ps 89184 [ Evangelisch- lutherisches Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche. Hannover. Druck und Verlag der Schlüterschen Buchdruckerei. 1889. Gb 2163 butgols0 Stereotypiert 1887. Inhalt. A. Sonntags- und Festtagslieder. I. Sonntagslieder( Nr. 1-21) II. Adventslieder( Nr. 22-35) III. Weihnachtslieder( Nr. 36-57) IV. Neujahrslieder( Nr. 58-65) V. Epiphaniaslieder( Nr. 66-72) VI. Passionslieder( Nr. 73-103) VII. Ofterlieder( Nr. 104-126) VIII. Himmelfahrtslieder( Nr. 127-135). IX. Pfingstlieder( Nr. 136-147). X. Trinitatislieder( Nr. 148-153) XI. Sieder für die kleineren Feste 1. Darstellung Jesu( Nr. 154-156) 2. Verkündigung Mariä( Nr. 157) 3. Fest Johannes des Täufers( Nr. 158-159) 4. Mariä Heimsuchung( Nr. 160-161) 5. Michaelisfest( Nr. 162-164). Seite 1 11 19 33 38 42 60 73 77 84 87 88 .89 91 92 B. Lieder von der Kirche und den Gnadenmitteln. XII. Lieder von der christlichen Kirche( Nr. 165-184) XIII. Sieder vom Worte Gottes( Nr. 185-198) XIV. Tauf- und Konfirmationslieder( Nr. 199-208). XV. Abendmahlslieder( Nr. 209-225) 94 105 113 . 119 AV Inhalt. C. Lieder vom christlichen Leben. Seite XVI. Buß- und Beichtlieder( Nr. 226-261)... 130 XVII. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung ( Nr. 262-291). XVIII. Jesuslieder( Nr. 292-333). XIX. Lieder vom christlichen Leben und Wandel ( Nr. 334-376) XX. Lieder vom Gebete( Nr. 377-383) ● XXI. Rreuz und Trostlieder( Nr. 384-436) In Krankheit( Nr. 432-436). XXII. 2ob- und Danklieder( 437-465) ● Verzeichnis der Dichter XXIV. Berufs- und Standeslieder( Nr. 518-541) XXV. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse ( Nr. 542-569) D. Lieder für besondere Stände, Zeiten und Verhältnisse. XXIII. Morgen-, Tisch- und Abendlieder a. Morgenlieder( Nr. 466-492) b. Tischlieder( Nr. 493-495). c. Abendlieder( Nr. 496-517).. . 157 . 180 210 240 245 . 281 285 .. E. Lieder von den letzten Dingen. XXVI. Sterbe- und Begräbnislieder( Nr. 570-613). XXVII. Lieder von der Auferstehung( Nr. 614-617) XXVIII. Lieder vom Gerichte( Nr. 618-621). XXIX. Lieder vom ewigen Leben( Nr. 622-638) ● . ● 307 323 324 336 349 364 395 397 400 412 Alphabetisches Register. Nr. A. Nr. Als Christus geboren war 42 Ach bleib bei uns, Herr. 170 Also heilig ist der Tag.. 104 Ach bleib mit deiner Gnade 18 Am Grabe stehn wir stille 606 Ach erkennet, liebste Seelen 456 An dir allein, an dir hab 259 Ach Gott, gieb du uns deine 345 An Gott will ich gedenken 416 Ach Gott, ich muß dirs klagen 234 Auf, auf, ihr Reichsgenossen 24 Ach Gott, ich muß in Traur. 607 Auf, auf, mein ganz Gemüte 460 Ach Gott und Herr.... 238 Auf, auf, mein Herz, mit F. 116 Ach Gott, verlaß mich nicht 364 Auf Christi Himmelfahrt 132 Ach Gott, vom Himmel sieh 166 Auf dich hab ich gehoffet 336 Ach Gott, wie manches H. 388 Auf diesen Tag bedenken wir 128 Ach Herre, du gerechter Gott 559 Auferstanden, auferstanden 125 Ach Jesu, dessen Treu.. 297 Auferstehn, ja auferstehn.. 617 Ach mein Herr Jesu, dein 329 Auf Gott nur will ich sehen 536 Ach lieber Gott, behüte mich 531 Auf Gott und nicht auf 423 Ach sagt mir nichts von G. 303 Auf meinen lieben Gott. 389 Ach treuer Gott, barmherz. 401 Aus einem tief vor dir geAch was sind wir ohne. 254 beugten Herzen..... 260 Ach wär ich schon dort drob. 635 Aus Gnaden soll ich selig w. 284 Ach wie flüchtig, ach wie 593 Aus Lieb läßt Gott der Chr. 162 Ach wie laufen doch die F. 63 Aus meines Herzens Grunde 469 Ach wir armen Sünder.. 77 Aus tiefer Not laßt uns. 231 Ach wundergroßer Siegesh. 133 Aus tiefer Not schrei ich zu dir 228 Allein Gott in der Höh sei 149 Allein zu dir, Herr Jesu 232 B. Alle Menschen müssen sterben 597 Alles ist an Gottes Segen 350 Befiehl dem Herren deine W. 415 Alle Welt, was lebt und webet 4 Befiehl du deine Wege.. 399 VI Alphabetisches Register. Nr. 555 . Bei dir, Jesu, will ich bleiben 208 Bescher uns, Herr, das täglich Brot.. Betgemeinde, heilge dich.. 383 Bewahre mich, o Freund 371 Bis hieher hat mich Gott 452 Bist du gleich ferne von B. 567 Bringt her dem Herren Lob 457 Brunn alles Heils, dich 14 Nr. Dein Wort, Herr, ist die rechte Lehr Dein Wort, o Herr, ist milder Tau..... 198 Den König schütze deine M. 521 Der Abend kommt, die S. 513 Der am Kreuz ist meine Liebe 93 Der Bräutgam wird bald ruf. 623 Der du bist drei in Einigkeit 496 Der du, Herr Jesu, Ruh 101 Der du zum Heil erschienen 179 Der Glaube macht allein 271 Der heilge Christ ist kommen 57 Der Herr ist mein getreuer H. 428 Der Herr ist meine Zuversicht 425 Der Hölle Pforten sind.. 115 Der lieben Sonne Licht.. 504 Der Mond ist aufgegangen 515 Der Tag der ist so freud. 40 Der Tag ist hin, mein Geist 510 Der Tag ist hin, mein Jesu 505 Des Morgens, wenn ich früh aufsteh....... 468 Dich bitt ich, liebster Jesu 155 Da Christus geboren war 42 Dich Jesum laß ich ewig 328 Da Jesus an des Kreuzes 81 Die Gnade sei mit allen. 15 Dank sei Gott in der Höhe 472 Die Ernt ist nun zu Ende 563 Dank sagen wir alle... 16 Die güldne Sonne.... 477 Dank, Jesu, dir! Ach sind 224 Die helle Sonn leucht jetzt 467 Das alte Jahr vergangen ist 59 Die Herrlichkeit der Erden 592 Das Jahr geht still zu Ende Die Himmel rühmen des E. 461 Das ist eine selge Stunde 196 Die Nacht ist hin, wach auf 487 Das Land wollst du bedenken 556 Die Nacht ist kommen, drin 499 Das walt Gott Vater und G. 470 Die Nacht ist nun vergangen 478 Das walte Gott, der helfen 483 Die schönen Sonntagsstunden 21 Dein Erbe, Herr, das du 367 Dies ist der Tag, den Gott 56 Deines Gottes freue dich. 426 Dies ist die Nacht, da mir 52 Dein Jesus rufet dich zur B. Die Sonn hat sich mit Dein König kommt in niedern Hüllen 65 258 Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine...... 174 Christe, du bist der helle Tag 497 Christe, du Lamını Gottes 73 Christ fuhr gen Himmel. 127 Christ ist erstanden.... 105 Christ lag in Todesbanden 108 Christ, unser Herr, zum J. 199 Christus der ist mein Leben 583 .. 191 503 ihrem Glanz gewendet 35 Dies sind die heilgen zehn G. 185 Alphabetisches Register. Nr. Nr. Dir, dir, Jehova, will ich 381 Es ist das Heil uns kommen 264 Du bist ein Mensch, das 400 Es ist gewißlich an der Zeit 620 Du bists, dem Ruhm... 462 Es ist nicht schwer, ein Du bist zwar mein.... 610 Christ zu sein.... 357 Du Brunnquell aller Liebe 99 Es ist noch eine Ruh... 633 Du Friedefürst, Herr Jesu 542 Es fostet viel, ein Christ Du großer Schmerzenmann Du heilige Dreifaltigkeit. 471 Du Herr der Seraphinen 163 Du Lebensbrot, Herr Jesu 84 zu sein.. Christ. 214 Durch Adams Fall ist ganz 230 Du weinest vor Jerusalem 391 Du wesentliches Wort... 53 VII men... .. 46 Ermuntre dich, mein schwacher Geist. Erneure mich, o ewigs Licht 360 Erschienen ist der herrlich T. 109 Erstanden ist der heilig Christ 106 629 .. 356 Es mag dies Haus, das 615 Es wolle Gott uns gnädig 165 Ewge Liebe, mein Gemüte 281 Ewge Wahrheit, deren Treue 422 Ehre sei dir, Christe... 74 Eine Herde und Ein Hirt 182 Einer ists, an dem wir hang. 180 Eines wünsch ich mir... 100 Ein feste Burg ist unser Gott 168 Ein Kind geborn zu Bethl. 36 Ein Lämmlein geht und trägt 85 Ein reines Herz, Herr, schaff 355 Eins ist not, ach Herr... 312 Fröhlich soll mein Herze 48 Ein Wetter steiget auf.. 557 Früh am Morgen Jesus gehet 492 Ei wie so sanft entschlie- Früh morgens, da die Sonn 112 fest du. .. 603 541 Erhalt uns, Herr, bei deinem 169 Erhör, o Gott, das heiße F. 207 Ermuntert euch, erquickte Glieder.. . 486 Ermuntert euch, ihr FromFahre fort, Zion... 176 Fang dein Werk mit Jesu an 489 Freu dich sehr, o meine Seele 587 Freuet euch der schönen Erde 553 Freuet euch, ihr Christen alle, freue sich..... Freuet euch, ihr Gotteskinder Freut euch, ihr Christen alle, Gott schenkt.... 140 Freut euch sehr, ihr Bergleut alle 43 69 G. Geh aus, mein Herz... 548 Geh hin nach Gottes Willen 375 Geht hin, ihr gläubigen G. 285 Geht nun hin und grabt 605 Geist vom Vater und vom Sohne.......... 146 Gelobet sei der Herr, der Gott Israels.... 158 Gelobet sei der Herr, mein 448 VIII Alphabetisches Register. Nr. H. Nr. Halleluja, jauchzt, ihr Chöre 124 Halleluja, Lob, Preis und 152 Halleluja, schöner Morgen 12 Gelobet sei Israels Gott 159 Gelobet seist du, Jesu Christ 37 Gen Himmel aufgefahren ist 129 Gesegn uns, Herr, die G. 493 Gesetz und Evangelium.. 195 Halt im Gedächtnis Jesum 315 Gieb dich zufrieden und sei 402 Harre, meine Seele.... 431 Gieb mir ein frommes Herz 369 Heiland, deine Menschenliebe 322 Gnädigster Erbarmer.... 538 Heilge Einfalt, Gnadenw. 366 Gott, deine Güte reicht.. 373 Helft mir Gotts Güte preisen 58 Gott, den ich als Liebe tenne 433 Herr, dein Wort, die edle Gott, der du Berg u. Hügel 537 Gott der Vater, wohn uns bei 148 Gott des Himmels und der Erden.. .. 473 Gott, des Zepter, Stuhl und Krone .. 13 7 .. 252 Gott, du Licht, das ewig 488 Gottes Stadt ist fest gegründ. 183 Gott ist gegenwärtig Gott ist mein Hort.... 197 Gott ist mein Lied.... 463 Gott ist und bleibt getreu 412 Gottlob, der Sonntag kommt Gottlob, die Herbstzeit.. 551 Gottlob, die kalte Winterzeit 552 Gottlob, die schöne Sommerz. 550 Gottlob, die Stund ist.. 608 Gottlob, ein Schritt zur E. 62 Gottlob, ich bin im Glauben 274 Gottlob, nun ist erschollen 545 Gottlob, nun kommt die. 549 Gott Lob und Dank, die N. 436 Gott sei Dank durch alle Welt 30 Gott sei gelobet und gebened. 221 Gott und Vater, nimm.. 205 Gott Vater, denk an Christi 245 Gott Vater, höre unsre Bitt 201 Großer Gott von alten Zeiten Großer Mittler, der zur techten. 321 Gabe. ... 193 Herr, der du mir das Leben 514 Herr, die Erde ist gesegnet 564 Herr, du wollst uns vorbereiten.. .. 220 Herr, es ist von meinem Leben.. ... 509 Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott Herr Gott, dich loben wir, regier.. 437 ... 546 Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf..... 586 Herr Gott, nun sei gepriesen 558 Herr, höre, Herr, erhöre. 518 Herr, ich bekenn von Herzensgrund... ... 267 Herr, ich bin dein Eigentum 637 Herr, ich habe mißgehandelt 246 Herr Jesu Christ, dein teures Blut.. .. 91 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.. 3 Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden, wir kommen. 217 Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, 2c., sich doch. 236 Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte...... 211 Alphabetisches Register. Nr. Herr Jesu Christe, mein Prophet. 71 Herr Jesu Christ, mein höchftes Gut . 318 Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht..... 584 Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott... 576 Herr Jesu, deine Angst und 92 Herr Jesu, dir sei Preis 213 Herr Jesu, Gnadensonne. 352 Herr Jesu, Licht der Heiden 156 Herr Jesu, zieh uns für und für 130 Herr, nun laß in Friede 594 Herr, nun läsfest du deinen 154 Herr, öffne mir die Herzenst. 189 Herr, unser Gott, laß nicht 543 Herr von unendlichem Erbarmen. IX Nr. Höchster Tröster, komm hernieder.. ... 147 Hört auf mit Trauren und 578 Hört heut der Weisen große 72 Hosianna, Davids Sohn, der in seines Hosianna! Davids Sohn, kommt in.. 33 32 Hüter, wird die Nacht.. 485 Jch armer Mensch doch gar 579 Jch bete an die Macht.. 327 Ich bin ein Gast auf Erden 595 Ich bin getauft auf deinen Namen.. ... 204 Ich bin getrost und freue mich... 325 ... 273 Herr, was sind wir, daß 164 Ich bin gewiß in meinem 276 Herr, wie du willst, so 338 Jch bin ja, Herr, in deiner 591 Herr Zebaoth, dein heiligs 190 Jch ergebe mich dem Willen 409 Herzlich lieb hab ich dich 337 Ich erhebe mein Gemüte. 261 Herzlich thut mich verlangen 582 Ich freue mich der frohen 616 Herzliebster Jesu, was hast 79 Ich glaub an Einen Gott 268 Herz und Herz vereint.. 365 Ich habe nun den Grund 279 Heut ist des Herren Ruhetag 2 Ich hab in Gottes Herz Heut ist uns der Tag erund Sinn schienen...... 157 Heut triumphieret Gottes 111 Hier bin ich, Herr, du rufest 368 Hier legt mein Sinn sich 358 Hilf, Helfer, hilf in Angst 581 Hilf, Herr Jesu, laß gelingen Hilf mir, mein Gott, hilf 339 Hilf uns, Herr, in allen 344 Himmelan geht unsre Bahn 631 Himmelan, nur himmelan 638 Hinunter ist der Sonne. 498 Hirte deiner Schafe.... 511 60 395 Ich hab in guten Stunden 435 Ich hab mein Sach Gott 580 Ich hab mich Gott ergeben 588 Ich hab von ferne.... 636 Ich komme, Herr, und suche 219 ch ruf zu dir, Herr Jesu 334 Ich sag es jedem, daß er lebt 126 Jch singe dir mit Herz.. 446 Ich steh an deiner Krippe 47 Ich steh in meines Herren 430 Ich sterbe täglich und mein Leben.. .. 601 Alphabetisches Register. Nr. Ich trau auf meinen Gott 434 Ich und mein Haus, wir find bereit 526 Ich weiß, an wen ich gläube 277 Ich weiß, an wen mein 288 Ich weiß ein lieblich Engelſpiel X .. 622 419 Ich weiß, es kann mir nichts Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun. 347 Ich weiß, woran ich glaube 291 Ich will dich lieben, meine 304 Ich will mich mit dir verf. 319 Ich will, o Bater, allezeit 5 Ich will von meiner Misseth. 247 Ich wollt, daß ich daheime 570 Ihr Christen auserforen. 45 Ihr Eltern hört, was Christus ſpricht.. In allen meinen Thaten. 393 In Ängsten ruf ich, Herre 429 In Christi Wunden schlaf 577 In dich hab ich gehoffet 336 In dir ist Freude.... 293 In Gottes Namen fahren 566 In Gottes Namen fang ich 481 Ist Gott für mich, so trete 270 Jod. Nr. Jesu, meiner Seele Leben 306 Jesu, meines Lebens Leben 90 Jesus Christus herrscht.. 326 Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod... 107 Jesus Christus, unser Heiland, der von uns... 209 Jesus, Jesus, nichts als Jesus. ... 307 Jesus lebt, mit ihm auch ich 123 Jesus, meine Zuversicht.. 614 Jesus nimmt die Sünder an 278 Jesus soll die Losung sein 64 Jesu, Trost der armen Seelen... 97 K. 529 Reinen hat Gott verlassen 390 Komm, Gottes Geist, komm 145 Romm, heiliger Geist, erfüll 136 Romm, heiliger Geist, Herre 138 Komm, o Gott Schöpfer. 137 Komm, o komm, du Geist 143 Rommst du, kommst du, 29 Licht der Heiden Kommt her zu mir, spricht 335 Kommt, Kinder, laßt uns 372 Kommt, laßt euch den Herren 341 Kommt und laßt uns Christ. 50 König, dem kein König.. 323 Jauchzet, ihr Himmel... 55 Je größer Kreuz, je näher 418 König Jesu, streite, siege. 184 229 Jerusalem, du hochgebaute 624 Kyrie( Litanei) Jesaia dem Propheten.. 210 Jesu, deine tiefen Wunden. 80 Jesu, deine Passion.... 89 Jesu, der du meine Seele 242 Laß dich Gott. € 406 Jesu, geh voran..... 320 Laß dich, Herr Jesu Christ 523 Jesu, großer Wunderstern. 70 Lasset die Kindlein kommen 200 Jesu, meine Freude.... 300 Lasset mich voll Freude.. 203 Alphabetisches Register. Nr. Lasset uns den Herren preisen und vermehren..... 455 Lasset uns den Herren preisen, o ihr Christen.... 113 Lasset uns mit Jesu ziehen Laß mich dein sein und bleiben Laßt mich gehn.... Laßt uns doch Christo dankbar sein. Nr. 216 Meine Seele, laß dich finden Meine Seele erhebet den H. 160 Meine Seel, ermuntre dich 96 Meine Seele senket sich.. 414 343 Meine Seel ist stille... 411 17 Meines Lebens beste Freude 308 333 Mein Gott, die Sonne geht 10 Mein Heiland nimmt die Sünder an....... 282 Mein Heiland sitzet droben 131 Mein Herz, ach rede mir 324 Mein Herz, gieb dich zufrieden Mein Herz und Seel den 421 Herren hoch erhebet.. 161 Mein Jesu, der du vor dem Scheiden. .... 218 Mein Jesu, süße Seelenlust 313 Mein Jesus kommt, mein 600 Mein Jesus lebt, was soll 120 Mein Lauf, Gottlob, ist bald 590 Mein lieber Gott, gedenke 359 Mein schönste Zier und K. 298 Mein Schöpfer steh mir bei 206 Mir ist Erbarmung widerfahren. ... 82 Liebe, die du mich zum Bilde 305 Liebe, die nicht auszusprechen 317 Liebster Jesu, der du mich 361 Liebster Jesu, sei willkommen 31 Liebster Jesu, wir sind hier, deinem 202 Lobe den Herren, den mächtigen König.. Lobe den Herren, o meine Seele. Liebster Jesu, wir sind hier, 6 .. dich. Liebster Vater, soll es sein 432 Litanei.. 229 .. 450 458 Lobe, mein Herz, deinen G. 628 Lobet den Herren, alle die 476 Lobet den Herrn, ihr Heiden 67 Lobt Gott, ihr Christen alle 41 XI .. M. Mache dich, mein Geist.. 351 Machs mit mir, Gott, nach 589 Macht hoch die Thür, die ... 290 Mir nach, spricht Christus 349 Mit Ernst, o Menschenfinder.. ... 26 Mit Freude will ich heben an 540 Mit Fried und Freud ich 572 Mit meinem Gott geh ich 507 Mitten wir im Leben sind 571 Morgenglanz der Ewigkeit 482 Müde bin ich, geh zur Ruh 534 Thor macht weit.... 23 Mag ich denn nicht von Angst und Bein.... 394 Man lobt dich in der Stille 444 Meine Lebenszeit verstreicht 604 Meinen Jesum laß ich nicht 302 N. Nichts Betrübters ist... 535 Mein erst Gefühl sei Preis 491 Nicht so traurig, nicht so sehr 396 XII Alphabetisches Register. Nr. Nie bist du, Höchster... 289 D Gott, der du das FirmaNimm von uns, Herr.. 235 ment 560 186 Nimm von uns, Herre Gott 227 O Gott, du frommer Gott 340 Nun bitten wir den heiligen 139 O Gott, du höchster GnadenNun bricht die finstre Nacht 20 hort. Nun danfet alle Gott 442 O Gottes Sohn, Herr Jesu 269 Nun danket alle Gott.. 443 O Gott, von dem wir alles 562 Nun danket all und bringet 445 O Gott, wir ehren deine Nun freut euch, liebe Christ. 262 Nun hilf uns, o Herr Jesu Nun jauchzet all, ihr From. Nun jauchzt dem Herren Nun kommt das neue Kirch. Nun laßt uns den Leib.. 573 Nun laßt uns gehn und. 61 Nun laßt uns Gott dem Nun lieg ich armes Würmelein. Macht... ... 153 532 O Haupt voll Blut und 88 25 O heilige Dreieinigkeit, erhalt 520 10 heilige Dreifaltigkeit.. 471 22 O heilger Geist, fehr bei. 141 O hilf, Christe, Gottes Sohn 76 O Jesu Christe, wahres Licht 172 440 O Jesu Christ, mein schönstes Licht. 301 O Jesu Christ, meins Lebens Licht... 609 438 561 Nun lob, mein Seel, den Nun preiset alle... Nun ruhen alle Wälder. 502 Nun schlaf, mein liebes 528 Nun sich der Tag geendet hat Nun sich der Tag geendet, mein Herz Nr. ● O Jesu, du mein Bräutigam 212 O Jesu, Jesu, Gottes Sohn 296 O Jesu, meines Lebens Licht 490 O Jesu, meine Wonne.. 223 O Jesu, süßes Licht... 484 Jesu süß, wer dein gedenkt 294 König aller Ehren... 66 Nun singet und seid froh. 44 König, dessen Majeſtät 255 Nun tret ich wieder.... 480 O Lamm Gottes, unschuldig 75 Nun triumphieret Jesus Chr. 111 O Lebensbrünnlein tief und 295 506 512 Liebe, die den Himmel hat zerrissen 54 O meine Seel, du sollst Bergwerksschöpfer... 539 ..527 den Herren preisen... 441 O daß ich tausend Zungen 454 O selig Haus, wo man O du Liebe meiner Liebe. 94 dich aufgenommen O du Schöpfer aller Dinge. 248 O Tod, wo ist dein Stachel 114 OEwigkeit, du Donnerwort 626 D Traurigkeit, o Herzeleid 102 OEwigkeit, du Freudenwort 627 O treuer Heiland, Jesu 342 Ofrommer und getreuerGott 243 D Vater, allmächtiger Gott 226 Ogläubig Herz, gebenedei 439 Vater, deine Sonne 554 .. 584 Alphabetisches Register. Nr. Nr. O Vater der Barmherzigkeit 244 Sei stille, müdgequältes Herz 427 O Vaterherz, o Licht, o Leben 370 O Vater, unser Gott, es ist 378 Welt, ich muß dich lassen 574 Welt, sich hier dein Leben 86 wie fröhlich, o wie selig 630 Owie selig seid ihr doch 625 O wir armen Sünder.. 77 Sei willkommen, Davids. 33 Sende, Vater, deinen Geist 382 Siegesfürste, Ehrenkönig. 135 Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig 251 Sich, wie lieblich und wie fein.. So führst du doch recht felig, Herr.. 413 P. So hab ich nun den Fels 283 So hab ich obgesieget... 611 Preis, Ehr und Lob sei dir 522 So hoff ich denn mit feſtem Mut 287 N. Rede, liebster Jesu, rede. 187 Reich des Herrn.... 181 Ringe recht, wenn Gottes 363 Rüstet euch, ihr Christenleute 362 Schaffet, schaffet, Menschent. 353 Schaff in mir, Gott, ein 253 Schmücke dich, o liebe Seele 215 Schmückt das Fest mit Maien 144 Schönster Herr Jesu.. 310 Schutzgott, dessen ſtarke Rechte V. 3 ff.. Schwing dich auf, mein ganz 459 Schwing dich auf zu deinem 398 Seele, geh auf Golgatha. 98 Seele, mach dich heilig auf 95 Seelenbräutigam 164 XIII .. 354 .... So jemand spricht, ich liebe Gott.. .. 374 So ist die Woche nun.. 517 Soll es, liebster Gott.. 432 Sollt es gleich bisweilen. 405 Sollt ich meinem Gott nicht singen.. 447 So nimm denn meine Hände 376 Sorge doch für meine Kinder 530 So ruhest du, o meine Ruh 103 So tret ich demnach an. 479 So wahr ich lebe, spricht 239 Speis uns, Vater, deine Kind. 495 Stark ist meines Jesu Hand 332 Steht auf, ihr lieben Kinderl. 466 Straf mich nicht in deinem 250 Such, wer da will, ein 299 ● 311 Tag des Zorns...... 618 Seele, was ermüdst du dich 316 Teures Wort aus Gottes 192 Sei getreu bis an das Ende 346 Thut mir auf die schöne 11 Sei Gott getreu, halt seinen 348 Treuer Gott, ich muß dir 241 Sei Lob, Ehr, Preis und 150 Treuer Hirte deiner Herde 177 Sei Lob und Ehr dem höchst. 449 Treuer Jesu, wache dit.. 508 Sei mir tausendmal gegrüßet 87 Treuer Wächter Israel.. 544 XIV Alphabetisches Register. VEL pod cildur. Warum betrübst du dich, mein Herz 385 ... 27 Warum sollt ich mich denn grämen.. ... 397 Warum willst du draußen stehen... Was alle Weisheit in der Welt..... 151 Was Gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt.... 407 Was Gott thut, das ist wohlgethan, so denken.... 565 Was ists, daß ich mich quäle 424 Was mein Gott will, das g'scheh allzeit 384 Was mich auf dieser Welt betrübt ... 408 Was willst du dich betrüben 392 Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel. .. 275 Weil ich Jesu Schäflein bin 533 Weine nicht, Gott lebet noch 417 Welt ade, ich bin dein müde 596 Wenn alle untreu werden 331 Wenn dein herzliebster Sohn, 266 Unsern Ausgang segne Gott 19 Unter Lilien jener Freuden 602 Unumschränkte Liebe... 280 Unverfälschtes Christentum V. 4 ff.. .... 361 B. Valet will ich dir geben. 585 Vater, laß mich Gnade finden 249 Vater unser im Himmelreich 377 Verleih uns Frieden gnädigl. 519 Versuchet euch doch selbst 272 Verzage nicht, du Häuflein 171 Vollendet hat der Tag die 516 Vom Himmel hoch da komm ich her..... 38 Vom Himmel kam der Engel Schar.... 39 Von Gott will ich nicht lassen 386 Vor deinen Thron tret ich 474 Vor G'richt, Herr Jesu, steh ich hie 237 ● Wach auf, du Geist der ersten Zeugen. Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin Wach auf, mein Herz, und singe Wachet auf, ruft uns die Stimme Wacht auf, ihr Christen alle 619 Wär Gott nicht mit uns diese Zeit... Wärn meiner Sünd noch so viel... ... 178 .. 119 475 ... 621 ... 167 auch .. 265 Nr. o Gott Wenn dich Unglück hat betreten . 380 Wenn ich ihn nur habe.. 330 Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht .. 464 Wenn kleine Himmelserben 613 Wenn mein Stündlein vorhanden ist ... 575 Wenn meine Sünd mich. 83 Wenn wir in höchsten Nöten 233 Wenn wir in Wassersnöten sein.... .. 568 Werde licht, du Stadt.. 68 Werde munter, mein Gemüte 501 Alphabetisches Register. Nr. Nr. Wer Gott vertraut, hat wohl 387 Wir danken Gott für seine 494 Wer ist wohl wie du... 314 Wir glauben all an Einen 263 Wer nur den lieben Gott 403 Wir liegen hier zu deinen 256 Wer sind die vor Gottes 632 Wir Menschen sind zu dem 188 Werter Tröster, komm.. 147 Wir singen dir, Immanuel 49 Wer weiß, wie nahe mir 599 Wohlauf, mein Herz, zu Gott 379 Wie fleugt dahin der Men- Wohl einem Haus, wo Jesus 525 Wo ist ein solcher Gott 286 Womit soll ich dich wohl 453 Wort des höchsten Mundes 194 Wo soll ich fliehen hin.. 240 Wo willst du hin, weils schen Zeit. .. 598 Wie Gott mich führt, so will 420 Wie groß ist des Allmächtgen 465 Wie lieblich ist der Maien 547 Wie lieblich sind doch deine 117 Wie mein getreuer Vater will 404 Wie mit grimmigem Unverstand 9 569 Wie schön ists doch, Herr 524 Wie schön leucht uns der 292 Wie selig ist der Ort... Wie soll ich dich empfangen Wie wird mir dann, o dann 634 Wie wohl hast du gelabet 222 Wie wohl ist mir, o Freund 28 der Seele 309 Willkommen, Held im Streite 121 Wir danken dir, Herr Jesu 78 Christ, daß du für uns Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser.. 500 Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom Tod 110 XV Abend ist. .. 118 Wunderanfang, herrlichs.. 410 Wunderbarer Gnadenthron 51 Wunderbarer König.... 451 3. Zeuch, Ehrenkönig, bei mir 34 Beuch ein zu deinen Thoren 142 Zeuch hin, mein Kind.. 612 Beuch uns nach dir.... 134 Zion, gieb dich nur zufrieden 175 Zion klagt mit Angst und Schmerzen ● ... 173 Zu deinen Füßen liege ich 225 Zu dir, Herr Jesu, komme ich 257 Zween der Jünger gehn mit Sehnen ... 122 Psalm 92, 2. Das ist ein köstlich Ding dem HErrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster. Epheser 5, 18-20. Werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem HErrn in eurem Herzen; und saget Dank allezeit für Alles, Gott und dem Vater, in dem Namen unsers HErrn Jesu Christi. A. Sonntags- und Festtagslieder. I. Sonntagslieder. Psalm 100. Eigene Melodie. 1. Malle Welt, kommt her, un jauchzt dem Herren, zu seinem Dienst euch stellt; kommt mit Frohlocken, säumet nicht, kommt vor ſein heilig Angesicht! 2. Erkennt, daß Gott ist unser Herr, der uns erschaffen ihm zur Ehr, und nicht wir selbst, durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 3. Er hat uns ferner wohl be 2. Heutist des Herren Ruhedacht tag, vergesset Sorge, Müh und Plag, treibt eure Wochenarbeit nicht, kommt vor des Höchsten Angesicht! Halleluja! gemacht, zu Schafen, die er ist bereit zu führen stets auf gute Weid. 4. Die ihr nun wollet bei ihm sein, kommt, geht zu seinen Thoren ein mit Loben durch der Psalmen Klang, zu seinem Vorhof mit Gesang. 6. Er ist voll Güt und Freundlichkeit, voll Lieb und Treu zu jeder Zeit; sein Gnade währet heit für und für. dort und hier, und seine Wahr7. Gott Vater in dem höchsten Thron und Jesus Christ, sein einger Sohn, samt Gott dem immerdar gepreiſt. werten heilgen Geist sei nun und David Denicke(?) g. 1603+ 1680 ( nach Corn. Becker). 2. Kommt her und fallt auf eure Knie vor Gottes Majeſtät allhie! es ist sein Heiligtum und Haus, wer Sünde liebt, gehört hinaus. Halleluja! 5. Dankt unserm Gott, lobsin- 3. Ganz unerträglich ist sein get ihm, rühmt seinen Nam mit Grimm, doch hört er gern der lauter Stimm, lobsingt und dan- Armen Stimm; deswegen lobt fet allesamt! Gott loben das ist ihn allesamt, das ist der Christen unser Amt. rechtes Amt. Halleluja! 1 2 Sonntagslieder. 4. Rühmt unsers Gottes Meisterthat, da er aus nichts erschaffen hat den Himmel und die ganze Welt und was dieselbe in sich hält. Halleluja! 12. Erleuchte uns, du wahres Licht, entzieh uns deine Gnade nicht, all unser Thun auch so regier, daß wir Gott preisen für und für. Halleluja! 5. Denkt auch, daß heut geschehen ist die Auferstehung Jesu Christ, dadurch die wahre Freudigkeit in aller Not uns ist bereit. Halleluja! 6. Drum wollen wir begehn mit Fleiß den Tag nach rechter Christen Weis, wir wollen aufEigene Melodie. thun unfern Mund und ſagen dies 3. Her Jesu Christ, dich zu wend, den von 13. Gott Vater, Sohn und Geist, verleih, daß dieser Tag dir heilig sei, wir auch die Sabbathsruh und Freud erlangen drauf in Ewigkeit. Halleluja! Hannov. Gjb. 1646. 9. liebster Heiland Jesu Christ, der du vom Tod erstanden bist, richt unsre Herzen auf zu dir, daß sich der Sündenschlaf verlier. Halleluja! 10. Gieb deiner Auferstehung Kraft, daß dieser Trost ja bei uns haft, und wir uns drauf verlassen fest, wenn uns nun alle Welt verläßt. Halleluja! 7. Gott, der du den Erden- Geist du zu uns send, mit Hülf kreis erschaffen hast zu deinem und Gnad, Herr, uns regier und Preis, uns auch bewahrt so man- uns den Weg zur Wahrheit führ! ches Jahr in vieler Trübsal und Gefahr, Halleluja, 8. Hilf, daß wir alle deine Werk voll Weisheit, Güte, Macht und Stärk erkennen und je mehr und mehr ausbreiten deines Namens Ehr. Halleluja! 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein, den Glauben mehr, stärk den Verstand, daß uns dein Nam werd wohl bekannt; 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und selgem Licht. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron, der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm II. Herzog zu SachsenWeimar(?) g. 1598+ 1662. 11. O heilger Geist, laß uns Psalm 100. dein Wort so hören heut und Mel. Gott des Himmels und der Erden, immerfort, daß sich in uns oder Eigene Melodie. durch eine Lehr Glaub, Rieb 4. Alle Welt, was feel lebt und Halleluja! Hoffnung reichlich mehr. webet, in Feld und Häusern ist, was nur Stimm 3 den Weg zur Buße weist und innerlich erfreuet. Laß mich, bitt ich, deine Güte im Gemüte fort empfinden, ohn Anfechtung meiner Sünden. 3. Herr, siehe du doch ja nicht an das, was ich wider dich gethan in nächstverwichnen Tagen. Nimm zur Versöhnung Christi Blut, der uns gelitten hat zu gut und völlig abgetragen, was sich täglich noch für Sünden in uns finden; drum wir Schwachen zu dem Gnadenthron uns machen. 4. Mein'n Leib, mein Seel und all das Mein, laß dir, o Herr, befohlen sein, ich will mich dir ergeben. Wend ab Not, Angst und Herzeleid, du Vater der Barmherzigkeit, in meinem ganzen Leben, daß ich fröhlich deinen Willen mög erfüllen, stets dich lieben, auch die Lieb am nächsten üben. Mel. Wie schön leucht uns der Morgenst. ch will, o Vater, allezeit 5. 5. Gieb, daß mir deiner Ruhe Tag mein innre Ruh befördern mag durch deines Wortes Stärke; daß mir dasselb ins Herze dring und hundertfältig Früchte bring, erheben deine Gütigkeit, des Glaubens rechte Werke. Von daß du von so viel Jahren mich dir laß mir Brünnlein fließen, haft behütet wunderbar, wie ichs sich ergießen, daß ich bleibe stets mein Lebtag immerdar, auch diese ein Glied an deinem Leibe. Woch erfahren. Singet, bringet 6. Verleihe, daß in dieser Welt Gott dem Herren nah und fer- mein Hoffnung sei auf dich gestellt ren Dank und Ehre, jedermann sein Lob vermehre! 2. Du führst durch deinen Gnadenschein aus aller Trübfal, Not und Pein den, der zu dir nur schreiet. Durch Christum giebst du deinen Geist, der uns loben. und ich dir ganz vertraue, daß ich die wahre Ruh und Freud erlange dort ohn einig Leid, wenn ich Gott immer schaue. Durch dich werd ich große Gaben ewig haben bei dir oben; deinen Namen will ich Hannov. Gsb. 1657. 1* Sonntagslieder. und Zung erhebet, jauchze Gott zu jeder Frist! Dienet ihm, wer dienen kann, kommt mit Lust zu ihm heran! 2. Sprecht: Der Herr ist unser Meister, er hat uns aus nichts gemacht, er hat unsre Leib und Geister an die lichte Welt gebracht; wir sind seiner Allmacht Ruhm, seine Schaf und Eigentum. 3. Gehet ein zu seinen Pforten, geht durch seines Vorhofs Gang, lobet ihn mit schönen Worten, saget ihm Lob, Preis und Dank! Denn der Herr ist jederzeit voller Gnad und Freundlichkeit. 4. Gott des Himmels und der Erde, Vater, Sohn und heilger Geist, daß dein Ruhm bei uns groß werde, Beistand selbst und Hülf uns leist! Gieb uns Kräfte und Begier, dich zu preisen für und für! V. 1-3 Joh. Franck g. 1618 † 1677. V. 4 3usaz von 1712. 4 Sonntagslieder. Eigene Melodie. 4. Mein Gott, laß mir dein 6. Liebſter Jefu, wir find Lebenswort, führ mich zur Himdich Wort anzuhören, lenke Sinne und Begier auf die süßen Himmelslehren, daß die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden. Mel. Gott des Himmels und der Erden. 2. Unſer Wiſſen und Verſtand 8. Großer Gott von alten mit Finsternis verhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. Hand die Welt regiert, dessen Treu auf allen Seiten mich von Jugend auf geführt, heute weckt des Tages Lauf mich zu lauter Andacht auf. 3. du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren! Unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen! Tobias Clausniger g. 1618 † 1684. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 7. Gott Gott ott Lob, der Sonntag kommt herbei, die Woche wird nun wieder neu; heut hat mein Gott das Licht gemacht, mein Heil hat mir das Leben bracht. Halleluja! 2. Das ist der Tag, da Jesus Christ vom Tod für mich erstanden ist und schenkt mir die Gerechtigkeit, Trost, Leben, Heil und Seligkeit. Halleluja! 3. Das ist der rechte Sonnentag, da man sich nicht gnug freuen mag, da wir mit Gott versöhnet sind, daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. Halleluja! leben heiliglich und dir lobsingen ewiglich! Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 † 1684. 2. Ach wie lieb ich diese Stunden, denn sie sind des Herren Fest, das mit so viel Trost verbunden, da mein Gott mich ruhen läßt und durch seinen guten Geist mir den Weg zum Leben weist. 3. Habe Dank für diesen Morgen, der mir Zeit zum Guten schenkt; das sind unsre besten Sorgen, wenn der Mensch an Gott gedenkt und von Herzen bet und singt, daß es durch die Wolken dringt. 4. Was ist schöner als Gott dienen, was ist süßer als sein Wort, da wir sammeln wie die Bienen und den Honig tragen fort? Selig ist, wer Tag und Nacht also nach dem Himmel tracht. 5. O mein Gott, sprich selber Amen, denn wir sind dein Eigentum. Alles preise deinen Namen, alles mehre deinen Ruhm, bis es fünftig wird geschehn, daß wir dich im Himmel sehn. Kasp. Neumann g. 1648 † 1715. Sonntagslieder. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 2. 9. ie selig ist der Ort zu nennen, wo Gottes Wort im Schwange geht, wo Licht und Recht ganz helle brennen, und Zion niemals wüste steht, da man im Schmuck der Heiligkeit dem Herren opfert allezeit! 2. Weh aber, wo die Lebensworte so rar und teuer worden sind, daß man an solchem wüsten Orte von Gott nur dunkle Spuren findt! Wie billig wird 5 5. Ach Herr, gieb selber das Gedeihen, laß doch kein Wort vorüber gehn, laß uns die Seelenspeis erfreuen, laß unser Herz erquicket stehn, gieb unsrer Einfalt deutlich ein das, was uns fann erbaulich sein! mit dem Herzen selbst bekennt. Wenn uns die Welt Verfolgung dräut, so gieb, o Herr, Beständigkeit! 7. Ja bau du selbst in unsrer Seele dir ein lebendig Gotteshaus, so wird in dieser Jammerhöhle ein angenehmer Sabbath draus, bis wir in jenen Tempel gehn und vor des Lammes Stuhle stehn. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. der Ort beweint, wo Gottes 10. Mein Gott, die Sonne Wort entfernet scheint. geht herfür, sei der Sünden Dunkelheit! du 3. Wir dürfen keinen Zweifel die Sonne selbst in mir, du tragen, als wär allhier nicht Sonne der Gerechtigkeit, vertreib Gottes Haus; wo wir nach Gottes Worte fragen, da macht er eine Kirche draus: sie sei nun zahlreich oder klein, so muß sie ihm doch heilig sein. 4. So treten wir im Geist zusammen, so singen wir des Herren Lied, so bringen wir die Opferflammen, auf welche Gott in Gnaden sieht; so lesen wir und hören an, was Gottes Wort uns lehren kann. 2. Mein erstes Opfer ist dein Ruhm, mein Herz ist selbst dein Eigentum; ach kehre gnädig bei mir ein, du mußt dir selbst den Tempel weihn. 3. Gieb, daß ich meinen Fuß bewahr, eh ich mit deiner Kirchenschar zum Hause Gottes wallen geh, daß ich auch heilig vor dir steh. 4. Bereite Herze, Mund und Hand und gieb mir Weisheit und Verstand, daß ich dein Wort mit Andacht hör, zu deines großen Namens Ehr. 5. Schreib alles fest in meinen Sinn, daß ich nicht nur ein Hörer bin; verleihe deine Kraft dabei, daß ich zugleich ein Thäter sei. 6. Erhalt uns bei dem Glaubensgrunde, den du den Eckstein haft genennt, daß man dich nicht nur mit dem Munde, auch mag; bewahr mich vor der argen 6. Hilf, daß ich diesen ganzen Tag mit Leib und Seele feiern Sonntagslieder. 6 Welt, die deinen Sabbath sündlich hält. 7. So geh ich denn mit Freude hin, wo ich bei dir zu Hause bin. Mein Herz ist willig und bereit, o heilige Dreieinigkeit! Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. 7. Öffne mir die grünen Auen, daß dein Lamm sich weiden tann; lasse mir dein Manna Mel. Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel. 11. Thut mir auf die schöne tauen, zeige mir die rechte Bahn hier in diesem Jammerthal, Herr, zu deinem Ehrensaal! Pforte, führet mich in Zion ein! Ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. Mel. Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel. 12. gen, schöner als man denken mag, heute fühl ich keine Sorgen, denn das ist ein lieber Tag, der durch seine Lieblichkeit recht das Innerste erfreut. " kommen, fomme du nun auch zu mir! Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Beuch in meinem Herzen ein, laß es deinen Tempel sein! 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilige du Leib und Geist, daß mein Singen und mein Beten ein gefällig Opfer heißt. Heilige du Mund und Ohr, zeuch das Herze ganz empor! 6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd erfüllt; nichts laß meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmelbrot, tröste mich in aller Not! 4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samforn auf mich fällt; gieb mir Licht in dem Verstande, und was mir wird vorgestellt, präge du im Herzen ein, laß es mir zur Frucht gedeihn! 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, laß dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rau ben, halte mir dein Wort stets für, daß es mir zum Zeitstern dient und zum Trost im Herzen grünt. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, heller Tag der dunkeln Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt! Stunde voller Seligkeit, du vertreibst mir alles Leid. 3. Ach wie schmeck ich Gottes Güte recht als einen Morgentau, die mich führt aus meiner Hütte zu des Vaters grüner Au; da hat wohl die Morgenstund edlen Schatz und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Weltgeschäfte, heute hab ich sonst zu thun, denn ich brauche alle Kräfte, in dem höchsten Gott zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich als nur Gotteswerk für mich. 5. Wie soll ich mich heute schmücken, daß ich Gott gefallen Sonntagslieder. 7 mag? Jesus wird die Kleider gebücket dienen; heilig, heilig, schicken, die ich ihm zu Ehren trag. heilig fingen ihm zur Ehre aller Sein Blut und Gerechtigkeit ist Engel hohe Chöre. Herr, verdas schönste Sonntagskleid. nimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. 6. Ich will in der Zionsstille heute voller Arbeit sein, denn da sammle ich die Fülle von den höchsten Schätzen ein, wenn mein Jesus meinen Geist mit dem Wort des Lebens speist. 3. Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden; da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigentum ergeben. Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre, dir gebührt die Ehre. 7. Herr, ermuntre meine Sinnen und bereite selbst die Brust, laß mich Lehr und Trost gewinnen, gieb zu deinem Manna Lust, daß mir deines Wortes Hall recht tief in mein Herze fall. 4. Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen und im Geiſt dir Dienst erweisen! Möcht ich wie die Engel immer vor dir 8. Segne deiner Knechte Leh- stehen und dich gegenwärtig ren, öffne selber ihren Mund; sehen! Laß mich dir für und mach mit allen, die dich hören, heute deinen Gnadenbund, daß wenn man hier bet und singt, solches in dein Herze dringt. 9. Gieb, daß ich den Tag beschließe, wie er angefangen ist; segne, pflanze und begieße, der du Herr des Sabbaths bist, bis ich einst auf jenen Tag ewig Sabbath halten mag. 3. Krause g. 1701+1762. Mel. Unumschränkte Liebe, oder Wunderbarer König. 13. G ott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten! Gott ist in der Mitten, alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge! Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlagt die Augen nieder, kommt, ergebt euch wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht für trachten zu gefallen, liebster Gott, in allen! 5. Du durchdringest alles, laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte! Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne ſtille halten, laß mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen! 6. Mache mich einfältig, innig, abgeschieden, sanfte und im stillen Frieden; mach mich reines Herzens, daß ich deine Klarheit schauen mag im Geist und Wahrheit; laß mein Herz überwärts wie ein Adler schweben und in dir nur leben! 7. Herr, komm in mir wohnen, laß mein'n Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, daß ich dich stets 8 Sonntagslieder. lieb und ehre. Wo ich geh, sitz 2. Auf dem so schmalen Pfade und steh, laß mich dich erblicken gelingt uns gar kein Tritt, es und vor dir mich bücken! gehe seine Gnade denn bis zum Ende mit. Gerh. Terstegen g. 1697 † 1769. Mei. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. 14. B runn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm! 2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht! 3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten laß sein Angesicht, daß wir ihn schaun und glauben frei, daß er uns ewig gnädig ſei. 4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns erheb, daß uns sein Bild werd eingedrückt, und geb uns Frieden unverrückt. 5. Jehova! Vater, Sohn und Geist, o Segensbrunn, der ewig fleußt, durchfleuß Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll! Gerh. Terstegen g. 1697+ 1769. Offenb. 22, 21. Mel. Christus der ist mein Leben. 15. Di ie Gnade sei mit allen, die Gnade unsers Herrn, des Herrn, dem wir hier wallen und sehn sein Rommen gern. 3. Auf Gnade darf man trauen, man traut ihr ohne Reu; und wenn uns ja will grauen, so bleibts: Der Herr ist treu. 4. Wird stets der Jammer größer, so glaubt und ruft man noch: Du mächtiger Erlöser, du kommst; so komme doch! 5. Damit wir nicht erliegen, muß Gnade mit uns sein; denn fie flößt zu den Siegen Geduld und Glauben ein. 6. So scheint uns nichts ein Schade, was man um Jesum mißt, der Herr hat eine Gnade, die über alles ist. 7. Bald ist es überwunden nun durch des Lammes Blut, das in den schwersten Stunden die größten Thaten thut. Noch immer rufen wir: Die 8. Herr, laß es dir gefallen! Gnade sei mit allen, die Gnade ſei mit mir! Phil. Friedr. Hiller g. 1699 † 1769. Eigene Melodie. 16. DGott unserm Herren ank wir alle Christo, der uns mit seinem Wort hat erleuchtet und uns erlöset hat mit seinem Blute von des Teufels Gewalt. Den sollen wir alle mit seinen Engeln loben mit Schalle, singen: Preis sei Gott in der Höhe! Altkirchl. Deutsch 1624. 9 Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. aß mich dein sein und 19. Unser Ausgang fegne treuer Gott, unsern EinSonntagslieder. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 17. La Gott und Herr, von dir laß gang gleichermaßen, segne unser mich nichts treiben, halt mich täglich Brot, segne unser Thun bei deiner Lehr! Herr, laß mich und lassen, segne uns mit selnur nicht wanken, gieb mir Be- gem Sterben und mach uns zu ständigkeit, dafür will ich dir Himmelserben! danken in alle Ewigkeit. Hartmann Schenck g. 1634 † 1681. Nikol. Selnecker g. 1532 † 1592. Am Sonntag Abend. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. Mel. Christus der ist mein Leben. 18. Ach bleib mit deiner 20. un bricht die finſtre Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List. Nacht herein, des Tages Glanz ist tot; jedoch, mein Herz, schlaf noch nicht ein, geh, rede erst mit Gott! 2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, daß uns beid hier und dorte sei Güt und Heil beschert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht, dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr, dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr! 5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht truke, noch fäll die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not! Josua Stegmann g. 1588+ 1632. 2. Gott, du großer Herr der Welt, den niemand sehen kann, du siehst ja mich in deinem Zelt, hör auch mein Seufzen an! 3. Der Tag, den ich nunmehr vollbracht, der war besonders dein; drum hat er auch bis in die Nacht mir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht geschehn, denn ich bin Fleisch und Blut und pfleg es öfters zu versehn, wenn gleich der Wille gut. denthron, sich meine Schuld 5. Nun such ich deinen Gnanicht an und denke, daß dein lieber Sohn für mich genug gethan. 6. Schreib alles, was man heut gelehrt, in unsre Herzen ein und lasse die, so es gehört, dir auch gehorsam sein. 7. Erhalte ferner noch dein Wort und thu uns immer wohl, Sonntagslieder. 10 damit man stets an diesem Ort Gott diene, wie man soll. 8. Indessen such ich meine Ruh; o Bater, steh mir bei und gieb mir deinen Engel zu, daß er mein Wächter sei. 9. Gieb allen eine gute Nacht, die heute recht gelebt, und beßre den, der unbedacht hat wider dich gestrebt. 10. Wofern dir auch mein Thun gefällt, so hilf mir morgen auf, daß ich noch ferner in der Welt vollbringe meinen Lauf. 11. Und endlich führe, wenn es Zeit, mich in den Himmel ein, da wird in deiner Herrlichkeit mein Sabbath ewig sein. Kaspar Neumann g. 1648+ 1715. Sohne, der Hauch von deinem Geist, was unser Sinn gespüret, was unser Herz gerühret- für alles, alles sei gepreist. 4. Laß diesen Strahl des Lebens, dies Licht doch nicht vergebens für uns entzündet sein! Noch in den dunklen Stunden, wenn alles sonst verschwunden, leucht es in unser Herz hinein! 5. Was dieses Licht verdunfelt, obs noch so gleißt und funkelt, das bleib uns ewig fern. Sei du allein die Sonne des Lebens und die Wonne des Herzens und des Auges Stern! 6. Wenn sich die Augen senken, dann laß dein Angedenken nicht völlig schlafen ein! Laß in den Finsternissen dein Wort und mein Gewissen die beiden treuen Mel. Welt, ich muß dich lassen. 21. Die schönen Sonntags- Wächter ſein! stunden sind dahingeschwunden, uns grüßt die Abendruh; nun will ich all mein Dichten zu dir nach oben richten, Anfang und Ende bleibest du. 2. Herr, dir sei Preis und Ehre für alle Lieb und Lehre, die ich empfangen heut; du bist allein zu loben für jedes Licht von oben, das diesen Tag hat eingeweiht. 3. Der Glanz von deinem Throne, das Wort von deinem 7. Ein Strahl von deinem Lichte erleuchte mein Gesichte auch in der finstern Nacht! Im tiefsten Schoß der Stille entschlummert jeder Wille, du aber bists, der ewig wacht. 8. Herr, schenke mir indessen ein seliges Vergessen von allem eitlen Wahn! Mag auch kein Aug mich schauen, sich von des Himmels Auen nur du, mein Gott und Herr, mich an! Chr. Heinr. Puchta g. 1808 † 1858. 11 II. Adventslieder. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag.| herzigkeit; all unsre Not zum End 22. un kommt das neue er bringt, derhalben jauchzt, mit Kirchenjahr, des Freuden singt: Gelobet sei mein freut sich alle Christenschar. Dein Gott, mein Heiland groß von König kommt, drum freue dich, du That! wertes Zion, ewiglich! Halleluja! 2. Wir hören noch das Gnadenwort vom Anfang wieder immerfort, das uns den Weg zum Leben weist; Gott sei für seine Gnad gepreist. Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, die unsern Glauben stets vermehrt, laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für. Halleluja! 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron; der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. Halleluja! Joh. Olearius g. 1611+ 1684. 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit, eur Herz zum Tempel zubereit! die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud, so kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll That, voll Gnad! Eigene Melodie. 23. 5. Komm, o mein Heiland acht hoch die Thür, Jesu Christ, meins Herzens Thür die Thor macht dir offen ist; ach zeuch mit deiner weit, es kommt der Herr der Gnade ein, dein Freundlichkeit Herrlichkeit, ein König aller auch uns erschein. Dein heilger Königreich, ein Heiland aller Geist uns führ und leit den Weg Welt zugleich, der Heil und Leben zur ewgen Seligkeit. Dem Namit sich bringt; derhalben jauchzt, men dein, o Herr, sei ewig Preis mit Freuden singt: Gelobet sei und Ehr! mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat! Georg Weissel g. 1590 † 1635. 2. Er ist gerecht, ein Helfer Mel. Aus meines Herzens Grunde. wert, Sanftmütigkeit iſt ſein 24. Auf, auf, ihr Reichs Königsfron ist genossen, eur König Heiligkeit, sein Zepter ist Barm- kommt heran, empfahet unver Adventslieder. 12 drossen den großen Wundermann! Ihr Christen, geht herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm Hosianna singen mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen, der König ist gar nah; hinweg all Angst und Schmerzen, der Helfer ist schon da; seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können im Nachtmahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern; seid fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern; der Herr will in der Not mit reichem Trost euch speisen, er will euch Hülf erweisen, ja dämpfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sünder: Der König merket drauf, wenn ihr verlornen Kinder im vollen Lasterlauf auf Arges seid bedacht, ja es thut ohne Sorgen; gar nichts ist ihm verborgen, er giebt auf alles acht. 7. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, der König kommt mit Macht; an uns, sein Herzgeliebten, hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein noch Born hinfür uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kinder sein. 8. So lauft mit schnellen Schritten, den König zu besehn, dieweil er kommt geritten stark, herrlich, sanft und schön; nun tretet all heran, den Heiland zu begrüßen, der alles Kreuz versüßen und uns erlösen kann. 9. Der König will bedenken die, welch er herzlich liebt, mit föstlichen Geschenken, als der sich selbst uns giebt durch seine Gnad und Wort. Ja, König, hoch erhoben, wir alle wollen loben dich freudig hier und dort. 10. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach; du liebest unvergleichlich, du jagst den Sündern 5. Seid fromm, ihr Unter- nach; drum wolln wir all in ein thanen, der König ist gerecht. die Stimmen hoch erschwingen, Laßt uns die Weg ihm bahnen ein Hosianna singen und ewig und machen alles schlicht. Für- dankbar sein. Johann Rist g. 1607+ 1667. wahr, er meint es gut, drum lasset uns die Plagen, die er uns schickt, ertragen mit unerschrock- Mel. Aus meines Herzens Grunde. nem Mut. 6. Frisch auf in Gott, ihr Ar- 25. Nun jauchzet all, ihr men, der König sorgt für euch, er will durch sein Erbarmen euch machen groß und reich; der an ein Tier gedacht, der wird auch euch ernähren; was Menschen nur begehren, das steht in seiner Macht. Gnadenzeit, weil unser Heil iſt kommen, der Herr der Herrlichkeit; zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zerstören des Teufels Reich und Macht. Adventslieder. 13 2. Er kommt zu uns geritten| Heil der Sünder, der große auf einem Eselein und stellt sich Wunderheld, den Gott aus Gnad in die Mitten für uns zum allein der Welt zum Licht und Opfer ein. Er bringt kein zeit- Leben gesendet und gegeben, bei lich Gut, er will allein erwerben euch auch kehre ein. durch seinen Tod und Sterben, was ewig währen thut. 1512 3. Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt, im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht. 4. Jhr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an, wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt. 5. Jhr Armen und Elenden in dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemut, laßt eure Lieder klingen und thut dem König singen, der ist eur höchstes Gut. 6. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eur Klag und Weinen verwandeln Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. ganz in Freud. Er iſt, der helfen 27. W arum willst du eure Lampen fertig und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn. draußen stehen*), du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohl gefallen, du mein Stern! Du mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, hilf, o Mich. Schirmer g. 1606+ 1673. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 26. Mit Ernst, o Men- Heiland, meinem Herzen von schenkinder, das den Wunden, die mir schmerzen! Herz in euch bestellt, damit das *) 1 Moj. 24, 31. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, die Thal laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was frumm ist, gleich und schlecht! 3. Ein Herz, das Demut übet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut liebet, mit Angst zu gründe geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Nach Bal. Thilo d. Jüng g. 1607+1662. 14 Adventslieder. 2. Meine Wunden sind der dir erquicken, Jesu, komm, laß Jammer, welchen oftmals Tag dich erblicken! und Nacht des Gesetzes starker Hammer mir mir mit seinem Schrecken macht. O der schweren Donnerstimm, die mir Gottes Zorn und Grimm also tief ins Herze schläget, daß sich all mein Blut beweget! 3. Dazu kommt des Teufels Lügen, der mir alle Gnad absagt, als müßt ich nun ewig liegen in der Hölle, die ihn plagt. Ja auch, was noch ärger ist, so zermartert und zerfrißt mich mein eigenes Gewissen mit vergiften Schlangenbissen. 4. Will ich denn mein Elend lindern und erleichtern meine 9. Alles dient zu deinem Bein bei der Welt und ihren Frommen, was dir bös und Kindern, fall ich vollends tief hinein: da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist alles nichtig, nichts ist, das nicht kraftlos wär; hab ich Hoheit, die iſt flüchtig; hab ich Reichtum, was ists mehr als ein Stücklein armer Erd? hab ich Lust, was ist sie wert? was ists, das mich heut erfreuet, das mich morgen nicht gereuet? 7. Freu dich, Herz, du bist erhöret, jezo zeucht er bei dir ein; sein Gang ist zu dir gekehret, heiß ihn nur willkommen sein und bereite dich ihm zu, gieb dich ganz zu seiner Ruh, öffne dein Gemüt und Seele, flag ihm, was dich drück und quäle. 6. Aller Trost und alle Freude ruht in dir, Herr Jesu Christ; dein Erfreuen ist die Weide, da man sich recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, che mir mein Herze bricht, laß mich, Herr, an 8. Was du Böses hast begangen, das ist alles abgeschafft: Gottes Liebe nimmt gefangen deiner Sünde Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, und was Böses in der Welt sich will wider dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen. schädlich scheint, weil dich Christus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibst du dem nur wieder treu, ists gewiß und bleibt dabei, daß du mit den Engeln droben ihn dort ewig werdest loben. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. TESTE Mel. Valet will ich dir geben. 28. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier? Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergetze, mir fund und wissend sei. 2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze Adventslieder. soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie irdisch Reichtum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen haſt. 6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft 15 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sündenschuld, nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zum Trost und wahren Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil. 10. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal! Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. Eigene Melodie. Commst 29. K du, Licht der Heije mehr und mehr; seid unverzagt, den? Ja du kommst und säumest ihr habet die Hülfe vor der Thür, nicht, weil du weißt, was uns der eure Herzen labet und tröstet, gebricht; o du starker Trost im steht allhier. Leiden, Jesu, meines Herzens Thür steht dir offen, komm zu mir! 2. Ja du bist bereits zugegen, du Weltheiland, Jungfraunsohn; meine Sinne spüren schon deinen gnadenvollen Segen, deine Wunderseelenkraft, deine Frucht und Herzenssaft. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht; er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewußt. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen in Einem Augenblick. Er kommt, er kommt ein König, dem wahrlich alle Feind auf Erden viel zu wenig zum Widerstande seind. 16 3. Adle mich durch Liebe, Jesu, nimm mein Flehen hin, schaffe, daß mein Geist und Sinn sich in deinem Lieben übe; sonst zu lieben dich, mein Licht, steht in meinen Kräften nicht. Adventslieder. deine wie du gerne thust, rein von aller Sünden Wust! 4. Jesu, rege mein Gemüte, Jesu, öffne mir den Mund, daß dich meines Herzens Grund innig preise für die Güte, die du mir, o Seelengast, lebenszeit erwiesen haſt. 5. Laß durch deines Geistes Gaben, Liebe, Glauben und Geduld, durch Bereuung meiner Schuld, mich zu dir sein hocherhaben. Dann so will ich für und für Hosianna singen dir. Ernst Christ. Homburg g. 1605 † 1681. Eigene Melodie. 30. Gott alle Welt, Wort beständig hält und der Sünder Trost und Rat zu uns hergesendet hat! 2. Was der alten Väter Schar höchster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeit, ist erfüllt nach Herrlichkeit. ott sei Dank durch 31. Liebster Jeſu, sei will sein kommen hier in dieser bösen Welt, da du kaum wirst aufgenommen, da man dich verächtlich hält. Ich, ich will dich nicht verscherzen, wohne nur in meinem Herzen! Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 3. Zions Hülf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, der wohl zweigestammte Held hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Dir Hosianna, o mein Teil! Richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an! 6. Und gleich wie dein Ankunft war voller Sanftmut, ohn Gefahr, also sei auch jederzeit deine Sanftmut mir bereit! 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir allein; mach es, 7. Tröste, tröste meinen Sinn, weil ich schwach und blöde bin, und des Satans schlaue List sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlange Kopf entzwei, daß ich aller Ängste frei dir im Glauben um und an selig bleibe zugethan, 9. Daß, wenn du, du Lebensfürst, prächtig wieder kommen wirst, ich dir mög entgegen gehn und vor dir gerecht bestehn. Henr. Held um 1650. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Mel. 2. 2. Zwar du kommest gar nicht prächtig, aber ich bin schon vergnügt; du bist dennoch reich und mächtig, hast mir alles zugefügt, was mich Sünder, was mich Schwachen kann gerecht und selig machen. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 3. Dein so armes Kummerleben soll mein steter Reichtum Adventslieder. sein; bin ich dir nur ganz ergeben und vertrau ich dir allein, so wirst du mir schon gewähren, was mein Herz nur kann begehren. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 4. Will dich alle Welt gleich meiden, dennoch find ich mich zu dir; dich und mich soll nie was scheiden, sondern ich will für und für in dir leben, an dich gläuben, tot und lebend dein verbleiben. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. 2. Hosianna, sei gegrüßt! Komm, wir gehen dir entgegen; unser Herz ist schon gerüst, will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein, du sollst uns willkommen sein. 3. Hosianna, Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was du schaffen wirst, das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein besteht. 5. Deine Schmach und deine 4. Hosianna, lieber Gast! Wir Schande, so dir diese Welt an- sind deine Reichsgenossen, die thut, dienet mir zum höchsten du dir erwählet hast; ach so laß Pfande und versichert meinen uns unverdrossen deinem Zepter Mut, daß du mir in jenem Leben wirst die höchste Ehre geben. Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern ſein. dienstbar sein, herrsche du in uns allein! 5. Hosianna! Steh uns bei! O Herr, hilf, laß wohl gelingen, daß wir ohne Heuchelei dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen kann. 6. Hosianna! Laß uns hier an den Ölberg dich begleiten, bis wir einstens für und für dir ein Pfalmenlied bereiten; dort ist unser Bethphage: Hosianna in der Höh! 6. Nun, mein Herze steht dir offen, zeuch, mein Heiland, bei mir ein, laß mich nicht vergeblich hoffen, laß mich stets dein eigen sein! Tilge du all mein Verbrechen, so kann ich stets fröhlich sprechen: Du bist mein, und ich bin dein, ich will keines andern sein. Friedr. Fabricius g. 1642 † 1703. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 1. 17 ihm den Thron, setzt ihm tausend Ehrenbogen, streuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann. 7. Hosianna nah und fern! Eile bei uns einzugehen, du Gesegneter des Herrn, warum willst du draußen stehen?*) Hosianna! Bist du da? Ja du kommst, *) 1 Mof. 24, 31. Benjamin Schmold g. 1672 † 1737. 2 32. Cohn fommt in Halleluja! Davids Zion eingezogen; ach bereitet 18 Adventslieder. Eigene Melodie. 33.( ei willkommen, Davids Sohn, der in seines Vaters Namen sich erhebet auf den Thron über Jakobs Haus und Samen, welchem Gott ein Reich bestimmt, dem die Reiche dieser Erden alle müssen dienstbar werden, das kein Ende jemals nimmt. 34. 3 Mel. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich. euch, Ehrenkönig, bei mir ein, fomm, komm, verweile nicht! Komm, laß mich ganz dein eigen sein, fomm, o mein Gnadenlicht! 2. Sei gesegnet, teures Reich, das ein solcher Herr besitzet, 2. Komm, Jesu, meiner Seele dem kein Herr auf Erden gleich, Teil, ach komm, ich liebe dich. der das Recht mit Nachdruck Ja komm, Herr Jesu, komm, schütet. Schwinge dich in stetem mein Heil, mach ewig selig Flor groß durch Frieden, reich mich! 1735(?). an Frenden unter Juden, unter Heiden mit vermehrtem Glanz empor! füßt den Sohn der Liebe! Ach daß niemand außen bliebe, hier, ach hier ist Seligkeit. Joh. Jak. Rambach g. 1693 † 1735. Eigene Melodie. 3. Deines Königs Majestät 35. Dein König kommt in müsse jedes Volk verehren, und so weit die Sonne geht, müsse sich sein Ruhm vermehren. Selbst der kleinen Kinder Mund mache zum Verdruß der Feinde und zur Freude seiner Freunde seinen großen Namen fund. niedern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Eslin Füllen, empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen, bestreu den Pfad mit grünen Halmen! So ists dem Herren angenehm. 4. Schreibe mich, Herr, auch mit an unter deinen Unterthanen; ich will dir, so gut ich kann, in mein Herz die Wege bahnen; ich geselle mich im Geist zu den selben großen Reihen, die das Hosianna schreien, wo man dich willkommen heißt. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, gewaltger Kämpfer ohne Speere, o Friedensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewinnſt ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, doch aller Erde 5. Jauchzt, ihr Kräfte, freuet Reiche werden dem, das du euch, seid ermuntert, meine Sin- gründest, unterthan. Bewaffnet nen! Jesus und sein Gnaden- mit des Glaubens Worten zieht reich wird bei euch nun Raum deine Schar nach den vier Orten gewinnen. Kommt und schwört der Welt hinaus und macht dir den Huldgungseid, kommt und Bahn. Weihnachtslieder. 19 4. Und wo du kommest herge- daß du selbst hienieden kommst zogen, da ebnen sich des Meeres zu erneuen deinen Frieden, daWogen, es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommſt, auf den empörten Triften des Lebens neuen Bund zu stiften, und schlägst in Fessel Sünd und Tod. gegen sich die Welt empört. 6. laß dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen und lösch der Zwietracht Glimmen aus, daß wir, die Völker und die 5. Herr von großer Huld Thronen, vereint als Brüder und Treue, o komme du auch jetzt wieder wohnen in deines großen aufs neue zu uns, die wir sind Vaters Haus. schwer verstört. Not ist es, Friedrich Rückert g. 1789 † 1866. III. Weihnachtslieder. Eigene Melodie. 36.G in Kind geborn zu Bethlehem, des freuet sich Jerusalem. Halleluja, Halleluja! 2. Hier liegt es in dem Krippelein, ohn Ende ist die Herrschaft sein. Halleluja, Halleluja! 3. Für solche gnadenreiche Zeit sei Gott gelobt in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja! 2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe findt; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewge Gut. Halleluja! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Halleluja! 4. Das ewge Licht geht da herein, giebt der Welt ein neuen Schein; es leucht wohl mitten in der Nacht und uns zu Lichtes Rindern macht. Halleluja! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hie ward und führt uns aus Eigene Melodie. 37. Gelobet feist du, Jeſu dem Jammerthal, er macht uns Christ, daß du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr, des freuet sich der Engel Schar. Halleluja! 4. Lob, Ehr der heilgen Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja! Nach dem Lateinischen Puer natus in Bethlehem. luja! 6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich 2* 20 und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja! 7. Das hat er alles uns gethan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit! Halleluja! Martin Luther g. 1483 † 1546 Eigene Melodie. 38. V om Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eur Freud und Wonne sein. Weihnachtslieder. 3. Es ist der Herr Christ unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eur Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein. dem Krippelein? Wes ist das schöne Rindelein? Es ist das liebe Jesulein. 7. Merk auf, mein Herz, und sieh dort hin: was liegt doch in 8. Willkommen sei, du edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast und kommst ins Elend her zu mir; wie soll ich immer danken dir? 10. Und wär die Welt vielmal so weit, von Edelstein und Gold bereit, so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein. 11. Der Sammet und die Seide dein das ist grob Heu und Windelein, darauf du König, groß und reich, herprangst, als wärs dein Himmelreich. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit, daß ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich. 12. Das hat also gefallen dir, die Wahrheit anzuzeigen mir: Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut vor dir nichts gilt, nichts hilft noch thut. 13. Ach mein herzliebes Jesu5. So merket nun das Zei- lein, mach dir ein rein sanft Bettechen recht, die Krippe, Win- lein, zu ruhn in meines Herzens delein so schlecht, da findet ihr Schrein, daß ich nimmer vergesse das Kind gelegt, das alle Welt dein. erhält und trägt. 6. Des laßt uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt. 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering, daß du da liegst auf dürrem Gras, davon ein Rind und Esel aß. 14. Davon ich allzeit fröhlich sei, zu springen, singen immer frei das rechte Wiegenliedlein schön, mit Herzenslust den süßen Ton. 15. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen eingen Sohn! Des freuen sich Weihnachtslieder. der Engel Schar und singen uns solch neues Jahr. Martin Luther g. 1483 1546. Mel. Vom Himmel hoch da kommich her om Himmel kam der 39. V Engel Schar, er- geboren. schien den Hirten offenbar; sie sagten ihn'n: Ein Kindlein zart das liegt dort in der Krippe hart, 21 Himmelreich über die Nature von einer Jungfrau ist geborn; Maria, du bist auserkorn, daß du Mutter wärest. Was geschah so wundergleich? Gottes Sohn vom Himmelreich, der ist Mensch 2. Zu Bethlehem, in Davids Stadt, wie Micha*) das verfündet hat; es ist der Herre Jesus Christ, der euer aller Heiland ist. *) Mich. 5, 1. 3. Des sollt ihr billig fröhlich sein, daß Gott mit euch ist worden ein. Er ist geborn eur Fleisch und Blut, eur Bruder ist das ewge Gut. Eigene Melodie. 4. Was kann euch thun die 41. Pobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem Sünd und Tod? ihr habt mit höchsten Thron, der heut schleußt euch den wahren Gott. Laßt zür- auf sein Himmelreich und schenkt nen Teufel und die Höll, Gotts uns seinen Sohn. Sohn ist worden eur Gesell. 5. Er will und kann euch lassen nicht, setzt ihr auf ihn eur Zuversicht. Es mögen euch viel fechten an, dem sei Trotz, ders nicht lassen kann. 2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein tlein, er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein. 3. Er äußert sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering und nimmt an sich eins Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding. 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, ihr Milch die ist sein Speis, an dem die Engel sehn ihr Lust, denn er ist Davids Reis, 5. Das seinem Stamm entsprießen sollt in dieser letzten Zeit, durch welchen Gott auf40. wollt Reich, Kreature, denn Gottes Sohn vom Christenheit. 6. Zuletzt müßt ihr doch haben Recht, ihr seid nun worden Gotts Geschlecht. Des danfet Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit! Martin Luther g. 1483+ 1546. 2. Ein Kindelein so löbelich ist uns geboren heute von einer Jungfrau säuberlich, zu Trost uns armen Leuten. Wär uns das Kindlein nicht geborn, so wärn wir allzumal verlorn, das Heil ist unser aller. Ei, du süßer Jesu Christ, daß du Mensch geboren bist, behüt uns vor der Hölle. Nach dem Latein. Dies est laetitiae. Eigene Melodie. er Tag der ist so 22 Weihnachtslieder. 6. Er wechselt mit uns wun- bei dem Vieh im finstern Stall, derlich, Fleisch und Blut nimmt er an und giebt uns in seins Baters Reich die flare Gottheit das die Stern erschaffen all. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. bran. 7. Er wird ein Knecht und ich 5. Aus der Mutter Brust so ein Herr, das mag ein Wechsel rein nähret sich das Kindelein, jein! Wie könnt er doch sein das durch seine göttlich Kraft freundlicher, das Herzejesulein. allem Vieh sein Futter schafft. 8. Heut schleußt er wieder Gottes Sohn ist Mensch geborn, auf die Thür zum schönen Pa- hat versöhnt des Vaters Zorn; radeis, der Cherub steht nicht freu sich, dem sein Sünd ist mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr leid. und Preis! Niklas Herman+ 1561. Eigene Melodie. 6. Solche groß Barmherzigkeit in laßt uns preisen allezeit Gottsfurcht und Glauben rein, mit Geduld gehorsam sein. Gottes Sohn ist Mensch geborn, 42. Dª a Christus geboren war, freute sich der hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 1560. N. d. Latein. In natali Domini. Engel Schar, sangen all mit Haufen schön: Ehr sei Gott im höchsten Thron! Gottes Sohn ist versöhnt Eigene Melodie. bes Baters Zorn; freu sich, dem 43. Christen alle, freue & euch, ihr sein Sünd ist leid. 2. Die Hirten erschraken ganz sich, wer immer fann, Gott hat vor des Engels hellem Glanz, viel an uns gethan! Freuet euch hörten fröhlich neue Mär, daß mit großem Schalle, daß er uns Christus geboren wär. Gottes so hoch geacht, sich mit uns beSohn ist Mensch geborn, hat versöhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist.leid. freundt gemacht. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. 3. Sie suchten das Kindelein, eingehüllt in Windelein, wie der Engel hatt vermeldt, welches trägt die ganze Welt. Gottes Sohn ist Mensch geborn, hat verföhnt des Vaters Zorn; freu sich, dem sein Sünd ist leid. 4. Sie fanden das Kindlein zart liegen in der Krippe hart 2. Siehe, siehe, meine Seele, wie dein Heiland kommt zu dir, brennt in Liebe für und für, daß er in der Krippe Höhle harte lieget dir zu gut, dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude über Freude: Christus wehret Weihnachtslieder. 23 Wir warn all verdorben durch Sünd und Eitelkeit, so hat er uns erworben die emge Himmelsfreud; eia, wärn wir da! 4. Wo ist der Freudenort? Nirgend sonst als dort, da die Engel singen mit den Heilgen all, und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal. Eia, wärn wir da! Hannov. Gsb. 1646. Nach dem Lateinischen In dulci jubilo. allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir meine Seligkeit herrühr. So laß mich von dir nicht wanten, nimm mich dir zu eigen hin, so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. nimm Mel. Valet will ich dir geben. deiner Glieder ferner auch in Gnaden 45. Chriften use an, schenke, was man bitten kann, zu erquicken deine Brüder, gieb der ganzen Christenschar Friede und ein selges Jahr! Freude, heilgen Engel Schar und Gott Freude über Freude: Christus den Vater loben jetzt und fort Wonne, immerdar. wehret allem Leide. Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne. Christ. Keymann g. 1607+ 1662. von Herzen sehr: der Heiland ist geboren! Recht gute neue Mär! Des freuen sich dort oben der Eigene Melodie. 44. N un singet und seid froh, jauchzt all und saget so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leucht doch als die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist Ä und D. 2. Sohn Gottes in der Höh, nach dir ist mir so weh, tröst mir mein Gemüte, o Kindlein zart und rein, durch alle deine Güte, o liebstes Jesulein, zeuch mich hin nach dir! 2. So singen sie mit Schalle: Ihr Christen insgemein, freut euch von Herzen alle ob diesem Kindelein! Euch, euch ist es gegeben und hat das Heil bereit, daß ihr bei Gott sollt leben in steter Seligkeit. 3. Kein Mensch sich ja betrübe, denn dieses Kindelein euch bringet süße Liebe; was wollt ihr traurig sein? Den Himmel wills dem schenken, der an ihn gläubet fest; daran sollt ihr gedenken, euch freuen auf das best. 4. Nun seid ihr wohl gerochen an eurer Feinde Schar, denn Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war. Tod, Teufel, 3. Groß ist des Vaters Huld, Sünd und Hölle sind ganz der Sohn tilgt unfre Schuld. und gar geschwächt, bei Gott 24 hat seine Stelle das menschliche Geschlecht. 5. Drum wir auch nun dich loben, Jesu, zweistammger Held, daß du herab von oben bist kommen in die Welt. Komm auch in unsre Herzen und bleibe für und für, daß weder Glück noch Schmerzen uns trennen ab von dir. 3.1-4. G. Werner g. 1589+1643. V. 5. Hannov. Gib. 1657. Weihnachtslieder. Schanden, dennoch hast du sie dir vertraut am Kreuz in Todesbanden; ist sie doch ganz und gar befleckt, mit dem Verderben angesteckt, und du willst ihretwegen den Zepter von dir legen! 5. Du Fürst und Herrscher dieser Welt, du Friedenswiederbringer, du fluger Rat und tapfrer Held, du starker Höllenzwinger, wie war es möglich, daß du dich erniedrigtest so jämmerlich, als wärest du im Orden der Bettler Mensch geworden? 46. G rmuntre dich, mein schwacher Geist, und trage groß Verlangen, ein kleines Kind, das Vater heißt,*) mit Freude zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam und menschlich Wesen an sich nahm, dadurch die Welt mit Treuen als seine Braut zu freien. Jef.9,6. 6. Freudenzeit, o Wundernacht, dergleichen nie gefunden, du hast den Heiland hergebracht, der alles überwunden, du hast gebracht den starken Mann, der Feur und Wolken zwingen kann, vor dem die Himmel zittern und alle Berg erschüttern. 2. Willkommen, süßer Bräuti- 7. O liebes Kind, o süßer gam, du König aller Ehren, will- Knab, holdselig von Geberden, kommen, Jesu, Gottes Lamm, ich mein Bruder, den ich lieber hab will dein Lob vermehren, ich will dir all mein Lebenlang von Herzen sagen Preis und Dank, daß du, da wir verloren, für uns bist Mensch geboren. als alle Schätz auf Erden, komm, Schönster, in mein Herz hinein, komm eilend, laß die Krippe sein, komm, komm, ich will bei Zeiten dein Lager dir bereiten. Eigene Melodie. 3. O großer Gott, wie konnt es sein, dein Himmelreich zu lassen, zu kommen in die Welt hinein, da nichts denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, dein Königreich, die Freudenpracht, ja dein erwünschtes Leben für deine Feind hingeben? 4. Ist doch, Herr Jesu, deine Braut ganz arm und voller 8. Sag an, mein Herzensbräutigam, mein Hoffnung, Freud und Leben, mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, was soll ich dir doch geben? Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist, nimm alles, was Mensch ist und heißt: ich will mich ganz verschreiben, dir ewig treu zu bleiben. 9. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, sei dir von mir ge Weihnachtslieder. sungen, daß du mein Bruder wor-| kann, so thu ich, was geschehen. den bist und hast die Welt be- O daß mein Sinn ein Abgrund zwungen; hilf, daß ich deine Gü- wär, und meine Seel ein weites tigkeit stets preis in dieser Gna- Meer, daß ich dich möchte fassen! denzeit und mög hernach dort oben in Ewigkeit dich loben. Johann Rist g. 1607+ 1667. 6. Wo nehm ich Weisheit und Verstand, mit Lobe zu erhöhen die Auglein, die so unverwandt nach mir gerichtet stehen? Der volle Mond ist schön und klar, schön ist der güldnen Sterne Krippe hier, o Jesu, Schar, dies' Äuglein sind viel schöner. 7. O daß doch ein so lieber Stern soll in der Krippe liegen! Für edle Kinder großer Herrn gehören güldne Wiegen. Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Purpur wären recht, dies Kindlein drauf zu legen. 8. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, ich will mir Blumen holen, daß meines Heilands Lager sei auf Kränzen und Violen; mit Rosen, Nelken, Rosmarin aus schönen Gärten will ich ihn von oben her bestreuen. 9. Zur Seite will ich hie und dar viel weiße Lilien stecken, die sollen seiner Äuglein Paar im Schlafe sanft bedecken. Doch liebt viel mehr das dürre Gras dies Kindelein als alles das, was ich hier nenn und denke. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 47.3% ch steh an deiner du mein Leben, ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und laß dirs wohlgefallen! 2. Du haft mit deiner Lieb erfüllt mein Adern und Geblüte; dein schöner Glanz, dein süßes Bild liegt mir ganz im Gemüte. Und wie mag es auch anders sein, wie könnt ich dich, o Herze mein, aus meinem Herzen lassen? 25 3. Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich fannt, erforen. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. 4. Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht 10. Du fragest nicht nach Lust Licht, Leben, Freud und Wonne. der Welt noch nach des Leibes O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen! Freuden; du hast dich bei uns eingestellt an unsrer Statt zu leiden, suchst meiner Seele Herrlichkeit durch dein selbsteignes Herzeleid, das will ich dir nicht 5. Ich sehe dich mit Freude an und kann mich nicht satt sehen, und weil ich nun nichts weiter wehren. Weihnachtslieder. 26 11. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: daß ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein, fomm, fomm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden! 6. Er nimmt auf sich, was auf 12. Zwar sollt ich denken, wie Erden wir gethan, giebt sich an, gering ich dich bewirten werde; unser Lamm zu werden, unser du bist der Schöpfer aller Ding, Lamm, das für uns stirbet und ich bin nur Staub und Erde. bei Gott für den Tod Gnad und Doch bist du ein so frommer Gast, Fried erwirbet. daß du noch nie verschmähet hast den, der dich gerne siehet. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. ser Zeit, da vor Freud alle Engel fingen. Hört, hört, wie mit vollen Choren alle Luft laute ruft: Christus ist geboren. 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu gute, Gottes Kind das verbindt sich mit unserm Blute. 5. Hätte vor der Menschen Orden unser Heil einen Greul, wär er nicht Mensch worden; hätt er Lust zu unserm Schaden, ei so würd unsre Bürd er nicht auf sich laden. Eigene Melodie. 48. Fröhlich soll mein ich bring alles wieder. Herze 3. Sollt uns Gott nun können hassen, der uns giebt, was er liebt über alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, der sein Reich und zugleich sich selbst uns verehret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, der jetzt kommt, von uns nimmt, was uns will betrüben? 7. Nun, er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: Lasset fahrn, o lieben Brüder, was euch quält, was euch fehlt, 8. Ei so kommt und laßt uns laufen, stellt euch ein, Groß und Klein, eilt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet, schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Thür zu der wahren Freude. Faßt ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren. 10. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissensschmerzen, sei getrost: hie wird gefunden, der in Eil machet heil die vergiften Wunden. 11. Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände: hier sind alle guten Gaben und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben. Weihnachtslieder. 12. Süßes Heil, laß dich umfangen, laß mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen! Du bist meines Lebens Leben; nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, denn du hast meine Last all auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, ich bin gar rein und klar aller meiner Sünden. 14. Ich bin rein um deinetwillen, du giebst gnug Ehr und Schmuck, mich darein zu hüllen. Ich will dich ins Herze schließen, o mein Ruhm, edle Blum, laß dich recht genießen! 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, ich will dir leben hier, dir will ich abfahren. Mit dir will ich endlich schweben voller Freud ohne Zeit dort im andern Leben. fürst und Gnadenquell, du Himmelsblum und Morgenstern, du Jungfrausohn, Herr aller Herrn. Halleluja! 27 lange Jahr der Väter und Propheten Schar. Halleluja! 4. Ach daß der Herr aus Zion käm und unsre Bande von uns nähm! Ach daß die Hülfe bräch herein, so würde Jakob fröhlich sein.*) Halleluja! Ps. 14, 7. *) 5. Nun bist du hier, da liegest du, hältst in dem Kripplein deine Ruh; bist klein und machst doch alles groß, bekleidst die Welt und kommst doch bloß. Halleluja! 6. Du kehrst in fremder Hausung ein, und sind doch alle Himmel dein; trinfst Milch aus deiner Mutter Brust und bist doch selbst der Engel Lust. Halleluja! Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 49. Wir fingen dir, Im- will. Halleluja! manuel, Lebens2. Wir singen dir in deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, daß du, o lang gewünschter Gast, dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht; dich hat gehofft so 7. Du bist der süße Menschenfreund, doch sind dir so viel Menschen feind; Herodis Heer hält dich für Greul, und bist doch nichts als lauter Heil. Halleluja! 8. Jch aber, dein geringster Rnecht, ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich dich gerne lieben 9. Der Will ist da, die Kraft ist klein, doch wird dir nicht zuwider sein mein armes Herz, und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja! 10. Darum so hab ich guten Mut, du wirst auch halten mich für gut. O Jesulein, dein frommer Sinn macht, daß ich so voll Trostes bin. Halleluja! 11. Bin ich gleich sünd- und lastervoll, hab ich gelebt nicht wie ich soll, ei kommst du doch des 28 Weihnachtslieder. wegen her, daß sich der Sünder| langen, bricht den Kopf der alten zu dir kehr. Halleluja! Schlangen und zerstört der Hölle Reich. 12. So faß ich dich nun ohne Scheu, du machst mich alles Jammers frei, du trägst den Zorn, du würgst den Tod, verkehrst in Freud all Angst und Not. Halleluja! 6. Unser Kerker, da wir saßen und mit Sorgen ohne Maßen uns das Herze selbst abfraßen, ist entzwei, und wir sind frei. 7. O du hoch gesegn'te Stunde, da wir das von Herzensgrunde gläuben und mit unserm Munde danken dir, o Jesulein! 8. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. 13. Du bist mein Haupt, hinwiederum bin ich dein Glied und Eigentum und will, so viel dein Geist mir giebt, stets dienen dir, wie dirs beliebt. Halleluja! 14. Ich will dein Halleluja hier mit Freude fingen für und für, und dort in deinem Ehrensaal solls schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja! Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. Eigene Melodie. 50. Kº Dommt und laßt uns Christum ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren, finget fröhlich, laßt euch hören, wertes Bolt der Christenheit! 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen, wir, die unser Heil an nehmen, werfen allen Kummerhin. 3. Sehet, was hat Gott ge geben! seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud. 4. Seine Seel ist uns gewogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, uns, die Satanas betrogen, zu besuchen aus der Höh. 5. Jakobs Stern ist aufgegangen, stillt das sehnliche VerMel. Da Christus geboren war. 51. Munderbarer Gnadenthron, Gottes und Marien Sohn, Gott und Mensch, ein kleines Kind, das man in der Krippe findt! Großer Held von Ewigkeit, dessen Macht und Herrlichkeit rühmt die ganze Christenheit! 2. Du bist arm und machst zugleich uns an Leib und Seele reich, du wirst klein, du großer Gott, und machst Höll und Tod zu Spott. Aller Welt wird offenbar, ja auch deiner Feinde Schar, daß du, Gott, bist wunderbar. 3. Laß mir deine Güt und Treu täglich werden immer neu, Gott, mein Gott, verlaß mich nicht, wenn mich Not und Tod ansicht. Laß mich deine Herrlichkeit, deine Ewigkeit! Wundergütigkeit schauen in der Joh. Olearius g. 1611 † 1684. Weihnachtslieder. 29 Mel. O daß ich tausend Zungen hätte.| Mel O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. ist die Nacht, da ies ist die Nacht, da 53. Du wesentliches Wort, 52. Dies mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieses Welt- und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein, er treibet weg der Hölle Macht, der Sünde und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar furzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein alles sein. gewesen, du Gott, von Gott gezeugt, von Ewigkeit erlesen zum Heil der ganzen Welt, o mein Herr Jesu Christ, willkommen, der du mir zum Heil geboren bist. 3. Du wesentliches Wort warst bei Gott, eh geleget der Grund der großen Welt, da sich dein Herz beweget zur Liebe gegen mich; ja du warst selber Gott, damit du machtst im Fleisch Sünd, Höll und Tod zu Spott. 4. Laß nur indessen helle scheinen dein Glaubens- und dein Liebeslicht; mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht; willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel sein. 4. Was hat, o Jesu, dich von vom Himmelsthron dich in die Anfang doch bewogen? Was hat Welt gezogen? Ach deine große Lieb und meine große Not hat deine Glut entflammt, die stärker als der Tod. 5. Du bist das Wort, wodurch die ganze Welt formieret, denn 5. Drum, Jesu, schöne Weih- alle Dinge sind durch dich ans nachtssonne, bestrahle mich mit Licht geführet. Ach so bin ich, deiner Gunst! Dein Licht sei meine Weihnachtswonne und Lehre mich die Weihnachtskunst, wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes mein Heil, auch dein Geschöpf und Gab, der alles, was ich bin, von dir empfangen hab. voll. Kasp. Friedr. Nachtenhöfer g. 1624+ 1685. 2. Komm, o selbständigs Wort, und sprich in meiner Seelen, daß mirs in Ewigkeit an Trost nicht solle fehlen; im Glauben wohn in mir und weiche nimmer nicht, laß mich auch nicht von dir abweichen, schönstes Licht! 6. Gieb, daß ich dir zum Dienst mein ganzes Herz ergebe, auch dir allein zum Preis auf dieser Erde lebe; ja, Jesu, laß mein Herz ganz neu geschaffen sein 30 Weihnachtslieder. und dir bis in den Tod gewidmet| Orden, die Ewigkeit vermählt sich sein allein! mit der Zeit, das Leben selbst 7. Ach laß nichts in mir sein, ist Mensch geborn, der Glanz was du nicht hast geschaffen, reut der Herrlichkeit, das Licht, das alles Unkraut aus und brich des wir verlorn. Feindes Waffen! Was bös, ist nicht von dir, das hat der Feind gethan, du aber führ mein Herz und Fuß auf ebner Bahn! 8. Das Leben ist in dir und alles Licht des Lebens; laß an mir deinen Glanz, mein Gott, nicht sein vergebens! Weil du das Licht der Welt, so sei mein Lebenslicht, o Jesu, bis mir dort dein Sonnenlicht anbricht. Laurent. Laurenti g. 1660+ 1722. Eigene Melodie. 54. O Liebe, die den Himmel hat zerrissen, die sich zu mir ins Elend niederließ, was für ein Trieb hat dich bewegen müssen, der dich zu mir ins Jammerthal verwies? Die Liebe hat es selbst gethan, sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an. 2. Die Liebe ist so groß in deinem Herzen, daß du für mich das größte Wunder thust; die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen, daß mir zu gut du unter Dornen ruhst. O unerhörter Liebesgrad, der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesen fet hat! 4. In ihm wird nun die Menschheit ausgeföhnet, die Reinigkeit der Seele wiederbracht; sie wird als Braut der Gottheit nun gekrönet, da sie der Himmel selbst so angelacht. Die Menschheit wird nun ganz erneut und als ein reiner Thron der Gottheit eingeweiht. 5. Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden,*) dadurch das Paradies im Menschen grünt; nun können wir aus Gott geboren werden, weil die Geburt des Herren dazu dient; die wohl geborne Seele spürt, daß sie ein andrer Geist aus ihrem Ursprung rührt. *) Sprüche 8, 30. 31. 6. Kein Elend kann nun unferm Herzen schaden, Immanuel ist bei uns in der Not. Ich gehe nur zu ihm, dem Quell der Gnaden, so dient mir selbst das Elend und der Tod; der Jammer hängt mir nur noch an, der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann. 7. Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen, dieweil sie selbst durch ihn verdammet ist. Was schaden nun der Seele ihre Flammen, weil Christi Blut und Wasser in sie fließt? Jmmanuel löscht ihren Trieb, er läßt die Seele nicht, er hat sie viel 3. Die Liebe ist mein Anverwandter worden, mein Bruder ist selbst die Barmherzigkeit, der Gottheit Quell lebt nun in meinem zu lieb. Weihnachtslieder. 8. Ich habe nun ein ewig Leben funden, viel Reichtum, Ehr und Wohllust schenkt er mir; ich bin mit ihm, er ist mit mir verbunden, den ich in mir mit Liebeswirkung spür. Ich bin vergnügt und ganz gestillt, weil mich der lautre Strom aus seiner Lieb erfüllt. 9. Auf, auf, mein Geist, vergiß die Trauerlieder, erfreue dich in dieser Liebesmacht! Des Himmels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder, und der Verlust iſt völlig wiederbracht. O ewig, ewig wohl ist mir, daß ich in Christo nun ein Wohlgefallen spür. Chr. Fr. Richter g. 1676+ 1711. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. 31 4. Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen; gehet hinein, macht euch dem Kinde gemein, die ihr zum Vater wollt gehen. frohlocket, ihr englischen Chöre! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen zur Ehre! Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herze der Liebe mir schenken; sollt nicht mein Sinn innigst sich freuen darin und sich in Demut ersenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde, du sollst es sein, den ich erwähle allein: ewig entsag ich der Sünde. 7. Süßer Immanuel, werd auch geboren inwendig, komm doch, 55. und mich länger elendig! Wohne in mir, mach mich ganz eines mit dir und mich belebe beständig! 8. Menschenfreund, Jesu, dich lieb ich, dich will ich erheben, laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun leben: gieb mir auch bald, Jesu, die Kindergestalt, an dir alleine zu kleben. Gerh. Terstegen g. 1697+ 1769. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder die sollen zu Freunden nun werden; Friede und Freud wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. Herden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief 56. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, sein sich der Höchste hier beuget; sehet werd in aller Welt gedacht, ihn die Liebe, die endlich als Liebe preise, was durch Jesum Christ sich zeiget! Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd. Alles anbetet und schweiget. im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet Weihnachtslieder. 32 ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir; ,, ich komm, im Buche steht von mir: Gott, deinen Willen thu ich gern." Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Bäter hoffend sahn, dich, Gott Messias, bet ich an. Damit der Sünder Gnad 57. Domment, der füße Mel. Aus meines Herzens Grunde. er heilge Christ ist Gottessohn, des freun sich alle Frommen am höchsten Himmelsthron; auch was auf Erden ist muß preisen hoch und loben mit allen Engeln droben den lieben heilgen Chriſt. 7. Du unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Vaters Schoße sitzt? 10. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, sein werd in aller Welt gedacht, ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt, und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 2. Das Licht ist aufgegangen, die lange Nacht ist hin, die Sünde ist gefangen, erlöſet iſt der Sinn, die Sündenangst ist weg, und Liebe und Entzücken baun weite Himmelsbrücken aus jedem schmalsten Steg. 3. Verwaiset sind die Kinder nicht mehr und vaterlos, Gott rufet selbst die Sünder in seinen Gnadenschoß; er will, daß alle, rein von ihren alten Schulden, vertrauend seinen Hulden, gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, ihr Kindlein fern und nah! Der euch den Vater weiset, der heilge Christ ist da; er ruft so freundlich drein mit süßen Liebesworten: Geöffnet sind die Pforten, ihr Kinder, kommt herein! Ernst Moritz Arndt g. 1769 † 1860. IV. Neujahrslieder. Mel. Von Gott will ich nicht lassen.| vergeben, lindert die Straf daGüte Gotts 58. Helt er det site neben, ſteht uns in Nöten bei. mir preisen, ihr Christen 6. dein Güt wir preiinsgemein, mit G'sang und sen, Vater im Himmelsthron, andern Weisen ihm allzeit dank- die du uns thust beweisen durch bar sein, vornehmlich zu der Christum, deinen Sohn, und Zeit, da sich das Jahr ge- bitten ferner dich: Gieb Fried in endet, die Sonn sich zu uns diesem Jahre, vor allem Leid bewendet, das neu Jahr ist nicht wahre und nähr uns mildiglich! weit. Paul Eber g. 1511 † 1569. 2. Erstlich laßt uns betrachten des Herren reiche Gnad und Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. so nicht achten zählig Wohlthat; ſtets führen 59. Das alte Jahr verzu Gemüt, wie er dies Jahr danken dir, Herr Jesu Christ, gangen ist, wir gegeben all Notdurft diesem daß du in Not uns und Gefahr Leben und uns vor Leid behüt; bewahret hast viel Zeit und Jahr. 2. Wir bitten dich, den ewgen Sohn des Vaters in dem höchsten Thron, du wollst dein arme Christenheit bewahren ferner allezeit. 3. Lehramt, Schul, Kirch erhalten in gutem Fried und Ruh; Nahrung den Jung und Alten bescheret auch dazu und mit gar milder Hand sein Güter ausgespendet, Verwüstung abgewendet von diesem Ort und Land. 33 4. Er hat unser verschonet aus väterlicher Gnad; wenn er sonst hätt gelohnet all unsre Missethat mit gleicher Straf und Bein, wir wären längst gestorben, in mancher Not verdorben, die wir voll Sünden ſein. 5. Nach Vaters Art und Treuen er uns so gnädig ist; wenn wir die Sünd bereuen und glaubn an Jesum Christ herzlich ohn Heuchelei, thut er all Sünd Ruh und was uns nötig ist 3. Daneben gieb uns Fried und dazu, durch deine starke Gnadenhand beschütze uns und unser Land! 4. All Sünd und Schwachheit uns verzeih, ein gut Gewissen stets verleih, gieb, daß wir deines Namens Ehr ausbreiten immer mehr und mehr. 5. Und wenn es dir, o Herr, gefällt, uns abzufordern aus der Welt, so gieb ein selig Ende hier, daß wir dort ewig sein bei dir. 6. O Jesu Christ, erbarme dich, hör unsre Bitte gnädiglich, durch 3 Neujahrslieder. 34 dein Verdienst, durch deinen Tod erlöse uns aus aller Not! 1588. Eigene Melodie. 60. ilf, Herr Jesu, laß gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; laß es neue Kräfte bringen, daß aufs nen ich wandeln kann; neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben! 6. Mein Gebet das müß auf= steigen, Herr, vor deinen Gnadenthron; dann wirst du zu mir dich neigen wie zu deinem lieben Sohn. Herr, ich weiß, es wird vor allen dies mein Opfer dir gefallen. 7. Laß dies sein ein Jahr der Gnade, laß mich büßen meine Sünd, hilf, daß sie mir nimmer schade und ich bald Verzeihung find, Herr, in dir; denn du, mein Leben, kannst die Sünd allein vergeben. 8. Tröste mich mit deiner giebe, nimm, o Gott, mein Siebe, nimm, o Gott, mein Flehen hin, weil ich mich so sehr betrübe, ja voll Angst und Zagen bin; stärke mich in meinen Nöten, daß mich Sünd und Tod nicht töten. 2. Meiner Hände Werk und Thaten, meiner Zunge Red und Wort müssen nur durch dich geraten und ganz glücklich gehen fort; neue Kraft laß mich erfüllen, zu verrichten deinen Willen. 3. Was ich dichte, was ich mache, das gescheh in dir allein; wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh ich aus, wollst du mich leiten; fomm ich heim, steh mir zur Seiten! 4. Laß mich beugen meine Kniee nur zu deines Namens Ehr; hilf, daß ich mich stets bemühe, dich zu preisen mehr und mehr; laß mein Bitten und mein Flehen doch im Himmel vor dir stehen! 9. Herr, du wollest Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig sei, und ich christlich könne leben sonder Trug und Heuchelei, daß ich noch allhie auf Erden fromm und selig möge werden. 10. Laß mich armen Sünder ziehen deinen Weg der Frömmigfeit, laß mich Stolz und Hoffart fliehen, eifrig beten jederzeit; laß mich Schand und Unzucht meiden, laß mich willig Unglück leiden! 5. Laß mich, Herr, in deinem 11. Jesus richte mein BeNamen fröhlich nehmen Speis ginnen, Jesus bleibe stets bei und Trank; Güter, die von dir mir, Jesus zähme mir die herkamen, fordern ja von mir Sinnen, Jesus sei nur mein den Dank. Deine Weisheit Begier, Jesus sei mir in Gekann mich stärken zu der Lieb danken, Jesus lasse nie mich und guten Werken. wanten. Neujahrslieder. 35 12. Jesu, laß mich fröhlich unserm Kreuz und Leiden ein enden dieses angefangne Jahr, Brunnen unsrer Freuden! trage stets mich auf den Händen, halte bei mir in Gefahr! Freudig will ich dich umfassen, wenn ich soll die Welt verlassen. 9. Gieb mir und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. Johann Rist g. 1607 † 1667. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. 61. N un laßt uns gehn die Freudenströme fließen! 10. Schleuß zu die Jammerpforten und laß an allen Orten, wo Krieg und Blutvergießen, 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen! und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 12. Sei der Verlaßnen Vater, der Frrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe! 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen, 3. Durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken. 13. Hilf gnädig allen Kranken, gieb fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen. 4. Denn wie von treuen Müt- 14. Und endlich, was das tern in schweren Ungewittern meiste, füll uns mit deinem die Kindlein hier auf Erden mit Geiste, der uns hier herrlich Fleiß bewahret werden, ziere und dort zum Himmel führe. 5. Also auch, und nichts 15. Das alles wollst du geminder läßt Gott ihm seine ben, o meines Lebens Leben, Kinder, wenn Not und Trüb- mir und der Christenschare zum sal bligen, in seinem Schoße selgen neuen Jahre! sitzen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Thun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, abermals vollendet; zu dir im die alle Morgen neue; Lob sei Fortgang dieser Zeit mein Herz den starken Händen, die alles sich sehnlich wendet, o Quell, Herzleid wenden. daraus mein Leben fleußt und alle Gnade sich ergeußt in meine Seel zum Leben. 8. Laß ferner dich erbitten, o Bater, und bleib mitten in Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. mel Du Sebensbrot, Herr Jesu Christ, oder Es ist gewißlich an der Zeit. 62. Gottlob, ein Schritt 3* 36 Neujahrslieder. 2. Jch zähle Stunden, Tag| Welt ablocken! So dir der Lauf und Jahr, und wird mir allzu zu langsam deucht, so eile, wie lange, bis es erscheine, daß ich ein Adler fleugt, mit Flügeln gar, o Leben, dich umfange, süßer Liebe! damit, was sterblich ist in mir, verschlungen werde ganz in dir, und ich unsterblich werde. 3. Doch sei dir ganz anheimgestellt die rechte Zeit und Stunde, 8. O Jesu, meine Seele ist zu dir schon aufgeflogen, du hast, weil du voll Liebe bist, mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit, ich bin wiewohl ich weiß, daß dirs ge- schon in der Ewigkeit, weil ich fällt, daß ich mit Herz und Munde dich kommen heiße und darauf von nun an richte meinen Lauf, daß ich dir komm entgegen. 4. in Jesu lebe. Aug. Herm. Frande g. 1663 † 1727. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. wie laufen doch Ad ch bin vergnügt, daß mich 63. Ale taten, ode die Jahre, wie nichts kann von deiner Liebe verschwindet doch die Zeit, und trennen, und daß ich frei vor ich bleibe von der Bahre noch jedermann dich darf den Bräut- bis diesen Tag befreit. Jch weiß gam nennen, und du, o teurer wohl, o Lebenslicht, daß ein Tag Lebensfürst, dich dort mit mir zum andern spricht: Alles, was vermählen wirst und mir dein von Adams Erben, Groß und Erbe schenken. Kleine müssen sterben. 5. Drum preis ich dich aus Dankbarkeit, daß sich das Jahr geendet, und also auch von dieser Zeit ein Schritt nochmals vollendet, und schreite hurtig weiter fort, bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 2. Doch du hast durch deine Güte wie ein Wächter mich bewacht, daß der Tod die Leibeshütte noch nicht in das Grab gebracht. Ach wie soll ich das verstehn, da doch andre schlafen gehn, und gar viele schon begraben, die noch nicht mein Alter haben? 6. Wenn auch die Hände lässig sind und meine Kniee wanken, so biet mir deine Hand geschwind in meines Glaubens Schranken, damit durch deine Kraft mein Herz sich stärke, und ich himmel3. Herr, ich bin ja zu geringe dieser großen Gütigkeit. Wenn ich mein Berzeichnis bringe der bisher genoßnen Zeit, so entwärts ohn Unterlaß aufsteige. fällt mir aller Mut, weil die Rechnung gar nicht gut. Wie viel Jahre sind verdorben, da ich nicht der Welt gestorben! 7. Geh, Seele, frisch im Glauben dran und sei nur unerschrocken, laß dich nicht von der rechten Bahn die Lust der 4. Doch ich will auf Mittel 37 2. Jesu Name, Jesu Wort soll bei uns in Zion schallen, und so oft wir an den Ort, der nach ihm genennt ist, wallen, mache bei, daß nur keine Heuchelei seines Namens Ruhm unser Herz fich in meinem Herzen finde, wenn ich des mich unterwinde. denken und auf Buße sein bedacht; Jesus kann die Schuld versenken, die ich bis hieher gemacht. Lieber Vater, steh mir zum Heiligtum! 3. Unsre Wege wollen wir 5. Willst du mich noch ferner nur in Jesu Namen gehen. lafsen hier in dieser bösen Welt, Geht uns dieser Zeitstern für, adh so hilf mir alles hassen, so wird alles wohl bestehen, und was dem Geiste nicht gefällt. durch seinen Gnadenschein alles Stärke mich von deiner Höh, voller Segen sein. so wird auch das größte Weh, 4. Alle Sorgen, alles Leid das mir oft zu schwer geschienen, soll der Name uns versüßen, so mir zu meinem Besten dienen. wird alle Bitterfeit uns ein Neujahrslieder. 6. Steh mir allezeit zur Rech- Segen werden müssen. Jesu ten, denn du bist ja Sonn und Nam sei Sonn und Schild, Schild; hilf uns, deinen armen welcher allen Kummer stillt. Knechten, wie und wo und wann Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. du willt. Wenn die Tage böse sein, ach so ruf ins Herz hinein: Mel. Herzlich thut mich verlangen. Lernt euch in die Zeiten schicken, 65. Das Jahr geht ſtill zu Ende, nun auch still, mein Herz! In Gottes treue Hände leg ich nun Freud und Schmerz und was dies Jahr umschlossen, was Gott der Herr nur weiß, die Thränen, die geflossen, die Wunden brennend heiß. 2. Warum es so viel Leiden, so furzes Glück nur giebt? warum denn immer scheiden, wo wir so sehr geliebt? So manches Aug gebrochen und mancher Mund nun stumm, der erst noch hold gesprochen du armes Herz, 7. Endlich, wenn der Lauf zu Ende, so befehl ich meinen Geist dir in deine treuen Hände, der du Gott und Vater heißt. Ach ich freu mich schon darauf, daß ich nach vollbrachtem Lauf dort der Freude soll genießen, wo wir keine Zeit mehr wissen. Christoph Pfeiffer g. 1689+1758. Mel. Meinen Jefum laß ich nicht. Mel. 1. esus soll die Losung 64. Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, 3. Daß nicht vergessen werde, was man so gern vergißt: daß die in seinem Bunde stehn und diese arme Erde nicht unsre Heimat ist. Es hat der Herr auf seinem Wege gehn. 38 Epiphaniaslieder. uns allen, die wir auf ihn ge-/ digkeit; wird uns durch Grabestauft, in Zions goldnen Hallen hügel der klare Blick verbaut, ein Heimatrecht erfauft. Herr, gieb der Seele Flügel, daß sie hinüberschaut. 4. Hier gehen wir und streuen die Thränensaat ins Feld, dort 6. Hilf du uns durch die werden wir uns freuen im selgen Zeiten und mache fest das Herz, Himmelszelt; wir sehnen uns geh selber uns zur Seiten und hienieden dorthin ins Vaterhaus führ uns heimatwärts! Und ist und wissens: Die geschieden, die es uns hienieden so öde, so ruhen dort schon aus. allein, o laß in deinem Frieden uns hier schon felig sein! 5. O das ist sichres Gehen durch diese Erdenzeit: nur immer vorwärts sehen mit selger FreuEleonore Fürstin Reuß geb. Gräfin zu Stolberg g. 1835. V. Epiphaniaslieder. Schlosse, hier hast du Spott und Mel. Valet will ich dir geben. 66. König aller Ehren, Hohn. S Herr 4. Doch bist du schön gezieret, vids Sohn, dein Reich soll ewig dein Glanz erstreckt sich weit, währen, im Himmel ist dein dein Güt allzeit regieret und Thron; hilf, daß allhier auf dein Gerechtigkeit. Du wollst die Erden den Menschen weit und breit dein Reich bekannt mög werden zur Seelen Seligkeit. Frommen schützen durch dein Macht und Gewalt, daß sie im Frieden sitzen, die Bösen stürzen bald. 2. Von deinem Reich auch zeugen die Leut aus Morgenland, die Knie fie vor dir beugen, weil du ihn'n bist bekannt; der neu Stern auf dich weiset, dazu das göttlich Wort. Drum man dich billig preiset, daß du bist unser Hort. 5. Du wollst dich mein erbarmen, in dein Reich nimm mich auf, dein Güte schent mir Armen und segne meinen Lauf! Den Feinden wollst du wehren, dem Teufel, Sünd und Tod, daß sie mich nicht versehren: rett mich aus aller Not! 3. Du bist ein großer König, wie uns die Schrift vermeldt, doch achtest du gar wenig vergänglich Gut und Geld, prangst nicht auf teurem Rosse, trägst feine güldne sein meinem Herzen fern. Hilf, Kron, sitzt nicht im steinern/ daß ich dich erkenne und mit der 6. Du wollst in mir entzünden dein Wort, den schönen Stern, daß falsche Lehr und Sünden Epiphaniaslieder. Christenheit dich meinen König nenne jetzt und in Ewigkeit. Martin Behm g. 1557+ 1622. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 67. Lo Lobet obet den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott pon Herzensgrunde, preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde, daß er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christo, seinem Sohne. 2. Denn seine groß Barmherzigkeit thut über uns stets walten, sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit erscheinet Jung und Alten und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit, drum singet Halleluja! 1609. 39 forgen, jedem fehlt' es an dem Licht, das zum rechten Himmelsleben seinen Glanz uns sollte geben. 4. Aber wie hervorgegangen ist der Aufgang aus der Höh, haben wir das Licht empfangen, welches so viel Angst und Weh aus der Welt hinweggetrieben, daß nichts Dunkles überblieben. 5. Jesu, reines Licht der Seele, du vertreibst die Finsternis, die Tritt macht ungewiß; Jesu, deine unsern Lieb und Segen leuchten uns auf unsern Wegen. 6. Nun, du wollest hie verbleiben, liebster Jesu, Tag und Nacht, alles Finstre zu vertreiben, das uns so viel Schrecken macht; laß uns nicht im Dunfeln wallen noch ins Sündenmeer verfallen! Eigene Melodie. 68. erde licht, du Stadt der Heiden, und du Salem, werde licht! Schaue, welch ein Glanz mit Freuden über deinem Haupt anbricht! Gott hat derer nicht vergessen, die im Finstern sind gesessen. 7. Schenk uns, Herr, das Licht der Gnaden, das ein Licht des Lebens ist, ohne welches leicht in Schaden fallen kann ein frommer Christ; laß uns dieses Licht erfreuen, wenn wir aus der Tiefe schreien. 2. Ach wie waren wir verblendet, ehe noch dies Licht brach an! Ja da hatte sich gewendet schier vom Himmel jedermann; unsre Augen und Geberden flebten einzig an der Erden. 8. Gieb, Herr Jesu, Kraft und Stärke, daß wir dir zu jeder Zeit durch geliebte Glaubenswerke folgen in Gerechtigkeit und hernach im Freudenleben heller als die Sterne schweben. 3. Gottes Rat war uns verborgen, seine Gnade schien uns nicht; Klein und Große mußten| Tod; Herr, in Freuden und im 9. Dein Erscheinung müß erfüllen mein Gemüt in aller Not, dein Erscheinung müsse stillen meine Seel auch gar im Epiphaniaslieder. Weinen müsse mir dein Licht unser Schutz und Zuversicht; erscheinen. preiset seine Güt und Treu, die uns noch wird immer neu, so wird er euch allen geben, hier und dort mit ihm zu leben. 10. Jesu, laß mich endlich gehen freudig aus der bösen Welt, dein so helles Licht zu sehen, das mir dort schon ist bestellt, wo wir sollen unter Kronen in der schönsten Klarheit wohnen. Joh. Olearius g. 1611 † 1684. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Wunder70. stern, der aus Jafob Johann Rist g. 1607+ 1667. ist erschienen, meine Seele will so gern dir an deinem Feste dienen; nimm doch, nimm doch gnädig an, was ich Armer schenfen fann. 40 69.F Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. reuet euch, ihr Gottesfinder, preiset mit mir Gottes Macht, freuet euch, 2. Nimm das Gold des Glauihr armen Sünder, laßt der Welt bens hin, wie ichs von dir selber den Stolz und Pracht! Freut habe und damit beschenfet bin; euch, daß euch Gott regiert und so ist dirs die liebste Gabe. Laß zu seiner Kirche führt, daß wir armen Heiden können uns nun Gottes Kinder nennen. es auch bewährt und rein in dem Kreuzesofen sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, laß ihn gnädig dir genügen; Herz und Lippen sollen stets, ihn zu opfern vor dir liegen. Wenn ich bete, nimm es auf und sprich Ja und Amen drauf! 2. Seine Herrschaft sich erstrecket über alles, was da lebt, seine Hand schützt und bedecket, was sich reget, lebt und schwebt; wenn er spricht, so geht sein Wort schnell wie Blizz und Donner fort; das durchdringet Geist und Leben, das kann Trost und Leben geben. 4. Nimm die Myrrhen bitter Reu! Ach mich schmerzet meine Sünde, aber du bist fromm und treu, daß ich Trost und 3. Nun, ihr Sünder hier auf Gnade finde und nun fröhlich Erden, wollt ihrs endlich haben sprechen kann: Jesus nimmt gut, wollt ihr Gottes Kinder werden, ei so ändert euren Mut, preiset Gottes Güt und Macht, so wird er euch geben Kraft, daß mein Opfer an. Erdmann Neumeifter g. 1671 t 1756. hr auch zu ihm könnt kommen 71. Hrophet, der aus Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. mein und euch freuen mit den Frommen. 4. Aller Heiden Trost ist kom des Vaters Schoße geht, mach men, Jesus, unser Freudenlicht, mir den Vater offenbar und der Beschirmer aller Frommen, seinen liebsten Willen klar! Epiphaniaslieder. 2. Lehr mich in allem, weil ich blind; mach mich gehorsam als dein Kind, andächtig und stets eingekehrt, so werd ich wahrlich gottgelehrt. 3. Gieb, daß ich auch vor jedermann von deiner Wahrheit zeugen kann und allen zeig mit Wort und That den schmalen, felgen Himmelspfad. 4. Mein Hoherpriester, der für mich am Kreuzesstamm geopfert sich, mach mein Gewissen still und frei, mein ewiger Erlöser sei! 5. Gesalbter Heiland, segne mich mit Geist und Gnade kräftiglich, schließ mich in deine Fürbitt ein, bis ich werd ganz vollendet sein. 41 7. Mein Himmelskönig, mich regier, mein Alles unterwerf ich dir; rett mich von Sünde, Welt und Feind, die mir sonst gar zu mächtig seind. 8. So kehr du in mein Herz hinein und laß es dir zum Throne sein, vor allem Übel und Gefahr mich als dein Eigentum bewahr! 9. Hilf mir im königlichen Geist, mich selbst beherrschen allermeist, Begierden, Willen, Lust und Sünd, und daß mich nichts Geschaffnes bind. 10. Du hoch erhabne Majestät, mein König, Priester und Prophet, sei du mein Ruhm, mein Schatz und Freud von nun an bis in Ewigkeit! Gerh. Terstegen g. 1697 † 1769. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. 72.5 große Frage: Wo ört heut der Weisen ist das neugeborne Kind? Wo find die Weisen heut zu Tage, die fragen, wo man Jesum findt? Bon heut an soll mir dies allein die allerhöchste Weisheit sein. 2. Bis ich ihn ganz in meiner Nähe, bis ich ihn selbst von Angesicht, im Glauben hier, dort 6. Jch opfre auch, als Prie- wirklich sehe, bis ich ihn finde, ster, dir mich selbst und alles ruh ich nicht. Von heut an soll für und für; schenk mir viel mir dies allein die allergrößte Andacht zum Gebet, die stets im Sorge sein. Geist zu dir aufgeht. 3. Behalte, Welt, die tollen Freuden, womit dein Volk sein Herz berauscht; es haben heut die weisen Heiden das Jesuskind drum eingetauscht, und Jesum finden soll allein auch meine höchste Freude sein. 4. Erbebt vor ihm, ihr Majestäten, die ihm nicht herzlich unterthan, und kommt, dies Kindlein anzubeten, nicht in Herodis Sinn, heran! Vor ihm sich beugen wird allein die Ehre seiner Heilgen sein. Chr. K. L. v. Pfeil g. 1712 t 1734. 42 VI. Paffionslieder. Eigene Melodie. 73. hriste, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser! 2. Christe, du Samm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser! 3. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, gieb uns deinen Frieden! Amen. 1526. Nach d. Lateinischen Agnus Dei. Mel. Christus, der uns felig macht. Mel. O wir armen Sünder. Chre sei dir, Chrifte, 76.0hilf, Chrifte, Gottes Sohn, durch dein bitter Reiden, daß wir dir stets unterthan all Untugend meiden, deinen Tod und sein Ursach fruchtbarlich bedenken, dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken. 74. der du littest Not, an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod, herrscheft mit dem Bater in der Ewigkeit; hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit! Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! Aus dem 14. Jahrhundert. Nach dem Latein. Laus tibi Christe. achtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, all Zeit erfunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Gieb uns dein'n Frieden, o Jesu! Nicolaus Decius+ 1541. Eigene Melodie. 75.0 Lamm Gottes, unschuldig amStamm des Kreuzes geschlachtet, all Zeit erfunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! Böhmische Brüder. Eigene Melodie. 77. wir armen Sünder, unsre Missethat, darin wir empfangen und geboren sind, hat gebracht uns alle in solch große Not, daß wir unterworfen sind dem ewgen Tod. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 2. Aus dem Tod wir konnten durch unser eigen Werk nimmer 2. D Lamm Gottes, unschuldig werdn gerettet, die Sünde war am Stamm des Kreuzes ge- zu stark; daß wir würdn erlöset, schlachtet, all Zeit erfunden ge- so konnts nicht anders sein, denn duldig, wiewohl du wurdest der- Gotts Sohn mußt leiden des Paffionslieder. 43 Todes bittre Bein. Kyrie eleison, Blut gemacht vor Gott gerecht Christe eleison, Syrie eleison! und gut. 3. So nicht wär gekommen Christus in die Welt und an sich genommen unsre arm Gestalt und für unsre Sünde gestorben williglich, so hätten wir müssen werden verdammet ewiglich. Ryrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 4. Solche große Gnade und väterliche Gunst hat uns Gott erzeiget lauterlich umsonst in Christo, seinem Sohne, der sich geben hat in den Tod des Kreuzes zu unsrer Seligkeit. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! 5. Des folln wir uns trösten gegen Sünd und Tod und ja nicht verzagen vor der Hölle Glut; denn wir gerettet Eigene Melodie. aller Fährlichkeit durch Chriſtum 79. Herzliebster Jeſu, was du verbrochen, unfern Herren, gelobt in Ewig- daß man ein solch scharf Urteil feit. Ryrie eleison, Christe eleison, hat gesprochen? Was ist die Kyrie eleison! Schuld? In was für Missethaten bist du geraten? 6. Darum wolln wir loben und danken allezeit dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geist, bitten, daß sie wollen behüt'n uns vor Gefahr, und daß wir stets bleiben bei seinem heilgen Wort. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison! Hermann Bonn g. 1504+ 1548. Eigene Melodie, oder Nun laßt uns den Leib begraben. 78. W ir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures 2. Und bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch deine heilgen Wunden rot: Erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not! 3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand und reich uns dein allmächtge Hand, daß wir im Kreuz geduldig sein, uns trösten deiner schweren Pein; 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, daß du uns werdst verlassen nicht, sondern ganz treulich bei uns stehn, daß wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Vischer † 1600. 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, du wirst mit Essig und mit Gall getränfet, ans Kreuz gehenket. 3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach meine Sünden haben dich geschlagen; ich, ach Herr Jesu, ich hab dies verschuldet, was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte. 44 Paffionslieder. deinen Willen stets zu erfüllen. 5. Der Fromme stirbt, der bemühen werd ich mich, Herr, recht und richtig wandelt, der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt; der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen, du wirst gefangen. 13. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz nicht achten, keine Schmach und Plagen, nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen nehmen zu Herzen. 6. Ich war von Fuß auf voller Schand und Sünden, bis zu der Scheitel war nichts Guts zu finden; dafür hätt ich dort in der Hölle müssen ewiglich büßen. 14. Dies alles, ob es zwar für schlecht zu schätzen, wirst du es doch nicht gar beiseite setzen; 7. D große Lieb, o Lieb ohn in Gnaden wirst du dies von alle Maße, die dich gebracht auf mir annehmen, mich nicht bediese Marterstraße! Ich lebte mit schämen. der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden. 15. Wenn, o Herr Jesu, dort vor deinem Throne wird stehn auf meinem Haupt die Ehrentrone, da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank fingen. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. 8. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam solche Treu ausbreiten? Keins Menschen Herz vermag es auszudenken, was dir zu schenken. 9. Ich fanns mit meinen Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Sinnen nicht erreichen, womit 80. Cesu, deine tiefen Wunden, deine Qual und bittrer Tod geben mir zu allen Stunden Trost in Leibsund Seclennot. Fällt mir etwas Arges ein, denk ich bald an deine Bein: die verleidet meinem Herzen, mit der Sünde nicht zu scherzen. 2. Will sich denn in Wollust weiden mein verderbtes Fleisch und Blut, so gedenk ich an dein Leiden: bald wird alles wieder gut. Kommt der Satan und setzt mir heftig zu, halt ich ihm für deine Gnad und Gnadenzeichen: bald muß er von dannen doch dein Erbarmung zu vergleichen; wie kann ich dir denn deine Liebesthaten im Wert er ſtatten? 10. Doch ist noch etwas, das dir angenehme: wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, daß sie aufs neu mein Herze nicht entzünden mit alten Sünden. 11. Weils aber nicht besteht in eignen Präften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gieb mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe. 12. Alsdann so werd ich deine Huld betrachten, aus Lieb zu dir die Welt für gar nichts achten, weichen. Paffionslieder. 45 3. Will die Welt mein Herze| 2. Zum ersten: Vater, strafe führen auf die breite Wollust nicht an ihnen, was mir jetzt bahn, da nichts ist als Jubilieren, geschicht, weil sie es nicht veralsdann schau ich emsig an deiner stehen. Vergieb uns, Gott, wenn Marter Centnerlast, die du aus- wir auch noch aus Irrtum gestanden hast: so kann ich in Sünd begehen. Andacht bleiben, alle böse Lust vertreiben. 3. Zum andern er des Schächers dacht: Fürwahr, du wirst noch vor der Nacht in meinem Reich heut leben. D Herr, nimm uns auch bald zu dir, die wir im Elend schweben. 4. Ja für alles, das mich fränket, geben deine Wunden Kraft; wenn mein Herz hinein sich sentet, trieg ich neuen Lebensfaft. Deines Trostes Süßigkeit wendt in mir das bittre Leid, der du mir das Heil erworben, da du für mich bist gestorben. 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen, du bist meine Zuversicht; dein Tod hat den Tod zerhauen, daß er mich kann töten nicht. Daß ich an dir habe Teil, bringet mir Trost, Schutz und Heil; deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab ich dich in meinem Herzen, du Brunn aller Gütigfeit, so empfind ich keine Schmerzen auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich, welch Feind kann verletzen mich? Wer sich legt in deine Wunden, der hat glücklich überwunden. Joh. Heermann g. 1585+ 1647. 4. Zum dritten: Deinen Sohn sieh, Weib; Johannes, ihr zu Dienste bleib und sie als Mutter liebe! Versorg, Herr, die wir lassen hier, daß niemand sie betrübe. 5. 3um vierten sagte er: Mich dürst. O Jesu, großer Lebensfürst, du hast Durst und Verlangen nach unsrer Seligkeit, drum hilf, daß wir fie auch empfangen. 6. 3um fünften: Omein Gott, mein Gott, wie läßt du mich so in der Not! Hier wirst du, Herr, verlassen, daß uns Gott wieder dort aufnähm; den Trost laß uns wohl faffen! 7. 3um sechsten: Hiemit ists vollbracht, und alles nunmehr gut gemacht. Gieb, daß wir auch durchdringen, und was du, Herr, uns auferlegst, hilf seliglich vollEigene Melodie. 81. DaJefus an des Kreu= bringen! der ganzen Welt Sünd auf sich nahm, sprach er in seinen Schmerzen noch sieben Wort, die lasset uns erwägen wohl im Herzen. 8. Zum letzten: Ich nun meine Seel, o Gott mein Vater, dir befehl zu deinen treuen Händen. Dies Wort sei unser letzterWunsch, wenn wir das Leben enden. 46 Passionslieder. 9. Wer oft an diese Worte| hat sich martern lassen der Herr denkt, wenn seine Missethat ihn für seinen Knecht; es hat sich fränkt, der wird es wohl genie- selbst der wahre Gott für mich ßen, weil er durch Gottes Gnad verlornen Menschen gegeben in erlangt ein ruhiges Gewissen. den Tod. 10. Verleih uns dies, Herr Jesu Christ, der du für uns gestorben bist, gieb, daß wir deine Wunden, dein Leiden, Marter, Kreuz und Tod betrachten alle Stunden. Hann. Gsb. 1646 nach Joh. Böschenstain g. 1472+ 1540. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi teures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. Eigene Melodie. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Lebenlang für dei Pein und Schmerzen, Jesu, Cob und Dank, für deine Not 82. aßt uns doch Christo Leaf dankbar sein, daß er für uns in große Bein sich und Angstgeschrei, für dein unwillig hat gegeben; auch laßt schuldig Sterben, für deine Lieb uns sein der Sünde feind, weil und Treu. wir mit Gott verfühnet seind, nach seinem Willen leben; die Lieb erzeigen jedermann, wie Christus hat an uns gethan mit seinem bittern Leiden. Men schenkind, betracht das wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, bemüh dich, sie zu meiden. Hann. Gsb. 1646 nach Seb. Heyden 5. Herr, laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die fündliche Begier; daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich recht, gekoſtet, daß ich erlöset bin. g. 1494 † 1561. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, sollts auch sein Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gieb, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und folge dem Exempel, das du mir vorgestellt. Eigene Melodie. 83. We enn meine Sünd mich fränken, o 7. Laß mich an andern üben, mein Herr Jesu Christ, so laß was du an mir gethan, und mich wohl bedenken, wie du ge- meinen Nächsten lieben, gern storben bist und alle meine dienen jedermann ohn Eigennut Schuldenlast am Stamm des und Heuchlerschein und, wie du heilgen Krenzes auf dich ge mir erwiesen, aus reiner Lieb nommen hast. allein. 2. O Wunder ohne Maßen, wenn mans betrachtet recht: es 8. Laß endlich deine Wunden mich trösten kräftiglich in meiner Passionslieder. 47 letzten Stunden und des ver- deine Bande, Herr, bind uns, sichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur trau, du werdest mich annehmen, daß ich dich ewig schau. wie dirs gefällt; hilf, daß wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt. Justus Gesenius g. 1601+ 1673. 6. Laß deine Wunden sein die Heilung unsrer Sünden, laß uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen, o Jesu, laß 84.D großer Schmerzen- an uns durch dein Kreuz, Angst mann, vom Bater und Kreuz so geschlagen, Herr Jesu, dir und Angst ja nicht verloren sein! sei Dank für alle deine Plagen, Adam Thebesius g. 1596 † 1652. für deine Seelenangst, für deine Band und Not, für deine Eigene Melodie. 11 Eigene Melodie. in Lämmlein geht und der trägt die Welt und ihrer Kinder; es geht und büßzet in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und frank, ergiebt sich auf die Würgebank, begiebt sich aller Freuden, es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: Ich wills gern leiden. Geißelung, für deinen bittern Tod. 85. das hat unsre Sünd und Missethat verschuldet, was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet. Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan, o unbeflecktes Lamm, was hast du sonst gethan? 3. Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben; dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil. 2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen, den, den hat 4. O hilf, daß wir uns auch Gott zum Sündenfeind und zum Kampf und Leiden wagen Sühner wollen wählen. Geh und unter unsrer Last des Kreu- hin, mein Kind, und nimm dich zes nicht verzagen; hilf tragen an der Kinder, die ich ausmit Geduld durch deine Dornen- gethan zur Straf und Zornesfron, wenns kommen soll mit ruten; die Straf ist schwer, uns zum Blute, Schmach und der Zorn ist groß, du kannst Hohn. und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten. 5. Dein Angst komm uns zu gut, wenn wir in Ängsten liegen; durch deinen Todeskampf 3. Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will dirs laß uns im Tode siegen; durch| tragen; mein Wollen hängt an 48 Paffionslieder. deinem Mund, mein Wirken ist 7. Erweitre dich, mein Herdein Sagen. Wunderlieb, zensschrein, du sollst ein Schatzo Liebesmacht, du fannst, was haus werden der Schätze, die nie kein Mensch gedacht, Gott viel größer fein als Himmel, seinen Sohn abzwingen; o Liebe, Meer und Erden. Weg Ehr und Liebe, du bist stark, du streckest Stand der citlen Welt, weg den ins Grab und Sarg, vor Reichtum, Gold und alles Geld, dem die Felsen springen; ich hab ein Bessers funden; mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, ist dieses, was geflossen ist aus deines Leibes Wunden. 4. Du marterst ihn am Kreuzesstamm mit Nägeln und mit Spießen, du schlachtest ihn als wie ein Tamm, machst Herz und 8. Das soll und will ich mir zu Adern fließen, das Herze mit Nuk zu allen Zeiten machen, im der Seufzer Kraft, die Adern Streite soll es sein mein Schutz, mit dem edlen Saft des pur- in Traurigkeit mein Lachen, in purroten Blutes. O süßes Lamm, Fröhlichkeit mein Saitenspiel, was soll ich dir erweisen dafür, und wenn mir nichts mehr daß du mir erweisest so viel schmecken will, soll mich dies Gutes? Manna speisen; im Durst solls sein mein Wasserquell, in Einsamteit mein Sprachgesell zu Haus und auch auf Reisen. 9. Was schadet mir des Todes Gift? dein Blut das ist mein Leben. Wenn mich der Sonne Hite trifft, so fanns mir Schatten geben; setzt mir der Schmerz der Wehmut zu, so find ich bei dir meine Ruh, als auf dem Bett ein Kranker. Und wenn des Kreuzes Ungestüm mein Schifflein treibet um und um, 6. Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir zu so bist du dann mein Anker. aller Zeit zum Freudenopfer 10. Wenn endlich ich soll bringen. Mein Bach des Lebens treten ein in deines Reiches soll sich dir und deinem Namen Freuden, so soll dies Blut mein für und für in Dankbarkeit Purpur sein, ich will mich daergießen, und was du mir zu rin kleiden; es soll sein meines gut gethan, das will ich stets, Hauptes Kron, in welcher ich so tief ich kann, in mein Gedächt- will vor den Thron des höchnis schließen. sten Vaters gehen und dir, dem 5. Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen, dich ill ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen; du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben; ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiemit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben. Paffionslieder. er mich anvertraut, als eine mir den Segen, dein Schmerzen wohlgeschmückte Braut an deiner Seite stehen. muß mein Labsal sein. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. 7. Du setzest dich zum Bürgen, ja läsfest dich gar würgen für mich und meine Schuld. Mir läsfest du dich krönen mit DorMel. Welt, ich muß dich lassen. 86. Welt, sich hier dein nen, die dich höhnen, und leideſt Leben am mit des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 8. Du springst ins Todes Rachen, mich frei und los zu machen von solchem Ungeheur. Du stirbst, daß ich nicht sterbe noch ewiglich verderbe; o unerhörtes Liebesfeur! 2. Tritt her und schau mit Fleiße: Sein Leib ist ganz mit 9. Ich bin, mein Heil, verbunSchweiße des Blutes überfüllt, den all Augenblick und Stunden aus seinem edlen Herzen vor dir überhoch und sehr. Was unerschöpften Schmerzen ein Leib und Seel vermögen, das Seufzer nach dem andern quillt. soll ich billig legen allzeit an deinen Dienst und Ehr. 3. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder wie wir und unfre Kinder, von Übelthaten weißt du nicht. 10. Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben, eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. 11. Ich wills vor Augen setzen, mich stets daran ergeben, ich sei auch wo ich sei. Es soll mir sein ein Spiegel der Unschuld und ein Siegel der Lieb und unverfälschten Treu. 49 4. Jch, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer. Nar= 5. Ich bins, ich sollte büßen an Händen und an Füßen gebunden in der Höll. Die GeiBeln und die Banden und was du ausgestanden, das hat verdienet meine Seel. 6. Du nimmst auf deinen Rücken die Kasten, die mich drücken viel schwerer als ein Stein. Du wirst 13. Ich will daraus studieren, wie ich mein Herz soll zieren mit ein Fluch, dagegen verehrst du stillem, sanftem Mut und wie 4 12. Wie heftig unsre Sünden den frommen Gott entzünden, wie Rach und Eifer gehn, wie grausam seine Ruten, wie zornig seine Fluten, will ich aus diesem Leiden sehn. Passionslieder. 50 ich die soll lieben, die mich doch sehr betrüben mit Werken, so die Bosheit thut. 14. Wenn böse Zungen stechen, mir Glimpf und Namen brechen, so will ich zähmen mich; das Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden verzeihen gern und williglich. 15. Ich will mich mit dir schlagen ans Kreuz und dem absagen, was meinem Fleisch geLüft. Was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, so viel mir immer möglich ist. 16. Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tausend Thränen, die dir geflossen zu, die sollen mich am Ende in deinen Schoß und Hände begleiten zu der ewgen Ruh. Paul Gerhardt g. 1607+1676. 3. Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich krank und traurig bin; nimm die Schmerzen, die mich quälen, und den ganzen Schaden hin, den mir Adams Fall gebracht und ich selber mir gemacht. Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, wird sich all mein Jammer setzen. 4. Schreibe deine blutgen Wunden mir, Herr, in das Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen sein. Du bist doch mein liebstes Gut, da mein ganzes Herze ruht, laß mich hie zu deinen Füßen deiner Lieb und Gunst genießen! 5. Diese Füße will ich halten auf das best ich immer kann. Schaue meiner Hände Falten und mich selber freundlich an von dem hohen Kreuzesbaum und gieb meiner Bitte Raum, sprich: Laß all dein Trauren schwinden, Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. ei mir tausendmal 87. ich, tilg all deine je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt. Ach wie ist mir doch so wohl, wenn ich knien und liegen soll an dem Kreuze, da du stirbest und um meine Seele wirbest. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. 88. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, 0 Haupt, zum Spott gebunden 2. Ich umfange, herz und küsse mit einer Dornenfron, o Haupt, der gefränkten Wunden Zahl sonst schön gezieret mit höchster und die purpurroten Flüsse, Ehr und Zier, jetzt aber hoch deine Füß und Nägelmal. O schimpfieret, gegrüßet seist du wer kann doch, schönster Fürst, mir! den so hoch nach uns gedürst, 2. Du edles Angesichte, davor deinen Durst und Liebsverlangen sonst schrickt und scheut das völlig fassen und umfangen? große Weltgewichte, wie bist du so Passionslieder. 51 bespeit! wie bist du so erbleichet! 8. Ich danke dir von Herzen, Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht? o Jesu, liebster Freund, für deines Todes Schmerzen, da dus so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, und wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei. 3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür! Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Angsten kraft deiner Angst und Bein! 4. Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last, ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat; gieb mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad! 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot! Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken: wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt g. 1607 † 1670. 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts gethan; dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelsluſt. 6. Ich will hie bei dir stehen, 89.Jich jetzt bedenken; wolMel. Christus, der uns selig macht. will verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, wenn lest mir vom Himmelsthron Geist dir dein Herze bricht; wenn dein Herz wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm meinen Arm und Schoß. und Andacht schenken! In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, wie du, unser Heil zu sein, littest alle Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mach 7. Es dient zu meinen Freuden deine Angst und Bande, deine und thut mir herzlich wohl, Speichel, Schläg und Schmach, wenn ich in deinem Leiden, mein deine Kreuzesschande, deine GeiHeil, mich finden soll. Ach möcht sel, Dornenkron, Speer- und ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! bunden. Nägelwunden, deinen Tod, D Gottessohn, der mich dir ver Passionslieder. 52 3. Laß mich aber nicht allein deine Marter sehen, laß mich auch die Ursach fein und die Frucht verstehen. Ach die Ursach war auch ich, ich und meine Sünde, diese hat gemartert dich, daß ich Gnade fünde. 4. Jesu, lehr bedenken mich dies in Buß und Reue, hilf, daß ich mit Sünde nicht martre dich aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust und nicht wollen meiden, was du selber büßen mußt mit so großem Leiden? 5. Wenn mir meine Sünde will machen heiß die Hölle, Jesu, mein Gewissen still, dich ins Mittel stelle, dich und deine Passion laß mich gläubig fassen! Liebet mich sein lieber Sohn, wie kann Gott mich haffen? 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt, gar mit Dornen dich gekrönet; was hat dich dazu bewegt? daß du möchtest mich ergetzen, mir die Ehrenkron aufsetzen. Tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dant dafür! 5. Du hast wollen sein geschlagen zu Befreiung meiner Bein, fälschlich lassen dich anflagen, daß ich könnte sicher sein; daß ich möchte trostreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. Tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 6. Du hast dich in Not gestecket, hast gelitten mit Geduld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; daß ich würde losgezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, dein Tod meinen Tod versüßet, 7. Deine Demut hat gebüßet meinen Stolz und Übermut, 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern dir das Kreuz nachtrage, daß ich Demut von dir lern und Geduld in Plage, daß ich dir geb Lieb um Lieb. Indes laß dies Lallen,( bessern Dank ich dorten geb,) Jesu, dir gefallen! Sigism. v. Birken g. 1626+1681. Speichel, Schläge, Strick und Banden, du gerechter Gottessohn, nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten. Tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 3. Du hast lassen Wunden schlagen, dich erbärmlich richten zu, um zu heilen meine Plagen, um zu setzen mich in Ruh. Ach du hast zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. Tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! Eigene Melodie. 90. esu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, in das äußerste Verderben, nur daß ich nicht möchte sterben, tausendtausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! Passionslieder. 53 Mel. 1. es kommt alles mir zu gut; dein| Mel. Uus tiefer Not schrei ich zu dir. Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausendtauſendmal sei dir, liebſter Jesu, Dank dafür! 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesamte Not, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod; für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen, für dein Ach und tiefe Bein will ich ewig dankbar ſein. Ernst Chrift. Homburg g. 1605 † 1681. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 3. Die Wunden alle, die du hast, hab ich dir helfen schlagen, auch meine große Sündenlast dir aufgelegt zu tragen. Ach liebster Heiland, schone mein, laß diese Schuld vergessen sein, laß Gnade vor Recht gehen! 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, dein Unschuld 4. Du hast verlassen deinen Thron, bist in das Elend ganund Hohn, mußtest am Kreuze gen, ertrugest Schläge, Spott und Gerechtigkeit macht, daß ich hangen, auf daß du für uns fann vor Gott bestehn und zu schafftest Rat und unsre schwere der Himmelsfreud eingehn. möchteſt. Missethat bei Gott versöhnen 91. S err Jesu Christ, dein teures Blut ist mei ner Seele höchstes Gut, das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, dein teures Blut, dein Lebenssaft giebt mir stets neue Lebenskraft. 92. err Jesu, deine Angst und Bein und dein betrübtes Leiden laß mir vor Augen allzeit sein, die Sünde zu vermeiden. Laß mich an deine große Not und deinen herben bittern Tod, dieweil ich lebe, denken! 2. Laß deiner Seele Höllenqual, dein Angst und blutig Schwitzen und übrig Elend allzumal, darin du mußtest sitzen, mir öftermalen fallen ein und eine starke Warnung sein vor Sünd und Missethaten! 4. Herr Jesu, in der letzten Not, wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, so laß ja dies mein Labsal sein: dein Blut macht mich von Sünden rein. Joh. Olearius g. 1611 † 1684. 5. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit von Herzen dir lobfingen, und wenn du zu der Seligkeit mich wirst hinkünftig bringen, so will ich daselbst noch viel mehr, zusamt dem ganzen Himmelsheer, dich ewig dafür loben. 6. Herr Jesu, deine Angst und Bein und dein betrübtes Leiden laß meine letzte Zuflucht sein, 54 Passionslieder. Glauben übe. wenn ich von hier soll scheiden.| ist meine Liebe, weil ich mich im Ach hilf, daß ich durch deinen Tod fein sanft beschließe meine Not und selig sterbe. Amen. Nach Tob. Clausniger g. 1618+ 1684. Mel. Werde munter, mein Gemülte. er am Kreuz ist meine Liebe, meine Lieb ist Jesus Christ. Weg ihr argen Seelendiebe, Satan, Welt und Fleisches List! Eure Lieb ist nicht von Gott, eure Lieb ist gar der Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe. Keine Not, schwer, hart und groß, Hunger, Blöße, Henfershiebe, nichts macht mich von Jesu los, nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm, Engel nicht, tein Fürstentum. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe. Komm, Tod, komm, mein bester Freund! Wenn ich wie ein Staub zerstiebe, wird mein Jesus mir vereint; da, da schau ich Gottes Lamm, meiner Seele Bräutigam. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. Ahasverus Fritsch g. 1629+ 1701. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe. Frevler, was befremdet dich, daß ich mich im Glauben übe? Jesus gab sich selbst für mich. So ward er mein Friedeschild, aber auch mein Lebensbild. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glau- 94. Riebe, du erwünſchte Liebe meiner ben übe. 3. Der am Kreuz ist meine Seligkeit, der du dich aus höchLiebe. Sünde, du verlierst den stem Triebe in das jammervolle Sturm. Weh mir, wenn ich Leid deines Leidens mir zu den betrübe, der statt meiner gute als ein Schlachtschaf eingeward ein Wurm! Kreuzigt' ich stellt und bezahlt mit deinem nicht Gottes Sohn? trät ich nicht Blute alle Missethat der Welt; sein Blut mit Hohn? Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. Eigene Melodie. 2. Liebe, die mit Schweiß und Thränen an dem Delberg sich betrübt, Liebe, die mit Blut und Sehnen unaufhörlich fest geliebt, Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt, den sonst niemand konnte stillen, den hat dein Tod hingelegt. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe. Schweig, Gewissen, Gott vergiebt. Daran preist Gott seine Liebe, daß sein Sohn stirbt, der mich liebt. Wer verdammt nun? Gott ist hier, Gott verzeiht durch 3. Liebe, die mit starkem HerChristum mir. Der am Kreuz zen alle Schmach und Hohn ge 55 2. Seele, siehe, Gottes Lamm gehet zu dem Leiden, deiner Seele Bräutigam als zu Hochzeitfreuden. Geht, ihr Töchter von Zion, Jesum zu empfangen, sehet ihn in seiner Kron unter Dornen prangen! 4. Liebe, die mit so viel Wunden gegen mich als seine Braut 3. Du ziehst als ein König unauflöslich sich verbunden und ein, wirst auch so empfangen, auf ewig anvertraut: Liebe, laß aber Bande warten dein, dich auch meine Schmerzen, meines damit zu fangen. Für die Ehre Lebens Jammerpein in dem blut- Hohn und Spott wird man dir, verwundten Herzen sanft in dir Herr, geben, bis du durch des gestillet sein! Kreuzes Tod schließen wirst dein Leben. 4. Das Kreuz ist der Königsdem Kreuzesholz erworben, ach thron, drauf man dich wird wie dank ich deinem Blut, ach setzen, dein Haupt mit der wie dank ich deinen Wunden, du Dornenkron bis in Tod ververwundte Liebe du, wenn ich letzen. Jesu, dein Reich auf der in den Leidensstunden sanft in Welt ist in lauter Leiden; so deiner Seite ruh! ist es von dir bestellt bis zum letzten Scheiden. 6. Liebe, die sich tot gekränket und für mein erkaltet Herz in ein faltes Grab gesenket, ach wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, daß dadurch mög erben. ich ewig leben kann, und der wie herrlich glänzt deine Kron Seele Heil erworben: nimm mich ewig liebend an! 5. Du wirst, Herr der Herrlichkeit, ja wohl müssen sterben, daß des Himmels Ewigkeit ich Aber ach, von ferne, die dein siegreich Haupt bekränzt, schöner als die Sterne! Elisabeth v. Senik g. 1629+1679. Passionslieder. hört, Liebe, die nicht Angst und Schmerzen noch der strenge Tod versehrt, Liebe, die sich liebend zeiget, als sich Kraft und Atem endt, Liebe, die sich liebend neiget, als sich Leib und Seele trennt; 5. Liebe, die für mich gestorben und ein immerwährend Gut an 95. 6. Liebster Jesu, nun Glück Mel. Christus, der uns selig macht. zu! Es muß dir gelingen; nach ( eele, mach dich heilig der Stillen- Freitags- Ruh wirst auf, Jesum zu be- du Freude bringen. Tritt nur gleiten gen Jerusalem hinauf, auf die Todesbahn, die gestreuten tritt ihm an die Seiten! In der Palmen bilden dir den Sieg Andacht folg ihm nach zu dem voran aus den Osterpsalmen. bittern Leiden, bis du aus dem Ungemach zu ihm wirst verscheiden. 7. Laß mich diese Leidenszeit fruchtbarlich bedenken, voller Andacht, Neu und Leid mich 56 Passionslieder. darüber kränken! Auch dein Lei-| schreiben, daß ich dir als meiden tröste mich bei so vielem nem Teil einzig will getreu verJammer, bis nach allem Leiden bleiben, dir zu leben, dir zu ich geh zur Ruhekammer. leiden, dir zu sterben, dir zu meiden. Abraham Klesel g. 1636+ 1702. 7. Du, mein Jesu, sollst es sein, den ich mir zum Zweck gesetzet, wie du mein, so will ich dein Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Reine Seel, ermuntre 96. bleiben stets unverletet; was du liebest, will ich lieben, was dich fränkt, soll mich betrüben. 2. Sich, der wahre Gottes Sohn ist für dich ans Holz 8. Was du willst, das sei mein Will, dein Wort meines Herzens Spiegel; wenn du schlägehänget, sein Haupt trägt die gest, halt ich still. Dein Geist Dornenkron, sein Leib ist mit Blut vermenget, er läßt sich für dich verwunden; wo ist größre Lieb gefunden? bleibt mein Pfand und Siegel, daß ich soll den Himmel erben; darauf kann ich freudig sterben. 9. Nun, so bleibt es fest dabei: Jesus soll es sein und bleiben, dem ich lebe, des ich sei, nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen, ewig will ich dich umfassen. Joh. Kasp. Schade g. 1666+ 1698. Lieb bedenke; wie er für dich giebet sich, darauf deine Andacht lenke! Ach erwäg die große Treue und dich deines Jesu freue! 3. Du, du solltest große Pein ewig leiden in der Hölle und von Gott verstoßen sein wegen vieler Sündenfälle; aber Jesus trägt die Sünden, läßt dich wieder Gnade finden. 4. Durch sein Leiden ist gestillt deintes Gottes Zorn und Rache, er hat das Gesetz erfüllt, gut gemacht die böfe Sache, Sünde, Teufel, Tod Himmel dir errungen. 5. Ich kann nimmer, nimmermehr das Geringste nur vergelten, er verbindt mich allzusehr; meine Trägheit muß ich schelten, daß ich ihn so schlecht geliebet und noch gar mit Sünd betrübet. 6. Du, mein Jesu, du, mein Heil, dir will ich mich ganz verEigene Melodie, oder Warum sollt ich mich denn grämen. 97. Sefu, Troft der ar men Seelen, du läßt dich williglich meinetwegen quälen. Ach wie kann ich nun verzagen? denn du hast alle Laſt meiner Schuld getragen. 2. Dein Blut rann mit reichen Flüssen, dessen Kraft uns verschafft, daß wir Trost genießen. Laß mich diese Flut erquicken, meinen Geist, der dich preist, zu dir hin zu rücken. Passionslieder. 3. Dieser Strom führt in den Himmel; dort, ach dort ist der Ort, wo kein Weltgetümmel. Dahin steht nun mein Verlangen; Ehr und Gut soll den Mut nimmer wieder fangen. 4. Dein Blut soll mich stets vergnügen, ich will nun in dir ruhn und ganz sicher liegen. Ich will zu den Wunden eilen, denn hier kann jedermann seine Krankheit heilen. 5. Krank bin ich an Sündenwunden; frank und schwach schrei ich nach dir, bis ich dich funden. Ich will zu dir, Jesu, fliehen, doch du mußt aus dem Wust mich selbst zu dir ziehen, 6. Wie du an dem Kreuze thatest, als du dort, liebster Hort, für die Feinde batest. Ob mich spät die Sünden reuen, hoff ich doch mich wird noch deine Gnad erfreuen. 7. Ich will mich mit Thränen netzen und mein Herz soll im Schmerz sich zum Kreuze setzen. Hier will ich dich ganz umfassen, Gottes Lamm, Bräutigam, du wirst mich nicht lassen. 57 was dich da für ein Trieb zur Buße reize. Willst du unempfindlich sein, o so bist du mehr als Stein. 8. Laß mich nicht am letzten Ende! Da hilf mir, wenn zu dir ich mich gläubig wende; da laß mich dein Blut erquicken! So kann ich seliglich mich zum Sterben schicken. Ph. Balth. Sinold g. 1657 † 1742. 2. Schaue doch das Jammerbild zwischen Erd und Himmel hangen, wie das Blut mit Strömen quillt, daß ihm alle Kraft vergangen. Ach der übergroßen Not: es ist gar mein Jesus tot! 3. Lamm Gottes ohne Schuld, alles das hatt ich verschuldet, und du hast aus großer Huld Bein und Tod für mich erduldet; daß ich nicht verloren bin, giebst du dich ans Kreuze hin. 4. Unbeflecktes Gotteslanım, ich verehre deine Liebe; schaue von des Kreuzes Stamm, wie ich mich um dich betrübe; dein im Blute wallend Herz setzet mich in tausend Schmerz. 5. Nun was schenk ich dir dafür? Ich will dir mein Herze geben, dieses soll beständig hier unter deinem Kreuze leben. Wie du mein, so will ich dein lebend, leidend, sterbend sein. 6. Laß dein Herz mir offen stehn, öffne deiner Wunden Thüre; da hinein will ich stets gehn, wenn ich Kreuz und Not verspüre, wie ein Hirsch nach Wasser dürst, bis du mich erquicken wirst. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 7. Kreuzige mein Fleisch und Blut, lehre mich, die Welt verschmähen, laß mich dich, du höchstes Gut, immer vor den Augen gatha, setz dich sehen, führ in allem Kreuze mich unter Jesu Kreuze und bedenke, wunderlich, nur seliglich! 98. S( eele, geh auf Gol 58 8. Endlich laß mich meine Not auch geduldig überwinden, nirgend sonst wird mich der Tod, als in deinen Wunden finden; wer darin sein Bette macht, spricht zuletzt: Es ist vollbracht. 2. Ewig soll er mir vor Augen Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. stehen, wie er als ein stilles Lamm dort so blutig und so bleich zu Mel. Welt, ich muß dich lassen.sehen, hängend an des Kreuzes u Brunnquell aller Stamm; wie er dürstend rang Liebe gabst dich aus um meine Seele, daß sie ihm Liebestriebe für uns in tiefe Not; zu seinem Lohn nicht fehle, und du wolltest Blut und Leben für dann auch an mich gedacht, als uns zum Opfer geben, uns zu er rief: Es ist vollbracht. erretten von dem Tod. 99. D Passionslieder. 2. Du liebtest die Gemeine und machtest sie ganz reine von Sünden durch dein Blut; du heiligtest die Seelen, die dich zum Schatz erwählen, durch diese teure Lebensflut. 3. Ach laß dein heilig Leiden auch unsre Seelen fleiden mit Schmuck der Heiligkeit, laß deinen Geist und Gaben auch unsre Herzen laben in wahrer Glaubensfreudigkeit! 4. Die alte Lust der Sünden hilf uns nun überwinden als dein erlöste Schar! Da deine Gnad erschienen, so stell uns, dir zu dienen, voll neuer Kraft und Lebens dar! Peter Busch g. 1682 † 1744. geht: Unverrückt auf Einen Mann zu schauen, der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen auf sein Antlitz niedersank und den Kelch des Vaters trank. 3. Ja, mein Jesu, laß mich nicht vergessen meine Schuld und deine Huld. Als ich in der Finsternis gesessen, trugest du mit mir Geduld, hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, eh es auf des Hirten Ruf geachtet, und mit teurem Lösegeld mich erkauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein, sprich du darauf ein Amen. Treuster Jesu, du bist mein. Drücke deinen süßen Jesusnamen brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles thun und alles lassen, in dir leben und in dir erblassen, das sei bis zur letzten Stund unser Wandel, unser Bund. Albert Knapp g. 1798 † 1864. Begräbnis Jesu. Eigene Melodie. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. 100.Gines wünsch ich mi101. D er du, Herr Jesu, vor allem andern, Ruh und Rast in Eine Speise früh und spät; selig deinem Grab gehalten hast, gieb, läßts im Thränenthal sich wan- daß wir in dir ruhen all, und dern, wenn dies Eine mit uns unser Leben dir gefall. Paffionslieder. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Mut, die du erkauft mit deinem Blut, und führ uns in des Himmels Licht zu deines Vaters Angesicht! 3. Wir danken dir, o Gotteslamm, getötet an des Kreuzes Stamm. Laß ja uns Sündern deine Bein den Eingang in das Leben sein! Georg Werner g. 1589 † 1643. 103. ( o ruhest du, D meine Ruh, in Eigene Melodie. 102. Traurigkeit, o deiner Grabeshöhle, und erweckeſt durch tote Herzeleid, ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einigs Kind wird ins Grab getragen. 2. O große Not, des Todes Tod ist selbst am Kreuz ge= storben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben. 59 7. Hochselig ist zu jeder Frist, der dieses recht bedenket, wie der Herr der Herrlichkeit wird ins Grab versenket. 4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, liegt hie mit Blut beflossen, welches es ganz mildiglich hat für dich vergossen. 2. Man senkt dich ein nach vieler Pein, du meines Lebens Leben! dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach bist du falt, mein Trost und Halt! Das macht die heiße Liebe, die dich in das kalte Grab durch ihr Feuer triebe. 3. O Menschenkind, nur deine 4. O Lebensfürst, ich weiß, Sünd hat dieses angerichtet, da du wirst mich wieder auferwecken; du durch die Miſsethat warest sollte denn mein gläubig Herz ganz vernichtet. 5. O süßer Mund, o Glaubensgrund, wie bist du doch zerschlagen! Alles, was auf Erden lebt, muß dich ja beklagen. 6. O lieblichs Bild, schön, zart und mild, du Schmerzsohn der Jungfrauen! Niemand kann dein heißes Blut sonder Neu anschauen. 8. Jesu, du mein Hülf und Ruh, ich bitte dich mit Thränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab möge nach dir sehnen. Johann Rist g. 1607 † 1667. Mel. O Traurigkeit. vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein ein Kämmerlein, da ich auf Rosen liege, weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt, der Leib nur stirbt, doch wird er auferstehen und in ganz verklärter Zier aus dem Grabe gehen. 7. Indes will ich, mein Jesu, dich in meine Seele senken und an deinen bittern Tod bis in Tod gedenken. Salomo Franck g. 1659 † 1725. 60 VII. Osterlieder. Eigene Melodie. 104. No heilig ist der Halleluja, Halleluja! Tag, daß ihn nie3. Doch seit daß er erstanden mand mit Loben erfüllen mag; ist, Halleluja, Halleluja, ſo denn der einige Gottessohn, der loben wir den Herren Christ, die Hölle überwand und den Halleluja, Halleluja! leidigen Teufel darinnen band, damit erlöst der Herr die Christenheit, das war Christ selber. Kyrieleis! Aus dem 15. Jahrhundert. Nach dem Lateinischen des Venantius Fortunatus im 6. Jahrhundert: Salve, festa dies. Welt alsdann vergangen wär, Halleluja, Halleluja, behüt uns 4. O Jesu, lieber Herre Gott, vor der Sünden Not, Halleluja, Halleluja! 5. Gieb, daß wir von dem Tod erstehn, Halleluja, Halleluja, mit dir ins neue Leben gehn, Halleluja, Halleluja! Eigene Melodie. 105. Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh fein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! 6. Zu dieser österlichen Zeit, Halleluja, Halleluja, sei Gott der Herr gebenedeit. Halleluja, Halleluja! Aus dem 14. Jahrhundert. 2. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit daß er erstanden ist, so lob'n Nach d. Lat. Surrexit Christus hodie. Eigene Melodie. wir den Bater Jefu Chrift. 107.Jefus Chriftus unfer Halleluja! Heiland, 3. Halleluja, Halleluja, Hal- Tod überwand, ist auferstanden, leluja! Des solln wir alle froh die Sünd hat er gefangen. Halsein, Christ will unser Trost leluja! sein. Halleluja! Aus dem 13. Jahrhundert. 2. Der ohn Sünden war geborn, trug für uns Gottes Zorn; hat uns versöhnet, daß uns Gott sein Huld gönnet. Eigene Melodie. 106. Grstanden ist der hei- Halleluja! Hallelig luja, Halleluja, der aller Welt ein Tröster ist, Halleluja, Halleluja! 2. Und wär er nicht erstanden treten. Halleluja! hehr, Halleluja, Halleluja, diel 3. Tod, Sünd, Leben und Genad, alls in Händen er hat; er kann erretten alle, die zu ihm Martin Luther g. 1483 † 1546. Ofterlieder. 61 Eigene Melodie. 6. So feiern wir das hoh 108. Christ lag in Todes- Feft mit Herzensfreud und uns der banden, unsre für Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben; des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen Halleluja. Halleluja! Wonne, Herr scheinen läßt. Er selber ist die Sonne, der durch seiner Gnade Glanz erleucht't unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja! 2. Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern; das macht' alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt, hielt uns in sein'm Reich gefangen. Halleluja! 7. Wir essen und leben wohl zum süßen Brot geladen, der alt Sauerteig nicht soll sein bei dem Wort der Gnaden. Christus will die Speise sein und speisen die Seel allein; der Glaub will feins andern leben. Halleluja! Martin Luther g. 1483 † 1546. 3. Jesus Christus, Gottes Eigene Melodie. Sohn, an unser Statt ist kom- 109. G rschienen ist der herrlich Tag, men und hat die Sünd abge= than; damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Halleluja! dran sich niemand gnug freuen mag; Christ, unser Herr, heut triumphiert, all seine Feind gefangen führt. Halleluja! 4. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, 3. Sein Raub der Tod mußt wie ein Tod den andern fraß, geben her, das Leben siegt und ein Spott aus dem Tod ist ward ihm Herr, zerstört ist nun worden. Halleluja! all seine Macht, Christ hat das 2. Die alte Schlang, die Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not hat überwunden Jesus Christ, der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja! 5. Hie ist das recht Oster- Leben wiederbracht. Halleluja! lamm, davon wir sollen leben, 4. Die Sonn, die Erd, all das sich an des Kreuzes Stamm Kreatur, alls, was betrübet war in heißer Lieb gegeben; des Blut zuvor, das freut sich heut an zeichnet unsre Thür, das hält diesem Tag, da der Welt Fürst der Glaub dem Tod für, der darnieder lag. Halleluja! Würger kann uns nicht rühren. Halleluja! 5. Drum wir auch billig fröhlich sein, singen das Halleluja Osterlieder. 62 fein und loben dich, Herr Jesu Christ; zu Trost du uns erstanden bist. Halleluja! Niklas Herman † 1561. 110. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. ir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du vom Tod erstanden bist und haft dem Tod zerstört sein Macht und uns das Leben wiederbracht. Halleluja! 2. Wir bitten dich durch deine Gnad, nimm von uns unsre Missethat und hilf uns durch die Güte dein, daß wir dein treuen Diener sein. Halleluja! 3. Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, dem heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis. Halleluja! Thomas Hartmann um 1604. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag, oder Eigene Melodie, wenn man die eingeflammerten Halleluja mitsingt. 111. Heut eut triumphieret 3.D auferstandner Jesu Christ, der du der Sünder Heiland bist [ Halleluja, Halleluja,] führ uns durch dein Barmherzigkeit mit Freuden in dein Herrlichkeit. Halleluja.[ Halleluja!] 4. Hie ist doch nichts als Angst und Not, von Kindheit an bis in den Tod[ Halleluja, Halleluja, dort aber in des Himmels Thron folgt auf den Kampf die Ehrenfron. Halleluja.[ Halleluja!] 5. Nun kann uns kein Feind schaden mehr; ob er gleich murrt, ists ohn Gefähr[ Halleluja, Halleluja,] darnieder liegt der arge Feind, wir aber Gottes Kinder feind. Halleluja.[ Halleluja!] 6. Des danken wir ihm allzugleich und sehnen uns ins Himmelreich[ Halleluja, Halleluja). Es ist am End, Gott helf uns alln, so singen wir mit großem Schalln: Halleluja.[ Halleluja!] 7. Gott Vater in dem höchsten Thron, samt seinem eingebornen Sohn,[ Halleluja, Halleluja,] dem heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja.[ Halleluja!] PA Rasp. Stolshagins(?) 1591. Gottes Sohn, der vom Tod ist erstanden schon [ Halleluja, Halleluja,] mit großer Pracht und Herrlichkeit; des dant'n wir ihn in Ewigkeit. 112. vie Sonn aufgeht, Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. rüh da Halleluja.[ Halleluja!] mein Heiland Christus aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Sicht, Heil und Leben wieder2. Dem Teufel hat er all sein Macht zerstört und ihn zu Boden bracht[ Halleluja, Halleluja,] wie pflegt zu thun ein großer Held, bracht. Halleluja! der seinen Feind gewaltig fällt. Halleluja.[ Halleluja!] 2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen gleich Osterlieder. als wär ich tot, läßt du mir früh die Gnadensonn aufgehn, nach Trauren Freud und Wonn. Halleluja! 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang mein Heiland bleibt im Todeszwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mit Ehren seine Siegsfahn schwingt. Halleluja! 63 herzlich liebt; wenn mir gleich alle Welt stürb ab, gnug, daß ich Christum bei mir hab. Halleluja! 10. Er nährt, er schützt, er tröstet mich. Sterb ich, so nimmt er mich zu sich; wo er jetzt lebt, da muß ich hin, weil ich ein Glied seins Leibes bin. Halleluja! 11. Durch seiner Auferstehung Kraft komm ich zur Engelbrüderschaft; durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Halleluja! 12. Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; die Freude, die mir ist bereit, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja! 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt mit Schmach am Kreuz gefangen hält, drauf folgt der Sabbath in dem Grab, darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja! 5. In kurzem wach ich fröhlich auf, mein Ostertag ist schon im Lauf; ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja! 6. Der Herr den Tod zu Boden schlägt, da er selbst tot, und sich nichts regt; geht aus dem Grab in eigner Kraft, Tod, Teufel, Höll an ihm nichts schafft. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Halleluja! 7. Wunder groß, o starter 113. affet uns den Herren preisen, o ihr Held, wo ist ein Feind, den er Christen überall! Kommet, daß nicht fällt? Kein Angststein liegt wir Dank erweisen unserm Gott so schwer auf mir, er wälzt ihn mit süßem Schall! Es ist frei von des Herzens Thür. Halleluja! von Todesbanden Simson, 8. Kein Kreuz und keine Not vom Himmel kam, und der Löw sich findt, die Christi Sieg nicht aus Juda Stamm; Christus überwindt. Er führt heraus mit Jesus ist erstanden, nun ist seiner Hand, wer mich will hin der lange Streit. Freue dich, halten, wird zu Schand. Halle- o Christenheit! luja! 9. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich 13. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir mit größerm Fleiß erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja! Joh. Heermann g. 1585 † 1647. 2. Christus selbst hat überwunden des ergrimmten Todes Macht. Der in Tüchern lag 64 Osterlieder. gebunden, hat die Schlang jetzt sehn, wie so groß sei unser umgebracht; Satans Reich ist Schade, daß wir dir gleich aufganz verheeret, Christus hat es erstehn. Brich hervor in unsern nach der Ruh ausgetilget und Herzen, überwinde Sünde, Tod, dazu Belial sein Schloß zer- Teufel, Welt und Höllennot, störet, daß wir haben frei Geleit. dämpf in uns Pein, Ängst und Freue dich, o Christenheit! Schmerzen samt der Seele Traurigkeit! Freue dich, o Christenheit! 3. Warest du, o Held, gestorben? warest du ins Grab 7. Meinen Leib wird man gelegt? Ei du bleibest unver- vergraben, aber gleichwohl ewig dorben; da sich nur der Fels nicht; bald werd ich das Leben erregt, Held, da bist du wieder haben, wenn das letzte Weltkommen, hast das Leben und die gericht alle Gräber wird aufMacht aus der schwarzen Gruft decken, und der Engel Feldgebracht und des Todes Raub geschrei zeigen, was vorhanden genommen, schenkst uns nun sei; dann wird mich mein Gott die Seligkeit. Freue dich, o aufwecken und beschließen all Christenheit! mein Leid. Freue dich, o Christenheit! 8. Dann so werden meine Glieder, die jetzt Staub und Asche sein, unverweslich leben wieder und erlangen solchen Schein, dessen gleichen hier auf Erden nimmermehr zu finden ist. Ja, mein Leib, Herr Jesu Christ, soll dem deinen ähnlich werden, voller Pracht und Herrlichkeit. Freue dich, o Christenheit! Johann Rist g. 1607+ 1667. 4. Tod, wo sind nun deine Waffen? Hölle, wo ist dein Triumph? Satan konnte gar nichts schaffen, feine Pfeile wurden stumpf. Christus ist sein Gift gewesen, ja der Hölle Seuch und Pest; Welt und Sünde liegen fest, und wir Menschen sind genesen nur durch seinen tapfern Streit. Freue dich, o Christenheit! 5. Er ist aus der Angst ge= rissen und mit Ehren angethan; wer ist, der sein Leben wissen Mel. Nun freut euch, liebe Christen und die Läng ausreden kann?*) g'mein. Chriſtus ist der Eckſtein worden. 114. O Tod, wo i do dein Stachel nun? Wo Gott, das von dir wie wir jetzt vor Augen sehn; wir sind aus der Sünder Orden hingerissen durch den Streit. Freue dich, o Christenheit!*) 3ej. 53,8. ist dein Sieg, o Hölle? Was fann uns jetzt der Teufel thun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg 6. Gieb, Herr Jesu, deine so herrlich hat nach diesem Krieg Gnade, daß wir stets mit Reue durch Jesum Christ gegeben! Ofterlieder. 2. Wie sträubte sich die alte Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit Schlang, da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und macht sie auf ihn drang, jedennoch er sie dämpfte. Ob sie ihn in die Fersen sticht, so sieget sie doch darum nicht, der Kopf ist ihr zertreten. im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe. 3. Lebendig Christus kommt herfür, die Feind nimmt er gefangen, zerbricht der Hölle Schloß und Thür, trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts ist, das in dem Siegeslauf den starken Held kann halten auf, alls liegt 8. cs Herren Rechte die be- 115. Dfind zerstört, der hält den Sieg und ist erhöhet, des Herren Rechte mächtig fällt, Tod ist nun verschlungen, des was ihr entgegen stehet. Tod, Satans Reich ist ganz verheert, Teufel, Höll und alle Feind Lob sei dir, Gott, gesungen. Der durch Christi Sieg gedämpfet Sünde Macht ist abgethan, seind, ihr Zorn ist kraftlos durch Christum ist die Himmelsworden. bahn uns wieder aufgeschlossen. 2. Was uns des alten Adams Schuld im Paradies verloren, das und noch mehr hat Christi Huld uns wiederum erforen. Der starke Held aus Davids Stamm hat seines Vaters Zornesflamm gelöscht mit seinem Blute. 3. Heut ist er aus dem Grab 6. Wer täglich hier durch wahre herfür mit großer Macht geReu mit Christo auferstehet, ist brochen und stecket auf des Heils dort vom andern Tode frei; der- Panier, gleichwie er hat ver= selb ihn nicht angehet. Genom- sprochen. Er bringt nach wohlmen ist dem Tod die Macht, Un- geführtem Streit uns wieder schuld und Leben wiederbracht Fried und Freudigkeit, ja alle und unvergänglich Wesen. Himmelsschätze. 7. Das ist die reiche Oster- 4. Drum lasset uns in Fröhbeut, der wir teilhaftig werden:| lichkeit Herz und Gemüt erhe5 5. Es war getötet Jesus Christ, und sich, er lebet wieder! Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten gläubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet. 65 8. D Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat in diesem Krieg durch Jesum Christ gegeben! Nach Ge. Weissel g. 1590 † 1635. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 66 Osterlieder. ben, weil uns ist diese Gnaden- allem, was mir will entnehmen zeit vom Himmel wiedergeben. meinen Mut zusamt dem edlen Wir haben Christi Reich und Gut, so mir durch Jesum Christ Macht; er ist hinweg, der Tag aus Lieb erworben iſt. und Nacht vor Gott uns hat verklaget. 4. Ich hang und bleib auch hangen an Christo als ein Glied; 5. Der alle Welt verführt in wo mein Haupt durch ist gangen, Not, liegt in dem Staub der da nimmt er mich auch mit. Er Erden, der vormals starke See- reißet durch den Tod, durch lentod hat müssen kraftlos wer- Welt, durch Sünd, durch Not, den; des Lammes Blut hat ihn bekriegt, sein wahres Zeugnis obgesiegt und uns zum Heil erhalten. er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell. 6. Wir werden auch nach die ser Zeit wie Christus auferstehen 5. Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach und brauch mich nicht zu kehren und mit ihm in die Herrlichkeit an einzig Ungemach; es tobe, und Himmelsfreud denn wo das Haupt geblieben ist, da müssen auch zu aller Frist die andern Glieder wohnen. Mich. Schirmer g. 1606 † 1673. eingehen; was da kann, mein Haupt nimmt sich mein an, mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt. 6. Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel führt, daran mit güldnen WorEigene Melodie. 116. Auf, auf, mein Herz, ten der Reim gelesen wird: Wer mit nimm dort wird wird wahr, was heut geschicht! Wie hier auch mit gefrönt; wer dort kommt nach großem Leiden nun mit sterben geht, wird hier auch ein so großes Licht! Mein Hei- mit erhöht. land war gelegt da, wo man uns hinträgt, wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. 2. Er war ins Grab geſentet, 117. Wie heblich für Mel. Du Friedefürst, Herr Jesu Christ. sind doch deine Füß, Geschrei. Eh ers vermeint und denket, ist wie freundlich ist dein Mund! Christus wieder frei und ruft Wie tröstet mich dein Wort so Victoria! schwingt fröhlich hier süß, o meines Glaubens Grund, und da sein Fähnlein als ein du guter Bot, du Todes Tod, Held, der Feld und Mut behält. du Friedenswiederbringer! 3. Das ist mir anzuschauen 2. Nun ist des Höchsten Wort ein rechtes Freudenspiel; nun erfüllt, sei froh mein ganzer soll mir nicht mehr grauen vor Sinn; nun ist des Herren Zorn Ofterlieder. 67 gestillt, nun ist das Zagen hin. dir mein Herze ruht; und wenn Mein Jesus hat an meiner Statt die Sündenschuld gebüßet. es bricht, erschreck ich nicht, ich fahre hin im Frieden. Gottfr. Wilh. Sacer g. 1635 † 1699. 3. Der Friede Gottes herrscht in mir, der über die Vernunft; mir öffnet sich des Himmels Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Thür, weg, weg, du Höllenzunft! 118. Wo willſt du hin, nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. Abend ist, o liebster Pilgrim Jesu Christ? Komm, laß mich so glückselig sein, und kehr in meinem Herzen ein! 4. Wenn mich die Welt er bärmlich plagt und setzt mir heftig zu, von einem Ort zum andern jagt, so schafft mir Jesus Ruh. Die Welt schreckt nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 2. Laß dich erbitten, liebster Freund, dieweil es ist so gut gemeint; du weißt, daß du zu aller Frist ein herzenslieber Gast mir bist. 5. Wenn mich die Not und Trübsal drückt, wenn mich mein Freund verstößt, werd ich doch kräftiglich erquickt, mir bleibt des Herren Trost. Die Not schreckt nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 6. Wenn mich mein Fleisch unruhig macht und reizt zur Sünden bahn, wird doch sein Wille nicht vollbracht, ruf ich nur Jesum an. Das Fleisch schreckt nicht, mein Heiland spricht, mit mir soll sein der Friede. 3. Es hat der Tag sich sehr geneigt, die Nacht sich schon von ferne zeigt; drum wollest du, o wahres Licht, mich Armen ja verlassen nicht. 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn zum Himmel sicher finden kann, damit die dunkle Sündennacht mich nicht verführt noch irre macht. 5. Bevorab aus der letzten Not hilf mir durch einen sanften Tod! Herr Jesu, bleib, ich halt dich fest, ich weiß, daß du mich nicht verläßt. 1674. 7. Wenn auf mich dringt der grimme Tod und rufet: Du bis mein, so will auch in der Todes- Mel. Nun freut euch, liebe Christen not mein Heiland bei mir sein. g'mein. Der Tod ſchreckt nicht, mein Hei- 119.Mach auf, mein Herz, die land spricht, mit sein der Friede. die Sonn ist aufgegangen, er8. Dank sei dir, o du Friede- muntre deinen Geist und Sinn, fürst, für das erworbne Gut, das den Heiland zu empfangen, der du mir wohl erhalten wirst; in[ heute durch des Todes Thür ge 68 brochen aus dem Grab herfür der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünde auf und such ein neues Leben, vollführe deinen Glaubenslauf und laß dein Herz sich heben 8. Scheu weder Teufel, Welt gen Himmel, da dein Jesus ist, noch Tod, noch gar der Hölle und such, was droben, als ein Rachen, dein Jesus lebt, es hat Christ, der geistlich auferstanden. kein Not, er ist noch bei den 3. Vergiß das, was dahinten Schwachen und den Geringsten ist, und tracht nach dem, was in der Welt als ein gekrönter droben, damit dein Herz zu jeder Siegesheld; drum wirst du überFrist zu Jesu sei erhoben. Tritt winden. unter dich die böse Welt und strebe nach dem Himmelszelt, wo Jesus ist zu finden. Ofterlieder. 4. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht, er ist nicht fern, weil er ist auferstanden. wunden; er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du aufstehst und in ein neues Leben gehst und Gott im Glauben dienest. 9. Ach mein Herr Jesu, der du bist von Toten auferstanden, rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden, daß wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns hast erworben. 10. Sei hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen Ueberwindern, die überwunden durch dein Blut: Herr Jesu, gieb uns Kraft und Mut, daß wir auch überwinden. Laurent. Laurenti g. 1660+ 1722. 5. Geh mit Maria Magdalen und Salome zum Grabe, die früh dahin aus Liebe gehn mit ihrer Salbungsgabe, so wirst du schn, daß Jesus Christ vom Tod heut auferstanden ist und nicht im Mel. Wer nur den lieben Gott läßt Grab zu walten. Mel. 2. 6. Es hat der Löw aus Juda 120. M was soll ich sterStamm heut siegreich überwunden, und das erwürgte Gottes- ben? Hier steht mein Haupt und lamm hat uns zum Heil gefun- triumphiert. So muß ich ja das den das Leben und Gerechtig- Leben erben, weil Not und Tod feit, weil er nach überwund- die Macht verliert. Kein Trauernem Streit die Feinde schau- bild erschreckt mich mehr, mein getragen.*)*) Col. 2, 15. Jesus lebt, das Grab ist leer. 7. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, weil Jesus über2. Mein Jesus siegt, drum liegt zu Füßen, was mir das Osterlieder. 69 Leben rauben kann. Der Tod| einen Schatz hier finden, der wird völlig weichen müssen, mir ewig fann erfreun. wird der Satan unterthan. Der Hölle Abgrund selber bebt, denn überall schallt: Jesus lebt. 6. Wir sind mit dir gestorben, so leben wir mit dir; was uns dein Tod erworben, das stell uns täglich für! 3. Mein Jesus lebt, das Grab ist offen, so geh ich freudig in die Gruft. Hier kann ich auch im Tode hoffen, daß mich sein Wort ins Leben ruft. Wie süß erschallt die Stimme hier: Ich leb, und ihr lebt auch in mir. 7. Wir wollen hier ganz fröhlich mit dir zu Grabe gehn, wenn wir nur dorten selig mit dir auch auferstehn. 8. Der Tod fann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nunmehr stumpf, wir stehn bei Gott in Gnaden und rufen schon Triumph! Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. 4. Mein Jesus bleibt also mein Leben, er lebt in meinem Herzen hier; und soll ich ihm das Leben geben, kommt mir mein Tod nicht schrecklich für, weil er mich in den Himmel hebt, so wahr als Jesus ist und lebt. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 122.3 ween der Jünger gehn mit Sehnen über Feld nach Emmaus; ihre Augen sind voll Thränen, ihre Mel. Christus der ist mein Leben. 121. Willkommen, Held Seele voll Verdruß, man hört Streite, aus ihre es ist von deines Grabes Kluft! Wir ihrem Orte unser Jesus gar nicht triumphieren heute um deine weit und vertreibt die Trauleere Gruft. rigkeit. 2. Der Feind wird schaugetragen*) und heißt nunmehr ein Spott, wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott.*) Col.2,15. 2. Ach es gehn noch manche Herzen ihrem stillen Kummer nach, sie bejammern ihre Schmerzen, ihre Not und Ungemach; manches wandert gar alleine, daß es nur zur Gnüge weine; doch mein Jesus ist dabei, fragt, was man so traurig sei. 3. In der Gerechten Hütten schallt schon das Siegeslied; du trittst selbst in die Mitten und bringst den Osterfried. 4. Ach teile doch die Beute bei deinen Gliedern aus, wir alle kommen heute deswegen in dein Haus. 3. Wenn zwei Seelen sich besprechen, so ist er der dritte Mann; er bemerket die Gebrechen, redet, was uns trösten kann. Denn er fann uns nicht versäumen, wie wir glaubenslos 5. Laß unser aller Sünden ins Grab verscharret sein und 70 oft träumen, er hat alles im Gesicht, seine Treu verläßt uns nicht. Osterlieder. 4. Jesus ist mir nachgegangen, wenn ich meiner Eitelkeit und der Sünde nachgehangen; o der unglückselgen Zeit, die man der gestalt verloren! Doch er hat mich neu geboren, Jesus hat an mich gedacht und das Schäflein wieder bracht. nachzusinnen, daß sie satt sich weinen können, so sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? 9. Kannst du bei der Welt nicht weilen, ach so nimm mich auch mit dir, laß mich deine Freuden teilen, sei und bleibe stets bei mir! Bleibe doch in unsrer Mitten, wie dich deine Kinder bitten. Dank sei dir, o lieber Gast, daß du mich getröstet hast. Ludw. Neunherz g. 1653 † 1737. 5. Hat sich eine Not gefunden, so ließ er mich nicht allein; Jesus stellt zur rechten Stunden sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, gleich als ob er wäre, o Mel. Jejus, meine Zuversicht. 3 esus mehr als nah und mit seiner 123. fus lebt, mit ihm Hülfe da. auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken, er verklärt mich in sein Licht: dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das Reich über alle Welt gegeben, mit ihm werd ich auch zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht: dies ist meine Zuversicht. 7. Bin ich traurig und betrübet, so gieb nur in meinen Sinn, daß mich deine Seele liebet, und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort mich feste gründen, laß es auch mein Herz entzünden, daß es voller Liebe brennt und dich immer besser kennt. 3. Jesus lebt; wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht: dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt; sein Heil ist 8. Tröst auch andre fromme mein, sein sei auch mein ganzes Seelen, wenn sie tief in Kummer Leben; reines Herzens will ich stehn; wenn sie in verborgnen sein und den Lüften widerstreben. Höhlen, Kanimern, Feld und Er verläßt den Schwachen nicht: Wäldern gehn, ihrem Rummer dies ist meine Zuversicht. 6. Treuster Freund von allen Freunden, bleibe ferner noch bei mir! Kommt die Welt, mich anzufeinden, ach so sei du auch allhier! Will der Teufel mich betrügen, laß in deinem Schutz mich liegen! Komm, in meinem Geist zu ruhn: was du willst, das will ich thun. Ofterlieder. Schöpfer bist. Du wirst unvergänglich Leben und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, dem Staube, der dir teuer ist. Wir werden ewig dein, gerecht und selig sein, Halleluja! Tod und Gericht erschreckt uns nicht, denn Jesus, unser Mittler, lebt. 4. Tag des Lebens, Tag der Wonne, wie wird uns sein, wenn Gottes Sonne durch unsers Grabes Dunkel bricht! D was werden wir empfinden, wenn Nacht und Finsternis verschwinden, und uns umstrahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du 124. uns diesem Tage zu, uns, die Christo Lob und Ehre! Wie Deinen! Die Todesbahn gingst groß, wie heilig ist sein Tag! Er, du voran, wir folgen dir in der Held, zerriß die Banden des deine Ruh. Todes und ist auferstanden, er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht, Preis Gottfr. Bened. Funt g. 1734+1814. 5. Jesus lebt; ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Seine Treue wanket nicht: dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der Tod mir ein Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. alleluja, jauchzt, ihr Mel. Sollt ich meinem Gott nicht fingen. ihm, er hats vollbracht! Halle 125. Auferſtanden, auf er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. Herr, der uns versöhnt. O wie hat nach Schmerz und Banden 2. Glorreich hat der Held Gott mit Ehren ihn gekrönt! gerungen, hat mächtig Satans Dort zu seines Vaters Rechten Reich bezwungen, von Todes- über Schmach und Tod erhöht fetten uns befreit. Wir von Gott herrscht er nun in Majestät. gefallne Sünder sind nun mit Freut euch seiner, ihr Gerechten, ihm versöhnt, sind Kinder und und ihr, seine Feinde, bebt! HalErben seiner Seligkeit. Bald, leluja, Jesus lebt! bald entschlafen wir, entschlafen, Christe, dir, ruhn im Frieden die kurze Nacht, bis deine Macht den Tag der Ewigkeiten ruft. 2. Singt dem Herrn, er ist erstanden, er, der starb auf Golgatha. Rühmt es, rühmts in allen Landen: Was fein Wort verhieß, geschah. Wer, wer kann ihm widerstreben? Mächtig dringt der Held empor, 3. Unsern Staub mag Staub bedecken, du wirst ihn herrlich auferwecken, der du des Staubes 72 Osterlieder. im Triumph bricht er hervor; Mel. Nun dantet all und bringet Ehr. und des Abgrunds Pforten beben, da ihr Sieger sich erhebt. Halleluja, Jesus lebt! 126.3 3. Uns vom Tode zu befreien, fank er in des Grabes Nacht; uns zum Leben einzuweihen, stand er auf durch Gottes Macht. Tod, durch ihn bist du bezwungen, deine Schrecken sind zerstreut, von der Furcht sind wir befreit, uns ist Leben neu errungen; jauchzt ihr, die man einst begräbt, jauchzt dem Höchsten, Jesus lebt! 4. Aus dem Grab uns zu erheben, ging er zu dem Vater hin. Laßt uns ihm zur Ehre leben, dann ist Sterben uns Gewinn. Haltet unter Luft und Leiden im Gedächtnis Jesum Christ, der vom Zob erstanden ist. Unvergänglich sind die Freuden des, der nach dem Himmel strebt. Singet, preiset, Jesus lebt! 5. Freut euch seiner, Gottes Kinder, er sei euer Lobgefang! Bringt dem Todesüberwinder ewig Ehre, Lob und Dank! Rühmts in der Versuchung Stunden, wenn euch Sünd und Elend droht, rühmts in eurer Todesnot: Unser Herr hat überwunden! und wenn er euch zu sich hebt, dann rühmts ewig: Jesus lebt! Joh. Casp. Lavater g. 1741+ 1801. ch sag es jedem, daß Er lebt und auferstanden ist, daß Er in unsrer Mitte schwebt und ewig bei uns ist. 2. Ich sag es jedem, jeder sagt es seinen Freunden gleich, daß bald an allen Orten tagt das neue Himmelreich. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn erst wie ein Vaterland, ein neues Leben nimmt man hin entzückt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Dicer versant des Todes Graun, und jeder kann nun leicht und hehr in seine Zukunft schaum. 5. Der bunkle Weg, den er bes trat, geht in den Himmel aus, und wer nur hört auf seinen Rat, fommt auch ins Vaterhaus. 6. Nun weine feiner mehr allhie, wenn eins die Augen schließt; vom Wiedersehn, spät oder früh, wird dieser Schmerz versüßt. 7. Es kann zu jeder guten That ein jeder frischer glühn, denn herrlich wird ihm diese Saat in schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns sein, wenn alles uns verläßt, und so soll dieser Tag uns sein ein Weltverjüngungsfest. Friedr. v. Hardenberg g. 1772+1801. VIII. Himmelfahrtslieder. Eigene Melodie. wird auch gewiß das Leben recht hrist fuhr gen Him- zu Gott im Himmel g'richtet. mel. Was sandt Halleluja, Halleluja! er uns hernieder? Den Tröster, den heiligen Geist, zu Trost der armen Christenheit. Halleluja! Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des sollen wir alle froh fein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, wenn wir den Bater finden und fliehen stets die weltlich Bahn, thun uns zu Gottes Kindern; die sehn hinauf, der Vater h'rab, an Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, bis sic zusammen kommen. Halleluja, Halleluja! Aus dem 15.(?) Jahrhundert. 73 Eigene Melobie, oder ohne Halleluja Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, wenn uns Gott zu 128.Auf diesen Tag be ihm nehmen und ſeinem Sohn denken wir, daß wird machen gleich, als wir denn Christ gen Himm'l gefahren, und jetzt bekennen. Da wird sich finden banken Gott aus höchster B'gier, Freud und Mut zu emger Zeit mit Bitt, er woll bewahren uns beim höchsten Gut. Gott woll, arme Sünder hie auf Erd, die daß wirs erleben! wir von wegen mancher G'fährd Halleluja! ohn ihn kein Hoffnung haben. Halleluja, Halleluja! Halleluja, Johann Zwid g. um 1496+ 1542. 2. Drum sei Gott Lob, der Eigene Melodie. Weg ist g'macht, uns ſteht der 129. Gen Himmel auf Himmel offen, gefahren ist, leluja, der König der Ehren, Jesus Christ. Halleluja! auf mit großer Pracht, vorhin war alls verschlossen. Wers glaubt, des Herz ist frendenvoll, dabei er sich doch rüsten soll, dem Herren nachzufolgen. Halleluja, Halleluja! 2. Er sitzt zu Gottes rechter Hand, Halleluja, herrscht über Himm't und alle Land. Halleluja! 3. Nun ist erfüllt, was g'schrieben ist, Halleluja, in Psalmen von dem Herren Christ. Halleluja! 3. Wer nicht folgt und sein Willen thut, dem ists nicht Ernst zum Herren; denn der wird auch vor Fleisch und Blut sein Himmelreich versperren. Am Glauben liegts, wird der sein recht, 4. Nun sitzt beim Herren Davids Herr, Halleluja, wie zu ihm g'sprochen hat der Herr. Halleluja! 74 Himmelfahrtslieder. 5. Drum jauchzen wir mit freude süß? wann werd ich großem Schalln, Halleluja, dem aufgenommen? Mein Heiland, Herren Christ zum Wohlgefalln. komm und nimm mich an, auf Halleluja! daß ich fröhlich jauchzen kann und klopfen in die Hände: Gelobt sei Gott ohne Ende! 6. Der heilgen Dreieinigkeit, Halleluja, sei Lob und Preis in Ewigkeit! Halleluja! Johann Rist g. 1607 † 1667. 1609. Nach dem Lateinischen Coelos ascendit hodie. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. 131. Mein Heiland fitet 130. zu Gott des Vaters rechter Hand, woselbst err Jesu, zieh uns ihn herrlich loben der Engel für und für, daß Chor; in solchem Stand ist unser wir mit den Gemütern nur Fleisch zu finden; o welch ein oben wohnen stets bei dir, in Ruhm und Ehr! Es müsse nun deinen Himmelsgütern; laß un- verschwinden, was uns betrübt so sern Sitz und Wandel sein, wo sehr; denn unser Haupt regieret Fried und Wahrheit gehn herein; in großer Herrlichkeit, wohin laß uns in deinem Wesen, das er uns auch führet nach unsrer himmlisch ist, genesen. Wallfahrtszeit. 2. Hilf, daß wir suchen unsern Schatz nicht hier in diesem Leben, hingegen dort, wo du den Platz wirst Gottes Kindern geben; ach laß uns streben fest und wohl nach dem, was fünftig werden soll, so können wir ergründen, wo dein Gezelt zu finden. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geift. 2. Lob sei dir, Herr, gesungen, daß du dich aus selbsteigner Macht gen Himmel hast geschwungen und den Triumph davon gebracht, daß du hast aufgeschlossen des Himmels güldne Thür und uns zu Reichsgenossen verordnet für und für. Ach laß es uns gelingen, den lieben Engeln gleich ein Loblied dir zu singen in deines Vaters Reich! Johann Rist g. 1607 † 1667. 3. Zieh uns dir nach, so laufen wir, gieb uns des Glaubens Flügel: hilf, daß wir fliehen weit von hier auf Zions Freudenhügel! Mein Gott, wann fahr ich doch dahin, wo ich ohn Mel. Nun freut euch, liebe Christen Ende fröhlich bin? Wann werd g'mein. ich vor dir ſtehen, dein Angesicht 132. Auf Chriſti Himmel allein ich 4. Wann soll ich hin ins meine Nachfahrt gründe und Paradies zu dir, Herr Jesu, allen Zweifel, Angst und Bein kommen? wann kost ich Engel- hiermit stets überwinde; denn Himmelfahrtslieder. weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan und große Gab empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen; denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn, nach ihm mich sehr verlanget. 75 3. Du bist das Haupt, hingegen wir sind Glieder, ja es kommt von dir auf uns Licht, Trost und Leben; Heil, Fried und Freude, Stärk und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzenssaft wird uns von dir gegeben; bringe, zwinge mein Gemüte, mein Geblüte, daß es preise, dir als Siegsherrn Ehr erweise. 4. Zeuch, Jesus, uns, zeuch uns nach dir, hilf, daß wir forthin für und für nach deinem Reiche trachten. Laß unser Thun und Wandel sein, wo Zucht und Demut tritt herein, all Ueppig= feit verachten. Unart, Hoffart laß uns meiden, christlich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade sei zu finden. 151 5. Sei, Jesus, unser Schutz und Schatz, sei unser Ruhm und ch wundergroßer fester Platz, darauf wir uns ver133. uns, was Sündenträger aller Welt, heut droben ist; auf Erden wohnet hast du dich gesetzet zur Rechten Trug und Lift, es ist auf allen von des Vaters Kraft, der Feinde Straßen Lügen, Trügen, Angst Schar gebracht zur Haft, bis auf und Plagen, die da nagen, die da den Tod verletzet; mächtig, präch- quälen stündlich arme Christentig triumphierest, jubilierest; Tod feclen. und Leben, dir ist alles untergeben. 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wenns dir gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen! Nach Josua Wegelin g. 1604+1640. Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern. 6. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron, du Siegesfürst, Held, 2. Dir dienen alle Cherubim, Davids Sohn, komm, stille das viel tausend hohe Seraphim dich Verlangen! Du, du bist allen großen Siegsmann loben, weil uns zu gut, o Jesu, durch dein du den Segen wiederbracht, mit teures Blut ins Heiligtum geMajestät und großer Macht zur Glorie bist erhoben. Singet, klinget, rühmt und ehret den, so fähret auf gen Himmel mit Posaunen und Getümmel. gangen. Komm schier, hilf mir! Dann so sollen, dann so wollen wir ohn Ende fröhlich klopfen in die Hände. Ernst Christ. Homburg g. 1605 † 1681. 76 Himmelfahrtslieder. Mel. Ach Gott und Herr. 134.3 euch uns nach dir, so kommen wir mit herzlichem Verlangen hin, da du bist, Herr Jesu Christ, aus dieser Welt gegangen. nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, da der Himmel jubiliert, weil mein König triumphiert? 3. Weit und breit, du Himmelssonne, deine Klarheit sich 2. Zeuch uns nach dir, Herr ergeußt und mit neuem Glanz Christ, und führ uns deine Him- und Wonne alle Himmelsgeistermelsstege! Wir irrn sonst leicht, speist; prächtig wirst du eingefind abgeneigt vom rechten Le- nommen, freudig heißt man dich benswege. willkommen; schau, ich armes fianna dir. 3. Zeuch uns nach dir, so Kindlein hier schrei auch Hofolgen wir dir nach in deinen Himmel, daß uns nicht mehr allhier beschwer das böse Weltgetümmel. 4. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Glorie seh? Sollt mein Mut noch wollen 4. Zeuch uns nach dir nur für sinken, da ich deine Macht verund für und gieb, daß wir nachsteh? Meinem König will ich fahren dir in dein Reich, und trauen, nicht vor Welt noch Teufel mach uns gleich den auserwählten grauen, nur in Jesu Namen mich Scharen! beugen hier und ewiglich. Friedr. Fabricius(?) g. 1642+1703. 5. Geist und Kraft nun überfließen; drum wirk in mir kräftiglich, bis zum Schemel deiner Füßen alle Feinde legen sich. 135. Siegesfürste, Ehren- Aus Zion den Zepter ſende, weit höchstver- und breit bis zur klärte Majestät, alle Himmel sind mache dir auf Erden Bahn, alle zu wenig, du bist drüber hoch er- Herzen unterthan! höht; sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug betracht deine Glorie, deine Macht? 6. Du kannst alles aller Orten nun erfülln und nahe sein; meines armen Herzens Pforten ſtell ich offen, komm herein. Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkehren; ewig in mir leb und wohn als in deinem 2. Seh ich dich gen Himmel fahren, seh ich dich zur Rechten da, seh ich, wie der Engel Scha- Himmelsthron! ren alle rufen Gloria, sollt ich| Mel. Alle Menschen müssen sterben. Mel. 1. Gerh. Terstegen g. 1697+ 1769. IX. Pfingstlieder. 136. erfüll die Herzen Domm, heiliger Geist, deiner Gläubigen und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt haft in Einigkeit des Glaubens. Halleluja, Halleluja! 6. Den Vater uns wohl kennen lehr und Jesum Christum, seinen Sohn, daß wir auch geben gleiche Ehr dir, beider Geist, in Einem Thron. 7. Gott unser Vater, sei allzeit aus Herzensgrund von uns gepreist, Lob sei, Herr Jesu, dir bereit mit Gott dem werten Altkirchlich. heilgen Geist! Martin Luther g. 1483+ 1546. Eigene Melodie. Domm, o Gott Schöpfer, heilger Geist, 138. Geist, Herre Domm, heiliger Gott, erfüll mit deiner Gnade Gut deiner Gläubgen Herz, Mut und Sinn, dein brünstig Lieb entzünd in ihn'n! Herr, 2. Denn du der Tröster bist genannt, des Allerhöchsten Gabe teur, ein geistlich Salb an uns gewandt, des Lebens Brunnen, Lieb und Feur. durch deines Lichtes Glanz zu dem Glauben versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen; das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja, Halleluja! 3. Zünd uns ein Licht an im Verstand, gieb uns ins Herz 2. Du heiliges Licht, edler der Liebe Brunst, des Fleisches Hort, laß uns leuchten des Schwachheit, dir bekannt, stärk Lebens Wort und lehr uns, Gott allzeit durch dein Kraft und Gunst! recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen! O Herr, behüt vor fremder Lehr, daß wir nicht Meister suchen mehr denn Jesum Christ mit rechtem Glauben und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja! 137. besuch das Herz der Menschen dein, mit Gnade sie füll, wie du weißt, daß dein Geschöpf soll vor dir sein. 4. Du bist mit Gaben man nigfalt der Finger Gottes rechter Hand, des Vaters Zusag mit Gewalt durch Zungen geht in 77 alle Land. 5. Des Feindes List treib von uns fern, den Frieden gieb durch deine Gnad, daß, wie du führst, wir folgen gern und meiden, was der Seele schadt. Eigene Melodie. 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns fröhlich und getrost in dein'm Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht 78 Pfingstlieder. abtreiben! Herr, durch dein seinen werten Geist, der uns Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, Halleluja! durchs Wort recht lehret, des Glaubens Licht vermehret und uns auf Christum weist. Martin Luther g. 1483+ 1546. 2. Es lässet offenbaren Gott, unser höchster Hort, uns, die wir unweis waren, sein himmlisch Gnadenwort. Wie groß ist Eigene Melodie. seine Güt! Nun können wir ihn un bitten wir den kennen und unsern Vater nennen, 139. N heiligen Geist um der uns allzeit behüt. den rechten Glauben allermeiſt, 3. Verleih, daß wir dich lieben, daß er uns behüte an unsermo Gott von großer Huld, durch Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis! 2. Du wertes Licht, gieb uns deinen Schein, lehr uns Jesum Christ fennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis! Sünd dich nicht betrüben, vergieb uns unsre Schuld, führ uns auf ebner Bahn, hilf, daß wir dein Wort hören und thun nach deinen Lehren. Das ist recht wohl gethan. 4. Von oben her uns sende den Geist, den edlen Gast, der stärket uns behende, wenn uns drückt Kreuzeslast; tröst uns in Todespein, mach auf die Himmelsthüre, uns mit einander führe zu deinem Freudenschein! Georg Werner g. 1589 † 1643. 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Friede auf Einem Sinn bleiben. Kyrieleis! 4. Du höchster Tröster in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern. Schand noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis! 141. Sheilger Geist, kehr Martin Luther g. 1483+ 1546. uns und laß uns deine Wohnung sein, o komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein bei uns und in uns fräftig sein zu steter Freud und Wonne! Sonne, Wonne, himmlisch Leben Christen alle, willst du geben, wenn wir beten; zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, die sich in fromme Mel. Aus meines Herzens Grunde. 140. F reut euch, ihr Gott schenkt uns seinen Sohn; lobt ihn mit großem Schalle, er schickt vom Himmelsthron uns Pfingstlieder. 79 Seelen gießt, laß deinen Trost sich darinnen übe; kein Neid, kein uns hören, daß wir in Glaubens- Streit dich betrübe, Fried und einigkeit auch können aller Chri- Liebe müssen schweben, Fried und stenheit dein wahres Zeugnis Freude wirst du geben. lehren. Höre, lehre, daß wir können Herz und Sinnen dir ergeben, dir zu Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rat und führ uns selbst den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, wenn wir uns leiden müssen. Schaue, baue was zerrissen und geflissen, dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. 7. Hilf, daß in reiner Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit, sei unsers Geistes Stärke, daß uns forthin sei unbewußt die Eitelkeit, des Fleisches Lust und seine toten Werke. Rühre, führe unser Sinnen und Beginnen von der Erden, daß wir Himmelserben werden. Mich. Schirmer g. 1606+ 1673. 6. Du süßer Himmelstau, laß dich in unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe, daß unser Sinn verbunden sei dem Nächsten stets mit Liebestreu und Eigene Melodie, oder Aus meines Herzens Grunde. euch ein zu deinen Thoren, sei mei4. Laß uns dein edle Balsamkraft empfinden und zur Ritterschaft dadurch gestärket werden, nes Herzens Gast, der du, da ich auf daß wir unter deinem Schutz geboren, mich neu geboren hast, begegnen aller Feinde Trutz mit o hochgeliebter Geist des Vaters freudigen Geberden. Laß dich und des Sohnes, mit beiden gleireichlich auf uns nieder, daß ches Thrones, mit beiden gleich wir wieder Trost empfinden, alles gepreist! Unglück überwinden. 2. Beuch ein, laß mich empfin5. O starker Fels und Lebens- den und schmecken deine Kraft, hort, laß uns dein himmelsüßes die Kraft, die uns von. Sünden Wort in unsern Herzen brennen, Hülf und Errettung schafft. Entdaß wir uns mögen nimmer- sündge meinen Sinn, daß ich mehr von deiner weisheitreichen mit reinem Geiste dir Ehr und Lehr und reinen Liebe trennen. Fließe, gieße deine Güte ins Gemüte, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durchdrang mein Leben, du haft ihn umgebracht und in der Tauf erstickt als wie in einer Flute mit dessen Tod und Blute, der uns im Tod erquickt. 80 4. Du bist das heilge Öle, dadurch gesalbet ist mein Leib und meine Seele dem Herren Jesu Christ zum wahren Eigentum, zum Priester und Propheten, zum König, den in Nöten Gott schützt vom Heiligtum. Pfingstlieder. 5. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; dein Beten wird erhöret, dein Singen flinget wohl, es steigt zum Himmel an, es steigt und läßt nicht abe, bis der geholfen habe, der allen helfen kann. Geist, der dir sich widersetzet und, was dein Herz ergezet, aus unserm Herzen reißt. 10. Gieb Freudigkeit und Stärke, zu stehen in dem Streit, den Satans Reich und Werke uns täglich anerbeut. Hilf tämpfen ritterlich, damit wir überwinden, und ja zum Dienst der Sünden tein Christ ergebe sich. 11. Richt unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs follen geben ins Todes Rachen hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus! Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. 6. Du bist ein Geist der Freuden, von Trauren hältst du nichts, erleuchtest uns in Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches mal hast du mit süßen Worten mir aufgethan die Pforten zum güldnen Freudensaal. 143. K 7. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du seind, willst, daß durch Liebesflammen sich wieder thun zusammen, die voller Zwietracht seind. Eigene Melodie, oder Gott des Himmels und der Erden. Comm, o fomm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit, so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein. 8. Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, fannst Menschenherzen wenden, wie dir es wohlgefällt; so gieb doch deine Gnad zum Fried und 3. Zeige, Herr, die WohlLiebesbanden, verknüpf in allen fahrtsstege! Das, was wider dich Landen, was sich getrennet hat. gethan, räume ferner aus dem 2. Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, daß wir andres nichts beginnen, als nur was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los! 9. Erfülle die Gemüter mit Wege, schlecht und recht sei um reiner Glaubenszier, die Häuser und an; wirke Reu an Sünde und die Güter mit Segen für Statt, wenn der Fuß gestrauund für! Vertreib den bösen chelt hat. Pfingstlieder. 4. Laß uns stets dein Zeugnis Mel. Jesu, meine Freude. fühlen, daß wir Gottes Kinder 144. Schmückt das Feſt ihn zielen, Maien*), wenn sich Not und Drangsal lasset Blumen streuen, zündet findt. Denn des Vaters liebe Rut ist uns allewege gut. Opfer an! Denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen; machet ihm die Bahn, nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen.) P.118, 27. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll 6. Wird uns auch nach Troste Rat und That, starker Gottesbange, daß das Herz oft rufen finger, Friedensüberbringer, Licht muß: Ach mein Gott, mein Gott, uns wie lange? ei, so mach uns den Beschluß, sprich der Seele tröstlich zu und gieb Mut, Geduld und Ruh! auf unserm Pfad, gieb Kraft und Lebensfast, laß uns deine teuren Gaben zur Genüge laben! 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten frei mit aller Freudigkeit, seufz auch in uns, wenn wir beten, und vertritt uns allezeit, so wird unsre Bitt erhört und die Zuversicht vermehrt. 7. du Geist der Kraft und Stärke, du gewisser, neuer Geist, fördre in uns deine Werke, wenn des Satans Macht sich weist; schenk uns Waffen in dem Krieg und erhalt in uns den Sieg! 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, daß kein Teufel, Tod noch Spott uns denselben möge rauben; du bist unser Schutz und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, laß dein Wort gewisser sein! 81 9. Wenn wir endlich sollen sterben, so versichre uns je mehr, als des Himmelreiches Erben, jener Herrlichkeit und Ehr, die uns unser Gott erkiest und nicht auszusprechen. ist. Henrich Held um 1650. 3. Laß die Zungen brennen, wenn wir Jesum nennen; führ den Geist empor, gieb uns Kraft zu beten und vor Gott zu treten, sprich du selbst uns vor, gieb uns Mut, du höchstes Gut, tröst uns träftiglich von oben bei der Feinde Toben! 4. Güldner Himmelsregen, schütte deinen Segen auf das Kirchenfeld, lasse Ströme fließen, die das Land begießen, wo dein Wort hinfällt, und verleih, daß es gedeih, hundertfältig Früchte bringe, es ihm stets gelinge. 5. Schlage deine Flammen über uns zusammen, wahre Liebesglut, laß dein sanftes Wehen auch bei uns geschehen, dämpfe Fleisch und Blut, laß uns doch das Sündenjoch nicht mehr wie vor diesem ziehen und das Böse fliehen! 6 82 Pfingstlieder. 6. Gieb zu allen Dingen Wol-| fest, mein Heil und Licht, du len und Vollbringen, führ uns teurer Tröster wirst dich nicht der ein und aus, wohn in unsrer armen Hütte schämen. Eile, heile Seele, und des Herzens Höhle Herz und Seele mit dem Öle sei dein eigen Haus! Wertes deiner Gnaden, mache gut den Pfand, mach uns bekannt, wie Sündenschaden! wir Jesum recht erkennen und Gott Vater nennen. 3. Entzünd in mir die Liebesglut und mache brünstig Geist 7. Mach das Kreuze süße, und und Mut, du Flamme reiner durch Finsternisse sei du unser Liebe! Laß mich mit dir versieLicht, trag nach Zions Hügeln uns gelt sein, damit in Not und mit Glaubensflügeln und verlaß Todespein ich steten Glauben uns nicht, wenn der Tod, die übe. Rühre, führe mein Geletzte Not, mit uns will zu Felde müte, Gottes Güte zu erkenliegen, daß wir fröhlich siegen. nen, Christum meinen Herrn zu 8. Laß uns hier indessen nimmermehr vergessen, daß wir Gott verwandt. Dem laß uns stets dienen und im Guten grünen als ein fruchtbar Land, bis wir dort, du werter Hort, bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. nennen. 4. Erquicke mich, du sanfter Wind, du Brunn, wo Lebenswasser rinnt, du süße Freudenquelle, die allen Durst der Seele stillt und aus der Gottheit Tiefe quillt ganz rein und ewig helle. Fließe, gieße deine Gaben, mich zu laben, wenn ich size in der Angst und Seelenhizze. Mel. Wieschön leuchtu. d. Morgenſtern. 5. Sei meiner Ohnmacht Kraft 145. Komm, Gottes Geiſt, und Macht, mein helles Licht in wenn Gast, Herr, den der Himmel ich verführet, mein Lehrer in nicht umfaßt, noch dieser Kreis Unwissenheit, mein starker Beider Erde! Komm, offenbare dich stand in dem Streit, bis mich auch mir, Gott heilger Geist, die Krone zieret. Schütze, stütze, daß ich in dir Ein Geist mit Herr, mich Schwachen, stark zu Christo werde. Leite heute Geist machen meinen Glauben, laß und Sinnen, mein Beginnen mir nichts die Krone rauben! und mein Leben, deiner Liebe nachzustreben. 2. Komm, teures Gut, komm, höchster Schatz, fomm in mein Herz und mache Platz, dich gläu6. Hilf mir in meiner letzten Not, versüße mir den bittern Tod! Wenn Herz und Augen brechen, so sei du meines Lebens Licht, laß, wenn die Zunge nichts big einzunehmen. Ich glaube mehr spricht, dein Seufzen für Pfingstlieder. mich sprechen! Laß mich endlich selig scheiden zu den Freuden aller Frommen! Ach wann werd ich dahin kommen! Joh. Ernst Wenigk g. 1701+ 1745. 83 5. Fehlt mir Kraft zu guten Werken, treibe zum Gebet mich an, das zur Tugend Schwache stärken, Träge neu beseelen kann. Laß mich aber mein Vertraun nie auf meine Tugend baun, nie der Thaten Lohn verlangen, was Gott giebt, als Gnad empfangen. 6. Steh in allen meinen Leiden mir mit deinem Troste bei, daß ich auch alsdann mit Freuden deiner Führung folgsam sei. Still im Sterben Angst und Schmerz, daß noch da mein brechend Herz deines Trostes Kraft empfinde, männlich kämpf und überwinde. Hann. Gsb. nach G. Hoffmann und S. Diterich. 146.Gvom Sohne, der Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. eist vom Vater und du unser Tröster bist und von unsers Gottes Throne hülfreich auf uns Schwache siehst, stehe du mir mächtig bei, daß ich Gott ergeben sei, daß mein ganzes Herz auf Erden mög ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir sein und, daß ich nicht irren möge, deine Wahrheit mich erfreun! Suchen Mel. Jesu, Trost der armen Seelen. laß mich in der Welt nichts, als 147. Höchften rösterre was wohlgefällt: du mich, was recht ist wählen, werd ich nie mein Heil verfehlen. komm hernieder, Geist des Herrn, sei nicht fern, salbe Jesu Glieder! Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus hat deinen Rat seinem Volk versprochen. 3. Hilf, daß ich, von dir getrieben, meinem Gott und Vater treu, ihn mög über alles lieben, und mir nichts so wichtig sei, als mich seiner Huld zu freun und drum Sünden stets zu scheun, seinen Namen zu erhöhen, seine Wege gern zu gehen. 4. Stärke mich, wenn zu der Sünde mein Gemüt versuchet wird, daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich verirrt, o so stärke selbst mein Herz, daß ich unter Reu und Schmerz mich vor Gott demütig beuge, meinen Sinn zur Beßrung neige. 2. Schöpfer unsers neuen Lebens, jeder Schritt, jeder Tritt ist ohn dich vergebens. Ach das Seelenwerk ist wichtig: wer ist wohl, wie er soll, treu zu handeln tüchtig? 3.Herr, wir fallen dir zu Fuße. Eins ist not für den Tod: Buße, wahre Buße. Zeig uns selbst den Greul der Sünde, daß das Herz Angst und Schmerz, Reu und Scham empfinde. 4. Zeig uns des Erlösers Wunden, ruf uns zu: Ihr habt Ruh, ihr habt Heil gefunden; eure Sünd 6* 84 Trinitatislieder. ist schon gerochen, Jesu Blut ma- Welt zu dämpfen. Laß uns chet gut, was die Welt verbrochen. Trübfal, Kreuz und Leiden, Angst 5. Weck uns auf vom Sündenschlafe, rette doch heute noch die verlornen Schafe, reiß die Welt aus dem Verderben, laß sie nicht im Gericht der Verstockung sterben! 6. Geist der Weisheit, gieb uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen. Lehr uns, recht vor Gott zu treten, sei uns nah und sprich Ja, wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glaubens fämpfen, gieb uns Mut, dig in die Freude! Fleisch und Blut, Sünd und und Not, Schmerz und Tod nicht von Jesu scheiden! 8. Hilf uns nach dem Besten*) streben, schent uns Kraft, tgendhaft und gerecht zu leben. Gieb, daß wir nie stille stehen, treib uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen.) 1 Cor. 12,31. 9. Sei bei Schwachheit unsre Stütze, steh uns bei, mach uns treu in der Prüfungshitze! Führ, wenn Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist fre:Ehrenfr. Liebich g. 1713+ 1780. X. Trinitatislieder. 2. Jesus Christus, wohn uns bei und laß uns nicht verder ben, u. s. w. Eigene Melodie. 3. Heiliger Geist, wohn uns 148.Guns 148.6⁰ ott der Vater, wohn bei and laß uns nicht verderuns bei und laß ber, u. s. w. uns nicht verderben, mach uns Martin Luther g. 1483+ 1546. aller Sünden frei und hilf uns selig sterben! Vor dem Teufel Eigene Melodie. uns bewahr, halt uns bei feſtem 149. Ale fetter dich laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen, dir uns lassen ganz und gar, mit allen rechten Christen entfliehn des Teufels Listen, mit Waffen Gotts uns fristen! Amen, Amen, das sei wahr, so singen wir Halleluja! llein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darunt daß nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preisn, anbeten dich für deine Ehr, wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz Trinitatislieder. 85 ungemessn ist deine Macht, fort Mel. Christ unser Herr zum Jordan kam. g'schieht, was dein Will hat bedacht: wohl uns des feinen Herren! 151. Mas alle Weisheit in der uns hier faum kann lallen, das läßt Gott aus dem Himmelszelt in alle Welt erschallen, daß er alleine König sei, hoch über alle Götter, groß, mächtig, freundlich, fromm und tren, der Frommen Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. 2. Gott Vater, Sohn und heilger Geist heißt sein hochheilger Name; so kennt, fo nennt, so rühmt und preist ihn der gerechte Same, Gott Abrahams, Gott Jsaaks, Gott Jakobs, den er liebet, Herr Zebaoth, der Nacht und Tag uns alle Gaben gicbet und Wunder thut alleine. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. 3. Der Vater hat von Ewigkeit den Sohn, sein Bild, er150. Sei Lob, Ehr, Preis zeuget; der Sohn hat in der und Herrlichkeit Füll der Zeit im Fleische sich gezeiget; der Geist geht ohne Zeit herfür vom Vater und vom Sohne, mit beiden gleicher Ehr und Zier, gleich ewig, gleicher Krone und ungeteilter Stärke. 3. Jesu Christ, Sohn eingeborn deines himmlischen Vaters, Versöhner der, die warn verlorn, du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, nimm an die Bitt von unsrer Not, erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist, du größtes Gut, du all'rheilsamster Tröster, vors Teufels G'walt fortan behüt, die Jesus Christ erlöset durch große Mart'r und bittern Tod, abwend all unsern Jamm'r und Not! Dazu wir uns verlaffen. N. Decius+ 1541.( Gloria in excelsis.) dem Vat'r in alle Ewigkeit, der alle Ding erschaffen hat und sie erhält durch seine Gnad. 2. Ehr sei auch seinem lieben Sohn, der alles Gute uns gethan, der an dem Kreuze für uns starb und so den Himmel uns erwarb. 4. Sich hier, mein Herz, das ist dein Gut, dein Schatz, dem feiner gleichet; das ist dein 3. Ehr sei auch Gott dem heil- Freund, der alles thut, was dir gen Geist, der uns durch sein zum Heil gereichet, der dich geGnad allermeist die Wahrheit baut nach seinem Bild, für deine machen woll bekannt und uns Schuld gebüßet, der dich mit eröffnen den Verstand. wahrem Glauben füllt und all dein Kreuz durchfüßet mit seinen heilgen Worten. 4. O heilige Dreifaltigkeit, o wahre einige Gottheit, erhör uns aus Barmherzigkeit und 5. Erhebe dich, steig zu ihm zu führ uns zu der Scligkeit! 1566. und fern ihn recht erkennen! 86 Trinitatislieder. Denn solch Erkenntnis bringt dir Ewigkeit sei in uns allen ihm beRuh und macht die Seele bren- reit Dank, Weisheit, Kraft und nen in reiner Liebe, die uns Stärke. Klinget, singet: Heilig, nährt zum ewgen Freudenleben, heilig, hoch und herrlich, heilig da, was allhier kein Ohr gehört,*) Gott wird zu schauen geben den Augen seiner Kinder.*) 1 Cor. 2.9. ist Gott, unser Gott, der Herr Zebaoth! 6. Weh aber dem verstockten Heer, das sich hie selbst verblendet, Gott von sich stößt und seine Ehr auf Kreaturen wendet! Dem wird gewiß des Himmels Thür einmal verschlossen bleiben; denn wer Gott von sich treibt allhier, den wird er dort auch treiben von seinem heilgen Throne. 2. Halleluja! Preis, Ehr und Macht sei auch dem Gotteślamm gebracht, in dem wir sind erwählet; der uns mit seinem Blut erkauft, damit besprenget und getauft und sich mit uns vermählet. Heilig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben und darinnen uns erlaben. 3. Halleluja! Gott heilger 7. Ei nun, so gieb, du großer Geist sei ewiglich von uns geHeld, Gott Himmels und der preist, durch den wir neu geboErden, daß alle Menschen in ren, der uns mit Glauben ausder Welt zu dir bekehret werden. geziert, dem Bräutigam uns Erleuchte, was verblendet geht, zugeführt, den Hochzeittag erbring wieder, was verirret, reiß koren. Heil uns, Heil uns, da aus, was uns im Wege steht ist Freude, da ist Weide, da ist und freventlich verwirret die Manna und ein ewig Hosianna. Schwachen in dem Glauben. 8. Auf daß wir also allzugleich zur Himmelspforte dringen und dermaleins in deinem Reich ohn alles Ende singen, daß du alleine König seist, hoch über alle Götter, Gott Vater, Sohn und heilger Geist, der Frommen Schutz und Retter, Ein Wesen, drei Personen. 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr sei unserm Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsschar und singet nun und immerdar mit Freuden: Amen, Amen! Klinget, singet: Heilig, heilig, hoch und herrlich, heilig ist Gott, unser Gott, der Herr Zebaoth! 1698. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. Mel. Wieſchön leucht u. d. Morgenſtern. 153. deine Macht und Mel. Es wolle Gott uns gnädig sein. Gott, wir ehren alleluja! Lob, Preis und Ehr sei unserm Gott je mehr und mehr für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Gnade zu uns Armen, nach welcher du uns wert geacht, dich unser zu erbarmen. Wir Lieder für die kleineren Feste. sind voll Sünde, du voll Gnad, wir tot, du bist das Leben und hast nach deinem Gnadenrat dich uns zu eigen geben, o Abgrund aller Liebe! 2. Wir beten dich als Vater an, du liebest uns als Kinder; so hast du dich ja kund gethan, zum Trost der armen Sünder. Dein Zorn weicht deiner Lieb und Huld, dein väterlich Gemüte ist voll Erbarmen, voll Geduld, voll Langmut, Treu und Güte, o liebreich Baterherze! 3. O Jesu, teurer Gottessohn, du Licht vom wahren Lichte, vor dir, dem rechten Gnadenthron, wird Sünd und Tod zunichte; du bist der Grund der Seligkeit, worauf wir Armen hoffen, dein Gnadenbrunn steht| 87 allezeit für unsre Seelen offen, du Ausfluß alles Segens! Frieden fahren, wie du gesaget haſt; 2. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehn, XI. Lieder für die kleineren Feste. den du bereitet hast vor allen Völkern, 4. Geist der Gnade, wahrer Gott, komm, steure dem Verderben, laß uns durch Chriſti Kreuzestod der Welt und uns absterben, ja schlag das ganze Höllenreich in unsrer Seel danieder, damit wir Jesu Christo gleich und seines Leibes Glieder durch deine Gnade bleiben. 3. Ein Licht, zu erleuchten die Heiden 5. So ehren wir in Einem Thron dich, unsern Gott und Vater, samt Christo deinem lieben Sohn, als unserm Heilserstatter, und Gott dem werten heilgen Geist von gleicher Macht und Wesen. Hilf, der du dreimal heilig heißt, daß wir in dir genesen und dich dort ewig loben. Ludw. Andr. Gotter g. 1661 † 1735. 1. Darstellung Jesu. Lobgesang Simeons. ( Nunc dimittis.) Ev. Luc. 2, 29-32. Eigene Melodie. 154. Herr, nun läffeſt du jetzt und immerdar, deinen Diener im und zum Preis deines Volks Ifrael. 4. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geiste. 5. Wie es war im Anfang, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. 155. Dich bitt ich, liebster mein, zu mir in mein Herz herein, daß ich an dir hab Lust und Freud wie Simeon im Tempel heut. Lieder für die kleineren Feste. 88 2. Denn du mein Heil und Leben bist, so mir von Gott gegeben ist; mach rein mein Herz, rein meinen Mut, auf deinem Weg mich halt in Hut! 3. Zeig mir die Bahn mit deinem Licht, daß ich ja fehl des Himmels nicht; wend ab von mir all Straf und Bein und laß mich ganz dein eigen sein! 4. Dein Antlitz sei auf mich gericht, im Tod und Leben laß nich nicht, so will ich gern aus dieser Welt zu dir heimgehn, wenn dirs gefällt. Bartholomäus Helder+ 1635. 4. Herr, laß auch uns gelingen, daß letzt wie Simeon ein jeder Christ kann singen den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden mein Augen zugedrückt, nachdem ich schon hienieden den Heiland hab erblickt. 5. Ja, ja ich hab im Glauben, mein Jesu, dich geschaut; kein Feind kann dich mir rauben, wie heftig er auch dräut. Ich wohn in deinem Herzen, und in dem meinen du, uns scheiden keine Schmerzen, kein Angst, kein Tod dazu. Mel. Valet will ich dir geben. 156.S err Jesu, Licht der Heiden, der Frommen Schatz und Lieb, wir kom6. Hier blickst du zwar zuweilen so streng und hart mich an, daß oft vor Angst und Heulen ich dich nicht kennen kann; dort aber wirds geschehen, daß ich von Angesicht zu Angesicht men jetzt mit Freuden durch soll sehen dein immer flares Licht. deines Geistes Trieb in diesen deinen Tempel und suchen mit Begier, nach Simeons Exempel, dich großen Gott allhier. Johann Franck g. 1618 † 1677. 2. Verkündigung Mariä. 2. Du wirst von uns gefunden, Mel. Werde licht, du Stadt der Heiden. o Herr, an jedem Ort, dahin 157. eut ist uns der S du dich verbunden durch dein Tag erschienen, Verheißungswort; vergönnst noch worauf Adam schon so oft, wie heut zu Tage, daß man dich gleicherweis auf Glaubensarmen trage, wie hier der alte Greis. auch Jakob und samt ihnen aller Väter Schar gehofft, dran sich Abraham erquicfet, als er ihn im Geist erblicket. 3. Sei unser Glanz in Wonne, ein helles Licht in Bein, in Schrecken unsre Sonne, im Kreuz ein Gnadenschein, in Zagheit Glut und Flamme, in Not ein Freudenstrahl, in Krankheit Arzt und Amme, ein Stern in Todesqual! 2. O des Tages voller Wonne und dem sonst kein Tag nicht gleicht, seit von Anbeginn die Sonne hat um dieses Rund geleucht, o der vielgewünschten Stunden, die sich nunmehr eingefunden! Lieder für die kleineren Feste. 3. O du Anfang unsrer Freuden, sei gegrüßt, gewünschtes Licht, als mit dem uns armen Heiden jetzt ein neuer Trost anbricht, und vor welchem wir indessen stets in lauter Nacht gesessen. 4. Nunmehr trieft ein Heilesregen oben durch den Himmel ab, auch die Wolken schütten Segen und Gerechtigkeit herab: Gott der Herr kommit selbst auf Erden und beginnt ein Mensch zu werden. 5. Gott wird Mensch und trägt die Sünde, Allmacht kehrt bei Schwachheit ein, selbst der Schöpfer wird zum Kinde, sein Geschöpf soll Mutter sein. Herrlichkeit kommt zu uns Armen, aus der Rache wird Erbarmen. 6. O Geheimnis, dessen gleichen man auf Erden nie geschn! Dieses ist ein Wunderzeichen, das von Gott heut ist geschehn, welches fein vernünftig Sinnen kann begreifen noch gewinnen. 7. Vater, und doch Kind daneben, unser Bruder, Fleisch und Blut, ach was können wir dir geben für dies allzu große Gut? Hilf, daß wir mit Herz und Sinnen geistlich dich empfangen können. Johann Franck g. 1618+ 1677. 89 denn er hat besucht und erlöset sein Volk, 2. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils SIGHT'S ONE in dem Hause seines Dieners David; 3. Als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, 4. Daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, 5. Und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund 6. Und an den Eid, den er geschworen hat 3. Sest Johannes des Täufers. Lobgesang des Zacharias. ( Das Benedictns.) Ev. Luc. 1, 68-79. Eigene Melodie. 158.Gelobet fei der Herr, unserm Vater Abraham, uns zu geben, 7. Daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebenlang 8. In Heiligkeit und Gerechtigkeit, 10. Und Erkenntnis des Heils gebeft seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünde, 11. Durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besuchet hat der Gott Israel, der Aufgang aus der Höhe, die ihm gefällig ist. 9. Und du Kindlein wirst ein Prophet des Höchsten heißen, du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest 90 Lieder für die kleineren Feste. 12. Auf daß er erscheine denen, Güte trägt; er hat an seinen die da sitzen in Finsternis und Bund gedacht, vorlängst mit Schatten des Todes, Abraham gemacht, 7. Wie auch an dieses, was er hat geschworen ihm an Eides Statt, zu geben denen, die da sind von ihm gezeugt, auch Kindes- Kind, 8. Auf daß, wenn wir erlöset sein vom Teufel, Tod und Höllenpein, ihm dienete sein Leben lang ein jeder ohne Furcht und Zwang, Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. 9. Gerecht und heilig in der 159. Gelobet fei Ifraels Welt nach solcher Art, die ihm Gott, der Herr, der sein Volk in der Not und, da es gänzlich war verflucht, mit großen Gnaden hat besucht. gefällt, nicht, wie es Menschen Witz erdenkt, damit man sich vergebens fränkt. 2. Er hat uns seinen Sohn gesandt, der allen Zorn ganz abgewandt und uns erlöset kräftiglich. Des kann Israel freuen sich. und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 13. Lob und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geiste, 14. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 10. Du Kindlein, du wirst ein Prophet des Höchsten heißen, der da geht vor seinem Herren fein voran und macht ihm richtig seine Bahn. 11. Du wirst verfündigen das Heil, an dem der Mensch soll haben teil, dem seine Sünd und Missethat der fromme Gott vergeben hat, 12. Aus herzlicher Barmher4. Als uns vor Zeiten machte zigkeit, kraft deren uns in unfund der heiligen Propheten ferm Leid der Aufgang aus der Mund; dadurch er uns hat an- Höh besucht. Das ist der Liebe gemeldt, er woll uns retten als Gab und Frucht, ein Held. 13. Auf daß, die er im Finstern findt, und die ins Todes Schatten sind, des Lichtes Kinder können sein durch seinen hellen Glanz und Schein, 3. Da mit uns schon war alles aus, in seines Dieners Davids Haus hat er ein Horn der Seligfeit gesetzt zu Trost der Chriſtenheit, 5. Der Feinde Trutz, des Hassers Hand, ob sie vor Zorn gleich sind entbrannt, woll er zerbrechen als der Mann, der Tod und Teufel zwingen kann. 14. Daß ihre Füße richtig 6. Hierzu hat ihn sein Herz stehn und auf dem Weg des bewegt, das sich mit Gnad und Friedens gehn, ja endlich alle Lieder für die kleineren Feste. samt zugleich mit Freuden gehn ins Himmelreich. Joh. Heermann g. 1585+ 1647. 4. Mariä Heimsuchung. Lobgesang der Maria. ( Das Magnificat.) Ev. Luc. 1, 46-55. Eigene Melodie. eine Seele erhebet tes, meines Heilandes. 2. Denn er hat seine elende Magd angesehen, 160.M en Herren, Eigene Melodie. und mein Geist frenet fich Got- 161. Men Herren hoch Lein und Seel erhebet, den großen Gott, der ewig herrscht und lebet; mein Geist in mir sich meines Heilands freut und seinen Ruhm vermehret allezeit. 2. Denn er hat mich Elenden angesehen und mein Gebet erhöret und mein Flehen; es hat der Herr mich Armen nicht veracht, er hat mit Gnad und Rettung mich bedacht. 3. Gott, dessen Macht nicht fann ergründet werden, und dessen Nam im Himmel und auf Erden hochheilig ist, hat große Ding gethan an mir, die ich nicht alle zählen kann. siche, von nun an werden mich selig preisen alle Kindes- Kind. 3. Denn er hat große Ding an mir gethan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist, 4. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. 5. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 6. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebet die Niedrigen. 7. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läsfet die Reichen leer. 8. Er dentet der Barmherzigfeit 91 und hilft seinem Diener Israel auf, 9. Wie er geredt hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. 10. Lob und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geiste, 11. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 4. In feiner Not hat er mich je verlassen, Barmherzigkeit ist bei ihm ohne Maßen und währet von Geschlecht fort zu Geschlecht, wo man ihn fürcht und hoch hält seine Recht. 5. Er übt Gewalt mit seines Armes Stärke, daß jedermann muß spüren seine Werke; die stolz und hoch in ihren Herzen 92 Lieder für die kleineren Feste. seind, zerstreuet er, und ist den- scharen. Darum man fröhlich selben feind. fingen mag: Heut ist der guten Engel Tag, die uns gar wohl bewahren. 6. Er stößet, die gewaltig sind vor allen, von ihrem Stuhl, daß sie erschrecklich fallen; die Niedrigen erhebet er davor und stellet sie ganz unverhofft empor. 2. Sie lagern sich, wenn kommt die Not, in Eil gefaßt sich machen und reißen die, so fürchten Gott, 7. Die Hungrigen, die ihn aus ihrer Feinde Rachen. Darum vor Augen haben, erfüllet er man fröhlich singen mag: Heut mit Gütern und mit Gaben; die Reichen läßt er leer beim Überfluß, daß Not und Angst darauf erfolgen muß. 8. Er denfet der Barmherzigkeit und Güte, daß er fortan uns väterlich behüte und seine Kirch im ganzen Erdenkreis erhalt und schütz zu seines Namens Preis. 9. Die Treu, die er im neuen Bund und alten geredet hat, die wird er ewig halten, der Herr verläßt uns, seine Kinder, nicht, weil zu ihm steht all unsre Zuversicht. ist der guten Engel Tag, die immer für uns wachen. 3. Sie führen auf den Straßen wohl die Großen und die Kleinen, auf daß ihr Fuß nicht straucheln soll im Stoßen an den Steinen.*) Darum man fröhlich singen mag: Hent ist der guten Engel Tag, die uns mit Treue meinen.*) Ps.91,12. 5. Michaelisfest. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 2. 4. Solch Wohlthat denen wird erzeigt, die nach dem Herren fragen; die Engel ihnen sind geneigt, den Satan sie verjagen. Darum man fröhlich singen mag: Hent ist der guten Engel Tag, die uns gen Himmel tragen. Georg Reimann † 1615. 10. Gott Vater, dir sei Dank gesagt und Ehre, Herr Jesu Christ, den Glauben in uns Mel. O Welt, ich muß dich lassen. mehre, o heilger Geist, erneu uns Herz und Mund, daß wir dein Lob ausbreiten jede Stund. u Herr der SeraDavid Denicke(?) g. 1603+ 1680. 163. D phinten, dem tausend Engel dienen und zu Gebote stehn, du übergroßer Meister der wunderschönen Geister, mein Mund soll deinen Ruhm erhöhn. 162.A[ us Lieb läßt Gott 2. Die Fürsten und die Thronen, die in dem Himmel wohnen, giebst du zu meiner Wacht; sic der Christenheit viel sehn dein Angesichte in höchst Gutes widerfahren, aus Lieb hat vollkommnem Lichte, doch ncher ihr zubereit viel tausend Engel- men sie mich auch in acht. Lieder für die kleineren Feste. 93 3. Das sind die starken Helden, Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. die deinen Nat vermelden, du 164. daß du Engel H err, was wir, Herr in Israel! Das sind die Feuerflammen, die schlagen stets zusammen um frommer Christen Leib und Seel. uns zu unsern Wächtern giebst? Menschen sind wir voller Mängel, Menschen, die du dennoch liebst. 4. Ich preise deine Güte mit Engel, die dich allzeit sehn, sollen dankbarem Gemüte für diese uns zu Diensten stehn; Engel Wunderschar, ich rühme deine hüten uns als Kinder, heilge Rechte für diese Gnadenknechte, die mich behüten vor Gefahr. Engel schützen Sünder. 5. Laß ferner mich behüten vor aller Feinde Wüten durch diese Himmelswach, laß sie auf meinen Wegen die Hand mir unterlegen, so bleib ich frei von Ungemach. 6. Doch sollen sie nicht weichen, so laß mich ihnen gleichen in wahrer Heiligkeit; wie sie die Kinder lieben und sich in Demut üben, so mach auch mich dazu bereit! 2. Engel sinds, die nach den Proben nun beständig Gutes thun, die dich unaufhörlich loben, die in deinem Himmel ruhn, die gehorsam, keusch und rein, die der Menschen Freunde sein, die ihr Antlitz ohne Flecken doch vor dir in Demut decken. 3. Heere, welche die bewachen, die dich fürchten, großer Gott, die ein schrecklich Lager machen gegen aller Feinde Rott, diese sehn in deinem Licht, Bater, stets dein Angesicht, Diener, die zu deinen Füßen dir in Ehrfurcht dienen müssen. 4. Gott der Engel, Herr der Helden, ach was sind wir Men8. Und endlich, wenn ich scheide, schen doch, daß wir so viel vor so führe mich zur Freude auf dir gelten? O wie hältst du uns ihren Armen ein! Da werd ich so hoch! Deine Engel dienen uns, dich erst loben und in dem Himdroben dir und den Engeln ähnlich sein. Benjamin Schmold g. 1672 † 1737. 7. Sie thun ja deinen Willen, den laß mich auch erfüllen; sie leben keusch und rein, o laß mich nichts beflecken und mich an allen Ecken vor diesen reinen Geistern scheun! sind die Zeugen unsres Thuns. Laß uns auch mit diesen Chören ewig dich im Himmel ehren! Phil. Friedr. Hiller g. 1699+ 1769. B. Lieder von der Kirche und den Gnadenmitteln. XII. Lieder von der christlichen Kirche. Psalm 67. Eigene Melodie. 165. Gs wolle Gott uns zen Amen! gnädig sein und Christus Heil und Stärk bekannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren. Ehre thu, vor ihm sich fürchte allermeist! Nun sprecht von Herseinen Segen geben, sein Antlitz uns mit hellem Schein erleucht' zum ewgen Leben, daß wir erPsalm 12. Eigene Melodie. kennen ſeine Wert und was ihm 166. A Gett, bone in lieb auf Erden, ch vom Himmel sieh darein und laß dich des erbarmen, wie wenig sind der Heilgen dein, verlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr, der Glaub ist auch verloschen gar bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, was eigen Witz erfindet; ihr Herz nicht Eines Sinnes ist, in Gottes Wort gegründet. Der wählet dies, der andre das, sie trennen uns ohn alle Maß und gleißen schön von außen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten; 3. Gott woll ausrotten ganz das Land bringt Frucht und und gar, die falschen Schein uns bessert sich, dein Wort ist wohl lehren und deren Zung stolz geraten. Uns segne Vater und offenbar spricht: Trotz! wer der Sohn, uns segne Gott der wills uns wehren? Wir haben heilge Geist! Dem alle Welt die Recht und Macht allein, was 2. So danken, Gott, und loben dich die Völker überalle, und alle Welt die freue sich und sing mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist und läßt die Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. Martin Luther g. 1483+ 1546. Lieder von der christlichen Kirche. 95 wir setzen, das gilt gemein; wer wärn, als die ein Flut ersäuft, ist, der uns soll meistern? und über die groß Wasser läuft und mit Gewalt verschwemmet. 4. Darum spricht Gott: Ich muß auf sein, die Armen sind verstöret; ihr Seufzen dringt zu mir herein, ich hab ihr Klag erhöret. Mein heilsam Wort soll auf den Plan, getrost und frisch sie greifen an und sein die Kraft der Armen. 5. Das Silber, durchs Feur siebenmal bewährt, wird lauter funden; am Gotteswort man warten soll desgleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret da Kraft Psalm 46. Eigene Melodie. erkannt und Schein und leucht 168. in feste Burg iſt stark in die Lande. unser Gott, ein gute Wehr und Waffen, er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böſe Feind mit Ernst ers jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seins Gleichen. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein vor diesem argen G'schlechte, und laß uns dir befohlen sein, daß sichs in uns nicht flechte. Der gottlos Hauf sich umher findt, wo diese losen Leute sind in deinem Volk erhaben. Martin Luther g. 1483+ 1546. 3. Gott Lob und Dank, der nicht zugab, daß ihr Schlund uns möcht fangen. Wie ein Vogel des Stricks kommt ab, ist unsre Seel entgangen. Strick ist entzwei, und wir sind frei; des Herren Name steht uns bei, des Gottes Himm'is und Erden. Martin Luther g. 1483+ 1546. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? 167. Wär Gott nicht mit Er heißt Jeſus Christ, der Herr uns diese und ist kein andrer Gott, das Feld muß er behalten. so soll Israel sagen, wär Gott nicht mit uns diese Zeit, wir hätten müßn verzagen, die so ein armes Häuflein sind, veracht von so viel Menschenkind, die an uns setzen alle. Psalm 124. Eigene Melodie. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, 2. Auf uns so zornig ist ihr wie saur er sich stellt, thut er Sinn; hätt Gott es zugegeben, uns doch nichts; das macht, er verschlungen hätten sie uns hin ist gericht, ein Wörtlein kann mit ganzem Leib und Leben; wir ihn fällen. Vieder von der christlichen Kirche. 96 4. Das Wort sie sollen lassen stan und fein Dank dazu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben. Martin Luther g. 1483 † 1546. und falt; gieb Glück und Heil zu deinem Wort, gieb, daß es schall an manchem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord, gieb deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Mut und Geduld! 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, auf dieser Erd ist keine Ruh, viel Sekten und groß Schwärmerei Eigene Melodie. 169. Grhalt uns, Herr, auf einen Haufen kommt herbei. bei deinem Den Geistern doch, die sich mit G'walt erheben hoch und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht unser, sondern dein ja ist; darum so steh du denen bei, die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Trutz und deiner Kirche wahrer Schutz, dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts Andres suchen mehr. 9. Gieb, daß wir lebn in deinem Wort und darauf ferner fahren fort von hinnen aus dem Mel. Erhaltuns, Herr, bei deinem Wort. ch 170. Ah bleib bei uns, Jammerthal zu dir in deinen Nach Nit. Selnecker g. 1532+ 1592. Jesu weil es nun Abend worden ist; dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht! betrübten Mel. Kommt her zu mir, spricht G. S. 2. In Zeit verleih uns, Herr, Beſtän- 171. Verzage nicht, du Häuflein obdigkeit, daß wir dein Wort und schon die Feinde willens sein, dich Sakrament behalten rein bis an gänzlich zu verstören, und suchen deinen Untergang, davon dir wird 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch recht angst und bang; es wird erhalt, wir sind sonst sicher, faul nicht lange währen. das End. und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum deinen Sohn wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist, beschirm dein arme Christenheit, daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heilger Geist, du Tröſter wert, gieb dein'm Volk ein'rlei Sinn auf Erd, steh bei uns in der letzten Not, g'lcit uns ins Leben aus dem Tod! Martin Luther g. 1483+ 1546. Lieder von der christlichen Kirche. 2. Tröste dich nur, daß deine Sach ist Gottes, dem befiehl die Rach und laß es ihn nur walten! Er wird durch seinen Gideon*), den er wohl weiß, dir helfen schon, dich und sein Wort erhalten. *) Richter 6, 13. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, muß Welt, Teufel und Höllenpfort und was dem sen dich. thut anhangen endlich werden zu Schand und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott: den Sieg wolln wir erlangen. 97 5. Erleuchte, die da sind verblendt, bring her, die sich von uns getrennt, versammle, die zerstreuet gehn, mach feste, die im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zu gleich auf Erden und im Himmelreich, hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade prei3. Und was sich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad und ihr verwundt Gewissen heil, laß sie am Himmel haben teil! 4. Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube sei. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. Michael Altenburg(?) g. 1584+1640. 173.3⁰⁰ ion klagt mit Angst ( Dies Lied ließ Gustav Adolf am und Schmerzen, dienft singen.) Morgen der Schlacht bei Zügen, am Zion, Gottes werte Stadt, die 16. Robbr. 1632, beim Feldgottes- er trägt in seinem Herzen, die er ihm erwählet hat. Ach, spricht sie, wie hat mein Gott mich verlassen in der Not und läßt mich so harte pressen! Meiner hat er ganz vergessen. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, daß ihre Seel auch selig werd. 172. O 2. Der Gott, der mir hat versprochen seinen Beistand jeder2. Erfülle mit dem Gnaden- zeit, der läßt sich vergebens suchen schein, die in Irrtum verführet will er denn für und für so gar jetzt in meiner Traurigkeit. Ach sein; auch die, so heimlich noch grausam zürnen mir? Kann und ficht an in ihrem Sinn ein fal- will er sich der Armen jetzt nicht scher Wahn. wie vorhin erbarmen? Jesaias 49. Eigene Melodie. 3. Zion, o du Vielgeliebte, sprach zu ihr des Herren Mund, zwar bist du jetzt die Betrübte, Seel und Geist ist dir verwundt, doch stell alles Trauren ein! Wo mag eine Mutter sein, die ihr eigen Kind kann hassen und aus ihrer Sorge lassen? 4. Ja wenn du gleich möchtest finden einen solchen Muttersinn, 7 98 Lieder von der christlichen Kirche. da die Liebe kann verschwinden, der Obrigkeit gewähre, Friede so bleib ich doch, der ich bin. dem Herzen, Friede dem GeMeine Treue bleibet dir, Zion, o du meine Zier; mein Herz hast du mir besessen, deiner kann ich nicht vergessen. 5. Laß dich nicht den Satan blenden, der sonst nichts als und Erde. wissen gieb zu genießen! 4. Also wird zeitlich deine Güt erhoben, also wird ewig und ohn Ende loben dich, o du Wächter deiner armen Herde, Himmel schrecken kann; siehe, hier in meinen Händen hab ich dich geschrieben an. Wie mag es denn denten bein, deine Mauren muß 175. 3ufrieden, Gott ist anders sein? Ich muß ja ge- Mel. 3ion flagt mit Angstu. Schmerzen. gieb dich nur ich bauen und dich fort und fort anschauen. noch bei dir darin, du bist nicht 6. Du bist stets mir vor den von ihm geschieden, er hat einen Augen, du liegst mir auf meinem Vatersinn. Wenn er straft, so Schoß, wie die Kindlein, die liebt er auch, dies ist sein benoch saugen; meine Treu zu dir liebter Brauch; Zion, lerne dies ist groß. Dich und mich kann bedenken, warum willst du dich feine Zeit, keine Not, Gefahr und Streit, ja der Satan selbst nicht scheiden; bleib getreu in allem Leiden! so fränken? Joh. Heermann g. 1585+ 1647. Eigene Melodie, oder Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. meine, eile, mit Hülf und Rettung uns erscheine! Steure den Feinden, ihre Blutgedichte mache zu nichte! 2. Treiben dich die Meereswellen in der wilden tiefen See, wollen sie dich gar zerschellen, mußt du rufen Ach und Weh, schweigt dein Heiland still dazu gleich als in der sanften Ruh: Zion, laß dich nicht bewegen, 174. Christe, du Beistand dieſe Flut wird ſich bald legen. 3. Berge, Felsen möchten weichen, ob sie noch so feste stehn, ja die ganze Welt desgleichen möchte gar auch untergehn: dennoch hat es feine Not in dem Leben und im Tod; Zion, du kannst doch nicht wanken aus den wohlgefaßten Schranken. 2. Streite doch selber für uns arme Kinder, wehre dem Teufel, seine Macht verhinder, alles, was kämpfet wider deine Glieder, stürze darnieder! 4. Müssen schon allhie die Thränen deine schönsten Perlen 3. Friede bei Kirch und Schu- sein, muß das Seufzen und das len uns beschere, Friede zugleich Stöhnen schon das beste Lied dir Matth. Apelles v. Löwenstern g. 1594+ 1648. Lieder von der christlichen Kirche. sein, muß dein Purpur sein das Blut, und der und Gut: Zion laß dir doch nicht 176.fort, Bion, fahre ahre fort, grauen, du kannst deinem Gott vertrauen. fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, laß die erste Liebe nicht, suche stets die Lebensquelle! Zion, dringe durch die enge Pfort, fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich, Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, sei bis in den Tod getreu, siehe auf die Lebensfrone! Zion, juhieft du der Schlangen Stich, leide dich, leide dich! 5. Dräut man dir mit Schmach und Banden, mit dem Tod und Herzeleid, ei du wirst doch nicht zu schanden, denk nur an die Ewigkeit! Sei nur fröhlich, wohlgemut, denn der Herr ists, der es thut. Zion, Gott wird dich schon stärken, dieses mußt du eben merken. 7. Halleluja! deine Wonne, liebes Zion, wird nun groß, denn die schöne Gnadensonne nimmt dich recht in ihren Schoß, giebt dir einen Freudengruß und den rechten Liebeskuß. Zion, wo ist nun dein Klagen? Jetzt kannst du von Freude sagen. 99 Offenb. Joh. 2 und 3. Eigene Melodie. 6. Freue dich, nun ist das Ende und der Abend schon herbei; gieb dich nur in Gottes Hände, 3. Folge nicht, folge nicht, der dich nun will machen frei. Zion, folge nicht der Welt, die Für die Trübsal, Spott und dich suchet groß zu machen; Hohn giebt er dir die Freudenfron. Zion, du wirst wieder lachen, drum so laß die Welt nur machen! achte nichts ihr Gut und Geld, halt am Beten und am Wachen! Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, der dir ruft zu beiden Seiten; thue nicht, was er dich heißt, laß nur deinen Stern dich leiten! Zion, beides das, was krumm und schlicht, prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott, stärke dich mit Geist und Leben, sei nicht wie die andern tot, sei du gleich den grünen Reben! Zion, in die Kraft, für Heuchelschein, dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich herfür, Zion, brich herfür in Kraft, weil die Bruderliebe brennet, zeige, was der in dir schafft, der als 8. Dihr Engel, Himmelserben, freuet euch mit Zion hier! Denn die jetzt hat wollen sterben, soll nun leben für und für und sich freuen ohne Zahl in dem schönen Himmelssaal. Zion, wer will dich nun scheiden von dem Lamm und ewgen Freuden? Joach. Pauli g. um 1636+ nach 1674. Lieder von der christlichen Kirche. 100 seine Braut dich kennet. Zion, durch die dir gegebne Thür brich herfür, brich herfür! Fleisch und Satan uns zu rauben und mit Furcht und Blödigkeit uns zu schrecken sind bemüht. Deine Weisheit kennt und sieht deiner Kinder schwach Vermögen und wird nicht zu viel auflegen. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 177. perde, deiner E Preuer Hirte deiner 5. Hilf den Deinen und bekehre der Verfolger blindes Heer, der Verfolgung steur und wehre, daß sie uns nicht werd zu schwer. Nimm dich der Bedrängten an, leit auch die auf rechter Bahn, die noch jetzt durch Satans Lügen sich selbst um ihr Heil betrügen. 6. Laß uns recht und redlich Glieder starker Schutz, sich doch, handeln und in Taubeneinfalt wie die Asch und Erde, großer dir ganz gelassen heilig wanGott, mit Grimm und Truk deln, doch dabei uns flüglich hier tobt und wütet wider dich und schicken in die böse Zeit und vor vermißt sich freventlich, deine falscher Heiligkeit, auch der Kirche zu zerstören und dein Erbteil zu verheeren. Feinde List und Wüten uns mit Schlangenflugheit hüten. 2. Du, Herr, bist ja unser 7. Laß mit Beten und mit König, wir sind dein mit Leib Wachen stets uns stehn auf und Seel, Menschenhülf ist hier unsrer Hut und nur dich, Herr, zu wenig, wo nicht du, Imma- lassen machen, so wird alles wernuel, zu der Deinen Rettung den gut. Jesus streitet für uns wachst und dich selbst zu Felde hier und vertritt uns dort bei machst, für dein wahres Wort dir, bis wir auf der neuen zu kämpfen und der Feinde Rat Erden mit ihm triumphieren zu dämpfen. werden. Henr. Kath. v. Gersdorf g. 1648+1726. 7. Halte aus, halte aus, Zion, halte deine Treu, laß dich ja nicht laulich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei, auf, verlasse, was dahinten! Zion, in dem letzten Kampf und Strauß halte aus, halte aus! Joh. Eusebius Schmidt g. 1669+ 1745. 3. Es trifft deines Namens Ehre, deiner Wahrheit Heiligtum, Jesu, deine Glaubenslehre, Mel. Dir, dir, Jehova, will ich singen. ach auf, du Geist deines Leidens Kraft und Ruhm 178. der ersten Beugen, und den Dienst, den dir allein wir zu leisten schuldig sein; dazu die auf der Maur als treue fannst du ja nicht schweigen, Wächter stehn, die Tag' und deine Machthand wirst du zeigen. Nächte nimmer schweigen und 4. Stärke nur den schwachen die getrost dem Feind entgegen Glauben, den bei so betrübter Zeit gehn, ja deren Schall die ganze Lieder von der christlichen Kirche. 101 Welt durchdringt und aller Völker| Himmel bald entzwei*) und komm Scharen zu dir bringt. herab zur Hülf und mach uns frei! *) Jes. 64, 1. 2. O daß dein Feur doch bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gieb doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernt, ach siehe doch darein, die Ernt ist groß, da wenig Knechte sein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitt in unfern Mund gelegt. O fiche, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich hierum herzinbrünstig anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 4. Wie kannst du uns denn dies versagen, was uns dein Sohn selbst deutlich bitten heißt? Wie denkst du dieses abzuschlagen, wozu du uns selbst treibst durch deinen Geist? Denn daß wir hierum brünstig zu dir flehn, das ist allein durch deinen Geist geschehn. 5. So gieb dein Wort mit großen Scharen, die in der Kraft Evangelisten sein; laß eilend Hülf uns widerfahren und brich in Satans Reich mit Macht hinein! O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 7. Ach laß dein Wort recht schnelle laufen, es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein! Ach führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll in allen Thoren ein! Ja wecke doch auch Jsrael bald auf und also segne deines Wortes Lauf! 8. O beffre 3ions wüste Stege, und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räum, ach räum aus jedem Wege! Vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn und mach uns bald von jedem Mietling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei. 9. Laß jede hoh und niedre Schule die Werkstatt deines guten Geistes sein, ja size du nur auf dem Stuhle und präge dich der Jugend selber ein, daß treuer Lehrer viel und Beter sein, die für die ganze Kirche flehn und schrein. 10. Du hast uns Hirten ja versprochen, die du nach deinem Herzen geben willt; nun wird dein Wort niemals gebrochen, ein jedes Wort wird Punkt für Punkt erfüllt; drum halt ich dieses klare Wort dir vor, ach denke dran und neig uns Herz und Ohr! 6. Ach daß die Hülf aus Zion käme! O daß dein Geist so, wie 11. Herr, zürne nicht, daß ich dein Wort verspricht, dein Volk so bitte, da ich vor dir nur Staub aus dem Gefängnis nähme! Dund Asche bin. Du, als der würd es doch nur bald vor Abends Brunnquell aller Güte, giebst licht! Ach reiß, o Herr, den selber mir etwas von deinem 102 Lieder von der christlichen Kirche. Sinn, daß mich der Menschen| schild,*) am Brunnquell sie zu Elend jammern kann; drum laben, der dir vom Herzen quillt. bitt ich, Herr, o nimm mein *) 2 Moj. 28, 29. Bitten an! Karl Heinr. v. Bogatty g. 1690+1774. 6. So sprich dein göttlich Werde, laß deinen Odem wehn, daß auf der finstern Erde die Toten auferstehn; daß, wo man Gözen fröhnet und vor den Teufeln kniet, ein willig Volk versöhnet zu deinem Tempel zieht. Albert Knapp g. 1798 † 1864. Mel. Valet will ich dir geben. 179. D er du zum Heil erschienen der allerärmsten Welt und von den Cherubinen zu Sündern dich gesellt, den sie mit frechem Stolze verhöhnt für seine Huld, als du von dürren Holze verſöhnteſt ihre 180. Gir hangen, der Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. iner ists, dent am Schuld: 2. Damit wir Kinder würden, für uns in den Tod gegangen und gingst du vom Vater aus, nahmst uns erfauft mit seinem Blut. auf dich unsre Bürden und bautest Unsre Leiber, unsre Herzen geuns ein Haus; von Westen und hören dir, o Mann der Schmervon Süden, von Morgen ohne zen, in deiner Liebe ruht sichs Zahl sind Gäste nun beschieden gut. Nimm uns zum Eigentum, zu deinem Abendmahl. bereite dir zum Ruhm deine Kinder, verbirg uns nicht das Gnadenlicht von deinem heilgen Angesicht! 3. Im schönen Hochzeitkleide, von allen Flecken rein, führst du zu deiner Freude die Völkerscharen ein; und welchen nichts verkündigt, kein Heil verheißen war, die bringen nun entfündigt dir Preis und Ehre dar. 4. Drum kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt, bis du im neuen Leben die ausgeföhnte Welt dem, der sie dir gegeben, vors Angesicht gestellt. 2. Nicht wir haben dich erwählet, du selbst hast unsre Zahl gezählet nach deinem ewgen Gnadenrat. Unsre Kraft ist schwach und nichtig, und keiner ist zum Werke tüchtig, der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn, denn Armut ist Gewinn für den Himmel; wer in sich schwach, folgt, Herr, dir nach und trägt mit Ehren deine Schmach. 5. Und siehe, tausend Fürsten mit Völkern ohne Licht stehn in 3. O Herr Jesu, Ehrenkönig, der Nacht und dürsten nach die Ernt ist groß, der Schnitter deinem Angesicht; auch sie hast wenig, drum sende treue Zeugen du gegraben in deinen Priester- aus! Sende sie hinaus in Gna Lieder von der christlichen Kirche. den, viel frohe Gäste einzuladen zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl beruft zum Abendmahl 103 5. Menschenhuld, Menschenhuld klopft in deiner milden Brust, unter Menschenkindern wohnen das ist deines Herzens im Reich Gottes! Da ruht der Lust. Nimm, o nimm die NaStreit, da währt die Freud heut, tionen, nimm zum Wohnsitz alle gestern und in Ewigkeit. Länder ein, sie sind dein, sie sind dein. Albert Knapp g. 1798+ 1864. Mel. Fahre fort. 181. Rid eich des Herrn, 6. Aber ihr, aber ihr, die der König ausgesandt, geht voran in alle Zonen, bahnt die Weg Reich des Herrn, und macht bekannt unter allen brich hervor in vollem Tag, Nationen, wie die Gnade, wo deiner Strahlen Macht erhelle, der Herr regiert, triumphiert, was in Todesschatten lag. Wolk triumphiert. und Zweifelsnebel fälle, sende Licht und Wärme nah und fern, Reich des Herrn, Reich des Herrn! 7. Welch ein Herr, welch ein Herr! ihm zu dienen, welch ein Stand! Wenn wir seines Dienstes pflegen, lohnt er unsrer 2. Siege bald, siege bald, schwachen Hand armes Werk komm, das kalte Reich der Nacht mit reichem Segen. Wallen aller Enden zu zerstören! Sieh, wir, so wallt sein Friede mit es fammelt seine Macht, doch Schritt vor Schritt, Schritt vor wer kann den Sieg dir wehren? Schritt. denn die Sonne der Gerechtigkeit führt den Streit, führt den Streit. 8. Kommt herbei, kommt herbei, frohe Zeiten, säumet nicht, daß der Herr sich offenbare als 3. Gottes Held, Gottes Held, der Völker Recht und Licht. mit der Gnade Siegsgewalt Kommt, daß alle Welt erfahre, schlage Feind an Feind dar- wie die Menschenherd ihr großer nieder, bring in deine Herrschaft Hirt weiden wird, weiden wird. bald alles Abgefallne wieder! Karl Bernh. Garve g. 1763 † 1841. Dann umarmen Freud und Friede sich ewiglich, ewiglich. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 4. Überall, überall laß bis an 182. Gine Herde und in der Welten laß durch jeden Hirt! Wie wird Kreis der Erden deinen Namen dann dir sein, o Erde, wenn sein hell erkannt, deine Kraft verherrlicht werden, bis du als der Völker Friedefürst herrschen wirst, herrschen wirst. Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine Herde, mach dich auf und werde licht: Jesus hält, was er verspricht. 104 Lieder von der christlichen Kirche. 2. Hüter, ist der Tag noch sehen, wer hier die Hut und fern? Schon ergrünt es auf den Wache hält. Der Hüter Israels Weiden, und die Herrlichkeit des ist ihres Heiles Fels. Halleluja! Herrn nahet dämmernd sich den Lobsingt und sprecht: Wohl dem Heiden, blinde Pilger flehn um Geschlecht, das in ihr hat das Licht: Jesus hält, was er ver- Bürgerrecht! spricht. 2. Zions Thore liebt vor allen 3. Komm, o komm, getreuer der Herr mit gnädgem WohlgeHirt, daß die Nacht zum Tage fallen, macht ihre Riegel stark werde. Ach wie manches Schäf- und fest, segnet, die darinnen lein irrt fern von dir und deiner wohnen, weiß überschwenglich Herde! Kleine Herde, zage nicht: dem zu lohnen, der ihn nur thun Jesus hält, was er verspricht. und walten läßt. Wie groß ist 4. Sieh, das Heer der Nebel seine Huld, wie trägt er mit flieht vor des Morgenrotes Helle, Geduld all die Seinen! und der Sohn der Wüste kniet Gottes Stadt, du reiche Stadt, dürstend an der Lebensquelle, ihn die solchen Herrn und König umleuchtet Morgenlicht: Jesus hat! hält, was er verspricht. 5. Gräber stehen aufgethan; rauſcht, verdorrete Gebeine, macht dem Bundesengel Bahn, großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 3. Große, heilge Dinge werden in dir gepredigt, wie auf Erden sonst unter keinem Volk man hört. Gottes Wort ist deine Wahrheit, du hast den Geist und hast die Klarheit, die alle Finsternis zerstört. Da hört man fort und fort 6. O des Tags der Herrlich das teuer werte Wort ewger feit! Jesus Christus, du die Gnade. Wie lieblich tönt, was Sonne, und auf Erden weit hier versöhnt und dort mit und breit Licht und Wahrheit, ewgem Leben frönt! Fried und Wonne! Mach dich auf! es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 4. Auch die nichts davon vernommen, die fernsten Völker werden kommen und in die Thore Zions gehn. Denen, die im Finstern saßen, wird auch der Herr noch predgen lassen, was einst Frdr. Ad. Krummacher g. 1767+1845. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. 183. Gottes Stadt ist fest für alle Welt geschehn. Wo ist gegründet auf wo heilgen Bergen, es verbündet denthron? wird man fragen. sich wider sie die ganze Welt; Dann kommt die Zeit, wo dennoch steht sie und wird stehen, weit und breit erscheint der Herr anan wird an ihr mit Staunen in Herrlichkeit. Lieder vom Worte Gottes. 105 5. Darum stellet ein die Klagen, Wasser quillt, das alles Dürsten man wird noch einst zu Zion stillt. Halleluja! Von Sünd und sagen: Wie mehrt sich deiner Tod, von aller Not erlöst nur Bürger Zahl! Voll Erstaunen Einer, Zions Gott! wird man schauen, wie Gott sein Zion mächtig bauen und herrlich weitern wird einmal. Erhebet K. 3. Phil. Spitta g. 1801 † 1859. Derz und Sinn! Es ist die Nacht 184. fege, at alles Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. dönig Jesu, streite, schier hin für die Heiden; es kommt ihr Tag, sie werden wach, und Israel folgt ihnen nach. 6. Gottes Stadt, du wirst auf Erden die Mutter aller Völker werden, die ewges Leben fanden hier. Welch ein Jubel, wie am Reigen, wird einst von dir zum Himmel steigen! Die Lebensbrunnen sind in dir. In dir das für und für! daß bald dir unterliege, was lebt und webt in dieser Welt. Blick auf deine Friedensboten, laß wehen deinen Lebensodem durchs ganze weite Totenfeld! Erhöre unser Flehn und laß es bald geschehn! Amen, Amen! So rühmen wir und jauchzen dir ein Halleluja 1852.(?) XIII. Lieder vom Worte Gottes. Eigene Melodie. ruhen mag; du sollst von dein'm 185. Dies sind die heilgen Thun lassen ab, daß Gott ſein Gebot, Werk in dir uns gab unser Herre Gott durch Mosen, seinen Diener treu, hoch auf dem Berg Sinai. Kyrieleis! 2. Ich bin allein dein Gott der Herr, kein Götter sollst du haben mehr; du sollst mir ganz vertrauen dich, von Herzensgrund lieben mich. Kyrieleis! 3. Du sollst nicht führen zu Unehrn den Namen Gottes, deines Herrn; du sollst nicht preisen recht noch gut, ohn was Gott selbst redt und thut. Kyrieleis! 4. Du sollst heilgen den siebten Tag, daß du und dein Haus 5. Du sollst ehrn und gehorsam sein dem Vater und der Mutter dein und wo dein Hand ihn'n dienen kann, so wirst du langs Leben habn. Kyrieleis! 6. Du sollst nicht töten zorniglich, nicht hassen noch selbst rächen dich, Geduld haben und sanften Mut und auch dem Feind thun das Gut. Kyrieleis! 7. Dein Eh sollst du bewahren rein, daß auch dein Herz kein andre mein', und halten keusch das Leben dein mit Zucht und Mäßigkeit fein. Kyrieleis! 106 Lieder vom Worte Gottes. 8. Du sollst nicht stehlen Geld je mehr in dein'r Erkenntnis noch Gut, nicht wuchern jemands nehmen zu und endlich bei dir Schweiß und Blut; du sollst auf- finden Ruh. thun dein milde Hand den Armen in deinem Land. Kyrieleis! Konrad Huber g. 1507+ 1577. ſein, nicht fügen auf den Näch 187.Rde, denn bein 9. Du sollst kein falscher Zeuge Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. liebster sten dein; sein Unschuld sollst auch retten du und seine Schand decken zu. Kyrieleis! 10. Du sollst deins Nächsten Weib und Haus begehren nicht, noch etwas draus; du sollst ihm wünschen alles Gut, wie dir dein Herz selber thut. Kyrieleis! Kind giebt acht darauf. Stärke mich, denn ich bin blöde, daß ich meines Lebens Lauf dir zu Ehren setze fort. Ach so laß dein heilig Wort in mein Herze sein verschlossen, dir zu folgen unverdroffen. 11. Die G'bot all uns gegeben sind, daß du dein Sünd, o Menschenkind, erkennen sollst und lernen wohl, wie man vor Gott leben soll. Kyrieleis! 2. Ach wer wollte dich nicht hören, dich, du liebster Menschenfreund? Sind doch deine Wort und Lehren alle herzlich wohl gemeint. Sie vertreiben alles Leid; auch des Honigs Süßigkeit muß vor deinen Worten weichen, ihnen ist nichts zu vergleichen. 3. Deine Worte sind mein Stecken, dessen ich mich trösten fann, wenn der Teufel mich will schrecken auf der schmalen Lebensbahn; diese führen ohne Qual Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. 186. Gott, du höchſter mich hin durch des Todes Thai, mein Schirm Stütze wider alle Kreuzesblitze. Gnadenhort, verleih, daß uns dein göttlich Wort von Ohren so zu Herzen dring, daß es sein Kraft und Schein vollbring. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben, deine trostgefüllte Lehr will ich in mein Herz vergraben. Ach nimm sie ja nimmermehr hier von mir in dieser Zeit, bis ich in der Ewigkeit werde kommen zu den Ehren, dich, o Jesu, selbst zu hören. 12. Das helf uns der Herr Jesus Christ, der unser Mittler worden ist; es ist mit unsrem Thun verlorn, verdienen doch eitel Zorn. Kyrieleis! Martin Luther g. 1483+ 1546. 2. Der einge Glaub ist diese Kraft, der fest an Jesu Christo haft; die Werk der Lieb sind dieser Schein, dadurch wir Christi Jünger sein. 3. Verschaff bei uns auch, lieber Herr, daß wir durch deinen Geist 5. Unterdes vernimm mein Flehen, liebster Jesu, höre mich: Lieder vom Worte Gottes. 107 laß mich fest bei dir bestehen! 5. Öffn uns die Ohren und Ich, ich will dich ewiglich preisen mit Herz, Sinn und Mund, ich will dir zu jeder Stund Ehr und Dank in Demut bringen und dein hohes Lob besingen. Anna Sophia, Landgräfin zu HessenDarmstadt g. 1638 † 1683. das Herz, daß wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; daß wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Thäter sein, Frucht hun dertfältig bringen. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 6. Am Weg der Same wird sofort vom Teufel hingenommen; 188. Wir Menſchen find in Fels und Steinen kann das zu dem, o Wurzel nicht bekommen; der Sam, so in die Dornen fällt, von Sorg und Wollust dieser Welt verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich dem guten fruchtbarn Lande und sein an guten Werken reich in unserm Amt und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr und Huld im feinen, guten Herzen. 8. Laß uns, so lang wir leben hier, den Weg der Sünder meiden, gieb, daß wir halten fest an dir in Anfechtung und Leiden. Rott aus die Dornen allzumal, hilf uns die Weltsorg überall und böse Lüste dämpfen! was geistlich ist, untüchtig; dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig; wir wissens und verstehens nicht, wo uns dein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte, daß durch dieselben würd bekannt dein heilger Will und Rechte; zum letzten ist dein einger Sohn, o Vater, von des Himmels Thron selbst kommen uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist! Laß uns dabei verbleiben und gieb uns deinen heilgen Geist, daß wir dem Worte gläuben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehrfurcht, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Spötter Hauf uns nicht vom Wort abwende; denn ihr Gespött samt ihnen drauf mit Schrecken nimmt ein Ende. Gieb du selbst deinem Worte Kraft, daß deine Lehre in uns haft, auch reichlich bei uns wohne. 9. Dein Wort, o Herr, laß allweg sein die Leuchte unsern Füßen, erhalt es bei uns klar und rein, hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, daß wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen. 10. Gott Vater, laß zu deiner Ehr dein Wort sich weit aus 108 Lieder vom Worte Gottes. breiten, hilf, Jesu, daß uns beweglich; zwar Himmel und die deine Lehr erleuchten mög und Erd vergeht, Gotts Wort bleibt leiten, oheilger Geist, dein aber ewig; fein Höll, kein Plag göttlich Wort laß in uns wirken noch jüngster Tag vermag es zu fort und fort Glaub, Lieb, Ge- vernichten; drum denen soll sein duld und Hoffnung! ewig wohl, die sich darnach recht richten. David Denice g. 1603+ 1680. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. 189.5 err, öffne mir die Herzensthür, zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein! 3. Es ist vollkommen hell und flar, ein Richtschnur reiner Lehre; es zeigt uns auch ganz offenbar Gott, seinen Dienst und Ehre und wie man soll hier leben wohl, Lieb, Hoffnung, Glauben üben; drum fort und fort wir dieſes Wort von Herzen sollen lieben. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ists, das mein Herz erfreut, dein Wort giebt Trost und Se ligkeit. 4. Jm Kreuz giebts Luft, in Traurigkeit zeigt es die Freudenquelle; den Sünder, dem die Sünd ist leid, entführet es der Hölle; giebt Trost an Hand, macht auch bekannt, wie man soll willig sterben, und wie zugleich das Himmelreich durch Chriſtum 3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron! Der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit! zu ererben. Joh. Olearius g. 1611+ 1684. Mel. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir. 5. Sieh, solchen Nutz, so große Sraft, die nimmer ist zu schätzen, des Herrn Wort in uns wirft und schafft; darum wir sollen seßen zurück Gold, Geld und was die Welt pflegt zu 190. heiligs Wort, das achten, und jederzeit in Lieb und err Zebaoth, Leid nach dieser Perle du uns hast gegeben, daß wir darnach an allem Ort solln richten Lehr und Leben, ist worden kund aus deinem Mund und in der Schrift beschrieben rein, schlecht und recht durch deine Knecht, vom heilgen Geist getrieben. trachten. 6. Nun, Herr, erhalt dein heiligs Wort, laß uns sein Kraft empfinden, den Feinden steur an allem Ort, zeuch uns zurück von Sünden! So wollen wir dir für und für von ganzem Herzen danken. Herr, unser Hort, laß uns dein Wort fest halten und 1698. 2. Dies Wort, das jetzt in Schriften steht, ist fest und un- nicht wanken! 109 Mel. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir. 191. allein hab ich zum Grunde meiner Seligkeit gelegt; in dir treff ich alles an, was zu Gott mich führen kann. ein Wort, Herr, ist die rechte Lehr, ein Licht, das uns erleuchtet, ein 2. Will ich einen Vorschmack Schild zu unsrer Gegenwehr, haben, welcher nach dem Himein Tau, der uns befeuchtet, ein mel schmeckt, so kannst du mich Stärkungstrank, wenn wir uns herrlich laben, weil bei dir ein frank an Seel und Geist befin- Tisch gedeckt, der mir lauter den, ein festes Band, das unsre Manna schenkt, mich mit LebensHand mit deiner kann verbinden. wasser tränkt. 2. So führe denn auf rechtem 3. Du, mein Paradies auf Pfad durch dies dein Licht mich Erden, schließ mich stets im Blinden, laß mich durch deinen Glauben ein, laß mich täglich Schutz und Rat den Satan überflüger werden, daß dein heller winden! Die Süßigkeit laß allezeit Gnadenschein mir bis in die von deinem Wort mich schmecken, Seele dringt und die Frucht des und deine Gunst in mir die Lebens bringt. Brunst der Gegenlieb erwecken! 3. Verleih auch deinen guten Geist, der alles das versiegle, worin dein Wort mich unterweist, daß ich mich drin bespiegle, und immerdar dies, was ich war und was ich bin, erkenne, auch niemals mehr von deiner Lehr in Sünd und Irrtum renne. Lieder vom Worte Gottes. 4. Gieb meinem Glauben Stärk und Kraft, die alles kann vollbringen, damit durch dessen Eigenschaft ich ritterlich kann ringen und Kreuz und Not, ja gar den Tod viel lieber woll erleiden, als daß ich hier vom Wort und dir mich ließ aus Kleinmut scheiden. 1714. 192. T Mel. Gott des Himmels und der Erden. Peures Wort aus 4. Geist der Gnade, der im Worte mich an Gottes Herze legt, öffne mir des Himmels Pforte, daß mein Geist hier recht erwägt, was für Schätze Gottes Hand durch sein Wort ihm zugesandt. 5. Lasse mich in diesen Schranten sonder eitle Sorgen sein, schließe mich mit den Gedanken in ein stilles Wesen ein, daß die Welt mich gar nicht stört, wenn mein Herz dich reden hört. 6. Gieb dem Samforn einen Acker, der die Frucht nicht schuldig bleibt; mache mir die Augen wacker, und was hier dein Finger schreibt, präge meinem Herzen ein, laß den Zweifel ferne sein! 7. Was ich lese, laß mich merfen; was du sagest, laß mich thun! Wird dein Wort den das mir lauter Segen trägt, dich Glauben stärken, laß es nicht Gottes Munde, 110 Lieder vom Worte Gottes. dabei beruhn, sondern gieb, daß| Ruhm, bald, da wir gefallen, auch dabei ihm das Leben ähn- ließest du erschallen Evangelium, lich sei. eine Kraft, die Glauben schafft, eine Botschaft, die zum Leben uns von dir gegeben. 8. Hilf, daß alle meine Wege nur nach dieser Richtschnur gehn. Was ich hier zum Grunde lege, müsse wie ein Felsen stehn, daß mein Geist auch Rat und That in den größten Nöten hat. 2. Was sein Wohlgefallen vor der Zeit uns allen fest bestimmet hat, was der Opfer Schatten längst verkündet hatten, das 9. Laß dein Wort mir einen vollführt sein Rat. Was die Spiegel in der Folge Jesu sein, Schrift verspricht, das trifft alles drücke drauf ein Gnadensiegel, ein in Jesu Namen und ist Ja schließ den Schatz im Herzen ein, und Amen. daß ich fest im Glauben steh, bis ich dort zum Schauen geh. Benjamin Schmold g. 1672+1737. 3. Alles ist vollendet, Jesu Gnade wendet allen Zorn und Schuld. Jesus ist gestorben, Jesus hat erworben alle Gnad und Huld. Auch ist dies fürwahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre; ach erwünschte Lehre! 4. Uns in Sünden Toten machen Jesu Boten dieses Leben kund. Lieblich sind die Füße, und die Lehren süße, teuer ist der Bund. Aller Welt ist nun vermeldt durch der guten Botschaft Lehre, daß man sich bekehre. 5. Kommt, zerknirschte Herzen, die in bittern Schmerzen das Gesetz zerschlug, kommt zu dessen Gnaden, der für euch beladen alle Schmerzen trug. Jesu Blut stärkt euren Mut, Gott ist hier, der euch geliebet und die Schuld vergiebet. 6. Dieser Grund bestehet; wenn die Welt vergehet, fällt er doch nicht ein. Darauf will ich Mundes, Engel bauen; so soll mein Vertrauen meines Bundes, Jesu, unser evangelisch sein; auch will ich Mel. O du Liebe meiner Liebe. 193. He err, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir, denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu thun. 2. Halleluja, Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, daß ich mög in deinem Namen fest bei deinem Worte stehn; laß mich eifrig sein beflissen, dir zu dienen früh und spat und zugleich zu deinen Füßen sitzen, wie Maria that. Nik. Ludw. v. Zinzendorf g.1700+ 1760. Mel. Jesu, meine Freude. 194.2 Lort des höchsten Lieder vom Worte Gottes. 111 nun würdiglich dieser Kraft, die guts verheißt, wird dem, der mir gegeben, evangelisch leben. 7. Jesu, deine Stärke schaffet diese Werke, stehe du mir bei! Nichts kann mich nun scheiden, hilf denn, daß mein Leiden evangelisch sei. Laß auch mich einmal auf dich, als ein Kind mit dir zu erben, evangelisch sterben! Heinr. Cornelius Hecker g. 1699+ 1743. Mel. Es ist das Heil uns kommen her oder Es ist gewißlich an der Zeit. 195. G esetz und Evangelium sind beide Gottes Gaben, die wir in unserm Christentum beständig nötig haben; doch bleibt ein großer Unterschied, den nur ein solches Auge sieht, das Gottes Geist erleuchtet. 2. Was Gott in dem Gesetz gebeut, ist uns ins Herz geschrieben: Wir sollen nämlich jederzeit Gott und den Nächsten lieben. Daß aber Gott die Welt geliebt und seinen Sohn für Sünder giebt, das muß er selbst entdecken. gläubig sich erweist, frei und umsonst gegeben. 5. Wo das Gesetz den Sünder findt, da schlägt es ihn danieder; das Evangelium verbindt und heilt die Wunden wieder; jens predigt Sünde, Zorn und Fluch, dies öffnet dir das Lebensbuch in des Erlösers Wunden. 6. Jens decket dir dein Elend auf, dies saget von Erbarmen; jens schläget unbarmherzig drauf, dies hebt und trägt die Armen; jens zeigt und drohet dir den Tod, dies hilfet dir aus Tod und Not und bringt dir Geist und Leben. 7. Was das Gesetz zu sagen hat, gehört für rohe Herzen, für Heuchler, die schon reich und satt, die mit der Sünde scherzen; des Gnadenwortes Balsamöl senkt sich in eine franke Seel, die elend und beladen. 8. Wenn das Gesetz den Zweck erreicht, so hört es auf zu fluchen; sein 3wang, sein Blitz, sein Drohen weicht, wenn man will Gnade suchen; es treibt zum Kreuz des Mittlers hin, wenn ich an diesen gläubig bin, so hat der Trost kein Ende. 3. In dem Gesetz wird unsre Pflicht uns ernstlich vorgetragen; das Evangelium kann nicht als nur von Gnade sagen; jens zeigt dir, was du thun sollst, an, dies lehrt, was Gott an dir gethan; jens fordert, dieses schenket. 9. Mein Gott, laß diesen Unterschied mich in der That er= fahren, nach Sündenangst laß 4. Was das Gesetz dir guts Trost und Fried sich in der verspricht, wird dir nicht zuge- Seele paaren! Treib mich durch wendet, es sei denn, daß du des Gesetzes Fluch, daß ich die deine Pflicht vollkommen hast Gnade gläubig such in des Ervollendet; was Christi Gnade lösers Armen. 112 Lieder vom Worte Gottes. 10. Gieb aus dem Evangelio| wandle hier, mein Gott, vor dir mir Kräfte, dich zu lieben und im Glauben, nicht im Schauen. als dein Kind mich frei und froh in dem Gesetz zu üben. Gieb Gnade, daß ich meine Pflicht mit Heiligkeit und Zuversicht in Lieb und Glauben leiste. Joh. Jak. Rambach g. 1693 † 1735. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmecken, laß keinen Spott, o Herr mein Gott, mich von dem Glauben schrecken! 3. Wo hätt ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verMel. Jesu, meines Lebens Leben. 196. D as ist eine selge stünd ich nie, wie ich dich würdig ehrte. Stunde, Jesu, da man dein gedenkt und das Herz von Herzensgrunde tief in deine Wunden senkt. Wahrlich, nichts als Jesum kennen, Jesum suchen, finden, nennen, das erfüllet unsre Zeit mit der höchsten Seligkeit. 4. Dein Wort erklärt der Seele Wert, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit ist diese Zeit von dir mir übergeben. 5. Dein ewger Rat, die Missethat der Sünder zu verfühnen, den kennt ich nicht, wär mir dies Licht nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu und Schmerz der Sünden nicht verzagen. Nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist ein gläubig Abba sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir 3. Nun, so laß auch diese zu weihn, ist meines Heils GeStunde dein Gedächtnis in uns schäfte. Durch meine Müh versein, in dem Herzen, in dem Munde leb und herrsche du allein! Laß uns deiner nie vergessen! Wie Maria still gesessen, da sie deinen Mund gehört, also mach uns eingekehrt! mag ichs nie, dein Wort giebt mir die Kräfte. E. G. Woltersdorf g. 1725+ 1761. 2. Jesus, deine Gnadenquelle fließt so gern ins Herz hinein, deine Sonne scheinet helle, denn du willst genossen sein, und bei aller Segensfülle ist dein Wunsch und ernster Wille, daß man, weil dein Brünnlein voll, unaufhörlich schöpfen soll. 8. Herr, unser Hort, laß uns dies Wort, denn du hasts uns gegeben. Es sei mein Teil, es sei mir Heil und Kraft zum ewgen Leben! Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. Mel. Ach Gott und Herr. 197. auf 198. Dein Wort, o ott ist mein Hort, Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. und sein Wort soll meine Seele trauen. Ich Herr, Tau Tauf- und Konfirmationslieder. 113 für trostbedürftge Seelen. Laß Sie zeigte mir den Weg zu dir keinem Pflänzchen deiner Au den Himmelsbalsam fehlen; erquickt durch ihn laß jedes blühn und in der Zukunft Tagen dir Frucht und Samen tragen! und leuchtet meinen Schritten bis zu den ewgen Hütten. 5. Nun halt ich mich mit festem Sinn zu dir, dem sichern Horte. Wo wendet ich mich anders hin? Herr, du hast Lebensworte. Noch hör ich dein: Komm, du bist mein! Das rief mir nicht vergebens ein Wort des ewgen Lebens. 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, ein Reil, der Felsen spaltet, ein Feuer, das im Herzen zehrt und Mark und Bein durchschaltet. O laß dein Wort noch fort und fort der Sünde Macht zerscheitern und alle Herzen läutern! 6. Auf immer gilt dein Segensbund, dein Wort ist Ja und Amen. Nie weich es uns aus Geist und Mund und nie von unserm Samen, laß immerfort dein helles Wort in allen Lebenszeiten uns trösten, warnen, leiten! 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern für unsre Pilgerreise, es führt auch Thoren hin zum Herrn und macht die Einfalt weise. Dein Himmelslicht verlösch uns nicht und leucht in jede Seele, daß keine dich verfehle. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht; da ward das Wort der Gnade mein Labsal, meine Zuversicht, die Fackel meiner Pfade. 7. O sende bald von Ort zu Ort den Durst nach deinen Lehren, den Hunger aus, dein Lebenswort und deinen Geist zu hören; und send ein Heer von Meer zu Meer, der Herzen Durst zu stillen und dir dein Reich zu füllen. Karl Bernh. Garve g. 1763+ 1841. XIV. Tauf- und Konfirmationslieder. Bei der Taufe. 2. So hört und merket alle wohl, was Gott heißt selbst die Eigene Melodie. 199. Christ unser Herr Taufe, und was ein Chriſte zum soll, zu meiden nach seines Vaters Willen, von Haufen. Gott spricht und will, sanct Johanns die Taufe nahm, daß Wasser sei, doch nicht allein sein Werk und Amt zu erfüllen. schlecht Wasser, sein heiligs Wort Da wollt er stiften uns ein Bad, ist auch dabei mit reichem Geist zu waschen uns von Sünden, ohn Maßen: der ist allhie der ersäufen auch den bittern Tod Täufer. durch sein selbs Blut und Wunden; es galt ein neues Leben. 3. Solchs hat er uns bewiesen flar mit Bildern und mit Worten. 8 114 Tauf- und Konfirmationslieder. Des Vaters Stimm man offenbar| die allen Schaden heilen thut, daselbst am Jordan hörte; er von Adam her geerbet, auch von sprach: Das ist mein lieber Sohn, uns selbst begangen. an dem ich hab Gefallen; den will ich euch befohlen habn, daß ihr ihn höret alle und folget seinem Lehren. Martin Luther g. 1483 † 1546. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 200. Laffet die kindlein 4. Auch Gottes Sohn hie selfommen zu mir, ber steht in seiner zarten Mensch- spricht Gottes Sohn, sie sind heit, der heilge Geist hernieder- mein Freud und Wonne, ich bin fährt, in Taubenbild verkleidet, ihr Schild und Kron; auch für daß wir nicht sollen zweifeln dran: die Kinderlein, daß sie nicht wärn Wenn wir getaufet werden, all verloren, bin ich ein Kind gedrei Person getaufet habn und so boren, drum sie mein eigen sein. bei uns auf Erden zu wohnen sich begeben. 5. Sein' Jünger heißt der Herre Christ: Geht hin, all Welt zu lehren, daß sie verlorn in Sünden ist, sich soll zur Buße fehren. Wer gläubet und sich taufen läßt, soll dadurch selig 3. Drum nach Christi Berlanwerden; ein neugeborner Mensch gen bringet die Kinder her, damit er heißt, der nicht mehr könne sie Gnad erlangen, niemand es sterben, das Himmelreich soll' ihnen wehr! Führet sie Christo erben. 2. Der Herr gar freundlich füsset und herzt die Kinderlein, bezeugt mit Worten süße, der Himmel ihr soll sein, dieweil sein teures Blut, das aus den heilgen Wunden am Kreuzesstamm geronnen, auch ihnen kommt zu gut. zu, er will sich ihr erbarmen; legt sie in seine Arme, darin sie finden Ruh. 6. Wer nicht gläubt dieser großen Gnad, der bleibt in seinen Sünden und ist verdammt zum 4. Ob sie gleich zeitlich sterben, ewgen Tod tief in der Hölle ihr Seele Gott gefällt; denn sie Grunde. Nichts hilft sein eigne sind Gottes Erben, lassen die Heiligkeit, all sein Thun ist verloren, die Erbsünd machts zur Nichtigkeit, darin er ist geboren; er kann ihm selbst nicht helfen. schnöde Welt. Sie sind frei aller G'fahr, brauchen hie nicht zu leiden und loben Gott mit Freuden dort bei der Engel Schar. Cornelius Becker g. 1561 † 1604. 7. Das Aug allein das Wasser sicht, wie Menschen Wasser gießen; der Glaub im Geist die Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. Kraft versteht des Blutes Jeſu 201. Gott Bater, hört und für ihn ein rote unsre Bitt: Teil Flut, von Christus Blut gefärbet, diesem Kind den Segen mit, Tauf- und Konfirmationslieder. 115 4. Wasch es, Jesu, durch dein Blut von den angeerbten Flecken, laß es bald nach dieser Flut deinen Purpurmantel decken, schenk ihm deiner Unschuld Seide, daß es sich in dich verkleide. 3. Und du, o allerwertster Geist, samt Vater und dem Sohn gepreist, wollst gleichfalls zu uns kommen, damit jetzund in deinen Bund es werde aufgenommen. 5. Mache Licht aus Finsternis, setz es aus dem Zorn in Gnade, heil den tiefen Schlangenbiß durch die Kraft im Wunderbade, laß hier einen Jordan rinnen, so vergeht der Aussatz drinnen. 4. O heilige Dreieinigkeit, dir sei Lob, Ehr und Dank bereit für diese große Güte! Gieb, daß dafür wir dienen dir, vor Sünden uns behüte! 6. Hirte, nimm dein Schäflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede, Himmelsweg, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, schenk ihm den Friede, Weinstock, hilf, daß diese Rebe auch im Glauben dich umgebe. Joh. Bornschürer g. 1625 † 1677. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 7. Nun, wir legen an dein Herz, was von Herzen ist gegangen; führ die Seufzer him202. Liebster Jeſu, wir melwärts und erfülle das Versind langen, ja den Namen, den wir Worte nachzuleben. Dieses Kind- geben, schreib ins Lebensbuch lein kommt zu dir, weil du den zum Leben. Befehl gegeben, daß man sie zu Christo führe, denn das Himmelreich ist ihre. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. erzeig ihm deine Gnade, es sei dein Kind, nimm weg die Sünd, daß ihm dieselb nicht schade. 2. Herr Christe, nimm es gnädig auf durch dieses Bad der heilgen Tauf zu deinem Glied und Erben, damit es dein mög allzeit sein im Leben und im Sterben. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 2. Ja es schallet allermeift 203. Laffet mich boll dieses Wort in unsern Ohren: Freude sprechen: Wer durch Wasser und durch Geist Ich bin ein getaufter Christ, der nicht zuvor ist neu geboren, wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. bei menschlichen Gebrechen dennoch ein Kind Gottes ist. Was sind alle Schätze nütze, da ich einen Schatz besige, der mir alles Heil gebracht und mich ewig selig macht. 3. Darum eilen wir zu dir; nimm dies Pfand von unsern Armen, tritt mit deinem Glanz herfür und erzeige dein Erbarmen, daß es dein Kind hier auf Erden und im Himmel möge werden. 2. Keine Sünde macht mir bange, ich bin ein getaufter Christ; denn ich weiß gewiß: So lange 8* 116 Tauf- und Konfirmationslieder. dieser Trost im Herzen ist, kann stum eingesenkt, ich bin mit seiich mich von Angst der Sünden, nem Geist beschenkt. Jesu, durch dein Blut entbinden, weil das teure Wasserbad mich damit besprenget hat. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt, du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt, du willst in aller Not und Bein, o guter Geist, mein Tröster sein. 3. Satan, laß dir dieses sagen: Ich bin ein getaufter Christ, und damit kann ich dich schlagen, ob du noch so grausam bist. Da ich bin zur Taufe kommen, ist dir alle Macht genommen, und von deiner Tyrannei machet Gottes Bund mich frei. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt; ich habe mich aus reinem Triebe dein Eigentum zit 4. Freudig sag ich, wenn ich sein gewagt; hingegen sagt ich sterbe: Ich bin ein getaufter bis ins Grab des Satans schnöChrist; denn das bringet mich den Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deizum Erbe, das im Himmel droben ist. Lieg ich gleich im ner Seite bleibt dieser Bund Todesstaube, so versichert mich wohl feste stehn; wenn aber ich der Glaube, daß mir auch der Taufe Kraft Leib und Leben wieder schafft. ihn überschreite, so laß mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin, erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternisse, ich bleibe mit dir unvermengt. Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, jedoch mit Jesu Blut besprengt. Weich, eitle 204. bin getauft auf Welt, du Sünde, weich! Gott ch hört es, ich entsage euch. deinen Gott Vater, Sohn und heilger 7. Laß diesen Vorsaß nimmer Geist, ich bin gezählt zu dei- wanken, Gott Vater, Sohn und nem Samen, zum Volk, das dir heilger Geist! Halt mich in deigeheiligt heißt; ich bin in Chri- nes Bundes Schranken, bis mich 5. Nun so soll ein solcher Segen mir ein Trost des Lebens sein. Muß ich mich zu Grabe legen, schlaf ich auch auf solchen ein. Ob mir Herz und Augen brechen, soll die Seele dennoch sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, der nun ewig selig ist. Erdmann Neumeister g. 1671+1756. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. Tauf- und Konfirmationslieder. 117 dein Wille sterben heißt. So leb alle Flecken tilgt und lauter Wunich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für. Joh. Jak. Rambach g. 1693+1735. der thut. Schließ die verirrte Seele in deine Wundenhöhle, daß sie von Zorn und Sünde hier wahre Freiheit finde. Ich bin voll Sünden ohne dich, mein Heiland, wasche mich! 205. Gimm jetund Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ott und Vater, 3. Mein Tröster, gieb mir Kraft, wenn sich Versuchung zeigt, regiere meinen Geist, wenn er zur Welt sich neigt. Lehr mich den Sohn erkennen, ihn meinen Herren nennen, sein Gnadenwort verstehen, auf seinen Wegen gehen. Du bist, der alles Gute laß in seiner Taufe Flut den schafft, mein Tröster, gieb mir geerbten Fluch verschwinden und sein Leben auf der Erden deinem Vorbild ähnlich werden. dieses Kind von unsern Armen, nimm es auf in deinen Bund und erzeig ihm dein Erbarmen, daß es alle Lebenstage deiner Kindschaft Zeichen trage. 2. Wasche es mit deinem Blut, treuer Jesu, von den Sünden, Kraft! 3. Und du, werter heilger Geist, schenk ihm deine Gnadenkräfte, treibe, wie dein Bund verheißt, selbst in ihm das Heilsgeschäfte, daß es stets an Jesu Leibe ein lebendig Gliedmaß bleibe. 4. Gott Vater, Sohn und Geist, dir bin ich, was ich bin. Ach drücke selbst dein Bild recht tief in meinen Sinn, erwähle mein Gemüte zum Tempel deiner Güte, verkläre an mir Armen dein gnadenreich Erbarmen! Wohl mir, wenn du der Meine heißt, Gott Vater, Sohn und Geist!" Joh. Jat. Spreng g. 1699 † 1768. Joh. Jak. Rambach g. 1693+ 1735. Bei der Konfirmation. Eigene Melodie. 206.Mein Schöpfer, steh mir bei, meiKonfirmationslied, wie es die Gemeinde singt. Mel. Komm, heiliger Geist, Herre Gott. rhör, o Gott, das mich, bis mir mein Auge bricht. 207. heiße Flehn der nes Lebens Licht; dein Auge leite Hier leg ich Herz und Glieder vor dir zum Opfer nieder und widme meine Kräfte für dich und dein Geschäfte. Du willst, daß ich der Deine sei, mein Schöpfer, steh mir bei! Kinder, die hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf sie hernieder, denn dein sind sie, sind Christi Glieder. Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geist, den Segen, 2. Mein Heiland, wasche mich den dein Wort verheißt, erfülle mit deinem reinen Blut, das sie mit deinen Gaben, laß sie 118 mit dir Gemeinschaft haben, erbarme dich, erbarme dich! Wie es die Konfirmanden singen. Erhör, o Gott, das heiße Flehn von uns, die wir hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf uns hernieder, denn dein sind wir, sind Christi Glieder. Gieb uns, Gott Vater, Sohn und Geist, den Segen, den dein Wort verheißt, erfüll uns du mit deinen Gaben, laß uns mit dir Gemeinschaft haben, erbarme dich, er barme dich! Elieser Küster g. 1732+ 1799. Tauf- und Konfirmationslieder. 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus that, mir thut, mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen teuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab, sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 2. Könnt ichs irgend besser haben als bei dir, der allezeit so viel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden als bei dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich so in Freude wie in Leid; bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Wints bin ich gewärtig, auch des Russ aus dieser Welt; denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 208.B ei dir, Jesu, will ich bleiben, stets 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, bleib auch, wenn mein Tag sich neigt, wenn es nun will Abend werden, und die Nacht in deinem Dienste stehn, nichts herniedersteigt. Lege segnend dann soll mich von dir vertreiben, will die Hände mir aufs müde, auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft. schwache Haupt, sprechend: Sohn, hier gehts zu Ende, aber dort lebt, wer hier glaubt. 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, graut mir vor dem falten Tod als dem fühlen, scharfen Wehen vor dem Himmelsmorgenrot. Wird mein Auge dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geist, daß ich fröhlich zieh hinüber, wie man nach der Heimat reist. K. 3. Phil. Spitta g. 1801 † 1859. XV. Abendmahlslieder. Eigene Melodie. 209.3 esus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt, durch das bittre Leiden sein half er uns aus der Hölle Pein. 2. Daß wir nimmer des vergessen, läßt er seinen Leib uns essen mit dem Brot und uns zu gut auch trinken mit dem Wein sein Blut. 3. Wer sich will zu dem Tisch machen, der hab wohl Acht auf sein Sachen; wer unwürdig hinzugeht, für das Leben den Tod empfäht. dich zu sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, so du selber dir helfen willt. 119 9. Glaubst du das von Herzensgrunde und bekennst es mit dem Munde, so bist du recht wohl geschickt, und die Speise dein Seel erquickt. 10. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: deinen Nächsten sollst du lieben, daß er dein genießen kann, wie dein Gott an dir hat gethan. Martin Luther g. 1483+ 1546. Jef: 6. Eigene Melodie. 4. Du sollst Gott den Vater preisen, daß er dich so wohl wollt ſpeisen und für deine 210. 210. Missethat in den Tod sein Sohn geben hat. 5. Du sollst glauben und nicht wanken, daß es Speise sei den Kranken, deren Herz von Sünden schwer und vor Angst ist betrübet sehr. 6. Solch groß Gnad und Barmherzigkeit sucht ein Herz in großer Arbeit;*) ist dir wohl, so bleib davon, daß du nicht kriegest bösen Lohn.*) d. i. in Seelennot. 7. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen, laßt mich über euch erbarmen; kein Arzt ist dem Starken not, sein Kunst wird an ihm gar ein Spott. 8. Hättst du dir was fonnt erwerben, was braucht ich für esaia dem Propheten das geschah, daß er im Geist den Herren sitzen sah auf einem hohen Thron, in hellem Glanz. Seines Kleides Saum den Chor füllet ganz. Es standen zween Seraph bei ihm daran, sechs Flügel sah er einen jeden habn. Mit zween verbargen sie ihr Antlitz klar, mit zween bedeckten sie die Füße gar und mit den andern zween sie flogen frei. Gen ander riefen sie mit großem Schrei: Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth, Gott, der Herre Zebaoth, Heilig ist Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth, 120 Abendmahlslieder. Sein Ehr die ganze Welt erfüllet hat. Von dem Schrei zittert Schwell und Balken gar, das Haus auch ganz voll Rauchs und Nebel war. Martin Luther g. 1483+ 1546. Mel. Gott sei gelobet und gebenedeiet. 211. S He err Jesu Christe, Kyrieleison! mein getreuer 5. Der b'darf des Arztes, den Hirte, komm, mit Gnaden mich die Krankheit plaget, mit Begier bewirte. Bei dir alleine find ich er nach ihm fraget. O süßer Heil und Leben, was mir fehlt, Jesu, schau, wie tiefe Wunden fannst du mir geben. Kyrieleison! werden auch in mir gefunden! Dein arm Schäflein wollest du weiden auf Israels Bergen mit Freuden und zum frischen Wasser führn, da das Leben her thut rührn. Kyrieleison! Kyrieleison! Du bist ja der Arzt, den ich rufe, auf den mit Verlangen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott, hilfst du nicht, so bin ich tot. Kyrieleison! 6. Du rufest alle, Herr, zu dir in Gnaden, die mühselig und beladen; all ihre Missethat willst du verzeihen, ihrer Bürden sie befreien. Kyrieleison! Ach komm selbst, leg an deine Hände und die schwere Last von mir wende, mache mich von Sünden frei, dir zu dienen Kraft verleih! Kyrieleiſon! 7. Mein Geist und Herze wollst du zu dir neigen, nimm mich dir, gieb mich dir eigen! Du bist der Weinstock, ich bin deine Rebe, nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyrieleison! Ach in mir find ich eitel Sünden, in dir müssen sie bald verschwinden; in mir sind ich Höllenpein, in dir muß ich selig sein. Kyrieleison! 2. All andre Speis und Trant ist ganz vergebens, du bist selbst das Brot des Lebens, kein Hunger plaget den, der von dir isset, alles Jammers er vergisset. Kyrieleison! Du bist die lebendige Quelle, zu dir ich mein Herzfrüglein stelle; laß mit Trost es fließen voll, so wird meiner Seele wohl. Kyrieleison! 3. Laß mich recht trauren über meine Sünde, doch den Glauben auch anzünde, den wahren Glauben, mit dem ich dich fasse, mich auf dein Verdienst verlasse. Kyrieleison! Gieb mir ein recht bußfertig Herze, daß ich mit der Sünde nicht scherze noch durch meine Sicherheit mich bring um die Seligkeit. Kyrieleison! Trost drein fließen aus deinen Wunden, welche du empfangen, da du bist am Kreuz gehangen. Kyrieleison! Wenn mein Herz damit wird gerühret, wirds von Stund an still und gezieret durch dein Blut mit Glauben schön, kann in dir vor Gott bestehn. 4. Heftig beschweret find ich mein Gewissen; ach laß reichen 8. Komm, meine Freude, komm, du schönste Krone, Jesu, komm und in mir wohne! In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, ja mit Lieb und Glauben küssen. Kyrieleison! Bringe mit, was alle Welt erfreut: deiner Liebe süße Lieblichkeit, deine Sanftmut und Geduld, die Frucht deiner Gnad und Huld. Kyrieleison! 9. Dies sind die Blümlein, die mich können heilen und mir Lebenssaft erteilen, daß ich aus mir nun all Untugend reiße, dir zu dienen mich befleiße. Kyrieleison! In dir hab ich alles, was ich soll, deiner Gnade Brünn lein ist stets voll. Laß mich ewig sein in dir und bleib ewig auch in mir! Kyrieleison! Joh. Heermann g. 1585+ 1647. Eigene Melodie. Abendmahlslieder. 212. S Jesu, du mein Bräutigam, der du aus Lieb am Kreuzesstamm für mich den Tod gelitten hast, genommen weg der Sünden Last, 2. Ich komm zu deinem Abendmahl, verderbt durch manchen Sündenfall; ich bin krank, unrein, nackt und bloß, blind und arm; ach mich nicht verstoß! 3. Du bist der Arzt, du bist das Licht, du bist der Herr, dem nichts gebricht; du bist der Brunn der Heiligkeit, du bist das rechte Hochzeitskleid. 4. Drum, o Herr Jesu, bitt ich dich, in meiner Schwachheit heile mich, was unrein ist, das mache rein durch deinen hellen Gnadenschein! 121 5. Erleuchte mein verfinstert Herz, zünd an die schöne Glaubensterz, mein Armut in Reichtum verkehr und meinem Fleische steur und wehr, 6. Daß ich das wahre Himmelsbrot, dich, Jesu, wahrer Mensch und Gott, mit solcher Ehrerbietung nehm, wie mir es heilsam, dir genehm. 7. Lösch alle Laster aus in mir, mein Herz mit Lieb und Glauben zier, und was sonst ist von Tugend mehr, das pflanz in mir zu deiner Ehr! 8. Gieb, was mir nütz an Seel und Leib, was schädlich ist, fern von mir treib, komm in mein Herz, laß mich mit dir vereinigt bleiben für und für! 9. Hilf, daß durch dieses Mahles Kraft das Bös in mir werd abgeschafft, erlassen alle Sündenschuld, erlangt des Vaters Lieb und Huld. 10. Vertreibe alle meine Feind, die sichtbar und unsichtbar seind, den guten Vorsatz, den ich führ, durch deinen Geist mach fest in mir! 11. Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht nach deinem heilgen Willen richt, ach laß mich meine Tag in Ruh und Friede christlich bringen zu, 12. Bis du mich, o du Lebensfürst, zu dir in Himmel nehmen wirst, daß ich bei dir dort ewiglich an deiner Tafel freue mich. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. 122 Abendmahlslieder. Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern. Sohn, giebs durch dein bitter 213. Her err Jesu, dir sei Leiden! Dasselbe, weil wir leben Preis und Dank hier, laß uns betrachten für und für diese Seelenspeis und Trank, für, all Böses darum meiden! damit du uns begabet; im Brot Amen, Amen, hilf uns kämpfen, und Wein dein Leib und Blut hilf uns dämpfen alle Sünden, kommt uns wahrhaftig wohl zu hilf uns fröhlich überwinden! gut und unsre Herzen labet, V. 1, 3, 4 Bernh. Derschow g. 1591 daß wir nun dir in dem allen † 1639, V. 2 u. 5 Han. Gsb. 1657. wohl gefallen, heilig leben; solches wollest du uns geben! 2. Du fehrest, o Immanuel, ja ſelber ein in unfre Seel, dir Eigene Melodie, oder Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. 214. Du Rebensbrot, Herr Wohnung da zu Jesu Christ, kann uns ein solches Herz verleih, das dich ein Sünder haben, der nach von der Weltlieb ledig sei und dem Himmel hungrig ist und allen eitlen Sachen. Bleibe, sich mit dir will laben, so bitt treibe unser Sinnen und Be- ich dich demütiglich, du wollest ginnen, daß wir trachten, alles so bereiten mich, daß ich recht Irdsche zu verachten. würdig werde. 2. Auf grüner Aue wollest du mich diesen Tag, Herr, leiten, den frischen Wassern führen zu, den Tisch für mich bereiten. Ich bin zwar sündlich, matt und krank, doch laß mich deinen Gnadentrank aus deinem Becher schmecken! 3. Ach Herr, laß uns doch nehmen nicht dein wertes Nachtmahl zum Gericht; ein jeder recht bedenke, daß er mit diesem Lebensbrot im Glauben stille seine Not; der Fels des Heils uns tränke,*) züchtig, tüchtig dich dort oben stets zu loben, bis wir werden zu dir kommen von 3. Du angenehmes Himmelsder Erden. *) 1 Cor. 10, 4. brot, du wollest mir verzeihen, daß 4. O daß wir solche Seligkeit ich in meiner Seelennot zu dir muß erwarten möchten allezeit in Hoff- kläglich schreien. Dein Glaubensnung und Vertrauen, und fol- rock bedecke mich, auf daß ich möge gends aus dem Jammerthal ge- würdiglich an deiner Tafel sitzen. langen in den Himmelssaal, da wir Gott werden schauen tröstlich, köstlich, uns als Gäste auf das beste bei ihm laben und ganz volle Gnüge haben. 4. Tilg allen Haß und Bitterkeit, o Herr, aus meinem Herzen, laß mich die Sünd in dieser Zeit bereuen ja mit Schmerzen! Des neuen Bundes Osterlamm, du meiner Seele Bräutigam, laß mich dich recht genießen! 5. Das gieb du uns von deinem Thron, o Jesu Christe, Gottes Abendmahlslieder. 123 5. Zwar bin ich deiner Gunst| 2. Eile, wie Verlobte pflegen, nicht wert, als der ich jetzt erscheine deinem Bräutigam entgegen, der mit Sünden allzuviel beschwert, die schmerzlich ich beweine. In solcher Trübsal tröstet mich, Herr Jesu, daß du gnädiglich der Sünder dich erbarmeſt. da mit dem Gnadenhammer klopft an deine Herzenskammer. Öffn ihm bald die Geistespforten, red ihn an mit schönen Worten: Komm, mein Heil, laß dich umfassen, von dir kann ich nimmer lassen. 3. Zwar in Kaufung teurer Waren pflegt man sonst kein Geld zu sparen; aber du willst für die Gaben deiner Huld kein Geld nicht haben,*) weil in allen Bergwerksgründen kein solch Kleinod ist zu finden, das den Trank in diesen Schalen und dies Manna kann bezahlen.*) Jef. 55, 1. 4. Ach wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte; ach wie pfleg ich oft mit Thränen mich nach deiner Kost zu sehnen; ach wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebensfürsten, wünsche, daß er als der meine mich durch sich mit Gott vereine! 6. Ich bin ein Mensch, krank von der Sünd, laß deine Hand mich heilen! Erleuchte mich, denn ich bin blind, du kannst mir Gnad erteilen. Ich bin verdammt, erbarme dich! Ich bin verloren, rette mich und hilf aus lauter Gnade! 7. Mein Bräutigam, komm her zu mir und wohn in meiner Seele, daß sie dich liebe für und für und sich mit dir vermähle. Ach laß doch deine Süßigkeit für meine Seele sein bereit, und stille ihren Jammer! 8. Du lebensbrot, Herr Jesu Christ, komm, selbst dich mir zu schenken! Blut, das du vergossen bist, komm eiligst, mich zu tränken! Ich bleib in dir, du bleibst in mir, drum wirst du, meiner Seele Zier, mich einst auch 5. Beides, Zittern und Ergezzen, auferwecken. Johann Rist g. 1607+ 1667. will mich in Bewegung setzen; das Geheimnis dieser Speise und die unerforschte Weise machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe Eigene Melodie. 215. Shmücke dich, odeiner Stärke. Ist auch wohl ein liebe Seele, laß Mensch zu finden, der dein Allmacht sollt ergründen? die dunkle Sündenhöhle, komm ans helle Licht gegangen, fange 6. Nein, Bernunft die muß herrlich an zu prangen; denn der hier weichen, kann dies Wunder Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaste laden; der den Himmel kann verwalten, will jetzt Herberg in dir halten. nicht erreichen, daß dies Brot nie wird verzehret, ob es gleich viel Tausend nähret, und daß mit dem Saft der Neben uns 124 Abendmahlslieder. wird Christi Blut gegeben. O 2. O geheimnisvolle Weise, die der großen Heimlichkeiten, die kein Menschenwitz ermißt! Hier nur Gottes Geist kann deuten! giebt sich ein Lamm zur Speise, 7. Jesu, meine Lebenssonne, das der Erzhirt selber ist; hier Jesu, meine Freud und Wonne, will zu der Gäste Leben sich der Jesu, du mein ganz Beginnen, Wirt zur Speise geben, und zum Lebensquell und Licht der Sinnen, hier fall ich zu deinen Füßen, laß mich würdiglich genießen dieser deiner Himmelsspeise mir zum Heil und dir zum Preise! Opfer stellt sich hier selbst der Hohepriester für. 7 3. O wie hungert nach den Seelen selbst das wahre Lebensbrot! Selig, die dies Brot er8. Herr, es hat dein treues wählen für des Geistes HungersLieben dich vom Himmel her not! Seht, an dieser heilgen getrieben, daß du willig haft Stelle lechzet selbst die Lebensdein Leben in den Tod für uns gegeben und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. quelle nach der armen Sünder Heil. Jesus ist ihr bestes Teil. 4. Sieh, o Mensch, den Schatz der Gnade, den dir Jesus aufgethan; rühre nicht die Bundeslade mit verwegnen Händen an! Soll nicht Gottes Grimm erwachen und dich gar zu nichte machen, armer Sünder, so tritt du zitternd und mit Furcht herzu! 5. Jesu, mache meine Sinnen und mein ganzes Herze rein, laß jetzt deine Wunden rinnen, sente tief mein Herz hinein! Komm, du König aller Ehren, eile, bei mir einzukehren unter meines Herzens Dach, obs gleich niedrig, arm und schwach. 9. Jesu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens oder mir vielleicht zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mag dein Gast im Himmel werden. Johann Frand g. 1618+ 1677. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 216. Meine Seele, laß 6. Jesu, laß mich Gnade finden dich finden auf und vertreib mir alles Weh, laß der wahren Glaubensbahn, dich die purpurroten Sünden weißer mit Christo zu verbinden; thu ihm auf, er klopfet an. Den die Himmel nicht umfassen, will in die sich nieder lassen, Jesus will im Brot und Wein wesentlich zugegen sein. sein als Woll und Schnee! Komm, mein Herz voll Glauben, Hoffen, Lieb und Sehnsucht steht dir offen, laß dein Herz, das ewig rein, und mein Herz Ein Herze sein! Salomo Frand g. 1659 † 1725. Abendmahlslieder. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 217. Se err Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden, wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du uns hast geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. 3. Es wird dem zagenden Gewissen ein neues Siegel aufgedrückt, daß unser Schuldbrief sei zerrissen, daß unsre Handschrift sei zerstückt, daß wir Vergebung unsrer Sünden in deinen blutgen Wunden finden. 4. Das Band wird fester zugezogen, das dich und uns zusammenfügt; die Freundschaft, die wir sonst gepflogen, fühlt, wie sie neue Stützen friegt; wir werden mehr in solchen Stunden mit dir zu Einem Geist verbunden. 5. Dies Brot fann wahre Nahrung geben, dies Blut erquicket unsern Geist; es mehrt sich unser innres Leben, wenn unser Glaube dich geneußt; wir fühlen neue Kraft und Stärke in unserm Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande mit deines Leibes Gliedern ein, mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele sein; der Geist muß mehr zusammen= 218. Ein Fleiſch und 2. O Jesu, mach uns selbst bereit zu diesem hohen Werke, schenk uns dein schönes Ehrenkleid durch deines Geistes Stärke! Hilf, daß wir würdge Gäste sein und werden dir gepflanzet ein zum ewgen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis ans Ende bleiben; laß Sünd und Not uns für und für nicht wieder von dir treiben, bis wir durch deines Nachtmahls Kraft in deines Himmels Bürgerschaft dort ewig selig werden. 1713. Eigene Melodie. Mein Jesu, der du den in deiner letzten Trauernacht uns hast die Früchte deiner Leiden in einem Testament vermacht, es preisen gläubige Gemüter dich, Stifter dieser hohen Güter. 125 2. So oft wir dieses Mahl genießen, wird dein Gedächtnis bei uns neu; man kann aus frischen Proben schließen, wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen verneuern sich in unserm Herzen. Blut genießen. 7. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, daß unser Fleisch, das schwachheitvoll, einst herrlich aus dem Staube grünen und unverweslich werden soll, ja daß du uns ein ewig Leben nach diesem kurzen werdest geben. 8. O teures Lamm, so edle Gaben hast du in dieses Mahl gelegt. Da wir dich selbst zur Speise haben, wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist Abendmahlslieder. 126 unter allen Leiden ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein verdient, daß aller zen leben. Engel Zungen zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir erhoben, so wird er dich vollkommner loben. Joh. Jak. Nambach g. 1693+1735. 4. Dein ist das Glück der Seligkeit, bewahr es hier im Glauben und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir, ich bin der Weinstock, bleib an mir, so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 219. 9th ch komme, Herr, und suche dich, mühselig und beladen. Gott, 5. Ja, Herr, mein Glück ist mein Erbarmer, würdge mich dein Gebot, ich will es treu erdes Wunders deiner Gnaden! füllen und bitte dich durch deinen Ich liege hier vor deinem Thron, Tod um Kraft zu meinem Willen. Sohn Gottes und des Menschen Laß mich von nun an würdig sein, Sohn, mich deiner zu getrösten; ich fühle meiner Sünden Müh, ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen! Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. Mel. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld. Sohn, die Schuld ist dir vergeben, du bist in meinen Tod getauft und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Her2. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder, du hast die Handschrift abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: Es ist voll- 220. Herr, bu wollst uns vorbereiten zut bracht! Du hast mein Heil deines Mahles Seligkeiten, sei verdienet, du hast für mich dich mitten unter uns, o Gott! Laß dargestellt, Gott war in dir uns, Leben zu empfahen, mit und hat die Welt in dir mit sich glaubensvollem Herzen nahen verfühnet. und sprich uns los von Sünd und Tod! Wir sind, o Jesu, dein; dein laß uns ewig sein. Amen, Amen! Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl bei dir. Nach Fr. Gottl. Klopstock g. 1724+1803. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sünden und läßt an seiner Tafel hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sei getrost, mein Abendmahlslieder. 127 Nach dem Abendmahle. fühle Freud und Rast. O wunEigene Melodie. 221.6 ott sei gelobet und gebenedeiet, der erblicket das allerhöchste Gut." dersame Speise, o süßer Lebenstrank, o Liebmahl, das ich preise mit einem Lobgesang, indem es hat erquicket mein Leben, Herz uns selber hat gespeiset mit sei- und Mut; mein Geist der hat nem Fleische und mit seinem Blute; das gieb uns, Herr Gott, 2. Du hast mich jetzt geführet, zu gute! Kyrieleison! Herr, durch o Herr, in deinen Gnadensaal, deinen heiligen Leichnam, der daselbst hab ich berühret dein von deiner Mutter Maria kam, edlen Güter allzumal; da hast du und das heilige Blut hilf uns, mir gegeben umsonst und mildigHerr, aus aller Not! Kyrieleison! lich das werte Brot zum Leben, das sehr erquicket mich; du hast mir zugelassen, daß ich den Seelenwein im Glauben möchte fassen und dir vermählet sein. 2. Den heilgen Leib hat er für uns gegeben zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größre Güte fonnte er uns schenken, dabei wir sein solln gedenken. Kyrieleison! Herr, dein Lieb so groß dich g'zwungen hat, daß dein Blut an uns groß Wunder that und bezahlt' unsre Schuld, daß uns Gott ist worden hold. Kyrieleison! 3. Gott geb uns allen seiner Gnade Segen, daß wir gehn auf seinen Wegen in rechter Lieb und brüderlicher Treue, daß uns die Speis nicht gereue. Kyrieleison! Herr, dein heilig Geist uns nimmer laß, der uns geb zu halten rechte Maß, daß dein arm Christenheit leb in Fried und Einigkeit. Kyrieleison! Martin Luther g. 1483+ 1546. Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. 222. Wi ie wohl hast du gelabet, o lieb ster Jesu, deinen Gast, ja mich so reich begabet, daß ich jetzt 3. Bei dir hab ich gegessen die Speise der Unsterblichkeit; du hast mir vollgemessen den edlen Kelch, der mich erfreut. Ach Gott, du hast erzeiget mir Armen solche Gunst, daß billig jetzt sich neiget mein Herz vor Liebesbrunst. Du hast mich lassen schmecken das köstlich Himmelsbrot; hinfort kann mich nicht schrecken Welt, Teufel, Sünd und Tod. 4. So lang ich leb auf Erden, o liebster Jesu, preis ich dich, daß du mich läsfest werden gesättigt von dir und durch dich. Du hast mich selbst getränket mit deinem teuren Blut und dich zu mir gelenfet, o unvergleichlichs Gut! Nun werd ich ja nicht sterben, weil mich gespeiset hat der nimmer kann verderben, mein Trost, Schuß, Hülf und Rat. 5. Wie kann ichs aber fassen, Herr Jesu, daß du mit Begier 128 Abendmahlslieder. dich haft so tief gelassen vom ohn Unglück und Verdruß; mein Himmelsfaal herab zu mir? Du Gott, du wirst mir geben der Schöpfer aller Dinge besuchest Wohllust Überfluß. deinen Knecht; ach hilf, daß ich dir bringe ein Herz, das fromm Johann Rist g. 1607+ 1667. und recht, das gläubig dir ver- Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. traue, damit nach dieser Zeit ich ja dein Antlik schaue dort in der Ewigkeit. 223. Jesu meine Wonne, du meiner Seele Sonne, du Freundlichster auf Erden, laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsam schätzen dies himmelsüß Ergeßen und diese teuren Gaben, die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dir es danken, o Herr, daß du mich Kranken gespeiset und getränket, ja selbst dich mir geschenket? 4. Jch lobe dich von Herzen für alle deine Schmerzen, für deine Schläg und Wunden, der du so viel empfunden. 6. Du bists, der ewig bleibet, ich aber bin dem Schatten gleich, den bald ein Wind vertreibet; Herr, ich bin arm, und du bist reich. Du bist sehr groß von Güte, kein Unrecht gilt bei dir; ich, sündhaft von Gemüte, kann fehlen für und für. Doch kommest du hernieder und nimmst dich meiner an; was geb ich dir doch wieder, das dir gefallen kann? 7. Ein Herz durch Reu zerschlagen, ein Herz, das ganz zerfnirschet ist, das, weiß ich, wird behagen, mein Heiland, dir zu jeder Frist. Du wirst es nicht verachten; demnach ich emsig bin, nach deiner Gunst zu trachten; nimm doch in Gnaden hin das Opfer meiner Zungen, denn billig wird jetzund dein teurer Ruhm besungen, Herr Gott, durch meinen Mund. 5. Dir dank ich für dein Leiden, den Ursprung meiner Freuden; dir dank ich für dein Sehnen und heiß vergoßnen Thränen. 6. Dir dank ich für dein Lieben, das standhaft ist geblieben; dir dank ich für dein Sterben, das mich dein Reich läßt erben. 7. Jetzt schmecket mein Gemüte dein übergroße Güte; dies teure Pfand der Gnaden tilgt allen meinen Schaden. 8. Wohl mir, ich bin versehen mit Himmelspeis und Lebenstrank; nun will ich rüstig stehen, zu singen dir Lob, Ehr und 8. Herr, laß michs nicht verDank. Fahr hin, du Welt- geffen, daß du mir zugemessen getümmel, du bist ein eitler die kräftge Himmelspeise, wofür Tand, ich seufze nach dem Him- mein Herz dich preise. mel, dem rechten Vaterland. 9. Du wollest ja die Sünde, Fahr hin, dort werd ich leben die ich annoch empfinde, aus Abendmahlslieder. meinem Fleische treiben und Vor der Abendmahlsfeier kräftig in mir bleiben. eines Kranken. 10. Nun bin ich los gezählet Mel. Bater unser im Himmelreich. von vermählet mit dir, mein liebſtes Leben. Was 225. 3ice in kenn fannst du Werters geben? deinen Füßen liege ich, mein Jesu, blicke doch auf mich! Du bist der Arzt und Wundermann, der allezeit erretten fann; drum, bin ich gleich von Hülfe bloß, so ist doch mein Vertrauen groß. 11. Laß, Schönster, meine Seele doch stets in dieser Höhle des Leibes mit Verlangen an deiner Liebe hangen! 12. Laß mich die Sünde meiden, laß mich geduldig leiden, laß mich mit Andacht beten und von der Welt abtreten! 13. Nun kann ich nicht verderben; drauf will ich selig sterben und freudig auferstehen, o Jesu, dich zu sehen. Johann Rist g. 1607+ 1667. 1576) 129 2. Mein Trost und meines Herzens Teil, mach erstlich meine Seele heil, besprenge sie mit deinem Blut und mache mein Verbrechen gut, und dann gieb, nach vergebner Schuld, bei meiner Schwachheit auch Geduld! 3. Berühre mich mit deiner Sand, die so viel Böses abgewandt. Dein Leib mich speise, da ich frant, dein Blut sei meiMel. Wie schön leuchtu. d. Morgenstern. 224. D ank, Jesu, dir! ner Seele Trant! Ich will, wie Ach sind wirs Lazarus, allein, auch wenn ich wert, daß so viel Heil uns wider- trank, der Deine sein. fährt, du unser so gedenkest? 4. Wenns meiner Seele selig Erst bis zum Tod am Kreuz uns ist, so heile mich, Herr Jesu liebst, nun solch ein Pfand der Christ; soll sterben aber besser Lieb uns giebst, ach dich so ganz sein, wohl mir, auf Jesum schlaf uns schenkest? Heil uns! Heil ich ein. Mach du es, Jesu, uns! Wir empfinden, rein von durch dein Blut mit mir an Sünden, Gottes Frieden. Mehr Leib und Seele gut. noch ist uns dort beschieden. Christ. Heinr. Beibich g. 1677+1748. 9 susd C. Lieder vom christlichen Leben. XVI. Buß- und Beichtlieder. Eigene Melodie. 226. O Vater, allmäch- teuren, heilgen Blute. tiger Gott, zu dir schreien wir in der Not: Durch deine große Barmherzigfeit erbarm dich über uns! Christe, wollst uns erhören, für uns bist du geboren von Maria. Erbarm dich über uns! Vergieb uns all unsre Sünde, hilf uns in der letzten Stunde, für uns bist du gestorben. Erbarm dich über uns! das du erlöset hast mit deinem Oheilger Geist, wollst uns geben, dich allzeit herzlich zu lieben und nach deinem Willen zu leben. Erbarm dich über uns! Altkirchl. Deutsch d. 3. Spangenberg g. 1484 1550. 3. Erhör uns, erhör uns, erhöre unsre Bitt, Gott Vater, Schöpfer aller Dinge, hilf uns und sei uns gnädig! 4. Erhör uns, erhör uns, erhöre unsre Bitt, o Christe, aller Welt Heiland, bitt für uns und sei uns gnädig! 5. Erhör uns, erhör uns, erhöre unsre Bitt, Gott heilger Geist, du einger Tröster, erleucht uns und sei uns gnädig! Chor. 6. So wahr ich lebe, spricht Gott der Herre, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich befehre und lebe. Amen. Altkirchlich. Eigene Melodie. 227. Nimm von uns, Psalm 130. Herre Gott, all unsre Sünd und Missethat, auf daß wir mit rechtem Glauben Eigene Melodie. und reinem Herzen in deinem 228. A ich zu dir, Herr us tiefer Not schrei Dienst erfunden werden. 2. Erbarm dich, erbarm dich, er- Gott, erhör mein Rufen, dein barm dich deines Volks, o Christe, gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffne! Denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist gethan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, des muß dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben. Erster Chor: 229. Kyrie,*) Christe, Kyrie, Christe, Buß- und Beichtlieder. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward, und seines Gottes harre! 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein Hand zu helfen 3. Darum auf Gott will hoffen hat kein Ziel, wie groß auch sei ich, auf mein Verdienst nicht der Schade. Er ist allein der bauen; auf ihn mein Herz soll gute Hirt, der Israel erlösen lassen sich und seiner Güte trauen, wird aus seinen Sünden allen. die mir zusagt sein wertes Wort. Martin Luther g. 1483+ 1546. *) Herr. Herr Gott Vater im Himmel, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Herr Gott heiliger Geist, Sei uns gnädig, Sei uns gnädig, Vor allen Sünden, vor allem Irrsal, vor allem Übel 131 Das ist mein Trost und treuer Hort, des will ich allzeit harren. Die Litanei. Eigene Melodie. Zweiter Chor: Eleison!*) Eleison! Eleison! Erhöre uns! *) Erbarme dich. Erbarm dich über uns! Erbarm dich über uns! Erbarm dich über uns! Verschon uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Behüt uns, lieber Herre Gott! 9* 132 Buß- und Beichtlieder. Erster Chor: Vor des Teufels Trug und List, vor bösem schnellen Tod, vor Pestilenz und teurer Zeit Vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und Zwietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuer- und Wassersnot, vor dem ewigen Tod Durch deine heilige Geburt, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch dein Kreuz und Tod, durch dein heiliges Auferstehn und Himmelfahrt In unsrer letzten Not, am jüngsten Gericht Wir armen Sünder bitten: Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen, alle ihre Diener, Wächter und Hirten im heilsamen Wort und heiligen Leben erhalten, Allen Rotten und Ärgernissen wehren, alle Irrige und Verführte wiederbringen, den Satan unter unsere Füße treten, Treue Arbeiter in deine Ernte senden, deinen Geist und Kraft zum Worte geben, 3weiter Chor: Behüt uns, lieber Herre Gott! Behüt uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Buß- und Beichtlieder. Erster Chor: allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten, Allen Königen und Fürsten Friede und Eintracht geben, unserm Kaiser und König steten Sieg wider deine Feinde gönnen, und ihn mit allen seinen Gewaltigen leiten und schützen, unsere Obern Schule und Geunsern Rat meinde segnen und behüten, Allen, so in Not und Gefahr sind, mit Hülfe erscheinen, allen Schwangern und Säugenden fröhliche Frucht und Gedeihen geben, aller Kinder und Kranken pflegen und warten, alle unschuldig Gefangenen los und ledig lassen, alle Witwen und Waisen verteiZweiter Chor: Aller Menschen dich erbarmen, Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren, die Früchte auf dem Lande geben und bewahren,*) 133 Erhör uns, lieber Herre Gott! digen und versorgen, Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! *) unsere Deiche, Dämme und Schleusen in deine gnädige Obhut nehmen ( für Gemeinden, welche am Wasser wohnen) und dieses Bergwerk gnädiglich erhalten und segnen( für die Gemeinden auf dem Harz). 134 Buß- und Beichtlieder. Erster Chor: und uns gnädiglich erhören, O Jesu Christe, Gottes Sohn, O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, Christe, Kyrie, Christe, 3weiter Chor: Erhör uns, lieber Herre Gott! Erhör uns, lieber Herre Gott! Erbarm dich über uns! er Erbarm dich über uns! Verleih uns steten Fried! Erhöre uns! Eleison! Eleison! Beide Chöre zusammen. Kyrie, Eleison! Altkirchlich. Deutsch durch Martin Luther g. 1483 † 1546. Amen. Eigene Melodie. geben sein lieben Sohn, der Gna230.D ist ganz verderbt leben. urch Adams Fall den Thron, in dem wir möchten menschlich Natur und Wesen, dasselb Gift ist auf uns geerbt, daß wir nicht konnten g'nesen ohn Gottes Trost, der uns erlöst hat von dem großen Schaden, darein die Schlang Eva bezwang, Gotts Zorn auf sich zu laden. 3. Wie uns nun hat ein fremde Schuld in Adam all verhöhnet, also hat uns ein fremde Huld in Christo all verföhnet; und wie wir all durch Adams Fall sind ewigs Tods gestorben, also hat Gott durch Christi Tod verneut, was war verdorben. 2. Weil denn die Schlang Eva hat bracht, daß sie ist abgefallen von Gottes Wort, das sie veracht, dadurch sie in uns allen bracht hat den Tod, so war ja not, daß uns auch Gott sollt 4. So er uns denn sein Sohn geschenkt, da wir sein Feind noch waren, der für uns ist ans Kreuz gehenft, getöt, gen Himm'l gefahren, dadurch wir sein von Buß- und Beichtlieder. Tod und Bein erlöst, so wir vertrauen auf diesen Hort, des Vaters Wort: wem wollt vor Sterben grauen? 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rat und ewigs Wort, den er uns hat ge- die Hoffnung darauf haben. geben zu einem Schuß, daß wir mit Truß an ihn fest sollen glauben; darum uns bald kein Lazarus Spengler g. 1479+ 1534. mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 1. 135 9. Mein'n Füßen ist dein heilges Wort ein Leuchte nah und ferne, ein Licht, das mir den Weg weist fort; so dieser Morgensterne in uns aufgeht, so bald versteht der Mensch die hohen Gaben, die Gottes Geist denen verheißt, Macht noch G'walt aus seiner 231. Aus tiefer Not last rauben. zu Gott von ganzem Herzen schreien, bitten, daß er durch seine Gnad uns woll vom Übel freien und alle Sünd und Missethat, die unser Fleisch begangen hat, uns väterlich verzeihen; 2. Und sprechen: Vater, sich doch an uns Armen und Elenden, sehr übel haben wir gethan mit Herzen, Mund und Händen; verleih uns, daß wir Buße thun und die in Christo, deinem Sohn, zur Seligkeit vollenden. 3. Zwar unsre Schuld ist groß und schwer, von uns nicht auszurechen; doch deiner Gnade ist viel mehr, die kein Mensch kann aussprechen; die suchen und begehren wir, hoffend, du wirst es, Herr, an dir nicht lassen uns gebrechen. 6. Der Mensch ist gottlos und verflucht, sein Heil ist auch noch ferne, der Trost bei einem Menschen sucht und nicht bei Gott dem Herren; denn wer ihm will ein andres Ziel ohn diesen Tröster stecken, den mag gar bald des Teufels G'walt mit seiner List erschrecken. 7. Wer hofft auf Gott und dem vertraut, wird nimmermehr zu schanden; denn wer auf diesen Felsen baut, ob ihm gleich geht zuhanden viel Unfalls hie, hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich verläßt auf Gottes Trost; er hilft sein'n Gläubgen allen. 8. Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund, du wollst nicht von mir nehmen dein heilges Wort aus meinem Mund, so wird mich nicht beschämen mein Sünd und Schuld; denn in dein Huld setz ich all mein Vertrauen; wer sich nun fest darauf verläßt, der wird den Tod nicht schauen. 4. Du willst nicht, daß der Sünder sterb und in Verdammnis fahre, sondern daß er mehr Gnad erwerb und sich darin bewahre: so hilf uns nun, o Herre Gott, damit uns nicht der ewge Tod in Sünden widerfahre. 136 5. Bergieb, vergieb und hab Geduld mit uns Armen und Eigene Melodie. 2 Schwachen, laß deinen Sohn 232.Allein zu dir, Herr all unsre Schuld durch sein Verdienst gut machen! Nimm unsrer Seele eben wahr, daß ihr kein Schaden widerfahr, wollst gnädig sie bewachen! Jesu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist, fein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erforn, auf Erden war kein Mensch geborn, der mir aus Nöten helfen kann: Ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen hab. Buß- und Beichtlieder. 6. Wenn du nun vor Gerichte gehn und mit uns wolltest rechten, wie würden wir vor dir be stehn, und wer würd uns ver- 2. Mein Sünd sind schwer und fechten? Herr, sieh uns barm- übergroß und reuen mich von herzig an und hilf uns wieder Herzen; derselben mach mich quitt auf die Bahn zur Pforte der und los durch deinen Tod und Gerechten! Schmerzen und zeig mich deinem Vater an, daß du hast gnug für mich gethan, so werd ich los der Sündenlast; Herr, halt mir fest, wes du dich mir versprochen hast. 7. Wir opfern uns dir arm und bloß, durch Reue tief geschlagen; o nimm uns auf in deinen Schoß und laß uns nicht verzagen! O hilf, daß wir getrost und frei, ohn arge List und Heuchelei dein Joch zum Ende tragen. 8. Sprich uns durch deine Boten zu, gieb Zeugnis dem Gewissen, stell unser Herz durch fie zu Ruh, thu uns durch sie zu wissen, wie Christus vor dein'm Angesicht all unsre Sachen hab geschlicht; des Trosts laß uns genießen! 9. Erhalt in unsers Herzens Grund dein Wort, den edlen Samen, und hilf, daß wir den neuen Bund in deines Sohnes Namen vollenden mit Beständigkeit und so der Kron der Herrlichfeit versichert werden. Amen. Böhmische Brüder. 3. Gieb mir nach dein'r Barmherzigkeit den wahren Christenglauben, auf daß ich deine Süßigfeit mög inniglich anschauen, vor allen Dingen lieben dich und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End dein Hülf mir send, damit behend des Teufels List sich von mir wend. 4. Ehr sei Gott in dem höchsten Thron, dem Vater aller Güte, und Jesu Christ, sein'm liebsten Sohn, der uns allzeit behüte, und Gott dem werten heilgen Geist, der uns sein Hülfe allzeit leist, damit wir ihm gefällig sein hier in der Zeit und vollends in der Ewigkeit. Johann Schneefing+ 1567. Buß- und Beichtlieder.. Bind 2 Chronika 20. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Eigene Melodie. 234. Ach Gott, ich muß 233. We dirs klagen, daß enn wir in höch- ich so elend bin: Mein Herz will sten Nöten sein mir verzagen, mein Sünd liegt und wissen nicht, wo aus noch mir im Sinn; ich kann ihr nicht ein, und finden weder Hülf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat, vergessen, sie ist zu groß und schwer, sie hat mich ganz besessen, sie fränkt und quält mich sehr. 2. Jn Sünd bin ich empfan2. So ist dies unser Trost allein, daß wir zusammen insgen, in Sünden auch geborn, gemein anrufen dich, o treuer viel Sünd hab ich begangen, Gott, um Rettung aus der Angst darum bin ich verlorn. Ich kann und Not, nicht freudig werden, den Himmel anzusehn, und schäme mich, auf Erden vor dir, mein Gott, zu stehn. 3. Und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz und flehen um Begnadigung und aller Strafen Linderung, 3. Nun sollt ich ja vertrauen dein'm Sohne Jesu Christ, auf sein Verdienst fest bauen, weil er mein Fürsprach ist. Doch schreckt mich mein Gewissen, das zweifelt immerdar und spricht, dich werd verdrießen, daß ich die Sünd nicht spar. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, und flagen dir all unsre 4. Ich wollt auch herzlich Not, weil wir jetzt stehn ver- gerne bessern das Leben mein, lassen gar in großer Trübfal mit Werk, Wort und Geberden und Gefahr. fromm und gehorsam sein; ich ichs oft hab bedacht, ich laß mich fanns so nicht vollbringen, wie davon dringen durch Satans List und Macht. 4. Die du verheißest gnädiglich all denen, die drum bitten dich im Namen deins Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürſprech ist. 137 6. Sich nicht an unsre Sünde groß, sprich uns davon aus Gnade los, steh uns in unserm Elend bei, mach uns von allen Plagen frei, 7. Auf daß von Herzen können wir nachmals mit Freude dan ken dir, gehorsam sein nach deinem Wort, dich allzeit preisen hie und dort. Paul Eber g. 1511+ 1569. 5. Was soll ich denn nun machen? Wie kann ich doch bestehn? Ich fall der Höll in Rachen, wenn ich dir will entgehn. Herr, zu dir komm ich wieder und such Barmherzigkeit, ich falle vor dir nieder, mein Sünde ist mir leid. 138 Buß- und Beichtlieder. 6. Du hast dein Sohn gegeben preisen mit steter Dankbarkeit; für aller Menschen Sünd, daß du wirst mir Gnad erweisen und jedermann sollt leben, der an ihn helfn in Ewigkeit. glauben könnt. Will gleich mein Herz nicht trauen, so glaub ich dennoch fest; hilf du meinem UnHann. Gsb. 1646 nach einem ält. Liede. Mel. Vater unser im Himmelreich. glauben, dein Hülfe iſt die beſt. 235. Nism von uns, nicht wert Herr, du treuer die du an mir gethan, daß für Gott, die schwere Straf und mich mit sein'm Blute bezahlt große Not, die wir mit Sünden dein lieber Sohn; bedarf es doch ohne Zahl verdienet haben allnotwendig und glaub dem Worte zumal. Behüt vor Krieg und dein, das mir zusagt beständig: teurer Zeit, vor Seuchen, Feur Wer glaubt, wird selig sein. und großem Leid! 8. So wahr, als ich selbst lebe, sprichst du, mein Herr und Gott, ungern ich übergebe den Sünder in den Tod; ich will, daß er umkehre und ewig leb bei mir. Darum komm ich, mein Herre, ich komm wieder zu dir. 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht, wir bitten Gnad und nicht das Recht; denn so du, Herr, den rechten Lohn uns geben wolltst nach unserm Thun, so müßt die ganze Welt vergehn, und könnt kein Mensch vor dir bestehn. 9. Mit deinem heilgen Geiste den schwachen Glauben mehr, 3. Ach Herr Gott, durch die mir Hülf und Beistand leiste zu Treue dein mit Trost und Retdeines Namens Ehr. Leit mich tung uns erschein! Beweis an auf deinem Stege, vor aller uns dein große Gnad und straf Sünd und Schand, vors Teufels uns nicht auf frischer That, Strick und Wege bewahr mich wohn uns mit deiner Güte deine Hand! 10. Segne mein Leib und Leben, auch mein Beruf und Werk, was du mir hast gegeben, behüt durch deine Stärk! Erhör, o Herr, mein Schreien und mein furchtsames Wort, daß ich mich dein kann freuen, verachten Satans Mord. bei, dein Zorn und Grimm fern von uns sei! 4. Gedenk an deins Sohns bittern Tod, sieh an sein heilgen Wunden rot! Die sind ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; des trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barmherzigkeit. 11. Zuletzt laß mich abscheiden 5. Leit uns mit deiner rechten mit einem selgen End und nimm Hand und segne unsre Stadt aus diesem Leiden mein Seel in und Land; gieb uns allzeit dein deine Händ! Dafür will ich dich heiligs Wort, behüt vors Ten Buß und Beichtlieder.. 139 fels List und Mord; verleih ein und gerne möcht im Blute dein selig Stündelein, auf daß wir ewig bei dir sein. Martin Moller g. 1547+ 1606. Eigene Melodie. 236. H err Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden, sieh doch, wie ich in meinem Mut mit Schmerzen bin beladen und in mir hab der Pfeile viel, die im Gewissen ohne Ziel mich armen Sünder drücken. von Sünden abgewaschen sein, wie David*) und Manasse,**) *) 2 Sam. 12, 13.**) 2 Chron. 33, 13. 6. So komm ich auch zu dir allhie in meiner Not geschritten und thu dich mit gebeugtem Knie von ganzem Herzen bitten: Verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen. 7. O Herr, vergieb, vergieb mirs doch um deines Namens willen und thu in mir das 2. Erbarm dich mein in solcher schwere Joch der Uebertretung Last, nimm sie aus meinem Her- stillen, daß sich mein Herz zu= zen, dieweil du sie gebüßet hast frieden geb und dir hinfort zu am Holz mit Todesschmerzen, Ehren leb mit findlichem Geauf daß ich nicht vor großem horsam. Weh in meinen Sünden untergeh und ewiglich verzage. 8. Stärt mich mit deinem Freudengeist, heil mich mit dei3. Fürwahr, wenn mir das nen Wunden, tröst mich mit deifommet ein, was ich mein Tag' nem Todesschweiß in meiner letzbegangen, so fällt mir auf das ten Stunden und nimm mich Herz ein Stein, und bin mit einst, wenn dirs gefällt, im Furcht umfangen; ja ich weiß rechten Glauben von der Welt weder aus noch ein und müßte zu deinen Auserwählten! stracks verloren sein, wenn ich dein Wort nicht hätte. Barthol. Ringwald g. 1530+ 1598. 4. Aber dein heilsam Wort Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. das macht mit ſeinem füßen 237. Vorricht, Herr das Herze Jesu, steh ich wieder lacht und neu beginnt zu hie, zu dir beug ich meins Herspringen; dieweil es alle Gnad zens Knie, kann mir selbst gar verheißt denen, die mit zer- nicht raten. Mein groß und fnirschtem Geist zu dir, o Jesu, viele Missethat mich hier und kommen. dort verdammet hat. Doch will 5. Und weil ich denn in mei- ich nicht verzagen. Herr Jesu nem Sinn, wie ich zuvor ge- Christ, dein Blut allein macht flaget, auch ein betrübter Sün- mich von allen Sünden rein, der bin, den sein Gewissen naget, weil ich in wahrer Neu und Buß Buß und Beichtlieder. 140 an dich gläub und dir fall zu Fuß. Luft unstät Menschen und Vieh Herr Jesu Christ, des dank ich dir, des dank ich dir, ich will mich bessern, hilf du mir! Hannov. Gjb. 1646. Eigene Melodie. = erschrecket, 8. Also, Herr Christ, mein Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden; wenn Sünd und Tod mich bracht in Not, hab ich mich. drein gefunden. Ich Gott und Herr, 238. A . wie groß und 9. Darin ich bleib; ob Seel und Leib hie von einander scheischwer sind mein begangnen den, so werd ich dort bei dir, Sünden! Da ist niemand, der mein Hort, sein in ewigen helfen kann, in dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu dieser Zeit bis an der Welt ihr Ende und wollt los sein des Elends mein, würd ich es doch nicht wenden. 6. Handle mit mir, wies dünket dir, durch dein Gnad will ichs leiden; wollst mich nur nicht dort ewiglich von deiner Liebe scheiden! Freuden. 10. Ehre sei nun Gott Vater, Sohn und heilgem Geist zusammen! Ich zweifle nicht, weil Christus spricht: Wer glaubt, wird selig. Amen. V. 1-6 Rutilius g. 1550+ 1618. V. 7-10 Joh. Groß g. 1564+ 1654. 3. Zu dir flieh ich, verstoß mich nicht, wie ichs wohl hab verdienet. Ach Gott, zürn nicht, geh nicht ins Gricht, dein Sohn 239. Spricht dein Gott, Mel. Vater unser im Himmelreich. ich lebe, hat mich verfühnet. 4. Solls ja so sein, daß Straf mir ist nicht lieb des Sünders und Bein auf Sünde folgen Tod, vielmehr ist dies mein müssen, so fahr hie fort, nur Wunsch und Will, daß er von schone dort und laß mich hier Sünden halte still, von seiner wohl büßen! Bosheit fehre sich und lebe mit mir ewiglich. 5. Gieb, Herr, Geduld, vergiß die Schuld, gieb ein gehorsam Herze, laß mich ja nicht, wies oft geschicht, mein Heil murrend verscherzen! 2. Dies Wort bedenk, o Menschenkind, verzweifle nicht in deiner Sünd, Hier findest du Trost, Heil und Gnad, die Gott dir zugesaget hat, und zwar mit einem teuren Eid. O selig, dem die Sünd ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit, denk nicht: Zur Buß ist 7. Gleichwie sich sein ein noch wohl Zeit, ich will erst Vögelein in hohle Bäum ver- fröhlich sein auf Erd; wenn ich stecket, wenns trüb hergeht, die des Lebens müde werd, alsdann Buß und Beichtlieder. 141 will ich bekehren mich, Gott| mein betrübt Gemüte zu deiner wird wohl mein erbarmen sich. großen Güte, laß du auf mein 4. Wahr ists, Gott ist wohl Gewissen ein Gnadentröpflein stets bereit dem Sünder mit fließen. Barmherzigkeit, doch wer auf 3. Jch, dein betrübtes Kind, Gnade sündigt hin, fährt fort in werf alle meine Sünd, so viel seinem bösen Sinn und seiner ihr in mir stecken und mich so Seele selbst nicht schont, dem heftig schrecken, in deine tiefen wird mit Ungnad abgelohnt. Wunden, da ich stets Heil ge= funden. 5. Gnad hat dir zugesaget Gott von wegen Christi Blut und Tod, zusagen hat er nicht gewollt, ob du bis morgen leben sollt. Daß du mußt sterben, ist dir fund, verborgen ist des Todes Stund. 4. Durch dein unschuldig Blut, vergossen mir zu gut, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde und ihrer nicht gedenke, ins Meer sie tief versenke! 6. Heut lebst du, heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern sich; wer heut ist frisch, gesund und rot, ist morgen frant, ja wohl gar tot. So du nun stirbest ohne Buß, dein Seel und Leib dort brennen muß. 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, daß ich noch heute komm zu dir und Buße thu den Augenblick, eh mich der schnelle Tod hinrück, auf daß ich heut und jederzeit zu meiner Heimfahrt sei bereit. 5. Du bist der, der mich tröst, weil du mich selbst erlöst; was ich gesündigt habe, hast du verscharrt im Grabe; da hast du es verschlossen, da wirds auch bleiben müssen. 6. Jst meine Bosheit groß, so werd ich ihr doch los, wenn ich dein Blut auffasse und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, all Angst ihm bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel; doch was ich haben will, ist alles mir zu gute erlangt mit deinem Blute, damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. Joh. Heermann g. 1585* 1647. Mel. Auf meinen lieben Gott. 240. W o soll ich fliehen hin, weil ich beschweret bin mit viel und groBen Sünden? Wo kann ich Nettung finden? Wenn alle Welt her käme, mein Angst sie nicht wegnähme. 8. Und wenn des Satans Heer mir ganz entgegen wär, darf ich doch nicht verzagen; mit dir kann ich sie schlagen. Dein Blut darf 2. O Jesu, voller Gnad, auf ich nur zeigen, so muß ihr Truß dein Gebot und Rat kommt bald schweigen. 142 Buß- und Beichtlieder. 9. Dein Blut, der edle Saft, höre, wie ich sehnlich bete, laß hat solche Stärk und Kraft, daß mich werden nicht zu Spott, auch ein Tröpflein kleine die mach zunicht des Teufels Werk, ganze Welt kann reine, ja gar meinen schwachen Glauben stärk, aus Teufels Rachen frei, los und daß ich nimmermehr verzage, selig machen. Christum stets im Herzen trage. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verderben, dein Reich muß ich ererben, denn du hast mirs erworben, da du für mich gestorben. 4. Jesu, du Brunn aller Gnaden, der du niemand von dir stößt, der mit Schwachheit ist beladen, sondern deine Jünger tröst, sollt ihr Glaube auch so klein wie ein kleines Senfkorn sein, wolltst du sie doch würdig schätzen, große Berge zu versetzen. 11. Führ auch mein Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mög alles meiden, was 5. Laß mich Gnade vor dir mich und dich kann scheiden, und finden, der ich bin voll Trauich an deinem Leibe ein Glied- rigkeit. Hilf du mir selbst übermaß ewig bleibe. Joh. Heermann g. 1585+ 1647. winden, so oft ich muß in den Streit; meinen Glauben täglich mehr, deines Geistes Schwert Mel. Werde munter, mein Gemüte. verehr, damit ich den Feind kann schlagen, alle Pfeile von mir jagen. 241. T Preuer Gott, ich muß dir flagen meines Herzens Jammerstand, ob dir wohl sind meine Plagen besser als mir selbst bekannt; große Schwachheit ich bei mir in Anfechtung oftmals spür, wenn der Satan allen Glauben will aus meinem Herzen rauben. 2. Du, Gott, dem nichts ist verborgen, weißt, daß ich nichts von mir hab, nichts von allen meinen Sorgen; alles ist, Herr, deine Gab. Was ich Gutes find an mir, das hab ich allein von dir; auch den Glauben mir und allen giebst du, wie dirs mag gefallen. 3. O mein Gott, vor den ich trete jetzt in meiner großen Not, 6. Heilger Geist ins Himmels Throne, gleicher Gott von Ewigfeit mit dem Vater und dem Sohne, der Betrübten Trost und Freud, der du in mir angezündt, so viel ich an Glauben find, über mir mit Gnade walte, ferner deine Gab erhalte! 7. Deine Hülfe zu mir sende, o du edler Herzensgast, und das gute Werk vollende, das du angefangen hast. Blas das kleine Fünklein auf, bis ich nach vollbrachtem Lauf allen Auserwählten gleiche und des Glaubens Ziel erreiche. 8. Gott, groß über alle Götter, heilige Dreieinigkeit, außer dir Buß- und Beichtlieder. 143 Eigene Melodie, oder Jesu, meines Lebens Leben. ist kein Erretter, tritt mir selbst zur rechten Seit, wenn der Feind die Pfeil abdrückt, meine Schwach: 242. eſu, der du meine allen hast durch Trost verschlingen und mich in deinen bittern Tod aus des TeutVerzweiflung bringen. 9. Zeuch du mich aus seinen Stricken, die er mir geleget hat, laß ihm fehlen seine Tücken, drauf er sinnet früh und spat. Gieb Kraft, daß ich allen Strauß ritterlich mög stehen aus, und so oft ich noch muß kämpfen, hilf mir meine Feinde dämpfen! fels finstern Höhle und der schweren Sündennot kräftiglich herausgerissen und mich solches lassen wissen durch dein angenehmes Wort, sei doch jetzt, o Gott, mein Hort! 2. Herr, ich muß es ja bekennen, daß nichts Gutes wohnt in mir; das zwar, was wir 10. Reiche deinem schwachen Wollen nennen, halt ich meiner Kinde, das auf matten Füßen Seele für; aber Fleisch und steht, deine Gnadenhand ge- Blut zu zwingen und das Gute schwinde, bis die Angst vorüber zu vollbringen folget gar nicht, geht. Wie die Jugend gängle wie es soll; was ich nicht will, mich, daß der Feind nicht rühme thu ich wohl. sich, er hätt ein solch Herz gefället, das auf dich sein Hoffnung stellet. 3. Aber, Herr, ich kann nicht wissen, wie viel meiner Fehler sein; mein Gemüt ist ganz zer11. Du bist meine Hülf, mein rissen durch der Sünden Schmerz Reben, mein Fels, meine Zuver- und Bein, und mein Herz ist jicht, dem ich Leib und Seel matt von Sorgen; ach vergieb ergeben; Gott, mein Gott, ver- mir, was verborgen, rechne nicht zeuch doch nicht! Eile, mir zu die Missethat, die dich, Herr, stehen bei, brich des Feindes erzürnet hat. Pfeil entzwei, laß ihn selbst zurücke prallen und mit Schimpf zur Hölle fallen! 4. Jesu, du hast weggenommen meine Schulden durch dein Blut; laß es, o Erlöser, kommen mei12. Ich will alle meine Tage ner Seligkeit zu gut, und dierühmen deine starke Hand, daß weil du so zerschlagen hast die du meine Plag und Klage hast Sünd am Kreuz getragen, ei so so herzlich abgewandt. Nicht nur sprich mich endlich frei, daß ich in der Sterblichkeit soll dein ganz dein eigen sei. Ruhm sein ausgebreit, ich wills auch hernach erweisen und dort ewiglich dich preisen. 5. Wenn ich vor Gericht soll treten, da man nicht entfliehen kann, ach so wollest du mich retten und dich meiner nehmen Joh. Heermann g. 1585+ 1647. 144 Buß- und Beichtlieder. meinem Tod, und ist dein herzliches Begehrn, daß ich soll Buß thun, mich bekehrn. an. Du allein, Herr, kannst es wehren, daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand seid von mir noch nie 3. Auf dies Wort, lieber Vater erkannt. fromm, ich armer Sünder zu 6. Du ergründest meine dir fomm, hilf mir durch Christi Schmerzen, du, Herr, kennest bittern Tod und heilige fünf meine Bein. Es ist nichts in Wunden rot! meinem Herzen als dein herber 4. Ja, Herr, ich bitt durch Tod allein. Dies mein Herz, Jesum Christ, der mir zu gut mit Leid vermenget, durch dein Mensch worden ist: Laß deine teures Blut besprenget, so am Gnad und Gütigkeit mehr gelten Kreuz vergossen ist, geb ich dir, denn Gerechtigkeit! Herr Jesu Christ. 5. Verschon, o Herr, laß deine Huld zudecken alle meine Schuld, so werd ich arm verlornes Kind ledig und los all meiner Sünd. 7. Nun ich weiß, du wirst mir stillen mein Gewissen, das mich plagt; es wird deine Treu er füllen, was du selber hast ge- 6. Ich will, o Herr, nach deisagt: daß auf dieser weiten Erden nem Wort mich bessern, leben teiner je verloren werden, son- fromm hinfort, damit ich mög dern ewig leben soll, wenn er nach dieser Zeit gelangen zu der nur ist glaubensvoll. Seligkeit. 1643. Nach Johann Leon. 8. Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verderben nicht! Du, du kannst mich Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh darein. ſtärker machen, wenn mich Sünd 244. Bater der Barmund Güte ich will ich trauen, bis ich fröhlich falle dir zu Fuße, verstoß den werde schauen dich, Herr Jesu, nicht, der zu dir schreit und thyt nach dem Streit in der süßen noch endlich Buße. Was ich beEwigkeit. gangen wider dich, verzeih mir alles gnädiglich durch deine große Güte! Johann Rift g. 1607+ 1667. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. 2. Durch deiner Allmacht 243. frommer und ge- Wunderthat nimm von mir, was treuer Gott, mich durch Weisheit schaffe Rat, worin es mir sonst fehlet; gieb Willen, Mittel, Kräft und Stärk, daß ich mit dir all meine Werk anfange und hab gebrochen dein Gebot und sehr gesündigt wider dich: das ist mir leid und reuet mich. 2. Du aber, o mein gnädger Gott, hast nicht Gefalln an vollende. Buß- und Beichtlieder. 3. Jesu Christe, der du hast am Kreuze für mich Armen getragen aller Sünden Last, wollst meiner dich erbarmen! O wahrer Gott, o Davids Sohn, erbarm dich mein und mein verschon, sich an mein kläglich Rufen! 4. Laß deiner Wunden teures Blut, dein Todespein und Sterben mir kommen kräftiglich zu gut, daß ich nicht müß verderben. Bitt du den Vater, daß er mir im Zorn nicht lohne nach Gebühr, wie ich es hab verschuldet. 5. O heilger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, wenn mich die Sündenlust anficht, laß mich von dir nicht wanken! Verleih, daß nun doch nimmermehr Begierd nach Wollust, Geld und Ehr in meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, so hilf mir treulich kämpfen, daß ich des Satans Troß und List durch Christi Sieg mög dämpfen, auf daß mir Krankheit, Angst und Not und dann der letzte Feind, der Tod, nur sei die Thür zum Leben. David Denicke g. 1603+ 1680. 145 2. Den König leit mit deiner Hand, beschütz und segne unser Land, gieb überall dein heilig Wort, wend ab Pest, Teurung, Krieg und Mord, all denen, die in Nöten sein, mit Rettung, Hülf und Trost erschein! 3. Amen, dies alles werde wahr, erhör und hilf uns immerdar, o Vater in dem höchsten Thron, durch Christum deinen eingen Sohn, daß du, dein Sohn und beider Geist in allem von uns werd gepreist. Hannoversches Gsb. 1657. Eigene Melodie. 246.5 err, ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hast, und jetzt wollt ich gern aus Schrecken mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt ich dir entfliehen? du wirst allenthalben sein; wollt ich über See gleich ziehen, stieg ich in die Gruft hinein, hätt ich Flügel gleich den Winden, gleichwohl würdest du mich finden. Mel. Vater unser im Himmelreich. ott Vater, denk 245. nennen. Ach nimm mich Gott an Christi Tod, 3. Drum, ich muß es nur bekennen, Herr, ich habe mißgethan, darf mich nicht dein Kind mehr sich an deins Sohnes Wunden zu Gnaden an, laß die Menge rot, die sind ja für die ganze meiner Sünden deinen Zorn nicht Welt die Zahlung und das Lösegeld; des trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barmherzigkeit. ganz entzünden! 4. Könnt ein Mensch den Sand gleich zählen an dem großen, weiten Meer, dennoch würd es 10 146 Buß- und Beichtlieder. ihm wohl fehlen, daß er meiner gewinnen, daß ich aus Kummer Sünden Heer, daß er alle mein und Beschwer laß über meine Gebrechen sollte wissen auszu- Wangen her viel heiße Thränen sprechen. rinnen. 5. Wein', ach wein' jetzt um die Wette, meiner beiden Augen Bach! O daß ich gnug Zähren hätte zu betrauern meine Schmach! daß aus dem Thränenbronnen käm ein starker Strom geronnen! 6. Dir will ich die Last aufbinden, wirf sie in die tiefste See, wasche mich von meinen Sünden, mache mich so weiß als Schnee, laß den guten Geist mich treiben, einzig stets bei dir zu bleiben. Johann Frand g. 1618+ 1677. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt den Reichtum deiner Gnaden! Mein Leben dank ich deiner Hand, du hast mich überladen mit Ehr, Gesundheit, Ruh und Brot, du machst, daß mir noch keine Not bis hieher können schaden. 5. Hast auch in Christo mich erwählt tief aus der Hölle Fluten, daß niemals mir es hat gefehlt an irgend einem Guten; und daß ich ja dein eigen sei, hast du mich auch aus großer Treu gestäupt mit Vaterruten. Mel. Es ist gewißlich an der Beit. 247.3 ch will von meiner 6. Hab ich denn nun auch gegen dich Gehorsams mich beflissen? Nein, eines andern zeihet mich mein Herz und mein Gewissen; darin ist leider nichts gesund, an allen Orten ist es Missethat zum Herren mich bekehren; du wollest selbst mir Hülf und Rat hiezu, bissen. o Gott, bescheren und deines wund, vom Sündenwurm geguten Geistes Kraft, der neue Herzen in uns schafft, aus Gnade mir gewähren! 7. Die Thorheit meiner jungen Jahr und alle schnöden Sachen 2. Ein Mensch kann von Na- verklagen mich zu offenbar; was tur doch nicht sein Elend selbst soll ich Armer machen? Sie empfinden; er ist ohn deines stellen, Herr, mir vors Gesicht Geistes Licht blind, taub, ja tot in Sünden, verkehrt ist Will, Verstand und Thun. Des großen Jammers wollst du nun, o Vater, mich entbinden! dein unerträglich Zorngericht und deiner Hölle Rachen. 3. Klopf durch Erkenntnis bei mir an und führ mir wohl zu Sinnen, was Böses ich vor dir gethan; du kannst mein Herz der Herr mit seinen Schafen. 8. Bisher hab ich in Sicherheit ganz unbesorgt geschlafen, gesagt: Es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen, er fähret nicht mit unsrer Schuld so strenge fort, es hat Geduld Buß- und Beichtlieder. 147 Sünden, ach Herr, laß mich Gnade finden! 9. Dies alles jetzt zugleich erwacht, mein Herz will mir zerspringen; ich sehe deines Don= 2. Weil du heißest alle komners Macht, dein Feuer auf men, die beladen sind, zu dir, mich dringen; du regest wider bin ich auch nicht ausgenommen mich zugleich des Todes und noch gewiesen von der Thür deider Hölle Reich, die wollen mich ner Gnade, sondern du willst verschlingen. und wirst mich noch dazu von den Sünden, die mich drücken, ganz entbinden und erquicken. 10. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein, ich flieh in deine Wunden; laß mich da eingeschlossen sein und bleiben alle Stunden; dir ist ja, o du Gotteslamm, all meine Schuld stamm zu tragen 11. Dies stelle deinem Vater für, daß er sein Herze lenke und gnädig sich kehr her zu mir, nicht meiner Sünden denke, auf daß er meine Sündenlast, die du auf dich genommen hast, ins tiefe Meer versenke. 12. Hierauf will ich zu jeder Zeit mit Ernst und Sorgfalt meiden der bösen Lüste Eitelkeit und lieber alles leiden, denn daß ich Sünd aus Vorsatz thu; ach Herr, gieb du stets Kraft dazu, bis ich einst werd abscheiden. V. 1-10 Luise Henriette Kurfürstin von Brandenburg(?) g. 1627 † 1667, V. 11 u. 12 Lüneb. Gsb. 1661. 3. Dein Wort bleibet ungebrochen, das du einmal hast geredt; nun hast du, o Gott, geam Kreuzes- sprochen: Such mein Antlitz im aufgebunden. Gebet. Darum fomm ich auch vor dich, such dein Antlitz; ach laß mich bei dir Trost und Gnade finden, sprich mich los von meinen Sünden! 4. Sich die Handschrift, die ich gebe dir in deine Händ, o Gott! Drin sprichst du: So wahr ich lebe, ich will nicht des Sünders Tod, sondern daß er sich bekehr von den Sünden und begehr ewiglich mit mir zu leben, so will ich die Sünd vergeben. 5. Nun wohlan, du wirst nicht lügen, ich halt mich an deine Wort, will darauf in Demut biegen meine Knie an diesem Ort und bekennen meine Sünd; ich bin das verlorne Kind, das vom Mel. Werde munter, mein Gemüte. Teufel oft verblendet deine Güter du 248. bu Schöpfer aller hat verschwendet. Dinge, höre 6. Weiter will ich nichts mehr mein Gebet, das ich jego vor sagen und allein an meine Brust dich bringe, weil mein Herz in mit dem armen Zöllner schlagen: Ängsten steht. Meine Sünden Gott, es ist dir wohl bewußt, daß ängsten mich, darum komm ich ich hab gesündigt dir, aber sei auch vor dich und bekenne meine doch gnädig mir, ich fall dir in 10* 148 Buß- und Beichtlieder. deine Arme, ach Herr, meiner auf deine Gütigkeit setzen meine dich erbarme! Zuversicht, denn so du, Herr, 7. Ich verleugne nicht die dein Gericht ließest ohne Gnad Sünden, ich verleugne nicht die ergehen, würd es übel um mich Schuld; aber laß mich Gnade stehen. finden, trage, Herr, mit mir Ge- 3. Aber, Herr, nach deiner duld! Alles, was ich schuldig bin, Lehre willst du keines Sünders zahlt mein Jesus, nimm nur hin Tod, sondern daß er sich bekehre die Bezahlung meines Bürgen, und frei werde seiner Not. Dieser der sich ließ für mich erwürgen. Trost erquicket mich, als der ich 8. Nun, o Vater aller Gnaden, auch ängstiglich Reu und Leid siehe dessen Leiden an! Dieser hat bei mir empfinde über meine ersetzt den Schaden und für mich schwere Sünde. genug gethan; durch ihn bin ich 4. Denke, daß dein Sohn auf ganz erlöst, dessen ich mich gänz- Erden drum vergossen hat sein lich tröst, weil in seinen tiefen Blut, auf daß könne selig werden, Wunden ich nun Fried und Ruh gefunden. wer im Glauben Buße thut. Ach sein Kreuz und Dornenkron bring ich hier vor deinen Thron, seinen Tod und Blutvergießen laß mich Armen auch genießen. 9. Ich will auch hierauf genieBen, Jesu, deinen Leib und Blut meiner Seele und Gewissen zur Erquickung und zu gut. Gieb, daß würdig ich genieß dich, o Herr, und schmeck, wie süß und wie freundlich du bist denen, die sich nach dir herzlich sehnen. Christoph Tietze g. 1641+ 1703. Mel. Werde munter, mein Gemüte. 249. Vnde finden, Treue, laß durch Jeju Wunden 6. voll Lieb und tröste meinen blöden Sinn, der doch meine späte Buß und Reue ich wegen meiner Sünden so vor dir etwas gelten noch! Denke betrübt und traurig bin. Siehe, doch nicht weiter dran, was ich mein Gott, wie ich hier jetzt habe mißgethan, laß mein arges vor deiner Gnadenthür mit dem Sündenleben mir aus Gnade Zöllner schamrot stehe und dich sein vergeben! um Vergebung flehe. 5. Zwar ich sollte längst sein kommen, da es noch war rechte Zeit, doch ist dadurch nichts benommen deiner großen Gütigkeit. Keine Buße ist zu spät, wenn fie nur von Herzen geht, darum wird dir auch mein Flehen jetzo noch zu Herzen gehen. 2. Du bist heilig, ich hingegen bin voll Ungerechtigkeit, muß mich bloß aufs Bitten legen und deiner Kinder wiederum mich 7. Wirst du nun mir armen Sünder, o mein Gott, barmherzig sein und in die Zahl Buß- und Beichtlieder. 149 nehmen ein, so will ich von armen Seele in der SchwerHerzen dich dafür preisen ewig- mutshöhle? lich. Drum in Jesu Chriſti Namen wollst du mich erhören! Amen. 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir, Gott erhört mein Beten; nunmehr darf ich mit Begier vor fein Antlig treten. Teufel, weich, Hölle, fleuch! Was mich vor ge= kränket, hat mir Gott geschenket. 7. Vater, dir sei ewig Preis hier und auch dort oben, wie 250. Straf mich nicht in auch Chriſto gleicherweis, der allzu sei gepreist, hoch gerühmt, geehret, daß du mich erhöret. deinem großer Gott, verschone! Ach laß mich nicht sein verlorn, nach Verdienst nicht lohne! Hat die Sünd dich entzündt, laß um Christi willen deinen Zorn sich stillen! Joh. Ge. Albinus g. 1624 † 1679. Eigene Melodie. 2. Herr, wer denkt im Tode 251. Sieh, hier bin ich dein? dankt in der Höllen? Ehrenkönig, lege Christ. Gensch v. Breitenau g. 1638 † 1732. Psalm 6. Eigene Melodie. Rette mich aus jener Pein der mich vor deinen Thron, schwache verdammten Seelen, daß ich dir Thränen, kindlich Sehnen bring für und für dort an jenem Tage, ich dir, du Menschensohn. Laß höchster Gott, Lob sage. dich finden, laß dich finden von mir, der ich Asch und Thon. 3. Zeig mir deine Vaterhuld, stärk mit Trost mich Schwachen! Ach Herr, hab mit mir Geduld, wollst gesund mich machen, heil die Seel mit dem Öl deiner großen Gnaden, wend ab allen Schaden! 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, lente mich nach deinem Sinn! Dich alleine ich nur meine, dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden, gieb dich mir und nimmi mich hin! 4. Ach sieh mein Gebeine an, wie sie all erstarren; meine Seele 3. Jch begehre nichts, o Herre, gar nicht kann deiner Hülfe har- als nur deine freie Gnad, die ren; ich verschmacht, Tag und du giebest, den du liebest und Nacht muß mein Lager fließen von den Thränengüssen. der dich liebt in der That. Laß dich finden, laß dich finden, der hat alles, wer dich hat. 5. Ach ich bin so müd und matt von den schweren Plagen, 4. Dieser Zeiten Eitelkeiten, mein Herz ist der Seufzer satt, Reichtum, Wollust, Ehr und die nach Hülfe fragen. Wie so Freud sind nur Schmerzen meilang machst du bang meiner nem Herzen, welches sucht die Buß- und Beichtlieder. 150 Ewigkeit. Laß dich finden, laß dich finden, großer Gott, ich bin bereit. Joachim Neander g. 1650+ 1680. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 252. Got ott, des Zepter, Stuhl und Krone herrschet über alle Welt, der du deinem Herzenssohne eine Hochzeit hast bestellt, dir sei Dankt ohn End und Zahl, daß zu diesem Liebesmahl von der breiten Sündenstraßen du mich auch haft laden lassen. 2. Herr, wer bin ich? Und hingegen wer bist du? Was deine Pracht? Ich dem Wurm gleich an den Wegen, du der König großer Macht; ich Staub, Erde, schwach, voll Not, du der Herr Gott Zebaoth; ich ein Scherz und Spiel der Zeiten, du der Herr der Ewigkeiten. 5. Wen nun dürftet, soll sich laben mit dem Quell, der ewig fleußt, wen nun hungert, der soll haben Brots genug für seinen Geist. O ein angenehmer Ort, da sich Gottes Herz und Wort seiner Braut und Hochzeitgästen giebt als Speis und Trank zum besten! 4. Und doch läsfest du mich laden zu dem großen Hochzeitmahl. O der übergroßen Gnaden: ich soll in des Himmels Saal mit dem lieben Gotteslamm, meiner Seele Bräutigam, bei der Engel Chor und Reihen mich in Ewigkeit erfreuen! 6. O du großer Herr und König, der du rufft: Kommt, kommt herbei! ich bin zu gering und wenig aller deiner Lieb und Treu; ach ich kann dir nimmermehr danken gnug und also sehr, wie ich schuldig bin und sollte, wie ich auch wohl gerne wollte. 7. Zeuch du mich, dein Mahl zu schmecken, aus der finstern Erdenkluft, laß mein Ohr die Stimme wecken, die so hell und liebreich ruft: Komm, o Mensch, komm eilend, komm zu dem 3. Jch grundbös und ganz Lebensquell und Strom! Komm verdorben, du die höchste Hei- zum Brot, davon zu zehren ligkeit; ich verfinstert und er- und den Geist damit zu nähren. storben, du des Lebens Licht und 8. Öffne, Herr, mir doch die Freud; ich ein armes Sünden- Ohren zu dem Ruf, der also find, lahm und sprachlos, taub klingt, der zu deinen Freudenund blind, du das Wesen aller thoren, o Jerusalem, mich bringt; Wesen, ganz vollkommen, aus- laß den, den du teur erfauft und erlesen. auf dich selbst hast getauft, ja nicht in der Thoren Reihen sich der eitlen Weltlust freuen! 9. Laß das eitle Weltgetümmel, diese Dämpfe, die bald fliehn, von des Lammes Mahl im Himmel, das stets bleibt, mich nicht abziehn! Kleide, Jesu, in der Zeit mich mit deinem Hochzeitskleid, Buß- und Beichtlieder. 151 daß ich deine Hochzeitsehren möge| und dein Verdienst, Herr Jesu feiern ohn Aufhören. Heinr. Georg Neuß g. 1654 † 1716. Christ, darinnen Trost und Hülfe ist trotz Sünde, Tod und Teufel. 6. Dein freudger Geist erhalt mich doch mit seinem Freudenöle, damit nicht das Verzweiflungsjoch verderbe meine Seele. Sei meine Freude du allein, ach laß mein Herz ist ganz verderbet; es mich deine Freude sein und führe fühlet von der Sünde Schmerz, die ihm ist angeerbet und die och thut ohne Scheu. Ach mache, daß es wieder sei, wie du es erst erschaffen. mich zur Freude! es Pfalm 51, 12-14. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 253.S( chaff in mir, Gott, ein reines Herz, Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzb.- Rudolstadt g. 1640 † 1672. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 254. Ach was sind wir 2. Gieb mir auch einen neuen Geist, der wie du sei gesinnet, ohne Jesus? der stets dir anhang allermeist dürftig, jämmerlich und arm; und was du willst, beginnet. ach was sind wir? voller Elend. Gieb, daß er hasse Fleisch und Ach Herr Jesu, dich erbarm! Blut, und Glauben übe in Laß dich unsre Not bewegen, Demut, Zucht, Sanftmut, Hoff- die wir dir vor Augen legen. nung, Liebe. 2. Wir sind nichts ohn dich, 3. Verwirf von deinem Ange- Herr Jesu, hier ist lauter Finstersicht, ob ich es gleich verdienet, nis; dazu quälet uns gar heftig mich, allerliebster Bater, nicht, jener giftge Schlangenbiß; dieses weil Jesus dich verfühnet; laß Gift steigt zu dem Herzen und nimmer, nimmer, nimmermehr mich dein Kind also fallen sehr, daß du es von dir würfest. verursacht stete Schmerzen. 3. Ach ohn dich, getreuer Jesu, schreckt der Teufel und 4. Den heilgen Geist nimm die Höll, die Verdammnis macht nicht von mir, den bösen Geist mich zittern, da ich steh auf vertreibe, damit er mich nicht dieser Stell; mein Gewissen nehme dir, und ich stets dein verbleibe; beherrschet mein Herz, Sinn und Mut der heilge Geist, so ist es gut im Leben und im Sterben. ist erwachet, und der Abgrund flammt und krachet. 4. Ohne dich, herzliebster Jesu, kommt man nicht durch diese Welt; sie hat fast auf allen Wegen unsern Füßen Netz ge= stellt, sie kann trotzen, sie kann heucheln und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 5. Mit deiner Hülfe tröste mich, hilf und vergieb die Sünden; wenn meine Seele suchet dich, so laß dich von ihr finden 152 Buß- und Beichtlieder. 5. Ach wie kraftlos, Herzens- Mel. Ein Lämmlein geht und trägt die jesu, richten sich die Kranken Schuld. auf; unfre Macht iſt lauter Ohn- 255. OKönig, deffen macht in lauf. Denn man sieht uns, da wir wallen, öfters straucheln, oftmals fallen. Majestät weit über alles steiget, dem Erd und Meer zu Dienste steht, vor dem die Welt sich neiget, der Himmel 6. Darum stärk uns, liebster ist dein helles Kleid, du bist voll Jesu, sei in Finsternis das Licht, Macht und Herrlichkeit, sehr groß öffne unsre Herzensaugen, zeig und wunderthätig; ich armer dein freundlich Angesicht! Strahl, Wurm vermag nichts mehr, als o Sonn, mit Lebensblicken, so wird sich das Herz erquicken. daß ich ruf zu deiner Ehr: Gott, sei mir Sünder gnädig! 2. Hier steh ich, wie der Zöllner that, beschämet und von ferne, ich suche deine Hülf und Gnad, o Herr, von Herzen gerne; doch weil ich voller Fehler bin und, wo ich mich nur wende hin, des Ruhmes vor dir ledig, so schlag ich nieder mein Gesicht vor dir, du reines Himmelslicht. Gott, sei mir Sünder gnädig! 7. Tritt den Satan, starker Jesu, unter unsern schwachen Fuß, komm zu deiner Braut gegangen, biet ihr deinen Friedensgruß, daß sie Himmelsfreud verspüre und fein Leid sie mehr berühre. 8. Faß uns an, o süßer Jesu, führ uns durch die Pilgerstraß, daß wir auf den rechten Wegen gehen fort ohn Unterlaß; laß uns meiden alle Stricke und nicht wieder sehn zurücke! 9. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, geben unserm Geiste Kraft, daß wir brünstig dir nachwandeln nach der Liebe Eigenschaft; ach Herr, mach uns selber tüchtig, so ist unser Leben richtig. 10. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, schallen aus des Herzens Grund; dann wird alles jubilieren, und dir singen Herz und Mund; dann wird auf der ganzen Erden Jesus hoch gelobet werden. Peter Lackmann † 1713. 3. Die Schulden, der ich mir bewußt, durchängsten mein Gewissen; drum schlag ich reuig an die Brust und will von Herzen büßen. Ich bin, o Vater, ja nicht wert, daß ich noch wandle auf der Erd; doch weil du winkst, so bet ich mit ganz zerknirschtem, bangem Geist, der gleichwohl dich noch Abba heißt: Gott, sei mir Sünder gnädig! 4. Mein Vater, schaue Jesum an, den Gnadenthron der Sünder, der für die Welt genug gethan, durch den wir Gottes Kinder im gläubigen Vertrauen sind, der ists, bei dem ich Ruhe find, sein Herz ist ja gutthätig. Ich Buß- und Beichtlieder. 153 fasse ihn und laß ihn nicht, bis Gottes Herz mitleidig bricht. Gott, sei mir Sünder gnädig! wenn uns Pest und Schwert und Hunger längst schon aufgezehrt. 3. Doch, Vater, denk an deinen 5. Regiere doch mein Herz und Namen, gedenk an deinen lieben Sinn in diesem ganzen Leben! Sohn! Dein Wort heißt immer Du bist mein Gott, und was ich Ja und Amen, dein Eidschwur bin, bleibt ewig dir ergeben. zeuget selbst davon. Du willst Ach heilige mich ganz und gar, der Sünder Tod ja nicht. Ach laß meinen Glauben immerdar geh nicht mit uns ins Gericht! sein durch die Liebe thätig! Und will es nicht fort, wie es soll, so ruf ich, wie mein Herz ist voll: Gott, sei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Sterben ruht allein auf deiner Gnade; mir geh es gleich bös oder gut, gieb nur, daß es nicht schade. Kommt dann das letzte Stündlein an, so sei mir auf der Todesbahn, mein Jesu, selbst beirätig! Und wenn ich nicht mehr sprechen kann, so nimm den letzten Seufzer an: Gott, sei mir Sünder gnädig! Valent. Ernst Löscher g. 1673+ 1749. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. 4. Wir liegen vor dir in dem Staube, und unser Herz ist ganz zerknirscht; nur tröstet uns allein der Glaube, daß du dich doch erbarmen wirst. Ach hast du noch ein Baterherz, so siehe doch auf unsern Schmerz! 5. Der Mittler steht ja in der Mitten, wir schaun zu seinen Wunden auf; er hat für unsre Schuld gelitten und leistet dir die Zahlung drauf. Verbirgst du deinen Gnadenschein, so muß sein Blut verloren sein. 6. Das teure Blut von deinem Sohne schreit für uns um Barmherzigkeit. Schau doch von deinem Gnadenthrone und denke noch der alten Zeit, da du auch Gnade haft erzeigt, dein Herz dem Sünder zugeneigt. 256.W ir liegen hier zu deinen Füßen, ach Herr von großer Güt und Treu, und fühlen leider im Gewissen, wie sehr dein Zorn entbrennet sei. Das Maß der Sünden ist füllt, ach weh uns, wenn du strafen willt. 2. Du bist gerecht, wir lauter Sünder, wie wollen wir vor dir 8. Steck ein das Schwert, das bestehn? Wir sind die unge- uns will fressen, den Würger ratnen Kinder, die auf verkehrten laß vorübergehn, gieb deinen Wegen gehn. Kein Wunder, Kindern Brot zu essen, laß keine 7. Ach laß die wohlverdiente Strafe nicht über unsre Häupter gehn, daß wir nicht als verlorne Schafe von deiner Hut verlassen stehn. Ach sammle uns in deinen Schoß und mach uns aller Plagen los! Buß- und Beichtlieder. 154 solche Zeit entstehn, daß man dein Wort uns teuer macht, und unser Herz dabei verschmacht. 9. Gieb Fried im Land und im Gewissen, gesunde Luft, wohlfeile Zeit, laß Lieb und Treu sich stetig küssen und fördre die Gerechtigkeit, frön unser Feld mit deinem Gut, nimm Kirch und Haus in deine Hut! 10. So wollen wir dir Opfer bringen, dein eigen sein mit Leib und Seel. Es soll dein Lob gen Himmel dringen, und dein erlöstes Israel stimmt in den Jubel Zions ein: Der Herr soll mein Gott ewig sein! Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. der Vater, was ich hab verschuldt, vielmehr, daß seine Gnad und Huld mir Armen wieder würd zu Teil. Mach mich durch deine Wunden heil, Herr Jesu Christ, und für mich bitt, und für mich bitt, wenn Satan wider mich auftritt. 3. Bu dir steht meine Zuversicht, ich weiß von keinem Helfer nicht ohn dich, o Arzt der Sünder. All andre Helfer sind zu schlecht, du bist allein vor Gott gerecht, des Todes Überwinder, die Freistatt und der sichre Ort, das feste Schloß, der Schild und Hort, der Mittler und der Gnadenthron, des Vaters Herz und liebster Sohn. Herr Jesu Christ, das glaube ich, das glaube ich, ach stärk in solchem Glauben mich! 4. Hinfort will ich nun jederdem du so gar freundlich mich zeit auf mich zu nehmen sein zu dir hast heißen kommen. Mich drücket meiner Sünden Last, sie läßt mir keine Ruh noch Rast; würd sie mir nicht benommen, so müßt darunter ich vergehn, ich könnte nicht vor Gott bestehn, vor dem die Himmel selbst nicht rein, ich müßt ein Kind des Todes sein. Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht, mein Trost und Licht, erquicke mich und laß mich nicht! bereit dein Joch, die sanfte Bürde; darunter find ich Fried und Ruh, ich wachs und nehm im Guten zu. Und ob ich drunter würde aus Schwachheit, die dir ist bekannt, ermüden, wird doch deine Hand mir immer wieder helfen auf, um zu vollenden meinen Lauf. Herr Jesu Christ, durch dich allein, durch dich allein kann ich hier und dort felig sein. 3. Anast. Freylinghausen g. 1670+ 1739. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. 257.3" u dir, Herr Jesu, komme ich, nach2. Das Sündenjoch ist mir zu schwer, es drückt mein Herze allzusehr, du, Herr, wollst es zerbrechen! Gedenke, daß du dieſe 258. Dein Jeſus ge rufet zur Buße, hast, damit nicht möchte rächen komm, bring dein armes Herz für getragen Buß- und Beichtlieder. 155 herbei! Komm, falle ihm doch der Barmherzigkeit! Erfreue mich bald zu Fuße und zeig ihm um deines Namens willen, du deiner Seele Reu, die das Gesetz bist ein Gott, der gern erfreut. in uns erregt, wenn man Leid über Sünde trägt. 5. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen und lehre mich dein 2. Dein Jesus ruft dich auch heilig Recht, mich täglich thun zum Glauben durchs süße Evan- nach deinem Wohlgefallen; du biſt gelium und will aus Gnade mein Gott, ich bin dein Knecht. dir erlauben, zu werden ganz 6. Herr, eile du, mein Schutz, sein Eigentum, daß du nun mir beizustehen und leite mich durch sein wertes Wort sollst selig werden hier und dort. auf ebner Bahn! Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen und nimmt sich meiner Seele an. Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. 3. So säubre, Jesu, meine Sinnen und schaff in mir das Herze rein, laß mich von neuem nur beginnen, was dir, mein Jesu, lieb kann sein, und hilf, Mel. Herzliebster Jesu, was hast du daß ich nach deinem Sinn recht gläubig und auch heilig bin. 1734. us einem tief vor 260. A bir gebeugten Herzen ruf ich zu dir in meinen dir allein, an Sündenschmerzen: O mache mich, 259. A ger summers ledig Eigene Melodie. verbrochen. fündigt und übel oft vor dir ge- sei mir gnädig! than; du siehst die Schuld, die 2. Beschämt erfenn und fühl mir den Fluch verkündigt, sieh, ich meine Sünden, laß, Vater, Gott, auch meinen Jammer an! mich Erbarmung vor dir finden! Willst du auf Schuld und Übertretung sehen, wer wird bestehen? 2. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, und meine Thränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang entfernst du dich von mir? 3. Bei dir allein, Herr, steht es, zu vergeben, du willst nicht, daß wir sterben, sondern leben; uns soll die Größe deiner Liebe lehren, dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir in Christo meine Fehle, dein harrt im Glauben meine müde Seele; laß Trost und Ruh um des Versöhners willen mein Herz erfüllen! 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meiner Schuld! Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden, du Gott der Langmut und Geduld! 4. Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater 5. Vom Abend an bis zu dem frühen Morgen hoff ich auf dich, 156 Buß- und Beichtlieder. o stille meine Sorgen! Du schen-| laß mich Armen Gnade finden, test ja Beladenen und Müden gern deinen Frieden. Gott, vor deinem Angesicht! Alle Sünden, die uns reuen, willſt du, Bater, ja verzeihen. Oso höre denn auch mich, meine Seele hofft auf dich. 4. Gott, du willst des Sünders Leben, seine Seele ist dir wert. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem Sündenwege machst du sein Gewissen rege Wohl dem, der zu seiner Pflicht um6. Ja hoffe nur, mein Herz, auf Gottes Gnade, sie ist viel größer als dein Seelenschade, und endlich wird sie dich von allem Bösen gewiß erlösen. Nach Frdr. K. v. Moser g. 1723+1798, von Joh. Sam. Diterich. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. ch erhebe mein 261. den du suchtsvoll, mein Gott, zu dir, denn ich kenne deine Güte, o wie teuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens, keiner harrt auf dich vergebens, nur Verächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege, zeige deinen Willen mir, daß ich nicht mehr irren möge; führe du mich selbst zu dir! Gott, du fichest mein Vertrauen; sicher kann ich auf dich bauen, deine Vatertreue ist ewig, wie du sel ber bist. 3. Ach gedenke an die Sünden meiner Jugendjahre nicht, 5. Du erquickest die Elenden, deren Herz sich dir ergiebt, die sich flehend zu dir wenden über ihre Schuld betrübt. Freude schenket deine Gedeine Güte dem geängsteten Gemüte, welchem du die Sündenlast liebreich abgenommen hast. 6. Dir will ich mich denn ermich nicht! geben; Gott, mein Gott, verlaß heilig leben, Herr, vor deinem Laß mich immer Angesicht! Keine schnöde Lust der Sünden müsse mich mehr überwinden! Ach bewahr, ich bitte dich, meinen Geist und stärke mich! Nach 3 Kasp. Lavater g. 1741 † 1801, von Joh. Sam. Diterich. XVII. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. Eigene Melodie. BOS 262. Christen g'mein, und laßt uns fröhlich springen, daß wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wunderthat; gar teur hat ers erworben. 157. den bittern Tod und laß ihn mit un freut euch, liebe dir leben! 2. Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren; mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt' mich beſessen. 3. Mein guten Werk die galten nicht, es war mit ihn'n verdorben; der frei Will haßte Gotts Gericht, er war zum Gut'n erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Hölle mußt ich sinken. 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward; er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart, er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner arm Gestalt; den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein, und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zu gut; das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein; da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr ich von diesem Leben; da will ich sein der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der dich in Trübnis trösten soll und lehren, mich erkennen wohl, und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, das sollst du thun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen 4. Da jammert Gott in Ewigfeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen. Er wandt zu mir das Vaterherz; es war bei ihm fürwahr kein Scherz, sein Bestes ließ ers kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Die Zeit ist hie, zu erbarmen; fahr hin, meins Her zens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn Ehren. Und hüt dich vor der 158 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. Römer 3, 23-28. Eigene Melodie. 11 *) zum Abschied. 264. Gs ist das Heil uns von Gnad und lauter Güte, die Werk die helfen nimmermehr, sie können nicht behüten; der Glaub sieht Jesum Christum an, der hat gnug für uns all gethan, er ist der Mittler worden. Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz! Das laß ich dir zur Lezze.*) Martin Luther g. 1483+ 1546. Eigene Melodie. 263. Wi ir glauben all an Einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; allem Unfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren. Er forget für uns, hüt und wacht, es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren, von Maria der Jung frauen ist ein wahrer Mensch geboren durch den heilgen Geist im Glauben; für uns, die wir warn verloren, am Kreuz gestorben und vom Tod wieder auferstanden durch Gott. 2. Was Gott im G'setz geboten hat, da man es nicht konnt halten, erhub sich Zorn und große Not vor Gott so mannigfalte; vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, vom G'setz erfordert allermeist; es war mit uns verloren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei: Gott hätt sein G'set drum geben, als ob wir könnten selber frei nach seinem Willen leben. So ist es nur ein Spiegel zart, der uns zeigt an die fündig Art in unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, dieselbig Art aus eignen Kräften lassen; wiewohl es oft versuchet ward, doch mehrt sich Sünd ohn Maßen; denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, und jedem Fleisch der Sünde Schand allzeit war angeboren. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, der aller Blöden Tröster heißt und mit Gaben zieret schöne, die ganz Christenheit auf 5. Doch mußt das G'setz erErden hält in Einem Sinn gar füllet sein, sonst wärn wir all eben; hie all Sünd vergeben verdorben. Drum schickt Gott werden; das Fleisch soll auch wieder leben; nach diesem Elend ist bereit uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. seinen Sohn herein, der selber Mensch ist worden; das ganz Gesetz hat er erfüllt, damit seins Vaters Zorn gestillt, der über uns ging alle. Martin Luther g. 1483+ 1546. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 159 6. Und wenn es nun erfüllet 11. Die Hoffnung wart't der ist durch den, der es fonnt halten, rechten Zeit, was Gottes Wort so lerne jetzt ein frommer Christ zusage; wann das geschehen soll des Glaubens recht Gestalte. zu Freud, setzt Gott kein g'wisse Nicht mehr denn: Lieber Herre Tage. Er weiß wohl, wanns am mein, dein Tod wird mir das besten ist, und braucht an uns Leben sein, du hast für mich be- kein arge List; des solln wir ihm zahlet. vertrauen. 7. Daran ich keinen Zweifel trag, dein Wort kann nicht be12. Ob sichs anließ, als wollt er nicht, laß dich es nicht ertrügen. Nun sagst du, daß kein schrecken, denn wo er ist am Mensch verzag( das wirst du nimmer lügen): Wer glaubt an mich und wird getauft, demselben ist der Himm'l erkauft, daß er nicht werd verloren. besten mit, da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, so laß doch dir nicht grauen. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fasset; der Glaub giebt aus von ihm den Schein, so er die Werk nicht lasset; mit Gott der Glaub ist wohl daran, dem Nächsten wird die Lieb Guts thun, bist du aus Gott geboren. 9. Es wird die Sünd durchs G'setz erkannt und schlägt das G'wissen nieder; das Evangelium kommt zu Hand und stärkt den Sünder wieder. Es spricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu, im G'setz ist weder Rast noch Ruh mit allen seinen Werken. 13. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis um dieser Gutthat willen Gott Vater, Sohn und heilgem Geist! Der woll mit Gnad erfüllen, was er in uns ang'fangen hat, zu Ehren seiner Majestät, daß heilig werd sein Name. 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd g'scheh wie im Himmelsthrone, das täglich Brot ja heut uns werd; wollst unsrer Schuld verschonen, als wir auch unsern Schuldnern thun, laß uns nicht in Versuchung stehn, lös uns vom Übel! Amen. Paul Speratus g. 1484+ 1554. 10. Die Werk die kommen g'wißlich her aus einem rechten Glauben; denn das nicht rechter Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. ärn meiner Sünd Glaube wär, wolltst ihn der 265.W auch noch so viel, Werk berauben. allein der Glaub gerecht; die dennoch ich nicht verzagen will, Werk die sind des Nächsten Christ will ich lassen walten; der Knecht, dabei wirn Glauben alle Sünd weg nimmt und trägt, merken. der wird mich auch erhalten. 160 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 2. Sein tröstlich Wort hab ich in die Bein um meiner Sünde gehört, damit hat er mein Herz willen. gerührt; wer glaubet seinem Sohne, der wird verloren werden nicht, empfängt der Freuden Krone. 2. Jetzt aber hab ich Ruh und Rast, darf nimmermehr verzagen, weil er die schwere Sündenlast für mich hat selbst getragen. Er hat mit dir versöhnet mich, da er am Kreuz ließ töten sich, auf daß ich selig würde. 3. Es traure, wer da trauren will, mein Herz aufspringt vor Freude viel, kein Leid kann mich nicht rühren; kein Unfall mich abwenden soll von Christo, meinem Herren. 4. O Jesu Christ, mein Herr und Gott, dir trauen hilft allein aus Not, hilf meinem schwachen Glauben, so kann mich auch der bittre Tod aus deiner Hand nicht rauben. 4. In seinem Blut erquick ich 5. Frisch und fröhlich, mein mich und komm zu dir mit liche Seel, dir ist beschert das Frenden; ich suche Gnad demüewge Heil, dein' Feind sind all tiglich, von dir foll mich nichts gedämpfet! Den Streit der nicht scheiden. Was mir erworben hat verlieren kann, der in dem Glau- dein Sohn durch seinen Tod und ben kämpfet. Marterkron, kann mir kein Teufel 3. Drum ist getroft mein Herz und Mut mit kindlichem Vertrauen; auf dies sein rosenfarbnes Blut will ich mein Hoffnung bauen, das er für mich vergossen hat, gewaschen ab die Missethat und mir das Heil erworben. 6. Dank sei dir, Gott, in Ewig- rauben. keit, o Vater der Barmherzigkeit, samt Christo, meinem Herren! Dein Lob ich allzeit preisen will, stets deinen Namen ehren. Aus dem Niederdeutschen des H. Wepse, um 1580. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh darein, oder Es ist gewißlich an der Zeit. 266. W enn dein herzliebster Sohn, o Gott, nicht wär auf Erden kommen und hätt, da ich in Sünden tot, mein Fleisch nicht angenommen, so müßt ich armes Würmelein zur Hölle wandern 5. Nichts hilft mir die Gerechtigkeit, die vom Gesetz herrühret, wer sich in eignem Werk erfreut, wird jämmerlich verführet. Des Herren Jesu Werk allein das machts, daß ich kann selig sein, der ichs mit Glauben fasse. 6. Gott Vater, der du alle Schuld auf deinen Sohn geleget, Herr Jesu, dessen Lieb und Huld all meine Sünde träget, o heilger Geist, des Gnad und Kraft allein das Gute in mir schafft, laß mich ans End beharren! v.1-5 Joh. Heermann g. 1585+1647, V. 6. Hannov. Gjb. 1652. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 161 Eigene Melodie. ging mit Gefahr, es war in 267. Herr, ich bekenn von Satans Stricken; das hat er Herzensgrund, bracht wie auch mit dem Mund, nichts soll du begehrt, zu deiner Herd, zur mich davon wenden, daß nie- Herde der Gerechten. mand sonst mein Heiland ist als Jesus Christ, der wahre Gott ohn Ende, der mir zu gut mein Fleisch und Blut genommen an, drum er nicht kann mich armen Sünder hassen. 6. Mich, den die Welt ganz listiglich von dir zu sich mit ihrer Lust gezogen, bringt jetzt dein Sohn in deinen Schoß von Sünden los, aus Lieb hierzu bewogen. Ich, der sich weit durch Eitelkeit von deiner Gnad entfernet hat, ich bin jetzt wieder kommen. 7. Was Satanas mit bösem Sinn geraubet hin und von dir weggetrieben, das bringt dein Sohn zu deiner Herd aufs neu bekehrt, zu denen, die dich lieben. Er stellet dir jetzt wieder für dein Kind, das sich mutwilliglich von dir verlaufen hatte. 8. Also hab ich nun Gnad, o Gott, durch Christi Tod, den er für mich erduldet. Und ob ich wohl bei mir befind, daß meine Sünd all Höllenpein verschuldet, so hab ich doch die Hoffnung noch durch deinen Sohn, den Gnadenthron: ich werd nicht sein verloren. 2. Geborn ist er ein kleines Kind für meine Sünd, in Windeln eingehüllet; die Jugend mit Mühseligkeit, Armut und Leid ist worden ganz erfüllet; er hat gewacht, sich matt gemacht; er ward gestäupt, sein heilig Haupt mit Dornen scharf gekrönet. 3. Er ward ans Kreuzesholz gehenkt, mit Gall getränkt und fiel in Todesbanden; doch wiederum am dritten Tag nach seiner Plag ist er vom Tod erstanden, mit Herrlichkeit zur Himmelsfreud gegangen ein, frei aller Pein, gesetzt zu deiner Rechten. 4. So schaue deinen Sohn doch an, was er gethan, laß Gnad in ihm mich finden! Du hast mich Armen nicht veracht, ganz frei gemacht von meinen schweren Sünden. Durchs Sohnes Tod hast du aus Not den Knecht erlöst; wer sich des tröst, den fannst du nicht verdammen. 9. Die Thür zum schönen Paradies hat er gewiß durch sein Blut aufgeschlossen, das aus den Wunden mildiglich am Kreuze sich mit Strömen hat ergossen. Ich glaube fest, daß du nicht 5. Der treue Hirt jetzt kommt läßt, o frommer Gott, in Angst vor dich und träget mich, sein und Not, der dies mit Glauben Schaf, auf seinem Rücken, das faffet. Schaf, das ganz verirret war, Joh. Heermann g. 1585 † 1647. 11 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. Eigene Melodie. 268.3 ch glaub an Einen Gott allein, der alle Dinge groß und klein, den Himmel nebst der Erden aus nichts hat lassen werden, der auch mich selbst aus lauter Gnad zu seinem Dienst erschaffen hat, mir Leib und Seel gegeben, Sinn 269. Herr Jesu Chriſt, Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. Gottes Sohn, und Vernunft daneben. Durch seine Weisheit, Macht daß man recht könne gläuben, und Güt all sein Geschöpfe er nicht jedermannes Ding so ist, behüt. Er ist mein Vater und noch standhaft zu verbleiben. mein Gott, der mir zu Hülfe Drum hilf du mir von oben her, kommt in Not, mich schützet und des wahren Glaubens mich geernähret. währ und daß ich drin beharre. 2. Lehr du und unterweise mich, daß ich den Vater kenne, daß ich, o Jesu Christe, dich den Sohn des Höchsten nenne, daß ich auch ehr den heilgen Geist, zugleich gelobet und gepreist in dem dreieingen Wesen. 3. Laß mich vom großen Gnadenheil die wahr Erkenntnis finden, wie der nur an dir habe Teil, dem du vergiebst die Sünden. Hilf, daß ichs such, wie mirs gebührt; du bist der Weg, der mich recht führt, die Wahrheit und das Leben. 162 2. Ich glaube auch an Jesum Christ, der Gott vom Vater ewig ist und dann ein Mensch geboren, daß ich nicht würd verloren; der mir des Vaters Huld erwarb, am Stamm des Kreuzes für mich starb, fuhr zu der Hölle nieder, stund auf vom Tode wieder. Und zu vollenden seinen Lauf, fuhr er zum Himmelsthron hinauf; von da er kommen wird einmal, daß er die Menschen richte all, die Lebenden und Toten. bei der stets bleib des Geistes Gab. Ich glaub, daß dieſes Fleisch vom Grab werd auferstehn zum Leben. Justus Gesenius g. 1601 † 1673, oder David Denicke g. 1603+ 1680. 3. Ich glaub auch an den heilgen Geist, der gleich ist wahrer Gott und heißt ein Lehrer unsrer Sinnen, der ewig ohn Beginnen vom Vater und vom Sohn ausgeht, der den Betrübten hier bei steht, daß sie Vergebung finden von allen ihren Sünden. 4. Gieb, daß ich traue deinem Wort, es wohl ins Herze fasse, daß sich mein Glaube immerfort auf dein Verdienst verlasse, daß zur Gerechtigkeit mir werd, wenn ich von Sünde bin beschwert, dein Kreuztod zugerechnet. 5. Den Glauben, Herr, laß Ich glaube, daß erhalten werd trösten sich des Bluts, so du ein allgemeine Kirch auf Erd, vergossen, auf daß in deinen Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 163 Wunden ich bleib allzeit einge- daß dort bei dir auf Glauben schlossen und durch den Glauben folg das Schauen. auch die Welt und was dieselb am höchsten hält, allzeit für Schaden achte. David Denicke g. 1603 † 1680. 6. Wär auch mein Glaube noch so klein, und daß man ihn kaum merke, wollst du doch in mir mächtig sein, daß deine Gnad mich stärke, die das zerstoßne Rohr nicht bricht, das glimmend Docht auch vollends nicht auslöschet in den Schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sei, den Glauben zu behalten, ein gut Gewissen auch dabei, und daß ich so mög walten, daß ich sei lauter jederzeit, ohn Anstoß, mit Gerechtigkeit erfüllt und ihren Früchten. Rönt. 8. Mel. Valet will ich dir geben. 270. ft Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir thun der Feinde und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu, daß Gott, der Höchst und Beste, mir gänzlich günstig sei, und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh. 8. Herr, durch den Glauben wohn in mir, laß ihn sich immer stärken, daß er sei fruchtbar für 3. Der Grund, da ich mich und für und reich an guten gründe, ist Christus und sein Werken, daß er sei thätig durch Blut; das machet, daß ich finde die Lieb, mit Freude und Ge- das ewge, wahre Gut. An mir duld sich üb, dem Nächsten fort und meinem Leben ist nichts zu dienen. auf dieser Erd; was Christus 9. Insonderheit gieb mir die mir gegeben, das ist der Liebe Kraft, daß vollends bei dem wert. Ende ich übe gute Ritterschaft, zu dir allein mich wende in meiner letzten Stund und Not, des Glaubens End durch deinen Tod, die Seligkeit, erlange. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, mein Glanz und schönes Licht. Wenn der nicht in mir wäre, so dürft und könnt ich nicht vor Gottes Augen stehen und vor 10. Herr Jesu, der du ange- dem Sternensiß, ich müßte zündt das Fünklein in mir stracks vergehen, wie Wachs in Schwachen: was sich vom Glau- Feuerhit. ben in mir findt, das wollst du 5. Der, der hat ausgelöschet, stärker machen. Was du gefan- was mit sich führt den Tod; der gen an, vollführ bis an das End, ists, der mich rein wäschet, macht 11* 164 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. schneeweiß, was ist rot. In ihm Thränen meine Zeit, mein Jesus kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut, darf kein Gerichte scheuen, wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmet mir mein Herz; die Höll und ihre Flammen, die sind mir nur ein Scherz; kein Urteil mich erschrecket; kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regiert mir meinen Sinn, vertreibet Sorg und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin; giebt Segen und Gedeihen dent, was er in mir schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft. 8. Und wenn an meinem Orte sich Furcht und Schrecken findt, so seufzt und spricht er Worte, die unaussprechlich sind mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, der an des Herzens Grunde ersiehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht meinem Geiste manch süßes Trostwort zu, wie Gott dem Hülfe leiste, der bei ihm suchet Ruh; und wie er hab erbauet ein edle neue Stadt, da Aug und Herze schauet, was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Teil und Erbe mir prächtig zugericht; wenn ich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit und sein Leuchten durchsüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, den Satan fleucht und haßt, der wird verfolgt und findet ein hohe schwere Last zu leiden und zu tragen, gerät in Hohn und Spott, das Kreuz und alle Plagen die sind sein täglichs Brot. 12. Das ist mir nicht verborgen, doch bin ich unverzagt; Gott will ich lassen sorgen, dem ich mich zugesagt. Es koste Leib und Leben und alles, was ich hab, an dir will ich fest kleben und nimmer lassen ab. 13. Die Welt die mag zerbrechen, du stehst mir ewiglich; kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich; kein Hunger und kein Dürsten, fein Armut, keine Bein, kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein Hindrung sein. 14. Kein Engel, keine Freuden, kein Thron, fein Herrlichkeit, kein Lieben und kein Leiden, kein Angst und Fährlichkeit, was man nur fann erdenken, es sei klein oder groß, der keines soll mich lenken aus deinem Arm und Schoß. 15. Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ, das, was mich singen machet, ist, was im Himmel iſt. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 165 die Gnade hoch, bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, was Gott im Wort zusaget; drum muß der Zweifel fort, die Schwermut wird verjaget; sich, wie der Glaube bringt die Hoffnung an den Tag, hält Sturm und Wetter aus, besteht im Ungemach. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. er Glaube macht 271. D Der allein gerecht durch Christum, ders erworben; kein Werk erwirbt das Himmelrecht, weil alls an uns verdorben. Doch ist ohn Lieb der Glaube tot; drum willst du meiden ewge Not, so glaub, thu Buß, üb Liebe! 2. Die Liebe sei des Nächsten 5. Aus Hoffnung wächst die Knecht, die thu aus gutem Her- Lieb, weil man aus Gottes Hänzen. Dabei nun glaube recht und den nimmt alle Dinge an, nicht schlecht, daß bloß durch Christi zürnet, thut nicht schänden; denn Schmerzen und seinen Tod du alles uns zu Nutz und Besten seist gerecht, und flieh, zu sein ist gemeint, drum dringt die der Sünde Knecht. Gott woll Liebe durch auf Freunde und uns all bekehren! auf Feind. Christoph Runge g. 1619 † 1681. 6. Wir waren Gottes Feind, er giebt uns in dem Sohne sein eingebornes Kind zu einem Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. Gnadenthrone, setzt Liebe gegen 2 Cor. 13, 5. 272. Mersuchet euch doch Haß. Wer gläubig dies erkennt, wird in die allen Haß verbrennt. selbst, ob ihr Glauben stehet, ob Christus in euch ist, ob ihr ihm auch nachgehet in Demut und Geduld, in Sanftmut, Freundlichkeit, in Lieb dem Nächsten stets zu dienen ſeid bereit. 7. Wie uns nun Gott gethan, thun wir dem Nächsten eben; droht er uns mit dem Tod, wir zeigen ihm das Leben; flucht er, so segnen wir; in Schande, Spott und Hohn ist unser bester Trost des Himmels Ehrenkron. 2. Der Glaube ist ein Licht im Herzen tief verborgen, bricht als ein Glanz hervor, scheint 8. Seßt uns Gott auf die als der helle Morgen, erweiset Prob, ein schweres Kreuz zu seine Kraft, macht Christo gleich tragen, der Glaube bringt Gegesinnt, erneuert Herz und Mut, duld, erleichtert alle Plagen; macht uns zu Gottes Kind. statt Murren, Ungeberd wird das Gebet erweckt, weil aller Angst und Not von Gott ein Ziel gesteckt. 9. Man lernet nur dadurch sein Elend recht verstehen wie 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben und thut in Einfalt es dem Nächsten wieder geben; dieweil er überreich in Christo worden ist, preist er 166 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. auch des Höchsten Güt, hält an hinwieder, ich mache dich frei mit Bitten, Flehen, verzaget an sich selbst, erkennet sich für nichts, sucht bloß in Christo Kraft, im Ursprung alles Lichts, 10. Hält sich an sein Verdienst, erlanget Geist und Stärke, in solcher Zuversicht zu üben gute Werke; steht ab vom Eigensinn, flieht die Vermessenheit, hält sich in Gottesfurcht in Glück und schwerer Zeit. 3. Was will mich nun von Christi Huld und seiner Liebe scheiden? Verklagt mich meine Sündenschuld, so faß ich Chriſti Leiden; dies stellet mich in 11. So prüfe dich denn wohl, Sicherheit und stillet mein Geob Christus in dir lebet, denn wissen; so krieg ich Fried und Christi Leben ists, wonach der Freudigkeit zum Schild und Glaube strebet; erst machet er gerecht, dann heilig, wirket Lust zu allem guten Werk; sich, ob du auch so thust. 12. O Herr, so mehre doch in mir den wahren Glauben, so kann mich keine Macht der guten Werk berauben; wo Licht ist, geht der Schein freiwillig davon aus. Du bist mein Gott und Herr, bewahr mich als dein Haus! Joach. Just. Breithaupt g. 1658+1732. aller Pein, drum singe Friedenslieder! Ich fülle dich mit meiner Freud und kröne dich mit Wonne, dich schmückt mein schönes Unschuldskleid viel schöner, als die Sonne. sanften Kissen. 4. Hab Dank, o Jesu, Gottessohn, der du den Frieden bringest, der du den höchsten Allmachtsthron verläsfest und bezwingest, was uns den teuren Frieden stört. Laß mich zum Tempel werden, wo nichts als Fried und Freud einkehrt, ſei selbst mein Fried auf Erden! 1714. Mel. Valet will ich dir geben. 274. 6° ottlob, ich bin im Glauben, Mel. Was mein Gott will, das g'scheh. wer will mir Eintrag thun? 273.3 ch bin getrost und Wenn Höll und Satan schnaufreue mich, weil ben, so kann ich sicher ruhn. Mich ich hab Jesum funden; ich lieg schrecket fein Getümmel, tein und schlafe sicherlich in seinem Fall, der sonst verletzt; mein Schoß und Wunden. Dies ist Wandel ist im Himmel, mein der Ort, allwo mich nicht Sünd, Glaube fest gesetzt. Tod und Hölle schrecket, weil mir in Christo nichts gebricht, und seine Macht mich decket. 2. Fragt jemand nach dem Grunde, dem bin ich allezeit mit Herzen und mit Munde 2. Er spricht zu mir: Ich bin zur Rechenschaft bereit. Der ganz dein, und du bist mein Grund, auf den ich baue, ift Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 167 Christus ganz allein, und weil 8. Nun, Herr, du giebst den ich dem vertraue, so muß ich Willen, verleihe mir zugleich selig sein. auch Kräfte zum Erfüllen, so bin 3. Auf mein Verdienst und ich ewig reich. Drum reiche mir Werke vertrau und bau ich nicht, die Hände, so bleib ich unverim Herren hab ich Stärke und letzt und bis zum Lebensende feste Zuversicht. Was mir den im Glauben festgeſetzt. Tod verschuldet und mich in Martin Günther um 1720. Not gebracht, dafür hat er geduldet und mich gerecht gemacht. Eigene Melodie, 4. Dies bleibet meine Freude, oder Gott des Himmels und der Erden. wenn ich in Ängsten bin; ja riffe 275. We mich noch heute Tod dahin, so laß ich mir nicht grauen, dieweil mein Glaube spricht: Geh, eile, Gott zu schauen, dein Hoffen trüget nicht. 5. Drum will ich nimmer wanken, mein Heiland, halte mich! Erhalte die Gedanken, wenn Furcht und Schrecken sich zu meinem Fall verbinden, wenn die Verfolgung blitzt, Gefahr und Not sich finden, und sich die Höll erhitzt. Leicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel, brechet, alle Felsen, ein: Gottes Gnade hat das Siegel, sie will unverändert sein. Laß die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn. 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, Gott hat einen Bund gemacht, der wird nimmermehr gebrochen, bis er alles hat vollbracht. Er, die Wahrheit, trüget nicht, was er saget, das geschicht. 6. Wenn ich sodann am 3. Seine Gnade soll nicht schwächsten, wiewohl nicht trost- weichen, wenn gleich alles bricht los bin, so sei du mir am näch- und fällt, sondern ihren Zweck ersten und stärke meinen Sinn, daß reichen, bis sie mich zufrieden ſtellt. ich dabei gelassen und voller Mutes sei, mich als ein Christ zu fassen; hilf, Herr, und steh mir bei! Gott ist fromm und gut und treu, ob die Welt voll Heuchelei. 4. Will die Welt den Frieden brechen, hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer sein Versprechen; so fällt aller Zweifel hin, als wär er nicht immerdar, was er ist und was er war. 7. Ich will dich feste halten, wenn Trübsalshige sticht; und wenn ich werd erkalten, so laß ich dich doch nicht. Dein Geist spricht meinem Geiste Trost und Erquickung ein, Herr, stärke mich und leiste mir Kraft, dir treu zu sein! 5. Laßt sein Antlitz sich verstellen, ist sein Herz doch treu gesinnt und bezeugt in allen Fällen, daß ich sein geliebtes Kind, 168 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. dem er beide Hände reicht, wenn 3. Ich bin gewiß in meinem auch Grund und Boden weicht. Leben, daß Jesu Gnade bei mir 6. Er will Friede mit mir ist; die hilft mir allen Kummer halten, wenn die Welt gleich heben. Wenn sich mein Herz an Lärmen macht; ihre Liebe mag seines schließt, so acht ich keiner erfalten, ich bin bei ihm wert Hindernis, Gott sorgt für mich, geacht, und wenn Höll und Ab- ich bin gewiß. grund brüllt, bleibt er mir doch Sonn und Schild. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 2. 7. Er, der Herr, ist mein Er- Fürstentum mag mich von meibarmer, so hat er sich selbst ge- nem Jesu scheiden, er ist mein nennt; das ist Trost, so werd ich Heil, mein Teil, mein Ruhm. Armer nimmermehr von ihm ge- So schadet mir kein Schlangentrennt. Sein Erbarmen läßt nicht biß, Geduld sagt doch: Ich bin zu, daß er mir was Leides thu. gewiß. 8. Nun es bleibt mein ganz 5. Ich bin gewiß in meinem Vertrauen auf ihn anterfest ge- Hoffen; was gegenwärtig ist, richt; auf ihn will ich Felsen vergeht, mein künftig Erbteil bauen, denn ich weiß, daß es ge- steht mir offen, dahin sich auch schicht. Erd und Himmel kann mein Geist erhöht. Die Hoffvergehn, sein Bund bleibet feste nung macht die Wermut süß, weil stehn. fie stets singt: Ich bin gewiß. Benjamin Schmold g. 1672 † 1737. 6. Ich bin gewiß in meinem Sterben, daß mich der Tod nicht töten kann. Nach ihm macht mich mein Gott zum Erben von dem beglückten Kanaan. Ein ander Leben folgt auf 276. dies: Mein Jesus lebt, ich bin gewiß. 4. Ich bin gewiß in meinem Leiden; kein Engel und kein gch bin gewiß in meinem Glanben, der mich in Christum einverleibt. Wer kann mir dieses Kleinod rauben, das mir sein Blut und Tod verschreibt? Sein teures Wort bekräftigt dies, drum sagt mein Glaub: Ich bin gewiß. 2. Ich bin gewiß in meiner Liebe, die nur an meinem Jesu flebt, daß, wenn ich mich im Lieben übe, mein Jesus in dem 7. Ich bin gewiß, so soll es heißen, bis aus dem Glauben Schauen wird; es soll mich nichts von Jesu reißen, ich bin sein Schaf, er ist mein Hirt. In Ewigkeit folgt hier kein Riß, die Losung bleibt: Ich bin gewiß. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. mein Paradies, er liebet mich, 277. ich gläube: Mein lebt. Sein Lieben ist Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. weiß, an wen ich bin gewiß. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 169 Jesus ist des Glaubens Grund;| Saget doch dies Trostwort allen, bei dessen Wort ich bleibe, und welche von der rechten Bahn das bekennet Herz und Mund. auf verkehrten Weg verfallen. Vernunft darf hier nichts sagen, Hier ist, was sie retten kann: sie sei auch noch so klug; wer Jesus nimmt die Sünder an. Fleisch und Blut will fragen, der fällt in Selbstbetrug. Ich folg in Glaubenslehren der heilgen Schrift allein; was diese mich läßt hören, muß unbetrüglich sein. 2. Keiner Gnade sind wir wert; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt. Sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Herr, stärke mir den Glauben, denn Satan trachtet Nacht und Tag, wie er dies Kleinod rauben und um mein Heil mich bringen mag. Wenn deine Hand mich führet, so werd ich sicher gehn; wenn mich dein Geist regieret, wirds felig um mich stehn. Ach Ach segne mein Vertrauen und bleib mit mir vereint, so laß ich mir nicht grauen und fürchte keinen Feind. 3. Laß mich im Glauben leben! Soll auch Verfolgung, Angst und Bein mich auf der Welt umgeben, so laß mich treu im Glauben sein! Im Glauben laß mich sterben, wenn sich mein Lauf beschließt, und mich das Leben erben, das mir verheißen ist. Nimm mich in deine Hände bei Leb- und Sterbenszeit, so ist des Glaubens Ende der Seele Seligkeit. Erdmann Neumeister g. 1671+1756. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 2. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, suchet treulich das Verirrte, daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. 4. Rommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubt es doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Jch Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden; laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung finden, daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 278. 