go 21.61 kt m to Text h 28.7. Johann Friedrich Stark, weiland evangelischer Pfarrer und Consistorialrath zu Frankfurt a. Main, geboren zu Hildesheim den 10. Okt. 1680, gestorben zu Frankfurt den 17. Juli 1756. S Johann Friedrich Stark's, weil. evangel. Predigers und Consistorialraths zu Frankfurt a. M., Tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen, enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende; ferner Sprüche, Seufzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen, mehrere Jeftandachten, Buß, Beicht, Communion- und Wetter- Gebete, Trost- und Erqnickungs- Gebete und Gesänge, wie auch Kriegs-, Theucangs-, Deft- und Friedens- Bebete, nebst einem Gebetbüchlein für Schwangere, Gebärende, Wöchnerinnen und für Unfruchtbare. Neue wohlfeile Ausgabe in großem Druck. 47. Stereotypdruck. Mit dem Bildniß des sel. Verfassers und vier weiteren Bildern. Stuttgart. Druck und Verlag von J. F. Steinkopf. 1916.82 Hostian asid den tot by d aindut votnist point Vorrede zur zehnten Auflage. III dud Hiemit lege ich dem Leser mein tägliches Handbuch zum zehnten Male dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebetbüchern gar nicht geneigt zu seyn, indem ein Theil der Leute bei seinem Aufstehen eher an seine Geschäfte als an das Gebet denkt, vor dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen so geschickt wären, ohne Hilfe eines Buchs aus ihrem Herzen ein Gebet abzulegen, und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so könnten sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber auch dazu nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christenthum, irdisch gesinnt und ungeschickt zu allem Guten werden, sondern, weil sie sich nicht durch's Gebet Gott heiligen und übergeben, so kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und jede Sünderin zu Eitelkeiten und fündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun folchen, in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung zum Gebet nöthig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben, und sich eines solchen Zuflusses heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich damit völlig vergnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzuſtand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Gemüthe nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will. Kinder Gottes gehen hierin, nach meiner Erfahrung, den Mittelweg; nämlich: wenn sie ein Morgen- oder Abendgebet lesen, so bekommen sie dadurch verschiedene schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiemit aber ist ihre Andacht nicht geendigt, sondern sie tragen Gott insbesondere ihr und der Ihrigen besorgliches Leiden, ihre Bekümmerniß, ihre obschwebende Gefahr und ihre betrübten Umstände vor; setzen sie noch eine andere Betrachtung dazu, so wird, wenn dieses mit Andacht geschehen, die Seele den ganzen Tag hindurch erquickt und bei Gelegenheit an das Gelesene erinnert werden. In dieser Absicht habe ich, auf Anrathen Gott liebender Freunde, in dem ersten Theile dieses Handbuchs eine Aenderung vorgenommen. Sie meinten, es wäre besser, auf jeden Tag ein Gebet, als nur immer Ein Morgen- und Ein Abendgebet zu haben; ihr Wunsch war, daß die besondern Betrachtungen mit jedem Tage verbunden werden möchten, weil sie soust gar Start, Handbuch. 1 IV Vorrede. ausgesetzt bleiben. Ich habe demnach dieses Alles mir gefallen lassen, und nicht allein für einen jeden Tag eine Morgen- und Abendandacht bestimmt, sondern auch derselben zwei besondere Betrachtungen beigefügt, damit die Leser mit denselben abwechseln, oder auch ihre Andacht des Tages dreimal erneuern und unterhalten können. Außer dieser Versetzung der Betrachtungen habe ich in dem Wert wenig geändert, außer daß ich die Poesie, wo sie zu hart klingt, gemildert habe. Und weil man zu diesen Zeiten so viel von Krieg, ansteckender Seuche und Theurung, mit denen Gott die Länder heimsucht, vernimmt, so hat der Herr Verleger dafür gehalten, es sei wohl gethan, wenn man andächtigen Seelen in solchen Jammerstunden Anleitung gebe, die Noth des Nächsten und ihre eigene Noth in Bitte, Gebet und Fürbitte vorzutragen. Und da uns der getreue Gott in unserem deutschen Vaterlande den edlen Frieden geschenkt hat, so habe ich auch zu diesen Freudenfesten eine Andacht hinzufügen wollen. Eben um dieser Ursache willen ist diese Auflage auch mit Festandachten vermehrt worden, damit in solchen Tagen der müde Geist in Gott erfreut, irdisch gesinnte Menschen aber erinnert werden mögen, wie Festtage keine Spazier-, Lauf, Sauf-, Spiel- und Tanztage, sondern Bet-, Lob- und Danktage seyn sollen. Es scheint, die bösen Gewohnheiten bleiben ein sündliches Erbgut, welches eine Zeit der andern überliefert, so daß man mit Nikolaus von Clemangis noch dieselbe Klage führen muß, daß an keinem Tage mehr Sünden getrieben werden, als an Sonn- und Festtagen. Du aber, o dreieiniger Gott! wirke in allen Betenden eine herzliche und inbrünstige Andacht. Lasse die Gefunden in den Tagen, in denen du fie mit Wohlergehen begnadigst, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und sich Schäße sammeln, damit sie sich in Noth und Tod aufrichten können. Erfreue die Betrübten in ihren Jammerstunden; versichere sie deiner Allmacht, Weisheit und Treue. Ueberzeuge die Kranken von deiner ewigen Liebe, und lasse die Sterbenden nach dem Vorbilde Jesu sich dem Willen des Vaters übergeben. Umfasse, treuer Vater! alle Betenden mit deiner Gnade. Schließe sie, o Jesu! in deine Wunden ein, und lasse, o Geist der Gnade und des Gebets! fie deiner Gemeinschaft im Leben, Leiden und Sterben beständig genießen! Amen. Start. Inhalts- Uebersicht des täglichen Handbuchs. Erster Theil. Für Gesunde. Der glaubige Christ Seite Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst 1 erkennet, daß Gott allein bas höchste Gut fei ● Morgengebet am Freitag Morgengebet am Sonntag 5 bringt den Sonntag andächtig hin 8 erwägt den dreifachen Sabbath. 12 Abendgebet am Sonntag 15 dankt Gott nach angehörtem Wort 18 Morgengebet am Montag 21 bittet um Segen im Anfang der Woche bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. ● 27 Abendgebet am Montag. 30 dankt Gott für seine Gesundheit 33 ● bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten ● ● 23 erwägt die göttl. Verheißungen erwägt die Absicht Gottes im Kreuz Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes 141 tröstet sich der Liebe Gottes. 144 tröstet sich der Hilfe Gottes. 146 tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. . 149 152 ● bittet um Geduld und Stärke bittet um Abnahme der Leiden 161 bittet um Demuth bittet um Sanftmuth Dritter Theil. Morgengebet eines Kranken 187 Abendgebet eines Kranken.. 190 Der Kranke bittet Gott um Geduld... 193 ● 94 Abendgebet am Sonnabend 97 dankt Gott am Ende der Woche 99 Morgengebet am Dienstag 36 freut sich seiner Wiedergeburt. 38 bittet Gott seine Sünden ab. 102 bittet Gott um Erhalt. d. Glaubens 41 Abendgebet am Dienstag. 44 bittet, Gott wolle sein Herz heiligen 46 Morgengebet am Mittwoch 49 bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. ... 50 bittet Gott um Kraft wider die Sünde .. 106 will sich Gott zum Opfer geben 109 betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls bittet um Frömmigkeit ● Abendgebet am Freitag bittet um den heiligen Geist Morgengebet am Sonnabend( Samstag) erkennt die immerw. Güte Gottes erwägt die fünftige Herrlichkeit der Kinder Gottes ● 54 120 Abendgebet am Mittwoch. 57 Fromme Kinder für ihre Eltern 124 bittet um wahre Liebe zu Gett 59 Der glaubige Christ betet bei entstand. Ungewitter 128 betet auf der Reise 133 Morgengebetam Donnerstag 62 bittet um Liebe zu dem Nächsten 63 will Jesu nachfolgen.... 67 Abendgebet am Donnerstag 70 Zweiter Theil. betet in fremden Landen 137 betet um ein gutes Gewiffen. 138 Für Betrübte. Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus Verlaffene Waisen klagen Gott ihre Noth ● Glaubige Eltern beten für ihre Kinder ● V . Seite 112 . 116 72 75 76 Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. 81 84 86 90 91 ● 167 .. 172 155 176 158 flagt über gottesläst. Sedanken 179 Trost gegen lästerliche Gedanken 185 Für Kranke. 164 Der Kranke bittet um Gottes Beistand.. 196 erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei . 199 Inhalts- Uebersicht des täglichen Handbuchs. Der Krante Seite 202 ergibt sich in Gottes Willen, zu leben und zu sterben erfennt, daß Kreuz und Trübfal von Gott kommen... 205 erkennt den Nutzen der Krankheit 208 vertraut auf die göttl. Allmacht 212 erinnert sich seines Taufbundes 214 gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 218 will sein Leiden ohne Murren ertragen ... 221 VI schickt sich zum Genuß des heil. Abendmahls Vierter Theil. Für Sterbende. ● Der glaubige Chrift betet in Kriegszeiten betet in Hungersnoth Der Sterbende Der Sterbende stellt sich vor's göttliche Gericht 257 bittet um ein seliges Ende. 285 verzeiht und bittet um Verzeihung 260 Gebet d. Umstehenden für Sterb. 288 nimmt Abschied und gibt den Sprüche, Seufzer und Gebete, Seinigen den Segen befiehlt sich Gott. 264 267 den Sterbenden vorzusprechen 290 Seufzer u. Gebete e. Sterbenden 305 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu stellt eine Himmelsbetrachtung an 270 erwäget die Ver heißung Gottes 273 betrachtet die Himmelsfreude. 276 tröstet sich des Beistandes des breieinigen Gottes. Segenswunsch über einen Sterbenden 279 Gebet der Umstehenden, wenn will auf Jesum Christum sterben 282 der Sterbende verschieden 317 Festandachten. ● ● ● Der Kranke bittet( Sott um Vergebung der Sünden betet vor den Genuß des heil. Abendmahls. T : 230 nach dem Genuß d. h. Abendmahls 233 betet, wenn er Arznei gebraucht 236 bittet um Linderung d. Schmerzen 239 seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen.. 4.59 242 erinnert sich seines Todes.. 245 betrachtet sein Grab und Auferstehung.... 249 danket Gott nach erlangter Ge224 sundheit....... 252 ● ● 321 Der andächtige Christ betrachtet Christi Ankunft im Der andächtige Christ freuet sich über Christi Auferstehung( Ostern) Fleisch( Advent) 344 betrachtet die Geburt Jesu Christi betrachtet Christi Himmelfahrt 349 ( Weihnacht) 322 erwäget die Ausgießung des heibetet am Schluß des Jahres. 326 ligen Geistes( Pfingsten). 353 erwäget das Geheimniß der heil. betet im Anfang des Jahres. 331 betrachtet bas Leiden Jesu Christi ( Paſsion) erwäget Christi Todestag( Charfreitag) 335 · 318 ● Der glaubige Christ ● ● ● Der glaubige Christ lobt Gott an seinem Geburtstag Noch einige Wettergebete ● Seite 227 ● 317 ● 317 Dreieinigkeit( Trinitatis) betrachtet am Michaelisfest den Schutz der heiligen Engel 362 339 banket Gott nach eingesmlt. Ernte 366 358 371 betet in Pestzeiten R. 378 375 lobet Gott nach erlangtem Frieden 381 Communion- Gebete. Gebet vor dem heil. Abendmahl 384 Gebet nach dem heil. Abendmahl 385 . 386 . 390 Easter! ||| 10 Jefars: Meise du nicht daß alo Buftes fertel How Bist du gefund von Leib und fröhlich von Gemüthe, So such' der Seele Heil und preise Gottes Güte. ( Luc, 10, 39.) Erster Thril. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Geſunde. 1 Vor- Sabbath. Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst vor. Aufmunterung. Eins bitte ich vom HErrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des HErrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste bes HErrn, und seinen Tempel zu besuchen. Psalm 27, 4. Es hat der weise Gott sogleich nach dem Sündenfall den ersten Menschen angewiesen, Opfer zu bringen, und seine Kinder Cain und Abel haben diesen Opferdienst von ihm gelernt, wie denn von dem Opfer dieser Beiden im 1 B. Mose 3, 3.4. ausdrücklich Meldung geschieht. Diese Opfer geschahen nun nicht stillschweigend; sondern die Menschen bekannten dabei ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messias Jesus Christus, der auch sein Blut für die Menschen, wie das Opferthier, vergießen würde. Ja sie lobten bei solchen Opfern Gott für die empfangenen Wohlthaten, und predigten auch von dem Namen des HErrn. Hiezu war der siebente Tag bestimmt, als welchen Gott selbst zur Ruhe geheiligt hatte, nachdem Er in sechs Tagen die Welt erschaffen hatte und am siebenten ruhte. Diese Art des Gottesdienstes ist immer von den Erzvätern beibehalten worden, bis Gott in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten ließ, nach deren Bild Salomo hernach den Tempel erbaute. Im neuen Testamente feiern die Christen Gott dem HErrn auch einen Tag, nämlich den Sonntag, als an welchem Tage Christus auferstanden und der heilige Geist ausgegossen worden ist; wenn nun ein solcher Tag herbeikommt, so soll ein glaubiger Christ: 1) am Sonnabend( Samstag) bei Zeiten Feierabend machen, sein Gemüth von irdischen Dingen sammeln, und seine Arbeit niederlegen. Er soll 2) sich auf den bevorstehenden Sonntag mit Beten vorbereiten, und Gott loben für die vielen Wohlthaten, welche er die Woche über empfangen hat. Er soll 3) dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man am Sonntag erklärt, in der Bibel Erster Theil. Für Gesunde. nachschlagen, und darüber eine Betrachtung anstellen, und sich so zu andächtiger Anhörung des göttlichen Wortes vorbereiten. Er foll 4) in Zeiten sich mit solchen guten Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sonntage desto früher und erweckter bei dem Gottesdienste erscheinen möge. 2 Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken dafür, daß du mich die vergangenen sechs Tage hindurch so gnädig erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet haft. Du haft meinen Einund Ausgang bewahrt, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte! weicht von mir, ihr Sorgen! Jetzt baue ich Gott in meinem Herzen einen Tempel auf! es soll ein Bethaus werden, in welchem ich meinem Gott allein dienen will. Ich vergesse, was dahinten ist; ich lege meine Arbeitslasten und Handtirung nieder, und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott empor, um mich in Ihm zu erfreuen. Oder unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat! Diese Ruhe ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese, wo wir ohne mühsame Arbeit allezeit Gott zu dienen und zu loben beschäftigt gewesen wären. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Himmelsruhe; denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben anfangen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen und von Sünden befreit seyn. Ach, gnädiger Gott! lasse mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor böfen Gesellschaften, damit nicht etwa der Satan durch feine Werkzeuge mich von dem Gottesdienste abhalten Vorbereitung zum Gottesdienst. möge, und hilf, wenn er sie mir schickt, daß ich ihnen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christenthum, zu deinem Lobe und Dienst angeordnet hast, nicht in Müßiggang, Faulheit, Ueppigkeit, Sustbarkeit und Sünden hinbringen, und nicht dadurch meiner Seele den größten Schaden zufügen möge: sondern gib mir deinen heiligen Geist, damit ich den ganzen Tag, vom Morgen bis zum Abend, dir aufopfere und zu deinem Dienst anwende. Wecke mich frühe auf, damit ich als der Erste zum Lob, zum Gebet und zum Gefang bei dem Gottesdienst erscheinen möge. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und wenn sich je einige melden, daß ich sie durch deine Kraft wegtreibe; oder, wenn Satan mir einen bösen Nachbar schicken wollte, der ein irdisches Geschwäßz in deinem Tempel anfangen wollte, so verleihe mir Kraft, daß ich ihm kein Gehör gebe, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Dienst erwecken und aufmuntern möge. Wenn dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, folches in mein Herz fassen und als einen theuren Schatz darin bewahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntag auch in meinem Christenthum mich erbaue, in der Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich indere, heilige, befehre und zu einem neuen Menschen mache; auf daß ich, wie an Jahren, so an dem inwendigen Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen, und eine neue Kreatur, ja ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. Laffe mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsam bewahren, und den Tag mit Gebet und Lobgesängen beschließen. Ach! laß mich stets des angehörten Wortes eingedent bleiben, damit ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, und mich 3 4 Erster Theil. Für Gesunde. so beweisen möge, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts sei. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. Ich will in Gottes Haus mit Gottes Kindern gehen. Ich will in meinem Schmuck vor dem Altare stehen. Mein Herz soll hoch vergnügt in seinem Willen ruh'n, Der Leib soll nichts als Noth- und Liebeswerke thun. Komm heute in mein Herz, du König aller Frommen! Laß mit dir Segen, Heil und Seelenfrieden kommen; Die Sonne deiner Gnad' kehr' heute bei mir ein, So wird mir dieser Tag ein rechter Sonntag seyn. Gesung. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringt mir lauter Freude, Es ist mein größter Trost Und meiner Seele Waide, Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab', Der mich erquicken soll, Bis man mich trägt in's Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wenn sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub' nach diesem Wort, Und leb' nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Mit dem ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterfeit In meinem Herzen habe. Wie süß ist's meiner Seel', Wenn sie in Trübsal ist, Wenn deines Trostes Quell' Im Worte auf sie fließt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, Groß über alle Schätze, Daran ich mich allein In Noth und Tod ergötze; Den Schatz raubt mir kein Feind, Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein Eitler zu erwählen, Viel lieber ist dein Wort Der gottergeb'nen Seelen; Wenn man dein Wort und Gold Ihr leget in's Gewicht, So greift sie nach dem Wort Und will des Goldes nicht. 6. Rathgeber suchen die, Die hier im Zweifel stehen, Dieselben sind dein Wort, Dahin pfleg' ich zu gehen; Frag' ich: was thu' ich jetzt, Geht's übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. Morgenandacht am Sonntag. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich hienieden gehen, Es soll mein Leitstern seyn, Nach diesem will ich sehen; Wozu es mich anweist, Das thu' ich ungescheut, Und meid' mit allem Fleiß Das, was es mir verbeut. 8. Ach nimm doch nicht hinweg Das Wort von meinem Munde, Ach! laß es seyn mein Trost Bis in die Todesstunde; 5 Wenn sich mein Mundverschließt, Nimmt keine Speise ein, So laß dein liebes Wort Der Seele Speise seyn. 9. So hab' ich il terricht, So lang ich werde leben, Ich hab' auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben; Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Mein Gott, erlang' ich dort, In jener Herrlichkeit. Morgen- Andacht am Sonntag. Aufmunterung. HErr, höre auf meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Psalm 5, 2. 3. Unser ganzes Leben soll nichts anders als Beten und Danken seyn: nämlich, daß wir alle Tage Gott in unsrem Gebet um seinen Segen, seine Hilfe, seinen Beistand und seine Gnade anrufen, und, wenn wir solches erlangen, daß wir ihm herzlich dafür danken sollen. Darum, glaubiger Christ! wenn du des Morgens von deinem Schlafe erwachest, so erhebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen gen Himmel empor, denke nicht sogleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle zuerst auf deine Kniee nieder, danke Gott, und empfehle dich seinem gnädigen Schutze. Denke nicht, du versäumest viel, wenn du eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesen eines Kapitels in der Bibel oder in Johann Arnds wahrem Christenthum anwenden solltest. O nein! die auf's Gebet verwendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder hereingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigſeim in deinem Munde seyn. Darum, wenn du erwachest und des Morgens gesund aufstehest, so denke: 1) wie viel fromme Christen, welche vielleicht frömmer als du sind, die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht haben, du aber dergleichen dieses Mal nicht erfahren hattest. Denke: 2) wie Andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübfal gerathen sind, dir aber fehlet nichts, und dafür danke Gott. Bitte: 3) auch Gott mit dem Erster Theil. Für Gesunde. anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, damit du an demselbigen dich gegen ihn oder den Nächsten nicht verfündigen mögest. Bitte Gott: 4) er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufswegen segnen. Ja übergib dich: 5) Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn gedenken, und mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögest, und dann zweifle nicht, daß der HErr dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören, und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen wird, was dir an Leib und Seele nützlich und selig seyn wird. 6 Gebet. HErr! frühe wollest du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Allmächtiger, gnädiger Gott! du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre; wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden! wer sollte dich nicht ehren? Oliebreicher Vater! ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demüthigem Danke, daß du in dieser Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen, und deine Güte und Treue wieder an mir haft neu werden lassen. Begleite und schüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laffe diesen Tag bez fonders einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele seyn. Du hast nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, damit du dein Werk in mir haben mögest. O! darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, damit ich Schäße sammeln möge, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, bei denen die Diebe nicht nachgraben oder sie stehlen. Ich freue mich dessen, was mir geredet ist, daß wir hinauf in das Haus des HErrn gehen werden, und meine Füße in deinen Thoren, Jerusalem, stehen sollen. Eins bitte ich vom HErrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des HErrn bleiben möge mein Lebenlang, um die Gottesdienste zu schauen und seinen Tempel Morgenandacht am Sonntag. 7 zu besuchen. Mein Gott! es soll heute meine Lust feyn, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zur Ehre Lob- und Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich find deine Wohnungen, HErr Zebaoth! Meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott; lasse mich aber kein vergeßlicher Hörer seyn, sondern ein Thäter des Worts werden. Deffne mir das Herz wie der Cydia, damit ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme, schließe sodann mein Herz zu, damit mir ihn Satan nicht wieder raube. Laffe mich heute in meinem Christenthum, in der Erkenntniß Jesu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verläugnung meiner selbst, im Absterben der Welt einen festen Grund legen, damit ich die künftige ganze Woche daran gedenke, es ausübe und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Wertzeuge an mich schickt, damit ich meine dir geheiligten Stunden der Welt nicht überlasse, oder ihrer sündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zur Ehre hinbringen soll, aufopfere, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte. Ach! laffe meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selbst, o Jesu! mein Lehrer, damit ich an dem inwendigen Menschen zunehme, damit ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. Heil'ger Geist, du Himmelslehrer, Mächt'ger Tröster und Bekehrer, Ach! laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung seyn. Gesang. Mel.: Wach' auf, mein Herz! und finge se. 1. Die Nacht ist nun vergangen, Mit Singen und mit Beten Drum will ich gleich anfangen, Vor Gottes Thron zu treten. 8 Erster Theil. Für Gesunde. Zum Himmelsvorschmack wer2. Gleichwie die Mütter pflegen| Trotz dem Geräusch der Erden, Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen, Und um ihr Bett zu stehen. 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben. Ich hab' in Schutz und Segen In seinem Schoos gelegen. 4. Mein Herz und meinGemüthe Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns Dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schutz erhalten. 6. Laßt uns den Tag zubringen Mit Loben, Beten, Singen, In Glaub' und Liebe stehen, Und keine Sünd' begehen. 7. Es ist ein Tag der Ruhe, Da soll mir, was ich thue, Mit Gottesliebe zieren, Daß ich mich dir ergebe, Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott! erhör'meinFlehen, Und laß die Bitt' geschehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. Der glaubige Christ bringt den Sonntag andächtig zu. Aufmunterung. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des HErrn; mein Leib und meine Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Psalm 84, 2. 3. den. 8. Und kommen Kreuz und Plagen, So hilf mir Alles tragen; Laß, HErr, nach Angst und Weinen Die Freudensonne scheinen. 9. Leit' mich auf guten Wegen, Und gib mir deinen Segen, Und daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du wollst mein Herz re gieren, Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhetag in der Woche bestimmt hat, an welchem er von aller Arbeit, Last und von allen Bemühungen befreit seyn soll, ja er hat auf diesen Tag auch einen besondern Segen gelegt, welches Segens Diejenigen werden theil haftig werden, welche ihn andächtig zubringen. Je mehr dieses nun eine Wohlthat ist, um so mehr soll ein wahrer Christ sich hüten: 1) daß er den Tag nicht in Trägheit und Müßiggang zurücklege; denn jo halten Pferde und Ochsen und andere Lastthiere den Sonntag. Er soll sich hüten: 2) daß er den Tag nicht zu unmäßigem Essen, Trinken oder zu leppigkeiten mißbrauche; denn, was alle Lage Sünde ist, das ist am Sonntage dopvelte Sünde. Er soft Undächtige Sonntagsfeier. 9 sich hüten: 3) daß er nicht den Sonntag mit Arbeit, oder mit irdischen Geschäften zubringe, wie mit Spazierenfahren, Schuldeneintreiben, Durchgehen von Rechnungen, Bestellen von Arbeitsleuten, denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Hiezu ist zu rechnen, wenn man am Sonntag gerne Gastmähler anstellt, gerne zu Gaste geht, oder spielt, tanzt, luftige Gesellschaft sucht; dieses Alles hindert die Seele an ihrer Erbauung, an der Ruhe in Gott, an dem Wachsthum im Christenthum, und solche Freuden sind ganz dem Endzwecke des Sabbaths entgegen, und die, welche solches thun, sind noch keine rechten Kinder Gottes, sondern Namenchristen, welchen, wie sie sagen, kein Tag so lang wird, als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß den Tag besser, nämlich zur Ehre Gottes und zu seiner Seele-Wohl anzuwenden: 1) zur Ehre Gottes mit Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthat Gottes, die er die Woche und die Zeit seines Lebens hindurch empfangen hat; 2) zu seiner Seele Wohl, dadurch, daß er den Tag der Anhörung des göttlichen Wortes widmet, damit er in der Erkenntniß Gottes und in seinem Christenthum zunehmen möge. 3) Dieses Alles aber soll er thun, nicht etwa eine oder eine halbe Stunde lang, sondern den ganzen Tag hindurch, denn das dritte Gebot redet von dem ganzen und nicht von dem halben Tage. Ach gewiß! an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen. Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen gedrückt hat! Die Alten haben gesagt: Wie man höret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. 4) Nachdem man Gottes Wort gehört hat, so behalte man es in einem feinen, guten Herzen; man lebe darnach, und bringe diese Lebensregel alsbald in die Uebung, und sammle sich dabei einen Vorrath an Trostlehren und Machtsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen könne. Gebet. Dieses ist der Tag, den der HErr gemacht hat; laffet uns freuen und fröhlich an demselben seyn. Heute ist des HErrn Tag und der mir von Gott geschenkte Ruhetag, deshalb will ich ihn zu Gottes Ehre mit Danken und Beten hinbringen. Ich danke dir, o Gott! für die vielen Gaben, welche du an diesem Tage mir ertheilt hast. An einem Sonntage ist Jesus, mein Heiland, aus dem Grabe auferstanden und der Erster Theil. Für Gesunde. heilige Geist über die Apostel ausgegoffen worden; darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist, und der Mittheilung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ausgegossen worden ist. Ich danke dir für dein heiliges, reines Wort, das du an diesem Tage zum Unterricht und zur Erbauung meiner Seele verkündigen läsfest. Ich danke dir für alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, die ich mein ganzes Leben hindurch von deiner Vaterhand empfangen habe, daß dr mich von Jugend auf geleitet, geführt, erhalten, und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan hast. O wer kann doch deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig find! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag seyn. Ich bitte dich, mein Gott und Vater! lasse mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen. Behüte mich vor Verführungen, vor eiteln Gedanken, bösen Gesellschaften. Ach! daß alle meine Adern Zungen und meine Blutstropfen Stimmen wären, um dich, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! zu loben und zu preisen. Ach, daß keine Stunde verginge, in der ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegle in meinem Herzen das gehörte Wort, damit ich fleißig an dasselbe denke, mein Leben und meinen Wandel darnach einrichte; und da ich nun eine Woche älter geworden bin, so gib, daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe und Frömmigkeit zu nehmen und an dem innern Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gib mir deinen heiligen Geist, der mich in der fünftigen Woche und die ganze Zeit meines Lebens hindurch daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gib deinen Segen zu meiner Arbeit und zu meinen Verrichtungen, und lasse mich in deiner Gnade meine übrigen Lage und Jahre ferner erleben, bis ich endlich dahin gelangen werde, wo ich mit 10 Sonntagslied. 11 Danken und Beten dir einen ewigen Sabbath im Himmel feiern werde. Heut' ist des HErren Ruhetag. Vergesset aller Sorg' und Plag', Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Hallelujah! Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Chr' c. 1. Der Sonntag ist des HErren Tag, Den läßt uns Gott erleben, Damit ein Jeder ruhen mag, Dazu ist er gegeben; Ach! bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Gemüth und Sinn Gen Himmel sich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh' und Rast Zu seinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeitslast Aus großer Gnad' befreiet; Hier soll von allem seinem Thun Der Herr und das Gesinde ruh'n, Und sich in Gott erbauen. 3. Verflucht ist, der ein Werk vornimmt, Das Gott nicht selbst erlaubet, Und der die Zeit, die Gott bestimmt, Durch Arbeit Ihm geraubet. Wer Wollust, Wucher, Sünden sucht, Der ist und bleibt von Gott verflucht, Und wird ohn' Segen bleiben. 4. Dieß aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil unsre Seel' in Gott soll ruh'n, Mit Lesen, Beten, Singen; Man höre fleißig Gottes Wort An dem von ihm bestimmten Ort, Und diene Gott von Herzen. 5. Am meisten denk' an Gottes Macht, Wenn dein Aug' um dich schauet, Wie er die Schöpfung hat vollbracht, Da er die Welt gebauet, Mit Wolken sie schön eingehüllt, Mit reichen Gaben angefüllt Zur Freude aller Menschen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Christ An diesem Tag erstanden, Und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt. Wohl dem, der gläubig das erwägt, Und Jesum dafür preiset. 7. Der heil'ge Geist ist sichtbarlich Am Sonntag ausgegoffen; O Reichthum, welcher gnädiglich Auf uns auch kommt geflossen! Denn dieses Geistes Kraft und Licht Versaget uns der Höchste nicht Zum Glauben uns zu bringen. 8. An diesem Tage sollst auch du Dich deiner Tauf erfreuen, Und in der stillen Seelenruh' Den Bund mit Gott erneuen, Und denk daran die ganze Woch'; Ja, auch so lang du lebeft noch Erfreu' dich deiner Taufe. Start, Handbuch. 2 Erster Theil. Für Gesunde. 9. Hiebei erwäge allezeit, Was Gott dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit Erhält annoch dein Leben, Wie er dich schützet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt, Und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christenthum An diesem Tag zu nehmen, Und dich zu deines Gottes Ruhm Der Frömmigkeit nicht schämen; Du sollst in Gottes Tempel steh'n, Wenn Andere der Sünd' nachgeh'n, Und sein Wort fleißig lesen. 12 11. Dem Wort gib in dem Herzen Platz, Und zeig' es in den Früchten, Und sammle in dir einen Schatz, Der dich einst kann aufrichten In Traurigkeit, in Angst und Noth, In Krankheit, Trübsal und im Tod, Ja auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnädig seyn, Es stellet sich der Segen, Ach! glaub' es, bei dir reichlich ein Auf allen deinen Wegen, Und so wirst du beglücket steh'n, Und als ein Gotteskind eingehn Zur wahren Sabbathruhe. Der glaubige Christ erwägt den dreifachen Sabbath. Aufmunterung. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, daß unser Reiner dahinten bleibe. Hebr. 4, 9. 11. Wenn ein wahrer Christ den Sonntag Gott wohlgefällig zubringen soll, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist. 1) Ein wöchentlicher Sabbath, indem er den Sonntag zur Betrachtung der Wohlthaten anwendet, welche er von Gott empfangen hat. Es ist aber 2) auch ein täglicher oder geistlicher Sabbath zu feiern, welcher aber nicht darin besteht, daß man gar die Arbeit unterlassen und immer feiern soll, sondern unter dem täglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch von Sünden feiert. Wie er den Sonntag fern von der Handarbeit feiert, so feiert er alle Tage fern von Ueppigkeit und Bosheit. Er hütet sich, daß er nichts Böses gegen Gott und den Nächsten rede; daß er nichts Böses, weder allein noch in Gesellschaft anderer Leute, thue; daß er sich auch durch Andere nicht verführen lasse, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt erhalte. Wie er nun dieses meidet, so befleißigt er sich unter seiner Arbeit, öfters an Gott zu gedenken, zu Gott zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tägliche Sabbath, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun den wöchentlichen Sabbath andächtig, und diesen täglichen Sabbath Erwägung des dreifachen Sabbaths. 13 eifrig gefeiert hat, der kann versichert seyn, er werde: 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die glaubigen und auserwählten Kinder Gottes von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und von aller Trübsal, von aller Sünde befreit, Gott von Angesicht zu Angesicht schauen, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen werden. O ein heiliger und herrlicher Sabbath, der niemals gestört werden wird! Nun, dahin werden diejenigen gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesu bis in den Tod verharren werden. Gebet. Heiliger und barmherziger Gott! da ich heute an diesem Tage den Sabbath und Ruhetag feierlich begehe, an dem ich, nach deiner heiligen Verordnung, von aller meiner Wochenarbeit befreit bin, damit ich mich aus deinem Worte erbauen und in dir erfreuen möge: ach, so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich diesen Tag in wahrer Andacht, mit Anhören, Lesen und Betrachten deines heiligen göttlichen Wortes hinbringen, und dagegen alle fündlichen Zerstreuungen, Ueppigkeiten, böse Gesellschaften und Sünden meiden möge! Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, an dem ich von Sünden ruhen und ablassen, und dir meinen Leib und meine Seele, wie auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun, mein Gott! das soll hinfort durch deine Gnade meine tägliche Beschäftigung seyn, daß ich deinen, nicht meinen Willen thue, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, und mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott! gib, daß dieser geistliche und tägliche Sabbath meines Herzens niemals gestört werden möge. Bete du in meinem Herzen, singe in meinem Herzen, lehre in meinem Herzen, so ist mein Herz ein dir geheiligter Tempel. Wenn ich dann nach deinem Rathe meine Lebenstage und zugleich auch diesen geistlichen Sabbath geendet haben werde, so führe du mich, o Gott! 2* 14 Erster Theil. Für Gesunde. zu dem himmlischen, ewigen Sabbath ein, wo wir in ewiger Ruhe und in der seligen, himmlischen Freude in dem Tempel der Herrlichkeit dich preisen werden; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubim anstimmen. Ach, mein Gott, lasse mich dereinst zu dieser Seligkeit gelangen! Da wird seyn das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron, Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit Gott umzugeh'n, Zu ihrer Ruh' erwählen; Der Tag, der heilig ist, Den Gott selbst hat gemacht, Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2. An diesem pflegen sie Ganz früh vor Gott zu treten, Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten; Ihr Herz ist von der Erd' Allein zu Gott gericht't, Es freuet sich in ihni Und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird hierauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt, Von ihnen angefangen, Da sie von Sünd' und Schand' Und von der Bosheit ruh'n, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er währt durch's ganze Leben, Indem sie alle Stund' Ihr Herz zu Gott erheben; Des Herzens Harfe ſpielt, Die Zunge lobet Gott, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird Nach diesem erst angehen Dort in der Seligkeit, Wo selbst die Frommen stehen In großem Glanz und Licht, Gar schön im Sonnenkleid, Wo Ruhe, Fried' und Freud' Sie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan! wer einst auch will Zu dieser Ruly gelangen, Der muß den Sabbath hier, Wie sich's gebührt, anfangen, Er sei und bleibe fromm Und nehm' im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbathruh'. 15 Abendgebet am Sonntag. HErr! bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. O du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, nachdem du an dem vergangenen Tage mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast; du hast meine Seele mit dem Brode des Lebens gespeist, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort war meinem Munde füßer als Honig und Honigseim. Ach! laß dein Wort durch die Zeit meines ganzen Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, damit ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln, oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin aller Barmherzigkeit nicht werth, die du an mir gethan haft. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so trete, o mein Schuß! mir zur Seite; habe Acht auf mich, und schließe mich in deinen Schutz ein; lasse mich beständig ein Licht in dem HErrn seyn, und keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß haben. Lasse dein Wort, das ich gehört und gelernt habe, künftig in mir als ein heiliger Same aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, in Gottesfurcht, im Absterben der Welt und in einer heiligen Uebergabe an dich wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten gegen die Hitze der Anfechtung und gegen die feurigen Pfeile des Satans. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuers- und Erster Theil. Für Gefunde. Waffers- Noth und alles Unglück von mir und den Meinen ab, und lasse alle Betrübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen: so soll dann morgen unser Aller Mund deines Ruhmes voll seyn, und wir wollen erzählen, was du uns Gutes an Leib und Seele gethan hast. Vergib mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedient habe, wie ich billig hätte sollen, und nimm deßwegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche Alles neu an mir seyn; schenke mir eine neue Liebe und neues Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laffe mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden von nun an meiden und fliehen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Gib, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele als um den Leib bekümmert sei. Ich sehe mich, mein Gott! nach meiner Ruhestätte um; ich erinnere mich dabei an meine Grabesstätte, in der ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, zur Ruhe in deine Kammer, du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu. Laß mich, HErr! von dir nicht wanken, In dir schlaf ich sanft und wohl; Gib mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll: So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröth' angehet, Und man von dem Bett aufstehet Amen. sty sot Abendlied am Sonntag. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt waltett 2c. 1. 3ch lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich leg' zu meiner Ruh'; Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu, Ich fürchte nicht die finst're Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 17 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel' allein mit meinem Gott beschäftigt seyn. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt. Ich bin, mein Gott! weil du bei mir, Wenn ich erwach', auch noch bei dir. 4. Ach Gott! wend' alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir; Ach! wirke stets in meinem Herzen, Ich such' die Hilf' allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Noth und Pein, Gott! von mir entfernet seyn. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonst noch zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß Alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder aufersteh', Ich Alles unverletzet seh'. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben, Und immer um mein Bette steh'n, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen seh'n, So schlaf' ich sanft in Gottes Hut, Der noch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Ich fürchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotten Macht und List, Weil Gottes Huld mich selbst will decken, Und weil mein Jesus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht aus thun, So muß er mich auch lassen ruh'n. 8. Es geh'n zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht. Mein Mund bricht aus in Freudenlieder Bei an gebroch'ner düstrer Nacht; Ich steh' mit Jesu wieder auf, In ihm vollend' ich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl am Tag als auch bei Nacht, Hiemit, o treuer Gott! ergeben, Ach! hab' du selbst doch auf mich Acht. Ach! laß mich dir empfohlen seyn, Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib' ich denn in Jesu Wunden, Und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todesstunden Werd' ich da wohl verwahret seyn; In ihnen will ich aufersteh'n Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Erster Theil. Für Gesunde. Der glaubige Christ dankt Gott nach angehörtem göttlichem Wort. 18 Aufmunterung. Seid Thäter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Jaf. 1, 22. Wie alle göttlichen Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, so auch die Anhörung des göttlichen Worts, und sie sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. 1) Weltfinder stellen sich vor, der Sonntag sei zu ihrer leppigkeit und Lustbarkeit bestimmt, wo sie, von der Arbeit frei, ihrem Fleische Vergnügen machen sollen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch viel thun, als zu einer Ceremonie des Morgens zu dem Gottesdienste, Nachmittags aber zu Luftbarkeiten, zur Jagd, zum Spiele, zu fündlichem Vergnügen, wobei sie, wo nicht berauscht, doch mit eiteln Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten nach Hause kommen. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht, und wenn man sie am Montag fragen sollte, was ihnen ihr Kirchenbesuch genützt, was sie gehört, was sie gelernt haben, so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, auf daß sie nicht glauben und selig werden, Luk. 8, 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Uebung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Tag mit Gott und mit Gebet angefangen haben, also: 1) hören sie mit Andacht das Wort Gottes an; 2) wiederholen sie zu Hause das Gehörte, schreiben es auf, und freuen sich darüber wie über einen großen Schatz; 3) denken sie die ganze Woche daran, und trachten, es in die lebung zu bringen. Es hatte im alten Testamente der HErr diejenigen Thiere zum Opfer erwählt, welche wiederkäueten; so sind ihm auch diejenigen Seelen am liebsten, welche das gehörte und gelesene Wort erwägen, und aus demselben immer nene Nahrung, Kraft und neuen Saft saugen, und sich so damit zum ewigen Leben erbauen. Gebet. O du gnadenreicher Gott! wie kann ich dir genug danken, dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag haft erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört, und vernommen habe, wie ich recht glauben, fromm leben, und dereinst selig sterben soll. Du hast mir fund werden lassen, was dein gnä Danksagung nach Anhörung des göttlichen Worts. diger Wille an mir sei; du hast mich lehren lassen, was ich meiden und was ich thun soll. Ach ja! du läsfest dich nicht unbezeugt, damit Niemand eine Entschuldigung habe. Du gibst uns dein heiliges Wort und deine heiligen Sakramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserem Heile gebrauchen sollen; dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott! bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Wortes sei. Was hilft mich alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum versiegle, o Gott! selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und kräftig. Ach, du Thürhüter! schließe doch mein Herz so bald zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in daffelbige gegangen ist, damit es Satan mir nicht raube, und ich leer wieder nach Hause gehen müsse. Gib, daß ich mich spiegle an dem Beispiel so vieler tausend Menschen, welche zwar dein Wort, o Gott! anhören, aber sich nicht bekehren, nicht frömmer werden, noch die Bosheiten, Unarten und fündlichen Gewohnheiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werden und bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort fie nicht desto mehr verdammen und verklagen, daß fie des HErrn Willen gehört, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach, mein Gott! lasse mich diese Woche nun frömmer und gottseliger werden; gib, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, mit den Meinigen davon rede, darüber mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Worte vernommen, daß ich sanftmüthig, demüthig und barmherzig seyn soll: ach! so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit daran mich erinnere, und niemals in Born, Nachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, 19 Erster Theil. Für Gesunde. sondern meine Feinde liebe, mich selbst verleugne, und den Armen und Elenden gerne Gutes thue. Habe ich gehört, ich solle gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verläugnen, den alten Menschen ablegen, dagegen den neuen anziehen; ich soll züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben: so gib mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben, und es vollbringen möge; wenn es zwar gleich im Anfange in großer Schwachheit geschieht, daß ich doch in der Heiligung fortfahre, und mich je mehr und mehr von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes reinige. Ach! laß mich dein heiliges Wort so sorgfältig behandeln, wie die Weltfinder ihre irdischen Schäße, welche sie einschließen und wohl verwahren; so gib mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, die theuren Glaubenslehren, die träftigen Ermahnungen zur Heiligung des Lebens als einen lieben und werthen Schatz in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen: in Kreuz, in Trübfal, in Krankheit, ja in dem Sterben, daraus einen Trostspruch nach dem andern hervorholen könne. Ja, mein Gott! laß mich täglich an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gott furcht, an Erkenntniß deines Willens und an Gnade bei dir und den Menschen zunehmen. 20 Höchster Gott! wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Gib nun Gnade, daß auch wir Nach demselben heilig leben: Du woll'st selbst den Glauben stärken, Daß er thätig sei in Werken. Höchster Gott! ach, sei gepreis't, Der du lehrst, was wir thun sollen, Schenk' uns deinen guten Geist, Gib uns auch ein eifrig Wollen; Laß es ferner wohl gelingen, Gib zum Wollen das Vollbringen. Amen. Danksagung nach Anhörung bes göttlichen Worts. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. Und steh' auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottselig, züchtig wandeln, Und niemals wider Gott Und sein Gewissen handeln, So folge dieser Stimm', Verlaß die Sündenbahn, Und fang' durch Gottes Kraft Ein neues Leben an. 1. Wer Gottes Wort anhört, Folg' deinem Herzen nicht, Der soll darnach auch leben, Und also seinem Gott Sein Ohr und Herze geben; Viel Hören hilft uns nicht, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man nach wie vor Die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren, So thu' auch wahre Buß', Fang' an, dich zu bekehren, Und werd' ein neuer Mensch; Ach! bleib' nicht, wer du bist, Ja änd're dich bei Zeit, Und werd' ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleichstellen, So sollst du dich auch nicht Zu ihrer Rott' gesellen; Was böse Menschen thun, Das thue du doch nicht; Sei fromm und wandle stets Vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll Und alle Sünden hassen, So folge ihm auch nach, Bestreb' dich immerdar, Daß du gesinnet bist, Wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, So lasse dieses Wort Dir stets vor Augen schweben; 21 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm ausüben, So lieb' ihn wie dich selbst, Verfolg' und haff' ihn nicht, Und so vollbring' an ihm Die anbefohl'ne Pflicht. 8. Ja, was du Gutes hörst, Das soll von dir geschehen, Das laffe alsobald In die Erfüllung gehen, So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud', Und gehst durch Jesu Blut Dereinst zur Seligkeit. 9.Mein Gott! verleih'mirGnad', Daß ich die Himmelslehren Mög' immerdar mit Fleiß Zu meinem Nutzen hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu', Und also hier und dort Gelang' zu deiner Ruh'. Morgen- Audacht am Montag. Lasse mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mir fund den Weg, worauf ich gehen Erster Theil. Für Gesunde. foll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiser Gott! der du den Himmel erschaffen und die Erde gegründet, und der du angeordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsterniß, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen: ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde für deine Weisheit und Vatertreue, und dafür, daß du mein Gebet so gnädig erhört, und mich in der vergangenen Nacht vor Krankheit und anderem llebel behütet, und das Meinige mit deinem Schutz umgeben haft. HErr! groß sind deine Werke, die du an den Menschen thust; deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Ich schlief, und du wachtest; ich war im Schlaf den Todten gleich, aber du haft mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach, mein Gott! sei auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und mein Tröster, meine Zuflucht und mein Erbarmer; laß deine Augen über mir offen seyn, damit ich unter deinem Geleite unverletzt in meinem Berufe ein- und ausgehen, und den Abend nach deinem Willen wieder unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott! laß deinen Segen mit und bei mir in Allem seyn, was ich in deinem Namen anfange, dazu gib felbst Rath, und lasse mich niemals wollen, was du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlichte auch das Licht des heiligen Geiftes in mir aufe gehen, damit ich den Tag in deiner Furcht, Liebe und in deinem Gehorsam zubringe. Schaffe in mir, o Gott! ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; laffe. ihn mich leiten, lehren, führen, damit ich heute nicht wissentlich gegen dich fündige, und wenn man mich zu fündigen verleiten will, so lasse ihn mich erinnern, 22 Morgen- Undacht am Montag. und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, HErr Jesu! kleide mich mit dem Rocke deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, HErr Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blute von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals im Rathe der Gottlosen wandle, noch sitze, wo die Spötter sitzen, deren Freundschaft deine Feindschaft ist; und lasse mich bedenken: wenn ich der Welt Freund seyn und mit ihr ihre fündlichen und alten Gewohnheiten treiben will, daß du dann mein Feind werden wirst. Ach, mein Gott! drücke in mein Herz die Worte: wandle vor mir und sei fromm. O wie Viele fangen eine Woche an, aber sie vollenden selbige nicht, und sind am Ende derselben krank oder schon begraben. Darum lasse mich allezeit der Heiligung nachjagen, ohne welche Niemand dich schauen wird. Lasse gottseliger Worte, eines unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken mich befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o Jesu! erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich; die Liebe des Sohnes heilige mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich zu allen guten Werken fruchtbar. 23 Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Amen. Der glaubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut Alles in dem Namen des HErrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Stol. 3, 17. Je mehr man Ursache hat, zu beten und zu flehen, wenn ein Taa anbricht, wie viel mehr soll ein glaubiger Christ sein Herz und 24 Erster Theil. Für Gesunde. Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will. Wie viele Menschen haben den Sonntag, als den ersten Tag in der Woche, gesund erlebt, und sind am darauf folgenden Sonnabend schon begraben gewesen. Wie Viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe solche sich geendet hat, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, tausend Thränen und Händeringen geendet haben. Nun, mein lieber Christ! das kann dir und mir auch widerfahren, darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden; es soll aber ein glaubiger Christ: 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz heiligen und ihn regieren wolle, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verletzen, den Nächsten betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. Er soll: 2) die Woche über des Gebets und des Gottesdienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirche und Betstunden fleißig besuche. Und weil es nicht an unserm Rennen und Laufen zur Arbeit liegt, soll er: 3) besonders Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitten unter der Arbeit an Gott gedenken, und mit Gebet die Arbeit anfangen, fortsetzen und vollenden. Er soll: 4) behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinwegeile, bis endlich die letzte Todes- oder Sterbe- Woche kommt, wo unsere Seele vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden soll. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schutz vollenden, und sollte er es ihm eine Leidenswoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer, Retter und Beistand seyn und bleiben, und ihm, nach seiner Verheißung( Röm. 8, 28.), dieselbe zum Besten dienen lassen. Gebet. O du liebreicher und barmherziger Gott! ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an. Ich weiß aber nicht, was mir in derselben begegnen wird; wie viel Uebel und Unglück kann uns an Einem Tage begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche; darum komme ich gleich am Anfange derselben zu dir, und empfehle mich dir ganz und gar. Ach, mein Gott! gib mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geiste das Zeugniß gebe, Bitte um Segen für die angefangene Woche. daß ich ein Kind Gottes sei. Segne mich in dieser Woche; segne meinen Ausgang und Eingang. Segne meine Berufsarbeit und Geschäfte; segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht; darum laffe deine Treue und Güte mich stets behüten. Segne auch Alles, was mein ist, und laffe es in deinem Segen blühen. Ach, mein Gott und treuer Vater! schütze und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verluft und Unglück; lasse mich bei Tag und Nacht in deinem Schüße und in deiner Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um wie das Haus Hiobs; lasse deine Engel um mich und das Meinige eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, wie groß er auch ist./Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und lasse mich nicht unerhört von dem Throne deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden; weise mir, HErr, deine Wege; leite mich in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreib' deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich nicht aus deiner Gnade falle, sondern damit ich beständig bis in den Tod in derselben bleibe. Gib, daß ich in dieser Woche frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die letzte Le benswoche hereinbricht, ich deiner Gnade versichert seyn möge. Sollte auch diese Woche mir eine Leidens25 Erster Theil. Für Gesunde. woche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich Alles unter deinem mächtigen Beistande ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter aus aller Noth. Nun ich befehle mich dir mit Leib und Seele, und Allem, was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle fromme Christen. Darauf so sprech' ich Amen, und glaube sicherlich, Gott werde All's zusammen gefallen lassen sich; D'rauf stredk' ich aus mein' Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Wozu mich Gott bescheiden In dem Beruf und Stand. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Ich will die nene Woch' Mit dir, o Gott! anfangen, Laß mich durch deinen Geist Zum Segen hier gelangen; Im Anfang steh' mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. 2. Mein Vater! Ohne dich Kann mir ja nichts gelingen, Drum will ich mein Gebet Um Segen vor dich bringen. Ach! komme selbst zu uns, Und greif' das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja! es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmerniß An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht selbst mitgehst, Und stehest nicht dabei, Daß Anfang und das End' Von dir gesegnet fei. 4. D'rum komm', o Gott! zu mir, Und gib mir deinen Segen, Denselben wollest du In meine Arbeit legen. Ach! segne all' mein Thun, Ach! segne jeden Tritt, Und theile gnädiglich Mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch' hinbringen, Lehr' bei der Arbeit mich Dich loben, beten, fingen; Bewahre mich vor Sünd' Und vor der Missethat, Und wenn ich Buße thu', So schenk' mir deine Gnad'. 6. Mein Gott! begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch Mir Leiden auferlegen, So biet' mir deine Hand, Und steh' mir kräftig bei, Ja, trage du selbst mit, Daß mir's erträglich sei. Bitte um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 7. Nun, was du Gutes wirst Mir diese Woch' erweisen, Dafür soll dich, o Gott! Mein Mund und Herze preisen; Geh' zu der Freude ein. Ach! laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen seyn, Bis ich durch Jesu Blut 27 Der glaubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Es segne uns Gott, unser Gott; es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Psalm 67, 7. 8. Ein jeder Mensch betet und erbittet etwas von Gott; hiebei soll aber ein Jeder wohl erwägen, wie er betet und was er bittet; ach, der Meisten Gebet gehet nur auf das Irdische und Vergängliche, welches sie aber oft zu ihrem Schaden sich erbitten. Ein glaubiger Christ bittet: 1) um leibliche Dinge, um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahren, um Hilfe in Noth, um Beistand im Leiden, um Errettung aus Unglück; und dergleichen Gebete kann Gott wohl leiden, weil er uns dieses Alles in seinem heiligen Wort verheißen hat. Aber der glaubige Christ bleibt nicht dabei stehen; dieses ist das Geringste, weil es ihm Gott ohne sein Bitten zuweilen zufallen läßt. Er bittet: 2) besonders um geistliche Dinge, um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist, Röm. 14, 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachsthum in dem Guten, um Heiligung und um die Gabe des heiligen Geistes; dieses ist das Vornehmste, was er von Gott bitten und verlangen kann, und wenn ihm solches verliehen wird, so hält er es für seinen größten Reichthum. Ein glaubiger Christ bittet: 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, um fröhlichen Abschied aus diesem Leben, und um den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, wo er Gottes Angesicht schauen, mit weißen Kleidern angethan, sich nach dem Kampfe ewiglich in Gott erfreuen darf. Es muß also ein glaubiger Christ besonders um geistliche und himmlische Güter beten, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will, wobei er aber: 4) sich eines unsträflichen, christlichen Wandels befleißigen muß, damit er auch so lebe, daß ihm Gott die geistlichen und himmlischen Güter mittheilen könne, welche ein uns wiedergeborner und böser Mensch nicht empfangen kann. Start, Handbuch. 3 28 Erster Theil. Für Gesunde. Gebet.. O du reicher und gnädiger Gott, wie groß und berrs lich, wie reich und mächtig bist du! Du hast Alles, und kannst auch Alles geben. Siehe, ich, dein Kind, komme zu dir, und bitte dich um deine Gaben; du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde, daher Alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir: denn alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab; ja, was haft du, o Mensch! was du nicht empfangen hast? Ach, mein Gott und Vater! mache mich besonders an meiner Seele reich; gib mir deinen heiligen Geist; gib mir ein frommes Herz; bekehre mich; erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und wahrer Christ werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, damit ich die bösen Lüste besiege, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere; hingegen meinen Leib und meine Seele dir zu einem Opfer ergebe, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei. Siehe, mein Gott! wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin; darum leite du mich durch deine Kraft, damit ich nicht verführt werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu und eine neue Kreatur sei, so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater! für mich in dem Irdischen; du weißt, was ich bedarf; du fiehest, was mir fehlt, aber gib mir nicht nach meinem, sondern Alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach! so gib mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufes und Standes, in welchen du mich gesetzt hast. Bitte um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Gib mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen; behüte mich vor Unglück; lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, HErr! segneft, das ist ewig gesegnet. Du hast mich in die Welt hereingebracht und erschaffen, so wirst du mich auch wohl zu ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe alle meine Anliegen und Sorgen auf dich. Ach Gott! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind und laß mich deine Vatertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater! nicht um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich noch größere Güter. Denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hier zu empfangen babe, so wäre ich der elendeste Mensch. Darum, mein Vater! gib mir auch die himmlischen Güter; erhalte mich im Glauben bis an mein letztes und seliges Ende. Laß mich an meinem Ende auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm hinauf zu dir zu deinen Freuden. Gib mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende, und bringe mich nach dem Abschied aus diesem Leben zu der Schaar der Auserwählten in dem Himmel; verleihe, daß ich mit ihnen gekrönt, verklärt, mit weißen Kleidern geziert, dein heiliges Angesicht schauen, und mich in dir ewig erfreuen möge. Ach mein Gott! höre die Stimme meines Flehens, und weigere dich dessen nicht, was mein Mund bittet. Gib mir von den irdischen Dingen so viel, als dir wohlgefällig und mir heilsam und selig ist; aber in geistlichen und himmlischen Dingen gib mir ein reiches Maaß deiner Gnade, und bringe mich als dein Kind dereinst zu der Versammlung der Hei ligen im Licht, damit ich hier in Glauben und Liebe, und dort in Ewigkeit mit dir vereinigt bleibe. Meinen Ausgang fegne Gott! Meinen Eingang gleichermaßen. 29 tuo him and Erster Theil. Für Gesunde. Segne auch mein täglich Brod, ni tim dio Segne all' mein Thun und Lassen; id ondo bi di Segne mich mit sel'gem Sterben, und mach' mich zum Himmelserben. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott x. 1. Mein Vater! denk' an mich, Ach, gib mir deinen Segen, Und thue auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gib, was ich nöthig hab', Und was mir nützlich ist, Ich schau' allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach, gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben; Und wirst du mir durch ihn Ein frommes Herze geben, So bin ich reich genug, So bin ich hoch beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gib mir mein täglich Brod, Gesunden Leib desgleichen, Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen, Wend' alles Unglück ab, Begleit' mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir empfohlen seyn. Abend- Andacht momiems spe iti and from 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und durch sein theures Blut Die Seligkeit ererben; 19 Laß mich vor deinem Thron In weißen Kleidern stehn, Und, HErr, dein Angesicht Mit allen Frommen sehn. 5. Mein Gott! erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd' noch meine Lust An deiner Gnade schauen; hizm Mein Herz und Geist und Sinn Sei dir allein geweiht; Mein Segen, Freud' und Schatz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan! ich bin erhört, Gott wird's aus Gnaden geben, So will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben. Mein Vater, schenke mir, So lang' ich leb' auf Erd', Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd'. am Montag. ale jin Aufmunterung. do siti dig Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, HErri hilfft mir, daß ich sicher wohne. Psalm 4, 9. Eine so schöne Tugend die Dankbarkeit ist, welche Gott und Menschen wohlgefällt, um so mehr soll auch ein glaubiger Christ derselben eingedenk seyn, wenn ihn nun Gott einen Tag hat erleben und den Abend hat erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß viel Abend- Andacht am Montag. 31 Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinbringen, und nicht erkennen, was Gott an ihnen gethan hat; sie genießen des göttlichen Schutzes, Beistandes, seiner Hülfe- und danken ihm nicht einmal dafür; sie meinen, es müsse so seyn, sie müssen gesund, glücklich und im Wohlseyn ihre Zeit hinbringen, Gott müsse sie so erhalten, und es ihnen wohl ergehen lassen. Darum, o glaubiger Christ! sondere dich von solchen undankbaren Seelen ab. Hast du den Tag unter dem Schutze und Beistand Gottes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden: so hebe deine Augen gen Himmel mit Danken und mit Beten empor. Danke 1) Gott, daß er den Tag über dich vor Unglück bewahrt hat, und denke, wie viele Menschen vielleicht an diesem Tag, an dem dich kein Leiden berührt hat, in das größte Unglück gekommen sind, ihre Gesundheit verloren haben, am Abend frank und in großen Schmerzen auf ihr Bette gelegt worden sind, während sie am Morgen noch frisch und gesund waren; ja wie Viele sind in Einem Tag durch Feuer und Unglück arm geworden, die am Morgen noch nichts davon wußten. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden; hast du den Tag über etwas gegen Gott und den Nächsten geredet; hast du etwas gethan, was gegen dein Gewissen und gegen das wahre Christenthum ist, o! alsdann auf, und bitte es Gott ab, ehe du schlafen gehest. 3) Gedenke, vielleicht ist diese Nacht die letzte, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern; o! darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe du die Augen schließest. 4) Bitte Gott um Schutz und um die Obhut seiner heiligen Engel, damit sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachest, denke an Gott: danke ihm, so schläfst du in seinen Armen und unter dem Schutze der heiligen Engel sanft und selig. 30 mi Gebet. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, HErr! hilfft mir, daß ich sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger Gott! dieses sind meine Abendgedanken, indem ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genug dafür danken, daß du mich aus und ein begleitet hast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen habe! Du hast mich gespeist und getränkt; du hast mich getröstet und erquickt; dein Aufsehen hat meinen Odem bewahrt, und durch dich und deine Erster Theil. Für Gesunde. Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe ermuntern; darum so lobe den HErrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Vergib mir, o HErr! vergib mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen geseßt, dagegen nach der Welt und mit der Welt gelebt, und meinen Begierden freien Lauf gelaffen habe; wäreft du nicht ein langmüthiger Gott, ja der Vater der Barmherzigkeiten, so lebte ich nicht mehr, indem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umkehr gegeben hast. Ach HErr! darum schuldige ich mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin; tilge auch meine Sünden wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr. Ich gelobe dir hiemit in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen, und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich in dieser Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Ulebel; drücke du, Jesu, selbst mir, wenn ich einschlafe, die Augen zu, aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, damit ich deiner nicht vergesse. 32 Meine Seele mit Begier Träume stets, o Gott! von dir, opgit me Daß ich feste an dir hange, Und auch schlafend dein verlange.llo dour Sei mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth. Mein Herz hält dir dein Wort vor: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antliß. Ich weiß nirgends hin als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist bei mir, warum sollte ich mich fürchten, wenn ich schon einsam liege Danksagung für die Gesundheit. 33 und schlafe. Mein Jesus, meiner Seele Licht ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht schließt, der beilige Geist ist bei mir, er erhält das Zeugniß in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes fei, ob ich schon von mir selbst nichts weiß; bin ich also in den Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher wie Jakob; ich schlafe getroft wie ein Kind an seiner Mutter Brust. Ich schlafe beschüßt wie Petrus. Gedenke, HErr! doch auch an mich In dieser düstern Nacht, Und schenke du mir gnädiglich Den Schutz von deiner Wacht. D'rauf schließ' ich meine Augen zu, Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh', Wer wollte traurig seyn? Amen. Der glaubige Chrift dankt Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Es ist beffer, Einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch seyn ist besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser denn groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich. Sir. 30, 14-16. Gleichwie Gott verschiedene geistliche und leibliche Gaben den Menschen austheilt, so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten die Gesundheit mitrechnen. Ein gesunder Mensch ist ein glückseliger Mensch, wenn er dabei fromm ist: er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein geſunder Mensch glückselig sei, sehen wir daraus, weil er Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, seinem Beruf abwarten, und viel Gutes vollbringen kann. Ist aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesundheit, so mißbraucht er diese edle Gabe auf das Aergste, zu Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, seiner Zunge, seinen Augen und seinem Leib nicht so viele Sünden verübte! Daher wird auch auf solchen Mißbrauch des gefunden Erster Theil. Für Gesunde. Leibes und der gefunden Glieder dereinst eine schwere Verantwor tung und Strafe folgen. Ein wahrer Christ erkennt diese edle Wohlthat der Gesundheit: 1) wenn er seine gesunden Glieder ansieht, so dankt er Gott dafür. Er wendet seine Gesundheit an: 2) um Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christenthum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treu und aufrichtig zu vollbringen. Er erkennt: 5) daß die Gesundheit kein ewiges und beständiges Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Zustand des Leibes sich einfinden können; er mißbraucht deßwegen: 6) in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zum Muthwillen, zur Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheit und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gott manchem gefunden, aber unbändigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuführung eines ungesunden Zustandes seines Leibes anlegen muß, damit er zu sündigen aufhöre. Ein frommer Christ betet 7) auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. Gebet. O du gnädiger und barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweiseft, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und in deiner Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen läsfest. Nun, mein Gott! ich erkenne, daß mir dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Vater des Lichts! von oben herab kommen. HErr, HErr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren läsfest? Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind; höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und in langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind als ich, und viel andächtiger beten als ich; mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und auch Stärke. Ach 34 Danksagung für die Gesundheit. 35 HErr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft, und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und zur Frechheit mißbrauche, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch zur Dankbarkeit und Frömmigkeit ermuntern wolleft. Hilf, daß ich in Zukunft und in der ganzen Zeit meines Lebens meine Gesundheit zu deinem Lob und zu deinen Ehren, zum Nußen meines Nächsten und zu Vollbringung der Geschäfte meines Berufs anwenden möge. Erhalte mir nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und meine unverletzten Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen, und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen kann. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich meine gefunden Glieder und Kräfte zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum Wachsthum in deiner Erkenntniß heilige und verwende. O mein Gott! gib mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, damit ich gesund im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Krübsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung und getrost im Tode sei. Ach! heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott, du frommer Gott! du Urquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben; Gefunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib Die Seele unverletzt, rein das Gewissen bleib'. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben ze. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, Und hast Glück auf dieser Erd', So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trobig werd'; Denk' in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehmals ist ges gangen; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. Erster Theil. Für Gesunde. 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk auch an das Krankenbett; Wenn du frohe Wege gehest, Denk' auch an die Lagerstätt'; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du krank gewesen: Dent' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 3. Leuchtet dir des Glückes Sonne, Steht es wohl um dich zur Stund', Denke doch in Freud' und Wonne, Wie es vormals um dich stund; Wie du Thränenbrod gegessen, Das du nimmer sollst vergessen. Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergötzen, Daß es vordem nicht so war; Selig, wer die Demuth liebet, Wenn ihm Gott viel Güter giebet: Dent in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 36 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht: Denk', so bin auch ich gestanden In dergleichen Trübsalsbanden: Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demuthsschranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebest. Bleib' in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnädig seyn. Morgengebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfeft, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist! ich sage dir mit dem Herzen und mit dem Munde Lob und Dank, daß du mich an diesem Morgen wieder gesund von meinem Lager haft aufstehen lassen, und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahrt hast. Wie groß ist deine Güte, HErr! daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und unter demselben so mächtig be wahrt werden. Ich schaue nach der Finsterniß wieder das Sonnenlicht; gib mir Gnade, daß ich an diesem ganzen Tage in deinem Lichte wandle, und alle Werke der Finsterniß fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient, und meinen Mund, meine Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten eingerichtet habe, worüber ich Morgengebet am Dienstag. einst vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft ablegen muß. Ich opfere mich dagegen dir ganz zu deinem Dienste mit Leib und Seele auf; lasse mich nichts wollen, nichts vornehmen und denken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir geheiligt seyn möge. Ja, lasse mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich mach der finstern Nacht, in der ich als dein Kind in deinen Armen gelegen, nun wieder von neuem lebe, so weiß ich nirgends bin als zu dir; ich klopfe an deine Gnadenthüre; ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus welcher ich einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern nehme; denn was du, HErr! segnest, das ist ewig gesegnet; wenn du deine Hand aufthust, so wird Alles mit Wohlgefallen gesättigt. Gib mir guten Rath, wenn ich eines Raths bedarf; richte meine Anschläge und Vornehmen nach deinem Willen ein. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, damit ich an diesem Tage meinen Glanz ben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich zu dir, HErr, mein Gott! rufe, so schweige mir nicht, auf daß, wenn du schweigest, ich nicht denen gleich werde, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände zu deinem heiligen Chor empor bebe. Lasse das Gebet der Elenden, Traurigen, Stranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenthrone Erhörung finden. Ja, richt' mein ganzes Leben all'zeit nach deinem Sinn Und wenn ich es soll geben in's Todes Schlummer hin, Wenn's hier mit mir wird aus: So laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. 37 38 Erster Theil. Für Gefunde. momind 200 fmis Der glaubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt. $ 199 Aufmunterung. Gelobet sei Gott und der Vater unsers HErrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hof kung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten zu einer unvergänglichen und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 1 Petr. 1, 3. 4. Wer sich rühmen will, der rühme sich des HErrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig glückselig machen können. Ist nun je etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen und worüber er sich freuen kann, so ist's die Wiedergeburt, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlangt: 1) Die Kindschaft bei Gott; Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen, und uns nicht lassen will. Wir haben empfangen: 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; Alles, was Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben hat, das ist uns in der heiligen Taufe geschenkt und zu eigen gegeben worden. Ja, wir sind in ihm gepflanzt; er ist der Weinstock, wir sind die Reben; durch ihn erlangen wir neue Kraft zum Guten, zum Licht, zur Weisheit und zur Gnade. Uns ist ertheilt: 3) die Einwohnung des heiligen Geistes; dieser will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und unsern Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche einwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wir wachsen im Glauben, in Frömmigkeit, in Gottesfurcht wie ein neugebornes Kind an Kräften und Jahren. Wir erlangen: 4) auch die ewige Seligkeit, damit wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Seligkeit Theil haben sollen. Wer dieses erwägt, der muß sich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor: daß er die empfangene Gnade nicht wieder verliere; 2) daß er würdig in seinem Beruf wandle; 3) daß er die Welt nicht wieder liebgewinne; oder mit Unwiedergebornen und Weltkindern vorsätzlich fündige, und sich ihnen nicht gleichstelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei wie die lieben Kinder; daß er dem HErrn Jesu nachfolge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand hier in der Zeit und auch dort in der Ewigkeit genießen wird. Freude über die Wiedergeburt. thin bid bi mor Gebet.d dim dan 51 Großer Gott und liebster Vater! wie kann ich genug deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe! welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgetheilt, indem du mich zu deinem Kinde angenommen hast! Wenn Menschen ihre Glückseligkeit rühmen, welche sie durch ihre hohe Geburt, durch den Besitz hoher Ehrenstellen, durch großen Reichthum, ansehnliche Güter erlangen: siebe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja, er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben; da wird er mich als ein Kind erquicken, laben, trösten, und nach meinem Abschiede aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gib mir, o lieber Vater! deinen heiligen Geist, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. Ach! ich bin noch in der Welt, und lebe unter den Menschenkindern; ach! bewahre mich, daß ich nicht mit den Weltkindern fündige und Böses thue, noch mich ihnen gleichstelle. Sehe ich Jemand Böses thun: höre ich etwas Böses reden, so lasse mich gedenken, ich sei ein Kind Gottes, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Lasse mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindestheil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist, um deiner Luftbarkeit, Eitelkeit und Gewohnheit zu genießen. Mein Jesu! du weißt, daß ich dich lieb 39 Erster Theil. Für Gesunde. habe, und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht stets und in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach! nimm doch mein Wollen gnädig an, und laffe mich so mein Leben im Glauben, in Frömmigkeit, Heiligkeit, Reinigkeit und findlicher Demuth führen; laffe mich dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich als dein Kind leben und sterben, und als dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge.di Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf, dollman Du bist mir daher auch gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! Amen Gefang. Mel.: Jesu, der du meine Seele xc. 1. Wer nicht wieder ist geboren| Der bringt uns ein neues Leben, Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist; Denn es muß auf dieser Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Das dem Laster uns entreißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen 40 Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Ewigkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf' und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stößt man nicht die Gnade fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott in's Herzenshaus, So treibt er die Sünd' hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben Gott, der werthe heil'ge Geist, fann. 4. Ferner muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, Muß die Welt und Sünd' verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unterlassen, Und von Grund der Seele haffen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, beten, Gott zu Ehren, Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuziehu, Gottes Willen zu verrichten, 3st des neuen Menschen Dichten Bitte um Erhaltung des Glaubens. Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr fei. 41 6. Also muß in dir geschehen Eine Herzensänderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebensheiligung, Daß die Sinnen und Geberden, Ganz an dir erneuert werden; Daß fie Glaub' und Liebe zier, Daß fie Gottes Geist regier'. Aendre Sinnen, Herz und Glieder, Gib mir Deines Geistes Stärk, Daß ich ja nicht werd' verloren, Sondern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr', Und dich liebe mehr und mehr. Immer bleiben, o mein Gott! 8. Laßmich auch in diesem Stande Bis einst meine Lebensbande Auch zerreißen durch den Tod. Daß mich nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe. Alsdann geh' ich aus der Zeit In die frohe Ewigkeit. 7. Ach, mein Gott! hier fall' ich nieder, Fördre in mir dieses Werk, Der glaubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der HErr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Röm. 10, 9. HErr, stärke uns den Glauben. Lut. 17, 5. So unglückselig ein unglaubiger Mensch ist, so glückselig ist das gegen diejenige Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntniß Gottes, Jesu Christi und ihres Heils steht. Denn ein Unglaubiger ist einem Gemach gleich, in welchem kein Licht ist, worin es finster und unangenehm ist, aber eine glaubige Seele ist einem Gemach gleich, in dem es helle ist, und worin ein Licht scheint, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist's, der ihn in uns anzündet, sowohl in der heiligen Taufe, wenn der heilige Geist reichlich über uns ausgegossen wird, als durch's Wort Gottes, wodurch der Mensch anfangs eine Erkenntniß und ein Wissfen seines Heils erlangt, durch Gottes Kraft dem Worte Beifall gibt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, sodann in fester Zuversicht Gott faßt, sich Jesum Christum und sein heiliges Verdienst zueignet, und sich mit Gott entschließt, nach diesem Worte zu glauben, zu leben und zu sterben. Deßwegen soll ein glaubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben und zur Erkenntniß Erster Theil. Für Gesunde. Jesu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht hat. Er soll 2) sich seines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern, und den mit Gott gemachten Bund nicht muthwillig übertreten. Er soll 3) Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und mehr erlenchtet, zu größerer Erkenntniß gelangen möge. Was er höret und liest, soll er 4) in die Uebung bringen, und seinen Glauben in den Werken zeigen. Daher soll es einem wahren Christen nicht genug seyn, zu sagen: ich glaube! sondern er soll 5) auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmuth und dergleichen in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er soll auch nicht etwa eine Zeitlang glauben, sondern im Glauben Gott getreu bis in den Tod bleiben. So kann er sich auch trösten, daß er das Ende seines Glaubens davon tragen werde, nämlich der Seelen Seligkeit. 42 Gebet. O du gnadenreicher Gott! welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntniß meines Heils gebracht hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus mit seinem Verdienste, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heiligen Sakramente. Dieses Alles weiß ich nicht nur, sondern gebe dem Allem Beifall; ich seße alle meine Hoffnung und Zuversicht darauf, und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben und durch diese Erkenntniß bin ich von unglaubigen Juden, Türken und Heiden unterschieden. Ach, du gnadenreicher Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erkenntniß in mir lebendig mache: Selig seid ihr, wenn ihr es wisset, aber selig seid ihr, wenn ihr es auch thut. Gib mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todter Verstandes- und Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. Weil ich Jesum Christum als meinen Heiland kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben als die ganze Welt, ihm auch allein dienen, und nicht voll Bitte um Erhaltung des Glaubens. 43 bringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizt; außer ihm soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich sie auch unter deinem Beistande zu meiner Seligkeit anwenden; dein Wort will ich andächtig hören, darnach leben; was dein Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, dagegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlt, in deiner Gnade durch des heiligen Geistes Beistand zu vollbringen trachten; das heilige Abendmahl soll mich durch und durch heiligen; ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit als eine Speise der Heiligung mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach mein Gott! vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, damit ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesfürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in folcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ leben, und als ein wahrer und frommer Christ dereinst selig sterben möge. HErr! ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod ansicht, Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, HErr Jesu! nach dem Streit In der frohen Ewigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Aus meines Herzens Grunbe ze. 1. Gottlob ich bin getaufet Mit Christi theurem Blut; Ich bin von ihm erkaufet, Zu erben großes Gut. Start, Handbuch. ana 91101 Sein Geist zeugt meinem Geist, Daß ich als eine Nebe, An ihm, dem Weinstock, flebe Sein Wort mich selig heißt. 4 Erster Theil. 2. Ich stehe nun im Lichte, Nicht mehr ein Kind der Nacht. Denn Jesu Angesichte Ist mir zum Heil gemacht. Ich freue mich in ihm; Der von der Welt verachtet, Wird von mir groß geachtet, Sein ich mich glaubig rühm'. 44 3. Gott, du wollst mir verleihen, Daß durch des Geistes Kraft Mein Glaube mag gedeihen Und gute Früchte schafft, Gepflanzt von deiner Hand. Laß mich den Heiland lieben, Treu seine Worte üben, Seh'n auf ihn unverwandt. Für Gesunde. 4. Die Mittel deiner Gnade, Dein Wort und Sakrament, Laß mich auf meinem Pfade Treu nüßen bis zum End'; So irr' ich nimmermehr. Ein Gottesmensch zu werden, Das sei auf dieser Erden Mein Reichthum, Ruhm und Ehr'. 5. Den Weg derfrechen Sünder, Der Fluch und Jammer bringt, Zu fliehn, wie Gottes Kinder, Zu üben Lieb und Treu, Bestärk' mich fort und fort! So komm ich einst im Sterben Zu deinen Himmelserben, Auf Zions Hügel dort. Abendgebet am Dienstag. Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen thun? So spreche ich jetzt, o du gnädiger und liebreicher Gott! in dieser Abendstunde, und sage dir demüthigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schuße, unter deiner liebreichen Fürsorge, deiner gnädigen Führung und unter deinem reichen Segen hast zurücklegen lassen. HErr! deine Güte ist groß, und deine Barms herzigkeit hat kein Ende. Der HErr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er hört ihr Schreien, und hilft ihnen. Ach, mein Gott, wie geschwind geht doch ein Tag dahin! wie ein Pfeil abgeschossen wird, so geschwind entfliehen unsere Jahre Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Nichterstuhle Christi, daß ein Jeder empfange, je nachdem Abendgebet am Dienstag. 45 er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst, und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? Hast du auch etwas Gutes gedacht? Ist Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder haft du ihn mit vorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet? Hast du gesprochen, was ehrbar, was keusch, was wohl lautet; ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du von Narrentheidingen und schandbaren Worten übergefloffen? Wo seid ihr hingewandelt, ihr Füße? Was habt ihr vollendet und geübt, ihr Hände? Was habt ihr gehört, ihr Ohren? Ihr Augen, nach was habt ihr geschaut? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Streben gewesen, mein Herz? Ach mein Gott! wenn ich auf alle dieſe Fragen antworten soll, o! wie werde ich bestehen? Ach HErr! nimm mit dem hinabeilenden Tage meine Uebertretungen hinweg. O Jesu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O heiliger Geist! ver= sichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, damit ich nicht, wenn diese Nacht die letzte seyn sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott! freigesprochen, so schlafe ich mit Freuden ein, und hüte mich morgen mit desto größerem Fleiß vor allem dem, was dich betrüben kann. Mein Vater! deine Liebe bedecke mich und die Meinen. Mein Jesu! in deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl. O heiliger Geist! thue du den letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes befehle. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell' ich mich doch wieder ein, Hat mich doch dein Sohn verglichen Durch sein' Angst und Todespein; 46 Spray Erster Theil. Für Gesunoe. Ich verleugne nicht die Schuld, Aber deine Gnad' und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets an mir noch finde. Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Stadss Jaget nach dem Frieden gegen Jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den HErrn sehen. Hebr. 12, 14. ssdon Wenn sich ein glaubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansieht, so erinnert er sich: 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern daß dieses ein Werk Gottes ist; 2) deßhalb braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenkt an seine heilige Taufe, in welcher der heilige Geist über uns ausgegossen worden ist, der in seinem Herzen Wohnung genommen hat; er forscht fleißig, ob er diesen guten Geist in den reiferen Jahren durch muthwillige Sünden nicht wieder vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Speise der Heiligung ist, darum trachtet er, wenn er dasselbe empfängt, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder geheiligt werden mögen. Gottes Wort hört er andächtig an, schreibt und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung fortfahren möge. 3) Denn es soll die Heiligung sowohl an der Seele als an dem Leibe, durch die Kraft Gottes und durch die Wirkung des heiligen Geistes geschehen. Ist die Seele geheiligt, so müssen die Zunge, die Worte, Werke, ja das ganze Leben in der wahren Heiligung geführt werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst im Alter oder auf dem Tobbette, sondern, so lange man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstande gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man sodann zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten beweisen; wenn man ohngefähr bei Weltfindern sich befindet, so sollen wir in Mienen, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und unser ganzes Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Lichte gelangen. Gebet. O du heiliger Geist! ich erschrecke jedes Mal, wenn in meinen Ohren deine Stimme erschallt: Ihr sollt Bitte um Heiligung des Herzens. beilig seyn, denn ich bin heilig; und wieder: Ohne die Heiligung wird Niemand den HErrn schauen. Wenn ich dieses erwäge, und dagegen mein unheiliges Herz, meine unheiligen Gedanken, meine unheiligen Worte, meine unheiligen Werke vergleiche, so gerathe ich in große Angst, und ich schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, wo ich, leider! nach den Trieben meines Herzens und nach der Gewohnheit der Weltmenschen mit gefündigt, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidigt habe. Ach, wenn Niemand dein Antlitz ohne die Heiligung schauen soll, o wie Wenige werden dann selig sevn, o wie Viele werden verdammt werden! Hilf, HErr! die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heiliger Gott! gib mir dieses Alles wohl zu erkennen, damit ich mich stets der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen möge. O Jesu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, durch dein Verdienst und Blut; ach! schenke mir, von Natur Unheiligen, deine Heiligkeit, auf daß ich darin als in meinem schönsten Schmucke vor deinem gütigen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, damit es immer mit guten Gedanken sich beschäftigen möge. Heilige meinen Mund, damit er nichts Unanständiges, Unchristliches und Böses reden möge. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wollen und vollbringen möge, was dir wohlgefällig ist. O heiliger Gott! ziehe mich von der Welt ab, vereinige mich mit dir, damit ich in mir durch deinen heiligen Geist das Zeugniß habe, daß ich ein Kind Gottes, neu geboren sei, und in der Gnade stehe. Laffe aber auch diese Heiligung wahrhaftig seyn, damit ich nicht etwa nur heilig sei und der Heiligung in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, mich befleiße, sondern damit ich auch heilig 47 48 Erster Theil. Für Gesunde. seyn, und mich der Heiligung an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten bestreben möge; und wenn ich gar unter Weltfindern und in ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes reden, leben und thun, und in solchem seligen Stande bis in den Tod bleiben möge, wo du mich zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Freudenlicht bringen wirst. Du bist heilig, lässt dich finden, Wo man rein und heilig ist, Fliehst hingegen Schand' und Sünden, Heiligster HErr Jesu Christ! Mache mich, o Gnadenquell! Durch dein Waschen rein und hell, Laß mich fliehen, was du fliehest, Gib mir, was du gerne siehest. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott ze. 1. Soll ohne Heiligung Den HErren Niemand schauen, Und ausgeschlossen seyn Von jenen Himmelsauen, So tracht' ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög' Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte, Das steht allein bei Gott, Das ist nur sein Geschäfte: Drum bringe mich, o Gott, Zur wahren Heiligung. Ach! wirke du in mir Des Herzens Aenderung. 3. Ach! heilige mein Herz, Gib heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach! lasse Herz und Geist Beständig heilig seyn, Mach' mich von schnöder Lust, Von Sünd' und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein Zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Hän Sind ja dein Eigenthum, Drum brauch' ich sie allein Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott! heil'ge mich, Ja, heil'ge Seel' und Leben, Als welche ich hiemit Dir will zu eigen geben, Hilf, daß ich also leb', Und thue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt, Und der in Gnaden ist. Morgengebet 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinst auch sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben am Mittwoch. Mit allen Heiligen; gis sin Da werd' ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Vor dir gezieret seyn. Morgengebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir, o gnädiger und liebreicher Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Hort meines Heils und mein Schuß! Ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Thron deiner Gnade, und danke dir dafür, daß du in der vergangenen Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet, meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahrt haft. Gelobt sei der HErr täglich, und hochgelobt ewig sein heiliger Name! Mein Gott! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, damit ich mich zur Ewigkeit bereiten, und meine Seele dir zum Eigenthum und zur Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, du willst auch nicht, daß ich verforen werde, sondern daß ich mich befehre und lebe, o! so laß mich auch diesen Tag dazu anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden, mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt, laß auch die übrigen drei Tage unter deinem Schutz und unter deiner Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich, wenn mich meine Feinde umgeben, so trete du in die Mitte, und hilf mir. Ach, mein Mittler Jesu! bleibe mitten in meinem Herzen, damit ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, in Noth und Tod laufen und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich seyn? Laffe mich, o allerliebster Heiland! heute in deine heilige Nachfolge treten, und wandeln, wie du gewandelt hast; so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken mei 50 Erster Theil. Für Gesunde. nes eigenen Herzens leicht entfliehen. Sei bei mir ir meinen Berufswegen. Ich spreche mit völligem Glau ben: HErr! ich laffe dich nicht, du segnest mich denn Segne mich im Schlaf und Wachen, Segne meinen Schritt und Tritt, Segne mich in allen Sachen, Theil' mir deinen Segen mit; Laß mich gesegnet seyn von dir, Und nimm den Segen nicht von mir. Laffe mich mitten unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir emporrichten, und wenn es sich in der Weltluft und in Weltsünden verwickeln und beluftigen will, so gib mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater! in deine Liebe, mein Jesu! in deine Wunden einsenke, damit es sich nicht von deiner Gemeinschaft verirre, sondern am Abend noch darin gefunden werde. Stehet mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Lasse auch die Meinen dir empfohlen seyn, und laffe allen Betrübten und Kranken mitten in ihren Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o HErr! und leite Meinen Gang nach deinem Wort, Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret seyn. Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneurung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Röm. 12, 2. Wenn ein glaubiger Christ erwägt, daß die Weltliebe wie das Bitte um Abziehung von der Welt. Unkraut ist, welches von selbst in der Seele wächst, hingegen aber die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne wohlriechende Pflanze ist, die mit Fleiß und Mühe erst muß da hinein gesetzt und wohl bewahrt werden: so kann er daraus erkennen, wie große Sorge und Arbeit man anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß die Welt in ihm und außer ihm sei. Die Welt in ihm sind die bösen Lüfte, Tücke, Begierden und Gedanken seines Herzens; die Welt außer ihm sind der bösen Menschen Exempel, Lockungen und Verführungen. Diesen allen aber muß ein wahrer Christ 2) widerstehen, und zwar den aufsteigenden Lüsten und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Vermeidung der Welt- Gesellschaften, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten. Weil nun dieses nicht in unsern eigenen Kräften steht, so muß er 3) Gott um seine Hülfe und seinen Beistand eifrig anflehen, 4) das Wort Gottes fleißig und täglich gebrauchen in aller Weisheit Col. 3, 16. 5) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen und einsperren wollte, mit Niemand reden und umgehen; sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht fündige, und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachahme. Denn wenn wir mit gar keinem Gottlosen umgehen sollten, so müßten wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir sollen in der Welt wie Joseph in Egypten, Loth in Sodom, Daniel und seine Freunde in Babel seyn, welche alle der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 6) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man Gott seine Sünden bekennen, und zu dem heiligen Abendmahle gehen will, sondern diese Arbeit soll beständig seyn. Ist die Welt aus dem Herzen heraus, so gehet Jesus ein. 51 Gebet. How Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen! wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns in unsern vielen Fehlern und Schwachheiten haft, und strafft uns nicht auf frischer That, und wie wir es verdienen. Ach! du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne, und das Verderbniß meines Herzens einsehe. Ich fühle die Welt in mir und außer mir; ich finde die Welt in mir, nämlich die bösen Gelüfte meines Her zens, die fündlichen Neigungen und Triebe zum Bö Erster Theil. Für Gesunde. sen. Ich finde die Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sündenerempelu und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach, leider! mein natürliches unartiges Herz hat viel mehr Lust und Freude daran als an deinem heiligen Worte und an dem Leben, das nach deinem Worte geführt wird; ach wehe mir, daß ich so lange, so oft und viel mich durch die Welt reizen und verführen ließ! Ich schäme mich, meine Augen vor dir empor zu heben, wenn ich an die Thorheit meiner Jugend gedenke, wo ich, leider! der Welt mehr als dir, meinem Gott, gedient habe; der Welt mehr zu Gefallen gethan habe als dir; der Welt mehr angehangen bin als dir, aber auch damit dich beleidiget, mein Gewissen verletzt, und dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da, mein Gott! ich kehre um, und thue Buße im Staub und in der Asche. Ach, ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Gott! damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir das klägliche Ende der Weltfinder vor, damit ich dich liebe, und nicht die Welt; damit ich dir folge, und nicht der Welt; damit ich dich höre, und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von Neuem laufen und fündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienste erschaffen hast; daß ich den neuen Menschen täglich anziehen soll, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gib, daß ich beständig die vergängliche Luft der Welt verachte, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltluft und Weltfreude lauter Angst und Zerstreuung, ein böses Gewissen und das Verderben der Seele folgt. Reiße aus mei52 Bitte um Abziehung von der Welt. nem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißt, und pflanze deine heilige Furcht in mich. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft! Regierst von End' zu Ende, Kräftig aus eig'ner Macht: Das Herz uns zu dir wende, Und kehr' ab unsre Sinnen, Daß sie nicht von dir irren. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2. 1. Du willst, o lieber Chrift! Und stellet Christus nicht Dich dieser Welt gleichstellen, Und zu den Sündern dich Und ihrer Luft geſellen, Und meinest, das sei recht; Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ muß nie Ein solches Weltkind seyn. 2. Du meinst, es tange nicht, Ganz sonderlich zu wandeln, Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln; Du schämest dich zu seyn Ein solcher Sonderling, Und sprichst: man spottet mein, Und achtet mich gering. 3. Doch lehre dich nicht dran; Wo Gottes Wort hinzielet, Was Gott in seinem Wort Mit Ernst dir anbefiehlet, Sieh, darnach richte dich, Und laß der Welt ihr Spiel; Sie sage, was sie will, Thu du, was Gott gefällt. 4. Denn sagt uns Gott nicht selbst: Ihr sollet heilig leben, Wie ich auch heilig bin; Ihr sollt euch mir ergeben; Sich selbst zum Fürbild dar, Daß wir gesinnet seyn, Wie er gefinnet war? 53 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet. Den Bösen nie zu lieb Den lieben Gott betrübet; Und also thue du, Halt deine Seele rein, Das wird dein Segen seyn. Leb heilig und gerecht; 6. Sieh Noah lebte nicht, Es waren acht, die sich Wie andre Menschen lebten, Ach! denke doch daran, Recht fromm zu seyn bestrebten; Wenn du die Bösen siehst! Wohl dir, wenn du mit Fleiß Die Sündenwege fliehst! 7. Gedent, was Loth gethan In jenen Sodomslanden, Darinnen sich nicht fünf, Die Gott recht liebten, fanden. Er wurde zwar gequält, Und fündigte doch nicht, Sein Herz und Wandel war Allein zu Gott gericht't. 54 Erster Theil. Für Gesunde. 8. Wie, hat denn Joseph auch Und wollt es keiner thun, Egyptens Sünd' getrieben? So thu du es allein, dis Ist nicht auch Daniel So wirst du deinem Gott In Babel fromm geblieben? Recht lieb und theuer seyn. So mache du es auch, 10. Ach Gott! erinnre mich Ob man schon Wenig find't, An diese Lebenspflichten, Die da von Herzen fromm Ich will mich gern nach dir Und Christi Jünger sind. Und deinem Willen richten. 9. Du mußt nicht mit der Welt Ich sage hiemit ab Zu ihren Sünden gehen, Du mußt in Gottes Furcht Und seiner Liebe stehen; Der Welt und Sündenfrend' Und bleibe dir getren In Zeit und Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. 3 Aufmunterung. Weise mir, HErr! deine Wege, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Pf. 86, 11. Es ist dieses Leben nichts anders als ein Weg; indem wir geboren werden, treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört mit demselben der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit ein. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir den guten Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endigt sich derselbe zu der Himmelsherrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg des Unglaubens, der Bosheit, der Gottlosigkeit, so endigt er sich zur Hölle, zu der ewigen Ver dammniß. Wenn nun dieses ein Christ erwägt, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe: der schmalen Himmelsweg und den breiten Höllenweg, indessen aber mit allem Fleiß den Himmelsweg wandeln soll; 2) damit er nun darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle; 3) bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben, oder was für Wege sie gehen; denn wenn er diesen nachgehen und nachfolgen will, so hört Gottes Geist auf ihn zu leiten, ja, er weicht gar von ihm; 4) wie nun ein Wanderer einen Geleitsmann nöthig hat, der ihm den rechten Weg weise, so bedarf auch ein glaubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg weise, den er wandeln soll. Hiezu aber gehört die Einwoh nung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Bitte um Gottes Regierung und Bettung. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? 1 Kor. 3, 16. Hat man aber diesen treuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, Zunge, die Sinnen und Begierden regieren; 5) dieser heiligen Regierung widersetzt sich der glaubige Christ nicht; er widerstrebt auch dem heiligen Geiste nicht; sondern er läßt sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wohl geführt werden wird, hier zeitlich und dort ewig. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat! Gebet. HErr, du erforschest mich, und kennest mich, du verstehest alle meine Wege. Ach! du siehest und weißst auch wohl, mein lieber Gott! wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen, und so zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen haft, und wovon Jesus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Weg und Vorhaben abführt. Bald verführt mich mein eigenes Herz durch böses Gelüste, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Beispiel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und HErrn; ich verleße mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach! leite und führe mich nach deinem Rath. Du hast ja gesagt: ich will dich mit meinen Augen leiten. HErr! hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott, der du dein Volk trockenes Fußes durch das rothe Meer, und unverletzt durch die Wüsten in das Land Canaan geführt hast. Ach! führe mich durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverletzten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir mein Herz, meinen Mund, meine Glieder und mein ganzes Leben. Regiere mein Herz, und erfülle es stets mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glie Erster Theil. Für Gefunde. der, damit ich mit meinen Händen nicht nach verbotenen Dingen greifen möge, und damit meine Füße nicht auf Sünden- und Höllen- Wegen wandeln mögen. Regiere meinen Mund und meine Zunge, daß fie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte vorbringen mögen. Regiere mein ganzes Leben, damit ich von nun an nicht mehr muthwillig gegen dich fündigen möge, daß ich ein rechter und frommer Christ heißen und auch seyn möge. Ach lasse nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlasse mich nicht meinem eigenen Willen oder meiner eigenen Führung; denn wenn ich mich führe, so werde ich verführt; gib mir eine heilige Behutsamkeit in allem meinem Thun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich mich nach dir, deinem Wort und nach meines Jesu Beispiel allein richten möge. HErr Jesu, führe mich, So lang ich leb auf Erden! Laß mich nicht ohne dich Durch mich geführet werden. Führ' ich mich ohne dich, So bin ich leicht verführt, Wo du mich aber führst, Thu ich, was mir gebührt. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Vater! gib mir auch die Gabe, Die du Alle bitten heißst; Owie wohl, wenn ich sie habe! Gib mir deinen guten Geist: HErr! ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen, Ach! erhöre meine Bitt, Theile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich lebe in der Zeit, Wie ich mich nun soll bekehren, Und wie ich in Frömmigkeit Vor dir soll beständig gehen: Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist, Und sich gründ't auf Jesum Chrift. 3. Es soll dieser Geist mich führen Allezeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab' gethan: Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach Folgen diesem Führer nach. Abeitdgebet am Mittwoch. 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigteit; Wenn die Noth am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit In den Angst- und Trauertagen Und im Leidenssturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugniß gibt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft den größten Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So soll deine Vaterhund Mir den Geist auch zweifach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben seyn, Und von groben Fehlern rein. 6. Werther Geist ins Himmels Throne, Gleicher Gott von Ewigkeit, Mit dem Vater und dem Sohne Komm zu mir, ich bin bereit; eine Seele, Geist und Leben Will ich dir zur Wohnung geben; Komm, ach! komm, und nimm es ein, Laß es deinen Tempel seyn. 7. Ach! bewahre mich vor Sünden, Ach! laß meine Zuversicht Sich auf Jesum Christum gründen; Werther Geist! verlaß mich nicht; ach! durch deine Liebestriebe Stärke mich in Glaub und Liebe; Führe mich durch diese Zeit In die frohe Ewigkeit. Abendgebet am Mittwoch. Ich liege und schlafe und erwache, denn der HErr hält mich. O du heiliger, gütiger und allein weiser Gott! du hast mich heute diesen vergangenen Tag wiederholt erfahren lassen, daß du der rechte Vater über Alles bist, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden; du hast nach deiner unendlichen Güte für mich gesorgt, daß es mir nicht an irgend einem Gute gemangelt hat. Ach, HErr! ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du an mir beweisest. