heißt Immanuel, vertraue ihm allein, er wird gut Alles machen, und fördern deine Sachen, wie dir's wird nüßlich sein. Denn Gott verläfset Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen feft; läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Amen. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 285 Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Seele. 1. Ach, wie lang soll ich noch kämpfen, Ach, wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach, wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Kron. und Sieg? Ach, ich werde unterliegen, Ach, ich werde doch nicht siegen. Gott. 2. Kämpfe nur getrost, o Seele, Kämpfe, ich will bei dir sein, Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir, Du sollst meine Hilf empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. POVEDEN 3. Aber ach, es währt zu lange, Meine Kräfte sind dahin, Ach, es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten, Ach, wer will mich doch erretten? Gott. 4. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan, ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich stegen, Und mit nichten unterliegen. Seele. 5. Ach mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer, Meine Trübsal, Angst und Plage Häufet sich 286 Der Kranke bittet Gott um Geduld. je mehr und mehr; Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen, Ach, das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. 6. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Docht erlöschet nicht, Kein Feind soll denselben rauben, Denk nicht, daß das Rohr zerbricht; Wär es gleich noch einst so schwach, Sieh ich führe deine Sach, Ich will deinen Feind vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. 7. O mein Gott, in deiner Stärke Hab ich einen guten Muth, Ich kenn deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wohlan, so steh mir bei, Daß ich überzeuget sei, Daß du werdest mich erretten, Und auf meine Seite treten. Gott. 8. Sieh, die Kron ist aufgestecket, Eil, vollende deinen Lauf, Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh, der Himmel geht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud In der frohen Ewigkeit, Weiße Kleider, Licht und Krone Ist der treuen Kämpfer Lohne. Gott und Seele. 9. S. Nunmehr hab ich überwunden Alle Noth mit meinem Gott. G. Und ich bleib mit dir verbunden In und nach der Todesnoth. S. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? G. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. 287 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Pf. 54, V. 6. Siehe, Gott stehet bei mir, der Herr erhält meine Seele. In Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand haben, ist gar ein großer Trost. Da es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spreche: wie geht dirs; so wissen wir doch gewiß, daß Gott wird aller Elenden Beistand sein. Damit 1) hat Gott allen seinen Kindern Hilfe und Gnade verheißen; darum soll ein Kranker nicht verzagen, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen, und zu rechter Zeit ihm Hilfe und Rettung leisten. 2) Dieser Beistand wird gespürt, entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte gibt, auch das schwere Leiden auszustehen. Ja, Gott ist getreu, der ist nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernt. Gebet. O du getreuer Gott! du siehest, wie ich in einem elenden und betrübten Stand mich befinde, meine Kräfte nehmen ab, meine Gestalt verschwindet und des Kreuzes Last drückt mich immer heftiger. Herr, Herr Gott, der du hörest mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt Der Kranke bittet ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht, ich halte dir vor deine Verheißung, wenn du mich versicherst: fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, und erhalte dich, und helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wiederum: ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun mein Gott! auf dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nöthig, ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibst und mir tragen hilfft. Die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Ach, wie bald ist dieſe irdische Hütte meines Leibes gebrochen, wie bald versinke ich, wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ists um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vaterhand mich nicht hältst. Ift mirs tröftlich, wenn meiner guten Freunde etliche sowohl des Tages um mich stehen, als auch des Nachts bei mir wachen; o wie viel tröstlicher ist mir, wenn du, mein Gott! bei mir bist. Menschen können mich wohl bedauern und beklagen, aber 288 um Gottes Beistand. 289 wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern, und meine Angst stillen. O darum verlaß micht nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Weichet eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen; laß mich deine Gegenwart empfinden durch eine innere Freude und Vergnügen, durch einen kräftigen Trostspruch und süßen Gedanken, und tröste mich in meinem Leiden. Ach, mein Gott, stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden, durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin, ich vermag Alles durch den, der mich mächtig machet, Christus. Herzlich lieb habe ich dich, o Herr, ich bitt, du wolleft sein von mir nicht fern, mit deiner Hilf und Gnade; die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erden frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben; und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist du doch mein Zuversicht, mein Theil und meiStark's Hdb. gr. Dr. 3ter Thl. 19 Der Kranke bittet 2c. nes Herzens Troft, der mich durch sein Blut hat erlöst, Herr Jesu Chrift, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr. Amen. 290 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott, verlaß mich nicht, So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd errettet sehen; Ich kenn dein Vaterherz, Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm mit deiner Hilf nicht weit. 2. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ohn dich bin ich verlassen; Und weiß auf dieser Erd Sonst keinen Trost zu fassen; Ach, wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach, eile doch herbei, Du meine Zuversicht. 3. Mein Gott, verlaß mich nicht In diesen meinen Nöthen, Du wirst, mein Helfer, nicht mich in denselben tödten; Die Noth ist jetzo groß, Erbarmer komm herbei, Und mach in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott, verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen! Ich schrei, mein Gott! zu dir Aus fast zerbrochnem Herzen, Du weißt und siehest wohl, Wie weh mir heute ist, und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ach, hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater, doch Mich deine Hand empfinden; Erscheine mir, mein Heil, So schreiet Herz und Mund; Ach, eile doch herbei Mit deiner Helfersstund. 6. Ich will für diese Gnad Dich, weil ich lebe, preisen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen. Mit Ruhm und Lobgesang, Und sagen Jedermann: Ach, preiset Gott mit mir, der mir viel Guts gethan. 291 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. Aufmunterung. Hiob 14, 3. 1. 2. Der Mensch vom Weibe geboren, lebet kurze Zeit, und ist voll Unruhe; gehet auf, wie eine Blume, und fället ab; fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. Obgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, sonderlich wenn sie gesund sind, und wenn es ihnen wohl geht; darum muß sie Gott bisweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschiebet durch Krankheit; denn wenn er die Gesunden läffet schwach, die schönen Rosen welk, die Starken durch Krankheiten matt werden, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen alle Tage an ihre Sterblichkeit gedenken. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meint, wenn man an den Tod nicht gedächte, so stürbe man nicht, denn man mag daran denken oder nicht, so kommt unser Ende, wenn es Gott gefällt. Gebet. Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen, um dadurch mich an meinen Tod zu erinnern. Siehe, meine Tage sind 19* Der Kranke erkennet, eine Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir, ach! wie gar nichts find alle Menschen, die doch so ficher leben. Mein Gott, ich bin Erde und muß wieder zur Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schooß der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen geſetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, deshalben ich auch oft in gefunden Tagen gebeten: Ach Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, mein Hab, Gut, Ehr, Glück, und was ich in der Welt befize. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskias: Bestelle dein Haus, denn du mußt 292 daß er ein Mensch und sterblich sei. 293 sterben, und nicht lebendig bleiben; so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke, daß ich mir vorstelle: siehe da, dieses ist vielleicht mein letztes Lager und mein letztes Jahr; diese Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebenstage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich möge mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens zum seligen Sterben bereiten. Siehe, mein Gott, hie bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich zuvor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich möge in deiner Gnade sein und selig sterben. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt, er mach mit mir, wie's ihm gefällt, soll ich allhie noch länger leben, nicht widerstreben, seinem Willen will ich mich ergeben. Mein Zeit und Stund ist, wenn Gott will, ich schreib ihm nicht vor Maß und Ziel; es sind gezählt 294 Der Kranke erkennet 2c. all Härlein mein, bald groß und klein, fällt feines ohn ohn den Willen sein. Amen. Gesang. Mel. Gott, du frommer Gott. 1. Wie sind wir so gar nichts, Wer dieses wird be trachten, Der wird nur Gott allein, Der Alles ist, hoch achten! Denn wer sein lauter Nichts Beleucht in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demütig also spricht: 2. Ich bin nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und Leben, Das hat er mir, und nicht Ich selber mir gegeben; Vorhero war ich nichts, Bis seine Schöpferhand Mich machte, da ward ich Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen, Wie konnte aus dem Nichts Was werden mitgenommen? Von Gott kommt Alles her, Es ist auch Alles sein, Ich hab nichts ohne Gott, Ohn ihn ist gar nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht, Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht und ohne Weisheit sein. 5. Ich kann nichts von mir selbst; Von Gott hab ich die Kräfte, Er gibt mir Mut und Stärk, Erhält die Lebenssäfte, Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören, sehn; Trüg mich nicht seine Hand, so würd ich bald vergehn. 6. So bin ich ja gar nichts, Doch das soll mich fromm machen, Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts verlachen, Die sich gar viel einbild't, Und auf ein Nichts verläßt, Und meinet, daß ihr Nichts Doch sei das Allerbest. 7. Gott ist das Allerbest, Sein Alles soll vor allen Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig wohlgefallen, Du einig Alles, gib, Daß ich auch diesen Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes. 295 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas sein, Das Gott dir nicht gegeben? Wer da will etwas sein, Der wird zu nichts gemacht, Wer aber nichts will sein, Der wird empor gebracht. 9. Fahr hin, o Welt, fahr hin, Dein Nichts kann nicht ergötzen, Wer dich für etwas hält, Weiß Nicht'ges hoch zu schätzen, Mein Alles ist mein Gott, Dem leb und sterbe ich, und bin durch ihn beglückt, Und ewig seliglich. Der Kranke ergibt sich, dem Willen Gottes zu Leben und zu sterben. Aufmunterung. Matth. 26, V. 39. Und Jesus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! ists möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Gottes Wille ist allzeit der beste, solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich Gottes Willen einig und allein unterwerfen soll, da empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker demnach, welchen Gott auf sein Krankenbett niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustande sich befinde. Er soll 2) aufsehen auf das Erempel Jesu Christi, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Bater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Darum 3) ist dieses das Allerbeste, daß ein Kranker sage: siehe, Herr, hie bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt, ich will länger leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. 296 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes Gebet. du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron. Ich sehe, o liebster Gott, es ist dein heiliger Wille, daß ich soll krank liegen, und eine Zeitlang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch fterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange Zeit gesund gewesen, nach deinem Willen will ich auch nun frank sein. Ja, mein Gott! wenn ich könnte wider deinen Willen gesund werden, so wollte ich es doch nicht thun, sondern will lieber auf meinem Krankenbett deinen gnädigen Rathschluß vollbringen. Darum will ich in diesem Zustand mit meinem Jesu sprechen: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Und wiederum: des Herrn Wille geschehe, soll ich noch länger auf der Welt le 297 zu leben und zu sterben. ben, so will ich dich noch länger loben, ja die Jahre, die du mir schenken und mich länger leben lassen wirft, will ich zu deinen Ehren und in wahrer Frömmigkeit hinbringen. Gefällt es dir aber, daß ich von diesem Lager nicht soll aufkommen, und an dieser Krankheit sterben, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hülle des Leibes einmal ablegen muß; aber ich weiß auch, daß du deinen Glaubigen haft einen Bau bereitet, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen, und der Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Urfache um Verlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir beides hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelöst und bei Chrifto zu sein, 298 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes 2c. meinen Jesum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn nicht gesehen. Darum, mein Gott, ich überlaffe dir Alles, du weißt am besten, was mir heilsam ift. Siehe, hie bin ich, der Herr thue mit mir, was ihm wohlgefällt. Herr, wie du willst, so schicks mit mir, im Leben und im Sterben, allein zu dir steht mein Begier, laß mich doch nicht verderben, erhalt mich nur in deiner Huld, sonst wie du willst, gib mir Geduld, dein Will, der ist der beste. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, was Jesus will, Das soll mein Wahlspruch werden, Den wiederhol ich stets Dieweil ich leb auf Erden, Mein Geist ist gar verkehrt, Und trifft das Beste nicht, Drum soll er nur allein Auf Jesum sein gericht't. 2. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll leben, Wohlan, ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben; Ich bin in seiner Hand, Ihm leb und sterbe ich, Er führ und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll leiden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden; Geht Jesus nur voran, So geh ich gerne mit, Denn seine Gegenwart Versüßt die sauren Tritt. 299 Der Kranke erkennet, daß Kreuz 2c. 4. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll weinen, Wohlan, so will ich auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid, Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thränen ab, Und hilft zu rechter Zeit. 5. Ich will, was Jesus will, Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind, Und mir ins Antlitz schlagen; Wohlan, ich will es auch, Er gebe mir nur Muth, Und sein Geist stärke mich, Wenn man mir Unrecht thut. 6. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich verlassen Von Jedermann soll sein, Ja, daß man mich soll hassen; Wohlan, ich will es auch, Verlässet er mich nicht, So acht ich nicht, daß mir Der Menschen Hilf gebricht. 7. Ich will, was Jesus will, Soll ich dereinst trant werden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin ja Staub und Erden; Wie bald zerbricht ein Glas, Jhm ist ja alles leicht, Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll sterben, Wohlan, ich will es auch, Durch ihn werd ich ererben Das mir versprochne Reich, Ich geh zur Erbschaft ein, Und bleib im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. Der Krante erkennet, daß Kreuz und Trübfal von Gott kommt. Aufmunterung. 1. Sam. 2, V. 6, Der Herr tödtet und machet lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. Gott ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebet. Solche Liebesproben erfahren glaubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten Gottes. Sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist aber Gott die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker 300 Der Kranke erkennet, daß Kreuz und sich vorstellt: 1) meine Trübsal kommt nicht her von einem Feind, der mich hasset, sondern von einem Gott, der mich liebet. Darum soll sich 2) ein Kranker in Gott fassen und fleißig zu Gott rufen und beten, mit Freuden und gutem Muth den Himmel ansehen und denken: der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Sonderlich soll er 3) sich nicht lassen irre machen in seiner Krankheit, Heftigkeit seiner großen Schmerzen und der anscheinenden Gefahr, denn hie stehet abermals der Trost fest: Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch: wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, V. 20. 21. Gebet. Herr Gott! barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du vergibst Missethat, Uebertretung und Sünde, siehe, ich armer Mensch liege allhie vor dir, und bitte: ach! schaue auf mich von deinem hohen Thron, und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und Trübsal von dir komme; deine Hand schlägt, aber sie heilet auch, sie verwundet und verbindet; wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch 301 Trübsal von Gott kommt. wieder gen Himmel nach der Hilfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen empfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller Blüthe, herrlich mit Blättern und Früchten geziert, die Sonne bestrahlet und er= wärmet fie, allein des Winters sehen fie todt und erstorben aus, müssen Sturm und Frost leiden, und dieses Alles kommt von dir, o Gott! darum will ich auch bedenken, daß dieses die Zeit meines Leidens und Trübfals sei, die du mir zugedacht und bestimmt haft. Ja, wie du weißt, wo ein Stern stehet, ob er hoch oder niedrig stehet an dem großen Himmel, also weißt du auch, wie es um mich jeßo ftehet. Du weißt, wie schwer ich Der Kranke erkennet, daß Kreuz trage, dir ift bewußt, wie lang ich leide, dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte habe, dieß Alles auszustehen. O darum, lieber Gott, lege auf, so viel du willst, nur gib mir Kraft und Stärke, daß ich's auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupt fallen, wie viel weniger kann ich denn frank werden? Fällt kein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Ungemach und Krankheit unterworfen sein, ja, gar sterben ohne deinen Rath und Willen. Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; es kommt von meinem Vater, und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater, doch mit Maßen, daß du mich nicht gar aufreibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgeft du dein Angesicht, so laß es auch wie302 und Trübsal von Gott kommt. 303 der leuchten; laß leuchten dein Angesicht, so genese ich. Ich will gern in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdienet habe, denn sein Zorn währet einen Augenblick und er hat Luft zum Leben. Ohn deinen Willen kann mir nichts begeg= nen, du kannst verfluchen und auch wieder segnen, ich bin dein Kind und hab's verdient, gib warmen Sonnenschein nach trübem Regen. Ich weiß, es war noch nie des Herrn Begehren, daß ich mir sollt vor Leid mein Herz beschweren, mitten in der Noth denk ich an Gott, will er mich auch in Kreuz nicht gleich erhören. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ein Gotteskind zu sein, Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl beisammen stehn, Es bleibet doch geschmücket Inwendig an der Seel, Mit Glaub und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird dorten Kronen tragen, Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort vor Freuden sagen: Du bleibst ein Gotteskind Auch mitten in Der Kranke erkennet der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von Gott. 304 3. Sieh, Jesus, Gottes Sohn, Trägt eine Dornenkrone, Und bleibt doch Gottes Sohn, Er litte Spott und Hohne, Und bleibt bei Gott geehrt, Drum reimet sich's gar wohl, Zu sein ein Gotteskind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib deinem Gott getreu Fm Glauben und Vertrauen, So wirst du seine Hilf Gar bald mit Freuden schauen; Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal sein, Was schadt's? wenns nur am End Geht in den Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Ob gleich die scharfen Ruthen, Die Augen machen naß, Und auch das Herze bluten; Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht, Und in der größten Noth Zu seinem Vater flieht. 6. Drum sei getrost in Gott, Die Stunde wird bald kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. Der Kranke erkennet den Nußen der Krankheit. Aufmunterung. Joh. 11, V. 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Daß Krankheiten großen Nußen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben; denn nicht allein spricht er: es wird der Leib abgemattet, und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, die mit der Krankheit verknüpft sind. Allein dem allen ungeachtet bringt die Krankheit Nußen, bisweilen dem Leibe selbst, indem die Unreinigkeit der Natur verzehret, und auch die Gesundheit hernach dauerhafter wird. Sonderlich aber bringet Krant 305 den Nußen der Krankheit. heit der Seele einen herrlichen Nußen. Denn 1) dadurch holet Gott manchen Menschen herum von seinen Sündenwegen; wie gehet mancher freche Sünder dahin in seiner Frechheit, achtet weder Gott noch sein Wort, häufet Sünden auf Sünden, solchen aber reißet Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, Schmerzen und Leiden, daß er nüchtern werde, aus des Satans Stricken; 2) es bringet aber auch Krankheit den Frommen Nußen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches alles sie vorher wohl gewußt und geglaubet, aber nunmehr erst recht erfahren haben. Man lernt sich Gott ergeben, den Tod sich vorstellen, zum seligen Absterben sich bereiten, an den Himmel fleißig denten, ja seine Seele in Gottes Hände empfehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenket, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden sein. Gebet. O lieber Gott und Vater, ich merke wohl, welches dein heiliger Rath über mich sei, nämlich, daß dieses mein Leidensjahr, meine Leidenswoche, ja Leidenszeit sein soll, darin die Glückssonne eine Zeit lang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt, und die Leibeskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott, daß du, Stark's Hdb. gr. Dr. 3ter Thl. 20 Der Kranke erkennet che du mich also heimgesuchet, vorher deine Wege haft erkennen lassen, nemlich, daß der Kreuzesweg auch ein Himmelsweg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thuft. Ich sehe wohl, mein Gott, daß du mich von der Welt willst abziehen, du willst mir die Welt bitter, und den Himmel süß machen, daß ich soll verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, ge= recht und gottselig leben in dieser Welt, daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist, und wir von keiner Trübsal wissen, so dünket uns, wir seien nur in der Welt, daß wir irdisch Gut sammeln, oder aber, daß wir mit der Welt scherzen, Gesellschaft halten, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; aber weil das unserer Seelen Verderben und ewige Verdammniß würde sein, so pflegeft du 306 307 den Nußen der Krankheit. nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott! es scheinet, du wolleft mit mir jetzo auch allein sprechen, und mir sagen: ich soll mich vorsehen vor der Welt Sünden, Verführungen, Bosheiten, Gewohnheiten. Du willst mir einreden: ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr gleich stellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches da sei der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott! dieses will ich auch thun: wirft du mich lassen gefund werden, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und womit ich gesündiget, meiden und nun ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Wenn du nun gesehen, mein Gott! 20* 308 Der Kranke erkennet daß ich auch in meinem Christenthum bin tråg, im Gebet nachläßig, hingegegen zur Sünde willig, und der Welt Luft zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu gedenken, und vom Sündenschlaf aufzustehen; wache auf, der du schläfeft, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen von dem vorigen Unflath. Ja, ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hätteft. Nun Herr! fo führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen haft; mach durch diese bittere Arznei meine Seele gefund. Heile durch diesen scharfen Schnitt und Schmerz der Sünden Eiterbeulen! Wasch durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, den Nußen der Krankheit. 309 und gib, daß ich in wahrer Buße und Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hilfe, Rath, Troft und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach mir stets zuckersüß den Himmel, und gallenbitter diese Welt, daß mir in diesem Weltgetümmel die Ewigkeit sei vorgestellt; mein Gott! ich bitt durch Chrifti Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich anficht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd soll fliehen, Und nicht meine Seligkeit Mög durch eigne Schuld verlieren, Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe, Und vermeide Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne, Und mich von der Welt entferne, Hier seh ich, wie Gottes Treu Alle Morgen werde neu. 4. Jesu, schließ in deine Wunden Meine matte Seele 310 Der Kranke segt sein Vertrauen ein, Laß in meinen Jammerstunden, Diese ihre Wohnung sein; Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater, dir ergeben, Schüße, stärk, erquicke mich In dem Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl in deine Hände, Liebster Jesu, meinen Geist, Stärke mich bis an mein Ende, Wenn das Lebensband zerreißt, So laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmelsauen, Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seelen Seligkeit. Der Kranke setzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. Pf. 30, V. 3. 4. Herr, mein Gott, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Herr, du hast meine Seele aus der Hölle geführet; du hast mich lebendig erhalten, da die in die Hölle( das Grab) fuhren. Nichts ist freundlicher und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann, ich weiß, der kann mir helfen, und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Diese Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen: 1) an dem Exempel anderer, wenn er hört, wie Gott Todte lebendig gemacht, Todtkranken wieder aufgeholfen, so kann er bestimmt schließen, der allmächtige Gott, der dazumal geholfen, der lebet noch. 2) Soll ein Kranfer gedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln, zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen, er kann auch das geringste Kräutlein und Arznei segnen, daß es muß das Uebel der Krankheit heben, und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwäget, so soll er fein stille sein bei Gott, 311 auf die göttliche Almacht. anhalten im Gebet, und Gottes Hilfestunde erwarten, dabei auch Arznei gebrauchen, sich aber vor allen abergläubischen Dingen, Segensprechereien und Gaukeleien hüten, und versichert sein, der Allmächtige könne helfen, wenn seine Stunde wird kommen sein. Gebet. Ach, mein Herr und mein Gott! du fieheft, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen neu da ist, meine Krankheit weichet nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager sein soll. Dieses nun stelle ich in deinen heiligen Willen, ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen, du haft mir ein Ziel geseßt, das werde ich nicht übergehen. Du haft auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war. Jedoch lasse ich deßwegen den Muth nicht fallen, sondern ich hebe meine Augen 312 Der Kranke setzt sein Vertrauen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen. Ach ja! des Herrn Hand ist nicht verkürzet, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja er kann überschwenglich thun über Alles, was wir bitten und verstehen. Er kann erretten Alle, die zu ihm treten. Deßwegen schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich, auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin frank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche auch jetzt mit dem glaubigen Hauptmann: Herr, sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund, ja, sprich ein Wort, so werde ich von allem meinem Leiden befreiet werden. Ich weiß, bei dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr, mein Gott! der du den franken Hiskia gefund gemacht, das franke Weib von ihrem 313 auf die göttliche Allmacht. elenden Zustande errettet, den Sichtbrüchigen geheilet, den Jüngling erwecket, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schußherr deiner Glaubigen! Hilf mir auch, erbarme dich meiner auch, thue ein Zeichen an mir, daß mir es wohlgehe, jedoch also, wie dir es wohlgefällt, ich weiß, du kannst es thun nach deiner Allmacht, und du wirft es auch thun nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Noth, er kann mich allzeit retten aus Trübfal, Angst und Nöthen, mein Unglück kann er wenden, es steht in seinen Händen. Amen. Gesang. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen, Ueberlasset eure Noth, Kümmerniß und Plagen Seiner Weisheit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo, und wie er soll Euch in Noth beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für, Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu und lasse; Er fängt ja nicht heute an, Erst für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, Ist gar nichts verborgen. Der Kranke erinnert sich 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, Wie er's soll anfangen, Wie es werde ausgericht't, Daß ihr möcht't gelangen Zu dem rechten Zweck und Ziel, Folget seinen Wegen, Haltet seiner Führung still, Und erwart't den Segen. 4. Was der weise Vater thut Auf der weiten Erden, Das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden, Gingen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unserm Licht Anders gehen sollten. 5. O du weiser Gott, dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's wie dir's gefället, Mach es mit mir wunderlich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater, führe mich, Laß mich selig werden. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. 1. Petri 3, V. 21. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. 314 Ist ein Name tröstlich, so ist es des Vaters Name, und ist eine Herrlichkeit groß, so ist es ein Kind Gottes zu sein. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes aber ist ein christlicher Kranker gelangt durch die heilige Taufe, da er hat einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht. Dieser nun soll ihn aufrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) als ein Kind Alles, was ihm widerfährt, des himmlischen Vaters Willen und Rath überlassen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich als ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt, wie ein Weltkind gelebt, ſo soll er's ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebensänderung sich vornehmen, 315 seines Taufbundes. und gewiß glauben, Gott werde sich auch über sein krankes Kind erbarmen. Sebet. Herr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! siehe, ich dein Kind bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her, und frage nach Hilfe, aber Niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen, und ihm meine Noth klagen. Eilet in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu seinem Vater, der Unterthan zu seinem König, o mein König, o mein Vater, o mein Hirte, so komm ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott, gedenke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe; siehe, hie kommt ein armes Kind zu dir, meine Lieben und Freunde können mir nicht helfen; darum, o mein himmlischer Vater, nimm du mich auf. Erbarmte sich der Königische über seinen Knecht, der todtkrank war, bemühte er sich, ihm zu helfen, ach, mein Vater, erbarme dich meiner auch, hilf mir auch. Ging Der Kranke erinnert sich der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, Jesu nach und sprach: Herr! meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm, und mache sie lebendig; so gehe ich auch, mein Gott und Vater! dir nach und sage: ist's dein Wille, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger, weiser, gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in seiner Noth, als zu seinem Vater? Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten; ach! erbarme dich auch über mich. Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlornen Sohne Hilfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben zu dir komme und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Wenn du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? In 316 seines Taufbundes. 317 solchem Vertrauen, mein Vater! warte ich auf deine Hilfe, ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes sein, krank und elend und mit vielerlei Kreuz belegt sein, wohl könne bei einander stehen; darum auch Satan mich in meiner findlichen Zuversicht nicht irre machen soll. Allein laß mich auch bald dein väterlich Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest, laß mich deine Vaterhand empfinden. Betrübtes Herze, sei zufrieden, ob dich schon tausend Kummer plagt; der Himmel bleibt dir doch beschieden, den dir dein Jesus zugesagt; stellt sich schon Noth und Krankheit ein, so will doch Gott dein Vater sein. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch bin getauft, ich steh im Bunde Durch meine Tauf mit meinem Gott, So sprech ich stets mit meinem Munde In Kreuz, in Trübsal, Angst und Noth; Ich bin getauft, deß freu ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab empfangen Das allerhöchste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen, Allhier und in der Herrlichkeit; Ich bin mit Jesu Blut erkauft, Und ich bin auch damit getauft. 3. Jch bin getauft, mir ist gegeben Zu gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreist; O Zierde, welche große Pracht Die mich gerecht und selig macht. 318 Der Kranke gründet sich auf die 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben, und seinem Kinde gnädig sein, Es ist mein Name Gott bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bin bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hilfe find'; Denn wann ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: hie bin ich. 6. Jch bin getauft, nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der gibt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet, Ich stehe unter Gottes Schuß, Der seinem Kind die Hand darreichet, Was acht' ich eure Macht und Truß; Tastet ein Gotteskind nur an, Und glaubt, daß Gott es schützen kann. 8. Ich bin getauft, und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb und Treu, Und werde von ihm nie geschieden, Mein Lebenstrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft, obgleich ich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab; Nach meinem Tod ist mir bereit Des Himmels Freud und Feierkleid. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 201 Aufmunterung. 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und Krankheit niemals an Trost fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 319 thun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen fie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführt, in folgenden Jahren ernährt und bis daher väterlich erhalten hat. 2) Ihr Erlöser Jesus Christus wird sie auch nicht verlassen; denn der hat für sie Marter, Pein und Tod gelitten, hat sein heiliges Blut für sie vergossen, sollte der sie in der Krankheit ohne Hilfe laffen? 3) Jhr Heiligmacher, der werthe heilige Geist wird sie auch nicht verlassen, der wird alsdann fie trösten, erquicken, erfreuen, und ihnen Zeugniß geben, daß sie Gottes Kinder seien, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranker diesen dreifachen Trost im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen, und feftiglich glauben, seine Hilfe sei nicht ferne. noun Gebet. O du heiliger dreieiniger Gott! da ich mich schwach befinde an meinem Leibe, so will ich doch deßwegen nicht schwach werden in meinem Glauben und Vertrauen zu dir; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Laft meiner anhaltenden Der Kranke gründet sich auf die Krankheit bisweilen mich kleinmüthig machen, allein ich ermuntere mich gleich wieder durch deinen heil. Geift, und sonderlich auch damit, daß ich mir die von dir schon längst empfangenen Wohlthaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du, mein Schöpfer! der du mich aus nichts erschaffen, und bis auf diese Stunde mein Leben erhalten haft? Ist denn des Herrn Hand verkürzt? Onein, die Hand, die mich bisher geleitet und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Liebe ist es, daß du mir bisher haft so lange Zeit Gesundheit geschenkt. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und ge= fährliche Zustände von mir abgewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja, so viel Gnade und Barmherzigkeit haft widerfahren lassen, darum ergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Er320 Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 321 löser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset haft? Du haft meiner Seele dich so berzlich angenommen, daß fie nicht verdürbe, o so wirst du auch meinem armen und franken Leibe Hilfe laffen angedeihen. O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich mein in meinem gegenwärtigen Leiden. Solltest du mich verlassen, o mein Heiligmacher! Der du Leib und Seele geheiliget, und fie in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweihet, und darinnen bisher gewohnet haft! Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja, mein Tröster bleiben, und mir Zeugniß geben, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal umgeben bin. Darum will ich gutes Muthes sein in meinen Schmerzen und Let= den, und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in Start's Hdb. gr. Dr. 3ter ThI. 21 322 Der Kranke gründet sich auf die seine ewige Liebe eingeschlossen, der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigenthum erwählet, der heilige Geift hat dich seines süßen Troftes und seligen Einwohnung versichert; darum ist Alles mein, die Gnade Gottes ist mein, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jesu ist mein, der kräftige Troft des heiligen Geiftes ist mein, ja der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist mein. O! so will ich mich um meinen franken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen, und dem Gott vertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen. Ach, mein Vater! ich verlaffe mich auf dich, o Jesu! zu dir fliehe ich, o heiliger Geift! dir ergebe ich mich. Herr Gott Vater! was du haft erschaffen, Herr Gott Sohn! was du haft erlöset, Herr Gott heiliger Geift! was du haft geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 323 Preis jetzt und in Ewigkeit. Keinen hat Gott verlassen, der ihm vertraut allzeit, und ob ihn schon viel hassen, geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schüßen, zuletzt erheben hoch, und geben, was kann nüßen hie zeitlich und auch dort. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich, Und hab im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig Durch Gottes Gnad und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht, st mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei, Und macht mich von der Trübsal frei. 3. Ist Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Vaterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud verkehrt zu seiner Zeit. 4. Jst Gott für mich in meinen Nöthen, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht tödten, Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Der hilfet mir aus aller Noth. 5. Ist Gott für mich im Mißgeschicke, Das unverhofft mich überfällt, So weich ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hält. Gott ist für mich im Sturm und Wind, Und wachet treulich für sein Kind. 6. Ist Gott für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein Gott wird sich von mir nicht 21* Der Kranke will sein Leiden wenden, Die Hilfe bleibt mir unversagt; Ist Gott für mich, getrost mein Geist! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 324 7. Ift Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron und Seligkeit; Gott ist für mich, wenns Herze bricht, Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Psalm 39, V. 10. Jch will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst's wohl machen. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlig vor mir? So seufzen oft fromme, bettlägerige Christen in ihren Krankheiten. Psalm 13, V. 1. Gottes Stunde währet ihnen oftmals allzulange, wenn die Hilfe viele Tage, Wochen und Monate ausbleibt, alsdann geht es bei vielen nicht ohne Murren ab. Allein so weit soll es ein frommer Kranker nimmermehr kommen lassen, sondern gedenken: 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht in dem Leiden, Trübsal und Krankheit, denn das wäre wider seine Verheißung. 2) Sollte das Kreuz auch schwerer werden, so soll doch deßwegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Deßwegen 3) soll man unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hilfestunde erwarten. ohne Murren tragen. Gebet. O du heiliger und weiser Gott! ich sehe deinen heiligen Rath und Willen an mir, daß ich soll, so lange es dir gefällt, auf meinem Bette zubringen; wohlan, ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht, ich will nicht wider dich murren, sondern sagen: siehe, hie bin ich, der Herr mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Mein Vater wird mir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündigt. Ach, das bittere Leiden kann meiner Seele nicht anders als heilsam sein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abscheu hat. Du bist mein Vater und Gott gewesen von Jugend auf, so wirft du es in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange also liegen und leiden, mein Gott! gib mir zuweilen eine Erquickstunde, darin du mich von 325 Der Kranke will sein Leiden meinen Schmerzen befreieft, und mein Leiden linderst. Soll ich viel leiden, so gib mir auch viel Kräfte, du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wobl, was ich tragen fann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein, wie balde geht ein Wind herein, so fall ich hin und sterbe. Ach! mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde, hilf mir tragen, ja trage mich, und nimm mich in deinen Schoos. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner Gnadenhilfe und Beistand von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Troft empfinden, daß du dennoch mein Vater und mein Freund seieft. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickst, so willst du sie nicht verder= ben, sondern zu dir ziehen. So ziehe 326 ohne Murren tragen. mich denn, mein Gott! durch dieſe Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott, ob du mich gleich läsfeft also leiden, so will ich deßwegen nicht von dir fliehen; mein Hirte! führest du mich die Dornenwege, die meinen Leib und Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebt, da du mir gabeft Gesundheit, und da du es mir ließeft wohl ergehen; darum will ich dich auch lieben in Krankheit, Leiden und Schmerzen; ich weiß, du fannst mir helfen, und wirft mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollt' ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Amen. 327 Der Kranke schickt sich zum Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zufrieden, Und murre ja dawider nicht; Faß deine Seele in Geduld, Und tröste dich des Höchsten Huld. 328 2. Sieh, der Gott, der dich krank kann machen, Und wirft dich auf das Sterbebett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett. Er machet frank, er macht gesund, In dieser und in jener Stund. 3. Ach, murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll dein treuer Beistand sein, Und dich aus allen Nöthen reißen, Sieh, dieses trifft auch jezzo ein; Vertraue Gott, es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hilf nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben, und sagen, stehe, hie bin ich, Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaß ich gänzlich mich; Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater, wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget, Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe ihm aufleget, Dem ist die Hilfe schon bestimmt, Der wird erquickt hier in der Zeit, und dorten in der Ewigkeit. Der Kranke schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls an. Aufmunterun g. 1. Cor. 11, 3. 28. Der Mensch prüfe sich selbst, und also effe er von diesem Brod, und trinke von diesem Kelch. Es soll billig ein jeder Christ also leben, daß er alle Augenblicke selig sterben könne. Soll nun also ein gesunder Mensch sich aufführen, wie vielmehr ein Kranker? Ein Kranker thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit Genuß des heiligen Abendmahls an. 329 an seine Sünden denke, und auf die Versöhnung mit Gott bedacht sei. 2) Diese Versöhnung aber geschiehet, wenn der Kranke im Glauben Gott um Vergebung seiner Sünden anflehet; dabei ist 3) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge sizet, bis Verstand und Kräfte weg sind, sondern bei Zeiten, dieweil man noch beten, und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott wenden von Grund seiner Seele, so wird er um Jesu Christi willen im Leben und Sterben Gnade erlangen. Gebet. Herr, Herr Gott! barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden suchen, und zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf dieses Krankenbett zu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich gesund wieder davon aufstehen, oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das Uebrige dir, meinem gütigen Der Kranke schickt sich zum und barmherzigen Gott befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich mich noch besinnen kann, wann ich gefündigt, wie oft ich gesündigt, und wie schwer ich gesündigt. Ich will dich um Verzeihung bitten, dieweil ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten noch an dich denken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der thut sich damit den größten Nußen, nämlich diesen, daß, wenn er gesund wird, er sich vor Sünden hüte, die er auf seinem Krankenbette erkannt und bereut hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl und bereitet. Dieses sind auch meine Gedanken, mein Gott, ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodann geduldig, freudig und 330 Genuß des heil. Abendmahls an. 331 glaubig erwarten, wie du es mit mir machen wirft. Deshalben falle ich auf die Kniee und bete: ach, sei deinem Kinde gnädig, rechne mir nicht zu die Sünden meiner Jugend und die Thorbeiten meiner jungen Jabre. Ach Herr! sei gnädig meiner Miffethat, die da groß ist, um Jesu, meines Heilands willen. Ach, mein Gott! gib Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ich's zu deinen Ehren und meinem Heil vollbringen möge. Ich komme jetzt zu dir allhie in meiner Noth geschritten, und will dich mit gebeugtem Knie von ganzem Herzen bitten: verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will anjetzo mich Zum Liebesmahle nahen, Und Jesu Leib und Blut Zu meinem Trost empfahen; Ach, mein Gott! stärke mich, Ach, weiche nicht von mir, Daß ich im Andachtstrieb Vereinigt bleib mit dir. Der Kranke bittet Gott 2. Vertreibe doch in mir Die sündlichen Gedanken, Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken; Verbind, mein Jesu, dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb genieß, Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles Jetzt meine Andacht stören, Ach! laß mich Freud und Wonn In meiner Seele hören; Ach, Jesu, steh mir bei, Ach, bitte du für mich, Bring mein Gebet vor Gott, Und hilf mir gnädiglich. 332 4. Ach, heilige mein Herz, Ach, heilige die Sinnen, Mein Jesu, nimm sie ein, Und wohne selbst darinnen; Ach, mach sie allesammt Recht heilig, schön und rein, Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung sein. 5. Erweck zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Daraus die Seelenfreud Und wahre Andacht quille, Darin ich schmecken mög, Herr, deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost Und wahre Seelenfreud. 6. Hab ich dann deinen Leib Wahrhaftiglich genossen, Hat auch dein theures Blut, Das du für mich vergossen, Mich süßiglich erquickt, So bleibe auch in mir, Damit ich, weil ich leb, Auch leb, mein Heil! in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, Die in mir angefangen, Zum größten Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du Sündenlust, geh aus, Mein Jesus gehet ein, Er nimmt mein Leib und Seel Zu seinem Tempel ein. Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. Hiob 42, V. 6. Ich schuldige mich, und thue Buße im Staub und in der Asche. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abend vor Gott sich stellen, und überlegen, was sie des Tages über geredet, gedacht und gethan, und also ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe 333 um Vergebung der Sünden. sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott ausföhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie vielmehr soll es ein Kranker nicht versäumen. Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, einer Woche oder eines Monats, sondern seines ganzen Lebens; er soll sich fragen: wie er seine gesunden Tage angewendet, ob er sie zur Ehre Gottes, zum Nutzen des Nächsten hingebracht? Er soll untersuchen, wo, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gesündiget habe? 2) Soll ein Kranter nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen. 3) Kommt man auf dem Krankenbette zur Erkenntniß seiner Sünden, so soll ein Kranker für seine Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöffnet, daß er sein Elend erkannt, und die Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch man muß auch, was man in der Krankheit verspricht, in gefunden Tagen getreu halten, damit auf das treulose Versprechen nicht etwas Aergeres erfolge. Gebet. Ach, du gnädiger und liebreicher Va= ter! ich lebe, und weiß nicht, wie lang, ich muß sterben, und weiß nicht wann, darum komme ich vor deinen Gnadentbron, und bitte dich demüthig um Vergebung aller Sünden, die ich Zeit Der Kranke bittet Gott meines Lebens begangen. Mein Gott! ich habe leider meine gesunden Tage nicht allemal angewendet zu deinen Ehren, zum Gottesdienst, zum Wachsthum in meinem Chriftenthum und zur Frömmigkeit, darum du auch Ursache hast, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit nebst den übrigen Sünden bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebet und frömmer gelebt habe, als leider geschehen. Ach Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnüßen Wort, das ich geredet habe. O wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir beftehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bift! Und soll ich von mei334 um Vergebung der Sünden. 335 nem ganzen Leben, Werken und Thaten Rechenschaft geben, ach, wer fann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in glaubiger Zuversicht auf Jesum Chriftum, meinen Herrn und Heiland, und bete: ach! um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines vergossenen Blutes willen vergib mir alle meine Sünden, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! ich schäme mich, mein Gott! die Augen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden: ach hätte ich es doch nicht gethan; ach, hätte ich doch frömmer und chriftlicher gelebt; darum gelobe ich dir, o Gott! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden inskünftige leben läsfeft, zu deinen Ehren im Glauben und in der Der Kranke bittet Gott 2c. wahren Frömmigkeit hinbringen, und will all mein Lebenlang denken an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach Herr! sei deinem Kinde gnädig, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Jesu voller Gnad! auf dein Gebot und Rath, kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte, laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünde, mit Troft mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke. Amen. 336 Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch armer Sünder komme wieder, Jch kehre um vom Sündenpfad, Ich fall in tiefster Demuth nieder Und bitte herzlich dich um Gnad: Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh ich erst, was ich begangen, Ich fühl der Sünden Angst und Pein, Ach, laß mich wieder Gnad erlangen, Ach, laß mich nicht verloren sein. Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuß 2c. 337 3. Ach, ich betrübe mich von Herzen, Ach, sieh an dein verirrtes Kind, Das da mit Thränen, Reu und Schmerzen Bei dir sich wiederum einfind't; Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 4. Ach Jesu, deine rothen Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried und Seligkeit; Ach, denk doch nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein anders Leben führen, Ach, schenk mir deines Geistes Gab, Ein jeder soll nun sehn und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab; Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Joh. 6, V. 54. 55. Wer mein Fleisch isset, und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Das heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen soll sich ein jeder wahrer Christ befleißigen. Solches nun kann ein Kranker sonderlich thun: 1) wenn er sich vorher recht untersuchet. 2) Ein Kranter soll auch denken: vielleicht ist dieses das letzte Mal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und deßwegen mit einem desto festeren Vorhaben im Glauben und Frömmigkeit zu verharren sich vornehmen. 3) Haben Fromme gewünscht, daß ihr leztes Wort Jesus, ihre lette Speise das heil. Abendmahl, und ihr letter Gedanke der am Kreuz hangende Jesus sein möge, wie, soll denn nicht sich ein Kranker freuen, wenn er des einen Stücks auf seiStark's Hdb. gr. Dr. 3ter Thl. 22 338 Der Kranke betet vor dem Genuß nem Krankenbette theilhaftig wird, und nicht zweis feln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde? 4) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht und ein Aberglaube. Gebet. Liebster Jesu, ich bin Willens, das von dir eingesetzte Liebesmahl zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gericht Gottes erscheinen möge, so will ich mich von Neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir, und ich in dir sei und bleibe. Ich will das heilige Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnadengegenwart mich erfreuen und erquicken werdeft! Ach, liebster Seelenfreund, du bist ja nahe den Elenden, du erfreuest die Betrübten, du hilfft denen, die ein zerschlagen Gemüth haben, so laß auch mein Herz erfreuet und meine Seele des heiligen Abendmahls. 339 durch diese himmlische Speise und Trank erquickt werden. O liebster Jesu, da ich in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonst keine Verhinderung habe, ach! so steure den Schmerzen und der Krankheit, und gib mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört könne mein Vorhaben vollbringen. Ich verkündige deinen Tod, und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzestod und Alles, was du für mich gethan; ich denke daran, und danke dir auch dafür und spreche: Nun danke ich dir von Herzen, Jesu! für die gesammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben bittern Tod, für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Klagen, für dein' Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. Ich erinnere mich auch an die Einseßung 22* 340 Der Kranke betet vor dem Genuß deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speiseft und tränkeft zum ewigen Leben. Ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes; ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl empfange deinen wahren Leib und dein wahres Blut. Nun diese himmlische Speise und Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet sei; diese himmlische Speise und Trank soll mich tröften, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speiſe und Trank soll mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe, und mit dir vereinigt bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünden, ja, für der ganzen Welt Sünde. Diese himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die ewige Freude, und Herrlichkeit, wozu du mich nach des heiligen Abendmahls. meinem Tode führen wirft. O mein Seelenhirte! führe dein Schäflein auf grüner Aue, speise mich mit dem Brod des Lebens, erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünde, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlet haft, dadurch bin ich selig. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte, ach, wie pfleg ich oft mit Thränen mich nach dieser Koft zu sehnen; ach, wie pfleget mich zu dürften nach dem Trank des Lebensfürsten! wünsche stets, daß mein Gebeine sich durch Gott mit Gott vereine. Amen. 341 Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Ehr. 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet; Der Seelen allerhöchstes Gut, Des Herren Jesu Leib und Blut Will ich jetzund empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit dieſe Liebe Recht herrlich offenbare sich, Und mir vor Augen bliebe, So gibt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei, Und ewig bleiben wolle. 342 Der Kranke betet nach dem Genuß 3. Dieß Pfand versichert mich aufs neu, Daß alle Sünd vergeben Und daß mein Gott mir gnädig sei, Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad, Die er mir jetzt versiegelt hat Durch diese Seelenspeiſe. 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auferstehen Am jüngsten Tage seliglich, Und zu der Freud eingehen; Weil ich das Pfand empfangen hab, So bleib ich nicht in meinem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist, Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweist, Und selbsten sich mir schenket, Dem schenk ich mich hinwiederum Und bleibe nun sein Eigenthum Im Tod und auch im Leben. 6. Herr Jesu, ja, dir lebe ich, Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nimmst auch mich Nun an zu deinem Erben; Zum Erben hie in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit, So sterb ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Gal. 2, V. 20. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir; denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich dargegeben. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfangen, wie vielmehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hiebei aber ist zu erinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, daß das heilige Abendmahl eine Veränderung verursache in der Krankheit; dazu ist es nicht eingesetzt, davon haben wir auch keine Verheißung. 