3 7. Mein Gewissen schreckt mich nicht; will mich das Gesetz verklagen, der mich frei und ledig gesus nimmt die spricht, hat die Schulden abgeSünder an. tragen, daß mich nichts ver6. Ich bin ganz getrostes Muts; ob die Sünden blutrot wären, müßten sie kraft deines Bluts dennoch sich in schneeweiß kehren, da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 170 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. dammen kann: Jesus nimmt getroft vertraun und, wenn mich die Sünder an. meine Sünden fränken, nur bald nach Gottes Herzen schaun; da findet sich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. 8. Jesus nimmt die Sünder an, mich hat er auch angenommen und den Himmel aufgethan, daß ich selig zu ihm und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. kommen Erdmann Neumeister g. 1671+1756. 6. Wird alles andre wegge= rissen, was Seel und Leib erquicken kann, soll ich von keinem Troste wissen und scheine völlig ausgethan, ist die Errettung noch so weit: mir bleibet die Barmherzigkeit. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. habe 7. das zu 279. Grund gefunden, drücken, ja häuft ſich Kummer der meinen Anker ewig hält. und Verdruß, daß ich mich noch Wo anders, als in Jesu Wunden? in vielen Stücken mit eitlen DinDa lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denkfen übersteigt; es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; deswegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein, des wegen klopft er für und für so start an unsers Herzens Thür. gen mühen muß, werd ich dadurch oft sehr zerstreut, so hoff ich doch Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, darinnen ich gewandelt bin, viel Unvollkommenheit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin, doch ist auch dieser Trost bereit: ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe nur nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist. Er wolle selbst mein Herze stillen, damit es das nur nicht vergißt; so stehet es in Lieb und Leid in, durch und auf Barmherzigkeit. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod ver- 10. Bei diesem Grunde will schlungen hat! Das heißt die ich bleiben, so lange mich die Wunde recht verbinden, da fin- Erde trägt; das will ich dendet kein Verdammen statt, weil ken, thun und treiben, so lange Christi Blut beständig schreit: sich ein Glied bewegt. So fing Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! ich einstens höchst erfreut: 5. Darein will ich mich gläubig senken, dem will ich mich| Abgrund der Barmherzigkeit! Joh. Andr. Rothe g. 1688+ 1758. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 171 du willst der Armen gnädig dich erbarmen. 6. König, sei gepriesen, daß du so verschonest und uns nicht nach Werken lohnest. Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret und mit Ruhm den Zep= ter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmut auszuüben und die Welt zu lieben. Joh. Jak. Rambach g. 1693 † 1735. Eigene Melodie. 280.1¹ numschränkte Liebe, gönne blöden Augen, die sonst kaum auf Erden taugen, daß sie in die Strahlen deiner Langmut blicken, die den Erdkreis wärmend schmücken und zugleich freudenreich Bösen und den Deinen mit der Sonne scheinen. Mel. Werde munter, mein Gemüte. 2. Wasser, Luft und Erde, ja dein ganz Gebiete ist ein Schauplatz deiner Güte. Deiner Langmut Ehre wird durch neue Proben immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit über get einen fühnen Blick in den Berg und Hügel streckt sie ihre Abgrund deiner Güte, send ihm Flügel! 281. Gge Liebe, mein Gemüte wa3. Was wir davon denken, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu leiden, Tag für Tag zu dulden so viel Millionen Schulden und dazu ohne Ruh lieben für das Hassen, Herr, wer kann das fassen! einen Blick zurück, einen Blick voll Heiterkeit, der die Finsternis zerstreut, die mein blödes Auge drücket, wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, daß du dich beweget hast und aus einem reinen Triebe den erwünschten Schluß gefaßt, der im Fluch versenkten Welt durch ein teures Lösegeld und des eignen Sohnes Sterben Gnad und Freiheit zu erwerben. 4. Du vergiebest Sünde, hörst der Sünder Flehen, wenn sie weinend vor dir stehen. Deine Rechte dräuet und erbarmt sich wieder, legt die Pfeile gerne nie- 3. O cin Ratschluß voll Erder,*) welche doch immer noch barmen, voller Huld und Freundneue Schuld erreget, wenn sie lichkeit, der so einer Welt voll faum geleget. *) Pf. 7, 14. Armen Gnade, Trost und Hülfe 5. Herr, es hat noch keiner, beut. Liebe, die den Sohn nicht der zu dir gegangen, statt der schont, der in ihrem Schoße wohnt, Gnade Recht empfangen; wer um die Sünder zu erretten aus zu deinen Füßen sich mit Thrä- den schweren Sündenketten. nen senfet, dem wird Straf 4. Doch du hast, o weise Liebe, und Schuld geschenket. Unser eine Ordnung auch bestimmt, Schmerz rührt dein Herz, und daß sich der darinnen übe, der 172 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. am Segen Anteil nimmt. Wer| so nach deinem Willen ein, daß nur an den Mittler gläubt und des Glaubens Frucht und Kraft, ihm treu ergeben bleibt, der soll den dein Geist in mir geschafft, nicht verloren gehen, sondern mir zum Zeugnis dienen möge, Heil und Leben sehen. daß ich auf dem Himmelswege. 5. Diesen Glauben anzuzün- 10. Laß mich meinen Namen den, der ein Werk des Himmels schauen in dem Buch des Lebens heißt, läsfest du dich willig fin- stehn, dann so werd ich ohne den, deinen teuren, guten Geist Grauen selbst dem Tod entgegen denen, die gebeuget stehn, die gehn. Keine Kreatur wird mich, ihr Unvermögen sehn und zum den du liebest, ewiglich deiner Thron der Gnade eilen, gern Hand entreißen können noch von und willig mitzuteilen. deiner Liebe trennen. Joh. Jak. Nambach g. 1693+ 1735 6. Wo du nun vorher gesehen, daß ein Mensch auf dieser Erd deinem Geist nicht widerstehen Eigene Melodie. noch sein Werk verhindern werd, 282. Mein Heili Heiland nimmt im Glauben feste sein, diesen Sünder an, die unter ihrer Last hast du auserwählet und den Deinen zugezählet. 7. Du hast niemand zum Verderben ohne Grund in Bann gethan; die in ihren Sünden sterben, die sind selber schuld daran. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, der hat Fluch und Tod zum Lohn, sein mutwillig Widerstreben schließt ihn aus vom Heil und Leben. der Sünden kein Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgends Ruh und Rettung finden. Denen die weite Welt zu klein, die sich und Gott ein Greuel sein, den'n Moses schon den Stab gebrochen und sie der Hölle zugesprochen, wird diese Freistatt aufgethan: mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütterliches 8. Liebe, dir sei Lob gesungen Herz trieb ihn von seinem Thron für den höchst gerechten Schluß, auf Erden, ihn drang der Sünden die Schar verklärter Zungen der Weh und Schmerz, an ihrer rühmen und bewundern muß, Statt ein Fluch zu werden. Er den der Glaub in Demut ehrt, senkte sich in ihre Not und die Vernunft erstaunet hört und schmeckte den verdienten Tod; umsonst sich unterwindet, wie nun, da er denn sein eigen Leben fie dessen Tief ergründet. zur teuren Zahlung hingegeben 9. Liebe, laß mich dahin stre- und seinem Vater gnug gethan, ben, meiner Wahl gewiß zu sein; so heißts: Er nimmt die SünRichte selbst mein ganzes Leben der an. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 173 3. Nun ist sein aufgethaner ewig treu; und wie er unter Schoß ein sichres Schloß ge- Schmach und Leiden, so ist er jagter Seelen; er spricht sie von auf dem Thron der Freuden dem Urteil los und tilget bald den Sündern liebreich zugethan. ihr ängstlich Quälen. Es wird Mein Heiland nimmt die Sünihr ganzes Sündenheer ins un- der an." ergründlich tiefe Meer durch seinen Tod und Blut versenket und ihnen Gottes Geist geschenket, der freudig Abba rufen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. So komme denn, wer Sünder heißt, und wen sein Sündengreul betrübet, zu dem, der keinen von sich weist, der sich gebeugt zu ihm begiebet. Wie? willst du dir im Lichte 4. So bringt er sie dem Vater stchn und ohne Not verloren hin in seinen starken Liebes- gehn? willst du der Sünde länarmen; das neiget denn den ger dienen, da dich zu retten Vatersinn zu lauter ewigem Er- er erschienen? Onein, verlaß barmen. Er nimmt sie an an Kindes Statt; ja alles, was er ist und hat, wird ihnen eigen übergeben, und selbst die Thür zum ewgen Leben wird ihnen fröhlich aufgethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Romm nur mühselig und gebückt, komm nur, so gut du weißt zu kommen. Wenn gleich die Last dich niederdrückt, du wirst auch friechend angenommen. 5. O solltest du sein Herze Sieh, wie sein Herz dir offen sehn, wie sichs nach armen Sün- steht und wie er dir entgegen dern sehnet, sowohl wenn sie geht! Wie lang hat er mit vienoch irre gehn als wenn ihr lem Flehen sich brünstig nach Auge vor ihm thränet! Wie dir umgesehen! So komm denn, streckt er sich nach Zöllnern aus, armer Wurm, heran! Mein wie eilt er in Zachäi Haus, wie Heiland nimmt die Sünder an. fanft stillt er der Magdalenen 9. Sprich nicht: Ich habs zu den milden Fluß erpreßter Thrä- grob gemacht, ich hab die Güter nen und denkt nicht, was sie seiner Gnade zu lang und schändsonst gethan! Mein Heiland lich durchgebracht, er hat mich nimmt die Sünder an. oft umsonst geladen. Wofern dus nur jetzt redlich meinst und deinen Fall mit Ernst beweinst, so soll ihm nichts die Hände binden, du sollst auch jetzt noch Gnade finden, er hilft, wenn sonst nichts helfen kann. 6. Wie freundlich blickt er Betrum an, ob er gleich noch so tief gefallen! Nun, dies hat er nicht nur gethan, da er auf Erden mußte wallen, nein, er ist immer einerlei, gerecht und fromm und 174 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. Mein Heiland nimmt die Sün- hier mußt du dir nun Hütten der an. bauen, hier muß dein ewig 10. Doch sprich auch nicht: Es Wohnhaus sein. ist noch Zeit, ich muß erst diese 2. Mich warf die Menge meiLust genießen, Gott wird ja eben ner Sünden als ein erbostes nicht gleich heut die offnen Gna- Meer herum, ich ward ein denpforten schließen. Nein, weil traurig Spiel den Winden und er ruft, so höre du und greif mit des Verderbens Eigentum, mir beiden Händen zu! Wer seiner drohte mein befleckt Gewissen Seele heut verträumet, der hat mit ewig bangen Finsternissen die Gnadenzeit versäumet, ihm und einem vollen Maß der Not, wird hernach nicht aufgethan. ich schwamm auf diesen wilden Heut komm, heut nimmt dich Wellen verzagend an dem Rand Jesus an. der Höllen und rang mit Leben und dem Tod. 11. Ja zeuch uns selber recht zu dir, holdselig süßer Freund 3. Doch mitten in den Todesder Sünder, erfüll mit sehnen- nöten erblickte Jesus meinen der Begier auch uns und alle Schmerz, ihm drang mein Adamskinder, zeig uns bei un- thränenvolles Beten in sein erserm Seelenschmerz dein aufge- barmend Mutterherz. Er zeigte schloßnes Liebesherz! Und wenn mir die offnen Wunden, die er wir unser Elend sehen, so als Mittler hat empfunden; er laß uns ja nicht stille stehen, rief: Erlöster, eil herzu, komm, bis daß ein jeder sagen kann: komm, dies sind die Felsenrizen, Gott Lob, auch mich nimmt die dich vor Fluch und Hölle Jesus an! schützen, eil, Seele, eil, hier findst du Ruh. Leop. Franz Fried. Zehr g. 1709+1744. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund d.Seele. hab ich nun 0 283. S den Fels er4. Nun laß die Tiefen immer brausen, seid, Wind und Meer, nur ungestüm, laß selbst des Todes Fluten rauschen, verreichet, worauf mein matter dopple, Satan, deinen Grimm! Glaube ruht. Ein Fels, der Ihr werdet mich nicht viel erfeinen Stürmen weichet, ein schrecken, mein Fels weiß mich Fels, an dem die wilde Flut, schon zu bedecken auch in der und wärs die ganze Macht der allerschlimmsten Zeit. Laß alle Höllen, entkräftet muß zurücke Berge untergehen, mir bleibt prellen, schließt mich in seine mein Felsen ewig stehen und Schutzwehr ein. Mein Herz, wird die Thür zur Seligkeit. verbanne Furcht und Grauen, Leop. Franz Fried. Lehr g. 1709 † 1744. Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 175 Ephefer 2, 8. 9. 6. Aus Gnaden! Hierauf will Mel. Wer nur den lieben Gott läßt ich sterben; ich fühle nichts, doch mir ist wohl. Ich kenn mein walten. Mel. 3. 284. A us Gnaden soll sündliches Verderben, doch auch ich selig werden. Herz, glaubst dus, oder glaubst dus nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Jsts Wahrheit, was die Schrift verspricht, so muß auch dieses Wahrheit den, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, weil mich die Gnade selig macht. Christ. Ludw. Scheidt g. 1709+ 1761. Mel. O daß ich tausend 3ungen hätte. ſein: Aus Gnade ist der Him- 285. Geht hin, ihr glän mel bigen Gedanken, ins weite Feld der Ewigkeit, erhebt euch über alle Schranken der alten und der neuen Zeit, erwägt, daß Gott die Liebe sei, die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, der Himmel war 3. Aus Gnaden! Dieser Grund noch nicht gemacht, da hat Gott wird bleiben, so lange Gott schon den Trieb geheget, der mir wahrhaftig heißt. Was alle das Beste zugedacht; da ich noch Knechte Jesu schreiben, was nicht geschaffen war, da reicht Gott in seinem Wort anpreist, er mir schon Gnade dar. worauf all unser Glaube ruht, ist: Gnade durch des Sohnes Blut. 3. Sein Ratschluß war, ich sollte leben durch seinen einge4. Aus Gnaden! Wer dies bornen Sohn; den wollt er mir 2. Aus Gnaden! Merk dies Wort: Aus Gnaden, so oft dich deine Sünde plagt, so oft du immer bist beladen, so oft dich dein Gewissen nagt; was die Vernunft nicht fassen kann, das beut dir Gott aus Gnade an. Wort gehöret, tret ab von aller Heuchelei! Dann, wenn der Sünder sich befehret, so lernt er erst, was Gnade sei; beim Sündgen scheint die Gnad gering, dem Glauben ists ein Wunderding. 5. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen das Herz des Vaters aufgethan, wenns unter größter Angst und Schmerzen nichts sieht und nichts mehr hoffen fann. Wo nähm ich oftmals Stärkung her, wenn Gnade nicht mein Anfer wär? zum Mittler geben, den macht' er mir zum Gnadenthron, in dessen Blute sollt ich rein, ge= heiliget und selig sein. 4. Wunderliebe, die mich wählte vor allem Anbeginn der Welt und mich zu ihren Kindern zählte, für welche sie das Reich bestellt! O Vaterhand, o Gnadentrieb, der mich ins Buch des Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte empor zu dieser Quelle steigt, von welcher sich 176 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. ein Strom der Güte zu mir sich durch die Sterne und sieht durch alle Zeiten neigt, daß jeder ins Reich der Ewigkeit; da zeigt Tag sein Zeugnis giebt: Gott mir deine milde Hand mein jat mich je und je geliebt. Erbteil und gelobtes Land. 6. Wer bin ich unter Millionen 12. O sollt ich dich nicht ewig der Kreaturen seiner Macht, die lieben, der du mich unaufhörlich in der Höh und Tiefe wohnen, liebst? Sollt ich mit Undank daß er mich bis hieher gebracht! dich betrüben, da du mir Fried Ich bin ja nur ein dürres Blatt, und Freude giebst? Verließ ich ein Staub, der feine Stätte hat. dich, o Menschenfreund, so wär ich selbst mein ärgster Feind. 7. Ja freilich bin ich zu geringe der herzlichen Barmherzigfeit, womit, o Schöpfer aller Dinge, mich deine Liebe stets erfreut; ich bin, o Vater, selbst nicht mein, dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 13. Ach könnt ich dich nur besser ehren, welch edles Loblied stimmt ich an! Es sollten Erd und Himmel hören, was du, mein Gott, an mir gethan; nichts ist so köstlich, nichts so schön als, höchster Vater, dich erhöhn. 14. Doch nur Geduld! Es kommt die Stunde, da mein durch dich erlöster Geist im höhern Chor mit frohem Munde dich, schönste Liebe, schöner preist; drum eilt mein Herz aus dieser Zeit und sehnt sich nach der Ewigkeit. Joh. Gottfr. Herrmann g. 1707+ 1791. 8. Jm sichern Schatten deiner Flügel find ich die ungestörte Ruh. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd und Himmel untergehn, dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 9. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden der Seele Mit und Kraft gebricht, so salbest du mein Haupt mit Freuden, so tröstet mich dein Angesicht; da Mel. Wie schön leuchtu. d. Morgenstern. ist ein ſpür ich deines Geiftes Kraft, die 286. Gott, wie du? Wo in der Schwachheit alles schafft. 10. Du läsfest auch vom Gut Duschaffst den Müden süße Nuh, der Erden mir, was du willst Ruh, die nicht zu ergründen. Ein nach deinem Sinn, jedoch weit Abgrund der Barmherzigkeit vermehr zu Teile werden, als ich schlingt ein Meer voll Herzeleid; im kleinsten würdig bin. Mein du Herr, vergiebst die Sünden. Herz zerfließt, wenn es bedenkt, Jesu, du, du läßt dich würgen, wie treulich mich dein Auge lenkt. als den Bürgen, aller Sünden 11. Die Hoffnung schauet in mich auf ewig zu entbinden. die Ferne durch alle Schatten 2. Herr, unsere Gerechtigkeit, dieser Zeit, der Glaube schwingt wie hoch wird dessen Geist er Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 177 freut, der dich im Glauben ein, so kannst du überwinden; tennet! Du bist sein Schmuck, all dein Selbstpein, Kümmerdie Gottespracht, die ihn voll- nisse, Finsternisse, Sündenwerke kommen herrlich macht, die ihm weichen vor der Gnade Stärke, das Herz entbrennet. Laß mich ewig, Himmels- Sonne, Seelen wonne, dich genießen und in deinem Lob zerfließen. 3. Holdselig süßer Friedefürst, wie hat dich nach dem Heil gedürst der abgewichnen Kinder! Du stellest dich als Mittler dar, verbindest, was getrennet war, Gott und verdammte Sünder. Freude! beide werden eines; ungemeines Werk der Güte! Jesu, du bist unser Friede. 4. O süßes Lamm, dein treuer Sinn nimmt Schuld und Strafe von mir hin, sie liegt auf deinem Rücken. Du blutest an des Kreuzes Pfahl, da muß dich unerhörte Qual nach Leib und Seele drücken; diese süße Flut der Gnaden heilt den Schaden, durch die Wunden hab ich Heil und Frieden funden. 7. Gieb, Jesu, Blut und Wasser her und nimm dadurch je mehr und mehr die Schlacken recht herunter! Du hast mich dir, Immanuel, gar teur erkauft mit Leib und Seel, zum Preise deiner Wunder. Kleiner, reiner muß ich werden noch auf Erden, bis ich droben dich kann ohne Sünden loben. 3.Ludw. Konr. Allendorf g. 1693+ 1773. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 287. So hoff ich denn ( o mit festem Mut auf Gottes Gnad und Christi Blut, ich hoff ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, hat mir das Recht zur Seligkeit in seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaussprechlich Heil, an dir, an deiner Gnade Teil, Teil an dem Himmel 5. Mitleidender Immanuel, haben! Im Herzen durch den es ist mein Leben, Leib und Seel Glauben rein dich lieben und vervoll Mängel und Gebrechen; sichert sein von deines Geistes doch ist dein Herz auch voller Gaben! Gnad, willst weder Sünd noch Missethat am armen Staube rächen; deine reine Mutterliebe steht im Triebe, hier im Leben täglich reichlich zu vergeben. 6. Die Gnade führt das Regiment, sie macht der Sklaverei ein End, besiegt Gesetz und Sünden; drum willst du frei und fröhlich sein, laß Jesum und die Gnade 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufriedenheit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr mein Hort, den Glauben an dein göttlich Wort, um deines Namens 12 178 Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. willen, laß ihn mein Licht auf währt, wo wir Gott heilig dieErden sein, ihn täglich mehr nen. Dann, wenn mein Auge mein Herz erneun und mich mit nicht mehr weint, und mein ErTrost erfüllen! lösungstag erscheint, dann werd ichs froh empfinden. Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. ch weiß, an wen 288. 3 mein Glaub sich hält, kein Feind soll mir ihn rauben. Als Bürger einer bessern Welt leb ich hier nur im Glauben, dort schau ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir mein Erbteil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 6. Jm Dunkeln seh ich hier mein Heil, dort ist mein Antlitz heiter; hier ist die Sünde noch mein Teil, dort fühl ich sie nicht weiter. Hier ist mein Wert mir noch verhüllt, dort wird er sichtbar, wenn dein Bild mich, Gott, vollkommen schmücket. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Leiden; auf deinen Tod bin ich 2. Mein Leben ist ein kurzer getauft; wer will mich von dir Streit, lang ist der Tag des scheiden? Du zeichnest mich in Sieges. Ich kämpfe für die deine Hand. Herr, du bist mir, Ewigkeit. Erwünschter Lohn des ich dir bekannt. Mein sind des Krieges! Der du für mich den Himmels Freuden. Tod geschmeckt, durch deinen Schild werd ich bedeckt; was kann mir denn nun schaden? 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! Empfinde sie, o Seele, vom Tand der Erde unentweiht erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht, nur des Gerechten Ruhm besteht durch 3. Herr, du bist mein ganzer Ruhm, mein Trost in diesem Leben, in jener Welt mein Eigentum, du hast dich mir gegeben. alle Ewigkeiten. Von fern lacht mir mein Kleinod Nach Christ. Chr. Sturm g. 1740+ 1786. zu, drum eile ich ihm freudig zu, du reichst mir meine Krone. Mel. Machs mit mir, Gott, n. deiner Güt. Lie bist du, Höchster, 4. Herr, lente meines Geistes 289. von uns fern, bu du Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, wirkst an allen Enden. Wo ich auf Ewigkeit und Himmel. Die nur bin, Herr aller Herrn, bin Welt mit ihrer Herrlichkeit ver- ich in deinen Händen. Durch geht und währt nur kurze Zeit; dich nur leb und atme ich, denn im Himmel sei mein Wandel! deine Rechte schützet mich. 5. Jetzt, da mich dieser Leib 2. Was ich gedenke, Gott, weißt beschwert, ist mir noch nicht er- du, du prüfest meine Seele, du schienen, was jene beßre Welt ge- siehst es, wenn ich Gutes thu, Lieder vom Glauben und von der Rechtfertigung. 179 du siehst es, wenn ich fehle. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt kann deinem walten. Mel. 3. entfliehn und nichts mich deiner 290.Mwiderfahren, ErHand entziehn. 3. Du merkst es, wenn des barmung, deren ich nicht wert; Herzens Rat verkehrte Wege das zähl ich zu dem Wunderwählet; und bleibt auch eine baren, mein stolzes Herz hats böse That vor aller Welt ver- nicht begehrt. Nun weiß ich das hehlet, so weißt du sie und stra- und bin erfreut und rühme die fest mich zu meiner Beßrung Barmherzigkeit. väterlich. 4. Wenn ich in stiller Einsam feit mein Herz an dich ergebe und über deine Huld erfreut lobfingend dich erhebe, so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 2. Ich hatte nichts als Zorn Gnaden sein, Gott hat mich mit verdienet und soll bei Gott in ihm selbst verfühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her? warum geschichts? Erbarmung ists und weiter nichts. 5. Du hörest meinen Seufzern zu, daß Hülfe mir erscheine; 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, das rühm ich, voll Mitleid, Vater, zählest wenn ein Mensch mich fragt; du die Thränen, die ich weine; du siehst und wägest meinen Schmerz und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O drück, Allgegenwärtiger, dies tief in meine Seele, daß, 4. Dies laß ich kein Geschöpf wo ich bin, nur dich, o Herr, mir rauben, dies soll mein einmein Herz zur Zuflucht wähle, zig Rühmen sein; auf dies Erdaß ich dein heilig Auge scheu barmen will ich glauben, auf und fromm zu leben eifrig sei. dieses bet ich auch allein, auf dieses duld ich in der Not, auf dieses hoff ich noch im Tod. 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich handeln und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getrost zu wandeln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, das tröst und beßre meinen Geist. ich kann es nur Erbarmung nennen, so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. Nach C. C. Sturm von David Bruhn g. 1727 † 1782. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, nimm dein Erbarmen nicht von mir und führe durch den Tod mich Armen durch meines Heilands Tod zu dir! Da bin ich ewig recht erfreut und rühme die Barmherzigkeit. Phil. Friedr. Hiller g. 1699+ 1769. 12* 180 Jesuslieder. Mel. Valet will ich dir geben. ch weiß, woran ich 291. er der Fürst der 4. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, was fest besteht, wann alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prelit. auf den der Hinimel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederfnien, um den die Engel dienen: Ich weiß und kenne ihn. 5. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der 2. Ich weiß, was ewig dauret, Fels, auf dem ich stehe, der diaich weiß, was nimmer läßt, mit manten ist, der nimmermehr Diamanten mauret mirs Gott kann wanken, der Heiland und im Herzen fest, ja recht mit der Hort, die Leuchte der GeEdelsteinen von allerbester Art danken, die leuchten hier und hat Gott der Herr den Seinen dort. des Herzens Burg verwahrt. 3. Ich kenne wohl die Steine, die stolze Herzenswehr, sie funkeln ja mit Scheine wie Sterne schön und hehr; die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein. XVIII. Psalm 45. Eigene Melodie. Jesuslieder. 2. O meines Herzens werte Kron, wahr Gottes und Marien ie schön leucht uns Sohn, ein hochgeborner König! der Morgenstern Mit Freude rühm ich deine Ehr, voll Gnad und Wahrheit von dem deins heilgen Wortes süße Lehr Herrn, die süße Wurzel Jesse! ist über Milch und Honig. Du Sohn Davids aus Jakobs Herzlich will ich dich drum Stamm, mein König und mein preisen und erweisen, daß man Bräutigam, hast mir mein Herz merke in mir deines Geistes besessen. Lieblich, freundlich, Stärke. schön und herrlich, groß und ehrlich, reich von Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben. 6. So weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was fest besteht und in dem Erdenstaube nicht mit als Staub verweht; ich weiß, was in dem Grauen des Todes ewig bleibt und selbst auf Erdenauen schon Himmelsblumen treibt. Ernst Morit Arndt g. 1769 † 1860. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, o du mein Herr und Gott allein, die Flamme deiner Jesuslieder. 181 Liebe, daß ich in dir nun immer seinem Preis aufnehmen in das bleib, und mich kein Zufall von Paradeis, des klopf ich in die dir treib, nichts fränke noch Hände. Amen, Amen, komm, betrübe. In dir laß mir ohn du schöne Freudenkrone, bleib Aufhören sich vermehren Lieb nicht lange, deiner wart ich mit und Freude, daß der Tod uns Verlangen. selbst nicht scheide. 4. Von Gott fommt mir ein Freudenlicht, wenn du mit deiNach Phil. Nicolai g. 1556+ 1608. Eigene Melodie. nem Angeficht mich gnädig thust 293.n bir ist Freude in allem o mein trautes Gut, dein Wort, dein odu süßer Jesus Christ! Durch Geist, dein Leib und Blut mich dich wir haben himmlische Gaben, innerlich erquicken. Tröst mich du der wahre Heiland bist; hilfest freundlich, hilf mir Armen mit von Schanden, rettest von BanErbarmen, hilf in Gnaden, auf den; wer dir bertranet, hat dein Wort komm ich geladen. wohl gebauet, wird ewig bleiben, Halleluja! Zu deiner Güte ſteht unser Gemüte, an dir wir fleben im Tod und Leben, nichts kann uns scheiden. Halleluja! 5. Gott Vater, o mein starker Held, du hast mich ewig vor der Welt in deinem Sohn geliebet; dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut, er ist mein Schatz, ich seine Braut, kein Unglück mich betrübet. Ei ja, ei ja, himmlisch Leben wird er geben mir dort oben, ewig soll mein Herz 2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hafts in Händen, kannst alles wenden, Drum wir dich ehren, dein Lob wie nur die Not. ihn loben. 6. Singt unserm Gotte oft vermehren mit hellem Schalle, und viel und laßt andächtig freuen uns alle zu dieser Stunde, Saitenspiel ganz freudenreich er- Halleluja! Wir jubilieren und schallen, dem liebsten Jesu nur triumphieren, lieben und loben allein, dem wunderschönen Bräut- dein Macht dort oben mit Herz gam mein, zu Ehren und Ge- und Munde. Halleluja! fallen. Singet, springet, jubifieret, triumphieret, dankt dem Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Herren, groß ist der König der Licht. Joh. Lindemann(?) † um 1630. Ehren. 7. Wie bin ich doch so herzlich 294. Jesu süß, wer dein gedenkt, froh, daß mein Schatz ist das A des Herz mit Freude wird geund D, der Anfang und das tränkt, doch süßer über alles Ende. Er wird mich auch zu ist, wo du, Herr Jesu, selber bist. Jefuslieder. 182 2. Jesu, der Herzen Freud und Wonn, des Lebens Brunn, du wahre Sonn, dir gleichet nichts auf dieser Erd, in dir ist, was man je begehrt. 10. Und wenn ich ende meinen Lauf, so hole mich zu dir hinauf, Jesu, daß ich da Fried und Freud bei dir genieß in Ewigkeit. 11. Jesu, erhöre meine Bitt, 3. Dein Lieb, o süßer Jesu Jesu, verschmäh mein Seufzen Christ, des Herzens beste Labung nicht, Jesu, mein Hoffnung steht ist; sie machet satt, doch ohn zu dir, o Jesu, Jesu, hilf du Verdruß, der Hunger wächst im mir! Überfluß. 4. O Jesu, meine Süßigkeit, du Trost der Seel, die zu dir schreit, die heißen Thränen suchen dich, das Herz zu dir schreit inniglich. 6. In dir mein Herz hat seine Lust, Herr, mein Begierd ist dir bewußt, auf dich ist all mein Ruhm gestellt, Jesu, du Heiland aller Welt. 1612. Nach Bernhard v. Clairvaux: Jesu dulcis memoria. Lebensbrünnlein 295.O 5. Ja wo ich bin auf Erden tief und groß, hier, so wollt ich, Jesus wär bei entsprungen aus des Vaters mir; Freud über Freud, wenn ich ihn fänd, selig, wenn ich ihn halten könnt! Psalm 65, 10. Eigene Melodie. 9. Jesus in Fried regieren thut, der übertrifft all zeitlich Gut; der Fried bewahr mein Herz und Sinn, so lang ich hier auf Erden bin. Schoß, ein wahrer Gott ohn Ende, der du dich uns hast offenbart in unsre Menschheit, rein und zart, dein lieb Herz zu uns wende! Denn wie ein Hirsch nach frischer Quell, so schreit zu dir mein arme Seel aus dieser Welt Elende. 2. D Lebensbrünnlein, durch 7. Du Brunnquell der Barm- dein Wort hast du dich uns an herzigkeit, dein Glanz erstreckt allem Ort ergossn mit reichen sich weit und breit, der Traurig- Gaben, voll Wahrheit und göttfeit Gewölf vertreib, das Licht licher Gnad, die uns erscheinen der Glorie bei uns bleib! früh und spat, das matte Herz 8. Dein Lob im Himmel hoch zu laben. O frischer Quell, o erklingt, kein Chor ist, der nicht Brünnelein, erquick und laß die von dir singt; Jesus erfreut die ganze Welt, die er bei Gott zu Fried gestellt. Seele mein in dir das Leben haben! 3. Wie ein Blümlein im dürren Land, durch Sommerhitz sehr ausgebrannt, vom Tau sich thut erquicken, also wenn mein Herz in der Not verschmacht, hält sichs an seinem Gott und läßt sich Jesuslieder. nicht ersticken; ja wie ein grüner Balmenbaum unter der Last ihm machet Raum, lässet sichs nicht erdrücken. 183 zugleich in seines lieben Vaters Reich mit ewger Wonne tränken. 8. Gott selbst wird sein mein Speis und Tranf, mein Ruhm, mein Lied, mein Lobgesang, mein Lust und Wohlgefallen, mein Reichtum, Zierd und werte Kron, mein Klarheit, Licht und helle Sonn, in ewger Freud zu wallen; ja daß ichs sag mit einem Wort, was mir Gott wird bescheren dort: Er wird sein alls in allen. 4. O Lebensbrünnlein, Jesu Christ, dein Güte unerschöpflich ist, niemand kann sie ermessen; darum mir auch nichts mangeln wird, wenn mich versorgt der treue Hirt, der mir mein Herz besessen. Mit seinem Evangelio macht er mein Herz im Leib so froh, daß ich sein nicht vergesse. 5. Lebensbrünnlein tief und weit, du stillest Durst in Ewigkeit und läßt niemand verderben. Gieb mir, der ich aus deiner Füll mit rechtem Glauben schöpfen will, Trost wider Tod und Sterben, daß ich blüh wie ein Röselein zu Saron*) und durch dich allein das ewge Leben erbe. 9. Hüpf auf, mein Herz, spring, tanz und sing, in deinem Gott sei guter Ding, der Himmel steht dir offen. Laß dich Schwermut nicht nehmen ein, denn auch die liebsten Kinder sein allzeit das Kreuz hat troffen. Drum sei getrost und gläube fest, daß du noch haft das allerbest in jener Welt zu hoffen. Joh. Mühlmann g. 1573+ 1613. *) Jefaia 35, 2. Hohelied 2, 1. 2. 6. Mein Herz ist brünstig mir und heiß nach dem himmlischen Paradeis, des ich hoff zu ge- 296. Sohn, mein BruMel. Wie schön leuchtu. d. Morgenstern. Jesu, Gottes nießen. Denn ich weiß, wenn ich dahin komm, da wird ein ewger Freudenstrom ohn Maßen sich ergießen. Freu dich, mein Seel, und wenn gleich Gott dich kommen läßt in Angst und Not, so laß dichs nicht verdrießen. der und mein Gnadenthron, mein Schatz, mein Freud und Wonne, du weißt es, daß ich rede wahr, vor dir ist alles sonnenklar und klarer als die Sonne. Herzlich lieb ich mit Gefallen dich vor allen, nichts auf Erden kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies fränket mich, daß ich nicht gnug fann lieben dich, wie ich dich lieben wollte. Ich werd von Tag 7. All unser Leid auf dieser Erd ist nicht im allerg'ringsten wert, wenn wir das recht bedenken, der übergroßen Herrlichkeit und wunderschönen Himmelsfreud, die Christus uns wird schenken. Da, da wird er uns all- zu Tag entzündt, je mehr ich Jesuslieder. 184 lieb, je mehr ich find daß ich dich lieben sollte. Von dir laß mir deine Güte ins Gemüte lieblich fließen, so wird sich die Lieb ergießen. endlich werd abscheiden und mit Freuden zu dir kommen, aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd ich deine Süßigfeit, die jetzt gerühmt ist weit 3. Durch deine Kraft treff ich und breit, in reiner Liebe das Ziel, daß ich, so viel ich soll schmecken und sehn dein liebreich und will, dich allzeit lieben möge. Angesicht mit unverwandtem Nichts auf der ganzen weiten Augenlicht ohn alle Furcht und Welt, Pracht, Wollust, Ehre, Schrecken. Reichlich werd ich sein Freud und Geld, wenn ich es erquicket und geschmücket vor recht besinne, kann mich ohn dein'm Throne mit der schönen dich gnugsam laben; ich muß Lebenskrone. in bi godder) haben reine Liebe; die tröst, Joh. Heermann g. 1585+ 1647. wenn ich mich betrübe. liebeſt du, ſchaffft ſeinem Herzen 297. Ad eu, effet 4. Denn wer dich liebt, den Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. dessen Tren im Him Fried Ruh, mel und auf Erden durch keines Menschen Mund kann gnug gepriesen werden, ich danke dir, daß du, ein wahrer Mensch geborn, haft von mir abgewandt, daß ich nicht bin verlorn. 2. Vornehmlich wird in mir all Herzensangst gestillet, wenn mich dein süßer Nam mit seinem Trost erfüllet. Kein Trost so lieblich ist, als den mir giebt dein Nam, der süße Jesusnam, du Fürst aus Davids Stamm! Gewissen. Es geh ihm, wie es woll auf Erd, wenn ihn gleich ganz das Kreuz verzehrt, soll er doch dein genießen. In Glück ewig nach dem Leide große Freude wird er finden, alles Trauren muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat jemals dies gehört, kein Mensch gesehen noch gelehrt, es fanns niemand beschreiben, was denen dort für Herrlichkeit bei dir und von dir ist bereit, die in der Liebe bleiben. Gründlich läßt sich nicht erreichen noch vergleichen den Weltschätzen dies, was uns dort wird ergeten. 6. Drum laß ich billig dies allein, o Jesu, meine Sorge sein, daß ich dich herzlich liebe, daß ich in dem, was dir gefällt und mir dein klares Wort vermeldt, aus Liebe mich stets übe, bis ich 3. O Jesu, höchster Schatz, du kannst nur Freude bringen, es kann nichts lieblicher als Jesu Name flingen. Ich kann nicht traurig sein, weil Jesus heißt so viel als Heiland oder Held, der selig machen will. 4. Wenn Satan sich bei mir mit Anfechtung will regen, so ist mir Jesu Nam zum Trost, Schutz, Jesuslieder. 185 Fried und Segen, zur Weisheit| vollbring ich heut, was mir kommt und Arznei in aller Angst und unter Handen. In deinem NaNot, daß ich nicht fürchten darf men ist der Anfang schon geden Teufel und den Tod. macht, das Mittel und der Schluß wird auch durch ihn vollbracht. 5. Daß ich ein Zornfind bin, das macht die schnöde Sünde, 11. Dir leb ich und in dir, dein Jesusnam macht mich zu in dir will ich auch sterben; Herr, einem Gnadenfinde, er nimmt sterben will ich dir; in dir will von mir hinweg die Schuld und ich ererben das ewge HimmelMissethat, bringt mir die Selig- reich, das du erworben mir; von keit und deines Vaters Gnad. dir verklärt will ich dir dienen für und für. 6. Ei nun so heilge mich, der ich bin ganz beflecket, der heilge Jesusnam, der alle Sünde decket; er kehre ab den Fluch, den Segen zu mir wend, sei meine Stärf, dadurch sich alle Schwachheit end. 7. Er ſei mein Licht, das mich 298. Mein schönste Zier in erleuchte; er des Himmels Tau, der mich in Hitz anfeuchte; er sei mein Schirm und Schild, mein Schatten, Schloß und Hut, mein Reichtum, Ehr und Ruhm, er sei mein höchstes Sut. Kleinod bist auf Erden du, Herr Jesu Christ, dich will ich lassen walten und allezeit in Lieb und Leid in meinem Herzen halten. 2. Dein Lieb und Treu vor allem geht, kein Ding auf Erd so fest besteht, solchs muß man frei bekennen; drum soll nicht Tod, nicht Angst, nicht not von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiß, was es verspricht, im Tod und auch im Leben. Du bist nun mein, und ich bin dein, dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab, ach schönste Zier, Herr Jesu Christ, bleib du bei mir, es will nun Abend werden; laß doch dein Licht auslöschen nicht bei uns allhie auf Erden! 1639? 8. Er sei mein Himmelsweg, die Wahrheit und das Leben und wolle mir zuletzt aus Gnaden dieses geben, daß ich alsdann in ihm dies Leben schließe wohl, wenn meine Sterbenszeit und Stunde kommen soll. 9. Inmittelst helf er mir, so lang ich hier noch wandle, daß ich in meinem Thun treu und aufrichtig handle; er steh mir allzeit bei mit seines Geistes Gab, wenn ich in meinem Amt was zu verrichten hab. 10. Jesu, in deinem Nam bin ich heut aufgestanden, in ihm Hannov. Gsb. 1648, nach Joh. Heermann g. 1585+1647. Eigene Melodie, oder Auf dich hab ich gehoffet, Herr. 186 Jesuslieder. Eigene Melodie, oder Es ist gewißlich an der Zeit. mir zur Freud nach diesem Leid, hilf, daß ich mag nach dieser 299. Such wer da will Klag dort ewig dir Lob sagen. ein ander Ziel, Georg Weissel g. 1590 † 1635. die Seligkeit zu finden, mein Herz allein sein, auf Eigene Melodie. Christum sich zu gründen; ſein 300.meines Herzens Freude, sind klar, sein heilger Mund hat Kraft Weide, Jesu, meine Zier, ach wie und Grund, all Feind zu über- lang, ach lange ist dem Herzen winden. bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden. 2. Such wer da will Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben, hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu teil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn, die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr, und feiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 4. Meins Herzens Kron, mein Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben, laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben, bleib du mein Preis, dein Wort mich speis, bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu gläuben. 2. Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Laß die Erde zittern, laß die Welt erschüttern, mir steht Jesus bei. Ob es itzt gleich kracht und blitzt, obgleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trok der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh. Gottes Macht hält mich in acht, Erd und Abgrund muß sich scheuen, ob sie noch so dräuen. 4. Weg mit allen Schätzen, du bist mein Ergeßzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren, ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, muß ich gleich viel leiden, nicht von 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich in Kreuz nicht zagen! Weich nicht von Jesu scheiden. mir, mein höchste Zier, hilf 5. Gute Nacht, o Wesen, das mir mein Leiden tragen! Hilf die Welt erlesen, mir gefällst du Jesuslieder. nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, o Stolz und Pracht, dir sei ganz, o Lasterleben, gute Nacht gegeben. 6. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon hie Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Johann Frand g. 1618 † 1677. 301. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. mein schönstes Licht, der du in deiner Seelen so hoch mich liebst, daß ich es nicht aussprechen kann noch zählen, gieb, daß mein Herz dich wiederum mit Lieben und Verlangen mög umfangen und als dein Eigentum nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel als deine Liebe wohne; gieb, daß ich deine Lieb erwähl als meinen Schatz und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, was mich und dich will trennen und nicht gönnen, daß all mein Mut und Sinn in deiner Liebe brennen. 187 trübe. Drum laß nichts Andres denken mich, nichts sehen, fühlen, hören, lieben, ehren als deine Lieb und dich, der du sie kannst vermehren. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön ist, Jesu, deine Liebe! Wenn diese steht, kann nichts entstehn, das meinen Geist be4. Mein Heiland, du bist mir zu Lieb in Not und Tod gegangen und hast am Kreuz als wie ein Dieb und Mörder da gehangen, verhöhnt, verspeit und sehr verwundt. Ach laß mich deine Wunden alle Stunden mit Lieb im Herzensgrund auch schmerzen und verwunden. 5. Du hast mich je und je geliebt und auch nach dir ge= zogen; eh ich noch etwas Guts wogen. Ach laß doch ferner, edler Hort, mich diese Liebe leiten und begleiten, daß sie mir immerfort beisteh auf allen Seiten. 6. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zieren und, wo ich etwa irre geh, alsbald zurechte führen; laß sie mir allzeit guten Rat und gute Werke lehren, steuren, wehren der Sünd und nach der That bald wieder mich bekehren. 7. Laß sie sein meine Freud im Leid, in Schwachheit mein Vermögen; und wenn ich nach vollbrachter Zeit mich soll zur Ruhe legen, alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, bei mir stehen, Luft zuwehen, daß ich getrost und frei mög in dein Reich eingehen. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. 188 Jesuslieder. Eigene Melodie. di Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. Jesum 302. Meinen um 303.A fagt mir nichts laß ich nicht; weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, fletten von Gold und Schätzen, von Pracht und Schönheit dieser Welt; es kann mich weis an ihm zu kleben. Er ist ja kein Ding ergetzen, das mir meines Lebens Licht, meinen Jesum laß ich nicht. die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Er ist alleine meine Freude, mein Gold, mein Schatz, mein schönstes Bild, in dem ich meine Augen weide und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, des Fleisches Schönheit dauert nicht, die Zeit kann alles das verwüsten, was Menschenhände zugericht. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Jesum laß ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab ich voll Zuversicht, was ich bin und hab, ergeben. Alles ist auf ihn gericht, meinen Jesum laß ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen, laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen: wenn des Lebens Faden bricht, meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, wenn ich nun dahin gelanget, wo vor seinem Angesicht meiner Väter Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht, meinen Jesum laß ich nicht. 4. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren von nun an bis in Ewigfeit. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 5. Sein Reichtum ist nicht zu ergründen, sein allerschönstes Angesicht und was von Schmuck 6. Jesum laß ich nicht von um ihn zu finden, verbleichet und mir, geh ihm ewig an der Sei- veraltet nicht. Ein jeder liebe, ten; Christus läßt mich für was er will, ich liebe Jesum, und für zu dem Lebensbächlein der mein Ziel. leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Er fann mich über alls erheben und seiner Klarheit machen gleich, er kann mir so viel Schätze geben, daß ich werd unerschöpflich Christian Keymann g. 1607+ 1662. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seel sich wünscht und sehnet, Jesum wünscht sie und sein Licht, der mich hat mit Gott versöhnet, mich befreiet vom Gericht; meinen Jesum laß ich nicht. Jefuslieder. reich. Ein jeder liebe, was er will, ich liebe Jesum, der mein Ziel. 7. Und ob ichs zwar noch muß entbehren, so lang ich wandre in der Zeit, so wird er mirs doch wohl gewähren im Reiche seiner Herrlichkeit. Drum thu ich billig, was ich will, und liebe Jesum, der mein Ziel. Johann Scheffler g. 1624+ 1677. Eigene Melodie, oder, wenn man die eingeflammerten Worte mitfingt, Wer nur den lieben Gott I. m. Mel. 1. 304.3 ch will dich lieben, meine Stärke, ich will dich lieben, meine Zier, ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begier, ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir[ der Tod] das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund, ich will dich lieben und erheben, so lange mich dein Glanz bescheint, ich will dich lieben, Gotteslamm, als meinen [ Seelen] Bräutigam. 3. Ach daß ich dich so spät erfennet, du hochgelobte Schönheit du, und dich nicht eher mein ge189 von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht; nun aber ists durch dich geschehn, daß ich dich [ endlich] hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, daß du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du güldner Mund, daß du mich [ wieder] machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen und laß mich nicht mehr irre gehn, laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stille stehn, erleucht mir Leib und Seele ganz, du[ ewig] starker Himmelsglanz! 7. Gieb meinen Augen süße Thränen, gieb meinem Herzen heilge Brunst, laß meine Seele sich gewöhnen zu üben in der Liebe Kunst, laß meinen Geist, Sinn und Verstand stets sein zu dir[ allein] gewandt! 8. Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, meinen Gott, ich will dich lieben ohne Lohne auch in der allergrößten Not, ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir[ der Tod] das Herze bricht. Johann Scheffler g. 1624 t 1677. nennet, du höchstes Gut und Mel. Gott des Himmels und der Erden. wahre Ruh! Es ist mir leid und hin betrübt, daß ich ſo ſpät[ dich 305. Liebe, die du mich zum Bilde Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht, Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 4. Jch lief verirrt und war verblendet, ich suchte dich und fand dich nicht; ich hatte mich 190 Jesuslieder. 2. Liebe, die dit mich erforen, ich mich ganz ergeben jetzo und ch als ich geschaffen war, Liebe, in Ewigkeit; meinen Gott will die du Mensch geboren und mir ich dich nennen und vor aller gleich wardst ganz und gar, Liebe, Welt bekennen. Ich bin dein, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben und du bist mein, ich will feines ewiglich. andern sein. 3. Liebe, die für mich gelitten 2. Deine Güt hat mich um und gestorben in der Zeit, Liebe, fangen, als mich erst die Welt die mir hat erstritten ewge Luft empfing; dir bin ich schon an und Seligkeit, Liebe, dir ergeb gehangen, als an Mutterbrust ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe, die sich bloß ergeben mir zum Heil und Seelenhort, Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. ich hing; dein Schoß hat mich aufgenommen, wenn mein Herz nur zu dir kommen. Ich bin dein, und du bist mein, ich will feines andern sein. 3. Auf der Kindheit wilden Wegen folgte mir stets deine Güt; deines Geistes Trieb und Regen regte mir oft das Gemüt, Liebe, die mich überwunden und so ich etwa ausgetreten, daß ich mein Herze hat dahin, Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn, wieder käm mit Beten. Ich bin dein, und du bist mein, ich will feines andern sein. 6. Liebe, die mich ewig liebet, die für meine Seele bitt, Liebe, die das Lösgeld giebet und mich kräftiglich vertritt, Liebe, dir er geb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 7. Liebe, die mich wird erwecken aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 5. Frr ich, sucht mich deine Liebe; fall ich, hilfet sie mir auf. Ist es, daß ich mich betrübe, tröst sie mich in meinem Lauf. Bin ich arm, giebt sie mir Güter; hast man mich, ist sie mein Hüter. Ich bin dein, und du bist mein, ich will keines andern sein. 6. Dein Geist zeiget mir das Herzens höchste Freud, dir will Erbe, das im Himmel beigelegt; Johann Scheffler g. 1624+ 1677. 306.Jeben, meines Mel. Jesu, meines Lebens Leben. esu, meiner Seele 4. Ja in meinem ganzen Leben hat mich stets dein Licht geführt; du hast, was ich hab, gegeben, du hast meinen Lauf regiert; deine Güt, die täglich währet, hat mich immerdar ernähret. Ich bin dein, und du bist mein, ich will keines andern sein. Jesuslieder. 191 ich weiß, wenn ich heute sterbe, Jesu, gieb, was nütet mir. Gieb wo man meine Seel hinträgt: dich mir, Herr Jesu mild, nimm zu dir, Jesu, in die Freude; mich dir! Herr, wie du willt! Trotz, daß mich was von dir scheide. Ich bin dein, und du bist mein, ich will feines andern sein. 7. Drum ich sterbe oder lebe, bleib ich doch dein Eigentum, an dich ich mich ganz ergebe, du bist meiner Seele Ruhm, meine Zuversicht und Freude, meine Süßigkeit im Leide. Ich bin dein, und du bist mein, ich will keines andern sein. 8. Höre, Jesu, noch ein Flehen, schlag mir diese Bitt nicht ab: Wenn mein Augen nicht mehr sehen, wenn ich keine Kraft mehr hab, mit dem Mund was vorzutragen, laß mich doch zuletzt noch Mel. Gott des Himmels und der Erden. Lebens beste ſagen: Ich bin dein, und du biſt 308.M rende ist der mein, ich will keines andern sein. Nach Christ. Scriver g. 1629+1693. Himmel, Gottes Thron; meiner Seele Trost und Weide ist mein Jesus, Gottes Sohn. Was mein Herze recht erfreut, ist in jener Mel. Gott des Himmels und der Erden. esus, Jesus, nichts 307. mein Wunsch sein und mein Ziel. Jetzund mach ich ein Verbündnis, daß ich will, was Jesus will; denn mein Herz mit ihm erfüllt rufet nun: Herr, wie du willt! 2. Einer ist es, dem ich lebe, den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, was er mir gegeben hat. Ich bin in dein Blut verhüllt, führe mich, Herr, wie du willt! 4. Und vollbringe deinen Willen in, durch und an mir, mein Gott, deinen Willen laß erfüllen mich im Leben, Freud und Not, sterben als dein Ebenbild, Herr, wann, wo und wie du willt. 5. Sei auch, Jesu, stets gepriesen, daß du dich und viel dazu mir geschenket und erwiesen, daß ich fröhlich singe nu: Mir geschehe, Gott, mein Schild, wie du willt! Herr, wie du willt! 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, und ist doch zuwider dir, ach so nimm es bald zurücke, Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg Rudolstadt, g. 1640 † 1672. 2. Andre mögen sich erquicken an den Gütern dieser Welt, ich will nach dem Himmel blicken und zu Jesu sein gesellt; denn der Erde Gut vergeht, Jesus und sein Reich besteht. 3. Reicher kann ich nirgends werden, als ich schon in Jesu bin; alle Schätze dieser Erden sind ein schnöder Angstgewinn. Jesus ist das rechte Gut, das der Seele sanfte thut. 4. Glänzet gleich das Weltgepränge, ist es lieblich anzu 192 sehn, währt es doch nicht in die Länge, und ist bald damit geschehn; plötzlich pfleget aus zu sein dieses Lebens Glanz und Schein. Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh. Ich steige aus der Schwermutshöhle und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Traurens scheiden, wenn mit so 5. Aber dort des Himmels angenehmen Freuden die Liebe Gaben, die mein Jesus inne strahlt aus deiner Brust. Hier ist hat, können Herz und Seele mein Himmel schon auf Erden; laben, machen ewig reich und wer wollte nicht vergnüget werfatt; es vergeht zu feiner Zeit den, der in dir suchet Ruh und jenes Lebens Herrlichkeit. Luft? Jesuslieder. 6. Roft und Motten, Raub und 2. Die Welt mag meine Fein-= Feuer schaden auch der Freude din heißen, es sei also; ich trau nicht, die mein Jesus, mein ihr nicht, wenn sie mir gleich Getreuer, und sein Himmel mir will Lieb erweisen bei einem verspricht. Dort ist alles abge- freundlichen Gesicht. In dir verthan, was die Seele fränken gnügt sich meine Seele, du bist mein Freund, den ich erwähle, du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, weil in den stärksten Unglückswellen mir deine Treu den Anker reicht. fann. 7. Einen Tag bei Jesu sitzen ist viel besser, als die Welt tausend Jahr in Freuden nützen; aber ewig sein gestellt zu des Herren rechter Hand bleibt ein auserwählter Stand. 8. Trinken, essen, tanzen, springen labet meine Seele nicht, aber nach dem Himmel ringen und auf Jesum sein gericht, ist der Seele schönste Zier, geht auch aller Freude für. 9. Ach so gönne mir die Freude, Jesu, die dein Himmel hegt; sei du selber meine Weide, die mich hier und dort verpflegt, und in dir recht froh zu sein, nimm mich in den Himmel ein! Salomo Liscow g. 1640 † 1689. Eigene Melodie. 309. Wi 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, ich folg und lehne mich auf dich. Du nährest aus o Freund der den Wolkenbrüsten und labest ie wohl ist mir, 3. Will mich der Sünde Last erdrücken, blitzt auf mich des Gesetzes Weh, droht Straf und Hölle meinem Rücken, so steig ich gläubig in die Höh und flich zu deinen heilgen Wunden; da hab ich schon den Ort gefunden, wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, du bist mein Heil. Wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. Jesuslieder. 193 aus dem Felsen mich.*) Ich 2. Schön sind die Wälder, traue deinen Wunderwegen, sie noch schöner die Felder in der enden sich in Lieb und Segen; schönen Frühlingszeit; Jesus ist genug, wenn ich dich bei mir schöner, Jesus ist reiner, der hab. Ich weiß: Wen du mit Ehr unser traurig Herz erfreut. willst zieren und über Sonn und Sterne führen, den führest du zuvor hinab.*) 1 Cor. 10, 2-4. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Mut in dir, der du 4. Alle die Schönheit Himmels verläsfest keinen, o allerliebstes und der Erde ist nur gegen Leben, ruht. Wen kann des ihn wie Schein, keiner auf Weges End erschrecken, wenn er Erden lieber kann werden als aus mördervollen Hecken gelanget der schönste Jesus mein. 1695? in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden aus 3. Schön leucht die Sonne, noch schöner der Monde und die Sterne allzumal; Jesus leucht schöner, Jesus leucht reiner als all die Engel im Himmelsfaal. Eigene Melodie. dieſer finſtern Wildnis ſcheiden 311. zu der 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, so wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Not und Tod nicht quälen, weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Gemüte nach deiner unumschränkten Güte des Himmels süßen Vorschmack sein. Weg, Welt mit allen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost: Mein Freund ist mein! Wolfg. Christ. Deßler g. 1660+ 1722. ( eelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm, habe Dank für deine Liebe, die mich zieht aus reinem Triebe von der Sünde Schlamm, Jesu, Gottes Lamm! 2. Deine Liebesglut stärket Mut und Blut; wenn du freundlich mich anblickest und an deine Brust mich drückest, macht mich wohlgemut deine Liebesglut. Eigene Melodie. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Not und Tod, du bist darum Mensch geboren, zu ersetzen, was verloren, durch dein Blut so rot, wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht, salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner scher aller Enden, Gottes und Seele ja verlösche nicht meines Marien Sohn, dich will ich Glaubens Licht. 310. chönster Herr Jesu, Herrlieben, dich will ich ehren, du meiner Seele Freud und Kron! 5. So werd ich in dir bleiben für und für; deine Liebe will 13 Jefuslieder. 194 ich ehren und in ihr dein Lob vermehren, weil ich für und für bleiben werd in dir. 6. Deinen Frieden gieb aus so großer Lieb uns, den Deinen, die dich kennen und nach dir sich Christen nennen; denen du bist lieb, deinen Frieden gieb. 7. Nun ergreif ich dich, du vereinet, wo alle vollkommene mein ganzes Ich; ich will nim- Fülle erscheinet, da, da ist das mermehr dich lassen, sondern beste, notwendige Teil, mein Ein gläubig dich umfassen, weil im Glauben ich nun ergreife dich. und mein Alles, mein seligstes Heil. gnügen erjaget. Erlang ich dies Eine, das alles ersetzt, so werd ich mit Einem in allem ergetzt. 2. Secle, willst du dieses fin= den, fuchs bei teiner Kreatur, laß, was irdisch ist, dahinten, schwing dich über die Natur! Wo Gott und die Menschheit in Einem 8. Hier durch Spott und Hohn, 3. Wie Maria war beflissen dort die Ehrenfron; hier im auf des Einigen Genieß, da sie Hoffen und im Glauben, dort sich zu Jesu Füßen voller Anim Haben und im Schauen; denn dacht niederließ: ihr Herze entdie Ehrenkron folgt auf Spott und Hohn. brannte, dies einzig zu hören, was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt, und wurde ihr alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Verlangen, liebster Jesu, nur nach dir; laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir! Ob viel auch umfehrten zum größesten Haufen, so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen, denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist. Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt. 312. Gins ist not, ach Gieb nur, daß sich auch mein Herr, dies Eine Wille fein in solche Schranken lehre mich erkennen doch! Alles fügt, worinnen die Demut und andre, wies auch scheine, ist ja Einfalt regieret und mich zu nur ein schweres Joch, darunter der Weisheit, die himmlisch ist, das Herze sich naget und plaget führet. Ach wenn ich nur Jesum und dennoch kein wahres Ver- recht kenne und weiß, so hab 9. Jesu, hilf, daß ich allhier ritterlich alles durch dich überwinde und in deinem Sieg empfinde, wie so ritterlich du gekämpft für mich. 10. Du mein Preis und Ruhm, werte Himmelsblum, in mir soll nun nichts erschallen, als was dir nur kann gefallen, werte Himmelsblum, du mein Preis und Ruhm! Adam Drese g 1620+ 1701. Ev. Luc. 10, 42. 1 Cor. 1, 30. Eigene Melodie. Jesuslieder. 195 ich der Weisheit vollkommenen[ erquickt, als wenn ich dich, Jesu, Preis. im Glauben erblickt. 6. Nichts kann ich vor Gott 10. Drum auch, Jesu, du ja bringen als nur dich, mein alleine sollst mein Ein und Alles höchstes Gut. Jesu, es muß mir sein; prüf, erfahre, wie ichs gelingen durch dein rosenfarbes meine, tilge allen Heuchelschein! Blut. Die höchste Gerechtig- Sieh, ob ich auf bösem, betrügkeit ist mir erworben, da du lichen Stege, und leite mich, bist am Stamme des Kreuzes Höchster, auf ewigem Wege, gestorben; die Kleider des Heils gieb, daß ich nichts achte, nicht ich da habe erlangt, worinnen Leben noch Tod, und Jesum gemein Glaube in Ewigkeit prangt. winne: dies Eine ist not. Joh. Heinr. Schröder g. 1667 † 1699. 7 Nun so gieb, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht; du bist ja, den ich Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern. erwähle, mir zur Heiligung 313. Mein Jeſu, ſüße Seelenluft, mir gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; entreiße mich aller vergänglichen Lust, dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt! ist nichts außer dir bewußt, wenn du mein Herz erquickest, dieweil dein Blick so lieblich ist, daß man auch seiner selbst vergißt, wenn du den Geist entzückest, daß ich in dich aus dem Triebe reiner Liebe von der Erde über mich) gezogen werde. 8. Ja was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt die Gnadenflut. Du bist einmal eingegangen in das Heilge durch 2. Was hatt ich doch für Trost dein Blut; da hast du die ewge und Licht, als ich dein holdes Erlösung erfunden, daß ich Angesicht, mein Jesu, noch nicht nun der höllischen Herrschaft kannte? Wie blind und thöricht entbunden; dein Eingang die ging ich hin, da mein verkehrter völlige Freiheit mir bringt, im findlichen Geiste das Abba nun flingt. Fleischessinn von Weltbegierden brannte, bis mir von dir Licht und Leben ward gegeben, dich zu kennen, herzlich gegen dich zu brennen. 3. Die arme Welt hat zwar den Schein, als wär ihr schlechtes Fröhlichsein ein herrliches Vergnügen. Allein wie eilend gehts vorbei, da sieht man, daß es Blendwerk sei, wodurch wir uns 13* 9. Volles Gnügen, Fried und Freude jezzo meine Seel ergetzt, weil auf eine frische Weide mein Hirt Jesus mich gesetzt. Nichts Süßes kann also mein Herze erlaben, als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; nichts, nichts ist, das also mich innig 196 Jesuslieder. betrügen. Drum muß Jesus laben, Jesum haben, stets ermit den Schätzen mich ergetzen, blicken und ihn in die Arme die bestehen, wenn die Weltlust drücken. muß vergehen. 8. Allein, du holder Menschen4. Wer Jesum fest im Glauben sohn, ich kenne deine Liebe schon, hält, der hat die Kraft der andern wenn uns die Dornen stechen; Welt hier allbereit zu schmecken. dein Herz, das mich in Trauren Pflegt Jesus gleich zu mancher setzt und sich verschließt, muß Zeit bei großer Herzenstraurig- doch zuletzt vor lauter Liebe keit sein Antlitz zu verdecken, ist brechen; drum füllt und quillt doch sein Joch sanft und feiner, in mein Herze nach dem Schmerze als wenn einer auf dem Bette deine Süße, die ich noch allhier dieser Welt zu schlafen hätte. genieße. 5. So weiß ich auch aus dei- 9. Du salbest mich mit Freunem Wort, daß du dich, liebster denöl, so daß sich öfters Leib Seelenhort, nicht ewiglich ver- und Seel recht inniglich erfreuen. steckest*); du thust vor mir die Ich weiß wohl, daß du mich beAugen zu, auf daß du desto trübst, ich weiß auch, was du größre Ruh hernach in mir er- denen giebst, die sich davor nicht weckest, wenn ich treulich als ein scheuen. Drum gieb den Trieb, Rebe an dir klebe auch im Leide, unabwendig und beständig treu nicht nur in der süßen Freude. zu bleiben und recht fest an dich zu gläuben. *) Jesaia 54, 7. 8. Joh. 14, 18. 19 und 16, 16-22. 6. Derhalben soll mich keine Not, mein Jesu, wär es auch der Tod, von deinem Dienst abschrecken. Ich weiß, daß mich dein Herze liebt, darum so geh ich unbetrübt mit dir durch Dorn und Hecken. Plage, schlage, ich bin stille, ists dein Wille, mich zu fränken, du wirst meiner doch gedenken. 10. Der Glaub ist eine starke Hand und hält dich als ein festes Band, ach stärke meinen Glauben! Im Glauben kann dich niemand mir, im Glauben kann mich niemand dir, o starker Jesu, rauben, weil ich fröhlich Welt und Drachen kann verlachen und die Sünden durch den Glauben überwinden. Joh. Christ. Lange g. 1669 † 1756. Mel. Seelenbräutigam. 7. Und sollt ich auch, mein Hort, in mir dein süßes Manna nicht allhier in dieser Zeit empfinden, so will ich doch zufrieden sein und werde deinen Gnaden schein in jenem Leben finden, Leben derer, die verloren, und da man stets kann, sich zu ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 314. W er ist wohl, wie du, Jesu, süße Ruh? Unter vielen auserforen, Jesuslieder. 197 2. Leben, das den Tod, mich seinem Netze Satan halte auf; aus aller Not zu erlösen, hat fördre meinen Lauf! geschmecket, meine Schulden zugedecket und mich aus der Not hat geführt zu Gott. 10. Deines Geistes Trieb in die Seele gieb, daß ich wachen mög und beten, freudig vor dein Antlig treten; ungefärbte Lieb in die Seele gieb! 3. Glanz der Herrlichkeit, du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket in der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld, Tod, Sünd, Höll und Welt, alle Kraft des großen Drachen hast du wolln zu schanden machen durch das Lösegeld deines Bluts, o Held! 11. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, wollst du deine Hand ausstrecken; habe auf mich acht, Hüter, in der Nacht! 12. Einen Heldenmut, der da Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gieb mir, höchstes Gut, durch dein teures Blut! 5. Höchste Majestät, König und Prophet, deinen Zepter will ich küssen, ich will sitzen dir zu Füßen, wie Maria thät, höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm als dein Eigentum durch des Geistes Licht erkennen, stets in stehn. deiner Liebe brennen als dein Eigentum, allerschönster Ruhm! 7. Deiner Sanftmut Schild, deiner Demut Bild mir anlege, 2 Timoth. 2, 8. in mich präge, daß kein Zorn Mel. Es ist das Heil uns kommen her. noch Stolz sich rege; vor dir sonst nichts gilt als dein eigen Bild. alt im Gedächtnis 315. 13. Solls zum Sterben gehn, wollst du bei mir stehn, mich durchs Todesthal begleiten und zur Herrlichkeit geleiten, daß ich einst mag sehn mich zur Rechten 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög von dir wanken, sondern bleiben in den Schranken; sei du mein Gewinn, gieb mir deinen Sinn! Joh. Anast. Freylinghausen g. 1670 † 1739. Jesum Christ, o Mensch, der auf die Erden vom Thron des Himmels kommen ist, dein Bruder da zu werden; vergiß nicht, daß er dir zu gut hat angenommen Fleisch und Blut, dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtnis Jesum 9. Wecke mich recht auf, daß Christ, der für dich hat gelitten, ich meinen Lauf unverrückt zu ja gar am Kreuz gestorben ist dir fortsetze, und mich nicht in und dadurch hat bestritten Welt, 198 Jesuslieder. Sünde, Teufel, Höll und Tod und sein Licht, alles andre hilft und dich erlöst aus aller Not, dir nicht. dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der auch am dritten Tage siegreich vom Tod erstanden ist, befreit von Not und Plage. Bedenke, daß er Fried gemacht, sein Unschuld Leben wieder bracht, dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der nach den Leidenszeiten gen Himmel aufgefahren ist, die Stätt dir zu bereiten, da du sollst bleiben allezeit und sehen seine Herrlichkeit, dank ihm für diese Liebe! 5. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der einst wird wieder kommen und sich, was tot und lebend ist, zu richten vorgenommen. Odenke, daß du da bestehst und mit ihm in sein Reich eingehst, ihm ewiglich zu danken. 6. Gieb, Jesu, gieb, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen und nie, was du an mir gethan, mög aus dem Herzen lassen, daß dessen ich in aller Not mich trösten mög und durch den Tod zu dir ins Leben dringen. Cyriacus Günther g. 1650+ 1704. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, laß ihn sich zu Gott aufschwingen, richt ihn stets zum Himmel hin, laß ihn in die Gnad eindringen! Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. 2. 3. Du verlangst oft süße Ruh, dein betrübtes Herz zu laben: eil zur Lebensquell hinzu, da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 4. Fliehe die unselge Pein, so das finstre Reich gebieret, laß nur den dein Labsal sein, der zur Glaubensfreude führet. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 5. Ach es ist ja schlecht genug, daß du sonst viel Zeit verdorben mit nichtswürdigem Gesuch, dabei du fast bist erstorben. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 6. Geh einfältig stets einher, laß dir nichts das Ziel verrücken, Gott wird aus dem Liebesmeer dich, den Kranken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 7. Weißt du nicht, daß diese Welt ein ganz ander Wesen heget, als dem Höchsten wohl316. Seele, was ermüdſt gefällt und dein Urſprung dir du dich in den vorleget? Suche Jesum und sein Dingen dieser Erden, die doch Licht, alles andre hilft dir nicht. bald verzehren sich und zu lauter 8. Du bist ja ein Hauch aus nichts dir werden? Suche Jesum Gott und aus seinem Geist ge Jefuslieder. 199 2. Ob ich gleich mit Petro sinke*), giebt mir Jesus doch die Hand und die süßen Liebeswinke, er erkennt den schwachen 9. Schwinge dich fein oft im Stand. Wie ein Vaterherz geGeist über alle Himmelshöhen, sinnt gegen sein noch kleines laß, was dich zur Erde reißt, Kind, so trägt Gott auch mit weit von dir entfernet stehen! Erbarmen schwache Kinder auf Suche Jesum und sein Licht, alles den Armen.*) Matth. 14, 30. andre hilft dir nicht. 3. Beut mein Hirte nicht den Rücken seinem schwachen Schäflein an? Kranke Seelen zu erquicken, tritt er auf die Todesbahn. Selbst die höchste Kraft verschmacht, da sie ruft: Es ist vollbracht, daß ich Schwacher möge siegen in den letzten Todeszügen. 4. Jesu, starke Kraft der Schwachen, stärke mich, denn ich bin schwach. Du, du kannst mich stärker machen, höre doch mein seufzend Ach! Hebe du das schwache Rohr meines Glaubens selbst empor, daß es bei dem Sturm der Sünde um dein Kreuz sich feste winde. boren, darum liege nicht im Tod, bist du nicht zum Reich erforen? Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 10. Nahe dich dem lautern Strom, der vom Thron des Lammes fließet und auf die, so feusch und fromm, sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 11. Laß dir seine Majestät immerdar vor Augen schweben, laß mit brünstigem Gebet sich dein Herz zu ihm erheben! Suche Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. 12. Sei im übrigen ganz still, du wirst schon zum Ziel gelangen, glaube, daß sein Liebeswill stillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht, alles andre hilft dir nicht. Jaf. Gabr. Wolf g. 1683+ 1754. 5. Feuchte mit dem Gnadenöle meines Glaubens Döchtlein an in der Lampe meiner Seele auf der dunkeln Todesbahn! Stehe mir, o Allmacht, bei, daß ich start in Schwachheit sei, daß ich Mel. Werde munter, mein Gemüte. 317. Riebe, die nicht aus- dich, bis ich erfalte, fest mit schwachen Händen halte. zusprechen! Jesus hebt, was schwach, empor. Seine Hand will nicht zerbrechen das zerstoßne Glaubensrohr, seine Pfalm 73, 23-28. Huld verschmähet nicht meines Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. err Jefu Christ, Glaubens schwaches Licht, das 318. men höchstes nur einem Döchtlein gleichet, das faum glimmt und fast erbleichet. Gut, mein Seelenschatz, mein Salomo Franck g. 1659 † 1725. Jesuslieder. Herzensmut und aller Sinne 4. Und sollte mir durch Kreuz Freude, ich bleibe dennoch stets und Not, durch Marter, durch an dir; so ist auch nichts, das Gewalt und Tod auch Seel und dich von mir und unsre Liebe Leib verschmachten, dies alles scheide. Du machst mir deinen wird, wenns auch noch mehr, ja Weg bekannt, hältst mich bei gar wie eine Hölle wär, mein meiner rechten Hand, regierst Glaube doch nichts achten. Du und führst den Lebenslauf und bist und bleibest doch mein Heil hilfest meiner Schwachheit auf. und meines Herzens Trost und Herr Jesu Christ, du bist mein Teil; so wird und muß durch Licht, du bist mein Licht; ich dich allein auch Leib und Seele folge dir, so irr ich nicht. selig sein. Herr Jesu Christ, ich hoffe fest, ich hoffe fest, daß deine Kraft mich nicht verläßt. 2. Du leitest mich nach deinem Rat, der andres nichts beschlossen hat, als was mir 5. Drum halt ich mich getrost Segen bringet. Gehts gleich zu zu dir, du aber hältst dich auch Zeiten wunderlich, so weiß ich zu mir, und das ist meine dennoch, daß durch dich der Freude. Ich setze meine ZuAusgang wohl gelinget. Nach versicht auf dich, mein Fels, der hartem Tritt auf rauher Bahn nicht zerbricht, in Freud und nimmst du mich dort mit auch im Leide. Dein Thun soll Ehren an, wo mich vor deinem alles und allein in meinem Herz Thron erfreut die Krone der und Munde sein, bis ich dich Gerechtigkeit. Herr Jesu Christ, kann mit Augen sehn. Ach möchte ach mit Begier, ach mit Begier solches bald geschehn! Herr Jesu wünsch ich zu sein, mein Gott, Christ, ich warte drauf, ich warte bei dir. drauf, komm, komm, mein Schatz, und nimm mich auf! Erdmann Neumeister g. 1671 † 1756. 200 3. Mein Alles ist auf dich gericht; hab ich nur dich, so frag ich nicht nach Himmel und nach Erden. Denn wär der Himmel ohne dich, so könnte feine Lust Eigene Melodie, oder Ach erkennet, liebste Seelen. für mich in tauſend Himmeln 319.3 ch will mich mit werden. Wärst nicht schon dir verloben, auf Erden mein, möcht ich auch süßer Jesu, du allein wirst von nicht auf Erden sein, denn auch mir aus Lieb erhoben, und ich die ganze weite Welt hat nichts, bin nun gänzlich dein. Zwar die das mir wie du gefällt. Herr Welt wird mich stets hassen, denn Jesu Christ, wo du nicht bist, sie hasset dich zugleich; kann ich wo du nicht bist, ist nichts, das aber dich umfassen, so bin ich mir erfreulich ist. vergnügt und reich. Jesuslieder. 2. Alles soll mir Efel machen, was zur Eitelkeit gehört, und in allen meinen Sachen werde Jesus nur geehrt. Sollt ich Jesum denn nicht lieben, der mich vor der Mel. Seelenbräutigam. geh voran auf Welt erwählt? Sollt ich Jefum 320.3 bensah, noch betrüben, der ihm der und wir wollen nicht verweilen dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland! schon zugezählt? 3. Nein, die ganze Welt soll wissen, daß ihr Thun mir nicht gefällt, alles andre will ich missen, weil er mich in Armen hält. Seine Lieb hat mich gefangen, und ich will die Freiheit nicht, denn mein sehnliches Verlangen ist allein auf ihn gericht. 201 meiner Seele Prangen, sei mein Alles hier und dort! Ph. Balth. Sinold g. 1657 † 1742. 4. O wie lang hab ich verzogen, wie lang hab ich dich veracht! O wie oft ward ich betrogen und von dir hinweggebracht! Aber nun soll uns nichts scheiden, nicht das Leben, nicht der Tod, nicht das Kreuz, nicht Schmach und Leiden, weder Unglück, Schmerz noch Not. 2. Solls uns hart ergehn, laß uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen, denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, fümmert uns ein fremdes Leiden, o so gieb Geduld zu beiden, richte unsern Sinn auf das Ende hin! 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, gieb uns auch die nötge Pflege! Thu uns nach dem Lauf deine Thüre auf! 5. Stärke du mir meinen Willen wider meiner Feinde List, denn du mußt in mir erfüllen, was dem Fleisch unmöglich ist; Mel. Alle Menschen müssen sterben. laß mich nicht mehr von dir Mel. 2. wanten, ach wo foll ich auch 321. Großer Mitter, der hin? weil ich nur in Gedanken, sondern wirklich bei dir bin. zur Rechten seines großen Vaters sitzt und die Schar von seinen Knechten in dem Reich der Gnade schüßt, den auf dem erhabnen Throne, in der königlichen Krone, alles Heer der Ewigkeit mit verhülltem Antlitz scheut, Nit. Ludw. v. Zinzendorf g. 1700 † 1760. 6. So sei tausendmal gegrüßet, Jesu, meine süße Lust! Sei auch tausendmal geküsset, sei du mir allein bewußt, sei mein Wunsch und mein Berlangen, sei mein 2. Dein Geschäft auf dieser Bräutigam und Hort, sei du Erden und dein Opfer ist voll 202 Jesuslieder. bracht, was vollendet sollen wer- in der vollkommnen Hütte*) die den, das ist gänzlich ausgemacht. verklärte Menschheit sitzt. Nun Da du bist für uns gestorben, kannst du des Satans Klagen ist uns Gnad und Heil erworben, majestätisch nieder schlagen, und und dein siegreich Auferstehn läßt nun macht dein redend Blut unfre uns in die Freiheit gehn. böse Sache gut.*) Hebr. 9, 11. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte in dem obern Heiligtum, die erworbnen Segenskräfte durch dein Evangelium allen denen mitzuteilen, die zum Thron der Gnade eilen, nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 8. Die Verdienste deiner Leiden stellest du dem Vater dar und vertrittst nunmehr mit Freuden deine teur erlöste Schar, daß er wolle Kraft und Leben deinem Volk auf Erden geben und die Seelen zu dir ziehn, die noch deine Freundschaft fliehn. 4. Deines Volkes werte Namen 9. Großer Mittler, sei geträgest du auf deiner Brust*), priesen, daß du in dem Heiligtum und an den gerechten Samen so viel Treu an uns bewiesen, denkest du mit vieler Lust. Du dir sei Ehre, Dank und Ruhm! vertrittst, die an dich gläuben, daß sie dir vereinigt bleiben, und bittst in des Vaters Haus ihnen eine Wohnung aus. Laß uns dein Verdienst vertreten, wenn wir zu dem Vater beten, sprich für uns in letzter Not, wenn den Mund verschließt der Tod. *) 2 Mos. 39, 14. Joh. Jak. Rambach g. 1693 † 1735. 5. Doch vergißt du auch der Armen, die der Welt noch dienen, nicht, weil dein Herz dir vor Erbarmen über ihrem Elend Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. bricht; daß dein Vater ihrer 322. Heiland, deine Men schenliebe war die schone, daß er nicht nach Werken Quelle deiner Triebe, die dein lohne, daß er ändre ihren Sinn, treues Herz bewogen, dich in ach da zielt dein Bitten hin. unser Fleisch gezogen, dich mit Schwachheit überdecket, dich vom Kreuz ins Grab gestrecket. O der ungemeinen Triebe deiner treuen Menschenliebe! 6. 3war in deines Fleisches Tagen, da die Sünden aller Welt dir auf deinen Schultern lagen, hast du dich vor Gott gestellt, bald mit Seufzen, bald mit Weinen für die Sünder zu erscheinen; o mit welcher Niedrigkeit batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte von der Allmacht unterstützt, da 2. Über seine Feinde weinen, jedermann mit Hülf erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Betrübten Klagen hören, sich in andrer Dienst verzehren, sterben Jesuslieder. 203 für die ärgsten Sünder, das ist| Tauben ohne Falsch, voll Treu Lieb, o Menschenkinder! und Glauben, mit Gerechtigkeit gepaaret, durch Vorsichtigkeit bewahret. 3. O du Zuflucht der Elenden, wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hülf und Heil genommen, 8. Komm, laß deine Liebe der gebeugt zu dir gekommen? decken meiner Sünden Meng Owie ist dein Herz gebrochen, und Flecken! Du hast das wenn dich Krante angesprochen! Gesetz erfüllet und desselben Owie pflegtest du zu eilen, das Fluch gestillet; laß mich wider Gebetne mitzuteilen! dessen Stürmen deiner Liebe Schild beschirmen! Heilge meines Herzens Triebe, salbe sie mit deiner Liebe! Joh. Jak. Nambach g. 1693 † 1735. 4. Die Betrübten zu erquicken, zu den Kleinen sich zu bücken, die Unwissenden zu lehren, die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, täglich liebreich zu sich locken, war mit Schwächung deiner Kräfte dein gewöhnliches Geschäfte. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 323. Dönig, dem kein König gleichet, 5. O wie hoch stieg dein Er- deffen Ruhm kein Mund erbarmen, da du für die ärmsten reichet, dem als Gott das Reich Armen dein unschätzbar teures gebühret, der als Mensch das Leben in den ärgsten Tod ge- Zepter führet, dem das Recht gegeben, da du in der Sünder hört zum Throne als des Vaters Orden aller Schmerzen Ziel ge- eingem Sohne, den so viel Vollworden und, den Segen zu erfommenheiten frönen, zieren und werben, als ein Fluch haft wollen sterben! begleiten: 2. Himmel, Wasser, Luft und 6. Deine Lieb hat dich getrieben, Erde nebst der ungezählten Herde Sanftmut und Geduld zu üben, der Geschöpfe in den Feldern, ohne Schelten, Drohen, Schlagen in den Seeen, in den Wälandrer Schmach und Last zu tra- dern sind, Herr über Tod und gen, allen freundlich zu begegnen, Leben, dir zum Eigentum gefür die Lästerung zu segnen, für geben; Tiere, Menschen, Geider Feinde Schar zu beten und ster scheuen, Menschensohn, dein die Mörder zu vertreten. mächtig Dräuen. 7. Demut war bei Spott und Hohne deiner Liebe Schmuck und Krone; diese machte dich zum Knechte einem sündlichen Ge3. Jn des Gnadenreiches Grenzen sieht man dich am schönsten glänzen, wo viel tausend trene Seelen dich zu ihrem Haupt schlechte, diese war gleich wie die erwählen, die durchs Zepter Jesuslieder. 204 deines Mundes nach dem Recht des Gnadenbundes sich von dir regieren lassen und wie du das Unrecht hassen. 4. In dem Reiche deiner Ehren fann man stets dich loben hören von dem himmlischen Geschlechte, von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen dein verklärtes Antlitz schauen, die dich unermüdet preisen und dir Ehr und Dienst erweisen. 2. Mein Herzensfreund, dich laß ich nicht, ich kann nichts Bessers haben, in dir ist Freude, Trost und Licht, du kannst vollkommen laben. Nichts ist, das mir Bergnügen giebt, als wenn mich Jesus herzlich liebt. 3. Du, du bist mein, und ich bin dein, wir sind in eins verbunden; dies gute Teil hab ich allein durch deine heilgen Wunden. Du bist mein Fels, der mich nicht läßt, auf dir ruht meine Seele fest. 5. Herrscher du in dreien Reichen, dir ist niemand zu vergleichen an dem Überfluß 4. Herr Jesu, ohne dich muß der Schätze, an der Ordnung mir die Welt zur Hölle werden; der Gesetze, an Vortrefflichkeit ich habe, hang ich nur an dir, den der Gaben, welche deine Bür- Himmel schon auf Erden. Es ger haben; du beschützest deine quillt mein Lebenstrank von dir, Freunde, du bezwingest deine das Lebensmanna giebst du mir. Feinde.. 6. Herrsche auch in meinem Herzen über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen, laß mich deinen Schuß genießen, laß mich dich im Glauben küssen, ehren, fürchten, loben, lieben und mich im Gehorsam üben, hier mit ringen, dulden, streiten, dort mit herrschen dir zur Seiten! Joh. Jak. Rambach) g. 1693+ 1735. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. 5. O selge Stunde, da man dich kann recht ins Herze schlieBen! Wie läßt du da so süßiglich Heil, Gnad und Friede fließen! So oft das Herze nach dir blickt, wird es mit Himmelslust erquict. 6. Das schwerste Kreuz wird leicht und flein, denn du selbst hilfft es tragen; du richtest es zum besten ein, fannst nicht von Herzen plagen. Dein Rutenstreich ist voller Huld, du forderst von uns nur Geduld. 7. Führst du mich nun gleich wunderlich, mein Freund, durch 324. ein Herz, ach nicht den drein, ich muß von hinnen eilen, noch, daß alles mich von deiner ich muß bei meinem Jesu sein. Lieb nicht scheide. Es führet Was soll ich hier verweilen, wo mich dein Wunderpfad zu dir, Eitelkeit, wo feine Ruh? Mein in meines Vaters Stadt. Geist eilt nach dem Himmel zu. 3. Ludw. Konr. Allendorfg. 1693+ 1773. Jesuslieder. 205 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt| gründe mich auf diesen Grund! walten. Mel. 3. 325. S err von unendlichem Erbarmen, du unergründlich Liebesmeer, ich danke dir mit andern Armen, mit einem ganzen Sünder heer für deine Huld in Jesu Christ, die vor der Welt gewesen ist. 2. Für dein so allgemein Erlösen, für die Bezahlung aller Schuld, für deinen Ruf an alle Bösen und für das Wort von deiner Huld, ja für die Kraft in deinem Wort dankt dir mein Herze hier und dort. Erhalte nur durch deine Treu mich bis ans Ende auch dabei! 7. Laß mich in Liebe heilig leben, unsträflich, dir zum Lobe, sein; versichere mein Herz darneben, es reiße feine Lust noch Pein mich von der Liebe Gottes hin, weil ich in Jesu Christo bin. 8. Tod, Leben, Trübsal, Angst und Leiden, was Welt und Hölle in sich schließt, nichts soll mich von der Liebe scheiden, die da in Christo Jesu ist. Ja Amen, Vater aller Treu, zähl mich den Auserwählten bei! Phil. Friedr. Hiller g. 1699 † 1769. Eph. 1, 21. 22. 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, der Glauben wirkt in unserm Geist, weil doch des Glaubens Kraft und Triebe ein Werk der Allmacht Gottes heißt; für die Befestigung darin dankt dir mein neugeschaffner Sinn. 326. Eigene Melodie, oder Alles ist an Gottes Segen. Cesus Christus herrscht als König, alles wird ihm unterthänig, alles legt ihm Gott zu ſei; wenn Berge bersten, Hügel Fuß. Alle Zunge soll bekennen, brechen, steht doch dein Bund und deine Treu; wenn Erd und Himmel weicht und fällt, so lebt doch Gott, der Glauben hält. 4. Für dein so tröstliches Versprechen, daß deine Gnade ewig Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß. 5. Für deine teuren Saframente als Siegel deiner wahren Schrift, wo Gott, damit ich glauben könnte, ein Denkmal seiner Wunder stift: für diese 3. Engel und erhabne ThroGnaden in der Zeit dankt dir nen, die beim ewgen Lichte mein Herz in Ewigkeit. 6. Ja Mund und Herze soll dir danken, doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken und nem Los. wohnen, nichts ist gegen Jesum groß. Alle Namen hier auf Erden, wie sie auch vergöttert werden, sie sind Teil aus sei2. Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit. 206 Jesuslieder. Gott ist der Herr Eigene Melodie. ist Einer, und demſelben gleichet 327. Macht der Liebe, bete an die keiner, nur der Sohn der iſt ihm gleich. Dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich. die sich in Jesu offenbart; ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward; ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken. 5. Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über allen Cherubim. In der Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen; denn der Vater gab es ihm. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, sagt, ihr Armen, ihm die Not! Er kann alle Wunden heilen, Reichtum weiß er auszuteilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 7. Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf furze Zeit darnieder, und das Leiden geht zuvor. Nur Geduld, es folgen Freuden, nichts fann sie von Jesu scheiden, und ihr Haupt zieht sie empor. 2. Wie bist du mir so zart gewogen, und wie verlangt dein Herz nach mir! Durch Liebe sanft und tief gezogen neigt sich mein Alles auch zu dir, du traute Liebe, gutes Wesen, du hast mich und ich dich erlesen. 3. Ich fühls, du bists, dich muß ich haben; ich fühls, ich muß für dich nur sein. Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben, mein Ruhplatz ist in dir allein. Hier ist die Nuh, hier ist Vergnügen, drum folg ich deinen seigen Zügen. 4. Für dich sei ganz mein Herz und Leben, mein süßer Gott, und all mein Gut; für dich haft 8. Jauchz ihm, Menge heilger du mirs nur gegeben, in dir es Knechte, rühmt, vollendete Ge- nur und selig ruht. Hersteller rechte, und du Schar, die Pal- meines schweren Falles, für men trägt, und du Blutvolk in der Krone, und du Chor vor seinem Throne, der die Gottesharfen schlägt! dich sei ewig Herz und alles! 5. Ehr sei dem hohen Jesusnamen, in dem der Liebe Quell entspringt, von dem hier alle Bächlein kamen, aus dem der Selgen Schar dort trinkt. Wie beugen sie sich ohne Ende, wie falten sie die frohen Hände! 6. Jesu, daß dein Name bliebe im Grunde tief gedrücket Phil. Friedr. Hiller g. 1699+ 1769. ein! Möcht deine süße Jesusliebe 9. Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilgrim bin. Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm unterthänig! Ehret, liebet, lobet ihn! Jesuslieder. 207 in Herz und Sinn gepräget sein! des Pflicht, mit seinem Haupt Im Wort, im Werk und allem zu leiden. Doch all mein Leid Wesen sei Jesus und sonst nichts währt kurze Zeit, bald ist es zu lesen! überstanden, und Ruh ist dann vorhanden. Gerh. Terstegen g. 1697 † 1769. 6. Dich Jesum laß ich ewig nicht, nie soll mein Glaube wanken. Und wenn des Leibes Hütte bricht, sterb ich mit dem Gedanken: Mein Freund ist mein, und ich bin sein; er ist mein Schutz, mein Tröster, und ich bin sein Erlöster. Ehrenfried Biebich g. 1713 † 1780. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 328. Did ich Jesum laß ich Du ewig nicht, dir bleibt mein Herz ergeben. kennst dies Herz, das redlich spricht: Nur Einem will ich leben. Du, du allein, du sollst es sein, dit sollst mein Trost auf Erden, mein Glück im Himmel werden. Eigene Melodie. 2. Dich Jeſum laß ich ewig 329.Ach mein Herr Jesu halte dich ben. Nichts kann mir meine bringt großen Frieden ins Herz Zuversicht und deine Gnade hinein, und dein Gnadenanblick rauben. Der Glaubensbund hat macht uns so selig, daß Leib und festen Grund: die deiner sich Seele darüber fröhlich und danknicht schämen, die fann dir nie- bar wird. mand nehmen. 2. Wir sehn dein freundliches 3. Dich Jesum laß ich ewig Angesicht voll Huld und Gnade nicht, aus göttlichem Erbarmen wohl leiblich nicht, aber unsre gingst du für Sünder ins Ge- Seele fanns schon gewahren, richt und büßtest für mich Armen. Aus Dankbarkeit will ich erfreut um deines Leidens willen die Pflicht der Treu erfüllen. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht dein zu genießen recht 4. Dich Jesum laß ich ewig wär bedacht! Der hätt ohne nicht, du stärkest mich von oben. Ende von Glück zu sagen, und Zu dir steht meine Zuversicht, wenn meine Feinde toben. Ich flieh zu dir, du eilst zu mir; wenn mich die Feinde hassen, wirst du mich nicht verlassen. Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig sein, uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, heilen, stilln und trösten, erfreun und segnen und unsrer Seele als Freund du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, auch ungesehn. 5. Dich Jesum laß ich ewig nicht, das Kreuz soll uns nicht scheiden. Es bleibet jedes Glie- begegnen, ist deine Lust. 208 Jefuslieder. 5. Ach gieb an deinem kost- 2. Wenn ich ihn nur habe, baren Heil uns alle Tage voll- laß ich alles gern, folg an meifommnen Teil und laß unsre nem Wanderstabe treugesinnt Seele sich immer schicken, aus nur meinem Herrn, lasse still Not und Liebe nach dir zu blicken die andern breite, lichte, volle ohn Unterlaß. Straßen wandern. 6. Und wenn wir weinen, so 3. Wenn ich ihn nur habe, tröst uns bald mit deiner bluti- schlaf ich fröhlich ein; ewig wird gen Todsgestalt, ja die laß uns zu süßer Labe seines Herzens immer vor Augen schweben und Flut mir sein, die mit sanftem dein wahrhaftiges Inunsleben Zwingen alles wird erweichen zu sehen sein! und durchdringen. 7. Ein herzlichs Wesen und Kindlichkeit sei unsre Zierde zu aller Zeit, und die Blutbesprengung aus deinen Wunden erhalt uns solche zu allen Stunden bei Freud und Leid! 4. Wenn ich ihn nur habe, hab ich auch die Welt, und des Himmels reiche Gabe meinen Blick nach oben hält; hingesenkt im Schauen, kann mir vor dem Irdischen nicht grauen. 8. So werden wir bis in Himm'l hinein mit dir vergnügt 5. Wo ich ihn nur habe, ist mein Vaterland, und es fällt wie die Kindlein sein; muß mir jede Gabe wie ein Erbteil man gleich die Wangen noch manchmal neßen: wenn sich das Herz nur an dir stets letzen und stillen fann. in die Hand; längst vermißte Brüder find ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedr. v. Hardenberg g. 1772 † 1801. Mel. Herzlich thut mich verlangen. untreu an uns gewandt, daß wir beim 331. Wenn ale to bleib dastehen, und unser Auge muß übergehen por Lob und Dank. Christian Gregor g. 1723+ 1801. werden, so ich dir doch treu, daß Dankbarkeit auf Erden nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, vergingst für mich in Schmerz; drum geb ich dir mit Freuden auf ewig dieses Herz. 2. Oft muß ich bitter wei er mein nur ist, wenn mein Herz nen, daß du gestorben bist, und bis hin zum Grabe seine Treue mancher von den Deinen dich nie vergißt, weiß ich nichts von lebenslang vergißt. Von Liebe Leide, fühle nichts als Andacht, nur durchdrungen hast du so Lieb und Freude. viel gethan, der Welt das 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, die soviel Treue Eigene Melodie. 330. W We enn ich ihn nur habe, wenn Jesuslieder. Heil errungen, doch keiner denkt daran. 3. Du stehst voll treuer Liebe noch immer jedem bei, und wenn dir keiner bliebe, so bleibst du dennoch treu; die treuste Liebe sieget, am Ende fühlt man sie, weint bitterlich und schmieget sich findlich an dein Knie. 209 4. Würd es Nacht vor meinem Schritt, daß ich keinen Ausgang wüßte und mit ungewissem Tritt ohne Licht verzagen müßte, Christus ist mein Stab und Licht, das ist meine Zuversicht. 5. Mag die Welt im Mißgeschick leben oder ängstlich klagen, ohne Halt ist all ihr Glück, wahrlich sie hat Grund zu zagen. Daß mein Anker nie zerbricht, das ist meine Zuversicht. 4. Ich habe dich empfunden; o lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden auf ewig sein mit dir! Einst schauen meine 6. Will mein Herr durch Brüder auch wieder himmelwärts sanfte Zucht mich nach seinem und sinken liebend nieder und fallen dir ans Herz. Friedr. v. Hardenberg g. 1772+1801. Bild gestalten, o so will ich ohne Flucht seiner Hand nur stiller halten. Dann erschreckt mich kein Gericht, das ist meine Zuversicht. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 7. Seiner Hand entreißt mich 332. Start ist meines nichts, sollt ich ihn mit KleinJesu Hand, und er wird mich ewig fassen, hat selbst versprichts, sollt ich ihm mut schmähen? Mein Erbarmer zu viel an mich gewandt, um sein Wort verdrehen? Nein, er mich wieder loszulassen. Mein läßt mich ewig nicht, das ist Erbarmer läßt mich nicht, das meine Zuversicht. ist meine Zuversicht. Karl Bernh. Garbe g. 1763+1841. 3. Wenn der Kläger mich verklagt, Christus hat mich schon vertreten; wenn er mich zu sichten wagt, hat Christus für mich gebeten. Daß mein Bürge für mich spricht, das ist meine Zuversicht. 2. Sieht mein Kleinmut oft Gefahr, fürcht ich auch zu unterliegen, Christus beut den Arm Eigene Melodie. mir dar, Chriſtus hilft der Ohn- 333. Laßt mich gehn, laßt macht siegen. Daß mich Gottes ich Jesum möge sehn! Meine Held versicht, das ist meine Seel ist voll Verlangen, ihn Zuversicht. auf ewig zu umfangen und vor seinem Thron zu stehn. 2. Süßes Licht, süßes Licht, Sonn, die durch die Wolken bricht! O wann werd ich dahin kommen, daß ich dort mit allen Frommen schau dein holdes Angesicht! 14 210 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 3. Ach wie schön, ach wie Gassen! Herr mein Gott, ich schön ist der Engel Lobgetön! fanns nicht fassen, was das wird Hätt ich Flügel, hätt ich Flü- für Wonne sein. gel, flög ich über Thal und Hügel heute noch nach Zions Höhn. 5. Paradies, Paradies, wie ist deine Frucht so süß! Unter deinen Lebensbäumen wird uns 4. Wie wirds sein, wie wirds sein, als ob wir träumen. Bring sein, wenn ich zieh in Salem uns, Herr, ins Paradies! ein, in die Stadt der goldnen Gust. Frdr. Ludw. Knaf g. 1806+ 1878. XIX. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. dieser Stund, schaff mir ein neues Leben! Dein Wort mein Speis laß allweg sein, damit mein Seel zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück schlägt herein, das mich bald möcht verkehren. Ein Lied zu bitten um Glauben, Hoffnung, Liebe und ein seliges Ende. Eigene Melodie. 334.3 ch ruf zu dir, Herr Jesu Christ, ich bitt, erhör mein Klagen, verleih mir Gnad zu dieser Frist, laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein, den wollest du mir geben, dir zu leben, dem Nächsten nütz zu sein, dein Wort zu halten eben. 4. Laß mich kein Lust noch Furcht von dir in dieser Welt abwenden, beständig sein ans End gieb mir, du hasts allein in Händen; und wem dus giebst, der hats umsonst, es mag niemand erwerben noch ererben durch Werke deine Gnad, die uns errett vom Sterben. 2. Jch bitt noch mehr, o Herre Gott, du kannst es mir wohl 5. Ich lieg im Streit und geben, daß ich nicht wieder werd widerstreb, hilf, o Herr Christ, zu Spott: die Hoffnung gieb dem Schwachen! An deiner Gnad daneben, voraus wenn ich muß allein ich tleb, du kannst mich hie davon, daß ich dir mög ver- stärker machen. Kommt nun trauen und nicht bauen auf all Anfechtung her, so wehr, daß mein eigen Thun; sonst wirds sie mich nicht umstoße. Du mich ewig reuen. fannst machen, daß mirs nicht 3. Verleih, daß ich aus Her- bringt Gefahr; ich weiß, du zensgrund den Feinden mög ver- wirsts nicht lassen. geben, verzeih mir auch zu Johann Agricola g. 1492 † 1566. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 211 die Blumen auf dem Feld, also wird auch die schöne Welt in Ev. Matth. 11, 28. Eigene Melodic. 335. spricht Gottes K ommt her zu mir, einem Nu verderben. Sohn, all die ihr seid beschweret nun, mit Sünden hart beladen, ihr Jungen, Alten, Frau und Mann, ich will euch geben, was ich hab, will heilen euren Schaden. 2. Mein Joch ist süß, mein Bürd gering; wer mirs nachträgt, in dem Beding wird er der Höll entweichen; ich will ihm treulich helfen tragn, mit meiner Hülf wird er erjagn das ewge Himmelreiche. 3. Was ich gethan und g'litten hie in meinem Leben spat und früh, das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenkt, ja redt und thut, das wird euch alles recht und gut, wenns g'schieht nach Gottes Willen. 4. Gern wollt die Welt auch selig sein, wenn nur nicht wär die schwere Pein, die alle Christen leiden; nun aber fanns nicht anders sein, darum ergieb dich nur darein, willst ewge Pein du meiden. 7. Die Welt erzittert ob dem Tod; liegt einer in der letzten Not, dann will er gleich fromm werden; der schaffet dies, der andre das, sein'r armen Seel er ganz vergaß, dieweil er lebt' auf Erden. 8. Und wenn er nicht mehr leben kann, hebt eine große Klag er an, will sich nun Gott ergeben; ich fürcht fürwahr, die göttlich Gnad, die er allzeit verspottet hat, wird schwerlich ob ihm schweben. 9. Dem Reichen hilft doch nicht sein Gut, dem Jungen nicht sein stolzer Mut, er muß aus diesem Maien; wenn einer hätt die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, doch muß er an den Reihen. 10. Dem G'lehrten hilft doch nicht sein Kunst, die weltlich Pracht ist gar umsonst, wir müssen alle sterben. Wer sich in Christo nicht bereit, weil er lebt in der Gnadenzeit, ewig muß der verderben. 5. All Kreatur bezeuget das; was lebt in Wasser, Luft und 11. Höret und merkt, ihr lieGras, sein Leiden fanns nicht ben Kind, die jetzo Gott ergeben meiden. Wer denn in Gottes sind: Laßt euch die Müh nicht Nam nicht will, der muß zuletzt reuen, halt't stets am heilgen des Teufels Ziel mit schwerem Gotteswort, das ist eur Trost G'wissen leiden. und höchster Hort, Gott wird euch schon erfreuen. 6. Heut ist der Mensch schön, jung und schlank, sieh, morgen ist 12. Nicht Übel ihr um Übel er schwach und frank, bald muß gebt! Schaut, daß ihr hie uner auch gar sterben; gleich wie schuldig lebt, laßt euch die Welt 14* 212 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. nur äffen, gebt Gott die Rach bitt ich dich: Erhalte mich in und alle Ehr, den engen Steig deiner Treu, Herr Gotte! geht immer her! Gott wird die Welt schon strafen. 13. Wenn es ging nach des Fleisches Mut in Gunst, Gesundheit, großem Gut, würdt ihr gar bald erfalten; darum schickt Gott die Trübsal her, damit eur Fleisch gezüchtigt wär, zu ewger Freud erhalten. 14. Jst bitter euch das Kreuz und schwer, gedenkt, wie heiß die Hölle wär, darein die Welt thut rennen, mit Leib und Seel muß leidend sein ohn Unterlaß die ewge Bein und kann doch nicht verbrennen. 15. Jhr aber sollt nach dieser Zeit mit Christo haben ewge Freud; dahin sollt ihr gedenken. Kein Mann lebt, der aussprechen kann die Wonne und den ewgen Lohn, den euch der Herr wird schenken. 16. Und was der ewig gütge Gott in seinem Wort versprochen hat, geschworn bei seinem Namen, das hält und giebt er g'wiß fürwahr. Der helf uns zu der Engel Schar durch Jesum Christum! Amen. 1530. 2. Dein gnädig Dhr neig her zu mir, erhör mein Bitt, thu dich herfür, eil bald, mich zu erretten! In Angst und Weh ich lieg und steh, hilf mir aus meinen Nöten! 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, sei meine Burg, darin ich frei und ritterlich mög streiten wider mein' Feind, der gar viel seind an mir auf beiden Seiten. 4. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, mein Schild, mein Kraft, sagt mir dein Wort, mein Hülf, mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller Not; wer kann mir widerstreben? 5. Mir hat die Welt trüglich gericht mit Lügen und durch falsch Gedicht viel Netz und heimlich Stricke; Herr, nimm mein wahr in der Gefahr, hüt mich vor falscher Tücke! 6. Herr, meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende! Psalm 31, 1-6. Eigene Melodie. 7. Lob, Preis und Ehr und Herrlichkeit sei Gott Vater und Sohn bereit, dem heilgen Geist 336. Auf dich hab ich ge- mit Namen! Die göttlich Kraft hoffet, daß ich nicht zu Schanden werd mach uns sieghaft Christum! Amen. noch ewiglich zu Spotte. Das Adam Reusner g. 1496 t um 1575. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Eigene Melodie. 337.5 erzlich lieb hab ich dich, o Herr; ich bitt, wollst sein von mir nicht fern mit deiner Güt und Gnaden. 213 mein Gnadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling g. 1532+ 1608. Die ganze Welt erfreut mich Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. nicht, nach Erd und Himmel Mel. 2. ich wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir 338. Herr, wie du willſt, mir gleich mein Herz zerbricht, bist du im Leben und im Sterben, allein doch meine Zuversicht, mein Teil zu dir steht mein Begier, laß und meines Herzens Trost, der mich, Herr, nicht verderben! Ermich durch sein Blut hat erlöst. halt mich nur in deiner Huld, Herr Jesu Christ, mein Gott sonst wie du willst; gieb mir Geund Herr, mein Gott und duld, denn dein Will ist der beste. Herr, in Schanden laß mich nimmermehr! 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, und Lieb zu deinem Worte, behüt mich, Herr, vor falscher Lehr und gieb mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit, wend ab all Ungerechtigkeit in meinem ganzen Leben! 2. Es ist ja, Herr, dein G'schenk und Gab mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben; damit ichs brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, des Satans Mord und Lügen wehr, in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein Seel in Todesnot! 3. Soll ich einmal nach deinem Rat von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr, ein seligs End gieb mir durch Jesum Christum! Amen. Caspar Bienemann g. 1540 † 1591. Eigene Melodie, oder 3. Ach Herr, laß deine Engelein an meinem End die Seele mein in Abrahams Schoß tragen, den Leib in sein'm Schlaf- Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. tämmerlein gar fanft ohn einge 339. Hilf mir, mein Qual und ruhn Gott, hilf, daß jüngsten Tage. Alsdann vom nach dir von Herzen mich verTod erwecke mich, daß meine lange und ich dich suche mit Augen sehen dich in aller Freud, Begier, wenn mir wird angst o Gottessohn, mein Heiland und und bange. Verleih, daß ich Lieder vom chriftlichen Leben und Wandel. 214 mit Freude dich in meiner Angst bald finde; gieb mir den Sinn, daß ich forthin meid alle Schand und Sünde. 2. Hilf, daß ich stets mit Ren und Schmerz mich deiner Gnad ergebe, hab täglich ein zerknirschtes Herz, in wahrer Buße lebe, vor dir erschein, herzlich bewein all meine Missethaten, die Hände fein laß milde sein, dem Dürftigen zu raten. bühret, daß ich auch nicht durch Heuchelei und Ehrgeiz werd verführet. Leichtfertigkeit, Haß, Zank und Neid laß in mir nicht verbleiben, verstockten Sinn und Diebsgewinn wollst du fern von mir treiben. 7. Hilf, daß ich folge treuem Rat, von falscher Meinung trete, dem Armen helfe mit der That, für Freund und Feind stets bete, dien jedermann, so viel ich kann, das Böse haß und meide nach deinem Wort an allem Ort, bis 3. Die Luft des Fleisches dämpf in mir, daß sie nicht überwinde; rechtschaffne Lieb und ich von dannen scheide. Lust zu dir in meinem Sinn anzünde, daß ich in Not bis in den Tod dich und dein Wort heit trenne. 4. Behüte mich vor Zorn und Grimm, mein Herz mit Sanftmut ziere, auch alle Hoffart von mir nimm und mich zur Demut führe! Was sich noch findt von alter Sünd durch deinen Geist ausfege, gieb, daß allzeit Trost, Fried und Freud sich in mir Armen rege. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. Eigene Melodie. bekenne, und mich kein Trub 340. Gott, du frommer von WahrBrunnquell guter Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben, gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib. 2. Gieb, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gieb, daß ichs 5. Den Glauben stärk, die thue bald, zu der Zeit, da ich Lieb erhalt, die Hoffnung mache foll; und wenn ichs thu, so gieb, feste, daß ich von dir nicht wanke daß es gerate wohl. bald, Beständigkeit ists Beste; 3. Hilf, daß ich rede stets, den Mund bewahr, daß nicht womit ich fann bestehen; laß Gefahr durch ihn mir werd er- kein unnützlich Wort aus meiwecket; gieb Brot dem Leib, doch nem Munde gehen, und wenn daß er bleib von Wollust unbe- in meinem Amt ich reden soll flecket. und muß, so gieb den Worten Kraft und Nachdruck, ohn Ver6. Gieb, daß ich tren und fleißig sei in dem, was mir ge- druß! Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 4. Findt sich Gefährlichkeit, ren, fommt und fernet allzumal, so laß mich nicht verzagen, gieb welche die sind, die gehören zu einen Heldenmut, das Kreuz hilf selber tragen! Gieb, daß ich meinen Feind mit Sanftmut überwind, und wenn ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind. der rechten Christen Zahl, die bekennen mit dem Mund, glauben fest von Herzensgrund und bemühen sich daneben, guts zu thun, so lang sie leben. 5. Laß mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben, so weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichtum, Gut und Geld, so gieb auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauren Tritt hindurch ins Alter dringen, so gicb Geduld, vor Sünd und Schanden mich bewahr, daß ich mit Ehren trag all meine grauen Haar. 7. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden, dem Leib ein Räumlein gönn bei frommer Christen Grab, auf daß er seine Ruh an ihrer Seite hab. 8. Wenn du die Toten wirst 215 Ev. Matth. 5. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 341. 2. Selig sind, die Demut haben und sind allzeit armı im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott werd allein gepreist, danken dem auch für und für, denn das Himmelreich ist ihr. Gott wird noch zu Ehren setzen, die sich selbst gering hier schätzen. 3. Selig sind, die Leide tragen, da sich göttlich Trauren findt, die beseufzen und beklagen ihr und andrer Leute Sünd, die deshalben traurig gehn, oft vor Gott mit Thränen stehn. Dieſe sollen noch auf Erden und dann dort getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, da man Sanftmut spüren kann, welche Hohn und Trutz verschmerzen, weichen gerne jedermann, die nicht suchen eigne Rach und befehlen Gott die an jenem Tag erwecken, so thu Sach. Diese will der Herr so auch deine Hand zu meinem schützen, daß sie noch das Land Grab ausstrecken, laß hören besitzen. deine Stimm und meinen Leib weck auf und führ ihn schön verklärt zum auserwählten Hauf! Joh. Heermann g. 1585+ 1647 5. Selig sind, die sehnlich streben nach Gerechtigkeit und Treu, daß an ihrem Thun und Leben nicht Gewalt noch Unrecht sei, die da lieben gleich und recht, find aufrichtig, fromm und schlecht, Geiz, Betrug und Unrecht hassen. ommt, laßt euch Die wird Gott satt werden den Herren leh- laffen. 216 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 6. Selig sind, die aus Erbar-| diene, immer hab ein reines men sich annehmen fremder Not, Herz, die in Unfried stehn, versind mitleidig mit den Armen, fühne, dir anhang in Freud und bitten treulich für sie Gott; die Schmerz. Vater, hilf von deinem behülflich sind mit Rat, auch wo Thron, daß ich glaub an deinen möglich mit der That, werden Sohn und durch deines Geistes wieder Hülf empfangen und Stärke mich befleiße rechter Werke. Barmherzigkeit erlangen. Hannov. Gsb. 1648 nach Joh. Heermann g. 1585+1647. 7. Selig sind, die funden werden reines Herzens jederzeit, die in Werk, Wort und Geberden lieben Zucht und Heiligkeit. Dieſe, 342. Jeſu Christ, der Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. treuer Heiland, welchen nicht gefällt die unreine Lust der Welt, sondern sie mit du auch mir geboren, ja auch Ernst vermeiden, werden schauen für mich gestorben bist, laß doch Gott mit Freuden. nicht sein verloren an mir das Erlösungswerk, vielmehr Gnade, Kraft und Stärk, inbrünstig dir zu danken! 2. Gieb Gnade, daß ich dich hinfort als meinen Heiland liebe, dir lebe und in deinem Wort mich treu und fleißig übe. Und wie du, Herr, gestorben bist, so hilf mir auch, zu jeder Frist den Sünden abzusterben. 3. Du standest von den Toten auf, brachst durch des Grabes Thüren; drum laß mich einen neuen Lauf voll Geist und Tugend führen, laß mich von Sünden auferstehn, in deinen heilgen Wegen gehn und dir zu Ehren leben! 10. Herr, regier zu allen Zeiten meinen Wandel hier auf Erd, daß ich solcher Seligkeiten auch aus Gnaden fähig werd. Gieb, 4. Laß hier in deinem Reiche mich dir treu, beständig dienen, in guten Werken fruchtbarlich daß ich mich acht gering, meine stets wachsen, blühn und grünen, Klag oft vor dich bring, Sanftmut auch an Feinden übe, die Gerechtigkeit stets liebe; bis du nach meinem Pilgrimslauf mich nimmst in deinen Himmel auf, wo du zur Rechten sitzest. 11. Daß ich Armen helf und 1633? 8. Selig sind, die Friede machen groß und drauf sehn ohn Unterlaß, gieb daß man mög in allen Sachen fliehen Hader, Streit und Haß; die da stiften Fried und Ruh, raten allerseits dazu, sich auch Friedens selbst befleißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig sind, die müssen dulden Schmach, Verfolgung, Angst und Pein, da sie es doch nicht verschulden und gerecht befunden sein. Ob des Kreuzes gleich ist viel, jetzet Gott doch Maß und Ziel, und hernach wird ers belohnen ewig mit den Ehrenkronen. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Pfalm 118. 343.affet asset uns mit Jesu Mel. Werde munter, mein Gemüte. ziehen, seinem Bor- 344. Hilf uns, Herr, in allen Dingen, bild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen auf der Bahn, daß wir unser Amt und Werk die er uns brach, immerfort zum wohl anfangen und vollbringen, Himmel reisen, irdisch noch schon gieb uns Weisheit, Kraft und himmlisch sein, glauben recht und Stärk! Ohne deine Hülf und leben fein, in der Lieb den Glau- Gunst ist all unser Werk umben weisen. Treuer Jesu, bleib sonst; hilf uns, Herr, in allen bei mir, gehe vor, ich folge dir. Dingen und laß alles wohl gelingen! 2. Hilf uns, Herr, an allen Orten, wo wir dein bedürftig sein, brich der Hölle Macht und Pforten und gieb deinem Häufelein, deiner armen Christenheit, Liebe, Fried und Einigkeit! Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß alles wohl gelingen! 2. Lasset uns mit Jesu leiden, seinem Vorbild werden gleich; nach dem Leide folgen Freuden, Armut hier macht dorten reich, Thränensaat die erntet Lachen, Hoffnung tröstet mit Geduld; es kann leichtlich Gottes Huld aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid ich mit dir, dort teil deine Freud mit mir! 217 3. Hilf uns, Herr, in allen 3. Lasset uns mit Jesu sterben; Nöten, aller Trübsal und Gesein Tod uns vom andern Tod fahr, laß uns keine Drangsal rettet und vom Seelverderben, töten, nimm doch unser also von der ewiglichen Not. Laßt wahr, daß Kreuz, Elend und uns töten, weil wir leben, unser Verdruß uns zum Besten dienen Fleisch, ihm sterben ab, so wird muß. Hilf uns, Herr, in allen er uns aus dem Grab in das Dingen und laß alles wohl geHimmelsleben heben. Jesu, sterb lingen! ich, sterb ich dir, daß ich lebe für und für. 4. Hilf uns, Herr, aus allem Leide in der letzten Todesnot, 4. Lasset uns mit Jesu leben; laß uns fahren hin mit Freude weil er auferstanden ist, muß das und durch deinen bittern Tod Grab uns wiedergeben. Jesu, kommen in das Paradeis, uns unser Haupt du bist, wir sind zur Freude, dir zum Preis! deines Leibes Glieder, wo du Hilf uns, Herr, in allen Dingen lebst, da leben wir; ach erkenn uns und laß alles wohl gelingen! für und für, trauter Freund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb ich hier und dort ewig auch bei dir. Sigism. v. Birken g. 1626+ 1681. 5. Hilf uns, Herr, in letzten Zügen, hilf! Nach unsrer Zuversicht laß uns ritterlich obfiegen und zu Schanden werden 218 nicht! Herr Jesu, deine Hand leist uns Hülfe und Beistand, daß wir nach vollbrachtem Ringen Lob und Dank dir ewig singen. Nach Martin Nindart g. 1586+1649. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 3. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; auch die Lieb am Nächsten übe, wenn er dich gleich oft betrübt. Denke, wie dein Heiland that, als er für die Feinde bat; du mußt, soll dir Gott vergeben, auch verMel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 345. Ah Gott, gieb du zeihn und liebreich leben. ch uns deine Gnad, daß wir all Sünd und Missethat bußfertiglich erkennen und glauben fest an Jesum Christ, der uns zu helfn ein Meister ist, wie er sich selbst thut nennen. 2. Hilf, daß wir auch nach deinem Wort gottselig leben immerfort zu Ehren deinem Namen; daß uns dein guter Geist regier, auf ebner Bahn zum Himmel führ durch Jesum Christum. Amen. Samuel Zehner g. 1594+ 1635. 4. Sei getreu in deinem Leiden und laß dich kein Ungemach, keine Not von Jesu scheiden, murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld größer durch die Ungeduld; selig ist, wer willig träget, was sein Gott ihm auferleget. 5. Hat dich Kreuz und Not betroffen, und Gott hilft nicht alsofort, bleibe treu in deinem Hoffen, traue fest auf Gottes Wort! Hoff auf Jesum feftiglich, sein Herz bricht ihm gegen dich, seine Hülf ist schon vorhanden; Hoffnung machet nie zu Schanden. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 346. S( ei getren bis an 6. Sei getreu in allen Sachen, das Ende, da in dem Anfang, Mittel, Schluß, mit feine Qual und Not dich fürchte Gott und laß ihn machen, von deinem Jesu wende, sei ihm hüte dich vor Joabs Kuß*), such treu bis in den Tod! Ach das in allem Gottes Ruhm, führ ein Leiden dieser Zeit ist nicht wert wahres Christentum, sei zwar der Herrlichkeit, die dein Jesus flug in deinem Glauben und dir will geben dort in seinen doch ohne Falsch wie Tauben! Freudenleben. *) 2 Sam. 20, 9. 2. Sei getreu in deinem Glau- 7. Sei getreu in Todesstunden, ben, laß dir dessen festen Grund halt dich glaubensvoll an Gott, ja nicht aus dem Herzen rauben, flich getrost in Christi Wunden, halte treulich deinen Bund, den sei getreu bis in den Tod! Wer dein Herz durchs Wasserbad fest mit Gott geschlossen hat. Ewig ist der Mensch verloren, der ihm treulos hat geschworen. mit Jesu gläubig ringt, ihn wie Jakob hält und zwingt, dem will er in jenem Leben seine Freudenfrone geben. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 219 liegt er da, und hat sein Fuß vergeblich sich bemühet. 8. Nun wohlan, ich bleib im Leiden, Glauben, Lieb und Hoffnung fest, ich bin treu bis an 6. Drum, lieber Vater, der du das Scheiden; Jesus, der mich Kron und Zepter trägst in deinicht verläßt, ist, den meine nem Thron und aus den Wolken Seele liebt, dem sie sich im Kreuz blitest, vernimm mein Wort und ergiebt; ihm befehl ich meine höre mich vom Stuhle, da du Sachen, denn ich weiß, er wirds sitest. wohl machen. Nach Benj. Prätorius g. 1571+1668. Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. 347. 3d ch weiß, mein Gott, daß all mein Thun und Werk in deinem Willen ruhn, von dir kommt Glück und Segen; was du regierst, das geht und steht auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in feines Menschen Macht, daß sein Rat werd ins Werk gebracht und seines Gangs sich freue; des Höchsten Rat der machts allein, daß Menschenrat gedeihe. 7. Verleihe mir das edle Licht, das sich von deinem Angesicht in fromme Seelen strecket und da der rechten Weisheit Kraft durch deine Kraft erwecket. 8. Gieb mir Verstand aus deiner Höh, auf daß ich ja nicht ruh und steh auf meinem eignen Willen; sei du mein Freund und treuer Rat, was recht ist, zu erfüllen. 9. Prüf alles wohl, und was mir gut, das gieb mir ein; was Fleisch und Blut erwählet, das verwehre! Der höchste Zweck, das beſte Teil sei deine Lieb und Ehre! 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, o meiner Seele Sonn 3. Oft denkt der Mensch in und Zier, gefallen und belieben; seinem Mut, dies oder jenes sei was dir zuwider, laß mich nicht ihm gut, und ist doch weit ge- in Werk und That verüben! fehlet; oft sieht er auch für schädlich an, was doch Gott selbst erwählet. 5. Wie mancher ist in seinem Sinn fast über Berg und Spitzen hin, und eh er sichs versiehet, so 11. Jsts Wert von dir, so hilf zu Glück, ists Menschenthun, so treib zurück und ändre meine 4. So fängt auch mancher Sinnen! Was du nicht wirkst, weise Mann ein gutes Werk pflegt von ihm selbst in kurzem zwar fröhlich an und bringts zu zerrinnen. doch nicht zum Stande; er baut ein Schloß und festes Haus, doch nur auf lauterm Sande. 12. Sollt aber dein und unser Feind an dem, was dein Herz gut gemeint, beginnen sich zu rächen, ist das mein Trost, daß seinen Zorn du leichtlich könnest brechen. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 13. Tritt zu mir zu und mache| o Mensch, in deinem Leben, leg leicht, was mir sonst fast un- diesen Stein zum ersten Grund, möglich deucht, und bring zum bleib ihm allein ergeben! Denk guten Ende, was du selbst an- an den Kauf in deiner Tauf, da gefangen hast durch Weisheit dei- er sich dir verschrieben bei seinem ner Hände. Eid, in Ewigkeit als Vater dich zu lieben. 14. Ist ja der Anfang etwas schwer, und muß ich auch ins tiefe Meer der bittern Sorgen treten, so treib mich nur ohn Unterlaß zu seufzen und zu beten. 15. Wer fleißig betet und dir traut, wird alles, da ihn sonst vor graut, mit tapfrem Mut bezwingen; sein Sorgenstein wird in der Eil in tausend Stücke springen. 2. Sei Gott getreu, laß feinen Wind des Kreuzes dich abkehren! Ist er dein Vater, du sein Kind, was willst du mehr begehren? Dies höchste Gut macht rechten Mut; kann seine Huld dir werden, nichts Bessers ist, mein lieber Christ, im Himmel noch auf Erden. 16. Der Weg zum Guten ist gar wild, mit Dorn und Hecken ausgefüllt; doch wer ihn freudig gehet, kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, wo Freud und Wonne stehet. 3. Sei Gott getreu von Ju gend auf, laß dich nicht Lust noch Leiden in deinem ganzen Lebenslauf von seiner Liebe scheiden! Sein alte Treu wird täglich neu, sein Wort steht nicht auf Schrauben; was er verspricht, das bricht er nicht; das sollst du fühnlich glauben. 17. Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bei mir nicht hab und find, hast du zu aller Gnüge. So hilf nur, daß ich meinen Stand wohl halt und herrlich siege. 4. Sei Gott getreu in deinem Stand, darein er dich gesetzet; wenn er dich hält mit seiner Hand, wer ist, der dich verletzet? 18. Dein soll sein aller Ruhm Wer seine Gnad zur Brustwehr und Ehr, ich will dein Thun je hat, kein Teufel kann ihm schaden; mehr und mehr aus hocherfreuter steht diese Wehr um einen her, Seelen vor deinem Volk und aller Welt, so lang ich leb, erzählen. dem bleibet wohl geraten. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. Mel. Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 220 5. Sei Gott getreu, sein liebes Wort standhaftig zu bekennen, steh fest darauf an allem Ort, laß dich davon nicht trennen! Was diese Welt in Armen hält, muß alles noch vergehen; sein 348.Sei Gott getren, liebes Wort bleibt ewig fort ohn halt seinen Bund, alles Wanken stehen. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 221 6. Sei Gott getreu, als welcher| folget mir, soll nicht im Finstern sich läßt treu und gnädig finden; schweben. Ich bin der Beg, ich streit unter ihm nur ritterlich, weise wohl, wie man wahrhaftig laß über dich den Sünden ja wandeln soll. wider Pflicht den Zügel nicht! Wär je der Fall geschehen, so sei bereit, durch Buß beizeit nur wieder aufzustehen. 7. Sei Gott getreu bis in den Tod und laß dich nichts abwenden! Er wird und kann in aller Not dir treuen Beistand senden. Und käm auch gleich das höllisch Reich mit aller Macht gedrungen, wollt auf dich zu, so glaube du, du bleibest unbezwungen. 8. Wirst du Gott also bleiben treu, wird er sich dir erweisen, daß er dein lieber Vater sei, wie er dir hat verheißen, und eine Kron zum Gnadenlohn im Himmel dir aufsetzen; da wirst du dich fort ewiglich in seiner Treu ergeben. Michael Franck g. 1609 † 1667. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. 3. Mein Herz ist voll Demitigkeit, voll Liebe meine Seele; mein Mund der fließt zu jeder Zeit von süßem Sanftmutsöle; mein Geist, Gemüte, Kraft und Sinn ist Gott ergeben, schaut auf ihn! 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für mit heilgem Tugendleben; wer zu mir kommt und 4. Ich zeig euch, das was schädlich ist zu fliehen und zu meiden und euer Herz von arger List zu reingen und zu scheiden. Ich bin der Seele Fels und Hort und führ euch zu der Himmelspfort. 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, ich steh euch an der Seite, ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still mag stehn, wenn er den Feldherrn an sieht gehn. 6. Wer seine Seel zu finden meint, wird sie ohn mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht wert und meiner Zier. 349. Mi ir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, 7. So laßt uns denn dem folgt meinem Ruf und Schalle! lieben Herrn mit unserm Kreuz Nehmt euer Kreuz und Ungemach nachgehen und wohlgemut, geauf euch, folgt meinem Wandel nach! trost und gern in allem Leiden stehen. Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon. Johann Scheffler g. 1624 † 1677. 222 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Eigene Melodie Matth. 26, 41. 350. Alles ist an Gottes Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. Segen und an 351. Ma ache dich, mein seiner Gnad gelegen, über alles Geist, bereit, Geld und Gut. Wer auf Gott wache, fleh und bete, daß dich sein Hoffnung setzet, der behält nicht die böse Zeit unverhofft ganz unverletzet einen freien betrete; denn es ist Satans List Heldenmut. über viele Frommen zur Ver2. Der mich hat bisher er- suchung kommen. nähret und so manches Glück 2. Aber wache erst recht auf bescheret, ist und bleibet ewig von dem Sündenschlafe, denn mein. Der mich wunderlich ge- es folget sonst darauf eine lange führet und noch leitet und re- Strafe, und die Not samt dem gieret, wird forthin mein Helfer Tod möchte dich in Sünden sein. unvermutet finden. 3. Viel bemühen sich um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeständig sind; ich begehr nach dem zu ringen, was Vergnügung pflegt zu bringen und man jetzt gar selten findt. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuchten; wache, sonsten wird dein Licht dir noch ferne deuchten; denn Gott will für die Füll seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Hoffnung kann das Herz 4. Wache, daß dich Satans erquicken; was ich wünsche, wird List nicht im Schlaf mag finsich schicken, so es anders Gott den, weils ihm sonst ein Leich gefällt. Meine Seele, Leib und tes ist, dich zu überwinden; Leben hab ich seiner Gnad er- und Gott giebt, die er liebt, geben und ihm alles heim- oft in seine Strafen, wenn sie geſtellt. sicher schlafen. 5. Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen, es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben, wie Gott will, so muß es bleiben, wann Gott will, bin ich bereit. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt bezwinge oder, wenn sie sich verstellt, wieder an sich bringe; wach und sieh, damit nie viel von falschen Brüdern unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, 6. Soll ich länger allhier leben, für dein Fleisch und Herze, dawill ich ihm nicht widerstreben, mit es nicht freventlich Gottes ich verlasse mich auf ihn; ist doch Gnad verscherze; denn es ist nichts, das lang bestehet, alles voller List und kann sich bald Irdische vergehet und fährt wie heucheln und in Hoffart schmei ein Strom dahin. 1676. cheln. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 223 ach Herr, erhöre mich! 7. Bete aber auch dabei mitten| gaben mein armes Herze laben, in dem Wachen, denn der Herre muß dich frei von dem allen machen, was dich drückt und bestrickt, daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 3. Vertreib aus meiner Seelen den alten Adamssinn und laß mich dich erwählen, auf daß ich mich forthin zu deinem Dienst ergebe und dir zu Ehren lebe, weil ich erlöset bin. 8. Ja er will gebeten sein, wenn er was soll geben; er verlanget unser Schrein, wenn wir 4. Befördre dein Erkenntnis wollen leben und durch ihn in mir, mein Seelenhort, und unsern Sinn, Feind, Welt, öffne mein Verständnis, Herr, Fleisch und Sünden kräftig durch dein heilig Wort, damit ich überwinden. an dich gläube und in der Wahr9. Doch wohl gut, es muß heit bleibe zu Trutz der Höllenuns schon alles glücklich gehen, pfort. wenn wir ihn durch seinen 5. Mit deiner Kraft mich rüste Sohn im Gebet anflehen, denn zu freuzgen mein Begier und er will uns mit Füll seiner alle bösen Lüste, auf daß ich für Gunst beschütten, wenn wir und für der Sündenwelt absterbe glaubend bitten. und nach dem Fleisch verderbe, hingegen leb in dir. 10. Drum so laßt uns immerdar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Not und Gefahr immer näher treten. Denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. 6. Ach zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus innrem Triebe dich ewig lieben kann und dir zum Wohlgefallen beständig möge wallen auf rechter Lebensbahn. Joh. Burch. Freystein † 1720. Eigene Melodie. 352. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Mut, denn das sind Gnadenerr Jesu, Gnaden- werke, die dein Geist schafft und sonne, wahrhaftes thut; hingegen meine Sinnen, Lebenslicht, laß Leben, Licht und mein Lassen und Beginnen ist Wonne mein blödes Angesicht böse und nicht gut. nach deiner Gnad erfreuen und meinen Geist erneuen, mein Gott, versag mirs nicht! 2. Vergieb mir meine Sünden und wirf sie hinter dich, laß allen Zorn verschwinden und hilf mir gnädiglich, laß deine Friedens8. Darum, du Gott der Gnaden, du Vater aller Treu, wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu! Gieb, daß ich deinen Willen gedenke zu erfüllen, und steh mir kräftig bei! Budw. Andr. Gotter g. 1661 † 1735. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Ohne tapfern Streit und Krieg Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. folget niemals rechter Sieg, phil. 2, 12. 353. Shaffet, schaffet, wahren Siegern wird die Krone Menschenkinder, nur Lohne. schaffet eure Seligkeit, bauet 6. Mit der Welt sich lustig nicht, wie freche Sünder, nur machen hat bei Christen keine auf gegenwärtge Zeit, sondern Statt, fleischlich reden, thun schauet über euch, ringet nach und lachen schwächt den Geist dem Himmelreich und bemühet und macht ihn matt. Ach bei euch auf Erden, wie ihr möget Christi Kreuzesfahn geht es selig werden. wahrlich niemals an, daß man noch mit frechem Herzen sicher wolle thun und scherzen. 2. Daß nun dieses mög geschehen, müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut und nach dessen 7. Furcht muß man vor Gott Neigung gehen, sondern was stets tragen, denn er kann mit Gott will und thut, das muß Leib und Seel uns zur Hölle ewig und allein eures Lebens Richtschnur sein, es mag Fleisch und Blut in allen übel oder wohl gefallen niederschlagen, er ists, der des Geistes Öl und nach dem es ihm beliebt Wollen und Vollbringen giebt. so laßt uns zu ihm gehen, ihn um Gnade anzuflehen. 8. Und dann schlagt die Sündenglieder, welche Adam in euch regt, in den Kreuzestod danieder, bis ihm seine Macht gelegt. Hauct Händ und Füße ab, was euch ärgert, senft ins Grab*) und denkt oftmals an die Worte: Dringet durch die enge Pforte! 224 3. Ihr habt Ursach zu befennen, daß in euch noch Sünde steckt, daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen, daß euch lauter Elend deckt, und daß Gottes Gnadenkraft nur allein das Gute schafft, ja daß außer seiner Gnade in euch nichts denn Seelenschade. 4. Selig, wer im Glauben tämpfet, selig, wer im Kampf besteht und die Sünde in fich dämpfet, selig, wer die Welt verschmäht. Unter Christi Kreuzesschmach jaget man dem Frieden nach, wer den Himmel will ererben, muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, sondern träg und lässig sein, eure Neigung zu bezwingen, 10. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, daß so bricht eure Hoffnung ein. ich so in Jesu Namen meinen *) Matth. 5, 30. 9. Zittern will ich vor der Sünde und dabei auf Jesum sehn, bis ich seinen Beistand finde, in der Gnade zu bestehn. Ach mein Heiland, geh doch nicht mit mir Armen ins Gericht, gieb mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen! Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 225 deine Hand das geweihte Bruderband! 9. So wie Vater, Sohn und Geist drei und doch nur eines heißt, wird vereinigt ganz und gar deine ganze Liebesschar. 10. Was für Freude, was für Lust wird ihr da nicht sein beEigene Melodie. 354. Sich, wie lieblich wußt! Was sie wünschet und ihr fein begehrt, wird von ists, wenn Brüder friedlich sein, selbst gewährt. wenn ihr Thun einträchtig iſt, ohne Falschheit, Trug und List. 2. Diesen ja verheißt der Herr reichen Segen nach Begehr und das Leben in der Zeit und auch dort in Ewigkeit. 3. Aber ach, wie ist die Lieb so verloschen, daß kein Trieb mehr auf Erden wird gespürt, der des andern Herze rührt. 4. Jedermann lebt für sich hin in der Welt nach seinem Sinn, denkt an feinen andern nicht; wo bleibt da die Liebespflicht? Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. 355. in reines Herz, 5. O Herr Jesu, Gottes Sohn, schaue doch von deinem Herr, schaff in Thron, schaue die Zerstreuung mir, schließ zu der Sünde Thor an, die ein Mensch nicht bessern und Thür, vertreibe sie und laß fann. nicht zu, daß sie in meinem Glaubenskampf vollführ. Er, er gebe Kraft und Stärk und regiere selbst das Werk, daß ich wache, bete, ringe und also zum Himmel dringe. Ludw. Andr. Gotter g. 1661+ 1735. 11. Alles, was bisher verwundt, wird mit Lob aus Einem Mund preisen Gottes Liebesmacht, wenn er alls in eins gebracht. 12. Kraft, Lob, Ehr und Herrlichkeit sei dem Höchsten allezeit, der, wie er ist drei in ein, uns in ihm läßt eines ſein. V. 1-2 Mich. Müller g. 1673+1704. V. 3-123 Christ. Nehring † 1736. 6. Sammle, großer Menschen- Herzen ruh. hirt, alles, was sich hat verirrt, 2. Dir öffn ich, Jesu, meine laß in deinem Gnadenschein alles Thür, ach komm und wohne du ganz vereinigt sein! bei mir, treib all Unreinigkeit hinaus aus deinem Tempel und 7. Gieß den Balsam deiner Kraft, der dem Herzen Leben Wohnhaus! schafft, tief in unser Herz hinein, strahl in uns den Freudenschein! 8. Bind zusammen Herz und Herz, laß uns trennen feinen Schmerz, knüpfe selbst durch ter Güt! 3. Laß deines guten Geistes Licht und dein hellglänzend Angesicht erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerschöpf15 226 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 4. Und mache dann mein Herz wird der Leib so stark, so hell und zugleich an Himmelsgut und rein, so herrlich sein, so lieblich Segen reich, gieb Weisheit, im Gesichte, dieweil ihn da die Stärke, Rat, Verstand aus wesentliche Pracht so schön gedeiner milden Gnadenhand! macht. 5. So will ich deines Namens Ruhm ausbreiten als dein Eigentum und dieses achten für Gewinn, wenn ich nur dir ergeben bin. Heinr. Georg Neuß g. 1654+ 1716. Eigene Melodie. s fostet viel, ein 356. G Christ zu sein und nach dem Sinn des reinen Geistes leben, denn der Natur geht es gar sauer ein, sich immer dar in Christi Tod zu geben; und ist hier gleich Ein Kampf wohl ausgericht, das machts noch nicht. 5. Da wird das Kind den Vater sehn, im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden; der lautre Strom wird es da ganz durchgehn und es mit Gott zu Einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mags verstehn? 6. Da giebt sich ihm die Weisheit ganz, die es hier stets als Mutter hat gespüret,*) fie frönet es mit ihrem Perlenfranz und wird als Braut der Seele zugeführet. Die Heimlichfeit wird da ganz offenbar, die in ihr war.**) *) Spr. 8, 1. 31.**) 1 Cor. 2, 9. 10. 7. Was Gott genießt, genießt es auch, was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben; der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde sein als Gott allein. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, die ihren Gift in unsre Fersen bringen; da kostets Müh, auf seiner Hut zu ſtehn, daß nicht der Gift kann in die Seele bringen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe wert, wenn man mit Ernst die 8. Auf, auf, mein Geist, Herrlichkeit erwäget, die ewiglich ermüde nicht, dich durch die ein solcher Mensch erfährt, der Macht der Finsternis zu reißen. sich hier stets aufs Himmlische Was sorgest du, daß dirs an geleget. Es hat wohl Müh, die Kraft gebricht? Bedenke was Gnade aber macht, daß mans für Kraft uns Gott verheißen. nicht acht. Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn,*) wie wohl wirds thun!*) Offenb. 14, 13. Christ. Friedr. Richter g. 1676+1711. 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte; wie Lieder vom christlichen Mel. Es fostet viel, ein Christ zu sein. 357. G s ist nicht schwer, ein Christ zu sein Leben und Wandel. 227 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, wenn dich wird Nacht und Finsternis bedecken; dein und nach dem Sinn des reinen Vater wird nichts Schlimmes mit Geistes leben; zwar der Natur geht es gar sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben, doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit den schweren Streit. dir thun; vor feinem Sturm und Wind darfst du erschrecken, ja, siehst du endlich ferner keine Spur, so glaube nur! 7. So wird dein Licht aufs 2. Du darfst ja nur ein Rind- neu entstehn, und wirst dein Heil lein sein, du darfst ja nur die mit größrer Klarheit schauen; leichte Liebe üben. O blöder was du geglaubt, wirst du dann Geist, schau doch, wie gut ers vor dir sehn; drum darfst du mein', das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben. Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr, es ist nicht schwer. nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ so selig ist. 8. Auf, auf, mein Geist, was säumest du, dich deinem Gott ganz findlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh, in Friede sollst du vor dem Vater schweben. Die Sorg und Last wirf nur getrost und fühn allein auf ihn. Christ. Friedr. Richter g. 1676+ 1711. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, daß er es selbst mit reiner Gnade fülle; der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, die Unlust schafft in dir dein eigner Wille. Drum übergieb ihn willig in den Tod, so hats nicht not. 4. Wirf nur getroft den Kummer hin, der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; sprich: Bater, schau mein Elend gnädig an! so ists gethan. 5. Faß nur dein Herze in Geduld, wenn du nicht gleich des Baters Hülfe merkest. Versiehst dus oft und fehlst aus eigner Schuld, so sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; so ist dein Fehl und kindliches Versehn als nicht geschehn. Eigene Melodie. 358. H Sinn sich vor ier legt mein dir nieder, mein Geist sucht seinen Ursprung wieder; laß dein erfreuend Angesicht zu meiner Armut sein gericht! 2. Schau her, ich fühle mein Verderben, laß mich in deinem Tode sterben; o könnte doch in deiner Pein die Eigenheit ertötet sein! 3. Du wollest, Jesu, meinen Willen mit der Gelassenheit erfüllen, brich der Natur. Gewalt 15* Lieder vom christlichen 228 entzwei und mache meinen Willen frei! 4. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe und mich in deinen Wegen übe, nur ist von der Unlauterkeit die Liebe noch nicht ganz befreit. 5. Ich muß noch mehr auf dieser Erden durch deinen Geist geheiligt werden, der Sinn muß tiefer in dich gehn, der Fuß muß 359. Mein lieber Gott, unbeweglich gedenke 6. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu raten, hier gelten nichts der Menschen Thaten; wer macht sein Herz wohl selber rein? Es muß durch dich gewirket sein. 7. Doch kenn ich wohl dein treues Lieben, du bist noch immer treu geblieben; ich weiß gewiß, du stehst mir bei und machst mich von mir selber frei. 8. Indessen will ich treulich kämpfen und stets die falsche Regung dämpfen, bis du dir deine Zeit ersiehst und mich aus solchen Netzen ziehst. 9. In Hoffnung kann ich fröhlich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen, Gott führt mich aus dem Kampf und Streit in seine Ruh und Sicherheit. 10. Drum will die Sorge meiner Seelen ich dir, mein Vater, ganz befehlen; ach drücke tief in meinen Sinn, daß ich in dir schon selig bin. Leben und Wandel. 12. So wächst der Eifer mir Streite, so schmeck ich schon die süße Beute und fühle, daß es Wahrheit ist, daß du, mein Gott, die Liebe biſt. Christ. Friedr. Richter g. 1676+1711. 11. Wenn ich mit Ernst hieran gedenke und mich in deinen Abgrund senke, so werd ich von dir angeblickt, und mein Herz wird von dir erquickt. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 3. im besten jetzt und allezeit, denn außer dir ist nirgend feiner, der mich mit Rat und Trost erfreut. Dein Wort macht mich voll Zuversicht und sagt mir: Du vergißt mein nicht. 2. Gedenke meiner, wenn ich höre dein süßes Evangelium, und mache mir die Himmelslehre zu Saft und Kraft im Christentum, daß so dein Same wohl geling und hundertfältig Früchte bring. 3. Gedenke meiner, wenn ich bete, und merke stets in Gnaden drauf! Weil ich in Christo vor dich trete, so schließ dein Herz und Ohren auf, doch gieb mir nichts als dies allein, was mir fann gut und selig ſein. 4. Gedenke meiner, wenn ich falle, und wirf mich nicht im Borne hin! Weil ich wie andre Menschen alle im Fleische schwach und blöde bin, so fördre meinen Gang und Stand durch Kraft und Stärke deiner Hand! 5. Gedenke meiner, wenn ich leide! Wen hab ich sonst, als dich allein, der bei der Menschen Haß und Neide mein Freund und Lieder vom christlichen Leben und Wandel. Tröster könnte sein? Und hab ich dich, so lacht mein Mut, wenn Welt und Teufel böse thut. 6. Gedenke meiner auch in allen, woran ich nicht gedenken kann, und blicke mich mit Wohlgefallen in meinem ganzen Leben an! Denn giebst du mir, was dir gefällt, so ists um mich recht gut bestellt. sterbe, und wenn mich alle Welt vergißt; versetze mich in jenes Erbe, wo du mein Teil und Leben bist. Denn bliebst du nicht im Himmel mein, so wollt ich nie geboren sein. Joh. Friedr. Ruopp † 1708. 7. Gedenke meiner, wenn ich 361. Licht selber durch Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. iebster Jesu, 8. Ich will mich über nichts betrüben, in deine Hände hast du mich zu Heil und Segen angeschrieben; drum sieht die Hoffnung bloß auf dich und denkt, im Glauben ungekränkt, daß Gott im besten meiner denkt. Erdmann Neumeister g. 1671+1756. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 360. Ge rneure mich, o ewigs Licht, und laß von deinem Angesicht mein Herz und Seel mit deinem Schein durchleuchtet und erfüllet sein! 2. Ertöt in mir die schnöde Lust, feg aus den alten Sündenwust, ach rüst mich aus mit Kraft und Mut, zu streiten wider Fleisch und Blut. 229 als was du willst, will, ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll! 3. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, der dir mit Luft Gehorsam leist und nichts sonst, 4. Auf dich laß meine Sinnen gehn, laß sie nach dem, was droben, stehn, bis ich dich schau, o ewigs Licht, von Angesicht zu Angesicht. dein Blut erkaufet, und auf dessen Namen ich als ein Christe bin getaufet, laß mich deinen Geist regieren, solchen Namen recht zu führen. 2. Laß mich meiner Taufe Bund ernstlich immerdar betrachten, laß mich doch von Herzensgrund Satan, Welt und Fleisch verachten, laß hingegen stets mich üben, Gott und Menschen recht zu lieben. 3. Laß mich, Herr, den schmalen Weg durch die enge Pforte gehen, laß auf deines Wortes Steg einzig meine Augen sehen, gieb Geduld in Kreuz und Leiden, daß sie nie mich von dir scheiden. 4. Komm, vermähle selber dich, liebster Jesu, meiner Seelen, gönne, daß auf ewig ich dich zu meiner Lust mag wählen, gieb, daß feine Trübfalsfluten löschen unsrer Liebe Gluten. 5. Laß mich hier in dieser Welt als ein wahrer Christe leben und sodann, wenn dirs gefällt, christlich meinen Geist aufgeben, auch im Himmel zu 230 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. den Frommen und den wahren wir sind versöhnt! Daß uns die Christen kommen. Welt noch höhnt, währt nicht lange, und Gottes Sohn hat längstens schon uns beigelegt die Ehrenkron. 6. Ehre, Glücke, Kunst und Ruhm laß ich dieser Welt dahinten, aber nur mein Christentum werde ich dort wiederfinden, wo mit schönen Ehrenkronen Gott will wahren Christen lohnen. Hnr. Jon. Wehrenberg g. 1651+1713. 4. Jesu, stärke deine Kinder und mach aus denen Überwinder, die du erkauft mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, daß wir uns stets zu dir erheben, 362. N Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. wenn uns entfallen will der üstet euch, ihr Mut. Gieß aus auf uns den Christenleute! Geist, dadurch die Liebe fleußt Die Feinde suchen euch zur in die Herzen, so halten wir geBeute, ja Satan selbst hat eur treu an dir im Tod und Leben begehrt; wappnet euch mit Gottes für und für. Worte und kämpfet frisch an Wilh. Erasmus Arends † 1721. jedem Orte, damit ihr bleibet der Feind Eigene Melodie. zu schnell, hier iſt Immanuel. 363. Rottes Gnade inge recht, wenn Hosianna! Der Starke fällt durch diesen Held, und wir behalten mit das Feld. dich nun ziehet und bekehrt, daß dein Geist sich recht entlade vont der Last, die ihn beschwert. 2. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, dring hinein in Gottes Reich; will der Satan widerstreben, werde weder matt noch weich! 2. Reinigt euch von euren Lüften, besieget sie, die ihr seid Christen, und stehet in des Herren Kraft! Stärket euch in Jesu Namen, daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen. Wo ist des Glaubens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, der schaue auf das Ziel, da ist Freude. Wohlan, so seid zum Kampf bereit, so frönet euch die Ewigkeit. 3. Ringe, daß dein Eifer glühe, und die erste Liebe dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich. 3. Streitet recht die wenig Jahre, eh ihr kommt auf die Totenbahre; furz, kurz ist unser schwebst du täglich in Gefahr. 4. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, deines Heils mit Zittern wahr; hier in dieser Leibeshöhle Lebenslauf. Wenn Gott wird die Toten wecken, und Christus wird die Welt erschrecken, so stehen wir mit Freuden auf. Gott Lob, fall ist ein böser Gast. 5. Halt ja deine Krone feste, halte männlich, was du haſt; recht beharren ist das beste, Rück Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 231 6. Laß dein Auge ja nicht gaffen Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. nach der ſchnöden Gitelkeit, bleibe 364. Ach Gott, verlaß Tag Nacht in Waffen, fliche Träg- und Sicherheit! mir die Gnadenhände, ach führe 7. Wahre Treu liebt Christi mich, dein Kind, daß ich den Wege, steht beherzt auf ihrer Hut, Lauf vollende zu meiner Seligweiß von keiner Wollustpflege, feit, sei du mein Lebenslicht, hält sich selber nichts zu gut, mein Stab, mein Hort, mein 8. Denkt bei jedem Augen- Schutz, ach Gott, verlaß mich blicke, obs vielleicht der letzte sei, nicht! bringt die Lampen ins Geschicke, holt stets neues Öl herbei. 9. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht Sodom in der Glut? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 10. Eile, wo du dich erretten und nicht mit verderben willt, mach dich los von allen Ketten, fleuch wie ein gejagtes Wild! 11. Lauf der Welt doch aus den Händen, dring ins stille Zoar*) ein, eile, daß du mögst vollenden, mache dich von allem rein! *) 1 Moje 19, 22. 23. 12. Laß dir nichts am Herzen fleben, fleuch vor dem verborgnen Bann, such in Gott geheim zu leben, daß dich nichts beflecken fann. 13. Eile, zähle Tag und Stunden, bis dein Bräutgam kommt und winkt und, wenn du nun überwunden, dich zum Schauen Gottes bringt. 14. Eile, lauf ihm doch entgegen, sprich: Mein Licht, ich bin bereit nun mein Hüttlein abzulegen, mich dürst nach der Ewigkeit. Joh. Jos. Winckler g. 1670+ 1722. 2. Ach Gott, verlaß mich nicht, regiere du mein Wallen, ach laß mich nimmermehr in Sünd und Schande fallen; gieb mir den guten Geist, gieb Glaubenszuversicht, sei meine Stärk und Kraft, ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht, ich ruf aus Herzensgrunde, ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde! Wenn mich Versuchung plagt und meine Seel ansicht, so weiche nicht von mir, ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht, ach laß dich doch bewegen, ach Vater, fröne doch mit reichem Himmelssegen die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht, zu thun, was dir gefällt, ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht, ich bleibe dir ergeben; hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht, hilf mir in Not und Tod, ach Gott, verlaß mich nicht! Salomo Franck(?) g. 1659+ 1725. 232 Lieder vom chriftlichen Leben und Wandel. Mel. O du Liebe meiner Liebe. was von deiner Klarheit in der 365. Herz und Herz ver- That erleuchtet iſt. eint 6. So wird dein Gebet erfüllet, sucht in Gottes Herzen Ruh! daß der Vater alle die, welche Laffet eure Liebesflammen lodern du in dich verhüllet, auch in auf den Heiland zu! Er das seine Liebe zich, und daß, wie Haupt, wir seine Glieder, er du eins mit ihnen, also sie auch das Licht, und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder; er ist unser, wir sind sein. eines sein, sich in wahrer Liebe dienen und einander gern erfreun. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder, 7. Liebe, hast du uns geboten, und erneuert daß man Liebe üben soll, o so mache doch die toten trägen Geister lebensvoll, zünde an die Liebesflamme, daß ein jeder sehen fann: wir, als die von Einem Stamme, stehen auch für Einen Mann. euren Bund, schwöret unsrem Überwinder Lieb und Treu von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, o so flehet um die Wette, bis sie Jesus wieder stählt. 3. Legt es unter euch, ihr 8. Laß uns so vereinigt werGlieder, auf so treues Lieben den, wie du mit dem Vater bist, an, daß ein jeder für die bis schon hier auf dieser Erden Brüder auch das Leben lassen fein getrenntes Glied mehr ist, fann. So hat uns der Herr geliebet, so vergoß er dort sein Blut; denkt doch, wie ihr ihn betrübet, wenn ihr selbst euch Eintrag thut. und allein von deinem Brennen nehme unser Licht den Schein; also wird die Welt erkennen, daß wir deine Jünger sein. Nit. Ludw. v. Zinzendorf g.1700+1760. 4. Halleluja! welche Höhen, welche Tiefen reicher Gnad, daß wir dem ins Herze sehen, der Gnadenwununs so geliebet hat, daß der Vater aller Geister, der der der, tiefste Weisheit, größte Kraft, Wunder Abgrund ist, daß du, schönste Zierde, Liebeszunder, unsichtbarer Meister, uns so Werk, das Gott alleine schafft! fühlbar nahe biſt. 2. Alle Freiheit geht in Banden, aller Reichtum ist nur Wind, alle Schönheit wird zu daß sie sich so herzlich meine, Schanden, wenn wir ohne Einwies dein letzter Wille war; ja falt sind. verbinde in der Wahrheit, die 5. Ach du holder Freund, vereine deine dir geweihte Schar, 3. Wenn wir in der Einfalt du selbst im Wesen bist, alles, stehen, ist es in der Seele licht; Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 366. Heilge Einfalt, Lieder vom christlichen Leben und Wandel. aber wenn wir doppelt sehen, so vergeht uns das Gesicht. 4. Einfalt ist ein Rind der Gnade, eine fluge Ritterschaft, die auf ihrem schmalen Pfade nicht nach dem und jenem gafft. 5. Einfalt denkt nur auf das Eine, in dem alles andre steht; Einfalt hängt sich ganz alleine an den ewigen Magnet. 6. Einfalt quillt aus Jesu Wunden mit dem teuren Gottesblut; wer sie da nicht hat gefunden, der ist fern von die sem Gut. 7. Wer nur hat, was Jesus giebet, wer nur lebt aus seiner Füll, wer nur will, was ihm beliebet, wer nur kann, was Jesus will; 8. Wer nur geht auf seinem Pfade, wer nur sieht bei seinem Licht, wer nur stets verlangt nach Gnade und mag alles andre nicht; 9. Wer ihn so mit Inbrunst liebet, daß er seiner selbst vergißt, wer sich nur um ihn betrübet und in ihm nur fröhlich ist; 10. Wer allein auf Jesum trauet, wer in Jesu alles findt: der ist auf den Fels erbauet und ein seligs Gnadenkind. A. G. Spangenberg g. 1704+ 1792. V. 4 von N. L. v. Zinzendorf. Eigene Melodie. 367. Det ein Erbe, Herr, das du erkauft, mit dem du Freundschaft aufgerichtet, das, als es ward auf dich 233 getauft, sich zu des Satans Haß verpflichtet, sieht, wie es selbst sich nicht beschirmen kann, und rufet dich um Sieg und Beistand an. 2. Du haft der Schlange Kopf zerstört, ihr Gift gedämpft, ihr Reich bezwungen; es hat dein Tod den Tod verheert und ihn in frohem Sieg verschlungen, die Schuld getilgt, die freche Welt besiegt, daß nun der Feind zu deinen Füßen liegt. 3. Doch weil hier noch die Probezeit, hast du ihm so viel Macht gelassen, daß er uns kann durch Kampf und Streit, bei unserm Fleisch und Blute fassen. Es stimmt die Welt, als die ihn folgt, mit ein; hier ist es Not, auf seiner Hut zu sein. 4. Mit so viel Feinden finden wir, o Herr, uns überall umgeben. Der eine reizt und schmeichelt hier, dort droht ein andrer unserm Leben, ja allesamt sind sie darauf bedacht, daß unser Geist werd um sein Heil gebracht. 5. Wer ist hier tüchtig zu bestehn und über Lust und Furcht zu siegen? Soll es durch unsre Kraft geschehn, so werden wir bald unterliegen. Die Feinde sind zu listig, stark und groß, wir aber stehn von Macht und Weisheit bloß. 6. Doch was uns fehlt, das finden wir, erwürgtes Samm, in deinen Schätzen; dein Beistand ist uns gut dafür, daß uns kein Satan fann verletzen; du ziehest uns mit Kraft und Weisheit an, 234 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. daß unser Geist weit überwinden die starke Hand, so wird das Sinken abgewandt. fann. 7. Gieb nur, daß wir nicht 5. Du riefest mich, nun ruf träge sein noch selbst die Waffen ich dir. Mein Heiland, komm niederlegen; flöß uns die Kraft zu Hülfe mir! Mein matter des Glaubens ein, damit wir mutig streiten mögen; bewahre uns vor weicher Zärtlichkeit, wenn Fleisch und Blut sich vor dem Kreuze scheut. Fuß kann nirgend fort, ach trage mich an Stell und Ort! 6. Flößt du mir Matten Kräfte ein, so werd ich künftig stärker sein, so folg ich dir, mein Herr und Gott, durch Flut und Glut, durch Not und Tod. Joh. Jak. Rambach g. 1693+ 1735. 8. So wollen wir, wenn nach dem Streit die frohen Siegeslieder klingen, in jener stillen Ewigkeit, o Heiland, deinen Ruhm besingen, wenn du den Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. Tod, den letzten Feind, beſiegt, 369. Gieb mir ein from und alles nun zu Füßen liegt. Joh. Jak. Rambach g. 1693+ 1735. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. mes Geber aller Gaben! Das soll mein Reichtum sein, den ich begehr zu haben, das ist mein höchster Ruhm, mein Schmuck und schönste Pracht, denn fromm sein wird bei Gott und Engeln hoch geacht. 368. S ier bin ich, Herr, du rufest mir, du ziehest mich, ich folge dir. 2. Gieb mir ein frommes Herz Du forderst von mir Herz und in allem meinem Denken, wenn Sinn, mein Schöpfer, nimm, sich mein eitler Sinn auch will ach nimm es hin! zum Bösen lenken. Ach schrecke 2. Ich hab oft deinen Wink mich doch ab von der Gottlosen verschmäht, es ist mir leid, ich Weg und führe mich, o Gott, komme spät; doch ist mir lieb, den rechten Himmelssteg! daß deine Güt noch auf mich armen Sünder sieht. 3. Gieb mir ein frommes Herz, das sich nicht läßt verführen, laß deinen guten Geist daſselbe kräftig rühren! Herr, laß mich nimmermehr auf böses Beispiel sehn, vielmehr mit aller Treu in Christi Stapfen gehn! 4. Es geht mir, wie es Petro ging: dort kommt ein Sturm, ich sink, ich sink. Ach reiche mir die Gewohnheit nicht mich auch 4. Gieb mir ein frommes Herz, wenn ich viel Böses höre, daß 3. Ich wag es aber länger nicht, zu unterlassen meine Pflicht, ich komme, Herr, voll Reu und Buß; ach aber, ach wie wankt mein Fuß! Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 235 zuletzt bethöre; schließ meine] 10. Gieb mir ein frommes Ohren zu, gieb deinem Worte Herz! Wenn du mir das wirst Kraft, das sagt, du forderst auch geben, so will ich dankbar sein von Worten Rechenschaft. in meinem ganzen Leben, jo wird mein Herz und Sinn sich lenken himmelwärts. Drum bitt ich noch einmal: Gieb mir ein 5. Gieb mir ein frommes Herz, wenn ich die Welt betrachte, daß ich die Eitelkeit und Sündenlust verachte. Es muß die schnöde frommes Herz! Welt mit ihrer Lust vergehn, Joh. Friedr. Starck g. 1680 † 1756. den Frommen aber bleibt der Himmel offen stehn. Eigene Melodie. 6. Gieb mir ein frommes Herz, 370. Baterher o ich bleibe Licht, o Leben, und nur, was dir gefällt, in o treuer Hirt, Immanuel, dir meinem Leben treibe. Heut bin ich einmal übergeben, dir, fromm sein, morgen bös, und dir gehöret meine Seel. Ich will so in Wankelmut bald Guts, mich nicht mehr selber führen, bald Böses thun, stürzt in die der Vater soll das Kind regieren; Höllenglut. so geh nun mit mir aus und ein und leite mich nach allen Tritten! Ich geh, ach hör, o Herr, mein Bitten, für mich nicht einen Schritt allein. 2. Was kann dein schwaches Kind vollbringen? Ich weiß mir gar in keinem Rat; drum sei in groß und kleinen Dingen mir 8. Gieb mir ein frommes Herz, immer selber Rat und That. so wird mirs auch wohl gehen; Du willst dich meiner gar nicht du wirst mein Beistand sein, schämen, ich kann dich ja zu wenn Unglückswinde wehen. Den allem nehmen, du willst mir Frommen ist ja Gnad und Hülfe selber alles sein; so sollst du zugesagt, wenn die verdiente denn in allen Sachen den AnStraf der Bösen Rotte plagt. fang und das Ende machen, dann stellt sich lauter Segen ein. 9. Gieb mir ein frommes Herz, so kann ich selig sterben und als 3. Du gängelst mich, ich kann ein Gotteskind das Himmelreich nicht gleiten. Dein Wort muß ererben. Im Himmel wird ja ewig feste stehn; du sprichst, dein einst die Frömmigkeit gekrönt, Auge soll mich leiten, dein Andie auf der Erden nur von gesicht soll vor mir gehn, ja Bösen wird verhöhnt. deine Güt und dein Erbarmen. 7. Gieb mir ein frommes Herz, daß ich nicht von dir weiche und nicht der schnöden Welt in ihren Sünden gleiche. Ich will von ihrem Thun mich sondern gänzlich ab und in der Gottesfurcht beharren bis ins Grab. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 236 soll mich umfangen und umarmen. O daß ich nur recht findlich sei, bei allem gläubig zu dir flehe und stets auf deinen Wink nur sehe, so spür ich täglich neue Treu. 4. O daß ich auch im Kleinsten merke auf deine Weisheit, Güt und Treu, damit ich mich im Glauben stärke, dich lieb und lob und ruhig sei und deine Weisheit lasse walten, stets Ordnung, Maß und Ziel zu halten; sonst lauf ich vor, da lauf ich an. Drum mach im Besten mich gelassen, nichts ohne dich mir anzumaßen; was du nur thust, ist wohlgethan. 7. Ich sehne mich, nur dir zu leben, der du mein Herr und Bräutgam bist. Was dir sich nicht will ganz ergeben und was nicht deines Willens ist, das strafe bald in dem Gewissen, laß Blut und Wasser auf mich fließen und tilge, was nicht lauter heißt. Laß nur dein Lob zur Lust mir werden und dann das Heil der armen Herden, nach einer reinen Lieb im Geist! So lob und lieb ich in der Stille und ruh als Kind in deinem Schoß. Das Schäflein trinkt aus deiner Fülle, die Braut steht aller Sorgen bloß; sie sorget nur allein in allen, dir, ihrem Bräutgam, zu gefallen, sie schmückt und hält sich dir bereit. Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; was du nicht bist, laß ganz zerrinnen, o reiner Glanz der Ewigkeit! Karl Heinr. v. Bogatty g. 1690+ 1774. 5. Ach mach einmal mich treu und stille, daß ich dir immer folgen kann; nur dein, nur dein vollkommner Wille sei mir hier Schranke, Lauf und Bahn! Laß mich nichts mehr für mich verlangen, ja laß mir nichts am 1 Petrt 1, 4. 5. Herzen hangen als deines großen Namens Ruhm; der sei allein Mel. Wie wohl ist mir, o Freund mein auf ach laß der Seele. mirs nie verrückt werden, denn 371. Breund der Seele, Lewahre 0 ich bin ja dein Eigentum. 6. Laß mich in dir den Vater preisen, wie er die Liebe selber ist; laß deinen Geist mir klärlich weisen, wie du von ihm geschenkt mir bist. Ach offenbare deine Liebe und wirke doch die heißen Triebe der wahren Gegenlieb in mir, durchdringe dadurch Herz und Sinnen, daß ich hinfort mein ganz Beginnen in deiner Lieb und Lob nur spür. durch deine Macht zur Seligkeit; hier giebts noch mördervolle Höhlen, von außen Furcht, von innen Streit, viel tausend Mängel und Gebrechen, die Mut und Glauben können schwächen. Gewiß ich würde noch gefällt bei so viel Schlingen, Netz und Stricken, damit der Feind sucht zu berücken, wenn mich nicht Gottes Macht erhält. Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 237 2. Der Schutz steht nicht in Mahlschatz, Pfand und Siegel, meinen Händen noch in der Kreaturen Macht, zu dir, zu dir will ich mich wenden, dein Aug und Herz hat auf mich acht. Wie du mir nun das Heil erworben, da du für mich am Kreuz gestorben, so mußt du wahrlich auch allein vor aller Macht der Höllenscharen mich zu der Seligkeit bewahren und mir mein Schild und Sonne sein. ein starker Beistand, Schloß und Riegel, die Wehr und Mauer, so uns schützt, ein Quell, der auf die Dürren fließet, den Traurigen das Leid versüßet, und der die Schwachen unterſtützt. 6. Ist Gottes Macht da zum Bewahren, so lach der Sünd und Hölle Macht! Du wirst zu deinem Heil erfahren, wenn alles stürmet, blitzt und fracht, wie Gottes Wort dich nicht betrüget, wie seine Hand gewaltig sieget; verzage nur an eigner Kraft! Wirst du mit deinem Unvermögen in Gottes Macht dich gläubig legen, so übst du gute 3. Mein Vater, du hast mir das Erbe von Ewigkeit ja zubereit; ach sorge, daß ich nicht verderbe durch schnöde, träge Sicherheit, was du dem Glauben beigeleget. Wenn Feindes Ritterschaft. List und macht sich reget, mir das geschenkte gute Teil aus Herz und Händen sucht zu bringen, so laß mich wachen, beten, ringen, ja wache selber für mein Heil! 4. Immanuel, in deine Hände ergeb ich mich mit Leib und Seel; mein A und O, Anfang und Ende, du bist mein Teil, das ich erwähl; du bist im stand, mich zu erhalten und so in dei ner Macht zu walten, daß Feindes Macht zu schanden wird. Er muß trotz allem Grimm und Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Haffen bein Schaf bir in den 372. get inside, Kom Dommt, laßt gehen, Händen du, Jehova, bist mein Hirt. der Abend kommt herbei; es ist 5. Dein Geist, der ewig bei gefährlich stehen in dieser Wüuns bleibet, dein Geist, der alle stenei; kommt, stärket euren Mut, Dinge schafft, dein Geist, der zur Ewigkeit zu wandern, von uns belebt und treibet, ist unser einer Kraft zur andern; es ist mit der Salbungskraft. Er ist der das Ende gut. 7. Auf jenes Kleinod mußt du schauen, das Kleinod deiner Seligkeit, und hör nicht auf, ihm zu vertrauen, der täglich dir die Hände beut; du wirst wahrhaftig überwinden und endlich alles, alles finden, Gerechtigkeit und Heiligkeit, verklärt bei Gott und Engeln wohnen, in höchster Ehr mit Christo thronen, voll Lob, voll Licht, voll Fried und Freud. 3.Ludw. Konr. Allendorf g. 1693+1773. 238 Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 2. Es soll uns nicht gereuen Grab; nur noch ein wenig Mut, der schmale Pilgerpfad; wir ken- nur noch ein wenig treuer, von nen ja den Treuen, der uns ge- allen Dingen freier, gewandt zum rufen hat; kommt, folgt und ewgen Gut! trauet dem, ein jeder sein Gesichte mit ganzer Wendung richte fest nach Jerusalem! 8. Es wird nicht lang mehr währen, halt't noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, so kommen wir nach Haus; da wird man ewig ruhn, wenn wir mit allen Frommen daheim zum Vater kommen; wie wohl, wie wohl wirds thun! 3. Kommt, Kinder, laßt uns gehen, der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen in jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir habens gut. 9. Drauf wollen wirs denn wagen, es ist wohl Wagens wert, und gründlich dem absagen, was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein, wir gehn durch Jesu Leiten hin in die Ewigkeiten, es soll nur Jesus sein. 4. Ein jeder munter eile, wir sind vom Ziel noch fern. Schaut auf die Feuersäule,*) die Gegenwart des Herrn! Das Aug nur eingekehrt, da uns die Liebe winfet und den, der folgt und sinket, den wahren Ausgang lehrt. *) 2 Mose 13, 21. 5. Kommt, Kinder, laßt uns wandern, wir gehen Hand an Hand, eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, laßt uns findlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten;*) die Engel uns begleiten als unsre Brüderlein.*) 1 Mose 45, 24. 6. Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu, so weit die man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh! Kommt, bindet fester an, ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste, auf unsrer Liebesbahn! 7. Kommt, laßt uns munter wandern, der Weg fürzt immer 10. O Freund, den wir erlesen, o allvergnügend Gut, o ewigbleibend Wesen, wie reizest du den Mut! Wir freuen uns in dir, du unsre Wonn und Leben, worin wir ewig schweben, du unsre ganze Zier! Gerh. Terstegen g. 1697+ 1769. 373. Gºt Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. ott, deine Güte reicht so weit, Wolken gehen; du frönst uns mit Barmherzigkeit und eilst uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, denn ich will vor dir beten. 2. Jch bitte nicht um Überab; ein Tag der folgt dem an- fluß und Schätze dieser Erden, dern, bald fällt das Fleisch ins laß mir, so viel ich haben muß, Lieder vom christlichen Leben und Wandel. 239 nach deiner Gnade werden; gieb die Gott durch seines Sohnes mir nur Weisheit und Verstand, Blut so hoch erkaufen lassen? dich Gott, und den, den du Daß Gott mich schuf und mich gesandt, und mich selbst zu er- versühnt, hab ich dies mehr als fennen. sie verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen, ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, dem Kleinsten auch von diesen, das sieht er, mein Erlöser, an, als hätt ichs ihm erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein und Gott in Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gieb mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe 374.6( o jemand spricht, Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. ich liebe Gott, preist. und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Gott ist die Lieb und will, daß 375. Geh hin nach Gottes in Deich den gleich als mich. 3. Jch bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren, des guten Namens Eigentum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demut, Mut in Not, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden! Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt. mut und Vertraun, lern das 2. Wir haben Einen Gott Gebot erfüllen, sein großes Feld und Herrn, sind Eines Leibes zu baun. Frag nach der Ernte Glieder, drum diene deinem nicht, du darfst den Lohn nicht Nächsten gern, denn wir sind messen, mußt Freud und Luſt alle Brüder. Gott schuf die vergessen, nur sehn auf deine Welt nicht bloß für mich, mein Pflicht. Nächster ist sein Kind wie ich. 2. Willst du nur sein geborgen und vor der Welt geehrt, so kannst du nicht besorgen, was 3. Ein Heil ist unser aller Gut. Ich sollte Brüder hassen, Lieder vom Gebete. 240 deinem Herrn gehört; sieht jemand auf Gewinn, sucht Schätze nur auf Erden, um glücklicher zu werden, der hat den Lohn dahin. Eigene Melodie. 376. o nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende, und ewiglich! Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt; wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit! 3. Doch hast du deine Gaben dem Dienst des Herrn geweiht, so wirst du Augen haben zu fehn, was er gebeut. Das thue 2. In dein Erbarmen hülle still und gern, du darfst nicht mein schwaches Herz und mach zaudernd wählen, nicht rechnen und nicht zählen; er ruft, du folgst dem Herrn. es gänzlich stille in Freud und Schmerz; laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind, es wird die Augen schließen und glauben blind. 4. Nur frisch an allen Enden die Arbeit angefaßt! Mit unverdroßnen Händen sei wirksam 3. Wenn ich auch gleich nichts ohne Rast! Das ist der rechte fühle von deiner Macht, du Mut. Streu aus den edlen führst mich doch zum Ziele, auch Samen und wirk in Gottes durch die Nacht. So nimm denn Namen, so keimt und wächst meine Hände und führe mich bis es gut. an mein selig Ende, und ewiglich! Julie Hausmann. Joh. Friedr. Möller g. 1789 † 1861. XX. Pieder vom Gebete. vor falscher Lehr, das arm, verEigene Melodie. 377. BHimmelreich, der V later unser im führte Volk bekehr! 3. Es komm dein Reich zu du uns alle heißest gleich Brü- dieser Zeit und dort hernach in der sein und dich rufen an Ewigkeit, der heilge Geist uns und willst das Beten von uns habn, gieb, daß nicht bet allein der Mund, hilf, daß es geh von Herzensgrund. wohne bei mit seinen Gaben mancherlei, des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt! 2. Geheiligt werd der Name 4. Dein Will gescheh, Herr dein, dein Wort bei uns hilf Gott, zugleich auf Erden wie halten rein, daß auch wir leben im Himmelreich, gieb uns Geheiliglich, nach deinem Namen duld in Leidenszeit, gehorsam würdiglich. Behüt uns, Herr, sein in Lieb und Leid, wehr Lieder vom Gebete. 241 und steur allem Fleisch und| Mel. Wär Gott nicht mit uns diese Zeit. Blut, das wider deinen Willen 378. thut. Vater, unser Gott, es ist 5. Gieb uns heut unser täglich unmöglich auszusinnen, wie du Brot und was man braucht zur recht anzurufen bist, man fanns Leibesnot, behüt uns, Herr, vor nicht eins beginnen. Deshalben Unfried, Streit, vor Seuchen geuß, wie du verheißt, selbst über und vor teurer Zeit, daß wir uns aus deinen Geist der Gnad in gutem Friede stehn, der Sorg und des Gebetes, und Geizes müssig gehn. 2. Daß er bei dir uns fräftig6. All unsre Schuld vergieb lich mit Seufzen mög vertreten, uns, Herr, daß sie uns nicht so oft wir kommen, Herr, vor dich betrübe mehr, wie wir auch zu danken und zu beten. Laß unsern Schuldigern ihr Schuld nicht nur plappern unsern Mund, und Fehl vergeben gern; zu hilf, daß zu dir aus Herzensdienen mach uns all bereit in grund, o großer Gott, wir rufen. rechter Lieb und Einigkeit! 3. Zeuch unser Herz zu dir hinauf im Beten und im Singen ein Opfer dir zu bringen, das und thu uns auch die Lippen auf, dir gefalle, wenn allda das Herz ist mit den Lippen nah und nicht von dir entfernet. 7. Führ uns, Herr, in Bersuchung nicht! Wenn uns der böse Geist ansicht, zur linken und zur rechten Hand hilf uns thun starken Widerstand, im Glauben fest und wohl gerüst und durch des heilgen Geistes Trost! laß zu dir das Herz uns immer 4. Im Geist und Wahrheit richten, mit Andacht beten für 8. Von allem Übel uns erlös, und für, ohn fremdes Dent'n es sind die Zeit und Tage bös. und Dichten. Gieb uns des Erlös uns von dem ewgen Tod Glaubens Zuversicht, daß wir und tröst uns in der letzten die Bitte zweifeln nicht durch Not, bescher uns auch ein seligs Christum zu erhalten. End, nimm unsre Seel in deine Händ! 5. Hilf, daß wir keine Zeit und Maß im Beten dir vor9. Amen, das ist, es werde schreiben, anhalten ohne Unterwahr, stärk unsern Glauben laß, bei dem allein auch bleiben, immerdar, auf daß wir ja nicht was dein Will ist, was deine Ehr zweifeln dran, was wir hiemit und unsre Wohlfahrt uns noch gebeten habn auf dein Wort, in mehr befördert hier und ewig. dem Namen dein; so sprechen wir das Amen fein. 6. Laß uns im Herzen und Gemüt auf unsre Werk nicht bauen, auf deine unaussprechlich Martin Luther g. 1483+ 1546. 16 242 Lieder vom Gebete. Güt laß einzig uns vertrauen. Gott beten heißt, weil dich sein Ob wir es gleich nicht würdig lieber Sohn so freudig treten sein, wollst du aus lauter Gnad heißt vor seinen Gnadenthron. allein uns doch die Bitt gewähren! 7. Du, Vater, weißt, was uns gebricht, so lang wir sind im Leben; es ist dir auch verborgen nicht, in was Gefahr wir schweben. Um Beistand flehen wir dich an, dein Vaterherze uns nicht kann verlassen, deine Kinder. 2. Dein Vater ists, der dir befohlen hat zu beten; dein Bruder ists, der dich vor ihn getrost heißt treten; der werte Tröster ists, der dir die Wort giebt ein: drum muß auch dein Gebet gewiß erhöret sein. 3. Da siehst du Gottes Herz, das dir nichts kann versagen. Sein Mund, sein teures Wort vertreibt ja alles Zagen. Was dich unmöglich deucht, kann seine laß hier und an allem End uns Vaterhand noch geben, die von stets aufheben heilge Händ, zu dir so viel Not abgewandt. dir gen Himmel schreien! 8. Wir haben ja die Freudigkeit in Jesu Christ empfangen, der Gnadenstuhl ist da bereit, die Hülfe zu erlangen. Drum 4. Komm nur, komm freudig 9. Dein Nam, o Gott, geheiligt her in Jesu Christi Namen, werd, dein Reich laß zu uns kom- sprich: Lieber Vater, hilf, ich bin men, dein Will geschehe auch auf dein Kind, sprich Amen! Ich Erd, gieb Brot, Fried, Nutz und weiß, es wird geschehn, du wirst Frommen, all unsre Sünden uns mich lassen nicht, du wirst, dit verzeih, steh uns in der Versuchung willst, du kannst thun, was dein bei, erlös uns von dem Übel! Wort verspricht. Joh. Olearius g. 1611+1684. 10. Dies alles, Vater, werde wahr, du wollest es erfüllen. Erhör und hilf uns immerdar Mel. Werde munter, mein Gemüte. Unglück dein, o Herr, von hat betreten, Ewigkeit zu Ewigkeit das Reich, wenn du steckst in Angst und die Macht und Ehre. um Jeſu Chriſti willen, denn 380. Wenn ich Ungla Not, mußt du fleißig zu Gott beten, beten hilft in Not und Tod, daß du Gottes Angesicht auch im Kreuz auf dich gericht fannst aus seinem Wort erblicken Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. 379. Wohl auf, mein und dein Herz mit Trost erzu Gott quicken. dein Andacht fröhlich bringe, daß 2. Reiner wird jemals zu dein Wunsch und Gebet durch schanden, der sich seinem Gott alle Wolken dringe, weil dich vertraut; kommt dir gleich viel David Denicke g. 1603+ 1680, oder Justus Gesenius g. 1601+ 1673. Lieder vom Gebete. Not zuhanden, hast du auf ihnen Ev. Joh. 16, 23-30.in wohl gebaut. Obs gleich scheint, Eigene Melodie. als hört er nicht, weiß er doch, 381. was mußt Dir, ir, dir, Jehova, will ich singen, denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lie der bringen, ach gieb mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es thu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist. i 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir, dein Geist in meinem Herzen wohne und meine Sinne und Verstand regier, daß ich den Frieden Gottes schmeck und fühl und dir darob im Herzen sing und spiel. 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, so wird gewiß mein Singen recht gethan, so klingt es schön in meinem Liede, und ich 5. Laß dich Gottes Wort regie- bet dich im Geist und Wahrheit ren, merke, was die Wahrheit an, so hebt dein Geist mein Herz lehrt, Satan wird dich nicht zu dir empor, daß ich dir Psal= verführen, der die ganze Welt verkehrt. Gottes Wahrheit iſt dein Licht, dein Schutz, Trost und Zuversicht. Trau mur Gott, der fann nicht lügen, bet, du wirst gewiß obsiegen. 6. Lob sei Gott für seine Gnade! Seine große Güt und Treu macht, daß mir kein Feind nicht schade, sie ist alle Morgen 5. Wenn dies aus meinem neu. Drum will ich mein Leben- Herzen schallet durch deines heillang immer sagen Lob und Dank gen Geistes Kraft und Trieb, so meinem Gott in allen Dingen, bricht dein Vaterherz und wallet fröhlich Halleluja singen. ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb, daß mirs die Bitte Joh. Olearius g 1611+1684. 16* du ihm klagen und in keiner Not verzagen. 3. Rufen, schrein, anklopfen, beten ist der Christen beste Kunst, allzeit freudig vor ihn treten findet Hülfe, Gnad und Gunst. Wer Gott fest vertrauen kann, ist der allerbeste Mann; der wird allzeit Rettung finden, kein Feind wird ihn überwinden. 243 4. Lerne Gottes Weise merken, die er bei den Seinen hält; er will ihren Glauben stärken, wenn fie Unglück überfällt. Unser Gott der lebt ja noch, schweigt er gleich, so hört er doch. Schrei getrost, du mußt nicht zagen, dein Gott kann dir nichts versagen. men sing im höhern Chor. 4. Denn der fann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der lehret mich recht gläubig beten, giebt Zeugnis meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christi sei, daher ich Abba, lieber Vater! schrei. 244 Lieder vom Gebete. nicht versagen kann, die ich nach sehen dich zur Rechten Gottes deinem Willen hab gethan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, das ist nach deinem Willen eingericht und wird gewiß von dir erhöret, weil es im Namen deines Sohns geschicht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit und weiß, daß alle gute Gabe, die ich von dir verlange jederzeit, die giebst du und thust überschwenglich mehr, als ich verstehe, bitte und begehr. 8. Wohl mir, ich bitt in Jesu Namen, der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; in ihm ist alles Ja und Amen, was ich von dir im Geist und Glauben bitt. Wohl mir, Lob dir jetzt und in Ewigkeit, daß du mir schenkest solche Seligkeit! Barthol. Craffelius g. 1667+ 1724. stehen! 3. Heilger Geist, erleuchte mich und entzünde mein Verlangen, daß ich Gottes Huld durch dich voller Inbrunst mög empfangen. Brich die Trägheit, zieh die Sinnen aus der Welt zu dir von hinnen! 4. Heilige Dreieinigkeit, Ursprung aller guten Gaben, laß mich wahre Freudigkeit und im Herzen Zeugnis haben, daß du stets nach deinem Willen wolleſt meine Bitt erfüllen. Joh. Herm. Schrader g. 1684+1737. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. 383. Betgemeinde, heilge heilgen Öle, Jesu Geist ergieße sich dir in Herz und Seele, laß den Mund alle Stund von Gebet und Flehen heilig übergehen! 2. Heilige den heilgen Brand, deines Geists Verlangen, dem, ders Blut an dich gewandt, heilig anzuhangen. Heilger Rauch sei Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 382. Sende, Bater, deies auch, der zu Gott aufgehet, nen Geist, da wenn dein Herze flehet. ich vor dein Antlitz trete, daß, 3. Das Gebet der frommen wie du mich selber heißt, ich im Schar, was sie fleht und bittet, Geist und Wahrheit bete. Lehre das wird auf dem Rauchaltar mich, dich recht erkennen und dich vor Gott ausgeschüttet, und da Abba, Vater nennen. ist Jesus Christ Priester und Verfühner aller seiner Diener. 2. Süßer Jesu, hilf du mir, daß ich bet in deinem Namen, daß, was Gott verheißt in dir, mir auch werde Ja und Amen. Sprich für mich und laß mich Zwecks nicht fehlen, was wirds 4. Kann ein einiges Gebet Einer gläubgen Seelen, wenns zum Herzen Gottes geht, seines Kreuz- und Trostlieder. 245 thun, wenn sie nun alle vor ihn sehe; stimmet ein insgemein mit treten und zusammen beten? 5. Wenn die Heilgen dort und hier, Große mit den Kleinen, Engel, Menschen mit Begier alle sich vereinen, und es geht Ein Gebet aus von ihnen allen, wie muß das erschallen! 6. Oder unerkannten Macht von der Heilgen Beten, ohne das wird nichts vollbracht so in Freud als Nöten; Schritt für Schritt wirkt es mit, wie zum Sieg der Freunde so zum End der Feinde. 7. so betet alle drauf, betet immer wieder, heilge Hände hebet auf, heiligt eure Glieder, heiliget das Gebet, das zu Gott sich schwinget, betet, daß es dringet! 11. Dies Verlangen muß vorher in der Seele glimmen, so macht aus dem Bitten er Donner, Blitz und Stimmen; die ergehn 8. Betet, daß die letzte Zeit und geschehn, daß die Feinde vollends übergehe, daß man beben und Gott Ehre geben. Christi Herrlichkeit offenbaret Chr. Karl Ludw. v. Pfeil g. 1712+1784. XXI. Kreuz- und Trostlieder. mein Leben; was mein Gott as mein Gott will daß mir geschicht, will ich das nicht widerstreben. Sein Wort der ist ist wahr, denn all mein Haar er selber hat gezählet. Er hüt und wacht, stets für uns tracht, auf daß uns gar nichts fehlet. Eigene Melodie. der Engel Sehnen nach dem Tag, dem schönen! 9. Eure Bitten, die ihr thut zu Gott von der Erden, sollen eine heilge Glut des Altares werden. Aber eur eignes Feur lasset weit von dannen von der heilgen Pfannen*). *) 3 Mof. 9, 23. 24; 10, 1. 2. 10. Das Gebet hat Christi Gunst, wo mans ernstlich übet; und das ist der Heilgen Kunst: bitten, wie ers liebet, daß gescheh je und je, wie ers vorgenommen auf sein endlichs Kommen. 384. Was will, g'scheh allzeit, sein Will der beste. Zu helfen ist er dem bereit, der an ihn glaubet feste. Er hilft aus Not, der fromme Gott, und tröst die Welt ohn Maßen; wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost und Zuversicht, mein Hoffnung und 3. Drum, muß ich Sünder von der Welt hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott, wanns ihm gefällt, will ich ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl in meiner letzten Stunden, 246 Kreuz- und Trostlieder. du frommer Gott, Sünd, Höll| 5. Ach Gott, du bist noch heut und Tod hast du mir über- so reich, als du gewesen ewiglich, mein Traun steht ganz zu dir. Mach mich an meiner Seele reich, so hab genug ich ewiglich. wunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, du wirst mirs nicht versagen: Wenn mich der böse 6. Zeitlich Ehr will ich gern Geist ansicht, laß mich, Herr, entbehrn, wollst mir das Erge nicht verzagen, hilf und auch nur gewährn, das du erworben wehr, ach Gott, mein Herr, zu hast durch deinen herben bittern Ehren deinem Namen! Wer das begehrt, dem wirds gewährt. Drauf sprech ich fröhlich: Amen. Um 1534. Eigene Melodie. 385. W arum betrübst du dich, mein Herz, bekümmerst dich und trägest Schmerz nur um das zeitlich Gut? Bertrau du deinem Herrn und Gott, der alle Ding erschaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht, er weiß auch wohl, was dir gebricht, Himmel und Erd ist sein. Mein Vater und mein Herre Gott, der mir beisteht in aller Not! Tod; das bitt ich dich, mein Herr und Gott! 4. Der Reich verläßt sich auf sein Gut, ich aber will dir traun, mein Gott; ob ich gleich werd veracht, so weiß ich und glaub festiglich, wer dir vertraut, dem mangelts nicht. 7. Alles, was ist auf dieser Welt, es sei Gold, Silber oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, das währt nur eine kleine Zeit und hilft doch nicht zur Seligkeit. 8. Ich dank dir, Christ, o Gottes Sohn, daß du mir solches fund gethan durch dein göttliches Wort. Verleih mir auch Beständigkeit zu meiner Seele Seligkeit! 9. Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt für alle dein erzeigt Wohlthat; ich bitt demütiglich: Laß mich nicht von dein'm Angesicht verstoßen werden ewiglich! 1565. Eigene Melodie. on V 386. Gott will ich 3. Weil du mein Gott und nicht lassen, denn Vater bist, wirst du dein Kind er läßt nicht von mir, führt mich verlassen nicht, du väterliches auf rechter Straßen, da ich sonst Herz. Ich bin ein armer Erden- irrte sehr. Er reicht mir seine floß, auf Erden weiß ich keinen Trost. Hand, den Abend und den Morgen thut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land. 2. Wenn sich der Menschen Hulde und Wohlthat all verkehrt, so findt sich Gott gar balde, sein Macht und Gnad bewährt; hilft mir in aller Not; errett von Kreuz- und Trostlieder. 247 Sünd und Schanden, von Ketten uns nicht irren des Teufels und von Banden, und wenns auch wär der Tod. listge Art. 8. Darum ob ich schon dulde 3. Auf ihn will ich vertrauen hier Widerwärtigkeit, wie ich auch in meiner schweren Zeit; es wohl verschulde, kommt doch die kann mir gar nicht grauen, er Ewigkeit, die aller Freude voll; wendet alles Leid. Ihm sei es dieselb ohn einigs Ende, dieweil heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben, er schaffs, wies ihm gefällt. ich Christum fenne, mir widerfahren soll. 9. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat; sein Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad; auch Gott der heilge Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis! Ludwig Helmbold g. 1532 † 1598. 4. Es thut ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich ist. Er meints gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, ja, seinen lieben Sohn; durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret, lobt ihn ins Himmels Thron! 5. Lobt ihn mit Herz und Eigene Melo ie, Munde, welchs er uns beides oder Was mein Gott will, das g'scheh. er Gott vertraut, ſchenkt; das iſt ein ſelge Stunde 387. What wohl gebaut darin man sonst verdirbt alle Zeit, die man zu- im Himmel und auf Erden, wer bringt auf Erden. Wir sollen sich verläßt auf Jesum Christ, felig werden und bleibn in dem muß der Himmel werden. Ewigkeit, Darum auf dich all Hoffnung ich ganz fest allzeit thu setzen, Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in Todes Not und Schmerzen. 6. Auch wenn die Welt vergehet mit ihrer stolzen Pracht, nicht Ehr noch Gut bestehet, das vor war groß geacht. Wir werden nach dem Tod tief in die Erd begraben; wenn wir geschlafen haben, will uns erwecken Gott. 2. Und wenns gleich wär dem Teufel sehr und aller Welt zuwider, dennoch so bist du, Jesu Christ, der sie all schlägt darnieder. Und wenn ich dich nur hab um mich mit deinem Geist und Gnaden, so kann fürwahr mir ganz und gar nicht Tod noch Teufel schaden. 7. Die Seel bleibt unverloren, geführt in Abrams Schoß; der Leib wird neu geboren, von allen Sünden los, ganz heilig, rein und zart, ein Kind und 3. Dein tröst ich mich ganz Erb des Herren; daran muß sicherlich, denn du kannst mirs 248 Kreuz- und Trostlieder. wohl geben, was mir ist not, 5. Ob mir gleich Leib und getreuer Gott, in dies'm und Seel verschmacht, so weißt du, jenem Leben. Gieb wahre Reu, Herr, daß ichs nicht acht; wenn mein Herz erneu, errette Leib ich dich hab, so hab ich wohl, was und Seele! Ach höre, Herr, dies ewig mich erfreuen soll. Dein mein Begehr und laß mein Bitt bin ich ja mit Leib und Seel, nicht fehlen! was fann mir thun Sünd, Tod und Höll? 6. Rein beßre Treu auf Erden ist, denn nur bei dir, Herr Jesu Christ; ich weiß, daß du mich nicht verläßt, dein Wahrheit bleibt mir ewig fest, du bist begegnet mir zu dieser Zeit; mein rechter treuer Hirt, der ewig der schmale Weg ist trübsalvoll, mich behüten wird. Mel. Vater unser im Himmelreich. ch Gott, wie man 388. As ches Herzeleid den ich zum Himmel wandern soll; wie schwer doch lässet Fleisch und Blut sich zwingen zu dem ewgen Gut! 7. Jesu, mein Freud, mein Ehr und Ruhm, meins Herzens Schatz und mein Reichtum, ich fanns doch ja nicht zeigen an, wie hoch dein Nam erfreuen fann; wer Glaub und Lieb im Herzen hat, der wirds erfahren mit der That. V. 1. Joach. Magdeburg g. 1525 nach 1583. V. 2 u. 3 später. 2. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu, steht mein Sinn; bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rat allzeit gewiß gefunden hat; niemand jemals verlassen ist, der hat getraut auf Jesum Christ. 8. Drum hab ichs oft und viel geredt: Wenn ich an dir nicht Freude hätt, so wollt den Tod ich wünschen her, ja daß ich 3. Du bist der große Wunder- nie geboren wär; denn wer dich mann, das zeigt dein Amt und nicht im Herzen hat, der ist dein Person. Welch Wunderding gewiß lebendig tot. hat man erfahrn, daß du, mein 9. Jesu, du edler Bräutgam Gott, bist Mensch geborn und wert, mein höchste Zier auf dieser führest uns durch deinen Tod Erd, an dir allein ich mich erget ganz wunderlich aus aller Not. weit über alle güldnen Schätz; 4. Jesu, mein Herr und Gott so oft ich nur gedenk an dich, allein, wie süß ist mir der Name all mein Gemüt erfreuet sich. dein. Es fann fein Trauren ſein so schwer, dein süßer Nam erfreut viel mehr; fein Elend kann so bitter sein, dein süßer Trost der linderts fein. 10. Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir, so fühl ich Fried und Trost in mir; wenn ich in Nöten bet und sing, so wird mein Herz recht guter Ding; dein Geist 249 das Heil erworben, führ uns alle zugleiche zum ewgen Himmelreiche! abibit 11. Drum will ich, weil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich 5. Amen zu aller Stund sprech tragen nach. Mein Gott, mach ich aus Herzensgrund. Du wolmich dazu bereit, es dient zum lest selbst uns leiten, Herr Christ, besten allezeit, hilf mir, mein zu allen Zeiten, auf daß wir Sach recht greifen an, daß ich deinen Namen ewiglich preisen. mein Lauf vollenden kann. Amen. Sigismund Weingärtner um 1600. 12. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut, vor Sünd und Schanden mich behüt, erhalt mein Herz im Glauben rein, so leb oder Herzlich thut mich verlangen. Eigene Melodie, und sterb ich dir allein. Jeſu, 390. K einen hat Gott mein Trost, hör mein Begier, o mein Heiland, wär ich bei dir! Martin Moller(?) g. 1547+ 1606. verlassen, der ihm vertraut allzeit; ob ihn darum viel hassen, so bringts ihm doch kein Leid. Gott will die Seinen schützen, zuletzt erheben hoch, geben, was ihnen nüßet Eigene Melodie. 389. hie dort. A uf meinen lieben in Angst und Not. Der kann mich allzeit retten aus Trübsal, Angst und Nöten, mein Unglück kann er wenden, steht alls in seinen Händen. 2. Allein ichs Gott heimstelle, er machs, wies ihm gefällt, zu Nutze meiner Seele. In dieser argen Welt ist doch nur Not und Leiden, und muß auch also sein, denn die zeitliche Freude bringt uns in ewge Pein. 3. Treulich will ich Gott bitten und nehmen zum Beistand in allen meinen Nöten, ihm beßr als mir bekannt; wie könnt er 3. Ob mich der Tod nimmt mich denn laffen, der treu Nothin, ist Sterben mein Gewinn, helfer mein? Ja wenn die Not und Christus ist mein Leben; am größten, so will er bei mir dem thu ich mich ergeben. Ich sein. sterb heut oder morgen, mein Seel wird er versorgen. Kreuz- und Trostlieder. bezeugt, daß solches frei des ewgen Lebens Vorschmack sei. 2. Ob mich mein Sünd an ficht, will ich verzagen nicht; auf Christum will ich bauen und ihm allein vertrauen; ihm thu ich mich ergeben im Tod und auch im Leben. 4. All Unglück und all Glücke das kommt allein von Gott; ich weiche nicht zurücke und fleh in meiner Not. Um G'duld thu ich 4. O mein Herr Jesu Christ, der du geduldig bist für mich am Kreuz gestorben, mir hast stets bitten in allm Anliegen 250 Kreuz- und mein, er wird mich wohl behüten und mein Nothelfer sein. Trostlieder. 2. Wenn deines Vaters Zorn entbrennt von wegen meiner 5. Reichtum und alle Schätze, Sünde, zu deinen Thränen ich was sonst der Welt gefällt, drauf mich wend; da ich Erquickung ich mein Sinn nicht setze in dieser finde. Vor Gott sind sie so hoch argen Welt. Ein Schatz ist mir geschätzt; wer damit seine Sünde im Himmel, der Jesus Christus netzt, den blickt Gott an mit heißt; er ist üb'r alle Schätze, schenkt uns den heilgen Geist. Gütigkeit zu jeder Zeit und sein betrübtes Herz erfreut. 6. Jhn hab ich eingeschlossen in meines Herzens Schrein. Sein Blut hat er vergossen für mich arms Würmelein, mich damit zu erlösen aus ewger Angst und Bein; wie könnt auf dieser Erde doch größre Liebe sein? 3. Hier muß ich auch im Thränenhaus vor großer Angst oft weinen, der Welt aushalten manchen Strauß, sie martert ſtets die Deinen. Auf allen Seiten, wo sie kann, fängt sie mit mir zu hadern an. Dies tröstet mich 7. Nun sollt ich mich erzeigen zu aller Frist, Herr Jesu Christ: dankbar für solche Gnad: ich geb in Not du auch gewesen bist. mich Gott zu eigen mit allem, was ich hab. Wie ers will weiter machen, sei ihm alls heimgestellt; ich b'fehl ihm all mein Sachen, er machs, wies ihm gefällt. 8. Amen, nun will ich schließen dies schlichte Liedelein. Herr, durch dein Blutvergießen laß mich dein Erben sein, so hab ich alls auf Erden, was mich erfreuet schon, im Himmel soll mir werden die ewge Gnadenkron. 1611. 4. Du zählest alle Thränen mein; ich weiß, sie sind gezählet; und ob sie nicht zu zählen sein, dennoch dir keine fehlet. So oft vor dir sie regen sich, so oft bewegen sie auch dich, daß du dich mein erbarmen mußt. Dir ist bewußt mein Kreuz, drum hilfst du mir mit Luſt. 5. Wer jetzund fäet Thränen aus, hält in Geduld Gott stille, wird fröhlich sein in deinem Haus, wo Freude ist die Fülle, ja solche Freude, die kein Mann Mel. Allein zu dir, Herr Jesu Christ. 391. Du weinest vor Je- mit ſeiner Zung ausſprechen kann, und da Mein Kreuz und Leid wird werden dort zu lauter Freud. rusalem, Herr Jesu, lichte Zähren, bezeugst, es sei dir angenehm, wenn Sünder sich befehren; wenn ich vor dir mit Buß erschein und über meine Sünden wein, so wäscht du ab aus lauter Gnad die Missethat, die mich bisher gequälet hat. 6. Für diese Thränen dank ich dir, daß du die Freudenkrone, Herr Christ, dadurch erworben mir bei dir ins Himmels Throne. Wenn du mich holen wirst hinauf 251 mand forttreiben, es muß zurücke bleiben. Was Gott will, das geschicht. 6. Drum ich mich ihm ergebe, dem sei es heimgestellt; nach nichts mehr sonst ich strebe denn nur, was ihm gefällt. Sein Will willst du ist mein Begier; der ist und 392. Wasich betrübent, bleibt der beſte, das glaub ich Joh. Heermann g. 1585 † 1647. o meine liebe Seel? Thu den steif und feste. Wohl dem, der nur herzlich lieben, der heißt glaubt mit mir! Immanuel. Vertrau dich ihm allein, er wird gut alles machen und fördern deine Sachen, wie dirs wird selig sein. Kreuz- und Trostlieder. zu deiner Auserwählten Hauf, dann will ich recht lobsingen dir, o höchste Zier, für deine Thränen für und für. Joh. Heermann g. 1585+ 1647. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 2. Denn Gott verlässet feinen, der sich auf ihn verläßt; er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest. Läßt sichs an wunderlich, so laß dir doch nicht grauen; mit Freude wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. 3. Auf ihn magst du es wagen getrost mit frischem Mut, mit ihm wirst du erjagen, was dir ist nütz und gut. Denn was Gott haben will, das kann niemand verhindern aus allen Menschenkindern, so viel ihr sind im Spiel. 4. Wenn auch gleich aus der Höllen der Satan selber sich dir wollt entgegenstellen und unter treten dich, so muß er doch mit Spott von seinen Ränken lassen, womit er dich will fassen, denn dein Werk fördert Gott. 5. Er richts zu seinen Ehren und deiner Seligkeit. Solls sein, kein Mensch fanns stören, wenns ihm wär noch so leid. Will Gott es aber nicht, so fanns nieMel. O Welt, ich muß dich lassen. n allen meinen 393.3 Thaten laß ich den Höchsten raten, der alles fann und hat; er muß zu allen Dingen, solls anders wohl ge= lingen, mir selber geben Rat und That. 2. Nichts ist es spat und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst; er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stells in seine Batergunst. 3. Es fann mir nichts geschehen, als was er hat versehen und was mir selig ist; ich nehm es, wie ers giebet, was ihm von mir beliebet, dasselbe hab auch ich ertiest. dark 4. Jch traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Übel schützt; leb ich nach seinen Säßen, so wird mich nichts verletzen und nichts mir fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durch 252 Kreuz und Trostlieder. streichen meine Schuld; er wird 12. Er wird zu diesen Reisen auf mein Verbrechen nicht stracks gewünschten Fortgang weisen, das Urteil sprechen und haben wohl helfen hin und her, Genoch mit mir Geduld. sundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben und alles, was ich sonst begehr. 6. Leg ich mich späte nieder, erwach ich frühe wieder, lieg oder zich ich fort, in Schwachheit und in Banden und was mir stößt zu handen, so tröstet allzeit mich sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhängnis gehn; kein Unfall unter allen wird mir zu harte fallen, mit Gott will ich ihn überstehn. 14. Gefällt es seiner Güte, und sagt mir mein Gemüte nicht was Vergeblichs zu, so werd ich Gott noch preisen mit manchen 8. Ihm hab ich mich ergeben schönen Weisen daheim in meizu sterben und zu leben, sobald ner stillen Ruh. er mir gebeut; es sei heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, deine und traue dem alleine, der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, dein Vater in der Höhe der weiß zu allen Sachen Rat. Mel. Herr, ich bekenn von Herzensgrund. 394. Mag ich denn nicht von Auf der Reise. 10. Jch zieh in ferne Lande, zu nützen einem Stande, an den er mich bestellt; sein Segen wird mich lassen, was gut und recht ist, fassen, zu dienen treulich seiner Welt. 13. Sein Engel, der getreue, macht meine Feinde scheue, tritt zwischen mich und sie; durch seinen Zug, den frommen, sind wir so weit nun kommen und wissen selber fast nicht wie. 11. Bin ich in wilder Wüste, so bin ich doch bei Christo, und Christus ist bei mir; der Helfer in Gefahren der kann 15. Indes wird er den Meinen mit Segen auch erscheinen, ihr Schutz wie meiner sein, wird beiderseits gewähren, was unser Wunsch und Zähren ihn bitten werden überein. Paul Fleming g. 1609 † 1640. Pein befreiet sein, muß noch im Unglück schweben, so weiß ich doch, daß meine Schuld durch Gottes Huld in Christo ist vergeben. Gott ist nicht weit, ein kleine Zeit tritt er was fern, doch rettet gern, die seinem Wort nachleben. 2. Der Menschen Hülf in meiner Sach ist viel zu schwach, mich doch bewahren, wie dorten darinnen Rat zu finden; der Trost des Höchsten ist der best so auch sicher hier. Kreuz und Trostlieder. 253 und bleibet fest, das Zeitliche mein Gott ists, der mich zugericht, muß schwinden. Das ewge Gut macht rechten Mut; dabei ich bleib, wag Gut und Leib; Gott helf mir überwinden! an Leib und Seel gezieret; es iſt sein Arm, der alles warm, gesund und fröhlich machet; was er nicht hält, das bricht und fällt; was er erfreut, das lachet. 4. Zudem ist Weisheit und Verstand bei ihm ohn alle Maßen; Zeit, Ort und Stund iſt ihm bekannt zu thun und auch zu lassen. Er weiß, wann Freud, er weiß, wann Leid uns, seinen Kindern, diene, und was er thut, ist alles gut, obs noch so traurig schiene. 5. Du denfest zwar, wenn du nicht hast, was Fleisch und Blut begehret, als sei mit einer großen Last dein Glück und Heil beschweret, haft spat und früh viel Sorg und Müh, an deinen hab in Gottes 395.Jerz und Sinn Wunsch zu kommen, und denfefſt mein Herz und Sinn ergeben. nicht, daß, was geschicht, gescheh Was böse scheint, ist mir Gewinn, zu deinem Frommen. der Tod selbst ist mein Leben. 6. Fürwahr, der dich geschaffen Ich bin ein Sohn des, der den hat und ihm zur Ehr erbauet, Thron des Himmels aufgezogen; der hat schon längst in seinem ob er gleich schlägt und Kreuz Rat ersehen und beschauet aus auflegt, bleibt doch sein Herz wahrer Treu, was dienlich sei gewogen. dir und den Deinen allen; laß ihm doch zu, daß er nur thu nach seinem Wohlgefallen. 7. Wenns Gott gefällt, so muß es sein, es wird dich letzt erfreuen; was du jetzt nennest Kreuz und Bein, wird dir zum Trost gedeihen. Wart in Geduld, die Gnad und Huld wird sich doch endlich finden; all Angst 3. Ich bin ja von mir selber und Qual wird auf einmal gleich nicht entsprungen noch formieret, wie ein Dampf verschwinden. 3. Allein zu dir mein Hoffnung ist, Herr Jesu Christ, du wirst mir stehn zur Seiten und sehen auf das Unglück mein, als wär es dein, wenns wider mich thut streiten. Ich bitte dich, er löse mich! Herr, wie du willt, du bist mein Schild und wirst mich wohl begleiten. Hannov. Gsb. 1646 nach einem ältern Liede. Mel. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir, oder Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr, mein Vater muß mich lieben. Wenn er mich auch gleich wirft ins Meer, so will er mich nur üben und mein Gemüt in seiner Güt gewöhnen fest zu stehen; halt ich denn stand, weiß seine Hand mich wieder zu erhöhen. 254 Trostlieder. 8. Ei nun, mein Gott, so fall 3. Bist du doch darum nicht ich dir getrost in deine Hände; hier, daß du Erden haben sollt; nimm mich und mach es du mit schau den Himmel über dir da, mir bis an mein letztes Ende, da ist dein edles Gold; da ist wie du wohl weißt, daß meinem Ehre, da ist Freud, Freud ohn Geist dadurch sein Nutz entstehe, End, Ehr ohne Neid. und deine Ehr je mehr und mehr 4. Der ist albern, der sich kränkt sich in ihr selbst erhöhe. done um ein Hand voll Eitelkeit, wenn 9. Willst du mir geben Sonnen- ihm Gott dagegen schenkt Schätze schein, so nehm ichs an mit Freu- der Beständigkeit. Bleibt der den; folls aber Kreuz und Un- Centner dein Gewinn, fahr der glück sein, will ichs geduldig lei- Heller immer hin! den. Soll mir allhier des Lebens Thür noch ferner offen stehen, wie du mich führst und führen wirst, so will ich gern mitgehen. 10. Soll ich denn auch des Todes Weg und finstre Straße reisen, wohlan, so tret ich Bahn und Steg, den mir dein Augen weisen. Du bist mein Hirt, der alles wird zu solchem Ende kehren, daß ich einmal in deinem Saal dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt g. 1607+1676. Kreuz und 3 5. Schaue alle Güter an, die dein Herz für Güter hält: keines mit dir gehen kann, wenn du gehest aus der Welt; alles bleibet hinter dir, wenn du trittst ins Grabes Thür. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, wird von feiner Zeit verzehrt, ist und bleibet allzeit gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut das schwindet nicht. 7. Ach wie bist du doch so blind und im Denken unbedacht! Augen hast du, Menschenkind, und doch noch nie betracht Eigene Melodie. so traurig, 396. N nicht so sehr, deiner Augen helles Glas: fiche, welch ein Schatz ist das! meine Seele, sei betrübt, daß dir Gott Glück, Gut und Ehr nicht 8. Zähle deine Finger her so viel wie andern giebt. Nimm und der andern Glieder Zahl: fürlieb mit deinem Gott! Hast keins ist, das dir unwert wär, du Gott, so hats nicht not. ehrst und liebst sie allzumal; feines gäbst du weg um Gold, wenn man dirs abnehmen wollt. 