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohltbaten, die er täglich an mir thut, an mir, der ich nur Staub und Asche bin. Verschmähe nicht das demüthige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und schaue mich ferner in Gnaden an. Vergib mir o gnädiger Gott! was ich an diesem Tage mit Gedanken, Worten und Werken gegen dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern zugleich alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, dieselben morgen und mein ganzes Leben hindurch haffe und lasse; daß ich nach dem vorigen Wandel den alten Menschen ausziehe, und ihn nie wieder an57 Erster Theil. Für Gesunde. ziehe. Laffe mich die bevorstehende Nacht mit allen meinen Verwandten und Hausgenoffen unter deinem Schuß und deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, aber lasse, o Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit! deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Erfülle mich im Schlafe mit guten Vorstellungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name und Gedächtniß immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager bei schlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle unnützen Sorgen und fündlichen Gedanken vertreiben möge. Erneure im Schlafe meine Kräfte, damit ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wacht ein Hirte bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele empfohlen seyn. Wenn du aber zur Prüfung meines Glaubens, meiner Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhängen wolltest, so denke, mein Gott! daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich nichts vermag, und daß es dir, als meinem Vater, zukomme, Errettung und Hilfe von deinem Heiligthum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich; im Elend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Lasse deine Allge= genwart und dein allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden abhalten. Ich hebe auch bei anbrechender Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt: meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. HErr! es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin, 58 Zeige mir auch ferner an, Wenn ich was nicht recht gethan, Und hilf mir in allen Sachen Guten Feierabend machen. Amen to us Bitte um die wahre Liebe zu Gott. 59 Der glaubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen angezündet werden möge. Aufmunterung. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. 1 Joh. 4, 16. 19. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Glaubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz aufs Genaueste zusammen verbindet. Ein glaubiger Christ bittet demnach 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen, und dieselbe in ihn ausgießen wolle. Denn auch diese Gaben gehören unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, vom Vater des Lichts. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, durch welche Gottes Liebe an ihm angefangen und vermehret werden kann, nämlich die sorgfältige Achtsamkeit auf die Spuren der Liebe Gottes in seinem Lebenslauf, andächtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Steht er in der Liebe Gottes, so muß er auch solche in einem heiligen, christlichen Wandel, durch anständige Reden, durch Gott wohl gefällige Handlungen beweisen; denn die Liebe ist einem Feuer gleich, welches sein Licht und seine Wärme nicht verbergen kann. 4) Er muß sich aber vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wieder liebgewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Deßwegen muß er aus Liebe zu Gott die Welt und Weltfreundschaft und Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch bis in den Tod verharren, und so in der Liebe Gottes sterben. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren; man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre in der Lust und Liebe der Welt hingebracht und darüber die Liebe Gottes vergessen hat, welches ein Christ nun, da ihm Gott die Augen aufgethan, mit desto inbrünstigerer, hef tigerer und beständigerer Liebe ersetzen, und in solcher Liebe bis in den Tod verharren soll. Gebet. O du liebreicher, gnädiger Gott! du bist allein liebenswürdig; dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften Start, Handbuch. Erster Theil. Für Gesunde. lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu deix heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbfünde in mir erloschen ist, sondern wie ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade und dem Triebe des heiligen Geistes nicht allezeit Raum gegeben habe, damit wieder eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändre doch mein Herz, reiße aus demselben alle Weltund Sündenliebe, und lasse in meinen Ohren die Worte erklingen: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenlust und zum hoffärtigen Leben, wozu ich, leider! von Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir eine reine, wahre Liebe zu dir an, damit ich dich, als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben, und alle Eitelkeit fliehen möge. Denn will ich ein rechtes Kind Gottes seyn, so muß die Sünden-, Welt- und eigene Liebe zum Herzen hinaus, und du mußt über alles allein geliebt werden. Darum komme ich, mein Gott! zu dir, und bitte dich, ach! gib mir deinen heiligen Geist, der diese edle, nothwendige und christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge; in dessen Kraft will ich dich, meinen Gott, von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll an dich denken; mein Mund soll von dir reden; du sollst mir lieber seyn als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und Herrlichkeit, ja, als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Personen und Gesellschaft enthalten yaus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Wink und Willen mein Leben einrichten; dich 60 Bitte um die wahre Liebe zu Gott. 61 will ich ehren und fürchten, dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott! entzünde dieſe Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, damit ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre hindurch lieben, sondern damit meine Liebe immer zunehmen und bis an mein seliges Ende dauern möge. Gib mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen et was leiden soll, und stärke mich alsdann mit deinem mächtigen Beistand. Ach lasse mich in Liebe mit dir in Zeit und Ewigkeit vereinigt seyn. Ich liebe dich, o lieber Gott! Ja, dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott Soll meine Liebe stillen; Und sollt' kein Höll und Himmel seyn, Das mich zur Liebe triebe, So wärst du mir genug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ach daß sich doch Gottes Liebe Tief ergösse in mein Herz! Ach, daß sie doch immer triebe Meine Seele himmelwärts! Ach, daß doch all mein Beginnen, Ach, daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt Wär'n durch Gottes Lieb entflammt! 2. Ach, daß diese Liebe risse Aus mir alle Lieb der Welt! Ach, daß ich mich stets beflisse, Das zu thun was Gott gefällt, Und aus Lieb ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär' Und Gott süßer mehr und mehr! 3. Ach, daß diese Lieb mich brächte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflösse, Da ich nicht der Lieb genösse, Daß ich ihm mit Lieb nachgieng, Und mit Liebe ihn umfieng! 4. O du Liebe! so ergieße Tief dich in mein Herz hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen möge seyn, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich sitze, schlaf und gehe, Dir zu Liebe Alles thu, Und aus Liebe in dir ruh. 5. Laß mich in der Lieb auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit. Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigkeit; Dieser Lieb laß mich genießen, Bis ich werd die Augen schließen. Und auch gehn zur Freude ein, Wo wird lauter Liebe seyn. Erster Theil. Für Gesunde. Morgengebet am Donnerstag. HErr! höre mein Wort; merke auf meine Rede; vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde dafür, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernährt und bewahrt haft, sondern daß du auch in dieser vergangenen Nacht mein Schutz und Beistand gewesen bist, so daß ich zu deinem Lobe wieder gesund von meinem Lager auf stehen und das liebliche Tageslicht schauen kann. O Liebhaber des Lebens! was ist der Mensch, daß du ſein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahrt; du hast mich und mein Haus mit deiner Engel Schuß umgeben, so daß mich kein Unfall berühren, und kein Unglück hat beschädigen können. Du hast mich durch eine sanfte Ruhe erquickt, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete haben entbehren müssen, während ich wohl eben so viel, ja, noch mehr Züchtigung verdient hätte als sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohlthaten, welche ich die Zeit meines Lebens hindurch empfangen, nicht so dankbar gewesen bin, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer* und Erhalter! erfordert hätte, nämlich dir ein immerwährendes Lob und demüthigen Dank zu bringen. Nun will ich heute anfangen, durch deine Gnade zu ersehen, was ich durch meine Schuld versäumt habe. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen, und mich dir zu eigen zu ergeben. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund heute keine Uebertretung begehen, oder mit Narrentheidingen und sündlichen, unnügen Worten eine schwere Rechenschaft auf mich laden soll. Ich will meinem Fuße alle sündlichen Wege wehren; mein Auge soll nicht 62 Morgengebet am Donnerstag. nach verbotenen Dingen und Personen schauen; ich will meine Hände nicht zur Ungerechtigkeit ausstrecken, und will mein Ohr von loser Lehre und bösem Gerede, welches gute Sitten verderbt, abwenden; hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott! zu deinem Dienste ergeben; ach! wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade lasſe mich an diesem Tage immer mit frommen Leuten umgehen, und wenn ich je des Berufs wegen und unverhofft zu bösen Leuten tomme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Thaten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit kindlicher Zuversicht auf deine Fürsorge freudig und getroft verrichten, und deinen Segen überall empfinden möge. Nun hebe ich meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat: dieser segne, beglücke und bewahre mich, hier in der Zeit bis zum Eingang in die frohe Ewigkeit! Meinen Ausgang segne Gott, Meinen Eingang gleichermaßen; Segne auch mein täglich Brod; Segne all' mein Thun und Lassen; Segne mich mit sel'gem Sterben, Und mach mich zum Himmelserben. Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. So Jemand spricht: ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er fiehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihn, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebet. 1 Joh. 4, 20. 21. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet; daran wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so 64 Erster Theil. Für Gesunde. ihr Liebe unter einander habt. So beschreibt Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, 34.; nämlich, daß man sie daran erkennen solle, wenn sie ihren Nächsten lieben werden. Es soll niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten hasset; o nein! Es ist aber unser Nächster: 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter; wenn man nun solche liebt, so ist dieses zwar unsre Schuldigkeit, es ist aber noch keine ausgezeichnete Christentugend denn die unglaubigen Heiden lieben auch ihre Freunde, Wohlthäter und Verwandten, die ihnen nichts zuwider thun. Es ist unser Nächster 2) auch unser Nachbar, Handwerksgenosse und Mitbürger, 3) jeder fremde Mensch, der unserer Hülfe und unserer Liebe bedarf, wenn er uns auch äußerlich nichts angienge, 4) selbst ein Solcher, der uns beneidet, verachtet, vervortheilt und haßt, der die ihm erzeigte Wohlthat mit Undank, ja sogar das Gute mit Bösem vergilt. Bei der letzten Art des Nächsten soll man die Liebe am meisten blicken lassen: 1) daß man ihm nicht allein nichts Böses wünsche, nicht schelte, Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles Gutes gönne, Liebe und Freundschaft erweise, und ihn liebe als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, mit Worten und Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und thue in der That und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5, 44. 45. Gebet. Ach, du liebreicher Gott; der du uns herzlich liebst, und aus dieser Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes thust, aber uns auch befohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen, wie du uns liebest; ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten, nach deinem Gebot, lieben wie mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen gibst, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre. Ich sollte den Bitte um wahre Liebe des Nächsten. 65 Undankbaren, der mir Gutes mit Bösem vergilt, oder meinen Feind, der mich haßt, schmäht, verfolgt, drückt, herzlich lieben, ihm Gutes wünschen, ja, ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du, allwissender Gott! stehest und weißest, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernt ist, wie, leider! wenn du meinem Nächsten wohl thust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichest, mir aber nicht, ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott! wie das Beten für meine Feinde so träg und gering ist, daß ich sie in meinem Gebet entweder vergesse, oder wenn ich ja ihrer gedenke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es doch, leider! mit wenig Worten geschieht. Ach, mein Gott und Vater! ich erkenne daraus das Elend und das Verderben, darin ich mich noch befinde, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jesu bin, wie ich billig seyn sollte, welche man daran erkennen wird, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach! ändere doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, damit ich durch deine Gnade meinen Nächsten herzlich und aufrichtig wie mich selbst lieben möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gerne und mit Freuden das Biele oder Wenige gönne, was du ihm gibst, und nicht deßwegen betrübt dazu sebe, wenn du mich dieses Mal nicht mit gleicher Wohlthat erfreuest. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, damit ich mich nicht etwa freundlich mit Worten anstelle, und im Herzen doch ihm feind sei; wie Judas ihn küsse, und doch verrathe; sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und wenn ich ja der Feinde Verfolgung, Schmähung 68 Erster Theil. Für Gesunde. und Unrecht erfahren muß, so gib mir Kraft, daß ich Solches mit Sanftmuth überwinde, nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute wünsche. HErr, mein Gott! du siehst, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und durch deinen Beistand wird mir ihre Erfüllung möglich werden. Gib, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Vater! ansehe, daß du uns Menschen, da wir noch deine Feinde waren, geliebt haft. Gib, daß ich mir immer die Liebe meines Jesu vorstelle, der für seine Feinde gebeten und ihnen Gutes gethan hat. Schreibe mir in mein Herz die erbarmende Liebe des heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herzen zu arbeiten und anzuklopfen, damit ich dadurch zu einer wahren Liebe gegen meinen Nächsten bewogen werde, und so das Zeugniß erlange, ich sei ein wahrer Jünger Jesu. Laß mich an Andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jedermann, Ohn' Eigenmutz und Heuchelschein, Und wie du mir's erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern seyn, Warum ist Falschheit doch Bei ihnen so gemein? 2. Ach! in der letzten Zeit Wird alle Lieb erkalten, Und gar geringe sehn Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit schon da, So machet euch bereit Zum lieben jüngsten Tag Und zu der Ewigkeit. Nachfolge Jesu. 3. Wo findet man jetzt Lieb', Wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind Fast gänzlich aufgehoben. Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu? Regiert die Falschheit nicht Und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen, Man darf auf Reines Wort Hienieden fast mehr bauen. Ein Anders denkt das Herz, Ein Anders red't der Mund, Und schöne Worte gehn Doch nicht aus Herzensgrund. 5. O falsche, böse Welt! Gott fennet deine Stücke, Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke; Du hast die Liebe nicht, Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe seyn? 6. Allein wer keine Lieb Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzensgrund Auch seinen Gott nicht lieben; Drum glaube nur gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei dem man lauter Haß Und keine Liebe find't. 67 7. Mein Gott! verleihmir Gnad, Daß ich in Lieb umfasse Und denen Gutes gönn', Die mich aus Feindschaft haffen. Ach! mache selbst mein Herz Von aller Bosheit rein, Daß ich auch in der Lieb Mög' Christi Jünger seyn. 8. Laß deine Lieb zu mir Vor meinen Augen stehen, Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen; Gib, daß ich mich betracht Und an mir nehme ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab'. 9. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu' und Liebe In meinem Herzen seyn; Damit ich Liebe übe, Gib mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Lieb und ohne List Und ohne Heuchelei. 10. So leb ich als dein Kind, Und werd dahin gelangen, Wo alle Glaubigen In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit, Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. Der glaubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Will mir Jemand nachfolgen, der verläugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir. Matth. 16, 24. HErr! siehe, ob ich auf bösem Wege bin, Pf. 139, 24. So soll ein glaubiger Christ täglich beten. Wie ein behutsamer Wanderer fleißig nach dem Wege fragt, so soll ein Glaubiger sich fleißig nach 38 Erster Theil. Für Gesunde. dem Himmelsweg erkundigen. Es sind viele Verführer ausges gangen, spricht Johannes, darum soll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführt werde. Ein glaubiger Christ folgt demnach 1) nicht den Weltkindern nach, die ihn zu ihren lustigen und sündlichen Gesellschaften mitnehmen wollen; dadurch würde er seine Seele in allzugroße Gefahr setzen, viel weniger folgt er dem Triebe seines bösen Herzens; sondern er denkt allezeit, wenn ihm etwas in die Gedanken kommt: ist das auch recht? er folgt auch nicht dem Satan und seinen Neizungen nach. Sondern er folgt 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellt, was er glauben, was er thun und unterlassen soll, das ist seine Lebensregel; was diese nicht erlaubt, vor solchem hat er einen herzlichen Abscheu; 3) dem HErrn Jesu, der uns ein Vorbild gelassen hat, daß wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen; die Fußstapfen Jesu aber sind: Demuth, Gehorsam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folgt auch 4) dem Erempel frommer Christen nach. Sieht er an frommen Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit, Mildigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch solche nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bis in den Tod bleiben, so wird dann an solchen Seelen auch erfüllt werden, was Johannes sagt, Offenb. 15, 4.: Sie folgem dem Lamme nach in dem ewigen Leben. Gebet. Ach, mein Gott und HErr! mein einziges Verlangen ist, daß ich so lebe, daß ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingeben möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese: Die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hingeht; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher dem Lamme in der Herrlichkeit nachfolgen will, ihm auch in dieser Zeit, so lange er noch in der Welt lebt, nachfolgen muß. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgänger, und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Šatan ladet mich zwar durch seine Verführungen ein, ihm nachzufolgen; die Welt stellt mir ihre Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor die Augen, allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen. näm Nachfolge Jesu. 69 lich zur Hölle und Verdammniß. O darum will ich dir, o Jesu! nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir im Glauben, in Liebe, in Demuth, in Gehorsam, in Frömmigkeit und in Keuschheit nachfolgen. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, damit wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen; dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Vater lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächsten lieben, und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gerne verzeihen. Ich will nach seinem Erempel demüthig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Nun dieses ist mein heiliges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen. Ach! erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Weltfinder Verhalten, Worte und Gitelfeiten vor mir sehe, damit ich gedenke, wo geheft du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich öfters felbst frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg, auf welchem ich wandle? Gib, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich sein soll, und wer ich bin: ich soll ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu sein; ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in deiner Nachfolge und in deinem Sinn beständig bis in den Tod verharre. Ich folge Jesu nach in Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, die soll mir Niemand rauben, In Demuth folg' ich ihm; werd' ich im Folgen schwach, So stärkt mich seine Hand; ich folge Jesu nach. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Jesus bleibet meine Freude, Ob schon in der Welt nichts bleibt, Er ist meiner Seele Waide, Von dem mich nichts 3rd'sches Erster Theil. Für Gesunde. treibt; Such ich Freud in diesem Leben, Kann mir solche Jesus geben, Drum soll Jesus nur allein Meiner Seele Freude seyn. 2. Jesus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Ob schon Alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder scheinen, O! so steht es um mich wohl, Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Dennoch stets mein bester Freund; Leb ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden, Und ich hab an ihm gefunden, Was ich an der Welt nicht find', Ja, an keines Menschen Kind. 70 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnügen fehlt; Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich vergnügt, was er erwählt; Drum sprech' ich: mir soll in Allem, Was nur dir gefällt, gefallen; Mein Vergnügen ist dein Will', Deinem Willen halt ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergößen, Sonst begehr' ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schätzen Ist mir sonst kein Schatz bewußt; Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Ist mein Jesus nur allein, Soll's auch dort im Himmel seyn. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh; Denn nur er ist mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh. Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden; Ich folg', ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme, nach. 7. Wählt, ihr Menschen! o, erwählet Mit mir dieses höchste Gut; Wenn's euch gleich an Vielem fehlet, Habet dennoch guten Muth; Jesum sucht, ihn haltet feste, Dieses ist das Allerbeste: So habt ihr in aller Noth Trost und Hülfe in dem Tod. Abendgebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O reicher und liebreicher Gott und Vater! hier komme ich, abermals mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft und begnadigt, in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, und hast dich, wie ein Vater über sein Kind, über mich erbarmt, daß ich den Abend unbeschädigt erlebt habe; deine Langmuth hat meiner geschont, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft hast. Ach! verzeihe mir alle Uebertretungen, mit denen ich heimlich oder öffentlich dich beleidigt habe. Ich sollte Abendgebet am Donnerstag. stärker werden, gegen die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel: aber wer kann merten, wie oft er fehle; verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch fünftig das mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidigt habe. Iſt meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, HErr! wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott! ach, schließe du selbst die Thür hinter mir zu, wie an dem Kasten Noah, damit kein Wasser der Trübfal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in den Schutz nehmen, damit meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederliegen in's Bette auch daran denken, wie ich dereinst mit Erde werde bedeckt, aber am jüngsten Tage wieder werde auferweckt werden. Laß mich alle Tage so hinbringen und beschließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens getrösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde auch du mich heimzuführen kommen wirst. Wie ich liege und schlafe, und doch noch Athem hole, o Jesu! so sei auch im Schlaf mit mir vereinigt. O dreieiniger Gott! unter deinem Schirm und Schild kann mich keine Noth und kein Tod verletzen, oder mir schaden. Deine Liebe und dein Schuß, o Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! sind die Wagenburg; in dieser ruhe ich sanft, und liege darin wohl bewahrt, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinen deines Schutzes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kräfte, und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder schauen! HErr! laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich nichts erschrecke, 71 72 Erster Theil. Für Gesunde. Und wenn die rechte Zeit wird seyn, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret', Wenn ich zuvor hab' durch's Gebet Dir meine Werk' befohlen. Verschmäh, o Gott, mein Vater! nicht Mein Seufzen, Bitt' und Flehen; Laß mich dich, Jesu, wahres Licht! Auch in dem Finstern sehen; Oheil'ger Geist! am letzten End Mit deinem Trost dich zu mir wend, Damit ich sanft einschlafe. Amen. Der glaubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Psalm 73, 25. 26. Das höchste Gut inne zu haben und zu besitzen, das ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; aber darin haben die Meisten gefehlt, daß sie nicht gewußt haben, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen seyn, und es muß uns im Leiden und Tode, in Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichthum, welchen Viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten, denn er verläßt uns im Tode, und er kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Gerechte in Verachtung und Schande; die Glückseligkeit verwandelt sich in Jammer und Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor allen irdischen Gütern, da man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Deßwegen sucht ein glaubiger Christ sich ein wahres, beständiges Gut, welches aber 4) allein Gott ist; hat er Gott, so hat er Alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, und zwar in Zeit und Ewigkeit; Gott erfreut den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquickt Erkenntniß, daß Gott allein das höchste Gut sei. 73 ihn im Tode, bleibt mit ihm vereinigt in Ewigkeit. Zu diesem Gute können wir gelangen 5) durchs Gebet, durch Anhörung des göttlichen Wortes und durch Betrachtung desselben, durch den Gebrauch der heiligen Sakramente und durch den Beistand des heiligen Geistes; nur 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die Weltliebe, Eitelkeit und fündliche Lust nicht sein höchstes Gut seyn lasse. Gebet. O du gnadenreicher Gott, wie bist du doch so herrlich, so schön, so vollkommen! Wer dich hat, der bat Alles, weiß Alles, der kann Alles, ja der hat das allerhöchste, beste und vortrefflichste Gut. Ach! schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz hinein, damit ich allein dich suchen und dich finden möge! Ach! bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum besitzen, oder großes Vergnügen und große Herrlichkeit erlangen, so haben sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt: diese Güter verlassen die Menschen im Tode, sie folgen ihnen nicht in die Ewigkeit nach, sie trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackt und blos, ja ohne Gott. O! darum gib, daß ich das wahre Guf von dem vergänglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut; du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen, ei so vereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit; sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und Roft unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie vernichten, so bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit demselben gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein; ihn nehme ich mit mir auf die Reise; mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja, mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigfeit. Darum, mein Gott! wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich 74 Erster Theil. Für Gesunde. dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichthum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. Ø! darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, fo habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Noth, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allerfüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltfinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich doch Gott nicht; dieses höchste Gut behalte ich im Abscheiden aus der Welt, und es wird alsdann noch vollkommener, noch vortrefflicher und noch herrlicher, mit völligem Glanz und unaussprechlichem Genuß geschenkt werden. Ach HErr, wenn ich nur dich hab', Ei, so sag ich Allem ab, Legt man mich gleich in das Grab, Ach HErr! wenn ich nur dich hab'. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. In Gott bin ich immer fröhlich, In Gott hab ich lauter Freud, In Gott bin ich reich und selig, Gott ist selbst die Seligkeit. Darum laßt die Welt einfallen, Lasset Blitz und Donner knallen: Bleibet nur der Höchste mein, So kann ich vergnüget seyn. 2. In Gott hab ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt; Der den Himmel mir beschieden, Ist mein Jesus, der mich frönt: Drum kann ich im Frieden sterben, Und in Fried den Himmel erben; Friede in der Lebenszeit, Friede in der Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher rasten, Er ist meiner Seele Ruh; Zu Gott, wie zu Noah's Kasten, Eil ich, wie das Täublein, zu; Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Ruh in Trübfal, Ruh in Schmerzen, Ruh in Leiden, Ruh in Noth, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schätzen, Welche keine Welt zerstreut; Freud, Vergnügen und Ergötzen Und des Trostes Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schaue doch, in diesem Leben; Wie wird's nicht in vollem Schein Herrlich in dem Himmel seyn! 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnilget hier, Und bin auch mit Gott verbunden In den letzten Todesstunden! Ach, Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. 75 Morgengebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, Gott! mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnädiger und liebreicher Gott, mein Vater, Erlöser und Heiligmacher! ich bebe in dieser Morgenstunde mein Herz und meine Hände zu dem Throne deiner göttlichen Majestät empor, von welchem mir in der ganzen Zeit meines Lebens und auch in der vergangenen Nacht gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, meine Burg, mein Nothhelfer, mein Trost, mein Schirm, ja mein Alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und HErr! erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsterniß an mich gedacht, und während mich. die dunkeln Schatten umgaben, hast du meinen Leib und meine Seele vor allem Schaden und vor aller Gefahr väterlich behütet; darum lobe ich dich, und lobfinge deinem Namen: der HErr hat Großes an mir gethan, deffen bin ich fröhlich. Sei, o liebreicher Gott! auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rathe, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Sage meinem Geiste heute und allezeit, was ich reden soll, damit ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, damit ich nichts Böses thue. Laffe deines Geistes Zucht allezeit an meinem Herzen anklopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laffe mir, o Jesu: dein blutiges Bild vor Augen stehen, wie du an einem Freitag, zur Zeit deiner bittern Leiden, blutigen Schweiß für mich am Delberg vergossen, blutig in dem Nichthause gegeißelt und blutig an's Kreuz angenagelt worden bist, wenn Fleisch und Blut fündliche Lüste in mir erregen. Zeigt sich heute außer mir vielleicht Gelegenheit zur Sünde, in welche mein Herz willigen wollte, so zeige Start, Handbuch. 6 76 Erster Theil. Für Gesunde. mir eben dieses blutige Bild, damit dadurch alle Luft zur Sünde in mir ertödtet und vertrieben werde. So wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden in der ganzen Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe, und in dem neuen Wesen des Geistes wandle. Gedenke auch im Leiblichen an mich, und segne mich, und laß mich alles Irdische als ein vergängliches Gut betrachten, damit ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir./ Umgib auch mich und die Meinen mit deinem Schuße wie das Haus Hiobs; bewahre mich wie den Jakob; habe Acht auf mich wie auf Elias, damit ich unter deinem Schuße den Abend wieder fröhlich erlebe. Laß doch nicht eine traurige Botschaft vor mich kommen, sondern laß mich Freude und Wonne hören. Meinen Leib und meine Seele Sammt dem Willen und Verstand, Großer Gott! ich dir befehle Unter deine starke Hand; HErr, mein Schild, mein' Ehr' und Nuhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum! Amen. Der glaubige Christ bittet um Demuth. Aufmunterung. Haltet fest an der Demuth, denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1 Petr. 5, 5. 6. Unter denjenigen Sünden, gegen welche ein glaubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmuth des Herzens begrif fen, welcher gerne in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur nach dem Sündenfalle, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen, und auch nicht Christi Jünger seyn. Wenn nun Bitte um Demuth. dieses ein glaubiger Chrift erwägt, so bittet er Gott um ein demüthiges Herz: 1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HErr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben, und demüthig seyn vor deinem Gott, Mich. 6,8. Er wird gegen Gott aber demüthig werden, wenn er Gottes Hoheit, Majestät und Herrlichkeit bedenkt, und betrachtet, wie ihn alle Engel und Seraphim, Cherubim und alle Auserwählten anbeten und preisen, und dagegen auch erwägt, wie er ein armer Wurm und Made, nichts als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein glaubiger Christ demüthig werden 2) gegen den nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet, und gedenkt, wie sein Nächster vielleicht viel frömmer, andächtiger, und daher Gott angenehmer sei als er; wie er ein Wort, eine Taufe, ein heiliges Abendmahl, einen Himmel mit ihn habe, ja daß er wie sein Nächster und wie der ärmste Bettler im Grabe verwesen und zu Asche werden wird. Es wird ein glaubiger Christ auch demüthig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwägt, daß er Alles, was er hat, alle Gaben: Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen, nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm Alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stellt sich, damit er auf keinerlei Weise stolz werde, fleißig das Beispiel des demüthigen Jesu vor, der sich unter Gott und alle Kreaturen erniedrigte, und uns zuruft: Lernet von mir; ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Gebet. 77 Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du der Hohe und Erhabene bist, vor dessen Thron Cherubim, Seraphim und alle Auserwählten in Demuth ihr Antlik bedecken, ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmuth, mich über Alles zu erheben, geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche der Anfang aller Sünde ist, vergiftet, so daß ich oft vergesse, daß ich Staub, Erde und Asche bin. Ach mein Gott! gib mir doch ein demüthiges Herz, damit ich recht tfie einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und Alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demüthigen, und nicht frevent6* 78 Erster Theil. Für Gesunde. lich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe als Sünde, Tod und Verdammniß; was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches Alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern Alles als dein Geschenk und deine Gabe ansehe, welche du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über der Menge der Wohlthaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, damit ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten und dich allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, damit ich ihn nie gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie die Hoffärtigen dir noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demüthige Seele dein Licht, deinen Trost, deine Gnade und deine Güte reichlich haft fließen lassen. Wende von mir alle hoffärtigen Gedanken hinweg; gib, daß ich mich vor stolzen Worten hüte; bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, woraus nichts als Verachtung gegen den nächsten entspringt. Drücke in mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engel und Menschen erniedrigt hat, und aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater und aus Liebe zu mir armen Sünder gerne der Allerverachtetste und Unwertheste seyn wollte. Als ein Solcher ruft er mir zu: lernet von mir, denn ich bin von Herzen demüthig; ach! daß diese Stimme jeden Augenblick, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses so an sehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben und dazu berufen habest, und daß ich mich darüber nicht Bitte um Demuth. 79 gegen dich beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen und dich darüber preisen möge. Ach, mein Gott! hilf, daß ich umkehre, und wie die Kinder werde, die nichts aus sich machen, damit ich nichts in meinen Augen werde. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gib mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß Alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, damit ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich, durch solche Demuth in Frieden und Einigkeit mit Jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu seyn, so werde ich mich niemals erheben; Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünde, davor bewahre mich in Gnaden. Und wenn dir je gefallen sollte, mein Gott! mich in Spott und in Berachtung fallen zu lassen, daß mich mein Feind schmäht, und der Verächter mich mit Füßen tritt, so gib mir Kraft und Stärke, daß ich Alles mit Demuth, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demüthigung und desto größeren Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. HErr, HErr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses Alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben, Und sind immer arm am Geist, Nühmen sich nicht ihrer Gaben, Daß man Gott alleine preist, Danken ihm auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr; Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich hier geringe schätzen. Amen. 80 Erster Theil. Für Gesunde. Gesang. sit usin and hid Gmel.: Alle Menschen müssen sterben ze. 1. Demuth ist die schönste Tu- 5. Demuth bringt uns großen gend, Segen, Aller Christen Ruhm und Ehr', Und erlangt uns Gottes Gnad', Denn sie zieret unsre Jugend, Und das Alter noch viel mehr: Pflegen sie auch nicht zu loben, Die zu großem Glück erhoben; Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was groß ist in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demüthig, Er erhob sich selber nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel' geschmücket, Und in seinem Thun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. Nach des Bibelworts Bericht. Fand man doch in seinem Leben Nie ein Prangen und Erheben, Darum sagt er mir und dir: Lerne Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist befliffen, Ist bei Jedermann beliebt, Wer da nichts will seyn und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre gibt; Demuth hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen Allen, Die auf Gottes Wegen gehn Und in Jesu Liebe stehn. 4. Demuth macht uns nicht verächtlich, Wie die stolze Welt es meint, Wenn sie frech und unbedächtlich Preiset, was nur gleißt und scheint; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist, Als wenn stolz hergeht ein Chrift. 6. Diese edle Demuthsgabe, Welche ist des Glaubens Frucht; Wird die fromme Seele haben, Welche sie von Herzen sucht; Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Dennuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demnth, Lieb Kommt aus Gottes Geistes Trieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein; Es soll Demuth in Geberden, Demuth soll im Herzen seyn, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen Gott, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, Gottes Gnade in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne Friede, Licht und Herrlichkeit, Da wird Demuth herrlich prangen, und die Ehrenkron' erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. 81 Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen, welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward; nicht drohete, da er litte; er stellete es aber Dem heim, der da recht richtet. 1 Petr. 2, 21-23. Wenn ein Mensch in seiner Bekehrung zum lebendigen Christenthum einen guten Anfang gemacht hat, daß er sich von äußerlichen groben Sünden gereinigt hat, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, leppigkeit, Leichtfertigkeit, Spielen, Weltgesellschaften, so muß er darauf bedacht seyn, auch das Innere besonders von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Rachgier zu reinigen, und sich des Gebets und der Sanftmuth zu befleißigen. Diese besteht darin: 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht aus Haß, Zorn und Rachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmüthig sind und diese edle Tugend besitzen, können wir nicht eher wissen, bis uns ein Feind angreift, der nach unserer Ehre, unserem guten Namen trachtet: denn wer da gleich im Zorn entbrennt, flucht, schilt, droht, bei dem wohnt der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht gegen die Sanftmuth, Schutz gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf sein römisches Bürgerrecht und hernach auf den Kaiser berief, und sich in des Kaisers Schutz begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte, Apostelg. 22, 25. und 25, 11. 4) Steht es wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere in Grimm und Bitterfeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drückt, will Gott eine Probe unsers Glaubens sehen, und uns zur Erkenntniß der vorher begangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserem ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgedrückt haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmuth sind: im Herzen zu verzeihen, für die Feinde zu beten, Matth. 5, 44., ihnen Gutes zu wünschen, alles Gute zu thun, alles Gute zu gönnen, nicht alle Scheltworte zu hören, nicht Alles zu beantworten, und zur Versöhnung willig seyn, ja, wenn man mit ihnen zusammenkommt, nicht mit stolzer und grimmiger Geberde, sondern mit sanfter und freundlicher Miene ihnen begegnen und sie also zu beschämen und zu besänftigen suchen. Gebet. du liebreicher Gott! der du die Liebe selbst bist, und deine Liebe in meinem Herzen durch den heiligen Erster Theil. Für Gesunde. Geist ausgießen willst, ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oft gar widerspenstig und ungehorsam ist. Es sollen in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit zu der Zeit seyn, wann mich mein Feind drängt, verfolgt und haßt; aber ach! ich finde leider anstatt dieser christlichen unt nothwendigen Tugenden Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, den wieder zu schelten, der mich schilt, dem Böses zu vergelten, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilligerweise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott! aus deinem heiligen Wort weiß, daß diejenigen, welche solches thun, nicht in's Reich Gottes kommen sollen, und daß ein solches Benehmen gegen die Feinde nicht der Kinder Gottes und der wahren Christen Art sei: ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaft und unversöhnlich ist, und ich bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott! und gib mir deinen heiligen Geift, der mein Herz heilige und von aller Bosheit und Nachgier reinige. Hilf, daß ich allezeit auf das Erempel meines Jesu sehen möge, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohte, als ob er sich an ihnen rächen wollte, indem er litte: er stellte vielmehr Alles Dem heim, der da recht richtet. Ach, gib mir auch einen solchen stillen, sanftmüthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten, und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen laffen, sondern, ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch einschlafe, meinen Widerwärtigen von Herzen verzeihen möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich wie ein Tauber, der nicht hört, und wie ein Stummer seyn möge, der seinen Mund nicht aufthut, zur Zeit, wenn mich mein Feind schmäht. Hingegen gib 82 Bitte um Sanftmuth. Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl geht, daß ich ihm alles Gute wünsche, gönne, ja, ihm gerne belfe und wohlthue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bersahre mich, daß ich keine Feindschaft, weder in Worten, Mienen noch Werken, wahrnehmen lasse, son'sern wie gegen Jedermann, so auch gegen meine Feinde in dem Herzen mitleidig, in Worten freundlich und aufrichtig, in Geberden holdselig, mit Werken wohlthätig sei, damit durch meine Unversöhnlichfeit mein Gebet nicht verhindert und all' mein Gottesdienst und meine Andacht nicht verwerflich werde. Gib, daß ich von Herzen verzeihe und meinen Schuldigern vergebe, wie ich will, daß du mir meine Feher und Missethaten verzeihen sollst, damit ich nicht täglich gegen mich selbst beten möge. Lasse auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast: selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen; selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die gegen diese Tugend aufsteigende Luft, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleinst durch deine Gnade in die Häuser des Friedens versetzt werde. O Seele, schaue Jesum an! Hier kannst du recht erkennen, Was wahre Demuth heißen kann, Und was wir Sanftmuth nennen; Er stellet sich zum Müster dar: Wie Jesus nun gefinnet war, So sei du auch gefinnet. Das Böse sucht er alsobald Mit Gutem zu vergelten, Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten; Er gibt es seinem Vater hin: So sanft ist deines Jesu Sinn, So sei du auch gesinnet. Amen. 83 Erster Theil. Für Gesunde. Gesang. dato Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen 2c. 1. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott, ach! höre doch; Großer Gott! du lebst ja noch. Sieh', wie er mit mir um gehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre, HErr, ach! hör' sein Schelten, Aber ach! verleih mir Gnad', Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mög' vergelten, Was er wider mich ausübt, Wie er mir mein Herz betrübt. 84 3. Gib, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt, Und für Gutes Bös vergilt; Daß ich in Geduld mich fasse, Und ertrage als ein Christ, Was als Feind zu schwer mir iſt. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir auf's Schlimmſte flucht, Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög' begegnen Mit gelaßnem, stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Jesus müsse in mir leben, Der einst auch nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bös vergalt, Lehr' mich meinem Feind nachgeben, Daß ich als ein Gotteskind Ihn mit Sanftmuth überwind'. 6. Ach! laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir setzet zu, Daß ich ihm da Gutes thu', Daß in meinen Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Nede also freventlich; Ja, du wollest ihn bekehren, Daß der werd' hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach! du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich gethan, Rechne doch es ihm nicht an. Und du wollst ihm Gnad' verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried' und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinst dann sterben, Daß wir sterben als versöhnt, Und mit deiner Gnad' gekrönt, Laß uns Beid' den Himmel erben, Zu des Lammes Hochzeit geh'n Und dein Antlitz ewig sch'n. Abendgebet am Freitag. Der Engel des HErrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starter Gott! lasse auch in der bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern, und mich mit ihrem mächtigen Schuß umgeben! Hast du den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laffe sie auch des Nachts als die Starken Salomo's um mein Bette stehen. Abendgebet am Freitag. 85 Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu, ach! besprenge die Pforten meines Herzens mit deinem heiligen Blute, damit nichts Schädliches sich zu mir nahe; ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wohin ich mich gewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du bast zu Allem, was ich in deinem Namen angefangen habe, Glück gegeben. Ach! daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: wie sollte ich so groß Uebel thun, und gegen Gott sündigen! Ach! verzeihe mir aus Gnaden, was ich an diesem Tage Böses gethan, geredet, gedacht habe; laffe mit dem dahingehenden Tage auch meine Sünden und Sündenstrafen verschwinden, damit ihrer in Ewigkeit nicht mehr ge= dacht werde. So du willst Sünde zurechnen, HErr! wer wird bestehen? denn ich weiß gar wohl, daß es so ist, daß ein Mensch nicht gerechtfertigt vor Gott bestehen mag; hat er Lust mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, feine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Hüter; mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Gut's gethan; lasse mich diese deine Güte zur Buße leiten, denn du hast mich je und je geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Lasse dein heiliges Blut und deine treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, damit ich dich niemals mehr vorsäßlich beleidigen möge, der du so viel Gutes an mir gethan bast. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder; es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde; dieses steht allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens! Aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Erster Theil. Für Gesunde. Vater! in deinen Wunden, o Jesu! in deiner Gemeinschaft, o werther heiliger Geist! einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. 36 Ich lege mich in Icsu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh', Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu, Ich fürchte nicht die finst're Nacht, Weil Jesus um mein Bette wacht. Der glaubige Christ bittet um den heiligen Geist. Aufmunterung. FATUL Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Psalm 51, 12. 13. Um den heiligen Geist zu bitten, ist die allernothwendigste und seligste Bitte. Der heilige Geist ist nicht unter denjenigen Gaben, die uns Gott ohne unser Gebet gibt wie das tägliche Brod, sondern derselbe wird nur denen gegeben, die ihn darum bitten, wie Christus spricht, Luk. 11, 13. Deßwegen ist 1) der heilige Geist eine Gabe, die mur denen gegeben wird, die sich heiligen, reinigen und von ihm regieren lassen wollen. 2) Um den heiligen Geist zu bitten, ist höchst nothwendig, denn in diesem Leben haben wir einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster nöthig; nun das ist der heilige Geist, dieser führt uns in alle Wahrheit, er lehrt uns Jesum Christum erkennen, und verklärt ihn in uns; er tröstet uns in allerlei Leiden und Trübsal, ja, in der Stunde des Todes. 3) Um den heiligen Geist sollen Alte und Junge, Große und Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder bitten, denn der heilige Geist ist das Pfand unseres Erbes; wer hier den heiligen Geist nicht in seinem Herzen hat, der kann nicht selig werden. 4) Deßwegen sind diejenigen die unglücklichsten Menschen, die ohne den heiligen Geist sind, diese können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern sie fündigen und fallen, weil sie ohne diesen Regierer und Führer sind. Diejenigen, die ihm folgen, will er noch auf ihrem Todtenbette tröst und in ihrer letzten Noth erquicken. 5) Hat uns aber Gott den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht durch muthwillige Sünden und durch ein gottloses Leben wieder von sich stoßen, sondern täglich seufzen: Nimm deinen heiligen Bitte um den heiligen Geist. Geist nicht von mir. 6) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und in dem Zustande der Seligkeit. Gebet. 87 Großer Gott, heiliger Vater! siehe, ich armes Kind komme zu dir, und bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du gnädiglich verheißen haft, Allen zu geben, die dich darum anrufen; darum sende ihn von Oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er mein Führer sei, der mich leite nach deinem Rath, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viel Irrwege und Sündenwege; ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich soll mit ihnen fündigen und Böses thun. Ach Gott! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt und die Weltsünden gefallen wollen, daß mich solcher breite Weg in die Verdammniß führe. Ach! gib mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist der Zucht, der mich über meinen Fehltritten bestrafe; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich in Traurigkeit erfreue; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und einen neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, daß ich ein Kind Gottes sei; den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. O werther heiliger Geist, ach! heilige mich; du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünde ist, daher denn lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen, aber du siehest auch, wie ich durch deine Gnade einen herzlichen Abschen dagegen habe. Ach! es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich 88 Erster Theil. Für Gesunde. dir in deine heilige Führung und Regierung. Du sollst meiner Seele Leben, meines Lebens Kraft, meines Herzens Troft, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, meines Gedächtnisses Schatz, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens seyn. Ach! heilige mich durch und durch, damit mein Geist ganz sammt der Seele und Leib unsträflich behalten werden möge bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel, und wohne darin, meine Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich damit nicht vorsäßlich und muthwillig fündigen möge. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das Gott angenehm sei. Du heiliges Feuer! banne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüste und Begierden, und daß ich auch die Kräfte meines Leibes zu deinen Ehren gebrauche. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führst. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, ich sei kein Kind Gottes, ach! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich von der Liebe Gottes scheiden werde, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübfal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben; sei und bleibe du der beständige Einwohner und Herr in meinem Herzen; gib Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes fei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hilfe und Beistand verschwindet, damit ich der Herrlichkeit möge theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater, gib mir auchdie Gabe, Die du Alle bitten heißt, Daß ich sie empfind' und habe: Gib mir deinen heil'gen Geist; Bitte um den heiligen Geist. Denn ich habe groß' Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach! erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. Amen. 89 Gesang. Mel.: Zeuch' ein zu deinen Thoren 2c. 1. Ach, komm' doch in mein Herze, O werther heil'ger Geiſt! Sei meiner Seele Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und mach' fie neu und rein; Ich habe groß Verlangen, O Geiſt! dich zu empfangen, Ach! kehre bei mir ein. 2. Komm', gib mir neue Stärke In meinem Christenthum, Und heil'ge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach! mache mich ganz neu, Daß ich stets bet' und singe, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig sei. 3. Komm', heil'ge meinen Willen, Und reiß' ihn von der Welt, Damit ich mög' erfüllen, Was dir, mein Gott! gefällt; Ich geb' mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, änd're Herz und Leben, Und heil'ge gänzlich mich, Heb' auf das Widerstreben, Daß Alles richte sich Allein nach deinem Trieb', Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlasse, Und wachs' in deiner Lieb'. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist, hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In freche Sündenwort'; Sei meiner Zunge Herr, Daß fie Gott lob' und preise, Dem Nächsten Lieb' erweise, Und diene dir zur Ehr'. 6. Ich will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein, Auf deine Winke sehen, Dir ganz zu Dienste seyn; Du bist's, den ich erwähl', Ich will mich dir ergeben; Du sollst nur seyn mein Leben Und meiner Seele Seel'. 7. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Platz, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du seyn mein Schatz, Dieweil ich an dir hab' Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab'. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Saft, Daß ich nicht mehr kann beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd' erblassen, So sprich den Trost mir zu: Ich seie nicht verlassen, Ich komm' zu meiner Ruhy. Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen Und seliglich durchdringen Zur Himmelsherrlichkeit. Erster Theil. Für Gesunde. Morgengebet am Sonnabend. HErr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Starker und allmächtiger Gott! dieses sind jetzt meine Gedanken am Ende der Woche, da du am letzten Tage derselben mich gesund haft von meiner Ruhe aufstehen lassen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschüßzet, so mächtig bedeckt hast, daß keine Gefahr noch Leiden mich haben beunruhigen können. O mein Gott! so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen im Meer zu zählen sind, so wenig kann ich auch alle die Wohlthaten namhaft machen, welche ich in der Zeit meines Lebens, und auch in dieser Woche von dir empfangen habe. Du bist in dieser Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Uebel von mir abgewiesen. 890 thin Du sprachst: Mein Kind, nun liege, Trotz dem, der dich betrüge, Schlaf' wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. Dein Wort, HErr! ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen, so die Von Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich erneutet. Ach! laß mich diesen Tag beständig alles ungöttliche Wesen und die weltlichen bösen Lüste verläugnen, und züchtig, gerecht und gottselig den Tag binbringen. Laß mich mit meinen Kleidern herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmuth, Demuth und Geduld anziehen, dagegen den alten Menschen mit seinen Werten: Ungerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zant, Zwietracht, Unreinigkeit und Bosheit, ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider seyn könnte. Mein Jesu! der du das A und das O, der Anfang und das Ende bist! ich Morgengebet am Sonnabend. habe nun abermals durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laffe mich alle Wochen und Tage so anfangen, durchleben und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen möge, daß ich gelebt habe. Lasse mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen; behüte meinen Ausgang und Eingang; segne meine Arbeit; stehe mir in allen Fällen bei, und richte all' mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen; zerreiße das Sündenregister, welches ich diese Woche zusammen gebracht, streiche es mit deinem Blute aus, und laffe mich die neue Woche behutsamer, frömmer, auf richtiger und dir gefälliger werden. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich von aller meiner Arbeit ruhen soll, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Heiligung und Bekehrung in mir haben mögest. Darum Oheil'ger Geist! tehr' bei mir ein, Und laß mich deine Wohnung seyn, O komm', du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei mir und in mir träftig seyn Zu steter Freud' und Wonne. Laß mich, durch dich Fromm zu leben, jetzt anheben, Und mit Beten Oft voll Jubrunst vor dich treten. Amen. Der glaubige Christ erkennt die stets währende Güte Gottes. Aufmunterung. Die Güte des HErrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigteit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Klagl. Jer. 3, 22. 23. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währt in Ewigkeit, wie David im 136. Pfalm: ,, denn seine Gülte währet ewiglich." Start, Handbuch. 7 91 92 Erster Theil. Für Gesunde. bei allen Versen wiederholt. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für solches sorgt, es verpflegt und erzieht: so thut auch Gott an uns Menschen. Dieses nun erkennt ein glaubiger Christ 1) als eine unverdiente Güte; ach! das haben wir nicht um Gott verdient; wollte er nach unserem Verdienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken; 2) als eine uns nothwendige Güte; wäre Gott nicht so gültig und barmherzig, so müßten wir verschmachten und vergehen, und würden nicht einen Tag, ja nicht eine Stunde leben können. Denn wie ohne die Luft keine Kreatur leben kann, so auch nicht ohne die Güte Gottes. Ja, was das Meiste ist, es ist 3) eine immerwährende Güte; wenn ein glaubiger Christ sein ganzes Leben, von seiner Geburt an, in seiner Kindheit, Jugend und heranwachsenden Jahren ansieht, so ist es lauter Güte Gottes; was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirkt; was wir im Leiblichen besitzen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern ist, es ist 4) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; über diese läßt er seine Sonne scheinen, er gibt ihnen Nahrung und Kleidung; nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein glaubiger Christ läßt sich aber Gottes Güte auch zur Buße, zur Liebe Gottes und zur Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er so auch derselben bis in den Tod genießen werde. Gebet. Gott! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkest sie mit Wolluft wie mit einem Strome. Nun, solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott! sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja, alle Jahre neu gewesen. Deine Güte hat mich, als ich geboren wurde, wie eine Pflegmutter auf die Arme genommen, und hat mich erzogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführet und überall begleitet. Deine Güte hat in den spätern Jahren mich versorgt, erhalten, ernährt und mir viel Gutes bescheert. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und bis auf diese Stunde, in der ich vor dir Erkenntniß der stets währenden Güte Gottes. 93 stehe, über mir gewaltet; deine Leuchte hat über mir geschienen und mich mit Segen, Gnade und Troft erfüllt. Diese deine Güte hat mich oft vor Unglück und Schaden bewahrt; deine Güte und Treue hat mich alle Wege behütet, und ist mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möchte. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlis schem Lichte ausgeschmückt, hat durch dein Wort mich erleuchtet, durch den heiligen Geist mich geheiligt und zu deiner wahren lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach mein Gott! laffe deine Güte ferner über mir walten, und verlasse mich nicht im Alter wenn ich grau werde;/ lasse deine Güte und Treue mich bis in den Tod begleiten, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schooß und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, damit ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wieder auf den Weg der Buße und des Friedens, lasse mich deine Gnade hier zeitlich und dort ewig genießen. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir, und lobe dich von Grund meiner Seele; nicht allein lobe ich dich allhier, so lange ich lebe; ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott! auch in alle Ewigkeit preisen. Darum, o meine Liebe! die ich oft betrübe Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüthe, HErr! für deine Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft gar unverhofft Hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Zagen. Amen. 19090 GINE 7* Erster Theil. Für Gesunde. Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 1. GottesLiebe, Gnad' und Güte| Trost, wenn mich mein Leiden Werden alle Morgen neu, quält, MIN Das erkennet mein Gemüthe, Hülf', wenn mich ein Feind anUnd auch seine Batertreu'. fällt, Gott hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen kann. Ich hab' alle Tag' und Stunden Gottes Treu' und Güt' empfunGüte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt' hab' ich erfahren In dem ganzen Lebenslauf, Und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich Morgens früh aufsteh', Und des Abends schlafen geh', Läßt sie es auch meiner Seelen Nie an einem Guten fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit Und dem Höchsten Dank erweisen In der frohen Ewigkeit. Ach mein Gott! ich bitte dich, Lasse deine Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd' die Augen schließen. 94 den. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergehn Reichlich und voll Huld gegeben, Sondern er läßt mich auch seh'n, Wie es seiner Güt' gefällt, Daß er Alles noch erhält; Ja, mit jedem neuen Morgen Fängt er wieder an zu sorgen. 3. Erschenkt mir auch seine Liebe Und die wahre Heiterkeit, Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Der glaubige Chrift erwägt die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir seyn werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich seyn werden; denn wir werden ihn sehen, wie Er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie Er auch rein ist. 1 Joh. 3, 2. 3. Ein jeder wahrer Christ soll täglich, ja stündlich, dreierlei erwägen, wer er sei: nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe: einen Vater, einen Wohlthäter und den allerbesten Freund; und was er von Gott noch zu erwarten habe: nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott erwecken und stärken, und Haß und Verachtung gegen die Welt und gegen alles sündliche Leben anregen. Denn 1) große Herr Erkenntniß der stets währenden Güte Gottes. lichkeit haben die Glaubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott: gegen diese Herrlichkeit sind Silber, Gold, Geld und alle königlichen Kronen für nichts zu achten. 2) Noch größere Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gemeinschaft der heiligen Engel und Auserwählten, die Freude, Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlseyn und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein glaubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei eintretenden Trübsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinst alles Leiden in ein ewiges Jauchzen verwandelt werden. Besonders aber soll er 4) diese Herrlichkeit nicht durch ein sündliches Weltleben verscherzen, sondern gedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibt er im Glauben und in der Lebensheiligkeit, und siehet das Irdische als etwas Vergängliches an, das er verlassen muß, hingegen schickt er sein Herz oft da hinein, wo er ewig wünscht zu seyn. Gebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit und zu großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, nachdem er gefallen war, wieder eine große Herrlichkeit Allen zugesagt hast, welche die Gnade annehmen und im Glauben und heiligen Leben dem Triebe deines heiligen Geistes folgen werden. Denn solche wiedergeborne und gebeiligte Seelen können sich trösten, sie haben in der Zeit schon eine große Herrlichkeit, nämlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Christi, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Gebet treten, und von der sie in Nöthen Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere nach dieser Zeit kommen; denn wenn die Seele vom Leib geschieden ist, so soll sie fröhlich zum Anschauen deines An95 Erster Theil. Für Gesunde. gesichts gelangen; sie soll deinen Heiligen zugesellt und mit himmlischer Freude erfüllt werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen; da soll er verklärt werden, und wie die Sonne leuchten. Ach mein Gott! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit allezeit vor Augen haben möge: wie ich im Sterben recht zu leben anfangen werde, wie im Tode mein Elend, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde, und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trübsal zur Freude, aus der Angst zur Wonne, aus der Traurigkeit und dem Jammerthal zum ewigen Trost gelangen soll. Ach! erhalte mich im Glauben und in der Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, gedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt lieb haben, und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen möge. Hilf, daß ich wie die Läufer, welche in den Schranken liefen, und auf alle Tritte aufmerksam waren, damit sie das Kleinod erlangten, auch vorsichtig wandeln möge, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpft; ich habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt auch werden, 96 Durch Christum neu verklärt, Wird leuchten wie die Sonne, Und leben ohne Noth In himmlischer Freud' und Wonne, Was schad't mir dann der Tod! Amen Abendgebet am Sonnabend. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Sieh', es ist Alles mir Zum Eigenthum gegeben, Was Gott mur ist und hat; Ja, schon in diesem Leben Ist es auch Alles mein; Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreu', Verpflegung, Lieb' und Schutz Wird alle Morgen neu; Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Noth. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt' ich mich nicht erfreuen? Was darf ich Noth und Tod, Das Grab, die Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit, Und sein Verdienst iſt mein, Soll ich deßwegen nicht Von Herzen fröhlich seyn? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn er hat mich geschmücket, Mit Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb' ich beglücket. 97 In diesem Thränenthal; Mein Jesus schenket mir Dieß Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben Mein Jesus, der da ist Am Kreuz für mich gestorben; Ich lebe oder sterb', So weiß ich wohl wohin, Weil ich durch Jesu Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schätzen, Denn diese Schätze sind's, Die mich allein ergötzen; 3a, selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab' Von jener Herrlichkeit. 7. Doch dorten wird mein Heil In vollem Glanz anheben, In Frieden, Trost und Ruh', In jenem Freudenleben, Da werd' ich herrlich seyn In froher Himmelspracht, Und werd' da ewig seyn, Wohin ich stets getracht't. Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandle, so ist der HErr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger Gott! jetzt endigt sich der Tag und auch zugleich die Woche, aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Gnade weicht nicht von deinen Kindern. Nun, diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche durchleben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, Erster Theil. Für Gefunde. nämlich, daß ich gesund das Ende derselben erreichen sollte. Deiner Wohlthaten sind diese Woche viel gewesen, du hast mein Gebet erhöret, mich behütet, mir guten Rath mitgetheilt und mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segensgaben von dir empfangen habe, ja, keine Stunde ist vergangen, in der nicht reiche Ströme deiner Wohlthat auf mich geflossen sind. Jetzt habe ich, was ich im Anfang gewünscht habe. Oder großen Gnade, Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute, am Schlusse der Woche, auch an meine Sünden; viel sind meiner Uebertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Laffen vollbracht habe, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorget, nicht so viel Stunden dir gewidmet habe, als ich billig hätte thun sollen. Ach, HErr, HErr! vergib mir diese Sünden. Ach, HErr Jesu! durchstreiche mit deinem heiligen Blute die ganze Sündenhandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen und vergeben bleiben mögen. HErr! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her; laß kein Unglück, keinen Schaden und keine Gefahr mich und die Meinen berühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dig werfe, und in deiner Fürsorge, mein Vater! sanft ruhe. Ich bin nun eine Woche älter geworden und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit gekommen. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche sodann die lange Ewigkeit folgen soll; darum hilf, daß ich alle Wochen, Tage und Stunden so anwende, daß ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz alle Tage da hinein schicke, wo ich ewig wünsche zu seyn. 98 Danksagung am Ende der Woche. Hier bin ich ein Pilger, der nur sein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und meine ewige Wohnung, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen abwischen, ihnen die herrlichen Güter deines Hauses austheilen, und sie mit ewiger Freude ergößen wirst. Hiemit lege ich meine Geschäfte und Berufswerke nieder; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag vor, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Worts hinbringen will. Gib mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, damit ich an meiner Andacht weder durch Menschen, noch von meinem eigenen Herzen verhindert werden möge. 99 Weicht, nichtige Gedanken, hin, Wo ihr habt euern Lauf, Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. Amen. Der glaubige Christ dankt Gott am Ende der Woche Aufmunterung. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut. Psalm 116, 12. Es geht ein Tag und eine Woche unsers Lebens dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen unserm Tode näher: unterdessen ist doch der gütige Gott so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes an Leib und Seele thut, und unser Herz mit Speise und Freude erfüllt. Nun das sollen auch die Gedanken eines glaubigen Christen am Ende der Woche seyn. 1) Er dankt Gott für den Segen, den er empfangen hat; für den Schutz, darunter er die Woche glücklich hingebracht hat; für die Hülfe, die er erlangt hat, wenn er Gott mit seinem Gebet anflehte. Hört er, daß Andere die Woche über in Unglück gerathen, betrübt worden, gefallen sind, Schaden gelitten haben, von ihrem Elende und Jammer nicht befreit worden sind, so hat er Mitleiden mit ihnen und rühmt Gottes Güte, die ihn mit solchen Leiden verschont hat. 2) Ein glaubiger Christ erwägt, daß Gott durch solche beharrliche Beweise der Güte ihn zur Buße leite; darum berent er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tag Böses vollbracht hat, und er läßt so den letzten Tag der Woche seinen Versöhnungs-, Bet-, Buß- und Dank Erster Theil. Für Gesunde. tag seyn. 3) Er bittet auch um ferneren Schutz, fernere Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche; er empfiehlt sich Gott und seiner Gnade. 4) Er erwägt, daß so alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird; darauf bereitet er sich vor in wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, damit er auf Gott schaue, als von welchem alle guten Gaben von oben herab kommen; daß er sich der göttlichen Gnade überlasse, in der Liebe Jesu bleibe, und so im Stande sei, nach Gottes Willen selig zu leben und selig zu sterben, wenn sein Sterbestündlein, seine Sterbewoche und sein Sterbejahr vorhanden ist. 100 Gebet. Der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der HErr geholfen. So spreche ich billig, mein Gott und HErr! da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. HErr, wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du beschirmest sie, du erhältst sie, du bewahrst sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach mein Gott! du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet und hast mich gesund erhalten; du hast mich gesegnet, begleitet, bewahrt, an Leib und Seele mir viel Gutes gethan; du hast auch die Meinen deines Schußes und deiner Gnade genießen lassen. Nun das hat Gott gethan, das ist Gottes Werk, daß ich diese Woche so glücklich hingebracht habe. Darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja! wie Viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie Viele haben eine betrübte Trauer- und Leidenswoche gehabt, aber mich haft du fie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie Viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schutze unverlegt geblieben: dafür Danksagung am Ende der Woche. sei von Grund meiner Seele hochgeliebt, hochgelobt und hochgepriesen. Habe Dank für deinen Schuß und deine Gnade; habe Dank für deine Liebe und deinen mächtigen Beistand; habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach mein Gott! verzeihe mir auch aus Gnaden, was ich in dieser Woche Unrecht gethan habe; ach! es ist mir leid und reut mich; ich betrübe mich darüber, und bitte um Barmherzigkeit und um Vergebung meiner begangenen Sünden um der blutigen Wunden Jesu Christi willen. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißen, die verübten Sünden zu meiden, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit all' mein Lebenlang zu dienen. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Sohn, und heil'gem Geiſt! Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Und gänzlich hoffen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Muth und Sinn Ihm mögen fest anhangen; Drauf singen wir zur Stund', Amen! Wir werden's erlangen, Glauben wir aus Herzensgrund. Amen. Gefang. Mel.: Werde munter, mein Gemüthe zc. 101 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele, so bedenke dich, Was du Gutes hast genoffen, Da dein Gott so mildiglich Aufgethan die Vaterhand Und viel Gut's dir zugewandt, Und auch jetzt in großem Segen Dich sie läßt zurücke legen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausgestreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Gut's gethan? Schau, wie Gottes Brünnlein fließen, Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte und ermuntre dein Gemüthe Nun bei diesem Wochenschluß Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst, und noch täglich mehr empfähst; Keine Stunde ist vergangen, Da nicht Gutes du empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Aller deiner Sünden Schuld, Erster Theil. Für Gesunde. 102 Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Vaterhuld; Sprich: Mein Vater! sieh' nicht an, Was ich Böses hab' gethan, Laß die Sünd' und Straf' der Sünden Auch mit dieser Woch' verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad' auch spüren, Wenn die neue Woch' anbricht; Ach! du wollest selbst mich führen, O du meiner Seele Licht! Leib und Seel', und was ist mein, Laß dir stets empfohlen seyn; Deine Gnad' laß bei mir bleiben, Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollte mit der neuen Wochen Meine letzte Woch' und Tag, Großer Gott, seyn angebrochen, Oder wenn ein Kreuz und Plag' Mich empfindlich treffen soll, Ach! so mache Alles wohl; Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Der glaubige Christ beichtet, und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Psalm 51, 3. 4. Einen gnädigen Gott zu haben, ist wohl der seligste Zustand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichthum zu haben, geehrt zu seyn, immer herrlich und in Freuden zu leben: das sei Glückseligs keit, aber sie betrügt sich; das Alles muß vergehen, und es bringt öfters ein böses Gewissen, schwere Verantwortung und einen unseligen Tod. Glaubige Christen untersuchen deßhalb 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so gedenken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben; sie bereuen sie; sie trauern darüber, und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demüthig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners wiederfahren lassen, so trösten sie sich dessen, trachten aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich den heiligen Geist regieren lassen: sie befleißigen sich eines christlichen Lebens, und beweisen solches auch in Neden, Worten und Werken; sie fliehen die Laster und die vorigen fündlichen Gewohnheiten- alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. Beichte und Abbitte der Sünden. Gebet. Arth Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach mein Gott! ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe. HErr, HErr! dieses betrübt mich und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe zum Schäflein deiner Waide und zum Glied an deinem Leibe gemacht, darum sollte ich deine Stimme allein hören und dir gehorsam seyn. Ja, ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach! was soll ich sagen? Ich habe mehr die Stimme der Welt und meines Fleisches als deine Stimme gehört, und habe oft gethan, was dir zuwider ist. Oder Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir in's Gericht gehen; willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir bandeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeugt gegen mich, und meiner Sünden sind mehr als Sand am Meer. Ach, nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich! Ach, mein Vater! rechne mir nicht zu, was ich in der Zeit meines Lebens Böses gethan habe, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan hat. Ich ergreife sein für mich vergoffenes Blut in wahrem Glauben; ich eigne sein Verdienst mir zu, und spreche: Ach, um Jesu willen sei mir armen Sünder gnädig! Ich will hinfort ein neues und frommes Leben anfangen, und gegen dich, o dreieiniger Gott! nicht mehr muthwillig und vorsäßlich fündigen. O Jesu voller Gnad'! Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; 103 104 Erster Theil. Für Gesunde. Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedenke, In's Meer sie tief versenke. Amen. Tashtem peng Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2. 1. Ach! geh' nicht in's Gericht Mit deinem armen Kinde; Ach, Vater! schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab' ich gesündiget Und Uebels oft gethan, Ach, ach! nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 2. Ich beuge meine Kniee, Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach, Vater! sieh' nicht an Die große Missethat, Ach! ich verhehl' sie nicht, Ich bitte dich um Gnad'. 3. O wehe! daß ich hab', O Vater! dein vergessen, Und bei der Sünder Schaar Mit Lust und Freud' gesessen! O wehe! daß die Sünd' Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel' In diesen Stand gebracht. 4. Ach! laß in Jesu Blut Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm, Durch ihn getilgt, verschwinden; Schau' mich in Jesu an, Und schenk' mir deine Huld, Vergib mir meine Sünd', Erlaß mir alle Schuld. 5. O werther, heil'ger Geist! Der du mir Kraft gegeben Zur Buß' und Besserung, Ach! änd're ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott diene immerdar, Wie ich ein Sündenknecht Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad' Der Sündenlust absterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben; So lang des Athems Hauch Noch gehet aus und ein, So lang soll Herz und Geist Nur dir gewidmet seyn. Ein anderes Beichtgebet. HErr, allwissender Gott! vor dem nichts verborgen ist, du fichest Alles, was wir Menschen thun; du hörest, was wir reden. Aber ach! wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredet, gedacht und begangen habe; ach! wie viel Böses hast du von mir bisher gehört und gesehen, Beichte und Abbitte der Sünden. darum hättest du wohl Ursache, mich als ein ungehorsames Kind ewig zu verstoßen und gar in die Hölle zu stürzen. Aber ach! ich komme in der Gnadenzeit, ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, und spreche:„ Gott, sei mir Sünder gnädig! Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdient habe. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretungen; gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ja, um Jesu Blutes und Todes willen erbarme dich über mich! HErr, HErr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewig zürnen, sondern dich meiner wieder in Gnaden erbarmen. Ach! handle nicht mit mir nach meinen Sünden, und vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Ach Gott! du hast gesagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach, erbarme dich auch über mich, heiliger Gott! schaue mich nicht an in meinen Sünden, sondern siche mich an in Jesu, deinem Sohne, meinem einzigen Heilande, Mittler und Seligmacher, um seines vergossenen Blutes willen; erbarme dich über mich um seiner heiligen Wunden willen; erbarme dich über mich um seiner vollgültigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife; erbarme dich über mich; lasse mich den Trost in meinem Herzen empfinden, mir seien meine Sünden vergeben, und daß ich durch Jesum, meinen Heiland, mit dir versöhnt sei. Ich will durch deines heiligen Geiftes Kraft mein Leben ändern, und mir deine allerheiligste Gegenwart vorstellen, und gedenken, ich gehe, stehe, und was ich immer thue, so stehest du da, und siehest mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. 105 106 Erster Theil. Für Gesunde. Ich komme jetzt zu dir allhie In meiner Noth geschritten, Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten, Verzeihe mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag gegen dich Unrechtes hab' begangen. O HErr, mein Gott! vergib mir's doch Um deines Namens willen. Du wollst in mir das schwere Joch Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb', Und dir hinfort zu Ehren leb' In kindlichem Gehorsam. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 11. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir erwacht; Ach, ach! was hab' ich doch begangen, Daß ich hab' meinen Gott veracht't? Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit; Ich aber hab' mich nicht bekehret In meiner großen Sicherheit. Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 3. Erzürnter Gott! verzeih' mir Armen, Verzeih' mir meine schwere Schuld; Ach! schenke mir doch dein Erbarmen, Um Jesu willen Gnad' und Huld. Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 4. 3ch fliehe hin zu Jesu Wunden, Als welcher mich erlöset hat; Wo alle Sünder Gnad' gefunden, Da hoff und suche ich auch Gnad'. Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. 5. Ich änd're nun mein ganzes Leben, Und fang' ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott! ergeben, Und nicht mehr thun, was ich gethan. Gerechter Gott! verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir in's Gericht. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben gegen die Sünde. Aufmunterung. Laffet die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Todten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Röm. 6, 12. 13. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Uebertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun aber will ein glau Bitte um Kraft gegen die Sünde. 107 25 Gb2161 biger Christ nicht gerne von Gott abweichen, noch will er Gottes Gebot übertreten und Unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen in's Werk setzen kann, so muß er gegen die Sünde kämpfen. Dieser Kampf besteht darin: 1) de daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nit Borsatz und Willen, und darum hütet jott nicht wissentlich und vorsätzlich beleit das nicht genug ist, sondern er auch gerni e Seele, seinen Geist und sein Leben seinem en und weihen möchte, so bekümmert ihn hes Wort, das er geredet hat; es betrübt il der sündlicher Gedanke, und wenn er in t Nächsten beleidigt, so seufzt er darüber. nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christ und Stärke, er wolle ihm die Sünde und 1. 4) Er soll nicht allein desto andächtiger I seine aufsteigenden Lüste und Gedanken de e Orte und Personen meiden, durch die er i den kann. So kann er auch 5) versichert solchen heiligen Verfassung steht, und Ve n ganzem Herzen, von ganzer Seele und vi ten, daß, der das Wollen gegeben hat, r ingen dazu verleihen; Jesus werde seine S t seinem Blute zudecken, ja das herzliche fallen lassen. t. Starter was in dei heftigen K gerne von jott! der du Alles weißst, du siehest, welch' einen Sünde habe. Ich wollte und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebt dem Geseze in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stehe nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oft erfahren, daß auf einmal in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwillen gegen den Nächsten sich zeigt, daß Start, Handbuch. S 106 Erster Theil. Für Gesunde. Ich komme jetzt zu dir allhie In meiner Noth geschritten, Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten, Verzeihe mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag gegen dich Unrechtes hab' begangen. HErr, mein Gott! vergib mir's doch Um deines Namens willen. Du wollst in mir das schwere Joch Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb', Und dir hinfort zu Ehren leb' In findlichem Gehorsam. Amen. sut M 11. Was soll mir erwacht; 2 hab' meinen Go Ach! geh' nicht 2. Gott und der Seligkeit; Sicherheit. Ge mit mir in's C 3. Erzürnter schwere Schuld willen Gnad' Ach! geh' nich 4. Ich flieh hat; Wo alle auch Gnad'. E mit mir in's( 5. Ich änd' Leben an; Ich thun, was ich geh' nicht mit Der glaubi läßt walten 2c. gen, Da mein Gewissen doch begangen, Daß ich Gott! verstoß' mich nicht, lehret Den rechten Weg sekehret In meiner großen nich nicht, Ach! geh' nicht men, Verzeih' mir meine dein Erbarmen, Um Jesu Bott! verstoß' mich nicht, Als welcher mich erlöset n, Da hoff' und suche ich mich nicht, Ach! geh' nicht n, Und fang' ein frommes t! ergeben, Und nicht mehr ! verstoß' mich nicht, Ach! jott wolle ihm Kraft Sünde. : ing. Laffet die Sünd sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieter zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Tobten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Röm. 6, 12. 13. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Uebertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun aber will ein glau Bitte um Kraft gegen die Sünde. biger Christ nicht gerne von Gott abweichen, noch will er Gottes Gebot übertreten und Unrecht thun, sondern sein Berlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen in's Werk ſetzen kann, so muß er gegen die Sünde kämpfen. Dieser Kampf besteht darin: 1) der glaubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Vorsatz und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsätzlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er auch gerne fein ganzes Herz, seine Seele, seinen Geist und sein Leben seinem Gott heiligen, übergeben und weihen möchte, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, das er geredet hat; es betrübt ihn ein böser aufsteigender sündlicher Gedanke, und wenn er in der That Gott oder den Nächsten beleidigt, so seufzt er darüber. In diesem Kampfe 3) nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm die Sünde und Welt überwinden helfen. 4) Er soll nicht allein deſto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüste und Gedanken desto mehr Acht haben, die Orte und Personen meiden, durch die er in Sünden gestürzt werden kann. So kann er auch 5) versichert seyn, weil er in einer solchen heiligen Verfassung steht, und Verlangen trägt, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen gegeben hat, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja das herzliche Verlangen ihm wohlgefallen lassen. Gebet. 107 chun Starter und allmächtiger Gott! der du Alles weißst, was in dem Menschen ist; ach! du siehest, welch' einen beftigen Kampf ich gegen die Sünde habe. Ich wollte gerne von Herzen fromm seyn und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebt dem Gesetze in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stehe nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oft erfahren, daß auf einmal in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwillen gegen den Nächsten sich zeigt, daß Start, Handbuch. S Erster Theil. Für Gesunde. fündliche Gedanken sich in meinem Herzen erheben, ja, daß ich mit unbedächtlichen Worten, unanständigen Werken fündige. Ach! ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich, HErr! so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Lichte und durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes Uebel, mein Verderben und meine Plage sei, wovon ich gerne frei werden wollte, daher ich dagegen in deiner Kraft kämpfe, und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübt mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehst ja, mein Gott! wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht aus eigenen Kräften helfen kann, darum komme ich zu dir, und bitte dich, gib mir Kraft, der Sünde zu widerstehen; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen und mein Herz reinigen; laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmüthig werden will, daß er mir alsdann zurufe, und spreche: denke, du bist ein Christ, denke, du bist ein Kind Gottes, oder du willst ein Kind Gottes seyn; damit ich sanftmüthig, demüthig und fromm werden möge. HErr! du hast mir das Wollen gegeben, gib mir auch das Vollbringen, stärke mich an dem inwendigen Menschen, damit ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen und über sie herrschen möge. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun, ich vermag Alles durch Den, der mich mächtig macht: Christus. Ach, hilf mir, mein Gott! und 108 Gib, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christenthum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augenschein und Heuchelei. Amen. Uebergabe zum Opfer an Gott. Gesang. marge Mel.: Alle Menschen müssen sterben ze. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich lebe in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was auf's Höchste mir mißfällt; Nämlich Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur Schuld und Sünde schafft; Gott will ich mein Herz ergeben, Und in ihm beständig leben; Mein Herz soll sein eigen seyn, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd' ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben Ihre Weis' und Sündenfreud'; Ich will immer seyn beflissen, Daß ich hab' ein gut Gewissen, Daß es bleibe unbefleckt Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein; Was von Welt geleeret stehet, Wird mit Gott erfüllet seyn; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel" doch himmlisch werden, So ist meinem Leibe wohl, Und die Seele freudenvoll. 5. Ach, mein Gott! verleih' aus Gnaden, Daß ich gehe aus der Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seele Seligkeit. Wer der Welt Gewohnheit liebet, Und den Ausgang stets auf schiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und stirbt also ohne Gott. 109 6. D'rum will ich aus Babel fliehen, Sond're du mich selber ab, Eh' der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt absterben, Und entgehen dem Verderben, So eil' ich zum Himmelszelt, Wann ich gehe aus der Welt. Der glaubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. Aufmunterung. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Röm. 12, 1. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind; dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und Alles, was wir haben, Gott auch wieder aufopfern. Die Opfer des alten Testaments, an denen Gott ein Wohlgefallen haben sollte, mußten 1) freiwillige Opfer seyn. Der Mensch soll nicht in der Welt fromm leben aus Furcht der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist's ein 8* Erster Theil. Für Gesunde. gezwungenes Opfer; ja, wenn auch keine Hölle wäre, so würde ein wahrer Christ aus Liebe zu Gott sich ihm zum Eigenthum ergeben. 2) Die Opfer mußten Gott ganz: Kopf, Eingeweide und Schenkel, und nicht halb gebracht werden; deßwegen sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen und von ganzer Seele und aus allen Kräften Gott lieben und uns ihm ergeben; ein halbgetheiltes Herz und Opfer verwirft Gott. 3) Die Opfer mußten unbefleckt seyn, darum durfte man kein Lahmes und Blindes Gott bringen. Wir sollen uns hüten, daß wir Seele und Leib nicht beflecken, denn eine mit Sünden und Schandthaten verunreinigte Seele mag Gott nicht in seine heiligen Hände und in seinen Himmel aufnehmen. 4) Gott hat besonders ein Wohlgefallen an Opfern getragen, welche noch jung waren; an jährigen, zweijährigen Lämmern; um uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht bis in das hohe Alter warten sollen, sondern uns fein in Zeiten, in der blühenden Jugend Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, das durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem guten Vorhaben beständig seyn. 110 Gebet. HErr, HErr, Gott! der du deinem Volk Israel anbefohlen haft, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir ganz geheiligt und übergeben werden mußten, fiehe, ich bringe dir mein glaubiges und bußfertiges Herz, dieses wirst du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater! erschaffen, daß ich dein Eigenthum seyn soll. Du hast mich, o liebster Jesu! erlöst mit deinem Blute, damit ich in deinem Reiche leben, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen soll. Du hast mich, o werther heiliger Geist! geheiligt, damit ich deine Wohnung seyn soll, und damit Christus in mir lebe. O! darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar aufopfern und dir ergeben. Ich opfere dir meinen Willen auf; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir meinen Mund auf, damit will ich dich loben und preisen, und ihn nie mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidingen mißbrauchen. Ich Ulebergabe zum Opfer an Gott. opfere dir mein Herz auf; erfülle es mit einem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade und deiner Liebe, ja, mit einer wahren Frömmigkeit. Mußte in allen Opfern besonders das Fett dir geopfert werden, ja, würde ohne dasselbige kein Opfer dir angenehm gewesen seyn: so laffe dir auch meine Gabe gefallen. Ist es ein von Natur unreines und zum Opfer untüchti es Herz, ach! so wasche es mit dem Blute Jefu Chrifti, welches ich in wahrem Glauben annehme; ach! reinige du es selbst durch deinen heiligen Geist; heilige es dir zur Wohnung, damit du in demselben regierest und herrschest. Ich opfere dir mein Leben auf; dieses will ich nach deinem heiligen Worte und nach dem guten Triebe des heiligen Geistes führen. Ich opfere dir meine Glieder auf; hilf, daß sie Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit werden mögen, damit ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern damit sie dir geheiligt bleiben mögen. Wie das Geopferte mit Niemand mehr Gemeinschaft haben durfte, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern und von ihrer Gesellschaft wegbleiben. Ja, ich will mich dir aufopfern, so lange ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette, denn da möchte es etwa zu spät seyn. Ach, HErr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend Opfer angenommen haft, schaue auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich es dir etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe; habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du doch d ßwegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe es dir im Glauben wie Abel; ach! schaue doch nach deiner Barmherzigkeit darauf; ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigenthum verbleiben. HErr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! Du bist mein, ich bin dein, Niemand kann uns scheiden; 111 # 100 112 Erster Theil. Für Gesunde. Ich bin dein, weil du dein Leben 10 niom zid statu Und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. spid Du bist mein, weil ich dich fasse, mis tim n Und dich nicht, o mein Licht! Aus dem Herzen laſſe; Laß mich, laß mich hingelangen, ind ondo sortat al of us lour Wo du mich und ich dich Ewig werd' umfangen. Amen. non oris& P 90 as ithin Gesang. 1970 Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott! laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', otsid tun Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 2. Gib, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif' in wahrer Zuversicht, Und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß erlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 3. Und daß ich mög' die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und Alles, was da mich kann scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', fromm, dort selig werd'. anh Daß ich hier b 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle, Und nicht versäum' die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 5. So kann ich endlich selig sterben, Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab'. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. dun u f's it's narts Der glaubige Christ betet bei dem Genusse desd heiligen Abendmahls. 13 sid ind i Aufmunterung. on Gold So oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trinket, sollet ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. 1 Kor. 11, 26. Unter andere Stärkungen des Glaubens und der Liebe gegen Gott und den Nächsten gehört auch das heilige Abendmahl, in welchem sich Jesus mit unsern Seelen vereinigen, darin wohnen, Gebet bei dem Genusse des heil. Abendmahrs. 113 dieselben reinigen, heiligen und in Frömmigkeit bis an's Ende erhalten will. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein glaubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Zorn, Rachgier, Hochmuth, Wohlleben so zerstreut sind, daß sie nicht an dieses Seelenpfand denken können. 2) Es geht ein glaubiger Christ auch nicht aus Gewohnheit zu dem heiligen Abendmahle, sondern er kommt mit einem demüthigen, andächtigen und glaubigen Herzen dazu, welches verlangend ist, das Gedächtniß der Todesleiden Jesu andächtig zu begehen und der Vergebung seiner Sünden sich auf's Neue zu versichern, auch voll des guten Vorsatzes ist, in der Liebe Jesu und Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahle sich seinem Gott ganz ergebe, kraft dieser Seelenspeise alle Tage frömmer, andächtiger und eifriger in seinem Christenthum und Ausübung christlicher Tugenden werde, ja, seinem Gott im Glauben und in der Frömmigkeit getreu bis in den Tod verbleibe. Gebet. Mein Jesu! wie kann ich genug deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meiner Seele Speise in dem heiligen Abendmahle eingesetzt hast. O Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich in dir, und du in mir; du lebst in mir und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke, daher kann mich meine Sünde nicht schrecken und Satan nicht verz dammen; denn in deinem Gnadenmahle empfange ich das Lösegeld für meine Sünden. Hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod dahin gegeben ist; hier empfange ich das Blut, das für mich vergoffen worden ist zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, wodurch meine und aller Menschen Sünden getilgt worden sind. So gewiß ich nun dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit Gott versöhnt, und so gewiß habe ich Vergebung aller meiner Sünden. Du hast in der heiligen Taufe, als 114 Erster Theil. Für Gesunde. in dem ersten Sakrament, das ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand, und das neue Leben gegeben, wodurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahle, als dem zweiten Sakramente, gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, wodurch du das geistliche Leben in mir erhalten und stärken willst. Ach, mein Gott! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge; gib, daß meine Gedanken allezeit bei dir seyn mögen; vertreibe aus meinem Herzen alle sündlichen Gedanken und Begierden und Alles, was mich an meiner Andacht hindern kann, damit du in mir und ich in dir seyn und in alle Ewigteit bleiben möge. Jesus, wahres Brod des Lebens! Hilf, daß ich ja nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden, Komm' zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, aliong Daß ich auch, wie hier auf Erden, Mög' dein Gast im Himmel werden. Amen. Gesang. paniss Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' ic. 1.0 Jesu! meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab' vor deinem Angesicht Ach! wohne doch hinfort in mir, In wahrem Glauben prangen. 2. Liebe, die du mich so liebst. Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise gibst; Ach daß ich ewig bliebe Mit dir vereint, o höchstes Gut, Gereinigt durch dein theures Blut, Daß mich nichts von dir triebe. Dein Liebesmahl empfangen; Damit ich möge stets vor dir 3. Der Vater hat mir heut' geschenkt Den Frieden meiner Seelen; Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jesu bin, So ist die Sündenangst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. Gebet bei dem Genuffe des heil. Abendmahls. 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt mit seiner süßen Freude, Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelenwaide; Dein Leib, o Jesu! und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist gibt mir dabei Den Trost, der mich erfrenet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuet, Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Das bei ihm Trost und Gnade find't, Das teine Ungnad' scheuet. na dnu alinf 6. Gott Lob! der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb' und Gnad' Mir Armen zu erweisen, Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit Mit stetem Lobe preiſen. MODAL MOND Ein anderes Abendmahlsgebet. 115 O Jesu! indem ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut in die Welt gekommen bist, damit du mich zum Erben des ewigen Lebens machen möchtest. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen von mir genommen worden sind, und deine Gerechtigkeit mir geschenkt worden ist. Ich gedenke an deinen Tod und an deine Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit mitgetheilt worden ist. Ich weiß, o Jesu! um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und des Himmels Freude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu! bin, und du in mir. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und regiere darin, lasse mich dein Eigenthum seyn in Zeit und Ewigkeit. Dein heiliger Leib speise mich, dein heiliges Blut tränke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schatz nimmermehr wieder verliere, sondern daß du, mein Jesu! hinfort mir leben, regieren und wohnen mögest. Mußte dort das Manna in ein reines Gefäß gelegt werden, ach! so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses 116 Erster Theil. Für Gesunde ho Seelenpfand würdig empfangen, und beständig zu meines Glaubens Stärkung, zu meines Lebens Heiligung und zu meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werther heiliger Geist! erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wieder muthwillig fündige, aus der Gnade falle, und das Letzte mit mir nicht ärger werde als das Erste, sondern, daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in Liebe gegen den nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit davon tragen möge. Jesus sei mein' Speis' und Trank, Jesus sei mein Lobgesang, Jesus sei mein ganzes All', Jesus sei mein Freudenschall; Endlich laß, o höchstes Gut! Jesu, laß dein theures Blut, Deine Wunden, deine Pein Meine Rast im Tode seyn. Amen. Samm Gesang. mammotop Mel.: Nun lob', mein Seel'! den HErren 2c. 1. Mein Jesu! sei gepreiset, Daß du mich hast gespeiſet Mit deiner Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seele Leben, Ist mir auch heut'. gegeben, Dein Blut hab' ich genossen, Das du für mich vergossen. 3. Weil Jesus zu mir kommen, Und mein Herz eingenommen, So ist er nun der Meine, Und ich bin auch der Seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig, Er wird mir Gnad' erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu! Seel' und Leben Will ich dir ganz ergeben; Ach! mach's mit mir in Allem Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen, Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von Jesu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, deinen Erben, Hinauf zur Freud' und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung. Bleibe fromm und halte dich recht, denn Solchen wird's zulegt wohl gehen. Psalm 37, 37. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der allerheiligsten Tugenden, nicht allein, weil sie eine Frucht des Glaubens ist, son 117 Bitte um Frömmigkeit.. dern auch, weil sie des Menschen Seele, seinen Leib und seine Ehre vor Sünden und Schanden bewahrt. Diese Tugend ist eine Zierde der Jugend, und steht den Alten auch wohl an. Gott selbst ermahnt den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und sei fromm, 1 B. Mose 17, 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug: 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn sie findet man auch bei den Heiden; sondern sie muß aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem innern Grund der Seele entstehen. 2) Zu dieser Frömmigkeit gehört nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Neden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen finden, so kann man nicht sagen, daß er fromm sei. 3) Diese Frömmigkeit soll aber beständig bis an's Ende seyn. Es ist nicht genug, zwei oder drei Tage fromm zu seyn, wenn man zum heiligen Abendmahl gehen will, sondern hier muß Hiobs Entschluß gelten: Bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27, 5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt wird, so hat sie auch die herrlichste und schönste Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Gebet. Heiliger Gott, ach! ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und mein sündliches Wesen bedenke. Du rufft auch mir zu: wandle vor mir und sei fromm; und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja, bleibe fromm, und halte dich recht, denn Solchen wird's zuletzt wohl gehen. Aber ach! meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen; ich bin leider in die Welt, in das Weltwesen, in die Weltgewohnheiten, Welteitelkeiten bisher versunken gewesen; wo aber die Welt eingeht, da geht Christus aus, und wo die Weltliebe sich befindet, da hört die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Glaubigen und Frommen dir angenehm sind, ach! so gib mir ein frommes Herz. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christenthum 118 9789 sarsi Erster Theil. Für Gefunde. Aufrichtig und rechtschaffen sei, lisa un med Nicht Augenschein und Heuchelei. dll you Verleihe mir Gnade, daß ich einer wahren Frömmigkeit mich befleißigen möge, nicht etwa nur zum Schein und äußerlich, sondern daß meine Frömmigkeit im Herzen anfangen möge, daß ich dich über Alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe; ja, daß ich allezeit wie ein frommes Kind, das, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen sieht, ob sie es auch erlauben, also ich auch zuerst in dein heiliges Wort und Gebot schauen möge, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen geziemt. Ist mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede; ja, Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott! ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefaßt, gib mir dazu Gnade, Kraft, Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verfloffenen Jahren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Christi willen; was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumet habe, will ich nun mit desto größerem Eifer ersetzen, und die noch übrige Zeit meines Lebens nicht nach der Menschen Lüsten, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott! von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch selig sterben könne. Dazu gib mir deines heiligen Geistes Kraft von oben herab um Jesu Christi willen. Gib mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben! dun auffindo Das soll mein Reichthum seyn, sid 1100 Den ich begehr' zu haben, madr Das soll seyn meine Zierdie stdro0190 oni ndon Mein Ruhm und schönste Pracht, alsid sum Denn fromm zu seyn, das wird dig of foo Bei Gott und Engeln hochgeacht't. Amen.. Bitte um Frömmigkeit. 119 Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten z. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden Soll künftighin darin bestehn, Daß ich von Herzen fromm mög' werden, Und auf den Himmelswegen gehn; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde; Ist dieses nicht ein großes Glück? D'rum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Hasse, Neid und Tück; Denn Gott weiß wohl, was sie ansicht, Der gute Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit; Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit, Ihr Trauren wird in Freud' verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Zur Gnade steht der Zutritt frei; Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei, Gott weichet von den Frommen nicht, Der HErr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud', Sie werden großen Segen finden Nach ausgestand'nem Herzeleid; Gott wirft in's Feuer solche Ruth', Die seinen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Noth fie stürzen wird; Ist gleich die Noth am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt; O Schäflein! habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann; D'rum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich ihrer Kinder an; Spricht man: nun ist das Unglück da; So sprechen sie: und Gott ist nah'. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, Der ihrer sich getreu annimmt, Ihr Seufzen ist ihm nicht verborgen; D'rum hat er schon die Stund' bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud' erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Jesum Christ; Sie werden Kron' und Himmel erben, Der ihnen längst bereitet ist; Sie sind schon selig in der Zeit, Und kommen dort zur Herrlichkeit. Istand in nd sid zica medzej zdolor ding Erster Theil. Für Gesunde. Glaubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebetvor. Aufmunterung. 120 Siehe, hier bin ich, und die Kinder, die mir der HErr gegeben hat. Jes. 8, 18. Und ist Keines von ihnen verloren. Joh. 17, 12.pd - Ist je etwas, welches frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind theure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, so tragen sie 1) dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und nachher kommen sie nie vor Gott, außer sie bringen ihr Kind mit. Es bitten aber fromme Eltern besonders, daß Gott ihren Kindern ein frommes Herz und den heiligen Geist gebe, der sie heilige, regiere und führe, welches der wahre Grund der Glückseligkeit ist, gegen welchen Reichthum, Geschicklichkeit und Klugheit nichts zu achten ist. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehört, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig, und ihr Dichten und Trachten von Jugend auf böse ist: darum sollen sie dieselben in der Erkenntniß Gottes unterrichten lassen, sie zum Gebet und christlichen Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubniß geben, zu fündlicher, eitler Menschen Gesellschaft zu gehen: denn wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja, sie spotten Gott mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrlosten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, wenn sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande erleben müssen, welche bisweilen in ihrem Leben, ja, gewiß nach ihrem Tode eintritt. Die versäumte Kinderzucht bringt auch Gottes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen 1 Sam. 2, 20. Kap. 4, 1. Nachlässige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohlthat erwieſen. Gebet. HErr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit! du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe, und dir danke! welche ich aber als theure Pfänder betrachte, die du mir vertraut hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie als Seelen an, Gebet der Eltern für ihre Kinder. 121 die Jesus mit seinem theuern Blute erkauft, die der heilige Geist in der heiligen Taufe geheiligt hat, und welche du zu deinen Kindern angenommen hast, darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, da soll deine Seele anstatt seiner Seele seyn. Darum, o Vater aller Gnade! komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann; ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten, und für sie beten; aber ach, HErr, HErr! thue du das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt, siehe, dieses thue ich auch jetzt in meinem Gebet; ach! segne meine Kinder, begleite sie, wenn sie aus- und eingehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nie beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gib ihnen ein glaubiges, demüthiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie, wie das Kind Jesus an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen zunehmen. Drücke ihnen das Bild Jesu in's Herz, damit sie allezeit einen gnädigen Gott und ein unverlegtes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten mögen. Ach! laß meine Kinder in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig seyn, damit sie Niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben, und dadurch ein schweres Gericht auf sich ziehen. Behüte ſie vor Verführungen und böser Gesellschaft; erinnere fie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, damit sie gedenken, du seieft bei ihnen zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei 122 Erster Theil. Für Gesunde. Tag, bei Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamteit. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus- und eingehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gib ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten wie dem jungen Tobias; führe fie durch deine heiligen Engel aus der Gefahr wie den Loth, und laß sie der Engel Schutz und Wacht genießen wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir auch ein Kinderkreuz zuzuschicken: entweder eine Krankheit, oder ihr Dahinscheiden, oder ein Unglück, das ich an ihnen sehen muß so verleibe mir in solchem Leiden Geduld, damit ich gedenke, daß ohne dich nichts geschehe, und daß die Kinder eher dein gewesen seien, bevor sie mein geworden sind, und daß du auch freie Macht habest, sie wieder zu dir za nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein als das wahre und vollkommenste Gut zu lieben: so erhalte mich auf diesem Dornenwege im festen Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Leiden, enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen den Segen; versorge fie; pflege ihrer; gib ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit, und ihr Rathgeber, wenn sie guten Raths bedürftig sind. Gib meinen Kindern eine fromme Seele, gefunden Leib, guten Verstand, und lasse sie vor dir leben, damit sie dich allezeit ehren und preisen. Pflanze in ihnen die wahre Frömmigkeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen erleben möge. Ach Gott! erhöre mein Gebet; und gedenke, es sind ja sowohl deine als meine Kinder, darum wollest du auch mein Gebet der Eltern für ihre Kinder. 123 Seufzen für sie vor dem Throne deiner Gnade erhören. Bewahre mich, o Gott! daß ich keine Schande an meinen Kindern haben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Lasse mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preise sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben hast; ich habe deren keines verloren. Ja, mein Gott, verleihe mir Gnade, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott! segne meine Kinder, Nimm dich ihrer treulich an, Thu' an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir gethan; Segne ihren Schritt und Tritt, Theil' den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohl ergehen, Laß in deiner Gnad' sie stehen. Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott 2c. Erfülle ihren Geist 1. Du hast, o großer Gott! Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst auch sie Im Wohlseyn und im Leben; Ach! dafür dank' ich dir, Als eine liebe Gab', Die ich von deiner Hand, Mein Gott! empfangen hab'. 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie von mir sich nennen; Jedoch sie sind auch dein, D'rum komme ich zu dir, Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach! pflanz' die Gottesfurcht In ihrer Aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Stark, Handbuch. Mit wahrer Frömmigkeit, MitKeuschheit, Glaub' und Lieb', Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen; Schenk' ihnen Kraft und Muth, Gib Weisheit und Verstand, Und führ' sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren; Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte spüren! Gib ihnen Jakobs Glück Und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folgsam Herz Und Segen allezeit. 9 124 Erster Theil. Für Gesuno.. 6. Und wenn sie in der Welt| Der Engel güld'nes Heer, Viel Böses sollten sehen, Die immer auf sie sehn, So laß sie nimmermehr Daß fie in deiner Gnad' Auf bösen Wegen gehen; Und mildem Segen stchn. Wend' ihre Augen ab 9. Und noch Eins bitt' ich dich, Von Sünd' und Eitelkeit, Das wollest du mir geben: Bewahre ihre Seel' Laß mich ja nimmermehr Vor Stolz und Sicherheit. An ihnen Schand' erleben, 7. Wenn die Gesellschaft will Bewahr' sie vor der Sünd'; Zur Sünde sie verführen, Ach Gott! erhöre mich, So laß sie deine Furcht Verleihe Solches mir Und Gegenwart verspüren, Und ihnen väterlich. Und habe auf sie Acht, 10. Laß mich an jenem Tag Bewahre ihre Tritt; Auch meine Kinder sehen, Begleite fie, und geh', Daß sie vor dir verklärt Wo sie hingehn, selbst mit. Zu deiner Rechten stehen, 8. Erhalte sie gesund, Auf daß ich sagen kann: Und zeigen sich Gefahren, Hier bin ich und die Gab', Es sei Tag oder Nacht, Die Kinder, die ich längst So lasse sie bewahren. Von dir empfangen hab'. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem HErrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. Ephes. 6, 1-3. Unter andern schweren Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch auf sich ziehen kann, gehört auch die Sünde, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich Eltern von der ersten Stunde der Geburt an mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist's ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaftig gegen sie in den reiferen Jahren sind, in welchen sie ihnen billig lauter Freude und Vergnügen machen sollten. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, alle Gesundheit, alles Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten. Fromme Kinder sollen 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne dienen, zu ihrem Dienst eilig und willig seyn, ihrer pflegen, wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, indem sie sich zu allem Gebet frommer Kinder für ihre Eltern. Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widerbellen, oder widersprechen, wenn sie sie etwas anweisen oder ihnen befehlen: auch, wenn sie sich verheirathen wollen, ohne der Eltern Wissen und Willen sich nicht heimlich vermählen, welches nur Fluch und Unglück nach sich zieht. Fromme Kinder sollen 4) ihre Eltern im Herzen ehren, und erkennen, Gott habe die Eltern an seine Statt gesetzt, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern Alles gibt. Sie sollen sich auch ehrerbietig mit Worten und Werken gegen sie erzeigen, sie nicht beleidigen, ihnen keine unfreundlichen und harten Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre und Namen vertheidigen. Es sollen fromme Kinder 5) gedenken, daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan. Gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, und mit welcher Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen und ernährt hat. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohl gehen kann, wenn sie nicht die Sünden und Bosheiten, welche sie an ihren Eltern begangen haben, vor ihrem Tode durch eine herzliche und schwere Buße mit tausend Thränen bereuen. Gebet. 125 Ach, du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in diese Welt haft lassen geboren werden; es ist das die erste Wohlthat, die du mir erwiesen hast. Wären meine Eltern Juden, Türken oder Heiden gewesen, so wäre ich so verstockt und so unglaubig und ohne deine Erkenntniß wie sie. Wie meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt war, daß ich, o mein himmlischer Vater! durch die heilige Taufe in deine Arme gelegt würde, worin du mir den heiligen Geist zum Pfand meiner Kindschaft und des himmlischen Erbes gegeben hast, so laß diesen guten Geist mich immer leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl in Acht nehmen möge. Ich liege hier mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich, ach! erhalte meine Eltern gesund; bewahre ste vor Unglück; segne ihre Nahrung, Arbeit und ihren Beruf; gib ihnen langes Leben; ver- it ihnen die mir 9* Erster Theil. Für Gesunde. erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geistlichen und himmlischen Gaben. Gib mir, o himmlischer Vater! ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gib, daß ich mir immer das Erempel meines Jesu vor Augen stelle, der nicht allein dir, seinem himmlischen Vater, gehorsam war, sondern auch seinem Pflegvater Joseph und feiner Mutter Maria, damit ich mit meinem kindliHen Gehorsam meinen Eltern zu aller Zeit und auch in ihrem Alter lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch meinen Ungehorsam und durch meine Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern angedroht ist, sondern daß es mir hier zeitlich und dort ewig wohl gehen möge. Gib mir ein ehrerbietiges Herz gegen sie, damit ich sie weder mit Worten noch Werken erzürne, damit ich in Demuth ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen, bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten, und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch anziehen werden wie ihr Gewand, und alles Segens, den du frommen Kindern verheißen haft, beraubet bleiben werden. Gib mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht verfündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden, und mit was für Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüth Solches in der ganzen Zeit meines Lebens erkennen, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen frühern Jahren meinen Eltern etwas zuwider gethan, das bitte ich hiemit dir, o Gott, und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trach126 Gebet frommer Kinder für thre Eltern. ten will, sie mit Gehorsam und chriftlichem Verhalten zu erfreuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich im Glauben und Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes geziemt, wandeln möge, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 127 1. Ich will, o großer Gott! Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind Für meine Eltern beten: Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzusehn, Ach! laß auch meine Bitt' Und Herzenswunsch geschehn. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh' ich geboren war, Und weil ich bin entsproffen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf' gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott! gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb' Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun Auf Jesum heißen sehen; Ihr Herz war immerdar, Bei Tage und bei Nacht, Mit unermüd'tem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb' Sie wieder herzlich lieben, Laß ihre Liebe mir In's Herze seyn geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann, Und bleibe eingedenk, Was sie an mir gethan. 5. Laß viele Jahre fie zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben; Laß wie den Palmbaum sie Noch grünen späte Jahr', Daß ich sie tragen seh' Mit Ehren graues Haar. 6. Ach, schenke ihnen doch, O Vater! deinen Segen; Laß deinen Segen seyn Auf allen ihren Wegen: Erhalte, was du gibst; Und was du hast bescheert, Das segne, daß es werd' Durch deine Gnad' vermehrt. 7. Gib mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rath Die Sünde möge fliehen, Daß ich gehorsam sei Ohn' allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib' Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß Freude sie an mir Und Schande nicht erleben, Ach! laß mir deine Furcht, Mein Gott! vor Augen schweben; Schenk' mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde schen', Und bleibe dir, o Gott! In Glaub' und Liebe treu. 128 Erster Theil. 9. Laß mich an jenem Tag Auch meine Eltern sehen In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen. Für Gesunde. Und laß mich auch daselbst, In Jesu Blute rein, Mit Himmelsglanz geschmückt Bei meinen Eltern seyn. Der glaubige Christ betet bei entstandenem Ungewitter. Aufmunterung. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze dicke Wolken, darinnen er verborgen war. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken mit Hagel und Blizen. Und der HErr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blizzen. Psalm 18, 12-14. Zu den äußeren Dingen, durch welche gottlose Weltkinder geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden pflegen, gehören auch die Gewitter. Wenn Gott ein schweres, mit Donner und Blitzen einherziehendes Ungewitter aufsteigen läßt, da will der sonst freche Mund so bald beten; nicht aus Liebe zu Gott, sonst hätte er es vorher gethan, sondern aus Furcht der Strafe. Glaubige Christen erkennen zwar, 1) daß Donner und Blitze von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch, 2) daß dieselben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Kreaturen gegen die bösen Menschen waffnen kann, so ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vieh zu erschlagen, und durch seine Blizze Häuser, Flecken und Städte anzuzünden; daher sollen 3) fromme Christen von dem argen Fluche, in dem man mit Wetter und Donner flucht, sich enthalten, hingegen 4) bei entstandenem Ungewitter nicht kleinmüthig werden, erschrecken und in Angst verzagen, welches ein Zeichen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist, sondern 5) sie sol len sich erinnern, daß Gott die Blitze und den Donner in seinen Händen hat, und daß er sie wohl werde schützen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr mit Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr Nichts und Gottes Alles erkennen, wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verzehren könne, und demnach 7) sich vor diesem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein, wenn es donnert, sondern auch, wenn die Sonne scheint, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu beleidigen, besonders aber so zu leben, daß man eines gnädigen Gottes sich zu allen Zeiten versichern könne, und auch, wenn er uns in einem Wetter von der Welt abfordern wollte. Gebet bei Ungewitter. Gebet. philoso O du starter und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken, wie deine Blite leuchten, und wie dein Donner brüllt und schallt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick sammt allen Kreaturen zu Boden schlagen und zernichten. Aber ach, HErr, HErr! gedenke an deine Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner lebertretung, gedente aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdienet hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verderbtest und zerschmettertest. Aber ach, du langmüthiger Gtt! verschone meiner bei diesem Gewitter. Gott! sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sür den nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es reut mich und ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt, und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe; ach! ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Nöthen und Aengsten hin als zu ihrem Vater? Darum komme ich auch zu dir, o mein Vater! und bitte dich, sei deinem Kinde gnädig! ach Vater! schüßze mich, bedecke mich, bewahre mich; unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht; verbirg mich heimlich in deinem Gezelt; stelle deiner Engel Schuß um mich, damit mich kein Unglück rühre, kein Strahl verletze und kein Schlag treffe. Ach, HErr Jesu, du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürsprecher und Heiland! sei nicht ferne von mir, denn Angst ist 130 Erster Theil. Für Gesunde. nahe; ach! eile zu mir, sei mir ein starker Schutz; verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Menschen verlassen, aber, ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, und errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu! ich verberge mich in deine heiligen Wunden; ich schreie mit den Jüngern: HErr, hilf uns, wir verderben! O du werther heiliger Geist! erwecke mein Herz zu Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter erweckt und fromm gemacht werden möge. Hilf, daß ich hinfort Acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägst, daß ich Buße thun, mich bekehren und von Sünden ablaffen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren fündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleichstelle. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und über alle frommen Chris sten; bedecke mit deiner allmächtigen Hand mein Leib und Leben, Haus und Hof; bewahre die Früchte auf dem Felde; laß der Blitz nicht mein Haus entzünden, und deine Donnerschläge mir nicht schaden; sei du mein Beistand in der Noth, denn Menschenhülfe ist kein Nüße. Ach, du mächtiger Schußherr deiner Kinder! schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Von deinem Donner regen sich die Berge, und die Erde wird erschüttert; wie sollte ich armer Staub denn nicht vor dir erbeben? Laß mich daraus die Vergänglichkeit der Welt erkennen, wie Alles, was wir sehen, dereinst im Feuer vergehen wird, damit ich mich nicht in Fleischesluft, Augenlust und hoffärtiges Leben verlieren und dich damit zum Zorn reizen möge. Ach HErr! bewahre mich vor einem bösen schnellen Tod; laß dieses Ungewitter glücklich und ohne Schaden vorübergehen. Ach HErr! wer ist dir gleich, der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und Gebet bei Ungewitter. 131 gnädig bist, der du uns weckest und deckest! Ach, verschone meiner und laß mich auch dieses Mal Gnade und Errettung finden. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! HErr Gott heiliger Geist, erbarme dich über uns! sei uns gnädig, verschone uns; lieber HErre Gott! sei uns gnädig, hilf uns; lieber HErre Gott! vor Feuers- und Wasfersnoth behüte uns; lieber HErre Gott! vor einem bösen schnellen Tod behüte uns; lieber HErre Gott! schlage nicht bei uns ein; frommer Gott! fiehe an des HErren Jesu Tod. Befiehl dem Blitze, daß er nicht Ein Unglück hier bei uns anricht'. Du heilige Dreieinigkeit! Nimm Leib und Seel' in deine Hut. Bewahr' auch Häuser, Hab und Gut. Verschon' uns, lieber HErre Gott! Und wende von uns diese Noth; So wollen wir zu aller Zeit Stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen 2c. 1.Gott! wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt, Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd' und Luft erregst, Und uns zu der Buß' bewegst. 2. Hören wir den Donner schallen, Wie er mächtig sich erhebt, Und wie Stadt und Land erbebt, Wie so harte Schläge fallen, So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. 3. Ja, wir sehen mächtig blitzen, Wie das Feuer sich ergießt, Und wie Ströme auf uns fließt, So, daß wir erschrocken sitzen, Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vor's Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter kommen wir zu dir, o Gott! Ach! hilf uns in dieser Noth! O du Helfer und Erretter! Großer Gott, erbarme dich, Siehy' doch uns an gnädiglich! 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschützt, Da es also schrecklich blitzt; Alles muß zu Grunde gehen, Wenn du uns nicht selber deckst, Und die Helferhand ausstreckst. Erster Theil. Für Gesunde. 6. Gott, wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht! Die wird oft gering geacht't; Deine großen Allmachtwerke Zeigen Blitz und Donnerschall, Großer Gott! jetzt überall. 7. Treuer Vater! schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schütz' uns vor des Wetters Wuth; Schau' auf uns von deinem Throne, Treuer Vater! steh' uns bei, Mach uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluth und Brand, Daß sie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung, Und zur besserung. zur Lebens9. Siehe doch nicht an die Sünden, Die ein Jeder hat gethan; Ach! nimm uns in Gnaden an. Laß die Blitze nicht entzünden Unsre Häuser, Hab und Gut; Wend' ab Feu'r und Wassersfluth. 10. Ach! wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie ein Donner schrecklich knallt; Ach! in solchen Ungewittern Uebtest du oft Straf' und Recht Ueber einen bösen Knecht. 11. Ach! du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt seyn. Ach, willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit! Schon' uns doch zu dieser Zeit. 132 12. Siehe nicht an unsre Sünden, Siehe doch an Jesum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deßwillen laß uns finden Hülf', Errettung, Trost und Guad', Die er uns erworben hat. 13. Ach HErr! hilf uns, wir verderben, Ach HErr! hilf, verlaß uns nicht; O Gott! unsre Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlor'n. 14. Ach, du großer Gott! behüte Menschen, Thiere, Feld und Land Vor Verwüstung, Fluth und Brand. HErr! nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorübergehn, Und uns deine Hülfe sehn. 15. Ach! bedecke unsre Früchte, Decke unsre ganze Stadt Und das, was ein Jeder hat, Mach' es nicht im Zorn zunichte, Du bist, der uns helfen kann, Ach HErr! nimm dich unser an. 16. Ach HErr! höre uns in Gnaden, Theil' uns deinen Segen mit, Ach, erhöre unsre Bitt'! Laß das Wetter uns nicht schaden, Ach! wir fallen dir zu Fuß, Siehe, wir thun wahre Buß'. 17. Daran wollen wir erkennen, Wenn du uns auch heut' befreist, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seiner Kinder schont, Und nicht nach den Werken lohnt. 133 Gebet beim Antritt einer Reife. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wundermacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der glaubige Christ betet, wenn er sich von Hause auf die Reise begibt. Aufmunterung. Der HErr behütet dich, der HErr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der HErr behüte dich vor allem Uebel, er behüte deine Seele. Der HErr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Psalm 121, 5-8. Von Hause wegzureisen, dazu können einen glaubigen Christen vielerlei Ursachen veranlassen; theils Berufsgeschäfte, theils die Liebe des Nächsten, theils der Zustand der Gesundheit; denn Uteppigkeits- und Wollustreifen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, in welcher ein glaubiger Christ eine Zeitlang sein Haus und das Seine verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten, und wenn er von Hause weg reiset, denken, daß Gott an allen Orten bei ihm in fremden Landen sei, daß er Alles sieht und hört; daher soll er sich auch selbst, als vor Gottes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich benehmen. 2) Ein glaubiger Christ soll sich Gottes Schutz und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gefunden und unverletzten Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. Denn gewiß auf der Reise sind Viele um Leib, Leben, Gesundheit und in Unglück gekommen. 3) Er soll auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter empfehlen, daß er durch seine heiligen Engel Alles in seine heilige Verwahrung nehmen, vor Feuer, Wassersnoth und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Er soll bitten, daß Gott ihn all' das Seinige und die Seinigen unverletzt und gesund wieder antreffen lassen wolle. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen, darum komme ich zu dir, und bitte dich, ach! segne meinen Aus- und Eingang; in deinem Namen will ich diese Reise antreten; unter deinem Geleite laß mich Erfter Theil. Für Gesunde. dieselbe vollbringen, und unter deinem Schuße wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schutz umgeben wie Jakob; laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen wie bei Paulus; laß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreisen wie mit Joseph und Maria und mit dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück, von Dieben, Mördern und anderem Schaden befreit bleibe. Ach, du Hüter Israel! der du weder schläfst noch schlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her wie um Elias, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät, in Wäldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Schutz, wie du die Kinder Israel mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reise; bleibe bei mir, wenn ich rube; wache für mich, wenn ich schlafe; ja, HErr, HErr! habe Acht auf mich, wohin ich mich wende, und lasse mich deiner heiligen Obhut empfohlen seyn. Gib, daß mir alle Tage, ja, alle Stunden in meinen Ohren die Worte erschallen, die du Abraham mit auf die Reise gabest, als er von Haus reisen sollte: Wandle vor mir, und sei fromm auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde vor Augen haben möge. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Haus und auf der Reise mich nicht des Bösen gelüsten lasse; behüte mich vor BVöllerei, Ueppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung mit der Welt, Begehung von Sünden und Schanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause zurückkehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüste entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich daran gedenke, wie du Alles hörest, was ich rede; wie du Alles siehest, was ich thue; und wo 134 Gebet beim Antritt einer Reise. ich gehe, stehe, und was ich immer thue, daß du da steheft und höreft und mir zustehest, auf daß ich nicht gegen dich sündige, und nicht deinen Zorn und Ungade auf mich ziehe. Ich befehle dir all' das Meine, was ich zu Haus hinterlasse; bewahre dasselbevor Dieben, vor Feuer und Wassersnoth, und lasse mich Alles unverstört und unversehrt wieder antreffen. Ich befehle dir auch die Meinen, welche ich hinterlasse; ach, mein Gott! ich gehe von ihnen weg; aber bleibe du bei ihnen; wende alle Gefahr, allen Schaden, alles Unglück und alle Krankheit in Gnaden von ihnen ab; laß mich sie gesund wiedersehen. Sei ihr Schutzherr; erhalte sie; begleite fie; bewahre sie, und laß vor meine Ohren keine traurige Botschaft kommen, sondern laß sie vor dir leben, und deines Schußes und deiner Gnade genießen. Laß mich auch zu seiner Zeit glücklich wieder nach Hause kommen, und unter deinem Schutze die Meinigen gefund wieder finden. Ach HErr Jesu! der du unter der Gestalt eines Wanderers mit den zwei Jüngern gereist bist, sei auch bei mir auf meiner Reise; erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gib mir fromme Gefährten, damit wir auf der Reise mit schandbaren Worten und schändlichen Reden uns an dir nicht verfündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deiner Treue und Wahrheit führen mögen. Ach mein Gott! in deinem Namen habe ich diese Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herzlich loben und mein Lebenlang preisen. use Send' deinen Engel vor mir her, Den Weg mir zu bereiten; Befiehl, daß er dem Satan wehr' Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o HErr! in deinen Schutz, Daß ihre List, Gewalt und Trutz Mir nimmer könne schaden. 135 Erster Theil. Für Gesunde. Bleibe auch stets bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu sehn; Laß auf sie als auf die Deinen Deine Gnadenaugen sehn; Führe sie doch allermeist, Großer Gott! durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr gerathen In Gefahr und Missethaten. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott! ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier; Mit dir hab' ich es angefangen, Ach! weiche hier auch nicht von mir; O treuer Wächter Israel! Dir, dir befehl' ich meine Seel'. 136 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr' und deinem Ruhm Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigenthum; Begleite mich, wenn ich ausgeh', Bewahr' mich, wo ich geh' und steh'. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh', Und nicht auf bösen Wegen geh'. 4. Laß in den Reden mich erwägen: Du, lieber Vater! hörest zu, Und daß auf allen meinen Stegen Du Alles sehest, was ich thu'; Ach! bring' mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 5. Ach, lasse, großer Gott! den Meinen, Du kennest sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Theil' ihnen deinen Segen aus; Ach! laß es ihnen wohl ergehn, Laß mich sie fröhlich wieder sein. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wende alles Unglück ab; DieGnadenflügel mögen decken, Die ich zurückgelassen hab'; Ach, treuer Vater! sie sind dein, Ach! laß fie dir befohlen seyn. 7. Ach, wache, trener Menschenhüter! Durch deiner guten Engel Wacht, Auch über meine Hab und Güter, Und habe fleißig darauf Acht; Wend' Unglück, Wasser, Fluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit! Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Gült', zu seiner Zeit; Indessen, HErr! beschütze mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach! theil' mir deinen Segen mit, Ach! laß doch meine Bitt' geschehen; Behüte meine Schritt' und Tritt', So will ich mit der Frommen Schaar Dich preisen jetzt und immerdar. Gebet in fremdem Lande. Gebet Eines, der sich in fremden Landen aufhält. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott! ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zu Handen? Wer hilft mir denn in Nöthen aus? Mein Gott, o meine Zuversicht! Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen Auf meiner guten Freunde Rath, Mit dir hab' ich es angefangen, Und sprech' derhalben früh und spat: Bleib' in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott! von dir. 137 3. Erwecke mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein, Und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad' gewogen seyn; Du bist mein Freund, dich halte ich, Auch in der Fremde lieb' ich dich. 4. Erhalte mir den Leib, mein Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht; Gedenk' dann, daß ich bin dein Kind, Das in der Fremde krank sich find't. 5. Behüte mich vor Sünd' und Schanden, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremden Landen, HErr, deine Furcht vor Augen seyn, Daß ich gedenk', dein Angesicht Sieht, was in fremdem Land geschieht. 6. Gib, daß ich freche Sünder hasse, Und flieh' die Häuſer, wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand' und Sünd'; Gib, daß ich denke für und für: Ich wandle in der Fremd' vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubenslehr, Daß mich nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichthum, Wollust, Glück und Ehr'; Wer dich verläugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gib mir, mein Gott! auch deinen Segen, Beschere mir mein täglich Brod; Sei stets bei mir auf meinen Wegen, Und sei mein Beistand in der Noth; Laß mich in deinem Segen stehn, Ach, Vater! laß mir's wohl ergehn. 9. Ach! segne mich im Schlaf und Wachen; Ach! segne meine Schritt und Tritt'; Ach! segne mich in allen Sachen; Ach! theil' mir deinen Segen mit; Gib mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet ſei. 10. Du wollest dieß Gebet erhören Nach deiner großen Gütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen Jedermann, Was du mir Gutes hast gethan. 138 Erster Theil. Für Gesunde. Der glaubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. Aufmunterung. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugniß unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. 2 Kor. 1, 12. Die meisten Menschen tragen große Sorge für ihren Leib, um denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben, oder zu erhalten: aber ach! daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten. Das Gewissen ist 1) dem Auge gleich, welches kein Stäublein leiden kann; es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter; ja, das Andenken der Sünden bleibt im Gewissen, wie eine Wunde im Gesicht. 2) Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen Zeugen seyn, gegen welche man nichts wird einwenden können. Deßwegen wird auch das Gericht bald geschehen seyn, weil man diesen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein glaubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten, 3) wenn er fleißig Gottes Wort hört und liest, und darnach sein Leben anstellt, und in Allem, was er zu reden und zu thun vornimmt, gedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Wort erlaube; wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer umgeht, leicht gebrannt oder verletzt wird, so wird das Gewissen bei gewissenlosen Leuten leicht verletzt. 5) Besonders wird das Gewissen durch ein andächtiges, eifriges Gebet und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, als vor dessen Augen wir immer wandeln, bewahrt. Gebet. HErr, mein Gott, wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest! Du gibst uns Leben und Gesundheit, und läsfest es uns wohl gehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach mein Gott! dieses Alles find deine Geschenke und Gaben; aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gefunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein reines und unverletztes Gewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich, und erhalte mich in deiner Furcht, damit ich mein Gewissen nicht verleße. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe Bitte um ein unverlegtes Gewissen. nur das geringste Stäublein kommt, so ist es unruhig, es thränt, es wird roth, und man kann es nicht recht öffnen; so geht's auch mit dem Gewissen: hat man gegen dasselbe etwas gethan, so wird es unruhig; es verklagt, verdammt, und wenn es recht erwacht, so getraut man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein Gott! ich möchte gerne eine unverletzte Seele und ein reines Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o! darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gutes Gewissen so ein edles Kleinod und sanfte Ruhestätte. Wer will mich anklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott durch unsern HErrn Jesum Christum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreut? wer kann mich ängsten und kränken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? O mein Gott! lasse mich diesen Schatz wohl bewahren. Hilf mir, daß ich nie etwas reden möge, was mir eine Gewissensangst verursachen könnte; hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse That einwillige, wodurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben, oder auf dem Todbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe er= wecken könnte; ach! bewahre mich vor den Vorwürfen des Gewissens und vor Gewissensangst; und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich überall christlich und behutsam benehme. Gib, daß ich mir allezeit deine allerheiligste Gegenwart vorstelle, und vor dir Böses zu thun mich scheue, und gedenke, du seiest ein Herzenskündiger, als vor dem nichts verborgen ist, und da ich mich nicht vor meinem Gewissen verbergen kann, sondern wenn ich Böses thue, dessen Bestrafung alsbald fühlen muß, Start, Handbuch. 10 139 140 Erster Theil. Für Gefunde. daß ich mich noch weniger vor dir, o allsehender und allwissender Gott! werde verbergen können. Gib, daß ich auf Jesum, meinen Heiland, sehe, und dessen heiligen Fußstapfen folge. Gib, daß ich dein Wort als meine Glaubensregel nimmer von meinem Munde kommen laffe, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch meine Lebensregel seyn, damit ich nicht vorsätzlich dagegen sündige, sondern mich in allem meinem Thun darnach richte. Ach HErr Jesu! reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blute; verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir die stille und wahre Herzens- und Gewissensruhe. Ach! dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverletzt und meine Seele, deine Wohnung, in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott! du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben! Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben: Gefunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'. Amen. Gesang. Mel.: Gott sei Dank in aller Welt. 1. Gottes fester Grund besteht, Wenn sonst Alles untergeht, Und auf diesem Grund beruht Unsres Herzens Glaubensmuth. 2. Da drückt Gott dieß Siegel ein: Gott kennt Alle, welche ſein; Und wer Christi Namen nennt, Sei vom Unrecht abgetrennt. 3. Treuer Gott, dir sei gedankt, Daß dein Rath und Wort nicht wankt! Gründe mich allein auf dich; Du bist unveränderlich. 4. Lege mir dieß Siegel bei, Daß auch ich dein eigen sei; Und dein Geist verfiegle mir Auch mein Kindesrecht an dir! 5.Halte mich vomUnrecht fern, Weil ich Christum kenn'als HErrn. Denn hier lebt der wahre Christ, Wie sein HErr und Heiland ist. 6. Mahne du mich immerhin, Daß ich bleibe, wie ich bin. Denn so reißt mir bis zum Grab Keine Macht dieß Siegel ab. 7. Bleib ich nur in deiner Hand, Und bin dir, mein Gott, bekannt, Bin ich froh, getrost und still, Wenn kein Mensch mich kennen will. 8. Gehn dann meine Tage aus, Fällt der Seele irdisch Haus, Starren Augen und der Mund, So besteht doch Gottes Grund. 9. Auch im Tode bin ich dein, Und du führst mich da hinein, Wo man sich in Ewigkeit Ueber Christi Namen freut. dann fro left ou mig? Pfalm. 119.82 Terus nha Pediger m Ist deine Seel' betrlibt, so schan' den Himmel an, Gott ist, der helfen will, und der auch helfen kann. Zweiter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für Betrübte. 141 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. Ist je etwas, das eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es die Allmacht Gottes, denn dieses ist der Anker der Betrübten, woran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich; es ist kein Elend so groß, Gott kann darans erretten; keine Last so schwer, er kann sie abnehmen; kein Unglück so heftig, Gott kann es wenden. 2) Soll der Betrübte gedenken, daß Andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat; er soll daher mit Freuden sprechen: ach Gott! du bist heute noch so reich, als du ewig gewesen bist; mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollen Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und sie sollen deßwegen den Muth nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie und wodurch und auf welche Weise ihnen geholfen werden könne; denn das Alles soll man der göttlichen Weisheit, Güte und Treue überlassen. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der HErr, und eure Wege sind nicht meine Wege, Jes. 55, 8. Diese Betrachtung soll einer betrübten Seele Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll deßwegen stille seyn, hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübsal mit Geduld ertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufs heben und sagen: Meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Gebet. O du gütiger und freundlicher Gott! du weißest und fiehest, wie mein Herz betrübt ist; es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Laft, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gött! ich schütte mein 142 Zweiter Theil. Für Betrübte. Herz vor dir aus, der du meine Zuversicht bist; ich werfe mein Anliegen von mir auf dich, und bitte dich, du wollest mich versorgen, mich erretten, mir beistehen. Das von Wellen gejagte Schifflein hält sich an den Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starter Gott! Das gejagte Wild eilt zu den Bergen, und ich hebe meine Augen empor zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schutzherr! Ich will nicht verzagen; ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist; du kannst helfen, dir ist nichts unmöglich; darum, HErr! hilf mir, so ist mir geholfen; sprich nur ein Wort, so weicht meine Bekümmerniß, so erlange ich Hülfe. Ach mein Gott! ich weiß, du bist barmherzig, darum erbarme dich jetzt auch über mich Elenden; du weißst meinen Schmerz, du erkennst mein Herz; hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Ich weiß, du bist ein weiser Gott; du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jetzt unbekannt sind. Ach! zeige mir ein Trostbrünnlein wie dort der weinenden Hagar; sage mir Hülfe zu wie ehemals der betrübten Wittwe; hilf mir wie dort dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir wie an dem gefangenen Petrus: laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir aufgehen, wodurch du mich versicherst: ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen; ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlassen. O siehe, HErr mein Gott! wie hier eine elende und bülflose Seelevordeinem Gnadenthrone lieget; sendemir Hülfe vom Heiligthum, und stärke mich aus Zion. HErr, ich laffe dich nicht, du segnest mich denn. Mein Gott und Vater! wenn du mir nicht hilfft, wer soll mir denn hel fen? Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an; du Trost aus der Allmacht Gottes. haft mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen, und bisher darin getragen, ach! darum laß mich auch jetzt darin Hülfe finden. Ich schreie dir so lange nach, bis du sprichst: dir geschehe, wie du willst. 143 Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, Du weißt den Schmerz, erkennst mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ach! wo ist nun mein Gott?| Mich einst erfreuen wird: So muß ich heute fragen, Weil ich von nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen seyn. 2. Ach! wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir seyn, Und mich der Noth entreißen; Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär' er nicht mein Gott, Als kennte er mich nicht? 3. Ach! wo ist nun mein Gott In diesen meinen Nöthen, Die an das Leben gehn, Und mich fast wollen tödten? Zwar seine Allmacht ist Mir allzu wohl bekannt, Und doch empfind' ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach! wo ist nun mein Gott; Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja! ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz, mit solchen Fragen? Gott lebt ja immer noch, Was willst du immer klagen? Der dich mit seiner Hülf' Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's nur, auch dieses Mal. 6. Es hat ja Gott noch nie In Nöthen dein vergessen, Warum willst du denn jetzt So ängstiglich dich pressen? Gott sieht dein Leiden wohl, Und läßt es so geschehn, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben sehn. 7. Verzage nicht an Gott; Willst du Den nicht mehr kennen, Der ja dein Vater ist, Und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? D'rum stell' dein Trauern ein, Und zweifle nicht; er wird Dein Freund und Vater seyn. 8. Mein Gott! ich hoff' auf dich, Ach! laß die Stunde kommen, Da meine große Last Mir werde abgenommen; 144 Zweiter Theil. Für Betrübte. Indessen steh' mir bei, Und hilf mir gnädiglich, Ach Gott, erbarme dich! d Ach Gott, erhöre mich! Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barm herzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HErr, dein Erlöser. Jes. 54, 7. 8. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, in ihrem Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres vorkommen und gesagt werden als dieses, daß sie dennoch von Gott geliebt werde. Im schweren Kreuze ist das der erste Gedanke, der vom Satan und Fleisch beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebt dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr so betrüben, und sein Gnadenangesicht vor dir verbergen. Allein diesem Gedanken soll ein Betrübter kein Gehör geben, sondern ihm die ewige Liebe Gottes entgegensetzen, welcher seine Kinder nicht verläßt, und er soll sich erinnern: 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben und doch ein Kind Gottes zu seyn, wohl bei einander seyn könne; denn Christus, der geliebte Sohn Gottes, hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter erwägen, daß Gott dennoch denjenigen liebt, den er in große Traurigkeit, Anfechtung und Kreuz gerathen läßt; ein Vater bleibt ein Vater, ob er das Kind liebkost, oder ob er es mit der Ruthe züchtigt. Dazu kommt: 3) daß solche Leiden der betrübten Seele nicht aus Zorn, zu ihrem Verderben oder Schaden zugeschickt werden, sondern damit sie Gottes Güte, Allmacht, Treue und Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Gottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftigt; sie erhält den Betrübten, bewahrt ihn, stärkt ihn, segnet ihn; er wird zuweilen wunderbar erquickt und erfreut; die Last wird erleichtert: welches alles Proben der Liebe Gottes sind. Gebet. Der HErr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. So seufze ich, mein Gott! in meiner jetzigen Betrübniß und Angst der Seele. Ach HErr, HErr! du weißst ja wohl, wie wehe mir um's Herz ist, wie Troft aus der Liebe Gottes. 145 voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehest. Ach! verberge doch dein Angesicht nicht länger vor mir; mir ist angst, lindere mir's. Du hast mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen! ach! mit solcher Liebe umfasse mich auch jetzt in der Betrübniß meiner Seele. Ein Schäflein flieht, wenn es gejaget wird, zu seinem Hirten; ein Kind, wenn es geängstet wird, geht zu seinem Vater, darum komme ich auch, mein Hirte und mein Vater! zu dir. O großer Gott! du hast mir deinen Beistand versprochen: ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, o großer Gott! jetzt habe ich Hülfe nöthig, jetzt stehe mir bei, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlasse mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlassen, deine Liebe ist so brünstig, daß du dich meiner erbarmen mußt. Du hast mich je und je geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Umfasse mich jetzt mit deinen Liebesarmen; erhalte mich, daß ich nicht sinke; erquicke mich in meinem Leiden; laß mich Freude und Wonne hören, damit die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Ziehe mir den Sack aus und umgürte mich mit Freuden, und laß meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Beweise auch an mir, was Andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O du Gott der Liebe! versiegle den Trost in meinem Herzen: du habest meiner nicht vergessen, so wenig als ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater! fiche, dein Kind ist betrübt, erfreue es; es ist voller Angst, erbarme dich, und hilf ihm. 146 3weiter Theil. Far Betrabte. Ich will, so lang ich lebe noch, Das Kreuz dir fröhlich tragen nach. Mein Gott! mach' mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten zc. 1. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wäre solches noch so groß; Mein Vater! du wirst bei mir bleiben, Ach! nimm mich auf in deinen Schooß. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Händen, Was mich betrübt und heftig quält; Ich weiß, er kann gar leicht es wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen, Wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit; Er wird mir seine Hand barreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar; Er machet oft zu grünen Maien, Was eine scharfe Ruthe war. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wird Gottes Stunde schlagen, So höret auch mein Elend auf; Indessen will ich's willig tragen, Gott hemmt der wilden Wellen Lauf. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, So halt' ich ihm im Glauben still; Er wird mir meine Bitt' gewähren, Deß ich ihm ewig danken will. In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Aufmunterung. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt von dem HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121, 1. 2. Keine Hülfe in seinem Leiden und Elend zu haben, ist wohl betrübter als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich; nichts ist ihm zu schwer und nichts zu groß; er kann in Allem und aus Allem helfen. Betrübte sollen 2) daran denken, 147 Troft aus der Hülfe Gettes. Gott werde ihnen auch helfen, kraft der herrlichen Verheißung: er wolle bei ihnen in der Noth seyn; er wolle sie herausreißen; er wolle sie nicht verlassen noch versäumen. Betrübte sollen 3) die Erempel Anderer erwägen, welchen Gott schon geholfen hat; ach! Andere sind vielleicht ärmer, unglückseliger, trauriger, verlassener und elender gewesen als sie, und doch hat solchen Elenden der HErr geholfen; warum sollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hülfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten, und fest glauben: die Hülfe bleibt nicht aus; deun was der HErr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser seyn, und ob dein Herz spricht lauter nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen geholfen werden könne, so sollen sie sich dann erinnern, Gott könne thun über Alles, was wir bitten und verstehen; er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst seyn. Haben sie dann Gott, so haben sie Alles. Ja, sie sollen auch 6) ihrer Traurigkeit Zeit lassen, denn das ist eine Wohlthat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unsere Leiden lindert. Gebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach! wo soll ich mich anders hinwenden? an wen soll ich anders in meinem Leiden und Kummer meines Herzens denken, als nur an dich, mein Gott? Ach! du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen lassen. O darum höre auch jetzt mein Gebet; vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, das ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du, HErr, HErr! tödtest und machest lebendig; du führst in die Hölle und wieder heraus. Du, HErr! machst arm und machst reich; du erniedrigest und erhöhest. Du erhebest den Dürftigen aus dem Staube, und erhöhest den Armen aus der Niedrigkeit; darum spreche ich im Glauben: HErr, hilf mir! Ach! du kannst helfen; du bist ja ein allmächtiger Gott; du willst mir helfen, denn du hast es mir verheißen. Vater! willst du dein Kind verlassen? Mein Vater! Zweiter Theil. Für Betrübte. kannst du das Geschrei deines Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hülfe kommst? Du hast gesagt: Ehe fie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dir, daß ich mich dein erbarmen muß. Ach! erhöre mich auch; höre das Geschrei meines Herzens und das wehmüthige Klagen meines Mundes. Jedoch, mein Vater! ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich auch dir nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wann du helfen sollst; ich will gerne auf deine Hülfftunde warten. Stärke mich indessen durch deinen heiligen Geist; stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen; gib mir Geduld und Kräfte, um mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreuest. Ach mein Vater! du haft noch keinen verlassen, verlaß mich auch nicht; du haft Betrübte allezeit erfreut, erfreue mich auch; du hast den Elenden geholfen, hilf mir auch; wann, wie und wo du willst, das Alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiemit gänzlich anheimgestellt. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele! was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein Gott ist. 148 SAD HErr Jesu Christ! groß ist die Noth, Darinnen ich muß stecken; Ach, hilf, mein allerliebster Gott! Schlaf nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, Es nimmt kein Mensch sich meiner an, Ich darf's auch Niemand klagen. HErr Jesu Christe, Gottes Sohn! Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron; Wer auf dich pflegt zu bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilfft ihm im Leben und im Tod: Darauf ich mich verlasse. Amen. 149 Trost aus der Barmherzigkeit Gottes. Gefang. Mel.: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen x. 1. Hat mich denn Gott gar verlassen Jetzt in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem bittern Kreuz und Leid; Ach! wo ist doch nun mein Gott In der großen Angst und Noth? Ach, wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden? 2. Willst du meiner nicht gedenken, Denk' doch, daß du Vater bist; Soll im Leiden ich versinken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such', Ist ja nichts als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben? Ich weiß, Gott verläßt mich nicht, Er wird meinen Glauben üben Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu seyn, So gedenkt er dennoch mein; Seine Lieb' kann mich nicht hassen, Noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunderlich; Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Noth ist ihm bekannt, Und mir seine starke Hand, Dieſe kann mein Leiden wenden Und mir seine Hülfe senden. 5. Ich will Gott im Glauben fassen, Wie es Glaubigen gebührt; Ich will nimmer von ihm lassen; Es ist gut, wie er mich führt; Fühl' ich gleich die scharfe Ruth', Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet, Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut', Da mein Leid wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut; Sicher ist die Stunde nah, Ja vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: du bist erhöret, Dir ist deine Bitt' gewähret. 7. Sei getrost, o meine Seele! Fasse dich in deinem Gott; Sage, klage und empfehle Ihm alleine deine Noth, Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will', Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Barmherzig und gnädig ist der HErr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Psalm 103, 8. 9. 13. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun zu haben. Allein ein betrübtes Kind Gottes soll versichert seyn: 1) daß sein getreuer Gott im Himmel all' sein Leiden, Elend und Frenz wisse, wie groß und san. es Zweiter Theil. Für auch sei, wie lange es auch daure, und wie empfindlich es der Seele sei; nicht allein aber weiß es Gott, sondern 2) er erbarmt sich auch des Elenden; dieses sehen wir an der betrübten Wittwe zu Nain und an allen Kranken und Elenden, denen er freiwillig entgegengegangen ist, und denen er geholfen hat. So sprach er von dem Volke: mich jammert des Volks; und von Zion heißt es: darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich seiner erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß Gott so barmherzig ist und Barmherzigkeit ausübt, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen: denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) Gott erweist aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden, theils, wenn er ihnen Freudigkeit und getrosten Muth gibt, theils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält und ihnen Stärke gibt, daß sie es bestehen und ertragen können, theils aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. Erbarmt sich ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten ohne Barmherzigkeit in seinem Elende nicht verderben lassen. Gebet. Odu barmherziger Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird, siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schütte meinen großen Kummer und mein betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl mein Jammerstand und mein großes Elend, das mich betroffen hat, bekannt; meine Seele ist be trübt, mein Geist ist geängstet, und Leiden haben mich ohne Zahl umgeben. Ich sehe mich nach Helfern um, aber ich finde keine. Menschen wollen sich theils meiner nicht annehmen, theils wissen sie meine Noth nicht, theils mag ich es nicht offenbaren; aber dir, o Gott! tlage ich es mit betrübtem Herzen, ich weiß, du bist barmherzig, und läsfest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die um ihr Kind weinte; es jammerte dich des Volfs, welches nichts zu.ffen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verbunden. O darum komme ich zu dir, und spreche: Ach, erbarme dich über mich! Ach, Gott! ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Trost aus der Barmherzigkeit Gottes. 151 Werk deiner Hände nicht lassen; ja, ich bin mehr; ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen hast, darum spreche ich: Ach, mein Vater, erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes! Mein Jesu! ich bin ja mit deinem heiligen Blute erkauft, ich bin doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem theuren Blut, darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. O du werther heiliger Geist! lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei allem meinem Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde und fast nicht mehr beten kann, so schreie du in mir das Abba lieber Vater; siehe, ich finke, ach! biete mir deine Hand. HErr! hilf mir, HErr! stehe mir bei. HErr, HErr! laß deine Barmherzigkeit groß an mir werden, und gib mir Freudigkeit des Herzens, ja, schreibe und rufe stets in meiner Seele die Worte: du bist nicht verlassen, ich will mich deiner erbarmen, ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen und zu Ehren machen. Ach HErr! nach deiner großen Barmherzigkeit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elende, gib mir alle Tage neue Kräfte und neues Vermögen, daß mein Glauben nicht aufhören, daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du sprichst: Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? Ich denke wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. Denke auch an mich; du haft mir Gnade zugesagt; Kind; erbarme dich meiner auch. ich bin auch dein Du hast mich ja noch niemals verlassen, ach! so verlaß mich jetzt auch nicht; hilf deinem Kinde, das zu deiner Barmherzigteit allein seine Zuflucht nimmt. Ach, ich kenn' sein Vaterherze, Es ist schon auf Hülf bedacht; Zweiter Theil. Für Betrübte. Meine Trübsal, Angst und Schmerze, Und was mich sonst traurig macht, id Wird sich alsdann gar bald wenden, Wenn er mir wird Hülfe senden, D'rum, mein Vater! komm zu mir: Herz und Auge weint nach dir. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott xc. 1. Wohl dem, der Gott vertraut| Der jeder Kreatur In allen seinen Sachen, Und Alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen; Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schooß, Der wird ganz ruhig seyn, Und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem nichts unmöglich; Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich; Was uns dünkt allzuschwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Noth von uns, Wenn er befiehlet, weicht. 3. Wohl dem, der Gott vertraut; Kannst du kein Mittel finden, Und meinest, deine Noth Sei nicht zu überwinden, So trai' dem weisen Gott, Der alle Hülfe hat, Bei dem ist Rath und That, Wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebesproben Muß jede Kreatur Mit frohem Munde loben; Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Die Nahrung reichlich gibt, Der forget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut, Und nicht den Menschenkindern; Sie sind gar oftmals falsch Und suchen zu verhindern Das, was uns nützlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und verstehn, So helfen sie doch nicht. 6. D'rum will ich immerdar Dir, meinem Gott, vertrauen, Auf deine Vaterhand In meiner Trübsal schauen; Ach Gott! ich komm' zu dir, Ach! sorge du für mich, Ach! nimm dich meiner an, Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan! ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Ich bleib' darauf bestehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der feste auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. Er begehret meiner, so will ich ihm aushelfen. Er tennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Noth; ich will ihn herausreißen und zu Ehren 153 Erwägung der göttlichen Verheißungen. machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Psalm 91, 14-16. So niederschlagend auch Kreuz, Unglück und Elend sind, so herrlich richten die göttlichen Gnadenverheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter denken: 1) alle göttlichen Verheißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht vorstellen, als ob die Verheißungen nur Moses, David und denen gegeben seien, die damals lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn Paulus spricht, Röm. 15, 4.: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben." Ferner soll er 2) gedenken, alle göttlichen Verheißungen werden zu der Zeit erfüllet werden, die Gott bestimmt hat. Darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern in Demuth und im Glauben die Hülfe erwarten; 3) soll ein Betrübter gedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Uebel bisweilen auch in diesem Leben erfüllet werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreut, Elende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllet, wo selbst alle Verheißungen Gottes in ihre vollkommene Erfüllung gehen werden. In Betrachtung dessen soll ein Betrübter 4) stille seyn, und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so vielen Tausenden schon erfüllt hat. Gebet. HErr, mein Gott! mein Herz hält dir dein Wort vor: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antliß. Ich weiß in meiner Bekümmerniß nirgends Trost und Rath zu finden als bei dir; bei dir mein Herz Troft, Hülf und Nath allzeit gewiß gefunden hat; besonders suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen. Darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum; ich suche in deinem heiligen Worte ein stärtendes Manna für meine hungrige Seele, und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du haft gesagt: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen. Ach HErr! die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Du hast geStart, Handbuch 11 154 Zweiter Theil. Für Betrübte. sagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du bast geſagt: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach HErr! erbarme dich doch meiner, ach! weiche nicht von mir; verwirf mich nicht von deinem Angesicht; dein freudiger Geist erhalte mich. O mein HErr und Gott! ich weiß, du wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten im Himmel; wird dein Wort nicht mein Trost seyn, so muß ich vergehen in meinem Elende. Aber habe ich schon viel Bekümmerniß in meinem Herzen, so erquicken doch deine Tröstungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellt dich mir als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen gewissen Erretter vor; darauf verlasse ich mich, dessen tröste ich mich. Mein Herz ist getroft und unverzagt und barret des HErrn. Darum sei wieder zufrieden, meine Seele; der HErr verstößt nicht ewiglich; er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; meine Seele wartet auf den HErrn von einer Morgenwache bis zur andern; meine Seele wartet auf den HErrn, bis er uns gnädig seyn werde. Erfreue meine betrübte Seele; stärke meine abgemattete Seele; halte meine sinkende Seele; richte meine niedergeschlagene Seele auf; tröste meine traurige Seele. Faffe mich in deine Arme, und erquicke mich; verlasse mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Ich sehne mich nach dir; meine Seele verlangt nach dir, und seufzt: wann tröstest du mich? Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit, Es mag ihn nichts gereuen, Er wendet alles Leid; Ihm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein' Seel', mein Leben, Und was er mir gegeben: Er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. Erwägung der göttlichen Verheißungen. Gesang. Mel: Alle Menschen müffen sterben ze. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen, Ach! wann kommet doch die Zeit? Ach! wann wird mir abgenommen Meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, Wart' ich doch darauf mit Schmerzen; Es spricht oft mein matter Mund: Ach! wann schläget Gottes Stund'? 2. Ach! ich zähle alle Stunden, Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hülf' gefunden In der Nacht wie an dem Tag; Spreche öfter noch mit Weinen: Ach! wann wird die Stund' erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 155 3. Doch ich will dir nichts vorschreiben; Es geschehe, HErr! dein Will'; Ich will dir getreu verbleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund' verziehen, Will ich d'rum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt: Ach! kommt deine Stunde bald? 4. Ach! laß deine Stund' anbrechen, Deine Stund', o lieber Gott! Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf mein Noth; Nach dem Winseln, nach dem Schrei'n Laß mir Hülfe angedeihn; Alle Noth bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater! hör mein Flehen, Sieh', es betet Herz und Mund: Laß mich bald erfreuet sehen Die erwünschte Hülfestund'; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach, mein Vater! höre mich, Höre mich doch gnädiglich. Der Betrübte erwägt die Absichten Gottes in seinen Leiden. Aufmunterung. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu seyn; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Hebr. 12, 11. Wenn das Kind die Züchtigung empfindet, weint es, und meint, es geschehe ihm gar zu wehe; was ist's denn Wunder, wenn Betrübte oft nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuzschicken sollen! Ein Betrübter soll erwägen: 1) Gott will uns durch's Kreuz nicht in's Verderben führen, sondern uns daraus erretten; wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, wenn er beißende Mittel auflegt: so will er sie heilen und reinigen; und durch Trübsal will uns Gott von der Welt abziehen, und uns zu sich ziehen. 2) Sieht Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Kreaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, damit wir ihn allein lieben, und unsere Freude an ihm haben sollen. Ja, wenn er sieht, daß wir durch die bestän11* dige Glückseligkeit, Ruhe, Wohlergehen trag zum Gebet und in unserem Christenthum nachlässig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wieder nach ihm verlangen, und in seiner Liebe und Erkenntniß zu wachsen trachten. Bei diesem Allem aber bleibt er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger Gott, der uns herzlich liebt. Gebet. Mein Gott! der du mich jetzt in so große Traurigkeit und Betrübniß gesetzt hast, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen, und meine Augen voll Thränen geworden sind, ach! ich weiß nicht, wohin ich mich wenden soll. War ich nicht glückselig? War ich nicht fein stille? Hatte ich nicht Ruhe?-Woher kommt solche Unruhe? Ach, mein Jammer ist groß! aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte! Hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen, ach! so richte mich wieder mit deinem kräftigen Wort auf, damit ich erwägen möge, warum du mir dieses Elend zuge schickt haft. Ich weiß ganz gewiß, daß dieses Kreuz mich nicht zu meinem Verderben betroffen hat, oder daß es mir an meiner Seele Schaden bringen soll; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater! es ist dein Vorhaben nicht, mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben, sondern indem du mich in solchen traurigen Zustand setzest, willst du meine Liebe prüfen, ob ich dich auch in bösen wie in guten Tagen lieben will. Du willst meinen Glauben prüfen, ob ich auch glaube, du seiest ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elende erretten, und in demselben erhalten könne. Du willst meine Geduld prüfen, ob ich dir zur Ehre dieses Kreuz gerne tragen will. Du willst mein Vertrauen prüfen, ob ich dir über Alles vertrauen, und auf dich, auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit bauen will. Du willst meine Hoffnung prüfen, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen ist, und ich deinem Wort und deinen Verheißungen Glauben beimessen will. Ja, mein Erwägung der Absichten Gottes im Leiden. gnädiger Gott und Vater! du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüften, Sünden und Gewohnheiten abziehen, damit ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten soll. Ja, du nimmst mir, was mich erfreut, damit ich allein meine Freude an dir haben soll; du nimmst mir das, was mich vergnügt, damit ich dich als mein höchstes und liebstes Gut hochachten soll. Wohlan, mein lieber Gott! ich will so werden, wie du mich haben willst; ich will das tragen, was du mir auflegst; gib mir deinen heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mittheile. Ohne dich ist es mir unmöglich, es zu bestehen, aber durch deinen Geist und gnädigen Beistand kann ich überwinden. Ich will auch gerne geduldig seyn, und dir stille halten, es währe so lange, als es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen, und dir allein anhangen, damit ich ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen, und meiner Seele gar nüßlich seyn. Die Hülfe wird schon zu rechter Zeit anbrechen: 157 Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich verlassen bin; In Gott will ich mich fassen; Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll treulich an ihm halten, Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der mich niemals verläßt. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten sc. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trilb sal mich ansicht; Mein Jesus kann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hülf' abspricht, Und ob es gleich mir wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die Anfangs gehen bitter ein, Und gleichwohl großen Nußzen bringen, Wenn ſie nur ausgestanden seyn; Fühl ich gleich oft die scharfe Ruth', So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß seyn, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt, allein zu sich; Empfind' ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 158 Zweiter Theil. Für Betrübte. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anstoß geb', So will mich Gott demüthig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb'; Ich achte nicht der Feinde Wuth, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar kränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 6. Und muß ich öfter noch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir's Gott doch überwinden, Und schenkt mir süße Seelenfreud'; D'rum hab' ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl in allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllengluth, D'rum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut und die Verheißung empfahet. Hebr. 10, 35. 36. Geduld ist eine Frucht des Geistes; sie kommt von Gott, und derselbe muß darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und herzlicher beten, je heftiger sein Leiden anhält, wie dort von Christo steht: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Deßwegen soll der Betrübte erwägen: 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibt, und mit sich umgehen läßt, wie Gott will; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herzlich liebt, und daß er darum nicht aufgehört hat, Vater zu seyn, ob er ihn gleich mit Kreuz belegt hat. Darum 2) murrt ein Betrübter nicht gegen Gott, ob es gleich lang und schwer wird sondern sagt: ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun: du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmüthig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärkt Betrübte theils, wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen gibt, es werde das Kreuz bald aufhören, theils, er wolle sie nicht verlassen, theils auch, wenn er einige Hülfe und Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wieder stark werden in dem HErrn Bitte um Geduld und Stärke. 159 und in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten, denn Gott hat uns verheißen, er wolle uns das Kreuz, aber nicht die Ungeduld tragen helfen, weil dieselbe nicht von Gott, sondern von unserm Fleisch und Blut herkommt; die Geduld bringt eine rechte Stille des Herzens und des Gemüths. Gebet. HErr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ach mein Gott' meir Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Eiend und Jammer ist dir wohl bekannt; dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es komme von geliebten Händen; ich habe es mir nicht gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; hast du es mir aufgelegt, so hilf mir's auch tragen. Und weil die Geduld auch unter die guten Gaben gehört, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach! so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkest, wenn du mir hilfft und beistehst, so kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird es mir nicht schwer werden: ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Greife mich auch nicht zu heftig an, damit ich's bestehen kann. Habe Geduld mit meiner Schwachheit; stärke die müden Hände; erhalte die strauchelnden Kniee; sage meinem verzagten Herzen: dein Gott ist König; dein Jesus ist bei dir; dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilfft, so ist mir geholfen; darum hilf mir, o mein Heil, um deines Namens willen! zu dir nehme ich Zuflucht. Stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich so leiden und mein Kreuz tragen soll, worauf ich mich denn mit Freuden entschließe, und sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir deine Liebe vor, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß dennoch liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht 160 Zweiter Theil. Für Betrübte. werth sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seiest, daß dieses Kreuz nicht ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade sei. Ueberzeuge mich, es werde mein Nußen seyn, indem ich dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele das Erempel der Geduld meines lieben Heilandes Jesu Christi vor, der Alles geduldig auf sich nahm, und wie ein Lamm seinen Mund nicht aufthat. Gib, daß ich ihm in solcher Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gib, daß ich mit dulde und leide, damit ich auch mit gekrönt, und mit zur Herrlichkeit erhaben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gib mir neue Kraft und neuen Muth, wenn ich einen Sturm bestehen muß, oder bestanden habe. Ja, stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen, und dein kräftiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, mein' Burg, mein Hort, Mein Schild, mein' Kraft, sagt mir dein Wort; Mein' Hülf', mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott in aller Noth, Wer mag dir widerstreben! Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Mein Gott! verzieh' doch nicht,| Ich werde schwach und matt, Ach! sieh', wie ich muß weinen; Mein Herz ist sehr beklemmt; Wann willst du, o mein Licht! Es ist mein Angesicht Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab' ich Kreuz, is Und geh' ich ein und aus, So geht mein Leiden mit, Und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff' ich alle Tag': Siely, heute wird es besser; Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer, Mit Thränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will Auch die Geduld verschwinden, Weil sich die Linderung So gar nicht will einfinden; Ich warte von dem Tag Bis zu der stillen Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. Bitte um Abnahme der Leiben. 4. Willst du nun länger noch,| Denn trägest du mit mir, Mein Gott! die Hülf' verziehen: So trägst du das Gewicht: Wie wird es mir ergehn? Ich habe zwar das Kreuz, Ach! wo soll ich hinfliehen? Und fühl die Last doch nicht. Ach Gott! verzieh' doch nicht; 7. Ach ja, mein HErr und Gott! Ach, eile bald herbei! Laß mich die Stund' erblicken, Ach, HErr! wann machst du mich Da du nach meinem Leid Von meinen Banden frei? Mich endlich wirst erquicken; Und bis die Hülfe kommt, Schenk' Glauben und Geduld, Dabei das Herz dein harrt Und deiner Baterhuld. 8. Wirst du mir diese Gnad', O großer Gott! erweisen, So will ich, weil ich leb', Dafür dich herzlich preisen; Mein Freudenwort soll seyn Nach ausgestand'ner Noth: Wie gnädig ist doch Gott, Mein HErr Gott Zebaoth! $ 10.000 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen; Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden; Ach! wende dich zu mir, Komm' und errette mich, Erleicht're mir mein Kreuz, Ach Gott! erbarme dich. 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir hilfest tragen; Ich will, wenn du mit trägst, Von keinem Leiden sagen. Der Betrübte bittet um Abnahme der Leiden. Aufmunterung. 161 Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. HErr, ich leide Noth, lindere mir's. Siehe, um Trost war mir sehr bange; du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Jes. 38, 14. 17. Gott hat seinen Kindern eine Linderung und Erquickung entweder in diesem, oder in dem ewigen Leben verheißen; es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Erfüllung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch so, daß sie darin dem Willen Gottes fich gänzlich unterwerfen. Deßwegen 1) wenn sie ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterfeit und Langwierigkeit empfinden, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn so machte es ja Christus, unser Heiland, selbst, welcher um Wegnahme des bittern Kelchs den himmlischen Vater anflehte; hiemit legen Betrübte ihr Vertrauen und ihre Zuflucht zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnahme der Last der Leiden mit einer gelassenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft seyn, besser ist's, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig, als daß Zweiter Theil. Für Betrübte. er es uns wegen unsers Murrens abnimmt, und im Gerichte ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Abnahme der Trübsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübfal uns oft zerstreut, niederschlägt und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes aus Ungeduld, oder um der Weltlust und Weltfreude wieder zu genießen, entledigt seyn, so sieht man leicht, daß Gott ein solches Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel und irdisch gesinnt, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es, als ein heiliges Feuer, diese Stoppeln und Unreinigkeit des Herzens ausgebrannt hat. 162 Gebet. O du gnadenreicher Gott! der du die Betrübten und Elenden ansiehest, und dich aller deiner Werke erbarmest, ach! siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stebe hier vor der Thüre deiner Gnade, und flehe dich um Hülfe an. Du weißt ja, wie du mich betrübt haft, aber du weißt auch wohl, daß es mir Niemand abnehmen kann als du allein; die Vaterhand, die mich rerwundet hat, diese muß mich heilen; der mich getödtet hat, muß mich wieder lebendig machen;- ja, der mich in die Hölle geführt hat, muß mich wieder herausführen. Darum, du gnadenreicher Gott! komme ich zu dir, und spreche: HErr, hilf mir, ach erbarme dich meiner! Dein Zorn währet einen Augenblick, und du hast Lust zum Leben, aber dein Augenblick währt mir fast zu lange. Barmherziger Gott! der du in deinem Worte so liebreich deinen Kindern erlaubt haft, dich zu bitten: Bittet, so werdet ihr nehmen; fuchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan: ach! laß auch mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Nimm meine Trübsal von mir: doch nicht mein, sondern dein Wille ge schehe. Ich will dir nicht Zeit und Stunde, die Art und Weise vorschreiben, sondern deine Hülfe mit Geduld erwarten. Ach! laß mich doch deine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von Bitte um Abnahme der Leiden. mir nehmen, so nimm nur ein Stück und Theil desſelben von mir. Du willst dich vor deinen Glaubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach mein Gott! wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seiest, der sich über mich erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sei. Ach! wie lang, ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir: dir ist ja nichts unmöglich. HErr Zebaoth ist dein Name, groß von Rath und mächtig von That. Du bist der Trost Israel und ihr Nothhelfer, darum verlaß mich nicht, hilf mir, errette mich und sei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange geplagt baft, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden habe, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! Ist aber deine Hülfstunde noch nicht da, so stärke meinen Geist, und gib mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater! mit mir trägst oder mir es linderst, wenn ich in dieser Kraft einhergehe: so will ich es auch als ein Abnehmen halten, darüber mich freuen, und dir danken; willst du mir es aber in diesem Leben nicht abnehmen, sondern es ist dein heiliger Nath, daß ich mich bis in den Tod damit tragen solle: so geschehe dein Wille; nur laß mich nicht über mein Vermögen versucht werden, und versüßze mir alle Bitterkeit der Trübsal mit dem Genusse deiner Liebe, mit deinem mächtigen Beistande und kräftigen Vorschmack des Himmels. Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, So steh' mir, HErr! durch deine Kraft zur Seiten, Fein ritterlich, beständiglich, Hilf mir mein' Widersacher all' bestreiten. Amen. 163 Bob Zweiter Theil. Für Betrübte. Befang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben ac. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach, wie lang verzicht er doch? Will er sich nicht zu mir kehren, Weg zu thun das schwere Joch? Ach! ich muß ja fast vergehn, Wenn er mich nicht will ansehn; Nimmt Gott sich nicht meiner an, Ach! so ist's um mich gethan. 164 tils 2. Hat mir's Gott doch ja versprochen, Daß er mich erhören woll', Wenn die Stund' ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen, Und darauf mich fest verlassen; Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Bater! auf dein Kind; Ich will immer vor ihn treten Wie die, so verlassen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Aller Orten ihm nachgehen; Ihm schick' ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hülf' und Nuty'. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethsemane, Länger auf die Hülfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hülf' verzagen, Und mein Kreuz geduldig tragen; Seh' ich meinen Jesum hier In dem Garten doch bei mir. 5. Nun wohlan! ich bin vergnüget, Es geh', wie es gehen soll; Wie es mein Gott mit mir füget, So thut er den Seelen wohl. Endlich werd' ich noch lobsingen, Und ihm meine Opfer bringen, Ja, erzählen Jedermann, Was er an mir hat gethan. Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Der HErr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte, denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Klagl. Jerem. 3, 31-33. Alle Trübsal wird leicht, wenn man hofft, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hiebei soll ein Betrübter sich vorstellen: 1) daß sein Elend gewiß( und vielleicht noch in diesem Leben) ein Ende nehmen werde: wie Gott Davids Flucht, Hiskia's Krankheit, Hiobs Elend, der Wittwe Thränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben gewendet hat. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und im Tode wenden; denn da soll ihnen die Krone, ein weißes Kleid, die Himmelsfreude zu Theil werden; da will er alle Thränen von ihren Augen abwischen. 2) Soll sich Erwägung des glücklichen Ausgangs des Kreuzes. 165 ein Betrübter vorstellen, wenn er durch Leiden betrübt wird, daß seine Seele dadurch erbaut wird: denn nun hat er Gottes Allmacht, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit gesehen; durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärkt worden; und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm getilgt ist, daß er nun frömmer, christlicher, demithiger und fanftmüthiger geworden ist, so hat er gewiß einen großen Nutzen von seinem Kreuz, so bleibt der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden hier zeitlich oder dort ewig. Gebet. Ach du großer Gott! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß, wie du selbst weißt: ein jeder Tag hat seine eigene Plage, und beinahe eine jede Stunde ihr eigenes Leiden, aber doch soll mein Glaube, meine Hoffnung und mein Vertrauen deßwegen nicht auf hören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nämlich zu dir, allmächtiger, gütiger und barmherziger Gott! Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja, nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder scheinen lassen. Du haft versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wolleft; nun ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung; ach! wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereicht, so gib mir meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet, denn du bist meine Zuversicht, HErr, HErr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann Alles ändern: ach! so ändere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand; erquicke mich, erfreue, erhöre mich; daraus will ich deine große Allmacht erkennen, daß du aus dem schwersten und größten Leiden erretten kannst; daraus will ich deine große Güte erkennen, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmt hast. Außer dieser Trübsal hätte ich vielleicht in meinem Christenthum so vieles nicht gelernt, als ich nun durch dieses Leiden gelernt habe. 166 3weiter Theil. Für Bet Nun ich sehe deinen heiligen Rath: du hast mich demüthig, sanftmüthig und fromm machen, mich zu dir ziehen wollen, damit ich meine Freude allein an dir haben, und meine Hoffnung auf dich stellen soll, und nachdem nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und läsfest mein Gemüthe, das vorher gar unruhig war, wieder still, ge= lassen und zufrieden werden. O welche herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! welcher große Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfassen. Meine Thränen sollen ein Same werden, woraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen Nosen tragen; nach meinem Kampfe soll der Sieg und nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird dereinst, am jüngsten Tage, die fröhliche Erlösung seyn, wenn ich von allem Uebel erlöst in das himmlische Freudenleben eingehen werde! Ist dieses denn das erste Mal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual, Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, Und doch hat Gott uns d'rauf geschenkt Ein Stündlein voller Freuden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott*. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil! wann werd' ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach! wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht. Wer ist der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? Gebet betrübter Wittwen. 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh', And're find beglücket, Sie stehn in Herrlichkeit Mit Wohlergehn geschmücket; Nur ich muß traurig gehn, Ja, ich muß ganz allein In meinem Jammerstand Von Gott verlassen seyn. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Dieweil ich Jesum fast Weiß nirgends mehr zu finden; Wo ich mich nun hinwend', Sieh', da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif', Sieh', da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch, Ach, höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein Jesus? sagen; Jesu, komm doch bald, Die Zeit wird mir so lang; O Jesu! komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald, O Seele! sei doch stille, Und stell dein Trauern ein, Es ist so Gottes Wille; Weil Jeſus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud'. 167 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen; Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen; Er sieht dein Leiden wohl, Sieh' da, in kurzer Zeit Erquickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald; Er wird dich nicht verlassen, Denn du bist ja sein Kind, Wie könnt' er dich denn hassen? Schau' doch auf And're nicht, Die da beglücket stehn, Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgehn. 8. Dein Jesus kommet bald; Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Auf's Freundlichste empfahen, Auf, Seele! sei getrost, Dein Heiland ist dir nah', Nun ist dein Wunsch erfüllt, Dein Jesus, sieh', ist da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. Ihr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. 2 Mos. 22, 22. 23. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. So beschreibt das kluge Weib von Thekoa eine Wittwe, 2 Sam. 14,5. Es ist der Wittwenstand 1) ein Trauerstand, weil ein Weib die Hülfe, den Rath, Trost, die Gegenwart und Freundlichkeit ihres Ehemannes entbehren muß, welches auch Zweiter Theil. Für Betrübte. reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen thut es um so weher, als ihnen diejenige Person durch den Tod geraubt worden ist, welche sie und ihre Kinder ernährt und durch Gottes Segen versorgt hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oft unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten, ihnen Unrecht thun. Es ist aber der Wittwenstand 3) ein von Gott beschützter Stand. Gott hat allen Menschen befohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen, und er hat ihnen gedroht, wenn sie ihnen Unrecht thun würden, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter seyn, der sich ihrer annehmen, und ihre Sache ausführen und befördern wolle. Ja, er hat ihnen seinen besondern Segen, Beistand, seine Hülfe und Gnade zugesagt. In Betrachtung dessen sollen fromme Wittwen 1) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist doch Gott nicht gestorben; 2) sie sollen dieses als eine Probe ihres Vertrauens und ihrer Hoffnung auf Gott annehmen. Es soll Niemand an einer Kreatur hangen oder sich darauf verlassen. Wenn nun manches Weib meint, es könne sie und ihre Kinder Niemand ernähren als ihr Mann, so macht sie aus demselben einen Abgott, darum will sie Gott von dieser Sünde frei machen, und ihr zeigen, daß er sie und ihre Kinder auch ohne Mann erhalten und ernähren könne. Darum sollen sie 3) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch seyn, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. 168 Gebet. O du barmherziger und gnädiger Gott! der du die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden bist, ach! es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rathe gefallen, mich in den betrübten Wittwenstand zu versetzen. Meine Sonne ist am hellen Mittag untergegangen, und die Krone meines Hauses ist abgefallen. Ich bin ein Weib, das Leid trägt, mein Gatte ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rath und That suchen? Ach mein Gott! ich komme zu dir; mein Herz hält dir dein Wort vor: ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antlig. Du haft atd Gebet betrübter Wittwen.r 0169 in deinem heiligen Worte verheißen, du wollest der Wittwen Richter und der Waisen Vater seyn: Ich, der HErr, bin dein Mann, Gott Israel ist sein Name. Ach! so sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinen Vater. Schaue meine Thränen an, wie sie von den Wangen herabfließen, und laß sie zur gnädigen Erhörung gen Himmel steigen; siehe mein Seufzen an und erbarme dich mein. Gib mir recht zu erkennen, daß ich deßwegen von dir nicht verlassen bin, ob ich gleich ohne Gatten leben muß, und daß du, o ewiger und unsterblicher Gott! nicht gestorben bist, sondern ewig lebest, obgleich mein Gatte begraben ist. Ach! es scheint, daß du mich dadurch von allen Kreaturen abziehen willst, daß ich dir allein vertrauen, und auf dich allein meine Hoffnung setzen soll. Mein Gott und Vater! ich glaube von Herzen, daß du mich und die Meinigen ohne Gatten schüßen, ohne Gatten ernähren, ohne Gatten versorgen kannst; stärke dieſen meinen Glauben an deine Gnade und Barmherzigkeit. HErr! beweise ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe; führe mich wie Naemi; versorge mich wie die Ruth; segne meinen Delkrug wie den der Wittwe in Israel; laß das Mehl und Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe zu Sarepta; trockne meine Thränen ab, und sprich zu mir: weine nicht, wie du zu der Wittwe von Nain sprachest. Ach HErr! beschere mir mein tägliches Auskommen, segne meinen Ausund Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinen nach deiner Verheißung. Ich fezze alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott! dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Du bist weise genug, um mich zu erhalten; du bist mächtig genug, um mich zu schüßen; du bist reich genug, um mich zu ernähren und zu versorgen, du bist barmherzig genug, um mir Alles zu gebe Start, Handbuch. 78 12 170 Zweiter Theil. Für Betrübte. was ich nöthig habe; du bist allgegenwärtig genug, in allen Nöthen mir beizustehen, zu helfen und mich zu erretten. Verläßt sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen; vertraut ein Kranter dem Arzte seinen Leib und sein Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiser Gott! nicht vertrauen und mich auf dich verlassen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o HErr! nimmst mich auf. Siehe, um Troft ift mir gar bange, du aber hast dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Ich habe viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen und göttlichen Verheißungen ergößen meine Seele. Gib, daß ich diesen einfachen Stand im Glauben und in der Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, an dir mich ergöße, Niemand ein Aergerniß gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott! Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gib mir Huld und Gnade bei Jedermann. Erhöre mein Gebet, gib mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand, sorge für mich und die Meinigen nach deiner gnädigen Verheißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jetzt mein Schirm und Schatten seyn, mich behüten und mir Gutes thun, bis du mich zu der Herrlichkeit bringen wirst, wo ich mit fröhlichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Wittwen sind in Gottes Armen, töm fid ud 190301190 Waisen sind in Gottes Schooß, punop hist ods Ihrer will er sich erbarmen, odd id ud Wär' die Noth auch noch so groß; tris imtis at Gebet betrübter Wittwen. 171 hil Denn ein ungerechter Mannni di fuorts& Tastet Gottes Auge an, ds choir di idrsen o id ads Der der Waisen Gut verletzet, msisid ni as sil in Und sich Wittwen widersetzet. bon dior chu Wenn sie bleiben in den Schranken, side 8 Worein fie Gott hat gestellt, Und von ihm nur niemals wanten, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmelsschloß Werden ihrer Sorgen los, pamok donis rode us di toglf duff mbroni dist is all Da soll nicht mehr wie auf Erden Wittwennoch gehöret werden. Amen.mi duff od pede mmor Gefang. Intres Totor), 10.8 rommor sin dill arden T 13 Honojine SUTAR Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. 3hr Wittwen, seid getrost,| Er höret eure Stimm', Laßt ab von eurem Weinen, Es will der starke Gott Zu eurem Trost erscheinen, Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht, Und setzt auf dieses Wort All' eure Zuversicht. thi de 2. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch nicht verlassen, Wenn ihr zu sinken scheint, So will er euch umfassen; Der HErre Zebaoth, Der HErr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich eurer an. ordi 102 190 Stiel7 3. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch schon versorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater denn verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält, r aber ist der HErr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der HErr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen, Er trägt euch in den Armen, Er will deß, der euch kränkt, Ein strenger Richter seyn, misse D'rum stellt das Ach und Weh und bitt'res Weinen ein 5. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr noch nöthig habt In eurem ganzen Leben; Gott, der nach seinem Rathe Zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Wenn eure Noth am größten, Er reißet euch heraus, Er wischt die Thränen ab; h D'rum sprecht: du bist mein Mein Gott, ach! steh' mir bei Gott, In aller meiner Noth. is 7. Der HErr ist euer Mann, D'rum sollt ihr ihm vertrauen, Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; 12* Zweiter Theil. Für Betrübte. Du wollest gnädiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgends hin Denn nur zu dir allein, D'rum wollest du ihr Gott Und treuer Vater seyn. Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch sehn, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche gehn. 8. Nur dienet eurem Gott Mit Singen, Danken, Beten, Kommt jede Stund' und Tag 10. Versorg' der WittwenHau Vor seinen Thron getreten, Die Waisen wollst du leiten, Und flagt ihm eure Noth; Ach Vater! schau', wie sie Bleibt in der Frömmigkeit, zu dir die Hand ausbreiten, Und steht im Glauben fest Ach! höre ihre Stimm' Und in Zufriedenheit. Und nimm dich ihrer an, 9.Gott, frommer Wittwen Gott Du bist der Waisen Gott Und Vater frommer Waisen! Und frommer Wittwen Mann. 172 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Auf mun Aufmunterung. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HErr nimmt mich auf. Psalm 27, 10. Ist je ein betrübter Stand, so ist es der Stand der Waisen, wenn Kinder, von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen oder sich aufhalten müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen die von Vater und Mutter verlassenen Kinder denken, daß sie, ob sie gleich keine Eltern auf Erden, doch einen reichen Vater im Himmel haben, welcher ihr Vater in der heiligen Taufe geworden ist. Dieser himmlische Vater stirbt nicht; er ist reich; er hat Alles, was wir bedürfen; er ist mächtig, er kann Alles geben; er ist ein weiser Gott, der Alles wunderbar und herrlich auszuführen weiß. Es sollen 2) fromme Waisen denken, daß Gott oft mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja, ſie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Erempel solcher uns vor Augen gestellt hat, die mit fröhlichem Munde wie Jakob sagen: Ich hatte nichts als diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Haus nahm ich den Wanderstab, die Armuth und mein Leben, d'rum Alles, was ich jetzo hab', das hat mir Gott gegeben. Es sollen aber auch 3) Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in allem ihrem Thun aufrichtig seyn; besonders aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch thun wider Gottes Gebote. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie immerdar doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte in der Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ach du gnädiger, barmherziger Gott und Vater! ich armes, verlassenes Kind werfe mich allhier vor deinem erhabenen Throne nieder, und bitte dich in Demuth und von Herzen, nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Rathschlusse gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflege zu berauben; ach! wo soll ich nun hin? Ich bin ein Waise geworden, ich habe keinen Vater mehr; wer will sich jetzt meiner annehmen? Deßwegen, liebreicher Gott und Vater! komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich meiner, auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Siehe, mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber, ach HErr HErr! nimm du mich auf. Ach mein Gott! du gibst Speise den Vögeln, die auf freiem Felde fliegen; du kleidest die Blumen, du versorgest das Wild im Walde; ach! so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, und dich meiner erbar= men, und mir gnädig seyn; mein Auge sehnt sich nach dir; ich bebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Erempel solcher Kinder stehen mir vor Augen, welchen du Vater und Mutter hast lassen sterben, welche du aber dennoch herrlich geführt, versorgt und ernährt hast. Ach Gott! der du Moses aus dem Wasser gezogen haft, ach! schaue auch auf mich, da die Wellen der 173 do Zweiter Then. Für Betrübte. In Trübfal fast über mir zusammenschlagen. Ach HErr Jesu! der du der Kinder dich treulich angenommen und sie gesegnet hast, ach! segne mich auch, nimm mich in die Arme der Barmherzigkeit, trage mich und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werther heiliger Geist! der du die Glaubigen führest wie die Jugend, ach! führe mich auch. Weise mir, HErr! deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach, du dreieiniger Gott! sei mein Erhalter, der mich schüßt, mein Helfer, der mir beisteht, mein Geleitsmann, wenn ich aus- oder einreise. Ach! gib mir gute Freunde, bei denen ich ein- oder ausgehen darf; erwecke mir Gönner und Wohlthäter, die sich meines Elendes erbarmen; laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllt seyn; thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade; bewahre sie vor Unglück, und vergilt ihnen mit zeitlichem, geistlichem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir thun. Gib mir ein demüthiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bosheit und sündliche Unarten mich der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, damit ich nicht aus Armuth dich verläugnen und vom Glauben abfallen möge: sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zu nehme. Laß deinen guten Geist mich allezeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführt werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unteuschheit gerathen, und behüte mich vor verkehrtem Herzen. O du gnädiger Gott und Vater! schrecke mich ab von den gottlosen Wegen; warne mich, wenn ich fündigen will; erinnere mich, wenn ich mich des Bösen gelüsten lassen will; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach 174 Verlassene Waisen flagen Gott ihre Noth. bin; mache mich gesund, wenn ich krank bin. O treuer Gott und Vater! ich ergebe mich dir ganz und gar, ach! laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen seyn. Owie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohl thust! Meine Zunge soll sagen: das hat Gott gethan; Gott hat mich gesegnet, erhalten, begleitet, geführt, versorget; ja, ich will Jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen en mich erwiesen hast. Ach HErr, HErr! höre das Gebet des verlassenen Waisen, höre die Stimme deines Kindes. Du bist mein Vater in der heiligen Taufe geworden; in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt gelegt; ach! du bist ein reicher und unsterblicher Vater, ein weiser und liebreicher Vater, ach! darum sei deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen, und willst mir helfen, ach HErr! so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preis sagen kann: der HErr hat Großes an mir gethan, dessen bin ich fröhlich, denn a of sdunlo me din 3d weicher 175 Am un ml af Pour dunly emrag Auf Erden weiß ich keinen Trost. Gesangve 20 di Weil du mein Gott und Vater bist, dochompils] Dein Kind wirst du vergessen nicht, wie mis kor Dit väterliches Herz! hindged Ich bin ein armer Erdenklos, ili monis om G dundsid ni wedlug Mel.: D Gott, du frommer Gott 2c. 1. 3hr Waisen weinet nicht, Wie wollt ihr euch nicht fassen? Verlasset euch auf Gott, Der wird euch nicht verlassen; Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Noth. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesammt Beschützen, kleiden, speisen, puudisiell suis use Amen. duble urg bidra 898 monis diurednik Dem übergebet euch, td of die Der nimmt sich eurer an, orlan 10 and Seht, Gott ist euer Schutz is Und euer Helfersmann. Ⓒmi nd 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon versorgen, Er fennet eure Noth, di Die ist ihm unverborgen; Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrath ist sehr klein, en So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger seyn. die 176 te Zwetter Theil. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja verheißen, Daß er Verlassene Aus Trübsal wolle reißen; Das gehet euch auch an, Ihr werdet bald es sehen, Das Wort wird auch an euch Noch in Erfüllung gehen. Für Betrübte. 5. Ja, glaubet, bleibet fromm, Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheiß'nen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, und So blüthet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. . Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. 7648 smite sid aspilied and ui Aufmunterung. eodmi asnied Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Jef. 42, 3. 5Err! stärke uns den Glauben. Lut. 17, 5. Ist etwas, das eine glaubige Seele schrecken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer lebendiger Glaube sei; daher entsteht denn der Zweifel, ob sie auch werde selig werden. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost: 1) daß ein im Namen Jesu auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube so wohl ein wahrer und seligmachender Glaube sei als der starke; ein kleines Kind ist ja so wohl ein Mensch als ein starker großer Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung des heiligen Geistes ist; ein Gottloser begehrt nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreift Jesum, sein heiliges Verdienst und seine Wunden, wie der starke; wenn man einem Kinde und einem starken Manne jedem einen Goldgulden in die Hand gibt, so hat einer so viel als der andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen, weil er ja kein Licht bei Nacht auslöschen kann. 5) Obgleich die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und ein Fünklein unter der Asche da ist, wenn man es schon nicht sieht. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß gegen die Sünde, daher auch Früchte des Glaubens entstehen, Gal. 5, 22.: Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängstete Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. Wo biese sich aber an einem Menschen findet, da ist der Glaube und heilige Geist, denn es sind Früchte nicht des Fleisches, Gal Klage über die Schwachheit des Glaubens. 177 5, 19., sondern des Glaubens und des heiligen Geistes; denn der Glaube und heilige Geist sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesen der heiligen Schrift, Geduld, auf Gott harren, stärkt den Glauben. 8) Der Glaube ist eine Gabe Gottes; Gott wird aber nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben hat. 9) Christus ist auch für die Schwachglaubigen gestorben, und betet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so ist's doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt.1 din 1973 dun strid Lune Gebet. lide nilind mind of Ach du gnadenreicher Gott! ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig mache, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen könne; weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wollte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geiste das Licht des wahren Glaubens an, wodurch ich dich als den einigen wahren Gott recht erkennen möge, wie du dich in deinem Worte geoffenbaret hast, und daß ich deinem geoffenbarten Worte von Herzen glauben und deine Verheißung von deiner Gnade und der Vergebung der Sünde, die mir durch Jesum erworben, mit festem Vertrauen und Zuversicht annehmen möge. Denn mich dünkt zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren; dieses klage ich dir, mein Gott! darum, weil ich weiß, daß alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach! so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirft du nicht zerbrechen, noch das glimmende Töchtlein auslöschen. Mein Gott! schreibe den Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger Gott! nämlich an dich, o himmlischer Vater! als un 178 89 Zweiter Theil. Für Betrübte.gol sern Schöpfer; an dich, o Jesu! als unsern einigen Erlöser und Seligmacher; an dich, v heiliger Geist! als unsern Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle, und auch selig mache. Gib mir auch die Empfindungen des Glaubens durch eine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch kräftigen Trost und freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es so dein heiliger Wille ist. Ach mein Jesu! bitte auch für mich, wie du für Petrus gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; versiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen; daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werther heiliger Geist! wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens, tröste mich, heilige mich, regiere mich, ja, wohne in mir, und gib Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Gelobt sei dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abscheu finde, Sünde zu thun, daß ich dagegen seufze, und mit Gebet kämpfe: hingegen ein herzliches Verlangen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, woraus ich sehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und erhalte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer und empfindlicher; wirst du dieses mir, o dreieiniger Gott! verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrieden seyn. shi mein Gott! vor den ich trete te med mednot friar lait Jetzt in meiner großen Noth, thoutb] monism nisht i Höre, wie ich sehnlich bete, momsrdre; thin nd nism ni farlaß mich werden nicht zu Spott; blaun o do Mach' zu nicht des Teufels Werk, mis and d Meinen schwachen Glauben stärk', todmün Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. ( old n bilmon 1100 m mis and di 19pini9i914 smi in rot 1965 sidiris it is stia& Eine fernere Klage über Anfechtung.gildi 1901 Amigur fi 081 ustunds Der Betrübte klagt über fündliche und gotteslästerThus( 01 njol dan liche Gedanken.dno noffel metlodda dis? mandeg nem t mellor sit upp molas schlof cho chit off lisat.ni Aufmunterunt 9. madisl ogrom Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schläget; dafür ich dreimal dem HErrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: si laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2 Ror. 12, 7-9. mladjad 19d mapour chun tio Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes; aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen über fündliche, wüste und gotteslästerliche Gedauken klagen. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) geistliche Anfechtungen: Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, nach dessen Willen wir dieses leiden müssen; ohne Gottes Willen kann nicht ein Härlein von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen solche Seelenangst widerfahren. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die garstigen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch, und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, dieses ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen, und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihrem Herzen aufsteigen. 4) Dieser Schrecken und diese Angst über die lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der Heilige Geist noch im Herzen wohne; wäre der Satan darin, wie die Angefochtenen meinen, so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche lästerliche Gedanken rechnet Gott der Seele nicht zu, weil sie gegen ihren Willen geschehen, und sie darüber seufzen, keinen Gefallen daran haben, und eine Angst empfinden, wenn sie kommen, und so ihnen widersprechen. 6) Anfechtung ist kein Kennzeichen des Zorns, sondern der Gnade Gottes; solche Seelen haben doch einen gnädigen Gott, wie an Hiob zu sehen ist. Gott ist nicht von ihnen gewichen, er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele steht im Leiden und nicht im Thun, wenn die bösen Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Feuerkugeln wirft; darum soll er nur seinen Mund zuhalten, und die garstigen Gedanken in Worte nicht aussprechen, auch nicht Unverständigen erzählen, damit er nicht Jemand ärgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt. Satan ist verdammt, ich bin erlöst: das garstige Wort ist nicht mein Wort, 180 Zweiter Theil. Für Betrübte. ich billige es nicht; weg aus meinem Herzen; ich bin Gottes; Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? 9) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesen des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern wenig, aber oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, sie wollen lieber auf Dornen gehen, am Leibe Schmerzen leiden, als solche Gedanken haben, ja, weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist's ja eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, Jesus, der heilige Geist, ja, die ganze heilige Dreieinigkeit noch im Herzen ist. 11) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an Gott gedenken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen, denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade, ja, sie beten durch ihr Weinen und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräftigsten. 12) Ob sie sich gleich vorstellen, sie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie thun, so nimmt es ihnen Gott nicht übel auf; er sieht ihren Willen und ihr Verlangen an; sie meinen, sie seien die Allerentferntesten von Gott, und sie sind ihm doch die Nächsten; sie meinen, fie seien die Bösesten, und sind doch die Treuesten; sie meinen, sie seien die Verstoßensten, und sie sind Gott die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Exempel, daß Gott folche Seelen verlassen habe, sondern er erfreut, erquickt und tröstet sie wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit austoben lassen muß, mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden, und endlich nachlassen; so haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Diese Anfechtung macht den Menschen demüthig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag, ja, diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Ünarten, Lauigkeit im Gebet und in Anhörung des göttlichen Worts reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nutzen? 15) Diese Gründe soll man, einen nach dem andern, betrachten, oder von Freunden Gottes sie weiter erklären lassen, und dabei leibliche Arznei gebrauchen, fleißig arbei ten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder auf's Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde, immer um sich haben, ausgenommen, wenn man beten will; mit den Anwesenden einen Gesang anzustimmen ist auch erbaulich; man lese auch fleißig das 8. Kapitel an die Römer, ferner den 27. und 88. Pfalm. Gebet. Ach du heiliger Gott! der du wohneft unter dem Lobe Israel, und welchen alle heiligen Engel und Klage über fündliche und gotteslästerliche Gedanken. 