343 des heiligen Abendmahls. Darum 2) soll es auch ein Kranker nicht empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben soll, sondern er soll es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seelen Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie es Christus eingesetzt, so hat er Gott dafür zu preisen, und mit stillem Herzen und glaubiger Seele fich Gott zu ergeben. Gebet. Mein Jesu! mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun dieses Verlangen ist mir erfüllet und gestillt worden; du hast mich gespeiset und getränket mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Herr! nun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O Jesu! lebe in mir, schenke mir eine dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst 344 Der Kranke betet nach dem Genuß du mich, o Gott! nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenfleide vor dich, o Gott! fomme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei und lossprechen. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des Heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so fahre ich selig aus der Welt und werde auch ewig selig sein. Dieß ist eine große Wohlthat, die du, Gott! an meiner Seele gethan hast, daß ich bei gutem Verstand dieses himmlische Liebesmahl mit Jeſu habe halten können; diese himmlische Speise und Trank stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl 345 des heiligen Abendmahls. sein. Verleihe mir auch, daß mein leßztes Wort, das ich auf der Welt rede, Jesus sei, und meine letzten Gedanken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben, und auf sein heiliges Verdienst gerichtet sein mögen, so weiß ich, daß ich selig sterben werde. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, der woll in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, uns ganz verlassen auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, daß unser Herz, Muth und Sinn ihm feste mög anhangen, drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werdens erlangen, glauben wir von Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 1. Nun ist meine Seel gespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speif' ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben; Jesus hat sich ihr geschenket, Sie hat sich in ihn versenket! Sie hat seine Lieb empfunden, Oder süßen Freudenstunden. 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen, Nun empfind ich Ruh und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden. Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen, Und hat Wohnung da genommen. Der Kranke betet, 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren; Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will, vollbringen, Ich will nichts mehr thun und denken, Ich will Jesu ganz mich schenken. 346 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb auf Eiden, Auch mein Geist sammt Seel und Leibe, Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen, Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich, wie ein wahrer Rebe, In ihm wie am Weinstock lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, Daß mit meinem Thun und Werken Jch befördre seine Ehre, Sonsten aber nichts begehre, Und dem Bösen widerstehe, In Gehorsam ihm nachgehe. Jesu, ach, laß mir's gelingen, Und viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach, laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande, Ach, laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinst aufgeben. Laß in meinen Todesstunden Mich fest sein mit ihm verbunden, Also kann ich selig sterben, Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. Jat. 5, V. 14. 15. Ist Jemand krank, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und falben mit Del in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und so er Sünde gethan hat, wird sie ihm vergeben sein. Ein andächtiges Gebet ist allezeit vonnöthen in gesunden Tagen, warum sollte es ein Kranker vergessen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht. Was die Arznei und deren Gebrauch anlangt, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten, und nicht denken, wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei gefund machen, und 347 wenn er Arznei gebraucht. wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein, also soll man nicht denken, denn das heißet Gott versuchen; Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was uns nun Gott nicht verheißen hat, das können wir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten, und also sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht auf den Arzt und die Arznei setzen, sondern auf Gott, wie denn unter die Sünden des Königs Assa gezählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Aerzte gesucht, und ihnen mehr denn Gott vertrauet habe, 2. Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße wählen, mit seinem Mund und Herzen soll er beten, und mit festem Vertrauen auf Gottes Hilfe die Arznei ergreifen und sie also gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm wird gesegnet sein. Gebet. O du großer Gott! du fiehest den Zustand, darinnen ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen, du siehest in die verborgensten Winfel, du sieheft auch auf mein Krankenbette, du weißt, wie mir zu Muthe ist. Ach, mein Gott! ich will die verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen, meine einzige Hoffnung aber stehet auf dich, denn du bist der Herr, unser Arzt. Der Kranke betet, Jedoch, weil du läsfest Kräuter aus der Erde wachsen, und die Arzneimittel ſelbst erschaffen haft, welche da sollen zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich dergleichen unter herzlicher Anrufung und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach, lege du selbst deinen Segen hinein; segne die Arznei, die ich in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange, laß sie mir gedeihen zur Erstattung und zur Wiedererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung meiner Schwachheit. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubt haft, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse, ich seufze zu dir vor dem Gebrauch, in dem Gebrauch und nach dem Gebrauch. Wenn du sie mir nun anschlagen läsfest, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen fann und mag ja nichts gedeihen, drum ich, 348 349 wenn er Arznei gebraucht. o Segens- Gott! um Segen zu dir schreie; was du, Herr! segneft, das ist gesegnet ewiglich. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Heilmittel, sondern deine Gnade erhalten, und deine Hand geheilet hat. Ich will mit Hiskia dein Lob bei Jedermann ausbreiten. Hör, ach hör mein seufzend Schreien, du allerliebstes Vaterherz, wollst alle Sünden mir verzeihen, und lindern meinen großen Schmerz; erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Amen. Gesang. Mel. Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket, Schau den Himmel fleißig an, Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen Niemand trinken kann, Der gedenk deßwegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht Von ihm hätte gar gewendet, Wenn er nicht die Hilf gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stunde ist bestimmt, Da Gott, wie die Väter pflegen, Unsern Kreuzeskelch wegnimmt, Daß das Leiden wieder weicht Und ein frohes End erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Herzensfreuden. 3. Auch die bitteren Arzneien Nimmt ein Frommer fröhlich ein, Und weiß, daß sie ihm gedeihen Und ganz heilsam werden sein; Eifrig beten und dabei Seufzen, Der Kranke bittet wenn die Arzenei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 350 4. Großer Gott, an deinem Segen, Sprech ich jetzt mit Herz und Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach, laß sie gesegnet sein; Laß die Krankheit bald verschwinden, Und mich Stärk und Lindrung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steht bei dir, Soll ich annoch länger leben, Wie du willst, geschehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien, Mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung. Hiob 16, V. 6. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; laß ich es anstehen, so gehet er nicht von mir. Wird ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er deßwegen nicht wider Gott murren, sondern alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 1) darf er um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind Gottes? 2) In großen Schmerzen aber soll er denken an seine großen Sünden, die er Zeit Lebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch denken an Gottes große Barmherzigkeit, und an seine große Allmacht, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 3) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lang beten, so seufze er zu Gott, und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht werden unerhört bleiben. 4) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. 351 um Linderung der Schmerzen. Sebet. Herr! höre mein Gebet, vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Ach ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leibesschwachheit in Gnaden ansehen, und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindern. Du hast ja verheißen, du wolleft uns nicht lassen versuchen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's fönnen ertragen. Ach siehe, mein Gott! die Schmerzen nehmen überhand, mein Leib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge flebt an meinem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand, das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach wie lange, ach lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Verzeuch nicht, mein Gott! du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon sind viel geworden, du haft selbst gehört mein Winseln, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Der Kranke bittet Wo weiß ich hin? wo kann ich hin? denn nur zu dir allein dem Herrn, meinem Gott. O liebster Jesu! der du dem tobenden Meer haft befohlen, sich zu legen, ach! befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen! der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilet haft, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten, und so Vieles ausgestanden habe. Aus der Tiefe rufe ich, Herr! zu dir, meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hilfe von einer Morgenwache bis zur andern; denn ich weiß: bei dem Herrn findet man Hilfe. Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen, errette mich und vergib mir meine Sünden um deiner Güte willen, doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Ach Gott, erhör mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; du weißt meinen Schmerz, erkennst mein Herz; hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. 352 Der Kranke bittet 2c. ONE Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Du siehest, wie mir's gehet, Ach, dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet, Du weißest meinen Schmerz Mehr, als ich sagen kann, Drum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich gethan. 2. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen, Ach, laß mich deine Hilf Mit Freuden bald recht schauen; Du bist's, der Hilfe leist't, Ja, du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald zu meiner Hilfe ein. 353 3. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad Und Hilfe wirst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht, Ich lasse nicht von dir, Bis du mir hilfest aus, Und nimmst die Noth von mir. 4. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Ich weiß, du kannst mich retten, Drum wollest du es thun In diesen meinen Nöthen. Du kannst es, du bist Gott, Dem nichts unmöglich ist, Du willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. 5. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Daß ich dein Lob erheben Und dich auch preisen mög, Dieweil ich werde leben, und sagen allezeit: Getrost, Gott lebet noch, Und währt es noch so lang, Sieh, mein Gott hilft mir doch. Der Kranke bittet, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Sef. 49, 3. 14-16. 3ion spricht: Der Herr hat mich verlaffen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen, siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Verursacht es bei einem Armen eine große Freude, einen reichen Wohlthäter, bei Verlassenen, einen Stark's Hdb. gr. Dr. 3ter ThI. 23 Der Kranke bittet, starken Beistand zu haben, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit und Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hiebei aber soll er merken, 1) daß nicht ein jeder Verzug der Hilfe ein Verlaffen sei; denn manche Kranke, wenn Gott nicht gleich nach der Rechnung bald hilft, schreien und sprechen: Gott habe sie verlassen; allein so soll man nicht denken; Hilfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wann's nöthig ist. Darum bleibe der Kranke 2) dabei, daß er im Glauben sage: Gott kann mich nicht verlassen, ich bin sein Kind Gott will mich nicht verlassen; er hat mir's verheißen Gott wird mich nicht verlassen, er hat mir vor diesem schon oftmals geholfen. Wird er sich also in Gott fassen, so wird er den Verzug der Hilfe in Geduld leiden, und endlich herrlich sehen, daß er von Gott nicht verlassen worden sei. 354 - 3119111 - Gebet. O du allerliebster Gott und Vater! der du mich je und je geliebet, und aus großer Liebe zu dir gezogen, siehe, ich armer Kranter komme zu dir, und bitte dich demüthig, du wollest mich nicht verlassen in meiner Leibesschwachheit. Menschen sprechen: ich kann euch nicht helfen, und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich Gott wolle ihn nicht verlassen. 355 von dir nicht verlassen bin; denn Gott verläßt der Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen feft; läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach, mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden so lange währet. Am Abend denke ich, morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja in der Nacht rufe ich oft: Hüter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach, mein Gott! vergiß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird. Ach! laß mich doch die Last nicht gar erdrücken, nimm weg den Stein, der auf mir liegt, die Ruthe, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlaffen willst? Willst du mir nicht helfen, so kann mir keine Kreatur helfen, willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hilfe. Allein ich weiß, du verläsfest mich nicht, ich halte dir deine Verheißung vor, da du versprochen: ich will dich nicht 23* Der Kranke bittet 2c. verlassen, ich will dich nicht versäumen. Die auf den Herrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel leugt nicht, er wird seinem Volk Kraft geben, und den Elenden, der keinen Helfer hat, erretten, und den Seelen der Armen gnädig sein. Nun auf dein Wort traue ich, und hoffe, du wirst deine Zusage treulich halten im Himmel. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut: ich bin dein Eigenthum, darum wirst und kannst du mich, dein Kind und Eigenthum, nicht verlassen; du hast mich noch nie verlassen in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über mein Haupt zusammen schlugen; so wirst du es dießmal auch nicht. Darauf gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich, und bin guten Muthes, und sage: Herr, ich lasse dich nicht, du helfest mir denn auf eine solche Art und Weise, als es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hilf 356 Der Kranke erinnert sich seines Todes. 357 und Rath allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Chrift. Amen. TO Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch trage mein Kreuz nicht alleine, Mein Jesus träget es mit mir, Jm Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet mir bei für und für; Ich trag mein Kreuze nicht allein, Dieß soll mein Trost im Leiden sein. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, Und auch die Hilf zu seiner Zeit, Wenn nun die Stunde angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid; Drum wird mein Glaube niemals klein, Ich trag mein Kreuze nicht allein. 3. Sieh, Gott ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf diesen Tag noch steh, Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich aus großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun will ich es geduldig tragen, Und währte es gleich noch so lang, Sollt ich an Gottes Hilf verzagen, Um Hilfe ist es mir nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hilfe ein, Ich trag mein Kreuze nicht allein. 5. Mein treuer Gott, dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht, Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hilfesstund anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. 2. Tim. 4, V. 6. 7. 8. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden, ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. 358 Der Kranke erinnert Sich seines Todes erinnern ist eine nüßliche Sache, denn 1) dadurch zieht man sein Herz von der Eitelkeit und von Sünden ab, man sieht alles Irdische an als Dinge, die man nicht kann in den Himmel nehmen, die man nicht kann behalten, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern ist auch 2) eine nothwendige Sache, denn welche da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernt, die werden oft frech, üppig, boshaftig, vertiefen sich in die Welt, und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod ungefähr, so gehen sie gewiß verloren. 3) Man soll aber nicht denken, daß es ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellt, ein Testament macht, und sich zum seligen Sterben bereit hält; o nein, darum stirbt Niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott sein Lebensziel bestimmt hat. Man soll 4) auch sich seine Todesstunde nicht so gar schrecklich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt: der Tod sei das Erschrecklichste unter allen schrecklichen Dingen; Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, was ist daran schrecklich? Ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Sebet. Herr, es ist genug, nimm meine Seele hin! also seufze ich zu dir, mein Gott! 359 sich seines Todes. da ich in meiner großen Schwachheit, die immer größer wird, wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu sein. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht, ich habe in gesunden Tagen oft an ihn gedacht, darum kommt er mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Taublein Noä mit Freuden zu dem Kasten fehrte; wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilet: also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgrimschaft in das himmlische Freudenland; da wird nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen. Ich weiß, daß der Tod einem glaubigen Christen ein sanfter Schlaf und ein Durchgang in das ewige Leben ist. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott ist mein Vater, Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein Führer und Tröster; zu dem komme ich, zu dem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Wenn mein Jesus von seinem be Der Kranke erinnert vorstehenden Tod redete, so sprach er: ich gehe zum Vater. Ja, liebster Jesu, ich will dir auch nachsprechen: wenn ich sterbe, so gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten zu sterben? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein, warum sollte ich nicht fröhlich sein? Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fähret zu Gott; sie gehet aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sehe ich doch, wie Jesus seine Arme ausbreitet, und mich als sein Kind empfangen will, wie so viel tausend Glaubige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getroft, ich vergeffe, was dahinten ist, nämlich die Erde und alles Irdische, und strecke mich nach dem, was davornen ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Wie wohl wird mir sein, wenn ich aufgelöset bin! wie selig werde 360 361 sich seines Todes. ich sein, wenn ich in Jesu Armen bin; wie vergnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben bin durchgedrungen. Kann uns doch der Tod nicht tödten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen, schließt das Thor der bittern Leiden und macht Bahn, daß man kann gehn zu ew'gen Freuden. Amen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wer da will als ein frommer Christ. Nach Gottes Willen sterben, Durch Jesu Blut versichert ist Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seliglich Von hinnen mög abscheiden. 2. Vor Allem fall er Gott zu Fuß, Beweine seine Sünden, Er thu in Zeiten wahre Buß, Daß er mög Gnade finden; Er hasse jede böse That, Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ, Und flieh zu dessen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd entbunden Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm dieß Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ sodann in Frömmigkeit Ein gottgefällig Leben; Hab Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend, und bleibe fromm bis an sein End, Wie Gott es hat befohlen. Id 5. Er fliehe aber allermeist Die schnöden Sündenwege, Und was da sonst von Gott abreißt; Er steh nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er lebe als ein Gotteskind, Und meide, was Gott hasset. 6. Er halte stets mit Beten an In den gesunden Tagen; Er eile, weil er beten kann, Die Noth Gott vorzu 362 Der Kranke betrachtet sein Grab tragen, So wird Gott das Gebet ansehn, Wenn seine Lippen starrend stehn Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit Mit seinem Feind versöhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit Hat pflegen zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab, Eh man ihn träget in das Grab, Und seinen Feind verlasse. 8. Er flebe nicht an dieser Erd Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist unsrer Lieb nicht werth, Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll; Hingegen thut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott, verleih mir deine Gnad, Daß ich die Welt nicht achte, Und gerne folge deinem Rath, Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohlbereitet aus der Welt Zum Himmel mög eingehen. Der Kranke betrachtet sein Grab und Auferstehung. Aufmunterung. Joh. 11, 3. 25. 26. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Wer als ein Christ sein Grab ansiehet, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch immer sein mag; denn 1) ist es eine Ruhekammer, da wir von allen Schmerzen, Jammer, Kummer und Herzeleid sollen befreit werden. Der Leib soll 2) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruhet haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne, und mit der Seele wieder vereinigt werden. Wollte man 3) einwenden: ich muß aber die lieben Meinigen auf Erden verlassen, so soll man denken, daß im Himmel ein allgemei 363 und Auferstehung. nes Wiedersehen sein wird. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nimmermehr von ihnen wieder geschieden werden. Was die leiblichen Güter betrifft, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wenn dieses Alles von einem Kranken erwägt wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht erschrecklich vorkommen. Sebet. Gnädiger und barmherziger Gott! siehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben, ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Vor Leiden zur Ruhe bringen. dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird sein meine Schlafkammer; mein Elend, Krankheit und Leiden kommt nicht mit mir ins Grab, das muß draußen bleiben. O ftiller Ort, o angenehme Ruhestätte! wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib 364 Der Kranke betrachtet sein Grab in deinen Schoos gelegt werden? Das Grab hat mir Jesus selbft geheiligt, er hat mir's zur Ruheftätte gemacht, als er nach außgeftandenem Leiden darein gelegt wurde, da hörten seine Schmerzen und all ſein Jammer auf. So hat der Herr auch meinem Leib eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungsort im Himmel. Suchen Menschen weiche Betten zur Ruhe, siehe, so sind sie gegen mein Grab nicht zu vergleichen. Im weichen Bette muß mancher Schmerzen und Ungemach ausstehen, aber in meinem Grabe wird kein Ungemach sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich rühren. So ist das Grab ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bette. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? Ich werde ja nicht darinnen bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wie 365 und Auferstehung. der erwecken. Wer an mich glaubt, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So soll mein Grab denn nur ein kleiner Aufenthalt sein, darin mein Leib wird schlafen, bis Jesus wird kommen und sprechen: Stehet auf ihr Todten, und kommet vors Gericht. Es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes und werden hervorgehen. Wenn ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich auferstehen aus meinem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereinigt, mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden, ich werde leuchten wie die Sonne, ja alle Schwachheit um und an wird von mir dann sein abgethan. Grünet das Waizenkorn wieder hervor, wenn es in der Erde erstorben zu sein scheint, so werden auch meine Gebeine wieder 366 Der Kranke betrachtet sein Grab 2c. versammelt. Es wird gesäet verweßlich und wird auferstehen unverweslich; es wird gefäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein mit geiftlichen und himmlischen Eigenschaften begabter Leib. Was hier kränkelt, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen. Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Grab nicht bleiben, mein höchster Troft dein Auffahrt ist, Todsfurcht fann fie vertreiben: denn wo du bift, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden. So fahr ich hin zu Jesu Chrift, mein'n Arm thu ich ausstrecken, ich schlafe ein und ruhe fein, fein Mensch wird mich aufwecken; denn Jesus Chriftus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthür aufthun, mich führ'n zum ew'gen Leben. Amen. 367 Der glaubige Christ danket Gott 2c. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da rechte Ruhe habe, Nach ausgestandnem Weh und Ach; Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg und Kümmerniß von mir, Und lässet mich da sanfte rasten, O großer Gott, dieß dank ich dir, Auch von den Sünden, Angst und Pein, Werd ich im Grab befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, Jesus deckt mich selber zu, Es ist die beste Ruhestätte, Da Niemand störet meine Ruh; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel ist bei Gott freudenvoll. 5. Drum bleibt im Grab und Jesu Wunden Mein Leib und Seele wohlbewahrt, Sie haben beide Höhlen funden, Da sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum verein'gen wird. 6. O schönes Grab, o kühle Erde, O schwarze Gruft, doch sanfter Schoos, Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trübsal, Unglück los. Herr, meinen Geist befehl ich dir, Die Ruh gönn meinem Leibe hier. Der glaubige Christ danket Gott wegen der wieder erlangten Gesundheit. Aufmunterung. Joh. 5, V. 14. Siehe zu, du bist gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Daß die meisten Kranken gerne beten, ist gewiß, und daß die meisten mit dem Munde Gott viel 368 Der glaubige Christ danket Gott versprechen, wie sie, wenn sie Gott lasse gefund werden, wollen neue Kreaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchengänger werden, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die Allerwenigsten halten, lehrt uns die tägliche Erfahrung. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbette befreiet hat: 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Allmacht ihn auf einmal aufs Bette hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet, und ihn von der Todesgefahr gnädiglich befreiet habe. 2) Es soll ein solcher Kranker, der nun wieder gefund worden ist, sein auf dem Krankenbette gethanes Versprechen halten. Denn es ist besser nichts versprechen, als das Versprochene nicht halten. 3) Hat er wieder, wie Hiskias, neue Kräfte erlangt, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen, und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen; auch Andern dadurch Gelegenheit geben die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Lebensgefahr fleißig erwägen, und dem allmächtigen, dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen. Gebet. O du allmächtiger und gnädiger Gott, ich trete vor dein allerheiligstes Angeficht, ich danke dir von Grund mei wegen der wieder erlangten Gesundheit. 369 ner Seele, daß du mich von meinem Krankenbette wieder aufgerichtet haft. Ich denke noch an die Angststunden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, darin ich schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet, du haft mich wieder auf meine Füße geftellet, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade hat meine Klagen verwandelt in einen Reigen, du haft meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freuden gegürtet. Herr, Herr, du haft Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr: wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott haft nicht Luft an unserm Verderben; nach dem Ungewitter läſsest du die Sonne wieder scheinen, nach dem Heulen und Weinen überschütteft Stark's Hdb. gr. Dr. 3ter ThI. 24 370 Der glaubige Christ danket Gott du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden: daher will ich mein Lebenlang denken an die Angst meiner Seele, aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott, vor der großen Gemeine, was du an mir gethan haft; du haft die Arznei gesegnet, du haft meine Schmerzen gelindert, du haft mir Stärke gegeben, das Leiden zu überwinden, du haft nach den mühsamen und elenden Nächten mir Erquickungstage bescheeret, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmt. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöthen, Krankheit und Leiden gewesen seid, den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörete der Herr, und wegen wieder erlangter Gesundheit. 371 half uns aus allen unsern Nöthen. Die den Herrn in ihrem Elend im Glauben ansehen, und mit Gebet anrufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden, er lässet sie nicht betrübt von seinem Throne weggehen, sondern erbarmt sich ihrer gnädiglich. Ach, mein Gott, laffe diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. Nun weiß ich, und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, denn du kannst die Todten lebendig, Kranke gesund, die Schwachen stark und Betrübte fröhlich machen. Ach, ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslaft mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elende vergangen; darum will ich nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, sondern meine Freude an dir ha24* 372 Der glaubige Christ danket Gott ben, ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankens, und da man erzählt alle deine Wunder; ich will verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich bereit sei, wenn du mit meiner Todesstunde und mit dem Ende meines Lebens kommen wirft, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß, mein Gott, in meinem Herzen, doch deine Tröftung war gewiß die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel, Troft Israel, je mehr du mich verleßeft, je mehr du mich ergößeft. Ich hatte viel Bekümmerniß, wenn ich den Tod bedachte, daß mir das finstre Grab gewiß nicht kleines Grauen machte. Immanuel, Troft Israel, weil du den Tod geschmecket, hat er mich nicht ge= schrecket. So hatt' ich viel Bekümmer wegen wieder erlangter Gesundheit. 373 niß, du aber viel mehr Liebe, dein Troft war mir so engelsüß, daß er die Angst vertriebe. Immanuel, Troft Ifrael, kannst du mich hie so trösten, so ist der Troft am größten. Amen. Gesang. Mel. Wie soll ich dich empfangen. 1. Wie kann ich gnugsam preisen, Herr, deine Wunderthat, Und tiefen Dank erweisen Für deine Lieb und Gnad, Weil das, was mich gedrücket, Mein Leiden ist dahin, Und da ich hochbeglücket, Vom Tod errettet bin. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hilf erblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seele ist erquickt! Ja, Sinnen und Gemüthe, Und was nur ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater, für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sich erzeigen, Dem, der mir Guts gethan, Mein Herz stimmt ein mit Freuden, Und rühmet überall: Wie Gott in meinem Leiden Geholfen diesesmal. 4. Ich sahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich gnugsam fassen, Daß du so gnädiglich Von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden Durch deine starke Hand. 5. Ich konnte mir nicht rathen, Ich war von Hilfe bloß, Doch sah ich Wunderthaten, Da du in deinen Schoos mich als ein Vater legtest, Und hieltest dich zu mir, Ja, wie ein Kind mich pflegtest Und sprachst, ich bin bei dir. 6. Ja wohl, ich hab empfunden, Daß du an mich gedacht, Denn ich hab überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja, ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit, Ich bin in Noth gewesen, Und nun daraus befreit. 374 Der glaubige Christ danket Gott 2c. 7. Herr, ich hab recht gesehen, Was du an mir gethan, Ich will es gern gestehen und sagen Jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich Alles neigt, Sich hat in diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach, lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöthen seid, Denn an mir könnt ihr schauen Des Herren Gütigkeit, Der kann das Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hilfe senden, So wie ihr sie begehrt. 9. Mein Gott, ich werf mich nieder Vor deinem Thron allhie, Und singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freudenstund. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen, Vergeß ich nimmermehr. wie sie ST Jesus. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters. Matth. 25, 34. Tod. Sie ruhen von aller ihrer Arbeit. Offenb. 14, 13. 1012 Orted AS BAIE DAT 19 Wie wohl ist meinem Leib nach ausgestandnem Leiden, Wie wohl ist meiner Seel in jenen Himmelsfreuden. Idaut Jadurale mis audi s Vierter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. 2. Cor. 5, 3. 10. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet, ist Pauli Ermahnung 1. Cor. 11, 31, und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich verklagt, um Jesu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein; denn wer seine Missethat erkennet und lässet, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses nun soll auch ein Sterbender thun; er soll gedenken: 1) ich muß einmal vors Gericht, denn dem Menschen ist gesett, einmal zu sterben, und hernach das Gericht. Deßhalben thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott versöhnt, Gott um des Blutes Der Sterbende stellt sich zc. Jesu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erlanget, so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schleunig oder langsam, so wird Gott seine Seele in Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gericht wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. 377 Gebet. Ich weiß, mein Gott, daß den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht: deßwegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, ich will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott, ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und auch oft wissentlich, übertreten; ich habe dich nicht geliebt von ganzem Herzen, von gan= zer Seele und von allen Kräften; ich habe nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch mich den heiligen Geift leiten und führen lassen, wie ich billig hätte thun sollen. Ich gedenke, daß ich dein Kind bin in der heiligen Taufe geworden, aber 378 Der Sterbende stellt sich daß ich nicht allezeit wie ein Kind Gottes gelebt, daß ich in der Beicht und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten, und mich wieder der Welt gleich gestellt habe. Herr, ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Laft, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget haft; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Laft sind sie mir zu schwer worden. O gnädiger Gott! der du verheißen haft, du wolleft nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich befehre, und lebe, siehe, ich komme und will Frieden mit dir machen. Ach, ich bereue meine Sünden, und falle vor deinem Richterstuhl nieder, und spreche: Herr Gott, Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott, heiliger Geift, erbarme dich über mich! Ich flehe, o 379 vor das göttliche Gericht. Vater, zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: Ich habe gefündiget im Himmel und vor dir, ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße, aber ach, sei deinem Kinde gnädig, und verstoß mich nicht. Ich fliehe zu dir, o Jesu, mein Fürsprecher, ach, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Ach, um deines Blutes willen verzeihe mir meine Miffethaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner groBen Barmherzigkeit. O du werther heiliger Geift, zu dir flehe ich, ach schaffe ein neues Herz in mir, und heilige, reinige es, gib mir das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vor 380 Der Sterbende stellt sich saz, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in findlichem Gehorsam. Ach, wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todesbetrachtungen, verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels und der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Troft im Herzen empfinden: Sei getroft, mein Sohn! dir find deine Sünden vergeben. O du heilige Dreieinigkeit, erbarme dich über mich, und laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals Uebels gethan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jesu, wenn ich vor Gericht soll treten, da man nicht entfliehen kann, ach, so wollest du mich retten, und dich metner nehmen an; du allein, Herr, kannst es wehren, daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand seid von mir noch nie erkannt. Amen. 381 vor das göttliche Gericht. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Todten stehet auf, So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schaar ergößt, So wird der bösen Rott Dadurch in Furcht geſetzt. 2. Jhr Todten stehet auf, Ihr habt nun ausgeschlafen; Ihr Frommen, kommt herbei, Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte, gehet ein Zur Freud und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid, Die Ehrenkron bereit. 3. Ihr Todten stehet auf, Eilt, gehet aus der Erden; Ihr Bösen, ihr sollt jetzt Zur Höll gestoßen werden; Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung sein. 4. Jhr Todten stehet auf, Seht, hie sind eure Glieder, Haut, Augen, Füß und Händ, Die nehmet jezo wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit; Womit ihr Sünd gethan, Dem ist die Straf bereit. 5. Jhr Todten stehet auf, Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnenglanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die Seele tehre sich Nun ihrem Leibe zu, Und hab, mit ihm verknüpft, Vergnügte Himmelsruh. 6. Ihr Todten stehet auf, Ach, möcht dies Wort erschallen In aller Sünder Herz, So würden sie nicht fallen In schwere Missethat; Denn wem das Herze bricht, Und liebet Jesum nicht, Der kommet in's Gericht. 7. Ihr Todten stehet auf, Das soll mich nicht erschrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken; Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingehn, Und Herr, dein Angesicht Mit allen Frommen ſehn. 8. Im Glauben will ich dit, O Seelenfreund, anhangen, Durch deines Geistes Gnad Recht fromm zu sein anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Todten auferstehn, Ich mög von dir verklärt Zur Seligkeit eingehn. 382 Der Sterbende verzeihet, und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. Matth. 6, 3. 14. 15. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Zu der wahren Vorbereitung zum seligen Sterben gehört auch die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung nun soll ein Sterbender nicht hinaus schieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten ist viel zuwider gethan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit ins Grab nehme, sondern ihnen von Herzen verzeihe. Wenn aber 2) er andern Leuten Verdruß angethan, und sie beleidigt hat, soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen verföhnet, ja er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebette kommen zu lassen, und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung zu bitten, oder wenn sie abwesend sind, es ihnen schriftlich abzubitten, oder wenn sie todt sind, Gott um Verzeihung deßwegen anzuflehen. Hiebei soll man auch das Gestohlene oder Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entrissene wieder geben, oder seinen Erben, weil die Sünde nicht kann vergeben werden, wenn das Entwendete und Gestohlene, oder der Werth desselben nicht wieder gegeben wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden antreiben sowohl die christliche Schuldigkeit als auch 383 Der Sterbende verzeiht 2c. der göttliche Befehl und die Bedrohung. Matth. 6, V. 8. Wie du mit deinem Feind umgehest, so wird Gott mit dir umgehen. Gebet. Mein Gott, ich lebe, und weiß nicht wie lang, muß sterben, und weiß nicht wann, darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genennet das Haus des Friedens, darin keine unversöhnlichen, rachgierigen und mit Zorn und Haß angefüllten Seelen eingelassen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und Feindschaft reinigen, ich will gerne verzeihen und um Verzeihung bitten, damit mich Gott um Jesu willen als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Deßhalben verzeihe ich von Grund meiner Seele allen meinen Feinden, und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Geberden be Der Sterbende verzeiht, leidigt haben, ich verzeihe und ver gebe es ihnen nicht allein mit dem Munde, sondern vor Gottes Angesicht, und von Herzen, ich will nun und nimmermehr daran denken, ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen, und Gutes thun, wo und wann ich nur kann; ja ich bitte für fie Gott, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern lassen wohlergehen zeitlich und ewiglich. Wie ich nun von Herzen verzeihe und verziehen habe Allen, die mich jemals erzürnet, oder mir etwas zuwider gethan haben, also bitte ich auch hiemit um Verzeihung alle Diejenigen, denen ich jemals zu nahe getreten, denen ich was zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach, verzeihet es mir, ihr liebsten Freunde, um der Liebe Jesu willen, traget keinen Haß wider mich, ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe, ich bitte euch hiemit um 384 und bittet um Verzeihung. 385 Verzeihung von Herzen, mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hie vor meinem Sterbebette Alle sehen, so wollte ich es euch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott, verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er sei, wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich, habe zu Leid gethan, ach, vergib mir es um deiner Barmherzigkeit willen. Ach, gedenke nicht meiner Sünden und Missethat. Ach, mein himmlischer Vater, erbarme dich über mich. O mein Jesu, wasche mich von Sünden und bitte für mich. O du heiliger Geift, heilige mein Herz und reinige es von aller Untugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih, daß ich aus Herzensgrund den Feinden mög vergeben; verzeih mir auch zu dieser Stund, schaff in mir neues Leben; dein Wort mein Speis laß allweg sein, daStark's Hbb. gr. Dr. 4ter Thl. 25 386 Der Sterbende verzeiht 2c. mit mein Seel zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück geht daher, das mich bald möcht abkehren. thu is this Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich will Jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat; Ach Gott, laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad, Daß ich, dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find; Ich verzeih von Herzensgrunde, Und versprech es mit dem Munde. pub 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater, dieß allein, Daß ich mög mit allen denen Völlig ausgeföhnet sein, Die mir sind von Herzen feind, Ich hingegen bleib ihr Freund! Wüßten sie doch, wie's mich tränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach verzeiht mir, liebste Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab, Bleibet doch nicht meine Feinde, Seht, ich schicke mich zum Grab; Ach ich hab mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach das wollen wir aufheben, Ach ihr wollets mir vergeben. 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken, Nehmet meine Abbitt an: Denkt, ach denket daran nicht, Was ich Böses angericht't, Alles sei hiemit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott, da dieß geschehen, Komm ich nun versöhnt zu dir, Ach, laß mich dein Antlitz sehen, Großer Gott, verzeih auch mir, Nimm weg meine Sündenschuld, Schenk mir deine Lieb und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Dieweil ich versöhnet bin, Es geschehe Gottes Wille, Dem geb ich mich gänzlich hin; Fried mit Menschen, Fried mit Gott, Das versüßt die Todesnoth, Also kann man selig sterben, Und entgehen dem Verderben. 387 Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. sidoa, A u f munterung. niam Ap.- Gesch. 20, V. 32. Nun, lieben Brüder! ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter allen, die geheiliget werden. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie welche haben, den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaak, Jakob, Tobia, Christo Jesu und andern klärlich sehen. Solcher Segen nun 1) ist nicht vergebens; denn weil es ein Abschiedsgebet ist, so der Sterbende für die Seinen thut, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben und im Namen Christi geschiehet, nicht unerhört bleiben. 2) Die letzten Worte der Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Nachdruck zu sein, daher eine Ermahnung eines sterbenden Vaters oder Mutter oder Freundes nicht so bald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüth hangen bleibt. Kinder aber sollen 3) ermahnt sein, daß sie die Eltern bei gesunden Tagen nicht betrüben und dadurch nicht verursachen, daß die Eltern ihnen keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt; fromme christliche Eltern geben ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. 25* 388 Der Sterbende nimmt Abschied Sebet. Ich nehme hiemit Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden, ich befehle fie dir, o großer Gott! in deinen Schuß, Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Güte und Wohlthaten, und da ich ihnen nicht Alles vergelten kann, so wollest du ihr reicher Vergelter sein. Ich verlasse meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer Gott! wolleft sie nicht verlassen; erhalte fie in deiner Furcht, im Glauben und Frömmigkeit, damit wir einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Glaubigen und Kinder Gottes wieder zusammen kommen. Diejenigen aber, o getreuer Gott, die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt wird betrübt und schmerzlich sein, denen gib deinen reichen Segen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen! er segne euch an Leib und Seele, er nehme euch in seinen Schuß, er bescheere euch nach seiner våterlichen Gnade ein gesegnetes Auskom und gibt den Seinigen den Segen. 389 men, und bewahre euch vor allem Uebel. Nun fürchtet Gott und seid fromm, setzt euer Vertrauen auf ihn, und wisset, er wird sich über euch erbarmen, und euch gnädig sein. Wendet euch nicht von ihm ab durch den Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seid ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Ja, der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit, segne euren Aus- und Eingang, daß ihr sein und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. O großer Gott, ich habe sie geſegnet, laß sie auch gesegnet bleiben. Und nun, o dreieiniger Gott, nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu sein. Herr Jesu, dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. Mache mich und die Meinigen, o Jesu, ewig selig. Amen. Gefang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Um hinzugehn in meine Ruh, Nach vielem 390 Der Sterbende nimmt Abschied zc. Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig waiden. e mich 2. Ach Gott! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet. Ach, tilge meiner Sünden Heer, Gedenk derselben nimmermehr, Und was ich ausgeübet. JEDNA 3. Jch eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist, Mit ihm bleib ich verbunden; O Jesu, Jesu, ich bin dein, Ach laß mich auch dein eigen sein In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen, Jch theil hiemit den Segen aus, Vom Grunde meiner Seelen; Gott woll den Meinigen beistehn, Er laß es ihnen wohlergehn, Und nie an Hilfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben; Sieh, ich bin hie, ach, nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib Jn sanfter Ruhe decken, Wo selbsten er verwahret bleib, Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zu Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel empfehl ich dir In deine tiefen Wunden, O Jesu, Jesu, bleib bei mir Jn meinen Todesstunden, O Jesu, ach verlaß mich nicht, Bis daß ich hab dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und das so schöne Feierkleid Durch Jesum Christum erben; Jhm leb und sterb ich als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, und werde nicht verderben. 9. Und hiemit schlafe ich sanft ein, Weil sich mein Leben endet, Mein Jesus wird auch bei mir sein, Der sich schon zu mir wendet; Fahr hin, mein Geist, zu dei Der Sterbende befiehlt sich Gott. 391 nem Gott, Fahr hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. Pf. 31, V. 6. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du haft mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Bater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Luk. 23, V. 46. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch Vielerlei zu befehlen und anzuordnen. Sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. 1) Ein jeder rechtschaffener Christ soll täglich, wenn er sich des Abends schlafen legt, oder am Morgen aufsteht, seine Seele sammt dem Leibe in Gottes Schutz befehlen. Thun aber das fromme Christen täglich, sollen es auch 2) Sterbende thun, sie haben vor sich das Beispiel ihres Heilandes, als er sterben wollte, so sprach er: Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist. So machte es auch Stephanus, als er unter den Steinen seufzete: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf! Dieses aber ist auch 3) höchst nötig. Man siehet an Sterbenden so vielerlei Veränderungen und Zufälle. O, wie wohl ist dann gethan, wenn man bei gutem Verstande Gott seine Seele anbefiehlet, und das Beste in gute Verwahrung bringet, im Uebrigen aber sich in Gottes Willen zu leben und zu sterben überlässet. 4) Jft so alles bestellt, so stirbt man selig. 392 Der Sterbende Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen lässeft sterben, und sprichst: kommet wieder, ihr Menschenkinder! der du deine Geliebten durch den Tod zu dir zieheft, und sie der Herrlichkeit theilhaftig macheft, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben. Ich sehe, daß meine Schwachheit eine lautredende Stimme wird, die mir zuruft: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben. Mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen, halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein sich wird nahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen, treib hinaus alle weltlichen und fündlichen Gedanken, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich 393 befiehlt sich Gott. erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit und die Freude der Auserwählten mir vorstelle. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geift, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtniß behalte Jesum Chriftum, und sein vergoffenes Blut und Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todesstunde herbei kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ift, vor Anfechtungen, schweren Gedanfen, vor großen Schmerzen, laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und so mir ja die Sprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deiner Lieblichkeit genießen, und deine allerheiligste Gegenwart empfinden möge. Gib mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich alsdann einen Blick thun in die frohe Seligkeit, gib mir in der To Der Sterbende desstunde etliche Tropfen zu schmecken der himmlischen Süßigkeit, damit ich voll Freuden und Troft möge von hinnen abscheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verlässet, ach, nimm sie alsdann in deine Hände. Bedecke sie mit deiner vollfommenen Gerechtigkeit, und führe fie zur Himmelsfreude ein. Ich befehle dir auch meinen Leib in der fühlen Erde, verleihe demselben eine sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune erklingen und rufen wird: stehet auf ihr Todten und kommet vors Gericht! und laß mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden, mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein seligs End gib mir durch Jesum Chriftum. Amen. him 394 395 befiehlt sich Gott. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich habe noch das Leben, Daß deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt ich noch um diese Gnad: Wenn nun mein letztes End anbricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 2. Jch lebe noch und kann noch beten, Drum bete ich und komm zu dir, Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so gnüget mir, Und wenn der Tod zum Herzen spricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 3. Wenn meine Todesstund erscheinet, Und werden meine Lippen blaß, Wenn Jedermann mich klagt und weinet, Und lieg im Todesschweiße naß, Wenn sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht finde, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab im Sinn, Und so mich meine Sünd ansicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 5. Wenn sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zufließen: Ich geb dir, was du haft begehrt; Wenn meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 6. Wenn das Gesichte wird vergehen Zuletzt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen, Und zeig mir deine Herrlichkeit; Auch wenn verlöscht mein Augenlicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder sehn noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, Herr, deinen Geist mich lehren, und stärk den Glauben mehr und mehr, Ja, wenn ich nun soll vors Gericht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 8. Und liege ich nun ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen sein, Und wenn man auf mein Ende harret, Der Sterbende stellt So laß mich selig schlafen ein; Wenn dieses Alles nun geschicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, Und mit dem Todtenkleid umhüllt, So laß die Seele gehn im Frieden Dahin, wo mich nur Freud erfüllt, Da laß mich sehn dein Angesicht Im Hellsten Glanz, im schönsten Licht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau im Grabe auch auf mich, Laß mich da sanfte Ruhe haben; Denn hab ich, schönster Jesu, dich, So bleibt der Leib mit Erd bedeckt, Bis deine Hand ihn auferweckt. 396 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhie getragen hab, Auf daß ich ganz mit Seel und Leib Dein Eigenthum auf ewig bleib. Der Sterbende stellt eine Himmels- Betrachtung an. Aufmunterung. Ap.- Gesch. 7, V. 55. Stephanus aber voll heiligen Geistes sahe auf gen Himmel und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann einer glaubigen Seele sein, als an Gott und an den Him mel zu denken. Im Himmel ist die Wohnung, Vaterland, Trost, Erbe, Krone, Herrlichkeit; ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also sein mit einem Glaubigen, wie vielmehr mit einem Sterbenden? Bei den Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein, der Abschied von den Ihrigen, der Umstehenden Thränen und dergleichen. Allein dieses kann versüßet werden, wenn der Sterbende sein Herz schickt da hinein, wo er ewig eine Himmels- Betrachtung an. 397 wünscht zu sein. 1) Thut der Abschied wehe, so soll er denken an die heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bei welchen und um welche er in Ewigkeit sein wird. 2) Siehet er die Seinigen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freuden, Wonne und Glückseligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, woselbst kein Ach und Weh, und keine Thränen mehr sein werden. Gebet. O du gnädiger Gott, wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen. Nicht nur hilfft du uns, erhörst uns, erbarmst dich über uns, überschütteft uns mit vielen Wohlthaten, dieweil wir leben, sondern haft uns auch viele und herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben, denn im Himmel sollen wir haben, o Gott, wie große Gaben. Deßhalben stelle ich mir im Glauben vor deine große Majestät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohneft, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Außerwählten, nämlich alle Frommen, die jemals Der Sterbende stellt auf Erden gelebt haben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie bald ich auch werde unter ihnen stehen, wenn ich nun sanft und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen, und mit einem weißen Kleide werde angethan sein, ja ich werde selbsten leuchten wie die Sonne. O Herrlichkeit, o Seligkeit, die mir der Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit um Jesu willen mittheilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thüre zu solcher Herrlichkeit aufthun wird. Ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn er ist meine ewige Wohnung, hie haben wir doch keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben 398 399 eine Himmels- Betrachtung an. erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, wo alle frommen Christen und Glaubigen versammelt sind. Dieweil ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilgrim und Wandersmann, aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelangt bin, alsdann komme ich zur Ruhe, zum Frieden, und zu meinem ewigen Wohlsein. Ich sehe den Himmel an mit Freuden, und denke, das ist mein Erbe; habe ich hie kein groß Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich ge= denke, der Himmel ist das Paradies, darin Gott die Glaubigen ergößen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott, wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel er Der Sterbende stellt 2c. blicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenlande zu Salomo sagen: o mein Gott, o mein Jesu, mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt, du haft mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gerücht, welches ich von dir gehöret habe. Komm, o Tod, du Schlafesbruder, komm und führe mich nun fort, löse meines Schiffleins Ruder, bringe mich in sichern Port, es mag, wer da will, dich scheuen, du fannst mich vielmehr erfreuen, denn durch dich komm ich hinein zu dem süßen Jeſulein. Amen. 400 Gesang. Mel. Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hie ist gut sein, also sagen Dorten in der Himmelsfreud, Die da Kron und Palmen tragen, Angekleid't mit Herrlichkeit; O wie ist uns hie so wohl, Wir sind alles Trostes voll, Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Sie ist gut sein, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angesicht, Wir sind selig, weil wir stehen In dem größten Glanz und Licht, Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll; Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. Der Sterbende erwägt 2c. 3. Hie ist gut sein, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud, Hie an diesem Orte fließen Ströme aller Süßigkeit; Hie weiß man von keiner Klag, Nichts von Trübsal, Angst und Plag, Unser Antlitz ist voll Wonne, Welches leuchtet wie die Sonne. 401 4. Hie ist gut sein, denn hie schweben Vieler tausend Engel Heer, Als bei welchen wir nun leben In der größten Zier und Ehr, Hie erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar; Zu den Engeln, zu den Frommen, Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun will ich im Glauben bleiben, Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben, Weil ich lebe in der Zeit, So werd ich: Hie ist gut sein, Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestandnen Leiden Gehen auf den Himmelsmaiden. Der Sterbende erwägt die Verheißung Gottes. Aufmunterung. Matth. 