2. Du noch sonst ein Menschenfind habt ein Recht in dieser Welt; alle, die geschaffen sind, sind nur Gäst im fremden Zelt; Gott ist Herr in seinem Haus, wie er will, so teilt er aus. 9. Nun so gehe in den Grund deines Herzens, das dich lehrt, wie viel Gutes alle Stund dir von oben wird beschert; du hast Kreuz und Trostlieder. mehr als Sand am Meer und willst doch noch immer mehr. Eigene Melodie. arum sollt ich 10. Wüßte der im Himmel 397. W mich denn lebt, daß dir wäre nütz und gut, wonach so begierig strebt dein verblendet Fleisch und Blut, würde seine Frömmigkeit dich nicht lassen unerfreut. grämen? Hab ich doch Christum noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 11. Gott ist deiner Liebe voll und von ganzem Herzen treu; wenn du wünschest, prüft er wohl, wie dein Wunsch beschaffen sei; ist dirs gut, so geht ers ein, ists dein Schade, spricht er nein. 12. Unterdessen trägt sein Geist dir in deines Herzens Haus Manna, das die Engel ſpeist, ziert und schmückt es herrlich aus, ja erwählet dir zum Heil dich zu seinem Gut und Teil. 13. Ei so richte dich empor, du betrübtes Angesicht, laß das Seufzen, nimm hervor deines Glaubens Freudenlicht! Das behalt, wenn dich die Nacht deines Rummers traurig macht. 255 14. Setze als cin Himmelssohn deinem Willen Maß und Ziel, rühre stets vor Gottes Thron deines Dankens Saitenspiel, weil dir schon gegeben ist mehr noch, als du würdig bist. 2. Nackend lag ich auf dem Boden, da ich kam, da ich nahm meinen ersten Odem; nackend werd ich auch hinziehen, wenn ich werd von der Erd als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich kehren, nehm ers hin, ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz und Bein, sollt ich drum verzu tragen, dringt herein Angst zagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er ſoll all mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergetzt, sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr 15. Führe deines Lebens Lauf hier thun, als meiner spotten. allzeit Gottes eingedenk; wie es Laß sie spotten, laß sie lachen, kommt, nimm alles auf als ein Gott, mein Heil, wird in Eil wohlbedacht Geschenk! Geht dirs sie zu schanden machen. widrig, laß es gehn, Gott und Himmel bleibt dir stehn. Paul Gerhardt g. 1607+1676. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, ſtets fich lassen schauen. Wollt ihn 256 Kreuz und Trostlieder. auch der Tod aufreiben, soll der Schwermutshöhle? Merfst du Mut dennoch gut und fein stille bleiben. nicht des Satans List? Er will durch sein Kämpfen deinen Trost, den Jesus Christ dir erworben, dämpfen. 8. Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unsern, Geist aus viel tausend Nöten, 2. Schüttle deinen Kopf und schließt das Thor der bittern sprich: Fleuch, du alte Schlange! Leiden und macht Bahn, da man Was erneust du deinen Stich, kann gehn zu Himmelsfreuden. machst mir angst und bange? 9. Allda will in süßen Schätzen Ist dir doch der Kopf zerknickt, ich mein Herz auf den Schmerz und ich bin durchs Leiden meines ewiglich ergeßen; hier ist kein Heilands dir entrückt in den recht Gut zu finden; was die Saal der Freuden. Welt in sich hält, muß im Nu verschwinden. 3. Wirfst du mir mein Sündgen für? Wo hat Gott be10. Was sind dieses Lebens fohlen, daß mein Urteil ich bei Güter? Eine Hand voller Sand, dir über mich soll holen? Wer Kummer der Gemüter. Dort, hat dir die Macht geschenkt, dort sind die edlen Gaben, da andre zu verdammen, der du mein Hirt, Christus, wird mich selbst doch liegst versenkt in der ohn Ende laben. Hölle Flammen? 4. Hab ich was nicht recht gethan, ist mirs leid von Herzen; dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen; denn das ist das Lösegeld meiner Missethaten, bring ich dies vor Gottes Thron, ist mir wohl geraten. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm, sein Recht meine Krone, sein Verdienst mein Eigentum, da ich frei in wohne als in einem festen Schloß, das kein Feind fann fällen, brächt er gleich davor Geschoß und Gewalt der Höllen. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben; 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, da du mich, und ich dich leiblich werd umfangen. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. Eigene Melodie, oder Christus, der uns selig macht. 6. Stürme Teufel und der Tod; was könnt ihr mir schaden? 398. Swing dich auf Deckt mich doch in meiner Not zu deinem Gott, Gott mit seiner Gnaden, der du betrübte Seele! Warum liegst Gott, der mir seinen Sohn selbst du Gott zum Spott in der verehrt aus Liebe, daß der ewge Kreuz und Trostlieder. 257 Spott und Hohn mich nicht endlich bringt das Jahr, wonach dort betrübe. sie sich sehnen; denn es kommt die Erntezeit, da sie Garben machen; da wird all ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen. 13. Ei so faß, o Christenherz, alle deine Schmerzen, wirf sie fröhlich hinterwärts, laß des Trostes Perzen dich entzünden mehr und mehr, gieb dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr! Er wird helfen. Amen. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676 7. Schreie, tolle Welt, es sei mir Gott nicht gewogen. Es ist lauter Täuscherei und im Grund erlogen; wäre Gott mir gram und feind, würd er seine Gaben, die mein eigen worden seind, wohl behalten haben. 8. Denn was ist im Himmelszelt, was im tiefen Meere, was ist Gutes in der Welt, das nicht mir gut wäre? Für wen brennt das Sternenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? Dient es nicht mir und meinem Leben? Psalm 37, 5. 9. Ich bin Gottes, Gott ist Mel. Herzlich thut mich verlangen. mein, wer iſt, der uns ſcheide? 399. Be Dringt das liebe Kreuz herein efiehl du deine Wege und mit dem bittern Leide, laß es was dein Herze kränkt der allerdringen, kommt es doch von geliebten Händen, und geschwind zerbricht sein Joch, wenn es Gott will wenden. treusten Pflege des, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 10. Kinder, die der Vater soll ziehn zu allem Guten, die gedeihen selten wohl ohne Zucht und Ruten. Bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd auf was Guts will ziehen? 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohl ergehn, auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott ihm gar nichts nehmen, es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Bater, weiß und sieht, 11. Es ist herzlich gut gemeint mit der Christen Plagen; wer hie zeitlich wohl geweint, darf nicht ewig tlagen, sondern hat was gut sei oder schade dem vollkommne Lust dort in Christi Garten( dem er einig recht bewußt) endlich zu gewarten. sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt. 12. Gottes Kinder säen zwar traurig und mit Thränen, aber 17 258 Kreuz- und Trostlieder. 4. Weg hast du allerwegen, begeben; und, solltst du für und an Mitteln fehlt dirs nicht; dein für in Angst und Nöten schweThun ist lauter Segen, dein ben, so frag er nichts nach dir. Gang ist lauter Licht; dein Werk 10. Wirds aber sich befinden, kann niemand hindern, dein Ar- daß du ihm treu verbleibst, so beit darf nicht ruhn, wenn du, wird er dich entbinden, da dus was deinen Kindern ersprießlich am mindsten gläubst; er wird ist, willst thun. dein Herze lösen von der so 5. Und ob gleich alle Teufel schweren Laft, die du zu keinem hie wollten widerstehn, so wird Bösen bisher getragen hast. doch ohne Zweifel Gott nicht 11. Wohl dir, du Kind der zurücke gehn; was er ihm vor- Treue, du hast und trägst davon genommen und was er haben mit Ruhm und Dankgeschreie will, das muß doch endlich kom- den Sieg und Ehrenkron; Gott men zu seinem Zweck und Ziel. giebt dir selbst die Palmen in 6. Hoff, o du arme Seele, deine rechte Hand, und du singst hoff und sei unverzagt! Gott Freudenpsalmen dem, der dein wird dich aus der Höhle, da dich Leid gewandt. der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf, gieb deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht! Bist 12. Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Not! Stärk unsre Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. du doch nicht Regente, der alles Mel. Ermuntre dich, mein schwacher führen soll, Gott sitzt im RegiGeist. mente und führet alles wohl. 400.Du bist ein Mensch 8. das weißt du wohl, was strebst du denn nach Dingen, die Gott der Höchst alleine soll und kann zu Werke bringen? Du fährst mit deinem Witz und Sinn durch so viel tausend Sorgen hin und denkst: Wie wills auf Erden doch endlich mit mir werden? und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunder barem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und thun an seinem Teile, als hätt 2. Es ist umsonst. Du wirst in seinem Sinn er deiner sich fürwahr mit allem deinem Dich Kreuz- und Trostlieder. 259 ten auch nicht ein einges fleinstes 7. Nun siehe doch, wie viel und Haar in aller Welt ausrichten, oft ist schändlich umgeschlagen, und dient dein Gram sonst nir- was du gewiß und fest gehofft gend zu, als daß du dich aus mit Händen zu erjagen. Hindeiner Ruh in Angst und Schmer- gegen wie so manches mal ist zen stürzest und selbst das Leben das geschehn, was überall kein türzest. Mensch, kein Rat, kein Sinnen ihm hat ersinnen können. 3. Willst du was thun, was Gott gefällt und dir zum Heil 8. Wie oft bist du in große Not gedeihet, so wirf dein Sorgen durch eignen Willen kommen, auf den Held, den Erd und da dein verblendter Sinn den Himmel scheuet, und gieb dein Tod fürs Leben angenommen; Leben, Thun und Stand nur fröhlich hin in Gottes Hand, so wird er deinen Sachen ein fröhlich Ende machen. und hätte Gott dein Werk und That ergehen lassen nach dem Rat, in dem dus angefangen, du wärst zu Grunde gangen. 4. Durch wessen Kunst steht 9. Der aber, der uns ewig dein Gebein in ordentlicher Fülle? liebt, macht gut, was wir ver= Wer gab den Augen Licht und wirren, erfreut, wo wir uns Schein, dem Leibe Haut und selbst betrübt, und führt uns, Hülle? Wer zog die Adern hie wo wir irren; und dazu treibt und dort ein fed an ihre Stell ihn sein Gemüt und die so und Ort? Wer setzte hin und reine Batergüt, in der uns wieder so viel und schöne armen Sünder er trägt als Glieder? ſeine Kinder. 5. Heb auf dein Haupt, schau überall hier unten und dort oben, wie Gottes Sorg auf allen Fall vor dir sich hab erhoben. Dein Brot, dein Wasser und dein Kleid war eher noch als du bereit; die und Milch, die du erst nahmest, war und auch schon, da du fameſt. 6. Und dennoch soll dein Angesicht dein ganzes Leben führen; du traust und gläubest weiter nicht, als was dein Augen spüren. Was du beginnst, da soll allein dein Kopf dein Licht und Meister sein; was der nicht auserforen, das hältst du als verloren. 10. Ach wie so oftmal schweigt er still und thut doch, was uns nüßet, da unterdessen unser Will und Herz in Ängsten sitzet, sucht hier und da findet nichts, will sehn mangelt doch des Lichts, will aus der Angst sich winden und kann den Weg nicht finden. 11. Gott aber geht gerade fort auf seinen weisen Wegen, er geht und bringt uns an den Ort, da Wind und Sturm sich legen. Hernachmals, wenn das Werk geschehn, so kann alsdann der Mensch erst sehn, was der, 17* 260 Kreuz- und Trostlieder. so ihn regieret, in seinem Rat| fahrn auf Erden, denn eh er geführet. kam zum Ehrenthron, mußt er 12. Drum, liebes Herz, sei gekreuzigt werden; er ging durch wohlgemut und laß von Sorg Trübsal, Angst und Not, ja und Grämen! Gott hat ein durch den herben, bittern Tod Herz, das nimmer ruht, dein drang er zur Himmelsfreude. Bestes vorzunehmen; er kanns nicht lassen, glaube mir; sein Innerstes ist mir und dir und uns hier allzusammen voll allzufüßer Flammen. 4. Hat nun dein Sohn, der fromm und recht, so willig sich ergeben, was will ich armer Sündenknecht dir viel zuwider streben? Er ist der Spiegel der Geduld, und wer sich sehnt nach seiner Huld, der muß ihm ähnlich werden. 13. Thu als sein Kind und lege dich in deines Vaters Arme, bitt ihn und flehe, bis er sich dein, wie er pflegt, erbarme, 5. Ach liebster Vater, wie so so wird er dich durch seinen Geist schwer ists der Vernunft zu auf Wegen, die du jetzt nicht gläuben, daß du demselben, den weißt, nach wohlgehaltnem Rin- du sehr schlägst, solltest günstig gen aus allen Sorgen bringen. bleiben! Wie macht doch Kreuz Paul Gerhardt g. 1607+1676. so lange Zeit, wie schwerlich will sich Lieb und Leid zusammen lassen reimen. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 2. 401. A Gott, ch treuer barmherzigs Herz, 6. Was ich nicht kann, das gieb du mir, o höchstes Gut der Frommen, gieb, daß mir nicht des Güte sich nicht endet, ich des Glaubens Zier durch Trübweiß, daß mir dies Kreuz und sal werd entnommen. Erhalte Schmerz dein Vaterherze sendet. mich, o starker Hort, befeſtge Ja, Herr, ich weiß, daß diese mich in deinem Wort, behüte Last du mir aus Lieb erteilet mich vor Murren! haft und gar aus feinem Hasse. 7. Bin ich ja schwach, laß deine 2. Denn das ist allzeit dein Treu mir an die Seite treten, Gebrauch: wer Kind ist, muß hilf, daß ich unverdrossen sei was leiden, und wen du liebst, zum Rufen, Seufzen, Beten. den stäupst du auch, schickst So lang ein Herze hofft und Trauren vor den Freuden; führst gläubt und im Gebet beständig uns zur Hölle, thust uns weh bleibt, so lang ists unbezwungen. und führst uns wieder in die Höh; und so geht eins ums ander. 3. Das hat, Herr, dein geliebter Sohn selbst wohl er8. Ach Jesu, der du worden bist mein Heil mit deinem Blute, du weißt gar wohl, was Kreuze ist, und wie dem sei zu mute, Kreuz und Trostlieder. 261 den Kreuz und großes Unglück mein Weinen lauter Wein, mein plagt; drum wirst du, was Ächzen lauter Jauchzen sein. mein Herze klagt, gar gern zu Das glaub ich, hilf mir! Amen. Herzen fassen. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. 9. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn mit mir Mitleiden haben und mich, wie ichs jetzt dürftig bin, mit Gnad 402. ieb dich zufrieden und sei stille in und Hülfe laben. Ach stärke dem Gotte deines Lebens, in meine schwache Hand, ach heil ihm ruht aller Freude Fülle, und bring in bessern Stand das ohn ihn mühst du dich vergebens; Straucheln meiner Füße! er ist dein Quell und deine 10. Sprich meiner Seel ein Sonne, scheint täglich hell zu Herze zu und tröste mich aufs deiner Wonne. Gieb dich zubeste, denn du bist ja der Mü- frieden! den Ruh, der Schwachen Turm und Beste, ein Schatten vor der Sonnen Hitz, ein Hütte, da ich sicher sitz im Sturm und Ungewitter. Eigene Melodie. 2. Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden, ungefärbtes, treuen Herzens; wo er steht, thut dir keinen Schaden auch die Bein 11. Und weil ich ja nach des größten Schmerzens. Kreuz, deinem Rat hie soll ein wenig Angst und Not fann er bald leiden, so laß mich auch in wenden, ja auch den Tod hat deiner Gnad als wie ein Schäf- er in Händen. Gieb dich zulein weiden, daß ich im Glau- frieden! ben die Geduld und durch Geduld die edle Huld nach schwerer Prob erhalte. 12. O heilger Geist, du Freudenöl, das Gott vom Himmel schicket, erfreue mich, gieb meiner Seel, was Mark und Bein erquicket! Du bist der Geist der Herrlichkeit, weißt, was für Freud und Seligkeit mein in dem Himmel warte. 3. Wie dirs und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und kennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf der heißen Thränen und faßt zu Hauf all unser Sehnen. Gieb dich zufrieden! 4. Wenn gar kein einger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen, alsdann will er 13. Daselbst wirst du in dein Treuster werden und zu ewger Lust aufs süßte mit mir deinem Besten schauen. Er weiß handeln, mein Kreuz, das dir dein Leid und heimlich Grämen, und mir bewußt, in Freud auch weiß er Zeit, dirs zu be und Ehre wandeln. Da wird nehmen. Gieb dich zufrieden! 262 Kreuz- und Trostlieder. 5. Er hört die Seufzer deiner 10. Bleibt gleich die Hülf in Seelen und des Herzens stilles etwas lange, wird sie dennoch Klagen, und was du keinem endlich kommen; macht dir das darfst erzählen, magst du Gott Harren angst und bange, glaube gar kühnlich sagen. Er ist nicht mir, es ist dein Frommen. Was fern, steht in der Mitten, hört langsam schleicht, faßt man gebald und gern der Armen wisser, und was verzeucht, ist Bitten. Gieb dich zufrieden! desto süßer. Gieb dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht 11. Nimm nicht zu Herzen, bezwingen, halt an Gott, so was die Rotten deiner Feinde wirst du siegen; ob alle Fluten von dir dichten; laß sie nur einher gingen, dennoch mußt immer weidlich spotten, Gott du oben liegen. Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gieb dich zufrieden! wirds hören und recht richten. Jst Gott dein Freund und deiner Sachen, was kann dein Feind, der Mensch, groß machen? Gieb dich zufrieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie dus halten 12. Hat er doch selbst auch wollst und nähren? Der dir wohl das Seine, wenn ers das Leben hat gegeben, wird sehen könnt und wollte. Wo ist auch Unterhalt bescheren. Er hat ein Glück so klar und reine, dem ein Hand, voll aller Gaben, da nicht etwas fehlen sollte? Wo See und Land sich muß von laben. ist ein Haus, das könnte sagen: Gieb dich zufrieden! Ich weiß durchaus von feinen Plagen? Gieb dich zufrieden! 13. Es fann und mag nicht anders werden, alle Menschen müssen leiden; was webt und lebet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden bis in das Grab, da wird 9. Sprich nicht: Ich sehe sichs enden. Gieb dich zufrieden! feine Mittel, wo ich such, ist 14. Es ist ein Ruhetag vornichts zum Besten. Denn das handen, da uns unser Gott wird ist Gottes Ehrentitel: helfen, lösen; er wird uns reißen aus wenn die Not am größten. den Banden dieses Leibs und Wenn ich und du ihn nicht allem Bösen. Es wird einmal mehr spüren, da schickt er zu, der Tod herspringen und aus der uns wohl zu führen. Gieb dich Qual uns sämtlich bringen. Gieb zufrieden! dich zufrieden! 8. Der allen Vöglein in den Wäldern ihr bescheidnes Körnlein weiset, der Schaf und Rinder in den Feldern alle Tage tränkt und speiset, der wird ja auch dich eingen füllen, den Hunger dir zur Notdurft stillen. Gieb dich zufrieden! Kreuz- und Trostlieder. 263 15. Er wird uns bringen zu lassen seist, und daß Gott der den Scharen der Erwählten und Getreuen, die hier mit Frieden abgefahren, sich auch nun im Frieden freuen, da sie den Grund, der nicht fann brechen, den ewgen Mund selbst hören sprechen: Gieb dich zufrieden! im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist; die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen, und ist dem Höchsten alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, der bald erPaul Gerhardt g. 1607+ 1676. Eigene Melodie. 403. Gott läßt walten er nur den lieben höhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gotund hoffet auf ihn allezeit, den tes Wegen, verricht das Deine wird er wunderlich erhalten in nur getreu und trau des Himaller Not und Traurigkeit. Wer mels reichem Segen, so wird er Gott dem Allerhöchsten traut, der bei dir werden neu. Denn wer hat auf keinen Sand gebaut. nur seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark g. 1621 † 1681. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. Ungemach? Wir machen unser 404. Wie mein getreuer nur durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. Vater will in allen diesen Sachen, so halt ich ihm auch gerne still und laß es ihn nur machen. Gott weiß wohl, was mir nüß und gut, und wird aus väterlichem Mut für meine Wohlfahrt wachen. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei. Wenn er uns nur hat tren erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wirs uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. 2. Ob ich gleich denke dies und das, was ich doch soll beginnen, und gräme mich ohn Unterlaß mit hochbetrübten Sinnen, so kann ich durch mein Herzelcid der großen Widerwärtigkeit doch nie was abgewinnen. 3. Drum laß ichs gehen, wie es geht, und sende meine Thrä5. Denk nicht in deiner Drang- nen vor Gottes hohe Majestät salshize, daß du von Gott ver- mit bitterm Herzenssehnen. Gott 264 Kreuz- und Trostlieder. wird doch wiederum einmal nach nach, Gott ist Richter meiner dieser schweren Herzensqual der Gütigkeit erwähnen. Sach. 4. Indessen leid ich mit Geduld, bis Gott sich wiederfinde, denn alles dies hab ich verschuldt mit meiner großen Sünde. Ich weiß, Gott wird mich wunderbar erretten aus der Angstgefahr, was ich jetzt nicht ergründe. 6. Will sie mich gleich von sich treiben, muß mir doch der Himmel bleiben; wenn ich nur den Himmel krieg, hab ich alles zur Genüg. 5. Wird mich mein Gott, mein Seelenlicht, vom Zweifel nur befreien und nur des Glaubens Zuversicht mir gnädiglich ver7. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, sag ich allem andern abe; legt man mich gleich in das Grab, ach Herr, wenn ich dich nur hab! Christoph Tieke g. 1641 † 1703. Eigene Melodie. leihen, ſo muß mir dieſes große 406. Laß dich Gott, dit du aller doch endlich wohl gedeihen. Verlaßner, still dein Sorgen, deine Qual und deine Not ist dem Höchsten unverborgen, hilft er heut nicht, hilft er morgen. Laß dich Gott! Georg Neumark g. 1621+1681. Eigene Melodie. 405. Sollt es gleich bisweilen scheinen, als wenn Gott verlaß die Seinen, o so glaub und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenns nötig ist. 3. Gleich wie Väter nicht bald geben, wonach ihre Kinder streben, so hält Gott auch Maß und Ziel, er giebt, wem und wann er will. 4. Seiner fann ich mich getrösten, wenn die Not am allergrößten; er ist gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Laß die Welt nur immer neiden; will sie mich nicht länger leiden, ei so frag ich nichts dar2. Halt Gott still, denn er brauchet Liebesschläge, wodurch er dich bessern will, daß sich Rindesfurcht errege. Trane seiner Vaterpflege, halt Gott still! 3. Gott ist nah, wenn er dir entfernet scheinet; ist nicht gleich die Rettung da, ist es dir zum Nutz gemeinet; er hilft, wenn du gnug geweinet. Gott ist nah. 4. Gott ist dein, so du ihm dich nur ergiebest; deine Pein wird Freude sein, wenn du ihn vor allem liebest und mit Unmut nicht betrübest. Gott ist dein. 5. Lehr Gott nicht, wie und wann er dich soll hören. Sein Aug steht auf dich gericht. Währt dein Kreuz lang, laß es währen, endlich wird es sich doch kehren. Lehr Gott nicht! Kreuz- und Trostlieder. 265 6. Liebst du Gott, wandelst 5. Was Gott thut, das ist treu auf seinen Wegen, wird kein Kreuz, kein Not, kein Tod dein Vertrauen niederlegen. Alles dienet dir zum Segen, liebst du Gott. Anton Ulrich, Herzog zu BraunschweigWolfenbüttel g. 1633+ 1714. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, dabei will ich verthut, Es mich die Eigene Melodie. Gott 407. Was ist wohl rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten, drum laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigaft g. 1649 † 1708. gethan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten, drum laß ich ihn nur walten. wohlgethan; muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd ergeßt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich wohl bedenken; er als ein Arzt und Wundermann wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei; Gott ist getreu, drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte 408. as mich auf dieser Welt betrübt, 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich nicht betrügen, er führet mich auf das währet furze Zeit, was aber rechter Bahn; so laß ich mir meine Seele liebt, das bleibt in genügen an seiner Huld und Ewigkeit. Drum fahr, o Welt, hab Geduld, er wird mein Un- mit Ehr und Geld und deiner glück wenden, es steht in seinen Wollust hin, in Kreuz und Spott Händen. kann mir mein Gott erquicken Mut und Sinn. trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. Eigene Melodie. 2. Die Thorenfreude dieser Welt, wie süß sie immer lacht, hat schleunig ihr Gesicht verstellt und den in Leid gebracht, der auf sie baut; wer aber traut allein auf Gottes Treu, der siehet schon die Himmelskron und freut sich ohne Reu. 3. Mein Jesus bleibet meine Freud, was frag ich nach der Welt? Welt ist nur Furcht und Traurigkeit, die endlich selbst zerfällt. Ich bin ja schon mit Gottes Sohn im Glauben hier vertraut, 266 Kreuz- und Trostlieder. der droben sitzt und hier beschützt sein Kind wohl versorgen und sein auserwählte Braut. sein Schäflein führen wird, weil er Vater ist und Hirt. 4. Ginge mir es, wie ich wollte, stünd es wohl gar selten gut, wenn mein Wunsch geschehen sollte, da er Gott mißfallen thut; ach wie würde mein Verderben ich erwählen gar zu oft, wenn was Gutes ich gehofft; darum will ich mich bewerben, meinem Gott zu halten still. Mir geschehe, was Gott will. 4. Ach Jesu, töt in mir die Welt und meinen alten Sinn, der sich dir stets entgegenstellt; Herr, nimm mich selber hin und binde mich ganz festiglich an dich, o Herr, mein Hort, so irr ich nicht in deinem Licht bis an die Himmelspfort. Joh. Jak. Schütz g. 1640 1690. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen. ch ergebe mich dem Willen meines 409.3 5. Was Gott will, geschehe immer; was ich will und schädGottes ganz und gar; der wird lich ist, das laß ja geschehen wohl an mir erfüllen, was mir nimmer, Gott, der du so gütig nüßet immerdar. Siehe, höchster bist; und weil dir mein UnderGott, hernieder, was ich lege mögen, was du willst zu thun, vor dich hin, Herz, Gedanken, bekannt, ach so laß doch deine Mut und Sinn, mich und alle Hand meiner Schwachheit Kraft meine Glieder; mache daraus, beilegen, daß ich könne folgen dir. was du willt, was du willt, Was du willst, geschehe mir. mein Gott und Schild! Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzb.- Rudolstadt g. 1640 † 1672. 2. Ach ich kenne dich ja eben, daß du selbst mein Vater bist; ich fenn auch mein liebstes Leben, das allein ist Jeſus Chriſt; und 410. weiß einen treuen Führer, der herrlichs den rechten Weg mir weist, der Ende, wo die wunderweisen ist Gott, der heilge Geist. Hab Hände Gottes führen ein und aus. ich denn nun zum Regierer dich, Wunderweislich ist sein Raten, o du dreieinger Gott, so erschreckt wunderherrlich seine Thaten, und mich keine Not. du sprichst: Wo wills hinaus? Mel. Alles ist an Gottes Segen. Munderanfang, 2. Denke doch: Es muß so gehen, was Gott weislich heißt geschehen, ihm und dir zur Herrlichkeit. Ob der Anfang seltsam scheinet, ist das End doch gut gemeinet, Friede folget nach dem 3. Und wie fönnt ich doch ver= zagen, ging es noch so wunderlich, da ich kann bis heute sagen, daß Gott wohl geführet mich. Soll ich denn erleben morgen, ei so lebet Gott auch noch, bei dem ich versichert doch, daß er Streit. Kreuz- und Trostlieder. 267 zu, und bleibt Jesus ungeschieden, so bin ich zufrieden. 3. Gottes Weg ist in den geht. Geht es nur dem Himmel Flüssen und in großen Wassergüssen, und du spürst nicht seinen Fuß:*) so auch in dem Meer der 2. Meine Seele hanget an dir Sorgen hält Gott seinen Pfad und verlanget, Gott, bei dir zu verborgen, daß man nach ihm sein aller Ort und Zeiten, und suchen muß. mag keinen leiden, der ihr rede ein; von der Welt Ehr, Lust und Geld, wornach so viel sind be= flissen, mag sie gar nichts wissen. *) ₁. 77, 20. 4. Kein Besinnen kann ersinnen, wo man könne Hülf gewinnen, die Vernunft ist hier zu blind; ihre halb gebrochnen Augen nicht in das Verborgne taugen, dem sie allzublöde sind. 5. Gott muß man in allen Sachen, weil er alles wohl kann machen, End und Anfang geben frei. Er wird, was er angefangen, lassen so ein End erlangen, daß es wunderherrlich sei. 3. Nein, ach nein, nur Einer, sagt sie, und sonst keiner wird von mir geliebt; Jesus der getreue, in dem ich mich freue, sich mir ganz ergiebt. Er allein, er soll es sein, dem ich wieder mich ergebe und ihm einzig lebe. 4. Gottes Güt erwäge und dich gläubig lege sanft in seinen Schoß! Lerne ihm vertrauen, so wirst du bald schauen, wie die Ruh so groß, die da fleußt aus stillent Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, den kann er erquicken. 5. Meine Seele senket alles, was sie fränket, tief in Jesu 7. Du wirst an den Fingern Brust; sie wird stark durch zählen und nicht vor der Welt Hoffen; was sie je betroffen, verhehlen, was die blinde Welt träget sie mit Lust, fasset sich nicht fennt. Er wird dir dein ganz männiglich durch Geduld Kreuz versüßen, daß du wirst be- und Glauben feste; am End kennen müssen: Wunderanfang, kommt das Beste. herrlichs End! H. A. Stockfleth geb. 1643+ 1708. 6. Amen, es geschiehet; wer zu Jesu fliehet, wird es recht erfahrn, wie Gott seinen Kindern pflegt das Kreuz zu mindern und das Glück zu sparn bis zu zu Gott, dessen End; alsdann sich wendt das Wille mir zu helfen steht; mein zuerst gekoste Leiden, und gehn Herz ist vergnüget mit dem, wies an die Freuden. Gott füget, nimmt an, wie es Mel. Jesu, meine Freude. eine Seel ist stille Ich. Kasp. Schade g. 1666+1698. 6. Drum so laß dir nimmer grauen, lerne deinem Gott vertrauen, sei getrost und gutes Muts! Er fürwahr, er wird es führen, daß dus wirst am Ende spüren, wie er dir thut lauter Guts. 411. Min 268 Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 1. und Not dir ewig nützlich sei. 412. Gott ott ist und bleibt So liebt der Höchste dich. Gott getreu, sein Herze ist und bleibt getreu. 1695. Kreuz- und Trostlieder. bricht von Lieben, pflegt er gleich öftermal die Seinen zu betrüben. Fr prüfet durch das Kreuz, wie 413. recht selig, Herr, führst du doch rein der Glaube sei, wie standhaft die Geduld; Gott ist und bleibt getreu. die Deinen, ja selig und doch meistens wunderlich. Wie könntest du es böse mit uns meinen, da deine Treu nicht kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm und doch gerad, darauf du läßt die Kinder zu dir gehn; da pflegt es wunderseltsam auszusehn, doch triumphiert zuletzt dein hoher Rat. 2. Dein Geist hängt nie an menschlichen Gesetzen, so die Vernunft und gute Meinung stellt. Den Zweifelsknoten kann dein Schwert verletzen und lösen auf, nach dem es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band entzwei; was sich entgegensetzt, muß sinken hin; ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn; dann geht dein Fuß auch durch Unwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zusammenfügen, teilt dein Verstand in Ost und Westen aus; was mancher unter Joch und Last will biegen, setzt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; sie bricht, du baust; 6. Gott ist und bleibt getreu. sie baut, du reißest ein; ihr Glanz Laß alle Wetter krachen, Gott muß dir ein dunkler Schatten sein, wird der Trübsal doch ein solches dein Geist bei Toten Kraft und Ende machen, daß alles Kreuz Leben schafft. 5. Gott ist und bleibt getreu; er stillet dein Begehren, er will dein Glaubensgold in Trübsalsglut bewähren. Nimm an von Gottes Hand den Kreuzkelch ohne Schen, der Lebensbecher folgt; Gott ist und bleibt getreu. 2. Gott ist und bleibt getreu; er hilft ja selber tragen, was er uns auferlegt, die Last der schweren Plagen. Er braucht die Ruten oft und bleibet doch dabei ein Vater, der uns liebt; Gott ist und bleibt getreu. 3. Gott ist und bleibt getreu; er weiß, was wir vermögen, er pfleget nie zu viel den Schwachen aufzulegen. Er macht sein Israel von Last und Banden frei, wenn große Not entsteht; Gott ist und bleibt getreu. 4. Gott ist und bleibt getreu; er tröstet nach dem Weinen, er läßt aus trüber Nacht die Freudensterne scheinen. Es geht der Kreuzessturm im Augenblick vorbei; sei, Seele, nur getrost! Gott ist und bleibt getreu. Eigene Melodie. Kreuz- und Trostlieder. 269 4. Will die Vernunft was uns wieder hin auf dich. Da fromm und selig preisen, so hast dus schon aus deinem Buch gethan; wem aber niemand will dies Zeugnis weisen, den führst du in der Still selbst himmelan. Den Tisch der Pharisäer läßt du stehn und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei. Wer weiß, was öfters deine Absicht sei? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? gehn wir denn mit blöden Augen hin, du füsfest uns, wir sagen Beßrung zu; drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh und hält im Baum den ausgeschweiften Sinn. 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, die Ohnmacht und der Sinne Unverstand; man kann uns fast an unsrer Stirn ablesen, wie es um schwache Kinder sei bewandt. Drum greifst du zu und hältst und trägest sie, brauchst Vaterrecht und zeigest Muttertren; wo niemand meint, daß etwas deine sei, da hegst du selbst dein Schäflein je und je. 5. Was alles ist, gilt nichts in deinen Augen; was nichts ist, hast du, großer Herr, recht lieb. Der Worte Pracht und Ruhm kann dir nicht taugen, du giebst die Kraft durch deines Geistes Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob: sie sind versteckt, der Blinde geht vorbei, wer Augen hat, sieht sie doch nicht so frei; die Sachen sind zu fein, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher, sei von uns gebenedeiet, der du uns tötest und lebendig machst. Wenn uns dein Geist der Weisheit Schatz verleihet, so sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt*) bei uns, wir spielen mit; bei uns zu wohnen ist dir lauter Lust, die reget sich in deiner Vaterbrust und gängelt uns mit zartem Kinderschritt. 9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege, dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, damit du sehst, was sich im Herzen rege, wenn du in Dunkelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar von dem, was du in deinem Sinne haft; wer meint, er habe deinen Rat gefaßt, der wird am End ein andres oft gewahr. 10. Auge, das nicht Trug noch Heucheln leidet, gieb mir der Klugheit scharfen Unterscheid, dadurch Natur von Gnad man unterscheidet, das eigne Licht von *) Sprüche 8, 30. 31. deiner Heiterkeit. Laß doch mein 7. Bald scheinst du etwas hart Herz dich niemals meiſtern nicht, uns anzugreifen, bald fährest brich ganz entzwei den Willen, du mit uns ganz säuberlich. Ge- der sich liebt, erweck die Lust, schiehts, daß unser Sinn sucht die sich nur dir ergiebt und tadelt auszuschweifen, so weist die Zucht nie dein heimliches Gericht. 270 Kreuz- und Trostlieder. Ziel und Ende, liegt fein stille, nackt und bloß in des liebsten Vaters Schoß. 2. Meine Seele murret nicht, ist mit allem wohl zufrieden; was der eigne Wille spricht, ist zum Tode schon beschieden. Was die Ungeduld erregt, ist in Christi Grab gelegt. 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen und schüttelt ihren Kopf zu deinem Weg, so wollst du die Befestung niederbrechen, daß ihre Höh sich nur bei Zeiten leg. Kein fremdes Feuer sich in mir anzünd, das ich vor dich in Thorheit bringen möcht*) und dir wohl gar so zu gefallen dächt. Ach selig, wer dein Licht ergreift 3. Meine Seele sorget nicht, und findt!*) 3 Moj. 10, 1. will vielmehr an nichts gedenken, 12. So zieh mich denn hinein was gleich spitzen Dornen sticht in deinen Willen und trag und und den Frieden nur kann fränheg und führ dein armes Kind! fen. Sorgen hört dem Schöpfer Dein innres Zeugnis soll den zu, meine Seele sucht nur Ruh. Zweifel stillen, dein Geist die 4. Meine Seele grämt sich Furcht und Büste überwind! Du nicht, liebt hingegen Gott im bist mein Alles, denn dein Sohn Leiden. Kummer, der das Herze ist mein, dein Geist regt sich bricht, trifft und ängstet nur die ganz kräftiglich in mir, ich brenne Heiden. Wer Gott in dem nun nach dir in Liebsbegier, wie Schoße liegt, bleibt in aller Not oft erquickt mich deiner Klarheit vergnügt. Schein! 5. Meine Seele klaget nicht, denn sie weiß von keinen Nöten, hängt an Gottes Angesicht, auch alsdann, wenn er will töten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, wird das Freudenlicht verjagt. 13. Drum muß die Kreatur mir immer dienen, kein Engel schämt nun der Gemeinschaft sich; die Geister, die vor dir vollendet grünen, sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, das dich und mich und alle Christen liebt! 6. Meine Seel ist still zu Gott, und die Zunge bleibt gebunden. Also hab ich allen Spott, alle Ists möglich, daß mich etwas Marter überwunden, bin gleich noch betrübt? Komm, Freudenquell, weich ewig, aller Schmerz! Gottfried Arnold g. 1666 † 1714. wie ein stilles Meer, voll von Gottes Preis und Ehr. Joh. Jos. Winckler g. 1670 † 1722. 414. Msich hin in 415. Beine Wege und Mel. Jesus, meine Zuversicht. eine Seele Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. dem Herren Gottes Herz und Hände und erwartet ruhiglich seiner Wege mache dich von Sorgen los, ver Kreuz und Trostlieder. 271 traue seiner Baterpflege, vor mir, noch eh ich war, schon hast ihm ist nichts zu schwer und groß, das er zu seines Namens Preis nicht herrlich auszuführen weiß. erwiesen, da du, mein süßer Jesu, dir zum Eigentum mich hast erwählt und deinen Schafen zugezählt. 2. Wo du ihn nur haft raten lassen, da hat er alles wohl gemacht; denn was dein Denken nicht kann fassen, das hat er längst zuvor bedacht; wie dirs sein Rat hat ausersehn, so und nicht anders muß es gehn. 8. Dir sei auch ewig Lob gegeben, daß du so unermüdet hast für mich gesorgt in meinem Leben. So lang ich bin der Erde Gast, ist alles liebreich, nüß und gut, was deine Schickung mit mir thut. 3. Wie werden deine Lebenstage so manches Summers sein befreit, wie leicht wird alle Not und Plage dir werden hier in dieser Zeit, wenn du nichts wünschest in der Welt, als was Gott will und ihm gefällt. 4. Dir wirds an feinem Gute fehlen, wenn du dein Herz gewöhnst und lehrst, nur Gottes Willen zu erwählen, und deinem Mel. Von Gott will ich nicht lassen. eignen Willen wehrſt, den ſtets 416. An Gott will ich ge betreugt, gut ihm oft sein Wollen deucht. 5. Gieb meinem Herzen solche Stille, mein Jesu, daß ich sei vergnügt mit allem, was dein Gnadenwille mit mir und meinem Leben fügt. Nur nimm dich meiner Seele an, so hab ich, was ich wünschen kann. denken, denn er gedenkt an mich. Wenn mich die Sorgen fränken, so hebt mein Herze sich zu meinem Gott empor; bald weichen alle Schmerzen, denn er stellt meinem Herzen nichts als Vergnügen vor. 6. Ich weiß, du thusts; sie ist die deine und kostet dir dein teures Blut; behalt sie dir nur schön und reine, laß dies dein mir vertrautes Gut nur einzig meine Sorge sein, so trifft mein ganzes Wünschen ein. 2. Dent ich an seine Liebe, wie werd ich doch entzückt, daß wenn es noch so trübe, mir gleich die Sonne blickt. Da kommt mir immer ein: Er hat sich hoch vermessen, er will mich nicht vergessen. Wie könnt ich traurig sein? 3. Denk ich an seine Güte, 7. Indes sei stets, mein Heil, die alle Morgen neu, so freut gepriesen für alle Sorgfalt, die du sich mein Gemüte bei solcher 9. Dort werd ich deiner Liebe Thaten erst preisen in Vollkommenheit, wenn mun mein Hoffen ist geraten, daß ich kann in der Seligkeit erkennen, wie dein Wille mir so gut gewesen für und für. Henr. Kath. v. Gersdorf g. 1648 † 1726. 272 Kreuz- und Trostlieder. eh zerfällt, eh er dich wird hassen, oder gar verlassen. 3. Weine nicht, Gott siehet dich, scheint er gleich verstecket. Wenn du nur geduldiglich seinen Kelch geschmecket, reichet er Labsal her und giebt nach dem Leiden wieder Trost und Freuden. 4. Weine nicht, Gott höret dich, wenn dein Herz nur girret.*) Hast du dich gleich wunderlich in der Not verwirret, ruf ihn an, denn er kann deinen Unglückswellen Ziel und Grenzen stellen.*) Jej. 38,14. 5. Weine nicht, Gott liebet ist ein andrer Sinn. Ich trage dich, wenn die Welt betrübet und Gott allein im Herzen und im so manchen Schlangenstich deiMunde, so kann mir keine nem Herzen giebet. Nichts beStunde allhier zu lange sein. trübt, den Gott liebt; will gleich alles krachen, Gott kann fröhlich machen. 6. An Gott will ich gedenken, so lang ich denken kann. Wird man ins Grab mich senken, so geh ich zwar die Bahn, da mein die Welt vergißt, doch glaub ich dieses feste, Gott denket mein aufs beste, wo sein Gedächtnis ist. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. Vatertreu; die Last werf ich auf ihn, so wird die Arbeit süße, wenn ich den Schweiß vergieße, denn Gott ist mein Gewinn. 4. Denk ich an sein Erbarmen: er schenket mir sein Kind, o Gnade für mich Armen! Heißt das nicht treu gesinnt? Gott ist in Christo mein; Gott müßte Jesum hassen, wenn er mich wollte lassen, das kann unmöglich sein. 5. Drum will ich an Gott denken, die Welt mag immerhin den Sinn aufs Eitle lenken, hier 6. Weine nicht, Gott sorgt für dich, ei, was fann dir fehlen? Was willst du dich stetiglich mit den Sorgen quälen? Wirf auf ihn alles hin, er wird deine Sachen gut und besser machen. 7. Weine nicht, Gott tröstet dich nach den Thränengüssen; endlich wird der Kummer sich ganz Mel. Straf mich nicht in deinem Born. 417. Weine nicht, Gott verlieren müſsen. Durch den Tod du stirbt die Not, und wenn der erscheinet, hast du ausgeweinet. Nach Benj. Schmold g. 1672+1737. betrübte Seele! Drückt dich gleich ein hartes Joch in der Trauerhöhle, nur Geduld, Gottes Huld läßt oft nach dem Weinen auch die Sonne scheinen. 2. Weine nicht, Gott denkt an 418. e größer Kreuz, je dich, ob dus gleich nicht denkest. näher Himmel. Öftermals verbirgt er sich, wenn Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott. du dich sehr kränkest, da die Welt Bei Sündenlust und Weltge= Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. Kreuz und Trostlieder. 273 tümmel vergißt man Hölle, Fluch Mel. Wer nur den lieben Gott. Mel. 3. und Tod. O selig ist der Mann ch geſchätzt, den Gott in Kreuz und 419. weiß, es kann Trübsal setzt. mir nichts geschehen in meiner ganzen Lebensfrist, als was des Höchsten Rat versehen, und was mir nütz und selig ist. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 2. Je größer Kreuz, je stärker Glaube. Die Palme wächset bei der Laft, die Süßigkeit fleußt aus der Traube, wenn du sie wohl gefeltert hast. Am Kreuze wächset uns der Mut, wie Perlen in gesalzner Flut. 3. Je größer Kreuz, je mehr Gebete. Geriebne Kräuter riechen wohl; wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, so fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär? 4. Je größer Kreuz, je lieber Sterben. Man freut sich recht auf seinen Tod, denn man entgehet dem Verderben, es stirbt auf einmal alle Not. Das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphiert. 5. Je größer Kreuz, je schöner Krone, die Gottes Schaß uns beigelegt, und die einmal vor seinem Throne der Überwinder Scheitel trägt. Ach dieses teure Kleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. 6. Gefreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, so pflanz ein solches Herz mir ein, das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benjamin Schmold g. 1672 † 1737. 2. Du leitest mich bei meiner Rechten und führest mich durch Wohl und Weh, du bist mein Licht in Trübsalsnächten, mein Leitstern auf der wilden See. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch ſtets an dir. 3. Du magst mich füssen oder schlagen, ich weiß doch, daß du Vater bist; dein Herze kann mir nichts versagen, was hier und dort mir selig ist. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 4. Drum soll mein Herze standhaft stehen, ob mancher Wind des Kreuzes weht; es kann mir niemals übel gehen, wenn es nach Gottes Willen geht. Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. 5. Mein Gott, dir bleib ich ganz ergeben, Herr, leite mich auf rechter Bahn und nimm mich einst nach diesem Leben mit Gnaden und mit Ehren an! Herr, mach es, wie du willst, mit mir, ich bleibe dennoch stets an dir. Salomo Franck g. 1659 † 1725. 18 274 Kreuz und Trostlieder. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir.| Hecken. Von vornen läßt sich Mel. 2. ie Gott mich 420. Wi führt, so will Gott nicht sehn, zuletzt wird ers aufdecken,*) wie er nach seinem Vaterrat mich treu und wohl gebensanter. ich gehn ohn alles Eigenwählen; führet hat. Dies sei mein Glaugeschieht, was er mir auserfehn, wird mirs an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh ich mit und folge willig Schritt vor Schritt in Vertrauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin 421. Mini Mel. O Welt, ich muß dich lassen. Dein Herz, gieb dich zufrieden = *) 2 Mose 33, 23. Lampertus Gedicke g. 1683 † 1735. ich still und folge seinem Leiten, und bleibe ganz geschieden von obgleich im Fleisch der Eigenwill will öfters widerstreiten. Wie Gott mich führt, bin ich bereit in Zeit und auch in Ewigkeit, stets seinen Schluß zu ehren. Sorge, Furcht und Gram! Die Not, die dich jetzt drücket, hat Gott dir zugeschicket; sei still und halt dich wie ein Lamm! 2. Mit Sorgen und mit Zagen 3. Wie Gott mich führt, bin ich und unmutsvollen Klagen häufst vergnügt, ich ruh in seinen Hän- du nur deine Pein; durch Stilleden. Wie er es schickt und mit mir sein und Hoffen wird, was dich fügt, wie ers will kehren, wenden, jetzt betroffen, erträglich, sanft sei ihm hiermit ganz heimgestellt; und lieblich sein. er mach es, wie es ihm gefällt, zum Leben oder Sterben. 3. Kanns doch nicht ewig währen; oft hat Gott unsre 4. Wie Gott mich führt, so geb Zähren, eh mans meint, abich mich in seinen Baterwillen. gewischt; wenns bei uns heißt: Scheints der Vernunft gleich Wie lange wird mir so angst wunderlich, sein Rat wird doch und bange! so hat er Leib und erfüllen, was er in Liebe hat be- Seel erfrischt. dacht, eh er mich an das Licht ge= bracht; ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib ich treu im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Straft mir bei, was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich fest; was Gott mir widerfahren läßt, muß mir zum besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, es geh durch Dorn und 4. Gott pflegt es so zu machen, nach Weinen schafft er Lachen, nach Regen Sonnenschein; nach rauhen Wintertagen muß uns der Lenz behagen: er führt in Höll und Himmel ein. 5. Indes ist abgemessen die Last, die uns soll pressen, auf daß wir werden klein; was aber nicht zu tragen, darf sich nicht an uns wagen, und sollts auch nur ein Quentlein sein. Kreuz- und Trostlieder. 275 6. Denn es sind Liebesschläge, unsre Hoffnung stützt und hält, wenn ich es recht erwäge, womit er uns belegt; nicht Schwerter, sondern Ruten sinds, damit Gott zum Guten die Seinigen hienieden schlägt. ich bekenne und bereue, daß mich Zweifelmut befällt. Ach wie hängt mein Herz an Dingen, die mich nicht zur Ruhe bringen; ach wie leicht vergeß ich dein, wenn mein Trost soll sichtbar sein. 7. Er will uns dadurch ziehen zu Kindern, die da fliehen das, was ihm mißbehagt, den alten Menschen schwächen, den Eigenwillen brechen, die Lust ertöten, die uns plagt. 2. Ach vergieb mir diese Sünde, nimm die Strafe von mir hin, schenkte deinem armen Kinde, Bater, einen andern Sinn, den nicht falsche Hoff8. Er will uns dadurch lehren, nung bindet, die wie dünner wie wir ihn sollen ehren mit Reif verschwindet, die wie leichGlauben und Geduld, und sollt ter Rauch verfleucht und das er uns in Nöten auch lassen, Herz zur Erde zeucht. ja gar töten, uns doch getrösten seiner Huld. 3. Laß mich eitle Sorgen meiden, weil du für mich sorgst und wachst und im Trauren wie in Freuden dich um mich zur Mauer machst. Laß, Herr, auf dein Wort mich hoffen, das noch allzeit eingetroffen; Hoffnung, die auf Gott nicht baut, wird zuletzt beschämt geschaut. 4. Laß den Anker meiner Seelen unter aller Stürme Wut nur dein Herz zum Grund erwählen, da er fest und sicher ruht, so wird sich kein Zweifel wagen, mir mein Schifflein umzuschlagen; ich werd unbeweglich stehn, wenn selbst Berge untergehn. 5. Laß mein Herz versichert werden, daß dein Wort wahrhaftig sei, o so werd ich auf der Erden vieler Sorg und Unruh frei, so werd ich im Glauben beten und erhöret von dir treten, so wankt meine Zuversicht, so deren Treue wankt meine Hoffnung nicht. 18* 9. Denn was will uns auch scheiden von Gott und seinen Freuden, dazu er uns versehn? Man lebe oder sterbe, so bleibet uns das Erbe des Himmels ewiglich doch stehn. 10. Jst Christus unser Leben, so muß uns, seinen Reben, der Tod sein ein Gewinn; er mag die Leibeshöhle zerbrechen, doch die Seele fliegt auf zum Bau des Himmels hin. 11. Drum gieb dich ganz zufrieden, mein Herz, und bleib geschieden von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden, die dich auf ihren Händen hintragen in die Herrlichkeit. 3. Anast. Freylinghausen g.1670+1739. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 422. G wge Wahrheit, 276 Kreuz und Trostlieder. 6. Meine Hoffnung darf ich Welt allmächtig hält, wird mich gründen, Bater, auf des Sohnes in meinen Tagen als Gott und Tod; sein Verdienst das läßt Vater tragen. mich finden Grund und Trost in meiner Not; durch sein siegreich Auferstehen kann ich neu geboren gehen als ein Bürger jener Welt, wenn der Erdenbau zerfällt. 2. Er sah von aller Ewigkeit, wie viel mir nützen würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 7. Da mein Haupt sich aufgeschwungen und auf Gottes Thron gesetzt, so bin ich mit durchgedrungen und den Engeln gleich geschätzt. Ich besitz ein ewig Leben, das er selber mir gegeben; ich bin in der Hoffnung schon mit versetzt auf seinen Thron. 3. Gott fennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh ichs bat, gewährt wenns seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht was ich mir ersehe, sein Wille der geschehe. 8. Ich bin nur ein Gast auf Erden, oben ist mein Vaterland; 4. Ist nicht ein ungestörtes wird die Welt zerstöret werden, Glück weit schwerer oft zu tragen, so geht an mein Ehrenstand. Ich als selbst das widrige Geschick, erwarte nur der Stunden, da bei dessen Last wir klagen? Die ich von der Sünd entbunden größte Not hebt doch der Tod, meinen Heiland werde sehn und und Ehre, Glück und Habe vervor ihm verkläret stehn. läßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es feinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübfal auch versüßen. 9. Unterdessen laß mich hoffen auch in Trübsal auf dein Licht, laß mich sehn den Himmel offen, so schreckt Tod und Grab mich nicht. Laß mich voller Trost und Freuden aus dem Thal der Thränen scheiden und was ich gehofft allhier, mich dort schauen, Herr, bei dir. Joh. Jak. Nambach g. 1693+ 1735. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ists überMel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 423. Auf Gott und nicht wunden! Hofft auf den Herrn! meinen uns gern; seid will ich mein Glücke bauen und ihr Gerechten! Der Herr hilft dem, der mich erschaffen hat, mit seinen Knechten. ganzer Seele trauen. Er, der die Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. Kreuz- und Trostlieder. 277 424. Was mich quale? Gott, bewahret mich. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. widerfahren, wenn Gott mich as ists, daß ich will bewahren? Und er, mein Harr seiner, meine Seele, harr und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet, Gott weiß Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. es, und Gott schüßet, er ſchützet 425. Der Herr ist meine den, der nach ihm fragt. Zuversicht, einzger Trost im Leben. Dem fehlt es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein Gott, auf sein Gebot wird seine Seele stille, ihm gnügt des Vaters Wille. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, eh ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dem Gott nicht verborgen, der alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wärs auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden, die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig wie mein Geist besteht. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bist des Schwachen Stärke. Die Augen, welche auf dich schaun, schn deine Wunderwerke. Herr, groß von Rat und stark von That, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läßt ihn, wenn ihn Not umgiebt, doch deinen Trost ge5. Was dieses Glück vermehret, nießen. Des Frommen Herz ſei mir von dir gewähret, Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, wenns alle Welt auch schätzet, sei, Herr mein Gott, mir ewig fern. wird frei von Schmerz, der Sünder eitles Dichten pflegst du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott! Der Thoren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Not das Herz des Schöpfers findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn jene zittern, als Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, die dir dein Glaube Verflucht sind, die zu 6. Sind auch der Krankheit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott, so harr ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh, o Gott. 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst reichet. du ewig dich. Was kann mir Menschen flichn, verflucht, wer 278 Kreuz und Trostlieder. von Gott weichet. Dein Heiland mir nützt, gewähret, der mich starb; er, er erwarb auf seinem Todeshügel dir deines Glaubens Siegel. durch sein göttlich Wort hier zum Guten lenket und mit Himmelswonne dort meine Seele tränket. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter sammeln. Gott hilft, wenn Christen freudenleer zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thränen Zahl zählt er, er wiegt die Schmerzen und wälzt sie von dem Herzen. 4. Dann darf ich mit Zuver7. Herr, du bist meine Zu- sicht auf zum Himmel blicken, versicht, auf dich hofft meine meine Leiden fühl ich nicht, wie Seele. Du weißt, was meinem sie mich auch drücken, Hoffnung Glück gebricht, wenn ich mich und Zufriedenheit wohnen mir sorgend quäle. Wer wollte sich im Herzen, trösten und erhöhn nicht ganz auf dich, Allmäch- mich weit über alle Schmerzen. tiger, verlassen und sich im Kummer fassen? 5. Du bist mein! so jauchz ich dann, wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: Mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohlfahrt wert, du gabſt mir das Leber, wirst auch, was mein Leben nährt und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem Rat in die Welt gekommen, alle meine Missethat hat er weggenommen. Ihm vertrau ich, bet ihn an, Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. 426.Deines Gottes freue glaub an ſeine Leiden, folg ihm treulich, und von ihm mich scheiden. ihm, meine Seele! Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir fehle? Schützt dich seine Vorsicht nicht, wenn Gefahren dränen? Jsts nicht Seligkeit und Pflicht, seiner dich zu freuen? 7. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des bessern Lebens, himmlische Vollkommenheit, such ich nicht vergebens. Wenn mein Lauf vollendet ist, und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mittler Jesus Christ mich zu seinen 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich, dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlitz schaue. Nach Christ. Chr. Sturm g.1740+1786. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, findlich fürcht und liebe, wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe, o wie ist mir dann so wohl, wie ist mein Gemüte seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 2. Ja, mein Gott, ich hab an dir, was mein Herz begehret, einen Bater, welcher mir, was Freuden. Kreuz- und Trostlieder. 279 4. Sei stille, hast du lang geweint und wirds noch immer trüber, sag nicht: Weil mir kein Licht erscheint, die Hülfe ist vorüber. O harre fort, du hast sein Wort; er wird, so ists verheißen, dich noch aus allem reißen. 8. Gieb mir nur, so lang ich hier als ein Pilger walle, das Bewußtsein, daß ich dir, Herr mein Gott, gefalle. Diese sanfte Freudigkeit, die zu dir ich habe, sei mein Glück in dieser Zeit und mein Trost am Grabe. 9. Laß die Lust zur Sünde nie dieses Heil mir rauben, rüste selbst mich wider sie mit entschloßnem Glauben! Gieb mir deinen Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertraun auf dich ewig nicht verliere. 5. Sei stille, laß der Zweifel Macht nicht immer dich besiegen, laß Gottes Wahrheit in der Nacht des Rummers überwiegen! Du suchest Ruh? Die hinderst du, so lang dich Zweifel quälen; nur Glaube stillt die Seelen. Balthasar Münter g. 1735 † 1793. 6. Sei stille, endlich mit dem Tod muß alle Sorge schweigen; dann wird sich von dem Stand der Not der rechte Anblick zeigen; Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 427. Sei stille, müdge- da, da erſcheint, wie gut gemeint die waren. laß michs froh erfahren! quältes Herz, das nur am Kummer klebet, richt die Gedanken himmelwärts, hin, wo dein Vater lebet! Zuletzt verzagt, wer immer flagt. In Gott sollst du dich fassen; er kann dich Mel. Nun freut euch, liebe Christen nicht verlassen. Psalm 23. g'mein. Joh. Gottfr. Schöner g. 1749+1818. 2. Sei ſtille, ſinne nicht zu 428.Der Herr ist mein weit, was du dir getreuer mir Was wirst du mit Vermessenheit wird kein Gutes fehlen; der je gegen Gott gewinnen? Du bist ja Staub; ermann dich, glaub: Gott hat es schon versehen, auch was wir nicht verstehen. 3. Sei stille, such bei Menschen nicht, was Menschen nicht vermögen; halt fest an Gott mit Zuversicht, darauf liegt aller Segen. Folg seinem Rat, geh seinen Pfad, laß dir den Herrn der Welten weit über Menschen gelten! Hüter, der nicht schläft noch irrt, fann mir nur Heil erwählen. Er weidet mich auf grüner Au, die Speise giebt vom Lebenstau des Geistes seiner Gnade. 2. Er führet mich zum reinen Quell, der mein Gemüt beglücket, zum Wasser, welches frisch und hell den schwachen Mut erquicket. Er leitet mich auf rechter Bahn, er nimmt sich meines Ganges an um seines Namens willen. 280 Kreuz und Trostlieder. 3. Und ob ich wall im hin; Herr, ewger Gott, barmfinstern Thal, fürcht ich doch herzger Hort, sprich auch zu mir teinen Schaden; sein Auge wachet ein Friedenswort!( Kyrieleis!) überall, ich bin der Sorg entladen. Sein Stab und Stecken trösten mich, auf seine Tren und Macht kann ich gar ruhig mich verlassen. = 4. Du machst mir einen Tisch bereit im Auge meiner Feinde, verscheuchest Angst und Traurigkeit, sprichst freundlich zu dem Freunde; du salbst mein Haupt mit Öl, du schenkst mir voll den Becher ein und lenkst zum Himmel hin mein Sehnen. 5. Ja Gutes und Barmherzigkeit wird lebenslang mir werden; ich bleib im des Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. steh in meines Mel. 2. Herrn die Zeit, die ich noch leb 430. Herren Hand und auf Erden. Und ist des Lebens Wallfahrt aus, dann trägt mich in sein Vaterhaus der Flügel treuer Liebe. will drin stehen bleiben, nicht Erdennot, nicht Erdentand foll mich daraus vertreiben; und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihm, und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben. Joh. Friedr. v. Meyer g. 1772+1849. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. On Ängsten ruf ich, 429.3¹ Herre, dich, die Fluten gehen über mich, mit meiner Not bin ich allein; hilf, Herr, erhöre du mein Schrein! ( Kyrieleis!) 4. Der Jünger zu versinken dacht, da auf dem Meer du gingst in Macht; laß deine Hand mich fassen, Gott, und mach den Feind an mir zu Spott! ( Kyrieleis!) 2. Du hast den Himmel ausgespannt und hältst die Erd in deiner Hand, den Sperling achtst du nicht gering; hilf, daß die Höll mich nicht bezwing! ( Kyrieleis!) 5. Laß sehen, Gott, die Wasser dich,*) laß sie dich schaun und ängsten sich, mein Herr, mein Heil zu aller Frist, der du für mich gestorben bist!( Kyrieleis.) *) ₁. 77, 17. 6.Chr. Adolf v. Harleß g. 1806 † 1879. 2. Er ist ein Fels, ein sichrer Hort, und Wunder sollen schauen, die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. Er hats gesagt, und darauf wagt mein Herz es froh und unverzagt und läßt sich gar nicht grauen. 3. Und was er mit mir machen will, ist alles mir gelegen; ich halte ihm im Glauben still und hoff auf seinen Segen; denn was er thut, ist immer gut, 3. Zu deinem Fuß die Sün- und wer von ihm behütet ruht, derin goß ihre Salb mit Weinen ist sicher allerwegen. Kreuz und Trostlieder. 281 4. Ja wenns am schlimmsten| heut an diesem Tage letztmals mit mir steht, freu ich mich mit Gebet erschein und dir meine seiner Pflege; ich weiß, die Wege, Not vortrage, ach so richte meine die er geht, sind lauter Wunder- Sinnen zu den hohen Himmelswege. Was böse scheint, ist gut zinnen! gemeint, er ist doch nimmermehr mein Feind und giebt nur Liebesschläge. 2. Tausend und viel tausend mal sei du, Vater, hoch gepriesen, daß in deiner Kinder Zahl du mir eine Stell gewiesen, daß ich dich hab lernen kennen und in Christo Vater nennen. 3. Heilig, heilig, heilig sei deines großen Namens Ehre, deine Güte mancherlei, deine Kraft und wahre Lehre! Ich will dich dort ewig loben, wenn ich bin zu dir erhoben. 5. Und meines Glaubens Unterpfand ist, was er selbst verheißen: daß nichts mich seiner starken Hand soll je und je entreißen. Was er verspricht, das bricht er nicht. Er bleibet meine Zuversicht, ich will ihn ewig preisen. C. 3. Phil. Spitta g. 1801+ 1859. 4. Dein Reich hast du auch zu mir hier in Gnaden lassen tommen, mich berufen und zu gedir aus des Satans Macht genommen; Jesus hat mir Heil und Frieden durch sein Blut und Tod beschieden. 431. S Eigene Melodie. arre meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern! Sei unverzagt, bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, ganz getroft aufs Reich der 5. Darum wart ich mit Begier der treue Gott. Ehren, nichts durchaus mehr ist allhier, das mich soll davon abkehren; komm, o König, laß erscheinen, was ich wünsch und all die Deinen. 6. Deinem Willen thu ich mich ganz zu einem Opfer geben. Hab ich hier nicht völliglich nach demselben können leben, so werd ich doch dort erfüllen mit den Engeln deinen Willen. In Krankheit. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 7. Täglich Brot und allerlei, was zu meinem Stand gehöret, 432. Liebster Bater, foll haft du, Bater, mild und tren ich mir auch bescheret; 2. Harre meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern! Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott! Joh. Friedr. Räder g. 1815+1872. 282 Kreuz und Trostlieder. nun du Himmelsbrot willst geben, laß ich gern dies arme Leben. 8. Bleiben gleich die Meinen hier, die mich länger möchten sehen, weiß ich doch, daß nur bei dir steht ihr Weh und Wohlergehen. Ich befehle deiner Güte, was mir lieget im Gemüte. 433. Giebe tenne, der Eigene Melodie. ott, ich als und du Krankheit auf mich legst des Leidens Flamm erregst, daß ich davon hitz und brenne, brenne doch das Böse ab, das den Geist bisher gehindert, das der Liebe Regung mindert, die ich öfters von dir hab. 9. Nur, o Vater, laß du mir alle Schulden sein vergeben, daß ich rein und frei zu dir fahr aus diesem Sündenleben. Jesus hat mir Gnad erworben, mit ihm ist die Schuld gestorben. 2. In der Schwachheit sei du kräftig, in dem Schmerze sei mir süß, schaffe, daß ich dich genieß, wenn die Krankheit streng und heftig. Denn was jetzt den 10. So vergeb ich auch gar Leib bewegt, was mein Fleisch leicht, wie du, Vater, hast ge- und Mark verzehret, was den heißen; aller Zorn und Rach Körper jetzt beschweret, hat die entweicht, ich will lauter Lieb Liebe selbst erregt. erweisen; weil du, Gott, so viel erlassen, will ich Mensch auch niemand hassen. 3. Leiden ist jetzt mein Geschäfte, andres kann ich jetzt nicht thun, als nur in dem Lei11. Rückt der letzte Kampf den ruhn. Leiden müssen meine herzu, tobet heftig Sünd und Kräfte, Leiden ist jetzt mein GeHölle, daß sie mir die Himmels- winnst, das ist jetzt des Vaters ruh raub und meinen Glauben Wille, den verehr ich sanft und fälle, so steh du auf meiner Sei- stille, Leiden ist mein Gottesten, die Versuchung zu bestreiten. dienst. 12. Mach mich alles Übels los, 4. Gott, ich nehms aus deinen gieb der Sündennot ein Ende! Händen als ein Liebeszeichen Ich ergebe ganz und bloß mich an, denn in solcher Leidensbahn in deine Baterhände; wollest willst du meinen Geist vollenden. mich von allem Bösen, wie du Auch die Labung, die man mir weißt und kannst, erlösen. zu des Leibes Notdurft giebet, 13. An dem allen zweifl ich kommt von dir, der mich genicht, denn du bist der Himmels- liebet, alles kommt, mein Gott, könig; zu dir ist die Zuversicht, von dir. Welt und Höll ist dir zu wenig, deine Kraft wird ewig stehen, deine Herrschaft nie vergehen. Beit L. v. Seckendorf g. 1626+ 1692. 5. Laß nur nicht den Geist ermüden bei des Leibes Mattigfeit, daß er sich zu aller Zeit in dich sent in Lieb und Frie Kreuz und Trostlieder. den. Laß des Leibes Angst und Schmerz nicht der Seele Auffahrt hindern und die Ruhe in mir mindern, unterstüße du das Herz! 6. Hilf mir, daß ich ganz bescheiden, ganz in Ruh mit Freundlichkeit, sanfte mit Gehorsamkeit mög auf meinem Bette leiden. Denn wer hier am Fleische leidt, wird errettet von den Sünden, so den Körper oft entzünden, und an seinem Geist 283 mir mein Lager dienen, mit Gott mich zu verfühnen. erneut. 7. Dir empfehl ich nun mein Leben und dem Kreuze meinen Leib; gieb, daß ich mit Freude bleib an dich völlig übergeben. Dann so weiß ich festiglich, ich mag leben oder sterben, daß ich nicht mehr kann verderben, denn die Liebe reinigt mich. Chriſt. Friedr. Richter g. 1676 † 1711. 4. Mein Gott, du hörtest mich so oft und gnädiglich, ach hör mein Flehn und Sehnen, zähl jetzt auch meine Thränen und fehre dies mein Leiden in Trost und süße Freuden! 5. Dies bitt ich, dies geschicht; und kommt die Rettung nicht in diesem Weltgetümmel, so gieb mir nur den Himmel, wo lauter Licht und Sonne, wo stete Freud und Wonne. 6. Nun mach es auf der Welt, mein Gott, wie dirs gefällt. Hilf mir aus allen Nöten, und wirst du mich auch töten, will ich im Tod und Leben mich dir doch ganz ergeben. 1735. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 435. ch hab in guten 3 Mel. Auf meinen lieben Gott. Lebens Glück empfunden und 434. tran auf meinen Freuden ohne Zahl, ſo will ich Gott in in Angst und Not; hat mich viel fassen; welch Leben hat nicht seine Kreuz betroffen, will ich doch auf Qual? ihn hoffen, er wird mir Hülfe senden und alles Elend wenden. 2. Ja Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafst du gelinder, als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 2. Ist gleich mein Leib voll Schmerz, und ängstet sich mein Herz, will es vor Leid und Plagen fast ganz in mir verzagen, wird Gott nach seinem 3. Dir will ich mich ergeben, Willen doch alles wieder stillen. nicht meine Ruh, mein Leben 3. Hält schon die Schwachheit mehr lieben als den Herrn. Dir, an, daß ich daher nicht fann Gott, will ich vertrauen und nicht das Haus des Herren schauen und mich daselbst erbauen, soll und du errettest gern. auf Menschen bauen; du hilfst 284 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe; was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade, du, Herr, bist bei mir in der Not. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken. Der Herr wird alles lenken, und was mir gut ist, wird geschehn. Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. Kreuz und Trostlieder. Morgenlied eines Kranken. 436.G Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. ott Lob und Dank, die Nacht ist hin, es kommt der liebe Morgen; auf, schwacher Geist und matter Sinn, dir ist ja unverborgen, wie du die finstre Schmerzensnacht in Gottes Schutze zugebracht und glücklich überstanden. 2. Als ich mich zu der Ruh gelegt, war ich mit Schmerz um geben; ich sprach, durch Schmerz und Furcht bewegt: Werd ich auch morgen leben? Die fast verdorrte Zunge frug, so oft die Viertelstunde schlug: Wann wird der Tag erscheinen? 3. Gott hat mir mein Gebet gewährt, ich kann das Licht noch sehen. Drum will ich ihn, der mich erhört, mit Dank und Preis erhöhen und flehn, daß er es diesen Tag mit mir und meinem Kreuze mag nach seinem Willen machen. 4. Leb ich nicht fröhlich, frisch, gesund, bin ich dennoch zufrieden; hat schon der Schmerz mein Herz verwundt, will ich doch nicht ermüden; ich trage dieses harte Joch auch diesen Tag und weiter noch, so lang es Gott beliebet. 5. Mein Elend ist um Tag und Nacht nun gleichwohl kürzer worden; Gott, der mich so getreu bewacht, wird nebst der Engel Orden auch heute mit und bei mir sein und Hülfe, Rat und Trost verleihn, er weiß wohl, was mich drücket. 6. Ihm will ich meinen schwachen Geist und kranken Leib befehlen; was Jesus, der mein Helfer heißt, erwählt, will ich auch wählen; so geht es mir im Leben wohl, und wenn ich heute sterben soll, kann mir der Tod nicht schaden. 7. Ich bin ja, Herr, dein liebes Kind und werd es ewig bleiben, kein Schmerzenssturm, kein Kreuzeswind soll mich von Jesu treiben. Ach bleib bei mir bis an mein End und nimm die Seel in deine Händ, so bin ich wohl versorget. 1731. XXII. Lob- und Danklieder. Eigene Melodie. 437. Se err Gott, dich schlecht. loben wir, Herr Gott, wir danken dir. Dich Vater in Ewigkeit ehrt die Welt weit und breit. All Engel und Himmels Heer und was dienet deiner Ehr, auch Cherubim und Seraphim singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott, heilig ist unser Gott. Heilig ist unser Gott, der Herre Zebaoth! 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit geht über Himmel und Erde weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl und die lieben Propheten all, die teuren Märtrer allzumal loben dich, Herr, mit großem Schall. Die ganze werte Christenheit rühmt dich auf Erden alle Zeit. Dich, Gott Vater im höchsten Thron, deinen rechten und eingenSohn, den heiligen Geist und Tröster wert mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Baters ewiger Sohn du biſt; der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, 285 zu' rlösen das menschlich GeDu hast dem Tod zerstört sein Macht und all Christen zum Himmel bracht. Du sitzt zur Rechten Gottes gleich mit aller Ehr ins Vaters Reich. Ein Richter du zukünftig bist all des, was tot und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, die mit dein'm teurn Blut erlöset sein, laß uns im Himmel haben teil mit den Heiligen in ewigem Heil! Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, und segne, das dein Erbteil ist, wart und pfleg ihr zu aller Zeit und heb sie hoch in Ewigkeit! 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich und ehrn dein Namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer Gott, vor aller Sünd und Missethat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, sei uns gnädig in aller Not! Zeig uns deine Barmherzigkeit, wie unsre Hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr, in Schanden laß uns nimmermehr! Amen. Martin Luther g. 1483 † 1546. Nach dem Latein. Te deum laudamus. 286 Lob und Danklieder. Psalm 103. Eigene Melodie. 438.9 un lob, mein Seel, den Herren, was seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich; ihr starken Engel waltet seins Lobs und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heilig Wort; mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort. in mir ist, den Namen sein! Sein Wohlthat thut er mehren, vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein Sünd vergeben und 5. Sei Lob und Preis mit heilt dein Schwachheit groß, errett Ehren Gott Vater, Sohn und dein armes Leben, nimmt dich in heilgem Geist! Der woll in uns seinen Schoß, mit reichem Trost vermehren, was er aus Gnade beschüttet, verjüngt dem Adler uns verheißt, daß wir ihm fest gleich; der Kön'g schafft Recht, vertrauen, uns ganz verlaßn behütet die Leidenden im Reich. auf ihn, von Herzen auf ihn 2. Er hat uns wissen lassen bauen, daß unser Herz und sein heilig Recht und sein Ge- Sinn ihm allezeit anhangen. richt, dazu sein Güt ohn Maßen, Drauf singen wir zur Stund: es mangelt an Erbarmung nicht. Amen, wir werdens erlangen, Sein Zorn läßt er wohl fahren, glaub'n wir von Herzensgrund. straft nicht nach unsrer Schuld; V.1-4 Joh. Gramann g. 1487+ 1541. die Gnad thut er nicht sparen, den Blöden ist er hold. Sein Mel. Nun freut euch, liebe Christen Güt ist hoch erhaben ob den'n, g'mein. die fürchten ihn; ſo fern der Oft 439. Ogläubiger ist unsre 3. Wie sich ein Vat'r erbarmet gieb Lob deinem Herren! Geob seiner jungen Kindlein klein, denk, daß er dein Vater sei, so thut der Herr uns Armen, wenn welchen du stets sollst ehren, diewir ihn findlich fürchten rein. weil du feine Stund ohn ihn Er kennt das arm Geschlechte und mit aller Sorg in deinem Sinn weiß, wir sind nur Staub, gleich- dein Leben kannst ernähren. wie das Gras von Rechte, ein Blum und fallend Laub; der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da, also der Mensch vergehet, sein End das ist ihm nah. 2. Er ists, der dich von Herzen liebt und sein Gut mit dir teilet, dir deine Missethat vergiebt und deine Wunden heilet, dich waff net zum geistlichen Krieg, daß dir der Feind nicht oben lieg und deinen Schatz zerteile. 4. Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit bei seiner lieben G'meine, die steht in seiner Furcht bereit, die die sich von allem Übermut zu 3. Er ist barmherzig und sehr gut den Armen und Elenden, Lob und Danklieder. 287 seiner Wahrheit wenden; er 9. O Gott, nimm an zu Lob nimmt sie als ein Vater auf und giebt, daß sie den rechten Lauf zur Seligkeit vollenden. 4. Wie sich ein treuer Vater zeigt und Guts thut seinen Kindern, also hat sich auch Gott ge- gute neigt zu uns, den armen Sün- Kron dern; er hat uns lieb und ist uns hold, vergiebt uns gnädig alle Schuld, macht uns zu Überwindern. und Dank, was wir in Einfalt singen, und laß dein Wort mit freiem Klang durch unsre Herzen dringen! O hilf, daß wir mit deiner Kraft durch eine Ritterschaft des Lebens erringen. Böhmische Brüder. 5. Er giebt uns seinen Geist, verneuet unsre zen, daß wir vollbringen, was er heißt, wenns auch das Fleisch mag schmerzen; er hilft uns hie mit Gnad und Heil, verheißt uns auch ein herrlich Teil von seinen ewgen Schätzen. guten Her6. Nach unsrer Ungerechtigkeit hat er uns nicht vergolten, vielmehr erzeigt Barmherzigkeit, da wir verderben sollten; mit seiner Gnad und Gütigkeit ist uns und allen er bereit, die ihn von Herzen lieben. 7. Was Gott nun angefangen hat, das will er auch vollenden. Nur geben wir uns seiner Gnad, opfern uns seinen Händen und thun daneben unsern Fleiß, hoffend, er werd zu seinem Preis all unsern Wandel wenden! 8. O Vater, steh uns gnädig bei, weil wir sind im Elende, daß unser Thun aufrichtig sei und nehm ein selig Ende. O leucht uns mit dein'm hellen Wort, daß uns an diesem dunklen Ort kein falscher Schein verblende. Eigene Melodie. 440.9 un laßt uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben. 2. Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein gegeben; dieselben zu bewahren, thut er nie etwas sparen. 3. Nahrung giebt er dem Leibe; die Seele muß auch bleiben, wiewohl tödliche Wunden sind kommen von der Sünde. 4. Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben, Christus, für uns gestorben; der hat das Heil erworben. 5. Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl dient wider allen Unfall; der heilge Geist im Glauben lehrt uns darauf vertrauen. 6. Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben, im Himmel solln wir haben, o Gott, wie große Gaben! 7. Wir bitten deine Güte, daß sie uns fort behüte, die Großen mit den Kleinen; du kannsts nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der Wahrheit, gieb ewigliche Freiheit, zu 288 preisen deinen Namen durch Je= sum Christum. Amen. Ludwig Helmbold g. 1532+ 1598. Lob- und Danklieder. 5. Der Herr ist fromm, barmherzig und sanftmütig, voll Gnad und Gunst, geduldig, treu und gütig, er handelt nicht mit uns nach unsrer Schuld, vergilt auch nicht nach unsern schweren Sünden. So weit die Höh des Him441. meine Seel, mels ist zu finden hier von der Erd, du den Huld. Herren preisen, was in mir ist, 6. So weit der Grund sich das muß ihm Ehr erweisen, auf, scheidet von der Festen, so weit auf, mein Herz, und mache dich der Ost ablieget von dem Westen, bereit! Vergiß ja nicht, vergiß so weit läßt er die Sünden von nicht, mein Gemüte, was dir uns sein. Sein Gnadenblick der Herr für wunderbare Güte muß über die stets walten, die erwiesen hat die ganze Lebenszeit. ihn mit Furcht für ihren Helfer halten, und rettet sie aus ihrer Not und Bein. 2. Denn er hat dich von Sünden losgesprochen und denkt nicht mehr, was du bisher verbrochen, er machet dich von Schwachheit heil und rein. Es hat der Herr dein Leben vom Verderben erlöst, daß du nicht ewig müssest sterben, dein Gott will dir forthin barmherzig sein. 3. Er frönet dich mit Gnad und mildem Segen, will deinen Mund mit reicher Fülle pflegen, er machet dich von seinen Gütern satt, daß du mit Lust darüber dich erfreuest und deine Kraft gleich Adlern gar verneuest, weil er mit Heil dich überschüttet hat. 4. Der Herr läßt Recht den selben widerfahren, die vor bedrängt und unterdrücket waren; er hat sein Thun dem Mose kund gethan und seine Recht Israel wissen lassen; er ist voll Güt und will nicht immer hassen noch ewiglich mit Grimm uns sehen an. 7. Wie unter uns ein Vaterherz Erbarmen mit Kindern hat, so thut der Herr uns Armen, es stehet Gott den Frommen kräftig bei. Er fennet ja uns dürftgen Erdentöpfe,*) ihm ist bewußt, daß dieses sein Geschöpfe ein leichter Staub und schwaches Werkzeug sei. *) Klag. Jer. 4, 2. 8. Ein Mensch muß stets des Lebens End erwarten, er ist wie Gras, wie eine Blum im Garten, die sich sehr schön und lieblich lässet an: wenn aber nur der Wind darüber fähret, ist ihre Zier hinweg und so verzehret, daß man die Stätt auch nicht mehr finden kann. Psalm 103. Eigene Melodie. 9. Des Herren Gnad ist aber überschwenglich, währt für und für und bleibet unvergänglich; auf Kindestind wird seine Güt gebracht bei denen, die den Lob und Danklieder. Gottesbund stets üben und sein Befehl von ganzem Herzen lieben und sein Gebot zu halten sind bedacht. 10. Es ist sein Stuhl im Himmel zubereitet, sein Herrschaft ist um diese Welt gebreitet, sein Reich und Thron umschließt den Erdenkreis. Engel lobt, lobt ihn, ihr starken Helden, die ihr sein Thun und Willen an müßt melden, obt unsern Gott und sagt ihm Ruhm und Preis! Ihr 11. Lobt unsern Gott, ihr alle seine Scharen, die ihr ihm dient 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der beiden gleich im höchsten Himmelsthrone, dem dreimal Einen Gott, als es urund hin und her müßt fahren auf sprünglich war und ist und bleisein Geheiß; lobt ihn an jedem ben wird jegund und immerdar. Martin Ninkart g. 1586+1649. Ort, an dem er herrscht; lobt ihn, ihr seine skraft, rühmt ſeiner Allmacht 443. N Gott mit Herun danket alle Stärke; lob ihn, mein Herz, o lob ihn fort und fort! 12. Gott Vater, Sohn und Geist, sei stets gepriesen für alle zert, Mund und Händen, der große Dinge thut hier und an allen Enden, der lebend uns erGüt, die du an mir erwiesen von hält von Mutterleibe an und Kindheit an bis jetzt auf diese Zeit. Herr, steh mir bei, laß deine Gnad sich mehren, so will ich drum dir danken und dich ehren auf Erden hier und dort in Ewigkeit. 289 allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort. V. 1-11 Joh. Frand g. 1618+ 1677. V. 12 Hannov. Gjb. 1657. Siradj 50, 24. Eigene Melodie. un danket alle thut uns alles Guts, mehr als man zählen kann. 3. Der große, starke Gott woll uns von allem Bösen und was uns schaden kann gewaltiglich er442. er rette uns, er zen, Mund und Händen, der helf uns allezeit, so lang er uns große Dinge thut an uns und allhier das Leben noch verleiht. 19 2. Es wolle unser Gott ein fröhlich Herz uns geben, er lasse uns, sein Volk, in Frieden immer leben forthin zu unsrer Beit, daß seine Gnad und Tren bei uns und unserm Land allweg beständig sei. 290 Lob und Danklieder. 4. Gott Vater, dir sei Preis mir geneiget, so will ich für und hier und im Himmel oben, Gott für den Kelch des Heils erheben Sohn, Herr Jesu Christ, wir und preisen weit und breit dich wollen dich stets loben, Gott hier, mein Gott, im Leben und heilger Geist, dein Ruhm er- dort in Ewigkeit. Johann Rist g. 1607 † 1667. fchalle mehr und mehr, o Herr, dreieinger Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr! Hannoversches Gfb. 1657. Sirach 50, 24. Eigene Melodie, oder Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich. lan lobt dich in 444. M der Stille, du der Stille, bu 445.9 Himmel stets vermeldt. un danket all und bringet Ehr, ihr hocherhabner Zions- Gott, des Menschen in der Welt, dem, Rühmens ist die Fülle vor dir, dessen Lob der Engel Heer im o Herr Gott Zebaoth. Du bist doch, Herr, auf Erden der Frommen Zuversicht, in Trübsal und Beschwerden läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich chren mein Mund vor jedermann und deinen Ruhm vermehren, so lang er fallen kann. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge thut; 3. Der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält, und wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet gutes Muts, die Straf erläßt, die Schuld vergiebt und thut uns alles Guts. 2. Es müssen, Herr, sich freuen von ganzer Seel und jauchzen schnell, die unaufhörlich schreien: Gelobt sei der Gott Jsrael!*) Sein Name sei gepriesen, der große Wunder thut und der auch mir erwiesen das, was mir nütz und gut. Nun, das ist meine Freude, daß ich an ihm stets kleb und niemals von ihm scheide, so lang ich leb und schweb. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin. *) ₁. 40, 17. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn in unserm Volk und Land, er gebe Glück zu unserm Thun und Heil zu allem Stand. 7. Er lasse seine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn, was aber ängstet und bemüht, gar 3. Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht, denn als die Schwachen kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget; nun wie vergelt ichs dir? Ach bleibe ferne von uns stehn. Lob und Danklieder. 291 8. So lange dieses Leben währt, an unsrer Thür und läßt uns sei er stets unser Heil, und wenn wir scheiden von der Erd, verbleib er unser Teil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, uns unsre Augen zu und zeig uns drauf sein Angesicht dort in der ewgen Ruh. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. Eigene Melodie, oder Bobt Gott, ihr Christen alle gleich. 10. Wenn unser Herze seufzt 446.3% finge din mit und ſchreit, wirſt du gar leicht Herz Mund, und Herr, meines Herzens Lust, ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad und ewge Quelle seist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Bater, nicht von dir allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Öl und Most zu seinen Zeiten findt? sicher ruhn. 8. Du nähreit uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer. 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles thun, du hältst die Wach uns hoch erfreut und dir zu Ehren reicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein, und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Thränlein ist so flein, du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut, dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hülf und Heil, schafft Ruh und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht. 19* 292 Lob- und Danklieder. 16. Hat er dich nicht von Ju- Brunnen, wie will doch mein gend auf versorget und ernährt? schwacher Geist, ob er sich gleich Wie manches schweren Unglücks hoch befleißt, deine Tief erLauf hat er zurückgekehrt! gründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 17. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment, nein, was er thut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun und red ihm nicht darein, so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt g. 1607+ 1676. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, giebt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort, daß er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding Eigene Melodie. 447. Sollt ich meinem währt ſeine Zeit, Gottes Lieb Gott singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut ers mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not zustehen, nimmt ers gleichfalls wohl in acht. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält: Tier und Kräuter und Getreide, in den Gründen, in der Höh, in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lich in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, nein er giebt ihn für mich hin, daß er mich vom ewgen 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Feuer durch sein teures Blut Sorgen und ermuntert mein gewinn. du ungegründter Gemüt, daß ich alle liebe MorO 293 stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein, also wird auch nach der Pein, wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch 8. Wie so manche schwere Plage Ende sich in Gottes Liebe findt, wird vom Satan hergeführt, die ei so heb ich meine Hände zu mich doch mein Lebetage nie- dir, Vater, als dein Kind, bitte, mals noch bisher gerührt; Got- wollst mir Gnade geben, dich tes Engel, den er sendet, hat aus aller meiner Macht zu umdas Böse, was der Feind anzufangen Tag und Nacht hier in richten war gemeint, in die Ferne meinem ganzen Leben, bis ich weggewendet. Alles Ding währt dich nach dieser Zeit lob und lieb seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. in Ewigkeit. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. 9. Wie ein Bater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde Mel. Nun danket alle Gott. thut und aus den Bahnen weicht, 448. Gelobet feiber also hält mir mein frommer Gott zu gut, will mein Fehlen mit der Rut und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine > Schläge, ob sie mir gleich bitter Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seel gegeben, mein Bater, der mich schützt von Mutterleibe an, der alle Augenblick viel Guts an mir gethan. 2. Gelobet sei der Herr, mein seind, dennoch, wenn ichs recht Gott, mein Heil, mein Leben, erwäge, sind es Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem teuren Blut, der mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werter Geist, den 11. Das weiß ich fürwahr und mir der Sohn gegeben, der mir lasse mirs nicht aus dem Sinne mein Herz erquickt, der mir giebt gehn: Christenkreuz hat seine neue Kraft, der mir in aller Maße und muß endlich stille Not Rat, Trost und Hülfe schafft. Lob und Danklieder. gen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Lob- und Danklieder. 294 4. Gelobet sei der Herr, mein Sott, der ewig lebet, den alles rühmt und lobt, was in den Lüften schwebet, gelobet sei der Herr, des Namen heilig heißt, Gott Bater, Gott der Sohn und Gott der werte Geist! 4. Jch rief zum Herrn in meiner Not: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir; ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Dem wir das Heilig jetzt mit Freuden lassen klingen und 5. Der Herr ist noch und nimmit der Engelschar das Heilig, mer nicht von seinem Volk geHeilig singen, den herzlich lobt schieden, er bleibet ihre Zuverund preist die ganze Christenheit. sicht, ihr Segen, Heil und FrieGelobet sei mein Gott in alle den. Mit Mutterhänden leitet Ewigkeit! er die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Olearius g. 1611+1684. Mel. Es ist das Heil uns kommen her, oder Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ. 449.St ei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüte mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hülf ermangeln muß, die alle Welt erzeiget, so kommt, so hilft der Überfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Bateraugen denen zu, die sonsten nirgend finden Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren, man soll, Gott, deinen Lobgefang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre, ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unserm Gott die 3. Was unser Gott geschaffen Ehre! Die falschen Gözen macht hat, das will er auch erhalten, zu Spott, der Herr ist Gott, darüber will er früh und spat der Herr ist Gott.*) Gebt unserm mit seiner Güte walten. In Gott die Ehre!) 1 Kön. 18, 39. seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht mit jauchzenvollem Springen, bezahlet die gelobte Pflicht 2. Es danken dir die Himmelsheer, o Herrscher aller Thronen, und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! Lob und Danklieder. und laßt uns fröhlich singen: Eigene Melodie. Gott hat es alles wohl bedacht 451. Wunderbarer Gö alles Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jak. Schütz g. 1640+ 1690. nig, Herrscher von uns allen, laß dir unser Rob gefallen! Deine Vatergüte hast du lassen triefen, ob wir schon von dir wegliefen. Hilf Eigene Melodie. 450. Lobe obe den Herren, uns noch, stärk uns doch, laß Zunge singen, laß die Stimme flingen! obe den Herren, die den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zu Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören! Schöpfers Thaten mehr als aller 2. Himmel, lobe prächtig deines Menschen Staaten, großes Licht der Sonne, schieße deine Strahlen, die das große Rund bemalen, lobet gern, Mond und Stern, seid bereit zu ehren einen folchen Herren! 2. Lobe den Herren, der alles 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verſpüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und sein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet! 295 5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht, Seele, vergiß es ja nicht, Lobende, schließe mit Amen! Joachim Neander g. 1650+ 1680. 3. O du meine Seele, singe fröhlich, singe, singe deine Glaubenslieder! Was den Odem holet, jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder! Er ist Gott Zebaoth, er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, wer den 4. Lobe den Herren, der deinen Herren kennet, wer den Herren Stand sichtbar gesegnet, der aus Jesum liebet, Halleluja singe, dem Himmel mit Strömen der welcher Christum nennet, sich Liebe geregnet. Denke daran, von Herzen ihm ergiebet. O was der Allmächtige kann, der wohl dir! Glaube mir: Endlich dir mit Liebe begegnet. wirst du droben ohne Sünd ihn loben. Joachim Neander g. 1650+ 1680 mel. Allein Gott in der Höh sei Ehr, oder Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 452. Bi is hieher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis Lob und Danklieder. 296 hieher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hieher hat er mich geleit, bis hieher hat er mich erfreut, bis hieher mir geholfen. 2. Hab Lob und Ehre, Preis so muß ich beschämet sagen: und Dank für die bisherge Treue, Tausendtausendmal sei dir, grodie du, o Gott, mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Gedächtnis schreib ich an: Der Herr hat große Ding gethan an mir und mir geholfen. Ber König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, mit was Lieb und Gütigkeit du durch so viel Wunderwege mich geführt die Lebenszeit, so weiß ich kein Ziel zu finden noch den Grund hier zu ergründen. Tauhilf mir an all und jedem Ort, sendtausendmal sei dir, großer hilf mir durch Jesu Wunden, König, Dank dafür! hilf mir im Leben, Tod und Not, durch Christi Schmerzen, Blut und Tod, hilf mir, wie du geholfen. 5. O wie hast du meine Seele stets gesucht zu dir zu ziehn, daß ich aus der Sünden Höhle möchte zu den Wunden fliehn, die mich ausgeföhnet haben und mit Kraft zum Leben laben. Tausendtausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 3. Hilf fernerweit, mein treuer Hort, hilf mir zu allen Stunden. 3. Vater, wenn mein Herz bedenket, wie dich meine Sündenschuld oft betrübet, oft gefränket, und wie deine Lieb und Huld mich aus Langmut doch getragen, Amilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt g. 1637+ 1706. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 453. Momit soll ich dich W wohl loben, 6. Bald mit Lieben, bald mit Leiden kamst du, Herr mein mächtiger Herr Zebaoth? Sende Gott, zu mir, nur mein Herze mir dazu von oben deines Geistes zu bereiten, sich ganz zu ergeben Kraft, mein Gott! Denn ich dir, daß mein gänzliches Verkann mit nichts erreichen deine langen möcht an deinem Willen Gnad und Liebeszeichen. Tau- hangen. Tausendtausendmal ſei sendtausendmal sei dir, großer dir, großer König, Dank dafür! König, Dank dafür! 7. Wie ein Vater nimmt und 2. Herr, entzünde mein Ge- giebet, nachdems Kindern nützmüte, daß ich deine Wunderlich ist, so hast du mich auch gemacht, deine Gnade, Treu und liebet, Herr mein Gott, zu jeder Güte stets erhebe Tag und Nacht; Frist und dich meiner angenomdenn von deinen Gnadengüssen men, wenns auch gleich aufs Leib und Seele zeugen müssen. höchste kommen. TausendtauTausendtausendmal sei dir, gro- sendmal sei dir, großer König, ßer König, Dank dafür! Dank dafür! Lob- und Danklieder. 297 8. Mich hast du auf Adlers-| jeder Puls ein Dank und jeder flügeln oft getragen väterlich, Odem ein Gesang! in den Thälern, auf den Hügeln wunderbar errettet mich. Wenn schien alles zu zerrinnen, ward doch deiner Hülf ich innen. Tausendtausendmal sei dir, groBer König, Dank dafür! 3. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß und stehet munter im Geschäfte zu Gottes meines Herren Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich und lobe Gott herzinniglich! 9. Vater, du hast mir erzeiget lauter Gnad und Gütigkeit, und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit, und durch dich, o Geist der Gnaden, werd ich stets noch eingeladen. Tausendtausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! 10. Tausendmal sei dir gefungen, Herr mein Gott, Preis, Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen. Ach laß meines Lebens Gang ferner doch durch Jesu Leiten nur gehn in die Ewigkeiten! Da will ich, Herr, für und für ewig, ewig danken dir. Ludw. Andr. Gotter g. 1661+1735. 4. Jhr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein und stimmet lieblich mit mir ein! 5. Ach alles, alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehülfen geben, denn mein Bermögen ist zu matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 6. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld unEigene Melodie. 454. daß ich tausend ſäglich gnädige Geduld. hätte 7. Ich hab es ja mein Lebetage schon so manch liebes Mal gespürt, daß du mich unter vieler Plage durch Not und Trübsal hast geführt, denn in der größesten Gefahr ward ich dein Trostlicht stets gewahr. und einen tausendfachen Mund, so stimmt ich damit in die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. 2. O daß doch meine Stimme 8. Wie sollt ich nun nicht voller schallte bis dahin, wo die Sonne Freude in deinem steten Lobe steht! daß mein Blut mit stehn? Wie wollt ich auch im Jauchzen wallte, so lang es noch tiefsten Leide nicht triumphieim Laufe geht! Ach wär ein rend einher gehn? Und fiele 298 Lob und Danklieder. auch der Himmel ein, so will ihm bescheret; ewig wollen wir ich doch nicht traurig sein. uns üben, über alles ihn zu lieben. 9. Ich will von deiner Güte singen, so lange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt; ja wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 3. Ja wir wollen nun mit Freuden zu dem lieben Bater gehn, uns an seiner Liebe weiden, wie die thun, die vor ihm stehn, heilig, heilig, heilig singen. Halleluja soll erklingen unserm 10. Ach nimm das arme Lob Gotte und dem Lamm, unserm auf Erden, mein Gott, in allen holden Bräutigam. Lasset seinen Gnaden hin! Im Himmel soll Ruhm erschallen und erzählt sein es besser werden, wenn ich wie Werk vor allen, daß er ewig deine Engel bin. Da sing ich uns erwählet und zu seinem dir im höhern Chor viel tausend Volk gezählet. Halleluja vor. Johann Mentzer g. 1658 † 1734. 4. Lernet euren Jesum kennen, der euch teur erfaufet hat, lernet ihn fein lieblich nennen euren Bruder, Freund und Rat, euren Eigene Melodie. 455.Laffet uns den Herren starken Held im Streiten, eure preisen ver- euren mehren seinen Ruhm, stimmet Trost und euer Heil, euer alleran die süßen Weisen, die ihr bestes Teil. Ewig solche Güte seid sein Eigentum. Ewig währet währet, die euch durch ihn widersein Erbarmen, ewig will er fähret; ewig soll das Lob eruns umarmen mit der süßen flingen, das wir ihm zu Ehren Liebeshuld, nicht gedenken unsrer singen. Schuld. Preiset ewig seinen 5. Tretet nur getrost zum Namen, die ihr seid von Abrams Samen, rühmet ewig seine Werke, gebet ihm Lob, Ehr und Stärke! Throne, da der Gnadenstuhl zu sehn; es kann euch von Gottes Sohne nichts als Lieb und Huld geschehn. Er erwartet mit Verlangen, bis er könne uns umfangen und das allerhöchste Gut uns mitteilen durch sein Blut. Große Gnad ist da zu finden, er will sich mit uns verbinden, und soll niemals etwas können uns von seiner Liebe trennen. 6. Er hat nunmehr selbst die Fülle seiner Gottheit aufgethan, 2. Ehe noch ein Mensch geboren, hat er uns zuvor erfannt und in Christo auserforen, seine Huld uns zugewandt. Selbst der Himmel und die Erden müssen uns zu Dienste werden, weil wir durch sein liebstes Kind seine Kinder worden sind. Ewig solche Gnade währet, die er uns in Lob und Danklieder. 299 und es ist sein ernster Wille, daß| gaben, die der arme Mensch nun komme jedermann. Keiner genießt. soll sich hiebei schämen, sondern 3. Wer ist, der ihn hat verGnad um Gnade nehmen; wer bunden, dich zu schaffen, Menein hungrig Herze hat, wird schenkind? Wer, daß wir zu aus seiner Fülle satt. Ewig solche diesen Stunden frisch, gesund Fülle währet, die uns so viel und fröhlich sind? Wer giebt Guts bescheret; Wonne, die uns die Leibeskräfte, das Veruns ewig tränfet, wird uns daraus eingeschenket. 7. Nun, du Liebster, unser Lallen, damit wir dir dankbar sein, dir gnädig wohlgefallen, bis wir alle insgemein ewig deine Gütigkeiten mit gesamtem Lob ausbreiten, da wir werden Gloria singen und Halleluja. Preis, Ehr, Ruhm, Dank, Macht und Stärke und was rühmet seine Werke werde unserm Gott gegeben! Laßt uns ihm zu Ehren leben! Chr. Jakob Koitsch g. 1671+1735. mögen, den Verstand, zu verrichten die Geschäfte? Nichts denn Gottes Gnadenhand. 4. Ferner will er noch erhalten, was er uns gegeben hat; seine Gnade läßt er walten über alle früh und spat; er will uns vor allem Schrecken, vor des Satans Trug und List unter seinem Schutz bedecken, da man recht gesichert iſt. 5. Lasset darum, liebste Seelen, laßt uns alle, groß und klein, ihm den besten Dank erwählen, welcher heißt: gehorsam sein. Lobet sein allweises Fügen, rühmet alles, was er schickt; wer Eigene Melodie. 456. Ah erkennet, liebſte ſich läßt daran genügen, bleibet ch immerfort Friedr. Konr. Hiller g. 1662 † 1726. Gottes Gütigkeit, helfet seinen Ruhm erzählen, die ihr sein Geschöpfe seid. Euch gebühret Dank zu geben dem, der euch viel Guts euer Mel. Es ist das Heil uns kommen her, oder Allein Gott in der Höh sei Ehr. noch daneben nimmt mit ſolcher 457. Bringt her dem an. Herren Lob und Ehr aus freudigem Gemüte, ein jeder Gottes Ruhm vermehr und preise seine Güte. Ach lobet, lobet alle Gott, der uns befreiet aus der Not, und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit die großen Wunderwerke, 2. Denfet, da wir gar nichts waren, hat er uns zu was gemacht, er hat uns von Jahr zu Jahren wunderbarlich fort gebracht. Nichts ist, was wir an uns haben, das nicht alles von ihm fließt; es sind lauter Gottes 300 Lob- und Danklieder. die Majestät und Herrlichkeit, nur Odem hat, das danke seinem die Weisheit, Kraft und Stärke, Namen! Cyriacus Günther g. 1650+ 1704. Psalm 146. Eigene Melodie. die er beweist in aller Welt und dadurch alle Ding erhält; drum danket seinem Namen! 3. Lobt uns erschaffen hat, Leib, Seele, Geiſt 458. meine Seele! Lobe obe Herren, o und Leben aus lauter väterlicher Gnad uns allen hat gegeben, der uns durch seine Engel schützt und täglich giebet, was uns nützt; drum danket seinem Namen! Ich will ihn loben bis in Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat: Halleluja, Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, 4. Lobt Gott, der uns schenkt seinen Sohn, der für uns ist gestorben und uns die selge Lebensfron durch seinen Tod er- vom Weib geboren, und kehren worben, der worden ist der um zu ihrem Staub; ihre AnHölle Gift, der Frieden hat mit schläge sind auch verloren, wenn Gott gestift; drum danket seinem nun das Grab nimmt seinen Namen! Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, rufe man Gott um Hülfe an. Halleluja, Halle5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet und alles Gute noch ver-| luja! heißt, uns stärket, träftigt, gründet, der uns erleuchtet durch sein Wort, regiert und treibet fort und fort; drum danket seinem Namen! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hülfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen und hofft getrost auf Jesum Christ. 6. Lobt Gott, der auch dies Wer diesen Herrn zum Beistand gute Werk, so in uns angefangen,| hat, findet am besten Rat und vollführen wird und geben Stärk, das Kleinod zu erlangen, das er hat allen dargestellt und seinen Gläubgen vorbehält; drum danket seinem Namen! That. Halleluja, Halleluja! 7. Lobt Gott, ihr starken Seraphim nebst Fürstentum und Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, die hier auf Erden wohnen! Lobt Gott und preist ihn früh und spat, ja alles, was 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist gemacht; alles muß pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, Halleluja! 5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, er ists, der ihnen Lob und Danklieder. 301 Recht verschafft; Hungrigen will Rat und That lebenslang erer zur Speis bescheiden, was wiesen hat. ihnen dient zur Lebenskraft; die hart Gebundnen macht er frei, und seiner Gnad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja! 2. Herr Gott Vater, lauter Segen trieft von deiner milden Hand, den du mir haft allerwegen, wie ich wünsche, zugewandt; aus wie viel Bekümmernissen hast du mich, mein Gott, gerissen! Tausendtausendmal sei dir, treuer Bater, Dank dafür! 3. O Herr Jesu, Heil und Leben ist in deinem Blute mein, alle Sünden sind vergeben, und ich bin gerecht und rein; ja du willst in meiner Seelen deine Wohnung dir erwählen. Tausendtausendmal sei dir, liebster Heiland, Dank dafür! 4. Heilger Geist, an deinen Gaben spür ich keinen Mangel nicht; und was wollt ich größers haben als dies gnadenvolle Licht, daß ich weiß, an wen ich gläube, und ein Gottesfind verbleibe. Tausendtausendmal sei dir, werter Tröster, Dank dafür! 5. Ach daß alle meine Glieder lauter Zungen möchten sein, daß ich mich durch Lobelieder könnte recht in Gott erfreun, und daß lauter Preis und Ehre so ein süßes Opfer wäre, das ihm würde Tag und Nacht tausendMel. Jesu, meines Lebens Leben. 459. Schwing dich auf, tauſendmal gebracht. mein ganz Ge- 6. Doch du du wirst mein müte, und geh in den Himmel schwaches Lallen, o Gott Vater, ein, denn es muß des Höchsten Sohn und Geist, dir auch Güte hier und dort gepriesen lassen wohl gefallen, das dich sein. Ach mit tausendtausend hier auf Erden preist, bis ich malen kann ich ihm das nicht dich im Himmel oben mit den bezahlen, was er mir durch Engeln werde loben. Ja da 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, erhebt die tief gebeuget gehn; wo er kann einige Fromme finden, die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist des Fremden Trut, Witwen und Waisen hält er Schutz. Halleluja, Halleluja! 7. Aber der Gottesvergeßnen Tritte kehrt er mit starker Hand zurück, daß sie nur machen verfehrte Schritte und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich, Zion, dein Gott forgt stets für dich. Halleluja, Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder thut. Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist! Halleluja, Halleluja! 3. D. Herrnschmidt g. 1675+ 1723. und Danklieder. 302 Lob lob und preis ich dich ewig, ewig, ewiglich. Erdmann Neumeister g. 1671+1756. 7. Drum preise, mein Gemüte, die wunderbare Güte, die dir von Gott geschicht. Im Leben und im Sterben läßt sie dich nicht verderben, denn Gott verläßt die Seinen nicht. Erdmann Neumeister g. 1671+ 1756. Mel. Welt, ich muß dich lassen. 460. A¹ uf, auf, mein ganz Gemüte, und preise Gottes Güte, die je und währt, die alles hat zu Eigene Melodie. geben, was man im ganzen Leben 461. Dimen des Ewigen Himmel rühzum Segen wünschet und begehrt. 2. Gott hat sie lassen walten und mich dadurch erhalten von Mutterleibe an. Ich spüre sie noch täglich, daß also mir unsäglich viel Gutes wird durch sie gethan. Ehre, ihr Schall pflanzt seinen Namen fort, ihn rühmt der Erdfreis, ihn preisen die Meere; vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 3. Gott macht sie alle Morgen durch väterlich Versorgen an Leib und Seele neu. Er lässet sie desgleichen bei Nacht nicht von mir weichen, daß sie mein Schild und Sonne sei. 2. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne und läuft den Weg gleich als ein Held. 4. Sie fördert meine Werke, daß ich mit Freude merke, wie Gott mir freundlich ist. Kein Kummer darf mich stechen noch mein Vergnügen brechen, weil 6. Ja wenn die Not am größten, so folgt, daß man am besten die Güte Gottes spürt. Zulegt muß doch erscheinen, daß Gottes Hand die Seinen zwar wunderlich, doch selig führt. 3. Vernimms und siehe die Wunder der Werke, die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? sie mich in die Arme schließt. 4. Kannst du der Wesen un5. Wenn durch betrübte Tage zählbare Heere, den kleinsten manch Kreuz und manche Plage Staub fühllos beschaun? Durch mir an die Seele tritt, so ist sie wen ist alles? Ogieb ihm die auch zugegen und bringet Trost und Segen aus meines Gottes Liebe mit. Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun. 5. Mein ist die Kraft, mein ist Himmel und Erde, an meinen Werken kennst du mich. Ich bins, und werde sein, der ich sein werde, dein Gott und Vater ewiglich. 6. Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, ein Gott Lob und Danklieder. 303 7. Er half und wird mich ferner erlösen, er hilft, der Herr ist fromm und gut. Er hilft aus der Versuchung zum Bösen und giebt mir zu der Tugend Mut. 8. Dir dank ich für die Prüfung der Leiden, die du mir Eigene Melodie. 462. D u bists, dem liebreich zugeschickt, dir dank ich Ruhm und für die häufigern Freuden, woEhre gebühret, und Ruhm und mit mich deine Hand beglückt. Ehre bring ich dir. Du, Herr, hast stets mein Schicksal regieret, und deine Hand war über mir. 9. Dir dank ich für die Güter der Erden, für die Geschenke deiner Treu. Dir dank ich, denn du hießest sie werden, und deine Güt ist täglich neu. der Ordnung und dein Heil; ich bins, mich liebe von ganzem Gemüte und nimm an meiner Gnade Teil! Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. 2. Wenn Not zu meiner Hütte sich nahte, so hörte Gott der Herr mein Flehn und ließ nach seinem gnädigen Rate mich nicht in meiner Not vergehn. 3. Ich sank in Schmerz und Krankheit danieder und rief: O Herr, errette mich! Da half mir Gott, der mächtige, wieder, und mein Gebein erfreute sich. 10. Dir dank ich für das Wunder der Güte: selbst deinen Sohn gabst du für mich. Von ganzer Seel und ganzem Gemüte, von allen Kräften preis ich dich. 11. Erhebt ihn ewig, göttliche Werke! Die Erd ist voll der Huld des Herrn. Sein, sein ist Ruhm und Weisheit und Stärke, er hilft und er errettet gern. 4. Wenn mich der Haß des Feindes betrübte, klagt ich Gott findlich meinen Schmerz. Er half, daß ich nicht Rache verübte, und stärkte durch Geduld mein Herz. 12. Er hilft; des Abends währet die Klage, des morgens die Zufriedenheit. Nach einer Prüfung weniger Tage erhebt er uns zur Seligkeit. 5. Wenn ich verirrt vom rich- 13. Vergiß nicht deines Gottes, tigen Pfade mit Sünde mich o Seele, vergiß nicht, was er umfangen sah, rief ich zu ihm, dir gethan. Berehr und halte dem Vater der Gnade, und seine seine Befehle und bet ihn durch Gnade war mir nah. Gehorsam an! Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. 6. Um Trost war meine Seele so bange, denn Gott verbarg sein Angesicht. Ich rief zu ihm: Herr, so lange? Eigene Melodie. Gott verließ den adhwachen 463. Gott ist ein Sie Lied, er der Gott der Stärke, Herr ist sein Nam, nicht. Lob- und Danklieder. 304 und groß sind seine Werke, und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, so sind und leben Welten; und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott, und Gott in ewgen Bei ten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war im Himmel, Erd und Meere, das fennet Gott, und seiner Werke Heere find ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sigest oder gehest, ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest, so ist er allenthalben da. immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte; schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, da ich noch unbereitet war. 13. Du tränfst das Land, führst uns auf grüne Weiden, und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Rein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen, sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. st Gott mein Schuß, will Gott mein Retter werden, so frag ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete selbst der Hölle Truß. Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. 8. Er fennt mein Flehn und allen Rat der Seele; er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, Mel. Es ist das Heil uns kommen her. und eilt mir gnädig beizustehn. 464. W enn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege, so weiß ich von Bewundrung voll nicht, 10. Nichts, nichts ist mein, wie ich dich erheben soll, mein das Gott nicht zugehöre. Herr, Gott, mein Herr und Vater. Lob- und Danklieder. 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke: Eigene Melodie. Der Himmel, prächtig ausge- 465. Mie groß iſt des schmückt, preist dich, du Gott der Güte! Ist der ein Mensch, den Stärke. Wer hat die Sonn an sie nicht rührt? der mit verhärihm erhöht? Wer kleidet sie mit tetem Gemüte den Dank erstickt, Majestät? Wer ruft dem Heer der ihm gebührt? Nein, seine größte Pflicht. Der Herr hat Liebe zu ermessen sei ewig meine mein noch nie vergessen, vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zu fegnen? Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken reichen. 305 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, nießen? ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, bringt unserm Schöpfer Ehre! bereitet? Der Gott, der meiner 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmut mich geleitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärft den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück geIsts nicht sein Arm, der alles schafft? 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott unser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du mit Herr5. Der Mensch, ein Leib, den lichkeit umgeben Gott ewig sehn deine Hand so wunderbar be- wirst, wie er ist. Du hast ein reitet, der Mensch, ein Geist, Recht zu diesen Freuden, durch den sein Verstand dich zu er- Gottes Güte sind sie dein: sieh, fennen leitet, der Mensch, der darum mußte Christus leiden, Schöpfung Ruhm und Preis, damit du könntest selig sein. ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz ge= schrieben, sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben und meinen Nächsten gleich als mich. 20 306 Lob- und Danklieder. 5. Dies ist mein Dank, dies 6. Gott, laß deine Güt und ist sein Wille, ich soll vollkom- Liebe mir immerdar vor Augen men sein, wie er. Indem ich sein, sie stärk in mir die guten dies Gebot erfülle, stell ich sein Triebe, mein ganzes Leben dir Bildnis in mir her. Lebt seine zu weihn, sie tröste mich zur Lieb in meiner Seele, so treibt Zeit der Schmerzen, sie leite sie mich zu jeder Pflicht, und ob mich zur Zeit des Glücks und ich schon aus Schwachheit fehle, sie besieg in meinem Herzen die herrscht doch in mir die Sünde Furcht des letzten Augenblicks! nicht. Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. D. Lieder für besondere Stände, Zeiten und Verhältnisse. XXIII. Morgen-, Tisch- und Abendlieder. a. Morgenlieder. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. 6. Willkommen sei, du lieber 466. Steht auf, ihr Tag, vor dir die Nacht nicht lieben Kinder- bleiben mag; leucht uns in unsre Herzen fein mit deinem hellen Himmelsschein! 7. O Jesu Christ, wir warten dein: dein heiligs Wort leucht' uns so fein! Am End der Welt bleib nicht lang aus und führ uns in deins Baters Haus! lein, der Morgenstern mit hellem Schein läßt sich frei sehn gleichwie ein Held und leuchtet in die ganze Welt. 2. Willkommen sei, du schöner Stern! Du bringst uns Chriſtum, unsern Herrn, der unser lieber Heiland ist; darum du hoch zu loben bist. 3. Ihr Kinder sollt bei diesem Stern erkennen Christum, unsern Herrn, Marien Sohn, den treuen Hort; der leuchtet uns mit seinem Wort. 8. Du bist die liebe Sonne klar; wer an dich gläubt, der ist fürwahr ein Kind der ewgen Seligkeit, die deinen Christen ist bereit. 9. Wir danken dir, wir loben dich hie zeitlich und dort ewiglich für deine groß Barmherzigfeit von nun an bis in Ewigkeit. Erasmus Alberus g. um 1500+ 1553. 4. Gotts Wort, du bist der Morgenstern, wir können dein gar nicht entbehrn, du mußt uns leuchten immerdar, sonst sitzen wir im Finstern gar. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. 5. Leucht uns mit deinem 467. Die helle Sonn leucht jetzt herGlänzen klar und Jesum Chri- für, fröhlich vom Schlaf aufstum offenbar, treib aus der Finsternis Gewalt, daß nicht die Lieb in uns erfalt. stehen wir; Gott Lob, der uns heut diese Nacht behüt hat vor des Tenfels Macht! 20* 308 Morgenlieder. 2. Herr Christ, den Tag uns mein befehl jekund und auch auch behüt vor Sünd und Schand im Tod, nimm sie zu dir, durch deine Güt! Laß deine lieben o treuer Gott! Engelein unsre Hüter und Wächter ſein! 1583. 3. Daß unser Herz in G'horsam 469.A leb, dein'm Wort und Willn nicht widerstreb, daß wir dich dir Lob und stets vor Augen habn in allem, das wir fangen an. 4. Laß unser Werk geraten wohl, das ein jeder ausrichten soll, daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß gereich zu deinem Lob und Preis. Niklas Herman † 1561. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. es Morgens, wenn 468.Dich früh aufsteh, ich hab erzürnet dich. und abends, wenn zu Bett ich geh, sehn meine Augen, Herr, auf dich, Herr Jesu, dir befet: ich mich. 2. In den heilgen fünf Wunden dein da kann ich ruhn und sicher sein mit Leib und Seele, Hab und Gut, mein Schutz ist nur dein heilges Blut. Eigene Melodie. us meines Herzens Grunde sag ich Dank in dieser Morgenstunde, dazu mein Leben lang, o Gott in deinem Thron, dir zu Lob, Preis und Ehren durch Christum, unsern Herren, dein eingebornen Sohn, 2. Daß du mich haft aus Gnaden in der vergangnen Nacht vor G'fahr und allem Schaden behütet und bewacht. Ich bitt demütiglich, wollst mir mein Sünd vergeben, womit in diesem Leben 3. Denn, o Herr Christ, am Kreuzesstamm dein heilges Blut die Sünd hinnahm, drum, ich wach oder schlafe ein, wollst du, Herr, allzeit bei mir sein! 4. Dein' Engel mir stets halten Wacht, drum ich Tod, Teufel, Höll nicht acht, denn wo ich bin, bist du bei mir, mein Glück und Kreuz kommt alls von dir. 5. Ich leb od'r sterb, so bin ich dein, darum ich dir die Seele 3. Du wollest auch behüten mich gnädig diesen Tag vors Teufels List und Wüten, vor Sünden und vor Schmach, vor Feur und Wassersnot, vor Armut und vor Schanden, vor Ketten und vor Banden, vor bösem schnellen Tod. 4. Mein Leib, mein Seel, mein Leben, mein Ehr und Gut bewahr! Dir will ich übergeben jetzund und immerdar als dein Geschenk und Gab mein Eltern und Verwandten, Gefreundte und Bekannten und alles, was ich hab. 5. Dein' Engel laß auch bleiben und weichen nicht von mir, den Satan zu vertreiben, auf daß der bös Feind hier in diesem Jammerthal sein Tück an mir nicht übe, nicht Leib und 309 5. Dein Geist mein Leib und Seel regier und mich mit schönen Gaben zier, er führ mich heut auf rechter Bahn, daß ich was Guts vollbringen kann. 6. Gieb Gnad, daß ich mein ich heimgestellt mein Leib, mein Werk und Pflicht mit Freude Seel, mein Leben und was er mir sonst geben; er machs, wies ihm gefällt. diesen Tag verricht zu deinem Lob und meinem Nutz und meinem Nächsten thue Guts. 7. Bewahr mein Herz vor Sünd und Schand, daß ich vom Übel abgewandt mein Seel mit Sünden nicht beschwer und mein Gewissen nicht versehr. 8. Mein'n Aus- und Eingang heut bewahr, daß mir nichts Übels widerfahr; behüte mich vor schnellem Tod und hilf mir, wo mir Hülf ist not. Martin Behm g. 1557 † 1622. Morgenlieder. Seel betrübe und mich nicht bring zu Fall. 6. Gott will ich lassen raten, denn er all Ding vermag. Er segne meine Thaten, mein Vornehmen und Sach! Ihm hab 7. Darauf so sprech ich Amen und zweifle nicht daran, Gott wird es alls zusammen ihm wohlgefallen lan. Und streck mun aus mein Hand, greif an das Werk mit Freuden, dazu mich Gott beschieden in mein'm Beruf und Stand. 1592. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend. as Gott 470. D'Bater und Gott Licht. Sohn, Gott heilger Geist ins Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Himmels Thron! Man dankt dir, eh die Sonn aufgeht, wenns Licht anbricht, man vor dir steht. 471. heilige Dreifal tigkeit, o hoch2. Drum beug ich diesen Mor- gelobte Einigkeit, Gott Vater, gen früh in rechter Andacht Sohn und heilger Geist, heut meine Knie und ruf zu dir mit diesen Tag mir Beistand leist! heller Stimm, dein Ohren neig, mein Red vernimm! 2. Mein Seel, Leib, Ehr und Gut bewahr, daß mir kein Böses widerfahr, daß mich der Satan nicht verletz noch mich in Schand und Schaden setz. 3. Jch rühm von Herzen deine Güt, weil du mich gnädig hast behüt, daß ich nun hab die finstre Nacht in Ruh und Friede zugebracht. 3. Des Vaters Huld mich heut anblick, des Sohnes Güte mich erquick, des heilgen Geistes Glanz und Schein erleucht meins fin4. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, nimm mich auch diesen Tag in Hut, laß deine stern Herzens Schrein! lieben Engelein mein Wächter und Gefährten sein! 4. Mein Schöpfer, steh mir kräftig bei, o mein Erlöser, bei 310 Morgenlieder. mir sei, o Tröster wert, weich 5. Gieb mildiglich dein Senicht von mir, mein Herz mit deinen Gaben zier! gen, daß wir nach dein'm Geheiß nur gehn auf guten Wegen, 5. Herr, segne und behüte thun unser Amt mit Fleiß, daß mich, erleuchte mich, Herr, gnä- jeder seine Netze auswerf und diglich, Herr, heb auf mich dein auf dein Wort sein Trost mit Angesicht und deinen Frieden auf Petro setze; so geht die Arbeit mich richt! fort. Nach Martin Behm g. 1557+ 1622. 6. Was dir gereicht zu Ehren und der Gemein zu Nutz, das Eigene Melodie, oder will der Satan wehren mit List Herzlich thut mich verlangen. und großem Truß; doch kann ank sei Gott in der ers nicht vollbringen, weil du, Höhe zu dieser Herr Jesu Christ, herrschest Morgenstund, durch den ich in allen Dingen und unser wiedr aufstehe vom Schlaf frisch Beistand bist. und gesund. Mich hatte fest ge= bunden mit Finsternis die Nacht, ich hab sie überwunden durch Gott, der mich bewacht. 2. Wiedrum thu ich dich bitten, o Schutzherr Israel, du wollst treulich behüten den Tag mein Leib und Seel. All christlich Obrigkeiten, auch Schule und Gemein in diesen bösen Zeiten laß dir befohlen sein! 7. Wir sind die zarten Reben, der Weinstock selbst bist du, daran wir wachsn und leben und bringen Frucht dazu. Hilf, daß wir an dir bleiben und wachsen immer mehr; dein guter Geist uns treibe zu Werken deiner Ehr! Joh. Mühlmann g. 1573 † 1613. 3. Erhalt uns durch dein Güte bei deiner reinen Lehr, vor Vater, Sohn und heilger Geist, Ketzerei behüte, streit für dein der es Tag und Nacht läßt Wort und Ehr, daß wir und werden, Sonn und Mond uns unser Same hinfort in einem scheinen heißt, dessen starke Hand Geist bekennen: Herr, dein die Welt und was drinnen ist Name sei groß und hochgepreist! erhält, 4. Dem Leibe gieb daneben 2. Gott, ich danke dir von Nahrung und guten Fried, ge- Herzen, daß du mich in dieser sund und mäßig Leben, dazu ein Nacht vor Gefahr, Angst, Not froh Gemüt, daß wir in allen und Schmerzen hast behütet und Ständen Tugend und Ehrbarkeit bewacht, daß des bösen Feindes lieben und Fleiß drauf wenden, List mein nicht mächtig worden als rechte Christenleut. iſt. Eigene Melodie. 473. G ott des Himmels und der Erden, 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit dieser Nacht vergehn, o Herr Jesu, laß mich finden deine Wunden offen stehn, da alleine Hülf und Rat ist für meine Missethat. Morgenlieder. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu. Heinrich Albert g. 1604+1651. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort! Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, der Vater nicht verdammt. dein Eigentum! 7. Du bist mein Fürsprach allezeit, mein Heil, mein Trost und meine Freud, ich kann durch dein Verdienst allein hier ruhig und dort selig sein. 8. Gott heilger Geist, du höchste Kraft, des Gnade in mir alles schafft, ist etwas Guts am Leben mein, so ist es wahrlich alles dein. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 474. B 311 2. Du hast mich, o Gott Vater mild, gemacht nach deinem Ebenbild; in dir web, schweb und lebe ich, vergehen müßt ich ohne dich. 3. Errettet hast du mich gar oft ganz wunderbar und unverhofft, da nur ein Schritt, ja nur ein Haar mir zwischen Tod und Leben war. Por deinen Thron 4. Verstand und Ehr hab ich von dir, des Lebens Notdurft giebst du mir, dazu auch einen treuen Freund, der mich in Glück und Unglück meint. 5. Gott Sohn, du hast mich durch dein Blut erlöset von der Höllenglut, das schwer Gesetz für mich erfüllt, damit des Vaters Born gestillt. 6. Wenn Sünd und Satan mich anklagt und mir mein armes Herz verzagt, alsdann brauchst du dein Mittleramt, daß mich 9. Dein ists, daß ich Gott recht erkenn, ihn meinen Herrn und tret ich hiemit, Vater nenn, sein wahres Wort o Gott, und dich demütig bitt: und Sakrament behalt und lieb Wend doch dein gnädig An- bis an mein End; gesicht von mir blutarmen Sünder nicht! 10. Daß ich fest in Anfechtung steh und nicht in Trübfal 312 Morgenlieder. untergeh, daß ich im Herzen daß er mir schaden möchte, lag Trost empfind, zuletzt mit Freude ich in deinem Schoße, dein Flügel mich umschlosse. überwind. 11. Drum danke ich mit Herz 4. Du sprachst: Mein Kind, und Mund dir, Gott, in dieser nun liege, Trotz dem, der dich Morgenstund für alle Güte, betrüge! Schlaf wohl, laß dir Treu und Gnad, die meine nicht grauen, du sollst die Sonne Seel empfangen hat, schauen. 12. Und bitt, daß deine 5. Dein Wort das ist geschehen, Gnadenhand bleib über mir heut ich kann das Licht noch sehen, ausgespannt; mein Amt, Gut, von Not bin ich befreiet, dein Ehr, Freund, Leib und Seel Schutz hat mich verneuet. in deinen Schutz ich dir befehl. 6. Du willst ein Opfer haben: 13. Hilf, daß ich sei von Her- hie bring ich meine Gaben, mein zen fromm, damit mein ganzes Weihrauch und mein Widder sind Christentum aufrichtig und recht- mein Gebet und Lieder. schaffen sei, nicht Augenschein und Heuchelei. 7. Die wirst du nicht verschmähen, du fannst ins Herze sehen, denn du weißt, daß zur Gabe ich ja nichts Bessers habe. 14. Erlaß mir meine Sündenschuld und hab mit deinem Knecht Geduld, zünd in mir Glauben an und Lieb, zu jenem Leben Hoffnung gieb! 8. So wollst du nun vollenden dein Werk an mir und senden, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 9. Sprich ja zu meinen Thaten, hilf selbst das Beste raten, den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende! Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. 10. Mich segne, mich behüte, mein Herz sei deine Hütte, dein 475. Wach auf, mein Wort sei meine Speise, bis ich Herz, und singe gen Himmel reise. 15. Ein selig Ende mir bescher, am jüngsten Tag erweck mich, Herr, daß ich dich schaue ewiglich. Amen, Amen, erhöre mich! Bodo v. Hodenberg(?) g. 1604+ 1650. dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem fromPaul Gerhardt g. 1607 † 1676. men 2. Beint), als die dunkeln 476. Latte, die ihn Eigene Melodie. obet Herren den Schatten mich ganz umgeben hatten, hat Satan mein begehret, Gott aber hats gewehret. fürchten, laßt uns mit Freude seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren! *) heute Nacht. 3. Ja, Vater, als er suchte, Morgenlieder. 313 2. Der unser Leben, das er 10. Herr, du wirst kommen uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auserwecket. Lobet den Herren! 3. Daß unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, Eigene Melodie. das haben wir zu danken ſeinem 477. Die güldne Sonne voll Freud und und all deine Frommen, die sich bekehren, gnädig dahin bringen, da alle Engel ewig, ewig singen. Lobet den Herren! Paul Gerhardt g. 1607+1676. 4. Daß Feuerflammen uns Wonne bringt unsern Grenzen nicht allzusammen mit unsern mit ihrem Glänzen ein herzerHäusern unversehns gefressen, quickendes, liebliches Licht. Mein das machts, daß wir in seinem Haupt und Glieder die lagen Schoß gesessen. Lobet den Herren! darnieder, aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, was Gott gebauet zu seinen Ehren und uns zu lehren, wie sein Vermögen sei mächtig und groß, und wo die Frommen dann sollen hinkommen, wann sie mit Frieden von hinnen geschieden aus dieser Erde vergänglichem Schoß.. 5. Daß Dieb und Räuber unser Gut und Leiber nicht angetast und grausamlich verletzet, dawider hat sein Engel sich gesetzet. Lobet den Herren! 6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach laß doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Hut und Güte schweben. Lobet den Herren! 7. Gieb, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren! 3. Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen Güter und Gaben, was wir nur habent, alles sei Gotte zum Opfer gesetzt. Die besten Güter sind unsre Gemüter, dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder, an welchen er sich am meisten ergetzt. 8. Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen, lehr uns verrichten heilige Geschäfte, und wo wir schwach sind, da gieb du uns Kräfte! Lobet den Herren! 4. Abend und Morgen sind seine Sorgen; segnen und meh9. Nicht unsre Herzen, daß ren, Unglück verwehren sind wir ja nicht scherzen mit deinen seine Werke und Thaten allein. Strafen, sondern fromm zu wer- Wenn wir uns legen, so ist er den vor deiner Zukunft uns zugegen; wenn wir aufstehen, bemühn auf Erden. Lobet den so läßt er aufgehen über uns Herren! seiner Barmherzigkeit Schein. 314 Morgenlieder. 5. Ich hab erhoben zu dir hoch droben all meine Sinnen; laß mein Beginnen ohn allen Anstoß und glücklich ergehn! Laster und Schande, des bösen Feinds Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke, laß mich auf und deinen Geboten bestehn! 10. Willst du mir geben, womit mein Leben ich kann ernähren, so laß mich hören allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott ist das Größte, das Schönste und Beste, Gott ist das Süßte Allergewißte, aus allen Schätzen der edelste Hort. 6. Laß mich mit Freuden 11. Willst du mich fränken, ohn alles Neiden sehen den mit Galle tränken, und soll von Segen, den du wirst legen in Plagen ich auch was tragen, meines Bruders und Nähesten wohlan, so mach es, wie dir es Haus. Geiziges Brennen, un- beliebt. beliebt. Was gut und tüchtig, christliches Rennen nach Gut was schädlich und nichtig meimit Sünde, das tilge geschwinde nem Gebeine, das weißt du von meinem Herzen und wirf es hinaus! alleine, nie hast die Deinen zu sehr du betrübt. 12. Kreuz und Elende das nimmt ein Ende; nach Meeres Brausen und Windes Sausen leuchtet der Sonne gewünschtes Gesicht. Frende die Fülle und seliger Stille hab ich zu warten im himmlischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht. Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. 7. Menschliches Wesen, was ists gewesen? In einer Stunde geht es zu Grunde, sobald die Lüfte des Todes drein wehn; alles in allen muß brechen und fallen, Himmel und Erden die müssen das werden, was sie gewesen vor ihrem Entstehn. 8. Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken, seine Gedanken, sein Wort und Wille Mel. Herzlich thut mich verlangen. hat ewigen Grund. Sein Heil 478. Die Nacht ift 150 und die nicht nun vergangen, der Schaden, heilen im Herzen die helle Tag bricht an, die Sonn tödlichen Schmerzen, halten uns hat angefangen zu laufen ihre zeitlich und ewig gesund. Bahn; mein Herz soll auch aufsteigen, und alles, was ich bin, sich zu der Erde neigen aus demutsvollem Sinn. 9. Gott, meine Krone, vergieb und schone, laß meine Schulden in Gnad und Hulden aus deinen Augen sein abgewandt! Sonsten regiere mich, lenke und führe, 2. Die Himmel all erzählen des höchsten Gottes Ehr; das wie dirs gefället, ich habe ge- Haus der frommen Seelen und stellet alles in deine Beliebung aller Engel Heer weist uns durch und Hand. so viel Sterne die überschöne Morgenlieder. Pracht, auf daß wir hier von ferne dahin auch sein bedacht. 3. Mein Gott, laß mich verachten, was irdisch, eitel ist, und nach dem Himmel trachten in dieser Lebensfrist, laß mich den Tag hinbringen in der Gottseligkeit und ritterlich durchdringen zur ewgen Himmelsfreud! Georg Ph. Harsdörfer g. 1607+ 1658. Mel. Auf meinen lieben Gott. 479. o tret ich demnach an, so gut ich immer kann, mein Amt, Beruf und Wesen, dazu mich Gott erlesen; der wird mir seinen Segen auch wissen beizulegen. 2. Dir, Vater, sag ich Dank, daß du mein Lebenlang so reichlich mich ernähret und manche Gnad bescheret; laß deine Güt und Gaben mich heute ferner laben! 315 was für neue Plag mir heute noch begegnen mag; doch weiß ich, daß mich träget mein frommer Gott in seiner Hut, daß mir die Last nicht Schaden thut. 3. Ach mein Herr Jesu Christ, der du mein Helfer bist, ach segne meine Werke, mich selbst vom Himmel stärke, damit ich deinen Willen in allem mög erfüllen. 4. Behüte Seel und Leib und alles von mir treib, was meine Nahrung hindert und deinen Segen mindert; ja laß in Fried und Freuden mich dann von hinnen scheiden! Joh. Heinr. von Hippen um 1676. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort. un tret ich wieder 2. Zwar meine Bürd ist täglich neu, doch ist mein Gott auch täglich treu, der träget meine Sorgen. Vor abends keiner recht bernimmt, was ihm den Tag all ist bestimmt; es bahnt ein jeder Morgen mir einen frischen Weg zur Bein, der kann mit Gott erstiegen sein. 4. Weil ich denn des versichert bin, was traurest du, verzagter Sinn, die Bürd auf dich zu legen? Trag, was du kannſt, Gott träget mit; der Herr der Welt der strauchelt nicht, bei ihm ist lauter Segen. Mit ihm geh ich denn frisch daran und scheue nicht die Leidensbahn. 5. So ist getrost mein frischer Mut, wenn ich mich in des Höchsten Hut kann eingeschlossen sehen; doch daß ich des versichert sei, muß ich von Sünden leben 480. frei und Gottes Wege gehen; aus der Ruh und mein Gott geht nimmer meinen geh dem sauren Tage zu, wie Steg, wo ich nicht wandle seinen mir ist auferleget. Nicht weiß ich, Weg. 3. Wie wenig hab ich oft gedacht, daß so würd sein zu End gebracht die saure Tagesbürde; doch hab ich abends wohl gespürt, daß du mich, höchster Gott, geführt, daß mich dein Schein und Würde geleitet, mir geleuchtet hat auf meinen Weg und Kreuzespfad. 316 6. Drum, liebster Gott, leit meinen Fuß, daß ich dir folg in wahrer Buß, und läutre mich von Sünden! So kann ich als ein fühner Held bestreiten diese böse Welt, mit dir sie überwinden; so tret ich mutig an den Tag und scheue nicht, was kommen mag. 7. Ich leg auf dich, mein Gott und Herr, was mir zu tragen wird zu schwer, die Last, die mich gebogen. Ich lege meine Würd und 4. Gott ist der Frommen Stand in deine große Allmachts- Schild und Lohn, er krönet sie hand, die du mir nie entzogen; mit Gnaden; der bösen Welt mit der hast du von Jugend auf ihr Neid und Hohn kann ihnen. geleitet meinen Lebenslauf. gar nicht schaden. Gott decket fie mit seiner Hand, er segnet ihre Stadt und Land und füllet sie mit Freude. 8. Jch leg in deinen Schoß hinein, die meine Blutsverwandte sein; da sind sie wohl beschlossen. Ich lege meine arme Seel in Jesu sichre Wundenhöhl; du wirst sie nicht verstoßen, wenn sie vom Leibe scheidt der Tod. Ich leg mich ganz in dich, mein Gott. 5. Drum komm, Herr Jesu, stärke mich, hilf mir in meinen Werken, laß du mit deiner Gnade dich bei meiner Arbeit merken, gieb dein Gedeihen selbst dazu, daß ich in allem, was ich thu, ererbe deinen Segen. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. n Gottes Namen 6. Regiere mich durch deinen Geist, den Müssiggang zu meiden, daß das, was du mich schaffen heißt, gescheh mit lauter Freuden; 481. an, was dir mit aller & mir zu thun gebühret, mit Gott auf dein Gebot gehorsam sei und wird alles wohl gethan und glück- meinen Nächsten liebe. lich ausgeführet. Was man in Gottes Namen thut, ist allenthalben recht und gut und kann uns auch gedeihen. 7. Nun, Jesu, komm und bleib bei mir! Die Werke meiner Hände befehl ich, liebster Heiland, dir, hilf, daß ich sie vollende zu deines Namens Herrlichkeit, und gieb, daß ich zur Abendzeit erwünschten Lohn empfange. Salomo Liscow g. 1640 † 1689. Morgenlieder. Anton Ulrich, Herzog zu BraunschweigWolfenbüttel g. 1633+ 1714. 2. Gott ist, der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen, er giebt uns Segen, Mut und Kraft und läßt das Werk gelingen; ist er mit uns und sein Gedeihn, so muß der Zug gesegnet sein zum reichen Überflusse. 3. Wer erst nach Gottes Reiche tracht und bleibt auf seinen Wegen, der wird gar leichtlich reich gemacht durch Gottes milden Segen. Da wird der Fromme immer satt, daß er von seiner Arbeit hat auch Armen Brot zu geben. Morgenlieder. 317 482. mein Freude Kraft und Stärk; mein Herz Lorgenglanz der sucht Gottes Angesicht, drum Eigene Melodie. vom unerschöpften Lichte, schick spricht: Das walte Gott! uns diese Morgenzeit deine 3. So Gott nicht hilft, so kann Strahlen zu Gesichte und vertreib ich nichts, wo Gott nicht giebet, durch deine Macht unsre Nacht! da gebrichts; Gott giebt und thut mir alles Guts, drum sprech ich nun auch gutes Muts: Das walte Gott! 2. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; laß die dürre Lebensau lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar! 4. Will Gott mir etwas geben hier, so will ich dankbar sein 3. Gieb, daß deiner Liebe Glut dafür; auf sein Wort werf ich unsre falten Werke töte, und aus mein Netz und sag in meierweck uns Herz und Mut bei ner Arbeit stets: Das walte entstandner Morgenröte, daß wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn. 4. Ach du Aufgang aus der Höh, gieb, daß auch am jüngsten Tage unser Leichnam aufersteh und entfernt von aller Plage sich auf jener Freudenbahn freuen kann. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, du verklärte Gnadensonne, führ uns durch das Thränenfeld in das Land der süßen Wonne, da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht. Chr. Knorr v. Rosenroth g. 1636+1689. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 483. D as walte Gott, der helfen kann! Mit Gott fang ich mein Arbeit an, mit Gott nur geht es glücklich fort, drum ist auch dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk erfordert von Gott Gott! 5. Anfang und Mitte samt dem End stell ich allein in Gottes Händ; er gebe, was mir nützlich ist, drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei nach seiner großen Güt und Treu, so gnüget mirs zu jeder Stund, drum sprech ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück, unverzagt! ist doch mein Werk mit Gott gewagt; er wird mir gnädig stehen bei, drum dies auch meine Losung sei: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, bis all mein Thun ein Ende hat, er giebt und nimmt, machts, wie er will, drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Not und giebt mir auch mein täglich Brot; nach seinem alten 318 Morgenlieder. Vaterbrauch thut er mir Guts, dein Eigentum, mit ihr dich drum sprech ich auch: Das walte Gott! heut vermähle in deiner Liebeskraft, da hast du meinen Geiſt, 10. Ohn Gott nichts glückt und darinnen wollst du dich verkläseine Gunst, nichts hilft Ver- ren allermeist! stand, Witz oder Kunst; mit 4. Da sei denn auch mein Leib Gott gehts fort, gerät auch wohl, zum Tempel dir ergeben, zur daß ich kann sagen glaubensvoll: Wohnung und zum Haus. Ach Das walte Gott! allerliebstes Leben, ach wohn, ach leb in mir, beweg und rege mich, so hat Geist, Seel und Leib mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt die Kleider angeleget: laß meiner Seele sein dein Bildnis einge12. Thu ich denn was mit präget im güldnen GlaubensGottes Rat, der mir beistehet schmuck, in der Gerechtigkeit, früh und spat, dann alles wohl so allen Seelen ist das rechte geraten muß, drum sprech ich Ehrenkleid. nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! Johann Betichius g. 1650+ 1722. 11. Zeilt Gott was mit aus Gütigkeit, so acht ich keiner Feinde Neid; laß hassen, wers nicht lassen kann, ich stimme doch mit Freude an: Das walte Gott! 6. Mein Jesu, schmücke mich mit Weisheit und mit Liebe, mit Reuschheit, mit Geduld durch deines Geistes Triebe, auch mit Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. der Demut mich vor allem kleide Jesu, süßes an, so bin ich wohlgeschmückt Licht, nun ist und köstlich angethan. 484. die Nacht vergangen, nun hat 7. Gieb, daß mir diesen Tag dein Gnadenglanz aufs neue stets vor den Augen schwebe, mich umfangen, nun ist, was an daß dein Allgegenwart mich wie mir ist, vom Schlafe aufgeweckt die Luft umgebe, auf daß mein und hat nun in Begier zu dir ganzes Thun durch Herz, durch sich ausgestreckt. Sinn und Mund dich lobe inniglich, mein Gott, zu aller Stund. 2. Was soll ich dir denn nun, mein Gott, für Opfer schenken? 8. Ach segne, was ich thu, ja Ich will mich ganz und gar in rede und gedenke; durch deines deine Gnad einsenken mit Leib, Geistes Kraft es also führ und mit Seel, mit Geist heut diesen lenke, daß alles nur gescheh ganzen Tag; das soll mein Opfer zu deines Namens Ruhm und sein, weil ich sonst nichts vermag. daß ich unverrückt verbleib dein 3. Drum siehe da, mein Gott, Eigentum. da hast du meine Seele, sie sei Joachim Lange g. 1670+ 1744. 319 größte Plage, wenn am Tage 485. die man das Licht nicht sehen kann. Nacht der SünChrist. Friedr. Richter g. 1676+1711. den nicht verschwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsternis der Sinnen bald Mel. 2. zerrinnen, darein ich verwickelt 486. G rmuntert euch, erbin? quickte Glieder, Eigene Melodie. Morgenlieder. 2. Möcht ich wie das Rund der Erden licht doch werden; Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, falt und trübe; Jesu, Liebe, komm, beschleunige den Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, da die Stunde der Erscheinung kommen ist, und ich muß mich stets im Schatten so ermatten, weil du mir so ferne bist. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, da du kommen, aber ich bin lauter Nacht. Darum wollst du mir, dem Deinen, auch erscheinen, der nach Licht und Rechte tracht. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. die dunkeln Schatten sind vorbei; der liebe Morgen zeigt sich wieder und machet Gottes Güte neu, die mich in dieser Nacht bedeckt und nun zur Arbeit aufgeweckt. 2. Gott Lob, der mich vor allem Schaden bei meiner stillen Ruh bewacht, daß mich der Reichtum seiner Gnaden zu seinem Preise tüchtig macht; ich bin vergnügt, ich bin erquickt und warte, was Gott heute schickt. 3. Sein guter Geist wird mich regieren, der leite mich auf ebner Bahn und helfe mir mein Werk vollführen, in seinem Namen fang ichs an; sein Segen wird mein Sonnenschein und seine Huld mein Schatten sein. 5. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben, Jesus 4. Mein Gott, so laß dich gnäund sein heller Schein, Jesus dig finden, dir hab ich alles muß das Herz anblicken und er- heimgestellt, ach nur behüte mich quicken, Jesus muß die Sonne vor Sünden! Doch wenn das sein. Fleisch aus Schwachheit fällt, 6. Nur die Decke vor den so richte mich durch Jesum auf Augen kann nicht taugen, seine und sei du selbst mein Lebenslauf! Klarheit kann nicht ein; wenn 5. Weil jeglicher von unsern sein helles Licht den Seinen soll Tagen auch seine Plage mit sich erscheinen, muß das Auge reine führt, mein Gott, so laß mich sein. nicht verzagen, wenn mich ein 7. Jesu, gieb gesunde Augen, Kreuz und Unglück rührt. Deck die was taugen, rühre meine mich durch deine Gnadenhand, Augen an! Denn das ist die so wird es glücklich abgewandt. 320 6. Nun, Seel und Leib sei dir| ergeben, bei dem sie wohl verwahret stehn; und soll der Rest von meinem Leben noch diesen Tag zu Ende gehn, so mache du durch Christi Blut auch meinen letzten Abschied gut! 7. Wohlan, des tröst ich mich im Glauben: Im Glück und Unglück bin ich dein, aus deiner Hand kann mich nichts rauben. Drum soll mein stetes Denkmal sein, das mir im Sinn und Herzen liegt: Was mein Gott fügt, macht mich vergnügt. Erdmann Neumeister g. 1671+ 1756. Morgenlieder. 4. Das Gute wende du zu mir, das Böse laß mich fliehen und deine Hand mich für und für nur nach dem Himmel ziehen! Gieb Rat und That so früh als spat zu allen meinen Werken, laß deinen Geist mich stärken! 5. Ich werfe meine Last auf dich, ach, hilf sie treulich tragen, machs wie du willst, nur seliglich, ich will es auf dich wagen. Kein Kreuz ist mir zu schwer bei dir. Es thut mir deine Rute auch heute was zu gute. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 487. meine Müh, wenn Di ie Nacht ist hin, 6. Du bist mein Gott, das weiß ich wohl, laß mich nur dein verbleiben und was ich heute wirken soll, zu deinen Ehren treiben! Dein Segen blüh durch daß, ich Schweiß vergieße, er nicht umsonst mir fließe. wach auf mein Herz, du sollst ein Opfer bringen, laß deine Flügel himmelwärts sich nach den Wolken schwingen! Denn Gottes Treu ist wieder neu, er hat dir Licht und Leben von neuem jetzt gegeben. 7. Laß auch die Meinen diesen Tag dein Gnadenauge leiten! Und weil ich gar nicht wissen mag das Ende meiner Zeiten, so gieb, daß ich mich stetiglich des letzten Tages freue und meine Schuld bereue. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. 2. Bring deines Weihrauchs Wohlgeruch vor deines Schöpfers Throne, komm, bitte Segen für den Fluch in Christo seinem Sohne! Die Gnadenthür ist offen hier, so lasse denn dein Beten zu Gottes Herzen treten. 3. Du Sonne der Gerechtig488. Mel. Werde munter, mein Gemüte. ott, du Licht, das ewig bleibet, das feit, vertreib die Nacht der ohn allen Wechsel ist, das die Sünden und laß an diesem Finsternis vertreibet, der du Morgen heut viel Gnadentau mich finden! Hast du die Nacht mich wohl bewacht, so sei auch nun am Tage ein Schutz vor aller Plage! bleibest, wie du bist, ich verlasse meine Ruh. Rufe: Werde licht! mir zu, daß ich, der ich Nacht und Erde, durch dein Licht verfläret werde. Morgenlieder. 321 auf, geh mit Jefu schlafen, führ mit Jesu deinen Lauf, lasse Jesum schaffen! 2. Wecke, da der Leib geschlafen, auch die Seele geistlich auf, gieb ihr deines Lichtes Waffen, richt und leite ihren Lauf, laß mich sein des Lichtes Kind, hilf mir, der ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, was die arme Seele stillt, ach erneure und verkläre streiten. stets in mir dein Ebenbild, sende mir den Geist der Kraft, der ein neues Leben schafft, daß ich himmlisch auf der Erde und Ein Geist mit Christo werde. 4. Segne meiner Hände Werke und befördre meine Pflicht, bleibe meiner Schwachheit Stärke, meines Lebens Kraft und Licht, laß mein Lebensziel allein deines Namens Ehre sein, hilf, daß ich stets wahre Liebe gegen meinen Nächsten übe. 2. Morgens soll der Anfang sein, Jesum anzubeten, daß er woll dein Helfer sein stets in allen Nöten. Morgens, abends und bei Nacht will er stehn zur Seiten, wenn des Satans List und Macht dich sucht zu beist, laß die Feinde wüten, er 3. Wenn dein Jesus mit dir wird dich vor ihrer List schützen und behüten. Setz nur das Vertrauen dein in sein Allmachtshände und glaub sicher, daß allein er dein Unglück wende. 4. Wenn denn deine Sach mit Gott also angefangen, ei so hat es feine Not, wirst den Zweck erlangen; es wird folgen Glück und Heil hier in diesem Leben, endlich wird dir Gott dein Teil auch im Himmel geben. 5. Nun Herr Jesu, all mein Sach sei dir übergeben, es nach deinem Willen mach auch im Tod und Leben! All mein Werk greif ich jetzt an, Herr, in deinem Namen, laß es doch sein wohlgethan! Ich sprech darauf Amen. Um 1734. 5. Führ mich bald zu jenem Lichte deiner höchsten Majestät, wo vor deinem Angesichte die verklärte Seele steht heller als der Sonnenschein, schön, unsterblich, engelrein; laß sie sein mit dir vereinet, wenn mein letzter Tag erscheinet. Salomo Franck g. 1659 † 1725. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. 489.ang dein Wert mit 490. ebens Licht, Eigene Melodie. Jesu, an, Jesus hats in Händen; Jesum ruf zum nun ist die Nacht vergangen; Beistand an, Jesus wirds wohl mein Geistesang zu dir sich richt, enden. Steh mit Jesu morgens dein Anblick zu empfangen. 21 322 Morgenlieder. 2. Du hast, da ich nicht sorgen Mel. O Jesu, meines Lebens Licht. konnt, mich vor Gefahr bedecktet 491. M jei Preis und ein und auch vor andern mich gesund nun aus dem Schlaf erwecket. Dank, erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Mein Leben schenkst du mir aufs neu, es sei auch dir verschrieben, mit neuem Ernst, mit neuer Treu dich diesen Tag zu lieben. 4. Dir, Jesu, ich mich ganz befehl im Geiste dich verkläre, dein Werkzeug nur sei meine Seel, den Leib bewahr und nähre! 3. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem 5. Durchdring mit deinem Lebenssaft Herz, Sinne und Licht, die Seele zu erwecken? Gedanken, bekleide mich mit deiner Kraft, in Proben nicht zu wanken. 4. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mirs jetzt neu gegeben. 5. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue. 6. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 7. Nimm meines Lebens gnädig wahr, auf dich hofft meine Seele, sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 9. Gieb, daß ich meinen Wandel führ im Geist, in deinem 8. Gieb mir ein Herz voll ZuLichte, und als ein Fremdling versicht, erfüllt mit Lieb und lebe hier vor deinem Angesichte. Ruhe, ein weises Herz, das 10. Ach halt mich fest mit seine Pflicht erkenn und willig deiner Hand, daß ich nicht fall thue; noch weiche, zeuch weiter durch der Liebe Band, bis ich mein Ziel erreiche. Gerh. Terstegen g. 1697 1 1769. 6. Mein treuer Hirte, sei mir nah, steh immer mir zur Seiten, und wenn ich irre, wollst du ja mich wieder zu dir leiten. 7. Sei du alleine meine Lust, mein Schatz, mein Trost und Leben! Kein andres Teil sei mir bewußt, dir bin ich ganz ergeben. 8. Zeig mir in jedem Augen blick, wie ich dir soll gefallen, zeuch mich vom Bösen stets zu rück, regiere mich in allen! 9. Daß ich als ein getreuer Knecht nach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe; Tischlieder. 323 10. Daß ich dem Nächsten bei- 2. Nun so lasset ihn nicht zustehn nie Fleiß und Arbeit dorten, thut ihm auf des Herscheue, mich gern an andrer zens Pforten und ruft ihn mit Wohlergehn und ihrer Tugend süßen Worten: Eile, Jesu, kehre freue; ein! 11. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beſchließe. Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. Mel. Kommt und laßt uns Christum Gehren. 3. Wollest täglich bei uns bleiben, alle Feinde von uns treiben, uns ins Buch des Lebens schreiben und der gute Hirte sein; 4. Weiden uns auf grüner Auen, daß wir deine Fülle schauen und auf deinen Reichtum bauen, mit dir gehen aus 492.rüh am Morgen und ein. Jesus 5. Amen, ja es soll geschehen! vor allen Thüren stehet, klopfet Jesus wird heut mit uns gehen an, wo man geflehet: Komm, und wir werden fröhlich sehen, Herr Jesu, unser Gast! daß er uns nicht läßt allein. b. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. Vor dem Essen. 493. Gesegn uns, Herr, Mel. Herr Jeſu Chrift, dich zu uns wend. die Speis laß unsre Nahrung 494. W für feite oo die Gaben ir danken Gott sein, hilf, daß dadurch erquicket werd der dürftge Leib auf dieser Erd. die wir von ihm empfangen habn, und bitten unsern lieben Herrn, er woll uns allzeit mehr beschern, 2. Doch dies zeitliche Brot allein kann uns nicht gnug zum 2. Und speisen uns mit seinem Leben sein, dein göttlich Wort die Seele speist, hilft uns zum Leben allermeist. Wort, daß wir satt werden hier und dort. Ach lieber Herr, du wollst uns gebn nach dieser Zeit das ewge Lebn! 3. Drum gieb uns beides, Herre Gott! Hilf endlich auch aus aller Not! So preisen wir dein Gütigkeit hier und auch dort in Ewigkeit. 1561. Tischlieder. Nach dem Essen. 3. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns'r Gast ge21* Abendlieder, 324 wesen bist. Bleib du bei uns, so hats nicht Not, du bist das rechte Lebensbrot. 1589. sprich den Segen zu den Gaben, die wir jetzo vor uns haben, daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, bis wir endlich zu den Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 495. Speis uns, Bater, Frommen an die Himmelstafel deine tröste die betrübten Sünder, Nach Joh. Heermann g. 1585+1647. . c. Abendlieder. 496. Din Ginigteit, ein ſein, halt über uns dein rechte Eigene Melodie. 3. Ob schon die Augen schlafen er du bist drei das Herz doch wacker wahrer Gott von Ewigkeit, die Hand, daß wir nicht falln in Sonn mit dem Tag von uns Sünd und Schand. weicht, laß leuchten uns dein göttlich Licht! 2. Des Morgens, Gott, dich loben wir, des Abends auch beten vor dir; unser armes Lied rühmet dich jetzund, immer und ewiglich. 4. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, behüt uns vor des Teufels List, der stets nach unsrer Seele tracht, daß er an uns hab keine Macht. 3. Gott Vater dem sei ewig Ehr, Gott Sohn, der ist der einge Herr, und dem Tröster, dem heilgen Geist, von nun an bis in Ewigkeit. Martin Luther g. 1483+ 1546, nach 1546 dem Lateinischen O lux beata, trinitas. 5. Sind wir doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein teures Blut; das war des ewgen Vaters Rat, als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl dem Engel, daß er komm und uns bewach, dein Eigentum, gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh. Eigene Melodie. 7. So schlafen wir im Namen 497. Christe, du bist der dein, dieweil die Engel bei uns helle Tag, vor Du heilige dir die Nacht nicht bleiben mag, wir loben dich in Ewigkeit. du leuchtest uns vom Vater her nach dem Lateinischen Christe, qui lux Erasmus Alberus g. um 1500 † 1553, und bist des Lichtes Prediger. es et dies. 2. Ach lieber Herr, behüt uns heint*) in dieser Nacht vorm böſen Feind und laß uns in dir 498. Hinter chin, Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. ist der ruhen und vor dem sicher sein. Sonne *) heute Nacht. die finstre Nacht bricht stark Abendlieder. herein, leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, laß uns im Finstern tappen nicht! 2. Dir sei Dank, daß du uns den Tag vor Schad, Gefahr und mancher Plag durch deine Engel haft behüt aus Gnad und väterlicher Güt. 3. Womit wir, Herr, erzürnet dich, dasselb verzeih uns gnädiglich und rechn es unsrer Seel nicht zu, laß schlafen uns mit Fried und Ruh! Böhmische Brülder. 4. Die Engel dein zur Wach Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens bestell, daß uns der böse Feind Licht. nicht fäll; vor Schrecken, Angst und Feuersnot behüt uns heint,*) o lieber Gott! *) heute Nacht. Nitlas Herman+ 1561. 500. Wir danken dir, Christ, daß du unser Erlöser bist Herr Jesu und schützest uns vor aller G'fahr durch deiner lieben Engel Schar. Nuh; ach rechn es unsrer Seel 2. Wir gehn nun hin zu unsrer nicht zu, was leider wir gesündigt men, drin wir habn, vergieb uns alls, o Gottes Sohn! 3. Dein' Engel laß stets um uns sein, die allzeit uns bewachen sein, daß Satan habe feine Macht an uns bei Tage noch bei Nacht. Eigene Melodie, oder Herzliebster Jesu. 499. D te Nacht ist komruhen sollen; Gott walts zu Frommen nach sein'm Wohlgefallen, daß wir uns legen, durch sein G'feit und Segen der Ruh zu pflegen. 325 4. Pfleg auch der Kranken durch deinen Geliebten, hilf den Gefangnen, tröste die Betrübten! Pfleg auch der Kinder, sei selbst ihr Vormünder, des Feinds Neid hinder! 5. Vater, dein Name werd von uns gepreiset, dein Reich zukomme, dein Will werd beweiset; frist unser Leben, wollst die Schuld vergeben, erlös uns! Amen. 2. Treib, Herr, von uns fern die unreinen Geister, halt die Nachtwach gern, sei selbst unser Schutzherr, schirm beid, Leib und Seel, unter deine Flügel, send uns dein Engel! 3. Laß uns einschlafen mit guten Gedanken, fröhlich aufwachen und von dir nicht wanten. Laß uns mit Züchten unser Thun und Dichten zu dein'm Preis richten! 4. Vor Feur, vor Seel- und Leibesnot behüt uns, lieber Herre Gott, in deinem Nam laß schlafen ein uns, deine lieben Kinderlein! 5. Es g'scheh, was mag, wir sind ja dein, erlöst durch dein fünf Wunden rein; dir leben wir, dir sterben wir, dein Kinder sind wir für und für. 6. Amen, Amen zu guter Nacht, der Engel Gottes uns Abendlieder. 326 bewacht. Gott Lob und Dank in Ewigkeit, wir gehn zur Ruh ohn alles Leid. Nitol. Selnecker g. 1532+ 1592. Eigene Melodie. 501. Werde munter, treten! und ihr Sinne, geht herfür, daß ihr preiset Gottes Güte, die er hat gethan an mir, als er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag, vor Betrübnis, Schand und Schaden treu behütet hat in Gnaden. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, daß mir ist mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art so getreulich haft bewahrt, auch die Feind hinweg getrieben, daß ich unbeschädigt blieben. 3. Keine Klugheit kann verstehen deine Güt und Wunderthat, ja kein Menschenkind kann sehen, was dein Hand erwiesen hat. Deiner Wohlthat ist zu viel, sie hat weder Maß noch Ziel. Herr, du hast mich so geführet, daß kein Unfall mich berühret. that, die mein armes Herz beladen und so sehr vergiftet hat; treib des Satans List und Tück, Gott, durch deine Kraft zurück, du alleine fannst mich retten, strafe nicht mein Über4. Dieser Tag ist nun vergangen, die betrübte Nacht bricht an; es ist hin der Sonne Prangen, so uns all erfreuen kann. Stehe mir, o Vater, bei, daß dein Glanz stets vor mir sei und mir auch im Finstern scheine, denn ich hoff auf dich alleine. 6. Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein; hat uns doch dein Sohn verglichen durch sein Angst und Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld, aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets in mir befinde. 7. du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigkeit, dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit; bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunkel schier; tröste mich mit deiner Liebe, daß fein Unfall mich betrübe. 8. Wenn mein Augen schon sich schließen und ermüdet schlafen ein, muß mein Herz dennoch geflissen und auf dich gerichtet sein. Meiner Seele mit Begier träume stets, o Gott, von dir, daß ich rein an Seel und Leibe und auch schlafend dein verbleibe. 9. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanft und süße Ruh, alles Übel laß verschwinden, decke mich mit Segen zu! Leib und Seele, Mut und Blut, Weib und Kinder*), Hab und Gut, Freunde, Feind und Hausgenossen sein in deinen Schutz *) all die Meinen. 5. Herr, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünd und Misse- geschlossen. Abendlieder. 327 10. Ach bewahre mich vor das Bild der Sterblichkeit, die Schrecken, schütze mich vor Über- ich zieh aus; dagegen wird fall, laß mich Krankheit nicht Christus mir anlegen den Rock aufwecken, treibe weg des Krie- der Ehr und Herrlichkeit. ges Schall, wend ab Feur und Wassersnot, Pestilenz und schnellen Tod, laß mich nicht in Sünden sterben noch an Leib und Seel verderben! 5. Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sei; Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt; es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 11. O du großer Gott, erhöre, was dein Kind gebeten hat, Jesu, den ich stets verehre, bleibe ja mein Schutz und Rat! Und mein Hort, du werter Geist, der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlichs Flehen! Amen, ja es soll geschehen. Johann Rist g. 1607+ 1667. 7. Mein Augen stehn verdroffen, im Nu sind sie geschlossen; wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, es schläft die ganze Welt; ihr o Jesu, meine Freude, und aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 502. N un ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Stadt und Felder, nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind; fahr hin, ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sterne prangen am blauen Himmelssaal; also werd ich auch stehen, wenn mich wird Mel. Mein Herz und Seel den Herren heißen gehen mein Gott aus hoch erhebet. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, 503. Dimit ihre legt ab das Kleid und Schuhe, gewendet und, was sie soll, auf 9. Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben ein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch selig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar! Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. ie Sonn hat sich Glanz 328 diesen Tag vollendet; die dunkle Nacht bringt allenthalben zu, 504. D Licht und Pracht Eigene Melodie. er Sonne bringt Menschen, Bich und alle Welt zur Ruh. 2. Ich preise dich, du Herr der Nächt und Tage, daß du mich heut vor aller Not und Plage durch deine Gnad und hochgelobte Macht hast unverletzt und frei hindurch gebracht. hat nun den Tag vollführet, die Welt hat sich zur Ruh gemacht; thu, Seel, was dir gebühret, tritt an die Himmelsthür und bring ein Lied herfür, laß deine Augen, Herz und Sinn auf Jesum sein gerichtet hin! Abendlieder. 3. Bergieb, wo ich bei Tage so gelebet, daß ich nach dem, was finster ist, gestrebet, laß alle Schuld durch deinen Gnaden schein in Ewigkeit bei dir erloschen sein! 2. Jhr hellen Sterne leuchtet wohl und gebet eure Strahlen, ihr macht die Nacht des Lichtes voll; doch noch zu tausend Malen scheint heller in mein Herz die ewge Himmelskerz, mein Jesus, meiner Seele Ruhm, mein Schutz, mein Schatz und Eigentum. 4. Schaff, daß mein Geist dich ungehindert schaue, indem ich mich der trüben Nacht vertraue, 3. Der Schlaf zwar herrschet und daß der Leib auf diesen in der Nacht bei Menschen und schweren Tag sich seiner Kraft bei Tieren; doch Einer ist, der fein sanft erholen mag. oben wacht, bei dem fein Schlaf 5. Vergönne, daß der lieben zu spüren. Es schlummert, Engel Scharen mich vor der Jesu, nicht dein Aug, auf mich Macht der Finsternis bewahren, gericht, drum soll mein Herz auf daß ich vor der List und auch wachend sein, daß Jesus Tyrannei der argen Feind im wache nicht allein. Schlafe sicher sei. 4. Verschmähe nicht dies 6. Herr, wenn mich wird die schlichte Lied, das ich dir, Jesu, lange Nacht bedecken und in finge; in meinem Herzen ist kein die Ruh des tiefen Grabes Fried, bis ich es zu dir bringe. strecken, so blicke mich mit Jch bringe, was ich kann, ach deinen Augen an, daraus ich nimm es gnädig an! Es ist doch Licht im Tode nehmen kann. herzlich gut gemeint, o Jesu, meiner Seele Freund. 7. Und laß hernach zugleich mit allen Frommen mich zu 5. Mit dir will ich zu Bette dem Glanz des andern Lebens gehn, dir will ich mich befehlen, kommen, da du uns hast den du wirst, mein Schutzherr, auf großen Tag bestimmt, dem feine mich sehn zum Besten meiner Nacht sein Licht und Klarheit Seelen. Ich fürchte feine Not, nimmt. 1648. auch selber nicht den Tod; denn Abendlieder. 329 wer mit Jesu schlafen geht, mit] 4. Vergieb es, Herr, was Freude wieder aufersteht. 6. So oft die Nacht mein Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dies sein mein Berlangen, daß ich mit lautem Schall möcht rufen überall: Ach Jesu, Jesu, du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. 7. Nun, matter Leib, gieb dich zur Ruh und schlafe sanft und stille, ihr müden Augen schließt euch zu, denn das ist Gottes Wille. Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So wird der Schluß recht wohl gemacht. Nun Jesu, Jesu, gute Nacht! Christian Scriver g. 1629+1693. Mel. Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet. mir sagt mein Gewissen; Welt, Teufel, Sünd hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid, ich stell mich wieder ein, da ist die Hand: du mein, und ich bin dein. 5. Israels Schutz, mein Hüter und mein Hirte, zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte, bewahre mich durch deine große Macht, wenn mir der Feind nach meiner Seele tracht. 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen. Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen! O Lebenssonn, erquicke meinen Sinn! Dich laß ich nicht, mein Fels. Der Tag ist hin. Joachim Neander g. 1650+ 1680. Eigene Melodie. 505. Der Eag ist bin 506. Nun fich der Tag hin, mein Jesu, mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe, geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. geendet hat und keine Sonn mehr scheint, schläft alles, was sich abgematt und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast feine Rast, du schläfst noch schlummerst nicht; die Finsternis ist dir verhaßt, weil du bist 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen, dir ſei die Ehr, daß alles wohl ge- selbst das Licht. lungen nach deinem Rat, ob ichs gleich nicht versteh; du bist gerecht, es gehe, wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Beständigfeit im Guten mir noch fehlet. Das weißt du wohl, o Herzens- dir klagt an; ach aber deines kündiger, ich strauchle noch wie Sohnes Huld hat gnug für mich ein Unmündiger. gethan. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich in dieser schwarzen Nacht und schenke du mir gnädiglich den Schirm von deiner Wacht! 4. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, die mich bei Abendlieder. 330 5. Den setz ich dir zum Bürgen ein, wenn ich muß vors Gericht; ich kann ja nicht verloren sein in solcher Zuversicht. 6. Drauf thu ich meine Augen zu und schlafe fröhlich ein, mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, wer wollte traurig sein? 5. Lob, Preis und Ehr und Herrlichkeit sei Gott Vater und 7. Weicht, nichtige Gedanken Sohn bereit, dem heilgen Geist hin, wo ihr habt euren Lauf, mit Namen! Die göttlich Kraft ich baue jetzt in meinem Sinn mach uns sieghaft durch Jesum Gott einen Tempel auf. Christum! Amen. Nach C. Becker u. Adam Reusner. 4. Herr, meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, aus aller Not hilf mir am letzten Ende! 8. Soll diese Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal, so führ mich, Herr, in Himmel ein Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Mel.2. zur auserwählten Zahl! 508. T Preuer Jesu, wache du, denn jetzt geh 9. Und also leb und sterb ich dir, mein Gott, Herr Zebaoth, im Tod und Leben hilfst du mir aus aller Angst und Not. Joh. Friedr. Herzog g. 1647+ 1699. Mel. Auf dich hab ich gehoffet, Herr. it meinem Gott 507.Mit geh ich zur Ruh und thu in Fried mein Augen zu, denn Gott im Himmelsthrone über mich wacht bei Tag und Nacht, schafft, daß ich sicher wohne. 2. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, der du allein mein Helfer bist, laß mich kein Leid erfahren, durch deinen Schutz vors Teufels Trutz dein Engel mich bewahren! 3. Befiehl, o Herr, den Engeln dein, daß sie stets um und bei uns sein; all übel von uns wende, Gott heilger Geist, dein Hülf uns leist an unserm letzten Ende! ich einzuschlafen. Gieb mir und den Meinen Ruh, bleib, o Hirt, bei deinen Schafen, schließ die Thüren selber zu, trener Jesu, wache du! 2. Treuer Jesu, weiche nicht, sonst wird Grauen, Furcht und Schrecken, das oft mit der Nacht einbricht, uns mit Ach und Weh erwecken. Bleib bei uns, o Gnadenlicht, treuer Jesu, weiche nicht! 3. Treuer Jesu, steh uns bei, daß in uns der Geist und Glaube, wenn wir schlafen, wacker sei, und kein Feind uns solchen raube. Deine Hülfe mach uns frei, treuer Jesu, steh uns bei! 4. Treuer Jesu, kommt es nun einst einmal mit mir zum Sterben, so bring mich zu deiner Ruh, mache mich zum Himmelserben, schließ mir selbst die Augen zu, treuer Jesu, meine Ruh! Abendlieder. 5. Treuer Jesu, nimm zu dir endlich mich und all die Meinen! Bricht dereinst der Tag herfür, da du selber wirst erscheinen, ach so führ uns insgemein, treuer Jesu, zu dir ein! 1697. Mel. Werde munter, mein Gemüte. 509.$ err, es ist von meinem Leben wiederum ein Tag dahin; lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin; zeige mirs auch selber an, so ich was nicht recht gethan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. 331 5. Steure den gottlosen Leuten, die im Finstern Böses thun; sollte man gleich was bereiten, uns zu schaden, wenn wir ruhn, so zerstöre du den Rat und verhindere die That! Wend auch alles andre Schrecken, das der Satan fann erwecken. 4. Heilige mir das Gemüfe, daß der Schlaf nicht sündlich sei, decke mich mit deiner Güte, auch dein Engel steh mir bei! Lösche Feur und Lichter aus und bewahre sonst das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht in Unglück müsse weinen. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, wenn es bei uns Abend wird, denn du bleibest ewig munter und bist wie ein guter Hirt, der auch in der finstern Nacht über seine Herde wacht; darum hilf uns, deinen Schafen, daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich denn gesund er2. Freilich wirst du manches wachen, wenn es rechte Zeit wird finden, was dir nicht gefallen hat, sein, daß ich ferner meine Sachen denn ich bin noch voller Sünden richte dir zu Ehren ein. Oder in Gedanken, Wort und That, hast du, lieber Gott, hent beund vom Morgen bis jetzund stimmet meinen Tod, so befehl pfleget Herze, Hand und Mund ich dir am Ende Leib und Seel so geschwind und oft zu fehlen, in deine Hände. daß ichs selber nicht kann zählen. Kaspar Neumann g. 1648 † 1715. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, habe noch einmal Geduld! bin schwer beladen, doch vergieb mir alle Schuld! 510. Demein Geiſt und Mel. O Traurigkeit. er Tag Deine große Vatertreu werde diesen Abend neu, so will ich noch Sinn sehnt sich nach jenem Tage, deinen Willen fünftig mehr als der uns völlig machen wird frei von aller Plage. heut erfüllen. 2. Die Nacht ist da; sei du mir nah, Jesu, mit hellen Kerzen, treib der Sünden Dunkelheit weg aus meinem Herzen! 3. Der Sonne Licht uns jetzt gebricht; o unerschaffne Sonne, brich mit deinem Licht hervor mir zur Freud und Wonne! Abendlieder. 332 4. Des Mondes Schein fällt nun herein, die Finſternis 3 511. Mel. Jesu, meine Freude. irte deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag, deine Wundergüte war mein Schild und Hütte den vergangnen Tag. Sei die Nacht auch auf der Wacht und laß mich von deinen Scharen um und um bewahren! 2. Decke mich von oben vor der Feinde Toben mit der Vaterhuld, ein versöhnt Gewissen sei mein Ruhekissen, drum vergieb 7. Ein jeder will bei solcher die Schuld! Denn dein Sohn Still der süßen Ruhe pflegen; hat mich davon durch die tief laß die Unruh dieser Zeit, Jesu, geschlagnen Wunden gnädiglich bald sich legen! entbunden. 8. Halt du die Wach, damit kein Ach und Schmerz den Geist berühre, sende deiner Engel Schar, die mein Bette ziere. 9. Wann aber soll der Wechsel wohl der Tag und Nächte weichen? Wenn der Tag an brechen wird, dem kein Tag zu gleichen. 10. Alsdann wird nicht der Sonne Licht Jerusalem verlieren, denn das Lamm ist selbst das Licht, das die Stadt wird zieren. änderlichs meinen Lauf möcht hindern! 5. Das Sternenheer zu Gottes Ehr am blauen Himmel flimmert; wohl dem, der in jener Welt gleich den Sternen schimmert! 6. Was sich geregt, zuvor bewegt, ruht jetzt von seinen Werken; laß mich, Herr, in stiller Ruh dein Werk in mir merken! 11. Halleluja! Ei wär ich da, da alles lieblich klinget, da man ohn Abwechselung heilig, heilig finget. 3. Laß auch meine Lieben keine Not betrüben, sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen in den Vaterarmen ohne Sorgen ein! Du bei mir und ich bei dir, also sind wir ungeschieden, und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer und laß allen Jammer ferne von uns sein! Sei du Schloß und Riegel, unter deinen Flügel nimm dein Küchlein ein, decke zu mit Schuß und Ruh, so wird uns fein Grauen wecken noch der Satan schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? Wie bald rot, bald tot! Doch hast du be12. O Jesu, du mein Hülf schlossen, daß mein Ziel verund Ruh, laß mich dahin ge- flossen, kommt die Todesnot, langen, daß ich mög in deinem so will ich nicht wider dich; lieg Glanz vor dir ewig prangen. ich nur in Jesu Wunden, sterb 3.Anast. Freylinghausen g.1670+1739. ich alle Stunden. Abendlieder. 6. Nun wohlan, ich thue in vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, o du Hüter du! Gute Nacht! nimm mich in Acht! Und erleb ich ja den Morgen, wirst du weiter sorgen. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. un sich der Tag 3. Ach sammle selbst Begierden und Gedanken, die noch so 512. aus von dir wanken; mein Ruheplatz und Heimat, thu dich auf, daß ich in dich von allem andern lauf." Herz zu dir sich wendet und danket inniglich; dein holdes Angesichte zum Segen auf mich richte, erleuchte und entzünde mich! 2. Ich schließe mich aufs neue in deine Batertreue und Schutz und Herze ein, die fleischlichen Geschäfte und alle finstern Kräfte vertreibe durch dein Nahesein! 3. Daß du mich stets umgiebest, daß du mich herzlich liebest und rufft zu dir hinein, daß du vergnügst alleine so wesentlich, so reine, laß früh und spat mir wichtig sein! 333 merk auf, wo bleibest du? In Gottes Schoß, sonst nirgend findst du Ruh. 4. Ein Tag der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. Ewigkeit so schöne, mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. Gerh. Terstegen g. 1697+1769 Mel. Mein Herz und Seel den Herren hoch erhebet. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, das Vöglein fleugt nach seinem Nestchen wieder, das Schäflein auch in seinen Stall kehrt ein, laß mich in dich, mein Gott, gekehret sein! 4. Recht väterlich hast du mich heut geleitet, bewahrt, verschont, gestärket und geweidet; ich bins nicht wert, daß du so gut und treu; mein Alles dir zum Dank ergeben sei. 5. Vergieb es, Herr, wo ich mich heut verirret und mich zu viel durch dies und das verwirret; es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; nimm mich nur ein, so werd ich feſter stehn. 6. Da nun der Leib sein Tageswerk vollendet, mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, zu beten an, zu lieben inniglich, im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich.s1 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget, mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget; ins Heiligtum, ins Dunkle kehr ich ein, Herr, rede du, laß mich 513. Die Sonne sich ganz stille ſein! er Abend kommt, verdecket, und alles sich zur Ruh 8. Mein Herz sich dir zum und Stille strecket; o meine Scel, Abendopfer schenket, mein Wille Abendlieder. 334 sich in dich gelassen sentet; Begierden, schweigt! Vernunft und Sinne, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben, laß nicht den Geist zerstreut in Unruh schweben, mein trener Hirt, führ mich in dich hinein, in dir, mit dir fann ich vergnüget sein. 10. Im Finstern sei des GeiEigene Melodie, stes Licht und Sonne, im Kampf oder Welt, ich muß dich lassen. dir in Gnaden, und in dem Himmel ist mein Teil. 5. Bedeckt mit deinem Segen eil ich der Ruh entgegen: dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende ist dein, in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist. Chr. F. Gellert g. 1715 † 1769. und Kreuz mein Beiſtand, Kraft 515. Der Mond iſt auf die mich dir in deiner Hütte zu, bis ich erreich die volle Sabbathsruh. gegangen, goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar, der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. Gerh. Terstegen g. 1697 1769. Mel. Welt, ich muß dich lassen. 514. S err, der du mir Her das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich findlich an. Ich bin viel zu geringe der Treue, die ich singe, und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüte freu ich mich deiner Güte, ich freue mich in dir. Du giebst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Befehlen einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Luftgespinste und suchen viele Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! Künste und kommen weiter von dem Ziel. 2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold, als eine stille Rammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen 4. Ich weiß, an wen ich glaube, 5. Gott, laß uns dein Heil und nahe mich im Staube zu schauen, auf nichts Vergänglichs dir, o Gott, mein Heil. Ich bin trauen, nicht Eitelkeit uns freun! der Schuld entladen, ich bin bei Laß uns einfältig werden und Abendlieder. 335 vor dir hier auf Erden wie Kin-| Wachsamkeit, der Thor und Rieder fromm und fröhlich sein! gel Festigkeit, das Lager weich und warm und dicht, das alles giebt die Ruhe nicht. 6. Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod, und wenn du uns genommen, laß uns in Himmel kommen, du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder! Kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unsern franken Nachbar auch! Matthias Claudius g. 1740+ 1815. 5. Hältst du nicht selbst im Herzen auf der Sorgen und Gedanken Lauf, so fährt es aufgeregt einher wie ein von Sturm bewegtes Meer, und manche Stunde stiller Nacht wird ruhesuchend hingebracht. 6. Drum bring du unser Herz zur Ruh und schließ uns bald die Augen zu, mit deiner Güte decke uns, zu rechter Zeit erwecke uns! Dann sei dir unser Dank gebracht für dein Geschenk, die gute Nacht. K. 3. Phil. Spitta g. 1801 † 1859 516. V Tag die Bahn, Mel. Vater unser im Himmelreich. ollendet hat der sein Licht der Abend ausgethan, und überall die dunkle Nacht die Zeit der Ruhe hergebracht. O reicher Gott, nun segne du uns diese Nacht zu guter Ruh! 2. Was du uns Gutes hast beschert, wie du uns heut versorgt, ernährt, in aller Fährlich feit beschützt, uns zugewendet, was uns nützt: wir danken dafür inniglich, und Herz und Lippen preisen dich. 3. Was aber Übels wir gethan, 2. Ich preise dich mit Hand das rechn aus Gnaden uns nicht und Munde, ich lobe dich, so an; wir klagen dirs mit Reu hoch ich kann, ich rühme dich und Schmerz und zeichnen un- von Herzensgrunde für alles, ser Haus und Herz mit deines was du mir gethan, und weiß, lieben Sohnes Blut zu Glau- daß dir durch Jesum Christ mein benstrost und Glaubensmut. Dank ein süßer Weihrauch ist. 4. Nun gieb uns Ruhe, die erquickt, nach der das müde Auge blickt; des Wächters Hut und Am Schlusse der Woche. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 2. 517. S( o ist die Woche nun geschlossen, doch, treuer Gott, dein Herze nicht. Wie sich dein Segensquell ergossen, so bin ich noch der Zuversicht, daß er sich weiterhin ergießt und unerschöpflich auf mich fließt. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen das liebe Kreuz auch mit besucht, so gabst du auch die Kraft 336 zum Tragen. Zudem, es ist voll| Heil und Frucht in deiner Liebe, Herr, zu mir, und darum dank ich auch dafür. Berufs- und Standeslieder. 7. Doch da mein Leben zugenommen, so bin ich auch der Ewigkeit um eine Woche näher kommen und warte nun der letzten Zeit, da du die Stunde haft bestimmt, die mich zu dir in 4. Nur etwas bitt ich über alles, ach du versagst mir solches nicht: Gedenke feines Sünden- Himmel nimmt. falles, weil mich mein Jesus auf- 8. Und wenn ich morgen früh gericht, mein Jesus, der die Misse- aufs neue den Sonntag wieder that auf ewig schon gebüßet hat. sehen kann, so blickt die Sonne 5. Dein Schwur ist ja noch nie deiner Treue mich auch mit neuen gebrochen, und brichst ihn nicht Gnaden an; ach ja, da teilt dein in Ewigkeit, da du dem Sünder Wort und Haus den erst und hast versprochen, daß er, wenn besten Segen aus. ihm die Sünde leid, nicht sterben, sondern gnadenvoll als ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen und will also den Wochenschluß vergnügt und froh zurücke legen, da der Trost mich ergeßen muß, daß ich in Christo solle dein und schon in Hoffnung selig sein. 9. So will ich das im voraus preisen, was du mir fünftge Woche giebst. Du wirst es in der That erweisen, daß du mich je und immer liebst und leitest mich nach deinem Rat, bis Leid und Zeit ein Ende hat. Erdmann Neumeister g. 1671+1756. Am Sonntag Abend siehe Nr. 20. 21. Siehe auch Nr. 528. 531 bis 534. Standeslieder. unsrer Seelen Nutz! Bewahr vor allen Rotten, die deiner Wahrheit spotten, biet allen deinen Feinden Truß! 3. Gieb du getreue Lehrer und deines Namens Ehre an allen unverdroßne Hörer, die beide Orten aus, behüte die drei Thäter sein; auf Pflanzen und Stände durch deiner Allmacht Begießen laß dein Gedeihen flieHände, schütz Kirche, Obrigkeit Bßen und ernte reiche Früchte ein! und Haus! XXIV. Berufs- und Für die drei Hauptstände. zu Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 518. He err, höre, Herr, erhöre, breit 2. Ach laß dein Wort uns allen noch ferner reichlich schallen 4. Gieb unserm König Glücke, laß deine Gnadenblicke auf den Gesalbten gehn, schütz ihn auf Berufs- und Standeslieder. feinem Throne und lasse seine Krone allzeit in vollem Glanze stehn! 5. Laß alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff jedermann sein Recht, daß Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, und segne beide, Herrn und Knecht! 6. Wend ab in allen Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden, treib Sturm und Hagel ab, bewahr des Landes Früchte und mache nicht zunichte, was deine milde Hand uns gab. 7. Gieb uns den lieben Friede, mach alle Feinde müde, verleih gefunde Luft, laß keine teuren Zeiten in unsre Grenzen schrei ten, daß man nach Brot vergebens ruft. 8. Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke, die sonst verirret gehn! Die Witwen und die Waisen wollst du mit Troste speisen, wenn sie zu dir um Hülfe flehn. 337 benden begleit mit deinen Engelscharen, daß sie im Frieden fahren zu Zions Freud und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst erfüllen, was wir nach deinem Willen in Demut jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen in unsers Jesu Namen, so ist ge= wiß der Wunsch gewährt. Benjamin Schmold g. 1672+1737. Fürbitte für den König und die Obrigkeit. Eigene Melodie. 519. Ve erleih uns Frieden Gott, zu unsern Zeiten! Es ist gnädiglich, Herr doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine. aller Obrigkeit Fried und gut 2. Gieb unserm Könige und Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottfeligfeit und Ehrbarkeit. Amen. V. 1 Martin Luther g. 1483+ 1546. V. 2 Johann Walther † 1570. 9. Sei Vater aller Kinder, der Schwangern ihr Entbinder, gieb Säugenden Gedeihn, zieh unsre Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens zarte Jugend zur Frömmigkeit Licht. und Tugend, daß sich die Eltern 520. heilige Dreieinig ihrer keit, erhalt uns 10. Romm als ein Arzt der unsre Obrigkeit, die deine treue Kranken, und die im Glauben Vaterhand gesetzet selbst in diewanken, laß nicht zugrunde gehn! sen Stand. Die Alten heb und trage, auf daß sie ihre Plage geduldig mögen überstehn. 2. Dein guter Geist sie leit und führ und segne ihr Thun für und für, daß sie voll Weisheit 11. Bleib der Verfolgten Stütze, und Verstand regiere christlich die Reisenden beschütze, die Ster- Peut und Land, 22 338 Berufs- und Standeslieder. 3. Damit wir führen unter ihr| dessen Schirm und Schatten ein still geruhig Leben hier und wir bis zur Stund allhier viel dermaleinst mit ihr, mein Hort, Heil zu schmecken hatten, der bestehen wohl im Himmel dort. Amilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt g. 1637+1706. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr. auch zu jeder Frist allmächtig nah und fern ein Herr und Helfer ist des Königs, unsers Herrn. König schütze 2. Du hast ihm 521. Deine Macht Er, den Odem treu bewahret und der für unsre Wohlfahrt wacht, auf manch strengem Gang dich ist uns von dir gegeben. Du, huldvoll offenbaret; du hast in der in ihm so viel uns giebt, seiner Hand das Zepter stark schenk ihm, der väterlich uns gemacht und unser Vaterland liebt, das frohste, längste Leben! mit reichem Gut bedacht. 3. Du wollest deinen Geist Gott, schütt auf ihn und auf sein Haus die besten deiner Segen auf seine Stirne legen, der klar aus, laß seiner Räte Thun ge- ihn unterweist, des hohen Amts deihn, Recht, Ordnung, Treu das zu pflegen; du wollst GerechtigLand erfreun! Herr unser Gott, feit und milder Gnade Lust ihm in deiner Hand ist unser Land, stellen an die Seit, ihm pflanzen in die Brust. beglück es, segne jeden Stand! 2. Vernimm der Leidenden Gebet, dem, der zu dir im Elend fleht, hilf, daß er nicht erliege. Gieß Trost in jedes wunde Herz, die Kranken lab in ihrem Schmerz, hilf Sterbenden zum Siege! Doch du thust mehr als wir verstehn, kannst mehr gewähren als wir flehn, weißt besser, was uns nützt, als wir: wir überlassen ganz uns dir. Herr unser Gott, durch alles Leid der Prüfungszeit führ uns zu deiner Herrlichkeit! 4. Du wollest allezeit in deinem Gleis ihn lenken und Zucht und Frömmigkeit in ihm dem Lande schenken, auf daß er Vorbild sei von jeder Tugendart und Hülf und Schutz verman den Glauben leih, wo wahrt. 5. Du wollest seine Tren vergelten durch die Treue, womit ihn täglich neu ein gutes Volk erfreue, daß dein Gebot im Bund von ihm und uns gescheh, und seines Thrones Grund in unserm Herzen steh. 6. O segne, was wir flehn an seinem Jahresfeste, und gieb zum Wohlergehn ihm deiner Gaben beste! Gieb, daß ers nie Lob sei dir, in vergißt noch wir, wie du so Am Geburtstage des Landesherrn. Mel. Nun dantet alle Gott. 522. P reis, Ehr und Berufs- und Standeslieder. gern ein Herr und Helfer bist und spat sein Hochgeliebten des Königs, unsers Herrn. Karl G. Grüneisen g. 1802+ 1878. heget; da spannt sein Arm sich täglich aus, da faßt er uns und unser Haus, gleich als ein Vater pfleget; da muß ein Fuß nach dem andern gehn und wandern, bis sie kommen in das Zelt und Sitz der Frommen. 4. Der Mann wird einem Baume gleich, an Ästen schön, an Zweigen reich, das Weib gleich einem Reben, der seine Träublein trägt und nährt und sich je mehr und mehr vermehrt mit Früchten, die da leben. Wohl dir, o Zier, Mannes Sonne, Hauses Wonne, Ehrenkrone! Gott denkt dein bei seinem Throne. Für den Hausstand, für Eheleute und Eltern. 339 Mel. O Gott, du frommer Gott. Mel. 2. 523.La aß dich, Herr Jesu Christ, durch mein Gebet bewegen, fomm in mein Haus und Herz und bringe mir den Segen! All Arbeit, Müh und Kunst ohn dich nichts richtet aus, wo du mit Gnade bist, kommt Segen in das Haus. Joh. Heermann g. 1585+1647. Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern. 5. Dich, dich hat er ihm aus524.Wie schön ists doch, erkorn, daß aus dir ward herHerr Christ, das Volk, das im Stande, da dein Segen ist, Reich bauet; sein Wunderwerk im Stande heilger Ehe! Wie geht immerfort, und seines Munsteigt und neigt sich deine Gab des starkes Wort macht, daß und alles Gut so mild herab dein Auge schauet schöne Söhne, aus deiner heilgen Höhe, wenn Töchter züchtig, die fein tüchtig sich an dich fleißig halten Jung nähn und spinnen und mit Kunst und Alten, die im Orden Eines die Zeit gewinnen. Lebens einig worden. 6. Sei gutes Muts! wir sind 2. Wenn Mann und Weib sich es nicht, die diesen Orden auf wohl verstehn und unverrückt bei- gericht, es ist ein höhrer Vater; sammen stehn im Bande reiner der hat uns je und je geliebt und Treue, da geht das Glück in bleibt, wenn unsre Sorg uns vollem Lauf, da sieht man, wie trübt, der beste Freund und der Engel Hauf im Himmel Rater; Anfang, Ausgang aller selbst sich freue. Kein Sturm, Sachen, die zu machen wir gekein Wurm kann zerschlagen, denken, wird er wohl und weiskann zernagen, was Gott gicbet lich lenken. dem Paar, das in ihm sich liebet. 7. Zwar bleibts nicht aus, es 3. Vor allem giebt er seine kommt ja wohl ein Stündlein, Gnad, in deren Schoß er früh da man Leides voll die Thränen 22* 340 Berufs- und Standeslieder. lässet schießen; jedennoch, wer 5. Wohl, wenn im äußerlichen sich in Geduld ergiebt, des Leid Stand mit fleißiger, getreuer wird Gottes Huld in großen Hand ein jegliches nach seiner Freuden schließen. Schweige, Art den Geist der Eintracht beuge dich ein wenig, unser offenbart. König wird behende machen, daß die Angst sich wende. 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind und wenn sie Kind und Kindeskind versäumen nicht am ewgen Glück. Dann bleibet ihrer feins zurück. 8. Wohl her, mein König, nah herzu! Gieb Rat in Kreuz, in Nöten Ruh, in Ängsten Trost und Freude! Des sollst du haben 7. Wohl solchem Haus, denn Ruhm und Preis, wir wollen es gedeiht; die Eltern werden singen bester Weis und danken hocherfreut, und ihren Kindern alle beide, bis wir bei dir, sieht mans an, wie Gott die deinen Willen zu erfüllen, dei- Seinen segnen kann. nen Namen ewig loben werden. Amen. Paul Gerhardt g. 1607+1676. 8. So mach ich denn zu dieser Stund samt meinem Hause diesen Bund: Wich alles Volk auch von ihm fern, ich und mein Haus stehn bei dem Herrn. 525. Wohl einem Haus, Chr. Karl Ludw. v. Pfeil g. 1712+ 1784. da Christ allein das All in allem ist. Ja Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern. ch und mein Haus, wenn er nicht darinnen wär, wie elend wärs, wie arm und leer! 526.3 wir sind bereit, 2. Wohl, wenn sich Mann und Weib und Kind in Einem Glaubenssinn verbindt, zu dienen ihrem Herrn und Gott nach seinem Willen und Gebot. dir, Herr, die ganze Lebenszeit mit Seel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein, gieb deinen Segen auch darein, daß wir dir willig dienen. Eine kleine, fromme, reine Hausgemeine mach aus allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das äußre Werk nichts ist und heißt. Mel. Herr Jesu Chrift, meins Lebens Licht. 4. Wohl, wenn das Räuchwerk im Gebet beständig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort als Gottes Werk und Gottes Wort. 2. Es wirfe durch dein kräftig Wort dein guter Geist stets fort und fort an unser aller Seelen! Es leucht uns wie das Sonnenlicht, damits am rechten Lichte nicht im Hause möge fehlen. Reiche gleiche Seelenspeise auch Berufs- und Standeslieder. zur Reise durch dies Leben uns, die wir uns dir ergeben. Eigene Melodie. 341 selig Haus, wo man dich aufge= 527. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus und alle, die drin nommen, du wahrer Seelenwohnen, aus, im Glauben uns freund, Herr Jesus Christ, wo verbinde, laß uns in Liebe alle- unter allen Gästen, die da komzeit zum Dulden, Tragen sein men, du der gefeiertste und liebste bereit, voll Demut sanft und bist; wo aller Herzen dir entlinde! Liebe übe jede Seele, gegen schlagen, und aller Augen keinem fehle, dran man fennet den, der sich den Deinen nennet. freudig auf dich sehn, wo aller Lippen dein Gebot erfragen, und alle deines Wints gewärtig stehn. 4. Laß unser Haus gegründet sein auf deine Gnade ganz allein 2. O selig Haus, wo Mann und deine große Güte! Auch laß und Weib in Einer, in deiner uns in der Nächte Graun auf Liebe Eines Geistes sind, als beide deine treue Hülfe schaun mit Eines Heils gewürdigt, feiner findlichem Gemüte, felig, fröh- im Glaubensgrunde anders ist lich, selbst mit Schmerzen in gesinnt; wo beide unzertrennbar dem Herzen, dir uns lassen und an dir hangen, in Lieb und Leid, dann in Geduld uns fassen. Gemach und Ungemach, und nur bei dir zu bleiben stets verlangen an jedem guten wie am bösen Tag. 5. Giebst du uns irdsches Glück ins Haus, so schließ den Stolz, 3. O selig Haus, wo man die die Weltlust aus, des Reichtums lieben Kleinen mit Händen des böse Gäste! Denn wenn das Herz Gebets ans Herz dir legt, du an Demut leer und voll von Freund der Kinder, der sie als die eitler Weltlust wär, so fehlte Seinen mit mehr als Mutteruns das Beste: jene schöne, liebe hegt und pflegt; wo sie zu tiefe, stille Gnadenfülle, die mit deinen Füßen gern sich sammeln Schätzen einer Welt nicht zu und horchen deiner süßen Rede zu ersetzen. und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, sich deiner freun, du lieber Heiland du. 6. Und endlich flehn wir allermeist, daß in dem Haus kein andrer Geist als nur dein Geist 4. O selig Haus, wo Knecht regiere. Der ists, der alles wohl und Magd dich kennen und bestellt, der gute Zucht und Ord- wissend, wessen Augen auf sic nung hält, der alles liebreich sehn, bei allem Werk in Einem ziere. Sende, sende ihn uns Eifer brennen, daß es nach deiallen, bis wir wallen heim und oben dich in deinem Hause loben. K. 3. Phil. Spitta g. 1801+ 1859. nem Willen mag geschehn; als deine Diener, deine Hausgenossen, in Demut willig und in 342 Berufs- und Standeslieder. Liebe frei, das Ihre schaffen froh schlaf, du liebes Kindelein, so und unverdrossen, in kleinen wirst du selig sein. Dingen zeigen große Treu. 7. Der heilge Geist der segne 5. O selig Haus, wo du die dich, bewahr dich alle Zeit, sein Freude teilest, wo man bei keiner heilger Nam behüte dich, schütz Freude dein vergißt; o selig dich vor allem Leid! Haus, wo du die Wunden 8. So nimm du recht an heilest und aller Arzt und aller Gnade zu, an Alter und VerTröster bist; bis jeder einst stand, und halte deine Kindessein Tagewerk vollendet, und ruh in Jesu Schoß und Hand! bis sie endlich alle ziehen aus Nach Joh. Mathesius g. 1504+ 1565. dahin, woher der Vater dich ge= sendet, ins große, freie, schöne Vaterhaus. K. 3. Phil. Spitta g. 1801 † 1859. was Christus spricht: Den Kindern sollt ihr wehren nicht, sondern sie lassen Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 528. N liebes Kindelein, fie ſegnen kann. un schlaf, mein zu mir nahn, daß meine Hand und thu dein Äuglein zu, denn Gott der will dein Vater sein, drum schlaf in guter Ruh! 2. Er nimmt sie auf ins Hintmelreich, und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Welt Lust, Gut und Ehr hats bald ein End und ists nichts mehr. 2. Dein Vater ist der liebe Gott und wills auch ewig sein, der Leib und Seel gegeben hat dir durch die Eltern dein. 3. Das Himmelreich kein Ende nimmt, darein uns Jesus Christus bringt durch seine Lehr, dazu er will, daß man die Kinder senden soll. 4. Gehorchet ihm und bringt sie her, daß man von Jugend auf sie lehr in Kirchen und in Schulen wohl, wie man Gott recht erkennen soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, so führet sie zu Jesu hin; wer dies nicht thut, ist ihnen feind, wie hoch er sie zu lieben meint. 3. Er schenkt dir seinen lieben Sohn, den schenkt er in den Tod; der kam auf Erd vom Himmelsthron, half dir aus aller Not. 4. Er schickt dir seine Engelein zu Hütern Tag und Nacht, daß sie bei deiner Wiege sein und halten gute Wacht. 5. Dem Vater und der Mutter dein befiehlt er dich mit Fleiß, daß sie dir treue Pfleger sein, ziehn dich zu Gottes Preis. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. hr Eltern, hört, 529. 6. Das liebe Jefulein will sein dein liebes Brüderlein, drum 6. Was hilft den Kindern nur viel Geld und Äcker viel in jedem Berufs- und Standeslieder. 343 Feld? Wer sie von Gott recht chem Heil sich an Geld und Gut lehren läßt, der thut für sie das Allerbest. Nach Ludw. Helmbold 1532+ 1598. ergetze, so bist du mein einzig Teil. Bleib auch meiner Kinder Gott, lasse sie in feiner Not und in keinem Kreuz verderben, bis sie endlich selig sterben. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. orge doch für 530. meine Kinder, Bater, nimm dich ihrer an! Ob 6. Schütze sie vor bösen Leuten und vor der Verführer Schar, daß ihr Fuß nicht möge gleiten. sie gleich vor dir sind Sünder, Laß sie ihre Lebensjahr in der sind sie dir doch zugethan und durch deines Sohnes Blut gleich wohl dein erworbnes Gut; darum wirst du sie aus Gnaden wohl beschützen und beraten. Tugend bringen zu, bis du sie wie mich zur Ruh wirst ins fühle Grab versenken und die Seligkeit uns schenken. 7. Können sie in diesem Leben 2. Sie sind dir von Kindes- hier und wo es dir gefällt was beinen und von ihrer ersten zu deinen Ehren geben, so laß Stund zugeworfen als die Dei- in der ganzen Welt ihnen, wo nen,*) und durch deinen Gnaden- sie immer gehn, deine Furcht bund hast du sie in ihrer Tauf vor Augen stehn, daß sie dich im väterlich genommen auf, daß sie, Thun und Lassen stets in ihre wenn sie sollten sterben, wären Herzen fassen. deines Reiches Erben.*) Pf. 22, 11. 8. Endlich wenn die Zeit ver3. Du hast sie bisher ernähret flossen, daß sie diese Lebenszeit und so manchem Unglücksfall haben ehrlich hier genossen und mehr als väterlich gewehret, der sie in die Ewigkeit ihren Eintritt sie hier und überall hätte leicht- sollen thun, so laß alle Schmerlich umgestürzt, ja das Leben zen ruhn und laß sie in ihrem abgekürzt; aber deine Batertreue Sterben glaubensvoll den Himbleibt bei ihnen täglich neue. mel erben. 4. Sollt ich nicht für solche 9. Gönne mir die große Güte immer dir verpflichtet sein Freude, daß am lieben jüngsten und mit dankbarem Gemüte sol- Tag nach so vielem Kreuz und chen Glücks- und Segensschein Leide ich mit Jauchzen sagen rühmen und vor jedermann deine mag: Liebster Bater, ich bin hier Wohlthat zeigen an, ach so und die Kinder, die du mir hast müßt ich ganz vermessen Gottes, in jener Welt bescheret. Ewig sei meines Heils, vergessen. dein Nam geehret! 5. Sammeln andre große Budw. Heinr. Schloffer g. 1663+1723. Schätze, daß ihr Haus in sol 344 Berufs- und Standeslieder. Für Kinder. 2. Unter seinem sanften. Stab Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. geh ich aus und ein und hab un531. Ach lieber Gott, be- eusſprechlich füße Weide, daß ich mich und keinen Hunger und oft meine Eltern gnädiglich, auch ich durstig bin, führt er mich mein Geschwister vor Gefahr mit zum Brunnquell hin. 3. Sollt ich nun nicht fröhlich deinem starken Arm bewahr! 2. Und alle, die uns sind ver- sein, da ich sein bin und er mein? wandt, beschütz durch deine rechte Denn nach diesen schönen Tagen Hand! Behüte mich vor aller werd ich endlich heimgetragen in Sünd, hilf, daß ich werd ein des Hirten Arm und Schoß. Amen, ja, mein Glück ist groß! frommes Kind. Henr. Luise v. Hayn g. 1724 † 1782. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 532.¹ un hilf uns, o Herr Jesu Christ, der du einst hier gewesen bist ein freundliches und frommes Kind, ohn alle Schuld, ohn alle Sünd. 2. Wir Kinder bitten Eines nur, versags nicht, Herr, der Kreatur: Hilf uns in deinem Willen ruhn, lehr uns nach dei nem Vorbild thun! 3. Gieb deinen Geist in unsre Brust, hilf lernen uns mit Kindeslust, damit wir legen rechten Grund und ewig stehn in deinem Bund. Eigene Melodie. üde bin ich, 534. Mgeh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu; Vater, laß die Augen dein über meinem Bette sein! 2. Hab ich Unrecht heut gethan, sich es, lieber Gott, nicht an, deine Gnad und Jesu Blut macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand, sollen dir besohlen sein. alle Menschen groß und klein 4. Kranken Herzen sende Ruh, nasse Augen schließe zu, laß den Mond am Himmel stehn und die stille Welt besehn! 1817. Quise Hensel g. 1798 † 1876. Eigene Melodie. 533.Weil ich Jefu Schäfbin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten schön weiß zu bewirten, der mich 535. Nicht den, nichts Betrübters Für Witwen. Mel. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen. liebet, der mich kennt und bei kann so zu Herzen gehn, als wenn meinem Namen nennt. arme Witwen werden, wenn ver Berufs- und Standeslieder. 345 laßne Waisen stehn ohne Vater, nicht verließen und gläubig dir ohne Mut, ohne Freunde, ohne Gut. Witwen sind verlaßne Frauen, wer thut auf die Waisen schauen? zu Füßen des Kummers schwere Last gelegt. 2. Witwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schoß; ihrer will er sich erbarmen, wär die Not auch noch so groß. Ein solch ungerechter Mann tastet Gottes Augen an, der die armen Waisen drücket und der Witwen Herz bestricket. 4. In dir will ich mich stärken, dein Aug wird auf mich merken, und auf mein Flehn dein Ohr. Bei Tag und Nacht mit Flehen will, Herr, vor dir ich stehen und seufzen still zu dir empor. 5. Ich will mein Joch nun tragen; dir, Bater, darf ich sagen, was ja mein Herz bedrückt; biſt du nicht in der Nähe, du, den ich zwar nicht sehe, und den mein Glaube doch erblickt? 3. Wenn sie bleiben in den Schranken, darein Gott sie hat geſtellt, und von seiner Treu 6. Mit Ernst und frohen nicht wanken, weil er sich zu ihnen Mutes will ich nach Kräften hält, sollen sie im Himmels- Gutes vor deinen Augen thun, schloß werden alles Rummers will mich der Welt entziehen, los. Da soll nicht mehr, wie Lärm, Tand und Thorheit fliehen auf Erden, Witwennot gehöret und nur in deinem Schoße ruhn. werden. 3. Wo seit viel tausend Jahren betrübte Witwen waren, die haft du treu gepflegt, wenn sie dich Michael Hunold g. 1621+1672. 7. Dann eilen meine Tage mit jeder Not und Plage leicht wie ein Traum dahin; dann leg Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 536. Auf Gott nur will ich froh die Glieder aufs Sterbebette ich er nieder, wenn ich zum Himsehen, hört der Witwen Flehen, sieht ihre mel reifer bin. Thränen an; in jedem Schmerz und Leide ist Gott mir Trost und Freude, mein Fels, den ich umfassen kann. 8. Fort auf dem Dornenpfade! Mich tröst des Heilands Gnade, er träget meine Not. Nicht ewig werd ich weinen, ich komme zu den Meinen, bald seh ich sie bei meinem Gott. 2. Wie viel, die in der Kammer dir klagten ihren Jammer, o Gott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen hielt sie; auf ihren Wegen war Friede, Sicherheit und Ruh. 9.