181 Auserwählten ohne Unterlaß loben und preisen, ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe durch die garstigen und lästerlichen Gedanken, welche in meinem Herzen so oft und fast täglich aufsteigen, so sehr verhindert werde. Du, allwissender Gott! weißst ja wohl, daß sie mich wie die feurigen Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängsten: aber du weißst auch, daß ich darüber erschrecke, bitterlich weine, wenn ich die feurigen Pfeile empfinden muß. Ach mein Gott! rechne mir doch nicht zu, was gegen meinen Willen geschieht; du siehest, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich darüber seufze, wie ich einen Abscheu dagegen habe und sie gerne aus dem Herzen vertreiben wollte. Ach HErr! laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, damit ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gerne trinken, den du mir, o lieber Vater! eingeschenkt haft. Laß es mir nicht einen Kelch des Zorns, sondern einen Kelch der Gnade seyn. Ach! sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O! wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein kommen will. Ach, verstoße mich deßwegen nicht, weil ich's nicht ändern kann, sondern ich muß das leiden; aber deine Rechte, du Allerhöchster! kann Alles ändern. Erquicke mich, du dreieiniger Gott! und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und deinen reichen Trost wieder empfinden, ja, gib mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, an den ich mich halte, und durch welchen ich mich aufrichte und mich ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach! so gib mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gib meinem Geist Zeugniß, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Nun, mein Gott! ich will auch diese Anfechtung gerne leiden, weil ich weiß, daß du ste 182 dzweiter Theil. Für Betrübte. sport mir nicht zu meinem Verderben, sondern zu meiner Erweckung in dem Guten, zu meiner Reinigung von Sünden, von bösen Unarten und weltlichen Gewohnheiten, und zur Heiligung meines Lebens zugeschickt haft; soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? kommt er doch von geliebten Händen! Dieses Feuer soll die bösen Lüste und den alten Menschen aus meinem Herzen ausbrennen, und es dir, o großer Gott! zu einem Tempel und Wohnung heiligen. Daher spreche ich mitten in meiner Angst: du bist doch mein Vater, mein Erretter, mein Helfer und treuer Beistand. Ach! sende deines heiligen Geistes Kraft in mein Herz, der mir kämpfen und überwinden helfe. Du hast gesagt: es sollen nicht zu Schanden werden, die auf dich harren. HErr! auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit, eilend hilf mir. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest; um deines Namens willen wolleft du mich leiten und führen. Du haft gesagt, deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach HErr, HErr! laß auch jezt dieses Licht mir aufgehen, damit ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach, mein Vater! laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnehmest; stärke mich; hilf mir; bewahre mein Herz mit einer Mauer; umgib es wie das Haus Hiob's, damit endlich die bösen Gedanken nicht mehr hineinkommen, ja, damit ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott! du wirst mich ja nicht über mein Vermögen versucht werden lassen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu seiner Zeit gar davon befreien wirst. dr mis dnu dnia nied bom slid Jesu, Du Quell aller Gnaden, o ud and der du Niemand von dir stößst, autoink Klage wegen lästerlicher Gedanken. der inted Der mit Schwachheit ist beladen, sdsur Sondern deine Jünger tröst't; thin him histo id Sollt ihr Glaube noch so klein op jo si jumbe ordt Als ein kleines Senfkorn seyn, ali nanism' nd InWoll'st du sie doch würdig schätzen, imoncher the thin of s'nis Große Berge zu versetzen, modist hi anar C imLaß mich Gnade vor dir finden. dion bi mad dulf bir Der ich bin voll Traurigkeit, s tim as' dil be Hilf du mir selbst überwinden, 13030 So oft ich muß in den Streit; Meinen Glauben stets erneu', 10.0 Deines Geistes Schwert verleih', id agail the I Damit ich den Feind kann schlagen, stodchod tiste id soll be mitor si Klage wegen lästerlicher Gedanken. si dism stilour Moltstull ndo sim n 1 nam thage 4. Es wird ein jedes Wort Im Herzen mir verkehret, Ja, man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret, e Ich höre and're Wort', Als ich im Herzen hab', Und diese große Qual a mid the Drückt mir das Herz gar ab. 5. Ach! schaue meine Noth: Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt g Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil: Gott wisse nichts von mir, Ich seie, o mein Gott! Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja! die Lästerung Mischt sich in alle Dinge, dull In Alles, was ich thu', A Ich lese, bete, finge; Was ich zu deiner Ehr' Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht' ich es Nur meines Unflaths voll. Hose in Jour 7 Alle Pfeile von mir jagen. Amen. nodis? mi adem boig nid he ogrombinsko Mel.:D Gott, du frommer Gott 2c. ( 62 dull 1. Ich klage dir, o Gott! Mit Hochbetrübter Seelen Der scharfen Pfeile Sturm, Die mich entsetzlich quälen; Ach! böse Lästerung, 790.0 Gedanken wider dichronism Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach! wo doch soll ich hin, Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht; Ach Gott! dir will ich's flagen, Du kennst des Herzens Grund, Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach! wär' ich doch, mein Gott Der Pfeile überhoben; in Ich quäl' und mart're mich, Wenn sie so grausam toben; Ach! wenn mein Herze nur An dich, mein Gott! gedenkt, So wird's im Augenblick i In Lästerung versenkt.i 183 Zweiter Theil. Für Betrübte. 184 8. Mein Gott! dir ist bekannt, 7. Ich kann der Lästerwort' Sogleich mich nicht entschlagen, Wie heftig ich mich wehre, Ich muß sie oft gar lang Wie ich mich bald zu dir, Ohn' meinen Willen tragen; Bald zum Gebet hinkehre; Ach! rechne mir nicht zu Ich schreie tausendmal: Das, was ich leiden muß, Mein Gott! ich mein's so nicht, Und dem ich widersprech', Ich sage nicht, was mir Ich leid' es mit Verdruß. Die Lästerung vorspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. 3ch liege hier vor dir Mit hochbetrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott! Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind' In mir ohn' Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Aug' von Thränen naß. 2. Ach Gott! ich leide dieß Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst Zu seiner Zeit schon stillen, Ach! ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigenthum; n Du bist mein Gott und HErr, Mein Freund, mein Trost und Ruhm. 3. Ach! die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie reinigt Seel' und Geist, Und bringt uns keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd' und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott, Und wehrt der Sicherheit. 4. Gefället es denn dir, Mein Herze rein zu machen Durch ein so scharfes Feu'r, So fast aus Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib' ich doch bei dir, 502 Ach! stehe mir nur bei, Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja! ich merke wohl, Ich bin viel mehr im Leiden, 3ch treibe nicht das Werk, Das ich gern wollte meiden; Ich schlöße gerne zu Des matten Herzens Haus, Und trieb' die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der noch jetzt In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind' Ja, der vielmehr anhält, Wird er schon nicht geſtillet, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh', der versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. - - 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu', Vor dich, o Gott! zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dieß mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig's Beten ſei. 8. Ach Gott! die Noth ist groß, Doch, ohn' dir vorzuschreiben, Die Zeit und Hülfestund, So will ich gerne bleiben Gebet gegen lästerliche Gedanken. In diesem Kampf und Sturm; Mein Vater, der mich liebt Gib mir nur Kraft dazu, Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh. Mein Helfer in der Noth. 12. Und weil du Niemand In Anfechtung verlassen, So will ich deine Gnad' Mit frohem Muth umfassen, Ach! sende mir doch bald Die rechte Hülfezeit, Da sich in Trost und Freud' Verkehrt die Traurigkeit. 12 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mein schonen, So willst du doch, o Gott! In den Betrübten wohnen; Ach! wohne auch in mir, Und rufe mir auch zu: Sieh' da, ich bin bei dir, O Hochbetrübter du. 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund! aufhören, Ach! laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören; Zeig' mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht, he Und nach der Finsterniß dull Ein herrlich Freudenlicht. 13. Sieh' an die Jammerklag', Die Thränen meiner Wangen, Ich schrei' dir immer nach, Bis ich werd' Hülf' erlangen, Und schweigest du gleich still, So schrei' ich doch zu dir, en Und sprechy' ohn' Unterlaß: Mein Gott, ach! hilf doch mir. 14. Mein Gott! erbarme dich, Sieh' an mein bitt'res Weinen, Ach! laß dein Gnadenlichte In meiner Seele scheinen, Ach Gott! erquicke mich, d und gib mir Freudigkeit, Ach! gib mir Trost und Sieg Du seist mein HErr und Gott, Nach diesem Kampf und Streit. 11. Ach! großer starker Gott, Ach! stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie Denfelben könne rauben, Versichere du mich, si Trost gegen lästerliche Gedanken. 1 Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. Wovor es Abschen hat; Gott fennet meinen Sinn, Daß ich hier nicht im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufze immerdar Mit Hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, In's Herze kommt sie nicht; Dawider streite ich, Daß mir der Schweiß ausbricht. 13 1. Weicht, weichet nur von mir, Ihr sündlichen Gedanken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanken, Ich achte eurer nicht Und eurer Lästerung, Ihr dienet mir vielmehr Zur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschiehet, Ja, was mein Will' nicht ist, Und was mein Herze fliehet, Start, Handbuch. Zweiter Theil. Für Betrübte. 186 4. So lang durch Gottes Kraft Ich nur noch widerspreche, Und alle Lasterspiel' Durch seinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein Jesus ist doch mein,/ In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühl' ich öfter noch, Wie Satans Engel schläget, Und giftig diese Wort' Mir an mein Herze leget; Doch was kann ich dafür, Daß ich geschlagen werd', Wenn ohne Schläg' zu seyn Das matte Herz begehrt? 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit Mich schon davon befreien; Weil ich vor'm Lästerwort Hab' Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir Gott die Huld Auf meine Buß' und Reu'. 7. Ja, tobet immerhin, Ihr lästerlichen Worte, Ja, tobet, wie ihr wollt, d In mir an jedem Orte: Gott ist dennoch mein Freund, Ich achte eurer nicht, Mein Jesus ist mein Trost Und meiner Seele Licht. 8. Ihr habet mich von ihm Bisher noch nie vertrieben, Ihr könnet es auch nicht, Ich will ihn ewig lieben, Und weil's mein Will' nicht ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib' ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja! ich werde schon Auch einst noch überwinden, Ich werde Ruh' und Trost In Jesu Wunden finden, Ich seh' den Himmel schon Mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. t rammi todos of illuar di star dai shk mij no tim n dauer niet bonnes all bin win the b i sube niste abil slay amist n sudi nae him lnded 102 8 id in hum to isanol C ilin ni mism that onl ( dist uns midi Jo dishes menisme sool LE HE noch hamid, and the in due noting storation polo A scherainsolur dan be adhordrog flot memb] thin im liste asd doch) v is bod fi anpe nisite thong thi nil mi ne tyy sind somist m bon di dit spor2, d isgöl- hi logn min sitt hot spid pintig dull Ispol agradation is site illed chied out ho( 2 hogokbing thi mando ust Strdapat pad oor Go mong doutrinas om 139 03 din nit drio dall nenmed anded noci bism fro Vog doub moding ridzu hi si dud sid noo sim thshi su entorn de Seele. Had Der Herr erlanger m 251 F Jerse Jesus 3 ruill dich mat verlasſen nads ar Am Krauieubette steht dein Jesus, dich zu trösten; Das glaube, wenn die Neth dir scheint am allergrößten. ( Matth. 8, 14. 15.) समाजा Je 601 Drifter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für Kranke. Morgengebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich will zu Gott rufen und der HErr wird mir helfen; des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören. Psalm 55, 17. 18. Obgleich Gott einen Menschen krank werden läßt, so soll er darum das Gebet nicht einstellen, sondern desto eifriger beten; ja, je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie Christus, nach Lukas Zeugniß, that, K. 22, 44.: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat mun Gott Jemand auf das Krankenbett niedergelegt, so soll er bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott erheben, und ihn für den in der vergangenen Nacht geleisteten Schutz preisen. Ist die Nacht traurig und unruhig für ihn gewesen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Nacht ruhig und erträglich gewesen, so soll er Gott dafür danken. 2) Hat er so sein Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er nun sein Gebet vor Gott bringen, und sich den Tag über in seinen Schutz und in seine Obhut empfehlen, fleißig an Gott gedenken, geduldig leiden, was er ihm zuschickt. 3) Er soll sich dabei erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn da lehren und unterrichten wolle. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen kein fleißiger Kirchengänger oder andächtiger Beter gewesen; dieſen Fehler will ihm Gott vorstellen, damit er nun desto andächtiger beten lerne, und sehe, wie es ihm an Trost und Erbauung mangle, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Worts gewesen, so will ihm Gott durch die Krankheit Anweisung geben, wie er nun das in Uebung bringen soll, was er von der Geduld, dem Vertrauen auf Gott, von der Gelassenheit, Ergebung in den Willen Gottes gehört hat. Gebet. O du heilige Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! ich komme jetzt, da nun der Tag ange Dritter Theil. Für Kranke. brochen ist, vor deinen allerheiligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag wieder haft erleben lassen. Du weißest, HErr! wie ich diese Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe; doch aber kann ich nicht genug deine Güte dafür preisen, daß du mich das Licht der Sonne wieder sehen und alle Schmerzen und Ungemach glücklich haft vorübergehen laffen. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine Liebe; o du starker Gott! ich danke dir für deinen Schuß und Beistand; dein Auge hat mich in dieser Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedeckt, deine Gnade hat mich erhalten. O mein Gott! die Sonne geht wieder auf, ach! laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen; gib mir mit diesem Tag neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, um mein Leiden willig zu tragen. HErr, mein Gott! es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen, woblan! ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt; vielleicht willst du mich dadurch von meinen gewohnten Sünden und unordentlicher Arbeit in die Stille führen, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögest, wie ich für meine Seele sorgen soll. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, dich geehrt, dir gehorcht habe, damit ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme, und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache, und so mit Furcht und Zittern schaffe, selig zu werden. Gib, daß ich, o Jesu! den ganzen Tag über mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, dein Blut und deinen Tod gedenken und das wahre Heil und das ewige Wohlseyn meiner Seele betrachten möge. Gib mir einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vaterliebe mich versichere, deine Gnade mir versiegle, und deiner baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor allen Zufällen, vor Morgengebet eines Kranken. 189 neuen Schmerzen, betrübten Stunden und vor allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit; willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden empfinden lassen, so bleibe nur bei mir, und weiche nicht von mir. Hilf mir diesen Tag glücklich und selig vollenden, und Alles mit Gelassenheit und stillem Muth annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten, und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen, und deine Barmherzigkeit herrlich über Alles preisen, was du an mir gethan haft. Meinen Leib und meine Seele Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott! ich dir befehle Unter deine starke Hand. HErr! mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende, Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Führe nach dem Himmel zu. Amen. Gesang. Mel.: Fren' dich sehr, o meine Seele xc. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh' ich jetzt die Sonne scheinen, Welche Alles fröhlich macht: Darnm fang' ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, DiesenTag mit Beten, Singen, Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt frank befinde, HErr! das ist dein Will' und Rath, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat; Nun ich nehm' es gern auf mich, Ja, ich trag' es williglich: Was du pflegeft aufzulegen, 3st nicht ohne Gnad' und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad' erhält; Laß mich auch das End' erlangen, Wenn es dir, mein Gott! gefällt; 190 Dritter Theil. Für Krante. Lind're du mir Schmerz und Noth, Ach, mein Vater, HErr und Gott! Jesu, meiner Seele Sonne! Schenke mir heut' Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will' geschehen, HErr! dein Wille mur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden seyn: Ich will leben, wenn's dein Will'; Auch im Leiden halt' ich still, Ich will mich zum Tod und Leben Dir hiemit, mein Gott! ergeben. 5. Segne selbst mir die Arzneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß dieselben mir gedeihen, HErr! zu deines Namens Ehr'! Hör in Gnaden mein Gebet, Wenn ich glaubig vor dich tret', Daß ich dich im Glauben faffe, Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß mir's besser wieder werd'; Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd'; HErr! das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir, Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. Abendgebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott; zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den HErrn; meine Hand ist des Nachts ausgestrecket, und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; wenn mein Herz in lengsten ist, so rede ich. Psalm 77, 2-4. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tag als bei Nacht begegnen können: so soll er ja niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes anbefohlen. Besonders soll dieses ein Kranker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag hindurch geholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arznei gesegnet, hat er das Leiden den Tag über erträglich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen; dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott verfündigt hat. Kommt nun die Nacht herbei, vor der sich Kranke besonders zu fürchten pflegen, so soll er 2) wieder mit Gebet fich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle das Unglück, alle gefährlichen Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich so mit Leib und Seele Gott anbefohlen, so zweifle er nicht: 3) der dreieinige Gott werde auch bei Nacht sein Licht und seine Lebenskraft seyn, er werde an ſeinem Bette stehen, seiner pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes Abendgebet eines Kranken. 191 und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig seyn. Sollte ihm auch in der Nacht das Todesstündlein bestimmt seyn, so wird der dreieinige Gott alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen, und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel begleiten lassen. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe, seinem Schutz und seiner Gnade übergeben. Gebet. Ach du barmherziger Gott! ich habe nun wieder einen Tag überlebt; HErr, HErr! du haft nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Besonders preise ich deinen Namen, daß du an diesem Tage meine Schmerzen und meine Krankheit mir hast tragen helfen. Ach HErr! du legst eine Last auf, aber du hilfft auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft; und den HErrn HErrn, der vom Tode errettet. Der HErr betrübet wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der HErr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Erhört das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott! die Nacht bricht herein, und es will Abend werden, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet, und spreche: Mein Vater, ach! bleibe bei mir, und weiche in dieser Nacht nicht von mir. Ja, befiehl dem Engel, daß er komm', und uns bewach', dein Eigenthum; gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Nuh', so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns seyn! o heilige Dreieinigkeit! wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht alle gefährlichen und plötzlichen Zufälle von mir, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach, himmlischer Vater! bleibe doch bei deinem franken Kinde; wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? 192 Dritter Theil. Für Krante. Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu! die Sonne gehet unter, und weichet von uns; aber du, o Sonne der Gerechtigkeit! weiche nicht von mir. O mein Jesu! fasse mich diese Nacht in deine Arme! deine Linke liege unter meinem Haupte, und deine Rechte decke mich. Gib, daß ich mit dir einschlafe, und im Schlafe an deinem vergossenen Blute mich ergöße, daß ich mich deiner Wunden erfreue, und darin Troft, Vergebung der Sünden, und Erquickung für meine Seele finde. O du werther heiliger Geist! es geht Jedermann von mir, außer Wenigen; aber ach! du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stärke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und in christlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit! nimm mich auf in deinen Schutz. Der HErr segne mich, und behüte mich! Der HErr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden; und Sollt' diese Nacht die letzte seyn In diesem Jammerthal, So nimm mich, HErr' in Himmel ein Zu deinem Freudensaal. Und also leb' und sterb' ich dir, Du starker Zebaoth! Im Tod und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Noth. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich will mich nach der Ruh' umsehen, Weil mich die Krank heit müd' gemacht; Ich will mit Jesu schlafen gehen, Der selber bei dem Kranken wacht, Ich denk' dabei an meinen Gott, Und auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf' ich aller Sorgen los, Und ruhe sanft in seinem Schoos. 3. Wenn ich mich deck', denk' ich, die Erde Wird einst auch so bedecken mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab' ich, o Jesu! dich, So ruh' ich wohl in meinem Bett, Und auch wohl in der Grabesstätt'. Bitte um Geduld. G 4. Ich denke, wie das Licht verschwindet, Und dann nichts ist als Nacht zu sehn, So wird auch, wenn mein Lauf sich endet, Mein Lebenslicht geschwind ausgehn; Doch Jesus, meiner Seele Licht, Verlischt in meinem Herzen nicht. 193 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einst auch aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide, Und gehe in des Grabes Haus: Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. Tbpns na dion 101 CL 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich möge Ruh' genießen, Und mich kein frecher Feind berühr': So schließt mein' Augen zu der Ruh' Mein liebster Jesus selber zu. 7. Ich werd' auch aus dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröth' anbricht, Ich werde aus dem Grabe gehen, Wenn Jesus, meiner Seele Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit, Und führet mich zur Himmelsfreud'. 8. Dieß sind die seligen Gedanken, Sieh', damit schlaf' ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von Jesu wanken, Ich will im Schlaf' auch bei ihm seyn; O süßer Schlaf! o helle Nacht! Da Jesus in dem Herzen wacht. Der Kranke bittet Gott um Geduld. Aufmunterung. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Psalm 43, 5. Geduld ist euch nöthig, damit ihr den Willen Gottes vollbringet: und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig und gelassen seyn. Zur Geduld aber soll einen Kranken bewegen 1) Christi Erempel, welcher in den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern wie ein Lamm war; wenn wir denn ihm in der Herrlichkeit gleich werden wollen, so wollen wir auch, wie er, geduldig leiden. 2) Der Kranke soll denken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei; denn, kann kein Sperling auf die Erde, ja, kein Haar von unsrem Haupte fallen ohne Gottes Willen, wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit aufgelegt werden ohne Gott. Zur Geduld soll ihn 3) die göttliche Liebe und Allmacht bewegen; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen; wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden 194 Dritter Theil. Für Kranke. viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte; darum soll er anstatt der Ungeduld vielmehr in wahrer Buße und im Glauben sich vor Gott demüthigen, und ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke gedenken: Ungeduld macht das Kreuz nicht leichter, sondern schwerer, ja, Gott hat verheißen, er wolle unser Kreuz tragen helfen, das er uns aufgelegt; aber die Ungeduld zu tragen, hat er uns nicht verheißen, weil sie nicht von ihm, sondern von uns kommt. Gebet. Barmherziger Gott! gnädiger Vater! siehe, ich armer Mensch liege hier auf meinem Krankenbette, und kann nicht bestehen, aber zu dir komme ich, und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach! es hat dir gefallen, mit diesem Leiden mich väterlich zu belegen, und anstatt der bisher genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken. Nun, mein Gott und Vater! es geschebe dein Wille; gib mir nur Geduld, daß ich Alles ohne Murren und ohne Widersprechen tragen möge. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollt' ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott, und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich so manches Gute von dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft erquickt und erfreut: so will ich auch diese Krankheit und Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen, und mich in Demuth erinnern, wie viele gute und gesunde Stunden ich in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie nichts und wenig zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott! daß du liebreich und gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht über euer Vermögen versuchen läßt, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr's ertragen könnet. Mein Gott! du weißt auch wohl mein Vermögen und meine Schwachheit, du wirst mein Leiden nach meinen Kräften schon 3 Bitte um Geduld. einrichten. Siebe dein schwaches und krankes Kind an, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinest, weil das Leiden mir zu meiner Heiligung dienen soll. Mein Gott! hier bin ich, mach's mit mir, wie du willst, gib mir deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß diese Krankheit ein Feuer seyn soll, welches meine Unreinigkeit, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen und mich reinigen soll; wie es eine Bußglocke seyn soll, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, und dieselben herzlich zu bereuen; eine Betglocke, damit ich um Jesu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Uebertretungen suche; ja, eine Stimme, die mir zurufe: bestelle dein Haus; gedenke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit. Wohlan! so mache mich fertig und bereit, wie du mich dort in der Ewigkeit haben willst, denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Darum sei stille, meine Seele, was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Was willst du dich betrüben, meine liebe Seel'! Du sollst Den einzig lieben, Der heißt Immanuel; Vertraue ihm allein, Er wird gut Alles machen, Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird selig seyn. Denn Gott verlässet Keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Amen. 195 Gefang. Mel.: Zion flagt mit Angst und Schmerzen zc. Seele. Ach! wie lang soll ich noch kämpfen? Ach! wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach! wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage 196 Dritter Theil. Für Kranke. davon Kron und Sieg? Ach! ich werde unterliegen! Ach! ich werde doch nicht siegen.dist Gott. Kämpfe nur getrost, o Seele! Kämpfe, ich will bei dir seyn; Fürchte nicht, daß dir es fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir; Du sollst meine Hülf' empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. Aber ach! es währt zu lange; Meine Kräfte sind dahin; Ach! es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzenschwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten; Ach! wer will mich doch erretten. Gott. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht; Nun wohlan! ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen, Und mit nichten unterliegen. Seele. Ach! mein Leiden, das ich trage, 3st sehr groß und fast zu schwer, Meine Trübsal, Angst und Plage Häufet sich je mehr und mehr, Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen? Ach! das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. Sei getroft in deinem Glauben, Dessen Docht erlöschet nicht, Kein Feind soll denselben rauben, Denk' nicht, daß das Rohr zerbricht, Wäre es auch noch so schwach; Sieh', ich führe deine Sachy', Ich will deinen Feind vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. O mein Gott! in deiner Stärke Hab' ich einen guten Muth, Ich kenn' deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wohlan! so steh' mir bei, Daß ich überzeuget sei, Daß du werdest mich erretten, Und auf meine Seite treten. Gott. Sieh' die Kron' ist aufgestecket, Eil', vollende deinen Lauf, Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh' der Himmel geht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud' In der frohen Ewigkeit, Weiße Kleider, Licht und Krone Sind dem treuen Kampf zum Lohne. Seele. Nunmehr hab' ich überwunden Alle Noth mit meinem Gott. Gott. Undich bleib' mit dir verbunden In und nach der Todesnoth. Seele. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? Gott. Inden Himmel zu der Wonne, Wo ich selber bin die Sonne. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Siehe, Gott stehet mir bei, der HErr erhält meine Seele. Psalm 54, 6. In Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand zu haben, ist ein gar großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Bitte um Gottes Beistand. 197 Beistand hat, der zu ihm spreche: wie geht dir's? so wissen wir dochy gewiß, daß Gott aller Elenden Beistand seyn wird. Denn 1) hat Gott allen seinen Kindern Hülfe und Gnade verheißen, darum soll ein Kranker nicht verzagen, wenn er sieht, daß ihn Jedermann verläßt, Niemand sich seiner annimmt, und er soll fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen, und werde zu rechter Zeit ihm Hülfe und Rettung leisten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, mit denen er sich helfen kann, und will doch nicht anschlagen, so soll er deßwegen nicht kleinmüthig werden, oder an der göttlichen Verheißung zweifeln, sondern gewiß seyn, Gott werde in allen betrübten Trauerstunden mit seinem Beistand nahe bei ihm seyn. 3) Dieser Beistand wird wahrgenommen entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte gibt, auch das schwerste Leiden zu ertragen. Ja, Gott ist getreu, er ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernt. Gebet. Odu getreuer Gott! du siebest, wie ich jetzt in einem elenden und betrübten Zustande mich befinde; meine Kräfte nehmen ab, meine Gestalt verschwindet, und des Kreuzes Last drückt mich immer heftiger nieder. HErr, HErr, Gott! der du mein Flehen hörest, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht; ich halte dir deine Verheißung vor, in der du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, und erhalte dich, und helfe dir aus durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wieder: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun, mein Gott! auf dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nöthig; ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibst und mir tragen hilfft; die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Staub geschaffen bin; ach! wie bald ist diese irdische Hülle meines Lebens gebrochen, wie bald versinke ich, wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ist's um mich gethan. 198 Dritter Theil. Für Krante. wenn du durch deine Vaterhand mich nicht hältst, und nach deiner Barmherzigkeit und gnädigen Verheißung mir nicht beistehest. Dein Beistand ist mir sehr tröstlich, denn bist du, mein Gott! bei mir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn einige Freunde sowohl bei Tag um mich stehen, als auch bei Nacht bei mir wachen, o wie viel tröstlicher ist's mir, wenn du, mein Gott! bei mir bist. Menschen können mich wohl bedauern und beklagen, aber wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern, und meine Angst stillen. O darum verlaß mich nicht, und wende die Hand nicht von mir ab, Gott mein Heil! Weicht eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott! auch nicht von mir weichen; laß mich deine gnädige Gegenwart durch eine innere Freude und inniges Vergnügen, durch einen kräftigen Trostspruch und süßen Gedanken empfinden, und tröſste mich so in meinem Leiden, wie einen seine Mutter tröstet. Ach, mein Gott! stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Herzlich lieb hab' ich dich, o HErr! Ich bitt', du wollest seyn von mir nicht fern, Mit deiner Hülf' und Gnade; Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd' und Himmel frag' ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein' Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. HErr Jesu Christ, mein Gott und HErr! In Schanden laß mich nimmermehr. Amen. Bitte um Gottes Beistand. Gesang. Mel: O Gott, bu frommer Gott zc.anish than 1. Mein Gott! verlaß mich nicht, So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd' errettet sehen; Ich kenn' dein Vaterherz; Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm Mit deiner Hülf' nicht weit. 2. Mein Gott! verlaß mich nicht, Ohn' dich bin ich verlassen, Und weiß auf dieser Erd' Sonst keinen Trost zu fassen, Ach! wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach! eile doch herbei, Du meine Zuversicht. 3. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen meinen Nöthen, Du wirst, mein Helfer! nicht Mich in denselben tödten. Die Noth ist jetzt sehr groß: Erbarmer! komm' herbei, Und mach' in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 199 4. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen, Ich schrei', mein Gott! zu dir Aus fast zerbroch'nem Herzen, Du weißt und siehest wohl, Wie weh mir heute ist, Und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott! verlaß mich nicht, Ach! hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater! doch Mich deine Hand empfinden; Erscheine mir, mein Heil! So rufet Herz und Mund; Wohl mir, daß nun erscheint Die frohe Hülfestund'. 6. Ich will für diese Gnad' Dich, weil ich lebe, preisen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Ruhm und Lobgesang, Und sagen Jedermann: Ach! preiset Gott mit mir, Der mir viel Gut's gethan. Der Kranke erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. Aufmunterung. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume, und fällt ab, fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. Hiob 14, 1. 2. Obgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, besonders wenn sie gesund sind, und wenn es ihnen wohl geht. Darum muß sie Gott bisweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches durch Krankheit geschieht; denn wenn er die Gesunden schwach, die schönen Rosen welt, die Starken durch Krankheit matt werden läßt, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deßwegen 1) alle Tage an ihre Sterb lichkeit denken, und sich derselben erinnern, wenn sie ihre Kleider Start, Handbuch. 14 Dritter Theil. Für Kranke. ablegen, und ihr Schlafgewand anlegen, und dabei in ihrem Herzen denken: so werde ich nach meinem Tode auch entkleidet, und mit einem Todtengewand umhüllt werden. 2) Läßt Gott aber einen Menschen krank werden, so soll man wieder sich seinen bevorstehenden Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meint, wenn man an den Tod gedenke, so sterbe man; denn man mag daran gedenken oder nicht, so kommt unser Ende, wann es Gott gefällt; wer sich aber zum seligen Tod bereitet hat, der stirbt desto feliger. 3) Es soll sich der Mensch auch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an seine verstorbenen Nachbarn, Vorfahren und Freunde gedenkt, und glauben, die Reihe werde ihn auch einmal treffen. Darum 4) selig ist, wer in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben Jesum Christum ergreift, und in einem christlichen und frommen Leben bis in den Tod verharret; der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um Jesu willen zur Seligkeit eingehen. Gebet. 200 Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen, und dadurch nicht allein mich von meinen Geschäften, von meinen Sünden und fündlichen Gewohnheiten abzufordern, sondern mich auch an meinen Tod, daß ich ein sterblicher Mensch sei, zu erinnern. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir; ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen, die doch so sicher leben! Mein Gott! wie Krankheiten Vorboten des Todes sind, erinnere ich mich wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde, und muß wieder zu Erde werden; darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schoos der Mutter an, die meinen Leib in demselben fanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht, deßwegen habe ich auch oft in gesunden Tagen gebetet: Ach HErr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich Alles: mein Hab und Gut, meine Ehre, mein Glück, und was ich in der Welt befize, verlaffen Betrachtung der Sterblichkeit. muß. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskias: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben, und nicht lebendig bleiben; so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende dente, daß ich mir vorstelle: siehe da, dieses ist vielleicht mein letztes Lager und mein letztes Jahr; diese Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebenstage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens zum seligen Sterben bereiten möge. Ja, stelle mir vor, mein Gott! daß ich deßwegen nicht sterben muß, wenn ich mich schon zum seligen Sterben schicke; sondern daß ich dadurch von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, mein Geist und meine Seele dir geheiligt werden; ja, daß du eben deßwegen mir die Krankheit zugeschickt habest, damit ich mich so prüfen, unter= suchen, bekehren, bereiten, der Welt absterben und in dir leben soll. Siehe, mein Gott! hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich vorher recht in der Zeit, damit ich, wenn ich sterbe, in deiner Gnade und selig sterben möge. Ich hab' mein Sach' Gott heimgestellt, Er mach's mit mir, wie's ihm gefällt, Soll ich allhier noch länger leben, Nicht widerstreben, Seinem Willen will ich mich ergeben. Mein' Zeit und Stund' ist, wann Gott will, Ich schreib' ihm nicht vor Maß noch Ziel; Es sind gezählt all' Härlein mein, Beid' groß und klein, Fällt keines ohn' den Willen sein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott ze. 1. Wie sind wir so gar nichts!| Der wird nur Gott allein, Wer dieses wird betrachten, Der Alles ist, hochachten; 14* 201 202 Dritter Theil. Denn wer sein lauter Nich Beleucht't in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demüthig also spricht: 2. Ich bin nichts, denn vonGott Empfieng ich Leib und Leben, Das hat er mir, und ich Nicht selber mir gegeben; Vorher noch war ich nichts, Bis seine Schöpfershand Mich schuf, denn da ward ich Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir, Denn nackt bin ich gekommen, Wie konnte aus dem Nichts Was werden mitgenommen? Von Gott kommt Alles her, Es ist auch Alles sein, Ich hab' nichts ohne Gott, Ohn' ihn ist gar nichts mein. 4.3ch weiß nichts von mir selbst; Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht, Und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht Und ohne Weisheit seyn. 5. Ich kann nichts von mir selbst! Von Gott hab' ich die Kräfte, Er gibt mir Muth und Stärk, Erhält die Lebenssäfte; Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören, sehn, Für Kranke. Trig' mich nicht seine Hand, So würd' ich bald vergehn. 6. So bin ich ja gar nichts, Doch das sollmichfromm machen; Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts verlachen, Die sich gar viel einbild't, Und auf ein Nichts verläßt, Und meinet, daß ihr Nichts Doch sei das Allerbest'. 7. Gott ist das Allerbest', Sein Alles soll vor Allen Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig wohl gefallen. Du einig Alles gib, Daß ich auch diesen Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas seyn, Das Gott dir nicht gegeben? Wer da will etwas seyn, Der wird zu nichts gemacht, Wer aber nichts will seyn, Der wird emporgebracht. 9. Fahr' hin, o Welt! fahr' hin, Dein Nichts kann nicht ergötzen, Wer dich für etwas hält, Weiß Nichtig's hoch zu schätzen; Mein Alles ist mein Gott, Dem leb' und sterbe ich, Und bin durch ihn beglückt Und ewig seliglich. Der Krante ergibt sich dem Willen Gottes, zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Und Jesus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete, und sprach: Mein Vater! ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Gottes Wille ist allezeit der beste: solches pflegen wir wohl zu Ergebung in den Willen Gottes. 203 sagen, aber, wenn man sich Gottes Willen einzig und allein unterwerfen, und das sich gefallen lassen soll, was unsrem Willen zuwider ist, so empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker, welchen Gott auf sein Krankenbett niedergelegt hat, soll demnach 1) denken, daß es so Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustand sich befinde; darum soll er sich vor Ungeduld hüten, denn sonst würde er anzeigen, daß er mit Gottes Willen nicht zufrieden sei. Er soll 2) auf das Exempel Jesu Christi aufsehen, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Solche Gelassenheit und Ergebung in Gottes Willen gefällt Gott wohl, und es ist ein Zeichen der Kinder Gottes. Ja, 3) wenn man beständig Gottes Willen widerstreben wollte, so würde es doch nichts helfen; hat Gott beschlossen, daß dieß Lager das letzte seyn soll, so wird man es durch Widerwillen nicht abwenden, sondern des HErrn Rath und Willen wird doch an uns erfüllt werden. Darum 4) ist dieses das Allerbeste, daß ein Kranker sage: siehe, HErr! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt; ich will länger leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. Gebet. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott; ich komme jetzt mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe, o liebster Gott! es ist dein heiliger Wille, daß ich frank liegen, und eine Zeitlang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren soll. Wohlan! es ist dein Wille, so soll es auch mein Wille seyn; gefällt es dir, mir soll es auch gefallen; dein Wille und mein Wille soll nur ein Wille seyn. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange Zeit gesund gewesen, nach deinem Willen will ich nun auch krank seyn, so lange du es meiner Seele für nützlich und selig erkennen wirst. Ja, mein Gott! wenn ich gegen deinen Willen gefund werden könnte, so wollte ich es doch nicht, sondern will lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Rathschluß vollbringen. Darum will ich in Dritter Theil. Für Kranke. diesem Zustande mit meinem Jesu sprechen: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Und wieder: Des HErrn Wille geschehe; soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich noch länger loben, ja, die Jahre, die du mir schenken und mich länger leben laffen wirft, die will ich zu deiner Ehre und in wahrer Frömmigkeit hinbringen. Gefällt es dir aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkommen, und daß ich an dieser Krankheit sterben soll, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hülle des Leibes einmal ablegen muß; aber ich weiß auch, daß du deinen Glaubigen einen Bau bereitet haft, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen, und die Herrlichkeit der Kinder Gottes zu genießen? Habe ich Ursache, um Verlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir beides hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelöst und bei Christo zu seyn, meinen Jesum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, als ich ihn noch nie gesehen hatte. Darum, mein Gott! ich überlasse dir Alles, du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der HErr thue mit mir, was ihm wohlgefällt. HErr, wie du willst, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben, Allein zu dir steht mein' Begier, Laß mich doch nicht verderben, Erhalt' mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst, gib mir Geduld, Dein Wille ist der beste. Amen. Gesang. 204 Mel.: O Gott, du frommer Gott 2. 1. Ich will, was Jesus will;| Mein Will' ist gar verkehrt, Das soll mein Wahlspruch werDen wiederhol' ich stets, So lang ich leb' auf Erden; [ den, Und trifft das Beste nicht, D'rum soll er nur allein Auf Jesum seyn gericht't. Ergebung in den Willer Gottes. 205 2. Ich will, was Jesus will; Wohlan! ich will es auch, bim Will er, daß ich soll leben, Wohlan! ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben; Ich bin in seiner Hand, Ihm leb' und sterbe ich, Er führ' und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leiden, Wohlan! ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden; Geht Jesus nur voran, So geh' ich gerne mit, Denn seine Gegenwart Versüßt die sauren Tritt'. 4. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll weinen, Wohlan! so will ich auch, Er wird schon laffen scheinen Die Sonne nach dem Leid, Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thränen ab, Und hilft zu rechter Zeit. 5. Ich will, was Jesus will; Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind' Und mir in's Antlitz schlagen, Er gebe mir nur Muth, Und sein Geist stärke mich, Wenn man mir Unrecht thut. 6. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich verlassen. Von Jedermann soll seyn, Ja, daß man mich soll hassen, Wohltan! ich will es auch: Verlässet er mich nicht, So acht' ich's nicht, daß mir Der Menschen Hülf' gebricht. 7. Ich will, was Jesus will; Soll frank dereinst ich werden, Wohlan! ich will es auch, d Ich bin ja Staub und Erden. Wie bald zerbricht ein Glas! Ihm ist ja Alles leicht, Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll sterben, Wohlan! ich will es auch, Durch ihn werd' ich ererben Das mir versproch'ne Reich; Ich geh' zur Erbschaft ein, Und bleib' im Vaterland, Wo ich soll ewig seyn. Der Kranke erkennt, daß Kreuz und Trübsal von Gott kommen. OUD Aufmunterung. Der HErr tödtet und machet lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. 1 Sam. 2, 6. Gott ist die Liebe. Er liebet die Menschen herzlich. Solche Liebesproben erfahren glaubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten Gottes; sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist aber Gott die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellt: 1) meine Trübsal kommt nicht von einem Feinde, der mich haßt, sondern von einem Gott her, der 206 Dritter Theil. Für Kranke. mich liebt; sie kommt von einem Vater her, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeit und in vielen Zufällen schon Hülfe erwiesen hat. Stehet dieses in der Seele fest, so fließt 2) ein herrlicher Trost daraus; der Vater meint es nicht übel mit seinem Kinde, der treue Menschenfreund hat auch in dem zugeschickten Leiden ein liebreiches Herz behalten. Hierauf soll sich 3) ein Kranker in Gott fassen, und fleißig zu Gott rufen und beten; er soll sein frankes Haupt in den Schoos Gottes niederlegen, mit Freuden und gutem Muth gen Himmel rufen, und gedenken: Der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all' mein Unglück enden. Besonders soll er 4) sich nicht in der Heftigkeit seiner Krankheit, in seinen großen Schmerzen und in der anscheinenden Gefahr irre machen lassen, denn hier steht wieder der Trost feste: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch; wir haben einen Gott, der da hilft, und den HErrn HErrn, der vom Tode errettet, Psalm 68, 20. 21. Gebet. HErr Gott! barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du Missethat, Uebertretung und Sünde vergibst, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern die Elenden ansiehest, und aufrichtest, die niedergeschlagenen Herzens sind, siehe, ich armer Mensch liege hier vor dir, und bitte: ach! schaue auf mich von deinem hohen Throne, und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und meine Trübsal von dir kommt; deine Hand schlägt, aber sie heilt auch; sie verwundet und verbindet: wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch wieder gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehenempfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller Blüthe, herrlich mit Blättern und Früchten geziert, die Sonne bestrahlt und er= Erkenntniß, daß Kreuz und Trübsal von Gott kommen. 207 wärmt fie: allein im Winter sehen sie todt und erstorben aus, sie müssen Sturm und Frost leiden, und dieses Alles kommt von dir, o Gott! O, darum will ich auch denken, daß dieses die Zeit meines Leidens und meiner Trübfal sei, die du mir zugedacht und bestimmt hast. Ja, wie du weißt, wo ein Stern steht, ob er hoch oder niedrig an dem großen Himmel steht, so weißt du auch, wie es jetzt um mich steht. Du weißt, wie schwer ich trage; dir ist bewußt, wie lange ich leide; dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte babe, dieses Alles zu bestehen. O darum, lieber Gott! lege auf, so viel du willst, nur gib mir Kraft und Stärke, daß ich's auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupte fallen, wie viel weniger kann ich denn krank werden; fällt kein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Ungemach und Krankheit unterworfen seyn, ja, går ohne deinen Rath und Willen sterben. Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Bater, so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater! doch mit Maßen, damit du mich nicht gar aufreibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgst du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten, laß dein Angesicht leuchten, so genese ich. Ich will gerne in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdient habe, denn sein Zorn währt einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben. Er wird sich über Zion erbarmen, und seinem Kinde gnädig seyn. Ohn' deinen Willen kann mir nichts begegnen, Du kannst verfluchen und auch wieder segnen; Bin ich dein Kind, Und dir verfühnt, Gib warmen Sonnenschein nach trübem Regen. 208 Dritter Thell. Für Krante. Ich weiß, es war noch nie des HErrn Begehren, u Daß ich mir sollt' vor Leid mein Herz beschweren; Mitten in Noth Denk' ich an Gott, Will er mich auch in Kreuz nicht gleich erhören. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gett 2c. 1. Ein Gotteskind zu seyn, Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl beisammen stehn, Es bleibet doch geschmücket Inwendig an der Seel', Mit Glaub' und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird droben Kronen tragen; Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden sagen; Du bleibst ein Gotteskind Auch mitten in der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt bei Gott. sir 3. Sieh', Jesus, Gottes Sohn, Trägt eine Dornenkrone, Und bleibt doch Gottes Sohn, Belegt mit bitt'rem Hohne, Und bleibt bei Gott geehrt, D'rum reimet sich's gar wohl, Zu seyn ein Gotteskind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib' deinem Gott getreu 3m Glauben und Vertrauen, So wirst du seine Hülf' Gar bald mit Freuden schauen; Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal seyn, Was schadt's, wenn's nur am End' 5. Dein Vater liebet dich, Geht in den Himmel ein. Die Augen machen naß Obschon die scharfen Ruthen Und auch das Herze bluten; Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht, Und in der größten Noth Zu seinem Vater flieht. 6. D'rum sei getrost in Gott, Die Stunde wird bald kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. Der Kranke erkennt den Nußen der Krankheit. Aufmunterung. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Joh. 11, 4. Daß Krankheiten großen Nutzen bringen, dieses will der natür liche Mensch nicht glauben; denn er spricht: es wird nicht allein der Leib abgemattet, schwach gemacht, und kommt in Todesgefahr, son dern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, die mit der Krankheit verknüpft sind. Allein alles des Erkenntniß des Nutzens der Krankheit. 209 sen ungeachtet bringt die Krankheit Nutzen, bisweilen dem Leibe selbst, indem sie die Unreinigkeit der Natur verzehrt, und auch die Gesundheit hernach dauerhafter wird; besonders aber bringt Krankheit der Seele einen herrlichen Nutzen. Denn 1) dadurch holet Gott manchen Menschen von seinen Sündenwegen herum; wie geht mancher freche Sünder in seiner Frechheit dahin, achtet weder Gottes, noch seines Wortes, häuft Sünden auf Sünden; solchen aber reißt Gott gleichsam mit Gewalt durch eine Krankheit, Schmerzen und Leiden zurück, damit er nüchtern werde. 2) Es bringt aber auch Krankheit den Frommen Nutzen, denn sie lernen daraus Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit erkennen, welches Alles sie vorher wohl gewußt und geglaubt, aber nunmehr erst recht erfahren haben. 3) Nach der Krankheit wird auch bei frommen Seelen eine größere Liebe zu Gott, Eifer im Gebet, Aufrichtigkeit in dem Christenthum wahrgenommen. Man lernt sich Gott ergeben, den Tod sich vorstellen, zum seligen Absterben sich vorbereiten, an den Himmel fleißig gedenken, ja seine Seele in Gottes Hände empfehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenkt, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden seyn. Gebet. O lieber Gott und Vater! ich sehe und merke wohl, welches dein heiliger Rath über mich sei, nämlich, daß dieses mein Leidensjahr, meine Leidenswoche, ja Leidenszeit seyn soll, worin die Glückssonne eine Zeit lang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt und die Leidenskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott! daß du, ehe du mich so heimgesucht hast, vorher deine Wege haft erkennen laffen, nämlich daß des Kreuzes Weg auch ein Himmelsweg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thuest. Ich sehe wohl, mein Gott! daß du mich von der Welt abziehen willst; du willst mir die Welt bitter und den Himmel süß machen, damit ich das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verläugnen, und züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben, daß ich mein Leben forschen und untersuchen, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren soll. Freilich, wenn uns wohl ist, und wir von keiner Trübfal wissen, so 210 Dritter Theil. Für Kranke. dünft es uns, wir seien nur in der Welt, damit wir irdisches Gut sammeln, oder aber, damit wir mit der Welt scherzen, fündigen, Gesellschaft anfangen, Gesellschaft halten, und in ihre Weise, in ihre Wege und Sitten uns schicken sollen; aber weil das unserer Seelen Verderben und ewige Verdammniß seyn würde, so pflegst du nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott! es scheint, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen, und mir sagen, ich soll mich vor den Sünden, Verführungen, Bosheiten, Gewohnheiten der Welt vorsehen. Du willst mich bereden, ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr gleichstellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille sei. Nun, mein Gott! dieses will ich auch thun; wirst du mich gesund werden lassen, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchen ich gesündiget habe, meiden, und nun ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Wenn du nun gesehen, mein Gott! daß ich auch in meinem Christenthum träg, im Gebet nachlässig, hingegen zur Sünde bereitwillig, und der Welt Lust zu genießen fertig ge wesen bin, so willst du durch diese Krankheit mich auf wecken, an mein Heil zu gedenken, und vom Sündenschlaf aufzustehen; wache auf, der du schläfest, sprichst du zu mir; ich will dich reinigen von dem vorigen Unflath. Ja, ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern willst, daß ich, wenn ich gesund werde, deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen soll, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hättest. Nun, HErr! Erkenntniß des Nußens der Krankheit. so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen hast, zu deiner Ehre und zu meiner Seele Heil; mache durch dieses bittere Heilmittel meine Seele gefund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen die Wunden der Sünden. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, und gib, daß ich in wahrer Buße und im Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Nath, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach' mir stets zuckersüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt, Gib, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt; Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. 211 Gesang. Mel: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonst noch mich anficht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben; Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünde fliehen, Und nicht meine Seligkeit Mög' durch eig'ne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung seyn. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe, Und vermeide Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne, Und mich von der Welt entferne; Hier seh' ich, wie Gottes Treu' Alle Morgen werde neu. 4. Jesu! schließ' in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden Diese ihre Wohnung seyn; Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater! dir ergeben; Schütze, stärk', erquicke mich In den Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl' in deine Hände, Liebster Jesu! meinen Geist, Stärke mich bis an mein Ende; Wenn das Lebensband zerreißt, So laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmelsauen; Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seelen Seligkeit. Dritter Theil. Für Kranke. and and Der Kranke segt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. loti 212 1912 Aufmunterung. HErr, mein Gott! da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. HErr! du hast meine Seele aus der Hölle geführet; du hast mich lebendig erhalten, da die in die Hölle fuhren. Psalm 30, 3. 4. Nichts ist freundlicher und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann: ich weiß, der kann mir helfen und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Diese Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Exempel Anderer; wenn er hört, liest oder weiß, wie Gott Todte lebendig gemacht, Todtkranken wieder aufgeholfen hat: so kann er bestimmt schließen: der allmächtige Gott, der dazumal geholfen, lebe noch und könne auch ihm helfen. 2) Es soll sich ein Kranker die unumschränkte Macht des großen Gottes vorstellen, welche größer ist als die Macht aller Könige in der Welt, ja als die Macht aller Menschen, darum, was uns Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich; was uns zu schwer ist, ist Gott gar leicht. 3) Soll ein Kranker gedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln, uns zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen; er kann auch das geringste Kräutlein oder die Arznei segnen, daß es das Uebel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern muß. Wenn dieses ein Kranker erwägt, so soll er fein stille in Gott seyn, im Gebet anhalten, und Gottes Hülfestunde erwarten, dabei auch Arznei und Hülfsmittel gebrauchen, die ihm von rechtschaffenen Aerzten vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allen abergläubischen Dingen, Segensprechereien und Gaukeleien hüten, und versichert seyn, daß der Allmächtige helfen könne, wenn seine Stunde ge kommen seyn werde. Gebet. Ach, mein HErr und mein Gott! du siehst, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen neu da ist; meine Krankheit weicht nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager seyn soll. Dieses nun stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 213 Meine Jahre stehen in deinen Händen; du haft mir ein Ziel gesetzt, das werde ich nicht übergehen. Du haft auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war; jedoch lasse ich deßwegen den Muth nicht sinken, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErrn. Ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, aber daß du durch deine Allmacht auch Todte erwecken, die allergefährlichsten Kranken wieder gesund machen, und das größte Elend und Leiden lindern und aufheben kannst. Ach ja! des HErrn Hand ist nicht vertürzt, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja er kann überschwänglich thun über Alles, was wir bitten und verstehen. Er kann Alle erretten, die zu ihm treten, deßwegen schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich auf schwache Menschen; nicht auf mich, denn ich bin frank und elend: sondern über mich, zu dir, meinem Gott und HErrn. Ich spreche auch jetzt mit dem glaubigen Hauptmann: HErr, sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund, ja, sprich ein Wort, so werde ich leben; ich werde von allen meinen Leiden befreit werden. Ich weiß, bei dem HErrn ist kein Ding unmöglich. HErr, deine Allmacht hat kein Ende. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Mein Gott! der du den kranken Histia gefund gemacht, das kranke Weib von ihrem elenden Zustande errettet, den Gichtbrüchigen geheilt, den Jüngling erwecket hast, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schußherr deiner Glaubigen! Hilf mir auch, erbarme dich meiner auch, beweise ein Zeichen an mir, damit mir es wohl gehe. Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht; jedoch also, wie es dir wohl gefällt; ich weiß, du kannst es nach deiner Allmacht thun, und du wirst es auch nach W Dritter Theil. Für Kranke. deiner Güte thun, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: 214 Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Amen. Gesang. Mel: Schwing' dich auf zu deinem Gott x. 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen; Ueberlaffet eure Noth, Kümmerniß und Sachen Seiner Weisheit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo und wie er soll Euch in Noth beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was Er thu' und lasse; Er fängt ja nicht heute an Erst für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, 3st gar nichts verborgen. 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, Wie er's soll anfangen, Wie es werde ausgericht't, Daß ihr sollt gelangen Zu dem rechten Zweck und Ziel; Folget seinen Wegen, Haltet seiner Füh rung still, Harrt auf seinen Segen. 4. Was der weise Vater thut Auf der weiten Erden, Das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden, Gingen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unfrem Licht Anders gehen sollten. 5. O du weiser Gott! dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefället. Mach' es mit mir wunderlich Hier auf dieser Erden, Führ' nur, lieber Vater! mich, Laß mich selig werden. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. 1 Petri 3, 21. Ist je ein Name tröstlich, so ist es des Vaters Name, und ist eine Herrlichkeit groß, so ist es ein Kind Gottes zu seyn. Wie nun dieses in dem ganzen Leben erfreuen kann, so kann es auch in Krankheit trösten. Diesen Trost soll ein Kranter nicht aus seinem Herzen lassen. Er soll denken: 1) Gott ist ein allmächtiger Vater, dem nichts unmöglich ist. 2) Gott ist ein treuer Bater, der es gut Troft aus der Erinnerung an den Taufbund. 215 mit seinen Kindern meint. 3) Gott ist ein weiser Vater, der auch das bittere Kreuz seinen Kindern zu einem heilsamen Mittel ma chen kann. 4) Er ist ein gütiger und liebreicher Vater, der betrübt, aber sich auch wieder erbarmt. Wenn dieses der Kranke erwägt, so kann er sich herzlich freuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes aber ist ein christlicher Kranker durch die heilige Taufe gelangt, in der er einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht hat. Dieses nun soll ihn aufrichten und fröhlich machen; allein er soll auch: 1) fein als ein Kind Alles, was ihm widerfährt, dem Willen und Nath des himmlischen Vaters überlassen, nicht gegen den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in ge sunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt, wie ein Weltkind gelebt, so soll er's ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebensänderung sich vornehmen, und gewiß glauben, Gott werde sich auch über sein krankes Kind erbarmen. of jisur mis asto Gebet. mis id nd jour de HErr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! fiche, ich dein Kind bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe umher und frage nach Hülfe, aber Niemand nimmt sich meiner an: darum aber will ich nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater geben und demselben meine Noth klagen. Eilt in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu dem Vater, der Unterthan zu seinem König: o mein König! o mein Vater! o mein Hirte! so komme ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott! gedenke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich getauft bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe. In diesem Bunde hast du mir zugesagt, du wollest mein Vater seyn, du wollest als Vater für mich forgen, mir helfen, und als ein Vater dich an mir beweisen. Jesus hat mich mit seinem heiligen Blute abgewaschen, und mir den Rock seiner vollkommenen Gerechtigkeit geschenkt; der heilige Geist hat sich reichlich über mich ausgegossen, und schreit noch in meinem Herzen das Abba, lieber Vater! und gibt ZeugStart, Handbuch. 15 216 Dritter Theil. Für krante. niß meinem Geist, daß ich Gottes Kind sei. O du dreieiniger Gott! siehe, hier komme ich armes Kind zu dir; Vater und Mutter verlassen mich; meine Lieben und Freunde können mir nicht helfen, darum, o mein himmlischer Vater! nimm du mich auf. Erbarmte sich der Königische über seinen Sohn, der todtkrank war; bemühte er sich, ihm zu helfen, ach mein Vater, so erbarme dich meiner auch, hilf auch mir! Ging der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, Jefu nach, und sprach: HErr! meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komme, und mache sie lebendig; so gehe ich auch, mein Gott und Vater! dir nach, und sage: ist's dein Wille, ist's mir heilsam, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Vater, ein weiser Vater, ein gnädiger und liebreicher Vater; wo foll das Kind anders in seiner Noth hin, als zu seinem Vater? HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HErr über die, welche ihn fürchten; ach, erbarme dich auch über mich! Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, stell' ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlorenen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jetzt zu dir komme, und spreche: erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich! Wenn du Sünde zurechnen willst, HErr, wer wird bestehen? In sol chem Vertrauen, mein Vater! warte ich auf deine Hülfe; ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes zu seyn, krank und elend und mit vielerlei Kreuz belegt zu seyn, wohl bei einander stehen können; darum soll mich auch der Satan so bald in meiner findlichen Trofi aus der Erinnerung an den Taufbund. 217 Zuversicht nicht irre machen. Allein laß mich auch bald dein väterliches Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest; laß mich deine Baterhand empfinden. 10 Betrübtes Herze, sei zufrieden, Ob dich schon tausend Kummer plagt, Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Stellt sich schon Noth und Krankheit ein, So will doch Gott dein Vater seyn. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. 3ch bin getauft, ich steh' im Bunde Durch meine Tauf mit meinem Gott; So sprech' ich stets mit frohem Munde In Kreuz, in Trübsal, Angst und Noth; Ich bin getauft, deß freu' ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab' empfangen Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen, Allhier und in der Herrlichkeit; Ich bin mit Jesu Blut erkauft, Und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben Zu gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreis't; Für meine Seel' welchy' große Pracht, Die mich gerecht und selig macht. 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben, Und seinem Kinde gnädig seyn, Es ist mein Name Gott bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bin bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find'; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: hier bin ich. 6. Ich bin getauft, nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all' erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der gibt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet, Ich stehe unter Gottes Schutz, Der seinem Kind die Hand darreichet, Was acht' ich ener Macht und Trutz, Wohl tastet Gottes Kind ihr an, Doch glaubt, daß Gott es schützen kann. 8. Ich bin getauft, und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb' und Treu', Ich werde nie von ihm geschieden; Mein Lebens25* 218 dnud Dritter Theil. Für Krante o trieb wird stündlich neu. Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein mit 9. Ich bin getauft, ob ich gleich ſterbe, Was ſchadet mir das tühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab'; Nach meinem Tod ist mir bereit Des Himmels Freud' und Feierkleid. Jeniq roman dusjunt noch) chid da Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. nis tisdimor din dose froth of illst Aufmunterung.ar o Der HErr wird mich erlösen von allem Uebel, und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich. Welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. 2 Tim. 4, 18. toine mi dei bi funtop mid the Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und in ihrer Krankheit nie an Trost fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu thun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführt, in reiferen Jahren ernährt und bis daher väterlich erhalten hat; sollte Gott sein Geschöpf und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Ihr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen; denn der da für sie Marter, Pein und Tov gelitten hat, der sein heiliges Blut für sie vergossen: sollte der sie in der Krankheit ohne Hilfe lassen? o nein! seine Liebe ist zu brünstig. 3) 3hr Heiligmacher, der werthe hei lige Geist, wird sie auch nicht verlassen: der wird alsdann sie trösten, erquicken, erfreuen, und ihnen Zeugniß geben, daß sie Gottes Kinder seien, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmer zen anhalten. Wenn ein Kranker diesen dreifachen Trost im Hers zen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen, und fest glauben, seine Hilfe sei nicht ferne. Doch aber: 4) daß er dabei um Verzeihung bitte, was er dem dreieinigen Gott in gefunden Tagen zuwider gethan hat, und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hülfe geduldig und glaubig erwarte. dig asitost of the toGebet.& di jurdop mid the du heiliger dreieiniger Gott! indem ich mich jetzt meinem Leibe nach schwach befinde, so will ich doch deßwegen nicht schwach in meinem Glauben und Vertrauen zu dir werden; denn die auf den HErrn hof Die Wohlthaten bes breieinigen Gottes. fen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und die Last meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleinmüthig machen, allein ich ermuntere mich gleich wieder durch deinen heiligen Geist, und besonders auch damit, daß ich mir die von dir schon längst empfangenen Wohlthaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du mein Schöpfer! der du mich aus nichts erschaffen, und bis auf diese Stunde mein Leben erhalten hast? Ist denn des HErrn Hand verkürzt? Onein! die Hand, die mich bisher begleitet, geführt, gestärkt und erhalten hat, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je geliebt, und mich an Liebesseilen bisher geführt. Liebe ist es, daß du mir bisher so lange Zeit Gesundheit geschenkt hast. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Zustände von mir abgewendet hast. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja so viele Gnade und Barmherzigkeit hast widerfahren lassen; darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krantheit. Solltest du mich verlassen, mein Erlöser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset haft? Du hast dich meiner Seele so herzlich angenommen, daß sie nicht verderbe, o! so wirst du meinem armen und franken Leibe Hülfe angedeihen lassen. Hat mich deine Liebe von Fluch und Tod, ja aus der Hölle erlöst, so kann sie auch in meiner Krankheit mir bald helfen. O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich meiner in meinem gegenwärtigen Leiden! Solltest du mich verlassen, o mein Seligmacher! der du Leib und Seele geheiligt, und in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweiht und darin bisher gewohnt haft? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja mein Tröster bleiben, und mir auch jetzt Zeugniß geben, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich gleich mit 219 Dritter Theil. Für franfe. Leiden und Trübfal umgeben bin. Darum will ich in meinen Schmerzen und Leiden guten Muthes seyn, und will zu meiner Seele sagen: es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigenthum, Bruder und Miterben erwählt; der heilige Geist hat dich seines süßen Trostes und seiner seligen Einwohnung versichert, darum ist Alles mein; die Gnade Gottes ist mein, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jesu ist mein, der kräftige Trost des heiligen Geistes ist mein, ja der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist mein. O! weil es denn so ist, so will ich mich um meinen kranken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den HErrn werfen, und dem Gott vertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen hat. Ach, mein Vater! ich verlaffe mich auf dich. O Jesu! zu dir fliehe ich. O heiliger Geist! dir ergebe ich mich. HErr Gott Vater! was du hast erschaffen, HErr Gott Sohn! was du hast erlöset, HErr Gott heiliger Geist! was du haft geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit. 220 Keinen hat Gott verlassen, Der ihm vertraut all'zeit, Und ob ihn schon Viel' hassen, Geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schützen, Zuletzt erheben hoch, Und geben, was kann nützen, Hier zeitlich und dort auch. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. 3ft Gott für mich, so bin ich fröhlich, Und hab' im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig, Durch Gottes Gnad' und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Trostes voll. 2. 3st Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht; 3st mir das Krenz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei, Und macht mich von der Trübsal frei. Willigkeit zur Ertragung des Leidens. 3. 3ft Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Baterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Frend' verkehrt zu seiner Zeit. 4. Ist Gott für mich in meinen Nöthen, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht tödten, Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Der hilft mir aus in aller Noth. 5. 3st Gott für mich in meinem Leiden, Das unverhofft mich überfällt, So will ich nicht zurücke weichen, Weil seine Hand mich treulich hält; Gott ist für mich in Sturm und Wind, Und wachet treulich für sein Kind. 6. 3st Gott für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hülfe bleibt mir unversagt. Ist Gott für mich, getrost mein Geist! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron' und Seligkeit; Gott ist für mich wenn's Herze bricht, Und wenn erblaßt mein Angesicht 221 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren ertragen. Aufmunterung. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst's wohl machen. Psalm 39, 10. HErr, wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? so seufzen oft fromme, bettlägerige Christen in ihren Krankheiten, Psalm 14, 1. Gottes Stunde währt ihnen oft allzulange, wenn die Hülfe viele Tage, Wochen und Monate ausbleibt: alsdann geht es bei Vielen nicht ohne Murren ab. Allein, so weit soll es ein frommer Kranker nimmermehr kommen lassen, sondern der soll denken: 1) Gott vergißt und verläßt uns in dem Leiden, in Trübfal und in Krankheit nicht, denn das wäre gegen seine Verheißung. Ob er zwar verzeucht, so harre sein, er thut auch das zu unserer Seele Besten. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hülfe Gottes das Kreuz auch schwerer werden, so soll doch deßwegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes erinnern. Wiegt man dem Kranken seine Arznei ab; zählt man die bitteren Tropfen, die man ihm gibt, so sollen wir glauben, daß auch all' unser Kreuz abgewogen und abgemessen sei; denn Gott ist getreu, der uns nicht 222 en Dritter Theil. Für Kranke. Läffet versuchen über unser Vermögen. Deßwegen 3) ist das Leis ben schwer, ist es vielerlei, währt es lange: so soll es deßwegen doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Stunde der Hülfe erwarten. nism ni chim sif lisasi nstabithin debet. hardnel nd him th O du beiliger und weiser Gott! ich sehe jetzt deinen heiligen Rath und Willen an mir, daß ich die Zeit und die Wochen, und so lange es dir gefällt, auf meinem Bette in meinem Hause zubringen soll. Wohlan! ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht; ich will nicht gegen dich murren, sondern ich sage: Siehe, hier bin ich, der HErr mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? mein Vater wird mir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des HErrn Born tragen, denn ich habe gegen ihn gesündigt. Ach! das bittere Leiden kann meiner Seele nicht anders als heilsam seyn, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abschen hat. Du bist mein Vater und Gott von Jugend auf gewesen, for gewesen, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange so liegen und leiden, mein Gott! mach's doch nicht zu lange, sondern gib mir bisweilen eine Erquickungsstunde, in der du mich von meinen Schmerzen befreiest und mein Leiden lin derst. Soll ich viel leiden, so gib mir auch viel Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif' mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein; wie bald geht nur ein Wind herein, so fall' ich hin und sterbe. Ach! mache es mit mir wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja trage mich, und nimm mich in deinen Arm und in deinen Schoos. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit dei Willigkeit zur Ertragung des Leibens. 223 ner Gnadenhülfe und deinem Beistande von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur diesen Trost empfinden, daß du dennoch mein Vater und mein Freund seiest. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickst, so willst du sie nicht verderben, sondern zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein Gott, durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott! ob du mich gleich so leiden läsfest, so will ich deßwegen nicht von dir fliehen; mein Hirte! führst du mich die Dornenwege, die meinen Leib und meine Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebt, da du mir Gesundheit, Glückseligkeit gabest, und da du es mir wohl ergehen ließest, darum will ich dich auch in Krankheit, in Leiden und Schmerzen lieben; ich weiß, du kannst mir helfen, und wirst mir helfen.mot modis? dun tis nor no insi Gott hat mich in guten Tagen niet no thi] reblocr bied 10 Oft ergötzt, sollt' ich jetzt od than jum of 10 im Nicht auch etwas tragen? pundarékoji®(£_args] Fromm ist Gott und schärft mit Maßen i din Sein Gericht, kann mich nicht and un Ganz und gar verlassen. Amen. thin bil lof it mollit nodil 0119111169 THD, 101195 ind ixind 136 Idom als malas Gefang. dat 902 Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten z. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zufrieden, Und murre ja dawider nicht, Faff' deine Seele in Geduld, Und tröste dich des Höchsten Huld. dolins mus 2. Sieh', der Gott, der dich krank kann machen, Und wirft dich auf das Sterbebett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett'. Er macht uns frank, er macht gesund In dieser und in jener Stund'. 3. Ach! murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll' dein trener Beistand seyn, Und dich aus allen Nöthen reißen, Sieh', Dritter Theil. Für Kranke. dieses trifft auch heute ein; Vertraue Gott, es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hülf' nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben, Und sagen: siehe, hier bin ich; Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaß ich gänzlich mich, Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater! wie es dir gefällt. 224 5. Wer also ohne Murren träget, Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe ihm aufleget, Dem ist die Hülfe schon bestimmt, Der wird erquickt hier in der Zeit Und einst dort in der Ewigkeit. Der Kranke schickt sich zum Genusse des heiligen Abendmahls an. Aufmunterung. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod, und trinke von diesem Kelch. 1 Ror. 11, 28. Es soll ein jeder Christ so leben, daß er alle Augenblicke selig sterben könne. Soll nun ein gesunder Mensch sich so benehmen, wie viel mehr ein Kranker! Ein Kranker thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünden ge denke, und spreche: ich gedenke heute an meine Sünden; denn weil um der Sünden willen Krankheit und Leiden kommen, und weil der, welcher sich an seinem Schöpfer verfündigt, dem Arzt in die Hände fällt, so muß auch der Kranke auf die Versöhnung mit Gott bedacht seyn. 2) Diese Versöhnung aber geschieht, wenn der Kranke mit Weinen und im Glauben Gott um Vergebung seiner Sünden anfleht, und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht vorstellen, man sterbe, wenn man das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette genießt, denn es ist keine Speise zum Tode, sondern zum Leben und zu der Seelen Seligkeit; dabei hat er sich 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge steht, bis Verstand und Kräfte hinweg sind, sondern bald und bei Zeiten, so lang man noch seinen Verstand hat, so lang man noch beten und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott von Grund seiner Seele wenden, so wird er um Jesu Christi willen im Leben und Sterben Gnade erlangen. Gebet. HErr, HErr, Gott! barmherzig, gnädig und von großer Treue, ich armer Mensch bin entschlossen, mich Anschickung zum Genusse des heiligen Abendmahls.< 225 mit dir zu verföhnen, meine Sünde dir herzlich abzubitten, die ich in der ganzen Zeit meines Lebens begangen habe; ich will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden suchen und so zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf dieses Krankenbett zu legen, weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das Uebrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, so lange ich meinen Verstand noch habe; so lange ich mich noch besinnen kann, wann ich gefündigt, wie oft ich gefündigt, und wie schwer ich gefündigt habe. Ich will dich um Verzeihung bitten, so lang ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte sich verlieren werden, wo ich weder beten, noch an dich gedenken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der stirbt deßwegen nicht früher oder später, sondern er thut sich vielmehr damit den größten Nußen, nämlich den, daß er, wenn er gesund wird, sich vor den Sünden hütet, die er auf seinem Krankenbette erkannt und bereut hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl und vorbereitet. Dieses sind auch meine Gedanken, mein Gott! Ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodann geduldig, freudig und glaubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deßwegen falle ich auf die Kniee meines Herzens vor dir nieder, und spreche: Ach! sei deinem Kinde gnädig, ach! rechne mir die Sünden meiner Jugend und die Thorheiten meiner späteren Jahre nicht zu. Ach, HErr! sei gnädig meiner Missethat, die groß ist, um Jesu, meines Heilandes willen. Ach, mein Gott! gib Dritter Theil. Für Kranke.bil Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, damit ich's zu deinen Ehren und meinem Seil vollbringen möge. 226 iur di Ich komme jetzt zu dir allhie of dr ting him and negrogy & dur adam opilot monis fun In meiner Noth geschritten, Und will dich mit gebeugtem Knieschm Jis thin Verzeihe mir doch gnädiglich, Von ganzem Herzen bitten: DTR Soloid in! junand onion sitlig monism din liur de on Was ich mein Lebtag wider dich wound chi du Auf Erden hab' begangen. Amen. aid spindell en mold Gefang.opied du nop dan dari Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. ott dobra- rid that 2.0 1. Ich will mich dankbar froh Ach! mach' sie allesammt nd Zum Liebesmahle nahen, Und Jesu Leib und Blut Zu meinem Trost empfahen. Ach, mein Gott! stärke mich, Ach! weiche nicht von mir, Daß ich im Andachtstrieb Vereinigt bleib' mit dir. Recht heilig, keusch und rein, Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung seyn. 5. Erweck zugleich in mir of Die wahre Seelenstille, this Daraus die Seelenfreud'un Und wahre Andacht quille, 001 Darin ich schmecken mög', HErr! deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost 153 Und wahre Seelenfreud'. as 6. Hab' ich dann deinen Leib Wahrhaftiglich genossen, Hat auch dein theures Blut, Das du für mich vergossen, Mich füßiglich erquicft, So bleibe auch in mir, Damit ich, weil ich leb', anél Mein Heil! mur leb' in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, gid Die in mir angefangen, u Zum größten Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du Sündenlust geh' aus, Mein Jesus gehet ein, drod Er nimmt ja Leib und Seel zu seinem Tempel ein. C i 2. Vertreibe doch von mir Die fündlichen Gedanken, Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken; Verbind', mein Jesu! dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb' genieß', Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles Jetzt meine Andacht stören, Ach! laß mich Freud' und Wonn' In meiner Seele hören, Ach, Jesu! steh' mir bei, Ach! bitte du für mich, Bring' mein Gebet vor Gott, Und hilf mir gnädiglich. 4. Ach! heilige mein Herz, Ach! heilige die Sinnen, Mein Jesu! nimm sie ein, Und wohne selbst darinnen, 227 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. sdnd the vanied we roder chi and 1130119190 anion todial Ich schuldige mich, und thue Buße im Staub und in der Asche. Hiob 42, 6. Aufmunterung. odnd in Es ist ein schöner und liebreicher Gebrauch, wenn rechtschaf fene Christen alle Abend vor Gott sich stellen und überlegen, was sie den Tag über geredet, gedacht oder gethan haben, und sofort ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel mehr soll es ein Kranker nicht versäumen! Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen nicht etwa eines Tages, einer Woche oder eines Monats, sondern seines ganzen Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gesunden Tage angewendet; ob er sie zur Ehre Gottes, zum Nutzen des Nächsten hingebracht habe; er soll untersuchen, wo, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gesündigt habe. Weil man nun auf dem Krankenbette weit mehr Zeit hat, so soll die Untersuchung desto ernstlicher geschehen. 2) Soll ein Kranker nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, besonders weil er nicht weiß, wie nahe oder ferne er davon sei, daß er vor dem Richterstuhle Gottes erscheinen soll. 3) Kommt man auf dem Krankenbette zur Erkenntniß seiner Sünden, so soll ein Kranker für die Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöff net hat, daß er sein Elend erkannt hat, und ihm Gelegenheit gegeben, Gnade zu suchen, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch muß man auch, was man in der Krankheit verspricht, in gesunden Tagen getreu halten, damit auf das treuloſe Verſprechen nicht etwas Aergeres erfolge. Tun Til pred solliar dil zim lid is Gebet.uld de mu jqan Ach, du gnädiger und liebreicher Vater! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten, und sodann auf meinem Krankenbette das heilige Abendmahl zu empfangen. Ich will es bei Zeiten thun, so lange ich noch meinen vollen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht wie lange; ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum komme ich jetzt vor deinen Gnadenthron, und bitte dich demüthig um Vergebung aller Sünden, die ich Zeit meines 228 Dritter Theil. Für Kranke. Lebens begangen habe. Mein Gott! ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzürnt habe. Ich habe leider meine gesunden Tage nicht allemal zu deiner Ehre, zum Gottesdienst, zum Wachsthum in meinem Christenthum und zur Frömmigkeit angewendet, darum hast du auch Ursache, mich mit Krankheit beimzusuchen, damit ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit nebst den übrigen Sünden bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebt und nicht frömmer gelebt habe, als es leider geschehen ist. Ach Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl Rechenschaft von einem jeden unnützen Wort geben soll, das ich geredet habe! O wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist! Und soll ich von meinem ganzen Leben, Werken und Thaten Rechenschaft geben, ach! wer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in glaubiger Zuversicht auf Jesum Christum, meinen HErrn und Heiland, und bete: Ach! um seiner Wunden willen erbarme dich über mich; um seines vergossenen Blutes willen vergib mir alle meine Sünden; durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber HErre Gott! Ich schäme mich, mein Gott! die Augen vor dir aufzuheben; ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden; ach, hätte ich es doch nicht gethan! ach, hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt! darum gelobe ich dir, o Gott! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden noch leben läsfest, zu deiner Ehre im Glauben und in der wahren Frömmigkeit hinbringen, und sie als ein Geschent und eine Zugabe zu meinem — Bitte um Vergebung der Sünden. 229 Leben annehmen, und will all' mein Lebenlang an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand gedenken. Ach, HErr! sei deinem Kinde gnädig, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Jesu voller Gnad'! Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr nicht mehr gedenke, In's Meer fie tief versenke. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. 3ch armer Sünder komme wieder, Ich fehre um vom Sündenpfad, Ich fall' in tiefster Demuth nieder, Und bitte herzlich dich um Gnad'. Ach Gott, denk' nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! 2. Nun seh' ich erst, was ich begangen, Ich fühl' der Sünden Angst und Pein, Ach, laß mich wieder Guad' erlangen, Ach, laß mich nicht verloren seyn! Ach Gott, denk' nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! 3. Sieh', ich betrübe mich von Herzen! Ach! sieh' an dein verirrtes Kind, Das da mit Thränen, Reu' und Schmerzen Bei dir sich wiederum einfind't! Ach Gott, denk' nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! 4. Ach Jesu! deine theuren Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried' und Seligkeit; Ach, denk' doch nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach, schenk' mir deines Geistes Gab'! Ein Jeder soll nun sehn und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab'; Ach Gott, denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an! Dritter Theil. Für Krante. Der Kranke betet vor dem Genuſſe des heiligen 23 Abendmahls. 100 dl minop onim 230 bhm onied no own monrisa isj Aufmunterung.dni Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trant. Joh. 6, 54. 55. Das heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, dessen soll sich ein jeder wahrer Christ befleißen; solches nun kann ein Kranker besonders thun, wenn er sich vorher recht unterſucht. Denn 1) ist er alsdann von allen Hindernissen befreit, wodurch sonst bei der öffentlichen Gemeinde die Andacht bisweilen gestört wird; er kann auch alsdann in Andacht ungehindert beharren, wenn ihn Gott vor Schmerzen und Empfindungen der Krankheit bewahrt. 2) Das heilige Abendmahl zu Hause zu empfangen, soll sich Niemand ein Gewissen machen, weil wir wissen, daß Jesus en allen Orten und alle Tage mit seiner Gnadengegenwart bei den Glaubigen zu seyn verheißen hat. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit bedenken: vielleicht ist dieses das letzte Mal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und er soll deßwegen mit einem desto festeren Entschlusse im Glauben und in Frömmigkeit zu verharren sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünscht, daß ihr letztes Wort Jesus, ihre letzte Speise das heilige Abendmahl, und ihr letzter Gedanke der am Kreuz hangende blutige Jesus seyn möge, wie soll denn nicht ein Kranter sich freuen, wenn er der Erfüllung des einen Wunsches auf seinem Krankenbette theilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde. 5) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht und ein Aberglaube. ingredi Gebet. ndion hi tour thin Juso o mundsiat offsid Liebster Jesu! ich bin entschlossen, jetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl, indem ich auf meinem Krankenbette darniederliege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt abscheiden werde. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gerichte Gottes erschei nen möge, so will ich noch, indem ich lebe, mich auf's Neue mit dir vereinigen, auf daß du in mir undim in dir sei und verbleibe. Ich will nun das heili Gebet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 231 Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnadengegenwart mich erfreuen und erquicken werdest. Ach, liebster Seelenfreund! du bist ja den Elenden nabe; du erfreuest die Betrübten; du hilfft denen, die ein zerschlagenes Gemüth haben: so laß auch jetzt mein Herz erfreut und meine Seele durch diese himmlische Speise und diesen Trank erquickt werden. Ich habe zwar bei gesunden Tagen dasselbe auch mit der Gemeinde empfangen, aber leider nicht immer mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit, als es wohl billig hätte seyn sollen, weil der Menschen Anzahl, Eitelkeit und mein zerstreutes Auge viele Hindernisse verursacht hat; nun aber soll meine Andacht Niemand stören, da ich in meiner Einsamkeit mich mit dir verloben und vereinigen will. O liebster Jesu! indem ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonst keine Abhaltung habe, ach! so halte die Schmerzen und die Krankheit zurück, und gib mir die Erquidckung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört mein Vorhaben vollbringen könne. Ich verkündige jetzt deinen Tod, und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und deine Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzestod und an Alles, was du für mich gethan haft; ich denke daran, und danke dir auch dafür, und spreche: dionstü8 esasin Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu! für gesammte Noth, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tausendfaches Klagen; Für dein' Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar seyn. Ich erinnere mich auch an die Einsetzung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und tränkest. Ich glaube deinen Worten, allwissender, allmächtiger und wahrhaftiger Gott; ich glaube, daß ich Start, Handbuch. 16 232 Dritter Theil. Für Kranke. ho im heiligen Abendmahl deinen wahren Leib und dein wahres Blut genieße, nämlich also: wenn ich das gesegnete Brod empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise, o Jesu! deinen wahren Leib; und wenn ich den gesegneten Kelch empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise dein wahres Blut. Nun diese himmlische Speise und dieser Trank soll mich im Glauben stärken, daß ich mit Gott versöhnt sei; diese himmlische Speise und dieser Trank soll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speise und dieser Trank soll mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Ver gebung der Sünden habe, und mit dir vereinigt sei, der du die Versöhnung für unsere Sünden, ja für der ganzen Welt Sünde bist. Diese himmlische Speise und dieser Trank soll mich an das himmlische Freudenmahl, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit erinnern, zu welcher du mich nach meinem Tode führen wirst. O Jesu, meiner Seele Bräutigam! heilige und reinige mich, damit ich, als deine Braut, mich mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O mein Seelenhirte! führe dein Schäflein auf grüner Aue; speise mich mit dem Brod des Lebens; erquicke mich mit deinem heiligen Blute. Alsdann kann mir der Satan nicht schaden, die Sünde mich nicht anklagen und auch nicht verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünde, welches du am Stamme des Kreuzes für mich bezahlt haft, dadurch bin ich selig. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. Amen. Gebet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. O allerliebstes Seelenpfand! Dem nichts an Hoheit glei chet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet, Der Seelen allerhöchstes Gut, Des HErren Jesu Leib und Blut Will heut' ich froh empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit diese Liebe Recht herrlich offenbare sich, Und mir vor Augen bliebe, So gibt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei Und ewig bleiben wolle. 312 3. Dieß Pfand versichert mich auf's Neu', Daß alle Sünd' vergeben, Und daß mein Gott mir gnädig sei; Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad', Die er mir jetzt versiegelt hat Durch diese Seelenspeise. 233 8 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auferstehen Am jüngsten Tage seliglich, Uno zu der Freud' eingehen; Weil ich dieß Pfand empfangen hab', So bleib' ich nicht in meinem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank! der mich gespeist Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweist, Und selber sich mir schenket: Dem schenk' ich mich hinwiederum, Und bleibe nun sein Eigenthum Im Tod und auch im Leben. 106. HErr Jesu! ja, dir lebe ich, Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nehmest mich Nun an zu deinem Erben: Zum Erben hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit, So sterb' ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir; denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich dargegeben. Gal. 2, 20. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfängt, wie viel mehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstande hat genießen können. Hiebei aber ist zu erinnern: 1) daß man sich nicht vorstelle, auf das heilige Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken; ja, es ändert sich mit seinem Seelenzustand, wenn er es würdig empfängt, nämlich er erlangt 16* Dritter Theil. Für Krante. d Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott, er gelangt in die ges naue Gemeinschaft mit Jesu; daß aber das heilige Abendmahl eine Veränderung in der Krankheit verursacht, dazu ist es nicht eingesetzt; dazu haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch ein Kranker nicht empfangen, damit er sehe, ob er gefund wer den oder sterben solle, weil dieses ein Mißbrauch ist; sondern er soll es zur Stärkung des Glaubens, zur Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seele Seligkeit gebrauchen. Hat er es so in der Ordnung empfangen, wie es Christus eingesetzt hat, so hat er Gott dafür zu preisen, und mit stillem Herzen und glaubiger Seele sich Gott zu ergeben. Wenn man im Kriege das Beste in Sicherheit gebracht hat, so ist man zufrieden; unsere Seele ist das Beste; haben wir sie durch wahre Buße und Vereinigung mit Jesu Christo in die Hände Gottes empfohlen, so sind wir versichert, Gott werde es auch mit dem Leibe wohl machen. 234 Gebet. Mein Jesu! mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe ich sterbe. Nun dieses Verlangen ist mir jetzt erfüllt und gestillt worden; du haft mich gespeist und getränkt mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, wovon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber worauf ich auch sterben kann, wenn es dein heiliger Wille ist. Darum habe ich mich vorbereitet; meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit Jesu vereinigt bin; ja ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o Jesu! zu der genauesten Gemeinschaft mit dir ge langt bin. Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. HErr! nun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O Jesu! lebe in mir, schenke mir einen gelassenen Muth, christliche Zufriedenheit und eine dir ganz ergebene Seele; erbalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen seyn. Willst du mich, o Gott! nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so ge Gebet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 235 schehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o Gott! komme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei- und lossprechen. Nun, bin ich gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern HErrn Jesum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu dem Gnaden-= thron geöffnet. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott; ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin des Beistandes des heiligen Geistes versichert. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so fahre ich selig aus der Welt, und werde auch ewig selig seyn. Es ist eine große Wohlthat, die du mir, o Gott! an meiner Seele gethan hast, daß ich jetzt bei gutem Verstande dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und dieser Trank stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speise vor dem Absterben auch das heilige Abendmahl seyn möge. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, Jesus seyn möge, und meine leßten Gedanken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben und auf sein heiliges Verdienst gerichtet seyn mögen, so weiß ich, daß ich fröhlich und selig sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe Jesu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auserwählten bringt. modisp sam Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist! Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, 236 Dritter Theil. Für Krante.or he Daß wir ihm fest vertrauen, Uns ganz verlassen auf ihn, br Von Herzen auf ihn bauen; Daß unser Herz, Muth und Sinn Ihm feste mög' anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werden's erlangen, Das glauben wir von Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele 2c. 1. Nun ist meine Seel' gespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speis' ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben. Jesus hat sich ihr geschenket; Sie hat sich in ihn versenket; Sie hat seine Lieb' empfunden O der süßen Freudenstunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen; Nun empfind' ich Ruh' und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden. Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen, Und die Wohnung da genommen. 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren; Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will, vollbringen; Ich will nichts mehr thun und denken, Ich will Jesu ganz mich schenken. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß, dieweil ich leb'auf Erden, Auchmein Geist sammt Seel' und Leibe Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen, Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich wie ein wahrer Rebe In ihm, als dem Weinstock, lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, Daß in meinem Thun und Werken Ich beförd're seine Ehre, Sonst ich aber nichts begehre, Und dem Bösen widerstehe; Im Gehorsam ihm nachgehe. Jesu, ach, laß mir's gelingen, Mich viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach! laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande; Ach! laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinst aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest seyn mit ihm verbunden: Also kann ich selig sterben, Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. Ist Jemand krank, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine, und lasſe fie über sich beten, und falben mit Del in dem Namen des HErrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der HErr wird ihn aufrichten; und so er Sünde gethan hat, werden sie ihm vergeben seyn. Jat. 5, 14. 15. dni do? Ein andächtiges Gebet ist schon in gesunden Tagen nöthig; warum sollte es ein Kranker vergessen, besonders wenn er Arznei gebraucht. Gebet beim Gebrauch der Arznei. Was die Arznei und deren Gebrauch anbelangt, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten, und nicht denken: wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei geſund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein, so soll man nicht denken, denn das heißt Gott versuchen. Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was nun Gott nicht verheißen hat, das können wir auch nicht von ihm fordern. Solche, welche die Arznei verachten, und so sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht auf den Arzt und die Arznei setzen, sondern auf Gott; wie denn unter den Sünden des Königs Assa erzählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Aerzte gesucht, und ihnen mehr als Gott vertraut habe, 2 Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen; mit seinem Munde und Herzen soll er beten, und mit festem Vertrauen auf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen, und sie so gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm gesegnet seyn wird. Gebet. 237 O du großer Gott! du siehest den Zustand, in welchem ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du siehest in den verborgensten Winkel; du siehst auch auf mein Krankenbett; du weißt, wie es mir jetzt zu Muthe ist. Ach, mein Gott! ich will die mir angeordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen; meine einzige Hoffnung aber steht auf dich, denn du bist der HErr, unser Arzt. Jedoch weil du Kräuter aus der Erde wachsen läsfest, und die Arzneimittel selbst erschaffen haft, welche zur Gesundheit der Menschen dienen sollen: so will ich solche jetzt unter herzlicher Anrufung und mit Gebet zu mir nehmen; ach! lege du selbst den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund machen kannst; denn wenn du nur ein Wort sprichst, so wird der Kranke gesund, und wenn du nur winkest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns auch die Mittel zu gebrauchen befohlen hast, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen, und bitte dich, o großer Gott! segne die Arznei, die ich 38 Dritter Their. Für Krante. jetzt in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange; laß fie mir zur Erstattung und Wiedererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung in meiner Schwachheit gedeihen. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen; ja Kraut und jedes Mittel hilft und heilt, wenn dein Segenswort dabei ist. Ich nehme die Arznei nicht, um die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubt hast, um die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen gen Himmel empor, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse; ich seufze zu dir vor dem Gebrauche, in dem Gebrauche und nach dem Gebrauche. Wenn du sie mir nun gedeihen läsfest, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, d'rum ich, o Segensgott! um Segen zu dir schreie; was du, HErr! segneft, das ist ewig gesegnet. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Heilnittel, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilt hat; und ich will mit Hiskia dein Lob vor Jedermann ausbreiten. Hör', ach! hör' mein seufzend Schreien, miguels Du allerliebstes Vaterherz! s02 zad tisd Wollst alle Sünden mir verzeihen, milerod atom Und lindern meinen großen Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Amen. Gesang. Mel.: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket: Schaut den Himmel fleißig an! Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen Niemand trinken kann: Der gedenk' deßwegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht Von ihm hätte gar gewendet, Ob er nicht die Hülf' gleich sendet. Bitte um Linderung der Schmerzen. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stunde sei bestimmt, Da Gott, wie die Väter pflegen, Unsern Kreuzeskelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht, Und ein frohes End' erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Herzensfreuden. 239 3. Auch die bitteren Arzneien Nimmt ein Frommer fröhlich ein, Und weiß, daß sie ihm gedeihen, Und ganz heilsam werden seyn; Eifrig beten, und dabei Seufzen, wenn man die Arznei Eben will zum Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 4. Großer Gott! an deinem Segen, Sprech' ich jetzt mit Herzund Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd' gesund; Lege deine Kraft hinein, Wenn du mirschenkst Arznei ein; Laß die Krankheit bald verschwinden, Und mich Stärk' und Lind'rung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben; Tod und Leben steht bei dir; Soll ich dennoch länger leben, Wie du willst, geschehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung.d du smisd Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich es anstehen, so gehet er nicht von mir. Hiob 16, 6. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, in welche Gott einen Menschen versetzt, sind nicht einerlei: einigen schickt Gott eine Krankheit, wobei ihnen kein Glied, ja kein Finger wehe thut; andere aber werden mit argen Schmerzen heimgesucht, wie solches die Erfahrung lehrt. Dieses soll uns erinnern: 1) wenn man beten, Gott erkennen und sich mit Gott versöhnen will, daß man es fein in Zeiten thue, und nicht warte, bis man krank wird, wie Sirach sagt: Spare deine Buße nicht, bis du krank wirst. Denn wie will man in solchen heftigen Schmerzen beten, an Gott gedenken, sich mit Gott versöhnen? solches geben die großen Schmerzen nicht zu. 2) Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er deßwegen nicht gegen Gott murren, sondern Alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth - warum nicht ein Kind Gottes? 4) In den großen Schmerzen aber soll er an seine großen Sünden denken, die er Zeit seines Lebens begangen hat, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind, er soll aber auch an Gottes große Barmherzigkeit und an seine große Allmacht denken, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel 240 Dritter Theil. Für Kranke. und lange beten, so seufze er zu Gott, und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht unerhört bleiben werden. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. Gebet. HErr! höre mein Gebet; vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Ach! ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leibesschwachheit in Gnaden ansehen, und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindern. Du hast ja verheißen, du wollest uns nicht über unser Vermögen versuchen lassen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's ertragen können. Ach siehe, mein Gott! die Last wird mir schon zu schwer; die Schmerzen nehmen überhand; mein Leib ist matt; meine Kräfte haben abgenommen; meine Zunge klebt an meinem Gaumen; meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand; das Gesicht vergeht mir, daß ich so lange auf meinen Gott harren muß. Ach wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Verziehe nicht, mein Gott! du erkennest, wie wehe mir ist. Du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon viele geworden sind; du hast selbst mein Winseln, Seufzen, Klagen und Schreien vernommen. Wo soll ich in meinem Elend und in meinen Schmerzen hin? Ach! wo soll ich hin, wo weiß ich hin, wo kann ich hin, als nur zu dir allein, dem HErrn, meinem Gott? Wenn ich allen Menschen meine Noth klagte, so würden sie wohl mit mir ein Mitleiden haben, aber sie könnten mich doch nicht erretten. Darum komme ich zu dir; ich weiß, du kannst mir helfen; es steht bei dir; sprich nur ein Wort, so werde ich leben. O liebster Jesu! der du dem tobenden Meer befohlen hast, sich zu legen, ach! befehle auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilt hast, laß deine Barmherzigkeit auch an mir Bitte um Linderung der Schmerzen. groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so Vieles ausgestanden habe. Ach! komm zu mir mit deiner Hülfe, ehe mich der Schmerz gar aufreibt. Und soll ich ja nach deinem Rath Noch länger Schmerzen leiden, So laß mich doch in deiner Gnad' Als wie ein Schäflein weiden, Daß ich im Glauben und Geduld Erwarte deine Vaterhuld, Die meine Schmerzen ſtillet. Ach! lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich gesund und von Schmerzen befreit. Aus der Tiefe rufe ich, HErr! zu dir; laß deine Ohren auf die Stimme meines Flehens merken; meine Seele wartet auf den HErrn und auf seine Hülfe von einer Morgenwache bis zu der andern; denn ich weiß, bei dem HErrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen; errette mich, und vergib mir meine Sünden um deiner Güte willen: doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Soll ich die Schmerzen noch länger tragen, so geschehe dein Wille; gib mir nur Kräfte, daß ich es durchkämpfen könne. Gib mir, mein Gott! zuweilen einen Ruhetag, an dem ich mich wieder erquicke, oder doch eine Stunde, in der ich mich erhole. Unsere Trübsal ist zeitlich und leicht, darum mache du mir meine Schmerzen leichter, und befreie mich endlich davon. Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt den Schmerz, Erkennst mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 241 1. Ach mein Gott, hilf mir doch! Du siehest, wie mir's gehet; Ach! dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet; Für Kranke. Bis du mir hilfest aus, Und nimmst die Noth von mir. 4. Ach mein Gott, hilf mir doch! Ich weiß, du kannst mich retten: D'rum wollest du es thun In diesen meinen Nöthen; Du kannst es; du bist Gott, Dem nichts unmöglich ist; Du willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. 5. Ach mein Gott, hilf mir doch! Daß ich dein Lob erheben, Und dich auch preisen mög', So lang ich werde leben, Und sagen allezeit: Getrost, Gott lebet noch, Und währt es noch so lang, Siel', mein Gott hilft mir doch. 242 Dritter Theil. Du weißest meinen Schmerz, Mehr als ich sagen kann: D'rum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich gethan. 2. Ach mein Gott, hilf mir doch! Auf dich steht mein Vertrauen, Ach! laß mich deine Hülf' Mit Freuden bald auch schauen; Du bist's, der Hülfe leiſt't, Ja du bist's ganz allein: D'rum stelle dich doch bald Zu meiner Hülfe ein. son 3. Ach mein Gott, hilf mir doch! Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad' Und Hülfe willst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht; Ich lasse nicht von dir, Der Kranke bittet, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Zion spricht: Der HErr hat mich verlassen; der HErr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, 14-16. Verursacht es einem Armen eine große Freude, einen reichen Wohlthäter zu haben, und einem Verlassenen, einen starken Beistand zu haben: so kann auch ein Kranker große Frende in seiner Krankheit und seinen Leiden haben, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hiebei aber soll er merken: 1) daß nicht ein jeder Verzug der Hülfe ein Verlassen sei: denn manche Kranke, wenn Gott nicht sogleich und nach ihrer Rechnung bald hilft, schreien und sprechen, Gott habe sie verlassen, allein so soll man nicht gedenken. Hülfe, die er aufgeschoben, hat er d'rum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wann's nöthig ist. Es soll ein Kranker 2) denken, Gott habe seine Hülfestunde bestimmt, in der er helfen will; doch bis dieselbe anbricht, soll er geduldig warten. Er soll 3) gedenken, ob er in gesunden Tagen nicht auch Gott verlassen habe; was wäre es denn Wunder, daß ihn solches Gott jetzt empfinden ließe? Hieran aber will ihn Gott durch den Verzug der Bitte des Kranten, Gott wolle ihn nicht verlassen. 243 versprochenen Hülfe erinnern. Darum bleibt der Kranke 4) dabei, daß er im Glauben sage: Gott kann mich nicht verlassen; ich bin sein Kind. Gott will mich nicht verlassen: er hat mir's verheißen. Gott wird mich nicht verlassen: er hat mir vorher schon oftmals geholfen. Wird er sich so in Gott fassen, so wird er den Verzug der Hülfe in Gott leiden, und endlich herrlich sehen, daß er von Gott nicht verlassen worden sei. Gebet. Odu allerliebster Gott und Vater, der du mich je und je geliebt, und aus großer Liebe zu dir gezogen haft! fiehe, ich armer Kranker komme zu dir, und bitte dich demüthig, du wollest mich in meiner Leibesschwachheit jetzt nicht verlassen. Du weißt ja, mein Gott! daß ohne dich mir nicht geholfen werden kann. Du bist der Mächtige in Jakob, der Schuß Ifrael, die Zuflucht der Betrübten, der Helfer der Elenden, der Beistand in der Noth. Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; er wird sich aufmachen und sich über Zion erbarmen; er wird mich in Gnaden ansehen. Menschen sprechen: ich kann euch nicht helfen; und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich von dir nicht verlassen bin; denn 10 Gott verläßt der Keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen; Mit Frenden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach mein Gott, verlaß mich nicht! siehe doch, wie mein Leiden so lange währt. Am Abend denke ich, morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja, in der Nacht rufe ich oft: Hüter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach mein Gott, vergiß mich nicht! Siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird. Ach, laß mich doch die Last nicht gar erdrücken! nimm den Stein hinweg, der auf mir liegt, die Ruthe, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Du ud sols Dritter Theil. Für Kranfe. sg fennst ja meine schwachen Kräfte wohl, wie viel ich ausstehen kann. Mein Gott! verlaß mich nicht! siche doch, wie mein Leiden gar mannigfaltig ist; es scheint, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vergrößere. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlassen willst? Willst du mir nicht helfen, so kann mir keine Kreatur helfen; willst du mich ver=laffen, so bin und bleibe ich ohne Hülfe. Allein ich weiß, du verläßst mich nicht; ich halte dir deine Verheißung vor, da du versprochen: Ich will dich nicht verlassen; ich will dich nicht versäumen. Die auf den HErrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben wie der Berg Zion. Der Held in Israel leugt nicht; er wird seinem Volk Kraft geben, und den Elenden, der keinen Helfer hat, erretten, und den Seelen der Armen gnädig seyn. Nun auf dein Wort traue ich, und hoffe, du werdest deine Zusage treulich im Himmel halten. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut; ich bin dein Eigenthum, darum wirst und kannst du mich, dein Kind und Eigenthum, nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen; du hast mich noch nie in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über mein Haupt zusammenschlugen, verlassen: so wirst du es dießmal auch nicht thun. Darauf gebe ich mich zufrieden; darauf verlasse ich mich, und bin gutes Muths, und sage: HErr! ich lasse dich nicht, du helfest mir denn auf eine solche Art und Weise. wie es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr Jesu! steht mein Sinn; Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Amen. 244 ed Erinnerung an den Tod. Gefang. El dim Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten zc. 245 1. 3ch trag' mein Leiden nicht alleine, Mein Jesus träget es mit mir; Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet bei mir für und für; Ich trag' mein Leiden nicht allein, Dieß soll mein Trost und Labfal seyn. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, Und auch die Hülf zu seiner Zeit; Wenn nun die Stunde angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid: D'rum werde nur mein Glaub' nicht klein, Ich trag' mein Kreuz ja nicht allein. 3. Sieh', Gott ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf diesen Tag noch steh', Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich aus großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun will ich es geduldig tragen, Und währte es gleich noch so lang! Sollt' ich an Gottes Hülf' verzagen? Um Hülfe ist es mir nicht bang, Gott stellt sich bald zurHülfe ein, Ich bin im Kreuze nicht allein 5. Mein treuer Gott! dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht; Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hülfestund' anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein, und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden; ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe den Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten. Hin fort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird; nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2 Tim. 4, 6-8. Sich seines Todes erinnern, ist eine nützliche Sache, denn 1) dadurch zieht man sein Herz von der Eitelkeit und von den Sünden ab; man sieht alles Irdische als Dinge an, die man nicht in den Himmel nehmen kann, die man nicht behalten kann, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes zu erinnern, ist auch 2) eine nothwendige Sache, denn welche da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernt, diese werden oft frech, üppig, boshaft, diese vertiefen sich in die Welt, und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod unvorbereitet, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes zu erinnern, ist 3) gar heilsam; denn wer, bevor er stirbt, sich sein Ende fleißig vorstellt, der stirbt nicht, wenn er stirbt, und dem kommt der Tod nicht schrecklich vor; denn der Tod der Glaubigen ist nichts anderes als ein Hin Dritter Theil. Für Kranke. gang zum Vater und als ein süßer Schlaf; wer fürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? 4) Man soll aber nicht denken, daß es ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellt, sein Testament macht, und sich zum seligen Sterben bereit hält; o nein! deßwegen stirbt Niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott sein Lebensziel bestimmt hat. Man soll 5) sich auch seine Todesstunde nicht so gar arg und schrecklich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt, der Tod sei das erschrecklichste unter allen schrecklichen Dingen; Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Ge meinschaft des heiligen Geistes; was ist denn schrecklich daran? Ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Gebet. 246 HErr! es ist genug, nimm meine Seele hin; so seufze ich zu dir, mein Gott! indem ich in meiner großen Schwachheit, die immer größer wird, wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich begehre aufgelöst und bei Christo zu seyn. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht; ich habe bei gesunden Tagen oft an ihn gedacht, darum kommt er mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Täublein Noä mit Freuden zu der Arche zurückkehrte; wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilt: so sehe ich meinen Tod als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe an, als ein glückliches Anlangen aus dem Pilgerleben in das himmlische Freudenland; da wird nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen. Ich weiß, daß der Tod einem glaubigen Christen ein sanfter Schlaf und ein Durchgang in das ewige Leben ist. Böse Menschen und Weltkinder mögen sich vor dem Tode fürchten; denn sie haben keinen gnädigen Gott, fie stehen n cht in der Gemeinschaft Jesu Christi, und haben ihr Herz Gott dem heiligen Geist nicht zur Wohr ung übergeben; allein ich fürchte mich nicht zu sterben, we ich dessen Alles versichert bin. Der HErr ist mei Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürch Erinnerung an den Tod. 247 ten? Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem follte mir grauen? Gott ist mein Vater, Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein Führer und Tröster; zu diesem komme ich, zu diesem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Meiner Seele Bräutigam wird mich, seine Braut, wohl empfangen. Wenn mein Jesus von seinem bevorstehenden Tode sprach, so redete er: Ich gehe zum Vater. Ja, liebster Jesu! ich will dir auch nachsprechen: Wenn ich sterbe, so gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich zu sterben fürchten? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein: warum sollt' ich nicht fröhlich seyn? Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fährt zu Gott; sie geht aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit: ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sehe ich doch schon, wie die Engel um mein Bette stehen, und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen. Sehe ich doch, wie Jesus seine Arme ausbreitet, und mich als sein Kind empfangen will, wie so viel tausend Glaubige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getrost; ich vergesse, was dahinten ist, nämlich die Erde und alles Irdische, was ich auf Erden habe, und strecke mich nach dem, was da vornen ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Wie wohl wird mir seyn, wenn ich aufgelöst bin! wie selig Start, Handbuch. 17 248 Dritter Theil. Für Krante. werde ich seyn, wenn ich in Jesu Armen bin! wie vergnügt werde ich seyn, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben hindurch gedrungen bin! of how chip adap of Kann uns doch der Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen; Schließt das Thor der bittern Leiden, Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zu ew'gen Freuden. Amen. 01 10220 Gesang. 31/ Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. 1. Wer da will als frommer Christ Nach Gottes Willen sterben, Durch Jesu Blut versichert ist, DenHimmel zu ererben: Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seliglich Von hinnen möge scheiden. 2. Vor Allem fall' erGott zu Fuß', Beweine seine Sünden, Er thu' in Zeiten wahre Buß', Daß ermög' Gnade finden, Er hafse jede böse That, Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ, Und flieh' zu dessen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd' entbunden Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm' dieß Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. modik zur Redug 4. Er führ' sodann in Frömmigkeit Ein gottgefällig Leben, Hab' Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend', Und bleibe fromm bis an sein End', Wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe aber allermeist Die schnöden Sündenwege, Und was uns sonst von Gott abreißt; Er steh' nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er lebe als ein Gotteskind, Und meide, was Gott hasset. 6. Er halte stets mit Beten an In den gesunden Tagen, Ereile, weil er beten kann, Die Noth Gott vorzutragen, So wird Gott das Gebet ansehn, Wenn seine Lippen starrend stehn Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit mit seinem Feind versöhnen, Der ihn in Zorn und Bitterkeit Hat suchen zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab' Eh' man ihn träget in das Grab, Und er den Feind verlasſe. 8. Er flebe nicht an dieser Erd' Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist uns'rer Lieb' nicht werth, Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll: Hingegen thut derfelbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. Betrachtung über Grab und Auferstehung. 9. Mein Gott! verleih' mir deine Gnad', Daß ich die Welt nicht achte, Und gerne folge deinem Rath, Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt Zum Himmel mög' eingehen. Der Kranke betrachtet sein Grab und seine Auferstehung. Aufmunterung. 249 Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. 11, 25. 26. Wer als ein Christ an sein Grab denkt, der wird nicht davor erschrecken, so finster es auch immer seyn mag, denn 1) ist es eine Ruhestätte, wo wir von allen Schmerzen, Jammer, Kummer und Herzeleid befreit werden sollen. Wird aber der Frommen Leib ohne Schmerzen schlafen und ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen und unendlichen Freude genießen, denn der Gerechten Seelen find in Gottes Hand, und keine Plage rühret sie an; Trost, Freude und Wonne wird stets um sie seyn. Der Leib soll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruht haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, wie die Sonne leuchten, und mit der Seele wieder vereinigt werden. Wollte man 4) einwenden: ich muß aber die lieben Meinigen und meine Habe und mein Gut auf Erden verlassen, so soll man denken, daß im Himmel ein frohes Wiedersehen sehn wird derer, die sich hier in dem HErrn geliebt haben. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben, und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nicht mehr von ihnen geschieden werden. Was die leiblichen Güter betrifft, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wenn dieses Alles von einem Kranken überlegt wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht erschrecklich vorkommen. Gebet. e Gnädiger und barmherziger Gott! fiehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich nach vieler Trübsal und vielen Leiden zur Ruhe bringen wird. Denn nach dem Abschiede aus diesem Leben muß ich all' mein Leiden, meine 17* puds Dritter Theil. Für Krante. Trübfal, mein Kreuz und meine Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude; ich werde ergößt, erquickt, erfreut, nachdem ich in der Welt so viele elende Stunden und traurige Nächte gehabt habe. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird meine Ruhestätte seyn; mein Elend, meine Krankheit und mein Leiden kommt nicht mit mir in's Grab, dieses muß draußen bleiben. O stiller Ort, o angenehme Ruhestätte! wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Schoos gelegt werden? Das Grab hat mir Jesus selbst geheiligt, er hat mir's zur Ruhestätte gemacht; als er nach ausgestandenen Leiden darein gelegt wurde, da hörten seine Schmerzen und all' sein Jammer auf. So hat der HErr HErr auch meinem Leib eine Ruhestätte in der Erde bereitet, und der Seele einen Erquicungsort im Himmel. Suchen Menschen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe: siehe, so sind sie gegen mein Grab nicht zu vergleichen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und andere Zufälle vertrieben werden: in meinem Grabe wird mich Niemand stören. Jesus wird meine Gebeine bewahren, daß deren nicht eins verloren gehen wird, ja, er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zusammen bringen. Im weichen Bette muß Mancher Schmerzen und Ungemach erdulden, aber in meinem Grabe wird kein Unglück sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich berühren. So ist das Grab eine von allen Leiden und Schmerzen befreite Ruhestätte; sobald Jemand da hineingelegt wird, so hört sein Schmerz und sein Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? Ich werde ja nicht darin bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubt, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten 250 Betrachtung über Grab und Auferstehung. Tage. So foll mein Grab denn nur ein kurzer Aufenthalf seyn, wo mein Leib schlafen wird, bis Jesus kommen und sprechen wird: Stehet auf, ihr Todten! und kommet vor das Gericht. Es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören, und hervorgehen werden. Wenn ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich aus meinem Grabe auferstehen; mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereinigt; mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden; ich werde wie die Sonne leuchten, ja, alle Schwachheit um und an wird von mir seyn abgethan. Wie das Waizenforn wieder hervorgrünt, wenn es in der Erde erstor= ben zu seyn scheint, so werden auch meine Gebeine wieder gesammelt, mit Adern verbunden und mit Haut umgeben werden. Es wird gefäet verweslich, und wird auferstehen unverweßlich; es wird gesäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib, und es wird auferstehen ein mit geist lichen und himmlischen Kräften begabter Leib. and dan piis 19 Was hier kränkelt, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen. Weil du, HErr Christ! erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben, Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Kann Todesfurcht vertreiben, Denn wo du bist, da komm' ich hin, ral Daß ich stets bei dir leb' und bin; fim id fe D'rum fahr' ich hin mit Freuden. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Die Arm' will ich ausstrecken, to thin SIT HIS OR US idjad Ich schlafe ein, und ruhe sein, Kein Mensch kann mich erwecken, Als Jesus Christus, Gottes Sohn: Der wird die Himmelsthür aufthun, 251 duale 153 Mich führ'n zum ew'gen Leben. Amen. 2000 jom sid mochosaine PE sirs them 09160( I Dritter Theil. Für Krante. Gesang. 3pm Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da rechte Ruhe habe Nach wohlbestand'nem Weh und Ach; Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 252 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg' und Kümmerniß von mir, Und lässet mich ganz sanfte rasten, O großer Gott! dieß dank' ich dir; Auch von den Sünden, Angst und Bein Werd' ich im Grab befreiet seyn. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, Jesus deckt mich selber zu, Es ist die beste Ruhestätte, Da Niemand störet meine Ruh'; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel' ist bei Gott freudenvoll. 5. D'rum bleib' im Grab und Jesu Wunden Mein Leib und Seele wohl bewahrt, Sie haben beide Höhlen funden, Da sie zur Herrlichkeit gespart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum vereinen wird. 6. O schönes Grab, o kühle Erde, O schwarze Gruft, doch fanfter Schoos! Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiben, Trübsal, Unglück los. HErr! meinen Geist befehl ich dir, Die Ruh' gönn' meinem Leibe hier. Sit out! ne Der glaubige Chrift dankt Gott wegen der wieder erlangten Gesundheit. Aufmunterung. Siehe zu, du bist wieder gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Joh. 5, 14. Daß die meisten Kranken gerne beten, dieses ist gewiß, und daß die meisten mit dem Munde Gott viel versprechen, wie sie, wenn sie Gott gesund werden lasse, neue Kreaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchengänger, und vom Leben, Herzen und Sinnen ganz neu werden wollen, dieses ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die allerwenigsten halten, dieses lehrt leider! die tägliche Erfahrung, weil sie nach der erlangten Gesundheit wieder so eitel, boshaft, unbändig, unartig und frech werden, wie sie vorher gewesen sind, wenn sie nicht gar schlimmer werden. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbett befreit hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes All Danksagung für die wieder erlangte Gesundheit. 253 macht ihn auf einmal auf's Krankenlager hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet, und ihn von der Todesgefahr gnädig befreit habe. 2) Es soll ein solcher Kranker, der nun wieder ge= sund worden ist, sein auf dem Sterbebette abgelegtes Gelübde bezahlen und sein Versprechen halten, darum, weil er es Gott und nicht Menschen versprochen hat; denn es ist besser, nichts zu versprechen, als das Versprochene nicht zu halten. 3) Hat er wieder, wie Hiskias, neue Kräfte erlangt, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen, und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen, und Andere dadurch erwecken, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Todes- und Lebensgefahr fleißig erwägen, und dem allmächtigen dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen, ja, so im Glauben und gottseligen Wandel beharren, daß er hinfort, wenn etwa Gott geschwind mit der Todesstunde kommen sollte, zum seligen Sterben und fröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit seyn möge. Gebet. O du allmächtiger und gnädiger Gott! ich trete nun hier vor dein allerheiligstes Angesicht, und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Krankenbette wieder aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angststunde, an das beschwerliche Leiden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, in der ich lag und schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet; du haft mich wieder auf meine Füße gestellt, daß ich ausund eingehen kann. Deine Gnade hat mein Klagen verwandelt in einen Reigen; du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet. HErr, HErr! du haft Großes an mir gethan, dessen bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr: wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott! haft nicht Luft an unserem Verderben; nach dem Ungewitter läßt du die d Dritter Theil. Für Krante.go Sonne wieder scheinen; nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden, daher will ich mein Lebenlang an die Angst meiner Seele denken; aber ich will auch, o allmächtiger Gott! vor der großen Gemeinde rühmen, was du an mir gethan hast: du haft die Arznei gesegnet; du hast meine Schmerzen gelindert; du haft mir Kraft gegeben, das Leiden zu überwinden; du haft nach den mühsamen und äußerst schweren Nächten mir Erquickungstage bescheret, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmt. Darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich will den HErrn loben allezeit; sein Lob soll immer in meinem Munde seyn; meine Seele soll sich rühmen des HErrn, damit die Elenden und andere Krante es hören und sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöthen, Krankheit und Leiden gewesen seid, den HErrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörte der HErr, und half uns aus allen unsern Nöthen. Die den HErrn in ihrem Elend im Glauben ansehen und mit Gebet anlaufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden; er läßt sie nicht betrübt von seinem Throne weggehen, sondern er erbarmt sich ihrer gnädig. Ach, mein Gott! laß diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn. Nun weiß ich und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, daß du die Todten lebendig, Kranke gesund, die Schwachen start, und Betrübte fröhlich machen kannst; war ich dem Tove nahe, so hat deine Güte dieses Mal mein Leben noch erhalten. Darum, mein Gott! habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, die mir 254 Danksagung für die wieder erlangte Gesundheit. geschenkte Gesundheit, das auf's Neue mir verliehene Leben, und die Jahre, die ich nach deinem Rathe in der Welt noch bleiben soll, zu deinen Ehren anzuwenden und in der wahren Frömmigkeit zuzubringen. Ach! ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch Freunde, die Last der Leiden mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen bättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich künftig nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich zu deinem Altar halten, da man die Stimme des Dankes hört, und da man alle deine Wunder erzählt; ich will, da mir diese besondere Gnade erschienen ist, das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte verläugnen, und züchtig, gerecht und gottselig leben, damit ich, wie die flugen Jungfrauen, bereit sei, wenn du mit meiner Todesstunde und dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der Hochzeit des Lammes, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß, Mein Gott! in meinem Herzen, Doch deine Tröstung war gewiß Mein Labsal in den Schmerzen. Immanuel, Trost Israel! Jannőt 255 Je mehr du mich verletzest, Je mehr du mich ergötzest. Ich hatte viel Bekümmerniß, Wenn ich den Tod betracht'te. Da mir das finst're Grab gewiß Nicht kleines Grauen machte. Immanuel, Trost Israel! Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht geschrecket. So hatt' ich viel Bekümmerniß, Du aber viel mehr Liebe, Dein Trost war mir so engelsüß, Daß er die Angst vertriebe, Immanuel, Trost Israel! Kannst du mich hier so trösten, Dort ist der Trost am größten. Amen. hiss edir Itad Gesang. Mel.: Wie soll ich dich empfangen. 1. Wie kann ich gnugsam preisen, HErr! deine Wunderthat, Und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb' und Gnad'; Weil 256 sdd Dritter Theil. Für Krante. das, was mich gedrücket, Mein Leiden, ist dahin, Und da ich hochbeglücket, Vom Tod errettet bin. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülf' erblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seele ist erquickt, Ja Sinnen und Gemüthe, Und was nun ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater! für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder fingen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Gut's gethan; Mein Herz stimmt ein mit Freuden, Und rühmet überall, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen dieses Mal. 4. Ich sahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich gnugsam fassen, Daß du so gnädiglich von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden Durch deine starke Hand. smil 5. 3ch konnte mir nicht rathen; Ich war von Hülfe bloß, Doch sah ich Wunderthaten, Da du in deinen Schoos Mich als ein Vater legtest, Und hieltest dich zu mir, Und wie ein Kind mich hegtest, Und sprachst: ich bin bei dir. 6. Ja wohl, ich hab' empfunden, Daß du an mich gedacht, Denn ich hab' überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja! ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit, Ich bin in Noth gewesen, Und nun daraus befreit.d 7. HErr! ich hab' recht gesehen, Was du an mir gethan, Ich will es gern gestehen, und sagen Jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich Alles neigt, Sich hat in diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach! lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöthen seid, Ihr könnet an mir schauen, Des HErren Gütigkeit, Der kann das Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hilfe senden, So wie ihr sie begehrt. 9. Mein Gott! ich werf mich nieder Vor deinem Thron allhie, Und singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freudenstund'. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Vergess' ich nimmermehr. tastalus hid hilof si: İSR indiredmonisdag is dar din Joi? snied nations in fpir dull 331 Dig Cablen Sie ruhen an uren Arbeit Offenb 14.13 MY UIT ~ m Jesus! com met het toc Geſegneten Cacines Vaters Ell'atte 25.3 Wie wohl ist meinem Leib nach ausgestandnem Leiden, Wie wohl ist meiner Seel in jenen Himmelsfreuden! " N COMET annus 257 s Mierter Chril. sdoj Aufmunterungen, Gebete und Gefänger für Sterbende. ml 19anie offior arstjö morg TODO ma statt Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. mopilied Aufmunterung. Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. 2 Kor. 5, 10.0 So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet, dieses ist Pauli Ermahnung, 1 Kor. 11, 31.; und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich anklagt, um Jesu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig seyn; denn wer seine Missethat erkennt und unterläßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses soll nun auch ein Sterbender thun; er soll denken: 1) ich muß einmal vor's Gericht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, und hernach das Gericht; dieses geschieht nun gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsbald vor Gott erscheinen. Hat nun der Mensch, so lange er auf der Welt gewesen ist, geglaubt und fromm gelebt, so kommt er nicht in's Gericht; sondern weil die Sünden auf Erden um des Blutes Jesu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht werden, sondern sie werden vergeben bleiben. Ein Gottloser aber muß in's Gericht, weil er ohne Versöhnung mit Gott gestorben ist. Deshalb thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott versöhnt, Gott um des Blutes Jesu willen um Vergebung bittet, und so Gnade erlangt: so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schleunig oder langsam, so wird Gott seine Seele zu Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gericht wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechtgemachter in die ewige Freude eingehen. adik de Gebet. sand be poberaj dny Ich weiß, mein Gott! daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deßwegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, so lange ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, bevor ich sterbe. O gerechter Gott! weil ich nicht weiß, wie lange es noch 258 Vierter Theil. Für Sterbende. bis dahin ist, daß ich von der Welt abscheiden soll, siehe, so komme ich hier vor dein Gericht, und klage mich selbst an. Ach! ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und zwar öfters wissentlich, übertreten, ich habe dich nicht von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften geliebt; ich habe nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch mich den heiligen Geist leiten und führen lassen, wie ich billig hätte thun sollen. Ich gedenke, daß ich dein Kind in der heiligen Taufe geworden bin, aber daß ich nicht allezeit wie ein Kind Gottes gelebt, daß ich in der Beichte und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten, und mich wie der der Welt gleichgestellt habe. HErr! ich habe arg gehandelt; ja, mich drückt der Sünden Last; ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget haft; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Laft sind sie mir zu schwer geworden. O gnädiger Gott! der du verheißen hast, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, siehe, ich komme jetzt, während ich meinen Verstand noch brauchen, während ich mich noch wohl befinnen kann, und will Frieden mit dir machen. Ach! ich bereue meine Sünden, und falle vor deinem Nichterstuhle nieder, und spreche: HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich fliehe, o Vater! zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir; ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber ach! sei deinem Kinde gnädig, und verstoße mich um meiner Uebertretungen willen nicht. Ich fliehe zu dir, o Jesu, mein Fürsprecher; ach, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes! Stellung vor das göttliche Gericht. II Denn ob Jemand fündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist, der ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. Ach! um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missethat; um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden! Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit! du werther heiliger Geist! zu dir fliehe ich; ach! schaffe ein neues Herz in mir; heilige und reinige es; gib mir das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben, und in kindlichem Gehorsam zu sterben. Ach! wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Gebete, liebliche Todesbetrachtungen; verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels und der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: sei getrost, mein Kind, dir sind deine Sünden vergeben. Alsdann fürchte ich mich nicht, zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Himmel vergeben sind. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich, und laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals Unrecht gethan habe, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jesu! Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann, Ach! so wollest du mich retten Und dich meiner nehmen an; Du allein, HErr! kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand Seid von mir noch nie erkannt. Amen. 259 260 Vierter Theil. Für Sterbende. in Gefang. duomse do nm@ Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 5. Ihr Todten, stehet auf! Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnenglanz, 3hr sollt nun ewig leben; Die Seele kehre sich Zu ihrem Leibe zu, Und hab' mit ihm verknüpft Erhab'ne Himmelsruh'. 1. Ihr Todten, stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schaar ergötzt, So wird der Bösen Rott' Dadurch in Furcht gesetzt. 2. Ihr Todten stehet auf! Ihr habt nun ausgeschlafen; Ihr Frommen, kommt herbei Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte! gehet ein 19 Zur Freud und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid, Die Ehrenkron' bereit. 3. Ihr Todten, stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden. Ihr Bösen! ihr sollt jetzt d Zur Höll' gestoßen werden, Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung seyn. 4. Ihr Todten, stehet auf! Seht, hier sind eure Glieder, Haut, Augen, Füß' und Händ', Die nehmet heute wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit; Womit ihr Sünd' gethan, Dem ist die Straf' bereit. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vers gebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Matth. 6, 14. 15. Zu der wahren Vorbereitung zum seligen Sterben gehört auch 6. Ihr Todten, stehet auf! Ach, möcht' dieß Wort erschallen In aller Sünder Herz! So würden sie nicht fallen In schwere Missethat; Denn wem das Herze bricht, Und liebet Jesum nicht, Der kommt in das Gericht. 7. 3hr Todten, stehet auf! Das soll mich nicht erschrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken; Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingehn, Und HErr! dein Angesicht Mit allen Frommen sehn. 8. Im Glauben will ich dir, O Seelenfreund anhangen, Durch deines Geistes Gnad' Recht fromm zu seyn anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Todten auferstehn, Ich mög' von dir verklärt Zur Seligkeit eingehn. Verzeihung und Bitte um Verzeihung. 261 die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung soll nun ein Sterbender nicht hinausschieben, sondern sie in Zeiten, da er noch beim vollen Gebrauch seines Verstandes ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten viel zuwider gethan worden ist, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit in's Grab nehme, sondern es ihnen von Herzen verzeihe, und wenn es möglich, mit Wohlthaten oder durch Freunde ihnen kund thue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn aber 2) er andern Leuten Verdruß angethan und sie beleidigt hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnt habe, ja er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebette rufen zu lassen, um sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung zu bitten, oder wenn sie abwesend sind, es ihnen schriftlich abzubitten, oder wenn sie todt sind, Gott um Verzeihung deßwegen anzuflehen. Hiebei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entrissene wieder geben, oder seinen Erben, weil die Sünde nicht vergeben werden kann, wenn das Entwendete und Gestohlene, oder der Werth desselben nicht wiedergegeben wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden sowohl das christliche Pflichtgefühl, als auch der göttliche Befehl und die Bedrohung, Matth. 6, 8., antreiben, und er soll wissen, daß er, wenn er nicht verzeihen will, bei Gott auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du gegen deinen Feind handelst, so wird Gott mit dir handeln. Gebet. Mein Gott! ich lebe, und weiß nicht wie lang; ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird das Haus des Friedens genannt, wo keine unversöhnlichen, rachgierigen und mit Zorn und Haß angefüllte Seelen eingelassen, sondern davon zurückgestoßen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und von aller Feindschaft reinigen; ich will gerne verzeihen und um Verzeihung bitten, damit mich Gott um Jesu willen als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Ach! ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feindschaft in der gewissen Zuversicht Start, Handbuc. 18 Vierter Theil. Für Sterbende. ablegen: wie ich von Herzen verzeihe, so werdest du mir auch verzeihen. Deßwegen verzeihe ich hiemit von Grund meiner Seele allen meinen Feinden, Widerwärtigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Mienen beleidigt haben; ich verzeihe und vergebe es ihnen nicht allein mit dem Munde, sondern vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich will nun und nimmermehr daran denken; ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen, und Gutes thun, wo und wann ich nur kann; ja, ich bitte Gott für site, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern zeitlich und ewiglich wohl ergehen lassen. Wie ich nun von Herzen verzeihe, und Allen verziehen habe, die mich jemals erzürnet, oder mir etwas zuwider, zum Schäden oder zum Verdruß gethan haben: so bitte ich auch hiemit alle Diejenigen um Verzeihung, denen ich jemals zu nahe geredet, denen ich etwas zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach! verzeihet es mir, ihr liebsten Freunde, um der Liebe Jesu willen; traget keinen Haß wider mich; ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe; ich bitte euch hiemit um Verzeihung von Herzen mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbette Alle sehen, so wollte ich es euch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott! verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er sei, wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich, zu Leide gethan habe, ach! vergib es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiemit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen, und nicht mehr an das erlittene Unrecht gedenken. Ach Gott! räche auch an mir das Unrecht nicht, welches ich gethan habe; ach! gedenke nicht meiner Sünden und Missethat; ach, mein himmlischer 262 Verzeihung und Bitte um Verzeihung. Vater, erbarme dich über mich! o mein Jesu, wasche mich von Sünden und bitte für mich! O du heiliger Geist, heilige mein Herz und reinige es von aller Untugend! So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih' daß ich aus Herzensgrund Meinen Feinden mög' vergeben; Verzeih' mir auch zu dieser Stund', Schaffe mir ein neues Leben. Dein Wort mein' Speis' laß allweg' seyn, Damit mein' Seel' zu nähren, mich zu wehren, Wenn Unglück kommt daher, Das mich bald könnt' abkehren. Amen. 263 Gesang. Mel.: Fren' dich sehr, o meine Seele zc. 1. Ich will Jedermann verzeihen, Der mich hier beleidigt hat; Ach Gott! laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad', Daß ich, dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find'; Ich verzeih von Herzensgrunde, Und versprech' es mit dem Munde. i dr 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater! dieß allein, Daß ich mög' mit allen denen Völlig ausgeföhnet seyn, Die mir sind von Herzen feind, Ich dagegen bleib' ihr Freund; Wüßten sie doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach! verzeiht mir, liebsten Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab', Bleibet doch nicht meine Feinde, Seht, ich schicke mich zum Grab; Ach! ich hab' mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach! das wollen wir aufheben, Und ihr wollt es mir vergeben. 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken, Nehmet meine Abbitt' an: Denkt, ach! denket daran nicht, Was ich Böses angericht't, Alles sei hiemit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott! da dieß geschehen, Komm ich nun versöhnt zu dir; Ach! laß mich dein Antlitz sehen, Großer Gott! verzeih' auch mir, Nimm weg meine Sündenschuld, Schenk' mir deine Lieb' und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Weil ich nun versöhnet bin; Es geschehe Gottes Wille, Dem geb' ich mich freudig hin. Fried' mit Menschen, Fried' mit Gott, Das versüßt die Todesnoth, Also kann man selig sterben, lind entfliehen dem Verderben. 18* Vierter Theil. Für Sterbende. Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. spilisd nd 264 alla mad Aufmunterung. Num, liebe Brüder! ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter Allen, die geheiliget werden. Ap. Gesch. 20, 32. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie solche haben, den Segen geben, dieses ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaak, Jakob, Tobias, Christo Jesu und Andern sehen. Dieser Segen nun ist 1) nicht vergebens; denn weil es ein Abschiedsgebet ist, so der Sterbende für die Seinen ablegt, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben und im Namen Christi geschieht, nicht unerhört bleiben. Die letzten Worte der Sterbenden pflegen 2) auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Erfolg zu seyn; daher wird eine Ermahnung eines sterbenden Vaters und einer Mutter oder Freundes nicht so bald vergessen, sondern als ein Stachel in dem Gemüth zurück bleiben. Weil es löblich ist, wenn ein Sterbender mit Beten, Segnen und frommen Wünschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er Niemand Böses wünsche, weil das eine Art der Rache seyn würde, welches keinem Christen geziemet. Kinder aber sollen 4) ermahnet seyn, daß sie die Eltern bei gesunden Tagen nicht betrüben, ihnen kein Herzeleid machen, und dadurch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. Gebet. Ewiger, gütiger und großer Gott! ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende etwa seyn möchte, und wann du über mich gebieten und mich von der Welt abfordern werdeft, darum will ich mich in Zeiten zu meinem Sterben anschicken, besonders aber auch mit Beten und Singen. Ich nehme hiemit Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden; ich befehle fie dir, o großer Gott! in deinen Schuß, deine Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Wohlthaten, Abschied und Segen. und da ich ihnen nicht Alles vergelten kann, so wolleft du an meiner Statt hinfort ihr reicher Vergelter seyn. Ich verlaffe meine Freunde, Verwandte und Bekannte, aber du, o großer Gott! wolleft sie nicht verlaffen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und in Frömmigkeit, damit wir uns einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Glaubigen und Kinder Gottes wieder zusammen kommen. Diejenigen aber, o getreuer Gott! die ich hinterlaffe, und welchen mein Abschied von der Welt betrübend und schmerzlich seyn wird, denen gib deinen reichen Segen. Der HErr segne euch, ihr meine ge= liebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele; er sei hinfort euer Vater, Versorger und Pfleger; er. nehme euch in seinen Schuß, er beschere euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen, und bewahre euch vor allem Uebel. Nur fürchtet hinfort Gott, und seid fromm, setzet euer Vertrauen auf ihn, und wiffet, er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig seyn. Wendet euch nicht von ihm ab durch den Unglauben, durch Bosheit und unchriftlichen Wandel; sondern seid ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlaffen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Ja, der Gott aller Gnade und Barmherzigkeit segne euren Aus- und Eingang, daß ihr die Gesegneten des HErrn seyn und bleiben möget. Ogroßer Gott! ich habe sie gesegnet, laß sie auch gesegnet bleiben. Und hiemit lege ich mich in deine Arme, o dreieiniger Gott! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu seyn. HErr Jesu! dir leb' ich, dir sterb' ich, de Dein bin ich todt und lebendig. 265 266 Vierter Theil. Für Sterbende. Segne euch Gott der HErr, ihr Vielgeliebten mein, di do Trauret nicht allzusehr über den Abschied mein; d Beständig bleibt im Glauben, Wir werden in kurzer Zeit Einander wieder schauen dan modual Dort in der Seligkeit. toplurs mi redmnis en Amen. Tolln godt med den Gesang. strant 910 1901 inmör mi Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. STUG 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Und gehen ein in meine Ruh' Nach vielem Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig waiden. 2. Ach Gott! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet, Ach! tilge meiner Sünden Heer, Gedenk derselben nimmermehr, Und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist; Mit ihm bleib' ich verbunden. O Jesu, Jesu! ich bin dein, Ach! laß mich auch dein eigen seyn In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell' ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen; Ich theile meinen Segen aus Von wahrem Grund der Seelen; Gott woll' den Meinigen beistehn, Und laß es ihnen wohl ergehn Und nie an Hülfe fehlen. 5. So will ich nun zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben; Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben; Sieh', ich bin hier, ach! nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe decken, Woselbst er auch verwahret bleib', Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zu Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel' empfehl' ich dir In deine tiefen Wunden, O Jesu, Jesu! bleib' bei mir In meinen Todesstunden, O Jesu, ach! verlaß mich nicht, Bis daß ich hab' dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid Durch Jesum Christum erben; Ich leb' und sterbe als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. Der Sterbende befiehlt sich Gott. 267 9. Und somit schlaf' ich selig ein, Weil sich mein Leben endet, Mein Jesus wird auch bei mir seyn, Der sich schon zu mir wendet; Eil' hin, mein Geist, zu deinem Gott, Fahr' hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. 100 im thr In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du getreuer Gott. Pf. 31, 6. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Lut. 23, 46. Es haben Sterbende öfters vor ihrem Tode noch Vielerlei zu befehlen und anzuordnen; sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. 1) Ein jeder rechtschaffener Christ soll täglich, wenn er sich am Abend schlafen legt, oder am Morgen aufsteht, seine Seele mit dem Leibe in Gottes Schutz befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, wie Gott am Tag oder während der Nacht über ihn gebieten werde. Thun aber dieß fromme Christen täglich, so sollen es vielmehr 2) Sterbende thun; sie haben vor sich das Beispiel ihres Heilandes; als er sterben wollte, so sprach er: Vater, in deine Hände befehl' ich meinen Geist! So machte es auch Stephanus, als er unter den Steinen seufzete: HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! Diese Sorge ist Gott angenehm, dadurch legt der Mensch seinen Glauben und sein Vertrauen zu Gott an den Tag. Dieses ist aber auch 3) höchst nöthig. Man sieht an Sterbenden so vielerlei Veränderungen und Zufälle. Owie wohl ist's dann gethan, wenn man bei gutem Verstande Gott seine Seele empfiehlt, und das Beste in gute Verwahrung bringt, im Uebrigen aber sich in Gottes Willen zu leben und zu sterben überläßt. 4) 3st so Alles bestellt, so stirbt man selig. Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen läsfest sterben, und sprichst: Kommet wieder, ihr Menschenkinder! der du deine Geliebten durch den Tod zu dir ziehest, und sie der Herrlichkeit theilhaftig machst, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben hat, ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zuruft: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben; mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen; halte deine 268 Vierter Theil. Für Sterbende. Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein herannahen wird, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele mit allen ihren Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen, treibe alle weltlichen und fündlichen Gedanken hinaus, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit und die Freude der Auserwählten mir vorstelle. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich Jesum Christum im Gedächtniß behalte, und sein vergoffenes Blut und Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todesstunde herbeikommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, vor schweren Gedanken, vor großen Schmerzen und vor unanständigen Geberden; laffe mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, bis mir der Athem ausgeht, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und wenn mir ja die Sprache entfallen sollte, so laß mich in meinem Herzen deine Lieblichkeit genießen und deine allerheiligste Gegenwart empfinden. Gib mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben; laß mich alsdann einen Blick in die frohe Seligkeit thun; gib mir in der Todesstunde einige Tropfen der himmlischen Süßigkeit zu schmecken, damit ich voll Freuden und Trost von hinnen abscheiden möge. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verläßt, ach! nimm sie alsdann in deine Hände. Vater, in deine Hände befehle ich meine Seele; ja, HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! Bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein, wie eine Braut zur Hochzeitfreude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie an dem lieben jüngsten Tag wieder mit dem Leibe vereiniget werden wird. Ja, ich befehle dir auch meinen Leib in der fühlen Erde; verleihe Der Sterbende befiehlt sich Gott. 269 demselben eine sanfte Rube, bis die letzte Posaune ertönen und rufen wird: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor's Gericht! und lasse mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rath Mo Von dieser Welt abscheiden, m Verleih' mir, HErr! durch deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freuden; Mein' Leib und Seel' befehl' ich dir, O HErr! ein selig's End' gib mir, Durch Jesum Christum. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 1. Mein Gott! ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt' ich noch um diese Gnad': Wenn nun mein Auge sterbend bricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht.de 2. Ich lebe noch, und kann noch beten, D'rum bete ich, und komm zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so g'nüget mir, Und wenn der Tod zum Herzen bricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 3. Wenn meine Todesstund' erscheinet, Und werden meine Lippen blaß, Wenn Jedermann mich klagt und weinet, Wenn ich vom Todesschweiße naß; Wenn sich entfärbt mein Angesicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht finde, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab' im Sinn, Und wenn mein Herz von Sünden spricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 5. Wenn sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zufließen: Ich geb' dir, was du hast begehrt; Wenn meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 6. Wenn meine Augen dann vergehen Zuletzt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen, und zeig' mir deine Herrlichkeit; Auch wenn verlischt mein Augenlicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder sehn, noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, HErr! deinen Geist mich lehren, Und stärk' den Glauben mehr und mehr; Ja, wenn ich auch soll vor's Gericht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 270 Vierter Theil. Für Sterbende. 8. Und sind die Glieder ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen seyn, Und wenn man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wenn dieses Alles nun geschieht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, Und gibt man mir das Sterbekleid, So laß die Seele gehn im Frieden Zur Himmelsfreud' und Seligkeit, Und laß mich sehn dein Angesicht, Begleitet mit dem Freudenlicht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau' im Grabe doch auf mich; Laß mich da sanfte Ruhe haben; Denn hab' ich, großer Jesu! dich, So bleibt der Leib mit Erd' umhüllt, Die Seel' mit Himmelsglanz erfüllt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhier getragen hab', Auf daß ich ganz mit Seel und Leib Dein Eigenthum auf ewig bleib. Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. Aufmunterung. Stephanus aber voll heiligen Geistes sahe auf gen Himmel, und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Apostelg. 7, 55. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann es für eine glaubige Seele geben, als an Gott und an den Himmel zu denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, ihr Vaterland, ihr Trost, ihr Erbe, ihre Krone, ihre Herrlichkeit, ihr Verlangen, ihre Freude; ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott; ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es so mit einem Glaubigen, wie viel mehr mit einem Sterbenden seyn? Bei dem Sterbenden finden sich allerhand traurige Dinge ein: die finstere Erde, der Abschied von den Seinigen, der Umstehenden Thränen, der letzte Todesstoß und dergleichen. Allein dieses alles kann versüßt werden, wenn der Sterbende sein Herz da hinein schickt, wo er ewig zu seyn wünscht. 1) Der finstern Erde soll er die Herrlichkeit des Himmels entgegensetzen, wo Alles mit Licht erfüllt seyn wird. 2) Thut der Abschied wehe, so soll er an die Cherubinen, Seraphinen, an die heiligen Engel und Auserwählten im Himmel denken, bei welchen und um welche er in Ewigkeit seyn wird. 3) Sieht er die Seinigen weinen, o soll er sich der ewigen Frende, der Wonne und Glückseligkeit rinnern, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, wo kein Ach 44Himmelsbetrachtung. 271 und kein Weh und keine Thränen mehr seyn werden. Ja 4) der Todesstoß soll ihm keinen Schrecken bringen, weil er in den Armen Jesu und in der Gemeinschaft des heiligen Geistes stirbt. Wer solche Himmelsgedanken hat, wer sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellt, dem wird sein Sterbes bett zum Paradiese werden. Gebet.mic O du gnädiger Gott, wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen! Nicht allein beweisest du uns Gutes, heiligest uns, erhörest uns, erbarmest dich über uns, überschüttest uns mit vielen Wohlthaten, so lange wir leben; sondern du hast uns auch viele und herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben; denn im Himmel sollen wir haben, o Gott, wie große Gaben! Deßhalb stelle ich mir im Glauben deine große Majestät und Herrlichkeit und den Glanz vor, in dem du wohnest: wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Auserwählten, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden gelebt haben, vor deinem Throne stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zur Ehre anstimmen. Ja ich stelle mir vor, wie ich bald auch unter ihnen stehen werde, wenn ich nun sanft und selig gestorben seyn werde. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen, und mit einem weißen Kleide angethan seyn werde, ja, wo ich selbst wie die Sonne leuchten werde. Herrlichkeit, o Seligkeit, o Glückseligkeit, die mir der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit um Jesu willen mittheilen wird! Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thüre zu solcher Herrlichkeit aufthun wird. Kann ein irdischer König seinen Palast so berrlich ausschmücken lassen, daß man sich darüber verwundert, und sich nicht satt sehen kann: wie groß und herrlich wird nicht die Pracht des himmlischen Königs und der Glanz des unendlichen Gottes seyn! Deßhalb 272 Vierter Theil. Für Sterbende. will ich gerne sterben und die Welt verlaffen; ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn er ist meine ewige Wohnung; hier haben wir doch keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schau' ich den Himmel an, so erinnere ich mich: da ist mein Vaterland, woselbst alle fromme Christen und Glaubigen versammelt sind. So lange ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilger und Wanderer, der immerwährend reist, aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelangt seyn werde, dann komme ich zur Ruhe, zum Frieden und zu meinem ewigen Wohlseyn. Ich sehe den Himmel mit Freuden an, und gedenke, das ist mein Erbe; habe ich hier kein großes Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unverwelkliches Erbe aufbehalten. Ich gedenke, der Himmel ist das Paradies, wo Gott die Glaubigen ergößen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten ist. Ich will, mein Gott! wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenlande zu Salomo, sagen: O mein Gott, o mein Jesu! mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt worden; du haft mehr Herrlichkeit und Gutes, als das Gerücht ist, das ich von dir gehört habe. Komm, o Tod, du Schlafesbruder! Komm, und führe mich nun fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bring' mich an den sichern Port; Es mag, wer da will, dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm ich hinein Zu dem süßen Jesu mein. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Hier ist gut seyn, also sagen Droben in der Seligkeit, Die da Kronen, Palmen tragen, Angethan mit Herrlichkeit: O wie ist uns hier so wohl, Wir sind alles Trostes voll; Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. Erwägang der Verheißungen Gottes. 273 2. Hier ist gut seyn, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angeficht; Wir sind selig, weil wir stehen In dem größten Glanz und Licht; Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll, Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut seyn, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud', Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit, Hier weiß man von keiner Klag', Nichts von Trübsal, Angst und Plag", Unser Antlitz ist voll Wonne, Da es leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut seyn, denn hier schweben Vieler tausend Engel Heer', Als bei welchen wir nun leben In der größten Lust und Ehr'; Hier erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar; Zu den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun will ich im Glauben bleiben, Und in wahrer Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben, Weil ich lebe in der Zeit, So werd' ich hier ist gut seyn" Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestand'nem Leiden Gehen auf den Himmelswaiden. 11 g. Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. Aufmunterun Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Sterbende haben Labsal und Erquickung sowohl dem Leibe als auch der Seele nach nöthig. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes, wovon David sagt: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostsprüche sammeln, sie in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Besonders aber soll ein Sterbender 1) fich erinnern oder erinnern lassen der herrlichen und göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift von der göttlichen Hülfe, dem Beistand, der Gegenwart und Gnade finden. 2) Soll er auch solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm rede, und ihm die Verheißungen allein gebe; denn Gott redet in der heiligen Schrift mit Allen und einem Jeden besonders. Hat er nun solche Verheißungen vor sich. so soll er 3) sich darauf verlassen, und nicht zweifeln, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; thut er es nicht in Einem Augenblick, in Einer Stunde, verzieht der HErr die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Vierter Theil. Für Sterbende. Gebet. O du gnadenreicher Gott! wie süß sind deine Verheißungen, die du mir in deinem Worte gethan haft, wenn du sprichst: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen; und wieder: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn; in meines Vaters Hause find viele Wohnungen; ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten; ich will wieder kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Ja, wenn ich versichert werde, Jesus bete für mich, und sei mein Fürsprecher, und daß der heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. Odu gnädiger Gott! erfülle nun alle diese Verheißungen an mir; ach, ach! die Noth wird immer größer; ach! sei und bleibe bei mir in meiner letzten Noth. Ach! verlaß mich jetzt nicht; stehe mir bei, o Jesu! laß mich zu der Herrlichkeit gelangen, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet hast. O Jesu! sei jetzt mein Fürsprecher; ach! bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach, du werther heiliger Geist! stehe mir in meiner Schwachheit bei, und gib mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf bevor, so bilf mir siegen und überwinden. Habe ich einen hohen Berg des Kampfes zu besteigen, so verleihe mir Stärke. Steht mir noch eine harte Stunde bevor, so hilf mir aus derselben. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, ja bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott! ich halte mich an deine Verheißung, und glaube, du werdest sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir, an mir Elenden, erfüllen. Ich glaube deinem Worte; ich traue auf dein Wort; mein Herz hält dir dein Wort vor: ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich 274 Erwägung der Verheißungen Gottes. 275 auch, HErr! dein Antlitz. Ach! dein Wort ist in meinem Leben immer mein Trost und meine Freude gewesen, ach! laß es jetzt in meinem Tode mein Labsal und meine Erquickung seyn. Kommt die Zeit, da mir um Trost gar bange wird, so nimm dich meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß auf mir steht; erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden; tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergeht! O du dreieiniger Gott! alsdann laß in meinem Herzen mich Freude und Wonne, Jubel- und Freudentöne als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit vernehmen. O du großer Gott! erhöre, Was dein Kind gebeten hat, Jesu! den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rath, Und mein Hort, du werther Geist! Der du Freund und Tröster heiß'st, Höre doch mein sehnlich's Flehen, Amen, ja, es soll geschehen. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. eid 1. 3ch sterbe gern, warum sollt' ich mich vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget innig sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird erneuen. ideal 2. 3ch sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück erheben; Für Trübsal, Jammer, Angst und Noth Wird Gott mir Freude geben, Das Thränenmaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen seyn In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gerne, weil ich werd' Dereinst auch auferstehen, Und herrlich aus der finstern Erd' Und meinem Grabe gehen, Ich werd' verklärt in Glanz und Licht Des Allerhöchsten Angesicht Mit Lust und Freude sehen. 4. 3ch sterbe gern, dieß bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen zu Gott an jenen Freudenort, Zur schönsten Schaar der Frommen. Ach, wann bricht an die Freudenzeit, Da ich zur Himmelsherrlichkeit Auch werde angenommen! 276 Bierter Theil. Für Sterbende. Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Himmelsgemeinschaft. Aufmunterung. Darnach sahe ich, und siehe eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme, und sprachen: Heil sei Dem, der auf dem Stuhle sigt, unserm Gott und dem Lamme! Offenb. Joh. 7, 9. 10. Was kann sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und Himmelsgesellschaft denkt, deren Andenken einen Frommen hier auf Erden öfters ergötzt. Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden siehet, als Dinge anschauen, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll dagegen 2) himmlische Betrachtungen der Himmelsfreude anstellen, wie er nach dem Abschiede aus diesem Leben in die Freude und den Glanz des Himmels werde versetzt werden, wo lauter Sonne, Friede, Freude, Trost und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Ergößen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen über die himmlische Gesellschaft anstellen, wie er nun bald das Angesicht des dreieinigen Gottes schauen, und zu viel tausend Engeln und Auserwählten kommen werde. Wenn so ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellt, so wird ihm sein Leben versüßt, und die Stunde kurz werden, ja er wird dabei heilige Ahnungen in seiner Seele empfinden. Gebet. Wielieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth: meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen; ach, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen, und vor deinem Thron mit allen Engeln und Auserwählten stehen werde! O welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich finden, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig gestorben seyn werde, weil ich in die Wohnungen des Friedens versetzt, mit Schmuck und Ehren gekrönt und des himmlischen Glanzes werde theilhaftig werden! O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf mich! Ich werde den Betrachtung der Himmelsfreude zc. dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht schauen; was ich hier geglaubt habe, werde ich dort schauen; was ich hier nicht habe begreifen können, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen, da werde ich völlig durchstrahlt, durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllt feyn. Welche Freude aber wird das seyn, den großen majestätischen Gott in seiner Herrlichkeit zu erblicken! Darum seufze und bete ich mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott! zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue! Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hier geglaubt und den wir doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückſeligkeit bestehen; mein Leiden wird in Freuden, mein Weinen in Jauchzen, meine Trübsal in Wonne, mein Elend in Ergößen, mein Jammer in Trost und mein Herzeleid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in dieser allerliebsten und ſeligsten Gemeinschaft leben; hier bin ich unter Menschen, hier habe ich ja unter Freunden und Feinden mein Leben hinbringen müssen: allein in der Herrlich keit werde ich so viele tausend heilige Engel antreffen, welche in großem Glanze und Lichte um Gottes Thron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der HErr Zebaoth! anstimmen. Ich werde da alle Frommen und Auserwählten antreffen, die von Anfang der Welt her gelebt haben. Ich werde meine Liebsten und Freunde antreffen, die vor mir in Chrifto gestorben sind; mit denselben werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewig bleiben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele seyn! Alsdann werde ich nach dem Ver langen zum Umfangen kommen; ich werde bei dem HErrn seyn allewege, da wird mich keine Trübfal Start. Sandbuch. 19 277 278 Vierter Theil. Für Sterbende. mehr berühren, und dieses wird nicht etwa nur Eine Stunde oder Ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Aufhören. Ach! daß ich den Leibeskerker Heute noch verlassen müßt', Und käm' an den Sternenerker, Wo sonst nichts als Freude ist, Da wollt' ich mit Wortgepränge Bei der Engel großen Menge Rühmen deiner Gottheit Schein, Allerliebster Jesu mein! Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Welche füße Himmelsfreude! Welche große Herrlichkeit! O welch' prächtiges Gebäude Ist den Frommen zubereit't In den schönen Himmelsauen, Die sie einstens sollen schauen; Ach! mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Da wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Hier ist Gott selbst Licht und Sonne, Hier ist gut seyn, hier ist Wonne, Hier genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt Gott sich selber sehen, Den kein Aug' auf Erden sieht, In dem Sehen wird entstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried'; In dem Schauen istErfreuen; Das ergößzet stets vom Neuen; Seel' und Aug' wird nimmer satt, Das dann volle G'nüge hat. 4. Ja, in diesem Freudenleben, An dem frendenvollen Ort Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott sind hier und dort, Die im schönsten Glanze prangen Und des Höchsten Lob anfangen; Ich stimm' auch mit ihnen ein, Wann ich werd' bei ihnen seyn. 5. Da find't man der Frommen Schaaren Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron Schön geziert mit ihrer Kron'. 6. Unabläßig Gott zu loben, Ist der Frommen Werk allhier, Von der Seite und von oben Glänzet Alles wie Saphir; Die man hier betrübt verlassen, kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiedersehn, Das da ewig wird bestehn. 7. Auf, auf, lasset uns bestreben, Die wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels Zelt, Laßt im Glauben uns fest stehen und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifen Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel iſt. 8. Ďmein Gott! laß mich gelangen Auch zu dieser Herrlichkeit; Ach! verzeity, was ich begangen Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Führ' mich zu der Himmelswaide, Da ich mit der frommen Schaar Dich will loben immerdar. sadrets did thi Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. 279 Er erquicket mich mit Blumen. und seine Rechte herzet mich. Die Gegenwart Gottes im Leiden kann nicht anders als einer Seele süß und tröstlich seyn. Nun ist Gott nicht allein allen Kreaturen nahe, sondern er ist auch mit seiner wundervollen Gegenwart den Glaubigen im Leben und auch im Sterben nahe. O sollte Gott den Frommen die Augen öffnen, wie dort dem Knaben Elisa, o was würden sie um ihr Bett für eine heilige Gesellschaft sehen! so viele heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wieder eine Seele zur Herrlichkeit begleiten sollen, wie auch öfter fromme Sterbende gerühmt und gesagt haben: O wie hell ist es um mein Bette! sehet ihr dort nicht das weiße Licht? welches gewiß heilige Engel gewesen seyn werden. Besonders aber ist eine glaubige Seele von des dreieinigen Gottes Beistand versichert. 1) Der himmlische Vater wird an seine Vatertreue gedenken und seinem Kinde beistehen. 2) Jesus Christus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird auch durch seinen kräftigen Trost alsdann sie erquicken. Vergeht gleich Hören und Sehen; vergehen alle Sinnen, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung: ,, Ich bin bei dir in der Noth", auch jetzt in der Todesnoth an ihm werde erfüllet werden. O wohl dent, welchen Gott dieses Alles in seinem Sterben empfinden läsfet! Gebet. Seine Linke lieget unter meinem Haupt, Hohelied Sal. 2, 5. 6. Komm, HErr Jesu! so spreche ich jetzt mit der geistlichen Braut, ja komm und nimm meine Seele hin. Ich habe schon deine Süßigkeit geschmeckt, darum verlangt und dürftet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorgt, ernährt, geleitet und geführt hat: sollte der jetzt, da mein Lebensende herannahet, von mir weichen? O nein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kranken Kinde, und hilft ihn, so viel er kann, wie viel mehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen 19* Vierter Theil. Für Sterbende. Beistandes meines himmlischen Vaters getrösten! Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe austheilen, das mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich in das Reich eingehen heißen, das er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor; ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo; diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Ge meinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe, dessen Haupt Jesus Christus ist; wie aber das Haupt wohl weiß, wie es seinen Gliedern geht, so weiß auch mein Jesus, wie es jetzt um mich steht. Ich bin in ihm und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir in dem Sterben seyn. Gleichwie er die Seinigen geliebet hat bis an's Ende, da er sich für sie in den Tod gegeben hat, so liebt er sie auch, wenn sie sterben sollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich Den bei mir habe, der alle Todesbitterkeit durch seinen Tod weggenommen hat. Hier hat mein Jesus mich schon mit den Kleidern des Heils angezogen, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, dort wird er mir das weiße Kleid der Ehre und Herrlichkeit anlegen. Mein Seelenbräutigam führt mich zur Hochzeit; mein Seelenfreund macht mich seiner Herrlichkeit theilhaf tig. Mein HErr erfüllt an mir, was er gesagt hat: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. Der Tod ist mir nicht schrecklich; ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel in meinem Leben geheiligt, derselbe wird auch mit mir im Tode vereinigt bleiben. Er, der mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreut, im Elend erquickt, im Kreuze erhalten hat, derselbe wird 280 Trost des Beistandes des breieinigen Gottes. 281 mich in der letzten Stunde auch nicht verlaffen, sondern Zeugniß geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Sollte mir auch die Sprache entfallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei Gott vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er das Pfand unseres Erbes ist, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei, und zu der völligen Besitzung eingehen werde. Der Vater reicht mir die Krone dar; Jesus führt mich an der Hand zur Freude; der heilige Geist ziert mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben, alle Auserwählten und Frommen empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin: D'rum fahr' ich hin mit Freuden. Inhibe Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist 2c. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laß mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd' ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Voll Glanz, in hohem Freudenlicht, In jenen Himmelsanen. 2. Ich komm' alsdann zu Jesu Christ, Den werd' hernach ich sehen, Der hier mein Trost und Retter ist, Zu dem will ich dort gehen, Zu dir, o Jesu, Gottes Lamm! Und wie die Braut dem Bräutigam Zu deiner Rechten stchen. 3. Der Engel ungezählte Schaar Sind die, die mich empfangen, Ich werd' mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen, Hier bin ich in dem Freudenreich Den hohen Seraphinen gleich, Und dieß ist mein Verlangen. 4. Ach ja! im Himmel treff ich an Die große Schaar der Frommen, mit weißen Kleidern angethan, Die da sind aufgenommen Nach ausgestand'nem Kreuz und Leid Zu solcher großen Herrlichkeit, zu denen werd' ich kommen. 5. O Freud', o Trost! der dann mein Herz Wird ewig dort Vierter Theil. Für Sterbende. umgeben, Denn da ist keine Angst noch Schmerz Und kein betrüb tes Leben. Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried' und Freud' Wird sich da recht erheben. 282 6. Alsdann wird mir seyn ewig wohl, Wenn ich hab' überwunden; Wie werd' ich seyn des Trostes voll, Wenn alles Leid verschwunden! O Freudenstunde, brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann, Und bleib' mit ihm verbunden! Und Der Sterbende will auf Jesum Chriftum sterben. Aufmunterung. HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! Apostelgesch. 7, 58. Es klagen Sterbende öfters, wie sie mit verschiedenen Gedanken so viel zu kämpfen haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Glaubiger wohl: 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung Jesum am Kreuz vorstellet, und dabei diese guten Gedanken hat: Jesu Wunden sind für mich geschlagen; sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht seyn. Jesu Blut ist auch für mich vergossen, dieses Blut wäscht, reinigt und heiligt mich auch; Jesu ausgespannte Arme wollen auch mich umfassen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir versüßt, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden möge. Solche und ähnliche Gedanken werden die irdischen Gedanken vertreiben und das Gemüth ganz ruhig und still und das Herz freudig machen. Bei diesen guten Betrachtungen soll er 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt setzen; er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, vor Gott treten und sagen: Ach, um meines Jesu Gerechtigkeit, seines Blutes, Todes, seiner Wunden und seines Verdienstes willen sei mir gnädig! darauf lebe und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, indem die Vorboten des Todes sich mehr und mehr bei mir einstellen, und mir verkündigen, daß meines Lebens Ende gar nahe sei, so wende ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! O mein Erlöser! du hast mich von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blute, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben erlöst. Ach! laß mir Das Sterben auf Jesum Christum. dieses Blut jetzt zu Statten kommen, damit ich durch dein Blut gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. Will mich Satan anklagen, so zeige ich ihm deine blutigen Wunden; wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich das gegebene Lösegeld für meine Sünden, dein heiliges Blut. In meiner Todesangst halt' ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher, ach! so mache mich denn selig; vergib mir meine Sünden; schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit; führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, ob schon mein Leben aufhört, weil ich in dir und du in mir lebest. Dieses Leben wird jetzt vollkommen werden, da ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges mehr von dir trennen kann. Du bist der Weg, ach! führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit; ach! du haft bisher alle deine Gnadenverheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch diejenige, die du mir verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. HErr! laß deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt haft. Ach! ziehe mich zu dir, zu dem völligen Genusse deiner himmlischen Güter. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuz für mich gestorben, wie du deine Arme ausgebreitet, wie du dein heiliges Blut vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen bast. Ach! dein heiliges Blut wasche mich, und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamme des Kreuzes hat schlachten lassen, and durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnt. Du bist mein Hohepriester, der für mich betet. Du bist 283 284 Vierter Theil. Für Sterbende. der Held, der mir hilft, der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. Jesu! ich komme bald zu dir, darum fasse und halte ich dich im Glauben, und spreche: Meinen Jesum laß ich nicht, Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Ewiglich nur ihm zu leben: Er ist meines Lebens Licht; Meinen Jesum laß ich nicht. Ja an Jesum will ich jetzt allein gedenken, er soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Ueberlegen und Alles seyn. Weg, ihr eiteln Gedanken; an Jesu Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergößzen; seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen; seines bittern Leidens will ich mich getrösten, und mein letztes Wort soll Jesus seyn, ja meine leßten Gedanken sollen Jesus, Jesus seyn. Erschein' mir in dem Bilde In meiner letzten Noth, Wie du, HErr Christ, so milde Geblutet hast zu todt, Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken: Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich will mit frohem Muth In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen; Ach! öffne mir dein Herz, Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt Und wahre Wohnung seyn. 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, Ich will an Jesu Blut Und sein Verdienst gedenken; Sein Blut ergreif' ich jetzt In voller Zuversicht, Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 3. OBlut, o theures Blut! Das zur Versöhnung fließet Auf jedes glaub'ge Herz, Das immer noch genießet Der, welcher Bußze thut; Blut, o theures Blut! Ich eigne dich mir zu, Du allerhöchstes Gut! 4. Ich ruhe hier getrost In diesen off'nen Wunden, Ich bleibe nun mit dir, Jesu! fest verbunden; Kein Schmerz, kein Leid, kein Feind Reißt mich nunmehr von dir; Ich lasse nicht von dir, Ach! lasse nicht von mir. Bitte um ein feliges Ende. 285 5. Sieh', ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd' Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Friede, Freud', Der Seele Seligkeit: Zieh' meinen Geist zu dir Durch die gespalt'ne Seit'. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben, Und in denselbigen Der Seelen Heil ererben; Und schlaf' ich glaubensvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel' Gar wohl vers wahret seyn. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. sons de diur Es ist genug, so nimm nun, HErr, meine Seele, ich bin nicht beffer denn meine Väter. 1 Kön. 19, 4. Wenn im alten Testament Jemand Gott dem HErrn eine Gabe brachte, so durfte es kein gezwungenes, sondern mußte ein freiwil liges Opfer seyn. So ist es auch mit unserm Sterben; es darf ein Mensch nicht mit Verdruß, gezwungen, mit Murren und Widerwillen sterben, sondern es soll 1) ein Mensch sich die Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet ist, die Güter, die Krone, das weiße Kleid, die Freude, die wir nach dem Tode erlangen sollen, bekannt machen. Man soll 2) auch sich mit dem Wege bekannt machen, der zu dieser Herrlichkeit führt, welcher Jesus Christus ist, damit er im Glauben und in einem heiligen Leben bis in den Tod verharre. Kommt dann nun die Stunde herbei, die Gott zum Abschied bestimmt, so soll er 3) mit Freuden seine Augen gen Himmel erheben, und Gott um ein seliges Ende anflehen; dieses kann so geschehen, wenn er dem dreieinigen Gott seinen Leib und seine Seele empfiehlt, Jesum Christum immer im Gedächtniß behält, andächtig betet, und auf sein Stündlein wartet, wobei er auch Gott anrufen kann, er wolle ihm ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Sollten auch zuweilen einige unanständige Geberden mit unterlaufen, so wird es doch dem Sterbenden, welcher unterdessen in der süßen Gemeinschaft mit Jesu bleibt, weniger empfindlich seyn als den Umstehenden. Gebet. Barmherziger, gnädiger Gott! ich merke, daß die Zeit meines Abschieds vorhanden ist, da ich im Frieden dahineilen und zur Ruhe mich niederlegen soll; mein Gesicht vergeht mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheint, es werde bald anders mit mir werden; darum 286 Bierter Theil. Für Sterbende. komme ich zu dir, und lege mein letztes Gebet ab, welches darin besteht: Mein' Leib und Seel befehl' ich dir, o HErr, ein selig's End' gib mir, um Jesu willen! HErr Gott, himmlischer Vater! der du mich erschaffen, bisher versorgt und erhalten hast, ach! nimm meine Seele in Gnaden an. O Jesu! der du mich mit deinem Blute erlöst und abgewaschen hast, ach! laß mich in wahrem Glauben auf dein Verdienst und Blut jetzt selig sterben. Ach HErr Jesu, in deine Hände befehle ich meinen Geist! O werther heiliger Geist, mein Tröster und Beistand, ach! verlaß mich jetzt nicht, gib mir Freudigkeit und die Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei; ja bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Goft mit unaussprechlichem Seufzen. Siehe, ich bin bereit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir, um bei dir, o dreieiniger Gott! zu seyn. Hatte Israel ein Erlaßjahr, als es aus der Knechtschaft wieder zu seiner Freiheit und zu seinem Eigenthum kam; ach, mein Gott! wenn ich selig sterbe, so geht mein Erlaßjahr an, indem ich von allem Sündendienste, von aller Kreuzeslaft befreit, zu der vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes in dem ewigen Leben gelangen soll. O mein Jesu! öffne mir die Himmelsthüre, begleite und führe mich zum ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach, mein Gott! gib mir ein vernünftiges Ende, daß ich meinen Verstand bis in den letzten Augenblick meines Lebens behalten möge. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß behalte Jesum Christum, den Gekreuzigten; und wenn ja meine Augen frühe brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmlischen Troste und Lichte. Laß Jeſum immer vor meiner Seele stehen, gib, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offene Seite mich verberge, seines Verdienstes mich getröste, und seine Bitte um ein seltges Ende. 287 Gerechtigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes Ende; behüte mich vor Mißgestaltung der Miene, vor Anfechtungen und Verstellungen. Laß mein Herz, welches deine Wohnung hier gewesen ist, fein sanft gebrochen werden. Ach! laß mich in deinem Arm sanft verscheiden; ach! gib mir auch ein seliges Ende, daß ich dein heiliges Angesicht bald mit Freuden erblicken möge. O dreieiniger Gott, segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit, und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der HErr segne mich und behüte mich; der HErr laffe sein Antlitz leuchten über mich, und sei mir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließ' ich meine Augen zu, und befehle mich Gott und seiner Gnade. 2311971969 Nun hilf, daß ich mich wendevinanito mim tons Zu dir, HErr Christ, allein, Gib mir ein selig's Ende, non18 Send' deine Engelein, Führ' mich in's ew'ge Leben, Das du erworben hast 151 Durch dein Leiden und Sterben 100 din Und blutiges Verdienst. Amen. R dni( un 1/6891 Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Aufgelöset bald zu werden Wünscht mein hocherfreuter Geist, Ich verlasse gern die Erden, Weil mein Jesus mich schon speist Mit des Himmels Süßigkeiten, Und er bleibet mir zur Seiten; Wenn ich Jesum bei mir hab', Fürcht' ich nicht das finst're Grab. 2. Brecht, ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde Mit hellglänzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schönen Himmelsstege Ist mein Auge Jesus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. O bu rother Mund, erblasse, Ja, ihr Lippen, schließt euch zu, Weil ich, da ich Jesum fasse, Komme zu der Himmelsruh'. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten; Jesus, Jesus ist mein Mund In der letzten Todesstund'. Vierter Theil. Für Sterbende. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch' eurer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Worauf ich mit Freuden hör'; Ich seh' schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud' und Wonne. Was ist das für ein Gefang! Ist es nicht der Engel Klang? 5. Brich, mein Herz, brich nun mit Freuden, Edles Leben, fahre hin; Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihm stets bin; Jesum hab' ich schon gefunden, Und ich bleib' mit ihm verbunden; Wenn das Herz im Tode bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 288 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder, Durch den kalten Todesschweiß, Legt euch nur in's Grab darnieder, Weil ich schon versichert weiß: Jesus wird das Grab aufdecken Und euch wieder auferwecken, Ja, euch schön, mit Glanz erneut, Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergeb'ne Seele, Dich empfehl' ich meinem Gott, Gehe aus der Leibeshöhle, Geh' aus aller Angst und Noth, Geh' zur Freude nach dem Klagen, Geh' zur Wonne nach den Plagen, Geh' zur Himmelsfreude ein, O wie wohl wird dir da seyn! Gebet der Umstehenden für Sterbende. du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir! Siehe, wir kommen jetzt auch zu dir, und tragen dir in unserem Gebet diesen Sterbenden vor. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über ihn! Du hast ihn zu deinem Ebenbild erschaf fen; es ist deine Kreatur; es ist auch dein Kind, welches du in der heiligen Taufe zu Gnaden und zu deinem Kinde anfgenommen haft, ach! darum erbarme dich über ihn; stehe, der Sterbende will dahinscheiden, ach! laß ihn nun sein Kindestheil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seelen Seligkeit; vergib ihm alle seine Sünden, die er Zeit seines Lebens gegen dich gethan hat, und siehe ihn in Gnaden an. HErr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über diesen Sterbenden; du hast ihn mit deinem heiligen Blute erlöst, du bist auch für ihn gestorben, ach! darum rechne ihm nicht seine Sünden zu, sondern rechne ihm deine Gerechtigkeit und dein Verdienst zu; Gebet der Umstehenden für Sterbende. 289 wasche ihn in deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn jetzt als einen durch dein Blut Gereinigten vor dem Throne Gottes erscheinen. HErr Gott heiliger Geist! erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gib Zeugniß seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen; heilige ihn, stärke ihn, und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Dreieinigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an; gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Uebertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände, und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt erstorbenen Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Verleihe ihm indessen die sanfte Ruhe in der kühlen Erde, bis sich in der allgemeinen Auferstehung Leib und Seele wieder mit einander vereinigen und zur Himmelswonne eingehen werden. Indessen, HErr, HErr! da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht das Andenken des gekreuzigten Jesu aus dem Sinne kommen; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Strahl in feiner Scele aufgehen, ja, o Jesu, du rechter Morgenstern! erleuchte ihn zum ewigen Leben. Wenn er uns nicht mehr sehen kann, so gib, daß er dich, o dreieiniger Gott! beständig im Glauben sehe, bis er dich von Angesicht zu Angesicht schauen wird. Ach! wenn nun sein Mund sich schließet, daß er nicht mehr beten kann, bete du für ihn, o Jesu! Sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater; hilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm seyn. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach! so stärke ihn und sei sein Beistand. Odreieiniger Gott! bleibe du bei ihm, und erhalte in ihm den Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich Vierter Theil. Für Sterbende. vollenden wird. HErr Gott Vater, was du haft erschaffen, HErr Gott Sohn, was du hast erlöset, HErr Gott heiliger Geist, was du haft geheiliget, das befehlen wir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit! Amen. he 290 taif Sprüche, Seufzer und Gebete, in welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können.*) Zion spricht: Der HErr hat mich verlassen, der HErr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob fie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe. in die Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, 14-16. Gott verläßt der Keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; läßt sich's an wunderlich, So laß bir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde; o mein Gott! du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach! bleibe es auch jetzt. Jesu! bleibe bei mir, es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. O werther heiliger Geist! stärke mich, erhalte mich in festem Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben; dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Ps. 42, 2.3. Laß deine Engel mit mir fahren Auf Elias Wagenroth, Und meine Seele wohl bewahren, Wie Lazarus nach seinem Tod; Laß sie ruhn in deinem Schoos, Erquicke sie mit Freud' und Trost, Bis der Leib kommt aus der Erden, Mit ihr wird vereinigt werden. Jesu, du Licht meiner Seele! wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß in meiner Seele die himmlische Klarheit aufgehen; *) Fromme Christen thun auch wohl, wenn sie sich mit solchen bei ges funden Tagen bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. Sprüche, Seufzer und Gebete. 291 weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen; zeige mir als dann deine Gestalt, und laß mich dein Bild sehen, wie du dich am Kreuz zu todt geblutet hast. Ob ich schon wandle im finstern Thale, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesu, bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich hier zeitlich und dort ewig dein Eigenthum schn. Ich bin arm und elend: der HErr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott! verzeuch nicht. Pf. 40, 18. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr Jesu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath All'zeit gewiß gefunden hat. Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seelen, ach! komme und spanne mich aus, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele hebe zu deiner ewigen Himmelsfreude auf. Ach höre, o Jesu! mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Noth; du, mein Seligmacher und Erretter! errette mich, löse mich auf, und mache mich selig. Gib dem Satan keine Macht über mich. Deffne mir jetzt die Thüre zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach, komme doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich! Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. O HErr Christ, du Morgenstern! Der du ewiglich aufgehst, Sei von mir doch jetzt nicht fern, Weil mich dein Blut hat erlöst; Hilf, daß ich mit Fried' und Freud' Mög' von hinnen fahren heut', Ach! sei du mein Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasse. Jesu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Vater, der du zu der Rechten Gottes sitzest und vertrittst uns, ach! bitte auch für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werther heiliger Geist, du Tröster in aller Noth! bleibe bei mir mit deinem Trost bis an mein Ende. Ich habe einen starken Beistand: mein Vater ist bei mir, mein Jesus ist bei mir, der heilige Geist ist bei mir, ja auch die Engel sind bei mir; so will ich mit Freuden sterben. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Pf. 73, 23. 24. Vierter Theil. Für Sterbende. Hilf, daß ich ja nicht wanke Bon dir, HErr Jesu Christ! Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist, Hilf mir ritterlich ringen, Ach! habe auf mich Acht, Bis ich mag fröhlich singen: Ich hab's mit Gott vollbracht. 292 Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber HErr Gott! ich weiche nicht von dir, ach! bleibe du auch bei mir. Icfu, wenn mein Kampf beginnt, so hilf mir ringen, so hilf mir siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe mich aus meinen Nöthen. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Es spricht, der solches zeuget: Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, HErr Jesu. Offenb. 22, 20. Nun, ich warte mit Verlangen Auf den süßen Augenblick, Wann du kommst, mich zu empfangen; Komm, ich weiche nicht zurück, Nimm mich auf zu deinen Frommen, Komm, ich heiße dich willkommen, Komm, ach tomm, o Gotteslamm! Nimm mich auf, mein Bräutigam! O Jesu, dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geistes Beistand getreu verbleiben bis in den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund! ich fliehe nicht von dir, mein Hirt! ich lasse dich nicht, mein Seelenbräutigam! außer dir kann mich nichts ergötzen. Führe mich, o liebster Freund! aus dem Elende zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken; und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Hiob 19, 25-27. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Dem hab' ich mich ergeben, Mit Freud' fahr' ich dahin. Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme, Und ewig bei ihm ſei. 3a, hiemit ergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott! in deinen Schutz und in deine Gnade; meine theuer erkaufte Seele befehle ich dir: ich sterbe, und werde auch wieder auferstehen; ich sterbe, und werde ewig in der Himmelsfreude leben. Odreieiniger Gott! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, verfüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem innerlichen Trost deines heiligen Geistes, denselben nimm nicht von mir. Auf das Ver Sprüche, Seufzer und Gebete. dienst Jesu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Frendenangesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. 293 Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit; ich will fatt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ps. 17, 15. Ach! ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit, Jetzt werd' ich gar schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der gold'nen Ehrenkrone Steh' ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben kann. Ach, mein Jesu! freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denkt, die du mir bereitet hast. Ich verlasse gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu, zu meinem Seelenbräutigam komme; o wie wohl, o wie selig werde ich seyn, wenn er meine Seele als seine Braut zur Hochzeit einführen und mir das weiße Kleid anlegen, mir die Krone aufsetzen, und mich ewig, nach so vielen überstandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen, erquicken wird. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an; vor den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden. Buch der Weish. 3, 1-3. Freu' dich sehr, o meine Seele! Und vergiß all' Noth und Qual, Weil dich Christus nun, dein HErre, Ruft aus diesem Jammerthal; Aus Trübsal und großem Leid Sollst du eilen in die Freud', Die kein Ohr jemals gehöret, Und in Ewigkeit fortwähret. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elende zu Gott, aus der Last zur Lust, aus der Angst zur Freude, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude, darum frenet sich meine Seele. O mein Gott! hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache fie selig. Mein Jesu! ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden seyn. Wir wissen, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. 2 Kor. 5, 1. Da wird seyn das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Start, Handbuch. 20 Bterter Theil. Für Sterbende. Ach lieber HErr Jesu! versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dieses Haus und dieses mein Sterbebett verlaffen werde. Welch' ein herrliches Haus, welch' eine Freudenstätte hat mir mein Jesus bereitet! Da ist keine Angst, kein Jammer und kein Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. Ach wären wir da; weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich innig anhangen; auf deine Gnade verlasse ich mich, in deine Wunden verberge ich mich, auf deinen Trost sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. 294 Die Erlöseten des HErrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte seyn; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzer werden weg müssen. 3ef. 35, 10. Nun, es wird dennoch geschehen, Daß ich auch nach kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen In der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh' und Furcht, zulezt der Tod, Aber dort ist allezeit Friede, Freud' und Seligkeit. Gedenke mein, o Jesu! ich bin durch dein Blut erlöst, laß mich auch bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe hier lange genug das Thränenbrod gegessen, ach! laß mich bald das süße Engels- und Himmelsbrod kosten. Seufzer und Schmerzen sind hier meine täglichen Begleiter gewesen; aber ach! laß mich hören Freude und Woane; laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit thun; erfreue mich nach dem Leiden; erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird; nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung licb haben. 2 Tim. 4, 7. 8. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth, Durch Jesu heil'ge Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. O Jesu! hilf mir glücklich überwinden; wenn nun der letzte Kampf beginnt, stehe mir bei, so wird er mir leicht werden; stärke mich, wenn ich kraftlos bin; mein Helfer! hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich, den Elenden, in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folgt die Krone, auf Sprüche, Seufzer und Gebete. den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich geziert und v meinem Jesu nach meinem Tode gekrönt werden! Zeige mir die Krone, die du mir beigelegt haft, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Offenb. Joh. 2, 10. Kap. 3, 5. Halte aus, halte aus, Zion halte deine Treu'; Laß dich ja nicht laulich finden. Auf! das Kleinod rückt herbei! Auf! verlasse, was dahinten; Zion, in dem letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus! Von meines Jesu Liebe will ich nimmermehr lassen, ich habe ihn geliebt in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis an meinen Tod. O Jesu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will ich getreu im Glauben bis an den Tod verbleiben, dir getren sterben. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf' ich ein. Ich bin gewiß, daß weder Tod, noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Tiefes, noch keine andere Kreatur uns scheiden mag von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm HErrn. Röm. 8, 38. 39. Jesum, Jesum will ich lieben Hier und dort in Ewigkeit, Sollten mich gleich hier betrüben Aller Jammer, alles Leid; Was frag' ich nach Höll' und Tod? Jesus hilft mir aus der Noth, Der wird mich zur Freude führen, Wo die Seinen jubiliren. Ja, das ist mein Schluß: meinen Jesum laß ich nicht. Ich bleibe im Glauben; ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht. Jesus ist mein, ich bin sein; ich lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben, o wie wohl! Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet: denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat Denen, die ihn lieb haben. Jak. 1, 12. Herzlich thut mich verlangen Nach einem sel'gen End', Weil ich hier bin umfangen Mit Trübsal und Elend; Ich habe Lust zu scheiden Von dieser bösen Welt, Sehn' mich nach himmlischen Freuden, O Jesu! wann ich end'. Ach ja, o Jesu! komm zu mir, ach! komm doch bald, mein treuer Freund, und nimm mich hin im Frieden, gib mir Geduld und 20* Vierter Theil. Für Sterbende. Stärke; ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib, meine Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O Jesu! hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. HErr Gott! der du unsere Zuflucht für und für bist, sei jetzt auch meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm meine Seele, die nach dir seufzet, zu dir. O wie verlanget mich, Gottes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu seyn, in himmlischem Glanz und himmlischer Klarheit einherzugehen! 296 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du getreuer Gott. Pf. 31, 6. Gleichwie sich sein Die Vögelein, In hohle Bäume stecken, Wenn aus den Höh'n Die Wetter wehn, Daß Mensch und Vieh erschrecken: Also, HErr Christ! Mein' Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden; Wenn Sünd' und Tod Mich bracht' in Noth, Hab' ich mich d'rein gefunden. Darin ich bleib' Ob Seel' und Leib Hier von einander scheiden: So werd' ich dort Bei dir, mein Hort, Seyn in den ew'gen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott! zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gütigkeit des hei ligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich meinen Leib und meine Seele. Ach! nimm dein Täublein auf, Ich komm in vollem Lauf, Breit' aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude! Und nimm dein Rüchlein ein; Will Satan mich verschlingen, So laß die Englein fingen: Dieß Kind soll unverlezzet seyn. Ihr seid kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebens bigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über Alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Hebr. 12, 22. 23. Mein Gott! ich bin bereit, Zum Himmel einzugehen, und in verklärtem Glanz Vor deinem Thron zu stehen; Was soll ich auf der Welt In Trübfal länger thun; Ach hole mich zu dir, Dort kann ich sicher ruhn. HErr! eile mit mir fort, Hier wird mir's gar zu lange, Den Himmel wünsch' ich mir, Daß mich die Freud' umfange, Daß ich dich schauen kann In alle Ewigkeit, Ach! eile bald mit mir, Mein Gott! ich bin bereit. Sprüche, Seufzer und Gebete. 297 Mein Jesu! wie herrlich wird der Anblick seyn, wenn ich dich in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Auserwählten in dem Himmel schauen werde. Nun, darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde, und komme zur Herrlichkeit; ich verlasse das Elend, und komme zur Freude; ich verlasse die Menschen, und komme zu den heiligen Engeln. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Joh. 10, 27. 28. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu! bringe mich, dein armes Schäflein, nun zur Himmelsfreude; laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker als der Satan; dein bin ich und will auch dein bleiben. Satan hat kein Theil und kein Recht an mir, aber dein Eigenthum bin ich gewesen, und will es auch ewig seyn. Ach! nimm meine Seele wie ein mattes Schäflein in deine Arme, und bringe es zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem Jesu bin! Selig sind die Todten, die in dem HErrn sterben, von mun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Offenb. Joh. 14, 13. O HErr! gib mir in Todespein Ein' unverstellt' Geberde, Und hilf, daß mir das Herze mein Fein sanft gebrochen werde, Und wie ein Licht ohn' alles Weh' Auf dein unschuldig Blut vergeh', Das du für mich vergossen. Ach HErr! sprich meiner Seele den Trost ein: ich werde in dir sterben. Jesu! du hast in mir gelebt und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer, Kummer, meine Schmerzen und Leiden auf hören: dagegen bringe mich zum ewigen seligen Leben; da werde ich von meiner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen ruhen. Jesu! höre mich, ja komm, HErr Jesu! Der HErr wird mich erlösen von allem Uebel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. 2 Tim. 4, 18. Vierter Theil. Für Sterbende. Gott Lob! die Stund' ist kommen, Da ich werd' aufgenommen Zur ew'gen Seligkeit; Jhr Frommen sollt nicht klagen, Mit Freuder sollt ihr sagen: Dem HErrn sei Lob und Ehr' bereit. Gott eilet mit den Seinen. Laßt sie nicht lange weinen In diesem Thränenthal; Ein schnell und selig Sterben Ist schnell und glücklich erben Des schönen Himmels Ehrensaal. 298 O großer Gott! gedenke jetzt in Gnaden an mich, und erbarme dich, ach! gib mir ein seliges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlösungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, in der ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach! erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens, laß mich freudig den Trost anhören, der mir vorgesprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, bas euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Im Himmel ist gut wohnen, Wo mit dem Ehrenkleid Mein Jesus wird belohnen Der Frommen Kreuz und Leid; Da glänzt der Leib und funkelt Gleichwie ein Edelstein, Das Licht wird nicht verdunkelt, Im Himmel ist gut seyn. Ach mein Jesu! laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: komm her, du Gesegnete; ja laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt werden. Indessen fasſe ich dich im Glauben, und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Ich erfreue mich im HErrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. Jes. 61, 10. O Jerusalem, du Schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh'! O der großen Freud' und Wonne! Herrlich gehet auf die Sonne, Herrlich strahlt der hohe Tag, Der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid verfüßt mir alle Bitterkeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, Jesus ist bei mir, derselbe tröstet mich, derselbe erhält mich. Ach mein Gott! lege mir das himmlische Freudenkleid an, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet hast. Deine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, und darum weiß ich, weil ich gerecht worden bin durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern HErrn Jesum Sprüche, Seufzer und Gebete. 299 Christum, ja ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten: wie schön werde ich da vor dir geziert stehen! Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. HErr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod ansicht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, HErr Jeſu! nach der Zeit In der frohen Ewigkeit. nd Ach, lieber Gott und Vater! laß mich jetzt auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden; ich weiß, du hast mich auch geliebt, und mir auch deinen Sohn gegeben; ich habe auch an ihn geglaubt, und will in solchem Glauben an ihn bis an den letzten Augenblick meines Lebens verharren. Ach! versichere mich durch deinen heiligen Geist: ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich geglaubt, in dem ewigen Leben schauen möge. Ach Jesu! stehe mir bei, ach! verlaß mich nicht. Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 1 Petri 1, 18. 19. Du hast mich ja erlöset Von Sünd', Tod, Teufel, Höll', Es hat dein Blut gekostet, D'rauf ich die Hoffnung stell', Warum soll mir denn grauen Vor Tod und Grabesnacht? Weil ich auf dich kann bauen, So bin ich froh gemacht. dra Grus Ich komme jetzt, o großer Gott! vor dich, nicht auf meine Ges rechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blute zugeeignet habe. O du Lamm Gottes, das du die Sünden der Welt trägest, erbarme dich meiner! Ach gerechter Gott! siehe nicht meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit an; dieselbe ergreife ich, in ſeine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deß willen sei mir gnädig und barmherzig. Es ist in keinem Andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein der Name Jesu. Apostelg. 4, 12. Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn, Er hat mir das Heil erworben, D'rum eil' ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben kann. Vierter Thelt. Für Sterbende. Jesu, mein einziges Heil und meine Zuflucht! ich komme zu dir jetzt in meiner Totesstunde, ach! erbarme dich mein und verlaß mich nicht. Der süße Jesusname und das Andenken seines vergoffenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und Gedanken bleiben. HErr Jesu, dir leb' ich, HErr Jesu, dir sterb' ich, HErr Jesu, dein bin ich todt und lebendig. 300 Ob Jemand fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünde; nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. 13oh.2, 1.2. So eil' ich hin zu Jesu Christ, Sein Arm wird mich bedecken, So schlaf' ich ein und ruhe fein, Rein Mensch kann mich auf aufwecken; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. O großer Gott! die Zeit kommt herbei, daß ich aus dieser Welt abscheiden und vor dein Gericht treten soll; ach, himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich, als dein Kind, das du erschaffen und geliebt hast, in Gnaden auf. O Jesu! bitte für mich; du bist mein Mittler, Fürbitter und Seligmacher. Nimm meine Sünden hinweg; kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. werther heiliger Geist! wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich zu der ewigen Himmelswohnung bringest. dis Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen und Gnade finden auf die Zeit, wann uns Hülfe noth seyn wird. Hebr. 4, 16. Stärk' mich mit deinem Freudengeist, Heil' mich mit deinen Wunden, Wasch' mich mit deinem Todesschweiß In meinen letzten Stunden, Und nimm mich einst, wann dir's gefällt, In wahrem Glauben von der Welt Zu deinen Auserwählten. Ach ja! um Jesu willen werde ich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und sei mir gnädig und barmherzig! Amen. pan Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2 Kor. 5, 21. In deine Seite will ich fliehen In meinem bittern Todesgang, Durch deine Wunden will ich ziehen In meines Himmels Vaterland; In das Sprüche, Seufzer und Gebete. 301 schöne Paradies, Wie dein Mund den Schächer wies, Wirst du mich, HErr Christ, einführen Und mit ew'ger Klarheit zieren. Jesu! du hast meine Sünden weggenommen; du hast mir deine Gerechtigkeit geschenkt; was mein ist, meine Sünden und Schulden, sind dir aufgelegt, und was dein ist, deine Gerechtigkeit ist mir geschenkt; dessen freue ich mich, dessen tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, darin will ich vor Gott bestehen, wann ich zum Himmel werd' eingehen. In Jesu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine Gerechtigkeit, o, darin kann ich fröhlich sterben und Gott angenehm seyn! In dem neuen Jerusalem wird Gott abwischen alle Thränen von der Glaubigen Augen, und der Tod wird nicht mehr seyn, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr seyn. Offenb. Joh. 21, 4. Owie selig seid ihr doch, ihr Frommen! Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen, Ihr seid entgangen aller Noth, Die uns noch hält ges fangen. Christus trocknet eure bittern Thränen; Ihr habt schon, wornach wir uns noch sehnen; Euch wird gesungen, Was durch keines Menschen Ohr allhier gedrungen. Komm, o Jesu, komm mich auszuspannen, Lös' mich auf und führ' mich bald von dannen; Bei dir, o Sonne! Ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Ach Jesu! ich freue mich auf die Stunde, da ich dein Freudenangesicht mit verklärten Augen sehen werde. Da wird mein Leib wie die Sonne leuchten, und meine Augen werden nicht mehr von Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz seyn; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich im Pilgerland, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterland. So wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 1 Joh. 1, 7. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur seyn, Ich will mich darein kleiden, Es soll seyn meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor den Thron Des ew'gen Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut Zu deiner Nechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin leb' und sterb ich. O Jesu! du in mir, und ich in dir. Es ist nichts Verdamman mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein; Jesu Blut heiligt, kleidet, ziert, und macht liches Vierter Theil. Für Sterbende. mich rein. O himmlischer Vater! siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darum komme ich zu dir. 302 viatio Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Joh. 1, 29. O Lamm Gottes! unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wie wohl du wardst verachtet, All' Sünd' haft du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarm' dich unser, o Jesu! Christe, du Lamm Gottes, der du alle Sünde der Welt trägeſt, erbarme dich meiner! Chrifte, du Lamm Gottes, der du die Sünde der Welt trägest, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du die Sünde der Welt trägest, verleih' mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden! Amen. d Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Joh. 17, 24. Ist's nun dein Will', so stell' dich ein, Mich selig zu versetzen; Ach! ewiglich bei dir zu seyn, Kann meine Seel' ergötzen; Eröffne dich, du Himmelssaal, Damit ich nach der Noth und Qual zu meinem Jesu komme. O welch' eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das seyn, wenn ich zu dir, o Jesu! kommen, und dich von Angesicht zu An gesicht schauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich dann mich mit unaussprechlicher Freude ergötzen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten. O wie groß ist deine Herrlichkeit! Ich habe davon hier in diesem Leben nicht die Hälfte gehört, was ich mit Augen dort bei dir sehen werde. Ach! ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Unser Reiner lebt ihm selber, unser Keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir dem HErrn: darum wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn. Röm. 14, 7. 8. Herzlich lieb hab' ich dich, o HErr! Ich bitt', du wollest seyn von mir nicht fern Mit deiner Hülf' und Gnaden; Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erden frag' ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. HErr Jesu Christ, mein Gott und HErr! In Schanden laß mich nimmermehr. O großer Gott! ich bin dein in der heiligen Taufe geworden; Sprüche, Seufzer und Gebete. 303 ich bin dein durch den Glauben geblieben, laß mich jetzt auch im Sterben dein Eigenthum seyn. O Jesu Christe, Gottes Sohn! der du für mich genug gethan, ach! schließ' mich in die Wunden dein, du bist allein der ein'ge Trost und Helfer mein. Halte im Gedächtniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten. 2 Tim. 2, 8. Erschein' du mir zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, HErr Christ! so milde, Geblutet haft zu todt; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken: Wer so stirbt, der FUAR stirbt wohl. 2012 Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ach ja, o Jesu! ich halte jetzt im Gedächtniß deine Marter und Pein, dein vergossenes Blut und deine heiligen Wunden; Jesu! ich umfasse dich, in mein Herz drücke ich dich; ach! weiche nicht von mir; mich verlangt nach dir; o mein Heiland, wär ich bei dir! Der Schächer sprach zu Jesu: HErr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommest. Jesus antwortete ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. Lut. 23, 42. 43. Befiehlst du, Jesu! meinen Geist, Eh' jetzt mein Leben sich entreißt, In deines Vaters Hände: So greif' dann, liebster Jesu! zu, Nimm meine Seel' in diesem Nu In deine treuen Hände. Sent' ein die blutbeſpritzte Seel' In deine blut'ge Seitenhöhl' Jetzt und an meinem Ende. Mein Jesu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach! nimm meine durch dein theures Blut erkaufte Seele in deine heiligen Hände auf. Ach! laß sie dir befohlen seyn, daß sie zur Freude in das Paradies eingehe. Ich spreche auch mit dem glaubigen Schächer: HErr Jesu, gedenke mein; gedenke, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit seyn. Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. 1 Tim. 1, 15. Jesu, du hast weggenommen Meine Schulden durch dein Blut, Laß es, o Erlöser! kommen Meiner Seligkeit zu gut; Und dieweil du, so zerschlagen, Hast die Sünd' am Kreuz getragen, Ei, so sprich mich endlich frei, Daß ich ganz dein eigen sei. HErr! ich warte auf dein Heil. Jesus macht die Sünder selig, er macht auch mich selig. Jesus nimmt die Sünder an, er nimmt 304 Vierter Theil. Für Sterbende. auch mich an. Ich bin meines Jesu eigen, und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, und sehe, wie mich Jefus zu sich ruft. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Psalm 73, 25. 26. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du selbst herfür; Wenn mir am allerbängsten helh Wird um das Herze seyn, So reiß mich aus den lengsten, Kraft deiner Angst und Pein. aftale O Jesu! mein Leben endet sich, ach! nimm mich auf zu dir. Mein HErr! nimm dein Schäflein, mein Bräutigam! nimm deine Braut, mein Vater! nimm deine bluterkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, und schließe ich auch meine Augen zu. Darnach sahe ich und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhle stehen, und vor dem Lamm, mit weißen Kleidern angethan, und Palmen in ihren Händen. Und er sprach zu mir: diese sind's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute des Lammes. Offenb. Joh. 7, 9. 14. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar, Welche zieret eine Krone, Glänzend gleich den Sternen klar, Singen Halleluja all', Toben Gott mit großem Schall? vie groß wird seyn die Wonne, Wenn wir werden allermeist Schauen auf dem hohen Throne Bater, Sohn und heil'gen Geist. Großer Gott! dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach mein Jesu! ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir geben wirst. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blute, ich eigne es mir zu; ach! nimm mich deßwegen auch in dein ewiges Freudenleben auf. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Lut. 23, 46. HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! Apostelg. 7, 58. HErr! meinen Geist befehl' ich dir, Mein Gott! mein Gott! weich' nicht von mir, Nimm mich in deine Hände, O wahrer Gott! aus aller Noth Hilf mir am letzten Ende. O mein Jesu! so bete ich jetzt auch mit dir. Dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letztes Wort in meinem Leben seyn. HErr Jesu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. Sprüche, Seufzer und Gebete. 305 Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohret. 2 Petri 3,13. O Gottesstadt! o gold'nes Licht! O Stätte aller Freuden! Wann schau ich Gottes Angesicht? Wann endet sich mein Leiden? Wann schmeck ich seine große Güte? O Lieb'! es brennet mein Gemüthe; Ich lieg und seufze mit Begier: O Jesu, Seelenfreund, hol' mich zu dir. O Gott! wie selig werd ich seyn, Wenn ich aus diesem Leben Zu dir geh' in dein Reich hinein, Das du mir dort wirst geben. Ach HErr! wird denn der Tag bald kommen, Daß ich zu dir werd' aufgenommen? Ach HErr! wann kommt die Stund' heran, Daß ich in Zion jauchzen kann? O du heiliger dreieiniger Gott! nimm jetzt meine Seele in dein himmlisches Freudenreich auf. Ach komm, HErr Jesu! ich warte auf dich, ach! führe mich zu deiner Freude ein. HErr Gott Vater! was du hast erschaffen, HErr Gott Sohn! was du hast erlöst, HErr Gott heiliger Geist! was du hast geheiligt, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. 15 Seufzer und Gebete eines Sterbenden aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist u." 1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Ach mein Jesu! mein letztes Sterbestündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Erhalte utich, im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, dein Blut und deine Wunden, o Jesu! all' meine Hoffnung setze. Ach! in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung; laß deine Linke unter meinem Haupte seyn und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbestündlein durch den Trost des heiligen Geistes, und lasse mich Freude und Wonne hören; bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt. bo asins a Und ich soll fahren meine Straße, Ach ja, mein Jesu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du, o Jesu! bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; o wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne, Sonne, ein herrliches Kleid, eine schöne Krone antreffen. O wie wohl wird mir da seyn! Da wird all' mein Jammer und mein Elend aufhören, und ich werde zur 906 Vierter Theil. Für Sterbende. Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen. Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o Jesu! Treibe von mir die Feinde meiner Seele, schenke mir dagegen des Glaubens Freudigkeit und deines Trostes Süßigkeit, damit ich diesen Todespfad mit Freuden und selig antreten und vollbringen möge. oth So g'leit' du mich, HErr Jesu Christ! Ach ja, o Jesu, begleite mich aus diesem zeitlichen Leben in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du, o Jesu! mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wenn sie von dem Leibescheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meine Seelenaugen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schaar der Auserwählten bringest. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters als dein Eigenthum, damit ich daselbst Gnade erlangen und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus dieser Welt stehe mir bei, und Mit Hülf' mich nicht verlasse; Ach! es kann mir in meinem Sterbestündlein Niemand helfen als nur du, o Jesu! allein. Hilf mir und stärke meinen Glauben; hilf mir, und gib Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, und jetzt als ein Kind Gottes das ewige Erbe empfangen werde: ja verlaß mich nicht, wenn ich im Tode erblasse und die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen: alsdann sei und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergeht: alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergehet und ich nicht mehr beten kann: alsdann bete für mich, o Jesu; o heiliger Geist! bete in mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht; wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude; ach! nimm HErr! meine Seel' an meinem End' in deinen Schutz und in deine Gnade auf. Jesu! du hast meine Seele mit deinem heiligen Blute erkauft, ach! wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäßerfunden werde. Kommt nun das Ende meines natürlichen Lebens, ach! so gib mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, damit ich mein Herz, meine Augen und mein Gemüthe zu dir richten und beten möge, so lange die Zunge lallen kann; seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gib mir ein fröhS 4 Seufzer und Gebete.it 307 liches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich deiner Gemeinschaft, o Jesu! im Sterben genießen, die Süßigkeit deiner Einwohnung empfinden, und durch den Trost und Beistand des heiligen Geistes erquickt werden möge. Gib mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vor dem Tode, in dem Tode und nach dem Tode vereinigt bleibe. Damit dieses geschehen möge, so übergebe ich dir meine Seele, und misos Befehl' ich, HErr! in deine Händ'; O wie wohl wird sie darin bewahret seyn! Siehe! ich habe dir meine Seele alle Tage anbefohlen, so soll auch jetzt dieß mein Gebet seyn: HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! Mein Jesu! du hast meine Seele mit deinem heiligen Blute von der Gewalt des Teufels erlöst, darum hefehle ich sie dir; sie ist dein Eigenthum, und soll auch dein in Ewigkeit bleiben. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl seyn. Deine Hände sind mächtige Hände, Niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, denn sie hat keinen Theil an mir; nicht der Satan, den hast du ja überwunden. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben seyn, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir bis zu dem lieben jüngsten Tag aufzubewahren, da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen, und sodann Leib und Seele der Himmelsfreude genießen lassen. Indeß, HErr Jesu! erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet haſt. 2. Mein' Sünd' mich werden kränken sehr, Ach ja, mein Jesu! ich gedenke heute an meine Sünden; ich gedenke daran, und es ist mir herzlich leid, da ich dich Zeit meines Lebens lange, so oft und vielfältig mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe. Ach! ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidigt habe; ach, hätte ich es doch nicht gethan! und wenn ich es noch zu thun hätte, so wollte ich es nun nimmermehr vollbringen. Aber, o Jesu! Durch dein unschuldiges Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedenke, In's Meer sie tief versenke. Ach, Vierter Theil. Für Sterbende. mein Jesu! wenn meine Sünden vor meine Seele treten, mich ängstigen, verdammen und verklagen wollen, so tritt, o Jefu! du zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden, durchstreiche mit deinem heiligen Blute das Sündenregister, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun dessen tröste ich mich, wenn 308 Mein Gewissen mich wird nagen: Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich über meine Sünden bestehen muß. O Sünde, wie bitter bist du auf dem Todbette, wie machst du mir so angst und bange! Aber ach, mein Jeſu! ich bitte um Gnade; ach! verzeihe mir doch gnädig, was ich mein Lebtag gegen dich auf Erden begangen habe. O Jesu! um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Ulebertretungen; um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich; um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Gott! sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meinen Sünden, so wird mein Gewissen befriedigt, und mein Herz beruhigt werden. Ach! ich leugne meine Sünden und Missethaten nicht; ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viele sind; Denn ihr'r sind viel wie Sand am Meer; Ist des Sandes am Meere viel, noch viel mehr sind meiner Sünden: viel habe ich gesündigt mit Gedanken; viel habe ich gefündigt mit meinen Worten und unnützen Reden; viel habe ich gefündigt mit meinen Werken und Thaten von Jugend auf bis auf diese Stunde; se du nun, HErr! willst Sünde zurechnen, HErr, wer wird bestehen? Willst du die Gedanken meines Her zens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten, und mir nach meinen Werken geben, o wie wird es mir ergehen! Ach! was soll ich Sünder machen? Ach! was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an, Doch will ich nicht verzagen; Und warum sollte ich verzagen? Der himmlische Vater wird ja sein armes, bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen, Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Ich will nicht verzagen: Seufzer und Gebete. der heilige Geist wird mein Beistand auch in meiner Todesnoth bleiben, und mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um Jesu willen vergeben seyn sollen, daß die Barmherzigkeit Gottes mich in die Arme fassen wird. D darum, so oft mich Satan, meine Sünden und mein Gewissen ängstigen und kränken wollen, so sollst du, o Jesu! meiner Seele Zuflucht und Trost seyn. 309 Denken will ich an deinen Tod, Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu! am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergossen hast, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes! unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warst verachtet, All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarme dich meiner, o Jesu! Dein Tod bringt mir das Leben; weil du für mich gestorben, so will ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammt werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen seyn Jesu bitteres Leiden und sein vergossenes Blut; ja, HErr Jesu! deine Wunden roth, laß mir jetzt in mein Herz eingeschrieben seyn. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden; zu denselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich sein Ein Vögelein In hohle Bäum' verstecket, Wenn's trüb hergeht, Die Luft unstet, Menschen und Bieh erschrecket: Also, HErr Christ! Mein Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden, Wenn Sünd' und Tod Mich bracht' in Noth, Hab' ich mich d'rein gefunden. In deine heiligen Wunden verberge ich mich, und will darin selig leben und sterben, darin ist meine Seele wohl aufgehoben. Da aus deinen heiligen Wunden Wasser und Blut floß, so ist mir dadurch die Reinigung von meinen Sünden und die Versöhnung mit Gott versichert worden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine letzten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus, meine letzten Worte seyn. O Jesu Christe, Gottes Sohn! Der du für mich haft g'nug gethan, Ach! schließ' mich in die Wunden dein, Du bist allein der ein'ge Trost und Helfer mein. Ja, HErr Jesu! deine Wunden, Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließt man meinen Leib in den Sarg Start, Handbuch. 21 310 Vierter Thet. Für Sterbende. ein, so will ich meine Seele in die Wunden Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden; da kann sie der Satan nicht rauben; daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben; in diesen Wunden ruht sie, und wird zu der Schaar der Frommen gebracht. 3. is the in Ich bin ein Glied an deinem Leib, O welch' ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin! In der heiligen Taufe bin ich nen geboren und wiedergeboren worden; da bin ich ein Glied der christlichen Kirche geworden, deren Haupt Jesus ist; ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich seyn werde, wo mein Jesus ist. Jesus ist aber in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen; lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja, mein Jesus wird mich auch in sein ewiges himmlisches Freudenreich nach sich ziehen. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich fie alle zu mir ziehen. D Jesu! du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters, ziehe mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude; ach ja! du wirst mich als dein Glied theilhaftig machen deiner Herrlichkeit; Deß tröst' ich mich von Herzen; Ein herrlicher Trost! Wenn das Haupt die Krone trägt, ſo freuen sich alle Glieder; und weil mein Jesus mit Schmuck und Ehre gekrönt ist, so werde ich nach dem Kampf und Sieg auch ein herrliches Kleid und eine schöne Krone von der Hand des HErrn empfangen. Das ist ein gewisser Trost; denn weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja Gottes Erbe und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter erlangen, und zur Herrlichkeit erhoben werden soll. O sollte ich dann nicht gerne sterben, nicht gerne mit leiden und mitdulden, damit ich auch mitherrschen und mitleben möge! Das soll auch mein beständiger Trost seyn. Jeſus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen; Jesus, mein Heiland, wird mich selig machen, darum sage ich auch: Mein Jesu! Von dir ich ungeschieden bleib' Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod, noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Hohes, noch Tiefes, mich von der Liebe Gottes scheiden soll, die da ist in Jesu Christo, unserm HErrn. Jarichts, nichts, nichts soll mich von Jesu scheiden, kein Kreuz und keine Krankheit: darin will ich beständig aushalten: kein Kampf und keine Angst meiner Seufzer und Gebete. Seele: darin wird mir mein Jesus beistehen, und mir überwinden helfen; ja, auch der Tod nicht, sondern derselbe wird mir die Thüre aufthun, daß ich zu Jesu eingehe. Ich will von Jesu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden und Sterben; Leib und Seele mögen sich scheiden, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; muß ich aus der Welt und von meinen Freunden scheiden. von Jesu aber doch nimmermehr. O Jesu! ich habe dich allzutief in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich in wahrem Glauben festhalten, bis du mich zu deiner himmlischen Herrlichkeit bringest. Jesus ist mein, und ich bin meines Jesu allezeit, auch In Todesnoth und Schmerzen. Ist die Todesnoth eine große Noth, so ist sie mir doch keine Noth, weil Jesus bei mir ist. Ja, mein Jesu! willst du in dieser Noth von mir weichen? Odu getreuer Seelenfreund! das wirst du nimmer thun. Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle jetzt auch deine Gnadenverheißungen. Ist die Todesnoth die letzte Noth, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwart versüßen. Erschein' du mir zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, HErr Christ! so milde Geblutet hast zu todt; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken, und will sagen: HErr Jesu! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn; HErr Jesu! dir leb' ich, HErr Jesu! dir sterb' ich, HErr Jesu! dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir: 311 Ja, mein Jesu! ich will gerne sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in deine Herrlichkeit kommen werde. Ich will im Glauben sterben, und mich auf dein Verdienst, dein Blut und deinen Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir; ich sterbe als dein Kind, welches du bisher geliebet hast; ich sterbe als dein Schäflein, welches Niemand aus deiner Hand reißen kann; ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet iſt. Denn Das ew'ge Leben hast du mir Ja wohl ein Leben; denn im Himmel bei dir in der Freude wird kein Ach und Weh, keine Krankheit, kein Schmerz, kein Leiden, kein Tod mehr seyn; sondern Freude, Trost, Friede, Erquickung, Süßigkeit, Klarheit und Herrlichkeit sollen ewig seyn; sie sollen nimmermehr aufhören. O Jesu! wie freue ich mich auf dieses Leben, auf diese Herrlichkeit; habe ich hier wenig gute Tage gehabt, und ist mein tägliches Brod Mühe und Klage gewesen, so werde ich hingegen in dem Himmel lauter gute Tage, Freudentage, Erquickungstage haben, 21* 312 Vierter Theil. Für Sterbende. Da wird alles Tranern und Weinen hinweg seyn, da wird mein Heiland alle Thränen von meinen Augen abtrocknen. O selige Stunde! wann ich zu dieser Freude gelangen werde, und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich: denn dieses Freudenleben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes! für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde; für mich bist du verspeit, gefreuzigt und getödtet; dein Tod versüßt meinen Tod; es kommt Alles mir zu gut: Dein Verspotten, dein Verspeien Muß zu Ehren mir gedeihen; Tausend tausendmal sei dir, Liebster Jesu! Dank dafür. Dein Tod ist auch mir zu gut geschehen, dadurch bin auch ich mit Gott versöhnt, dadurch habe ich Friede, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und der Seelen Seligkeit erlangt. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O darum sei getrost, meine Seele! und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben, und dir daselbst eine Stätte bereitet. Er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Owohlan! habe ich hier auch keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, bricht mein Herz, scheidet sich Leib und Seele, so weiß ich schon wohin: zu Jesu, zu Jeſu, meinem Heiland. Denn ich weiß, wenn dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel; und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Dein herrlicher Trost, den mir Gottes Wort gibt: wenn ich schon sterbe, so soll ich doch wieder auferstehen. Obschon mein Leib schwach und matt in die Erde gelegt, ob er gleich darin zu Staub und Asche werden wird, so wird er doch nicht im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen; er soll wie die Sonne in des Vaters Reich leuchten; er soll verklärt, verherrlicht und mit weißen Kleidern angethan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich? und dieser entsteht daher, weil mein Jesus vom Tode auferstanden ist: er ist für mich am Stamme des Kreuzes als das unschuldige Lamm Gottes gestorben; er ist auch begraben worden, er ist aber wieder fiegreich am dritten Tage auferstanden. Jesus ist erstanden, ich werde auch auferstehen; Jesus lebt, ich soll auch leben. Freude! o Trost! sterbe ich gleich, und mein Leib wird in die Erde gelegt: er soll wieder hervor kommen, mit Unsterblichkeit und Herrlichkeit angethan. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so 4 Seufzer und Gebete. Werd' ich im Grab nicht bleiben. Jesus wird mir mein Leben wieder geben, und auch meine Glies der, meinen Leib und meine Seele, die durch den Tod getrennt waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereinigt werden. O darum leget meinen Leib nur hin in's Grab, ich bleibe doch nicht darin; das ist meine Ruhestätte, da will ich sanft schlafen, bis mich Jesus erwecken wird. Da ist mein Ruhebett; nach so vielem Wachen, schweren Leiden, Schmerzen und Ungemach werde ich nun zur Ruhe kommen. In meinem Grab deckt Jesus mich mit seinen Gnadenflügeln; er bewahrt meine Gebeine, bis er sie wieder vereinigen, mir meiner Augen Licht, Haupt und Hände, ja alle Glieder wieder geben wird. So wenig das Grab meinen Jesum hat halten können, so wenig wird es auch mich halten, wenn die letzte Trompete erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, weil mein Leib da von aller Sorge, aller Arbeit, allen Schmerzen ruht, und meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquickt und getröstet werden. Ja, mein Heiland! nicht allein deine siegreiche Auferstehung erfreut mich, sondern auch 313 Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Nachdem Jesus von den Todten auferstanden war, so fuhr er gen Himmel, und ging in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorangegangen; ich folgenach, ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem HErrn in den Wolken entgegengerückt werden, da dann Leib und Seele mit einander zu ihres HErrn Freude eingehen sollen. Ach mein Jesu! stelle mir diese herrliche Himmelfahrt fleißig vor, damit ich mich deren bei meinem Absterben getrösten möge; erinnere mich, daß ich nicht gen Himmel fahren kann, ehe ich dieses Sterbliche abgelegt habe und entkleidet worden bin. Dieses soll nun auch mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben bleiben: Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren, ich werde ihm auch nachfahren; Jesus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben theilhaftig werden. Was kann mir denn nun süßer und angenehmer seyn, als meines Jesu und meine zukünftige Himmelfahrt? Kann Todesfurcht vertreiben: Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor; denn meine Seele geht aus der irdischen zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu sei 314 Vierter Theil. Für Sterbende. nem Vater zu gehen, oder eine Braut, zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, meiner Seelen Bräutigam; soll ich mich da denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur ewigen Freude, zur Krone, zum weißen Kleid; dieses macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude; ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur ab, meine Seele verliert ihr Kreuz, und erlangt die himmlischen Güter; sie verläßt die Menschen, und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein Jesu! was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir, Denn wo du bist, da komm ich hin. O welcher Trost ist das! Nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich zum Himmel gelangen, und bei meinem Jesu in ſeiner Herrlichkeit seyn: das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. O welche Freude wird das seyn, wenn mich Jesus in seine Arme fassen und zu der Herrlichkeit einführen wird! O mein Heiland! wann kommt die Stunde der seligen Vereinigung und Heimführung? Nicht allein hast du mich von der Verdammniß und der Hölle befreit; nicht allein hast du der Seelen Seligkeit erworben; nicht allein bist du vorangegangen, und hast mir die Stätte bereitet; sondern du willst mich auch zu dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißen hast: Ich will euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. O wohlan! so bin ich. wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist, und dieses zu meinem Trost, asof dits gan Daß ich stets bei dir leb' und bin, Darum wird er mich zu sich nehmen, damit ich bei ihm in der himmlischen Herrlichkeit leben soll; nun soll ich meines himmlischen Vaters Wohnung ererben, aller himmlischen Güter theilhaftig werden; nun hat meine Wallfahrt ein Ende, und ich bin daheim. Ja auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen, und sein Antlitz schauen, welches Anschauen die allerunaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben und durch ihn ewig erquicket werden, und weil ich nun dessen überzeugt bin, D'rum fahr' ich hin mit Frenden. Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben? Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin, nach Gottes Willen, getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille, wie Gott mir verheißen hat; der Tod ist mein Schlaf geworden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen vergeben sind. Ich sterbe mit Seufzer und Gebete. 315 Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferweckt werden; ich sterbe mit Freuden, weil ich eine selige Himmelfahrt halten, und zu meinem Jesu kommen werde; darum: Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme, Und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus diesem Jammerthal in den Freudensaal, denn aus Trübsal und viel Leid Soll ich fahren in die Freud', Die kein Ohr je hat gehöret, Und in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott; so spreche ich auch zu meinem himmlischen Vater, zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen Gott; zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja zu meinem Erlöser eile ich, erlöste Seele, hin. Zu meinem Seligmacher gelange ich, derselbe wird mich in den Himmel führen, und als eine durch sein Blut gereinigte Seele zu Gnaden annehmen. Und ach! wie verlangt mich, Jesum in seiner Herrlichkeit zu sehen, Jesum, den ich nie gesehen, aber doch zum Umfassen lieb habe; darum Mein' Arme sich ausstrecken, Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu, um ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmermehr zu lassen. Ich umfasse Jesum schon im Glauben: ich halte ihn, und lasse ihn nicht, bis er mich in seines Vaters Haus zur Seligkeit führt. Ich strecke meine Arme aus, und rufe: Ja komm, HErr Jesu! Ich erinnere mich jetzt, wie mein Jesus am Stamme des Kreuzes seine beiden Arme ausgestrecket hat, und so gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte: so will ich jetzt auch sterben, um mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelenbräutigam! umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welch' ein seliger Eintritt wird das seyn, wenn ich so von Jesu begleitet, ja geführt, in den Himmel eingehen werde! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben, denn wenn ich so sterbe, So schlaf' ich ein, und ruhe sein: Wern ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich sanft. Jesus in meinem Herzen, Jesus in meinem Sinn, in Gottes Namenschlaf ich in. O Jesu! mache mir mein letztes Ende und meinen Tod zu einem süßen und sanften Schlaf, daß ich sanft und stille im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sauft schlafen bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft nun 316 Vierter Theil. Für Sterbende. mein Leib, so ruhe ich auch fein der Seele nach in der ewigen Freude und Seligkeit. O eine süße Ruhe, die Niemand stören kann! Ich ruhe von meinen Leiden; ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübniß; ich ruhe von allen Schmerzen. Deine selige, himmlische und erhabene Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie, sollte ich denn nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? daraus Kein Mensch kann mich aufwecken, Todte zu erwecken, ist ein Werk Gottes, darum hat auch kein Mensch von sich selbst die Kraft, Todte zu erwecken. Aber du, mein Jesu! du bist wahrer Gott und Mensch, du hast die Macht und Gewalt, die Todten aus den Gräbern hervorzurufen; denn deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber bringen, und die Todten werden auferstehen. O Jesu! so erwecke denn meinen Leib am frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben, damit der Leib, der dir hier gedient, auch verherrlicht werden möge. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und ich werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich sehen, meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun. Als Jesus Christus, Gottes Sohn; Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntniß vor meinem Tode von Jesu ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gesalbte; ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja, Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich jetzt fröhlich und selig sterben; das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht mich rein von allen Sünden. Nun derselbe Wird mir die Himmelsthür aufthun, Ach mein Jesu! wenn meine Lebensthüre sich schließt, so thue mir die Himmelsthüre auf. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht: ich habe auch durch den Glauben in der Lebensheiligkeit nach dem Himmel getrachtet; darum, o Jesu! thue mir die Himmelsthüre weit auf, wenn ich beschließe meines Lebens Lauf. O Jesu! öffne mir die Himmelsthüre, und sprich: Ei, du fromme und getreue Seele! gehe ein zu deines HErrn Freude; komm her, du Gesegnete! ererbe das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich seyn, wenn du mit solchen süßen Worten wirst Mich führ'n zum ew'gen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führt, so führe mich, Seufzer und Gebete. o Jesu! in das ewige Leben, zum Leben ein, das niemals aufhört; zur Herrlichkeit, die du mir erworben haft; zur Freude, die in Ewigkeit währet: so sterbe ich selig, so sterbe ich fröhlich. Nun bin ich bei Jesu; er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelangt. 317 —— Meinen lieben Gott werde ich von Angesicht schauen— daran zweifle ich nicht in ewiger Freude und Herrlichkeit, dir mir bereitet ist; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit! 11 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu: Haltet im Gedächtniß Jesum Christum; gedenket an sein bitteres Leiden und Sterben. Tröstet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen hat, und euch jetzt als sein Kind in die ewige Herrlichkeit aufnehmen will. Tröstet euch der blutigen Wunden Jesu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen lassen: tröstet euch seines heiligen Blutes, das er auch für eure Sünden vergessen hat. Tröstet euch des Beistandes des heiligen Geistes, der euch geheiligt hat; auf diesen dreieinigen Gott lebet und sterbet selig. Amen. Segenswunsch über den Sterbenden. Eile hin, du durch Jesum Christum theuer erkaufte Seele! Eile hin zu deinem lieben Gott und Vater in Jesu Christo, der dich erschaffen und geliebt hat, den du findlich gefürchtet und dem du vertrauet hast. Fahre hin zu deinem HErrn Jesu, dem thenersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich, als sein Schäflein, mit seinem Blute erkaufte, an welchen du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiligt, und dich zu seinem Tempel und zu seiner Wohnung erforen hat. Fahre hin aus dem Leide in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott; derselbe segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin, und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der HErr segne dich und behüte dich; der HErr lasse sein Angesicht leuchten über dir, und sei dir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden. Amen. Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden ist. Odu heiliger und gerechter Gott! so hat es dir nun gefallen, diesen vor unsern Augen liegenden Dahingeschiedenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach! laß uns an diesem Tod lernen, daß wir auch einmal sterben und die Welt verlassen müssen; 318 Vierter Thell. Festandachten. damit wir uns in Zeiten durch wahre Buße, durch lebendigen Glauben und durch Vermeidung der Eitelkeiten und Sünden der Welt dazu bereiten mögen. Erfreute die nunmehr dahingeschiedene Seele mit himmlischem Trost und mit Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Glaubigen in deinem heiligen Worte gethan hast; dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, wo du alsdann Leib und Seele wieder vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der dir hier gedient hat, dort mit himmlischer Freude erfüllt werden möge. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand; verlasse sie nicht, und wende von ihnen die Hand nicht ab, sondern lasse sie deiner Güte, Gnade, Liebe, deines Trostes und deiner Hülfe reichlich genießen, bis du sie auch einst fröhlich und selig sterben lassen wirst. Ach, erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Bird 1790 dJfl and 716 Fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet in der heiligen Adventzeit Christi Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. 3ach. 9, 9. 3ft je eine Zeit, welche gottergebene Seelen gerne mit Andacht hinbringen, so sind es die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten Gottes erwägt. Ob nun gleich die meisten sogenannten Christen die heiligen Festzeiten theils mit Uleppigkeit und Wollust, theils mit Stolz und Kleiderpracht, theils mit Müßzizgang und unartigem Geschwätz vorbeigehen lassen, und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten wenig zu Herzen nehmen, fich auch in ihrem Christenthum wenig erbauen; so ist dagegen ein glaus Zur Adventzeit. 319 biges Kind Gottes viel anders gesinnt: denn dasselbe freut sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um Alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenkt hat. In der heiligen Adventzeit betrachtet es 2) die Liebe des himmlischen Vaters, der seines einzigen Sohnes nicht verschont, sondern ihn in die Welt zum Leiden, zum Sterben, um den Menschen die Seligkeit zu erwerben, gesandt hat. Es sieht an 3) die inbrünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut verkleidete, damit er uns zum Himmel und zur Seligkeit wieder bringen möge. Es preist 4) die Gnade des heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohlthaten den glaubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellt, zueignet und empfinden läßt, als ob sie heute erst geschehen wären. Daher läßt es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebets seyn, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, mit Anstimmung der Festlieder und mit einem stillen gottseligen Wandel anfängt und vollendet. Gebet. O du gnadenreicher Jesu! der du gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schutz und deiner Gnade abermals haft erleben lassen. Ach! gib mir deines heiligen Geistes Kraft, daß ich sie in deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen möge. Du ewiger Sohn Gottes! der du gewesen bist, ehe noch der Welt Grund gelegt war, bist in's Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch geworden, damit du uns glücklich und selig machen möchtest. Wir könnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen; darum kommst du zu uns auf Erden, auf daß du uns Alle zur Seligkeit einführen mögest. Wir waren durch die Sünde Fremde, ja Gefangene und Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft foll Alles wieder gut gemacht werden. S große Gnade! unaussprechliche Liebe! um deinetwillen, o Jesu! sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlöste und die Feinde Gottes Geliebte, die Sünder Kinder seyn, und die Gefallenen wieder aufgerichtet werden. O Vierter Theil. Festandachten. heilige Ankunft, wodurch wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren angethan werden sollen. Denn das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder felig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gib mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten und annehmen, im Glauben, in deiner Erkenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen möge, als da sind: Keuschheit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit; damit deine Ankunft auch mir eine selige und heilige Ankunft seyn möge. Ach! bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: Er kam in sein Eigenthum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Ach, HErr Jesu! ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir. Komm herein, du Gesegneter des HErrn! warum stehest du draußen? Ich habe dir mein Herz durch deine Gnade bereitet. Komm in mein Herz; ich will dich als meinen einzigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben faffen, dein Verdienst und deine Gerechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz; ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Luftbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seiest. Ach! wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich, und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehrverdammen, denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich seyn? Jesu! du kamst als ein König; ach! 320 Zur Adventzeit. 321 regiere hinfort in meinem Herzen, damit die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter; ach! mache mich gerecht, und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Ich freue mich in dem HErrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mich mit dem Rock der Gerechtigkeit geschmückt. Du kamst arm, damit du mich reich an meiner Seele, ja reich im Glauben und an himmlischen Gütern machen mögest. Du kamst demüthig; ach! mache mich demüthig, damit ich von dir Demuth und Sanftmuth lerne, und dieselben in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren! ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe, ich öffne fie durch deine Kraft; regiere mich hinfort mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und dein Tempel beständig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich auch haben gern, Du Gottessohn, du Davidsstern, Du wahrer Weibessamen, Du Siloh, Heiland, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnadenthron und Theil, Komm in des HErren Namen! Komm, König, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost der Heiden! O Seligmacher, Hülf' und Schutz, Versöhner, Rath, Prophet und Trutz, Zeuch in mein Herz mit Freuden! Amen. Gesang. Mel.: D Gott, du frommer Gott ze. 1. Hier ist Immanuel, So lasset uns jetzt sagen Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen, Hier ist Immanuel, Der uns die Gnade bringt, Und dem die Christenheit Das Hosianna singt. 2. Hier ist Immanuel, Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Immanuel, Ach! seht, wie Gott uns liebt, Da er zu unsrem Heil Sein liebstes Kind dargibt. 322 Vierter Theil. Festandachten. Hier ist Immanuel, Erschreckt uns Angst und Noth So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott 3. Hier ist Immanuel, Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Osterlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Immanuel, Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, So groß er immer sei. 4 Hier ist Immanuel, Die Sünd' ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad' Gnad', um Wir sollen ewig leben; Hier ist Immanuel, Gott wi uns gnädig seyn, Es macht uns Jesu Blut Von allen Sünden rein. 5. Hier ist Immanuel, Kein Unfall kann uns tödten; Sieh', Jesus ist bei uns In allen unsern Nöthen; com 6. Hier ist Immanuel, Laßt uns die Sünde hassen, Und alle Lieb' der Welt Aus Lieb' zu ihm verlassen; Hier ist Immanuel, Der Seelen Trost und Licht. Den fasset Jedermann In Glaubenszuversicht. 7. Hier ist Immanuel, Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn l Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel, Deß freut sich Leib und Seel', Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Immanuel. Der andächtige Christ betrachtet an Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Jagil Aufmunterung. Da aber die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einest Weibe und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesege waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfiengen. Gal. 4, 4. 5. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen im ganzen Könige reich Freude, zu dessen Trost er geboren ist, so kann Christi Jesu Geburt nicht anders als allen Menschen erfreulich seyn. Die Engel freuen sich in den Lüften, und verkündigen eine große Freude ber Menschen; warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns dahingegeben hat? 2) Ueber die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht geweigert hat, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen, und ein kleines Kind zu werden? Es verwundern sich 3) Glaubige in einer glaubigen Stille über den heilsamen Rath Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch An Weihnachten. 323 und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn anstatt der Menschen leiden und sie mit Gott versöhnen sollte. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren, Röm. 5, 10., anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Daher danken sie ihm 5) desto herzlicher dafür, daß der Rath Gottes von unserer Seligkeit ihnen kund gemacht worden sei; sie begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, indem sie Jesum im Glauben annehmen und ihm im gottfeligen und frommen Wandel folgen; deßwegen ihnen auch die heiligen Weihnachttage Bet-, Freuden-, Lob- und Danktage werden. Gebet. Dieses ist der Tag, den der HErr gemacht hat; laffet uns freuen und fröhlich seyn. OHErr, hilf! o HErr, laß wohl gelingen! Gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn! Auf, meine Seele! und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und deiner Erbauung an, und sprich: O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! ach, daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte! Gott ist die Liebe; dieses erkennt mein Herz und Gemüth an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel aufgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, an welches weder Engel, noch Menschen hätten denken können, daß die mittelste Person in der Gottheit ein Mensch werden sollte, um dadurch die menschliche Natur wieder zu heiligen und zu reinigen. O du holdseliger Jesu! dir sei ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschenkind, damit wir Gotteskinder werden möchten. Nun ist die menschliche Natur recht erhöht; du haft sie mit deiner Gottheit vereinigt und sie in den Rath der heiligen Dreieinigkeit gebracht. O Liebe, o Gnade! so gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereinigt ist, so gewiß ist zwischen Gott und den Menschen eine ewige Freundschaft, eine ewige Versöhnung, 324 Vierter Theil. Fejtandachten. ein ewiger Friede und eine ewige Liebe gestiftet. Wenn uns Gott in seinem Sohne ansieht, so kann er nicht anders als uns gnädig seyn; hat er diesen Geliebten nicht geschont, sondern für uns Alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken, nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Friede, Leben und Seligkeit! D der großen Liebe Jesu! der als ein zartes Kind hat geboren werden wollen, damit er unsere sündliche Geburt heiligte; er hat an Alter und Weisheit zugenommen, damit er unsere Jugend heiligte: Du bist willkommen, o edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast, Du kommst in's Elend her zu mir, Wie soll ich immer danken dir? Omein liebster Seelenfreund, mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübfal, einen Seligmacher, wenn mich meine Sünden ängsten, einen Beistand in Noth, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führt, die Wahrbeit, die mich lehrt, das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht; mein Hohepriester, der für mich betet und mich segnet; das Opferlamm für meine Missethaten; ein vollkommenes Lösegeld für meine Uebertretung. werther heiliger Geist, wie groß ist deine Liebe, indem du mir diesen Trost, diese Freude, dieses Heil abermals verkündigen läsfest! Ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste, und sage: Mein Jesus ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein; das Kind ist mir geboren; der Sohn ist auch mir gegeben; er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenkt. O Jesu! den ich im Geist in der Krippe erblicke und An Weihnachten. 325 beschaue, wie lieblich bist du, wie freundlich bist du! Ach! verleihe mir Gnade, daß ich deiner nicht mehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil! heilige mich; ich übergebe mich dir mit Allem, was ich bin und habe; ach mein Bräutigam! umfasse mich; dir will ich leben; dir will ich dienen; aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach! laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung seyn in Zeit und Ewigkeit. Schließ' mich in deine Liebe, und behalte mich darin, damit ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seelen Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist als Mensch geboren; wenn ich nur an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Jesus in mir lebet. Ich fürchte den Tod nicht; in ihm habe ich das Leben, nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünden; hier ist mein Fürsprecher Jesus. D'rum sag', mein Herzensbräutigam, Mein' Hoffnung, Freud' und Leben, Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, Was soll ich dir doch geben? Aa! nimm von mir Leib, Seel' und Geist, Ja, Alles, was Mensch ist nd heißt, Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. O welch' ein Freudenfest, O welche frohen Stunden, Da Jesus, Gottes Sohn, In Windeln wird gebunden! Es ist mein ganzes Herz Auf dieses Kind gericht't, Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. Start, Handbuch. 2. O Lieb', o große Lieb'! Wer doch mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket; O große Vaterliek'! Die uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 22 Vierter Theil. Festandachten. 326 3. O Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd', genommen. Er kommt, und bringet uns Zur Kron', zur Herrlichkeit, Zum Erbtheil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud'. 4. O große Gnad'! es kann Ein Jeder Gnad' erlangen, Der diesem Jesu wird In Glaub' und Lieb' anhangen; Gnade, die uns Trost Und wahres Leben gibt: Seht, dieser Gnad' genießt, Wer Jesum herzlich liebt. 5. O Freude! unsre Sünd' Ist allesammt vergeben, Vergeben in der Zeit Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich heute ein, Will unser Lösegeld Und Seligmacher seyn. 6. O Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausgeföhnet; Wer glaubt, wird nicht verdammt Vielmehr durch ihn gekrönet; Des HErren Jesu Blut, Tod und Gerechtigkeit Ist unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu! du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und droben werden; Du kommst und nimmst auf dich All' meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb' und Huld. 8.Dukommst, und willstauch mir In Heiligung vorgehen; Wie ich soll heilig seyn, Das soll ich an dir sehen; Wohlan! ich folge nach; Mein Jesus nur allein Soll, weil ich leben werd', Mein Licht und Führer seyn. 9. Deßwegen kniee ich Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm' mit Freuden an Die frohen Weihnachtslieder; Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund! Nichts Bess'res geben kann. 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach! laß mich neue Gnad' Bei deiner Krippe finden; Mein Jesu! ich bin dein, Ach! sei und bleibe mein, Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden seyn. Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Jahresschlusse. Aufmunterung. Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Psalm 103, 1. 2. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wenn er sie eine Woche oder einen Monat glück Am Jahresschluffe. lich zurücklegen läßt, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter den Beistand Gottes ein ganzes Jahr verlebt haben? Ach wie viel Leiden kann uns in einem Tage begegnen, wie viel mehr in einem ganzen Jahr! Wenn ein andächtiger Christ den Beschluß des Jahres erblickt, so hebt er die Hände, das Herz und den Mund zum Himmel auf, und schließt es mit Loben, Danken und Beten; und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die ge= wöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! das Jahr ist vorbei; sondern 1) dankt er Gott dafür, daß er ihm dieses Jahr sein heiliges Wort zur Seelenheiligung hat predigen, den Weg zum Himmel hat weisen lassen; daß er ihm durch das heilige Abendmahl immer neue Kräfte und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Hervorbringung der Glaubensfrüchte verliehen hat. 2) Er fragt sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden sei; wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er nach der alten sündlichen Geburt abermals ein Jahr zurückgelegt hat. 3) Er bittet Gott auch herzlich und inbrünstig um Verzeihung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preist Gott sodann für die vielen empfangenen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernährt, versorgt, beschützt, errettet, erhalten, gesegnet, bewahrt und begleitet hat. 5) Hat ihm Gott Krankheit, Leiden und Trübsal zugeschickt, aber ihn wieder davon befreit, so soll er ihm besonders dafür danken, und sich am Ende des Jahrs so viel möglich erinnern, was in jeder Woche oder jedem Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß so die letzten Tage des Jahrs ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden mögen, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anfleht. Gebet. 327 Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan hat? Der HErr hat Großes an mir gethan, dessen bin ich fröhlich. O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! so spricht meine in deiner Gnade sich freuende Seele, dankend dafür, daß ich nun abermals unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott! wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen; fie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie mit Wollust, wie mit einem 22* Vierter Theil. Festandachten. Strom, denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Mein Gott! der Tage im Jahre sind viel, aber deiner Wolthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deiner Wohlthaten, die du mir erwiesen hast, sind unzählige. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort haft lauter und rein predigen lassen, und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil angewiesen hast. Ach! verfiegle Alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen, und gib mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich öfters in deinem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut gespeist und getränkt haft; ach! laß es mir zu meiner Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir öfters die Sünden vergeben, und die verdiente Strafe abgewendet haft; ach! gib mir Kraft, daß ich mich in diesem Jahr davor hüte, und sie nicht wieder vorsätzlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung beschert, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen haft. Du hast mich wie einen Augapfel im Auge behütet; du hast mich vor meinen Feinden beschirmt, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Noth mich erhört, und mein Gebet durch die Wolfen vor deinen Thron dringen lassen. Du hast in meiner Trübsal mir Hülfe vom Heiligthum gesandt und mich gestärkt. Du hast deinen Segen über mich ausgeschüttet; du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, als ich zu dir rief; du, liebreicher Vater! hast mich, dein Kind, an deiner Hand geführt; du, mächtiger König! hast mich, deinen Unterthanen, wider meine Feinde beschützt; du, getreuer Hirt! hast mich, dein Schäflein, auf grüner Aue gewaidet; du hast mich 328 Am Jahresschlusse. 329 lebendig erhalten, als jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Jahrs bis an das Ende alle Wege begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet; deine Liebe hat mich bedeckt; deine Hülfe hat mich erfreut; deine Gnade hat mich erhalten; deine Allmacht hat mir stets geholfen; deine milde Vaterhand hat mir Alles gegeben; dein allsehendes Auge hatte Acht auf mich, und hat meinen Aus- und Eingang behütet, daß mir kein Uebel begegnet iſt. Darum, ach! sehet und schmecket doch, wie freundlich der HErr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Hast du mich zwar zuweilen viele und große Angst erfahren lassen, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen viel Bekümmerniß in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergößt. War mir öfters Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich auf allen meinen Wegen behütet und mich aus dem Rachen des Löwen errettet. Ach, mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach! alle Sünden, die ich in diesem Jahr gethan habe. Ach! strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. HErr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner llebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. HErr, HErr! so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demüthig an: bleibe auch mein Schuß und gnädiger Gott in dem neuen Jahre; halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen seyn. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe 330 Vierter Theil. Festandachten. Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt; Gebt unfrem Gott die Ehre! Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenket, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket, Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewacht, Und mich gesund und wohl Bis hieher hat gebracht. 2. Wie kann ich solche Gnad', Mein Gott! genugsam preisen? Ach! könnt' mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen; O, daß doch all' mein Blut Wie eine Zunge wär', Und jeder Aderschlag Erhöbe deine Ehr'! 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget; Und deinen Segensstrom Mir reichlich zugeneiget; An Nothdurft, Speis' und Trank Hat's niemals mir gefehlt. Es sind die Sterne eh' Als deine Güt' gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge, Und vor dir, trener Gott! Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Sinn. 5. Denn, ach! die Sündenlast Liegt mir an meinem Herzen, Ach! die genoff'ne Lust Bringt mir jetzt bitt're Schmerzen, Daß ich gesündigt hab', Ach leider! tausendmal; Was sag' ich, tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott! Dieselben mir verzeihen Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad' verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf', Vertilg' fie ganz und gar, Und straf' deßwegen mich Nicht in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiemit Zum Eigenthum ergeben: Die Seele sammt dem Leib Verstand, Sinn, Geist und Le Ach! schließ die Meinigen In deine Fürsorg' ein, Und lasse, was ich hab', Dir auch befohlen seyn. 8. Beschütze ferner mich, Und gib mir deinen Segen; Erhalte, was ich hab', Sei bei mir, und hingegen Wend' ab des Unglücks Stu Und bleibe stets mein Gott, Und habe Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn dieß ah: Mit dir, mein Gott! beschließen Ach! laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen Und sollt' dasselbige Vielleicht das letzte ſeyn, So führ' mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. 331 Der andächtige Christ betet am Anfang des Jahrs. Aufmunterung. Der HErr, unser Gott, sei uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. Psalm 90, 17. Obgleich öfters vorwitzige, oder auch kleinmüthige Gemüther am Anfang des Jahres gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr glücklich seyn werde, so steht es doch nicht in eines Menschen Macht, solches Jemanden kund zu thun; denn zukünftige Dinge weiß der HErr allein. Daher ist dieses Allen und Jeden zu rathen- welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist- daß sie, 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen; daß sie die Güte des Höchsten preisen, der sie unter so vielen Stürmen des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübsal dennoch glücklich ein neues Jahr hat erreichen lassen. Und gewiß, hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen hindurch kommt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glück lich und gesund hat durchleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner beschützen, regieren und erhalten wolle. Verlaß mich auch in diesem Jahr nicht, sprechen sie, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Sie befehlen Gott ihren Leibund ihre Seele, und Alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschutz. 3) Sie befleißigen sich auch in dem nenen Jahr, andächtiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr in die neue Geburt gehören möge. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen, und doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben sind, so haben sie keinen größeren Ruhm als ein alter Jude oder Heide, der sie vielleicht an Jahren übertrifft. Denn die Frömmigkeit, welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei Anfang des Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zn bewahren und ihr Leben darnach einzurichten. Gebet. HErr HErr! barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß ist, siehe, ich habe unter deinem Schuß abermals ein neues Jahr angetreten. HErr! 332 Vierter Theil. Festandachten. wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen; du machest fie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Dieses Alles habe ich, mein Gott und Vater! das vorige Jahr wohl erfahren; darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehenanfangen. HErr! frühe, sogleich im Eintritt des Jahrs, wollest du meine Stimme hören; frühe, in den ersten Stunden deffelben, wollest du darauf merken. Ach HErr! ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahr begegnen kann; das Jahr ist lang; der Tage sind viel; das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen treffen können, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott! und will mich gleich am Anfange deiner Gnade und Treue befehlen. Ach! da Alles neu wird: das Land will von Neuem grünen, die Sonne höher steigen, Alles wird mit neuen Kräften belebt; so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mir neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vaterschutz; bewahre sie vor Sünden, daß ich dieselbe nicht mit muthwilligen Sünden beflecke. HErr Jesu! heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute; Gott heiliger Geist! wohne in mir, laß sie deinen Tempel seyn. O welch' ein gesegnetes Jahr wird mir dieses seyn, wenn ich, o himmlischer Vater! in deiner Gnade bleibe, und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich seyn, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu! stehen werde. O wie schön geschmückt werde ich einhergehen, wenn du, werther heiliger Geist! in mir wohnen und mich regieren wirst. Ist des Königs Tochter herrlich geschmückt inwendig, so werde ich in diesem Kleinod dir auch gefallen. Und weil du mir bisher Leben und Gesundheit, als eine edle Gabe, verlichen haft, so wollest du mir dieselbe auch in diesem Jahre, Am Anfang des Jahrs. 333 wenn es dein väterlicher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädig erhalten, damit ich dadurch zu deinem Dienste und zur Verrichtung meines Berufs desto tüchtiger seyn möge. Sollte es aber deinem heiligen Rath gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir; und wenn ich Bein leide, so lindere mir's, und laß auch deine Erquickstunde erscheinen, wo du mir Alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, HErr, mein Gott! über die Meinigen und über all' das Meine; sei eine feurige Mauer um uns her, wie um Elisa; bewahre uns rings umber, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heiligen Geistes, damit ich in diesem Jahre recht fromm und ein wahres Kind Gottes werde; damit ich ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thäter des Worts seyn möge. Hilf, daß es in dem neuen Jahr von meiner Seele Zustand heißen möge: das Alte iſt vergangen, es ist Alles neu geworden; daß ich in mir ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, einen neuen Trieb finde, mich mit dir zu vereinigen und in der Vereinigung zu bleiben. Ach! heilige mich durch und durch, daß mein Geist sammt Seele und Leib unsträflich erhalten werden möge bis auf den Tag Jesu Christi. Gib mir einen neuen Eifer in meinem Christenthum, in dem Guten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und meine Arbeit; segne meinen Ausgang und Eingang; gib mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahrs bedenken, daß auch einst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet seyn lassen möge, um dich, o mein Bräutigam und gnädiger Gott! mit Freuden zu empfangen, und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. 334 Vierter Theil. Festandachten. Ach! gib mir nach deinem Willen Einen neuen Sinn und Geist, Der, was dein Befehl uns heißt, Mich lehr' unverrückt erfüllen, Daß mein Geist sammt Seel' und Leib Deines Geistes Woh nung bleib'. Jesu! laß mich fröhlich enden Dieses angefang'ne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Steh' mir bei auch in Gefahr. Ach! hilf mir in aller Noth; Ach verlaß mich nicht im Tod; Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich muß die Welt verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2c. 1. Gott Lob! das neue Jahr tritt ein, Es hat schon angehoben; Ach! könnt' ich doch recht dankbar seyn Und Gott von Herzen loben; Ich schenk' mich dir, ach schenk' dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier! Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih' mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel' regiere, Der mich mit Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere; Der mich erfülle allezeit Mit Hoffnung, Lieb' und Heiligkeit, Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen, Und durch den siegesvollen Streit Des Fleisches Lüfte zähmen, Auf daß ich bleibe fromm hinfort, Zu aller Zeit, an jedem Ort, Und bleibe mein Regierer. 4. Ach großer Gott! verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete; Wend' nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach! hör', erhöre meine Bitt', Ach! theil' mir deine Hülfe mit, Und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt' noch mehr, o Gott! von dir, Ach! gib mir deinen Segen; Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun beilegen, Ach! liebster Bater, segne mich, Mein Auge schauet nur auf dich, Ach! bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zustand nicht verborgen; D'rum sorg' für mich auch dieses Jahr, Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Versorger. 7. Sollt' mich auch treffen Kreuz und Leid, So biet' mir deine Hände, Verleih' mir Hülf' und Trost bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach! gib mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidensze. Und laß mich bald empfinden Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; In der heiligen Passionszeit. 335 O Gott des Trostes! wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht, und bleibe stets mein Tröster. 9. Soll auch dieß Jahr das letzte seyn, Das ich noch soll er.. leben, So führe mich zur Freude ein; Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, Ja Herrlichkeit und Wonne. Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi am Anfange der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. Gott hat Den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2 Kor. 5, 21. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Undacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens Jesu hingebracht haben; welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ist. Wenn nun aber gleich der Satan die Weltfinder so weit gebracht hat, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Maskenbällen, Unmäßigkeit, Ueppigkeit und Gottlosigkeit anfangen, wodurch sie bezeugen: sie fragen nichts nach dem gekreuzigten HErrn Jesu, und treten sein Blut mit Füßen: so sind doch wahre Kinder Gottes anders gesinnt, und haben davor einen Abscheu. 1) Sie fangen diese Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich so viel als möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen: Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Nichthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuze, im Grabe, und sprechen bei jeder Betrachtung: für mich das ist Alles für mich geschehen. 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche anstellen, so sind sie nicht mit der äußerlichen Historie zufrieden, sie lassen auch nicht mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden; sondern, wie sie Zeit ihres Lebens der Wunden Jesu und in dem Sterben sich deren getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens den gekreuzigten und auferstandenen Jesum im Gedächtnisse; welches Andenken 4) sie zur Kreuzigung ihrer Lüste und Begierden antreibt, daß sie nicht mehr nach dem Lauf dieser Welt leben oder vorsätzlich fündigen, damit sie der Sünde desto mehr absterben, und geistlicher Weise auferstehen; welcher Fleiß, welches Verlangen und welcher Wunsch 5) von Gott zu ihres Lebens Heiligung gesegnet seyn wird. - 336 Vierter Theil. Festandachten. Gebet. Ach Jesu, mein Jesu! wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen hast! Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der HErr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde gethan hat; und siehe, du ergibst dich in den allerschmählichsten Tod und in das größte Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder, und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden aufgelegt, damit mir deine Gerechtigkeit geschenkt würde. Mein Jesu! in deinem Leiden kann ich den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Gräuel der Sünde, die Strafe der Sünde sehen; denn Gott hat um fremder Missethaten und um zugerechneter Sünden willen dich, unschuldiges Lamm, so arg am Delberg selbst gemartert, und durch deiner Feinde Hände dich so erbärmlich zurichten lassen; wie hart werden dann aber einst Die jenigen gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebensheiligung bewegen lassen. Mein Jesu! ich trete jetzt zu dir, und schaue dein Leiden glaubig an. Du gehst in den Garten Gethsemane und schwißest blutigen Schweiß, ach! für mich, damit ich von der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführt, angeklagt und zum Tode verdammt, ach! für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht werde gestellt werden, losgesprochen werden möge. Du hast vor Gericht lauter Ankläger, aber keinen Fürsprecher, ach! für mich, damit, wenn mich meine Sünden und mein Gewissen anklagen, du mein Fürsprecher seyn mögest. Du wirst gegeißelt, und dein Leib fließt mit Blut; die Pflüger ziehen ihre In der heiligen Passionszeit. 337 Furchen lang auf deinem Rücken, ach! für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführt, ach! für mich, damit dein Todesgang mir zum Heil gereiche, und ein Durchgang zum Himmel, ja, ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuzigt, ach! für mich, du Lamm Gottes, hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuze, ach! für mich, damit ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben, ach! für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Frieden hätte, und davon befreit würde. Nun will ich dieses Leiden mir vor Augen setzen, mich stets daran ergößen, ich sei auch, wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel' sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruh'n. Wie Israel von aller Schuld und Strafe frei war, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte, und dessen heißes Blut vergießen sah: so weiß ich auch, weil du, o Jesu, du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes! für mich geschlachtet bist, und dein heißes Blut reichlich für mich geflossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffaffe, in Gnaden und mit Gott versöhnet bin. Dein Blut ist das rechte Opferblut, das Versöhnungsblut, das Reinigungsblut, das Besprengungsblut. O mein Jesu! an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich gedenken, wenn mein Herz mich zur Sünde verleiten will; deine heilige Gestalt am Selberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Erempel mich ihr gleichzustellen locken will. In deine Wunden will ich in meiner Sündenangst fliehen; dein Blut will ich als mein Lösegeld auffassen, wenn 338 Vierter Theil. Festandachten. mich mein Gewissen ängstet; ja in meiner Todesstunde will ich von Nichts, als von dir, o Jesu! wissen; dein heiliger Jesusname soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt mein letzter Gedanke, und dein letztes Wort am Kreuz auch mein letzter Seufzer im Sterben seyn: Vater, in deine Hände befehl' ich meinen Geist! In solcher meiner letzten Stunde, o Jesu! sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand, und alsdann Erscheine mir zum Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du, HErr Christ! so milde Geblutet hast zu todt. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken: Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du fremmer Gott. 1. Es stirbt mein bester Freund, Ich lieb' ihn, weil ich leb'; Ich lieb' ihn auch im Tob; Ich lieb' ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. Mein Jesus, ach! mein Leben; Sieh', er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben, Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm; Es sinket in den Tod Mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein bester Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd' Vom ewigen Verderben; Ach ja! er stirbt für mich, Für meine Sünd' und Schuld, Befreit mich von der Straf, Und bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein bester Freund, Und dennoch nicht mein Lieben, Mein Jesus bleibet tief In meine Seel' geschrieben; 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubensaugen sehen; Mein Freund, hier ist mein Herz, Da senke dich hinein, Da soll dein Eigenthum Und deine Ruhstätt' seyn. Hiemit zu eigen schenken; 5. Ich will mein Herze dir An deinen Tod gedenken; Ich will bis in den Tod Ach! lebe, weil ich leb', Mein Seelenfreund! in mir, Und sterb' ich dermaleinst, So sterb' ich, Jesu! dir. In der heiligen Passionszeit. Jesus in seinem Blute. Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 1. Schauet doch das bitt're Leiden, Welches Jesus muß bestehn, Wie die Juden und die Heiden Grausam mit dem HErrn umgehn; Kommt, und schaut die Marter an, Ob sie euch bewegen kann, Ob vielleicht auch dieser Schmerze Rühren mög' das harte Herze. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig seyn; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth; Schauet das vergoff'ne Blut, Ob's euch könn' zurücke ziehen, Daß ihr mög't die Sünde fliehen. 339 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreuzesstamm, Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Gotteslamm, Wie sein heißes Blut noch fließt, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht' erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu! schreibe Dieses Alles in mein Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden, wie dein Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut Kommt mir Armen auch zu gut, Sündenstrafe soll man sehen; Doch soll Gnad' für Recht ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich stehy. Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh', Blutig auf der Lagerstätt', Blutig auf dem Sterbebett', Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. Jesus, stell' dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht: In den Wunden hab' ich funden Gnade, Leben, Trost und Licht; Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tod mein Labsal seyn, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu oder den Charfreitag. Aufmunterung. Der Gerechte kommt um, und Niemand ist, der es zu Herzen nehme, und heilige Leute werden aufgerafft, und Niemand achtet darauf. Jes. 57, 1. Obgleich der Char- oder stille Freitag, welcher der Leidensund der Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird; so haben dagegen wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer besondern Andacht erwählt. Sie erwägen an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe auf sich genommenes Vierter Theil. Festandachten. Leiden. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen! Liebe drang ihn, daß er Mensch wurde; Liebe bewegte ihn, daß er sich für uns dahingab, und am Kreuze starb. 2) Als ein unschuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im Geringsten etwas gethan, das der Strafe werth gewesen sei, denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert; er hat auch keine Sünde gethan, es ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Also war es von Seiten Jesu ein unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahm er es willig auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Vater ihm zugeschicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dem wohlbedachten Rath Gottes gelitten, Apostelg. 2, 23., so wußte Jesus auch Alles, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldigt, als ob sie Gottes Willen hätten vollbringen müssen; denn Gott hätte ihn vollends zu Tod martern können, als er schon im blutigen Schweiße auf der Erde lag; er hat sich aber der Juden Eigenwille und Bosheit dazu bedient, deren Absicht nicht war, Gottes Willen zu erfüllen, sondern ihre Bosheit und Muthwillen an Christo auszuüben, wie Josephs Brüder ihn nicht verkauft haben, um ihren Bruder zum großen Herrn zu machen, sondern gedachten es böse mit ihm zu machen; Gott aber gedachte es gut zu machen, 1 Mose 50, 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlt hat. Dieses Alles zieht eine glaubige Seele in Betracht und läßt sich's einen Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde und einen Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen seyn. 340 si Gebe t. O du liebreicher und holdseliger Jesu! ich komme hier zu dir, um dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Ach! laß dein bitt'res Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Dic sündliche Begier, Daß mir's nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm! du haft gelitten, damit dir alle meine, ja, aller Menschen Sünden, Schulden, Missethaten, Ungerechtigkeiten, Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder, ja als Am Charfreitag. die Sünde selbst angesehen wurdeft. Waren aber, o unbeflecktes Lamm! unsere Sünden auf dich gewor fen, so überfielen dich auch unsere Strafen wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehramtes, aber in deinem Leiden wurde Alles verdoppelt; da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammung zum Tode, daß du vor zwei Gerichten, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, erscheinen, und von beiden zum Tode verdammt werden mußtest, sondern, nachdem der Stab über dich gebrochen und das Todes= urtheil über dich gesprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen an deinem Leibe leiden. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeißelt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder! ob ein Schmerz jemals gewesen sei wie unsers Jesu Schmerzen; sein Haupt war mit Dornen gekrönt; sein Leib mit Blut befloffen, und durch die scharfen, mit eisernen Haken versehenen Geißeln wund geschlagen; am Kreuze wurden Hände und Füße angenagelt; die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: ich bin ein Wurm, und kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib so erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele bis in den Tod betrübt war; die Zornfluthen und Höllenangst griffen ihn dermaßen an, daß er am Kreuze rief: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? worauf endlich der Tod selbst erfolgte. Erwürgtes Lamm! das hast du Alles mir zu gut, mir zum Besten, zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden; denn wenn nicht Christus in die Welt gekommen wäre, und unsere arme Gestalt an sich genommen hätte, und willig für unsere Sün23 Start, Handbuch. 841 342 Vierter Theil. Festandachten. den gestorben wäre, so hätten wir ewig verdammt seyn müssen. Nun aber, wenn ich an dich glaube, und dein heiliges Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so werde ich aus Gnaden, durch dein Verdienst, herrlichen Lohn empfangen. O mein Jesu! laß dein bitteres Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn, daß ich mich dessen tröste, dadurch fromm, badurch gerecht, aber auch dadurch selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, an dem mir nicht dein blutiges Bild vor Augen stehe. Laß dein Leiden, dein Blut, deine Wunden auf meine Hand, ja, in mein Herz eingeschrieben stehen, damit bei jedem Odemzuge nichts als Jesu Leiden, Jesu Tod, Jesu Blut in meinen Gedanken sei; damit ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiligt, gewaschen und gereinigt werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreut, tröstet, erweckt und erbaut, so auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach für mich hast du auch gebetet: Vergib ihnen, vergib dieser Seele, was sie wider dich gethan hat. Für mich hast du gerufen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlaffen? damit ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöthen, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich dürftet. Ach! gib, daß ich im Glauben dich wiederum umfassen, nach ir dürsten, und nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich hast du gesorgt, als du sprachest zu Johannes: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuze, in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe: so wirst du dich meiner herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, Am Charfreitag. für mich sorgen, mir helfen und gnädig seyn. Ach! laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. Versichere mich dessen in gesunden Tagen, rufe mir es auf meinem Sterbebette zu, laß es an mir nach meinem Tode erfüllt werden. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht. Nun ist Alles gethan, was ich hätte thun sollen; nun ist Alles gelitten, was ich hätte leiden sollen. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Ehrenkleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir ein Trost- und Freudenwort werden: Bater, in deine Hände befehl' ich meinen Geist! So will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir vorgesprochen hast. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur seyn, Ich will mich darein kleiden; Es soll seyn meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor den Thron Des ew'gen Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut Zu deiner Rechten stehen. Amen. 843 Gesang. Mel.: Herzliebster Jesu! was hast du sc. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben; Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög' erheben Das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, Und theilet Allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sündenliebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch, die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zum Spott und Höhne, Damit er in dem Himmel uns ergöße, Die Kron' aufsetze. 23* Vierter Theil. Festandachten. 5. Er stirbt, seht, wie sein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungsblut vergießet; Dieß Blut wird uns ein süßes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach, schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh' gefunden: Nun kann ich, da die Freistätt' stehet offen, Ja Gnade hoffen. 344 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlassen. 8. ein Jesu! wärest du nicht so gestorben, So wären wir an Leib und Seel' verdorben, Nun aber kann mich Niemand mehr verdammen Zu Höllenflammen. 9. 3m Sterben schenkst du mir das Freudenleben; Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben, Wer an dich glaubt, und wer da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu! fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen, Von deiner Liebe solle mich nichts scheiden: Kein Tod, noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab' und Opfer, wie Dankbare pflegen, Bespreng's mit deinem Blut, und mach' es reine, Denn es ist deine. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach! laß mich deinen guten Geist regieren, Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände. Der andächtige Christ freuet sich über die Auferstehung Jesu Christi. Aufmunterung. Ich bin der Lebendige; ich war todt, und siehe, ich bin lebendig von Ewig teit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Offenb. Joh. 1, 18. Es ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; denn, nachdem Jesus von den Todten auferstanden war, welcher sich als der Bürge, um für uns genug zu thun, dargestellt hatte, so ist die Be zahlung völlig geschehen. Gott ist versöhnt: er hat den Tod seines Sohnes für unserr Tod angenommen, und uns um seinetwillen das Leben geschenkt. Es freuen sich glaubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugen und Zeugnisse von der Auferstehung ihres Jeſu. An Ostern. 345 Ist es nicht ein herrliches Zeugniß, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen ist, 1 Kor. 15, 5., daß er besonders mit seinen Jüngern geredet und gegessen hat, Apostelg. 10, 41., sich von ihnen hat berühren und angreifen lassen? Joh. 20, 25. 1 3oh. 1, 1.: welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Ja, der Unglaube wird durch einen jeden Glaubigen noch besiegt; weil Jesus in uns lebet, Gal. 2, 21., so muß er ja auferstanden seyn und leben. Sie freuen sich, 3) weil ihnen die gnädige Vergebung der Sünden versiegelt, der Friede mit Gott versichert ist, in dem fie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wieder zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu sie auch im Tod und Sterben erquicken werde. Jesus hat ihren Tod im Sterben versüßt, und ihr Grab geheiligt, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Deßhalb 5) bringen sie die heiligen Ostertage wie die übrigen Feste in Herzensandacht, mit Gebet, Singen und Betrachtung der Wohlthaten Gottes hin, befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen, und ihr Sündengrab, das ist, ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und in Heiligung ihr übriges Leben dem HErrn zu Ehren anzuwenden. Gebet. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: die Rechte des HErrn ist erhöhet, die Rechte des HErrn behält den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst, Ueberwinder des Todes, starker Simson! aus deiner Auferstehung entsteht jetzt in meinem Herzen lauter Freude, indem ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und mit gebeugtem Knie und gefalteten Händen spreche: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HErrn Jesum Christum! Jesus ist erstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft; der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losgelassen; darum muß die Sünde getilgt, Gott versöhnt und die Schuld bezahlt seyn. Wer will nun verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher sitzt zur rechten Hand Gottes, und Vierter Theil. Feftandachten. vertritt uns. Jesus hat dem Tode die Macht genommen, und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. O Jesu, liebster Freund! deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich finge an diesem Feste: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen, denn durch Christi Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer find. Hier ist ein vollgültiges Lösegeld, eine vollkommene Erlösung. An Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden, und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja, zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen; wird er mich anklagen, so bittet Jesus für mich, und schenkt mir seine Gerechtigkeit, darin ich vor Gott gerecht und selig bin. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich von der Hölle errettet; wer nur an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Seligkeit bestätigt ist! Jesus lebt, und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereinigt und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auf erstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen wie alle Menschen, sondern ich werde als ein Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, traft seines Verdienstes und seiner Genugthuung auferstehen. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht; ich sehe es als eine Ruhestätte, als der Mutter 346 An Oftern. 347 Schoos, als den Ort meiner Ruhe an, wo mich mein Heiland schlafen lassen wird, bis er sprechen wird: Stehet auf, ihr Todten! und kommet vor das Gericht. O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben hat! Auferstandener Jesu, wie kann ich genug deine Gnade und Barmherzigkeit verkündigen, rühmen und preisen! O Liebe, die mir das Leben und die Seligkeit schenkt! Nun ist Alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach, mein Heiland! deine Auferstehung soll mir auch einen kräftigen Trost in meinem Leben geben. Du lagst im Grabe verschloffen, aber du gingst herrlich hervor: so wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülfs- und Erquickungssonne wird mir wieder scheinen. O Jesu! du bliebest nur drei Tage im Grabe, also ist mir nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die mühsamen Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du stundest auf, und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend wie die Sonne. So wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wenn du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit dieser meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient haben, und dir geheiligt gewesen sind, werden auch des Himmelsglanzes theilhaftig und verherrlicht werden. Ja, weil du, o Jesu! lebst, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschüßen, in Traurigkeit erfreuen, im Tode ergicken, im Grabe bewahren, und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt, 848 Vierter Theil. Festandachten. Wenn mir gleich alle Welt stirbt ab, G'nug, daß ich Jesum bei mir hab'. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da komm' ich hin, Weil ich ein Glied sein's Leibes bin. Amen. Gesang. Mel.: Jesus, meine Zuversicht 2c. 1. Jesus lebt, deß freu' ich mich, 6. Nun will ich das Freudenfest Er ist von dem Tod erstanden, Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Todesbanden Als ein starker Held befreit, O der großen Herrlichkeit! 2. Jesus lebt, er ist nicht todt, Lasset seine Feinde toben, Er ist außer Angst und Noth; Lasset uns den HErren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freudenlieder singen, Jesus, Jesus soll allein In dem Mund und Herzen seyn. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd' in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich Sträflich's an mir hab', Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finst'rer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd' auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erden zu, Hier ist meines Leibes Ruh'. Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt, denn er hat sich Von gar Vielen lassen sehen, Darum glaub' ich festiglich, Und darf nicht im Zweifel stehen, Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd' ich Hülfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt; Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schützet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt, der wird mich nicht Inder Angst und Noth verlassen, Auch nicht, wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen, Alsdann führt mich seine Hand In mein wahres Vaterland. Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder, Er starb zu der Leidenszeit, Und stand auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja seyn auferstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündenbanden Durch sein Leiden völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. Am Himmelfahrtsfeste. 11. Jesus lebt, dieß Wort soll| Das versüßt die Todespein, seyn Und befreit mich vom Verderbe Auch mein Labsal in dem Ster- Nach dem Tod werd' ich aufste ben, Und zur Lammeshochzeit geh 3 Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. Aufmunterung. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Joh. 20, 17. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jesu, unsers Heilandes, kann nicht anders als einer glaubigen Seele sehr tröstlich und er freulich seyn. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wiederum dahin zurückkehrt, nämlich in den Himmel, woher er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, wozu er gesandt war. Er kam( in seiner Empfängniß und Geburt) vom Vater her, und kehrt in seiner Himmelfahrt wieder zum Vater zurück, nachdem er den Menschen Frieden, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit erworben hatte. 2) Eine glaubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Es haben wever Fromme noch Gottlose eine beständige Wohnung auf Erden. Die Frommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, und die Gottlosen, ob sie es gleich verlangen, erlangen es nicht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, darnach das Gericht. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Menschen allhier auf Erden, so schicken sie ihr Herz da hinein, wo sie ewig wünschen zu seyn. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie Alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, fie die Stätte bereitet finden mögen in der Herrlichkeit, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt; sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedent; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und hangen Jesu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und der Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. 350 Vierter Theil. Festandachten. Gebet. Gott fähret auf mit Jauchzen, und der HErr mit heller Posaune; lobsinget Gott, lobsinget unfrem König. So befinge ich, mein Jesu, großer Siegesfürst, deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der Tod unter deinen Füßen; du hast uns davon befreit. Nachdem du die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst gemacht hast, hast du dich in den Himmel gesetzt zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu! dieses Alles ist mir gar tröstlich, darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir deine Ankunft auf Erden war, so tröstlich ist mir deine Himmelfahrt. Du sißest zur Rechten Gottes und vertrittst uns, deßhalb, wenn ich bete, so bete ich nicht allein: dein Geist betet in mir, und du bittest für mich, darum wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädig erhört werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dieses erquickt meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet hast, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und du hast auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren! als ein gerechter Richter denen geben wirst, die deine Erscheinung lieb haben. Du haft dein Reich eingenommen, und herrscheft über Himmel und Erde im Reich der Natur, der Gnade und Herrlichkeit; du wirst auch zu mir und allen Glaubigen dermaleinst sagen: Kommet her, ihr Geſegneten, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du haft Gaben empfangen für Am Himmelfahrtsfeste. 351 die Menschen nach deiner menschlichen Natur, damit du sie uns, deinen Brüdern und Glaubigen, austheilest. Ach, mein Jesu! gib mir eine zweifache Gabe, der ich zweifache Kraft und zweifachen Trost nöthig habe. Gib mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmuth, Demuth, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden, und dereinst des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Weil du nun als das Haupt erhöht bist, so wirst du mich als dein Glied auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebt, so werde ich auch ewig bei dir seyn. O welcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Glaubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißen hat: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. Ach, mein Jesu! laß mich seyn, wo du bist; ziehe mich zu dir, da du zur Rechten Gottes erhöht bist; bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten; laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Glaubigen bereitet hast. Ob du aber, o mein liebster Seelenfreund! deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen. Ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth; du errettest mich in Gefahr; du erquickest mich im Leiden; du tröstest mich in Traurigkeit und schüßzest mich in aller Widerwärtigkeit. Darum bin ich gutes Muths; der HErr Jesus ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinst sehen und mich unaussprechliche Freude in dir erfüllen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen am jüngsten Tage sehen, wenn ich 352 Vierter Theil. Festandachten. von den Todten auferstehen werde. Zu diesem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen, und meine künftige Wohnung, meine fünftige Krone, meine bleibende Stätte, mein weißes Kleid mit Glaubensaugen beschauen; ich will auch die Welt, weil ich in der Welt bin, mit meinem Herzen, mit meinem Leben verlassen; ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, so lang ich lebe, dem HErrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich dem HErrn; Dann fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arm thu' ich ausstrecken, Ich schlafe ein, und ruhe sein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. Amen. Die geistliche Himmelfahrt. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Jesus fähret auf gen Himmel, Und verläßt den Thränenbach, Und ich folg' durch's Weltgetümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag' bei ihm zu seyn. 2. Ich verlasse diese Erde, Ob ich gleich auf Erden leb', soll mir nichts lieber werden, Darnach ich am meisten streb', Als im glaubigen Verlangen Meinen Jesum zu empfangen, Und im Geiste allezeit Anzusehn die Herrlichkeit. 3. Ich fahr' auf mit meiner Liebe; Erd'! ich liebe dich nicht mehr; Weil ich in der Lieb' mich übe, So ist Jesus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht und Weltgeberden Acht' ich meiner Lieb' nicht werth, Als die Jesum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmels freud'; Weltlust kann es nicht mehr binden: Es schmeckt bess're Süßigkeit; Es beschauet schon dieKrone, Die der HErr zum Gnadenlohne Sammt dem schönen Ehrenkleid Mir zu geben ist bereit. 5. Zwar ich walle an den Pforten Jener Ewigkeiten noch, Am Himmelfahrtsfeste. 353 Trage in dem Menschenorden Dieses Todesleibes Joch. Doch lieb' ich nicht Sünd' und Schande, Noch des Lasters schnöde Bande, Ja ich meide sie mit Fleiß Nach des Gottesworts Geheiß. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergötzen, Als nur diese Himmelsreif', Droben bei den Himmelsschätzen Bin ich, die ich kenn' und weiß; Meine Ruhe, Freud' und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag' und alle Stund', Spar' ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein, das thr' ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten, Daß, wenn nun mein End' da ist, Ich hinfahr' zu Jesu Christ. 9. Also werd' ich nichts verlieren, Träget man mich gleich zu Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab'; Sterb' ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den dein Heil mir hat bereit't Droben in der Ewigkeit. 10. Drum sei fröhlich, meine Seele! Heb' empor dein Augenlicht; Diese Erd' ist eine Höhle, Da dir wenig Gut's geschicht: Schwing dich auf der Andacht Flügel Zu dem goldnen Sternenhügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Der andächtige Chrift erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Aufmunterung. So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten. ut. 11, 13. Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes damit zugedacht, daß Jesus uns mit seinem heiligen Blute erkauft hat, sondern der heilige Geist, als die allerherrlichste, nothwendigste und seligste Gabe, will uns in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerheiligste Gabe; was könnte Gott mehr und Größeres an uns thun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mittheilt? Es war der ewigen Liebe Gottes nicht genug, daß die Engel Wächter neben, um und bei uns sehn und uns auf 354 Vierter Theil. Festandachter. allen unsern Wegen behüten sollten: sondern der heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahrt und erhalten würden. Der heilige Geist ist auch 2) die allernothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, ohne großen Ehrenstand und ohne viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier, noch in der Ewigkeit wahrhaft glückselig seyn. Daher ist er auch 3) die allerhöchste Gabe. Er ist das Pfand unsers Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, wodurch wirversichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst nothwendig in Traurigkeit, in Trübsal und in Anfechtung, denn da vergewissert er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet unvermögend sind, bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. 4) Diese herrliche, nothwendige und selige Gabe will Gott Allen geben, die ihn nur darum bitten. Diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gabe wird Gott Niemanden versagen. 5) Ein andächtiger Christ reinigt sein Herz von der Welt- und Sündenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. Gebet. Ich will Waffergießen auf die Durstigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie Weiden an den Wasserbächen. Ach, liebster Jesu! diese gnädigen Verheißungen hast du an dem heiligen Pfingstfest erfüllt, als du über die Apostel deinen heiligen Geist reichlich ausgegossen, und sie damit zu dem Werk tüchtig gemacht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. Treuer Heiland! theile mir auch diese Gabe mit, gib mir auch diese herrliche Gabe. O du werther heiliger Geist! gieße dich in reichem Maße über mich aus, der du in Feuerflammen dich deinen Aposteln geoffenbart haft; erleuchte mich zum ewigen Leben; erleuchte meinen Verstand, damit ich Jesum Christum erkennen möge; heilige meinen Willen, damit ich nichts begehre und wünsche, als was nur dir gefällt. Wie die Apostel, An Pfingsten. 355 o du Geist der Stärke! durch dich mit Kraft aus der Höhe angethan worden sind, so stärke meinen Glauben; gib mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einberzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als ein wahres Kind Gottes zu leben. O du gnädiger Regen! mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquicke mich in der Hiße der Anfechtung, und gib, daß ich viele Glaubens- und Lebensfrüchte bringen möge. Du Geist der Gnaden und des Gebets! versiegle in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach! bete auch in mir und mit mir, ja lehre mich recht andächtig beten, ermuntre mich zur Andacht und zum Lobe Gottes. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit! damit ich wissen und thun möge, was Gott gefällt. Ruhe auf mir, o Geist des Verstandes! damit ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; behüte meinen Verstand vor Irrthum; vertreibe daraus alle Finsterniß der Unwissenheit und Eigenliebe; hingegen zünde in mir das Licht deiner Erkenntniß an, damit ich in deiner Liebe und Erkenntniß täglich zunehmen möge. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des HErrn! pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich nimmermehr mit Wissen und Willen fündigen möge. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe! und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, alle Bosheit und die Nachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in allem Kreuz und in aller Trübfal, wenn die Fluthen mich ersäufen und die Wellen über mir zusammenschlagen wollen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin; hilf mir die Lüfte des Fleisches bekämpfen, hingegen laß in mir Glauben, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld zunehmen. Sei mein Führer, der mich allezeit auf ebener Bahn leite, damit ich nicht anstoße, nicht falle, oder nicht wider Gottes 356 Vierter Theil. Festandachten. Gebot thue. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite, und Jesum in mir verkläre. O du reines Waffer! wasche mich, gib, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der That einen HErrn, nämlich meinen Gott und Jesum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und der Seligkeit nennen möge. Siehe, du Licht meiner Seele! wie ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen, darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche; zeige mir den Weg, worauf ich wandeln soll, denn mich verlangt nach dir. Wenn ich mich führen soll, so irre ich; wenn du mich aber führest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heiliger Geist! bisher betrübt, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe, mein Herz stehet dir offen, ach! tehre in dasselbe mit deinen reichen Gnadengaben ein; erfülle es mit allen christlichen Tugenden; befestige mich, gründe mich, und erhalte in mir das gute Wert, das du in mir angefangen hast. Ach! schaffe in mir ein reines Herz; tilge aus demselben alle Unarten, böse Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünde. Nimm das steinerne Herz hinweg, und gib mir ein geheiligtes und durch deine Gnade geändertes Herz. Wohne in mir, und laß es deinen Tempel und deine Wohnung seyn. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und so weiß ich auch gewiß, daß ich werde ewig selig werden. Bleibe auch, o heiliger Geist! bei mir in aller Noth und im Sterben; rufe alsdann in mir das Abba lieber Vater! gib mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen Freude, wo ich nach dem Kampfe zur Krone, und nach dem Leiden zur Freude gelangen werde. Heil'ger Geist, du Kraft der Frommen! Kehre bei mir Armen ein, shad An Pfingsten. Sei mir tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel seyn. ndotto Reinige du selbst das Haus ini Meines Herzens, wirf hinaus. daffrade Alles, was da mich kann scheiden chard mods Von den süßen Himmelsfreuden. tist Schmücke mich mit deinen Gaben, 974 dini Mach' mich neu und rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben, tult Und in deiner Gnade stehn. is Gib mir einen starken Muth, ad Hilf mir zwingen Fleisch und Blut Lehre mich vor Gott hintreter Und im Geist und Wahrheit beten. Amen. immiods and inhurry find tisipini Gefang. 19 Mel.: O Gott, du frommer Gott ze. di 39 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben Mit reichem Maß austheilt, Die wünscht mein Herz zu haben. Mein Jesu! schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weist. 12. Ich irre allzuſehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstet sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan! so leite mich, sdnd Mein Licht! auf eb'ner Bahn, Daß ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. noun 3. Ich leb' in Finsterniß, Wenn mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret, Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzünd't, Auch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. Start, Handbuch. 357 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten; Darum so stehe mir Mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gotteskind Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein Gott! In Glaub' und Lieb' erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geist erkalten; Darum so gib mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich', Bis ich nach meinem Kampf Die Lebenstron' erreich. 6. Mein Jesu! gib mir doch, Was ich dich hab' gebeten; Laß deinen guten Geist Im Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring' meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 24 358 Vierter Theil. Festandachten. 7. Ach! dein Geist helfe mir Ach! bleibe allezeit Mein Fleisch und Blut zu zwin- Vereiniget mit mir, gen, Laß mich geschmücket seyn Daß ich in seiner KraftuidDurch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Weil ich den guten Geistoran Mir Trost und Muth zuspreZu meinem Führer hab.dnd addi? srdnu him jo Mög' gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, sis chen; 8. Du sollst, o werther Geist! Ich geh' durch Jesu Blut In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht! Zu allem Guten treiben. Alsdann zur Freude ein, Und werde schön verklärt In Jesu Armen seyn. smarted fisd erwägt das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. 3110035fort ud to a: 1 Aufmunterung. Der andächtige Christ 1( bjn 190197 On Drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese Drei sind Eins. 1 Joh. 5, 7. ste mochise 11500 Wenn eine glaubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit in eine heilige Betrachtung ziehen will, so muß fie es machen wie Einer, welcher von der Sonne Licht und Nutzen haben und sich dessen bedienen will. Schaut er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er sieht lauter Finsterniß; hält er aber die Augen niedergeschlagen, gebraucht er so der Sonne Licht und ihres Glanzes, so sieht er viel, ja er sieht Alles, was er sehen soll. Das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß; sie kann es nicht begreifen, Ein Wesen und drei Personen. Daher haben sich Viele an dieser Glaubenslehre gestoßen, und urtheilen mit den Juden bis auf diesen Tag noch. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich bezeichnetes Geheimniß, davon reden die herrlichsten Sprüche des alten und neuen Testaments. Am Jordan, da Christus getauft wurde, haben sich drei Personen geoffenbart, Matth. 3, 16. 17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubt ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemuth an. Er preist seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan hat. Er dankt seinem Od 3749 Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. 359 Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllengewalt befreit hat. Er gibt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, und befleißigt sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er dereinst herrlich schauen wird, was er hier geglaubt hat. Denn selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. and i gdnd Gebet.id Heilig, heilig, heilig ist Gott, der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! So, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! stimme ich jetzt mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, um deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu besingen. O du ewiges, unerforschliches und unbegreifliches Wesen! mein Glaube hält sich einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort feft, in welchem du dich mir herrlich geoffenbaret baft. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Vater! der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Chriftum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! der du dich als einen Vater mir kund gethan hast. Du hast nicht allein Jesum Chriftum, deinen einzigen Sohn, von Ewigkeit her gezeugt, sondern du bist auch der rechte Vater über Alles, was da Kinder heißt, im Himmel und auf Erden. Ach! du haft bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, bewahrt, erhalten, ja du ernährst, versorgeft und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater! nimm dich doch meiner, als deines Kindes, herzlich und väterlich an. HErr Jesu, Sohn Gottes! ich habe dich aus deinem heiligen Worte als die zweite Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeuget, kennen gelernt. Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entsprossen, ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche 24* Vierter Theil. standachten. Natur an sich genommen hat, um mich und alle Menschen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle zu erlösen. O darum freue ich mich in dir und bete dich an! Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hohepriester, Gnadenthron, Mittler, Immanuel, Seligmacher und Hirt; in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünden dahin gegeben hat; dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten; durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich felig, hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geist! du hast dich in deinem Wort mir als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgeht, als ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleiches Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit geoffenbart. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe; durch dich bin ich zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist, gebracht. Du bist mein Heiligmacher, der mich noch erleuchtet, heiliget und im rechten Glauben erhält. Du tröstest mich in allem Leiden; du erfreuest mich in Traurigkeit, und erquickest mich in Trübfal. O du Geist der Gnaden und des Gebets! versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden sei; gib Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gib mir Andacht im Gebet, gib mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommet, laffet uns beten und knieen und niederfallen vor dem HErrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht hat, denn wir sind sein Bolk und Schafe seiner Waide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Der Vater ist von Niemand weder geschaffen noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht geschaffen, sondern in Ewigfeit geboren; der heilige Geist ist vom Vater und € 60 Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. 361. Sohn nicht geschaffen und nicht geboren, sondern ausgehend. Unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte, keine die kleinste, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott, und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist Ein Gott. O du dreieiniger Gott und HErr! laß mich in dieser Erkenntniß immer wachsen und zunehmen, und gib, daß ich dich im Glauben ergreife, und an deinem Heiligen Wort, als meiner Glaubens- und Lebensregel, fest halte, und was ich nicht begreifen kann, dennoch von Herzen glaube, bis ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater! decke mich mit deinen Gnadenflügeln, und segne mich. O Jesa! wasche mich mit deinem heiligen Blute, und segne mich; mache mich gerecht und dort ewig selig. HErr Gott heiliger Geist! erleuchte mich und segne mich, damit ich in deinem Licht wandle, und in deinem Licht droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glauben muß man hier und trauen, Wo Gott von sich selber spricht, Dort erst fängt einst an das Schauen, Wahrer Glaube zweifelt nicht. Bin ich doch getaufet worden Auf Gott, Bater, Sohn und Geist, Sein Wort mich zum Jordan weis't, Da aus off'nen Himmelspforten Gottes Stimm' von Jesu zeugt, Und der Geist herniedersteigt. Amen. Gesang. Dreieinigkeit der Gottheit. 1. Ich glaub' an Gott, von dem wir Alle lesen, Daß er schon sei von Ewigkeit gewesen, Und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer Gott von Majestät und Nath. 2. Wer diesen Gott von Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'gen Geist ihn nennen; Dieß ist sein Nam', dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt jetzt und in Ewigkeit. 362 Vierter Theil. Festandachten. 