Gb 69 8 Text und Consistorialis zu Frankfurt am Main. Pfalm Leichentert Pf. 28, V. 7. Johann Friedrich Stark, Evangelischer Prediger Tägliches Band- Buch, in guten und bösen Tagen das ist: Aufmunterungen, Gebete u. Gesänge, 1) für Gesunde, 3) für kranke; 2) Für Betrübte; 4) Für Sterbende; wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen nebſt Fest- Andachten. Viele schöne Buß-, Beicht-, Kommunion-, und Wettergebete, Morgen- und Abendandachten auf alle Tage in der Woche, Troft- und Erquickungsgebete samt Gesängen und Kriegs, Teurungs-, Peft- und Friedens- Gebete, bei allen Angelegenheiten nützlich zu gebrauchen und mit Kupfern geziert. Von Johann Friedrich Stark, Evangelischen Prediger zu Frankfurt am Main. Stereotyp- Ausgabe. Reutlingen. Druck und Verlag von Enßlin und Laiblin. Gb 692 Univ.- Bibl. Giessen Vorrede. Hiemit lege ich dem Leser mein tägliches Hand- Buch zum zwanzigsten Male dar. Zwar scheinen die gegenwär tigen Zeiten den Gebet- Büchern gar nicht geneigt zu sein, indem ein Theil der Leute bei dem Aufstehen eher an seine Geschäfte, als an das Gebet denkt, vor dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen so geschickt wären, ohne Hülfe eines Buchs aus ihrem Herzen ein Gebet abzulegen, und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so können sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber auch dazu nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christenthum, irdisch gesinnt und ungeschickt zu allem Guten werden, sondern, weil sie sich nicht durch's Gebet Gott heiligen und übergeben, so kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und jede Sünderin zu Eitelkeiten und fündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun solchen in die Welt verflochtenen Leuten eine 6 Vorrede. Aufmunterung und Anleitung zum Gebet nöthig ist- ſo dient eine solche auch Kindern Gottes, die aus dem Herzen zu beten wissen. Denn, wenn sie ein Morgen- oder AbendGebet lesen, so erweckt es bei ihnen verschiedene fromme Betrachtungen und gute Gedanken, die ihnen sonst nicht beigefallen wären. Hiemit aber ist ihre Andacht nicht bes endigt, sondern sie tragen Gott insbesondere ihr besorgliches Leiden, ihre Bekümmerniß, ihre obschwebende Gefahr, ihre betrübten Umstände und die der Jhrigen vor; seßen sie noch eine andere Betrachtung dazu, so wird, wenn dieses mit Andacht geschehen, die Seele den ganzen Tag hindurch erquickt, belebt und bei Gelegenheit an das Gelesene erinnert werden. In dieser Nosicht habe ich, auf Anrathen Gottliebender Freunde, in dem ersten Theile dieses Handbuchs eine Nenderung vorgenommen. Sie meinten, es wäre besser, auf einen jeden Tag noch ein Gebet, als nur immer Ein Morgen- und Abend Gebet zu haben; ihr Wunsch war, daß die besonderen Betrachtungen mit jedem Tage verbunden werden möchten, weil sie sonst gar ausgeseßt bleiben. Ich habe demnach dieses Alles mir gefallen lassen, und nicht allein für einen jeden Tag eine Morgen- und AbendAndacht bestimmt, sondern auch demselben zwei besondere Betrachtungen beigefügt, damit die Leser mit denselben abwechseln, oder auch ihre Andacht des Tages dreimal erneuern und unterhalten können. a Außer dieser Versegung der Betrachtungen habe ich in dem Werk wenig geändert, außer, daß ich die Poesie, wo sie zu hart klingt, gemildert habe. Borrede. 7 Und weil man zu diesen Zeiten so viel von Kriegsgefahr, ansteckender Seuche und Theurung, mit denen Gott die Länder heimsucht, vernimmt, so hat der Herr Verleger dafür gehalten, es sei wohlgethan, wenn man andächtigen Seelen in solchen Jammer- Stunden Anleitung gebe, die Noth des Nächsten und ihre eigene Noth in Bitte, Gebet und Fürbitte vorzutragen. Und da uns der getreue Gott in unserem deutschen Vaterlande den edlen Frieden geschenkt hat, so habe ich auch zu diesen Freuden- Festen eine Andacht hinzufügen wollen. Eben um dieser Ursache willen ist diese Auflage auch mit Fest- Andachten vermehrt worden, damit in solchen Tagen der müde Geist in Gott erfreut, irdisch gesinnte Menschen aber erinnert werden mögen, wie Festtage keine Spazier-, Lauf-, Sauf-, Spiel- und Tanztage, sondern Bet, Lob und Danktage sein sollen. Es scheint, die bösen Gewohnheiten bleiben ein sündliches Erbgut, welches eine Zeit der andern überliefert, so daß man mit Nicolaus von Clemangis noch dieselbe Klage führen muß, daß an teinem Tage mehr Sünden getrieben werden, als an Sonn- und Festtagen. Du aber, o dreieiniger Gott! wirte in allen Betenden eine herzliche und inbrünstige Andacht. Lasse die Gesunden in den Tagen, in denen du sie mit Wohlergehen begnadigt, in deiner Erkenntniß mit Liebe zunehmen und sich Schäße sammeln, damit sie sich in Noth und Tod aufrichten können. Erfreue die Betrübten in ihren Jammer- Stunden; versichere fie deiner Allmacht, Weisheit und Treue. Ueberzeuge die Kranken von deiner ewigen Liebe und lasse die Sterbenden Borred P. 8 nach dem Vorbilde Jesu sich dem Willen des Vaters übergeben. Umfaffe, treuer Vater! alle Betenden mit deiner Gnade. Schließe sie, o Jesu! in deine Wunden ein, und lasse, o Geist der Gnade und des Gebets! fie deiner Gemeinschaft im Leben, Leiden und Sterben beständig genießen. Amen. Start. Seele Ju weideft mich auf einer grünen ye und führet mich gum frischen Basser. Walm 23.2. Jefus Weist du micht duk dich Gottes Büte zur Buße lettet? Rom. Bist du gesund von Leib u. fröhlich von Gemüthe, So such' der Seelen Heil und preise Gottes Güte. Erster Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für Gesunde. Vor- Sabbath. Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienste vor. Aufmunterung. Psalm 27, V. 4. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen.. Schon im Paradies haben die ersten Menschen mit Gott umgehen, mit Gott reden und beten gelernt. Nach dem Sündenfall vereinigten sie sich zur Gottes Verehrung an den Altären und brachten zum Zeichen ihres Dankes für göttliche Wohlthaten die Opfer dar. 1 Mofis 3, 3-4. Diese Opfer geschahen nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten sie ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben und blickten vom Blut der Opferthiere auf den künftigen Der glaubige Christ bereitet sich Versöhner und Erlöser hinaus. Sie erhuben Blicke und Herzen zu Gott im Himmel und predigten allda den Namen des Herrn. Hiezu wurde sofort der siebente Tag bestimmt, als welchen Gott selbst zur Ruhe geheiligt hatte, nachdem er in sechs Tagen die Welt erschaffen hatte, und am siebenten ruhte. Diese Art des Gottesdienstes ist immer von den Erz- Vätern beibehalten worden, bis Gott in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten ließ, nach deren Bild Salomo hernach den Tempel erbaute. Im neuen Testamente feiern die Christen Gott dem Herrn auch einen Tag, nämlich den Sonntag, als an welchem Tage Christus auferstanden, und der heilige Geist ausgegossen worden ist; wenn nun ein solcher Tag herbei kommt, so soll ein glaubiger Christ 1) am Sonnabende bei Zeiten Feierabend machen, sein Gemüth von irdischer Sachen frei machen und seine Arbeit niederlegen. Er soll 2) sich auf den bevorstehenden Sonntag mit Beten vorbereiten, und Gott loben für die vielen Wohlthaten, welche er die Woche über empfangen hat. Er soll 3) dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man am Sonntage erklärt, in der Bibel nachschlagen und darüber eine Betrachtung anstellen, und sich so zu andächtiger Anhörung des göttlichen Worts vorbereiten. Er soll 4) in Zeiten sich mit solchen guten Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sonntage desto früher und erweckter bei dem Gottesdienste erscheinen möge. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, da12 zum Gottesdienste vor. für, daß du mich die vergangenen sechs Tage hindurch so gnädig erhalten und die Arbeit meiner Hände so riechlich gesegnet hast. Du hast meinen Ein- und Ausgang bewahrt, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe u. preise ich dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte! weicht von mir, ihr Sorgen! jetzt bau' ich Gott in meinem Herzen einen Tempel auf; es soll ein Bethaus werden, in welchem ich meinem Gott allein dienen will. Ich vergesse, was dahinten ist; ich lege meine Arbeitslasten und Handthierung nieder, und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott empor, um mich in Ihm zu erfreuen. O der unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hatt! diese Ruhe ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese, wo wir ohne mühsame Arbeit allezeit Gott zu dienen und zu loben beschäftigt gewesen wären. Diese Ruhe ist ein Bild der fünftigen Himmelsruhe; denn es ist 13 Der glaubige Christ bereitet sich den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben anfangen wird; da werden sie von Aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen und von Sünden befreit sein. Ach, gnädiger Gott! lasse mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, damit nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich von dem Gottesdienste abhalten möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christenthume, zu deinem Lobe und Dienst angeordnet hast, nicht in Müßiggang, Faulheit, leppigkeit, Lustbarkeit und Sünden hinbringen, und nicht dadurch meiner Seele den größten Schaden zufügen möge, sondern gieb mir deinen heiligen Geist, damit ich den ganzen Tag, vom Morgen bis zum Abend, dir aufopfere und zu deinem Dienst anwende. Wecke mich frühe auf, damit ich als der erste zum Lob, zum Gebet und zum Gesang bei dem Gottesdienst erscheinen möge. 14 zum Gottesdienste vor. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und wenn sich je einige melden, daß ich sie durch deine Kraft wegtreibe; oder wenn ein Nachbar käme, der ein irdisches Geschwäß mit mir in deinem Tempel anfangen wollte, so verleihe mir Kraft, daß ich ihm kein Gehör gebe, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Dienst erwecken und aufmuntern möge. Wenn dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen, als einen theuren Schaß darin bewahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntag auch in meinem Christenthum mich erbaue, in der Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen mache, auf daß ich, wie an Jahren so an dem inwendigen Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen und eine neue Kreatur, ja, ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. Lasse mich mit An15 Der glaubige Christ bereitet sich 2c. dacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutſam bewahren und den Tag mit Gebet und Lobgesängen beschließen. Ach, laß mich stets des angehörten Wortes eingedenk bleiben, damit ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun und mich so beweisen möge, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts sei. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmels- Freude zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher einführen wirst. 16 Ich will in Gottes Haus Mit Gottes Kindern gehen, Ich will in reinem Schmuck Vor dem Altare stehen, Mein Herz soll hoch vergnügt In seinem Willen ruhn, Der Leib soll nichts als Noth- Und Liebeswerke thun. Komm' heute in mein Herz, Du König aller Frommen! Laß mit dir Segen, Heil Und Seelen Frieden kommen; Die Sonne deiner Gnad' Rehr heute bei mir ein, So wird mir dieser Tag Ein rechter Sonntag sein. Amen. = Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringt mir lauter Freude, Es ist mein größter Trost Weide, Es ist mein liebster Schat, hab', Der mich erquicken soll, Bis Grab. Und meiner Seele Den ich auf Erden man mich trägt ins Morgen- Gebet am Sonntag. 17 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wenn sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaube diesem Wort Und lebe nach dem Wort, So leuchtet mir sein Licht An jenen Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Mit dem ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterkeit In meinem Herzen habe. Wie süß ist's meiner Seel', Wenn sie in Trübfal steckt, Wenn mir des Trostes Quell' Im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schaß, Groß über alle Schäße, Daran ich mich allein In Noth und Tod ergöße; Den Schaß raubt mir kein Feind, Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Nach diesem Lebenswort Will ich hienieden gehen, Es soll mein Leitstern sein, D! darnach will ich sehen, Wozu es mich anweis't, Das thu' ich ungescheut, Und meide dann mit Fleiß Das, was es mir verbeut. 6. Ach! nimm doch nicht hinweg, Das Wort von meinem Munde, Ach! laß es sein mein'n Trost Bis in die Todesstunde; Wenn sich mein Mund verschließt, nimmt keine Speise ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise sein. 7. So hab' ich Unterricht, So lang ich werde leben, Ich hab' auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben; Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Herr, das gewähre mir In jener Herrlichkeit. Morgen- Gebet am Sonntag. Aufmunterung. Psalm 5, V. 2. 3. Herr! höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will vor dir beten. Unser ganzes Leben soll nichts anders als Beten und Danken sein; nämlich daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet um seinen Segen, seine Hilfe, seinen Beistand und seine Gnade anrufen, und, wenn wir solches erlangen, daß wir ihm herzlich dafür danken sollen. Darum, glaubiger Christ! wenn du des Morgens von deinem Schlafe erwachest, so erStark's Hdb. 1r Thl. 2 18 Morgen- Gebet am Sonntag. hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen gen Himmel empor, denke nicht sogleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle zuerst auf deine Knie nieder, dante Gott und empfehle dich seinem gnädigen Schuße. Denke nicht, du versäumest viel, wenn du eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesen eines Kapitels der Bibel, oder in Johann Arndts wahrem Christenthum anwenden solltest. D nein! die auf's Gebet verwendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder hereingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachst und des Morgens gesund aufstehst, so denke 1) wie viel fromme Christen, welche vielleicht frömmer als du sind, die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht haben, du aber dergleichen diesesmal nicht erfahren hatteſt. Dente 2) wie andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal gerathen find, dir aber fehlet nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, damit du an demselben dich gegen ihn oder den Nächsten nicht verfündigen mögest. Bitte 4) Gott, er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufs- Wegen segnen. Ja, übergieb dich 5) Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn gedenken, und mit Wissen und Willen nicht beleidigen mögest, und dann zweifle nicht, daß der Herr dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen wird, das dir an Leib und Seele nüßlich und selig sein wird. gand 19 Morgen- Gebet am Sonntag. Herr! frühe wollest du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Allmächtiger gnädiger Gott! du bist würdig, zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre, wer sollte dich nicht fürchten? du König der Heiden, wer sollte dich nicht ehren? O liebreicher Vater! ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demüthigem Danke, daß du in dieser Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen, und deine Güte und Treue wieder an mir haft neu werden lassen. Begleite und schüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laffe diesen Tag besonders einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele sein. Du haft nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, damit du dein Werk in mir haben mögeft. O! darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, damit ich Schäße sammeln möge, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Morgen- Gebet am Sonntag. Motten noch Rost fressen, denen die Diebe nicht nachgraben oder sie stehlen. Ich freue mich dessen, was zu mir geredet ist, daß wir hinauf in das Haus des Herrn gehen werden, und meine Füße in deinen Thoren, Jerusalem, stehen sollen. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, um die schönen Gottesdienste zu schauen und seinen Tempel zu besuchen. Mein Gott! es soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zur Ehre Lob- und DankLieder anzustimmen, eifrig zu beten und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich find deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott; laffe mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Worts werden. Deffne mir das Herz, wie der Lydia, damit ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme, schließe sodann mein Herz zu, damit mir ihn Satan nicht wieder raube. Lasſe mich heute in meinem Christenthume, in 20 Morgen- Gebet am Sonntag. der Erkenntniß Jesu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verläugnung meiner selbst, im Absterben der Welt einen festen Grund legen, damit ich die fünftige ganze Woche daran gedenke, es ausübe und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schickt, damit ich meine dir geheiligten Stunden der Welt nicht überlasse, oder ihrer fündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zur Ehre hinbringen soll, aufopfere und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte. Ach! laffe meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selbst, o Jesu! mein Lehrer, damit ich an dem inwendigen Menschen zunehme, damit ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. 21 Heiliger Geist, du Himmelslehrer, Mächtiger Tröster und Bekehrer, Ach! laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung sein. Amen. 22 Morgen- Gebet am Sonntag. Gesang. Mel. Wach' auf mein Herz und singe. 1. Die Nacht ist nun vergangen, D'rum will ich gleich anfangen, Mit Singen und mit Beten, Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleichwie die Mütter pflegen Die Kinder sanft zu Legen; Nach ihnen oft zu sehen, Und um ihr Bett zu stehen. 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben; Ich hab in Schuß und Segen In seinem Schooß gelegen. 4. Mein Herz und mein Gemüthe Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns Dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schuß erhalten. 6. Laßt uns den Tag hinbringen, Mit Loben, Beten, Singen, In Glaub' und Liebe stehen, und keine Sünd' begehen. 7. Erheben sich die Glieder, D Gott! so kommt oft wieder Die Unruh', Kreuz und Sorgen Schon an dem frühen Morgen. 8. Ach! hilf mir Alles tragen, Wend' ab des Kreuzes Plagen, Und laß nach Angst und Weinen Die FreudenSonne scheinen. 9. Leit' mich auf guten Wegen, Und gieb mir deinen Segen, Auf daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du wollst mein Herz regieren, Mit Gottes Liebe zieren, Daß ich mich dir ergebe, Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott! erhör' mein Flehen, Und laß die Bitt geschehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. Der glaubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. Aufmunterung. Psalm 84, V. 1. 2. 3. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhe Tag in der Woche bestimmt hat, an welchem er von aller Arbeit, Last und von allen Bemühungen befreit sein soll, ja er hat auf dieſen Tag auch einen besondern Segen gelegt, welches Segens diejenigen werden theilhaftig werden, welche ihn andächtig zubringen. Je mehr nun dieses eine Wohlthat ist, um so mehr soll ein wahrer Christ sich hüten: 1) daß er den Tag nicht in Trägheit und Müßiggang zurücklege; denn so helten Pferde und Ochsen und andere Last- Thiere den Sonntag. Er soll sich hüten 2) daß er den Tag nicht zu unmäßigem Essen, Trinken, oder zu leppigkeiten mißbrauche; denn was alle Tage Sünde ist, das ist am Sonntage doppelte Sünde. Er soll sich hüten 3) daß er nicht den Sonntag mit Arbeit oder mit irdischen Geschäften zubringe, wie mit Spazierenfahren, Schuldeneintreiben, Durchgehen von Rechnungen, Bestellen von Arbeitsleuten, denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Hiezu ist zu rechnen, wenn man am Sonntage gerne Gastmähler anstellt, gerne zu Gaste geht, oder spielt, tanzt, Lustige Gesellschaft sucht; dieses alles hindert die Seelen an ihrer Erbauung, an der Ruhe in Gott, an dem Wachsthum = 24 Der glaubige Christ bringt in Christenthum, und solche Freuden sind ganz dem Endzwecke des Sabbaths entgegen, und die, welche solches thun, sind noch keine rechten Kinder Gottes sondern Namen- Christen, welchen, wie sie sagen, kein Tag so lange wird, als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß den Tag besser, nämlich zur Ehre Gottes und zu seiner Seele Wohl anzuwenden; 1) zur Ehre Gottes mit Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthat Gottes, die er die Woche und die Zeit seines Lebens hindurch empfangen hat; 2) zu seiner Seele Wohl, dadurch, daß er den Tag zum Anhören des göttlichen Worts widmet, damit er in der Erkenntniß und in seinem Christenthum zunchmen möge. 3) Dieses Alles aber soll er thun, nicht etwa eine oder eine halbe Stunde lang, sondern den ganzen Tag hindurch, denn das dritte Gebot redet von dem ganzen und nicht von dem halben Tage. Ach gewiß! an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen. Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen gedrückt hat. Die Alten haben gesagt: Wie du dich hältst zu Gottes Wort, So geht im Haus die Nahrung fort!" 4) Nachdem man Gottes Wort gehört hat, so behalte man es in einem feinen guten Herzen; man lebe danach, und bringe dieſe Lebens- Regel alsbald in die Uebung, und sammle sich dabei einen Vorrath an Trostlehren und Machtsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen könne. " 1 Gebet. Dieses ist der Tag, den der Herr ge= macht hat; lasset uns freuen und fröhlich an demselben sein. Heute ist des Herrn den Sonntag andächtig hin. Tag, und der mir von Gott geschenkte Ruhetag, deßhalb will ich ihn zu Gottes Ehre mit Danken und Beten hinbringen. Ich danke dir, o Gott! für die vielen Gaben, welche du an diesem Tage mir ertheilet hast. An einem Sonntage ist Jesus, mein Heiland, aus dem Grabe auferstanden und der heilige Geist über die Apostel ausgegossen worden, darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist, und der Mittheilung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ausgegossen worden ist. Ich danke dir für dein heiliges reines Wort, das du an diesem Tage zum Unterricht u. zur Erbauung meiner Seele verkündigen läsfest. Ich danke dir für alle leiblichen u. geistlichen Wohlthaten, die ich mein ganzes Leben hindurch von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführt, erhalten, und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan hast. D wer kann doch deine Wohlthaten alle 25 Der glaubige Christ bringt nennen, die da unzählig sind! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bet- Tag sein. Ich bitte dich, mein Gott und Vater! Lasse mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen. Behüte mich vor Verführungen, vor eitlen Gedanken, bösen Gesellschaften, ach! daß alle meine Adern, Zungen und meine Blutstropfen Stim men wären, um dich, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! zu loben und zu preisen. Ach, daß keine Stunde vergienge, in der ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegle in meinem Herzen das gehörte Wort, damit ich fleißig an dasselbe denke, mein Leben und meinen Wandel darnach einrichte; and da ich nun eine Woche älter geworden bin, so gieb, daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe und Frömmigkeit zu nehmen, und an dem innern Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gieb mir deinen heil. Geist, der mich in der fünf tigen Woche und die ganze Zeit meines Lebens hindurch daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gieb deinen 26 Univ.- Bibl. Giessen den Sonntag andächtig hin. Segen zu meiner Arbeit und zu meinen Verrichtungen, und lasse mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre ferner erleben, bis ich endlich dahin gelangen werde, wo ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbath im Himmel feiern werde. 27 Heut' ist des Herren Ruhetag, Vergesset aller Sorg' und Plag', Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Hallelujah! Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. Der Sonntag ist des Herren Tag, Den läßt uns Gott erleben, Damit ein jeder ruhen mag, Dazu ist er gegeben; Ach bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Bemüth und Sinn Gen Himmel sich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh und Rast Zu seinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeitslast Aus großer Gnad' befreiet; Hier soll von allem seinem Thun Der Herr und das Gesinde ruh'n, Und sich in Gott erbauen. 3. Verflucht ist, der ein Werk vornimmt, Das Gott nicht selbst erlaubet, Und der die Zeit, die Gott bestimmt, Durch Arbeit ihm geraubet. Wer Wollust, Wucher, Sünde sucht, Der ist und bleibt von Gott verflucht, Und wird ohn' Segen bleiben. 4. Dieß aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil uns're Seel in Gott soll ruh'n, Mit Lesen, Beten, Singen; Man höre fleißig Gottes Wort An dem von ihm bestimmten Ort, Und diene Gott von Herzen. 5. Am meisten denk' an Gottes Macht, Wenn dein Aug' um dich schauet, Wie er die Schöpfung hat voll 28 Der glaubige Christ bringt 2c. bracht, Da er die Welt gebauet, Mit Wolken sie schön eingehüllt, Mit reichen Gaben angefüllt Zur Freude aller Menschen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Christ An diesem Tag erstanden, Und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt. Wohl dem, der gläubig das erwägt, Und Jesum dafür preiset. 7. Der heil'ge Geist ist sichtbarlich Am Sonntag ausgegoffen, O Reichthum, welcher gnädiglich Auf uns auch tommt geflossen. Denn dieses Geistes Kraft und Licht Versaget uns der Höchste nicht, Zum Glauben uns zu bringen. 8. An diesem Tage sollst auch du Dich deiner Tauf erfreuen, Und in der stillen Seelenruh' Den Bund mit Gott erneuen, Und denk' daran die ganze Woch', Ja, auch so lang du lebest noch, Erfreu' dich deiner Taufe. 9. Hiebei erwäge allezeit, Was Gott dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit Erhält annoch dein Leben, Wie er dich schüßet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt, Und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christenthum An diesem Tag zunehmen, Und dich zu deines Gottes Ruhm, Der Frömmigkeit nicht schämen; Du sollst in Gottes Tempel steh'n Wenn Andere der Sünd' nachgeh'n, Und sein Wort fleißig lesen. 11. Dem Wort gieb in dem Herzen Plaß, Und zeig' es in den Früchten, Und sammle in dir einen Schaß, Der dich einst kann aufrichten, In Traurigkeit, in Angst und Noth, In Krankheit, Trübsal und im Tod, Ja, auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnädig sein, Es ftellet fich der Segen, Ach, glaub' es, bei dir reichlich ein Auf allen deinen Wegen, Und so wirst du beglücket steh'n, Und als ein Gottes Kind eingeh'n Zur wahren Sabbaths- Ruhe. 2 S 29 Der glaubige Christ erwägt den dreifachen Sabbath. Aufmunterung. Hebr. 4, V. 9. 11. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß thun einzukommen zu dieser Ruhe, daß uns keiner dahinten bleibe. Wenn ein wahrer Christ den Sonntag Gott wohlgefällig zubringen soll, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist. 1) Ein wöchentlicher Sabbath, indem er den Sonntag zur Betrachtung der Wohlthaten anwendet, welche er von Gott empfangen hat. Es ist aber 2) auch ein täglicher oder geistlicher Sabbath zu feiern, welcher aber nicht darin besteht, daß man gar die Arbeit unterlassen und immer feiern solle, sondern unter dem täglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch von Sünden feiert. Wie er den Sonntag ferner von der Hand- Arbeit feiert, so feiert er alle Tage fern von Ueppigkeit und Bosheit. Er hütet sich, daß er nichts Böses gegen Gott und den Nächsten rede; daß er nichts Böses, weder allein noch in Gesellschaft anderer Leute thue; daß er sich auch durch Andere nicht verführen lasse, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt erhalte. Wie er nun dieses meidet, so befleißigt er sich, unter seiner Arbeit öfters an Gott zu denken, zu Gott zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tägliche Sabbath, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun den wöchentlichen Gottesdienſt andächtig, und diesen täglichen Sabbath eifrig gefeiert hat, der kann versichert sein, er werde 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die glaubigen und auserwählten 30 Der glaubige Christ erwagt Kinder Gottes von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und von aller Trübsal, von aller Sünde befreit, Gott von Angesicht zu Angesicht schauen, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen werden. O ein heiliger und herrlicher Sabbath, der niemals gehört werden wird! Nun dahin werden diejenigen gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesu bis in den Tod verharren werden. Gebet. Heiliger und barmherziger Gott! da ich heute an diesem Tage den Sabbath und Ruhe- Tag feierlich begehe, an dem ich, nach deiner heiligen Verordnung, von aller meiner Wochen- Arbeit befreit bin, damit ich mich aus deinem Worte erbauen und in dir erfreuen möge, ach, so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich diesen Tag in wahrer Andacht, mit Anhören, Lesen und Betrachten deines heiligen göttlichen Wortes hinbringen, und dagegen alle sündlichen Zerstreuungen, leppigkeiten, böse Gesellschaften und Sünden meiden möge! Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, an dem ich von Sünden ruhen und lassen und dir meinen Leib und Seele, wie den dreifachen Sabbath. auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun, mein Gott! das soll hinfort durch deine Gnade meine tägliche Beschäftigung sein, daß ich deinen, nicht meinen Willen thue, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, und mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögeft. Ach Gott! gieb, daß dieser geistliche und tägliche Sabbath meines Herzens niemals gestört werden möge. Bete du in meinem Herzen, singe in meinem Herzen, lehre in meinem Herzen, so ist mein Herz ein dir geheiligter Tempel. Wenn ich dann nun noch deinem Rathe meine Lebenstage und zugleich auch diesen geistlichen Sabbath geendet haben werde, so führe du mich, o Gott! zu dem himmlischen ewigen Sabbath ein, wo wir in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude in dem Tempel der Herrlichkeit dich preisen werden; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln u. Cherubinen anstimmen. Ach mein Gott, lasse mich dereinst zu dieſer Seligkeit gelangen! 31 Abend- Gebet am Sonntag. Da wird sein das Freudenleben, Da viel taufend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Die da stehn vor Gottes Thron, Wo die Seraphinen prangen, und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. 32 Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit Gott umzugeh'n Zu ihrer Ruh' erwählen; Der Tag der heilig ist, Den Gott selbst hat gemacht. Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2. An diesem pflegen sie Ganz früh vor Gott zu treten, Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten; Ihr Herz ist von der Erd' Allein zu Gott gericht't, Es freuet sich in ihm und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird hierauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt, Von ihnen angefangen, Da sie von Sünd' und Schand' Und von der Bosheit ruh'n, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er währt durch's ganze Leben, Indem sie alle Stund' ihr Herz zu Gott erheben; Des Herzens Harfe spielt, Die Zunge Lobet Gott, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird Nach diesem erst angehen Dort in der Seligkeit, Wo selbst die Frommen stehen In großem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleid't, Wo Ruhe, Fried' und Freud' Sie labt in Ewigkei 6. Wohlan! wer einst auch will Zu dieser Ruh gelangen, Der muß den Sabbath hier, Wie sich's gebührt, anfangen, Er sei und bleibe fromm, Und nehm im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbaths- Ruh'. Abend- Gebet am Sonntag. Herr! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich Abend- Gebet am Sonntag. geneiget. O du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschen- Kindern erzeigeft! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, nachdem du an dem vergangenen Tage mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen haft; du hast meine Seele mit dem Brode des Lebens gespeist, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort war meinem Munde süßer, als Honig und Honigseim. Ach! laß dein Wort durch die Zeit meines ganzen Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, damit ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln, oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Grretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin aller Barmherzigkeit nicht werth, die du an mir gethan haft. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so trete, o mein Schuß! mir zur Seite; habe Acht auf mich und schließe mich in deinen Schuß Start's Hdb. lr Thl. 33 34 Abend- Gebet am Sonntag. ein; lasse mich beständig ein Licht in dem Herrn sein, und keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß haben. Lasse dein Wort, das ich gehört und gelernt habe, künftig in mir als heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, in Gottesfurcht, im Absterben der Welt und in einer heiligen Uebergabe an dich wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten gegen die Hiße und Anfechtung und gegen die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuers- und Wassers- Noth und alles Unglück von mir und den Meinen ab! und laffe alle Betrübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen; so soll dann morgen unser aller Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du uns Gutes an Leib und Seele gethan haft. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute ge Abend- Gebet am Sonntag. 35 dient habe, wie ich billig hätte sollen, und nimm deßwegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche alles neu an mir sein; schenke mir eine neue Liebe und neues Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Lasse mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden von nun an meiden und flichen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Gieb, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele babe, damit ich mehr um meine Seele als um den Leib bekümmert sei. Ich sehe mich, mein Gott! nach meiner Ruhestätte um; ich erinnere mich dabei an meine Grabstätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tag zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine Kammer zur Ruhe, du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu. Laß mich, Herr! von dir nicht wanken, In dir schlaf ich sanft und wohl, Gieb mir heil. Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll; So laß doch den Geist in mir Zu dir machen für und für, Bis die Morgenröth angehet, Und man von dem Bett aufstehet. Amen. 36 Abend Gebet am Sonntag. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich lege mich zu Jesu Füßen Wenn ich mich lege zu der Ruh, Er kann mir meinen Schlaf versüßen, Er drücke mir die Augen zu! Ich fürchte nicht die finst're Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel' allein Mit meinem Gott beschäftigt sein. 3. Im Schlafe soll die Seele machen, Als welche Got tes nicht vergißt; Das kann den Schlaf mir heilsam machen, Wenn sich mit Gott das Auge schließt. Ich bin, mein Gott! weil du bei mir, Wenn ich erwache, noch bei dir. 4. Ach Gott! wend' alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir, Ach! wirke stets in meinem Herzen, Ich such' die Hülf' allein bei dir; Laß Unglüd, Schrecken, Noth und Pein, O Gott von mir entfernet sein. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehört, Dein Gnaden- Licht des Nachts erscheinen, Daß Alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wiederum auf steh' Ich Alles unverleget seh'. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben, Und immer um mein Bette steh'n, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen seh'n, So schlaf ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Es geh'n zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht. Mein Mund bricht aus in Freuden lieder Bei angebroch'ner finst'rer Nacht; Ich steh' mit Jeju wieder auf, In ihm vollführ' ich meinen Lauf. 8. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des Tags, als auch bei Nacht, Hiemit, o treuer Gott! ergeben, Ach! habe selbsten auf mich Acht. Und laß mich dir empfohlen sein, Denn du bist mein und ich bin dein. 9. So bleib ich dann in Jesu Wunden, Und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todes- Stunden Werd' ich da wohl verwahret sein, Darinnen will ich auf ersteh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Der glaubige Christ dankt Gott nach angehörtem göttlichem Wort. Aufmunterung. Jac. 1, V. 22. Seid Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch nicht selbst betrüget. Wie alle göttliche Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also auch die Anhörung des göttlichen Wortes, und sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. 1) Welt- Kinder bilden sich ein, der Sonntag sei zu ihrer Ueppigkeit und Lustbarkeit eingesetzt, da sie von der Arbeit frei, ihrem Fleisch sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Welt- Kinder gehen, wenn sie noch viel thun, als eine Ceremonie des Morgens zu dem Gottesdienste, Nachmittags aber zur Lust auf die Jagd, zum Spiel, zum fündlichen Vergnügen, da sie hernach, wo nicht berauscht, doch mit eitlen Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten nach Haus kommen. 3) Welt- Kinder achten das gepredigte Wort nicht, und wenn man sie Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchgang genügt, was fie gehört, was sie gelernt, so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Luc. 8, V. 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Uebung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Tag mit Gott und Gebet angefangen haben, also: hören sie mit Andacht das Wort Gottes an: 2) wiederholen sie zu Hause das Gehörte, schreiben es auf, und freuen sich darüber, wie über einen großen Schap; 3) denken sie die ganze Woche daran, und Der glaubige Christ dankt Gott trachten, es in die Uebung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Thiere zum Opfer erwählt, welche wiederkäueten. Und die Seelen find ihm auch die liebsten, welche das gehörte und gelesene Wort wiederkäuen, erwägen, und aus demselben iminer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich also damit zum ewigen Leben erbauen. Gebet. 38 D du gnadenreicher Gott! wie kann ich dir genugsam danken, dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag haft erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört und vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben, und dereinsten selig sterben. Du hast mich lassen kund werden, was dein gnädiger Wille an mir sei, du hast mich lassen lehren, was ich soll meiden, und was ich soll thun. Ach ja! du läsfeſt dich nicht unbezeugt, damit Niemand eine Entschuldigung habe. Du giebſt uns dein heiliges Wort u. heilige Sakramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserem Heil gebrauchen sollen, dein heiliger Geist will uns darin lehren; uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott! 39 nach angehörtem göttlichem Wort. bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts sei. Was hilft mich alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum versiegle, o Gott! selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und kräftig. Ach du Thürhüter! schließ doch mein Herz so bald zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in dasselbe gegangen ist, damit es Satan mir nicht raube, und ich leer wieder nach Hause gehen müſſe. Gieb, daß ich mich spiegle an dem Erempel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o Gott, anhören, aber sich nicht bekehren, frömmer werden, noch die Bosheiten, Unarten und fündlichen Gewohnheiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werden und bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen und verklagen, da sie des Herrn Willen gehöret, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach, mein Gott! laß mich diese Woche nun frömmer und Der glaubige Christ dankt Gott gottseliger werden; gieb, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich solle sanftmüthig, demüthig und barmherzig sein, ach! so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit daran mich erinnere, und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbſt verläugne, und den Armen und Elenden gerne Gutes thue. Hab' ich gehört, ich solle gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verläugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen; ich soll züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, so gieb mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben, und es vollbringen möge; ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit geschieht, daß ich doch fortfahre in der Heiligung, und mich je mehr und mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach! laß mich mit deinem heiligen Wort 40 nach angehörtem göttlichem Wort. umgeben, wie die Weltfinder mit ihren irdischen Schäßen, welche sie einschließen und wohl bewahren; so gieb mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, theuren Glaubens- Lehren, kräftigen Ermahnungen zur Heiligung des Lebens als einen lieben und werthen Schaß in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen: in Kreuz, in Trübsal, in Krankheit, ja, in dem Sterben daraus einen Trostspruch nach dem andern hervor= langen könne. Ja, mein Gott! laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Grkenntniß deines Willens und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott! wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben; gieb Gnade, daß auch wir nach demselben heilig leben; du wollest selbst den Glauben stärken, daß er thätig ſei in Werken. 41 Höchster Gott, ach! sei gepreis't, Der du lehrst, was wir thun sollen, Schenk uns deinen guten Geist, Gieb uns auch ein eifrig's Wollen! Laß es ferner wohl gelingen; Gieb zum Wollen das Vollbringen. Amen. Der glaubige Christ dankt Gott 2c. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wer Gottes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also seinem Gott Sein Ohr und Herze geben; Viel Hören hilfet nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man nach wie vor Die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du, aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren So thu' auch wahre Buß'; Fang an dich zu bekehren; Und werd' ein neuer Mensch; Ach bleib nicht wer du bist, Ja, änd're dich bei Zeit, Und werd' ein frommer Christ. 3. Hörst du man sollte sich Den Bösen nicht gleich stellen; So sollst du dich auch nicht zu ihrer Rott' gesellen; Was böse Menschen thun, Das thue du doch nicht, Sei fromm und wandle stets Bor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll, Und alle Sünden haffen, So folge ihm auch nach, Bestreb dich immerdar, Daß du gefinnet bist, Wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, So lasse dir dies Wort Stets vor den Augen schweben; Folg' deinem Herzen nicht, Und steh' auf deiner Hut, Bollbringe nicht wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottselig, züchtig wanbeln, Und niemals wider Gott Und sein Gewissen hanbeln, So folge dieser Stimm', Verlaß die Sünden- Bahn, Und fang' durch Gottes Kraft, Ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, und das was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm ausüben, So lieb ihn wie dich selbst, Verfolg' und haß' ihn nicht, Und so vollbring' an ihm Die anbefohl'ne Pflicht. 8. Ja, was du gutes hörst, Das soll von dir gescheher ,, Das lasse alsobald In die Erfüllung gehen, So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud', Und gehst durch Jesu Blut Dereinst zur Seligkeit. 9. Mein Gott! verleih mir Gnad', Daß ich die Himmels- Lehren Mög' immerdar mit Fleiß Zu meinem Nußen hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu', Und also hier und dort Gelang' zu meiner Ruh'. 43 Morgen- Gebet am Montag. Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiser Gott! der du den Himmel erschaffen, und die Erde ge= gründet und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsterniß, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen, ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret, und mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderem Uebel behütet, und das Meinige mit deinem Schuß umgeben haft. Herr! groß sind deine Werke, die du an den Menschen thuft; deine Güte reichet, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Ich schlief, und du wachtest; ich war im Schlaf den Todten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach! mein Gott! ſei Morgen- Gebet am Montag. auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und Erbarmer; laß deine Augen über mich offen sein, daß ich unter deinem Geleit unverletzt in meinem Beruf ein- und ausgehen, und den Abend nach deinem Willen wiederum unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott! laß deinen Segen mit und bei mir sein in Allem, was ich in deinem Namen anfange, dazu gieb selber Rath, und laß mich niemals wollen, wie du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnen- Licht auch das Licht des heil. Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in deiner Furcht, Liebe und Gehorsam hinbringe. Schaffe in mir, o Gott! ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen hl. Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wiſsentlich wider dich fündige, und wenn man mich zu fündigen verleiten will, so laß ihn mich erinnern, und durch seine innerliche Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider 44 Morgen- Gebet am Montag. 45 an, Herr Jesu! kleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, Herr Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandle im Rath der Gottlosen, noch size, da die Spötter sigen, als welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; und so ich will der Welt Freund sein, und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein Gott! drücke in mein Herz die Worte: Wandle vor mir und sei fromm. O! wie Viele fangen eine Woche an, aber vollenden sie nicht, und sind am Ende derselben krank oder schon begraben. Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche Niemand dich schauen wird. Laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiligen Gedanken befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnaden und in deinen Wunden, o Jesu! erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich, und die Gemeinschaft 46 Der glaubige Christ bittet des h. Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Der glaubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Rol. 3, 3. 17. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut Alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Hat man Ursache zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie viel mehr soll ein glaubiger Christ sein Herz und Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will. Wie viele Menschen haben den Sonntag, als den ersten Tag in der Woche gesund erlebt, und sind den Sonnabend darauf schon begraben gewesen. Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe sie sich geendet, hat fie das Unglück wie ein Sturm- Wetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, tausend Thränen und Hände- Ringen geendet haben. Nun mein lieber Christ! das kann dir und mir auch widerfahren, darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott fich wenden; es soll aber ein glaubiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen, ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verlegen, den Nächsten betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. Er soll 2) die Woche über des Gebets und des Gottesdienstes nicht um Segen im Anfang der Woche. 47 vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirchen und Betstunden fleißig besuche. Und weil es nicht liegt an unserem Rennen und Laufen zur Arbeit, soll er 3) sonderlich Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitten unter der Arbeit an Gott gedenken und mit Gebet die Arbeit anfangen, mitteln und vollenden. Er soll 4) behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleiche, bis endlich die letzte Todesund Sterbe- Woche kommt, da unsere Seelen vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schuß vollenden, und sollte er es ihm eine KreuzWoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer und Retter und Beistand sein und bleiben. Gebet. A du liebreicher und barmherziger Gott! ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an. Ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird; wie viel Uebels und Unglücks kann uns in einem Tage begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche: darum komme ich gleich im Anfang derselben zu dir, und empfehle mich dir ganz und gar. Ach mein Gott! gieb mir deinen heil. Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugniß gebe, 48 Der glaubige Christ bittet daß ich ein Kind Gottes sei. Segne mich diese Woche; segne meinen Ausgang und Eingang. Segne meine Berufsarbeit und Geschäfte; segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hülfe kömmt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht, wenn du mich hältst, so falle ich nicht, darum laß deine Treue und Güte mich allweg behüten. Segne auch alles, was mein iſt, und laß es in deinem Segen blühen. Ach, mein Gott und treuer Vater, schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück; laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schuß und Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs; laß um mich und das Meinige deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht unerhört von dem Thron deiner Gnade weggehen. Bewahre mich um Segen im Anfange der Woche. vor schweren Sünden; weise mir, Herr! deine Wege; leite mich in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreib' deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nicht aus deiner Gnade sondern darin beständig bleibe bis in den Tod. Gieb, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge: Tugend und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die letzte Lebens- Woche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert sein. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich alles unter deinem mächtigen Beistande ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter aus aller Noth. Nun ich beStart's Hdb. 1r Thi 4 49 Der glaubige Christ bittet 2c. fehle mich dir mit Leib und Seele, und allem, was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle frommen Christen. 50 Darauf so sprech' ich Amen, Und glaube sicherlich Gott werde all's zusammen Gefallen lassen sich; D'rauf streck' ich aus mein' Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Dazu mich Gott bescheiden In mein'm Beruf und Stand. Am Gesang. Diel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will die neue Woch' Mit dir, o Gott, anheben, Du wollst mir deinen Geist Und deinen Segen geben, Im Anfang steh' mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. 2. Ohn' deinen Segen kann, Mein Vater! nichts gedeihen, D'rum wir, o Segens- Gott! Um Segen zu dir flehen, Ach! komme selbst zu uns, Und greif das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmerniß An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht selbst mitgehst, Und stehest nicht dabei, Daß Anfang und das End' Von dir gesegnet sei. 4. D'rum komm, o Gott! zu mir, Und gieb mir deinen Segen, Denselben wollest du In meine Arbeit legen, Ach! segne all' mein Thun, Ja! segne jeden Tritt Und theile gnädiglich mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch' hinbringen; Laß meine Freude sein: Dich loben, beten, singen; Bewahre mich vor Sünd', Unrecht und Missethat, Und wenn ich Buße thu' So schenk mir deine Gnad'. 6. Mein Gott! begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch' Mir Leiden auferlegen, So biet mir deine Hand, Und steh' mir kräftig bei, Ja, trage selbst du mit, Daß mirs erträglich sei. 7. Nun was du Gutes wirst mir diese Woch' erweisen, Der glaubige Christ bittet 2c. 51 Dafür foll, guter Gott, Mein Mund und Herz dich preisen. Ach laß uns als dein Volk Dir stets ebpfohlen sein, Bis wir durch Jesum gehn Zu deinen Freuen ein. Der glaubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Psalm 67, V. 7. 8. Es fegne uns Gott unser Gott; es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Ein jeder Mensch hat Wünsche, die er im Herzen bewegt. Sollen es aber feine dergleichen Wünsche sein, so muß er sie in Gebete verwandeln und Gott vortragen, der im Gebet aller Guten ist. So macht es ein glaubiger Christ. Er bittet und betet 1) um leibliche Bedürfnisse, um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahren, um Hülfe in Noth, um Beistand im Leiden und Errettung aus Unglück, und dergleichen Gebete kann Gott wohl leiden, weil er dieses Alles uns in seinem heiligen Wort verheißen hat. Aber der glaubige Christ bleibt nicht dabei stehen, dieses ist das Geringste, weil es ihm Gott ohne sein Bitten zuweilen zufallen läßt. Er bittet 2) besonders um geistliche Dinge, um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist. Röm. 14, V. 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachsthum in dem Guten, um Heiligung und um die Gabe des heiligen Geistes; dieses ist das vornehmste, was er von Gott bitten und verlangen kann, und wenn ihm solches verliehen wird, so hält er es für seinen größten Reichthum. Ein glan= biger Christ bittet 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, um fröhlichen Abschied aus die 52 Der glaubige Christ bittet sem Leben, und um den erwünschten Eintritt in das Freuden- Leben, wo er Gottes Angesicht schauen und mit weißen Kleidern angethan, sich nach dem Kampfe ewiglich in Gott erfreuen darf. Es muß also ein glaubiger Christ besonders um geistliche und himmlische Güter beten, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will, wobei er aber: 4) sich eines unsträflichen, christlichen Wandels befleißigen muß, damit er auch fo lebe, daß ihm Gott die geistlichen und himmlischen Güter mittheilen könne, welche ein unwiedergborener und böser Mensch nicht empfangen kann. Gebet. du reicher und gnädiger Gott, wie groß und herrlich, wie reich und mächtig bist du! Du hast alles, und kannst auch alles geben. Siehe, ich dein Kind, komme zu dir, und bitte dich um deine Gaben; du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde, daher alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir; denn alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch! was du nicht empfangen haft? Ach, mein Gott und Vater! mache mich besonders an meiner Seele reich; gieb mir deinen heiligen Geist; gieb mir ein um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 53 frommes Herz; bekehre mich; erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und wahrer Christ werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, damit ich die bösen Lüfte besiege, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und meine Seele dir zu einem Opfer ergebe, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei. Siche, mein Gott! wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Versuchungen unterworfen bin; darum leite du mich durch deine Kraft, damit ich nicht verführt werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu und eine neue Kreatur sei, so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater! für mich in dem Irdischen; du weißt, was ich bedarf; du fichst, was mir fehlt, aber gieb mir nicht nach meinem, sondern alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach! so gieb mir einen gesunden Leib zu desto Der glaubige Christ bittet glücklicherer Verrichtung meines Berufs und Standes, in welchen du mich geſetzt haft. Gieb mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen; behüte mich vor Unglück; lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, Herr! segnest, das ist ewig gesegnet. Du hast mich in die Welt hereingebracht und erschaffen, so wirst du mich auch wohl zu ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe all' meine Anliegen und Sorgen auf dich. Ach Gott! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deine Vatertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater! nicht um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich noch gröBere Güter. Denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hier zu empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch. Darum, mein Vater! gieb mir auch die himmlischen Güter: erhalte mich im Glauben bis an mein lettes und seliges Ende. Laß mich an meinem Ende 54 um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 55 aufChristiTodabscheiden, die Seele nimm binauf zu dir zu deinen Freuden. Gieb mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende, und bringe mich nach dem Abschied aus diesem Leben zu der Schaar der Auserwählten in den Himmel, verleihe, daß ich mit ihnen gekrönt, verklärt, mit weißen Kleidern geziert, dein heiliges Angesicht schauen, und mich in dir ewig erfreuen möge. Ach mein Gott! höre die Stimme meines Flehens, und weigere dich dessen nicht, was mein Mund bittet. Gieb mir von den irdischen Dingen so viel, als dir wohlgefällig und mir heilsam und selig ist; aber in geistlichen und himmlischen Dingen gieb mir ein reiches Maaß deiner Gnade und bringe mich als dein Kind dereinst zu der Versammlung der Heiligen im Licht, damit ich hier in Glauben und Liebe, und dort in Ewigfeit mit dir vereinigt bleibe. Indessen meinen Ausgang fegne, o Gott! Meinen Eingang gleichermaßen, Segne auch mein täglich Brod, Segne all' mein Thun und Lassen; Segne mich mit fel'gem Sterben, und mach' mich zum HimmelsErben. Amen. Abend- Gebet am Montag. Gesang. Dinn Mel. D Gott, du frommer Gott! 1. Mein Vater! denk an mich, Ach! gieb mir deinen Segen, Und thue auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gieb, was ich nöthig hab' Und was mir nüßlich ist, Ich schau allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 56 2. Ach! gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben; Und willst du mir dazu Ein frommes Herze geben, So bin ich reich genug, So bin ich hoch beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gieb mir mein täglich Brod, Gesundheit auch deßgleichen, Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen, Wend' alles Unglück ab, Begleit mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir empfohlen sein. 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut Die Seligkeit ererben; Laß mich vor seinem Thron In weißen Kleidern steh'n, Und, Herr! dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n. 5. Mein Gott! erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd' noch meine Lust An deiner Gnade schauen, Mein Herz und Geist und Sinn Sei dir allein geweiht; Mein Segen, Freud und Schap Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan! ich bin erhört, Gott wird's aus Gnaden geben. D'rum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben. Mein Vater! schenke mir, So lang ich leb' auf Erd', Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd'. Abend- Gebet am Montag. Aufmunterung. Psalm 4, V. 9. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. Eine so schöne Tugend die Dankbarkeit ist, welche Gott und Menschen wohl gefällt, um so mehr soll auch ein glaubiger Christ derselben eingedenk sein, wenn ihn nun Gott einen Tag hat crleben und den Abend hat erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß viele Abend- Gebet am Montag. 57 Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinbringen und nicht erkennen, was Gott an ihnen gethan hat; sie genießen des göttlichen Schußzes, Beistandes, seiner Hülfe, und danken ihm nicht einmal dafür; sie meinen, es müsse so sein: sie müssen gesund, glücklich und im Wohlsein ihre Zeit hinbringen; Gott müsse sie so erhalten, und es ihnen wohl ergehen lassen. Darum, o glaubiger Christ! sondere dich von solchen undankbaren Seelen ab. Hast du den Tag unter dem Schuße und Beistand Gottes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen gen Himmel mit Danken und mit Beten empor. Danke 1) Goit, daß er den Tag über dich vor Unglück bewahret hat und denke, wie viele Menschen vielleicht an diesem Tag, an dem dich kein Leiden berührt hat, in das größte Unglück gekommen sind, ihre Gesundheit verloren haben, am Abende krank und in großen Schmerzen auf ihr Bett gelegt worden sind, während sie ant Morgen noch frisch und gesund waren; ja, wie viele sind in einem Tage durch Feuer und Unglück arm geworden, die am Morgen noch nichts davon wußten 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden; haft du den Tag über etwas gegen Gott und den Nächsten geredet; hast du etwas ge= than, was gegen dein Gewissen und Christenthum ist, o! alsdann auf, und bitte es Gott ab, che du schlafen gehest. 3) Gedenke, vielleicht ist diese Nacht die lette, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern; o! darum mache Frieden mit deinen Gott, ehe du die Augen schließeft. 4) Bitte Gott um Schutz und um die Obhut seiner heil. Engel, damit sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlafe ermachefst, denke an Gott, danke ihm, so schläfst du in 58 Abeno- Gebet am Montag. ſeinen Armen und unter dem Schuße der heil. Engel sanft und ſelig. Gebet. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger Gott! dieses sind meine Abend- Gedanken, indem ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genug dafür danken, daß du mich aus und ein begleitet bast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen habe! Du hast mich gespeist und getränft; du hast mich getröstet und erquickt; dein Aufsehen hat meinen Odem bewahrt, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis zum heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten find lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe ermuntern; darum so lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist seinen heil. Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Vergieb mir, o Herr! vergieb mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt, und deine Abend- Gebet am Montag. Gebote aus den Augen geseßt, dagegen nach der Welt und mit der Welt gelebt, und meinen Begierden freien Lauf gelassen habe; wärest du nicht ein langmüthiger Gott, ja, der Vater der Barmherzigkeiten, so lebte ich nicht mehr, indem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umkehr gegeben hast. Ach Herr! ich entschuldige mich, und thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin; tilge auch meine Sünden wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr. Ich gelobe dir hiemit in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen, und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich in dieser Nacht vor allen Nach stellungen des Feindes, vor Unglück und allem Uebel, drücke du, Jesu! selbst mir, wenn ich einschlafe, die Augen zu, aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, damit ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier Träume still, o Gott! von dir, Daß ich fefte an dir hange, Und auch schla59 60 Abend- Gebet am Montag. fend dein verlange; sei mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth. Mein Herz hält dir dein Wort vor: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Antliß. Ich weiß nirgends hin, als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist bei mir, warum sollte ich mich fürchten? wenn ich schon einsam liege und schlafe. Mein Jesus, meiner Seele Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht schließt; der heilige Geist ist bei mir, er erhält das Zeugniß in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich schon von mir selbst nichts weiß; bin ich also in den Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher, wie Jakob; ich schlafe getroft, wie ein Kind an seiner Mutter Brust.. Ich schlafe beschüßt, wie Petrus. Gedente, Herr! doch auch an mich In dieser düstern Nacht, Und schenke mir genädiglich den Schuh von deiner Wacht. D'rauf schließ' ich meine Augen zu, Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh', Wer mollte traurig sein? Amen. AC 61 Der glaubige Christ dankt Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Sir. 30, V. 14-16. Es ist besser, einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein, ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gefunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich. Gleichwie Gott verschiedene geistliche und leibliche Gaben den Menschen austheilt, so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten die Gesundheit mitrechnen. Ein gesunder Mensch ist ein glückseliger Mensch, wenn er dabei fromm ist: er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig sei, ſehen wir daraus, weil er Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, seinem Beruf abwarten, und viel Gutes vollbringen kann. Ist aber der Mensch nicht fromm bei feiner Gesundheit, so mißbraucht er diese edle Gabe auf das Aergste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen belastet wäre, damit er mit seines Leibes Gliedern nicht so viel Sünden verübte! Daher wird auch auf solchen Mißbrauch des gesunden Leibes und der gesunden Glieder dereinst eine schwere Verantwortung und Strafe folgen. Ein wahrer Christ erkennt diese edle Wohlthat der Gesundheit: 1) wenn er seine gefunden Glieder ansieht, so dankt er Gott dafür. Er wendet seine Gesundheit an: 2) um Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Der glaubige Christ dankt Gott Christenthum zuzunehmen; seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 3) seiren Beruf treu und aufrichtig zu vollbringen. Er erkennt: 4) daß die Gesundheit kein ewiges und beständiges Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Zustand des Leibes sich einfinden können; er mißbraucht deßwegen 5) in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zum Muthwillen, zur Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheit und Schmerzens- Tage kommen, das Gewissen nicht sage: das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit, wie denn also Gott manchem gefunden, aber unbändigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuführung eines ungesunden Zustandes seines Leibes anlegen muß, damit er zu fündigen aufhöre. Ein frommer Christ betet 6) auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, bb er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. 62 Gebet. du gnädiger u. barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweiseft, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und in deiner Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden, und wieder anfangen läßt. Nun, mein Gott! ich erkenne, daß mir dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Vater des Lichts! 63 für seine Gesundheit. von oben herab kommen. Herr, Herr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren läsfest? Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind; höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und in langwieriger Krankheit auf dem Kranfenbette ihr Lebeen hinbringen müſſen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und irömmer sind, als ich, und viel andächftger beten, als ich; mir aber giebst du gute Gesundheit, Kraft und auch Stärke. Ach Herr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft, und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und zur Frechheit mißbrauche, sondern gieb mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch zur Dankbarkeit und Frömmigkeit ermuntern wolleft. Hilf, daß ich in Zukunft und in der ganzen Zeit meines Lebens meine Gesundheit zu deinem Lob und zu deinen Ehren, zum Nußen meines Nächsten 64 Der glaubige Christ dankt Gott zc. und zu Vollbringung der Geschäfte meines Berufs anwenden möge. Erhalte mir nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und meine unverleßten Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen kann. Gieb mir deinen heil. Geist, daß ich meine gesunden Glieder und Kräfte zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum Wachsthum in deiner Erkenntniß heilige und verwende. O mein Gott! gieb mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, damit ich gesund im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung und getroft im Tode sei. Ach! heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott, du frommer Gott! Du Urquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben; Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Die Seele unverletzt, Rein das Gewissen bleib'. Amen. Morgen- Gebet am Dienstag. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, Und haft Glüd auf dieser Erd', So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trotzig werd'; Denk' in deinem Glück und Prangen, Wie dir's eh'mals ist ergangen; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 65 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk' auch an das Krankenbett; Wenn du frohe Wege gehest, Denk' auch an die Lagerstätt', Bist du wiederum genesen, Denke daß du frank gewesen; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 3. Blüht dir Freud' und lauter Glücke, Steht es un dich wohl jeßund, Denk' bisweilen auch zurücke, Wie es doch vor diesem stund; Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk' in Glück und Herrfichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schäßen, Dente dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergößen, Daß es vor dem nicht so war; Selig wer die Demuth liebet, Wenn ihm Gott viel Güter giebet; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn de ein Armer steht, Denk', so bin ich auch gestanden In dergleichen Trübfals- Banden; Dent' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demuths- Schranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebest. Bleib in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnädig sein. Morgen- Gebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Stark's Sdb. 1r ThI. 5 Morgen- Gebet am Dienstag. Gott! dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit dem Herzen und mit dem Munde Lob und Dank, daß du mich an diesem Morgen wieder gesund von meinem Lager haft aufstehen lassen und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahrt haft. Wie groß ist deine Güte, Herr, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und unter demselben so mächtig bewahrt werden. Ich schaue nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht; gieb mir Gnade, daß ich an diesem ganzen Tage in deinem Lichte wandle, und alle Werke der Finsterniß fliche. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient, und meinen Mund, meine Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten eingerichtet habe, worüber ich einst vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft ablegen muß. Ich opfere mich dagegen dir ganz zu deinem Dienste mit Leib und Seele auf; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und denken, als was dir gefällt, auf daß der ganze 66 Morgen- Gebet am Dienstag. 67 Tag dir geheiligt sein möge. Ja, lasſe mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, in der ich als dein Kind in deinen Armen gelegen, nun wieder von neuem lebe, so weiß ich nirgends hin, als zu dir; ich klopfe an deine Gnadenthüre; ich wende mich wieder zu der Segens- Quelle, aus welcher ich einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern nehme; denn was du, Herr! segnest, das ist ewig gesegnet; wenn du deine Hand aufthust, so wird Alles mit Wohlgefallen gesättigt. Gieb mir guten Rath, wenn ich eines Raths bedarf; richte meine Anschläge und Vornehmen nach deinem Willen ein. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, damit ich an diesem Tage meinen Glauben in den Werken zeige und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten beharre, auf daß ich ohne Gewissens- Wunden den Abend erreiche. Wenn ich zu dir, Herr, mein Gott! rufe, so schweige mir nicht, auf daß, wenn du schweigest, 68 Der glaubige Christ freut sich ich nicht denen gleich werde, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände zu dcinem heil. Chor empor hebe. Lasse das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem GnadenThrone Erhörung finden. Ja, richt' mein ganzes Leben All'zeit nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben In's Todes Schlummer hin; Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. Der glaubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. 1. Petri 1, 2. 3. 4. Gelobet fei Gott, und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten zu einem unvergänglichen und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig glückselig machen können. Ist nun je etwas, dessen sich ein Glaubiger rühmen und worüber er sich freuen kann, so ist's die Wiedergeburt, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlangt: 1) die Kindschaft bei Gott; Gott ist unser Vater, der uns seiner Wiedergeburt. 69 als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und uns nicht lassen will. Wir haben empfangen 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; alles was Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben hat, dus ist uns in der heiligen Taufe geschenkt und zu eigen gegeben worden. Ja, wir sind in ihm gepflanzt, er ist der Weinstock, wir sind die Reben; durch ihn erlangen wir neue Kraft zum Guten, zum Licht, zur Weisheit und zur Gnade. Uns ist ertheilt 3) die Einwohnung des heiligen Geistes; dieser will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und unsern Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche einwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wir wachsen im Glauben, in Frömmigkeit, in Gottesfurcht, wie ein neugeborencs Kind an Kräften und Jahren. Wir erlangen 4) auch die ewige Seligkeit, damit wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Seligfeit Theil haben sollen. Wer dieses erwägt, der muß sich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wieder verliere; 2) daß er würdig in seinem Berufe wandle; 3) daß er die Welt nicht wieder lieb gewinne, oder mit unwiedergeborenen Weltfindern vorsäglich fündige, und sich ihnen nicht gleich stelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei, wie die lieben Kinder; daß er dem Herrn Jesu nachfolge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand hier in der Zeit, und auch dorten in der Ewigkeit genießen wird. Der glaubige Christ freut sich Gebet. Großer Gott und liebster Vater, wie kann ich genug deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe! O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgetheilt, indem du mich zu deinem Kinde angenommen hast! Wenn Menschen viel ihre Glückseligkeit rühmen, welche sie durch ihre hohe Geburt, durch den Besiz hoher Ehrenstellen, durch größen Reichthum, anſehnliche Güter erlangen, siehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja, er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, son70 seiner Wiedergeburt. dern auch große Freudigkeit im Sterben, da wird er mich als ein Kind erquicken, laben, trösten und nach meinem Abschiede aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gieb mir, o lieber Vater! deinen heiligen Geist, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. Ach! ich bin noch in der Welt, und lebe unter den Menschenkindern, ach! bewahre mich, daß ich nicht mit den Weltkindern fündige und böses thue, noch mich ihnen gleich stelle. Sehe ich jemand Böses thun, höre ich etwas Böses reden, so lasse mich gedenken, ich sei ein Kind Gottes, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Lasse mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindestheil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist, um deine Lustbarkeit, Eitelkeit und Gewohnheit zu genießen. Mein Jesu! du weißt, daß ich dich lieb habe, und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht stets und in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach! nimm doch mein Wollen 71 Der glaubige Christ freut sich 2c. gnädig an, und lasse mich so mein Leben im Glauben, in Frömmigkeit, Heiligkeit, Reinigkeit und findlicher Demuth führen; lasse mich dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich als dein Kind leben und sterben, und als dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge. 72 Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf', Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein Gott! ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel. Jesu! der du meine Seele zc. 1. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist; Denn es muß auf dieser Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Ewigkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stoßet man die Gnad' nicht fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott in's Herzenshaus, So treibt er die Sünd' hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben Gott, der werthe heil'ge Geist, Der bringt uns ein neues Leben, Das die Lafter aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen; Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Ferner muß der Mensch nun trachten, Gott zu liehen allezeit, Muß die Welt und Sünd' verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unterlassen, und von rund der Seele haffen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. Der glaubige Christ bittet Gott 2c. 73 5. Singen, beten, Gott zu ehren Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuzieh'n; Gottes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten, Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir geschehen Eine Herzens- Aenderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebens- Heiligung, Daß die Sinnen und Gebärden Ganz an dir erneuert werden, Daß fie Glaub' und Liebe zier', Daß sie Gottes Geist regier'. 7. Ach, mein Gott! hier fall' ich nieder, Förd're in mir dieses Werk, Aend're Sinnen, Herz und Glieder, Gieb mir deines Geistes Stärk', Daß ich ja nicht werd' verloren, Sondern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr', Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande Jmmer bleiben, o mein Gott! Bis einst meine Lebens- Bande Auch zerreißen durch den Tod, Daß mich nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe, Alsdann geh' ich aus der Zeit In die frohe Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Anfmunterung. Röm. 16, V. 19. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Jac. 17, B. 5. Herr! stärke uns den Glauben. So unglückselig ein unglaubiger Mensch ist, so glückſelig ist dagegen diejenige Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntniß Gottes, Jesu Christi und ihres Heiles steht. Denn ein Unglaubiger ist einem Gemach gleich, in welchem fein Licht ist, worin es finster und unangenehm ist, aber eine glaubige Seele 74 Der siaubige Christ bittet Gott ist einem Gemach gleich, in dem es helle ist, und worin ein Licht scheint, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbſt geben, sondern Gott ist's, der ihn in uns anzündet, entweder in der heiligen Taufe, wenn der heil. Geist reichlich über uns ausgegossen wird, oder durch's Wort Gottes, wodurch der Mensch Anfangs eine Erkenntniß und ein Wissen seines Heils erlangt, durch Kraft Gottes dem Worte Beifall giebt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, sodann in fester Zuversicht Gott faßt, sich Jesum Christum und sein heil. Verdienst zueignet, und sich mit Gott entschließt, nach diesem Worte zu glauben, zu leben und zu sterben. Deßwegen soll ein glaubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben und zur Erkenntniß Jesu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türfen und Heiden glücklich gemacht hat. Er soll 2) sich seines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern, und den mit Gott gemachten Bund nicht muthwillig übertreten. Er soll 3) Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und mehr erleuchtet zu größerer Erkenntniß geLangen möge. Was er hört und liest, soll er 4) in die Uebung bringen, und seinen Glauben in den Werten zeigen. Daher soll es einem wahren Christen nicht genug sein zu sagen: ich glaube; sondern er soll 5) auch die Glaubens- Früchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmuth und dergleichen in feinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er foll auch nicht etwa eine Zeitlang glauben, sondern im Glauben Gott getreu bis in den Tod glauben. So fann er sich auch getrösten, daß er das Ende seines Glaubens davon trage, nämlich der Seelen Seligkeit. um Erhaltung des Glaubens. Gebet. Ddu gnadenreicher Gott! welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntniß meines Heils gebracht hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus mit seinem Verdienste, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heil. Sakramente. Dieses alles weiß ich nicht nur, sondern gebe allem Beifall; ich seße alle meine Hoffnung und Zuversicht darauf, und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott fommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben und durch diese Erkenntniß bin ich von unglaubigen Juden, Türken und Heiden unterschieden. Ach, du gnadenreicher Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erfenntniß in mir lebendig mache: Selig ſeid ihr, wenn ihr es wisset, aber selig seid ihr, wenn ihr es auch thut. Gieb mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todter Verstands- und Schein- Glaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. 75 76 Der glaubige Christ bittet Gott Weil ich Jesum Christum als meinen Heiland kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben, als die ganze Welt, ihm auch allein dienen, und nicht vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizt; außer ihm soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich ſie auch unter deinem Beistande zu meiner Seligkeit anwenden; dein Wort will ich andächtig hören, darnach leben; was dein Wort verbietet, will ich flichen und meiden, dagegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlt, in deiner Gnade durch des heil. Geistes Beistand zu vollbringen trachten; das heil, Abendmahl soll mich durch und durch heiligen; ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit als eine Speise der Heiligung mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach, mein Gott! vermehre in mir den Glauben, die Hei ligung und den Gehorsam, damit ich alle Lage frömmer, andächtiger, gottes um Erhaltung des Glaubens. 