( Rommt her, ihr meine Waisen, den Herrn mit mir zu preisen, der uns erhalten kann. Dir, Gott, will ich sie bilden; schau, Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Schäflein an!) Nach 3. K. Lavater g. 1741 † 1801. 346 Für den Bergmann. Bei der Einfahrt. Mel. Aus meines Herzens Grunde. fo lenke Herz und Sinne auf deines Wortes Licht! Laß mich so Tag als Nacht nach solchen Schätzen graben, die nichts vom 537. Gott, der du Berg Eitlen haben, das Sorg und Kummer macht. und Hügel festgesetzet hast, worin du als im Spiegel mir armen Erdengast zeigst deine Gütigkeit, du Schöpfer aller Dinge, hör, was ich jetzo singe, mein Herz ist dir geweiht. 2. Dir, Herr, bring ich vor allen mein Morgenopfer hier, ach laß es dir gefallen! Lob, Preis und Dank sei dir, daß du in dieser Nacht auf mein demütig Bitten in meiner armen Hütten mich so getreu bewacht. 8. Laß deiner Engel Scharen stets meine Wächter sein, die mich, dein Kind, bewahren, wenn ich fahr an und ein. Laß keine Fahrt eingehn, laß feinen Bau ein3. Nun will ich wieder gehen brechen, hilf, daß in allen Zechen in meinen Arbeitsschacht, wozu wir deinen Segen sehn. du mich ersehen, eh ich ans Licht gebracht. Ich will von Herzen gern, so lang die Kräfte grünen, dir, mein Gott, treulich dienen, und meinem Landesherrn. 4. Vergieb mir meine Sünden, die ich bisher gethan, und laß mich Gnade finden, schau Christi Wunden an! Ach schenk mir deinen Geist, damit ich deinen Willen mag jederzeit erfüllen so, wie dein Wort mich heißt. Berufs- und Standeslieder. 7. Herr, segne die Gewerken und gieb Gedeihen hier, laß deine Kraft mich stärken zur Arbeit für und für! Veredle Gäng und Kluft durch deinen milden Segen, mit stetigem Vermögen in jeder Fahrt und Gruft! 9. Zuletzt laß mich stets denken an jene Himmelsstadt, wo man ohn Sorg und Kränken dich selbst und alles hat. Da darf ich weiter nicht nach eitlen Schätzen graben, da werd ich alles haben, was mir allhie gebricht. Nach der Ausfahrt. Mel. Jesu, meine Freude. 5. Herr, wenn ich einfahre, 538. Gnädigster Grbarmer, gieb, mein Herz bald man von der Bahre mich so ins Grab versenkt, bis du, mein Lebensfürst, einst meines Leibes Glieder aus dunklen Grüften wieder zu Tage führen wirst. zu dir komm ich Armer nach vollbrachter Fahrt. Du hast heut aus Gnaden mich vor allem Schaden als dein Kind bewahrt. Keine Not, kein Leid, kein Tod hat, o Vater, mich berühret, weil du mich geführet. 6. Wenn ich mein Werk beginne bei meiner Arbeitsschicht, Berufs- und Standeslieder. 347 2. O wie war mein Leben 3. Die Gäng thust du veredlen von Gefahr umgeben in der tiefen Kluft! Wetter, Bruch und Wände drohten mir das Ende in der finstern Gruft. Doch du hast bei aller Last deinen Schutz an mir erneuet und mich nun befreiet. gar und läsfest auch noch immerdar Erz wachsen in der Erden; dein göttlich Kraft stets Mittel schafft, daß wir erhalten werden. 4. O reicher Gott, wir bitten dich, segn unser Bergwerk mildiglich, gieb Notdurft diesem Leben! Dein Vaterherz woll uns gut Erz, auch reichlich Wasser geben! 3. Herr, auf meinen Wegen hab ich deinen Segen überall gespürt. Du hast meine Tritte und all meine Schritte gnädig5. Dein reines Wort bei uns lich regiert. Nun kann ich mit erhalt, behüt die Bergleut jung Freude dich, meinen Hort und und alt, thu reich Ausbeut beHelfer, preisen und dir Dank scheren! So wollen wir auch erweisen. danken dir und deinen Namen 4. Ja dich will ich loben hier ehren. und einst dort oben und mich deiner freun. Stets soll mein Matthäus Wieser um 1658. fromm und dankbar sein. Doch, 540. Mich heben an, Gemüte für die große Güte Mel. Wie schön leucht u. d. Morgenstern.. it will mein Licht, verlaß mich nicht, schütze ferner Leib und Seele, den höchsten Gott, so viel ich die ich dir befehle. Bei Bergfesten. kann, zu loben und zu ehren. Auf, auf, ihr christlichen Bergleut, rühmt Gottes groß Allmächtigkeit, helft mir sein Lob vermehren! Fröhlich, lieblich Mel. Auf dich hab ich gehoffet. 539. Bergwerks- jubilieret, triumphieret, finget schöpfer, höch- alle und mit ster Gott, allmächtiger Herr Schalle! Zebaoth, sei von uns hoch gepriesen! Zu aller Stund, aus Herzensgrund sei dir Lob, Ehr erwiesen! 2. Zuvörderst lasset uns mit Fleiß dem Herren sagen Dank und Preis, daß er- uns hat geschenket sein reines Wort, das 2. Dein Allmacht ist doch höchste Gut, das Leib und Seel lobenswert, du hast geschaffen erquicken thut, so oft man sein in der Erd nach deinem Wohl- gedenket. Fröhlich, lieblich jubigefallen und schenkst uns frei lieret, triumphieret, singet alle Gold, Silber, Blei, auch allerlei und lobt Gott mit großem Metallen. Schalle! 348 Berufs- und Standeslieder. 3. Glück, Heil und Segen Geist dazu, daß er fristet unser mannigfalt, Nahrung dazu für Leben und verleiht uns Fried und Jung und Alt hat er nach Not- Ruh. durft geben. Sein Gnade währet immerdar; sie hat nun lange Zeit und Jahr gefristet unser Leben. Fröhlich, lieblich jubilieret, triumphieret, singet alle und lobt Gott mit großem Schalle! 4. Wenn wir ausfahren oder ein, sendt er uns seine Engelein, die himmlischen Heerscharen, und thut denselbigen Befehl, sie sollen unser Leib und Seel vor allem Leid bewahren. Fröhlich, lieblich jubilieret, triumphieret, singet alle und lobt Gott mit großem Schalle! 2. Lob und Dank solln wir erweisen der heilgen Dreieinigkeit und des Herren Namen preisen, der uns treulich Hülfe leiht; in dem Himmel hoch dort oben singen ihm die Engel fein, hier auf Erden solln Gott loben all, die seine Diener sein. 3. Brot und Wein wächst aus der Erde und der Menschen Herz erfreut, daß uns allen sichtbar werde seine Güt und Freundlichfeit; Gold und Silber, Erz und Steine haut man aus den Bergen viel, davon leben Groß und Kleine, wer sich redlich nähren 5. Herr Jesu Christ, du edler Hort, erhalt uns nur dein reines will. Wort, drum wir dich herzlich bitten. milde Hand und segne unser ganzes Land, all Bergwerk und Schmelzhütten! Hilf, Herr, bescher Glück auf Erden, bis wir werden zu dir kommen, in den Himmel aufgenommen. 4. Tief wir Bergleut sind Thu auf dein reiche verborgen in den Schächten tief und lang, trauen Gott und wolln nicht sorgen, loben laut ihn mit Gesang, Schlägl und Eisen führn in Händen, das soll unsre Nahrung sein, Gott woll uns sein Engel senden, fröhlich fahrn wir aus und ein. die ihr rechte Christen seid, lobet Gott mit vollem Schalle, danket seiner Gütigkeit, daß er uns sein Wort gegeben und den heilgen 5. Wagen müssen wir das Leben in das edle Bergwerk' nein, uns tief unter Klüft begeben, Mel. Ach erkennet, liebste Seelen. 541. hauen aus feſtem reut euch sehr, Glück und Segn bedürfen alle, ei, das geb uns Gott mit Freud, daß wir loben ihn mit Schalle hier und dort in Ewigkeit. 1737. XXV. Lieder für besondere Beiten und Verhältnisſe. Mel. Herzliebster Jefu, was hast du verbrochen. 543. err unser Gott, laß nicht zu schanden werden die, so in ihren Nöten und Beschwerden bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen und zu dir rufen. Bei Krieg und Frieden. Eigene Melodie. 542. D u Friedefürst, Herr Jesu Christ, wahr Mensch und wahrer Gott, ein starker Nothelfer du bist im Leben und im Tod. Drum wir allein im Namen dein zu deinem Vater schreien. 349 2. Recht große Not uns stößet an von Krieg und Ungemach, daraus uns niemand helfen kann denn du, drum führ die Sach! Den Vater bitt, daß er ja nicht im Zorn mit uns woll fahren. 2. Mache zu schanden alle, die dich hassen, die sich allein auf ihre Macht verlassen; ach fehre dich mit Gnade zu uns Ärmen, laß dichs erbarmen! 3. Und schaff uns Beistand wider unsre Feinde! Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde, sie müssen Wehr und Waffen niederlegen, kein Glied 3. Gedenk, Herr, jeto an dein Amt, daß du ein Friedfürst bist, und hilf uns gnädig mehr regen. allesamt jetzo zu dieser Frist! Laß uns hinfort dein göttlich Wort im Fried noch länger schallen! 4. Verdienet habn wir alles wohl und leidens mit Geduld; doch größer deine Gnad sein soll denn unsre Sünd und Schuld; darum vergieb nach deiner Lieb, die du fest zu uns trägest. 5. Erleucht doch unsern Sinn und Herz durch den Geist deiner Gnad, daß wir damit nicht treiben Scherz, der Seele schad. O fad. Jeſu Christ, allein 544. Israel, des fich Mel. Da Christus geboren war. Preuer Wächter du bist, der solchs wohl kann ausrichten. freuet meine Seel, der du weißeſt alles Reid deiner armen ChristenJakob Ebert g. 1549+ 1615. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen; vergebens ists, auf Menschenhülfe bauen; mit dir wir wollen Thaten thun und kämpfen, die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie fann untertreten und das bedrängte kleine Häuflein retten. Wir traun auf dich, wir schrein in Jesu Namen: Hilf, Helfer! Amen. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. 350 Lieder für besondere Zeiten und Verhältniffe. heit, o du Wächter, der du nicht schläfst noch schlummerst, zu uns richt dein hülfreiches Angesicht! 2. Schau, wie große Not und Qual trifft dein Volf jetzt überall; täglich wird der Trübsal 8. Deines Vaters starker Arm, mehr. Hilf, ach hilf, schütz deine komm und unser dich erbarm! Lehr! Wir verderben, wir ver- Laß jetzt sehen deine Macht, gehn, nichts wir sonst vor drauf wir hoffen Tag und Nacht, Augen sehn, wo du nicht bei unsrer Feinde Schar zertrenn, uns wirst stehn. daß dich alle Welt erkenn, aller Herren Herren nenn. 9. Andre traun auf ihre Kraft, auf ihr Glück und Ritterschaft, deine Christen traun auf dich, auf dich traun sie festiglich. Laß sie werden nicht zu schand, bleib ihr Helfer und Beistand, sind sie dir doch all bekannt. 10. Du bist ja der Held und Mann, der den Kriegen steuern kann, der da Spieß und Schwert zerbricht, der die Bogen macht zunicht, der die Wagen gar verbrennt und der Menschen Herzen wendt, daß der Krieg gewinnt ein End. 11. Jesu, wahrer Friedensfürst, der der Schlange hat zerknirscht ihren Kopf durch seinen Tod, wiederbracht den Fried bei Gott, gieb uns Frieden 6. Jesu, der du Jesus heißt, gnädiglich! So wird dein Volk als ein Jesus Hülfe leist! Hilf freuen sich, dafür ewig preisen mit deiner starken Hand, Men- dich. schenhülf hat sich gewandt. Eine Joh. Heermann g. 1585 † 1647. Mauer um uns bau, daß dem Feinde davor grau und mit Mel. Nun lob, mein Seel, den Herren. Zittern sie anschau. 7. 3. Hoherpriester Jesu Christ, der du eingegangen bist in den heilgen Ort zu Gott durch dein Kreuz und bittern Tod, hast versöhnt uns durch dein Blut, ausgelöscht der Hölle Glut, wieder bracht das höchste Gut, 4. Sitzt auch heut ins Vaters Reich, ihm an Macht und Ehre gleich, unser einger Gnadenthron, seine höchste Freud und Kron, den er in dem Herzen trägt, wie sich selbst zu lieben pflegt, dem er keine Bitt abschlägt: 5. Kläglich schreien wir zu dir, klopfen an die Gnadenthür, wir, die du mit höchstem Ruhm dir erfaust zum Eigentum, dein Erbarmen hat kein End, deines Vaters Zorn abwend, der jetzt wie ein Feuer brennt. mit uns in aller Not, neben uns und in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit, Truß dem, der uns thu ein Leid! Gottes Straf ist ihm bereit. Treuer Port Immanuel, 545. Gott ellen das Lob, nun ist du Beschützer meiner Seel, Gott edle Fried- und Freudenwort, erschollen Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 351 daß nunmehr ruhen sollen die dürre, wüste Heid, ihr Gräber Spieß und Schwerter und ihr voller Leichen und blutgen HelMord. Wohlauf und nimm denschweiß, der Helden, deren nun wieder dein Saitenspiel her- gleichen auf Erden man nicht vor, o Deutschland, und sing weiß. Lieder im hohen, vollen Chor! Erhebe dein Gemüte zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte bleibt dennoch ewiglich. 5. Hier trübe deine Sinnen, o Mensch, und laß den Thränenbach aus beiden Augen rinnen, geh in dein Herz und denke nach! Was Gott bisher gesendet, das hast du ausgelacht; nun hat er sich gewendet und väterlich bedacht, vom Grimm und scharfen Dringen zu deinem Heil zu ruhn, ob er dich möchte zwingen mit Lieb und Gutesthun. 2 Wir haben nichts verdienet als schwere Straf und großen Zorn, weil stets noch bei uns grünet der freche, schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr geschlagen mit harter, scharfer Rut, und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße thut? Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, hilft, daß sich bei uns löse der Krieg und sein Geschrei. 6. Ach laß dich doch erwecken! Wach auf, wach auf, du harte Welt, eh als das harte Schrecken dich schnell und plötzlich überfällt. Wer aber Christum liebet, sei unerschrocknes Muts, der Friede, den er giebet, bedeutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, da sollt ihr bei Gott leben in ewgem Fried und Ruh. Paul Gerhardt g. 1607+1676. 3. Sei tausendmal willkommen, du teure, werte Friedensgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen dein Beiunswohnen in sich hab. In dir hat Gott versenket all unser Glück und Heil; wer dich betrübt und fränket, der drückt sich selbst den Pfeil Mel. Nun danket alle Gott. err Gott, dich des Herzleids in das Herze 546. Hoben wir, te reund aus Unverstand die güldne Freudenkerze mit seiner eignen Hand. gier, Herr, unsre Stimmen, laß deines Geistes Glut in unsern Herzen glimmen! Komm, komm, o edle Flamm, ach komm zu uns allhier, so singen wir mit Zust: Herr Gott, dich loben wir. 4. Das drückt uns niemand besser in unsre Seel und Herz hinein als ihr zerstörten Schlösser und Städte voller Schutt und Stein, ihr vormals schönen Felder, mit frischer Saat bestreut, jetzt aber lauter Wälder und men deine Macht mit herzlichem 2. Herr Gott, dich loben wir, wir preisen deine Güte, wir rüh 352 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Gemüte. Es steiget unser Lied 8. Herr Gott, wir danken dir bis an des Himmels Thür und und bitten, du wollst geben, daß tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir. wir auch fünftig stets in stolzer Ruhe leben. Krön uns mit 3. Herr Gott, dich loben wir deinem Gut, erfüll jetzt nach für deine großen Gnaden, daß Begier, o Vater, unsern Wunsch! du das Vaterland von Krieges- Herr Gott, wir danken dir. Johann Frand g. 1618+ 1677. last entladen, daß du uns blicken läßt des güldnen Friedens Zier; drum jauchzet alles Volk: Herr Gott, dich loben wir. Jahreszeiten. 4. Herr Gott, dich loben Mel. Valet will ich dir geben. wir, die wir in vielen Jahren vielen Jahren 547. Wie lieblich iſt der aus der Waffen schweres Joch und frechen Grimm erfahren. Jetzt lauter Gottesgüt, rühmet unser Mund mit herz- Menschen freuen, licher Begier: Gott Lob, wir sind in Ruh! Herr Gott, wir danken dir. daß sich die weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud. 5. Herr Gott, dich loben wir, daß du die Pfeil und Wagen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert zerbrochen und zerschlagen. Der Strick ist nun entzwei, darum so singen wir mit Herzen, Zung und Mund: Herr Gott, wir danken dir. 2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht vermehre, laß sie ersprießlich sein! Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß, drum wollst du widerwenden Meltau, Frost, Reif und Schloß! 6. Herr Gott, dich loben wir, daß du uns zwar gestrafet, jedoch in deinem Zorn nicht ganz hast 3. Herr, laß die Sonne blicken weggeraffet; es hat die Bater- ins finstre Herze mein, damit hand uns deine Gnadenthür sichs möge schicken fröhlich im jetzt wieder aufgethan: Herr Geist zu sein, die größte Lust Gott, wir danken dir. zu haben allein an deinem Wort, das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort. 7. Herr Gott, wir danken dir, daß du Land, Kirch und Häuser, den edlen Fürstenstamm und dessen grüne Reiser bisher er- 4. Mein Arbeit hilf vollbrin halten hast; gieb ferner Gnad gen zu Lob dem Namen dein allhier, daß auch die Nachwelt und laß mir wohl gelingen, im fing: Herr Gott, wir danken dir. Geist fruchtbar zu sein, die Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 353 Blümlein laß aufgehen von Lustgeschrei der Schaf und ihrer Tugend mancherlei, damit ich Hirten. Gal mög bestehen und nicht verwerflich sei. Le Martin Behm g. 1557+1622. 6. Die unverdroßne Bienenschar fleugt hin und her, sucht hie und dar ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starfer Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Eigene Melodie. 548. G eh aus, mein Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben, schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narcissen und die Tulipan die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet Jung und Alt und rühmt die große Güte des, der so überflüssig labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Thun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fleugt aus seiner Kluft*) und macht 9. Ach, denk ich, bist du hier sich in die Wälder; die hochbe- so schön und läßt du uns so gabte Nachtigall ergetzt und füllt lieblich gehn auf dieser armen mit ihrem Schall Berg, Hügel, Erden, was will doch wohl Thal und Felder.*) Jerem. 48, 28. nach dieser Welt dort in dem 4. Die Glucke führt ihr reichen Himmelszelt und güldnen Völklein aus, der Storch baut Schlosse werden? 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich und ihren Rand mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom und bewohnt sein Haus, das 10. Welch hohe Lust, welch Schwälblein speist die Jungen; heller Schein wird wohl in der schnelle Hirsch, das leichte Christi Garten sein? Wie muß Reh ist froh und kommt aus es da wohl klingen, da so viel seiner Höh ins tiefe Gras ge- tausend Seraphim mit eingesprungen. stimmtem Mund und Stimm ihr Halleluja singen? 11. O wär ich da! O stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen! so wollt ich nach der 23 354 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Engel Weis erhöhen deines Na- 2. Mein Gott, gieb mir bei mens Preis mit tausend schönen dieser Freud des Herzens wahre Psalmen. Dankbarkeit, daß ich dir diene 12. Doch gleichwohl will ich, für und für und sing dir fröhweil ich noch hier trage dieses lich dort und hier. Halleluja! Leibes Joch, auch nicht ganz Joh. Olearius g. 1611+1684. stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. und an allem Ort zu deinem 550. Gott Cob, die schöne mis Sommerzeit ist da, die mir mein Herz erfreut, Laub und Gras steht in voller Pracht, weil Gott hat alles wohl 13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir stetig blühe; gieb, daß der Sommer gemacht. Halleluja! 2. Mein Gott, laß mich deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubens- die Erntefreud erinnern meiner frücht erziehe. dahin Herrlichkeit, wenn kommt der 14. Mach in mir deinem Geiste letzte Sommertag, daß man dir Raum, daß ich dir werd ein ewig singen mag. Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 † 1684. guter Baum, und laß mich wohl bekleiben.*) Verleihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Gar- Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. tens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.*) fest 15. Erwähle mich zum Paradeis und laß mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und zu dieser Zeit. Halleluja! deiner Ehr allein und sonsten feinem mehr hier und dort ewig dienen. Paul Gerhardt 1607+1676. 551. Gottob, die Herbit zeit zeiget sich, Gott segnet das Land mildiglich; was Nahrung bringt, was uns erfreut, das schenkt uns Gott Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. 549.Gott Lob, nun kommt 2. Mein Gott, laß deine Güt und Gnad mich dankbar finden früh und spat, gieb mir, was hier mein Herz erfreut, gieb mir dort deine Seligkeit! Halleluja! Joh. Olearius g. 1611 † 1684. die Frühlingszeit, Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. da sich die ganze Welt erneut, es grünt, es blüht, es singt und Winterzeit bringt springt, daß Gottes Lob und uns die werte Weihnachtsfreud, Ruhm erklingt. Halleluja! das Jahr geht aus, die Freud 552. Gott Lob, die falte Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 355 ist da, das Licht, das neue Jahr und Feind, es wird die ganze ist da. Halleluja! sor Welt erleucht, mit Tau und Regen auch befeucht. 2. Mein Gott, gieb mir das wahre Licht! Wenn mir gleich 2. Du machst die Berg und Licht und Freud gebricht, sei du Auen naß und läßt drauf wachmein Trost, mein Licht und sen Laub und Gras, damit die Freud, daß ich dir sing in Tiere mannigfalt im Feld sich Ewigkeit. Halleluja! Joh. Olearius g. 1611+ 1684, nähren und im Wald. itd) 3. Uns Menschen giebst du Brot und Wein, daß unser Herz kann fröhlich sein; du machst, daß es die Erde bring, und unsre Arbeit uns geling. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. reuet euch der schö553. nen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud. O was hat für Herrlichkeiten unser Gott da ausgestreut! 2. Und doch ist sie seiner Füße reichgeschmückter Schemel nur, ist nur eine schön begabte wunderreiche Kreatur. 4. Wir bitten deine Gnad und Güt: Dein eigne Wohlthat uns behüt, die Frücht der Erden uns bewahr und gieb uns ein gesegnet Jahr! 5. Ein fruchtbar Wetter uns bescher, Frost, Hagel, Mißwachs von uns fehr! Wind, Regen, Tau und Sonnenschein muß deinem Wort gehorsam sein. 6. Wiewohl sich Sünde bei uns findt, denk, daß wir deine Kinder sind, und thu auf deine milde Hand, dein Fußstapf segne unser Land! 157 Um Sonnenschein. 5. Wenn am Schemel seiner Füße und am Thron schon 7. Den Himmel mach von solcher Schein, o was muß an Wolken rein, auf daß die Sonn seinem Herzen erst für Glanz beständig schein und bald erund Wonne sein! G K. 3. Phil. Spitta g. 1801+ 1859. wärme und aufricht, was sonst verdirbt und wird zu nicht. 3. Freuet euch an Mond und Sonne und den Sternen allzu mal, wie sie wandeln, wie sie leuchten über unserm Erdenthal. 4. Und doch sind sie nur Geschöpfe von des höchsten Gottes Hand, Hand, hingesät auf seines Thrones weites, glänzendes Gewand. Zur Hagelfeier. and Um Regen. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. 8. O Gott, erhöre unsre Bitt Bater, deine und teil uns milden Regen mit, Sonne scheint daß wir genießen deine Gab, und 554. auf Bös und Fromme, Freund auch das Vieh sein Futter hab. 23* 356 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 9. Wenn deine Gnad das Jahr 6. Du unser lieber Vater bist, denn frönt, sind wir mit deinem weil Christus unser Bruder ist; Gut belehnt; thu aber dieses drum trauen wir allein auf dich noch dazu und gieb Gesundheit, und wolln dich preisen ewiglich. Fried und Ruh! Niklas Herman † 1561. 10. Bei dir steht alles, Herr, allein, wir wolln dir treu und Mel. Herr Jesu, Gnadensonne. dankbar ſein und deines großen 556. Das bedeuten Land wollst du mit mehr und mehr.is de todeinem Segen reich und sein Nach Niklas Herman+ 1561. Gepflügtes tränken, mit Regen machen weich; laß sein Gewächs es geben zur Notdurft diesem Leben! Wir wolln dir dankMel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. escher uns, Herr, 555. Bebas täglich Brot, bar ſein. vor Teurung und vor Hungersnot behüt uns durch dein lieben Sohn, Gott Vater in dem höchsten Thron! 2. Herr, thu auf dein milde Hand, mach uns dein Gnad und Güt bekannt, ernähr uns, deine Kinderlein, der du speist alle Vögelein. 3. Erhörst du doch der Raben 3. Erhörst du doch der Raben Stimm, drum unsre Bitt, Herr, auch vernimm, denn aller Ding du Schöpfer bist und allem Vieh sein Futter giebst. Sil 4. Gedenk nicht unsrer Missethat und Sünd, die dich erzürnet hat; laß scheinen dein Barmherzigkeit, daß wir dich lobn in Ewigkeit. 5. O Herr, gieb uns ein fruchtbars Jahr, den lieben Kornbau uns bewahr, vor Teurung, Hunger, Seuch und Streit behüt uns, Herr, zu dieser Zeit! Vincentius Schmuck g. 1565 † 1628. Beim Gewitter. Mel. Auf meinen lieben Gott. 557. in Wetter steiget auf. Mein zu Gott hinauf! Fall ihm geschwind zu Fuße durch wahre Reu und Buße, damit gleich deine Sünden durch Christi Tod verschwinden. 2. Herr, der du gut und fromm, zu dir ich gläubig komm, bitt mir aus dein Erbarmen, hab Christum auf den Armen; um dessentwillen schone, mir nicht nach Sünden lohne! 3. Durch Christi teures Blut mach mir ein Herz und Mut, das sich nicht fnechtisch scheue, das vielmehr deiner Treue in allem findlich traue und auf dein Helfen baue. 4. Ich will mit dem, was mein, dir ganz ergeben sein; dein 357 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Flügel wird uns decken, verjagen großer Not; drum wir ihn herzalles Schrecken und lassen uns lich loben, sein Ruhm sei hoch aus Gnaden das Wetter gar erhoben, so weit der Erdkreis nicht schaden. geht. 5. Wohlan, verlaß uns nicht, bleib unsre Zuversicht und laß dein Vaterlieben auch jetzt an uns sich üben! So wolln wir, weil wir leben, dir Preis und Ehre geben. 5. Laßt uns uns fertig machen, daß, wenn der jüngste Tag mit Donnern und mit Krachen vielleicht bald kommen mag, wir alle so bestehen, daß wir mit Gott eingehen zur ewgen Seligfeit. 1719. Ämilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt g. 1637+ 1706. Nach dem Gewitter. Mel. Herr Jesu, Gnadensonne.. Bei anhaltender Dürre. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Anderde Mel. 1. 558. geprieſen, daß du Herr err Gott, nun sei 559. Ach Herre, du gezu dieser Zeit uns Schutz und wir habens wohl verdienet mit Schirm erwiesen in der Gefähr- unsrer Sünd und Missethat, daß lichkeit des Donners, der uns unser Feld nicht grünet, daß schreckte, des Blitzes, der sich Bich und Menschen traurig sein. streckte auf unser Hof und Wenn du zuschließt den Himmel Haus. dein, dann müssen wir verschmachten. und 2. Wir haben klar geſehen, 2. Herr, unsre Sünd erkennen Herr, deine große Macht, vor wir, die wollst du uns verzeihen; dir kann nichts bestehen; denn all unsre Hoffnung steht zu dir, wenn dein Donner fracht, und Trost, Hülf thu uns verleihen; sich dein Blitz entzündet, ach gieb Regen und den Segen dein Gott, ach so befindet sich alles um deines Namens willn allein, in Gefahr. Herr, unser Gott und Tröster! dng 3. Das Wetter ist vergangen, 3. Gedenke, Herr, an deinen vorbei ist die Gefahr, wir haben Bund! Um deines Namens Schuß empfangen durch Gott, willen bitten wir dich von der bei uns war; Haus, Hof, Herzensgrund, thu unsre Not Gut, Leib und Leben, und was doch stillen vom Himmel mit er sonst gegeben, blieb uns ganz dem Regen dein! Dein ist der unversehrt. Himmel ja allein, ohn dich kann es nicht regnen. 4. So voller Güt und Gnaden ist der getreue Gott, der uns 4. Es steht in feines andern bewahrt vor Schaden in so sehr Hand, daß er sollt Regen geben; 358 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. den Himmel hast du ausgespannt, 5. Gieb uns von deinem Himdarinnen du willst schweben. All- melssaal dein flares Licht und mächtig ist der Name dein, Sonne und laß uns wieder solchs kannst du alles thun überall empfinden Freud und allein, Herr, unser Gott und Wonne, daß alle Welt erkenne Tröster. Um 1592. frei, daß außer dir kein Segen sei im Himmel und auf Erden. Mich. Schirmer g. 1606+ 1673. Bei anhaltender Nässe. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. Mel. 1. Am Erntedankfest. Eigene Melodie. un alle 560. Gott, der du das Firmament mit 561. N Gottes Barm Wolken thust bedecken, der du herzigkeit, lob ihn mit Schalle, imgleichen kannst behend das werteste Christenheit! Er läßt Sonnenlicht erwecken, halt doch dich freundlich zu sich laden, mit vielem Regen ein und gieb freue dich, Israel, seiner Gnaden! uns wieder Sonnenschein, daß unser Land sich freue. 2. Die Felder trauern weit und breit, die Früchte leiden Schaden, weil sie von vieler Feuchtigkeit und Nässe sind beladen; dein Segen, Herr, den du gezeigt uns Armen, sich zur Erde neigt und will fast ganz verschwinden. 3. Das machet unsre Missethat und ganz verkehrtes Leben, so deinen Zorn entzündet hat, daß wir in Nöten schweben; Herr, wir bekennen unsre Schuld: weil wir die Buße nicht gewollt, so muß der Himmel weinen. 4. Doch denke wieder an die Tren, die du uns hast bersprochen, und wohne uns in Gnade bei, die wir dich find lich suchen. Wie hält so hart sich dieser Zeit dein Herz und sanfte Freundlichkeit; du bist ja unser Vater. po 100 and duod 2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt. Viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfen ihm Ehre geben. 3. Wohl auf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein, zur grünen Weide stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort verfünden, machet uns ledig von allen Sünden. 4. Er giebet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet früh und späten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen. 5. Drum preis und ehre seine Barmherzigkeit, sein Lob vermehre, werteste Christenheit! Uns soll hinfort fein Unfall schaden, freue dich, Israel, seiner Gnaden! Matthäus Apelles v. Löwenstern dog. 1594+ 1648.d Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 359 Mel. O daß ich tausend Bungen hätte. 6. Wir wollens auch keinmal 562. Gott, von dem vergeſſen, was uns dein Segen O wir alles haben, die Welt ist ein sehr großes Haus, du aber teilest deine Gaben recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich, ach lieber Gott, wer ist dir gleich? träget ein; ein jeder Bissen, den wir essen, soll deines Namens Denkmal sein, und Herz und Mund soll lebenslang für unsre Nahrung sagen Dank. Kaspar Neumann g. 1648 † 1715. Nach der Ernte. 2. Wer kann die Menschen alle zählen, die heut bei dir zu Tische gehn? Doch muß die Notdurft keinem fehlen, 563. Dende, der Segen Mel. Von Gott will ich nicht lassen, oder Aus meines Herzens Grunde. te Ernt ist nun zu denn du weißt allen vorzustehn und schaffest, daß Land sein Brot bekommt aus deiner Hand. ein jedes eingebracht, woraus Gott alle Stände satt, reich und fröhlich macht. Der alte Gott lebt noch, man fann es deutlich merken an so viel Liebeswerken, drum 56 3. Du machst, daß man auf Hoffnung fäet und endlich auch die Frucht genießt; der Wind, preisen wir ihn hoch. der durch die Felder wehet, die 2. Wir rühmen seine Güte, Wolke, so das Land begießt, die uns das Feld bestellt und des Himmels Tan, der Sonne Strahl sind deine Diener allzumal. oft uns ohne Bitte gethan, was uns gefällt; die immer noch geBojuli dan Hojdi do schont, ob wir gleich gottlos leben, die Fried und Ruh gegeben, daß jeder sicher wohnt. 4. Und also wächst des Menschen Speise, der Acker selbst wird ihm zu Brot, es mehret sich vielfältger Weise, was anfangs schien als wär es tot, bis zu der Ernte Jung und Alt erlanget seinen Unterhalt. ds 3. Zwar manchen schönen Segen hat böses Thun verderbt, den wir auf guten Wegen sonst hätten noch ererbt; doch hat Gott mehr gethan aus unverdienter Güte, als Mund, Herz und Gemüte nach Würden rühmen kann. 5. Nun, Herr, was soll man erst bedenken? Der Wunder ist hier gar zu viel. So viel als du kann niemand schenken, und 4. Er hat sein Herz geneiget, dein Erbarmen hat fein Ziel, uns Sünder zu erfreun, genugdenn immer wird uns mehr sam sich bezeuget durch Tau und beschert, als wir zusammen alle Sonnenschein. Wards aber nicht geacht, so hat er sich verborgen wert. 360 und durch verborgne Sorgen zum Beten uns gebracht. 5. allerliebster Bater, du 564. Hegesegnet von dem Bei reichlicher Ernte. Mel. Ach erkennet, liebste Seelen. err, die Erde ist D hast viel Dank verdient, du mildester Berater machst, daß Wohlthun deiner Hand, Güt uns Segen grünt. Wohlan, und Milde hat geregnet, dein dich loben wir für abgewandten Geschenk bedeckt das Land. Auf Schaden, für viel und große den Hügeln, in den Gründen Gnaden; Herr Gott, wir dan- ist dein Segen ausgestreut; unser ten dir. Warten ist gekrönet, unser Herz hast du erfreut. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 6. Zum Danken kommt das Bitten: Du wollest, frommer 2. Aller Augen sind erhoben, Gott, vor Feuer uns behüten Herr, auf dich zu jeder Stund, und aller andern Not, gieb daß du Speise giebst von oben friedensvolle Zeit, erhalte deine und versorgest jeden Mund. Gaben, daß wir uns damit Und du öffnest deine Hände, laben, regier die Obrigkeit! 7. Besonders laß gedeihen dein reines, wahres Wort, daß wir uns dessen freuen, und auch an unserm Ort dies gute Samförnlein verlangte Früchte bringe, und wir in allem Dinge recht fromme Leute sein. dein Vermögen wird nicht matt, deine Hülfe, Gnad und Spende machet alle froh und satt. 3. Gnädig hast du ausgegossen deines Überflusses Horn, ließest Gras und Kräuter sprossen, ließest wachsen Frucht und Korn. Mächtig hast du abgewehret 8. Gieb, daß zu dir uns Schaden, Unfall und Gefahr, lenket, was du zum Unter- und das Gut steht unversehret, halt des Leibes hast geschenket, und gesegnet ist das Jahr. daß wir dich mannigfalt in deinen Gaben sehn, mit Herzen, Mund und Leben dir Dank und Ehre geben. O laß es doch geschehn! 4. Herr, wir haben solche Güte nicht verdient, die du gethan. Unser Wissen und Gemüte klagt uns vieler Sünden an. Herr, no verleih, daß deine Gnade jetzt an unsre Seelen rührt, daß der Reichtum deiner Milde unser 9. Kommt unser Lebensende, ſo nimm du unsern Geist in deine Vaterhände, wo er der Herz zur Buße führt. Ruh geneußt, wo ihm kein Leid 5. Hilf, daß wir dies Gut der bewußt; so ernten wir mit Freu- Erden treu verwalten immerfort; den, nach ausgestandnem Leiden alles soll geheiligt werden durch die Garben voller Lust. Gebet und Gottes Wort. Alles, was wir Gutes wirken, iſt gesät Gottfried Tollmann um 1725. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 361 in deinen Schoß, und du wirst auf seiner Bahn und wollen ihn die Ernte senden unaussprechlich erhöhen. Sein Wort verschafft reich und groß. uns Lebenskraft, es nennt uns Gottes Erben, wie können wir verderben? Chr. Rud. Heinr. Puchta g. 1808+ 1858. Bei sparsamer Ernte. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 6. Was Gott thut, das ist wohl gethan, so wollen wir stets 565. Was Gott thut, ſchließen. Ist gleich bei uns kein ist wohl wo und Honig gethan, so denken Gottes Kinder. fließen, doch ists genung zur Wenn man nicht reichlich ernten Sättigung, wenn Gott das kann, liebt er uns doch nicht Wenge segnet und uns mit Huld minder. Er zieht das Herz doch begegnet. himmelwärts, ob wir gleich oft auf Erden bei Mangel traurig Nach Benj. Schmolck g. 1672 1737. werden. Auf Reisen. 2. Was Gott thut, das ist wohl gethan. Im Nehmen im Geben sind wir bei ihm ſtets 566. fahren wir, sein Eigene Melodie, oder und Dies sind die heilgen zehn Gebot. Namen heilger Engel geh uns für wie dem Volk in Ägypten- Land, das entging Pharaonis Hand. Kyrieleis! wohl daran und können ruhig leben. Er nimmt und giebt, weil er uns liebt, und seine Hände müssen wir stets in Demut füssen. 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan. Er zeigt uns oft den 2. Herr, du wollst unser Segen, und ehe man ihn ernten G'leitsmann sein und mit uns kann, muß sich die Hoffnung gehen aus und ein und zeigen legen; weil er allein der Schatz alle Steig und Steg, wehre will sein, so nimmt er andre dem Unfall auf dem Weg! Güter und bessert die Gemüter. Kyrieleis! 4. Was Gott thut, das ist wohl 3. So wird kein Berg noch gethan. Es geh nach seinem tiefes Thal, kein Waßr uns Willen. Läßt sich es auch zum irren überall; fröhlich kommn Hunger an, weiß er ihn doch zu stillen, obgleich das Feld nicht viel enthält. Man kann bei wenig Brocken satt werden und frohlocken. wir an unsern Ort, wenn du uns gnädig hilfest fort. Kyrieleis! 4. Herr Christ, du bist der rechte Weg zum Himmel und der einge Steg; hilf uns Pilgrim 5. Was Gott thut, das ist ins Vaterland, weil du dein Blut wohl gethan. Das Feld mag hast dran gewandt. Kyrieleis! traurig stehen, wir gehn getrost Niklas Herman † 1561. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Eigene Melodie. 2. Der Sturmwind braust 567. Bist du gleich ferne und sauſt gar sehr, das Meer von Bekannten, bewegt und schlägt noch mehr, das Wasser steiget in die Höh und dräuct uns bei voller See. 3. Die Deiche sind gar nicht imstand, zu schüßen unser feſtes Land, wo nicht, o Gott, dein Allmachtshand befestigt unser Land und Stand. 4. Drum steur und wehr, 0 Vater, ab, daß nicht das Meer werd unser Grab; verhüte, daß durch deinen Grimm wir nicht im Wasser kommen um! jun 5. Dein Schutz sei unser Damm und Deich, so sind beschützet Arm und Reich; dein Schuß halt aller Orten Wach, sonst ist verloren unsre Sach. 362 was schadets, da dir früh und spät ein Heer von glänzenden Trabanten umher um deinen Wagen steht? 2. Was schadets, wenn die Freunde scheiden, und kein Gefährte mit dir geht, da dich die Engel selbst begleiten, und Jesus dir zur Seite steht? 3. finstre Nacht darf dich nicht schrecken, die über Land und Meere fällt; will gleich die Sonne sich verstecken, dein Jesus ist das Licht der Welt. 4 Er, der die Sonne selbst formieret, bedarf des fremden Lichtes nicht; wenn dessen weise Hand dich führet, ist dir die Nacht auch selbst ein Licht. 6. Sieh, Herr, nicht unsre Sünden an, und was der Mensch versehen kann, durch Jesum laß uns gnädig nach die Sünd und alles Ungemach! 5. Ich weile hier im fremden Lande, allein in Gottes Eigentum; find ich gleich lauter Unbekannte, so kennt mich doch mein höchster Ruhm. u sp 6. Mein Hort, in dem mein Herz versenket, zeigt mir sein holdes Angesicht und spricht: Mein Kind, sei ungekränket, dein treuer Vater läßt dich nicht. Siehe auch Nr. 393, 2. 10 bis 15. h Eigene Melodie. sein, so rufen wir zu dir allein, o treuer Gott, und bitten dich: Hilf uns doch jetzo gnädiglich! 7. Des Wassers schreckliche Gewalt in Gnaden hemm und rett uns bald! So soll dich preisen Kindeskind, wir auch, wenn wir erlöset sind. Christian von Stöden g. 1633+ 1684. Bei Sturm und Wassersnot. 569. Wie mit grimmgem Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. Wellen sich bewegen! Nirgends 568. enn wir in Rettung, nirgends Land vor des Wassersnöten Sturmwinds Schlägen! Einer ist, der in der Nacht, Einer ist, der uns bewacht: Christ Kyrie*), komm zu uns auf die See!*) Herr. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 363 2. Wie vor unserm Angesicht mir dann liebentbrannt, Herr, Mond und Sterne schwinden! Herr, deine Glaubenshand! Wenn des Schiffleins Steuer Christ Kyrie, fomm zu uns bricht, wo nun Rettung finden? auf die See! Wo sonst als nur bei dem Herrn? Seht ihr nicht den Abendstern? Christ Kyrie, fomm zu uns auf die See! 3. Einst, in meiner letzten Herz und Mund, loben dich zu Not, laß mich nicht versinken! jeder Stund. Christ Kyrie, ja Sollt ich von dem bittern Strom dir gehorcht die See! Well auf Welle trinken, reiche Joh. Daniel Falf g. 1768+ 1826. raz mini c foto and sjid and spapirs dont 30hs das m 4. Nach dem Sturme fahren wir sicher durch die Wellen, lassen, großer Schöpfer, dir unser Lob erschallen, loben dich mit monitobi ol the nisur dy, S 76 hid this ante bou no A runt dusturt bog drija 3 15 hid and bin da Jus var AUST GER 18TTOISA thid oldum Kisit ann acht stal blot ann am ble mist eid ched for#G 01 388 E. Lieder von den letzten Dingen. XXVI. Sterbe- und Begräbnislieder. 10dap 0 HOTIC Eigene Melodie. 11. Da es denn anders nicht 570.3 ch wollt, daß ich kann sein, so fleuch der Welt daheime wär und aller Welt Trost hätt nicht mehr. viel falschen Schein!" 2. Jch mein, daheim im Himmelreich, da ich Gott schaue ewiglich. 12. Bereu dein Sünd und beßre dich, als wolltst du heut gen Himmelreich. 3. Wohlauf, mein Seel, und richt dich dar, dort wartet dein der Engel Schar. 4. Denn alle Welt ist dir zu klein, du kommest denn erst wieder heim. Eigene Melodie. 5. Daheim ist Leben ohne Tod, 571. Mitten wir im ge sind mit und ganze Freud ohn alle Not. dem Tod umfangen. Wen suchn 6. Da ist Gesundheit ohne wir, der Hülfe thu, daß wir Weh und währet heut und je Gnad erlangen? Das bist du, und je. Herr, alleine. Uns reuet unsre Missethat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht versinken in des bittern Todes Not! Kyrieleison!( Erbarm dich unser.) 9. Was das nicht ist, das schätz gar klein und sehn dich allzeit wieder heim. 2. Mitten in dem Tod ansicht uns der Hölle Rachen. Wer will 10. Du hast doch hie kein Blei- uns aus solcher Not frei und ben nicht, obs morgen oder heut ledig machen? Das thust du, geschicht. Herr, alleine. Es jammert dein 7. Da sind doch tausend Jahr wie heut, und nichts, das dich verdrießt und reut. Tanfold 8. Wohlauf, mein Herz und all mein Mut, und such das Gut ob allem Gut! 13. Ade, Welt, Gott gesegne dich! Ich fahr dahin gen Himmelreich. Nach Heinrich v. Laufenberg um 1430. Sterbe- und Begräbnislieder. 365 Barmherzigkeit unsre Sünd und seinem Reich die ganze Welt großes Leid. Heiliger Herre Gott, heißen laden durch dein teuer heiliger, starker Gott, heiliger, heilsam Wort, an allem Ort barmherziger Heiland, du ewiger erschollen. Gott, laß uns nicht verzagen vor der tiefen Hölle Glut! Kyrieleison!( Erbarm dich unser.) 4. Er ist das Heil und selge Licht für die Heiden, zu erleuchten, die dich kennen nicht, 3. Mitten in der Hölle Angst und zu weiden. Er ist deins unsre Sünd uns treiben. Wo Volks Israel Preis, Ehre, Freud solln wir denn fliehen hin, da und Wonne. Martin Luther g. 1483 † 1546. wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein teures Blut, das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, ne Grid Eigene Melodie. Gemeinde. heiliger, barmherziger Heiland, 573. Nun laßt uns den Leib begraben du ewiger Gott, laß uns nicht und daran kein Zweifel haben, entfallen von des rechten Glau- er werd am jüngsten Tag aufstehn bens Trost! Kyrieleison!( Er- und unverweslich hervorgehn. barm dich unser.) 2. Erd ist er und von der Erden, wird auch zu Erd wieder werden und von der Erd wieder aufstehn, wenn Gotts Posaune wird angehn.d in 572. und Mit it Fried und 3. Sein Scele lebt ewig in Gott, der sie allhie aus lauter Gnad von aller Sünd Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. Freud ich fahr dahin in Gottes Wille, getrost ist mir mein Herz und Sinn, 4. Sein Jammer, Trübsal und sanft und stille. Wie Gott mir verheißen hat: der Tod ist mein Schlaf worden. Elend ist kommen zu ein'm selgen End. Er hat getragen Christi Joch, ist gestorben und lebet doch. 2. Das macht Christus, wahr Gottes Sohn, der treue Hei- 5. Die Seele lebt ohn alle land, den du mich, Herr, hast Klag, der Leib schläft bis an ſehen lan und g'macht bekannt, jüngsten Tag, an welchem ihn daß er mir das Leben sei und Heil Gott verklären und ewge Freude in Not und Sterben. wird gewähren. Martin Luther g. 1483+ 1546. Nach dem Lateinischen Notters des ältern Media vita in morte sumus. Ev. Luc. 2, 29-32. od Eigene Melodie. 3. Den hast du allen vorgestellt mit großen Gnaden, zu 6. Hie ist er in Angst gewesen, dort aber wird er genesen, in Sterbe- und Begräbnislieder. 366 Gemeinde und Chor. ewiger Freud und Wonne leuchten wie die helle Sonne. i 8. Das helf uns Christus, 7. Nun lassen wir ihn hie unser Trost, der uns hat durch schlafen und gehn all heim unsre fein Blut erlöst vons Teufels Straßen, schicken uns auch mit G'walt und ewger Bein. Ihm allem Fleiß, denn der Tod kommt sei Lob, Preis und Ehr allein! uns gleicher Weis. hul Georg Neumark. V. 8. Martin Luther. Gmisd fi Böhmische Brüder. Alloc Eigene Melodie. Chor. 1. So traget mich nun immer 574.0 Welt, ich muß dich hin, da bis Gott, mein treuer Seelenhirt, mich wieder auferwecken wird. lassen, ich fahr dahin mein Straßen ins ewge Vaterland. Mein Geist will ich aufgeben, dazu mein Leib und Leben setzen in Gottes gnädge Hand. 2. Ja freilich durch den Tod ich werd zu Asche wieder und zu Erd, doch wird das schwache Fleisch und Bein von meinem Gott verwahret sein. 3. Mein Leib bleibt hie der Würmer Spott, die Seele lebt bei ihrem Gott, der sie durch sein so bittres Leid erlöset hat 3. Ob mich gleich hat betrogen zur Seligkeit. 2. Mein Zeit ist nun vollendet, der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Gewinn; kein Bleiben ist auf Erden, das Ewge muß mir werden, mit Fried und Freud fahr ich dahin. nou die Welt, von Gott gezogen 4. Was mich für Trübsal hat durch Schand und Büberei, will verletzt, wird nun in höchste ich doch nicht verzagen, sondern Lust versetzt; die Welt ist nur mit Glauben sagen, daß mir ein Jammerthal, dort ist ein rechter Freudensaal. mein Sünd vergeben sei. 5. Wenn alle Welt zu Trümmern bricht, und Gott wird halten sein Gericht, so wird mein Leib verkläret stehn und in das Himmelreich eingehn. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Antlitz will ich schauen wahrlich durch Jesum Christ, der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben, mein Mittler er auch worden ist. 6. Wie manche Widerwärtigkeit hatt ich bei meiner Lebenszeit! Nun aber ist mir nichts bewußt als aller Auserwählten Zust. 7. So laßt mich denn in sanfter Ruh und geht nach eurer Wohnung zu, ein jeder denke Tag für Tag, wie er auch selig werden mag. 5. Die Sünd kann mir nicht schaden, erlöst bin ich aus Gnaden umsonst durch Christi Blut. Kein Werk kommt mir zu Frommen, so ich will zu ihm kommen; allein der christlich Glaube gut. 6. Ich bin ein unnük Knechte, mein Thun ist viel zu schlechte, Sterbe- und Begräbnislieder. 367 denn daß ich ihm bezahl damit 2. Mein Sünd mich werden das ewge Leben; umsonst will fränken sehr, mein G'wissen er mirs geben und nicht nach wird mich nagen, denn ihr sind mein'm Verdienst und Wahl. viel wie Sand am Meer; doch will ich nicht verzagen, gedenken will ich an dein Tod, Herr Jesu, und dein Wunden rot, die werden mich erhalten. 7. Drauf will ich fröhlich sterben, das Himmelreich ererben, wie er mirs hat bereit; hie kann ich nicht mehr bleiben, der Tod thut mich vertreiben, mein Seele sich vom Leibe scheidt. im du8. Damit fahr ich von hinnen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, des tröst ich mich von Herzen; von dir ich ungeschieden Welt, thu dich besinnen, denn bleib in Todesnot und Schmerdu mußt auch hernach; thu dich zen; wenn ich gleich sterb, so zu Gott bekehren und von ihm sterb ich dir, ein ewigs Leben Gnad begehren, im Glauben sei hast du mir mit deinem Tod du auch nicht schwach! erworben. 9. Die Zeit ist schon vorhan- 4. Weil du vom Tod erstanden den, hör auf von Sünd und bist, werd ich im Grab nicht Schanden und richt dich auf die bleiben; mein höchster Trost dein Bahn mit Beten und mit Wa- Auffahrt ist, Tods Furcht kann chen, sonst all irdischen Sachen sie vertreiben; denn wo du bist, sollst du gutwillig geben dran. da komm ich hin, daß ich stets 10. Das schenk ich dir am bei dir leb und bin, drum fahr Ende: Ade, zu Gott dich wende! ich hin mit Freuden. Zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Bein und Schmerzen, nimm mein Abschied zu Herzen! Meins Bleibens ist jetzt hie nicht mehr. 5. Ich fahr dahin zu Jesu Christ, mein Arm thu ich ausstrecken; so schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken denn Jesus Christus, Gottes Sohn; der wird die Himmelsthür aufthun, mich führn zum ewgen Leben. zum ewgen Leben.fop V. 1-4 Niklas Herman † 1561. desig V.5 1574. Johann Hesse g. 1490+ 1547. Eigene Melodie.pl 575.W enn mein Stündlein vorhanden ist, und soll hinfahrn mein Straße, so g'leit du mich, Herr Mel. Bater unser im Himmelreich. Jeſu Chriſt, mit Hülf mich nicht 576. Her er en Seel an wahr Mensch letzten End befehl ich dir in und Gott, der du littst Marter, deine Händ, du wollst sie mir Angst und Spott, für mich am bewahren! Kreuz auch endlich starbst und 368 Sterbe- und Begräbnislieder. mir deins Vaters Huld erwarbst, 7. Sondern ich will mit starker ich bitt durchs bittre Leiden dein, du wollst mir Sünder gnädig sein. Hand ihn reißen aus des Todes Band und zu mir nehmen in 2. Wenn ich nun komm in mein Reich; da soll er denn Sterbensnot und ringen werde mit mir zugleich in Freude mit dem Tod, wenn mir ver- leben ewiglich. Dazu hilf uns geht all mein Gesicht und meine ja gnädiglich! 100 Ohren hören nicht, wenn meine Zunge nicht mehr spricht und mir vor Angst mein Herz zerbricht, 8. Ach Herr, vergieb all unsre Schuld! Hilf, daß wir warten mit Geduld, bis unser Stündlein kommt herbei, auch unser Glaub stets wacker sei, dein'm Wort zu trauen festiglich, bis wir entschlafen seliglich. du Paul Eber g. 1511+ 1569. 3. Wenn mein Verstand sich nicht besinnt und mir all menschlich Hülf zerrinnt: so komm, o Herr Christ, mir behend zu Hülf an meinem letzten End und führ mich aus dem vertürz mir auch des Todes Qual! 577.chlaf ich ein, die Mel. Vater unser im Himmelreich. Christi 4. Die bösen Geister von mir treib, mit deinem Geist stets bei mir bleib, bis sich die Seel vom Leib abwendt. So nimm sie, Herr, in deine Händ! Der Leib hab in der Erd sein Ruh, bis sich der jüngst Tag naht herzu. machen mich von Sünden rein, Christi Blut und Gerechtigkeit das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. ad 5. Ein fröhlich Auferstehn verleih, am jüngsten G'richt mein Fürsprech sei und meiner Sünd nicht mehr gedenk, aus Gnade mir das Leben schenk! Wie du hast zugesaget mir in deinem Wort, das trau ich dir: 2. Mit Fried und Freud fahr ich dahin, ein Gottestind ich allzeit bin. Dank hab, mein Tod, du führest mich, ins ewge Leben wandre ich mit Christi Blut gereinigt fein. Herr Jesu, stärk den Glauben mein! Paul Eber(?) g. 1511 † 1569. 6. Fürwahr, fürwahr, euch fage ich: Wer mein Wort hält Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. und glaubt an mich, der wird 578. Hört auf mit Tran nicht fommen und Klagen, ewig den Tod schmecken nicht; ob dem Tod soll niemand und ob er gleich hie zeitlich zagen; er ist gestorben als ein stirbt, mit nichten er drum ganz Christ, sein Tod ein Gang zum verdirbt; Leben ist. Sterbe- und Begräbnislieder. 369 2. Der Sarg und Grab drum| Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. wird geziert, der Leib ehrlich be- 579. doch gar nichts graben wird, damit wir glaubn, er ist nicht tot, er schläft und ruhet sanft in Gott. bin, Gotts Sohn allein ist mein Gewinn; daß er Mensch worden, ist mein Trost, er hat mich durch sein Blut erlöst. 3. Wohl scheints, es sei nun alls dahin, weil er da liegt ohn Mut und Sinn; doch soll ihm bald kehren wieder Lebn und Kraft in alle Glieder. 4. Bald werden diese Toten bein erwarmen und sich fügen fein zusammen mit Kraft und Leben, Gott wirds herrlich wie der geben. 5. Ein Weizenkörnlein in der Erd liegt erst ganz tot, dürr und unwert, doch kommts hervor gar schön und zart und bringt viel Frucht nach seiner Art. 2. O Gott Vater, regier du mich mit deinem Geiste stetiglich, laß deinen Sohn, mein Trost und Lebn, allzeit in meinem Herzen schwebn! 3. Und wenn die Stund vorhanden ist, nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ, denn ich bin dein, und du bist mein, wie gern wollt ich bald bei dir sein! 4. Herr Jesu Christe, hilf du mir, daß ich ein Zweiglein bleib an dir und nachmals mit dir aufersteh, zu deiner Herrlichkeit eingeh. V. 1-3 3. Heune g. 1514+ 1581, Nach dem Lateinischen des Ph. MelanchV. 4 M. Moller g. 1547 † 1606. thonNi sum, nulla miser novi solatia. 6. Der Leib gemacht vom Erdenkloß soll liegen in der Erde Schoß und soll da ruhen ohne Leid, bis daß er wieder aufersteht. 7. Der Seele Haus sollt er hier sein, die blies Gott mit sein'm Atem drein, ein edles Herz, recht Mut und Sinn war Eigene Melodie. durch die Gabe Chrifti brin.580.h hab mein Sach Gott 8. Den Körper nun die Erd er machs mit mir, wies ihm gebedeckt, bis ihn Gott wieder auf- fällt; ich will, soll ich hier länger erweckt, der seins Geschöpfs ge- lebn, nicht widerstrebn, sein'm denken wird, welchs war nach Willn thu ich mich ganz ergebn. seinem Bild formiert. 2. Mein Zeit und Stund ist, 9. Ach daß nun täm der selge wann Gott will; ich schreib ihm Tag, da Christus nach seiner nicht vor Maß noch Ziel. Es Busag hervor wird bringen ganz sind gezählt all Härlein mein, und gar, was in der Erd ver- beid groß und klein, fällt feines scharret war. dal 1561. ohn den Willen sein. Nach dem Latein. des Aurelius Pru3. Es ist allhie ein Jammerbentius Jam moesta quiesce querela. thal, Angst, Not und Trübfal 24 370 Sterbe- und Begräbnislieder. überall; des Bleibens ist ein will, so will ich mit hinfahrn in kleine Zeit, Mühseligkeit, und, Fried; sterbn ist mein G'winn wers bedenkt, ein steter Streit. und schadt mir nicht. 4. Was ist der Mensch? Ein 11. Und ob mich schon mein Erdenkloß, von Mutterleib her Sünd ansicht, dennoch will ich nackt und bloß, er bringt nichts verzagen nicht, ich weiß, daß mit auf diese Welt, kein Gut mein getreuer Gott für mich in noch Geld, nimmt nichts mit Tod sein liebsten Sohn ge= sich, wenn er hinfällt. geben hat. 5. Es hilft fein Reichtum, Geld noch Gut, kein Kunst noch Gunst noch stolzer Mut; fürn Tod kein Kraut gewachsen ist, mein frommer Christ, alles, was lebet, sterblich iſt. 6. Heut sind wir frisch, gesund und stark, und liegen morgen tot 13. Dem leb und sterb ich allezeit, von ihm der Tod selbst mich nicht scheidt. Ich leb od'r sterb, im Sarg; heut blühn wir wie so bin ich sein, er ist allein der die Rosen rot, bald frank und tot; ist allenthalben Müh und Not. einig Trost und Helfer mein. 14. Das ist mein Trost zu aller Zeit, in allem Kreuz und Traurigkeit. Ich weiß, daß ich am jüngsten Tag ohn alle Klag werd auferstehn aus meinem Grab. 7. Man trägt eins nach dem andern hin, wohl aus den Augen und dem Sinn; die Welt vergiffet unser bald, ob jung, ob alt, auch unsrer Ehren mannigfalt. 12. Derselbe mein Herr Jesus Christ für all mein Sünd gestorben ist und auferstanden mir zu gut, der Hölle Glut gelöscht mit seinem teuren Blut. 8. Ach Herr, lehr uns bedenken wohl, daß wir sind sterblich allzumal, auch wir allhie kein Bleibens habn; müssn all davon, ge= lehrt, reich, jung, alt oder schön. 9. Das macht die Sünd, du treuer Gott, dadurch ist kommn der bittre Tod, der nimmt und frißt all Menschenkind, wie er fie findt, fragt nicht, wes Stands und Ehrn sie sind. 10. Ich hab hier wenig guter Tag, mein täglich Brot ist Müh und Klag. Wenn mein Gott 15. Mein lieben Gott von Angesicht werd ich anschaun, dran zweifl ich nicht, in ewger Freud und Seligkeit, die mir bereit; ihm sei Lob, Preis in Ewigkeit! 16. O Jesu Christe, Gottes Sohn, der du für uns hast gnug gethan, ach schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einig Trost und Helfer mein. 17. Amen, mein lieber frommer Gott, bescher uns alln ein selgen Tod! Hilf, daß wir mögen allzugleich in deinem Reich bald mit dir leben ewiglich. Johann Leon † 1597. Sterbe- und Begräbnislieder. 371 4. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferwecket werden durch Christum schön verklärt, wird leuchten als die Sonne und leben ohne Not in Himmelsfreud und Wonne; was schadt mir denn der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, zu bleiben länger hier, und mir auch immer zeiget Ehr, Geld, Gut, all ihr Zier, doch ich das gar nicht achte, es währi nur kurze Zeit; das Himmlisch betrachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun scheide von meinen Freunden gut, was mir und ihn'n bringt Eigene Melodie. 582. Herzlich thut mich Leide, doch tröst mir meinen verlangen in größern Freueinem selgen End, weil ich hie den zusammen werden kommn bin umfangen mit Trübsal und und bleiben ungeschieden im Elend. Ich hab Lust abzuscheiden himmelischen Thron. von dieser argen Welt, sehn mich nach ewgen Freuden; o Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja erlöset von Sünd, Tod, Teufel, Höll, es hat dein Blut gekostet; drauf ich mein Hoffnung stell. Warum follt mir denn grauen vor Hölle, Tod und Sünd? Weil ich auf dich thu bauen, bin ich ein selges Kind. 7. Ob ich auch hinterlasse betrübte Waiselein, dern Not mich über Maße jammert im Herzen mein, will ich doch gerne sterben und trauen meinem Gott; er wird sie wohl versorgen, retten aus aller Not. 8. Was thut ihr so sehr zagen, ihr armen Waiselein? Sollt euch Gott Hülf versagen, der speist die Raben klein? Frommer Witwen und Waisen ist er der Vater treu, er kann und will sie speisen; das glaubt ohn alle Scheu. 581. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. ilf, Helfer, hilf in Angst und Not, erbarm dich mein, du treuer Gott! Ich bin ja doch dein liebes Kind trotz Teufel, Welt und aller Sünd. 2. Ich trau auf dich, o Gott mein Herr. Wenn ich dich hab, was will ich mehr? Ich hab ja dich, Herr Jesu Christ, du mein Gott und Erlöser bist. 3. Des freu ich mich von Herzen fein, bin gutes Muts und harre dein, verlaß mich gänzlich ich auf dein Wort. Hilf, Helfer, hilf, du treuer Hort! 1596. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, der Tod sehr bitter mir, will ich mich doch ergeben, zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, da meine Seel fährt hin; des freu ich mich gar eben, Sterben ist mein Gewinn. 9. Gesegn euch Gott der Herre, ihr Vielgeliebten mein! Trauret 24* Sterbe- und Begräbnislieder. 372 nicht allzu schre über den Ab-| schied mein! Beständig bleibt im Glauben! Wir werdn in kurzer Zeit einander wieder schauen dort in der Ewigkeit. 10. Nun will ich mich ganz wenden zu dir, Herr Christ, allein: Gieb mir ein seligs Ende, send mir die Engel dein, führ mich ins ewge Leben, das du erworben hast durch dein Leiden und Sterben und blutiges Verdienſt. 11. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jesu Christ, den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist! Hilf mir ritterlich ringen, dein Hand mich halt mit Macht, daß ich mög fröhlich fingen: Gottlob, es ist vollbracht! Christoph Knoll g. 1563 † 1621. Philipper 1, 21. Eigene Melodie. ben mein Gewinn; ihm hab ich mich ergeben, mit Freud fahr ich dahin. 5. Mein Herz, Sinn und Gcdanken zergehn schon als ein Licht, das hin und her thut wanken, wenn ihm die Flamm gebricht. 6. Drum laß mich an dir kleben wie eine Klett am Kleid, und ewig bei dir leben in deiner Seligkeit! 7. Fein felig, sanft und stille, gleich als vom süßen Ton, schlaf ich, weils Gottes Wille, mein Trost ist Gottes Sohn. 8. Jch sing im Himmelsthrone ihm nun Lob, Ehr und Preis, wo ich nun ewig wohne in jenem Paradeis. 1609. Nach dem Hannov. Gsb. 583. Christus der ist ein ſehr der Sünden Laſt. Leben, und Ster2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, daß ich mag zu ihm kommen und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not, durch seine heilgen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. Eigene Melodie. 584. S meins Lebens err Jesu Christ, Licht, mein Hort, mein Trost, mein Zuversicht, auf Erden bin ich nur ein Gast, und drückt mich 2. Ich hab vor mir ein schwere Reis zu dir ins himmlisch Paradeis; da ist mein rechtes Vaterland, woran du hast dein Blut gewandt. 3. Zur Reis ist mir mein Herz sehr matt, der Leib gar wenig Kräfte hat, allein mein Seele schreit in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 4. Wenn meine Kräfte brechen, mein Atem geht schwer aus, wenn ich nicht mehr kann sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! durch dein Band und Strick! 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein in meiner letzten Todespein, dein Blutschweiß mich tröst und erquick, mach mich frei Sterbe- und Begräbnislieder. 373 5. Dein Backenstreich und 13. Wie werd ich dann so Ruten frisch der Sünden Strie- fröhlich sein, werd singen mit men mir abwisch, dein Hohn den Engeln dein und mit der und Spott, dein Dornenfron, Auserwählten Schar dein Antlitz laß sein mein Ehr, mein Freud schauen ewig klar! und Wonn! Martin Behm g. 1557 † 1622. 6. Dein Durst und Gallentrank mich lab, wenn ich sonst feine Stärkung hab, dein AngstEigene Melodie. geſchrei komm mir zu gut, bewahr 585. Palet will ich dir mich vor der Hölle Glut! 7. Wenn mein Mund nicht kann reden frei, dein Geist in meinem Herzen schrei, hilf, daß mein Seel den Himmel sind, wenn meine Augen werden blind. geben, du arge, Leben durchaus mir nicht gefällt. falsche Welt, dein sündlich böses hinauf steht mein Begier, da Im Himmel ist gut wohnen, wird Gott herrlich lohnen dem, der ihm dient allhier. 8. Dein letztes Wort laß sein mein Licht, wenn mir der Tod das Herze bricht, behüte mich vor Ungeberd, wenn ich mein Haupt nun neigen werd. 2. Rat mir nach deinem Herzen, o Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon, ver9. Dein Kreuz laß sein mein kürz mir alles Leiden, stärk Wanderstab, mein Ruh und Rast meinen blöden Mut, laß selig dein heilges Grab, die reinen mich abscheiden, setz mich in dein Grabetücher dein laß meinen Erbgut! Sterbelittel sein! 10. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, darauf mein letzte Heimfahrt bau; thu mir die Himmelsthür weit auf, wenn ich beschließ meins Lebens Lauf. 11. Am jüngsten Tag erweck mein Leib, hilf, daß ich dir zur Rechten bleib, daß mich nicht treffe dein Gericht, welchs das erschrecklich Urteil spricht. 12. Alsdann mein Leib verneure ganz, daß er leucht wie der Sonne Glanz und ähnlich sei dein'm klaren Leib, auch gleich den lieben Engeln bleib. 3. In meines Herzens Grunde dein Nam und Krenz allein funkelt all Zeit und Stunde, drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde zu Trost in meiner Not, wie du, Herr Christ, so milde dich hasſt geblut zu Tod. 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden in deiner offnen Seit, rück sie aus allem Schaden zu deiner Herrlichkeit! Der ist wohl hie gewesen, wer kommt ins himmlisch Schloß; ewig ist der genesen, wer bleibt in deinem Schoß. Sterbe- und Begräbnislieder. 374 5. Schreib meinen Nam aufs Eigene Melodie. beste ins Buch des Lebens ein 587. F reu dich sehr, o und bind mein gar feste meine Seele, ins schöne Bündelein der, die und vergiß all Not und Qual, im Himmel grünen und vor dir weil dich nun Christus, dein leben frei, so will ich ewig rüh- Herre, ruft aus diesem Jammen, daß dein Herz treue sei. merthal. Aus der Trübsal, Angst Valerius Herberger g. 1562+ 1627. und Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr je hat gehöret, die in Ewigkeit auch währet. 2. Tag und Nacht hab ich gerufen zu dem Herren, meinem nun Gott, weil mich stets viel Kreuz betroffen, daß er mir hülf aus der Not. Wie sich sehnt ein mein Seel seine Bahn, so hab ich geWandersmann, daß sich ende Hab gnug gelitten, seine Bahn, so hab ich ge= wünschet eben, daß sich enden mög mein Leben. 3. Denn gleich wie die Rosen stehen unter Dornenspitzen gar, also auch die Christen gehen stets in Ängsten und Gefahr. Wie die Meereswellen sind und der ungestüme Wind, also ist allhier auf Erden unser Lauf voll von Beschwerden. Eigene Melodie. 586. Schleuß den Him. err Gott, vollendet mel auf, mein Zeit zum End sich neiget; ich hab meinen Lauf, des fich sehr freuet. mich müd gestritten, schick mich fein zu zur ewgen Ruh, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. 2. Wie du mir, Herr, befohlen hast, hab ich mit wahrem Glauben mein lieben Heiland auf gefaßt in mein Arm, dich zu schauen. Hoff zu bestehen, will frisch eingehen vom Thränenthal zum Freudensſaal, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. 4. Welt und Teufel, Sünd und Hölle, unser eigen Fleisch und Blut plagen stets hier unfre Seele, lassen uns bei feinem 3. Laß mich nur, Herr, Mut. Wir sind voller Angst und wie Simeon im Frieden zu Plag, lauter Kreuz sind unsre dir fahren, befiehl mich Christo, Tag; wenn wir nur geboren deinem Sohn! Der wird mich werden, findt sich Jammer gnug wohl bewahren, wird mich recht führen, im Himmel zieren mit Ehr und Kron; fahr drauf davon, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden. Tobias Riel g. 1584+ 1627. auf Erden. 5. Wenn die Morgenröt herleuchtet, und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer daher schleichet, Müh sich findt an allem End. Unsre Thränen Sterbe- und Begräbnislieder. 375 sind das Brot, so wir essen früh| dein Herre, ruft aus diesem Jamund spat; wenn die Sonn nicht merthal. Seine Freud und Herrmehr thut scheinen, ist auch lauter lichkeit sollst du sehn in Ewigkeit, Klag und Weinen. mit den Engeln jubilieren und auf ewig triumphieren. 1620. 6. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, der du ewiglich aufgehst, sei von mir jetzund Mel. Herzlich thut mich verlangen. nicht ferne, weil dein Blut mich hat erlöſt. Hilf, daß ich mit Fried 588.ch hab mich Gott und Freud mög von hinnen fahren heut, ach sei du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. ergeben, dem liebsten Vater mein; hier ist kein Immerleben, es muß geschieden sein. Der Tod kann mir nicht schaden, er ist nur mein Gewinn, in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 7. In dein Seite will ich fliehen bei dem bittern Todesgang, durch dein Wunden will ich ziehen in das himmlisch Vaterland. In das schöne Paradeis, drein der Schächer that sein Reis, wirst du mich, Herr Christ, einführen und mit ewger Klarheit zieren. 2. Mein Weg geht jetzt vorüber; o Welt, was acht ich dein? Der Himmel ist mir lieber, da muß ich trachten ein, mich nicht zu sehr beladen, weil ich wegfertig bin, in Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud 8. Ob mir schon die Augen brechen, das Gehör auch ganz dahin. verschwindt, meine Zung nicht 3. Ach selge Freud und mehr kann sprechen, mein Ver- Wonne hat mir der Herr bestand sich nicht besinnt, bist du doch mein Licht und Hort, Leben, Weg und Himmelspfort, du wirst selig mich regieren und die Bahn zum Himmel führen. 9. Laß dein Engel mit mir fahren auf Elias Wagen rot, meine Seele wohl bewahren, wie einst Lazarum im Tod. Laß sie ruhn in deinem Schoß und erfülle sie mit Trost, bis der Leib kommt aus der Erden und sie beid vereinigt werden. 10. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Not und Qual, weil dich nun Christus, reit, da Christus ist die Sonne, Leben und Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, weil ich bei Christo bin? In Gottes Fried und Gnaden fahr ich mit Freud dahin. 4. Gesegn euch Gott, ihr Meinen, ihr Liebsten allzumal! Um mich sollt ihr nicht weinen, ich weiß von feiner Qual. Den rechten Port noch heute nehmt fleißig ja in acht, in Gottes Fried und Freude fahrt mir bald alle nach! V. 1. Johann Leon+ 1597, V.2-4 Joh. Siegfried g. 1564+ 1637. 376 Sterbe- und Begräbnislieder. Mel. Herr, ich bekenn von Herzensgrund. ein Lauf, Gott Ma Lachs mit mir, 590. M Zob, ist bald vollbracht, Welt, gute Nacht, wir müssen uns nun scheiden. In Jesu Namen sanft und still ich wandern will zur Seligkeit mit Freuden. In dieser Welt war mir bestellt nur Angst und Not, zuletzt der Tod, jetzt endet sich mein Leiden. Eigene Melodie. 589. Gott, nach deiner Güt, hilf mir in meinem Leiden! Ruf ich dich an, versag mirs nicht! Wenn meine Seel will scheiden, so nimm sie, Herr, in deine Händ! Ist alles gut, wenn gut das End. 2. Gern will ich folgen, liebster Herr, du wirst mirs nicht verderben. Ach du bist doch von mir nicht fern, wenn ich gleich hier muß sterben, verlassen meine liebsten Freund, die's mit mir herzlich gut gemeint. 2. In Jesu Namen schlaf ich ein, er führt allein mich aus dem Tod ins Leben; sein an dem Kreuz vergoßnes Blut kommt mir zu gut, macht fröhlich mich daneben. Der edle Saft bringt in der Erd, die Seel zu dir sich rechte Kraft, stärkt mir mein schwinget, in deine Hand sie Herz in Todesschmerz, unversehrt durch Tod ins Leben Freud und Wonne geben. dringet. Hier ist doch nur ein Thränenthal, Angst, Not, Müh, Arbeit überall. 3. Ruht doch der Leib sanft kann 3. In Jesu Namen fahr ich hin, denn mein Gewinn ist Christus, wenn ich sterbe. Ich weiß, daß er mich nicht verläßt, und glaube fest: Fm Tod ich nicht verderbe, mir ist bereit in Ewigkeit von Gottes Sohn die Ehrenkron, das rechte Himmelserbe. Georg Werner g. 1589 † 1643. Was wollt denn lang Eigene Melodie. traurig ſein, weil ich ſo wohl 591. deiner Macht, bu Herr, in bestehe, bekleidt mit Christi Undu schuld rein wie eine Braut her- hast mich an dies Licht gebracht, gehe? Gehab dich wohl, du du unterhältst mir auch das schnöde Welt, bei Gott zu leben Leben; du kennest meiner Moninir gefällt. den Zahl, weißt, wann ich diesem Jammerthal auch wieder gute Nacht muß geben; wo, wie und Joh. Herm. Schein g. 1586+ 1630. 4. Tod, Teufel, Höll, die Welt, die Sünd mir können nichts mehr schaden, an dir, o Herr, ich Rettung find, ich tröst mich deiner Gnaden. Dein einger Sohn aus Lieb und Huld für mich bezahlt hat alle Schuld. Sterbe und Begräbnislieder. 377 wann ich sterben soll, das weißt Blut, daß ich der Sünde nicht du, Bater, mehr als wohl. gehöre. Was schont denn Satan meiner nicht und schreckt mich durch das Zorngericht? Komm, rette deines Leidens Ehre! Was giebest du mich fremder Hand und haft so viel an mich gewandt? 2. Wen hab ich nun, als dich allein, der mir in meiner letzten Bein mit Trost und Rat weiß beizuspringen? Wer nimmt sich meiner Seele an, wenn nun mein Leben nichts mehr fann, und ich muß mit dem Tode ringen, wenn aller Sinne Kraft gebricht? Thust du es, Gott mein Heiland, nicht? 7. Nein, nein, ich weiß gewiß, mein Heil, du läsfest mich, dein wahres Teil, zu tief in deinen Wunden sitzen. Hie lach ich aller Macht und Not, es mag Gesetz, Höll oder Tod auf mich her donnern oder blitzen. Dieweil ich lebte, war ich dein, jetzt kann 3. Mich dünft, da lieg ich schon vor mir in großer Hitz, ohn Kraft, ohn Zier, mit höchster Herzensangst befallen, Gehör ich keines Fremden sein. und Rede nehmen ab, die Augen werden mir ein Grab, doch kränkt die Sünde mich vor allen, des Mel. O Welt, ich muß dich lassen. ie Herrlichkeit der Satans Antlag hat nicht Ruh, 592.Derden muß Rauch setzt mir auch mit Versuchung zu. 4. Jch höre der Posaunen Ton und Asche werden, kein Fels, und sch auch den Gerichtstag kein Erz kann stehn. Dies, was schon, der mir auch wird ein uns kann ergeben, was wir für Urteil fällen. Hier weiset mein ewig schätzen, wird als ein leichGewissensbuch, da aber des Ge- ter Traum vergehn. setzes Fluch mich Sündenkind hinab zur Höllen. Wer hilft mir nun in dieser Not, wo du nicht, Gott, du Todes Tod? 2. Was sind doch alle Sachen, die uns so trotzig machen, als schlechte Nichtigkeit? Was ist des Menschen Leben, der immer um muß schweben, als nur ein Schattenbild der Zeit? 5. Der Teufel hat nicht Macht an mir, ich habe bloß gesündigt dir, dir, der du Missethat ver- 3. Der Ruhm, nach dem wir giebest. Was maßt sich Satan trachten, den wir unsterblich achdessen an, der kein Gesetz mir ten, ist nur ein falscher Wahn; geben kann, nichts hat an dem, sobald der Geist gewichen, und was du, Herr, liebest? Er nehme dieser Mund erblichen, fragt das, was sein ist, hin, ich weiß, daß ich des Herren bin.c keiner, was man hier gethan. 6. Herr Jesu, ich, dein teures Gut, bezeugs mit deinem eignen 4. Es hilft kein weises Wissen, wir werden hingerissen ohn einen Unterschied. Was nützt der Simon Dach g. 1605+ 1659. 378 Sterbe- und Begräbnislieder. Schlösser Menge? Dem hie die du zuvor genossen, ist als ein Welt zu enge, dem wird ein Strom verschossen, und wessen enges Grab zu weit. wird das Künftge sein? 5. Dies alles wird zerrinnen, 12. Verlache Welt und Ehre, was Müh und Fleiß gewinnen Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre und saurer Schweiß erwirbt. Was Menschen hier besigen, kann für den Tod nicht nützen; dies alles stirbt uns, wenn man stirbt. und geh den Herren an, der immer König bleibet, den keine Zeit vertreibet, der einzig ewig machen kann. 6. Ist eine Lust, ein Scherzen, das nicht ein heimlich Schmerzen mit Herzensangst vergällt? Was ists, womit wir prangen? Wo wirst du Ehr erlangen, die nicht in Hohn und Schmach verfällt? 7. Was pocht man auf die Throne, da keine Macht noch Krone kann unvergänglich sein? Eigene Melodie. Es mag vom Totenreihen kein 593. Ach wie flüchtig, ach Burist des Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, fehet! pur, Gold noch edler Stein. 8. Wie eine Rose blühet, wenn man die Sonne siehet begrüßen diese Welt, die, eh der Tag sich neiget, eh sich der Abend zeiget, verwelft und unversehns abfällt, 9. So wachsen wir auf Erden und denken groß zu werden und schmerz- und sorgenfrei, doch eh wir zugenommen und recht zur Blüte kommen, bricht uns des Todes Sturm entzwei. 13. Wohl dem, der auf ihn trauet, er hat recht fest gebauet. Und ob er hier gleich fällt, wird er doch dort bestehen und nimmermehr vergehen, weil ihn die Stärke selbst erhält. Andreas Gryphius g. 1616+ 1664. 11. Auf, Herz, wach und bedenke, daß dieser Zeit Geschenke den Augenblick nur dein. Was 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen, so fährt unsre Zeit von hinnen. 3. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude! 10. Wir rechnen Jahr auf Wie sich wechseln Stund und Jahre, indessen wird die Bahre Zeiten, Licht und Dunkel, Fried uns vor die Thür gebracht. Drauf müssen wir von hinnen und, eh wir uns besinnen, der Erde sagen gute Nacht. und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten. 4. Ach wie nichtig, ach vie flüchtig ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, 10 ist unsre Schöne, fehet! to Sterbe- und Begräbnislieder. 379 5. Ach wie flüchtig, ach wie 12. Ach wie nichtig, ach nichtig ist der Menschen Glücke! wie flüchtig sind der Menschen Wie sich eine Kugel drehet, die bald da, bald dorten stehet, so ist unser Glücke, sehet! Sachen! Alles, alles, was wir sehen, das muß fallen und vergehen; wer Gott fürcht, wird ewig stehen. Michael Franck g. 1609 † 1667. 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Ehre! Über den, dem man hat müssen die Hände höflich Eigene Melodie. Ci vo tüffen, geht man morgen gar 594. Friede, lebensH nun laß in mit Füßen. eid 7. Ach wie flüchtig, ach wie satt und müde, deinen Diener nichtig ist der Menschen Wissen! fahren zu den Himmelsscharen Der das Wort fonnt prächtig selig und im Stillen, doch nach führen und vernünftig discu- deinem Willen! rieren, muß bald allen Witz verlieren. 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Dichten! Der, so Kunst hat lieb gewonnen und manch schönes Werk ersonnen, ist dem Tode nicht entronnen. 9. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Prangen! Der in Purpur hoch vermessen ist als wie ein Gott gesessen, dessen wird im Tod vergeſsen. 2. Gerne will ich sterben und den Himmel erben; Christus mich geleitet, welchen Gott bereitet zu dem Licht der Heiden, das uns setzt in Freuden. 3. Hier hab ich gestritten, Ungemach erlitten, ritterlich gekämpfet, manchen Feind gedämpfet, Glauben auch gehalten richtig mit den Alten. weinen ohne Maßen, schwere 4. Thränen muß ich lassen, Gänge laufen mit der Christen 10. Ach wie nichtig, ach wie Haufen, über Sünde klagen, flüchtig ist des Menschen Herr- Kreuz und Trübsal tragen. schen! Der durch Macht ist hoch geſtiegen, muß zuletzt aus Unvermögen in dem Grab erniedrigt liegen. 11. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig sind der Menschen Schäßze! Es kann Glut und Flut entstehen, dadurch, eh wir uns versehen, alles muß zu Trümmern gehen. 5. Nunmehr soll sichs wenden, Kampf und Lauf sich enden, Gott will mich erlösen bald von allem Bösen; es soll besser werden, als es war auf Erden. 6. Frieden werd ich finden, ledig sein von Sünden und auf allen Seiten nicht mehr müssen streiten; mich soll ganz umgeben himmlisch Freudenleben. 380 Sterbe- und Begräbnislieder. 7. Mir ist beigeleget, wo man hat mir manch Angst erweckt; Zepter träget, eine schöne Krone Verfolgung, Haß und Neiden, schon zum Gnadenlohne; da werd ob ichs gleich nicht verschuld, ich ergezet und zur Ruh gesetzet. hab ich doch müssen leiden und tragen mit Geduld. 8. Mein Erlöser lebet und mich selber hebet aus des Todes Kammer; da liegt aller Jammer. Fröhlich, ohne Schrecken, will er mich aufwecken. 9. Dieser Leib soll gehen und in Klarheit stehen, wenn die Toten werden erstehn von der Erden; Christum werd ich schauen, darauf kann ich trauen. 4. So gings den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns noch täglich halten, wenns fehlt am guten Rat; sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt in des Grabes Schoß. 5. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was 10. Christo will ich singen, will ich besser leben als solche Lob und Ehre bringen, rühmen große Lent? Es muß ja durchseine Güte mit Seel und Ge- gedrungen, es muß gelitten sein; müte, preisen seinen Namen ohn Aufhören. Amen. wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freud hinein. David Behme g. 1605 † 1657. psalm 119, 19. 6. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 595. auf Erden und zu der Heimat führt, da mich 3 bin Gast meine die hab hier keinen Stand, der Him- ohn alle Maße mein Vater trömel soll mir werden, da ist mein sten wird. Vaterland. Hier reis ich aus 7 Mein Heimat ist dort dround abe, dort in der ewgen ben, da aller Engel Schar den Ruh ist Gottes Gnadengabe, großen Herrscher loben, der alles die schließt all Arbeit zu. ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch alles hebt und leget, nachdems ihm wohlgefällt. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an als Müh und Not gewesen? So lang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. dat 3. Mich hat auf meinen Wegen manch harter Sturm erschreckt, Blizz, Donner, Wind und Regen falle, das meist ist Herzeleid. 8. Zu dem steht mein Verlangen, da wollt ich gerne hin; die Welt bin ich durchgangen, daß ichs fast müde bin. Je länger ich hier walle, je wenger find ich Freud, die meinem Geist ge Sterbe- und Begräbnislieder. 381 Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 19. Die Herberg ist zu böse, denn lauter Eitelkeit, in dem der Trübsal ist zu viel. Ach fomm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will. Komm, mach ein selges Ende an meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft! 2. Wenn ich werde dahin kommen, bin ich aller Krankheit los und der Traurigkeit entnommen, ruhe sanft in Gottes Schoß. In der Welt ist Angst und Not, endlich gar der bittre Tod; aber dort ist allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 3. Was ist doch der Erde Freude? Nebel, Dampf und Herzeleid; hier auf dieser schwarzen Heide sind die Laster ausgestreut. Welt, bei dir ist Krieg 11. Du aber, meine Freude, und Streit, nichts denn lauter du, meines Lebens Licht, du Eitelkeit, in dem Himmel alleziehst mich, wenn ich scheide, zeit Friede, Ruh und Seligkeit. hin vor dein Angesicht, ins 4. Unaussprechlich schöne finHaus der ewgen Wonne, da get Gottes auserwählte Schar, ich stets freudenvoll, gleich als Heilig, heilig, heilig klinget in die helle Sonne, nebst andern dem Himmel immerdar. Welt, leuchten soll. bei dir ist Spott und Hohn und 12. Da will ich immer woh- ein steter Jammerton; aber dort nen, und nicht nur als ein ist allezeit Friede, Freud und Gast, bei denen, die mit Kronen Seligkeit. du ausgeschmücket hast; da will 5. Nichts ist hier denn lauter ich herrlich singen von deinem Weinen, keine Freude bleibet großen Thun und frei von nicht; will uns gleich die Sonne schnöden Dingen in meinem scheinen, so verhemmt die Nacht Erbteil ruhn. das Licht. Welt, bei dir ist Angst und Not, Sorgen und der bittre Tod, in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. Paul Gerhardt g. 1607+1676. Eigene Melodie. melt ade, ich bin 596. dein müde, ich 6. Nun, es wird dennoch geschehen, daß ich auch in kurzer will nach dem Himmel zu; da Zeit meinen Heiland werde sehen wird sein der rechte Friede und in der großen Herrlichkeit. Denn die stolze Seelenruh. Welt, bei bei uns ist lauter Not, Müh dir ist Krieg und Streit, nichts und Furcht, zuletzt der Tod; aber 10. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemessen, so tret ich dann hinaus, und was ich hier gebrauchet, das leg ich alles ab, und wenn ich ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab. 382 Sterbe- und Begräbnislieder. dort ist allezeit Friede, Freud liebt, auch ganz willig von mir und Seligkeit. 7. O wer nur dahin gelanget, wo jetzund der schöne Chor in geben, bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden hab ich schon Erlösung funden, vergüldten Kronen pranget und und mein Trost in Todesnot ist die Stimme schwingt empor! des Herren Jesu Tod. Denn die Welt hat Krieg und Streit, all ihr Thun ist Eitelfeit; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh und Seligkeit. 8. Zeit, wann wirst du doch hin aus diesem Weltgetümmel anbrechen? Stunden, o wann in den schönen Gotteshimmel, schlaget ihr, drinnen ich mich da ich werde allezeit schauen die kann besprechen mit dem Schön- Dreieinigkeit. sten für und für? Welt, du hast 4. Da wird sein das Freudennur Sturm und Streit, lauter leben, da viel tausend Seelen Qual und Traurigkeit; aber dort schon sind mit Himmelsglanz ist allezeit Friede, Freud und umgeben, dienen Gott vor seiSeligkeit. nem Thron; da die Seraphinen 9. Jetzt will ich mich fertig prangen und das hohe Lied anmachen, daß mein Thun vor fangen: Heilig, heilig, heilig Gott besteh, daß, wenn alles heißt Gott der Vater, Sohn und wird zerkrachen, es heißt: Romme! Geist. und nicht: Geh! Welt, bei dir ist Angstgeschrei, Sorge, Furcht und Heuchelei, in dem Himmel alle zeit Friede, Ruh und Seligkeit. Joh. Georg Albinus g. 1624 † 1679. 3. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn, er hat mir das Heil erworben; drum fahr ich mit Freud dahin, 2. Drum so will ich dieses Leben, weil es meinem Gott be5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten allzumal; wo auf ihren Ehrenthronen sitzet der zwölf Boten Zahl; wo in so viel tausend Jahren alle Frommen hingefahren; da wir unserm Gott zu Ehrn ewig Halleluja Eigene Melodie. 597. Alle Menschen müſ- hörn. sterben, alles 6. Jerusalem, du schöne, Fleisch vergeht wie Heu; was da ach wie helle glänzest du! Ach lebet, muß verderben, soll es an- wie lieblich Lobgetöne hört man ders werden neu. Dieser Leib da in sanfter Ruh! O der groder muß verwesen, wenn er an- ßen Freud und Wonne, jetzund ders soll genesen der so großen gehet auf die Sonne, jetzund Herrlichkeit, die den Frommen gehet an der Tag, der kein Ende ist bereit. nehmen mag! 7. Ach ich habe schon erblicket alle diese Herrlichkeit, jetzo werd Sterbe- und Begräbnislieder. 383 ich schön geschmücket mit dem bleibet mir. O mein Begier, weißen Himmelskleid, mit der Herr Jesu, zieh mein Herz güldnen Ehrenkrone, stehe da nach dir! vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Ende nehmen fann. Joh. Rosenmüller+ 1686. Mel. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt. 7. Was wird das sein, wenn ich dich seh und bald vor deinem Throne steh! Du unterdessen lehre mich, daß stetig ich mit flugem Herzen suche dich. Joachim Neander g. 1650 † 1680. fleucht dahin Eigene Melodie. 598. W der Menschen 599. Wer weiß, i Ewi wie nahe mir mein Ende? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach wie geschwinde und behende fann kommen meine Todesnot! Mein Zeit, wie eilet man zur keit! Wie wenig denken an die Stund von Herzensgrund, wie schweigt hievon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich wie ein Traum, ein nichtger, leerer Gott, ich bitt durch Christi Wasserschaum; im Augenblick Blut: Machs nur mit meinem es bald vergeht und nicht be- Ende gut! steht, gleichwie ihr dieses täglich seht. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; denn weil ich leb auf dieser Erden, leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Chriſti Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. So lang ich in der Hütte wohn, so lehre mich, o Gottes 3. Herr, lehr mich stets mein Sohn, gieb, daß ich zähle meine Tag und munter wach, daß, End bedenken und, wenn ich einstens sterben muß, die Seel eh ich sterb, ich sterben mag. in Jesu Wunden senken und ja 5. Was hilft die Welt in letzter Not? Lust, Ehr und Reichtum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu, bedenk es nu, du kommst sonst nicht zur wahren Ruh. nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich beizeit mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für 6. Weg Eitelkeit, der Narren und für und sage frisch in allen Lust, mir ist das höchste Gut Fällen: Herr, wie du willst, bewußt, das such ich nur, das so schicks mit mir! Mein Gott, 3. Nur du, Jehova, bleibest mir das, was du bist, ich traue dir; laß Berg und Hügel fallen hin, mir ist Gewinn, wenn ich allein bei Jesu bin. 384 Sterbe- und Begräbnislieder. ich bitt durch Christi Blut:| 10. Ich habe Christi Leib geMachs nur mit meinem Ende gessen, ich hab sein Blut ge= gut! trunken hier; mun fannst du meiner nicht vergessen, ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. So fomm mein End heut oder morgen, ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt, ich bin und bleib in deinen Sorgen, mit zu, darein ich mich festgläubig Jesu Blut schön ausgeschmückt. winde; das giebt mir recht er- Mein Gott, ich bitt durch wünschte Ruh. Mein Gott, ich Christi Blut: Machs nur mit bitt durch Christi Blut Machs meinem Ende gut! nur mit meinem Ende gut! 5. Mach immer süßer mir den Himmel und immer bittrer mir die Welt, gieb, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach Vater, deck all meine Sünde mit dem Verdienste Jesu 12. Ich leb indes in dir ver7. Ich weiß, in Jesu Blut gnüget und sterb ohn alle Kümund Wunden hab ich mir recht mernis. Mir gnüget, wie mein und wohl gebett; da find ich Gott es füget; ich glaub und bin Trost in Todesstunden und alles, des ganz gewiß: Durch deine was ich gerne hätt. Mein Gott, Gnad und Christi Blut machst ich bitt durch Christi Blut: dus mit meinem Ende gut. Machs nur mit meinem Ende Ämilie Juliane, Gräfinzu Schwarzburggut! Rudolstadt g. 1637 † 1706. 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, nichts, es sei Leben Mel. Herzliebster Jesu, was hast du oder Tod; ich leg die Hand verbrochen. in ſeine Seite und ſage: Mein 600. Men det Herr Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! Lein Jesus kommt, mein Sterben iſt vorhanden, ich werde frei von dieses Leibes Banden. Wie soll ich aber wohl und selig sterben. dein Reich ererben? 9. Ich habe Jesum angezogen schon längst in meiner heilgen 2. Wie du, mein Jesus, bist Tauf; du bist mir auch daher am Kreuz gestorben und hast dagewogen, hast mich zum Kind durch das Leben uns erworben, genommen auf. Mein Gott, so laß auf deinen Tod mich auch ich bitt durch Christi Blut: abscheiden zu deinen Freuden. Machs nur mit meinem Ende gut! 3. Und was du noch zuletzt hast ausgesprochen und deines Vaters Sterbe- und Begräbnislieder. 385 Herz damit gebrochen, das will Gott, du wirst mich nicht verich dir, indem die Augen brechen, getrost nachsprechen. lassen, dieweil du selbst von Gott verlassen hingest und mich umfingest. 4. Vergieb, o Bater, denen, die mich hassen, die wider mich Neid, Eifer ausgelassen; vergieb doch, weil die Feinde nicht verstehen, was sie begehen. 12. Mein Herze dürstet nach dir und ich ächze, ich seufze nach dem Himmel, ach ich lechze nach dir, nach dir mit großem Durst, ich Armer, du mein Erbarmer! 5. Bergieb auch mir, o Vater, meine Sünde und was ich jetzt noch Böses an mir finde; ich bin von Fleisch und Blut oft übereilet von dir geteilet. 6. Ich hab, o Jesu, Seele, Leib und Leben in meinem Testament dir übergeben, du wirst die Meinen auch heut oder morgen hier wohl versorgen. 7. Ich übergebe sie zu deinen Handen, behüte sie vor Sünden, Schmach und Schanden; du wirst, o Vater, diesen meinen Willen an mir erfüllen. 13. Ach laß mich nicht in meiner Not versinken, laß mich die Kraft aus deinen Wunden trinken, ich dürste wie ein Hirsch, laß dich erblicken, mich zu erquicken. 14. Jetzt kommt der Trost, mein Herz hat sich gelabet, Jesu, mit deinem Blut bin ich begabet; es ist vollbracht, was übrig ist gewesen, ich bin genesen. 15. Nun ist vollbracht mein Leiden, Kreuz und Jammer; mein schwacher Leib schläft sanft 8. Drauf wendet sich mein in seiner Kammer und wartet Herz von dieser Erden. Dein nur, bis Jesus diese Glieder mir Paradies das soll mir giebet wieder. werden, dein Paradies, schöne, das wird heute mir stehn zur Beute. eigen das 9. Ach Jesu, zeige mir jetzt deine Güte, gieb mir ein himmeldringendes Gemüte, daß ich ergreife dort zum Gnadenlohne die schöne Krone. 16. Jch gebe dir den Geist in deine Hände, o Jesu, löse nun des Leibes Bande! Jch bleibe dir, ich sterbe deinem Namen. Jesu, sprich Amen! Michael Hunold g. 1621 † 1672. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mel. 1. 10. Zwar Hölle, Teufel fangen an zu quälen und ſtreben mir 601. ch ſterbe täglich, ich dein Wort in dieser Sünden- eilt immerfort zum Grabe hin. hütten hab überschritten. 11. Jch aber will die Seufzer tiefer fassen: Mein Gott, mein Wer kann mir einen Bürgen geben, ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der 25 386 Sterbe und Begräbnislieder. Tod kommt her; ach wer nur drum bet ich bei gesunden Tagen: immer fertig wär! Herr, ich befehl dir meinen 2. Ein Mensch, der sich mit Geist. Verschließen meine Lippen Sünden träget, ist immer reif sich, so schreie Jesu Blut für zu Sarg und Grab; der Apfel, mich. der den Wurm schon heget, fällt endlich unversehens ab. Der alte Bund schließt keinen aus, mein Leib ist auch ein Totenhaus. 8. Kann ich nicht segnen mehr die Meinen, so segne du sie, Herr, für mich, und wenn sie bittre Thränen weinen, o Trö3. Es kann vor abend anders ster, so erbarme dich und lasse werden, als es am Morgen mit der Verlaßnen Schrein durch mir war; den einen Fuß hab deinen Trost erhörlich sein! ich auf Erden, den andern auf der Totenbahr. Ein einzger Schritt ist nur dahin, wo ich der Würmer Speise bin. 9. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, so schließe mir den Himmel auf, verkürze mir des Todes Schmerzen und hole mich 4. Es schickt der Tod nicht zu dir hinauf, so wird mein Abimmer Boten, er kommet oft schied keine Bein, zwar eilig, unangemeldt und fordert uns ins Land der Toten. Wohl dem, der Haus und Herz bestellt, denn ewig Unglück oder Glück hängt nur an Einem Augenblick. dennoch selig sein. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. 5. Herr aller Herren, Tod und Leben hast du allein in deiner Hand, wie lange du mir Frist gegeben, das ist und bleibt mir unbekannt. Hilf, daß ich jeden Glockenschlag an meinen Abschied denken mag. 6. Ein einzger Schlag fann alles enden, wenn Fall und Tod beisammen sein. Doch schlage nur mit Vaterhänden und schließ in Christi Tod mich ein, daß, wenn der Leib zu Boden fällt, die Seel an Jesu Kreuz sich hält. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, wenn Auge, Mund und Ohr sich schleußt, Eigene Melodie. 602. U nter Lilien jener Freuden sollst du weiden, Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleug behende! Jesu Hände öffnen schon das Perlenthor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen zu dem Haufen derer, die des Lammes Thron nebst dem Chor der Seraphinen schon bedienen mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bruder, doch die Ruder meines Schiffleins, laß mich ein in den sichern Friedenshafen zu den Schafen, die der Furcht entrücket sein. 4. Nichts soll mir am Herzen fleben, süßes Leben, was die Erde in sich hält. Sollt ich in Sterbe- und Begräbnislieder. 387 der Wüste weilen und nicht eilen?| Hoffnung und Versicherung, viel Nein, ich eil ins Himmelszelt. schöner aufzustehn. 5. Herzensheiland, laß den Glauben mir nichts rauben, Glauben, der durch alles dringt. Nach dir sehnt sich meine Seele in der Höhle, bis sie sich von hinnen schwingt. 4. Verbirg dich unserm Angesicht im fühlen Erdenschoß! Du hast das deine ausgericht, empfängst ein selig Los. 5. Wir wissen, daß der Bräutigam, der ewig treue Hirt, dich, sein schon hier geliebtes Lamm, auch dort nicht lassen wird. 6. O wie bald kannst du es machen, daß mit Lachen unser Mund erfüllet sei, du kannst durch des Todes Thüren träumend führen und machst uns auf einmal frei. 6. Er führe seine ganze Herd, die sich zu ihm gesellt und die ihm ist so teur und wert, auch vollends durch die Welt! Nach Gottfr. Neumann g.um1688+ 1782. 7. Du hast Sünd und Straf getragen, Furcht und Zagen muß nun von mir gehn. Tod, dein Stachel liegt danieder, 604. Mzeit verstreicht, Mel. Jesus, meine Zuversicht. Leine Lebensmeine Glieder werden fröhlich auferstehn. 8. Gotteslamm, dich will ich loben hier und droben mit der herzlichsten Begier. Du hast dich zum ewgen Leben mir gegeben, hole mich, mein Gott, zu dir! 3. Ludw. Konr. Allendorf g.1693+1773. stündlich eil ich zu dem Grabe; wenig Tage sind vielleicht, die ich noch zu leben habe. Denk, o Mensch, an deinen Tod, säume nicht, denn Eins ist not. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts wird dich im Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 603. Ci wie ſo fanftent Tod erfreun, diese Güter find so nicht dein. schliefest du nach manchem schweren Stand und liegst nun da in süßer Ruh in deines Heilands Hand. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das der wahre Glaube giebt, wird dir deinen Tod versüßen. Dieses Herz, von Gott erneut, ist des Todes Freudigkeit. 4. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet und wache! Sorge nicht, wie früh du deine Zeit ist Gottes 25* 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht von aller Angst und Pein, sein letztes Wort: Es ist vollbracht, das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Verwandelung in dies Gefilde sän mit stirbst, 388 Sterbe- und Begräbnislieder. Sache. Lern nicht nur, den Tod Deine Hoffnung, ach, ist hohl, nicht scheun, lern auch, seiner dich deine Freuden werden Leiden, erfreun. deine Schönheit Unbestand, eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Überwind ihn durch Vertraun, sprich: Ich weiß, an wen ich gläube, und ich weiß, ich werd ihn schaun einst in diesem meinen Leibe. Er, der rief: Es ist vollbracht, nahm dem Tode seine Macht. 6. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein versenken, sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken! Lehre du michs jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Chr. F. Gellert g. 1715+ 1769. grabt mein Grab, denn ich bin des Wanderns müde, von der Erde scheid ich ab, denn mir ruft des Himmels Friede, denn mir ruft die süße Ruh von den Engeln droben zu. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne, fahret wohl mit eurer Pracht, denn ich reis in weite Ferne, reise hin zu jenem Glanz, worin ihr erbleichet ganz. 7. Weinet nicht, daß nun ich will von der Welt den Abschied Mel. Jesus, meine Zuversicht. 605. ich aus dem tum will, aus den Schatten, aus den Schemen*), aus dem Eitlen, aus dem Nichts hin ins Land des ewgen Lichts. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab, meinen Lauf hab ich vollendet, lege nun den Wanderstab hin, wo alles Frdsche endet, lege selbst mich nun hinein in das Bette sonder Bein. 6. Jhr, die nun in Trauren geht, fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, tröstet froh des Herrn Gemeinde; weint nicht ob dem eitlen Schein, droben nur fann ewig sein. *) Wesenlose Bilder. Ps. 39, 7 8. Weinet nicht: mein süßes Heil, meinen Heiland hab ich funden und ich habe auch mein Teil in den warmen Herzenswunden, woraus einst sein from mes Blut floß der ganzen Welt zu gut. 3. Was soll ich hienieden noch 9. Weint nicht: mein Erlöser in dem dunklen Thale machen? lebt; hoch vom finstern ErdenDenn wie mächtig, stolz und hoch staube hell empor die Hoffnung wir auch stellen unsre Sachen, schwebt, und der Himmelsheld, muß es doch wie Sand zergehn, der Glaube, und die ewge Liebe wenn die Winde drüber wehn. spricht: Kind des Vaters, zittre 4. Darum, Erde, fahre wohl, nicht! laß mich nun in Frieden scheiden! Ernst Moritz Arndt g. 1769 † 1860. Sterbe- und Begräbnislieder. 389 Mel. Christus der ist mein Leben. 2. Wenn ich an ihre Freund606. Am Grabe stehn lichkeit gedenk in meinem Herzen, Al wir stille und säen Thränensaat, des lieben Pilgers Hülle, der ausgepilgert hat. die sie mir hat zu jeder Zeit in Freud und auch in Schmerzen erwiesen ganz beständiglich, mein Kreuz und Weinen mehret sich, vor Angst möcht ich vergehen. 2. Er ist nun angekommen, wir pilgern noch dahin; er ist 3. Bei.wem soll ich auf dieser nun angenommen, der Tod war Welt rechtschaffne Liebe finden? ihm Gewinn. Der meiste Teil nicht Glauben 3. Er schaut nun, was wir hält, die Treu will gar verglauben, er hat nun, was uns schwinden. Ich glaub und red fehlt, ihm kann der Feind nichts es ohne Scheu: Die best ist doch rauben, der uns versucht und getraute Treu, die muß ich jetzt quält. entraten. 4. Jhn hat nun als den Seinen der Herr dem Leid entrückt, und während wir hier weinen, ist er so hoch beglückt. 4. Fürwahr mir geht ein scharfes Schwert jetzund durch meine Seele, die abzuscheiden oft begehrt aus ihres Leibes Höhle.. 5. Er trägt die Lebenskrone Wo du nicht, Herre Jesu Christ, und hebt die Palm empor und in solchem Kreuz mein Tröster singt vor Gottes Throne ein Lied im höhern Chor. bist, muß ich in Leid verzagen. 6. Wir armen Pilger gehen hier noch im Thal umher, bis wir ihn wiedersehen und selig sind wie er. K. 3. Phil. Spitta g. 1801+ 1859. Siehe auch Nr. 432 bis 436. 5. O treugeliebtes, selges Herz, zu dir will ich mich wenden in diesem meinem großen Schmerz, ob sich mein Angst möcht wenden. Ich will betrachten deinen Stand, wie Gott dir alles Kreuz gewandt in höchste Freud und Wonne. Beim Tode der Ehefrau. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 6. Kein Angst, kein Trübsal, Weh und Not kann dich jetzund verletzen. Im Himmel thut der 607. Ach Gott, ich muß fromme Gott mit Liebe dich erin Traurigkeit Die Seele mit Lust und Freud die heilige Dreifaltigkeit mit allen Auserwählten. mein Leben nun beschließen, die weil der Tod von meiner Seit so eilends hat gerissen mein 7. Du kommst nicht wieder treues Herz, der Tugend Schein, her zu mir in dies betrübte Ledes muß ich jetzt beraubet sein. ben, ich aber fomm hinauf zu Wer kann mein Elend wenden? dir. Da werd ich mit dir schwe 390 Sterbe- und Begräbnislieder. ben in höchster Freude, Wonn und selig Sterben ist schnell und und Luft, die deine Seele täg- glücklich erben des schönen Himlich kost, drauf ich mich herzlich mels Ehrensaal. freue. 4. Wie öfters wird verführet 8. O wie mit großer Freu- manch Kind, an dem man spüret digkeit wolln wir einander fen- rechtschaffne Frömmigkeit! Die nen! Da wird uns dann zu Welt voll List und Tücke legt feiner Zeit der bittre Tod mehr heimlich ihre Stricke, bei Tag trennen. Ach welche Freude und Nacht, zu jeder Zeit. wird dann sein, wenn ich die, die ich jetzt bewein, mit Freude werd umfangen! 5. Ihr Netze mag sie stellen, mich wird sie nun nicht fällen, sie wird mir thun fein Leid. Denn wer kann den verletzen, den Christus jetzt wird setzen ins Schloß vollkommner Sicherheit? 6. Zuvor bracht ich euch Freude, jetzt, nun ich von euch scheide, betrübt sich euer Herz. Doch wenn ihrs recht betrachtet und was Gott thut, hoch achtet, wird sich bald lindern aller Schmerz. 7. Gott zählet alle Stunden, er schlägt und heilet Wunden, er fennet jedermann. Nichts ist jemals geschehen, das er nicht Mel. Welt, ich muß dich lassen. 608.G ist kommen, da wohlgethan. ott Lob, die Stund vorgesehen, und was er thut, ist ich werd aufgenommen ins schöne Paradeis. Ihr Eltern dürft nicht flagen, mit Freude sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr und Preis! 8. Wenn ihr mich werdet finden vor Gott, frei aller Sünden, in weißer Seide stehn und tragen Siegespalmen in Händen und mit Psalmen des Herren Lob und Ruhm erhöhn, 9. Dies will ich stets in meinem Leid mir zu Gemüte führen, erwarten in Geduld die Zeit, wie Christen will gebühren. Gott alles Trostes steh bei mir und mich durch seinen Geist regier zu seines Namens Ehre! Joh. Heermann g. 1585+ 1647. Tod und Begräbnis von Kindern. 2. Kurz ist mein irdisch Leben, ein bessers wird mir geben Gott 9. Da werdet ihr euch freuen, in der Ewigkeit. Da werd ich es wird euch herzlich reuen, daß nicht mehr sterben, in keiner Not ihr euch so betrübt. Wohl dem, verderben, mein Leben wird sein der Gottes Willen gedenket zu lauter Freud. erfüllen und ihm sich in Geduld ergiebt. 3. Gott eilet mit den Seinen, läßt sie nicht lange weinen in 10. Ade, nun seid gesegnet! diesem Thränenthal. Ein schnell Was jetzund euch begegnet, ist Sterbe- und Begräbnislieder. 391 andern auch geschehn, viel müs- den bald, wer selig stirbt, ist sens noch erfahren. Nun, Gott gnugsam alt. woll euch bewahren! Dort wollen wir uns wiedersehn. Joh. Heermann g. 1585 † 1647. 8. Drum legt die Hand auf euren Mund und seht auf Gott, der euch verwundt, der euch zu heilen ist bereit, wenns dienet eurer Seligkeit. Mel. Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht. 609.№¹ un lieg ich armes 9. An jenem Tag wir werden gehn, da vor Gott Groß und Würmelein und Kleine stehn, zur himmelischen ruh in meinem Kämmerlein, ich Christtagsfreud mit höchster Ehr bin durch einen sanften Tod ent- und Herrlichkeit. gangen aller Angst und Not. 2. Was schadet mirs, daß Mich. Schirmer g. 1606 † 1673. mein Gebein muß in das Grab Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Mein Seele Geist. schwebet ohne Leid in Himmels- 610. Dund bleibest mein, mein glanz und Herrlichkeit. 3. In solchem Schmuck, in solcher Zier prang ich vor Gottes Thron allhier; mein Jesus ist all meine Lust, mein Labsal, meine beste Rost. ( wer will mir anders sagen?) doch bist du nicht nur mein allein, der Herr von ewgen Tagen der hat das meiste Recht an dir, der fordert und erhebt von mir dich, o mein Sohn, mein Wille, mein Herz und Wunsches Fülle. 4. Was frag ich nun nach jener Welt? Mein Jesus hier mich küßt und hält, in ihm erfreu ich mich allein, ohn ihn kann ich nicht fröhlich sein. 2. Ach gält es wünschen, wollt ich dich, du Sternlein 5. Mit Weinen war ich erst meiner Seelen, vor allem Weltgeborn, zum Jauchzen bin ich gut williglich mir wünschen und auserkorn; ich singe mit der erwählen. Ich wollte sagen: Engelschar das ewig neue Ju- Bleib bei mir, du sollst sein beljahr. meines Hauses Zier, an dir will ich mein Lieben bis in mein Sterben üben. 3. So sagt mein Herz und meint es gut, Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in 7. Drum, liebe Eltern, höret meinem Mut, in Gott ist sie auf zu klagen meinen kurzen noch größer. Ich bin ein Vater Lauf; ich bin vollkommen wor- und nichts mehr, Gott ist der 6. Nichts Liebers meine Zunge singt, nichts reiner meinen Ohren flingt, nichts Süßers meinem Herzen ist, als mein herzliebster Jesus Christ. 392 Sterbe- und Begräbnislieder. Väter Haupt und Ehr, ein Quell, und geht in Christi Garten, da Alt und Jungen in aller hat Freude, die ihn recht erfreut, Welt entsprungen. und ruht von allem Herzeleid; er sieht und hört die Scharen, die uns allhier bewahren. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, und der mir ihn gegeben, will, daß er nah an seinem Thron 9. Er sieht und hört der Engel im Himmel solle leben. Ich Mund, sein Mündlein hilft sprech: Ach weh, mein Licht ver- selbst singen; weiß alle Weisheit schwindt, Gott spricht: Will- aus dem Grund und redt von komm, du liebes Kind, dich will solchen Dingen, die unser feiner ich bei mir haben und ewig noch nicht weiß, die auch durch reichlich laben. d unsern Fleiß und Schweiß wir, weil wir sind auf Erden, nicht ausstudieren werden. 5. O süßer Rat, o schönes Wort und heilger, als wir den fen! Bei Gott ist ja tein böser 10. Ach sollt ich doch von ferne Ort, kein Unglück und kein stehn und nur ein wenig hören, Kränken, kein Angst, kein Man- wenn deine Sinne sich erhöhn gel, kein Versehn, bei Gott fann und Gottes Namen ehren, der keinem Leid geschehn; wen Gott heilig, heilig, heilig ist, durch versorgt und liebet, wird nim- den du auch geheiligt bist: ich mermehr betrübet. weiß, ich würde müssen vor Freude Thränen gießen. 11. Ich würde sprechen: Bleib allhier, nun will ich nicht mehr klagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! nein, sondern: Komm, du Wagen Elias, hole mich geschwind und bring mich dahin, da mein Kind und so viel liebe Seelen so schöne Ding erzählen! 12. Nun es sei ja und bleib also, ich will dich nicht mehr weinen; du lebst und bist von Herzen froh, siehst lauter Sonnen scheinen, die Sonnen ewger Freud und Ruh; hier leb und bleib nun immerzu, ich will, wills Gott, mit andern auch 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht die Unsrigen zu zieren; wir gehn und sorgen Tag und Nacht, wie wir sie wollen führen in einen feinen, selgen Stand, und ist doch selten so bewandt mit dem, wohin sie kommen, als wirs uns vorgenommen. 7. Wie manches junges, frommes Blut wird jämmerlich verführet durch bös Exempel, daß es thut, was Christen nicht gebühret. Da hats denn Gottes Zorn zu Lohn, auf Erden nichts als Spott und Hohn, der Vater muß mit Grämen sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht an meinem Sohn erwarten; bald hinüber wandern. der steht vor Gottes Angesicht Paul Gerhardt g. 1607 † 1676. Sterbe- und Begräbnislieder. 393 Mel. Herzlich thut mich verlangen 611. S o hab ich obge6. Schmückt meinen Sarg mit Kränzen, wie sonst ein Siegssieget, mein mann prangt. Aus jenem HimLauf ist nun vollbracht, ich bin melslenzen hat meine Seel ergar wohl vergnüget, zu tausend langt die ewig grüne Krone; guter Nacht! Ihr aber, meine die werte Siegespracht rührt her Lieben, thut nicht so ängstig- von Gottes Sohne, der hat mich lich! Was wollt ihr euch be- so bedacht. trüben? Stehts doch sehr gut um mich. 2. Denkt, Vater, wie viel Sorgen, wie manche wache Nacht, wie manchen düstern Morgen ein liebes Kind oft macht. Was ihm kann widerfahren, das fürchtet, wer es liebt. Den Kummer fönnt ihr sparen, drum seid nicht so betrübt. 3. Ach Mutter, laßt die Zähren, stellt euer Klagen ein, des Höchsten sein Begehren das muß erfüllet sein. Warum ihr jetzo weinet und gar zu kläglich thut, das ist sehr wohl gemeinet: Gott machet alles gut. 7. Doch netet ihr die Wangen, ihr Eltern, über mir, euch hat das Leid umfangen, das Herze bricht euch schier; des Baters treue Liebe sieht sehnlich in mein Grab, die Mutter stehet trübe und kehrt die Augen ab. 8. Ich war euch nur geliehen auf eine kurze Zeit, will Gott mich zu sich ziehen, so werfet hin das Leid und sprecht: Gott hats gegeben, Gott, nimms, du hast das Recht, bei dir steht Tod und Leben, der Mensch ist Gottes Knecht. 9. Daß ihr mein Grab müßt sehen, zeigt unsern schwachen Stand; daß es sobald geschehen, 4. Die Freude, die sich reget thut Gottes Vaterhand. Gott bei einem Wandersmann, wenn wird das Leid euch stillen; ich er die Reis hinleget und kommet sterbe nicht zu jung, wer stirbt glücklich an; die Freude, die nach Gottes Willen, der stirbt empfindet ein Schiffer, wenn schon alt genung. sich schier ein sichrer Hafen findet, die spür ich jetzt bei mir. ( Nachruf der Betrübten.) 5. Fahr hin, o Angst und 10. Fahr wohl, o liebe Seele, Schmerzen, fahr immer, immer genieß der süßen Lust! Uns in hin! Ich freue mich von Her- der Trauerhöhle ist nichts hievon zen, daß ich erlöset bin. Ich leb bewußt. Wann wird doch ange= in tausend Freuden in meines Schöpfers Hand; da trifft und rührt kein Leiden, so dieser Welt befannt. langen desselben Tages Schein, daß du uns wirst empfangen? O möcht er heute sein! Gottfr. Wilh. Sacer g. 1635 † 1699. 394 Sterbe- und Begräbnislieder. Eigene Melodie. befiehlt. Du eilest fort, eh sich 612. 3 euch hin, mein das Ungemach in deine Jahre Kind, denn Gott spielt. Wer lange lebt, steckt felbst fordert dich aus dieser lang im Leide, wer frühe stirbt, argen Welt. Ich leide zwar, kommt bald zur Freude. Zeuch dein Tod betrübet mich, doch hin, mein Kind! weil es Gott gefällt, so unterlaß 6. Zeuch hin, mein Kind, die ich alles Klagen und will mit Engel warten schon auf deinen stillem Geiste sagen: Zeuch hin, frommen Geist. Du siehest auch, mein Kind! wie Gottes lieber Sohn dir 2. Zeuch hin, mein Kind, der schon die Krone weist. Nun Schöpfer hat dich mir nur in wohl, dein Seele ist entbunden, der Welt geliehn. Die Zeit ist du haft im Herren überwunden. aus, darum befiehlt er dir jetzt Zeuch hin, mein Kind! wieder fortzuziehn. Zeuch hin, Gott hat es so versehen, was dieser will, das muß geschehen. Gottfr. Hoffmann g. 1658 † 1712. hin, mein Kind! 3. Beuch hin, mein Kind, im 613. Wer Himmel findest du, was dir die Welt versagt; denn nur bei ihrer Unschuld sterben, so büßt Gott ist wahrer Trost und Ruh, da wird kein Schmerz erfragt. Hier müssen wir in Ängsten schweben, dort kannst du ewig fröhlich leben. Zeuch hin, mein Kind! man sie nicht ein, sie werden nur dort oben vom Vater aufgehoben, damit sie unverloren sein. 2. Sie sind ja in der Taufe zu ihrem Christenlaufe für Christum eingeweiht und noch bei 4. Zench hin, mein Kind, hin- Gott in Gnaden; was sollt es auf in Gottes Schul, da Gott ihnen schaden, daß Jesus sie zu selbst Lehrer ist, da lauter Lust, sich entbeut? da dut vor Gottes Stuhl beim Gott der Engel bist. Da kannst du deinem Jesu singen, die Himmelslieder lassen klingen. Zeuch hin, mein Kind! Mel. O Welt, ich muß dich lassen. enn kleine Himmelserben in 3. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde. Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen und bleibest bei den Schafen, die ewig 5. Zeuch hin, mein Kind, wir unsers Jesu sind. folgen alle nach, so bald es Gott Johann Andreas Nothe g. 1688+1758. XXVII. Lieder von der Auferstehung. 395 Eigene Melodie. lich gehen; irdisch werd ich aus614.efus, meine Zuver- gesät, himmlisch werd ich auf mein ich Heiland, ist im Leben. Dieses ein, dort da werd ich geistlich weiß ich; soll ich nicht darum sein. mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland, lebt, ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden, meine starke Glaubenshand wird in ihm gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 7. Seid getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht statt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, wann die letzt Posaun erklingt, die auch durch die Gräber dringt. 8. Lacht der finstern Erdenfluft, lacht des Todes und der Höllen, denn ihr sollt euch durch die Luft eurem Heiland zugefellen.*) Dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. *) 1 Thess. 4, 17. 9. Nur, daß ihr den Geist erhebt von den Lüften dieser 4. Ich bin Fleisch und muß Erden und euch dem schon jetzt daher auch einmal zu Asche wer- ergebt, dem ihr beigefügt wollt den; das gesteh ich, doch wird werden. Schickt das Herze da er mich erwecken aus der Erden, hinein, wo ihr ewig wünscht daß ich in der Herrlichkeit um zu sein. ihn sein mög allezeit. Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg(?) g. 1627 † 1667. 5. Dieser meiner Augen Licht wird ihn, meinen Heiland, kennicht, werd in seiner Liebe bren- 615. bas aus der ErC dies Haus, nen, ich, ich selbst, kein Fremder Mel. Wachet auf. ruft uns die Stimme. mag nen; nur die Schwachheit um und an wird von mir sein abgethan. 6. Was hie frantet, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrden, nur immerhin zerbrochen werden, ein andres Haus wird uns erbaut. Gott selbst will diesen Bau vollführen, mit 396 Lieder von der Auferstehung. ewger Himmelsklarheit zieren, 2. Ach käme bald der Tag herdran man nichts Unvollkommnes an, der Tag, dran mein Erschaut. Hinweg, was irdisch lösung, der Tag, an dem ich heißt! Mein Herz und ganzer hoffen kann die Freiheit und Geist fleugt von hinnen, ergreift Genesung; da Engeln gleich dies Wort und ist schon dort im Engelreich ich werd ein an jenem selgen Freudenort. Leben haben, wo Loben, Lieben, 2. Da wird kein Vorhang an- Laben. getroffen, das Allerheiligste steht 3. Ich weiß durch meinen Jeoffen; o seligste Zufriedenheit! sum Christ, an den ich herzlich Hier, wo sich Fried und Freude gläube, der meine Auferstehung füssen, giebt süße Wonne zu ist, daß ich im Tod nicht bleibe, genießen die heiligste Dreieinig- und dieser Tag mir nicht sein feit. Es naht uns freundlich mag ein Tag der Schmach und hier der Engel schöne Zier, alle Schmerzen, wie den verruchten Frommen umfassen sich recht Herzen. brüderlich; o Herz und Seele, freue dich! 4. Ich hoffe dann den Gnadenlohn durch Christum zu er3. Hier ist nur lauter Licht langen und vor des Allerhöchsten und Freude, hier kleidet uns Thron im schönsten Schmuck zu nur weiße Seide der allerrein- prangen. Komm, süße Zeit! sten Heiligkeit; wir tragen lauter Herr, mich bereit, daß sie mich güldne Kronen, wir sitzen hier mög erquicken und ewiglich beauf güldnen Thronen, hier wech- glücken. selt sich gar keine Zeit. Hör auf, mein blöder Sinn, wo willst du endlich hin? Stille, stille! Geh Peter Busch g. 1682 † 1744. Eigene Melodie. ruhig ein, wo Gott allein wird 617. A[ uferstehn, ja aufalles und in allem sein. Jakob Baumgarten g. 1668+1722. erstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh. Unsterblichs Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 2. Wieder aufzublühn werd ich 616.3 ch freue mich der gesät. Der Herr der Ernte geht frohen Zeit, da und sammelt Garben uns ein, uns ein, die starben. Halleluja! ich soll auferstehen und Gott in schönster Herrlichkeit und meinen Heiland sehen, da ich soll sein in der Gemein der auserwählten Frommen und zu den Vätern kommen. 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. Bieder vom Gerichte. 397 4. Wie den Träumenden wirds 5. Ach ins Allerheiligste führt dann uns sein. Mit Jesu gehn mich mein Mittler dann. Lebt wir ein zu seinen Freuden. Der ich im Heiligtume zu seines müden Pilger Leiden sind dann Namens Ruhme! Halleluja! nicht mehr. Fr. Gottl. Klopstock g. 1724 † 1803. XXVIII. Pieder vom Gerichte. Eigene Melodie. 618.T Pag des Zorns, o Tag voll Grauen, da die Welt den Herrn soll schauen nach dem Wort, dem wir vertrauen! 2. Zittern in der Erde Gründen wird des Richters Nahn verkünden, der die Herzen will ergründen. 3. Wunderbar Posaunenhallen wird durch jedes Grab erschallen, auf, zum Throne! rufend allen. 4. Erd und Tod wird sehn mit Beben das Geschöpf der Gruft entschweben, Antwort seinem Herrn zu geben. 5. Und ein Buch wird sich entfalten, drin die Schuld der Welt enthalten, über die Gericht zu halten. 6. Wenn er nun sitzt auf dem Throne, kommt alsbald vor Gottes Sohne alles zu verdientem Lohne. 7. Was soll dann ich Armer sagen? wer mich zu vertreten wagen, wo selbst die Gerechten zagen? 8. Furchtbar hoch erhabner König, Quell der Liebe, Heiland gnädig, mach du mich der Sünden ledig! 9. Jesu, deiner Lieb gedenke, daß du für mich kamst, bedenke, darum einst mir Gnade schenke! 10. Bist voll Schmerz mich suchen gangen, haft für mich am Kreuz gehangen, nicht umſonst sei Tod und Bangen. 11. Richter der gerechten Rache, deiner Huld mich teilhaft mache, eh der Tag des Zorns erwache. 12. Gleich Verworfnen fühl ich Bangen, Schuld macht glühen meine Wangen; mein Gebet laß Gnad erlangen! 13. Du, der lossprach einst Marien und dem Schächer haſt verziehen, haft auch Hoffnung mir verliehen. 14. Gar unwürdig ist mein Flehen, laß du, Heiland, Gnad mich sehen, nicht ins ewge Feuer gehen! 15. Von den Böcken wollst mich scheiden, zu den Schafen mich geleiten, stelln zu deiner rechten Seiten. 16. Ruf, wenn in die ewgen Flammen sinken, die du willst verdammen, mit den Deinen mich zusammen! 17. Sieh, nach dir streck ich die Hände, zum Zerknirschten, Lieder vom Gerichte. 398 Herr, dich wende, o gieb mir ein selges Ende! 18. Tag voll Thränen, wo mit Grauen Gott die Kreatur soll schauen, auferstehend aus dem Grabe! Nimm die Schuld, Herr, allen abe! Frommer Jesu, Heiland du, schenke alln die ewge Ruh! Aus dem Lateinischen des Thomas von Celano um 1250: Dies irae, dies illa. Übersetzung von Bunsen. machen uns bereit. So last uns das nun fassen und halten fest daran; wolln wir das nun verlassen, so ists mit uns gethan. 5. Ach wär der nicht geboren, der Gottes Wort veracht! Es ist mit ihm verloren, er wandert ganz in Nacht, voll Laster und voll Schande und spottet mit Gotts Wort; o weh, die Höllenbande erwarten ihn schon dort. 6. Der Armen Not und Grämen laßt euch zu Herzen gehn, Eigene Melodie. 619. Macht auf, ihr daß ſie euch nicht beſchämen, wenn ihr vor stehn. Christen alle, Denn wer den Armen giebet, wacht auf und seid bereit in erlangt den Gnadenlohn; den, diesem Jammerthale, wacht auf, der sie hier betrübet, verdammt es ist schon Zeit! Der Herr einst Gottes Sohn. 1545. Nach dem hannov. Gsb. 1648. wird nun bald kommen und zum Gerichte gehn, die Sünd'r wird er verdammen; wer wird vor ihm bestehn? Eigene Melodie. 2. Geld, Gut kann da nicht 620. Gs ist gewich an raten, es hilft nicht hoher der Zeit, daß du mußt es kurz verlassen, wenn Gottes Sohn wird kommen in kommt der bittre Tod. Bist du seiner großen Herrlichkeit, zu gleich schön von Farben, bist du richten Bös und Fromme. Da gleich jung und reich, Gott kann wird das Lachen werden teur, dich bald verderben im Augen- wenn alles wird vergehn im Feur, blick der Zeit. wie Petrus*) davon schreibet. 3. Darum ihr Christen alle, *) 2 Petri 3, 7. die hier beisammen seid, laßt 2. Posaunen wird man hören euren Hochmut fallen und wartet gehn an aller Welten Ende, auf die Zeit! Wollt ihr bei Jesu darauf bald werden auferstehn leben, so sucht das ewge Gut, er all Toten gar behende; die aber wirds euch reichlich geben und noch das Leben habn, die wird helfen aus der Not. der Herr von Stunde an verwandeln und verneuen. 3. Darnach wird man ablesen bald ein Buch, darin geschrieben, 4. Gotts Wort ist uns gegeben aus groß'r Barmherzigkeit, daß wir darnach solln leben und Lieder vom Gerichte. was alle Menschen, jung und alt,| auf Erden habn getrieben; da denn gewiß ein jedermann wird 621. Wachetauft. ruft hören, was er in seinem ganzen Leben. uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der 4. O weh demselben, welcher 3inne, wach auf, du Stadt Jehat des Herren Wort verachtet rusalem! Mitternacht heißt dieſe und nur auf Erden früh und spat Stunde! Sie rufen uns mit nach großem Gut getrachtet! Er hellem Munde: Wo seid ihr wird fürwahr gar schlecht bestehn flugen Jungfrauen? Wohlauf, und mit dem Satan müssen gehn der Bräutgam kömmt, steht auf, von Christo in die Hölle. die Lampen nehmt! Halleluja! 399 Ev. Matth. 25. Eigene Melodie. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit macht euch bereit zu der Hochvon wegen deiner Wunden, daß zeit, ihr müsset ihm entgegen ich im Buch der Seligkeit werd gehn! angezeichnet funden. Daran ich denn auch zweifle nicht, denn du hast ja den Feind gericht und meine Schuld bezahlet. 2. Zion hört die Wächter singen, das Herz thut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund 6. Derhalben mein Fürsprecher von Gnade stark, von Wahrheit kommt vom Himmel prächtig, ſei, wenn du nun wirst er mächtig, ihr Licht wird hell, ihr scheinen, und lies mich aus dem Stern geht auf. Nih komm, du Buche frei, darinnen stehn die werte Kron, Herr Jesu, Gottes Deinen; auf daß ich samt den Sohn! Hosianna! Wir folgen Brüdern mein mit dir geh in den Himmel ein, den du uns hast erworben. all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl. Barthol. Ringwald g. 1530+ 1598. Nach dem Lateinischen Dies irae, dies illa. 3. Gloria sei dir gesungen mit 7. O Jesu Christ, du machst Menschen und mit Engelzungen, es lang mit deinem jüngsten mit Harfen und mit Cymbeln Tage; den Menschen wird auf schön. Von zwölf Perlen sind Erden bang von wegen vieler die Thore an deiner Stadt; wir Plage; fomm doch, komm doch, stehn im Chore der Engel hoch du Richter groß, und mach uns bald in Gnaden los von allem Übel! Amen. um deinen Thron. Kein Aug hat je gesehn, kein Ohr hat je gehört solche Freude. Drum jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für. Philipp Nicolai g. 1556 † 1608 400 XXIX. Lieder vom ewigen Leben. Eigene Melodie. gäst! Hilf Gott, daß wir nicht 622.h weiß ein lieb- ſchlafen, in Sünden ſchlummern lich bald habn in da ist alls Leid zergangen; im den die Lampen, Öl und Licht Himmelreich ist Freude viel ohn und uns nicht müssen wenden Endesziel, dahin soll uns ver- von deinem Angesicht. langen. 2. Da werden wir mit Freu2. Weil uns Gott durch die den den Heiland schauen an, der Gnade sein wollt lieblich dahin durch sein Blut und Leiden den weisen, so steh auf, edle Seele mein, tracht da hinein, sein Lob sollst immer preisen. in un Himmel aufgethan, die lieben Patriarchen, Propheten allzumal, die Märtrer und Apostel bei ihm in großer Zahl. 3. Der Winter falt, der Sünden Zeit die haben bald ein Ende; kehr dich zu Gott, der dir verzeiht; darum ihn bitt mit Herzen und mit Händen! 3. Die werden uns annehmen als ihre Brüderlein, sich unser gar nicht schämen, uns mengen mitten ein. Wir werden alle treten zur Rechten Jesu Christ, als unsern Gott anbeten, der unsers Fleisches ist. 4. Schlaf oder wach, lieg oder geh, so steh allzeit in Sorgen, bitt Gott, daß er dir gebe Reu all Tage neu den Abend und den Morgen. 4. Gott wird sich zu uns fehren, ein'm jeden setzen auf ein 5. Aus Herzen tief andächtig- güldne Kron der Ehren und lich sollst du mit Reue sprechen: Herzen freundlich drauf, wird Ach reicher Gott vom Himmel reich, nun wollst du dich an meiner Sünd nicht rächen! uns an sein Brust drücken aus Lieb ganz väterlich, an Leib und Seel uns schmücken mit Gaben mildiglich. 6. Ich weiß, daß Gott ist also gut, daß er dir Gnad will geben, kehrst du von Sünden deinen Mut. Wer also thut, der kommt ins ewge Leben. Nach Heinrich v. Laufenberg um 1430. 5. Da wird man hören klingen das rechte Saitenspiel, die Musikkunst wird bringen in Gott der Freuden viel, die Engel werden singen, all Heilgen Gotts zugleich, mit himmelischen ZunMel. Valet will ich dir geben. gen ewig in Gottes Reich. Bräutgam 6. Er wird uns fröhlich leiten 623. Der wird bald ins ewge Paradeis, die Hochzeit rufen: Kommt all, ihr Hochzeit- zubereiten zu seinem Lob und Lieder vom ewigen Leben. 401 Preis; da wird sein Freud und grüßet mir, thu auf der Gnade Wonne in rechter Lieb und Treu Pfort! Wie große Zeit hat mich aus Gottes Schatz und Bronne verlangt nach dir, eh ich bin und ewig werden neu. kommen fort aus jenem bösen Leben, aus jener Nichtigkeit, und Gott mir hat gegeben das Erb der Ewigkeit. 7. Also wird Gott erlösen uns gar von aller Not, vom Teufel, allem Bösen, von Trübsal, Angst und Spott, von Trauren, Weh und Klagen, von Krankheit, Schmerz und Leid, von Schwermut, Sorg und Zagen, von aller bösen Zeit. Nach Johann Walther+ 1570. Eigene Melodie. 624.eruſalem, du hoch gebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, weit über blaches Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt. 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schar kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, seh ich, die beste Kron, die Jesus mir, der Herre, entgegen hat gesandt, da ich noch war so ferne in meinem Thränenland. 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Christen insgemein, die weiland dort trugen des Kreuzes Joch und der Tyrannen Pein, schau ich in Ehren schweben, in Freiheit überall, mit Klarheit hell umgeben, mit sonnenlichten Strahl. 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, wann wirst du kommen schier, da ich mit Lust, mit freiem Freudenmund 7. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin im schönen Paradeis, von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, der Mund von Lob und Preis. Das Halleluja die Seele geb von mir in Gottes reine singt man in Heiligkeit, treue Hände zum auserwählten Pfand, daß sie mit Heil an lände in jenem Vaterland? das Hosianna feine ohn End in Ewigkeit, 8. Mit Jubelklang, mit In3. Im Augenblick wird sie er- strumenten schön, mit Chören heben sich bis an das Firma- ohne Zahl, daß von dem Schall ment, wenn sie verläßt so sanft, und von dem süßen Ton sich regt so wunderlich die Stätt der Ele- der Freudensaal, mit hundert ment, fährt auf Elias Wagen tausend Zungen, mit Stimmen mit heilger Engelschar, die sie noch viel mehr, wie von Anfang in Händen tragen, umgeben ganz gesungen das große Himmelsheer. und gar. 4. O Ehrenburg, sei nun geJoh. Matth. Meyfart g. 1590 † 1642. 26 402 Lieder vom ewigen Leben. Eigene Melodie. wo ich mich hinwende. Mein 625. wie selig seid ihr ganz erschrocknes Herz erbebt, daß mir die Zung am Gaumen klebt. doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen aller Not, die uns noch hält gefangen. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, das endlich mit der Zeit nicht fällt und ganz wird aufgehoben; die Ewigkeit nur hat 2. Muß man doch hier wie im kein Ziel, sie treibet fort und Kerker leben, da nur Sorge, fort ihr Spiel, läßt nimmer ab Furcht und Schrecken schweben; zu toben, ja wie mein Heiland was wir hie kennen, ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. selber spricht, aus ihr ist kein Erlösung nicht. 3. Ewigkeit, du machst mir bang, o ewig, ewig ist zu lang, hier gilt fürwahr fein Scherzen. Drum, wenn ich diese lange Nacht zusamt der großen Pein betracht, erschreck ich recht von Herzen; nichts ist zu finden weit und breit so schrecklich als die Ewigkeit. 4. Ach Gott, wie bist du so gerecht, wie strafest du die bösen Knecht so hart im Pfuhl der Schmerzen; auf kurze Sünden dieser Welt hast du so lange Pein bestellt. Ach nimm dies wohl zu Herzen und merk auf dies, o Menschenkind: kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 3. Jhr hingegen ruht in Kammer sicher und befreit von allem Jammer, kein Kreuz und Leiden ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab euch alle Thränen, ihr habt schon, wonach wir uns erst sehnen, euch wird gesungen, was durch feines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hier bleiben, sich den Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen, lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, ist der frommen Seelen Freud und Wonne. Simon Dach g. 1605+ 1659. 5. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf, ermuntre dich, verlornes Schaf, und beßre bald dein Leben! Wach auf, es ist doch hohe Zeit, es fommt heran die Ewigkeit, dir deinen Lohn Eigene Melodie. 626. Ewigkeit, du zu geben. Vielleicht ist heut der Donnerwort, o letzte Tag: wer weiß doch, wie man sterben mag? Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich 6. Ewigkeit, du Donnerwort, o Schwert, das durch die weiß vor großer Traurigkeit nicht, Seele bohrt, o Anfang sonder Lieder vom ewigen Leben. 403 Ende! Ewigkeit, Zeit ohne der Gottheit Schein, sie haben Zeit, ich weiß vor großer Trau- güldnen Friede, da Christus rigkeit nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freudenzelt! giebt, wie er verheißt, das Manna, das die Engel speist. Johann Rist g. 1607+ 1667. 5. Ach wie verlanget doch nach dir mein mattes Herze mit Begier, du überselges Leben. Wann werd ich doch einmal dahin gelangen, wo mein schwacher Sinn Mel. Ewigkeit, du Donnerwort. 627. Ewigkeit, du stets pfleget nach zu ſtreben! Ich Freudenwort, das mich erquicket fort und fort, o Anfang sonder Ende! Ewigfeit, Freud ohne Leid, ich weiß vor Herzensfröhlichkeit gar nichts mehr vom Elende, das sonst in diesem Leben plagt, weil mir die Ewigkeit behagt. will der Welt vergessen ganz, mich sehnen nach des Himmels Glanz. 6. Ewigkeit, du Freudenwort, das mich erquicket fort und fort, o Anfang sonder Ende! Ewigkeit, Freud ohne Leid, ich weiß von feiner Traurigkeit, wenn ich mich zu dir wende. Herr Jesu, gieb mir solchen Sinn beharrlich, bis ich komm dahin. 2. Kein Herrlichkeit ist in der Welt, die endlich mit der Zeit nicht fällt und gänzlich muß vergehen; die Ewigkeit nur hat kein Ziel, sie treibet fort und fort ihr Kaspar Heunisch g. 1620+ 1690. Mel. Da Christus geboren war. Spiel, bleibt unverändert ſtehen, 628. Lobe, mein Herz deinen der heilge spricht, ihr Erbe das verwelket nicht.*) *) 1 Petr. 1, 4. dir hilft aus aller Not, der dir alle Sündenschuld schenkt aus lauter Gnad und Huld, der dir hier Gerechtigkeit, Gnade, Trost und Heiligkeit und dort giebt die 3. Ewigkeit, du währest lang! Wenn mir auf Erden gleich ist bang, weiß ich, daß dies aufhöret. Drum, wenn ich diese Seligkeit. lange Zeit erwäge samt der Seligkeit, die gar nichts mehr zerstöret, so acht ich alles Leiden nicht, das kaum den Augenblick anficht. 2. Da ist Leben, Fried und Freud, da ist Ehr und Herrlichkeit, da ist deines Vaters Haus, da ist alles Weinen aus; was kein Aug sieht jederzeit, was fein Ohr hört weit und breit, hast du dort in Ewigkeit. 3. Da will dein Gott alles sein, da wird Gott, dein Freudenden Engeln ein, sie sehen stets schein, Leib und Seel verneuen 26* 4. Jm Himmel lebt der Christen Schar bei Gott viel tausendtausend Jahr und werden des nicht müde. Sie stimmen mit 404 Lieder vom ewigen Leben. ganz gleich dem schönen Son- schönste Frühlingsschein verheißt nenglanz; da ist Gott dein Trost Erquickungszeiten; die Abendund Schild, der dein Herz mit röte zeigt den schönen Tag von Freude füllt, weil du bist sein weiten, vor dem das Dunkle Ebenbild. weicht. 4. Dir, Herr, zu Lob, Ehr und 5. Begegnet ihm auf Erden, Dank will ich meinen Lobgesang ihr, die ihr Zion liebt, mit freufröhlich singen immerdar mit digen Geberden und seid nicht der Auserwählten Schar, wenn mehr betrübt! Es sind die Freumein Leib und Seel erfreut in des Himmels Herrlichkeit wohnen wird in Ewigkeit. denstunden gekommen, und der Braut wird, weil sie überwunden, die Krone nun vertraut. Joh. Olearius g. 1611 † 1684. 6. Die ihr Geduld getragen und mit gestorben seid, sollt nun nach Kreuz und Klagen in Freude sonder leid mit leben und regieren und vor des Lammes Thron mit Jauchzen triumphieren in eurer Siegeskron. Mel. Valet will ich dir geben. rmuntert euch, ihr 629. G Frommen, zeigt eurer Lampen Schein, der Abend ist gekommen, die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich auf- 7. Hier sind die Siegespalmen, gemachet der Bräutigam mit hier ist das weiße Kleid, hier Pracht; auf, betet, kämpft und stehn die Weizenhalmen im Friewachet, bald ist es Mitternacht. den nach dem Streit und nach 2. Macht eure Lampen fertig den Wintertagen, hier grünen und füllet sie mit Öl und seid die Gebein, die dort der Tod des Heils gewärtig, bereitet Leib erschlagen, hier schenkt man und Seel! Die Wächter Zions Freudenwein. schreien: Der Bräutigam ist nah, begegnet ihm im Reihen und fingt Halleluja! 8. D Jesu, meine Wonne, komm bald und mach dich auf, geh auf, verlangte Sonne, und 3. Ihr klugen Jungfraun alle, fördre deinen Lauf! O Jesu, hebt nun das Haupt empor mit mach ein Ende und führ uns Jauchzen und mit Schalle zum aus dem Streit, wir heben Haupt frohen Engelchor! Die Thür ist und Hände nach der Erlösungsaufgeschlossen, die Hochzeit ist zeit. bereit; auf, auf, ihr Reichsgenossen, der Bräutgam ist nicht weit. Laurentius Laurenti g. 1660 † 1722. 4. Er wird nicht lang verziehen, 630. wie fröhlich, wie Mel. 1. Alle Menschen müssen sterben. o drum selig werden man sieht die Bäume blühen, der im Himmel sein! Droben ernten Lieder vom ewigen Leben. 405 wir unzählig unsre Freuden- schau? Werd ich nicht bald garben ein. Gehen wir hier hin aufgenommen in den schönen und weinen, dorten wird die Himmelsbau, dessen Grund den Sonne scheinen, dort ist Tag Perlen gleichet, dessen Glanz die und keine Nacht, wo man nach Sonne weichet, dessen wunderden Thränen lacht. volle Pracht alles Gold beschämet macht? 2. Es ist doch um dieses Leben nur ein jämmerliches Thun, und die Not, die uns umgeben, lässet uns gar selten ruhn. Von dem Abend bis zum Morgen kämpfen wir mit lauter Sorgen, und die überhäufte Not heißet unser täglich Brot. 3. Ach wer sollte sich nicht sehnen, bald in Zion dort zu stehn und aus diesem Thal der Thränen in den Freudenort zu gehn, wo das Kreuze sich in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Last in Lust verfehrt, und das Jauchzen ewig währt! 4. Da wird unser Aug erblicken, was ganz unvergleichlich ist; da wird unsern Mund erquicken, was aus Gottes Herzen fließt; da wird unser Ohr nur hören, was die Freude kann vermehren; da empfindet unser Herz lauter Wohllust ohne Schmerz. 5. O wie werden wir so schöne bei der Klarheit Gottes sein! Wie wird da das Lobgetöne seiner Engel uns erfreun! Wie wird unsre Krone glänzen bei so vielen Siegeskränzen, wie wird unser Kleid so rein, heller als die Sonne sein! 6. Ach wann werd ich dahin kommen, daß ich Gottes Antlitz 7. Nun, ich sterbe vor Verlangen, o du großer Lebensfürst, laß mich bald dahin gelangen, wo du mich recht trösten wirst. Unterdessen laß auf Erden schon mein Herze himmlisch werden, bis mein Los in jener Welt auf das allerschönste fällt. Benjamin Schmold g. 1672+ 1737. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 631. Himmelan geht unfre Bahn, wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir hin nach Kanaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimstand, droben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist, denn du bist ein himmlisch Wesen und kannst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleuchter Sinn kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! Die Welt kann dir nur geborgte Güter geben, deine himmlische Begier muß nach solchen Schätzen streben, die uns bleiben, wenn die Welt in ihr erstes Nichts zerfällt. 4. Himmelan! Ich muß mein Herz auch bei meinem Schatze haben, denn es kann mich ander 406 Lieder vom ewigen Leben. wärts kein so großer Reichtum| Träget jeder eine Krone, glänzen laben, weil ich schon im Himmel wie die Sterne klar, Halleluja bin, wenn ich nur gedenk an ihn. singen all, loben Gott mit hohem 5. Himmelan! ruft er mir Schall. zu, wenn ich ihn im Worte höre; das weist mir den Ort der Ruh, wo ich einmal hingehöre. Wenn 2. Wer sind die, so Palmen tragen wie ein Sieger in der Hand, welcher seinen Feind geich dieses Wort bewahrt, halt ich schlagen, hingestrecket in den eine Himmelfahrt. Sand? Welcher Streit und welcher Krieg hat gezeuget diesen Sieg? 6. Himmelan! denk ich allzeit, wenn er mir die Tafel decket, und mein Geist hier allbereit eine 3. Wer sind die in reiner Kraft des Himmels schmecket. Seide, welche ist Gerechtigkeit,*) Nach der Kost im Jammerthal angethan mit weißem Kleide, folgt des Lammes Hochzeitmahl. das bestäubet feine Zeit und 7. Himmelan! Mein Glaube veraltet nimmermehr? Wo sind zeigt mir das schöne Los von diese kommen her?*) Off. 19, 8. ferne, daß mein Herz schon auf- 4. Es sind die, so wohl gewärts steigt über Sonne, Mond rungen für des großen Gottes und Sterne, denn ihr Licht ist Ehr, haben Welt und Tod beviel zu klein gegen jenen Glanz zwungen, folgend nicht dem fündund Schein. gen Heer, die erlanget auf den Krieg durch des Lammes Blut den Sieg. 5. Es sind die, so viel erlitten, Trübfal, Schmerzen, Angst und Not, im Gebet auch oft gestritten mit dem hochgelobten Gott; nun hat dieser Kampf ein End, Gott hat all ihr Leid gewendt. 9. Himmelan! ach himmelan! das soll meine Losung bleiben, ich will allen eitlen Wahn durch 6. Es sind Zweige eines die Himmelslust vertreiben. Him- Stammes, der uns Huld und melan nur steht mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. Benjamin Schmold g. 1672 1737. Heil gebracht, haben in dem Blut des Lammes ihre Kleider hell gemacht; sind geschmückt mit Heiligkeit, prangen nun im Ehrenkleid. 7. Es sind die, so stets erschienen hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit Was ist das für eine Schar? zu dienen, Leib und Seel geOffenb. Joh. 7, 9-17. Mel. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel. er sind die vor Gottes Throne? 632. 8. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Heimat führen, da ich über alle Not ewig werde triumphieren; Jesus geht mir ſelbst voran, daß ich freudig folgen kann. Lieder vom ewigen Leben. 407 opfert gern; nunmehr stehn sie seinem Stuhle weiden, wirf hin all herum vor dem Stuhl im Heiligtum. die Last und eil herzu! Bald iſt der schöne Kampf geendet, bald, bald der saure Lauf vollendet, so gehst du ein zu deiner Ruh. 8. Dahin streck auch ich die Hände, o Herr Jesu, zu dir aus, mein Gebet ich zu dir wende, der ich noch in deinem Haus hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 9. Hilf mir in dem Kampfe fiegen wider Sünde, Höll und Welt, laß mich nicht darnieder liegen, wenn ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Not, Herr, mein Fels, mein treuer Gott! 10. Daß mein Teil sei bei den Frommen, welche, Herr, dir ähnlich sind, und auch ich der Not entnommen als dein dir getreues Kind dann genahet zu dem Thron nehme den verheißnen Lohn. 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, die manche Last und Bürde drückt, eilt, eilt aus euren Kummerhöhlen, geht nicht mehr traurig und gebückt! Jhr habt des Tages Last getragen, dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt sein; ihr seid mein Volk, gezeugt von oben, ob Sünde, Welt und Teufel toben, seid nur getrost und gehet ein! 4. Was mag wohl einen Kranfen laben und einen müden Wandersmann? Wo jener nur ein Bettlein haben und sanfte darauf ruhen kann, wenn dieser sich darf niedersetzen, an einem frischen Trunk ergeßen, wie sind sie beide so vergnügt! Doch dies sind kurze müdes Herz, und werde licht! Ruhestunden; es ist noch eine Du seufzest hier in deinen Banden, und deine Sonne scheinet nicht. Sich auf das Lamm, das dich mit Freuden dort wird vor 633.G s ist noch eine Ruh vorhanden, auf, Ruh erfunden, da man auf ewig stille liegt. 11. Welches Wort faßt diese Wonne, wenn ich mit der heilgen Schar in dem Strahl der reinen Sonne leucht auch wie die Sterne klar! Amen, Lob sei dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! Heinr. Theobald Schent+ 1727. 2. Die Ruhe hat Gott auserforen, die Ruhe, die kein Ende nimmt. Es hat, da noch kein Mensch geboren, die Liebe sie uns schon bestimmt. Das Gotteslamm wollt darum sterben, uns diese Ruhe zu erwerben; es ruft, es locket weit und breit: Ihr mü den Seelen und ihr frommen, versäumet nicht, heut einzukommen zu meiner Ruhe Lieblichkeit. Hebr. 4, 9. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele. 5. Da wird man Freudengarben bringen, denn unsre Thrä 408 Lieder vom ewigen Leben. nensaat ist aus. O welch ein zu freun, in ihm entschlafen Jubel wird erklingen und süßer werde, von feiner Sünde mehr Ton im Vaterhaus! Schmerz, entweiht, entladen von der SterbSeufzen, Leid, Tod und derglei- lichkeit, nicht mehr der Mensch chen wird müssen fliehn und von von Erde! Freu dich, Seele, uns weichen. Wir werden auch stärke, tröste dich, Erlöste, mit das Lamm dort sehn, es wird beim Brünnlein uns erfrischen, die Thränen von den Augen wischen; wer weiß, was sonst noch soll geschehn? dem Leben, das dir dann dein Gott wird geben. 6. Kein Durst noch Hunger wird uns schwächen, denn die Erquickungszeit ist da; die Sonne wird uns nicht mehr stechen, das Lamm ist seinem Volke nah, es will selbst über ihnen wohnen und ihre Treue wohl belohnen mit Licht und Trost, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen. Der große Sabbath ist erschienen, da man von feiner Arbeit weiß. 2. Ich freue mich und bebe doch: so drückt mich meines Elends Joch, der Fluch der Sünde nieder. Der Herr erleichtert mir mein Joch, es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, glaubt und erhebt sich wieder. Jesus Christus, laß mich streben dir zu leben, dir zu sterben, deines Vaters Reich zu erben. 3. Verachte denn des Todes Graun, mein Geist, er ist ein Weg zum Schaun, der Weg im finstern Thale. Er sei dir nicht mehr fürchterlich, ins Allerheiligste führt dich der Weg im finstern Thale. Gottes Ruh ist unvergänglich, überschwänglich; die Erlösten wird sie unaussprechlich trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Toten sammelt. Vielleicht umgiebt mich ihre Nacht, eh ich dies Flehen noch vollbracht, mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, ich befehle meine Seele deinen Händen, jetzo, Vater, deinen Händen. 7. Da ruhen wir und sind im Frieden und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden, legt euch dem Lamm in seinen Schoß! Ach Flügel her, wir müssen eilen und uns nicht länger hier verweilen, dort wartet schon die frohe Schar! Fort, fort, mein Geist, zum Jubilieren! Begürte dich zum Triumphieren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Joh. Sigism. Kunth g. 1700 † 1779. Mel. Wie schön leuchtu. d. Morgenstern. ie wird mir dann, o dann mir sein, wenn ich, mich ganz des Herrn 634.W 5. Vielleicht sind meiner Tage viel, ich bin vielleicht noch fern von Ziel, an dem die Krone Lieder vom ewigen Leben. schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, die Hütte meiner Sterblichkeit wird sie erst spät zertrümmert, laß mich, Bater, gute Thaten, gute Thaten mich begleiten vor den Thron der Ewigkeiten! Eigene Melodie. 6. Wie wird mir dann, ach dann mir ſein, wenn ich, mich 636.h hab von ferne, ganz Thron erblickt und hätte gerne Herr, deinen mein Herz vorausgeschickt und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. des Herrn zu freun, ihn dort anbeten werde, von feiner Sünde mehr entweiht, ein Mitgenoß der Ewigkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, heilig, heilig singen wir dir, bringen Preis und Ehre dir, der war und sein wird, Ehre! Fr. Gottl. Klopstock g. 1724+1803. Mel. Christus der ist mein Leben. 635. Ad ch wär ich schon dort droben, mein Heiland, wär ich da, wo dich die Scharen loben, und säng Halleluja! 2. Wo wir dein Antlitz schauen, da sehn ich mich hinein, da will ich Hütten bauen, denn dort ist gut zu sein. 3. Da werd ich alles sehen, den großen Schöpfungsrat, was durch dein Blut geschehen, und deines Geistes That. 4. Da feiern die Gerechten, die ungezählte Schar, mit allen deinen Knechten das große Jubeljahr. 409 6. Da werden meine Thränen ein Meer voll Freude sein. Ach stille bald mein Sehnen und hole mich hinein! E. G. Woltersdorf g. 1725+ 1761. 5. Mit göttlich süßen Weisen wird mein verklärter Mund dich ohne Sünde preisen, du meines Lebens Grund! 2. Das war so prächtig, was ich im Geist gesehn; du bist allschön. Könnt ich an diesen hellen drum ist dein Licht so Thronen doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur ich bin sündig, der Erde noch geneigt; das hat mir bündig dein heilger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, daß mich kein Bann erschreckt; ich bin schon selig, seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt gesehn, und ohn Ermüden will ich ihr näher gehn und ihre hellen goldnen Gassen lebenslang nicht aus den Augen lassen. Joh. Tim. Hermes g. 1738+ 1821. 410 Lieder vom ewigen Leben. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. such und finde. Rufe du dann | err, ich bin dein mir zu: Such in mir dein Leben, dann ist dir vergeben. 637.5 Eigentum, dein ist auch mein Leben, mir zum Heil und dir zum Ruhm hast du es gegeben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 8. Einst am Tage des Gerichts werd ich mit den Frommen zu dem Anschaun deines Lichts gnädig aufgenommen. Wonnevoll, Jesu, soll dich im höhern Leben dann mein Dank erheben. Balthasar Münter g. 1735 1793. 2. Einst kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden, und ich soll zur Rechenschaft dann gerufen werden. Dein Gericht Eigene Melodie. ſchonet nicht, Richter aller Wel- 638.Himmelen, nur hiver soll 3. Weh dann mir in Ewigkeit, Wandel gehn. Was die Fromwenn ich deine Gabe, meine men wünschen, kann dort erst Kräfte, meine Zeit hier gemiß- ganz geschehn, auf Erden nicht; braucht habe. Wehe mir, hab Freude wechselt hier mit Leid. ich hier sie nicht treu verwendet, Richt hinauf zur Herrlichkeit dein forglos sie verschwendet. Angesicht! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben, möcht ich immer meiner Pflicht treu zu bleiben streben, daß ich nie thöricht sie außer Augen setze, nie sie frech verletze. 2. Himmelan schwing deinen Geist jeden Morgen auf! Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, unser Pilgerlauf. Fleh täglich neu: Gott, der mich zum Himmel schuf, präg ins Herz mir den Beruf, mach mich getreu! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen, eingedenk 3. Himmelan hat er dein Ziel der Rechenschaft nur was gut selbst hinaufgestellt. Sorg nicht ist wählen. Gieb, daß ich ernst- mutlos, nicht zu viel um den lich mich täglich und auch heute Tand der Welt! Flieh diesen darauf vorbereite. Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, dir von Schäßzen dort erstrebst, das ist Gewinn. 6. Zeigt sich erst die Ewigkeit furchtbar in der Nähe, o dann ist es nicht mehr Zeit, daß ich Gnad erflehe. Wenn der Tod schon mir droht, kann ich deinen Willen, Herr, nicht mehr erfüllen. 4. Himmelan erheb dich gleich, wenn dich Rummer drückt, weil dein Vater treu und reich stündlich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben, in dem Land 7. Mein Gewissen strafe mich gleich bei jeder Sünde, daß ich, des Lichts, weiß man von den Mittler, bald durch dich Gnade Sorgen nichts, sei himmlisch froh! 411 8. Himmelan führt dich zuletzt selbst die Todcsnacht. Seis, daß sie dir sterbend jetzt kurze Schrecken macht, harr aus, harr aus! Auf die Nacht wirds ewig hell, nach dem Tod erblickst du schnell des Vaters Haus. Lieder vom ewigen Leben. 5. Himmelan wallt neben dir alles Volk des Herrn, trägt im Himmelsvorschmack hier seine Lasten gern. O schließ dich an! Kämpfe drauf, wie sichs gebührt, denke: auch durch Leiden führt die Himmelsbahn. 6. Himmelan ging Jesus 9. Halleluja! Himmelan steig Christ mitten durch die Schmach; dein Dank schon hier! Einst wirst eil, weil du sein Jünger bist, du mit Scharen nahn, und Gott seinem Vorbild nach! Er litt naht zu dir in Ewigkeit. Aller und schwieg; halt dich fest an Gott wie er, statt zu klagen bete mehr, erkämpf den Sieg! Jammer ist vorbei, alles preist verklärt und neu in Ewigkeit. 10. Halleluja fingst auch du, 7. Himmelan führt seine Hand wenn du Jesum siehst, unter durch die Wüste dich, ziehet dich Jubel ein zur Ruh in den im Prüfungsstand näher hin zu Himmel ziehst. Gelobt sei er! sich im Himmelssinn. Von der Der vom Kreuz zum Throne Weltlust freier stets und mit stieg, hilft dir aus zu diesem ihm vertrauter, gehts zum Him- Sieg. Gelobt sei er! mel hin. Joh. Gottfr. Schöner g. 1749+ 1818. Berzeichnis der Dichter. Agricola, Johann( Schnitter, Magister Grickel), Mitverfasser des Interim, g. 1492 zu Eisleben,+ 1566 als Hofprediger zu Berlin. 334. Albert, Heinrich, g. 1604 zu Lobenstein im Vogtlande, † 1651 als Organist zu Königsberg i. Pr. 473. Alberus, Erasmus, g. um 1500 in der Wetterau, † 1553 nach bewegtem Leben als Superintendent zu Neubrandenburg in Mecklbg. 466. 497. Albinus, Johann Georg, g. 1624 zu Unternessa bei Weißenfels, † 1679 als Pfarrer zu Naumburg. 250. 596. Allendorf, Joh. Ludw. Konrad, g. 1693 zu Josbach bei Marburg, + 1773 als Pastor und Scholarch zu Halle. 286. 324. 371. 602. Altenburg, Michael, g. 1584 zu Alach bei Erfurt, † 1640 als Pastor zu Erfurt. 171. Amilie Juliane, Gemahlin des Grafen Albrecht Anton zu SchwarzburgRudolstadt, geb. Gräfin von Barby, g. 1637, † 1706. 452. 520. 557. 599. Angelus Silesius siehe Scheffler. Anna Sophia, Bandgräfin zu Hessen- Darmstadt, g. 1638, † 1683 als Übtiffin des Stifts Quedlinburg. 187. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig- Büneburg, g. 1633, regierender Herzog von Braunschweig- Wolfenbüttel seit 1685, trat 1710 öffentlich zur römischen Kirche über, † 1714 zu Salzdahlum. 406. 480. Arends, Wilh. Erasmus, † 1721 als Pastor zu Halberstadt. 362. Arndt, Ernst Morit, g. 1769 zu Schoritz auf Rügen, † 1860 als Professor emer. der Geschichte zu Bonn. 57. 291. 605. Arnold, Gottfried, g. 1666 zu Annaberg im Königreich Sachsen, Professor zu Gießen, † 1714 als Pastor und Inspektor zu Perleberg. 413. Baumgarten, Jakob, g. 1668 zu Wolmirstedt bei Magdeburg, Inspektor des Pädagogiums in Halle, † 1722 als Pastor zu Berlin. 615. Verzeichnis der Dichter. 413 Beder, Cornelius, g. 1561 zu Leipzig, † 1604 als Professor der Theologie und Pastor daselbst. 200. 507. Behm, Martin( Behemb, Bohemius), g. 1557 zu Lauban in der OberLausit, † 1622 als Pastor prim. daselbst. 66. 470. 471. 547. 584. Behme, David, g. 1605 zu Bernstadt in Schlesien, † 1657 als Ölsnischer Hosprediger und Konsistorialrat daselbst. 594. Betichius, Johann, g. 1650 zu Steckby in Anhalt- Zerbst, † 1722 als Diakonus zu Zerbst. 483. Bienemann, Kaspar( Melissander), g. 1540 zu Nürnberg, † 1591 als Generalsuperintendent zu Altenburg. 338. von Birken, Sigismund( Betulius), g. 1626 zu Wildstein bei Eger, † 1681 als Privatgelehrter in Nürnberg. 89. 343. von Bogatky, Karl Heinrich, g. 1690 zu Jankowe in Schlesien, † 1774 als Privatmann im Waisenhause zu Halle. 178. 370. Böhmische oder Mährische Brüder. Ihre Lieder( zum Teil aus dem Böhmischen übersetzt) gaben Michael Weiße( † 1540 in Neutomischl) im Jahre 1531 und Joh. Horn( † 1547 zu Jungbunzlau) im Jahre 1544 heraus. 76. 231. 439. 499. 573. Bonn, Hermann, g. um 1504 zu Quakenbrück in Hannover, † 1548 als Superintendent zu Lübeck. 77. Bornschürer, Johann, g. 1625 zu Schmalkalden, † 1677 als Dekan zu Thann in Mittelfranken. 201. Böschenstain, Johann, g. 1472 zu Eßlingen in Würtemberg, † 1540 als Lehrer der hebräischen Sprache zu Augsburg. 81. Breithaupt, Joachim Justus, g. 1658 zu Northeim in Hannover, † 1732 zu Halle als Professor der Theologie, Generalsuperintendent und Abt des Klosters Bergen bei Magdeburg. 272. Bruhn, David, g. 1727 zu Memel, † 1782 als Pastor zu Berlin. 289. von Bunsen, Christian Karl Josias, g. 1791 zu Korbach, Preuß. Gesandter in Rom und London, † in Bonn 1860. Gab 1833 ein Allgemeines evangelisches Gesang- und Gebetbuch heraus. 618. Busch, Peter, g. 1682 zu Lübeck, Pastor zu Hildesheim, † 1744 als Pastor an der Kreuzkirche zu Hannover. Herausg. des Hildesheimschen Gesangs buchs von 1719( Liederkerns). 99. 616. Chiomusus siehe Schneefing. Claudius, Matthias, der Wandsbecker Bote, g. 1740 zu Reinfeld bei Lübeck, † 1815 als Bankrevisor zu Altona. 515. Clausniger, Tobias, g. 1618 od. 1619 zu Thum bei Annaberg, † 1684 als turpfälzischer Kirchenrat zu Weiden in der Oberpfalz. 6. 92. Crasselius, Bartholomäus, g. 1667 zu Wernsdorf im Königreich Sachsen, † 1724 als Pfarrer zu Düsseldorf. 381. 414 Verzeichnis der Dichter. Creutberg, Amadeus, Schriftstellername für Sinold. Dach, Simon, g. 1605 zu Memel, † 1659 als Professor der Dichtkunst zu Königsberg i. Pr. 591. 625. Decius, Nicolaus( Hovejch?), Mönch im Kloster Steterburg bei Brauns schweig, 1523 evang. Prediger in Stettin, † 1541 daselbst. 75. 149. Denicke, David, g. 1603 in Zittau im Königreich Sachsen, † 1680 als Kammer- und Konsistorialrat in Hannover, gab in Gemeinschaft mit Gesenius das( New ordentlich) hannöversche Gesangbuch von 1646, 1648, 1652, 1657 2c. heraus. 1. 161. 188. 244. 268. 269. 378. Derschow, Bernhard, g. 1591 zu Königsberg i. Pr., † 1639 als Professor der Theologie, Konsistorialrat und Oberpfarrer daselbst. 213. Deßler, Wolfgang Christoph, g. 1660 zu Nürnberg, † 1722 als Ronrektor der Schule zum heil. Geist daselbst. 309. Diterich, Johann Samuel, g. 1721 zu Berlin, † 1797 als Oberkonsistorialrat und Pastor daselbst. Herausgeber der Lieder für den öffentlichen Gottesdienst, Berlin 1765, in welchem Buche er die Kirchenlieder auf das Willkürlichste umarbeitete. 146. 260. 261. Drese, Adam, g. 1620 zu Weimar(?), † 1701 als fürstlich Schwarzburgischer Kapellmeister zu Arnstadt in Thüringen. 311. Eber, Paul, g. 1511 zu Kitzingen in Unterfranken, Freund Luthers, † 1569 als Generalsuperintendent und Professor der Theologie zu Wittenberg. 58. 233. 576. 577. Ebert, Jakob, g. 1549 zu Sprottau in Schlesien, † 1615 als Professor der Theologie zu Frankfurt a. D. 542. Eleonore, Fürstin Reuß, geb. Gräfin zu Stolberg, g. 1835. 65. Fabricius, Friedrich, g. 1642 zu Stettin, † 1703 als Pastor daj. 31. 134. Falk, Joh. Daniel, g. 1768 zu Danzig, † 1826 als Legationsrat zu Weimar. 569. Fischer, siehe Vischer. Fleming, Paul, g. 1609 zu Hartenstein im Königreich Sachsen, † 1640 als Doktor der Medicin zu Hamburg. 393. Frand, Johann, g. 1618 zu Guben in der Niederlausit, † 1677 als Bürgermeister daselbst. 4. 156. 157. 215. 246. 300. 441. 546. Frand, Michael, g. 1609 zu Schleusingen in Thüringen,+ 1667 als Lehrer an der Stadtschule zu Koburg. 348. 593. Franck, Salomo, g. 1659 zu Weimar, † 1725 als Oberkonsistorialsekretär daselbst. 103. 216. 317. 364. 419. 488. Francke, August Hermann, g. 1663 zu Lübeck, Begründer der Franckeschen Stiftungen in Halle, † 1727 als Professor der Theologie u. Pastor zu Halle. 62. Freylinghausen, Johann Anastasius, g. 1670 zu Gandersheim in Brauns schweig, Schwiegersohn Franckes, † 1739 als Pastor und Direktor der Franceschen Stiftungen zu Halle. 257. 314. 421. 510. Verzeichnis der Dichter. 415 Freystein, Johann Burchard, g. 1671 zu Weißenfels,+ 1718 als Hof- u. Justizrat zu Dresden. 351. Fritsch, Ahasverus, g. 1629 zu Mücheln bei Merseburg, † 1701 als Kanzleidirektor und Konsistorialpräsident zu Rudolstadt. 93. Funk, Gottfried Benedikt, g. 1734 zu Hartenstein im Königreich Sachsen, t 1814 als Konsistorialrat und Rektor des Domgymnasiums zu Magdeburg. 124. Garve, Karl Bernhard, g. 1763 zu Jeinsen bei Hannover, bis 1836 Prediger der Brüdergemeinde zu Neusat a. d. D., † 1841 zu Herrnhut. 181. 198. 332. Gedicke, Lampertus, g. 1683 zu Gardelegen in der Altmark, † 1735 als Feldprobst zu Berlin. 420. Gellert, Christian Fürchtegott, g. 1715 zu Hainichen im sächsischen Erzgebirge, † 1769 als außerordentlicher Professor der Dichtkunst, Beredsamkeit und Moral zu Leipzig. 56. 123. 197. 219. 259. 287. 373. 374. 423. 424. 435. 461. 462. 463. 464. 465. 491. 514. 604. Gensch von Breitenau, Christoph, g. 1638 zu Naumburg, Hofrat des Herzogs von Plön und dänischer Geheimrat, † 1732 als Privatmann zu Lübeck. 249. Gerhardt, Paulus, g. 1607 zu Gräfenhainichen bei Wittenberg, 1651-1657 Probst zu Mittenwalde in Brandenburg, 1657-1667 Diakonus zu Berlin, † 1676 als Archidiakonus zu Lübben. 27. 28. 47. 48. 49. 50. 61. 85. 86. 87. 88. 116. 142. 151. 270. 301. 347. 395. 396. 397. 398. 399. 400. 401. 402. 445. 446. 447. 475. 476. 477. 502. 524. 545. 548. 595. 610. von Gersdorf, Henriette Katharina, g. von Friesen, g. 1648 zu Sulzbach, Gemahlin des kursächsischen Geheimrats v. G. in Dresden, Großmutter Zinzendorfs, † 1726 zu Großhennersdorf bei Herrnhut. 177. 415. Gesenius, Justus, g. 1601 zu Esbeck in Hannover, † 1673 als Oberhofprediger und Generalsuperintendent zu Hannover( siehe Denice). 83. 268. 378. Gigas siehe Heune. Gotter, Ludwig Andreas, g. 1661 zu Gotha, † 1735 als Hof- und Assistenzrat daselbst. 153. 352. 353. 453. Gramann, Johann( Poliander), g. 1487 zu Neustadt in Baiern, Freund Luthers, † 1541 als Pastor zu Königsberg i. Pr. 438. Gregor, Christian, g. 1723 zu Dirsdorf in Schlesien, † 1801 als Bischof der Brüdergemeinde zu Berthelsdorf. Herausgeber des Brüdergesangbuchs von 1778. 329. Groß, Johann( Major), g. 1564 zu Reinstedt in Thüringen, † 1654 als Professor der Theologie zu Jena. 238. Grüneisen, Karl Georg, g. 1802 zu Stuttgart, † 1878 daselbst als Hofprediger und Oberkonsistorialrat. 522. 416 Verzeichnis der Dichter. Gryphius, Andreas, g. 1616 zu Großglogau in Schlesien, † 1664 als Landschaftssyndikus daselbst. 592. Günther, Cyriacus, g. 1650 zu Goldbach bei Gotha, † 1704 als Lehrer am Gymnasium zu Gotha. 315. 457. Günther, Martin, g. um 1690 im sächsischen Erzgebirge, Hauslehrer bei Löscher, seit 1721 Pfarrer zu Klingenmünster in der bayr. Pfalz. 274. von Hardenberg, Friedrich Leopold, Freiherr( Novalis), g. 1772 auf Gut Wiederstedt im Mansfeldischen, † 1801 als Assessor zu Weißenfels. 126. 330. 331. von Harleß, Gottfried Christoph Adolf, g. 1806 zu Nürnberg, Professor der Theologie zu Erlangen und Leipzig, zuletzt Präsident des protestant. Oberkonsistoriums in München, † 1879 baselbst. 429. Harsdörfer, Georg Philipp, g. 1607 zu Nürnberg, † 1658 als Natsherr daselbst. 478. Hartmann, Thomas, war 1604 Diakonus zu Eisleben. 110. Hausmann, Julie, lebt in Petersburg. 376. von Hayn, Henriette Luise, g. 1724 zu Idstein in Nassau, † 1782 als Oberin der ledigen Schwestern zu Herrnhut. 533. Hecker, Heinrich Cornelius, g. 1699 zu Hamburg, † 1743 als Pfarrer zu Meuselwitz bei Altenburg. 194. Heermann, Johann, g. 1585 zu Raudten im Fürstentum Wohlau in Schlesien, Pastor zu Köben in Schlesien, † 1647 zu Lissa in Posen. 79. 80. 112. 159. 172. 173. 211. 212. 239. 240. 241. 266. 267. 296. 297. 339. 340. 341. 391. 392. 495. 523. 531. 543. 544. 607. 608. Heinrich v. Laufenberg, Priester zu Freiburg im Breisgau, dichtete 1415 bis 1453 viele geistliche Lieder. 570. 622. Held, Henrich, g. zu Guhrau in Schlesien, um 1650 Sachwalter daselbst. 30.143. Helder, Bartholomäus, g. zu Gotha, † 1635 als Pfarrer zu Remstedt bei Gotha. 155. Helmbold, Ludwig, g. 1532 zu Mühlhausen in Thüringen, † 1598 als Superintendent und Pfarrer daselbst. 386. 440. 529. Hensel, Luise, g. 1798 zu Linum bei Fehrbellin, Tochter eines evangelischen Pfarrers, trat 1818 zur römischen Kirche über, Erzieherin, t zu Paderborn 1876. 534( gedichtet 1817). Herberger, Valerius, g. 1562 zu Fraustadt in Posen, † 1627 als Pfarrer daselbst. 585. Herman, Niklas, † 1561 in hohem Alter als Kantor zu Joachimsthal in Böhmen. 41. 109. 467. 498. 554. 555. 566. 575. Hermes, Johann Timotheus, g. 1738 zu Peknik bei Stargard in Pommern, + 1821 als Oberkonsistorialrat, Superintendent und Pastor prim. 31 Breslau. 636. Verzeichnis der Dichter. 417 Herrmann, Johann Gottfried, g. 1707 zu Altjeßnitz bei Bitterfeld, † 1791 als Oberhofprediger und Oberkonsistorialrat zu Dresden. 285. Herrnschmidt, Johann Daniel, g. 1675 zu Bopfingen in Würtemberg, † 1723 als Professor der Theologie und Mitdirektor der Franckeschen Stiftungen zu Halle. 458. Hertog, Johann Friedrich, g. 1647 zu Dresden, † 1699 als Rechtsanwalt daselbst. 506. Hesse, Johann, g. 1490 zu Nürnberg, † 1547 als Pfarrer zu Breslau. 574. Heune, Johann( Gigas), g. 1514 zu Nordhausen, † 1581 als Pastor zu Schweidnit in Schlesien. 579. Heunisch, Kaspar, g. 1620 zu Schweinfurt in Unterfranken, † 1690 als Superintendent daselbst. 627. Heyden, Sebald, g. 1494(?) zu Nürnberg, † 1561 als Rektor der Sebaldsschule daselbst. 82. Hiller, Friedrich Konrad, g. 1662 zu Unteröwisheim bei Bruchsal, † 1726 als Kanzleiadvokat zu Stuttgart. 456. mi Hiller, Philipp Friedrich, g. 1699 zu Mühlhausen in Würtemberg, † 1769 als Pfarrer zu Steinheim am Aalbuch in Würtemberg, 1751 verlor er seine Stimme. 15. 164. 290. 325. 326. von Hippen, Johann Heinrich, g. zu Wohlau in Schlesien, † 1676 als Limburgischer( in Schlesien) Rat und Hofmarschall. 479. von Hodenberg, Bodo, g. 1604, † 1650 als Landdrost zu Osterode a. H. 474. Hoffmann, Gottfried, g. 1658 zu Plagwitz bei Löwenberg in Schlesien, † 1712 als Rektor des Gymnasiums zu Zittau im Königreich Sachsen. 146. 612. Homburg, Ernst Christoph, g. 1605 zu Mühla bei Eisenach, † 1681 als Rechtskonsulent zu Naumburg. 29. 90. 133. Horn siehe Böhmische Brüder. Huber, Konrad( Huober), g. 1507 zu Bergzabern im Elsaß, † 1577 als Diakonus zu Straßburg. 186. Hunold, Michael, g. 1621 zu Leißnig im Königreich Sachsen, † 1672 als Archidiakonus zu Rochlit a. d. Mulde. 535. 600. Keymann, Christian, g. 1607 zu Pankraz in Böhmen, † 1662 als Rektor des Gymnasiums zu Zittau im Königreich Sachsent. 43. 302. Kiel, Tobias, g. 1584 zu Ballstedt bei Gotha, † 1627 als Pfarrer daselbst. 586. Klesel, Abraham, g. 1636 zu Fraustadt in Posen, † 1702 als Oberpfarrer zu Jauer in Schlesien. 95. Klopstod, Friedrich Gottlieb, g. 1724 zu Quedlinburg, † 1803 als badischer Hofrat und dänischer Legationsrat zu Hamburg. 220. 617. 634. Knak, Gustav Friedrich Ludwig, g. 1806 zu Berlin, † 1878 als Pastor zu Berlin in Dünnow bei Stolpmünde. 333. 27 418 Verzeichnis der Dichter. Knapp, Albert, g. 1798 zu Tübingen, † 1864 als Stadtpfarrer zu Stuttgart. 100. 179. 180. Knoll, Christoph, g. 1563 zu Bunzlau in Schlesien, † 1621 als Diatonus zu Sprottau in Schlesien. 582. Knorr von Rosenroth, Christian, g. 1636 zu Altraudten in Schlesien, t 1689 als Geheimrat und Kanzleidirektor zu Sulzbach in der bayr. Oberpfalz. 482. Koitsch, Christian Jakob, g. 1671 zu Meißen, Inspektor am Pädagogium zu Halle, † 1735 als Rektor zu Elbing. 455. Krause, Jonathan, g. 1701 zu Hirschberg in Schlesien,+ 1762 als Supers intendent zu Biegnit. 12. Krummacher, Friedrich Adolf, g. 1767 zu Tecklenburg in Westfalen, † 1845 als reform. Pastor emerit. zu Bremen. 182. Kunth, Johann Sigismund, g. 1700 zu Liegnig, † 1779 als Superintendent zu Baruth in der Oberlausit. 633. Rüfter, Elieser Gottlieb, g. 1732 zu Watum im Braunschweigischen, † 1799 als Pastor und Generalsuperintendent zu Braunschweig. 207. Ladmann, Peter, Schüler A. H. Frandes, † 1713 als Oberpfarrer zu Oldenburg in Holstein. 254. Bange, Joachim, g. 1670 zu Gardelegen in der Altmark, † 1744 als Professor der Theologie zu Halle. 484. Lange, Johann Christian, g. 1669 zu Leipzig, Professor in Gießen, † 1756 als Generalsuperintendent zu Idstein in Nassau. 313. Laufenberg siehe Heinrich. Laurenti, Laurentius( Lorenz Lorenzen), g. 1660 zu Husum, † 1722 als Musikdirektor und Kantor zu Bremen. 53. 119. 629. Lavater, Johann Raspar, g. 1741 zu 3ürich, † 1801 als reform. Prediger daselbst. 125. 261. 536. Lehr, Leopold Franz Friedrich, g. 1709 zu Kronberg bei Frankfurt a. M, † 1744 in Magdeburg als Diakonus an der luth. Kirche zu Köthen. 282. 283. Leon, Johann, g. zu Ohrdruf in Thüringen, † 1597 als Pastor zu Wölfis bei Ohrdruf. 243. 580. 588. Biebich, Ehrenfried, g. 1713 zu Probsthain bei Liegnit, † 1780 als Pastor zu Lomnik bei Hirschberg in Schlesien. 147. 328. Bindemann, Johann, 1580-1630 Kantor zu Gotha. Er soll aus der Familie der Mutter Buthers stammen. 293. Biscow, Salomo, g. 1640 zu Niemitsch in der Laufit, † 1689 als Diakonus zu Wurzen im Königreich Sachsen. 308. 481. Löscher, Valentin Ernst, g. 1673 zu Sondershausen, † 1749 als Oberkonsistorialrat und Superintendent zu Dresden. 255. Verzeichnis der Dichter. 419 von Böwenstern, Matthäus Apelles, g. 1594 zu polnisch Neustadt bei Oppeln in Schlesien, † 1648 als faiserlicher Rat zu Breslau. 174. 561. Budämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt, g. 1640, † 1672 als Braut des Grafen Christian Wilhelm von SchwarzburgSondershausen. 253. 307. 409. Luise Henriette, Tochter des Prinzen Heinrich Friedrich von Oranien, g. 1627 im Haag, Gemahlin des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, † 1667 zu Berlin. Es ist zweifelhaft, ob die ihr zugeschriebenen vier Lieder von ihr verfaßt sind. 247. 614. Luther, Martin, g. 10. Nov. 1483 zu Eisleben, † am 18. Februar 1546 daselbst. 37. 38. 39. 107. 108. 137. 138. 139. 148. 165. 166. 167. 168. 169. 185. 199. 209. 210. 221. 228. 229. 262. 263. 377. 437. 496. 519. 571. 572. 573. Magdeburg, Joachim, g. 1525 zu Gardelegen in der Altmark, † nach 1583 als Prediger im Österreichischen. 387. Major siehe Groß. Mathesius, Johann, g. 1504 zu Rochlitz im Königreich Sachsen, als Student Luthers Haus- und Tischgenosse, † 1565 als Pastor zu Joachimsthal. 528. Melissander siehe Bienemann. Menter, Johann, g. 1658 zu Jahma in der Laufit, † 1734 als Pastor zu Kemnitz bei Bernstadt in der Lausit. 454. von Meyer, Johann Friedrich, g. 1772 zu Frankfurt a. M., † 1849 als Appellationsgerichtspräsident daselbſt. 428. Meyfart, Johann Matthäus, g. 1590 zu Walwinkel im Gothaischen, † 1642 als Professor der Theologie und Pastor zu Erfurt. 624. Moller, Martin, g. 1547 zu Kropstädt bei Wittenberg, † 1606 als Pastor prim. zu Görlitz in der Lausit. 235. 388. 579. Möller, Johann Friedrich, g. 1789 zu Erfurt, † 1861 als Generalsuperintendent und Konsistorialdirektor zu Magdeburg. 375. von Moser, Friedrich Karl, Freiherr, g. 1723 zu Stuttgart, HessenDarmstädtischer Minister, † 1798 als Privatmann zu Ludwigsburg. 260. Mühlmann, Johann, g. 1573 zu Pegau bei Leipzig, † 1613 als Professor der Theologie und Archidiakonus zu Leipzig. 295. 472. Müller, Michael, g. 1673 zu Blankenburg a. Harz, † 1704 als Kandidat der Theologie zu Schaubeck in Würtemberg. 354. Münter, Balthasar, g. 1735 zu Lübeck, † 1793 als Pastor an der deutschen Kirche zu Kopenhagen. 426. 637. Nachtenhöfer, Kaspar Friedrich, g. 1624 zu Halle, † 1685 als Pastor zu Koburg. 52. Neander, Joachim, g. 1650 zu Bremen, † 1680 als reform. Diakonus dafelbst. 251. 450. 451. 505. 598. 27* Verzeichnis der Dichter. Nehring, Johann Christian, g. zu Gotha, Inspektor am Waisenhause zu Halle, † 1736 als Pastor zu Morl bei Halle. 354. Neumann, Kaspar, g. 1648 zu Breslau, † 1715 als Kircheninspektor und Pastor prim. daselbst. 8. 20. 509. 562. 420 Neumann, Gottfried, g. um 1688, † 1782 als Mitglied der Brüdergemeinde. 603. Neumark, Georg, g. 1621 zu Langensalza in Thüringen, † 1681 als Bibliothekar und Archivsekretär zu Weimar. 403. 404. 573. Neumeister, Erdmann, g. 1671 zu üchteritz bei Weißenfels, † 1756 als Hauptpastor zu Hamburg. 70. 203. 277. 278. 318. 359. 459. 460. 486.517. Neunherz, Johann, g. 1653 zu Waltersdorf in Schlesien, † 1737 als Oberpfarrer zu Hirschberg. 122. Neuß, Heinrich Georg, g. 1654 zu Elbingerode im Harz, † 1716 als Konsistorialrat und Superintendent zu Wernigerode. 252. 355. Nicolai, Philipp, g. 1556 zu Mengeringhausen in Waldeck, † 1608 als Hauptpastor zu Hamburg. 292. 621. Novalis siehe Hardenberg. Olearius, Johann, g. 1611 zu Halle, † 1684 als Oberhofprediger und Generalsuperintendent zu Weißenfels. 7. 22. 51. 69. 91. 189. 379. 380. 448. 549. 550. 551. 552. 628. Pauli, Joachim, g. um 1636 zu Wilsnack in der Mittelmark, 1674 Hauslehrer zu Berlin. 175. Pfeiffer, Christoph, g. 1689 zu Öls, † 1758 als Pastor zu Stolz bei Frankenstein in Schlesien. 63. von Pfeil, Christoph Karl Ludwig, g. 1712 zu Grünstadt in der bayr. Pfalz, würtembergischer geh. Legationsrat, † 1784 als preuß. Geheimrat und Minister zu Deufstetten im Ansbachschen. 72. 383. 525. Poliander siehe Gramann. Prätorius, Benjamin, g. 1571 zu Weißenfels, lebte noch 1668 als Paftor zu Lissa bei Delitzsch in der Provinz Sachsen. 346. Puchta, Christian Rudolf Heinrich, g. 1808 zu Kadolzburg in Mittelfranken, † 1858 als Pastor zu Augsburg. 21. 564. Näder, g. 1815 zu Elberfeld, † 1872 daselbst als Handlungsgehülfe. 431. Rambach, Johann Jakob, g. 1693 in Halle, † 1735 als Professor der Theologie und Superintendent zu Gießen. 33. 195. 204. 206. 218. 280. 281. 321. 322. 323. 367. 368. 422. Reimann, Georg, g. 1570 zu Leobschüß in Schlesien, † 1615 als Professor der Beredsamkeit zu Königsberg in Preußen. 162. Reusner, Adam( Reißner), g. 1496 zu Mindelheim, Geheimsekretär Georgs von Frundsberg, ein Anhänger Schwentfeldts, t um 1575 in seiner Vaterstadt. 336. 507. Verzeichnis der Dichter. 421 Richter, Christian Friedrich, g. 1676 zu Sorau in der Baufit, † 1711 als Arzt des Waisenhauses zu Halle. 54. 356. 357. 358. 433. 485. Ringwald, Bartholomäus, g. 1530 zu Frankfurt a. d. Oder, † 1598 als Pfarrer zu Langenfeld in der Neumark. 236. 620. Rinkart, Martin, g. 1586 zu Eilenburg in der Provinz Sachsen, † 1649 als Archidiakonus daselbst. 344. 442. Rist, Johann, g. 1607 zu Ottensen bei Hamburg, † 1667 als Pastor zu Wedel an der Elbe in Holstein. 24. 46. 60. 68. 102. 113. 130. 131. 214. 222. 223. 242. 444. 501. 626. Rodigast, Samuel, g. 1649 zu Gröben bei Jena, † 1708 als Rektor am grauen Kloster zu Berlin. 407. Rosenmüller, Johann, g. im Kurfürstentum Sachsen, † 1686 als Rapellmeister zu Wolfenbüttel. Rothe, Johann Andreas, g. 1688 zu Lissa bei Görlitz in der Lausit, Pfarrer zu Berthelsdorf, † 1758 als lutherischer Pastor zu Thommendorf in der Lausiz. 279. 613. Rückert, Friedrich, g. 1789 zu Schweinfurt am Main, Professor in Erlangen und Berlin, † 1866 als preußischer Geheimrat zu Neuseß bei Koburg. 35. Runge, Christoph, g. 1619 zu Berlin, Buchdrucker, † 1681 daselbst. 271. Ruopp, Johann Friedrich, g. zu Straßburg, † 1708 als Adjunkt der theologischen Fakultät zu Halle. 360. Rutilius, Martin, g. 1550 zu Düben in der Provinz Sachsen, † 1618 als Diakonus zu Weimar. 238. Sacer, Gottfried Wilhelm, g. 1635 zu Naumburg, † 1699 als Kammeradvokat zu Wolfenbüttel. 117. 611. Schade, Johann Kaspar, g. 1666 zu Kühndorf bei Meiningen, † 1698 als Diakonus zu Berlin. 96. 411. Schalling, Martin, g. 1532 zu Straßburg, † 1608 als Pastor zu Nürnberg. 337. Scheffler, Johann( Angelus Silefius), g. 1624 zu Breslau, Leibarzt des Herzogs von Öls, trat 1653 zur römischen Kirche über, geistlicher Rat des Fürstbischofs, t 1677 im Kloster St. Matthias zu Breslau. 303 304, 305. 349. Scheidt, Christian Ludwig, g. 1709 zu Waldenburg bei Schwäbisch- Hall in Württemberg, † 1761 als Hofrat und Bibliothekar zu Hannover. 284. Schein, Johann Hermann, g. 1586 zu Grünhain bei Zwickau im Königreich Sachsen, † 1630 als Musikdirektor zu Leipzig. 589. Schend, Hartmann, g. 1634 zu Ruhla bei Eisenach, † 1681 als Pfarrer zu Ostheim vor der Rhön. 19. Schent, Heinrich Theobald, Stadtpfarrer in Gießen, † 1727. 632. Schirmer, Michael, g. 1606 zu Leipzig, † 1673 als Ronrektor am Gymnafium zum grauen Kloster zu Berlin. 25. 115. 141. 560. 609. 422 Verzeichnis der Dichter. Schlosser, Ludwig Heinrich, g. 1663 zu Darmstadt, † 1723 als Prediger zu Frankfurt a. M. 530. Schmidt, Johann Eusebius, g. 1669 zu Hohenfelden bei Erfurt, † 1745 als Pastor zu Siebleben bei Gotha. 176. Schmold, Johann Benjamin, g. 1672 zu Brauchitschdorf bei Biegnit, + 1737 als Pastor prim. und Inspector zu Schweidnit. 9. 10. 11. 32. 64. 98. 120. 121. 144. 163. 192. 202. 256. 275. 276. 416. 417. 418. 487. 511. 518. 565. 601. 630. 631. Schmuc, Vincentius, g. 1565 zu Schmalkalden, † 1628 als Professor der Theologie und Superintendent zu Leipzig. 556. Schneesing, Johann( Chiomusus), g. zu Frankfurt a. M., t 1567 als Pfarrer zu Friemar bei Gotha. 232. Schöner, Johann Gottfried, g. 1749 zu Rügheim bei Würzburg, † 1818 als Stadtpfarrer zu Nürnberg. 427. 638. Schrader, Johann Hermann, g. 1684 zu Hamburg, † 1737 als Probst und Konsistorialrat zu Tondern in Schleswig. 382. Schröder, Johann Heinrich, g. 1667 zu Springe bei Hannover, † 1699 als Pfarrer zu Meseberg bei Wollmirstedt in der Provinz Sachsen. 312. Schüß, Johann Jakob, g. 1640 zu Frankfurt a. M., † 1690 als Advokat und verschiedener Reichsstände Rat daselbst. 408. 449. Scriver, Christian, g. 1629 zu Rendsburg, Pastor zu Magdeburg, † 1693 als Oberhofprediger und Kirchenrat zu Quedlinburg. 306. 504. von Sedendorf, Veit Ludwig, Reichsfreiherr, g. 1626 zu Herzogenaurach bei Bamberg, † 1692 als Brandenburgischer Geheimrat und Kanzler der Universität Halle. 432. Selnecker, Nikolaus, g. 1532 zu Hersbruck bei Nürnberg, Schüler Melanchthons, Professor in Leipzig und Jena, auch Superintendent in Hildesheim, Mitarbeiter an der Kontordienformel, † 1592 als Professor der Theologie und Superintendent zu Leipzig. 17. 170. 500. von Senitz, Elisabeth, g. 1629 zu Rantau in Schlesien, Hoffräulein am Hofe zu Brieg und zu Öls, † 1679. 94. Siegfried, Johann, g. 1564,+ 1637 als Superintendent zu Schleiz. 588. Sinold, Philipp Balthasar, gen. von Schütz( Amadeus Creutzberg), g. 1657 zu Königsberg bei Gießen, † 1742 als Solmsscher Geheimrat zu Laubach in der Wetterau. 97. 319. Spangenberg, Johann, g. 1484 zu Hardegsen in Hannover, seit 1524 der erste evang. Prediger an St. Blasien in Nordhausen, † 1550 als Superintendent zu Eisleben. 226. Spangenberg, August Gottlieb, g. 1704 zu Klettenberg bei Walkenried, als Bischof der Brüdergemeinde lange Zeit in Amerika thätig, † 1792 zu Berthelsdorf. 366. Verzeichnis der Dichter. 423 Spengler, Lazarus, g. 1479 zu Nürnberg, Rechtsgelehrter und Ratsschreiber daselbst, Freund Luthers und Beförderer der Reformation,+ 1534 zu Nürnberg. 230. Speratus, Paul, g. 1484 zu Röthlen bei Ellwangen, 1524 Hosprediger Herzog Albrechts von Preußen, luth. Bischof von Pomesanien, † 1554 zu Marienwerder. 264. Spitta, Karl Johann Philipp, g. 1801 zu Hannover, † 1859 als Superintendent zu Burgdorf bei Hannover. 183. 208. 430. 516. 526. 527. 553. 606. Spreng, Johann Jakob, g. 1699 zu Basel, reform. Prediger zu Ludweiler bei Saarbrücken, † 1768 als Professor der Geschichte und griech. Sprache zu Basel. 205. Stard, Johann Friedrich, g. 1680 zu Hildesheim, 1756 als Paftor und Konsistorialrat zu Frankfurt a. M. 369. Stegmann, Josua, g. 1588 zu Sulzfeld bei Meiningen, † 1632 als Professor der Theologie und Superintendent zu Rinteln. 18. von Stöcken, Christian, g. 1633 zu Rendsburg, † 1684 daselbst als Generalsuperintendent von Schleswig- Holstein, Kirchenrat u. Probst. 568. Stockfleth, Heinrich Arnold( Dorus), g. 1643 zu Alfeld in Hannover, † 1708 als Kirchenrat, Oberhofprediger und Generalsuperintendent zu Mönchsberg bei Bayreuth in Mittelfranken. 410. Stolshagius, Kaspar, 1591 Pastor zu Iglau in Mähren. 111. Sturm, Christoph Christian, g. 1740 zu Augsburg, † 1786 als Hauptpastor in Hamburg. 288. 289. 425. Terstegen, Gerhard, g. 1697 zu Mörs, † 1769 als Bandmacher zu Mühlheim a. d. Ruhr( reform.). 13. 14. 55. 71. 135. 327. 372. 490. 512. 513. Thebesius, Adam, g. 1596 zu Seifersdorf in Schlesien, † 1652 als Pfarrer zu Liegnit. 84. Thilo, Valentin, der jüngere, g. 1607 zu Königsberg i. Pr., † 1662 als Professor der Beredsamkeit daselbst. 26. Tiege, Christoph( Titius), g. 1641 zu Wilkau bei Breslau, † 1703 als Pastor zu Hersbruck bei Nürnberg. 248. 405. Tollmann, Gottfried, g. 1680 zu Laudan in der Laufiz, † 1766 als Pastor zu Leube bei Görlitz in der Lausitz. 563. Vespasius siehe Wepse. Vischer, Christoph, g. zu Joachimsthal in Böhmen, † 1600 als Generalsuperintendent zu Celle. 78. Walther, Johann, der alte Buther- Kantor, 1520 Hofkantor in Torgau, + 1570 als Kapellmeister zu Dresden. 519. 623. Wegelin, Josua, g. 1604 zu Augsburg, † 1640 als evang. Pfarrer zu Preßburg in Ungarn. 132, 424 Verzeichnis der Dichter. Wehrenberg, Heinrich Jonathan, ein Urenkel Ph. Melanchthons, g. 1651 zu Eilenburg, Prov. Sachsen, † 1713 als Superintendent zu Lüneburg. 361. Weingärtner, Sigismund, angeblich um 1600 Prediger in Heilbronn. 389. Weiße siehe Böhmische Brüder. Weissel, Georg, g. 1590 zu Domnau in Ostpreußen, † 1635 als Prediger zu Königsberg i. Pr. 23. 114. 299. Wenigt, Johann Ernst, g. 1701 zu Gotha, † 1745 als Pfarrer zu Bischleben bei Arnstadt in Thüringen. 145. Wepse, Hermann( Vespasius), um 1580 Prediger in Stade. 265. Werner, Georg, g. 1589 zu Pr.- Holland, † 1643 als Diakonus zu Königsberg i. Pr. 45. 101. 140. 590. Wieser, Matthäus, um 1658(?). 539. Wilhelm II., Herzog zu Sachsen- Weimar, g. 1598 zu Altenburg, † 166 zu Weimar. 3. Windler, Johann Josef, g. 1670 zu Luckau in der Lausit, † 1722 als Konsistorialrat und Domprediger zu Magdeburg. 363. 414. Wolf, Jakob Gabriel, g. 1684( 1683) zu Greifswald, † 1754 als Hofrat und Professor der Rechte zu Halle. 316. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, g. 1725 zu Friedrichsfelde bei Berlin, + 1761 als Stadtpfarrer zu Bunzlau in Schlesien. 196. 635. 3 ehner, Samuel, g. 1594 zu Suhl in Thüringen, † 1635 als Superintendent zu Schleusingen. 345. 3eibich, Christoph Heinr., g. 1677 zu Mölbis bei Leipzig, † 1748 als Professor der Theol., Konsistorialassessor und Probst zu Wittenberg. 225. von Zinzendorf, Graf Nikolaus Ludwig, g. 1700 zu Dresden, Stifter der evangelischen Brüdergemeinde, † 1760 zu Herrnhut. 193. 320. 365. 366. 3 wid, Johann, g. um 1496 zu Konstanz, † 1542 als reform. Pfarrer seiner Vaterstadt zu Bischofzell in der Schweiz während der Pest. 128. Unbekannt sind die Verfasser folgender Lieder: 2. 5. 16. 34. 36. 40. 42. 44. 59. 67. 73. 74. 93. 104. 105, 106. 118. 127. 129. 136. 150. 152. 184. 190. 191. 217. 224. 227. 234. 237. 245. 258. 273. 294. 298. 310. 335. 342. 350. 384. 385. 390. 394. 412. 434. 436. 468. 469. 489. 492. 493. 494. 503. 508. 521. 532. 537, 538. 540. 541. 558. 559. 567. 578. 581. 583. 587. 597. 619 o ala orgt f Gebete zum evangeliſch- lutherischen Gesangbuche der Hannoverschen Landeskirche. Hannover. Druck und Verlag der Schlüterschen Buchdruckerei. 1889. Gebete. 1. Um Geist und Gnade recht zu beten. I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 2-10. Morgengebete 11-12. Tischgebete. 13-21. Abendgebete 22. 23. Dankgebete 24. Zum Beginn der Arbeit 25. Um Gottes Segen in Haus und Beruf 26. Gebet christlicher Eheleute. 27. Gebet der Eltern für ihre Kinder 28. Gebet nach der Taufe eines Kindes, auch von Gevattern zu beten. II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Gebete für die Früchte des Feldes und den Bergbau. ● 29. Schulgebete 30. Gebet eines Konfirmanden ● 31. Für die Kirche 32. Für die Obrigkeit 33. Für die Früchte des Feldes 34. Um den lieben Sonnenschein. 35 Um einen fruchtbaren Regen 36. Beim Anfang der Ernte 37. Dankgebet nach der Ernte. 38. Um göttlichen Segen zum Bergwerk 39. Um Geduld in Leidenszeit 40. In Anfechtungen 41. In Kriegszeiten. 42. In teurer Zeit. ● III. Gebete in allerlei Not. ● 1* Seite 5 6 12 12 . . 17 18 19 19. 20 21 21 24 25 26 27 27 28 28 29 30 31 32 33 33 Gebete. 43. Bei großem Ungewitter. 44. Bei Sturm und Wasserfluten 45. Bei Seuchen und in Sterbenszeiten 46. Um tägliche Bereitschaft zum Sterben. 47. Gebet für ein frankes Kind 48. Gebete eines Kranken 49. Dankgebet eines Genesenden 50. Um Geduld in langwieriger Krankheit. Gottes Wort für Kranke 51. Morgengebet eines Kranken 52. Abendgebet eines Kranken. 53. Gebet eines Kranken, der sich zum Sterben schickt 54. Gebete der Umstehenden für den Sterbenden. Sprüche, dem Sterbenden zuzusprechen Abschiedssegen. 55. Gebet nach dem Tode cines Kindleins 56. An Begräbnistagen.. IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. 57-63. An Beichttagen 64-72. An Abendmahlstagen ● Kollekten. 1-48. Für bestimmte Tage und Zeiten. 49-83. Allgemeine Kollekten Versikel ● Seite 34 35 36 36 . 37 37 39 39 40 41 42 42 55444445 43 43 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 73-85. Gebete für die vornehmsten Feste nach Ordnung des Kirchenjahrs.. 86. An Buß- und Bettagen 87. 88. Für Betstunden 89. Für Bibelstunden 46 52 57 67 68 70 71 82 90 205 SK ofbria) Gebete. atida enied 5 Herr, thu meine Lippen auf! 1. Um Geist und Gnade recht zu beten. ewiger, barmherziger Gott, du Vater unsers Herrn Jesu Christi, weil wir nicht wissen noch begreifen können, was und wie wir beten sollen, du aber überschwenglich thun fannſt über alles, was wir bitten oder verstehen, so schreien wir zu dir: Gieß über uns aus nach deiner Verheißung den Geist der Gnade und des Gebets, der uns bei dir vertrete mit unaussprechlichem Seufzen, auf daß wir dich mit Mund und Herzen andächtig in rechtem Ernst anrufen und dir ein angenehmes Lobopfer bringen mögen. Herr, thu unsre Lippen auf, daß unser Mund deinen Ruhm verkündige. Erwecke unsere Seele und Gemüt, daß wir uns nicht nur mit unserm Munde zu dir nahen und dich allein mit den Lippen ehren, aber das Herz ferne von dir sei, sondern verleih uns Gnade, daß wir als die rechtschaffenen Anbeter dich im Geiste und in der Wahrheit, ohne andere und fremde Gedanken, anrufen mit herzlicher Aufmerkung unseres Gemütes, ohne Heuchelei und Ehrgeiz, und daß wir nichts von dir begehren als nur allein, was dein göttlicher Wille, dein Lob und Ehre, dazu unserer Seelen Seligkeit iſt. Verleih auch, daß wir alles dasjenige, was wir von dir bitten, mit starkem Glauben und gewisser Zuversicht von deiner milden Güte zu erlangen, ungezweifelt hoffen, auch dir hierin nicht Zeit, Ziel oder Maß der Hülfe setzen, sondern uns deinem gnädigen Willen, der allewege der beste ist, in allen Dingen mit starker Hoffnung und Geduld in Demut unserer Herzen gänzlich unterwerfen. Dazu gieb Gnade, daß wir vor dir liegen mit unserm Gebet nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit und in dem Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi, in welchem wir Frendigkeit haben, vor deinen Gnadenstuhl zu treten und dich mit kindlicher Zuversicht unsern lieben Vater zu nennen. Stärke uns auch, daß wir vom Beten nicht abgeschreckt werden um unserer Unwürdigkeit willen. So hilf nun, du heiliger Gott, daß wir an allen Orten aufheben heilige Hände, ohne Zorn und Zweifel, und emsiglich anhalten mit Flehen, mit Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, damit 6 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. wir nach deiner Verheißung und deinem gnädigen Wohlgefallen allerlei zeitliche und himmlische Gaben empfangen in Christo Jesu, unserm Herrn, der da lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. Morgengebete. Fülle uns frühe mit deiner Gnade. 2. Luthers Morgensegen. as walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. D Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Und an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Vater unser, der du bist im Himmel. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gieb uns heute. Und vergieb uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Chriſtum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Thun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände; dein heiliger Engel fei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. 7 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 3. Morgengebet am Sonntag. Larmherziger, getreuer Gott, du ewiger Vater unsers Herrn Jesu Christi, der du mit deinem Sohne und dem heiligen Geiste regierest in Ewigkeit, wir sagen dir Lob und Dank für alle Wohlthaten, die wir ohne Unterlaß von deiner milden Güte empfangen, daß du uns die ganze Zeit unsers Lebens, wie auch die vergangene Nacht, so väterlich behütet und uns den heutigen Tag gesund hast lassen erleben. Insonderheit danken wir dir, daß du bei uns das helle Licht deines Evangeliums hast lassen aufgehen, bei welchem wir dich und deinen Willen recht erkennen und lernen mögen, wie wir christlich leben und selig sterben sollen. Wir bitten dich, gütiger Gott, du wollest solch Gnadenlicht des Evangeliums uns und unsern Nachkommen erhalten; und damit wir dein angenehmes Volk sein und bleiben können, so vergieb uns alle unsere Sünde und Missethaten um deines lieben Sohnes, unsers Heilandes Jesu Christi willen, und heilige uns durch deinen heiligen Geist je länger je mehr, daß wir der Welt und allen weltlichen Lüsten von Herzen entsagen und unsere Freude und Lust darin suchen, daß wir dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Öffne unsere Ohren und Herzen, daß wir dein heiliges Wort mit Freuden hören, mit Fleiß erwägen und in reinem Herzen behalten, dich getrost anrufen und nicht allein diesen Tag, sondern auch alle übrigen Tage unsers Lebens von allen bösen Werken feiern, bis wir endlich zu dem ewigen Sabbathtag gelangen, da wir mit Engelzungen und-herzen deine großen Thaten mit allen Auserwählten, Engeln und Menschen, rühmen und preisen werden in alle Ewigkeit. Amen. 4. Noch ein Morgengebet am Sonntag. Herr err, unser Gott, heilig und unbegreiflich, der du das Licht scheinen läsfest aus der Finsternis, der du uns erquickt haft durch nächtlichen Schlaf und wieder erweckt, deinen Ruhm zu preisen und deine Gnade anzurufen, nimm jetzt an von uns nach deiner grundlosen Barmherzigkeit das Opfer unserer Anbetung und unsers Dankes und gewähre uns alle heilsamen Bitten. Richte uns zu, o Herr, zu Kindern des Lichts und des Tages und zu Erben deiner ewigen Güter. Gedenke, Herr, nach der Fülle deiner Erbarmungen deines ganzen Volks, aller, die mit uns beten, und aller unserer Mitchristen, die zu Lande oder zu 8 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. Meer oder wo sonst in deinem weiten Reich deiner Gnade und Hülfe bedürfen, und schütte über sie und uns alle aus den Reichtum deiner Barmherzigkeit, auf daß wir, erlöset nach Seel und Leib, unverrückt in festem Glauben, deinen heiligen und wunderbaren Namen ewig rühmen mögen. Amen. 5. Morgengebet am Montag. in stunde erscheine ich vor dem Throne deiner göttlichen Güte mit herzlichem Danke, daß du nach zurückgelegter finsterer Nacht mich abermals gesund und frisch haft aufstehen lassen. O Bater, deine Hand hat mich geschützet, daß mich der Satan nach seinem Willen nicht hat betrüben oder beschädigen können. Damit nun ferner mein Mund deines Ruhmes und deines Preises täglich voll sei, so vergieb mir alle meine Sünde und thu mir wohl. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend noch meiner Übertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen, und regiere mich heute, diese angehende Woche und die ganze Zeit meines Lebens, daß ich in allem meinem Vornehmen deinem Worte folge. Behüte mich, liebster Vater, vor der Versuchung des Satans und meines eigenen Fleisches und Blutes, daß ich nichts Übels thue noch wider dich sündige. Laß deine heiligen Engel mich auf allen meinen Wegen behüten, daß ich vor allem Schaden väterlich bewahrt werde. Denn dir, o Gott, übergebe ich meinen Leib und Seele( mein Haus und Hof, mein Weib und Kind und alle die Meinen). Behüte, schütze und erhalte mich, daß sich kein Übel zu mir nahe. Sei du mein Schild und Schirm, segne meinen Eingang und Ausgang und verlaß nicht, die deinen Namen kennen. Tröste alle Betrübte und Kranke. Hilf allen Notleidenden und Verlassenen. Und wenn auch eine trübe Unglückswolfe nach deinem Willen über mich kommen sollte, so gieb mir Geduld und Rat. Gesegne auch, liebster Vater, heute und die ganze Woche über meine Arbeit und Nahrung und die Werke meines Berufs, daß meine Mühe und Arbeit nicht verloren sei. Laß mich stets an dich gedenken, dich in meinem Herzen behalten und deine Furcht vor Augen haben, daß ich christlich lebe und selig sterbe. Das verleihe mir um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. I. Gebete zum täglichen Gottesdienſte. 6. Morgengebet am Dienstag. elobet seist du, o Gott, mein Schöpfer, gelobet seiſst du, o Gott, mein Heiland, gelobet seist du, o Gott, mein höchster Tröster, der du mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz bist und mich die vergangene Nacht wiederum vor allen geistlichen und leiblichen Feinden so väterlich bewahret hast. Ich bitte dich demütiglich, du wollest auch diesen Tag deine Güte über mich ausstrecken und mich mit deiner Barmherzigkeit erfüllen, auch vor Sünden und allem Übel gnädiglich behüten. Umgieb mich, o Herr, rings mit deinem Schilde, daß der böse Feind und seine Werkzeuge mir keinen Schaden zufügen können. Erhalte mich in deiner Furcht, daß ich nicht sündige, sondern dich herzlich liebe und dein Knecht( deine Magd) sei ewiglich. Verleih mir auch deine Gnade, daß ich die Werke meines Berufes treulich und fleißig ausrichte. Gieb dein Gedeihen zu meinem Amt und Stand, segne mein Brot und Wasser und richte all mein Vorhaben, Thun und Arbeit zu deinem Lob, auch zu meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt. Wende von mir alle bösen Krankheiten und was mir an Seel und Leib schädlich sein mag. Insonderheit aber behüte mich vor einem bösen, schnellen Tode und vor allerlei Herzeleid. Dein heiliger Geist weiche nur nicht von mir. Dein guter Engel sei allezeit zwischen mir und allen meinen Feinden, daß sie keine Hand an mich legen können. Deine Gnade und Segen sei ewiglich ob mir. Amen. 7. Morgengebet am Mittwoch. Herr Gott, Vater und Herr meines Lebens, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du auch in dieser vergangenen Nacht die Hand deiner väterlichen Barmherzigkeit über mich gehalten, mich durch den Schutz deiner heiligen Engel behütet haft und mich zu deinem Lobe wieder aufstehen lassen. Ich bitte dich durch Christum, deinen Sohn, laß mich dir diesen Tag zu gleicher Gnade, Liebe und Fürsorge befohlen sein. Regiere mein Herz, Sinn und Gedanken, Worte und Werke durch deinen werten und heiligen Geist, daß ich nichts Übels thue. Leite mich auf ebner Bahn und laß mein Herz deinen Tempel und Wohnung sein. Ach Herr, allmächtiger Gott, du bist mein Vater, ich dein Kind; verlaß mich nicht, denn auf dich bin ich geworfen aus Mutterleibe, mein Heil steht allein bei dir. In deinem Namen, o Vater, fange ich alles an, gieb, daß ich mein Werk in deiner Kraft vollbringe, für deinen väterlichen Beistand dir 9 10 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. danke, mit dem, was mir deine Güte verliehen hat, mich findlich begnügen lasse und nicht nach mehr oder nach Verbotenem trachte. Zeuch mich von der Welt und ihrer Lust ab, ich begehre ihrer nicht. Sei du mir nur, mein Gott, nicht schrecklich in der Not, denn wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Du bist mir werter, als alle Schätze der Welt. Ach gieb, daß ich dich, du süße Liebe, nimmermehr verlasse. Bleibe diesen Tag und allezeit bei mir. Nimm dich auch nach deiner großen Liebe aller Armen und Notleidenden, aller Befümmerten und Trostlosen, aller Verlornen und Frrenden, insonderheit deiner verlorenen Schafe aus dem Hause Israel an, sei das ewige Heil deiner Kirche und laß auch mich in derselben ein wahres und lebendiges Glied sein, daß, wenn ich aus diesem Leben scheiden soll, ich zu dir in den Himmel aufgehoben werde. Ach Vater, erhöre mich und gewähre mich meines Gebets, in dem Namen deines Sohnes Jesu. Amen. 8. Morgengebet am Donnerstag. W ir loben, preisen und rühmen dich, wir danken dir, du Gott unserer Väter, daß du uns aus dem Schatten der Nacht herausgeführt und uns von neuem das Licht des Tages hast sehen lassen. Zu deiner Güte flehen wir: Sei gnädig über unsere Missethat und nimm an unser Gebet nach der Fülle deiner Erbarmung. Denn du bist unsere Zuflucht für und für, barmherziger, allmächtiger Gott. Laß scheinen in unsere Herzen die wahrhaftige Sonne deiner Gerechtigkeit, erleuchte unsern Berstand und behüte unsere Sinne, auf daß wir als am Tage ehrbar wandeln den Weg deiner Gebote und auch dermaleinst im ewigen Freudenlichte dich selig schauen mögen. Amen. 9. Morgengebet am Freitag. err Jesu, deine Liebe ist in der vergangenen Nacht mein Schild und Schirm gewesen. Ich danke dir für alle deine Güte, die du an mir armen und elenden Menschen so gnädig bewiesen, und bitte dich, zeige mir auch heute diesen Tag deine Gestalt, denn sie ist lieblich. Erfreue die Seele deines Kindes mit deiner heiligen Gegenwart. Stärke mich mit dem Beistande deines werten heiligen Geistes. Vergieb mir alle meine Sünde und Missethat, mit welcher ich bisher wider dich und deine heilige Liebe mißgehandelt habe, und regiere heute und allezeit mein ganzes Leben und meine Werke, daß ich nichts Böses thue, nichts I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 11 Gutes unterlasse. Herr Jesu, stärke meinen Glauben, mehre meine Liebe zu dir und gieb mir ein festes Vertrauen zu deinem heiligen Versöhnungsblute. Zeuch mich nach dir, so werde ich den Weg deiner Gebote nimmermehr vergeffen. Herr Jesu, der du an dem heutigen Tage deinen heiligen Leib in das Grab hast legen lassen, ach gieb mir deine Gnade, daß ich meine Sünde tief vergrabe und sie nimmermehr über mich herrschen laffe. Sei mit mir in allen meinen Verrichtungen, laß sie wohl geraten, wenn sie in dir gethan sind. Erbarme dich auch aller, die dir anhangen, und gieb einem jeden sein täglich Brot und verlaß deine Gemeine nicht, deren Erzhirte du bist. Gieb uns ferner die Süßigkeit deiner heiligen Liebe zu genießen, und wenn wir endlich am Ende unseres Lebens den Weg des Todes gehen sollen, so laß deinen Tod unser Leben und dein heiliges Grab unsere Ruhe sein, daß wir durch den Tod zum Leben eingehen. Erhöre uns, o Jesu, um deines Namens und um deiner Liebe willen. Amen. 10. Morgengebet am Sonnabend. Her err Gott, himmlischer Vater, in dieser Morgenstunde befehbe ich dir meinen Leib und meine Seele in deine liebreiche Regierung, in deinen mächtigen Schutz, in deine väterliche Aufsicht und Treue. Laß mir und den lieben Meinigen heute nichts Übels begegnen und keine Plage unserm Hause sich nahen. Laß deinen heiligen Geist uns kräftig regieren und unser Herz zum findlichen Gehorsam lenken, daß wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Segne mich heute an Leib und Seele, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine Haushaltung und Nahrung. Laß mir in allen meinen Geschäften und Vornehmen dein himmlisches Licht leuchten, deine Kraft mich stärken, deine Liebe mich dringen, daß ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Taufbund stets vor Augen habe und meinem Nächsten mit aufrichtiger Liebe begegne. Gieb, daß ich die Zeit, die ich noch zu leben habe, wohl und christlich anwende, zu deines herrlichen Namens Ehre, meines Nächsten Dienst und meiner selbst Besserung. Gieb mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige richte. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet und das Ziel, welches du mir in Gnaden gesetzt, erreicht habe, so verleih mir nach deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen ein sanftes, fröhliches und seliges Ende. Amen. I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. Tischgebete. 11. Vor dem Essen. [ ller Augen warten auf dich, Herr, und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust deine Hand auf und sättigest alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Herr Gott, himmlischer Bater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 12 12. Nach dem Effen. D anket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Wir danken dir, Herr Gott Bater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Wohlthat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Abendgebete. Herr, bleibe bei uns, denn der Tag hat sich geneiget. 13. Luthers Abendiegen. D as walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Und an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Bater unser, der du bist im Himmel. Geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gleb uns heute. Und vergieb uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 13 Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. 14. Abendgebet am Sonntag. He err, allmächtiger Gott, barmherziger Bater, ich danke dir herzlich, daß du mich heute so gnädig behütet und Gnade verliehen hast, dein Wort zu hören, deinen Namen anzurufen und auch der leiblichen Ruhe und Erquickung zu genießen. Herr, wie groß ist deine Güte, die du uns armen Menschen erweisest. Vergieb mir, o lieber Vater, alle meine Sünde um Christi willen und regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich dem, was ich heute aus deinem heiligen Worte gelernt, in beständigem Glauben, gottseligem Leben und fröhlicher Geduld fleißig und von Herzen nachkomme. Und gleichwie dein lieber Sohn, mein einiger Heiland Jesus Christus, an diesem Tage fröhlich von den Toten auferstanden ist, also verleih mir Gnade, in einem neuen Leben vor dir zu wandeln. Ich bitte dich auch, lieber Vater, du wollest diese Nacht in deinen väterlichen Schutz nehmen meinen Leib und Seele und alles, was du mir gegeben hast, daß der böse Feind und seine Werkzeuge feine Macht an mir finden. Dein heiliger Geist erleuchte mich, daß ich dein nimmermehr vergesse. Deine allmächtige Hand erhalte mich. Dein heiliger Engel beschütze mich. Deine väterliche Güte segne und erquicke mich, damit ich morgen gesund und mit Freuden aufstehen und dir nach deinem Willen dienen möge. Und wenn ich im zeitlichen Tode werde entschlafen sein, so gieb durch die Auferstehung Jesu Christi, daß ich an jenem Tage fröhlich aus dem Tode wiederum hervorgehen möge zur ewigen Herrlichkeit. Amen. 15. Noch ein Abendgebet am Sonntag. Selob elobt seist du, o Gott, allmächtiger Herrscher, der du den Tag erleuchtest durch dein Sonnenlicht und die Nacht durch feurige Strahlen erhellst, der du uns gnädig die Bahn des Tages hast 14 I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. durchwandeln lassen und uns zur stillen Nacht gebracht. Höre auf unser Gebet und auf das Gebet deines ganzen Volkes, und vergieb uns all unsere wissentlichen und unwissentlichen Übertretungen. Nimm an unsere Abendgebete und schütte aus über uns, dein Erbe, die Fülle deiner Barmherzigkeit und deiner Siege. Umschirme uns mit den heiligen Engeln, rüste uns mit den Waffen der Gerechtigkeit, umschanze uns mit deiner Wahrheit, bewache uns mit deiner Macht, rette uns vor allem Unfall und allen Nachstellungen des Widersachers und gieb Gnade, daß wir diesen Abend und diese Nacht, so wie alle Tage unsers Lebens, untadelig, heilig, friedlich, von Sünde, Anstoß und Schrecken frei verleben mögen. Denn bei dir ist Erbarmung und Erlösung, Herr, dreieiniger Gott, und dir bringen wir Ruhm und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Amen. 16. Abendgebet am Montag. Ulmächtiger, treuer Gott, ich danke dir, daß du mich und die Meinigen diesen Tag über väterlich behütet und alles Unglück gnädiglich von uns abgewendet hast. Ich will mich nun in deinem Namen zur Ruhe begeben und auf meinem Lager unter deinem Schutze sanft entschlafen. Verzeih mir doch, lieber Vater, alle meine Sünden und Fehltritte, mit denen ich dich diesen Tag wissentlich oder unwissentlich beleidigt und erzürnt habe. Gieb mir eine ruhige Nacht und einen stillen Schlaf, daß ich nicht erschreckt werde. Du Hüter Israels, der du weder schläfst noch schlummerst, wache über mich. Bleibe bei mir, denn es ist Abend worden, und der Tag hat sich geneiget. Sei du in Finsternis meiner Seele helles Licht, daß ich mich, ob ich schon im Finstern schlafe, doch nicht fürchte. Laß meine Seele in dir ruhen, und ob mich der Tod erschleichen wollte, so erhalte mein Herz und meinen Geist, daß ich zu dir wache und dein sei im Leben und im Tode. Ich befehle dir auch all die Meinen, meine Freunde und Nachbarn, dazu auch Haus und Hof. Gieb, o treuer Bater, eine stille, ruhige Nacht auch allen denen, die in Kümmernis, Krankheit, Herzeleid, Not und Anfechtung sind, die ohne deine wunderbare Hand vor Leibes und der Seele Schmerzen den Schlaf nicht finden. Behüte uns vor allem Übel. Wecke mich frühe sanft auf zu deines Namens Ehre und lehre mich deinen Willen thun nach deinem Wohlgefallen. Und wenn ich an meinem letzten Ende meine Augen zuschließe und selig in deiner Gnade einschlafe, so erwecke mich am Tage der Auferstehung alles Fleisches fröhlich zum ewigen Leben. Amen. I. Gebete zum täglichen Gottesdienſte. 