25, V. 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist, von Anbeginn der Welt. Sterbende haben Labsal und Erquickung vonnöthen, sowohl am Leibe als auch an der Seele. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes; davon sagt David: dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunTagen sich schöne Trostsprüche in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Sonderlich aber soll ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der herrlichen und göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift finden von der göttlichen Hilfe, Beistand, Gegenwart und Gnade. 2) Soll Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter Thl. 26 Der Sterbende erwägt er solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm rede; denn Gott redet in der heiligen Schrift mit Allen, und einem jeden insonderheit. Hat er nun solche Verheißungen vor sich, so soll er 3) sich darauf verlassen, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; verzeucht der Herr die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Gebet. 402 Du gnadenreicher Gott! wie süße find deine Verheißungen, die du mir in deinen Worten gethan haft, wenn du sprichst: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; und wiederum: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, ich will wiederkommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Ja, wenn ich versichert werde, Jesus bete für mich und sei mein Fürsprecher, die Verheißung Gottes. 403 und daß der heilige Geift mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. O du gnädiger Gott! erfülle dieſe Verheißungen an mir; ach, die Noth wird immer größer, ach! sei und bleibe bei mir in meiner letzten Noth. Ach! verlaß mich nicht, stehe mir bei, o Jesu! laß mich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet haft. O Jesu! sei mein Fürsprecher; bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach du werther heiliger Geift! stehe mir bei in meiner Schwachheit, und gib mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf bevor, so hilf mir siegen und überwinden. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott! ich halte mich an deine Verheißung, und glaube, du werdeft sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir Glendem erfüllen. 26* Der Sterbende erwägt 2c. Ich glaube deinem Wort, ich traue auf dein Wort, mein Herz hält dir vor dein Wort, ihr sollt mein Antliß suchen, darum suche ich, Herr! dein Antliß. Ach, dein Wort ist in meinem Leben immer mein Troft und Freude gewesen, ach, laß es in meinem Tode mein Labsal und Erquickung sein. Erquicke mich, wenn der Todes= schweiß anbricht, erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden, tröfte mich, wenn Hören und Sehen mir vergehet, o du dreieiniger Gott, alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freud und Wonne, als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichfeit. O du großer Gott, erhöre, was dein Kind gebeten hat, Jesu, den ich ftets verehre, bleibe ja mein Schuß und Rath, und mein Hort, du werther Geift, der du Freund und Tröfter heißft, höre doch mein sehnlichs Flehen, Amen, ja es soll geschehen. Amen. 404 Der Sterbende betrachtet 2c. 405 Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich sterbe gern, warum sollt ich mich vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird erneuen. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben, Für Trübsal, Jammer, Angst und Noth Wird Gott mir Freude geben; Das Thränenmaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd Dereinsten auferstehen, Und herrlich aus der finstern Erd Und meinem Grabe gehen; Ich werd verklärt im Glanz und Licht Des Allerhöchsten Angesicht Mit Lust und Freude sehen. 4. Ich sterbe gern, dieß bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen zu Gott an jenen Freudenort, Zur schönsten Schaar der Frommen. Ach wann bricht an die Freudenzeit, Da ich zur Himmelsherrlichkeit Auch werde aufgenommen. Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. Aufmunterung. Offenb. Joh. 7, V. 9. 10. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl fizet, unserm Gott und Lamm. Was könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die HimmelsFreude und Himmels- Gesellschaft denket, welche einen Frommen hie auf Erden oftmals ergößen. Der Sterbende betrachtet Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden siehet, anschauen als Dinge, die er bald verlassen, und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben, theils von der Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzt werden. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen anstellen über die himmlische Gesellschaft, wie er nun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes, und kommen zu viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellet, so wird ihm sein Leben versüßet, ja er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen, ach, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen und vor deinem Thron mit allen Engeln und Auserwählten stehen werde. O welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig gestorben bin! welche Herrlichkeit wartet O 406 die Himmelsfreude und Gesellschaft. 407 auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht; was ich hie geglaubet, werde ich dort schauen, was ich nicht begreifen kann, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen, da werde ich völlig durchstrahlet, durchleuchtet und mit himmlischem Lichte erfüllet sein. Darum seufze ich und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott! zu dir, meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue! Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hie geglaubet, und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenfte Glückseligkeit bestehen. Hie bin ich unter Menschen, ja ich habe unter Freunden und Feinden mein Leben müssen hinbringen, Der Sterbende betrachtet allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um Gottes Thron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott der Herr Zebaoth, anstimmen. Ich werde da antreffen alle Frommen und Auserwählten, die von Anfang der Welt her gelebt haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir gestorben sind, mit denen werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewiglich bleiben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele sein! Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen, ich werde bei dem Herrn sein allewege, da wird mich keine Trübsal mehr anrühren, und dieses wird nicht etwa nur eine Stunde, oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Aufhören. Ach! daß 408 ich den Leibeskerker heute noch verlassen müßt, und käm an den Sternenerker, da sonst nichts als Freude die Himmelsfreude und Gesellschaft. 409 ist, da wollt ich mit Wortgepränge, bei der Engel großen Menge, rühmen deiner Gottheit Schein, allerliebster Jesu mein. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Welche süße Himmelsfreude, welche große Herrlichfeit, welch prächtiges Gebäude Ist den Frommen zubereit't In den schönen Himmelsauen, Die sie einstens sollen schauen; Ach, mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Da wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Hie ist Gott selbst Licht und Sonne, Hie ist gut sein, hie ist Wonne, Hie genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt Gott sich selbsten sehen, Den kein Aug auf Erden sieht; In dem Sehen wird entstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried; In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergößet stets von neuem, Aug und Seel wird nimmer satt, Das hie voll Genüge hat. 4. Ja in diesem Freudenleben, An dem freudenvollen Ort, Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott sind hier und dort. In dem schönsten Glanze prangen Und des Höchsten Lob anfangen, Ich stimm auch mit ihnen ein, Wenn ich werd bei ihnen sein. 5. Da find't man der Frommen Schaaren Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren, Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron, Schön geziert mit ihrer Kron. 6. Unablässig Gott zu loben, Ist der Frommen Werk allhier, Von den Seiten und von oben Glänzet alles wie Saphyr; Die man hie betrübt verlassen, Kann man freu Der Sterbende tröstet sich dig dort umfassen, Da, da ist das Wiedersehn, Das da ewig wird bestehn. 410 7. Auf, auf, lasset uns bestreben, Die wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels Zelt; Laßt im Glauben uns fest stehen, Und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifen Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 8. O mein Gott! laß mich gelangen Auch zu dieser Herrlichkeit, Ach verzeih, was ich begangen Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Für mich zu der Himmelswaide, Da ich mit der Frommen Schaar Dich will loben immerdar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Hohel. Sal. 2, V. 5. 6. Er erquicket mich mit Blumen. Seine Linke lieget unter meinem Haupt, und seine Rechte herzet mich. Eine glaubige Seele ist versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Vater wird an seine Vatertreue denken, und seinem Kinde beistehen. 2) Jesus Christus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird durch seinen kräftigen Trost sie erquicken. Vergehet gleich Hören und Sehen, vergehen alle Sinnen, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung: Ich bin bei dir in der Noth, auch in der Todesnoth werde an ihm erfüllt werden. O wohl dem, welchen Gott Alles dieses in seinem Sterben empfinden läffet. des Beistandes des dreieinigen Gottes. 411 Gebet. Komm, Herr Jesu! und nimm meine Seele hin. Ich habe schon deine SüBigkeit geschmecket, darum verlangt und dürftet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorgt, ernährt, geleitet und ge= führt, sollte der jezzo, da mein Lebensende nahet, von mir weichen? Onein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kranken Kinde, und hilft ihm, so viel er kann, wie vielmehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmlischen Vaters getrösten? Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe austheilen, daß mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, daß er mir von Anfang der Welt be Der Sterbende tröstet sich reitet hat. Sterben kommt mir nicht erschrecklich vor, ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Chrifto, diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hie angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leib Jesu Chrifti, davon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern gehet, so weiß auch mein Jesus, wie es jetzt um mich stehet. Ich bin in ihm und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir sein in dem Sterben. Gleichwie er die Seinigen geliebt hat bis an's Ende, da er fich für sie in den Tod gegeben, also liebt er sie auch, wenn sie sterben sollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der 412 des Beistandes des dreieinigen Gottes. 413 alle Bitterfeit des Todes durch seinen Tod weggenommen. Der Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der sich hat mein Herz zum Tempel ge= heiliget in meinem Leben, der wird auch mit mir vereiniget bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trübfal getröstet, im Leiden erfreuet, im Elend erquickt, im Kreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde nicht verlassen, sondern Zeugniß geben meinem Geift, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Ja, weil er ist das Pfand unsers Erbes, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei, und zu der völligen Besizung eingehen werde. Der Vater reicht mir die Krone dar; Jesus führt mich an der Hand zur Freude; der heilige Geift ziert mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben; alle Auserwähl Der Sterbende tröstet sich zc. ten und Frommen empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, deß tröft ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib, in Todesnoth und Schmerzen: denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden. Amen. 414 Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laß mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Beglänzet mit dem Freudenlicht, In jenen Himmelsauen. 2. Jch komm alsdann zu Jesu Christ, Den werd ich bei mir sehen, Der hier mein Trost und Freude ist, zu dem will ich dort gehen; Zu dir, o Jesu, Gotteslamm! Und wie die Braut dem Bräutigam, Zu deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schaar Sind die, so mich empfangen, Ich werd mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen; Hie werd ich in dem Freudenreich Den hohen Seraphinen gleich, Und dieß ist mein Verlangen. 4. Ach ja, im Himmel treff ich an Viel tausend, tausend Frommen, mit weißen Kleidern angethan, Die da sind aufgenommen, Nach ausgestandnem Kreuz und Leid Zu solcher großen Herrlichkeit, zu denen werd ich kommen. 5. O Freud, o Trost, der da mein Herz Wird ewiglich umgeben, Denn da ist keine Angst und Schmerz, und kein betrübtes Leben. Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried und Freud Wird sich da recht anheben. 6. Alsdann wird mir sein ewig wohl, Wenn ich hab überwunden, Wie werd ich sein des Trostes voll, Wenn Der Sterbende will 2c. 415 mein Leid ist verschwunden! O Freudenstunde, brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann, und bleib mit ihm verbunden. Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Aufmunterung. Ap.- Gesch. 7, V. 58. Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. s tlagen Sterbende oft, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu thun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun vertreiben, thut ein Glaubiger wohl, 1) wenn er sich im Glauben und heiliger Betrachtung vorstellt Jesum am Kreuz, und dabei diese guten Gedanken hat: Jesu Wunden sind für mich geschlagen, sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht sein. Jesu Blut ist auch für mich vergossen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßt und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden. Bei diesen guten Betrachtungen will er 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt setzen, er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, vor Gott treten und sagen: Ach um meines Jesu Gerechtigkeit, Blutes, Todes, Wunden und Verdienstes willen sei mir gnädig, darauf lebe und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. O Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, so wende Der Sterbende will ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. O mein Erlöser! du hast mich erlöset von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach! laß mir dieses Blut zu statten kommen, daß ich gerecht vor deinem Nichterstuhl bestehen könne. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher, ach, so vergib mir meine Sünde, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, obschon mein Leben aufhört, weil ich in dir und du in mir lebest. Du bist der Weg, ach, führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, ach! du haft bisher alle deine Gnadenverheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch dieselbe, die du mir verheißen: wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. Herr! laß deinen Diener im Frieden fahren, wie du 416 auf Jesum Christum sterben. 417 gesagt haft. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuz für mich gestorben, wie du deine Arme ausgebreitet, wie dein heiliges Blut ist vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen. Ach! dein heiliges Blut wasche mich und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnt. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. Jesu! ich komme bald zu dir, indessen fasse und halte ich dich im Glauben, und spreche: Meinen Jesum laß ich nicht. Ja, an Jesum will ich allein denfen, er soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Ueberlegen, und Alles sein. Weg, ihr eiteln Gedanken, an Jesu Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergößen, seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen, seines bittern Leidens Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter. Thl. 27 418 Der Sterbende will auf Jesum 2c. will ich mich getrösten und mein letztes Wort soll Jesus sein, ja meine leßten Gedanken sollen Jesus, Jesus sein. Grschein du mir im Bilde in meiner leßzten Noth, wie du Herr Christ, so milde, dich haft geblut't zu todt, da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will mit frohem Muth In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen, Ach, öffne mir dein Herz, Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt Und wahre Wohnung sein. 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, Ich will an Jesu Blut Und sein Verdienst gedenken, Sein Blut ergreif ich jetzt In voller Zuversicht, Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 3. ÖBlut, o theures Blut, Das immer annoch fließet Auf jedes glaubig Herz, Das immer noch genießet Der, welcher Buße thut; O Blut, o theures Blut, Jch eigne mich dir zu, Du allerhöchstes Gut. 4. Jch ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ich bleibe nun mit dir, O Jesu, fest verbunden; Kein Schmerz, kein Leid, kein Feind Reißt mich nunmehr von dir; Ich lasse nicht von dir, Ach lasse nicht von mir. 5. Sieh, ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Fried und Freud, Der Seelen Seligkeit, Zieh meinen Geist nach dir Durch die gespaltne Seit. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden ster Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 419 ben, und in denselbigen Der Seelen Heil ererben; Und schlaf ich glaubensvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel Gar wohl verwahret sein. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. 1. Kön. 19, V. 4. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele, ich bin nicht besser, denn meine Väter. Wenn im alten Testament Jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so mußte es kein gezwungenes, sondern ein freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserm Sterben, es muß ein Mensch nicht sterben mit Murren und Widerwillen, sondern er soll Gott anrufen, er wolle ihm ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Gebet. Barmherziger, gnädiger Gott! ich merke, daß die Zeit meines Abschieds vorhanden ist, da ich soll im Frieden fahren, und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergeht mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheint, es wird bald anders mit mir werden, darum komme ich zu dir, und thue mein letztes Gebet, welches darin besteht: Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr! ein selig End gib mir um Jesu willen. Herr 27* Der Sterbende bittet Gott, himmlischer Vater! der du mich haft erschaffen, bisher versorgt und erhalten, ach nimm meine Seele in Gnaden an. O Jesu, der du mich mit deinem Blut erlöset und abgewaschen hast, ach laß mich in wahrem Glauben auf dein Verdienst und Blut selig sterben. Ach, Herr Jesu! in deine Hände befehle ich meinen Geist. O werther heiliger Geist! mein Tröster und Beistand, ach verlaß mich nicht, gib mir Freudigkeit und die Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, ja bete in mir auch mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O mein Jeſu, öffne mir die Himmelsthüre, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach, mein Gott, erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß behalte Jesum Christum; und so ja meine Augen früh brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmlischen Trost und Licht. Laß Jesum immerdar vor meiner Seele stehen, gib, daß ich mich über sein Blut erfreue, seines Verdienstes mich getröfte, und seine Gerechtigkeit in wahrem Glau420 421 um ein seliges Ende. ben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes und seliges Ende. O dreieiniger Gott! segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit, und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der Herr segne mich und behüte mich! der Herr lasse sein Antlig leuchten über mich, und sei mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließ ich meine Augen zu, und befehle mich Gott und seiner Gnade. Nun will ich mich ganz wenden zu dir Herr Christ allein, gib mir ein seligs Ende, send mir dein' Engelein, führ mich ins ewige Leben, das du erworben haft durch dein Leiden und Sterben und blutiges Verdienst. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Aufgelöset bald zu werden, Wünschet mein erfreuter Geist, Ich verlasse gern die Erden, Weil mein Jesus mich schon speis't Mit des Himmels Süßigkeiten, und er bleibet mir zur Seiten, Wenn ich Jesum bei mir hab, Fürcht ich nicht das finstre Grab. 2. Brecht ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen Gebet der Umstehenden euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde, Mit hellglänzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schönen Himmelsstege, Jst mein Auge Jesus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 422 3. O du rother Mund erblasse, Ja ihr Lippen, schließt euch zu, Weil ich, da ich Jesum fasse, Komme zu der Himmelsruh. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten; Jesus, Jesus ist mein Mund, In der letzten Todesstund. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Darauf ich mit Freuden hör; Ich seh schon die Freudenſonne, Mein Ohr höret Freud und Wonne. Was ist das für ein Gesang, Ist es nicht der Engel Klang? 5. Du, mein Herz zerspring mit Freuden, Edles Leben, fahre hin! Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihm stets bin; Jesum hab ich schon gefunden, Und ich bleib mit ihm verbunden, Wenn das Herz in Stücken bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 462 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder, Durch den kalten Todesschweiß Legt euch nur ins Grabe nieder, Weil ich schon versichert weiß, Jesus wird das Grab aufdecken, Und euch wieder auferwecken; Ja, euch schön mit Glanz erneut, Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, Dich empfehl ich meinem Gott, Gehe aus der Leibeshöhle, Geh aus aller Angst und Noth, Geh zur Freude nach dem Klagen, Geh zur Wonne nach den Plagen, Geh zur Himmelsfreude ein, Owie wohl wird dir da sein. Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! du erhöreft Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jego auch zu dir, und tragen dir in unserem Gebet diesen Sterbenden vor. Herr Gott Vater im Himmel! 423 für Sterbende. erbarme dich über ihn; er ist dein Kind, welches du in der heiligen Taufe zu Gnaden und zu deinem Kinde aufgenommen hast, siehe, dein Kind ist krank, dein Kind will sterben, ach, laß ihn seinen Kindesantheil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seelen Seligkeit; vergib ihm alle seine Sünden, die er Zeit seines Lebens wider dich gethan und siehe ihn in Gnaden an. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über diesen Sterbenden, du hast ihn mit deinem heiligen Blute erlöset, du bist auch für ihn gestorben, ach, darum rechne ihm nicht zu seine Sünden, sondern rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst, wasche ihn mit deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn als einen durch dein Blut Gereinigten, vor dem Throne Gottes erscheinen. Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gib Zeugniß seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, heilige ihn, stärke ihn und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Dreieinigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an; gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Uebertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände, und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt erstorbenen Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Indessen Herr, Herr, da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinne kommen das Andenken des gekreuzigten Jesu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Schein in 424 Seufzer, Sprüche und Gebete, seiner Seele aufgehen, ja, o Jesu! du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum ewigen Leben. Ach, wenn nun sein Mund sich schließet, daß er nicht mehr beten kann, so bete du für ihn, o Jesu, sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater, hilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm sein. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach, so stärke ihn, und sei sein Beistand. O dreieiniger Gott! bleibe du bei ihm, und erhalte ihn im Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehlen wir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Amen. Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können.*) Efaj. 49, V. 14. 15. Zion spricht: der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Gott verläßt der Keinen, der sich auf ihn ver*) Fromme Christen thun auch wohl, wenn sie selbige bei ge sunden Tagen sich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. den Sterbenden vorzusprechen. 425 läßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt sichs an wunderlich, so laß dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde; o mein Gott, du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach! bleibe es auch jetzo. O Jesu, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. O werther heiliger Geist, stärke mich, erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Psalm 42, V. 2. 3. Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott, wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Laß deine Engel mit mir fahren auf Eliä Wagen roth, und meine Seele wohl bewahren, wie Lazarum nach seinem Tod; laß sie ruhen in deinem Schoos, erquicke sie mit Freud und Trost, bis der Leib kommt aus der Erden, und mit ihm wird vereinigt werden. Jesu, du Licht meiner Seele, wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß meiner Seele aufgehen die himmlische Klarheit, weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen. Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich doch kein Unglück, denn Seufzer, Sprüche und Gebete, mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesu! bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich dein Eigenthum sein, hie zeitlich und dort ewig. Psalm 40, V. 18. Ich bin arm und elend, der Herr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. 426 Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rath allzeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele nimm auf zu der ewigen Himmelsfreude. Ach höre, o Jesu, mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Noth; du mein Seligmacher und Erretter, errette mich, löse mich auf und mache mich selig. Ach, komm doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich. Esaj. 41, V. 10. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. O Herr Christ, du Morgenstern, der du ewiglich aufgehst, sei jekund von mir nicht fern, weil mich dein Blut hat erlöst; hilf, daß ich mit Fried und Freud mög von hinnen fahren heut, ach, sei 427 den Sterbenden vorzusprechen. du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. Jesu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Vater, der du zu der Rechten Gottes fizest, und vertritt uns, ach, bitte auch für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werther heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, bleibe bei mir mit deinem Troft bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater ist bei mir, mein Jesus ist bei mir, der heilige Geist ist bei mir, ja, auch die Engel find bei mir, so will ich mit Freuden sterben. Psalm 73, V. 23. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rath und nimmst mich endlich zu Ehren an. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jesu Christ! den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist; hilf ritterlich mir ringen, ach habe auf mich Acht, bis ich mag fröhlich singen: Ich habs mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herre Gott! ich weiche nicht von dir, ach, bleibe du auch bei mir. Jesu, wenn mein Kampf angehet, so hilf mir ringen, so hilf mir siegen und überwinden. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freud, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du bei mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Seufzer, Sprüche und Gebete, Matth. 25, V. 23. Ei du frommer und getreuer Knecht! du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel segen, gehe ein zu deines Herrn Freude. 428 Nun ich warte mit Verlangen auf den süßen Augenblick, wann du kommst, mich zu empfangen; komm, ich weiche nicht zurück, nimm mich auf zu deinen Frommen, komm, ich heiße dich willkommen, komm, ach komm! o Gotteslamm! nimm mich auf, mein Bräutigam! O Jesu! dir will ich durch deines Geistes Beistand getreu verbleiben bis in den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund, mein Hirte! ich laß dich nicht, mein Seelenbräutigam! außer dir kann mich nichts ergößen. Führe mich, o liebster Freund! aus dem Elend zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Hiob 19, V. 25. 26. 27. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde hernach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen, denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, dem hab ich mich ergeben, mit Freud fahr ich dahin. Mit Freud scheid ich von dannen, zu Christ, dem Bruder mein, daß ich mög zu ihm kommen, und ewig bei ihm sein. Ja, hiemit ergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott! in deinen Schutz und Gnade, meine theuer erkaufte Seele befehle ich dir; ich sterbe, und werde 429 den Sterbenden vorzusprechen. auch wieder auferstehen; ich sterbe, und werde ewig Leben in der Himmelsfreude. O dreieiniger Gott! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem innerlichen Trost deines heiligen Geistes; denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst Jesu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Freudenangesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. Psalm 17, V. 15. Ich will schauen dein Angesicht in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ach! ich habe schon erblicket diese große Herrlichkeit, jego werd ich schön geschmücket mit dem weißen Himmelskleid; mit der goldnen Ehrenkrone steh ich da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Ach, mein Jesu! freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit denket, die du mir bereitet haft. Ich verlaffe gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu komme, zu meinem Seelenbräutigam, o wie wohl, o wie selig werde ich sein, wenn er meine Seele nach so vielen ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen erquicken wird. Buch der Weisheit 3, V. 1. 2. 3. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und teine Plage rühret sie an; vor den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden. Seufzer, Sprüche und Gebete, Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all' Noth und Qual, weil dich Christus nun, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal; aus Trübsal und großem Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr jemals gehöret, und in Ewigkeit auch währet. Ich weiß wenn ich sterbe, so komm ich aus dem Elend zu Gott, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude; darum freuet sich meine Seele. O mein Gott, hie bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache sie selig. Mein Jesu, ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden sein. 2. Cor. 5, V. 1. Wir wissen, so unser irdisch Haus, diese Hütte, zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 430 Da wird sein das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, stehen da vor Gottes Thron; wo die Seraphinen prangen, und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Ach, lieber Herr Jesu, versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dieß Haus und dieß mein Sterbebette verlassen werde; welch ein herrliches Haus, welch eine Freudenstätte hat mir mein Jesus bereitet! da ist keine Angst, Jammer und Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit; weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich anhangen, auf deine Gnade verlaß ich mich, auf deinen den Sterbenden vorzusprechen. Trost sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. 431 Esaj. 35, V. 10. Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen und gen Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzer werden weg sein. Nun es wird dennoch geschehen, daß ich auch nach kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh und Furcht, zuletzt der Tod, aber dort ist allezeit, Friede, Freud und Seligkeit. O Jesu, laß mich bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe hie lange genug das Thränenbrod gegessen, ach, laß mich bald das süße Engelsund Himmelsbrod kosten. Seufzer und Schmerzen sind hie meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach, laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit thun, erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. 2. Tim. 4, V. 7. 8. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth, durch seine heil'gen fünf Wunden bin ich versöhnt mit Gott. Seufzer, Sprüche und Gebete, O Jesu, hilf mir glücklich überwinden, wenn nun der letzte Kampf angeht; steh mir bei, so wird er mir leicht werden; hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden! halte mich, den Elenden, in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folget die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich gezieret, und von meinem Jesu gekrönet werden nach meinem Tode! Zeige mir die Krone, die du mir beigelegt haft, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. 432 Off. Joh. 2, v. 10. Kap. 3, V. 5. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Schaut mich in meinem Kranze, darin ein Sieger prangt, beschaut mich in dem Glanze, den meine Seel erlangt! ich trag die Himmelskrone, ich glänz in Himmelspracht, damit hat Gottes Sohne, mein Jesus, mich bedacht. Von meines Jesu Liebe will ich nimmermehr lassen, ich hab ihn geliebt in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in meinen Tod. O Jesu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will ich getreu bleiben im Glauben, dir getreu sterben. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf ich ein. Röm. 8, V. 38. 39. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, we den Sterbenden vorzusprechen. der Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. 433 Jesum, Jesum will ich lieben hier und dort in Ewigkeit, sollten mich gleich hier betrüben aller Jammer, alles Leid, was frag ich nach Höll und Tod? Jesus hilft mir aus der Noth, der wird mich zur Freude führen, wo die Seinen jubilieren. Ja, das ist mein Schluß: Meinen Jesum laß ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht. Jesus ist mein, ich bin sein, ich lege mich in meines Jesu Arme; darin will ich selig leben und sterben, o wie wohl! Jak. 1, V. 12. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Herzlich thut mich verlangen nach einem sel'gen End, weil ich hier bin umfangen mit Trübsal und Elend! Ich hab Lust abzuscheiden von dieser bösen Welt, sehn' mich nach himmlischen Freuden, o Jesu! wann ich end'. Ach ja, o Jesu! komm zu mir, ach! komm doch bald, mein Aufenthalt, und nimm mich hin im Frieden, gib mir Geduld und Stärke, ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib und Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. D Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter Thl. 28 434 Seufzer, Sprüche und Gebete, Jesu! hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. Herr Gott! der du bist unsere Zuflucht für und für, sei auch meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. Psalm 31, V. 6. In deine Hände befehl ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Gleichwie sich fein ein Vögelein in hohle Bäum verstecket, wenns trüb hergeht, die Luft unftät, Menschen und Vieh erschrecket: also, Herr Christ! mein' Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden, wenn Sünd und Tod mich bracht in Noth, hab ich mich drein gefunden; darin ich bleib, ob Seel und Leib hier von einander scheiden, so werd ich dort bei dir, mein Hort, sein in den ew'gen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott, zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gütigkeit des heiligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich meinen Leib und Seele. Ach, nimm dein Täublein auf, ich komm in vollem Lauf; breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein; will Satan mich verschlingen, so laß die Engel singen: dieß Kind soll unverleget sein! Ebr. 12, V. 22. 23. 10 Ihr seid kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Gemeine vieler tausend den Sterbenden vorzusprechen. 435 Engel, und zu der Menge der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Mein Gott, ich bin bereit, zum Himmel einzugehen, und in verklärtem Glanz vor deinem Thron zu stehen, was soll ich auf der Welt in Trübsal länger thun? Ach, hole mich zu dir, dort kann ich sicher ruhn. Herr, eile mit mir fort, hier wird mir's gar zu lange, den Himmel wünsch ich mir, daß mich die Freud umfange, da ich dich schauen kann in alle Ewigkeit, ach, eile bald mit mir, mein Gott, ich bin bereit. Mein Jesu, wie herrlich wird der Anblick sein, wenn ich dich werde in deiner Herrlichkeit, und alle Engel und Auserwählten in dem Himmel antreffen. Nun darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde, und komme zur Herrlichkeit; ich verlasse das Elend, und komme zur Freude; ich verlasse die Menschen, und komme zu den heiligen Engeln. Joh. 10, V. 27. 28. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne fie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Ich bin ein Glied an deinem Leib, deß tröst ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib in Todesnoth und Schmerzen: denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu! bringe mich, dein 28* 436 Seufzer, Sprüche und Gebete, armes Schäflein, nun zur Himmelsfreude, laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen; Satan hat keinen Theil und Recht an mir, aber dein Eigenthum bin ich gewesen, und will es auch ewig sein. Ach! nimm meine Seele, wie ein mattes Schäflein in deine Arme und bringe es zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem Jefu bin! dard Offenb. Joh. 14, V. 13. Selig find die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. D Herr! gib mir in Todespein ein säuberlich Gebärde, und hilf, daß mir das Herze mein fein sanft gebrochen werde, und wie ein Licht ohn' alles Web, auf dein unschuldig Blut vergeh, das du für mich vergossen. Ach Herr! sprich meiner Seele den Trost ein: ich werde in dir sterben. O Jesu! du hast in mir gelebet und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in deinen Wunden, in deiner Gnade, bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich ruhen von meiner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen; o Jesu! höre mich, ja komm, Herr Jesu! T 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gott Lob! die Stund ist kommen, da ich werd aufgenommen in's schöne Paradies; ihr Frommen sollt nicht klagen, mit Freuden sollt ihr sagen: dem den Sterbenden vorzusprechen. 437 Höchsten sei Lob, Ehr und Preis! Gott eilet mit den Seinen, läßt sie nicht lange weinen in diesem Thränenthal; ein schnell und selig Sterben ist schnell und glücklich erben des schönen Himmels Ehrenfaal. O großer Gott! denke in Gnaden an mich, und erbarme dich, ach! gib mir ein vernünftiges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlöfungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach, erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens; laß mich freudig anhören den Trost, der mir versprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Matth. 25, V. 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist, von Anbeginn der Welt. Im Himmel ist gut wohnen, wo mit dem Ehrenkleid mein Jesus wird belohnen der Frommen Herzeleid; da glänzt der Leib und funkelt, gleichwie ein Edelstein, das Licht wird nicht verdunkelt, im Himmel ist gut sein. Ach, mein Jesu! laß mich auch, wenn ich von demLeibe scheide, diese Stimme hören, sprich meiner Seele alsdann zu: Komm her, du Gesegnete! ja, laß Leib und Seele am jüngsten Tag mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt werden. In 438 Seufzer, Sprüche und Gebete, dessen fasse ich dich im Glauben und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Efaj. 61, V. 10. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. O Jerusalem, du schöne, ach, wie helle glänzest du; ach, wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh. O der großen Freud und Wonne, jegund gehet auf die Sonne, jezund gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude versüßet mir alle Bitterkeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter. Jesus ist bei mir, der tröstet mich, der erhält mich; ach mein Gott! gib mir das himmlische Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet hast. Deine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ja, ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da gezieret stehen vor dir. Joh. 3, V. 16. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht, du, du kannst mich stärker machen, wenn mich Sünd und Tod anficht; deiner Güte will den Sterbenden vorzusprechen. ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen, dich, Herr Jesu! nach dem Streit in der frohen Ewigkeit. Ach, liebster Gott und Vater! laß mich auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden. Ich weiß, du hast auch mich geliebet und mir deinen Sohn gegeben, ich habe auch an ihn geglaubet, und will in solchem Glauben an ihn verharren bis an den letzten Augenblick meines Lebens. Ach, verfichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubt, möge schauen in dem ewigen Leben. Ach Jesu! stehe mir bei, verlaß mich nicht. 1. Petr. 1, V. 18. 19. Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 439 Du hast mich ja erlöset von Sünd, Tod, Teufel, Höll, es hat dein Blut gekostet, drauf ich mein Hoffnung stell, warum soll mir denn grauen vor Tod und höll'schem G'sind? Weil ich auf dich thu bauen, bin ich ein seligs Kind. Ich komme, o großer Gott, vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blute zugeeignet habe. O du Lamm Gottes, das du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner. Ach, gerechter Gott, siehe nicht an meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit, die Seufzer, Sprüche und Gebete felbe ergreife ich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deßwillen sei mir gnädig und barmherzig. 440 Apost.- Gesch. 4, V. 12. tem Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Jesus ist für mich gestorben und sein Tod ist mein Gewinn, er hat mir das Heil erworben, drum fahr ich mit Freuden hin, hin aus diesem Weltge= tümmel in den schönen Gotteshimmel, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Jesu! mein einziges Heil und meine Zuversicht, ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach! erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jesusname und das Andenken seines vergossenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und Gedanken bleiben. Herr Jesu, dir leb ich, Herr Jesu, dir sterb ich, Herr Jesu, dein bin ich todt und le= bendig. Amen. 1. Joh. 2, V. 1. 2. Ob Jemand fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist, und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein'n Arm thu ich ausstrecken, so schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, wird mir die Himmelsthür aufthun, mich führen zum ewigen Leben. den Sterbenden vorzusprechen. O großer Gott, die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden von der Welt und vor dein Gericht treten; ach, himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich, als dein Kind, das du erschaffen und geliebet hast, in Gnaden auf. O Jesu! bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürbitter und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden, kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. O werther heiliger Geist! wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringest zu der ewigen Himmels- Wohnung. Ebr. 5, V. 16. Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen, und Gnade finden auf die Zeit, wann uns Hilfe noth sein wird. 441 Stärk mich mit deinem Freudengeist, heil mich mit deinen Wunden, wasch mich mit deinem Todesschweiß in meinen legten Stunden, und nimm mich einst, wann dir's gefällt, in wahrem Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. Ach ja! um Jesu willen werde ich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und sei mir gnädig und barmherzig. Amen. 2. Cor. 5, V. 21. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 442 Seufzer, Sprüche und Gebete, In deine Seite will ich fliehen auf meinem bittern Todesgang, durch deine Wunden will ich ziehen, in meines Himmels Vaterland, in das schöne Paradies, wie dein Mund den Schächer wies, wirst du mich, Herr Christ, einführen, und mit ew'ger Klarheit zieren. Jesu! du hast weggenommen meine Sünden, du haft mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden sind dir aufgeleget, und was dein ist, deine Gerechtigkeit ist mir geschenket; deß freu ich mich, deß tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit werd ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. In Jesu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine Gerechtigkeit, o darin kann ich fröhlich sterben, und Gott angenehm sein. Offenb. Joh. 21, V. 4. In dem neuen Jerusalem wird Gott abwischen alle Thränen von der Glaubigen Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein. O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen, ihr seid entgangen aller Noth, die uns jetzt hält umfangen. Muß man hier doch wie im Kerker leben, da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; was wir hie kennen, ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. Ihr hingegen ruht in eurer Rammer sicher und befreit von allem Jammer; kein Kreuz und Leiden ist euch hinderlich in euren Freuden. Christus wischet den Sterbenden vorzusprechen. 443 ab all eure Thränen, ihr habt schon, wornach wir uns noch sehnen, euch wird gesungen, was durch keines Menschen Ohr allhie gedrungen. Komm, o Jesu! komm mich auszuspannen, lös mich auf und führ mich bald von dannen, bei dir, o Sonne, ist der frommen Seelen Freud und Wonne. Ach Jesu! ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freudenangesicht sehen. Da wird mein Leib leuchten wie die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz sein; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich zur Herberge, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterland. 1. Joh. 1, V. 7. So wir im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Wann endlich ich soll gehen ein zu deines Reiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur sein, ich will mich darein kleiden; es soll sein meines Hauptes Kron, mit welcher ich will vor den Thron des ewigen Vaters stehen, und dir, dem ich mich anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut zu deiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin leb und sterb ich. Es ist nichts Verdammliches an mir, weil ich in seiner Gemeinschaft stehe. Jesu Blut heiliget und macht mich rein. O himmlischer Vater, siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darum komme ich zu dir. Seufzer, Sprüche und Gebete, Joh. 1, V. 29. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warest verachtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarme dich unser, o Jesu! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden. Amen. 444 Joh. 17, V. 24. Vater! ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Ist's nun dein Will, so stell dich ein, mich selig zu versehen; ach, ewiglich bei dir zu sein, kann meine Seel ergößen; eröffne dich, du Himmelssaal, damit ich nach der Noth und Qual zu meinem Jesu komme. O welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir, o Jesu, kommen und dich von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann mit unaussprechlicher Freude ergößen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten. O wie groß ist deine Herrlichkeit! Ach! den Sterbenden vorzusprechen. 445 ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Röm. 14, V. 7. 8. Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! ich bitt, du wolleft sein von mir nicht fern mit deiner Hilf und Gaben! Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erden frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben; und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein Trost und meines Herzens Theil, deß Blut erworben mir das Heil. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! in Schanden laß mich nimmermehr. O großer Gott! ich bin dein geworden in der heiligen Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben, laß mich im Sterben auch dein Eigenthum sein. O Jesu Christe, Gottes Sohn! der du für mich hast g'nug gethan, ach schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Troft und Helfer mein. 2. Tim. 2, V. 8. Haltet im Gedächtniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten. Erschein du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde, dich haft geblut't zu Tod, da will ich nach dir blicken, da will Seufzer, Sprüche und Gebete, ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken: wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben! Jesu, ich umfasse dich, in mein Herz drück ich dich; ach, weiche nicht von mir, mich verlanget nach dir, o mein Heiland, wäre ich bei dir. 446 Luc. 23, V. 42. 43. Herr! gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein. Befiehlst du, Jesu, meinen Geist, eh jetzt mein Leben sich entreißt, in deines Vaters Hände, so greif dann, liebster Jesu! zu, nimm meine Seel in diesem Nu, in deine treuen Hände. Senk ein die blutbesprizte Seel in deine blut'ge Seitenhöhl, jetzt und an meinem Ende. Mein Jesu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach nimm meine durch dein rothes Blut erkaufte Seele auf in deine heiligen Hände. Ach laß sie dir befohlen sein, daß sie zur Freude in das Paradies eingehe. Ich spreche auch mit dem glaubigen Schächer: Herr Jesu! gedenke mein, gedenke, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. 1. Tim. 1, V. 15. Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Jesus! du hast weggenommen meine Sünden den Sterbenden vorzusprechen. durch dein Blut, laß es, o Erlöser! kommen meiner Seligkeit zu gut; und dieweil du so zerschlagen, hast die Sünd am Kreuz getragen, ei, so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sei. 447 Herr, ich warte auf dein Heil! Jesus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig, Jesus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines Jesu eigen, und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, und sehe, wie Jesus mich zu sich rufet. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du selbst herfür, wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Pein. Jesu, mein Leben endet sich, ach, nimm mich auf zu dir. Mein Hirte, nimm dein Schäflein, mein Vater, nimm dein Kind, mein Jesu, nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, und so schließe ich meine Augen zu. Offenb. Joh. 7, V. 9. 14. Darnach sahe ich, und siehe eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden, und Völkern vor dem Thron stehen, und vor dem Lamm mit weißen Kleidern angethan, und Palmen Seufzer, Sprüche und Gebete, in ihren Händen. Und er sprach zu mir: Dieſe sind's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht durch das Blut des Lammes. 448 Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar? welche zieret eine Krone, glänzend gleich den Sternen klar, singen Halleluja all, loben Gott mit großem Schall. O wie groß wird sein die Wonne, wenn wir werden allermeist schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heil'gen Geist. Großer Gott! dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach, mein Jesu! ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blut, und eigne mir es zu, ach! nimm mich um dessen willen auf in dein ewiges Freudenleben. Luc. 23, V. 46. Bater, in deine Hände befehl ich meinen Geist. Apost.- Gesch. 7, V. 58. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Herr, meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände, o wahrer Gott aus aller Noth, hilf mir am letzten Ende. O mein Jesu! dein letztes Wort am Kreuze soll auch mein letztes Wort in meinem Leben sein. Herr Jesu, dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. 1000 2006 2. Petr. 3, V. 13. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen den Sterbenden vorzusprechen. 449 Erde, nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohnet. O Gottesstadt, o goldnes Licht, o Wohnhaus aller Freuden, wann schau ich Gottes Angesicht? Wann endet sich mein Leiden? Wann schmeck ich seine große Güte? O Lieb, es brennet mein Gemüthe; ich lieg und seufze mit Begier, o Jesu, Seelenfreund, hol mich zu dir. O Gott, wie selig werd ich sein, wenn ich aus diesem Leben zu dir geh in dein Reich hinein, das du mir dort wirst geben. Ach Herr! wird denn der Tag bald kommen, daß ich zu dir werd aufgenommen? Ach Herr! wann kommt die Stund heran, daß ich in Zion jauchzen kann. O du heiliger dreieiniger Gott! nimm jezt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komm, Herr Jesu! ich warte auf dich, ach führe mich ein zu deiner Freude. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn! was du haft erlöset, Herr Gott heiliger Geist! was du hast geheiliget, das befehl ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Ach, mein Jesu! mein lettes Sterbestündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum erhalte mich im Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter Thl. 29 Seufzer und Gebete Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, o Jesu! all meine Hoffnung seße. Ach! in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung, laß deine Linke unter meinem Haupte sein, und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbestündlein durch den Trost des heiligen Geistes, und bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt. 450 Und ich soll fahren meine Straße, Ach ja, mein Jesu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater! o wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne antreffen. O wie wohl wird mir da sein! Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o Jesu! schenke mir des Glaubens Freudigkeit und deines Trostes SüBigkeit, und damit ich diese Todesfahrt mit Freuden antreten und vollbringen möge, So g'leit du mich, Herr Jesu Christ, Ach ja, o Jesu! begleite mich aus diesem zeitlichen in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Lichte wandeln, wenn du mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wenn sie vom Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meine Seelenaugen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schaar der Auserwählten. Ja, eines Sterbenden. begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters, als dein Eigenthum, damit ich daselbst Gnade erlangen, und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus dieser Welt stehe bei mir, und Mit Hilf mich nicht verlasse, Ach, es kann mir in meinem Sterbestündlein Niemand helfen, als nur du, o Jesu, allein. Hilf mir und stärke meinen Glauben; hilf mir und gib Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei und jetzt als ein Kind Gottes das ewige Erbe empfangen werde; ja, verlaß mich nicht, wenn ich im Tod erblasse. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen: alsdann sei und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergehet, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergehet, und ich nicht mehr beten kann, alsdann bete für mich, o Jesu! o heiliger Geist, bete in mir und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude, ach nimm 451 Meine Seele an meinem letzten End, In deinen Schutz und Gnade auf. D Jesu! du hast meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft, ach! wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines Lebens, ach! so gib mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Augen 29* 452 Seufzer und Gebete und Gemüthe zu dir richten, und beten, so lange die Zunge lallen kann, seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gib mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deiner Gemeinschaft, o Jesu, im Sterben genießen, und durch den Troft und Beistand des heiligen Geistes erquickt werden. Gib mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vereinigt bleibe vor dem Tode, in dem Tode, und nach dem Tode. Damit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele, und Befehl fie, Herr! in deine Händ, Owie wohl wird sie darin bewahret sein. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtige Hände, Niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat keinen Theil an mir; nicht der Satan, den hast ja du überwunden. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl auf gehoben sein; denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den jüngsten Tag; da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen, und sodann Leib und Seele der Himmelsfreude genießen lassen. Verleihe mir nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und eines Sterbenden. Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hast. 453 2. Meine Sünden mich werden kränken sehr, Ach ja, mein Jesu, ich gedenke heute an meine Sünden, und ist mir herzlich leid, daß ich dich so oft und so vielfältig erzürnet habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach, ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidiget habe; ach, hätte ich es doch nicht gethan! Aber, o Jesu, durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth wasch ab all meine Sünden, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer fie tief versenke. Ach, mein Jesu, wenn meine Sünden vor meine Seele treten, mich ängsten, verdammen und verklagen wollen, so tritt du zu meiner Seite, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun dessen tröste ich mich, wenn Mein Gewissen mich wird nagen, Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich muß über meine Sünden ausstehen. O Sünde, wie bitter bist du auf dem Todbette, wie machst du mir so angst und bange; aber, o Jesu, um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Uebertretungen, um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich. Um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Ach! ich läugne nicht meine Missethaten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viele sind. Seufzer und Gebete Denn ihrer sind viele wie Sand am Meer, Ich habe viel gesündigt mit Gedanken, viel habe ich gesündigt mit meinen Worten und unnüßen Reden, viel habe ich gesündigt mit meinen Werken und Thaten von Jugend auf bis auf diese Stunde; so du nun, Herr! willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten und mir geben nach meinen Werken, o wie wird es mir ergehen. Ach, was soll ich Sünder machen? ach, was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an. 454 dom h Doch will ich nicht verzagen, Und warum sollte ich verzagen? der himmlische Vater wird ja sein armes, bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen, Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geist wird mein Beistand bleiben auch in meiner Todesnoth, und mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um Jesu willen sollen vergeben sein. Gedenken will ich an deinen Tod, Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu! am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie 455 eines Sterbenden. du für mich dein Blut vergossen hast, und sagen: siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Lamm Gottes! unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warest verachtet, all Sünd hast du ge= tragen, sonst müßten wir verzagen, erbarme dich meiner, o Jesu! So soll nun immer in meinem Herzen sein Jesu bitteres Leiden und sein vergoffenes Blut, ja, Herr Jesu, deine Wunden roth, Laß mir in mein Herz eingeschrieben sein. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden, in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich fein ein Vögelein in hohle Bäum verstecket, wenn's trüb hergeht, die Luft unftät, Menschen und Vieh erschrecket: Also, Herr Christ, mein Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden, wenn Sünd und Tod mich bracht in Noth, hab ich mich drein gefunden. Jesu Blut, Tod und Wunden, sollen meine letzten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus mein letztes Wort sein. O Jesu Christe, Sohn Gottes, der du für mich haft g'nug gethan, ach, schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Troft und Helfer mein. Ja, Herr Jeſu! deine Wunden, Die werden mich erhalten. Um derselbigen willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließt man meinen Leib in den Sarg ein, so will ich meine Seele in die Wunden Jesu einschließen. Darin wird fie erhalten werden, daraus kann sie kein Seelen Seufzer und Gebete feind vertreiben; in diesen Wunden ruhet sie, und wird gebracht zu der Schaar der Frommen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, O welch ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin. In der heiligen Taufe bin ich neu geboren worden, da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt Jesus ist; ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich sein werde, wo mein Jesus ist. Jesus aber ist in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen. Er hat verheißen: wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle nach mir ziehen. O Jesu, du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters, zeuch mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude; ach ja, du wirst mich als dein Glied theilhaftig machen deiner Herrlichkeit. 456 Deß tröst ich mich von Herzen, Ein herrlicher Trost! weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja Gottes Erbe, und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen, und zur Herrlichkeit erhoben werden. O sollte ich denn nicht gerne sterben, nicht gerne mitleiden und mitdulden, damit ich auch mitherrschen und mitLeben möge? Das soll auch mein beständiger Trost sein. Jesus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen; Jesus, mein Heiland, wird mich selig machen, darum sage ich auch: mein Jeſu! 457 eines Sterbenden. Von dir ich ungeschieden bleib Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes, mich scheiden soll von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn. Ja nichts, nichts soll mich von Jesu scheiden, kein Kreuz und Krankheit, kein Kampf und Angst meiner Seele, ja auch der Tod nicht. Leib und Seele mögen sich scheiden, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; muß ich scheiden aus der Welt und von meinen Freunden, von Jesu aber doch nimmermehr. O Jesu! ich habe dich in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich in wahrem Glauben fest halten, bis du mich bringest zu deiner himmlischen Herrlichkeit. Jesus ist mein, und ich bin meines Jesu allezeit, auch In Todesnoth und Schmerzen. Ja, mein Jesu! du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle auch deine Gnadenverheißung. Ist die Todesnoth die letzte Noth, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwart versüßen. Erschein du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde, dich haft geblut't zu Tod; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken, und will sagen: Herr Jesu, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn; Herr Jesu, dir leb ich, Herr Jesu, dir sterb ich, Herr Jesu, dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Seufzer und Gebete Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir, Ja, mein Jesu! ich will gerne sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in deine Herrlichkeit kommen werde. Ich will im Glauben sterben, und mich auf dein Verdienst, Blut und Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir, ich sterbe als dein Kind, welches du bisher haft geliebet, ich sterbe als dein Schäflein, welches Niemand aus deiner Hand reißen kann, ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Denn 458 Ein ewigs Leben hast du mir, 200 O Jesu, wie freue ich mich auf dieses Leben, auf diese Herrlichkeit; habe ich hie gehabt wenige gute Tage, und mein täglich Brod ist gewesen Müh und Klage, so werde ich hingegen in dem Himmel haben lauter gute Tage, Freudentage, Erquickungstage; da wird mein Heiland abwischen alle Thränen von meinen Augen. O selige Stunde, wann ich zu dieser Freude gelangen werde, und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich gewiß, denn dieß Freudenleben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes! für mich gestorben; du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde, für mich bist du verspeiet, gekreuziget und getödtet, dein Tod versüßet meinen Tod, es kommt alles mir zu gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen; tausend-, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O darum sei getrost, meine 459 eines Sterbenden. Seele, und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben, und dir daselbst eine Stätte bereitet. O wohlan, habe ich hie auch keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, bricht mein Herz, so weiß ich schon wohin: zu Jesu, meinem Heiland. Denn ich weiß, wenn dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbauet, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist im Himmel, und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, O ein herrlicher Trost! den mir Gottes Wort gibt; wenn ich schon sterbe, so soll ich doch wieder auferstehen. Ist das nicht ein großer Trost für mich? Und er entstehet daher, weil mein Jesus vom Tode auferstanden ist; er ist für mich am Stamm des Kreuzes gestorben als das unschuldige Lamm Gottes, er ist auch begraben worden, er ist aber wiederum siegreich am dritten Tage auferstanden. Jesus ist erstanden, ich werde auch auferste= hen. Jesus lebt, ich soll auch leben. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so Werd ich im Grab nicht bleiben, Jesus wird mir mein Leben wieder geben, Leib und Seele, die durch den Tod getrennt waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereiniget werden. So wenig das Grab meinen Jesum hat halten können, so wenig wird es mich auch halten, Seufzer und Gebete wenn die letzte Trompete erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, dieweil mein Leib da ruht von aller Sorge, aller Arbeit, allen Schmerzen, und meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquicket und getröstet werden. Ja mein Heiland, nicht allein erfreuet mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch 460 Mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Als Jesus von den Todten auferstanden war, so fuhr er gen Himmel, und ging in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorangegangen, ich folge nach; ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegen gerücket werden, da dann Leib und Seele mit einander sollen zu ihres Herrn Freude eingehen. Das soll mein höchster und herzlichster Trost in meinem Sterben bleiben: Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren, ich werde auch ihm nachfahren; Jesus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben theilhaftig werden. Was kann mir denn nun süßer und angenehmer sein, als meines Jesu und meine zukünftige Himmelfahrt? Tod'sfurcht kann sie vertreiben. Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele gehet aus der irdischen zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind zu eines Sterbenden. seinem Vater zu gehen, oder eine Braut zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, meiner Seelen Bräutigam; soll ich mich dann fürchten? Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur ab, meine Seele verliert ihr Kreuz, und erlangt die himmlischen Güter, sie verläßt die Menschen und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein Jesu! was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir. 461 Denn wo du bist, da komm ich hin, O welcher Trost ist das, nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren, und bei meinem Jesu in seiner Herrlichkeit sein. Das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. O welche Freude wird das sein, wenn mich Jesus in seine Arme fassen, und zu der Herrlichkeit einführen wird! O wohlan, so bin ich wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist, und dieses zu meinem Trost, Daß ich stets bei dir leb und bin, Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in der himmlischen Herrlichkeit. Auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Throne stehen, und sein Antlitz schauen, welches Anschauen die allerunaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben, und durch ihn ewiglich erquicket werden, und weil ich dessen überzeugt bin, Seufzer und Gebete Drum fahr ich hin mit Freuden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen vergeben sind. Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferwecket werden; ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten, und zu meinem Jesu kommen, darum mit Freud fahr ich von dannen, zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus diesem Jammerthal in den Freudensaal, denn aus Trübfal, großem Leid soll ich fahren in die Freud, die kein Ohr je hat gehöret, und die in Ewigkeit auch währet. 462 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Spricht mein Heiland: ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott, so spreche ich auch in meinem Sterben: ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja zu meinem Erlöser fahre ich, erlöste Seele, hin. Und ach, wie verlangt mich, Jesum zu sehen in seiner Herrlichkeit, Jesum, den ich nie gesehen, aber doch lieb habe, zu umfassen! darum Meine Arme thu ich ausstrecken, Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu! ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und eines Sterbenden. 463 nimmermehr zu lassen. Ich strecke meine Arme aus und rufe: ja komm, Herr Jesu! Ich erinnere mich, wie mein Jesus am Stamm des Kreuzes seine beiden Arme ausgestrecket, und also gestorben, als ob er mich umarmen wollte: so will ich jetzo auch sterben, mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelen- Bräutigam! umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welch ein seliger Eintritt wird das sein, wenn ich werde von Jesu begleitet in den Himmel eingehen! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben, denn wenn ich so sterbe, So schlaf ich ein und ruhe fein, Wenn ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich sanft, Jesus in meinem Herzen, Jesus in meinem Sinn, in Gottes Namen schlaf ich ein. D eine süße Ruhe, die Niemand stören kann! Ich ruhe von meinem Kreuz, ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübniß, ich ruhe von allen Schmerzen. O eine selige, O eine selige, himmlische Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich dann nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? Daraus Kein Mensch wird mich aufwecken. Todte erwecken ist ein Werk Gottes, darum auch kein Mensch die Kraft hat, Todte zu erwecken. Aber, mein Jesu, deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber dringen, und die Todten werden auferstehen. O Jesu, so erwecke denn meinen Leib am jüngsten Tage zum ewigen Leben. Ich weiß, daß Seufzer und Gebete mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen, denselben werde ich sehen, meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun. 464 Dann Jesus Christus, Gottes Sohn, Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntniß vor meinem Tode von Jesu ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gesalbte, ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich fröhlich und selig sterben, das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen Sünden. Nun derselbe Wird mir die Himmelsthür aufthun, Ach, mein Jesu, wenn meine Lebensthür sich schließet, so thue mir auf die Himmelsthür. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebensheiligkeit nach dem Himmel getrachtet, darum, o Jesu, öffne mir die Himmelsthüre, und sprich: Ei, du fromme und getreue Seele! gehe ein zu deines Herrn Freude; komm her, du Gesegnete! ererbe das Reich, das dir bereitet ist, von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich sein, wenn du mit solchen süßen Worten wirst 2 Mich führen zum ewigen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit eines Sterbenden. führet, so führe mich, o Jesu, in das ewige Leben. Nun bin ich bei Jesu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelanget. Meinen lieben Gott von Angesicht werde ich anschauen, daran zweifle ich nicht, in ewiger Freude und Herrlichkeit, die mir bereitet ist; ihm sei Lob und Preis in Ewigkeit. 465 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu: Haltet im Gedächtniß Jefum Christum, gedenket an sein bitteres Leiden und Sterben. Tröstet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen, und auch jetzt als sein Kind in die ewige Herrlichkeit will aufnehmen. Tröstet euch der blutigen Wunden Jesu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen lassen, tröstet euch seines heiligen Blutes, das er auch für eure Sünden vergossen. Tröstet euch des Beistandes des heiligen Geistes, der euch geheiliget hat. Auf diesen dreieinigen Gott lebet und sterbet selig. Amen. Segenswunsch über den Sterbenden. Fahre hin, du durch Jesum Christum theuer erkaufte Seele! Fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in Jesu Christo, der dich erschaffen und geliebet hat, den du kindlich gefürchtet und vertrauet hast. Fahre hin zu deinem Herrn Jesu, dem theuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich als ein Schäflein mit seinem Blut erkauft, an welchen du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter ThI. 30 466 Gebet der Umstehenden für Sterbende. dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiliget und dich zu seinem Tempel und Wohnung erkoren hat. Fahre hin, aus dem Leide in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott, der segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der Herr segne dich, und behüte dich, der Herr erleuchte sein Angesicht über dich, und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden. Amen. Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden ist. O du heiliger und gerechter Gott! so hat es dir gefallen, diesen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach, laß uns an diesem Tod lernen, daß wir auch einmal also sterben und die Welt verLassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch wahre Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Welt- Eitelkeit und Sünden dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Glaubigen in deinem heiligen Wort gethan, dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, da du alsdann Leib und Seele wiederum vereinigen, und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der dir hier gedienet, dort möge mit himmlischer Freude erfüllet werden. Tröfte auch die durch diesen Tod Der andächtige Christ betrachtet 2c. 467 Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand, verlaß sie nicht, und thue nicht von ihnen die Hand ab, sondern laß fie deine Güte, Gnade, Liebe, Trost und Hilfe reichlich genießen, bis du sie auch wirst dermaleinst fröhlich und selig sterben lassen. Ach, erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. - Fest: Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. Zach. 9, V. 9. Du Tochter Zion freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und einem Füllen der Eselin. Ist eine Zeit, welche gottergebene Seelen gerne mit Andachten hinbringen, so sind es die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten Gottes erwägt. Ein glaubiges Kind Gottes freuet sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenket. In der heiligen Adventszeit betrachtet es 2) die Liebe des himmlischen Vaters, der seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn in die Welt gesandt hat, den Menschen die Seligkeit zu erwerben. Es siehet 3) an die inbrünstige Liebe Jesu, der sich in unser armes Fleisch und Blut verkleidet, 30* 468 Der andächtige Christ betrachtet damit er uns möge zum Himmel und zur Seligkeit bringen. Es preiset 4) die Gnade des heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohlthaten der glaubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellt, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher läffet es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebets sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Worts Gottes, mit Anstimmung der Festlieder, und mit einem stillen, gottseligen Wandel anfängt und vollendet. Gebet. O du gnadenreicher Jesu! der du bift kommen, selig zu machen, was verloren ist; ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schuß und Gnade abermal haft erleben lassen. Ach gib mir deines heiligen Geistes Kraft, daß ich fie möge in deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen, che noch der Welt Grund geleget war, bift ins Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch geworden, daß du uns zur heil. Adventszeit die Ankunft Chrifti. 469 möchtest selig machen. Wir könnten wegen des schweren Sündenfalles nicht zu dir in den Himmel kommen, darum komme du zu uns auf Erden, auf daß du uns alle mögeft zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft soll Alles wieder gut gemacht werden. O heilige Ankunft! dadurch wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angethan werden. Denn das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Chriftus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gib mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heilig Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Her Gebet zur heiligen Adventszeit. zen behalten und annehmen, im Glauben, in deiner Erkenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen, und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind: Keuschheit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine selige und heilige Ankunft sein. Ach! bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: er kam in sein Eigenthum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Komm in mein Herz, ich will dich als meinen einzigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen, dein Verdienst und Gerechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Luftbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seieft. Ach! wohne in mir, heilige mich in dir, erhalte mich in deiner Gnade. 470 Gebet zur heiligen Adventszeit. 471 Meine begangenen Sünden bereue ich, und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen; denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ift Gott für mich, wer mag wider mich sein? O Jesu! du kamst als ein König; ach, regiere in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter; ach mache mich gerecht, und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Du kamst arm, daß du mich möchtest reich machen an meiner Seele, reich im Glauben und an himmlischen Gütern. Du kamst demüthig; ach, mache mich demüthig, daß ich von dir lerne Demuth und Sanftmuth, und dieselben in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren, ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe, ich thue durch deine Kraft sie dir weit auf, regiere mich durch deinen heiligen Geist, 472 Gebet zur heiligen Adventszeit. daß ich deine Wohnung und Tempel beständig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich auch haben gern, du Gottes- Sohn, du Davids- Stern, du wahrer Weibessamen, du Siloh, Heiland, Hirt und Heil, mein Bruder, Gnadenthron und Theil, komm in des Herren Namen! Komm, König, Friedefürft und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, du Licht und Troft der Heiden! o Seligmacher, Hilf und Schuß, Versöhner, Rath, Prophet und Truß, zeuch in mein Herz mit Freuden! Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Hier ist Immanuel! So lasset uns jetzt sagen Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen! Hier ist Immanuel: Der uns die Gnade bringt, Und dem die Christenheit Das Hosianna singt. 2. Hier ist Immanuel! Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet! Hier ist Immanuel! Ach, seht, wie Gott uns liebt, Da er zu unserm Heil Sein liebstes Kind dargibt. 3. Hier ist Immanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Immanuel! Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, So groß er immer sei. Gebet auf Weihnachten. 4. Hier ist Immanuel! Die Sünd ist nun vergeben, Gott schenkt uns Gnad um Gnad, Wir sollen ewig leben, Hier ist Immanuel! Gott will uns gnädig sein, Es macht uns Jesu Blut Von allen Sünden rein. 473 5. Hier ist Immanuel! Kein Unfall kann uns tödten; Sieh, Jesus ist bei uns In allen unsern Nöthen; Hier ist Immanuel! Erschreckt uns Angst und Noth, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott! 6. Hier ist Immanuel! Laßt uns die Sünde hassen, Und alle Lieb der Welt Aus Lieb zu ihm verlassen; Hier ist Immanuel! Der Seele Trost und Licht, Den fasset Jedermann In Glaubens Zuversicht. 7. Hier ist Immanuel! Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel! Des freut sich Leib und Seel, Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Immanuel! Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Aufmunterung. Gal. 4, 3. 4. 5. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott ſeinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geset gethan, auf daß er die, so unter dem Geset waren, erlösete und wir die Kindschaft empfingen. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude in dem ganzen Königreich, welchem er zum Trost geboren ist, so kann Christi Jesu Geburt nicht anders, als allen Menschen erfreulich sein. Die Engel freuen sich in den Lüften, und verkündigen eine große Freude den Menschen; warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen? und zwar 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns dahin gegeben hat. 2) Ueber die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht wei Gebet auf Weihnachten. gert, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen und ein kleines Kind zu werden. Es verwundern sich 3) Glaubige in einer glaubigen Stille über den heilsamen Rath Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden und sie mit Gott versöhnen. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren, Röm. 5, V. 10., anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Darum danken sie ihm 5) um so herzlicher dafür, daß der Rath Gottes von unserer Seligkeit ihnen kund gemacht worden, begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, daß sie Jesum im Glauben annehmen, und ihm in einem gottseligen und frommen Wandel folgen. Deßwegen ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden-, Lob- und Danktage werden. 474 Gebet. Dieß ist der Tag, den der Herr gemacht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Herr! hilf, o Herr! laß wohl gelingen! gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Auf, meine Seele, und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und deiner Erbauung Gebet auf Weihnachten. an, und sprich: o du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geift! ach! daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte. Gott ist die Liebe, dieses erkennet mein Herz und Gemüthe an diesem heiligen Fefte. Deine Liebe hat ein Mittel aufgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, daran kein Engel noch Mensch hätte denken können. du holdseliger Jesu! dir sei ewig Lob und Dank gesagt, für deine Menschwerdung und Geburt, du wirft ein Menschenkind, damit wir möchten Gottes Kinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet, du haft sie mit deiner Gottheit vereinigt. Liebe! o Gnade! so gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereinigt ist, so gewiß ist zwischen Gott und Menschen eine ewige Freundschaft, ewige Versöhnung, ewiger Friede und ewige Liebe geftiftet. Wenn 475 476 Gebet auf Weihnachten. uns Gott in seinem Sohn ansiehet, so kann er nicht anders als uns gnädig sein; hat er dieses Geliebten nicht geschonet, sondern ihn für uns Alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Friede, Leben und Seligkeit. Oder großen Liebe Jesu, der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Geburt heilige; er hat zugenommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte; bift willkommen, du edler Gaft! die Sünder nicht verschmähet haft, du kommst ins Elend her zu mir, wie soll ich immer danken dir! O mein liebfter Seelenfreund! mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Seligmacher, wenn mich meine Sünden ängstigen, einen Beistand in Nöthen, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuch 477 Gebet auf Weihnachten. tet, der Weg, der mich zum Vater führet, die Wahrheit, die mich lehret, das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missethaten, ein vollkommenes Lösegeld für meine Ulebertretung. O werther heiliger Geist, wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Troft, dieſe Freude, dieses Heil abermal verkündigen läsfest. Ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Fefte und sage: mein Jesus ist mein, fein Verdienst ist mein, sein Himmel ift mein, das Kind ist mir, mir geboren, der Sohn ist auch mir gegeben, er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenket. O Jesu! den ich im Geift in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich bist du, wie freund 478 Gebet auf Weihnachten. lich bist du! ach verleihe mir Gnade, daß ich dein nimmermehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil! heilige mich, ich ergebe mich dir mit Allem, was ich bin und habe; ach mein Bräutigam! umfasse mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach! laß mein Herz deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließ mich in deine Liebe, und halte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Troft, Sicherheit und der Seelen Se= ligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist als Mensch geboren. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Jesus in mir lebet. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben, nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünde, hie ift mein Fürsprecher Jesus. Darum sag Gebet auf Weihnachten. 479 an, mein Herzensbräutigam, mein Hoffnung, Freud und Leben, mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, was soll ich dir doch geben? Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist, ja Alles, was Mensch ist und heißt, ich will mich ganz verschreiben, dir ewig treu zu bleiben. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. O welch ein Freudenfest, O welche frohe Stunden, Da Jesus Gottes Sohn In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz Auf dieses Kind gericht't, Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 2. O Lieb, o große Lieb, Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket; Ogroße Vaterlieb, Die uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3. O Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd genommen, Er kommt und bringet uns Zur Kron, zur Herrlichkeit, Zum Erbtheil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud. 4. O große Gnad! es kann Ein Jeder Gnad erlangen, Wer diesem Jesu wird In Glaub und Lieb anhangen. OGnade, die uns Trost Und wahres Leben giebt, Seht, dieser Gnad genießt, Wer Jesum herzlich liebt. 5. O Freude, unsre Sünd' Sind insgesammt vergeben, Vergeben in der Zeit Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich heute ein, Will unser Lösegeld Und Seligmacher sein. 6. O Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausge= Der andächtige Christ betet söhnet; Wer glaubt, wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrönet; Des Herren Jesu Blut, Tod und Gerechtigkeit Jst unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu, du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und dorten werden, Du kommst, und nimmst auf dich All meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb und Huld. 8. Du kommst und willst auch mir In Heiligung vorgehen, Wie ich soll heilig sein, Das soll ich an dir sehen. Wohlan, ich folge nach; Mein Jesus nur allein Soll, weil ich leben werd, Mein Licht und Führer sein. 480 9. Deshalben knie ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm mit Freuden an Die frohen Weihnachtslieder; Nimm an den Lobgesang; Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund! Nichts Bessers geben kann. 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach, laß mich neue Gnad Bei deiner Krippe finden; Mein Jesu, ich bin dein, Ach, sei und bleibe mein, Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden sein. Der andächtige Christ betet und danket Gott am Beschluß des Jahres. Aufmunterung. Psalm 103, 3. 1. 2. Robe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wenn er sie läfset eine Woche oder Monat glücklich zurücklegen, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr erlebt haben? Ach wie viel Leiden kann uns in einem Tag begegnen, wie viel mehr in einem ganzen Jahr? Wenn ein andächtiger Christ den Beschluß des Jah und danket Gott am Beschluß des Jahrs. 481 res erblickt, so hebt er die Hände, Herz und Mund zum Himmel auf, und schließet es mit Loben, Danken und Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! das Jahr ist vorbei; sondern 1) dankt er Gott, daß er ihm dieß Jahr sein heiliges Wort zur Seelenheiligung hat lassen predigen, den Weg zum Himmel weisen, daß er ihm durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Vollbringung der Glaubensfrüchte verliehen. Er fragt sich, ob er auch dieses Jahr über frömmer geworden, wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er nach der alten fündlichen Geburt abermal ein Jahr zurückgelegt hat. 2) Er bittet auch Gott herzlich und inbrünstig um Verzeihung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 3) Er preiset Gott sodann für die vielen empfangenen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernährt, versorgt, beschüßt, errettet, erhalten, gesegnet, bewahret und begleitet. 4) Hat ihm Gott aber eine Krankheit, Leiden und Trübfal zugeschickt, aber ihn auch wieder davon befreit, so soll er insonderheit ihm dafür danken, und sich am Ende des Jahrs so viel als möglich erinnern, was in jeder Woche entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß also die letzten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet, Dank- und Bußtage werden mögen, daher er 5) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahr anflehet. Stark's Hbb. gr. Dr. 4ter ThI. 31 482 Der andächtige Christ betet Sebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Also spricht meine in deiner Gnade fich freuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott! wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunfen von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkeft sie mit Wolluft, als mit einem Strom, denn bei dir ift die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein Gott! der Tage im Jahre sind viel, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heilig und danket Gott am Beschluß des Jahrs. 483 Wort haft lassen lauter und rein predigen, und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen. Ach versiegle Alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen, und gib mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich in deinem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut haft gespeiſet und getränket; ach! laß es mir zu meiner Glaubensstärkung und Le= bensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir die Sünde vergeben, und die verdienten Strafen abgewendet haft, ach gib mir Kraft, daß ich mich in diesem Jahr davor hüte, und sie nicht wieder begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung bescheert, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen haft. Du hast mich behütet, 31* 484 Der andächtige Christ betet wie einen Augapfel im Auge, du haft mich beschirmet vor meinen Feinden, die nach meiner Seele stehen. Du haft in Noth mich erhört, und mein Gebet vor deinen Thron lassen dringen. Du haft deinen Segen über mich ausgeschüttet, du haft dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du liebreicher Vater, haft mich, dein Kind, an deiner Hand geführt; du mächtiger König! haft mich, deinen Unterthan, wider meine Feinde beschützt; du getreuer Hirte! haft mich, dein Schäflein, auf grüner Aue geweidet; deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Jahrs bis an das Ende begleitet. Deine Weißheit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedeckt, deine Hilfe hat mich erfreuet, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vaterhand hat mir Alles gegeben, dein allsehendes Auge hat Acht auf mich gehabt, und und danket Gott am Beschluß des Jahrs. 485 meinen Aus- und Eingang behütet, daß mir kein Uebel begegnete. Darum, ach! sehet und schmecket doch, wie freundlich der Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Hatte ich zuweilen viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröftungen meine Seele ergößt. War mir oftmal Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hilfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen, und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach alle Sünden, die ich in diesem Jahr gethan habe. Ach strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeih sie mir um Jesu willen. Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Herr! Herr! so beschließe ich denn das Jahr mit 486 Gebet am Beschluß des Jahrs. dr Danken, Loben und Beten, und flehe dich demüthig an: bleibe auch mein Schuß und gnädiger Gott in dem neuen Jahr, halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Troft erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt, gebt unserm Gott die Ehre. Amen. Gefang. 114 Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenket, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket, Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewacht, Und mich gesund und wohl Bis hieher hat gebracht. 2. Wie kann ich diese Gnad Mein Vater, g'nugsam preisen? Ach, könnt mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen! O, daß doch all mein Blut Wie eine Zunge wär, Und jeder Aderschlag Erhübe deine Ehr. 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget, Und deinen Segensstrom Mir reichlich zugeeignet, An Nothdurft, Speis und Trank, Hat's niemals mir gefehlt; Doch sind die Sterne eh', Als deine Güt gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge, Und vor dir, treuer Gott, Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Sinn. Gebet am Anfang des Jahrs. 487 5. Denn ach, die Sündenlast Liegt mir auf meinem Herzen, Ach die genossne Lust Bringt jetzo bittre Schmerzen, Daß ich gesündigt hab, Ach leider, tausendmal; Was sag ich tausendmal, So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott, Dieselben mir verzeihen, Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf, Vertilg sie ganz und gar, Und straf deßwegen mich nicht in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiemit Zum Eigenthum ergeben, Die Seele sammt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben, Ach, schließ die Meinigen In deine Fürsorg ein, Und lasse, was ich hab, Dir auch befohlen sein. 8. Beschüße ferner mich, Und gib mir deinen Segen; Erhalte, was ich hab, Sei bei mir und hingegen Wend ab des Unglücks Sturm, Und bleibe stets mein Gott, Zugleich hab Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn dieß Jahr Mit dir, mein Gott! beschließen; Ach, laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen, Und sollt' dasselbige Vielleicht das letzte sein, So führ mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. Der andächtige Christ betet am Anfang des Jahrs. Aufmunterung. Psalm 90, V. 17. Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. Obgleich oftmals vorwißige Gemüther am Anfang des Jahrs gern wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich sein, so stehet es doch nicht in eines Menschen Macht, solches Jemanden kund zu thun; denn zukünftige Dinge weiß der Herr allein. Daher ist allen zu rathen, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß sie 1), wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen; daß sie die Güte des Höchsten preisen, der Der andächtige Christ betet fie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübsal dennoch ein neues Jahr hat glücklich antreten lassen. Und gewiß, hat ein Schiff gut Glück, das durch Sturm und Wellen durchkommt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner wolle beschüßen, regieren und erhalten. Sie befehlen Gott ihren Leib und Seele, und Alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschuß. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahr andächtiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen, und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben, die haben keinen Ruhm. Denn die Frömmigkeit, als welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei Anfang des Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren, und darnach ihr Leben einzurichten. 488 Gebet. Herr! Herr! barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem keine Veränderung noch Wech 489 am Anfang des Jahrs. sel des Lichts und der Finsterniß ift; siehe, ich habe unter deinem Schuß abermal ein neues Jahr angetreten. Herr! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen; du macheft fie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Dieses Alles habe ich, mein Gott und Vater! daß vorige Jahr wohl erfahren, darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. Herr! frühe wolleft du meine Stimme hören, frühe wolleft du darauf merken. Ach Herr! ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahr begegnen kann; das Jahr ift lang, der Tage sind viel, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen können treffen, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott! ich will mich gleich im Der andächtige Christ betet Anfang deiner Gnade und Treue befehlen. Ach! da alles neu wird, das Land will von neuem grünen, die Sonne höher steigen, Alles wird mit neuen Kräften belebet, so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mir neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vaterschuß, bewahre sie, daß ich dieselbe nicht mit muthwilligen Sünden beflecke. Herr Jesu! heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blut, Gott heiliger Geist! wohne in mir, laß sie deinen Tempel sein. O welch ein gesegnetes Jahr wird mir dieses sein, wenn ich, o himmlischer Vater! in deiner Gnade bleibe, und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu, werde stehen. O wie schön werde ich geschmückt einher gehen, wenn du, werther heiliger Geift! in mir wohnen und mich regieren wirft. Sollte es aber deinem 490 am Anfang des Jahrs. 491 heiligen Rath gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Pein leide, so lindere mir's, und laß auch deine Erquickstunde erscheinen, da du mir Alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr, mein Gott! über die Meinigen, und über all das Meine; sei eine feurige Mauer um uns her, wie um Eliſa; bewahre uns rings umber, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir Kraft deines heiligen Geistes, daß ich dieses Jahr recht fromm und ein wahres Kind Gottes werde, daß ich sei ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thäter des Worts. Hilf, daß in dem neuen Jahr es von meiner Seele Zustand heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden! daß ich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, einen neuen Trieb, mich mit dir zu vereinigen und 492 Der andächtige Christ betet in der Vereinigung zu bleiben. Ach heilige mich durch und durch, daß mein Geift sammt Leib und Seel mögen unsträflich erhalten werden bis auf den Tag Jesu Chrifti. Gib mir einen neuen Eifer in meinem Chriftenthum. Segne meinen Beruf und Arbeit, segne meinen Ausgang und Eingang, gib mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahrs bedenken, daß auch das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend, und meine Lenden gegürtet sein lassen, dich, o mein Bräutigam und gnädiger Gott! mit Freuden zu empfangen, und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach gib mir nach deinem Willen einen neuen Sinn und Geist, der, was dein Befehl uns heißt, mich lehr' unverrückt erfüllen, daß am Anfang des Jahrs. mein Geift sammt Seel und Leib deines Geiftes Wohnung bleib. Jesu! laß mich fröhlich enden dieses angefang'ne Jahr, trage mich auf deinen Händen, stehe mir bei in Gefahr. Ach hilf mir in meiner Noth, ach verlaß mich nicht im Tod: freudig will ich dich umfassen, wenn ich muß die Welt verlassen. Amen. 493 Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Ehr. 1. Gott Lob! das neue Jahr tritt ein, Es hat schon angehoben; Ach, könnt ich doch recht dankbar sein, Und Gott vollkommen loben; Ich schenk mich dir, ach, schenk dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier! Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel regiere, Der mich mit Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere; Der mich erfülle allezeit Mit Hoffnung, Lieb und Heiligkeit, Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen, Und durch den stegesvollen Streit Des Fleisches Lüste zähmen, Auf daß ich bleibe fromm hinfort, Zu aller Zeit, an jedem Ort, Und bleibe mein Regierer. 4. Ach, großer Gott, verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete; Wend nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach, hör, erhöre meine Bitt, Ach, theil mir deine Hilfe mit, Und bleibe mein Erbarmer. 5. Jch bitt noch mehr, o Gott, von dir: Ach, gib mir deinen Segen; Den wolle deine Liebe mir In meinem 494 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Thun beilegen; Ach, liebster Vater, segne mich, Mein Auge schauet nur auf dich, Ach, bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zustand nicht verborgen; Drum sorg für mich auch dieses Jahr, Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Verforger. 7. Sollt mich auch treffen Kreuz und Leid, So beut mir deine Hände, Verleih die Hilfesstund bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende, Ach, gib mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit, Und laß mich bald empfinden Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; O Gott des Trostes, wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht, Und bleibe stets mein Tröster. 9. Soll auch dieß Jahr das letzte sein, Das ich noch soll erleben, So führe mich zur Freude ein, Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, Ja, Herrlichkeit und Wonne. Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi am Anfang der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. 2. Cor. 5, V. 21. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit Betrachtung des Leidens Jesu hingebracht, welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ift. Ob nun aber gleich der Satan die Weltkinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Maskeraden, Unmäßigkeit, Ueppig Jesu Christi am Anfang der heil. Fastenzeit. 495 keit und Gottlosigkeit anfangen, damit sie bezeugen, fie fragen nichts nach dem gekreuzigten Herrn Jesu, so sind doch wahre Kinder Gottes anders gesinnt, und haben davor einen Gräuel. 1) Sie fangen die Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich so viel möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen: Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Richthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, im Grabe, und sprechen bei jeder Betrachtung: das ist Alles für mich geschehen. 3) Sie lassen mit der Fastenzeit ihre Andacht nicht verschwinden, sondern wie sie Zeit Lebens der Wunden Jesu sich getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens im Gedächtniß den gekreuzigten und auferstandenen Jesum. Welches Andenken 4) sie antreibt zur Kreuzigung ihrer Lüste und Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsäßlich fündigen, damit fie der Sünde desto mehr absterben, und geistlicher Weise aufstehen. A110 Sebet. Ach Jesu! mein Jesu! wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen haft. Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde 496 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden gethan hat; und siehe, du ergibst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden aufgelegt, damit mir deine Gerechtigkeit geschenkt würde. Mein Jesu! in deinem Leiden kann ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Gräuel der Sünden, die Strafe der Sünden. Denn Gott hat um fremder Missethaten und um zugerechneter Sünden willen dich, unschuldiges Lamm, am Oelberg gemartert, und durch deiner Feinde Hände so erbärmlich zurichten lassen; wie hart werden dann aber einst gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur LebensHeiligung bewegen lassen. Mein Jesu! ich trete zu dir, und schaue dein Leiden glaubig an. Du gehest in den Garten Gethsemane, und schwißest blutigen Schweiß; ach! für mich, damit ich von Jesu Christi am Anfang der h. Fastenzeit. 497 der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführt, verklagt und zum Tode verdammt! ach! für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht gestellt werde, möge losgesprochen werden. Du wirst gegeißelt, und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lange auf deinem Rücken; ach! für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tod geführt; ach! für mich, damit dein Todesgang mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ja, ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuzigt; ach! für mich; du Lamm Gottes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuz; ach! für mich, daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben; ach! für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Friede hätte, und davon befreit würde. Nun will ich dieß Leiden mir vor Augen seßen, ich 32 Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter Thl. 498 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden sei auch, wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruh'n. War Israel von aller Schuld und Strafe frei, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte, und dessen heißes Blut vergießen sah: so weiß ich auch, weil du, o Jesu! du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes, für mich geschlachtet bist, und dein heißes Blut reichlich für mich vergossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden mit Gott versöhnt bin. Dein Blut ist das rechte Opferblut, das Versöhnungsblut, das Reinigungsblut, das Besprengungsblut. O mein Jesu! an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich zur Sünde verleiten will, deine heilige Gestalt am Delberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihren bösen Erempeln mich ihr gleich zu stellen reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ängstet: ja, in meiner Todes Jesu Christi am Anfang der h. Fastenzeit. 499 stunde will ich von nichts als von dir, o Jesu! wissen, dein heiliger Jesusname soll mein letztes Wort, deine blutige Geftalt mein letzter Gedanke, dein lettes Wort am Kreuz auch mein letzter Seufzer im Sterben sein: Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist! In solcher meiner letzten Stunde, o Jesu! sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand, und erschein mir alsdann zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ! so milde, dich haft geblut't zu todt. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Es stirbt mein bester Freund, Mein Jesus, ach, mein Leben; Sieh, er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben, Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm; Es sinket in den Tod Mein Seelen- Bräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd Vom ewigen Verderben; Ach ja, er stirbt für mich, Für meine Sünd und Schuld, Befreit mich von der Straf, Und bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein liebster Freund, Und dennoch nicht mein Leben, Mein Jesus bleibet tief In meine Seel geschrieben; Ich lieb ihn, weil ich leb; Ich lieb ihn auch im Tod; Ich lieb ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. 32* 500 Betrachtung über das Leiden Christi. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubensaugen sehen; Mein Freund, hier ist mein Herz, Da sente dich hinein, Das soll dein Eigenthum Und deine Ruhstätt sein. 5. Ich will mein Herze dir Hiemit zu eigen schenken; Ich will bis in den Tod An deinen Tod gedenken; Ach lebe, weil ich leb, Mein Seelenfreund in mir, Und sterb ich dermaleinst, So sterb ich, Jesu, dir. Jesus in seinem Blute. Gefang. 410 411 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bittre Leiden, Welches Jesus muß aussteh'n, Wie die Juden und die Heiden Grausamlich mit ihm umgehn; Kommt und schaut die Marter an, Ob ste euch bewegen kann, Ob vielleicht auch dieser Schmerze Rühren mög das harte Herze. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja, die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth; Schauet das vergoß'ne Blut, Ob's euch könnt zurücke ziehen, Daß ihr möcht't die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreuzesstamm, Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Gotteslamm, Wie sein heißes Blut noch fließt, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu, schreibe Dieses Alles in mein Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden, wie dein Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut Kommt mir Armen auch zu gut, Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd' für Straf ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh, Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh, Blutig auf der Lagerstätt, Blutig auf dem Sterbebett, Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. dori Gebet am Charfreitag. 6. Jesus, stell dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht; In den Wunden hab ich g'funden Gnade, Leben, Trost und Licht; Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tod mein Labsal sein, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. 501 Der andächtige Christ erwäget den Todestag Jesu oder den Charfreitag. Aufmunterung. Jes. 57, V. 1. Der Gerechte kommt um, und Niemand ist, der es zu Herzen nehme; und heilige Leute werden aufgerafft, und Niemand achtet darauf. Obgleich der Char- oder stille Freitag, welcher der Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird, so haben hingegen wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählet. Sie erwägen an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe auf sich genommenes Leiden. O große Lieb, o Lieb ohne alle Maßen, die dich gebracht auf dieſe Marterstraßen. Liebe drang ihn, daß er Mensch wurde; Liebe bewegte ihn, daß er sich für uns dahin gab und am Kreuze starb; 2) als ein unschuldiges Leiden, denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert, er hat auch keine Sünde gethan, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Es war 3) ein von seinem himmlischen Vater zugeschicktes und bestimmtes Leiden, denn weil er nach dem wohlbedachten Rath Gottes gelitten, Ap.Gesch. 2, V. 23., so wußte Jesus auch Alles, was ihm begegnen sollte. 4) War Christi Leiden ein 502 Der andächtige Christ erwäget wahrhaftiges Leiden, indem er alle Leiden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlt hat. Dieses Alles zieht eine glaubige Seele in Betrachtung, und läßt sich ein Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde, und ein Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen sein. Gebet. O du liebreicher und holdseliger Je= su! ich komme zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu er= wägen. Ach! laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die fündliche Begier, daß mir's nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm! du haft gelitten, daß dir alle meine, ja aller Menschen Sünden aufgebürdet und zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder angesehen wurdeft. Waren aber, unbeflecktes Lamm! unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen wie die Wasserfluthen: den Todestag Jesu oder den Charfreitag. 503 da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehramts, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt, da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammung zum Tode, daß du mußteft vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammt werden, sondern nachdem der Stab über dir gebrochen, und das Todesurtheil über dich gesprochen war, so mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeisselt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder! ob ein Schmerz jemals gewesen sei wie unsers Jesu Schmerzen, ſein Haupt war mit Dornen gekrönt, sein Leib mit Blut beflossen, und durch die scharfen, mit eisernen Haken verwickelten Geißeln wund geschlagen, am Kreuze wurden Hände und Füße Der andächtige Christ erwäget durchnagelt, die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib also erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigfte Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübt war bis in den Tod; die Zornfluthen und Höllenangst griff ihn dermaßen an, daß er am Kreuz schrie: Mein Gott, mein Gott, warum haft du mich verlassen? darauf endlich der Tod selbst erfolgte. Erwürgtes Lamm! das hast du mir zum Besten, zu meinem Troft, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden. Denn so nicht wäre kommen Chriftus in die Welt, und an sich genommen unsere arme Gestalt, und für unsere Sünden gestorben williglich, so hätten wir müssen verdammt sein ewig504 den Todestag Jesu oder den Charfreitag. 505 lich. Nun aber, wenn ich an dich glaube, und dein heilig Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben; o mein Jesu! laß dein bitter Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein, daß ich mich dessen tröfte, dadurch fromm, gerecht und selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein heilig Bild vor Augen stehe, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiliget, gewaschen und ge= reiniget werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, tröftet und erbauet, also auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach! für mich haft du auch gebetet: Vergib ihnen, vergib dieser Seele, was sie wider dich ge= than hat. Für mich haft du geschrieen: 506. Der andächtige Christ erwäget Mein Gott! mein Gott! warum haft du mich verlassen? daß ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöthen, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage verlassen würde. Für mich haft du gesagt: Mich dürftet. Ach gib, daß ich im Glauben nach dir dürften, und nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich haft du gesorgt, da du spracheft zu Jo= hannes: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, und dich meiner erbarmen. Ach! laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Für mich haft du gesprochen: Es ist vollbracht. Nun ist alles gethan, was ich hätte thun sollen, nun ist alles gelitten, was ich den Todestag Jesu oder den Charfreitag. 507 hätte leiden sollen. Nun ist mir Friede, Freude, Troft, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuze soll auch mir ein Troft- und Freudenwort werden: Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist; so will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir vorgesprochen. Wenn ich soll endlich gehen ein zu deines Reiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur sein, ich will mich darein kleiden, es soll sein meines Hauptes Kron, mit welcher ich will vor dem Thron des ew'gen Vaters stehen, und dir, dem ich mich anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut, zu deiner Rechten gehen. Amen. Gesang. Mel. Herzliebster Jesu! was hast du zc.01 310 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög anheben Das Freudenleben. 508 Der andächtige Christ freuet sich 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, Und theilet Allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sündenliebe fliehen, Uns zu sich ziehen., 4. Er stirbt und trägt, seht doch die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zum Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergötze, Die Kron aufseßze. 5. Er stirbt, ach sehet! wie sein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungsblut vergießet; Dieß Blut wird uns versüßtes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh gefunden, Nun kann ich, da die Freistätt stehet offen, Ja Gnade hoffen. 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlassen. 8. Mein Jesu, wärst du nicht also gestorben, So wären wir an Leib und Seel verdorben; Nun aber kann mich Niemand mehr verdammen zu Höllenflammen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt, und wer da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu, fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe soll mich gar nichts scheiden, Kein Tod noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab und Opfer, wie Dankbare pflegen, Bespreng's mit deinem Blut, und mach es reine, Denn es ist deine. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach, laß mich deinen guten Geist regieren, Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände. Der andächtige Christ freuet sich über die Auferstehung Jesu Christi. Aufmunterung. Offb. Joh. 1, v. 18. Jch bin der Lebendige, ich war todt, und fiehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. über die Auferstehung Jesu Chrifti. 509 Es ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung: Gott ist derföhnt, er hat den Tod seines Sohnes für unsern Tod angenommen, und uns um seinetwillen das Leben geschenkt. Es freuen sich glaubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugnisse von der Auferstehung ihres Jesu. Ist es nicht ein herrliches Zeugniß, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1. Kor. 15, V. 6., daß er sonderlich mit seinen Jüngern geredet, gegessen, Ap.Gesch. 10, 2. 41., sich von ihnen berühren und angreifen lassen? Joh. 20, V. 25. 1. Joh. 1, V. 1., welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Sie freuen sich 3), weil ihnen ist versiegelt und versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wiederum zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu auch im Tode und im Sterben sie erquicken werde. Jesus hat ihren Tod im Sterben versüßet, und ihr Grab geheiligt, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Deshalben 5) bringen sie die heiligen Oftertage wie die übrigen Feste in Herzensandacht, mit Gebet, Singen und Betrachtung der Wohlthaten Gottes hin, befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen, und ihr Sündengrab, das ist ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren hinzubringen. 510 Der andächtige Christ freuet sich Sebet. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten, die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst Jesu Christe, Ueberwinder des Todes! aus deiner Auferstehung entsteht in meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heilige Feft begehe; ich sage mit gebeugtem Knie und gefalteten Händen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Chriftum. Jesus ist erstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft, der Bürge ist aus dem Kerfer des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilgt, Gott versöhnt und die Schuld bezahlt sein. Wer will uns verdammen? Chriftus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr der auferweckt ist, welcher fißt zur rechten Hand Gottes, und vertritt uns. Jesus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. Jesu, liebster Freund! deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen über die Auferstehung Jesu Christi. 