3. Vom Vater ist das, was da ist, geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsprossen; Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr' im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Seyn gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf Einen Thron erhoben, Gleich ewig, groß, allmächtig, gleich zu loben. Die Majestät ist ihnen allgemein, Gott ist, und war, und wird auch ewig seyn. jan 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sei drei, doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennt's auch ohne Zweifel mit dem Munde; Weil Gott sich selbst hat also kund gethan, So glaubet er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden, Er suchet Trost in Jesu Blut und Wunden; Wenn Gottes Geist ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, Und preiset stets des Allerhöchsten Güte, Verharret auch in wahrer Frömmigkeit, Bis er Gott schaut im Frieden nach dem Streit.pd 10. Mein Vater! laß mich deine Gnad' empfinden! Mein Jesu! mach' mich rein von allen Sünden; Gott heil'ger Geist, ach! nimm mein Herze ein; Dreiein'ger Gott! ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet den Schutz der heiligen Engel. ise Aufmunterung. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienste, um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Hebr. 1, 14. Es sind die heiligen Engel von Gott zu seinem Dienst und zu seiner Ehre erschaffen worden, als welche allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem Andern zum Dienste bestellte, so wäre es Liebe und Gnade. Daher 1) dankt ein glaubiger Christ für die besondere Gnade, daß Gott nicht allein sich selbst den Menschenkindern mit allen seinen Gütern und Gaben zum Genuß, auch Jesum Christum zum Heil der Seelen, den heiligen Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt hat. 2) Zu dem Ende treibet er dieselben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreut dieselben vielmehr 9 Am Feiertag Michaelis. 363 durch seine Buße und seinen gottseligen Wandel. 3) Er trachtet, auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preifen, zu danken, und den ihm gefälligen Dienst zu leiſten. Wer hier ein Teufel auf Erden ist, ich will sagen, ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sünder bis in den Tod bleibt, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermehr gleich werden. 4) Ein glaubiger Christ befleißiget sich demnach, nach der dritten Bitte Gottes Willen zu thun auf Erden, wie es geschieht im Himmel, wenn auch nicht mit gleicher Vollkommenheit, so doch mit gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Glaubiger nicht an, als welche Ehre mur dem Herrn der Engel, aber nicht ven Mitknechten gebührt, Offenb. Joh. 19, 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharrt ein glaubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von Gott gebotenen Wegen ihn vor Unglück behüten, sondern auch in seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schoos begleiten werden. dil molindry nopilied zomied Gebet. ad hund ng ing Der Engel des HErrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott! wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schutz und Beistand bestellt hast. HErr, HErr! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner ſo annimmst, und ihn so hoch achtest. Ist es eine hohe Ehre, wenn ein König seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Manne mitgibt, die ihm zur Seite stehen sollen, o wie viel größere Herrlichkeit ist das, daß die heiligen Engel uns armen Menschen zum Schuß und zur Begleitung dienen müssen! O du Gott der Liebe! du haft nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Kreaturen: Himmel, Erde, Meer, Sonne und Luft, und alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Kreaturen, die heiligen Engel, zum Dienst abgeordnet, damit uns ja kein Uebel widerfahren möge. Du weißt, liebreicher Vater! wie deine Kinder auf 364. Vierter Theil. Festandachten. Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind, darum hast du ihnen Wächter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen, und alles Uebel abwenden sollen. Du weißt es, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Glaubigen um sich haben, den Fürsten der Finsterniß, den Satan und sein Heer, darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die ihnen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach mein Gott! wenn eine Woche, ein Monat, ja ein Jahr nach dem andern vorübergeht, in welchem meine gefunden und geraden Glieder unverletzt, mein Haus und Habe unversehrt, ja mein Gang ohne Fall und Anstoß geblieben ist, in dem kein Unglück sich zu mir nahet, sollte ich solches nicht deiner Batertreue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich so erhalten und behütet haft? O wie viele Gefahr hast du durch den mächtigen Schuß deiner heiligen Engel abgewendet, wovon ich nichts gewußt habe! Nun, mein Gott! dafür sei hochgeliebt und hochgelobt von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Vater! befiehl deinem Engel ferner, daß er komme und mich, dein Eigenthum, bewache. Laß deinen Engel alle Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten, und zur Seite zogen, als ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstund. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir in Nöthen seyn wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und mein tägliches Brod behüten, wie die Engel dem Elias Brod und Wasser brachten; ja laß sie um mich berlagern, und mir aushelfen, und mich auf Reisen begleiten, wie Tobias. Ach, du gütiger Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, damit ich diese deine heiligen Geschöpfe Am Feiertage Michaelis. 365 nicht mit meinen Sünden betrüben, oder mit einem ruchlosen Leben von mir treiben möge, daß sie so ferne stehen und meiner Bosheit weichen müssen. Gib, daß ich den Engeln schon in diesem Leben in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis gleich werden möge, damit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel!" soll hinfort mir immer in den Ohren und in dem Herzen erklingen. Mein Gott! laß auch deine heiligen Engel bei mir im Sterber bleiben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schoos tragen und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbstin ihrer Gemeinschaftund Gesellschaftin Ewigkeit seyn, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der HErr Zebaoth! anstimmen, und dich für alle, also auch für diese Wohlthat ewig loben und preisen. Gott, aller Geister Geist, HErr aller Seraphinen! Der seine Diener heißt Uns Menschen zu bedienen, HErr Zebaoth! mur dir Gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, So laß sie uns begleiten; Wenn wir entschlafen seyn, So stelle uns zur Seiten Die Wache deines Throns, Die Starken Salomons. Schaff', daß sie überall Die Hand uns unterlegen, Und laß uns keinen Fall Aus ihrem Schooß bewegen; Ihr Lager schließ' uns ein, Wenn wir belagert seyn. Wenn wir, des Eiteln los, Die Sterbelieder singen, Laß uns in Abra'ms Schooß Durch diese Träger bringen; Mach' uns in deinem Reich Den Engeln selber gleich. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Der Engel güld'nes Heer, Die stets vor Gott dort stehen, Und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unsrem Dienst geſandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wenn wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus, Und gehet man zurück, So gehn sie mit nach Haus. 360 Vierter Theil. Festandachten. 3. Wenn Satan und die Welt, 6. Ach Gott! wir danken dir Auch and're Feinde wüthen, Für alle deine Gaben, lurr So sind die Engel da, Und daß wir auch von dir Die unsern Tritt behüten; Zum Schutz die Engel haben; Sie wenden von uns ab Die Helden sende uns Leid, Unglück und Gefahr, In aller Angst und Noth, da Die Augen schlummern nicht, Ach! laß sie bei uns seyn bi Sie wachen immerdar. odoh Im Leben und im Tod. 4. Und bricht der Wanderstab An unsern Lebenstagen, So werden sie die Seel' In's Freudenleben tragen; Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben, Und, wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja! wir sind gewiß, Daß man da Engel find't, Wo Fromme im Gebet 7. Verleih' mir deine Gnad', Daß ich annoch auf Erden Mit stetem Lob und Preis Den Engeln gleich mög' werden, Und deinen Willen thun, dal Damit nach dieser Zeit d Ich leb' den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hoch erfreut Das dreimal Heilig singen mit aller Engel Chor in 160 Und Auserwählten Schaar, Dieß ist mein Herzenswunsch, Und Lieb' verbunden sind.Amen, es werde wahr! rég 1901 motiy que ann allant de wei weinbring Der andächtige Chrift dankt Gott nach einfad Morbs gesammelter Ernte.d Aufmunterung. Jdt 179pols als Sie will nicht wissen, daß ich's sei, der ihr gibt Korn, Most und Del, und ihr viel Silber und Gold gegeben, das sie haben Baal zu Ehren 19 gebraucht. Darum will ich mein Kron und Most wieder nehmen zu sei ner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit ſie ihre Scham bedecken. Hof. 2, 8.9. How Tommas) nd Jia Qbfe Unys sostin Ist je eine in die Augen fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat des Winters in der Erde bewahrt, in den Sommertagen sie blühen, wachsen und Frucht bringen läßt; wenn er Hagel, Wetterschlag und Sturmwinde abwendet, und durch seinen Segen Scheuer und Keller füllt. Aber ist auch eine vor der Welt geringe und verachtete Wohlthat, wofür man Gott am wenigsten dankt, so ist es eben diese Ernte, denn da meinen die undankbaren Menschen, es müsse so seyn, es Am Dankfest für Ernte- und Herbstfegen. 367 müsse so nach dem Lauf der Natur Alles wachsen, dabei habe Gott nichts gethan; deßwegen läßt der erzürnte Gott öfters aus gerechtem Gerichte Mißwachs entstehen, damit Jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der HErr nichts gibt, und daß nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein glaubiger Christ ist anders gesinnt. Wenn er die vollen Aehren in der Ernte und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke erblicket, 1) so hebt er seine Augen gen Himmel empor, und preist den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, als der aus Einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz eine so köstliche Frucht hervorbringt. 2) Er rühmt die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spätregen zu seiner Zeit gegeben, Donnerwetter, Dürre, Hagelund Ueberschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet. 3) Wenn er nun die Zeit erlebt, daß die scharfe Sichel das Korn niederlegt, und er es auch in die Scheuern fahren sieht, oder in der Kelter die Trauben zerquetschen sieht, so nimmt er alle diese Gaben mit dankbarem Herzen und Händen an. 4) Er gebraucht auch dieselben, und nimmt sie mit Danksagung zu sich. Er erkennt, daß Gott ihn nähre, versorge, erhalte. Ja, er läßt sich 5) Gottes Güte zur Buße leiten. Dankt man einem Wohlthäter und erzürnet ihn nicht, der uns etwa ein Kleid, oder etwas zu unserm Unterhalt gibt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns Alles gibt? Gebet. 19misd Nad fi Danket dem HErrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. So spreche ich, mein Gott! indem ich die gesegnete Erntezeit wieder erlebt habe. O du gnadenreicher Gott, wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest! Du hast das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schätze gelegt: dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserem Lebensunterhalt, zur Nahrung und Gesundheit dienen. Besonders hast du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gekrönt mit deinem Gutz die Fußstapfen triefen noch vom Fett! du hast gefeuchtet die Berge von oben her; du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest. Du haft Gras wachsen lassen für das Vieh und Saat 368 Vierter Theil. zum Nußen der Menschen, damit du Brod aus der Erde bringest. Ach, treuer Vater! du hast dieses Jahr wieder uns deinen, wiewohl undankbaren, Kindern Speise und Trank geschenkt; du hast unfre Ernte behütet; der Himmel hat die Erde befruchtet, und die Erde hat Korn und Most bescheret; du hast uns Frühregen und Spätregen zu rechter Zeit gegeben, daher haben unsere Felder geblüht, und haben den von dir aus ihnen uns entspringenden Segen dargereicht Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreut Liebreicher Gott und Vater! du hast das ganze Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedeckt; du hast die Sonne zu rechter Zeit scheinen lassen, daß Alles zur Zeitigung ge kommen ist; du hast Alles vor Hagelschlag, Brand, Dürre und Ueberschwemmung bewahrt. Wenn wir schliefen, so wachtest du; du warest unserer Felder Hüter und Schußherr. HErr! deine Werke sind groß und viel; du haft sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Kreaturen, Menschen und Vich, warten auf dich, daß du ihnen Speise zu seiner Zeit gebeft; wenn du ihnen gibst, so sammeln ste, und wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gut gesättigt. Ja, wohl hast du, o reicher Gott! uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet! Nun dafür danken wir dir von Grund unserer Seelen. Kommet, lasset uns anbeten und knieen und niederfallen; laffet uns mit Danken in sein Haus und mit Frohlocken in seine Vorhöfe kommen. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: der HErr hat Großes an uns gethan, dessen sind wir fröhlich! Ach HErr, HErr! laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erkennen. Ach Gott! wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei Am Dankfest für Ernte- und Herbstfegen. und Undank deine Gaben verachten, ach! so entziehe uns deßwegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater! der du uns je und je geliebt, uns auch durch diese leiblichen Wohlthaten zu dir ziehest, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem himmlischen Geschenke den Wohlthäter erkennen sollen: hilf, daß uns deine Güte zur Buße leiten möge, damit, wenn wir deine Gaben auf dem Tische vor uns sehen, sie in den Händen haben und in den Mund nehmen, wir allezeit unsere Augen zu dir erheben mögen, o du Urquell alles Segens! Und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach! so laß uns auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, damit wir in dem Guten wachsen, und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dereinst zum Genusſe der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Christum werden aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket Und gefeuchtet unser Land; Was geschadet und gefränket, Hat Gott mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein Haben müssen kräftig seyn, Daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil dann, ehe wir's vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt Jesus seiner Engel Reih'n, Ei, so laß uns Waizen seyn, Den sie mit viel Jubiliren Zu des Himmels Freude führen. Amen. the poi no 369 Gesan gordis dal nd one is Mel.: Nun lob' metn' Seel'! den HErren ac. 19dit dal 131 1. Sieh', es ist Gottes Segen Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deßwegen Auf Gottes Lob nicht seyn bedacht! Gott hat dieß Jahrgesegnet Mit seinem großen Gut, Und hat auf uns geregnet Des Segens reiche Fluth. Wie viel sind doch der Gaben Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Vaterhand! 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut; O Schöpfer! sei gepriesen, Du, du hast sie so schön gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns ni regeldas Vierter Theil.mn@? vermehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, O große Gottesgnad'! Ist ihr viel mehr gewesen, Als man gemeinet bat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vieh zugleich, Kann mun gespeiset werden, So ist vom Segen Alles reich: Des weisen SchöpfersGüteGibt jedem seineSpeis', Darum soll das Gemüthe Ausbreiten Gottes Preis. So vielen Kreaturen Zuschaffen Unterhalt, Dieß sind wahrhafte Spuren Der göttlichen Gewalt. 914. Ach! laß uns diesen Segen Und das von Gott geschenkte Gut In Undank nicht anlegen Zur Wollust, Unmaß, Uebermuth; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen, Und bleibet noch darin, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir undankbar sind. 370 5. D'rum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt; Gleichwie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Aehren senkt, So lasset uns in Stille, In Demuth, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad' erheben Zu jeder Zeit und Stund'. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Glaubigen in Ewigkeit, Was in dem Freudenleben Für einen Ueberfluß Uns Gott wird ewig geben Zum seligen Genuß. Dieß lasset uns erwägen Hinfort so spät als früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh'. mas gibt Ein anderer Gesang. Jrads? nds 19Mel.: Zeuch ein zu deinen Thoren ic. 1. Die Ernt' ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können Alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht, Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Und wieder hat bescheret, Was uns dieß Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: das hat Gott gethan! Ein Jeder schau' jetzt munter Die schönen Gaben an, Und laßt uns fröhlich seyn, Ja, lobt Den, der uns liebet, Und sammelt, was er giebet, Mit Herzensfreude ein. O 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd' zu seiner Zeit, pild Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit; Der Regen macht es weich, Der Sonne Wärme klärte, Was Gottes Hand bescherte, Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Kreaturen Ist nun gewachsen Speis'; Der weise Schöpfer hat Der Kreatur das Leben Und auch die Speis' gegeben Aus lauter Lieb' und Gnad'. Erntelied.sill tröd Den loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der Alles reichlich gibt. 158. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Aehren Pracht, p Und sie zur Seite stellet p In eine stille Nacht, usin So nimm ein Beispiel ab, hind Es wird der Tod uns fällen Und einstens zugesellen Den Stillen in dem Grab. 371 5. Wie fromme Väter pflegen Für's Haus besorgt zu seyn, So hast du auch den Segen Gelegt auf's Künft'ge ein. Du bist die reiche Quell'un Daraus viel Gaben fließen, Und segnend sich ergießen si Auf unsern Leib und Seel'. 6. Doch wenn wir dich verlassen, Und wenn wir haben ſatt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, 9. Ach! zeuch uns von der Erden Den Vorrath zu vermindern, Durch diese Gab' zu dir, d Daß von den bösen Kindern Auf daß wir himmlisch werden Gar aller Segen weicht. Und bleiben für und für, 7. Du füllest uns die Hände, So danken wir dir heut' Gott! mit Ueberfluß, und was noch zu erlangen, 103 Für das, was wir empfangen, Allein zu solchem Ende, Daß wir in dem Genußidir Erwarten wir mit Freud'. nadley and started again duur is duu aun non Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. round Aufmunterung. 190 mm aud Ach HErr! siehe doch, wie bange mir ist, daß mir's im Leibe davon mehe thut; mein Herz wallet mir in meinem Leibe, denn ich bin hoch betrübt. Draußen hat mich das Schwert, und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Klagl. Jer. 1, 20. Der HErr hat seinen Bogen geſpannt, wie ein Feind. 2, 4. Er hat vertilgt alle Paläste. 2, 5. Es lagen in den Gassen Knaben und Alte; meine Jungfrauen und Jünglinge sind durch's Schwert gefallen. 2, 21. Qu mu 110 n Die drei Landplagen, mit denen der erzürnte Gott ganze Länder und Städte verheert und wüste macht, sind Krieg, Hunger unt Pest, 3er. 14, 12. 24, 10., welche auch Gott David vorlegte, 1Chron. 22, 12.: Krieg ist eine schwere Strafe; wenn Gott seinen Schutz einem Lande entzieht, so macht sich der Feind so bald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, sind verschieden: 1) Ungehorsam, J3ef. 1, 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüsten lebet, und die Furcht Gottes aus den Augen setzt, Richter 4, 1. Rap. 6, 1. 3) Verachtung des göttlichen Worts, wenn man es entweder gar nicht hört, oder doch nicht darnach lebt, 3 Mose 26, 17. 4) Abgötterei, 467 372 Vierter Theil. Richt. 2, 12-14. Es mag auf eine grobe oder fubtile Weise geschehen, wohin die Ueppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehört. Wenn Gott aber dem Schwert rufet, und den Frieden wegnimmt, Jer. 15, 6., so nimmt er auch die Kraft des Schwerts weg, Pf. 89, 44., daß viele Völker und ein großes Kriegsheer keine Siege erhält; daher kommt, daß sie vor ihren Feinden fliehen müssen, Pf. 43,11., worauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes, und endlich Jammer und Elend folgen. Gebet. Erzürnter Gott! wir kommen hier mit gebeugten Herzen und Knieen vor dein allerheiligstes Angesicht, und bejammern das große Elend, worein uns unsere großen Sünden und dein gerechter Zorn gesetzt haben. HErr! HErr! wir wohnten unter deinem Schuße ficher; uns durfte kein Schwert schrecken, weil du unserer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger warest; wir gingen ruhig zu unsern Thoren aus und ein, und genoßen der Früchte des Feldes ungestört; aber nun, o großer Gott! hast du deinen Schutz und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht; er hat das Schwert gezückt; er droht mit Verbrennen, Plündern, mit dem Verderben der Städte und Eroberung des Landes. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir diese Strafe und Ruthe der Züchfigung längst verdient haben; wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht. Als wir uns erbauen und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam seyn sollten, so haben bei uns leider Entheiligung des Sabbaths, Mißbrauch deines beiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern geherrscht. Wir schämen uns, erzürnter Gott! unsere Sünden alle zu erzählen, die ohnedieß in den Himmel rufen. Ach, barmherziger Gott! gedenke doch nicht unserer Missethaten, deren viel sind wie des Sandes am Meere, ge Gebet in Kriegszeiten. denke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserem Gebet nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben gefündigt, Unrecht gethan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden und von deinen Geboten gewichen. Ach! strafe uns nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir flehen zu dem Gnadenthron, zu Jesu Christo, unserm einzigen Helfer und Fürbitter. Ach! siehe sein Blut und seine Wunden an. Erbarmer! erbarme dich über uns! Willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, verschlingen, verbrennen und überwältigen, und es wird kein Erretter da seyn. Mächtiger Schutzherr der Elenden! stehe auf, daß Menschen nicht Oberhand gewinnen. Du kannst uns mit Stärke zum Streite rüsten; du kannst unter uns werfen, die sich wider uns seßen. Auf dich steht all' unser Vertrauen und unfere Hoffnung in dieser großen Noth. Wenn Menschen gegen dich wüthen, so legest du Ehre ein. Ach Gott! wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns Niemand aus deiner Hand erretten könne? Errette uns, Gott unsers Heils! und vergib uns unsere Sünden um deines Namens willen. Nimm dem Feind den Muth, vertreibe ihn, und wache über unser Land, unsere Häuser und unsere Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen, und wende die Gefahr, in der wir schweben. HErr! dir gebührt die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße zerschlägst, und Wagen mit Feuer verbrennest. Erhöre, o liebreicher Gott! das Schreien derer, die jetzt in Gefahr stehen, und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit ervulden. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, der Start, Handbuck. 25 373 374 Vierter Theil. Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein baldiges Ende, und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen! O großer Gott von Tren! Weil vor dir Niemand gilt Als dein Sohn Jesus Christ, Der deinen Zorn gestillt, So sieh' doch an die Wunden sein, Sein' große Angst und bitt're Pein; Um seinetwillen schone, Und nicht nach Werken lohne. Amen. Gesang. Mel.: Ach was soll ich Sünder machen 2c. 1. Was für Jammer, was fürSchreckenBringet nicht die Kriegesnoth, Welche uns, erzürnter Gott! Soll vom Sündenschlaf aufwecken; Angst und Noth vermehret sich, Großer Gott! erbarme dich. 2. Ach! das Schwert ist scharf gewetzet, Welches uns erwürgen soll, Ja, der Feind ist Zornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Städt' und Länder steh'n verstöret, Es vergießet Menschenblut Diese scharfe Kriegesfluth; Man erstaunet, wenn man höret, Wie die Unbarmherzigkeit Alten und den Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, Alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht; Sogar die verborg'ne Kammer, Thäler, Wälder, Wüstenei Sind von Feindesfurcht nicht frei. 5. Höre, wie die Armen weinen, Wenn man ihnen Alles nimmt, Und zurKnechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammen scheinen. Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daßmankaum denOrtmehr kennt. 6. O der schrecklichsten Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt; Alles macht der Feind zunichte, Wenn du nicht, o Gott! erwachst, Und zur Hülfe dich aufmachſt. 7. Ach! wir fallen dir zu Fuße, Nette uns aus dieser Noth, Mächtiger HErr Zebaoth! Ach! wir thun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater! schon', Sieh' uns an in deinem Sohn. 8. Dessen Blut sieh' an in Gnaden, Tilg' damit die Missethat. Welche dich erzürnet hat; Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gib ihm nimmermehr den Sieg, Großer Gott! in diesem Krieg. 9. Ach! zerbrich des Feindes Waffen, Und nimm ihm den stolzen Muth. Räche das vergoss'ne Blut, Nimm weg die verdienten Strafen. Baue, was da liegt verheert, Nicht' auf, was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schließ' des Jammers Pforte zu, Schent uns nach der Trübsal Ruh'. Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. 11. So soll, HErr! dein Lob erklingen, Es soll sagen Jedermann: Gebet in Kriegszeiten. 370 Siche, das hat Gott gethan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Lieb' und Gnad', Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinfort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bitt'rem Schrei'n Unser Mund voll Rühmens seyn. Der glaubige Christ betet, wenn Gott mit Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. Aufmunterung. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrath des Brodes zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod essen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maaß mit Kummer trinken. Heset. 4, 16. Wie zahme und wilde Thiere mit Hunger gezüchtigt werden, damit sie etwas lernen, oder ihre wilde Art ändern müssen, so pflegt Gott eben solchen Zaum und Gebiß den Menschen in den Mund zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott lockt sie lange mit Wohlthaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht zur Buße leiten lassen, so schickt er Hunger in's Land, entweder durch Mißwachs, oder Krieg, oder durch Theurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man isset, und nicht satt wird. Die Strafe kommt gemeiniglich, 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, 3ef.5, 13. 2) Wenn man fromme Leute und die Knechte Gottes verfolgt, Jer. 11,22. 3) Die Stimme der falschen Propheten gerne hört, Jer. 15, 15. 16. 4) Halsstarrig ist, Jer. 24, 10. 5) Ungehorsam bleibt, Hes. 5, 16. 6) Wenn man Gewalt gegen Geringe verübt, 2 Sam. 21, 1. 2. Diese Hungersnoth bringt Armuth, Elend, Verschmachten mit sich, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger effen. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amo 8 8, 11., so ist das Elend unaussprechlich. Gebet. Gerechter Gött! der du einem Jeden gibst nach seinen Werken, und läsfest Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses thun; wir kommen hier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns so an dir verfündigt haben, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hof vu uns i.. den vorigen Jahren 25* Vierter Theil. gespeist! Wir haben Brodes die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben nun hätten uns als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, ziehen, und zur Buße locken sollen. Aber wie schändlich sind diese Güter zur Völlerei, zum Wohlleben im Ueberfluß mißbraucht worden, so daß die Kreatur selbst über uns geseufzt hat, daß sie von undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen empfangen worden sind. Was ist denn Wunder, daß ein fruchtbares Land nichts um der Sünden derer willen trägt, die darin wohnen! Du strafft uns mit Theurung, Mangel, Dürre, indem die Erde ihre Früchte färglich gibt, daher die Theurung das Land hart drückt. HErr! höre das Schreien der Armen, die um's Brod bitten und nicht satt werden. Nimm doch das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllt, zu Herzen. Es scheint, du habest den Segen von unserer Speise genommen. Wir effen, und werden nicht satt; wir nehmen viel Speiſe zu uns, und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh, diese unvernünftige Kreatur, ruft um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach HErr, HErr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen haft! Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim und wäffere es; laffe den Himmel die Erde erhören, und erhöre du uns selbst von deinem Heiligthum. Lasse die Theurung aufhören; wende dich wieder in Gnaden zu uns; sättige die Hungrigen; erfreue die Armen; fegne unser weniges Brod, das wir nach dem Gewicht und mit Kummer täglich zu uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod, sondern am meisten von dem Segenswort leben können, das aus deinem Munde geht, und wodurch du Kraft in 376 Gebet bei Theurung und Hungersnoth. unsere Speise legeft. Laffe das Feld bald mit Früchten wieder erfüllt werden; vermehre das wenige Mehl, wie der Wittive zu Sarepta; laffe den geringen Vorrath genug zur Erhaltung Bieler seyn. Lasse indessen dein Wort unsere Speise seyn, um uns damit zu nähren, denn das ist unser Herzenstrost, unser Honig und Honigseim. Wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Lebenlang. Ach HErr! sieh' an die große Noth, Entzieh' uns nicht das liebe Brod, Schütt' deinen Segen aus; Du bist ja uns're Zuversicht, D'rum bitten wir, verstoß' uns nicht. Amen. 377 Gesang. Mel.: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen ze. 1. Mit den scharfen Theurungsruthen Machst du, o erzürnter Gott! Unser hartes Herze bluten; Ach! die bitt're Hungersnoth Drohet uns den Untergang, Sie macht uns'ren Seelen bang. Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Noth erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel Alles drückt; Es möcht' dem sein Herze brechen, Der die Thränenfluth erblickt, Welche diese Noth auspreßt, Darein Gott uns sinken läßt. Schau', Erbarmer! auf die Armen; Vater! denk' an dein Erbarmen. 3. Mangel drücket Groß' und Kleine, Unser Vorrath ist dahin; Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel ruft der Arme aus; Mangel ist in's Reichen Haus; Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns Nichts ist übrig blieben. 4. Ach! das machen uns're Sünden, Diese steigen himmelan, Daß man keine Hülf' kann finden, Die dem Mangel steuern kann: Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern: Ach! wir sind ja noch nicht satt; Auf dem Feld und in den Kammern Liegen Viel' vor Hunger matt; Dort sieht man viel Arme stehen, Die um Brod und Hülfe flehen, Ja, man hört das Vieh auch brüllen, Es will seinen Hunger stillen. 6. HErr! du haft hinweggenommen Deinen Segen von dem Brod, Und ach! daher ist gekommen Diese Theurung, diese Noth; Uns're Speise sättigt nicht, Welch' ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Essen, Und der Speis' ist bald vergessen. 378 Vierter Theil. 7. HErr! wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last, Gib uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Necker wieder blüh'n, Nach dem Säen und Bemüh'n Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis' uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater! so verstoß' uns nicht; Dieses wahre Lebensbrod Stärke uns in dieser Noth, Auf der fetten Seele nwaiden Ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensfluth Diese Theurungsnoth verschwinden, So wird Alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag' und alle Stund' Sprechen: Gott hat Brod und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der glaubige Christ betet zur Zeit einer Seuche. Aufmunterung. Wenn du der Stimme des HErrn, deines Gottes, nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen. Der HErr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis daß er dich vertilge. Der HErr wird dich schlagen mit Schwulst, Fieber, Hitze, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. 5 Mos. 28, 15. 21. 22. Wenn über diejenigen, welche Böses thun, Zorn, Trübfal und Angst kommen sollen, Röm. 2,8.9., so gehören zu solcher Angst ansteckende Krankheiten und Pest. Diese Plage kommt mehrentheils, 1) wenn die Menschen dem Worte der Warnung und Ermahnung keinen Glauben beimessen, 4 Mos. 14, 12. 2) Wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dient, 3er. 14, 12. 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen setzt, Jer. 24, 14. 27, 8. 4) Die Diener Gottes verachtet, Jer. 20, 18. 5) Wenn das Volt frech und unbändig wird, Hesek. 12, 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwange geht, Hefet. 33, 26. 27. 7) Wenn keine Bußzermahnungen mehr angenommen werden, Amos 4, 10. 8) Um Ehebruchs willen, 4 Mos. 25, 9. 9) Um Gotteslästerung willen, 2 Kön. 19, 35. 10) Um Hochmuth, 2 Sam. 24, 25., und um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißt, da ist nothwendig, daß man Buße thut, weil doch der HErr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt; weßwegen auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählte. Gebet. Starker und allmächtiger Gott! groß ist dein Zorn gegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch Gebet bei Seuchen. 379 deine Wohlthaten nicht zur Buße leiten lassen. Du handelst eine Zeitlang mit den Menschenkindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich lockt, nachher aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, so beweisest du dich auch als ein strenger Richter. Dieses erfahren wit jetzt auch. Gerechter Gott! wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche zeigt, welche viele tausend Menschen dahinrafft, so daß beinahe in jedem Hause Todte find, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Dieses macht dein Zorn, daß sie so verderben, und dein Grimm, daß sie so plößzlich dahin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache, zu fürchten, du werdest auch das um sich reißende Uebel in unsere Gränzen und in unsern Ort schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott! gar nicht meinen, daß Jene allein Sünder vor Andern sind, welche du diese scharfe Ruthe empfinden läsfest; wir müssen vielmehr bekennen, daß wir werth sind, Alle so wie Jene umzukommen. Es findet sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Worts und der heiligen Sakramente, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja es ist fast keine Furcht Gottes im Lande; die Heiligen haben abgenommen, und der Glaubigen ist wenig unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen, HErr! wer wird vor dir bestehen? Ach HErr, HErr! wir halten dir dein Wort vor: ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suchen wir auch, HErr! dein Antlig. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; darum schuldigen wir uns, und thun Buße im Staube und in der Asche. Sieh' nicht an unsere Sünden groß, Sprich uns derselben aus Gnaden los, Steh' uns in unserm Elend bei, Und mach' uns aller Strafen frei. 380 Vierter Theil. Wir haben gefündigt mit unsern Vätern; wir haben mißgehandelt und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führt, daß er ablasse, und sage: es sei genug; laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade werth, so sind wir derer doch bedürftig; find wir alle Kinder des Todes, so hast du den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade vor Recht ergehen lassen. O! so schenke uns deine Gnade und das Leben um Jesu, unseres einzigen Mittlers und Fürsprechers willen. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, unser Erbarmer! über uns; sei uns gnädig, verschone unser; lieber HErr! sei uns gnädig, hilf uns, lieber HErre Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch die heftige Seuche angegriffen sind, und welche Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubt und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Troft bei, und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geist, daß sie Gottes Kinder sind, wenn sie gleich an dieser Plage sterben müssen. Ach HErr! erhöre unser Gebet, schütze unser Vaterland, so wollen wir sagen: der HErr hat Großes an uns gethan, und du kannst erretten Alle, die zu dir treten. Ach HErr Gott! durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein', Beweis an uns dein' große Gnad', Und straf' uns nicht auf frischer That, Wohn' uns mit deiner Güte bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist zc. 1. Welch'große Angst und Herzeleid Läßt unsGott jetzt erleben, Da wir indieser JammerzeitInTodesnöthenschweben, Und fast, ofschreckliches Gericht! Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben. 2. In mancher Stadt, in manchem Land Erblickt man viele Leichen; Kaum liegt der eine in dem Sand, Muß dieser auch erbleichen; Die Todten liegen überall Von Alten, Jungen, ihre Zahl Ist fast nicht zu erreichen. Gebet bei Seuchen. 381 3. Dort stirbt ein Armer und verschmacht't, Das Haus ist schon beschrieen, Ein Jeder ist darauf bedacht, Der Seuch' sich zu entziehen, Ein And'rer stirbt in Hungersnoth Ohn' alle Pfleg', und kann dem Tod Unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter Gott! dieß läsfest du Uns hören und fast sehen, Und sprichst dabei: Kommt, sehet zu, So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missethat, Die mich zum Zorn gereizet hat, nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja! die große Sicherheit Kann Niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein Jeder läßt sich treiben Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 6. Willst du nach uns'rem Sündenmaaß Die scharfe Ruthe binden, Und uns're Bosheit, Neid und Haß Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch' und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach, wer wird Gnade finden! 7. O Gott! wir fallen dir zu Fuß; Ach Vater! schone, schone, Wir thun mit Thränen herzlich Buß' Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht, was wir gethan, Und siehe uns in Gnain o den an In Christo, deinem Sohne. 8. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen, Wir bringen hier sein Blut vor dir; Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig seyn, Dieß heiße Blut kann doch allein Die Zornes fluthen stillen. 9. Verleih uns doch gesunde Luft, Und schenk' uns du das Leben, Vertreib' den gift'gen Pestesduft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herze, Geist und Mund Dein Lob und Rühm zu jeder Stund' Mit tausend Dank erheben. Der glaubige Christ lobt und dankt Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Kommet her, und schauet an die Werke des HErrn, der auf Erden solch' Zerstören anrichtet; der den Kriegen steuert in aller Welt; der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille, und erkennet, daß ich Gott bin; ich will Ehre einlegen unter den Heiden; ich will Ehre einlegen auf Erden. Der HErr Zebaoth ist mit uns; der Gott Jakob ist unser Schuß. Sela. Psalm 46, 9-12. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und schweren Kriege erklingen als: Es ist Friede! Da kommen die Vierter Theil. Geflüchteten wieder in ihre Häuser! die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu den Ihrigen zu kommen; das Land selbst erholt sich, und grünet vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein glaubiger Christ erkennt, daß diese Gabe von oben herabkomme, darum stimmt sein Herz und sein Mund zusammen. Er lobt Gott, 1) daß er dem Zerstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht hat, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreit sind. 2) Er dankt Gott, daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützt und es nicht zum Raube in die Hände der Feinde gegeben hat. 3) Er erkennt, wie der edle Friede gleich der Sonne sei, die Alles aufrichtet, wie ein Thau, der Alles erquickt. 4) Er bittet Gott, er wolle den Frieden bleibend werden lassen, und wolle allen Friedensstörern selbst wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit nicht zur Ueppigkeit und zu Wollüsten an, sondern um in seinem Christenthum zuzunehmen, und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Gebet. 382 HErr, HErr, gnädig, barmherzig und von großer Güte!) du haft aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unsrem Lande hinweggenommen, weil wir der guten Tage und des Friedens mißbraucht haben, weßhalb ein blutiger Krieg entstanden ist. Du haft die Feinde uns zur Strafe gerufen; dieſelben mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun gleich verdient haben, daß dieser Krieg uns gar verderbt hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, und hast den Königen und kriegenden Theilen Gedanken des Friedens gegeben, wofür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heerschaaren sind eins geworden; das Schwert muß auf deinen Befehl wieder in die Scheide fahren. Die Geflüchteten kommen wieder, und wir können aus unseren Thoren wieder ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise, Jerusalem, den HErrn! lobe, Zion, deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore, und segnet deine Kinder dar Danksagung nach erlangtem Frieden. 383 innen; er schafft deinen Gränzen Frieden. Welch' ein herrliches Kleinod ist der Frieden, dessen sich das ganze Land erfreut! Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in euren Landen wohnen; ich will Frieden geben eurem Lande, daß ihr schlafet, und Niemand euch schrecke, und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach HErr! erhalte diesen Frieden beständig zu unsern Zeiten; erhebe über uns dein Antlitz und gib uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk gelegt haft. Laß unsern Frieden seyn wie ein Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibet und quillet, denn du allein erhältſt Frieden nach gewisser Zusage. Laß Gerechtigkeit und Frieden sich immer küssen, und Gerechtigkeit vom' Himmel schauen. Gib uns deinen heiligen Geist, daß wir den edlen Frieden nicht zur Uleppigkeit, Völlerei und Sicherheit mißbrauchen, sondern vielmehr uns erbauen und in der Furcht des HErrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land; habe allezeit Gedanken des Friedens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage im Frieden fahren und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. HErr Gott! dich loben wir Für deine große Gnaden, Daß du das ganze Land Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blühen läßt Des güld'nen Friedens Zier; D'rum jauchze alles Volk: HErr Gott, dich loben wir! Amen. Gesang. Mel.: Nun lob', mein Seel'! den HErren 2c. 1. Der Fried' ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Kein Land und Stadt wird mehr verstört; Das Schwert ist eingestecket, Der Bogen losgemacht, Kein Feind ist, der uns schrecket, Da uns der Friede lacht: Darum soll heut' vor allen Nach dieser Kriegesnoth Ein Freudenlied erschallen Dem HErren Zebaoth. 2. Friede, theure Gabe! Dedles Kleinod! das du bist, Dadurch nun uns're Habe Von Neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So gibt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh' Vierter Theil. Hall 384 in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüther Zum Frieden sind geneigt, Der treue Menschenhüter Hat Gnade uns erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Glänzt durch die Länder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist Jedermann erfreut; Der Ackersmann kehrt wieder zu seinem Ackerbau; Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au'; Die Schäflein waiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt, Und da die Segensfülle Das ganze Land bedeckt.( A. Gleichwie der Krieg zersplittert Das Alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert, Und gleichsam von der Stelle weicht, So pflegt der Fried' zu heilen Das, was da ist verheert, Und Samen auszutheilen, Dem, was da ist verstört; Man sieht mit Lust nun bauen Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu thauen, Was unsrem Geist gefällt. 15. Laß diesen Frieden dauern, O treuer Vater! lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach! habe stets Gedanken Des Friedens, uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Fürsten Uebermuth; Nimm wegen uns'rer Sünden Uns nur den Frieden nicht, Und laß uns Gnade finden, Wenn schon dein Zorn anbricht. 6. Wir wollen mun vermeiden, Da du uns diesen Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O Gott! und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben, und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar seyn. Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lasterheer, Und alle Lust besiegen Zu unsers Gottes Ehr'. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns also sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt', Der hat dem Krieg gesteuert; Seht, das ist Gottes That, Den Frieden uns erneuert, Ounverdiente Gnad'! Laßt Freudenlieder klingen, Dem HErren Zebaoth, Und laßt uns fröhlich singen: Nun danket Alle Gott. Communion- Gebete. Bliniding Bun Gebet vor dem heiligen Abendmahl. O großer Gott! der du mich nun zu dem heiligen Abendmahle rufeft, ich flehe dich demüthig an, du wollest die göttliche Kraft des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergoffen hat, auch mir angedeihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und deine Wahrheit, daß fie mich zu deiner heiligen Tafel leiten, Communion- Gebete. 385 und ich daselbst die Empfindung deines Friedens und die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es demjenigen opfern könne, welcher sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. O Gott! mein Herz sagt mir um deinetwillen, ich soll dein Angesicht suchen. Ich suche es, o HErr! erlöse deinen Knecht ( deine Magd), der( die) auf dich hofft. Amen. Gebet nach dem heiligen Abendmahl. Allgenugsamer Gott, du einziges höchstes Gut und bestes Vergnügen aller Frommen! in dir allein findet mein Herz seine beste Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Die Welt mit allem dem, was sie Herrliches hat, gleicht den Aepfeln zu Sodom, die auswendig schön und inwendig voller Asche waren. Die Sünde mit ihrer kurzen Lust gebieret doch lauter Unlust, und zieht die Hölle und Verdammniß nach sich. Ach Gott! laß mich doch Alles wohl bedenken, und nicht lieb haben die Welt, noch Alles, was in der Welt ist; denn die Welt vergehet mit ihrer Lust, Augenluft, Fleischeslust und hoffärtigem Leben. HErr! wenn ich nur dich habe, so habe ich genug, wenn ich auch sonst in dieser Welt wenig oder nichts hätte! Deine Gnade ist noch besser denn Leben. O wie wohl ist meiner Seele, wenn ich an dir einen gnädigen Gott, und in mir ein unverletztes Gewissen habe. Die Welt weiß von dieser Ruhe des Gewissens nicht, die deine Heiligen höher achten als aller Welt Schäße. Sei nun wieder zufrieden, o liebe Seele! denn der HErr thut dir Gutes. Er hat dich gespeist an seiner Gnadentafel mit dem gefreuzigten Leibe, und dich erquickt mit dem vergoffenen Blut seines allerliebsten Sohnes. O große Gnade! darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir wart 386 Blerter Theil. Gutes gethan hat. Erhalte doch, o großer Gott! in meinem Herzen diesen Frieden mit dir, o Gott! der allen Verstand übertrifft, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allem Leiden durch den inwendigen Trost deines heiligen Geistes. Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet doch eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es wird doch noch eine Zeit kommen, da du mich bringen wirst an den Ort der vollkomme nen Ruhe. Da werde ich schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, und satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Amen. Der glaubige Christ lobt Gott an dem wieder erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Wohlthat, die er an mir thut? Psalm 116, 12. Geburtstage, an welchen wir das Licht dieser Welt erblickt haben, sollen billig Lob- und Danktage seyn, welche wir mit Beten und Singen und innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen, besonders wenn wir die vielen und großen Wohlthaten erwägen, welche wir Zeitlebens bis hieher von der treuen Hand Gottes empfangen haben, daß er uns in der Kindheit, in der Jugend bis auf diese Stunde auf den Armen getragen hat. Allein daran gedenken die Wenigsten. Arme und Geringe achten den Tag nicht viel; an Höfen zwar wird dieses Tages gedacht, und er wird gefeiert, aber wie? mit kostbaren Mahlzeiten, mit Tanzen und Springen, welches wohl kein Lob- und Danktag, noch ein Gott wohlgefälliger Tag kann genannt werden. Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Güte, 1) daß er sie von christlichen Eltern hat geboren werden lassen, welche sie zur Erkenntniß des Heils in Jesu Christo gebracht haben; 2) daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben, welches eine große, aber unerkannte Wohlthat Gottes ist; 3) sie vor Unglück bewahret und aus Gefahr errettet und bisher erhalten hat. 4) Sie bitten Gott zugleich Lob Gottes am Geburtstage. 387 demüthig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. 5) Sie trösten sich, wenn sie also im Glauben und Liebe verharren, daß Gott ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die letzte Feier ihres Geburtstags auf Erden könne gewesen seyn. brividad Gebet. Ewiger, allgütiger und allbarmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wiederum meinen Geburtstag erlebet. An demselben hast du mich aus den finstern Wänden meiner Mutter an das Tageslicht gebracht, sofort hast du mich durch die heilige Taufe zu deinem Kind auf- und angenommen. Darum soll dieser Tag mein Lob-, Bet- und Danktag seyn. Lobe den HErrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir den HErrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den HErrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott! daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, wohlge= staltetem Leibe, welches eine große Wohlthat ist, sondern auch von christlichen Eltern haft laffen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger Gott! von Jugend auf angeführt haben? Hättest du mich von Juden, Türken oder Heiden entsprießen lassen, so wäre ich vielleicht so blind und so verstockt als sie. Nun aber kenne ich dich, und liebe dich, und habe in dir der Seele Leben und Seligkeit erlanget. Bin ich denn nun in deinen Armen auferzogen worden, so hast du mich in den folgenden Jahren geleitet und begleitet; hast mir Nahrung und Kleidung ge= geben, und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach, mein Gott! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Kommet her, höret zu, ich will erzählen, was der HErr an Vierter Ch meinem Leibe und an meiner Seele gethan hat. Aber ach! ich kann es nicht Alles erzählen; es möchte eher Jemand die Sterne am Himmel zählen als die Gnadengaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie vielen Gefahren hast du mich errettet! wie viel Unglück abgewandt! Dein Geist hat mich gelehret, regieret, geführet, und wenn ich fündigen wollte, mich innerlich bestraft und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viel, mein Gott! sind deiner Wohlthaten viel, so gedenke ich auch heute an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach! verzeihe mir dieselben um Jesu Wunden willen; tilge sie mit deinem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir in deinem Buche angeschrieben hast, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringe, auf daß dir all' mein Thun und Lassen wohl gefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gesetzet hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schutz glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche Leben das ewige und himmlische Leben um Jesu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Loben und Danken feiern, und finge jezzo: Nun lob', mein Seel'! den HErren, Was in mir ist, den Namen sein, Sein' Wohlthat will er mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein Sünd' vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Lob Gottes am Geburtstage. Errett't dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schooß, Mit reichem Trost beschüttet, Verjüngt, dem Adler gleich; Der HErr schafft Recht, behütet, Die leiden in seinem Reich. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott zc. 1. Dieß ist der liebe Tag, Den hat mir Gott geschenket; O'ran mein erfreuter Geist Mit tausend Lust gedenket, Was seine Treu' und Güt' Bisher an mir gethan, D'rum stimm' ich ihm zu Lieb' Ein Herzensdanklied an. 2. Dieß ist der Tag, da ich Bin in die Welt gekommen, D'rauf ich in meiner Tauf' Zu Gnaden angenommen, Da mich mein Jesus hat Durch sein Blut rein gemacht, Und mich zu seinem Licht Durch seinen Geist gebracht. 3. Ich habe klein und arm Der Sonne Licht erblicket, Ganz nackend, ohne Kleid, Doch Gott hat schön geschmücket Den Leib und auch die Seel'. Ich habe nichts von mir: Was ich nun bin und hab', Das kommt allein von dir. 4. Du reicher, guter Geist! O wie viel Gnadengaben" Hast du mir mitgetheilt, Die mich erfreuet haben. Gesundheit, Glück und Heil, Des heil'gen Geistes Licht Ergötzt mich alle Tag', Ach! ich weiß Alles nicht. Start, Handbuch. 389 12 5. Ja, ich weiß Alles nicht. Mir wird's an Worten fehlen, Wenn ich der Gnaden Füll' Und Menge wollt' erzählen. D'rum sprech' ich: Nuhm und Preis Sei Gott, auch Dank und Ehr'! Der Wohlthat ist viel mehr Als Sandes an dem Meer. 6. Auf, jauchze heut', mein Herz, Laß deine Stimme klingen; Ich will dir, treuer Gott, Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt Und meinen Geist erquickt, Und mich bis diese Stund Mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, O Vater! mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Lösch' aus mit Christi Blut Die Schuld und Missethat, Womit dich Herz und Mund Und That erzürnet hai. 8. Ich will durch deine Gnad' Hinfort nicht von dir weichen;. Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt erreichen, Das du beſtimmet haſt, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringe dir zum Preis Den Schluß der Lebenszeit. 26 Vierter Theil. 390 9. Das Ende meiner Tag' Verbleibet mir verborgen, D'rum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich Bis an das Lebensziel, Es mögen meiner Jahr' Seyn wenig oder viel. 10. Indessen leg' ich mich In meines Jesu Wunden; Ich hab' in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das theure Jesusblut 12. Ich feire diesen Tag Mit innigem Vergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Tröpflein Blut Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben thut. 13. Nun ich befehle dir Bis an mein letztes Ende Mein'n Leib' und meine Seel' In deine Vaterhände. Bleib' doch mein Lebenslicht, Macht mich von Sünden rein; Mein Tröster, Helfer, Stab, Ich bleibe, weil ich leb', Und auch im Tode sein. 11. So oft ich diesen Tag Werd' wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott! erheben. So fang' ich dieses Jahr Als neugeboren an; Ach! es ist lauter Gnad', Was du an mir gethan. Bis ich in dir, durch dich Den Lauf vollendet hab'. 14. Und weil ich weiß, daß ich Nicht ewig werde leben, So wollest du aus Gnad' Den Himmel mir doch geben, So bin ich reich genug, Und glücklich g'nug auf Erd', Wenn ich bei dir, o Gott! Im Himmel leben werd'. Noch einige Wettergebete. Seufzer bei einem herannahenden Gewitter. Ach, du gerechter Gott! wie wir Menschen dich, unsern Gott, auf vielerlei Weise und Wege erzürnet, also hast du auch Mittel und Wege, unsere Sünden zu strafen, darum bitten wir dich demüthiglich und von Herzen, weil dieses aufsteigende Gewölke sich zu einem sorglichen und schweren Wetter ansehen läffet, du wollest es mit deiner starken Hand gnädiglich trennen und vertreiben, daß es ohne Hagel und allen Schaden abgehe, zu einem fruchtbaren Regen werde, dadurch Frucht und Wein, Laub und Gras, Berg und Thal erquicket und erfrischet werden möge; damit wir nach der Angst dir hinwieder fröhlich danken mögen, um Jesu Christi, unseres Heilandes willen. Amen. 31 Wettergebete. Dankgebet, nowdem das Gewitter ohne Schaden vorbeigegangen. Gott, Erretter! In Demuth und von ganzer Seele sagen wir dir billig Dank, daß du durch deine große Güte bei aller un serer Unwürdigkeit dem uns schreckenden Gewitter in Gnaden ein Ende gemacht hast. Du sahest nicht auf die Schwachheit und Unvollkommenheit unseres Gebets. Du hast uns das Leben erhalten, aus der Noth gezogen, vor jedem Unfall bewahret. Du haft der Früchte des Feldes verschonet, das Gewitter mußte sie erfrischen. Was zur Nahrung unseres Lebens dient, hast du segnend erhalten. Möchten wir nur unsers Versprechens und deiner Befreiung, böser Gewohnheit nach, nicht wieder vergessen, gleich den ungetreuen Knechten, die ihren Herrn nur dann fürchten, wenn sie ihn erzürnet sehen! Möchten wir uns durch deine Wohlthaten antreiven lassen, dich von Herzen zu lieben! Du hast unsern Schrecken verbannt. Schütze uns ferner vor jeder Gefahr; reiß uns von dem Irdischen los, damit wir uns nach dem Himmlischen sehnen, um da, von aller Furcht entfernt, deines unausdenklichen Friedens mit Leib und Seele zu genießen, durch unsern HErrn und Heiland Jesum Christum. Amen. Register der Gesänge. alsban Geite Seite Ach! daß sich doch Gottes Liebe 61 Ein Gotteskind zu seyn... 208 Ach! geh' nicht in's Gericht. 104 Es bricht der Sabbath an.. 14 Ach! komm' doch in mein Herze 89 Es stirbt mein bester Freunb. 338 Ach, mein Gott! hilf mir doch 241 Ach! wie lang soll ich noch kämpfen 195 Ach! wo ist nun mein Gott. 143 Aufgelöset bald zu werden.. 287 ● 391 Das Pfingstfest freuet mich 357 Demuth ist die schönste Tugend 80 Der Engel güld'nes Heer.. 365 Der Fried' ist nun geschlossen. 383 Der Sonntag ist des HErren Tag 11 Die Ernt ist nun geschehen. 370 Die Nacht ist nun vergangen. 7 Dieß ist der liebe Tag. . 389 Du hast, o großer Gott . 123 Ich armer Sünder komme wieder 229 Du willst, o lieber Christ! dich dieser 53 Jch bin getauft, ich steh' im Bunde 217 26* ● Geht bir's wohl nach deinem Leiden 35 Gottlob, ich bin getauft 1.43 Gottes Liebe, Gnad' und Güte 94 Gottes fester Grund besteht. 140 Gott Lob! das neue Jahr tritt ein 334 Gott! wir hören deine Stimme 131 Hat dir dein Gott ein Kreuz 223 Hat mich denn Gott gar verlassen 149 Hier ist gut seyn. 272 Hier ist Immanuel . 321 ● 392 Geite Ich freue mich auf meinen Tor 281 Ich gebe mich in Gottes Willen 157 Ich glaub' an Gott, von dem wir 361 Ich klage dir, o Gott... 183 Ich lege mich in Jesu Wunden 17 Ich liege hier vor dir.. 184 Mich soll kein Kreuz von Gott 146 Ich scheue mich nicht vor dem Grabe Mit den scharfen Theurungsruthen Mein Gott! verlaß mich nicht Mein Gott! verzieh' doch nicht Mein Jefn! sei gepreiset. Mein Stündlein nahet sich herzu 266 30 Mein Vater! denk an mich 252 Ich trag' mein Leiden nicht alleine 245 Ich sterbe gern Ich will die neue Woch' Vierter Theil. ● ● ● ● Ich will Jedermann verzeihen 263 Ich will mich dankbar froh..226 O allerliebstes Seelenpfand.. 233 Ich will mich nach der Ruh' O Jesu! meiner Seelen Licht 114 welch' ein Freudenfest.. 325 · . ● umsehen. Ich will mit frohem Muth Ich will, o großer Gott Ich will von der Welt ausgehen Ich will, was Jesus will. Jesus bleibet meine Freude Jesus fähret auf gen Himmel Jesus lebt, deß freu' ich mich Ihr Todten, stehet auf. . 175 Ihr Waisen, weinet nicht. Ihr Wittwen, seid getrost.. 171 69 Sieb', es ist Gottes Segen. 369 352 Soll ohne Heiligung. 348 48 . 260 Unter meinem Schmerz und Weinen .. 189 In Gott bin ich immer fröhlich 74 Vater! gib mir auch die Gabe 56 Ist denn die Liebe gar 66 Ist Gott für mich 192 ● . 284 377 sind 275 Nun die Woche ist verflossen. 101 26 Nun ist meine Seel' gespeifſet. 236 ● . 127 Schauet doch das bitt're Leiden 339 109 Sieh' doch, wie mein Feind mich 84 204 Sieb', es ist alles mir. . 97 Kommt, laßt uns Christi Todestag 343 . Krankheit, Leiden, Angst und Schmierzen . 211 Lasset doch den weisen Gott. 214 Mein allergrößter Fleiß auf Erden 119 Mein Gott! ich habe noch das Leben. Mein Gott! ich bin von Haus gegangen. Mein Gott! ich bin in fremden Seite 199 ● 269 136 ● 160 116 ● 220 Wann kommt mein Jesus doch 166 Wann wird Gottes Stunde. 155 Wann wird mich mein Gott erhören 164 Was für Jammer, was.. 374 Welch große Angst und Herzeleid 380 Was soll ich Sünder nun anfangen 106 Weicht, weichet nur von mir. 185 Welche füße Himmelsfreude. 278 Wer da will als ein frommer Christ 248 Wer Gottes Wort anhört. 21 Wer in Kreuz und Trübsal stecket 238 Wer nicht wieder ist geboren. 40 Wie ist mein Herz erfreut. 330 ● ● Wie kann ich g'nugsam preisen 255 Wie lieblich ist bein Wort. 4 Landen .. 137 Wie sind wir so gar nichts. 201 Mein Gott! laß mich den Wunsch 112 Wohl sem, der Gott vertraut 152 Taalaist Le Dieser Titel ist nach S. 392 einzuheften. Tägliches Gebetbüchlein für Schwangere, Gebärende und Wächnerinnen, enthaltend Morgen- und Abend- Gebete, Aufmunterungen, Troft- und Erquickungs- Andachten und Gelänge, sowie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, welche in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen sind, und Erinnerungs- und Trost- Gebete und Gesänge für Unfruchtbare. Zur Ehre Gottes und Erbauung der christlichen Gemeinde ( als den V. unb VI. Theil des täglichen Handbuchs) herausgegeben von Johann Friedrich Start, weil. evangelischem Prediger zu Frankfurt a. M. Stuttgart. Druck und Verlag von J. F. Steinkopf. Vorrede an die geneigten und Gott liebenden Leser. 3 it str Ist je ein Werk, an welchem man Gottes Allmacht und Weisheit augenscheinlich erkennen kann, so ist es die Empfängniß, das Heranwachsen und die Erhaltung eines Kindes im Mutterleibe, und sodann die Geburt deſselben. Hier mag die Vernunft fragen und grübeln: Wie geht dieß zu? und sie wird doch nichts davon zu sagen wissen, wenn sie nicht mit der heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht Gott allein zuschreibt; und also thut Gott alle Tage neue herrliche, uns un begreifliche Wunderwerke, wenn er ein Kind im Verborgenen bildet, erhält, ihm Leib und Leben gibt, sodann die verschlossenen Bande öffnet, und es an's Licht bringt, ja, auch nachher ihm zum Besten in der Mutter Natur so wirkt, daß ihre Speise und ihr Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süße Milch verwandelt wird. Wenn David die Seele in heiliger Betrachtung vorstellt, so dankt er Gott dafür, wenn er spricht: Ich danke dir dafür, daß ich wunderbarlich gemacht bin. Wunderbarlich sind deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl. Es waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erden, Psalm 139, 14. 15. Freilich macht der wunderbare Gott Alles wunderbarlich über Alles, was wir wissen und verstehen. Wenn Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung des Menschen erwägt, so spricht er: Deine Hände haben mich gearbeitet, und gemacht Alles, was ich um und um bin. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast du mich nicht wie Milch gemolken, und wie Käse lassen gerinnen? Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammengefügt, Leben und Wohlthaten hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem, Hiob 10, 8-12. Wenn wir diese und andere Stellen der heis ligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werk Gott ein verborgener Gott, der Etwas aus Nichts macht, und stellt es dem Menschen zur Betrachtung und zur Verwunderung dar, damit er daraus Gottes Allmacht und Weisheit lerne. Beweist aber Gott seine Weisheit und Allmacht in der Bildung des Menschen im Verborgenen, so leuchtet dieselbe noch herrlicher in der Geburt hervor; denn die kann kein Mensch befördern und glücklich machen, als Gott allein. Wenn derselbe ausschließt, so fann Niemand zuthun; und wenn derfelbe zuschließt, so kann Riemand aufthun. Deßhalb ist auch bei der Geburt Vorrede. eines Menschen alle Kunst, aller Vorwitz und alle Uebereilung gefährlich, denn hier muß in Geduld und mit Geduld die Stunde Gottes erwartet werden, bis es Gott gefällt, die Bande zu öffnen, und das im Verborgenen bereitete, schön gebildete Meisterwerk seiner Hand vor der Menschen Augen zu legen, wie auch David die Geburt des Menschen Gott allein zuschreibt, Psalm 22, 10. 4 P Wenn der geistreiche Herr Scriver dieses Werk Gottes bei der Geburt und vorhergegangenen Schöpfung und Bildung des Menschen erwägt, so führt er folgende schöne Worte an: ,, Die größten Künstler, Maler, Bildhauer, Uhrmacher, verbergen ihre Arbeit, und pflegen sie, wenn sie dieselbe an einem öffentlichen Ort verfertigen müssen, mit Decken und Umhängen zu ,, umgeben, bis sie dieselbe völlig verfertigt haben, alsdann stellen sie selbige " Jedermann zu beschauen dar. Also, wenn ich auf Menschenweise von ihm ,, reden mag, macht es auch unser Gott, der Künstler über alle Künstler; er ,, bearbeitet den Menschen im Verborgenen des Mutterleibes, und verdeckt solche seine Arbeit dergestalt, daß kein menschliches Auge ihm zusehen, noch sie selbst, welche die Werkstätte ist, es wissen kann, wie es damit zugeht. „ Sie vernimmt und empfindet wohl, daß der große Baumeister in ihr ein „ großes Werk angefangen hat; wie er aber damit verfährt, das kann sie nicht begreifen. Der menschliche Verstand forscht zwar fleißig, und muthmaßt, 19 so gut er kann, wie es damit zugeht, er muß aber endlich selbst gestehen, PI „ daß er wenig, oder wohl nichts davon errathen kann, zumal die Gelehrten sich noch nicht haben darüber vergleichen können, wie die Frucht im Mut19 terleibe ernährt wird, wie sie Athem holt, welches das erste oder das letzte von den Gliedern ist, wie und wann sie beseelt wird, und dergleichen. " 1 # FP ft Wenn aber nun das lebendige und edle Kunstbild vollendet ist, so bringt Ff ,, es sein Meister an's Licht, und stellt es zur Verwunderung auf eine solche Weise dar, daß, wenn es nicht zu oft geschähe, aller menschliche Witz darüber erstaunen würde." LOR #t Es geht aber mit diesem Werke des großen Gottes wie mit andern göttlichen Werken und Wohlthaten; weil sie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da uns doch deren Betrachtung zu Gott erheben sollte, so daß man jetzt fast nicht einmal mehr Gott bei der Geburt eines Menschen preist, sondern es heißt mehrentheils: Die Frau liegt im Kindbett; sie hat wieder ein Kind geboren, und was dergleichen kurze verächtliche Redensarten mehr sind. Gewiß, wenn alle 25 Jahre der mit Sternen gezierte Himmel nur einmal erschiene, wie würden wir nicht in der Nacht, wo solches vorginge, machen, die Herrlichkeit betrachten, unsere Hände und Herzen zu Gott erheben, und uns freuen, Gott loben und preisen! so aber, da es öfters geschieht, denkt fast Niemand an Gott. Ebenso geht es auch mit der Geringachtung der Werke Gottes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Daher hat auch Luther nicht Unrecht gemeint, wenn er sagt:„ Wenn Gott 5 jeine Gaben auszutheilen und zu geben färger wäre, so würden wir ihm 97 viel dankbarer seyn. Wenn er einen Menschen nur ließe mit einem Bein oder Fuße geboren werden, und gäbe ihm hernach im siebeaten Jahre das ,, andere Bein, im vierzehnten Jahre erst eine Hand, und im zwanzigsten die andere, so würden wir Gottes Gaben und Wohlthaten besser erkennen, ,, auch viel lieber und werther haben." Gottesfürchtige Ehefrauen und wahre Christen preisen Gott, wenn sie von der Geburt eines Kindes hören: sie beten und seufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werke begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne Gottes Gnade, Hülfe und Beistand kein Kind geboren werden kann. Ja, man sieht es zuweilen, wenn Gott seine Hand ein wenig zurückhält, wenn er sein Angesicht verbirgt, seine Hülfe verzeucht, wie die Noth so groß ist, und wie die Umstehenden erblassen, zu Gott rufen, und sagen: Hier kann kein Mensch helfen; hier muß Gott helfen. 27 Vorrede. Als ich nun vor etlichen Jahren ein tägliches Handbuch für Gesunde, Betrübte, Franke und Sterbende herausgegeben habe, so ist mir bald hernach von Angehörigen des weiblichen Geschlechts mitgetheilt worden, daß ich des Zustandes der Schwangern, Gebärenden und Kindbetterinnen nicht gedacht habe, da doch dieselben auch Trost und Unterricht nöthig haben; und gewiß ist es, daß bei diesen Umständen das Gebet und Rufen zu Gott eines der heilsamsten Mittel zu einer glücklichen Geburt ist. Denn fängt die Schwangerschaft an, so muß ja um Abwendung der Gefahren, des Schadens, und um Verleihung des göttlichen Beistandes gebeten werden. Nahen sich die Nöthen herbei, so ist das Gebet und Flehen zu Gott der beste Anker, an dem sich die durch Schmerzensfluthen geängsteten Seelen halten. Ist die Entbindung geschehen, und man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, der Fürbitte und Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Stand ist nun dieses Gebetbüchlein eingerichtet, in welchem die Aufmunterung den Ehefrauen nützliche Erinnerungen mittheilt, das Gebet ihr Anliegen Gott vorträgt, und sodann ein Gesang die Andacht beschließt. Zu den Sprüchen und Gebeten habe ich auch diejenigen angeführt, welche mir von einigen christlichen Frauen zur Hand gegeben worden sind, und die sie in dergleichen Fällen erbaulich, schön und erquickend gefunden haben. Da aber der Ehestand einiger Personen unfruchtbar ist, welche also dieser Gebete und dieses Unterrichts nicht bedürfen, so habe ich auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und einen Trost sammt einem Gebet und Gefang angehängt, damit sie auch in diesem Fall Gottes Willen sich ergeben, in Gott sich erfreuen, und auch in diesem Stand im Vertrauen und in Zuversicht auf die göttliche Liebe, Gnade und Hülfe erhalten werden mögen. Du aber, o heiliger und starker Gott! sei der Schwangern Beistand, der Gebärenden Helfer, der Wöchnerinnen Schutzherr, der Unfruchtbaren 6 Trost und Zuversicht. Erquicke die Schwangern durch deine Stärke, erhalte sie während der Entbindung, und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfandes. Beschütze die Wöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre fie vor allem Unfall, und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus- und Kirchengang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfruchtbaren, damit sie in deinen heiligen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung, und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch diese Arbeit zur Verherrlichung deines großen Namens und zur Erbauung vieler Seelen, damit alle Leserinnen dadurch ermuntert, erquickt und aufgerichtet werden mögen; das thue durch deine Kraft um Jesu Christi willen! Amen. Uebersicht des Inhalts. 1. Für Schwangere. fred Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet.7 verrichtet ihr Abendgebet Tägliche Betrachtungen einer Schwangern Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand 17 ● Andacht bei herannahender Geburtsstunde. Seufzer vor der Geburt Ein anderes Gebet Vorrede. Trost bei herannahender Geburt cout ● 2. Für Gebärende. 3. Für Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung verrichtet ihr Morgengebet. verrichtet ihr Abendgebet trägt Gott im Gebet ihre Kinder vor ● Seite Die Schwangere dankt Gott für Seite ihre Fruchtbarkeit 20 empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. 23 erinnert sich der göttlichen Berheißungen. .. 25 erfreut sich der Allmacht Gottes 28 tröstet sich der göttlichen Hülfe 30 9 12 Seufzer während der Geburt. 38 Ein anderes Gebet 39 desgleichen 40 33 36 36 Sprüche, Seufzer und Gebete, 37 in Nöthen zu sprechen Kindbetterinnen. 55 58 61 ● Gebet frommer Eltern für ihre Kinder Die Wöchnerin schickt sich zu und Kirchenihrem Ausgang an. 63 Die gottfelige Mutter dankt Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt Gott, wenn ihr Kind entwöhnt wird. 64 4. Erinnerung, Trost und Gebet für Unfruchtbare 41 . 68 C 65 70 72 Andachten für Schwangere. Die Schwangere spricht ihr Morgengebet. Aufmunterung. 7 Ein jeder wahrer Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schutze und der göttlichen Gnade empfehlen, daß Gott seinen Leib und seine Seele in seiner gnädigen Obhut behalten wolle. Gewiß, es ist eine große Wohlthat Gottes, wenn der Mensch gesund des Morgens aufsteht, unter dem Beistand Gottes den Tag gesund hinbringt, und des Abends sich wieder gesund in sein Bett niederlegen kann; und daß dieses eine besondere göttliche Wohlthat sei, sieht man daher, weil mancher Mensch einen unglücklichen Tag hat, da er am Morgen gesund, des Abends oft krank, lahm, verwundet, mit verletzten Gliedern sich zu Bette bringen lassen muß. Soll nun ein jeder Mensch in die Obhut Gottes fich empfehlen, wie viel mehr sollen es Schwangere thun! Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) Er wolle den Tag über sie in guten heiligen Gedanken erhalten, damit sie an Gott gedenken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit ihm umgehen mögen. 2) Sie sollen Gott auch ihr Leben und ihre Güter empfehlen, daß Gott ihre Tritte bewahren, vor gefährlichen Fällen und anderem Unglück behüten wolle. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Obhut Gottes fleißig empfehlen, damit fie wachsen, gestärkt, wohlgebildet und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllt werden möge. 4) Besonders aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht Alles übel nehmen, nicht Alles so genau untersuchen, oder sich über Alles erzürnen, damit sie nicht über ihren Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfand Unglück, Krankheit oder gar Tod verursachen. Werden sie sich so der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seinem Engel über sie befehlen werde, der sie auf allen ihren Wegen behüten wird. Morgengebet. HErr Gott Vater, was du erschaffen hast, HErr Gott Sohn, was du erlöst hast, HErr Gott heiliger Geist, was du geheiligt hast, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit! Amen. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! der du selbst 8 Andachten für Schwangere. das Licht bist, bei welchem kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß stattfindet, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser finstern Nacht so gnädig bewahrt, und mich dieses fröhliche Morgenlicht wieder haft erblicken lassen. O du Licht meiner Seele! gib auch an diesem Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, im Vertrauen und in der Hoffnung gestärkt werde. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich gedenken, in dir mich freuen, und deiner Gnade mich getrösten möge. Gib, daß ich an diesem Tage nicht vorsätzlich gegen dich fündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene, und vor dir wandle. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart mit den Gedanken vor Augen, daß du allezeit um und bei mir seiest, Alles hörest, was ich rede, Alles siehest, was ich thue, damit ich dadurch desto mehr aufgemuntert werden möge, in der Heiligung fortzufahren, und dich nicht zu beleidigen. Ich befehle dir auch meinen Leib und mein Leben, meinen Gang, meine Schritte und Tritte. Du hast mich jetzt, o du Gott aller Güte und Gnade! in einen besondern Zustand gesetzt, in dem ich auch deines besondern Schutzes und Beistandes benöthigt bin. Darum bitte und flehe ich demüthig: Odu Schutzherr deiner Kinder! behüte meinen Ausgang und Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deine Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stärke mich, erhalte mich. Wende ab von mir Alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich dann den Abend wieder unter deinem Schutze erleben, da ich dir fröhlich für alle Wohlthaten danken kann, die du mir an Leib und Seele so gnädig erwiesen hast. Nun der HErr segne mich and behüte mich, der HErr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig, der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe Jesu decke mich, und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit. Ach! segne mich im Schlaf und Wachen, Ach! segne meinen Schritt und Tritt, Ach segne mich in allen Sachen, Bus und theil' mir deinen Segen mit; 98 Morgengebet. Laß mich gesegnet seyn von dir, Und nimm den Segen nicht von mir. Amen. 9 Gesang. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 1. Ich erblick' die helle Sonne, Weil die finst're Nacht ist hin; Ich erblick auch meine Wonne, Jesus ist mir schon im Sinn; Mit ihm hab' ich hingebracht Die vergang'ne dunkle Nacht; Mit ihm bin ich aufgewachet, Was mich nun voll Freude machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen Mit dir, Jesu, meine Freud'! Beten, Loben, Danken, Singen Soll seyn meine Arbeit heut'; Jesus, du mein Trost, mein Ruhm, Meiner SeeleEigenthum, Du kommst nicht aus meiner Seelen, Dir will ich mich anbefehlen. 3. Ach! regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab, Ach! behüte meine Schritte, Stärke die verborg'ne Gab'; Ich empfehl' Dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht. Ach HErr! laß sie oor dir leben, Du wollst ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei; Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir sei; Wenn ich gleite, halte mich, Sieh' ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollst du mich, mein HErr! bewahren. 5. Lasse seyn mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitterfeit, Daß mein Geist, Gemüth und Wille Bleibe in der Frömmigkeit; Jesu, o mein Trost und Schild! Laß dein lieblich Jesusbild Immer mir vor Augen schweben In dem, was ich will anheben. 6. Jesus bleibt mir in Gedanken; Jesus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, wo ich auch bin. Meinen Jesum laß ich nicht, Jesus, meiner Seele Licht, Ist bei mir auf meinen Wegen, Und ertheilet mir den Segen. 7. Hat denn, Jesus! dein Begleiten Meinen Schritt und Tritt bewacht, so will ich die Händ' ausbreiten Auch bei eingebrochner Nacht; Ich will danken deiner Treu', Welche alle Morgen neu Und mit Beten, Danken, Flehen Mit dir dann zu Bette gehen. Die Schwangere spricht ihr Abendgebet. Aufmunterung. O welch' eine große Wohlthat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben läßt, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welch' herrliche Ruhe ist das, wenn man im Frieden mit Gott, im Frieden mit seinem Gewissen, im leiblichen Frieden und Vergnügen sich zu Bette begibt; da kann der Mensch zum Lobe des Anbachten für Schwangere. dreieinigen Gottes sagen: Der HErr hat Großzes an mir gethan, dessen bin ich fröhlich! Schläft er sodann mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Mund ein, so wird die nöthige Nachtruhe auch von Gott gesegnet seyn. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, ihre Augen und ihren Mund zu Gott erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben; sie sollen Gott für ihre Erhaltung, für seinen Schutz und seine Gnade danken, und sollen sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Ist die Nacht, wie man spricht, keines Menschen Freund, wie viel weniger der Schwangern! Sie sollen demnach Gott anrufen, er wolle 1) allerlei Schrecken und alles Unglück abwenden, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangern öfters in die größte Gefahr und Schaden gesetzt werden können. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Er wolle seine Segenshand über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet seyn lassen. 4) Bricht der frohe Morgen an, so sollen sie wieder mit Lob vor Gott erscheinen und mit David sagen: Lobe den HErrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. 10 Abendgebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott! ich erscheine hier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. HErr, wie theuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus- und eingegangen; unter demselben bin ich bewahret worden; kein Unfall hat mich berührt, sondern ich habe nunmehr den Abend gefund erreicht. Gelobt sei die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als sein Kind auf seinen Armen getragen hat. Gelobt sei Jesus Christus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Gelobt sei Gott, der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! bleibe auch in dieser Nacht bei mir. Breite deine Güte, HErr, HErr! über die, so dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall; laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich dennoch bei dir sei. Siehe, ich weiß keinen Helfer, als nur allein dich, du Gott Israel! Laß deine Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und der Frucht, die du mir aus Gnaden verliehen hast, nichts Abendgebet. schädlich seyn könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnöthigen Sorgen, alle bösen Gedanken und falschen Vorstellungen; treibe von meinem Bette und von meinem Hause Alles, was mir Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich nun in die Arme meines Gottes nieder; ich schlafe in den Armen meines Jesu: seine Linke ist unter meinem Haupte, und seine Rechte decket mich. O du mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher! sei und bleibe bei mir. Du, dreieiniger Gott! bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja, mir grauet vor nichts, weil Gott bei mir ist; ich fürchte mich nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ist's finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der heilige Geist ist mein Trost und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schutze vorübergehen, damit ich errettet, beglückt, bewahrt, erhalten, die liebe Sonne erblicken möge! Da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir für Alles danken, was du Gutes an mir gethan hast. So oft die Nacht mein Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So vielmal sich mein Herz bewegt, Soll dieß seyn mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall Möcht' rufen überall: Jesu, Jesu! du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. So will ich denn nun schlafen ein, O HErr! in deinen Armen; Dein' Aufsicht soll die Decke seyn, Mein Lager dein Erbarmen; Mein Kissen deine Brust; Mein Traum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fließt, Und dein Geist in mein Herz eingießt. Amen. 11 Gesang. Mel.: Werde munter, mein Gemüthe 2c. 1. Sieh', die Sonn' will von uns gehen, Jesu! geh' doch nicht von mir. In der Nacht will er auch stehen Bei mir an dem Bette hier; O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht Jesu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. D'rum will ich mich ganz ergeben, Jesu! deiner Treu' und Gnad'; Ach! erhalte mir mein Leben, Und was mir geschenket hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das verborg'ne Pfand; Auf das laß den Segen fließen, Und mich deinen Schutz genießen. 3. Sieh, hier bin ich, Menschenhüter, Ach! behüt' mich vor Gefahr, Schütz' die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar; Wenn ich schlaf, so wache du, Decke du mich selber zu, Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen Andachten für Schwangere. 4. 3ch leg' mich in Jesu Armen, Ich leg' mich in Jesu Schoß; O wie groß ist sein Erbarmen! Seine Liebe ist sehr groß; Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb' verläßt mich nicht; So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun mit Jefu will ich schließen Meine müden Augen zu; Jesu, ach! laß mich genießen Eine sanfte, süße Ruh', Segne mich und auch mein Kind, Segne die, so um mich sind; Wider Angst, Gefahr und Schrecken Wollest du uns, HErr! bedecken. 12 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausgeschlafen hab'; Laß mich einstens fröhlich sehen Die jetzt noch verborg'ne Gab'; Wenn ich gehe aus und ein, Laß mich dir befohlen seyn; Laß kein Unglück, HErr! aus Gnaden Mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg' mich mit Jesu nieder, Mit ihm steh' ich wieder auf, Und sing' alsdann Freudenlieder, Und vollführe meinen Lauf; Jesu! ich befehl' mich dir, Jesu! weiche nicht von mir; So sprech' ich in Jesu Namen Nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. Aufmunterung. Wenn Gott eine Ehefrau den Ehesegen empfinden läßt, so soll sie sich herzlich darüber freuen und Gott dafür danken, aber sie sollsich auch vorstellen: 1) daß in diesem Stande sich viele Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden, davon sie vorher im ledigen Stande nichts gewußt und nichts empfunden hat. Diese Schmerzen aber sind von Gott dem weiblichen Geschlechte nach dem Sündenfall aufgelegt, 1 Mose 3, 16.: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. 2) Kommen aber die Schmerzen also von Gott, da soll fie gedenken, daß Gott auch ist ein gnädiger Gott, der ihr dieselben lindern wird; ein mächtiger Gott, der sie ihr wieder abnehmen kann; ja, weil denen, die Gott lieben, alle Dinge müssen zum Besten bienen, so werden auch die Beschwerlichkeiten, welche die Schwangerschaft mit sich bringt, den Schwangern zu vieler Erbauung und Nebung im Christenthum gereichen; sie können dabei lernen Gottes Weisheit, Güte, Allmacht, Hilfe und Segen, welches Alles fie außer diesem Stand unmöglich hätten wissen können. 3) Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall: so sollen sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sei, der sie als sein Kind nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater erbarmt über seine Kinder, so erbarmt sich der HErr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen wird Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an Tägliche Betrachtungen. den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meinen, sie können es nicht ausstchen, so sollen sie sich erinnern, daß bei Gott nichts unmöglich ist; und wenn er ein Wort spricht, so müssen sich die stolzen Wellen und Schmerzen des Leidens und der Beschwerlichkeiten legen. 4) Sollten aber die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Vertrauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern gedenken, Gott habe die Stunde schon bestimmt, da er wieder helfen will. Er spricht oft zu uns wie zu Maria seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen; deßhalb muß man auch den Verzug der göttlichen Hilfe im Glauben und mit Geduld ertragen, und sich auf die göttliche Verheißung verlaffen, wenn er spricht: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. 5) Sprechet ihr aber: Es lassen Viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antworte ich: Gott hat einem Jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Erempel solcher Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so mögen sie auf viele Erempel derer sehen, welche glücklich entbunden und fröhliche Kindermütter geworden sind; ja, deren Anzahl ist ungemein größer, die der HErr erwünscht erlöset und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stande gestorben sind. Wenn nun aber unter fünfzig oder hundert kaum eine geſtorben, und neun und neunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und Liebe zu Gott, sich allezeit das Aergste oder das Schlimmste vorstellen zu wollen; das ist ein Mißtrauen gegen Gott und eine schwere Sünde, wenn man an Gott verzweifeln wollte, und sagen: Obgleich Gott so vielen Hunderten, ja Tausenden geholfen, so wird er mir doch nicht helfen! Wer hat euch dieses gesagt? Wer hat euch dieß Mißtrauen in die Seele gepflanzt? Kennt ihr vielleicht Gottes Güte und Allmacht nicht? Darum kehret es vielmehr um, und saget: Der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir auch helfen und mir auch beistehen, und darauf verlasset euch von Grund eurer Seele; widersprechet allen zweifelhaften Gedanken, und schauet hingegen auf die mächtige und starke Hand Gottes. 6) Gesetzt aber, es hätte Gott einer Schwangern ihr Ende des Lebens in der Schwangerschaft und Geburt bestimmt, so stirbt sie doch selig, denn sie stirbt in ihrem Beruf; gleichwie es ein seliger Tod wäre, wenn eine fromme Seele über dem Gebet, ein Prediger auf der Kanzel, ein Mensch in Austheilung der Almosen, ein König auf seinem Throne, da er den Armen Recht spricht, stürbe: also ist's auch ein seliger Tod, wenn eine Ehefrau in ihrer Schwangerschaft und Geburt ihren Geist aufgeben sollte, denn sie stirbt in 13 14 Andachten für Schwangere ihrem Beruf, in einem Gott wohlgefälligen Stand; der Tod solcher gottseligen Ehefrauen ist werth geachtet vor dem HErrn, und er wird sie mit Wonne nach so vielen Leiden und Schmerzen in der ewigen Himmelsfreude ersättigen, umgeben und erquicken. Wie man aber selig stirbt, und wann man selig sterben soll, das Alles sollen wir der göttlichen Weisheit überlassen; wenn ich nur selig werde, wenn ich nur in den Himmel komme, soll eine glaubige Seele sagen, so mag es der HErr machen und schicken, auf was für einem Weg, oder in was für einem Stand er immer wolle. 7) Jedoch sollen sich Schwangere auch fassen, daß sie nicht durch Zorn und Eigenfinn sich selbst den Tod bringen; denn weil ihnen in diesem Stand Alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer a f sich Acht geben. Es ist an vielen schwangern Frauen gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaftig und empfindlich sind; alle Tritte und Schritte, so die Ihrigen thun, sind ihnen nicht recht; sie er zürnen sich über Alles; keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht; da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten, denn wenn sie durch dergleichen Zorn und Verbitterungen sich die Galle rege machen, daß daraus gefährlicheSchwachheiten, hitzige Fieber, Friesel und dergleichen tödtliche Krankheiten entstehen, so müssen sie nicht sagen: das hat Gott gethan, sondern das haben sie selbst gethan, und nicht ihre Schwangerschaft bringt sie um's Leben, sondern ihr böser Sinn, Zorn und Eigensinn. Ja, ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem verbitterten Geblüt wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie nicht Schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zutr Welt bringen, die so ein widerspenstiges Gemüth haben, wie die Mütter in ihrer Schwangerschaft gehabt haben. Deßhalb soll eine christliche Ehefrau sich selbst überwinden und in Gott fassen, und sich nicht selbst den Tod und eine böse Geburt durch ihre Schuld herbeiziehen. Werden sie Gott darum anrufen, so wird ihnen der, von dem alle gute Gaben von oben herab kommen, auch diese Gnade nicht versagen, ja, alsdann können sie sich im Leben und Sterben eines gnädigen Gottes getrösten. 8) Und weil auch christliche Ehefrauen gerne in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann um so mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem HErrn Jesu zu übergeben, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. Gebet. Heiliger, gültiger und barmherziger Gott! ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vorzubringen. Du hast, Tägliche Betrachtangen. 15 o großer Gott! mir den Ehefegen jetzt widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, und bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit seinen fröhlichen Anblick. Weil du aber, o gerechter Gott! auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach gelegt hast, so nehme ich denselben unter deinem Beistand auch willig auf. Kommen demnach trübe Stunden, schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, HErr, mein Gott! so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all' mein Leiden lindern; du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger Gott, der du sie mir verordnet und aufgelegt, auch die Kraft und Stärke hast, sie zu mäßigen. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja fast unerträglich werden, so will ich doch darum nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott! mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen kann. Wenn ich seufze: Ach wie lang, ach! lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir; so gedenke doch an deine Hülfestunde, und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott! deine Allmacht vor Augen, ja, schreibe sie mir in mein Herz hinein, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa Andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheiten ausstehen, ja gar in der Geburt ihr Leben verfieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüthe und Gedächtniß eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viel hundert Schwangere glücklich entbunden, die wenigsten aber von dir aus der Zeit abgefordert werden. Darum will ich auch deiner Allmacht trauen, und fleye dich demüthig an, laß mich auch eine fröhliche Kindermutter werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, und erfreue mich mit einem gesunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber beschlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebensende zu bescheeren, HErr! so geschehe dein Wille; ich weiß, ich sterbe alsdann in meinem Beruf; ich sterbe in deiner Gnade; ich sterbe in deinen Armen; ich sterbe als dein Kind! ich sterbe selig, und du werdest mich zu der ewigen Freude und Seligkeit einführen. Gib mir aber, o mein Gott! indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gib mir einen stillen und sansStark, Handbuch. 27 16 Andachten für Schwangere. ten Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe; gib, daß ich meinen Zorn mäßigen, und also mich nicht selbst um's Leben bringen möge. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüths ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne, und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Nun, HErr, mein Gott! ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach! erhöre mich nach deiner Güte; errette mich nach deiner Verheißung; erbarme dich meiner nach deiner Liebe; erfreue mich nach deiner Gnade. Ich weiß, du hast meiner noch nicht vergessen, Ob mich gleich Schmerz und schwere Aengsten pressen. Mitten in der Noth denk' ich an Gott, Er wird den Schmerz nach meinen Kräften messen, Daß ich durch deinen Geist mög' überwinden Und stets in deinem Haus mich möge finden Zum Preis und Dank mit Lobgesang; Mit dir will ich aus Liebe mich verbinden. Amen. Gottfeliger Umgang einer glaubigen Seele mit Gott. Gesang. Mel.: Zion flagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Er soll immer bei mir seyn; Auf ihn will ich all'zeit sehen, Wenn ich gehe aus und ein; Ohne ihn geh' ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus; Ohne ihn kann ich nicht leben, Seit mein Herz sich ihm ergeben. 2. Seiner will ich stets gedenken; Gott ist, der mein Herz erfüllt, Ich will es in ihn versenken, Es soll seyn in Gott verhüllt; Ohne Gott denk' ich nicht mehr, Gott ist der Gedanken Herr, Gott ist Alles mir in Allen; Ohn' Gott kann mir nichts gefallen. 3. Sein Lob sei zu allen Zeiten In dem Herzen, in dem Mund. Meine Zunge soll ausbreiten, Was da liegt im Herzensgrund. Was mir aus dem Munde geht, Sei, was Gottes Ruhm erhöht. In Geberden, Wort und Werken Soll man meine Liebe merken. 4. Mein Aug' soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find' ich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Thränenthal; Wo mein Auge nach ihm blickt, Da bin ich durch ihn erquickt; Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit un Geschäften, Da vergeß ich Gottes nicht; Arbeit' ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch vor'm Gesicht, Erwägung thres Standes. So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht, Ohne Gott kann ich nichts machen, Er muß seyn bei allen Sachen. 6. Eß ich, so will ich empfangen Von ihm alle meine Speis', Trink' ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis Dieses Alles mir gedeih', Und daß er stets bei mir sei, Und mir Speis und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 17 7. Will ich mich zu Bette legen, Wenn ich bin der Arbeit los, So ertheilt er mir den Segen, Und ich ruh' in seinem Schoß; Ich schlaf' in ihm sanfte ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah' zu mir machet; Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh' ich mit Gott wieder auf; Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen Ist, daß ich den Lebenslauf Mit Gott führ', und daß kein Tritt, Ja, kein Wort, kein' That und SchrittSeie meinem Gott zuwider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Bon Gott kann mich nichts abtreiben, Elend, Jammer, Kreuz und Leid; Dieser Umgang soll auch bleiben Hier und dort in Ewigkeit; Leiden scheid't mich nicht von Gott, Keine Trübfal, Angst und Noth, Weil mich Gott nicht kann verlassen, So lang ich ihn werd' umfassen. 10. Dieses Band wird nicht zerrissen, Wenn auch reißt das Lebensband; Seine Näh' soll ich nie missen, Hat er doch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will beglücken ewiglich, Ja mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd' auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort im Himmelsglanz Werd' vor seinem Throne stehen, Und, von ihm durchstrahlet ganz, Werde gleich den Engeln seyn, Ganz verkläret, hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die gold'ne Sonne. Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie Gott den Ehestand selbst eingesetzt hat, und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern in dem Paradies sprach: Seid fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefrau fich in Gott zu erfreuen, wenn sie solche Fruchtbarkeit vermerkt. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, welche Gabe er Etlichen gibt, Andern aber versagt, damit die Menschen nicht etwas möchten ihrer Kraft zuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspürt, soll sie gedenken, Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie dorten es von Sarah und Rahel heißt: Und der HErr gedachte an Sarah, der HErr gedachte an Rahel. 27* 18 Andachten für Schwangere. 3) Hierauf nun soll sie sich zufrieden geben, Gott danken und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen ertheilt; sie soll sich erinnern, wenn sie aus- oder eingeht, so geht sie unter dem Schutz und Geleite Gottes; Gottes heilige Engel haben eine besondere Aufsicht über sie. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwerlichkeit ein, so soll sie gedenken, daß Gott sie zu diesem Stande verordnet habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle, sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn setzen solle, da sie dann empfinden werde, wie der HErr Alles herrlich machen wird. 5) Sie soll zu dem Ende im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jesu und wahren Frömmigkeit verharren, und versichert seyn, sie stehe in einem ſeligen und Gott wohlgefälligen Zustand, darin sie sich des Beistandes und der Hilfe Gottes getrösten könne; und was sie nach Gottes Willen in solchem Stande bitten werde, das werde Gott ihr auch nach seiner Barmherzigkeit gnädiglich geben und verleihen. Gebet. O du liebreicher Gott und Vater! wie kann ich genugsam deine Vatertreue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesetzet hast. HErr! du hast in Gnaden an mich gedacht, und mich dieser Gabe und Frucht des Ehestandes theilhaftig gemacht. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetzet sei. Du weißt, HErr! daß ich keines Mannes begehrt habe aus Leichtfertigkeit, und meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen, habe ich gewilliget in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zur Ehre. Da du denn auch in Gnaden an mich gedacht, und eine Frucht des Leibes mir bescheret hast, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren. Sei in diesem Stande mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre, und meine Seufzer lasse vor den Thron der Gnaden kommen. Sei in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schütze, begleite und bewahre. Sei in diesem Stande mein Trost, wenn ich betrübt werde, und gib mir deinen Freudengeist, der mir allzeit Zeugniß gebe, daß ich dein Kind sei. Sei in diesem Stande meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte, der mich erfreue, wenn ich betrübt bin, der mich erquicke, Erwägung ihres Standes. wenn ich matt bin. Sei in diesem Stande mein Helfer, der mich versichere: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen. Sei in diesem Stande mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden sollten. Sei in diesem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde, und mich erfreue. Sei in diesem Stande, o du himmlischer Vater! meine Stärke; ach! trage, erhalte, stärke underquicke mich. Sei in diesem Stande, oJesu, mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete, und mein schwaches und zuweilen unter vielen Schmerzen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sei in diesem Stande mein Tröster, o Gott heiliger Geist! der mich tröste, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hilfe versichere. Ja, du dreieiniger Gott! sei mit mir in diesem Stande, so werde ich wohl beglücket, beschützet, bewahret und errettet bleiben. HErr Jesu! leite meinen Gang, Daß ich forthin mein Lebenlang Nach deinem Willen walle; Behüte mir mein' Seel' und Leib, Mich selbst in deine Hände schreib', Damit ich ja nicht falle. Ach! gib, mein Lieb', Deine Wunden Alle Stunden Zu betrachten, Und die Welt für nichts zu achten. Amen. 19 Gejang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Chr' 2c. 1. Wie hat der große Gott doch mich In Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein glaubig's Flehen, So daß mein höchst erfreut Gemüth Erkennet seine Wundergüt', Dafür sei Gott gepriesen. 2. Ist nicht mein Schöpfer, Der da hat mir Leib und Seel gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad' Das mir geschenkte Leben? Ja, was ich habe in der Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit, Dafür sei Gott gepriesen. 3. Es hat mich Jesu theures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich auch stets erquicken, Ja, dieses Blut, das macht mich rein, Darinnen werd' ich selig seyn, Dafür sei Gott gepriesen. 4. Es ist mir auch der heilige Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weis't, Mich führt im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus, Und treibet alle Sünd' hinaus Dafür sei Gott gepriesen. 5. Er theilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen, 20 Andachten für Schwangere. Er fegnet meinen Schritt und Tritt In allen meinen Wegen; Ja, was ich mit Gott immer thu', Da fließet lauter Segen zu, Dafür sei Gott geprieſen. 6. Soll Leiden, Angst und Schmerzenswuth Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübfalsfluth Mir doch zur Seite stehen; Er hilft, wenn Niemand helfen kann: Er ist mein Trost und Helfersmann, Dafür sei Gott gepriesen. 105.. 7. Ach! wie hat er so väterlich Bis hieher mich geleitet, Und seine Gnade über mich Die Flügel ausgebreitet. So leb' ich denn in seiner Hut, lind habe in ihm guten Muth, Dafür sei Gott gepriesen. 8. Ja, wie kann doch mein schwacher Mund Die Wohlthat all' erzählen; Viel Gutes thut er jede Stund' Dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich, Ja, er versorgt mich mildiglich, Dafür sei Gott gepriesen. 9. Und was für große Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich in jener Himmelsfreud' Bei ihm mög' ewig leben; D'rum, wenn ich sterb', so sterb' ich nicht; Ich komm zu Gott, zur Freud', zum Licht, Dafür sei Gott gepriesen. Die Schwangere dankt Gott für ihre Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Obgleich die meisten Menschen meinen, daß Kinder zu haben eine Folge des Naturlaufs wäre, so widerspricht zwar diesem die heilige Schrift nicht, aber sie lehrt uns noch etwas anderes, wenn sie schreibt: Kinder sind eine Gabe Gottes, und Leibesfrucht ist ein Geschenk. Daher auch glaubige Eheleute diese Gabe unter andern Gaben zu erbitten haben. Was Huren und andere unglaubige Personen betrifft, so erlangen sie zwar diese Gabe, weil Gott der Natur ihren Lauf läßt, indem sie nicht zur Ehre Gottes Kinder zeugen, sondern nur ihre sündliche Brunst löschen wollen.Bei glaubigen undfrommen Eheleuten aber ist es ein Anderes; diese nehmen die Kinder als eine Gabe Gottes dankbar an. Wenn denn nun eine gottselige Ehefrau die Fruchtbarkeit merkt, so soll sie 1) Gott dafür danken, und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr auch nun ertheilt. 2) Hierauf soll sie behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmuth und christlichen Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtliche Geschäfte, vorwitziges Tragen und Heben, boshaftigen Zorn und andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie alsdann, wenn sie merkt, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen, er wolle sie Danksagung für die Fruchtbarkeit. felöst bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröhlich an das Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlichkeit ihres Standes nicht murren, nicht hitzig, zornig und rachgierig gegen ihren Ehemann, Gesinde und andere Personen seyn, als welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit und zugleich ein Undank seyn würde, welches gewiß Gott siehet, erkennet und merket, und solche Personen es kann entgelten lassen. TL 4541 Gebet. 21 HErr, allmächtiger Gott! der du bist ein Gott des Lebens, der uns Allen Odem und Leben gibt, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast, ich danke dir, daß du auch an mich gedacht und mich dieses Segens in meinem Ehestand theilhaftig gemacht haft. Du, mächtiger HErr! haft mir eine größere Wohlthat erwiesen als Andern, welche nach dieser Gabe seufzen und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan hast. Ich befehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück, und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Wirke in mir eine christliche Behutsamkeit im Gehen und Arbeiten, damit ich nicht selbst das verderbe, was deine Hand verlichen hat. HErr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbar bildest! wie groß ist deine Allmacht, daß du sie selbst an's Licht bringest! Wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und mehrest! Ich danke dir, mein Gott! daß du mich auch zu einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werks bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht hast; ach! führe das angefangene Werk durch deine Gnade herrlich hinaus; erhalte, was du hast gegeben; stärke, was du hast verliehen; bewahre, was du hast geschenket. Laß mich meine Zeit glücklich unter deinem Schutz hinbringen. Laß vor meine Augen keine Schreckensgestalt, und vor meine Ohren keine entsetzliche Botschaft kommen; und so ja dergleichen mir nach deinem Nath widerfahren sollte, so erhalte meine Frucht durch deine allmächtige Hand. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kindermutter werden, und das Verborgene mit Freuden erblicken. HErr! laß deine Güte und Treue mich alle Tage begleiten; behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchle, meine Glieder, daß deren keines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädiget werde. Erhalte die geschenkte Gabe, und laß sie dir Andachten für Schwangere. empfohlen seyn. Indessen aber will ich auf deine Hilfe schanen; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hilfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den HErrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem HErrn danken für all' das Gute, das er an mir gethan hat. Lobe den HErren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, Der Dir mit Gnade begegnet. Amen. Gesang. 22 Meg.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich danke dir, mein Gott! für eine jede Gabe, Die ich nun lebenslang von dir empfangen habe; Nimm an den schwachen Dank für deine große Gnad', Die deine Baterhand mir dargeboten hat. 2.Ich dankedir, mein Gott! daß du mich haft erhöret, Und was mein Herz gewünscht, in Gnaden hast bescheret. Ach, ach! erhalte doch das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab' von deinerSegenshand. 3.3ch danke dir, mein Gott! daß du in meinem Leben Mit großer Mildigkeit viel Gutes haft gegeben. Ach tausend, tausend Dank, hab' Dank, HErr Zebaoth! Für alle deineGnad', ich danke dir, mein Gott! 4. Ich danke div, mein Gott! daß du mir beigestanden In manchem schweren Leid, in schweren Trübsalsbanden; Ach! bleibe auch bei mir, wenn sich die Noth einstellt, Du bist es, der mich stärkt, du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir, mein Gott! daß du hast abgewendet So manches bitt're Kreuz, und Hilfe mir gesendet, Die Hilfe, die vertrieb die Angst, so ich gescheut, Und mich nach Angst und Wel mit reichem Trost erfreut. 6. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich nie verlassen, Auch nicht verlassen wirst, so lang ich werde haffen der Sünden Wust und Greu'l; sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will hier und dort ewiglich. 7. Ach! bleibe doch mein Gott, ach! bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schutz und Rath, damit ich Hilfe merke; Wenn nun die Noth einbricht, so steh' mir mächtig bei, Daß ich zu aller Zeit von dir geschützet ſei. 8. Ach! bleibe doch mein Gott, hilf, daß ich überwinde, Und in der Trübsalsstund' die Hilfe bei dir finde, So will mein froher Mund nach ausgestand'ner Noth Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott! Empfehlung der Veibesfrucht an Gott. Die Schwangere empfiehlt Gott fich und ihre Frucht. 23 Aufmunterung. Wenn nun eine gottfelige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit besonders dieses zu thun: 1) Soll sie sich Gott fleißig, alle Tage und Stunden, empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten; 2) die Frucht Gott in ihrem Gebet treulich vortragen. 3) Denn das ist der Unterschied unter christlichen Ehefrauen und Unglaubigen, unter gottseligen Ehefrauen und leichtfertigen Huren. Unglaubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehefrauen aber sind hiebei anders gesinnet. Sie beten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; fie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es beim Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. 4) Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten Alles, worein sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. 5) Ja, sie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen und einst selig werden lassen. Gebet. Oheiliger Vater und Schöpfer aller Menschen! siehe, ich komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich demüthig um deine Gnade. Du hast, o großer Gott! nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Viele Mütter haben Kinder empfangen, aber nicht geboren; wie viele haben sich einer lebendigen Frucht erfreuet, und haben es nicht erlanget. Darum, ach HErr, HErr! vor dir stehet all' meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. HErr! HErr! was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ichbefehle deinemväterlichenGnadenschutz mich ganz und gar. HErr! habe Acht auf mich Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich ausgehe; behüte mich, wenn ich auf der Gasse bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Hause.Laß meine Seele still und vergnügt seyn. Laß meine Seele allezeit mit dir umgehen, in dir sich freuen, an dir sich ergötzen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und einen Tempel des heiligen Andachten für Schwangere. Geistes seyn, daß Jesus in mir lebe, in mir wandle, mich regiere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrießlichkeiten, Zorn, Schrecken; ungestaltete Menschen laß nicht vor meine Augen kommen, und so es geschehen sollte, so bewahre meine Frucht. Laß dein Aufsehen meinen Odem, Leben, Schritt und Tritt bewahren. Der HErr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich aus und ein. Im Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen, und stehe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich an meine Arbeit. O du dreieiniger Gott! bewahre, behüte und schütze mich durch deine Kraft; trage mich auf deinen Händen; behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Uebel widerfahre, so will ich dir dafür danken, und dich loben Zeit meines Lebens. Ich befehle dir aber auch, o dreieiniger Gott! die Frucht, die ich unter meinem Herzen trage; HErr! ich bete für sie; ich trage sie dir vor; ach! erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja, um Jesu willen. Ach! gib meinem Kinde deinen heiligen Geist. Laß es auch im Verborgenen mit deiner Himmlischen Kraft, wie dort Johannes, erfüllet werden. Gib ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich Zeitlebens fürchten und lieben möge. Gib ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibes und Gemüthsgaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemüthsgaben begnadigt, so lasse es nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast ja, o Jesu! gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen und gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme, und segne es auch; schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist; heilige und erneuere es zum ewigen Leben; mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm und es mit mir dereinst der ewigen Seligkeit möge theilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste Auf den HErren, meinen Gott; Er ist mir der Allerbeste, Der mir beisteht in der Noth; Er allein Soll es seyn, Den ich stets von Herzen mein'. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen Dem 24 Empfehlung der Leibesfrucht an Gott. 25 Helfer, der mir hilft Am Leib und an der Seelen; Er ist mein Fels, mein Hort, Mein' Burg und Zuversicht, Mein starker, trener Gott; Mein Gott verläßt mich nicht. 2. Ich weiche nicht von Gott; Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß ich mit Geduld Mein Herz emporzuschicken; Ach! in dem größten Leid Will ich beständig seyn, Kommt Kreuz, so dring' ich auch zu meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott Auch in den größten Nöthen, Ob sie so heftig seyn, Als wollten sie mich tödten; Alsdann schrei' ich um Hülf': Verlaß mich nicht, mein Gott! Ach! komm', ach! rette mich Aus aller Angst und Noth. 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu verbleiben, Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer Gott! Ich weiche nicht von dir, Ach! bleib' du auch bei mir, Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott; Was sollt' ich von ihm weichen? Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen? Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, die Hand, die mich erquickt, Und hilft mir allezeit. 6. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht in Leidensstunden, Denn ich hab' immerdar Rath, Heil und Trost empfunden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vorbei, Daraus erkenn' ich ja, Daß mein Gott bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht, wenn ich soll sterben, Denn alsdann werde ich Die Seligkeit ererben; D'rum leb' und sterb' ich ihm, Ich dien' ihm in der Zeit, Und bleib' mit ihm vereint Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Anfmuuterung. So betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangern Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen seinen Beistand in der Noth zusagt, und ihnen verheißen hat, er wolle sie nicht verlassen, noch versäumen; er wolle ihnen helfen, sie erretten, sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen, und sich deren getrösten. 