17. Abendgebet am Dienstag. Allmächtiger, ewiger Gott, wie freundlich biſt du denen, die auf der dir 15 du mich diesen Tag so gnädiglich angesehen, der ich doch alles Guten unwürdig bin, hast nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden und mir nicht vergolten nach meiner Missethat. Das danke ich dir von ganzem Herzen. O Herr, laß dir angenehm sein, was ich diesen Tag in deinem Namen gethan habe; vergieb mir, was ich wider deinen göttlichen Willen gesündigt habe. Laß in mir nicht verlöschen das Licht des Glaubens und deiner Er fenntnis, laß nicht mich überfallen die grausame Finsternis der Unwissenheit, des Unglaubens und der Verzweiflung, behüte mich vor der ewigen Nacht. Herr, bleibe bei mir, denn der Tag hat sich geneiget, und es ist niemand, der mich in der Finsternis erhalten möge, denn du allein, mein Gott. Hilf uns, so wir wachen, daß wir in Christo wachen; behüte uns, so wir schlafen, daß wir in Frieden ruhen. Suche heim und regiere dieses Haus und vertreibe davon alle Schrecken des Feindes und laß deine heiligen Engel darin wohnen. Dein heiliger Segen bleibe über uns durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 18. Abendgebet am Mittwoch. ch sage dir Dank, du wahres, ewiges Licht, daß du mich in dem Glanze deiner göttlichen Gnade und deines Geistes in dieses natürlichen Tages Schein vor schweren Sünden behütet hast. Laß nun, o Gott, der du die Nacht dem gebrechlichen Leibe zur Ruhe verordnet hast, meine mühselige, sündige Seele in dir ruhen und Frieden haben vor aller List und jeglichem Anlauf des bösen Geistes. Meine Sinne und Gedanken laß samt Händen und Füßen feiern, schweigen und stille sein zu dir, der du den Deinen gegenwärtig und unvergessen bist auch im tiefen Schlafe. Laß ja nicht mein träges Fleisch die arme Seele überwältigen, daß sie dein vergesse des Nachts. Dir befehle ich meinen Geist, o Hirte, zu treuen Händen; du hast ihn erlöset, Herr, du treuer Gott. Laß mich von dir nicht sinken, wache über mich, schirme mich mit deinen Flügeln. Wenn Tag und Nacht sich scheiden, so wecke mich und verleih mir wieder das Licht, darin ich hie wandeln und bei dir dort ewig wohnen möchte. Höre und erhöre mich, der du nicht schläfst noch schlummerst, durch Jesum Christum. Amen. I. Gebete zum täglichen Gottesdienste. 19. Abendgebet am Donnerstag. err Gott Vater, voll Gnade und Güte, der du Barmherzigkeit erweisest bis in das tausendste Glied, wie soll ich deinem Namen genugsam Ehre und Ruhm geben, daß du mich so herzlich geliebt und diesen Tag ohne allen Schaden und Gefahr hast hinbringen lassen. Ach Vater, nimm an meiner Statt das vollfommene Opfer deines liebsten Sohnes Jesu Christi an und sei mir um seinetwillen auch ferner gnädig und barmherzig, denn ohne dich, mein Gott, bin ich in der Finsternis dieser Nacht verloren. Du aber bist mein Licht und starker Hort, nimm mich in deine Gnadenarme, o Gott, der du verheißen, meiner nimmermehr zu vergessen. Vergieb mir meine Sünden und schaffe in mir einen neuen, freudigen Geist, daß ich allezeit in findlichem Vertrauen zu dir rufe: Abba, lieber Bater! Deiner väterlichen Fürsorge übergebe ich auch diese Nacht meinen Leib, Seele und all das Meine. Wache über mich, daß ich vor allem Leid behütet in deiner Gnade wieder erwache und dich preise. Tröste auch in dieser Nacht alle Bekümmerten und Betrübten und laß allen, die den Namen deines Sohnes Jesu in wahrem Glauben anrufen, Hülfe widerfahren. Und weil der Schlaf ein Borbote des Todes ist, so verleih mir, o gütiger Bater, deine Gnade und den Beistand deines Geistes, daß ich mich also bereite, daß ich am Ende meiner Tage zur ewigen Ruhe des Himmels aufgenommen werde. Erhöre mich und erbarme dich mein, o Gott, um der kräftigen Fürbitte deines Sohnes Jesu willen. Amen. 16 20. Abendgebet am Freitag. Herr Jesu Christe, du geduldiges Gotteslamm und heiliges Sühnopfer für all meine Sünde, ja nicht allein für meine, sondern auch für der ganzen Welt Sünde, dir danke ich abermal von Grund meines Herzens, daß du mich an Leib und Seele durch deinen Schutz diesen Tag so väterlich behütet hast. Dich bitte ich, du wollest mir alle meine Sünden, so ich heute diesen Tag aus Schwachheit meiner verderbten Natur und Anreizung des bösen Geistes gethan habe, welche mein Herz und Gewissen sehr beschweren und drücken, gnädiglich verzeihen und vergeben. Und weil ich mich nun zur Ruh und Schlaf will niederlegen, wollest du deine Gnade über mich ausbreiten, daß ich darunter in Fried und Ruh diese Nacht mit dem Leibe schlafen, mit der Seele aber allezeit zu dir machen möge. Laß mich also deiner herrlichen Zukunft zum jüngsten Gericht wahrnehmen und mit II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 17 herzlichem Seufzen auf dich warten, bis ich dermaleinst gar zu dir selig von hinnen fahre. Dazu hilf mir, treuer Heiland, mit dem Vater und heiligen Geiste hochgelobet in Ewigkeit. Amen. 21. Abendgebet am Sonnabend. armherziger Gott und Vater, ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du dich meiner die Zeit meines Lebens so väterlich angenommen und mich diesen Tag über und sonderlich die ganze Woche bis auf diese Stunde vor allem Unglück Leibes und der Seele gnädig behütet hast. Ich bitte dich ferner, du wollest alle meine Sünden, die ich heut und die ganze Woche wider dich und meinen Nächsten wissentlich und unwissentlich gethan, durch deine Gnade, welche alle bußfertigen Sünder bei dir haben, zudecken und ihrer nimmermehr gedenken. Hilf gnädiglich, daß ich aus der alten Woche in ein nen christlich Leben trete, dir und allen Auserwählten im Himmel gefallen möge, und laß mich diese angehende Nacht in deine gnädigen Arme befohlen sein, daß ich sicher ruhen und schlafen, frisch und gesund zu deinem ferneren Lob wieder aufstehen möge; und wenn mein Stündlein vorhanden ist, nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ, denn ich bin dein und du bist mein, wie gern wollt ich bald bei dir sein. Amen. II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Gebete für die Früchte des Feldes und den Bergbau. Meine Rede müsse ihm wohl gefallen. Ich freue mich des Herrn. 22. Danksagung für Gottes Wohlthaten. wiger, allmächtiger Gott, du bist mein Leben, meine Wohlfahrt, meine Seligkeit, ich aber bin ein Staub der Erde und unterwinde mich, vor deinem Angesicht allhier zu stehen und dich zu loben. Verwirf mein armes Lobgebet nicht, o Herr, und nimm mein Danfopfer in Christo Jesu gnädig an. Du hast mich von Anfang meines Lebens bis auf diese Stunde an Leib und Seele gespeist und ernährt. Du hast mich vor unzählbaren Gefährlichkeiten Leibes und der Seele bewahrt oder daraus errettet. Du hast mich mit Langmut getragen, zum 2 18 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Wege meiner Seligkeit ohne Unterlaß und auf mancherlei Weise gerufen und zu meinem seligen Christenstande bekehrt. Das alles hast du mir gethan um Jesu Christi willen, der sich allen meinen Schmerzen, Strafen und Schanden und zuletzt meinem Tode unterworfen hat, auf daß ich endlich bei dir in ewiger Seligkeit fröhlich sein könnte. Wie soll ich dir, o mein Gott und Vater, für alle deine Treue und Barmherzigkeit danken? Wie soll ich dir danken, Herr Jesu, der du mit deinem Verdienste, mit Leben und voller Genüge, ja mit dir selber den armen Sünder speisest und träntest? Ich vermag allewege nichts Gutes, wie sollte ich danken können? Gieb du selbst, o Herr, mir in meine Hände, was ich bin und habe, und verleih mir alsdann, daß ich zum schwachen Danke dir wieder übergebe und opfere, was ich bin und habe, und mein Opfer von deinem Altare nicht wieder raube, so lange ich lebe. Dein heiliger Wille allein werde in mir, an mir, durch mich in allen Dingen vollbracht und mein Leben zu deinem Preis vollführt, so lange es noch währt. Das hilf mir nach deiner großen Liebe. Amen. 23. Noch ein Dankgebet. ein Gott und Herr, ich sage dir Lob und Dank, daß du Me mich nach deinem Ebenbilde geschaffen, durch das teure Blut deines Sohnes erlöst, durch die Taufe in die Zahl deiner Kinder aufgenommen und mit dem Sakramente des Leibes und Blutes Christi mannigmal erquicket hast. Ich sage dir Dank, du treuer Gott, daß du mir von meiner Jugend auf bis auf diese Stunde so viele Sünden zu gute gehalten und auf meine Buße gewartet, mich so manches Mal aus großen Nöten errettet, an Leib und Seele behütet und mir Gesundheit, Friede und Wohlfahrt die Zeit meines Lebens verliehen hast. Ich bitte ferner, du wollest mich in solcher deiner Gnade und Gütigkeit erhalten, alles, was dir zuwider ist, von mir abthun und vor allem Übel und Unfall mich behüten. Laß mich mein Leben nach deinem Willen und Wohlgefallen vollenden und endlich mit Freuden zu deiner Herrlichkeit kommen. Das bitte ich dich, du trener Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi. Amen. 24. Jum Beginn der Arbeit. wiger, barmherziger Gott, ich will nun wieder frisch an meine Arbeit gehen und die Werke meines Berufes, darein du mich gesetzet hast, getrost angreifen und nach deiner Gabe Gowige II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 19 ausrichten, meinem Nächsten dadurch zu dienen und mein Brot zu erwerben. Darum bitte ich dich herzlich, du wollest mir zu solchem Werk nach deiner gnadenreichen Verheißung Weisheit und Verstand, Heil und Segen, auch Gesundheit verleihen, damit ich es nicht allein wohl anfangen, sondern auch durch deine väterliche Hülfe in deinem Namen nützlich vollführen und meines Amtes jederzeit in deiner Furcht mit reinem Gewissen treulich warten möge. Dir befehle ich meine Werke; laß meine Anschläge fortgehen und laß mir gelingen, was ich mir in deinem Namen vornehme, daß das Licht auf meinem Wege immer scheine, dir zu Lob und Preis, mir und den Meinen, auch meinem Nächsten zur Wohlfahrt und Frommen, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. O Herr Jesu, in deinem Namen und auf dein Wort will ich mein Netz auswerfen. Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen. Amen. 25. Um Gottes Segen in baus und Beruf. allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, dieweil du mit Worten und Werken genugsam bewiesen hast, daß du als ein getreuer Vater für uns sorgest, und hast uns gnädiglich zu Kindern angenommen und einem jeden seinen Beruf gegeben, darinnen er dir und dem Nächsten dienen soll, so bitten wir dich von Herzen, lieber Vater, gieb Gnade, daß wir unsers Berufes fleißig wahrnehmen und im Gehorsam als deine treuen Kinder allezeit erfunden werden. Fördere die Werke unsers Haushaltens also, daß wir ja unsere Herzen nicht an die Güter dieser Welt hängen noch jemand dadurch Ärgernis geben, sondern laß uns alle zeitlichen Güter und Gaben, so wir durch deinen Segen empfangen haben, in stillem Wesen mit täglicher Dankfagung genießen und gebrauchen. Wollest auch von uns abwenden allen Müßiggang, unnötige Sorge der Nahrung und alles, was dir mißfällt, und bei uns und in uns fördern alles, was dir wohlgefällt, auf daß wir in all unserm Thun deinem Befehle nachgehen und alle Sorge und Anliegen aus rechtem Glauben auf dich werfen. Denn du weißt alles, was uns mangelt und not ist; das wollest du uns gnädiglich verleihen. Amen. 26. Gebet christlicher Eheleute. Marmherziger, gnädiger Gott, lieber Vater, du hast uns nach deinem gnädigen Willen und göttlicher Vorsehung in den heiligen Ehestand gesetzt, daß wir nach deiner Ordnung darin 2* 20 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. leben sollen. Darum trösten wir uns auch deines Segens, da dein Wort sagt: Wer eine Ehefrau findet, der findet was Gutes und bekommt Segen vom Herrn. Ach lieber Gott, laß uns ja in deiner göttlichen Furcht bei einander leben. Laß uns vor allen Dingen dein Wort lieb haben, daß wir sein mögen wie ein Baum am Wasser gepflanzet, der seine Frucht bringet zur seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Laß uns mit einander in Frieden und Einigkeit leben und unsern Ehestand in Zucht und Ehrbarkeit führen, daß dein Segen bei uns wohne, und wir einen ehrlichen Namen haben mögen. Gieb Gnade, daß wir unsere Kinder in der Furcht und Ermahnung zu deinen göttlichen Ehren auferziehen, daß du aus ihrem Munde dir ein Lob bereiten mögest. Gieb ihnen ein gehorsames Herz, daß es ihnen möge wohl gehen, und sie lange leben auf Erden. Gieb uns auch das tägliche Brot und segne unsere Nahrung. Und wenn du uns ja, lieber Gott, Kreuz und Trübsal zusenden willst, so gieb uns Geduld, daß wir uns gehorsamlich deiner väterlichen Züchtigung unterwerfen, und mache es gnädig mit uns. Fallen wir, so wirf uns nicht weg, sondern halt uns bei der Hand und richte uns wieder auf. Lindere uns unser Kreuz und tröste uns wieder und verlaß uns nicht in unserer Not. Gieb auch, daß wir das Zeitliche nicht lieber haben denn das Ewige; wir haben ja nichts in die Welt gebracht, werden auch nichts mit hinaus bringen. Laß uns nachjagen dem Glauben und der Liebe und ergreifen das ewige Leben, dazu wir berufen sind. Gott der Vater segne uns und behüte uns. Gott der Sohn erleuchte sein Angesicht über uns und sei uns gnädig. Gott der heilige Geist erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Friede. Die heilige Dreieinigkeit bewahre unsern Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 27 Gebet der Eltern für ihre Kinder. Getreuer, lieber Gott und Bater, Schöpfer und Erhalter aller dir von für die du uns durch deinen Segen gegeben hast, und bitten dich herzlich, weil du gesagt hast, du wollest deinen heiligen Geist geben allen, die dich darum bitten, begnade auch unsere armen Kinder mit deinem heiligen Geiste, der in ihnen die wahre Furcht Gottes anzünde, welche der Weisheit Anfang ist. Beselige sie mit deiner wahren Erkenntnis, laß sie in dem wahren seligmachenden Glauben und in aller Gottseligkeit aufwachsen und darin bis ans Ende II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. verharren. Gieb ihnen ein gläubiges, gehorsames, demütiges Herz, auch Weisheit und Verstand, daß sie wachsen und zunehmen an Alter und Gnade bei dir und den Menschen. Pflanze in ihr Herz die Liebe deines göttlichen Wortes, daß sie seien andächtig im Gebet und Gottesdienst, ehrerbietig gegen die Diener des Wortes und gegen jedermann, schamhaftig in Worten, treu in Werken, fleißig in Geschäften, glückselig in Verrichtungen ihres Berufes, verständig in Sachen, richtig in allen Dingen, sanftmütig und freundlich gegen alle Menschen. Behüte sie vor allen Ärgernissen dieser Welt, sei ihr Schutz in allerlei Gefahr, daß sie nicht plötzlich umkommen. Laß uns ja nicht Unehre und Schande, sondern Freude und Ehre an ihnen erleben, daß durch sie auch dein Reich vermehret und die Zahl der Gläubigen groß werde, daß sie auch im Himmel um deinen Tisch her sitzen mögen als die himmlischen Ölzweige und dich mit allen Auserwählten ehren, loben und preisen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Darauf bete den 127. und 128. Pfalm. 21 28. Gebet nach der Taufe eines Kindes, auch von Gevattern zu beten. Allmächtiger, ewiger Gott, lieber himmlischer Bater, der du bist über was heißt im Himmel und auf Erden, wir sagen dir von Herzen Lob und Dank, daß du dieses Kind uns geschenkt und ihm verliehen hast, daß es durch die heilige Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren und deinem lieben Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, einverleibt worden ist. Wir bitten dich demütig, du wollest dieses Kind, welches nunmehr dein Kind und Erbe geworden ist, bei der empfangenen Taufgnade bewahren, damit es nach allem deinem Wohlgefallen zur Ehre deines Namens treulich auferzogen werde, im wahren Glauben bis zum seligen Ende beständig verbleibe und endlich das verheißene Erbteil im Himmel mit allen Heiligen empfange, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 29. Schulgebete. 1. Luthers Morgensegen siehe Gebet 2. 2. Lieber Herr und Gott, der du deinem Volke im Gesetz befohlen haft: Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, laß auch uns in unserer Arbeit deinen heiligen Willen erkennen und alle unsere Werke mit Fleiß und Treue verrichten. 22 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. Weil aber ohne deinen Segen Mühe und Arbeit vergeblich ist, so bitten wir dich, laß dein himmlisches Gedeihen auf unsere Arbeit reichlich herabfließen gleich dem Morgentau, der das dürre Land befeuchtet. Laß uns unsere Geschäfte in deinem Namen anfangen und in stiller Hoffnung auf deine Hülfe glücklich hinausführen, dir zur Ehre, uns zur Freude und den Menschen zum Wohlgefallen. Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände, ja das Werk unserer Hände wollest du fördern. Amen. 3. Abba, lieber Vater, dir sei Lob und Dank gesagt, daß du uns diesen Tag haft gesund erleben lassen und uns wieder die Gnade verleihst, gemeinsam deinen Namen anzurufen. Dein lieber Sohn hat versprochen, daß er mitten unter denen sein wolle, die in seinem Namen versammelt sind. Laß auch jetzt seine gnädige Verheißung an uns erfüllt werden. Weil du aber nur denen nahe bist, die dich fürchten, so gieb eine kindliche Furcht vor deiner heiligen Majestät in unsere Herzen. Erleuchte unsern Verstand und lenke unsern Willen zum Gehorsam, daß dir all unser Thun und Lassen wohlgefalle. Laß uns wachsen an Weisheit, Alter und Gnade bei dir und den Menschen nach dem Exempel deines heiligen Kindes Jesu. Amen. 4. In deinem Namen, lieber himmlischer Vater, schicken wir uns jetzt wieder an, die Arbeit unsers Berufes auszurichten und zu lehren und zu lernen, was uns befohlen ist. Sende dazu dein Licht und deine Wahrheit und gieb uns erleuchtete Augen unsers Verstandes. Vor allen Dingen aber laß deine Furcht unserer Weisheit Anfang und deinen Geist unser aller Lehrer und Leiter sein. Mache unsere Herzen zu einem tiefen, weichen und reinen Lande und laß guten Samen darauf fallen, daß er darin wurzele und aufgehe und Frucht bringe zum ewigen Leben. Amen. 5. Allgegenwärtiger Gott, deine Augen sehen auf eines jeglichen Weg, und du schauest auf alle unsere Gänge. Du erkennest unser Herz, und es ist alles bloß und aufgedeckt vor deinen Augen. Vor dir ist auch die Finsternis licht, und die Nacht leuchtet wie der helle Tag. Gieb uns doch einen tiefen Eindruck davon in unser Herz, daß wir allezeit vor deinen heiligen Augen offenbar sind, damit wir uns vor der Sünde fürchten lernen und vor deinem Angesichte wandeln. Schaffe in uns ein reines Herz, tilge alle heimliche Unlauterfeit aus unserm Leben und mache uns aufrichtig vor dir und den Menschen. Den Auf 23 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. richtigen läsfest du es gelingen und beschirmest die Frommen. Das erfülle an uns nach deiner Barmherzigkeit. Amen. 6. Wir danken dir, Herr Gott, für alle deine Wohlthat, die du uns erzeiget hast, daß du uns zu vernünftigen Menschen geschaffen hast und hast uns erlöset durch das unschuldige Blut deines lieben Sohnes und durch dein Wort und deinen Geist zum ewigen Leben berufen. Wir bitten dich, lieber Vater, verleih uns deine Gnade, dein heiliges Wort wohl zu lernen, christlich zu leben und selig zu sterben, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 7. Herr, leite uns in deiner Wahrheit und lehre uns, denn du bist der Gott, der uns hilft; täglich harren wir dein. Ge= denke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht der Sünden unserer Jugend noch unserer Übertretung, gedenke aber unser nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist unser Gott; dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Und dein Friede, der höher ist denn alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen. 8. Wir danken dir, lieber himmlischer Vater, daß du den Schlummer der Nacht von uns verscheucht und uns wieder versammelt hast, unsere Hände zu dir aufzuheben. Laß uns mun die Arbeit des Tages mit Freuden angreifen und die Gabe, welche du einem jeden verliehen hast, mit Treue und Demut gebrauchen. Gieb uns ein sehendes Auge, ein hörendes Ohr und ein waches Gewissen. Fülle uns frühe mit deiner Gnade und ſegne die Werte unserer Hände. Deinem heiligen Namen sei Ruhm und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. 9. Herr Jesu Christe, der du die Kinder zu dir zu bringen befohlen und sie in dein Reich aufzunehmen verheißen hast, wir danken dir, daß du uns in der heiligen Taufe zu dir gezogen und mit den Gütern deines Reiches gesegnet hast. Laß uns nun bei dir bleiben und als lebendige, grünende und fruchtbare Reben an dir, dem rechten Weinstock, erfunden werden. Vollführe das gute Werk, das du in uns angefangen hast, und behalte uns in der Aufsicht deiner Liebe und unter der Zucht deines Geistes, daß wir geschickt werden, dir hier in deinem Reiche zu dienen, und einst nach wohl vollbrachtem Leben auf Erden den Eingang finden zu deinem ewigen Reiche. Amen. 10. Wir danken dir, lieber himmlischer Vater, für die große Gnade, daß du dein heiliges Wort uns gegeben hast. Drücke 24 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. es ein und versiegele es in unsern Herzen, daß wir danach thun, leben und sterben. Laß uns in deiner Erkenntnis wachsen und zunehmen, dich, ewiger Gott, anrufen, loben, ehren und preisen und alles, was wir thun und lassen, nach deinen heiligen Geboten anstellen, damit wir hier allezeit als gehorsame Kinder erfunden und zuletzt des ewigen Lebens, das uns durch Jesum Christum erworben ist, teilhaftig werden mögen. Amen. 11.( Am Schlusse der Woche.) Allmächtiger Gott, lieber himmlischer Vater, da wir ohne deines heiligen Geistes Licht und Gnade nichts vermögen, so bitten wir dich, du wollest unsern Berstand erleuchten, unser Gedächtnis stärken und unsern Willen regieren und heiligen, daß wir alles, was wir lesen und hören, recht verstehen, was wir verstehen, wohl behalten, und was wir behalten, wohl anwenden und in ein christliches Leben verwandeln. Befestige du selbst alles, was wir gehört und gelernt haben, und bestätige das Gute, das du in uns angefangen hast, zu deines Namens Lob und Preis um Jesu Christi, unsers Heilandes, willen. Amen. 12.( 3um Schlusse der Schule.) Lob und Dank sei dir, du Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, daß du uns bis hieher geholfen hast. Dein Aufsehen hat unsern Odem bewahrt, du hast uns Gesundheit, Kraft und Freudigkeit zu unserm Werke gegeben, und was an unserer Arbeit nicht vergeblich gewesen, das danken wir allein deiner Güte. Wir sind zu geringe aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an uns gethan hast. Tilge alle unsere Sünde und Übertretung um Jesu Christi willen. Herr, wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeih uns auch die verborgenen Fehler und laß keinen ein böses Gewissen und unvergebene Schuld mit sich hinwegnehmen. Behalte uns in deiner Gnade, erhalte uns ein fröhliches Herz, laß uns unter einander durch das Band des Friedens und durch herzliche Liebe verbunden bleiben.( Laß deinen Segen die begleiten, welche von uns scheiden; laß ihn auch bei uns bleiben, die wir erfrischt und gestärkt unser Werk wieder aufzunehmen gedenken.) Behüte unsern Ausgang und Eingang von nun an bis zu ewigen Zeiten. Amen. 30 Gebet eines Konfirmanden. 1. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, daß du mich durch die heilige Taufe in den Bund der Gnade und des Friedens aufgenommen, in deinem Worte mich unterwiesen und nun dieſe Zeit mich haft erleben lassen, in der ich zu meiner Konfirmation mich bereiten und rüsten soll. Hilf, lieber Vater, daß dieſe Zeit II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 25 eine heilige und gesegnete Zeit und ein geistlicher Frühling für mich werde. Mache mich völliger im kindlichen Gehorsam, andächtig im Gebet, eifrig zu deinem Wort, treu in meiner Arbeit, friedsam und ehrerbietig gegen jedermann. Bewahre mich und alle, die mit mir auf dem Wege sind, vor Ärgernis und allem leichtfertigen Wesen. Laß uns wachsen in deiner Erkenntnis und stark werden durch deinen Geist an dem inwendigen Menschen, daß wir am Tage unserer Konfirmation ein gutes Bekenntnis thun und würdig zu deinem Tische kommen mögen. Amen. 2. Herr Gott, himmlischer Vater, weil dein lieber Sohn versprochen hat, daß du deinen heiligen Geist denen geben wollest, die dich darum bitten, so bitten wir dich herzlich in dem Namen Jesu Christi, deines geliebten Sohnes, du wollest uns deinen heiligen Geist geben, daß er uns in alle Wahrheit leite, uns zu allem Guten antreibe, regiere und führe. Heilige uns durch denselben durch und durch und erfülle uns mit seinen Heiligungsgaben, damit wir als deine Kinder wandeln, Christo angehören und deine Rechte halten mögen, um der teuren Verheißung und Fürbitte deines geliebten Sohnes Jesu Christi willen. Amen. 31. Sür die Kirche. D Bater aller Barmherzigkeit, der du dir eine heilige Gemeine und Kirche auf Erden durch dein Wort und heiligen Geist ſammelst und erhältst; wir bitten dich, du wollest deine kleine Herde, das arme Häuflein, so dein Wort durch deine Gnade angenommen hat, ehret und befördert, bei der rechten, erfannten, reinen und allein seligmachenden Lehre, auch bei dem rechten Gebrauche der heiligen Sakramente wider alle Pforten der Hölle, wider alles Wüten und Toben des leidigen Teufels, wider alle Bosheit und Tyrannei der argen Welt beständig und fest erhalten. Erhalte dein Schifflein samt deinen Christen mitten auf dem ungestümen Meere, unter allen Wellen und Wasserwogen, daß es nicht sinke noch untergehe. Laß deine liebe Kirche fest und unbeweglich auf dem Grundfels stehen, darauf sie gebauet iſt. O Gott Zebaoth, wende dich doch, schaue vom Himmel und siehe an und suche heim deinen Weinstock und halte ihn im Bau, den deine Rechte gepflanzt hat, und den du dir festiglich erwählt hast, auf daß sein Gewächs ausgebreitet und seine Zweige groß werden. Nimm uns, deine Schafe, in deinen Schuß, daß uns niemand aus deiner Hand reiße. Behüte uns vor allen denjenigen, welche die Bertilgung der rechten Lehre und die Auf 26 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. richtung und Bestätigung der schändlichen Abgötterei suchen. Laß dein liebes Wort, das helle und unwandelbare Licht, so uns jetzt scheint, nicht unterdrückt oder ausgelöscht werden, sondern thu Hülfe durch deinen großen und ausgestreckten Arm und erhalte deine Kirche und Gemeine unter so viel Anstößen in der Welt, auf daß du unter uns hier auf Erden auch ein Volk habest, das dich erkenne, ehre und anbete und deinem heiligen Namen mit reinem Herzen diene. Ach Herr, schone deines Volkes und laß uns nicht entgelten unsere Sünden, der du die Missethat vormals vergeben hast deinem Volke und alle ihre Sünde bedeckt, der du vormals hast allen deinen Zorn aufgehoben und dich gewendet von dem Grimme deines Zorns, tröste uns, Gott unser Heiland, und laß ab von deiner Ungnade über uns. Beschütze deine Christenheit, welche sich auf dich allein verläßt, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen. Sei und bleibe du mitten unter uns und weiche nicht von deiner Gemeine. Thu solches um deines Namens willen, daß derselbe nicht entheiliget werde, ja thu es um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, willen. Amen. 32. Für die Obrigkeit. H err aller Herren und König aller Könige, du Herrscher über den ganzen Erdenkreis, der du alle Obrigkeit eingesetzet und gesaget hast durch deinen werten Apostel: Es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott, und wer der Obrigkeit widerstrebet, der widerstrebet Gottes Ordnung, laß uns die Obrigkeit für deine Ordnung erkennen, dieselbe fürchten, lieben und ehren. Gieb Gnade, daß wir durch sie mit Gerechtigkeit regiert werden und unter ihrem Schutz ein stilles, geruhiges Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Und weil du, lieber Vater, der Könige Herzen in deiner Hand hast und leitest dieselben wie Wasserbäche, so regiere auch unsere liebe Obrigkeit mit deinem heiligen Geist, daß sie vor allen Dingen Gottes Wort lieb haben, ihre Thore weit machen und die Thüren in der Welt hoch, daß in ihren Landen der König der Ehren einziehe. Gieb ihnen deine himmlische Weisheit, die um deinen Thron ist, durch welche die Könige regieren und die Ratsherren das Recht setzen. Laß sie das Geschrei der Armen hören und Recht und Gerechtigkeit handhaben. Laß sie fürstliche Gedanken haben und darüber halten. Gieb ihnen die Liebe der Gerechtigkeit, beständigen Mut und Tapferkeit wider alle Ungerechtigkeit, glücklichen Fortgang ihrer Anschläge, getreue, verständige, fluge Räte, gesundes und langes II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 27 Leben. Behüte sie vor Heuchlern und Schmeichlern, vor Kriegen und Blutvergießen. Schütze sie durch deine heiligen Engel. Segne das ganze Land, und schaffe unsern Grenzen Friede, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 33. Für die Früchte des Seldes.( Am Tage der Bagelfeier.) H err, allmächtiger Gott, ein König Himmels und der Erde, der du durch deine überschwengliche Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest und erfüllest, von welchen Menschen und Vieh ihre Nahrung haben, wir bitten dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest unser Land segnen, daß es seine Früchte und Vermögen gebe, sintemal wir von uns selber nicht ein Körnlein aus der Erde hervorbringen oder denselben helfen können, wo du nicht das Gedeihen giebst. Darum verleih den lieben Früchten eine gnädige Witterung, daß sie wachsen und wohl geraten. Behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Verheerung, vor allem Ungeziefer und Schaden. Laß das Land nicht feiern in deinem Zorne, laß es nicht wüste liegen und unfruchtbar bleiben. Schließ den Himmel in deinem Grimme um unserer Sünde willen nicht zu, daß er nicht wie Eisen, und die Erde so hart wie Erz werde, sondern gieb uns Früh- und Spatregen, dazu fruchtbare Zeiten, suche das Land heim und wässere es und mache es sehr reich. Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, so laß denn unser Getreide wohl geraten und baue selbst das Land, tränke seine Furchen und segne sein Gewächs und kröne das Jahr mit deinem Gut. Laß dir, lieber Gott, den Samen und alle Früchte des ganzen Erdreichs in deinen gnädigen Schutz befohlen sein. Behüte uns vor Mißwachs, Teurung, Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünde mit reuigem Herzen und schreien zu dir, unserm Gott, du wollest hören im Himmel, in dem Sitze, da du wohnest, und gnädig sein der Sünde deines Volkes und uns nicht mit leiblicher Nahrung verlassen, sondern unser Leben erhalten und uns mit aller Notdurft versorgen, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen und dich preisen, der du uns an Leib und Seele hier zeitlich und dort ewiglich reichlich ernährest. Amen. 34. Um den lieben Sonnenschein. Allmächtiger, barmherziger Gott, himmlischer Bater, wir haben es daß du mit vielem überflüssigen Regen und betrübtem nassen Wetter 28 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. strafest und heimsuchst. Aber hilf doch um deines Namens willen und laß die liebe Sonne wiederum scheinen und leuchten, damit sich die notleidenden Früchte erholen, und wir solchen deinen Segen zu unserer Notdurft wohl einbringen und mit Danksagung in Frieden genießen mögen. Unsere Hoffnung und Hülfe, unser Trost und unsere Zuflucht ist und bleibt in dir, der Himmel und Erde gemacht hat. Hilf uns, o Gott unsers Heils. Amen. 35. Um einen fruchtbaren Regen. Ash ch himmlischer Vater, allmächtiger Gott, du hast in deinem Worte gesagt, wenn wir dir nicht gehorchen, so willst du den Himmel wie Eisen und die Erde wie Erz machen, daß es nicht regnen soll, noch die Früchte auf dem Lande gedeihen. Wiederum aber hast du verheißen, wenn wir dir gehorchen, dich lieben und dir von ganzem Herzen dienen, so wollest du unserm Lande Regen geben zu seiner Zeit. Nun sehen wir leider mit Schmerzen, daß die lieben Früchte, die du aus deiner milden Hand bescheret hast, von der Sonnenhitze hart austrocknen und schier keinen Saft mehr haben, weil die fruchtbaren Regen ausbleiben. Solches alles haben wir mit unsern vielfältigen Sünden als eine Strafe und Rute wohl verdient und wären wohl wert, daß du uns nicht ein Körnlein ließest aus der Erde wachsen. Nun wissen wir kein ander Mittel, mit welchem wir deinen Zorn könnten stillen und die brennende Hitze abwenden, denn daß wir mit einem ernsten, gläubigen Gebet, welches die Wolken durchdringt und vor dein Angesicht kommt, auch bei dir viel ausrichtet, dir in die Rute fallen. Bitten deshalb deine unendliche Barmherzigkeit, du wollest den Himmel wieder aufschließen und einen lieblichen, fruchtbaren Regen bescheren,( wie denn Elias auch mit seinem Gebete erlangte, daß es regnete,) damit die Früchte der Erde erfrischt und erquickt werden, und wir sie mit Dankbarkeit einernten, zur Erhaltung unsers zeitlichen Lebens fruchtbarlich gebrauchen und in deinem Segen vom Himmel an Leib und Seele erhalten werden und dich hie zeitlich und dort ewiglich loben und preisen mögen. Amen. 36. Beim Anfang der Ernte. [ llmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der du fröhlich machst, was da webet, beide des Morgens und des Abends, bauest selbst das Land und segnest sein Gewächs: wir danken dir, daß du auch dieses Jahr unser Land heimgesucht haft und das Getreide wohl geraten lassen. Wir wollen nun II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. 29 deinen Segen einsammeln und bitten dich herzlich, du wollest uns dazu gute und bequeme Witterung verleihen, das Angesicht der Erde fröhlich machen und deine liebe Sonne scheinen lassen, damit unsere Früchte, vor allem Schaden behütet und zu ihrer Vollkommenheit gebracht, von uns in gutem Frieden fein trocken eingesammelt, mit Danksagung aus deiner milden Hand angenommen und zur Notdurft unsers Leibes in guter Gesundheit genossen werden. Du weißt, lieber Vater, daß wir des täglichen Brotes und deines Erdsegens hoch bedürfen, weil du es so geordnet, daß der Mensch vom Brote lebe und sein Herz damit stärke. Darum so gönne uns auch für dieses Jahr deinen gezeigten Segen, und wie du angefangen hast, uns zu segnen, so segne uns noch ferner, gieb uns unsere Speise zu deiner Zeit, thu deine milde Hand auf und sättige uns mit deinem Gut. Herr, du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir. Höre auch jetzt unser Gebet und vernimm unser Schreien, auf daß wir dein väterliches Herz erkennen und dich für deine Wohlthat loben und preisen, so lange wir leben. Dazu hilf uns, du frommer Gott, und gieb uns, was wir für uns selber nicht vermögen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 37. Dankgebet nach der Ernte. H err Gott Himmels und der Erde, du bedeckest den Himmel mit Wolken, giebst Regen auf Erden und machest sie fruchtbar, daß sie giebt Samen zu säen und Brot zu essen; du erfüllest die Herzen mit Speise und Freude und giebst uns allerlei Gutes reichlich zu genießen. Du hast verheißen: So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Samen und Ernte, und dieses den Wort hast du, gnädiger Gott, auch an uns in diesem Jahre träftiglich erfüllt. Unsern Samen haben wir auf Hoffnung ausgefäct, und siehe, nun ernten wir durch deinen Segen reichlich ein. Für solche deine Gnade und Wohlthat danken wir dir heute in deinem Hause mit allem deinem Volke und sagen: Nun danket alle Gott, der große Dinge thut an allen Enden, der uns vont Mutterleibe an lebendig erhält und thut uns alles Gutes. Preise, Jerusalem, den Herrn, lobe, Zion, deinen Gott! Dank sei dir, o treuer Gott, daß du unsern Saaten Regen und Sonnenschein verliehen, uns die Ernte so treulich behütet und uns und unsern Kindern wieder für ein Jahr Brot gegeben hast. Bewahre nun ferner, lieber Gott, was du gegeben hast, und gieb Gnade, daß 30 II. Dankgebete. Berufsgebete. Fürbitten. wir es anwenden uns und unsern dürftigen Nächsten zur Erhaltung und dir zu Lob und Preis. Hilf, daß wir als deine Kinder dich stets vor Augen haben und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, einst aber wie reife Garben heimgeholt und am jüngsten Tage durch deine heiligen Engel als guter Weizen in deine Scheuern gesammelt werden; so wollen wir dir mit allen Heiligen ein ewiges Dankopfer bringen und sagen: Hoch gelobet sei Gott in alle Ewigkeit! Amen. 38. Um göttlichen Segen zum Bergwert. Allmächtiger Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, in deiner Hand ist, was die Berge sind auch dein. Groß sind deine Werke, die Erde füllest du mit Gütern und läsfest auch der Berge Gründe nicht leer. Wir sagen deiner Majestät Lob und Preis, daß du diesen unsern Ort mit dem edlen Bergsegen begnadigt, die Gebirge mit fündigen Klüften und Gängen veredelt und( bei den bisherigen schweren Zeiten) den lieben Bergbau noch gnädig erhalten hast. Insonderheit danken wir deiner Barmherzigkeit, daß du in dem vergangenen Jahre viel Unglück väterlich abgewendet( nach den schweren Unglücksfällen uns wieder gnädig angesehen), alles in gutem Stande erhalten und das tägliche Brot mildiglich beschert hast. Für diese großen unverdienten Wohlthaten bringen wir heute deinem Namen das Opfer unserer Lippen und rühmen deine Allmacht und Güte mit fröhlichem Munde und dankbarem Herzen. Weil wir aber, lieber Gott und Vater, leider oft undankbar gewesen, deine Gaben nicht gebührlich erkannt und geachtet, dieselben auch nicht zu deinen Ehren und zu Nußen unsers Nächsten angewandt, sondern vielmehr oft mißbraucht haben, so hast du zur gerechten Strafe oftmals deine Gaben und Schätze zurückgehalten und deinen Segen entzogen, daß unsere Arbeit an vielen Orten verloren und vergeblich gewesen. Nun, lieber himm lischer Vater, wir bitten dich, gedenke nicht unserer Sünden, sondern gedenke deiner vorigen Güte und Gnade, die von der Welt her gewesen ist. Gieb uns deinen Geist, daß wir nicht bloß mit Worten unsere Missethat bekennen, sondern auch durch seine Hülfe zu wirklicher und thätiger Bußfertigkeit und Besserung des Lebens schreiten mögen. Erhebe du durch deine allmächtige Hand, die kräftig allenthalben wirkt, dieses unser Bergwerk immer mehr und mehr; thu deine milde Hand auf, beschere gute Anbrüche, reich Erz und Silber, und laß durch deinen Segen die III. Gebete in allerlei Not. 31 herrlichen Gaben, die du uns durch schöne Anbrüche zeigst, dauernd sein, daß wir alle dadurch unser täglich Brot haben mögen. Behüte uns vor Feuersbrünsten, vor ansteckenden Krankheiten, vor Wassermangel und schädlichen Wasserfluten. Behüte unsere Bergleute bei ihrem Ein- und Ausfahren, wache über unsere Pochwerte und Hütten und über alle, die darin arbeiten. Laß ihre Arbeit gedeihn, daß jedermann sich deiner väterlichen Güte und gnädigen Hülfe erfreue und die Werke seines Berufs mit Lust verrichte. Schenke den Oberen Weisheit und Liebe, Kraft und Treue. Segne unsere Schulen, daß die Weisheit in ihnen gesucht werde wie Silber und erforscht wie die Schätze, auf daß unsere Kinder deine Furcht und Erkenntnis finden. Vor allen Dingen aber laß den edlen Schatz deines reinen Worts und Sakraments bei uns bleiben und segne uns mit den unvergänglichen Gütern deines Reiches, daß wir allesamt endlich unsere Ausfahrt aus den dunklen Gängen dieser Erde mit Freuden halten und dich ewig loben und preisen, durch Christum, unsern Herrn. Amen. III. Gebete in allerlei Not. Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergetten meine Seele. 39. Um Geduld in Leidenszeit. der du eine Stärke der chen, ein Trost der Betrübten, eine Zuflucht der Verlassenen, eine Hülfe der Angefochtenen, ein Leben der Sterbenden, ein Gott der Geduld und alles Trostes, du siehest, wie schwach, blöde und verzagt wir sind, und daß wir im Kreuze ohne deine göttliche Hülfe und Beistand nicht bestehen können. Deswegen rufe ich zu dir, wenn du mir Krankheit oder sonst Widerwärtigkeit nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen zuschickest, du wollest mich darunter fest im Glauben und beständig in der Geduld erhalten. Verleih mir Gnade, daß ich deine väterliche Hand und Züchtigung mit sanftem Geiste und stillem Herzen ertragen möge. Gieb mir Geduld in Leidenszeit, welche mir hoch von nöten ist, und lehre mich, daß ich dir, meinem Gott, stille halte, wenn es mir übel gehet, damit ich die Trübsal 32 III. Gebete in allerlei Not. nicht achte für ein Zeichen deiner Ungnade und in meinem Herzen nicht etwa wider dich murre oder sonst ungeduldig werde, sondern laß mich erkennen, daß, welchen du, Herr, lieb hast, denselben du auch züchtigest zu seiner Besserung; denn die Trübsal bringt Geduld, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu schanden werden, und selig ist der Mann, den du, Gott, züchtigest. Darum soll sich niemand weigern der Züchtigung des Allmächtigen, denn du verletzest und verbindest, du zerschmeißest, und deine Hand heilet. Aus sechs Trübfalen wirst du mich erretten, und in der siebenten wird mich kein Übel rühren. So hilf nun, ewiger, barmherziger Gott, daß ich meine Seele mit Geduld fasse und in gewisser Hoffnung unabgewendet stets an dir bleibe, auf daß ich mit findlicher Zuversicht dein väterliches Herz, unter dem Kreuze verborgen, erkennen möge, mit allerlei Kraft mächtig gestärkt werde nach der großen Macht deiner Herrlichkeit, und mit aller Geduld und Langmut in aller Anfechtung und Widerwärtigkeit gewappnet stehe und fröhlich mit dankbarem Gemüte in aller Not samt allen deinen Gläubigen dich preisen möge; auf daß, wie ich mit Christo Jesu, deinem lieben Sohne, allhier leide, also auch mit ihm zur ewigen Herrlichkeit erhoben werde. Amen. 40. In Anfechtungen. Jesu Christe, du mächtiger Herr und einiger Helfer, der du dich um unsertwillen und uns zu gut hast laſsen versuchen, auf daß du den Teufel überwändest, wir bitten dich, rüste uns mit geistlichen Waffen, damit wir bestehen können unter dem Schilde des Glaubens gegen die listigen Anläufe des Teufels; mach uns stark in der Macht deiner göttlichen Stärke, daß wir der Welt obsiegen; hilf uns das Fleisch durch Fasten und Beten betäuben und im Zaum halten, damit wir unumgestoßen in deinem Dienste bleiben und als christliche Ritter uns wehren mit dem geistlichen Schwerte deines Wortes und endlich die Krone des Lebens davon bringen, welche du uns geben wirst um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. mein Herr Jesu Christe, ich bitte dich von Grund meines Herzens, sprich mir diese Himmelsfreude allezeit in mein Herz und schreib sie an mit der goldenen Schrift des Glaubens in mein Gemüt, daß du mein Jesus, mein Heiland, mein Helfer, mein Erlöser, mein Gott und Herr feiest, damit ich als ein III. Gebete in allerlei Not. 33 Kind Gottes und Erbe des ewigen Lebens in diesem Elend dich, den Brunnquell aller Freude und Trostes, allezeit in meinem Herzen trage, auf daß ich alle Anfechtung und Widerwärtigkeit mit fröhlicher Geduld überwinde, dem Teufel mit fröhlichem Glauben widerstehe, mit fröhlicher Zuversicht bete, alle Mühseligkeit meines Berufs mit Freuden dulde und einmal, wenn du willst, in fröhlicher Hoffnung ein seliges Ende nehmen möge. Amen. 41. In Kriegszeiten. Heiliger und barmherziger Gott, erzeige uns deine Gnade und hilf uns. Schwere Wetter steigen auf, Kriegsgeschrei ist rings um uns her. Ach daß wir unter dem Toben der Völker deine Stimme hörten und deinen Geist uns strafen ließen! Mit Langmut hast du uns geschont und Geduld mit uns gehabt, aber wir sind über deine Güte um so sicherer geworden, haben deine Wohlthaten mißbraucht, dein Wort vergessen, haben viel wider einander gemurrt, aber wenig für einander gebetet, haben mit unserer Weisheit, unserm Vermögen und Werk Götzendienſt getrieben, statt auf dich allein unsere Hoffnung zu setzen. Aber nun kommen wir wieder zu dir, Herr, unser Gott. Laß uns eins werden in Erkenntnis unserer Sünde, daß wir auch eins werden im Vertrauen auf deine Erbarmung. Nimm von uns, Herr, jegliche Verschuldung, um Christi willen vergieb uns unsere Sünde. Deine Gnade sei unser Trost, dein Friede unsere Kampfesrüstung. Sei eine feurige Mauer um unser Vaterland her und erzeige dich herrlich darinnen. Wächst die Not, so mache die Liebe brennender, daß sie rastlos einhergehe und den Verwundeten und Kranken Pflege bringe, den Armen und Hungernden Obdach und Speise. Knüpfe durch die Trübsal neue Bruderbande, führe uns durch Kampf und Sieg zu neuen Siegen deines Reiches und laß über unserm deutschen Vaterlande einen Frieden aufgehn, der deines Namens Ehre ist. Herr Gott, sei uns gnädig und erbarme dich über uns, erhöre unser Gebet um Jesu Christi willen. Amen. 42. In teurer Zeit. Ach ch Herr, du großer und gewaltiger Gott, reich über alle, die dich anrufen, wir bekennen dir von Grund unserer Herzen, daß wir die Teurung und Hungersnot, die uns betroffen, mit unsern vielfältigen Sünden wohl verdient haben. Du, Herr, hast dich nicht unbezeugt gelassen, sondern uns viel Gutes gethan und bisher fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt 3 34 III. Gebete in allerlei Not. mit Speise und Freude. Wir aber haben für solche deine Wohlthaten dir nicht gedankt noch gedient. Darum, o gerechter Gott, hast du uns billig solchen Segen entzogen und den Stab des Brotes zerbrochen. Ach Herr, sei uns gnädig und vergieb uns unsere Sünden um Jesu Christi willen. Thu deine milde Hand auf und sättige uns wieder nach deinem Wohlgefallen. Suche das Land heim und wässere es und mache es fruchtbar, deine Brünnlein, Herr, haben ja Wassers die Fülle. Laß das Getreide wohl geraten, baue das Land und segne sein Gewächs, fröne das Jahr mit deinem Gute. Gott, der du rufen kannst dem, das nicht ist, daß es sei; der du dem Vieh sein Futter giebst, den jungen Raben, die dich anrufen, laß doch uns Menschen, die wir nach deinem Ebenbilde geschaffen, auf deinen Namen getauft, ja mit dem teuren Blute Jesu Christi, deines Sohnes, erkauft sind, nicht verschmachten. Erquicke uns doch wieder, denn unser aller Augen sehen auf dich. Herr Jesu, dich hat ja des Volkes gejammert, das nur etliche Tage bei dir verharrt und Hunger gelitten hatte, so laß dich doch auch unser Elend jammern, die wir jetzt Teurung und Kummer leiden. Hebe doch wieder an zu segnen die Hände deiner Knechte, denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich. Verleih auch uns allen wahre, herzliche Buße und regiere uns durch deinen Geist, daß wir deine väterliche Güte besser erkennen und deine Gaben und Wohlthaten mit größerer Dankbarkeit gebrauchen. Vor allen Dingen aber speise uns mit dem geistlichen Brote deines heiligen Wortes zu unserer Seligkeit und laß uns trachten nach dem, was droben ist, da Christus ist, damit wir dermaleinst mit ihm seiner himmlischen Güter genießen mögen in alle Ewigkeit. Amen. 43. Bei großem Ungewitter. du großer und erschrecklicher Gott, dem Sturmwinde und Feuerflammen dienen müssen, der du auf den Wolken fährest wie auf einem Wagen und deinen Donner mit Hagel und Blizzen ausläsfest, wir armen Menschen müßten ja in einem Augenblicke verderben, wenn du deine Donnerstrahlen auf uns gehen ließest. Denn die Erde bebt und wird bewegt, die Grundfesten der Berge regen sich und beben, wenn du zornig bist. Herr, wir sehen und hören deine große Macht und entsetzen uns vor dem erschrecklichen Prasseln deines Donners. Ach gedenke nicht unserer Sünden und Missethaten, sondern sei uns gnädig um deines Sohnes Jesu Christi willen. Verfolge uns doch nicht mit deinem III. Gebete in allerlei Not. Wetter und zerschmettere uns nicht mit deinen Donnerschlägen; bewahre uns Leib und Seele, Haus, Hof, Vich und die lieben Früchte auf dem Felde. Behüte uns vor grausamen Schrecken und einem bösen, schnellen Tode. Nimm von uns alle Kleinmütigkeit und ungläubige Furcht. Erhalte und stärke in uns den wahren Glauben, herzliche Bußfertigkeit, fröhliche Hoffnung und Geduld, damit wir bereit seien, wenn es dein Wille ist, aus diesem Leben selig abzuscheiden. Nimm uns, o Herr, unter den Schatten deiner Flügel, bis das Ungewitter vorüber gehe, und behüte uns, daß wir die Donnerstimme deines grimmigen Zorns, womit du die Gottlosen dermaleinst in das höllische Feuer weisen wirst, in Ewigkeit nimmermehr hören müssen, sondern nimm uns auf in dein Reich, daß wir dich, Vater, samt deinem Sohne Jesu Christo und dem heiligen Geiste, einigen wahren Gott, in Ewigkeit preisen mögen. Amen. 35 44. Bei Sturm und Wasserfluten. Allmächtiger, großer und starker Gott, der du Himmel und Erde in deiner Hand hast, sich doch an unsere große Not und Gefahr, darin wir jetzt schweben. Du hast die Winde mit Ungeſtüm ausgehen lassen und die Wasserfluten daher rauschen, daß uns bange ist, und unsere Herzen wollen verzagen. Ach halt ein, du Gott aller Güte und Barmherzigkeit, vergieb uns unsere Sünden und Missethat, um unsers Mittlers und Fürsprechers Jesu Christi willen. Laß vor dich kommen das Seufzen der Bedrängten, behüte die Schiffe und alle, die auf dem Meere fahren, mache unsere Dämme und Deiche fest, bewache unsere Häuser und Habe, laß die Gefahr und Angst gnädig vorübergehn. Du hast einst Noah in der großen Flut wunderbar erhalten und nachher den Regenbogen als Gnadenzeichen in die Wolken gesetzt, mache auch diesmal den verheerenden Fluten ein Ende und thu ein Zeichen an uns, daß es uns wohl gehe. Du hast dich Elias nach Sturm, Feuer und Erdbeben in stillem, sanftem Saufen offenbart, laf auch jetzt den Sturm sich wieder legen und erquicke unsere banger: Herzen mit friedlicher Stille, daß wir deine Nähe merken. Herr Jesu Christe, du bist der Mann, dem Wind und Meer gehorchen muß, stille das Brausen des Windes und das Toben der Wellen. Sprich nur Ein Wort, so ist uns geholfen, so wollen wir dir danken um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkinder thust, und deinen Namen preisen hie zeitlich und dort ewiglich. Amen. 3* III. Gebete in allerlei Not. 45. Bei Seuchen und in Sterbenszeiten. ch Herr Gott, gnädig und barmherzig, von großer Güte und Treue, wir erkennen deinen gerechten Zorn, welchen wir mit unsern Sünden wider uns erweckt haben. Ach schone unser, lieber Vater, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Strafe uns nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Ach Herr, sei uns gnädig, sei uns gnädig nach deiner Güte und tilge unsere Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Wende deine Plage von uns, daß wir nicht verschmachten von der Strafe deiner Hand. Wende dich, o Herr, und errette uns. Hilf uns um deiner Güte willen. Heile, Herr, alle Schwachen und Kranken. Sei bei ihnen in der Not. Reiße sie heraus und zeige ihnen dein Heil. Nimm dich ihrer Seelen herzlich an und vergieb ihnen alle ihre Sünde. Lehre uns hiebei alle bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir flug werden und mit Furcht und Zittern unsere Seligkeit schaffen. Laß uns, wenn unser Stündlein kommt, an deinem Worte festhalten, in Frieden hinfahren und den Tod nicht sehen ewiglich. Erhöre uns, erhöre uns, erhöre unsere Bitte, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Darnach lies Psalm 90. 91. 36 46. Um tägliche Bereitschaft zum Sterben. Ach lieber Gott und Herr, ich lebe und weiß nicht wie lange, nicht wann; himmlischer Bater, weißt es. Wohlan, soll dieser Tag( oder diese Nacht und Stunde) die letzte meines Lebens sein, Herr, so geschehe dein Wille, der ja allezeit und allewege der beste ist. Nach dem selben deinem heiligen Willen laß mich allezeit bereit sein, in wahrem Glauben an meinen Erlöser Jesum Christum zu leben und zu sterben. Allein, mein frommer Gott, gewähre mich dieser Bitte, daß ich nicht plötzlich in meinen Sünden sterben und verderben möge. Stelle sie mir in diesem Leben zu meiner Be kehrung unter Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tage zu meiner Verdammnis vorgestellet und zugerechnet werden mögen. Verleih mir, daß ich noch in der Gnadenzeit meine mannig faltigen schweren Sünden erkenne, bekenne, sie von Herzen bereue, einen festen Vorsatz fasse, mein Leben zu bessern, und auch Vergebung derselben von dir erlange. Alsdann, mein Gott, geschehe dein heiliger Wille; laß mich sterben, wann es dir gefällt, nur gieb mir ein sanftes und vernünftiges Ende. Barmherziger III. Gebete in allerlei Not. 37 Gott und Vater, der du bei deinem Leben geschworen hast, du wollest nicht den Tod des Gottlosen, sondern daß er sich von seinem bösen Wesen bekehre und lebe, Gott Sohn, der Welt Heiland, der du alle, die an dich glauben, bei deiner Wahrheit versichert hast, was sie den Vater in deinem Namen bitten werden, das wolle er ihnen geben, Gott heiliger Geist, der du unserer Schwachheit aufhilfft und wenn wir nicht wissen, was und wie wir erhörlich beten sollen, uns mit unaussprechlichem Seufzen vertrittst, erbarme dich über mich armen Sünder und laß diese meine Bitte ja, amen und erhört sein. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, du getreuer Gott. Amen. 47. Gebet für ein frankes Kind. err Jesu, du treuer und barmherziger Heiland, erbarme dich unser und dieses franken Kindleins. Du hast einst das Kind des Königischen gesund gemacht, da sein Vater dich bat, und haſt des Jairus Töchterlein vom Tode aufgeweckt; so wissen wir, daß du auch hier gnädiglich helfen kannst. Du guter Hirte, nimm dich in Gnaden dieses deines elenden Schäfleins an. Es ist ja dein Eigentum. Du hast es in der heiligen Taufe angenommen und zu den Deinen hinzugethan; so ziehe doch die Hand nicht ab von dem, was dein ist. Herr, unser Heiland, wir möchten wohl dies Kindlein noch behalten. Ist es ihm und uns gut, daß es länger lebe, so schenke es uns noch einmal und verleih ihm wieder Kraft und Gesundheit, so wollen wir dich loben für deine Treue und Gnade. Hast du aber beschlossen, dies Kindlein aus dieser argen und sündhaften Welt abzurufen und zu deinem ewigen Frieden und zur Schar deiner Auserwählten heimzuführen, so geschehe dein Wille. Wir weigern uns des Kreuzes nicht, das du uns auflegen willst. Stärke nur unsern Glauben und gieb uns den Geist der heiligen Stille, daß wir aus deinen treuen Händen alles dahinnehmen, es gefalle uns oder gefalle uns nicht. Herr, erbarme dich unser. An dein Herz und in deine Hände legen wir dies Kindlein, so ists wohlgeborgen und selig in Zeit und Ewigkeit. Amen. 48. Gebete eines Kranten. 1. O Herr, himmlischer Vater, du bist ja ein getreuer Gott und läsfest niemand über sein Vermögen versucht werden, sondern schaffest, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir sie ertragen mögen, ich bitte dich in meinen großen Nöten und III. Gebete in allerlei Not. Schmerzen, laß mir das Kreuz nicht zu schwer werden. Stärke mich, daß ich es mit Geduld ertragen möge und an deiner Barmherzigkeit nimmermehr verzage. O Christe, des lebendigen Gottes Sohn, der du des Kreuzes Pein für mich gelitten hast und endlich für meine Sünde gestorben bist, zu dir rufe ich aus meines Herzens Grunde: Erbarme dich über mich fündigen Menschen, vergieb mir alle meine Übertretungen, die ich in meinem ganzen Leben begangen habe. Erhalte mich im wahren Glauben bis an mein Ende. Gott heiliger Geist, du wahrer Tröster in aller Not, erhalte mich in der Geduld und herzlichen Anrufung Gottes, heilige mich mit wahrer Zuversicht und weiche nicht von mir in meiner letzten Not. Leite mich aus diesem Jammerthale in das rechte Vaterland. Amen. 38 2. Herr Jesu Christe, du hast deinen Boten zu mir geschickt, nämlich diese meine Krankheit, und mich zur Buße ermahnen lassen. Siehe, mein Herr, ich erkenne deinen gnädigen Willen, bin gehorsam und bekehre mich zu dir. Mein Gott, ich sende dir wieder einen Boten, nämlich mein armes Gebet und mein Seufzen. O Herr, nimm mein Flehen an und laß meine Seufzer vor dich kommen. Gefällt dirs, mein Erlöser, und ist mirs gut und selig, daß ich leben soll, wohl, so richte mich auf und hilf, daß es ein neues, gesundes, christliches Leben sei bis an mein Ende. Gefällt dirs nicht, daß ich lebe, sondern soll dies das Ende sein, wohl, so sei es ein seliges Ende. So komm, Herr Jesu, bald und nimm meine Seele in deine Hände. Amen. 3. O allmächtiger, starker Gott, der du bist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, vergiebest Sünde und Missethat, zu dir rufe ich, du wollest mir alle meine Sünde aus Gnade verzeihen und meine Seele wider alle Anfechtung stärken und erhalten. Komm mir zu Hülfe und stehe mir bei, daß der Glaube in mir nicht wante, die Hoffnung nicht verzage, die Liebe nicht erfalte, menschliche Schwachheit vor Schrecken des Todes nicht versinke. Und wenn mein Stündlein kommt, so laß mich in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. An diesen Heiland glaube ich und auf ihn hoffe ich. Ach Herr, laß mich nicht zu schanden werden, denn du bist meine Hülfe und Stärke. Siehe mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit und wende zu mir deine väterliche Huld, durch Jesum Christum deinen Sohn, der mit seinem heiligen Leiden und Sterben uns eine ewige Erlösung erworben hat. Amen. 39 III. Gebete in allerlei Not. 49. Dankgebet eines Genejenden. err, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein einiger Nothelfer, dir danke ich von Grund meines Herzens für deine unaussprechlichen, vielfältigen Wohlthaten, die du mir armen Sünder erzeiget hast, sonderlich aber, daß du in meiner großen Not, Krankheit und Elend mich in Gnaden angesehen, mein Herz gestärkt, mein Gebet erhört und mir so väterlich wiederum aufgeholfen hast. Ich danke dir, Herr, daß du zornig über mich gewesen bist, und dein Zorn sich so gewendet hat, daß du mich nun wiederum tröstest. Ach wie gut ist mir es, daß du mich gedemütigt hast. Du hast, o lieber Vater, mich gezüchtigt, damit ich nicht mit der gottlosen Welt verdammt werde. Um Trost war mir sehr bange, aber, Herr, du hast dich meiner Seele herzlich angenommen, wie soll ich dir vergelten all das Gute, das du an mir gethan hast? Ich will dir danken mein Lebelang und deinen Ruhm verkündigen für und für. Da ich dich, Herr, suchte, antwortetest du mir und errettetest mich aus meiner Not. Du verläsfest die nicht, die dich suchen. Du erhörest Gebet, darum fommt alles Fleisch zu dir. Du bist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilfft denen, die zerschlagene Gemüter haben. Ach mein Gott, verleihe mir eine herzliche, beständige Buße durch die Kraft des heiligen Geistes um Jesu Christi willen, damit ich hinfort nicht mehr fündige, auf daß mir nicht etwas Ärgeres widerfahre, sondern daß ich mich mein Lebelang vor solcher Betrübnis meiner Seele hüte. Beschütze mich auch hinfort durch deine heiligen Engel, daß sie mich bewahren auf allen meinen Wegen. Und dieweil ich doch endlich dieses Leben werde gesegnen und sterben müssen, so erhalte und vermehre in mir den wahren seligmachenden Glauben, Gottesfurcht, Geduld und Trost, damit ich ritterlich kämpfen, selig überwinden und fröhlich in dein himmlisches Reich eingehen möge, dich, o Vater aller Barmherzigkeit, samt deinem Sohne und heiligem Geist, den einigen wahren Gott, ewiglich zu preisen. Dir, o allerhöchster Gott, sei Lob, Ehre und Dank gesagt in alle Ewigkeit. Amen. 50. Um Geduld in langwieriger Krankheit. Herr Jesu Christe, der du in den Tagen deines Fleisches in höchster Geduld all dein Elend ausgestanden und uns unsere Seelen mit Geduld zu fassen befohlen hast, du siehst mein betrübtes Elend, hörst mein Seufzen, das ich auf meinem Angst 40 III. Gebete in allerlei Not. lager ausgieße. Du weißt, wie meine Schwachheit und Gebrechlichkeit so groß und heftig ist. Wie soll ich aber thun, du frommer Herr? Keine Arznei weiß ich als das Kräutlein Geduld. Dieweil aber dasselbe nicht wächst in dem ungebauten Garten meines Fleisches und Blutes, denn der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach, so stärke du mich mit dem Geiste der Gnade und des Trostes, gieb mir Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid, damit ich wider deine Gerichte nicht murre, sondern mit Freuden ein Halleluja darein singe und gewiß dafür halte, du wollest mitten unter deinen Zuchtruten gedenken deiner väterlichen Barmherzigkeit, mich züchtigen, aber mit Maße, mich strafen, aber nicht in deinem Zorn, mich töten, aber wieder lebendig machen, mir eine Last auflegen, aber wiederum aushelfen. Du bist ja der Gott, der da hilft, und der Herr Herr, der vom Tode errettet, hochgelobt in Ewigfeit. Amen. Sprüche aus Gottes Wort für Kranke. Bange Seufzer: Deine große herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich.( Jes. 63, 15.) Ach du Herr, wie lange?( Psalm 6, 4.) Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?( Röm. 7, 24.) Demütigung vor Gott: Ach Herr, unsere Missethaten habens ja verdient.( Jer. 14, 7.) So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?( Psalm 130, 3.) Wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.( Dan. 9, 18.) Trost des Glaubens: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.( 1 Joh. 1, 7.) Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind.( Hebr. 12, 11.) Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. ( Jac. 1, 12.) Die väterliche Stimme Gottes: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in die Hände hab ich dich ge III. Gebete in allerlei Not. 41 zeichnet.( Jes. 49, 15. 16.) Jch will dich nicht verlassen noch versäumen.( Hebr. 13, 5.) Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.( Jer. 31, 3.) Die Gnadenstimme Jesu Christi: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.( Joh. 7, 37. 6, 37.) Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. ( 2 Cor. 12, 9.) Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.( Offenb. 2, 10.) Auch können folgende längere Abschnitte göttlichen Wortes von dem Kranken gelesen oder ihm vorgelesen werden: 1 Petr. 5, 6-11. Psalm 130. Psalm 25. Psalm 42. Psalm 63, 2-9. Psalm 91. Klagelieder 3, 22-42. Röm. 8, 18-27. Röm. 8, 28-39. 1 Petr. 1, 3-9. Psalm 126. Offenb. 7, 9-17. 51. Morgengebet eines Kranten. du getreuer Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du mich armen kranken Menschen diese Nacht über so gnädig erhalten, gestärket und das erquickende Tageslicht wieder haft sehen und erleben lassen. Gelobt sei deine Gnade und Barmherzigkeit, welche über mich waltet, so hoch der Himmel über der Erde ist. Ich bitte dich, vergieb mir alle meine Sünde, verneure, vermehre deine Liebe und Treue diesen Morgen und allezeit an mir armen Menschen und laß deine Güte nicht von mir weichen. Tröste und stärke mich mit deinem heiligen Geiste, daß ich in allem nach deinem Willen leben und leiden möge. Ach Herr, verlaß mich nun und nimmermehr mit deinem Schußze. Laß aufhören die böse Zeit; wenn es, lieber Herr und Gott, dein Wille ist, so mache meinen schwachen Leib gesund, oder bringe mich bald und seliglich aus diesem Elende zu deiner ewigen Herrlichkeit durch das bittere Leiden und Sterben und durch die siegreiche Auferstehung Jesu Christi, deines lieben Sohnes, welcher als unser Mittler alle unsere Krankheit getragen, unsere Schmerzen auf sich geladen und uns durch seine Wunden geheilet hat. Nun, ich befehle dir nochmals meinen Leib, Seele und alles, was du mir gegeben, in deinen väterlichen Schutz; dein heiliger Engel ſei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Der Segen, Schutz und Kraft Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes sei über, in und bei mir jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. III. Gebete in allerlei Not. 52. Abendgebet eines Kranten. danke dir, daß du mir bis hieher so gnädig geholfen und mich nun abermals einen beschwerlichen Krankheitstag in diesem Elend hast zurücklegen lassen. Ich bitte dich von Grund des Herzens, vergieb mir um Christi, meines höchsten Seelen- Arztes und Heilandes willen, alle meine Sünde und hilf mir Kranken auch durch diese bevorstehende Nacht hindurch mit deiner Gnade, Kraft und Trost. Mein Leib will sich zur Ruhe legen, ach dieselbe gönne mir gnädiglich zur Erquickung dieses meines schwachen Leibes. Behüte mich vor der ewigen Nacht um der Angst- und Jammernacht Jesu Christi willen und laß mich das liebe Tageslicht wiederum erfreulich sehen, auch dermaleinst den Glanz des ewigen Tages in himmlischer Herrlichkeit unaufhörlich schauen. Indessen, weil ich meiner selbst nicht pflegen kann, so lege die Wacht deiner heiligen Engel zu mir, über meine Seele und Leib und alles, was du mir gegeben, daß mir kein Feind noch Unfall schade. Herr Gott Vater, erbarme dich diese Nacht über dein armes Geschöpf. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, siehe gnädiglich an deinen Diener und erkauftes Gut. Herr Gott heiliger Geist, tröste und führe mich seliglich in diesem und nach diesem zu dem ewigen Leben. Deine Gnade und Wahrheit, o du heilige Dreifaltigkeit, walte über mich in Ewigkeit. Amen. 42 53. Gebet eines Kranten, der sich zum Sterben schickt. Vater aller Gnade, erbarme dich über meine arme Seele. Vergieb mir alle meine Sünde, die ich leider wider dich gethan habe. Verachte nicht dein armes Geschöpf, verschmähe mich nicht, der ich deiner Hände Werk bin. Laß den nicht umfommen, welchen du gemacht und geschaffen hast, denn auf dich hoffe ich, du bist meine Hülfe und mein Gott. O Christe, wahrer Heiland, der du bist das Lamm Gottes, welches da trägt die Sünde der Welt, der du mich mit deinem Blute gewaschen und gereinigt hast, ich bitte dich durch dein bitteres Leiden, sonderlich aber durch die Schmerzen, die du zu der Stunde deines Todes empfunden hast: Erbarme dich über meine arme Seele bei ihrem Ausgange und führe sie zum ewigen Leben. Gott heiliger Geist, du süßer Trost, erhalte mein Herz wider alle Anfechtung des bösen Feindes, stärke meinen Glauben, daß ich festiglich glaube eine Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben. So befehle ich nun, o heilige Dreieinigkeit, meinen Geist III. Gebete in allerlei Not. 43 in deine Hände. Du treuer Gott, du hast mich erlöset, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 54. Gebete der Umstehenden für den Sterbenden. Allmächtiger, gütiger Gott, der du unser Leben erhältst im Tod und dich, die der Barmherzigkeit wenden zu diesem franken Menschen und ihn erquicken an Leib und Seele und ihm alle seine Sünden aus Gnaden vergeben. Nimm an das Opfer des unschuldigen Todes Jesu Christi, deines lieben Sohnes, für die Bezahlung seiner Missethat. Er ist ja auch auf desselbigen Namen getauft und mit desselbigen Blut gewaschen und gereinigt. So errette ihn nun von des Leibes Qual und Bein. Verkürze ihm seine Schmerzen, erhalte ihn wider die Anklage des Gewissens und wider alle Anfechtung des bösen Feindes, auf daß er im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Verleihe ihm eine selige Heimfahrt zum ewigen Leben. Schicke deine heiligen Engel her, daß sie ihn begleiten zur Versammlung aller Auserwählten, in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. Herr Jesu Christe, der du allein bist die Thür zum ewigen Leben, daß, wer durch dich eingeht, selig werden mag, wir bitten dich von Herzen, du wollest solche Gnadenthür diesem Dahinsterbenden aufthun und ihn aus der Anfechtung der Sünde und des Teufels List und Macht bald erlösen. Ach Herr, hilf ihm, daß er im finstern Thale und Schatten des Todes nicht irre gehe noch verderbe, sondern du, als ein getreuer Hirte, nimm auf dieses verlorene Schaf und deinen Knecht, laß ihm dein Wort in seinem Herzen leuchten, stehe ihm in aller Not bei und zeige ihm dein Heil, laß ihn nicht entfallen aus des rechten Glaubens Trost, nimm seine Seele in deine Hände und pflege ihrer mit Gnaden, auf daß sie keine Qual anrühre, und gieb also ihm das ewige Leben. Amen. Sprüche, dem Sterbenden zuzusprechen. b ich schon wanderte im finstern Thale, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Psalm 23, 4. Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Phil. 1, 21. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jes. 43, 1. III. Gebete in allerlei Not. Der Herr wird dich erlösen von allem Übel und dir aushelfen zu seinem himmlischen Reiche; welchem sei Ehre von Ewigfeit zu Ewigkeit! Amen. 2 Tim. 4, 18. 44 Herr, ich warte auf dein Heil. 1 Mos. 49, 18. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Joh. 16, 33. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott, sei nicht ferne von mir. Eile mir beizustehen, Herr, meine Hülfe. Psalm 38, 22. 23. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Psalm 68, 21. Bater, in deine Hände befehl ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du treuer Gott. Psalm 31, 6. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Ap.- Gesch. 7, 58. Abschiedssegen. D er allmächtige Gott stärke dich, wider alle Anfechtung ritterlich zu kämpfen und im wahren Glauben bis ans Ende zu verharren! Der Herr Jesus Christus sei mit dir und begleite dich in das ewige Leben und verleihe dir am jüngsten Tage eine fröhliche Auferstehung! Amen, Amen, Amen. 55. Gebet nach dem Tode eines Kindleins. err Jesu Christe, du ewiger Gott und Heiland, der du so freundlich der Kindlein dich angenommen und sie zu dir gerufen und gesegnet hast, wir zweifeln nicht, daß du auch dieses unser liebes Kindlein zu dir in deine ewige Freude gerufen und mit Leben und Seligkeit gesegnet habest. Aber, Herr, unser Gott und Heiland, unsre Seele ist betrübt, und wir tragen Leid, weil du unser liebes Kind so frühe dahingenommen. Wenn wir schon wissen, daß du es wohl meinest, da du mit ihm aus diesem bösen Leben geeilet, so will es uns doch fast schwer werden, uns stille in deinen heiligen Willen zu fügen. So hilf du selbst uns durch deinen heiligen Geist und stärke unsern Glauben, daß wir deinen Rat ehren und preisen, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Wir danken dir, daß du unser liebes Kindlein in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen, es zum ewigen Leben wiedergeboren und ihm das Erbe des Himmels zuge sprochen hast. Darum sind wir der guten Zuversicht, daß es III. Gebete in allerlei Not. 45 nunmehr in deinem Frieden und in der ewigen Ruhe ist. Hilf, lieber Herr, daß wir umkehren und werden wie die Kinder, auf daß auch wir dereinst mit Freuden einschlafen und zur ewigen Ruhe der Heiligen gelangen mögen durch deine ewige Gnade und Barmherzigkeit. Amen. 56. An Begräbnistagen. der du deinem lichen, aber gewißlich gnädigen Ratschluß uns mit schwerem Leid heimgesucht hast, wir sagen dir Lob und Dank, daß du uns auch deine heiligen Tröstungen darreichest im Worte des Lebens. So sind wir nun nicht wie die andern, die keine Hoffnung haben, sondern wir wissen es, daß du unsere sterblichen Leiber zur Herrlichkeit und zum ewigen Leben auferwecken willst am jüngsten Tage. Dessen getrösten wir uns auch heute, da wir ein edles Samenkorn in deinen heiligen Acker legen auf den Tag der Auferstehung. Ach Herr, deine Wege sind wunderbar, wer fann sie verstehen? Deine Gerichte sind heilig und hoch, wer darf darüber murren? Du hast alles wohlgemacht, und dein Wille ist gut und gnädig, auch wenn du uns heimsuchst mit Trauer und Herzeleid. Darum wollen wir stille sein und dir unsere Sache befehlen. Tröste uns, Gott, unser Heiland, und verlaß uns nicht in unserm Leide. Du bist uns nahe, und dein Erbarmen hat noch kein Ende. Bleibe bei uns und sei unsers Herzens Trost und unser Teil. Gieb, daß uns nichts von dir und deiner Liebe scheide. In deine Hände befehlen wir uns ganz und gar. Erbarme dich unser und sei uns gnädig jetzt und im letzten Stündlein und am Tage des Gerichts, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Darnach lies 1 Theff. 4, 13-18. Offenb. 7, 9-17. IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. So wir unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergiebt und reiniget uns von aller Untugend. 46 Biblische Abschnitte, deren je etliche an Beichttagen zu leſen und zu betrachten: Psalm 32. 51. 130. Jes. 55, 1-11. Jer. 2, 13. 3, 12. 13. Matth. 5. Luc. 15. Luc. 18, 9-14. Eph. 4, 22-5, 9. Hebr. 10, 19-27. Offenb. 3, 14-22. 57. Um rechtschaffene Buße. Gnädiger und barmherziger Gott, du bist geduldig, von großer uns predigt deines Wortes zur christlichen Bekehrung; du läsfest in deinem Namen allen Menschen Buße und Vergebung der Sünden verkündigen. Dazu hast du auch nach deiner Langmut und unaussprechlichen Barmherzigkeit Geduld mit uns, indem du die Sünder nicht auf frischer That in ihren Übertretungen plötzlich überfällst, dieselben mit deinem gerechten Zorn und Gerichte zu strafen; sondern du giebst Raum und Frist zur Bekehrung, also, daß niemand über dich zu klagen hat und dich beschuldigen kann. Denn es ist ja nicht dein Wille, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre und das ewige Leben habe. O lieber Gott, du weißt unsers Fleisches Trägheit und des Herzens Härtigkeit, daß wir durch die Erbschuld dermaßen verderbt und so tief in die Sünde gefallen sind, daß wir von uns selber nicht aufstehen oder wiederkehren können. Darum bitte ich dich durch die Wunden Jesu Christi, unsers Herrn: Bekehre du mich, so werde ich befehrt; heile du mich, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Entsündige mich, daß ich rein werde, wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. O lieber Gott, siehe mich so gnädig an, wie du angesehen hast die bußfertige Sünderin, als sie zu deinen Füßen lag und herzlich über ihre Missethat weinte, und wie den Zöllner im Tempel, als er an seine Brust schlug und um Gnade bat. Verleih mir ernstliche Reue und Leid über meine Sünde, auch einen wahren Glauben mit rechter Zuversicht auf deine Gnade, dazu IV. Beicht und Abendmahlsgebete. 47 würdige Früchte der Buße. Laß mich die Zeit meiner Heimsuchung erkennen und den Reichtum deiner Güte nicht verachten, auf daß ich die angenehme Zeit und den Tag des Heils nicht versäume, daß ich meine Buße nicht von einem Tage auf den andern noch auf das letzte Stündlein spare, sondern jetzt diesen Tag mich zu dir bekehre. Amen. 58. Um wahre Erkenntnis der Sünde. heiliger und gerechter Gott, barmherziger Vater, ich bekenne und beklage dir meine angeborne Blindheit, daß ich meine Sünde nicht so vollkommen erkenne noch so herzlich bereue, als es wohl sein sollte. Ach Herr, du stelfest unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesichte. Gieb mir die Größe und Mannigfaltigkeit meiner Sünden zu erkennen, stelle sie mir in diesem Leben unter die Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tage unter die Augen gestellt und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu schanden werden möge. Ach Herr, du siehest und weißt meines Herzens Härtigkeit, die mir angeboren ist; nimm dieselbe von mir hinweg und erweiche mein Herz durch dein heiliges Wort, daß ich meine Sünde inniglich bereuen möge. Herr Jesu, der du dein heiliges Blut am Stamme des Kreuzes vergossen hast, auf daß du mein Herz dadurch erweichen möchtest, laß dieses dein heiliges Blut und teures Leiden an mir nicht verloren sein. Du treuer Lehrer haft in den Tagen deines Fleisches gerufen: Thut Buße! du wollest jetzo auch kräftiglich in mein Herz rufen: Thu Buße und bereue deine Sünde! Du stehest vor der Thür meines Herzens und klopfest an, ach gieb Gnade, daß ich deine Stimme höre, daß ich nicht mein Herz verschließe, sondern die Thür aufthue. O heiliger Geist, du ewiges himmlisches Licht, erleuchte mein finsteres Herz, daß ich in deinem Lichte die Finsternis meiner Sünden erkennen und herzlich bereuen möge. Amen. 59. Bekenntnis der Sünde vor Gott. Herz err Jesu Christe, du einiger Arzt der Kranken, du Genesung der verwundeten Gewissen, der du in der Fülle der Zeit auf Erden gekommen bist, nicht die Gerechten, sondern die Sünder zur Buße zu rufen, wir armen, vom Stachel der Sünde tödlich verwundeten Menschen kommen zu dir in Zuversicht auf deine unaussprechliche Güte und Liebe, welche du an uns bis in den bittern Tod des Kreuzes gewendet hast. Odu, von dem Vater uns zaghaften, erschrockenen Sündern zum Gnadenstuhle auf 48 IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. gerichtet, vor dein Angesicht bringen wir unser fündiges Herz. In uns wohnt das heimliche Laster des Unglaubens, der Eigenliebe, des Ungehorsams wider deinen heiligen Willen, der Verachtung deiner ewigen Güter. Wie hängt das Herz so fest an dieser Welt und ihren vergänglichen Gütern! Welch eine große Sorge wenden wir auf dieses arme Leben und unser sterbliches Fleisch! Darin stehen wir ganz vertieft und vergessen der geistlichen Güter und Gaben. Dazu gilt uns unsere Blindheit für Licht, und wollen in nichts vor dir Unrecht haben. Ralt sind wir und ohne deinen heiligen Geist, ohne Gerechtigkeit, Friede und Freude, ohne Demut, ohne Furcht und Schrecken vor deinen gerechten Gerichten. Verachtung deiner Herrlichkeit, Undank gegen deine zahllosen Wohlthaten ist all unser Leben. Wir bekennen dir nun diese mannigfaltigen, ungestümen Wellen der bösen Begierde. Wir geben uns schuldig aller Früchte des bösen Baumes, unsers Herzens, von dem dein Mund mit Wahrheit gesprochen hat, daß nur böse Gedanken und Werke von ihm fommen. Du fennst den bösen Baum, alle seine Wurzeln und Äste und Früchte, unser arges Herz mit allen seinen Krümmungen und Winkeln. Nimm uns wieder in deine schaffenden, allmächtigen Hände; gieb uns ein neues Herz, daß wir nicht ewig Dornen und Disteln tragen. Fülle uns bald mit deiner Gnade, welche besser ist als Leben. Laß durch Gnade unsere Sünde bedeckt, unsern Geist zu deiner Liebe und Furcht erneut werden. Laß ihn deiner Gnade Herrlichkeit preisen im Lande der. Lebendigen und im Thale des Todes und in der Menge der Seligen und Auserwählten! Amen. 60. Um Vergebung der Sünde. err, du hast gesagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen. Auf solche deine Verheißung komme ich zu dir und glaube festiglich, ich werde nicht hinaus gestoßen werden. Ich komme aber, weil ich mühselig und beladen bin. Es drückt und beschweret mich der Sünden Last, welche ich in demütiger Beichte vor deinem Angesicht niederlege. Ach Vater, ich habe gefündigt in den Himmel und vor dir, ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Kind heiße. Ich mag nicht alle meine Sünden erzählen, es gereuet mich, daß ich sie begangen habe; ich schäme mich, viel Worte davon zu machen. Dies eine sage ich, daß ich viel und große Strafe verdienet habe, welche ich mit meinen Kräften nicht abwenden kann. Du aber bist gnädig und barm IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. herzig und von großer Güte. Darum trete ich mit gläubiger Zuversicht zu deinem Gnadenstuhle und begehre demütiglich Gnade. Erlaß mir, o Gott, was ich dir schuldig bin, ich kann nicht zahlen aus Unvermögen, du aber fannst es mir erlassen aus Gnade. Geh nicht, ach geh nicht mit deinem Knechte( mit deiner Magd) ins Gericht. Rechne mir die Sünden nicht zu, die mein Gewissen beschweren, und verzeih mir auch die verborgenen Fehler. Siehe an das Blut deines Sohnes, dasselbe ist vergossen für die Sünde der Welt. Ich bin auch in der Welt und bin ein Sünder, darum ist es auch für mich vergossen. Ach Herr, du hast mich geschlagen, verbinde mich, du hast mich zerrissen, heile mich. Gieb mir Glauben und Beständigkeit, daß ich an deinem Tische ein würdiger Gast sei und in der Gottseligkeit zunehme. Führe und regiere mich hinfort, daß ich das Gute, so ich mir vorgenommen, ins Werk richten möge. Beuge das Herz zur Gottesfurcht, öffne die Ohren zur fleißigen Aufmerkung deines Wortes, die Lippen zum Lobe deines Namens. Segne meine Arbeit, verleih Frieden im Hause und öffentlich, wende ab die Ärgernisse, behüte die Meinen und regiere all unser Thun, daß es dir angenehm und den Gläubigen heilsam sein möge. Höre mein Seufzen, o mein Gott, ja erhöre es, daß ich in dir und du in mir sein und bleiben mögest. Amen. 49 61. Gebet, wenn man zur Beichte geht. Allmächtiger, ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jeſu Chriſti, heiligen du du hast mir mein Herz mit deinem Gesetze gerührt, daß ich nun meine Sünden erkenne, bereue und nach der gnädigen Vergebung derselben ein herzliches Verlangen habe. Darum hast du auch nebst dem gepredigten Worte geordnet, daß ich armer, verderbter, sündhafter Mensch zum Reichtum deiner himmlischen Gnade kommen und Vergebung suchen soll. So gehe ich nun hin, meine Sünde dir zu bekennen, dagegen Trost und Absolution zu empfangen; bitte deswegen, du wollest in mir eine rechte Andacht, Begierde und Verlangen nach deiner Gnade anzünden und mir einen festen Glauben an deine Verheißung geben, daß, ob ich wohl schwach und verzagt bin, ich mich dennoch solches nicht irren lasse, sondern die Vergebung der Sünden mit starkem Glauben ergreife und dadurch zum rechten Vaterlande komme. Amen. IV. Beicht und Abendmahlsgebete. 62. Etliche Beichten. 1. Jch armer Sünder bekenne mich Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich leider schwer und mannigfaltig gesündigt habe, nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern viel mehr mit innerlicher angeborener Blindheit, Unglauben, Zweifelung, Kleinmütigkeit, Ungeduld, Hoffart, bösen Lüsten, Geiz, heimlichem Neid, Haß und Mißgunst, auch andern Sünden; daß ich auf mancherlei Weise, mit Gedanken, mit Geberden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein Herr und Gott an mir erkennt und ich leider so vollkommen nicht erkennen kann. Also reuen sie mich und sind mir leid, und begehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum, und bitte, daß er mir seinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mitteilen wolle. 50 2. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missethat, damit ich dich jemals erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdient habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit und durch das unschuldige bittre Leiden und Sterben deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, du wollest mir armen sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein. Ich will mich durch deine Gnade hinfort bessern. Amen. 3. Jch armer fündiger Mensch bekenne und klage meinem lieben Gott, daß ich in Sünden empfangen und geboren bin, also daß in mir von Natur nichts Gutes, sondern eitel Sünde wohnt, und daß dieselbe angeborne Sünde mich leider oft zu Falle bringt in wirkliche Sünde, mit Gedanken, Worten und Werken, wider die erste und wider die andere Tafel des Gesetzes Gottes. Ich erkenne und bekenne auch, daß ich den bösen Lüsten meines Fleisches nicht mit allem Fleiß widerstrebe, sondern leider die Sünde oft in mir herrschen lasse und dadurch den heiligen Geist betrübe. Ja, wenn ich gleich einen guten Vorsatz habe, hanget mir doch das Böse an, daß ich zum Guten unwillig, falt, faul und überdrüssig bin; der Glaube ist schwach, die Liebe ist kalt. Ich erkenne aber und weiß auch, daß der Sünden Sold ist Gottes Zorn und der ewige Tod. Derhalben gereuen mich meine Sünden und sind mir leid; allein das klage ich, daß ich dieselben, wenn ich sie gleich erkenne, mir nicht lasse so leid sein, IV. Beicht und Abendmahlsgebete: 51 wie es mein lieber Gott von mir haben will. Weil aber Jesus Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, und mein frommer, treuer Gott spricht: So wahr ich lebe, will ich nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; so kehre und wende ich mich in wahrer Buße durch rechten Glauben zu meinem lieben Mittler und Erlöser, Jesu Christo, und bitte dich, du mein himmlischer Vater, du wollest mir aus Gnaden um desselben deines lieben Sohnes willen alle meine Sünde vergeben und wollest durch deinen heiligen Geist wahre Buße, rechten Glauben und beständige Besserung in mir anzünden, stärken, mehren und erhalten. Amen. 4. Vor Gericht, Herr Jesu, steh ich hie, Zu dir beug ich meins Herzens Knie, Kann mir selbst gar nicht raten. Mein groß und viele Missethat Mich hier und dort verdammet hat. Doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Christ, dein Blut allein Macht mich von allen Sünden rein, Weil ich in wahrer Reu und Buß An dich gläub und dir fall zu Fuß. Herr Jesu Christ, Des dank ich dir, Ich will mich bessern, hilf du mir! Amen. 63. Dantiagung nach der Absolution. 3 gch will den Herrn loben allezeit, sein Rob soll immerdar in meinem Munde sein. Denn da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Er hat meine Seele beim Leben erhalten, er hat meine Traurigkeit in Freude verwandelt, er hat meine Finsternis licht gemacht. Darum freue ich mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster. Laß mich noch ferner vor deinen Augen Gnade finden. Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandele in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Rüste mich aus mit Kraft aus der Höhe und mache meine Wege ohne Wandel, damit ich Glauben 4* 52 IV. Beicht und Abendmahlsgebete. und gut Gewissen behalte und in deiner Gnade bleiben möge. Das bitte ich um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, meines einigen Erlösers und Heilandes willen. Amen. Nach dir, Herr, verlanget mich. 6 Biblische Abschnitte für Abendmahlstage: Psalm 23. Psalm 111. Joh. 6, 48-58. Joh. 15, 1-12. Röm. 8, 31-39. 1 Cor. 11, 23-32. Offenbarung 22. 64. Morgengebet am Abendmahlstage. Allmächtiger und barmherziger Gott und Bater, ich danke dir von Grund für deinen Schirm in dieser Nacht und für den frohen Morgen, welchen du mich erleben läsfest. Gelobt sei deine Barmherzigkeit, die alle Morgen neu ist und mich heute zu deinem Hause, zu deinem Altare beruft und einladet. O Herr, weil ich nun mit den Haufen, die da feiern, zu deinem Abendmahle kommen will, so bereite du mich selbst dazu. Willst du eine reine Wohnung in mir finden, so reinige und heilige selbst meinen Leib und Seele. Leite mich mit deinen Augen, führe mich mit deiner Hand zum Reichtum deiner Güte, tröste mich mit deinem Angesichte. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, nach dir. Erhalte mich in beständiger Andacht, bewahre mich vor bösen Gedanken, nimm mich in deinen besonderen Gnadenschutz und weiche nicht von mir. Heiliger Jesu, vereinige du dich an diesem Tage mit meinem Leibe und mit meiner Seele. Speise mich mit deinem Leibe, tränke mich mit deinem Blute, auf daß mein schwacher Glaube gestärkt und ich deiner Gnade, der Vergebung meiner Sünden und der ewigen Seligkeit versichert werde, daß ich als ein würdiger Gaft an deinem Tische erscheine. Nun, Herr Gott Vater, sei mein Schutz und Beistand. Herr Jesu, sei meiner Seele Speise, Licht und Leben. Und du, Herr Gott heiliger Geist, erleuchte mich und erhalte mich in der wahren Heiligung, daß ich in dem Stande der Gnade, in welchen ich heute aufs neue trete, Zeit meines Lebens verbleiben möge. Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen. Deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Dank gesagt immer und ewiglich. Amen. 53 IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. 65. Gebet vor dem heiligen Abendmahle. err Jesu Christe, ewiger Gottessohn, du hast in deiner wahren Menschheit für uns den Tod erlitten und uns von Sünden und der ewigen Verdammnis erlöset; und damit wir solcher deiner Treue nimmermehr vergessen mögen, hast du in dem letzten Abendmahl uns ein ewiges Gedächtnis des aufgerichteten neuen Bundes gestiftet, darinnen der Sünde der Gläubigen nun und in Ewigkeit nicht mehr soll gedacht werden. Wir armen, elenden Menschen kommen zu dir, dem Brunnen aller Gnade und Barmherzigkeit, und bitten dich, tilge unsere Sünden, reinige und erquicke unsere Seelen und laß uns mit wahrer Reue und Leid, in festem Glauben, mit heiliger Ehrerbietung deinen allerheiligsten Leib und dein Blut zu unserer Seligkeit empfangen. Hilf, daß durch dieses Geheimnis des neuen Testamentes der Glaube gemehrt, die Hoffnung gestärkt, die Liebe entzündet, das schwache Gewissen getröstet, alle Anfechtungen überwunden, und wir in unserm Herzen deiner göttlichen Huld und ewigwährenden Erlösung unserer Seelen allenthalben versichert und versiegelt werden. O gütiger Herr, gieb uns erleuchtete Augen unsers Verstandes, daß wir erkennen mögen, welches da sei der Reichtum deines herrlichen Abendmahls, in welchem du uns nebst deinem Leibe und Blute Vergebung der Sünden, wahre Gerechtigkeit und alle himmlischen Güter ausspendest, auf daß wir mit herzlicher Begierde und Verlangen dies heilige Sakrament würdig empfahen, deine Süßigkeit schmecken, deine Liebe empfinden und durch dieselbe wiederum gegen dich entzündet werden. Nimm von uns weg alles, was dir mißfällt und uns hindert oder von dir wendet, und gieb uns, was uns zu dir fehret und fördert, damit wir der Frucht dieses heilbringenden Tisches teilhaftig, unsere hungrigen und durstigen Seelen allhier gespeist und getränkt werden, und wir nach dieser Zeit auch in jenem Leben das himmlische Brot mit dir ewiglich essen. Amen. 66. Jm binzugehen. Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich und sei mir gnädig, deinem Kinde, welches anjetzt mit findlicher Furcht zu deinem heiligen Altar kommt. Laß mich deiner himmlischen Mahlzeit genießen, wie du sie mir bereitet hast, nämlich zu meiner Seele Seligkeit. O Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich und laß mich anjetzt bei deinem heiligen Abendmahl ein dir ange 54 IV. Beicht und Abendmahlsgebete. nehmer Gast sein. Gieb mir, was du verheißen hast, und laß mich nehmen, was mir von dir beschieden ist, jenes nach deiner Wahrheit und dieses zu meiner Gerechtigkeit. = O Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und verleihe mir deine Gnade, daß ich dieses heilige Sakrament würdig empfange, damit meinen schwachen Glauben stärke, mein kaltes Herz mit Liebe entzünde, mein blödes Gewissen tröste, meine Hoffnung erfrische, mein sündhaftes Leben bessere und darauf selig werde. Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen. Amen. D Herr Jesu Christe, ich bin nicht würdig, daß du eingehest in mein fündiges Herz, du weißt aber und erkennst meine große Armut und Not, darum ich von Herzen begehre deiner Gegenwart, zu speisen, zu trösten und zu stärken meine arme Seele. Sprich sie an mit Einem Wort, so wird sie gesund. Amen. 3d Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 67. Seufzer bei dem Empfange des gesegneten Brotes. ei mir willkommen, Herr Jesu Christe, mit der edlen Speise deines allerheiligsten Leibes, den du mir jetzt im Sakramente des Altars mit dem gesegneten Brote zu essen giebst, wie du ihn für mich in den bittern Tod des Kreuzes gegeben haft zur Vergebung meiner Sünde; das laß mir zum ewigen Leben gedeihen. Herr Jesu Christe, dein heiliger Leib stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. 68. Seufzer bei dem Empfange des gesegneten Kelches. ( ei mir willkommen, Herr Jesu Christe, mit dem edlen Tranke deines allerheiligsten Blutes, das du mir jetzt im Sakramente des Altars mit dem gesegneten Weine zu trinken giebst, wie du es am Kreuze vergossen hast zur Vergebung meiner Sünden; das laß mir zum ewigen Leben gedeihen. Herr Jesu Christe, dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Amen. 69. Wenn man nach empfangenem Leibe und Blute Christi wieder an seinen Platz getreten. He err Jesu Christe, ich sage dir herzlich Lob und Dank, daß du mich jetzt abermal so gnädig an deinem Tische mit deinem Leibe und Blute gespeist und getränkt hast, und bitte dich von Herzen, laß mir solches gedeihen zur Stärkung meines Glaubens, IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. 55 zur Besserung meines Lebens, zum Schirm meiner Seele und zu ficherer Geleitung aus diesem Jammerthal in das ewige Vaterland. Bleibe in mir, daß ich ewiglich bleibe in dir. Amen. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleich wie du mich, Mit Liebesarmen fassen; Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herze bleiben, Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigentum Beständiglich verschreiben. 70. Dantjagung nach dem heiligen Abendmahle. reundlicher, liebreicher Herr Jesu Christe, dir sage ich von Herzen Dank, daß du mich mit der köstlichen und teuren Speise und Trank deines heiligen Leibes und Blutes erquickt hast. Ach, wer bin ich, daß du mich Unwürdigen gewürdigt hast, von deinem Tische zu essen? Ich danke dir für alle deine Liebe und Treue, für deine Menschwerdung, für dein holdseliges Evangelium, für deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, für dein heiliges Leiden, für die Bezahlung meiner Schuld, für die Versöhnung deines himmlischen Vaters, für die Heiligung durch den heiligen Geist, für das ewige Leben. Aller dieser Wohlthaten hast du mich durch den Glauben teilhaftig gemacht und durch das hohe, teure Pfand deines Leibes und Blutes im Saframent versichert. Gieb, daß ich deiner großen Liebe nimmermehr vergesse, deines heiligen Todes stetiglich gedenke. Dein Leib und Blut heilige und segne meinen Leib und Seele und behüte mich vor allen Sünden. Ach mein Erlöser und Seligmacher, lebe di in mir, und ich in dir. Vertreib aus meinem Herzen alle Untugend, behalte und besitze du allein das Haus meines Herzens. Schmücke und ziere meine Seele mit geistlichem Schmuck, mit starkem Glauben, feuriger Liebe, brennender Hoffnung, mit edler Demut, heiliger Geduld, brünstigem Gebet, holdseliger Sanftmut, sehnlichem Verlangen nach dir allein und nach dem ewigen Leben, daß du bei mir und in mir, und ich bei dir und in dir ewig bleibe, von dir rede, singe und sage, ohne Unterlaß an dich gedenke, daß ich möge in diesem Glauben einschlafen, am jüngsten Tage fröhlich auferstehen und in die ewige Freude eingehen. Amen. 56 IV. Beicht- und Abendmahlsgebete. 71. Um neuen Gehorsam. Nun, un, mein Heiland, in deiner Kraft will ich hingehen, und was noch übrig ist im Fleische zu leben, nach deinem Willen zubringen. Weil es aber nicht in eines Menschen Kraft stehet, wie er wandele und seinen Gang richte, so gieb du mir das Vollbringen. Regiere mich durch deinen heiligen Geist, laß deine Güte und Treue mich allewege behüten. Laß mich empfinden, daß du durch den Glauben in mir wohnest, durch die Liebe in mir lebest und durch die Hoffnung mich täglich stärkest. Gieb, daß ich ohne Heuchelei in Sanftmut und Demut beständig einhergehe, damit dein Leben an mir offenbar werde. Gieb mir alle Tage neue Kraft, daß ich mich verleugne, die Welt verschmähe, dein Krenz auf mich nehme und dir beständig nachfolge. Gieb mir Mut und Stärke, daß ich meinen Feinden getrost widerstrebe, die Werke des Teufels in mir beständig töte, auch die Welt und was in der Welt ist, als Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Wesen mutig untertrete. Laß mich in allen Stücken an dir, meinem Haupte, wachsen und fruchtbar sein in allen guten Werken. Vollführe du selbst das gute Werk, welches du in mir angefangen hast. Bleibe in mir und laß mich in dir bleiben, laß mich in deiner Liebe und Erkenntnis zunehmen, daß ich im Glauben bleibe, einen guten Kampf kämpfe und in das ewige Leben dringe, wo Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich ist, da ich denn mit allen Auserwählten vor deinem Throne stehen und singen werde: Lob, Preis und Dank und Weisheit und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 72. Abendgebet am Abendmahlstage. der du ganz väterlich bedenkest und daher neben andern unzählbaren Wohlthaten, die du uns erzeigest, auch die Nacht zur notwendigen Ruhe unsers müden Leibes gnädiglich verordnet hast, ich bitte dich von Herzen, verzeihe mir und allen denen, welche du heute mit himmlischer Speise und Trank begnadigt hast, alles, wodurch wir deiner himmlischen Güte nach unserer großen Schwachheit aufs neue unwert geworden sind. Gieb uns, Herr, ein ernstlich Mißfallen aller unserer sündlichen Gebrechlichkeiten, entzünde in uns durch deinen heiligen Geist eine unauslöschliche Begierde nach der täglichen Besserung. Verleihe nun, o Herr und getreuer Bater, eine stille und ruhige Nacht in deinem Frieden mir und V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 57 allen freudenmüden Menschen, sowie auch denen, die ohne deine besondere Gabe und Erhörung dieser Bitte vor Krankheit, Kummer, Herzeleid, Anfechtungen oder Leibesschmerzen nicht schlafen könnten. Wache du über uns, du getreuer Vater, erleuchte die Augen unsers Gemütes, daß wir nicht im Tode der Sünden entschlafen, sondern wachen im lebendigen Glauben, welcher allezeit in der Lampe unsers Herzens brenne und seine notwendige Nahrung habe von dem Öle deines heiligen Geistes, auf daß, wenn du kommſt und anklopfest zu der Stunde, die uns verborgen, dir aber allein bewußt ist, wir dich ohne Verzug mit aller Freude einlassen, dir, unserm geliebten Bräutigam, fröhlich entgegengehen und dann mit dir eingelassen werden in deinen himmlischen Freudensaal, wo du dich mit allen Gläubigen in ewiger Liebe, Freude und Seligkeit vereinigen und erfreuen wirst bei deinem ewigen Abendmahle. Amen. V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar. 73. Auf Advent. Herr Christe, heut freuet sich billig die ganze werte Christenheit, weil sie deinen heiligen Advent festlich begeht. Die liebe Kirche jauchzt als deine Braut, weil du, ihr lieber himmlischer Bräutigam, zu ihr kommst. Wir irrenden Schäflein frohlocken, daß du, o Hirt und Bischof unserer Seelen, mitten unter uns deine gnädige Gegenwart sehen läsfest. Wir Kranken freuen uns, weil du uns besuchest, o heilsamer Arzt aller Menschen. Wir Armen jubeln, weil du, obwohl ein reicher Herr, dennoch so brüderlich mit großen, herrlichen Geschenken bei uns einkehrst. Ach Herr, weiche nicht von uns mit deiner Gnade, laß uns die Zeit deiner gnädigen Heimsuchung dankbar erkennen und deine Zukunft stets gnadenreich und heilsam sein. Komm täglich zu uns, in unsere Kirchen, in unsere Schulen, auf unsere Rathäuser und in unsere Wohnungen, mit deinem reinen Wort, mit deinen heiligen Sakramenten, mit deiner Weisheit, mit Beistand, Glück, Segen und Gnade. Ja, weil du bereits in unsere Herzen gekommen bist, so laß uns dich nie wieder verlieren und nimmer 58 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. ohne Trost erfunden werden. Endlich weil du einmal fommen wirst zu richten die Lebendigen und die Toten, so regiere uns, daß wir uns bereiten und unsern Lauf also beschließen, daß wir deine Zukunft mit Freuden erwarten und dich nicht als einen gestrengen Richter, sondern als einen freundlichen Erlöser anschauen und Erben deines Reiches werden mögen. Amen. 74. Am Christfeste. allmächtiger Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von Grund unserer Herzen, daß du aus lauter Wohlgefallen und aus unaussprechlicher Liebe deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum, den Glanz deiner Herrlichkeit und das Ebenbild deines Wesens, in diese Welt gesandt hast, welcher unser armes Fleisch und Blut an sich genommen, auf daß er uns von Sünden, Tod, Teufel und Hölle erlösete und mit sich in das Reich der ewigen Seligkeit versetzte. Gelobet sei deine herzliche Barmherzigkeit immer und ewiglich. Erfülle nun an diesem Feste unser aller Herzen mit deiner Gnade, daß wir deine große Liebe und Barmherzigkeit erkennen, nicht uns, sondern dir leben, dir vertrauen, dich lieben und loben unser Lebenlang. Erhalte bei uns und unsern Nachkommen dein heiliges, seligmachendes Wort, sende treue Diener in deine Ernte. Wir bitten auch für alle Menschen, insonderheit aber für unsere christliche Obrigkeit. Regiere sie durch deinen Geist, daß sie zuvörderst und vor allen Dingen bei ihrer Regierung, so viel an ihnen ist, das Reich unsers einigen, ewigen Königs Jesu Christi befördere und ausbreite und ja ihren Stand und Wandel auf dieser Welt also führe, daß sie dermaleinst mit ihm und allen Auserwählten im Himmelreiche in alle Ewigkeit herrschen möge. Siehe deine arme, bedrängte Kirche und kleine Herde in Gnaden an, komm ihr zu Hülfe und errette sie aus den großen Nöten, die sie betroffen haben. Tröste sie, Herr, durch deinen Geist, auf daß sie sich deiner Güte erfreuen und deinen Namen ewig preisen möge. Laß heute in den Herzen aller Angefochtenen, Kranken, Verfolgten, Witwen, Waisen und aller andern, so in Not und Trübfal stecken, eine tröstliche Christfreude aufgehen. Auch die, welche deinen Sohn Jesum Christum noch nicht erkennen, bringe an das Licht deiner Wahrheit, damit sie samt uns und allen Auserwählten, Engeln und Menschen, dich loben und im wahren Glauben und mit herzlicher Freudigkeit fingen mögen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen. V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 59 75. 3um Schlusse des Jahres. ir danken dir, Herr Zebaoth, du Gott Israels, wir danken dir für alle deine Güte und deine Wunder, die du dies verflossene Jahr hindurch an uns gethan hast. Es ist deine Güte, daß wir nicht gar aus sind, deine Barmherzigkeit hat noch fein Ende, du hast alle unsere Sünde hinter dich geworfen, unsere Gebrechen geheilt, unser Leben vom Verderben erlöst und uns gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit; Kirche und Schule und Haus hast du gesegnet und vor allem Übel behütet. Du hast uns Lehrer gegeben zur Gerechtigkeit und uns sagen lassen, daß sich ein jeglicher von seinem bösen Wesen bekehre und sein Leben bessere. Du hast unserer christlichen Obrigkeit Gnade und Weisheit verliehen, daß wir unter ihrem Regiment in stiller Ruhe und gutem Frieden, wie Christen gebühret, haben unser Leben vollführen mögen. Du hast uns viel Gutes gethan an Leib und Seele, an Weib und Kind, an Hab und Gut, in der Stadt und auf dem Felde, daß wir nicht alles erzählen können. Gelobet sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, der uns so viel Gutes gethan, vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freuden. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Saget, die ihr erlöset seid durch den Herrn, die er aus der Not erlöset hat, die er errettet aus ihren Ängsten: Gelobet sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk sage Amen und lobe den Herrn. Gelobet sei der Herr ewiglich. Amen. Amen. 76. Am Neujahrstage. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger, lieber Bater, wir haben jetzt in diesem irdischen Leben zu Ende gebracht und fangen in deinem Namen ein neues an. Ach Herr und Gott, wie groß ist deine Güte, die du uns bisher aus väterlichem Herzen bewiesen hast. Dein heiliges Wort hast du uns samt dem rechten Gebrauch der heiligen Sakramente rein erhalten, friedliches Regiment beschert, täglich Nahrung gegeben, unsere Herzen mit Speise und Freude erfüllt, allerlei Seuchen, Pestilenz, feindlichen Unfall und viel Unglück in dieser betrübten Zeit von uns gnädiglich abgewendet. Du hast uns zwar gezüchtigt um unserer vielfältigen Sünden 60 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. willen, aber deine Gnade hast du nicht von uns gewendet. Für solche deine Barmherzigkeit sagen wir dir Lob und Dank und bitten dich demütiglich: Rechne uns nicht zu unsere vorige und alte Sünde, womit wir dich so oft erzürnt haben, sondern vergieb sie uns um unsers Herrn Jesu willen. Regiere uns, daß wir keine alte Unreinigkeit und Missethat in das neue Jahr bringen, sondern den alten Menschen aus- und den neuen anziehen, der nach dir geschaffen ist. Fange an, lieber Vater, uns aufs neue zu segnen. Gieb uns neugeborene Herzen, erneuere deine väterliche Liebe und Treue an uns, gieb heiligen Mut und rechte Werke. Nimm von uns alles Herzeleid und wohlverdiente Strafen, und weil keine Stunde noch Augenblick vergeht, da wir ohne deinen Schutz nicht in groß Elend geraten könnten, so halte deine Gnadenhand väterlich über uns. Barmherziger Gott und Vater, erhöre unser Gebet, erbarme dich aller Menschen, erhalte uns dein reines Wort, heilige alle Lehrer und Prediger, erbaue Kirchen und Schulen. Behüte uns vor falscher Lehre, stärke alle treuen Regenten, fördere guten Rat und That; segne Väter und Mütter, regiere Kinder und Gesinde; bewahre uns vor Krieg und Blutvergießen, wende ab Pest und Teurung; steure dem Grimme des Teufels; sende uns deine heiligen Engel; kröne das Jahr mit deinem Gut; gieb Frieden im Lande, unserm Herzen Freude, unserm Leibe Gesundheit, unserer Stadt ( Gemeinde) Einigkeit; benedeie unsere Nahrung, fördere das Werk unserer Hände, nähre treue Arbeiter; befehre die Sünder, kräftige die Frommen, bringe zurecht die Irrigen; schütze Witwen und Waisen, tröste die Elenden, erfreue die Traurigen, pflege der Kranken, hilf den Hülflosen, errette die Bedrängten, sei bei den Sterbenden. Durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Heiland und Erlöser. Amen. 77. 2m Sefte der Erscheinung Christi. err, heiliger Bater, allmächtiger, ewiger Gott, wir danken deiner göttlichen Majestät, daß du den Weisen aus dem Morgenlande deinen heiligen und eingeborenen Sohn Jesum Christum hast offenbart und daß du auch uns arme Heiden durch den Stern deines seligmachenden Wortes zu seiner heilsamen Erkenntnis hast kommen lassen. Lob, Ehre, Preis und Dank sei dir, barmherziger, gütiger Gott, für diese und alle deine großen Wohlthaten. Wir bitten dich herzlich, regiere uns mit deinem heiligen Geiste, daß wir trotz aller Hinderungen V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 61 deinen Sohn, unsern Heiland und Seligmacher, suchen, finden und erkennen, anbeten, dienen und ehren. Laß uns im Glanze des Lichtes, das die ganze Welt erleuchtet, unsere Füße nach dem Scheine des leuchtenden Sternes, deines Wortes, richten, daß wir ein neu christlich Leben beständig führen mögen. Regiere und segne unsere liebe Obrigkeit und die ganze christliche Gemeinde. Tröste alle betrübte, mit dem Tode ringende Herzen, und erfülle sie mit deiner Himmelsfreude. Und weil du willst, daß allen Menschen geholfen werde und alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, so bitten wir dich: Laß das Licht deiner Gnade leuchten über alle, die noch in Finsternis wandeln, und bringe deine zerstreuten Kinder zusammen, auf daß dein Reich komme und Eine Herde und Ein Hirte werde, wie du uns verheißen und vertröstet hast durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 78. Passionsgebete. 1. O Herr Jesus Christus, der du uns armen verlorenen Sündern durch dein heiliges, unschuldiges Leiden Gnade bei deinem himmlischen Vater erworben und das ewige Leben wieder gebracht hast, wir danken dir aus Herzensgrund für deine Liebe, deine Angst und Not und deinen seligmachenden Tod und bitten dich: Erhalte uns ewig in der Liebe und im Lobe deines Leidens, und gieb uns Gnade, die ewige Wohlthat der teuren Erlösung mit dankbarem Herzen zu erkennen und zu preisen. Laß uns dadurch im Glauben stärker, in der Hoffnung fröhlicher, in der Liebe heißer, in der Geduld getroster, im Gehorsam williger und beständiger werden und unsern Sünden absterben. Hilf auch, daß wir an unserm Ende deines blutigen Todes uns zur ewigen Seligkeit freuen und trösten, o Herr Jesus Christus. Amen. 2. Herr Jesus Christus, du Lamm Gottes, wir danken dir von Herzen, daß du der Welt Sünde getragen hast und durch dein Leiden und deinen Tod das Sühnopfer für uns geworden bist. Du hast dich in der Sünder Hände hingegeben und bist um unsertwillen verspottet, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und gekreuzigt worden. Ach verleih uns Gnade, daß wir durch die andächtige Betrachtung deines heiligen Leidens und Todes von Herzen gedemütigt, unter allen Anfechtungen im Leben und Sterben getröstet und zu dem Kampfe wider Sünde und Welt mächtig gewaffnet werden. Du hast uns, o liebster Heiland, ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen deinen Fußstapfen. Gieb, 62 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. daß wir im Aufsehen auf dich, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens, laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist, auch einst des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit, davonbringen und dich für deine unaussprechliche Liebe loben und preisen immer und ewiglich. Amen. Am Gründonnerstage siehe Gebet 65. 79. Am Karfreitage. ir danken dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch, daß du uns arme Sünder und verdammte Menschen ohne alle unsre Werke, Verdienst und Würdigkeit durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen erlöset hast. O Herr Jesu Christe, wie groß ist dein Leiden, wie schwer ist deine Bein, wie viel ist deiner Marter, wie tief sind deine Wunden, wie bitter und schmerzlich ist dein Tod! Wie unaussprechlich ist deine Liebe, womit du uns deinem himmlischen Vater versöhnt hast, da du am Ölberge blutigen Schweiß vor großer Todesangst geschwitzt, daß die Blutstropfen auf die Erde gefallen, und daselbst, von allen deinen Jüngern verlassen, in die Hände der Sünder dich willig für uns ergeben, die dich hart gebunden und von einem ungerechten Richter zu dem andern unbarmherzig geführt haben; daselbst bist du fälschlich verklagt, verurteilt und verspeit, verhöhnt und mit Fäusten in das Angesicht geschlagen worden. Du bist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeißelt und mit Dornen gekrönt; du warest der allerverachtetste und unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit, also, daß es auch ein heidnisch Herz erbarmet hat zu sagen: Sehet, welch ein Mensch! Du bist wegen unsrer Missethaten unter die Übelthäter gerechnet und als ein Fluch aufgehängt, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, dazu in deinem höchsten Durst mit Essig und Galle getränkt, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsre Schuld bezahltest und wir durch deine Wunden geheilt würden. O Herr Jesu Christe, für alle diese deine Marter und Pein sagen wir dir Lob und Dank und bitten dich: Laß dein heiliges, bittres Leiden an uns nicht verloren sein, sondern gieb, daß wir uns desselben jederzeit von Herzen trösten und rühmen, auch dasselbe also begehn und betrachten, daß alle bösen Lüste in uns ausgelöscht und gedämpft, dagegen aber alle Tugend eingepflanzt und gemehrt werde, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigfeit leben und deinem Vorbilde nachfolgen, in deine Fußstapfen V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 63 treten, das Übel mit Geduld ertragen und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Das verleih uns, Herr Jesu, um deines heiligen, teuren Verdienstes willen. Amen. 80. Am Osterfeste. ieber Herr Jesus Christus, du allmächtiger Gott und starker Siegesfürst, der du die Bande des Todes zerrissen, in großer Majestät und Herrlichkeit aus deinem Grabe auferstanden und ein Erstling worden bist unter denen, die da schlafen, wir danken dir an diesem deinem großen Ehrentage für dein heiliges Leiden, Sterben und Auferstehung, denn es ist alles uns zu gute geschehen. Du hast die Pforten der Hölle zerbrochen, damit wir in ewiger Freiheit aus- und eingehen mögen. Du hast uns mit gewaltiger Hand ausgeführt aus dem Gefängnis und dem Reiche des Todes, dem du seine Macht genommen, und hast uns von der ewigen Dienstbarkeit erlöset. Du bist von den Toten auferstanden und mit Macht hervorgedrungen als unser Haupt und Hirt, auf daß wir als deine Glieder und Schafe auch nicht im Grabe bleiben, sondern durch dich zur ewigen Herrlichkeit auferstehen sollen. Darum rufen wir heute mit fröhlichem Munde: Gott ſei Lob und Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. Auch bitten wir dich: Laß deine heilige Auferstehung allezeit uns trösten, daß wir festiglich glauben, du habest alle unsere Sünden in deinem Grabe tief verborgen, daß sie vor das Angesicht des himmlischen Vaters nicht mehr kommen noch uns beschämen werden. Hilf uns auch endlich alle Todesnot und Schmerzen durch den freudigen Trost der Auferstehung unserer Leiber träftig überwinden, und wenn du durch die Stimme des Erzengels rufen wirst: Stehet auf, ihr Toten! so öffne unsere Gräber und laß uns dir mit Freuden entgegen gehen. Dann werden wir dein heiliges Angesicht fröhlich anschauen und dich samt dem Vater und heiligen Geist in Ewigkeit preisen. Amen. 81. Am Seste der Bimmelfahrt Christi. $ err Jesus Christus, allmächtiger Herr und Gott, wir danken dir, daß du nach erhaltenem Sieg wider alle deine Feinde deine fröhliche Himmelfahrt mit großer Majestät, mit Triumph und Jubel der heiligen Engel gehalten und dich zur Rechten deines himmlischen Baters gesetzt hast. So hat dein Kreuz und Leiden ein seliges Ende genommen, du bist durch den Tod zu deiner ewigen Herrlichkeit eingegangen. Lieber Heiland, du biſt am Ufer, wir sind noch auf dem wilden Meere; du bist im 64 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. Siege, wir sind noch im Streit. Gieb uns doch deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken dir nachsehen, auf daß unser Herz sei, wo unser Schatz ist. Laß uns alles Weltliche mit Füßen treten, damit wir uns mit herzlichem Gebete, Seufzen und Flügeln des wahren Glaubens zu dir in die Höhe schwingen können. Wir glauben und trösten uns festiglich, du werdest uns als deine Glieder nicht hier im Elend lassen, sondern endlich, wenn wir unsern Lauf vollendet und im wahren Glauben beschlossen haben, uns auch zu dir nehmen. Denn du hast ja deinen himmlischen Vater vor deinem heiligen Leiden so inbrünstig gebeten und gesagt: Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast. Und weil du nicht allein zu deinem, sondern auch zu unserm Vater aufgehoben bist und deinen Jüngern und uns verheißen hast: Ich will wieder kommen und euch zu mir nehmen, daß ihr seid, wo ich bin, so erfülle deine tröstliche Zusage, lieber Erlöser, und hole uns bald zu dir, denn uns verlangt von Herzen nach dir. Wie gerne wollten wir bei dir in unserm himmlischen Vaterlande sein, wie viel lieber wollten wir das, als länger in dieser elenden Pilgrimschaft wallen. Gerne wollten wir unsere irdischen Hütten ablegen. Denn wir sehnen uns nach unsrer Behausung, die im Himmel ist, und daß das Sterbliche vom Leben verschlungen würde und wir daheim wären bei dir. Bis aber unsere Stunde kommt, wollen wir mit unserm Gemüt in den Himmel dringen und mit dem Verlangen daheim sein bei dir, der du bist unsers Herzens Freud und Wonne, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. 82. Am Pfingstfeste. ir loben und preisen dich, lieber himmlischer Vater, daß du deine Verheißung erfüllt, deinen heiligen Geist über alles Fleisch ausgegossen, deinen Himmel aufgethan und uns mit geiſtlichem Segen in himmlischen Gütern gesegnet hast. Nun hast du alles gethan, du Gott aller Gnade und Vater der Barmherzigkeit, was du dir vorgenommen, und deine großen Werke auf Erden vollendet, die deines Namens Ehre sind und unser ewiges Heil. Du hast den Namen deines lieben Sohnes verklärt und deine Liebe in unsere Herzen ausgegossen. Ja du willst selbst in uns wohnen, willst unser Gott sein, und wir sollen dein Volk sein. Hochgelobt sei dein heiliger Name! Erhöre nun heute die Gebete deines Voltes. Tröste uns wieder mit deiner Hülfe und nimm deinen heiligen Geist nicht von uns. Halte V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 65 im Bau den Weinstock, den deine Rechte gepflanzt hat, den du dir festiglich erwählt hast, und tränke ihn mit dem himmlischen Tau deines Segens. Laß deine Gemeinde bleiben bei deinem reinen Wort und öffne wieder ihren Mund, daß sie deine großen Thaten preise. Thu die Thore deines Reiches weit auf und laß die Fülle der Heiden zu ihnen eingehen. Regiere mit deinem Geist alle christliche Obrigkeit, richte nach deinem Willen die Werke ihrer Hände und leite fie auf rechtem Wege, daß sie thun möge, was dir wohlgefällig und deinem Volke heilsam ist. Gieß über unsere Häuser den Geist der Gnade und des Gebetes aus und laß die Leuchte deines heiligen Wortes darin nicht verlöschen. Laß deinen Geist, den Geist des Trostes und der Kraft, die Elenden erquicken, die Traurigen trösten, die Schwachen stärken und die aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen vertreten, die in großer Anfechtung nicht mehr beten können. Vollende an uns allen das gute Werk, das du angefangen hast, und mache uns würdig, dein ewiges Reich zu erlangen, da die große Schar aus allen Heiden und Völkern und Sprachen dir mit neuen Zungen Lob und Dank sagt ewiglich. Dir samt deinem lieben Sohne und dem heiligen Geiste sei Ehre in der Gemeinde zu aller Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 83. Am Sefte der heiligen Dreieinigkeit. He err Gott, allmächtiger Vater, der du die Welt so hochherzlich und unaussprechlich geliebt hast, daß du auch deines einigen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, wir ehren und loben deine Majestät, und unser Herz freut sich in dir über alles, was du uns an Leib und Seele gethan hast, und bitten dich, du wollest dein väterliches Herz nimmermehr von uns wenden und um Christi willen, deines Geliebten, unser gnädiger Vater in Ewigkeit sein und bleiben.- O Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, du treuer Heiland aller Menschen, wir danken dir auch für deine inbrünstige Liebe, daß du um unserer Seligkeit willen deinen himmlischen Thron verlassen, bis zum Tode am Kreuz dich erniedrigt und uns den Weg zum ewigen Leben wieder eröffnet hast. Gott heiliger Geist, du werter Tröster und Lehrer der ganzen Christenheit, dich loben wir auch und danken dir für alle deine geistlichen Wohlthaten, mit denen du deine Kirche zierst und schmückst, in allen Anfechtungen und Nöten uns herzlich tröstest, und bitten dich, du wollest uns mit deiner Gnade ferner überschatten und erleuchten.5 - 66 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. O du heilige Dreieinigkeit, weil in deiner Erkenntnis unsere Seligkeit steht, so erhalte uns fest darin, daß wir dich als unſern Gott allezeit recht ehren, loben und preisen. Verlaß uns nicht, deine armen Kreaturen, und stärke uns in unserer Pilgerschaft. Laß einem jeden, der deine Hülfe anruft, den Reichtum deiner Erbarmung kund werden. Breite deine Gnade aus über unser ganzes Land, nimm in deinen allmächtigen Schutz und Schirm den Kaiser, unsern König, und sein Haus; baue und festige deine Kirche auf dem Fels der Wahrheit und laß sie unbeweglich stehn wider den Trotz der Welt, ja wider die Pforten der Hölle. Verleih uns durch deine Kraft, daß wir das Geheimnis deines Wesens nicht allein mit dem Munde, sondern auch mit der That und Wahrheit ehren, daß wir uns dir zum Eigentum übergeben, in dir leben und sterben und dermaleinst mit Freuden erscheinen vor dem Thron deiner ewigen Majestät und Herrlichkeit. Amen. 84. Am Seste der Engel oder Michaelis. ein und der der du alles geschaffen hast, beide das Sichtbare und das Unsichtbare, die Thronen und die Herrschaften, wir sagen dir Lob und Dank, daß du die himmlischen Heerscharen, die heiligen Engel, verordnet und ausgesandt hast zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Wir bitten dich, du wollest ihnen Befehl thun, daß sie uns behüten auf allen unsern Wegen, daß sie uns auf den Händen tragen und wir unsern Fuß nicht an einen Stein stoßen. Treibe von uns alle bösen Mächte der Finsternis und laß uns deine heiligen Engel allezeit begleiten, schützen und mächtiglich erretten. Laß durch ihren Dienst Stadt und Land, Haus und Hof, Weib und Kind und alles, was wir Gieb uns wahre haben, vor allem Unfall bewahrt werden. Buße in unsere Herzen, daß sich die Engel im Himmel über uns freuen. Zünde in uns an ein brünstiges Gebet und Lob deines Namens, daß wir der Engel Amt verrichten und mit ihnen anbeten und rufen: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Gieb uns aber auch Gnade, daß wir ihnen nachfolgen im Gehorsam gegen deinen heiligen Willen und freudig, wie sie, deine Befehle ausrichten. Und wenn wir aus diesem zeitlichen Leben scheiden sollen, so laß unsere Seelen von den Engeln in Abrahams Schoß getragen werden und mache uns ihnen gleich am Tage der Auferstehung, daß wir mit ihnen dich ewig loben und preisen mögen. Amen. V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 67 85. Am Reformationsfeste. Umächtiger und grundgütiger Gott, wir danken dir von Herzen, daß du deiner Kirche dich gnädiglich angenommen, das Gefängnis deines Volkes gewendet und am Abend der Welt unserm werten Vaterlande durch dein teures Rüstzeug Martin Luther ein großes Licht angezündet hast. In deines Geistes Kraft hat er den Brunnen Israels gereinigt, die seligmachende Wahrheit von aller Verführung abgesondert, die heilige Schrift deutlich übersetzt, den Stand der lieben Obrigkeit gerettet und viel Gutes mehr zu deiner Ehre und deiner lieben Gemeinde Erbauung und zur Beruhigung der geängstigten Gewissen ausgerichtet. Danket dem Herrn Zebaoth, daß er so gnädig ist und thut immerdar Gutes. Preise, Jerusalem, den Herrn, lobe, Zion, deinen Gott, der sein Wort giebt mit großen Scharen Evangelisten, und alle, die den Herrn fürchten, sollen sagen: Seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Nun, du treuer Gott, du hast uns bisher wider so manche Gefahr, Verfolgung und Verwirrung in diesem Licht gnädig erhalten, so bewahre es ferner und erhalte den Heilsbrunnen der allein seligmachenden Lehre in Fried und Ruhe bei uns und unsern Kindern, daß die Stadt Gottes fein lustig bleibe mit ihren Brünnlein. Erwecke auch bei uns allen wahre Gottseligkeit, daß wir behalten, was wir haben, und unsern Schatz nicht durch Undank verscherzen, sondern recht evangelisch, desselben würdig leben und dort dich ewigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist, loben und preisen mögen in alle Ewigkeit. Amen. 86. An öffentlichen Buß- und Bettagen. Barmherziger, ewiger Gott und Bater unsers Herrn Jeſu Herr Himmels und der armen, elenden Sünder bekennen vor deinem allerheiligsten Angesichte, daß wir leider mit unsern Vätern gesündigt, daß wir mißgehandelt und gottlos gewesen mit unsern vielfältigen schweren Sünden, auch deinen gerechten Zorn und allerlei Strafen, ja den endlichen Untergang wohl verdient haben. Solche unsere begangenen Sünden reuen uns von Herzen, und dieweil du unser aller Vater und liebreicher Gott bist, der du dich also erklärt hast: So wahr als ich lebe, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, so fliehen wir zu deiner inbrünstigen und herzlichen Barmherzigkeit, demütig bittend, dit wollest aller unserer Übertretung nicht gedenken, sondern vielmehr eingedenk sein deiner grundlosen Güte und Barmherzigkeit. Ach 68 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. Vater und Herr, strafe uns nicht in deinem Zorn, züchtige uns nicht in deinem Grimm. Ach Herr, sei uns gnädig, verstoße uns nicht von deinem Angesicht und laß es nicht mit uns gar aus sein. Erweise uns deine wunderliche Güte, du Heiland derer, die auf dich hoffen, und laß unser Angesicht nicht zu schanden werden. Ach Herr, Gott Zebaoth, sei du unser Gott, mache dich auf zu richten und hilf allen Elenden und Bedrängten auf Erden, zerbrich die Pfeile aller Feinde deines allerheiligsten Wortes und Namens, laß ihre Hände sinken, laß sie beschließen einen Rat und nichts daraus werden, und zerstreue die Völker, die da gerne kriegen. Gestatte ja nicht, o treuer Vater, daß dein Weinberg, den du unter uns gepflanzt hast, verwüstet werde. Stehe auf, Herr, und hilf uns mit deiner starken Hand und allmächtigen Arm, thu wohl diesen und allen andern Landen, in welchen du mit deinem Worte deine Wohnung hast. O lieber Herr und Gott, sei und bleibe du bei und unter uns, stärke und erweitere dein Reich, das du aufgerichtet hast, denn es ist dein Werk. Erhalte uns und unsere Nachkommen bei reiner, gesunder Lehre und bei gewünschtem Landfrieden. Verschone uns, o treuer Gott und Vater, mit Krieg, Aufruhr und Empörung, mit Pestilenz und andern gefährlichen Seuchen. Wende ab Teurung, Mißwachs, schädliches Wetter und alle andern Plagen. Sei uns gnädig, zeige uns deine Barmherzigkeit, Gott, unser Heil. Erleuchte unsere Herzen, daß wir rechtschaffene, wahre Buße thun, alle wissentlichen und vorsätzlichen Sünden fliehen und meiden, hingegen dich und dein heiliges Wort stets vor Augen haben und also dem wohlverdienten Verderben zeitlich und ewiglich entgehen mögen. Das alles wollest du thun, o treuer, barmherziger Vater, um des teuren, werten Verdienstes und der kräftigen Fürbitte willen deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regieret in gleicher Majestät und Ehre, wahrer Gott und Mensch, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. stof 87. Gebet für die wöchentlichen Betstunden. Am Montag. armherziger Gott und Vater, nachdem wir abermals eine Woche zurück gelegt und in eine neue eingetreten sind, so danken wir dir für alle erwiesenen Wohlthaten. Du hast dein Wort und Sakrament unter uns rein und lauter erhalten, uns Ruhe und Friede, auch tägliche Nahrung bescheret. Du hast V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. 69 uns der vorigen Woche Tage und Plage gnädig überwinden helfen und läsfest uns diese Woche mit Gesundheit und Freuden antreten. Für solche und alle andern Gutthaten sagen wir dir von Herzen Lob und Dank. Weil wir aber in der vergangenen Woche wider dich, Herr unser Gott, vielfältig gesündigt haben, so ist uns solches herzlich leid, und bitten wir alle um Gnade und Vergebung. Laß uns der heiligen Leidens- und Marterwoche deines lieben Sohnes und dessen, was er uns durch sein Leiden, Kreuz und Tod in derselben erworben hat, heilsamlich genießen. Gieb, daß wir aus der alten Woche feine alten Sünden mit in die neue nehmen. Gieb uns neue Herzen und einen neuen gewissen Geist. Laß deine Gnade alle Morgen über uns neu aufgehen und erhalte uns bei deinem reinen Worte und bei dem rechten Gebrauche der heiligen Sakramente. Stärke auch mit Kraft aus der Höhe unsere gnädigste Landesherrschaft und alle christlichen Obrigkeiten. Fördere guten Rat und nützliche That und wende Krieg, Pest, Teurung, Feuersbrunst, Wassersnot und sonst alles Herzeleid in Gnaden von uns ab. Gieb uns Friede und Gesundheit, auch Glück und Heil zu unser aller Beruf und Stande. Und weil wir nun mit der neuen Woche unsere Amts- und Berufsarbeit wieder antreten, so fange, o Gott, von neuem an, uns zu segnen. Laß uns das Werk, dazu du uns beschieden hast, mit Freude angreifen und führe durch deinen Segen alles, was wir in deinem Namen anfangen, zu deiner Ehre, zu unserer und unsers Nächsten Wohlfahrt glücklich hinaus. Gefällt es dir aber, lieber Bater, uns in der angehenden Woche mit Kreuz und Trübsal heimzusuchen, so gieb Geduld und mache uns das Kreuz nicht schwerer, als wir es ertragen können. Hast du endlich über einen oder den andern von uns beschlossen, ihn in dieser Woche durch den zeitlichen Tod aus dieser Welt abzufordern, so gieb demselben hier ein seliges Ende, daß er dort ewig bei dir sei, und wir zuletzt insgesamt, nach aller Mühe und Arbeit auf Erden, bei dir im Himmel einen Sabbath nach dem andern in ewiger Freude und Herrlichkeit feiern mögen. Das verleihe uns, o Gott, in des heiligen Geistes Kraft durch Jesum Christum. Amen. 88. Noch ein Gebet für Betstunden. Herr, allmächtiger, barmherziger Vater, wir armen Sünder fommen vor dein heilig Angesicht und sagen dir aus Herzensgrund für alle deine Wohlthaten billig Lob und Dank, daß du 70 V. Gebete für Feste und Wochengottesdienste der Kirche. uns zu deinem Ebenbild erschaffen und nach deiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren und in deinem lieben Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, der Hoffnung nach zu Erben der ewigen, himmlischen Güter angenommen, auch bisher an Leib und Seele gnädiglich erhalten hast. Wir bitten dich ferner demütiglich, du wollest uns alle unsere Sünden und Missethaten durch das teure Verdienst deines Sohnes Jesu Christi vergeben und um seiner vollgültigen Fürbitte willen alle wohlverdienten Haus- und Landplagen gnädiglich mildern und abwenden und deinen heiligen Geist verleihen, daß wir uns forthin in unserm Beruf und allem Vornehmen durch denselben auf ebener Bahn führen und regieren lassen, damit wir dich, o Gott, stets vor Augen haben und findlich fürchten, hingegen die Sünde mit allem Ernste meiden, das liebe Kreuz mit christlicher Geduld hinnehmen und gehorsamlich leiden. Wir befehlen dir auch weiter, o getreuer, allmächtiger Bater, die ganze Christenheit auf Erden, alle hohen christlichen Häupter, desgleichen unsere Obrigkeit, unsere getreuen Lehrer und alle gottseligen Hausväter samt ihren Angehörigen. Behüte unser liebes Vaterland vor Krieg, Mißwachs, Hunger, Seuchen und Krankheiten, vor Feuers- und Wassersnöten. Auch laß dir, o milder Vater, die Früchte auf dem Lande und unsere ganze Nahrung wohl befohlen sein. Die wollest du segnen und uns gedeihen lassen, den Armen Brots genug, den Kranken Geduld und Gesundheit geben, den Sündern Gnade zur Besserung ihres Lebens, uns und allen Christgläubigen Barmherzigkeit und nach diesem vergänglichen das ewige selige Leben schenken und mitteilen durch Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland. Amen. 89. Sür firchliche Bibelstunden. Allerheiligster und gnädigſter Gott, du haſt in deinem Wort versprochen, daß du zu und uns an dem Orte, da du deines Namens Gedächtnis stiften würdest. Gedächtnis nun zu halten von deinem allerheiligsten Namen sind wir auch allhie versammelt. Darum bitten wir dich herzlich und demütig, du wollest mitten unter uns sein, du wollest uns ſegnen und zu diesem deinem Dienst geschickt und tüchtig machen. Vergieb uns zu dem Ende, himmlischer Vater, alle unsere Sünden, Übelthaten, Fehler und Schwachheiten um Jesu Christi und seiner blutigen, vollkommenen Aussöhnung willen, und heilige uns täglich mehr und mehr, der Sünde und Welt abzusterben. Schenke uns deinen heiligen Geist mit reichem Maß, damit dein göttliches Kollekten. 71 Wort von uns möge recht gelehrt, andächtig gehört, in einem beständig guten Herzen bewahrt und in ein christlich Leben verwandelt werden. Heilige unsere Gedanken, reinige unsere Gemütsbewegungen, sammle alle unsere verstreuten Sinne aus der Welt zurück hieher vor dein göttlich Angesicht, daß wir Worte und Kräfte des Lebens empfangen. Rühre auch den Mund und das Herz deines unwürdigen Dieners, das Wort der himmlischen Wahrheit mit aller Freudigkeit und Geisteskraft auszureden, und gehe du von Seele zu Seele in der Gemeinde unter uns, einen jeglichen aufzuwecken zum Stande rechtschaffener Bekehrung und zur Erhaltung der gewünschten Seligkeit. Alles um deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi willen. Amen. Kollekten. Für bestimmte Tage und Zeiten. Auf Advent. 1. ieber Herr Gott, wecke uns auf, daß wir bereit sein, wenn dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 2. err Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von ganzem Herzen, daß du uns armen Sündern zu Trost deinen Sohn Christum zu einem Messias verordnet und gesandt hast, daß er als ein gerechter König und Heiland sein Volk von Sünden erlösen und aus des Teufels Tyrannei und ewigem Tode erretten sollte. Wir bitten dich von Herzen, du wolleft uns durch deinen heiligen Geist also erleuchten, regieren und führen, daß wir diesen gerechten König und Heiland wahrhaftig erkennen, an ihm allein halten, uns an seiner geringen Gestalt, verachtetem Worte und Reiche nicht ärgern, sondern in einem rechten Vertrauen auf ihn ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kollekten. 3. ir bitten dich, lieber Herr Gott, du wollest unsere Herzen durch deiner Gnaden Heimsuchung reinigen, daß dein Sohn, wenn er zu uns fommt, eine bereite Wohnung finde, der mit dir lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 72 Am Vorabend des Chriftfestes. 4. ieber Herr Gott, der du diese geweihte Nacht im Glanz des wahren Lichts hast scheinen lassen, verleih, daß wir dort im Himmel der Freuden jenes Lichtes inne werden, dessen Geheimnisse du uns hier auf Erden offenbart hast, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, der da ist das wahrhaftige Licht und mit dir lebt und herrschet, wahrer Gott, immer und ewiglich. Amen. Am Christfeste. 5. ilf, lieber Herr Gott, daß wir der heiligen Geburt deines lieben Sohnes teilhaftig werden und von unserer sündlichen Geburt erledigt in der neuen Geburt dir dienen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 6. H err Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine große Gnade und Barmherzigkeit, daß du deinen eingeborenen Sohn in unser Fleisch hast kommen lassen und durch ihn uns von Sünden und ewigem Tode gnädiglich geholfen. Wir bitten dich herzgründlich, erleuchte unsere Herzen durch deinen heiligen Geist, daß wir dir für solche deine Gnade dankbar sein und derselbigen uns in aller Anfechtung trösten und endlich ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 7. err Gott, der du uns mit dem jährlichen Gedächtnis unserer Erlösung erfreuest, gieb, daß wir deinen eingebornen Sohn, den wir nun fröhlich als einen Erlöser empfangen, auch bei seiner Ankunft zum Gericht in sicherem Frieden schauen mögen, unsern Herrn Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Kollekten. die windspotihend Am Neujahrstage. 8. S Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine väterliche Gnade, daß du dich der armen Sünder angenommen und deinen Sohn Christum ihnen zu gut unter das Gesetz gethan hast, daß er mit seinem vollkommenen Gehorsam deinen gerechten Zorn stillen und unsern Ungehorsam heilen möchte. Wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geiſt unsere Herzen also erleuchten, daß wir uns solches Gehorsams wider unsere Sünde und das böse Gewissen trösten können und durch die Hülfe des heiligen Geistes auch anfangen, gehorsame Kinder zu werden, und endlich die ewige Seligkeit erlangen mögen, durch denselben deinen Sohn, Christum Jesum, unsern Herrn. Amen. 9. 73 dem alle und Gabe herabkommt, wir danken dir für alle deine Wohlthat, die du uns im vergangenen Jahre beides geistlich und leiblich hast erzeiget; und bitten deine Barmherzigkeit, du wollest uns nun wiederum ein glückseliges und freudenreiches Jahr bescheren, vor Unglück und Gefahr uns gnädiglich behüten und mit deinem göttlichen Segen erfüllen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Am Seste der Erscheinung Christi. 10. $ err Gott, himmlischer Vater, der du deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum durch die Erscheinung eines Sterns den Heiden offenbart und uns auch in diesen letzten Zeiten durch das selige Licht deines göttlichen Wortes zu der Erkenntnis deines lieben Sohnes hast kommen lassen, wir bitten von ganzem Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist also begnaden und begaben, daß wir nach solchem Lichte deiner Wahrheit immerdar wandeln, uns mit ganzer Zuversicht unseres Heilandes allezeit erfreuen und also zur ewigen Seligkeit erhalten werden, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 11. Her err Gott, himmlischer Vater, der du an diesem Tage deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum den Heiden durch Leitung des Sternes offenbart hast, verleih uns gnädiglich, daß 74 Kollekten. wir dem seligen Lichte der Heiden immerdar nachwandeln und endlich alle zur Anschauung deiner göttlichen Majestät und Herrlichkeit gelangen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Sür die Weihnachts- und Epiphaniaszeit. God m 12. Allmächtiger, ewiger Gott, wir bitten dich, verleih uns, die wir Lichte Jesu Christi begnadigt sind, daß wir auch mit der That vollbringen, was wir im Herzen glauben und mit dem Munde bekennen, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 13. Her err Gott, himmlischer Vater, der du aus väterlicher Liebe gegen uns arme Sünder deinen Sohn uns geschenkt hast, daß wir an ihn glauben und durch den Glauben sollen felig werden, wir bitten dich, gieb deinen heiligen Geist in unsere Herzen, daß wir in solchem Glauben bis an unser Ende beharren und ewig selig werden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 14. Allmächtiger, gütiger Gott, barmherziger Bater, erleuchte über uns dein väterliches Angesicht und stärke in uns die Erkenntnis deiner Barmherzigkeit, die du uns in deinem lieben Sohne bewiesen hast, auf daß wir, zu deinem Lobe entzündet, mit allem himmlischen Heer in allen unsern Worten und Werken dich rühmen und preisen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Seste der Darstellung Jeju im Tempel. 15. err Gott, himmlischer Bater, der du deinen Sohn uns zum Heilande bereitet hast, daß er der Heiden Licht und Israels Preis sein sollte, wir bitten dich, erleuchte unsere Herzen, daß wir deine Gnade und väterlichen Willen in ihm erkennen, auch Hülfe und Schutz wider die Sünde, Verdammnis und den leidigen Satan an ihm haben und endlich ewig selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 16. Nieber Herr Jesu Christ, der du bist das wahre Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen, wir bitten dich, erleuchte unser Herz mit deinen Gnaden, auf daß Kollekten. 75 wir dich mit dem heiligen Simeon als unsern Heiland erkennen und nach dieser Welt Dunkelheit bei dir in himmlischer Klarheit ewiglich bleiben, der du lebst und herrschest mit dem Vater und heiligen Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Seste der Verkündigung Mariä. 17. He err Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine unaussprechliche Gnade, daß du uns arme Sünder so gnädig bedacht, deinen Sohn in unser Fleisch geschickt und ihn um unsertwillen Mensch hast werden lassen. Wir bitten dich von ganzem Herzen, du wollest uns durch deinen heiligen Geist Gnade verleihen, daß wir uns seiner Menschwerdung, seines Leidens und Sterbens trösten, ihn für unsern Herrn und ewigen König erkennen und annehmen und durch ihn mit dir und dem heiligen Geiste ewig leben und selig werden mögen. Amen. In der Fastenzeit. 18. Allmächtiger, ewiger Herr Gott, der du für uns haft deinen Sohn des lassen leiden, daß du von uns des Feindes Gewalt triebest, verleih uns, also zu begehen und zu danken seinem Leiden, daß wir dadurch der Sünden Vergebung und vom ewigen Tode Erlösung erlangen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 19. der du deines nicht verschont hast, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, daß er unsere Sünde am Kreuze tragen sollte, verleih uns, daß unser Herz in solchem Glauben nimmermehr erschrecke noch verzage, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 20. He err Gott, der du allezeit Lust hast zur Barmherzigkeit und gerne verschonest, nimm an unser bußfertig Gebet und mache die, so in Banden der Sünde liegen, los und ledig nach deiner milden Güte, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 76 Kollekten. 21. H err Gott, himmlischer Vater, der du aus väterlicher Gnade deines eingeborenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn in den Tod und an das Kreuz hinan gegeben hast, wir bitten dich, gieb deinen heiligen Geist in unsere Herzen, daß wir solcher Gnade uns herzlich trösten, vor Sünden ferner uns hüten, und was du zu leiden schickest, geduldig tragen mögen, auf daß wir durch ihn mit dir ewig leben. Amen. 22. err Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir bitten dich, du wollest gnädiglich sehen auf dies dein Volk und Hausgesinde, um welches willen dein lieber Sohn Jesus Christus sich nicht geweigert hat, übergeben zu werden in die Hände der Sünder und zu dulden die schmähliche Bein des Kreuzes, der mit dir lebt und herrschet wahrer Gott in Einigkeit des heiligen Geistes ewiglich. Amen. 23. err Jesu, unsere Ruhe und Leben, wir danken dir, daß du unsere Sünde mit dir in dein Grab genommen und darin begraben und uns durch deinen neuen Sabbath im Grabe ewige Ruhe erworben hast. Hilf, daß wir dein Grab für unserer Sünden Kerker erkennen und uns vor unserm Grabe nicht fürchten, sondern in deiner Erkenntnis gern und willig in unser Ruhekämmerlein schlafen gehen, der du mit deinem heiligen Leibe all unsere Gräber weihest und heiligest, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Am Gründonnerstage, auch sonst bei der Seier des heiligen Abendmahls. 24. Herr Jesu Christe, der du uns hier in dem wunderbaren Saframente ein Gedächtnis deines Leidens gelassen hast, wir bitten dich, gieb uns Gnade, daß wir das heilige Geheimnis deines Leibes und Blutes so ehren und handeln, daß wir deine Erlösung in uns täglich fruchtbarlich empfinden, der du mit dem Vater und dem heiligen Geist lebest und regierest, wahrer Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Kollekten. 25. til ir danken dir, allmächtiger Herr Gott, daß du uns durch diese heilsame Gabe hast erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen lasfest zu starkem Glauben gegen dich und zu brünstiger Liebe unter uns allen, um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 77 26. Allmächtiger Gott, ewiger Bater, ein König der Ehren und Herr Himmels und dir sei Lob, Preis, daß du uns würdig geachtet hast, zu diesem Reichtum deiner Gnade und seligen Speise zu kommen. Wir bitten dich, lieber Vater, du wollest uns deinen heiligen Geist verleihen, auf daß wir mit Herz und Gemüte, was droben ist im Himmel, suchen und auch gnädiglich finden, durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Osterfeste. 27. wir bitten die wir das Fest der Auferstehung unsers Herrn feiern, daß wir durch Erneuerung deines heiligen Geistes vom Tode der Seelen auf erstehn, auf daß wir mit dir ewiglich leben, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 28. Allmächtiger Gott, himmliſcher Bater, der du durch den Tod deines Sohnes die Sünde und den Tod zunichte gemacht und durch sein Auferstehen Unschuld und ewiges Leben wiedergebracht hast, auf daß wir, von der Gewalt des Teufels erlöset, in deinem Reiche leben, verleih uns, daß wir solches von ganzem Herzen glauben und, in solchem Glauben beständig, dich allezeit loben und dir danken, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 29. err Gott, himmlischer Vater, der du deinen eingeborenen Sohn um unserer Sünde willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen wieder auferwecket hast, hilf, daß wir als Glieder seines Leibes an ihm, unserm Haupte und Lebensfürsten, fest hangen und dermaleinst in der herrlichen Auferstehung der Gerechten an jenem Tage mit Freudigkeit vor ihm erscheinen 78 Kollekten. und mit ihm in sein ewiges Reich eingehen mögen, da er als ein sieghafter Überwinder aller seiner und unserer Feinde mit dir und dem heiligen Geiste in Ewigkeit lebet und herrschet. Amen. pril madisdag Sür die Freudenzeit. 30. Allmächtiger Gott, der du uns durch deinen Sohn eröffnet haft den zum ewigen durch seiner fröhlichen Auferstehung der ganzen Welt Heil verliehen, wir bitten dich, du wollest unsere Begierde zur schönen Ewigkeit erwecken und uns die himmlische Gabe der vollkommenen Freiheit verleihen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 31. ieber Herr Gott, der du durch die Erniedrigung deines Sohnes die Welt vom tiefen Falle aufgerichtet hast, gieb deinen Gläubigen allzeit fröhlichen Mut, auf daß sie, von den Schrecken des ewigen Todes errettet, der unvergänglichen Freuden teilhaftig werden, durch denselben unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 32. ieber Herr Gott, der du die Herzen deiner Gläubigen mit einerlei Sinn erfüllest, verleih deinem Volke, das zu lieben, was du befiehlst, das zu begehren, was du verheißest, auf daß bei dem eitlen Treiben dieser Welt unsere Herzen droben haften, wo die wahren Freuden sind, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Am Seste der Bimmelfahrt. 33. wir bitten Sinn allezeit dahin stehe, wohin der Herr dieses Festes mit Ruhm und Preis ist eingegangen, und daß wir dort, wohin wir hier im Glauben trachten, unsern ewigen Aufenthalt finden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, der in Einigkeit des heiligen Geistes mit dir lebet und herrschet in Ewigkeit. Amen. BAD 79 Kollekten. 34. He err Jesu Christe, du Sohn des allerhöchsten Gottes, der du nun forthin nicht mehr auf Erden arm und elend bist, sondern zur Rechten deines Vaters ein gewaltiger Herr über alles, was da ist im Himmel und auf Erden, alles auch erfüllest und regierest, wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist uns senden, fromme Kirchendiener geben, dieselbigen begaben und bei deinem Wort erhalten, dem Satan und allen Feinden deiner Kirche wehren und dein Reich gewaltiglich erhalten, bis daß alle Feinde zu deinen Füßen liegen, und wir auch durch dich die Sünde, den Tod und alles überwinden. Amen. Am Pfingstfeste. 35. err Gott, lieber Vater, der du an diesem Tage deiner Gläubigen Herzen durch den heiligen Geist erleuchtet und gelehret hast, gieb uns, daß wir auch durch denselben Geist rechten Verstand haben und uns seines Trostes und seiner Kraft zu aller Zeit freuen, um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 36. Herr Jesu Christe, du Sohn des allmächtigen Gottes, wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist durch dein Wort in unsere Herzen geben, daß derselbe uns allezeit nach deinem heiligen Willen regiere und führe, in allerlei Unglück und Anfechtung tröste und in deiner Wahrheit wider allen Irrtum leite und erhalte, auf daß wir im Glauben fest bestehen, in deiner Liebe und guten Werken zunehmen und durch eine gewisse Hoffnung deiner erworbenen und geschenkten Gnade ewig selig werden mögen, der du mit dem Vater und heiligen Geiste regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 37. Gwige wiger Gott, gnädiger Bater, der du deinen heiligen Geist und ein neu Gesetz in unser Herz zu geben verheißen hast, wir bitten deine milde Güte, du wollest deine armen Kinder mit deinem Gnadengeist beseligen und unsere Herzen trösten und erhalten, daß wir bei deinem Wort mit Freudigkeit beharren und dir in Geduld mit wahrer Anrufung allezeit dienen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 80 Kollekten. Am Sefte der heiligen Dreieinigkeit. 38. Ulmächtiger, ewiger Gott, der du uns gelehret hast, im rechten Glauben zu wissen und zu bekennen, daß du in dreien Personen gleicher Macht und Ehren ein einiger, ewiger Gott und dafür anzubeten bist, wir bitten dich, du wollest uns bei solchem Glauben allezeit fest erhalten wider alles, was uns dagegen mag anfechten, der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Sefte Johannis des Täufers. 39. Allmächtiger, ewiger Gott, verleih, daß dein Volk auf dem Wege des Heiles wandle Gehorsam gegen das Wort des Vorläufers Johannes zu dem gelange, von dem er geweissagt hat, zu unserm Herrn Jesu Christo, der mit dir und dem heiligen Geiste lebt und herrschet in alle Ewigkeit. Amen. Am Seste der Beimsuchung Mariä. 40. Allmächtiger Gott, der du an der Jungfrau Maria große Dinge zur Mutter Herrn, gemacht, auf daß uns kund würde, wie du der Armen, Nichtigen und Verachteten dich gnädiglich annimmst, gieb, daß auch wir uns in aller Demut und Gelassenheit an dein Wort mit wahrem Glauben ergeben und also deines lieben Sohnes teilhaftig werden, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Am Michaelisfeste. 41. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, der du wunderbarer Weise Engel Dienste geordnet hast, wir bitten dich, verleih uns gnädiglich, daß unser Leben hier auf Erden behütet und beschirmt werde von denen, die deiner göttlichen Majestät allezeit beiwohnen im Himmel, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Am Reformationsfeste. 42. W ir danken dir, allmächtiger Gott und Vater, daß du dich deiner Kirche väterlich erbarmt und dein lauteres Evangelium uns wieder geschenkt und erhalten. Wir bitten dich, du wollest 81 unser aller Herzen durch deinen heiligen Geist regieren, daß wir dem Evangelium allezeit treu und fest anhangen, aber auch nach demselben würdiglich wandeln und auf den Trost desselben leben und sterben, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kollekten. Für die Früchte des Seldes.( Am Tage der Bagelfeier.) 43. $ err, allmächtiger Gott, der du alles, was da ist, regierest und nährest, ohne dessen Gnade nichts geschehen kann, gieb uns, deinen Kindern, lieber Vater, ein gnädiges Wetter, auf daß unser Land durch deinen Segen mit seinen Früchten erfüllet werde, und wir dich in allen deinen Wohlthaten erkennen und loben, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 44. der du deine göttliche Kraft alles hast erschaffen, und was da lebet und webet, sättigest nach deinem Wohlgefallen, wir bitten dich demütiglich, du wollest unsere Felder mit deinem Segen frönen, und was du zu Nutzen der Menschen aus der Erde wachsen läsfest, unter deinem Schirme und Schutz gnädiglich erhalten, auch dein Wort in unsere Herzen pflanzen, daß wir dir viele Früchte der Gerechtigkeit bringen, durch deinen Sohn, Jesum Christum, unſern Herrn. Amen. Am Erntedankfeste. 45. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, der du deine milde Hand aufthust und sättigest alles, was da lebet, nach deinem Wohlgefallen, wir danken dir demütiglich, daß du die Felder gekrönet mit deinem Segen und die Früchte der Erde uns wiederum hast sammeln lassen; und bitten dich, segne und behüte auch die ewige Saat deines Wortes in unsern Herzen, auf daß wir in reichlichen Früchten der Gerechtigkeit die rechten Dankopfer dir allezeit darbringen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Bergfeste. 46. Almächtiger, ewiger Gott, himmliſcher Vater, der du Berg und und Erz wachsen zur Notdurft der Menschen, wir bitten deine milde Güte, du wollest unser Bergwerk aus Gnaden segnen und uns 6 82 nach deinem Willen gut Erz bescheren, auch deinen Geist und Gnade uns mitteilen, daß wirs zu deiner Ehre und Unterhaltung deines Worts und täglicher Notdurft seliglich gebrauchen und unserem Nächsten christlich damit dienen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kollekten. An Buß- und Bettagen. 47. err Gott, himmlischer Vater, der du nicht Lust hast an der H armen Sünder Tode, läsfest sie auch nicht gerne verderben, sondern willst, daß sie bekehrt werden und leben, wir bitten dich herzlich, du wollest die wohlverdienten Strafen unserer Sünden gnädiglich abwenden, und uns hinfort zu bessern deine Barmherzigkeit mildiglich verleihen, um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 48. terschone Herr, verschone unserer Sünde; und wiewohl den Sündern ewige Strafe gebühret, so bitten wir doch von ganzem Herzen, laß uns alles zu einer zeitlichen, gnädigen Strafe und erträglichen Züchtigung kommen, was wir zum ewigen Verderben gar wohl verdienet haben, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Allgemeine Kollekten. Um den Segen des Wortes und rechten Gottesdienst. 49. Umächtiger Herr Gott, wir bitten dich, gieb deiner Gemeinde deinen Geist und göttliche Weisheit, daß dein Wort unter uns laufe und wachse, mit aller Freudigkeit, wie sichs gebührt, gepredigt, und deine christliche Gemeinde dadurch gebessert werde, auf daß wir von aller Anfechtung unversehrt mit beständigem Glauben dir dienen und im Bekenntnis deines Namens bis an unser Ende verharren, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. 50. $ err Gott, himmlischer Bater, wir bitten dich, du wollest durch deinen heiligen Geist uns also regieren und führen, daß wir mit ganzem Herzen dein Wort hören und annehmen und den Sabbath recht heiligen, damit wir durch dein Wort auch Kollekten. 83 geheiligt werden, auf Jesum Christum, deinen Sohn, all unser Vertrauen und Hoffnung setzen und danach unser Leben nach deinem Wort auch bessern, vor allem Ärgernis uns behüten, bis wir durch deine Gnade in Christo ewig selig werden, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 51. ir danken dir, Herr Gott, himmlischer Bater, von Grund unsers Herzens, daß du uns dein heiliges Evangelium gegeben und dein väterliches Herz haft erkennen lassen. Wir bitten deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest solch selig Licht deines Wortes in uns gnädiglich erhalten und durch deinen heiligen Geist unsere Herzen also leiten und führen, daß wir nimmermehr davon abweichen, sondern fest daran halten und endlich dadurch selig werden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 52. Lieber Herr und Gott, stärke und behalte uns in deinem lieben Herrn, und hilf uns, daß wirs dankbarlich erkennen und kräftiglich mit guten Früchten bezeugen und zieren, dir zu Lob und Dank in Ewigfeit. Amen. 53. Grwe rwecke, Herr, wir bitten dich, die Herzen deiner Gläubigen, auf daß sie die Frucht deines göttlichen Wortes immer völliger bringen und deiner Gnade Hülfe dabei immer reichlicher empfangen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Sür die Kirche und die Mission. 54. Allmächtiger, ewiger Gott, der du die ganze Chriſtenheit durch deinen heiligen Geist heiligest und regierest, erhöre unser Gebet und gieb gnädiglich, daß sie mit allen ihren Gliedern in reinem Glauben, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, so dir gefällig ist, durch deine Gnade dir diene, um Jesu Christi, deines Sohnes, unsers Herrn und Heilandes, willen. Amen. 55. Allmächtiger, ewiger Gott, der du allein große Wunder thust, gieß aus den Geist deiner heilsamen Gnade über deine Diener und die Gemeinden, die ihnen befohlen sind, und damit 6* 84 Kollekten. sie dir in der Wahrheit wohlgefällig seien, so tränke sie allezeit mit dem Tau deines Segens, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 56. Allmächtiger, ewiger Gott und Bater, der du leuchten läßt das auf den Weg der Gerechtigkeit fommen mögen, wir bitten dich, gieb Gnade allen Gläubigen, daß sie verachten, was deinem Namen entgegen ist, und annehmen, was ihm dienet, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 57. ott, unser Schild, schaue doch, siehe an das Reich deines Gefalbten, sich selbst geben hat für alle zur Erlösung, und verleih, daß vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang dein Name herrlich werde unter den Heiden und an allen Orten geopfert werde deinem Namen ein reines Opfer, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 58. err Gott, himmlischer Vater, der du willst, daß allen Menschen geholfen werde, und daß sie zur Erkenntnis der Wahrheit fommen, wir bitten deine milde Güte, sende die Boten deiner Barmherzigkeit und laß sie verkündigen dein Heil allem Volke, das im Dunkeln wohnet, auf daß erfüllet werde das Wort deiner gnädigen Verheißung, daß die Heiden wandeln in deinem Lichte und die Könige im Glanze deiner Herrlichkeit, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Um Buße und Vergebung der Sünden. 59. Allmächtiger und barmherziger Gott, der du nicht willſt, daß jemand daß zur Buße kehre, gieb, daß wir aus deinem Worte allezeit unsere mannigfaltige Sünde von Herzen erkennen, auch in wahrhaftiger seliger Reue den Trost deines Geistes und Glaubens inniglich wieder ergreifen, auf daß wir in deinem Sohne gerecht und durch denselben selig werden, der du mit ihm und dem heiligen Geiste lebest und herrschest immer und ewiglich. Amen. 60. Mir bitten dich, Herr, huldreicher Gott, gieb deinen Gläubigen mildiglich Vergebung und Frieden, auf daß sie von allen Sünden gereinigt werden und dir mit getrostem Herzen dienen, Kollekten. 85 durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Um Geist, Glauben und göttliches Leben. 61. err Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest deinen heiligen Geist in unsere Herzen geben, uns in deiner Gnade ewig zu erhalten und in aller Anfechtung zu behüten; wollest auch allen Feinden deines Wortes, um deines Namens Ehre willen, wehren und deine arme Christenheit allenthalben gnädig befrieden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 62. H err Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest uns den Geist der Wahrheit und des Friedens verleihen, auf daß wir von ganzem Herzen, was dir gefällt, erkennen und dem mit allen Kräften allein nachfolgen mögen, durch Jesum Chriſtum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 63. Umächtiger Herr Gott, gieb uns den rechten, wahrhaftigen Glauben und mehre denselben täglich in uns; gieb uns auch Liebe und Hoffnung, damit wir dir und unserm Nächsten nach deinem Wohlgefallen mögen dienen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 64. Her err Gott, der du denen, die dich lieben, unsichtbare Güter bereitet hast, geuß deiner Liebe Brunst in unsere Herzen, auf daß wir dich in allem und über alles lieben und also deine Verheißung erlangen, die überschwenglich ist über alles, das wir bitten oder verstehen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 65. Herr, wir bitten, gieb uns allzeit gnädiglich einen Geist zu gedenken und zu thun, was recht ist, auf daß wir, die wir ohne dich nicht sein können, nach dir auch leben mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 86 Kollekten. 66. Ulmächtiger Herr Gott, der du bist ein Beschützer aller, die auf dich hoffen, ohne welches Gnade niemand etwas vermag noch vor dir gilt, laß uns deine Barmherzigkeit reichlich widerfahren, auf daß wir durch dein heiliges Eingeben denken, was recht ist, und dasselbige auch durch deine Kraft vollbringen, um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 67. von dem wir Unterlaß allerlei Gutes ganz überflüssig empfangen und noch täglich vor allem Übel gnädiglich behütet werden, wir bitten dich, laß uns solches alles durch deinen Geist mit ganzem Herzen in rechtem Glauben erkennen, auf daß wir deiner milden Güte und Barmherzigkeit hier und dort ewiglich danken und dich loben, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 68. die hoffen, mehre über uns deine Barmherzigkeit, auf daß, so du unser Regierer und Führer bist, wir dermaßen durch die zeitlichen Güter wandeln, daß wir die ewigen nicht verlieren, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn, willen. Amen. 69. err Gott, der du deine Kraft und Herrlichkeit allermeist fund thust im Verschonen und Erbarmen, laß uns deine Barmherzigkeit reichlich widerfahren, daß wir laufen nach deiner Verheißung und also der himmlischen Güter teilhaftig werden, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Um Frieden und Segen. Für die Obrigkeit. '70. H err Gott, himmlischer Vater, der du heiligen Mut, guten Rat und rechte Werke schaffest, gieb deinen Dienern Frieden, welchen die Welt nicht kann geben, auf daß unsere Herzen an deinen Geboten hangen und wir unsere Zeit durch deinen Schutz still und sicher vor Feinden leben, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kollekten. 71. Gwi wiger, allmächtiger Gott, ein Herr Himmels und der Erde, durch welches Geist alles regieret, durch welches Vorsehung alle Dinge geordnet werden, der du bist ein Gott des Friedens, von welchem alle Einigkeit zu uns kommt, wir bitten dich, du wollest uns alle unsere Sünde vergeben und uns mit deinem göttlichen Frieden und Einigkeit begnaden, damit wir dir in rechter Furcht dienen zu Lob und Preise deines Namens, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 87 72. allmächtiger Herr und Vater, der du durch dein ewiges göttliches Wort alle Dinge erschaffen hast, segnest und erhältst, wir bitten dich, daß du dein ewiges Wort, unsern Herrn Jesum Christum, uns wollest offenbaren und in unsere Herzen pflanzen, dadurch wir nach deiner Gnade würdig werden, deinen göttlichen Segen über alle Früchte der Erde und alles, was zur leiblichen Notdurft gehört, zu empfangen und zum Preise deines Namens und unsers Nächsten Dienst zu gebrauchen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste( ebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 73. Allmächtiger Gott, du König aller Könige, der du die allerhöchſte Gewalt aller ordnest Herrschaft und Regiment im menschlichen Geschlechte, wir danken dir für deine gnädige Ordnung und für das weltliche Regiment und unsere liebe Obrigkeit, darunter du uns gesetzt hast, wie unter einen Baum, unter dessen Schatten wir Frieden und Ruhe haben, dein teures Wort zu hören und zu üben. Wir bitten dich, du wollest unsere liebe Obrigkeit selbst regieren, führen, bewahren und beschützen, und in gutem Frieden dein Licht und Wort bei uns erhalten, daß wir ein geruhiges und stilles Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Um Trost und Stärke. 74. und der du der Elenden nicht verschmähst und der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe doch an unser Gebet, welches wir in unserer Not vor dich bringen, und erhöre uns gnädiglich, daß alles, was uns 88 Kolletten. sowohl vom Teufel als von Menschen widerstrebt, zunichte und durch den Rat deiner Gütigkeit zerstört werde, auf daß wir, von aller Anfechtung unversehrt, dir in deiner Gemeine danken und dich allezeit loben, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 75. Hert err Gott, himmlischer Bater, du weißt, daß wir aus menschlicher Schwachheit in so mancher und großer Gefahr, die uns auf Erden befällt, ohne deinen Beistand nicht bleiben noch bestehen mögen; verleih uns, beides an Leib und Seele, Kräfte, daß wir alles, so uns um unserer Sünde willen quält und ansicht, durch deine Hülfe überwinden und durch deine starke Hand davon gewaltig errettet werden, um Jesu Christi, unsers Herrn, willen. Amen. 76. S allmächtiger, ewiger Gott, ein Trost der Traurigen und eine Stärke der Schwachen, laß vor dein Angesicht gnädiglich kommen die Bitte aller derer, so in Bekümmernis und Anfechtung zu dir seufzen und schreien, auf daß jedermann in der Not deine göttliche Hülfe empfinde und dich dafür ewiglich lobe und preise, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 1919. der du uns deinen Vergebung unserer Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben verheißen hast, wir bitten dich, du wollest unsere Herzen durch deinen heiligen Geist also führen und erwecken, daß wir solche Hülfe durch tägliches Gebet, und sonderlich in aller Anfechtung, bei ihm suchen und durch festen Glauben auf seine Zusagung und auf sein Wort gewiß finden und erlangen, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 78. err Gott, himmlischer Vater, der du deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, in diese Welt gesandt hast, daß er des Teufels Tyrannei wehren und uns arme Menschen wider solchen argen Feind soll schützen, wir bitten dich, du wollest uns vor Sicherheit behüten und in aller Anfechtung durch deinen heiligen Geist, nach deinem Worte zu wandeln, gnädiglich erhalten, daß wir bis an das Ende vor solchem Feinde befriedet bleiben und endlich selig werden mögen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kollekten. Um christliche Bereitschaft, seligen Tod und das ewige Leben. 79. err Gott, regiere unsere Herzen und Gedanken durch deinen heiligen Geist, daß wir allzeit denken an das Ende und an dein gerechtes Gericht, und erwecke uns dadurch zu einem göttlichen Leben in dieser Zeit, auf daß wir dort ewiglich mit dir bleiben mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 89 80. armherziger, ewiger Gott und Vater, der du uns in Christo Jesu zu einer lebendigen Hoffnung des ewigen Lebens berufen hast, verleih uns, daß wir durch deinen Geist die Welt und alle Lüste dieses Lebens bestreiten, unser Fleisch freuzigen und töten und nach dem, was droben ist, am ersten trachten, bis wir im Glauben, Hoffnung und Geduld alles überwinden und vor deinem Angesichte gekrönt und ewiglich erfreuet werden, um Jesu Christi, unsers Seligmachers, willen. Amen. 81. err, allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, der du uns aus dieser sündigen und verkehrten Welt durch den Tod zu dir forderst und hinwegnimmst, auf daß wir nicht durch stetig Sündigen verderben, sondern zu dem Ewigen hindurchdringen, wir bitten dich, du wollest uns solches von Herzen lassen erkennen und glauben, auf daß wir uns unsers Abscheidens freuen und dem Berufe zu deinem Reiche gern und williglich folgen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 82. Allmächtiger, ewiger Gott, der du durch deinen Sohn Vergebung der Sünden und Rettung vor dem ewigen Tode zugesaget hast, wir bitten dich, stärke uns durch deinen heiligen Geist, daß wir in solchem Vertrauen auf deine Gnade durch Christum täglich zunehmen und die Hoffnung fest und gewiß behalten, daß wir nicht sterben, sondern entschlafen und am jüngsten Tage zum ewigen Leben erweckt werden sollen, durch denselben deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 83. Herr Jesu Christe, der du bist die Auferstehung und das Leben und hast uns durch deinen Sieg eine ewige Gerechtigkeit, Freude und Herrlichkeit erworben, wir bitten deine Güte, 90 Versikel. du wollest uns eine fröhliche Auferstehung des Lebens verleihen und uns in das ewige Paradies und Vaterland heimholen, der du von dem Tode bist erstanden und herrschest mit Bater und heiligem Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 1. 2. Versikel. Auf Advent. Bereitet dem Herrn den Weg, Halleluja. Machet seine Steige richtig. Halleluja. Machet die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, Halleluja. Daß der König der Ehren einziehe. Halleluja. 3. Hosianna dem Sohne Davids, Halleluja. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Halleluja. Am Chriftfeste. 4. Euch ist heute der Heiland geboren, Halleluja. Welcher ist Christus der Herr. Halleluja. Uns ist ein Kind geboren, Halleluja. 5. Ein Sohn ist uns gegeben. Halleluja. 6. Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Halleluja. Gott ist geoffenbaret im Fleisch. Halleluja. 7. Also hat Gott die Welt geliebet, Halleluja. Daß er seinen eingebornen Sohn gab. Halleluja. Am Neujahrstage. 8. Jesus Christus gestern und heute, Halleluja. Und derselbe auch in Ewigkeit. Halleluja. 9. Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für, Halleluja. Du bist unser Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja. Am Seste der Erscheinung Christi. 10. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen, Halleluja. Und ein Zepter aus Israel aufkommen. Halleluja. 11. Die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, Halleluja. Und die Könige im Glanze, der über dir aufgeht. Halleluja. Versikel. Sür die Weihnachts- und Epiphaniaszeit. 12. Das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, Halleluja. Und wir sahen seine Herrlichkeit. Halleluja. 13. Singet dem Herrn ein neues Lied, Halleluja. Denn er thut Wunder. Halleluja. Am Seste der Darstellung Jesu im Tempel. 14. Bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, Halleluja. Und der Engel des Bundes, des ihr begehret. Halleluja. 15. Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, Halleluja. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Halleluja. 91 Auf Mariä Verkündigung. 16. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, Halleluja. Lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Halleluja. 17. Christus kommt her aus den Vätern nach dem Fleische, Halleluja. Welcher ist Gott über alles, gelobet in Ewigkeit. Halleluja. Für die Sastenzeit. 18. Hilf uns, Herr, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen, Errette uns und vergieb uns unsere Sünde um deines Namens willen. 19. Christus ist um unserer Missethat willen verwundet Und um unserer Sünde willen zerschlagen. 20. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, Und durch seine Wunden sind wir geheilet. 21. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet, Sondern hat ihn für uns alle dahingegeben. 22. Siehe, das ist Gottes Lamm, Welches der Welt Sünde trägt. Auf Gründonnerstag, auch sonst bei Abendmahlsfeiern. 23. Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, Der gnädige und barmherzige Herr. 24. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, Halleluja. Und seine Güte währet ewiglich. Halleluja. Versikel. Am Osterfeste und für die Freudenzeit. 25. Der Herr ist auferstanden, Halleluja. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja. 26. Christus ist um unserer Sünde willen dahingegeben, Halleluja. Und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket. Halleluja. Christus hat dem Tode die Macht genommen, Halleluja. Und Leben und unvergänglich Wesen an das Licht gebracht. Halleluja. 27. 92 28. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, Halleluja. 29. Er wird mich hernach aus der Erde auferwecken. Halleluja. Christus, von den Toten auferweckt, stirbt hinfort nicht mehr, Halleluja. 30. Der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Halleluja. Der Tod ist verschlungen in den Sieg, Halleluja. Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat. 31. Alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, Halleluja. Halleluja. Zur Ehre Gottes des Vaters. Halleluja. Auf Christi Himmelfahrt. 32. Christus ist aufgefahren in die Höhe, Halleluja. Und hat den Menschen Gaben gegeben. Halleluja. 33. Trachtet nach dem, das droben ist, Halleluja. Da Christus ist, sigend zur rechten Hand Gottes. Halleluja. Am Pfingstfeste. 34. Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, Halleluja. Den Geist der Gnaden und des Gebets. Halleluja. 35. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, Halleluja. Und gieb mir einen neuen, gewissen Geist. Halleluja. 36. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes, Halleluja. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Halleluja. 37. Wir haben einen findlichen Geist empfangen, Halleluja. Durch welchen wir rufen: Abba, lieber Bater! Halleluja. 38. Sie ist fest gegründet auf den heiligen Bergen, Halleluja. Der Herr liebet die Thore Zions. Halleluja. Am Seste der heiligen Dreieinigkeit. 39. Wir loben Gott den Vater, Sohn und heiligen Geist, Halleluja. Und preisen ihn von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja. Versikel. 40. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, Halleluja. Alle Lande sind seiner Ehre voll. Halleluja. Am Seste Johannis des Täufers. 41. Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, Halleluja. Der deinen Weg vor dir bereiten soll. Halleluja. Gelobet sei der Herr, der Gott Jsraels, Halleluja. Denn er hat besucht und erlöset sein Volk. Halleluja. 42. Auf Mariä Beimsuchung. 43. Ich freue mich in dem Herrn, Halleluja. Und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Halleluja. 44. Meine Seele erhebet den Herrn, Halleluja. Und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Halleluja. 93 Am Michaelisfeste. 45. Lobet den Herrn, ihr starken Engel, Halleluja. Die ihr seinen Befehl ausrichtet. Halleluja. 46. Er hat seinen Engeln befohlen über dir, Halleluja. Daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Halleluja. Am Reformationsfeste. 47. Halt im Bau deine Gemeinde, die du gepflanzet hast, Halleluja. Die du dir festiglich erwählet hast. Halleluja. 48. Dein Wort ist eine rechte Lehre, Halleluja. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich. Halleluja. An Buß- und Bettagen, auch sonst um Buße und Vergebung der Sünden. 49. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden, Und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. 50. Gott, sei uns gnädig nach deiner Güte, Und tilge unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. 51. Herr Gott Zebaoth, tröste uns, Laß leuchten dein Angesicht, so genesen wir. 52. Verwirf uns nicht von deinem Ängesicht, Und nimm deinen heiligen Geist nicht von uns. 53. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinen Knechten, Vor dir ist kein Lebendiger gerecht. 94 Versikel. 54. Bekehre du uns, Herr, so werden wir bekehret, Hilf du uns, so ist uns geholfen. 55. Barmherzig und gnädig ist der Herr, Halleluja. Geduldig und von großer Güte. Halleluja. Am Tage der Bagelfeier und am Erntedankfeste. 56. Herr, erzeige uns deine Gnade und Güte, Halleluja. Daß unser Land sein Gewächs gebe. Halleluja. 57. Aller Augen warten auf dich, Herr. Halleluja. Und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Halleluja. 58. Das Land giebt sein Gewächs, Halleluja. Halleluja. 59. Du krönest das Jahr mit deinem Gut, Halleluja. Und deine Fußstapfen triefen von Fett. Halleluja. Es segne uns Gott, unser Gott. Wort, Lehre, Gottesdienst. 60. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, Halleluja. Und ein Licht auf meinen Wegen. Halleluja. 61. Herr, erhalte uns dein Wort, Halleluja. Dein Wort ist unsers Herzens Freude und Trost. Halleluja. 62. Heiliger Bater, heilige uns in deiner Wahrheit, Halleluja. Dein Wort ist die Wahrheit. Halleluja. 63. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, Halleluja. Und den Ort, da deine Ehre wohnet. Halleluja. 64. Dienet dem Herrn mit Freuden, Halleluja. Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken. Halleluja. Kirche und Mission. 65. Thu wohl an Zion nach deiner Gnade, Halleluja. Baue die Mauern zu Jerusalem. Halleluja. 66. Hilf, Herr, die Heiligen haben abgenommen, Und der Gläubigen ist wenig unter den Menschenkindern. 67. Gott gedenket der Barmherzigkeit, Halleluja. Und hilft seinem Diener Israel auf. Halleluja. 68. Das Volt, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, Halleluja. Und über die, so da wohnen in Finsternis, scheint es helle. Halleluja. Versikel. 69. Lobet den Herrn, alle Heiden, Halleluja. Preiset ihn, alle Völker. Halleluja. 70. Alle Könige werden ihn anbeten, Halleluja. Alle Heiden werden ihm dienen. Halleluja. 95 Lob und Dank. 71. Der Name des Herrn sei gelobet und gebenedeiet, Halleluja. Von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja. 72. Preiset mit mir den Herrn, Halleluja. Und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Halleluja. 73. Ich will den Herrn loben, so lange ich lebe, Halleluja. Und meinem Gott lobsingen, weil ich hier bin. Halleluja. 74. Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten, Halleluja. Die Frommen sollen ihn schön preisen. Halleluja. 75. Der Herr denket an uns und segnet uns, Halleluja. Er segnet, die ihn fürchten, beide Kleine und Große. Halleluja. Um göttliche Regierung, Bülfe und Segen. 76. Herr, lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen, Halleluja. Dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Halleluja. 77. Herr, laß Christum durch den Glauben in unsern Herzen wohnen, Halleluja. Und uns durch die Liebe fest gewurzelt und gegründet werden. Halleluja. 78. Herr, zeige uns deine Wege, Halleluja. Und lehre uns deine Steige. Halleluja. 79. Bei dem Herrn findet man Hülfe, Halleluja. Halleluja. Und deinen Segen über dein Volk. 80. Hilf deinem Volke und segne dein Erbe, Halleluja. Weide sie und erhöhe sie ewiglich. Halleluja. 81. Gott, gieb Fried in deinem Lande, Halleluja. Glück und Heil zu jedem Stande. Halleluja. 82. Bittet, so werdet ihr nehmen, Halleluja. Daß eure Freude vollkommen sei. Halleluja. In Not und Trübial. 83. Rufe mich an in der Not, So will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. 84. Ich hoffe darauf, daß du so gnädig bist. Halleluja. Mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfst. Halleluja. 96 85. 86. Versikel. Herr, du wollest deine Barmherzigkeit nicht von uns wenden, Laß deine Güte und Treue uns allewege behüten. Das Verlangen der Elenden hörest du, Herr, Halleluja. Ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Halleluja. Tod und Sterben. 87. Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müſsen, Auf daß wir klug werden. 88. Leben wir, so leben wir dem Herrn, Halleluja. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Halleluja. In deine Hände befehle ich meinen Geist, 89. Du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. 90. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, Halleluja. Sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Halleluja. Gericht und ewiges Leben. 91. Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle. 92. Siehe, es kommt der Herr, der Herrscher, Halleluja. Und in seiner Hand ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Halleluja. 93. Vor dir ist Freude die Fülle, Halleluja. Und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Halleluja. THE Lektionar. Episteln und Evangelien, nebst den epistolischen und evangelischen Lektionen auf alle Sonn- und Festtage, sowie die aus den vier Evangelisten zusammengezogene Geschichte von deni Leiden, Sterben und Auferstehen unsers HErrn Jesu Christi und die Beschreibung der Zerstörung Jerusalems. Hannover. Druck und Verlag der Schlüter'schen Buchdruckerei. 1889. Lektionar. 1. Advent. Vormittags. Epistel. Röm. 13, 11-14.( Die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf.) Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf; fintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeikommen; so laffet uns ablegen die Werke der Finsternis, und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den HErrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium. Matth. 21, 1-9.( Gelobt sei, der da kommt im Namen des HErrn.) Da fie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage, an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der HErr bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Efelin. Die Jünger gingen hin, und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte; und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und setten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids; gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn: Hosianna in der Höhe! Epistolische Lektion. Offenb. Joh. 1, 4-8.( Der da ist, und der da war, und der da kommt.) Johannes den sieben Gemeinen in Asia: Gnade sei mit euch, und Friede von dem, der da ist, und der da war, und der da kommt, und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Stuhl, und von Jesu Christo, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborene von den Toten, und ein Fürst der Könige auf Erden; der uns geliebet hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut, und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater; demselben sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe er kommt mit den Wolken; es werden ihn sehen alle Augen, und die ihn gestochen haben; und werden heulen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht der HErr, der da ist, und der da war, und der da kommt, der Allmächtige. 1* 1. Advent. Oder: Psalm 40, 6-18.( 3m Buche ist von mir geschrieben.) HErr, mein Gott, groß sind deine Wunder, und deine Gedanken, die du an uns beweisest. Dir ist nichts gleich. Ich will sie verkündigen, und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. Opfer und Speisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgethan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben. Deinen Willen, mein Gott, thue ich gerne, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Ich will predigen die Gerechtigkeit in der großen Gemeine; fiche, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen, HErr, das weißest du. Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich; ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeine. Du aber, HErr, wollest deine Barmherzigkeit von mir nicht wenden; laß deine Güte und Treue allwege mich behüten. Denn es hat mich umgeben Leiden ohne Zahl; es haben mich meine Sünden ergriffen, daß ich nicht sehen kann; ihrer ist mehr denn Haare auf meinem Haupt, und mein Herz hat mich verlassen. Laß dirs gefallen, HErr, daß du mich errettest; eile, HErr, mir zu helfen. Schämen müssen sich, und zu schanden werden, die mir nach meiner Seele stehen, daß sie die umbringen; zurück müssen sie fallen und zu schanden werden, die mir Übels gönnen. Sie müssen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da! Es müssen sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, müssen sagen allewege: Der HErr sei hochgelobt! Denn ich bin arm und elend, der HErr aber forget für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verzeuch nicht. 4 Evangelische Lektion. Luc. 17, 20-30.( Das Reich Gottes ist inwendig in euch.) Da er aber gefraget ward von den Pharifäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Geberden; man wird auch nicht sagen: Siehe hie, oder da ist es. Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, daß ihr werdet begehren, zu sehen einen Tag des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe hie, siehe da. Gehet nicht hin, folget auch nicht. Denn wie der Blitz oben vom Himmel bliget und leuchtet über alles, das unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an seinem Tage sein. Zuvor aber muß er viel leiden, und verworfen werden von diesem Geschlechte. Und wie es geschah zu den Zeiten Noah, so wirds auch geschehen in den Tagen des Menschensohns. Šie aßen, fie tranten, sie freieten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging, und kam die Sindflut, und brachte sie alle um. Desselbigen gleichen, wie es geschah zu den Zeiten Bot. Sie aßen, sie tranken, sie kauften, fie verkauften, sie pflanzten, sie baueten; an dem Tage aber, da Lot aus Sodoma ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und brachte fie alle um. Auf diese Weise wirds auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn soll offenbart werden. Nachmittags. Bektion aus dem Alten Testamente. 1. Moj. 3, 1-15.( Die Weifsagung nach dem Sündenfall.) Und die Schlange war listiger, denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HErr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gejagt haben: 5 1. Advent. Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten? Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baums mitten im Garten hat Gott gesagt: Effset nicht davon, rühret es auch nicht an, daß ihr nicht sterbet. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mit nichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, daß welches Tages ihr davon effet, so werden eure Augen aufgethan, und werdet sein wie Gott, und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib schauete an, daß von dem Baum gut zu essen wäre, und lieblich anzusehen, daß es ein luftiger Baum wäre, weil er flug machte; und nahm von der Frucht, und aß, und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgethan und wurden gewahr, daß sie nacket waren; und flochten Feigenblätter zusammen und machten ihnen Schürze. Und sie hörten die Stimme Gottes des HErrn, der im Garten ging, da der Tag fühle geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesichte Gottes des HErrn, unter die Bäume im Garten. Und Gott der HErr rief Adam, und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörete deine Stimme im Garten, und fürchtete mich, denn ich bin nacket; darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dirs gesagt, daß du nacket bist? hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellet hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der HErr zum Weibe: Warum hast du das gethan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also, daß ich aß. Da sprach Gott der HErr zu der Schlange: Weil du solches gethan haft, seist du verflucht vor allem Vich, und vor allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde essen dein Lebenlang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe foll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Lektion aus dem Neuen Testamente. Röm. 2, 12-24.( Du kannst dich nicht entschuldigen.) Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden; und welche am Gesetz gesündigt haben, die werden durchs Gesetz verurteilt werden; fintemal vor Gott nicht die das Gesetz hören, gerecht find, sondern die das Gesetz thun, werden gerecht sein. Denn so die Heiden, die das Gesetz nicht haben, und doch von Natur thun des Gesetzes Werk, dieselbigen, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sind sie ihnen selbst ein Geset, damit, daß sie beweisen, des Gesetzes Werk sei beschrieben in ihrem Herzen, sintemal ihr Gewissen sie bezeuget, dazu auch die Gedanken, sich unter einander verklagen oder entschuldigen, auf den Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesum Christ richten wird, laut meines Evangelii. Siehe aber zu, du heißest ein Jude, und verläßest dich aufs Gesetz, und rühmest dich Gottes, und weißest seinen Willen; und weil du aus dem Gesetze unterrichtet bist, prüfest du, was das Beste zu thun sei, und vermissest dich, zu sein ein Beiter der Blinden, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Züchtiger der Thörichten, ein Behrer der Einfältigen, haft die Form, was zu wissen und recht ist im Gesey. Nun lehrest du andere, und lehrest dich selber nicht. Du predigest, man solle nicht stehlen, und du stiehlst. Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe. Dir greuelt vor den Göten, und raubest Gott, was sein ist. Du rühmest dich des Gesetzes, und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes. Denn eurethalben wird Gottes Namen gelästert unter den Heiden, als geschrieben stehet. 2. Advent. 2. Advent. Vormittags. Epistel. Röm. 15, 1-13.( Die Verheißung, den Vätern geschehen.) Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an sich selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben stehet: die Schmache derer, die dich schmähen, sind über mich gefallen. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid unter einander nach Jesu Christo; auf daß ihr einmütiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers HErrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen singen. Und abermal spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes. 6 Evangelium. Luc. 21, 25-36.( Werdet würdig zu stehen vor des Menschen Sohn.) Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dies anfähet zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis. Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume: wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Epistolische Lektion. Offenb. Joh. 2, 1-7.( Ich werde deinen Leuchter wegstoken.) Und dem Engel der Gemeine zu Ephesus schreibe: Das saget, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben güldenen Leuchtern: Ich weiß deine Werke, und deine Arbeit, und deine Geduld, und daß du die Bösen nicht tragen kannst, und hast versucht die, so da sagen, sie seien Apostel, und sinds nicht, und hast sie Lügner erfunden; und verträgest, und hast Geduld, und um meines Namens willen 2. Advent. 7 arbeitest du, und bist nicht müde worden. Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verläsfest. Gedenke, wovon du gefallen bist, und thu Buße, und thu die ersten Werke. Wo aber nicht, werde ich dir kommen bald, und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wo du nicht Buße thust. Aber das hast du, daß du die Werke der Nicolaiten haffest, welche ich auch haffe. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen sagt: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Holz des Lebens, das im Paradies Gottes ist. Oder: Jes. 55, 1-13.( Kaufet ohne Geld und umsonst.) Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser; und die ihr nicht Geld habt, kommt her, faufet und effet; kommt her und kaufet ohne Geld und umsonst beide Wein und Milch. Warum zählet ihr Geld dar, da kein Brot ist, und eure Arbeit, da ihr nicht satt von werden könnet? Höret mir doch zu, und effet das Gute; so wird eure Seele in Wolluft fett werden. Neiget eure Ohren her, und kommt her zu mir; höret, so wird eure Seele leben: denn ich will mit euch einen ewigen Bund machen, nämlich die gewissen Gnaden Davids. Siehe, ich habe ihn den Beuten zum Zeugen gestellet, zum Fürsten und Gebieter den Völkern. Siehe, du wirst Heiden rufen, die du nicht kennest; und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen, um des HErrn willen, deines Gottes, und des Heiligen in Israel, der dich preise. Suchet den HErrn, weil er zu finden ist; rufet ihn an, weil er nahe ist. Der Gottlose lasse von seinem Wege, und der Übelthäter seine Gedanken, und bekehre sich zum HErrn, so wird er sich sein erbarmen; und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. Denn meine Gedanken find nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HErr; sondern, so viel der Himmel höher ist, denn die Erde, so sind auch meine Wege höher, denn eure Wege, und meine Gedanken, denn eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt, und nicht wieder dahin kommt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und wachsend, daß sie giebt Samen zu säen, und Brot zu essen: also soll das Wort, so aus meinem Munde gehet, auch sein. Es soll nicht wieder zu mir leer kommen, sondern thun, das mir gefällt, und soll ihm gelingen, dazu ichs sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Ruhm, und alle Bäume auf dem Felde mit den Händen klappen. Es sollen Tannen für Hecken wachsen, und Myrten für Dornen; und dem HErrn soll ein Name und ewiges Zeichen sein, das nicht ausgerottet werde. Evangelische Sektion. Suc. 13, 18-30.( Wem ist das Reich Gottes gleich?) Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ichs vergleichen? Es ist einem Senfkorn gleich, welches ein Mensch nahm, und warfs in seinen Garten; und es wuchs und ward ein großer Baum, und die Vögel des Himmels wohneten unter seinen 3weigen. Und abermal sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist einem Sauerteige gleich, welchen ein Weib nahm, und verbarg ihn unter drei Scheffel Mehls, bis daß es gar sauer ward. Und er ging durch Städte und Märkte, und lehrete, und nahm seinen Weg gen Jerusalem. Es sprach aber einer zu ihm: HErr, meinest du, das wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen: Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen, und werdens nicht thun können. Von dem an, wenn der Hauswirt aufgestanden ist, und die Thür verschloffen hat, da 8 2. Advent. werdet ihr denn anfahen draußen zu stehen, und an die Thür klopfen, und sagen: HErr, HErr, thu uns auf. Und er wird antworten und zu euch sagen: Ich kenne euer nicht, wo ihr her seid. So werdet ihr denn anfahen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehret. Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euer nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Übelthäter. Da wird sein Heulen und Zähnklappen, wenn ihr sehen werdet Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Und es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von Mitternacht und vom Mittage, die zu Tische fizen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Bette, die werden die Ersten sein; und sind Erfte, die werden die Letzten sein. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1. Mof. 9, 1-19.( Der Bund mit Noah.) Und Gott segnete Noah und seine Söhne, und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde. Eure Furcht und Schrecken sei über alle Tiere auf Erden, über alle Vögel unter dem Himmel, und über alles, was auf dem Erdboden kreucht; und alle Fische im Meer seien in eure Hände gegeben. Alles, was sich reget und lebet, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut hab ichs euch alles gegeben. Alleine effet das Fleisch nicht, das noch lebet in seinem Blut. Denn ich will auch eures Veibes Blut rächen, und wills an den Tieren rächen; und will des Menschen Leben rächen an einem jeglichen Menschen, als der sein Bruder ist. Wer Menschenblut vergeußt, des Blut soll auch durch Menschen vergoffen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht. Seid fruchtbar und mehret euch, und reget euch auf Erden, daß euer viel drauf werden. Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf, und mit eurem Samen nach euch, und mit allem lebendigen Tier bei euch, von allem, das aus dem Kasten gegangen ist, waferlei Tiere es sind auf Erden. Und richte meinen Bund also mit euch auf, daß hinfort nicht mehr alles Fleisch verderbet soll werden mit dem Wasser der Sindflut, und soll hinfort keine Sindflut mehr kommen, die die Erde verderbe. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich gemacht habe zwischen mir und euch, und allem lebendigen Tier bei euch hinfort ewiglich: meinen Bogen hab ich gesetzt in die Wolken, der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, daß ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch, und allem lebendigen Tier in allerlei Fleisch, daß nicht mehr hinfort eine Sindflut tomme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, daß ich ihn ansehe, und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Tier in allem Fleisch, das auf Erden ist. Dasselbe sagte Gott auch zu Noah: Dies sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden. Die Söhne Noah, die aus dem Kasten gingen, sind diese: Sem, Ham, Japheth. Ham aber ist der Vater Canaans. Das sind die drei Söhne Noah, von denen ist alles Land besetzt. Lektion aus dem Neuen Testamente. Röm. 3, 1-18.( Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht Einer.) Was haben denn die Juden Vorteils? oder was nütet die Beschneidung? 3war fast viel. Zum ersten, ihnen ist vertrauet, was Gott geredet hat. Daß aber etliche nicht glauben an dasselbige, was liegt daran? Sollte ihr Unglaube 3. Advent. 9 Gottes Glauben aufheben? Das sei ferne! Es bleibe vielmehr also, daß Gott fei wahrhaftig, und alle Menschen falsch; wie geschrieben steht: Auf daß du gerecht seiest in deinen Worten, und überwindest, wenn du gerichtet wirst. Ifts aber also, daß unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit preiset, was wollen wir sagen? Ist denn Gott auch ungerecht, daß er darüber zürnet?( Ich rede also auf Menschen Weise.) Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? Denn so die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seinem Preis, warum sollte ich denn noch als ein Sünder gerichtet werden? Und nicht vielmehr also thun, wie wir gelästert werden, und wie etliche sprechen, daß wir sagen sollen: Lasset uns Übel thun, auf daß Gutes daraus komme? Welcher Verdammnis ist ganz recht. Was sagen wir denn nun? haben wir einen Vorteil? Gar keinen. Denn wir haben droben beweiset, daß beide, Juden und Griechen, alle unter der Sünde find. Wie denn geschrieben stehet: Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht Einer; da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage; sie sind alle abgewichen, und allesamt untüchtig worden; da ist nicht, der Gutes thue, auch nicht Einer. Ihr Schlund ist ein offen Grab; mit ihren Zungen handeln fie trüglich; Otterngift ist unter ihren Bippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterfeit; ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen. In ihren Wegen ist eitel Unfall und Herzeleid; und den Weg des Friedens wissen sie nicht; es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen. 3. Advent. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 4, 1-7.( Nichtet nicht vor der Zeit.) Dafür halte uns jedermann, nämlich für Chrifti Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ists ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt; aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt; der HErr ists aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der HErr komme, welcher auch wird an das Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Solches aber, lieben Brüder, habe ich auf mich und Apollo gedeutet, um euretwillen, daß ihr an uns lernet, daß niemand höher von sich halte, denn jetzt geschrieben ist; auf daß sich nicht einer wider den andern um jemands willen aufblase. Denn wer hat dich vorgezogen? was hast du aber, das du nicht empfangen hast? So du es aber empfangen haft, was rühmest du dich denn, als der es nicht empfangen hätte? Evangelium. Matth. 11, 2-10.( Bist du's, der da kommen soll?) Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussäßigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste, zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder 10 3. Advent. was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Epistolische Lektion. Offenb. Joh. 3, 1-13.