77 fürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein ſeliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ leben und selig sterben möge. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen, Dich. Herr Jesu! nach dem Streit In der frohen Ewigteit. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach! Herr stärke meinen Glauben, Ach! mein Glaube wird gar schwach; Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hülf' läßt finden, Go will fast mein Glaub' verschwinden! Wo ist doch mein Herr und Gott; Sprech' ich jest in meiner Noth. 2. Wo find seine Allmachts- Proben, Wo ist seine VaterHand, Welche And're freudig loben, Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie es mir gehet, Weiß er nicht, wie's um mich stehet? Jst mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hülfelos? 3. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, Ja ich glaube fest an dich, Daß du alles wohl kannst machen, Drum so komm und stärke mich. Herr! ich glaube daß du lebest, Und stets um und bei mir schwebest, Daß dein Auge auf mich sieht, Ob die Hülfe schon verzieht. 4. Herr! ich glaube, daß mich Armen, Jesus auch erlöset hat, Daß er sich will mein erbarmen, Daß ich bin in seiner Gnad', Daß mein Jesus in dem Leiden Nimmer werde von mir scheiden, Nur mein Herz empfindet's nicht, Weil mir Kraft und Hülf' gebricht. 5. Hilf', daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort, Lehre mich dir fest vertrauen, Und auf 78 Abend- Gebet am Dienstag. die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir giebst, Ob du schon die Hülf aufschiebst. 6. Ja, laß deinen Geist mich trösten; Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Noth am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du noch an mich gedenkest, Und mir deine Hülfe schenkest, Wenn da kommt die Stund und Zeit, Die zur Hülfe ist bereit. Abend- Gebet am Dienstag. Der Herr ist mit mir! darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen thun? So spreche ich jetzt, o du gnädiger und liebreicher Gott! in dieser Abendstunde, und sage dir demüthigen Dank, daß du mich an diesem Tage unter deinem väterlichen Schuße, unter deiner liebreichen Fürsorge, deiner gnädigen Führung und unter deinem reichen Segen baft zurücklegen lassen, Herr! deine Güte ist groß und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen, er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er hört ihr Schreien, er hilft ihnen. Ach, mein Gott, wie geschwind geht doch ein Tag dahin! wie ein Pfeil abgeschossen wird, so geschwind entfliehen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Abend- Geber am Dienstag. Ende mit mir haben muß, und daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Chriſti, daß ein jeder empfange, je nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst, und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? hast du auch etwas Gutes gedacht? iſt Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du ihn mit vorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet? hast du gesprochen, was ehrbar, was feusch, was wohllautet? ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder hast du dich mit unartigen und unnüßen Reden vergangen? Wo seid ihr hingewandelt ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübt ihr Hände? Was habt ihr gehört, ihr Ohren? Ihr Augen, nach was habt ihr geschaut? Was ist heute dein Verlangen, Dichten 79 80 Abend- Gebet am Dienstag. und Streben gewesen mein Herz? Ach, mein Gott! wenn ich auf alle dieſe Fragen antworten soll, o! wie werde ich bestehen? Ach Herr! nimm mit dem hinabeilenden Tage meine Uebertretungen hinweg. O Jesu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O heiliger Geist! versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, damit ich nicht, wenn dieſe Nacht die letzte sein sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott! freigesprochen, so schlafe ich mit Frieden, und hüte mich morgen mit desto größerem Fleiß vor allem dem, was dich betrüben kann. Mein Vater! deine Liebe bedecke mich und die Meinen. Mein Jesu! in deinem Schuße ruhe ich sanft und wohl. O heiliger Geist! thue du den letzten Seufzer in meinem Herzen ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes empfehle. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird, Denn du bleibest ewig munter, Und bist mir ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seiner Heerde wacht. Darum hilf uns deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. Amen. 81 Der glaubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Hebr. 14, 2. 12. Jaget nach dem Frieden gegen Jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. Wenn sich ein glaubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansieht, so erinnert er sich 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern daß dieses ein Werk Gottes ist; 2) deßhalb braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenkt an seine heilige Taufe, in welcher der heilige Geist über uns ausgegossen worden ist, und welcher in seinem Herzen Wohnung genommen hat; er forscht fleißig, ob er diesen guten Geist in den reiferen Jahren durch muthwillige Sünden nicht wieder vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Speise der Heiligung ist, darum trachtet er, wenn er dasselbe empfängt, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder geheiligt werden mögen. Gottes Wort hört er andächtig an, schreibt und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung fortfahren möge. 3) Denn es soll die Heiligung sowohl an der Seele, als an dem Leibe, durch die Kraft Gottes und durch die Wirkung des heiligen Geistes geschehen. Ist die Seele geheiligt, so muß die Zunge, die Worte, Werke, ja, das ganze Leben, in der wahren Heiligung geführt werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst im Alter oder auf dem Todtbette, sondern so lange man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstande gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man sodann zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten beweisen; wenn man ungefähr bei Weltkindern sich befindet, so sollen wir in Mienen, Worten Start's Hdb. 1r Thl. 6 82 Der glaubige Christ bittet, und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und unser ganzes Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Lichte gelangen. Gebet. A du heiliger Gott! ich erschrecke jedesmal, wenn in meinen Ohren deine Stimme erschallet: ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und wieder: Ohne die Heiligung wird Niemand den Herrn schauen. Wenn ich dieses erwäge, und dagegen mein unheiliges Herz, meine unheiligen Gedanken, meine unheiligen Worte, meine unheiligen Werke vergleiche, so gerathe ich in große Angst, und ich schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, wo ich, leider! nach den Trieben meines Herzens und nach der Gewohnheit der Welt- Menschen mit gesündigt, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidigt habe. Ach, wenn Niemand dein Antlig ohne die Heiligung schauen soll, o wie Wenige werden dann selig sein, o wie Viele werden verdammt werden! dann hilf, Herr! die Heiligen haben abgenommen. Gott wolle sein Herz heiligen. 83 O darum, du heiliger Gott! gieb mir dieses alles wohl zu erkennen, damit ich mich stets der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen möge. O Jesu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, durch dein Verdienst und Blut, ach! schenke mir von Natur Unheiligen deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als in meinem schönsten Schmucke, vor deinem gütigen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein hl. Wort. Heilige mein Herz, damit es immer mit guten Gedanken sich beschäftigen möge. Heilige meinen Mund, damit er nichts Unanständiges, Unchristliches und Böses reden möge. Heilige meinen Willen, damit ich alles allein wollen und vollbringen möge, was dir wohlgefällig ist. O heiliger Gott! ziehe mich von der Welt ab, vereinige mich mit dir, damit ich in mir durch deinen heiligen Geist das Zeugniß habe, daß ich als ein Kind Gottes neu geboren sei und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig sein, damit ich nicht etwa nur heilig sei, und 84 Der glaubige Christ bittet 2c. der Heiligung in der Kirche, bei dem heil. Abendmahl oder wenn ich sonst bei Hl. Handlungen bin, mich befleiße, sondern damit ich auch heilig sei, und mich der Heiligung an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten bestreben möge, und wenn ich gar unter Weltkindern und in ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes reden, leben und thun, und in solchem seligen Stande bis in den Tod bleiben möge, wo du mich zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Freuden- Licht bringen wirst. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und heilig ist, Fliehst hingegen Schand' und Sünden, Wie die Tauben Stank und Mist; Mache mich, o Gnadenquell! Durch dein Waschen rein und hell, Laß mich fliehen, was du flieh'st, Gieb mir, was du gerne sieh'st. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Soll ohn' die Heiligung Den Herren Niemand schauen, Und ausgeschlossen sein Von jenen Himmels- Quen, So tracht' ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög' Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte, Das kommet Gott nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; D'rum bringe mich, o Gott! Zur wahren Heiligung, Ach! wirle du in mir Des Herzens Aenderung. Morgen- Gebet am Mittwoch. 85 3. Ach! heilige mein Herz, Gieb heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach! laffe Herz und Geist Beständig heilig sein, Mach' es von schnöder Lust, Von Sünd' und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein Zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Händ' Sind ja dein Eigenthum, D'rum brauch', ich sie allein Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott! heil'ge mich, Ja heil'ge Seel' und Leben, Als welche ich hiemit Dir will zu eigen geben, Hilf, daß ich also leb', Und thue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt, Und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinst auch sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben Mit allen Heiligen; Da werd ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Vor dir gezieret sein. Morgen- Gebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir, o gnädiger und liebreicher Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Hort meines Heils und mein Schuß! Ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Thron deiner Gnade, und danke dir dafür, daß du in der vergangenen Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet, meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret hast. Gelobet sei der Herr täglich, und hochgelobt ewig sein heil. Name! Mein Gott! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern Morgen- Gebet am Mittwoch. erscheinen, damit ich mich zur Ewigkeit bereiten und meine Seele dir zum Eigenthum und Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, du willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich bekehre und lebe, o! so laß mich auch diesen Tag dazu anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt, laß auch die übrigen drei Tage unter deinem Schuß und unter deiner Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angſt wandle, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach, mein Mittler Jesu! bleibe mitten in meinem Herzen, damit ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, in Noth und Tod laufen und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? Laß mich, o allerliebster Heiland! Heute in deine Hl. Nachfolge treten, und wandeln, wie du gewandelt haft, so werde 86 Morgen- Gebet am Mittwoch. 87 ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens leicht entfliehen. Sei bei mir in meinen Berufs- Wegen. Ich spreche mit völligem Glauben: Herr ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Segne mich im Schlafen und Wachen, segne meinen Schritt und Tritt, segne mich in allen Sachen, theil' mir deinen Segen mit; laß mich gesegnet sein von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufs- Geschäften mein Herz fleißig zu dir emporrichten, und wenn es sich in der Weltlust und in Welt- Sünden verwickeln und belustigen will, so gieb mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater! in deine Liebe, mein Jesu! in deine Wunden einſenke, damit es sich nicht von deiner Gemeinschaft verirre, sondern am Abend noch darin gefunden werde. Stehet mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die 88 Der glaubige Christ bittet, Meinen dir empfohlen sein, und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihren Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o Herr! und leite Meinen Gang nach deinem Wort, Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Röm. 11, 3. 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der volltommene Gotteswille. Wenn ein glaubiger Christ erwägt, daß die Weltliebe wie das Unkraut ist, welches von selbst in der Seele wächst, hingegen aber die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne wohlriechende Pflanze ist, die mit Fleiß und Mühe erst muß da hinein gesetzt und wohl bewahrt werden, so kann er daraus erkennen, welch' große Sorge und Arbeit man anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß die Welt in ihm und außer ihm sei. Die Welt in ihm find die bösen Lüste, Tücke, Begierden und Gedanken seines Herzens; die Welt außer ihm sind der bösen Menschen Erempel, Lockungen und Verführungen. Diesen allen aber muß ein wahrer Christ 2) widerstehen, und zwar den aufsteigenden Lüften und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Vermeidung der Welt Gesellschaften, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten. Weil nun dieses nicht in unsern eigenen Kräften steht, so muß er Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 89 3) Gott um seine Hilfe und seinen Beistand eifrig anflehen. 4) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen und einsperren wollte, mit Niemand reden und umgehen, sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht sündige, und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachahme. Denn wenn wir mit gar keinem Gottlo= sen umgehen sollten, so müßten wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir sollen in der Welt wie Joseph in Egypten, Lot in Sodom, Daniel und seine Freunde in Babel sein, welche aber der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man Gott seine Sünden bekennen, und zu dem heiligen Abendmahle gehen will, sondern diese Arbeit soll beständig sein. Ist die Welt aus dem Herzen heraus, so geht Jesus ein. Gebet. Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen! wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns in unsern vielen Fehlern und Schwachheiten hast, und strafft uns nicht auffrischer That, wie wir es verdienen. Ach! du haft mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne, und das Verderbniß meines Herzens einſehe. Ich fühle die Welt in mir und außer mir; ich finde die Welt in mir, Der glaubige Chrift bittet, nämlich die bösen Gelüste meines Herzens, die fündlichen Neigungen und Triebe zum Bösen. Ich finde die Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sünden- Erempeln und Verführungen reizen und verlegen wollen. Ach leider! mein natürliches unartiges Herz hat viel mehr Lust und Freude daran, als an deinem heiligen Worte und an dem Leben, das nach deinem Worte geführt wird; ach wehe mir, daß ich so lange, so oft und viel mich durch die Welt reizen und verführen ließ! Ich schäme mich, meine Augen vor dir emporzuheben, wenn ich an die Thorheit meiner Jugend gedenke, wo ich, leider! der Welt mehr, als dir, meinem Gott, gedient habe, der Welt mehr zu Gefallen gethan habe als dir; der Welt mehr angehangen bin als dir; aber auch damit dich beleidiget, mein Gewissen verlegt, und dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da, mein Gott! ich kehre um, und thue Buße im Staub und in der Asche. Ach, ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Gott! damit 90 Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 91 du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir das flågliche Ende der Weltkinder vor, damit ich dich liebe, und nicht die Welt; damit ich dir folge, und nicht der Welt; damit ich dich höre, und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von neuem laufen und fündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienſte erschaffen haft; daß ich den neuen Menschen täglich anziehen soll, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gieb, daß ich beständig die vergängliche Lust der Welt verachte, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Welt- Lust und Welt- Freude lauter Angst und Zerstreuung, ein böses Gewissen und das Verderben der Seele folgt. Reiße aus meinem Herzen, was noch Welt und Welt- Liebe heißt, 92 Der glaubige Christ bittet 2c. und pflanze deine heilige Furcht in mich. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft! Regierst von End' zu Ende, Kräftig aus eig'ner Macht, Das Herz uns zu dir wende, Und kehr' ab uns're Sinnen, Daß sie nicht von dir irren. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Du willst, o lieber Chrift! Dich dieser Welt gleich stellen, Und zu den Sündern dich Und ihrer Luft gesellen, Und meinest, das sei recht, Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ darf nicht Ein solches Weltkind sein. 2. Du meinst, es schick sich nicht, Ganz sonderlich zu wandeln, Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln; Du schämest dich zu sein Ein solcher Sonderling, Und sprichst: Man lacht mich aus Und hält mich für gering. 3. Allein d'ran kehr' dich nicht; Wo Gottes Wort hinzielet, Was Gott in seinem Wort Mit Ernst dir anbefiehlet, Sieh', darnach richte dich, und lasse Welt sein Welt; Sie sage, was sie will, Thu' du, was Gott gefällt. 4. Denn sagt uns Gott nicht selbst, Ihr sollet heilig leben, Wie ich auch heilig bin; Ihr sollt euch mir ergeben; Und stellet Christus nicht Sich selbst zum Vorbild dar, Daß wir gesinnet sei'n, Wie er gefinnet war? 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet, Den Bösen nie zu lieb Den lieben Gott betrübet; Und also mach' es auch; Halt deine Seele rein, Leb heilig und gerecht, Denn also muß es sein. 6. Du mußt nicht mit der Welt Zu ihren Sünden gehen, Du mußt in Gottesfurcht Und seiner Liebe stehen, Und thut es keiner nicht, So thu' du es allein, So wirst du deinem Gott Recht angenehme sein. 7. Ach Gott! erinn're mich An diese Lebenspflichten, Ich will mich gern nach dir Und deinem Willen richten. Ich sage ab der Welt- Und ihrer Sündenfreud', Und bleibe dir getreu In Zeit und Ewigkeit. 93 Der glaubige Chrift bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Psalm 96, V. 11. Weise mir, Herr! deine Wege, daß ich wandle in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Es ist dieses Leben nichts anders, als ein Weg; indem wir geboren werden, treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört mit demselben der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit ein. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir den guten Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endigt sich derselbe zu der Himmels- Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg des Unglaubens, der Bosheit, der Gottlosigkeit, so endigt er sich zur Hölle, zu der ewigen Verdammniß. Wenn nun dieses ein Christ erwägt, ſo soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Höllenweg, indessen aber mit allem Fleiß den Himmelsweg wandeln soll; 2) damit er nun darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle; 3) bittet er Gott um fein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben, oder was für Wege sie gehen; denn wenn er diesen nachgehen und nachfolgen will, so hört Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weicht gar 94 Der glaubige Chrift bittet, von ihm; 4) wie nun ein Wanderer einen Geleitsmann nöthig hat, der ihm den rechten Weg weise, jo bedarf auch ein glaubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg weise, den er wandeln soll. Hiezu aber gehört die Einwohnung des heiligen Gei= stes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnet? 1 Kor. 3, V. 16. Hat man aber diesen treuen Geleitsmann in sich und bei fich, so wird er auch die Gedanken, Bunge, die Sinnen und Begierden regieren; 5) dieser heiligen Regierung widersetzt sich der glaubige Christ nicht; er widerstrebt auch dem heiligen Geiste nicht, sondern er läßt sich führen, ermuntern und leiten, und ist verfichert, daß er wohl geführt werden wird, hier zeitlich und dort ewig. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat. Gebet. Herr du erforschest mich, und kennest mich, du verstehest alle meine Wege. Ach! du siehest und weißt auch wohl, mein lieber Gott! wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen und so zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen haft, und wovon Jesus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Weg und Vorhaben ab Gott wolle ihn regieren und leiten. führt. Bald verführt mich mein eigenes Herz durch böses Gelüste, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Beispiel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn; ich verleße mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach! leite und führe mich nach deinem Rath. Du hast ja gesagt: Ich will dich mit meinen Augen leiten. Herr! hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott! der du dein Volk trocknen Fußes durch das rothe Meer, und unverletzt durch die Wüste in das Land geführt hast. Ach! führe mich durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverleßten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir mein Herz, meinen Mund, meine Glieder und mein ganzes Leben. Regiere mein Herz, und erfülle es stets mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, damit sie nicht nach verbotenen Dingen greifen und auf 95 Der glaubige Chrift bittet 2c. Sünden- und Höllen- Wegen wandeln. Regiere meinen Mund und meine Zunge, daß sie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte vorbringen mögen. Regiere mein ganzes Leben, damit ich von nun an nicht mehr gegen dich fündigen, sondern ein frommer Christ heißen und sein möge. Ach! laß nicht von mir und überlasse mich nicht meinem eigenen Willen, denn wenn ich mich führe, so werde ich verführt; gieb mir eine heilige Behutsamkeit in allem meinem Thun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich mich nach dir und meines Jesu Beiſpiel allein richten möge. 96 Ja, leite mich mit deinen Augen, und richt' mein ganzes Leben All'zeit nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben In Todesschlummer hin; Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich selig sterben, Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. Gefang. Wiel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Vater! gieb mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt; O wie wohl! wenn ich sie habe, Gieb mir deinen guten Geist; Herr! ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen, Ach! erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. Abend- Gebet am Mittwoch. 97 2. Ja laß diesen Geist mich lehren Weil ich lebe in der Zeit, wie ich mich nun soll bekehren, Und wie ich in Frömmigkeit Soll beständig einhergehen; Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist, Und sich gründ't auf Jesum Christ. 3. Laß Herr, deinen Geist mich führen Allezeit auf eb'ner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab' gethan; Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach' Folgen diesem Führer nach. 4. Auch laß diesen Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit; Wenn die Noth am allergrößten, So laß mich zu keiner Zeit In den Angst- und Trauer- Tagen, Und im Leidens- Sturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugniß giebt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft den größten Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So woll deine Vater- Hand Mir den Geist auch zweifach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben sein, Und von groben Fehlern rein. 6. Werther Geist in's Himmels Throne, Gleicher Gott von Ewigkeit, Mit dem Vater und dem Sohne, Komm zu mir, ich bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben Will ich dir zur Wohnung geben, Komm', ach komm', und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein. 7. Ach! bewahre mich vor Sünden, Ach! laß meine Zuversicht Sich auf Jesum Christum gründen, Werther Geist! verlaß mich nicht, Ach! durch deine Liebes- Triebe Stärke mich in Glaus' und Liebe, Führe mich durch diese Zeit In die frohe Ewigkeit. Abend- Gebet am Mittwoch. Ich liege und schlafe und erwache, denn der Herr erhält mich. O du heiliger, gütiger und allein weiser Gott! du hast mich heute wiederholt erfahren lassen, daß du der rechte Vater über alles bist, Start's Hbb. 1r Thl. 7 98 Abend- Gebet am Mittwoch. was Kinder heißt im Himmel und auf Erden; du hast nach deiner unendlichen Güte für mich gesorgt, daß es mir nicht an irgend einem Gute gemangelt hat. Ach Herr! ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du an mir beweiseft. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich an mir thut, an mir, der ich nur Staub und Asche bin. Verschmähe nicht das demüthige Lob- Opfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und schaue mich ferner in Gnaden an. Vergieb mir, o gnädiger Gott! was ich an diesem Tage mit Gedanken, Worten und Werken. gegen dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern zugleich alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe und mein ganzes Leben hindurch hasse und lasse. Laß mich die bevorstehende Nacht mit allen meinen Verwandten und Hausgenossen unter deinem Schuß und deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, aber laß, o Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit! deinen Glanz immer in Abend- Gebet am Mittwoch. 99 meinem Herzen leuchten. Erfülle michy im Schlafe mit guten Bewegungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager bei schlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle unnüßen Sorgen und sündliche Gedanken vertreiben möge. Erneuere im Schlafe meine Kräfte, damit ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wacht ein Hirte bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele empfohlen sein. Wenn du aber zur Prüfung meines Glaubens, meiner Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über midy verhängen wolltest, so denk, mein Gott! daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich nichts vermag, und daß es dir, als meinem Vater, zukomme, Errettung und Hilfe von deinem Heiligthum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich; im Glend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Laß deine Allgegenwart bei Tag und Nacht mich 100 Der glaubige Christ bittet von Sünden abhalten. Ich hebe auch bei anbrechender Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Herr! es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin, Zeige mir auch ferner an, Wenn ich was nicht recht gethan, Und hilf mir in allen Sachen, Guten Feierabend machen. Amen. Der glaubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen angezündet werden möge. Aufmunterung. 1. Joh. 4, B. 16, 19. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Laffet uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Glaubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz auf's Genaueste zusammen verbindet. Ein glaubiger Christ bittet demnach 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen, und dieselbe in ihm ausgießen wolle. 2) Er darf auch die Mittel nicht verachten, durch welche Gottes Liebe an ihm angefangen und vermehrt werden kann, nämlich durch die andächtige Anhörung und um die wahre Liebe zu Gott. Betrachtung des Worts Gottes und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Steht er in der Liebe Gottes, so muß er solche auch in einem heiligen, christlichen Wandel, durch anständige Reden, turch Gott wohlgefällige Handlungen beweisen, denn die Liebe ist einem Feuer gleich, welches seine Flammen und Rauch nicht verbergen kann. 4) Er muß sich aber vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wieder lieb gewinne, denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Deßwegen muß er aus Liebe zu Gott die Welt und die WeltFreundschaft und Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch bis in den Tod verharren. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren; man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre in der Lust und Liebe der Welt hingebracht, und darüber der Liebe Gottes vergessen hat. 101 Gebet. A du liebreicher, gnädiger Gott! du bist allein liebenswürdig; dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben. Ach! ich klage und bekenne, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbfünde in mir erlo 102 Der glaubige Christ bittet schen ist, sodann wie ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade nicht allezeit Plaß gegeben habe, damit wieder eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändere doch mein Herz, reiße aus demselben alle Welt- und Sünden- Liebe, und laß in meinen Ohren die Worte erklingen: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenluft und zum Hoffärtigen Leben, und zünde durch deinen hl. Geist in mir eine wahre Liebe zu dir an, damit ich dich allein lieben und alle Eitelkeit fliehen möge; dann will ich ein rechtes Kind Gottes sein, so muß die Sünden- Welt und eigene Liebe zum Herzen hinaus. Darum komme ich, mein Gott! zu dir, und bitte dich, ach! gieb mir deinen heiligen Geift, der diese edle, nothwendige und christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge, in dessen Kraft will ich dich von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll um die wahre Liebe zu Gott. 103 an dich denken; mein Mund soll von dir reden; du ſollst mir lieber sein, als alle Welt und Weltfreude, als alle Herrlichkeit, ja als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu sündigen; aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Personen und Gesellschaften enthalten; aus Liebe zu dir will ich allein nach deinem Willen mein Leben einrichten; dich will ich ehren und fürchten, dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott! entzünde diese Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, damit ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre hindurch lieben, sondern damit meine Liebe immer zunehmen und bis an mein seliges Ende dauern möge. Gieb mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Ach! laß mich in Liebe mit dir in Zeit und Ewigkeit vereinigt sein. Ich liebe dich, o lieber Gott! Ja, dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott Soll meine Liebe stillen; Und sollt' kein Höll' und Himmel sein, Das mich zur Liebe triebe, So wär'st du mir genug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Morgen- Gebet am Donnerstag, Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, daß sich doch Gottes Liebe Tief ergöße in mein Herz! Ach, daß sie doch immer triebe Meine Seele himmelwärts! Ach, daß doch all' mein Beginnen, Ach! daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt Wär'n durch Gottes Lieb' entflammt. 104 2. Ach, daß diese Liebe riffe Aus mir alle Lieb' der Welt! Ach, daß ich mich stets beflisse, Das zu thun, was Gott gefällt, Und aus Lieb' ihn nicht betrübe, Nie, was ihm mißfällt ausübe, Daß die Welt mir bitter wär' Und Gott süßer mehr und mehr. 3. Ach, daß diese Lieb' mich brächte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflöße, Daß ich nicht der Lieb' genöße, Daß ich ihm mit Lieb' nachgieng, Und mit Liebe ihn umfieng. 4. O du Liebe! so ergieße Dich in mein Herz tief hine ein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen möge sein, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich size, schlaf' und gehe, Dir zu Liebe Alles thu' Und aus Liebe in dir ruh'. 5. Laß mich in der Lieb auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit, Führe mich als deinen Erben, In die frohe Ewigkeit; Dieser Lieb' laß mich genießen, Bis ich werd' die Augen schließen, Und auch geh'n zur Freude ein, Wo wird lauter Liebe sein. Morgen- Gebet am Donnerstag. Herr! höre mein Wort; merke auf meine Rede! vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde dafür, daß du mich von meiner Jugend na und auch in der vergangenen Nacht so väterlich Morgen- Gebet am Donnerstag. ernährt und bewahrt hast. Allmächtiger! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engel Schuß umgeben, so daß mich kein Unfall berühren, und kein Unglück hat beschädigen können. Du hast mich durch eine saufte Ruhe erquickt, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Ge ängstete haben entbehren müssen, während ich wohl eben so viel, ja noch mehr Züchtigung verdient hätte, als sie, indem ich dir Zeit meines Lebens nie so dankbar gewesen bin, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer und Erhalter! war. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen, und mich dir zu eigen zu ergeben. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund heute keine Ulebertretung begehe. Ich will meinem Fuß alle sündlichen Wege wehren; mein Auge soll nicht nach verbotenen Dingen und Personen schauen; 105 106 Morgen- Gebet am Donnerstag. ich will meine Hände nicht zur Ungerechtigkeit ausstrecken, und will mein Ohr von loser Lehre und bösem Gerede, welches gute Sitten verderbt, abwenden! hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott! zu deinem Dienste ergeben. Ach! wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade; laß mich an diesem Tage immer mit frommen Leuten umgehen, und wenn ich je zu bösen Leuten komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden und Thaten. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit findlicher Zuversicht auf deine Für forge freudig verrichte und deinen Segen überall empfinden möge. Nun hebe ich meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat; dieser segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis zum Eingang in die frohe Ewigkeit. Meinen Ausgang fegne Gott! Meinen Eingang gleichermaßen; Segne auch mein täglich Brod; Segne all' mein Thun und Lassen; Segne mich mit sel'gem Sterben, und mach' mich zum Himmels- Erben. Amen. 107 Der glaubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. 1. Joh. 4, V. 20. 21. So Jemand spricht: ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, der auch seinen Bruder liebe. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet; daran wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. So beschreibt Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, V. 34; nämlich, daß man sie daran erkennen soll, wenn sie ihren Nächsten lieben würden. Es soll Niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten hasset; o nein! Es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter, 2) auch unser Nachbar, HandwerksGenosse und Mitbürger, der uns beneidet, übervortheilt und haßt. Den Feinden soll man 3) nicht allein nichts Böses wünschen, nicht schelten, Böses mit Bösem vergelten, sondern vielmehr alles Gute gönnen, Liebe und Freundschaft erweisen, und ihn lieben als sich selbst, denn Christus sagt: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch haßen; bittet für die, so cuch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5, V. 44, 45. Gebet. Ach, du liebreicher Gott! der du uns herzlich liebst, und aus dieser Liebe uns 108 Der glaubige Christ bittet an Leib und Seele viel Gutes thuſt, aber uns auch geboten hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfaffen sollen. Ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben wie mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen giebst, mich freuen, als ob es mir selbsten widerfahren wäre. Ich follte meinen Feind, der mich haßt, schmäht, verfolgt, drückt, herzlich lieben, ihm Gutes wünschen, ja, ihm viel Se gen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du, allwissender Gott! siehest und weißt, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernt ist, wie, leider! wenn du meinem Nächsten wohl thust, ihm Glück, Chre und Wohlthaten darreichest, mir aber nicht, ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Ach, mein Gott und Vater, ich erkenne daraus das Elend und das Verderben, darin ich noch stecke, um die wahre Liebe des Nächten. und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jesu bin, wie ich billig sein sollte. Darum bitte ich dich, ach! ändere doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, damit ich durch deine Gnade meinen Nächsten herzlich und aufrichtig wie mich selbst lieben möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinen Nächsten gerne und mit Freuden das Geringe gönne, was du ihm giebst, und nicht deßwegen scheel dazu sehe, wenn du mich nicht mit gleicher Wohlthat erfreust. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, damit ich mich nicht etwa freundlich mit Worten anstelle, wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und wenn ich ja der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahre, so gieb mir Kraft, daß ich solches mit Sanftmuth überwinde, nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute wünsche. Herr, mein Gott! du siehst, 109 110 Der glaubige Christ bittet 2c. wie dem Fleisch diese Pflicht so schwer wird; aber durch deine Gnade und durch deinen Beistand wird mir ihre Erfüllung möglich werden. Laß mich an Andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jedermann, Ohn' Eigennuß und Heuchelschein, Und wie du mir's erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. Amen. 19001 Gesang. Mel. O Gott, du frømmer Gott. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern sein, Warum ist Falfchheits- Tüdk' Bei Ihnen so gemein? 2. Wo findet man jetzt Lieb', Wo sind die Liebes- Proben? Die Liebeswerke sind Fast gänzlich aufgehoben; Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu? Regiert die Falsch heit nicht Und lauter Heuchelei? 3. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen, Man darf auf Reines Wort Hienieden fast mehr bauen. Ein anders denkt das Herz, Ein anders redt der Mund, Und schöne Worte geh'n, Doch nicht aus Herzens- Grund. 4. D falsche böse Welt! Gott fennet deine Stücke, Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke; Du haft die Liebe nicht, Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe sein. 5. Allein wer keine Lieb' Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzens- Grund Auch seinen Gott nicht lie ben; D'rum glaube nur gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei dem man lauter Haß Und keine Liebe find't. 6. Mein Gott! verleih' mir Gnad', Daß ich in Lieb' umfassen Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feind Der glaubige Christ will Jeju nachfolgen. 111 schaft haffen. Ach! mache selbst mein Herz Von aller Bos= heit rein, Daß ich auch in der Lieb' Mög' Christi Jünger ſein. 7. Laß deine Lieb' zu mir Vor meinen Augen stehen. Und laß mich ihre Spur Mit allem Fleiß nachgehen, Ja, daß ich mich betracht' Und an mir nehme ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab'. 8. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu' und Liebe In meinem Herzen sein, Damit ich Lieb ausübe Gieb mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Lieb' und ohne List Und ohn' Betrügerei. 9. So leb' ich als dein Kind Und werd' dahin gelangen, Wo alle Glaubigen In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit, Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. Der glaubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Matth. 16, V. 24. der biolgen, der Berlän Will mir Jemand nachfolgen, verläugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Herr! siehe! ob ich auf bösem Wege bin? So soll ein glaubiger Christ täglich beten, Psalm 139, V. 24. Wie ein behutsamer Wanderer fleißig nach dem Wege fragt, so soll ein Glaubiger sich fleißig nach dem Himmelsweg erfundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, darum soll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführt werde. Ein glaubiger Christ folgt demnach 1) nicht den Weltfindern nach, die ihn zu ihren lustigen und fündlichen: Gesellschaften mitnehmen wollen, viel weniger noch folgt er dem Triebe seines bösen Herzens, sondern er denkt allezeit, wenn ihm etwas in die Gedanken. kommt, ist das auch recht? Er folgt auch nicht dem Satan und seinen Reizungen nach, sondern folgt: 2) der hl. Schrift, die ihm vorstellt, was er glauben, was er thun und unterlassen soll, das ist seine Lebens Der glaubige Christ Regel; 3) dem Herrn Jesu, der uns ein Vorbild gelassen hat, daß wir seinen Fußstapfen nachfolgen follen, die Fußstapfen Jesu aber sind Demuth, Ge horsam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er fulgt auch 4) dem Erempel frommer Christen nach. Sieht er an frommen Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit, Mildthätigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch solchen nachzuahmen. 5) Diese heil. Nachfolge aber soll beständig bis in den Tod bleiben, so wird dann an solchen Seelen auch erfüllt werden, was Johannes fagt, Offenb. 14, V. 1.: Sie folgen dem Lamme nach in dem ewigen Leben. 112 Gebet. Ach, mein Gott und Herr! mein einziges Verlangen ist, daß ich so lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese: Die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hingeht; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher dem Lamme in der Herrlichkeit nachfolgen will, ihm auch in dieser Zeit, so lange er noch in der Welt lebt, nachfolgen muß. Wenn ich dies bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgänger, und weiß nicht, wem ich will Jesu nachfolgen. folgen soll. Der Satan ladet mich zwar durch seine Verführung ein, ihm nachzufolgen; die Welt stellt mir ihre Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor, allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nämlich zur Hölle und Verdammniß. O darum will ich dir, o Jesu! nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir im Glauben, in Liebe, in Demuth, im Gehorsam, in der Frömmigkeit und in Keuschheit nachfolgen. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, damit wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen; dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Vater lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächsten lieben und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gerne verzeihen. Ich will nach seinem Erempel demüthig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Nun dieses Start's$ db. 1r Thl. 8 113 114 Der glaubige Christ will Jeju nachfolgen. ist mein heiliges Vorhaben, dazu wolleſt du mir Kraft verleihen. Ach! erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Welt- Kinder Verhalten, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke: Wo gehest du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selbst frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gieb, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich sein soll, und wer ich bin; ich soll ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu sein; ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in meiner Nachfolge und in deinem Sinn beständig bis in den Tod verharre. Ich folge Jesu nach In Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, Die soll mir Niemand rauben; In Demuth folg' ich ihm: Werd' ich im Folgen schwach, So stärkt mich seine Hand, Ich folge Jesu nach. Amen. Gesang. Deel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus bleibet meine Freude, Db schon in der Welt nichts bleibt, Er ist meiner Seele Waide, Von dem mich nichts Irdisches treibt, Such' ich Freud' in diesem Leben, Kann mir solche Jesus geben, D'rum soll Jesus nur allein Meiner Seele Freude sein. 2. Jesus bleibe meine Sonne, Db die Sonne unter Abend- Gebet am Donnerstag. 115 geht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Db schon alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder scheinen, D! so stehets um mich wohl, Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Dennoch stets mein befter Freund; Leb' ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden, Und ich hab an ihm gefunden, Was ich in der Welt nicht find', Ja, an teines Menschen Kind. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnügen fehlt; Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich vergnügt was er erwählt, D'rum sprech' ich, mir soll in allem, Was nur dir gefällt, gefallen; Mein Vergnügen ist dein Will', Deinem Willen halt' ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergößen, Sonsten acht' ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schäßen Ist mir sonst kein Schaß bewußt; Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Jst mein Jesus nur allein; Soll's auch dort im Himmel sein. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh', Denn nur er ist mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh'. Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden; Ich folg', ob ich gleich bin schwach, Jesu Gottes Lamme nach. 7. Wählt, ihr Menschen! o erwählet Mit mir dieses höchste Gut, Wenn's euch gleich an Bielem fehlet, So habt einen guten Muth; Suchet Jesum, halt' ihn feste, Dieses ist das allerbeste, So habt ihr in aller Noth Hülf und Trost selbst in dem Tod. Abend- Gebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O reicher und liebreicher Gott und Vater! hier komme ich abermals mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft und begnadigt, in dieser Abend- Gebet am Donnerstag. Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, daß ich den Abend unbeschädigt erlebt habe; deine Langmuth hat meiner geschont, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft hast. Ach! verzeihe mir alle Uebertretungen, mit denen ich dich beleidigt habe. Ich sollte stärker werden, gegen die Sünde zu kämpfen, eifriger im Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel; aber wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch künftig das mit Fleiß meiden, mit was ich dich heute beleidigt habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärst du nicht ein so barmherziger Gott, Herr! wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott! ach, schließe du selbst die Thüre hinter mir zu, wie an dem Kasten Noa, damit fein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in den Schuß nehmen, damit meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe 116 Abend- Gebet am Donnerstag. 117 nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen in's Bette auch daran denken, wie ich dereinst mit Erde werde bedeckt, aber am jüngsten Tage wieder werde auferweckt werden. Laß mich alle Tage so hinbringen und beschließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens getrösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde auch du mich heimzuführen kommen wirst. O dreieiniger Gott! unter deinem Schirm und Schild kann mich keine Noth und kein Tod verleßen. Deine Liebe und dein Schuß, o Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! sind die Wagenburg; in dieser ruhe ich sanft, und ruhe darin wohl bewahrt, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinen deines Schußes genießen, wie auch alle Armen u. Glenden. Stärke im Schlaf meine Kräfte, und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder schauen! Herr! laß mich ruhig schlafen ein; Hilf, daß mich nichts erschrecke, Und wenn die rechte Zeit wird sein, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit 118 Der glaubige Christ erkennt, tret', Wenn ich zuvor hab' durch's Gebet Dir meine Werk' befohlen. Verschmäh', o Gott! mein Vater, nicht Mein Seufzen, Beten, Flehen, Laß mich dich, Jesu, wahres Licht! Auch in dem Finstern sehen; Dheil'ger Geist! am letzten End', Mit deinem Trost dich zu mir wend', Daß ich d'rauf sanft einschlafe. Amen. Der glaubige Christ erkennt, daß Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Psalm 73, V. 25. 26. bus Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Das höchste Gut zu besitzen, das ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; aber darin haben die Meisten gefehlt, daß sie nicht gewußt haben, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen sein, und muß uns im Leiden und Tode, in Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Hienach ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichthum, welchen viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten, denn er verläßt uns im Tode. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Gerechte in Verachtung und Schande; dies Glück verwandelt sich in Jammer und Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor allen irdischen Gütern, da man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden im Tode. Deß wegen sucht ein glaubiger Christ sich ein wahres beständiges Gut, welches aber 4) allein Gott ist; bat daß Gott allein das höchste Gut je. 119 er Gott, so hat er Alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfreut den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquickt ihn im Tode, bleibt mit ihm vereinigt in Ewigfeit. Zu diesem Gute können wir gelangen 5) durch's Gebet, durch Anhörung des göttlichen Wortes, durch Betrachtung desselben, und durch den Beistand des heil. Geistes; nur 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Luft nicht sein höchstes Gut sein lasse. Gebet. du gnadenreicher Gott, wie bist du doch so herrlich, so schön, so vollkommen! Wer dich hat, der hat Alles, der hat das beste und vortrefflichste Gut. Ach, schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz, damit ich allein dich suchen u. dich finden möge! Ach! bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum besigen, oder großes Vergnügen und große Herrlichkeit erlangen, so haben sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt; diese Güter verlassen die Menschen im Tode, sie folgen ihnen nicht in die Ewigkeit nach, fie trösten sie nicht in 120 Der glaubige Christ erkennt, der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackt und bloß, ja, ohne Gott. O! darum gieb, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres Gut; du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen, ei, so vereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit. Sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und dem Rost unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie zernichten, ſo bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit demselben gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja, mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein Gott! wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben. O darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, so habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Noth, den daß Gott allein das höchste Gut sei. 121 größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allersüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn mich die Welt und ihr Gut verläßt, so verläßt mich doch Gott nicht. 101 TU Ach, Herr! wenn ich nur dich hab' Ei, so sag ich allem ab, Legt man mich gleich in das Grab, Ach, Herr! wenn ich nur dich hab'. Amen. CULTURE Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. In Gott bin ich immer fröhlich, In Gott hab' ich lauter Freud', In Gott bin ich reich und selig, Gott ist felbst die Seligkeit. Darum laß die Welt einfallen, La das Ungewitter knallen, Bleibet nur der Höchste mein, So tann ich vergnüget sein. 2. In Gott hab' ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt; Der den Himmel mir beschieden, Ist mein Jesus, der mich krönt; D'rum kann ich im Frieden sterben, Und in Fried' den Himmel erben; Fried' in dieser Lebenszeit, Fried' in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher rasten, Er ist meiner Seele Ruh'; Zu Gott wie zu Noa Kasten, Eil' ich wie das Täublein zu; Ruh' im Leben, Ruh' im Herzen, Ruh' in Trübsal, Ruh' in Schmerzen, Ruh' im Leiden, Ruh' in Noth, Ruh' im Grabe, Ruh' im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schäßen, Welche keine Zeit verstreut; Freud', Vergnügen und Ergößen Und des Troftes Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schaue doch in diesem Leben; Wie wird's einst im voller Schein Herrlich in dem Himmel sein! 5. D'rum will ich in Gott verbleiben, Gr ist meiner Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, und bin auch mit Gott verbunden In den letten Todes- Stunden; Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tode nicht. 122 Morgen- Gebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, Gott! daß ich finge und lobe. Gnädiger und liebreicher Gott, mein Vater, Erlöser und Heiligmacher! ich hebe in dieser Morgenstunde mein Herz und meine Hände zu dem Throne deiner göttlichen Majestät empor, von welchem mir in der ganzen Zeit meines Lebens und auch in der vergangenen Nacht gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, mein Alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsterniß an mich gedacht, und meinen Leib und meine Seele vor allem Schaden und vor aller Gefahr väterlich behütet, darum lobe ich dich, und lobsinge deinem Namen: der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Sei, o liebreicher Gott! auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ic Morgen- Gebet am Freitag. 123 nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Sage meinem Geiste heute und allezeit, was ich reden soll, damit ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, damit ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz klopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laß mir, o Jesu! dein blutiges Bild vor Augen stehen, wenn Fleisch und Blut sündliche Lüfte in mir erregen, so wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden in der ganzen Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe und in dem neuen Wesen des Geistes wandle. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich außgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Ümgieb auch mich und die Meinen mit deinem Schuße, wie das Haus Hiob's; bewahre mich, wie den Jakob; habe Acht auf mich, wie auf Elias, damit ich unter deinem Schuße den Abend fröhlich erlebe. 124 Der glaubige Christ bittet um Demuth. Meinen Leib und meine Seele Sammt dem Willen und Verstand, Großer Gott! ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf dein Eigenthum. Amen. Der glaubige Christ bittet um Demuth. Aufmunterung. 1 Petr. 5, V. 5. 6. Haltet fest an der Demuth, denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade. So demüthiget euch nnn unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Unter denjenigen Sünden, gegen welche ein glaubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmuth des Herzens, welche gerne in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur nach dem Sündenfalle, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen und auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein glaubiger Christ erwägt, so bittet er Gott um ein demüthiges Herz 1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich: Gottes Wort halten, Liebe üben und demüthig sein vor deinem Gott, Mich. 6, V. 8. Er wird gegen Gott aber demüthig werden, wenn er Gottes Hoheit, Majestät und Herrlichkeit bedenkt und betrachtet. Es wird ein glaubiger Christ demüthig werden 2) gegen den Nächsten, wenn er denkt, wie sein Nächster viel leicht viel frömmer, andächtiger, und daher Gott angenehmer sei, als er; wie er ein Wort, eine Taufe, ein heiliges Abendmahl, einen Himmel habe, ja, daß er im Grabe wie der ärmste Bettler verfaulen und Der glaubige Christ bittet um Demuth. 125 zu Asche werden wird. Es wird ein glaubiger Christ auch demüthig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwägt, daß er Alles, was er hat, alle Gaben: Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Gebet. l Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du der Hohe und Erhabene bist, vor dessen Thron Cherubinen, Seraphinen und alle Auserwählten in Demuth ihr Antlig bedecken, ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zum Hochmuthe geneigt bin; es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche der Anfang aller Sünde ist, vergiftet, so daß ich oft vergeffe, daß ich Staub und Asche bin. Ach, mein Gott! gieb mir doch ein demüthiges Herz, damit ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demüthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken belei 126 Der glaubige Christ bittet um Demuth digen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammniß; was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, und du es mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, damit ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, damit ich ihn nie gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie die Hoffärtigen dir noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demüthigen Seelen Licht, Troft, Gnade und Güte reichlich haft fließen lassen. Wende von mir alle hoffärtigen Gedanken; gieb, daß ich mich vor stolzen Worten hüte; bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, woraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringt. Drücke in nein Herz das Bild meines Der glaubige Christ bittet um Demuth. 127 demüthigen Heilandes, der sich unter Engel und Menschen erniedrigt hat, welcher auch mir zuruft: Lernet von mir, denn ich bin von Herzen demüthig. Iſt mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich geehrt, so laß mich dieses so ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben, und dazu berufen habest. Gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von Niemand Ehre begehre, sondern allen Ruhm dir allein beilege. Gieb mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß Alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, damit ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth in Frieden und Einigkeit mit Jedermann leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu sein, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünde, davor bewahre mich in Gnaden. Und wenn dir 128 Der glaubige Christ bittet um Demuth. je gefallen sollte, mein Gott! mich in Spott und Verachtung fallen zu lassen, so gieb mir Kraft und Särke, daß ich alles mit Demuth, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demüthigung und desto größeren Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Herr, Herr! verleihe mir Kraft und Stärke durch dernen mächtigen Beistand, dieses alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben, und sind all'zeit arm im Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd' allein gepreis't, Danken ihm auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr, Gott wird dort zu Ehren seßen, Die sich hier geringe schäßen. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Demuth ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr, Denn sie zieret uns're Jugend, Und das Alter noch viel mehr; Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zu großem Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demüthig, Er erhob sich selber nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bericht't; Ja man fand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben, D'rum spricht er zu mir und dir: Lerne Demuth doch von mir. 3. Wer in Demuth ist befliffen, Ifst bei Jedermann beliebt, Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre giebt; Demuth hat Gott stets gefallen, Sie Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. 129 gefällt auch denen allen, Die auf Gottes Wegen geh'n Und in Jesu Liebe steh'n. 4. Demuth macht uns nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die Demüthigen anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn fie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist Als ein frecher stolzer Christ. 5. Demuth bringt uns großen Segen, Und erlangt uns Gottes Gnad', An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel' geschmücket Und in seinem Thun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 6. Diese edlen Demuthsgaben, Welche sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher sie von Herzen sucht; Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Demuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demuth, Lieb', Kommt aus Gottes Geistes Trieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein; Es soll Demuth in Geberden, Demuth soll im Herzen sein, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen Gott, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, Gottes Gnade in der Zeit, und dort bei der Freuden Sonne Friede, Licht und Herrlichkeit, Da wird Demuth herrlich prangen Und die Ehrenkron' erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. 1. Petr. 2, V. 21-23. Chriftus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir follen nachfolgen seinen Fußstapfen, welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward; nicht drohte, da er litte; er stellte es aber dem heim, der da recht richtet. Wenn ein Mensch in seinem Christenthum einen guten Anfang gemacht hat, daß er sich von äußerlichen Stark's Hdb. 1r Thl. 9 130 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. groben Sünden gereinigt hat, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, Ueppigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, Spielen, Welt- Gesellschaften, so muß er darauf bedacht sein, auch das Innere besonders von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Rachgier zu reinigen, und sich der Sanftmuth zu befleißigen. Diese besteht darin, 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht aus Haß, Zorn und Rachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmüthig sind und diese edle Tugend besigen, können wir nicht bälder wissen, als bis uns ein Feind angreift, der nach unserer Ehre, unserem Gute und unserem guten Namen trachtet; denn wer da gleich im Zorn entbrennt, flucht, droht, bei dem wohnt der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht gegen die Sanftmuth, Schutz gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief und sich in des Kaisers Schutz begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte, Apostelg. 25. V. 11. 4) Steht es wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere in Grimm und Bitterfeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drückt, will Gott eine Probe unsers Glaubens sehen, und uns zur Erkenntniß der vorher begangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mi unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepreßt haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmuth sind, im Herzen zu verzeihen, für die Feinde zu beten, Matth. 5. V. 54., ihnen Gutes zu wünschen, alles Gute zu thun, alles Gute zu gönnen und zur Versöhnung willig sein. Der glaubige Christ bittet um Sanstmuth. 131 Gebet. A du liebreicher Gott! der du die Liebe ſelbst bist, und deine Liebe in mein Herz durch den heiligen Geist ausgießen willst, ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oft gar widerspenstig und ungehorsam ist. Es sollen in demſelben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit sein; aber ach! ich finde leider anstatt dieser christlichen und nothwendigen Tugenden, Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, den wieder zu schelten, der mich schilt, dem Böses zu vergelten, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott! aus deinem heiligen Wort weiß, daß diejenigen, welche solches thun, nicht in's Reich Gottes kommen sollen, und daß ein solches Benchmen gegen die Feinde nicht der Kinder Gottes und der wahren Christen Art sei! ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaft und unversöhnlich ist, 132 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. und ich bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott! und gieb mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und von aller Bosheit und Rachgier reinige. Hilf, daß ich allezeit auf das Erempel meines Jesu sehen möge, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinenFeindendrohte, als ob er sich an ihnen künftig rächen wollte, indem er litte; er stellte vielmehr alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gieb mir auch einen solchen stillen, sanft müthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lasse. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich wie ein Tauber und wie ein Stummer sein möge, wenn mich mein Feind schmäht. Hingegen gieb Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl geht, ihm alles Gute wünsche, gönne, ja, ihm gerne helfe und wohlthue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft wahrnchmen lasse, sondern wie gegen Freunde, so auch gegen meine Feinde in dem Herzen Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. 133 mitleidig, in Worten freundlich und aufrichtig, mit Werken wohlthätig sei, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert und all mein Gottesdienst und meine Andacht nicht verwerflich werde. Gieb, daß ich von Herzen verzeihe und meinen Schuldigern vergebe. Lasse auf mich den Segen kommen, welchen du den Sauftmüthigen verheißen hast. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich befizen; selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die gegen diese Tugend aufsteigende Luft, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, u. dermaleinst durch deine Gnade in die Häuser des Friedens versetzt werde. D Seele! schaue Jesum an, Hier kannst du recht erkennen, Was wahre Demuth heißen kann, Und was wir Sanftmuth nennen; Er stellet sich zum Muster dar: Wie Jesus nun gesinnet war, So ſei du auch gefinnet. Das Böse sucht er alsobald Mit Gutem zu vergelten, Man hörte wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten; Er giebt es seinem Vater hin, So sanft ist deines Jesu Sinn, So sei du auch gefinnet. Amen. 134 Der glaubige Christ bittet um Sanjimuth). Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. 1. Sieh' doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott, ach! höre doch; Großer Gott! du lebst ja noch. Sieh', wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre Herr, ach! hör' sein Schelten, Aber ach! verleih' mir Gnad', Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mög' vergelten, Was er wider mich ausübt Und mich auf das Blut betrübt. 3. Gieb, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt, Und für Gutes Bös' vergilt; Daß ich in Geduld mich fasse, Und ertrage als ein Christ, Was dem Feind beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir auf's Schlimmste flucht, Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög' begegnen Mit gelaff'nem stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Lasse mich auf Jesum sehen, Der da gar nicht wieder schalt, noch mit Bösem Bös' vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gottes- Kind Stets mit Sanftmuth überwind'. 6. Ach! laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir sezet zu, Daß ich ihm da Gutes thu', Daß in meinem Wort und Werken Sich nicht finde Bitterfeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid.7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wollest ihn bekehren, Daß er werd' hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach! du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich) gethan, Rechne doch es ihm nicht an. Und du wollst uns Gnad' verleihen, Daß wir leben nach dem Streit, Stets in Fried' und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinstmals sterben, Daß wir sterben als versöhnt, Und mit deiner Gnad' gekrönt, Laß uns beid' den Himmel erben, zu des Lammes Hochzeit geh'n Und dein Antlig ewig seh'n. 135 Abend- Gebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott! lasse auch in der bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich herlagern und mit ihrem mächtigen Schuß umgeben! hast du den Engeln des Lages befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so lasse sie auch des Nachts um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu, ach! laß nichts Schädliches sich zu mir nahen! ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wohin ich mich gewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du haft zu Allem, was ich in deinem Namen angefangen habe, Glück gegeben. Ach! daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so groß Uebel thun, und gegen Gott ſündigen! Ach! verzeihe mir aus Gnaden, was ich an diesem Tage Böses gethan, geredet, gedacht habe. So du willst Abend- Gebet am Freitag. Sünde zurechnen, Herr! wer wird bestehen? Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Hüter! Mein Hirte, nimm mich an; Von dir, Brunn aller Güter, Ist mir viel Guts gethan. Lasse mich diese Güte zur Buße leiten; lasse dein heißes Blut und deine treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, damit ich dich niemals mehr vorsätzlich beleidigen möge, der du so viel Gutes an mir gethan haft. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder; es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde, dieses steht allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens! Aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o Jesu! in deiner Gemeinschaft, o werther heil. Geist einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen ſollte. 136 Der glaubige Christ bittet 2c. 137 Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh', Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu, Jch fürchte nicht die finst're Nacht, Weil Jesus um mein Bette wacht. Amen. Der glaubige Christ bittet um den hl. Geist. Aufmunterung. Psalm 51, V. 12. 13. Schaffe in mir, o Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Um den heiligen Geist zu bitten, ist die allernothwendigste Bitte, denn es ist 1) der heilige Geist eine Gabe, die nur denen gegeben wird, die sich heiligen, reinigen und von ihm regieren lassen wollen, und die darum bitten. 2) Wir haben einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster nöthig, und das ist der heilige Geist, dieser führt uns in alle Wahrheit, und verklärt Christus in uns; er tröstet uns in allerlei Leiden und Trübsal, ja in der Stunde des Todes: Wer hier den heiligen Geist nicht im Herzen hat, der kann nicht selig werden. Wer ohne den heiligen Geist ist, wird fündigen und fallen, und in der letzten Noth ohne Trost bleiben. 3) Hat uns aber Gott den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht durch Sünden und Laster wieder von sich stoßen, sondern täglich feufzen: nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Gebet. Großer Gott, heiliger Vater! fiche, ich armes Kind komme zu dir, und bitte 138 Der glaubige Christ bittet dich um eine nothwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du gnädiglich verheißen haft Allen, die dich darum anrufen; darum sende ihn von oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er mein Führer sei, der mich leite nach deinem Rath, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viele Irrwege und Sünden- Wege; ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich solle mit ihnen fündigen und Böses thun. Ach Gott! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt und die Welt- Sünden gefallen pollen, daß mich solcher breite Weg in die Verdammniß führt. Ach! gieb mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich in Traurigkeit erfrene; den Geist der Wiedergeburt, um den heiligen Geist. der eine neue Kreatur und einen neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, daß ich ein Kind Gottes sei! O werther heiliger Geist, ach! heilige mich, du siehst ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünde ist, aber du siehst auch, wie ich durch deine Gnade einen herzlichen Abschen dagegen habe. Ach! es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt und dein Anklopfen gering ge achtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir, in deine heilige Führung und Regierung. Du sollst meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens sein. Ach! heilige mich durch und durch, damit mein Geist sammt Seele und Leib unsträflich behalten werden möge bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel und wohne darin; du heiliges Feuer, brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüste und Begierden. Regiere und führe 139 140 Der glaubige Christ bittet 2c. mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führst. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, ich sei kein Kind Gottes, ach! so versichere mich durch deinen fräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich von der Liebe Gottes scheiden werde, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben; gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, mit dem Troft, daß ich der Herrlichkeit werde theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater, gieb mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt, Daß ich sie empfind' und habe, Gieb mir deinen heil'gen Geist, Denn ich habe groß' Verlangen, Dieſe Gabe zu empfangen, Ach! erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. Amen. Gesang. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren. 1. Ach, komm' doch in mein Herze, O werther heil'ger Geift! Sei meiner Seele Kerze, Die sie zum Himmel weis't 141 Morgen- Gebet am Sonnabend. Und mach' fie neu und rein; Ich habe groß' Verlangen, D Geist! dich zu empfangen, Ach! kehre bei mir ein. 2. Komm', gieb mir neue Stärke In meinem Christens thum, Und heil'ge meine Werte Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach! mache mich ganz neu, Daß ich stets bet' und finge, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig fei. 3. Komm', heil'ge meinen Willen, Und reiß ihn von der Welt, Damit ich mög' erfüllen, Was dir, mein Gott! gefällt; Ich geb' mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, änd're Herz und Leben, Und heil'ge gänzlich mich, Heb' auf das Widerstreben, Daß alles richte sich Allein nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlasse, Und wachs' in deiner Lieb'. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In freche Sünden- Wort'; Sei meiner Zunge Herr, Daß fie Gott lob' und preise, Dem Nächsten Lieb' erweise, Und dien' zu deiner Ehr'. 6. Jch will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein, Und auf dein Winken sehen, Dir ganz zu Dienste sein; Du bist's, den ich erwähl', Ich will mich dir ergeben; Du sollst nun sein mein Leben und meiner Seele Seel'. 7. Wenn du nun haft genommen In meinem Herzen Plaß, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du sein mein Schap, Dieweil ich an dir hab' Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab'. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Saft, Daß ich nicht mehr kann beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd' erblaffen, So sprich den Trost mir zu, Ich seie nicht verlassen, Ich komm zu meiner Ruh', Im lesten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen, Und seliglich durchdringen, Zur Himmels- Herrlichkeit. Morgen- Gebet am Sonnabend. Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. muß. Starker 142 Morgen- Gebet am Sonnabend. und allmächtiger Gott! ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschüßt, so mächtig bedeckt haft, daß keine Gefahr noch Leiden mich haben beunruhigen können. Du bist in dieser Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Utebel von mir abgewiesen. Ach! laß mich diesen Tag beständig alles ungöttliche Wesen und die weltlichen bösen Lüfte verläugnen und züchtig, gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider sein könnte. Mein Jeſu! der du das A und O, der Anfang und das Ende bist, ich habe nun abermals durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, durchleben und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen möge, daß ich gelebt habe. Lasse mich auch Der glaubige Christ erkennt 2c. 143 diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen; behüte meinen Ausgang und Eingang; segne meine Arbeit; stehe mir in allen Fällen bei, und richte all' mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Darum, o heiliger Geist! kehr' bei mir ein, Und laß mich deine Wohnung sein, D komm', du HerzensSonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei mir und in mir fräftig sein zu steter Freud' und Wonne. Laß mich durch dich Fromm zu leben, Jetzt anheben, und mit Beten Oft voll Inbrunst Vor dich treten. Amen. Der glaubige Christ erkennt die immerwährende Güte Gottes. Aufmunterung. Klagl. Jer. 3, V. 11. 23. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währt in Ewigkeit, wie David im 136. Psalm, ,, denn seine Güte währet ewiglich", bei allen Versen wiederholt. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, für solches sorgt, es verpflegt und erzieht. Dieses nun erkennt ein glaubiger Christ 1) als eine unverdiente Güte; 2) als eine uns nothwendige Güte; 3) als eine immerwährende Güte; wenn ein glaubiger Christ sein ganzes Leben anzieht, so ist es lauter Güte Gottes; was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirkt; was wir im Leiblichen Der glaubige Christ erkennt besigen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern ist, es ist 4) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein glaubiger Christ läßt sich aber Gottes Güte auch zur Buße, Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er so auch derselben bis in den Tod genießen werde. 144 Gebet. Gott! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen; sie werden trunfen von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkeft sie mit Wollust wie mit einem Strome. Nun solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott! sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja alle Jahre neu gewesen. Deine Güte hat mich, als ich geboren wurde, wie eine Pfleg- Mutter auf die Arme genommen und erzogen; sie hat mich in der Jugend an der Hand geführt und geleitet; sie hat in den erwachsenen Jahren mich versorgt, erhalten, ernährt und mir viel Gutes bescheert; ja, sie hat bis auf diese Stunde über mich gewacht, die immerwährende Güte Gottes. oft vor Unglück und Schaden bewahrt, alle Wege behütet, und ist mit mir ausund eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möchte. Diese deine Güte hat meine Seele durch den heiligen Geist geheiligt und zu deiner wahren lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach, mein Gott! laffe deine Güte ferner über mir walten, und verlasse mich nicht im Alter, wenn ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich bis in den Tod begleiten, und meine Seele in deinen Schooß bringen. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, damit ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wieder auf den Weg der Buße und des Friedens. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir, und lobe dich von Grund meiner Seele; nicht allein lobe ich dich allhier, so lange ich lebe, ich will dich, o gütiger Start's hdb. 1r Thl 10 145 146 Der glaubige Christ erkennt zc. und barmherziger Gott! auch in alle Ewigkeit preisen. ' Darum, o meine Liebe! Die ich oft betrübe Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüthe, Herr für deine Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft gar unverhofft Hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Zagen. Amen. Gefang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Secle! 1. Gottes Liebe, Gnad' und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüthe Und auch seine Vatertreu'. Gott hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen tann, Ich hab' alle Tag und Stunden Gottes Treu' und Güt' empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergeh'n Reichlich und voll Huld gegeben, Sondern er läßt mich auch seh'n, Wie es seiner Güt' gefällt, Daß er Alles noch erhält, Ja, mit jedem neuen Morgen Fängt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe, Und die wahre Hei terkeit, Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich mein Leiden quält, Hülf, wenn mich mein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt' hab' ich erfahren In dem ganzen Lebens lauf, Und in diesen späten Jahren, Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich morgens früh aufsteh', Und des Abends schlafen geh', Läßt sie es auch meiner Seelen Nie an einem Guten fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen In der froher Ewigkeit. Ach, mein Gott! ich bitte dich, Lasse deine Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd' die Augen schließen. Der glaubige Christ erwägt die fünftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmuuterung. 1. Joh. 3, V. 2. 3. 147 Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleich wie er auch rein ist. Ein wahrer Christ soll täglich dreierlei erwägen: wer er sei; nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe; einen Bater, einen Wohlthäter und den allerbesten Freund; und was er von Gott noch zu erwarten habe: nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott erwecken und stärken, und Haß und Verachtung gegen die Welt und alles sündliche Leben anregen. Denn 1) große Herrlichkeit haben die Glaubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeiten sind Silber, Gold, Geld, und alle königlichen Kronen für nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben u erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, Das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gemeinchaft der heiligen Engel und Auserwählten, Befreiung oon allem Leiden, ein ewiges Wohlsein und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Zu dem Ende 3) bleibt er im Glauben und in der Leidens- Herrlichkeit, er fiehet das Jrdische als etwas Der glaubige Christ erwägt Vergängliches an, das er verlassen muß, hingegen schickt er sein Herz oft dahinein, wo er ewig wünscht zu sein. 148 Gebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit und zu großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, nachdem er gefallen war, wieder eine große Herrlichkeit Allen zugesagt hast, welche die Gnade annehmen und im Glauben und heiligen Leben dem Triebe deines heiligen Geistes folgen werden. Denn solche Wiedergeborne haben in der Zeit schon die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigfeit Christi, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Guade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Gebet treten, und von dir in Nöthen Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere nach dieser Zeit kommen; denn wenn die Seele vom Leib geschieden ist, so soll sie fröh lich zum Anschauen deines Angesichts bie fünftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 149 gelangen und mit himmlischer Freude erfüllt werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen. Ach, mein Gott! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichfeit allezeit vor Augen haben möge. Ach! erhalte mich im Glauben und in der Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, bedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt lieb haben und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen möge. Hilf, daß ich vorsichtig wandeln möge, und am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden, Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt soll werden, Durch Der glaubige Christ erwägt zc. Christum neu verklärt, Wird leuchten wie die Sonne, Und leben ohn' all' Noth In himmlischer Freud' und Wonne, Was schad't mir denn der Tod! Amen. 150 Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Sieh', es ist alles mir Zum Eigenthum gegeben, Was Gott nur ist und hat, Ja schon in diesem Leben, J es schon alles mein; Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreu', Verpflegung, Lieb' und Schuß Wird alle Morgen neu; Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Noth. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt' ich mich nicht er frenen? Was darf ich Noth und Tob, Das Grab, die Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit, Und sein Verdienst ist mein, Soll ich deßwegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn er hat mich ge schmücket Mit Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb' ich beglücket In diesem Thränenthal; Mein Jesus schenket mir Dieß Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erwor ben Mein Jesus, der da ist am Kreuz für mich gestorben; Ich lebe cder sterb' So weiß ich wohl wohin, Weil ich durch Jesu Blut Ein Himmels- Erbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schäßen, Denn diese Echäße sind's Die mich allein ergößen, Ja, selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab' Von jener Herrlichkeit. 7. Doch dorten wird mein Heil In vollem Glanz ans heben, In Frieden, Trost und Ruh', In jenem Freudens leben, Da werd' ich herrlich sein In froher Himmelspracht, Und werd' da ewig sein, Wohin ich stets gedacht. el 151 Abend- Gebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandle, so ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger Gott! jetzt endigt sich der Tag und zugleich die Woche, aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun, diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche durchleben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, daß weiß ich nun, nämlich daß ich gesund das Ende derselben erreichen sollte. Deiner Wohlthaten sind diese Woche viel gewesen; du hast mein Gebet erhört, mich behütet, mir guten Rath mitgetheilt, mich begleitet; fein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segens- Gaben von dir empfangen habe, ja, keine Stunde ist vergangen, in der nicht reiche Ströme deiner Wohlthaten auf mich geflossen sind. Ich gedenke aber heute, am Schlusse der Woche, auch an meine Sünden; viel sind meiner Übertretun 152 Abend- Gebet am Sonnabend. gen gewesen, die ich mit Denken, Thun und Lassen vollbracht habe. Ach, Herr, Herr! vergieb mir diese Sünden; strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her; laß kein Unglück, keinen Schaden und keine Gefahr mich und die Meinen berühren. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche sodann die lange Ewigkeit fol gen soll, darum hilf, daß ich alle Wo chen, Tage und Stunden so anwende, daß ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hier bin ich ein Pilger, aber im Himmel ist mein Vaterland, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen wirst abwischen und sie mit ewiger Freude ergößen. Hiemit lege ich meine Geschäfte und Berufs- Werke nieder; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag vor, den ich im Beten, Singen und Betrachtung deines heili Der glaubige Christ dankt Gott 2c. gen Worts hinbringen will. Gieb mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, damit ich an meiner Andacht weder durch Menschen, noch von meinem eigenen Herzen verhindert werden möge. Weicht nichtige Gedanken hin, Wo ihr habt euern Lauf, Jch baue jetzt in meinem Sinn, Gott einen Tempel auf. Amen. Der glaubige Christ dankt Gott am Ende der Woche. Anfmunterung. Pfalm. 116, 3. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut. Es geht ein Tag und eine Woche unseres Lebens nach der andern dahin, und wir gelangen stets näher zu unserem Tode; unterdessen ist doch der gütige Gott so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes an Leib und Seele thut, und unser Herz mit Freuden erfüllt. Nun das sollen auch die Gedanken eines glaubigen Christen am Ende der Woche sein. 1) Er dankt Gott: für den empfangenen Segen, für die erlangte Hülfe. Hört er, daß Andere die Woche über sind betrübt worden, so hat er Mitleiden mit ihnen, und rühmt Gottes Güte, die ihn mit solchen Leiden verschont hat. 2) Ein glaubiger Christ erwägt, daß Gott durch solche beharrliche Beweise der Güte ihn zur Buße leite, darum bereut er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht hat. 3) Er bittet auch um ferneren Schuß, fernere Güte und Barmherzigkeit. 4) Er erwägt, daß also alle Wochen 354 Der glaubige Christ dankt Gott nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird; darauf bereitet er sich m wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heili gen und bußfertigen Leben. Gebet. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der Herr geholfen. So spreche ich billig, mein Gott und Herr! da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. Herr, wie theuer ist deine Güte, daß Menschen- Kinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du beschirmest sie, du erhältst fie, du bewahrst sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein Gott! du haft in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet, und hast mich gesund erhalten; du hast mich gesegnet, begleitet, bewahrt, an Leib und Seele mir viel Gutes gethan; du haft auch die Meinen deines Schußes und deiner Gnade genießen lassen. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht. am Ende der Woche. 155 was er dir Gutes gethan hat. Ach ja! wie Viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie Viele haben eine Trauerund Leidens- Woche gehabt, aber mich hast du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie Viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuße unverletzt geblieben, dafür sei von Grund meiner Seele gelobt und gepriesen. Habe Danf für deinen Schutz und deine Gnade! habe Dank für deine Liebe und deinen mächtigen Beistand; habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach, mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden, was ich in dieser Woche Unrecht gethan habe. Um der blutigen Wunden Jesu Christi willen schone, und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit all mein Lebenlang zu dienen. Der glaubige Christ dankt Gott zc. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist! Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Und gänzlich auf ihn bauen, Daß unser Herz, Muth und Sinn Ihm möge feſt anhangen, D'rauf singen wir zur Stund' Amen! Wir werden's erlangen, Glauben wir aus Herzensgrund. Amen. 156 Gefang. Mel. Werde munter mein Gemüthe. 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele, so bedente dich, Was du Gutes haft genoffen, Da dein Gott so mildiglich Aufgethan die Vater- Hand, Und viel Gut's dir zugewandt, Und auch jetzt in großem Segen, Dich sie läßt zurückelegen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich aus, gestreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen tann, Wie viel Gott ihm Gut's gethan? Schau wie Gottes Brünnlein fließen, Die fich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte Nun bei diesem Wochenschluß, Und ermunt're dein Gemüthe, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst, Und noch täglich mehr empfähst; Reine Stunde ist vergangen, Da du nicht hast Gut's empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Aller deiner Sünden Schuld, Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Vaterhuld; Sprich: mein Vater! sieh' nicht an, Was ich Böses hab' gethan, Laß die Sünd' und Straf' der Sünden Auch mit dieser Woch' verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad' auch spüren, Wenn die neue Woch' anbricht, Ach! du wollest stets mich führen, du meiner Seele Licht! Leib und Seel' und was ist mein, Laß dir stets empfohlen sein, Deine Gnad' laß bei mir bleiben Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt' auch mit der neuen Woche, Meine leßte Woch' und Tag' Sein zugleich mit angebrochen, Oder daß ein Kreuz und Plag' Mich empfindlich treffen soll, Ach! so moche alles wohl, Bei dir kann ich nicht verderben, In dit tann ich selig sterben. 157 L. Für Beichte und Abendmahls- Vorbereitung. Der glaubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Psalm 51, V. 3. 4. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde. Einen gnädigen Gott zu haben ist wohl der seligste Zustand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichthum zu haben, geehrt zu sein, immer herrlich und in Freuden zu leben, das sei Glückseligkeit; aber sie betrügen sich, das Alles muß vergehen. Glaubige Christen untersuchen deßhalb 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so gedenken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben; sie trauern darüber, und nehmen ihre Zuflucht zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demüthig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners widerfahren lassen, so trösten sie sich dessen; trachten aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich durch den heiligen Geist regieren lassen; sie befleißigen sich eines christlichen Lebens, und beweisen solches auch in Reden, Worten und Werken. Gebet. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich armer Sünder komme allhier vor dein aller Der glaubige Christ beichtet heiligstes Angesicht, und bitte dich herz. lich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach, mein Gott! ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig mit bösen Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe. Herr, Herr! dieses be trübt mich und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe zum Schäflein deiner Waide und zum Glied an deinem Leibe gemacht, darum sollte ich deine Stimme allein hören und dir gehorsam sein. Ja, ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach! was soll ich sagen? ich habe mehr die Stimme der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehört, und habe oft ge= than, was dir zuwider ist. O der Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir in's Gericht gehen; willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeugt gegen mich, und meiner Sünden sind mehr, als Sand 158 und bittet Gott seine Eünden ab. am Meer. Ach, nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich! rechne mir nicht zu, was ich Zeit meines Lebens Böses gethan habe, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan hat; um Jefu willen sei mir armen Sünder gnädig! Ich will ein neues und frommes Leben anfangen und nicht mehr muthwillig und vorsätzlich fündigen. 159 O Jesu voller Gnad'! Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr nicht mehr ges denke, In's Meer sie tief versenke. Amen. Gejang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Ach! geh' nicht in's Gericht mit deinem armen Kinde Ach Vater! schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab ich gefündiget Und Uebles oft gethan, Ach, ach! nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 2. Jch beuge meine Knie, Und meine Augen weinen, Daß ich so gar beflect Jeßt muß vor dir erscheinen. Ach Vater! sich nicht an Die große Missethat, Ach! ich verbehl' sie nicht, Ich bitte dich um Gnad'. 3. D wehe! daß ich hab', O Vater! dein vergessen, Und bei der Sünder Schwarm Mit Lust und Freud ges feffen; O wehe! daß die Sünd' Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel' In diesen Stand gebracht. Der glaubige Christ beichtet zc. 4. Ach! laß in Jesu Blut Mich Gnade, Gnade finden; Laß deines Bornes Grimm Durch ihn getilgt verschwinden; Schau' mich in Jesu an, Und schent mir deine Huld, Vergieb mir meine Sünd', Erlaß mir alle Schuld. 160 5. D werther guter Geift! Der du mir Kraft gegeben Zur Buß' und Besserung, Ach! änd're ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien' nun immerdar, Wie ich ein Sündenknecht Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad' Der Sündenluft ab. sterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben; So lang ein Athem- Hauch noch gehet aus und ein, So Lang soll Herz und Geist Nur dir gewidmet sein. Noch ein Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir erwacht, Ach, ach! was hab' ich doch begangen, Daß ich hab' meinen Gott veracht't? Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit, Ich hab' mich aber nicht bekehret In meiner großen Sicherheit. Gerechter Gott verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 3. Erzürnter Gott verzeih' mir Armen, Verzeih' mir meine schwere Schuld; Ach! schenke mir durch dein Erbars men Um Jesu willen Gnad' und Huld. Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 4. Ich fliehe hin zu Jesu Wunden, Als welcher mich erlöset hat, Wo alle Sünder Gnad' gefunden, Da hoff' und suche ich auch Gnad'. Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 5. Ich änd're nun mein böses Leben, und fang' ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben, Und nicht mehr thun, was ich gethan. Gerechter Gott! versloß mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 161 2. In der Beichtwoche. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Röm. 6, V. 12. 13. Lasset die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Todten lebend sind, und eure Glieder Gott zu Wasfen der Gerechtigkeit. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Uebertretung des göttlichen Gesetzes: sie ist das Unrecht. Nun aber will ein glaubiger Christ nicht gerne von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen in's Werk sehen kam., so muß er gegen die Sünde kämpfen. Dieser Kampf besteht darin, 1) der glaubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Vorsag und Willen. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er auch gerne sein ganzes Herz, seine Seele, seinen Geist und sein Leben seinem Gott heiligen, übergeben und weihen möchte, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, es betrübt ihn ein böser sündlicher Gedanke, und wenn er in der That Gott und den Nächsten beleidigt, so seufzt er darüber. In diesem Kampfe 3) nimmt er seine Zuflucht zu Gott und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm Sünde und Welt überwinden helfen. 4) Er soll nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüfte und Gedanken desto mehr Acht Stark's Hdb. 1r Thl. 11 162 Der glaubige Christ bittet, haben, die Orte und Personen meiden, durch die er in Sünden gestürzt werden kann. So kann er auch 5) versichert sein, daß der gnädige Vater im Himmel, der das Wollen gegeben hat, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja, das herzliche Verlangen ihm wohlgefallen lassen. Gebet. Starker und allmächtiger Gott! der du alles weißt, was in dem Menschen ist, ach! du siehest, welch' einen heftigen Kampf ich gegen die Sünde habe. Ich wollte gerne von Herzen fromm sein und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen allein vollbringen, aber ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, daß da widerstrebt dem Geseße in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stehe nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oft erfahren, daß auf einmal in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwillen gegen den Nächsten sich zeigt, ja, daß ich mit unbedächtlichen Worten, unanständigen Werken sündige. Ach! ich betrübe mich, daß ich so voll Gott wolle ihm Kraft geben 2c. Unreinigkeit bin; reinige du mich, Herr! so werde ich rein. Ich erkenne durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes Uebel sei, wovon ich gerne frei werden wollte. Dieser elende Zustand aber betrübt mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehst ja, mein Gott! wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht aus eigenen Kräften helfen kann, darum komme ich zu dir, und bitte dich, gieb mir Kraft, der Sünde zu widerstehen; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen und mein Herz reinigen. Gieb mir auch das Vollbringen, stärke mich an dem inwendigen Menschen, damit ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen möge. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht: Christus. 163 Ach, hilf mir mein Gott! und gieb, Daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christenthum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augenschein und Heuchelei. Amen. 164 Der glaubige Christ bittet zc. Gesang. Met. Alle Menschen müssen sterben. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich lebe in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was auf's Höchste mir mißfällt, Nämlich Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Sant und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft't; Gott will ich mein Herz ergeben, und in ihm beständig leben; Mein Herz soll sein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd' ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben, Ihre Weis und Sündenfreud'; Ich will immer sein befliffen, Daß ich hab' ein gut Gewissen, Daß es bleibe unbefledt, Von der Welt unangeflect. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein; Was von Welt geleeret flehet, Wird mit Gott erfüllet sein; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel' doch himmlisch werden, So ist meinem Leibe wohl, Und die Seel' ist freubenvoll. 5. Ach mein Gott! verleih' aus Gnaden, Daß ich gebe aus der Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seelen Seligkeit. Wer der Welt Gewohnheit liebet, Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zulegt der Tob, Und stirbt also ohne Gott. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sond're du mich jelbsten ab, Ch' der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab, Ja, ich will der Welt absterben, und ent gehen dem Verderben, So komm' ich in's Himmelszelt, Wenn ich gehe aus der Welt. 165 3. In der Beichtwoche. Der glaubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. Aufmunterung. Röm. 12, V. 1. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei eurer vernünftiger Gottesdienst. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind; dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und alles, was wir haben, Gott auch wieder aufopfern. Die Opfer des alten Testaments mußten 1) freiwillige Opfer sein. Der Mensch soll nicht in der Welt fromm leben aus Furcht vor der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist es ein gezwungenes Opfer. 2) Die Opfer mußten Gott ganz und nicht halb gebracht werden, deßwegen sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern ihn aus ganzem Herzen und von ganzer Seele und aus allen Kräften lieben und uns ihm ergeben. 3) Die Opfer mußten unbefleckt sein, darum durfte man kein Labmes und Blindes Gott bringen. Wir sollen uns hüten, daß wir Seele und Leib nicht beflecken, denn eine mit Sünden verunreinigte Seele mag Gott nicht in seinen Himmel aufnehmen. 4) Gott hat besonders ein Wohlgefallen an Opfern getragen, welche noch jung waren, um uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht bis in das hohe Alter warten sollen, sendern uns fein in Zeiten Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, das durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem guten Vorhaben beständig sein. Der glaubige Christ will Gebet. Herr, Herr, Gott! der du deinem Volk Israel anbefohlen, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir ganz geheiligt und übergeben werden mußten, siehe, ich bringe dir mein glaubiges und bußfertiges Herz, dieses wirst du nicht verachten. Ich opfere dir meinen Willen auf; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir meinen Mund auf, damit will ich dich loben und preisen, und ihn nie mehr zu schandbaren Worten mißbrauchen. Ich opfere dir mein Herz auf; erfülle es mit einem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade und deiner Liebe, ja, mit einer wahren Frömmigkeit. Ist es ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach! so wasche es mit deinem Blute Jesu Christi, welches ich in wahrem Glauben annehme; ach! reinige du es selbst durch deinen heiligen Geist; heilige es dir zur Wohnung, damit du in demselben regierest und herrschest. Ich opfere dir mein Leben auf; dieses 166 sich Gott zum Opfer geben 167 will ich nach deinem heiligen Worte und nach dem guten Triebe des heiligen Geistes führen. Ich opfere dir meine Glieder auf! hilf, daß sie Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit werden mögen, damit ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern damit sie dir geheiligt bleiben mögen. Wie das Geopferte mit Niemand mehr Gemeinschaft haben durfte, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern. Ja, ich will mich dir aufopfern, so lange ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette, denn da möchte es zu spät sein. Ach Herr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend Opfer angenommen haft, schaue auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich es dir etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe; habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du doch deßwegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe es dir im Glauben, wie Abel; ach! schaue doch nach deiner Barmherzigkeit Der glaubige Christ will 2c. darauf; ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigenthum verbleiben. 168 Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! Du biſt mein, Ich bin dein, Weil du dein Leben und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich dich fasse; Und dich nicht, o mein Licht! Aus dem Herzen lasse; Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich Und ich dich Liebreich werd umfangen. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! laß mich den Wunsch erreichen, Dar nach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 2. Gieb, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif' in wahrer Zuversicht, und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß erlischt mein Lebens- Licht. Hilf, daß ich also leb' auf Erd' Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 3. Und daß ich mög' die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und alles, was da mich kann scheiden, Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle, Und nicht versäum die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 5. So kann ich endlich selig sterben Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab', Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 163 Der glaubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. 1 Kor. 11, V. 26. So oft ihr von diesem Brot esset, und von diesem Rel trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Unter andere Stärkungen des Glaubens und der Liebe gegen Gott und den Nächsten gehört auch das heilige Abendmahl, in welchem sich Jesus mit unsern Seelen vereinigen, darin wohnen, dieselben reinigen, heiligen und in Frömmigkeit bis an's Ende erhalten will. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein glaubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Zorn, Rachgier, Hochmuth, Wohlleben so zerstreut sind, daß sie nicht an dieses Seelenpfand denken können. 2) G geht ein glaubiger Christ auch nicht aus Gewohnheit zu dem heiligen Abendmahl, sondern er kommt mit einem demüthigen, andächtigen und glaubigen Herzen dazu, welches voll des guten Vorsatzes ist, in der Liebe Jesu und Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahle sich seinem Gott ganz er= geben, kraft dieser Seelen- Speise alle Tage frömmer, andächtiger und eifriger in seinem Christenthum und Ausübung christlicher Tugenden werde, ja seinem Gott im Glauben und in der Frömmigkeit getreu bis in den Tod verbleibe. Gebet. Mein Jesu! wie kann ich genug deine große Liebe preisen, daß du nicht allein 170 Der glaubige Christ betet für mich armen Sünder dich in den Tod gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meiner Seelen- Speise in dem heiligen Abendmahle eingeſetzt haft. O Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich in dir, und du in mir; du lebst in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke, daher kann mich meine Sünde nicht schrecken, und Satan nicht verdammen; denn in deinem Gnadenmahle empfange ich das Lösegeld für meine Sünden. Hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod dahin gegeben ist; hier empfange ich daß Blut, das für mich vergossen wurde zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, wodurch meine und aller Menschen Sünden getilgt worden sind. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, das ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand, und das neue Leben gegeben, wodurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 171 Abendmahle, als dem zweiten Sakramente, giebst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, wodurch du das geistliche Leben in mir erhalten und stärfen willst. Ach, mein Gott! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Jesu, wahres Brod des Lebens! Hilf, daß ich ja nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden, Komm' zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dies Seelen- Essen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch wie hier auf Erden, Mög' ein Gaft im Himmel werden. Amen. Gefang. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. D Jesu meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab vor deinem Angesicht Dein Liebesmahl empfangen; Ach! wohne doch hinfort in mir, Damit ich möge stets von dir In wahrem Glauben prangen. 2. D Liebe, die du mich so liebst, Und schenkst mir deine Liebe; Da du dich mir zur Speise giebst; Ach! daß ich ewig bliebe Mit dir, o Lebenslicht! vereint, Und durch dein theures Blut gereint, Daß mich nichts von dir treibe. 3. Der Vater hat mir heut' geschenkt Den Frieden metner Seelen, Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jesu bin, So ist die Sünden- Angst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt mit seiner süßen Freude, Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelen- Weibe; Dein Leib, o Jesu! und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 172 Der glaubige Christ betet 5. Der heil'ge Geist giebt mir dabei Den Troft ber mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuert, Ja, daß ich bin ein Gottes- Kind, Das bei Gott Trost und Gnade find't, Das keine Ungnad' scheuet. 6. Gott Lob! der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb' und Gnad' Mir Armen zu erweisen, Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit, Mit stetem Lobe preisen. Ein Anderes. Jesu! da ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut in die Welt gekommen bist, damit du mich zum Erben des ewigen Lebens machen möchtest. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen von mir genommen worden sind, und deine Gerechtigkeit mir geschenkt worden ist. Ich gedenke an deinen Tod und an deine Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit mitgetheilt worden ist. Ich weiß, o Jesu! um deinetwillen erlange ich Guade, die Kindschaft, den Frieden und des Himmels Freude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, Jesu! bin, und du in mir. Ach! so bleibe nur in meinem Herzen, wohne in Bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 173 meinem Herzen, lebe und regiere darin, lasse mich dein Eigenthum sein in Zeit und Ewigkeit. Mußte dort das Manna in ein reines Gefäß gelegt werden, ach! so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelen- Pfand würdig empfangen und beständig zu meines Glaubens Stärkung, zu meines Lebens Heiligung und zu meiner Seligfeit Versicherung behalten möge. D heiliger Geist! erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Be= wahre mich, daß ich nicht wieder muthwillig fündige, aus der Gnade falle, und das Letzte mit mir nicht ärger werde als das Erste, sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit davon tragen möge. Jesus sei mein Speis' und Trank, Jesus sei mein Lobgesang, Jesus sei mein ganzes All', Jesus sei mein Freudenschall, Endlich laß, o höchstes Gut! Jesu, laß dein theures Blut, Deine Wunden, deine Pein Meine Rast im Tode sein. Amen. 174 Gebet vor dem heiligen Abendmahle. Gesang. Mel. Nun lob', mein Seel', den Herren. 1. Mein Jesu! sei gepreiset; Daß du mich haft gespeiset Mit deiner Himmels Gabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seelen Leben Ist mir auch heut' ge geben, Dein Blut hab ich genossen, Das du für mich vergossen. 3. Weil Jesus zu mir kommen, Und mein Herz ein genommen. So ist er nun der Meine, Und ich bin auch der Seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig, Er wird mir Gnad' erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu! Seel' und Leben Will ich dir ganz ergeben, Ach! mach's mit mir in allem Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen, Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von Jesu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich deinen Erben, Hinauf zur Freud' und Wonne Wo du bist Licht und Sonne. Communion- Gebete. Gebet vor dem heiligen Abendmahle. D großer Gott! der du mich nun zu dem heiligen Abendmahle rufest, ich flebe dich demüthig an, du wolleft die göttliche Kraft des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergossen hat, auch mir angedeihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und Gebet nach dem heiligen Abendmahle. 175 deine Wahrheit, daß sie mich zu deiner heiligen Tafel leiten, und ich daselbst die Empfindung deines Friedens und die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es demjenigen opfern könne, welcher sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. Gott, mein Herz sagt mir um deinetwillen, ich soll dein Angesicht suchen. Ich suche es, o Herr! erlöse deinen Knecht( deine Magd), der( die) auf dich hofft. Amen. Gebet nach dem heiligen Abendmahle. Allgenugsamer Gott, du einziges höchstes Gut und bestes Vergnügen aller Frommen, in dir allein findet mein Herz seine beste Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Die Welt mit allem dem, was sie Herrliches hat, gleicht den Nepfeln zu Sodom, die auswendig schön und inwendig voller Asche waren. Die Sünde mit ihrer kurzen Lust gebieret doch lauter Unlust, und zieht die Hölle 176 Gebet nach dem heiligen Abendmahle. und Verdammniß nach sich. Ach Gott, laß mich doch Alles wohl bedenken, und nicht lieb haben die Welt, noch Alles was in der Welt ist; denn die Welt vergeht mit ihrer Lust, Augenluft, Fleischesluft und hoffärtiges Leben. Herr! wenn ich nur dich habe, so habe ich genug, wenn ich auch sonst in dieser Welt wenig oder nichts hätte. O wie wohl ist meiner Seele, wenn ich an dir einen gnädigen Gott, und in mir ein unverlettes Gewissen habe. Die Welt weiß von dieser Ruhe des Gewissens nichts, die deine Heiligen höher achten, als alle Schäße der Welt. Sei nun wieder zufrieden, o liebe Seele, denn der Herr thut dir Gutes. Er hat dich geſpeist an seiner Gnaden- Tafel mit dem gekreuzigten Leibe, und dich erquickt mit dem vergossenen Blut seines allerliebsten Sohnes. O große Gnade, darum lobe den Herrn meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht was er dir Gutes gethan hat. Erhalte doch, o großer Gott, in meinem Herzen diesen Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. 177 Frieden mit dir, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allem Leiden durch den inwendigen Trost deines heiligen Geistes. Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet doch eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es wird doch noch eine Zeit kommen, da du mich bringen wirst an den Ort der vollkommenen Ruhe. Da werde ich schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, und fatt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Amen. Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung. Psalm 37, V. 37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zulegt wohl gehen. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der allerheiligsten Tugenden, nicht allein, weil sie eine Frucht des Glaubens ist, sondern auch, weil sie des Menschen Seele, Leib und Ehre vor Sünden und Schanden bewahrt. Diese Tugend ist eine Zierde der Jugend, und steht den Alten auch wohl an. Start's Hdb. 1r Thl. 12 178 Der glaubige Christ bittet Gott selbst ermahnte den Abraham: Wandle vor mir und sei fromm, 1. B. Mose 17, V. 1. Zur Frömmigkeit aber ist es nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, sondern sie muß aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem intern Grund der Seele entstehen. 2) Zu dieser Frömmigkeit gehört nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte. 3) Diese Frömmigkeit soll aber beständig bis an's Ende sein; bis mein Ende kommt will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27, V. 5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt wird, so hat sie auch die herrlichste und schönste Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Gebet. Heiliger Gott, ach! ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und mein sündliches Wesen bedenke. Du rufft auch mir zu: Wandle vor mir und sei fromm; und wenn du fromm bist, so bist du angenehm: ja, bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zuletzt wohl gehen. Aber ach! meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen; ich bin leider in die Welt und ihre Eitelkeiten bisher ver um Frömmigkeit. 179 sunken gewesen; wo aber die Welt eingeht, da geht Christus aus, und wo die Welt- Liebe sich befindet, da hört die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Glaubigen und Frommen dir angenehm sind, ach! so gieb mir ein frommes Herz. Verleihe mir Gnade, daß ich einer wahren Frömmigkeit mich befleißigen möge, dich über Alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe, ja, daß ich allezeit wie ein frommes Kind, das, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen sieht, ob sie es auch erlauben, also ich auch zuerst in dein heiliges Wort und Gebot schauen möge, ob solches mir als einem frommen Christen ge= ziemt. Ist mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede, ja, Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott! ich habe diesen Entschluß in deinem Namen ge= faßt, gieb mir dazu Gnade, Kraft. Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich 180 Der glaubige Christ bittet 2c. in den verflossenen Jahren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Christi willen; was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumt habe, will ich nun mit desto größerem Eifer erseßen. So will ich, mein Gott, von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch selig sterben könne. Dazu gieb mir deines heiligen Geistes Kraft um Jeſu Christi willen. Gieb mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben, Das soll mein Reichthum sein, Den ich begehr' zu haben, Das soll sein meine Zier, Mein Ruhm und schönste Pracht, Denn fromm sein wird bei Gott Und Engeln hoch geacht't. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden, Soll künftighin darin besteh'n, Daß ich von Herzen fromm mög' werden, Und auf den Himmels- Wegen geh'n; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde, Ist dieses nicht ein großes Glück? D'rum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Haffe, Neid und Tück, Denn Gott weiß wohl, was sie anficht, Der gute Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit, Ihr Trauern wird in Freud' verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. Glaubige Eltern tragen ihre Kinder Gott 2c. 181 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zu tritt ftehet ihnen frei, Nichts fann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei, Gott weichet von den Frommen nicht, Der Herr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud', Sie werden großen Segen finden Nach ausgestandnem Herzeleid; Gott wirft ins Feuer solche Ruth, Die seinen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Noth sie stürzen wird, Ist gleich die Noth am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schuß und Hirt; O Schäflein habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann, D'rum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: nun ist das Unglück da; So sprechen fie: Und Gott ist nah'. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, Als welcher ihrer sich annimmt, Jhr Seufzen ist ihm unverborgen, D'rum hat er schon die Stund' bestimmt. Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud' erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Jesum Christ, Sie werden Thron und Himmel erben, Der ihnen längst bereitet ist, Sie sind schon selig in der Zeit und kommen dort zur Herrlichkeit. Glaubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor. Aufmunterung. Jef. 8, 3. 18. Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, 3. 12. Ist je etwas, das frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind theure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, so tragen sie 1) dieselben Gott fleißig im 182 Glaubige Eltern tragen Gebet vor, und bitten, daß Gott ihren Kindern ein frommes Herz und den heiligen Geist gebe, der fie heilige, regiere und führe, welches der wahre Grund der Glückseligkeit ist. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen, ihnen nicht den freien Willen lassen, sie in der Erkenntniß Gottes unterrichten, sie zum Gebet und christlichen Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubniß geben, in fündlicher eitler MenschenGesellschaft zu gehen. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrlosten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt den Eltern Schmach und Schande, wenn sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande erleben, 1 Sam. 2, 20. Rap. 4, 1. Nachläßige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohlthat erwiesen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, du Bater der Barmherzigkeit! du hast unter andern Gnaden- Gaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und dir danke, welche ich aber als theure Pfänder betrachte, die du mir anvertraut hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie als Seelen an, die Jesus mit seinem heiligen Blute erkauft, die der heilige Geift in der heiligen Taufe geheiligt hat, und ihre Kinder Gott im Gebet vor. welche du zu deinen Kindern angenommen hast, darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, da soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnade! komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann; ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber ach, Herr, Herr! thue du das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt, siehe, dieses thue ich auch jetzt in meinem Gebet; ach! segne meine Kinder, begleite sie, wenn sie aus- und eingehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen. Gieb ihnen ein glaubiges, demüthiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie, wie das Kind Jesus, an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott 183 184 Glaubige Eltern tragen und den Menschen zunehmen. Drücke ihnen das Bild Jesu in's Herz, damit sie allezeit einen gnädigen Gott und ein unverletztes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach! laß meine Kinder in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig sein, damit sie Niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben, und dadurch ein schweres Gericht auf sich ziehen. Behüte sie vor Verführungen und böser Gesellschaft; erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart. Dein Engel begleite fie, wenn sie aus- und eingehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in hren Geschäften und in der Fremde sind; gieb ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobias, führe sie durch deine heilige Engel aus der Gefahr, wie den Lot, und laß ſie der Engel Schuß und Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte dir aber gefal ihre Kinder Gott im Gebet vor. 185 len, mir auch ein Kinder- Kreuz zuzu= schicken, so verleihe mir Geduld, damit ich gedenke, daß ohne dich nichts geschehe. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein als das wahre und vollkommene Gut zu lieben, so erhalte mich auf diesem Dornenwege im festen Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du alles, auch meiner Kinder Leiden, enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen den Segen, versorge sie, pflege ihrer, gieb ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit, und ihr Rathgeber. Pflanze in ihnen die wahre Frömmigkeit; erhalte sie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen erleben möge. Lasse mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, 186 Glaubige Eltern tragen zc. und zu deinem Preise sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren feines verloren. Ach Gott! segne meine Kinder, Nimm dich ihrer treulich an, Thu' an ihnen auch nicht minder, Als du haft an mir gethan; Segne ihren Schritt und Tritt, Theil' den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohl ergehen, und in deiner Gnade stehen. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Du hast, o großer Gott! Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst auch sie Im Wohlsein und im Leben, Ach! dafür dank' ich dir, Als eine liebe Gab', Die ich von deiner Hand, Mein Gott empfangen hab'. 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie von mir sich nennen, Jedoch sie sind auch dein, D'rum komme ich zu dir und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach! pflanz' die Gottesfurcht In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen, Erfülle ihren Geist Mit wahrer Frömmigkeit, Mit Keuschheit, Glaub' und Lieb und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen, Schenk' ihnen Kraft und Muth, Gieb Weisheit und Verstand Und führ' fie immerdar An deiner Vater- Hand. 5. Laß deinen guten Geist sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte spüren; Gieb ihnen Jakobs Glück Und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folgjam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend' ihre Augen ab Von Sünd und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel' Vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Und Fromme Kinder beten 2c. 187 habe auf sie Acht, Bewahre ihre Tritt; Begleite sie, und geh' Wo sie hingeh'n, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel gold'nes Heer, Die immer auf sie seh'n, Daß sie in deiner Gnad' Und mildem Segen steh'n. 9. Und noch eins bitt' ich dich, Das wollest du mir geben, Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand erleben, Auch nicht nach meinem Tod; Ach Gott! erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab' Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab'. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Jes. 6, V. 1-3. HD In R Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebeft auf Erden. Unter andern schweren Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch auf sich ziehen kann, gehört auch die Sünde, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern versündigen. Obgleich Eltern von der ersten Stunde der Geburt an mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist's ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaftig gegen sie in den reiferen Jahren sind, in welchen sie billig ihnen lauter Freude und Vergnügen machen sollten. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, alle Gesundheit, alles Wohlergehen, langes Leben und Abwendung des Unglücks von Gott erbitten; 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne dienen, zu ihrem 188 Fromme Kinder beten Dienst eilig und willig sein, ihrer pflegen, wenn sie frank sind; 3) ihren Eltern gehorchen, indem sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widersprechen; 4) ihre Eltern im Herzen ehren, und erkennen, Gott habe die Eltern an seine Stätte gesett, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern alles giebt. 5) Daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige HöllenBrände, denen es nimmermehr wohl gehen kann, wenn fie nicht die Sünden und Bosheiten, welche sie an ihren Eltern begangen haben, vor ihrem Tode durch eine herzliche und schwere Buße mit tausend Thränen bereuen. Gebet. Ach, du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in diese Welt haſt lassen geboren werden; es ist das die erste Wohlthat, die du mir erwiesen. Wie meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt war, daß ich, o mein himmlischer Vater! durch die heilige Taufe in deine Arme gelegt wurde, worin du mir den heiligen Geist zum Pfand meiner Kindschaft und des himmlischen Erbes gegeben hast, so laß diesen guten Geist mich immer leiten für ihre Eltern. 189 und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl in Acht nehmen möge. Ich liege hier mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich, ach! erhalte meine Eltern gesund; bewahre sie vor Unglück; segne ihre Nahrung, Arbeit und ihren Beruf; gieb ihnen langes Leben; vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geistlichen und himmlischen Gaben. Gieb mir, o himmlischer Vater! ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gieb, daß ich mir immer das Erempel meines Jesu vor Augen stelle, der nicht allein dir, seinem himmlischen Vater, gehorsam war, sondern auch seinem Pflegvater Joseph und seiner Mutter Maria. Bewahre mich, daß ich nicht durch meinen Ungehorsam und durch meine Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern droht, sondern daß es mir hier zeitlich und dort ewig wohl Fromme Kinder beten gehen möge. Gieb mir ein ehrerbietiges Herz gegen sie, damit ich in Demuth ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten, und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber dadurch den Fluch anziehen werden, wie ihr Gewand, und alles Segens, den du frommen Kindern verheißen hast, beraubt bleiben. Gieb mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht verfündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden, und mit was für Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüth solches in der ganzen Zeit meines Lebens erkennen, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen früheren Jahren meinen Eltern etwas zuwider gethan, das bitte ich hiemit dir, o Gott! und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, 190 für ihre Eltern. 192 daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit Gehorsam und christlichem Verhalten zu erfreuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich im Glauben, in Frömmigkeit, Keuschheit und Gottesfurcht wandeln möge, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollst ehren und gehorsam sein Dem Vater und der Mutter dein, Und wo dein' Hand ihnen dienen kann, So wirst du langes Leben han. Amen. Gr Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, o großer Gott! Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind, Für meine Eltern beten; Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzuseh'n, Ach! laß auch meine Bitt' Und Herzenswunsch gescheh'n. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh ich geboren war, Und weil ich bin entsprossen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf' gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott! gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb' Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun Auf Jesum heißen sehen; Shr Herz war immerdar, Bei Tage und bei Nacht Mit unermüd'tem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb' Sie wieder herzlich lieben, Laß ihre Liebe mir In's Herze sein geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer tann, Und bleibe eingedent, Was sie an mir gethan. 5. Ach! laß sie viele Jahr' Zu meinem Trost erleben, Und wolleft auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte fie, o Gott! Auf lange späte Jahr, Damit ich sie auch sch" In ihrem grauen Haar. Der glaubige Christ betet 6. Ach, schenke ihnen doch, O Vater! deinen Segen; Laß deinen Segen sein Auf allen ihren Wegen; Erhalte was du giebst, Und was du hast bescheert, Das segne, daß es werd' Durch deine Gnad' vermehrt. 192 7. Gieb mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen; Daß ich nach ihrem Rath Die Sünde möge fliehen, Daß ich gehorsam sei, Ohn' allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib' Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß Freude fie an mir und keine Schand erleben. Ach! laß mir deine Furcht, Mein Gott! vor Augen schweben, Schenk' mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu' Und bleibe dir, o Gott! In Glaub' und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag, Froh meine Eltern sehen, In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen, Und laß mich auch daselbst, In Jesu Blute rein, Mit HimmelsGlanz geschmückt Bei meinen Eltern sein. Der glaubige Christ betet bei entstandenem Ungewitter. Aufmunterung. Psalm 18, V. 12-14. Sein Gezelt um ihn her war finster und schwarze dicke Wolken, darinnen er verborgen war. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken mit Hagel und Bligen. Und der Herr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blizzen. Zu den äußeren Dingen, durch welche gottlose Weltkinder geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden pflegen, gehören auch die Gewitter; denn da will der sonst freche Mund beten, nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Furcht vor der Strafe. Glaubige Christen erkennen zwar 1) daß Donner und Blike von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch 2) daß dieſelben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Kreaturen gegen die bösen Menschen waffnen kann, so ist es ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vieh zu bei entstandenem Ungewitter. 193 erschlagen, und durch seine Blite Häuser, Flecken und Städte anzuzünden, daher sollen 3) fromme Christen von dem argen Fluche, indem man mit Wetter und Donner flucht, sich enthalten, hingegen 4) bei entstandenem Ungewitter nicht kleinmüthig werden, erschrecken und in Angst verzagen, sondern 5) sollen sie sich erinnern, daß Gott die Blitze und den Donner in seinen Händen hat und sie wohl schüßzen kann. 6) Sie sollen fich aber alsdann desto mehr mit Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr Nichts und Gottes Alles erfennen, wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl vernichten fönnte, und demnach 7) sich vor diesem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheint, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu beleidigen, besonders aber so zu leben, daß man eines gnädigen Gottes sich zu allen Zeiten versichern könne. Gebet. du starker und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken; wie deine Blizze leuchten, und wie dein Donner brüllt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick sammt allen Greaturen in Boden schlagen. Aber ach, Herr, Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiStark's Sdb. 1r Thl. 13 194 Der glaubige Christ betet ner Uebertretung, gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdient hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorne verderbteft und zerschmettertest. Aber ach, du langmüthiger Gott! verschone meiner bei diesem Gewitter. Gott! sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt, und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe; ach! ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo ſollen aber Kinder in ihren Nöthen und Aengsten hin, als zu ihrem Vater; darum komme ich auch zu dir, o mein Vater! und ich bitte dich, sei deinem Kinde gnädig; ach Vater! schüße mich, bewahre bei entstandenem Ungewitter. 195 mich, stelle deiner Engel Wacht um mich, damit mich kein Strahl verleße. Ach, Herr Jesu, du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland! ſei nicht ferne von mir; denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir; sei mir ein starfer Schuß; verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! fiehe, ich stehe von allen Greaturen und Menschen verlassen, aber ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, und errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu, ich schreie mit den Jüngern: Herr, hilf uns, wir verderben! 5 du werther heiliger Geist, erwecke mein Herz zum Gebet und zur Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter erweckt und fromm gemacht werden möge. Hilf, daß ich hinfort Acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägst, daß ich Buße thun, mich bekehren und von Sünden ablassen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich 196 Der glaubige Christ betet über mich und über alle fromme Christen; bedecke mit deiner allmächtigen Hand mein Leib und Leben, Haus und Hof; bewahre die Früchte auf dem Felde; laß den Blitz nicht mein Haus entzünden, und deine Donnerschläge mir nicht schaden; sei du mein Beistand in der Noth, denn Menschen- Hülfe ift fein Nüße. Ach! du mächtiger Schußherr deiner Kinder, schaue auf mich und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Ach Herr! wer ist dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist; der du uns weckest und deckest, ach! verschone meiner, und laß mich auch dießmal Gnade und Errettung finden! Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über uns! Sei uns gnädig, verschone uns; Lieber Herre Gott! ſei uns gnädig, hilf uns; Lieber Herre Gott! vor Feuers- und vor Wassers bei entstandenem Ungewitter. 197 noth behüte uns; Lieber Herre Gott! vor einem bösen schnellen Tod behüt uns; Lieber Herre Gott! schlage nicht bei uns ein; Frommer Gott! fiche an des Herrn Jesu Tod. Befiehl dem Blitz, daß er ja nicht Ein Unglück hier bei uns anricht'. Du heilige Dreieinigkeit! Nimm Leib und Seel in deine Hut, Bewahr' auch Häuser, Hab' und Gut. Verschon' uns lieber Herre Gott! Und wende von uns diese Noth; So wollen wir zu aller Zeit Stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. 1. Gott! wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt, Und mit Schrecken uns erfüllt, Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd' und Luft erregst, Und uns zu der Buß' bewegst. 2. Hören wir den Donner schallen, Wie er mächtig sich erhebt, Und wie Stadt und Land erbebt, Wie so harte Schläge fallen, So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. 3. Ja, wir sehen mächtig blißen, Wie das Feuer fich ergießt, Und wie Ströme auf uns fließt, So daß wir erschrocken sizen, Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vor's Gericht. 4. In dem Donner, Bliß und Wetter Kommen wir zu bir o Gott! Ach hilf uns in dieser Noth! O du Helfer und Erretter, Großer Gott, erbarme dich, Sieh' uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschüßt, Da es also schrecklich blist; Alles muß zu Grunde gehen, Wenn du uns nicht selbsten deckst, Und die Hülfes- Hand ausstreckft. Der glaubige Christ betet ac. 6. Gott, wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht! Die wird oft gering geacht't; Deine großen Allmachts- Werke Zeigen Blig und Donnerschall, Großer Gott! jetzt überall. 198 7. Treuer Vater! schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut; Schüß uns vor des Wetters Wuth; Schau auf uns von deinem Throne, Treuer Vater! steh' uns bei, Mach' uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluth und Brand, Daß fie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebens- Besserung. 9. Ach! sieh' nicht auf uns're Sünden, Die ein Jeder hat gethan, Ach' nimm uns in Gnaden an. Laß den Bliz doch nicht entzünden, Uns're Häuser Hab' und Gut; Wend' ab Feu'r und Wassers- Fluth. 10. Ach! wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt; Ach! in solchen Ungewittern Uebeft du oft Straf' und Recht Ueber einen bösen Knecht. 11. Ach! du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jegt versammelt sein. Ach! willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit! Schon' uns doch in dieser Zeit. 12. Siehe nicht an uns're Sünden, Siehe doch an Jesum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deßwillen laß uns finden Hülf, Errettung, Trost und Gnad' Die er uns er worben hat. 13. Ach Herr! hilf uns, wir verderben, Ach Herr hilf, verlaß uns nicht; D Gott, uns're Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So find wir gewiß verlor'n. 14. Ach! du großer Gott! behüte Menschen, Viehe, Feld und Land Bor Verwüstung Fluth und Brand. Herr! nach deiner großen Güte, Laß den Sturm vorüber geh'n Und uns deine Hülfe seh'n. 15. Ach! bedecke uns're Früchte, Decke uns're ganze Stabt Und das, was ein Jeder hat, Mach es nicht im Zorn zunichte; Du bist, der uns helfen kann, Ach Herr! nimm dich unser an. Der glaubige Christ dankt Gott 2c. 199 16. Ach Herr! höre uns in Gnaden, Theil uns deinen Segen mit, Ach! erhöre uns're Bitt'! Laß das Wetter uns nicht schaden, Ach! wir fallen dir zu Fuß, Sieh' an uns're wahre Buß'. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns auch heut' befreist, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seiner Kinder schont, Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja wir wollen immer preisen Deine große WunderMacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der glaubige Christ dankt Gott nach einem Ungewitter. Aufmunterung. Hiob 37, B. 5. Gott donnert mit seinem Donner gräulich und thut große Dinge und wird doch nicht erkannt. Gott donnert und regiert die mit Feuer geschwängerten Wolken; er leitet sie nach seinem Wohlgefallen. Nicht allein der Mensch, sondern auch das unvernünftige Vieh geräth in Angst und Zittern. Gott thut große Dinge. Starke Bäume werden von seinem Blige zersplittert, Häuser entzündet, Menschen und Thiere zerschlagen; aber die Luft wird auch dadurch gereinigt und Alles erquickt. Große Dinge thut er durch seinen Donner und wird doch nicht erkannt. So lange fich Blige kreuzen, der Donner brüllt, beben die meisten Menschen, aber so wie er schweigt, wird des Allmächtigen nicht mehr gedacht. Der wahre Christ aber wird sich bei allen Stürmen ruhig in die Gnade Gottes ergeben, und wenn das Wetter glücklich vorüber ist, so lobt und preist er die Güte und Treue seines Gottes. Der glaubige Christ dankt Gott Gebet. Gelobt sei Gott, daß er die Gefahr so glücklich abgewandt hat! Mir war bange, da ich deine mächtige Stimme, Herr aller Herren, in den Lüften hörte. Groß war die Gefahr, in der ich mit den Meinigen schwebte, aber deine Gnade, o Herr, bat mir Haus und Hof und die prangenden Feldfrüchte mit allmächtiger Hand beschützt. Ge rührt komme ich daher vor dich und sage dir Lob, Preis und Dank, daß du auch jest Großes an mir gethan hast. Ich will deine Güte nie vergessen und in allen Nöthen daran denken, daß wir an dir einen Gott haben, der da hilft. Dein Gewitter, o Gott, hat statt Unglücks bei uns lauter Spuren deines Segens zurückgelassen. Vielleicht hat es anderswo Schaden gethan; ach! dann erbarme dich der Beschädigten in Gnaden. Erwecke Alle, die du beschüßt haft, zum Mitleiden und zur Hülfe; denn das ist der rechte Dank für die geleistete Hülfe, wenn wir Nothleidenden beistehen. Laß mich als einen treuen 200 nach einem Ungewitter. 201 Haushalter mit meinen Gütern umgehen. Nimm auch in Zukunft all' das Meinige in Schut; schenke uns ferner Gesundheit und fruchtbare Witterung, und bewahre uns vor allem Unglück. Führe uns auf ebener Bahn und laß uns am großen Tage des Gerichts zum ewigen Leben eingehen. Ach, laß mich ja nicht aus der Acht, Wenn uns dein jüngster Tag erscheinet, Der Tag, da vor Gericht gebracht Auch das, so man hier nicht gemeinet; Laß mich zu deiner Rechten stehen, Und zu des Lammes Hochzeit gehen; Mein Jesu, dann hab' Acht auf mich, So will ich ewig preisen dich. Amen. Der glaubige Christ betet, wenn er sich von Hause auf die Reise begiebt. Aufmunterung. Psalm 121, V. 5-8. Der Herr behüte dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht fteche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Uebel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in alle Ewigkeit. Von Hause weg zu reisen, können einen glaubigen Christen theils Berufsgeschäfte, theils die Liebe des Nächsten, theils der Zustand der Gesundheit veranlassen; leppigkeits- und Wollust- Reisen stehen einem wahren Rinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten und bedenken, daß Gott an allen Orten bei 202 Der glaubige Christ betet, ihm in fremden Landen sei, daß er alles sieht und hört, daher soll er sich auch selbst, als vor Gottes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich benehmen. 2) Ein glaubiger Christ soll sich Gottes Schut und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gesunden und unverlegten Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. 3) Er soll auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter empfehlen, daß er durch seine heiligen Engel alles in seine Verwahrung nehmen, vor Feuer, Wassersnoth und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Er soll bitten, daß Gott ihn, all' das Seinige und die Seinigen unverletzt und gesund wieder antreffen lassen wolle. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich habe mir vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen zu entfernen, darum komme ich zu dir, und bitte dich, ach! segne meinen Aus- und Eingang; in deinem Namen will ich diese Reiſe antreten; unter deinem Geleite laß mich dieselbe vollbringen, und unter deinem Schuße wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß umgeben, wie den Jakob; laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulus; laß deiner Engel Schaar mit mir aus wenn er sich auf die Reise begiebt. 203 und heimreisen, wie mit Joseph und Maria und mit dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück befreit bleibe. Ach, du Hüter Israel! der du weder schläfft noch schlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elisa, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät, in Wäldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Schuß. Gieb, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meinen Ohren die Worte erschallen, die du Abraham mit auf die Reise gabft: Wandle vor mir und sei fromm. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Haus und auf der Reise mich nicht des Bösen gelüften laffe; behüte mich vor Völlerei, Ueppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Begehung von Sünden und Schanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause zurückkehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüfte entstehen, und bewahre mich, daß ich 204 Der glaubige Chrift betet, weder meinen Leib, noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Ich befehle dir all' das Meine, was ich zu Haus hinterlasse; bewahre dasſelbe vor Dieben, vor Feuer und Wassersnoth, und lasse mich alles unversehrt wieder antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach mein Gott! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen; wende alle Gefahr, allen Schaden, alles Unglück und alle Krankheit von ihnen ab. Sei ihr Schußherr, erhalte sie, begleite fie, bewahre sie, und laß vor meine Ohren keine traurige Botschaft kommen. Ach Herr Jesu! der du unter der Gestalt eines Wanderers mit den zwei Jüngern gereist bist, sei auch mit mir auf meiner Reise; erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gieb mir fromme Gefährten, damit wir auf der Reise mit schandbaren Worten und fündlichen Reden uns an dir nicht verfündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deiner Treue und Wahrheit wenn er sich auf die Reise begiebt. 205 führen mögen. Ach mein Gott! in deinem Namen habe ich diese Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herzlich loben und unser Lebenlang preisen. Send' deinen Engel vor mir her, Den Weg mir zu be= reiten, Befiehl, daß er dem Satan wehr' Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr! in deinen Schuß, Daß ihre List, Gewalt und Truß Mir nimmer könne schaden. Bleibe stets auch bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu seh'n; Laß auf sie, als auf die Deinen, Deine Gnaden- Augen seh'n; Führe sie doch allermeift, Großer Gott! durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr gerathen In Gefahr und Missethaten. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier, Mit dir hab' ich es angefangen, Ach! weiche auch hier nicht von mir! O treuer Wächter Israel, Dir befehl' ich meine Seel'. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr' und deinem Ruhm Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigenthum; Begleite mich, wenn ich ausgeh', Bewahr' mich, wo ich bin und steh'. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh' Und nicht auf bösen Wegen geh'. 4. Laß in den Reden mich erwägen' Du, lieber Vater, höreft zu, Und daß auf allen meinen Stegen, Du alles fiehest, was ich thu'; Ach! bring' mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 206 Gesang eines, der sich in fremden Landen aufhält. 5. Ach, laffe, großer Gott! den Meinen, Du kenneſt fie, fie find zu Haus, Auch deine Gnaden- Sonne scheinen, Theil ihnen deinen Segen aus; Ach! laß es ihnen wohl ergeh'n, Laß mich sie fröhlich wieder seh'n. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wende alles Unglück ab, Dein Gnaden- Flügel woll' bedecken, Die ich zurückgelassen hab', Ach, treuer Vater! fie sind dein, Ach! laß fie dir befohlen sein. 7. Ach, wache, treuer Menschen- Hüter! Durch deiner guten Engel Wacht, Auch über meine Hab' und Güter, Und habe fleißig darauf Acht; Wend Unglück, Wasser, Fluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit! Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt', zu seiner Zeit, Indessen Herr! beschüße mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach theil' mir deinen Segen mit, Ach! laß doch meine Bitt' geschehen, Behüte meinen Schritt und Tritt, So will ich mit der Frommen Schaar Dich preisen jeßt und immerdar. Gefang eines, der sich in fremden Landen aufhält. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus, Wer gehet mir allhier zu Handen? Wer hilft mir denn in Nöthen aus? Mein Gott, o meine Zuversicht! Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen, Auf meiner guten Freunde Rath, Mit dir hab' ich es angefangen, Und sprech derhalben früh' und spat: Bleib' in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht mein Gott! von dir. 3. Erwecke mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich fehre ein, und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad' gewogen sein! Du bist mein Freund, dich halte ich Auch in der Fremde lieb ich dich. 4. Erhalte mir den Leib mein Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht, Gedent, daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd' sich krank befind't. Der glaubige Christ bittet 2c. 207 5. Behüte mich vor Sünd und Schanden, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremden Landen, Herr! deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedenk', dein Angesicht Sieht, was in fremdem Land geschieht. 6. Gieb, daß ich freche Sünden hasse, Und flieh die Häuser, wo sie sind, und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand' und Sünd', Gieb, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd' vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubens- Lehr', Daß mich nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichthum, Wollust, Glück und Ehr'; Wer dich verläugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Ewigkeit. 8. Gieb mir, mein Gott! auch deinen Segen, Bescheere mir mein täglich Brod, Sei stets bei mir auf meinen Wegen, Und sei mein Beistand in der Noth, Laß mich in deinem Segen steh'n, Ach Vater! laß mir's wohl ergeh'n. 9. Ach! segne mich im Schlaf und Wachen, Ach segne meine Schritt und Tritt', Ach! segne mich in allen Sachen, Ach! theil' mir deinen Segen mit, Gieb mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet ſei. 10. Du wollest dies Gebet erhören Nach deiner großen Gütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen Jedermann, Was du mir Gutes haft gethan. Der glaubige Christ bittet um ein unverlettes Gewissen. Anfmunterung. 2 Cor. 1, 3. 12. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugniß unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. Die meisten Menschen tragen große Sorge für ihren Leib, denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; ach, daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten. Das Ge 208 Der glaubige Christ bittet wissen ist 1) dem Auge gleich, welches fein Stäublein Leiden kann. 2) Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen Zeugen sein, wogegen man nichts wird einwenden können. Ein glaubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten 3) wenn er fleißig Gottes Wort hört und liest, und darnach sein Leben anstellt, und in Allem gedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Wort erlaube? Wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgeht, leicht gebrannt oder verletzt wird, so wird das Gewiſfen bei gewissenlosen Leuten verlegt. 5) Besonders wird das Gewissen durch ein andächtiges, eifriges Gebet und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, als vor dessen Augen wir immer wandeln, bewahrt. Gebet. Herr, mein Gott, wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest! und läsfest es uns wohl gehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach mein Gott! dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gefunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein reines und unverlettes Gewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich, und erhalte mich in deiner Furcht, damit ich mein um ein unverlegtes Gewissen. Gewissen nicht verleße. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe nur das geringste Stäublein kommt, so ist es unruhig, es thränt, es wird roth, und man kann es nicht recht öffnen; so geht es auch mit dem Gewissen; hat man gegen dasselbe etwas gethan, so wird es unruhig, es verklagt, verdammt, und wenn es recht erwacht, so getraut man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein Gott! ich möchte gerne eine unverlette Seele und ein reines Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o! darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gutes Gewissen so ein edles Kleinod und sanfte Ruhestätte; wer will mich anklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott durch unsern Herrn Jesum Chriftum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreut? Wer kann mich ängsten und kränken, wenn mich mein Stark's Hdb. 1r Thl. 14 209 Der glaubige Christ bittet Gewissen tröstet und aufrichtet? O mein Gott! lasse mich diesen Schatz wohl bewahren. Hilf mir, daß ich nie etwas reden möge, was mir eine Gewissensangst verursachen könnte; hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse That einwillige, wodurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben, oder auf dem Todbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könnte; ach! bewahre mich vor den Vorwürfen des Gewissens und vor Gewissens- Angst; und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich überall christlich und behutsam benehme. Sieb, daß ich mir allezeit deine allerheiligste Gegenwart vorstelle und vor dir Böses zu thun mich scheue, da ich mich nicht vor meinem Gewissen, noch weniger aber vor dir, o allsehender und allwissender Gott! werde verbergen können. Gieb, daß ich auf Jesum, meinen Heiland sehe, und dessen heiligen Fußstapfen folge. Gieb, daß ich dein Wort als 210 nm ein unverlegtes Gewissen. 211 meine Glaubensregel nimmer von meinem Munde kommen lasse, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch meine Lebensregeln sein, damit ich nicht vorsäßlich dagegen sündige, sondern mich in allem meinem Thun darnach richte. Ach Herr Jesu! reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blute; verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir die stille und wahre Herzens- und Gewissens- Ruhe. Ach! dein heiliger Geist führe mich allezeit a sebener Bahn, so wird mein Gewisse unverletzt, und meine Seele, deine Wohnung, in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott! du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben! Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben, Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Jst mein Gewissen frei, Was frag ich nach den Leuten, Die all' mein Thun verdrießt, Und alles übel deuten, Was nur von mir geschieht; Im Himmel ist der zeugt Von allem meinem Thun, Und der gewiß nicht leugt. 2. Ist mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was 212 Der glaubige Christ bittet 2c. ihnen nur beliebt; Was darf ich darnach fragen, Was man mir falsch nachsagt, Und von mir übel spricht; Doch mein Gott fiehet wohl, Wie Unrecht mir geschieht. 3. Jst mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden; Ob man mich schon verdammt, Bin ich bei Gott in Gnaden; Was frag' ich nach der Welt, Mein Richter ist ja Gott, D'rum ficht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 4. Jst mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten, Und darf vor meinem Gott Mit Freudigkeit hintreten; Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd' befleckt. 5. Jst mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Shr Tabler, ach! gedenkt, Gott kennet euch und mich, D'rum sprecht hinfort doch nicht Von mir so freventlich. 6. Mein Gott! du weißt, daß ich nicht hab' die That begangen; Von wegen dieser Sünd' Kann meine Unschuld prangen, Mein Herz ist unbefleckt, Die Hände sind auch rein, Und kein Gewissens- Wurm Kann mir bescherlich ſein. m 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es fann erter Wenn man will über mich Ein schnödes Urtheil sagen; Veh! rechne keinem doch Die Missethaten zu, Und gieb mir F digkeit Und inn're selenruh'. Seele: Wann troteſt du mich? Palm: 119.82. A Orsus: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir Jep43 viewers Ist deine Seel betrübt, so schau den Himmel- an, Gott ist, der helfen will und der auch helfen kann. Zweiter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Jes. 41, B. 19. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Ist je etwas, das eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es die Allmacht Gottes, denn diese ist der Anker der Betrübten, woran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich; es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten; keine Last so schwer, er kann sie abnehmen; kein Unglück so heftig, Gott kann es wenden. 2) Soll der Betrübte gedenken, daß Andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat, er soll daher mit Freuden sprechen: Ach Gott, du bist heute noch so reich, als du ewig ge 216 Der Betrübte tröstet sich wesen bist; mein Vertrauen steht zu dir. 3) Sollen Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und sie sollen deßwegen den Muth nie finten lassen, sondern hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübsal mit Geduld ertragen und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben, und sagen: meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Gebet. du gütiger und freundlicher Gott! du fichest, wie mein Herz betrübt ist; es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann; eine schwere Last, die ich kaum tragen kann, darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott! ich schütte mein Herz vor dir aus, der du meine Zuversicht bist; ich werfe mein Anliegen von mir auf dich, und bitte dich, du wollest mich versorgen, mich erretten, mir beistehen. Das von Wellen gejagte Schifflein hält sich an den Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starker Gott! Das gejagte Wild eilt zu den Bergen, und ich hebe meine Augen empor zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schußherr! Ich will nicht verzagen; ich weiß, daß du ein der Allmacht Gottes. 217 allmächtiger Gott bist, du kannst helfen, darum, Herr! hilf mir, so ist mir geholfen; sprich nur ein Wort, so erlange ich Hülfe. Ach mein Gott! ich weiß, du bist barmherzig, darum erbarme dich auch jetzt über mich Elenden; du weißt meinen Schmerz, du kennſt mein Herz; du haft mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Ich weiß, du bist ein weiser Gott, du wirst Mittel und Wege wissen, die mir unbekannt sind. Ach! zeige mir ein Trostbrünnlein, wie dorten der weinenden Hagar; sage mir Hülfe zu, wie ehemals der betrübten Wittwe; hilf mir, wie dort dem verlaſsenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem gefangenen Petrus; laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir aufgehen, wodurch du mich versicherst: ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Ich habe dich einen fleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Der Betrübte tröstet sich Gott, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlassen. O siehe, Herr mein Gott! wie hier eine elende und hülflose Seele vor deinem Gnaden- Throne liegt; sende mir Hülfe vom Heiligthum, und stärke mich aus Zion. Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Mein Gott und Vater! wenn du mir nicht hilfst, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich geworfen von Mutter- Leibe an; du haft mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen, und bisher darin getragen, ach! darum laß mich auch jetzt darin Hülfe finden. 218 Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, Du weißt mein' Schmerz Erkennst mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ach! wo ist nun mein Gott! So muß ich heute fragen, Weil ich von nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen, Weil tausend Kreuz und Leid, Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen sein. 2. Ach! wo ist nun mein Gott! Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir sein, Und mich der Noth entreißen; Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär' er nicht mein Gott, Als kenne er mich nicht? der Allmacht Gottes. 219 3. Ach! wo ist nun mein Gott In diesen meinen Nöthen, Die an das Leben geh'n Und mich fast wollen tödten? Zwar seine Allmacht ist mir allzuwohl bekannt, Und doch empfind' ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach! wo ist nun mein Gott? Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja! ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Mich einst erfreuen wird, Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz mit solchen Fragen? Gott lebt ja immer noch, Was willst du immer flagen? Der dich mit seiner Hülf' Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's nur, auch dieses Mal. 6. Es hat ja Gott noch nie In Nöthen dein vergessen, Warum willst du denn jeßt So ängstiglich dich pressen? Gott sieht dein Leben wohl und läßt es so gescheh'n, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben seh'n. 7. Verzage nicht an Gott; Willst du den nicht mehr kennen, Dir da dein Vater ist, Und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? D'rum stell' dein Trauern ein, Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater sein. 8. Mein Gott! ich hoff' auf dich, Ach! laß die Stunde tommen, Da meine große Last Mir werde abgenommen, Indessen steh' mir bei, Und hilf mir gnädiglich, Ach Gott, erbarme Dich, Ach Gott, erhöre mich! Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Jef. 54, B. 7. 8. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Giner betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, in ihrem Kreuz und Leiden nichts erfreulicheres gesagt werden, als dieses, daß sie von Gott geliebt werde. Im schweren Kreuze ist das der erste Gedanke, der vom Satan und Fleisch beigebracht wird: Gott liebt dich nicht mehr, sonst würde er dich nimmermehr so Der Betrübte tröstet sich betrüben. Allein diesem Gedanken soll ein Betrübter die ewige Liebe Gottes entgegen setzen, und sich erinnern 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben und doch ein Kindes Gottes zu sein, wohl bei einander sein könne, denn Christus selbst hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter ers wägen, daß Gott denjenigen liebt, den er in große Traurigkeit geråthen läßt. Dazu kommt 3) daß solche Leiden der betrübten Seele nicht aus Zorn zu ihrem Verderben und Schaden zugeschickt werden, sondern damit sie Gottes Güte und Allmacht desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Gottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftigt; sie erhält den Betrübten, bewahrt ihn, stärkt ihn; ſegnet ihn; er wird zuweilen wunderbar erquickt und erfreut; die Last wird erleichtert, welches alles Liebesproben sind. 220 Gebet. Der Herr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht, Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. So seufze ich, mein Gott, in meiner jeßigen Betrübniß und Angst. Ach Herr! du weißt wohl, wie wehe mir um's Herz ist; aber ich weiß auch, daß mich diese Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehst. Ach! verbirg doch dein Angesicht nicht länger vor mir. Du hast mir von Jugend auf viel Gutes erwiesen; ach! mit solcher der Liebe Gottes. 