511 Trost. Ich sage an diesem Feste: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Chriftus den Tod überwunden, und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Dein froher Tag, o ein Freudentag! da mir mein Heil versichert, und die Seligkeit bestätigt ist. Jesus lebt, und ich werde auch leben, hie im Glauben mit ihm vereinigt und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ift das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen als ein Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, fraft Der andächtige Christ freuet sich seines Verdienstes und Genugthuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht, ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schoos, wo mich mein Heiland wird lassen schlafen, bis er wird sprechen: Stehet auf, ihr Todten! und kommt vor das Gericht. O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben! Auferstandener Jesu! wie kann ich genug deine Gnade und Barmherzigkeit rühmen und preisen. Nun ist alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall war verdorben. Ach, mein Heiland, deine Auferstehung soll mir auch einen kräftigen Trost in meinem Leiden geben. Du lageft verschlossen im Grabe, aber du gingest herrlich hervor, also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hilfs- und Erquickungssonne wird mir wieder scheinen. Jesu! du bliebeft nur drei Tage im Grab, also ist nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die mühsamen Leidenstage kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du stundest auf, und hatteft einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig, sondern glänzend wie die Sonne. 512 über die Auferstehung Jesu Chrifti. 513 So wird mein Leib auch herrlich und verklärt dann werden, wenn du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient und dir geheiligt gewesen sind, werden auch des Himmels Glanzes theilhaftig und verherrlicht werden. Ja, weil du, o Jesu! lebst, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschüßen, in Traurigkeit erfreuen, im Tod erquicken, im Grabe bewahren, und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? ich weiß, daß er mich herzlich liebt, wenn mir gleich alle Welt stirbt ab, g'nug, daß ich Jesum bei mir hab. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich, sterb ich, so nimmt er mich zu sich, wo er jetzt lebt, da komm ich hin, weil ich ein Glied sein's Leibes bin. Amen. Gefang. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 1. Jesus lebt: des freu ich mich, Er ist von dem Tod erstanden, Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Stark's Hbb. gr. Dr. 4ter ThI. 33 514 Der andächtige Christ freuet sich 2c. Todesbanden Als ein starker Held befreit, der großen Herrlichkeit! 2. Jesus lebt! er ist nicht tobt, Laffet seine Feinde toben, Er ist außer Angst und Noth, Lasset uns den Herren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt, denn er hat sich Gar vor Vielen lassen sehen, Darum glaub ich festiglich, Und darf nicht im Zweifel stehen. Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder. Er starb zu der Leidenszeit, Und stund auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja sein auferstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündenbanden Durch sein Leiden völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun will ich das Freudenfest Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freudenlieder singen: Jesus, Jesus soll allein In dem Mund und Herzen sein. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich Sträflich's an mir hab, Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finst'rer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erden zu, Hier ist meines Leibes Ruh. 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd ich Hilfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt; Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schüßzet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt! der wird mich nicht In der Angst und Noth verlassen, Auch nicht, wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen, Alsdann führt mich seine Hand In mein wahres Vaterland. 11. Jesus lebt! dieß Wort soll sein Auch mein Labsal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein, Und befreit Der andächtige Christ betrachtet 2c. 515 mich vom Verderben; Nach dem Tod werd ich aufsteh'n Und zur Lammeshochzeit geh'n. Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. Aufmunterung. Joh. 20, V. 17. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jesu, unsers Heilandes, kann nicht anders, als einer glaubigen Seele sehr tröstlich und erfreulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wieder dahin kehrte, nämlich in den Himmel, woher er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu er gesandt war, den Menschenkindern Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit zu erwerben. 2) Eine glaubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Menschen auf Erden, so schicken sie ihr Herz da hinein, wo sie ewig wünschen zu sein. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie Alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie die Stätte bereitet finden mögen in der Herrlichkeit, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt; sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedent, sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und 33* 516 Der andächtige Christ betrachtet hangen Jesu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken fie: da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Sebet. Gott fährt auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune, lobsinget Gott, lobsinget unserm König. Also befinge ich, mein Jesu! großer Siegesfürst! deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der Tod unter deinen Füßen, du haft uns davon befreit. Nachdem du gemacht hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel geseßt zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu! dieses Alles ist mir gar tröstlich, darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. Du fißest zur Rechten Gottes, und vertrittst uns; deßhalben, wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geift betet in die Himmelfahrt Jesu Christi. mir, und du bitteft für mich, darum wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädiglich erhört werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort denke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dieses erquickt meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und du hast auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren, als ein gerechter Richter geben wirft denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du haft dein Reich eingenommen, und herrscheft über Himmel und Erde, im Reich der Natur, der Gnaden und der Herrlichkeit, du wirst auch zu mir und allen Glaubigen einst sagen: Kommet her, ihr Gesegneten! ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du haft Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Glaubigen, austheileft. Ach, mein Jesu! gib mir eine zweifache Gabe, der ich zweifache Kraft und Troft von517 518 Der andächtige Christ betrachtet nöthen habe. Gib mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmuth, Demuth, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden und dereinst die ewige Seligkeit. Weil du nun bist als das Haupt erhöhet, so wirst du mich, als dein Glied auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geift belebt, so werde ich auch ewig bei dir sein. O welcher Troft, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das? die mein Heiland seinen Glaubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Ach, mein Jesu! laß mich sein, wo du bist, ziehe mich zu dir, bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten, laß mich deine Herrlichkeit ſehen, welche du deinen Glaubigen bereitet hast. Ob du gleich, o mein liebster Seelenfreund! deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen. Ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth, du erretteft mich in Gefahr, du erquickest mich im die Himmelfahrt Jesu Christi. Leiden, du tröftest mich in aller Traurigkeit, und schüßest mich in aller Widerwärtigkeit. Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinst sehen, und mich mit unaussprechlicher Freude in dir erfüllen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte, ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich werde von den Todten auferstehen. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen, und meine fünftige Wohnung, meine fünftige Krone mit Glaubensaugen beschauen, ich will die Welt verlassen mit meinem Herzen, mit meinem Leben, ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, die mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe dem Herrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich dem Herrn; denn alsdann fahr ich hin zu Jesu Chrift, mein'n Arm thu ich ausstrecken, ich schlafe ein, und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthür aufthun, mich führen zum ewigen Leben. Amen. 519 520 Die geistliche Himmelfahrt. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus fähret auf gen Himmel, Und verläßt den Thränenbach, Und ich folg durchs Weltgetümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag bei ihm zu sein. 2. Jch verlasse diese Erde, Ob ich gleich auf Erden leb; Es soll mir nichts lieber werden, Darnach ich am meisten streb, Al3 im glaubigen Verlangen Meinen Jesum zu empfangen, Und im Geiste allezeit Anzusehn die Herrlichkeit. 3. Ich fahr auf mit meiner Liebe; Erd, ich liebe dich nicht mehr; Weil ich in der Lieb mich übe, So ist Jeſus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht und Weltgebärden Acht' ich meiner Lieb nicht werth, Als die Jesum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud. Weltlust kann es nicht mehr binden; Es schmeckt beff're Süßigkeit; Es beschauet schon die Krone, Die der Herr zum Gnadenlohne Sammt dem schönen Ehrenkleid Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich noch hier leben Und umher auf Erden gehn, Ja, noch unter Menschen schweben, Aber doch soll man nicht sehn, Daß ich lieb die Sünd und Schanden, Ihren Lauf und Sündenbanden; Ja, ich dräng mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. munet 7. Mich kann nun nichts mehr ergößen, Als nur diese Himmelsreis', Droben bei den Himmelsschätzen Bin ich, die ich kenn und weiß; Meine Ruhe, Freud und Sonne, Der andächtige Chrift erwäget die 2c. 521 Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag und alle Stund, Spar ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein, das thu ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten, Damit, wenn mein End da ist, Ich hinfahr zu Jesu Christ. 9. Also werd ich nichts verlieren, Träget man mich gleich ins Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab; Sterb ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den dein Heil mir hat bereit't Dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sei fröhlich, meine Seele! Heb empor dein Augenlicht, Diese Erd ist eine Höhle, Da dir wenig Guts geschieht; Schwing dich durch die Andachtsflügel Zu dem güldnen Sternenhügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des heil. Geistes am heil. Pfingstfest. Aufmunterung. Luc. 11, 3. 13. So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geift geben denen, die ihn bitten. Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und Jesus uns mit seinem heiligen Blut erkauft, sondern der heilige Geist, als die allerhöchste, nothwendigste und seligste Gabe, will uns in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerheiligste Gabe. Was könnte Gott mehr und größer an uns thun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mittheilt? Der 522 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung heil. Geist ist auch 2) die allernothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier, noch in der Ewigkeit wahrhaft glückselig sein. Daher ist er auch 3) die allerhöchste Gabe. Er ist das Pfand unsers Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, dadurch wir versichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens find. 4) Diese herrliche, nothwendige und selige Gabe will Gott Allen geben, die ihn darum bitten. Diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gabe wird Gott Niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ säubert sein Herz von der Weltund Sündenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehme. Sebet. Ich will Wasser gießen auf die Durstigen, und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie Weiden an den Wasserbächen. Ach, liebster Jesu! diese gnädige Verheißung hast du an dem heiligen Pfingstfeste erfüllt, da du über die Apostel deinen heiligen Geist reichlich ausgegossen, und sie damit zu dem Werk tüchtig gemacht hast, des heil. Geistes am heil. Pfingstfest. 523 die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. O du werther heiliger Geist! gieß dich in reichem Maße über mich aus. Der du in Feuerflammen dich deinen Aposteln geoffenbaret haft, erleuchte mich zum ewigen Leben, erleuchte meinen Verstand, daß ich möge Jesum Christum erkennen, heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als was dir gefällt. Wurden die Apostel, o du Geist der Stärke! durch dich angethan mit Kraft aus der Höhe, so stärke meinen Glauben, gib mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als ein wahres Kind Gottes zu leben. Du Geist der Gnade und des Gebets! versiegle in mir den Troft und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach! bete auch in mir und mit mir, ja lebre mich recht andächtig beten. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit! daß ich wissen und thun möge, was Gott gefällt. Ruhe auf mir, o Geist des Verstandes, daß ich wandle in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen 524 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung fürchte. Ruhe auf mir, o du Geift der Furcht des Herrn! pflanze deine Heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündige. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe! und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und die Rachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in allem Kreuz und Trübsal, wenn die Fluthen mich wollen ersäufen, und die Wellen über mir zusammenschlagen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin, hilf mir die Lüfte des Fleisches dämpfen; hingegen laß in mir wachsen Glauben, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Sei mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht thue wider Gottes Gebot. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite, und Jesum in mir verkläre. O du reines Wasser! wasche mich, gib, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der That einen Herrn möge heißen, nämlich meinen Jesum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und Seligkeit. Siehe, du Licht meiner Seele! wie ich in der Welt mit so vie des heil. Geistes am heiligen Pfingstfeft. 525 len Verführungen umgeben bin, denn es find viele Verführer ausgegangen; darum bewahre mich, daß ich nicht weiche; zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlangt nach dir. Wenn ich mich führen soll, so irre ich; wenn du mich aber führst, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heiliger Geift! bisher betrübt, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe mein Herz steht dir offen. Ach! kehre in dasselbe mit deinen reichen Gnadengaben ein, erfülle es mit allen christlichen Tugenden, befestige mich, gründe mich und erhalte in mir das gute Werk, das du in mir angefangen hast. Ach! schaffe in mir ein reines Herz, tilge aus demselben alle Unarten, böse Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünden. Bleibe auch, o heiliger Geift! bei mir in aller Noth und im Sterben, rufe alsdann in mir das Abba, lieber Vater! gib mir einen Blick der Herrlichkeit, und einen Vorschmack der ewigen Freude, da ich nach dem Kampf zur Krone gelangen werde. Heiliger Geist, du Kraft der Frommen! fehre bei mir Armen ein, und sei tausendmal willkommen, laß 526 Der andächtige Christ erwäget 2c. mich deinen Tempel sein, reinige du selbst das Haus meines Herzens, wirf hinaus Alles, was da mich kann scheiden von den süßen Himmelsfreuden. Schmücke mich mit deinen Gaben, mache mich neu, rein und schön, laß mich wahre Liebe haben, und in deiner Gnade stehn. Gib mir einen starken Muth, hilf mir zwingen Fleisch und Blut, lehre mich vor Gott hintreten, und im Geist und Wahrheit beten. Amen. Gesang. and 1 Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben Mit reichem Maß austheilt, Die wünscht mein Herz zu haben. Mein Jesu, schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weist. 2. Jch irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstet sich, Wenn es den Trieb nicht spüret, Wohlan, so leite mich, Mein Licht auf ebner Bahn, Daß ich in deinem Licht, Zum Lichte wandeln kann. 3. Jch leb in Finsterniß, Wenn mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret, Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzünd't, Auch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten! Darum, so stehe mir mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gotteskind Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein Gott! In Glaub und Lieb erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geist erkalten; Der andächtige Christ erwäget 2c. 527 Darum, so gib mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich, Bis ich nach meinem Kampf Die Lebenskron erreich. 6. Mein Jesu, gib mir doch, Was ich dich hab gebeten; Laß deinen guten Geist Jm Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach, dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut bezwingen, Daß ich in seiner Kraft Mög gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünden ab, Weil ich den guten Geist Zu meinem Führer hab. 8. Du sollst, o werther Geist, In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht, Zu allem Guten treiben. Ach, bleibe allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket sein Durch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Mir Trost und Muth zusprechen; Ich geh durch Jesu Blut Alsdann zur Freude ein Und werde schön verklärt In Jesu Armen fein. SHOST 305p Der andächtige Christ erwäget das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. Aufmunterun g. 1. Joh. 5, V. 7. Drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater das Wort und der heilige Geist; und diese drei sind Eins. Wenn eine glaubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit will in eine heilige Betrachtung ziehen, so muß sie es machen, wie einer, welcher von der Sonne Licht und Nußen haben und sich dessen bedienen will. Schauet er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er fiehet lauter Finsterniß, ja nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, und gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so siehet er viel, ja, siehet Alles, was er sehen soll. Das Geheimniß der heiligen Der andächtige Christ erwäget Dreieinigkeit ist: 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß. Daher haben sich viele an dieser Glaubenslehre gestoßen, und urteilen mit den Juden bis auf diesen Tag noch. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimniß, davon reden die herrlichsten Sprüche alten und neuen Testaments. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubt ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemuth an. Er preiset seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan. Er danket seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllengewalt befreit. Er gibt seinem Heiligmacher sein Herz, und befleißiget sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er einst sehen wird, was er hier geglaubt. Denn selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. 528 Sebet. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Also, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, stimme ich mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichfeit zu befingen. O du einiges, uner das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit. 529 forschliches und unbegreifliches Wesen! mein Glaube hält sich einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, darin du dich mir herrlich geoffenbaret haft. Das ist das ewige Leben, daß fie dich, Vater, der du allein wahrer Gott bist und den du gesandt haft, Jesum Chriftum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit! der du dich als einen Vater mir fund gethan haft. Du hast nicht allein Jesum Chriftum, deinen einzigen Sohn, von Ewigkeit her gezeugt, sondern du bist auch der rechte Vater über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Ach! du haft bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, bewahrt, erhalten, ja du ernährst, versorgst und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater! nimm dich doch meiner, als deines Kindes herzlich und väterlich an. Herr Jeſu, Gottes Sohn! ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen lernen, als die andere Person der heiligen Dreifaltigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigfeit her gezeugt, Gott von Gott, Licht Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter ThI. 34 530 Der andächtige Christ erwäget von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entsprossen, ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur hat an sich genommen, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. O darum freue ich mich in dir, und bete dich an; du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hoherpriester, Mittler, Immanuel, Seligmacher und Hirt, in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünde dahin gegeben hat, dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten, durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geift! du hast dich in deinem Wort mir geoffenbaret als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn außgeht, ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleichen Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe, durch dich bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich er das Geheimniß der heil. Dreifaltigkeit. 531 leuchtet, heiligt und im rechten Glauben erhält. Du trösteft mich in allem Leiden, du erfreueft mich in Traurigkeit und erquickst mich in Trübsal. O du Geist der Gnaden und des Gebets! verfiegle in mir den Troft, daß ich in Gnaden sei, gib Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gib mir Andacht im Gebet, gib mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommet, lasset uns beten und knieen und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott! der uns gemacht hat, denn wir find sein Volk und Schafe seiner Waide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge, ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. O du dreieiniger Gott und Herr! gib, daß ich dich im Glauben ergreife, und an deinem heiligen Wort als an meiner Glaubens- und Lebensregel festhalte, bis ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater, decke mich mit deinen Gnadenflügeln, und segne mich. O Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blut, und segne mich, mache mich gerecht und ewig selig. Herr Gott heiliger Geist 34* 532 Der andächtige Christ erwäget 2c. erleuchte mich und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandeln, und droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glauben muß man hier und trauen, was Gott von sich selber spricht, dort hebt erftlich an das Schauen, wahrer Glaube zweifelt nicht. Bin ich doch getaufet worden auf Gott Vater, Sohn und Geist, sein Wort mich zum Jordan weist, da aus offnen Himmelspforten Gottes Stimm von Jesu zeugt, und der Geist hernieder fleugt. Amen. Gesang. Dreieinigkeit der Gottheit. 1. Ich glaub an Gott, von dem wir alle lesen, Daß er schon sei von Ewigkeit gewesen, Und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer Gott von Majestät und Rath. 2. Wer diesen Gott von Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'gen Geist ihn nennen; Dieß ist sein Nam, dabei die Christenheit Ihn kennt, und nennt jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist, geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsprossen; Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Sein gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf einem Thron erhoben, Gleich Der andächtige Christ betrachtet 2c. 533 ewig groß, allmächtig gleich zu loben; Die Majestät iſt ihnen allgemein, Gott ist und war, und wird auch ewig sein. 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sei drei; doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennt's auch ohne Zweifel mit dem Munde; Weil Gott sich selbst hat also kund gethan, So glaubet er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden; Er suchet Trost in Jesu Blut und Wunden; Wenn Gottes Geist ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, Und preiset stets des Allerhöchsten Güte. Verharret auch in wahrer Frömmigkeit, Bis er Gott schaut im Frieden nach dem Streit. onli 10. Mein Vater! laß mich deine Gnad empfinden, Mein Jesu! mach mich rein von allen Sünden; Gott heil'ger Geist, ach! nimm mein Herze ein; Dreiein'ger Gott! ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfest den Schuß der heiligen Engel. Aufmunterung. Hebr. 1, 3. 14. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, außgefandt zum Dienste, um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Es sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, welche allezeit um seinen Thron stehen, und seinen Befehl ausrichten. Daher 1) dankt ein glaubiger Christ für diese sonderliche Gnade, daß Gott den Menschen 534 Der andächtige Christ betrachtet auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt hat. 2) Zu dem Ende treibet er dieselben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreuet dieselben durch seine Buße und gottseligen Wandel. 3) Er trachtet auf Erden den Engeln gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preisen, zu danken, und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. 4) Ein glaubiger Christ befleißiget demnach sich, Gottes Willen zu thun auf Erden, wie es geschieht im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, doch mit ganz gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Glaubiger nicht an, welche Ehre nur dem Herrn der Engel, aber nicht den Mitknechten gebührt, Off. Joh. 19, V. 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharrt ein glaubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von Gott gebotenen Wegen ihn werden vor Unglück behüten, sondern auch in seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schoos begleiten. Sebet. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott, wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schuß und Beistand bestellt haft. Herr, Herr, was ist am Michaelisfest den Schutz der heil. Engel. 535 der Mensch, daß du sein gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst, und ihn so hoch achteft. O du Gott der Liebe, du haft nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Kreaturen, Himmel, Erde, Sonne, Luft und Meer, alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Kreaturen, die heiligen Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja fein Uebel widerfahren möge. Du weißest, liebreicher Vater, wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben find, darum hast du ihnen Wächter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen und alles Uebel abwenden sollen. Du weißt es, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Glaubigen um sich haben, den Fürsten der Finsterniß, den Satan und sein Heer, darum haft du ihnen auch starke Helden zugegeben, die ihnen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach, mein Gott! wenn eine Woche, ein Monat, ja ein Jahr nach dem andern vorüber geht, darin meine gesunden und geraden Glieder unverleßt, mein Haus und Habe unversehrt, ja, 536 Der andächtige Christ betrachtet mein Gang ohne Fall und Anstoß bleibt, indem kein Unglück sich zu mir nabet, sollte ich solches nicht deiner Vatertreue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich also erhalten und behütet haft? O wie viele Gefahr haft du durch den mächtigen Schuß deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt. Nun mein Gott! dafür sei hochgeliebet und hochgelobet von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Vater! bestehl deinem Engel ferner, daß er komm und mich, dein Eigenthum, bewache. Laß deinen Engel alle Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten, und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstand! Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umber, wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir sein in Nöthen, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brod behüten, wie die Engel dem Elias Brod und Wasser brachten, und mich begleiten auf den Rei am Michaelisfest den Schutz der heil. Engel. 537 sen, wie Tobias. Ach, du gütiger Gott, verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sünden betrüben, oder mit einem ruchlosen Leben von mir treiben, daß sie ferne stehen und meiner Bosheit weichen müssen. Gib, daß ich den Engeln schon in diesem Leben möge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, damit ich den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel, soll mir immer in den Ohren und im Herzen erklingen. Mein Gott! laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schoos tragen, und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit sein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, anstimmen, und dich für alle, also auch für diese Wohlthat, ewig loben und preisen. Gott, aller Geister Geist, Herr aller Seraphinen! der seine Diener heißt uns Menschen zu bedienen, Herr Zebaoth, nur dir ge 538 Der andächtige Christ betrachtet 2c. bühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, so laß sie uns begleiten, wenn wir entschlafen sein, so stelle uns zur Seiten die Wache deines Throns, die Starfen Salomons. Schaff, daß sie überall die Hand uns unterlegen, und laß uns feinen Fall aus ihrem Schoos bewegen, ihr Lager schließ uns ein, wenn wir belagert sein. Wenn wir des Giteln los die Sterbelieder fingen, laß uns in Abrams Schoos durch diese Träger bringen, mach uns in deinem Reich den Engeln selbsten gleich. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Der Engel güldnes Heer, Die immer vor Gott stehen, und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unserm Dienst gesandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns, Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wenn wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus, Und kehret man zurück, So gehn sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch andre Feinde wüthen, So sind die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab An unsern Lebenstagen, So werden sie die Seel Jns Freudenleben tragen, Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 539 in Gebet nach der Ernte. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben, Und, wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja, wir sind gewiß, Daß man da Engel find't, Wo Fromme durch Gebet Und Lieb verbunden sind. 6. Ach Gott, wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schutz die Engel haben; Die Helden send uns auch In aller Angst und Noth, Ach, laß sie bei uns sein Jm Leben und im Tod. 7. Verleih mir deine Gnad, Daß ich annoch auf Erden Mit stetem Lob und Preis, Den Engeln gleich mög werden, und deinen Willen thun, Damit nach dieser Zeit Ich bleib den Engeln gleich, In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hocherfreut Das dreimal Heilig singen, Mit aller Engel Chor Und Auserwählten Schaar; Dieß ist mein Herzenswunsch. Amen, es werde wahr. Gebete bei besonderen Gelegenheiten. Der andächtige Chrift danket Gott nach eingesammelter Ernte. Aufmunterung. Hof. 2, V. 8. 9. Sie will nicht wissen, daß ich's sei, der ihr gibt Korn, Most und Del, und ihr viel Gold und Silber gegeben, das sie haben Baal zu Ehren gebraucht. Darum will ich mein Korn und Most wieder nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Scham bedeckt. Ist eine in aller Menschen Augen fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat des Winters in der Erde bewahrt, und in den Sommertagen lässet blühen, wachsen und Frucht bringen, wenn er Hagel, Wetterschläge und Sturmwinde abwendet, und 540 Der andächtige Christ danket Gott durch seinen Segen Scheuern und Keller füllet. Aber ist auch eine vor der Welt geringe und verachtete Wohlthat, dafür man Gott am wenigsten dankt, ſo ist es eben diese Ernte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es müsse so sein; es müsſe also nach dem Lauf der Natur Alles wachsen, dabei habe Gott nichts gethan; deßwegen Gott oftmals aus gerechtem Gericht läfset Mißwachs entstehen, damit Jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der Herr nichts gibt, und daß nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein glaubiger Christ ist anders gesinnt. Wenn er die vollen Nehren in der Ernte, und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke erblickt, 1) so hebt er seine Augen auf gen Himmel, und preiset den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, der aus einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Frucht hervorbringet. 2) Er rühmt die göttliche Vorsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spätregen zu seiner Zeit gegeben, Dürre, Hagelsteine und Ueberschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet. 3) Wenn er nun die Zeit erlebt, daß die scharfe Sichel das Korn niederleget, er es auch in die Scheunen fahren sieht, er in der Kelter die Trauben zerquetschen siehet, so nimmt er alle diese Gaben mit dantbarem Herzen und Händen an. 4) Er gebraucht auch dieselben und nimmt sie zu sich mit Danksagung. Er erkennet, daß Gott ihn nähre, versorge und erhalte. Ja, er läßt sich 5) durch Gottes Güte zur Buße leiten. Dankt man einem Wohlthäter, und erzürnet ihn nicht, der uns etwa ein Kleid, oder 541 nach eingesammelter Ernte. etwas zu unserm Unterhalt gibt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns alles gibt? Sebet. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Also spreche ich, mein Gott! da ich wiederum die gesegnete Erntezeit erlebt habe. O du gnadenreicher Gott! wie groß ist deine Güte, die du an uns beweiseft; du haft das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schäße gelegt, dasselbe muß uns die Früchte hervorbringen, die zu unserer Lebensunterhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich haft du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gefrönt mit deinem Gut, deine Fußstapfen triefen noch vom Fett, du hast gefeuchtet die Berge von oben her, du haft das Land voll Früchte gemacht, die du schaffeft. Du hast lassen Gras wachsen für das Vich, und Saat zum Nußen der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringest. Ach treuer Vater! du haft unsere Ernte behütet, der Himmel hat die Erde 542 Der andächtige Christ danket Gott befruchtet, und die Erde hat Korn und Most bescheeret; du haft uns gegeben Frühregen und Spätregen zu rechter Zeit, daHer haben unsere Felder geblüht, und haben den von dir aus ihnen uns entspringenden Segen dargereicht. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreuet. Liebreicher Gott und Vater, du hast das ganze Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedeckt, du haft die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß alles zur Zeitigung ist gekommen, du hast alles bewahrt vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung. Wenn wir schliesen, so wachtest du, du wareft unserer Felder Hüter und Schußherr. Herr, deine Werke find groß und viel, du haft fie alle weißlich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Kreaturen, Menschen und Vieh, warten auf dich, daß du ihnen gebeft Speise zu seiner Zeit; wenn du ihnen gibst, so sammeln sie, und wenn du deine Hand austhust, so werden sie mit Gütern gesättiget. Ja wohl haft du, o reicher Gott, uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. Dafür danken nach eingesammelter Ernte.2 543 wir dir von Grund unserer Seelen. Kommt, lasset uns beten und knieen und niederfallen, laßt uns mit Danken kommen in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, des sind wir fröhlich. Ach Herr, Herr, laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erfennen. Ach Gott, wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, so entziehe uns deßwegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater, der du uns je und je geliebt, uns auch durch diese leiblichen Wohlthaten zu dir ziehest, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem herrlichen Geschenke den Wohlthäter erfennen sollen, hilf, daß uns deine Güte möge zur Buße leiten, daß, wenn wir deine Gaben vor uns sehen, wir allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens! Und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach! so laß uns auch an dem 544 Der andächtige Christ danket Gott inwendigen Menschen, an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen, und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dermaleins zum Genuß der himmlischen Güter in dem ewigen Leben, durch Jesum Chriftum werden aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket und gefeuchtet unser Land, was geschadet und gefränket hat Gott mächtig abgewandt, Mond und Sterne, Sonnenschein haben müssen kräftig sein, daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil dann, ehe wir's vermeinen, auch die Ernte dieser Welt endlich wird gewiß erscheinen, da zu schicken hat bestellt Jeſus seine Engelein, ei so laß uns Waizen sein, den sie mit viel Jubilieren zu des Himmels Freude führen. Amen. Gefang. Mel. Nun lob mein Seel, den Herren. 1. Sieh, es ist Gottes Segen Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deßwegen Auf Gottes Lob nicht sein bedacht? Gott hat dieß Jahr gesegnet Mit seinem großen Gut, Und hat auf uns geregnet Des Segens reiche nach eingesammelter Ernte. Fluth. Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Vaterhand. 545 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut; O Schöpfer, sei gepriesen, Du, du hast ste so schön gebaut, Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, O große Gottesgnad, Jst ihr viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vieh zugleich, Kann nun gespeiset werden, So ist vom Segen Alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Gibt jedem seine Speis, Darum soll das Gemüthe Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Kreaturen Zu schaffen Unterhalt, Dieß sind wahrhafte Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach! laß uns diesen Segen Und das von Gott geschenkte Gut In Undank nicht anlegen Zur Wollust, Unmaß, Uebermuth; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen, Und bleibet noch darein, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sein. 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt; Gleichwie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Aehren senkt, So lasset uns in Stille, Jn Demuth, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad erheben Zu jeder Zeit und Stund. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Glaubigen in Ewigkeit; Was in dem Freudenleben Für reichen Ueberfluß Uns Gott wird ewig geben Zum seligen Genuß. Dieß Lasset uns erwägen Hinfüro spät und früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh. Ein Anderes. Mel. euch ein zu deinen Thoren. 1. Die Ernt ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können Alle sehen, Wie wohl uns Gott bes Stark's Hdb. gr. Tr. 4ter Thl. 35 Gebet nach der Ernte. dacht, Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Hat wiederum bescheeret, Was uns dieß Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: das hat Gott gethan; Ein Jeder schau jeßzunder Die schöne Gabe an Und laßt uns fröhlich sein; Ja, lobt den, der uns liebet, Und sammelt, was er giebet, Mit Herzensfreude ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd zu seiner Zeit, Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit, Der Regen macht es weich, Der Sonne Wärme klärte, Was Gottes Hand bescheerte, Und machte uns so reich. 546 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Kreaturen Ist nun gewachsen Speis'; Der weise Schöpfer hat Der Kreatur das Leben Und auch die Speis' gegeben Aus lauter Lieb und Gnad. 5. Wie fromme Väter pflegen Fürs Haus besorgt zu sein, So hast du auch den Segen Gelegt in Zukunft ein, Du bist die rechte Quell, Daraus viel Gaben fließen, Und welche sich ergießen Auf unser Leib und Seel. 6. Doch wenn wir dich verlassen, Und wenn wir haben satt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrath zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, O Gott, mit Ueberfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der Alles reichlich gibt. 8. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Nehren Pracht, Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nimm ein Beispiel ab: Es wird der Tod uns fällen, Und einstens zugesellen Den Stillen in dem Grab. 9. Ach zieh uns von der Erden Durch diese Gab zu dir, Auf daß wir himmlisch werden und bleiben für und für; So danken wir dir heut Für das, was wir empfangen; Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud. 547 Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Klagl. Jer. 1, V. 20. Ach Herr, siehe doch, wie bange mir ist, daß mir's im Leibe davon wehe thut: mein Herz wallet mir in meinem Leibe, denn ich bin hoch betrübt. Draußen hat mich daß Schwert, und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Kap. 2, V. 4. Der Herr hat seinen Bogen gespannt, wie ein Feind. Kap. 2, V. 5. Er hat vertilget alle Paläste. Kap. 2, V. 21. Es lagen in den Gassen Knaben und Alte; meine Jungfrauen und Jünglinge sind durchs Schwert gefallen. Die drei Landplagen, womit Gott ganze Länder und Städte verheeret und wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jer. 14, 12. 24, 10, welche auch Gott David vorlegte, 1. Chron. 22, V. 12. Krieg ist eine schwere Strafe: denn wenn Gott seinen Schuß einem Land entziehet, so macht sich der Feind alsobald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, find unterschiedlich: 1) Ungehorsam, Jes. 1, V. 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüften lebt, und die Furcht Gottes aus den Augen setzet, B. d. Richt. 4, V. 1, Kap. 6, V. 1. 3) Verachtung des göttlichen Worts, wenn man es entweder gar nicht hört, oder doch nicht darnach lebt, 3. B. Mos. 26, V. 17. 4) Abgötterei, Richt. 2, V. 12-14. Es mag auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, dahin die Ueppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehört. Wenn Gott aber dem Schwert ruft, und den Frieden wegnimmt, Jer. 15, V. 6, so nimmt er auch die Kraft des Schwerts weg, Pf. 89, V. 44, daß viele Völker und ein großes Kriegsheer keine Siege erhält: da35* Der glaubige Christ betet her entstehet, daß sie müssen fliehen vor ihren Feinden, Pf. 44, V. 11, darauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes und endlich Jammer und Elend folget. 548 Sebet. Erzürnter Gott! wir kommen mit gebeugtem Herzen vor dein allerheiligstes Angesicht, und bejammern das große Elend, darein uns unsere groBen Sünden und dein gerechter Zorn gesetzt hat. Herr, Herr! wir wohnten unter deinem Schuß sicher, uns durfte kein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind, und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger wareft; wir gingen ruhig zu unsern Thoren aus und ein, und genossen die Früchte des Feldes ungestört. Aber nun, o großer Gott! haft du deinen Schuß und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht, er hat das Schwert gezückt, er droht mit Verbrennen, Plündern, die Städte zu verderben, und unser Land einzu in Kriegszeiten. nehmen. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir diese Ruthen der Züchtigung längst verdient haben, wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht. Da wir sollten uns erbauen, und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein, so haben bei uns leider Entheiligung des Sabbaths, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Stcherheit, Bosheit, mit den abscheulichften Lastern geherrscht. Wir schämen uns, erzürnter Gott! unsere Gräuel alle zu erzählen, die ohnedieß in den Himmel schreien. Ach, barmherziger Gott, gedenke doch nicht unserer Missethaten, deren viele sind, wie des Sandes am Meer, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Wir ha549 Der glaubige Christ betet ben gefündigt, find gottlos gewesen, und von deinen Geboten gewichen. Ach, strafe uns nicht in deinem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm. O Erbarmer, erbarme dich über uns; willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, und wird kein Erretter da sein. Mächtiger Schußherr der Elenden, stehe auf, daß nicht Menschen die Oberhand kriegen. Du kannst uns rüsten mit Stärke zum Streit, du kannst unter uns werfen, die sich wider uns setzen. Auf dich steht all unser Vertrauen und Hoffnung in dieser großen Noth. Wenn Menschen wider dich wüthen, so legst du Ehre ein. Ach Gott, wie lange soll der Widerwärtige schmähen, und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns Niemand aus seiner Hand erretten könne? Errette uns, Gott unsers Heils, und vergib uns unsere Sünden um deines Namens willen. Nimm dem Feind den Muth, ver550 in Kriegszeiten. treibe ihn, und wache über unser Land, Häuser und Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühn, und wende die Gefahr, darin wir schweben. Herr, dir gegebührt die Ehre, daß du Schwerter zerbrichft, Spieße zerschlägst und Wagen mit Feuer verbrenneft. Erhöre, o liebreicher Gott, das Schreien derer, die jeßt in Gefahr stecken, und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden und ausstehen. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, der Kinder und Unmündigen, die nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Kriegs ein baldiges Ende, und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. O großer Gott von Treu! weil vor dir Niemand gilt, als dein Sohn Jesus Chrift, der deinen Zorn gestillt, so sich doch an die Wunden sein, die große Angst und bitt're Pein, um seinetwillen schone, und nicht nach Werken lohne. Amen. MG 551 552 Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Gesang. Mel. Ach was soll ich Sünder machen. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnoth, Welche uns, erzürnter Gott! So vom Sündenschlaf erwecket; Angst und Noth vermehret sich; Großer Gott! erbarme dich. 2. Ach! das Schwert ist scharf geweßet, Welches uns erwürgen soll. Ja, der Feind ist Zornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Städt' und Länder sind verstöret, Es vergießet Menschenblut Diese scharfe Kriegesruth; Man erstaunet, wenn man höret, Wie die Unbarmherzigkeit Alten und den Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, Alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht; Sogar die verborgne Kammer, Thäler, Wälder, Wüstenei Sind vor Feindesfurcht nicht frei. 5. Höre, wie die Armen weinen, Wenn man ihnen Mles nimmt, Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammen scheinen, Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daß man kaum den Ort mehr kennt. 6. O der schrecklichsten Gerichte! Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt; Alles macht der Feind zu nichte, Wenn du nicht, o Gott, aufwachst, Und zur Hilfe dich aufmachst. 7. Ach! wir fallen dir zu Fuße, Rette uns aus dieser Noth, Mächtiger Herr Zebaoth! Ach! wir thun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater! schon', Sieh uns an in deinem Sohn. 8. Dessen Blut sieh an in Gnaden, Tilg damit die Missethat, Welche dich erzürnet hat; Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gib ihm nimmermehr den Sieg, GroBer Gott, in diesem Krieg. 9. Ach! zerbrich des Feindes Waffen, Und nimm ihm den stolzen Muth, Räche das vergossne Blut; Nimm weg die verdienten Strafen: Baue, was da liegt verheert, Nicht auf, was ist umgekehrt. Der glaubige Christ lobet und danket Gott 2c. 553 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schließ des Jammers Pforte zu, Schenk uns nach der Trübsal Ruh, Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. 11. So soll, Herr! dein Lob erklingen; Es soll sagen Jedermann: Siehe, das hat Gott gethan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Lieb und Gnad, Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinfort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bittrem Schrei'n Unser Herz voll Rühmens sein. Der glaubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Pf. 46, 3. 9-12. Rommet her, und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet; der den Kriegen steuert in aller Welt, der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennet. Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin; ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns; der Gott Jakob ist unser Schuß. Sela. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen als diese: Es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser, die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu den Ihrigen zu kommen; das Land selbst erholet sich und grünet vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein glaubiger Christ erkennet, daß diese Gabe von oben herabkomme, darum stimmen sein Herz und Mund zusammen. Er lobet Gott: 1) daß er dem Zerstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des 554 Der glaubige Christ lobet und danket Gott Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreit sind. 2) Er danket Gott, daß er bei diesem gefährlichen Krieg ihn und das Seinige beschüßet, und nicht zum Raube in die Hände des Feindes ge= geben hat. Er erkennet, wie der edle Friede sei gleich der Sonne, die Alles aufrichtet, wie ein Thau, der Alles erquicket. 4) Er bittet Gott, er wolle den Frieden lassen dauerhaft werden und allen Friedensstörern selbst wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit nicht an zur Ueppigkeit und Wollüsten, sondern dazu, in seinem Christenthum zuzunehmen, und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Sebet. Herr, Herr! gnädig, barmherzig und von großer Güte, du haft aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserem Lande weggenommen, weil wir der guten Tage und des Friedens mißbraucht haben. Du haft die Feinde uns zur Strafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren, und uns mit Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdient, daß dieser Krieg uns gar verderbt hätte, so haft du doch mitten im Zorn an Gnade nach erlangtem Frieden. gedacht, und den Königen Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heerschaaren find eins worden, das Schwert muß auf deinen Befehl wieder in die Scheide fahren. Die Geflüchteten kommen wieder und wir können wieder ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise Jerusalem den Herrn, lobe Zion deinen Gott, denn er macht feft die Riegel deiner Thore, und segnet deine Kinder darinnen, er schaffet deinen Grenzen Friede. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreuet. Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in euren Landen wohnen, ich will Friede geben eurem Lande, daß ihr schlafet und Niemand euch schrecke, und also kein Schwert mehr durch euer Land gehe. Ach Herr! erhalte diesen Frieden beständig, erhebe über uns dein An555 556 Der glaubige Christ Lobet und danket Gott tliß und gib uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk gelegt haft. Laß unsern Frieden sein wie einen Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibt und quillt, denn du allein erhältst Friede nach gewisser Zusage. Laß Gerechtigkeit und Friede sich immer küsſen, und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gib uns deinen heiligen Geift, daß wir den edlen Frieden nicht mißbrauchen zur Ueppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen, und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. Herr Gott, dich loben wir für deine großen Gnaden, daß du das ganze Land von Kriegeslaft entladen, daß du uns blühen läßt des güldnen Friedens Zier; drum jauchze on nach erlangtem Frieden. alles Volk: Herr Gott, dich loben wir. Amen. 557 Gesang. Mel. Nun lob, mein' Seel, den Herren. 1. Der Fried ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Kein Land und Stadt wird mehr zerstört; Das Schwert ist eingestecket, Der Bogen losgemacht, Kein Feind ist, der uns schrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut vor allen Nach dieser Kriegesnoth Ein Freudenlied erschallen Dem Herren Zebaoth. 2. O Friede, theure Gabe, O edles Kleinod, daß du bist, Dadurch nun unsre Habe Von neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So gibt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüther Sind nun zum Fried geneigt, Der treue Menschenhüter Hat uns die Gnad erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Beleucht't die Länder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist Jedermann erfreut; Der Ackersmann kehrt wieder zu seinem Ackerbau; Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au; Die Schäflein waiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt Und nun die Segensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das Alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert, Und gleichsam von der Stelle weicht, So pflegt der Fried zu heilen Das, was da liegt verheert, Und Samen auszutheilen Dem, was da ist verstört; Man siehet mit Lust bauen Die Häuser und das Feld; Der Himmel scheint zu thauen, Was unserm Geist gefällt. 6 3300 5. Laß diesen Frieden dauern, O treuer Vater, lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach, habe stets Gedanken Des Friedens uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Fürsten Uebermuth; Nimm wegen unsrer Sünden Uns nun den Frieden nicht, Und laß uns Gnade finden, Wenn schon dein Zorn anbricht. 558 Gebet in Theurung und Hungersnoth. 6. Wir wollen nun vermeiden, Da du uns diesen Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O Gott, und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben, und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar sein. Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lasterheer, Und alle Lust besiegen Zu unsers Gottes Ehr. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns Alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt, Der hat dem Krieg gesteuert; Seht, das ist Gottes That, Den Frieden uns erneuert, unverdiente Gnad. Laßt Freudenlieder klingen Dem Herren Zebaoth Und laßt uns fröhlich singen: Nun danket Alle Gott. Der glaubige Christ betet, wenn Gott mit Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. Aufmunterung. Hefet. 4, 2. 16. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrath des Brodes zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod effen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maß mit Kummer trinken. Werden zahme und wilde Thiere mit Hunger gezüchtiget, daß sie etwas lernen, oder ihre wilde Art verlassen müssen, so pflegt Gott eben solchen Baum und Gebiß den Menschen in den Mund zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott locket sie lange mit Wohlthaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Buße leiten, so schicket er Hunger ins Land, entweder durch Mißwachs, oder Krieg, oder durch Theurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man isset und nicht satt wird. Dieſe Strafe kommt gemeiniglich: 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, Jes. 5, V. 13. 2) Wenn man fromme Gebet in Theurung und Hungersnoth. 559 Leute u. die Knechte Gottes verfolget, Jer. 11, 3. 22. 3) Die Stimme der falschen Propheten gerne hört, Jer. 14, V. 15. 16. 4) Halsstarrig ist, Jer. 24, V. 10. 5) Ungehorsam bleibt, Hef. 5, V. 16. 6) Wenn man Gewalt gegen Geringere berübt, 2. B. Sam. 21, V. 1. 2. Diese Hungersnoth bringet mit sich Armuth, Elend, Verschmachtung, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger effen. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, V. 11, so ist das Elend unaussprechlich. Gebet. Gerechter Gott, der du einem Jeden gibst nach seinen Werken, und läffeft Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so Böses thun; wir fommen vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns dermaßen an dir verfündigt, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich haft du uns in den vorigen Jahren gespeiset, wir haben Brod die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hätten uns sollen als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, zie= 560 Gebet in Theurung und Hungersnoth. hen, und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind diese Güter zur Völlerei, Wohlleben, Ueberfluß mißbraucht worden, so daß die Kreatur selbst über uns geseufzt, daß sie von undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen empfangen worden. Was ist's denn Wunder, daß ein fruchtbar Land nichts trägt, um der Sünden willen derer, die darinnen wohnen? Du strafft uns mit Theurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte färglich gibt. Herr, höre das Schreien der Armen, die um Brod bitten, und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllt. Wir essen und werden nicht satt, wir nehmen Speise zu uns und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh ruft um Futter. Ach Herr, Herr, gnädig, barmherzig, ge= Gebet in Theurung und Hungersnoth. 561 duldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, fehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen haft. Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim und wässere es; laß den Himmel die Erde erhören, und erhöre du uns selbst von deinem Heiligthum. Laß die Theurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungrigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brod. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brode leben, sondern am meisten von dem Segenswort, das aus deinem Munde geht, und dadurch du Kraft in unsere Speise legst. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllt werden, vermehre das wenige Mehl, wie der Wittwe zu Sarepta, laß den geringen Vorrath genug sein zur Erhaltung Vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allweg sein, uns damit zu nähren, denn das ist Stark's Hdb. gr. Dr. 4ter Thl. 36 562 Gebet in Theurung und Hungersnoth. unser Herzenstroft, unser Honig und Honigseim. Wir wollen dich für dieſe Gnade rühmen und preisen unser Leben lang. Ach Herr! sich an die große Noth, entzieh uns nicht das liebe Brod, schütt deinen Segen aus; du bist ja unsre Zuversicht, drum bitten wir, verstoß uns nicht. Amen. Gesang. Mel. Zion flagt mit Angst und Schmerzen. 1. Mit den scharfen Theurungsruthen Machst du, o erzürnter Gott! Unser hartes Herze bluten. Ach! die bittre Hungersnoth Drohet uns den Untergang, Sie macht unsrer Seele bang. Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Noth erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel Alles drückt; Es möcht dem sein Herze brechen, Der die Thränenfluth erblickt, Welche diese Noth auspreßt, Darein Gott uns sinken läßt. Schau, Erbarmer, auf die Armen, Vater! denk an dein Erbarmen. 3 Mangel drücket Groß und Kleine, Unser Vorrath ist dahin; Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel ruft der Arme aus; Mangel ist ins Reichen Haus, Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach! das machen unsre Sünden, Diese steigen himmelan, Daß man keine Hilf tann finden, Die dem Mangel steuern kann: Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern, Ach! wir sind ja noch nicht satt! Auf dem Feld und in den Kammern Liegen Der glaubige Christ betet zur Zeit 2c. 563 viel vor Hunger matt; Dort sieht man viel Arme stehn, Die um Brod und Hilfe flehn, Ja, man hört das Vieh auch brüllen, Es will seinen Hunger stillen. 6. Herr! du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Brod, Und ach! daher ist gekommen Diese Theurung, diese Noth; Unsre Speise sättigt nicht, Welch ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Essen, und der Speis' ist bald vergessen. 7. Herr! wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last; Gib uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Aecker wieder blühn Nach dem Säen und Bemühn; Laß ste reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis' uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater, so verstoß uns nicht; Dieses wahre Lebensbrod Stärke uns in dieser Noth; Auf den fetten Seelenwaiden Jst leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensfluth Diese Theurungsnoth verschwinden, So wird Alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag und alle Stund Sprechen: Gott hat Brod und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der glaubige Christ betet zur Zeit einer Seuche. Aufmunterung. 5. B. Mos. 28, 3. 15. 21. 22. Wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes nicht gehorchen wirst, so werden alle Flüche über dich kommen. Der Herr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis er dich vertilge. Der Herr wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Hibe, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. Wenn über die, welche Böses thun, Zorn, Trübsal und Angst kommen soll, Röm. 2, V. 8. 9, so gehören zu solcher Angst allerdings ansteckende Krankheiten und die Pest. Diese Plage kommt mehrentheils: 36* Der glaubige Christ betet 1) Wenn die Menschen dem Worte der Warnung und Ermahnung keinen Glauben beimessen, 4 B. Mos. 14, V. 12. 2) Wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dienet, Jer. 14, V. 12. 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen seket, Jer. 24, V. 18. Kap. 27, V. 8. 4) Die Diener Gottes verlachet, Jer. 29, V. 17. 18. 5) Wenn das Volk frech und unbändig wird, Hesek. 12, V. 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwange gehet, Heset. 33, V. 26. 27. 7) Wenn keine Bußermahnungen mehr angenommen werden, Amos 4, V. 10. 8) Um Ehebruchs willen, 4. B. Mos. 25, V. 19. 9) Um Gotteslästerung willen, 2. B. der Könige 19, V. 35. 10) Um Hochmuth, 2. Sam. 24, V. 25, und um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißet, da ist nothwendig, daß man Buße thue, weil doch der Herr nach seiner Barmherzigkeit sich erbitten läßt; deßwegen auch David unter den dreien Plagen lieber diese wählte. 564 Gebet. Starker und allmächtiger Gott, groß ist dein Zorn gegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht lassen zur Buße leiten. Du handelft eine Zeit lang mit den Menschenkindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich lockt, nach zur Zeit einer Seuche. mals aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, beweiseft du dich auch als ein strenger Richter. Dieses erfahren wir jetzt auch. Gerechter Gott, wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche zeigt, welche viele tausend Men= schen dahin rafft, so daß fast in jedem Hause Todte sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Haben wir nicht hohe Ursache, zu befürchten, du werdest auch das um sich reißende Uebel in unsere Grenzen schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott! gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welche du diese scharfe Ruthe läsfest empfinden; wir müsſen vielmehr bekennen, daß wir werth sind, alle also umzukommen, wie jene. Es findet sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Worts und der heiligen Sakramente, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wolluft, Stolz; ja, es ist fast keine 565 Der glaubige Christ betet Furcht Gottes im Lande, die Heiligen haben abgenommen, und der Glaubigen ist wenig unter den Men= schen. Willst du nun Sünde zurechnen, Herr! wer wird vor dir bestehen? Ach Herr! Herr! wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antliß suchen; darum suchen wir auch, Herr! dein Antliß. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre, und lebe; darum schuldigen wir uns, und thun Buße im Staub und in der Asche. Sieh nicht an unfre Sünden groß, sprich uns derselben aus Gnaden los, fteh uns in unserm Elend bei, und mach uns aller Strafen frei. Wir haben gesündigt mit unsern Vätern, wir haben mißgehandelt, und find gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führt, daß er ablaffe, und sage: es ist genug. Sind wir feiner Gnade werth, so sind wir sie doch bedürftig; find wir alle Kinder 566 567 zur Zeit einer Seuche. des Todes, so haft du den Bußfertigen verheißen, du wolleft Gnade vor Recht ergehen lassen. O! schenke uns deine Gnade und das Leben um Jesu, unsers einigen Mittlers und Fürsprechers willen. Erbarme dich, erbarme dich! Gott, unser Erbarmer! über uns; sei uns gnädig, verschone unser, lieber Herr! Hilf uns, lieber Herre Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch diese heftige Seuche find angegriffen, Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubt und von allen Menschen verlassen sind, stehe ihnen mit Troft bei, und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geift, daß fie Kinder Gottes sind, ob sie gleich an dieser Plage sterben müssen. Ach Herr, erhöre unser Gebet, schüße unser Vaterland, so wollen wir sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan. Ach, Herr Gott, durch die Treue dein, mit Troft und Ret= tung uns erschein, beweis an uns dein 568 Der glaubige Christ betet 2c. große Gnad, und straf uns nicht auf frischer That, wohn uns mit deiner Güte bei, dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gefang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Welch große Angst und Herzeleid Läßt uns Gott jetzt erleben, Da wir in dieser Jammerszeit In Todesnöthen schweben, Und fast, o schreckliches Gericht, Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben. 2. In mancher Stadt, in manchem Land Hört man von lauter Leichen; Kaum liegt der eine in dem Sand, Muß dieser auch erbleichen! Die Todten liegen überall, Von Alten, Jungen ihre Zahl Ist fast nicht zu erreichen. 3. Dort stirbt ein Armer und verschmacht't, Das Haus ist schon beschrieen, Ein Jeder ist darauf bedacht, Der Seuch sich zu entziehen. Ein Andrer stirbt in Hungersnoth Ohn alle Pfleg, und kann dem Tod Unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter Gott, dieß läsfest du Uns hören und auch sehen, Und sprichst dabei: Kommt, sehet zu, So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missethat, Die mich zum 3orn gereizet hat, Nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja, die große Sicherheit Kann Niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein jeder läßt sich treiben Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 6. Willst du nach unsrem Sündenmaß Die scharfe Ruthe binden, Und unsre Bosheit, Neid und Haß Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach, wer wird Gnade finden? 7. O Gott! wir fallen dir zu Fuß, Ach Vater, schone, schone, Wir thun mit Thränen herzlich Buß' Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht, was wir gethan, Und siehe uns in Gnaden an, Jn Christo, deinem Sohne. Der glaubige Christ betet zu Gott 2c. 569 8. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen, Wir bringen hier sein Blut vor dir: Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dieß heiße Blut kann doch allein Die Zornesfluthen stillen. 9. Verleih uns doch gesunde Luft, Und schenke uns das Leben; Vertreib den gift'gen Pestesduft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herze, Geist und Mund Dir Lob und Ruhm zu jeder Stund Mit tausend Dank erheben. Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhaltender nasser Witterung. Aufmunterung. 1. Mos. 6, V. 17. Siehe, ich will eine Sündfluth mit Wasser kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darinnen ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel, Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. So sprach einst Gott zum frommen Noa, und als der wahrhaftige Gott erfüllte er seine Drohung, indem er alles auf Erden untergehen ließ bis auf die wenigen Geschöpfe, die mit Noa in den Kasten gegangen waren. Ob nun Gott gleich verheißen hat, er wolle die Welt mit einer allgemeinen Ueberschwemmung nicht mehr züchtigen, so läßt er doch noch manchmal zur Demuth und Erweckung der Menschen Wasserfluthen, starke Regengüsse und eine anhaltende nasse Witterung kommen. Wenn nun der Regen anhält und nicht aufhören will vom Himmel herabzufallen, so erinnern sich wahre Christen dabei, daß 1) diese starken Regengüsse von Gott kommen; das macht sie getrost. 2) Daß Gott über ihre Sünden zürne, das bringt sie zur Buße. 3) Daß solche Wassergüsse gar leicht zu ihrem Verderben gereichen können; das erregt ihre Aufmerksamkeit, wie sie in Al 570 Der glaubige Christ betet zu Gott lem Gottes Allmacht unterworfen seien. Das treibt sie zu Gott, daß sie zu ihm schreien, und in ihrer Noth ihn anrufen mit kindlichem und glaubigem Gebet. Wenn sie dieses thun, wird sich Gott ihrer erbarmen, und ihnen fruchtbare Zeiten schenken, daß ihre Herzen wieder mit Freude erfüllt werden. Gebet. Großer und majestätischer Gott! der du den Himmel ausgebreitet, und die Erde gegründet und Alles erschaffen haft, was da lebet, webet und ist; wie schnell kannst du die Gestalt der Erde verändern, und ihr ihre Schönheit und Zierde nehmen. Das erfahren wir jetzt besonders, da du die Fenster des Himmels haft aufgethan und ohne Aufhören den Regen herabfallen läsfest. Die Sonne entzieht uns ihre erwärmenden und erquickenden Strahlen; das Auge erblickt nichts als schwere und trübe Wolken, welche das Erdreich mit Wasser bedecken; die Früchte des Feldes kommen der Fäulniß nahe; alles erregt einen fürchterlichen Anblick. Ach bei anhaltender naffer Witterung. 571 Herr! Herr! siehe doch an diesen unsern Jammer, und erbarme dich über uns gnädiglich. Mit unsern Sünden haben wir es wohl verdient, daß du deinen Segen und entziehft; aber laß Gnade für Recht ergehen, und gedenke unserer im Besten. Du haft ja die theure Zusage gethan, daß du die Erde und ihre Bewohner nicht mehr mit Wasser vertilgen wolleft. Ach, du Gott voller Gnaden! so schließe die Fenster des Himmels, daß der Regen aufhöre, auf uns zu fallen. Heitere den trüben Himmel auf, und laß das schöne Sonnenlicht wieder leuchten, daß das Gras wachse für das Vieh und die Saat zum Nußen der Menschen. Erweiche unsere harten Herzen durch die uns erzeigte Güte und Treue, daß wir uns redlich bessern, und bis an unser Ende vor dir wandeln, wie es dir gefällig ift. Und endlich, nach bewiesener Treue, nimm uns in Gnaden in dein 572 Der glaubige Christ betet zu Gott 2c. ewiges himmlisches Reich auf. Heilig, heilig werde, Gott! dein Name stets genannt; denn der Himmel und die Erde machen deinen Ruhm bekannt; deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht hat doch nirgends ihres Gleichen, Gott! wer kann dein Lob erreichen. Amen. Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Soll der Himmel allzeit weinen? Soll er stets bedecket stehn? Soll uns keine Sonn mehr scheinen? Soll man sie nicht wieder sehn? Willst du denn, erzürnter Gott! Nicht ansehen unsre Noth? Siehe, durch des Regens Triefen Schwellen auf fast alle Tiefen. 2. Alles stehet überschwemmet, Alles faulet auf dem Feld, Nichts ist, das den Regen hemmet, Der da täglich häufig fällt; Unsre Früchte zeit'gen nicht, Weil es an der Wärm gebricht, Was sich nach der Sonne sehnet, Stets ein Regensthau bethränet. 3. Alles trauert, was man stehet, Jst mit Wasser angefüllt, Da die Sonn sich uns entziehet, Ist der Himmel ganz verhüllt, Ach, es ist uns angst und bang, Ein Tag scheint uns Wochen lang, Weil so viele Tag vergehen, Daß wir keine Sonne sehen. 4. Ach der Himmel will uns lehren, Wie wir gar verstocket sind, Daß man sich nicht will bekehren, Daß bei uns kein Statt mehr find't, Wenn man rufet: thut doch Buß! Geht und fallet Gott zu Fuß! Drum will uns die Fluth ersäufen, Wenn wir unsre Sünden häufen. 5. Ach es will der Himmel weinen, Weil Niemand die Sünd beweint! Wer ist doch von Groß und Kleinen, Der Gebet bei anhaltender Hiße und Dürre. 573 es jetzt mit Gott recht meint? Wo ist Buße, Frömmigkeit, Wahre Lebensheiligkeit? Drum kann, ob wir heftig schreien, Keine Hilf an uns gedeihen. 6. Ach Gott, thu dich doch erbarmen, Halte doch den Regen ein; Höre das Geschrei der Armen, Gib uns warmen Sonnenschein: Sieh, wir kommen in der Zeit, Unfre Sünden sind uns leid, Und daß wir zu unserm Schaden Solche Straf uns aufgeladen. 7. Schenk uns doch die Sonne wieder, Ach Gott, so soll unser Mund Singen Dank- und Freudenlieder, Denk doch an den Gnadenbund, Den der Regenbogen weist, Und uns deine Gnad verheißt; Laß uns sehen aufgerichtet, Was der Regen hat vernichtet. 8. Laß die Wärme doch erquicken, Was die rauhe Regenluft Wollte auf dem Feld ersticken Durch den kalten nassen Duft; Ach du großer Gott gebeut, Daß da, wenn du willst, noch heut Von dem blauen Himmelssaale Uns die liebe Sonn bestrahle. 9. Wenn du dieß Gebet erhörest, Und uns schenkst der Sonne Glanz, Wenn du wiederum bescheerest, Was da schien verdorben ganz, Wollen wir zu gleicher Zeit Preisen deine Gütigkeit, Daß du Sonne, Licht und Leben Wiederum uns hast gegeben. Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhaltender Hitze und Dürre. Aufmunterung. Jac. 5, V. 17. 18. Elias war ein Mensch, gleich wie wir, und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden 3 Jahre und 6 Monden; und er betete abermal, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Wie viel das Gebet des Gerechten vermöge, wenn es ernstlich ist, sehen wir aus dem Beispiel des Elias, welches uns der Apostel Jakobus vor Augen stellt. Irren aber würden wir in der That, wenn wir glauben würden, es sei in der Macht des Elias gestan 574 Der glaubige Christ betet zu Gott den, dem Lande den Regen zu geben und zu nehmen. Nein, Gott allein ist der Herr des Regens. Gott allein kann solches Alles thun. Gott also muß der Christ es zuschreiben, wenn der Regen kommt oder ausbleibt. Gnade ist es von Gott, wenn er zur rechten Zeit den Regen sendet; wo er aber solches unterläßt, so haben wir es als Strafe anzusehen. Denn wie jämmerlich steht es überall, wo der Regen fehlt, Hiße und Dürre drücket. Das ganze Land ist dann mitten im Sommer gleichsam mit einem Todtenkleide angezogen. In der That eine empfindliche Strafe! Wer könnte bei einem so traurigen Anblick gleichgiltig bleiben? Darum wollen wir bitten, wie Elias, daß er das verdorrte Land wieder mit einem gnädigen Regen erquicke. Ein rechtschaffenes und ernstes Gebet hat der Herr noch nie verschmäht. Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er hört ihr Schreien und hilft ihnen. Sebet. Nun so hilf uns denn auch, o Herr! unser Gott! der du bist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue; hilf uns in der großen Noth, die uns betroffen hat, und errette uns aus derselben gnädiglich. Du haft ehedem deinem Volke gedroht, wenn es deiner Stimme nicht gehorchen würde, so wolleft du den Himmel über seinem Haupte bei anhaltender Hiße und Dürre. 575 ehern und die Erde unter seinen Füßen eisern machen, so wolleft du seinem Lande Staub und Asche für Regen geben. Es scheint in der That, als ob auch über uns der Himmel ehern und die Erde unter uns eisern geworden sei. Ach! wie traurig sieht es auf unsern Feldern und Wiesen aus! die Erde sperrt ihren Mund auf und seufzt um Erquickung. Menschen und Thiere lechzen vor großer Hiße; die Bäume verdorren, das Gras verwelft, die Früchte können nicht wachsen; Bäche und Brunnen vertrocknen. Ach, Herr! sich doch drein und mache unserer Noth ein Ende! Freilich, wenn wir an unsere Sünden denken, so hätten wir noch viel härtere Strafen verdient. Aber, o Vater der Barmherzigkeit, sei gegen uns arme Sünder barmherzig, und wende dein gnädiges Angesicht wieder zu uns; erquicke uns mit einem fruchtbaren und durchdringenden Regen, daß Menschen und Vieh wieder Nahrung und Unterhalt finden mögen. Um Jesu Chrifti willen erhöre unser Flehen, und erbarme dich unser. Möge diese deine gerechte Strafe uns zur wahren Buße leiten. Heilige uns durch und durch, daß wir 576 Gebet bei anhaltender Hiße und Dürre. werden unsträflich bewahrt werden bis auf den Tag Jesu Christi. Erhöre uns, lieber Vater im Himmel, um deiner Liebe willen, um Jesu Chrifti willen erhöre uns. Amen, Amen, das ist: es werde wahr, du wolleft es erfüllen, erhöre und hilf uns immerdar um Jesu Chrifti willen; denn dein, o Herr! ist allezeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Reich, die Macht, die Ehre! Amen. Gesang. Mel. Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. 1. Nun der Himmel bleibt verschlossen Lange Zeit, o großer Gott! Weil kein Regen sich ergossen, Häufet sich auch unsre Noth; Man sieht Alles traurig stehn, Und nach frischem Wasser gehn; Menschen, Vieh, Laub, Gras und Lehren Deinen Regenthau begehren. 2. Vater! gib uns deinen Segen, Willst du nicht mehr Vater sein? Vater, gib uns einen Regen, Sonst dringt bei uns Theurung ein; Sieh, die Erd thut auf den Mund, Schreiet an dich alle Stund, Alles Laub will fast erblaſsen, Wenn du nicht willst regnen lassen. 3. Es verwelken alle Früchte, Das Getreid steht fast verdürrt; Was sonst blühte, wird zunichte, Weil es keinen Saft verspürt; Alles wird von Hitz verbrennt, Daß man es fast gar nicht kennt; Das Wild sucht auch vor Ermatten Aller Orten kühlen Schatten. 4. Zwar wir habens wohl verdienet, Daß der Himmel ehern ist, Daß auch unser Feld nicht grünet, Weil du annoch zornig bist Ueber uns, die früh und spat Häufen unsre Missethat; Weil wir harte Herzen haben, Soll uns auch kein Regen laben. 5. Weil wir nicht die Sünde fliehen, Wenig achten Gottes Gebet vor dem heiligen Abendmahl. 577 Wort, Muß der Regen sich verziehen, Fern von unserm Land und Ort; Andre seh'n im Ueberfluß Deines Regens Segensguß, Nur auf unsre dürren Auen Willst du nicht in Gnaden schauen. 6. Ach wir fallen vor dir nieder, Bitten dich um Gnad und Huld; Ach wir kehren heute wieder, Weinen über unsre Schuld; Ach vergib uns gnädiglich, Womit wir erzürnet dich; Ach wir wollen unser Leben Dir zu deinem Dienst ergeben. 7. Ach erbarme dich in Gnaden Ueber uns und unser Land, Laß uns doch nicht ferner schaden Der erhitzten Sonne Brand; Schließ den Himmel wieder auf, Laß dem Regen freien Lauf; Laß den Regen uns erblicken, Menschen, Vieh und Feld erquicken. 8. Wirst du dieß Gebet erhören, O du großer SegensGott! Und uns unsre Bitt gewähren, Wenden diese große Noth, Daß du seist mit uns versühnt, Daß das Feld aufs neue grünt, Wollen wir zu allen Zeiten Deine Gnad und Lieb ausbreiten. Communion- Gebete. Gebet vor dem heiligen Abendmahl. O großer Gott! der du mich nun zu dem heiligen Abendmahl rufeft, ich flehe dich demüthig an, du wolleft die göttliche Kraft des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergossen hat, auch mir angedeihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich zu deiner heiligen Tafel leiStark's Hdb. gr. Dr. 4ter Thr. 37 578 Gebet nach dem heiligen Abendmahl. ten, und ich daselbst die Empfindung deines Friedens, und die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es demjenigen opfern könne, welcher sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. S Gott! mein Herz sagt mir um deinetwillen, ich soll dein Angesicht suchen. Ich suche es, o Herr, erlöse deinen Knecht, der( deine Magd, die) auf dich hofft. Amen. Gebet nach dem heiligen Abendmahl.d Allgenugsamer Gott, du einziges und höchstes Gut und bestes Vergnügen aller Frommen, in dir allein findet mein Herz seine beste Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Die Welt mit allem dem, was fie Herrliches hat, gleicht den Aepfeln zu Sodom, die auswendig schön und inwendig voll Asche waren. Die Sünde mit ihrer kurzen Lust gebiert doch lauter Unlust, und zieht nach sich die Hölle und Verdammniß. Ach Gott, laß mich doch Alles wohl bedenken, und nicht lieb haben die Welt, noch Alles, was in der Welt ist; denn die Welt vergehet mit Gebet nach dem heiligen Abendmahl. 579 ihrer Luft, Augenluft, Fleischesluft und hoffärtigem Leben. Herr, wenn ich nur dich habe, so habe ich genug, wenn ich auch sonst in dieser Welt wenig oder nichts hätte. O wie wohl ist meiner Seele, wenn ich an dir einen gnädigen Gott, und in mir ein unverleßtes Gewissen habe. Die Welt weiß von dieser Rühe des Gewissens nichts, die deine Heiligen höher achten, denn aller Welt Schäße. Sei nun wieder zufrieden, o liebe Seele, denn der Herr thut dir Gutes. Er hat dich gespeiset an seiner Gnadentafel mit dem gekreuzigten Leibe, und dich erquicket mit dem vergoffenen Blut seines allerliebsten Sohns. O große Gnade! darum lobe den Herrn meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Erhalte doch, o großer Gott, in meinem Herzen diesen Frieden mit dir, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allen Leiden durch den Trost deines heil. Geistes. Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das 37* Der glaubige Christ Lobet Gott Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es wird doch noch eine Zeit kommen, da du mich bringen wirst an den Ort der vollkommenen Ruhe. Da werde ich schauen dein Antlig in Gerechtigkeit, und satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Amen. 580 nd Der glaubige Christ Lobet Gott an dem wieder erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Psalm 116, V. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut. Geburtstage sollen billig Lob- und Danktage sein, welche wir mit Beten und Singen, und innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen. Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Güte: 1) daß er sie von christlichen Eltern hat laffen geboren werden, welche fie zur Erkenntniß des Heils in Jesu Christo gebracht haben. 2) Daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben. 3) Sie vor Unglück bewahret, und aus Gefahr errettet, und bisher erhalten hat. 4) Sie bitten Gott zugleich demüthig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. 5) Sie trösten sich, wenn sie also im Glauben und Liebe verharren, daß Gott an dem wieder erlebten Geburtstage. 581 ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die letzte Feier des Geburtstags auf Erden könne gewesen sein. Gebet. Ewiger, gütiger und barmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wieder meinen Geburtstag erlebt. Dieser Tag soll mein Lob-, Bet- und Danktag sein. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir den Herrn und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott! daß du mich nicht allein mit gefunden Gliedern, sondern auch von christlichen Eltern haft lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger Gott, von Jugend Der glaubige Christ Lobet Gott auf angeführt haben? Bin ich nun in deinen Armen auferzogen worden, so haft du mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet, haft mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich bis auf diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach mein Gott, ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft. Kommet her, höret zu, ich will erzählen, was der Herr an meinem Leibe und an meiner Seele gethan hat. Aber ach! ich kann es nicht Alles erzählen, es möchte eher Jemand die Sterne am Himmel zählen, als die Gnadengaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie viel Gefahren haft du mich errettet? wie viel Unglück abgewendet? Dein Geift hat mich gelehrt, regieret, geführet, und wenn ich fündigen wollte, mich innerlich gestraft und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viel, mein Gott, find deiner Wohlthaten viel, 582 an dem wieder erlebten Geburtstage. 583 so denke ich heute auch an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach verzeihe mir dieselben um Jesu Wunden willen, tilge sie mit deinem heiligen Blute und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir in deinem Buche angeschrieben haft, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Thun und Lassen wohl gefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gesetzt haft, so bewahre mich, daß ich mir es nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schuß glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdi 584 Der glaubige Christ lobet Gott sche und vergängliche das ewige und Himmlische Leben um Jesu Chrifti willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Lob und Dank feiern, und singe jeßt: Nun lob, mein' Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein, sein Wohlthat will er mehren, vergiß es nicht, o Herze mein; hat dir dein' Sünd vergeben, und heilt dein' Schwachheit groß, errett't dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoos, mit reichem Troft beschüttet, verjüngt dem Adler gleich, der Herr schafft Recht, behü tet, die leiden in seinem Reich. Amen. Lob- und Danklied am Geburtstage. Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Dieß ist der liebe Tag, Den hat mir Gott geschenket, Daran mein froher Geist Mit tausend Lust gedenket, Was seine Treu und Güte Bisher an mir gethan, Drum stimm ich ihm zu Liebe Ein Herzensdanklied an. 2. Dieß ist der Tag, da bin Ich in die Welt gekommen, Und bin in meiner Tauf' Zu Gnaden aufgenommen, an dem wieder erlebten Geburtstage. 585 Da mich mein Jesus hat Durch sein Blut rein gemacht, Und mich zu seinem Licht Durch seinen Geist gebracht. 3. Ich habe klein und arm Der Sonne Licht erblicket, Ganz nackend ohne Kleid, Doch Gott hat schön geschmücket Den Leib und auch die Seel. Ich habe nichts von mir, Was ich nun bin und hab, Das kommt allein von dir. 4. Du reicher, guter Gott, O wie viel Gnadengaben Hast du mir mitgetheilt, Die mich erfreuet haben, Gesundheit, Glück und Heil, Des heil'gen Geistes Licht Ergößt mich alle Tag, Ach, ich weiß Alles nicht. 5. Ja, ich weiß Alles nicht, Mir wird's an Worten fehlen, Wenn ich der Gnadenfüll' Und Menge wollt' erzählen. Drum sprech' ich: Ruhm und Preis Sei Gott, auch Dank und Ehr, Der Wohlthat ist viel mehr, Alz Sandes an dem Meer. 6. Auf, jauchze heut, mein Herz, Laß auch die Stimm erklingen, Ich will dir, treuer Gott, Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt, Und meinen Geist erquickt, und mich bis diese Stund Mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, O Vater, mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Lösch aus mit Christi Blut Die Schuld und Missethat, Womit dich Herz und Mund Und That erzürnet hat. 8. Ich will durch deine Gnad Hinfort nicht von dir weichen, Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt erreichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringe dir zum Preis Die übrig Lebenszeit. 9. Das Ende meiner Tag Verbleibet mir verborgen, Drum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich Bis an mein Lebensziel, Es mögen meiner Jahr Sein wenig oder viel. 10. Indessen leg ich mich In meines Jesu Wunden, Ich hab in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das theure Jesusblut Macht mich von Sünden rein, Jch bleibe, weil ich leb, Und auch im Tode sein. 11. So oft ich diesen Tag Werd wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott, erheben. So fang ich dieses Jahr Als neugeboren an; Ach, es ist lauter Gnad, Was du an mir gethan. 586 Gebet an dem wieder erlebten Geburtstage. 12. Jch feire diesen Tag Mit innigstem Vergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Tröpflein Blut Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben thut. 13. Nun ich befehle dir Bis an mein letztes Ende Mein Leib und meine Seel In deine Vaterhände, Bleib doch mein Lebenslicht, Mein Tröster, Helfer, Stab, Bis ich in dir, durch dich Den Lauf vollendet hab. 14. Und weil ich weiß, daß ich nicht werde ewig leben, So wollest du aus Gnad Den Himmel mir dort geben, So bin ich reich genug, Und glücklich g'nug auf Erd, Wenn ich bei dir, o Gott, Jm Himmel leben werd. Str and J1, Register der Gefänge. Ach daß ich doch Gottes Liebe Ach geh nicht ins Gericht Ach Herr! stärke meinen Glauben. Ach komm doch in mein Herze Ach mein Gott! hilf mir doch Ach wie lang soll ich noch kämpfen Ach wo ist nun mein Gott Aufgelöset bald zu werden Das Pfingstfest freuet mich. Demuth ist die schönste Tugend Der Engel güld'nes Heer Der Fried ist nun geschlossen Der Sonntag ist des Herren Tag Die Ernt' ist nun geschehen.. Die Nacht ist nun vergangen Dieß ist der liebe Tag Du hast, o großer Gott Du willst, o lieber Christ, dich Gin Gotteskind zu sein Es bricht der Sabbath an Es stirbt mein liebster Freund Seht dir's wohl nach deinem Leiden Gottes Liebe, Gnad und Güte Gott Lob! das neue Jahr tritt ein Gott! wir hören deine Stimme Bat dir dein Gott ein Kreuz Hat mich Gott denn gar verlaffen Hier ist gut sein.. Hier ist Immanuel Ich armer Sünder komme wieder Ich bin getauft, ich steh im Bunde Ich freue mich auf meinen Tod Ich gebe mich in Gottes Willen Ich glaub an Gott, von dem wir alle lesen ( 129) Ich klage dir, o Gott Ich lege mich in Jesu Wunden Ich liege hier vor dir.. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe • ● ● • ● ● ● Seite 90 147 66 127 353 285 207 421 526 115 538 557 22 545 18 584 173 79 303 27 499 56 133 493 185 328 215 400 472 336 317 414 228 532 265 30 266 367 588 Register der Gefänge. Ich trag mein Kreuze nicht alleine Ich sterbe gern Ich will anjeto mich Ich will die neue Woch Ich will Jedermann verzeihen Ich will mich nach der Ruh umsehen Ich will mit frohem Muthe. Ich will, o großer Gott Ich will von der Welt ausgehen Ich will, was Jesus will Jesus bleibet meine Freude. Jesus fähret auf gen Himmel Jesus lebt, des freu ich mich Ihr Todten stehet auf Ihr Waisen weinet nicht Ihr Wittwen seid getrost In Gott bin ich immer fröhlich ft denn die Liebe gar Ist Gott für mich Ist mein Gewissen frei Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen Saffet doch den weisen Gott Mein allergrößter Fleiß auf Erden ● Mein Gott! ich habe noch das Leben Mein Gott! ich bin von Haus gegangen Mein Gott! ich bin in fremden Landen Mein Jesu! sei gepreiset Mein Stündlein nahet sich herzu Mein Gott! laß mich den Wunsch erreichen Mein Gott! verlaß mich nicht Mein Gott! verzeuch doch nicht ● O welch ein Freudenfest Schauet doch das bittre Leiden ● Mein Vater denk an mich Mich soll kein Kreuz von Gott abwenden Mit den scharfen Theurungsruthen Nun die Woche ist verflossen Nun ist meine Seel gespeiset Nun der Himmel bleibt verschloffen allerliebstes Seelenpfand. Jesu, meiner Seelen Licht Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet Sieh, es ist alles mir Sieh, es ist Gottes Segen Soll der Himmel allzeit weinen Soll ohn' die Heiligung Unter meinem Schmerz und Weinen • ♦ ♦ ♦ ◆ ♦ ● . ● ◆ ♦ Seite 357 405 331 43 386 279 418 179 152 298 102 520 513 381 254 248 108 97 323 200 507 309 313 167 395 194 195 157 290 233 163 389 48 211 562 143 345 576 341 160 479 500 121 137 544 572 72 275 Register der Gebete. Vater gib mir auch die Gabe Wann kommt mein Jesus doch Wann wird Gottes Stunde kommen Wann wird mich mein Gott erhören Was für Jammer, was für Schrecken Was soll ich Sünder nun anfangen Weichet, weichet nun von mir Welche füße Himmelsfreude Welch große Angst und Herzeleid Wer da will als ein frommer Christ Wer Gottes Wort anhöret Wer in Kreuz und Trübsal stecket Wer nicht wieder ist geboren Wie ist mein Herz erfreut Wie kann ich genugsam preisen Wie lieblich ist dein Wort Wie sind wir so gar nichts Wohl dem, der Gott vertraut Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst Register der Gebete. Erster Theil. Morgen, Mittag- und Abendandachten für Gesunde. Morgengebet am Sonntag bringt den Sonntag andächtig hin erwäget den dreifachen Sabbath ● Abendgebet am Sonntag danket Gott nach angehörtem göttlichem Wort Morgengebet am Montag bittet um Segen im Anfang der Woche bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen Abendgebet am Montag ● danket Gott für seine Gesundheit Morgengebet am Dienstag freuet sich seiner Wiedergeburt. bittet um Erhaltung des Glaubens Abendgebet am Dienstag bittet, Gott wolle sein Herz heiligen Morgengebet am Mittwoch bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen ● ● ● ● ● 589 Seite 84 242 ● 224 238 552 148 267 409 568 361 36 349 62 486 373 13 294 220 8 16 19 24 28 31 37 40 44 50 52 56 58 63 66 69 73 76 590 Der glaubige Chrift bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten Abendgebet am Mittwoch bittet um wahre Liebe zu Gott Morgengebet am Donnerstag bittet um Liebe zu dem Nächsten will Jesu nachfolgen. Abendgebet am Donnerstag erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei Morgengebet am Freitag bittet um Demuth bittet um Sanftmuth Register der Gebete. Abendgebet am Freitag bittet um den heiligen Geist Morgengebet am Sonnabend erkennet die immerwährende Güte Gottes. erwäget die künftige Herrlichkeit Abendgebet am Sonnabend danket Gott am Ende der Woche bittet Gott seine Sünden ab bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde will sich Gott zum Opfer geben betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls bittet um Frömmigkeit Glaubige Eltern beten für ihre Kinder. Fromme Kinder beten für ihre Eltern - Der glaubige Chrift betet bei entstandenem Ungewitter betet nach dem Ungewitter betet auf der Reise Gebet eines Christen in fremden Landen Der glaubige Christ bittet um ein unverlegtes Gewissen 3 weiter Theil. Für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes tröstet sich der Liebe Gottes ♦ • tröstet sich der Hilfe Gottes tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes erwäget die göttlichen Verheißungen. erwäget die Absicht Gottes im Kreuz bittet um Geduld und Stärke. bittet um Abnehmung der Trübfal erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus ● ● ● ♦ ● ♦ ♦ ♦ . ● ● ● ♦ • ● ♦ Seite 80 85 87 91 94 98 103 105 109 111 116 122 124 128 130 133 137 140 144 148 153 157 164 168 175 180 187 190 195 197 205 208 212 216 221 225 229 234 238 243 Register der Gebete. Verlaffene Waisen klagen Gott ihre Noth Der Betrübte flaget über die Schwachheit seines Glaubens - flaget über gotteslästerliche Gedanken Dritter Theil. Für Kranke. Morgengebet eines Kranken. Abendgebet eines Kranken Der Kranke ● bittet Gott um Geduld bittet um Gottes Beistand erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei 20 ergibt sich, dem Willen Gottes zu leben und zu sterben 10 erkennet, daß Kreuz und Trübsal von Gott kommt erkennet den Nußen der Krankheit setzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht erinnert sich seines Taufbundes gründet sich auf die Wolthaten des dreieinigen Gottes will sein Leiden ohne Murren tragen schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls bittet um Vergebung der Sünden betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls betet, wenn er Arznei gebraucht bittet um Linderung der Schmerzen seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen erinnert sich seines Todes betrachtet sein Grab und Auferstehung danket Gott wegen der erlangten Gesundheit Vierter Theil. Für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht verzeiht und bittet um Verzeihung nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen befiehlt sich Gott stellet eine Himmelsbetrachtung an erwäget die Verheißung Gottes betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft ♦ tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes will auf Jesum Christum sterben bittet um ein seliges Ende Gebet der Umstehenden für Sterbende ● . 270 276 ● . 280 287 291 295 299 ♦ • ● ♦ ● 591 ♦ Seite 249 255 265 ● 304 310 314 318 324 328 332 337 342 346 350 353 357 362 367 376 382 387 391 396 401 405 410 415 419 422 Register der Gebete. Sprüche, Seufzer und Gebete den Sterbenden vorzusprechen Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu 592 Segenswunsch über einen Sterbenden Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden Fest Andachten. Der andächtige Christ erwäget Christi Ankunft im Fleisch betrachtet die Geburt Jesu Chrifti betet am Schluß des Jahrs betet am Anfang des Jahrs ● betrachtet das Leiden Jesu Christi erwäget Christi Todestag oder den Charfreitag. freuet sich über Christi Auferstehung. betrachtet Christi Himmelfahrt. erwäget die Ausgießung des heiligen Geistes erwäget das Geheimniß der heiligen Dreifaltigkeit betrachtet am Michaelisfest den Schuß der heil. Engel ♦ betet bei anhaltender naffer Witterung betet bei anhaltender Hiße und Dürre Gebete bei besonderen Angelegenheiten. Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte betet in Kriegszeiten lobet Gott nach erlangtem Frieden betet in Theurung und Hungersnoth betet in Pestzeiten • ● Gebet vor dem heiligen Abendmahl Gebet nach dem heiligen Abendmahl Der glaubige Christ lobet Gott an dem wieder erlebten Geburtstage · ● ● ♦ Seite 424 449 465 466 ● 467 473 480 487 494 501 508 515 521 527 533 539 547 553 558 563 569 573 577 578 580 Tägliches Gebet- Büchlein Schwangere, Gebärende für und Sechswöchnerinnen, enthaltend: Morgen- und Abendgebete, Aufmunterungen und Gesänge, wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen nebst Erinnerungs- und Trost gebeten für Unfruchtbare. Zur Ehre Gottes und Erbauung der christlichen Gemeinde herausgegeben von Johann Friedrich Stark, weil. evangelischem Prediger zu Frankfurt am Main. Reutlingen. Druck und Verlag von Fleischhauter& Spohn. ( vormals Verlag der B. G. Kurk'schen Buchhandlung.) 1910: 19äs to proste Vorrede an den geneigten und Goff liebenden Sefer. Ist ein Werk, daran man Gottes Allmacht und Weisheit augenscheinlich erkennen kann, so ist es die Empfängniß, das Wachsthum und die Erhaltung eines Kindes im Mutterleibe, und sodann die Geburt desselben. Hier mag die Vernunft fragen und grübeln: Wie geht das zu? so wird sie doch nichts darüber zu sagen wissen, wenn sie nicht mit der heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht Gott allein zuschreibt, und also thut Gott alle Tage neue herrliche und unbegreifliche Wunderwerke, wenn er ein Kind im Verborgenen bildet, erhält, die verschlossenen Bande öffnet und ans Licht bringt, ja auch hernach ihm zum Besten in der Mutter Natur also wirket, daß ihre Speise und Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süße Milch verwandelt wird. Wenn David die Seelen in heiliger Betrachtung vorstellet, so dankt er Gott dafür, wenn er spricht: Ich danke dir dafür, daß ich wunderbarlich gemacht bin. Wunderbarlich sind deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl. Es waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erden. Pf 139, V.14. 15. Freilich macht er wunderbarlich Alles, was wir wissen und verstehen. Wenn Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung des Menschen erwäget, so spricht er: Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht Alles, was ich um und bei mir habe. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast du mich nicht wie Milch gemolken, und wie Käse 38* 596 Vorrede. lassen gerinnen, du hast mir Haut u. Fleisch angezogen, mit Beinen u. Adern hast du mich zusammen gefüget, Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem, Hiob 10, B. 8-12. Wenn wir diese und andere Stellen der heiligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werk Gott ein verborgener Gott, der Etwas aus Nichts macht, und stellt es dem Menschen zur Betrachtung und zur Verwunderung dar, daß er daraus Gottes Allmacht und Weisheit lerne. Beweiset aber Gott seine Weisheit und Allmacht in der Bildung des Menschen im Verborgenen, so leuchtet dieselbe noch herrlicher herfür in der Geburt, denn die kann kein Mensch befördern und glücklich machen ohne Gott. Es gehet aber in diesem Werk des großen Gottes wie in andern göttlichen Werken u. Wohlthaten; weil sie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da fie uns doch zu Gott ziehen sollten, so daß man jetzt fast nicht einmal mehr Gott bei der Geburt eines Menschen preiset, sondern es heißt mehrentheils: Die Frau liegt im Kindbett, sie hat wieder ein Kind, u. was dergleichen kurze verächtliche Redensarten mehr sind. Gewiß, wenn alle 25 Jahr der mit goldenen Sternen gezierteHimmel nur einmal erschiene, wie würden wir nicht die Nacht, da solches vorginge, wachen, die Herrlichkeit betrachten, unsere Hände und Herz zu Gott erheben, und uns freuen, Gott loben und preisen! so aber, daß es öfters geschiehet, denkt fast Niemand an Gott. Also gehet es auch mit der Geringschätzung der Werke Gottes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Daher hat auch Luther nicht unrecht gemeint, wenn er sagt: Wenn Gott seine Gaben auszutheilen und zu geben färger wäre, so würden wir ihm viel dankbarer sein. Wenn Vorrede. 597 er einen Menschen nur ließe mit einem Bein oder Fuß geboren werden, und gäbe ihm hernach im 7. Jahre das andere Bein, im 14. Jahre erst eine Hand, und im 20. die andere, so würden wir Gottes Gaben und Wohlthaten besser erkennen, auch viel lieber und werther haben. Bis hieher Luther.- Gottselige Ehefrauen und wahre Christen preisen Gott, wenn sie von der Geburt eines Kindes hören; beten und seufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werke begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne Gottes Gnade, Hilfe und Beistand kein Kind geboren werden kann. Ja, man sieht es zuweilen, wenn Gott seine Hand ein wenig zurückhält, sein Angesicht verbirgt, seine Hilfe verzeucht, wie die Noth so groß, und wie die Umstehenden erblassen, zu Gott rufen und sagen: Hie kann kein Mensch helfen, hie muß Gott helfen. Als nun das tägliche Handbuch für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende erschien, wurde bald darauf dem Herrn Verfasser von Angehörigen des weiblichen Geschlechts mitgetheilt, daß er des Zustandes der Schwangern, Gebärenden u.Kindbetterinnen nicht gedacht, indem dieselben auch Trost und Unterricht gebrauchen. Und gewiß also, daß bei diesen Umständen das Gebet und Rufen zu Gott eines der heilsamsten Mittel zu einer glücklichen Geburt ist. Denn fängt die Schwangerschaft an, so muß ja um Abwendung der Gefahren, des Schadens u. um Verleihung des göttlichen Beistandes gebeten werden. Nahen sich die Nöthen herbei, so ist das Gebet und Flehen zu Gott der beste Anker, daran sich die durch Schmerzensfluthen geängsteten Seelen halten. Ist die Entbindung geschehen, u. man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, der Fürbitte u. Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Vorrede. Stand ist nun dieses Gebetbüchlein gerichtet, in welchem die Aufmunterung den Ehefrauen nüßliche Erinnerungen mittheilt, das Gebet ihr Anliegen Gott vorträgt u. sodann ein Gesang die Andacht beschließt. ZudenSprüchen und Gebeten sind auch mitgezogen diejenigen, welche dem Herrn Verfasser von einigen christlichen Frauen an Händen sind gegeben worden, u. die sie in dergleichen Fällen für erbaulich u. erquickend schon gefunden haben. Weil aber etlicher Personen Ehestand unfruchtbar ist, die also dieser Gebete nicht bedürfen, so ist auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und Trost angehängt, sammt einem Gebet und Gesang, damit sie auch in diesem Fall sich Gottes Willen ergeben, in Gott sich erfreuen, und auch in diesem Stand im Vertrauen und Zuversicht auf die göttliche Liebe, Gnade und Hilfe mögen erhalten werden. 598 Du aber, o heiliger und starker Gott, seider Schwangern Beistand, der Gebärenden Helfer, der Sechswöchnerinnen Schußherr, der Unfruchtbaren Trost und Zuversicht. Erquicke die Schwangern durch deine Stärke, erhalte sie durch deine Allmacht. Erfreue die Gebärenden durch eine fröhliche Entbindung und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfandes. Beschütze die Sechswöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre sie vor allem Unfall, und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus- und Kirchengang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfruchtbaren, daß sie in deinen heiligen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch die Arbeit zur Verherrlichung deines großen Namens, und zur Erbauung vielerSeelen, damit alle Leserinnen dadurch mögen ermuntert, erquickt und aufgerichtet werden, das thue durch deine Kraft um Jesu Christi willen. Amen. Andachten für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ein jeglicher wahrer Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit gehet, sich dem Schutz und der göttlichen Gnade empfehlen, daß Gott seinen Leib und Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Soll aber ein jeder Mensch sich also in die Obhut Gottes empfehlen, wie vielmehr sollen es Schwangere thun. Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) er wolle den Tag über sie in guten und heiligen Gedanken erhalten, damit sie an Gott denken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit ihm umgehen mögen. 2) Sie sollen Gott auch ihr Leben und Glieder befehlen, daß Gott wolle ihre Tritte bewahren, vor gefährlichen Fällen und anderem Unglück behüten. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Obhut Gottes fleißig empfehlen, daß sie möge wachsen, gestärket, wohl gebildet, und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllt werden. 4) Sonderlich aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Bank und Streit hüten, nicht Alles übel nehmen, nicht Alles genau suchen, oder sich über alles erzürnen, damit sie nicht über ihren Eigenfinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfand Unglück, Krankheit oder den Tod gar verursachen. Werden sie sich also der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seinen Engel über sie befehlen werde, der sie behüten wird auf allen ihren Wegen. Die Schwangere verrichtet Morgen- Gebet. Herr Gott Vater, was du haft erschaffen, Herr Gott Sohn, was du haft erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du haft geHeiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit. Amen. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! der du selbst bist das Licht, bei welchem ist kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser Nacht so gnädiglich bewahret und mich dieses fröhliche Morgenlicht wieder haft erleben lassen. O du Licht meiner Seele! gib auch diesen Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, im Vertrauen und Hoffnung möge gestärket werden. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich denken, in dir mich erfreuen, und deiner Gnade mich getrösten möge. Gib, daß ich an diesem Tage nicht vorsäßlich wider dich fündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene und vor dir wandle. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart 600 ihr Morgengebet. vor Augen, damit ich dadurch möge desto mehr aufgemuntert werden, in der Heiligung fortzufahren und dich nicht zu beleidigen. Ich befehle dir Leib und Leben, Schritt und Tritt. Du hast mich, o du Gott aller Güte und Gnaden, in einen besonderen Zustand geseßt, darin ich auch deines besondern Schußes und Beistandes benöthigt bin. Darum bitte und flehe ich demüthig: o du Schußherr deiner Kinder! behüte meinen Ausgang und meinen Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deine Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stärke mich, erhalte mich. Vertreibe von mir Alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich den Abend wieder unter deinem Schuß erleben, da ich dir fröhlich danken will für alle Wohlthaten, die du mir an Leib und Seele so gnädig erwiesen haft. Nun der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schüße 601 602 Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. mich, die Liebe Jesu decke mich, und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit. Ach segne mich im Schlaf und Wachen, ach, segne meinen Schritt und Tritt, ach segne mich in allen Sachen, und theil mir deinen Segen mit, laß mich gesegnet sein von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Amen. Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Jch erblick die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin, Ich erblick auch deine Wonne, Jesus ist mir schon im Sinn, Mit ihm hab ich hingebracht Die vergangne finstre Nacht, Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich vergnüget machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen, Mit dir, Jesu, meine Freud, Beten, Loben, Danken, Singen Soll sein meine Arbeit heut; Jesus, meine Zier und Ruhm, Meiner Seelen Eigenthum, Du kommst nicht aus meiner Seelen, Dir will ich mich anbefehlen. 3. Ach, regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab, Ach behüte meine Schritte, Stärke die verborgne Gab; Ich befehl dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht. Ach, Herr, laß sie vor dir leben, Und wollst ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei, Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir sei; Wenn ich gleite, halte mich, Sieh, ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollest du mich, Herr, bewahren. 5. Lasse sein mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitterkeit, Daß mein Geist, Gemüth und Wille Bleibe in der Frömmigkeit; Jesu, o mein Trost und Schild, Laß dein lieblich Jesusbild Immer mir vor Augen schweben In dem, was ich will anheben. Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. 603 6. Jesus bleibt mir in Gedanken, Jesus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, wo ich auch bin. Meinen Jesum laß ich nicht. Jesus, meiner Seelen Licht, Jst bei mir auf meinen Wegen, Und ertheilet mir den Segen. 7. Hat dann, Jesus, dein Begleiten Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Hand ausbreiten Nun bei angebrochner Nacht, Ich will danken deiner Treu, Welche alle Morgen neu. Und mit Beten, Danken, Fle= hen Mit dir auch zu Bette gehen. Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. Ispining Aufmunterung. O welch eine große Wohlthat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben lässet, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welch herrliche Ruhe ist das, wenn man im Frieden mit Gott, im Frieden mit seinem Gewissen, im leiblichen Frieden und Vergnügen sich zu Bette begibt: da kann der Mensch zum Lobe des dreieinigen Gottes sagen: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Schläft er mit dankbarem Herzen und mit einem Gott Lobenden Munde ein, so wird die nöthige Nachtruhe auch von Gott gesegnet sein. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, Augen und Mund zu Gott erheben, wenn sie den Tag glücklich vollbracht haben, fie sollen Gott danken für ihre Erhaltung, für seinen Schuß und Gnade, und sollen sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Sie sollen Gott anrufen, er wolle abwenden 1) allerlei Schrecken und Unglück, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangern öfters in die größte Gefahr können gesetzt wer 604 Die Schwangere verrichtet den. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Er wolle seine Segensflügel über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet sein lassen. Abend- Gebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott! ich erscheine vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. Herr! wie theuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen! ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus- und eingegangen, unter demselben bin ich bewahret worden, kein Unfall hat mich berühret, sondern habe nunmehr den Abend gesund erreichet. Gelobet sei die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als sein Kind auf seinen Armen getragen hat. Gelobet sei Jesus Christus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Gelobet sei Gott der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heil. Dreieinigkeit, Vater, Sohn und hl. Geist, bleibe auch diese Nacht bei mir. Breite deine Güte, Herr! Herr! über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und Seele vor allem Unfall; laß mich im Schlaf im 605 ihr Abendgebet. mer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich annoch bei dir sei. Siehe, ich weiß keinen Helfer, denn nur allein dich, du Gott Israels. Laß deine Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und dem, was du mir aus Gnaden verliehen, nichts schädlich sein könne. Treibe aus meinem Herzen alle Sorgen, böse Gedanken und falsche Einbildungen, treibe von meinem Bette und von meinem Hause Alles, was mir Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich dann in die Arme meines Gottes nieder, ich schlafe in den Armen meines Jesu, seine Linke ist unter meinem Haupt und seine Rechte decket mich. O du mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher! sei und bleibe bei mir. Du dreieiniger Gott! bist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja mir grauet vor nichts, weil Gott bei mir ist; ich fürchte mich nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ist's finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der Hl. Geist ist mein Troft und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schuß vorübergehen, daß ich errettet, be 606 Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. glücket, bewahret, erhalten, die liebe Sonne erblicken möge! Da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir danken für Alles, was du Gutes mir gethan haft. So oft die Nacht mein' Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen, so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dieß sein mein Verlangen, daß ich mit lautem Schall möcht rufen überall: O Jesu, Jesu! du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen, dein Aufsicht soll die Decke sein, mein Lager dein Erbarmen, mein Kissen deine Brust, mein Traum die süße Luft, die aus dem Wort des Lebens fließt, und dein Geist in mein Herz eingießt. Amen. Gesang. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 1. Sieh, die Sonn will von uns gehen, Jesu, geh doch nicht von mir, In der Nacht will er auch stehen Bei mir an dem Bette hier; O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht Jesu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Darum will ich mich ergeben, Jesu, deiner Treu und Gnad; Ach erhalte mir mein Leben, Und was mir geschenket hat Deine gnadenreiche Hand: Du kennst das verborgne Pfand, Auf das laß den Segen fließen, Und mich deinen Schutz genießen. 3. Sieh, hie bin ich, Menschenhüter, Ach, behüt mich vor Gefahr, Schüß die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar; Wenn ich schlaf, so wache du, Decke Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. 607 du mich selbsten zu, Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Jch leg mich in Jesu Armen, Ich leg mich in Jesu Schoos; O wie groß ist sein Erbarmen, Seine Liebe ist sehr groß; Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb verläßt mich nicht, So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun mit Jesu will ich schließen Meine müden Augen zu, Jesu, ach laß mich genießen Eine sanft und süße Ruh, Segne mich und auch mein Kind Und auch die, so um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, Herr, bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausgeschlafen hab, Laß mich einstens fröhlich sehen Die annoch verborgne Gab; Wenn ich gehe aus und ein, Laß mich dir empfohlen sein, Laß kein Unglück, Herr, aus Gnaden Mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg mich mit Jesu nieder, Mit ihm steh ich wieder auf, Und sing alsdann Freudenlieder, Und vollführe meinen Lauf; Jesu, ich befehl mich dir, Jesu, weiche nicht von mir, So sprech ich in Jesu Namen Nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. Aufmunterung. Wenn Gott eine Ehefrau den Ehesegen empfinden läfset, so soll sie sich herzlich darüber erfreuen, und Gott dafür danken; aber sie soll sich auch vorstellen, 1) daß in diesem Stande sich viele Schmerzen und Beschwerlichkeiten einfinden, 2) daß Gott ein gnädiger Gott, der ihnen wird dieselben lindern, ein mächtiger Gott, der sie kann ihnen wieder abnehmen. 3) Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so sollen sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sei, der sie Tägliche Betrachtungen als sein Kind nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet fich der Herr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen wird Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meinen, sie können es nicht ausstehen, sollen sie sich erinnern, daß bei Gott nichts unmöglich ist, und wenn er ein Wort spricht, so müssen sich die stolzen Wellen und Schmerzen des Leidens und der Beschwerlichkeit legen. 4) Sollten die Schmerzen lange anhalten, so soll ihr Vertrauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern gedenken, Gott habe die Stunde schon bestimmt, da er wieder helfen will. 5) Sprechet ihr aber, es laffen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antworte ich: Gott hat einem Jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Erempel derer Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie viele Erempel derer, welche glücklich entbunden, und fröhliche Kindermütter geworden sind; ja deren Anzahl ist ungemein größer, die der Herr erwünscht, erlöset und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stande gestorben sind. Wenn nun aber unter fünfzig oder hundert kaum eine gestorben und neunundneunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und die Liebe zu Gott, sich allezeit das Aergste und Schlimmste vorstellen zu wollen. Darum saget: der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir auch beistehen, und darauf verlasset euch von Grund eurer Seele, widersprechet allen zweifelhaften Gedanken und schauet hingegen 608 einer Schwangern. 609 auf die mächtige und starke Hand Gottes. 6) Auch sollen sich Schwangere fassen, daß sie nicht durch Zorn und Eigensinn sich selbst den Tod bringen; denn weil ihnen in dem Stande alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich Acht geben. Es ist an vielen schwangern Frauen gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu tadeln, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaftig und empfindlich sind; alle Tritte und Schritte, so die Jhrigen thun, sind ihnen nicht recht; sie erzürnen sich über Alles; keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht; da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten. Ja, ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem erbitterten Geblüt wächst, ob sie nicht Schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die so ein widerspenstiges Gemüth haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. 7) Weil christliche Ehefrauen gerne in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie desto mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem Herrn Jesu zu übergeben, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. Sebet. Heiliger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vorzubringen. Du hast, o großer Gott! mir den Ehesegen widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, und bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anhang. 39 Tägliche Betrachtungen Anblick. Weil du aber, o gerechter Gott, auf diesen Stand viel Schmerzen gelegt hast, so nehme ich denselben unter deinem Beistand willig auf. Kommen demnach bittere Stunden, schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, Herr, mein Gott! so weiche nicht von mir, ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindern, du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger Gott. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja fast unerträglich werden, so will ich darum doch nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott, mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, damit ich es ertragen könne. Wenn ich seufze, ach! wie lang, ach! lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir; so gedenke doch an deine Hilfesstunde, und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott! deine Allmacht vor Augen, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa Andere, welche auch in solchem Stande fich befinden, beschwerliche Krankheiten aus610 einer Schwangern. stehen, ja gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann nur beständig in meinem Gemüth eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viele hundert Schwangere glücklich entbunden, die wenigsten aber von dir in der Geburt von der Welt abgefordert werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, und erfreue mich mit einem geſunden und wohlgestalteten Kinde. Sollteft du aber beschlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebensende zu bescheeren, Herr! so geschehe dein Wille. Gib mir aber, o mein Gott! indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gib mir einen stillen und sanften Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüths ausgerüstet werden, laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne, und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Nun, Herr, mein Gott, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach, erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, erbarme dich meiner nach dei39* 611 612 Umgang einer glaubigen Seele mit Gott. ner Verheißung, erbarme dich meiner nach deiner Treue, hilf mir nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade. Amen. Gottseliger Umgang einer glaubigen Seele mit Gott. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Er soll immer bei mir sein, Auf ihn will ich allzeit sehen, Wenn ich gehe aus und ein; Ohne ihn geh ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus, Ich kann nicht mehr ohn' ihn leben, Nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll stets an ihn denken, Gott iſt, der mein Herz erfüllt, Ich will es in ihm versenken, Es soll sein mit Gott umhüllt; Seht, ich denke nun nicht mehr; Gott ist der Gedanken Herr, Gott ist alles mir in allen, Ohn' Gott kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen, Gott im Herzen, Gott im Mund; Mein Mund soll davon ausbrechen, Was da liegt im Herzensgrund; Was mein Mund nur immer spricht, Jst zu Gottes Ruhm gericht't; Gott im Herzen, Gott in Worten, Von Gott sprech ich aller Orten. 