( Halte, was du hast.) Und dem Engel der Gemeine zu Sardes schreibe: Das saget, der die Geister Gottes hat, und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke; denn du haft den Namen, daß du lebest, und bist tot. Sei wacker und stärke das andere, das sterben will; denn ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor Gott. So gedente nun, wie du empfangen und gehöret hast, und halt es, und thu Buße. So du nicht wirst wachen, werde ich über dich kommen, wie ein Dieb, und wirst nicht wissen, welche Stunde ich über dich kommen werde. Du hast auch wenig Namen zu Sardes, die nicht ihre Kleider besudelt haben; und sie werden mit mir wandeln in weißen Kleidern; denn sie sinds wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angelegt werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen fagt. Und dem Engel der Gemeine zu Philadelphia schreibe: Das saget der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der aufthut, und niemand zuschleußet; der zuschleußet, und niemand aufthut: Ich weiß deine Werke. Siehe ich habe vor dir gegeben eine offene Thür, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft, und hast mein Wort behalten, und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde geben aus Satanas Schule, die da sagen, sie sind Juden, und finds nicht, sondern lügen. Siehe, ich will sie machen, daß sie kommen sollen und anbeten zu deinen Füßen, und erkennen, daß ich dich geliebet habe. Dieweil du haft behalten das Wort meiner Geduld, will ich auch dich behalten vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über der ganzen Welt Kreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald. Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme. Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und soll nicht mehr hinausgehen. Und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt, von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen faget. Oder: Haggai 2, 2-10.( Es soll kommen aller Heiden Troft.) Am ein und zwanzigsten Tage des fiebenten Monden geschah des HErrn Wort durch den Propheten Haggai, und sprach: Sage zu Serubabel, deni Sohn Sealthiels, dem Fürsten Juda, und zu Josua, dem Sohn Jozadats, dem Hohenpriester, und zum übrigen Volk, und sprich: Wer ist unter euch überblieben, der dies Haus in seiner vorigen Herrlichkeit gesehen hat? und wie fehet ihrs nun an? Ists nicht also, es dünket euch nichts sein? Und nun, Serubabel, sei getroft, spricht der HErr; sei getroft, Josua, du Sohn Jozadaks, du Hoherpriester; sei getrost alles Volt im Lande, spricht der HErr Zebaoth. Nach dem Wort, da ich mit euch einen Bund machte, da ihr aus Egypten zoget, soll mein Geist unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht. Denn so spricht der HErr 3ebaoth: Es ist noch ein Kleines dahin, daß ich Himmel und Erde, und das Meer und das Trockene bewegen werde. Ja, alle Heiden will ich bewegen. Da soll dann kommen aller Heiden Trost; und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der HErr Zebaoth. Denn mein ist beide Silber und Gold, spricht 3. Advent. 11 der HErr Zebaoth. Es soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer werden, denn des ersten gewesen ist, spricht der HErr Zebaoth; und ich will Friede geben an diesem Ort, spricht der HErr Zebaoth. Evangelische Lektion. Joh. 12, 35-50.( Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habet.) Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, dieweil ihr das Licht habt, daß euch die Finsternisse nicht überfallen. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingehet. Glaubet an das Licht, dieweil ihrs habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid. Solches redete Jesus, und ging weg und verbarg sich vor ihnen. Und ob er wohl solche Zeichen vor ihnen that, glaubten sie doch nicht an ihn; auf daß erfüllet würde der Spruch des Propheten Jesaia, den er sagt: HErr, wer glaubet unserm Predigen? und wem ist der Arm des HErrn offenbaret? Darum konnten sie nicht glauben; denn Jesaias sagt abermal: Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstocket, daß sie mit den lugen cht sehen, noch mit dem Herzen vernehmen und sich bekehren, und ich ihnen hülfe. Solches sagte Jesaias, da er seine Herrlichkeit sahe, und redete von ihm. Doch der Obersten glaubten viel an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, daß sie nicht in den Bann gethan würden. Denn sie hatten lieber die Ehre bei den Menschen, denn die Ehre bei Gott. Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubet, der glaubet nicht an mich, sondern an den, der mich gefandt hat. Und wer mich siehet, der siehet den, der mich gesandt hat. Ich bin kommen in die Welt, ein Licht, auf daß, wer an mich glaubet, nicht in der Finsternis bleibe. Und wer meine Worte höret, und glaubet nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht kommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache. Wer mich verachtet, und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon, der ihn richtet; das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am jüngsten Tage. Denn ich habe nicht von mir selber geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich thun und reden soll. Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, das ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1. Moj. 22, 1-18.( Die Verheißung an Abraham.) Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham, und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hie bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija; und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde. Da stund Übraham des Morgens frühe auf, und gürtete seinen Esel, und nahm mit sich zween Knaben, und seinen Sohn Isaak, und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging an den Ort, davon ihm Gott gesagt hatte. Am dritten Tage hub Abraham seine Augen auf, und sahe die Stätte von ferne; und sprach zu seinen Knaben: Bleibet ihr hie mit dem Esel; ich und der Knabe wollen dorthin gehen; und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer, und legte es auf seinen Sohn Isaak; er aber nahm das Feuer und Messer in seine Hand, und gingen die beide mit einander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Bater! Abraham antwortete: Hie bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird ihm ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beide mit einander. Und als sie kamen an Stätte, die ihm 12 4. Advent. Gott fagte, bauete Abraham daselbst einen Altar, und legte das Holz drauf, und band seinen Sohn Isaat, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz, und recte seine Hand aus, und fassete das Messer, daß er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihm der Engel des HErrn vom Himmel, und sprach: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hie bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben, und thu ihm nichts. Denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest, und hast deines einigen Sohnes nicht verschonet um meinetwillen. Da hub Abraham seine Augen auf, und sah einen Widder hinter ihm in der Hecke mit seinen Hörnern hangen; und ging hin, und nahm den Widder, und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes Statt. Und Abraham hieß die Stätte: Der HErr fiehet. Daher man noch heutiges Tages saget: Auf dem Berge, da der HErr siehet. Und der Engel des HErrn rief Abraham abermal vom Himmel und sprach: Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der HErr, dieweil du solches gethan haft, und hast deines einigen Sohns nicht verschonet, daß ich deinen Samen segnen und mehren will, wie die Sterne am Himmel, und wie den Sand am Ufer des Meers; und dein Same soll besitzen die Thore seiner Feinde! und durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden; darum, daß du meiner Stimme gehorchet haft. Sektion aus dem Neuen Testamente. Röm. 10, 18-11, 6.( 3ch habe meine Hände ausgestreckt zu dem Volke, das sich nicht sagen läßt.) Ich sage aber: Haben sie es nicht gehöret? 3war es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall, und in alle Welt ihre Worte. Ich sage aber: Hat es Israel nicht erkannt? Der erste Moses spricht: Ich will euch eifern machen über dem, das nicht mein Volk ist; und über einem unverständigen Volk will ich euch erzürnen. Jesaias aber darf wohl so sagen: Ich bin erfunden von denen, die mich nicht gesucht haben, und bin erschienen denen, die nicht nach mir gefragt haben. 3u Israel aber spricht er: Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestrecket zu dem Volk, das ihm nicht sagen lässet und widerspricht. So sage ich nun: Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn ich bin auch ein Israeliter, von dem Samen Abrahams, aus dem Geschlecht Benjamin, Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor versehen hat. Oder wisset ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia? wie er tritt vor Gott wider Israel, und spricht: HErr, sie haben deine Propheten getötet, und haben deine Altäre ausgegraben; und ich bin allein überblieben, und sie stehen mir nach meinem Leben. Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? Ich habe mir lassen überbleiben sieben tausend Mann, die nicht haben ihre Kniee gebeuget vor dem Baal. Also gehets auch jetzt zu dieser Zeit mit diesen Überbliebenen nach der Wahl der Gnaden. Ists aber aus Gnaden, so ists nicht aus Verdienst der Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Isis aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts; sonst wäre Verdienst nicht Verdienst. 4. Advent. Vormittags. Epistel. Phil. 4, 4-9.( Der HErr ist nahe.) Freuet euch in dem HErrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch. Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der HErr ist nahe. Sorget nichts; sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott fund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu! Weiter, lieben Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was teusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket 4. Advent. 13 nach. Welches ihr auch gelernet, und empfangen, und gehöret, und gesehen habt an mir, das thut; so wird der HErr des Friedens mit euch sein. Evangelium. Joh. 1, 19-34.( Die Stimme des Predigers in der Wüste) Und dies ist das Zeugnis Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des HErrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufete. Des andern Tages siehet Johannes Jefum zu ihm kommen, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Dieser ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. Und ich kannte ihn nicht; sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich kommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes zeugete und sprach: Ich sahe, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel, und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich fandte zu taufen mit Wasser, derselbige sprach zu mir: Uleber welchen du sehen wirst den Geist herabfahren, und auf ihm bleiben, derselbige ists, der mit dem Heiligen Geist tauset. Und ich sahe es, und zeugete, daß dieser ist Gottes Sohn. Epistolische Sektion. Offenb. Joh. 3, 14-22.( Ich stehe vor der Thür und klopfe an.) Und dem Engel der Gemeine zu Laodicea schreibe: Das saget Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Kreatur Gottes: Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach daß du kalt oder warm wäreft! Weil du aber lau bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich, und habe gar satt, und darf nichts, und weißest nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Ich rathe dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest, und weiße Kleider, daß du dich anthust, und nicht offenbaret werde die Schande deiner Blöße; und salbe deine Augen mit Augensalbe, daß du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig und ihu Buße. Siehe, ich stehe vor der Thür, und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird, und die Thür aufthun, zu dem werde ich eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhl zu sizen; wie ich überwunden habe, und bin gesessen mit meinem Vater auf seinem Stuhl. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinen faget. Oder: Jerem. 23, 1-8.( Man wird ihn nennen, HErr, der unsere Gerechtigkeit ift.) Wehe euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umbringet und zerstreuet! spricht der HErr. Darum spricht der HErr, der Gott Israel, von den Hirten, die mein Volt weiden: Ihr habt meine Herde zerstreuet, und verstoßen, 14 4. Advent. und nicht besucht. Siehe, ich will euch heimsuchen um eures bösen Wesens willen, spricht der HErr. Und ich will die Übrigen meiner Herde sammeln aus allen Ländern, dahin ich sie verstoßen habe; und will sie wieder bringen zu ihren Hürden, daß sie sollen wachsen und viel werden. Und ich will Hirten über sie setzen, die sie weiden sollen, daß sie sich nicht mehr sollen fürchten, noch erschrecken, noch heimgesucht werden, spricht der HErr. Siehe, es kommit die Zeit, spricht der HErr, daß ich dem David ein gerecht Gewächs erwecken will; und soll ein König sein, der wohl regieren wird, und Recht und Gerechtigkeit auf Erden anrichten. 3u desselbigen Zeit soll Juda geholfen werden, und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, daß man ihn nennen wird: HErr, der unsere Gerechtigkeit ist. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HErr, daß man nicht mehr sagen wird: So wahr der HErr lebt, der die Kinder Israel aus Egyptenland geführet hat; sondern: So wahr der HErr lebt, der den Samen des Hauses Israel hat herausgeführet, und gebracht aus dem Lande der Mitternacht, und aus allen Banden, dahin ich sie verstoßen hatte, daß sie in ihrem Lande wohnen sollen. Evangelische Lektion. Matth. 11, 11-19.( Das Himmelreich leidet Gewalt.) Wahrlich, ich sage euch, unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufkommen, der größer sei, denn Johannes, der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer, denn er. Aber von den Tagen Johannis, des Täufers, bis hieher leidet das Himmelreich Gewalt; und die Gewalt thun, die reißen es zu sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweisfaget bis auf Johannem. Und( so ihrs wollt annehmen) er ist Elias, der da soll zukünftig sein. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markt sitzen und rufen gegen ihre Gesellen, und sprechen: Wir haben euch gepfiffen und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklaget und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist kommen, aß nicht und trank nicht; so sagen fie: Er hat den Teufel. Des Menschen Sohn ist kommen, isset und trinket; so sagen sie: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle. Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1. Mos. 49, 8-12.( Jakobs Segen über Juda.) Juda, du bists, dich werden deine Brüder loben. Deine Hand wird deinen Feinden auf dem Halse sein; vor dir werden deines Vaters Kinder sich neigen. Juda ist ein junger Löwe. Du bist hoch kommen, mein Sohn, durch große Siege. Er hat niedergeknieet, und sich gelagert wie ein Löwe, und wie eine Löwin; wer will sich wider ihn auflehnen? Es wird das Zepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Füßen, bis daß der Held komme; und demselben werden die Völker anhangen. Er wird sein Füllen an den Weinstock binden, und seiner Eselin Sohn an den edlen Neben. Er wird sein Kleid in Wein waschen, und seinen Mantel in Weinbeerblut. Seine Augen sind rötlicher, denn Wein, und seine Zähne weißer, denn Milch. Bektion aus dem Neuen Testamente. Röm. 11, 16-32.( Gott hat alles beschlossen unter den Unglauben, auf daß er sich aller erbarme.) Ist der Anbruch heilig, so ist auch der Teig heilig; und so die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. Ob aber nun etliche von den Zweigen zerbrochen sind, und du, da du ein wilder Ölbaum warest, bist unter sie gepfropfet, 1. Weihnacht. 15 und teilhaftig worden der Wurzel und des Safts im Delbaum: so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmest du dich aber wider sie, so sollst du wissen, daß du die Wurzel nicht trägest, sondern die Wurzel träget dich. So sprichst du: Die 3weige sind zerbrochen, daß ich hineingepfropfet würde. Ist wohl geredet. Sie sind zerbrochen um ihres Unglaubens willen; du stehest aber durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott der natürlichen 3weige nicht verschonet, daß er vielleicht dein auch nicht verschone. Darum schau die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, soferne du an der Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden. Und jene, so sie nicht bleiben in dem Unglauben, werden sie eingepfropfet werden; Gott kann sie wohl wieder einpfropfen. Denn so du aus dem Ölbaum, der von Natur wild war, bist ausgehauen, und wider die Natur in den guten Ölbaum gepfropfet; wieviel mehr werden die natürlichen eingepfropfet in ihren eigenen Ölbaum? Ich will euch nicht verhalten, lieben Brüder, dieses Geheimnis, auf daß ihr nicht stolz seid. Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei, und also das ganze Israel selig werde; wie geschrieben stehet: Es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen von Jakob; und dies ist mein Testament mit ihnen, wenn ich ihre Sünden werde wegnehmen. Nach dem Evangelio halte ich sie für Feinde um euretwillen; aber nach der Wahl habe ich sie lieb um der Väter willen. Gottes Gaben und Berufung mögen ihn nicht gereuen. Denn gleicher Weise, wie auch ihr nicht habt geglaubet an Gott, nun aber habt ihr Barmherzigkeit überkommen über ihrem Unglauben; also auch jene haben jetzt nicht wollen glauben an die Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, auf daß sie auch BarmHerzigkeit überkommen. Denn Gott hat alles beschlossen unter den Unglauben, auf daß er sich aller erbarme. 1. Weihnacht. Vormittags. Epistel. Tit. 2, 11-14.( Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes.) Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium. Luc. 2, 1-20.( Euch ist heute der Heiland geboren.) Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzet würde. Und diese Schatzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Bandpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem; darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war; auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Herde. Und 16 1. Weihnacht. fiehe, des HErrn Engel trai zu ihnen, und die Klarheit des HErrn leuchtete um fie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verfündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HErr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten unter einander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem, und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HErr fund gethan hat. Und sie tamen eilend, und fanden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegete sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehreten wieder um, preiseten und lobten Gott um alles, das sie gehöret und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Epistolische Sektion. 1. Joh. 4, 1-6.( Die Liebe, die Gott zu uns hat.) Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geifter, ob sie von Gott sind; denn es sind viel falscher Propheten ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeglicher Geist, der da bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch kommen, der ist von Gott; und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch kommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehöret, daß er kommen werde, und ist jetzt schon in der Welt. Kindlein, ihr seid von Gott, und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer, denn der in der Welt ist. Sie sind von der Welt; darum reden sie von der Welt, und die Welt höret fie. Wir find von Gott, und wer Gott erkennet, der höret uns; welcher nicht von Gott ist, der höret uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Oder: Micha 4, 1-8.( Der HErr wird König über sie sein.) In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des HErrn Haus stehet, gewiß sein höher denn alle Berge, und über die Hügel erhaben sein. Und die Völker werden herzu laufen, und viel Heiden werden gehen und sagen: Kommt, laßt uns hinauf zum Berge des HErrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege, und wir auf seiner Straße wandeln; denn aus Zion wird das Gesetz ausgehen, und des HErrn Wort aus Jerusalem. Er wird unter großen Völkern richten, und viel Heiden strafen, in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen, und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben, und werden nicht mehr kriegen lernen. Ein jeglicher wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen ohne Scheu; denn der Mund des HErrn Zebaoth hats geredet. Denn ein jeglich Volk wird wandeln im Namen seines Gottes; aber wir werden wandeln im Namen des HErrn, unsers Gottes, immer und ewiglich. Zur selbigen Zeit, spricht der HErr, will ich die Zahme versammeln und die Verstoßene zu Hause bringen, und die ich geplaget habe. Und will die Lahme machen, daß sie Erben haben soll, und die Verstoßene zum großen Volk machen; und der HErr wird König über sie sein auf dem Berge Zion, 2. Weihnacht. 17 von nun an bis in Ewigkeit. Und du Turm Eder, eine Feste der Tochter 3ion, es wird deine güldene Rose kommen, die vorige Herrschaft, das Königreich der Tochter Jerusalem. Evangelische Lektion. Matth. 1, 18-25.( Er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.) Die Geburt Christi war aber also gethan. Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heimholete, erfand sich, daß sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Joseph aber, ihr Mann, war fromm, und wollte sie nicht rügen, gedachte aber sie heimlich zu verlassen. Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des HErrn im Traum und sprach: Joseph, du Son David, fürchte dich nicht, Mariam, dein Gemahl, zu dir zu nehmen; denn das in ihr geboren ist, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde, das der HErr durch den Propheten gejagt hat, der da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist verdolmetschet, Gott mit uns. Da nun Joseph vom Schlaf erwachte, that er, wie ihm des HErrn Engel befohlen hatte, und nahm sein Gemahl zu sich. Und erkannte sie nicht, bis sie ihren ersten Sohn gebar, und hieß seinen Namen Jesus. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Micha 5, 1-4.( Er soll aus Bethlehem tommen.) Und du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Indes läßt er fie plagen bis auf die Zeit, daß die, so gebären soll, geboren habe; da werden dann die übrigen seiner Brüder wiederkommen zu den Kindern Israel. Er aber wird auftreten und weiden in Kraft des HErrn, und im Siege des Namens seines Gottes. Und sie werden wohnen; denn er wird zur selbigen Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Dazu werden wir auch Frieden haben vor dem Assur, der jetzt in unser Land gefallen ist, und unsere Häuser zertreten hat. Denn es werden sieben Hirten und acht Fürsten über ihn erwecket werden. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Tim. 3, 14-16.( Kündlich groß ist das gottfelige Geheimnis.) Solches schreibe ich dir, und hoffe, aufs schierste zu dir zu kommen. So ich aber verzöge, daß du wissest, wie du wandeln sollst in dem Hause Gottes, welches ist die Gemeine des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit. Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbaret im Fleisch, gerechtfertiget im Geist, erschienen den Engeln, geprediget den Heiden, geglaubet von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. 2. Weihnacht. Vormittags. Epistel. Hebr. 1, 1-14.( Gott hat am letzten geredet durch den Sohn.) Nachdem vor Zeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, 2 18 2. Weihnacht. durch welchen er auch die Welt gemacht hat; welcher, sintemal er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens, und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort, und hat gemacht die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst, hat er sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe, so viel besser worden, denn die Engel, so gar viel einen höhern Namen er vor ihnen ererbet hat. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget? lind abermal: Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein. Und abermal, da er einführet den Erstgebornen in die Welt, spricht er: Und es sollen ihn alle Gottes Engel anbeten. Von den Engeln spricht er zwar: Er macht seine Engel Geister, und seine Diener Feuerflammen; aber von dem Sohn: Gott, dein Stuhl währet von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Zepter deines Reichs ist ein richtiges Zepter: du haft geliebet die Gerechtigkeit und gehasset die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gefalbet dein Gott, mit dem Öle der Freuden über deine Genossen. Und: Du, HErr, hast von Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk; dieselbigen werden vergehen; du aber wirst bleiben; und sie werden alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie wandeln, und sie werden sich verwandeln; du aber bist derselbige, und deine Jahre werden nicht aufhören. Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt: Sete dich zu meiner Rechten, bis ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße? Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst, um der willen, die ererben sollen die Seligkeit? Evangelium. Joh. 1, 1-18.( Das Wort ward Fleisch.) Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternisse habens nicht begriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Derselbige kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugete, auf daß sie alle durch ihn glaubeten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht, und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben. Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch, und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeuget von ihm, rufet und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mosen gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum worden. Niemand hat Gott je geſehen. Der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündiget. Epistolische Lektion. Röm. 8, 28-39.( Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken.) Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen find. Denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde 2. Weihnacht. 19 seines Sohnes, auf daß derselbige der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir denn hiezu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben: wie sollt er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja viel mehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet für Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit, um des willen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm HErrn. Oder: Jef. 49, 1-13.( Das Heil bis an der Welt Ende.) Höret mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf. Der HErr hat mir gerufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, da ich noch in Mutterleibe war; und meinen Mund gemacht wie ein scharf Schwert, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum reinen Pfeil gemacht, und mich in seinen Köcher gesteckt; und spricht zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch welchen ich will gepreiſet werden. Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich, und brächte meine Kraft umsonst und unnützlich zu; wiewohl meine Sache des HErrn, und mein Amt meines Gottes ist. Und nun spricht der HErr, der mich von Mutterleibe an zu seinem Knechte bereitet hat, daß ich soll Jakob zu ihm bekehren, auf daß Israel nicht weggeraffet werde; darum bin ich vor dem HErrn herrlich, und mein Gott ist meine Stärke, und spricht: Es ist ein Geringes, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten, und das Verwahrlosete in Israel wieder zu bringen; sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß du seiest mein Heil bis an der Welt Ende. So spricht der HErr, der Erlöser Israel, sein Heiliger, zu der verachteten Seele, zu dem Volk, des man Greuel hat, zu dem Knechte, der unter den Tyrannen ist: Könige sollen sehen und aufstehen, und Fürsten sollen anbeten um des HErrn willen, der treu ist, um des Heiligen in Israel willen, der dich erwählet hat. So spricht der HErr: Ich habe dich erhöret zur gnädigen Zeit, und habe dir am Tage des Heils geholfen; und habe dich behütet und zum Bund unter das Volk gestellet, daß du das Land aufrichtest, und die verstörten Erbe einnehmest; zu sagen den Gefangenen: Gehet heraus; und zu denen in Finsternis: Kommt hervor; daß sie am Wege sich weiden, und auf allen Hügeln ihre Weide haben. Sie werden weder hungern noch dürsten, fie wird keine Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen, und wird sie an die Wasserquellen leiten. Ich will alle meine Berge zum Wege machen, und meine Pfade sollen gebahnet sein. Siehe, diese werden von ferne kommen, und siehe, jene von Mitternacht, und diese vom Meer, und diese vom Lande Sinim. Jauchzet, ihr Himmel, freue dich, Erde, lobet, ihr Berge, mit Jauchzen; denn der HErr hat sein Volk getröstet, und erbarmet sich seiner Elenden. 2* 2. Weihnacht. Evangelische Lektion. Joh. 6, 32-39.( Das Brot vom Himmel.) Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, Moses hat euch nicht Brot vom Himmel gegeben; sondern mein Vater giebt euch das rechte Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt, und giebt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: HErr, gieb uns allewege solch Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürften. Aber ich habe euch gesagt, daß ihr mich gesehen habt, und glaubet doch nicht. Alles, was mir mein Vater giebt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel kommen, nicht, daß ich meinen Willen thue, sondern des, der mich gesandt hat. Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, das er mir gegeben hat, sondern, daß ichs auferwecke am jüngsten Tage. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 2. Sam. 7, 1-13.( Der Tempelbau durch Davids Sohn.) 20 Da nun der König in seinem Hause saß, und der HErr ihm Ruhe gegeben hatte von allen seinen Feinden umher; sprach er zu dem Propheten Nathan: Siehe, ich wohne in einem Cedern- Hause, und die Lade Gottes wohnet unter den Teppichen. Nathan sprach zu dem Könige: Gehe hin, alles, was du in deinem Herzen hast, das thue; denn der HErr ist mit dir. Des Nachts aber kam das Wort des HErrn zu Nathan, und sprach: Gehe hin, und sage zu meinem Knechte David: So spricht der HErr: Solltest du mir ein Haus bauen, daß ich darinnen wohnete? Hab ich doch in keinem Hause gewohnet, seit dem Tage, da ich die Kinder Israel aus Ägypten führete, bis auf diesen Tag; sondern ich habe gewandelt in der Hütte und Wohnung. Wo ich mit allen Kindern Israel hinwandelte, hab ich auch je geredet mit irgend der Stämme Israel einem, denen ich befohlen habe, mein Volk Israel zu weiden, und gesagt: Warum bauet ihr mir nicht ein CedernHaus? So sollst du nun sagen zu meinem Knechte David: So spricht der HErr Zebaoth: Ich habe dich genommen von den Schafhürden, daß du sein solltest ein Fürst über mein Volk Israel; und bin mit dir gewesen, wo du hingegangen bist, und habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet, und habe dir einen großen Namen gemacht, wie der Name der Großen auf Erden. Und ich will meinem Volk Israel einen Ort setzen, und will es pflanzen, daß es daselbst wohne, und es nicht mehr in der Irre gehe, und es die Kinder der Bosheit nicht mehr drängen, wie vorhin, und seit der Zeit ich Richter über mein Volk Israel verordnet habe; und will dir Ruhe geben von allen deinen Feinden. Und der HErr verkündigt dir, daß der HErr dir ein Haus machen will. Wenn nun deine Zeit hin ist, daß du mit deinen Vätern schlafen liegeft, will ich deinen Samen nach dir erwecken, der von deinem Leibe kommen soll, dem will ich sein Reich bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines Königreichs bestätigen ewiglich. Lektion aus dem Neuen Testamente. Hebr. 2, 3-18.( Er mußte allerdinge seinen Brüdern gleich werden.) Wie wollen wir entfliehen, so wir eine solche Seligkeit nicht achten? welche, nachdem sie erstlich gepredigt ist durch den HErrn, ist sie auf uns kommen durch die, so es gehöret haben; und Gott hat ihr Zeugnis gegeben Sonntag nach Weihnacht. 21 mit Zeichen, Wundern und mancherlei Kräften, und mit Austeilung des Heiligen Geistes nach seinem Willen. Denn er hat nicht den Engeln untergethan die zukünftige Welt, davon wir reden. Es bezeugt aber einer an einem Ort und spricht: Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Sohn, daß du ihn heimsuchest? Du hast ihn eine kleine Zeit der Engel mangeln lassen; mit Preis und Ehren hast du ihn gekrönet, und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du unterthan zu seinen Füßen. In dem, daß er ihm hat alles unterthan, hat er nichts gelassen, das ihm nicht unterthan sei; jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles unterthan sei. Den aber, der eine kleine Zeit der Engel gemangelt hat, sehen wir, daß es Jesus ist, durch Leiden des Todes gekrönet mit Preis und Ehren, auf daß er von Gottes Gnaden für alle den Tod schmeckete. Denn es ziemete dem, um des willen alle Dinge sind und durch den alle Dinge find, der da viel Kinder hat zur Herrlichkeit geführet, daß er den Herzog ihrer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Sintemal fie alle von einem kommen, beide der da heiliget und die da geheiliget werden. Darum schämet er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, und spricht: Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeine dir Lob fingen. Und abermal: Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen. Und abermal: Siehe da, ich und die Kinder, welche mir Gott gegeben hat. Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist ers gleichermaßen teilhaftig worden, auf daß er durch den Tod die Macht nehme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel, und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten. Denn er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Samen Abrahams nimmt er an sich. Daher mußte er aller Dinge seinen Brüdern gleich werden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu versöhnen die Sünde des Volks. Denn darinnen er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden. Sonntag nach Weihnacht. Vormittags. Epistel. Apgsch. 6, 8-15 und 7, 54-59.( Und fsteinigten Stephanum.) Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da stunden etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner, und der Cyrener, und der Aleranderer, und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht wider zu stehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk und die ältesten und die Schriftgelehrten, und traten herzu, und rissen ihn hin, und führeten ihn vor den Rat; und stelleten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf, zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gesetz. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im Rat saßen, und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht. Da sie solches höreten, gings ihnen durchs Herz und bissen die Zähne zusammen über ihn. Als er aber voll Heiligen Geistes war, sahe er auf gen Himmel, und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siche, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmütiglich 22 Sonntag nach Weihnacht. zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus, und steinigten ihn. Und die Beugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus. Und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: HErr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder, und schrie laut: HErr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium. Matth. 23, 34-39.( 3hr habt nicht gewollt.) Darum fiehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und derselbigen werdet ihr etliche töten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern; auf daß über euch komme alle das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels bis aufs Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir gefandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden, denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn! Epistolische Lektion. Judä 17-25.( Erbauet euch auf euern allerheiligsten Glauben.) Ihr aber, meine Lieben, erinnert euch der Worte, die zuvor gesagt find von den Aposteln unsers HErrn Jesu Christi; da sie euch sagten, daß zu der legten Zeit werden Spötter sein, die nach ihren eigenen Lüften des gottlosen Wesens wandeln. Diese sind, die da Rotten machen, Fleischliche, die keinen Geist haben. Ihr aber, meine Lieben, erbauet euch auf euern allerheiligsten Glauben, durch den Heiligen Geist, und betet, und behaltet euch in der Liebe Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unsers HErrn Jesu Christi zum ewigen Leben. Und haltet diesen Unterschied, daß ihr euch etlicher erbarmet, etliche aber mit Furcht selig machet, und rücket sie aus dem Feuer; und haffet den befleckten Rock des Fleisches. Dent aber, der euch kann behüten ohne Fehl, und stellen vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich mit Freuden, dem Gott, der allein weise ist, unserm Heilande, sei Ehre und Majestät, und Gewalt, und macht, nun und zu aller Ewigkeit! Amen. Evangelische Lektion. Joh. 8, 12-19.( 3ch bin das Licht der Welt.) Da redete Jejus abermal zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du zeugest von dir selbst; dein 3eugnis ist nicht wahr. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: So ich von mir selbst zeugen würde, so ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, von wannen ich kommen bin, und wo ich hingehe; ihr aber wisset nicht, von wannen ich komme, und wo ich hingehe. Ihr richtet nach dem Fleisch; ich richte niemand. So ich aber richte, so ist mein Ges richt recht; denn ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. Auch stehet in eurem Gesetze geschrieben, daß zweier Menschen Beugnis wahr sei. Ich bins, der ich von mir selbst zeuge; und der Vater, der mich gesandt hat, zeuget auch von mir. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennet weder mich, noch meinen Vater; wenn ihr mich tennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater. Sonntag nach Weihnacht. Nachmittags. 23 Lektion aus dem Alten Testamente. Jes. 12.( Der HErr ist meine Stärke und mein Heil.) Zu derselbigen Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HErr, daß du zornig bist gewesen über mich, und dein Zorn sich gewendet hat, und tröstest mich. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher, und fürchte mich nicht; denn Gott der HErr ist meine Stärke, und mein Psalm, und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen. Und werdet sagen zur selbigen Zeit: Danket dem HErrn, predigt seinen Namen, macht fund unter den Völkern sein Thun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist. Lobsinget dem HErrn, denn er hat sich herrlich beweiset; solches sei tund in allen Landen. Jauchze und rühme, du Einwohnerin zu Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 1, 3-20.( Alle Gottes Verheißungen sind in ihm Ja und Amen.) Gelobet sei Gott und der Vater unsers HErrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit, und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübjal, daß wir auch trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, damit wir getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Wir haben aber Trübsal oder Troft, so geschieht es euch zu gut. Ifts Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil; welches Heil beweiset sich, so ihr leidet mit Geduld, dermaßen, wie wir leiden. Jsts Trost, so geschieht es euch auch zu Trost und Heil. Und stehet unsere Hoffnung fest für euch, dieweil wir wissen, daß, wie ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des Trostes teilhaftig sein. Denn wir wollen euch nicht verhalten, lieben Brüder, unsere Trübsal, die uns in Asien widerfahren ist, da wir über die Maße beschweret waren, und über Macht, also, daß wir uns auch des Lebens erwegten, und bei uns beschlossen hatten, wir müßten sterben. Das geschah aber darum, daß wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst stellen, sondern auf Gott, der die Toten auferwecket, welcher uns von solchem Tode erlöset hat, und noch täglich erlöset; und hoffen auf ihn, er werde uns auch hinfort erlösen, durch Hülfe eurer Fürbitte für uns; auf daß über uns für die Gabe, die uns gegeben ist, durch viel Personen viel Danks geschehe. Denn unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugnis unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. Denn wir schreiben euch nichts anders, denn das ihr leset und auch befindet. Ich hoffe aber, ihr werdet uns auch bis ans Ende also befinden, gleichwie ihr uns zum Teil befunden habt. Denn wir sind euer Ruhm, gleichwie auch ihr unser Ruhm seid auf des HErrn Jesu Tag. Und auf solch Vertrauen gedachte ich jenes Mal zu euch zu kommen, auf daß ihr abermal eine Wohlthat empfinget, und ich durch euch in Macedonien reisete, und wiederum aus Macedonien zu euch käme, und von euch geleitet würde in Judäam. Hab ich aber einer Leichtfertigkeit gebrauchet, da ich solches gedachte? oder sind meine Anschläge fleischlich? Nicht also, sondern bei mir ist Ja Ja, und Nein ist Nein. Aber, o ein treuer Gott, daß unser Wort an euch nicht Ja und Nein gewesen ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns geprediget ist, durch mich und Silvanum und Timotheum, der war nicht Ja und Nein, sondern es war 24 Neujahr. Ja in ihm. Denn alle Gottes Verheißungen sind Ja in ihm, und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns. Neujahr. Vormittags. Epistel. Gal. 3, 23-4, 7.( 3hr seid allzumal Einer in Christo.) Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahret und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbaret werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu, denn wie viel eurer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hie ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Samen, und nach der Verheißung Erben. Ich sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern, bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Geset gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlöjete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gefandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium. Luc. 2, 21.( Da ward sein Name genaunt Jesus.) Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Epistolische Lektion. Psalm 33.( Singet dem HErrn ein neues Lied.) Freuet euch des HErrn, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn schön preisen. Danket dem HErrn mit Harfen und lobsinget ihm auf dem Psalter von zehn Saiten. Singet ihm ein neues Bied, macht es gut auf Saitenspiel mit Schalle. Denn des HErrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. Er liebet Gerechtigkeit und Gericht. Die Erde ist voll der Güte des HErrn. Der Himmel ist durchs Wort des HErrn gemacht, und all sein Heer durch den Geist seines Mundes. Er hält das Wasser im Meere zusammen, wie in einem Schlauch, und legt die Tiefe ins Verborgene. Alle Welt fürchte den HErrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn so er spricht, so geschiehts, so er gebeut, so stehts da. Der HErr macht zu nichte der Heiden Rat und wendet die Gedanken der Völker. Aber der Rat des HErrn bleibet ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für. Wohl dem Volk, des der HErr ein Gott ist; das Volk, das er zum Erbe erwählet hat. Der HErr schauet vom Himmel, und siehet aller Menschen Kinder. Von seinem festen Thron siehet er auf alle, die auf Erden wohnen. Er lentet ihnen allen das Herz, er merket auf alle ihre Werke. Einem Könige hilft nicht seine große Macht, ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft. Rosse helfen auch nicht, und ihre große Stärke errettet nicht. Siehe, des HErrn Auge siehet auf die, so ihn fürchten, Epiphanias. 25 die auf seine Güte hoffen, daß er ihre Seele errette vom Tode und ernähre fie in der Teurung. Unsere Seele harret auf den HErrn, er ist unsere Hülfe und Schild. Denn unser Herz freuet sich sein, und wir trauen auf seinen heiligen Namen. Deine Güte, HErr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. Evangelische Lektion. Luc. 4, 16-21.( Das angenehme Jahr des HErrn.) Und er kam gen Nazareth, da er erzogen war, und ging in die Schule nach seiner Gewohnheit am Sabbathtage, und stund auf und wollte lesen. Da ward ihm das Buch des Propheten Jesaias gereicht. Und da er das Buch herumwarf, fand er den Ort, da geschrieben stehet: Der Geist des HErrn ist bei mir, derhalben er mich gesalbet hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, und zu predigen das angenehme Jahr des HErrn. Und als er das Buch zuthat, gab ers dem Diener und setzte sich. Und aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn. Und er fing an zu sagen zu ihnen: Heute ist diese Schrift erfüllet vor euren Ohren. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 67.( Es wolle Gott uns gnädig sein.) Gott sei uns gnädig, und segne uns; er lasse uns sein Antlik leuchten. Sela. Daß wir auf Erden erkennen seinen Weg, unter allen Heiden sein Heil. Es danken dir, Gott, die Völker; es danken dir alle Völker. Die Völker freuen sich und jauchzen, daß du die Leute recht richtest, und regiereft die Leute auf Erden. Sela. Es danken dir, Gott, die Völker; es danken dir alle Völker. Das Land giebt sein Gewächs. Es segne uns Gott, unſer Gott. Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Sektion aus dem Neuen Testamente. 1. Tim. 6, 13-19.( Die Hoffnung auf den lebendigen Gott.) Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christo Jesu, der unter Pontio Pilato bezeuget hat ein gut Bekenntnis, daß du haltest das Gebot ohne Flecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unsers HErrn Jesu Christi, welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige, und HErr aller Herren; der allein Unsterblichkeit hat; der da wohnet in einem Lichte, da niemand zukommen kann; welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann; dem sei Ehre und ewiges Reich! Amen. Den Reichen von dieser Welt gebeut, daß sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott, der uns dargiebt reichlich allerlei zu genießen; daß sie Gutes thun, reich werden an guten Werken, gerne geben, behülflich seien, Schätze sammeln, ihnen selbst einen guten Grund aufs 3ufünftige, daß sie ergreifen das ewige Leben. Epiphanias. Vormittags. Epistel. Tit. 3, 3-8.( Die Freundlichkeit Gottes, unfers Heilandes.) Denn wir waren auch weiland unweise, ungehorsam, irrig, dienend den Büsten und mancherlei Wollüsten, und wandelten in Bosheit und Neid, und haffeten uns unter einander. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leut 26 Epiphanias. feligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christ, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist je gewißlich war. Solches will ich, daß du fest lehrest, auf daß die, so an Gott gläubig sind worden, in einem Stand guter Werke funden werden. Solches ist gut und nütze den Menschen. Oder: Jes. 60, 1-6.( Dein Licht kommt.) Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HErrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der HErr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanze, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher: Diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seite erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des HErrn Lob verkündigen. Evangelium. Matth. 2, 1-12.( Die Weisen vom Morgenlande.) Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein HErr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernete mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre; und weisete sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihrs findet, so saget mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an und thaten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Band. Epistolische Lektion. Ephef. 2, 1-12( 3hr waret ohne Gott in der Welt.) Und auch euch, da ihr tot waret durch Übertretungen und Sünden, in welchen ihr weiland gewandelt habt nach dem Lauf dieser Welt, und nach Epiphanias. 27 dem Fürsten, der in der Luft herrschet, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens; unter welchen wir auch alle weiland unsern Wandel gehabt haben in den Lüsten unsers Fleisches, und thaten den Willen des Fleisches und der Vernunft, und waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die andern. Aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebet hat, da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht( denn aus Gnade seid ihr selig worden), und hat uns samt ihm auferwecket und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzet in Christo Jesu. Denn aus Gnade seid ihr selig worden durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollen. Darum gedenket daran, daß ihr, die ihr weiland nach dem Fleische Heiden gewesen seid, und die Vorhaut genannt wurdet von denen, die genannt sind die Beschneidung nach dem Fleisch, die mit der Hand geschieht, daß ihr zu derselbigen Zeit waret ohne Christum, fremde und außer der Bürgerschaft Israel, und fremde von den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung hattet, und waret ohne Gott in der Welt. Oder: Jef. 42, 1-12.( Er wird das Recht unter die Heiden bringen.) Siehe, das ist mein Knecht, ich erhalte ihn; und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben, er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gaffen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftiglich halten lehren. Er wird nicht mürrisch noch greulich sein, auf daß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Gesetz warten. So spricht Gott, der HErr, der die Himmel schaffet und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächse, der dem Volk, so drauf ist, den Odem giebt, und den Geist denen, die drauf gehen: Ich, der HErr, habe dir gerufen mit Gerechtigkeit, und habe dich bei deiner Hand gefasset, und habe dich behütet, und habe dich zum Bund unter das Volt gegeben, zum Licht der Heiden; daß du sollst öffnen die Augen der Blinden, und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen, und die da sitzen in Finsternis, aus dem Kerker. Ich, der HErr, das ist mein Name; und will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen. Siehe, was kommen soll, verkündige ich zuvor, und verkündige Neues; ehe denn es aufgehet, lasse ich euch hören. Singet dem HErrn ein neues Lied, sein Ruhm ist an der Welt Ende; die im Meer fahren, und was drinnen ist, die Inseln, und die drinnen wohnen. Rufet laut, ihr Wüsten, und die Städte drinnen, samt den Dörfern, da Kedar wohnet. Es jauchzen, die in Felsen wohnen, und rufen von den Höhen der Berge. Lasset sie dem HErrn die Ehre geben, und seinen Ruhm in den Inseln verkündigen. Evangelische Lektion. Matth. 3, 13-17.( Die Stimme vom Himmel.) Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johanne, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrete ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommest zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß jetzt also sein; also gebühret es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ ers ihm zu. Und da Jesus getauſt 28 Epiphanias. war, stieg er bald herauf aus dem Wasser; und siehe, da that sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist Gottes, gleich als eine Taube, herab fahren und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe Nachmittags. Sektion aus dem Alten Testamente. 1. Könige 19, 1-18.( Elias auf Horeb.) Und Ahab sagte Jsebel an alles, was Elia gethan hatte, und wie er hätte alle Propheten Baals mit dem Schwert erwürget. Da sandte Jsebel einen Boten zu Elia, und ließ ihm sagen: Die Götter thun mir dies und das, wo ich nicht morgen um diese Zeit deiner Seele thue, wie dieser Seelen einer. Da er das sahe, machte er sich auf und ging, wo er hin wollte und kam gen Berseba in Juda, und ließ seinen Knaben daselbst. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagreise, und kam hinein, und setzte sich unter eine Wachholder, und bat, daß seine Seele stürbe, und sprach: Es ist genug, jo nimm nun, HErr, meine Seele; ich bin nicht besser, denn meine Väter. Und legte sich, und schlief unter der Wachholder. Und siehe, der Engel rührete ihn, und sprach zu ihm: Stehe auf, und iß. Und er sahe sich um, und siche, zu seinen Häupten lag ein geröstet Brot und eine Kanne mit Wasser. Und da er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HErrn kam zum andernmal wieder, und rührete ihn, und sprach: Stehe auf, und iß; denn du hast einen großen Weg vor dir. Und er stund auf, und aß, und trank, und ging durch Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte, bis an den Berg Gottes Horeb; und kam daselbst in eine Höhle, und blieb daselbst über Nacht. Und siehe, das Wort des HErrn kam zu ihm, und sprach zu ihm: Was machst du hie, Elia? Er sprach: Ich habe geeifert um den HErrn, den Gott Zebaoth; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, und deine Altäre zerbrochen, und deine Propheten mit dem Schwert erwürget; und ich bin allein überblieben, und fie stehen darnach, daß sie mir mein Leben nehmen. Er sprach: Gehe heraus, und tritt auf den Berg vor den HErrn. Und siehe, der HErr ging vorüber, und ein großer starker Wind, der die Berge zerriß, und die Felsen zerbrach, vor dem HErrn her; der HErr aber war nicht im Winde. Nach dem Winde aber kam ein Erdbeben; aber der HErr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HErr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein still sanftes Sausen. Da das Elia hörete, verhüllete er sein Antlig mit seinem Mantel, und ging heraus, und trat in die Thür der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm, und sprach: Was hast du hie zu thun, Elia? Er sprach: Ich habe um den HErrn, den Gott Zebaoth, geeifert; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert erwürget; und ich bin allein überblieben, und sie stehen darnach, daß sie mir das Leben nehmen. Aber der HErr sprach zu ihm: Gehe wiederum deines Weges durch die Wüste gen Damaskus; und gehe hinein, und salbe Hafael zum Könige über Syrien, und Jehu, den Sohn Nimsi, zum Könige über Israel, und Elisa, den Sohn Saphats, von Übel Mehola, zum Propheten an deine Statt. Und soll geschehen, daß, wer dem Schwert Hajaels entrinnet, den soll Jehu töten, und wer dem Schwert Jehu entrinnet, den soll Elisa töten. Und ich will lassen überbleiben sieben tausend in Israel, nämlich alle Kniee, die sich nicht ge= beuget haben vor Baal, und allen Mund, der ihn nicht geküsset hat. 1. Sonntag nach Epiphanias. 29 Lektion aus dem Neuen Testamente. Col. 1, 19-29.( Das von der Welt her verborgene Geheimnis gepredigt unter aller Kreatur.) Denn es ist das Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen follte, und alles durch ihn versöhnet würde zu ihm selbst, es sei auf Erden oder im Himmel, damit, daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz durch sich selbst. Und euch, die ihr weiland Fremde und Feinde wavet durch die Vernunft in bösen Werken; nun aber hat er euch versöhnet mit dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, auf daß er euch darstellete heilig und unsträflich und ohne Tadel vor ihm selbst; so ihr anders bleibet im Glauben gegründet und feste, und unbeweglich von der Hoffnung des Evangelii, welches ihr gehöret habt, welches gepredigt ist unter aller Kreatur, die unter dem Himmel ist, welches ich, Paulus, Diener worden bin. Nun freue ich mich in meinem Leiden, das ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was noch mangelt an Trübsalen in Christo für seinen Leib, welcher ist die Gemeine; welcher ich ein Diener worden bin, nach dem göttlichen Predigtamt, das mir gegeben ist unter euch, daß ich das Wort Gottes reichlich predigen soll; nämlich das Geheimnis, das verborgen gewesen ist von der Welt her, und von den Zeiten her, nun aber offenbaret ist seinen Heiligen; welchen Gott gewollt hat fund thun, welcher da sei der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden, welches ist Christus in euch, der da ist die Hoffnung der Herrlichkeit; den wir verkündigen, und vermahnen alle Menschen, und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, auf daß wir darstellen einen jeglichen Menschen vollkommen in Christo Jesu; daran ich auch arbeite und ringe nach der Wirkung des, der in mir kräftiglich wirket. 1. Sonntag nach Epiphanias. Vormittags. Epistel. Röm. 12, 1-6.( Das Opfer, das da lebendig ist.) Ich ermahne cuch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dağ ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn fichs gebührt zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher, nachdem Gott ausgeteilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicher Weiſe, als wir in Einem Leibe viel Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäft haben; also sind wir viele Ein Leib in Christo; aber unter einander ist einer des andern Glied, und haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium. Luc. 2, 41-52.( 3Ich muß sein in dem, das meines Vaters ist.) Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meineten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise, und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sizen mitten 30 1. Sonntag nach Epiphanias. unter den Behrern, daß er ihnen zuhörete und sie fragete. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsatten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? wiffet ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstunden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Epistolische Bektion. 1. Cor. 1, 20-31.( Was thöricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählet.) Wo sind die Klugen? wo sind die Schriftgelehrten? wo sind die Weltweisen? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Thorheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch thörichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben. Sintemal die Juden Zeichen fordern, und die Griechen nach Weisheit fragen. Wir aber predigen den gekreuzigten Christ, den Juden ein Ärgernis, und den Griechen eine Thorheit. Denen aber, die berufen sind, beide, Juden und Griechen, predigen wir Christum, göttliche Kraft und göttliche Weisheit. Denn die göttliche Thorheit ist weiser, denn die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, denn die Menschen sind. Sehet an, lieben Brüder, euren Beruf; nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen; sondern was thöricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er die Weisen zu schanden machte; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er zu schanden machte, was stark ist; und das Unedle vor der Welt, und das Verachtete hat Gott erwählet, und das da nichts ist, daß er zu nichte machte, was etwas ist; auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme. Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, auf daß( wie geschrieben stehet), wer sich rühmet, der rühme sich des HErrn. Evangelische Lektion. Joh. 1, 35-51.( Kommt und sehet e3.) Des andern Tags stund abermal Johannes, und zween seiner Jünger. Und als er jahe Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm. Und zween seiner Jünger höreten ihn reden, und folgeten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um, und sahe sie nachfolgen, und sprach zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi( das ist verdolmetscht: Meister), wo bist du zur Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und sehet es. Sie tamen und jahens, und blieben denselbigen Tag bei ihm; es war aber um die zehnte Stunde. Einer aus den zween, die von Johanne höreten, und Jefu nachfolgeten, war Andreas, der Bruder Simonis Petri. Derselbige findet am ersten seinen Bruder Simon, und spricht zu ihm: Wir haben den Messias funden( welches ist verdolmetscht: der Gesalbte). Und führete ihn zu Jesu. Da ihn Jesus sahe, sprach er: Du bist Simon, Jonas Sohn; du sollst Kephas heißen( das wird verdolmetscht: ein Fels). Des andern Tags wollte Jesus wieder in Galiläam ziehen, und findet Philippum und spricht zu ihm: Folge mir nach. Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt Andreas und Petrus. Philippus findet Nathanael, und spricht zu ihm: Wir haben den funden, von welchem Moses im Gesetz, und die 1. Sonntag nach Epiphanias. 31 Propheten geschrieben haben, Jesum, Josephs Sohn von Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und siehe es. Jesus sahe Nathanael zu sich kommen, und spricht von ihm: Siche, ein rechter Israeliter, in welchem fein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennest du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe denn dir Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warest, sahe ich dich. Nathanael antwortet und spricht zu ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubest, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres denn das sehen. Und spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen, und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 122.( Ins Haus des HErrn nach Jerusalem.) Ich freue mich des, das mir geredet ist, daß wir werden ins Haus des HErrn gehen; und daß unsere Füße werden stehen in deinen Thoren, Jerusalem. Jerusalem ist gebauet, daß es eine Stadt sei, da man zuſammen kommen soll, da die Stämme hinaufgehen sollen, nämlich die Stämme des HErrn, zu predigen dem Volk Israel, zu danken dem Namen des HErrn. Denn daselbst sitzen die Stühle zum Gericht, die Stühle des Hauses Davids. Wünschet Jerusalem Glück: Es müsse wohl gehen denen, die dich lieben. Es müsse Friede sein inwendig in deinen Mauern, und Glück in deinen Palästen. Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Friede wünschen. Um des Hauses willen des HErrn, unsers Gottes, will ich dein Bestes suchen. Lektion aus dem Neuen Testamente. Hebr. 3, 1-14.( Moses ein Knecht in seinem Hause, Christus ein Sohn über sein Haus.) Derhalben, ihr heiligen Brüder, die ihr mit berufen seid durch den himmlischen Beruf, nehmet wahr des Apostels und Hohenpriesters, den wir bekennen, Christi Jefu, der da treu ist dem, der ihn gemacht hat( wie auch) Moses) in seinem ganzen Hause. Dieser aber ist größerer Ehre wert, denn Moses, nachdem der eine größere Ehre am Hause hat, der es bereitet, denn das Haus. Denn ein jeglich Haus wird von jemand bereitet; der aber alles bereitet, das ist Gott. Und Moses zwar war treu in seinem ganzen Hause, als ein Knecht, zum Zeugnis des, das gesagt sollte werden; Christus aber, als ein Sohn über sein Haus; welches Haus sind wir, so wir anders das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung bis ans Ende fest behalten. Darum, wie der Heilige Geist spricht: Heute, so ihr hören werdet seine Stimme, so verstocket eure Herzen nicht, als geschah in der Verbitterung, am Tage der Versuchung in der Wüste; da mich eure Väter versuchten; sie prüften mich, und sahen meine Werke vierzig Jahr lang; darum ich entrüstet ward über dies Geschlecht, und sprach: Immerdar irren sie mit dem Herzen; aber sie wußten meine Wege nicht; daß ich auch schwur in meinem Zorn, sie sollten zu meiner Ruhe nicht kommen. Sehet zu, lieben Brüder, daß nicht jemand unter euch ein arges, ungläubiges Herz habe, das da abtrete von dem lebendigen Gott; sondern ermahnet euch selbst alle Tage, so lange es heute heißt, daß nicht jemand unter euch verstocket werde durch Betrug der Sünde. Denn wir sind Christi teilhaftig worden, so wir anders das angefangene Wesen bis ans Ende fest behalten. 32 2. Sonntag nach Epiphanias. 2. Sonntag nach Epiphanias. Vormittags. Epistel. Röm. 12, 6-16.( Mancherlei Gnadengaben in mancherlei Erweisungen.) Und haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. Hat jemand ein Amt, so warte er des Umts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sei er sorgfältig. Übet jemand Barmherzigkeit, so thu ers mit Luft. Die Liebe sei nicht falsch. Haffet das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun follt. Seid brünstig im Geiste. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Notdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium. Joh. 2, 1-11.( Das erste Zeichen seiner Herrlichkeit.) Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Cana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jefus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht kommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringets dem Speisemeister. Und sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam( die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatten), rufet der Speisemeister dem Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Epistolische Lektion. 1. Cor. 2.( Die Beweisung des Geiftes und der Kraft.) Und ich, lieben Brüder, da ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten, oder hoher Weisheit, euch zu verkündigen die göttliche Predigt. Denn ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohn allein Jesum Christum, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch mit Schwachheit, und mit Furcht, und mit großem Zittern. Und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft; auf daß euer Glaube bestehe nicht auf Menschen Weisheit, sondern auf Gottes Kraft. Da wir aber von reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen; sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit, welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wo sie die erkannt hätten, hätten sie den HErrn der Herr 2. Sonntag nach Epiphanias. 83 lichkeit nicht gefreuziget. Sondern wie geschrieben stehet: Das kein Auge gesehen hat, und kein Ohr gehöret hat, und in feines Menschen Herz kommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben; uns aber hat es Gott offenbaret durch seinen Geist. Denn der Geist erforschet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. Welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Heilige Geist lehret, und richten geistliche Sachen geistlich. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Thorheit, und kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich gerichtet sein. Der Geistliche aber richtet alles und wird von niemand gerichtet. Denn wer hat des HErrn Sinn erkannt? oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi Sinn. Evangelische Lektion. Joh. 3, 22-36.( Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.) Darnach kam Jesus und seine Jünger in das jüdische Land, und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen, und taufete. Johannes aber taufete auch noch zu Enon, nahe bei Salim, denn es war viel Wassers daselbst; und sie kamen dahin, und ließen sich taufen. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt. Da erhub sich eine Frage unter den Jüngern Johannis samt den Juden über die Reinigung. Und kamen zu Johanne und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit des Jordans, von dem du zeugetest, siehe, der taufet, und jedermann kommt zu ihm. Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams stehet und höret ihm zu, und freuet fich hoch über des Bräutigams Stimme. Dieselbige meine Freude ist nun erfüllet. Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. Der von oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde, und redet von der Erde; der vom Himmel kommt, der ist über alle, und zeuget, was er gesehen und gehöret hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer es aber annimmt, der versiegelt es, daß Gott wahrhaftig sei. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet Gottes Wort; denn Gott giebt den Geist nicht nach dem Maß. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubet, der hat das ewige Leben; wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Lektion aus dem Alten Testamente. 5. Moj. 18, 15-22.( 3) will meine Worte in seinen Mund legen.) Einen Propheten, wie mich, wird der HErr, dein Gott, dir erwecken, aus dir und aus deinen Brüdern, dem sollt ihr gehorchen. Wie du denn von dem HErrn, deinem Gott, gebeten haft zu Horeb, am Tage der Versammlung, und sprachest: Ich will fort nicht mehr hören die Stimme des HErrn, meines Gottes, und das große Feuer nicht mehr sehen, daß ich nicht sterbe. Und der HErr sprach zu mir: Sie haben wohl geredet. Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern, und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm 3 34 3. Sonntag nach Epiphanias. gebieten werde. Und wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ichs fordern. Doch wenn ein Prophet vermessen ist zu reden in meinem Namen, das ich ihm nicht geboten habe zu reden, und welcher redet in dem Namen anderer Götter, derselbe Prophet soll sterben. Ob du aber in deinem Herzen sagen würdest: Wie kann ich merken, welches Wort der HErr nicht geredet hat? Wenn der Prophet redet in dem Namen des HErrn, und wird nichts draus, und kommt nicht, das ist das Wort, das der HErr nicht geredet hat; der Prophet hat es aus Vermessenheit geredet, darum scheue dich nicht vor ihm. Lektion aus dem Neuen Teftamente. Gal. 1, 6-16.( 3ch habe es von teinem Menschen gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi.) Mich wundert, daß ihr euch so bald abwenden lasset von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, auf ein ander Evangelium; so doch kein anders ist; ohne daß etliche sind, die euch verwirren, und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber so auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir euch gepredigt haben, der jei verflucht. Wie wir jetzt gesagt haben, so sagen wir auch abermal: So jemand euch Evangelium prediget anders, denn das ihr empfangen habt, der sei verflucht. Predige ich denn jetzt Menschen, oder Gott zu Dienst? oder gedenk ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht. Ich thue euch aber tund, lieben Brüder, daß das Evangelium, das von mir geprediget ist, nicht menschlich ist. Denn ich hab es von keinem Menschen empfangen noch gelernet, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi. Denn ihr habt ja wohl gehöret meinen Wandel weiland im Judentum; wie ich über die Maße die Gemeine Gottes verfolgte, und verstörete sie, und nahm zu im Judentum über viele meines gleichen in meinem Geschlecht, und eiferte über die Maße um das väterliche Geset. Da es aber Gott wohlgefiel, der mich von meiner Mutter Leibe hat ausgesondert und berufen durch seine Gnade, daß er seinen Sohn offenbarete in mir, daß ich ihn durchs Evangelium verkündigen sollte unter den Heiden: alsobald fuhr ich zu, und besprach mich nicht darüber mit Fleisch und Blut. 3. Sonntag nach Epiphanias. Vormittags. Epistel. Röm. 12, 17-21.( Die alles überwindende Macht der Liebe.) Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Böſem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Friede. Nächet euch selber nicht, meine Biebsten, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein; ich will bergelten, spricht der HErr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium. Matth. 8, 1-13.( Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.) Da er aber vom Berge herab ging, folgete ihm viel Volks nach. Und fiche, ein Aussäßiger kam und betete ihn an und sprach: HErr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührete ihn an und sprach: Ich wills thun; sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussag rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sags niemand; 3. Sonntag nach Epiphanias. 35 sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: HErr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: HErr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so geht er; und zum andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht: Thu das, so thut ers. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgeten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht funden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich figen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zur selbigen Stunde. Epistolische Lektion. Röm. 1, 13-25.( Das Evangelium eine Kraft Gottes, selig zu machen.) Ich will euch aber nicht verhalten, lieben Brüder, daß ich mir oft habe vorgesetzt, zu euch zu kommen( bin aber verhindert bisher), daß ich auch unter euch Frucht schaffete, gleichwie unter andern Heiden. Ich bin ein Schuldner, beide der Griechen und der Ungriechen, beide der Weisen und der Unweisen Darum, so viel an mir ist, bin ich geneigt, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen. Denn ich schäme mich des Evangelii von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig machet alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich, und auch die Griechen. Sintemal darinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben stehet: Der Gerechte wird seines Glaubens leben. Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbaret über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten. Denn daß man weiß, daß Gott sei, ist ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart, damit, daß Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt; also, daß sie keine Entschuldigung haben; dieweil sie wußten, daß ein Gott ist, und haben ihn nicht gepreiset als einen Gott, noch gedanket, sondern sind in ihrem Dichten eitel worden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren worden; und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild, gleich dem vergänglichen Menschen, und der Vögel, und der vierfüßigen, und der kriechenden Tiere. Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihres Herzens Gelüste, in Unreinigkeit, zu schänden ihre eigenen Leiber an ihnen selbst, die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lüge, und haben geehret und gedienet dem Geschöpfe mehr, denn dem Schöpfer, der da gelobet ist in Ewigkeit. Amen. Evangelische Lektion. Joh. 4, 5-26.( Ich sehe, daß du ein Prophet bist.) Da kam er in eine Stadt Samaria, die heißt Sichar, nahe bei dem Dörflein, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich also auf 3* 36 3. Sonntag nach Epiphanias. den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. Da kommt ein Weib von Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gieb mir zu trinken. Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß fie Speise kaufeten. Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist, und ich ein samaritisch Weib? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkennetest die Gabe Gottes, und wer der ist, der zu dir fagt: Gieb mir zu trinken; du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Spricht zu ihm das Weib: HErr, hast du doch nichts, damit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendig Wasser? Bist du mehr, denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? und er hat daraus getrunken, und seine Kinder und sein Vieh. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer dieses Wassers trinkt, den wird wieder dürften. Wer aber des Wassers trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunn des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet. Spricht das Weib zu ihm: HErr, gieb mir dasselbige Wasser, auf daß mich nicht dürfte, daß ich nicht herkommen müsse zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinem Manne und komm her. Das Weib antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann. Da haft du recht gesagt. Das Weib spricht zu ihm: HErr, ich sehe, daß du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet; und ihr saget, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge, noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit, und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will auch haben, die ihn also anbeten. Gott ist ein Geist; und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbige kommen wird, so wird ers uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bins, der mit dir redet. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jes. 61, 1-7.( Der Geift des HErrn hat mich gesalbet.) Der Geist des HErrn HErrn ist über mir, darum hat mich der HErr gefalbet. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden; zu predigen den Gefangenen eine Erledigung, den Gebundenen eine Öffnung; zu predigen ein gnädiges Jahr des HErrn, und einen Tag der Rache unsers Gottes; zu trösten alle Traurigen; zu schaffen den Traurigen zu Zion, daß ihnen Schmuck für Asche, und Freudenöl für Traurigkeit, und schöne Kleider für einen betrübten Geist gegeben werden; daß sie genannt werden Bäume der Gerechtigkeit, Pflanzen des HErrn, zum Preise. Sie werden die alten Wüstungen bauen, und, was vorzeiten zers störet ist, aufbringen; sie werden die verwüsteten Städte, so für und für zerstöret gelegen sind, verneuen. Fremde werden stehen, und eure Herde weiden; und Ausländer werden eure Ackerleute und Weingärtner sein. Ihr aber sollt Priester des HErrn heißen, und man wird euch Diener unsers Gottes nennen; und werdet der Heiden Güter essen, und über ihrer Herr 4. Sonntag nach Epiphanias. 37 lichkeit euch rühmen. Für eure Schmach soll 3wiefältiges kommen, und für die Schande sollen sie fröhlich sein auf ihren Äckern. Denn sie sollen 3wiefältiges besitzen in ihrem Bande, sie sollen ewige Freude haben. Sektion aus dem Neuen Testamente. 1. Tim. 6, 1-5.( Bleibe bei den heilsamen Worten unsers HErrn Jesu Christi.) Die Knechte, so unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehren wert halten, auf daß nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde. Welche aber gläubige Herren haben, sollen dieselbigen nicht verachten( mit dem Schein), daß sie Brüder find; sondern sollen vielmehr dienstbar sein, dieweil sie gläubig und geliebt und der Wohlthat teilhaftig sind. Solches lehre und ermahne. So jemand anders lehret, und bleibet nicht bei den heilsamen Worten unsers HErrn Jesu Christi und bei der Lehre von der Gottseligkeit; der ist verdüstert, und weiß nichts, sondern ist seuchtig in Fragen und Wortfriegen, aus welchen entspringet Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Thue dich von solchen. 4. Sonntag nach Epiphanias. Vormittags. Epistel. Röm. 13, 1-10.( Die alles vollbringende Macht der Liebe.) Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfahen. Denn die Gewaltigen sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so thue Gutes; so wirst du Lob von derselbigen haben; denn sie ist Gottes Dienerin dir zu gut. Thust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. So seid nun aus Not unterthan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. Derhalben müsset ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben. So gebet nun jedermann was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebührt, Zoll, dem der Zoll gebührt, Furcht, dem die Furcht gebührt, Ehre, dem die Ehre gebührt. Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch untereinander liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Gesetz erfüllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten; und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesen Worten verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Evangelium. Matth. 8, 23-27.( Die allgebietende Macht des HErrn.) Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm. Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: HErr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stund auf und bedräuete den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? 4. Sonntag nach Epiphanias. Epistolische Sektion. Röm. 7, 6-25.( Das Gesetz ist geistlich, ich aber bin fleischlich.) Nun aber sind wir vom Geset los, und ihm abgestorben, das uns gefangen hielt, also daß wir dienen sollen im neuen Wesen des Geistes, und nicht im alten Wesen des Buchstabens. Was wollen wir denn nun sagen? ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht, ohne durchs Gesek. Denn ich wußte nichts von der Bust, wo das Geset nicht hätte gesagt: Baß dich nicht gelüsten. Da nahm aber die Sünde Ürsach am Gebot, und erregte in mir allerlei Buft. Denn ohne das Gesetz war die Sünde tot. Ich aber lebte etwa ohne Gesetz. Da aber das Gebot kam, ward die Sünde wieder lebendig. Ich aber starb; und es befand sich, daß das Gebot mir zum Tode gereichte, das mir doch zum Leben gegeben war. Denn die Sünde nahm Ursach am Gebot, und betrog mich, und tötete mich durch dasselbige Gebot. Das Gesetz ist je heilig, und das Gebot ist heilig, recht und gut. Ist denn, das da gut ist, mir ein Tod worden? Das sei ferne! Aber die Sünde, auf daß sie erscheine, wie sie Sünde ist, hat sie mir durch das Gute den Tod gewirket, auf daß die Sünde würde überaus fündig durchs Gebot. Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich thue; denn ich thue nicht, das ich will, sondern das ich hasse, das thue ich. So ich aber das thue, das ich nicht will; so willige ich, daß das Geset gut sei. So thue nun ich dasselbige nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das thue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das thue ich. So ich aber thue, das ich nicht will, so thue ich dasselbige nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. So finde ich in mir nun ein Gesetz, der ich will das Gute thun, daß mir das Böse anhanget. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte, und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Beibe dieses Todes? Ich danke Gott durch Jesum Christ, unsern HErrn. So diene ich nun mit dem Gemüte dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleische dem Gesetze der Sünde. 38 Evangelische Sektion. Joh. 4, 27-42.( Dieser ist Christus, der Welt Heiland.) Und über dem kamen seine Jünger, und es nahm sie Wunder, daß er mit dem Weibe redete. Doch sprach niemand: Was fragst du? oder, was redest du mit ihr? Da ließ das Weib ihren Krug stehen, und ging hin in die Stadt, und spricht zu den Leuten: Kommet, sehet einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich gethan habe, ob er nicht Christus sei? Da gingen sie aus der Stadt, und kamen zu ihm. Indes aber ermahneten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, da wisset ihr nicht von. Da sprachen die Jünger unter einander: Hat ihm jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich thue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Saget ihr nicht selber es sind noch vier Monden, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf, und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte, und wer da schneidet, der empfähet Lohn, und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da fäet, und der da schneidet. Denn hie ist der Spruch wahr: 5. Sonntag nach Epiphanias. 39 Dieser säet, der andere schneidet. Ich habe euch gesandt zu schneiden, daß ihr nicht habt gearbeitet; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit kommen. Es glaubten aber an ihn viel der Samariter aus derselbigen Stadt um des Weibes Rede willen, welches da zeugete: Er hat mir gesagt alles, was ich gethan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe; und er blieb zween Tage da. Und viel mehr glaubeten um seines Wortes willen, und sprachen zum Weibe: Wir glauben nun fort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehöret und erkannt, daß dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 93.( Die Größe des HErrn über großen Wassern.) Der HErr ist König und herrlich geschmückt; der HErr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, soweit die Welt ist, und zugerichtet, daß es bleiben soll. Von dem an stehet dein Stuhl fest; du bist ewig. HErr, die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme erheben empor die Wellen, die Wasserwogen im Meer sind groß, und brausen greulich; der HErr aber ist noch größer in der Höhe. Dein Wort ist eine rechte Lehre. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses ewiglich. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Cor. 4, 9-20.( Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.) Ich halte aber, Gott habe uns Apostel für die Allergeringsten dargestellet, als dem Tode übergeben. Denn wir sind ein Schauspiel worden der Welt, und den Engeln, und den Menschen. Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christo; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet. Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst, und sind nackt, und werden geschlagen, und haben keine gewisse Stätte, und arbeiten, und wirken mit unsern eigenen Händen. Man schilt uns, so segnen wir; man verfolgt uns, so dulden wirs; man lästert uns, so flehen wir. Wir sind stets als ein Fluch der Welt, und ein Fegopfer aller Leute. Nicht schreibe ich solches, daß ich euch beschäme, sondern ich vermahne euch, als meine lieben Kinder. Denn ob ihr gleich zehn tausend Zuchtmeister hättet in Christo, so habt ihr doch nicht viel Väter. Denn ich habe euch gezeuget in Christo Jesu durch das Evangelium. Darum ermahne ich euch, seid meine Nachfolger. Aus derselben Ursache habe ich Timotheum zu euch gesandt, welcher ist mein lieber und getreuer Sohn in dem HErrn, daß er euch erinnere meiner Wege, die da in Christo sind, gleichwie ich an allen Enden in allen Gemeinen lehre. Es blähen sich etliche auf, als würde ich nicht zu euch kommen. Ich aber will gar kürzlich zu euch kommen, so der HErr will, und erlernen nicht die Worte der Aufgeblasenen, sondern die Kraft. Denn das Reich Gottes stehet nicht in Worten, sondern in Kraft. 5. Sonntag nach Epiphanias. Vormittags. Epistel. Col. 3, 12-4, 1.( Das Band der Vollkommenheit.) So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, und ver= trage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. 40 5. Sonntag nach Epiphanias. Uleber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar. Basset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit. Lehret und ermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem HErrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des HErrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Ihr Weiber, seid unterthan euren Männern in dem HErrn, wie sichs gebührt. Ihr Männer, liebet eure Weiber, und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem HErrn gefällig. Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden. Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht. Alles, was ihr thut, das thut von Herzen, als dem HErrn, und nicht den Menschen; und wisset, daß ihr von dem HErrn empfahen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem HErrn Christo. Wer aber Unrecht thut, der wird empfahen, was er Unrecht gethan hat; und gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten, und wisset, daß ihr auch einen HErrn im Himmel habt. Evangelium. Matth. 13,24-30 und 36-43.( Langmut und Weisheit des HErrn.) Er legte ihnen ein ander Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Beute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er aber sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Baffet beides mit einander wachsen bis zur Ernte; und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuren. Da ließ Jesus das Volk von sich und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns dieses Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete und sprach zu ihnen: des Menschen Sohn ists, der da guten Samen säet. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sie fäet, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut ausgätet und mit Feuer verbrennet, so wirds auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da Unrecht thun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähnklappen. Dann werden die Gerechten leuchten, wie die Sonne in ihres Baters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Epistolische Lektion. Röm. 8, 1-11.( Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.) So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das 5. Sonntag nach Epiphanias. 41 Geset des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gesetz unmöglich war( fintemal es durch das Fleisch geschwächet ward), das that Gott, und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches, und verdammte die Sünde im Fleisch durch Sünde. Auf daß die Gerechtigkeit, vom Geset erfordert, in uns erfüllet würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist. Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gefinnet; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnet. Über fleischlich gefinnet sein, ist der Tod; und geistlich gesinnet sein, ist Leben und Friede. Denn fleischlich gefinnet sein, ist eine Feindschaft wider Gott, fintemal es dem Gesetze Gottes nicht unterthan ist; denn es vermag es auch nicht. Die aber fleischlich sind, mögen Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnet. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. So aber Christus in euch ist, so ist der Beib zwar tot um der Sünde willen; der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. So nun der Geist des, der Jesum von den Toten auferwecket hat, in euch wohnet, so wird auch derselbige, der Christum von den Toten auferwecket hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen, um des willen, daß sein Geist in euch wohnet. Evangelische Lefktion. Joh. 5, 1-18.( Mein Vater wirket bisher, und ich wirke auch.) Darnach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf gen Jerusalem. Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schafhause ein Teich, der heißt auf Ebräisch Bethesda, und hat fünf Hallen, in welchen lagen viel Kranke, Blinde, Zahme, Dürre; die warteten, wenn sich das Wasser bewegte. Denn ein Engel fuhr herab zu seiner Zeit in den Teich, und bewegte das Wasser. Welcher nun der erste, nachdem das Wasser beweget war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war. Es war aber ein Mensch daselbst acht und dreißig Jahr krank gelegen. Da Jesus denselbigen sahe liegen, und vernahm, daß er so lang gelegen war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: HErr, ich habe teinen Menschen, wenn das Wasser sich beweget, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme so steiget ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bette, und gehe hin. Und alsbald ward der Mensch gesund, und nahm sein Bette und ging hin. Es war aber desselbigen Tages der Sabbath. Da sprachen die Juden zu dem, der gesund war worden: Es ist heute Sabbath; es ziemt dir nicht, das Bette zu tragen. Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm dein Bette, und gehe hin. Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bette, und gehe hin? Der aber gesund war worden, wußte nicht, wer er war; denn Jesus war gewichen, da so viel Volks an dem Ort war. Darnach fand ihn Jesus im Tempel, und sprach zu ihm: Siehe zu, du bist gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Argeres widerfahre. Der Mensch ging hin, und verkündigte es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. Darum verfolgten die Juden Jesum, und suchten ihn zu töten, daß er solches gethan hatte auf den Sabbath. Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bisher, und ich wirke auch. Darum trachteten ihm die Juden nun viel mehr nach, daß sie ihn töteten, daß er nicht allein den Sabbath brach, sondern fagte auch, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gotte gleich. 42 6. Sonntag nach Epiphanias. Nachmittags. Sektion aus dem Alten Testamente. Jerem. 24.( Gesicht von guten und bösen Feigen.) Siehe, der HErr zeigte mir zween Feigenkörbe, gestellt vor den Tempel des HErrn, nachdem der König zu Babel, Nebucad Nezar hatte weggeführt Jechanja, den Sohn Jojakims, den König Juda, samt den Fürsten Juda, Bimmerleute und Schmiede von Jerusalem, und gen Babel gebracht. In dem einen Korbe waren sehr gute Feigen, wie die ersten reifen Feigen sind; im andern Korbe waren sehr böse Feigen, daß man sie nicht essen konnte, so böse waren sie. Und der HErr sprach zu mir: Jeremia, was siehest du? Ich sprach: Feigen; die guten Feigen sind sehr gut; und die bösen sind sehr böse, daß man sie nicht essen kann, so böse sind sie. Da geschah des HErrn Wort zu mir, und sprach: So spricht der HErr, der Gott Israel: Gleichwie diese Feigen gut find, also will ich mich gnädiglich annehmen der Gefangenen aus Juda, welche ich habe aus dieser Stätte lassen ziehen in der Chaldäer Land; und will sie gnädiglich ansehen, und will sie wieder in dies Land bringen, und will sie bauen, und nicht abbrechen, ich will sie pflanzen und nicht ausraufen; und will ihnen ein Herz geben, daß sie mich kennen sollen, daß ich der HErr sei. Und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein; denn sie werden sich von ganzem Herzen zu mir bekehren. Aber wie die bösen Feigen so böse sind, daß man sie nicht essen kann, spricht der HErr; also will ich dahingeben Zedekia, den König Juda, samt seinen Fürsten und was übrig ist zu Jerusalem, und übrig in diesem Lande, und die in Ägyptenland wohnen. Ich will ihnen Unglück zufügen, und sie in feinem Königreich auf Erden bleiben lassen; daß sie sollen zu schanden werden, zum Sprüchwort, zur Fabel und zum Fluch an allen Orten, dahin ich sie verstoßen werde. Und will Schwert, Hunger und Pestilenz unter sie schicken, bis umkommen von dem Lande, das ich ihnen und ihren Vätern gegeben habe. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Joh. 5, 14-21.( Es ist etliche Sünde nicht zum Tode.) Und das ist die Freudigkeit, die wir haben zu ihm, daß, so wir etwas bitten nach seinem Willen, so höret er uns. Und so wir wissen, daß er uns höret, was wir bitten, so wissen wir, daß wir die Bitte haben, die wir von ihm gebeten haben. So jemand siehet seinen Bruder sündigen, eine Sünde nicht zum Tode, der mag bitten; so wird er geben das Leben denen, die da fündigen nicht zum Tode. Es ist eine Sünde zum Tode; dafür sage ich nicht, daß jemand bitte. Alle Untugend ist Sünde; und es ist etliche Sünde nicht zum Tode. Wir wissen, daß wer von Gott geboren ist, der sündiget nicht; sondern wer von Gott geboren ist, der bewahret sich, und der Arge wird ihn nicht antasten. Wir wissen, daß wir von Gott sind; und die ganze Welt liegt im Argen. Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes kommen ist, und hat uns einen Sinn gegeben, daß wir erkennen den Wahrhaftigen, und sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesu Christo. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Kindlein, hütet euch vor den Abgöttern. Amen. 6. Sonntag nach Epiphanias. Vormittags. Epistel. 2. Petri 1, 16-21.( Das feste prophetische Wort.) Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers HErrn Jesu Christi; sondern 6. Sonntag nach Epiphanias. 43 wir haben feine Herrlichkeit selber gesehen; da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr drauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß teine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung; denn es ist noch nie keine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Heiligen Geist. Evangelium. Matth. 17, 1-9.( Jesus verklärt, Moses und Elias mit ihm redend.) Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, seinen Bruder, und führete ste beiseits auf einen hohen Berg. Und ward verkläret vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: HErr, hie ist gut sein; willst du, so wollen wir hie drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht. Da fie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist. Epistolische Lektion. Röm. 10, 1-17.( Christus ist des Gesetzes Ende.) Bieben Brüder, meines Herzens Wunsch ist, und flehe auch zu Gott für Israel, daß sie selig werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht unterthan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubet, der ist gerecht. Moses schreibt wohl von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt: Welcher Mensch dies thut, der wird darinnen leben. Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht also: Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?( Das ist nicht anders, denn Christum herab holen.) Oder, wer will hinab in die Tiefe fahren?( Das ist nicht anders, denn Christum von den Toten holen.) Aber was sagt sie? Das Wort ist dir nahe, nämlich in deinem Munde, und in deinem Herzen. Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der HErr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferwecket hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubet, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man jelig. Denn die Schrift spricht: Wer an ihn glaubet, wird nicht zu schanden werden. Es ist hie kein Unterschied unter Juden und Griechen; es ist aller zumal Ein HErr, reich über alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des HErrn wird anrufen, soll selig werden. Wie sollen sie aber 6. Sonntag nach Epiphanias. anrufen, an den sie nicht glauben? wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehöret haben? wie sollen sie aber hören ohne Prediger? wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben stehet: Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verfündigen. Aber sie sind nicht alle dem Evangelio gehorsam. Denn Jesaias spricht: HErr, wer glaubet unserm Predigen? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Prediger aber durch das Wort Gottes 44 Evangelische Lektion. Joh. 5, 31-47.( Moses hat von mir geschrieben.) So ich von mir selbst zeuge, so ist mein 3eugnis nicht wahr. Ein anderer ists, der von mir zeuget; und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeuget. Ihr schicktet zu Johanne, und er zeugete von der Wahrheit. Ich aber nehme nicht Zeugnis von Menschen; sondern solches sage ich, auf daß ihr selig werdet. Er war ein brennend und scheinend Bicht, ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich sein von seinem Licht. Ich aber habe ein größer Zeugnis, denn Johannis Zeugnis; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, daß ich sie vollende, dieselbigen Werke, die ich thue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt habe. Und der Vater, der mich gesandt hat, derselbige hat von mir gezeuget. Ihr habt nie weder seine Stimme gehöret, noch seine Gestalt gesehen. Und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnend; denn ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat. Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinnen; und sie ists, die von mir zeuget. Und ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben haben möchtet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen. Aber ich kenne euch, daß ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin kommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmet mich nicht an. So ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den werdet ihr annehmen. Wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmet? Und die Ehre, die von Gott allein ist, suchet ihr nicht. Ihr sollt nicht meinen, daß ich euch vor dem Vater verklagen werde. Es ist einer, der euch verklagt, der Moses, auf welchen ihr hoffet. Wenn ihr Most glaubtet, so glaubtet ihr auch mir, denn er hat von mir geschrieben. So ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben? Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 2. Mos. 3, 1-15( Mofis Berufung.) Moje aber hütete der Schafe Jethro, seines Schwähers, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinter in die Wüste, und kam an den Berg Gottes Horeb. Und der Engel des HErrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sahe, daß der Busch mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehret. Und sprach: Ich will dahin, und besehen dies große Gesicht, warum der Busch nicht verbrennet. Da aber der HErr fahe, daß er hinging zu sehen, rief ihm Gott aus dem Busch, und sprach; Mose, Mose! Er antwortete: Hie bin ich. Er sprach: Tritt nicht herzu, zeuch deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, da du auf stehest, ist ein heilig Land. Und sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Sjaaks, und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllete sein Angesicht, denn er fürchtete sich Gott anzuschauen. Und der HErr sprach: Ich habe gesehen das Elend meines Volts in Ägypten, und habe ihr Geschrei gehöret über die, so sie treiben; ich hab ihr Leid erkannt, und bin hernieder gefahren, daß ich sie errette von der Ägypter Hand, und sie 6. Sonntag nach Epiphanias. 45 ausführe aus diesem Lande, in ein gut und weit Land, in ein Land, darinnen Milch und Honig fleußt; nämlich an den Ort der Kananiter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei der Kinder Israel vor mich kommen ist, und hab auch dazu gesehen ihre Angst, wie sie die Ägypter ängsten; so gehe nun hin, ich will dich zu Pharao senden, daß du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten führest. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehe, und führe die Kinder Ssrael aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, daß ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführet hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel tomme, und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt; und sie mir sagen werden: Wie heißt sein Name? was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: Also sollst du den Kindern Israel sagen: Ich werds sein, der hat mich zu euch gesandt. Und Gott sprach weiter zu Mose: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Der HErr, eurer Väter Gott, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name ewiglich, dabei soll man mein gedenken für und für. Lektion aus dem Neuen Testamente. Hebr. 11, 8-35.( Sie haben die Verheißung von ferne gesehen.) Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, da er berufen ward, auszugehen in das Land, das er ererben sollte; und ging aus, und wußte nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande, als in einem fremden, und wohnete in Hütten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselbigen Verheißung. Denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, welcher Baumeister und Schöpfer Gott ist. Durch den Glauben empfing auch Sarah Kraft, daß sie schwanger ward, und gebar über die Zeit ihres Alters; denn sie achtete ihn treu, der es verheißen hatte. Darum sind auch von Einem, wiewohl erstorbenes Leibes, viele geboren, wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Rande des Meeres, der unzählig ist. Diese alle sind gestorben im Glauben, und haben die Verheißung nicht empfangen; sondern sie von ferne gesehen, und sich der vertröstet, und wohl begnügen lassen, und bekannt, daß sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind. Denn die solches sagen, die geben zu verstehen, daß sie ein Vaterland suchen. Und zwar, wo sie das gemeinet hätten, von welchem fie waren ausgezogen, hatten sie ja Zeit wieder umzukehren. Nun aber begehren sie eines bessern, nämlich eines himmlischen Darum schämet sich Gott ihrer nicht, zu heißen ihr Gott; denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet. Durch den Glauben opferte Abraham den Isaat, da er versucht ward, und gab dahin den Eingebornen, da er schon die Verheißung empfangen hatte; von welchem gesagt war: In Isaak wird dir dein Same geheißen werden; und dachte: Gott kann auch wohl von den Toten erwecken; daher er auch ihn zum Vorbilde wieder nahm. Durch den Glauben segnete Isaak von den zukünftigen Dingen den Jakob und Esau. Durch den Glauben ſegnete Jakob, da er starb, beide Söhne Josephs, und neigete sich gegen seines Zepters Spitze. Durch den Glauben redete Joseph vom Auszug der Kinder Israel, da er starb, und that Befehl von seinen Gebeinen. Durch den Glauben ward Moses, da er geboren war, drei Monden verborgen von seinen Eltern, darum, daß sie sahen, wie er ein schön Kind war; und fürchteten sich nicht vor des Königes Gebot. Durch den Glauben wollte Moses, da er groß 46 Am Sonntag Septuagesimä. ward, nicht mehr ein Sohn heißen der Tochter Pharao, und erwählete viel lieber mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, denn die zeitliche Ergögung der Sünde zu haben, und achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum, denn die Schätze Ägyptens; denn er sahe an die Belohnung. Durch den Glauben verließ er Agypten, und fürchtete nicht des Königs Grimm; denn er hielt sich an den, den er nicht sahe, als sähe er ihn. Durch den Glauben hielt er die Ostern und das Blutvergießen, auf daß, der die Erstgeburten würgete, sie nicht träfe. Durch den Glauben gingen sie durch das rote Meer als durch trocken Land; welches die Egypter auch versuchten, und ersoffen. Durch den Glauben fielen die Mauern Jericho, da sie sieben Tage umhergegangen waren. Durch den Glauben ward die Hure Rahab nicht verloren mit den Ungläubigen, da sie die Kundschafter freundlich ausnahm. Und was soll ich mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich sollte erzählen von Gideon, und Barak, und Simson, und Jephthah, und David, und Samuel, und den Propheten; welche haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit gewirket, die Verheißung erlanget, der Löwen Nachen verstopfet, des Feuers Kraft ausgelöscht, sind des Schwerts Schärfe entronnen, sind kräftig worden aus der Schwachheit, sind stark worden im Streit, haben der Fremden Heer darnieder gelegt. Die Weiber haben ihre Toten von der Auferstehung wieder genommen; die andern aber sind zerschlagen, und haben keine Erlösung angenommen, auf daß sie die Auferstehung, die besser ist, erlangeten. Am Sonntag Septuagefimä. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 9, 24-27.( Einer ergreifet das Kleinod.) Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfahen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet; sondern ich betäube meinen Leib, und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. Evangelium. Matth. 19, 27-20, 16.( Die Letzten werden die Ersten, und die Ersten werden die Lekten sein.) Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolget; was wird uns dafür? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die ihr mir seid nachgefolget, in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sitzen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israel. Und wer verläßt Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker, um meines Namens willen, der wirds hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben. Aber viele, die da sind die Ersten, werden die Betten, und die Letzten werden die Ersten sein. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sahe andere an dem Markt müssig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und that gleich also. Um die eilfte Stunde Am Sonntag Septuagesima. 47 aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hie den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe den Arbeitern und gieb ihnen den Lohn und heb an an den Letzten bis zu den Ersten. Da tamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meineten fie, sie würden mehr empfahen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da fie empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du haft sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen Betten geben, gleichwie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Betten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Epistolische Lektion. Phil. 1, 27-2, 4. ( Wandelt würdiglich dem Evangelio.) Wandelt nur würdiglich dem Evangelio Christi, auf daß, ob ich komme und sehe euch, oder abwesend von euch höre, daß ihr stehet in Einem Geist und Einer Seele, und samt uns kämpfet für den Glauben des Evangelii, und euch in keinem Wege erschrecken lasset von den Widersachern, welches ist ein Anzeigen, ihnen der Verdammnis, euch aber der Seligkeit, und dasselbige von Gott. Denn euch ist gegeben um Christi willen zu thun, daß ihr nicht allein an ihn glaubet, sondern auch um seinetwillen leidet, und habt denselbigen Kampf, welchen ihr an mir gesehen habt, und nun von mir höret. Ist nun bei euch Ermahnung in Christo, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so erfüllet meine Freude, daß ihr Eines Sinnes seid, gleiche Liebe habet, einmütig und einhellig seid; nichts thut durch Bank oder eitle Ehre, sondern durch Demut achtet euch unter einander einer den andern höher, denn sich selbst; und ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, das des andern ist. Evangelische Lektion. Buc. 9, 18-26.( Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst.) Und es begab sich, da er allein war und betete, und seine Jünger bei ihm, fragte er sie und sprach: Wer sagen die Leute, daß ich sei? Sie antworteten und sprachen: Sie sagen, du seiest Johannes der Täufer; etliche aber, du seiest Elias; etliche aber, es sei der alten Propeten einer auferstanden. Er aber sprach zu ihnen: Wer saget ihr aber, daß ich sei? Da antwortete Petrus und sprach: Du bist der Christ Gottes. Und er bedräuete sie und gebot, daß sie das niemand sagten. Und sprach: Denn des Menschen Sohn muß noch viel leiden, und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden, und am dritten Tage auferstehen. Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich täglich, und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verlieret um meinetwillen, der wirds erhalten. Und was Nug hätte der Mensch, ob er die ganze Welt gewönne, und verlöre sich selbst, oder be 48 Am Sonntag Seragefimä. fchädigte sich selbst? Wer sich aber mein und meiner Worte schämet, des wird sich des Menschen Sohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und seines Vaters und der heiligen Engel. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 2. Moj. 19, 3-8.( 3hr sollt mir ein heilig Volt sein.) Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HErr rief ihm vom Berge, und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob, und verkündigen den Kindern Israel: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern gethan habe, und wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln, und hab euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen, und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein priesterlich Königreich und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Kindern Israel sagen sollst. Mose tam und forderte die Ältesten im Volk, und legte ihnen alle diese Worte vor, die der HErr geboten hatte. Und alles Volk antwortete zugleich, und sprachen: Alles, was der HErr geredet hat, wollen wir thun. Und Mose sagte die Rede des Volks dem HErrn wieder. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Theff. 1, 1-10.( Wir wissen, wie ihr auserwählet seid.) Paulus und Silvanus und Timotheus der Gemeine zu Thessalonich, in Gott dem Vater, und dem HErrn Jesu Christo. Gnade sei mit euch, und Friede von Gott, unserm Vater, und dem HErrn Jesu Christo. Wir danken Gott allezeit für euch alle, und gedenken cuer in unserm Gebet ohn Unterlaß; und denken an euer Werk im Glauben, und an eure Arbeit in der Biebe, und an eure Geduld in der Hoffnung, welche ist unser HErr Jesus Christus vor Gott und unserm Vater. Denn, lieben Brüder, von Gott geliebet, wir wissen, wie ihr auserwählet seid; daß unser Evangelium ist bei euch gewesen, nicht allein im Wort, sondern beide in der Kraft und in dem Heiligen Geist, und in großer Gewißheit; wie ihr wisset, welcherlei wir gewesen sind unter euch um euretwillen. Und ihr seid unsere Nachfolger worden und des HErrn, und habt das Wort aufgenommen unter vielen Trübsalen mit Freuden im Heiligen Geist; also daß ihr worden seid ein Vorbild allen Gläubigen in Macedonien und Achaja. Denn von euch ist auserschollen das Wort des HErrn, nicht allein in Macedonien und Achaja; sondern an allen Orten ist auch euer Glaube an Gott ausgebrochen, also, daß nicht not ist, euch etwas zu sagen. Denn sie selbst verkündigen von euch, was für einen Eingang wir zu euch gehabt haben, und wie ihr bekehret seid zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott, und zu warten seines Sohnes vom Himmel, welchen er auferwecket hat von den Toten, Jesum, der uns von dem zukünftigen Zorn erlöset hat. Am Sonntag Sexagesimä. Vormittags. Epistel. 2. Cor. 12, 1-10.( Laß dir an meiner Gnade genügen.) Es ist mir ja das Rühmen nichts nütze; doch will ich kommen auf die Gefichte und Offenbarungen des HErrn. Ich kenne einen Menschen in Chrifto vor vierzehn Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht; oder Am Sonntag Seragesimä. 49 ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht; Gott weiß es); derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies, und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen; ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber des, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satanas Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem HErrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Chrifti bei mir wohne. Darum bin ich gutes Muts in Schwachheiten, in Schmachen, in Nöten, in Verfolgungen, in Angsten, um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. Evangelium. Luc. 8, 4-15( Es ging ein Säemann aus, zu säen.) Da nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Säemann aus, zu fäen seinen Samen; und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unterm Himmel fraßens auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und ersticktens. Und etliches fiel auf ein gut Land, und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dieses Gleichnis wäre? Er aber sprach: Euch ists gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. Epistolische Leftion. Phil. 1, 12-26.( Christus ist mein Leben) Ich lasse euch aber wissen, lieben Brüder, daß, wie es um mich stehet, das ist nur mehr zur Förderung des Evangelii geraten, also daß meine Bande offenbar worden sind in Christo, in dem ganzen Richthause, und bei den andern allen, und viel Brüder in dem HErrn aus meinen Banden Zuversicht gewonnen, desto thürstiger worden sind, das Wort zu reden ohne Scheu. Etliche zwar predigen Christum auch um Haß und Haders willen; etliche aber aus guter Meinung. Jene verkündigen Christum aus 3ank und nicht lauter; denn sie meinen, sie wollen eine Trübsal zuwenden meinen Banden; diese aber aus 4 50 Am Sonntag Seragesimä. Liebe; denn sie wissen, daß ich zur Verantwortung des Evangelii hie liege. Was ist ihm aber denn? Daß nur Christus verkündiget werde allerlei Weise, es geschehe Zufalles oder rechter Weise; so freue ich mich doch darinnen, und will mich auch freuen. Denn ich weiß, daß mir dasselbige gelinget zur Seligkeit, durch euer Gebet, und durch Handreichung des Geistes Jefu Chrifti; wie ich endlich warte und hoffe, daß ich in keinerlei Stück zu schanden werde, sondern daß mit aller Freudigkeit, gleichwie sonst allezeit, also auch jetzt, Christus hoch gepreiset werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus der ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Sintemal aber im Fleisch leben dienet, mehr Frucht zu schaffen, so weiß ich nicht, welches ich erwählen soll. Denn es liegt mir beides hart an: Ich habe Lust abzuscheiden, und bei Christo zu sein, welches auch viel besser wäre; aber es ist nötiger im Fleisch bleiben um zuretwillen. Und in guter Zuversicht weiß ich, daß ich bleiben, und bei euch allen sein werde, euch zur Förderung, und zur Freude des Glaubens, auf daß ihr euch sehr rühmen möget in Christo Jesu an mir, durch meine Zukunft wieder zu euch. Evangelische Bettion. Joh. 11, 20-46.( Ich bin die Auferstehung und das Leben.) Als Martha nun hörete, daß Jesus kommt, gehet sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Martha zu Jesu: HErr, wärest du hie gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben; aber ich weiß auch noch, daß, was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Pruder soll auferstehen. Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubest du das? Sie spricht zu ihm: HErr, ja, ich glaube, daß du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen ist. Und da sie das gesagt hatte, ging sie hin, und rief ihrer Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da, und rufet dir. Dieſelbige, als sie das hörete, stund sie eilend auf, und kam zu ihm. Denn Jesus war noch nicht in den Flecken kommen, sondern war noch an dem Ort, da ihm Martha war entgegenkommen. Die Juden, die bei ihr im Hause waren, und trösteten sie, da sie sahen Mariam, daß sie eilig aufstund, und hinausging, folgeten sie ihr nach und sprachen: Sie gehet hin zum Grabe, daß sie daselbst weine. Als nun Maria kam, da Jesus war, und sahe ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: HErr, wärest du hie gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Als Jesus sie sahe weinen, und die Juden auch weinen, die mit ihr kamen, ergrimmete er im Geist, und betrübte sich selbst, und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, komm, und siehe es. Und Jesu gingen die Augen über. Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt. Etliche aber unter ihnen sprachen: Konnte, der dem Blinden die Augen aufgethan hat, nicht verschaffen, daß auch dieser nicht stürbe? Jesus aber ergrimmete abermal in ihm selbst, und kam zum Grabe. Es war aber eine Klust, und ein Stein darauf gelegt. Jesus sprach: Hebet den Stein ab. Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen. Jesus spricht zu ihr: Hab ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Da huben sie den Stein ab, da der Verstorbene lag. Jesus aber hub seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhörest hast; doch ich weiß, daß du mich allezeit hörest; sondern um des Am Sonntag Sexagesimä. 51 Volks willen, das umher stehet, sage ichs, daß sie glauben, du habest mich gesandt. Da er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazare, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern, an Füßen und Händen, und sein Angesicht verhüllet mit einem Schweißtuch Jesus spricht zu ihnen: Löset ihn auf, und lasset ihn gehen. Viel nun der Juden, die zu Maria kommen waren, und sahen, was Jesus that, glaubten an ihn. Etliche aber gingen hin zu den Pharisäern, und sagten ihnen, was Jesus gethan hatte. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Amos 8, 1-12.( Sie werden des HErrn Wort suchen und nicht finden.) Der HErr HErr zeigte mir ein Gesichte und siehe, da stund ein Korb mit Obst. Und er sprach: Was siehest du, Amos? Ich aber antwortete: Ginen Korb mit Obst. Da sprach der Herr zu mir: Das Ende ist kommen über mein Volk Israel, ich will ihm nicht mehr übersehen. Und die Lieder in der Kirche sollen in ein Heulen verkehret werden zur felbigen Zeit, spricht der HErr HErr; es werden viel toter Leichname liegen an allen Orten, die man heimlich wegtragen wird. Höret dies, die ihr den Armen unterdrücket, und die Elenden im Lande verderbet und sprechet: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, daß wir Getreide verkaufen, und der Sabbath, daß wir Korn feilhaben mögen, und den Epha ringern, und den Sekel steigern, und die Wage fälschen; auf daß wir die Armen um Geld, und die Dürftigen um ein Paar Schuhe unter uns bringen, und Spreu für Korn verkaufen? Der HErr hat geschworen wider die Hoffart Jakobs: Was gilts, ob ich solcher ihrer Werke ewig vergessen werde? Sollte nicht um solches willen das Land erbeben müssen, und alle Einwohner trauern? Ja, es foll ganz, wie mit einem Wasser, überlaufen werden, und weggeführet und überschwemmet werden, wie mit dem Fluß in Ägypten. Zur selbigen Zeit, spricht der HErr, will ich die Sonne im Mittage untergehen lassen, und das Land am hellen Tage lassen finster werden. Ich will eure Feiertage in Trauern, und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln; ich will über alle Benden den Sack bringen, und alle Köpfe kahi machen; und will ihnen ein Trauern schaffen, wie man über einen einigen Sohn hat; und sollen ein jämmerlich Ende nehmen. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HErr HErr, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde; nicht einen Hunger nach Brot, oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HErrn zu hören, daß sie hin und her, von einem Meer zum andern, von Mitternacht gegen Morgen umlaufen, und des HErrn Wort suchen, und doch nicht finden werden. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 1, 23-2, 17.( Ein Geruch des Todes zum Tode, ein Geruch des Lebens zum Leben.) Ich rufe aber Gott an zum Zeugen auf meine Seele, daß ich euer verschonet habe in dem, daß ich nicht wieder gen Corinth kommen bin. Nicht, daß wir Herren seien über euren Glauben, sondern wir sind Gehülfen eurer Freude; denn ihr stehet im Glauben. Ich dachte aber solches bei mir, daß ich nicht abermal in Traurigkeit zu euch käme. Denn so ich euch traurig mache, wer ist, der mich fröhlich mache, ohne der da von mir betrübet wird? Und dasselbige habe ich euch geschrieben, daß ich nicht, wenn ich käme, traurig sein müßte, über welche ich mich billig soll freuen; sintemal ich mich des zu euch allen versehe, daß meine Freude euer aller Freude sei. Denn ich schrieb euch in großer Trübsal und Angst des Herzens mit viel Thränen; nicht daß 52 Am Sonntage Quinquagefimä oder Esto mihi. ihr solltet betrübet werden, sondern auf daß ihr die Liebe erkenntet, welche ich habe fonderlich zu euch So aber jemand ein Betrübnis hat angerichtet, der hat nicht mich betrübet, ohne zum Teil, auf daß ich nicht euch alle beschwere. Es ist aber genug, daß derselbige von vielen also gestraft ist, daß ihr nun hinfort ihm desto mehr vergebet und tröstet, auf daß er nicht in allzu große Traurigkeit verfinke Darum ermahne ich euch, daß ihr die Liebe an ihm beweiset. Denn darum habe ich euch auch geschrieben, daß ich erkennete, ob ihr rechtschaffen seid, gehorsam zu sein in allen Stücken. Welchem aber ihr etwas vergebet, dem vergebe ich auch. Denn auch ich, so ich etwas vergebe jemanden, das vergebe ich um euretwillen an Christus Statt; auf daß wir nicht übervorteilet werden vom Satan. Denn uns ist nicht unbewußt, was er im Sinn hat. Da ich aber gen Troas kam, zu predigen das Evangelium Chrifti, und mir eine Thür aufgethan war in dem Herrn, hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, da ich Titum, meinen Bruder, nicht fand, sondern ich machte meinen Abschied mit ihnen, und fuhr aus in Macedonien. Aber Gott sei gedanket, der uns allezeit Sieg giebt in Christo, und offenbaret den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten. Denn wir sind Gott ein guter Geruch Christi, beide unter denen, die selig werden, und unter denen, die verloren werden, diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Und wer ist hiezu tüchtig? Denn wir sind nicht, wie etlicher viele, die das Wort Gottes verfälschen; sondern als aus Lauterkeit, und als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christo. Am Sonntage Quinquagefimä oder Esto mihi. Vormittags. Epistel. 1 Cor. 13, 1-13.( Die Herrlichkeit der Liebe.) Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht; so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht; so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mirs nichts nüge. Die Liebe ist langmütig und freundlich; die Liebe eifert nicht; die Liebe treibt nicht Mutwillen; sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig; fie suchet nicht das Ihre; sie läffet sich nicht erbittern; sie trachtet nicht nach Schaden. Sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit; fie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträget alles, sie glaubet alles, fie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war flug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was findisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesichte. Jetzt erkenne ichs stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkennet bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größefte unter ihnen. Evangelium. Luc. 18, 31-43.( Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem.) Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben Am Sonntage Quinquagefimä oder Esto mihi. 53 ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmäht und gespeiet werden; und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keins, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege, und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Die aber vornean gingen, bedräueten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein. Jesus aber stund stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: HErr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgete ihm nach, und preisete Gott. Und alles Volk, das solches sahe, lobete Gott. Epistolische Sektion. Nöm. 5, 1-11.( Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz.) Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit Gott durch unsern HErrn Jesum Christ, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet: Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Denn auch Christus, da wir noch schwach waren, nach der Zeit, ist für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um des Rechtes willen; um etwas Gutes willen dürfte vielleicht jemand sterben. Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns, daß Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. So werden wir je viel mehr durch ihn behalten werden vor dem 3orn, nachdem wir durch sein Blut gerecht worden sind. Denn so wir Gott versöhnet sind durch den Tod seines Sohns, da wir noch Feinde waren, vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnet sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern HErrn Jesum Christ, durch welchen wir nun die Verföhnung empfangen haben. Evangelische Lektion. Joh. 11, 47-12, 8.( Caiphas Rat und die Salbung Jesu durch Maria.) Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer einen Rat und sprachen: Was thun wir? dieser Mensch thut viel Zeichen. Lassen wir ihn also, so werden sie alle an ihn glauben. So kommen dann die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber unter ihnen, Caiphas, der desselben Jahrs Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisset nichts, bedenket auch nichts; es ist uns besser, Ein Mensch sterbe für das Volt, denn daß das ganze Volk verderbe. Solches aber redete er nicht von sich selbst, sondern, dieweil er desselbigen Jahres Hoherpriester war, weissagte er Denn Jesus sollte sterben für das Volk; und nicht für das Volk allein, sondern, daß er die Kinder Gottes, die zerstreuet waren, zusammen brächte. Von dem Tage an ratschlagten sie, wie sie ihn töteten. Jesus aber wandelte nicht mehr frei unter den Juden, sondern ging von dannen in eine Gegend nahe bei der Wüste 54 Am Sonntage Quinquagefimä oder Esto mihi. in eine Stadt, genannt Ephrem, und hatte sein Wesen daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern der Juden; und es gingen viele hinauf gen Jerusalem aus der Gegend, vor den Ostern, daß sie sich reinigten. Da stunden sie, und fragten nach Jesu, und redeten mit einander im Tempel: Was dünket euch, daß er nicht kommt auf das Fest? Es hatten aber die Hohenpriester und Pharisäer lassen ein Gebot ausgehen, so jemand wüßte, wo er wäre, daß ers anzeigete, daß sie ihn griffen. Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethania, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jejus auferwecket hatte von den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl und Martha dienete; Lazarus aber war der einer, die mit ihm zu Tische jaßen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter köstlicher Narde, und falbete die Füße Jesu, und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simonis Sohn, Ischariothes, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen, und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte; sondern er war ein Dieb, und hatte den Beutel, und trug, was gegeben ward. Da sprach Jesus: Laß sie mit Frieden. Solches hat sie behalten zum Tage meines Begräbnisses. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jeremias 8, 4-12.( Mein Volk will das Recht des HErrn nicht wissen.) Darum sprich zu ihnen: So spricht der HErr: Wo ist jemand, so er fällt, der nicht gerne wieder aufstünde? Wo ist jemand, so er irre gehet, der nicht gerne wieder zurecht käme? Noch will ja dies Volk zu Jerusalem irre gehen für und für. Sie halten so hart an dem falschen Gottesdienst, daß fie sich nicht wollen abwenden lassen. Ich sehe und höre, daß sie nichts Rechtes lehren. Reiner ist, dem seine Bosheit leid wäre, und spräche: Was mache ich doch? Sie laufen alle ihren Lauf, wie ein grimmiger Hengst im Streit. Gin Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit; eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit, wenn sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HErrn nicht wissen. Wie möget ihr doch sagen: Wir wissen, was recht ist, und haben die heilige Schrift vor uns? Ists doch eitel Bügen, was die Schriftgelehrten setzen. Darum müssen solche Lehrer zu schanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Gutes lehren, weil sie des HErrn Wort verwerfen? Darum will ich ihre Weiber den Fremden geben, und ihre Äcker denen, so sie verjagen werden. Denn sie geizen allesamt, beide Klein und Groß, und beide Priester und Propheten lehren falschen Gottesdienst, und trösten mein Volk in ihrem Unglück, daß sie es gering achten sollen, und sagen: Friede, Friede! und ist doch nicht Friede. Darum werden sie mit Schanden bestehen, daß sie solche Greuel treiben; wiewohl sie wollen ungeschändet sein, und wollen sich nicht schämen. Darum müssen sie fallen über einen Haufen, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie fallen, spricht der HErr. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Joh. 4, 7-15.( Darin stehet die Liebe, nicht, daß wir Gott geliebet haben.) Ihr Lieben, lasset uns unter einander lieb haben. denn die Liebe ist von Gott; und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Daran ist Um ersten Sonntage in den Fasten, genannt Invocavit. 55 erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen. Darinnen stehet die Liebe, nicht, daß wir Gott geliebet haben, sondern daß er uns geliebet hat, und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott also geliebet, so sollen wir uns auch unter einander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns unter einander lieben, so bleibet Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns. Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben und er in uns, daß er uns von seinem Geiste gegeben hat. Und wir haben gesehen und zeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat zum Heiland der Welt. Welcher nun bekennet, daß Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibet Gott und er in Gott. Am ersten Sonntage in den Fasten, genannt Invocavit. Vormittags. Epistel. 2. Cor. 6, 1-10.( 3n allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes.) Wir ermahnen aber euch, als mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit; jetzt ist der Tag des Heils. Basset uns aber niemand irgend ein Ärgernis geben, auf daß unser Umt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübjalen, in Nöten, in Angsten, in Schlägen, in Gefängniffen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem Heiligen Geist, in ungefärbter Siebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium. Matth. 4, 1-11.( Jesus ward vom Teufel versucht.) Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brote alleine, sondern von einem jeglichen Wort, durch den Mund Gottes gehet. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellete ihn auf die 3inne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Heb dich weg von mir, Satan; denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen HErrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. Am ersten Sonntage in den Fasten, genannt Invocavit. Epistolische Lektion. Hebr. 4, 14-5, 9.( Versucht allenthalben, doch ohne Sünde.) 56 Dieweil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist; so lasset uns halten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleich wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen, und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe not sein wird Denn ein jeglicher Hoherpriester, der aus den Menschen genommen wird, der wird gesetzt für die Menschen gegen Gott, auf daß er opfere Gaben und Opfer für die Sünden; der da fönnte mitleiden über die so unwissend sind und irren, nachdem er auch selbst umgeben ist mit Schwachheit. Darum muß er auch, gleichwie für das Volt, also auch für sich selbst opfern für die Sünden. Und niemand nimmt ihm selbst die Ehre; sondern der auch berufen sei von Gott, gleichwie der Aaron. Also auch Christus hat sich nicht selbst in die Ehre gesetzt, daß er Hoherpriester würde, sondern der zu ihm gesagt hat: Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeuget. Wie er auch am andern Ort spricht: Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhöret, darum, daß er Gott in Ehren hatte. Und wiewohl er Gottes Sohn war, hat er doch an dem, das er litt, Gehorsam gelernet. Und da er ist vollendet, ist er worden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit. Evangelische Lektion. Luc. 22, 31-44.( Er rang mit dem Tode.) Der HErr aber sprach: Simon, Simon, fiehe, der Satanas hat euer begehrt, daß er euch möchte sichten, wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich betehrest, so stärke deine Brüder. Er sprach aber zu ihm: HErr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen Er aber sprach: Petre, ich fage dir, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die Tasche; wer aber nicht hat, verkaufe sein Kleid, und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist unter die Übelthäter gerechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber. Herr, siehe, hie sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgeten ihm aber seine Jünger nach an denfelbigen Ort. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und knieete nieder, betete, und sprach: Bater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, und stärkte ihn. Und es tam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Am zweiten Sonntage in den Fasten, genannt Reminiscere. Nachmittags. 57 Lektion aus dem Alten Testamente. Jeremias 17, 5-14.( Verslucht ist, der Fleisch für seinen Arm hält.) So spricht der HErr: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt, und hält Fleisch für seinen Arm, und mit seinem Herzen vom HErrn weicht. Der wird sein wie die Heide in der Wüste, und wird nicht sehen den zukünftigen Trost; sondern wird bleiben in der Dürre, in der Wüste, in einem unfruchtbaren Lande, da niemand wohnet. Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HErrn verläßt, und der HErr seine Zuversicht ist. Der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzet, und am Bach gewurzelt. Denn obgleich eine Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und sorget nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern er bringet ohne Aufhören Früchte. Es ist das Herz ein trokig und verzagt Ding: wer kann es ergründen? Ich der HErr kann das Herz ergründen, und die Nieren prüfen; und gebe einem jeglichen nach seinem Thun, nach den Früchten seiner Werke. Denn gleichwie ein Bogel, der sich über Eier setzt und brütet sie nicht aus: also ist der, so unrecht Gut sammelt; denn er muß davon, wenn ers am wenigsten achtet, und muß doch zuletzt Spott dazu haben. Aber die Stätte unsers Heiligtums, nämlich der Thron göttlicher Ehre, ist allezeit fest geblieben. Denn, HErr, du bist die Hoffnung Israel. Alle, die dich verlassen, müssen zu schanden werden, und die Abtrünnigen müssen in die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den HErrn, die Quelle des lebendigen Wassers. Heile du mich, HErr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen: denn du bist mein Ruhm. Bektion aus dem Neuen Testamente. 1. Joh. 3, 7-12.( Wer Sünde thut, der ist vom Teufel.) Kindlein, lasset euch niemand verführen. Wer recht thut, der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist. Wer Sünde thut, der ist vom Teufel, denn der Teufel sündiget von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. Wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde; denn sein Same bleibet bei ihm und kann nicht sündigen; denn er ist von Gott geboren. Daran wirds offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Wer nicht recht thut, der ist nicht von Gott, und wer nicht seinen Bruder lieb hat. Denn das ist die Botschaft, die ihr gehöret habt von Anfang, daß wir uns unter einander lieben sollen. Nicht wie Cain, der von dem Argen war, und erwürgete seinen Bruder. Und warum erwürgete er ihn? Daß seine Werke böse waren, und seines Bruders gerecht. Am zweiten Sonntage in den Fasten, genannt Reminiscere. Vormittags. Epistel. 1. Thess. 4, 1-12.( Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.) Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem HErrn Jesu( nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollet wandeln und Gott gefallen), daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den HErrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Buftfeuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife, noch vervorteile seinen Bruder im Handel; denn der HErr ist 58 Am zweiten Sonntage in den Fasten, genannt Reminiscere der Nächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist gegeben hat in euch. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehret, euch unter einander zu lieben, und das thut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonien find. Wir ermahnen euch aber, lieben Brüder, daß ihr noch völliger werdet, und ringet darnach, daß ihr stille seid, und das Eure schaffet, und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben, auf daß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, die draußen sind, und ihres teines bedürfet. Evangelium. Matth. 15, 21-28.( 3a, HErr- aber doch!) Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegend von Tyro und Sidon. Und siehe ein cananäisch Weib ging aus derselben Grenze und schrie ihm nach und sprach: Ach HErr, du Sohn Davids, erbarm dich mein; meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß fie doch von dir; denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: HErr, hilf mir. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht sein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, HErr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Epistolische Sektion. Nöm. 3, 19-31.( Wir werden ohne Verdienst gerecht.) Wir wissen aber, daß, was das Gesetz fagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf daß aller Mund verstopfet werde, und alle Welt Gott schuldig sei; darum daß kein Fleisch durch des Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein mag; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Nun aber ist ohne Zuthun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbaret und bezeuget durch das Gesetz und die Propheten. Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christ zu allen und auf alle, die da glauben. Denn es ist hie kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder, und mangeln des Ruhmes, den sie an Gott haben sollten; und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist, welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl, durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete, in dem, daß er Sünde vergiebt, welche bis anher geblieben war unter göttlicher Geduld; auf daß er zu diesen Zeiten darböte die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt; auf daß er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesum. Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist aus. Durch welches Gesetz? durch der Werke Gesetz? Nicht also, sondern durch des Glaubens Gesek. So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Oder ist Gott allein der Juden Gott? ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich auch der Heiden Gott. Sintemal es ist ein einiger Gott, der da gerecht macht die Beschneidung aus dem Glauben, und die Vorhaut durch den Glauben. Wie? heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! sondern wir richten das Gesetz auf. 59 Am zweiten Sonntage in den Fasten, genanut Reminiscere. Evangelische Lektion. Luc. 22, 45-62.( Und der HErr wandte sich und sahe Petrum an.) Und er stund auf von dem Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafen vor Traurigkeit; und sprach zu ihnen: Was schlafet ihr? Stehet auf und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Da er aber noch redete, siehe, die Schar; und einer von den Zwölfen, genannt Judas, ging vor ihnen her, und nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm: Juda, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Ruß? Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: HErr, sollen wir mit dem Schwert drein schlagen? Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht, und hieb ihm sein recht Ohr ab. Jejus aber antwortete und sprach: Basset sie doch so ferne machen. Und er rührete sein Ohr an, und heilete ihn. Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die über ihn kommen waren: Ihr seid, als zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen. Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt keine Hand an mich gelegt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis. Sie griffen ihn aber, und führeten ihn, und brachten ihn in des Hohenpriesters Haus. Petrus aber folgete von ferne. Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Palast, und setzten sich zusammen, und Petrus setzte sich unter fie. Da sahe ihn eine Magd sizen bei dem Licht, und sahe eben auf ihn, und sprach zu ihm: Dieser war auch mit ihm. Er aber verleugnete ihn und sprach: Weib, ich kenne sein nicht. Und über eine kleine Weile jahe ihn ein anderer und sprach: Du bist auch der einer. Petrus aber sprach: Mensch, ich bins nicht. Und über eine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrlich, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagest. Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn. Und der HErr wandte sich und sahe Petrum an. Und Betrus gedachte an des HErrn Wort, das er zu ihm gesagt hatte: Ehe denn der Hahn krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus, und weinete bitterlich. Nachmittags. Sektion aus dem Alten Testamente. Psalm 130.( Aus der Tiefe rufe ich zu dir.) Aus der Tiefe rufe ich, HErr, zu dir. HErr, höre meine Stimme, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willst, HErr, Sünde zurechnen, HErr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ich harre des HErrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den HErrn von einer Morgenwache bis zur andern. Israel hoffe auf den HErrn; denn bei dem HErrn ist die Gnade; und viel Erlösung bei ihm, und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 7, 1-12.( Die göttliche Traurigkeit.) Dieweil wir nun solche Verheißung haben, meine Liebsten, so laffet uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen, und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes. Fasset uns; wir haben niemand leid gethan; wir haben niemand verlegt; wir haben niemand vervorteilet. Nicht sage ich solches, cuch zu verdammen; denn ich habe droben zuvor gesagt, daß ihr in unserm Herzen seid, mit zu sterben und mit zu 60 Am dritten Sonntage in den Fasten, genannt Oculi. leben. Ich rede mit großer Freudigkeit zu euch; ich rühme viel von euch; ich bin erfüllet mit Trost; ich bin überschwänglich in Freuden, in aller unserer Trübsal. Denn da wir in Macedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe; sondern allenthalben waren wir in Trübsal; auswendig Streit, inwendig Furcht. Aber Gott, der die Geringen tröstet, der tröstete uns durch die Zufunft Titi. Nicht allein aber durch seine Zukunft, sondern auch durch den Trost, damit er getröstet war an euch, und verkündigte uns euer Verlangen, euer Weinen, euren Eifer um mich, also, daß ich mich noch mehr freuete. Denn daß ich euch durch den Brief habe traurig gemacht, reuet mich nicht. Und obs mich reuete, so ich aber sehe, daß der Brief eine kleine Weile euch betrübt hat; so freue ich mich doch nun, nicht darüber, daß ihr seid betrübt worden, sondern daß ihr seid betrübt worden zur Reue. Denn ihr seid göttlich betrübt worden, daß ihr von uns ja keinen Schaden irgend worinnen nehmet. Denn die göttliche Traurigkeit wirket zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereuet; die Traurigkeit aber der Welt wirket den Tod. Siche, dasselbige, daß ihr göttlich seid betrübt worden, welchen Fleiß hat es in euch gewirket, dazu Verantwortung, Zorn, Furcht, Verlangen, Eifer, Rache. Ihr habt euch beweiset in allen Stücken, daß ihr rein seid an der That. Darum, ob ich euch geschrieben habe, so ists doch nicht geschehen um des willen, der beleidiget hat, auch nicht um des willen, der beleidiget ist, sondern um des willen, daß euer Fleiß gegen uns offenbar würde bei euch vor Gott. Am dritten Sonntage in den Fasten, genannt Oculi. Vormittags. Epistel. Ephef. 5, 1-9.( Er hat sich selbst dargegeben für uns.) So seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger( welcher ist ein Gößendiener) Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Bicht in dem HErrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit, und Gerechtigkeit, und Wahrheit. Evangelium. Luc. 11, 14-28.( Er ward geschmäht.) Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn, und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, Am dritten Sonntage in den Fasten, genannt Oculi. 61 so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärterer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Stätten, suchet Ruhe und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit Befemen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Epistolische Lektion. Hebr. 12, 1-13.( Er achtete der Schande nicht. Darum auch wir, dieweil wir solchen Haufen Zeugen um uns haben, laffet uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz, und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß ihr nicht in eurem Mut matt werdet, und ablasset. Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde; und habt bereits vergessen des Trostes, der zu euch redet als zu den Kindern: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst; denn welchen der HErr lieb hat, den züchtiget er; er stäupt aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbeut sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget? Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle sind teilhaftig worden, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder. Auch so wir haben unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt, und sie gescheuet; sollten wir denn nicht viel mehr unterthan sein dem geistlichen Bater, daß wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtiget wenig Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zu Nuß, auf daß wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Darum richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Kniee, und thut gewissen Tritt mit euren Füßen, daß nicht jemand strauchele wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. Evangelische Lektion. Luc. 22, 63-71.( Sie schlugen ihn ins Angesicht.) Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, und schlugen ihn, verdecketen ihn, und schlugen ihn ins Angesichte, und fragten ihn und sprachen: Weissage, wer ists, der dich schlug? Und viel andere Lästerungen sagten sie wider ihn. Und als es Tag ward, sammelten sich die Ältesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und führeten ihn hinauf vor ihren Rath, und sprachen: Bist du Christus? sage es uns. Er sprach aber zu ihnen: Sage ichs euch, so glaubet ihrs nicht; frage ich aber, so 62 Am dritten Sonntage in den Fasten, genannt Oculi. antwortet ihr nicht, und lasset mich doch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr faget es, denn ich bins. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter 3eugnis? wir habens selbst gehöret aus seinem Munde. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jeremias 26, 1-15.( Ob sie vielleicht hören wollen und sich bekehren.) Im Anfang des Königreichs Jojakims, des Sohns Josia, des Königs Juda, geschah dies Wort vom HErrn, und sprach: So spricht der HErr: Tritt in den Vorhof am Hause des Herrn, und predige allen Städten Juda, die da hereingehen anzubeten im Hause des HErrn, alle Worte, die ich dir befohlen habe ihnen zu sagen, und thue nichts davon. Ob sie vielleicht hören wollen, und sich bekehren, ein jeglicher von seinem bösen Wesen; damit mich auch reuen möchte das Uebel, das ich gedenke ihnen zu thun um ihres bösen Wandels willen. Und sprich) zu ihnen: So spricht der HErr: Werdet ihr mir nicht gehorchen, daß ihr in meinem Gesetze wandelt, das ich euch vorgelegt habe; daß ihr höret die Worte meiner Knechte, der Propheten, welche ich stets zu euch gesandt habe, und ihr doch nicht hören wolltet; so will ichs mit diesem Hause machen, wie mit Silo, und diese Stadt zum Fluch allen Heiden auf Erden machen. Da nun die Priester, Propheten und alles Volk höreten Jeremia, daß er solche Worte redete im Hause des HErrn; und Jeremia nun ausgeredet hatte alles, was ihn der HErr befohlen hatte, allem Volk zu sagen; griffen ihn die Priester, Propheten und das ganze Volk, und sprachen: Du mußt sterben. Warum darfst du weissagen im Namen des HErrn, und sagen: Es wird diesem Hause gehen wie Silo, und diese Stadt soll so wüste werden, daß niemand mehr drinnen wohne? Und das ganze Volk sammelte sich im Hause des HErrn wider Jeremia. Da solches höreten die Fürsten Juda, gingen sie aus des Königs Hause hinauf ins Haus des HErrn, und setzten sich vor das neue Thor des HErrn. Und die Priester und Propheten sprachen vor den Fürsten und allem Volk: Dieser ist des Todes schuldig; denn er hat geweifsagt wider diese Stadt, wie ihr mit euren Ohren gehöret habt. Aber Jeremia sprach zu allen Fürsten, und zu allem Volk: Der HErr hat mich gesandt, daß ich solches alles, das ihr gehöret habt, sollte weissagen wider dies Haus und wider diese Stadt. So bessert nun euer Wesen und Wandel, und gehorchet der Stimme des HErrn, eures Gottes; so wird den HErrn auch gereuen das liebel, das er wider euch geredet hat. Siehe, ich bin in euren Händen; ihr möget es machen mit mir, wie es euch recht und gut dünkt. Doch sollt ihr wissen, wo ihr mich tötet, so werdet ihr unschuldig Blut laden auf euch selbst, auf diese Stadt und ihre Einwohner. Denn wahrlich, der HErr hat mich zu euch gesandt, daß ich solches alles vor euren Ohren reden sollte. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 6, 11-18.( Wie stimmt Christus mit Belial?) Othr Corinther, unser Mund hat sich zu euch aufgethan; unser Herz ist getroft. Unserthalben dürft ihr euch nicht ängsten. Daß ihr euch aber ängstet, das thut ihr aus herzlicher Meinung. Ich rede mit euch, als mit meinen Kindern, daß ihr euch auch also gegen mich stellet, und seiet auch getroft. Biehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? was hat das Licht für Am vierten Sonntage in den Fasten, genannt Lätare. 63 Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial? oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes für eine Gleiche mit den Gözzen? Ihr aber seid der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen, und in ihnen wandeln, und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum gehet aus von ihnen, und sondert euch ab, spricht der HErr, und rühret kein Unreines an; so will ich euch annehmen, und euer Vater sein, und ihr sollet meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige HErr. Am vierten Sonntage in den Fasten, genannt Lätare. Vormittags. Epistel. Hebr. 9, 11-15.( Der sich selbst ohne Wandel Gott geopfert.) Christus aber ist kommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche, von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit; wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohn allen Wandel durch den Heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfahen. Evangelium. Joh. 8, 46-59.( Wer unter euch kann mich einer Sünde zeihen?) Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort. Darum höret ihr nicht; denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Sch habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unchret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprecht, er sei euer Gott; und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen, ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sahe ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und haft Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe denn Abraham ward, bin ich. Da huben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Uber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. Am vierten Sonntage in den Fasten, genannt Lätare. Epistolische Lektion. 1. Petri 1, 17-25.( Das teure Blut.) Und sintemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, so lange ihr hie wallet, mit Furcht; und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Bammes; der zwar zuvor versehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber offenbaret zu den letzten Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubet an Gott, der ihn auferwecket hat von den Toten, und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf daß ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet. Und machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist, zu ungefärbter Bruderliebe, und habt euch unter einander brünftig lieb aus reinem Herzen, als die da wiederum geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibet. Denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grafes Blume. Das Gras ist verdorret, und die Blume abgefallen: aber des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit. Das ist das Wort, welches unter euch verkündiget ist. 64 Evangelische Lektion. Matth. 27, 1-10.( Ich habe unschuldig Blut verraten.) Des Morgens aber hielten alle Hohepriester und die Ältesten des Volks einen Rat über Jesum, daß sie ihn töteten. Und banden ihn, führeten ihn hin und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato. Da das sahe Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verraten habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an? Da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin und erhängte sich selbst. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat und kauften einen Töpfersacker darum, zum Begräbnis der Pilger. Daher ist derselbige Acker genennet der Blutacker bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel; und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der HErr befohlen hat. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Teftamente. Maleachi 2, 1-10.( 3hr Priester seid von dem Wege abgetreten.) Und nun, ihr Priester, dies Gebot gilt euch. Wo ihrs nicht höret noch zu Herzen nehmen werdet, daß ihr meinem Namen die Ehre gebet, spricht der HErr Zebaoth; so werde ich den Fluch unter euch schicken, und euren Segen verfluchen; ja verfluchen werde ich ihn, weil ihrs nicht wollet zu Herzen nehmen. Siche, ich will schelten euch samt dem Samen, und den Koth eurer Feiertage euch ins Gesicht werfen, und soll an euch kleben bleiben. So werdet ihr dann erfahren, daß ich solch Gebot zu euch gesandt habe, daß es mein Bund sein sollte mit Levi, spricht der HErr Zebaoth. Denn mein Bund war mit ihm zum Leben und Frieden; und ich gab ihm die Furcht, daß er mich fürchtete und meinen Namen scheuete. Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Munde, und ward kein Böses in seinen Lippen Auf das Fest der Verkündigung Mariä 2c. 65 funden. Er wandelte vor mir friedsam und aufrichtig, und bekehrete viele von Sünden. Denn des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, daß man aus seinem Munde das Gesetz suche; denn er ist ein Engel des HErrn Zebaoth. Ihr aber seid von dem Wege abgetreten, und ärgert viele im Geset, und habt den Bund Levi verbrochen, spricht der HErr Zebaoth. Darum hab ich auch euch gemacht, daß ihr verachtet und unwert seid vor dem ganzen Volk; weil ihr meine Wege nicht haltet, und sehet Personen an im Gesetze. Denn haben wir nicht alle Einen Vater? Hat uns nicht Ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern, und entheiligen den Bund, mit unsern Vätern gemacht? Lektion aus dem Neuen Testamente. Hebr. 7, 11-28.( Der Hohepriester, der da ist heilig, von den Sündern abgesondert.) Ist nun die Vollkommenheit durch das levitische Priestertum geschehen ( denn unter demselbigen hat das Volk das Geset empfangen), was ist denn weiter not zu sagen, daß ein anderer Priester aufkommen solle nach der Ordnung Melchisedeks, und nicht nach der Ordnung Narons? Denn wo das Priestertum verändert wird, da muß auch das Gesetz verändert werden. Denn von dem solches gesagt ist, der ist von einem andern Geschlecht, aus welchem nie feiner des Altars gepfleget hat. Denn es ist ja offenbar, daß von Juda aufgegangen ist unser HErr; zu welchent Geschlecht Moses nichts geredet hat vom Priestertum. Und es ist noch klärlicher, so nach der Weise Melchisedeks ein anderer Priester auffommt, welcher nicht nach dem Gesetz des fleischlichen Gebots gemacht ist, sondern nach der Kraft des unendlichen Lebens. Denn er bezeuget: Du bist ein Priester ewiglich nach der Ordnung Melchisedeks. Denn damit wird das vorige Gesey aufgehoben, darum, daß es zu schwach und nicht nüz war;( denn das Gesetz konnte nichts vollkommen machen,) und wird eingeführet eine bessere Hoffnung, durch welche wir zu Gott nahen; und dazu, das viel ist, nicht ohne Eid. Denn jene sind ohne Eid Priester worden; dieser aber mit dem Eide, durch den, der zu ihm spricht: Der HErr hat geschworen, und wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. Also gar viel eines bessern Testaments Ausrichter ist Jesus worden. Und jener find viel, die Priester wurden, darum, daß sie der Tod nicht bleiben ließ; dieser aber darum, daß er bleibet ewiglich, hat er ein unvergänglich Priestertum. Daher er auch selig machen kann immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebet immerdar, und bittet für sie. Denn einen solchen Hohenpriester follten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert, und höher, denn der Himmel ist; dem nicht täglich not wäre, wie jenen Hohenpriestern, zuerst für eigene Sünden Opfer zu thun, darnach für des Volks Sünden; denn das hat er gethan einmal, da er sich selbst opferte. Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die da Schwachheit haben; dieß Wort aber des Eides, das nach dem Gesetz gesagt ist, setzet den Sohn ewig und vollkommen. Auf das Fest der Verkündigung Mariä, so am Sonntage Judica gefeiert wird. Vormittags. Epistel. Jef. 7, 10-15.( Den wird sie Immanuel heißen.) Und der HErr redete abermal zu Ahas, und sprach: Fordere dir ein Zeichen vom HErrn, deinem Gott, es sei unten in der Hölle, oder droben in 5 66 Auf das Fest der Verkündigung Mariä 2c. der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich wills nicht fordern, daß ich den HErrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause David: Ifts euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der HErr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird fie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse Böses zu verwerfen, und Gutes zu erwählen. Evangelium. Luc. 1, 26-38.( Er wird groß sein.) Und im sechsten Mond ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seiest du, Holdselige; der HErr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern. Da sie aber ihn sahe, erschrat sie über seiner Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott funden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der HErr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben. Und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? sintemal ich von keinem Manne weiß. Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und gehet jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt haft. Und der Engel schied von ihr. Epistolische Lektion. Röm. 5, 12-21.( Der andere Adam.) Derhalben, wie durch Einen Menschen die Sünde ist kommen in die Welt, und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündiget haben; denn die Sünde war wohl in der Welt bis auf das Geset; aber wo kein Gesetz ist, da achtet man der Sünde nicht; sondern der Tod herrschte von Adam an bis auf Mosen, auch über die, die nicht gesündiget haben mit gleicher Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild des, der zukünftig war. Aber nicht hält sichs mit der Gabe, wie mit der Sünde. Denn so an Eines Sünde viele gestorben sind, so ist viel mehr Gottes Gnade und Gabe vielen reichlich widerfahren durch die Gnade des einigen Menschen, Jesu Christi. Und nicht ist die Gabe allein über Eine Sünde, wie durch des einigen Sünders einige Sünde alles Verderben. Denn das Urteil ist kommen aus einer Sünde zur Verdammnis; die Gabe aber hilft auch aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit. Denn so um des Einigen Sünde willen der Tod geherrschet hat durch den Einen; viel mehr werden die, so da empfahen die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit, herrschen im Beben, durch Einen, Jesum Christ. Wie nun durch Eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen kommen ist; also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen kommen. Denn gleich wie durch Eines Menschen Ungehorsam viel Sünder worden sind; also auch durch Eines Gehorsam viel echte. Das Auf das Fest der Verkündigung Mariä 2c. 67 Gesetz aber ist neben einkommen, auf daß die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig worden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger worden; auf daß, gleichwie die Sünde geherrschet hat zu dem Tode, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesum Christ, unsern HErrn. Evangelische Sektion. Matth. 27, 11-31.( Der dornengekrönte König.) Jejus aber stund vor dem Landpfleger; und der Landpfleger fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jefus aber sprach zu ihm: Du sagst es. Und da er verklagt ward von den Hohenpriestern und ältesten, antwortete er nichts. Da sprach Pilatus zu ihm: Hörest du nicht, wie hart fie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Auf das Fest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen los zu geben, welchen fie wollten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der hieß Barabbas. Und da sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch los gebe? Barabbam oder Jesum, von dem gesagt wird, er sei Christus? Denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Nichtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, daß sie um Barabbas bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Sie sprachen: Barabbam. Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird, er sei Christus? Sie sprachen alle: Laß ihn freuzigen! Der Landpfleger sagte: Was hat er denn Übels gethan? Sie schrien aber noch mehr und sprachen: Laß ihn kreuzigen! Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten: sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. Da gab er ihnen Barabbam los; aber Jesum ließ er geißeln und überantwortete ihn, daß er gekreuziget würde. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar. Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an, und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt, und ein Rohr in seine rechte Hand, und beugten die Kniee vor ihm und spotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seiest du, der Juden König. Und speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihn den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führeten ihn hin, daß sie ihn freuzigten. Nachmittags. Sektion aus dem Alten Testamente. Psalm 2.( Sie lehnen sich auf wider den Herrn und seinen Gesalbten.) Warum toben die Heiden, und die Leute reden so vergeblich? Die Könige im Lande lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen mit einander wider den HErrn und seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande, und von uns werfen ihre Seile. Aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der HErr spottet ihrer. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn, 68 Am Sonntage Palmarum. und mit seinem Grimm wird er sie schrecken. Aber ich habe meinen König eingesetzt, auf meinen heiligen Berg Zion. Ich will von einer solchen Weise predigen, daß der HErr zu mir gesagt hat: Du bist mein Sohn, heute hab ich dich gezeuget: heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben, und der Welt Ende zum Eigentum; du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen. So laßt euch nun weisen, ihr Könige, und laßt euch züchtigen, ihr Richter auf Erden. Dienet dem HErrn mit Furcht, und freuet euch mit Bittern. Küffet den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkommet auf dem Wege; denn sein Born wird bald anbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen. Sektion aus dem Neuen Testamente. Col 2, 6-15.( Er hat die Gewaltigen Schau getragen.) Wie ihr nun angenommen habt den HErrn Christum Jesum, so wandelt in ihm, und seid gewurzelt und erbauet in ihm, und seid feste im Glauben, wie ihr gelehret seid, und seid in demselbigen reichlich dankbar. Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre, und nach der Welt Sagungen, und nicht nach Christo. Denn in ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstentümer und Obrigkeit; in welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Beibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi; in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten; und hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, da ihr tot waret in den Sünden, und in der Vorhaut eures Fleisches und hat uns geschenket alle Sünden, und ausgetilget die Handschrift, so wider uns war, welche durch Sazungen entstund und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel gethan, und an das Kreuz geheftet; und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen, und sie Schau getragen öffentlich, und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst. Am Sonntage Palmarum. 754 Vormittags. Epistel. Phil. 2, 5-13.( Gehorsam bis zum Tode am Kreuz.) Ein jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt ers nicht für einen Raub, Gotte gleich ſein; sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden; erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu fich beugen sollen alle derer Kniee, die im Himmel, und auf Erden, und unter der Erde sind, und alle 3ungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der HErr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Also, meine Liebsten, wie ihr allezeit seid gehorsam gewesen, nicht allein in meiner Gegenwärtigkeit, sondern auch nun viel mehr in meinem Abwesen; schaffet, daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ists, der in euch wirket beide das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Am Sonntage Palmarum. Evangelium. Jes. 53.( Um unserer Sünde willen zerschlagen.) Siehe, mein Knecht wird weislich thun, und wird erhöhet, und sehr Hoch erhaben sein; daß sich viele über dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist, denn anderer Beute, und sein Ansehen, denn der Menschenfinder. Aber also wird er viel Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten. Denn welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werdens mit Rust sehen; und die nichts davon gehöret haben, die werdens merken. Aber wer glaubt unserer Predigt? und wem wird der Arm des HErrn offenbaret? Denn er schießt auf vor ihm wie ein Reis, und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir fahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der allerverachtetste und unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden find wir geheilet. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sahe auf seinen Weg; aber der HErr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, that er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummet vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht aufthut. Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missethat meines Volts geplagt war. Und er ist begraben wie die Gottlosen, und gestorben wie ein Reicher; wiewohl er niemand Unrecht gethan hat, noch Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der HErr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben, und in die Länge leben, und des HErrn Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen, und die Fülle haben. Und durch sein Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen; denn er trägt ihre Sünde. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben; und er soll die Starken zum Raube haben; darum, daß er sein Leben in Tod gegeben hat, und den Übelthätern gleich gerechnet ist, und er vieler Sünde getragen hat, und für die Übelthäter gebeten. 69 Epistolische Lektion. Gal. 2, 16-21.( Ich bin mit Chrifto gekreuzigt.) Doch weil wir wissen, daß der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesum Christum: so glauben wir auch an Christum Jesum, auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Christum, und nicht durch des Gesetzes Werke; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht. Sollten wir aber, die da suchen durch Christum gerecht zu werden, auch noch selbst Sünder erfunden werden; so wäre Christus ein Sündendiener. Das sei ferne! Wenn ich aber das, so ich zerbrochen habe, wiederum baue, so mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Ich bin aber durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf daß ich Gotte lebe; ich bin mit Christo gefreuziget. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohns Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für 70 Am Sonntage Palmarum. mich dargegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn so durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben. Evangelische Lektion. Luc. 23, 26-38.( Sie führten ihn hin, daß er gefreuzigt würde.) Und als sie ihn hinführeten, ergriffen sie einen, Simon von Kyrene, der kam vom Felde, und legten das Kreuz auf ihn, daß ers Jesu nachtrüge. Es folgete ihm aber nach ein großer Haufe Volts und Weiber, die klageten und beweineten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns, und zu den Hügeln: Decket uns. Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführt zween andere Übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte; freuzigten sie ihn daselbst, und die Übelthäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Bater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Und sie teileten seine Kleider, und warfen das Vos darum. Und das Volk stund, und sahe zu, und die Obersten samt ihnen spotteten sein und sprachen: Er hat andern geholfen, er helfe ihm selber, ist er Christ, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Es war auch oben über ihm geschrieben die Überschrift, mit griechischen und lateinischen, und ebräischen Buchstaben: Dies ist der Juden König. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jeremias 18, 1-14.( Das Regenwasser verschießt nicht so bald, als mein Volk meiner vergißt.) Dies ist das Wort, das geschah vom HErrn zu Jeremia, und sprach: Mache dich auf und gehe hinab in des Töpfers Haus; daselbst will ich dich meine Worte hören lassen. Und ich ging hinab in des Töpfers Haus; und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. Und der Topf, so er aus dem Thon machte, mißriet ihm unter Händen. Da machte er wiederum einen andern Topf, wie es ihm gefiel. Da geschah des HErrn Wort zu mir, und sprach: Kann ich nicht auch also mit euch umgehen, ihr vom Hause Israel, wie dieser Töpfer? spricht der HErr. Siehe, wie der Thon ist in des Töpfers Hand, also seid auch ihr vom Hause Israel in meiner Hand. Plötzlich rede ich wider ein Volk und Königreich, daß ichs ausrotten, zerbrechen und verderben wolle. Wo sichs aber bekehret von seiner Bosheit, dawider ich rede, so soll mich auch reuen das Unglück, das ich ihm gedachte zu thun. Und plötzlich rede ich von einem Volk und Königreich, daß ichs bauen und pflanzen wolle. So es aber Böses thut vor meinen Augen, daß es meiner Stimme nicht gehorcht, so soll mich auch reuen das Gute, das ich ihm verheißen hatte zu thun. So sprich nun zu denen in Juda und zu den Bürgern zu Jerusalem: So spricht der HErr: Siehe, ich bereite euch ein Unglück zu, und habe Gedanken wider euch; darum kehre sich ein jeglicher von seinem bösen Wesen, und bessert euer Wesen und Thun. Aber sie sprechen: Da wird nichts aus; wir wollen nach unsern Gedanken wandeln, und ein jeglicher thun nach Gedünken seines bösen Herzens. Darum spricht der HErr: Fragt > Gründonnerstag. doch unter den Heiden, wer hat je deßgleichen gehöret, daß die Jungfrau Israel so gar greulich Ding thut? Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenns vom Libanon herab schneiet; und das Regenwasser verschießt nicht so bald, als mein Volk mein vergißt. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Tim. 1, 12-17.( Das teuer werte Wort.) Und ich danke unserm HErrn Christo Jesu, der mich stark gemacht, und treu geachtet hat, und gesetzt in das Amt, der ich zuvor war ein Lästerer, ein Verfolger und ein Schmäher; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren; denn ich habs unwissend gethan im Unglauben. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unsers HErrn, samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist. Denn das ist je gewißlich wahr, und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigete alle Geduld, zum Erempel denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen Könige, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. 71 Gründonnerstag. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 11, 23-32.( Das ist mein Leib, das ist mein Blut.) Ich habe es von dem HErrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der HErr Jesus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete, und brachs, und sprach: Nehmet, effet, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot effet und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset, oder von dem Kelch des HErrn trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des HErrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des HErrn. Darum sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem HErrn gezüchtiget, auf daß wir nicht samt der Welt verdammet werden. Evangelium. Joh. 13, 1-15.( Er liebte die Seinen bis ans Ende.) Vor dem Fest aber der Ostern, da Jesus erkannte, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater, wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriete, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott kommen war, und zu Gott ging: stund er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab, und nahm einen Schurz, und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem 72 Gründonnerstag. Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu ihm: HErr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißest du jetzt nicht; du wirsts aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: HErr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein; aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und HErr, und saget recht daran; denn ich bins auch. So nun ich, euer HErr und Meister, euch die Füße gewaschen habe; so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Epistolische Lektion. 1. Cor. 10, 14-21.( Viele Ein Leib.) Darum, meine Liebsten, fliehet von dem Gögendienst. Als mit den Klugen rede ich, richtet ihr, was ich sage. Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn Ein Brot ists, so sind wir viele Ein Beib; dieweil wir alle Eines Brotes teilhaftig sind. Sehet an den Israel nach dem Fleisch. Welche die Opfer effen, sind die nicht in der Gemeinschaft des Altars? Was soll ich denn nun fagen: Soll ich sagen, daß der Götze etwas sei? oder daß das Gökenopfer etwas sei? Aber ich sage, daß die Heiden, was sie opfern, das opfern sie den Teufeln, und nicht Gotte. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollet. Ihr könnt nicht zugleich trinken des HErrn Kelch, und der Teufel Kelch; ihr könnt nicht zugleich teilhaftig sein des HErrn Tisches, und der Teufel Tisches. Evangelische Lektion. Joh. 6, 47-58.( Wer mich isset, wird leben.). Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubet, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot das Lebens. Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste, und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel kommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Da zanketen die Juden unter einander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu effen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohns, und trinken sein Blut, so habt ihr tein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset, und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trant. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir, und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater, und ich lebe um des Vaters willen; also, wer mich isset, derselbige wird auch leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommen ist, nicht wie eure Väter haben Manna gegessen, und sind gestorben. Wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit. 73 Charfreitag. Charfreitag. Vormittags. Epistolische Lektion. 2. Cor. 5, 14-21.( Saffet euch verföhnen mit Gott.) Denn die Liebe Christi dringet uns also; sintemal wir halten, daß, so Einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für sie alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Darum von nun an kennen wir niemand nach dem Fleisch; und ob wir auch Christum gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu worden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnet hat durch Jesum Christ, und das Amt gegeben, das die Versöhnung prediget. Denn Gott war in Christo, und versöhnete die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt; denn Gott vermahnet durch uns. So bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von feiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Oder: Psalm 22.( Warum hast du mich verlassen?) Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich heule, aber meine Hülfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des Nachts schweige ich auch nicht. Aber du bist heilig, der du wohnest unter dem Bob Israels. Unsere Väter hofften auf dich, und da sie hofften, halfest du ihnen aus. Zu dir schrieen sie, und wurden errettet; fie hofften auf dich, und wurden nicht zu schanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks. Alle, die mich sehen, spotten mein, sperren das Maul auf, und schütteln den Ropf: Er klage es dem HErrn, der helfe ihm aus, und errette ihn, hat er Lust zu ihm. Denn du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du warest meine Zuversicht, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war. Auf dich bin ich geworfen aus Mutterleibe; du bist mein Gott von meiner Mutter Leib an. Sei nicht ferne von mir; denn Angst ist nahe; denn es ist hie kein Helfer. Große Farren haben mich umgeben, fette Ochsen haben mich umringet; ihren Rachen sperren sie auf wider mich, wie ein brüllender und reißender Löwe. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennet; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzen Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben, und meine Zunge klebet an meinem Gaumen; und du legest mich in des Todes Staub. Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat sich um mich gemacht; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. Ich möchte alle meine Beine zählen. Sie aber schauen, und sehen ihre Lust an mir. Sie teilen meine Kleider unter sich, und werfen das Los um mein Gewand. Aber du, HErr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile mir zu helfen. Errette meine Seele vom Schwert, meine Einsame von den Hunden. Hilf mir aus dem Rachen des Löwen, und errette mich von den Einhörnern. Ich will deinen Namen predigen meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeine rühmen. Rühmet den HErrn, die ihr ihn fürchtet; es ehre ihn aller Same Jakobs, und vor ihm scheue sich aller Same Israels. Denn er hat nicht verachtet noch verschmähet das Elend des Armen, und sein Antlig vor ihm nicht verborgen, 74 Charfreitag. und da er zu ihm schrie, hörete ers. Dich will ich preisen in der großen Gemeine; ich will meine Gelübde bezahlen vor denen, die ihn fürchten. Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden; und die nach dem HErrn fragen, werden ihn preisen, euer Herz soll ewiglich leben. Es werde gedacht aller Welt Ende, daß sie sich zum HErrn bekehren, und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden. Denn der HErr hat ein Reich, und er herrschet unter den Heiden. Alle Fetten auf Erden werden essen und anbeten; vor ihm werden nice beugen alle, die im Staube liegen, und die, so kümmerlich leben. Er wird einen Samen haben, der ihm dienet; vom HErrn wird man verkündigen zu Kindskind. Sie werden kommen, und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird, daß ers thut. Evangelische Lektion. Luc. 23, 39-49.( Des HErrn Tod.) Aber der Übelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und zwar wir sind billig darinnen; denn wir empfahen, was unsere Thaten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und es war um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land, bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriß mitten entzwei. Und Jesus rief laut und sprach: Bater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, verschied er. Da aber der Hauptmann sahe, was da geschah, preisete er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen. Und alles Volk, das dabei war und zusahe, da sie sahen, was da geschah, schlugen sich an ihre Brust, und wandten wieder um. Es stunden aber alle seine Verwandten von ferne, und die Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, und sahen das alles. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Micha 6, 1-8.( Was hab ich dir gethan mein Volk?) Höret doch, was der HErr sagt: Mache dich auf; und schilt die Berge, und laß die Hügel deine Stimme hören. Höret ihr Berge, wie der HErr strafen will, samt den starten Grundfesten der Erde; denn der HErr will fein Volk schelten, und will Israel strafen. Was hab ich dir gethan, mein Volk? und womit habe ich dich beleidiget? Das sage mir. Hab ich dich doch aus Ägyptenland geführet, und aus dem Diensthause erlöset, und vor dir hergesandt Mosen, Aaron und Mirjam. Mein Volk, denke doch dran, was Balat, der König in Moab, vorhatte, und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete, von Sittim an bis gen Gilgal; daran ihr ja merken jolltet, wie der HErr euch alles Gute gethan hat. Womit soll ich den HErrn versöhnen? Mit Bücken vor dem hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn versöhnen? Meinest du, der Herr habe Gefallen an viel tausend Widdern? oder am Öl, wenn es gleich unzählige Ströme voll wären? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Übertretung geben? oder meines Leibes Frucht für die Sünde meiner Seele? Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HErr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, und Liebe üben, und demütig sein vor deinem Gott. D 1. Ostertag. 75 Beftion aus dem Neuen Testamente. 1. Joh. 2, 1-6.( Er ist die Versöhnung für unsere Sünden.) Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf daß ihr nicht fündiget. Und ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Und derfelbige ist die Versöhnung für unsere Sünde; nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt. Und an dem merken wir, daß wir ihn kennen, so wir seine Gebote halten. Wer da sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit. Wer aber sein Wort hält, in solchem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, daß wir in ihm sind. Wer da sagt, daß er in ihm bleibet, der soll auch wandeln, gleich wie er gewandelt hat. 1. Oftertag. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 5, 6-8.( Wir haben auch ein Osterlamm.) Euer Ruhm ist nicht sein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Oftern halten, nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit. Evangelium. Marci 16, 1-8.( Er ist auferstanden.) Und da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria Jacobi und Salome Specerei, auf daß sie kämen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizzen, der hatte ein lang weiß Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzet euch nicht; ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hie. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und sagts seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Bittern und Entsegen ankommen, und fagten niemand nichts; denn sie fürchteten sich. Epistolische Lektion. 1. Cor. 15, 12-28.( Der Erstling unter denen, die da schlafen.) So aber Christus geprediget wird, daß er sei von den Toten auferstanden; wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Toten sei nichts? Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist euer Glaube auch vergeblich. Wir würden aber auch erfunden falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeuget hätten, er hätte Christum auferwecket, den er nicht auferwecket hätte, sintemal die Toten nicht auferstehen. Denn jo die Toten nicht auferstehen, so ist Chriftus auch nicht auferstanden. Ist 76 1. Oftertag. Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden; so find auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, und der Erstling worden unter denen, die da schlafen. Sintemal durch einen Menschen der Tod, und durch einen Menschen die Auferstehung der Toten tommt. Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden. Ein jeglicher aber in seiner Ordnung. Der Erstling Christus, darnach die Christo angehören, wenn er kommen wird; darnach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater über antworten wird, wenn er aufheben wird alle Herrschaft, und alle Obrigkeit und Gewalt. Er muß aber herrschen, bis daß er alle seine Feinde unter seine Füße lege. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod. Denn er hat ihm alles unter seine Füße gethan. Wenn er aber sagt, daß es alles unterthan sei, ists offenbar, daß ausgenommen ist, der ihm alles unterthan hat. Wenn aber alles ihm unterthan sein wird, alsdann wird auch der Sohn selbst unterthan sein dem, der ihm alles unterthan hat, auf daß Gott sei alles in allen. Oder: Ezechiel 37, 9-14.( Ich will eure Gräber aufthun.) Und er sprach zu mir: Weissage zum Winde; weissage, du Menschenkind, und sprich zum Winde: So spricht der HErr HErr: Wind, komm herzu aus den vier Winden, und blafe diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden. Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig, und richteten sich auf ihre Füße. Und ihrer war ein sehr groß Heer. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Beine sind das ganze Haus Israel. Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Beine sind verdorret, und unsere Hoffnung ist verloren, und ist aus mit uns. Darum weissage, und sprich zu ihnen: So spricht der HErr HErr: Siehe, ich will eure Gräber aufthun, und will euch, mein Volk, aus denselben herausholen, und euch ins Land Israel bringen; und sollt erfahren, daß ich der HErr bin, wenn ich eure Gräber geöffnet, und euch, mein Volt, aus denselben gebracht habe. Und ich will meinen Geist in euch geben, daß ihr wieder leben sollt; und will euch in eurer Land setzen, und sollt erfahren, daß ich der HErr bin. Ich rede es, und thue es auch, spricht der HErr. Evangelische Lektion. Joh. 20, 1-10.( Das leere Grab.) An der Sabbather einem kommt Maria Magdalena frühe, da es noch finster war, zum Grabe, und siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war. Da läuft sie, und kommt zu Simon Petro, und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den HErrn weggenommen aus dem Grabe: und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus, und kamen zum Grabe. Es liefen aber die zween mit einander, und der andere Jünger lief zuvor, schneller denn Petrus, und kam am ersten zum Grabe; gucket hinein, und siehet die Leinen geleget; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach, und ging hinein in das Grab, und siehet die Leinen geleget, und das Schweißtuch, das Jesu um das Haupt gebunden war, nicht bei die Leinen geleget, sondern beiseits, eingewickelt, an einen sondern Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der am ersten zum Grabe kam, und sahe, und glaubete es. Denn sie wußten die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wieder zusammen. 1. Oftertag. tips Nachmittags. isa dim Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 118, 14-29.( Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist zum Eckstein worden.) Der HErr ist meine Macht, und mein Psalm, und ist mein Heil. Man fingt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Die Rechte des HErrn behält den Sieg; die Rechte des HErrn ist erhöhet; die Rechte des HErrn behält den Sieg. Ich werde nicht sterben, sondern leben, und des HErrn Werk verkündigen. Der HErr züchtiget mich wohl, aber er giebt mich dem Tode nicht. Thut mir auf die Thore der Gerechtigkeit, daß ich dahinein gehe und dem HErrn danke. Das ist das Thor des HErrn; die Gerechten werden dahinein gehen. Ich danke dir, daß du mich demütigest, und hilfst mir. Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist zum Eckstein worden. Das ist vom HErrn geschehen, und ist ein Wunder vor unsern Augen. Dies ist der Tag, den der HErr macht; laßt uns freuen, und fröhlich drinnen sein. O HErr, hilf, o HErr, laß wohl gelingen! Gelobet sei, der da Namen des HErrn. Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HErrn seid. Der HErr ist Gott, der uns erleuchtet. Schmücket das Fest mit Maien, bis an die Hörner des Altars. Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen. Danket dem HErrn; denn er ist freundlich, und jeine Güte währet ewiglich. mt im Lektion aus dem Neuen Testamente. Offenb. Joh. 5, 1-14.( Es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda.) Und ich sahe in der rechten Hand des, der auf dem Stuhl saß, ein Buch, geschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sahe einen starken Engel predigen mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzuthun, und seine Siegel zu brechen? Und niemand im Himmel, noch auf Erden, noch unter der Erde, konnte das Buch aufthun und drein sehen. Und ich weinete sehr, daß niemand würdig erfunden ward, das Buch aufzuthun und zu lesen, noch drein zu sehen. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht; siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel Davids, das Buch aufzuthun, und zu brechen seine sieben Siegel. Und ich sahe, und siche, mitten im Stuhl und den vier Tieren, und mitten unter den Ältesten stund ein Lamm, wie es erwürget wäre, und hatte sieben Hörner, und sieben Augen, welches sind die sieben Geister Gottes, gefandt in alle Lande. Und es kam, und nahm das Buch aus der rechten Hand des, der auf dem Stuhle saß. Und da es das Buch nahm, da fielen die vier Tiere und die vier und zwanzig Ältesten vor das Lamm, und hatten ein jeglicher Harfen und güldene Schalen voll Räuchwerks, welches sind die Gebete der Heiligen; und sangen ein neu Bied, und sprachen: Du bist würdig, zu nehmen das Buch, und aufzuthun seine Siegel; denn du bist erwürget, und hast uns Gott erkauft mit deinem Blut aus allerlei Geschlecht und Zungen und Volk und Heiden, und hast uns unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und wir werden Könige sein auf Erden. Und ich sahe, und hörete eine Stimme vieler Engel um den Stuhl, und um die Tiere, und um die Ältesten her; und ihre Zahl war viel tausend mal tausend; und sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Und alle Kreatur, die im Himmel ist, und auf Erden und unter der Erde und im Meer, und alles, was drinnen ist, hörete ich sagen zu dem, der auf dem Stuhl saß, und zu dem Lamm: 78 2. Oftertag. Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier Tiere sprachen: Amen. Und die vier und zwanzig Ältesten fielen nieder, und beteten an den, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 2. Ostertag. Bormittags. Epistel. Apgsch. 10, 34-41.( Denselbigen hat Gott auferwecket.) Petrus aber that seinen Mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum( welcher ist ein Herr über alles), die durchs ganze jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte: wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gejalbet hat mit dem Heiligen Geiste und Kraft; der umher gezogen ist, und hat wohlgethan, und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles des, das er gethan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getötet und an ein Holz gehänget. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Toten. Evangelium. Luc. 24, 13-35.( Durch Leiden zur Herrlichkeit.) Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldwegs weit, des Name heißt Emmaus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß fie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen drinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammnis des Todes, und gefreuziget. Wir aber hoffeten, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern; die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht funden, kommen und sagen, sie haben ein Gesichte der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe, und fandens also, wie die Weiber sagten; aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben. Mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen; und er stellete fich, als wollte er fürder gehen und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er 2. Oftertag. 79 das Brot, dankete und brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie stunden auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem, und fanden die Elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der HErr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brot brach. Epistolische Lektion. 1. Cor. 15, 35-58.( Der Tod ist verschlungen in dem Sieg.) Möchte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferstehen? und mit welcherlei Leibe werden sie kommen? Du Narr, das du säest, wird nicht Lebendig, es sterbe denn. Und das du säest, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloß Korn, nämlich Weizen, oder der andern eines. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein ander Fleisch ist der Menschen, ein anderes des Viehes, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel. Und es sind himmlische Körper, und irdische Körper. Aber eine andre Herrlichkeit haben die himmlischen, und eine andere die irdischen. Eine andere Klarheit hat die Sonne; eine andere Klarheit hat der Mond; eine andere Klarheit haben die Sterne; denn ein Stern übertrifft den andern nach der Klarheit. Also auch die Auferstehung der Toten. Es wird gefäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich. Es wird gefäet in Unehre, und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gefäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Es wird gefäet ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Hat man einen natürlichen Leib, so hat man auch einen geistlichen Beib. Wie es geschrieben stehet: Der erste Mensch, Adam, ist gemacht ins natürliche Leben, und der letzte Adam ins geistliche Leben. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, und irdisch; der andere Mensch ist der HErr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Davon sage ich euch, lieben Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche. Sieh, ich fage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen; wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbige plötzlich in einem Augenblick zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit; dann wird erfüllet werden das Wort, das geschrieben stehet: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern HErrn Jesum Chriftum. Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werk des HErrn, fintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem HErrn. 2. Oftertag. Oder: Jef. 25, 1-8.( Er wird den Tod verschlingen ewiglich.) HErr, du bist mein Gott; dich preise ich. Ich lobe deinen Namen, denn du thuft Wunder. Deine Vornehmen von Altem her sind treu und wahrhaftig. Denn du machest die Stadt zum Steinhaufen; die feste Stadt, daß fie auf einem Haufen liegt; der Fremden Palast, daß nicht mehr eine Stadt sei, und nimmermehr gebauet werde. Darum ehret dich ein mächtig Volk, die Städte gewaltiger Heiden fürchten dich. Denn du bist der Geringen Stärke, der Armen Stärke in Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Thrannen wüten, wie ein lingewitter wider eine Wand. Du demütigest der Fremden Ungestüm, wie die Hitze in einem dürren Ort, daß die Hitze den Reben der Thrannen verderbe, und die Wolke dennoch Schatten gebe. Und der HErr Zebaoth wird allen Völkern machen auf diesem Berge ein fett Mahl, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. Und er wird auf diesem Berge das Hüllen weg thun, damit alle Völker verhüllet sind, und die Decke, damit alle Heiden zugedeckt sind. Denn er wird den Tod verschlingen ewiglich. Und der HErr HErr wird die Thränen von allen Angesichten abwischen, und wird aufheben die Schmach seines Volts in allen Landen; denn der HErr hats geſagt. 