2) Sie soll sich erinnern, daß die Berheißungen Gottes alle Menschen angehen, daher auch sie getrost sich darauf verlassen kann. 3) Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Rettung und der verheißene Andachten für Schwangere. Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie diefelbe verlangt und vonnöthen hat, so soll sie darum nicht verzagen, und meinen, die Verheißung sei aus, und werde gar nicht erfüllet werden; sondern 4) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wenn seine Hilfestunde erscheint, auch, was er zusagt, treulich halten wird. Indessen aber 5) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Allerhöchsten sagen wird: Bis hieher hat mir der HErr geholfen; der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! 26 Gebet. Mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antlitz. Du weißt mein Gott, daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen als nur du allein? Darum komme ich zu dir, und halte mich an dein Wort und Verheißung. Du sprichst, du wollest die Deinen nicht verlassen; ach! verlaß mich nicht; du wollest bei ihnen seyn in der Noth, ach! meine Noth rücket heran, bleibe bei mir; du wollest den Deinen helfen, ach! hilf mir; du wollest sie stärken, ach! stärke mich; du wollest sie herausreißen, ach! reiß mich heraus. HErr! ich weiß in meinem Zustande nirgends hin als nur zu dir allein. Ich habeviel Sorgen, Bekümmernisse und Aengsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzen meine Seele; dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schutzherr deiner Glaubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hilflosen bist, so bin ich darüber gutes Muths, und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten, wenn meine Schmerzen und die Angst meines Herzens groß werden; da will ich seufzen: HErr, ich lasse dich nicht, du helfest mir denn. Verzeuchst du die Hilfe, so erscheint sie endlich zum Trost der Elenden; du hilfft ihnen herrlich. Du, HErr, legst eine Last auf, aber hilfft sie auch tragen; darum, wenn du meine Last mir tragen hilfft, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Du bist meine Zuversicht gewesen, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war, darum sollst du auch meine Zuversicht bleiben Zeit meines Lebens und in allen Zufällen. Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in allen Nöthen, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht; und warum sollte ich mich fürchten? ist doch der HErr bei Erwägung der göttlichen Verheißungen. 27 mir. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getrost an meine bevorstehende Geburtsarbeit gehen; unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. Odu gnädiger Gott! stärke und befestige meinen Glauben, mehre meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich vor allem Unfall beschirmet fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauen, bis ich, fröhlich entbunden, dir in deinem Tempel und Zeit meines Lebens für deine Wohlthaten in meinem Herzen Lob und Preis opfern werde. Amen, ja, das will ich glauben, Denn hier hab' ich Gottes Wort; Das soll mir kein Teufel rauben, Ich will immer fort und fort Mich auf diesen Grund verlassen Und den Hoffnungsanker faſsen Mit der starken Glaubenshand Auch in diesem meinem Stand. Amen. Gesang. Mel.: Ach HErr! mich armen Sünder 2c. 1. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll treu an ihn sich halten, Und ihm vertrauen fest, Ja den nur lassen walten, Der niemals mich verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen; Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit ihm sei es gewagt. Er wird sein Wort erfüllen, das Hilfe mir verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wenn seine Stund' anbricht. 3. Zwar däucht es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt, Doch wird mir nimmer bange, Weil Gott mir nicht ausbleibt. Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hilf' bestimmt, Und da er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann gewiß nicht hassen, Die so sein eigen sind. Sollt' er des Kindes Thränen Ohn' Hilfe stets ansehn, Und sollt' mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen gehn? 5. Gott hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen Trug Angst und Herzeleid. Sollt' er denn nun anheben, Da ich der Hilf' begehr', Und sie mir jetzt nicht geben? Das glaub' ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, Denn er ist fromm und gut, Auf seine Hilfe schauen Mit recht getrostem Muth; Die Stunde wird nun kommen; Alsdann, wenn die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. 28 Andachten für Schwangere. Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängniß, Erhaltung, Wachsthum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht nicht genug preisen; ohne Gottes Allmacht kann kein Kind auf diese Welt geboren werden, und wenn eines geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Glaubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottſelige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf die Allmacht ihres Gottes sich verlassen; so viel sie Kinder geboren siehet, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. 2) Wenn nun die allmächtige Hand Gottes Andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß Gott ihr helfen werde. 3) Sie soll, wenn sich Kleinmüthigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich, Luk. 1, 37. Ist nun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. 4) Sollten sich Umstände einstellen, die bei Andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch die gefährlichen Wunden heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 5) Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand unsichtbar auch da, die Alles regieret, und durch derenkraft Alles glücklich von statten gehen wird. 9 Gebet. Mein Gott! wie freuet sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht gedenke, an deine allmächtigen Hände, die Alles heben, Alles tragen und aus Allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stande an, so muß deine Allmacht Alles allein thun; deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll. Deine Allmacht meine Beschwerlichkeiten lindern, ja, deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöthen Alles allein verrichten. Sehe ich meine Frucht an, so muß abermals deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und an's Tageslicht bringen. Dieses ist nun mein größter Trost jetzt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott; bin ich schwach, so bist du stark; bin ich elend, so bist du allmächtig; bin ich ohnmächtig, so vermagst du Alles. Diesen Trost mun soll mir Niemand rauben, Gott kann und will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft und den HErrn HErrn, der vom Tode errettet. Ist Gott Freude über die Allmacht Gottes. allmächtig, so kann mir kein Leid widerfahren. Ist Gott allmächtig, werde ich herrlich errettet werden. Darum, o allmächtiger Gott! befehle ich mich dir ganz und gar; wache über mich; erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht lasse mich glücklich meine Zeit erreichen. Deine Allmacht stärke mich, wenn meine Geburtsstunde herannahet; deine Allmacht stehe mir bei, wenn sie nun da ist. Deine Allmacht sei im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde. Deine Allmacht entbinde mich fröhlich, und lasse mich einen erwünschten Anblick erleben. Ich will mich demnach nicht fürchten, es stehe, wie es will; ich habe habe ja einen allmächtigen Gott; ich will nicht verzagen, wenn die Noth groß wird; ich habe einen allmächtigen Gott, ich will gutes Muths seyn, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott; ich will in meinen Nöthen schreien und seufzen: O du allmächtiger Gott! hilf mir; siehe, ich verlasse mich auf dich; ich hoffe auf dich; dein Kind wartet auf deine Hilfestunde. Eile auch, barmherziger Vater! mit deiner Allmacht zu mir; laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Deine Allmacht erhalte meine Frucht; deine Allmacht gebe mir Kraft, ja, deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung, so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, und sagen: Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich rief zum HErrn in meiner Noth: Ach Gott! erhör' mein Schreien; Da half mein Helfer mir vom Tod, Und ließ mir Hilf' gedeihen; D'rum bank', o Gott! d'rum dank' ich dir; Ach! danket, danket Gott mit mir; Gebt unfrem Gott die Ehre! Amen. 29 Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübfal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid Und sind viel Schmerzen da, So ist auch Gott nicht weit, Und seine Hilf' ist nah'. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöthen, Die können nimmermehr, Weil Gott mir hilft, mich tödten, Und Andachten für Schwangere. wären sie so groß, Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch Gott, Der sich nimmt meiner an. 30 3. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Leiden; Und ist das Leiden hart, So soll mich's doch nicht scheiden Von meinem lieben Gott; Dem ist ja Alles leicht, So leicht, daß auf ein Wort Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft, und hört den Armen, Der herzlich zu ihm schreit; Er wird sich sein erbarmen; Die Armen fiehet Gott, Er hört, er sieht, er gibt Zur Zeit, wenn mir's ist nütz, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, sollt' man auch sprechen: Hier ist die Hilfe aus; Alsdann will ich ausbrechen, Und sagen: hier ist Gott, Ist der kein Helfer mehr? Ach ja! er hilft gewiß Zu seines Namens Ehr'. 6. Wir haben einen Gott, Der hilft; wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich fröhlich jetzo sagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlaß' ich mich; Aus allem Kreuz und Leid Hilft er gar gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, Der hilft, dieß soll verbleiben, Mein Trost, dieweil ich leb', Ja dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein; Empfind' ich dann die Noth, So sprech' ich auch getrost: Wir haben einen Gott. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wenn hilfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich haben, so sind sie doch gutes Muths, wenn sic Jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern, und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwangern. Hören sie, 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott; Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott! verzeuch nicht. 3) Wird ihre Laft ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich: der HErr leget eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen. 4) Fürchten sie sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der HErr werde ihre Arbeit beglücken, und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches Schwangern nicht einen guten Muth machen, besonders da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennt? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen, und können nicht, aber Gott kann und will helfen; Trost der göttlichen Hilfe. deßhalben, ob es schon noch so traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen doch in das Herz geschrieben bleiben: Der HErr ist mein Helfer. 31 Gebet. Was betrübst du dich, meine Seele! und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ja, mein Gott! das ist mein Trost in gegenwärtigem Zustande, daß du meines Angesichts Hilfe seyn werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannſt alle Furcht durch deine herrliche Hilfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Thränen, du kannst sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hilfe erscheinest. Darum will ich mich auf dich verlassen, und Allem dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegensetzen diesen Trost: Gott ist mein Helfer und wird mein Helfer seyn und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott! eile mit deiner gnädigen Hilfe herbei, wenn mir Hilfe Noth ist. HErr! ich warte auf dein Heil, und rufe deine Hilfe an; ich verlasse mich auf deine Hilfe; wenn du mir nicht hilfst, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, HErr! so weiche mit deiner gnädigen Hilfe nicht von mir. Erscheinet meine Geburtsstunde, so erscheine auch mit deiner Hilfe. Du bist meine einzige Zuflucht, mein Gott und Beistand; ich weiß ja keinen andern. Zwar leide ich die Schmerzen der Geburt um der Sünde willen nach deinem Wort. Aber ich darf auch um meines HErrn Jesu willen um deine Hilfe bitten. So hilf mir nun, Gott meines Heils! wenn ich bete, und erhöre mich; hilf mir, wenn die Noth angehet; hilf mir, wenn es gefährlich aussiehet; hilf mir, wenn meine Stunde kommt: alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem Jesu seufzen: Vater! hilf mir aus dieser Stunde. Hab' ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freude verkehret werden. O wie herrlich hast du Andern geholfen, ach! so hilf mir auch; du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen. HErr! ich halte an mit Beten, wie das Cananäische Weib, und sage: HErr, hilf mir! ja, ich gehe nicht von dir; ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hilfe erfreuet und mir geholfen hast. Komm, ach Vater der Gnade und Barmherzigkeit! und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm., o Jesu, du Heiland aller Menschen! 28 Start, Handbuch. Andachten für Schwangere. und hilf mir; bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm, und hilf mir, o werther heiliger Geist! und versiegle in mir den Trost, daß meine Hilfestunde bald anbrechen werde; stärke mich im Gebet und vertritt mich, wenn ich darin schwach werde. Dreieiniger Gott! dir ergebe ich mich; dreieiniger Gott! zu dir fliehe ich; auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hilfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth; reiß mich aus der Noth, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indessen: Frisch auf, mein Herz, verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rath, Hilf' will er dir theilen mit, Er ist ein Schutz der Armen, Ob rauh der Steg, im Rosenweg Kann man nicht allzeit wandeln; Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut, Treu wird er an ihm handeln. Ja, ich will meine Zuversicht Auf dich beständig setzen; niyed Du wirst, wenn mir's an Hilf' gebricht, Mit Hilfe mich ergößen. Indessen will ich stille seyn. Bis sich die Hilfe stellet ein, Und deinen Namen preisen. Amen. Gesang. 82 suisd Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 1. Mein Gott ist ja bei mir, D'rum muß die Furcht verschwinden Weil sich in Noth und Tod Gott will bei mir einfinden Mit seiner Hilf und Treu', Mit Beistand, Trost und Rath, Wie auch sein theures Wort Mir Hilf' versprochen hat. of 2. Mein Gott ist ja bei mir; Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit Gott Ohn' alle Furcht empfangen; Kommt Kreuz, so kommt auch Gott; Kommt es auch nicht allein, Und ist es mancherlei, So will Gott bei mir seyn. 3. Mein Gott ist ja bei mir; Muß ich die Trübsal schmecken, So will er mich dadurch Zu seiner Lieb' aufwecken; Stellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl' ich mich Des Allerhöchsten Schutz; Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluthen Gar über mich hingehn, So istes mirzum Guten; Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, Und wär' es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir, Will auch die Nacht eindringen, Bis sich die Hilf' einstellt, So will ich hoffen, singen, Und mich voll Zuversicht Empfehlen Gottes Treu', Der Treu', die Tag und Nacht, Ja alle Stund' ist nev. 6. Mein Gott ist ja bei mir, ich kann der Tod nicht tödten, Des Höchsten Hilfe steht Mir vei in allen Nöthen; Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht, Mein Gott, mein Trost und Hilf, Gotz meine Zuversicht. Bei herannahender Geburtsstunde. 33 7. Mein Gott ist ja bei mir, 3ch scheue nicht das Grab; Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe hab' Von aller Angst und Qual, Es bringt mir süße Ruh', Mein Gott in Jesu Christ, Der deckt mich sanfte zu. 8. Mein Gott ist ja bei mir; Gott wird mir schon erscheinen Zum Trost, zur Hilf', zum Heil, Nach meinem bittern Weinen. Mein Herze, sei getrost, Stell' dir die Hilfe für, Und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir.png o odstuf in Andachten für Gebärende. selon murred indred rodin im: sdnuffetrud mism id Andacht bei herannahender Geburtsstunde. bid Aufmunterung. de musi Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie werden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob fie mit Kindergebären könnten die Seligkeit erwerben; denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben: sondern er gibt ihnen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müssen Kinder gebären, daß sie dennoch einen gnädigen und versöhnten Gott hätten; und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden follten. Nur 1) daß sie im Glauben bleiben; sie sollen ihr Vertrauen, wenn die Geburtsstunde herankommt, nicht wegwerfen, nicht wider Gott murren: sondern im Glauben, Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zugienge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab ich dich, o HErr! Ich bitt', du wollest seyn von mir nicht fern Mit deiner Hilf und Gnade. Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten verföhnen, wie gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gerne das heilige Abendmahlempfangen, um dadurch sich Gott zu heiligen und aufzuopfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rath und Zuspruch der Personen, die um sie find, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen, und nicht thun 28* 34 Anbachten für Gebärende. wollen, was ihnen Gott auferleget, und was sie zu thun schuldig find( wovon Kaiserinnen, auch Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind, und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen): so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen, und sie also vor der Geburt getödtet haben 3) Endlich sollen sie auch bleiben in der Heiligung sammt der Zupi daß sie ein heiliges, züchtiges und christliches Leben führen, für hr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten und in solcher Heiligung ihre Geburtsstunde erwarten. Gebet. HErr, allmächtiger Gott, getreuer lieber Vater! es kommt nunmehr meine Geburtsstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hilfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach! nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigfeit. Komm zu mir und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt; wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gib mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei und alle Furcht fahren lasse, daß ich getrost mich möge erzeigen, getrost stehen, getroft niedersitzen, oder liegen, und mich getrösten, weil du bei mir bist, so werde Alles glücklich von statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir Alles leicht werden; ist der HErr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gib auch, lieber Gott! denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich Alles anordnen, mir nichts zu wenig und zu viel thun! segne ihr Beginnen, und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gutem Rath folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch mir selbst nicht Schaden, und meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen, und deßwegen eine schwere Verantwortung auf mich laden möge. Höre, ach gnädiger Gott! mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute Kindermutter werden. Siehe, HErr, hier bin ich. Bei herannahender Geburtsstunde. 85 mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! bleibe bei mir in der äußersten Noth, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde; meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasse sinken. Nun ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich; die Gnade des Sohnes erquicke mich; der Beistand des heiligen Geistes erfreue mich. Treulich will ich Gott bitten, Und nehmen zum Beistand in allen meinen Nöthen, Die ihm gar wohl bekannt. Um Geduld will ich stets bitten, In allen Anliegen mein, Er wird mich wohl behüten Und mein Nothhelfer seyn. Amen. Gejang. Mel.: Zion tlagt mit Angst und Schmerzen 2c. 1. Ach! hilf mir in dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit! So schrei' ich mit Herz und Munde Jetzt zu dieser Leidenszeit, Ach! ich wende mich zu dir, Großer Gott, ach! hilf du mir, Laß mich doch bald Hilfe finden Durch dein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's geschehn, Wirst du deine Hilfe senden, So wird's bald nach Wunsche gehn; Komm, mein Gott! und lös' das Band, Reich mir deine Vaterhand, HErr! hilf mir in meinen Nöthen, Sonsten werden sie mich tödten. 3. HErr! du hast es ja verheißen, Daß du wollest bei mir seyn, Und aus aller Noth mich reißen, Hilf mir, HErr! denn ich bin dein; Helfer, hilf jetzt gnädiglich! Großer Gott, erbarme dich! Höre, rette, komm' und eile, Und doch länger nicht verweile. 4. Zwar ich will dir nicht vorschreiben Deiner Hilfe Stund' und Zeit, Ich will doch geduldig bleiben In des Leidens Bitterkeit, Gib mir jetzt nur Kraft und Stärk' Hier zu diesem schweren Werk; Ach! hilfselber mir arbeiten, Weiche nicht von meiner Seiten. 5. HErr! ich will dir fest vertrauen, Währet es auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang; Sieh', ich sehne mich nach dir, Vater, Vater! hilf doch mir, Hilf, o Vater, deinem Kinde, Hilf, mein Vater! doch geschwinde. 6. Ach, mein Gott! erhör' mein Bitten, Deffne, was verschlossen ist, Tritt jetzt selber in die Mitten, Weil du doch der Helfer bist; Leg' du selber Hand mit an, Solche Hand, die helfen kann, Andachten für Gebärende. Sieh', wie ich dich fest umfasse Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab' ich Kraft und Stärke, In Gott hab' ich guten Muth, Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hilfe ruht; Gottes Hilfe ist schon nah', Wenn er spricht, so steht es da. Mein Muth ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O! wie will ich Gott dann preisen, Wenn ich nun entbunden bin, Wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüthe, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hilfestund' Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad' und Ruhm erheben. idu Troft bei herannahender Geburt. thim shiups Bond Anfmunterung. 19 Es pflegen sich gottselige Ehefrauen öfters zu ängstigen und unerfahren zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollt ihr erschrecken? ihr habt ja Gott bei euch; der Gott, der euch hat die Schmerzen aufgelegt, der will sie euch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt: 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott, er meinet es nicht böse mit euch, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; weil er ein gnädiger Gott ist, so wird er ench Gnade erzeigen und euer Elend und Jammer ansehen. 2) Er ist getreu; er kennt eure Kräfte und Vermögen besser denn ihr selbst. Gott ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen. 3) Gott ist barmherzig; er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder, erbarmen. 4) Gott ist stark; was ihr nicht vermöget, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Sehet nicht an eure geringe Kraft und Stärke, sondern Gottes Macht; ihr sollt es auch nicht thun, sondern Gott will Alles thun, und eure Hände, Arme und Glieder stärken; wie David Gost allen Ruhm beileget. und spricht: Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen; auf dich bin ich geworfen. 5) Erinnert euch, eure Schmerzen währen nicht lange nicht Jahr und Tag, wie Davids Elend und wie jenes KrankenSchwachheit, sondern nur eine Stunde, und ob sich's ja länger verziehen sollte, so sprechet im Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch forgen. Sehet, dieses laffet euren Trost seyn bei eurer Geburt. am chod flid mind Seufzer vor der Geburt. bie: pod HErr, allmächtiger Gott! wenn ich denn mun merke, daß meine Stunde bald einbrechen wird, da ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir, und bitte dich, ach! weiche nicht von mir, Seufzer bor der Geburt. 67 ach! bleibe bei mir, gib mir Kraft, zu gebären, und entbinde mich gnädiglich; lindre die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlecht aufgeleget hast; doch da du sie der Eva und ihren Töchtern, aufgelegt, zur Zeit, da du sie wieder begnadiget, und Jesum, den Weibessamen und Versöhner der Menschen, verheißen hattest, so sehe ich die bevorstehenden Schmerzen an nicht als eine Strafe eines zornigen Richters, sondern vielmehr als eine Züchtigung eines liebreichen und versöhnten Vaters, welche ein Andenken des Sündenfalls seyn soll, aber auch eine Erinnerung, daß ich durch Jesum Christum mit Gott versöhnet bin. Darum, o starker und allmächtiger Gott! hilf mir kräftig; meine Hilfe stehet bei dir; nach dir, HErr! verlanget mich; mein Gott! ich hoffe auf dich; laß mich nicht zu Schanden werden; eile, mir beizustehen, HErr, meine Hilfe! O Jesu! der du bist Mensch geboren worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwerdung willen erbarme dich über mich; hilf mir aus dieser Stunde, und erhalte mich. O werther heiliger Geist! bleibe in meinem Herzen, und schreie das Abba lieber Vater. Gib Zeugniß meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sei. O du heilige Dreieinigkeit! hilf mir und er barme dich über mich. Amen. mis int Ein anderes Gebet. O du liebreicher Gott! der du uns Menschen herzlich liebest, und besonders in unsern Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen hast, du weißt ja den Stand, darin ich stehe; du siehest auch, wozu ich mich bereite, und was ich jetzt vorhabe; o darum stehet alle meine Hoffnung zu dir! O du starker Gott! der du den verlassenen Hirschen im Walde ohne menschliche Hilfe, wenn sie im Schnee und Frost ihre Jungen haben, beistehest, ach! laß dir auch meines Leibes Frucht anbefohlen seyn, und segne die Hände, die zut der Geburt sich darbieten; leiste du mir selbst die beste Hilfe, und entbinde mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich und helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlasse ich mich, und greife an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott beschieden, in meinem Beruf und Stand. Ich will getrost seyn und auf deine Hilfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach 38 Andachten für Gebärende. deinem Willen gerne leiden, was du mir auflegest; sei du mir nur nicht erschrecklich. HErr, HErr, meine Zuversicht in der Noth! sei und bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott! erhalte, o HErr! was deine Hände bereitet haben. Deffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur; und wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig; stärke mich an meinem Geist und Leibe; lindere und erleichtere mir meine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege fie mir lebendig in meine Arme und Hände, so will ich mit ausgestreckten Armen und gefalteten Händen dir lobsingen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als ein Kind der heiligen Taufe dir wieder geben. Sollte aber in deinem heiligen Rath über mich beschlossen seyn, daß ich über dieser Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille; du bist mein Gott, mein HErr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, zwar eine arme todeswürdige Sünderin, aber doch dein Kind in Christo Jesu; mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; ich aber bin bereit zum Leben und Tod; und wenn du gleich mich tödten wolltest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. deris Ich lieg' im Streit und widerstreb', Hilf, o HErr Christ! mir Schwachen, An deiner Gnad' allein ich kleb', Du kannst mich stärker machen; Kommt nun Anfechtung her, so wehr', Daß sie mich nicht umstoße, Du kannst machen, daß mir's nicht bring' Gefahr, Ich weiß, du wirst's nicht lassen. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. HErr, HErr! groß von Rath und mächtig von That, siehe, hier bin ich, und seufze allein nach deiner Hilfe. Hier kann kein Mensch helfen, als nur du allein. Ich erkenne zu deinem Preis, daß die Geburt eines Menschen ein Wunderwerk ist, welches du allein befördern mußt, und stehet in keines Menschen Macht, ein Kind zur Welt zu bringen. Deßhalben flehe ich dich, mächtiger Nothhelfer! demüthig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du selbst sie mir aufgelegt haft; Seufzer bei und unter der Geburt. 39 ich sitze oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, und du, HErr! bist um mich. Du siehest auch meine Thränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht; du kannst überschwenglich thun über Alles, was wir bitten oder verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet; sie haben es mit Fleisch und Haut angezogen, Leben und Wohlthat hast du ihm schon lange erwiesen und durch dein Aufsehen seinen Odem bewahret. Darum bringe es auch an's Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. HErr, HErr! der du so viel Tausenden geholfen hast, an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth; ich will dich herausreißen; ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich thun, damit ich auch ein gut Gewissen behalte, du aber stärke mich Schwache. SEDANG Betrübtes Herz, sei wohlgemuth, Sollst nicht so gar verzagen, Es wird noch alles werden gut; All' deine Schmerz und Klagen Wird sich in lauter Fröhlichkeit Verwandeln in gar kurzer Zeit, Das wirst du wohl erfahren. Amen. Ein anderes Gebet. Ach gnädiger und barmherziger Gott! du hast gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen; auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir; Abba mein Vater! ich schreie zu dir in meiner Noth, ach! höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach! laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. HErr! wenn ich Noth leide, so lind're mir's; Jesu, du Sohn Davids! erbarme dich mein; durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber HErre Gott! stehe mir bei, hilf mir, und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Noth! sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, o Jesu! so 40 Andachten für Gebärende. bitte du für mich; o werther heiliger Geist! vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O dreieiniger Gott! reiche mir und meinem Kinde deine Hand, die wir unsere Herzen und Hände zu dir ausstrecken. Laß uns nicht verderben noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht; Nicht nur in der Sterblichkeit Soll dein Ruhm seyn ausgebreit't, Ich will's auch hernach erweisen Und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes, als dein Geschöpf, in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich, HErr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich. Amen. smiledning dning of moistened bid ligt ind nid 8: for? Ein anderes Gebet. end isdnd hiiu Jp2 HOTMD HSG mon mottoko Wight chi bi Gnädiger und starker Gott! es ist die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmt hast; darum wende ich mich zu dir, und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! In deinem Namen fange ich das Werk an; in deinem Namen will ich es vollenden; HErr, mein Schöpfer! stehe mir bei und stärke mich. Jesu, du Sohn Gottes! der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich; ach! umfasse mich mit deinen Armen, und halte mich. O werther heiliger Geist! gib mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk; erbarme dich meiner und erfreue mich. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! eile, mir beizustehen. Stehe auf, HErr! und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich! Christe, du- Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir 1758 tim dinl of dil diose Frieden! Amen. gundesarchfasste du truds spilis snied budnim bid bin suorfro dut midisd sim so te redoil jim slos mism big kost o for ud i ogilise Bedroom 1sthumodni shildert is dind thi gnduis for ned nord and rod junnid todo sochiliigut nism squire spönt of us mul d thin fank you thi mo din 100 o 1:19 41 Sprüche, Seufzer und Gebete, in Röthen zu sprechen. Wint SPIRI Der HErr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrnfen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren und höret ihr Schreien, und hilft ihnen. Pf. 145, 18. 19.04 07 and 3091e Ich wende mich von allen Dingen, und kehre mich zu Jesu Chrift; AIDI Le the bei mir Ich weiß, es wird mir bald gelingen, Weil Jesus nahe bei mir ist; Mein' ATOWY FESTET Lawy Hoffnung ist auf ihn gericht't, Ich halte ihn, ich laß ihn nicht. Ich will wie Jakob mit ihm ringen; Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen, Ich greife es mit Freuden an; Ich rufe: HErr! ich laß dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. 925 19 ( bi Ach, mein Jesu! sei jetzt nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen, ach! thue doch, was ich begehre; ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Worte verheißen hast, nämlich deine Hilfe. DIE 17 di hi list mund 12 ndi Bim hi digit Was betrübst du dich, meine Seele! und bist so nuruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Ps. 43, 5. tai muinediol s10 or ladie Was kränkst du dich, mein' arme Seel'! Sei still, du mußt nicht wanten, Gott ist mein' Burg, mein Trost und Heil, Das werd' ich ihm noch danten: Beug' dich, und leide kleine Zeit, Auf Angst kommt Freud und Wonne. J indred To un Ach mein Jesu! ich warte auf dein Heil; ich harre auf deine Hilfe, ach! laß sie mir bald erscheinen; du allein bist meine Hoffnung, ach! erhöre mich, ach! erfreue mich, ach! entbinde mich, so will ich dir danken ewialich. Jonni anism asda usllatuid topl ja spro Idou holloj 89 Der HErr hat bich laffen im Gefaret fehn, daß du seiest wie ein verlassen und von Herzen betrübt Welb. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Anzenbud des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der HErr, dein Erlöser. Jes. 54, 6-8. 700 Ach Jesu! hilf mir doch, Auf dich steht mein Berlangen, Ach! laß mich deine Hilf' Mit Freuden bald empfangen; Du bist's, der Hilfe leist't, Ja du bist's ganz allein, D'rum stelle dich doch bald zu meiner Hilfe ein. Ach mein Gott! erbarme dich mein; verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott! meine Augen schauen auf gen Himmel, und sehnen sich nach deiner Hilfe. Verbirg dein Ange 42 Andachten für Gebärende. sicht nicht vor mir; deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach HErr! wie lang, ach lange Ist dem Herzen bange, Und verlangt nach dir. Siehe, des HErrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Jes. 59, 1. Gottes Hände Sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel; Ist's beschwerlich, Scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein Gott! daß dir nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich; HErr! strecke deine Hand zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro! deine Hand kann helfen aus Allem, in Allem und von allen Nöthen. Ach HErr! schaue auf mich; ich sehne mich nach deiner Gnade. Er begehret mein, so will ich ihm anshelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Psalm 91, 14-16. HErr Jesu Christ! groß ist die Noth, Darin ich jetzt muß stecken; Ach! hilf, mein allerliebster Gott, Schlaf' nicht, laß dich erwecken; Niemand ist, der mir helfen kann, Kein' Kreatur nimmt mein' sich an, Ich bin ohn' dich verlassen. Ach mein Jesu! weil mir Niemand helfen kann als du, so eile mit deiner gnädigen Hilfe herbei. Siehe, ich bin jetzt in der Noth, ach! reiß mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf mir aus. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr follt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antlitz. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer. Jes. 54, 10. Was ich nicht kann, das gib du mir, Du höchstes Gut der Frommen! Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd' entnommen; Erhalte mich, o starter Hort! Befest'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. ein Jesu! nimm deine Gnade und deinen heiligen Geist nicht von mir, ach! weiche nicht von mir, stärke mich zu dem Werke und in dem Werke. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht hast; kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach! mein Vater! denk' an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Sprüche, Seufzer und Gebete. 43 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihu fürchten. Psalm 103, 13. Weil du mein Gott und Vater bist, Wirst du dein Kind verlassen nicht, Du väterliches Herz, Ich bin ein armer Erdenklos, Auf Erden weiß ich teinen Trost.is Ach, mein gnädiger Gott und Vater! ich weiß keinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach, hilf mir, mein Vater! erbarme dich über mich mein Vater! ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich möge bald erfreuet werden, ach! du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen thue es doch. 203 Das weiß ich fürwahr: Wer Gott dienet, der wird nach der Aufechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn nach dem Ungewitter läsfest du die Soune wie der scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sei ewiglich Ehre und Lob, du Gott Israels. Tob. 3, 22. 23. Es hat kein Unglück nie so lang gewähret, Es hat doch endlich wieder aufgehöret, Beut' mir deine Händ', Und mach's ein End', Auf dieser Erd' Mein Herz sonst Nichts begehrt. Ach Gott! laß mich nach meinen Schmerzen und Nöthen bald auch deine Hilfe sehen; du bist ja der Nothhelfer und starke Held der allein helfen kann; erlöse mich, und laß mich Gnade finden, gehe nicht vorüber vor deiner Magd; du hast Lust zum Leben, darum erhalte mir und meinem Kinde das Leben; laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. HErr! ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit, und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir, und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. Psalm 71, 1-3. HErr Jesu Christ! ich schrei' zu dir Aus hochbetrübter Seele, Dein' Allmacht laß erscheinen mir, Daß mich's nicht länger quäle; Viel größer ist die Noth und Schmerz, So ansicht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach HErr! mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt; HErr, HErr! je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich um Hilfe schreien; ich will es in meinen Nöthen machen wie mein Jesus, denn da er mit dem Tode rang, da betete er heftiger. Andachten für Gebärende. Meine Seele wartet auf den HErrn von einer Morgenwache bis zur andern. Psalm 130, 6.0 wielkimi olais di 44 Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. In Mein Gott! das ist auch und soll mein fester Entschluß bleiben; ich will nicht an deiner Hilfe zweifeln, wenn es auch noch lange währete; sollte der HErr sich vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen, und mir gnädig seyn. uschisato predratna main migns Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Tanbe; meine Augen wollten mir brechen. HErr! ich leide Noth; lind're mir's. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und thut es auch. 3ef. 38, 14. 15.di di disu* n Aus der Tiefe rufe ich, Will sonst Niemand hören mich, Ach! so hör'. o Jesu mein! Du wirst ja der Helfer seyn. nuus@ Dadon ( Die Antwort des HErrn Jesu.) In der Höh' erhör' ich dich, Drückt der Schmerz dich jämmerlich, Macht die Noth dem Herzen bang, Meine Hilf' verzeucht nicht lang. Ach Jesu! all' meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer, ach! thu' wie du mir zugeſagt hast. Mit dir habe ich das Werk angefangen, ach! gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kind; laß uns einander fröhlich erblicken und vor dir leben. HErr! erbarme dich über uns! Camer Meine Augen sehen stets zu dem HErrn, denn Er wird meinen Fuß aus dem Neze ziehen. Wende dich zu mir, und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde. Psalm 25, 15-18. Laß mich wiederum empfinden, Mein Gott! deinen Freudenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Lindere den Schmerz und Pein; Wirst du mich nicht bald erquicken, Wird die Last mich niederdrücken. Jst mein Seufzen denn vergebens; Wird mein Beten nicht erhört; Soll ich denn, o Hort des Lebens! Bleiben immerdar beschwert? Laß den Schmerz vorübergehen Und mich deine Hilfe sehen.nl bi HErr Jesu! ich blicke im Glauben nach dir; ach! komme zu mir, siehe, wie mir so wehe ist; stärke meinen Glauben; erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach! tritt du mir selbst zur Seiten. HErr! höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach! ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfreuet werde? Siehe, ich komme bald. Ja, komm, HErr Jesu! Offenb. Joh. 22,20. Sprüche, Seufzer und Gebete. HErr! wenn du mir nicht helfen wirst, So ist's mit mir verloren, Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zu gut geboren. Komm, Jesu! tomm, ach! komm zu mir, Denn siehe, HErr; die Noth ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. 45 imt sim listusid slaldine 190, SHR Ach mein Jesu! das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommest. Ach! komm und entbinde mich, komm und erfreue mich, komm und errette mich, komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehrend bir Nun, HErr! weß soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, HErr! und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meinen Thränen. Psalm 39, 8. 13.0 LOOTY STUS( HIDp stod the 911 Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollt' aus Leid mein Herz abfressen; Mitten in der Noth Denk' ich an Gott, Obgleich nach seinem Rath Die Noth und Angst darf pressen. O HErr Jesu! eile zu mir; hilf mir, mein Gott, mein Helfer! so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rath in dieser Angst und Noth, darum flehe ich zu dir, ach! komm, ach! komm, ach! hilf mir. Der HErr gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die auf den HErrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen, und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. Jej. 40, 29. 31. The Inrise 79HErr Jesu Christe, Gottes Sohn! Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron; Wer nur auf dich will bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilfft ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Ach HErr, mein Gott! gib mir auch neue Kraft; verleihe mir Muth, Kraft und Stärke deines heiligen Geistes; ich bin zu schwach dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich Alles. HErr, stärke mich diesesmal; mein Gott! hilf fröhlich überwinden. Der Name des HErrn sei gelobt! stod no od dun spot thilpill of sp08 thi 1901 dun bin tun strom Wo der HErr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzen meine Seele. Psalm 94, 17. 19. Meine Hilfe kommt vom HErrn, Also will ich mich getrösten, Wenn die Hilfe scheinet fern, Und die Noth am allergrößten; Wenn kein Mensch mir helfen kann, So schau' ich den Himmel an. HErr, allmächtiger Gott! von dem alle Hilfe kommt, so auf Erden geschiehet, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth; auf deinen Befehl rufe ich, und sage: HErr! hilf mir, HErr! er 46 Andachten für Gebärende. barme dich; nimm weg die Bekümmerniß und Sorge meiner Seele; schenke mir, was ich hoffe; gib mir, was ich bitte. HErr! es steht in deinen Händen. sid Wir rühmen uns der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Röm. 5, 3-5. Wer hofft auf Gott und ihm vertraut, Der wird nimmermehr zu Schanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm schon kommt zu Handen Viel Unfall hie, Hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt Boen Auf Jesum fest, Er hilft den Seinen allen. Ach HErr! hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit; ich warte auf deine Hülfe; ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; siehe an mich betrübtes Weib, und erfreue mich wieder; laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. don Das Gebet der Elenden dringet durch die Wolken, und läßt nicht ab, bis es hinzu komme, und höret nicht auf, bis der Höchste darein sche. Sir. 35, 21. Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, Du weißt meinen Schmerz, Erkennest mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Pflanz' mir Geduld durch deinen Geist in's Herz, Und hilf, daß ich es acht' für keinen Schmerz, Zu deiner Zeit Wend' ab mein Leid; Durch Mark und Bein dringt mir der Schmerz. HErr, allmächtiger Gott! der du der Elenden Seufzen nicht verschmähest, und der Betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Noth vortragen, und erhöre uns gnädiglich. Gott! höre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen; merke auf mich, und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule. Furcht und Zittern ist mich angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Psalm 55, 2. 3. 6. Hoff', o du arme Seele! Hoff', und sei unverzagt, Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schönsten Freud'. Ach HErr, HErr! du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott; du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater, ach! darum so erhöre mich, laß leuchten dein Antlig, so geneſe ich. Sprüche, Seufzer und Gebete. 47 Gott spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, and habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. 2 Kor. 6, 2. Wenn Trost und Hilf' ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt der Hilfe Ueberfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die sonsten nirgends finden Ruh'; Gebt unserm Gott die Ehre. Ach HErr! ist deine Stunde noch nicht gekommen; HErr! wie lange willst du mein so gar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach! um aller deiner Güte willen errette mich. Ach, wie lang, ach lange! Ist dem Herzen bange, Und verlangt nach dir. HErr! laß mein Flehen vor dich kommen, errette mich nach deinem Wort. HErr! mich verlanget nach deinem Heil, und habe Lust an deinem Gesetze. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen. Psalm 119, 170. 174. 175. Ob sich's anließ, als wollt' er nicht, So laß dich gar nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser seyn, Und ob dein Herz spräch' lauter nein, So laß dir doch nicht grauen. HErr, mein Gott! ich will jetzt durch all' mein Elend und Schmerzen hindurch nur allein auf dich sehen! ich will nicht sehen neben und um mich, denn da finde ich schwache Menschen; sondern über mich, gen Himmel, auf dich, o allmächtiger Gott; ach! laß deine Gnade mir beistehen und deinen Arm mir aushelfen; hilf du mir, Gott meines Heils! so ist mir geholfen. Ich will ihr Trauern in Frende verkehren und sie trösten, und fie erfreuen nach ihrer Betrübniß. Jer. 31, 13. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und sollst du für und für In Angst und Nöthen schweben, Als frag' er nichts nach dir. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mind'sten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. Ach, mein Gott! entbinde mich auch von meiner Last; verzeuch doch nicht länger mit deiner Hülfe; verkehre mein Trauern in Freude, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübniß; bei Gott ist mein, Heil meine Ehre; meine Zuversicht ist auf Gott. Start, Handbuch. 29 Andachten für Gebärende. ih hebe meine Angen anf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde ge= macht hat. Psalm 121, 1. 2. Denn Gott verläßt der keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen; Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. HErr, dreieiniger Gott! ich habe alle meine Hoffnung auf bich gestellt; nach dir sehne ich mich. HErr, Gott Vater! erbarme dich mein und meines Kindes; HErr Jesu! stärke mich, und stehe mir bei. O heiliger Geist! erquicke mich mit dem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hilfe erlangen werde; dreieiniger Gott! erbarme dich mein. Die Weissagung( die Verheißung der göttlichen Hilfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht außen bleiben. Ob sie aber verziehet, so harre ihrer; sie wird gewißlich kommen und nicht verziehen. Habac. 2, 3. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir; Führt mich auf rechter Straßen, Wenn ich geh' in der Jrr'; Er reicht mir seine Hand; Am Abend wie am Morgen Wird er mich wohl versorgen, Sei's, wo ich wohn' im Land. Ach ja, mein Gott! ich laß dich nicht, du segnest mich und helfest mir denn. Laß doch auf den Verzug deiner Hilfe die fröhliche Hilfestunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: HErr Jesu, hilf siegen, HErr Jesu, hilf ringen! Meine Entbindung, mein Leben und meine Hilfe steht in deinen Händen. HErr! wie lange willst du meiner so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängstigen in meinem Herzen täglich? Schaue doch, und erhöre mich. Psalm 13, 2-4. Ach! wann wirst du dich erbarmen Ueber meine schwere Pein! Wann wirst du mir gnädig seyn? Ach! wann wirst du mich umarmen, Ach, mein Gott! wie lang, ach lang! Soll mir schn so angst und bang? Ach, mein gnädiger und barmherziger Gott! da deine Hilfe verzeucht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater, und ich dein Kind. Ach! verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir; sprich nur ein Wort, so werde ich genesen, denn Sprüche, Seufzer und Gebete. wenn du sprichst, so geschieht's, und wenn du gebeutst, so stehet's da. HErr! erhöre mich gnädiglich. 49 HErr! du bist meine Hoffunng; heile du mich, HErr! so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Ser. 17, 13.14.17. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr Jesu! steht mein Sinn; Bei dir mein Herz Trost, Hilf' und Rath All'zeit gewiß gefunden hat! Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! alle meine Hoffnung stehet jetzt zu dir und zu deiner Allmacht. Hilf mir, mein Heiland! bald, wenn es dein heiliger Wille ist; hilf mir, daß ich mich über deine Hilfe erfreuen kann. O wie will ich deinen Namen rühmen und lobsingen, wenn du mich herrlich erlöset hast. Meine Zuversicht stehet im Namen des HErrn, der Himmel und Erden gemacht hat. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest. Ich will dem HErrn singen, daß er so wohl an mir thut. Psalm 13, 6. Bin ich zu schwach, laß deine Treu' mir an die Seite treten, Hilf, daß ich unverdrossen sei Zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herz noch hofft und gläubt, Und im Gebet beständig bleibt, So lang ist's unbezwungen. du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr! dein Antlitz. Ich weiß, du kannst helfen, und hilfft auch gerne, darum hoffe ich auf dich; ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott! laß es jetzt Zeit seyn; HErr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen stehet meine Hoffnung auf dich fest. Mein Vermögen ist dahin, und meine Hoffnung am HErrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermuth und Galle getränket bin; du wirst ja daran gedenken, denn meine Seele sagt mir's. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Klagl. Jer. 3, 18-21. Wollte mich der HErr auch tödten, Lässet ihn mein Herz doch nicht; Er hilft mir aus meinen Nöthen, Er bewahrt mein Lebenslicht, Ob er sich schon anders stellt Und bei sich verborgen hält; Der mir Leib und Seel' geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja! mein Gott denket an mich, d'rum sprech' ich: der HErr denket an mich und segnet mich; er läßt sein Angesicht Leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft, zu 29* Andachten für Gebärende. gebären: so habe ich doch bei und in Gott Kraft und Stärke. Ich werde noch meine Lust an seiner Hilfe sehen. 50 Du läsfest mich erfahren viele und große Angst, und machst mich wieder lebendig, und holest mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf. Du machst mich sehr groß, und tröstest mich wieder. Psalm 71, 20. 21. Greif' mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe; Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe; Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Wie bald ach! geht ein Wind herein, So fall' ich hin und sterbe. Ach Gott! willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach! so greif' mich nur nicht zu heftig an; du weißt mein Vermögen; meine Kraft ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich; wenn ich sinke, so hebe mich: wenn ich ohnmächtig werde, so labe mich; wenn ich müde werde, so stärke mich. HErr, Gott meines Lebens! erhalte mir und meinem Kinde das Leben; dafür soll dein Name ewiglich gepriesen werden. Stehe, Gott ist mein Heil; ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HErr ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Lobsinget dem HErrn, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches jei kund in allen Landen. Jes. 12, 2. 5. Und weil ich ja nach deinem Rath Hier soll ein wenig leiden, So laß mich ja in deiner Gnad' Als wie ein Schäflein weiden, Daß ich im Glauben die Geduld Und durch Geduld die edle Huld Nach schwerer Noth erhalte. Ach ja, mein Gott! das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum, weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung, darum will ich stille seyn und hoffen, durch Stilleseyn und Hoffen werde ich stark seyn Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet, und meine Zunge klebet an meinem Gaumen. Psalm 22, 12. 16. Hast du denn, Jesu! dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß ich die Stunden der Nächte muß warten bis morgen? Wie hast du doch, Süßester! können verlängern die traurigen Sorgen?( Göttliche Antwort:) Laß dich's nicht, du bekümmerte Seele, betrüben, Daß ich ein wenig zu lange bin außen geblieben, Denke daran, Daß ich nicht kann, Anders als ewig dich lieben! Sprüche, Seufzer und Gebete. Ja, deine Liebe und Treue, mein Jesu! ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht, du hast mich je und je geliebet, und kraft derselben mir öfters geholfen und mich errettet, darum hoffe ich, du werdest auch diesesmal mich erquicken; obgleich meine Noth groß ist, meine Hilfe noch ferne scheint, und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in Allem mein Herz auf dich gerichtet; du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaube ich, das weiß ich; ach HErr! stärke meinen Glauben und Zuversicht. 51 Die Güte des HErrn ist's, daß wir nicht gar aus find; seine Barm herzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen nen, und deine Trene ist groß. Der HErr ist mein Theil, spricht meine Seele: darum will ich auf ihu hoffen. Klagl. Jer. 3, 22--24. Sollt' es gleich bisweilen scheinen, Als ob Gott verließ die Seinen, Ei, so weiß und glaub' ich dieß, Gott hilft endlich doch gewiß. Hilfe, die er aufgeschoben, Hat er d'rum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nöthig ist. Ach, mein gnädiger Gott! deine Güte ist bei mir nicht nur alle Morgen, sondern alle Augenblicke neu; du stärkest und erhältst mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich etwas verrichten? Dein Aufsehen bewahret meinen Odem; du stärkest Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlassen; Gott weichet nimmer von mir, und ich weiche nicht von Gott. Darum wird auch meine Hilfestunde bald hereinbrechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hilfe kommt. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit! der du mich tröstest in Angst, sei mir gnädig, und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der HErr seine Heiligen wunderbar führet; der HErr höret, wenn ich ihn anrufe. Psalm 4, 2. 4. Sei getreu in deinem Hoffen, Hilft gleich Gott nicht, wie du willst; Er hat bald ein Mittel troffen, Daß dein Wünschen wird erfüllt. D'rum getreu, getreu aushalten Mußt du deinem lieben Gott, Jhn mußt du stets lassen walten, Nimmer wird sein Wort zu Spott; Rufe nur: er ist schon hier; Sein Herz bricht ihm gegen dir; Rufe nur: Gott ist vorhanden, Hoffnung machet nicht zu Schanden. Ach, mein Gott! ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getren aushalten. Führest du mich wunderlich, so führe mich nur selig; ich weiß, du bist und stehest neben 52 Andachten für Gebärende. mir, ob du gleich dich mit deiner Hilfe noch nicht offenbarest; ich spreche indessen im Glauben: Eile, mir beizustehen, HErr, meine Hilfe! Der HErr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein köstlich Ding, geduldig seyn, und auf die Hilfe des HErrn hoffen. Klagl. Jer. 3, 25. 26. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn Mit mir Mitleiden haben, Und mich, wie ich es dürftig bin, Mit Gnad' und Hilfe laben. Ach! stärke meine schwache Hand, Ach! heil' und bring' in bessern Stand Das Straucheln meiner Füße. Ja, mein Gott! auf dich harret meine Seele, und mein Vertrauen wanket nicht. Du freundlicher Jesu! erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöthen: richte auf die wankenden Füße; stärke die matten Hände; ich hoffe auf deine Güte; ich warte auf dein Heil, und tröste mich mit deiner Gnade. O du Gott aller Gnade! der du uns tröstest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Ich rufe zu dir, daß du, Gott! wollest mich erhören; neige deine Ohren zu mir; höre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, dn Heiland derer, die dir vertrauen. Behüte mich wie einen Angapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Psalm 17, 6-8. Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen Deiner großen Freundlichkeit; Jesu Christe! dein Erbarmen Helfe meiner Blödigkeit; Wirst du mich nicht zu dir ziehen, Ach! so muß ich vor dir fliehen. Zeuch mich mit den Liebesseilen, Zeuch mich kräftig, o mein Gott! Ach, wie lang willst du verweilen, Starker Gott! HErr Zebaoth! Doch ich hoff' in allen Nöthen, Wenn du mich gleich wolltest tödten. Ach, HErr! bewahre uns vor Unglück, mich und mein Kind; bedecke uns beide mit deinen Gnadenflügeln; höre mein Seufzen, und hilf mir. Werden die Nöthen heftiger, so laß auch kräftigere Hilfe erscheinen; ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheinet, als ob du mich tödten wolltest. O! deine Hand ist nicht verkürzt; ich sehe nicht auf mein Unvermögen, sondern auf dich, den gnädigen, starken und barmherzigen Gott. Gott verleget und verbindet; er zerschmeißet und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. Hiob 5, 18. 19. Sprüche, Seufzer und Gebete. Bald wird mir Hilfe werden, Was soll der feige Muth; Nachdem ich was auf Erden Gelitten, wird es gut. Dann werd' ich fröhlich singen: Auf Gott hab' ich gebaut, D'rum muß es mir gelingen, Wohl dem, der Gott vertraut! 53 Ach Gott! die vorige, so manchmal mir geleistete Hilfe macht mir Muth, daß du auch dieses Mal werdest mein Gott, Erretter und Beistand seyn. Du bist ja noch so stark, als du vormals ge= wesen: hast du so Vielen geholfen, so beweise auch an mir deine Güte. So soll nach der Hilfe mein Mund voll Rühmens seyn, und ich will sagen: das hat Gott gethan; der Name des HErrn ſei gelobet! Der HErr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht lassen, noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. 5 Mose 4, 31. Jesu, mein Erretter! siehe, Wie ich oft in Nöthen bin, Ach! du bist's, zu dem ich fliehe, Sonsten weiß ich nirgends hin, Darum fürcht' ich keine Noth, Keine Schmerzen, Kreuz und Tod; Aus den größten Leidensketten Weiß mein Jesus mich zu retten. Ach, mein Vater! gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast; gedenke, daß du mein Vater bist und ich dein Kind. Jesu! der du mich gewaschen und gereiniget haft mit deinem heiligen Blute, zu dir fliehe ich, und flehe dich um Hilfe in meinen Nöthen an; ach! errette mich; ach! erquicke mich; ach! erfreue mich. Der HErr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Klagl. Jer. 3, 31-33. Kein' beff're Treu' auf Erden ist, Denn nur bei dir, HErr Jesu Christ; Ich weiß, daß du mich nicht verläßt; Dein Zusag' bleibt mir ewig fest; Du bist mein rechter treuer Hirt, Der ewig mich behüten wird. Ach ja! mein Hirt wird sein Schäflein und mein Vater sein Kind nicht verlassen: hast du mich betrübet, mein Gott, ach! so erfreue mich auch wieder; hast du mir den Segen gegeben, ach! so laß mich ihn auch erblicken; lege mein Kind, o Jesu! mir lebendig in meine Arme! ich will es durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wieder geben, was du mir geschenket hast; ist es mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es dein werden nach der Wiedergeburt. 54 Andachten für Gebärende. Gelobet sei der HErr täglich. Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HErrn, HErrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, 20. 21. Schickt mir Gott ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Bein, Sollt' ich d'rum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All' mein Unglück enden. HErr, du hast diese Last mir aufgelegt, ach! nimm sie mir auch wieder ab; du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Gläubigen. O wie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thüre aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich; laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig, bis zur Stunde meiner Erlösung verharren. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Psalm 50, 15. Ach HErr; wie reichlich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen, Die Gnadenthür' steht nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht: Es ist nun All's verlor'n, Da doch das Kreuz hat neu gebor'n, Die deiner Hilfe warten. Ach, mein Gott! ich warte auf deine Hilfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen; darum rufe ich dich an in meiner Noth: Errette mich, erhöre mich, erbarme dich, ach! tröste mich mit deiner Hilfe, und der freudige Geist erhalte mich. Ich will, HErr, rufen zu dir; dem HErrn will ich slehen. HErr, höre und sei mir gnädig; HErr, sei mein Helfer. Psalm 30, 9. 11. Er kennt die rechten Freuden stunden; Er weiß wohl, was uns nützlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden, Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh' wir's uns verseh'n, Und lässet uns viel Gut's geschehn. Ach ja, HErr Jesu! laß deine Hilfestunde bald erscheinen; deiner warte ich mit Verlangen. Indessen will ich seufzen und flehen: Du wirst mich erhören, und mir nach deiner Verheißung aushelfen. HErr, HErr! sei du mit mir um deines Namens willen, denn deine Guade ist mein Trost; errette mich. Stehe mir bei. HErr, mein Gott! hilf mir nach deiner Gnade. Psalm 109, 21. 26. Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Er kann mich all'zeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Danksagung für die glückliche Entbindung. Dieß ist mein Trost in allen meinen Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schutzherr seiner Kinder, dem empfehle ich mich; der wird es wohl machen. 55 Anmerkung. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Seufzer und Gebete auf der 290. und folgenden Seite nachzuschlagen. Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. Ein Weib, wenn sie das Kind zur Welt geboren hat, denket nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist; also lehret der Mund der Wahrheit, Christus, Joh. 16, 21. Dieses lässet auch Gott gottselige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauern fahren lassen, und nun Gott hoch preisen. Sie sollen Gott preisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen müssen, daß ohne Gottes wunderbare Hilfe all' ihr Bemühen wäre vergebens gewesen; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt und gelindert hat; 3) sie sollen Gott danken, daß er sie ihr Kind mit Freuden habe erblicken lassen, oder so es ja todt wäre, daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen und ihm nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himmlische Freudenleben gegeben habe; 4) sie sollen die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwitz oder Geiz, oder unnöthiges Umhergehen und Bemühungen nicht brechen, sondern derselben genießen und sie annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich öfters wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, fallen aber in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwerliche Leibesschäden, unglückliche Zufälle, so mögen sie es sich selbst und ihrem Vorwitz zuschreiben und den Schaden tragen, daß sie haben weiser seyn wollen als Gott, der ihnen eine Ruhe verordnet und für nöthig erachtet hat, sie aber dieselbe für unnöthig gehalten und verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber Andachten für Kindbetterinnen, solcher Ruhe nicht stören, sondern nach Gottes Ordnung ihnen gönnen sollen, was Gott den Sechswöchnerinnen befohlen, 3 B. Mose 12., sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbette zu verlassen nöthigen sollen; 5) sie sollen Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Uebel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißigem Gebet Gott täglich vortragen. Endlich 6) sollen sie auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchengang wolle halten lassen. Gebet. 56 Allmächtiger, großer und starker Gott! ich erscheine allhier mit Frenden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, womit du mich begnadiget hast. Ich preise dich, daß du meine Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden und in der Geburt deine Hand über mich gehalten hast. HErr, wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke! du hieltest mich, da ich sinken wollte; erquicktest mich, wenn ich schwach und ohnmächtig werden wollte, und stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du hast Alles herrlich ausgeführet, mein Kind mir geschenket, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abgewendet und mich nun nach Wunsch erfrenet. Lobe den HErrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den HErrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der HErr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gelobet sei der HErr, denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens; der HErr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz, und mir ist geholfen, und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied. Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; saget, die ihr erlöset seid durch den HErrn: seine Güte währet ewiglich; die er aus der Noth erlöset hat und sie zum HErrn riefen in ihrer Noth, und sie errettet aus ihren Aeugsten, die sollen dem HErrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott! ich erzähle heute dein Werk mit Freuden, und sage: Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach, mein Gott! laß aber auch deine Barmherzigkeit an mir groß Morgengebet. werden. Beschütze, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbett. Ach! bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und sonstigen gefährlichen Zufällen. Sche ike mir meine verlornen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. O du Gott aller Gnade und Barmherzigkeit! breite deine Gnadenflügel aus über mein Haus; bewahre es vor Feuers- und Wassersnoth über mein Wochenbett, und laß mich gesund meine Zeit in Gebet und in deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und deinem R ihm erhalten und mir Gnade verleihen, daß ich dereinst mit erneu rten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchengang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket Alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut, Und jetzo noch gethan. Amen. Gejang. 57 Mel. Nun freut euch, lieben Christen g'mein 2c. 1. Gelobet sei der große Gott, Der nun die Hilf' gesendet, Der meine große Angst und Noth Hat gnädig abgewendet, Der n ein betrübt Geschrei erhört, Und meine Bitte mir gewährt. Lobt fine Gnad' und Güte. 2. Er ist in dieser Leidenszeit Mein Beistand recht gewesen, D'irch seine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach! sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrlich helfen kann. Lobt seine Gnad' und Güte. 3. Wie war mir doch so angst und bang, Doch wurd ich nicht verlassen, Es däuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöt sen saßen; Nun ist verkehrt die Noth in Freud', Die Traurigkeit in Süßigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte. 4. 3a, seine starke Gotteshand Hab ich jetzt recht gespüret; Als Menschenhilfe gar verschwand, Hat Gott das Werk geführ t. Es fand sich Gottes Hilfe ein, Und tränkte mich mit Freude wein. Lobt seine Gnad' und Güte. 5. Darum will ich zu keiner Zeit, O großer Gott! vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Schooß gesessen; Ich saß in deinem Schooße wohl, Und war auf dich Vertrauens voll. Lobt seine Gnad' und Güte. 6. Gott sei gelobet und gepreist, Die Noth ist nun verschwun1 58 Andachten für Kindbetter innen. den; Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden; O großer Gott! ich danke dir, Ja danket, danket Gott mit mir. Lobt seine Gnad' und Güte. 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis Die Zeit mit Gott hinbringen, Hinfüro auch mit allem Fleiß Die große Gnad' befingen; Ich will ihn loben, wo ich geh'; Ich will ihn loben, wo ich steh'. Lobt seine Gnad' und Güte. 8. O großer Gott! ich danke dir Für dein getrenes Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir In meiner Noth geblieben, Und nunmehr mich davon befreit, Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ist Beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen, wie viel mehr soll eine Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen, besonders, da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die göttliche Hilfe sich verlassen. Es soll demnach eine Wöchnerin am Morgen 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, und wenn dieselbe ohne zurückgebliebene Schmerzen vollbracht iſt, 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. 4) Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselben mit Geduld ertragen, und glauben, daß der Gott, der so herrlich sie aus den Nöthen gerissen, das übrige Weh auch in Gnaden abwenden werde. Gebet. O du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund und Hände, und danke dir für den gnädigen Schutz, den du mir diese Nacht geleistet hast. Dein Engel hat um mein Bett gewacht, daß mich kein Unfall gerühret; du hast mich und mein Kind bewahret, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen. HErr, HErr! wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist. Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben; dein Schutz ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Nun das hat Gott gethan, das ist ein Werk seiner Liebe und Treue. Darum auf, mein Geist und Morgengebet. Seele! und lobe den HErrn, der dir so viel Gutes gethan hat. HErr, HErr! du bist immer und auch diese Nacht mein Beistand gewesen! du hast deine Hand über mich gehalten; ich habe erfahren, wie gnädig, wie stark, wie allmächtig, wie liebreich, wie gültig du seiest. HErr, HErr! ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan hast. Ich will den HErrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Meine Seele soll sich rühmen des HErrn, daß es die Elenden, hören und sich freuen. Preiſet mit mir den HErrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den HErrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Da ich Elende rief, hörcte der HErr und half mir aus allen meinen Nöthen. Darum soll auch mein Mund voll Rühmens seyn, und mein Herz soll ihm danken; ja, ich will mit gefalteten Händen seine Gnade preisen. Aber ach, HErr, HErr! laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschutz befohlen seyn. Ich befehle dir meinen Leib und Seele, ach! bewahre meine Seele und Gemüth vor schweren Geranken, Angst und Betrübniß. Laß hingegen deinen heiligen Geist in meinem Herzen wohnen, dasselbe heiligen, mit himmlischem Trost und Freude erfüllen, damit ich den Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelenvergnügen, in der Liebe Jesu und kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlornen Kräfte, vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, widrige Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere auch das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirst. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger Gott! ich befehle mich dir ganz und gar. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich, sei mir und meinem Kinde gnädig, vergib mir meine Sünden, segne mich, und bewahre mich vor allem Uebel! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich, sei mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein Jesus und Seligmacher, und laß deine Gnade wie einen kühlen Than diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke mich und erhalte mich! HErr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich, bete in mir, und gib Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei! Nun 59 60 Andachten für Kindbetterinnen. der HErr segne mich und behüte mich; der HErr erleuchte sein Angesicht über mich, und sei mir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre mein Herz, Seele und Sinn in Christo Jesu, unserm HErrn. Amen. Dive Gesang. Mel.: Wach' auf, mein Herz! und finge x. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich eingefunden Das Licht, der Tag, die Sonne, Und Jesus meine Wonne. 2. Mein Jesus war mir nahe, Als ich die Sonn' nicht sahe, Er ist auch noch zugegen, Und gibt mir seinen Segen. 3. Ich bin beschützt geblieben, Das Unglück ist vertrieben; ich habe sanft geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verletzet, Sein Trost hat mich ergötzet; Mich hat kein traurig's Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnädig abgewendet Und deine Hilf' gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, Ich schlief, und dein Erbarmen Läßt uns jetzund auch sehen Der Sonne Licht aufgehen. 7. Wie kann ich g'nugsam preisen, Wie soll ich Dank erweisen Dem, der mir Heil und Leben, Bis hieher hat gegeben. 8. Der Tag ist angefangen, Mein Jesu mein Verlangen! Laß mich in deinem Segen Ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm' geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß mich und es gedeihen Und uns in dir erfreuen. 10. Jesu, meine Freude! O meiner Seelen Weide! Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringen. 11. Wenn ich will vor dich treten, Ach! so erhör' mein Beten, Regiere meine Sinnen, Begleite mein Beginnen. 12. Ach! stärke meine Glieder, Gib mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen Und deinen Altar sehen. 13. Bewahre mich vor Sünden, Und laß mich Gnad' empfinden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 14. In jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde, Mit dankbarem Gemüthe Stets preisen deine Güte. 15. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab' genossen Den Schutz, der mich umgeben, und mir erhält mein Leben, 16. So will ich dir lobsingen, Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen, Amen. Abendgebet. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. 61 Wenn dort die zween Jünger Jesum den Tag über bei sich gehabt hatten, so wollten sie ihn auch nicht am Abend von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, HErr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, Luk. 24. Also soll auch eine Kindbetterin mit Gebet den Tag anfangen und beschließen, und besonders die Gnadengegenwart ihres Gottes sich zum Schutz in der bevorstehenden Nacht erbitten. Daher 1) soll sie Gott danken, daß er den Tag über sie vor Schmerzen und Zufällen, und ihr Kind vor Unruhe bewahrt hat. 2) Sollte aber Gott nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie Gott preisen, daß fie unter seinem Beistand dasselbe hat ertragen können, und er fie den Abend hat erleben lassen. 3) Hierauf soll sie sich und ihr Kind dem Schutz des dreieinigen Gottes für die bevorstehende Nacht empfehlen. Gewiß sind alle Unglücksfälle uns Menschen gefährlich und betrübt, und verursachen Schrecken, wie viel mehr einer Kindbetterin, welche unvermögend ist, einer Gefahr zu entlaufen, und zu schwach ist, vielerlei Leiden zu bestehen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und im Schooß ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott gedenken, sich in ihm erfreuen, und sich ihm ergeben. Gebet. HErr, allmächtiger Gott! wie soll ich dir genug für deine Liebe und Treue danken, die du mir diesen Tag erwiesen hast? Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glücklich hingebracht; ich habe den Abend fröhlich erlebt; die Schmerzen und Beschwerden meines Standes hast du mir tragen und überwinden helfen; du hast mich beschützt und bewahrt; du bist mein und meines Kindes gnädiger, Vater, Schutzgott und Beistand gewesen. HErr! da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen; du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre, und nicht stille werde. HErr, mein Gott! ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedeckt, ach! so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus; behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir Anbachten für Kindbetterinnen. auch in Gnaden Alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich nun legen, o Gott allez Gnaden und Barmherzigkeit! in deine Arme, und will sprechen: Ich liege, und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, HErr! Hilfst mir, daß ich sicher wohne. Befiehl dem Engel, daß er komm' Und mich bewach', dein Eigenthum; Gib uns die lieben Wächter zu, Daß wir vor'm Satan haben Ruh', So schlafen wir im Frieden ein, Dieweil die Engel bei uns seyn. Ja, o großer Gott! in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen; ach! wache du selbst um mein Bette, und treibe Alles zurück, was meine Ruhe stören kann. Ob aber mein Leib schläft, so soll doch mein Geist immer zu dir wachen, und bei dir seyn, und in dir sein Vergnügen haben. HErr Gott Vater! laß mir dein Vaterherz diese Nacht offen stehen, damit ich im Schlafe deiner Allmacht, Güte, Liebe, Weisheit und Barmherzigkeit mich erfreuen möge. HErr Jesu! du Licht meiner Seele! umstrahle mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht, damit ich deiner Wunden und deines Blutes mich getrösten, dein liebliches Jesusbild in meinem Herzen bewahren und damit einschlafen möge. O werther heiliger Geist! erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen; singe und bete in meinem Herzen, und versiegle in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. O du dreieiniger Gott! laß mich so in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wenn ich erwache, annoch bei dir sei. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, daß ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohlthaten loben und preisen kann. Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe Jesu decke mich, und der Beistand des werthen heiligen Geistes stärke und erhalte mich. 62 Der Tag ist hin, mein Jesu! bei mir bleibe, O Seelenlicht! der Sünden Nacht vertreibe, Geh' auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit! Erleuchte mich, ach HErr! denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn meine Glieder schlafen, Ach! laß die Seel' im Schlaf auch Gutes schaffen. O Lebenssonn'! erquicke meinen Sinn, Ich laß dich nicht, da nun der Tag ist hin. Amen. Fürbitte für die Kinder. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott x. 63 1. HErr Jesu, wahres Licht! Der Tag ist nun vergangen, Es hat sich eingehüllt Der gold'nen Sonne Prangen; HErr Jesu! wahres Licht, Ach! weiche nicht von mir, Laß mich vereinigt seyn Auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb' ich, weil ich leb', Denn du hast mir mein Leben Sammt deinem Segensstrom Aus großer Güt' gegeben; Dir leb' ich, Seelenfreund! Dir leb' ich nur allein, Mein Herz und Seele soll, HErr, deine Wohnung seyn. 3. HErr Jesu! gib mir auch In dieser Nacht den Segen, Ach! decke du mich zu, Ich will zur Ruh' mich legen; HErr Jesu! bleib' bei mir, Ach! siehe, es wird Nacht; Hab' auf mein Leib und Seel', Mein Heiland! all'zeit Acht. 4. Dir sterb' ich williglich, Wenn ich dereinst soll sterben, Denn du hast mich gemacht Zu deinem Himmelserben; Dir sterb' ich jeden Tag, Und sterb' den Sünden ab; Im Sterben leb' ich dir, Weil ich dich, Jesu! hab'. 5. Dein bin ich Tag und Nacht, Des Tags wirst du mich leiten, Ach! weich des Nachts auch nicht, Mein Gott! von meiner Seiten; Dein bin ich allezeit, Gesund, krank und betrübt, Ich weiß in jedem Stand, Daß mich mein Jesus liebt. 6. Todt und im Grab zu seyn, Pflegt And're zu erschrecken, Doch aus dem Grab und Tod Wird Jesus mich erwecken; Todt und begraben seyn Ruft uns das Bette zu, Doch Jesus weckt mich auf Vom Tod und Schlafesruh'. 7. Lebendig werd' ich auch Aus meinem Bett aufstehen, Und nach genoss'ner Ruh' Das Licht der Sonne sehen; Lebendig bringt mich auch Mein Jesus aus dem Grab, Nachdem in seinem Arm Ich süß geschlafen hab'. 8. Amen, erhöre mich, Und laß mich süße schlafen, Wend' alles Unglück ab Durch deiner Engel Waffen. Amen, nimm auf dein Kind, Mit Jesu schlaf' ich ein, Mein Jesus soll im Schlaf In meinem Herzen seyn. Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihre Kinder vor. Aufmunterung. Wenn Gott den Eltern Kinder gegeben hat, so fängt nicht allein die Sorge für sie an, sondern es findet sich auch bei ihnen eine Liebe zu der Kinder zeitlichem und ewigem Heil, und ein Verlangen nach ihrer Wohlfahrt; dieses Alles aber muß mit Gebet von Gott erhalten werden, weil es unter die guten Gaben gehört, die von oben Start, Haubbuch. 30 Andachten für Kindbetterinnen. herab kommen, von dem Vater des Lichts. Es soll demnach 1) eine fromme Mutter ihr neugebornes Kind Gott demüthig vortragen, daß er es zur heiligen Taufe gelangen lassen, und in derselben es in seine Arme als sein Kind, und zu seiner Pflege, Fürsorge, Liebe und Gnade aufnehmen wolle. 2) Läßt es Gott an Jahren zunehmen, so muß es in das Abend- und Morgengebet, ja, auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß Gott es mit seinem heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verleihen, gute Gesundheit, Wachsthum und Gedeihen geben, seine geraden Glieder erhalten und es vor Unglück und Schaden bewahren wolle. 3) Das Gebet und die Sorgen frommer Eltern nehmen mit den Jahren zu, dafür, daß ihre Kinder in der christlichen Lehre unterrichtet, gegründet und zu der Erkenntniß Jesu Christi gebracht werden mögen, welchen Schatz ihren Kindern mitzutheilen, sie weder Kosten und Mühe, noch Fleiß sparen sollen. 4) Gehen sie in die Fremde, oder kommen unter die Weltfinder in den heranwachsenden Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um Gott anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig seyn, und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern Gott an, er wolle ihre Kinder vor Verführung bewahren, er wolle sie in keine schwere Sünde und Schande fallen lassen, er wolle sie durch seinen guten Geist auf ebener Bahn leiten, und es ihnen lassen zeitlich und ewig wohl ergehen. 5) Sie haben auch das Vertrauen zu Gott, wenn sie an guter Zucht, Ermahnung in dem HErrn, vernünftiger Erziehung nichts haben ermangeln lassen, daß er ihr Gebet auch erhören, und so ja die Kinder eine Zeit lang irre gehen sollten, daß er sie nach seiner Weisheit wieder herum zu holen wissen werde. 6) Wobei sie dann das Kinderkreuz, das ihnen Gott nach seinem wunderbaren Rath auflegt, mit Geduld und Vertrauen auf Gott ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindern, oder nach seiner Barmherzigkeit wieder wegnehmen wird. Gebet, 64 wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. O du gnädiger und liebreicher Gott! der du der rechte Vater über Alles bist, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden; siehe, ich komme zu dir in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neugebornes Kind vor. Ach, barmherziger Gott! nimm doch den von dir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an, ach! laß es dein Kind seyn, beschirme und erhalte Geder frommer Eltern für ihre Kinder. es. Du hast, o Jesu, gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht; siehe ich bringe dir auch an diesem Tage mein Kind, gib ihm deinen heiligen Geist, der es durch Wasser und Geist neu schaffe, der es heilige, regiere und sein Herz mit himmlischem Lichte erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach, mein Gott! hiemit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigenthum; ich lege es, o himmlischer Bater! in die Arme deiner Barmherzigkeit, ach! versorge und beschüßze es. Ich übergebe es dir, o Jesu! wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deine Wunden gegen alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott heiliger Geist! zu deiner Pflege, ach! Heilige es durch und durch, damit sein Geist sammt Seele und Leib unsträflich behalten werden möge bis auf den Tag Jesu Christi. Laß diesen Tag seyn meines Kindes Bundes-, Segens- und Wiedergeburtstag, und gib, daß es dessen allezeit eingedenk bleibe, und ich es oft daran erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stande der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung bis an sein Ende verharren, da du es als dein Kind und Erbe zu der ewigen Freude aufnehmen wirst. Du Volk, das du getaufet bist, Und deinen Gott auch kennest, Auch in dem Namen Jesu Christ Dich und die Deinen nennest, Nimm's wohl in Acht, und denk' daran, Wie viel dir Gutes sei gethan Am Tage deiner Taufe. Amen. 65 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. HErr, allmächtiger Gott, Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! siehe, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und preise. Wenn ich aber, mein Gott! meine Kinder als theure Pfänder ansehe, die du mir anvertraut, die Jesus mit seinem heiligen Blut erlöst, und die du in der heiligen Taufe zu deinen Kindern angenommen hast, ach! so bin ich bekümmert, daß ja ich keines derselben durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, soll deine Seele anstatt seiner Seele seyn. Darum, o Vater aller Gnade! komme ich zu dir, und trage dir meine Kinder vor; ich will thun, was ich kann, aber thue du das Beste! ach! segne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn 30* 66 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. fie aus und eingehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie nimmermehr mit schweren Sünden dich beleidigen und betrüben, oder sich Schaden und Schande verursachen mögen. Schreibe meinen Kindern Jesum in's Herz; laß Jesum in ihrem Herzen wohnen, ihr Herz heiligen, damit sie nimmermehr einen gnädigen Gott und ihr gutes Gewissen verlieren mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Gesellschaft; erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, damit sie gedenken, du seiest bei ihnen zu Hause, in der Fremde, des Tags und bei der Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie ein- und ausgehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gib ihnen allezeit deinen Engel zum Gefährten, wie dem jungen Tobias; führe sie durch deine Engel aus der Gefahr, wie den Loth; laß sie der Engel Schutz genießen, wie den Jakob. Sollte aber dir gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch den Tod, oder durch Krankheit, oder durch Unglück meiner Kinder, so gib mir Geduld in solchen Leiden, daß ich gedenke: ohne dich kann nichts geschehen; die Kinder hast du mir gegeben, du hast auch Macht, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du mich auch durch meiner Kinder Tod zu dir ziehen, daß ich dadurch ermuntert werden soll, dich allein zu lieben, so erhalte mich auf diesem Dornenpfade doch im Vertrauen und in der Hoffnung auf deine Allmacht, daß du, wie Alles, also auch diese meine Trauer enden und wenden könnest. Ertheile auch im Leiblichen meinen Kindern den Segen; versorge sie; nähre und pflege sie; gib ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein treuer Vater an ihnen; sei ihr Helfer in Gefahren, ihr Beistand im Leiden, ihr Rathgeber, wenn sie Raths bedürftig sind, ihr Erhalter im Unglück, ihr Arzt in Krankheit. Gib ihnen eine fromme Seele, guten Verstand und gesunden Leib, und laß sie vor dir leben, dich ehren und preisen. Gib ihnen ein gehorsames und demüthiges Herz; laß sie durch deinen Segen aufwachsen, und laß mich an ihnen Trost und Freude erleben. Ach Gott! erhöre mein Gebet, und gedenke: es sind ja sowohl deine als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für meine Kinder vor dem Thron deiner Gnade erhören. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preise sagen: siehe, hier bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben haft; ich Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. 67 habe deren keines verloren. Ja, mein Gott! verleihe, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie mit mir, und ich mit ihnen, zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott! segne meine Kinder; Nimm dich ihrer treulich an! Thu' an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir gethan; Segne ihren Schritt und Tritt; Theil' den Segen ihnen mit; Laß es ihnen wohl ergehn, Und sie in der Gnade stehn. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du fremmer Gott x. Du hast, o großer Gott! zc. Dieser Gesang ist vorne Seite 123 abgedruckt und daher bort nachzuschlagen. Die Wöchnerin schickt sich zu ihrem Aus- und Kirchengang. Aufmunterung. Wenn Gott eine Sechswöchnerin gnädig ihre sechs Wochen erhalten, ihre Kräfte ihr wieder gegeben, sie gestärkt, sie und ihr Kind vor Unglück bewahrt hat, daß sie nun ihren Kirchgang halten kann: so soll ja allerdings ihr Mund voll Rühmens seyn und den allerhöchsten Gott dankbar preisen und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bett gelegt, aber auch, wie Gott ihre Kräfte erneuert, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. 2) Sie soll gedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, nach ihren sechs Wochen ein schweres Lager und Unglück gehabt haben, ja gar gestorben find. Wenn aber Gott sie davor bewahrt, so soll sie des Lobens und Dankens nicht vergessen. 3) Wenn sie überdieß auch ihr Kind frisch und gesund sieht, so hat sie Ursache, diese hohe Wohlthat Gottes demüthig zu erkennen. 4) Ihr Kirchengang foll demnach mit Andacht, mit einem dankbaren Herzen und lobenden Munde geschehen; fie soll sich erfreuen, wenn sie in die Vorhöfe des HErrn tritt und dem Altar sich nahet, sodann ihr Gebet, ihre Fürbitte und Danksagung verrichten, Gott loben, sich und ihr Kind Gott empfehlen, den Segen empfangen, und sodann der empfangenen Güte Gottes allezeit eingedenk verbleiben. Gebet. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohlthaten, die er an mir gethan hat? Ja, der HErr hat Großes an mir gethan, dessen bin ich 1 Andachten für Sechswöchnerinnen. fröhlich. O du gnädiger und starker Gott! ich will nun meinen Aus- und Kirchengang halten, dir in deinem Tempel für deine gnädige Hülfe und den starken Beistand, den du mir geleiſtet haſt, zu danken. HErr Gott! du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhalten, und mich mein Kind fröhlich erblicken lassen. Du hast, o du gnadenreicher Gott! diese sechs Wochen mich behütet, vor Unglück bewahret! du hast mir die verlornen Kräfte wieder gegeben, daß ich nun in gutem Wohlseyn zu deinem Tempel nahen kann. Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewig. In der Angst rief ich den HErrn an, und der HErr erhörete mich, und tröstete mich. Der HErr ist meine Macht, mein Psalm und mein Heil. HErr! ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten hast; ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben haft; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten und dir in deinem Tempel für empfangene Wohlthaten danken kann; ach HErr! nimm das schwache Lobopfer meiner Lippen an. Ich freue mich dessen, das mir geredet ist, daß ich in den Tempel gehen soll, und meine Füße stehen sollen in den Thoren des geistlichen Jerusalems. Eins bitte ich vom HErrn, das hätte ich gern, daß ich in dem Hause des HErrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HErrn. Ach, mein Gott! laß diesen Ausgang gesegnet seyn; gib mir mit jedem Tage mehr Kräfte; laß mein Kind zu deinem Preise heranwachsen. Ich bringe dir an diesem Tage ein Paar Turteltauben: mein dankbares Herz und meinen lobenden Mund; ach! verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Verfühnopfer: Jesu Blut und Tod, in wahrem Glauben; damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich schon in der heiligen Taufe gethan; ach! sei hinfort sein Vater, sein Pfleger, Schutzherr, Erhalter und gnädiger Gott. Laß aber deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet seyn über mich und mein Kind; laß uns vor dir leben und deinen Namen preisen. Gib, daß ich dieser Wohlthat allezeit eingedenk seyn und bleiben möge, damit ich im Glauben, in Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren, und darin auch meine Kinder erziehen möge. Gib mir und meinen Kindern deinen heiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder zu deiner 68 Vorbereitung zum Kirchengange. 69 Herrlichkeit in das neue Jerusalem eingehen werden, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, so lang ich lebe hier, Den HErren preisen für und für; Viel Gutes hat er mir gethan, Viel mehr, als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, Und ganz besonders dieses Mal Hat er allein durch seine Hand Das Unglück von mir abgewandt. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Gott hat mein Gebet erhöret, Also sprech' ich hocherfreut, Weil er das, was ich begehret, Gnädiglich verliehen heut', Nun erkennet mein Gemüthe Gottes große Guad' und Güte, Der betrübt, und doch zuletzt Uns in Freud' und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret; Meine Traurigkeit und Klag' Hat nunmehr doch aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernichtet, Mir ein Lachen zugerichtet, Der nach der betrübten Nacht Alles hat voll Freud' gemacht. 3. Gott hat mein Gebet erhöret; Denn als ich in Nöthen schrie, Hat er sich zu mir gekehret, Und gesprochen: ich bin hie; Ich bin hie; ich will dich retten, Und an deine Seite treten; Ich war, da du riefest mir, Gar nicht ferne mehr von dir. 4. Gott hat mein Gebet erhöret; Preiset mit mir Alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was uns ist Noth; Der da liebreich den ansiehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu uns in Trübsal spricht: Seid getrost, ich laß euch nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret, Traue ihm nur, wer du bist; Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist; Gott kann schützen und auch decken, Und zu uns'rer Hilf' ausstrecken Seine starke Helfershand, Die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech' ich, wo ich geh'; Meine Freud' wird stets vermehret, Wenn ich seine Hilf' anseh'; Darum lern auch Gott vertrauen, Und auf seine Hilfe bauen, So wirst du auch gleich wie ich Hilf' erlangen gnädiglich. Die gottselige Mutter dankt Gott, wenn ihr Kind entwöhnt wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sie das Gebet, wenn nun das Kind entwöhnt werden soll. Denn ist das nicht eine große Gnade, daß Gott die Milch dem zarten Kinde hat gedeihen lassen; daß es nunmehr gewachsen, stark Andachten für Mütter. geworden und an Kräften zugenommen hat, daß es ohne Milch mit Speise erhalten werden kann? Darum soll 1) eine gottselige Mütter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. 2) Sie soll Gott danken, besonders wenn sie ihr Kind selbst gestillt, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben einen Segen verliehen, ja, dadurch ihr Kind hat gedeihen lassen. 3) Sie soll Gott anrufen, er wolle dem Kinde nun auch die Speise segnen, es zu seiner Ehre aufwachsen lassen, und wie es an Jahren zunimmt, auch sein Herz mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllen. 4) Und weil auch die Kinder um diese Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst gängeln, durch seine heiligen Engel bewahren, vor schwerem Fall behüten, die Glieder unverletzt und gesund erhalten, und so in seiner Gnade und Schutz von einem Alter zum andern gelangen lassen. Gebet. 70 Barmherziger und gnädiger Gott! wie ist mein Herz erfreut, daß ich nun die Zeit erlebt habe, da ich mein Kind der Mutterbrust entwöhnen kann. O liebreicher Gott! du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zartes Leben gefristet, und es bereits so weit kommen lassen, daß es zu seiner Erhaltung stärkere Speise bedarf. Gelobt sei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen ist, und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen; habe Dank für deinen Schutz; habe Dank für deine Treue und Gnade. O HErr! du thust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbrust Speise und Trank in Milch verwandelst, und derselben eine nährende Kraft beilegst, daß die Kinder dadurch gelabt, erquickt und gestärkt werden. Ach Gott! hast du nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeihen lassen, so segne ihm auch die übrige Speise und seinen Trank, wozu ich es gewöhnen will; gib, daß sich es dazu willig bequeme! laß es auch dadurch ferner wachsen, und mit jedem Tage, mit jeder Woche und jedem Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es anfangen will zu gehen; begleite es durch deinen Engel; halte es, wenn es fallen will; behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach! laß dieses mein Kind dir an Leib und Seele empfohlen seyn; stärke es auch an dem inwendigen Menschen; heilige es durch deinen heiligen Geist, daß es in Gehorsam und Danksagung bei Entwöhnung thres Kindes. 71 Gottesfurcht sich gerne erziehen lasse, nicht widerspenstig fich beweise, sondern als ein frommes Kind gerne folge und höre; gib ihm deinen heiligen Geist und ein frommes Herz, damit ich Frende an ihm allhier erleben, es dereinst zur ewigen Himmelsfreude mitnehmen, und mit ihm zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Sehr groß, o HErr! ist deine Güt', Die mich beschützet und behüt', Ich will sie rühmen hier auf Erd', So lang ich Athem haben werd'. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott! zc. 1. Der HErr, der große Gott, Der seinen reichen Segen Auf mich ergossen hat Als einen sanften Regen, Den preis' ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergehn Und großem Segen find. 2. Hat schweresUngemach Viel Andere gedrücket, So hat mit seiner Hilf Der Höchste uns geschmücket; Die Milch, die süße Speis', O welche große Gnad'! Ist's, wodurch Gott bisher Mein Kind ge= ſegnet hat. 3. An mir und meinem Kind Sind Wunderding geschehen, D'rum will an diesem Tag Ich Gottes Ruhm erhöhen; Uns beide schützte er; Er gab uns Kraft und Stärk, Bis er an uns vollbracht Sein großes Gnadenwerk. 4. Es hat der große Gott Zu jeder Zeit und Stunde Viel Gutes uns gethan, Ich rühm's von Herzensgrunde; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in seiner Hut, Er thut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater thut. 5. Deß bin ich fröhlich heut', Mein Gott! was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach! segne uns hinfort, Ach! sieh', wir sind ja dein, Ach! laß uns deiner Gnad' All'zeit empfohlen seyn. Erinnerung, Trost und Gebet für Unfruchtbare. Ich habe öfters gottselige Ehefrauen, welche Gott ohne Kinder und Leibeserben dahin gehen lässet, sprechen hören, daß man wohl Trost, Aufmunterung und Gebet für allerlei Stände des weiblichen Geschlechts: für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen finde, aber daß man die, welche Gott mit Leibesfrucht nicht erfreuen will, ohne Aufmunterung und Trost lasse; deßhalb habe ich dann, nach Erinnerung, Trost und Gebet dem ich den Fruchtbaren zum Trost, nach der Gnade unsers Gottes, einigen Unterricht ertheilt, auch denjenigen, welchen Gott keine Kinder gibt, über ihren Zustand meine Gedanken eröffnen wollen. Wenn Gott Eheleute ohne Kinder seyn läßt, daß sie wie Abraham sagen: HErr! was willst du mir geben! Ich gehe dahin ohne Kinder, 1 Mose 15, 2.; so sollen sie: 1) denken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit bei beiden Eheleuten natürlich seyn können, denn wie Gott überhaupt nicht einerlei Natur allen Menschen gibt, so auch nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deßwegen mit Gott zufrieden seyn, und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sei. Hat eine Tulpe schon nicht so viele Blumen, wie der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herrn des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viel Bäumlein zieren nur den Garten, und tragen doch keine Früchte und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. So sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich Andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des HErrn find; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch übel dazu sehen, wenn Gott Einem viel, dem Andern weniger gibt; Gott ist Herr in seinem Haus, wie er will, so theilt er aus. Gott hat sich drei Schlüssel vorbehalten, den Schlüssel zum Grabe: denn Niemand kann Todte auferwecken als Gott; den Schlüssel zum Regen: denn kein Götze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleibe: da kann Niemand öffnen, wenn der HErr zuschließt, und Niemand zuschließen, wenn der HErr öffnet. Ist aber diese Vorenthal tung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daraus entnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt; er gibt ihnen leibliche Gaben: Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, wel ches Alles er bisweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich ertheilt, sondern ihnen öfters Krankheit, Kinderkreuz und Elend reichlich zumißt. Gott gibt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben: als Frieden mit Gott, Frende in ihm, die Gerechtigkeit Jesu Christi, Trost und Wonne. Dadurch werden sie ja abermals überzeugt, daß Gott nicht zornig über sie sei, denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade steht, der muß gewiß der himmlischen Gaben entbehren. 72 für Unfruchtbare. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute daran denken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand besser erkenne, als sie selbst, denn, obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie doch Gott vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, als auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemann viele Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst verhinderten, ja, vielleicht würde das Kind viele Betrübniß machen, wenn es Gott nach seinem Rath wieder sterben ließe; darum, weil Gott dieStärke und Schwachheit der Menschen besser kennt als sie selbst, so beweist er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gngde halten. 73 5) Besonders aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß fie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder; vielleicht muß die murrende Mutter ihr Leben oder ihre Gesundheit darüber verlieren, oder wenn dieß nicht geschieht, so geräth ein solches, im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken, Jammer, Verdruß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Lebenlang in Angst, Betrübniß und Traurigkeit setzt, welches Früchte ihrer unverständigen Bitte sind. Wie mancher mit Unverstand von Gott erbetene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden. 6) Es sollen hiebei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1Tim. 2,15. nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung sammt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber durch Kinderzeugen selig werden sollen; sondern wir werden durch das Verdienst Jesu Christi und um seines vergoffenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Röm. 3, 24. 28., Röm. 5, 1., und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja gar keine Jungfrau selig werden können, welches gegen Gott und sein heiliges Wort ist; sondern er führt diesen Spruch zu Trost der Ehefrauen an, nämlich, ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgelegt, darum, weil sich das Weib im Paradiese hat verführen lassen, und die Uebertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott in der Geburt ihnen beistehen und durchhelfen wolle; sie sollen doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühlten, nämlich wenn sie in solchem Stande im Glauben an den HErrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und die Menschen, in der Heiligung des Lebens, in der Zucht und in christlichem Erinnerung, Trost und Gebet Wandel bleiben werden. Deßhalb ist dieser Spruch ein Trostspruch inKindesnöthen und eine Versicherung der Seligkeit derer, welche in Kindesnöthen sterben, daß sie derjenigen Schmerzen ungeachtet, die wegen der Sünden aufgelegt sind, doch selig werden sollen, aber er zeigt keine Ursache der Seligkeit der Weiber an. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten und im Gebet anhalten. Einige Bäume tragen gleich im ersten Jahre, andere aber nach Verfluß vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen. Werfet euer Vertrauen( auf Gott) nicht weg, welches eine große Belohnung hat, Hebr. 10,35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohlthaten gibt, sondern dem einen früher, dem andern später, also auch diese Gaben. 8) Hiebei sollen sich Eheleute auch fleißig vor gegenseitigem Mißvergnügen hüten, wenn die Frau die Schuld auf den Mann, und der Mann auf die Frau schieben wollte, sondern gedenken, daß es Gott sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1 B. Moje 30, 2.; deßhalb sollen sie doch einander herzlich lieben, und mit Gott zufrieden seyn, weil keines von beiden ohne Gottes Gaben, Segen und Willen etwas dazu beitragen kann. Besonders aber sollen sie sich auch vor Argwohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbtheilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegen einander verharren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es je einmal seyn muß, eine Anordnung treffen. 74 9) Läßt Gottes frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen fie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da diejenigen, welche Kinder haben, so oft am Gebet, am Gottesdienst und an der Erbauung durch die Kinder verhindert werden, so können sie desto mehr dem Dienst Gottes ungehindert und ungestört abwarten. 10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich empfohlen seyn lassen, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule schicken, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen, und auch vor Gott rühmen werden: diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket, Matth. 25. 11) Gott gibt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder auch darum, weil er sieht, daß künftig schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Unglück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Wetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskias verheißen, und an dem heiligen Augu 75 für Unfruchtbare. stimus bewiesen hat, welches allerdings eine große Gnade Gottes ist, so ist's ja eine Wohlthat, wenn Gott keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündfluth geschah, nicht erleben und erfahren. 12) Endlich mögen Eheleute wohl gedenken, ob sie etwa auch die Kinder als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der That find, halten. Meinen sie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und es will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum er will gebeten seyn. Wenn hier christliche Eheleute mir entgegensetzen wollten, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten, und doch Kinder zeugen und erhalten, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf zu Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen kommen, Gott zur Ehre Kinder zu zeugen, sondern um ihre böse Lust und Brunst abzukühlen. Gottselige Eheleute sollten es also hier machen wie dort Isaak, von dem es heißt: Isaak aber bat den HErrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaak an, daß Kinder nicht allezeit eine Naturgabe, sondern eine Gnadengabe Gottes wären, datum steht auch gleich dabei: Und der HErr ließ sich erbitten, und Rebecca, sein Weib, ward schwanger. 1 Moſe 25, 21. Dieses Alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen und sich gegen alles Murren, gegen Ungeduld und Gemüthsunruhen bewahren, und gedenken, ihr Haus sei einsam und ohne Kinder, auf daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiliger Engel seyn werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Thron des dreieinigen Gottes erfreuen sollen. Gebet. HErr, HErr! was willst du mir geben? ich gehe ohne Kinder dahin. Ach, mein Gott! ich sehe, wie du Andern den Ehesegen mit reichem Maaß zutheilest, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten und nicht gegeben. HErr, HErr! laß mich doch dieses Alles mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben, und mich fruchtbar machen kann, wann er will. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebt, und mir seine Gnade noch nie versagt hat; darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen! du weißt am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheeret hast. Sollte ich etwa zu schwach 76 Erinnerung, Trost und Gebet in der Geburt, zu träg in der Erziehung der Kinder, oder zu niedergeschlagen im Kinderkreuz seyn, so erkenne ich daraus deine Güte, die meiner schonen und mich nicht über Vermögen versuchen lassen will. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr mich freuen, daß ich dich herzlich lieben, an dir all' mein Ergötzen und Vergnügen haben möge. Laß mich, indessen im Glauben an dich, dreieiniger Gott! in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens bleiben, ja, laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein gnädiger Wille über mich sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich ihn gleichwohl herzlich liebe, ihn für mein Kind halte, und ihn lieber habe als zehn Söhne und Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten, und du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, und an mich wie an Hanna gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber keinen Erben geben, HErr! so soll das mein Erbe seyn: daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Theil seyn. HErr, HErr! es ist dir Alles möglich; hast du Sara und Elisabeth über die Zeit der Natur schwanger werden laffen, so ist es dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. HErr! laß dich erbitten, so will ich für diese Gabe dir mein Lebenlang danken, und sie dir zum Preis und zu Ehren erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wieder weihen. Laß mich auch nicht scheel sehen, wenn du Andern das Haus voll Kinder giebest, sondern lasse mich desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, HErr! deine Güte sei über uns, wie wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande. Ist's mir nützlich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kein Kind abzwingen, ja, ich will gegen deinen gnädigen Willen nichts, und auch keine Kinder haben. HErr! ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach! schicke es, für Unfruchtbare. wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hilfe erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen; Denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, So hat er schon den Schluß getroffen, Er weiß die beste Zeit und Ziel: Ich harr' auf ihn, denn so betrügt Die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt; wird mir nur geben Der allerhöchste Wundergott Ein fröhlich's Herz, gesundes Leben, Und was sonst meiner Seelen noth; Das Uebrige, wie er es fügt, Befehl' ich ihm; ich bin vergnügt. Amen. Gesang. 77 Mel.: Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ach HErr! was willst du mir geben, Weil ich ohne Kinder bin; Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin, And're muß ich fröhlich sehen, Und mit Kindern heiter gehen, Aber ich geh' ganz allein, Und muß stets bekümmert seyn. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind zu sehn, Es, wie Jesus that, zu herzen, Hand in Hand mit ihm zu gehn; Ach! wie sollt' mich dieß ergötzen, Und in Dank und Freude setzen, Doch die Freude hab' ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum thust du an mir minder Als an Andern, lieber Gott? Andre haben viele Kinder, Die kaum haben täglichs Brod; Du gibst mir sonst großen Segen, Aber ach, mein Gott! hingegen Gibst du mir nicht diese Gab', Die ich oft erbeten hab'. ren, 4. Ach, mein Gott! ich will nicht fragen, Thue nur, was dir gefällt, Ich will dieses gerne tragen, Alles sei dir heimgestellt; Ach! du weißt ja mein Begehren, Willst du mir's, mein Gott! gewähSo geschehe, HErr! dein Will', Deinem Willen halt' ich still. 5. Laß, o HErr! mir deinen Willen Immerdar vor Augen seyn; Deinen Willen lasse stillen, Was mein Wollen wendet ein, Ja, laß mir, o Gott! in Allem, Was nur dir gefällt gefallen, Daß ich christlich mich bezeug', Und gelassen stille schweig'. 6. Ich will Nichts von dir erzwingen, Gib mir ja kein Kind im Zorn, Es möcht' mir sonst Jammer bringen, Und mir seyn ein scharfer Dorn, Der mein Lebenlang mich stäche, Und mir mein Vergnügen bräche; Was mich martert, quält und sticht, Lieber Gott! das gib mir nicht. Erinnerung, Trost und Gebet. 7. Ich weiß, daß du mich doch liebest, Daß ich steh' in deiner Gnad', Ob du mir schon das nicht giebest, Was mein Herz gebeten hat; Hab' ich dich, o meine Wonne! Mein Gott, meine Freud' und Sonne! So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein in Jesu laben, Dem ich schenk' mein Herz und Lieb'; Jeſu! deine Lieb' und Schöne Ist mir lieber als viel Söhne, Wenn ich Jesum bei mir hab', So hab' ich die größte Gab'. 78 9. Nun, mein Gott! ich bin zufrieden Mit dem mir bestimmten Theil, Welchen du mir hast beschieden; Alles dient zu meinem Heil; Darum will ich dir vertrauen, Und auf deine Hilfe banen, Mach mein Herz vertrauensvoll, Gib mir, was ich haben soll. 10. Indeß will ich Jesum lieben, In Gott haben meine Freud', Mich in Lieb' und Glauben üben, Und durch stille Mildigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß sie Gott zu Ehren leben, Ihnen helfen, Gott zum Preis, Durch mein Wohlthun, Tren' und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat; Wer weiß, was er mir noch schenket; Wer weiß, was da seine Gnad' Mir noch zugedacht, zu geben; Wer weiß, werd' ich noch erheben Nach der Hilfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund'. 12. HErr! erhöre dieß mein Flehen, Ach! nimm meine Seufzer an, Laffe meine Bitt' geschehen, Du bist's, der mir helfen kann, Doch laß mich in allen Fällen Alles dir, mein Gott! heimstellen, Daß ich, wie es immer geh', Spreche: HErr! dein Will' gescheh. Register der Gesänge. .. 22 Ach HErr! was willst du mir geben 77 3ch danke dir, mein Gott Ach! hilf mir in dieser Stunde 35 ch erblick die helle Sonne. 9 Der HErr, der große Gott.. 41 Ich weiche nicht von Gott.. 24 Die Nacht ist nun verschwunden 60 Jch will stets mit Gott umgehen 16 Du hast, o großer Gott... 67 Mein Gott ist ja bei mir.. 32 Gelobet sei der große Gott.. 57 Sieh', die Sonn' will von uns gehen 11 Gott hat mein Gebet erhöret. 69 Wie hat der große Gott doch mich 19 Gott wird mich nicht verlassen. 27 Wir haben einen Gott, der hilft 29 HErr Jeful wahres Licht.. 63 ● Ganes Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8