4. Mein Aug soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find't sich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Thränenthal; Wo mein Auge nur blickt hin, Da ist Gott in meinem Sinn, Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit und Geschäften, Da vergeß ich Gottes nicht, Arbeit ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch vor Gesicht; So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht; Ohne Gott kann ich nichts machen, Er muß sein bei allen Sachen. 6. Eß ich, so will ich empfangen, Von ihm alle meine Speis, Trink ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis Dieses Alles mir gedeih, Und daß er stets Die Schwangere erwäget 2c. bei mir sei, Und mir Speis und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 613 7. Will ich mich zu Bette legen, Wenn ich bin der Arbeit los, So ertheilt er mir den Segen, Und ich ruh in seinem Schoos. Ich schlaf in ihm sanfte ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah zu mir machet Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh ich mit Gott wieder auf, Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen Jst, daß ich den Lebenslauf Mit Gott führ, und daß kein Tritt, Ja, kein Wort, kein That und Schritt, Seien meinem Gott zuwider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nichts abtreiben, Elend, Jammer, Kreuz und Leid, Dieser Umgang soll auch bleiben, Hie und dort in Ewigkeit; Leiden scheid't mich nicht von Gott, Keine Trübsal, Angst und Noth, Weil mich Gott nicht kann verlassen, So lang ich ihn werd umfassen. 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, Wenn zerreißt das Lebensband. Warum sollt ich das nicht wissen? Hat er doch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will beglücken ewiglich, Ja mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort im Himmelsglanz Werd vor seinem Throne stehen, Und von ihm durchstrahlet ganz Werde gleich den Engeln sein, Ganz verkläret, hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne, Leuchten wie die goldne Sonne. Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterun g. Gleichwie Gott den Ehestand selbst eingesetzt u. durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern im Paradieſe sprach: Seid fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefrau fich in Gott zu erfreuen, wenn Die Schwangere erwäget sie solche Fruchtbarkeit vermerket. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, welche er etlichen gibt, andern aber versagt, damit die Menschen nicht etwas möchten ihrer Kraft zuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau einen solchen Segen Gottes verspüret, soll sie gedenken: Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie es von Sara und Rahel heißet: Und der Herr gedachte an Sara, der Herr gedachte an Rahel. 3) Hierauf nun soll sie Gott danken, und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen ertheilt. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwerlichkeiten ein, so soll sie gedenken, daß Gott sie zu diesem Stand verordnet habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle, sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn segen soll, da sie dann empfinden wird, wie der Herr Alles herrlich machen wird. 5) Sie soll zu dem Ende im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jesu und wahren Frömmigkeit verharren, und versichert sein, sie stehe in einem seligen und Gott wohlgefälligen Zustand, darin sie sich des Beistandes und der Hilfe Gottes getrösten könne. 614 Sebet. O du liebreicher Gott und Vater! wie kann ich genug deine Vatertreue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und geseßet haft. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig ihren Gott wohlgefälligen Stand. 615 und von dir eingesetzt sei. Du weißt, Herr! daß ich keines Mannes begehrt habe aus Leichtfertigkeit, und meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen habe ich gewilliget in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zur Ehre. Da du denn auch in Gnaden an mich gedacht, und eine Frucht des Leibes mir bescheert haft, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren. Sei in dem Stande mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre. Sei in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schüße, begleite und bewahre. Sei in diesem Stande meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte, der mich erfreue, wenn ich betrübt bin, der mich erquicke, wenn ich matt bin. Sei in diesem Stande mein Helfer, der mich versichere: ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Sei in diesem Stande mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen und Beschwerlichkeiten einfinden sollten. Sei in diesem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde und mich erfreue. Die Schwangere erwäget 2c. Sei in diesem Stande, o mein himmliſcher Vater! meine Stärke; ach trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sei in diesem Stande, o Jesu, mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete, und mein schwaches Gebet vor Gott bringe. Sei in diesem Stande mein Tröster, o Gott heiliger Geist! der mich tröfte, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hilfe versichere. Ja, du dreieiniger Gott! sei mit mir in diesem Stande, so werde ich wohl beglücket, beschüßet, bewahret und errettet bleiben. Herr Jesu! leite meinen Gang, daß ich forthin mein Lebenlang nach deinem Willen walle; behüte mir mein' Seel und Leib, mich selbst in deine Hände schreib, damit ich ja nicht falle. Ach gib mir, Jesu, deine Wunden alle Stunden zu betrachten, und die Welt für nichts zu achten. Amen. 616 Gefang. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Ehr. 1. Wie hat der große Herr und Gott Doch mich in Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein glaubigs Flehen, So daß mein höchst erfreut Gemüth Erkennet seine Wundergüt, Dafür sei Gott geprieſen. 2. Ist nicht mein Schöpfer, der da hat mir Leib und Seel gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad Das mir geschenkte Leben; Ja, was ich habe in der Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit, Dafür sei Gott gepriesen. Die Schwangere danket Gott 2c. 617 3. Es hat mich Jesu theures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich auch stets erquicken. Ja, dieses Blut, das macht mich rein, Darinnen werd ich selig sein, Dafür sei Gott gepriesen. 4. Es ist mir auch der heil'ge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich führt im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus, Und treibet alle Sünd hinaus, Dafür sei Gott gepriesen. 5. Er theilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen, Er segnet meinen Schritt und Tritt Auf allen meinen Wegen; Ja, was ich mit Gott immer thu, Da fließet lauter Segen zu, Dafür sei Gott geprieſen. 6. Sollt Leiden, Angst und Schmerzenswuth Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübsalsfluth Mir doch zur Seite stehen. Er hilft, wenn Niemand helfen kann, Er ist mein Trost und Helfersmann, Dafür sei Gott gepriesen. 7. Ach, wie hat er so väterlich Bishero mich geleitet, Und seine Gnade über mich Die Flügel ausgebreitet. So leb ich denn in seiner Hut, Und habe in ihm guten Muth, Dafür sei Gott gepriesen. 8. Ja, wie kann doch mein schwacher Mund Die Wohlthat all' erzählen, Viel Gutes thut er jede Stund Dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich, Ja er versorgt mich mildiglich, Dafür sei Gott gepriesen. 9. Und was für große Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich in jener Himmelsfreud Bei ihm mög ewig leben; Drum wenn ich sterb, so sterb ich nicht, Ich komm zu Gott, zur Freud, zum Licht, Dafür sei Gott geprieſen. Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Wenn eine gottselige Ehefrau die Fruchtbarkeit merket, so soll sie 1) Gott dafür danken, und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr auch nun ertheilet. 2) Hierauf soll sie behutsam wan 618 Die Schwangere danket Gott deln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmuth und christlicher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtige Geschäfte, vorwißiges Tragen und Heben geschehen kann. 3) Soll sie alsdann, wenn fie merkt, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen und ihn anrufen, er wolle sie bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröhlich ans Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlichkeit ihres Standes nicht murren, nicht hißig, zornig und rachgierig gegen ihren Ehemann und andere Personen sein, welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit, und folglich ein Undank sein würde, welches gewiß Gott siehet, und solcher Person es kann entgelten lassen. Sebet. Herr, allmächtiger Gott, der du bist ein Gott des Lebens, der du uns Allen Odem und Leben gibst, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast, ich danke dir, daß du auch an mich gedacht und mich dieses Segens in meinem Ehestand theilbaftig gemacht hast. Du mächtiger Herr! haft mir eine größere Wohlthat erwiesen als andern, welche nach dieser Gabe seufzen, und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan hast. Ich befehle mich für ihre Fruchtbarkeit. dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Herr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbar bildest! wie groß ist deine Allmacht, daß du sie ans Licht bringest! wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältſt und mehrest. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich auch zu einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werks bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht hast. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kindermutter werden, und das Verborgene mit Freuden erblicken. Herr! laß deine Güte und Treue mich alle Wege begleiten, behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchle, meine Glieder, daß deren feines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädigt werde. Erhalte die geschenkte Gabe, und laß sie dir empfohlen sein. Indessen aber will ich auf deine Hilfe schauen! ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem 619 620 Die Schwangere danket Gott 2c. Munde sein. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem Herrn danken für all das Gute, daß er an mir gethan hat. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar geſegnet, der aus dem Himmel die Ströme der Liebe geregnet, denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Gnade begegnet. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich danke dir mein Gott, Für eine jede Gabe, Die ich nun lebenslang Von dir empfangen habe; Nimm an den schlechten Dank Für deine große Gnad, Die deine Vaterhand Mir dargereichet hat. 2. Ich danke dir mein Gott, Daß du mich hast erhöret, Und was mein Herz gewünscht, Aus Gnaden mir bescheret. Ach, ach, erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab Aus deiner Segenshand. 3. Ich danke dir mein Gott, Daß du in meinem Leben Mit großer Mildigkeit Viel Gutes hast gegeben. Ach tausend, tausend Dank, Hab Dank, Herr Zebaoth! Für alle deine Gnad, Ich danke dir mein Gott. 4. Ich danke dir mein Gott, Daß du mir beigestanden In manchem schweren Leid, In schweren Trübsalsbanden; Ach bleibe auch bei mir, Wenn sich die Noth einstellt, Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir mein Gott, Daß du hast abgewendet So manches bittre Kreuz Und mir die Hilf gesendet, Die Hilf, so weggethan Die Angst, die ich gescheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem Trost erfreut. 1 6. Ich danke dir mein Gott! Daß du mich nie verlassen, Auch nicht verlassen wirst, So lang ich werde hassen Der Sünden Wust und Gräuel; Sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will Hier und dort ewiglich. 621 Die Schwangere empfiehlt Gott zc. 7. Ach, bleibe doch mein Gott, Ach, bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schuß und Rath, Damit ich Hilfe merke; Wenn nun die Noth einbricht, So steh mir kräftig bei, Daß ich zu aller Zeit Von dir geschüßzet sei. 8. Ach, bleibe doch mein Gott, Hilf, daß ich überwinde, Und in der Trübsalsstund Die Hilfe bei dir finde, So will mein froher Mund Nach ausgestandner Noth Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott. Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn eine gottselige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit sonderlich dieses zu thun: 1) Soll sie sich Gott fleißig alle Tage empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten. 2) Die Frucht Gott in ihrem Gebet treulich vortragen. 3) Denn das ist der Unterschied unter christlichen Ehefrauen und unglaubigen, unter gottseligen Ehefrauen und leichtfertigen Huren. Unglaubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehefrauen aber sind anders gesinnt; sie beten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; sie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es beim Leben erhalten, und gesund lassen geboren werden. 4) Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten Alles, worein sie nach ihrer Geburt kann eingewickelt werden. 5) Ja, fie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht 622 Die Schwangere empfiehlt Gott nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. Sebet. Oheiliger Vater und Schöpfer aller Menschen, siehe, ich komme vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich demüthiglich um deine Gnade. Du hast, o großer Gott! nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Darum, ach Herr, Herr, vor dir stehet alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Herr, Herr, was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem väterlichen Gnadenschuß mich ganz und gar. Herr, habe Acht auf mich Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich ausgehe, behüte mich, wenn ich auf der Gasse bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Hause. Laß meine Seele still und vergnügt ſein. Laß meine Seele allezeit mit dir umgehen, in dir sich erfreuen, in dir sich ergößen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und ein Tempel des heiligen Geistes sein, daß Jesus in mir lebe, in mir wandle, mich re sich und ihre Frucht. giere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrießlichkeiten, Zorn und Schrecken. Laß dein Aufsehen meinen Odem, Leben, Schritt und Tritt bewahren. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich aus und ein. Im Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich an meine Arbeit. du dreieiniger Gott! bewahre, behüte und schüße mich durch deine Kraft, trage mich auf deinen Händen, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Uebel widerfahre, so will ich dir dafür danken, und dich loben Zeit meines Lebens. Ich befehle dir aber auch, o dreieiniger Gott, meine Frucht, die ich trage; Herr, ich bete für fie, ich trage sie dir vor; ach, erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja, um Jesu willen. Ach, gib meinem Kinde deinen heil. Geist. Laß es auch im Verborgenen mit deiner himmlischen Kraft, wie dorten Johannes erfüllet werden. Gib ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich Zeit Lebens fürchten und lieben möge. Gib ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibes- und Ge623 624 Die Schwangere empfiehlt Gott 2c. müthsgaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemüthsgaben begnadigt, so lasse es nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast ja, o Jesu, gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solchen ist das Reich Gottes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen und gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme, und segne es auch; schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist; heilige und erneure es zum ewigen Leben; mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm, und es mit dir dereinst der ewigen Seligkeit möge theilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste auf den Herren, meinen Gott! er ist mir der Allerbeste, der mir beistehet in der Noth; er alleine soll es sein, den ich nenn' im Herzen mein. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen, Dem Helfer, der mir hilft Am Leib und an der Seelen; Er ist mein Fels, mein Hort, Mein' Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott, Mein Gott verläßt mich nicht. Die Schwangere erinnert sich 2c. 625 2. Ich weiche nicht von Gott, Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß ich mit Geduld Mein Herz emporzuschicken; Auch in dem größten Leid Will ich beständig sein, Kommt Kreuz, so dring ich auch zu meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott, Auch in den größten Nöthen, Ob sie so heftig sein, Als wollten sie mich tödten; Alsdann schrei ich um Hilf: Verlaß mich nicht, mein Gott, Ach komm, ach rette mich Aus aller Angst und Noth. 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu verbleiben; Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer Gott, Ich weiche nicht von dir, Ach, bleib du auch bei mir, Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, Denn warum sollt ich weichen? Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen? Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt, Und hilft mir allezeit. 6. Jch weiche nicht von Gott, Auch nicht in Leidensstunden, Da ich hab immerdar Rath, Heil und Trost empfunden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vorbei, Daraus erkenn ich ja, Daß mein Gott bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht, wenn ich soll sterben, Denn alsdann werde ich Die Seligkeit ererben; Drum leb und sterb ich ihm, Ich dien ihm in der Zeit, Und bleib mit ihm vereint Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. So betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangern Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen seinen Beistand in der Noth zugesagt, und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen, er wolle ihnen helfen, sie retten, sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr Anhang. 40 Die Schwangere erinnert sich sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen, und sich deren getrösten. 2) Ob aber auch die erwünschte Hilfe, die versprochene Rettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie dieselbe verlangt, so soll sie darum nicht verzagen, und meinen, die Verheißung sei aus, und werde gar nicht erfüllt werden; sondern 3) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wenn seine Hilfesstunde erscheint, auch, was er zusagt, treulich halten wird. Indessen aber 4) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freude und zum Ruhm des Allerhöchsten sagen wird: Bis hieher hat mir der Herr geholfen, der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. 626 Gebet. Mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlig suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Du weißt, mein Gott, daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen, als nur du allein? Darum komme ich zu dir, und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst: du wollest die Deinen nicht verlassen, ach, verlaß mich nicht. Du wollest bei ihnen sein in der Noth, ach, meine Noth rückt heran, bleibe bei mir. Du wolleft den Deinen helfen, 627 der göttlichen Verheißungen. ach, hilf mir. Du wolleft sie stärken, ach, stärke mich. Du wollest sie herausreißen, ach, reiße mich heraus. Herr, ich weiß in meinem Zustand nirgends hin, als nur zu dir allein. Ich habe viel Sorgen und Bekümmernisse und Aengsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößen meine Seele, dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schußherr deiner Glaubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hilflosen bist, so bin ich darüber guten Muths und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten, wenn meine Schmerzen und die Angst meines Herzens groß wird; da will ich seufzen: Herr, ich lasse dich nicht, du hilfest mir denn. Verzeuchst du die Hilfe, so erscheint sie endlich zum Trost der Glenden, du hilfest ihnen herrlich. Du, Herr, legeft eine Last auf, aber hilfst sie auch tragen, darum, wenn du meine Last mir tragen hilfft, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den Nöthen, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht; und warum sollte ich mich fürchten? ist doch der Herr bei mir. Der Herr ist mein 40* 628 Die Schwangere erinnert sich 2c. Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getroft an meine bevorstehende Arbeit gehen, unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. O du gnädiger Gott! stärke meinen Glauben, befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich vor allem Unfall beschirmt fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauen, bis ich fröhlich entbunden dir in dem Tempel und Zeit meines Lebens für deine Wohlthaten in meinem Herzen Lob und Preis opfern werde. Amen, ja das will ich glauben, denn hier hab ich Gottes Wort, das soll mir kein Teufel rauben, ich will immer fort und fort mich auf diesen Grund verlassen, und den Hoffnungsanker fassen, mit der starken Glaubenshand, auch zugleich in diesem Stand. Amen. Gefang. Mel. Ach Herr! mich armen Sünder. 1. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin, In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll sich fest an ihn halten, Und ihm vertrauen fest, Ja den nur lassen walten, Der mich doch nicht verläßt. Die Schwangere erfreut sich der Allmacht 2c. 629 2. Auf sein Wort will ich trauen, Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit Gott sei es gewagt, Er wird sein Wort erfüllen, Das mir die Hilf verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wenn seine Stund anbricht. 3. Zwar däucht es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt, Dennoch ist mir nicht bange, Weil Gott mir nicht ausbleibt. Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hilf bestimmt, Und da er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann ja die nicht hassen, Die so sein eigen sind. Sollt er des Kindes Thränen Ohn' Hilfe stets ansehn, Und sollt mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen gehn? 5. Gott hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen Trug Angst und Herzeleid. Sollt er denn nun anheben, Da ich der Hilf begehr, Und sie mir jetzt nicht geben? Das glaub ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, Denn er ist fromm und gut, Auf seine Hilfe schauen Mit recht getrostem Muth; Die Stunde wird nun kommen; Alsdann, wenn die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängniß, Erhaltung, Wachsthum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Almacht nicht genug preisen; ohne ottes Allmacht kann kein Kind auf dieser Welt geboren werden; und wenn eines geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Glaubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf die Allmacht ihres Gottes fich verlassen; so viel fie Kinder geboren siehet, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. 630 Die Schwangere erfreut sich 2) Wenn nun die allmächtige Hand Gottes Andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß Gott ihr helfen werde. 3) Sie soll, wenn sich Kleinmüthigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich, Luc. 1, 37. Ist nun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. 4) Sollten sich Umstände einstellen, die bei andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch die gefährlichen Wunden heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 5) Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand unsichtbar auch da, die Alles regieret, und durch deren Kraft Alles glücklich von statten gehen wird. Gebet. Mein Gott, wie freuet sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht denke, au deine allmächtigen Hände, die Alles heben, Alles tragen und aus Allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stand an, so muß deine Allmacht Alles allein thun, deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll. Deine Allmacht muß meine Beschwerlichfeit lindern, ja, deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöthen Alles al 631 der Allmacht Gottes. lein verrichten. Sehe ich meine Frucht an, so muß abermal deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und ans Tageslicht bringen. Dieses ist nun mein größter Trost, jeßt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott; bin ich schwach, so bist du stark; bin ich elend, so bist du allmächtig; bin ich ohnmächtig, ſo vermagst du Alles. Diesen Troft nun soll mir niemand rauben. Gott kann mir helfen, und Gott will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft und einen Herrn, der vom Tode errettet. Darum, o allmächtiger Gott! befehle ich mich dir ganz und gar, wache über mich, erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht stärke mich, wenn meine Geburtsstunde herannabet; deine Allmacht stehe mir bei, wenn sie nun da ist. Deine Allmacht sei im Anfang, Mitte und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde. Ich will mich demnach nicht fürchten, es gehe, wie es will, ich habe ja einen allmächtigen Gott; ich will nicht verzagen, wenn die Noth groß wird, ich habe einen allmächtigen Gott; ich will guten Muths sein, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott; ich will in mei 632 Die Schwangere erfreut sich 2c. nen Nöthen schreien und seufzen: O du allmächtiger Gott! hilf mir! siehe, ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich, dein Kind wartet auf deine Hilfesstunde. Eile auch, barmherziger Vater! mit deiner Allmacht zu mir; laß mich hören Freud und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haft. Deine Allmacht erhalte meine Frucht; deine Allmacht gebe mir Kraft, ja, deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung, so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, und sagen: Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich rief zum Herrn in meiner Noth: ach Gott, erHör mein Schreien; da half mein Helfer mir vom Tod, und ließ mir Hilf gedeihen; drum dank, ach Gott! drum dank ich dir; ach, danket, danfet Gott mit mir; gebt unserm Gott die Ehre. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübsal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid, Und viele Schmerzen da, So ist auch Gott nicht weit, Und seine Hilf ist nah. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöthen, Die können nimmermehr, Weil Gott mir hilft, mich tödten, Die Schwangere tröstet sich 2c. Und wären sie so groß, Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch Gott, Der nimmt sich meiner an. 3. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Leiden, Und ist das Leiden hart, So soll's mich doch nicht scheiden Von meinem lieben Gott; Dem ist ja Alles leicht, So leicht, daß auf sein Wort Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft und hört den Armen, Der herzlich zu ihm schreit, Er wird sich sein erbarmen; Die Armen stehet Gott, Er hört, er sieht, er gibt Zur Zeit, wenn mir's ist nüß, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, sollt man auch sprechen: Hie ist die Hilfe aus; Alsdann will ich ausbrechen Und sagen: Hie ist Gott, Ist der kein Helfer mehr? Ach ja, er hilft gewiß, zu seines Namens Ehr. 6. Wir haben einen Gott, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich fröhlich jetzo sagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlaß ich mich, Aus allem Kreuz und Leid Hilft er uns gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, Der hilft, dieß soll verbleiben Mein Trost, dieweil ich leb, Ja dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein, Empfind ich dann die Noth, So sprech ich auch getrost: Wir haben einen Gott. 633 Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hilfe. Aufmunterung. Wenn hilfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich haben, so sind sie doch guten Muths, wenn sie Jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern, und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwangern. Hören sie, 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, spre Die Schwangere tröstet sich chen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, verzeuch nicht. 3) Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich: Der Herr leget eine Last auf, aber er hilft auch tragen. 4) Fürchten sie sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der Herr werde ihre Arbeit beglücken, und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches Schwangern nicht einen guten Muth machen, sonderlich da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennt? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen, und können nicht, aber Gott kann und will helfen; deßhalben, ob's schon recht traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen doch ins Herz geschrieben bleiben: Der Herr ist mein Helfer. 634 Sebet. Was betrübst du dich, meine Seele, und bift so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ja, mein Gott, das ist mein Trost in gegenwärtigem Zustand, daß du meines Angesichts Hilfe sein werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannſt alle Furcht durch deine herrliche Hilfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Thränen, du fannst sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hilfe erscheinest. Darum will ich mich auf dich verlassen, und allem 635 der göttlichen Hilfe. dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegenseßen diesen Troft, Gott ist mein Helfer, und wird mein Helfer sein und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott, eile mit deiner gnädigen Hilfe herbei, wenn mir Hilfe noth ist. Herr, ich warte auf dein Heil und auf deine Hilfe; ich verlasse mich auf deine Hilfe; wenn du mir nicht hilfft, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, Herr, so weiche mit deiner gnädigen Hilfe nicht von mir. Erscheint meine Geburtsstunde, so erscheine auch mit deiner Hilfe. Du bist meine einzige Zuflucht, mein Gott und Beistand, ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf du mir, Gott meines Heils, wenn ich bete, so erhöre mich; hilf mir, wenn die Noth angehet; hilf mir, wenn es gefährlich aussiehet; hilf mir, wenn meine Stunde kommt, alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem Jesu seufzen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Habe ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freude verfehret werden. O wie herrlich hast du andern geholfen, ach, so hilf mir auch, du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmäch 636 Die Schwangere tröstet sich tige Gott, der du vormals gewesen. Herr, ich halte an mit Beten, wie das cananaische Weib, und sage: Herr, hilf mir! ja, ich gehe nicht von dir, ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hilfe erfreut und mir geholfen hast. Komm, ach Vater der Gnade und Barmherzigkeit, und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm, o Jesu, Heiland aller Menschen, und hilf mir, bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm und hilf mir, o werther heiliger Geist, und versiegle in mir den Trost, daß meine Hilfesstunde bald anbrechen werde. Dreieiniger Gott, dir ergebe ich mich; dreieiniger Gott, zu dir fliehe ich, auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hilfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth, reiß mich aus der Noth, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indessen frisch auf mein Herz, verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rath, Hilf will er dir theilen mit, der ist ein Schuß der Armen; ob's oft steht hart, im Rosengart kann man nicht allzeit sißen; wer Gott vertraut, hat wohl gebaut, den will er ewig schüßen. Ja, ich will meine Zuversicht auf der göttlichen Hilfe. dich beständig seßen, du wirst, wenn mir's an Hilf gebricht, mit Hilfe mich ergößen. Indessen will ich stille sein, bis sich die Hilfe stellet ein, und deinen Namen preisen. Amen. 637 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott ist ja bei mir, Drum muß die Furcht verschwinden, Weil sich in Noth und Tod Gott will bei mir einfinden Mit seiner Hilf und Treu, Mit Beistand, Trost und Rath, Wie auch sein theures Wort Mir Hilf versprochen hat. and 2. Mein Gott ist ja bei mir, Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit Gott Ohn alle Furcht empfangen; Kommt Kreuz, so kommt auch Gott; Kommt das Kreuz nicht allein, Und ist es mancherlei, So will Gott bei mir sein. 3. Mein Gott ist ja bei mir, Muß ich die Trübsal schmecken, So will er mich dadurch Zu seiner Lieb aufwecken; Stellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl ich mich Des Allerhöchsten Schutz, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluthen Gar über mich hingehn, So ist es mir zum Guten; Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, und wär es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir, Will auch die Nacht eindringen, Bis sich die Hilf einstellt, So will ich hoffen, singen, Und mich voll Zuversicht Empfehlen Gottes Treu, Der Treu, die Tag und Nacht, Ja alle Stund ist neu. 6. Mein Gott ist ja bei mir, Mich kann der Tod nicht tödten, Des Höchsten Hilfe steht mir bei in allen Nöthen; Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht; Mein Gott, mein Trost und Hilf, Gott meine Zuversicht. 7. Mein Gott ist ja bei mir, Ich scheue nicht das Grab; Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe Andacht bei herannahender hab Von aller Angst und Qual; Es bringt mir süße Ruh, Denn Gott, der bei mir ist, Der deckt mich sanfte zu. 638 8. Mein Gott ist ja bei mir, Gott wird mir schon erscheinen Zum Trost, zur Hilf, zum Heil, Nach meinem bittern Weinen. Mein Herze sei getrost, Stell dir die Hilfe für, Und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir. Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Geburtsstunde. Aufmunterung. Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie werden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten Seligkeit erwerben; denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben; sondern er gibt ihnen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalles unter vielen Schmerzen müssen Kinder gebären, daß sie dennoch einen gnädigen und versöhnten Gott hätten, und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden sollten. Nur 1) daß sie im Glauben bleiben; sie sollen ihr Vertrauen, wenn die Geburtsstunde heran kommt, nicht wegwerfen, nicht wider Gott murren, sondern im Glauben, Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zuginge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben, und auch alsdann im Glauben sprechen: herzlich lieb habe ich dich, o Herr, ich bitt, du wollest sein von mir nicht Geburtsstunde. fern mit deiner Hilf und Gnade. Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen, wie gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl empfangen, um dadurch sich Gott zu heiligen und zu opfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rath und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen, und nicht thun wollen, was ihnen Gott auferlegt und was sie zu thun schuldig sind( wovon Kaiserinnen, Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind), so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen, und sie also vor der Geburt getödtet haben. 3) Endlich sollen sie auch bleiben in der Heiligung sammt der Zucht, daß sie ein heiliges, züchtiges und christliches Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten, und in solcher Heiligung ihre Geburtsstunde erwarten. 639 Gebet. Herr, allmächtiger Gott, getreuer, lieber Vater, es kommt nunmehr meine Geburtsstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hilfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit mei Andacht bei herannahender nem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand, ach, nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigkeit. Komme zu mir und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt; wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den allermächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gib mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei, und alle Furcht fahren lasse, daß ich getroft mich möge bezeugen, getroft stehen, getroft niederseßen, oder liegen, und mich getrösten, weil du bei mir bist, so werde alles glücklich von statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir alles leicht werden: ist der Herr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gib auch, lieber Gott, denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie flüglich alles anordnen, mir nicht zu wenig und zu viel thun, segne ihr Beginnen, und beglücke ihr Vorhaben, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. 640 Geburtsstunde. Verleihe mir, daß ich gutem Rath folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch mir selbst nicht Schaden, und meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen und deßwegen eine schwere Verantwortung auf mich laden möge. Höre, ach gnädiger Gott, mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebete; hilf mir bald, und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, u. eine erfreute Kindermutter werden. Siehe, Herr, hie bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab. Gott, mein Heil, bleibe bei mir in der äußersten Noth, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde, meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasse sinken. Nun ich vermag Alles durch den, der mich mächtig machet, Chriftus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich, die Gnade des Sohnes erquicke mich. Treulich will ich Gott Anhang. 41 641 642 Andacht bei herannahender 2c. bitten und nehmen zum Beistand in allen meinen Nöthen, die ihm gar wohl bekannt; um Geduld will ich stets bitten in allen Anliegen mein, er wird mich wohl behüten, und mein Nothhelfer sein. Amen. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ach, hilf mir aus dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit, So schrei ich mit Herz und Munde Jetzt zu dieser Leidenszeit, Ach ich wende mich zu dir, Großer Gott, ach hilf du mir, Laß mich doch bald Hilfe finden Durch dein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's geschehn, Wirst du deine Hilfe senden, So wird's bald nach Wunsche gehn; Komm, mein Gott, und lös das Band, Reich mir deine Vaterhand, Herr, hilf mir in meinen Nöthen, Sonsten werden sie mich tödten. 3. Herr, du hast es ja verheißen, Daß du wollest bei mir sein, Und aus aller Noth mich reißen, Hilf mir, Herr, denn ich bin dein; Helfer, hilf jetzt gnädiglich, Großer Gott, erbarme dich, Höre, rette, komm und eile, Und doch länger nicht verweile. 4. Zwar ich will dir nicht vorschreiben Deiner Hilfe Stund und Zeit, Ich will doch geduldig bleiben In des Leidens Bitterkeit; Gib mir jego Kraft und Stärk Hier zu diesem schweren Werk; Ach, hilf selbsten mir arbeiten, Und weich nicht von meiner Seiten. 5. Herr, ich will dir fest vertrauen, Währet es auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang; Sieh, ich sehne mich nach dir, Vater, Vater, hilf doch mir; Hilf, o Vater, deinem Kinde, Hilf, mein Vater, doch geschwinde. 6. Ach, mein Gott, erhör mein Bitten, Deffne, was verschlossen ist, Tritt jetzt selbsten in die Mitten, Weil du doch der Helfer bist, Leg du selber Hand mit an, Die Trost bei herannahender Geburt. 643 Hand, die mir helfen kann; Sieh, wie ich dich fest umfasse, Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab ich Kraft und Stärke, In Gott hab ich guten Muth, Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hilfe ruht; Gottes Hilfe ist schon nah, Wenn er spricht, so stehet's da. Mein Muth ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie will ich Gott dann preisen, Wenn ich nun entbunden bin, Wie will ich ihm Dank erweisen; Mein Gemüthe, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hilfesstund, Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad und Ruhm erheben. Trost bei herannahender Aufmunterung. Geburt. Es pflegen sich gottselige Ehefrauen oftmals zu ängstigen und unerfahren zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollt ihr erschrecken? Ihr habt ja Gott bei euch; der Gott, der euch hat die Schmerzen auferlegt, der will sie euch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt: 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott. 2) Er ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen. 3) Gott ist barmherzig, er wird sich auch über euch wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) Gott ist stark, was ihr nicht vermöget, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Erinnert euch, eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Tag und Jahr, wie Davids Elend, und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und ob ja fich's länger verziehen sollte, so sprechet im Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht, und wieder 41* Seufzer vor der Geburt. an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Sehet, dieses lasset euren Trost sein bei eurer Geburt. 644 Seufzer vor der Geburt. Herr, allmächtiger Gott, wenn ich denn nun merke, daß meine Stunde bald einbrechen wird, da ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir und bitte dich: ach, weiche nicht von mir; ach, bleibe du bei mir; gib mir Kraft zu gebären, und entbinde mich gnädiglich; lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlecht aufgelegt hast. O starker und allmächtiger Gott, hilf mir kräftig; meine Hilfe stehet bei dir; nach dir, Herr! verlanget mich, mein Gott, ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden; eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe! O Jesu, der du bist Mensch geboren worden, um deiner Hl. Geburt und Menschwerdung willen erbarme dich über mich. O werther hl. Geift, bleibe in meinem Herzen, und schreie das Abba lieber Vater. Gib Zeugniß meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sei. du heilige Dreieinigkeit, hilf mir und erbarme dich über mich. Amen. D Seufzer vor der Geburt. Ein Anderes. O du liebreicher Gott, der du uns Menschen Herzlich liebeft, und sonderlich in unsern Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen hast, du weißest ja den Stand, darin ich stehe; du steheft auch, wozu ich mich bereite, und was ich jetzt vorhabe: o darum stehet alle meine Hoffnung zu dir. O du starker Gott; der du den verlassenen Hirschen im wilden Walde ohne menschliche Hilfe beisteheft, ach, laß dir auch meine Leibesfrucht anbefohlen sein, und segne die Hände, die zu der Geburt sich darbieten: leiste du mir selbst die beste Hilfe, und entbinde mich gnädiglich. Du haft gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, und helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlasse ich mich, und greif an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott beschieden, in meinem Beruf und Stand. Ich will getroft sein und auf deine Hilfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gerne leiden, was du mir auflegeft, sei du mir nur nicht schrecklich. Herr, Herr, meine Zuversicht in der 645 Seufzer vor der Geburt. Noth, sei und bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott! erhalte, o Herr, was deine Hände bereitet haben. Deffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur; wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig, stärke mich an meinem Geist und Leibe. Lindere und erleichtere mir meine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege sie mir lebendig in meine Arme und Hände, so will ich mit ausgestreckten Armen und gefalteten Händen dir lobsingen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als dein Kind in der hl. Taufe dir wieder geben. Sollte aber in deinem Hl. Rath über mich beschlossen sein, daß ich über dieser Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille, du bist mein Gott, mein Herr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, dein Kind, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; ich aber bin bereit zum Leben und Tod; und wenn du gleich mich tödten wolltest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg im Streit 646 Seufzer bei und unter der Geburt. 647 und widerstreb, hilf, o Herr Christ, mir Schwachen, an deiner Gnad allein ich fleb, du kannst mich stärker machen; kommt nun Anfechtung her, so wehr, daß sie mich nicht umstoße, du kannst machen, daß mir's nicht bringt Gefahr, ich weiß, du wirst's nicht lassen. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. Herr, Herr, groß von Rath und mächtig von That, siehe, hie bin ich, und seufze allein nach deiner Hilfe. Hie kann kein Mensch helfen, als nur du allein. Deßhalben flehe ich dich, mächtiger Nothhelfer, demüthig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du sie mir ſelbst auferlegt haft; ich size oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, und du, Herr, bist um mich. Du sieheft auch meine Thränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht, du kannst überschwenglich thun über alles, was wir bitten und verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet, sie haben es mit Haut und Fleisch überzogen, Leben und Wohlthaten hast du ihm 648 Seufzer bei und unter der Geburt. schon lange erwiesen, und durch dein Aufsehen seinen Odem bewahret. Darum bringe es auch ans Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. Herr, Herr, der du so vielen Tausenden geholfen haft, an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen, ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen, ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich thun, damit ich auch ein gut Gewissen behalte, du aber stärke mich Schwachen. Betrübtes Herz, sei wohlgemuth, sollst nicht so gar verzagen, es wird noch Alles werden gut; all deine Schmerz und Klagen wird sich in lauter Fröhlichkeit verwandeln in gar kurzer Zeit, daß wirst du wohl erfahren. Amen. Ein Anderes. Ach, gnädiger und barmherziger Gott, du haft gesagt: rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen; auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir, mein Va Seufzer bei und unter der Geburt. 649 ter, ich schreie zu dir in meiner Noth: ach, höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach, laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. Herr! wenn ich Noth leide, so lindre mir's; Jesu, du Sohn Davids! erbarme dich mein; durch deine Hl. Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herr Gott, stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich; heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, o Jesu, so bete für mich, o werther hl. Geist, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O dreieiniger Gott, reiche mir und meinem Kinde deine Hand, die wir unsere Herzen und Hände zu dir ausstrecken. Laß uns nicht verderben noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht; nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm sein ausgebreit't, ich will's auch hernach erweisen, und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes als dein Geschöpf in 650 Seufzer bei und unter der Geburt. dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte fie gnädiglich durch deine Kraft, hilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. Herr Gott Vater im Himmel! erbarme dich über mich; Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über mich; Herr Gott heiliger Geift! erbarme dich über mich. Amen. Ein Anderes. Gnädiger und starker Gott! es ist die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmt haft, darum wende ich mich zu dir, und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde. In deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden; Herr, mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich; Jesu, du Sohn Gottes! der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich; ach! umfasse mich mit deinen Armen, und erhalte mich. O werther heil. Geist! gib mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk, erbarme dich meiner und erfreue mich. O du hl. Dreieinigkeit, Vater, Sohn und hl. Geift, eile mir beizustehen. Stehe auf, Herr, und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägest die Sünde der Welt, Sprüche, Seufzer und Gebete 2c. 651 erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes, der du trågest die Sünde der Welt, verleihe mir den Frieden. Amen. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. Pf. 145, V. 18. 19. Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ich wende mich von allen Dingen, und kehre mich zu Jesu Christ, ich weiß, es wird mir bald gelingen, weil Jesus nahe bei mir ist; mein' Hoffnung ist auf ihn gericht't, ich halte ihn, und laß ihn nicht. Ich will wie Jakob mit ihm ringen, ich bete, weil er helfen kann; ich will ihm meine Lieder bringen, ich greife es mit Freuden an; ich rufe: Herr, ich laß dich nicht, bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach, mein Jesu, sei jetzt nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen; ach thue doch, was ich begehre; ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hilfe. Pf. 43, V. 5. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe u. mein Gott ist. Was kränkst du dich, mein' arme Seel! sei still, du mußt nicht wanken, Gott ist mein' Burg, mein Trost und Heil, das werd ich ihm noch danken; drück dich und leid ein' kleine Zeit, auf Angst kommt Freud und Wonne. Ach, mein Jesu, ich warte auf dein Heil, ich harre auf deine Hilfe; ach laß sie mir bald erscheinen, du 652 Sprüche, Seufzer und Gebete, allein bist meine Hoffnung; ach, erhöre mich, ach, erfreue mich, ach, entbinde mich, so will ich dir danken ewiglich. Esaj. 54, V. 6. 7. 8. Der Herr hat dich lassen im Geschrei sein, daß du seiest wie ein verlassen und von Herzen betrübt Weib. Ichhabedich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ach, Jesu, hilf mir doch, auf dich steht mein Vertrauen, ach, laß mich deine Hilf mit Freuden bald anschauen, du bist's, der Hilfe leist't, ja, du bist's ganz allein, drum stelle dich doch bald zu meiner Hilfe ein. Ach, mein Gott, erbarme dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott, meine Augen schauen auf gen Himmel, und sehnen sich nach deiner Hilfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach Herr, wie lang, ach lange, iſt dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Eſaj. 59, V. 1. Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Gottes Hände sind ohn' Ende, sein Vermögen hat kein Ziel; ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, deinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein Gott, daß dir nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich, Herr, strecke deine Hand zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro; deine Hand kann helfen aus Allem, in Allem und von Allem. Ach Herr, schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. 653 in Nöthen zu sprechen. Ps. 91, V. 14. 15. 16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen, und zu Ehren machen, und will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Herr Jesu Christ! groß ist die Noth, darin ich jetzt muß stecken, ach hilf, mein allerliebster Gott! schlaf nicht, laß dich erwecken; Niemand ist, der mir helfen kann, kein' Kreatur nimmt sich mein an, ich bin ohn' dich verlassen. Ach, mein Jesu, weil mir Niemand helfen kann als du, so eile mit deiner gnädigen Hilfe herbei. Siehe, ich bin jetzt in der Noth, ach, reiß mich nach deiner Verheißung heraus, ich begehre dein, hilf mir aus. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlik suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antlik. Esaja 54, V. 10. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund des Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Was ich nicht kann, das gib du mir, du höchstes Gut der Frommen, gib, daßmir nichtdes Glaubens Zierdurch Trübsal werd entnommen; erhalte mich, o starker Hort, befest' ge mich in deinem Wort, behüte mich vor Murren. O Jesu, nimm deine Gnade und deinen heiligen Geist nicht von mir; ach, weiche nicht von mir, stärke mich zu dem Werke und in dem Werke. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht hast; kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach, mein Vater! denk an 654 Sprüche, Seufzer und Gebete, dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Pf. 103, V. 13. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Weil du mein Gott und Vater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht, du väterliches Herz; ich bin ein armer Erdenkloß, auf Erden weiß ich keinen Trost. Ach mein gnädiger Gott und Vater! ich weiß keinen Trost und keine Hilfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach, hilf mir, mein Vater, erbarme dich über mich, mein Vater! ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich möge bald erfreuet werden, ach! du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen thue es doch. Tob. 3, V. 22. 23. Das weiß ich fürwahr: wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübfal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sei ewiglich Ehre und Lob, du Gott Israel. Es hat kein Unglück je so lang gewähret, es hat doch endlich wieder aufgehöret; beut nur deine Händ, und mach's ein End, auf dieser Erd mein Herz sonst nichts begehrt. Ach Gott, laß mich nach meinen Schmerzen und Nöthen bald auch deine Hilfe sehen, du bist ja der Nothhelfer und starke Held, der allein helfen kann, erlöse mich, und laß mich Gnade finden; gehe nicht vorüber vor deiner Magd, du hast Lust zum Leben, darum erhalte mir und meinem Kinde das Leben; 655 in Nöthen zu sprechen. laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. Pf. 71, V. 1. 2. 3. Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit, und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir, und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen, denn du bist mein Fels und meine Burg. Herr Jesu Christ, ich schrei zu dir aus hochbetrübter Seele, dein' Allmacht laß erscheinen mir, und mich nicht länger quäle; viel größer ist die Noth und Schmerz, so anfichtu.betrübt mein Herz, als daß ich's kann erzählen. Ach Herr, mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt; Herr, Herr, je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich um Hilfe schreien, ich will es in meinen Nöthen machen, wie mein Jesus; denn da er mit dem Tode rang, da betete er heftiger. Pf. 130, V. 6. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Mein Gott, das ist auch und soll mein fester Entschluß bleiben, ich will nicht lange an deiner Hilfe zweifeln, wenn es auch noch so lange währete; wollte der Herr sich vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen und mir gnädig sein. Ef. 38, V. 14. 15. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube, meine Augen wollten mir brechen. Herr, ich leide Noth, lindere mir's. D Sprüche, Seufzer und Gebete, wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und thut's auch. 656 Aus der Tiefe rufe ich, will sonst Niemand hören mich, ach, so hör, o Jesu mein, du wirst ja der Helfer ſein.( Die Antwort des Herrn Jesu:) In der Höh erhör ich dich, drückt der Schmerz dich jämmerlich; macht die Noth dem Herzen bang, meine Hilf verzeucht nicht lang. Ach Jesu, all meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken, mächtigen Helfer, ach, thu, wie du mir gesagt hast. Mit dir habe ich das Werk angefangen, ach, gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kind, laß uns einander fröhlich erblicken, und vor dir leben. Herr! erbarme dich über uns. Pf. 25, V. 15-18. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünden. Laß mich wiederum empfinden, mein Gott, deinen Freudenschein, hilf mich dieser Last entbinden, lindere die Schmerzenspein; wirst du mich nicht bald erquicken, wird die Last mich unterdrücken; iſt mein Seufzen dann vergebens? wird mein Beten nicht erhört? Soll ich denn, o Hort des Lebens, bleiben immerdar beschwert? Laß den Schmerz vorübergehen, und mich deine Hilfe sehen. Herr Jesu, ich blicke im Glauben nach dir: ach, komme zu mir; siehe, wie mir so wehe ist, stärke meinen Glauben, erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach, tritt du mir selbst zur Seite. in Nöthen zu sprechen. 657 Herr, höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach, ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hilfe erfreuet werde? Off. Joh. 22, V. 20. Siehe, ich komme bald. Ja, komm, Herr Jesu! Herr, wenn du mir nicht helfen wirst, so ist's mit mir verloren, du bist allein der Lebensfürst, der uns zu gut geboren. Komm, Jesu, komm, ach komm zu mir, denn siehe, Herr, die Noth ist hier, du wirst mich nicht verlassen. Ach, mein Jesu, das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommst. Ach, komm und entbinde mich; komm und erfreue mich; komm und errette mich; komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Pf. 39, V. 8. 13. Nun, Herr, weß soll ich mich trösten? ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien und schweige nicht über meinen Thränen. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, daß ich mir sollt vor Leid mein Herz abfressen; mitten in der Noth denk ich an Gott, obgleich nach seinem Rath die Noth und Angst auch pressen. Herr Jesu! eile zu mir, hilf mir, mein Gott! mein Helfer! so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rath in dieser Angst und Noth, darum flehe ich zu dir; ach, komm, ach, komm, ach, hilf du mir. Efaj. 40, V. 29. 31. Der Herr gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn! zu dir steht Anhang. 42 Sprüche, Seufzer und Gebete, mein Vertrauen; du bist der rechte Gnadenthron, wer nur auf dich will bauen, dem stehst du bei in aller Noth, hilfft ihm im Leben und im Tod, darauf ich mich verlasse. Ach, Herr, mein Gott! gib mir auch neue Kraft, verleihe mir Muth, Kraft und Stärke deines heil. Geistes, ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich Alles. Herr, stärke mich diesesmal, mein Gott, hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sei gelobet. Ps. 94, V. 17. 19. 658 Wo der Herr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößten meine Seele. Meine Hilfe kommt vom Herrn; also will ich mich getrösten, wenn die Hilfe scheinet fern, und die Noth am allergrößten; wenn kein Mensch mir helfen kann, so schau ich den Himmel an. Herr, allmächtiger Gott, von dem alle Hilfe kommt, so auf Erden geschiehet, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth; auf deinen Befehl rufe ich, und sage: Herr, hilf mir, Herr, erbarme dich, nimm weg die Kümmerniß und Sorge meiner Seele, schenke mir, was ich hoffe, gib mir, was ich bitte, Herr! es steht in deinen Händen. Röm. 5, V. 3. 4. 5. Wir rühmen uns der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet, Geduld aber bringet Erfahrung, Erfahrung aber bringet Hoffnung, Hoffnung aber lässet nicht zu Schanden werden. Wer hofft in Gott, und ihm vertraut, der wird nimmer zu Schanden, und wer auf diesen Felsen baut, ob ihm schon kommt zu Handen viel Unfall, in Nöthen zu sprechen. hie hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich verläßt auf Jesum fest, er hilft den Seinen allen. 659 Ach Herr! hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit, ich warte auf deine Hilfe, ich Hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; siehe an mich betrübtes Weib, und erfreue mich wieder, laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. Sir. 35, V. 21. Das Gebet der Elenden dringet durch die Wol-- ken, und lässet nicht ab, bis es hinzu komme, und höret nicht auf, bis der Höchste darein sehe. Ach Gott! erhör mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, du weißt meinen Schmerz, erkennst mein Herz, hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Pflanz mir Geduld durch deinen Geist ins Herz, und hilf, daß ich es acht' für keinen Schmerz, zu deiner Zeit wend ab mein Leid, durch Mark und Bein dringt mir der Schmerz. Herr, allmächtiger Gott! der du der Elenden Seufzen nicht verschmähest, und der Betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Noth vortragen, und erhöre uns gnädiglich. Pf. 55, V. 2. 3. 