221 Liebe umfasse mich auch jetzt in der Betrübniß meiner Seele. Ein Schäflein flieht, wenn es gejagt wird, zu seinem Hirten; ein Kind, wenn es geängstigt wird, geht zu seinem Vater, darum komme ich auch, mein Hirte und mein Vater! zu dir. O großer Gott! du haft mir versprochen: ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun, o großer Gott! jetzt habe ich Hülfe nöthig, jetzt stehe mir bei, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlasse mich nicht. Umfasse mich mit deinen Liebes- Armen; erhalte mich, daß ich nicht sinke; erquicke mich in meinem Leiden; laß mich Freude und Wonne hören, damit die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haſt. Beweise auch an mir, was Andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O du 222 Der Betrübte tröstet sich 2c. Gott der Liebe! versiegle den Trost in meinem Herzen, du habest meiner nicht vergessen, so wenig als ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater! siehe, dein Kind ist betrübt, erfreue es, es ist voller Angst, erbarme dich, und hilf ihm. Ich will, so lang ich lebe noch, Das Kreuz dir fröhlich tragen doch, Mein Gott! mach' mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wäre olches noch so groß; Mein Vater! du wirst bei mir bleiben, Ach! nimm mich auf in deinen Schoos. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Händen, Was mich betrübt und heftig quält; Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen, Wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit; Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar; Er macht daraus oft grüne Maien, Was eine scharfe Ruthe war. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund' wird schlagen, So höret auch mein Elend auf, Indessen will ich's willig tragen, Gott hemmt der wilden Wellen Lauf. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, D'rum halt' ich ihn im Glauben still, Er wird mir meine Bitt' gewähren, Was ich ihm ewig danken will. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass' ich mich auf meinen Gott. 223 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Anfmunterung. Psalm. 121, V. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Keine Hülfe zu haben, ist wohl betrübter, als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen; 2) Gott werde ihnen auch helfen; 3) Gott hat schon oft geholfen. Auf solche Hülfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten, denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß, und wenn die blöden Augen der Menschen auch nicht einsehen, wie dieß gehen soll. Gebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach! wo soll ich mich anders hinwenden; an wen soll ich anders in meinem Leiden und Kummer denken, als nur an dich, mein Gott? Ach! du haft mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen laffen. O darum höre auch jetzt mein Gebet; vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! und wenn ich rufe, so erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden zugeschickt worden, 224 Der Betrübte tröstet sich du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du, Herr, Herr! tödtest und macheft lebendig; du führest in die Hölle und wieder heraus. Du, Herr! machst arm und machst reich, du erniedrigst und erhöhst. Du erhebst den Dürftigen aus dem Staube, und erhöhest den Armen aus der Niedrigkeit; darum spreche ich im Glauben: Herr, hilf mir! Du haft gesagt: Ehe fie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß, darum will ich gerne auf deine Hülf- Stunde warten; stärke mich indessen durch deinen heiligen Geist; stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen; gieb mir Geduld und Kräfte, meine Leiden zu tragen. Ach, mein Vater! du hast noch keinen verlassen, verlaß mich auch nicht; du haft Betrübte allezeit erfreut, erfreue mich auch, du hast den Elenden geholfen, hilf auch mir; wenn, wie und wo du willst, das Alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und der Halfe Gottes. Gnade hiemit gänzlich anheimgestellt. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele! was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. 225 Herr Jesu Christ! groß ist die Noth, Darinnen ich thu' stecken; Ach, hilf, mein allerliebster Gott! Schlaf' nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, Kein? Creatur nimmt sich mein' an, Ich darf's auch Niemand klagen. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn! Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnaden- Thron; Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilfst ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Amen. Gejang. Mel. Zion flagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hat mich denn Gott gar verlassen Jeßt in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem bittern Kreuz und Leid; Ach! wo ist denn nun mein Gott In der größten Angst und Noth? Ach! wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden. 2. Willst du meiner nicht gedenken, Denk' doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden nicht versinken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such' Ist ja nichts, als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben? Ich weiß, Gott verläßt mich nicht, Er will meinen Glauben üben Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein; Seine Lieb' kann mich nicht hassen Noch mich in der Noth verlassen. Stark's Hdb. 2r Thl. 15 Der Betrübte tröstet sich 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunderlich; Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Noth ist ihm bekannt, und mir seine starte Hand, Diese kann mein Leiden wenden Und mir seine Hülfe ſenden. 226 5. Ich will Gott im Glauben fassen, Wie es Glaubigen gebührt; Ich will nimmer von ihm lassen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl' ich gleich die scharfe Ruth', Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet, Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut', Da mein Leid wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut; Vielleicht ist die Stunde uah', Ja vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: Du bist erhöret, Dir ist deine Bitt' gewähret. 7. Sei getrost, o meine Seele! Fasse dich in deinem Gott; Sage, flage und empfehle Jhm alleine deine Noth, Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will', Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Psalm 103, B. 8. 9. 10. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Born halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die so ihn fürchten. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten, unfreundlichen Leuten zu thun zu haben. Allein ein betrübtes Kind Gottes soll versichert sein, 1) daß ſein getreuer Gott im Himmel all' sein Leiden, Elend und Kreuz wisse, wie empfindlich es der Seele sei; nicht allein aber weiß es Gott, sondern 2) er erbarmt sich auch des Elenden; daher soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott der Barmherzigkeit Gottes. 227 seine Zuflucht nehmen; denn Gott erweist 4) seine Barinherzigkeit wie ein Vater, der sich über sein Kind erbarmt und es nicht verderben läßt. Gebet. du barmherziger Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird, siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete vor dein allerheiligstes Angesicht, und schütte meinen großen Kummer vor dir aus. Dir ist ja wohl mein Jammerstand und mein großes Elend bekannt; meine Seele ist betrübt; mein Geist iſt geängstet, und Leiden haben mich ohne Zahl umgeben. Ich sehe mich nach Helfern um, aber ich finde keine; daher wende ich mich zu dir, o Gott! ich weiß, du bist barmherzig, und läsfest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die um ihr Kind weinte; es jammerte dich des Volks, welches nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verbunden. O darum komme ich zu dir, und spreche: Ach, erbarme dich über mich! Äch Gott! ich bin dein Der Betrübte tröstet sich Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen; ja, ich bin mehr; ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen haft, darum spreche ich: Ach, mein Vater, erbarme dich deines armen und verlasſenen Kindes! Mein Jesu! ich bin ja mit deinem heiligen Blute erkauft, darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. O du werther heiliger Geist! lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei allem meinem Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde, so schreie du in mir das Abba lieber Vater. Siehe, ich finke, ach! biete mir deine Hand. Ach! Herr, nach deiner großen Barmherzigfeit stärke meinen Glauben; erhalte mich in meinem Elende; gieb mir alle Tage neue Kräfte, daß mein Glaube nicht aufhöre, daß meine Hoffnung nicht sinke, noch mein Vertrauen auf dich schwach werde. Du hast mich ja noch niemals verlassen, ach! so verlaß mich jetzt auch nicht; hilf deinem Kinde, daß zu deiner 228 229 der Barmherzigkeit Gottes. Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach, ich kenn' sein Vaterherze, Es ist schon auf Hülf bedacht; Meine Trübsal, Angst und Schmerze, Und was mich sonst traurig macht, Wird sich alsdann sogleich wenden, Wenn er mir wird Hülfe senden, D'rum, mein Vater, komm' zu mir, Herz und Auge weint nach dir. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Wohl dem, der Gott vertraut In allen seinen Sachen, Und Alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen, Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schoos, Der wird ganz ruhig sein und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem nichts unmöglich; Eein starker Allmachts- Arm Kann helfen un verzüglich; Was uns dünkt allzuschwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Noth von uns, Wenn er befiehlet, weicht. 3. Wohl dem, der Gott vertraut; Kannst du kein Mittel finden, Und meinest deine Noth, Wär' nicht zu übers winden, So trau' dem weisen Gott, Der alle Hülfe hat, Bei dem ist Rath und That, Wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebess Proben Muß jede Creatur Mit frohem Munde loben; Der jeder Creatur Die Nahrung reichlich giebt, Der forget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut, Und nicht den Menschenkindern; Sie sind gar oftmals falsch, Und suchen zu verhindern, Das, was uns nüßlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und versteh'n, So helfen fie doch nicht. 6. D'rum will ich immerdar Dir meinem Gott vers trauen, Auf deine Vaterhand In meiner Trübsal schauen, Ach Gott! ich komm' zu dir, Ach! sorge du für mich, Ach! nimm dich meiner an, und hilf mir gnädiglich. Der Betrübte erwägt 7. Wohlan! ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Jch bleib' darauf be stehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der feste auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. 230 Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Psalm 91, V. 14-16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen. Er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schüßen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Noth; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. So niederschlagend auch Kreuz, Unglück und Elend find, so herrlich richten die göttlichen Gnaden- Verheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter denken 1) alle göttlichen Verheißungen gehen auch ihn an, Röm. 15, V. 4. Ferner soll er 2) gedenken, alle göttlichen Verheißungen werden zu der Zeit erfüllt werden, die Gott bestimmt hat. 3) Soll ein Betrübter gedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Uebel bisweilen auch in diesem Leben erfüllt werden, aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllt. In Betrachtung dessen soll 4) ein Betrübter stille sein, und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so vielen Tausenden schon erfüllt hat. Gebet. Herr, mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig die göttlichen Verheißungen. 231 suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Antliß. Ich weiß in meiner Bekümmerniß nirgends Trost und Rath zu finden, als bei dir; bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath all'zeit gewiß gefunden hat; besonders suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen. Darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelen- Angst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum; ich suche in deinem heiligen Worte ein starkes Manna für meine hungrige Seele, und ein lebendiges Wasser für meinen matten Geist. Du hast gesagt: Ich bin bei dir in der Noth! ich will dich herausreißen. Ach, Herr! die Angst meines Herzens ift groß; führe mich aus meinen Nöthen. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigfeit. Du hast gesagt: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach Herr! erbarme dich doch Der Betrübte erwägt zc. meiner, ach! weiche nicht von mir; verwirf mich nicht von deinem Angesichte; dein freudiger Geist erhalte mich. Dein heiliges Wort stellt dich mir als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen ges wissen Erretter vor, darauf verlasse ich mich, dessen tröste ich mich. Darum ſei wieder zufrieden, meine Seele, der Herr verstoßt nicht ewiglich; er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, er wird's wohl machen. Fasse mich in deine Arme und erquicke mich; verlaffe mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil. 232 Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit, Es mag ihn nichts gereuen, Er wendet alles Leid; Ihm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein' Seel', mein Leben, und was er mir gegeben, Er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen, Ach wann komet doch die Zeit? Ach wann wird mir abgenommen Meine Der Betrübte erwägt zc. Klage, Kreuz und Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, Wart' ich doch darauf mit Schmerzen; Es spricht oft mein matter Mund: Ach wann schläget Gottes Stund'. 2. Ach! ich zähle alle Stunden, Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hülf gefunden, In der Nacht, wie an dem Tag; Spreche öfter noch mit Weinen: Ach! wann wird die Stund' erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 233 3. Doch ich will dir nichts vorschreiben, Es geschehe.. Herr dein Will'; Ich will dir getreu verbleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund' verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt, Ach! kommt deine Stunde bald? 4. Ach! laß deine Stund' anbrechen, Deine Stund' o lieber Gott! Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Noth, Nach dem Winseln, nach dem Schrei'n Laß mir Hülfe angedeih'n, Alle Noth bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater! hör mein Flehen, Sieh', es betet Herz und Mund; Laß mich bald erfreuet sehen Die ersehnte Hülsesstund'; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach, mein Vater! höre mich, Höre mich doch gnädiglich. Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes in seinem Leiden. Aufmunterung. Hebr. 12, 3. 11. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Wenn das Kind die Züchtigung empfindet, weint es, und meint, es geschehe ihm gar zu wehe, was ist's denn Wunder, wenn Betrübte oft nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen. Ein Betrübter soll erwägen, 1) Gott will uns durch's Kreuz nicht in's Verderben bringen, sondern uns daraus erretten und zu sich ziehen. 234 Der Betrübte erwägt 2) Sieht Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Creaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, damit wir ihn allein lieben, und unsere Freude an ihm haben follen. Dabei bleibt er uns ein gnädiger, allmächtiger, weifer und gütiger Gott, der uns herzlich liebt. ebet. Mein Gott! der du mich jetzt in so große Traurigkeit und Betrübniß ge seßt hast, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen, und meine Augen voll Thränen geworden sind, ach! ich weiß nicht, wohin ich mich wenden soll. War ich nicht glückselig? Hatte ich nicht Ruhe? Woher kommt solche Unruhe? Ach, mein Jammer ist groß! aber ich will darum nicht von dir flichen, mein Hirte! Hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen, ach! so richte mich wieder mit deinem kräftigen Wort auf, damit ich erwägen möge, warum du mir dieses Elend zugeschickt hast. Ich weiß ganz gewiß, daß dieses Kreuz mich nicht zu meinem Verderben getroffen hat, sondern indem du mich in solchen traurigen Zustand sebest, willst du meine Liebe prüfen, ob ich dich auch in bösen wie in guten Tagen lieben will. die Absichten Gottes in seinem Leiden. 235 Du willst meinen Glauben prüfen, ob ich auch glaube, du seist ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elende erretten und in demselben erhalten könne. Du willst meine Geduld prüfen, ob ich dir zur Ehre dieses Kreuz gerne tragen will. Du willst mein Vertrauen prüfen, ob ich dir über alles vertrauen, und auf dich, auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit bauen will. Du willst meine Hoffnung prüfen, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen ist, und ich deinem Wort und deinen Verheißungen Glauben beimessen will. Ja, mein gnädiger Gott und Vater! du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüften, Sünden und Gewohnheiten abziehen, damit ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten soll. Wohlan, mein lieber Gott, ich will so werden, wie du mich haben willst; ich will das tragen, was du mir auflegst; gieb mir deinen heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mittheile. Ich will gern geduldig sein, es währe, so lange als es wolle. Ich will mich 236 Der Betrübte erwägt zc. auch der Welt und weltlichen Gesells schaften entschlagen, und dir allein anhangen, damit ich ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen und meiner Seele nüßlich sein. Die Hülfe wird schon zu rechter Zeit anbrechen. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich verlassen bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll treulich an ihm halten, Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der mich niemals verläßt. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich ansicht; Mein Jesus kann den Jammer ſtil len, Db man mir alle Hülf' abspricht, Und ob es gleich mir wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die Anfangs gehen biter ein, Und gleichwohl großen Nußen bringen, Wenn sie nur ausgestanden sein; Fühl ich gleich oft die scharfe Ruth', So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott tennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt allein zu sich; Empfind' ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb', So will mich Gott demüthig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb', Ich achte nicht der Feinde Wuth, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar fränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 237 6. Und muß ich öfter noch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir's Gott doch überwinden Und schenkt mir süße Seelen- Frend', D'rum hab' ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl aus allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllengluth, D'rum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 2 wfmunterung. Hebr. 10, B. 35. 36. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut, und die Verheißungen empfahet. Geduld ist eine Frucht des Geistes; sie kommt von Gott, und derselbe muß darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und herzlicher beten, je heftiger sein Leiden anhält, wie dort von Christo steht: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Deßwegen soll der Betrübte erwägen: 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibt, und mit sich umgehen läßt, wie Gott will. Darum 2) murrt ein Betrübter nicht gegen Gott, sondern fagt: ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst es wohl machen. Sollte er 3) je durch die heftigen Schmerzen kleinmüthig werden, so muß er Gott um Stärke anrufen; Gott aber stärkt Betrübte gewiß. Dadurch 4) wird ein Betrübter wieder stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. 238 Der Betrübte bittet. Gebet. Herr, mein Gott! mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Glend und Jammer ist dir wohl bekannt; dies ift mein Trost, daß ich weiß, es komme von geliebten Händen; ich habe es mir nicht gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; hast du es mir aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die Geduld auch unter die guten Gaben gehört, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach! so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkst, wenn du mir hilfft und beistehst, so kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird es mir nicht schwer werden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ich's bestehen kann. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die strauchelnden Knie, sage meinem verzagten Herzen: Dein Gott ist König, dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilfft, so ist mir gehol um Geduld und Stärke. 239 fen; darum hilf mir, o mein Heil; stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich so leiden und mein Kreuz tragen soll, worauf ich mit Freuden sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir deine Liebe vor, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß dennoch liebst, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater ſeist; daß dieses Kreuz nicht ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade sei. Gieb, daß ich meinem Jesus in aller Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gieb, daß ich mitdulde und leide, damit ich auch mitgekrönt, und mit zur Herrlichkeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gieb mir neue Kraft und neuen Muth, wenn ich einen Sturm bestehen 240 Der Betrübte bittet 2. muß oder bestanden habe. Ja, stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen, und dein kräftiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, Mein Schild, meine Kraft, Sagt mir dein Wort; Mein' Hülf', mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott in aller Noth, Wer mag dir widerstreben. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott verzieh' doch nicht, Ach! sieh' wie ich snuß weinen! Wann willst du, o mein Licht! Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause habe ich Kreuz, Und geh' ich ein und aus, So geht mein Leiden mit, Und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff' ich alle Tag', Sieh, heute wird es besser, Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer, Ich werde schwach und matt, Mein Herz ist sehr beklemmt, Es ist mein Angesicht Mit Thränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will Auch die Geduld verschwinden, Weil sich die Linderung So gar nicht will einfinden, Ich warte von dem Tag Bis zu der stillen Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein Gott! die Hülf verziehen, Wie wird es mir ergeh'n! Ach! wo soll ich hin fliehen? Ach Gott! verzeuch doch nicht, Ach eile doch herbei! Ach Herr! wann machst du mich von meinen Banden frei? 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen; Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden, Ach! wende dich zu mir, Komm' und errette mich, Erleicht're mir mein Kreuz, Ach Gott, erbarme dich. 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir hilfest tragen! Ich will, wenn du mir trägst, Von keinem Leiden fagen, Denn trägest du mit mir, So trägst du das Gewicht, Ich habe zwar das Kreuz, Und fühl die Last doch nicht. Der Betrübte bittet 2c. 241 7. Ach ja, mein Herr und Gott! Laß mich die Stund' erbliden, Da du nach meinem Leid Mich endlich willst erquiden, Ach schenke mir dereinst Die lang gewünschte Stund', Darnach das Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Wirst du mir diese Gnad', D großer Gott! erweisen, So will ich, weil ich leb', Dafür dich herzlich preisen; Mein Freudenwort soll sein Nach ausgestand'ner Noth; Wie gnädig ist doch Gott, Der Herre Zebaoth! Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. Aufmunterung. Jef. 38, 3. 14. 15. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. Herr, ich leide Noth, lind're mirs. Siehe, um Trost war mir sehr bange; du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Denn du wirfft alle meine Sünden hinter dich zurück. Gott hat seinen Kindern eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Leben. Es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Erfüllung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie darinnen sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Deßhalb 1) wenn sie ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterfeit und Langwierigkeit empfinden, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmung des Kreuzes mit einer gelaffenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft sein. Diese Bitte um Abnehmung der Trübsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oft zerstreut, niederschlägt und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Will man aber des Kreuzes Start's Hbb. 2r Thl. 16 Der Betrübte bittet entledigt sein aus Ungeduld, oder um der Weltluft und Weltfreude wieder zu genießen, so sieht man leichtlich, daß Gott ein solches Gebet nicht erhören wird. 242 Gebet. du gnadenreicher Gott! der du die Betrübten und Elenden ansiehst, und dich erbarmest aller deiner Werke, ach! siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thüre deiner Gnaden, und flehe dich um Hülfe an. Die Vaterhand, die mich verwundet, die muß mich heilen; die mich getödtet, muß mich wieder lebendig machen. Darum, du gnadenreicher Gott! komme ich zu dir und spreche: Herr, hilf mir, ach, erbarme dich meiner! ach! laß mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Ach! laß mich doch deine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur einen Theil desselben von mir. Du willst dich vor deinen Glaubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach mein Gott! wie lange willst du mein so gar vergessen? um Abnehmung der Trübsal. wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist es denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seift, der sich über mich erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sei. Ach! wie lang, ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Herr Zebaoth ist dein Name, groß von Rath und mächtig von That. Du bist der Trost Israel und ihr Nothhelfer, darum verlaß mich nicht; hilf mir, errette mich und ſei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil. Ist aber deine Hülfesstunde noch nicht da, so stärke mich inwendig, und gieb mir Kraft, daß ich ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater, mit mir trägſt, wenn ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch als ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken; willst du mir es aber in diesem Leben 243 Der Betrübte bittet 2c. nicht abnehmen, sondern es ist dein heiliger Rath, daß ich es bis in den Tod tragen soll, so geschehe dein Wille. Soll ich noch mehr hier leiden, So steh' mir, Herr, durch deine Kraft zur Seiten, Fein ritterlich, Beständiglich, Hilf mir mein' Widersacher all' beftreiten. Amen. 244 Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach wie lany verzieht er doch! Will er sich nicht zu mir kehren, Weg zu thun das schwere Joch? Ach ich muß ja fast vergeh'n, Wenn er mich nicht will anseh'n! Nimmt sich meiner Gott nicht an, Ach! so ist's um mich gethan. 2. Hat mir's Gott doch ja versprochen, Daß er mid erhören woll', Wenn die Stund ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen, Und darauf mich fest verlaffen; Was er mir verheißen hat, kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten, Schaue Vater auf dein Kind; Ich will immer vor ihn treten, Wie die, je verlassen find; Ich will Seufzen, Weinen, Flehen, Aller Orten ihm nachgehen; Ihm schick ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hülf und Ruh'. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethse mane, Länger auf die Hülfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hülf verzagen, Und mein Kreuz geduldig tragen; Seh' ich meinen Jesum hier In den Garten noch bei mir. 5. Nun wohlan ich bin vergnüget, Es geh', wie es gehen soll, Wie es mein Gott mit mir füget, So thut er ber Seele wohl. Endlich werd' ich noch lobfingen, Und ihm meine Opfer bringen, Ja erzählen Jedermann, Was er an mir hat gethan. Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Klagl. Jer. 3, V. 31-33. 245 Der Herr verstoßet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte, denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Alle Trübsal wird leicht, wenn man hofft, es werde bald besser werden. Hiebei soll ein Betrübter sich vorstellen 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde, und vielleicht noch in diesem Leben. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch Leiden betrübt wird, daß seine Seele dadurch wird erbaut; durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist seir Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärkt worden. Gebet. Ach, du großer Gott! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß; aber doch soll mein Glaube, Hoffnung und Vertrauen deßwegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nämlich zu dir, allmächtiger, gütiger u. barmherziger Gott! Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja, nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder scheinen lassen. Du hast versprochen, daß 246 Der Betrübte erwägt du die Mühseligen und Beladenen erquicken wolleft; nun ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung, ach! gieb mir, wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet, denn du bist meine Zuversicht Herr, Herr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann Alles ändern. Ach! so ändere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand. Nun fehe ich deinen heiligen Rath; du haft mich demüthig, sanftmüthig und fromm machen wollen, mich zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben, und meine Hoffnung auf dich stellen soll, und da nun dieses ausgerichtet ist, ſo nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und läsfest mein Gemüthe, daß vorher gar unruhig war, wieder still, gelassen und zufrieden werden. welch' herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! O welch' großer Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 247 verfertigen. Meine Thränen sollen ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen Rosen tragen; nach meinem Kampf soll der Sieg, und nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird am jüngsten Tage die fröhliche Erlösung sein, wenn ich von allem Uebel erlöst in das himmlische Freuden- Leben eingehen werde! Ist dieses denn das erste Mal, daß wir betrübet werden? Was haben wir als Angst und Qual Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, Und doch hat Gott uns d'rauf geschenkt Ein Stündlein voller Freuden. Amen. Gejang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil! wann werd' ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach! wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? Betrübte Wittwen schütten 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh', And're find beglücket, Sie steh'n in Herrlichkichkeit Mit Wohlergeh'n geschmücket; Nur ich muß traurig geh'n, Ja ich muß ganz allein In meinem Jammerstand Von Gott verlassen sein. 248 3. Es muß mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Dieweil ich Jesum fast Beiß nirgends mehr zu finden; Wo ich mich nun hinwend', Sieh', da verbirgt er fich, Und wo ich nach ihm greif', Sieh', da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach! höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch, Wann kommt mein Jesus? sagen; O Jesu! komm doch bald, Die Zeit wird mir so lang, D Jesu komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus tommet bald, D Seele sei doch stille, Und stell' dein Trauren ein, Es ist so Gottes Wille, Weil Jesus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquidt er dich Mit süßer Seelen- Freud. 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen; Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen; Er sieht dein Leiden wohl, Sieh' da, in kurzer Zeit Ers quickt er deinen Geist, Mit Troft und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald; Er wird dich nicht vers lassen, Denn du bist ja sein Kind, Wie könnt er dich denn haffen? Schan' doch auf And're nicht, Die da beglüdet teh'n, Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgeh'n. 8. Dein Jesus kommet bald; Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Auf's freundlichste empfahen. Auf, Seele, sei getroft, Dein Heiland ist dir nah, Nun ist dein Wunsch erfüllt, Dein Jesus, fieh', ist da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufm unterung. 2. B. Mes. 22, B. 22. 23. Ihr sollt teine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt und mein Mann ist gestorben. Also beschreibt das kluge ihr Herz vor Gott aus. 249 Weib von Thekoa eine Wittwe, 2. Sam. 14, V. 5. Es ist der Wittwen- Stand 1) ein Trauerstand, weil ein Weib ihres Ehemanns Hülfe, Rath, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit entbehren muß; armen Wittwen thut es desto weher, weil ihnen die Person durch den Tod geraubt ist, welche sie und ihre Kinder ernährt und durch Gottes Segen versorgt hat. Es ist der Wittwen- Stand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üven, ihnen Unrecht thun. Es ist aber der Wittwen- Stand 3) ein von Gott beschüßter Stand. Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen, und hat ihnen gedroht, wenn sie ihnen Unrecht thun würden, so wolle er es rächen; er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter sein. In Betrachtung dessen sollen fromme Wittwen 4) nicht an Gott verzagen; 5) sie sollen dieses annehmen als eine Probe ihres Vertrauens und Hoffnung auf Gott, und 6) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch sein, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich verjorgen, ernähren und erhalten. Gebet. A du barmherziger und gnädiger Gott! der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlaffenen und Elenden, ach! es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rath gefallen, mich in den betrübten Wittwen- Stand zu setzen. Meine Sonne ist am hellen Mittag untergegangen, und die Krone meines Hauses $ 250 Betrübte Wittwen schütten ist abgefallen. Ich bin ein Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rath und That suchen? Ach mein Gott! ich komme zu dir. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wollest der Wittwen Richter und der Waisen Vater sein: Ich der Herr, bin dein Mann, Gott Israel ist sein Name. Ach! so sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Sieh' an meine Thränen, sieh' an mein Seufzen, und erbarme dich mein. Mein Gott und Vater! ich glaube von Herzen, daß du mich u. die Meinigen ohne Mann schüßen, ernähren u. versorgen kannst. Herr! führe mich wie Naemi! versorge mich wie die Ruth; segne meinen Delfrug, wie den der Wittwe in Israel; laß das Mehl und Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe zu Sarepta; wische meine Thränen ab, und sprich zu mir: Weine nicht! wie du zu der Wittwe zu Nain sprachst. Ach Herr! bescheere mir mein tägliches Auskommen, ihr Herz vor Gott aus. 251 segne meinen Aus- und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich seße alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott! dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Du bist weise genug, mich zu erhalten; du bist mächtig genug, mich zu schüßen; du bist reich genug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir Alles zu geben, was ich vonnöthen habe; du bist allgegenwärtig genug, in allen Nöthen mir beizustehen, zu helfen und zu erretten. Verläßt sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen; vertraut ein Kranker dem Arzt seinen Leib und Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiser Gott! nicht vertrauen? Hilf mir, Gott mein Heil, um deines Namens willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o Herr! nimmst mich auf. Siehe, um Troft ist mir gar bange, du aber haft dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Gieb, 252 Betrübte Wittwen schütten daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, Niemand ein Aergerniß gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott! Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gieb mir Huld und Gnade bei Jedermann. Wittwen sind in Gottes Armen, Waisen find in Gottes Schoos, Ihrer will er fich erbarmen, Wär' die Noth auch noch so groß, Denn ein unges rechter Mann Tastet Gottes Auge an, Der ber Waisen Gut verleget, Und sich Wittmen widerseket. Wenn fie bleiben in den Schranken, Worein sie Gott hat gestellt, Und von ihm thun niemals wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmels- Schloß Werden alles Kummers los, Da soll nicht mehr, wie auf Erden, Wittwen- Noth gehöret werden. Amen. Gesang. Mel. D Gott, bu frommer Gott. 1. Ihr Wittwen seid getroft, Laßt ab von eurem Wel nen, Es will der starke Gott zu eurem Trost erscheinen. Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht, Und seßet auf dieß Wort All' eure Zuversicht. ihr Herz vor Gott aus. 253 3. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch nicht vers laffen, Wenn ihr zu finken scheint, So will er euch ums faffen, Der Herre Zebaoth, Der Herr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich euer an. 3. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch schon vers sorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater schon verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält, Er aber ist der Herr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, Der wird sich schon ers barmen, Er höret eure Stimm', Er trägt euch in den Ars men, Er will dem, der euch kränkt, Ein strenger Nichter fein, D'rum stellt das Ach und Weh' Und bitt'res Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr noch nöthig habt In eurem ganzen Leben; Gott der nach seinem Rath, Zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Noth am größten. Er wischt die Thränen ab, D'rum sprecht: du bist mein Gott; Mein Gott, ach steh' mir bei In aller meiner Noth. 7. Der Herr ist euer Mann, D'rum sollt ihr ihm vers trauen, Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch seh'n, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche geh'n. 8. Nur dienet eurem Gott, Mit Singen, Danken, Beten, kommt jede Stund' und Tag Vor seinen Thron getreten, Und flagt ihm eure Noth; Bleibt in der Frömmig teit, Und steht im Glauben fest Und in Zufriedenheit. 9. Gott, frommer Wittwen Gott Und Vater frommer Waisen, Du wollest gnädiglich Sie schüßen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgends hin, Denn nur zu dir allein, D'rum wollest du ihr Gott Und treuer Vater sein. 10. Versorg der Wittwen Haus, Die Waisen wollft du leiten, Ach Bater! schau', wie sie zu dir die Hand ausbretten, Ach' höre ihre Stimm', Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott Und frommer Wittwen Mann. 254 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Aufmunterung. Psalm 27, 3. 10. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. Ist je ein betrübter Stand, so ist es der Stand der Baisen, wenn Kinder, von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen die von Vater und Mutter verlassenen Kinder denken, daß sie, ob sie gleich keine Eltern auf Erden haben, doch einen reichen Vater im Himmel haben. Es sollen 2) fromme Waisen bedenken, daß Gott oft mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja, sie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne. Darum sollen 3) Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in allem ihrem Thun aufrichtig sein, be sonders aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch thun wider Gottes Gebot. Gebet. Ach du gnädiger, barmherziger Gott und Vater! ich armes verlassenes Kind 255 Verlassene Waisen 2c. werfe mich allhier vor deinem erhabenen Throne nieder, und bitte dich in Demuth und von Herzen, nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Rathschlusse gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflege zu berauben; ach, wo soll ich nun hin? ich bin eine Waise geworden, ich habe keinen Vater mehr; wer will sich jeßt meiner annehmen? Deßwegen, liebreicher Gott und Vater! komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich meiner; auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe; du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Ach mein Gott! du giebst Speise den Vögeln, du kleidest die Blumen; du versorgst das Wild im Walde; ach! so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen und dich meiner erbarmen, und mir gnädig sein; mein Auge sehnt sich nach dir; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich 256 Verlassene Waisen gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Erempel solcher Kinder stehen mir vor Augen, welchen du Vater und Mutter haft sterben lassen, sie aber dennoch herrlich geführt, versorgt und ernährt hast. Ach Gott! der du Moses aus dem Wasser gezogen, ach! schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübfal faft über mir zusammenschlagen. Ach Herr Jesu! der du der Kinder dich treulich angenommen und sie gesegnet, ach, segne mich auch und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werther heiliger Geist, der du die Glaubigen führeft, führe mich auch. Weise mir, Herr! deine Wege; leite mich in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach, du dreieiniger Gott! sei mein Erhalter, der mich schüßt, mein Helfer, der mir beisteht; mein Geleiter, wenn ich aus- oder einreise. Ach, gieb mir gute Freunde, erwecke mir Gönner und Wohlthäter, die sich meines Elends erbarmen; laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllt ſein; thue ihnen auch Gutes tlagen Gott ihre Noth. 257 nach deiner Gnade; bewahre sie vor Unglück, und vergilt ihnen mit zeitlichem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir thun. Gieb mir ein demüthiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bosheit und sündliche Unartenmich der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, damit ich nicht aus Armuth dich verläugnen möge, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allezeit leiden, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführt werde. Laß mich nicht in Unkeuschheit gerathen, und behüte mich vor verkehrten Herzen. O du gnädiger Gott und Vater, schrecke mich ab von den Wegen; warne mich, wenn ich fündigen will; erinnere mich, wenn ich mich des Böſen gelüsten lassen will; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach bin; mache mich gesund, wenn ich krank bin. Stark's Hdb. 2r Thl. 17 258 Berlaffene Waisen klagen 2c. O treuer Gott und Vater! ich übergebe mich dir ganz und gar; ach! laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen sein. O wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohlthuſt! meine Zunge soll sagen: das hat Gott gethan; Gott hat mich gesegnet, erhal ten, begleitet, geführt, versorgt, ja, ich will Jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen hast. Ach, Herr Herr! höre das Gebet des verlassenen Waisen, höre die Stimme deines Kindes. Ich weiß, du kannst mir helfen, und willst mir helfen, ach Herr! so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preis sagen kann: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Denn weil du mein Gott und Vater bift, Dein Rind wirst du vergessen nicht, Du väterliches Her Ich bin ein armer Erdentloß, Auf Erden weiß ich teinen Trost. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Waisen weinet nicht, Wie, wollt ihr euch nicht faffen? Verlaffet euch auf Gott, Der wird euch nicht vers Der Betrübte klagt 2c. 259 laffen! Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Noth. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will fie insgesammt Beschüßen, kleiden, speiſen, Dem übergebet euch, Der nimmt sich euer an, Seht, Gott ist euer Schuß Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon verforgen, Er fennet eure Noth, Die ihm ist unverborgen, Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrath ist sehr klein, So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja verheißen! Daß er Verlaffene Aus Trübfal wolle reißen, Das gehet euch auch an, Ihr werdet balde seh'n, Das Wort wird auch an euch In die Erfüllung geh'n. 5. Ja, glaubet, bleibet fromm, Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheiß'nen Segen, Und weichet nicht von Gott, Bertraut ihm allezeit, So blühet euer Glüd, In Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. Aufmnxterung. Jef. 42, B. 8. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Herr! stärke uns den Glauben. Luc. 17, B. 5. Ift etwas, das eine glaubige Seele schrecken kann, so ift's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß fie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer lebendiger Glaube sei; daher entsteht dann der Zweifel, ob sie auch werde felig werden. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost: 1) daß ein im Namen Jesu auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet ſei. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube; ein Gottloser begehrt nicht zu glauben. 3) Der Satan kann uns das Glaubens 260 Der Betrübte flagt Licht nicht im Herzen auslöschen. 4) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß gegen die Sünde, daher auch Früchte des Glaubens entstehen, Gal. 5, V. 22: Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängstete Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. 5) Gebet, Lesen der heiligen Schrift, Geduld, auf Gott harren stärkt den Glauben. 6) Christus ist auch für die Schwachglaubigen gestorben, und betet für fie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so ist es doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt. $ Gebet. Ach du gnadenreicher Gott! ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig mache, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen könne; weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden möchte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen sinde. Darum zünde in meinem Geiste das Licht des wahren Glaubens an, wodurch ich dich als den einigen wahren Gott recht erkennen möge, wie du dich in deinem Worte geoffenbart haft, und daß ich deinem geoffenbarten Worte von 261 über die Schwäche seines Glaubens. Herzen glauben und deine Verheißung von deiner Gnade und der Vergebung der Sünde, die mir durch Jesum erwor= ben, mit festem Vertrauen und Zuversicht annehmen möge. Denn mich dünkt zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren; dieses klage ich dir, mein Gott, darum weil ich weiß, daß alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach! so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Döchtlein auslöschen. Mein Gott! schreibe den Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger Gott! nämlich an dich, o himmlischer Vater! als unsern Schöpfer; an dich, o Jesu! als unsern einigen Erlöser und Seligmacher; an dich, o heiliger Geist! als Der Betrübte klagt 2c. unsern Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle, und der mich selig mache. Ach, mein Jesu! bitte auch für mich, wie du für Petrus gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; versiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der heiligen Laufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen. O du werther heiliger Geist! wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens, tröste mich, heilige mich, regiere mich, ja wohne in mir, und gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Mehre und erhalte in mir diese Glaubens- Früchte und mache fie mir alle Tage süßer und empfindlicher; wirst du dieses mir, o dreieiniger Gott! verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrieden sein. 262 O mein Gott! vor den ich trete Jetzt in meiner großen Noth, Höre, wie ich sehnlich bete, Laß mich werden nicht zu Spott; Mach' zunicht des Teufels Wert, Meinen schwachen Glauben stärk, Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. 263 Eine andere Klage über Anfechtung. Der Betrübte klagt über fündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. Axfmunterung. 1. Ror. 11, B. 7-9. Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schläget, dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes; aber noch betrübter ist der Seelen- Zustand, wenn angefochtene Seelen über fündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken klagen. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) Geistliche Anfechtungen, Traurigfeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, nach dessen Willen wir dieses leiden müssen. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die garstigen und abscheulichen Gedanken und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch, und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen. 4) Dieser Schreden und diese Angst über die lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohne. 5) Durch lästerliche Gedanken soll man sich doch nicht vom Gebet und Lesen des Worts Gottes abhalten lassen, sondern viel und auch oft beten und lesen. 6) Rönnen sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an 264 Der Betrübte tlagt über fündliche, an. Gott denken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen, denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade, ja sie beten durch ihr Binseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräf tigsten. 7) Db sie sich gleich einbilden, sie erzürnen Gott in allen Dingen, so nimmt es Gott nicht übel auf, er sieht ihren Willen und ihr Verlangen 8) Sie sollen geduldig ausharren, denn er erfreut, erquickt und tröstet sie wieder. 9) Diese Anfechtungen machen den Menschen demüthig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag, ja diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, Lauigfeit im Gebet und Anhörung des göttlichen Borts reinigen: ist das nicht ein herrlicher Nutzen? 10) Diese Gründe soll man betrachten, oder von Freunden Gottes sie weiter auslegen lassen, und dabei oft leibliche Arznei gebrauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder auf's Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben, mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen; man lese auch fleißig das achte Rapitel an die Römer, ingleichen den 27. und 88. Psalm. Gebet. Ach du heiliger Gott! der du wohneft unter dem Lob Israel und welchen alle heiligen Engel und Auserwählten ohne Unterlaß loben und preisen, ich betrübte Seele klage dir von Grund des Her garstige und gotteslästerliche Gedanken. 265 zens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhindert werde durch garstige und lästerliche Gedanken, welche in meinem Herzen so oft aufsteigen. Du allwissender Gott weißt ja wohl, daß sie mich wie feurige Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängsten; aber du weißt auch, daß ich darüber erschrecke, bitterlich weine, wenn ich die feurigen Pfeile empfinden muß. Ach, mein Gott! rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschieht; du siehst, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich darüber seufze, wie ich davor einen Abschen habe, und sie gerne aus dem Herzen vertreiben möchte. Ach Herr! laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ach! sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Erquicke mich, du dreieiniger Gott! und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und reichen Trost wieder empfinden, ja gieb mir mitten in der Angst einen Der Betrübte klagt über sündliche zc. Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach! so gieb mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Du hast gesagt: Es sollen nicht zu Schanden werden, die auf dich harren. Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmer zu Schanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit, hilf mir. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir hilfst; um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du haft gesagt, deine Gnade soll nicht von mir weichen; mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach Herr, Herr! laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach! mein Vater! laß deine Stunde kommen, da du die Seelen- Angst mir wieder abnehmest; stärke mich, hilf mir, bewahre mein Herz mit einer Mauer, umgieb es, wie 266 Klage wegen lästerlicher Gedanken. 267 das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hineinkommen, ja, daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott, du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu seiner Zeit ganz davon befreien wirst. Jesu du Brunn aller Gnaden, Der du Niemand von dir stöß'st, Der mit Schwachheit ist beladen, Sondern deine Jünger tröst'st; Sollt' ihr Glaube noch so klein, Als ein kleines Senfkorn sein, Wollst du sie doch würdig schätzen, Große Berge zu versetzen. Laß mich Gnade vor dir finden, Der ich bin voll Traurigkeit, Hilf du mir selbst überwinden, So oft ich muß in den Streit; Meinen Glauben täglich mehr', Deines Geistes Schwert verehr', Damit ich den Feind kann schlagen, Alle Pfeile von mir jagen. Amen. Klage wegen lästerlicher Gedanken. Gesang. Rel. D Gott, du fremmer Gett. 1. Jch klage dir, o Gott! Mit hochbetrübter Seelen Der scharfen Pfeile Sturm, Die mich entseglich quälen; Ah! böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach! wo soll ich doch hin, Wem soll ich davon fagen? Ich traue Menschen nicht; Ach Gott! dir will ich's flagen, Du kennst des Herzens Grund, Und weißt wohl 268 Gebet gegen lästerliche Gedanken. meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach wär' ich doch, mein Gott! Der Pfeile überhoben; Ich quäl' und mat're mich, Wenn sie so grausam toben; Ach wenn mein Herze nur An dich, mein Gott! gedenkt, So wird's im Augenblid In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort, Im Herzen mir verkehret, Ja man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret, Ich höre and're Wort', Als ich im Herzen hab', Und diese große Qual Frißt mir das Herze ab. 5. Ach! schaue meine Noth, Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil, Gott wüßte nichts von mir, Ich wäre, o mein Gott! Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich in allen Dingen, In alles, was ich thu', In Lesen, Beten, Singen; Was ich zu deiner Ehr' Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht' ich es nur meines Unflaths voll. 7. Ich kann der Lästerwort' Sogleich mich nicht ent fchlagen, Ich muß fie oft gar lang Ohn' meinen Willen tragen; Ach! rechne mir nicht zu, Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech', Ich leid' es mit Verdruß. 8. Mein Gott! dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hin tehre; Ich schreie tausendmal: Mein Gott! ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung verspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gefang. Mel. D Gott, du fremmer Gott. 1. Jch liege hier vor dir Mit hochbetrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott! Die großen Seelen- Schmerzen; Die Angst, die ich empfind' In mir ohn' Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Aug' von Thränen naß. 2. Ach Gott! ich leide dieß Nach deinem Vaters- Willen, Ich weiß, du kannst die Angst zu seiner Zeit schon stillen, Gebet gegen lästerliche Gebanken. 269 Ach, ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigenthum; Du bist mein Gott und Herr, Mein Freund, mein Troft und Ruhm. 3. Ach! die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie säubert Seel' und Geist, Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd' und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott, Und wehrt der Sicherheit. 4. Gefället es denn dir, Mein Herze rein zu machen, Durch ein so scharfes Feu'r, So fast aus Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib' ich doch bei dir, Ach! stehe mir doch bei, Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja, ich merke wohl, Jch bin vielmehr im Letden, Ich treibe nicht das Werk, Das ich gern möchte tretben; Ich schlöße gerne zu, Des matten Herzens Haus, Und trieb' die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer der annoch, In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind',( Wird er schon nicht gestillet, Ja der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt), Sieh', der versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu', Vor dich, o Gott! zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dieß mein Angstges schrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig's Beten sei. 8. Ach Gott! die Noth ist groß, Doch dir nicht vorzuschreiben Die Zeit und Hülsesstund', So will ich gerne bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gieb mir nur Kraft dazu, Und schenk' mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh'. 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mein schonen, So willst du doch, o Gott! In den Betrübten wohnen; Ach! wohne auch in mir, Und rufe auch mir zu: Sieh' da, ich bin bei dir, Betrübte Seele du. 10. Laß meinen Glauben nicht, D Seelenfreund! aufhören, Ach! laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören; Zeig' mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht, und nach der Finsterniß Ein herrlich Freuden- Licht. 11. Ach, großer starker Gott! Ach, stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie, Denselben könne rauben, Verfichere du mich, Du seist mein Herr und Gott, Mein Bater, der mich liebt, Mein Helfer in der Noth. Trost gegen lästerliche Gedanken. 12. Ach, weil du Niemand haft In Anfechtung verlaffen, So will ich deine Gnad' Mit frohem Mund umfassen, Ach, sende mir doch bald Die rechte Hülfeszeit, Da fich in Trost und Freud' Verkehrt die Traurigkeit. 270 13. Sieh' an die Jammerklag', Die Thränen meiner Wangen, Ich schrei dir immer nach, is ich werd' Hülf erlangen, und schweigest bu gleich still, So schrei' ich doch zu dir, Und sprech ohn' Unterlaß; Mein Gott! ach, hilf doch mir. 14. Mein Gott! erbarme dich, Sieh' an mein bitteres Weinen, Ach laß dein Gnaden- Licht In meiner Seele scheis nen, Ach Gott! erquicke mich, Und gieb mir Freudigkeit, Ach gieb mir Troft und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. Troft gegen lästerliche Gedanken. Gefang. In voriger Melodie. 1. Weicht, weichet nur von mir, Jhr sündlichen Gebanken, Jch bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanten, Ich achte eurer nicht Und eurer Lästerung, Ihr bienet mir vielmehr Zur Seelen- Reinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschiehet, Ja, was mein Will nicht ist, Und was mein Herze fliehet, Und davor Abscheu hat; Gott tennet meinen Sinn, Daß ich hie nicht im Thun, Bielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erwedt mir tausend Schmerzen, Ich sensie immerbar mit hochbetrübtem Herzen, Doch sie is außer mir, In's Herze tommt sie nicht, Dawider streite ich, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft Jch nur noch widerspreche, und alle Lästerspiel Durch seinen Geist zerbreche, So schad' der Pfeil mir nicht, Mein Jesus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühl ich öftermals, Wie Satans Engel schlä get, Und giftig diese Bort' Mir an mein Herze leget; Doch was kann ich dafür, Daß ich geschlagen werd', Wenn ohne Schlag zu sein, Das matte Herz begehrt? Trost gegen lästerliche Gedanken. 271 6. Gott fieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit Mich schon davon befreien, Weil ich für solche Wort' Hab Schrecken, Furcht und Scheu' So schenk' mir Gott die Huld Auf meine Buß und Neu'. 7. Ja, tobet immerhin, Jhr lasterhaften Worte, Ja tobet, wie ihr wollt, In mir an aller Orte, Gott ist dennoch mein Freund, Ich achte eurer nicht, Mein Jesus ist mein Trost Und meiner Seelen Licht. 8. Jhr habet mich von ihm Bisher noch nicht vertrie ben, Ihr könnet es auch nicht, Jhn will ich ewig lieben, Und weil's mein Will' nicht ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja! ich werde schon Auch einst noch überwinden, Ich werde Ruh' und Trost In Jesu Wunden finden, Ich seh' den Himmel schon mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. n Dritter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Kranke. Morgen- Gebet eines Kranten. Aufmunterung. Psalm 55, B. 17. 18. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen; des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören. Wenn Gott einen Menschen läßt krank werden, so soll er darum nicht das Gebet einstellen, sondern besto eifriger beten, wie Lukas von Christus bezeugt, Kap. 22, V. 44. Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott Jemand auf das Krankenbett niedergelegt, soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott ermuntern, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht geleisteten Schuß. Ist diese Nacht betrübt und unruhig gewe sen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Seele: Rach Fir herr verlanget mich PC 1 25. Vinnin A Am Krankenbette steht dein Jesus, dich zu trösten, Das glaube, wenn die Noth dir scheint am größten. H Stark's Hdb., 3 Teil. Jesus: Ich will dich nicht verlassen, noch por dir meichen! Jel. 1. 5. le 18 Morgen- Gebet eines Kranken. 275 Nacht ruhig und erträglich gewesen, so soll er Gott dafür danken. 2) Sich für den Tag in seinen Schutz und Obhut empfehlen, fleißig an Gott gedenken, ge= duldig leiden, was er ihm zuschickt. 3) Er soll sich dabei erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sei, erquicke und erhalte, ja, daß er ihn wolle da lehren und unterrichten, und mit aller Kraft zu sich ziehen. Gebet. du heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich komme jetzt, da nun der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag wiederum haft erleben lassen. Du weißt, Herr! wie ich die Nacht auf meinem Krankenbett hingebracht habe; jedoch kann ich nicht genug deine Güte preisen, daß du mich das Licht der Sonne wieder sehen und alle Schmerzen und Ungemach glücklich haft vorüber gehen lassen. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine Liebe; o du starker Gott! ich danke dir für deinen Schuß und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand mich bedeckt, deine Gnade hat mich erhalten. mein Gott! die Morgen- Gebet eines Kranken. Sonne geht wieder auf, ach! laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen; gieb mir mit diesem Tag neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr, mein Gott, es hat dir gefallen, mich auf dieses Kranken- Bett zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt, vielleicht willst du mich dadurch absondern von meinen gewohnten Sünden, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögest, wie ich für meine Seele sorgen soll. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, dich geehrt, dir gehorcht habe, daß ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache, und also schaffe mit Furcht und Zittern selig zu werden. Gieb, daß ich, o Jesu! den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, Blut und Tod gedenken und das wahre Heil und das ewige Wohlsein meiner Seele betrachten. Gieb mir einen schönen Trostspruch nach dem an276 Morgen- Gebet eines Kranken. dern in mein Herz, der deiner VaterLiebe mich versichere, deine Gnade mir versiegle, und deiner baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor geschwinden Zufällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit; willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden empfinden lassen, so bleibe nur bei mir und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden und Alles mit Gelassenheit und stillem Muth annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, und kannst mein Leben mir erhalten, und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen und deine Barmherzigkeit herzlich preisen über Alles, was du an mir gethan hast. Meinen Leib und meine Seele Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein 277 278 Morgen- Gebet eines Kranten. Chr' und Ruhm, Nimm mich auf dein Eigenthum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende, Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Führe nach dem Himmel zu. Amen. Gefang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele! 1. Unter meinem Schmerz und Weinen Nach zurückgelegter Nacht, Seh' ich jetzt die Sonne scheinen, Welche alles fröhlich macht; Darum fang ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen, Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich sehr krank befinde, Herr! das ist dein Will' und Rath, Welcher mir als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat; Nun ich nehm es gern auf mich, Ja ich trag es williglich, Was du pflegeft aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad' und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad' erhält, Laß mich auch das End' erlangen, Wenn es dir, mein Gott! gefällt, Lind're meinen Schmerz und Noth, Ach mein Vater Herr und Gott; Jesu meiner Seelen Sonne, Schenke mir heut' Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will geschehen, Herr! dein Wille nur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden sein, Ich will leben wenn's dein Will', Auch im Leiden halt' ich still, Ich will mich zum Tod und Leben Dir hiemit mein Gott! ergeben. 5. Segne alle Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß dieselben dir gedeihen, Herr, zu deines Namens Ehr', Hör' in Gnaden mein Gebet, Wenn ich glaubig vor dich tret, Daß ich dich im Glauben fasse, Und mich fest auf dich verlasse. Abend- Gebet eines Kranken. Aufmunterung. Psalm 77, V. 2. 3. 279 Sch schreie mit meiner Stimme zu Gott; zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgestreckt, und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; wenn mein Herz in Aengsten ist, so rede ich. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tage als bei Nacht begegnen können, so soll er ja niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes anbefohlen. Besonders soll dieß ein Kranker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag hindurch geholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arznei gesegnet, so soll er ihn dafür herzlich preisen. Kommt nun die bange Nacht herbei, so soll er 2) wieder mit Gebet sich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle gefährliche Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich so mit Leib und Seele Gott anbefohlen, so zweifle er nicht: 3) der dreieinige Gott werde auch bei Nacht sein Licht und seine Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, seiner pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen. ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein. Gebet. Ach, du barmherziger Gott! ich habe nun wieder einen Tag überlebt; Herr, Herr! du hast nach deiner Güte bis 280 Abend- Gebet eines Kranken. auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Besonders preise ich deinen Namen, daß du an diesem Tage meine Schmerzen und meine Krankheit mir hast tragen helfen. Ach Herr, du legst eine Last auf, aber du hilfft auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübet wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott! die Nacht bricht herein, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet und spreche: Mein Vater, ach, bleibe bei mir, und weiche in dieser Nacht nicht von mir. Ja, befiehl dem Engel, daß er komm', Und uns bewach', dein Eigenthum; Gieb uns die lieben Wächter zu, Daß wir vor'm Satan haben Ruh', So schlafen wir im Namen dein, Dieweil die Engel 281 Abend- Gebet eines Kranken. bei uns sein; O heilige Dreieinigkeit! Wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht alle gefährlichen und plößzlichen Zufälle von mir, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach, himmlischer Vater, bleibe doch bei deinem kranken Kinde; wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten! Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen! O Jesu! die Sonne geht unter und weicht von uns, aber du, o Sonne der Gerechtigkeit, weiche nicht' von mir. O mein Jesu, fasse mich diese Nacht in deine Arme; deine Linke liege unter meinem Haupte, und deine Rechte decke mich. O du werther heiliger Geist! du Tröster der Betrübten und Beistand der Glenden bleibe bei mir, stärke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und in christlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit! nimm mich auf in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich; 282 Abend- Gebet eines Kranten. der Herr laffe sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Und sollt' ja diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So nimm mich, Herr! in Himmel ein Zu deinem Freuden- Saal, Und also leb' und sterb' ich dir, Du starker Zebaoth! Im Tod und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Noth. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh umsehen, Weil mich die Krankheit müd gemacht; Ich will mit Jesu schlafen gehen, Der selbsten bei den Kranken wacht, Ich denk' dabei an meinen Gott, Ja auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn, Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf' ich aller Sorgen los, Und ruhe sanft in seinem Schoos. 3. Wenn ich mich deck', denk' ich, die Erde wird einst auch so bedecken mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab' ich, o Jesu! dich, So ruh' ich wohl in meinem Bett Und auch wohl in der Grabesstätt'. 4. Ich denke, wenn das Licht verschwindet, Weil man des Nachts nichts hat zu sehn, So wird auch, wenn mein Leib sich endet, Mein Lebenslicht geschwind ausgehn, Doch Jesus meiner Seelen Licht, Erlischt in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einst auch aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide, Und gehe in des Grabes Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög' der Ruh' genießen, Und mich kein frecher Feind berühr'; So schließt meine Augen zu der Ruh' Mein liebster Jesu selber zu. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 283 7. Ich werd' auch aus dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröth anbricht, Ich werde aus dem Grabe gehen, Wenn Jesus, meiner Seelen Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit, Und führet mich zur Himmels- Freud'. 8. Dieß sind die seligen Gedanken, Sieh', damit schlaf ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von Jesu wanken, Ich will im Schlaf auch bei ihm sein; D füßer Schlaf! o helle Nacht! Da Jesus in dem Herzen wacht. Der Kranke bittet Gott um Geduld. Aufmunterung. Psalm 43, V. 5. Was betrübst du dich meine Seele, Und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott iſt. Geduld ist euch nöthig, damit ihr den Willen Gottes vollbringt; und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig und gelassen sein. Zur Geduld aber soll einen Kranken bewegen: 1) Christi Erempel, welcher in den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern wie ein Lamm war. 2) Der Kranke soll denken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei. Zur Geduld soll ihn 3) die göttliche Liebe und Allmacht bewegen, was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte; darum soll er anstatt der Ungeduld vielmehr in wahrer Buße und im Glauben sich vor Gott demüthigen, und ihn um Gnade anflehen. Der Kranke bittet Gott um Geduld. Gebet. Barmherziger Gott, gnädiger Vater! siehe, ich armer Mensch liege hier auf meinem Krankenbett, und kann nicht stehen noch gehen, aber zu dir komme ich, und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach, es hat dir gefallen, statt der bisher genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken. Nun mein Gott und Vater, es geschehe dein Wille; gieb mir nur Geduld, daß ich alles ohne Murren tragen möge. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollte ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott, und straft mit Maßen, Sein Gericht kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich so manches Gute von dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft erquickt und erfreut, so will ich auch diese Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen, und mich in Demuth erinnern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie nichts und wenig zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott, daß du 284 Der Kranke bittet Gott um Geduld. liebreich und gnädig bist, darum wirft du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Siehe dein schwaches und krankes Kind an, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht, zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinst, weil das Leiden mir zu meiner Heiligung dienen soll. Mein Gott! hier bin ich, mach's mit mir, wie du willst; gieb mir deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß diese Krankheit ein Feuer sein soll, welches meine Unreinigkeit, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen, und mich reinigen soll, wie es eine Bußglocke sein soll, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, und dieselben herzlich zu bereuen; eine Betglocke, damit ich um Jesu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Uebertretungen suche, ja, eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus; denke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit; wohlan! so mache mich fertig und bereit, wie du mich dort in der Ewig285 286 Der Kranke bittet Gott um Geduld. keit haben willst; denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Darum sei stille, meine Seele, was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir! Harre auf Gott, ja, harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danfen, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott iſt. Was willst du dich betrüben, O meine liebe Seel'! Du sollst den einzig lieben, Der heißt Immanuel; Vertraue ihm allein, Er wird gut Alles machen, Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird nützlich sein. Denn Gott verlässet keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Amen. Gesang. Mel. Bion tlagt mit Angst und Schmerzen.. Seele. 1. Ach! wie lang soll ich noch kämpfen? Ach, wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach! wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Kron' und Sieg? Ach! ich werde unterliegen, Ach! ich werde doch nicht siegen. Gott. 2. Kämpfe nur getrost, o Seele! Kämpfe, ich will bei dir sein, Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein, Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir, Du sollst meine Hülf empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 287 Seele. 3. Aber ach! es währt zu lange, Meine Kräfte sind dahin, Ach! es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin, Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten, Ach! wer will mich doch erretten? Gott. 4. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Troft entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht; Nun wohlan! ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen, Und mit nichten unterliegen. Seele. 5. Ach! mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer, Meine Trübfal, Angst und Plage Häufen sich je mehr und mehr, Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen? Ach! das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. 6. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Docht erlöschet nicht, Kein Feind soll denselben rauben, Denk' nicht, daß das Rohr zerbricht; Wär' es gleich auch noch so schwach, Sieh' ich führe deine Sach', Ich will deinen Feind vertrei ben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. 7. D mein Gott! in deiner Stärke Hab' ich einen gu ten Muth, Ich kenn' deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wohlan! so steh' mir bei, Daß ich übers zeuget sei, Daß du werdest mich erretten, Und auf meine Seite treten. Gott. 8. Sieh', die Kron' ist aufgestecket, Eil', vollende deinen Lauf, Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh', der Himmel steht dir auf, Wonne, Sonne, Trost und Freud' In der frohen Ewigkeit, Weiße Kleider, Licht und Krone Ist der treuen Kämpfer Lohne. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Gott und Seele. 9. Seele. Nunmehr hab' ich überwunden Alle Noth mit meinem Gott. Gott. Und ich bleib' mit dir verbunden In und nach der Todes- Noth. Seele. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? Gott. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. 288 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Psalm 51, V. 6. Siehe, Gott stehet mir bei, der Herr erhält meine Seele. In Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand zu haben, ist gar ein großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spräche: Wie geht dir's? so wissen wir doch gewiß, daß Gott aller Elenden Beistand sein wird. Denn 1) hat Gott allen seinen Kindern Hülfe und Gnade verheißen, darum soll ein Kranker nicht verzagen, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen. 2) dieser Beistand wird wahrgenommen entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte giebt, auch das schwerste Leiden zu ertragen. Ja, Gott ist getreu, er ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernt. Gebet. du getreuer Gott! du siehst, wie ich jetzt in einem elenden und betrübten Zustande mich befinde; meine Kräfte nehmen ab, meine Gestalt verschwindet, Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 289 und des Kreuzes Last drückt mich immer heftiger nieder. Herr, Herr, Gott! der du mein Flehen höreft, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht; ich halte dir deine Verheißung vor, in der du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott! ich stärke dich, und erhalte dich, und helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wieder: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, mein Gott! auf dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nö thig; ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibst und mir tragen hilfft; die Krankheit wird mich) bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Ach! wie bald ist diese irdische Hütte meines Lebens gebrochen, wie bald versenke ich, wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ist es um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vaterhand mich nicht hälft. Ist mir's tröstStart's Hdb. 3r Thl 19 290 Der Kranfe bittet um Gottes Beistand. lich, wenn wenige Freunde bei mir was chen, o wie viel tröstlicher ist es mir, wenn du, mein Gott, bei mir biſt. Menschen können mich wohl bedauern und beklagen, aber wenn du bei mir biſt, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern, und meine Angst stillen. O darum verlaß mich nicht, und wende die Hand nicht von mir ab, Gott mein Heil! Weicht eine liebreiche Mutter nicht von ihrem franken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen; laß mich deine Gegenwart durch innere Freuden und Vergnügungen, durch einen kräftigen Trostspruch und süßen Gedanken empfinden, und tröste mich in meinem Leiden. Ach, mein Gott, stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 291 Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! Ich bitt', bu wollest sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gnaden, Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erden frag' ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben, Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein' Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch ſein Blut hat erlös't. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! In Schanden laß mich nimmermehr. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott! verlaß mich nicht, So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd' errettet sehen; Ich kenn dein Vaterherz; Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm mit deiner Hülf' nicht weit. 2. Mein Gott! verlaß mich nicht, Ohn' dich bin ich verlassen, Und weiß auf dieser Erd' Sonst keinen Trost zu fassen, Ach wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach! eile doch herbei, Du meine Zuversicht. 3. Mein Gott! verlaß mich nicht, In diesen meinen Nöthen, Du wirst, mein Helfer, nicht Mich in denselben tödten! Die Noth ist jetzt sehr groß, Erbarmer! komm' herbei, und mach in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen, Ich schrei' mein Gott! zu dir Aus fast zerbroch'nem Herzen, Du weißt und siehest wohl, Wie weh' mir heute ist, und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Vater bist. 5. Mein Gott! verlaß mich nicht, Ach! hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater! doch Mich deine Hand empfinden; Erscheine mir, mein Heil! So schreiet Herz und Mund, Ach! eile doch herbei Mit deiner Hülfes- Stund. 6. Ich will für diese Gnad' Dich, weil ich lebe, preiſen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Ruhm und Lobgesang, und sagen Jederman: Ach! preiset Gott mit mir, Der mir viel Gut's gethan. 292 Der Krante erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. Aufmunterung. Hiob 11, 3. 1. 2. Der Mensch vom Weibe geboren, lebt furze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume, und fällt ab, fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. Obgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die Allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, besonders wenn sie gesund sind und es ihnen wohl geht. Darum muß fie Gott bisweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches durch Krankheit geschieht; denn wenn er sie Gesunden schwach, die schönen Rosen welt, die Starken durch Krankheit matt werden läßt, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen follen alle Tage an ihre Sterblichkeit denken. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meint, wenn man nicht an den Tod denke, so sterbe man nicht; denn man mag daran gedenken, oder nicht, so kommt unser Ende, wenn es Gott gefällt. Gebet. Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Kranken- Bett zu legen, dadurch sündlichen Gewohnheiten abzufordern, an meinen Tod zu erinnern. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts Der Kranke erkennt zc. 293 vor dir, ach! wie gar nichts sind doch alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein Gott! ich bin Erde, und muß wieder zu Erde werden; darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schoos der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gesetzt ist einmal zu sterben, darnach das Gericht, deßwegen habe ich auch oft in gesunden Tagen gebetet; Ach Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben eiv Ziel hat und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich Alles, mein Hab, Gut, meine Ehre, mein Glück und was ich in der Welt besitze, verlassen muß. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskias: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben, und nicht lebendig bleiben, so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke, daß ich mir vorstelle: siehe da, dieses ist Der Kranke erkennt 2c. vielleicht mein letztes Lager und mein leztes Jahr; diese Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebens- Tage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens zum seligen Sterben bereiten möge. Siehe, mein Gott! hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich vorher recht in der Zeit, damit ich, wenn ich sterbe, in deiner Gnade und selig sterben möge. 294 Ich hab' mein Sach' Gott heimgestellt, Er mach's mit mir wie's ihm gefällt; Soll ich allhier noch länger leben, Nicht widerstreben, Seinem Willen thu' ich mich ergeben. Mein' Zeit und Stund ist, wann Gott will, Ich schreib ihm nicht vor Maß noch Ziel; Es sind gezählt all' Härlein mein, Beid', groß und klein, Fällt feines ohn' den Willen sein. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Wie sind wir so gar nichts! Wer dieses wird be trachten, Der wird nur Gott allein, Der Alles ift, hochachten, Denn wer sein lauter Nichts Beleucht't in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demüthig also spricht. 2. Ich bin nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und Leben, Das hat er mir und ich nicht selber mir gege ben; Vorher noch war ich nichts, Bis seine Schöpfershand Mich schuf, denn da ward ich Den Menschen erst bekannt. Der Kranke ergiebt sich dem Willen Gottes c. 295 3. Ich habe nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen, Wie könnte aus dem Nichts Was werden mitgenommen? Bon Gott kommt Alles her, Es ist auch Alles sein, Ich hab' nichts ohne Gott, Ohn' ihn ist auch nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst, Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht, Und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht und seiner Weisheit Echein, So muß ich ohne Licht und ohne Weisheit fein. 5. Ich kann nichts von mir selbst, Von Gott hab' ich die Kräfte, Er giebt mir Muth und Stärk' Er hält die Lebens- Säfte, Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören seh'n, Trüg' mich nicht seine Hand, So würd ich bald vergehn'. 6. Eo bin ich ja gar nichts, Doch das soll mich fromm machen, Ich will die stolze Welt Ju ihrem Nichts verlachen. Die sich gar viel einbild't Und auf ein Nichts verläßt, Und meinet, daß ihr Nichts Doch sei das allerbeſt'. 7. Gott ist das allerbest', Sein Alles soll vor allen Mir, ber ich gar nichts bin, Auf ewig wohlgefallen. einig Alles gieb, Daß ich auch diesen Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas sein, Das Gott dir nicht gegeben? Der da will etwas sein, Der wird zu nichts gemacht, Wer aber nichts will sein, Der wird empor gebracht. 9. Fahr' hin o Welt! fahr' hin, Dein Nichts kann nicht ergößen, Wer dich für etwas hält, Weiß Nichtig's hoch zu schäßen; Mein Alles ist mein Gott, Dem leb' und sterbe ich, Ich bin durch ihn beglückt Und ewig seliglich. Der Krante ergiebt sich dem Willen Gottes, zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Matth. 26, V. 39. Und Jesus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Gottes Wille ist allezeit der beste, aber wenn man sich Gottes Willen einzig und allein unterwerfen soll, 296 Der Krante ergiebt sich dem Willen Gottes, ſo empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker, welchen Gott auf sein Kranken- Bett niedergelegt hat, soll demnach 1) denken, daß es so Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustande sich befinde. Er soll 2) auf das Erempel Jesu Christi aufsehen, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Darum 3) ist dieses das allerbeste, daß ein Kranker sage: Siehe, Herr! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt; ich will länger leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. Gebet. D du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! ich komme jeßt mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron. Ich sehe, o liebster Gott! es ist dein heiliger Wille, daß ich krank liegen und eine Zeit der edlen Gabe, der Gesundheit, entbehren soll. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange Zeit gesund gewesen, nach deinem Willen will ich nun frank sein und mich auf meinem Kranken- Bette deinem gnädigen Rathschluß unterwerfen. Darum will ich in diesem Zustande mit meinem zu leben und zu sterben. 297 Jesu sprechen: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Und wieder: Des Herrn Wille geschehe, soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich noch länger loben, ja, die Jahre, die du mir schenken und länger leben lassen willst, die will ich zu deiner Ehre und in wahrer Frömmigkeit hinbringen. Gefällt es dir aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkomme, und daß ich an dieser Krankheit sterben soll, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hülle des Leibes einmal ablegen muß; aber ich weiß auch, daß du deinen Glaubigen einen Bau bereitet hast, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht! Sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen, und der Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Ursache, um Verlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir beides hart an, ob es nicht besser wäre, ausgelöst und bei 298 Der Kranke ergiebt sich dem Willen Gottes c. Christo zu sein, meinen Jesum zu erblicken, den ich liebte, als ich ihn noch nie gesehen hatte. Darum, mein Gott! ich überlasse dir alles; du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe hier bin ich, der Herr thue mit mir, was ihm wohl gefällt. Herr, wie du willst, so schick's mit mir Jm Leben und im Sterben, Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich doch nicht verderben. Erhalt' mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst gieb mir Geduld, Dein Wille ist der beste. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gett. 1. Ich will, was Jesus will, Das soll mein WahlSpruch werden, Den wiederhol' ich stets, So lang ich leb auf Erden, Mein Will' ist gar verkehrt Und trifft das beste nicht, D'rum soll er nur allein Auf Jesum sein gericht't. 2. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich foll leben, Wohlan! ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben, Ich bin in seiner Hand, Jhm leb' und sterbe ich, Gr führ' und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll leiden, Wohlan! ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden, Geht Jesus nur voran, So geh' ich gerne mit, Denn ſeine Gegenwart Verfüßt die sauren Tritt. 4. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll weinen, Wohlan! so will ich auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid, Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thränen ab, Und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich verlassen Von Jederman soll sein, Ja, daß man mich soll hassen, 299 Der Krante erkennt, daß Kreuz 2c. Wohhan! ich will es auch, Verlässet er mich nicht, Eo acht' ich's nicht, daß mir Der Menschen Hülf' gebricht. 6. Ich will, was Jesus will, Soll ich dereinst Frant werden, Wohlan! ich will es auch, Ich bin ja Staub und Erden, Wie bald zerbricht ein Glas, Jhm ist ja alles leicht, Weil auf sein Wort sobald Die Krankheit wieder weicht 7. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll sterben, Wohlan! ich will es auch, Durch ihn werd' ich ererben Das mir versprochne Reich, Ich geh' zur Erbschaft ein, Und bleib im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. Der Kranke erkennt, daß Kreuz und Trübfal von Gott kommt. Aufmunterung. 2 Sam. 2, V. 6 Der Herr tödtet und macht lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. Gott ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebt. Solche Liebesproben erfahren glaubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten Gottes; sie sehen es auch an den großen Liebes- Werken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist aber Gott die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellt: 1) meine Trübsal kommt nicht von einem Feinde, der mich haßt, sondern von einem Gott her, der mich liebt. Darum soll sich 2) ein Kranker in Gott fassen und fleißig zu Gott rufen und beten, mit Freuden und gutem Muth den Herrn anrufen, und gedenken: wer es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all' mein Unglück enden. Besonders soll er 3) sich nicht durch die Heftigkeit seiner Krankheit und die großen Schmerzen irre machen lassen, denn 300 Der Kranke erkennt, daß Kreuz hier steht wieder der Trost fest: Gott legt uns eine Last auf, aber der hilft uns auch; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Pf. 28, V. 20. 21. Gebet. Herr Gott! barmherzig, geduldig, und von großer Güte und Treue, der du Missethat, Uebertretung und Sünde vergiebst, siehe, ich armer Mensch liege hier vor dir, und bitte: ach! schaue auf mich von deinem hohen Throne und er höre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und meine Trübsal von dir kommt; deine Hand schlägt, aber sie heilt auch; sie verwundet und verbindet, wenn aber meine Krankheit vom Him mel kommt, so schaue ich auch wieder gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen empfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller und Trübsal von Gott kommt. 301 Blüthe, herrlich mit Blättern und Früchten geziert, die Sonne bestrahlt und erwärmt sie; allein im Winter sehen sie todt und erstorben aus, fie müssen Sturm und Frost leiden, und dieses Alles kommt von dir, o Gott! O darum will ich auch denken, daß dieses die Zeit meines Leidens und Trübsal sei, die du mir zugedacht und bestimmt hast. Ja, wie du weißt, wo ein Stern steht, ob er hoch oder niedrig an dem großen Himmel steht, so weißt du auch, wie es um mich jetzt steht. Du weißt, wie schwer ich trage; dir ist bewußt, wie lange ich leide; dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte habe, dieses alles zu bestehen. Odarum, lieber Gott! lege auf, so viel du willst, nur gieb mir Kraft und Stärke, daß ich es auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupte fallen, wie viel weniger kann ich denn frank werden? Fällt kein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Unglück 302 Der Krante erkennt, daß Kreuz 2c. und Krankheit unterworfen sein, ja, gar ohne deinen Rath und Willen sterben. Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Vater, so kommt es aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater! doch mit Maßen, damit du mich nicht gar aufreibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgst du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten; laß dein Angesicht leuchten, so genese ich. Ich will gerne in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdient habe, denn sein Zorn währt einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben. Ohn' deinen Willen kann mir nichts begegnen, Du kannst verfluchen und auch wieder segnen, Ich bin dein Kind, Und hab's verdient, Gieb warmen Sonnenschein Nach trübem Regen, Ich weiß, ek war noch nie des Herrn Begehren, Daß ich mir soll' vor Leid mein Herz beschweren; In meiner Noth Hoff' ich auf Gott, Er wird zu seiner Stunde mich erhören. Amen. Der Kranke erkennt zc. Gejang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ein Gottes- Kind zu sein, Und doch mit Kreuz ge brüdet, Kann wohl beisammen steh'n, Es bleibet doch ge schmücket, Inwendig an der Seel' Mit Glaub' und Frömmig feit, Ob's gleich answendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird droben Kronen tragen, Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort vors Freuden sagen, Du bleibst ein Gottes- Kind Auch mitten in der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt bei Gott. 303 3. Sieh' Jesus, Gottes Sohn, Trägt eine Dornenfrone, Und bleibt doch Gottes Sohn, Belegt von Spott und Hohne, Und bleibt bei Gott geehrt, D'rum reimet fich's gar wohl, Zu sein ein Gottes- Kind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib deinem Gott getreu Im Glauben und Vers trauen, So wirst du seine Hülf' Gar bald mit Freuden schauen, Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal ſein, Was schad'ts, wenn nur dein End' Geht in den Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Db schon die scharfen Ruthen Die Augen machen naß Und auch das Herze bluten; Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht, Und in der großen Noth Zu seinem Vater flieht. 6. D'rum sei getrost in Gott, Die Stunde wird bald fommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen, Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gottes- kind. Der Kranke erkennt den Nußen der Krankheit. Aufmunterung. Joh. 11, 3. 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Daß Krankheiten großen Nutzen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben; denn er spricht: es. 304 Der Kranke erfennt wird nicht allein der Leib abgemattet und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, die mit der Krankheit verknüpft sind. Allein alles dessen ungeachtet bringt die Krankheit Nutzen, bisweilen dem Leibe selbst, indem sie die Unreinigkeit der Natur verzehrt, und auch die Gesundheit hernach dauerhafter wird; besonders aber bringt Krankheit der Seele einen herrlichen Nußen. Denn 1) dadurch holt Gott manchen Menschen von seinen Sünden- Wegen herum, 2) Es bringt aber auch Krankheit den Frommen Nußen, denn sie lernen daraus Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit erkennen. 3) Nach der Krankheit wird auch bei frommen Seelen eine größere Liebe zu Gott, Eifer im Gebet, Aufrichtigfeit in dem Christenthum wahrgenommen. Man Lernt sich Gott ergeben, den Tod sich vorstellen, zum feligen Sterben sich vorbereiten, an den Himmel fleißig gedenken, ja, seine Seele in Gottes Hände empfehlen. Gebet. D lieber Gott und Vater! ich merke wohl, welches dein heiliger Rath über mich sei, nämlich, daß dieses mein Leidens- Jahr, meine Leidens- Woche, ja, Leidens- Zeit sein soll, worin die Glückssonne eine Zeitlang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt und die Lebensfräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott! daß du, ehe du mich so heimgesucht, vorher deine Wege den Nußen der Krankheit. 305 haft erkennen lassen, nämlich, daß des Kreuzes Weg auch ein Himmels- Weg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thust. Ich sehe wohl, mein Gott! daß du mich von der Welt abziehen willst; du willst mir die Welt bitter und den Himmel süß machen, damit ich das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte verläugnen, und züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben, daß ich mein Leben erforschen und untersuchen, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren soll. Freilich wenn uns wohl ist, und wir von keiner Trübſal wissen, so denkt uns, wir seien nur in der Welt, damit wir irdisches Gut ſammeln oder aber, damit wir mit der Welt scherzen, in ihre Wege und Sitten uns schicken sollen; aber weil das unserer Seelen Verderben und ewige Verdammniß sein würde, so pflegst du nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott! es scheint, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen, und mir sagen, ich soll mich vor den Sünden, Start's Hdb. 3r Thl. 20 Der Krante erkennt Verführungen, Bosheiten, der Welt Gewohnheiten vorsehen. Du willst mich bereden, ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr gleich stellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gottes- Wille sei. Nun, mein Gott! dieses will ich auch thun; wirst du mich gesund werden lassen, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchen ich gefündiget habe, meiden und nun ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Weil du nun gesehen, mein Gott! daß ich auch in meinem Christenthum träg, im Gebet nachläßig, hingegen zur Sünde bereitwillig, und der Welt Lust zu genießen fertig gewesen bin, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu gedenken und vom Sündenschlaf aufzustehen; wache auf, der du schläfest, ſprichst du zu mir, ich will dich 306 den Nußen der Krankheit. 307 reinigen von dem vorigen Unflath. Ja, ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern willst, daß ich, wenn ich gesund werde, deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen soll, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hättest. Nun, Herr! so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen haft; mache durch dieses bittere Heilmittel meine Seele gesund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen die Wunden der Sünden. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, und gieb, daß ich in wahrer Buße und im Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rath, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach' mir stets zuckersüß den Himmel Und galenbitter diese Welt, Daß mir in diesem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt; Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Der Kranke seßt sein Vertrauen Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich anficht, Reißen wir aus meinem Herzen: Gott und seine Liebe nicht, Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd' soll fliehen, Und nicht meine Seligkeit Mög' durch eig'ne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebes- Zug, Daß ich Gottes Wege gehe Und vermeide Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne, Und mich von der Welt entferne, Hier seh' ich, wie Gottes Treu' Alle Morgen werde neu. 4. Jesus schließ' in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laff' in meinen Jammer- Stunden Diese ihre Wohnung sein; Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater dir gegeben, Schüße, und erquicke mich In dem Leiden gnädiglich. 5. Jch befehl in deine Hände, Liebster Jesu! meinen Geist, Stärke mich bis an mein Ende, Wenn das LebensBand zerreißt, So laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmels- Auen, Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seelen Seligkeit. 308 Der Kranke setzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. Psalm 30, V. 3. 4. Herr, mein Gott! da ich zu dir schreie, machest du mic gefund. Herr du hast meine Seele aus der Hölle ge= führt; du hast mich lebendig erhalten, da die in die Hölle ( das Grab) fuhren. Nichts ist freundlicher und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von auf die göttliche Allmacht. 309 dem man sagen kann, ich weiß, der kann mir helfen, und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Diese Allmacht Gottes kann ein Kranter erkennen 1) an dem Exempel Anderer; wenn er weiß, wie Gott Todte lebendig gemacht, Todtkranken wieder aufgeholfen hat, so kann er bestimmt schließen, der allmächtige Gott lebe noch. 2) Soll ein Kranker gedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln, uns zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen, er fann auch das geringste Mittel segnen, daß es das Uebel der Krankheit heben muß. Wenn dieß ein Kranker erwägt, so soll er fein stille in Gott sein, im Gebet anhalten und Gottes Hülfestunde erwarten, dabei auch Arznei und Hülfsmittel gebrauchen, sich aber vor allen abergläubischen Dingen hüten, und verfichert sein, daß der Allmächtige helfen könne. Gebet. Ach, mein Herr und mein Gott! di siehst, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen neu ist; meine Krankheit weicht nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager sein soll. Dieses nun stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen; du hast mir ein Ziel Der Kranke seßt sein Vertrauen gesetzt, das werde ich nicht übergehen. Du hast auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war; jedoch lasſe ich deßwegen den Muth nicht sinken, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn. Ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen. Ach ja, des Herrn Hand ist nicht verkürzt, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja, er kann überschwenglich thun über alles, was wir bitten und verstehen. Er kann alle erretten, die zu ihm treten; deßwegen schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin frank und elend, sondern über mich zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche auch jetzt mit dem glaubigen Hauptmann: Herr! sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund. Ich weiß, dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr! mein Gott! der du den kranken Hiskiam gesund ge310 auf die göttliche Allmacht. 311 macht, das franke Weib von ihrem elenden Zustande errettet, den Gichtbrüchigen geheilt, den Jüngling erweckt haft, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schußherr der Glaubigen! Hilf mir auch, erbarme dich meiner, thue ein Zeichen an mir, damit es mir wohl gehe; jedoch also, wie es dir wohlgefällt; ich weiß, du kannst es nach deiner Allmacht thun, und du wirst es auch nach deiner Güte thun, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Er kann mich all'zeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Amen. Gesang. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen; Ueberlaffet eure Noth, Kümmerniß und Sachen Seiner Weisheit, er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo, und wie er soll Euch in Noth beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maaße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu' und Laffe, Er fängt ja nicht heute an Erst für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, Ist gar nichts verborgen.. 3. Lehr' den weisen Gott doch nicht, Wie er's soll anfangen, Wie es werde eingericht't, Daß ihr möcht gelangen Bu dem rechten Zweck und Ziel, Folget feinen Wegen, Haltet seiner Führung still, Und erwart't den Segen. Der Krante erinnert sich 4. Was der weise Vater thut Auf der weiten Erden, Das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden, Giengen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten Und wie sie nach unsrem Licht Anders gehen sollten. 312 5. D du weiser Gott! dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefället, Mach' es mit mir wunderlich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater! führe mich, Laß mich selig werden. Der Krante erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. 1. Petri 3, V. 21. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. Ist je ein Name tröstlich, so ist es des Vaters Name, und ist eine Herrlichkeit groß, so ist es die, ein Kind Gottes zu sein. Wie nun dieses in dem ganzen Leben erfreuen kann, so kann es auch in Krankheit trösten. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus seinem Herzen lassen. Er soll denken: 1) Gott ist ein treuer und weiser Vater, der auch das bittere Kreuz seinen Kindern zu einem heilsamen Mittel machen kann; 2) soll er Alles, was ihm widerfährt, dem Willen und Rath des himmlischen Vaters überlassen, nicht gegen den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 3) hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt, wie ein Weltkind gelebt, so soll er's ihm auf dem Kranken- Bette herzlich abbitten, und eine wahre Lebens- Aenderung sich vornehmen, und gewiß glauben, Gott werde sich auch über sein trankes Kind erbarmen. seines Taufbundes. 313 Gebet. Herr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! siehe, ich dein Kind bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer finde; ich sehe umher und frage nach Hülfe, aber Niemand nimmt sich meiner an; darum will ich aber nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen, und ihm meine Noth klagen. Eilt in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu dem Vater, der Unterthan zu seinem König, o mein König! o mein Vater! o mein Hirte, so komme ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott! gedenke doch, daß ich dein Kind bin, und in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe; siehe, hier komme ich armes Kind zu dir; meine Lieben und Freunde können mir nicht helfen, darum, o mein himmlischer Vaz ter! nimm du mich auf. Erbarmte sich der Königliche über seinen Sohn, der todtkrank war, bemühte er sich, ihm zu helfen, ach, mein Vater! erbarme dich meiner auch, hilf mir auch. Gieng der Der Kranke erinnert sich Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, Jesu nach, und sprach: Herr! meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm' und mache sie lebendig; so gehe ich auch, mein Gott u. Vater, dir nach und sage: Ist es dein Wille, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger, weiser, gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders in seiner Noth hin, als zu seinem Vater? Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten; ach, erbarme dich auch über mich! Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, stell' ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlorenen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jetzt zu dir komme, und spreche: 314 feines Taufbundes. 315 Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich! Wenn du Sünde zurechnen willst, Herr, wer wird bestehen? In solchem Vertrauen, mein Vater! warte ich auf deine Hülfe; ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes zu sein, krank und elend, und mit vielerlei Kreuz belegt zu sein, wohl bei einander stehen können, darum soll mich auch der Satan so bald in meiner kindlichen Zuversicht nicht irre machen. Allein laß mich auch bald dein väterliches Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest, laß mich deine Vater- Hand empfinden. Betrübtes Herze sei zufrieden, Ob dich schon tausend Kummer plagt; Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Stellt sich schon Noth und Krankheit ein, So will doch Gott dein Vater sein. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch bin getauft, ich steh' im Bunde Durch meine Tauf mit meinem Gott, So sprech ich stets mit frohem Munde In Kreuz, in Trübfal, Angst und Noth; Ich bin getauft, deß freu ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab' empfangen Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen Alhier und in der Herrlichkeit; Ich bin mit Jesu Blut erkauft, Und ich bin auch damit getauft. Der Kranke gründet sich auf die 3. Jch bin getauft, mir ist gegeben, 3u gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreist, D Zierde, welche große Pracht! Die mich gerecht und selig macht. 316 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben, Und seinem Kinde gnädig sein, Es ist mein Name Gott bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bin bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find'; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich. 6. Jch bin getauft, nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all' erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der giebt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet, Ich stehe unter Gottes Schuß, Der seinem Kind die Hand darreichet, Was acht' ich eurer Macht und Truß, Tast't ihr ein Gottes Kind nur an, Und glaubt, daß Gott es schüßen kann. 8. Ich bin getauft und bin zufrieden mit meines Vaters Lieb' und Treu', Ich werde nie von ihm geschieden, Mein Liebes- Trieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater fchickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft, ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das fühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab'! Nach meinem Tod ist mir bereit't Des Himmels Freud' und Feierkleid. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und in ihrer Krankheit nie an Trost fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu thun Wohlthaten des oreieinigen Gottes. 317 haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführt, in reiferen Jahren ernährt und bis daher väterlich erhalten hat. 2) Jhr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen, denn der da für fie Marter, Tod und Bein gelitten hat; sein heiliges Blut für sie vergossen hat; sollte er sie in der Krankheit ohne Hülfe laffen? 3) Der werthe heilige Geist wird sie auch nicht verlassen, sondern sie trösten, erquicken, erfreuen, und ihnen Zeugniß geben, daß sie Gottes Kinder seien, obgleich Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Mit diesem dreifachen Trost im Herzen wird der Kranke getrost dem Ende seiner Leiden entgegen sehen. Sebet. du heiliger dreieiniger Gott! indem ich mich jetzt an meinem Leibe noch schwach befinde, so will ich doch deßwegen nicht schwach in meinem Glauben und Vertrauen zu dir werden; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und die Last meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleinmüthig machen, allein ich ers muntere mich gleich wieder durch deinen heiligen Geist, und besonders auch da 318 Der Kranke gründet sich auf die mit, daß ich mir die von dir schon längst empfangenen Wohlthaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du mein Schöpfer! der du mich aus nichts ers schaffen, und bis auf diese Stunde mein Leben erhalten hast! Ist denn des Herrn Hand verkürzt? Onein! die Hand, die mich bisher geleitet, geführt, gestärkt und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Liebe ist es, daß du mir bisher so lange Zeit Gesundheit geschenkt. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja so viele Gnade und Barmherzigkeit haft widerfahren lassen, darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Erldser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöſet haft? Du hast dich meiner Seele so herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, o! so wirst du auch meinem armen und kranken Leibe Hülfe angedeihen las sen. O du Lamm Gottes; das der Welt Sünde trägt, erbarme dich meiner in meinem gegenwärtigen Leiden. Soll Wohlthaten des dreieinigen Gottes. test du mich verlassen, o mein Seligmacher! der du Leib und Seele geheiligt, und sie in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweiht, und darin bisher ge= wohnt hast? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja, mein Tröfter bleiben, und mir auch jetzt Zeugniß geben, daß ich ein Kind Gottes sei. Darum will ich in meinen Schmerzen und Leiden guten Muthes sein, und will zu meiner Seele sagen: es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigenthum erwählt; der heil. Geist hat dich seines süßen Trostes und seiner seligen Einwohnung versichert, darum ist Alles mein; die Gnade Gottes ist mein, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jeſu ist mein, der kräftige Trost des heiligen Geistes ist mein, ja, der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist mein.. O! weil es denn so ist, so will ich mich um meinen franken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen, und dem Gott vertrauen, der 319 320 Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten z. mir so viel Gutes erwiesen hat. Ach, mein Vater, ich verlasse mich auf dich; o Jesu! zu dir fliehe ich; o heiliger Geist! dir ergebe ich mich. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen; Herr Gott Sohn! was du hast erlöst; Herr Gott heiliger Geist! was du haft geheiligt, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit. Keinen hat Gott je verlassen, Der ihm vertrauet allezeit, Und ob ihn gleich schon viele haffen, Geschieht ihm doch nie ein Leid; Gott will die Seinen schützen, Bulegt erheben doch, Und geben, was thut nüßen, Hier zeitlich und auch dort. Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jft Gott für mich, so bin ich fröhlich, Und hab' im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig, Durch Gottes Gnad' und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, D'rum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht, Ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei, Und macht mich von der Trübsal frei. 3. Jft Gott für mich in Trauer- Tagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Vaterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud' verkehrt zu seiner Zeit. 4. Jft Gott für mich in meinen Nöthen, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht Der Krante will sein Leiden 2c. 321 tödten, Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Der hilfet mir aus aller Noth. 5. Ist Gott für mich in meinem Leiden, Das unverhofft mich überfällt, So will ich nicht zurücke weichen, Weil feine Hand mich treulich hält; Gott ist für mich in Sturm und Wind, Und wachet treulich für sein Kind. 6. Jft Gott für mich, so wird sich enden, Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hülfe bleibt mir unversagt. Ist Gott für mich, getrost mein Geist! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenfron' und Seligkeit; Gott ist für mich, wenn's Herze bricht, Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren ertragen. Anfmunterung. Psalm 39, 3. 10. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, bu wirst es wohl machen. Herr! wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? so seufzen oft Christen in ihren Krankheiten, Psalm 13, V. 1. Gottes Stunde währt ihnen oft allzulange, wenn die Hülfe viele Wochen und Monate ausbleibt. Allein murren soll ein frommer Kranker nicht, sondern er soll denken: 1) Gott vergißt uns in Leiden, Trübsal und Krankheit nicht, denn das wäre gegen seine Verheißung. 2) Sollte das Kreuz auch schwerer werden, so soll doch deßwegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes erinnern. Deßwegen 3) soll man unter stets anhaltendem Seufzen, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülfes- Stunde erwarten. Stark's Hbb. 3r Thl. 21 Der Krante will sein Leiden Gebet. D du heiliger und weiser Gott! ich sehe jetzt deinen heiligen Rath und Willen an mir, daß ich die Zeit und die Wochen, und so lange es dir gefällt, auf meinem Bette zubringen soll. Wohlan, ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht; ich will nicht gegen dich murren, sondern ich sage: Siehe, hier bin ich, der Herr mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? mein Vater wird mir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe gegen ihn gesündigt. Ach! das bittere Leiden kann meiner Seele nicht anders, als heilsam sein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abschen hat. Du bist mein Gott und Vater von Jugend auf gewesen, so wirst du es in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange so liegen und leiden, mein Gott! mach's doch nicht zu lange, sondern gieb mir bisweilen eine Erquickungs- Stunde, in welcher du mich von meinen Schmerzen 322 ohne Murren ertragen. 323 befreiest, und mein Leiden linderst. Soll ich viel leiden, so gieb mir auch viel Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif' mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wohl, was ich tragen kann, wie es um mein Leben stehe, ich bin ja weder Stahl noch Stein; wie balde geht ein Wind herein, so fall ich hin und sterbe. Ach! mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja, trage mich und nimm mich in deinen Arm und in deinen Schoos. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner GnadenHülfe und deinem Beistande von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, ſo laß mich nur diesen Trost empfinden, daß du dennoch mein Vater und mein Freund seieft. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickst, ſo willst du sie nicht verderben, sondern zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein Gott! durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude 324 Der Kranke will sein Leiden 2c. der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott! ob du mich gleich so leiden läsfest, so will ich deßwegen nicht von dir fliehen; mein Hirte! führst du mich die Dornenwege, die meinen Leib und meine Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebt, da du mir Gesundheit gabst, und du es mir wohl ergehen ließest; darum will ich dich auch in Krankheiten, in Leiden und Schmerzen lieben, ich weiß, du kannst mir helfen, und wirst mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergött, Sollf ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und straft mit Maßen, Sein Gericht Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zu frieden, Und murre ja dawider nicht, Fass' deine Seele in Geduld, Und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Dem Gott, der dich jest frank kann machen, Und wirft dich auf das Sterbe- Bett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett'. Er macht uns krant, er macht gesund In dieser und in jener Stund'. Der Kranke schickt sich sc. 325 3. Ach murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll' bein treuer Beistand sein, Und dich aus allen Nöthen reißen, Sieh', dieses trifft auch heute ein; Vertraue Gott, es tommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hülf nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben, und sagen: Siehe hier bin ich; Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaß ich gänzlich mich, Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater! wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget, Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe ihm aufleget, Dem ist die Hülfe schen bestimmt, Der wird erquidt hier in der Zeit und drüben in der Ewigkeit. Der Kranke schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls an. Aufmunterung. 1. Kor. 11, B. 28. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Es soll ein jeder Mensch so leben, daß er alle Augenblick selig sterben kann. Soll nun ein gesunder Mensch sich so benehmen, wie vielmehr ein Kranker. Ein Kranter thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünden dente, und auf die Versöhnung mit Gott bedacht sei. 2) Diese Bersöhnung aber geschieht, wenn der Kranke im Glauben Gott um Vergebung seiner Sünden anfleht und sich dabei 3) erinnert, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge steht, bis Verstand und Kräfte hinweg sind, sondern so lange man noch seinen Verstand hat, noch beten und sich mit Gott verföhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott von Grund seiner Seele wenden, so wird er um Jesu Christi willen im Leben und Sterben Gnade erlar.gen. Der Kranke schickt sich Gebet. Herr, Herr, Gott! barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden suchen, und so zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf dieses Krankenbett zu legen, weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen, oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das Uebrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, so lange ich meinen Verstand noch habe, so lange ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte sich verlieren werden, wo ich weder beten, noch an dich gedenken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, thut sich damit den größten Nußen, nämlich den, daß er, wenn er gesund wird, sich vor den 326 zum Genuß des heiligen Abendmahls an. 327 Sünden hüte, die er auf seinem Kranfenbette erkannt und bereut hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl und vorbereitet. Dieses sind auch meine Gedanken, mein Gott! ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodann geduldig, freudig und glaubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deswegen falle ich auf die Knie meines Herzens vor dir nieder und spreche: Ach! sei deinem Kinde gnädig, ach! rechne mir die Sünden meiner Jugend und die Thorheiten meiner jungen Jahre nicht zu. Ach! Herr! sei gnädig meiner Missethat, die groß ist, um Jesu meines Heilandes willen. Ach, mein Gott! gieb Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, damit ich es zu deiner Ehre und meinem Heil vollbringen möge. Ich komme jetzt zu dir allhie In meiner Noth geschritten, Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten, Verzeihe mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab begangen. Amen. Der Kranke bittet Gott Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Ich will mich dankbar froh Zum Liebesmahle nahen, Und Jesu Leib und Blut zu meinem Trost empfahen. Ach, mein Gott! stärke mich, Ach! weiche nicht von mir, Daß ich im Andachtstrieb, Vereinigt bleib mit dir. 2. Vertreibe doch von mir Die sündlichen Gedanken, Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanten; Verbind', mein Jesu! dich mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb genieß' Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eitles jeßt Die fromme Andacht stören, Ach! laß mich Freud' und Wonn' In meiner Seele hören. Ach Jesu! steh' mir bei, Ach! bitte du für mich, Bring' mein Gebet vor Gott, Und hilf mir gnädiglich. 328 4. Ach! heilige mein Herz, Ach bheilige die Sinnen, Mein Jesu nimm sie ein, Und wohne selbst darinnen, Ach! mach' fie allesammt Recht heilig, schön und rein, Und laß fie immerdar Dein Haus und Wohnung sein. 5. Erwed zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Daraus die Seelenfreud' Und wahre Andacht quille, Darin ich schmecken mög' Herr, deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost Und wahre Seelenfreud'. 6. Hab ich dann deinen Leib Wahrhaftiglich genoffen, Hat auch dein theures Blut, Das du für mich vergossen, Mich süßiglich erquickt, So bleibe auch in mir, Damit ich, weil ich leb', Auch leb', mein Heil! in dir. 7. Ja, laß' die Heiligung, Die in mir angefangen, Zum größten Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du Sündenlaft geh' aus, Mein Jesus gehet ein, Er nimmt jest Leib und Seel' Zu seinem Tempel ein. na Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Axfmxnterung. Siob 42, B. 6. Ich schuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Es ist ein schöner und lieblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abend vor Gott sich stel um Vergebung der Sünden. 329 len und überlegen, was sie den Tag über geredet, ge= dacht oder gethan haben, und so ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel mehr soll es ein Kranker nicht versäumen? Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tags, einer Woche, oder eines Monats, sondern sein ganzes Leben; ob er fie zur Ehre Gottes, zum Nußen des Nächsten hingebracht; er soll untersuchen, wo, wie oft, und wie schwer er in gesunden Tagen gesündigt habe. 2) Soll ein Kranfer nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen. 3) Kommt. man auf dem Kranken- Bette zur Erkenntniß seiner Sünden, so soll ein Kranker für die Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöffnet, daß er sein Elend erkannt, und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen. wäre. 4) Doch muß man auch, was man in der Krankheit verspricht, in gesunden Tagen getreu halten, damit auf das treulose Versprechen nicht etwas Mergeres erfolge. Gebet. Ach, du gnädiger und liebreicher Vater! ich lebe, und weiß nicht wie lang! ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum komme ich jetzt vor deinen Gnaden- Thron, und bitte dich demüthig um Vergebung meiner Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein Gott! ich habe leider meine gesunden Tage nicht 330 Der Kranke bittet Gott immer zu deiner Ehre, zum Gottesdienst, zum Wachsthum in meinem Christenthum und zur Frömmigkeit angewendet, darum hast du auch Ursache, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit nebst den übrigen Sünden bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebt und frommer gelebt habe. Ach Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. O, wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl Rechenschaft von einem jeden unnüßen Wort geben soll, das ich geredet habe! O! wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist! Und soll ich von meinem ganzen Leben, Werken und Thaten Rechenschaft geben? ach! wer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnaden- Thron in glaubiger Zuversicht auf Jeſum Chriftum, meinen Herrn und Heiland, und bete: Ach, um Vergebung der Sünden. 331 um seiner Wunden willen erbarme dich über mich; um seines vergossenen Blutes willen vergieb mir alle meine Sünden; durch seinen Todes- Kampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich schäme mich, mein Gott, die Augen vor dir aufzuheben; ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden; ach, hätte ich es doch nicht gethan, ach hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt, darum gelobe ich dir, o Gott! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden noch leben läsfest, zu deiner Ehre im Glauben und in der wahren Frömmigkeit hinbringen, und will all' mein Lebenlang an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand gedenken. Ach, Herr! sei deinem Kinde gnädig, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. DJesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte, Laß du auf mein Gewissen Ein Gnaden- Tröpf 332 Der Krante betet vor dem Genuß lein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Troft mein Herz verbinde, Und ihr nicht mehr gedente, In's Meer fie tief versenke. Amen. Gejang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Jch armer Sünder komme wieder, Jch fehre um vom Sündenpfad, Ich fall' in tiefster Demuth nieder, Und bitt' herzinniglich um Gnad'. Ach Gott, dent' nicht was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an! 2. Nun seh' ich erst, was ich begangen, Ich fühl der Sünden Angst und Bein, Ach, laß mich wieder Gnad' erlangen, Ach, laß mich nicht verloren sein! Ach Gott, denk' nicht was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 3. Ach, ich betrübe mich von Herzen! Ah, sieh' an dein verirrtes Kind, Das da mit Thränen, Reu' und Schmerzen, Bei dir sich wiederum einfind't! Ach, Gott, denk' nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! 4. Ach Jesu! deine theure Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried' und Seligkeit, Ach, denk doch nicht, was ich gethan, Ach nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach, schenk' mir beines Geistes Gab'! Ein jeder soll nun seh'n und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab'; Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmanterung. Joh. 6, B. 54. 55.4 Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auf erweden. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trant. Das heilige Abendmahl würdig zu empfangen, soll fich jeder wahre Christ befleißigen; solches nun kann des heiligen Abendmahls. 333 ein Kranter besonders thun, wenn er sich 1) vorher recht untersucht. Ein Kranker soll 2) bedenken: vielleicht ist dieses das letzte Mal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und er soll deßwegen mit einem desto festeren Entschlusse im Glauben und in Frömmigfeit zu verharren sich vornehmen. 3) Haben Fromme gewünscht, daß ihr letztes Wort Jesus, ihre lette Speise das heilige Abendmahl, und ihr letter Gedanke der am Kreuz hangende blutige Jesus sein möge, wie soll denn nicht ein Kranter sich freuen, wenn er der Erfüllung des einen Wunsches auf seinem Kranfenbette theilhaftig wird, und nicht zweifelt, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde. 4) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gefund zu werden, so wäre es höchst unrecht und ein Aberglaube. Gebet. Liebster Jesu, ich bin entschlossen, jetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt abscheiden werde. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gericht Gottes erscheinen möge, so will ich mich auf's Neue mit dir vereinigen, auf daß du in mir, und ich in dir ſei und bleibe. Ich will nun das heilige Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit 334 Der Krante betet vor dem Genuß deiner Gnadengegenwart mich erfreuen und erquicken werdest. Ach, liebster Seelenfreund, du bist ja den Elenden nahe; du erfreuest die Betrübten; du hilfft denen, die ein zerschlagenes Gemüth haben; so laß auch jetzt mein Herz erfreut und meine Seele durch diese himmlische Speise und diesen Trank erquickt werden. O liebster Jesu, indem ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonst keine Abhaltung habe, ach, so halte die Schmerzen und die Krankheit zurück, und gieb mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört mein Vorhaben vollbringen könne. Ich verkündige jeßt deinen Tod, und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und deine Schmerzen, an deine Marter und Bein, an deinen KreuzesTod, und an Alles, was du für mich gethan haft; ich denke daran, und danke dir auch dafür und spreche: Nun ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth, Für die Wunden, für die des heiligen Abendmahls. 335 Schmerzen, Für den herben bittern Tod, Für dein Zittern, Für dein Zagen, Für dein tausendfaches Klagen; Für dein' Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ich erinnere mich auch an die Einsetzung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und zum ewigen Leben tränkest. Ich glaube deinen Worten, allwissender, allmächtiger und wahrhaftiger Gott, ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl deinen wahren Leib und dein wahres Blut genieße. Nun, diese himmlische Speise und Trank soll mich im Glauben stärken, daß ich mit Gott versöhnt bin; diese himmlische Speise und Trank ſoll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speise und Trank soll mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe, und mit dir vereinigt sei, der du die Versöhnung für unsere Sünden, ja, für der ganzen Welt Sünde bist. Dieſe himmlische Speise und Trank soll mich an das himmlische Freuden- Mahl, näm 336 Der Krante betet vor dem Genuß 2c. lich an die ewige Freude und Herrlichkeit erinnern, zu welcher du mich nach meinem Tode führen wirst. O mein SeelenHirte, führe dein Schäflein auf grüner Aue; speise mich mit dem Brod des Lebens; erquicke mich mit deinem heiligen Blute. Alsdann habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünde, welches du am Stamme des Kreuzes für mich bezahlt hast, dadurch bin ich felig. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschen- Freund nach deiner Güte, Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen, Ach, wie pfleget mich zu dürsten, Nach dem Trank des Lebens- Fürsten, Wünsche stets, daß mein' Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. Amen. Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. 1. D allerliebstes Seelenpfand! Dem nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet, Der Seelen allerhöchstes Gut, Des Herren Jesu Leib und Blut Will heut ich froh empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit diese Liebe Recht herrlich offenbare sich, Und mir vor Augen bliebe, So giebt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei, Und ewig bleiben wolle. 3. Dieß Pfand versichert mich auf's neu', Daß alle Sünd vergeben, und daß mir Gott auch gnädig sei, Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe Huld und Gnad', Die er mir jetzt versiegelt hat Durch diese Seelen- Speise. Der Krante betet nach dem Genuß 2c. 337 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auferRehen Am jüngsten Tage seliglich und zu der Freud' eingehen; Weil ich dies Pfand empfangen hab', So bleib' ich nicht in meinem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank! der mich gespeist Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweis't, Und jelb sten sich mir schenket; Dem schenk' ich mich hinwiederum Und bleibe nun sein Eigenthum Im Tod und auch im Leben. 6. Herr Jesu! ja, dir lebe ich, Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nehmest mich nun an zu deinem Erben, Zum Erben hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit, So sterb ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genuß des in heiligen Abendmahls. Aufmanter ung. Gal. 2, V. 20. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir: denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich gegeben. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu banken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfängt, wie viel mehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens Loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstande hat genießen können. Hiebei aber ist zu erinnern: 1) daß man sich nicht vorstelle, auf das heilige Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken, dazu ist es nicht eingesetzt, dazu haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch ein Kranker nicht empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle, sondern er soll es zur Stärkung des Glaubens, zur Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seelen Seligkeit gebrauchen. Hat er es so in der Ordnung empfangen, Start's Hbb. 3r Thl 22 338 Der Kranke betet nach dem Genuß wie es Christus eingesetzt hat, so hat er Gott dafür zu preisen, und mit stillem Herzen und glaubiger Seele sich Gott zu ergeben. Gebet. Mein Jesu! mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe ich sterbe. Nun dieses Verlangen ist mir jetzt erfüllt worden; du hast mich geſpeist und getränkt mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Lobe den Herrn meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Herr, nun läsfeft du deinen Diener im Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O Jesu, lebe in mir, schenke mir eine dir ganz ergebene Seele! Erhalte mich bei Heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst du mich, o Gott, nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünden sind mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten, denn wo Vergebung der Sünden des heiligen Abendmahls. 339 ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o Gott, komme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei- und lossprechen. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott; ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin des Beistandes des heiligen Geistes versichert. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so fahre ich selig aus der Welt, und werde auch ewig selig sein. Dies ist eine große Wohlthat, die du mir, o Gott! an meiner Seele gethan haft, daß ich jetzt bei gutem Verstand dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und dieser Trank stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speiſe vor dem Absterben auch das heilige Abendmahl sein möge. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, Jesus sein möge, und 340 Der Kranke betet nach dem Genuß zc. meine letzten Gedanken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben und auf sein heiliges Verdienst gerichtet sein mögen, so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde.in TT thind nog allig Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist! Der woll' in u uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Gänzlich verlassen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Muth und Sinn Ihm feste thun anhangen, D'rauf singen wir zur Stund: Amen wir werden's erlangen, Glauerlamgen, Glau= ben wir von Herzensgrund. Amen. pilat pian hun odtog dru 901 that ne sid iniidofie Gefans. fo@ min Mel. Schmücke dich o liebe Seele. BING MINE MA 1. Nun ist mein Seel' gespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speis' ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben. Jesus hat sich ihr geschenket; Sie hat fich in ihm versenket; Sie hat seine Lieb' empfunden, der füßen Freuden- Stunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum jelig zu empfangen; Nun empfind' ich Ruh' und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden, Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingefehret, Da er in mein Herz gekommen, Und die Wohnung da genommen. THE 9.3. Er 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren, Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werte und Beginnen, Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will vollbringen! Ich will nichts mehr thun und denten, Ich will Jesu ganz mich schenken. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich weil ich leb' auf Erden, Auch mein Geist sammt Seel' und Leibe Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durch Der Kranke betet 2c. 341 bringen, Und darnach mich dahin bringen, Daß ich eine wahre Rebe In ihm, als am Weinstock lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, Daß in meinem Thun und Werken, Jch beförd're seine Ehre, Sonst ich aber nichts begehre, Und dem Bösen widerstehe; In Gehorsam ihm nachgehe. Jesu, ach! laß mir's gelingen, Und viel Glaubensfrüchte bringen. 16. Ach! laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande! Ach! laß mich in solchem Leben, Meinen Geist dereinst aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest sein mit dir verbunden; Also kann ich selig sterben, Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. 1 ( 110( 6) Jac. 5, V. 14. 15. mist ber rufe ju fudb bile Heffefen Jft Jemand krank, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten und salben mit Del in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten; und so er Sünde gethan hat, werden ſie ihm vergeben sein. Ein andächtiges Gebet ist schon in gesunden Tagen Sebet ift nöthig; warum sollte es ein Kranker vergessen, besonders wenn er Arznei gebraucht. Was die Arznei und deren Gebrauch anbelangt, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten, und nicht denken, wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben joll, so wird mir die Arznei nicht helfen, denn das heißt Gott versuchen. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht auf den Arzt und die Arznei setzen, sondern auf Gott; wie denn unter den Sünden des Königs Assa erzählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Aerzte gesucht, und ihnen mehr als Gott vertraut habe, 2. Chron. 16, 2. 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen: 342 Der Kranke betet, mit seinem Mund und Herzen soll er beten und mit festem Vertrauen auf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen, und sie so gebrauchen. Gebet. du großer Gott; du siehest den Zustand, in welchem ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du siehest in die verborgensten Winkel; du siehest auch auf mein Kranken- Bett; du weißt, wie es mir jetzt zu Muthe ist. Ach, mein Gott! ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen; meine einzige Hoffnung aber steht auf dich, denn du bist der Herr, unser Arzt. Jedoch weil du Kräuter aus der Erde wachsen läsfest, und die Arzneimittel selbst er schaffen hast, welche zur Gesundheit der Menschen dienen sollen, so will ich solche jeßt unter herzlicher Anrufung mit Gebet auch zu mir nehmen; ach, lege du selbst den Segen hinein; segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange; laß sie mir zur Erstattung und Wieder- Erlangung meiner Gesund wenn er Arznei gebraucht. heit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung in meiner Schwachheit gedeihen. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen. Ich nehme die Arznei nicht, um die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubt hast, um die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen gen Himmel empor, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse; ich seufze zur dir vor dem Gebrauche, in dem Gebrauche und nach dem Gebrauche. Wenn du sie mir nun gedeihen läsfest, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, d'rum ich, o Segens- Gott! um Segen zu dir schreie; was du, Herr! ſegnest, das ist ewig gesegnet. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch gedenken, daß mich nicht Kraut und Heilmittel, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilt 343 344 Der Krante betet 2c. hat, und ich will mit Hiskia dein Lob vor Jedermann ausbreiten. hur du Hör' ach hör' mein seufzend Schreien, Du allerliebstes Vaterherz! Wollst alle Sünden mir verzeihen, Und lindern meinen großen Schmerz; Erbarme dich, cre barme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Amen. Ompto Gefang. 91611Mel. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stedet, Schaut den Him mel fleißig an; Wer den bittern Kreuztelch schmecket, Belchen Niemand trinken kann, Der gedent' deßwegen nicht Als ob Gott sein Angesicht Von ihm hätte gar gewendet, Ob er nicht die Hülf' gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stunde fei bestimmt, Da Gott wie die Väter pflegen, Unsern KreuzesKelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht, Und ein frohes End' erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Herzens- Freuden. 9 NO HID 3. Auch die bittern Arzeneien Nimmt ein Frommer fröh lich ein, Und weiß, daß sie ihm gedeihen, und ganz heile sam werden sein; Eifrig beten, und dabei Seufzen, wenn die Arzenei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 3 dem 3 4. Großer Gott! an deinem Segen, Sprech, ich jest mit Herz und Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd' gesund; Lege deine Hand hinein, Ach! laß fie gesegnet sein; Laß die Krankheit bald verschwinden, Und mich Stärk' und Lind'rung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steh bei dir; Soll ich dennoch länger leben, Wie du willst, ge schehe mir; In dem schweren Leidensschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. Honce din TURK du antledy 500m) Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung. Hiob 16, V. 6. 345 mk316 Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht, laffe ich es anstehen, so gehet er nicht von mir. Wird ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er deßwegen nicht gegen Gott murren, sondern Alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 1) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind Gottes? 2) In großen Schmerzen aber soll er an seine großen Sünden denken und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch an Gottes große Barmherzigkeit und an seine große Allmacht denken, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 3) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lange beten, so seufze er zu Gott, und wisse, daß solche turze Herzens- Seufzer nicht unerhört bleiben werden. 4) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern. macht sie noch größer. impolit m am Gebet. Jsmmon Herr! höre mein Gebet; vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten, du wollest mich in dieser meiner LeibesSchwachheit in Gnaden ansehen, und meine Schmerzen und mein großes Leid lindern. Du hast ja verheißen, du 346 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. wollest uns nicht über unser Vermögen versuchen lassen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's ertragen können. Ach siehe, mein Gott! die Last wird mir schon zu schwer; die Schmerzen nehmen überhand; mein Leib ist matt; meine Kräft haben abgenommen; meine Zunge klebt an meinem Gaumen; meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand; das Gesicht vergeht mir, daß ich so lange auf meinen Gott harren muß. Ach, wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Verziehe nicht, mein Gott! du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon viele geworden, du haft selbst mein Winseln, Seufzen, Klagen und Schreien vers nommen. Wo soll ich in meinem Elend und in meinen Schmerzen hin? wo weiß ich hin? wo kann ich hin, als nur zu dir allein, dem Herrn, meinem Gott! O liebster Jesu! der du dem tobenden Meer befohlen hast, sich zu legen, ach! befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gicht Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 347 brüchigen mit einem Wort geheilt haft, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so Vieles ausgestanden habe. Aus der Tiefe rufe ich, Herr! zu dir; meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hülfe von einer Morgenwache bis zu der andern; denn ich weiß, bei dem Herrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen; errette mich und vergieb mir meine Sünden um deiner Güte willen, doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt mein' Schmerz, Erkennst mein Herz; Haſt du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Ach, mein Gott, hilf mir doch! Du siehest, wie mir's gehet, Ach! dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet; Du weißest meinen Schmerz, Mehr als ich sagen tann, D'rum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich gethan. 2. Ach mein Gott hilf mir doch! Auf dich steht mein Vertrauen, Ach! laß mich deine Hülf' Mit Freuden balde schauen; Du bist's, der Hülfe leist't, Ja, du bist's ganz allein, D'rum stelle dich doch bald zu meiner Hülfe ein. Der Kranke seufzt, du mir hilfest aus, Und 3. Ach, mein Gott, hilf mir doch! Zu wem soll ich sonst fliehen? Wenn du mir deine Gnad' Und Hülfe wilst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht; Ich lasse nicht von dir Bis die Noth von mit. Ich weiß, du kannſt mich retten! D'rum wollest du es thun In diesen meinen Nöthen; Du kannst es, du bist Gott, fich ist; Du willst es, weil du auch ter biſt. 4. Ach, mein Gott, hilf mir doch! Dem nichts unmög Zugleich mein Ba348 31313 5 Ach, mein Gott, hilf mir doch. Daß ich dein Lob erheben, und dich auch preisen mög', So lang ich werde Leben, und ſagen allezeit: Getroft, Gott lebet noch, Und währt es noch so lang, Sieh', mein Gott hilft mir doch. HIDGE OF THING Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht onomie Gmind verlasſen. mm doinu f munterung nollar stilt gef. 49, B. 14-16.190 Sion spricht: der Herr hat mich verlassen; der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß fie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Verursacht es einem Armen eine große Freude, einen reichen Wohlthäter zu haben, und Verlassenen, einen starken Beistand zu haben, so kann auch ein Kranker große Freude in seiner Krankheit und seinen Leiden haben, weil er die Verheißung hat: Gott wolle ihn nicht verlassen. Hiebei aber soll er merken: 1) daß nicht ein jeder Verzug der Hülfe ein Verlassen sei. Hülfe, die er aufgeschoben, hat er d'rum nicht aufge hoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nöthig ist. Darum bleibt der Kranke 2) da= bei, daß er im Glauben jage: Gott kann mich nicht verlassen, ich bin sein Kind; Gott will mich nicht Gott wolle ihn nicht verlassen. 349 verlassen, er hat mir's verheißen; Gott wird mich nicht verlassen, er hat mir vorher schon oftmals ge= holfen. Wird er sich so in Gott fassen, so wird er den Verzug der Hülfe in Gott leiden, und endlich herrlich sehen, daß er von Gott nicht verlassen wor den sei. rodin THE ! thin him 1100 mism chi indi? min sice be t. du allerliebster Gott und Vater, der du mich je und je geliebet, und aus großer Liebe zu dir gezogen haft! siehe, ich armer Kranker komme zu dir und bitte dich demüthig, du wolleft mich in meiner Leibesschwachheit jetzt nicht verlassen. Menschen sprechen: Ich kann dir nicht helfen; u. so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich von dir nicht verlassen bin; Denn Gott verläßt der Keinen, der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen; Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach mein Gott, verlaß mich nicht! siehe doch, wie mein Leiden so lange währt. Am Abend denke ich, morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich 350 Der Kranfe feufst, schon wieder nach dem Abend; ja, in der Nacht rufe ich oft: Hüter ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach mein Gott, vergiß mich nicht! siehe doch, wie mein Leiden mmer schwerer wird. Ach, laß mich doch die Last nicht gar erdrücken, nimm den Stein hinweg, der auf mir liegt, die Ruthe, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlassen willst? Willst du mir nicht helfen, willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hülfe. Allein ich weiß, du verläsfest mich nicht; ich halte dir deine Verheißung vor, da du versprochen: ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Die auf den Herrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel lügt nicht; er wird seinem Volke Kraft geben, und den Glenden, der feinen Helfer hat, erretten, und den Seelen der Armen gnädig sein. Nun auf dein Wort traue ich, und hoffe, du werdest deine Gott wolle ihn nicht verlassen. 351 Zusage treulich im Himmel halten. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut; ich bin dein Eigenthum, darum wirst und kannst du mich, dein Kind und Gigenthum, nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen; du haft mich noch nie in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübſal über mein Haupt zusammenschlugen, verlassen, so wirst du es dießmal auch nicht thun. Darauf gebe ich mich zufrieden; darauf verlasse ich mich, und bin guten Muths, und sage: Herr! ich lasse dich nicht, du helfest mir denn auf eine solche Art und Weise, wie es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir; Herr Jesu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rath All'zeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich trag mein Leiden nicht alleine, Mein Jefus träget es mit mir; Im Leiden bin ich auch der Seine, Er 352 Der Krante erinnert sich seines Todes. stehet bei mir für und für; Jch trag' mein Leiden nicht allein, Dieß soll mein Trost und Zucker sein. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, Und auch die Hülf' zu seiner Zeit, Wenn nun die Stunde angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid, D'rum wird mein Glaube niemals flein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sieh', Gott ist es, durch dessen Gnade Ich durch dieſen Tag diesen Tag noch steh', Der macht, daß mir das Kreuz nicht noch steh', der schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich aus großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Kreuz Doch bin ich nicht im allein. 4. Nun will ich es geduldig tragen, Und währte es gleich noch so lang! Sollt' ich an Gottes Hüf' verzagen? Um Hülfe ist es mir nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hülfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer Gott! dir will ich trauen, Verlasſe mich im Kreuze nicht; Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hülfesstund anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. 2. Tim. 4, B. 6-8. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden; ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage der gerechte Richter geben wird; nicht mir aber allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben. Sich seines Todes erinnern ist eine nützliche Sache, denn 1) dadurch zieht man sein Herz von der Eitelfeit und von den Sünden ab; man sieht alles Jrdische als Dinge an, die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes zu erinnern ist auch 2) eine nothwendige Sache, sonst stellt man sich der Welt gleich; überfällt nun solche der Tod unvor bereitet, so gehen sie gewiß verloren. 3) Man soll aber nicht denken, daß es ein Zeichen zum Tode sei, Der Kranke erinnert sich seines Todes. 353 wenn ein Kranfer viel vom Tode redet und sich zum feligen Sterben bereit hält; o nein, deßwegen stirbt Niemand einen Augenblick bälder, als ihm Gott sein Lebens- Ziel bestimmt hat. Man soll 5) sich auch seine Todes- Stunde nicht so gar arg und schrecklich vorstellen; die Heiden haben zwar gesagt, der Tod sei das erschrecklichste unter allen schrecklichen Dingen; Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes; was ist denn schrecklich daran? Ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Gebet. Herr! es ist genug, nimm meine Seele hin; so seufze ich zu dir, mein Gott! in dem ich in meiner großer Schwachheit wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich begehre aufgelöst und bei Christo zu sein. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht; ich habe in gesunden Tagen oft an ihn gedacht; darum kommt er mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Läublein Noä mit Freuden zu der Arche zurückkehrte; wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilt, so sehe ich meinen Tod als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe an, als ein glückliches Anlangen aus dem Pilgerleben in daß himmlische Start's Hdb. 3r. Thl. 23 Der Kranke erinnert sich seines Todes. Freuden- Land; da wird nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen. Ich weiß, daß der Tod einem glaubigen Christen ein sanfter Schlaf und ein Durchgang in das ewige Leben ist. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott ist mein Vater, Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein Führer und Tröster; zu diesem komme ich, zu diesem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Wenn mein Jesus von seinem bevorstehenden Tode redete, so sprach er: Ich gehe zum Vater. Ja, liebster Jesu! ich will dir auch nachſprchen: Wenn ich sterbe, so gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mir zu sterben fürchten? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst iſt mein, sein Himmel ist mein, warum sollt ich nicht fröhlich sein? Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fährt zu Gott; sie geht aus der Welt in den 354 Der Kranke erinnert sich seines Todes. Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligfeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zum Glück, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang: Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sehe ich doch schon, wie die Engel um mein Bette stehen, und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen. Darum bin ich getrost; ich vergesse, was das hinten ist, nämlich die Erde und alles Irdische, was ich auf Erden habe, und strecke mich nach dem, was da vornen ist, nach dem himmlischen Kleinod. Wie wohl wird mir sein, wenn ich aufgelöst bin! wie selig werde ich sein, wenn ich in Jesu Armen bin? wie vergnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben bin hindurchgedrungen. 355 Kann uns doch kein Tod hier tödten, Sondern reißt unsern Geist Aus viel tausend Nöthen; Schließt das Thor der bittern Leiden, und macht Bahn, Daß man kann Geh'n zu ew'gen Freuden. Amen. 356 spil Der Kranke erinnert sich seines Todes. Gefang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wer da will als ein frommer Christ Nach Gottes Willen sterben, Durch Jesu Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite fich, Damit er als dann seliglich Von hinnen mög' abscheiden. 2. Vor allem fall' er Gott zu Fuß, Beweine feine Sünden, Er thu' in Zeiten wahre Buß', Daß er mög' Gnade finden, Er hafse jede böse That, Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ, Und flieh' zu desſen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd' entbunden Von aller Ungerechtigkeit Und nehm' dieß Blut zum Sterbekleid In seinen Todes- Stunden. 4. Er führ' sodann in Frömmigkeit Ein gottgefällig Leben, Hab' Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend' und bleibe fromm bis an sein End', Wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe aber allermeist Die schnöden Sündenwege, Und was da sonst von Gott abreißt, Er steh' nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er lebe als ein Gottes- Kind, Und meide was Gott hasset. 6. Er halte stets mit Beten an In den gesunden Ta gen, Er betet, weil er beten kann, Die Noth Gott vorzutragen, So wird Gott das Gebet anseh'n Wenn seine Lippen starrend steh'n Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit Mit seinem Feind versöhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit Gepflegt hat zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab', Eh' man ihn träget in das Grab, Und seinen Feind verlasse. 8. Er klebe nicht an dieser Erd, Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist uns're Lieb nicht werth, und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nur verlassen soll, Hingegen thut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott verleih' mir deine Gnad', Daß ich die Welt nicht achte, Und gerne folge deinem Rath, Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt Zum Himmel mög' eingehen. Der Kranke betrachtet sein Grab 2c. Der Kranke betrachtet sein Grab und seine Auferstehung. Aufmunterung. Joh. 11, 25. 357 Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stirbet. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. June Wer als ein Christ an sein Grab denkt, der wird nicht davor erschrecken, so finster es auch immer sein mag; denn 1) ist es eine Ruhestätte, wo wir von allen Schmerzen, Jammer, Kummer und Herzeleid befreit werden sollen. Der Leib soll 2) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruht haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, wie die Sonne leuchten, und mit der Seele wieder vereinigt werden. Wollte man 3) einwenden: ich muß aber die lieben Meinigen und mein Habe und mein Gut auf Erden verlassen, so soll man denken, daß im Himmel ein allgemeines Wiedersehen sein wird. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nicht mehr von ihnen geschieden werden. Was die leiblichen Güter betrifft, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! siehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil 358 Der Kranke betrachtet sein Grab ich weiß, daß er mich nach vieler Trübfal und vielem Leiden zur Ruhe bringen wird. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird meine Ruhestätte sein; mein Glend, meine Krankheit und mein Leiden kommt nicht mit mir in's Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort, o angenehme Ruhestätte! wann werden meine matten Glieder u. mein schwacher Leib in deinen Schooß gelegt werden! Das Grab hat mir Jesus selbst geheiligt, er hat mir's zur Ruhestätte gemacht; als er nach ausgestandenem Leiden darein gelegt wurde, da hörten seine Schmerzen und all' sein Jammer auf. So hat der Herr auch meinem Leib eine Ruhestätte in der Erde bereitet, und der Seele einen Erquickungs- Ort im Himmel. Suchen Menschen weiche Betten zur Ruhe, siehe, so sind sie gegen mein Grab nicht zu vergleichen. In weichem Bette muß Mancher Schmerzen und Ungemach erdulden, aber in meinem Grab wird kein Unglück sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich berühren. So ist und seine Auferstehung. 359 das Grab eine von allen Leiden und Schmerzen befreite Ruhestätte. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? ich werde ja nicht darin bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder erwecken. Wer an mich glaubt, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So soll mein Grab nur ein kurzer Aufenthalt sein, wo mein Leib schlafen wird, bis Jesus kommen und sprechen wird: Stehet auf, ihr Todten! und kommet vor das Gericht. Es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören, und hervorgehen werden. Wenn ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich aus meinem Grabe auferstehen; mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereinigt; mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden; ich werde wie die Sonne leuchten, ja, alle Schwachheit um und an wird von mir sein abgethan. Wie das Waizen- Korn wieder hervorgrünt, wenn 360 Der Kranke betrachtet sein Grab 2c. es in der Erde erstorben zu sein scheint, so werden auch meine Gebeine wieder gesammelt. Es wird gesäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich, es wird gefäet in Schwachheit, und es wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib, und es wird auferstehen ein mit geistlichen und himmlischen Kräften begabter Leib. Was hier kränfelt seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben, Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Todesfurcht kann sie vertreiben, Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, D'rum fahr ich hin mit Freuden. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Die Arm' will ich ausstrecken, Ich schlafe ein, und ruhe fein, Kein Mensch kann mich erwecken, Als Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die HimmelsThür aufthun, Mich führen zum ew'gen Leben. Amen. Gejang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da rechte Ruhe habe Nach wohlbestand'nem Weh und Ach! Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhe- Kammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben auer Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg' und Kümmerniß von mir, Du läsfest mich da sanfte raften, Der glaubige Christ dankt Gott 2c. großer Gott! dieß dank ich dir; Auch von der SündenAngst und Pein, Werd' ich im Grab befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, Jesus deckt mich selber zu, Es ist die beste Ruhestätte, Da Niemand störet meine Ruh; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel' ist bei Gott freudenvoll. 361 5. D schönes Grab, o fühle Erde, O stille Gruft, o sanfter Schooß! Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trübsal, Unglück los. Herr! meinen Geist befehl' ich dir, Die Ruh gönn' meinem Leibe hier. Der glaubige Christ dankt Gott wegen der wieder erlangten Gesundheit. Aufmunterung. Psalm 50. 14. Opfere Gott Dank und zahle dem Höchsten dein Gelübde. Joh. 5. 14. Siehe zu, du bist wieder gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Daß die meisten Kranken gerne beten, weil die Noth beten lehrt ist gewiß; und daß fie Gott Gehorsam und Besserung versprechen, wenn er ihnen Genesung schenken wolle, ist pflichtgemäß. Aber daß dieses Versprechen nur Wenige halten, dieses lehrt, leider! die tägliche Erfahrung. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbett befreit hat 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, und dankend rühmen, wie sie ihn von der Todesgefahr gnädig befreit habe. 2) Es soll ein Kranker, der wieder gesund worden ist, sein auf dem Krankenbette abgelegtes Versprechen halten und mit dem Psalm ſprechen: Ich will dem Herrn meine Gelübde bezahlen vor allem Volk. 3) Hat er wieder, wie pistias, neue Kräfte erlangt, so soll er auf seinen 362 Der glaubige Christ dankt Gott Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, und auch Andere dadurch erwecken, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die LebensGefahr fleißig erwägen, und dem allmächtigen, dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen. Gebet. du allmächtiger und gnädiger Gott! ich trete nun hier vor dein allerheiligstes Angesicht, und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Kranken- Bette wieder aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angst- Stunden, an das beschwerliche Leiden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, in der ich schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet; du hast mich wieder auf meine Füße gestellt, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade hat mein Klagen verwandelt in einen Reigen; du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet. Herr, Herr! du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher ge wegen der wieder erlangten Gesundheit. 363 holfen. Denn das weiß ich fürwahr: wer Gott dient, wird aus der Trübsal erlöst und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott! hast nicht Lust an unserem Verderben; nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen; nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vater- Treue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden, daher will ich mein Lebenlang an die Angst meiner Seele denken; aber ich will auch, o allmächtiger Gott! vor der großen Gemeinde rühmen, was du an mir gethan haft; du hast die Arznei gesegnet; du haft meine Schmerzen gelindert; du haft mir Kraft gegeben, das Leiden zu überwinden; du hast nach den mühſamen und äußerst schweren Nächten mir Erquickungs- Tage bescheert, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmt. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiſet mit mir, ihr, die ihr Der glaubige Christ dankt Gott jemals in Nöthen, Krankheit und Leiden gewesen seid, den Herrn, und lasſet uns miteinander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörte der Herr und half uns aus allen unsern Nöthen. Die den Herrn im Glauben mit Gebet anrufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden; er läßt sie nicht betrübt von seinem Throne weggehen, sondern er erbarmt sich ihrer gnädig. Ach mein Gott! laß diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. Nun weiß ich, und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, daß du die Todten lebendig, Kranke gesund, die Schwachen stark und Betrübte fröhlich machen kannst. Ach, ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch Freunde die Last der Leiden mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich fünftig nicht mehr nach eiteln Dingen trach364 wegen der wieder erlangten Gesundheit. 365 ten, sondern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich zu deinem Altar halten, da man die Stimme des Dankens hört, und da man alle deine Wunder erzählt; ich will das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verläugnen, und züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben, damit ich bereit sei, wenn du mit dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß, Mein Gott! in meinem Herzen, Doch deine Tröstung war gewiß Die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel, Troft Israel! Je mehr du mich verletztest Je mehr du mich ergöztest. Ich hatte viel Bekümmerniß, Wenn ich den Tod betrachte, Da mir das finst're Grab gewiß Nicht kleines Grauen machte. Immanuel, Trost Israel! Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht geschrecket. Wohl hatt' ich viel Bekümmerniß, Du aber viel mehr Liebe, Dein Trost war mir so engelfüß, Daß er die Angst vertriebe. Immanuel, Trost Israel! Kannst du mich hier so trösten, Dort ist dein Trost am größten. Amen. Gesang. Mel. Wie soll ich dich empfangen. 1. Wie kann ich g'nugsam preisen, Herr! deine Wunberthat, und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb' und Gnad', Weil das, was mich gedrücket, Mein Leiden ist dahin, Und da ich hochbeglücket Vom Tod errettet bin. Der glaubige Christ dankt Gott 2c. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülf er: blickt, Das Leben ist erneuert, Die Seele ist erquickt, Ja Sinnen und Gemüthe, Und was nun ist in mir, Das preifet deine Güte, Mein Vater! für und für. 366 3. D'rum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Guts gethan; Mein Herz stimmt ein mit Freuden, Und rühmet überall, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen dieses mal. 4. Ich sahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich g'nugsam fassen, Daß du so gnädiglich von allen Trübsals- Stunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden, Durch deine starke Hand. 5. Ich konnte mir nicht rathen; Ich war von Hülfe blos, Doch sah ich Wunderthaten, Da du in deinen Schoos Mich als ein Vater legtest, Und hieltest dich zu mir, Und wie ein Kind mich pflegtest; Und sprachst: Ich bin bei dir. 6. Ja wohl, ich hab' empfunden, Daß du an mich ge dacht, Denn ich hab' überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja! ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit! Ich bin in Noth gewesen, Und nun daraus befreit. 7. Herr! ich hab' recht gesehen, Was du an mir ge than, Ich will es gern gestehen, Und sagen Jedermann, Daß deine Macht und Stärke Vor der sich Alles neigt, Sich hat in diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach! lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöthen seid, Denn an mir kennt ihr schauen Des Herren Gütigkeit, Der kann das Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hülfe senden, So wie ihr sie begehrt. 9. Mein Gott! ich werf' mich nieder Vor deinen Thron allhier, Und singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freuden Stund'. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Deir Sorgen und dein Führen, Vergess' ich nimmermehr. Die Todten: Sie ruhen von ihrer Arbeit Offenb 14.13 Jesus: Kommet her thr Geſegneten meines Vaters Matth. 25.34 Wie wohl ist meinem Leib nach ausgestand'nen Leiden, Wie wohl ist meiner Seel in jenen Himmelsfreuden! 36 Vierter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. 2. Kor. 5, V. 10. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet, dieses ist Pauli Ermahnung, 1. Ror. 11, V. 31.; und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich antlagt, in Jesu Namen und um seines Verdienstes willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein. Dieses soll nun auch ein Sterbender thun; er soll denken 1) ich muß einmal vor's Gericht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, Stark's Hbb. 4r. Thl. 24 370 Der Sterbende stellt sich hernach aber das Gericht. Deßhalb thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott versöhnt, Gott um des Blutes Jesu willen um Vergebung bittet, und so Gnade erlangt, so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, so wird Gott seine Seele in Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gericht wird er als ein um Jesu Blutes willen gerecht Gemachter in die ewige Freude eingehen. Gebet. Ich weiß, mein Gott! daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deßwegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, so lange ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, bevor ich sterbe. O gerechter Gott! ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote und zwar öfters wissentlich übertreten; ich habe dich nicht von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften geliebt; ich habe nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch mich den heiligen Geist leiten und führen lassen, wie ich billig hätte thun sollen. Ich gedenke, daß ich dein Kind in der heiligen Taufe geworden bin, aber daß vor das göttliche Gericht. ich nicht immer wie ein Kind Gottes gelebt, daß ich in der Beichte und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten und mich wieder der Welt gleich gestellt habe. Herr! ich habe arg gehandelt; Ja, mich drückt der Sünden Last; Ich bin nicht den Weg gewandelt, Den du mir gezeiget hast; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. O gnädiger Gott! der du verheißen haſt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, fiehe, ich komme und will Frieden mit dir machen. Ach! ich bereue meine Sünden, und falle vor deinem Richterstuhl nieder, und spreche: Herr Gott, Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! ich fliche, o Vater! zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: ich habe gesündigt im Himmel und vor dir; ich bin nicht werth, daß ich dein Kind 371 372 Der Sterbende stellt sich heiße; aber ach! sei deinem Kinde gnädig und verstoß mich nicht. Ich fliche zu dir, o Jesu, mein Fürsprecher; ach, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Ach! um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missethat; um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden! Gott ſei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit! O du werther heiliger Geist! zur dir fliehe ich; ach! schaffe ein neues Herz in mir! heilige und reinige es, gieb mir das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben, und in kindlichem Gehorsam zu sterben. Ach! wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Gebete, liebliche Todes- Betrachtungen; verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels und der fünftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sei getroft, vor das göttliche Gericht. mein Sohn! dir sind deine Sünden vergeben. du heilige Dreieinigkeit! O erbarme dich über mich, und laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals unrecht gethan habe, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. 373 Mein Jesu! wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann! Ach! so wollest du mich retten Und dich meiner nehmen an; Du allein, Herr, kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluc darf hören: Ihr zu meiner linken Hand Seid von mir noch nie erkannt. Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Jhr Todten stehet auf, So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schaar ergößt, So wird der bösen Rott' Dadurch in Furcht geſetzt. 2. Ihr Todten stehet auf, Ihr habt nun ausgeschlafen, Ihr Frommen kommt herbei, Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte gehet ein Zur Freud' und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid Zur Ehrenkron' bereit't. 3. Jhr Todten stehet auf; Eilt! gehet aus der Erden; Ihr Bösen! ihr sollt jetzt Zur Höll' gestoßen werden, Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllen- Pein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung sein. 4. Jhr Todten stehet auf! Seht hier sind eure Glieder, Haut, Augen, Füß' und Händ', Die nehmet heute wieder, Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd' gethan, Dem ist die Straf' bereit't. 5. Ihr Todten stehet auf! Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnen- Glanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die 374 Der Sterbende verzeiht Seele kehre sich Zu ihrem Leibe zu, Und hab' mit ihm vers knüpft Erhab'ne Himmels- Ruh'. 6. Jhr Todten stehet auf! Ach, möcht' dieß Wort er schallen In aller Sünder Herz! So würden sie nicht fallen In schwere Missethat; Denn wem das Herze bricht, Und liebet Jesum nicht, Der kommt in das Gericht. 7. Ihr Todten stehet auf! Das soll mich nicht er schrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben aufer weden, Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingeh'n; Und Herr! dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n. 8. Im Glauben will ich dir, D Seelen Freund anhangen, Durch deines Geistes Gnad' Recht fromm zu sein anfangen, Damit wenn auf dein Wort Die Todten aufersteh'n, Ich mög' vor dir verklärt Zur Seligkeit eingeh'n. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. Matth. 6, 3. 14. 15. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Zu der wahren Vorbereitung zum seligen Sterben gehört auch die Versöhnung mit dem Nächsten; daher soll sich ein Sterbender 1) erinnern, ob er feinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit in's Grab nehme, sondern ihnen von Herzen verzeihe. Wenn aber 2) er andere Leute beleidigt hat, so soll er nicht eher ruhen, als bis er sich mit ihnen versöhnt hat. Hiebei soll man auch das dem Nächsten mit Unrecht Ent rissene wieder zurückgeben, weil die Sünde nicht ver geben werden kann, wenn das Entwendete und GestohLene, oder der Werth desselben nicht wieder zurückgegeben wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden sowohl das christliche Pflichtgefühl, als und bittet um Verzeihung. 375 auch der göttliche Befehl und die Bedrohung, Matth. 6, V. 8, antreiben. Wie du gegen deinen Feind handelst, so wird Gott mit dir handeln. Gebet. Mein Gott! ich lebe, und weiß nicht wie lang; ich muß sterben, und weiß nicht wann, darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird das Haus des Friedens genannt, wo keine unversöhnlichen, rachgierigen, und mit Zorn und Haß angefüllten Seelen eingelassen werden, darum will ich mein Herz von Zorn und Feindschaft reinigen; ich will gerne verzeihen und um Verzeihung bitten, damit mich Gott um Jesu willen als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Deßwegen verzeihe ich hiemit von Grund meiner Seele allen meinen Feinden und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Mienen beleidigt haben; ich verzeihe und vergebe es ihnen nicht allein mit dem Munde, sondern vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich 376 Der Sterbende verzeiht will nun und nimmermehr daran denken; ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen, und Gutes thun, wo und wenn ich nur kann; ja, ich bitte Gott für sie, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern zeitlich und ewiglich wohl ergehen lassen. Wie ich nun von Herzen verzeihe, und allen verziehen habe, die mir etwas zuwider gethan haben, so bitte ich auch hiemit alle diejenigen um Verzeihung, denen ich jemals zu nahe getreten, denen ich etwas zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach! verzeihet es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe Jesu willen traget keinen Haß wider mich; ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe, ich bitte euch hiemit um Verzeihung von Herzen mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbe- Bette alle sehen, so wollte ich es euch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott! verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er und bittet um Verzeihung. 377 sei, wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissent lich zu Leide gethan habe, ach! vergieb es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Ach! gedenke nicht meiner Sünden und Miſsethaten; ach, mein himmlischer Vater, erbarme dich über mich! o mein Jesu, wasche mich von Sünden, und bitte für mich! o du heiliger Geist, heilige mein Herz, und reinige es von aller Untugend! so sterbe ich fröhlich, so sterbe ich ſelig. Verleih', daß ich aus Herzensgrund Meinen Feinden mög' vergeben; Verzeih' mir auch zu dieſer Stund Schaff in mir ein neues Leben, Dein Wort mein' Speif' laß all'weg sein, Damit mein Seel' zu nähren, Mich zu wehren, Wenn Unglück geht daher, Das mich bald möcht' abkehren. Amen. Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich will Jedermann verzeihen, Der mich hier belei digt hat, Ach Gott! laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad', Daß ich, dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find'; Ich verzeih' von Herzensgrunde, Und versprech es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen, Ist, mein Va ter! dieß allein, Daß ich mög' mit allen denen Völlig ausgeföhnet sein, Die mir sind von Herzen feind, Ich dagegen bleib ihr Freund, Wüßten sie doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. Der Sterbende nimmt Abschied 3. Ach! verzeiht mir liebste Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab', Bleibct doch nicht meine Feinde, Seht, ich schicke mich zum Grab; Ach! ich hab' mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach! das wollen wir aufheben, Ach! ihr wollt es mir vergeben. 378 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken, Nehmet meine Abbitt' an; Denkt, ach! denket nimmer nicht, Was ich Böses angericht't, Alles sei hiemit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott! da dieß geschehen, Komm' ich nun versöhnt zu dir, Ach! laß mich dein Antlig sehen, Großer Gott verzeih auch mir, Nimm weg meine Sündenschuld, Schent mir deine Lieb' und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Weil ich nun versöhnet bin; Es geschehe Gottes Wille, Dem geb' ich mich freudig hin. Fried mit Menschen, Fried mit Gott, Das versüßt die Todes- Noth, Also kann man selig sterben, Und entgehen dem Verderben. Der Sterbende nimmt Abschied, und giebt den Seinigen den Segen. Aufmunterung. Apostelg. 20, B. 32. Nun, lieben Brüder! ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und ju geben das Erbe unter allen, die geheiliget werden. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache. Dieser Segen nun 1) ist nicht vergebens; denn weil es ein Abschieds- Gebet ist, so der Sterbende für die Seinen abgelegt, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben und im Namen Christi geschieht, nicht unerhört bleiben. 2) Die let ten Worte des Sterbenden pflegen auch bei den Hin 379 und giebt den Seinigen den Segen. terbliebenen nicht ohne Erfolg zu sein, daher wird eine Ermahnung eines sterbenden Vaters und einer Mutter oder Freundes nicht so bald vergessen, sondern als ein Stachel in dem Gemüth hängen bleiben. Kinder aber sollen 3) ermahnt sein, daß sie die Eltern bei gefunden Tagen nicht betrüben, und dadurch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. Sebet. Ich nehme hiemit Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden; ich befehle sie dir, o großer Gott! in deinen Schutz, Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Wohlthaten, und da ich ihnen nicht Alles vergelten kann, so wollest du ihr reicher Vergelter sein. Ich verlasse meine Freunde, Verwandte und Bekannte, aber du, o großer Gott, wolleft sie nicht verlassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und in Frömmigkeit, damit wir uns einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Der Sterbende nimmt Abschied Glaubigen und Kinder Gottes wieder zusammenkommen. Diejenigen aber, o getreuer Gott! die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt betrübt und schmerzlich sein wird, denen gieb deinen reichen Segen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele; er nehme euch in seinen Schußz; er bescheere euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen und bewahre euch vor allem Uebel. Nur fürchtet Gott und seid fromm, sebet euer Vertrauen auf ihn, und wisset, er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig sein. Wendet euch nicht von ihm ab durch den Unglauben, durch Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seid ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Laffet nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Ja, der Gott aller Gnade und Barmherzigkeit segne euren Aus- und Eingang, daß ihr die Geseg neten des Herrn sein und bleiben 380 und giebt den Seinigen den Segen. 381 möget. großer Gott, ich habe sie gesegnet, laß sie auch gesegnet bleiben. Und nun, o dreieiniger Gott! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre Ich begehre aufgelöſet und bei Christo zu sein. Herr Jesu! dir leb' ich, dir sterb' ich, dein bin ich todt und lebendig. Mache mich und die Meinigen ewig selig. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Und hin zu geh'n in meine Ruh' Nach vielem Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig waiden. 2. Ach Gott! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet, Ach! tilge meiner Sünden Heer, Gedent' derselben nimmermehr, und was ich ausgeübet. 3. Jch eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist Mit ihm bleib' ich verbunden. D Jesu, Jesu! ich bin dein, Ach! laß mich auch dein eigen sein In meinen TodesStunden. 4. Darum bestell ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen; Ich theile meinen Segen aus Von wahrem Grund der Seelen; Gott woll' den Meinigen beisteh'n, Und laß es ihnen wohl ergeh'n Und nie an Hülfe fehlen. 5. So will ich nun zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben; Sieh', ich bin hier, Ach nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 382 Der Sterbende befiehlt sich Gott. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe becken, Wo selbst er auch verwahret bleibt, Bis ihn Gott wird erwecken, Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht, Kann, wenn ich bin zu Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel' empfehl' ich dir In deine tiefen Wunden. O Jesu, Jesu! bleib bei mir In meinen Todes: Stunden; O Jesu, ach! verlaß mich nicht, Bis daß ich hab' dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Jm Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid Durch Jesum Christum erben, Ich leb' und sterbe als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 9. Und somit schlaf' ich selig ein, Weil sich mein Leben endet, Mein Jesus wird auch bei mir sein, Der sich auch zu mir wendet; Eil' hin, mein Geist, zu deinem Gott, Fahr hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. Psalm 13, 3. 6. In deine Hände befehl ich meinen Geist; du haft mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist! Luc. 23, V. 46. Es haben Sterbende öfters vor ihrem Tode noch Vielerlei anzuordnen; sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. 1) Ein jeder rechtschaffene Christ soll täglich seine Seele mit dem Leib in Gottes Schuß befehlen, weil er nicht weiß, was Gott den Tag oder die Nacht über ihn gebieten werde. Thun aber dieß fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende thun; sie haben vor sich das Beispiel ihres Heilandes; als er sterben wollte, so sprach er: Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist! So machte es auch Ste phanus, als er unter den Steinen seufzte: Herr Jeſu, Der Sterbende befiehlt sich Gott. 383 nimm meinen Geist auf! Dieses ist aber auch 3) höchst nöthig. Man sieht an Sterbenden so vielerlei Ver= änderungen und Zufälle. D! wie wohl ist es dann gethan, wenn man beim guten Verstande Gott seine Seele befiehlt, und das Beste in gute Verwahrung bringt, im Uebrigen aber sich in Gottes Willen zu leben und zu sterben überläßt. 4) Jst so Alles bestellt, so stirbt man selig. Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen läsfest sterben, und sprichst: Kommet wieder ihr Menschenkinder! der du deine Geliebten durch den Tod zu dir zichst, und sie der Herrlichkeit theilhaftig mochit, die uns Jesus mit seinem bittern zeiden und Sterben erworben hat; ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zuruft: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben! mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen; halte deine Glaubenslampe immer brennend, weil ich nun nicht weiß, wenn mein Stündlein herannahen wird, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer Der Sterbende befiehlt sich Gott. stehen, treibe alle weltlichen und fündlichen Gedanken hinaus, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit und die Freude der Auserwählten mir vorstelle. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen mir wirke. Hilf, daß ich Jesum Christum im Gedächtniß behalte, und sein vergossenes Blut und Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todesstunde herbeikommt, so bewahre mich), wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, schweren Gedanken und großen Schmerzen, laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und wenn mir ja die Sprache entfallen sollte, so laß mich in meinem Herzen deine Lieblichkeit genießen, und deine allerheiligste Gegen wart empfinden. Gieb mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben; laß mich alsdann einen Blick in die frohe Seligkeit thun; gieb mir in der Todes stunde einige Tropfen der himmlischen 384 Der Sterbende befiehlt sich Gott. 385 Süßigkeit zu schmecken, damit ich voll Freuden und Trost von hinnen abscheiden möge. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verläßt, ach! nimm sie alsdann in deine Hände. Bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit und führe sie zur Himmels- Freude ein. Ich befehle dir auch meinen Leib in der fühlen Erde; verleihe demselben eine sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune ertönen und rufen wird: Steht auf, ihr Todten! und kommt vor's Gericht, und lasse mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rath, Von dieser Welt abscheiden, So gieb mir, Herr! durch deine Gnad' Daß es gescheh' mit Freuden, Mein' Leib und Seel' befehl ich dir, D Herr! ein selig's End' gieb mir, Durch Jesum Christum. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt' ich noch um diese Gnad'; Wenn nun mein Auge sterbend bricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch und kann noch beten, D'rum bete ich, und komm' zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so gnüget mir, Und wenn der Tod zum Herzen bricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. Start's Hbb. 4r. Thl. 25 Der Sterbende befiehlt sich Gott. 3. Wenn meine Todesstund' erscheinet, Und werden meine Lippen blaß, Wenn jedermann mich klagt und weinet, Und lieg' im Todesschweiße naß; Wenn sich entfärbt mein Angesicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 386 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht finde, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab' im Sinn, Und wenn mein Herz von Sünden spricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich ott! verlaß nicht. 100 5. Wenn sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zufließen: Ich geb' dir, was du hast begehrt; Wenn meine Bunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 6. Wenn meine Augen dann vergehen Zuletzt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen, und zeig mir deine Herrlichkeit, Auch wenn verlischt mein Augenlicht Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder seh'n, noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, Herr! deinen Geist mich lehren, und stärk den Glauben mehr und mehr, Ja, wenn ich auch soll vor's Gericht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. M 8. Und sind die Glieder ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen sein, Und wenn man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wenn dieses alles nun geschieht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, Und giebt man mir das Sterbekleid, So laß die Seele geh'n im Frieden Zur Himmelsfreud' und Seligkeit, Und laß mich seh'n dein Angesicht, Begleitet mit dem Freudenlicht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau im Grabe doch auf mich; Laß mich da sanfte Nuhe haben, Denn hab' ich, großer Jesu, dich, So bleibt der Leib mit Erd' umhüllt, Die Seel' mit Himmelsglanz erfüllt. 11. Sa, laß mich fröhlich auferstehen An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhier getragen hab', Auf daß ich ganz mit Seel' und Leib Dein Eigenthum auf ewig bleib'. Der Sterbende stellt eine HimmelsBetrachtung an. Anfmunterung. Apostelg. 7, V. 55. 387 Stephanus aber voll heiligen Geistes sahe auf gen Himmel und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann es für eine glaubige Seele geben, als an Gott und an den Him mel zu denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, ihr Vaterland, ihr Trost, ihr Erbe, ihre Krone, ihre Herrlichkeit, ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es so mit einem Glaubigen, wie vielmehr mit einem Sterbenden sein? Bei dem Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein: die finstere Erde, der Abschied von den Seinigen, der Umstehenden Thränen, der letzte Todesstoß und dergleichen. Allein dieses Alles kann versüßt werden, wenn der Sterbende sein Herz da hinein schickt, wo er ewig zu sein wünscht. 1) Thut der Abschied wehe, so soll er an die heiligen Engel und Auserwählten im Himmel denken, bei welchen und um welche er in Ewigkeit sein wird. 2) Sieht er die Seinigen weinen so soll er sich der ewigen Freude, Wonne und Glückseligkeit erinnern, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, wo kein Ach und Weh und keine Thräne mehr sein wird. Jenis Gebet. du gnädiger Gott! wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Der Sterbende stellt Menschen! Nicht allein beweisest du uns Gutes, erbarmst dich über uns, überschüttest uns mit vielen Wohlthaten, so lange wir leben, sondern du hast uns auch viele und herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben, denn im Himmel sollen wir haben, o Gott, viele große Gaben! Deßhalb stelle ich mir im Glauben deine große Majestät und Herrlichkeit und den Glanz vor, in dem du wohnst, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Auserwählten, nämlich alle Frommen, vor deinem Throne stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie ich bald auch unter ihnen stehen werde, wenn ich nun sanft und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen und mit einem weißen Kleide angethan sein werde, ja, wo ich selbst wie die Sonne leuchten werde. Herrlichkeit, o Seligkeit, die mir der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit um Jesu willen mittheilen 388 eine Himmels- Betrachtung an. 389 wird! Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er nur die Thüre zu solcher Herrlichkeit aufthut. Ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn es ist meine ewige Wohnung; hier haben wir doch keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, allwo alle frommen Christen und Glaubigen verſammelt sind. So lange ich in der Welt bin, bin ich wie ein Pilger und Wanderer, aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelangt bin, dann komme ich zur Ruhe, zum Frieden und zu meinem ewigen Wohlsein. Ich ſehe den Himmel mit Freuden an und denke, das ist mein Erbe; habe ich hier kein großes Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unverwelkliches Erbe aufbehalten. Ich gedenke, der Himmel ist das Paradies, we Gott die Glaubigen ergößen wird, Der Sterbende stellt 2c. gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten ist. Ich will, mein Gott! wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenlande zu Salomo, sagen: O mein Gott, o mein Jesu! mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt worden; du hast mehr Herrlichkeit und Gutes, als das Gerücht ist, das ich von dir gehört habe. 390 Komm' o Tod, du Schlafes- Bruder! Komm' und führe mich nun fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bring mich an den sichern Port! Es mag, wer da will, dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm' ich hinein Zu dem süßen Jesu mein. Amen. Gejang. Mel. Bion flagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hier ist gut sein, also sagen Droben in der Seligs teit, Die da Kronen, Palmen tragen, Angethan mit Herr lichkeit. O wie ist uns hier so wohl, Wir sind alles Tro ftes voll; Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Hier ist gut sein, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angesicht; Wir sind selig, weil wir stehen In dem größten Glanz und Licht, Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir find alles Trostes voll, Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut sein, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud', Hier an diesem Drte fließen Ströme aller Süßig Der Sterbende erwägt die Verheißung Gottes. 391 teit, Hier weiß man von keiner Klag', Nichts von Trübsal, Angst und Plag', Unser Antlik ist voll Wonne, Da es leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut sein, denn hier schweben Vieler tausend Engel Heer, Als bei welchen wir nun leben In der größten Zierd' und Ehr', Hier erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar; Zu den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun will ich im Glauben bleiben Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben, Weil ich lebe in der Zeit, So werd' ich, hier ist gut sein, Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestand'nem Leiden Gehen auf den Himmels- Waiden. Der Sterbende erwägt die Verheißung Gottes. Aufmunterung. Matth. 25, B. 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Sterbende haben Labsal und Erquickung jowohl dem Leibe als auch der Seele nach nöthig. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gut und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes; wovon David sagt: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostsprüche sammeln, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Besonders aber soll ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der herrlichen und göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift von der göttlichen Hülfe, Beistand, Gegenwart und Gnade finden. 2) Soll er auch solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm rede, denn Gott redet in der heiligen Schrift mit Allen und einem Jeben insbesondere. Hat er nun solche Verheißungen vor 392 Der Sterbende erwägt sich, so soll er 3) sich darauf verlassen, Gott werde sie auch an ihm erfüllen. Verzieht der Herr die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Beit wahr machen. Gebet. du gnadenreicher Gott! wie süß sind deine Verheißungen, die du mir in deinem Worte gethan hast, wenn du sprichst: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen; und wieder: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen: ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten; ich will wieder kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Ja, wenn ich versichert werde, Jesus bete für mich, und sei mein Fürsprecher, und daß der heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. O du gnädiger Gott! erfülle nun alle diese Verheißungen an mir; ach! ach! die Noth wird immer größer; ach! sei und bleibe bei mir in die Verheißung Gottes 393 meiner lezten Noth. Ach! verlaß mich jetzt nicht; stehe mir bei, o Jesu! laß mich zu der Herrlichkeit gelangen, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet hast. O Jesu! sei jetzt mein Fürsprecher, ach! bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach, du werther heiliger Geist! stehe mir in meiner Schwachheit bei, und gieb mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf bevor, so hilf mir siegen und überwinden. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so bringe meine schwachen Seufzer vor Gott! Nun, du gnadenreicher Gott! ich halte mich) an deine Verheißung, und glaube, du werdest sie nach deiner Barmherzigkeit auch an mir Elenden erfüllen. Ich glaube deinem Worte, ich traue darauf, mein Herz hält dir dein Wort vor! Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Antliß. Ach! dein Wort ist in meinem Leben immer mein Trost und meine Freude gewesen, ach, laß es jetzt in meinem Tode mein Labſal 394 Der Sterbende erwägt die Verheißung Gottes. und meine Erquickung sein. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß auf mir steht; erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden, tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergeht, o du dreieiniger Gott! alsdann laß in meinem Herzen mich Freude und Wonne, Jubel- und Freuden- Töne als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit einnehmen. O du großer Gott! erhöre, Was dein Kind gebeten hat, Jesu! den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rath, Und mein Hort, du werther Geist! Der du Freund und Tröster heiß'st, Höre doch mein sehnlich's Flehen, Amen, ja, es soll ge schehen. Amen. Gefang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. SU 1. Ich sterbe gern, warum sollt' ich mich Vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget innig sich Auf meinen Tod zu freuen, Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Dich droben in der Ewigkeit Gar herzlich wird erneuern. 2. Ich sterbe gern, Denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben, Für Trübsal, Jammer, Angst und Noth Wird Gott mir Freude geben, Das Thränen- Maß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gerne, weil ich werd' Dereinst auch auf erstehen, und herrlich aus der finstern Erd' Und meinem Grabe gehen, Ich werd' verklärt in Glanz und Licht Des Allerhöchsten Angesicht Mit Lust und Freude sehen. Der Sterbende betrachtet zc. 395 4. Ich sterbe gern, dieß bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen zu Gott an jenen Freudenort, Zur schön. sten Schaar der Frommen. Ach, wann bricht an die Freubenzeit, Da ich zur Himmels- Herrlichkeit Auch werde aufge nommen. Der Sterbende betrachtet die Himmels- Freude und Gemeinschaft. Aufmunterung. Off. Joh. 7, V. 9. 10. du Darnach sahe ich, und siehe eine große Schaar, welche Nie mand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern, und sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil ſei dem, der auf dem Stuhle sigt, unserm Gott und dem Lamme! Was kann sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die HimmelsFreude und Himmels- Gesellschaft denkt, deren Andenten einen Frommen hier auf Erden öfters ergößt. Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden sieht als Dinge anschauen, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll dagegen 2) Betrachtungen der Himmels- Freude anstellen, wie er nach dem Abschiede aus diesem Leben in die Freude und den Glanz des Himmels werde versetzt werden. Auch soll 3) ein Sterbender seine Betrachtungen über die himmlische Gesellschaft anstellen, wie er nun bald das Angesicht des dreieinigen Gottes schauen und zu viel tausend Engeln und Auserwählten kommen werde. Wenn so ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine zukünftige Glückseligkeit sich vorstellt, so wird ihm sein Leiden versüßt, ja er wird dadurch heilige Ahnungen in seiner Seele empfinden. Der Sterbende betrachtet Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele sehnt sich nach den Vorhöfen; ach, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen, und vor deinem Thron mit allen Engeln und Auserwälhten stehen werde! O, welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich finden, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig geſtorben sein werde. O welche Herrlichkeit wartet auf mich, ich werde den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht schauen; was ich hier geglaubt habe, werde ich dort schauen; was ich hier nicht habe begreifen können, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen, da werde ich völlig durchstrahlt, durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllt sein. Darum seufze und bete ich mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue! Das 396 die Himmels- Freude und Gemeinschaft. 397 ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hier geglaubt und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen. Hier bin ich unter Menschen, hier habe ich ja unter Freunden und Feinden mein Leben hinbringen müssen; allein in der Herrlichfeit werde ich so viele tausend heilige Engel antreffen, welche in großem Glanze und Lichte um Gottes Thron schweben und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, anstimmen. Ich werde da alle Frommen und Auserwählten antreffen, die von Anfang der Welt her gelebt haben. Ich werde meine Liebsten und Freunde antreffen, die vor mir gestorben sind; mit denselben werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewig bleiben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele sein! Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen; ich werde bei dem Herrn sein allewege, da wird mich keine Trübsal mehr berühren, und dieses wird nicht 398 Der Sterbende betrachtet 2c. etwa nur eine Stunde oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Auf hören. Ach, daß ich den Leibes- Kerker, Heute noch verLassen müßt', Und käm' an den Sternen- Erker, Wo sonst nichts als Freude ist; Da wollt' ich mit WortGepränge Bei der Engel großen Menge Rühmen deis ner Gottheit Schein, Allerliebster Jesu mein. Amen. Gefang. hild Met. Alle Menschen müssen sterben. 1. Welche füße Himmelsfreuden; Welche große Herrlichteit! Welches prächtige Gebäude Ist den Frommen zubereit't, In den schönen Himmels- Auen, Die sie einstens sollten schauen; Ach! mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt fein Böser hin, Da wird der nur aufgenommen, Der gelebt nach Chrifti Sinn, Hier ist Gott selbst Licht und Sonne, Hier ist gut sein, hier ist Wonne, Hier genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt Gott sich selber sehen, Den kein Aug' auf Erden sieht, In dem Sehen wird entstehen Troft, Vergnügen, Freude, Fried', In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergößet stets von Neuem, Aug' und Seel wird nimmer satt, Das hier voll Vergnügen hat. 4. Ja, in diesem Freudenleben, An dem freudenvollen Ort Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott find hier und dort, Die im schönsten Glanze prangen Und des Höchsten Lob anfangen; Ich stimm auch mit ihnen ein Wann ich werd' bei ihnen sein. 5. Da 5. Da find't man der frommen Schaaren Voller Prachy und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübfal waren, Und in tau send Herzeleid Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron Schön ge ziert mit einer Kron'. bug, du po 6. Unabläßig Gott zu loben Ist der Frommen Werk allhier; Von der Seite und von oben Glänzet alles wie Der Sterbende tröstet sich ic. 399 Saphir; Die man hier betrübt verlassen, Kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiederseh'n, Welches ewig wird besteh'n. 7. Auf, auf, lasset uns bestreben, Die wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels- Zelt; Laß im Glauben uns fest stehen Und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifen Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 8. O mein Gott! laß mich gelangen, Auch zu dieſer Herrlichkeit; Ach! verzeih' was ich begangen Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Führ' mich zu der Himmels- Waide, Da ich mit der frommen Schaar Dich will loben immerdar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Röm. 14. 7, 8. Unser feiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber, Leben wir, so leben wir dem Herrn, Sterben wir so fterben wir dem Herrn, Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Gine glaubige Seele ist des dreieinigen Gottes Beistands versichert. 1) Der himmlische Vater wird an feine Vatertreue gedenken und seinem Kinde beistehen. Jesus Christus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird auch durch seinen kräftigen Trost alsdann sie erquicken. Vergeht gleich Hören und Sehen, vergehen alle Sinnen, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung: ich bin bei dir in der Noth, auch jetzt in der Todes- Noth an ihm werde erfüllt werden. wohl dem, welchen Gott dieſes alles in seinem Sterben empfinden läffet! O 400 Der Sterbende tröstet sich Gebet. Komm, Herr Jesu, und nimm meine Seele hin. Ich habe schon deine Süßigfeit geschmeckt, darum verlangt und dürstet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorgt, ernährt, geleitet und geführt hat, sollte der jetzt, da mein Lebens- Ende herannaht, von mir weichen? O nein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kranken Kinde, und hilft ihm so viel er kann, wie viel mehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmlischen Vaters getrösten. Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe außtheilen, das mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich in das Reich eingehen heißen, daß er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor; ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo; diese Gemeinschaft habe ich im des Beistandes des dreieinigen Gottes. 401 Glauben hier angefangen, diese wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe Jesu Christi, von dem er das Haupt ist; wie aber das Haupt wohl weiß, wie es seinen Gliedern geht, so weiß auch mein Jesus, wie es jetzt um mich steht; ich bin in ihm und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir in dem Sterben sein. Gleichwie er die Seinigen geliebt hat bis an's Ende, da er sich für sie in den Tod gegeben hat, so liebt er sie auch, wenn sie sterben sollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Todes- Bitterfeit durch seinen Tod weggenommen hat. Der Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel in meinem Leben geheiligt, derselbe wird auch mit mir im Tode Start's Hdb. 4r. Thl. 26 Der Sterbende tröstet sich zc. vereinigt bleiben. Er, der mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreut, im Elend erqiuckt, im Kreuz erhalten hat, er wird mich in der letzten Stunde nicht verlassen, sondern Zeugniß geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Ja, weil er das Pfand unsers Erbes ist, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei, und zu der völligen Besizung eingehen werde. Der Vater reicht mir die Krone dar; Jesus führt mich an der Hand zur Freude; der heilige Geift ziert mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische FreudenLeben; alle Auserwählten und Frommen empfangen mich mit Freuden. ofln Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todes- Noth und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden. Amen. 402 mpilind and Gefang. 1901 190 Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laß mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd' ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Beglänzt mit hohem Freuden- Licht, In jenen Himmels- Auen. 333 de ale Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. 403 2. Ich komm alsdann zu Jesu Christ, Den werd' ich hernach sehen, Der hier mein Trost und Retter ist, zu dem will ich dort gehen, Zu dir, o Jesu, Gottes Lamm! Und wie die Braut dem Bräutigam zu deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schaar Sind die, die mich empfangen, Ich werd' mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen, Hier bin ich in dem Freudenreich Den hohen Seraphinen gleich, Und dieß ist mein Verlangen. 4. Ach ja, im Himmel treff ich an Die große Schaas der Frommen, mit weißen Kleidern angethan, Die da find aufgenommen Nach ausgestand'nem Kreuz und Leid Zu solcher großen Herrlichkeit, zu denen werd' ich kommen. E 5. O Fried', o Trost! der da mein Herz Wird ewig bort umgeben, Denn da ist keine Angst, kein Schmerz Und tein betrübtes Leben. Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquicung, Ruhe, Fried' und Freud' Wird sich da recht erheben. 6. Alsdann wird mir sein ewig wohl, Wenn ich hab' überwunden, Wie werd' ich sein des Trostes voll, Wenn mein Leid ist verschwunden! D Freudenstunde brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann, Und bleib mit ihm vers bunden! Der Sterbende will auf Jesum Christum bi Shite sterben. Aufmunterung. 1831 11 Apostelg. 7, B. 58. Herr Jesu, nimm meinen Geist d auf! INC msmind #E Es klagen Sterbende öfters, wie sie mit verschiedenen Gedanken so viel zu kämpfen haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Glaubiger wohl: 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung Jesum am Kreuz vorstellt, und dabei diese guten Gedanken hat: Jesu Wunden find für mich geschlagen, sie sollen auch in meinem Tobe meine einzige Zuflucht sein. Jesu Blut ist auch für mich vergossen, er stirbt am Kreuz, damit 404 Der Sterbende mein Tod mir versüßt, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden möge. Bei diesen guten Betrachtungen soll er 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt setzen; er foll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, vor Gott treten und sagen: Ach, um meines Jesu Gerechtigkeit, seines Blutes, Todes, seiner Wunden und seines Verdienstes willen sei mir gnädig, darauf lebe und sterbe ich, und darnach will ich zur Himmelsfreude eingehen. and rim ad HE 047 G Gebet.adsom Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, so wende ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! O mein Erlöser, du hast mich von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blute, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben erlöst. Ach, laß mir dieses Blut jetzt zu Statten kommen, damit ich durch dein Blut gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgiltiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher; ach! so vergieb mir meine Sünden; schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit; führe mich ein zu der ewigen will auf Jesum Christum sterben. 405 Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, obschon mein Leben aufhört, weil ich in dir und du in mir lebst. Du bist der Weg, ach! führe mich durch das finstere TodesThal in das ewige Leben. Du biſt die Wahrheit, ach! du hast bisher alle deine Gnaden- Verheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch dieselbe, die du mir verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich fie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. Herr, laß deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt haft. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuze für mich gestorben, wie du deine Arme ausgebreitet, wie du dein heiliges Blut vergoffen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen haft. Ach! dein heiliges Blut wasche mich, und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamme des Kreuzes hat schlachten 406 Der Sterbende will auf Jefum Christum sterben. lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnt. Du bist mein Hohepriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. O Jesu! ich komme bald zu dir, darum fasse und halte ich dich im Glauben, und spreche: Meinen Jesum laß ich nicht, Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Einzig, Herr! nur dir zu leben; Er ist meines Lebens Licht; Meinen Jesum laß ich nicht. Ja, an Jesum will ich jeßt allein gedenken, er soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Ueberlegen und Alles sein. Weg ihr eiteln Gedanken, an Jesu Verdienst und vergoffenem Blut will ich mich ergößen; ſeine heiligen Wunden will ich mir vorstellen; seines bittern Leidens will ich mich getrösten, und mein letztes Wort soll Jesus sein, ja meine letzten Gedanken sollen Jesus, Jesus sein. mot Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 407 Erschein' du mir zum Bilde, In meiner letzten Noth, Wie du, Herr Christ, so milde, Dich haft geblut't zu todt; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken, Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Ich will mit frohem Muth In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen, Ach! öffne mir dein Herz, Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt Und wahre Wohnung sein. 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, Ich will an Jesu Blut, Und sein Verdienst gedenken! Sein Blut ergreif' ich jest, In voller Zuversicht, und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 3. D Blut, o heißes Blut! Das immer dennoch fließet Auf jedes glaubig Herz, Das immer noch genießet, Der, welcher Buße thut; O Blut, o heißes Blut; Jch eigne dich mir zu, Du allerhöchstes Gut! 4. Ich ruhe hier getroft In diesen off'nen Wunden, Und bleibe nun mit dir, O Jesu! fest verbunden; Kein Schmerz, kein Leid, kein Feind Reißt mich nunmehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach! lasse nicht von mir. 5. Sieh, ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, weichen, Bis ich darinnen werd' Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Friede, Freud, Der Seele Seligkeit; Zieh' meinen Geist zu dir, Durch die gespalt'ne Seit'. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben, Und in denselbigen Der Seele Heil ererben; Und schlaf ich glaubeusvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel' Gar wohl verwahret sein. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 120 Aufmunterung. 1. Kön. 19, V. 5. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele, ich bin nicht besser, denn meine Väter. Der Sterbende bittet Wenn im alten Testament Jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so durfte es kein gezwungenes, sondern mußte ein freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserm Sterben! es darf ein Mensch nicht mit Murren und Widerwillen sterben, sondern er soll mit Freuden seine Augen gen Himmel erheben, und Gott anrufen um ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende. 408 Gebet. Barmherziger, gnädiger Gott! ich merke, daß die Zeit meines Abschieds vorhanden ist, da ich im Frieden dahineilen und zur Ruhe mich niederlegen soll; mein Gesicht vergeht mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheint, es werde bald anders mit mir werden; darum komme ich zu dir, und lege mein lettes Gebet ab, welches darin besteht: Mein Leib und Seel' befehl' ich dir, o Herr, ein selig's End' gieb mir, um Jesu willen! Herr Gott, himmlischer Vater! der du mich erschaffen, bisher versorgt und erhalten hast, ach nimm meine Seele in Gnaden an. O Jeſu! der du mich mit deinem Blute erlöst und abgewaschen hast, ach, laß mich in wahrem Glauben auf dein Verdienst um ein seliges Ende. 409 und Blut jetzt selig sterben. Ach Herr Jesu, in deine Hände befehle ich meinen Geist! O werther heiliger Geist, mein Tröster und Beistand, ach, verlaß mich jeßt nicht, gieb mir Freudigkeit und die Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, ja, bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O mein Jesu, öffne mir die Himmels- Thüre, begleite und führe mich zum ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach, mein Gott, erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß Jesum Christum behalte; und wenn je meine Augen früher brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmlischen Trost und Licht. Laß Jesum immer vor meiner Seele stehen, gieb, daß ich mich über sein Blut erfreue, seines Verdienstes mich getröste, und seine Gerechtigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gieb mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes Ende. Odreieiniger Gott! segne meinen Ansgang 410 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. aus dieser Sterblichkeit, und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der Herr segne mich und behüte mich; der Herr lasse sein Antlig leuchten über mich, und sei mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließe ich meine Augen zu, und befehle mich Gott und seiner Gnade, danism Nun will ich mich ganz wenden Zu dir, Herr Christ! allein, Gieb mir ein selig's Ende, Send' mir dein' Engelein, Führ' mich in's ewige Leben, Das du erworben hast Durch dein Leiden und Sterben Und blutiges Verdienst. Amen. stinded munt dimi Gefang. nd Mel. Alle Menschen müssen sterben. ! 1. Aufgelöfet bald zu werden, Wünscht mein lebensmüder Geist, Ich verlasse gern die Erde, Weil mein Jesus mich schon speis't Mit des Himmels Süßigkeiten, Und er bleibet mir zur Seiten; Wenn ich Jesum bei mir hab', Fürcht' ich nicht das finst're Grab. 2. Brecht ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde mit hellglänzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem ſchönen Himmelsstege, Ist mein Auge Jeſus Christ, De mein und ist. 3. Und du rother Mund erblasse, Ja, ihr Lippen schließt euch zu, Weil, ich, da ich Jesum fasse, Romme zu der Himmelsruh. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird Gebet der Umstehenden für Sterbende. 411 träftig für mich beten, Jesus, Jesus ist mein Mund In der letzten Todesstund'. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch' eurer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Worauf ich mit Freuden hör'; Ich seh' schon die Freudensonne, Mein Dhr höret Freud' und Wonne. Was ist das für ein Ge sang? Ist es nicht der Engel Klang? 5. Du mein Herz zerspring mit Freuden, Edles Leben fahre hin, Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihme bin; Jesum hab' ich schon gefunden, Und ich bleib' mit ihm verbunden; Wenn das Herz im Tode bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder, Durch den kalten Todesschweiß, Legt euch nur zum Grabe nieder, Weil ich schon versichert weiß, Jesus wird das Grab aufdecken Und euch wieder auferwecken, Ja, euch schön mit Glanz erneut, Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich Gott ergeb'ne Seele, Dich empfehl' ich meinem Gott, Gehe aus der Leibeshöhle, Geh' aus aller Angst und Noth, Geh' zur Freude nach dem Klagen, Geh' zur Wonne nach dem Plagen, Geh' zur Himmelsfreude ein, D wie wohl wird dir da sein. Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! du erhörest Gebet, darum fommt alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jetzt auch zu dir, und tragen dir in unserm Gebet diesen Sterbenden vor. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über ihn! er ist dein Kind, welches du in der heiligen Taufe zu Gnaden und zu deinem Kinde aufgenommen haft, siehe, der Sterbende will dahinscheiden, ach! laß ihn nun sein Kindes- Theil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seelen Seligkeit! vergieb ihm alle seine Sünden, die er Zeit seines Lebens gegen dich gethan hat, und siehe ihn in Gnaden an. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über diesen Sterbenden; du haft ihn mit deinem heiligen Blute erlöst, 412 Gebet der Umstehenden für Sterbende. bu bist auch für ihn gestorben, ach! darum rechne ihm nicht seine Sünden zu, sondern rechne ihm deine Gerechtigkeit und dein Verdienst zu; wasche ihn in deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn jetzt als einen durch dein Blut Gereinigten vor dem Throne Gottes erscheinen. Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte ihn in dem Glauben, gieb Zeugniß seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen; heilige ihn, stärke ihn, und begleite ihn zum ewigen Leben. D du heilige Dreifaltigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an; gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Übertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände, und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt erstorbenen Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Herr, Herr! da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht das Andenken des gekreuzigten Jesu aus dem Sinne kommen; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Strahl in seiner Seele aufgehen, ja, o Jesu, du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum ewigen Leben. Ach! wenn nun sein Mund sich schließt, daß er nicht mehr beten kann, so bete du für ihn, o Jesu! sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater, hilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm sein. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach! so stärke ihn und sei sein Beistand. O du dreieiniger Gott! bleibe du bei ihm, und erhalte in ihm den Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen; Herr Gott Sohn, was du hast erlöset; Herr Gott heiliger Geist, Sprüche, Seufzer und Gebete 2c. 413 was du hast geheiliget, das befehlen wir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen.co d Sprüche, Seufzer und Gebete, duff welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können.*) s strant mm Jef. 49, 3. 14-16. Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, Der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, da sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in meine Hände habe ich dich ges zeichnet. Gott verläßt der keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest, Läßt sich's an wunderlich, So laß dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde, o mein Gott, du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach! bleibe es auch jetzt. D Sesu! bleibe bei mir, es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneigt. D werther heiliger Geist! stärke mich, erhalte mich in festem Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben; dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. od coll Jun Fromme Christen thun wohl, wenn sie sich mit solchen bet gefunden Tagen bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn burch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. 414 sand mig i Psalm 42, V. 1. 2. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele Gott zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue. Sprüche, Seufzer und Gebete, Laß deine Engel mit mir fahren Auf Elias Wagenroth, Und meine Seele wohl bewahren, Wie Lazarus nach seinem Tod; Laß fie ruh'n in deinem Schoos, Erquide sie mit Tod; Laß fie run in Freud' und Troft, Bis der Leib kommt aus der Erden, Mit ihm wird vereinigt werden. Ol Jesu, du Licht meiner Seele! wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß in meiner Seele die himmlische Klarheit aufgehen, weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen. Db ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesu! bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich hier zeitlich und dort ewig dein Eigenthum fein. org thin ang 31 133 C me Pfalm 40, V. 18. Ich bin arm und elend: Der Herr aber forget für mich! du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott! verzeuch nicht. Wo soll ich mich denn wenden hin? Bu bir, Herr Jesu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz, Troft, Hülf und Rath All'zeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals vers lassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Chrift. Ja, mein Jesu! auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele hebe zu deiner ewigen Himmelsfreude auf. Ach höre, o Jesus! mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Noth; du, mein Seligmacher und Erretter! errette mich, löse mich auf, und mache mich selig. Ach komme doch bald, erlöse mich, erquicke mich, erbarme dich. welche den Sterbenden vorzusprechen sind. Jef. 41, 3. 10. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, denn ich bin bein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. D Herr Christ, du Morgenstern! Der du ewiglich auf gehest, Sei von mir doch jetzt nicht fern, Weil mich dein Blut hat erlöset, Hilf, daß ich mit Fried' und Freud' Mög von hinnen fahren heut'. Ach! sei du mein Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasſe. 415 Jesu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Vater, der du zu der Rechten Gottes sitest, und vertrittst uns, ach, bitte auch für mich armen Sünder jetzt und in der Sturde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werther heiliger Geist, du Tröster in aller Noth! bleibe bei mir mit deinem Trost bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater ist bei mir, mein Jesus ist bei mir, der heilige Geist ist bei mir, ja auch die Engel sind bei mir, so will ich mit Freuden sterben. arm and disor and tim thonrad 967 Psalm 73, V. 23. d Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Hilf, daß ich ja nicht wanke, Von dir, Herr Jesu Chrift! Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist, Hilf mir ritterlich ringen, Ach! habe auf mich Acht, Bis ich mag fröhlich singen: Ich hab's mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! ich weiche nicht von dir, ach, bleibe du auch bei mir. Jesu! wenn mein Kampf beginnt, so hilf mir siegen und überwinden. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne und Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. un noe shin mun medisins estpis napiliad Sprüche, Seufzer und Gebete, Matth. 25, V. 30. Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenis gem getreu gewesen, ich will dich über viel seßen; gehe ein zu deines Herrn Freude. 416 Nun ich warte mit Verlangen Auf den süßen Augenblid, Wannn du kommst mich zu empfangen; Komm, ich weiche nicht zurück, Nimm mich auf zu deinen Frommen, Komm, ich heiße dich willkommen, Komm, ach komm, o Gottes Lamm, Nimm mich auf, mein Bräutigam! O Jesu! dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geistes Beistand getreu beiben bis in den Tod, ich weiche nicht von dir, mein Seelen- Freund; ich fliehe nicht von dir, mein Hirte; ich lasse dich nicht, mein Seelen- Bräutigam; außer dir kann mich nichts ergößen. Führe mich, o liebster Freund, cus dem Elende zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Id ad mind Hiob 19, V. 25-27. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich her nach aus der Erde auferwecken; und werde darnach mit dies fer meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. 4 up Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Dem hab' ich mich ergeben, Mit Freud' fahr' ich dahin, Mit Freud' fahr' ich von dannen, Zu Christ dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme, Und ewig bei ihm sei. Ja, hiemit ergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott! in deinen Schutz und in deine Gnade; meine theuer erkaufte Seele befehle ich dir; ich sterbe und werde auch ewig auferstehen, ich sterbe und werde ewig in der Himmelsfreude leben. D dreieiniger Gott! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit; vers türze meine Schmerzen, versüße mir meine Lodes stunde, tröste mich mit dem innerlichen Troft deines heiligen Geistes, denselben nimm nicht von mir. Auf welche ben Sterbenden vorzusprechen sind. 417 das Verdienst Jefu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Freuden- Angesicht schauen in der ewigen Himmels- Freude. Psalm 17, V. 15. Ich will schauen dein Antlig in Gerechtigkeit; ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ach! ich habe schon erblicket, Diese große Herrlichkeit, Jetzt werd' ich gar schön geschmücket Mit dem weißen Himmels- Kleid! Mit der gold'nen Ehrenkrone Steh' ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch begreifen kann. Ach, mein Jesu! freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denkt, die du mir bereitet hast. Ich verlasse gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu, zu meinem Seelen- Bräutigam fomme, o wie wohl, o wie selig werde ich fein, wenn er meine Seele nach so vielen Leiden, Schmerzen und Trübsalen zur himmlischen Hochzeit einführen wird. Buch der Weisheit 3. V. 1-3. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und feine Bein rühret sie an, von den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie find im Frieden. Freu' dich sehr, o meine Seele! Und vergiß all' Noth und Qual, Weil dich nun Christus dein Herre Ruft aus diesem Jammerthal; Aus Trübsal und großem Leid Sollst du eilen in die Freud' Die kein Ohr jemals gehöret, Und in Ewigkeit fortwähret. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elende zu Gott, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude, darum freut sich meine Seele. O mein Gott, hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache sie selig. Mein Jesu! ich bin dein, du bist mein, wir wollen int Tod und Leben ungeschieden sein. Stark's hdb. 4r. Thl. 27 Sprüche, Seufzer und Gebete, 2. Kor. 5, V. 1. Wir wissen, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbro chen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 418 Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron. Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt Gott der Vater Sohn und Geist. Ach, lieber Herr Jesu! versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmels- Wohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dieses Haus, und dieses mein Sterbebett verlassen werde. Welch' ein herrliches Haus, welch' eine Freudenstätte hat mir mein Jesus bereitet! da ist keine Angst, tein Jammer und kein Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit; weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen; dir will ich innig anhangen, auf deine Gnade verlasse ich mich und sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Jef. 35, V. 10. Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreis sen und Schmerz und Seufzer werden weg sein. Nun es wird dennoch geschehen, Daß ich auch nach kurzer Zeit Meinen Heiland werde sehen In der großen Herrs lichkeit. Denn allhier ist lauter Roth, Müh' und Furcht, zuleßt der Tod, Aber dort ist allezeit Friede, Freud' und Seligkeit. D Jesu! ich habe hier lange genug das Thranenbrod gegessen, ach! laß mich bald das süße Engelsund Himmelsbrod kosten. Seufzer und Schmerzen find hier meine täglichen Begleiter gewesen, aber ach! daß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit welche den Sterbenden vorzusprechen sind. 419 thun; erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. 2. Tim. 4, V. 7. 8. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird; nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; Durch seine heil'gen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. O Jesu! hilf mir glücklich überwinden, wenn nun der letzte Kampf beginnt; stehe mir bei, so wird er mir leicht werden; stärke mich, wenn ich traftlos bin, mein Helfer! hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich, den Elenden, in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folgt die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich geziert und von meinem Jesu nach meinem Tode gekrönt werden! Zeige mir die Krone, die du mir beigelegt hast, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. Off. Joh. 2, V. 10. Kap. 3, V. 5. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben, Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Schauet mich in meinem Kranze, Darin ein Sieger prangt, Beschaut mich in dem Glanze, Den meine Seel' erlangt; Ich trag die Himmelskrone, Ich glänz' in Himmels. pracht, Damit hat Gottes Sohne Mein Jesus mich bedacht. Von meines Jesu Liebe will ich nimmermehr lassen, ich habe ihn geliebt in gefunden Tagen, ich 420 Sprüche, Seufzer und Gebete, will ihn auch lieben bis an meinen Tod. O Jesu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will ich getreu im Glauben bis in den Tod verbleiben, dir getreu sterben. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf ich ein. Röm. 8, V. 38. 39. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Creatur uns scheiden mag von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Jesum, Jesum will ich lieben, Hier und dort in Ewigfeit, Sollten mich gleich hier betrüben Aller Jammer, alles Leid; Was frag ich nach Höll' und Tod? Jesus hilft mir aus der Noth, Der wird mich zur Freude führen, Wo die Seinen jubiliren. Ja, das ist mein Schluß: meinen Jesum laß ich nicht. Ich bleibe im Glauben; ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht. Jesus ist mein, ich bin sein; ich lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben, o wie wohl! Jat. 1, V. 12. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Herzlich thut mich verlangen Nach einem sel'gen End', Weil ich hier bin umfangen Mit Trübfal und Elend; Jch habe Lust zu scheiden Von dieser bösen Welt; Sehn' mich nach himmlischen Freuden, D Jesu! wann ich end'. Ach ja, o Jesu! komm' zu mir, ach, komm doch bald, und nimm mich hin in Frieden, gieb mir Geduld und Stärke; ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib, meine Seele; erhalte mich im Glau welche den Sterbenden vorzusprechen sind. 421 ben bis an mein seliges Ende. O Jesu! hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. Herr Gott! der du unsere Zuflucht für und für bist, sei jetzt auch meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm die Seele, die nach dir seufzet, zu dir. Psalm 31, V. 6. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Gleichwie sich fein die Vögelein In hohle Bäume stecken, Wenn aus den Höh'n die Wetter weh'n, Daß Menschen und Vieh erschreden; Also, Herr Christ! Mein' Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden! Wenn Sünd' und Tod Mich bracht in Roth, Hab' ich mich drein gefunden. Darin ich bleib', Ob Seel' und Leib Hier von einander scheiden; So werd' ich dort Bei dir, mein Hort! Sein in den ew'gen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott! zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Bunden Jesu Christi, zu der Gütigkeit des heiligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich meinen Leib und meine Seele. Ach! nimm dein Täublein auf, Ich komm' in vollem Lauf, Breit' aus die Flügel beide, Jesu, meine Freude; Und nimm dein Küchlein ein; Will Satan mich verschlingen, So laß die Englein singen: Dieß Kind soll unverletzet sein. Hebr. 12, V. 22. 23. Ihr seid kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt bes lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und 34 der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind; und 3 Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Mein Gott! ich bin bereit Zum Himmel einzugehen, 422 Sprüche, Seufzer und Gebete, Und in verklärtem Glanz Vor deinem Thron zu stehen: Was soll ich auf der Welt In Trübsal länger thun? Ach, hole mich zu dir, Dort kann ich sicher ruh'n. Herr! eile mit mir fort, Hier wird mir's gar zu lange, Den Himmel wünsch ich mir, Daß mich die Freud' umfange, Daß ich dich schauen kann In alle Ewigkeit, Ach! eile bald mit mir, Mein Gott! ich bin bereit. Mein Jesu, wie herrlich wird der Anblick sein, wenn ich dich in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Auserwählten in dem Himmel schauen werde. Nun darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde, und komme zu der Herrlichkeit; ich verlasse das Elend, und komme zur Freude; ich verlasse die Menschen, und komme zu den heiligen Engeln. Joh. 10, V. 27. 28. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne fie, und fie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird fie aus meiner Hand reißen. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todes- Noth und Schmerzen; Denn wo du bist, Da komm' ich hin, Dab ich stets bei dir leb' und bin, Dr'um fahr' ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu; bringe mich, dein armes Schäflein, nun zur Himmelsfreude; laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen. Satan hat keinen Theil und kein Recht an mir, aber dein Eigenthum bin ich gewesen, und will es auch ewig sein. Ach, nimm meine Seele wie ein mattes Schäf lein in deine Arme, und bringe es zur ewigen Wonne. Dwie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem Jesu bin. Off. Joh. 14, V. 13. Selig find die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. welche den Sterbenden vorzusprechen sind. 423 D Herr! gieb mir in Todesnoth Ein unverstellt' Geberde, Und hilf, daß mir das Herze mein Fein sanft gebrochen werde, Und wie ein Licht oh'n alles Weh' Auf dein unschuldig Blut vergeh', Das du für mich vergossen. Ach Herr! sprich meiner Seele den Trost ein, ich werde in dir sterben. O Jesu, du hast in mir gelebt und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deinen Wunden, in deiner Gnade! bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich von meiner Arbeit, von meinem Leiden und Schmerzen ruhen. Jesu, höre mich, ja komm' Herr Jesu! D 2 Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und aus. helfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gott Lob! die Stund' ist kommen, Da ich werd' aufgenommen Zur ew'gen Seligkeit; Jhr Frommen sollt nicht flagen, Mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Herrn sei Lob und Ehr' bereit. Gott eilet mit den Seinen, Läßt fie nicht lange weinen In diesem Thränen- Thal; Ein schnell und selig Sterben Ist schnell und glücklich Erben Des schönen Himmels Ehren- Saal. O großer Gott! gedenke jetzt in Gnaden an mich, und erbarme dich, ach! gieb mir ein seliges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlösungstag, und meine Todesstunde ist die Stund', in der ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach! erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens, laß mich freudig den Trost anhören, der mir vorgesprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Matth. 25, V. 34. Rommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Sprüche, Seufzer und Gebete, Im Himmel ist gut wohnen, Wo mit dem Ehrenkleid Mein Jesus wird belohnen Der Frommen Kreuz unb Leid, Da glänzt der Leib und funkelt Gleich wie ein Edelstein, Das Licht wird nicht verdunkelt, Im Himmel ist gut fein. 424 Ach, mein Jesu! laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: Komm her, du Gesegnete; ja laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt werden. Indessen fasse ich dich im Glauben, und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Jef. 61, 2. 10. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit dem Aleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit ge fleidet. D Jerusalem, du schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh', D der großen Freud' und Wonne! Herrlich gehet auf die Sonne, Herrlich strahlt der hohe Tag, Der kein Ende neh men mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid versüßt mir alle Bitterfeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, Jesus ist bei mir, derselbe tröstet mich, derfelbe erhält mich. Ach, mein Gott! Lege mir das himmlische Freudenkleid an, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet haft. Deine Gerech tigkeit ist meine Gerechtigkeit, und darum weiß ich, weil ich gerecht worden bin durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ja ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da vor dir gezie ret stehen! Joh. 3, V. 16. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einge welche den Sterbenden vorzusprechen sind. 425 bornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nic verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Herr ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja vere zagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen, Dich Herr Jesu! nach der Zeit In der frohen Ewigkeit. Ach, lieber Gott und Vater! laß mich jetzt auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden! ich weiß, du hast auch mich geliebt, und auch mir deinen Sohn gegeben; ich habe auch an ihn geglaubt, und will in solchem Glauben an ihn bis an den letzen Augenblick meines Lebens verharren. Ach! versichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich geglaubt, in dem ewigen Leben schauen möge. Ach Jesu! stehe mir bei, achk verlaß mich nicht. 1 Petr. 1, V. 18. 19. Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuren Blut Christi, als eines un schuldigen und unbefleckten Lammes. Du hast mich ja erlöset Von Sünd', Tod, Teufel unt höll, Es hat dein Blut gekostet, D'rauf ich die Hoffnung stell', Warum soll mir denn grauen Vor Tod und Grabes Nacht? Weil ich auf dich kann bauen, So bin ich froh gemacht. Ich komme jetzt, o großer Gott! vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blute zugeeignet habe. O du Lamm Gottes, das du die Sünden der Welt trägest, erbarme dich meiner! Ach gerechter Gott, siehe nicht meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit an, dieselbe ergreife ich, in seine Wunden verberge ich 426 Sprüche, Seufzer und Gebete, mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deßwillen sei mir gnädig und barmherzig. Apostelg. 4, V. 12. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn, Er hat mir das Heil erworben, D'rum eil' ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gottes- Himmel, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben kann. Jesu, mein einziges Heil und meine Zuflucht; ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach, erbarme dich, verlaß nich nicht. Der süße JesusName und das Andenken seines vergossenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und Gedanken bleiben. Herr Jesu, dir leb' ich, Herr Jesu, dir sterb' ich, Herr Jesu, dein bin ich todt und lebendig. 1 Joh. 2, V. 1. 2. Ob Jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Und der felbige ist die Versöhnung für unsere Sünden; nicht allein aber für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. So eil' ich hin zu Jesu Christ, Sein Arm wird mich bedecken, So schlaf ich ein, und ruhe fein, Kein Mensch Tann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führen zum ewigen Leben. O großer Gott! die Zeit kommt herbei, daß ich aus dieser Welt abscheiden und vor dein Gericht treten soll; ach himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich als dein Kind, das du er schaffen und geliebt hast, in Gnaden auf, O Jesu! bitte für mich: du bist mein Mittler, Fürbitter und Seligmacher. Nimm meine Sünden hinweg; kleide welche den Sterbenden vorzusprechen sind. 427 mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. D werther heiliger Geist! wohne und bleibe in meinen Herzen, daß du mich zu der ewigen Himmels. Wohnung bringest. Hebr. 5, V. 16. Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe noth sein wird. Stärt' mich mit deinem Freuden- Geist, Heil' mich mit deinen Wunden, Wasch mich in deinem Todesschweiß In meinen leßten Stunden, Und nimm mich einst, Wann dir's gefällt, In wahrem Glauben von der Welt Zu deinen Auserwählten. Ach ja! um Jesu willen werde ich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich, und sei mir gnädig und barmherzig! Amen. 2. Kor. 5, V. 21. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns jur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. In deine Seite will ich fliehen Auf meinem bittern Todesgang, Durch deine Wunden will ich ziehen In meines Himmels Vaterland; In das schöne Paradies, Wie dein Mund den Schächer wies, Wirst du mich, Herr Christ, einführen Und mit ew'ger Klarheit zieren. Jesu! du hast meine Sünden weggenommen; du haft mir deine Gerechtigkeit geschenkt; dessen freue ich mich, dessen tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, Darin will ich vor Gott bestehen, Wenn ich zum Himmel werd' eingehen. Off. Joh. 21, V. 4. In dem neuen Jerusalem wird Gott abwischen alle Sprüche, Seufzer und Gebete, Thränen von der Glaubigen Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Echmerzen wird mehr sein. 428 Dwie selig seid ihr doch ihr Frommen! Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen, Ihr seid entgangen aller Noth, Die uns noch hält gefangen, Christus trocknet eure bittern Thränen, Ihr habt schon, wornach wir uns noch sehnen, Euch wird gesungen, Was durch keines Menschen Ohr allhier gedrungen. Komm o Jesu! komm, mich auszu spannen, Lös' mich auf, und führ' mich bald von dannen; Bei dir, o Sonne! Ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Ach Jesu! ich freue mich auf die Stunde, daß ich dein Freuden- Angesicht sehen werde. Da wird mein Leib wie die Sonne leuchten und meine Augen werden nicht mehr ron Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz sein! bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich im Pilgerland, bei dir aber bin ich in meinem ewigen Vaterland. 1 Joh. 1, V. 7. So wir im Lichte wandeln, wie Er im Licht ist, so hac ben wir Gemeinschaft unter einander, Und das Blut Jesu Chrifti, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein kleiden, Es soll sein meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor dem Thron Des ew'gen Vaters gehen, Und dir, dem ich mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut Zu seiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin lebe und sterbe ich. Es ist nichts verdammliches an mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Jesu Blut heiligt, kleidet, ziert und macht mich rein. D himmlischer Vater! siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darum komme ich zu dir. Joh. 1, V. 29. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. welche den Sterbenden vorzusprechen sind. O Lamm Gottes! unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, All'zeit gefunden geduldig, Wie wohl du warest verachtet, All' Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarm dich unser, o Jesu! 429 Christe, du Lamm Gottes, der du alle Sünde der Welt trägst, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du die Sünde der Welt trägst, verleih mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden! Amen. Joh. 17, V. 24. Vater, ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir seien, bie du mir gegebea hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Ist's nun dein Will', so stell' dich ein, Mich selig zu entseßen; Ach! ewiglich bei dir zu sein, Kann meine Seel' ergößen; Eröffne dich, du Himmels- Saal, Damit ich nach der Noth und Qual Zu meinem Jesu komme. D welch' eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir, o Jesu! kommen, und dich von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebt, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich dann mich mit unaussprechlicher Freude ergößen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten. O wie groß ist deine Herrlichkeit! Ach! ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Röm. 14, V. 7. 8. Unser feiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so find wir des Herrn. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! ich bitt', Du wolleſt fein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gnaden, Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erden frag' ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben, Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der 430 Sprüche, Seufzer und Gebete, mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! In Echanden laß mich nimmermehr. D großer Gott! ich bin dein in der heiligen Taufe geworden, ich bin dein durch den Glauben geblieben; laß mich jetzt im Sterben auch dein Ei genthum sein. D Jesu Christe, Gottes Sohn! der du für mich genug gethan, ach! schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. 2 Tim. 2, V. 8. Halte im Gedächniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten. Erschein' du mir zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du Herr Christ so milde Dich hast geblut't zu todt, Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; Jesu! ich fasse dich, in mein Herz drücke ich dich; ach! weiche nicht von mir; mich verlangt nach dir; o mein Heiland, wäre ich bei dir! Luc. 23, V. 42. 43. Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Befiehlst du, Jesu! meinen Geist, Eh' jetzt mein Leben ich entreißt, In deines Vaters Hände, So greif' dann, lieb ster Jesu! zu, Nimm meine Seel' in diesem Nu In deine treuen Hände. Sent' ein die blutbesprißte Seel' In deine blut'ge Seitenhöhl' Jetzt und an meinem Ende. Mein Jesu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach! nimm meine durch dein theures Blut erkaufte Seele in deine hei ligen Hände auf. Ach! laß sie dir befohlen sein, daß sie zur Freude in das Paradies eingehe. Ichy ipreche auch mit dem glaubigen Schächer: Herr Jesu, gedenke mein; gedenke, ich bin dein Kind; ich welche den Sterbenden vorzusprechen sind 43B bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. 1 Tim. 1, V. 15. Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Jesus, du hast weggenommen, Meine Schulden durch dein Blut, Laß es, o Erlöser, kommen Meiner Seligkeit zu gut; Und dieweil du so zerschlagen, und die Sünd' am Kreuz getragen, Ei, so sprich mich endlich frei, Daß ich ganz dein eigen sei. Herr! ich warte auf dein Heil. Jesus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig. Jesus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines Jesu eigen, und bleibe sein eigen. Ich bebe meine Augen auf gen Himmel, und sche, wie mich Jesus zu sich ruft. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; wenn mir gleich Leib und Seele verschmach tet, so bist du doch, Gott! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir, Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du selbst herjür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten, Kraft deiner Angst und Pein.. O Jesu! mein Leben endet sich, ach! nimm mich auf zu dir. Mein Herr! nimm dein Schäslein, mein Bräutigam! nimm deine Braut, mein Vater! nimm deine Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, und so schließe ich auch meine Augen zu. Off. Joh. 7, 9. 14. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Throne stehen, und vor dem Lamm. 432 Sprüche, Seufzer und Gebete ze. mit weißen Kleidern angethan, und Palmen in ihren Här den. Und er sprach zu mir: diese sind's, die kommen find aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, and haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute des Lammes. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar, Welche zieret eine Krone, Glänzen gleich den Sternen klar, Singen Halleluja all' Lobet Gott mit ihrem Schall? D wie groß wird sein die Wonne, Wenn wir wer den allermeist Schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heil'ger Geist. Großer Gott, dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach, mein Jesu! ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir geben wirst. Ich wasche indessen meine Seele in dem hei ligen Blute, ich eigne es mir zu; ach, nimm mich deßwegen auch in dein ewiges Freudenleben auf. Luc. 23, V. 46. Bater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, Apostelgeschichte 7, V. 58. Herr Jesu nimm meinen Geift auf! Herr! meinen Geist befehl' ich dir, Mein Gott! mein Gott weich' nicht von mir, Nimm mich in deine Hände, D wahrer Gott Aus aller Noth Hilf mir am letzten Ende. O mein Jesu! Dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letztes Wort in meinem Leben sein. Herr Jesu! dir leb' ich, dir sterb' ich, dein bin ich todt und lebendig. 2 Petr. 3, V. 13. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. O Gottes- Stadt! o goldnes Licht! O Stätte aller Freuden! Wann schau' ich Gottes Angesicht? Wann endet fich mein Leiden? Wann schmeck' ich seine große Güte? D Lieb'! es brennet mein Gemüthe; Ich lieg' und seufze mit Begier, O Jesu, Seelenfreund! hol' mich zu dir. O Gott! wie selig werd' ich sein, Wenn ich aus diesem Leben Zu bir geh' in dein Reich hinein, Das du mir dort wirst ge Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 433 ben. Ach! Herr! wird denn der Tag bald kommen, Daß ich zu dir werd' aufgenommen? Ach Herr! wann kommt bie Stund' heran, Daß ich in Zion jauchzen kann? O du heiliger, dreieiniger Gott! nimm jetzt meine Seele in dein himmlisches Freudenreich auf. Ach komm', Herr Jesu! ich warte auf dich, ach führe mich zu deiner Freude ein. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn! was du hast erlöst, Herr Gott heiliger Geist! was du hast geheiligt, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Ach, mein Jesu! mein lettes Sterbestündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott mich verlasse, und auf dein Verdienst, dein Blut und deine Wunden, o Jesu! all' meine Hoffnung seße. Ach! in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung: laß deine Linke unter meinem Haupte sein und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbestünd lein durch den Trost des hiligen Geistes, und laß mich Freude und Wonne hören; bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt. Und ich soll fahren meine Straße; Ach ja, mein Jesu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Mein Start's Hdb. 4r. Thl. 28 434 Seufzer und Gebete Tod ist ein Hingang zum Vater, o! wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu tommen soll, da werde ich Friede, Freude, Troft und Bonne antreffen. O wie wohl wird mir da sein! Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o Jesu! schenke mir dagegen des Glaubens Freudigkeit und deines Trostes Süßigkeit, damit ich diesen Todespfad mit Freuden und selig antreten und vollbringen möge. So gleit' du mich, Herr Jesu Chrift! Ach ja, o Jesu! begleite mich aus diesem zeitlichen in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wenn sie vom Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibes- Augen im Tode schließe, So laß meine Seelen- Augen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schaar der Auserwählten bringst. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters, als dein Eigenthum, damit ich daselbst Gnade erlangen und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus dieser Welt stehe bei mir, und Mit Hülf' mich nicht verlasse; Ach! es kann mir in meinem Sterbestündlein Niemand helfen, als nur du, o Jesu! allein. Hilf mir, und stärke meinen Glauben; hilf mir, und gieb Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, und jetzt als ein Kind Gottes das ewige Leben empfangen werde; ja, verlaß mich nicht, wenn ich im Tode erblasse. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen; alsdann sei und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergeht; alsdann lehre, tröste und erquide eines Sterbenden. 435 mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergeht und ich nicht mehr beten kann; alsdann bete für mich; o Jesu, o heiliger Geist! bete in mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide! alsdann führe mich zur Himmelsfreude; ach! nimm Mein' Seel' an meinem letzten End' in deinen Schuß und in deine Gnade auf. D Jesu! du haft meine Seele mit deinem heiligen Blute erkauft, ach! masche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines natürlichen Lebens, ach! so gieb mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, damit ich mein Herz, meine Augen und mein Gemüth zu dir richten und beten möge, so lange die Zunge lallen kann, seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gieb mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich deine Gemeinschaft, o Jesu! im Sterben genießen, die Seligkeit deiner Einwohnung empfans gen, und durch den Trost und Beistand des heiligen Geistes erquickt werden möge. Gieb mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vor dem Tode, in dem Tode und nach dem Tode vereinigt bleibe. Damit dieses geschehen möge, so übergebe ich dir meine Seele, und Befehl' ich, Herr! in deine Händ'; Dwie wohl wird sie darin bewahret sein! Nimm fie auf zu deiner ewigen Himmels- Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtige Hände. Niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen; nicht die Welt, denn sie hat keinen Theil an 436 Seufzer und Gebete mir; nicht der Satan, den hast du ja überwunden. Deine Hände find treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben sein, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir bis zum jüngsten Tag aufzubewahren, da wirst du sie mit einem verklärten Leibe wieder vereinigen, und sodann Leib und Seele die Himmelsfreude genießen lassen. Verleihe mir nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach dem Elend die Er quickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hast. 2. Mein' Sünd' mich werden kränken ſehr, Ach ja, Mein Jesu! ich gedenke heute an meine Sünden; es ist mir herzlich leid, daß ich die Zeit meines Lebens so oft und vielfältig mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe. Ach! ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidigt habe; ach, hätte ich es doch nicht gethan! Aber, o Jesu! durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedente, In's Meer sie tief versenke. Ach, mein Jesu! wenn meine Sünden vor meine Seele treten, mich ängs stigen, verdammen und verklagen wollen, so tritt, o Jesu, du zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden, durchstreiche mit deinem heiligen Blute das SündenRegister, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun dessen tröste ich mich, wenn eines Sterbenden. Mein Gewissen wird mich nagen; Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich über meine Sünden bestehen muß. O Sünde, wie bitter bist du auf dem Todtbette, wie machst du mir so angst und bange! Aber o Jesu! um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Uebertretungen; um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich; um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Ach! ich läugne meine Missethaten und Sünden nicht; ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viele sind; 437 Denn ihrer sind viel wie Sand am Meer; Ich habe viel gesündigt mit Gedanken und unnüßen Reden; mit meinen Werken und Thaten von Jugend auf bis auf diese Stunde; so du nun, Herr! willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnüßes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren: willst du mich richten und mir nach meinen Werken geben, o wie wird es mir ergehen! Ach! was soll ich Sünder machen? ach! was soll ich fangen an? mein Gewissen klagt mich an. Doch will ich nicht verzagen; Und warum sollte ich verzagen? Der himmlische Vater wird ja sein armes, bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen, Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geift 438 Seufzer und Gebete wird mein Beistand auch in meiner Todes- Noth bleiben, und mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um Jesu willen vergeben sein sollen. Gedenken will ich an deinen Tod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu! am Kreuz wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergossen hast, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. D Lamm Gottes! unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlacht't, All'zeit gefunden geduldig, Wiewohl du war'st veracht't, All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarme dich meiner, o Jesu. So soll nun immer in meinem Herzen sein Jesu bitteres Leiden und sein vers gossenes Blut, ja, Herr Jesu, deine Wunden roth, laß mir jetzt in mein Herz eingeschrieben sein: Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden; in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie fich fein Ein Vögelein In hohle Bäum' verstecket, Wenn's trüb' hergeht, Die Luft unftät, Menschen und Vieh erschrecket; Also Herr Christ! Mein' Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden, Wenn Sünd' und Tod Mich bracht' in Noth, Hab' ich mich d'rein gefunden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine leßten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus meine letzten Worte sein. DJesu Christe, Gottes Sohn! Der du für mich haft g'nug gethan, Ach! schließ mich in die Wunden ein, Du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Ja, Herr Jesu! deine Wunden, Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließt man eines Sterbenden. 439 meinen Leib in einen Sarg ein, so will ich meine Seele in die Gnade Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden; daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben; in diesen Wunden ruht sie und wird zu der Schaar der Frommen gebracht. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib. Dwelch ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin! In der heiligen Taufe bin ich neu geboren worden; da bin ich ein Glied der christlichen Kirche geworden, deren Haupt Jesus ist! ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich sein werde, wo mein Jesus ist. Er hat verheißen: wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle nach mir ziehen. Jesu! du bist ja erhöht zur Rechten deines himmlischen Vaters, ziehe mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude! ach ja! du wirst mich als dein Glied theilhaftig machen deiner Herrs lichkeit! Deß trößt' ich mich von Herzen; Ein herrlicher Trost! Wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder! denn weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja, Gottes Erbe, und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter erlangen, und zur Herrlichkeit erhoben werden soll. O sollte ich denn nicht gerne sterben, nicht gerne mitleiden und mitdulden, damit ich auch mitherrschen und mitleben möge! Das soll auch mein beständiger Trost sein. Jesus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen! Jesus, mein Heiland, wird mich selig machen, darum sage ich auch: Mein Jesu! Seufzer und Gebete Von dir ich ungeſchieden bleib'. Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod, noch Leben, weder Hohes, noch Tiefes mich von der Liebe Gottes scheiden soll, die da ist in Jesu Christo, unserm Herrn. Ja, nichts, nichts, soll mich von Jesu scheiden, kein Kreuz und keine Krank heit, kein Kampf und Angst meiner Seele, ja auch der Tod nicht. Leib und Seele mögen sich scheiden, aber mein Jesus und meine Seele soll nimmermehr geschieden wer den; muß ich aus der Welt und von meinen Freunden scheiden, von Jesu aber doch nimmermehr. O Jesu! ich habe dich allzutief in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich in wahrem Glauben festhalten, bis du mich zu deiner himmlischen Herrlichkeit bringst. Jesus ist mein, und ich bin meines Jesu allezeit, auch 440 In Todesnoth und Schmerzen. Ja, mein Jesu! Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth, so erfülle jetzt auch deine GnadenVerheißung. Ist die Todes- Noth die letzte Noth, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwart versüßen. Erschein' du mir zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, Herr Christ! so milde Dich hast geblut't zu todt, Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herze drücken, und will sagen: Herr Jesu! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn: Herr Jesu! dir leb' ich, Herr Jesu! dir sterb' ich, Herr Jeſu! dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir; Ja, mein Jesu! ich will gerne sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in deine Herrlichkeit kommen werde. Ich eines Sterbenden. 441 will im Glauben sterben, und mich auf dein Verdienst, dein Blut und deinen Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir! ich sterbe als dein Kind, welches du bisher geliebet hast! ich sterbe als dein Schäflein, welches Niemand aus deiner Hand reißen kann; ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Denn Ein ewig Leben hast du mir D Jesu! gegeben; wie freue ich mich auf dieses Leben, auf die Herrlichkeit; habe ich hier wenig gute Tage gehabt, und ist mein tägliches Brod Mühe und Klage gewesen, so werde ich hingegen in dem Himmel lauter gute Tage, Freudentage, Erquickungstage haben; da wird mein Heiland alle Thränen von meinen Augen abtrocknen. Djelige Stunde! wenn ich zu dieser Freude gelangen werde; und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich: denn dieses Freudenleben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes! für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde; für mich bist bu verspeit, gekreuzigt und getödet: dein Tod versüßt du meinen Tod; es kommt alles mir zu gut; Dein Verspotten, dein Verspeien Muß zu Ehren mir gedeihen; Tausend tausendmal sei dir, Liebster Jesu! Dank dafür. Weil du nun lebeft, so werde ich auch leben. D darum sei getrost, meine Seele, und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben und dir daselbst eine Stätte bereitet. Dwohlan! habe ich hier auch keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, bricht mein Herz, so weiß ich schon wohin: zu Jesu, meinem Heiland. Denn ich weiß, wenn dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes burch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau 442 Seufzer und Gebete von Gott erbauet, ein Haus, das nicht mit Händen ges macht, das ewig ist im Himmel; und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist. D ein herrlicher Trost! den mir Gottes Wort giebt: wenn ich schon sterbe, so soll ich doch wieder auferstehen. Ist das nicht ein großer Trost für mich? und dieser entsteht daher, weil mein Jesus vom Tode auferstanden ist; er ist für mich am Stamme des Kreuzes als das unschuldige Lamm Gottes gestorben; er ist auch begraben worden, er ist aber wieder siegreich am dritten Tage auferstanden. Jesus ist erstanden, ich werde auch auferstehen; Jesus lebt, ich soll auch leben. Jesus ist nicht im Grabe ges blieben, so Werd' ich im Grab nicht bleiben; Jesus wird mir mein Leben wieder geben; Leib und Seele, die durch den Tod getrennt waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereinigt werden. So wenig das Grab meinen Jesum hat halten können, so wenig wird es mich auch halten, wenn die letzte Trompete erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, weil mein Leib da von aller Sorge, aller Arbeit, allen Schmerzen ruht, und meine Seele wird in der Himmels- Freude von Gott erquickt und getröstet werden. Ja, mein Heiland! nicht allein erfreut mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch Mein höchster Trost dein Auffahrt' ist. Nachdem Jesus von den Todten auferstanden war, so fuhr er gen Himmel, und gieng in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorangegangen, ich folge nach; ich eines Sterbenden. 443 werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegengerückt werden, da dann Leib und Seele mit einander zu ihres Herrn Freude eingehen sollen. Dieses soll nun auch mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben bleiben; Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren, ich werde ihm auch nachfahren. Jesus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben theilhaftig werden. Was kann mir denn nun süßer und angenehmer sein, als mein Jesu und meine zukünftige Himmelfahrt? Tod'sfurcht kann sie vertreiben. Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele geht aus der irdischen zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, meiner Seele Bräutigam; soll ich mich da denn fürchten? Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur ab, meine Seele verliert ihr Kreuz, und erlangt die himmlischen Güter; fie verläßt die Menschen und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein Jesu! was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir, Denn wo du bist, da komm' ich hin. O welcher Trost ist das! Nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich zum Himmel gelangen, und bei meinem Jesu in seiner Herrlichkeit sein. Das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener 444 Seufzer und Gebete bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. O welche Freude wird da sein, wenn mich Jesus in seine Arme fassen, und zu der Herrlichkeit einführen wird! O wohlan! da bin ich wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist, und dieses zu meinem Trost! Daß ich stets bei dir leb' und bin. Darum wird er mich zu sich nehmen, damit ich bei ihm in der himmlischen Herrlichkeit leben soll. Auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und sein Antlig schauen, welches Anschauen die allerunaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben und durch ihn ewig erquickt werden, und weil ich nun dessen überzeugt bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden, Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferweckt werden; ich sterbe mit Freuden, weil ich eine selige Himmelfahrt halten und zu meinem Jesu kommen werde, darum mit Freud' fahr' ich von dannen zu Chrift dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus diesem Jammerthal in den Freudensaal, denn aus Trübsal, großem Leid soll ich fahren in die Freud', die kein Dhr je hat gehöret, und in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, spricht mein Heiland! Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott! so spreche ich auch zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen eines Sterbenden. 445 Gott, zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja zu meinem Erlöser eile ich, erlöste Seele! hin. Und ach, wie verlangt mich, Jesum in seiner Herrlichkeit zu sehen; Jesum, den ich nie gesehen, aber doch zu umfassen lieb habe; darum Mein' Arme sich ausstrecken; Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu, um ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmers mehr zu lassen. Ich strecke meine Arme aus, und rufe: Ja, tomm, Herr Jesu! Ich erinnere mich jetzt, wie mein Jesus am Stammn des Kreuzes seine beiden Arme ausges streckt hat, und so gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte, so will ich jetzt auch sterben, um mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelen- Bräutigam! umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. D welch ein seliger Eintritt wird das sein, wenn ich so von Jesum begleitet in den Himmel eingehen werde! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben, denn wenn ich sterbe, So schlaf ich ein und ruhe sein. Wenn ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich sanft. Jesus in meinem Herzen, Jesus in meinem Sinn, in Gottes Namen schlaf ich ein. D eine süße Ruhe, die Niemand stören kann! Ich ruhe von meinen Leiden; ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübniß! ich ruhe von allen Schmerzen. D eine selige, himmlische und erhabene Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich denn nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu! daraus Kein Mensch kann mich aufwecken; Todte zu erwecken, ist ein Werk Gottes, darum hat auch kein Mensch von sich selbst die Kraft, Todte zu Seufzer und Gebete erweden. Aber du, mein Jesu! deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber dringen, und die Todten werden aufstehen. D Jesu! so erwecke denn meinen Leib am frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und ich werde in meinem Fleische Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun 446 Als Jesus Chriftus Gottes Sohn; Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntniß vor meinem Tode von Jesu ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gesalbte, ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich jetzt fröhlich und selig sterben, das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht mich rein von allen Sünden. Nun derselbe Wird mir die Himmels- Thür aufthun; Ach, mein Jesu! wenn meine Lebens- Thüre sich schließt, so thue mir die Himmels- Thüre auf. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht; ich habe auch durch den Glauben in der Lebensheiligkeit nach dem Himmel getrachtet, darum, o Jesu! thue mir die Himmelsthüre weit auf, wenn ich beschließe meines Lebens Lauf. O Jesu! öffne mir die Himmels- Thüre, und sprich: Ei du fromme und getreue Seele! gehe ein zu deines Herin Freude; komm' her, du Gesegnete, ererbe das Reich, das bir bereitet ist von Anbeginn der Welt. D wie selig werde ich sein, wenn du mit solchen süßen Worten wirst eines Eterbenden. Mich führen zum ewigen Leben! Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führt, so führe mich, o Jesu in das ewige Leben. Nun bin ich bei Jesu; er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelangt. - Meinen lieben Gott von Angesicht werde ich anschauen - daran zweifle ich nicht in ewiger Freude und Herrlichkeit, die mir bereitet ist; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit! — 447 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu: Halte im Gedächtniß Jesum Christum; gedenke an sein bitteres Leiden und Sterben. Tröste dich der Liebe des himmlischen Vaters, der dich in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen hat, und dich jetzt als sein Kind in die ewige Herrlichkeit aufnehmen will. Tröste dich der blutigen Bunden Jesu Christi, die er sich auch für deine Sünden hat schlagen lassen; tröste dich seines heiligen Blutes, das er auch für deine Sünden vergossen hat. Tröste dich des Beistandes des heiligen Geistes, der dich geheiligt hat; auf diesen dreieinigen Gott leb' und stirb selig. Amen. Segenswunsch über den Sterbenden. Eile hin, du durch Jesum Christum theuer erkaufte Seele! Eile hin zu deinem lieben Gott und Vater in Jesu Christo, der dich erschaffen und geliebt hat, den du kindlich gefürchtet und dem du vertrauet haft. Fahre hin zu deinem Herrn Jesu, dem theuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich, als sein Schäflein, mit seinem Blute erkaufte Secle, an welchem du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiliget und dich zu seinem Tempel und zu seiner Wohnung erkoren 448 Gebet der Umstehenden 2c. hat. Fahre hin aus dem Leiden in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott; derselbe segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der Herr segne dich, und behüte dich; der Herr erleuchte sein Ange: sicht über dich, und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden. Amen. Gebet der Umkehenden, wenn der Sterbende verschieden ist. O du heiliger und gerechter Gott! so hat es dir nun gefallen, diesen, vor unsern Augen liegenden Dahingeschie denen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach! laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch einmal sterben und die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch wahre Buße, durch lebendigen Glauben und durch Vermeidung der Welt- Eitelkeiten und Sünden dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr dahingeschiedene Seele mit himmlischem Trost und mit Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Glaubigen in deinem heiligen Worte gethan hast; dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, wo du alsdann Leib und Seele wieder vereinigen, und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der dir hier gedient hat, dort mit himmlischer Freude erfüllt werden möge. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand; verlasse sie nicht, und wende von ihnen die Hand nicht ab, sondern lasse sie deiner Güte, Gnade, Liebe, deines Trostes und deiner Hülfe reichlich ge nießen, bis du sie auch einst fröhlich und selig sterben lassen willst. Ach, erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet in der heiligen Adventzeit die Ankunft Christi im Fleiſch. Aufmunterung. Zachar. 9, V. 9. Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusas lem, jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Ges rechter und Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Ist je eine Zeit, welche Gott ergebene Seelen gerne mit Andacht hinbringen, so sind es die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten Gottes erwägt. Ein glaubiges Kind Gottes freut sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um alles jeiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenkt hat. In der heiligen Adventzeit betrachtet es 2) die Liebe des himmlischen Vaters, der seines einzigen Sohnes nicht verschont, sondern ihn in die Welt gesandt, um den Menschen die Seligkeit zu erwerben. Es sieht an 3) die inbrünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut verfleidete, damit er uns zum Himmel und zur Seligfeit bringen möge. Es preist 4) die Gnade des heiStart's Hdb. 4r Thl. 29 450 Der andächtige Christ betrachtet ligen Geistes, welcher die geschenkten Wohlthaten den glaubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellt, als ob sie heute erst geschehen wären. Daher läßt es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebets sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Worts Gottes, mit Anstimmung der Festlieder und mit einem stillen und gottseligen Wandel anfangt und vollendet. Gebet. A du gnadenreicher Jesu! der du gekommen bist selig zu machen, was verloren ist; ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schuß und deiner Gnade abermals haft erleben lassen. Ach! gieb mir deines heiligen Geistes Kraft, daß ich sie in deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen möge. Du ewiger Sohn Gottes! der du gewesen bist, che noch der Welt Grund gelegt war, bist in's Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch geworden, damit du uns selig machen möchtest. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum kamst du zu uns auf die Erde, auf daß du uns Alle zur in der hl. Adventzeit die Ankunft Chriſti. 451 Seligkeit einführen mögest. Wir sind durch die Sünde Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft sollte Alles wieder gut gemacht werden. O heilige Ankunft! wodurch wir zum Tode Verdammten das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren angethan werden sollen. Denn das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gieb mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten und annehmen, im Glauben, in deiner Erkenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen und die GlaubensFrüchte in meinem Leben zeigen möge, als da sind: Keuschheit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir eine 452 Der andächtige Christ betrachtet selige und heilige Ankunft sein möge. Ach! bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: er kam in sein Eigenthum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Komm in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Lustbarkeiten, ja, Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seiest. Ach! wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich, ich suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen, denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? O Jesu! du kamſt als ein König, ach! regiere hinfort in meinem Herzen, damit die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du kamſt als ein Gerechter, ach! mache mich gerecht und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Du kamst arm, damit du mich reich an meiner Seele, ja, reich im Glauben und an himmlischen Gütern in der hl. Adventzeit die Ankunft Chrifti. 453 machen mögest. Du kamst demüthig, ach! mache mich demüthig, damit ich von dir Demuth und Sanftmuth lerne, und dieselben in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren, ziehe auch in die Thore meines Herzens ein, siehe, ich öffne sie durch deine Kraft, regiere mich hinfort mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und dein Tempel beständig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich auch haben gern, Du Gottes- Sohn, du David- Stern, Du wahrer WeibesSamen. Du Siloh, Heiland, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnaden- Thron und Theil, Komm in des Herren Namen! Komm, König, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost der Heiden! O Seligmacher, Hülf' und Schuß, Versöhner, Rath, Prophet und Truk, Zeuch in mein Herz mit Freuden! Amen. Gefang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Hier ist Immanuel, So lasset uns jetzt sagen, Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen; Hier ist Immanuel, Der uns die Gnade bringt, Und dem die Christenheit Das Hofianna fingt. 2. Hier ist Immanuel, Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Immanuel, Ach! seht wie Gott uns liebt, Da er zu unſerm Heil Sein liebstes Kind dargiebt. Der andächtige Christ betrachtet 3. Hier ist Immanuel, Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Osterlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Immanuel, Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, So groß er immer sei. 4. Hier ist Immanuel, Die Sünd' ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad' um Gnad', Wir sollen ewig leben; Hier ist Immanuel, Gott will uns gnädig sein, Es macht uns Jesu Blut Von allen Sünden rein. 454 5. Hier ist Immanuel, Kein Unfall kann uns tödten; Sieh', Jesus ist bei uns In allen unsern Nöthen; Hier ist Immanuel, Erschreckt uns Angst und Noth, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Immanuel, Laßt uns die Sünde haffen, Und alle Lieb' der Welt Aus Lieb' zu ihm verlassen; Hier ist Immanuel, Der Seele Trost und Licht, Den fasset Jedermann, In Glaubens- Zuversicht. 7. Hier ist Immanuel, Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel, Deß freut sich Leib und Seel', Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Immanuel. Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Aufmunterung. Gal. 4, 3. 4. 5. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geseß gethan, auf daß er die, so unter dem Gefeße waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfingen. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen im ganzen Königreich Freude, so kann Christi Jesu Geburt nicht anders als allen Menschen erfreulich sein. Und warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns dahingegeben hat? 2) Ueber die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht geweigert, die menschliche Natur in einer auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. 455 armen Jungfrau an sich zu nehmen, und ein kleines Kind zu werden? Es verwundern sich 3) Glaubige in einer glaubigen Stille über den heilsamen Rath Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn anstatt der Menschen leiden und sie mit Gott versöhnen sollte. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren, Röm. 5, 2. 10. anbietet. Daher danken sie ihm 5) desto herzlicher dafür, daß der Rath Gottes von unserer Seligkeit ihnen kund gemacht worden sei, sie begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, indem sie Jesum im Glauben annehmen und ihm im gottseligen und frommen Wandel folgen; deßwegen ihnen auch die heiligen Weihnacht- Tage, Bet-, Freuden-, Lob- und Dank- Tage werden. Gebet. Dieß ist der Tag, den der Herr gemacht; lasset uns freuen und fröhlich sein. O Herr, hilf! o Herr, laß wohl gelingen! gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Auf, meine Seele! und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und deiner Erbauung an, und sprich: du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! ach, daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte! Gott 456 Der andächtige Christ betrachtet ist die Liebe; dieses erkennt mein Herz und Gemüth an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel aufgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, an welches weder Engel, noch Menschen hätten denken können. O du holdseliger Jesu! dir sei ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschen- Kind, damit wir Gottes Kinder werden möchten. Nun ist die menschliche Natur recht erhöht; du hast sie mit deiner Gottheit vereinigt. O Liebe, o Gnade! so gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereinigt ist, so gewiß ist zwischen Gott und den Menschen eine ewige Freundschaft, eine ewige Versöhnung, ein ewiger Friede und eine ewige Liebe gestiftet. Wenn uns Gott in seinem Sohne ansieht, so kann er nicht anders, als uns gnädig sein; hat er dieses Geliebten nicht geschont, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden, Leben auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. 457 und Seligkeit. O der großen Liebe Jesu, der als ein zartes Kind hat geboren werden wollen, damit er unsere sündliche Geburt heiligte; er hat an Alter und Weisheit zugenommen, damit er unsere Jugend heilige. Du bist willkommen, o edler Gast! Die Sünder nicht verschmähet hast: Du kommst in's Elend Her zu mir, Wie soll ich immer danken dir? O mein liebster SeelenFreund, mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Seligmacher, wenn mich meine Sünden ängsten, einen Beistand in der Noth, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führt, die Wahrheit, die mich lehrt, das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht; mein Hohepriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missethaten, ein vollkommenes Lösegeld für meine Uebertretung. werther heiliger Geist, wie groß ist deine Liebe, indem du mir dieſen Der andächtige Christ betrachtet Troft, diese Freude, dieses Heil aber mals verkündigen läsfest! ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste, und sage: Mein Jesus ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein; das Kind ist mir, mir geboren; der Sohn ist auch mir, mir gegeben; er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenkt. O Jesu, den ich im Geist in der Krippe erblicke, wie liebreich, wie freundlich bist du! ach, verleihe mir Gnade, daß ich deiner nicht mehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil, heilige mich; ich übergebe mich dir mit Allem, was ich bin und habe; ach, mein Bräutigam! umfasse mich; dir will ich leben; dir will ich dienen; aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach, laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließ mich in deine Liebe, und behalte mich darin, damit ich 458 auf Weihnachten die Geburt Jesu Chriſti. 459 in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seelen Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist als Mensch geboren. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Jesus in mir lebt. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben, nicht die Anklage des Gewissens. Darum sag' an, mein Herzens- Bräutigam, Mein' Hoffnung Freud' und Leben, Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, Was soll ich dir noch geben? Ach, nimm von mir Leib, Seel' und Geist, Ja, Alles, was Mensch ist und heißt, Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. D welch ein Freuden- Fest, O welche frohe Stunden, Da Jesus Gottes Sohn, In Windeln wird gebunden! Es ist mein ganzes Herz, Auf dieses Kind gericht', Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 2. Lieb', o große Lieb'! Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn, Zum Leben hat geschenket; O große Vaterlieb'! Die uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3. D Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd' genommen. Er kommt und bringet uns Zur Kron', zur Herrlichkeit, Zum Erbtheil, zu dem Heil, Zur süßen Himmels- Freud'. 4. D große Gnad'! es kann Ein Jeder Gnad' erlangen, Der diesem Jesu wird In Glaub' und Lieb' anhangen; Gnade! die uns Trost Und wahres Leben giebt, Seht, dieser Gnad' genießt, Der Jesum herzlich liebt. 460 Der andächtige Christ betet 5 D Freude! uns're Sünd' Ist allesammt vergeben, Vergeben in der Zeit Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich heute ein, Will unser Lösegeld Und Seligmacher sein. 6. D Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausgeföhnet; Wer glaubt wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrönet; Des Herrn Jesu Blut, Tod und Gerechtigfeit Jst unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu! du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gottes- Kind Soll hier und droben werden; Du kommst und nimmst auf dich All' meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb' und Huld. 8. Du kommst und willst auch mir In Heiligung vorgehen; Wie ich soll heilig sein, Das soll ich an dir sehen; Wohlan! ich folge nach; Mein Jesus nur allein Soll, weil ich leben werd', Mein Licht und Führer sein. 9. Deßwegen kniee ich Vor deiner Krippe nieder, Jch stimm' mit Freuden zu Den frohen Weihnachts- Liedern; Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund! Nichts Besser's geben kann. 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach! laß mich neue Gnad' Bei deiner Krippe finden; Mein Jesu! ich bin dein, Ach! sei und bleibe mein, Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden sein. Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Jahresschlusse. Aufmunterung. Psalm 103, B. 1. 2. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wenn er sie eine Woche oder einen Monat glücklich zurücklegen läßt, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr erlebt haben? und dankt Gott am Jahresschlusse. 461 Ach, wie viel Leiden kann uns in einem Tage begegnen, wie viel mehr in einem ganzen Jahr! Wenn ein andächtiger Christ den Beschluß des Jahres erblickt, so hebt er Hände, Herz und Mund zum Himmel auf und dankt 1) Gott dafür, daß er ihm dieses Jahr den Weg zum Himmel hat weisen lassen. 2) Er fragt sich, ob er auch das Jahr über frommer geworden sei. 3) Er bittet Gott herzlich und inbrünstig um Verzeihung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preist Gott für die vielen empfangenen Leiblichen Wohlthaten. 5) Hat ihm Gott Krankheit, Leiden und Trübsal zugeschickt, und wieder davon befreit, so soll er ihm besonders dafür danken, und sich erinnern, was in jeder Woche oder jedem Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß so die letzten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden mögen, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anfleht. Gebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan hat? so spricht meine, in deiner Gnade sich freuende Seele, da ich nun abermals unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie 462 Der andächtige Christ betet werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie mit Wollust, wie mit einem Strom, denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Mein Gott, der Tage im Jahre sind viel, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deiner Wohlthaten find unzählige. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort haft lauter und rein predigen lassen, und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil angewiesen hast. Ach! versiegle Alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen, und gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich öfters in deinem heiligen Abendmahl mit deinem Leib und Blut geſpeiset und getränket hast. Ich danke dir, daß du mir die Sünden vergeben und die verdiente Strafe abgewendet haft; ach gieb mir Kraft, daß ich mich in diesem Jahr davor hüte, und sie nicht wieder begehe. Ich danke dir, daß und dankt Gott am Jahresschlusse. du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung bescheert, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Glend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich wie einen Augapfel behütet; du hast mich vor meinen Feinden beschirmt, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in der Noth mich erhört, und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron dringen lassen. Du hast deinen Segen über mich ausgeschüttet; du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, als ich zu dir rief. Du, liebreicher Vater! haft mich, dein Kind, an deiner Hand geführt; du mächtiger König! haft mich, deinen Unterthanen, wider meine Feinde beschützt! du getreuer Hirt! hast mich, dein Schäflein, auf grüner Aue gewaidet; deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Jahres bis an das Ende alle Wege bekleidet. Deine Weisheit hat mich begleitet; deine Liebe hat mich bedeckt; deine Hülfe hat mich erfreut; deine Gnade hat mich erhalten; 463 464 Der andächtige Christ betet deine Allmacht hat mir stets geholfen; deine milde Vaterhand hat mir Alles gegeben; dein allsehendes Auge hatte Acht auf mich, und hat meinen Ausund Eingang behütet, daß mir kein Uebel begegnet ist. Darum, ach! sehet und schmecket doch, wie freundlich der Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. War mir öfters Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich auf allen meinen Wegen behütet, und mich aus dem Rachen des Löwen errettet. Ach, mein Gott, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach, alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach, strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. Herr, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Herr, Herr! so schließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demüthig an: bleibe auch mein Schutz und gnädiger und dankt Gott am Jahresschlusse. 465 Gott in dem neuen Jahre; balte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen ſein. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt, Gebt unserm Gott die Ehre! Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedentet, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket, Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewahrt, Und mich gesund und wohl Bis diese Stund' verspart. 2. Wie kann ich solche Gnad', Mein Vater g'nugsam preisen? Ach! könnt mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen; O, daß doch all' mein Blut Wie eine Zunge wär', Und jeder Aderschlag Erhöhe deine Ehr'. 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget, Und deinen Segensstrom Mir reichlich zugeneiget; An Nothdurft, Speis' und Trank Hat's niemals mir gefehlt, Doch find die Sterne eh' Als deine Güt' gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge, Und vor dir, treuer Gott! Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Šinn. 5. Denn, ach! die Sündenlast Liegt mir auf meinem Herzen, Ach! die genoß'ne Lust Bringt mir jetzt bitt're Schmerzen, Daß ich gesündigt hab' Ach, leider! tausendmal! Was sag' ich tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wollst jedoch, mein Gott! Dieselben mir verzeihen, Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad' verleihen Nimm weg die Schuld und Straf, Bertilg' fie ganz und gar, Und straf' deßwegen mich nicht in dem neuen Jahr. Start's Hdb. 4r. Thl. 30 466 Der andächtige Christ betet 7. Ich will mich dir hiemit Zum Eigenthum ergeben, Die Seele sammt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben! Ach! schließ' die Meinigen In deine Fürsorg' ein, Und lasse, was ich hab', Dir auch befohlen sein. 8. Beschüße ferner mich, Und gieb mir deinen Segen, Erhalte, was ich hab', Sei bei mir und hiegegen, Wend' ab des Unglücks Sturm, Und bleibe stets mein Gott, Und habe Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn dieß Jahr mir dir, mein Gott! beschließen, Ach, laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen, Und sollt' dasselbige Vielleicht das letzte sein, So führ' mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. Der andächtige Christ betet im Anfang des Jahres. Aufmunterung. Ps. 90, B. 17. Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja das Werk unserer Hände wolle er fördern. Dbgleich öfters vorwißige Gemüther am Anfang des Jahres gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr glücklich sein werde, so ist das schädlich; denn zufünftige Dinge weiß der Herr allein. Daher ist diesen zu rathen, daß sie 1) ein neues Jahr mit Danken anfangen; daß sie die Güte des Höchsten preisen, der sie ein neues Jahr hat erreichen lassen. 2) Sollen andächtige Seelen von Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner beschüßen, regieren und erhalten wolle. Sie befehlen Gott ihren Leib und ihre Seele, und Alles was sie haben, unter seinen Gnadenschuß. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahr, andächtiger und frömmer zu werden. 4) Es nehmen sich ans dächtige Seelen auch mit Gott bei Anfang des Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren und ihr Leben darnach einzurichten. im Anfang des Jahres. Gebet. Herr, Herr! barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß ist, siehe, ich habe unter deinem Schuße abermals ein neues Jahr angetreten. Herr! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen: du machst sie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Dieses Alles habe ich, mein Gott und Vater! das vorige Jahr wohl erfahren, darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. Herr! frühe wollest du meine Stimme hören, frühe wollest du darauf merken. Ach Herr! ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahr begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viel, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen treffen können, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, D 467 Der andächtige Christ betet starker und liebreicher Gott! ich will mich gleich im Anfange deiner Gnade und Treue befehlen. Ach, da alles neu wird, das Land will von neuem grünen, die Sonne höher steigen; Alles wird mit neuen Kräften belebt, so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mir neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vater- Schuß; bewahre sie vor Sünden, daß ich dieselbe nicht mit muthwilligen Sünden beflecke. Herr Jesu! Heilige, wasche und reinige sie mit deinem Heiligen Blute; Gott heiliger Geist, wohne in mir, laß fie deinen Tempel sein. O welch ein gesegnetes Jahr wird mir dieses sein, wenn ich, o himmlischer Vater, in deiner Gnade bleibe, und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu! stehen werde. O wie schön geschmückt werde ich einhergehen, wenn du, werther heiliger Geist, in mir wohnen und mich regieren wirst. Sollte es aber deinem heiligen Rath gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht 468 im Anfang des Jahres. 469 von mir, und wenn ich Bein leide, so lindere mir's und laß auch deine Erquickungsstunde erscheinen, wo du mir Alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr, mein Gott! über die Meinigen und über all' das Meine; sei eine feurige Mauer um uns her, wie um Elias; bewahre uns rings umher, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heiligen Geistes, damit ich in diesem Jahre recht fromm und ein wahres Kind Gottes werde, damit ich ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thäter des Worts sein möge; hilf, daß es in dem neuen Jahr von meiner Seele Zustand heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden; daß ich in mir ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, einen neuen Trieb finde, mich mit dir zu vereinigen und in der Vereinigung zu bleiben. Ach, heilige mich durch und durch, daß mein Geist sammt Seel und Leib unsträflich erhalten werden möge, bis auf den Tag Jesu Christi. Gieb mir einen neuen 470 Der andächtige Christ betet Eifer in meinem Christenthum; segne meinen Beruf und meine Arbeit! segne meinen Ausgang und Eingang; gieb mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahrs bedenken, daß auch einst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets bereit halte, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet sein lassen möge, um dich, o mein Bräutigam und gnädiger Gott! mit Freuden zu empfangen, und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach! gieb mir nach deinem Willen Einen neuen Sinn und Geist, Der, was dein Befehl uns heißt, Mich lehr' unverrückt erfüllen, Daß mein Geist sammt Seel' und Leib Deines Geistes Wohnung bleib'. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefang'ne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Steh' mir bei auch in Gefahr. Ach! hilf mir in aller Noth; Ach! verlaß mich nicht im Tod; Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich muß die Welt verlassen. Amen. Gefang. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Chr' zc. 1. Gott Lob! das neue Jahr tritt ein, Es hat schon angehoben; Ach! könnt' ich doch recht dankbar sein Und im Anfang des Jahres. 471 Gott von Herzen loben; Ich schenk' mich dir, Ach! schenk dich mir, Mein Gott! mein Licht und Lebenszier! Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih' mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel' regiere, Der mich mit Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere; Der mich erfülle allezeit Mit Hoffnung, Lieb' und Heiligkeit, Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen, Und durch den siegesvollen Streit Des Fleisches Lüste zähmen, Auf daß ich bleibe fromm hinfort, Zu aller Beit, an jedem Ort, und bleibe mein Regierer. 4. Ach, großer Gott! verlaß mich nicht, Wenn ich vor bich hintrete; Wend' nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach! hör', erhöre meine Bitt', Ach! theil' mir deine Hülfe mit, und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt' noch mehr, o Gott! von dir, Ach! gieb mir deinen Segen, Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun beilegen; Ach! liebster Vater, segne mich, Mein Auge schauet nur auf dich, Ach! bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zustand nicht verborgen, D'rum sorg' für mich auch dieses Jahr, Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Verforger. 7. Sollt mich auch treffen Kreuz und Leid, So beut mir deine Hände, Verleih' mir Hülfesstund' bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach gieb mir Glauben und Ge buld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit, Und laß mich bald empfinden Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; D Gott des Trostes! wende nicht Von mir bein Licht und Angesicht, und bleibe stets mein Tröster. 9. Soll auch dieß Jahr das letzte sein, Das ich noch foll erleben, So führe mich zur Freude ein, Da wolleft du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, Ja, Herrlichkeit und Wonne. 472 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi im Anfang der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. 2 Kor. 5, V. 21. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Die heilige Fastenzeit ist schon bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens Jesu hingebracht haben. Wenn nun aber gleich der Satan die Weltfinder so weit gebracht hat, daß sie die Fastenzeit statt mit Beten, mit Maskenbällen, Unmäßigkeit und Gottlosigkeit hinbringen, so sind doch wahre Kinder Gottes anders gesinnt, und haben davor einen Abscheu. 1) Sie fangen diese Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich so viel als möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen, und sprechen bei jeder Betrachtung: das ist alles für mich geschehen. 3) Sie lassen auch nicht mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden, sondern wie sie Zeit Lebens der Wunden Jesu fich getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens den gekreuzigten und auferstandenen Jesum im Gedächtnisse; welches Andenken 4) sie zur Kreuzigung ihrer Lüste und Begierden antreibt, daß sie nicht mehr nach dem Lauf dieser Welt leben, oder vorsätzlich sündigen, damit sie der Sünde desto mehr absterben, und christlicher Weise auferstehen. Der andächtige Christ betrachtet das Leiden 2c. 473 Gebet. Ach Jesu, mein Jesu! wie groß ist deine Liebe, die du in dem bittern Leiden mir erwiesen hast! Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde gethan hat; und siehe, du ergiebst dich in den allerschmählichsten Tod und in das größte Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden aufgelegt, damit mir deine Gerechtigkeit geschenkt würde. Mein Jesu, in deinem Leiden kann ich den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Gräuel der Sünden, die Strafen der Sünden sehen; denn Gott hat um fremder Missethaten und um zugerechneter Sünden willen, dich, unschuldiges Lamm, am Delberg gemartert, und 474 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden durch deiner Feinde Hände dich so erbärmlich zurichten lassen; wie hart werden denn aber einst diejeniger gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebens- Heiligung bewegen lassen. Mein Jesu, ich trete jetzt zu dir, und schaue dein Leiden glaubig an. Du gehst in den Garten Gethsemane, und schwißest blutigen Schweiß, ach, für mich, damit ich von der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführt, angeklagt und zum Tode verdammt, ach, für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht werde gestellt, losgesprochen werden möge. Du wirst gegeißelt und dein Leib fließt mit Blut; die Pflüger ziehen ihre Furchen lang auf deinem Rücken, ach! für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführt, ach! für mich, damit mein Todesgang mir zum Heil gereiche, und ein Durchgang zum Himmel, ja, ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gefreuzigt, ach! für mich; du Jesu Christi im Anfang der heiligen Fastenzeit. 475 Lamm Gottes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuze, ach! für mich, damit ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben, ach! für mich, damit du mein Grab heiligen mögeft. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden, Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Frieden hätte, und davon befreit würde. Nun will ich dieſes Leiden mir vor Augen seßen, ich sei auch, wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden Bis Leib und Seel' sich scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruh'n. Wie If rael von aller Schuld und Strafe frei war, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte, und des sen heißes Blut vergießen sabe, so weiß ich auch, weil du, o Jesu, du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes für mich geschlachtet bift, und dein heißes Blut reichlich für mich geflossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden und mit Gott ver 476 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden söhnt bin. Dein Blut ist das rechte Opferblut, das Versöhnungsblut, das Reinigungsblut, das Besprengungsblut. O mein Jesu! an deine ausgestandenen Marter und an dein vergoßenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich zur Sünde verleiten will; deine heilige Gestalt am Delberg, in der Geiselung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Erempel mich ihr gleichzustellen locken will. In deine Wunden will ich in meiner Sünden- Angst fliehen; dein Blut will ich als mein Lösegeld auffassen, wenn mich mein Gewissen ängstet; ja in meiner Todesstunde will ich von nichts, als von dir, o Jesu, wissen; dein heiliger Jesus- Name soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt mein letzter Gedanke, und dein letztes Wort am Kreuz auch mein letzter Seufzer im Sterben sein; Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist! in solcher meiner letzten Stunde, o Jesu! sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand, und: Jesu Christi im Anfang der heiligen Fastenzeit. 477 Erschein' mir alsdann zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, Herr Christ! so milde Dich haft geblut't zu todt. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken, Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gejang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Es stirbt mein bester Freund, Mein Jesus, ach! mein Leben! Sieh', er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben, Er neiget nun sein Haupt Am hohen KreuzesStamm, Es finket in den Tod Mein Seelen- Bräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd' Vom ewigen Verderben; Ach ja! er stirbt für mich, Für meine Sünd' und Schuld, Befreit mich von der Straf, Und bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein bester Freund, Und dennoch nicht mein Lieben, Mein Jesus bleibet tief In meiner Seel' geschrieben; Ich lieb' ihn, weil ich leb'; Ich lieb' ihn auch im Tod; Ich lieb' ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubens- Augen jehen; Mein Freund hier ist mein Herz, Da lente dich hinein, Das soll mein Eigenthum Und deine Ruhstätt' sein. 5. Ich will mein Herze dir Hiemit zu eigen schenken, Ich will bis in den Tod An deinen Tod gedenken; Ach, lebe, weil ich leb', Mein Seelen- Freund! in mir, Und sterb' ich dermaleinst, So sterb' ich, Jeſu dir. Jesus in seinem Blute. Gesang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bitt're Leiden, Welches Jesus muß besteh'n, Wie die Juden und die Heiden Grausam mit dem Herrn umgeh'n; Kommt, und schaut die Marter an, Ob fie euch bewegen kann, Ob vielleicht auch dieser Schmerze Rühren mög' das harte Herze. 478 Der andächtige Christ erwägt 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geiseln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja, die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth; Schauet das verfloff'ne Blut, Ob's euch könnt' zurücke ziehen, Daß ihr möcht't die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen KreuzesStamm, Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das GottesLamm, Wie sein heißes Blut noch fließet, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht' erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu! schreibe Dieses Alles in Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden, wie dein Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut Komm' mir Armen auch zu gut, Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd' für Straf' ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, mo ich steh', Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh', Blutig auf der Lagerstätt', Blutig auf dem Sterbebett', Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. Jesu, stell' dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht; In den Wunden hab' ich g'funden Gnade, Leben, Trost und Licht, Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tob mein Labsal sein, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu oder den Charfreitag. Aufmuntern ng. Jef. 57, B. 1. Der Gerechte kommt um, und Niemand ist, der es zu Herz zen nehme, und heilige Leute werden aufgerafft, und Nie mand achtet darauf. Ob gleich der Char- oder stille Freitag, welcher der Leidens- oder der Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird, so haben dagegen wahre Kinder Gottes sich diesen Tag den Todestag Jesu oder den Charfreitag. 479 zu ihrer besondern Andacht erwählt. Sie erwägen an demselben das Leiden Jesu: 1) als ein aus Liebe auf sich genommenes Leiden. Liebe bewegte ihn, daß er sich für uns dahin gab, und am Kreuze starb; 2) als ein unschuldiges Leiden; denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert; er hat auch keine Sünde gethan, es ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Er war 3) ein von seinem himmlischen Vater zugeschicktes und bestimmtes Leiden, denn weil er nach dem wohlbedachten Rath Gottes gelitten, Apostelg. 2, V. 23, so wußte Jesus auch Alles, was ihm begegnen sollte. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlt hat. Dieses Alles zieht eine glaubige Seele in Betracht und läßt sich's einen Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde und einen Spiegel der gött= lichen Liebe zum Heil der Menschen sein. Sebet. du liebreicher und holdseliger Jesu! ich komme hier zu dir, um dein bitteres Leiden mit Herzens- Andacht zu erwägen. Ach, laß dein bitteres Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier, Daß mir's nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm! du haft gelitten, damit dir alle meine, ja, aller Menschen Sünden aufgebürdet und Der andächtige Christ erwägt zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder angesehen wurdest. Waren aber, unbeflecktes Lamm! unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehr- Amts, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt; da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammniß zum Tode, daß du vor zwei Gerichten erscheinen, und von beiden zum Tode verdammt werden mußtest, sondern nachdem der Stab über dir gebrochen und das Todes- Urtheil über dich gesprochen war, mußtest du auch grauſame Schmerzen an deinem Leibe leiden. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeiselt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder! ob ein Schmerz jemals gewesen sei, wie unsers Jesu Schmerzen; sein Haupt war mit Dornen gekrönt; sein Leib mit Blut beflossen, und durch die scharfen, mit eisernen Haken verwickelten Geiseln 480 den Todestag Jesu oder den Charfreitag. 481 wund geschlagen; am Kreuze wurden Hände und Füße durchnagelt; die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib ſo erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele bis in den Tod betrübt war; die Zorn- Fluthen und Höllen- Angst griffen ihn dermaßen an, daß er am Kreuze rief: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? worauf endlich der Tod selbst erfolgte. Erwürgtes Lamm! daß haft du Alles mir zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil, zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden; denn wenn nicht Christus in die Welt gekommen wäre, und unsere arme Gestalt an sich genommen hätte, und willig für unsere Sünden gestorben wäre, so hätten wir ewig verdammt sein müssen. Nun aber, wenn ich an dich glaube, und dein heilig Blut in Glaubens- Zuversicht mir Start's Hdb. 4r Thl. 31 Der andächtige Christ erwägt zueigne, so bin ich nicht verdammt; ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge und rechte Glaubens- Früchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben. O mein Jesu, laß dein bitteres Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein, daß ich mich dessen tröste, dadurch fromm, dadurch gerecht und selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, an dem mir nicht dein blutiges Bild vor Augen stehe, damit ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiligt, gewaschen und gereinigt werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreut, tröstet, erweckt und erbaut, so auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach, für mich haft du auch gebetet: Vergieb ihnen; vergieb dieser Seele, was sie wider dich gethan hat. Für mich haft du gerufen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen, damit ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöthen, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tag verlassen würde. Für 482 den Todestag Jesu oder den Charfreitag. 483 mich hast du gesagt: Mich dürftet. Ach, gieb, daß ich im Glauben dich wiederum umfassen, nach dir dürsten, und nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich hast du gesorgt, als du sprachst zu Johannes: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuze in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich erbarmen. Ach, laß mich in meinem Sterben und im Tode die Worte hören: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht. Nun ist mir Friede, Freude, Troft, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Ehrenkleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir ein Trost und Freudenwort werden: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! So will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir vorgesprochen hast. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur ſein, Ich will mich darein kleiden; Es soll sein meines Der andächtige Christ erwägt zc. Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor dem Thron Des ewigen Vaters stehen, Und dir, dem ich mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut Zu deiner Rechten gehen. Amer.. 484 Gesang. Mel. Herzliebster Jesu! was hast du zc. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Last uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben! Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach uns'rem Tod sich mög erheben, Das Freuden- Leben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, Und theilet Allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sün den- Liebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch, die Dornen- Krone, Die man ihm aufgesetzt zum Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergöße, Die Kron' aufseße. 5. Er stirbt, o sehet, wie sein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungs- Blut vergießet; Dieß Blut wird uns versüßtes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach, schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh' gefunden; Nun kann ich, da die Freistätt' stehet offen, Auf Gnade hoffen. 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlassen. 8. Mein Jesu! wärst du nicht also gestorben, So wä ren wir an Leib und Seel' verdorben, Nun aber kann mich Niemand mehr verdammen Zur Höllen- Flammen. 9. Jm Sterben schenkst du mir das Freuden- Leben; Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben, Wer an dich glaubt, und wer da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich o Jesu! fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe solle mich nichts scheiden, Kein Tod, noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen, Zur Gab' und Opfer, wie Dankbare pflegen, Bespreng's mit deinem Blut, und mach' es reine, Denn es ist deine. Der andächtige Christ freut sich 2c. 485 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach! laß mich deinen guten Geist regieren, Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende, In deine Hände. Der andächtige Christ freut sich über die Auferstehung Jesu Christi. Aufmunterung. Off. Joh. 1, v. 18. Ich bin der Lebendige; ich war todt, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Es ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jeſu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung. Gott ist versöhnt; er hat den Tod seines Sohnes für unsern Tod angenommen, und uns um seinetwillen das Leben geschenkt Es freuen sich glaubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugnisse von der Auferstehung ihres Jesu. Ist es nicht ein herrliches Zeugniß, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen ist, 1 Kor. 15, V. 6., daß er besonders mit seinen Jüngern geredet, gegessen hat, Apostelg. 10, V. 41., sich von ihnen hat berühren und angreifen lassen? Joh. 20, V. 25. 1 Joh. 1, 2. 1., welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Sie freuen sich 3) weil ihnen versiegelt und die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott versichert ist, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wieder zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jeſu auch im Tod und Sterben sie erquicken werde. Jesus hat ihren Tod im Sterben verfüßt, und ihr Grab Der andächtige Christ freut sich geheiligt, und sie sollen auch zum ewigen Leben auf erstehen. Deßhalb 5) bringen sie die heiligen Ostertage wie die übrigen Feste in Herzens- Andacht mit Gebet, Singen und Betrachtung der Wohlthaten Gottes hin, befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen, und ihr Sündengrab, das ist, ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünde zu verlassen, hingegen im Glauben und in Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren anzuwenden. 486 Gebet. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: die Rechte des Herrn ist erhöhet; die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst, Ueberwinder des Todes, aus deiner Auferstehung entsteht jetzt in meinem Herzen lauter Freude, indem ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und mit gebeugtem Knie und gefalteten Händen spreche: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum! Jesus ist auferstanden von den Todten, das iſt eine fröhliche Botschaft; der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilgt, Gott über die Auferstehung Jesu Chriſti. 487 versöhnt und die Schuld bezahlt sein. Wer will nun verdammen? Christus ist hier, der geſtorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher sißt zur rechten Hand Gottes und vertritt uns. Jesus hat dem Tode die Macht genommen, und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. O Jesu, liebster Freund, deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich finge an diesem Feste: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden, und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja, zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich von der Hölle errettet; wer nur an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Selig 488 Der andächtige Christ freut sich keit bestätigt iſt! Jesus lebt, und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereinigt, und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen wie alle Menschen, sondern ich werde als ein Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, kraft seines Verdienstes und seiner Genugthuung auferstehen. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht; ich sehe es als eine Ruhestätte, als der Mutter Schoos an, wo mich mein Heiland wird schlafen lassen, bis er spricht: Stehet auf ihr Todten! und kommt vor das Gericht. O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben hat! Auferstandener Jesu, wie kann ich genug deine Gnade und Barmherzigkeit rühmen und preisen! Nun ist alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. über die Auferstehung Jesu Chriſti. Ach, mein Heiland! deine Auferstehung soll mir auch einen kräftigen Trost in meinem Leben geben. Du lagst im Grabe verschlossen, aber du giengst herrlich hervor; so wird auch meine Leidens- Nacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülfs- und ErquickungsSonne wird mir wieder scheinen. O Jesu, du bliebest nur drei Tage im Grabe, also ist nach meiner Trübfal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die mühsamen Leidens- Jahre kommt das fröhliche Erlaß- Jahr. Du stundest auf und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig, sondern glänzend wie die Sonne. So wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wenn du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient haben und dir geheiligt gewesen sind, werden auch des HimmelsGlanzes theilhaftig und verherrlicht werden. Ja, weil du, o Jesu! lebst, 489 490 Der andächtige Christ freut sich 2c. so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschüßen, in Traurigkeit erfreuen, im Tod erquicken, im Grabe bewahren, und dereinst zu der Herrlichfeit bringen und mit der Krone zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt, Wenn mir gleich alle Welt stirbt ab, G'nug, daß ich Jesum bei mir hab', Gr nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da komm' ich hin, Weil ich ein Glied sein's Leibes bin. Amen. Gefang. Mel. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 1. Jesus lebt, des freu' ich mich; Er ist von dem Tod erstanden, Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Todess Banden Als ein starker Held befreit, O der großen Herr lichkeit. 2. Jesus lebt, er ist nicht todt, Lasset seine Feinde to ben, Er ist außer Angst und Noth, Lasset uns den Herren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt, denn er hat sich Gar vor Vielen lassen sehen, Darum glaub' ich festiglich, Und darf nicht im Zweifel stehen, Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder, Er starb zu der Leidenszeit, Und stand auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja sein auferstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von 491 Der andächtige Christ betrachtet 2c. Sünden- Banden, Durch sein Leiden völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun will ich das Freudenfest Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freuden- Lieder singen. Jesus, Jesus soll allein Mir im Mund und Herzen sein. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd' in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich Sträflich's an mir hab' Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finft'rer Erden, Weil ich ganz versichert bin Ich werd' auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erde zu, Hier ist meines Schlafes Ruh'. 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd' ich Hülfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt, muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schüßet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt, der wird mich nicht, In der Angst und Noth verlassen, Auch nicht wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen, Alsdann führt mich seine Hand In mein wahres Vaterland. 11. Jesus lebt, dieß Wort soll sein Auch mein Labfal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein, Und befreit mich vom Verderben; Nach dem Tod werd' ich aufsteh'n Und zur Lammes- Hochzeit geh'n. Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. Aufmunterung. Joh. 20, V. 17. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jesu kann nur einer glaubigen Seele tröstlich und erfreulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil der Siegesfürst wieder zurückkehrte in den Himmel, so hat er das Werk vollendet, wozu er gesandt 492 Der andächtige Christ betrachtet war, nämlich den Menschen Frieden, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit zu erwerben. 2) Eine glaubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie Alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, fie die Stätte bereitet finden mögen in der Herrlichkeit, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt; fie verlassen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedent; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und hangen Jesu im Glauben an. Sie ver lassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken fie: da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Gebet. Gott fährt auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune, lobsinget Gott, lobsinget unserm König. So befinge ich, mein Jesu, großer Sieges fürst! deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der die Himmelfahrt Jesu Christi. 493 Tod unter deinen Füßen; du haft uns davon befreit. Nachdem du die Reinigung unserer Sünden durch dich ſelbst gemacht hast, hast du dich in den Himmel geseßt zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu, dieses Alles iſt mir gar tröstlich; darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. Du sißest zur Rechten Gottes, und vertrittst uns, deßhalb wenn ich bete, so bete ich nicht allein; dein Geist betet in mir, und du bittest für mich, darum wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädig erhört werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, um euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dieses erquickt meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet hast, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und du haft auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren, als ein gerechter Richter denen 494 Der andächtige Christ betrachtet geben wirst, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich eingenommen, und herrscheft über Himmel und Erde! du wirst auch zu mir und allen Glaubigen dermaleinst sagen: Kommet her, ihr Gesegneten! ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du hast Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, damit du sie uns, deinen Brüdern und Glaubigen, austheilest. Ach, mein Jesu, gieb mir eine zweifache Gabe, der ich zweifache Kraft und zweifachen Trost nöthig habe. Gieb mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmuth, Demuth, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden, und dereinst die ewige Seligkeit. Weil du nun als das Haupt erhöht bist, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebt, so werde ich auch ewig bei dir sein. O welcher Troft, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Glaubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen die Himmelfahrt Jesu Christi. 495 verheißen hat: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Ach, mein Jesu, laß mich sein, wo du bist; ziehe mich zu dir, bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten; laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Glaubigen bereitet hast. Ob du aber, o liebster Seelenfreund! deine sichtbare Gegenwart mir entzogen haft, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen. Ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth, du errettest mich in Gefahr, du erquickest mich im Leiden, du tröstest mich in Traurigkeit, und schüßest mich in aller Widerwärtigkeit. Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinst sehen, und mich mit unaussprechlicher Freude in dir erfreuen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen am Der andächtige Christ betrachtet jüngsten Tage sehen, wenn ich von den Todten auferstehen werde. Zu diesem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen, und meine künftige Wohnung, meine bleibende Stätte mit GlaubensAugen beschauen; ich will die Welt mit meinem Herzen, mit meinem Leben verlassen; ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. 496 Ich fahre hin zu Jesu Christ, Und werd den Arm ausstrecken; Ich schlafe ein, und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken; Denn Jesus Christus Gottes Sohn, Der wird die Himmels- Thür aufthun, Mich führen zum ewigen Leben. Amen. Die geistliche Himmelfahrt. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus fähret auf gen Himmel, Und verläßt den Thränen- Bach, Und ich folg' durch's Welt- Getümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz fich ein, Alle Tag bei ihm zu sein. 2. Ich verlasse diese Erde, Ob ich gleich auf Erden leb', Es soll mir nichts lieber werden, Darnach ich im meisten streb', Als im glaubigen Verlangen Meinen Jesum zu empfangen, Und im Geiste allezeit Anzuseh'n die Herrlichkeit. 3. Ich fahr' auf mit meiner Liebe, Erd' ich liebe dich nicht mehr, Weil ich in der Lieb' mich übe, So ist Jesus mein Begehr'; Hoffart, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht die Himmelfahrt Jesu Christi. 497 und Welt- Gebärden Acht' ich meiner Lieb' nicht werth, Als die Jesum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden: Droben in der Himmelsfreud; Weltlust kann es nicht mehr binden; Es schmeckt beff're Seligkeit; Es beschauet schon die Krone, Die der Herr zum Gnaden- Lohne Sammt dem schönen EhrenEleid Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich noch hier leben, Und umher auf Erden geh'n, Ja, noch unter Menschen schweben, Aber doch soll man nicht seh'n, Daß ich lieb' die Sünd' und Schanden, Ihren Lauf und Sünden- Banden, Ja, ich dräng' mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh'. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergößen, Als nur diese Himmels- Reif', Droben bei den Himmels- Schäßen Bin ich, die ich kenn' und weiß; Meine Ruhe, Freud' und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren, Alle Tag' und alle Stund', Spar' ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein, das thu' ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten, Damit, wenn mein End' da ist, Ich hinfahr' zu Jesu Christ. 9. Also werd' ich nichts verlieren; Träget man mich gleich in's Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab'; Sterb' ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den dein Heil mir hat bes reit't Droben in der Ewigkeit. 10. D'rum sei fröhlich meine Seele! Heb' empor dein Augenlicht, Diese Erd' ist eine Höhle, Da dir wenig Guts geschieht; Schwing dich auf der Andacht Flügel Zu dem gold'nen Sternen- Hügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Stark's Hdb. 4r. Thl. 32 498 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes am Pfingstfeſte. Aufmunterung. Luc. 11, V. 13. So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten. Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, daß Jesus uns nicht nur mit seinem heiligen Blute erkauft hat, sondern der heilige Geist will uns in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerheiligste Gabe: was könnte Gott mehr und Größeres an uns thun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mittheilt? Der heilige Geist ist auch 2) die allernothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, ohne großen Ehrenstand und ohne viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier, noch in der Ewigkeit wahrhaft glücklich sein. Daher ist er auch 3) die allerhöchste Gabe. Er ist das Pfand unsers Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, wodurch wir versichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. 4) Diese herrliche nothwendige und selige Gabe will Gott allen geben, die ihn nun darum bitten. Diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit Leilsam find, aber diese Gabe wird Gott Niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ reinigt sein Herz von der Welt- und Sünden- Liebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung 2c. 499 Gebet. Ind Ich will Wasser gießen auf die Durstigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie Weiden an den Wasserbächen. Ach, liebster Jesu! diese gnädigen Verheißungen hast du an dem heiligen Pfingst fest erfüllt, als du über die Apostel deinen heiligen Geist reichlich ausgegossen, und sie damit zu dem Werk tüchtig gemacht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute, und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. O du werther heiliger Geist! gieße dich in reichem Maße über mich aus, der du in Feuerflammen dich deinen Aposteln geoffenbart haft; erleuchte meinen Verstand, damit ich Jesum Christum erkennen möge; heilige meinen Willen, damit ich nichts begehe und wünsche, als was dir gefällt. Wie die Apostel, o du Geist der Stärke! durch dich mit Kraft aus der Höhe angethan worden sind, so stärke meinen Glauben; gieb mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einherzu 500 Der andächtige Chrift erwägt die Ausgießung gehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als ein wahres Kind Gottes zu leben. Du Geist der Gnaden und des Gebets, versiegle in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach! bete auch in mir, ja lehre mich recht andächtig beten. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit, damit ich wissen und thun möge, was Gott gefällt. Ruhe auf mir o Geist des Verstandes, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des Herrn, pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündigen möge. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe, und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, alle Bosheit und die Nachgier auß meinem Herzen. Sei mein Tröster in allem Kreuz und in aller Trübsal, wenn die Fluthen mich ersäufen, und die Wel len über mir zusammenschlagen wollen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin; hilf mir die Lüste des Fleisches be des heiligen Geistes am Pfingstfeſte. kämpfen, hingegen laß in mir Glauben, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld zunehmen. Sei mein Führer, der mich allezeit auf ebener Bahn leite, daß ich nicht wider Gottes Gebot thue. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite, und Jesus in mir verkläre. O du reines Wasser, wasche mich, gieb, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der That einen Herrn, nämlich meinen Jesum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und der Seligkeit, nennen möge. Siehe du Licht meiner Seele, wie ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen, das rum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche; zeige mir den Weg, worauf ich wandeln soll, denn mich verlangt nach dir. Wenn ich mich führen soll, so irre ich; wenn du mich aber führst, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heiliger Geist, bisher betrübt, so trage ich darüber herzlich Leid; 501 502 Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung siche, mein Herz steht dir offen. Ach, fehre in dasselbe mit deinen reichen Gnadengaben ein; erfülle es mit allen christlichen Tugenden; befestige mich, gründe mich, und erhalte in mir das gute Werk, daß du in mir angefangen haft. Ach, schaffe in mir ein reines Herz; tilge aus demſelben alle Unarten, böse Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünden. Bleibe auch, o heiliger Geist! bei mir in aller Noth und im Sterben, rufe alsdann in mir das Abba lieber Vater! gieb mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorgeschmack der ewigen Freude! wo ich nach dem Kampfe zur Krone gelangen werde. Heil'ger Geist du Kraft der Frommen! Kehre bei mir Armen ein, Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein, Reinige du selbst das Haus, Meines Herzens, wirf hinaus Alles, was da mich kann scheiden Von den süßen Himmels- Freuden, Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben, Und in deiner Gnade steh'n. Gieb mir einen starken Muth, Hilf' mir zwingen Fleisch und Blut, Lehre mich vor Gott hintreten Und im Geist und Wahrheit beten. Amen. des heiligen Geistes am Pfingstfeste. 503 Gefang. brons ne Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben Mit reichem Maß austheilt, Die wünscht mein Herz zu haben. Mein Jesu! schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weis't. 2. Jch irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstigt sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan! so leite mich, Mein Licht! auf eb'ner Bahn, Daß ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb' in Finsterniß, Wenn mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret, Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzünd't, Auch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht Jn meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten; Darum so stehe mir mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gotteskind Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein Gott! In Glaub' und Lieb' erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geist erkalten? Darum, so gieb mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich', Bis ich nach meinem Kampf Die Lebenskron erreich'. 6. Mein Jesu! gieb mir doch, Was ich dich hab' ges beten; Laß deinen guten Geift Jm Beten mich vertreten; Daß ich in Frömmigkeit Bring' meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach! dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut bes zwingen, Daß ich in seiner Kraft Mög' gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, Weil ich den guten Geist Zu meinem Führer hab'. 8. Du sollst, o werther Geist! In meiner Seele bleiben. Du sollst mich, o mein Licht! Zu allem Guten treiben. Ach! bleibe allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket sein, Durch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Mir Trost und Muth zusprechen; Ich geh' durch Jesu Blut Alsdann zur Freude ein, und werde schön verklärt In Jesu Armen sein. 504 Der andächtige Christ erwägt das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. Aufmunterung. 1 Joh. 5, V. 7. Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese Drei sind Eins. Wenn eine glaubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit in eine Betrachtung ziehen will, so muß sie es machen wie ciner, welcher von der Sonne Licht und Nußen haben und sich dessen bedienen will. Schaut er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich; hält er aber die Augen niedergeschlagen, so sieht er alles, was er sehen soll. Das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß; daher haben sich viele an dieser Glaubenslehre gestoßen, und urtheilen mit den Juden bis auf diesen Tag noch. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich bezeichnetes Geheimniß, davon reden die herrlichsten Sprüche des alten und neuen Testaments. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubt ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzens- Demuth an. Er preist seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan hat. Er dankt feinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllen- Gewalt befreit hat. Er giebt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, und befleißigt sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er dereinst herrlich schauen Der andächtige Christ erwägt 2c. 505 wird, was er hier geglaubt hat. Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. CALL Gebet. Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! So, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! stimme ich jetzt mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, um deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu besingen. O du ewiges, unerforschliches und unbegreifliches Wesen! mein Glaube hält sich einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort fest, in welchem du dich mir herrlich geoffenbart haſt. Das ist das ewige Leben, daß ſie dich, Vater! der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich bete dich an; ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! der du dich als einen Vater mir fund gethan haft. Du hast nicht allein Jesum Christum, deinen einzigen Sohn, von Ewigkeit her gezeuget, sondern du bist auch der rechte Bater über Alles, was 506 Der andächtige Christ erwägt da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Ach, du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, bewahrt, erhalten, ja, du ernährst, versorgest und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater! nimm dich doch meiner, als deines Kindes, herzlich und väterlich an. Herr Jesu, Sohn Gottes, ich habe dich aus deinem heiligen Worte als die zweite Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeuget, kennen gelernt, Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entsprossen, ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder, der die menschliche Natur an sich genommen hat, um mich und alle Menschen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle zu erlösen. O darum freue ich mich in dir, und bete dich an! Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hohepriester, Mittler, Seligmacher und Hirt; in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 507 Opferlamm, das sich für meine Sünden dahin gegeben hat; dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten; durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig, hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geist! du hast dich in deinem Wort mir als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgeht, als ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleichen Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit geoffenbart. Du hast mich auch wieder geboren in der heiligen Taufe; durch dich bin ich zur Guade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist, gebracht. Du biſt mein Heiligmacher, der mich erleuchtet, heiligt und im rechten Glauben erhält. Du tröstest mich in allem Leiden; du erfreuest mich in Traurigkeit, und erquickest mich in Trübsal. Ď du Geist der Gnaden und des Gebets! versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden ſei; gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gieb mir Andacht im Der andächtige Christ erwägt Gebet, gieb mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommet, laffet uns beten und knieen und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht hat, denn wir sind sein Volk und Schafe seiner Waide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Gieb, daß ich dich im Glauben ergreife, und an deinem heiligen Wort als meiner Glaubens- und Lebens- Regel fest halte, bis ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater, decke mich mit deinen Gnaden- Flügeln, und segne mich. O Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blute, und segne mich; mache mich gerecht und dort ewig selig. Herr Gott heiliger Geist! erleuchte mich und segne mich, damit ich in deinem Licht wandle, und in deinem Licht droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. mi 10ndu19 1024 in 508 das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 509 Glauben muß man hier und trauen, Was Gott von sich selber sagt, Dort fangt erst recht an das Schauen, Wahrer Glaub' nicht Zweifel fragt. Bin ich doch getaufet worden Auf Gott Vater, Sohn und Geist, Sein Wort mich zum Jordan weis't, Da aus off'nen Himmels- Pforten Gottes Stimm' von Jesu zeugt, Und der Geist hernieder fleugt. Amen. Gesang. Mel. Dreieinigkeit der Gottheit zc. 1. Ich glaub' an Gott, von dem wir alle lesen, Daß er sei schon von Ewigkeit gewesen, Und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer Gott von Majestät und Rath. 2. Wer diesen Gott von Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'gen Geist ihn nennen, Dieß iſt sein Nam', dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt, jeßt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsproffen; Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr' im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Sein gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreien sind auf einen Thron erhoben, Gleich ewiy, groß, allmächtig, gleich zu loben, Majestät ist ihnen allgemein, Gott ist, und war, und wird auch ewig sein. 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sei brei, doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennt's auch ohne Zweifel mit dem Munde: Weil Gott sich selbst hat also fund gethan, So glaubt er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden, Er fuchet Trost in Jesu Blut und Wunden; Wenn Gottes Geist ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 510 Der andächtige Christ betrachtet 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, Und preiset stets des Allerhöchsten Güte, Verharret auch in wahrer Frömmigkeit, Bis er Gott schaut im Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater! laß mich deine Gnad' empfinden, Mein Jesu! mach' mich rein von allen Sünden; Gott heiliger Geist! ach, nimm mein Herze ein; Dreiein'ger Gott! ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet am MichaelisFest den Schuß der heiligen Engel. Aufmunterung. Hebr. 1, 2. 14. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgefandt zum Dienste, um derer willen, die ererben sollen die Ewigkeit. Es sind die heiligen Engel von Gott zu seinem Dienst und zu seiner Ehre erschaffen worden, welche allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Daher 1) dankt ein glaubiger Christ für die besondere Gnade, daß Gott auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt hat. 2) Zu dem Ende treibt er dieſelben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreut dieselben vielmehr durch seine Buße und seinen gottseligen Wandel. 3) Er trachtet, auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preisen, zu danken, und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. 4) Ein glaubiger Christ befleißigt sich demnach Gottes Willen zu thun auf Erden, wie es geschieht im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, doch mit gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Glaubiger nicht an, welche Ehre nur dem Herrn der Engel, aber nicht den Mitknechten gebührt; Offenb. Joh. 19, V. 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharrt am Michaelis- Fest den Schuß der heiligen Engel. 510 ein glaubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufsund von Gott gebotenen Wegen ihn vor Unglück behüten, sondern auch in seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abraham's de Seele Schoos begleiten werden. atrofi dim Gebet. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott! wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schutz und Beistand bestellt hast. Herr, Herr! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst, und ihn so hoch achtest. O du Gott der Liebe! du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Kreaturen: Himmel, Erde, Sonne, Luft und Meer, alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Kreaturen: die heiligen Engel, zum Dienst angewendet, damit uns ja kein Uebel widerfahren möge. Du weißt, liebreicher Vater! wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr 512 Der andächtige Christ betrachtet und Glend umgeben sind, darum haft du ihnen Wächter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen, und alles Uebel abwenden sollen. Du weißt es, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Glaubigen um sich haben, den Fürsten der Finsterniß, den Satan und sein Heer, darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die ihnen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach, mein Gott! wenn eine Woche, ein Monat, ja, ein Jahr nach dem andern vorübergeht, in welchem meine gesunden und geraden Glieder unverleßt, mein Haus und Habe unversehrt, ja, mein Gang ohne Fall und Anstoß geblieben ist, indem kein Unfall sich zu mir nahte, sollte ich solches nicht deiner Vater- Treue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich so erhalten und behütet haft? O wie viele Gefahr haſt du durch den mächtigen Schutz deiner heiligen Engel abgewendet, wovon ich nichts gewußt habe. Nun, mein Gott! dafür sei hochgeliebt und hochgelobt am Michaelis- Fest den Schuß der heiligen Engel. 513 von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Vater! befiehl deinem Engel ferner, daß er komm', und mich bewach', dein Eigenthum. Laß deinen Engel alle Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten, und ihm zur Seite zogen, als ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher, wie das Haus Hiob's! laß sie bei mir in Nöthen sein, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen! laß sie meine Nahrung und mein tägliches Brod behüten, wie die Engel dem Elias Brod und Waffer brachten, wie Tobias. Ach, du gütiger Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, damit ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht mit meinen Sünden betrüben, oder mit einem ruchlosen Leben von mir treiben möge, daß sie so ferne stehen und meiner Bosheit weichen müssen. Gieb, daß ich den Engeln schon in Stark's Hdb. 4r Thl. 33 514 Der andächtige Christ betrachtet diesem Leben in deinem Dienst gleich werden möge, damit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigfeit. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel, soll hinfort mir immer in den Ohren und in dem Herzen erklingen. Mein Gott! laß auch deine heiligen Engel bei mir im Sterben bleiben, damit sie alsdann meine Seele in Abraham's Schoos tragen und zu deiner Herrlichkeitbegleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit sein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! anstimmen, und dich für alle, also auch für dieſe Wohlthat, ewig loben und preisen. Lenido strand Gott, aller Geister Geist, Herr aller Seraphinen! Der seine Diener heißt Uns Menschen zu bedies nen; Herr Zebaoth! nur dir Gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, So laß sie uns begleiten: Wenn wir entschlafen sein, So stelle uns zur Seiten Die Wachen deines Throns, Die Starken Salomons. Schaff' daß sie überall Die Hand uns unterlegen, Und laß uns keinen Fall Aus ihrem Schoos bewegen; Ihr Lager schließ' uns ein, Wenn wir belagert sein. am Michaelis- Fest den Schuß der heiligen Engel. 515 Wenn wir des Eitlen los Die Sterbe- Lieder fingen, Laß uns in Abraham's Schoos Durch diese Träger bringen; Mach' uns in deinem Reich Den Engeln selbsten gleich. Amen. Gesang. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Der Engel gold'nes Heer, Die immer vor Gott stehen, und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unserm Dienst gesandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engeln sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wenn wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus, Und gehet man zurück, So geh'n sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch and're Feinde wüthen, So sind die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab An unsern Lebens- Tagen, So werden sie die Seel' In's Freuden- Leben tragen; Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben, Und wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja, wir sind gewiß, Daß man da Engel find't, Wo Fromme im Gebet Und Lieb' verbunden sind. 6. Ach Gott! wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schuß die Engel haben; Die Helden sende uns In aller Angst und Noth, Ach! laß sie bei uns sein Im Leiden und im Tod. 7. Berleih' mir deine Gnad', den, Mit stetem Lob und Preis, werden, und deinen Willen thun, Ich leb' den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. Daß ich annoch auf Ers Den Engeln gleich mög' Damit nach dieser Zeit Der andächtige Christ dankt Gott 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hocherfreut Das dreimal Heilig fingen, Mit aller Engel Chor Und auserwählten Schaar, Dieß ist mein Herzenswunsch, Amen, es werde wahr. 516 Gebete bei besondern Gelegenheiten. Der andächtige Christ dankt Gott nach eingesammelter Ernte. Anfmunterung. Hof. 2, V. 8. 9. Sie will nicht wissen, daß ich es sei, der ihr giebt Korn, Most und Del, und ihr viel Silber und Gold gegeben hat, das sie haben Baal zu Ehren gebracht. Darum will ich mein Korn und Most wieder nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Echam bedecken. Ist eine in der Menschen Augen fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat des Winters in der Erde bewahrt, in den Sommertagen sie blühen, wachsen und Frucht bringen läßt; wenn er Hagel, Wetters schlag und Sturmwinde abwendet, und durch seinen Segen Scheuern und Keller füllt. Aber ist auch eine von der Welt geringe und verachtete Wohlthat, wofür man Gott am wenigsten dankt, so ist es eben diese Ernte, denn da meinen die undankbaren Menschen, es müsse so sein, es müsse so nach dem Lauf der Natur alles wachsen; deßwegen läßt der erzürnte Gott öfters aus gerechtem Gerichte Mißwachs ent nach eingesammelter Ernte. 517 stehen, damit Jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der Herr nichts giebt, und daß nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein glaubiger Christ ist anders gesinnt. Wenn er die vollen Nehren in der Ernte und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke erblickt: 1) so hebt er seine Augen gen Himmel empor, und preist den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, der aus einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Frucht hervorbringt. 2) Er rühmt die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spätregen zu seiner Zeit gegeben, Dürre, Hagel und Ueberschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet. 3) Wenn er nun die Zeit erlebt, daß die scharfe Sichel das Korn niederlegt, und es auch in die Scheuern fahren sieht, wenn er in der Kelter die Trauben zerquetschen sieht, so nimmt er alle diese Gaben mit dankbarem Herzen und Händen an. 4) Er gebraucht auch dieselben, und nimmt sie mit Danksagung zu sich. Er erkennt, daß Gott ihn nähre, versorge, erhalte. Ja, er läßt sich 5) Gottes Güte zur Buße leiten. Dankt man einem Wohlthäter, und erzürnt ihn nicht, der uns etwa ein Kleid, oder etwas zu unserem Unterhalt giebt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns Alles giebt? Gebet. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. So spreche ich, mein Gott! indem ich die gesegnete Erntezeit wieder erlebt 518 Der andächtige Christ dankt Gott habe. O du gnadenreicher Gott, wie groß ist deine Güte, die du an uns beweiſest! du hast das Erdreich gegründet auf seinem Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schäße gelegt; dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unſerem Lebens- Unterhalt, zur Nahrung und Gesundheit dienen. Besonders hast du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gefrönet mit deinem Gut; die Fußstapfen triefen noch vom Fett; du hast gefeuchtet die Berge von oben her; du haft das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest. Du hast Gras wachsen laſſen für das Vieh und Saat zum Nußen der Menschen, damit du Brod aus der Erde bringest. Ach, treuer Vater! du haft unsere Ernte behütet! der Himmel hat die Erde erhört, und die Erde hat Korn und Most gegeben! du haft uns Frühregen und Spätregen zu rechter Zeit gegeben, daher haben unsere Felder geblüht, und haben den vor dir aus ihnen uns entspringenden Segen darges nach eingesammelter Ernte. reicht. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreut. Liebreicher Gott und Vater! du hast das ganze Feld und das ganze Land mit deinen Gnaden- Flügeln bedeckt; du hast die Sonne zu rechter Zeit scheinen lassen, daß alles zur Zeitigung gekommen ist; du hast alles vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung bewahrt; wenn wenn wir schliefen, so wachtest du; du warst unserer Felder Hüter und Schußherr. Herr! deine Werke sind groß und viel; du haft sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Kreaturen, Menschen und Vieh, warten auf dich, daß du ihnen Speise zu seiner Zeit gebeft; wenn du ihnen giebst, so sammeln sie, und wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gütern gesättigt. Ja, wohl hast du, o reicher Gott! uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich geſegnet. Dafür danken wir dir von Grund unserer Seelen. Kommet, lasset uns beten und knieen 519 520 Der andächtige Christ dankt Gott und niederfallen; laffet uns mit Danken in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe kommen. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, ja der Herr hat Großes an uns gethan, dessen sind wir fröhlich! Ach Herr, Herr! laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vater- Trene erkennen. Ach Gott! wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, ach! so entziehe uns deßwegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater! der du uns je und je geliebt, uns auch durch diese leiblichen Wohlthaten zu dir ziehst, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem himmlischen Geschenke den Wohlthäter erkennen sollen; hilf, daß uns deine Güte zur Buße leiten möge, damit, wenn wir deine Gaben vor uns sehen, wir allezeit unsere Augen zu dir erheben mögen, o nach eingesammelter Ernte. 521 du Urquell alles Segens! Und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältſt, ach! so laß uns auch an dem inwendigen Menschen: an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, damit wir in dem Guten wachsen, und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dereinst zum Genuße der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Christum werden aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket Und gefeuchtet unser Land; Was geschadet und gefränket, Hat Gott mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein Haben müssen kräftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil denn, ehe wir's vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt Jesus seine Engelein, Ei, so laßt uns Waizen sein, Den sie mit viel Jubiliren Zu des Himmels Freude führen. Amen. Gefang. Mel. Nun lob', mein Seel', den Herren. 1. Sieh' es ist Gottes Segen, Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deßwegen Auf Gottes Lob nicht sein bedacht? Gott hat dieß Jahr gesegnet Mit seinem großen Gut, und hat auf uns geregnet Des Segens reiche Fluth. Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Vaterhand. Der andächtige Christ dankt Gott 2c. 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut, Schöpfer! sei gepriesen, Du, du hast sie so schön gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns vermehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, D große Gottes- Gnad', Ist ihr viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 522 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vieh zugleich kann nun gespeiset werden, So ist vom Segen alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Giebt jedem feine Speis', Darum soll das Gemüthe Ausbreiten Gottes Preis. So vielen Kreaturen Zu schaffen Unterhalt, Dieß find wahrhafte Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach! laß uns deinen Segen Und das von Gott ges schenkte Gut In Undank nicht anlegen Zur Wollust, Unmaß, Uebermuth; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluth und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen, Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen, Und bleibet noch darin, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sind. 5. D'rum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir find beschenkt, Gleichwie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Nehren senkt, So lasset uns in Stille, In Demuth, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad' erheben Zu jeder Zeit und Stund'. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Glaubigen in Ewigfeit, Was in dem Freuden- Leben Für einen Ueberfluß Uns Gott wird ewig geben 3um seligen Genuß. Dieß laffet uns erwägen Hinfort stets spät und früh, Damit auch die ser Segen Hinauf zu Gott uns zieh'. Ein Anderes. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren. 1. Die Ernt' ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht, Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Und wieder hat bescheeret, Was nun dieß Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: das hat Gott gethan! Ein jeder schau jezt munter Die schönen Gaben Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. 523 an, Und laßt uns fröhlich sein, Ja, lobet, der uns liebet, Und sammelt, was er giebet, Mit Herzensfreude ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd' zu seiner Zeit, Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit; Der Regen macht es weich, Der Sonne Wärme spielte, Des Höchsten Hand erhielte, Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Creaturen Ist nun gewachsen Speis'; Der weise Schöpfer hat Der Creatur das Leben Und auch die Speis gegeben Aus lauter Lieb' und Gnad'. 5. Wie fromme Väter pflegen Für's Haus besorgt zu sein, So hast du auch den Segen Gelegt auf's fünftig' ein. Du bist die reiche Quell', Daraus viel Gaben fließen, Und welche sich ergießen Auf unsern Leib und Seel'. 6. Doch wenn wir dich verlassen, Und wenn wir haben fatt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrath zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände! D Gott! mit Ueberfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Effen Des Gebers nicht vergessen, Der alles reichlich giebt. 8. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Aehren Pracht, Und sie zur Seite stellet In eine stille Nacht. So nimm ein Beispiel ab, Es wird der Tod uns fällen Und einstens zugesellen Den Stillen in dem Grab. 9. Ach zeuch uns von der Erden, Durch diese Gab zu dir, Auf daß wir himmlisch werden und bleiben für und für, So danten wir dir heut' Für das, was wir empfans gen; Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud'. Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Alagl. Jer. 1, V. 20. Stoff Ach Herr! siehe doch, wie bange mir ist, daß mir's im Leibe davon wehe thut; mein Herz wallet mir in meinem Leibe, denn ich bin hoch betrübt. Draußen hat mich das Schwert, und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Im 2. Kap. V. 4: Der Herr hat seinen Bos Der glaubige Christ betet gen gespannt, wie ein Feind. V. 5: Er hat vertilgt alle Paläste. V. 21: Es lagen in den Gassen Knaben und Alte; meine Jungfrauen und Jünglinge sind durch's Schwert gefallen. Die drei Land- Plagen, womit Gott ganze Länder und Städte verheert, und wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pest, Jer. 34, V. 17., welche auch Gott David vorlegte, 1. Chron. 22, V. 12., Krieg ist eine schwere Strafe. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, find verschieden: 1) Ungehorsam, Jes. 1, V. 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüften lebt, und die Furcht Gottes aus den Augen setzt, Buch der Richter 4, V. 1., K. 6, V. 1. 3) Verachtung des göttlichen Worts, 3. Buch Mos. 26, V. 17. 4) Abgötterei, Richt. 2, V. 12-14. Es mag auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, wohin die Ueppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehört. Wenn Gott aber dem Schwert ruft und den Frieden wegnimmt, Jer. 15, V. 6., so nimmt er auch die Kraft des Schwerts weg, Pf. 89, V. 44., daß viele Völker und ein großes Kriegsheer feine Siege erhält, daher kommt, daß sie vor ihren Feinden fliehen müssen, Pf. 44., 3. 11, worauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes, und endlich Jammer und Elend folgen. 524 Gebet. Erzürnter Gott! wir kommen hier mit gebeugtem Herzen und Knie vor dein allerheiligstes Angesicht und bejammern das große Elend, worein uns unsere großen Sünden und dein gerechter Zorn in Kriegszeiten. 525 geseßt haben. Herr! Herr! wir wohnten unter deinem Schuße sicher; uns durfte kein Schwert schrecken, weil du unserer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger warest; wir giengen ruhig zu unsern Thoren aus und ein, und genoßen der Früchte des Feldes ungestört, aber nun, o großer Gott! hast du deinen Schuß und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht; er hat das Schwert gezückt; er droht mit Verbrennen, Plündern, mit dem Verderben der Städte und Eroberung des Landes. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir dieſe Ruthe der Züchtigung längst verdient haben; wir haben leider den Frieden und die gute Zeit mißbraucht. Als wir uns erbauen und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein sollen, so haben bei uns leider Entheiligung des Sabbaths, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern, geherrscht. Wir schämen uns, erzürnter 526 Der glaubige Christ betet Gott! unsere Sünden alle zu erzählen, die ohnedieß in den Himmel rufen. Ach, barmherziger Gott! gedenke doch nicht unserer Missethaten, deren so viele sind, wie des Sandes am Meer; gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserem Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben gesündigt, find gottlos gewesen und abtrünnig geworden und von deinen Geboten gewichen. Ach! strafe uns nicht in deinem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm. O Erbarmer, erbarme dich über uns! willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, und wird kein Erretter da sein. Mächtiger Schußherr der Elenden! stehe auf, daß Menschen nicht die Oberhand gewinnen. Du kannst uns mit Stärke zum Streite rüsten; du kannst unter uns werfen, die sich wider uns seßen. Auf dich steht all' unser Vertrauen und unsere Hoff in Kriegszeiten. 527 nung in dieser großen Noth. Wenn Menschen gegen dich wüthen, so legft du Ehre ein. Ach Gott! wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns Niemand aus seiner Hand erretten könne? Errette uns, Gott unsers Heils! und vergieb uns unsere Sünden um deines Namens willen. Nimm dem Feind den Muth, vertreibe ihn, und wache über unser Land, unsere Häuser und unsere Wohnungen. Laß doch bald den Frieden blühen, und wende die Gefahr ab, in der wir schweben. Herr! dir gebührt die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße verschlägst, und Wagen mit Feuer zerbrenneft. Erhöre das Schreien, o liebreicher Gott! derer, die jest in Gefahr stehen, und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, der Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein baldiges Ende, 528 Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen! D großer Gott von Treu'! Weil vor dir Niemand gilt, Als dein Sohn Jesus Christ, Der deinen Zorn gestillt, So sieh' doch an die Wunden sein; Die große Angst und bitt're Pein, Um seinetwillen schone, Und nicht nach Werken lohne. Amen. Gefang. indrič Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnoth; Welche uns, erzürnter Gott! Soll vom Sündenschlaf aufwecken; Angst und Noth vermehret sich, ist und Noth ver Großer Gott! erbarme dich. 2. Ach! wir fallen dir zu Fuße, Nette uns aus dieser Noth, Dächtiger Herr Zebaoth! Ach! wir thun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater! schon', Sieh' uns an in deinem Sohn. 3. Dessen Blut sieh' an in Gnaden, Tilg' damit die Missethat, Welche dich erzürnet hat; Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gieb ihm nimmermehr den Sieg, Großer Gott! in diesem Krieg. 4. Ach! zerbrich des Feindes Waffen, Und nimm ihm den stolzen Muth, Näche das vergoff'ne Blut, Nimm weg die verdiente Strafen, Baue, was da liegt verheert, nicht auf, was ist umgekehrt. 5. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schließ' des Jammers Pforte zu, Schent' uns nach der Trübsal Ruh'. Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. Om 6. So soll, Herr! dein Lob erklingen, Es soll sagen Jedermann: Siehe, das hat Gott gethan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Lieb und Gnad', Der dem Krieg gesteuert hat. 7. Ja wir wollen hinfort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jegt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bitt'rem Schrei'n Unser Mund voll Rühmens sein. Der glaubige Christ betet, wenn Gott mit Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. Aufmunterung. Hefet. 4, V. 16. 529 Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrath des Brodes zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod essen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maß mit Kummer trinken. Wie zahme und wilde Thiere mit Hunger gezüchtigt werden, damit sie etwas lernen, oder ihre wilde Art ändern müssen, so pflegt Gott eben solchen Baum und Gebiß den Menschen in den Mund zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott lockt sie lange mit Wohlthaten, wenn sie aber dadurch sich nicht zur Buße leiten lassen, so schickt er Hunger und Noth in's Land. Die Strafe kommt gemeiniglich: 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, Jes. 5, 2. 13. 2) Wenn man fromme Leute und die Kirche Gottes verfolgt, Jer. 11, V. 22. 3) Die Stimme der falschen Propheten gerne hört, Jer. 15, V. 15. 16. 4) Halsstarrig ist, Jer. 24, 2. 10. 5) Ungehorsam bleibt, Hesek. 5, V. 16. 6) Wenn man Gewalt gegen Geringe verübt, 2. Buch Sam. 21, V. 1. 2. Diese Hungersnoth bringt Armuth, Elend, Verschmachten. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, V. 11., so ist das Elend unaussprechlich. Stark's Hbb. 4r Thl. 34 530 Der glaubige Christ betet, wenn Gott mit Gebet. Gerechter Gott! der du einem Jeden giebst nach seinen Werken, und läſfeſt Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses thun, wir kommen hier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns so an dir verfündigt haben, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich haft du uns in den vorigen Jahren gespeist! Wir haben Brod die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gabe nun hätte uns als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, ziehen und zur Buße locken sollen. Aber wie schändlich find diese Güter zur Völlerei, zum Wohlleben im Ueberfluß mißbraucht worden, so daß die Kreatur selbst über uns geseufzt hat, daß sie von undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen empfangen worden sind. Was ist's denn Wunder, daß ein fruchtbares Land nichts um der Sünden derer willen trägt, die darin wohnen! Du strafft uns Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. 531 mit Theuerung, Mangel, Dürre, daher die Theuerung das Land hart drückt. Herr! höre das Schreien der Armen, die um Brod bitten und nicht satt werden. Nimm doch das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllt, zu Herzen. Wir essen, und werden nicht satt; wir nehmen viel Speise zu uns, und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh ruft um Futter. Ach Herr, Herr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen haft! Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim, und wässere es; lasse den Himmel die Erde erhören, und erhöre du uns selbst von deinem Heiligthum. Lasse die Theuerung aufhören; wende dich wieder in Gnaden zu uns; sättige die Hungrigen; erfreue die Armen; segne unser weniges Brod. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod, sondern am meisten von 532 Der glaubige Christ betet, wenn Gott mit 2c. dem Segenswort leben können, das aus deinem Munde geht und wodurch du Kraft in unsere Speise least. Laffe das Feld bald mit Früchten wieder erfüllt werden; vermehre das wenige Mehl, wie der Wittwe zu Sarepta; lasse den geringen Vorrath genug zur Erhaltung Vieler sein. Laß indessen deine Worte unsere Speise sein, um uns damit zu nähren, denn das ist unser Herzenstrost, unser Honig und Honigseim. Wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Lebenlang. Ach Herr! sieh' an die große Noth, Entzieh' uns nicht das liebe Brod, Schütt' deinen Segen aus; Du bist ja unsere Zuversicht; D'rum bitten wir, Verstoß' uns nicht. Amen. Gejang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Mit den scharfen Theurungsruthen Machst du, o erzürnter Gott! Unser hartes Herze bluten; Ach die bitt're Hungersnoth Drohet uns den Untergang, Sie macht unsern Seelen bang. Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir folche Noth erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel Alles drückt; Es möcht' dem sein Herze drücken, Der die Thränenfluth erblickt, Welche diese Noth auspreßt, Tarein Gott uns finken läßt. Schau', Erbarmer! auf die Armen, Vater! denk an dein Erbarmen. Der glaubige Christ betet in Pest- Zeiten. 533 3. Mangel drücket Groß' und Kleine, Unser Vorrath ist dahin; Mangel schwächt uns Mark und Beine; Mangel quält uns immerhin; Mangel ruft der Arme aus; Mangel ist in's Reichen Haus; Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach! das machen uns're Sünden, Diese steigen Himmel an, Daß man keine Hülf' kann finden, Die dem Mangel steuren kann; Freiheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben müssen diesen Lohn uns geben. 5. Herr! du haft hinweggenommen Deinen Segen von dent Brod, Und ach! daher ist gekommen Diese Theurung, diese Noth; Unsre Speise sättigt nicht, Welch' ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Essen, Und der Speis' ist bald vergessen. 6. Herr! wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last; Gieb uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Necker wieder blüh'n Nach dem Säen und Bemüh'n, Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 7. Speis' uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater! so verstoß uns nicht! Dieses wahre Lebens- Brod, Stärke uns in dieser Noth, Auf der fetten Seelen- Waiden Ist leicht leiblich Hunger leiden. 8. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensfluth Diese Theurungs- Noth verschwinden, So wird Alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag und alle Stund Sprechen: Gott hat Brod und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der glaubige Christ betet in Pest- Zeiten. Aufmunterung. 5 B. Mos. 28, V. 15. 21. 22. Wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen. Der Herr wird dir die Sterbe- Drüse anhängen, bis er dich vertilge. Der Herr wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Hibe, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. 534 Der glaubige Christ betet in Pest- Zeiten. Wenn über diejenigen, welche Böses thun, Zorn, Trübsal und Angst kommen sollen, Röm. 2, V. 8. 9., so gehören zu solcher Angst ansteckende Krankheiten und Pest. Diese Plage kommt mehrentheils: 1) Wenn die Menschen dem Worte der Warnung und Ermahnung keinen Glauben beimessen, 4. B. Mos. 14, V. 12. 2) Wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dient, Jer. 14, V. 12. 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen setzt, Jer. 24, V. 14. Kap. 27, V. 8. 4) Die Diener Gottes verachtet, Jer. 29, 2. 17. 5) Wenn das Volk frech und unbändig wird, Hesek. 14, V. 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwange geht, Hesek. 33, V. 26. 27. 7) Wenn keine Buß- Ermahnungen mehr angenommen werden, Amos 4, V. 10. 8) Um Ehebruchs willen, 4. B. Mos. 25, V. 9. 9) Um Gotteslästerung willen, 2 B. der Könige 19, V. 35. 10) Um Hochmuths und um anderer Sünden willen, 2. Sam. 24, V. 25. Wo nun diese Strafe einreißt, da ist nothwendig, daß man Buße thut, weil doch der Herr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt; deßwegen auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählte. Gebet. Starker und allmächtiger Gott! groß ist dein Zorn gegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht zur Buße leiten lassen. Du handelst eine Zeitlang mit den Menschen- Kindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Der glaubige Christ betet in Pest- Zeiten. 535 Verschonen zu sich lockt, nachher aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, so beweisest du dich auch als ein strenger Richter. Dieses erfahren wir jetzt auch. Gerechter Gott! wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche zeigt, welche viele tauſend Menschen dahinrafft, so daß beinahe in jedem Hause Todte sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Haben wir nicht hohe Ursache, zu fürchten, du werdest auch das um sich reißende Uebel in unsere Gränzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott! gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welche du diese scharfe Ruthe empfinden lässeft; wir müssen vielmehr bekennen, daß wir werth sind, alle so wie jene umzukommen. Es findet sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Worts und der heiligen Sakramente, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wolluft, Stolz, ja, es ist fast keine Furcht Gottes im Lande; die Heiligen haben abgenommen, und 536 Der glaubige Christ betet in Peft- Zeiten. der Glaubigen sind wenig unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen, Herr! wer wird vor dir bestehen? Ach, Herr, Herr! wir halten dir dein Wort vor: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suchen wir auch, Herr! dein Antliß. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; darum schuldigen wir uns, und thun Buße im Staub und in der Asche. Sich' nicht an unsere Sünden groß, Sprich uns derselben aus Gnaden los, Stel' uns in unserem Elend bei, Und mach' uns aller Strafen frei. Wir haben gesündigt mit unsern Vätern; wir sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führt, daß er ablasse und sage: Es sei genug. Sind wir keiner Gnade werth, so sind wir deren doch bedürftig; sind wir alle Kinder des Todes, so hast du den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade vor Recht ergehen lassen. O! so schenke uns deine Gnade und das Leben um Jeſu, unseres einzigen Mittlers und Der glaubige Christ betet in Pest- Zeiten. 537 Fürsprechers willen. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, unser Erbarmer! über uns; sei uns gnädig, verschone unser, lieber Herr! sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch diese heftige Seuche angegriffen sind, und welche Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubt und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Trost bei und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geist, daß sie Kinder Gottes sind, wenn sie gleich an dieser Plage sterben müssen. Ach Herr! erhöre unser Gebet, schütze unser Vaterland, so wollen wir sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan. Ach Herr Gott! durch die Treue dein, Mit Trost und Rettung uns erschein', Beweis an uns dein' große Gnad', Und straf' uns nicht auf frischer That, Wohn' uns mit deiner Güte bei, Dein Zorm und Grimm fern von uns sei. Amen. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Welch' große Angst und Herzeleid, Läßt uns Gott jetzt erleben, Da wir in dieser Jammerzeit In Todesnöthen schweben, und fast, o schreckliches Gericht! Vor des Würge engels Angesicht Erzittern und erbeben. 5538 Der glaubige Christ lobt und dankt Gott 2. Willst du nach uns'rem Sündenmaß Die scharfe Ruthe binden, Und uns're Bosheit, Neid und Haß Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch' und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach! wer wird Gnade finden. 3. D Gott wir fallen dir zu Fuß, Ach Vater schone, schone, Wir thun mit Thränen herzlich Buß', Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht, was wir gethan, Und siehe uns in Gnaden an, Jn Christo, deinem Sohne. 4. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen, Wir bringen hier sein Blut vor dir; Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dieß heiße Blut kann doch allein Die Zornesfluthen stillen. 5. Verleih' uns doch gesunde Luft, Und schenk' uns du das Leben, Vertreib' den gift'gen Pestesduft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herze Geist und Mund Dein Lob und Ruhm zu jeder Stund' Mit tausend Dank erheben. Der glaubige Christ lobt und dankt Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Psalm 46, B. 9-12. Rommet her, und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden solch' Zerstören anrichtet; der den Kriegen steuert in aller Welt; der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennet. Seid ftille und erkennet, daß ich Gott bin; ich will Ehre einlegen unter den Heiden; ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns! Der Gott Jakobs ist unser Schuß. Sela. Reine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen and schweren Kriege erflingen, als: Es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten und Verjagten wieder zu den Ihrigen und das Land grünt vor Freuden. Sin glaubiger Christ erkennt, daß diese Gabe von oben herabkomme, darum lobt er Gott, 1) daß er dem Zerstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht hat, und daß die Ein nach erlangtem Frieden. 539 wohner des Landes von des Feindes Furcht und Ges walt befreit sind. 2) Er dankt Gott, daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützt hat. 3) Er erkennt, wie der edle Friede gleich der Sonne sei, die Alles aufgerichtet, wie ein Thau, der alles erquickt. 4) Er bittet Gott, er wolle den Frieden bleibend werden lassen, und wolle allen Friedens- Störern selbst wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit nicht zur Ueppigkeit und zu Wollüsten an, sondern um in seinem Christenthum zuzunehmen, und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Gebet. Herr, Herr, gnädig, barmherzig und von großer Güte! du hast aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unſerm Lande hinweggenommen, weil wir der guten Tage und des Friedens mißbraucht haben. Du hast die Feinde uns zur Strafe gerufen; die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren, und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun gleich verdient, daß dieser Krieg uns gar verderbt hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, und den Königen Gedanken des Friedens gegeben, wofür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heer 540 Der glaubige Christ lobt und dankt Gott schaaren sind eins geworden; das Schwert muß auf deinen Befehl wieder in die Scheide fahren. Die Geflüchteten kommen wieder, und wir fönnen wieder ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise, Jerusalem, den Herrn; lobe, Zion, deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore, und segnet deine Kinder darinnen; er schafft deinen Gränzen Frieden. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreut! Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in euren Landen wohnen; ich will Frieden geben eurem Land, daß ihr schlafet, und Niemand euch schrecke, und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach Herr! erhalte diesen Frieden beständig, erhebe über uns dein Antlitz, und gieb uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk gelegt hast. Laß unsern Frieden sein wie einen Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibt und quillt, denn du nach erlangtem Frieden. allein erhältst Frieden nach gewisser Zusage. Laß Gerechtigkeit und Frieden sich immer füssen, und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir den edlen Frieden nicht zur Ueppigkeit, Völlerei und Sicherheit mißbrauchen, sondern vielmehr uns erbauen und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land. Laß uns am Ende unserer Tage im Frieden fahren und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. 541 Herr Gott! dich loben wir Für deine großen Gnaden, Daß du das ganze Land Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blühen läßt Des güld'nen Friedens Zier; D'rum jauchze alles Volk: Herr Gott, dich loben wir! Amen. Gefang. Mel. Nun lob' mein Seel' den Herren. 1. Der Fried' ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Rein Land und Stadt wird mehr zerstört; Das Schwert ist eingestecket, Der Bogen losgemacht, Kein Feind ist, der uns schrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut' vor allen Nach dieser Krieges- Noth Ein Freuden- Lied erschallen Dem Herren Zebaoth. 2. D Friede, theure Gabe! Debles Kleinod! das du bist, Dadurch nun unsere Habe Von neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So giebt er uns zugleich 542 Der glaubige Christ lobt und dankt Gott zc. Vergnügen, Segen, Leben, Ruh' in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüther Sind nun zum Fried' geneigt; Der treue Menschenhüter Hat uns die Gnad' erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Beleucht't die Länder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist Jedermann erfreut; Der Ackersmann kehrt wieder zu seinem Ackerbau, Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au'! Die Schäflein waiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt, Und da die Regensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das Alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert, Und gleichsam von der Stelle weicht, So pflegt der Fried' zu heilen Das, was da ist verheert, Und Samen auszutheilen Dem, was da ist verstört! Man sieht mit Lusten bauen, Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu thauen, Was unserm Geist gefällt. 5. Laß diesen Frieden dauern, D treuer Vater! lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Krieg und Streit! Ach! habe stets Gedanken Des Friedens, uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Fürsten llebermuth; Nimm wegen uns'rer Sünden Uns nur den Frieden nicht, Und laß uns Gnade finden, Wenn schon dein Born anbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden, Da du uns diesen Frieden schenkst, Und dich und uns kann scheiden, O Gott! und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar sein. Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lasterheer, Und alle Lust besiegen Zu unsers Gottes Ehr'. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns also sagen: Kommt schaut des Allerhöchsten Güt', Der hat dem Krieg gesteuert; Seht, das ist Gottes That, Den Frieden uns erneuert, D unverdiente Gnad'! Laßt Freudenlieder klingen Dem Herren Zebaoth, Und laßt uns fröhlich singen: Nun danket alle Gott. 543 Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhaltender nasser Witterung. Aufmunterung. 1. B. Mos. 6, V. 17. Eiehe, ich will eine Sündfluth mit Wasser kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darinnen ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel, Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. Ob Gott gleich verheißen hat, er wolle die Welt mit einer allgemeinen Überschwemmung nicht mehr züchtigen, so läßt er doch noch manchmal zur Demuth und Erweckung der Menschen Wasserfluthen, starke Regengüsse und eine anhaltende nasse Witterung fommen. Wenn nun der Regen nicht aufhören will, ſo erinnern sich wahre Christen dabei, daß 1) dieſe starken Regengüsse von Gott kommen;- das macht sie getrost. 2) Daß Gott über ihre Sünden zürne, das bringt sie zur Buße. 3) Daß solche Wassergüsse gar leicht zu ihrem Verderben gereichen können; das erregt ihre Aufmerksamkeit, wie sie in allem Gottes Allmacht unterworfen seien. Das treibt sie zu Gott, daß sie zu ihm schreien, und in ihrer Notts ihn anrufen, mit kindlichem und glaubigem Gebet.. — Gebet. Großer und majestätischer Gott! der du den Himmel ausgebreitet, und die Erde gegründet und Alles erschaffen haft, was da lebet, webet und ist; wie schnell kannst du die Gestalt der Erde verändern und ihr ihre Schönheit und Der glaubige Christ betet zu Gott Zierde nehmen. Das erfahren wir jetzt besonders, da du die Fenster des Himmels haft aufgethan und ohne Aufhören den Regen herabfallen läßst. Die Sonne entzieht uns ihre erwärmenden und erquickenden Strahlen; das Auge erblickt nichts als schwere und trübe Wolken, welche das Erdreich mit Wasser bedecken; die Früchte des Feldes kommen der Fäulniß nahe; Alles erregt einen fürchterlichen Anblick. Ach Herr! Herr! siehe doch an diesen unsern Jammer, und erbarme dich über uns gnädiglich. Mit unsern Sünden haben wir es wohl verdient, daß du deinen Segen uns entziehst; aber laß Gnade für Recht ergehen, und gedenke unser im Besten. Du hast ja die theure Zusage gethan, daß du die Erde und ihre Bewohner nicht mehr mit Wasser vertilgen wollest. Ach, du Gott voller Gnaden! so schließe die Fenster des Himmels, daß der Regen aufhöre auf uns zu fallen. Heitere den trüben Himmel auf, und laß das schöne Sonnenlicht wieder leuchten, daß das 544 bei anhaltender nasser Witterung. 545 Gras wachse für das Vieh und die Saat zum Nußen der Menschen. Erweiche unsere harten Herzen durch die uns erzeigte Güte und Treue, daß wir uns redlich bessern, und bis an unser Ende vor dir wandeln, wie es dir gefällig ist. Und endlich, nach bewiesener Treue, nimm uns in Gnaden in dein ewiges himmlisches Reich auf. Heilig, heilig werde Gott! Dein Name stets genannt! Denn der Himmel und die Erde Machen deinen Ruhm bekannt; Deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht hat doch nirgends ihres Gleichen, Gott! wer kann dein Lob erreichen. Amen. Gefang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Soll der Himmel all'zeit weinen? Soll er stets be decket fteh'n? Soll uns keine Sonn' mehr scheinen? Sol man sie nicht wieder seh'n? Willst du denn, erzürnter Gott! Nicht ansehen uns're Noth? Siehe durch des Regens Triefen, Schwellen auf fast alle Tiefen. 2. Ach der Himmel will uns lehren, Wie wir gar verstocket sind, Daß man sich nicht will bekehren, Daß bei uns fein Statt mehr find't, Wenn man rufet: thut doch Buß! Geht und fallet Gott zu Fuß! D'rum will uns die Fluth ersäufen, Wenn wir uns're Sünden häufen. 3. Ach es will der Himmel weinen, Weil Niemand die Sünd' beweint, Wer ist doch von Groß und Kleinen, Der es jeßt mit Gott recht meint? Wo ist Buße, Frömmigkeit, Wahre Lebensheiligkeit? D'rum kann, ob wir heftig schreien, Reine Hülfe uns gedeihen. 4. Ach Gott! thu' dich doch erbarmen, Halte doch den Regen ein; Höre das Geschrei der Armen, Gieb uns warStart's Hdb. 4r Thl. 35 546 Der glaubige Chrift betet zu Gott men Sonnenschein; Sieh', wir kommen in der Zeit, Uns're Sünden sind uns leid, Und daß wir zu unserm Schaden Solche Straf auf uns geladen. 5. Schent uns doch die Sonne wieder, Ach Gott! so soll unser Mund Singen Dank- und Freudenlieder, Dent' doch an den Gnadenbund, Den der Regenbogen weist, Und uns deine Gnad' verheißt; Laß uns sehen aufgerichtet, Was der Regen hat vernichtet. 6. Wenn du dieß Gebet erhörest, Und uns schenkst der Sonne Glanz, Wenn du wiederum bescheereft, Was da schien entzogen ganz; Wollen wir zu aller Zeit Preisen deine Gütigkeit, Daß du Sonne, Licht und Leben Wiederum uns haft gegeben. Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhaltender Hiße und Dürre. Aufmunterung. Jac. 5, B. 17. 18. Elias war ein Mensch, gleichwie wie wir, und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monden; und er betete abermal, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Wie viel das Gebet des Gerechten vermöge, wenn es ernstlich ist, sehen wir aus dem Beispiel des Elias, welches uns der Apostel Jakobus vor Augen stellt. Gnade ist es von Gott, wenn er zur rechten Zeit den Regen sendet! wo er aber solches unterläßt, so haben wir es als Strafe anzusehen. Denn wie jämmerlich steht es überall, wo der Regen fehlt, wo Hiße und Dürre drücket. Das ganze Land ist dann mitten im Sommer gleichsam mit einem Todtenkleide angezogen. In der That eine empfindliche Strafe! Wer könnte bei einem so traurigen Anblick gleichgültig bleiben? Darum wollen wir bitten, wie Elias, daß er das verdorrte Land wieder mit einem gnädi bei anhaltender Hiße und Dürre. 547 gen Regen erquicke. Ein rechtschaffencs und ernstes Gebet hat der Herr noch nie verschmäht. Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut was die Gottesfürchtigen begehren; er hört ihr Schreien und hilft ihnen. Gebet. Nun so hilf uns denn auch, o Herr, unser Gott! der du bist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue; hilf uns in der großen Noth, die uns betroffen hat, und errette uns aus derselben gnädiglich. Du haſt ehedem deinem Volke gedroht, wenn es deiner Stimme nicht gehorchen würde, so wollest du den Himmel über seinem Haupte ehern und die Erde unter seinen Füßen eisern machen, so wollest du seinem Lande Staub und Asche für Regen geben. Es scheint in der That, als ob auch über uns der Himmel ehern und die Erde unter uns eisern geworden sei. Ach! wie traurig sieht es auf unsern Feldern und Wiesen aus! die Erde ſperrt ihren Mund auf und seufzt um Erquickung. Menschen und Thiere lechzen vor großer Hiße; die Bäume verdorren, das Gras verwelft, die 548 Der glaubige Christ betet zu Gott 2c. Früchte können nicht wachsen! Bäche und Brunnen vertrocknen. Ach, Herr! sich doch d'rein und mache unserer Noth ein Ende! Freilich, wenn wir an unsere Sünden denken, so hätten wir noch viel härtere Strafen verdient. Aber, o Vater der Barmherzigkeit, sei gegen uns arme Sünder barmherzig, und wende dein gnädiges Angesicht wieder zu uns; erquicke uns mit einem fruchtbaren und durchdringenden Regen, daß Menschen und Vieh wieder Nahrung und Unterhalt finden mögen. Um Jeſu Christi willen erhöre unser Flehen und erbarme dich unser! Möge diese deine gerechte Sache uns zur wahren Buße leiten! Heilige uns durch und durch, daß wir werden unsträflich bewahrt werden bis auf den Tag Jesu Christi. Erhöre uns, lieber Vater im Himmel! um deiner Liebe willen, um Jesu Chriſti willen erhöre uns! Amen! Amen, das ist es, es werde wahr, Du wollest es erfüllen, Erhör' und hilf' uns immerdar Um Jesu Christi willen; Denn dein, o Herr! ist allezeit Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Das Reich, die Macht, die Ehre. Amen. Der glaubige Christ lobt Gott 2c. Gefang. Mel. Bion flagt mit Angst und Schmerzen. 1. Nun der Himmel bleibt verschlossen Lange Zeit, o großer Gott! Weil kein Regen sich ergossen Häufet sich auch uns're Noth; Man sieht alles traurig steh'n, Und nach frischem Wasser geh'n; Menschen, Vieh, Laub, Gras und Aehren Deinen Regenthau begehren. 2. Zwar wir haben's wohl verdienet, Daß der Himmel ehern ist, Daß auch unser Feld nicht grünet, Weil du annoch zornig bist lleber uns, die früh und spat Häufen uns're Missethat; Weil wir harte Herzen haben, Soll uns auch tein Regen laben. 3. Weil wir nicht die Sünde fliehen, Wenig achten Gottes Wort, Muß der Regen sich verziehen, Fern von uns'rem Land und Ort; And're sehen im Ueberfluß Deines Regens Segensguß, Nur auf uns're dürre Auen Willst du nicht in Gnaden schauen. 549 4. Ach erbarme dich in Gnaden Ueber uns und unser Land, Laß uns doch nicht ferner schaden Der erhitzten Sonne Brand; Schließ' den Himmel wieder auf, Laß dem Regen freien Lauf; Laß den Regen uns erblicken, Menschen, Vieh und Feld erquicken. Der glaubige Christ lobt Gott an dem wieder erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Psalm 116, V. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich an mir thut? Geburtstage sollen billig Lob- und Danktage sein, welche wir mit Beten und Singen und innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Güte: 1) daß er sie von christlichen Eltern hat geboren werden lassen, welche sie zur Erkenntniß des Heils in Jesu Christo ge 550 Der glaubige Christ lobt Gott bracht haben; 2) Daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben; 3) sie vor Unglück bewahret und aus Gefahr errettet und bisher erhalten hat. 4) Sie bitten Gott zugleich demüthig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. 5) Sie trösten sich, wenn sie also im Glauben und Liebe verharren, daß Gott ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die letzte Feier des Geburtstags auf Erden könnte gewesen sein. Gebet. Ewiger, allgütiger und allbarmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wiederum meinen Geburtstag erlebt. Dieser Tag soll mein Lob-, Betund Danktag ſein. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den Herrn leben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preiſen, mein Gott, daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, sondern auch an dem wieder erlebten Geburtstage. 551 von christlichen Eltern haft lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger Gott! von Jugend auf angeleitet haben? Bin ich denn nun in deinen Armen auferzogen worden, so hast du mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet, haft mir Nahrung und Kleidung gegeben und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach, mein Gott, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft. Kommet her, höret zu, ich will erzählen, was der Herr an meinem Leibe und an meiner Seele gethan hat. Aber ach, ich kann es nicht alles erzählen; es möchte eher Jemand die Sterne am Himmel zählen, als die Gnaden- Gaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie vielen Gefahren hast du mich errettet? wie viel Unglück abgewandt? Dein Geist hat mich gelehrt, regiert, geführt, und wenn ich sündigen wollte, mich innerlich bestraft und zurückgezogen. Werde nun meiner Jahre viel, mein Gott! sind deiner Wohlthaten viel, so gedenke ich auch 552 Der glaubige Christ lobt Gott heute an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach, verzeihe mir dieselben um Jesu Wunden willen; tilge sie mit ſeinem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnaden finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die übrigen Tage meines Lebens, welche du mir in deinem Buche angeschrieben haft, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringen möge, auf daß dir all' mein Thun und Lassen wohlgefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gesetzt hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in dem Segen, unter deinem Schuß glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche Leben daß ewige und himmlische Leben um Jesu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn an dem wieder erlebten Geburtstage. erleben werde, dir zu Ehren mit Loben und Danken feiern, und singe jeßt: 553 Nun lob' mein Seel', den Herren, Was in mir ist, den Namen sein; Sein' Wohlthat thut er mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein, Hat dir dein' Sünd' vergeben, und heilt dein' Schwachheit groß, Errett't dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoos, Mit reichem Trost beschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Der König schafft Recht, behütet, Die leiden. in seinem Reich. Amen. Lob- und Danklied am Geburtstage. Mel. D Gott, du frommer Gott. 1. Dieß ist der liebe Tag, Den hat mir Gott geschentet; D'ran mein erfreuter Geist Mit tausend Luft gedenket, Was seine Treu' und Güt' Bisher an mir gethan, D'rum stimm' ich ihm zu lieb Ein Herzens- Danklied an. 2. Dieß ist der Tag, da ich Bin in die Welt gekommen, Und bin in meiner Tauf' Zu Gnaden angenommen, Da mich mein Jesus hat Durch sein Blut rein gemacht, Und mich zu seinem Licht Durch seinen Geist gebracht. 3. Auf, jauchze heut' mein Herz! Laß auch die Stimm' erklingen; Ich will dir, treuer Gott! Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt Und meinen Geist erquickt und mich bis diese Stund' Mit seinen Gaben schmückt. 4. Du wolleft auch zugleich, D Vater! mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Lösch aus mit Christi Blut Die Schuld und Missethat, Womit dich Herz und Mund Und That erzürnet hat. 5. Ich will durch deine Gnad' Hinfort nicht von dir weichen; Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt erreichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringe dir zum Preis Den Schluß der Lebenszeit. 6. Das Ende meiner Tag' Verbleibet mir verborgen, D'rum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich Bis an das Lebensziel, Es mögen meiner Jahr' Sein wenig oder viel. Gebet vor dem Gewitter. 7. Indessen leg ich mich In meines Jesu Wunden; Ich hab' in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das theuer Jesus- Blut Macht mich von Sünden rein; Ich bleibe, weil ich leb' Und auch im Tode sein. 554 8. So oft ich diesen Tag Werd' wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott! erheben. So fang ich dieses Jahr Als neugeboren an, Ach! es ist lauter Gnad', Was du an mir gethan. 9. Nun ich befehle dir Bis an mein lettes Ende Meimen Leib und meine Seel' In deine Vaters- Hände. Bleib' och mein Lebenslicht, Mein Tröster, Helfer, Stab, Bis ich in dir, durch dich Den Lauf vollendet hab'. Noch einige Wetter- Gebete. Ach, du gerechter Gott! wie wir Menschen Fich, unsern Gott, auf viele Weise und Wege erzürnet, also hast du auch Mittel und Wege, unsere Sünden zu strafen, darum bitten wir dich demüthiglich und von Herzen, weil dieses aufsteigende Gewölke sich zu einem sorglichen und schweren Wetter anschen lässet, du wollest es mit deiner starken Hand gnädiglich trennen und vertreiben, daß es ohne Hagel und allen Schaden abgehe, zu einem fruchtbaren Regen werde, dadurch Frucht und Wein, Laub und Gras, Berg und Thal erquickt und erfrischt werden möge; damit wir nach der Angst dir hinwieder fröhlich danken mögen, um Jesu Christi, unseres Heilandes willen. Amen. 555 Gebet nach dem Gewitter. Tankgebet, nachdem das Gewitter ohne Schaden vorbeigegangen. Gott, Erretter! In Demuth und von gan= zer Seele sagen wir dir billig Dank, daß du durch deine große Güte bei aller unserer Unwürdigkeit dem uns schreckenden Gewitter in Gnaden ein Ende gemacht hast. Du sahst nicht auf die Schwachheit und Unvollkommenheit unseres Gebets. Du hast uns das Leben erhalten, aus der Noth gezogen, vor jedem Unfall bewahrt. Du hast der Früchte des Feldes verschont, das Gewitter mußte sie erfrischen. Was zur Nahrung unseres Lebens dient, hast du segnend erhalten. Möchten wir nur unsers Versprechens und deiner Befreiung, böser Gewohnheit nach, nicht wieder vergessen, gleich den ungetreuen Knechten, die ihren Herrn nur dann fürchten, wenn sie ihn erzürnt sehen! Möchten wir uns durch deine Wohlthaten antreiben lassen, dich von Herzen zu lieben! Du hast unsern Schrecken verbannt. Schütze uns ferner vor jeder Gefahr; reiß uns von dem Irdischen los, damit wir uns nach dem Himmlischen sehnen, um da, von aller Furcht entfernt, deines unaussprechlichen Friedens mit Leib und Seele zu genießen, durch unsern Herrn und Heiland Jesum Christum. Amen Register der Gesänge. Ach! daß ich doch Gottes Liebe Ach! geh nicht in's Gericht Ach Herr! stärke meinen Glauben Ach! komm doch in mein Herze Ach, mein Gott hilf! mir doch Ach! wie lang soll ich noch kämpfen Ach! wo ist nun mein Gott Aufgelöset bald zu werden. Das Pfingstfest freuet mich Demuth ist die schönste Tugend Der Engel gold'nes Heer Der Fried' ist nun geschlossen Der Sontag ist des Herren Tag Die Ernt' ist nun geschehen Die Nacht ist nun vergangen Hier ist gut sein Hier ist Immanuel Dies ist der liebe Tag Du hast, o großer Gott Du willst, o lieber Christ, dich dieser Ein Gottes- Kind zu sein Es bricht der Sabbath an Es stirbt mein bester Freund Geht dir's wohl nach deinem Leiden Gottes Liebe, Gnad' und Güte Gott Lob! das neue Jahr tritt ein Gott! wir hören deine Stimme Hat dir dein Gott ein Kreuz Hat mich denn Gott gar verlassen ● ● ● ● • • . . Seite 104 159 77 140 347 286 218 410 503 128 515 541 27 522 22 553 186 92 303 32 477 65 146 470 197 324 225 390 453 Register der Gefänge. Ich armer Sünder komme wieder Ich bin getauft, ich steh' im Bunde. Ich freue mich auf meinen Tod Ich gebe mich in Gottes Willen Ich glaub' an Gott, von dem wir Ich klage dir, o Gott Ich lege mich in Jesu Wunden Ich liege hier vor dir. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe Ich trag mein Leiden nicht alleine Ich sterbe gern Ich will die neue Woch' ● Ich will jedermann verzeihen Ich will mich dankbar und froh Ich will mich nach der Ruh' umsehen Ich will mit frohem Muth ● Ich will, o großer Gott Ich will von der Welt ausgehen Ich will, was Jesus will Jesus bleibet meine Freude Jesus fähret auf gen Himmel Jesus lebt, deß freu' ich mich Ihr Todten stehet auf Ihr Waisen weinet nicht Ihr Wittwen seid getrost In Gott bin ich immer fröhlich Ist denn die Liebe gar. Ift Gott für mich Ist mein Gewissen frei Kommt laßt uns Christi Todestag Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen Lasset doch den weisen Gott Mein Jesu! sei gepreiset Mein Stündlein nahet sich herzu Mein allergrößter Fleiß auf Erden Mein Gott! ich habe noch das Leben Mein Gott! ich bin von Haus gegangen Mein Gott! ich bin in fremden Landen Mein Gott! laß mich den Wunsch Mein Gott! verlaß mich nicht Mein Gott! verzieh doch nicht ● ● 557 Seite 332 315 402 236 509 267 36 268 360 . 351 394 21.50 377 328 282 407 191 164 298 . 114 496 490 373 258 . . . . . . • 252 121 110 320 211 484 308 311 180 385 205 206 168 291 240 174 381 558 Register der Gesänge. Mein Vater! denk an mich Mich soll kein Kreuz von Gott Mit den scharfen Theurungs- Ruthen Nun die Woche ist verflossen • Nun ist meine Seel' gespeiset Nun der Himmel bleibt verschlossen O allerliebstes Seelen- Pfand. D Jesu! meiner Seele Licht O welch' ein Freuden- Fest Schauet doch das bitt're Leiden Sieh' doch, wie mein Feind mich Sieh' es ist alles mir Sieh', es ist Gottes SegenSoll der Himmel allzeit weinen Soll ohn' die Heiligung Unter meinem Schmerz und Weinen Bater! gieb mir auch die Gabe.. Wann kommt mein Jesus doch. Wann wird Gottes Etunde kommen Wann wird mich mein Gott erhören Was für Jammer, was Was soll ich Sünder nun anfangen Weicht, weichet nur von mir Welch' große Angst und Herzeleid Welche süße Himmels- Freuden Wer da will als ein frommer Christ Wer Gottes Wort anhört Wer in Kreuz und Trübsal stecket Wer nicht wieder ist geboren Wie ist mein Herz erfreut. Wie kann ich g'nugsam preisen Wie lieblich ist dein Wort. Wie sind wir so gar nichts Wohl dem, der Gott vertraut ● Mae C . ● ● ● ● ● . ● ● Seite 56 222 532 156 340 549 336 171 459 477 134 150 521 545 84 278 96 247 232 244 528 160 270 537 398 356 42 344 72 465 365 16 294 229 Register der Gebete. Register der Gebete. 1) Für Gesunde. Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst Morgengebet am Sonntage bringt den Sonntag andächtig hin erwägt den dreifachen Sabbath Abendgebet am Sonntage dankt Gott nach angehörtem 2c. Morgengebet am Montage bittet um Segen im Anfange der Woche bittet um zeitlichen, geistlichen 2c. Abendgebet am Montage dankt Gott für seine Gesundheit Morgengebet am Dienstage 11 18 23 29 32: 37 43 46 51 56 61 65 freuet sich seiner Wiedergeburt 68 bittet Gott um Erhaltung des angezündeten Glaubens 73 78 81 85. 88 93 97 100 104 107 111 115 118 Abendgebet am Dienstage bittet, Gott wolle sein Herz heiligen Morgengebet am Mittwoch bittet, Gott wolle ihn von der Welt Morgengebet am Donnerstage bittet um Liebe zu dem Nächsten will Jesu nachfolgen . ● bittet um Demuth bittet um Sanftmuth bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Abendgebet am Mittwoch bittet um wahre Liebe zu Gott Abendgebet am Freitage bittet um den heiligen Geist ● ● ● • . Abendgebet am Donnerstage erkennt, daß Gott allein das höchste Gut sei. Der glaubige Christ Morgengebet am Freitage Morgengebet am Sonnabend erkennt die immerwährende Güte Gottes ● • ● ♦ . ● 559 • Erite 122 124 129 135 137 141 143 Register der Gebete. 560 Der glaubige Christ erwägt die künftige Herrlichkeit Abendgebet am Sonnabend dankt Gott am Ende der Woche bittet Gott feine Sünden ab bittet Gott um Kraft wider die Sünde will sich Gott zum Opfer geben betet bei dem Genuß des heiligen Abendsmahls Gebet vor dem heiligen Abendmahl Gebet nach dem heiligen Abendmahl Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit Glaubige Eltern beten für ihre Kinder Fromme Kinder beten für ihre Eltern Der glaubige Christ betet bei entstandenem llngewitter dankt Gott nach einem Ungewitter betet auf der Reise betet in fremden Landen betet um ein gutes Gewissen 2) Für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes tröstet sich der Liebe Gottes tröstet sich der Hülfe Gottes tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes erwägt die göttlichen Verheißungen erwägt die Absicht Gottes im Kreuz bittet um Geduld und Stärke. bittet um Abnehmung der Trübsal erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes Betrübte Wittwen schütten ihr Herz 2c. Verlassene Waisen tlagen Gott ihre Noth Der Betrübte flagt über die Schwachheit seines Glaubens flagt über gotteslästerliche Gedanken. Trost gegen lästerliche Gedanken. 3) Für Kranke. Morgengebet eines Kranken Abendgebet eines Kranken. Der Kranfe bittet Gott um Geduld tan • ♦ • • • • E cite 147 151 153 157 161 165 169 174 175 177 181 187 192 199 201 206 207 215 219 223 226 230 233 237 241 245 248 254 259 263 ● . 270 272 279 283 Register der Gebete. Der Kranke bittet um Gottes Beistand erkennt, daß er ein Mensch und sterblich ergiebt sich Gottes Willen, zu leben zc. erkennt, daß Kreuz und Trübsal 2c.. erkennt den Nugen der Krankheit. seßt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. erinnert sich seines Tauf- Bundes gründet sich auf die Wohlthaten des dreiein. Gottes will sein Leiden ohne Murren tragen schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls bittet um Vergebung der Sünden betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. betet wenn er Arznei gebraucht bittet um Linderung der Schmerzen seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen erinnert sich seines Todes betrachtet sein Grab und Auferstehung dankt Gott nach erlangter Gesundheit 4) Für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht verzeiht und bittet um Verzeihung ● erwägt die Verheißung Gottes. betrachtet die Himmels- Freude 2c. ● ● ● tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes will auf Jesum Christum sterben. → 369 374 nimmt Abschied und giebt den Seinigen den Segen 378 befiehlt sich Gott 382 stellt eine Himmelsbetrachtung an 387 391 395 399 403 407 411 bittet um ein seliges Ende Gebet der Umstehenden für Sterbende Sprüche, Seufzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen Seufzer und Gebete eines Sterbenden Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu 36 ♦ 561 Seite ● 288 292 295 299 303 308 312 316 321 325 4 413 433 447 Segenswunsch über einen Sterbenden 447 Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden 448 Start's Hdb. 4r. Tht. 328 332 337 341 345 348 352 357 361 562 Register der Fest- Andachten. Register der Fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet Christi Ankunft im Fleisch. betrachtet die Geburt Jesu Christi betet am Beschluß des Jahres betet im Anfang des Jahres betrachtet das Leiden Jesu Chriſti betrachtet Jesus in seinem Blute erwägt Christi Todestag( Charfreitag) freut sich über Christi Auferstehung betrachtet Christi Himmelfahrt. betrachtet die geistliche Himmelfahrt erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes erwägt das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. betrachtet am Michaelisfest den Schuß der hl. Engel dankt Gott nach eingesammelter Ernte Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten ● betet bei Theurung und Hungersnoth betet in Pestzeiten. lobet Gott nach erlangtem Frieden betet bei anhaltender nasser Witterung betet bei anhaltender Hiße. . • 6 ● Der glaubige Christ lobt Gott an dem wieder erlebten Geburtstage Noch einige Wetter- Gebete . Geite 449 454 460 466 472 477 478 485 491 496 498 504 510 516 523 529 533 538 543 546 549 554 Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 10 Red 11 5 12 13 Magenta 14 6 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8