6. Gott, höre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen, merke auf mich, und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule. Furcht und Zittern ist mich angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt, Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken, erwarte nur 42* 660 Sprüche, Seufzer und Gebete, die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. Ach Herr, Herr! du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott, du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater; ach! darum so erhöre mich, laß leuchten dein Antlik, so genese ich. 2. Cor. 6, V. 2. Gott spricht: ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. Wenn Trost und Hilf ermangeln muß, die alle Welt erzeiget, so kommt der Hilfe Ueberfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh: gebt unserm Gott die Ehre. Ach Herr! ist deine Stunde noch nicht gekommen? Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach, um aller deiner Güte willen errette mich. Ach, wie lang, ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Pf. 119, V. 170. 174. 175. Herr! laß mein Flehen vor dich kommen, errette mich nach deinem Wort. Herr, mich verlanget nach deinem Heil, und habe Lust an deinem Gesebe. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen. Ob sich's anließ, als wollte er nicht, so laß dich gar nicht schrecken, denn wo er ist am besten mit, da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spräch lauter Nein, so laß dir doch nicht grauen. Herr, mein Gott! ich will jetzt durch all mein Elend 661 in Nöthen zu sprechen. und Schmerzen hindurch nur allein auf dich sehen! ich will nicht sehen neben und um mich, denn da finde ich schwache Menschen, sondern über mich gen Himmel, auf dich, o allmächtiger Gott! ach, laß deine Gnade mir beistehen, und deinen Arm mir aushelfen; hilf du mir, Gott meines Heils, so ist mir geholfen. Jer. 31, V. 13. Ich will ihr Trauern in Freude verkehren und fie trösten und sie erfreuen nach ihrer Betrübniß. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn, und thun an seinem Theile, als hätt' in seinem Sinn er deiner sich begeben, und sollst du für und für in Angst und Nöthen schweben, als frag er nichts nach dir. Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da du's am mindsten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. Ach, mein Gott! entbinde mich auch von meiner Last, verzeuch doch nicht länger mit deiner Hilfe, verkehre mein Trauern in Freude, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübniß; bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; meine Zuversicht ist auf Gott. Pf. 121, V. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Denn Gott verläßt der Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden sollst du schauen, wie Gott wird retten dich. Herr, dreieiniger Gott, ich habe alle meine Hoff Sprüche, Seufzer und Gebete, nung auf dich gestellt, nach dir sehne ich mich. Herr Gott Vater, erbarme dich mein und meines Kindes. Herr Jesu, stärke mich, und stehe mir bei. O heiliger Geist, erquicke mich mit deinem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hilfe erlangen werde; dreieiniger Gott! erbarme dich mein. Habac. 2, V. 3. 662 Die Weissagung( die Verheißung der göttlichen Hilfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen, und nicht außen bleiben. Ob sie aber verzeucht, so warte ihr, sie wird kommen und nicht verziehen. Von Gott will ich nicht lassen, denn er läßt nicht von mir, führt mich auf rechter Straßen, wenn ich geh' in der Irr, er reicht mir seine Hand, den Abend wie den Morgen wird er mich wohl verforgen, sei's wo ich wohn im Land. Ach ja, mein Gott! ich laß dich nicht, du segnest mich und hilfst mir denn. Laß doch auf den Verzug deiner Hilfe die fröhliche Hilfesstunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: Herr Jesu hilf siegen, Herr Jesu hilf ringen; meine Entbindung mein Leben und meine Hilfe stehet in deinen Händen. Pf. 13, V. 2. 3. 4. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlik vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Schaue doch und erhöre mich. Ach, wann wirst du dich erbarmen über meine schwere Pein? wann wirst du mir gnädig sein? Ach, wann wirst du mich umarmen? Ach, mein Gott, wie lang, ach lang! soll mir sein so angst und bang? 663 in Nöthen zu sprechen. Ach, mein gnädiger und barmherziger Gott! da deine Hilfe verzeucht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater, und ich dein Kind. Ach verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir, sprich nur ein Wort, so werde ich genesen: denn wenn du sprichst, so geschieht's, und wenn du gebeutst, so stehet's da. Herr, erhöre mich gnädiglich. Jer. 17, V. 13. 14. 17. Herr, du bist meine Hoffnung, heile du mich, Herr! so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen: denn du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rath allzeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu, alle meine Hoffnung stehet jetzt zu dir und deiner Allmacht. Hilf mir, mein Heiland, bald, wenn es dein heiliger Wille ist, hilf mir, daß ich mich über deine Hilfe erfreuen kann. Owie will ich deinen Namen rühmen, und lobfingen, wenn du mich herrlich erlöset hast. Meine Zuversicht stehet im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Pf. 13, V. 6. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist, mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. Bin ich zu schwach, laß deine Treu mir an die Seite treten, hilf, daß ich unverdrossen sei zum Rufen, Seufzen, Beten. Seufzen, Beten. So lang ein Herz noch hofft und gläubt, und im Gebet beständig bleibt, so lang ist's unbezwungen. Sprüche, Seufzer und Gebete, O du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlik suchen: darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Ich weiß, du kannst helfen und hilfft auch gern, darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott, laß es jetzt Zeit sein. Herr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen steht meine Hoffnung auf dich fest. Klagl. Jer. 3, V. 18-21. Mein Vermögen ist dahin, und meine Hoffnung am Herrn; gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermuth und Gallen getränket bin, du wirst ja daran gedenken, denn meine Seele saget mir's, das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. 664 Wollte mich der Herr auch tödten, lässet ihn mein Herz doch nicht, er hilft mir aus meinen Nöthen, er bewahrt mein Lebenslicht, ob er sich schon anders stellt, und bei sich verborgen hält; der mir Leib und Seel geschenket, der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja, mein Gott denket an mich, drum sprech ich: der Herr denket an mich und segnet mich; er lässet sein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so habe ich doch bei und in Gott Kraft und Stärke. Ich werde noch meine Lust an seiner Hilfe sehen. Pf. 71, V. 20. 21. Du läsfest mich erfahren viel und große Angst, und machest mich wieder lebendig, und holest mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf. Du machest mich sehr groß, und tröstest mich wieder. Greif mich auch nicht so heftig an, damit ich nicht vergehe, du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl in Nöthen zu sprechen. noch Stein, wie balde geht ein Wind herein, so fall ich hin und sterbe. 665 Ach Gott, willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach, so greif mich nur nicht zu heftig an, du weißt mein Vermögen, meine Kraft ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich! wenn ich sinke, so hebe mich; wenn ich ohnmächtig werde, so labe mich; wenn ich müde werde, so stärke mich. Herr Gott meines Lebens! erhalte mir und meinem Kinde das Leben, dafür soll dein Name ewiglich gerühmet und gepreiset werden. Ef. 12, V. 2. 5. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher, und fürchte mich nicht: denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm, und ist mein Heil. Lobfinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches sei kund in allen Landen. Und weil ich ja nach deinem Rath hie soll ein wenig leiden, so laß mich ja in deiner Gnad als wie ein Schäflein weiden, daß ich im Glauben die Geduld, durch die Geduld die edle Huld nach schwerer Noth erhalte. Ach ja, mein Gott! das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum, weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung; darum will ich stille sein und hoffen; durch Stillesein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Pf. 22, V. 12. 16. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hie kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen. Sprüche, Seufzer und Gebete, Hast du denn, Jesu! dein Angesicht gänzlich verborgen, daß ich die Stunden der Nächte muß warten bis Morgen? Wie hast du doch, Süßester, können verlängern die traurigen Sorgen? Must du denn, Liebster, dich also von Herzen betrüben, daß ich ein wenig lange bin außen geblieben, weißt du denn nicht, wie sich mein Herze verpflicht't, dich stets und ewig zu lieben. Ja, deine Liebe und Treue, mein Jesu! ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht, du hast mich je und je geliebet, und kraft derselben mir oftmals geholfen, und mich gerettet, darum hoffe ich, du werdest auch diesesmal mich erquicken; obgleich meine Noth groß ist, meine Hilfe noch ferne scheint, und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in dem Allem mein Herz auf dich ge= richtet, du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaube ich, das weiß ich; ach Herr! stärke meinen Glauben und Zuversicht. Klagl. Jer. 3, V. 22. 23. 24. 666 Die Güte des Herrn ist, daß wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Sollt es gleich bisweilen scheinen, als ob Gott verließ die Seinen, ei, so weiß und glaub ich dieß, Gott hilft endlich doch gewiß. Hilfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nöthig ist. Ach, mein gnädiger Gott, deine Hilfe ist bei mir, du stärkst und erhältst mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich etwas ausrichten? in Nöthen zu sprechen. Dein Aufsehen bewahret meinen Odem, du stärkest Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlassen, Gott weichet nimmer von mir, und ich weiche nicht von Gott, darum wird auch meine Hilfesstunde bald hereinbrechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hilfe kommt. 667 Ps. 4, V. 2. 4. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst, sei mir gnädig und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der Herr seine Heiligen wunderlich führet; der Herr höret, wenn ich ihn anrufe. Sei getrost in deinem Hoffen, hilft gleich Gott nicht wie du willt, er hat bald ein Mittel troffen, daß dein Wünschen wird erfüllt. Drum getreu, getreu aushalten mußt du deinem lieben Gott, ihn mußt du stets laffen walten, wenn du nicht willst haben Spott, rufe nur, er ist schon hier, sein Herz brach ihm gegen dir; rufe nur, Gott ist vorhanden, Hoffnung machet nicht zu Schanden. Ach, mein Gott, ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir vertrauen in meiner schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderlich, so führe mich nur selig, ich weiß, du bist und stehest neben mir, ob du gleich dich mit deiner Hilfe noch nicht offenbarest; ich spreche indeß im Glauben: Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe. Klagl. Jer. 3, V. 25. 26. Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harEs ist ret, und der Seele, die nach ihm fraget. ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Sprüche, Seufzer und Gebete, Ich weiß, du wirst in deinem Sinn mit mir Mitleiden haben, und mich, wie ich's bedürftig bin, mit Gnad und Hilfe laben. Ach, stärke meine schwache Hand, ach, heil und bring in bessern Stand das Straucheln meiner Füße. Ja, mein Gott! auf dich harret meine Seele, und mein Vertrauen wanket nicht; du freundlicher Jesu, erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöthen; richte auf die wankenden Füße, stärke die matten Hände, ich hoffe auf deine Güte, ich warte auf dein Heil, und tröste mich mit deiner Gnade. O du Gott aller Gnaden! der du uns tröstest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Pf. 17, V. 6-8. Ich rufe zu dir, daß du, Gott, mich wollest erhören. Neige deine Ohren zu mir, erhöre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen deiner großen Freundlichkeit, Jesu Christe, dein Erbarmen helfe meiner Blödigkeit; wirst du mich nicht zu dir ziehen, ach, so muß ich von dir fliehen. Zeuch mich mit den Liebesseilen, zeuch mich kräftig, o mein Gott, ach wie lang willst du verweilen, starker Gott, Herr Zebaoth, doch ich hoff in allen Nöthen, wenn du mich gleich wolltest tödten. Ach Herr, bewahre vor Unglück mich und mein Kind, bedecke uns beide mit deinen Gnadenflügeln, höre mein Seufzen, und hilf mir; werden die Nöthen heftiger, so laß auch kräftigere Hilfe erscheinen, ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheinet, als ob du 668 669 in Nöthen zu sprechen. mich tödten wolltest. O deine Hand ist nicht verkürzt, ich sehe nicht auf mein Unvermögen, sondern auf dich, gnädigen, starken und barmherzigen Gott. Hiob 5, V. 18. 19. Gott verleget und verbindet, er zerschmeißet u. seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. Bald wird mir Hilfe werden, was soll der feige Muth, nachdem ich was auf Erden gelitten, wird es gut. Dann werd ich fröhlich singen: Auf Gott hab ich gebaut, drum muß es mir gelingen; wohl dem, der Gott vertraut. Ach Gott, die vorige so oftmals mir geleistete Hilfe macht mir Muth, daß du auch dieses Mal werdest mein Gott, Erretter und Beistand sein. Du bist ja noch so stark, als du vormals gewesen; hast du so vielen geholfen, so beweise auch an mir deine Güte; so soll nach der Hilfe mein Mund voll Rühmens sein, und ich will sagen: Das hat Gott gethan, der Name des Herrn sei gelobet. 5. Mos. 4, V. 31. Der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht lassen, noch verderben; wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. Jesu, mein Erretter, siehe, wie oft ich in Nöthen bin, ach, du bist's, zu dem ich fliehe, sonsten weiß ich nirgends hin; darum fürcht ich keine Noth, keine Schmerzen, Kreuz und Tod, aus den größten Leidensketten weiß mein Jesus mich zu retten. Ach, mein Vater, gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast, gedenke, daß du mich gewaschen und gereiniget haft mit Sprüche, Seufzer und Gebete, deinem heiligen Blute, zu dir fliehe ich und flehe dich um Hilfe in meinen Nöthen an, ach, errette mich, ach, erquicke mich, ach, erfreue mich. Klagl. Jer. 3, V. 31-33. 670 Der Herr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Kein' beff're Treu auf Erden ist, denn nur bei dir, Herr Jesu Christ, ich weiß, daß du mich nicht verläßt, dein' Zusag bleibt mir ewig fest, bist mein rechter treuer Hirt, der ewig mich behüten wird. Ach ja, mein Hirte wird sein Schäflein, und mein Vater sein Kind nicht verlassen; du hast mich betrübet, mein Gott, ach, so erfreue mich auch wieder; hast du mir den Segen gegeben, ach, laß mich ihn auch erblicken; lege mein Kind, o Jesu! mir lebendig in die Arme; ich will es durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wieder geben, was du mir geschenket haft; ist es mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es dein werden nach der Wiedergeburt. Pf. 68, V. 20. 21. Gelobetseider Herr täglich. Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, u. einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Schickt mir Gott ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Herr, du hast diese Last mir auferlegt; ach, nimm sie mir auch wieder ab, du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Gläubigen. Dwie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu 671 in Nöthen zu sprechen. lösen, die Thüre aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich; laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig bis zur Stunde meiner Erlösung verharren. Pf. 50, V. 15. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Ach, Herr Gott, wie reich tröstest du, die gänzlich sind verlassen, die Gnadenthür steht nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; sie spricht: Es ist nun All's verlor'n, da doch das Kreuz hat neu gebor'n, die deiner Hilfe warten. Ach, mein Gott, ich warte auf deine Hilfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich dich an in meiner Noth; errette mich, erhöre mich, erbarme dich, ach, tröste mich mit deiner Hilfe, und der freudige Geist erhalte mich. Pf. 30, V. 9. 11. Ich will, Herr, rufen zu dir; dem Herrn will ich flehen. Herr, höre, und sei mir gnädig; Herr, sei mein Helfer. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, was uns nützlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wir's uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. Ach ja, Herr Jesu, laß deine Hilfesstunde bald erscheinen, deiner wart ich mit Verlangen. Indessen will ich seufzen und flehen, du wirst mich erhören, und mir nach deiner Verheißung aushelfen. Pf. 109, V. 21. 26. Herr, Herr! sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost, errette mich. Stehe mir bei, Herr, mein Gott, hilf mir nach deiner Gnade. Die Kindbetterin danket Gott Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Noth, er kann mich allzeit retten aus Trübsal, Angst und Nöthen; mein Unglück kann er wenden, es steht in seinen Händen. 672 Dieß ist der Trost in allen meinen Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schutzherr seiner Kinder, dem empfehle ich mich, der wird es wohl machen. Anmerk. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Gebete und Seufzer auf der 424. und folgenden Seite nachzuschlagen. Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. Ein Weib, wenn sie ihr Kind zur Welt geboren hat, denket nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist; also lehret der Mund der Wahrheit, Christus, Joh. 16, V. 21. Dieses läßt auch Gott gottselige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauern fahren lassen, und nun Gott hoch preisen. Sie sollen Gott preisen: 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen müssen, daß ohne Gottes wunderbare Hilfe all ihr Bemühen wäre vergebens gewesen; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt und gelindert hat; sie sollen Gott danken, für ihre glückliche Entbindung. 673 daß er sie ihr Kind mit Freuden erblicken lassen, ( oder so es ja todt wäre,) daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit angenommen, und nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himmlische Freudenleben gegeben habe; 4) sie sollen die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwik oder Geiz, oder unnöthiges Umhergehen und Bemühungen nicht hinbringen, sondern derselben genießen und annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich oftmals wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, fallen aber in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwerliche Leibesschäden, unglückliche Zufälle, so mögen sie es sich selbst und ihrem Vorwitz zuschreiben, und den Schaden tragen, daß sie haben weiser sein wollen, als Gott, der ihnen eine Ruhe verordnet hat, sie aber dieselbe verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber in solcher Ruhe nicht stören, sondern nach Gottes Ordnung ihnen gönnen sollen, was Gott den Sechswöchnerinnen befohlen, 3. Mos. 12., sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbett zu verlassen nöthigen sollen; 5) sie sollen Gott täglich anrufen, er wolle fie und ihr Kind vor allem Uebel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißigem Gebet Gott täglich vortragen. Endlich 6) sollen sie auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchgang wolle halten lassen. Gebet. Allmächtiger, großer und starker Gott! Anhang. 43 674 Die Kindbetterin danket Gott ich erscheine allhier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, womit du mich begnadigt haft. Ich preise dich, daß du meine Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und in der Geburt deine Hand über mich gehalten haft. Herr! wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke, du hieltest mich, da ich finken wollte, du erquicktest mich, wenn ich schwach und ohnmächtig werden wollte, du stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du hast Alles herrlich ausgeführt, mein Kind mir geschenket, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abgewendet, und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gelobet sei der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flehens! Der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz, und mir ist geholfen, und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte wäh für ihre glückliche Entbindung. 675 ret ewiglich; saget, die ihr erlöset seid, durch den Herrn: denn seine Güte währet ewiglich; die er aus der Noth erlöset hat, und die zum Herrn riefen in ihrer Noth, und sie errettet aus ihren Aengsten, die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenfindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott! ich erzähle heut dein Werk mit Freuden, und sage: wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach mein Gott! laß aber auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Beschüße, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbette. Ach, bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlorenen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. O du Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit, breite deine Gnadenflügel aus über mein Haus, bewahre es vor Feuers- und Wassersnoth über mein Wochenbett, und laß mich darin gesund meine Zeit mit Gebet und in deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und deinem Ruhm erhalten, und 43* 676 Die Kindbetterin danket Gott zc. mir Gnade verleihen, daß ich dereinst mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchgang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an, unzählig viel zu gut, und jetzo auch gethan. Amen. Gesang. Mel. Nun freut euch, liebe Christeng'mein. 1. Gelobet sei der große Gott, Der nun die Hilf gesendet, Der meine große Angst und Noth Hat gnädig abgewendet, Der mein betrübt Geschrei erhört, und meine Bitte mir gewährt; Lobt seine Gnad und Güte. 2. Er ist in dieser Leidenszeit Mein Beistand recht gewesen, Durch seine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach, sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrlich helfen kann; Lobt seine Gnad und Güte. 3. Wie war mir doch so angst und bang, Doch wurd ich nicht verlassen, Es däuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöthen saßen; Nun ist verkehrt die Noth in Freud, Die Traurigkeit in Süßigkeit; Lobt seine Gnad und Güte. 4. Ja, seine starke Gotteshand Hab ich jetzt recht gespüret, Als Menschenhilfe gar verschwand Hat Gott das Werk geführet. Es fand sich Gottes Hilfe ein, Und tränkte mich mit Freudenwein; Lobt seine Gnad und Güte. 5. Darum will ich zu keiner Zeit, großer Gott, vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Schoß gesessen, Ich saß in deinem Schoße wohl, Und war auf dich vertrauensvoll; Lobt seine Gnad und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr zc. 677 6. Gott sei gelobet und gepreist, Die Noth ist nun verschwunden, Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden; O großer Gott, ich danke dir, Ja danket, danket Gott mit mir; Lobt seine Gnad und Güte. 7. Ja ich will nun mit Lob und Preis Die Zeit mit Gott hinbringen, Hinfüro auch mit allem Fleiß Die große Gnad besingen; Ich will ihn loben, wo ich geh, Ich will ihn loben, wo ich steh; Lobt seine Gnad und Güte. 8. O großer Gott, ich danke dir Für dein getreues Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir In meiner Noth geblieben, Und nunmehr mich davon befreit, Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit; Lobt seine Gnad und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ist Beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen, wie vielmehr soll eine Sechswöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen, sonderlich da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die göttliche Hilfe sich verlassen. Es soll demnach eine Sechswöchnerin am Morgen 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen, und die bestimmte Ruhe und Danksagung genießen. 4) Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselben mit Geduld ertragen und glauben, daß der Gott, Die Kindbetterin verrichtet der so herrlich sie aus Nöthen gerissen, werde das übrige Weh auch in Gnaden abwenden. Sebet. 678 O du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund und Hände, und danke dir für den gnädigen Schuß, den du mir diese Nacht geleistet hast. Dein Engel hat um mein Bett gewacht, daß mich kein Unfall gerühret, du hast mich und mein Kind bewahret, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen; Herr, Herr, wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist. Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben, dein Schuß ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Darum auf, mein Geist und Seele, und lobe den Herrn, der dir so viel Gutes gethan hat. Herr, Herr, du bist immer und auch diese Nacht mein Beistand gewesen, du hast deine Hand über mich gehalten, ich habe erfahren, wie gnädig, wie starf, wie allmächtig, wie liebreich, wie gütig du seieft. Herr, Herr! ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes ge ihr Morgengebet. 679 than bast. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß es die Elenden hören, und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Furcht. Da ich Elende rief, hörete der Herr, und half mir aus allen meinen Nöthen. Darum soll auch mein Mund voll Rühmens sein, und mein Herz soll ihm danken; ja ich will mit gefalteten Händen seine Gnade preisen. Aber ach, Herr, Herr, laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschuß befohlen sein. Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele; ach bewahre meine Seele und Gemüth vor schweren Gedanken, Angst und Betrübniß. Laß hingegen deinen heil. Geist in meinem Herzen wohnen, dasselbe heiligen, mit himmlischem Trost und Freude erfüllen, damit ich den Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelenvergnügen, in der Liebe Jesu und kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leib wieder die verlorenen Kräfte, vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Ge Die Kindbetterin verrichtet sundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, widrige Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere auch das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirst. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es gedeihen und wachsen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger Gott, ich befehle mich dir ganz und gar. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich, sei mir und meinem Kinde gnädig, vergib mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Utebel; Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbärme dich über mich, sei mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein Seligmacher, und laß deine Gnade, wie ein fühler Thau, diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke mich und erhalte mich; Herr Gott heil. Geist, erbarme dich über mich, bete in mir, und gib Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Nun, der Herr segne mich, und behüte mich; der Herr erleuchte sein Angesicht über mich und sei mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele u. Sinn in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. 680 ihr Morgengebet. Gesang. Mel. Wach auf, mein Herz, und singe 2c. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich eingefunden Das Licht, der Tag, die Sonne, Und Jeſus, meine Wonne. 681 2. Mein Jesus war mir nahe, Als ich die Sonn nicht sahe, Er ist mir noch zugegen, Und gibt mir seinen Segen. 3. Ich bin geschüßt geblieben, Das Unglück ist vertrieben, Ich habe sanft geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verletzet, Sein Trost hat mich ergößet, Mich hat kein traurigs Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnädig abgewendet, Und deine Hilf gesendet. 6. Jch lag in deinen Armen, Ich schlief, und dein Erbarmen Läßt mich jetzund auch sehen Der Sonne Licht aufgehen. 7. Wie kann ich gnugsam preisen, Wie soll ich Dank erweisen Dem, der mir Heil und Leben Bis hieher hat gegeben. 8. Der Tag ist aufgegangen, Mein Jesu, mein Verlangen, Laß mich in deinem Segen Ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß mich und es gedeihen, Und uns in dir erfreuen. 10. O Jesu, meine Freude, O meiner Seelen Waide, Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringen. 11. Wenn ich will vor dich treten, Ach, so erhör mein Beten, Regiere meine Sinnen, Begleite mein Beginnen. 12. Ach, stärke meine Glieder, Gib mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen, Und deinen Altar ſehen. 13. Bewahre mich vor Sünden, Und laß mich Gnad empfinden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 14. In jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde, Mit dankbarem Gemüthe Stets preisen deine Güte. Die Kindbetterin verrichtet 15. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab genossen Den Schutz, der mich umgeben, und mir erhält mein Leben, 682 16. So will ich dir lobsingen, Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen. Amen. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. Wenn dort die zwei Jünger Jesum den Tag über bei sich gehabt hatten, so wollten sie ihn auch nicht am Abend von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, Luc. 24. Also soll auch eine Kindbetterin mit Gebet den Tag anfangen und beschließen, und die Gnadengegenwart ihres Gottes sich zum Schutz in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß er den Tag über sie vor Schmerzen und Zufällen, und ihr Kind vor Unruhe bewahret. 2) Sollte aber Gott nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie Gott preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe hat ausstehen können, und er sie den Abend hat erleben lassen. 3) Hierauf soll sie sich und ihr Kind dem Schutz des dreieinigen Gottes zu der bevorstehenden Nacht empfehlen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken, und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott denken, sich in ihm erfreuen, und sich ihm ergeben. ihr Abendgebet. 683 Sebet. Herr, allmächtiger Gott! wie soll ich dir genug danken für deine Liebe und Treue, die du mir diesen Tag erwiesen hast! Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schuß glücklich hingebracht, ich habe den Abend fröhlich erlebt; die Schmerzen und Beschwerlichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und überwinden; du hast mich beschüßet und bewahret; du bist mein und meines Kindes gnädiger Vater, SchußGott und Beistand gewesen. Herr, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du haft meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freuden gegürtet. Auf daß dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde. Herr, mein Gott! ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedeckt, ach, so breite fie auch in dieser Nacht über mich aus! behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden Alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gesündigt habe. Ich Die Kindbetterin verrichtet will mich nun legen, o Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit! in deine Arme, und will sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du allein, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. Befiehl dem Engel, daß er komm, und mich bewach, dein Eigenthum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Rub; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Ja, großer Gott! in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen, ach, wache du selbst um mein Bette, und treibe zurück Alles, was meine Ruhe stören kann. Herr Gott Vater, laß mir dein Vaterherz diese Nacht offen stehen. Herr Jesu, du Licht meiner Seele, umleuchte mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht. O werther heiliger Geist, erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen, finge und bete in meinem Herzen, und versiegle in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. O du dreieiniger Gott, laß mich also in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wenn ich erwache, annoch bei dir sei. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, da ich alsdann dir danken 684 ihr Abendgebet. und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohlthaten loben u. preisen will. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe Jesu decke mich, und der Beistand des werthen heil. Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein Jesu, bei mir bleibe, o Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe, geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen; ach, laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen, Lebenssonn, erquicke meinen Sinn, ich laß dich nicht, da nun der Tag ist hin. Amen. 685 Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Herr Jesu, wahres Licht, Der Tag ist nun vergangen, Es hat sich eingehüllt Der Sonne güldnes Prangen; Herr Jesu, wahres Licht, Ach, weiche nicht von mir, Laß mich vereinigt sein Auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb ich, weil ich leb, Denn du hast mir mein Leben Sammt deinem Segenstrost Aus großer Güt gegeben; Dir leb ich, Seelenfreund, Dir leb ich nur allein, Mein Herz und Seele soll, Herr, deine Wohnung sein. 3. Herr Jesu, gib mir auch In dieser Nacht den Segen, Ach, decke du mich zu, Ich will zur Ruh mich legen, Herr Jesu! bleib bei mir, Ach, siehe, es wird Nacht, Hab auf mein Leib und Seel, Mein Heiland, allzeit Acht. 4. Dir sterb ich williglich, Wenn ich dereinst soll sterben, Denn du hast mich gemacht Zu deinem Himmelserben; Dir sterb ich jeden Tag Und sterb den Sünden ab, Im Sterben leb ich dir, Weil ich dich, Jesum, hab. 686 Gebet vor der heiligen Taufe. 5. Dein bin ich Tag und Nacht, Des Tags wirst du mich leiten, Ach, weich des Nachts auch nicht, Mein Gott, von meiner Seiten; Dein bin ich allezeit, Gesund, frank und betrübt, Ich weiß in jedem Stand, Daß mich mein Jesus liebt. 6. Todt und im Grabe sein Pflegt Andre zu erschrecken, Doch aus dem Grab und Tod Wird Jesus mich erwecken; Todt und begraben sein Ruft uns das Bette zu, Doch Jesus weckt mich auf Vom Tod und Schlafesruh. 7. Lebendig werde ich Aus meinem Bett aufstehen, Und nach genoss'ner Ruh Das Licht der Sonne sehen, Lebendig bringt mich auch Mein Jesus aus dem Grab, Nachdem in seinem Arm Jch ausgeschlafen hab. 8. Amen, erhöre mich, Und laß mich süße schlafen, Wend alles Unglück ab Durch deiner Engel Waffen. Amen, nimm auf dein Kind. Mit Jesu schlaf ich ein, Mein Jesus soll im Schlaf In meinem Herzen sein. Die Kindbetterin betet vor und nach der Taufe ihres Kindes zu Gott. Aufmunterung. Christliche Eltern, welchen Gott Kinder schenkt, können sich nach der Geburt derselben nichts angelegentlicher sein lassen, als daß sie dieselben, sobald es die Umstände erlauben, durch die heilige Taufe in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen lassen. Da aber der Taufbund ein so wichtiger Bund ist für Zeit und Ewigkeit, wird eine fromme Mutter ihr Kind 1) vor der Taufe Gott demüthig vortragen, daß er es möge zur heiligen Taufe gelangen lassen, und es als ein Kind in Gnaden aufnehmen, 2) nach der Taufe Gott für diese große Gnade danken, und das Kind in Gottes fernern Schuß befehlen. Gebet vor der heiligen Taufe. 687 Gebet, ehe das Kind zur heiligen Taufe gelanget. O du gnädiger und liebreicher Gott, der du der rechte Vater bist über Alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden. Siehe, ich komme zu dir in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neugebornes Kind vor. Ach barmherziger Gott, nimm doch den von dir geschenkten Segen durch die heil. Taufe zu deinem Kinde an, ach, laß es dein Kind sein, beschirme und erhalte es. Du hast, o Jesu, gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; siehe, ich bringe dir auch an diesem Tage mein Kind, gib ihm deinen heil. Geist, der es durch Wasser und Geist wieder gebäre, der es heilige, regiere, und sein Herz mit Glauben u. Liebe erfülle, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach, mein Gott! hiemit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigenthum; ich lege es, o himmlischer Vater! in die Arme deiner Barmherzigkeit, ach! versorge und beschüße es. Ich übergebe es dir, o Jesu! wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deinen Wunden wider alle Gewalt des Satans. Ich befehle es 688 Gebet nach der heiligen Taufe. dir, o heiliger Geist! zu deiner Pflege, ach! heilige es durch und durch, damit sein Geift sammt Seel und Leib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Chrifti. Amen. Gebet, wenn das Kind die heilige Taufe empfangen hat. Laß, o Gott! diesen Tag sein meines Kindes Bundes-, Segens- und Wiedergeburtstag, und gib, daß es dessen allezeit eingeDenk bleibe, und ich es oft daran erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stande der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung verharren bis an sein Ende, da du es wirft als dein Kind und Erbe zu der ewigen Freude aufnehmen. Du Volk, das du getaufet bist, und deinen Gott auch kennest, auch in dem Namen Jesu Christ, dich und die Deinen nenneft, nimm's wohl in Acht, und denk daran, wie viel dir Gutes sei gethan am Tage deiner Taufe. Amen. Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchgang. Aufmunterung. Wenn Gott eine Sechswöchnerin gnädiglich ihre Die Sechswöchnerin schicket sich 2c. 689 sechs Wochen erhalten, ihre Kraft ihr wieder gegeben, sie gestärket, sie und ihr Kind vor Unglück bewahret, daß sie nun ihren Kirchgang halten kann, so soll ja allerdings ihr Mund voll Rühmens sein, und den allerhöchsten Gott dankbar preisen und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bette gelegt, aber auch, wie Gott ihre Kräfte erneuert, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. 2) Sie soll gedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, jagargestorbensind, wenn aber Gott sie davor bewahret, soll sie des Lo= bens und Dankens nicht vergessen. 3) Wenn sie über das auch ihr Kind frisch und gesund siehet, so hat fie Ursache, diese hohen Wohlthaten Gottes demüthigst zu erkennen. 4) Ihr Kirchgang foll geschehen mit Andacht, einem dankbaren Herzen und lobenden Munde. 5) Sodann soll sie ihr Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten, Gott loben, sich und ihr Kind Gott befehlen, den Segen empfangen und hernach all der empfangenen Güte Gottes eingedenk bleiben. Sebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er an mir gethan hat? ja, der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. O du gnädiger und starfer Gott! ich will nun meinen Aus- und Kirchgang halten, dir in deinem Tempel zu danken für deine gnädige Hilfe und starken Beistand, den du mir haft erwiesen. Herr Gott! du hast mich glücklich Anhang. 44 Die Sechswöchnerin schicket sich entbunden, mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich lassen erblicken. Du hast, o du gnadenreicher Gott! diese sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahret, du hast mir die verlorenen Kräfte wieder gegeben, daß ich nun in gutem Wohlsein kann zu deinem Tempel mich nahen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörete mich und tröstete mich. Der Herr ist meine Macht, mein Pſalm und mein Heil. Herr! ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten; ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten, und dir in deinem Tempel für alle empfangenen Wohlthaten danken kann; ach Herr! nimm an das schwache Opfer meiner Lippen. Ach mein Gott! laß diesen Ausgang gesegnet sein, gib mir mit jedem Tage mehr Kräfte, laß mein Kind wachsen zu deinem Preis. Ich bringe dir an diesem Tage ein paar Turteltauben: mein danfbares Herz und meinen lobenden Mund; ach! verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer: 690 zu ihrem Kirchgang. Jesu Blut und Tod in wahrem Glauben; damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich schon in der heiligen Taufe gethan; ach! sei sein Vater, Pfleger, SchußzHerr, Erhalter und gnädiger Gott. Laß deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet sein über mich und mein Kind, laß uns vor dir leben, und deinen Namen preisen. Gib, daß ich dieser Wohlthat allezeit eingedenk sein und bleiben möge, damit ich im Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren, und darin auch meine Kinder erziehen möge. Gib mir und meinen Kindern deinen heiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder werden zu deiner Herrlichkeit eingehen in das neue Jerusalem, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, so lang ich lebe hier, den Herren preisen für und für; viel Gutes hat er mir gethan, viel mehr als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, und sonderlich zu diesemmal, hat er allein durch seine Hand das Unglück von mir abgewandt. Amen. 691 44* 692 Die gottselige Mutter danket Gott, Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Gott hat mein Gebet erhöret, Also sprech ich hocherfreut, Weil er das, was ich begehret, Gnädiglich verliehen heut; Nun erkennet mein Gemüthe Gottes große Gnad und Güte, Der betrübt, und doch zuletzt Uns in Freud und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret, Meine Traurigkeit und Klag Hat nunmehro aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernichtet, Mir ein Lachen zugerichtet, Der nach der betrübten Nacht Alles hat voll Freud gemacht. 3. Gott hat mein Gebet erhöret, Denn als ich in Nöthen schrie, Hat er sich zu mir gekehret, Und gesprochen: Ich bin hie; Ich bin hie, ich will dich retten, Und an deine Seite treten, Ich war, da du riefest mir, Gar nicht ferne mehr von dir. 4. Gott hat mein Gebet erhöret, Preiset mit mir Alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was uns ist noth, Der da liebreich den ansiehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu uns in Trübsal spricht: Seid getroſt, ich laß euch nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret, Traue ihm nur, wer du bist, Jch, ich bin nun jetzt gelehret, Daß er unser Helfer ist; Gott kann schützen und auch decken, Und zu unſrer Hilf ausstrecken Seine starke Hilfeshand, Die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret, Also sprech ich, wo ich geh, Meine Freud wird stets vermehret, Wenn ich seine Hilf anseh; Darum lern auf Gott vertrauen, Und auf seine Hilfe bauen, So wirst du auch gleich wie ich, Hilf erlangen gnädiglich. Die gottselige Mutter danket Gott, wenn ihr Kind entwöhnet wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu wenn ihr Kind entwöhnet wird. 693 beten, so erneuert sie das Gebet, wenn nun das Kind soll entwöhnet werden. Denn ist das nicht eine große Gnade, daß Gott die Milch dem zarten Kind gedeihen lassen, daß es nunmehr gewachsen, stark geworden, und an Kräften zugenommen, daß es ohne Milch kann mit Speise erhalten werden? Darum soll 1) eine gottselige Mutter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. 2) Sie soll Gott danken, sonderlich wenn sie ihr Kind selbsten gestillt, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben seinen Segen verliehen, ja dadurch ihr Kind hat gedeihen lassen. 3) Sie soll Gott anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise segnen, es laffen aufwachsen zu seinen Ehren, und wie es an Jahren zunimmt, auch sein Herz mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllen. 4) Und weil auch die Kinder sich um dieſe Zeit zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst gängeln, durch seinen heiligen Engel bewahren, vor schwerem Fall behüten, die gesunden und geraden Glieder erhalten, und also in seiner Gnade und Schutz von einem Alter zum andern gelangen lassen. Sebet. Barmherziger und gnädiger Gott, wie ist mein Herz erfreuet, daß ich nun auch die Zeit erlebet, da ich mein Kind der Mutterbrust entwöhnen kann. Oliebreicher Gott, du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zartes Leben gefristet, und 694 Die gottselige Mutter danket Gott zc. nunmehr so weit kommen lassen, daß es zu seiner Erhaltung stärkere Speise bedarf. Gelobet sei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen, und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen, habe Dank für deinen Schuß, habe Dank für deine Treue und Gnade. O Herr! du thust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbrust Speise und Trank in Milch verwandelst, und derselben eine nährende Kraft beilegest, daß die Kinder dadurch gelabet, erquicket und gestärket werden. Ach Gott! hast du nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeihen lassen, ach! so segne ihm auch die übrige Speise und Trank, dazu ich es angewöhnen will, gib, daß es sich dazu williglich bequeme, laß es auch dadurch ferner wachsen und mit jedem Tage, Woche und Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es will anfangen zu gehen, begleite es durch deinen Engel, halte es, wenn es fallen will, behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach! laß dieses mein Kind dir empfohlen sein, an Leib und an der Seele, stärke es auch an dem inwendigen Menschen, heilige es durch deinen heil. Geist, daß es in Gehorsam und Gottesfurcht sich gern erziehen lasse, nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge und höre; gib ihm deinen heil. Geist und ein frommes Herz, damit ich allhier Freude an ihm erleben und mit ihm zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Sehr groß, o Herr! ist deine Güte, die mich beschütet und behütet, ich will sie rühmen hier auf Erd, so lang ich Athem haben werd. Amen. Erinnerung und Trost für 2c. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott! 1. Der Herr, der große Gott, Der seinen reichen Segen Auf mich geschüttet hat, Als einen sanften Regen, Den preis ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind, In allem Wohlergehn Annoch im Segen sind. 2. Hat großes Ungemach Viel andere gedrücket; So hat mit seiner Gnad Der Höchste mich geschmücket; Die Milch, die süße Speis, O welche große Gnad, Ist's, welche Gott bisher Dem Kind geſegnet hat. 3. An mir und meinem Kind Sind Wunderding geschehen, Das muß ich diesen Tag Zu Gottes Preis gestehen, uns beide schätzet er, Er gab uns Kraft und Stärk, Bis er an uns vollbracht Sein großes Wunderwerk. 4. Gethan und auch geschenkt Hat Gott in jeder Stunde Viel Guts in reichem Maß, Ich rühm's von Herzensgrunde; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in seiner Hut, Er thut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater thut. 5. Deß bin ich fröhlich heut, Mein Gott, was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach segne uns hinfort, Ach sieh, wir sind ja dein. Ach laß uns deiner Gnad Allzeit empfohlen sein. 695 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Wenn Gott läßt Eheleute ohne Kinder sein, daß sie wie Abraham sagen: Herr, was willst du mir geben, ich gehe dahin ohne Kinder, 1. Mos. 15, V. 2., so sollen sie 1) gedenken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit können natürlich sein bei beiden Eheleuten, denn wie Gott nicht einerlei Natur allen Menschen gibt, also auch nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deßwegen mit Gott zufrieden sein, und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der 696 Erinnerung und Trost fie liebe und ihnen gewogen sei. Wie viele Bäumlein zieren den Garten, und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. Also sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gnade nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern weniger gibt; Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so theilt er aus. Gott hat sich vorbehalten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grabe, denn Niemand kann Todte auferwecken, als Gott; den Schlüssel zum Regnen, denn kein Götze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleib, da kann Niemand öffnen, wenn der Herr zuschließt, und Niemand zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ist aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daher abnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute gedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand besser kenne, als fie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie doch Gott vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in Erziehung der Kinder, als auch in Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemann viele Störungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Got für Unfruchtbare. 697 tesdienst verhinderten, ja, vielleicht würde das Kind viel Betrübniß machen, wenn es Gott nach seinem Rath wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennet, als sie selbst, so beweist er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gnade halten. 5) Sonderlich aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen, und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen. 6) Es sollen gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1. Tim. 2, V. 15. nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben und in der Liebe, und in der Heiligung sammt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber sollen durch Kinderzeugen selig werden; denn wir werden durch das Verdienst Jesu Christi, und um seines vergossenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Röm. 3, V. 24., Röm. 5, V. 1., und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja gar keine Jungfrau selig werden können, welches wider Gott und sein heiliges Wort ist, sondern führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich: Ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgelegt, darum, weil sich das Weib im Paradies verführen lassen, und die Uebertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott in der Geburt ihnen wolle beistehen, durchhelfen; sie sollen doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühlen, nämlich, wenn sie würden in solchem Stande bleiben im Glauben an den Herrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und die Menschen, 698 Erinnerung und Trost in der Heiligung des Lebens, und in der Zucht und christlichem Wandel. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten, und im Gebet anhalten. Etliche Bäume tragen gleich das erste Jahr, etliche aber nach Verfluß vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen. Werfet euer Vertrauen ( auf Gott) nicht weg, welches eine große Belohnung hat, Ebr. 10, V. 35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohlthaten gibt, sondern dem einen früher, dem andern später, also auch in diesen Gaben. 8) Hiebei sollen sich Eheleute auch fleißig hüten vor Mißvergnügen gegen ihren Ehegatten, wenn das Weib die Schuld auf den Mann, und der Mann sie auf das Weib schieben wollte, sondern bedenken, daß es Gott sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1. Mos. 30, V. 2.; deßhalben sie doch einander herzlich lieben und mit Gott zufrieden sein sollen, weil Keines von Beiden ohne Gottes Gaben, Segen und Willen etwas dazu thun kann. Absonderlich aber sollen sie sich auch vor Argwohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbtheilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegeneinander verharren, die Ohrenbläser abweisen und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal sein muß, eine Verordnung machen. 9) Läßt Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da die, welche Kinder haben, so oft am Gebet, am Gottesdienst und Erbauung durch die Kinder verhindert werden, so können sie desto mehr dem Dienst Gottes ungehindert und ungestört abwarten. 699 für Unfruchtbare. 10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen sein, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule schicken, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen, und auch vor Gott rühmen werden: diese haben mich bekleidet, ge= speiset und getränket, Matth. 25, 36. Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie etwa die Kinder nur als eine Gabe Gottes halten. Meinen fie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei; darum will er gebeten sein. Wenn hie christliche Eheleute mir wollten entgegensezen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten, und doch Kinder zeugen, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen kommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. Gottfelige Eheleute sollen es also hie machen, wie dort Isaak, von dem es heißt: Isaak aber bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaak, daß Kinder eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebekka, sein Weib, ward schwanger. 1. B. Mos. 25, V. 21. Dieses Alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen, sich gegen alles Murren, Ungeduld und Gemüthsunruhen bewahren. Erinnerung und Trost Gebet. Herr, Herr! was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder. Ach, mein Gott! ich sehe, wie du andern den Ehesegen mit reichem Maß zutheilest, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten, und nicht gegeben; Herr, Herr! laß mich doch dieses Alles mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kann, wenn du willst. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebt, und seine Gnade noch nie versagt hat; darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen, du weißest am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheeret hast. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr erfreuen, daß ich dich herzlich lieben, an dir all mein Ergößen und Vergnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieiniger Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens, ja laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein gnädiger Wille über mir sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich jedoch ihn herzlich liebe, ihn für mein Kind halte, und ihn lieber habe, als zehn Söhne und Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten, und du mich je dennoch 700 für Unfruchtbare. 701 zu einer fruchtbaren Mutter machen, an mich wie an Hanna gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber keinen Erben geben, Herr! so soll das mein Erbe sein: daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Theil sein. Herr, Herr, es ist dir Alles möglich; hast du Sara und Elisabeth über die Zeit der Natur laſsen schwanger werden, so ist dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. Herr, laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir danken mein Lebenlang, und sie dir zum Preis und Ehren erziehen; ich will sie dir durch die heil. Taufe wieder schenken. Laß mich nicht scheel sehen, wenn du andern das Haus voll Kinder gibst, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, Herr, deine Güte sei über uns, die wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Schande. Ist's mir nüßlich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte; ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kein Kind abzwingen, ja, ich will wider deinen gnädigen Willen nichts, und auch keine Kinder haben. Herr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach, schick es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld faffe, bis du mir deine Hilf erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen, denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, so hat er schon den Schluß getroffen, er weiß die beste Zeit und Ziel; 702 Erinnerung und Trost ich harr auf ihn, denn so betrügt die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt, wird mir nur geben der allerhöchste Wunder- Gott ein fröhlichs Herz, gesundes Leben, und was sonst meiner Seele noth; das Uebrige, wie er es fügt, befehl ich ihm, ich bin vergnügt. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach Herr, was willst du mir geben, Weil ich ohne Kinder bin? Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin; Andre muß ich fröhlich sehen, Und mit Kindern einhergehen, Aber ich geh ganz allein, Und muß stets bekümmert sein. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind zu sehn, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin und her zu gehn; Dieses pflegt mich zu ergößen, Und in tausend Freud zu sehen, Doch die Freude hab ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum thust du an mir minder, Als an Andern, lieber Gott! Andre haben viele Kinder, Die kaum haben täglich Brod; Mir gibst du sonst großen Segen, Aber auch mein Gott hingegen Gibst du mir nicht diese Gab, Die ich oft erbeten hab. 4. Ach, mein Gott, ich will nicht fragen, Thue nur, was dir gefällt. Ich will dieses gerne tragen, Alles sei dir heim gestellt; Ach, du weißest mein Begehren, Willst du mir's, mein Gott, gewähren, So geschehe, Herr, dein Will, Deinem Willen halt ich still. 5. Laß, o Herr, mir deinen Willen Immerdar vor Augen sein, Deinen Willen lassen stillen, Was mein Wollen wendet ein; Ja, laß mir, o Gott, in Allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Daß ich christlich mich bezeug, Und gelassen stille schweig. 6. Ich will nichts von dir erzwingen, Gib mir ja kein Kind im Zorn, Es möcht mir sonst Jammer bringen, Und mir sein ein scharfer Dorn, Der mein Lebenlang mich 703 für Unfruchtbare. stäche, Und mir mein Vergnügen bräche; Was mich martert, quält und sticht, Lieber Gott, das gib mir nicht. 7. Ich weiß, daß du mich noch liebest, Daß ich steh in deiner Gnad, Ob du mir schon das nicht gibest, Was mein Herz gebeten hat; Hab ich dich, o meine Wonne! Mein Gott, meine Freuden- Sonne! So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein in Jesu laben, Dem schenk ich mein Herz und Lieb; Jesu, deine Lieb und Schöne Ist mir lieber als viel Söhne; Wenn ich Jesum bei mir hab, So hab ich die größte Gab. Nun, mein Gott, ich bin zufrieden mit dem mir bestimmten Theil, Welchen du mir hast beschieden, Alles dient zu meinem Heil, Darum will ich dir vertrauen, Und auf deine Hilfe bauen, Mach mein Herz vertrauensvoll, Gib mir, was ich haben soll. 10. Indeß will ich Jesum lieben, In Gott haben meine Freud, Mich in Lieb und Glauben üben, und durch stille Mildigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß sie Gott zu Ehren leben, Ihnen helfen Gott zum Preis, Durch mein Wohlthun, Treu und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat, Wer weiß, was er mir noch schenket, Wer weiß, was da seine Gnad Mir noch zugedacht zu geben, Wer weiß, werd ich noch erheben Nach der Hilfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund. 12. Herr, erhöre dieß mein Flehen, Ach, nimm meine Seufzer an, Lasse meine Bitt geschehen, Du bist's, der mir helfen kann. Doch laß mich in allen Fällen, Alles, dir, mein Gott, heimstellen, Daß ich, wie es immer geh, Spreche: Herr, dein Will gescheh. Register der Gefänge. Ach Herr! was willst du mir geben Ach! hilf mir in dieser Stunde Der Herr, der große Gott Die Nacht ist nun verschwunden Gelobet sei der große Gott Gott hat mein Gebet erhöret Gott wird mich nicht verlaffen Herr Jesu! wahres Licht Ich danke dir, mein Gott ● Ich erblick die helle Sonne Ich weiche nicht von Gott Ich will stets mit Gott umgehen Mein Gott ist ja bei mir Sieh, die Sonn will von uns gehen Wie hat der große Herr und Gott Wir haben einen Gott, der hilft • Register der Andachten. Andachten für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet Tägliche Betrachtung einer Schwangern Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hilfe Andachten für Gebärende. ● Andacht bei herannahender Geburtsstunde Trost bei herannahender Geburt Seufzer vor der Geburt Ein Anders Seufzer bei und unter der Geburt Ein Anders Ein Anders Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin danket Gott für ihre glückliche Entbindung Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet • Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet Gebet, ehe das Kind zur heiligen Taufe gelanget Gebet, wenn das Kind die heilige Taufe empfangen hat • ● ● ♦ ♦ ● ● ● ● ● ♦ . 676 ● ◆ ● Seite 702 642 695 681 ● . 599 603 607 613 617 621 625 629 633 692 628 685 620 602 624 612 637 606 616 632 672 . 677 . 682 687 688 Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchgang 688 Die gottselige Mutter danket Gott, wenn ihr Kind entwöhnet 692 Erinnerung und Troft für Unfruchtbare 695 638 643 644 645 647 648 650 651 Inches Centimetres Blue ¹2 3 4 Cyan 2 5 44, 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White | 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8