80 Evangelische Lektion. Joh. 20, 11-18.( Was weinest du?) Maria aber stund vor dem Grabe, und weinete draußen. Als sie nun weinete, guckte sie in das Grab; und siehet zween Engel in weißen Kleidern siten, einen zu den Häupten, den andern zu den Füßen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und dieselbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen HErrn weggenommen; und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich zurücke, und siehet Jesum stehen, und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? wen suchest du? Sie meinet, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hingeleget? so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um, und spricht zu ihm: Rabbuni, das heißt, Meister. Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern, und fage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater, und zu eurem Vater, zu meinem Gott, und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt, und verkündiget den Jüngern: Ich habe den HErrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt. Nachmittags. Lektion aus dem alten Testamente. Psalm 16.( Du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese.) Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich. Ich habe gesagt zu dem HErrn: Du bist ja der HErr, ich muß um deinetwillen leiden. Für die Heiligen, so auf Erden sind, und für die Herrlichen; an denen hab ich mein Gefallen. Aber jene, die einem andern nacheilen, werden groß Herzeleid haben. Ich will ihres Trankopfers mit dem Blut nicht opfern, noch ihren Namen in meinem Munde führen. Der HErr aber ist mein Gut und mein Teil; du erhältst mein Erbteil. Das Los ist mir gefallen aufs Biebliche, mir ist ein schön Erbteil worden. Ich lobe den HErrn, der mir geraten hat; auch züchtigen mich meine Nieren des Nachts. Ich habe den HErrn allezeit vor Augen; denn er ist mir zur Rechten, darum werde ich wohl bleiben. Darum freuet sich mein Herz, und meine Ehre ist fröhlich, auch 81 Am ersten Sonntage nach Ostern, genannt Quasimodogeniti. mein Fleisch wird sicher liegen. Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, und nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese. Du thust mir fund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle, und lieblich Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 13, 26-41.( Er hat die Verwesung nicht gesehen.) Ihr Männer, lieben Brüder, ihr Kinder des Geschlechtes Abraham, und die unter euch Gott fürchten, euch ist das Wort dieses Heils gesandt. Denn die zu Jerusalem wohnen, und ihre Obersten, dieweil sie diesen nicht kenneten, noch die Stimme der Propheten,( welche auf alle Sabbather gelesen werden), haben sie dieselben mit ihrem Urteilen erfüllet. Und wiewohl sie keine Ursache des Todes an ihm fanden, baten sie doch Pilatum, ihn zu töten. Und als sie alles vollendet hatten, was von ihm geschrieben ist, nahmen sie ihn von dem Holz, und legten ihn in ein Grab. Aber Gott hat ihn auferwecket von den Toten. Und er ist erschienen viel Tage denen, die mit ihm hinauf von Galiläa gen Jerusalem gegangen waren; welche sind seine Zeugen an das Volk. Und wir auch verkündigen euch die Verheißung, die zu unsern Vätern geschehen ist, daß dieselbige Gott uns, ihren Kindern, erfüllet hat in dem, daß er Jesum auferwecket hat; wie denn im andern Pfalm geschrieben stehet: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget. Daß er ihn aber hat von den Toten auferweckt, daß er fort nicht mehr soll verwesen, spricht er also: Ich will euch die Gnade, David verheißen, treulich halten. Darum spricht er auch am andern Ort: Du wirst es nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe. Denn David, da er zu seiner Zeit gedienet hatte dem Willen Gottes, ist er entschlafen, und zu seinen Vätern gethan, und hat die Verwesung gesehen. Den aber Gott auferweckt hat, der hat die Verwesung nicht gesehen. So sei es nun euch fund, lieben Brüder, daß euch verkündiget wird Vergebung der Sünden durch diesen, und von dem allen, durch welches ihr nicht konntet im Gesetz Mosis gerecht werden. Wer aber an diesen glaubet, der ist gerecht. Sehet nun zu, daß nicht über euch komme, das in den Propheten gesagt ist: Sehet, ihr Verächter, und verwundert euch, und werdet zu nichte; denn ich thue ein Werk zu euren Zeiten, welches ihr nicht glauben werdet, so es euch jemand erzählen wird. Am ersten Sonntage nach Ostern, genannt Quasimodogeniti. Vormittags. Epistel. 1. Joh. 5, 1-13.( Was von Gott geboren ist, überwindet die Welt.) Wer da glaubet, daß Jesus sei der Christ, der ist von Gott geboren. Und wer da liebet den, der ihn geboren hat, der liebet auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben, und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten, und seine Gebote find nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ists, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ists, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn[ drei sind, die da zeugen im Himmel: Der Vater, das Wort und der Heilige Geist; und diese drei sind Eins, und] drei sind, die da zeugen auf Erden: Der Geist, und das Wasser und das Blut; und die drei sind 6 82 Am ersten Sonntage nach Ostern, genannt Quasimodogeniti. beisammen. So wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis größer; denn Gottes Zeugnis ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solch Zeugnis bei ihm. Wer Gott nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubet nicht dem Zeugnis, das Gott zeuget von seinem Sohne. Und das ist das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Solches hab ich euch geschrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes, auf daß ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habet, und daß ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes. Evangelium. Joh. 20, 19-31.( Friede sei mit euch.) Am Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt, und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus, und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände, und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den HErrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der 3wölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meinen Finger in die Nägelmale, und meine Hand in seine Seite, will ichs nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger drinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HErr, und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Auch viel andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen. Epistolische Lektion. 1. Petri 1, 3-16.( Die lebendige Hoffnung.) Gelobet sei Gott, und der Vater unsers HErrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wieder geboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel, euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit( wo es sein soll) traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu Lobe, Preis und Ehre, wenn nun offenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen 83 Am ersten Sonntage nach Ostern, genannt Quasimodogeniti. mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit; nach welcher Seligkeit haben gesucht und geforschet die Propheten, die von der zukünftigen Gnade auf euch geweisfaget haben, und haben geforschet, auf welche und welcherlei Zeit deutete der Geist Christi, der in ihnen war, und zuvor bezeuget hat die Leiden, die in Christo sind, und die Herrlichkeit darnach; welchen es offenbaret ist. Denn sie habens nicht ihnen selbst, sondern uns dargethan, welches euch nun verkündiget ist durch die, so euch das Evangelium verkündiget haben, durch den Heiligen Geist vom Himmel gesandt, welches auch die Engel gelüstet zu schauen. Darum so begürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern, und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi, als gehorsame Kinder, und stellet euch nicht gleich wie vorhin, da ihr in Unwissenheit nach den Lüsten lebetet; sondern nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem euren Wandel. Denn es stehet geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Evangelische Lektion. Joh. 21, 1-19.( Simon Johanna, hast du mich lieb?) Darnach offenbarte sich Jesus abermal den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarte sich aber also. Es waren bei einander Simon Petrus und Thomas, der da heißet Zwilling, und Nathanael, von Cana in Galiläa, und die Söhne Zebedäi, und andere zween seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will hin fischen gehen. Sie sprachen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus, und traten in das Schiff alsbald, und in derselbigen Nacht fingen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stund Jesus am Ufer; aber die Jünger wußten nicht, daß es Jeſus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie, und konntens nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Petro: Es ist der HErr. Da Simon Petrus hörete, daß es der HErr war, gürtete er das Hemd um sich( denn er war nackend), und warf sich ins Meer. Die andern Jünger aber kamen auf dem Schiffe( denn sie waren nicht fern vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen), und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun austraten auf das Land, sahen sie Kohlen geleget, und Fische darauf, und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein, und zog das Netz auf das Land voll großer Fische, hundert und drei und funfzig. Und wiewohl ihrer so viel waren, zerriß doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern durfte ihn fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus, und nimmt das Brot, und giebts ihnen, desselbigen gleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, daß Jesus offenbaret ist seinen Jüngern, nachdem er von den Toten auferstanden ist. Da fie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, HErr, du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Spricht er zum andern Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, HErr, du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe. Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach 6* 81 Am ersten Sonntage nach Ostern, genannt Quasimodogeniti. zu ihm: HErr, du weißest alle Dinge; du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, da du jünger warest, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten, und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber, zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach. Nachmittags: Lektion aus dem Alten Testamente. Jes. 52, 1-10.( Die Füße der Boten auf den Bergen.) Mache dich auf, mache dich auf, Zion; zeuch deine Stärke an, schmücke dich herrlich, du heilige Stadt Jerusalem. Denn es wird hinfort kein Unbeschnittener oder Unreiner in dir regieren. Mache dich aus dem Staube, stehe auf, du gefangene Jerusalem; mache dich los von den Banden deines Halfes, du gefangene Tochter Zion. Denn also spricht der HErr: Ihr seid umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld gelöset werden. Denn so spricht der HErr HErr: Mein Volk zog am ersten hinab in Egypten, daß es daſelbst ein Gast wäre; und Assur hat ihm ohn Ursach Gewalt gethan. Aber wie thut man mir jetzt allhie? spricht der HErr. Mein Volk wird umsonst verführet! seine Herrscher machen eitel Heulen, spricht der HErr; und mein Name wird immer täglich gelästert. Darum soll mein Volk meinen Namen kennen zu derselbigen Zeit; denn siehe, ich will selbst reden. Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Friede verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen; die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König. Deine Wächter rufen laut mit ihrer Stimme, und rühmen mit einander; denn man wirds mit Augen sehen, wenn der HErr Zion bekehret. Baffet fröhlich sein, und mit einander rühmen das Wüste zu Jerusalem; denn der HErr hat sein Volk getröstet, und Jerusalem erlöset. Der HErr hat offenbaret seinen heiligen Arm, vor den Augen aller Heiden; daß aller Welt Ende fiehet das Heil unsers Gottes. Sektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 5, 1-10.( Das Haus, das ewig ist im Himmel.) Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. Und über demselbigen sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget, daß wir damit überkleidet werden; so doch, wo wir bekleidet, und nicht bloß erfunden werden. Denn dieweil wir in der Hütte find, sehnen wir uns, und find beschweret; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber zu demselbigen bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist, gegeben hat. Wir sind aber getrost allezeit, und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir dem HErrn. Denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost, und haben vielmehr Lust, außer dem Beibe zu wallen, und daheim zu sein bei dem HErrn. Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben. es sei gut oder böse. Am zweiten Sonntage nach Ostern, genannt Misericordias Domini. 85 Am zweiten Sonntage nach Ostern, genannt Misericordias Domini. Vormittags. Epistel. 1. Petri 2, 19-25.( 3hr waret wie die irrenden Schafe.) Denn das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das übel verträgt, und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, das ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litt; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Evangelium. Joh. 10, 12-18.( Ich bin ein guter Hirte.) Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte läffet sein Leben für seine Schafe. Ein Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen find, siehet den Wolf kommen, und verlässet die Schafe, und fleucht; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Mietling aber fleucht; denn er ist ein Mietling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird Eine Herde und Ein Hirte werden. Darum liebet mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, auf daß ichs wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu lassen, und habe es Macht wieder zu nehmen. Solch Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. Epistolische Lektion. Röm. 14, 6-13.( Wir sind des HErrn.) Welcher auf die Tage hält, der thuts dem HErrn; und welcher nichts darauf hält, der thuts auch dem HErrn. Welcher isset, der isset dem HErrn; denn er danket Gott; welcher nicht isset, der iffet dem HErrn nicht, und danket Gott. Denn unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir dem HErrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben, und auferstanden, und wieder lebendig worden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei. Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor dem Nichtstuhl Christi dargestellet werden; nachdem geschrieben stehet: So wahr ich lebe, spricht der HErr, mir sollen alle Kniee gebeuget werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen. So wird nun ein jeglicher für sich selbſt Gott Rechenschaft geben. Darum lasset uns nicht mehr einer den andern richten; sondern das richtet vielmehr, daß niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis darstelle. 86 Am zweiten Sonntage nach Ostern, genannt Misericordias Domini. Evangelische Lektion. Joh. 14, 1-14.( Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.) Und er sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen. Wenns nicht so wäre, so wollt ich zu euch sagen, ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wiederkommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas? HErr, wir wissen nicht, wo du hingeheft; und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg, und die Wahrheit, und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater. Und von nun an fennet ihr ihn, und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: HErr, zeige uns den Vater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennest mich nicht? Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater. Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater? Glaubest du nicht, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet, derselbige thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater, und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die ich thue, und wird größere, denn diese thun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun. Nachmittags. Bektion aus dem Alten Testamente. Ezechiel 34, 11-16.( 3ch will mich meiner Herde selbst annehmen.) Denn so spricht der HErr HErr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe suchet, wenn fie von seiner Herde verirret sind, also will ich meine Schafe suchen; und will sie erretten von allen Örtern, dahin sie zerstreuet waren, zur Zeit, da es trübe und finster war. Ich will sie von allen Völkern ausführen, und aus allen Ländern versammeln, und will sie in ihr Land führen; und will sie weiden auf den Bergen Israel, und in allen Auen, und auf den Angern des Landes. Ich will sie auf die beste Weide führen, und ihre Hürden werden auf den hohen Bergen in Israel stehen: daselbst werden sie in sanften Hürden liegen, und fette Weide haben auf den Bergen Israel. Ich will selbst meine Schafe weiden, und ich will sie lagern, spricht der HErr HErr. Ich will das Verlorne wiedersuchen, und das Verirrete wiederbringen, und das Verwundete verbinden, und des Schwachen warten; und was fett und stark ist, will ich behüten, und will ihrer pflegen, wie es recht ist. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Petri 4, 12-19.( Der Geist der Herrlichkeit in der Schmach.) Ihr Lieben, lasset euch die Hitze, so euch begegnet, nicht befremden,( die euch widerfähret, daß ihr versucht werdet,) als widerführe euch etwas Seltfames; sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch, zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit, Freude und Wonne haben möget. Selig seid ihr, wenn ihr geschmähet werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhet auf euch. Bei Am dritten Sonntage nach Ostern, genannt Jubilate. 87 ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er, gepreiset. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übelthäter oder der in ein fremd Amt greifet. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, daß anfahe das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns; was wills für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelio Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken. Am dritten Sonntage nach Ostern, genannt Jubilate. Vormittags. Epistel. 1. Petri 2, 11-18.( Als die Fremdlinge und Pilgrime.) Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrime: enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Übelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenns nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des HErrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Übelthäter und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Evangelium. Joh. 16, 16-23.( Eure Freude soll Niemand von euch nehmen.) über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, das er saget zu uns, über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen fie: Was ist das, das er sagt, über ein Kleines? wir wissen nicht, was er redet. Da merkete Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter einander, daß ich gesagt habe, über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist kommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Epistolische Lektion. 1. Joh. 3, 1-6.( Wir werden ihn sehen, wie er ist.) Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen. Darum tennet euch die Welt nicht; denn sie fennet ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht 88 Am dritten Sonntage nach Ostern, genannt Jubilate. erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht; und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisset, daß er ist erschienen, auf daß er unsere Sünden wegnehme, und ist keine Sünde in ihm. Wer in ihm bleibet, der fündiget nicht; wer da sündiget, der hat ihn nicht gesehen, noch erkannt. Evangelische Lektion. Joh. 12, 20-26.( Die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde.) > Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinauf kommen waren, daß fie anbeteten auf das Fest. Die traten zu Philippo, der von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesum gerne sehen. Philippus kommt und sagts Andreas, und Philippus und Andreas jagtens weiter Jesu. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist kommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde. Wahrlich, wahrlich, ich jage euch, es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibts allein; wo es aber erstirbt, so bringts viel Früchte. Wer sein Leben lieb hat, der wirds verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haffet, der wirds erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 23.( Der HErr ist mein Hirt.) Der HErr ist mein Hirt; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue, und führet mich zum frischen Wasser. Er erquidet meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl, und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebenlang, und ich werde bleiben im Hause des HErrn immerdar. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Tim. 1, 3-14.( Der heilige Ruf.) Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Voreltern her in reinem Gewissen, daß ich ohn Unterlaß dein gedente in meinem Gebet Tag und Nacht. Und mich verlanget, dich zu sehen, wenn ich denke an deine Thränen, auf daß ich mit Freuden erfüllet werde. Und erinnere mich des ungefärbten Glaubens in dir, welcher zuvor gewohnet hat in deiner Großmutter Loide, und in deiner Mutter Eunite, bin aber gewiß, daß auch in dir. Um welcher Sache willen ich dich erinnere, daß du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist, durch die Auflegung meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Biebe und der Zucht. Darum ſo schäme dich nicht des Zeugnisses unsers HErrn, noch meiner, der ich sein Gebundener bin; sondern leide dich mit dem Evangelio, wie ich, nach der Kraft Gottes; der uns hat selig gemacht, und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christo Jesu vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart durch die Erscheinung unsers Heilandes Jesu Christi, der dem Tod die Macht hat genommen, und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gez bracht, durch das Evangelium; zu welchem ich gesetzt bin ein Prediger und Um vierten Sonntage nach Ostern, genannt Cantate. 89 Apostel, und Lehrer der Heiden. Um welcher Sache willen ich solches leide, aber ich schäme michs nicht; denn ich weiß, an welchen ich glaube, und bin gewiß, daß er kann mir meine Beilage wahren bis an jenen Tag. Halt an dem Vorbilde der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, vom Glauben und von der Liebe in Christo Jesu. Diese gute Beilage bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnet. Am vierten Sonntage nach Ostern, genannt Cantate. Vormittags. Epistel. Jac. 1, 12-21.( Gezeugt durch das Wort der Wahrheit.) Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen; er versuchet niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Bust gereizet und gelocket wird. Darnach wenn die Bust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod. Irret nicht, lieben Brüder. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und Finsternis. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum 3orn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit; und nehmet das Wort an mit Sanft-. mut, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium. Joh. 16, 5-15.( Es ist euch gut, daß ich hingehe.) Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du hin? Sondern dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns worden. Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Bater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnets jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird ers nehmen, und euch verkündigen. Alles was der Vater hat, das ist mein; darum hab ich gesagt: Er wirds von dem Meinem nehmen, und euch verkündigen. Epistolische Sektion. 2. Tim. 2, 8-13.( Sterben wir mit, so werden wir mit leben.) Halt im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten, aus dem Samen Davids, nach meinem Evangelio, über welchem ich mich leide bis an die Bande, als ein Übelthäter; aber Gottes Wort ist nicht ge 90 Am vierten Sonntage nach Ostern, genannt Cantate. bunden. Darum dulde ichs alles, um der Auserwählten willen, auf daß auch sie die Seligkeit erlangen in Christo Jesu mit ewiger Herrlichkeit. Das ist je gewißlich wahr: Sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; glauben wir nicht, so bleibet er treu; er kann sich selbst nicht leugnen. Evangelische Lektion. Joh. 6, 60-71.( Wollt ihr auch weggehen?) Viel nun seiner Jünger, die das höreten, sprachen: Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkete, daß seine Jünger darüber murreten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? Wie, wenn ihr denn sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, da er zuvor war? Der Geist ists, der da lebendig macht? das Fleisch ist kein nütze. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl, welche nicht glaubend waren, und welcher ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben. Von dem an gingen seiner Jünger viel hinter sich, und wandelten hinfort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den 3wölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: HErr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubet und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus antwortete ihm: Hab ich nicht euch 3wölfe erwählet? und euer einer ist ein Teufel. Er redete aber von dem Juda Simon Ischarioth; derselbige verriet ihn hernach, und war der 3wölfen einer. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jesaias 57, 11-21.( Er erquickt das Herz der Zerschlagenen.) Vor wem bist du so sorgfältig, und fürchtest also; so du doch mit Lügen umgehest, und denkest an mich nicht, und nimmst es nicht zu Herzen? Meinest du, ich werde allwege schweigen, daß du mich so gar nicht fürchtest? Ich will aber deine Gerechtigkeit anzeigen und deine Werke, daß sie dir kein nüße sein sollen. Wenn du rufen wirst, so laß dir deine Haufen helfen. Aber der Wind wird sie alle wegführen, und Eitelkeit wird sie wegnehmen. Aber wer auf mich trauet, wird das Leben erben, und meinen heiligen Berg besitzen, und wird sagen: Machet Bahn, machet Bahn, räumet den Weg, hebet die Anstöße aus dem Wege meines Volks. Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnet, des Name heilig ist; der ich in der Höhe und im Heiligtum wohne, und bei denen, so zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist der Gedemütigten, und das Herz der Zerschlagenen: Ich will nicht immerdar hadern, und nicht ewiglich zürnen; sondern es soll von meinem Angesicht ein Geist weben, und ich will Odem machen. Ich war zornig über die Untugend ihres Geizes, und schlug sie, verbarg mich, und zürnete; da gingen sie hin und her im Wege ihres Herzens. Aber da ich ihre Wege ansahe, heilete ich sie, und leitete fie, und gab ihnen wieder Trost, und denen, die über jene Leide trugen. Ich will Frucht der Lippen schaffen, die da predigen: Friede, Friede, beide denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HErr, und will sie heilen. Aber die Gottlosen sind wie ein ungestüm Meer, das nicht stille sein fann, und seine Wellen Kot und Unflat auswerfen. Die Gottlosen haben nicht Friede, spricht mein Gott. Am fünften Sonntage nach Ostern, genannt Rogate. 91 Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Tim. 2, 14-23.( Der HErr kennet die Seinen.) Solches erinnere sie, und bezeuge vor dem HErrn, daß sie nicht um Worte zanken, welches nichts nüße ist, denn zu verkehren, die da zuhören. Befleißige dich Gott zu erzeigen einen rechtschaffenen, unsträflichen Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit. Des ungeistlichen, losen Geschwätzes entschlage dich; denn es hilft viel zum ungöttlichen Wesen. Und ihr Wort frißt um sich wie der Krebs, unter welchen ist Hymenäus und Philetus, welche der Wahrheit gefehlet haben, und sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und haben etlicher Glauben verkehret. Aber der feste Grund Gottes bestehet, und hat dieses Siegel: Der HErr kennet die Seinen, und: Es trete ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet. In einem großen Hause aber sind nicht allein güldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und etliche zu Ehren, etliche aber zu Unehren. So nun jemand sich reiniget von solchen Leuten, der wird ein geheiliget Faß sein, zu den Ehren, dem Hausherrn bräuchlich, und zu allem guten Werk bereitet. Fleuch die Büste der Jugend, jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden, mit allen, die den HErrn anrufen von reinem Herzen. Aber der thörichten und unnützen Fragen entschlage dich; denn du weißest, daß sie nur 3ank gebären. Am fünften Sonntage nach Ostern, genannt Rogate. Vormittags. Epistel. Jac. 1, 22-27.( Der reine und unbefleckte Gottesdienst.) Seid aber Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stund an davon, und vergisset, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter; derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich jemand unter euch lässet dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Baum, sondern verführet sein Herz, des Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: Die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt behalten. Evangelium. Joh. 16, 23-33.( Bittet, so werdet ihr nehmen.) Wahrlich, wahrlich ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches hab ich zu euch durch Sprüchwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüchwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagest kein Sprüchwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißest, und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Am fünften Sonntage nach Ostern, genannt Rogate. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jett glaubet ihr. Siehe, es kommt die Stunde, und ist schon kommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich alleine laffet. Aber ich bin nicht alleine; denn der Vater ist bei mir. Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Friede habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. 92 Epistolische Sektion. 1. Tim. 2, 1-6.( Fürbitte für alle Menschen.) So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist Ein Gott, und Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit geprediget würde. Evangelische Lektion. Joh. 17, 1-11.( Jch bitte für die, die du mir ge= geben haft.) Solches redete Jesus, und hub seine Augen auf gen Himmel und sprach: Bater, die Stunde ist hie, daß du deinen Sohn verklärest, auf daß dich dein Sohn auch verkläre; gleichwie du ihm Macht haft gegeben über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich habe dich verkläret auf Erden, und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich thun sollte. Und nun verkläre mich du, Vater, bei dir selbst, mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, hab ich ihnen gegeben; und sie habens angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin, und glauben, daß du mich gesandt hast. Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt, sondern für die, so du mir gegeben haft; denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verkläret. Und ich bin nicht mehr in der Welt; fie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Bater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eines seien, gleichwie wir. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 102, 12-29.( Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen.) Meine Tage sind dahin, wie ein Schatten; und ich verdorre wie Gras. Du aber, HErr, bleivest ewiglich, und dein Gedächtnis für und für. Du wollest dich aufmachen, und über 3ion erbarmen; denn es ist Zeit, daß du ihr gnädig seiest, und die Stunde ist kommen. Denn deine Knechte wollten gerne, daß sie gebauet würde, und sähen gerne, daß ihre Steine und Kalk zugerichtet würden; daß die Heiden den Namen des HErrn fürchten, und alle Könige auf Erden deine Ehre; daß der HErr Zion bauet, und erscheinet 93 Himmelfahrt. in seiner Ehre. Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen, und verschmähet ihr Gebet nicht. Das werde geschrieben auf die Nachkommen; und das Volk, das geschaffen soll werden, wird den HErrn loben. Denn er schauet von seiner heiligen Höhe, und der HErr siehet vom Himmel auf Erden, daß er das Seufzen des Gefangenen höre, und los mache die Kinder des Todes; auf daß sie zu Zion predigen den Namen des HErrn, und sein Bob zu Jerusalem; wenn die Völker zusammenkommen, und die Königreiche, dem HErrn zu dienen. Er demütiget auf dem Wege meine Kraft, und verkürzet meine Tage. Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Deine Jahre währen für und für. Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Wert. Sie werden vergehen, aber du bleibest. Sie werden alle veralten, wie ein Gewand; sie werden verwandelt, wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Die Kinder deiner Knechte werden bleiben, und ihr Samen wird vor dir gedeihen. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Theff. 5, 14-25.( Beten und danken.) Wir ermahnen euch aber, lieben Brüder, vermahnet die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Sehet zu, daß niemand Böses mit Bösem jemand vergelte, sondern allezeit jaget dem Guten nach, beide unter einander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich. Betet ohn Unterlaß. Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. Den Geist dämpfet nicht. Die Weissagung verachtet nicht. Prüfet aber alles, und das Gute behaltet. Meidet allen bösen Schein. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz, samt der Seele und Leib, müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers HErrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch rufet, welcher wirds auch thun. Bieben Brüder, betet für uns. Himmelfahrt. Vormittags. Epistel. Apgsch. 1, 1-11.( Er ward aufgehoben zusehends.) Die erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem das Jesus anfing, beide zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln( welche er hatte erwählet) durch den Heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlei Erweisung, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem Heiligen Geiste getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammenkommen waren, fragten ihn und sprachen: HErr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Beugen sein zu Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erden. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zu 94 Himmelfahrt. sehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahrend, siehe, da stunden bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangelium. Marci 16, 14-20.( Er ward aufgehoben gen Himmel.) Bulegt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarete er sich und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden; und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Bungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tötliches trinken, wirds ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wirds besser mit ihnen werden. Und der HErr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und sizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten, und der HErr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Epistolische Lektion. Hebr. 9, 24-10, 14.( Christus vor dem Angesichte Gottes für uns.) Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist( welches ist ein Gegenbild des rechtschaffenen), sondern in den immel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns. Auch nicht, daß er sich oftmals opfere, gleichwie der Hohepriester gehet alle Jahr in das Heilige mit fremdem Blut; sonst hätte er oft müssen leiden von Anfang der Welt her. Nun aber am Ende der Welt ist er einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht: also ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden. Zum andern Mal aber wird er ohne Sünde erscheinen denen, die auf ihn warten, zur Seligkeit. Denn das Gesetz hat den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Alle Jahr muß man opfern immer einerlei Opfer, und kann nicht, die da opfern, vollkommen machen. Sonst hätte das Opfern aufgehöret, wo die, so am Gottesdienst sind, kein Gewissen mehr hätten von den Sünden, wenn sie einmal gereiniget wären. Sondern es geschieht nur durch dieselbigen ein Gedächtnis der Sünden alle Jahr. Denn es ist unmöglich, durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegnehmen. Darum, da er in die Welt kommt, spricht er: Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; den Leib aber hast du mir zubereitet; Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch stehet vornehmlich von mir geschrieben, daß ich thun soll, Gott, deinen Willen. Droben, als er gesagt hatte: Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer haft du nicht gewollt; sie gefallen dir auch nicht( welche nach dem Geset geopfert werden); da sprach er: Siehe, ich komme zu thun, Gott, deinen Willen. Da hebt er das Erste auf, daß er das Andere einsetze. In welchem Willen wir sind geheiliget, einmal geschehen durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage Gottes Himmelfahrt. 95 dienst pflege, und oftmals einerlei Opfer thue, welche nimmermehr können die Sünden abnehmen. Dieser aber, da er hat Ein Opfer für die Sünden geopfert, das ewiglich gilt, sitzt er nun zur Rechten Gottes, und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. mit Einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiliget werden. Denn Oder: Psalm 110.( Seke dich zu meiner Rechten.) Der HErr sprach zu meinem HErrn: Sete dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Der HErr wird das Zepter deines Reichs senden aus Zion. Herrsche unter deinen Feinden. Nach deinem Sieg wird dir dein Volk williglich opfern in heiligem Schmuck. Deine Kinder werden dir geboren, wie der Tau aus der Morgenröte. Der HErr hat geschworen, und wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich, nach der Weise Melchisedeks. Der HErr zu deiner Rechten wird zerschmeißen die Könige zur Zeit seines 3orns; Er wird richten unter den Heiden, er wird große Schlacht thun; er wird zerschmeißen das Haupt über große Lande. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege; darum wird er das Haupt emporheben. Evangelische Lektion. Joh. 17, 12-26.( Nun aber komme ich zu dir.) Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben haft, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir, und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich hab ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Übel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiliget seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß fie alle eines seien, gleichwie du, Vater, in mir, und ich in dir; daß auch sie in uns eines seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich hab ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß fie Eines feien, gleichwie wir Eines sind, ich in ihnen, und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in Eines, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt haft und liebest sie, gleichwie du mich liebest. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben haft; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt kennet dich nicht; ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt haft. Und ich habe ihnen deinen Namen kund gethan, und will ihnen kund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen, und ich in ihnen. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1. Moj. 14, 14-20.( Priester und König.) Als nun Abram hörete, daß sein Bruder gefangen war, wappnete er jeine Knechte, drei hundert und achtzehn, in seinem Hause geboren, und jagte ihnen nach bis gen Dan; und teilete fich, fiel des Nachts über fie 96 Am sechsten Sonntage nach Ostern, genannt Eraudi. mit seinen Knechten, und schlug sie, und jagte sie bis gen Hoba, die zur Linken der Stadt Damaskus liegt; und brachte alle Habe wieder, dazu auch Lot, seinen Bruder, mit seiner Habe, auch die Weiber und das Volk. Als er nun wiederkam von der Schlacht des Kedor Laomor, und der Könige mit ihm, ging ihm entgegen der König von Sodom in das Feld, das Königsthal heißet. Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten. Und jegnete ihn und sprach: Gesegnet seiest du, Abram, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde befizt; und gelobet sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand beschlossen hat Und demselben gab Abram den Zehnten von allerlei. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Petri 3, 15-22.( 3hm ist alles unterthan.) Heiliget aber Gott den HErrn in euren Herzen. Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmütigkeit und Furcht, und habt ein gut Gewissen, auf daß die, so von euch afterreden, als von Übelthätern, zu schanden werden, daß fie geschmähet haben euren guten Wandel in Christo. Denn es ist besser, so es Gottes Wille ist, daß ihr von Wohlthat wegen leidet, denn von Übelthat wegen. Sintemal auch Christus einmal für unsere Sünden gelitten hat, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß er uns Gotte opferte; und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In demselbigen ist er auch hingegangen, und hat geprediget den Geistern im Gefängnis, die etwa nicht glaubeten, da Gott einsmals harrete und Geduld hatte zu den Zeiten Noä, da man die Arche zurüstete, in welcher wenig, das ist, acht Seelen behalten wurden durchs Wasser; welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist, nicht das Abthun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher ist zur Rechten Gottes in den Himmel gefahren, und sind ihm unterthan die Engel, und die Gewaltigen, und die Kräfte. Am sechsten Sonntage nach Ostern, genannt Exaudi. Vormittags. Epistel. 1. Petri 4, 8-11.( Die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.) So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Seid gastfrei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So jemand redet, daß ers rede als Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß ers thue als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepreiset werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium. Joh. 15, 26-16, 4.( Der Geift der Wahrheit wird zeugen von mir.) Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Am sechsten Sonntage nach Ostern, genannt Eraudi. 97 Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. so suchet, was droben ist, da Trachtet nach dem, das droben Denn ihr seid gestorben, und Epistolische Lektion. Col. 3, 1-11.( Suchet, was droben ist.) Seid ihr nun mit Christo auferstanden, Christus ist, sigend zu der Rechten Gottes. ist, und nicht nach dem, das auf Erden ist. euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit. So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust, und den Geiz, welcher ist Abgötterei; um welcher willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens; in welchen auch ihr weiland gewandelt habt, da ihr drinnen lebetet. Nun aber leget alles ab von euch, den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde. Lüget nicht unter einander; ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus; und ziehet den neuen an, der da verneuert wird zu der Erkenntnis, nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat; da nicht ist Grieche, Jude, Beschneidung, Vorhaut, Ungrieche, Scythe, Knecht, Freier, sonder alles und in allen Christus. Evangelische Lektion. Joh. 7, 28-39.( Ströme lebendigen Wassers.) Da rief Jesus im Tempel, lehrete und sprach: Ja, ihr kennet mich, und wisset, von wannen ich bin; und von mir selbst bin ich nicht kommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet. Ich kenne ihn aber, denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. Da suchten sie ihn zu greifen. Aber niemand legte die Hand an ihn; denn seine Stunde war noch nicht kommen. Aber viele vom Volk glaubten an ihn und sprachen: Wenn Christus kommen wird, wird er auch mehr Zeichen thun, denn dieser thut? Und es kam vor die Pharisäer, daß das Volk solches von ihm murmelte. Da sandten die Pharisäer und Hohenpriester Knechte aus, daß sie ihn griffen. Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen, und nicht finden; und da ich bin, könnet ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Juden unter einander: Wo will dieser hingehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er unter die Griechen gehen, die hin und her zerstreuet liegen, und die Griechen lehren? Was ist das für eine Rede, daß er saget: Ihr werdet mich suchen, und nicht finden; und wo ich bin, da könnet ihr nicht hinkommen? Aber am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da dürftet, der komme zu mir, und trinke. Wer an mich glaubet, wie die Schrift saget, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfahen sollten, die an ihn glaubten; denn der Heilige Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verkläret. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 42.( Meine Seele dürftet nach Gott.) Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. 17 98 1. Pfingsttag. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Meine Thränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? Wenn ich denn des inne werde, so schütte ich mein Herz heraus bei mir selbst, denn ich wollte gerne hingehen mit dem Haufen, und mit ihnen wallen zum Hause Gottes, mit Frohlocken und Danken, unter dem Haufen, die da feiern. Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er mir hilft mit seinem Angesicht. Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir; darum gedenke ich an dich, im Lande am Jordan und Hermonim, auf dem kleinen Berg. Deine Fluten rauschen daher, daß hie eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich. Der HErr hat des Tages verheißen seine Güte, und des Nachts finge ich ihm, und bete zu Gott meines Lebens. Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muß ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich dränget? Es ist als ein Mord in meinen Beinen, daß mich meine Feinde schmähen, wenn sie täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Lektion aus dem Neuen Testamente. Jacobi 1, 2-11.( Himmlischer Sinn.) Meine lieben Brüder, achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, daß euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Geduld wirket. Die Geduld aber soll fest bleiben bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ganz, und keinen Mangel habet. So aber jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der da giebt einfältiglich jedermann, und rücket es niemand auf; so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebet wird. Solcher Mensch denke nicht, daß er etwas von dem HErrn empfahen werde. Ein 3weifler ist unbeständig in allen seinen Wegen. Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe; und wer da reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit; denn wie eine Blume des Grafes wird er vergehen. Die Sonne gehet auf mit der Hitze, und das Gras verwelket, und die Blume fällt ab, und seine schöne Gestalt verdirbet; also wird der Reiche in seiner Habe verwelken. 1. Pfingsttag. Vormittags. Epistel. Apgsch. 2, 1-18.( Sie wurden alle voll des Heiligen Geiftes) Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zerteilet als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsagten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn 1. Pfingsttag. 99 ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien, und in Judäa und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Egypten und an den Enden der Libyen bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber; wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsatten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hattens ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßes Weins. Da trat Petrus auf mit den Elfen, hub auf seine Stimme, und redete zu ihnen: Ihr Juden, lieben Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch fund gethan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage. Sondern das ists, das durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist: Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben; und auf meine Knechte, und auf meine Mägde will ich in denselbigen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Evangelium. Joh. 14, 15-31.( Ich will euch nicht Waisen lassen.) Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfahen; denn sie siehet ihn nicht, und kennet ihn nicht. Ihr aber kennet ihn; denn er bleibet bei euch, und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Es ist noch um ein Kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ihr in mir, und ich in euch. Wer meine Gebote hat, und hält sie, der ists, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, und ich werde ihn lieben, und mich ihm offenbaren. Spricht zu ihm Judas, nicht der Ischarioth: HErr, was ists, daß du uns willst dich offenbaren, und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches hab ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wirds euch alles lehren, und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe, ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun hab ichs euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat; stehet auf, und lasset uns von hinnen gehen. 1. Pfingsttag. Epistolische Sektion. Ephes. 1, 3-23.( Das Haupt der Gemeine über alles.) Gelobet fei Gott und der Vater unsers HErrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe; und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst durch Jesum Christ, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lob seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist, durch allerlei Weisheit und Klugheit; und hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen, und hat dasselbige hervorgebracht durch ihn, daß es geprediget würde, da die Zeit erfüllet war, auf daß alle Dinge zusammen verfasset würden in Christo, beide das im Himmel und auch auf Erden ist, durch ihn selbst; durch welchen wir auch zum Erbteil kommen sind, die wir zuvor verordnet sind nach dem Vorsat des, der alle Dinge wirket nach dem Rat seines Willens; auf daß wir etwas seien zu Bob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christum hoffen; durch welchen auch ihr gehöret habt das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit; durch welchen ihr auch, da ihr glaubetet, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheißung, welcher ist das Pfand unsers Erbes zu unserer Erlösung, daß wir sein Eigentum würden zu Lob seiner Herrlichkeit. Darum auch ich, nachdem ich gehöret habe von dem Glauben bei euch an den HErrn Jesum, und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, daß der Gott unsers HErrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, zu seiner selbst Erkenntnis, und erleuchtete Augen eures Verständnisses, daß ihr erkennen möget, welche da sei die Hoffnung eures Berufs, und welcher sei der Reichtum seines herrlichen Erbes an seinen Heiligen, und welche da sei die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirket hat in Christo, da er ihn von den Toten auferwecket hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel, über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter seine Füße gethan, und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeine über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllet. 100 Oder: Hef. 36, 22-28.( Ich will euch einen neuen Geist geben.) Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht der HErr HErr: Ich thue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Jérael; sondern um meines heiligen Namens willen, welchen ihr entheiliget habt unter den Heiden, zu welchen ihr kommen seid. Denn ich will meinen großen Namen, der durch euch vor den Heiden entheiliget ist, den ihr unter denselben entheiliget habt, heilig machen. Und die Heiden sollen erfahren, daß ich der HErr sei, spricht der HErr HErr, wenn ich mich vor ihnen an euch erzeige, daß ich heilig sei. Denn ich will euch aus den Heiden holen, und euch aus allen Landen versammeln und wieder in euer Land führen. Und will rein Wasser über euch sprengen, daß ihr rein werdet von aller eurer Unreinigkeit; und von allen euren Gözen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neu Herz, und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz 1. Pfingsttag. 101 aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischern Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben, und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und darnach thun. Und ihr sollet wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe; und sollet mein Volk sein, und ich will euer Gott sein. Evangelische Lektion. Joh. 15, 1-7.( 3ch bin ein rechter Weinstock.) Ich bin ein rechter Weinstock, und mein Vater ein Weingärtner. Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen; und einen jeglichen, der da Frucht bringet, wird er reinigen, daß er mehr Frucht bringe. Ihr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich in euch. Gleichwie der Nebe kann keine Frucht bringen von ihm selber, er bleibe denn am Weinstock; also auch ihr nicht, ihr bleibet denn an mir. Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet, und ich in ihm, der bringet viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen, wie ein Rebe, und verdorret, und man sammelt sie, und wirft sie ins Feuer, und muß brennen. So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jesaias 62.( Die Herrlichkeit des neuen Jerusalems.) Um Zion willen, so will ich nicht schweigen, und um Jerusalem willen, so will ich nicht innehalten, bis daß ihre Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz, und ihr Heil entbrenne wie eine Fackel; daß die Heiden sehen deine Gerechtigkeit, und alle Könige deine Herrlichkeit; und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HErrn Mund nennen wird. Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HErrn, und ein königlicher Hut in der Hand deines Gottes. Man soll dich nicht mehr die Verlassene, noch dein Land eine Wüstung heißen; sondern du sollst meine Lust an ihr, und dein Land lieber Buhle heißen; denn der Herr hat Bust an dir, und dein Land hat einen lieben Buhlen. Denn, wie ein lieber Buhle einen Buhlen lieb hat, so werden dich deine Kinder lieb haben; und wie sich ein Bräutigam freuet über der Braut, so wird sich dein Gott über dir freuen. Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bestellen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nimmer stille schweigen sollen, und die des HErrn gedenken sollen, auf daß bei euch kein Schweigen sei; und ihr von ihm nicht schweiget, bis daß Jerusalem gefertiget und gesetzt werde zum Lobe auf Erden. Der HErr hat geschworen bei seiner Rechten, und bei dem Arm seiner Macht: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben, noch deinen Most, daran du gearbeitet hast, die Fremden trinken lassen. Sondern die, so es einsammeln, sollens auch effen und den HErrn rühmen; und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums. Gehet hin, gehet hin durch die Thore, bereitet dem Volk den Weg; machet Bahn, machet Bahn, räumet die Steine auf, werfet ein Panier auf über die Völker. Siehe, der HErr lässet sich hören, bis an der Welt Ende. Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt; siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm. Man wird sie nennen das heilige Volt, die Erlöseten des HErrn; und dich wird man heißen die besuchte und unverlassene Stadt. 102 2. Pfingsttag. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 8, 14-25.( Sie beteten über fie um den Heiligen Geist.) Da aber die Apostel höreten zu Jerusalem, daß Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrum und Johannem. Welche, da sie hinab kamen, beteten sie über sie, daß sie den Heiligen Geist empfingen.( Denn er war noch auf keinen gefallen, sondern waren allein getauft in dem Namen Christi Jesu.) Da legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den Heiligen Geist. Da aber Simon sahe, daß der Heilige Geist gegeben ward, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an, und sprach: Gebt mir auch die Macht, daß, so ich jemand die Hände auflege, derselbige den Heiligen Geist empfahe. Petrus aber sprach zu ihm: Daß du verdammet werdest mit deinem Gelde, daß du meinest, Gottes Gabe werde durch Geld erlanget. Du wirst weder Teil noch Anfall haben an diesem Wort; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. Darum thu Buße für diese deine Bosheit, und bitte Gott, ob dir vergeben werden möchte der Tück deines Herzens. Denn ich sehe, daß du bist voll bitterer Galle, und verknüpft mit Ungerechtigkeit. Da antwortete Simon und sprach: Bittet ihr den HErrn für mich, daß der keines über mich komme, davon ihr gesagt habt. Sie aber, da sie bezeuget und geredet hatten das Wort des HErrn, wandten sie wieder um gen Jerusalem, und predigten das Evangelium vielen samaritischen Flecken. 2. Pfingsttag. Vormittags. Epistel. Apgsch. 10, 42-48.( Der Heilige Geift fiel auf alle, die dem Worte zuhöreten.) entUnd er hat uns geboten, zu predigen dem Volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geift auf alle, die dem Wort zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro kommen waren, sagten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit 3ungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getaufet werden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des HErrn. Evangelium. Joh. 3, 16-21.( Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet.) Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebeten die Finsternis mehr, denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hafset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. 2. Pfingsttag. 103 Epistolische Lektion. Ephes. 2, 13-22.( Die Behausung Gottes im Geift.) Nun aber, die ihr in Chrifto Jesu seid, und weiland ferne gewesen, seid nun nahe worden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden Eines hat gemacht, und hat abgebrochen den Zaun, der das zwischen war, in dem, daß er durch sein Fleisch wegnahm die Feindschaft, nämlich das Gesetz, so in Geboten gestellet war; auf daß er aus zweien Einen neuen Menschen in ihm selber schaffete, und Friede machete, und daß er beide versöhnete mit Gott in Einem Leibe, durch das Kreuz, und hat die Feindschaft getötet durch sich selbst; und ist kommen, hat verkündiget im Evangelio den Frieden, euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Zugang alle beide in Einem Geiste zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist; auf welchem der ganze Bau in einander gefüget, wächset zu einem heiligen Tempel in dem HErrn, auf welchem auch ihr mit erbauet werdet, zu einer Behausung Gottes im Geist. Oder: Jer. 31, 31-34.( Ich will mein Geset in ihren Sinn schreiben.) Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HErr, da will ich mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen. Nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Bätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, daß ich sie aus Egyptenland führete; welchen Bund sie nicht gehalten haben, und ich sie zwingen mußte, spricht der HErr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der HErr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn schreiben; und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein. Und wird keiner den andern, noch ein Bruder den andern lehren und sagen: Erkenne den HErrn; sondern sie sollen mich alle kennen, beide Klein und Groß, spricht der HErr. Denn ich will ihnen ihre Missethat vergeben, und ihrer Sünde nimmer mehr gedenken. Evangelische Lektion. Joh. 15, 8-16.( 3ch sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid.) Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viel Frucht bringet, und werdet meine Jünger. Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte, und bleibe in seiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, so ihr thut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr thut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehöret, hab ich euch kund gethan. Ihr habt mich nicht erwählet, sondern ich habe euch erwählet, und gesetzt, daß ihr hingehet, und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe; auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen daß ers euch gebe. 104 Trinitatis. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jes. 54, 7-13.( Der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.) Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen; aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig von dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der HErr, dein Erlöser. Denn solches soll mir sein, wie das Wasser Noah, da ich schwur, daß die Wasser Noah sollten nicht mehr über den Erdboden gehen. Also hab ich geschworen, daß ich nicht über dich zürnen, noch dich schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen, und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer. Du Elende, über die alle Wetter gehen, und du Trostlose! Siehe, ich will deine Steine wie einen Schmuck legen, und will deinen Grund mit Saphiren legen; und deine Fenster aus Krystallen machen, und deine Thore von Rubinen, und alle deine Grenzen von erwählten Steinen; und alle deine Kinder gelehrt vom HErrn, und großen Frieden deinen Kindern. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 19, 1-8. Heiligen Geist empfangen?) ( Habt ihr den Es geschah aber, da Apollo zu Corinth war, daß Paulus durchwandelte die obern Länder, und kam gen Ephesus, und fand etliche Jünger; zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, da ihr gläubig worden seid? Sie sprachen zu ihm: Wir haben auch nie gehört, ob ein Heiliger Geist sei. Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft? Sie sprachen: Auf Johannis Taufe. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße, und sagte dem Volk, daß sie sollten glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist, an Jesum, daß der Christus sei. Da sie das höreten, ließen sie sich taufen auf den Namen des HErrn Jeſu. Und da Paulus die Hände auf sie legete, kam der Heilige Geist auf sie, und redeten mit Zungen, und weissageten. Und alle der Männer waren bei zwölfen. Er ging aber in die Schule, und predigte frei drei Monden lang, lehrete, und beredete sie von dem Reich Gottes. Trinitatis. Vormittags. Epistel. Röm. 11, 33-36. ( Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.) welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des HErrn Sinn erkannt? oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Evangelium. Joh. 3, 1-15.( Geburt aus dem Wasser und Geist.) Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden; der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von Gott kommen; denn niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Trinitatis. 105 Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fähret. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißest das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben; und ihr nehmet unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel herniederkommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Epistolische Lektion. Apgsch. 2, 33-47.( Die Getauften.) Nun er durch die Rechte Gottes erhöhet ist, und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr sehet und höret. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren. Er spricht aber: Der HErr hat gesagt zu meinem HErrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße. So wisſe nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuziget habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat. Da sie aber das höreten, gings ihnen durchs Herz, und sprachen zu Petro, und zu den andern Aposteln: Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir thun? Petrus sprach zu ihnen: Thut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfahen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung, und aller, die ferne sind, welche Gott, unser HErr, herzurufen wird. Auch mit viel andern Worten bezeugete er, und ermahnete, und sprach: Basset euch helfen von diesen unartigen Leuten. Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen, und wurden hinzugethan an dem Tage bei drei tausend Seelen. Sie blieben aber beständig in der Apostel Behre, und in der Gemeinschaft, und im Brotbrechen, und im Gebet. Es kam auch alle Seelen Furcht an; und geschahen viel Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig waren worden, waren bei einander, und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und Habe verkauften sie, und teilten sie aus unter alle, nachdem jedermann not war. Und sie waren täglich, und stets bei einander einmütig im Tempel, und brachen das Brot hin und her in Häusern, nahmen die Speise, und lobeten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der HErr aber that hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeine. Oder: Jef. 48, 10-22.( Ich bin der Erste, dazu auch der Letzte.) Siehe, ich will dich läutern, aber nicht wie Silber; sondern ich will dich auserwählt machen im Ofen des Elendes. Um meinet willen, ja um 106 Trinitatis. meinet willen, will ichs thun, daß ich nicht gelästert werde; denn ich will meine Ehre keinem andern lassen. Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, mein Berufener: Ich bins, Ich bin der Erste, dazu auch der Bette. Meine Hand hat den Erdboden gegründet, und meine rechte Hand hat den Himmel umspannet; was ich rufe, das stehet alles da. Sammelt euch alle, und höret: Wer ist unter diesen, der solches verkündigen kann? Der Herr liebet ihn; darum wird er seinen Willen an Babel, und seinen Arm an den Chaldäern beweisen. Ich, ja ich hab es gesagt, ich hab ihm gerufen; ich will ihn auch kommen lassen, und sein Weg soll ihm gelingen. Tretet her zu mir, und höret dies; ich habs nicht im Verborgenen zuvor geredet. Von der Zeit an, da es geredet wird, bin ich da; und nun sendet mich der HErr HErr und sein Geist. So spricht der HErr, dein Erlöser, der Heilige in Israel: Ich bin der HErr, dein Gott, der dich lehret, was nützlich ist, und leite dich auf dem Wege, den du gehest. O, daß du auf meine Gebote merktest; so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom, und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen; und dein Same würde sein wie Sand, und das Gewächse deines Leibes wie desselbigen Kies, des Name nicht würde ausgerottet noch vertilget vor mir. Gehet aus von Babel, fliehet von den Chaldäern mit fröhlichem Schall; verkündiget und lasset solches hören, bringet es aus bis an der Welt Ende. Sprechet: Der HErr hat seinen Knecht Jakob erlöset. Sie hatten keinen Durst, da er sie leitete in der Wüste; er ließ ihnen Wasser aus Felsen fließen; er riß den Fels, daß Wasser heraus rann. Aber die Gottlosen, spricht der HErr, haben keinen Frieden. Evangelische Lektion. Matth. 28, 18-20.( Der Name des Dreieinigen.) Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohns und des Heiligen Geistes; und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jes. 6, 1-8.( Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth.) Des Jahrs, da der König Usia starb, sahe ich den HErrn siten auf einem hohen und erhabenen Stuhl; und sein Saum füllete den Tempel. Seraphim stunden über ihm, ein jeglicher hatte sechs Flügel; mit zween deckten sie ihr Antlik, mit zween deckten sie ihre Füße, und mit zween flogen sie. Und einer rief zum andern, und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! daß die Überschwellen bebeten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauchs. Da sprach ich: Wehe mir, ich vergehe: denn ich bin unreiner Lippen, und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HErrn 3ebaoth, gesehen, mit meinen Augen. Da flog der Seraphim einer zu mir, und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm; und rührete meinen Mund, und sprach: Siehe, hiemit find deine Lippen gerühret, daß deine Missethat von dir genommen werde, und deine Sünde verföhnet sei. Und ich hörete die Stimme des HErrn, und er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hie bin ich, sende mich! 1. Sonntag nach Trinitatis. 107 Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 13, 1-13.( Der apostolische Gruß.) Komme ich zum dritten Mal zu euch, so soll in zweier oder dreier Zeugen Munde bestehen allerlei Sache. Ich habs euch zuvor gesagt, und fage es euch zuvor, als gegenwärtig, zum andern Mal, und schreibe es nun im Abwesen denen, die zuvor gefündigt haben, und den andern allen: wenn ich abermal komme, so will ich nicht schonen. Sintemal ihr suchet, daß ihr einmal gewahr werdet des, der in mir redet, nämlich Christi, welcher unter euch nicht schwach ist, sondern ist mächtig unter euch. Und ob er wohl gefreuziget ist in der Schwachheit, so lebet er doch in der Kraft Gottes. Und ob wir auch schwach sind in ihm, so leben wir doch mit ihm in der Kraft Gottes unter euch. Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben seid; prüfet euch selbst. Oder erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, daß ihr untüchtig seid. Ich hoffe aber, ihr erkennet, daß wir nicht untüchtig sind. Ich bitte aber Gott, daß ihr nichts übels thut; nicht auf daß wir tüchtig gesehen werden, sondern, auf daß ihr das Gute thut, und wir die Untüchtigen seien. Denn wir können nichts wider die Wahrheit, sondern für die Wahrheit. Wir freuen uns aber, wenn wir schwach sins, und ihr mächtig seid. Und dasselbige wünschen wir auch, nämlich eure Vollkommenheit. Derhalben ich auch solches abwesend schreibe, auf daß ich nicht, wenn ich gegenwärtig bin, Schärfe brauchen müsse nach der Macht, welche mir der HErr, zu bessern, und nicht zu verderben, gegeben hat. 3uletzt, lieben Brüder, freuet euch, seid vollkommen, tröstet euch, habt einerlei Sinn, seid friedsam; so wird Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßet euch unter einander mit dem heiligen Kuß. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unsers HErrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen. 1. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Joh. 4, 16-21.( Gott ist die Liebe.) Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Basset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Evangelium. Luc. 16, 19-31.( Er lebte alle Tage herrlich und in Freuden.) Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrete, sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde, und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als 108 1. Sonntag nach Trinitatis. er nun in der Hölle und in der Qual war, hub er seine Augen auf, und sahe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schoß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarum, daß er das Außerste seines Fingers ins Wasser tauche und fühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen haft in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das Alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, könnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten; laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Toten auferstünde. Epistolische Lektion. Apgsch. 4, 32-37.( Reiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären.) Der Menge aber der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele; auch keiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemein. Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung des HErrn Jesu, und war große Gnade bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wie viel ihrer waren, die da Äcker oder Häuser hatten, verkauften sie dieselben, und brachten das Geld des verkauften Guts, und legtens zu der Apostel Füßen; und man gab einem jeglichen, was ihm not war. Joses aber, mit dem Zunamen von den Aposteln genannt Barnabas( das heißet ein Sohn des Trostes), vom Geschlecht ein Levit aus Cypern, der hatte einen Acker, und verkaufte ihn, und brachte das Geld, und legte es zu der Apostel Füßen. Evangelische Lektion. Matth. 5, 1-10.( Selig sind die Armen.) Da er aber das Volk sahe, ging er auf einen Berg und setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er that seinen Mund auf, lehrete sie und sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig find die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig find die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 5. Moses 6, 1-15.( Du sollst den HErrn, deinen Gott, lieb haben.) Dies sind aber die Gesetze und Gebote und Rechte, die der HErr, euer Gott, geboten hat, daß ihr sie lernen und thun sollt im Lande, dahin ihr ziehet, dasselbige einzunehmen; daß du den HErrn, deinen Gott, fürchtest, und haltest alle seine Rechte und Gebote, die ich dir gebiete, du und deine Kinder, und deine Kindskinder, alle eure Lebtage, auf daß ihr lange lebet. 2. Sonntag nach Trinitatis. 109 Israel, du sollst hören und behalten, daß du es thust, daß dirs wohl gehe, und sehr vermehret werdest; wie der HErr, deiner Väter Gott, dir geredet hat, ein Land, da Milch und Honig innen fleußt. Höre, Israel, der HErr, unser Gott, ist ein einiger HErr. Und du sollst den HErrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen. Und sollst fie deinen Kindern schärfen, und davon reden, wenn du in deinem Hause figest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest, oder aufstehest; und sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein; und sollst sie über deines Hauses Pfosten schreiben, und an die Thore. Wenn dich nun der HErr, dein Gott, in das Land bringen wird, das er deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, dir zu geben, große und feine Städte, die du nicht gebauet hast, und Häuser alles Guts voll, die du nicht gefüllet hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölberge, die du nicht gepflanzet hast, daß du esfest und satt wirst; so hüte dich, daß du nicht des HErrn vergessest, der dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführet hat; sondern sollst den HErrn, deinen Gott, fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen schwören. Und sollt nicht andern Göttern nachfolgen, der Völker, die um euch her sind. Denn der HErr, dein Gott, ist ein eifriger Gott unter dir; daß nicht der Zorn des HErrn, deines Gottes, über dich ergrimme, und vertilge dich von der Erde. Lektion aus dem Neuen Testamente. Jakobi 5, 1-7.( Euer Reichtum ist verfaulet.) Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommen wird. Euer Reichtum ist verfaulet; eure Kleider sind mottenfräßig worden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird euch zum Zeugnis sein, und wird euer Fleisch fressen, wie ein Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt an den letzten Tagen. Siehe, der Arbeiter Lohn, die euer Land eingeerntet haben, und von euch abgebrochen ist, das schreiet; und das Rufen der Ernter ist kommen vor die Ohren des HErrn Zebaoth. Ihr habt wohlgelebet auf Erden, und eure Wollust gehabt, und eure Herzen geweidet, als auf einen Schlachttag. Ihr habt verurteilet den Gerechten, und getötet, und er hat nicht widerstanden. So seid nun geduldig, lieben Brüder, bis auf die Zukunft des HErrn. Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und ist geduldig darüber, bis daß er empfahe den Morgenregen und Abendregen. 2. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Joh. 3, 13-24.( Wer in ihm bleibet.) Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt haffet. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben kommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder haffet, der ist ein Totschläger; und ihr wisset, daß ein Totschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, 110 2. Sonntag nach Trinitatis. und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm stillen, daß, so uns unser Herz verdammt, daß Gott größer ist, denn unser Herz, und erkennet alle Dinge. Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott; und was wir bitten, werden wir von ihm nehmen; denn wir halten seine Gebote, und thun, was vor ihm gefällig ist. Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohns Jesu Christi, und lieben uns unter einander, wie er uns ein Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, der bleibet in ihm, und er in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in uns bleibet, an dem Geist, den er uns gegeben hat. Evangelium. Matth. 22, 1-14.( Die königliche Hochzeit.) Und Jesus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte; und sandte seine Knechte aus, daß sie den Gästen zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Gäste waren es nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen; und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen; denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. an. Oder: Luc. 14. 16-24.( Das große Abendmahl.) Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl, und lud viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit. Und fie fingen an alle nach einander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinaus gehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen und Krüppel und Bahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die 2. Sonntag nach Trinitatis. 111 3äune, und nötige sie, herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Epistolische Lektion. Apgsch. 5, 1-11.( Die Gemeine der Lebendigen.) Ein Mann aber mit Namen Ananias, samt seinem Weibe Sapphira, verkaufte seine Güter, und entwandte etwas vom Gelde mit Wissen seines Weibes, und brachte eines Teils, und legte es zu der Apostel Füßen. Petrus aber sprach: Anania, warum hat der Satan dein Herz erfüllet, daß du dem Heiligen Geist lügeft, und entwendest etwas vom Gelde des Ackers? Hättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn hattest; und da er verkauft war, war es auch in deiner Gewalt. Warum hast du denn solches in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gotte gelogen. Da Ananias aber diese Worte hörete, fiel er nieder, und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies höreten. Es stunden aber die Jünglinge auf, und thaten ihn beiseit, und trugen ihn hinaus, und begruben ihn. Und es begab sich über eine Weile, bei dreien Stunden, kam sein Weib hinein, und wußte nicht, was geschehen war. Aber Petrus antwortete ihr: Sage mir, habt ihr den Acker so theuer verkauft? Sie sprach: Ja, so theuer. Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr denn eins worden, zu versuchen den Geist des HErrn? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind vor der Thür, und werden dich hinaustragen. Und alsbald fiel sie zu seinen Füßen, und gab den Geist auf. Da kamen die Jünglinge und fanden sie tot, trugen sie hinaus, und begruben sie bei ihrem Mann. Und es kam eine große Furcht über die ganze Gemeine, und über alle, die solches höreten. Evangelische Bektion. Matth. 5, 27-41.( Das Gesetz im Reiche Gottes.) Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirfs von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab, und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Es ist auch gesagt: Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet( es sei denn um Ehebruch), der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe. Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst keinen falschen Eid thun und sollst Gott deinen Eid halten. Ich aber sage euch, daß ihr allerdinge nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl; noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist eines großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einiges Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was darüber ist, das ist vom Übel. Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern so dir jemand einen Streich giebt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar. Und so jemand mit dir rechten will, und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Und so dich jemand nötiget eine Meile, so gette mit ihm zwo. 112 3. Sonntag nach Trinitatis. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Sprüche Sal. 9, 1-11.( Das Gastmahl der Weisheit.) Die Weisheit bauete ihr Haus, und hieb sieben Säulen, schlachtete ihr Vieh, und trug ihren Wein auf, und bereitete ihren Tisch, und sandte ihre Dirnen aus, zu laden oben auf die Paläste der Stadt: Wer albern ist, der mache sich hieher. Und zum Narren sprach fie: Kommt, zehret von meinem Brot, und trinket des Weins, den ich schenke; verlasset das alberne Wesen, so werdet ihr leben; und gehet auf dem Wege des Verstandes. Wer den Spötter züchtiget, der muß Schande auf sich nehmen; und wer den Gottlosen strafet, der muß gehöhnet werden. Strafe den Spötter nicht, er hafset dich; strafe den Weisen, der wird dich lieben. Gieb dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen. Der Weisheit Anfang ist des HErrn Furcht; und der Verstand lehret, was heilig ist. Denn durch mich wird deiner Tage viel werden, und werden dir der Jahre des Lebens mehr werden. Lektion aus dem Neuen Testamente. Jakobi 2, 1-13.( Die, welche durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden.) Lieben Brüder, haltet nicht dafür, daß der Glaube an Jesum Christum, unsern HErrn der Herrlichkeit, Ansehen der Person leide. Denn so in eure Versammlung käme ein Mann mit einem güldenen Ringe und mit einem herrlichen Kleide; es käme aber auch ein Armer in einem unsaubern Kleide; und ihr fähet auf den, der das herrliche Kleid träget, und sprächet zu ihm: Setze du dich her aufs beste; und sprächet zu dem Armen: Stehe du dort, oder setze dich her zu meinen Füßen; und bedenket es nicht recht; sondern ihr werdet Richter, und machet bösen Unterschied: höret zu, meine lieben Brüder, hat nicht Gott erwählet die Armen auf dieser Welt, die am Glauben reich sind, und Erben des Reichs, welches er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Unehre gethan. Sind nicht die Reichen die, die Gewalt an euch üben, und ziehen euch vor Gerichte? Verlästern sie nicht den guten Namen, davon ihr genannt seid? So ihr das königliche Geset vollendet nach der Schrift: Biebe deinen Nächsten als dich selbst, so thut ihr wohl. So ihr aber die Person ansehet, thut ihr Sünde, und werdet gestraft vom Gesek als die Übertreter. Denn so jemand das ganze Gesetz hält, und fündiget an Einem, der ists ganz schuldig. Denn der da gesagt hat: Du sollst nicht ehebrechen, der hat auch gesagt: Du sollst nicht töten. So du nun nicht ehebrichst, tötest aber, bist du ein Übertreter des Gesetzes. Also redet, und also thut, als die da sollen durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden. Es wird aber ein unbarmherzig Gericht über den gehen, der nicht Barmherzigkeit gethan hat; und die Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht. 3. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Petri 5, 5-11.( Der Teufel sucht, welchen er verschlinge.) Allesamt seid unter einander unterthan, und haltet fest an der Demut. Denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen giebt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorgen werfet auf ihn; denn er sorget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher 3. Sonntag nach Trinitatis. 113 wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet feste im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium. Luc. 15, 1-10.( Jesus nimmt die Sünder an.) Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verlieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis daß ers finde? Und wenn ers funden hat, so legt ers auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf funden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn funden hat, rufet sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuct euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen funden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Epistolische Lektion. Apgsch. 3, 1-16.( 3m Namen Jesu Christi stehe auf und wandle.) Petrus aber und Johannes gingen mit einander hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, da man pflegte zu beten. Und es war ein Mann, lahm von Mutterleibe, der ließ sich tragen; und sie setzten ihn täglich vor des Tempels Thür, die da heißet die schöne, daß er bettelte das Almosen von denen, die in den Tempel gingen. Da er nun sahe Petrum und Johannem, daß sie wollten zum Tempel hinein gehen, bat er um ein Almosen. Petrus aber sahe ihn an mit Johanne, und sprach: Siehe uns an. Und er sahe sie an, wartete, daß er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir; im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandele. Und griff ihn bei der rechten Hand, und richtete ihn auf. Alsobald stunden seine Schenkel und Knöchel feste; sprang auf, konnte gehen und stehen, und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang, und lobete Gott. Und es sahe ihn alles Volk wandeln, und Gott loben. Sie kannten ihn auch, daß ers war, der um das Almosen gesessen hatte vor der schönen Thür des Tempels; und sie wurden voll Wunderns und Entsetzens über dem, was ihm widerfahren war. Als aber dieser Lahme, der nun gesund war, sich zu Petro und Johanne hielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, die da heißet Salomonis, und wunderten sich. Als Petrus das sahe, antwortete er dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber? oder was sehet ihr auf uns, als hätten wir diesen wandeln gemacht durch unsere eigene Kraft oder Verdienst? Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat sein Kind Jesum verkläret, welchen ihr überantwortet und ver8 114 3. Sonntag nach Trinitatis. leugnet habt vor Pilato, da derselbe urteilete, ihn los zu lassen. Ihr aber verleugnetet den Heiligen und Gerechten, und batet, daß man euch den Mörder schenkte; aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferwecket von den Toten; des sind wir Zeugen. Und durch den Glauben an seinen Namen hat er an diesem, den ihr sehet und kennet, bestätiget seinen Namen; und der Glaube durch ihn hat diesem gegeben diese Gesundheit vor euren Augen. Evangelische Lektion. Joh. 5, 19-26.( Der Sohn macht lebendig, welche er will.) Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von ihm selber thun, denn was er siehet den Vater thun; denn was derselbige thut, das thut gleich auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb, und zeiget ihm alles, was er thut; und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und machet sie lebendig; also auch der Sohn machet lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, auf daß sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret, und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde, und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohns Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben. Denn wie der Vater das Leben hat in ihm selber; also hat er dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in ihm selber. Nachmittags. Sektion aus dem Alten Testamente. Josua 24, 14-27.( Erwählet euch, welchem ihr dienen wollet.) So fürchtet nun den HErrn, und dienet ihm treulich und rechtschaffen, und lasset fahren die Götter, denen eure Väter gedienet haben, jenseit des Wassers, und in Egypten, und dienet dem HErrn. Gefällt es euch aber nicht, daß ihr dem HErrn dienet; so erwählet euch heute, welchem ihr dienen wollet; dem Gott, dem eure Väter gedienet haben jenseit des Wassers, oder den Göttern der Amoriter, in welcher Land ihr wohnet. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Da antwortete das Volk und sprach: Das sei ferne von uns, daß wir den HErrn verlassen, und andern Göttern dienen! Denn der HErr, unser Gott, hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführet, aus dem Diensthause, und hat vor unsern Augen solche große Zeichen gethan, und uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch welche wir gegangen sind. Und hat ausgestoßen vor uns her alle Völker der Amoriter, die im Lande wohneten. Darum wollen wir auch dem HErrn dienen; denn er ist unser Gott. Josua sprach zum Volk: Ihr könnet dem HErrn nicht dienen; denn er ist ein heiliger Gott, ein eifriger Gott, der eurer Übertretung und Sünde nicht schonen wird. Wenn ihr aber den HErrn verlasset, und einem fremden Gott dienet, so wird er sich wenden, und euch plagen, und euch umbringen, nachdem er euch Gutes gethan hat. Das Volk aber sprach zu Josua: Nicht also, sondern wir wollen dem HErrn dienen. Da sprach Josua zum Volk: Ihr seid Zeugen über euch, daß ihr den HErrn euch erwählet habt, daß ihr ihm dienet. Und sie sprachen: Ja. So thut nun von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und 4. Sonntag nach Trinitatis. 115 neiget euer Herz zu dem HErrn, dem Gott Israel. Und das Volk sprach zu Josua: Wir wollen dem HErrn, unserm Gott, dienen, und seiner Stimme gehorchen. Also machte Josua desselben Tages einen Bund mit dem Volk, und legte ihnen Gesetze und Rechte vor zu Sichem. Und Josua schrieb dies alles ins Gesetzbuch Gottes, und nahm einen großen Stein und richtete ihn auf daselbst unter einer Eiche, die bei dem Heiligtum des HErrn war. Und sprach zum ganzen Volk: Siehe, dieser Stein soll Zeuge sein zwischen uns, denn er hat gehöret alle Rede des HErrn, die er mit uns geredet hat; und soll ein Zeuge über euch sein, daß ihr euren Gott nicht verleugnet. Lektion aus dem Neuen Testamente. Jakobi 2, 14-23.( Der Glaube, der tot ist an ihm selber.) Was hilfts, lieben Brüder, so jemand sagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen? So aber ein Bruder oder Schwester bloß wäre, und Mangel hätte der täglichen Nahrung; und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch, und sättiget euch; gäbet ihnen aber nicht, was des Leibes Notdurft ist: was hülfe sie das? Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber. Aber es möchte jemand sagen: Du hast den Glauben, und ich habe die Werke; zeige mir deinen Glauben mit deinen Werken, so will ich auch meinen Glauben dir zeigen mit meinen Werken. Du glaubest, daß ein einiger Gott ist: du thust wohl daran, die Teufel glaubens auch, und zittern. Willst du aber wissen, du eitler Mensch, daß der Glaube ohne Werke tot sei? Ist nicht Abraham, unser Vater, durch die Werke gerecht worden, da er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? Da siehest du, daß der Glaube mit gewirket hat an seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen worden. Und ist die Schrift erfüllet, die da spricht: Abraham hat Gott geglaubet, und ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und ist ein Freund Gottes geheißen. 4. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Röm. 8, 18-27.( Die neue Kreatur.) Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohn ihren Willen, sondern um des willen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Denn wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man fiehet, ist nicht Hoffnung: denn wie kann man des hoffen, das man siehet? So wir aber des hoffen, das wir nicht sehen, so warten wir sein durch Geduld. Desselbigen gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sichs gebühret, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs befte mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt. 8* 4. Sonntag nach Trinitatis. Evangelium. Luc. 6, 31-42.( Die Kinder des Allerhöchsten.) Und wie ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr. Und so ihr liebet, die euch lieben, was Danks habt ihr davon? denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber. Und wenn ihr euren Wohlthätern wohlthut, was Danks habt ihr davon? denn die Sünder thun dasselbige auch. Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen; was Danks habt ihr davon? denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß fie Gleiches wieder nehmen. Doch aber liebet eure Feinde; thut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet: so wird euer Lohn groß sein, und werdet Kinder des Allerhöchsten sein. Denn er ist gütig über die Undankbaren und Boshaftigen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch zuvor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. 116 Epistolische Lektion. Apgsch. 4, 8-31.( Alle redeten das Wort Gottes mit Freudigkeit.) Petrus, voll des Heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Obersten des Volks, und ihr Ältesten von Israel; so wir heute werden gerichtet über dieser Wohlthat an dem kranken Menschen, durch welche er ist gesund worden: so sei euch und allem Volk von Israel fund gethan, daß in dem Namen Jesu Christi von Nazareth, welchen ihr gekreuziget habt, den Gott von den Toten auferwecket hat, stehet dieser allhie vor euch gesund. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein worden ist. Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden. Sie sahen aber an die Freudigkeit Petri und Johannis, und verwunderten sich; denn sie waren gewiß, daß es ungelehrte Leute und Laien waren, und kannten sie auch wohl, daß sie mit Jesu gewesen waren. Sie sahen aber den Menschen, der gesund war worden, bei ihnen stehen, und hatten nichts dawider zu reden. Da hießen sie sie hinaus gehen aus dem Rat, und handelten mit einander und sprachen: Was wollen wir diesen Menschen thun? denn das Zeichen, durch sie geschehen, ist kund, offenbar allen, die zu Jerusalem wohnen, und wir könnens nicht leugnen. Aber auf daß es nicht weiter einreiße unter das Volk, lasset uns ernstlich sie bedräuen, daß sie hinfort keinem Menschen von diesem Namen sagen. Und riefen ihnen, und geboten ihnen, daß sie sich allerdinge nicht hören ließen, noch lehreten in dem Namen Jesu. Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Richtet ihr selbst, obs vor Gott recht sei, daß wir euch mehr gehorchen, denn Gott. Wir könnens ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehöret haben. Aber sie dräueten ihnen, 4. Sonntag nach Trinitatis. 117 und ließen sie gehen, und fanden nicht, wie sie sie peinigten, um des Volks willen; denn sie lobeten alle Gott über dem, das geschehen war. Denn der Mensch war über vierzig Jahr alt, an welchem dies Zeichen der Gesundheit geschehen war. Und als man sie hatte lassen gehen, kamen sie zu den Ihren, und verkündigten ihnen, was die Hohenpriester und Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Da sie das höreten, huben sie ihre Stimme auf einmütiglich zu Gott, und sprachen: HErr, der du bist der Gott, der Himmel und Erde, und das Meer, und alles, was drinnen ist, gemacht hat; der du durch den Mund Davids, deines Knechts, gesagt haft: Warum empören sich die Heiden, und die Völker nehmen vor, das umsonst ist? Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich zu Haufe wider den HErrn, und wider seinen Christ. Wahrlich ja, sie haben sich versammelt über dein heiliges Kind Jesum, welchen du gesalbet hast, Herodes und Pontius Pilatus, mit den Heiden und dem Volk Israel; zu thun, was deine Hand und dein Rat zuvor bedacht hat, das geschehen sollte. Und nun, HErr, siehe an ihr Dräuen, und gieb deinen Knechten, mit allerlei Freudigkeit zu reden dein Wort, und strecke deine Hand aus, daß Gesundheit, und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Kindes Jesu. Und da sie gebetet hatten, bewegete sich die Stätte, da sie versammelt waren; und wurden alle des Heiligen Geistes voll, und redeten das Wort Gottes mit Freudigkeit. Evangelische Lektion. Matth. 5, 11-16.( 3hr seid das Licht der Welt.) Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übels wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden. Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor euch gewesen sind. Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Es ist zu nichts hinfort nühe, denn daß man es hinausschütte und lasse es die Beute zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es mag die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Beuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Beuten, daß sie eure guten Werke sehen und euern Vater im Himmel preisen. Nachmittags. Sektion aus dem Alten Testamente. 1. Samuelis 3, 1-19.( Es ist der HErr, er thue, was ihm wohl gefällt.) Und da Samuel, der Knabe, dem HErrn dienete unter Eli, war des HErrn Wort teuer zu derselben Zeit, und war wenig Weissagung. Und es begab sich, zur selben Zeit lag Eli an seinem Ort, und seine Augen fingen an dunkel zu werden, daß er nicht sehen konnte. Und Samuel hatte sich geleget im Tempel des HErrn, da die Lade Gottes war, ehe denn die Lampe Gottes verlosch. Und der HErr rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hie bin ich. Und lief zu Eli, und sprach: Siehe, hie bin ich, du hast mir gerufen. Er aber sprach: Ich habe dir nicht gerufen; gehe wieder hin, und lege dich schlafen. Und er ging hin, und legte sich schlafen. Der HErr rief abermal: Samuel! Und Samuel stund auf, und ging zu Eli, und sprach: Siehe, hie bin ich, du hast mir gerufen. Er aber sprach: Ich habe dir nicht gerufen, mein Sohn; gehe wieder hin, und lege dich schlafen. Aber Samuel kannte den HErrn noch nicht, und des HErrn Wort war ihm noch 118 4. Sonntag nach Trinitatis. nicht offenbaret. Und der HErr rief Samuel aber zum drittenmal. Und er stund auf, und ging zu Eli, und sprach: Siehe, hie bin ich, du hast mir gerufen. Da merkte Eli, daß der HErr dem Knaben rief; und sprach zu ihm: Gehe wieder hin, und lege dich schlafen; und so dir gerufen wird, so sprich: Rede, HErr; denn dein Knecht höret. Samuel ging hin, und legte sich an seinen Ort. Da kam der HErr, und trat dahin, und rief wie vormals: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht höret. Und der HErr sprach zu Samuel: Siehe, ich thue ein Ding in Israel, daß, wer das hören wird, dem werden seine beide Ohren gellen. An dem Tage will ich erwecken über Eli, was ich wider sein Haus geredet habe; ich wills anfahen und vollenden. Denn ich habs ihm angesagt, daß ich Richter sein will über sein Haus ewiglich, um der Missethat willen, daß er wußte, wie seine Kinder sich schändlich hielten, und hätte nicht einmal sauer dazu gesehen. Darum hab ich dem Hause Eli geschworen, daß diese Missethat des Hauses Eli soll nicht versöhnet werden, weder mit Opfer, noch mit Speisopfer ewiglich. Und Samuel lag bis an den Morgen, und that die Thür auf am Hause des HErrn. Samuel aber fürchtete sich, das Gesicht Eli anzusagen. Da rief ihm Eli, und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hie bin ich. Er sprach: Was ist das Wort, das dir gesagt ist? Verschweige mir nichts. Gott thue dir dies und das, wo du mir etwas verschweigest, das dir gesagt ist. Da sagte es ihm Samuel alles an, und verschwieg ihm nichts. Er aber sprach: Es ist der HErr; er thue, was ihm wohlgefällt. Samuel aber nahm zu, und der HErr war mit ihm, und fiel keines unter allen seinen Worten auf die Erde. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Petri 1, 2-15.( Thut Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu machen.) Gott gebe euch viel Gnade und Friede durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unsers HErrn; nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft ( was zum Leben und göttlichen Wandel dienet) uns geschenkt ist, durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend; durch welche uns die teuren und allergrößesten Verheißungen geschenket sind, nämlich, daß ihr durch dasselbige teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr flichet die vergängliche Lust der Welt: so wendet allen euren Fleiß daran, und reichet dar in eurem Glauben Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe. Denn wo solches reichlich bei euch ist, wirds euch nicht faul noch unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unsers HErrn Jesu Christi. Welcher aber solches nicht hat, der ist blind, und tappet mit der Hand, und vergißt der Reinigung seiner vorigen Sünden. Darum, lieben Brüder, thut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu machen. Denn wo ihr solches thut, werdet ihr nicht straucheln. Und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi. Darum will ichs nicht lassen, euch allezeit solches zu erinnern; wiewohl ihrs wisset, und gestärkt seid in der gegenwärtigen Wahrheit. Denn ich achte es billig sein, so lange ich in dieser Hütte bin, euch zu erwecken und zu erinnern. Denn ich weiß, daß ich meine Hütte bald ablegen muß, wie mir denn auch unser HErr Jesus Christus eröffnet hat. Ich will aber Fleiß thun, daß ihr allenthalben habet nach meinem Abschied, solches in Gedächtnis zu halten. 5. Sonntag nach Trinitatis. 5. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. 119 Epistel. 1. Petri 3, 8-15.( Heiligt Gott den HErrn in euren Herzen.) Endlich aber seid allesamt gleich gefinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß fie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes; er suche Friede, und jage ihm nach. Denn die Augen des HErrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des HErrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den HErrn in euren Herzen. Evangelium. Luc. 5, 1-11.( Petri Fischzug.) Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stund am See Genezareth, und sahe zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Nege: trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom Lande führete. Und er setzte sich, und lehrete das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe, und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß fie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und fülleten beide Schiffe voll, also daß sie sanken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: HErr, gehe von mir hinaus; ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken ankommen und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten; desselbigen gleichen auch Jakobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fahen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande, und verließen alles und folgeten ihm nach. Epistolische Lektion. Apgsch. 5, 17-42.( Sie waren fröhlich, daß sie würdig gewesen der Schmach um Chrifti willen.) Es stund aber auf der Hohepriester, und alle, die mit ihm waren, welches ist die Sekte der Sadducäer, und wurden voll Eifers, und legten die Hände an die Apostel, und warfen sie in das gemeine Gefängnis. Aber der Engel des HErrn that in der Nacht die Thür des Gefängnisses auf, und führete fie heraus und sprach: Gehet hin, und tretet auf, und redet im Tempel zum Volk alle Worte dieses Lebens. Da sie das gehört hatten, gingen sie frühe in den Tempel, und lehreten. Der Hohepriester aber kam, und die mit ihm waren, und riefen zusammen den Rat, und alle Ältesten der Kinder von Israel, und sandten hin zum Gefängnis, sie zu holen. Die Diener aber kamen dar, und fanden sie nicht im Gefängnis, kamen wieder, und verkündigten, und sprachen: Das Gefängnis fanden wir verschlossen mit allem: 120 5. Sonntag nach Trinitatis. Fleiß, und die Hüter außen stehen vor den Thüren; aber da wir aufthaten, fanden wir niemand drinnen. Da diese Rede höreten der Hohepriester und der Hauptmann des Tempels und andere Hohepriester, wurden sie über ihnen betreten, was doch das werden wollte. Da kam einer dar, der verkündigte ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, sind im Tempel, stehen und lehren das Volk. Da ging hin der Hauptmann mit den Dienern, und holeten sie, nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, daß sie nicht gesteiniget würden. Und als sie sie brachten, stelleten sie sie vor den Rat. Und der Hohepriester fragte sie, und sprach: Haben wir euch nicht mit Ernst geboten, daß ihr nicht solltet lehren in diesem Namen? Und sehet, ihr habt Jerusalem erfüllet mit eurer Lehre, und wollet dieses Menschen Blut über uns führen. Petrus aber antwortete, und die Apostel, und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesum auferwecket, welchen ihr erwürget habt, und an das Holz gehänget. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöhet zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden. Und wir sind seine Zeugen über diese Worte, und der Heilige Geist, welchen Gott gegeben hat denen, die ihm gehorchen. Da sie das höreten, gings ihnen durchs Herz, und dachten sie zu töten. Da stund aber auf im Rat ein Pharisäer, mit Namen Gamaliel, ein Schriftgelehrter, wohl gehalten vor allem Volk, und hieß die Apostel ein wenig hinaus thun, und sprach zu ihnen: Ihr Männer von Israel, nehmet euer selbst wahr an diesen Menschen, was ihr thun follet. Vor diesen Tagen stand auf Theudas, und gab vor, er wäre etwas, und hingen an ihm eine Zahl Männer, bei vierHundert; der ist erschlagen, und alle, die ihm zufielen, sind zerstreuet, und zu nicht worden. Darnach stund auf Judas aus Galiläa in den Tagen der Schätzung, und machte viel Volks abfällig ihm nach; und der ist auch umkommen, und alle die ihm zufielen, sind zerstreuet. Und nun sage ich euch: Lasset ab von diesen Menschen und lasset sie fahren. Ist der Rat oder das Werk aus den Menschen, so wirds untergehen; ists aber aus Gott, so könnet ihrs nicht dämpfen; auf daß ihr nicht erfunden werdet, als die wider Gott streiten wollen. Da fielen sie ihm zu; und riefen den Aposteln, stäupten sie, und geboten ihnen, sie sollten nicht reden in dem Namen Jesu, und ließen sie gehen. Sie gingen aber fröhlich von des Rats Angesichte, daß sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden; und höreten nicht auf, alle Tage im Tempel und hin und her in Häusern zu lehren, und zu predigen das Evangelium von Jesu Christo. Evangelische Lektion. Luc. 7, 36-50.( Viel Liebe, wo viel Vergebung.) Es bat ihn aber der Pharisäer einer, daß er mit ihm äße. Und er ging hinein in des Pharisäers Haus, und setzte sich zu Tisch. Und siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tische saß in des Pharisäers Hause, brachte sie ein Glas mit Salben, und trat hinten zu seinen Füßen und weinete, und fing an, seine Füße zu neben mit Thränen, und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und tüfsete seine Füße, und salbete sie mit Salben. Da aber das der Pharisäer sahe, der ihn geladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so müßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrühret; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sage an. Es hatte ein Wucherer zween Schuldner. Einer war schuldig fünfhundert Groschen, der andere funfzig. Da sie aber nicht hatten zu bezahlen, schenkte ers beiden. 5. Sonntag nach Trinitatis. 121 Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten geschenket hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht gerichtet. Und er wandte sich zu dem Weibe, und sprach zu Simon: Siehest du dies Weib? Ich bin kommen in dein Haus, du hast mir nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese aber hat meine Füße mit Thränen geneket, und mit den Haaren ihres Haupts getrocknet. Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber nachdem sie hereinkommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öle gesalbet; sie aber hat meine Füße mit Salben gesalbet. Derhalben sage ich dir: Ihr sind viele Sünden vergeben; denn sie hat viel geliebet; welchem aber wenig vergeben wird, der liebet wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen an, die mit ihm zu Tische saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergiebt? Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin mit Frieden. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1 Samuelis 16, 1-13.( Der HErr siehet das Herz an.) Und der HErr sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leide um Saul, den ich verworfen habe, daß er nicht König sei über Israel? Fülle dein Horn mit Öl, und gehe hin, ich will dich senden zu dem Bethlehemiter Isai; denn unter seinen Söhnen hab ich mir einen König ersehen. Samuel aber sprach: Wie soll ich hingehen? Saul wirds erfahren, und mich erwürgen. Der HErr sprach: Nimm ein Kalb von den Rindern za dir, und sprich: Ich bin kommen, dem HErrn zu opfern. Und sollst Isai zum Opfer laden; da will ich dir weisen, was du thun sollst, daß du mir salbest, welchen ich dir sagen werde. Samuel that, wie ihm der HErr gesagt hatte, und kam gen Bethlehem. Da entsatzten sich die Ältesten der Stadt, und gingen ihm entgegen und sprachen: Ists Friede, daß du kommest? Er sprach: Ja, ich bin kommen, dem HErrn zu opfern; heiliget euch, und kommet mit mir zum Opfer. Und er heiligte den sai und seine Söhne, und lud sie zum Opfer. Da sie nun hereinkamen, sahe er den Eliab an, und gedachte, ob der vor dem HErrn sei sein Gesalbter. Aber der HErr sprach zu Samuel: Siehe nicht an seine Gestalt, noch seine große Person; ich habe ihn verworfen. Denn es gehet nicht, wie ein Mensch siehet. Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der HErr aber siehet das Herz an. Da rief Isai dem Abinadab, und ließ ihn vor Samuel übergehen. Und er sprach: Diesen hat der HErr auch nicht erwählet. Da ließ Isai vorüber gehen Samma. Er aber sprach: Diesen hat der HErr auch nicht erwählet. Da ließ sai seine sieben Söhne vor Samuel übergehen. Aber Samuel sprach zu Isai: Der HErr hat der keinen erwählet. Und Samuel sprach zu Isai: Sind das die Knaben alle? Er aber sprach: Es ist noch übrig der kleinste; und siehe, er hütet der Schafe. Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin, und laß ihn holen; denn wir werden uns nicht setzen, bis er hieher komme. Da sandte er hin, und ließ ihn holen. Und er war bräunlicht, mit schönen Augen und guter Gestalt. Und der HErr sprach: Auf und salbe ihn; denn der ists. Da nahm Samuel sein Ölhorn, und salbete ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HErrn gerieth über David von dem Tage an und fürder. Samuel aber machte sich auf, und ging gen Rama. 122 6. Sonntag nach Trinitatis. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 9, 32-43.( Petri Wunderwerk.) Es geschah aber, da Petrus durchzog allenthalben, daß er auch zu den Heiligen kam, die zu Lydda wohneten. Daselbst fand er einen Mann mit Namen Äneas, acht Jahre lang auf dem Bette gelegen, der war gichtbrüchig. Und Petrus sprach zu ihm: Anea, Jesus Christus macht dich gesund; stehe auf, und bette dir selber. Und alsobald stund er auf. Und es sahen ihn alle, die zu Lydda und zu Sarona wohneten; die bekehreten sich zu dem HErrn. Zu Joppe aber war eine Jüngerin, mit Namen Tabea( welches verdolmetschet heißt eine Rehe), die war voll guter Werke und Almosen, die fie that. Es begab sich aber zu derselbigen Zeit, daß sie krank ward, und starb. Da wuschen sie dieselbige, und legten sie auf den Söller. Nun aber Lydda nahe bei Joppen ist, da die Jünger höreten, daß Petrus daselbst war, sandten sie zween Männer zu ihm, und ermahneten ihn, daß er sichs nicht ließe verdrießen, zu ihnen zu kommen. Petrus aber stund auf, und kam mit ihnen. Und als er darkommen war, führeten sie ihn hinauf auf den Söller, und traten um ihn alle Witwen, weineten, und zeigten ihm die Röcke und Kleider, welche die Rehe machte, weil sie bei ihnen war. Und da Petrus fie alle hinaus getrieben hatte, knieete er nieder, betete, und wandte sich zu dem Leichnam, und sprach: Tabea, stehe auf! Und sie that ihre Augen auf; und da sie Petrum sahe, setzte sie sich wieder. Er aber gab ihr die Hand, und richtete sie auf und rief den Heiligen, und den Witwen, und stellete sie lebendig dar. Und es ward kund durch ganz Joppen, und viele wurden gläubig an den HErrn. Und es geschah, daß er lange Zeit zu Joppe blieb bei einem Simon, der ein Gerber war. 6. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Röm. 6, 3-14.( Wir sind in Chrifti Tod getauft.) Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die find in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleich wie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Toten erwecket, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal; das er aber lebet, das lebet er Gotte. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gotte in Christo Jesu, unserm HErrn. So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihm Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gotte zu Waffen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade. 6. Sonntag nach Trinitatis. 123 Evangelium. Matth. 5, 17-26.( Die Gerechtigkeit, die besser als die der Pharisäer.) Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht kommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch: Wahrlich, bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum wenn du deine Gabe auf den Altar opferst und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder; und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sei willfährtig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleins überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerter geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. Epistolische Lektion. Apgsch. 8, 26-38.( Der Kämmerer aus Mohrenland.) Aber der Engel des HErrn redete zu Philippo und sprach: Stehe auf und gehe gegen Mittag, auf die Straße, die von Jerusalem hinabgehet gen Gaza, die da wüste ist. Und er stund auf, und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Mohrenland, ein Kämmerer und Gewaltiger der Königin Candaces in Mohrenland, welcher war über alle ihre Schatzkammer, der war kommen gen Jerusalem, anzubeten, und zog wieder heim, und saß auf seinem Wagen, und las den Propheten Jesaiam. Der Geist aber sprach zu Philippo: Gehe hinzu, und mache dich bei diesen Wagen. Da lief Philippus hinzu, und hörete, daß er den Propheten Jesaiam las, und sprach: Verstehest du auch, was du liesest? Er aber sprach: Wie kann ich, so mich nicht jemand anleitet? Und ermahnete Philippum, daß er aufträte, und setzte sich bei ihn. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser: Er ist wie ein Schaf, zur Schlachtung geführet, und still wie ein Lamm vor seinem Scherer; also hat er nicht aufgethan seinen Mund; in seiner Niedrigkeit ist sein Gericht erhaben; wer wird aber seines Lebens Länge ausreden? denn sein Leben ist von der Erde weggenommen. Da antwortete der Kämmerer Philippo und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet solches? Von ihm selber, oder von jemand anders? Philippus aber that seinen Mund auf, und fing von dieser Schrift an, und predigte ihm das Evangelium von Jefu. Und als sie zogen der Straße nach, kamen sie an ein Wasser; und der Kämmerer sprach: Siehe, da ist Wasser, was hinderts, daß ich mich taufen lasse? Philippus aber sprach: Glaubest du von ganzem Herzen, so mags wohl sein. Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist. Und er hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser, beide Philippus und der Kämmerer; und er taufete ihn. 6. Sonntag nach Trinitatis. Evangelische Lektion. Marci 4, 26-32.( Der Same geht auf und wächst.) Und er sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft, und schläft und stehet auf Nacht und Tag, und der Same gehet auf und wächfet, daß ers nicht weiß. Denn die Erde bringt von ihr selbst zum ersten das Gras, darnach die Ähren, darnach den vollen Weizen in den Ahren. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schicket er bald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. Und er sprach: Wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen? und durch welch Gleichnis wollen wir es vorbilden? Gleichwie ein Senfkorn, wenn das gesäet wird aufs Land, so ists das kleinste unter allen Samen auf Erden. Und wenn es gesäet ist, so nimmt es zu, und wird größer denn alle Kohlkräuter, und gewinnet große 3weige, also daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. 124 Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1. Sam. 24, 1-20.( Liebe für Haß.) Und David zog hinauf von dannen, und blieb in der Burg Engedi. Da nun Saul wieder kam von den Philistern, ward ihm geſagt: Siehe, David ist in der Wüste Engedi. Und Saul nahm drei tausend junger Mannschaft aus ganz Israel, und zog hin, David samt seinen Männern zu suchen, auf den Felsen der Gemsen. Und da er kam zu den Schafhürden am Wege, war daselbst eine Höhle, und Saul ging hinein, seine Füße zu decken. David aber und seine Männer saßen hinten in der Höhle. Da sprachen die Männer Davids zu ihm: Siehe, das ist der Tag, davon der HErr dir gesagt hat: Siehe, ich will deinen Feind in deine Hände geben, daß du mit ihm thust, was dir gefällt. Und David stund auf, und schnitt leise einen Zipfel vom Rock Sauls. Aber darnach schlug ihm sein Herz, daß er den Zipfel Saul hatte abgeschnitten, und sprach zu seinen Männern: Das lasse der HErr ferne von mir sein, daß ich das thun sollte, und meine Hand legen an meinen Herrn, den Gesalbten des HErrn; denn er ist der Gejalbte des HErrn, und David weisete seine Männer von sich mit Worten, und ließ sie nicht wider Saul sich auflehnen. Da aber Saul sich aufmachte aus der Höhle, und ging auf dem Wege; machte sich darnach David auch auf, und ging aus der Höhle, und rief Saul hinten nach und sprach: Mein Herr König. Saul sahe hinter sich. Und David neigte sein Antlitz zur Erde, und betete an; und sprach zu Saul: Warum gehorchest du Menschen Wort, die da sagen: David suchet dein Unglück? Siehe, heutiges Tages sehen deine Augen, daß dich der HErr heute hat in meine Hand gegeben in der Höhle, und es ward gesagt, daß ich dich sollte erwürgen. Aber es ward dein verschonet, denn ich sprach: Ich will meine Hand nicht an meinen Herrn legen, denn er ist der Gesalbte des HErrn. Mein Vater, siehe doch den Zipfel von deinem Rock in meiner Hand, daß ich dich nicht erwürgen wollte, da ich den Zipfel von deinem Rock schnitt. Erkenne und siehe, daß nichts Böses in meiner Hand ist, noch keine Übertretung. Ich habe auch an dir nicht gesündiget; und du jagest meine Seele, daß du sie wegnehmest. Der HErr wird Richter sein zwischen mir und dir, und mich an dir rächen; aber meine Hand soll nicht über dir sein. Wie man sagt nach dem alten Sprüchwort: Von Gottlosen kommt Untugend. Aber meine Hand soll nicht über dir sein. Wem zeuchst du nach, König von Israel? Wem jagest du nach? Einem toten Hunde, einem einigen Floh? Der HErr sei Richter, und richte zwischen mir und dir, und sehe drein, und führe meine Sache aus, und rette mich von deiner Hand. Als nun David solche Worte zu Saul 7. Sonntag nach Trinitatis. 125 hatte ausgeredet, sprach Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul hub auf seine Stimme, und weinete, und sprach zu David: Du bist gerechter, denn ich. Du hast mir Gutes beweiset, ich aber habe dir Böses beweiset. Und du hast mir heute angezeiget, wie du Gutes an mir gethan hast, daß mich der HErr hatte in deine Hände beschlossen, und du mich doch nicht erwürget hast. Wie sollte jemand seinen Feind finden, und ihn lassen einen guten Weg gehen? Der HErr vergelte dir Gutes für diesen Tag, das du an mir gethan hast. Lektion aus dem Neuen Testamente. Gal. 3, 1-12.( Die mit des Gesetzes Werken umgehen.) Oihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert, daß ihr der Wahrheit nicht gehorchet? welchen Christus Jesus vor die Augen gemalet war, und jetzt unter euch gekreuziget ist. Das will ich allein von euch lernen: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke, oder durch die Predigt vom Glauben? Seid ihr so unverständig? 3m Geist habt ihr angefangen, wollt ihrs denn nun im Fleisch vollenden? Habt ihr denn so viel umsonst erlitten? Jsts anders umsonst. Der euch nun den Geist reichet, und thut solche Thaten unter euch, thut ers durch des Gesetzes Werke, oder durch die Predigt vom Glauben? Gleichwie Abraham hat Gott geglaubet, und ist ihm gerechnet zur Gerechtigkeit. So erkennet ihr ja nun, daß, die des Glaubens sind, das sind Abrahams Kinder. Die Schrift aber hat es zuvor ersehen, daß Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: In dir sollen alle Heiden gesegnet werden. Also werden nun, die des Glaubens sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch. Denn es stehet geschrieben: Verflucht sei jedermann, der nicht bleibet in alle dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß ers thue. Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn der Gerechte wird seines Glaubens leben. Das Gesetz aber ist nicht des Glaubens; sondern der Mensch, der es thut, wird dadurch leben. 7. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Röm. 6, 15-23.( Die Gabe Gottes ist das ewige Leben.) Wie nun? sollen wir fündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! Wisset ihr nicht, welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? Gott sei aber gedanket, daß ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam worden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid. Denn nun ihr frei worden seid von der Sünde, seid ihr Knechte worden der Gerechtigkeit. Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zu Dienste der Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, also begebet auch nun eure Glieder zu Dienste der Gerechtigkeit, daß fie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte worden, habt ihr eure 126 7. Sonntag nach Trinitatis. Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm HErrn. Evangelium. Marci 8, 1-9.( Mich jammert des Volks, sie haben nichts zu essen.) Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nicht zu essen; rief Jesus feine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei Lage bei mir beharret, und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne kommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hie in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte fie: Wie viel habt ihr Brots? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote, und dankete, und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volk vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankete, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt, und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei vier tausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. Epistolische Lektion. Apgsch. 9, 1-19.( Um Christi willen habe ich alles für Schaden geachtet.) Saulus aber schnaubete noch mit Dräuen und Morden wider die Jünger des HErrn, und ging zum Hohenpriester, und bat ihn um Briefe gen Damascus an die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Wegs fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gen Jerusalem. Und da er auf dem Wege war, und nahe bei Damascus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Und er fiel auf die Erde, und hörete eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Er aber sprach: HErr, wer bist du? Der HErr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel löcken. Und er sprach mit Bittern und Zagen: HErr, was willst du, daß ich thun soll? Der HErr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe in die Stadt; da wird man dir sagen, was du thun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, stunden und waren erstarret; denn sie höreten eine Stimme, und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde, und als er seine Augen aufthat, sahe er niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand, und führeten ihn gen Damascus. Und war drei Tage nicht sehend, und aß nicht, und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Damascus, mit Namen Ananias; zu dem sprach der HErr im Gesichte: Anania! Und er sprach: Hie bin ich, HErr. Der HErr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe hin in die Gasse, die da heißet die richtige, und frage in dem Hause Juda nach Saulo, mit Namen von Tarsen; denn siehe er betet, und hat gesehen im Gesichte einen Mann, mit Namen Ananias, zu ihm hinein kommen, und die Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: HErr, ich habe von vielen gehöret von diesem Manne, wie viel Übels er deinen Heiligen gethan hat zu Jerusalem; und er hat allhie Macht von den Hohenpriestern, zu binden alle, die deinen Namen anrufen. Der HErr sprach zu ihm: Gehe hin; denn dieser ist mir ein auserwählt Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden, und vor den Königen, und vor den Kindern von Israel. Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muß um meines Namens willen. Und Ananias ging hin, und kam in das Haus, und legte die Hände 7. Sonntag nach Trinitatis. 127 auf ihn, und sprach: Lieber Bruder Saul, der HErr hat mich gesandt( der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkamest), daß du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllet werdest. Und alsobald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und ward wieder sehend, und stund auf, ließ sich taufen, und nahm Speise zu sich, und stärkete sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damascus. Evangelische Lektion. Matth. 19, 16-26.( Verkaufe, was du hast.) Und siehe, einer trat zu ihm und sprach: Guter Meister, was soll ich Gutes thun, daß ich das ewige Leben möge haben? Er aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der einige Gott. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Da sprach er zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis geben. Ehre Vater und Mutter. Und du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf; was fehlet mir noch? Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen ſein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und giebs den Armen, so wirst du einen Schat im Himmel haben; und komm und folge mir nach. Da der Jüngling das Wort hörete, ging er betrübt von ihm; denn er hatte viel Güter. Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das seine Jünger höreten, entsatzten sie sich sehr und sprachen: Je, wer kann denn selig werden? Jesus aber sahe sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ists unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Nachmittags. Pektion aus dem Alten Testamente. 1. Könige 3, 5-14.( Du wolleft deinem Knechte ein gehorsames Herz geben.) Und der HErr erschien Salomo zu Gibeon im Traum des Nachts, und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll. Salomo sprach: Du hast an meinem Vater David, deinem Knechte, große Barmherzigkeit gethan; wie er denn vor dir gewandelt hat in Wahrheit und Gerechtigkeit, und mit richtigem Herzen vor dir; und hast ihm diese große Barmherzigkeit gehalten, und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Stuhl fäße, wie es denn jetzt gehet. Nun HErr, mein Gott, du hast deinen Knecht zum Könige gemacht, an meines Vaters David Statt. So bin ich ein kleiner Knabe, weiß nicht weder meinen Ausgang noch Eingang. Und dein Knecht ist unter dem Volk, das du erwählet hast, so groß, daß es niemand zählen noch beschreiben kann, vor der Menge. So wollest du deinem Knechte geben ein gehorsam Herz, daß er dein Volk richten möge, und verstehen, was gut und böse ist. Denn wer vermag dies dein mächtig Volk zu richten? Das gefiel dem Herrn wohl, daß Salomo um ein solches bat. Und Gott sprach zu ihm: Weil du solches bittest, und bittest nicht um langes Leben, noch um Reichtum, noch um deiner Feinde Seele, sondern um Verstand, Gericht zu hören; siehe, so habe ich gethan nach deinen Worten. Siehe, ich habe dir ein weises und verständiges Herz gegeben, daß deines gleichen vor dir nicht gewesen ist, und nach dir nicht aufkommen wird. Dazu, das du nicht gebeten hast, hab ich dir auch gegeben, nämlich Reichtum und Ehre, daß deines gleichen keiner 128 7. Sonntag nach Trinitatis. unter den Königen ist zu deinen Zeiten. Und so du wirst in meinen Wegen wandeln, daß du hältst meine Sitten und Gebote, wie dein Vater David gewandelt hat; so will ich dir geben ein langes Leben. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 10, 1-33.( Bekehrung des Hauptmanns Cornelins.) Es war aber ein Mann zu Cäsarien, mit Namen Cornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die welsche, gottselig und gottesfürchtig, samt seinem ganzen Hause, und gab dem Volk viel Almosen, und betete immer zu Gott. Der sahe in einem Gesichte offenbarlich, um die neunte Stunde am Tage, einen Engel Gottes zu ihm eingehen, der sprach zu ihm: Corneli! Er aber sahe ihn an, erschrak, und sprach: Herr, was ists? Er aber sprach zu ihm: Dein Gebet und deine Almosen sind hinaufkommen ins Gedächtnis vor Gott. Und nun sende Männer gen Joppen, und laß fordern Simon, mit dem Zunamen Petrus, welcher ist aur Herberge bei einem Gerber, Simon, des Haus am Meer liegt; der wird dir sagen, was du thun sollst. Und da der Engel, der mit Cornelio redete, hinweggegangen war, rief er zween seiner Hausknechte, und einen gottesfürchtigen Kriegsknecht, von denen, die auf ihn warteten, und erzählete es ihnen alles, und sandte sie gen Joppen. Des andern Tages, da diese auf dem Wege waren, und nahe zur Stadt tamen, stieg Petrus hinauf auf den Söller z beter, um die sechste Stunde. Und als er hungrig ward, wollte er anbeißen. Da sie ihm aber zubereiteten, ward er entzückt, und sahe den Himmel aufgethan, und herniederfahren zu ihm ein Gefäße, wie ein groß leinen Tuch, an vier Zipfeln gebunden, und ward niedergelassen auf die Erde; darinnen waren allerlei vierfüßige Tiere der Erde, und wilde Tiere, und Gewürme, und Vögel des Himmels. Und geschah eine Stimme zu ihm: Stehe auf, Petre, schlachte und iß. Petrus aber sprach: Onein, HErr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen. Und die Stimme sprach zum andern Mal zu ihm: Was Gott gereiniget hat, das mache du nicht gemein. Und das geschah zu drei Malen; und das Gefäße ward wieder aufgenommen gen Himmel. Als aber Petrus sich in ihm selbst bekümmerte, was das Gesichte wäre, das er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Cornelio gesandt, nach dem Hause Simonis, und stunden an der Thür, riefen, und forscheten, ob Simon, mit dem Zunamen Petrus, allda zur Herberge wäre? Indem aber Petrus sich besinnet über dem Gesichte, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich; aber stehe auf, steige hinab, und zeuch mit ihnen, und zweifle nichts; denn ich habe sie gesandt. Da stieg Petrus hinab zu den Männern, die von Cornelio zu ihm gesandt waren, und sprach: Siehe, ich bins, den ihr suchet; was ist die Sache, darum ihr hie seid? Sie aber sprachen: Cornelius, der Hauptmann, ein frommer und gottesfürchtiger Mann, und gutes Gerüchts bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen vom heiligen Engel, daß er dich sollte fordern lassen in sein Haus, und Worte von dir hören. Da rief er ihnen hinein, und beherbergete sie. Des andern Tages zog Petrus aus mit ihnen, und etliche Brüder von Joppen gingen mit ihm. Und des andern Tages kamen sie ein gen Cäsarien. Cornelius aber wartete auf sie, und rief zusammen seine Verwandten und Freunde; und als Petrus hineinkam, ging ihm Cornelius entgegen, und fiel zu seinen Füßen, und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf, und sprach: Stehe auf; ich bin auch ein Mensch. Und als er sich mit ihm besprochen hatte, ging er hinein, und fand ihrer viel, die zusammen kommen waren. Und er sprach zu ihnen: Ihr wisset, wie es ein ungewohnet Ding ist einem jüdischen Mann, sich zu thun oder zu kommen 8. Sonntag nach Trinitatis. 129 zu einem Fremdling; oder unrein zu heißen. aber Gott hat mir gezeiget, keinen Menschen gemein Darum habe ich mich nicht geweigert, zu kommen, als ich bin hergefordert. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt lassen fordern. Cornelius sprach: Ich habe vier Tage gefaftet bis an dieſe Stunde, und um die neunte Stunde betete ich in meinem Hause. Und siehe, da trat ein Mann vor mich in einem hellen Kleide, und sprach: Corneli, dein Gebet ist erhöret, und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. So fende nun gen Joppen, und laß her rufen einen, Simon, mit dem Zunamen Petrus, welcher ist zur Herberge in dem Hause des Gerbers Simon an dem Meer; der wird dir, wenn er kommt, sagen. Da fandte ich von Stund an zu dir. Und du hast wohl gethan, daß du kommen bist. Nun find wir alle hie gegenwärtig vor Gott, zu hören alles, was dir von Gott befohlen ist. 8. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Röm. 8, 12-17.( Die Kinder Gottes.) So find wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen. daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. Derselbige Geist gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Chrifti, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium. Matth. 7, 13-29.( Von den falschen Propheten.) Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet; und ihrer sind viel, die darauf wandeln. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet; und wenig ist ihrer, die ihn finden. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HErr, HErr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: HErr, HErr, haben wir nicht in deinem Namen geweisfaget? haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Übelthäter. Darum, wer diese meine Rede höret und thut fie, den vergleiche ich einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Fels bauete. Da nun ein Platregen fiel, und ein Gewässer kam, und weheten die Winde und stießen an das Haus; fiel es doch nicht, denn es war auf einen Fels gegründet. Und wer diese meine Rede höret und thut sie nicht, 9 130 8. Sonntag nach Trinitatis. der ist einem thörichten Mann gleich, der sein Haus auf den Sand bauete. Da nun ein Platregen fiel, und kam ein Gewässer, und weheten die Winde und stießen an das Haus; da fiel es und that einen großen Fall. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsatte sich das Volk über seiner Lehre. Denn er predigte gewaltig, und nicht wie die Schriftgelehrten. Epistolische Lektion. Apgsch. 16, 16-36.( Was soll ich thun, daß ich selig werde?) Es geschah aber, da wir zu dem Gebet gingen, daß eine Magd uns begegnete, die hatte einen Wahrsagergeist, und trug ihren Herren viel Genieß zu mit Wahrsagen. Dieselbige folgte allenthalben Paulo und uns nach, schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte Gottes, des Allerhöchsten, die euch den Weg der Seligkeit verkündigen. Solches that sie manchen Tag. Paulo aber that das wehe, und wandte sich um, und sprach zu dem Geiste: Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi, daß du von ihr ausfahrest. Und er fuhr aus zu derselbigen Stunde. Da aber ihre Herren sahen, daß die Hoffnung ihres Genießes war ausgefahren, nahmen sie Paulum und Silan, zogen sie auf den Markt vor die Obersten, und führeten sie zu den Hauptleuten, und sprachen: Diese Menschen machen unsere Stadt irre, und sind Juden; und verkündigen eine Weise, welche uns nicht ziemet anzunehmen, noch zu thun, weil wir Römer sind. Und das Volk ward erregt wider sie; und die Hauptleute ließen ihnen die Kleider abreißen, und hießen sie stäupen. Und da sie sie wohl gestäupet hatten, warfen sie sie ins Gefängnis, und geboten dem Kerkermeister, daß er sie wohl bewahrete. Der nahm solch Gebot an, und warf sie in das innerste Gefängnis, und legte ihre Füße in den Stock. Um die Mitternacht aber beteten Paulus, und Silas, und lobeten Gott. Und es öreten sie die Gefangenen. Schnell aber ward ein großes Erdbeben, also, daß sich bewegeten die Grundfesten des Gefängnisses. Und von Stund an wurden alle Thüren aufgethan und aller Bande los. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlafe fuhr, und sahe die Thüren des Gefängnisses aufgethan, zog er das Schwert aus, und wollte sich selbst erwürgen; denn er meinete, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber rief laut, und sprach: Thu dir nichts übels; denn wir sind alle hie. Er forderte aber ein Licht, und sprang hinein, und ward zitternd, und fiel Paulo und Sila zu den Füßen, und führete sie heraus, und sprach: Lieben Herren, was soll ich thun, daß ich selig werde? Sie sprachen: Glaube an den HErrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig. Und sagten ihm das Wort des HErrn, und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselbigen Stunde der Nacht, und wusch ihnen die Striemen ab, und er ließ sich taufen, und alle die Seinen alsobald. Und führete sie in sein Haus, und setzte ihnen einen Tisch, und freuete sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig worden war. Und da es Tag ward, sandten die Hauptleute Stadtdiener, und sprachen: Laß die Menschen gehen. Und der Kerkermeister verkündigte diese Rede Paulo: Die Hauptleute haben hergesandt, daß ihr los sein sollt. Nun ziehet aus, und gehet hin mit Frieden. Evangelische Lektion. Matth. 10, 32-42.( Ich will ihn bekennen vor meinem himmlischen Vater.) Darum, wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. Ihr 8. Sonntag nach Trinitatis. 131 sollt nicht wähnen, daß ich kommen sei, Friede zu senden auf Erden. Ich bin nicht kommen, Friede zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin kommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater, und die Tochter wider ihre Mutter, und die Schnur wider ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt, denn mich, der ist mein nicht wert. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt, denn mich, der ist mein nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folget mir nach, der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wirds verlieren; und wer sein Leben verlieret um meinetwillen, der wirds finden. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird eines Propheten Lohn empfahen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfahen. Und wer dieser Geringsten einen nur mit einem Becher kaltes Wassers tränket, in eines Jüngers Namen; wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbelohnet bleiben. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jerem. 23, 16-32.( Die falschen Propheten.) So spricht der HErr Zebaoth: Gehorchet nicht den Worten der Propheten, so euch weissagen. Sie betrügen euch; denn sie predigen ihres Herzens Gesicht, und nicht aus des HErrn Munde. Sie sagen denen, die mich lästern: Der HErr hats gesagt, es wird euch wohl gehen. Und allen, die nach ihres Herzens Dünkel wandeln, sagen sie: Es wird kein Unglück über euch kommen. Denn wer ist im Rat des HErrn gestanden, der sein Wort gesehen und gehöret habe? Wer hat sein Wort vernommen und gehöret? Siehe, es wird ein Wetter des HErrn mit Grimm kommen, und ein schrecklich Ungewitter den Gottlosen auf den Kopf fallen. Und des HErrn Zorn wird nicht nachlassen, bis er thue und ausrichte, was er im Sinn hat; hernach werdet ihrs wohl erfahren. Ich fandte die Prophcten nicht, noch liefen sie; ich redete nicht zu ihnen, noch weisfagten sie. Denn wo sie bei meinem Rat blieben, und hätten meine Worte meinem Volk geprediget, so hätten sie dasselbe von ihrem bösen Wesen und von ihrem bösen Leben bekehret. Bin ich nicht ein Gott, der nahe ist, spricht der HErr, und nicht ein Gott, der ferne sei? Meinest du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der HErr. Bin ichs nicht, der Himmel und Erde füllet? spricht der HErr. Ich höre es wohl, daß die Propheten predigen, und falsch weissagen in meinem Namen, und sprechen: Mir hat geträumet, mir hat geträumet. Wann wollen doch die Propheten aufhören, die falsch weissagen und ihres Herzens Trügerei weissagen, und wollen, daß mein Volk meines Namens vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern predigt; gleichwie ihre Väter meines Namens vergaßen über dem Baal? Ein Prophet, der Träume hat, der predige Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HErr. Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HErr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? Darum fiehe, ich will an die Propheten, spricht der HErr, die mein Wort stehlen einer dem andern. Siehe, ich will an die Propheten, spricht der Herr, die ihr eigen Wort führen und sprechen: Er hats gesagt. Siehe, ich will an die, so falsche Träume weissagen, spricht der HErr, und predigen dieselben, und verführen 9* 132 9. Sonntag nach Trinitatis. mein Volk mit ihren Lügen und losen Theidingen; so ich sie doch nicht gefandt und ihnen nichts befohlen habe, und sie auch diesem Volk nichts nütze sind, spricht der HErr. Bektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 12, 1-17.( Die Befreiung aus dem Kerter.) Um dieselbige Zeit legte der König Herodes die Hände an etliche von der Gemeine, zu peinigen. Er tötete aber Jacobum, Johannis Bruder, mit dem Schwert. Und da er sahe, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort, und fing Petrum auch. Es waren aber eben die Tage der süßen Brote. Da er ihn nun griff, legte er ihn ins Gefängnis, und überantwortete ihn vier Vierteilen Kriegsknechten, ihn zu bewahren, und gedachte ihn nach den Ostern dem Volk vorzustellen. Und Petrus ward zwar im Gefängnis gehalten; aber die Gemeine betete ohn Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus zwischen zween Kriegsknechten, gebunden mit zwo Ketten, und die Hüter vor der Thür hüteten des Gefängnisses. Und siehe, der Engel des HErrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach; und schlug Petrum an die Seite, und weckte ihn auf, und sprach: Stehe behende auf. Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich, und thu deine Schuhe an. Und er that also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich, und folge mir nach. Und er ging hinaus, und folgte ihm, und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel; sondern es däuchte ihn, er sähe ein Gesichte. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut, und kamen zu der eisernen Thür, welche zur Stadt führet; die that sich ihnen von ihr selber auf, und traten hinaus, und gingen hin eine Gasse lang; und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu ihm selber kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der HErr seinen Engel gesandt hat, und mich errettet aus der Hand Herodis, und von allem Warten des jüdischen Volks. Und als er sich befinnet, tam er vor das Haus Maria, der Mutter Johannis, der mit dem Zunamen Marcus hieß, da viele bei einander waren, und beteten. Als aber Petrus an die Thür klopfete des Thores, trat hervor eine Magd zu horchen, mit Namen Rhode. Und als sie Petri Stimme erfannte, that sie das Thor nicht auf vor Freuden, lief aber hinein, und verkündigte es ihnen, Petrus stünde vor dem Thor. Sie aber sprachen zu ihr: Du bist unsinnig. Sie aber bestund darauf, es wäre also. Sie sprachen: Es ist sein Engel. Petrus aber flopfete weiter an. Da fie aber aufthaten, jahen sie ihn, und entsatzten sich. Er aber winkete ihnen mit der Hand, zu schweigen, und erzählte ihnen, wie ihn der HErr hätte aus dem Gefängnis geführet, und sprach: Verkündiget dies Jacobo und den Brüdern. Und ging hinaus, und zog an einen andern Ort. 9. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 10, 1-13.( Das ist geschehen uns zum Vorbild und zur Warnung.) Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter find alle unter der Wolte gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und find alle unter Mosen getauft mit der Wolke und mit dem Meer; und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen; und haben alle einerlei geistlichen Trank 9. Sonntag nach Trinitatis. 133 getrunken; fie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüftet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden; als geschrieben stehet: Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und stund auf, zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf Einen Tag drei und zwanzig tausend. Basset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt kommen ist. Darum, wer sich lässet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läfſet versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihrs könnet ertragen. Evangelium. Luc. 16, 1-12.( Die Klugheit des ungerechten Haushalters.) Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öles. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich, und schreib flugs funfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, und schreib achtzig. Und der Herr lobete den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind flüger, denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist? Epistolische Lektion. Apgsch. 17, 16-34.( Das Gericht über alle durch einen Mann, in welchem ers beschlossen hat.) Da aber Paulus ihrer zu Athen wartete, ergrimmete sein Geist in ihm, da er sahe die Stadt so gar abgöttisch. Und er redete zwar zu den Juden und Gottesfürchtigen in der Schule, auch auf dem Markt alle Tage zu denen, die sich herzu fanden. Etliche aber der Epikurer und Stoiter Philosophen zankten mit ihm; und etliche sprachen: Was will dieser Lotterbube sagen? Etliche aber: Es fiehet, als wollte er neue Götter verkündigen. Das machte, er hatte das Evangelium von Jesu, und von der Auferstehung ihnen ver 134 9. Sonntag nach Trinitatis. fündigt. Sie nahmen ihn aber, und führeten ihn auf den Richtplay, und sprachen: Können wir auch erfahren, was das für eine neue Lehre sei, die du lehrest? Denn du bringest etwas Neues vor unsere Ohren; so wollten wir gerne wissen, was das sei. Die Athener aber alle, auch die Ausländer und Gäste, waren gerichtet auf nichts anders, denn etwas Neues zu sagen oder zu hören. Paulus aber stund mitten auf dem Richtplay, und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe euch, daß ihr in allen Stücken allzu abergläubig seid. Ich bin herdurch gegangen, und habe gesehen eure Gottesdienste, und fand einen Altar, darauf war geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch denselbigen, dem ihr unwissend Gottesdienst thut. Gott, der die Welt gemacht hat, und alles, was drinnen ist, fintemal er ein HErr ist Himmels und der Erden, wohnet er nicht in Tempeln mit Händen gemacht. Sein wird auch nicht von Menschenhänden gepfleget, als der jemandes bedürfe; so er selber jedermann Leben und Odem allenthalben giebt, und hat gemacht, daß von einem Blut aller Menschen Geschlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt, zuvor versehen, wie lang und weit sie wohnen sollen; daß sie den HErrn suchen sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten. Und zwar, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns; denn in ihm leben, weben, und sind wir; als auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. So wir denn göttliches Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den güldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Gedanken gemacht. Und zwar hat Gott die Zeit der Unwissenheit übersehen; nun aber gebeut er allen Menschen an allen Enden, Buße zu thun; darum, daß er einen Tag gejezt hat, auf welchen er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit, durch einen Mann, in welchem ers beschlossen hat, und jedermann vorhält den Glauben, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt. Da sie höreten die Auferstehung der Toten, da hattens etliche ihren Spott; etliche aber sprachen: Wir wollen dich davon weiter hören. Also ging Paulus von ihnen. Etliche Männer aber hingen ihm an, und wurden gläubig; unter welchen war Dionysius, einer aus dem Rat, und ein Weib, mit Namen Damaris, und andere mit ihnen. Evangelische Lektion. Matth. 13, 44-52.( Der eine Schatz und allerlei Gattung.) Abermal ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn, und ging hin vor Freuden über demselbigen und verkaufte alles, was hatte, und kaufte den Acker. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte dieselbige. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen ist, damit man allerlei Gattung fähet. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, siten und lesen die guten in ein Gefäße zusammen; aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden. Und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähnklappen sein. Und Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr das alles verstanden? Sie sprachen: Ja, HErr. Da sprach er: Darum, ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt. 10. Sonntag nach Trinitatis. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Sprüche Salomonis 16, 1-9. ( Befiehl dem HErrn deine Werke.) Der Mensch setzt ihm wohl vor im Herzen; aber vom HErrn kommt, was die Zunge reden soll. Einen jeglichen dünken seine Wege rein sein; aber allein der HErr macht das Herz gewiß. Befiehl dem HErrn deine Werke, so werden deine Anschläge fortgehen. Der HErr macht alles um sein selbst willen, auch den Gottlosen zum bösen Tage. Ein stolz Herz ist dem HErrn ein Greuel, und wird nicht ungestraft bleiben, wenn sie sich gleich alle an einander hängen. Durch Güte und Treue wird Missethat versöhnet; und durch die Furcht des HErrn meidet man das Böse. Wenn jemands Wege dem HErrn wohlgefallen, so macht er auch seine Feinde mit ihm zufrieden. Es ist besser wenig mit Gerechtigkeit, denn viel Einkommens mit Unrecht. Des Menschen Herz schlägt seinen Weg an, aber der HErr allein giebt, daß er fortgehe. 135 Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Theff. 3, 1-13.( Mit stillem Wesen arbeiten.) Weiter, lieben Brüder, betet für uns, daß das Wort des HErrn laufe und gepreiset werde, wie bei euch; und daß wir erlöset werden von den unartigen und argen Menschen. Denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der HErr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen. Wir versehen uns aber zu euch in dem HErrn, daß ihr thut und thun werdet, was wir euch gebieten. Der HErr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes und zu der Geduld Christi. Wir gebieten euch aber, lieben Brüder, in dem Namen unsers HErrn Jesu Christi, daß ihr euch entziehet von allem Bruder, der da unordentlich wandelt, und nicht nach der Sagung, die er von uns empfangen hat. Denn ihr wisset, wie ihr uns sollt nachfolgen. Denn wir sind nicht unordentlich unter euch gewesen; haben auch nicht umsonst das Brot genommen von jemand, sondern mit Arbeit und Mühe Tag und Nacht haben wir gewirket, daß wir nicht jemand unter euch beschwerlich wären. Nicht darum, daß wir des nicht macht haben, sondern daß wir uns selbst zum Vorbilde euch geben, uns nachzufolgen. Und da wir bei euch waren, geboten wir euch solches, daß, so jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen. Denn wir hören, daß etliche unter euch wandeln unordentlich, und arbeiten nichts, sondern treiben Vorwit. Solchen aber gebieten wir, und ermahnen sie, durch unsern HErrn Jesum Christ, daß sie mit stillem Wesen arbeiten, und ihr eigen Brot effen. Ihr aber, lieben Brüder, werdet nicht verdrossen, Gutes zu thun. 10. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 12, 1-12.( Alles wirket derselbige einige Geist.) Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen, und hingegangen zu den stummen Gögen, wie ihr geführt wurdet. Darum thu ich euch fund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und niemand fann Jesum einen HErrn heißen, ohne durch den Heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist Ein Geist. Und es sind mancherlei Ämter; aber es ist Ein HErr. Und es sind mancherlei Kräfte; aber es ist Ein M 136 10. Sonntag nach Trinitatis. Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntnis, nach demselbigen Geist; einem andern der Glaube, in demfelbigen Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen in demselbigen Geist; einem andern, Wunder zu thun; einem andern Weisfagung; einem andern, Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirket derselbige einige Geist, und teilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Denn gleichwie Ein Leib ist, und hat doch viel Glieder; alle Glieder aber Eines Leibes, wiewohl ihrer viel sind, sind sie doch Ein Leib: also auch Christus. Evangelium. Luc. 19, 41-48.( Der Herr weinet über Jerusalem.) Und als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an, und weinete über fie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieſer deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ists vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten ängsten, und werden dich schleifen, und keinen Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habts gemacht zur Mördergrube. Und lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten. Und fanden nicht, wie sie ihm thun hollten; denn alles Volk hing ihm an, und hörete ihn. Epistolische Lektion. Apgsch. 20, 17-38.( 3ch befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade.) Aber von Miletus sandte er gen Ephesus, und ließ fordern die Ältesten von der Gemeine. Als aber die zu ihm kamen, sprach er zu ihnen: Ihr wisset von dem ersten Tage an, da ich bin in Afiam kommen, wie ich allezeit bin bei euch gewesen, und dem HErrn gedienet mit aller Demut, und mit viel Thränen und Anfechtungen, die mir sind widerfahren von den Juden, so mir nachstelleten; wie ich nichts verhalten habe, das da nüzlich ist, daß ich euch nicht verkündiget hätte, und euch gelehret öffentlich und sonderlich; und habe bezeuget, beide den Juden und Griechen, die Buße zu Gott, und den Glauben an unsern HErrn Jesum Christum. Und nun siehe, ich, im Geist gebunden, fahre hin gen Jerusalem, weiß nicht, was mir daselbst begegnen wird, ohne, daß der Heilige Geist in allen Städten bezeuget und spricht: Bande und Trübsal warten mein daselbst. Aber ich achte der feines; ich halte mein Leben auch nicht selbst teuer; auf daß ich vollende meinen Lauf mit Freuden, und das Amt, das ich empfangen habe von dem HErrn Jesu, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes. Und nun siehe, ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, alle die, durch welche ich gezogen bin, und geprediget habe das Reich Gottes. Darum zeuge ich euch an diesem heutigen Tage, daß ich rein bin von aller Blut; denn ich habe euch nichts verhalten, daß ich nicht verkündiget hätte alle den Rat Gottes. So habt nun Acht auf euch selbst, und auf die ganze Herde, unter welche euch der Heilige Geist gesetzet hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeine Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat. Denn das weiß ich, daß nach meinem 10. Sonntag nach Trinitatis. Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Herde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen. Darum seid wacker und fet daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahr, Tag und Nacht einen jeglichen mit Thränen zu vermahnen. Und nun, lieben Brüder, ich befehle euch Gott, und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiliget werden. Ich habe euer keines Silber, noch Gold, noch Kleid begehrt. Denn ihr wisset selber, daß mir diese Hände zu meiner Notdurft, und derer, die mit mir gewesen sind, gedienet haben. Ich habe es euch alles gezeiget, daß man also arbeiten müsse, und die Schwachen aufnehmen, und gedenken an das Wort des HErrn Jesu, das er gesagt hat: Geben ist seliger, denn nehmen. Und als er solches gesagt, knieete er nieder, und betete mit ihnen allen. Es ward aber viel Weinens unter ihnen allen, und fielen Paulo um den Hals, und küffeten ihn, am allermeisten betrübt über dem Wort, das er sagte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Und geleiteten ihn in das Schiff. 137 Evangelische Lektion. Luc. 12, 49-56.( Wie prüfet ihr diese Zeit nicht?) Ich bin kommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollt ich lieber, denn es brennete schon! Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe; und wie ist mir so bange, bis sie vollendet werde! Meinet ihr, daß ich herkommen bin, Friede zu bringen auf Erden? Ich sage nein, sondern 3wietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein; drei wider zwei, und zwei wider drei. Es wird sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; die Schwieger wider die Schnur, und die Schnur wider die Schwieger. Er sprach aber zu dem Volk: Wenn ihr eine Wolke sehet aufgehen vom Abend, so sprecht ihr bald, es kommt ein Regen; und es geschiehet also. Und wenn ihr sehet den Südwind wehen, so sprecht ihr, es wird heiß werden; und es geschiehet also. Ihr Heuchler, die Gestalt der Erde und des Himmels könnt ihr prüfen: wie prüfet ihr aber diese Zeit nicht? Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jerem. 7, 1-15.( 3ch rufe euch, und ihr wollet nicht antworten.) Dies ist das Wort, welches geschah zu Jeremia vom HErrn, und sprach: Tritt ins Thor im Hause des HErrn, und predige daselbst dies Wort, und sprich: Höret des HErrn Wort, ihr alle von Juda, die ihr zu diesen Thoren eingehet, den HErrn anzubeten. So spricht der HErr Zebaoth, der Gott Israel: Bessert euer Leben und Wesen, so will ich bei euch wohnen, an diesem Ort. Verlaffet euch nicht auf die Bügen, wenn sie sagen: Hie ist des HErrn Tempel, hie ist des HErrn Tempel, hie ist des HErrn Tempel! Sondern bessert euer Leben und Wesen, daß ihr recht thut einer gegen den andern; und den Fremdlingen, Waisen und Wittwen keine Gewalt thut, und nicht unschuldig Blut vergießet an diesem Ort; und folget nicht nach anderen Göttern zu eurem eigenen Schaden; so will ich immer und ewiglich bei euch wohnen an diesem Ort, im Bande, das ich euren Vätern gegeben habe. Aber nun verlaffet ihr euch auf Bügen, die kein nüße sind. Daneben seid ihr Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige, und räuchert dem Baal, und folget fremden Göttern nach, die ihr nicht kennet. Darnach kommt ihr denn und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, 138 11. Sonntag nach Trinitatis. und sprechet: Es hat keine Not mit uns, weil wir solche Greuel thun. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der HErr. Gehet hin an meinen Ort zu Silo, da vorhin mein Name gewohnet hat, und schauet, was ich daselbst gethan habe um der Bosheit willen meines Volks Israel. Weil ihr denn alle solche Stücke treibet, spricht der HErr, und ich stets euch predigen lasse, und ihr wollt nicht hören, ich rufe euch, und ihr wollt nicht antworten: so will ich dem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, darauf ihr euch verlasset, und dem Ort, den ich euren Vätern gegeben habe, eben thun, wie ich Silo gethan habe. Und ich will euch von meinem Angeficht wegwerfen, wie ich weggeworfen habe alle eure Brüder, den ganzen Samen Ephraim. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 14, 8-20.( Vergötterung und Steinigung des Apostels.) Und es war ein Mann zu Cystra, der mußte sitzen; denn er hatte böſe Füße, und war lahm von Mutterleibe, der noch nie gewandelt hatte. Der hörete Paulum reden. Und als er ihn ansahe, und merkte, daß er glaubete, ihm möchte geholfen werden, sprach er mit lauter Stimme: Stehe aufrichtig auf deine Füße. Und er sprang auf, und wandelte. Da aber das Volk fahe, was Paulus gethan hatte, huben sie ihre Stimme auf und sprachen auf Lycaonisch: Die Götter sind den Menschen gleich worden, und zu uns hernieder kommen. Und nenneten Barnabam Jupiter, und Paulum Mercurius, dieweil er das Wort führete. Der Priester aber Jupiters, der vor ihrer Stadt war, brachte Ochsen und Kränze vor das Thor, und wollte opfern, samt dem Volk. Da das die Apostel, Barnabas und Paulus, höreten, zerrissen sie ihre Kleider, und sprangen unter das Volk, schrieen, und sprachen: Ihr Männer, was machet ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen, gleichwie ihr, und predigen euch das Evangelium, daß ihr euch bekehren sollt von diesem falschen zu dem lebendigen Gott, welcher gemacht hat Himmel, und Erde, und das Meer, und alles, was drinnen ist; der in vergangenen Zeiten hat lassen alle Heiden wandeln ihre eigenen Wege; und zwar hat er sich selbst nicht unbezeuget gelaffen, hat uns viel Gutes gethan, und vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, unsere Herzen erfüllet mit Speise und Freuden. Und da sie das sagten, stilleten sie kaum das Volk, daß sie ihnen nicht opferten. Es kamen aber dahin Juden von Antiochia und Iconien, und überredeten das Volk, und steinigten Paulum, und schleiften ihn zur Stadt hinaus; meineten, er wäre gestorben. Da ihn aber die Jünger umringeten, stund er auf, und ging in die Stadt. Und auf den andern Tag ging er aus mit Barnaba gen Derben. 11. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Cor. 15, 1-10.( Nicht ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.) Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verz tündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihrs behalten habt, es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben jei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der 11. Sonntag nach Trinitatis. 139 Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen; darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünf hundert Brüdern auf ein Mal, deren noch viel leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln; am letten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnaden bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen; sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Evangelium. Luc. 18, 9-14.( Pharisäer und Zöllner.) Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharifäer stund und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, das ich habe. Und der Zöllner stund von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Epistolische Lektion. 1. Tim. 6, 6-12.( Großer Gewinn.) Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist, und läsfet ihm genügen. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so laffet uns begnügen. Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke, und viel thörichter und schädlicher Büste, welche versenken die Menschen ins Verderben und Verdammnis. Denn Geiz ist eine Wurzel alles ütbels, welches hat etliche gelüstet, und sind vom Glauben irre gegangen, und machen ihnen selbst viel Schmerzen. Aber, du Gottesmensch, fleuch solches; jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut; kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist, und bekannt hast ein gut Bekenntnis vor vielen Zeugen. Evangelische Lektion. Marci 12, 41-44.( Das Scherflein der Wittwe.) Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten und schauete, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskaften. Und viel Reiche legten viel ein. Und es tam eine arme Wittwe, und legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Wittwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, denn alle, die eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Übrigen eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hatte, ihre ganze Nahrung, eingelegt. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Daniel 9, 8-19.( Auf deine große Barmherzigkeit.) Ja, HErr, wir, unsere Könige, unsere Fürsten und unsere Väter müssen uns schämen, daß wir uns an dir verfündiget haben. Dein aber, HErr, unser 140 11. Sonntag nach Trinitatis. Gott, ist die Barmherzigkeit und Vergebung. Denn wir sind abtrünnig worden, und gehorchten nicht der Stimme des HErrn, unsres Gottes, daß wir gewandelt hätten in seinem Gesetz, welches er uns vorlegte durch seine Knechte, die Propheten; sondern das ganze Israel übertrat dein Gesetz und wichen ab, daß sie deiner Stimme nicht gehorchten. Daher trifft uns auch der Fluch und Schwur, der geschrieben stehet im Gesetz Mose, des Knechtes Gottes, daß wir an ihm gesündiget haben. Und er hat seine Worte gehalten, die er geredet hat wider uns und unsere Richter, die uns richten sollten, daß er solch groß Unglück über uns hat gehen lassen, daß desgleichen unter allem Himmel nicht geschehen ist, wie über Jerusalem geschehen ist. Gleichwie es geschrieben stehet im Gesetz Mose, so ist alle dies große Unglück über uns gegangen. So beteten wir auch nicht vor dem HErrn, unserm Gott, daß wir uns von den Sünden bekehreten, und deine Wahrheit vernähmen. Darum ist der HErr auch wacker gewesen mit diesem Unglück, und hat es über uns gehen lassen. Denn der HErr, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er thut; denn wir gehorchten seiner Stimme nicht. Und nun, HErr unser Gott, der du dein Volk aus Ägyptenland geführet haft mit starker Hand, und hast dir einen Namen gemacht, wie er jetzt ist, wir haben ja gefündiget, und sind leider gottlos gewesen. Ach HErr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berge. Denn um unserer Sünde willen und um unserer Väter Missethat willen trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her sind. Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen, und siehe gnädiglich an dein Heiligtum, das verstöret ist, um des HErrn willen. Neige deine Ohren, mein Gott, und höre, thue deine Augen auf, und siehe, wie wir verstört sind, und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Ach HErr, höre, ach HErr, sei gnädig, ach HErr, merke auf, und thue es, und verzeuch nicht, um dein selbst willen, mein Gott; denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt. Sektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 15, 4-22.( Der Herzenstündiger zeugete über sie.) Da sie aber darkamen gen Jerusalem, wurden sie empfangen von der Gemeine, und von den Aposteln, und von den Ältesten. Und sie verkündigten, wie viel Gott mit ihnen gethan hatte. Da traten auf etliche von der Pharisäer Sekte, die gläubig waren worden, und sprachen: Man muß sie beschneiden, und gebieten, zu halten das Gesetz Mosis. Aber die Apostel und die Ältesten kamen zusammen, diese Rede zu besehen. Da man sich aber lange gezanket hatte, stund Petrus auf, und sprach zu ihnen: Ihr Männer, lieben Brüder, ihr wisset, daß Gott lang vor dieser Zeit unter uns erwählet hat, daß durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangelii höreten, und glaubten. Und Gott, der Herzensfündiger, zeugete über sie, und gab ihnen den Heiligen Geist, gleichwie auch uns. Und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, und reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Was versucht ihr denn nun Gott mit Auflegen des Jochs auf der Jünger Hälfe, welches weder unsere Väter, noch wir haben mögen tragen? Sondern wir glauben durch die Gnade des HErrn Jesu Christi selig zu werden, gleicher Weise wie auch sie. Da schwieg die ganze Menge stille, und höreten zu Paulo und Barnaba, die da erzähleten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie gethan hatte unter den Heiden. Darnach, als sie geschwiegen hatten, ant 12. Sonntag nach Trinitatis. 141 wortete Jacobus, und sprach: Ihr Männer, lieben Brüder, höret mir zu. Simon hat erzählt, wie aufs erste Gott heimgesucht hat und angenommen ein Volk aus den Heiden zu seinem Namen. Und da stimmen mit der Propheten Reden, als da geschrieben stehet: Darnach will ich wieder kommen, und will wieder bauen die Hütte Davids, die zerfallen ist, und ihre Lücken will ich wieder bauen, und will sie aufrichten; auf daß, was übrig ist von Menschen, nach dem HErrn frage, dazu alle Heiden, über welche mein Name genennet ist, spricht der HErr, der das alles thut. Gott sind alle seine Werke bewußt von der Welt her. Darum beschließe ich, daß man denen, so aus den Heiden zu Gott sich bekehren, nicht Unruhe mache; sondern schreibe ihnen, daß sie sich enthalten von Unsauberkeit der Abgötter, und von Hurerei, und vom Erstickten, und vom Blut. Denn Moses hat von langen Zeiten her in allen Städten, die ihn predigen, und wird alle Sabbathertage in den Schulen gelesen. Und es däuchte gut die Apostel und ältesten, samt der ganzen Gemeine, aus ihnen Männer zu erwählen, und zu senden gen Antiochiam mit Paulo und Barnaba, nämlich Judam, mit dem Zunamen Barsabas, und Silan, welche Männer Lehrer waren unter den Brüdern. 12. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 2. Cor. 3, 4-9.( Das Amt des Geistes.) Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet; aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tötet, und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch aufhöret: wie sollte nicht viel mehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammnis prediget, Klarheit hat; viel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Evangelium. Marci 7, 31-37.( Hephatha!) Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spükete, und rührete seine Zunge. Und sahe auf gen Himmel, feufzete und sprach zu ihm: Hephatha, das ist, thu dich auf! Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend, und die Sprachlosen redend. Epistolische Lektion. Jac. 3.( Heiligung der Zunge.) Lieben Brüder, unterwinde sich nicht jedermann, Behrer zu sein; und wiffet, daß wir desto mehr Urteil empfahen werden. Denn wir fehlen alle mannigfaltiglich. Wer aber auch in keinem Wort fehlet, der ist ein vollkommener Mann, und kann auch den ganzen Leib im Baum halten. Siehe, 142 12. Sonntag nach Trinitatis. die Pferde halten wir in 3äumen, daß sie uns gehorchen, und lenken den ganzen Leib. Siehe, die Schiffe, ob sie wohl so groß sind, und von starken Winden getrieben werden, werden sie doch gelenkt mit einem kleinen Ruder, wo der hin will, der es regieret. Also ist auch die Zunge ein klein Glied, und richtet große Dinge an. Siehe, ein klein Feuer, welch einen Wald zündets an! Und die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Also ist die Zunge unter unsern Gliedern, und befleckt den ganzen Leib, und zündet an allen unsern Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist. Denn alle Natur der Tiere und der Vögel und der Schlangen und der Meerwunder werden gezähmet, und sind gezähmet von der menschlichen Natur; aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel, voll tötliches Gifts. Durch sie loben wir Gott den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, nach dem Bilde Gottes gemacht. Aus Einem Munde gehet Loben und Fluchen. Es soll nicht, lieben Brüder, also sein. Quillet auch ein Brunnen aus Einem Boche süß und bitter? Kann auch, lieben Brüder, ein Feigenbaum Öl, oder ein Weinstock Feigen tragen? Also kann auch ein Brunnen nicht salzig und süße Wasser geben. Wer ist weise und klug unter euch? Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke, in der Sanftmut und Weisheit. Habt ihr aber bittern Neid und Zank in eurem Herzen, so rühmet euch nicht, und lüget nicht wider die Wahrheit. Denn das ist nicht die Weisheit, die von oben herab kommt, sondern irdisch, menschlich und teufelisch. Denn wo Neid und Zank ist, da ist Unordnung und eitel böse Ding. Die Weisheit aber von oben her ist aufs erste keusch, darnach friedsam, gelinde, läsjet ihr sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ohn Heuchelei. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird gefäet im Frieden denen, die den Frieden halten. Evangelische Lektion. Joh. 8, 37-45.( 3hr könnet mein Wort nicht hören.) Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr suchet mich zu töten; denn meine Rede fähet nicht unter euch. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so thut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so thätet ihr Abrahams Werke. Nun aber suchet ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehöret habe; das hat Abraham nicht gethan. Ihr thut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben Einen Vater, Gott. Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebetet ihr mich; denn ich bin ausgegangen, und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber kommen, sondern er hat mich gesandt. Warum tennet ihr denn meine Sprache nicht? denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören. Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Bust wollet ihr thun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang, und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner, und ein Vater derselbigen. Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 62.( Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.) Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Hort, meine Hülfe, mein Schuß, daß mich kein Fall stürzen wird, wie groß er ist. 13. Sonntag nach Trinitatis. 143 Wie lange stellet ihr alle Einem nach, daß ihr ihn erwürget, als eine hangende Wand und zerrissene Mauer? Sie denken nur, wie sie ihn dämpfen, fleißigen sich der Lüge, geben gute Worte, aber im Herzen fluchen sie. Sela. Aber meine Seele harret nur auf Gott; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Hort, meine Hülfe, und mein Schuß, daß ich nicht fallen werde. Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott. Hoffet auf ihn allezeit, lieben Beute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsere Zuversicht. Sela. Aber Menschen sind doch ja nichts, große Beute fehlen auch; sie wägen weniger, denn nichts, so viel ihrer ist. Verlasset euch nicht auf Unrecht und Frevel, haltet euch nicht zu solchem, das nichts ist; fällt euch Reichtum zu, so hänget das Herz nicht dran. Gott hat Ein Wort geredet, das habe ich etlichemal gehöret, daß Gott allein mächtig ist. Und du, HErr, bist gnädig, und bezahlest einem jeglichen, wie ers verdienet. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 16, 9-15.( Der HErr that ihr das Herz auf.) Und Paulo erschien ein Gesichte bei der Nacht; das war ein Mann aus Macedonien, der stund, und bat ihn, und sprach: Komm hernieder in Macedonien, und hilf uns. Als er aber das Gesichte gesehen hatte, da trachteten wir alsobald zu reisen zu Macedonien, gewiß, daß uns der Herr dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas, und stracks Laufs kamen wir gen Samothracien, des andern Tages gen Neapolis, und von dannen gen Philippen, welches ist die Hauptstadt des Landes Macedonien, und eine Freistadt. Wir hatten aber in dieser Stadt unser Wesen etliche Tage. Des Tages der Sabbather gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, da man pflegte zu beten, und setzten uns, und redeten zu den Weibern, die da zusammen kamen. Und ein gottesfürchtig Weib, mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin, aus der Stadt der Thyatirer, hörete zu; welcher that der HErr das Herz auf, daß sie darauf Acht hatte, was von Paulo geredet ward. Als sie aber, und ihr Haus getauft ward, ermahnete sie uns und sprach: So ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an dem HErrn, so kommet in mein Haus, und bleibet allda. Und sie zwang uns. 13. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Gal. 3, 13-22.( Das Gesetz kann nicht lebendig machen.) Christus aber hat uns erlöset von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns,( denn es stehet geschrieben: Verflucht sei jedermann, der am Holz hänget,) auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christo Jesu, und wir also den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben. Bieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätiget ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugejagt. Er spricht nicht: durch die Samen, als durch viele, sondern als durch Einen, durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon, das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durchs Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vier hundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung ge 13. Sonntag nach Trinitatis. geben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu kommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines Einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Geset wider Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus den Gesetze. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium. Luc. 10, 23-42. ( Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr fehet.) Und er wandte sich zu seinen Jüngern, und sprach insonderheit: Selig find die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viel Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stund ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach: Wie stehet im Gesetz geschrieben? wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen HErrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüte, und deinen Nächsten, als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du haft recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb tot liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinab zog; und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, und goß drein Öl und Wein, und hub ihn auf sein Tier, und führete ihn in die Herberge, und pflegete sein. Des andern Tages reisete er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirt, und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen. Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Da war ein Weib, mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörete seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: HErr, fragst du nicht darnach, daß mich meine Schwester lässet allein dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe, Eines aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählet; das soll nicht von ihr genommen werden. Epistolische Leftion. 1. Petri 2, 1-10.( Das auserwählte Geschlecht.) So leget nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alles Afterreden; und seid begierig nach der vernünftigen lautern Milch, als die jetzt gebornen Kindlein, auf daß ihr durch dieselbige zunehmet; so ihr 13. Sonntag nach Trinitatis. 145 anders geschmecket habt, daß der HErr freundlich ist, zu welchem ihr kommen seid als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber bei Gott ist er auserwählet und köstlich. Und auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause, und zum heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum. Darum stehet in der Schrift: Siehe da, ich lege einen auserwählten köstlichen Eckstein in Zion; und wer an ihn glaubet, der soll nicht zu schanden werden. Euch nun, die ihr glaubet, ist er köstlich; den Ungläubigen aber ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, und zum Eckstein worden ist, ein Stein des Anstoßens, und ein Fels der Ärgernis; die sich stoßen an dem Wort, und glauben nicht daran, darauf sie gesetzt sind. 3hr aber seid das auserwählte Geschlecht, das fönigliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr weiland nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und weiland nicht in Gnaden waret, nun aber in Gnaden seid. Evangelische Leftion. Joh. 9, 24-41.( Die Blinden werden sehend, und die Sehenden werden blind.) Da riefen sie zum andern Mal dem Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre; wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete und sprach: Ist er ein Sünder, das weiß ich nicht; Eines weiß ich wohl, daß ich blind war und bin nun sehend. Da sprachen sie wieder zu ihm: Was that er dir? wie that er deine Augen auf? Er antwortete ihnen: Ich habs euch jetzt gesagt, habt ihrs nicht gehöret? was wollt ihrs abermal hören? wollt ihr auch seine Jünger werden? Da fluchten fie ihm und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Mofis Jünger. Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat; diesen aber wissen wir nicht, von wannen er ist. Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, von wannen er sei; und er hat meine Augen aufgethan. Wir wissen aber, daß Gott die Sünder nicht höret; sondern so jemand gottesfürchtig ist, und thut seinen Willen, den höret er. Von der Welt an ists nicht erhöret, daß jemand einem gebornen Blinden die Augen aufgethan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts thun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren, und lehrest uns? Und stießen ihn hinaus. Es kam vor Jesum, daß sie ihn ausgestoßen hatten. Und da er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubest du an den Sohn Gottes? Er antwortete und sprach: HErr, welcher ifts, auf daß ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ists. Er aber sprach: HErr, ich glaube; und betete ihn an. Und Jesus sprach: Ich bin zum Gerichte auf diese Welt kommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. Und solches höreten etliche der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? Jesus sprach zu ihnen: Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprechet, wir sind sehend, bleibet eure Sünde. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Sprüche Salom. 4, 4-27.( Ich will dich den Weg der Weisheit führen.) Und er lehrete mich und sprach: Laß dein Herz meine Worte aufnehmen, halte meine Gebote, so wirst du leben. Nimm an Weisheit, nimm an Verstand; vergiß nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes. 10 146 13. Sonntag nach Trinitatis. Verlaß sie nicht, so wird sie dich behalten; liebe sie, so wird sie dich behüten. Denn der Weisheit Anfang ist, wenn man sie gerne höret, und die Klugheit lieber hat, denn alle Güter. Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen, und wird dich zu Ehren machen, wo du sie herzest. Sie wird dein Haupt schön schmücken, und wird dich zieren mit einer hübschen Krone. So höre, mein Kind, und nimm an meine Rede; so werden deiner Jahre viel werden. Ich will dich den Weg der Weisheit führen, ich will dich auf rechter Bahn leiten, daß, wenn du gehest, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, daß du dich nicht anstoßest. Fasse die Zucht, laß nicht davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben. Komm nicht auf der Gottlosen Pfad, und tritt nicht auf den Weg der Bösen. Laß ihn fahren, und gehe nicht drinnen; weiche von ihm, und gehe vorüber. Denn sie schlafen nicht, sie haben denn übel gethan; und sie ruhen nicht, sie haben denn Schaden gethan. Denn sie nähren sich von gottlosem Brot, und trinken vom Wein des Frevels. Aber der Gerechten Pfad glänzet wie ein Licht, das da fortgeht, und leuchtet bis auf den vollen Tag. Der Gottlofen Weg aber ist wie Dunkel, und wissen nicht, wo sie faller werden. Mein Sohn, merke auf mein Wort, und neige dein Ohr zu meiner Rede. Laß sie nicht von deinen Augen fahren, behalte sie in deinem Herzen. Denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und gesund ihrem ganzen Zeibe. Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus gehet das Leben. Thu von dir den verkehrten Mund, und laß das Lästermaul ferne von dir sein. Baß deine Augen stracks vor sich sehen, und deine Augenlider richtig vor dir hinsehen. Laß deinen Fuß gleich vor sich gehen, so gehest du gewiß. Wanke weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 18, 1-18.( Rede und schweige nicht.) Darnach schied Paulus von Athen, und kam gen Korinth; und fand einen Juden, mit Namen Aquila, der Geburt aus Ponto, welcher war neulich aus Welschland kommen, samt seinem Weibe Priscilla, darum, daß der Raiser Claudius geboten hatte allen Juden, zu weichen aus Rom. Zu denselbigen ging er ein; und dieweil er gleiches Handwerks war, blieb er bei ihnen, und arbeitete; sie waren aber des Handwerks Teppichmacher. Und er lehrete in der Schule auf alle Sabbather, und beredete beide, Juden und Griechen. Da aber Silas und Timotheus aus Macedonien kamen, drang Paulum der Geist, zu bezeugen den Juden Jesum, daß er der Christ sei. Da fie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus, und sprach zu ihnen: Euer Blut sei über euer Haupt. Ich gehe von nun an rein zu den Heiden. Und machte sich von dannen, und kam in ein Haus eines, mit Namen Just, der gottesfürchtig war, und desselbigen Haus war zunächſt an der Schule. Crispus aber, der Oberste der Schule, glaubte an den HErrn mit seinem ganzen Hause; und viel Korinther, die zuhöreten, wurden gläubig und ließen sich taufen. Es sprach aber der HErr durch ein Gesichte in der Nacht zu Paulo: Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht. Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein groß Volk in dieser Stadt. Er saß aber daselbst ein Jahr und sechs Monden, und lehrete sie das Wort Gottes. Da aber Gallion Vandvogt war in Achaja, empöreten sich die Juden einmütiglich wider Paulum, und führeten ihn vor den Richtstuhl, und sprachen: Dieser überredet die Beute, Gott zu dienen dem Gesetze zuwider. Da aber Paulus wollte den Mund aufthun, sprach Gallion zu den Juden: Wenn es ein Frevel oder 14. Sonntag nach Trinitatis. 147 Schaltheit wäre, lieben Juden, so hörete ich euch billig; weil es aber eine Frage ist von der Lehre, und von den Worten, und von dem Gesetze unter euch, so sehet ihr selber zu; ich gedenke darüber nicht Nich zu sein. Und trieb sie von dem Nichtstuhl. Da ergriffen alle Griechen Softhenem, den Obersten der Schule, und schlugen ihn vor dem Richtstuhl; und Gallion nahm sichs nicht an. Paulus aber blieb noch lange daselbst; darnach machte er seinen Abschied mit den Brüdern, und wollte in Syrien schiffen, und mit ihm Priscilla und Aquila. Und er beschor sein Haupt zu Kenchrea; denn er hatte ein Gelübde. 14. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Gal. 5, 16-24.( Die Frucht des Geistes.) Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetze. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da find Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, 3ant, 3wietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen; von welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Christo angehören, die freuzigen ihr Fleisch samt den Büsten und Begierden. Evangelium. Luc. 17, 11-19.( Wo sind aber die neun?) Und es begab sich, da er reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläam. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn ausfähige Männer, die stunden von ferne, und erhuben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, kehrete er um, und preisete Gott mit lauter Stimme, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen, und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden? Wo find aber die neune? Hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehrete und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen. Epistolische Lektion. 2. Cor. 4.( Der Schatz in irdenen Gefäßen.) Darum, dieweil wir ein solch Amt haben, nachdem uns Barmherzigkeit widerfahren ist, so werden wir nicht müde; sondern meiden auch heimliche Schande, und gehen nicht mit Schaltheit um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern mit Offenbarung der Wahrheit, und beweisen uns wohl gegen aller Menschen Gewissen vor Gott. Ist nun unser Evangelium verdeckt, so ists in denen, die verloren werden, verdeckt, bei welchen der Gott dieser Welt der Ungläubigen Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangelii von der Klarheit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesum Christ, daß er sei der HErr, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der da hieß das 10* 148 14. Sonntag nach Trinitatis. Licht aus der Finsterniß hervor leuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß( durch uns) entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi. Wir haben aber solchen Schatz in irdischen Gefäßen, auf daß die überschwängliche Kraft sei Gottes, und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübfal; aber wir ängsten uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung; aber wir werden nicht verlassen. Wir werden untergedrückt! aber wir kommen nicht um; und tragen um allezeit das Sterben des HErrn Jesu an unserm Leibe, auf daß auch das Leben des HErrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jefu willen, auf daß auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleische. Darum so ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch. Dieweil wir aber denselbigen Geist des Glaubens haben( nach dem geschrieben stehet: Ich glaube, darum rede ich): so glauben wir auch; darum so reden wir auch, und wissen, daß der, so den HErrn Jesum hat auferweckt, wird uns auch auferwecken durch Jesum, und wird uns darstellen samt euch. Denn es geschiehet alles um euretwillen, auf daß die überschwängliche Gnade durch vieler Danksagen Gott reichlich preise. Darum werden wir nicht müde; sondern ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag verneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Ünsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Evangelische Lektion. Matth. 20, 20-28.( Nicht sich dienen lassen, sondern dienen.) Da trat zu ihm die Mutter der Kinder Zebedäi mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und bat etwas von ihm. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine zween Söhne sizen in deinem Reiche, einen zu deiner Rechten, und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja wohl. Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, und mit der Taufe, da ich mit getauft werde, sollt ihr getauft werden; aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, stehet mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem Vater. Da das die Zehn höreten, wurden sie unwillig über die zween Brüder. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wiffet, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch, sondern, so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener. Und wer da will der Vornehmste sein, der sei euer Knecht. Gleichwie des Menschen Sohn ist nicht kommen, daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 63, 2-9.( Daß ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte.) Gott, du bist mein Gott, frühe mache ich zu dir; es dürftet meine Seele nach dir, mein Fleisch verlanget nach dir, in einem trockenen und dürren Bande, da kein Wasser ist. Daselbst sehe ich nach dir in deinem Heiligtum, 15. Sonntag nach Trinitatis. 149 wollte gerne schauen deine Macht und Ehre. Denn deine Güte ist beffer, denn Leben. Meine Lippen preisen dich. Daselbst wollt ich dich gerne loben mein Lebenlang, und meine Hände in deinem Namen aufheben. Das wäre meines Herzens Freud und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel rühme ich. Meine Seele hanget an dir; deine rechte Hand erhält mich. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 21, 3-19.( Des HErrn Wille geschehe.) Als wir aber Cypern ansichtig wurden, ließen wir sie zur linken Hand, und schifften in Syrien, und kamen an zu Tyro; denn daselbst sollte das Schiff die Ware niederlegen. Und als wir Jünger fanden, blieben wir daselbst sieben Tage. Die sagten Paulo durch den eist, er solle nicht hinauf gen Jerusalem ziehen. Und es geschah, da wir die Tage zugebracht hatten, zogen wir aus, und wandelten. Und sie geleiteten uns alle, mit Weib und Kindern, bis hinaus vor die Stadt, und knieeten nieder am Ufer, und beteten. Und als wir einander gesegneten, traten wir ins Schiff; jene aber wandten sich wieder zu den Ihren. Wir aber vollzogen die Schifffahrt von Tyro, und kamen gen Ptolemais, und grüßten die Brüder, und blieben einen Tag bei ihnen. Des andern Tages zogen wir aus, die wir um Paulo waren, und famen gen Cäsarien, und gingen in das Haus Philippi, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm. Derfelbige hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen, und weissageten. Und als wir mehr Tage da blieben, reisete herab ein Prophet aus Judäa, mit Namen Agabus, und kam zu uns. Der nahm den Gürtel Pauli, und band seine Hände und Füße, und sprach: Das saget der Heilige Geist: Den Mann, des der Gürtel ist, werden die Juden also binden zu Jerusalem, und überantworten in der Heiden Hände. Als wir aber solches höreten, baten wir ihn, und die desselbigen Orts waren, daß er nicht hinauf gen Jerusalem zöge. Paulus aber antwortete: Was machet ihr, daß ihr weinet und brechet mir mein Herz? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben zu Jerusalem, um des Namens willen des HErrn Jesu. Da er aber sich nicht überreden ließ, schwiegen wir, und sprachen: Des HErrn Wille geschehe. Und nach denselbigen Tagen entledigten wir uns, und zogen hinauf gen Jerusalem. Es kamen aber mit uns auch etliche Jünger von Cäsarien, und führeten uns zu einem, mit Namen Mnason aus Cypern, der ein alter Jünger war, bei dem wir herbergen sollten. Da wir nun gen Jerusalem kamen, nahmen uns die Brüder gerne auf. Des andern Tages aber ging Paulus mit uns ein zu Jacobo, und kamen die Ältesten alle dahin. Und als er sie gegrüßet hatte, erzählete er eins nach dem andern, was Gott gethan hatte unter den Heiden durch sein Amt. 15. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Gal. 5, 25-6, 10.( Was der Mensch säet, das wird er ernten.) So wir im Geist leben, lasset uns auch im Geist wandeln. Basset uns nicht eitler Ehre geizig sein, unter einander zu entrüsten und zu hassen. Sieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid. Und siehe auf 150 15. Sonntag nach Trinitatis. dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich jemand läsfet dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbst Werk; und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes thun, und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohn Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangelium. Matth. 6, 19-34.( Sorget nicht für euer Leben.) Ihr sollt euch nicht Schäke sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schäße im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen, und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge ein Schalk ist, so wird dein ganzer Beib finster sein. Wenn aber das Licht, das in dir ist, Finsternis ist; wie groß muß dann die Finsternis selber sein! Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird einen haffen und den andern lieben; oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euern Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in ihre Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen fie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht befleidet gewesen ist, als derselbigen eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird; sollt er das nicht viel mehr euch thun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Epistolische Lektion. 2. Cor. 8, 1-15.( Durch seine Armut sind wir reich.) Ich thue euch kund, lieben Brüder, die Gnade Gottes, die in den Gemeinen in Macedonien gegeben ist. Denn ihre Freude war da überschwänglich, da sie durch viel Trübsal bewähret wurden. Und wiewohl sie sehr arm waren, haben sie doch reichlich gegeben in aller Einfältigkeit. Denn nach allem Vermögen( das zeuge ich) und über Vermögen waren sie selbst willig, 15. Sonntag nach Trinitatis. 151 und fleheten uns mit vielem Ermahnen, daß wir aufnähmen die Wohlthat und Gemeinschaft der Handreichung, die da geschicht den Heiligen. Und nicht, wie wir hofften, sondern ergaben sich selbst zuerst dem HErrn, und darnach uns, durch den Willen Gottes, daß wir mußten Titum ermahnen, auf daß er, wie er zuvor hatte angefangen, also auch unter euch solche Wohlthat ausrichtete. Aber gleichwie ihr in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allerlei Fleiß und in eurer Liebe zu uns; also schaffet, daß ihr auch in dieser Wohlthat reich seid. Nicht sage ich, daß ich etwas gebiete; sondern dieweil andere so fleißig sind, versuche ich auch eure Liebe, ob sie rechter Art sei. Denn ihr wisset die Gnade unsers HErrn Jesu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet. Und mein Wohlmeinen hierinnen gebe ich. Denn solches ist euch nütlich, die ihr angefangen habt vor dem Jahre her, nicht allein das Thun, sondern auch das Wollen. Nun aber vollbringet auch das Thun, auf daß, gleichwie da ist ein geneigt Gemütte zu wollen, so sei auch da ein geneigt Gemüte zu thun, von dem, das ihr habt. Denn so einer willig ist, so ist er angenehm, nach dem er hat, nicht, nach dem er nicht hat. Nicht geschieht das der Meinung, daß die andern Ruhe haben, und ihr Trübsal; sondern daß es gleich sei. So diene euer Überfluß ihrem Mangel, diese( teure) Zeit lang, auf daß auch ihr Überschwang hernach diene eurem Mangel, und geschehe, das gleich ist. Wie geschrieben stehet: Der viel sammelte, hatte nicht Überfluß; und der wenig sammelte, hatte nicht mangel. Evangelische Lektion. Luc. 12, 15-23.( Der reiche Narr.) Und sprach zu ihnen: Sehet zu, und hütet euch vor dem Geiz; denn niemand lebet davon, daß er viel Güter hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, des Feld hatte wohl getragen. Und er gedachte bei ihm selbst und sprach: Was soll ich thun? ich habe nicht, da ich meine Früchte hin sammle. Und sprach: Das will ich thun; ich will meine Scheunen abbrechen, und größere bauen, und will drein sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter. Und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Borrat auf viel Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut. Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wes wirds sein, das du bereitet haft? Also gehet es, wer ihm Schätze sammelt, und ist nicht reich in Gott. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen sollet; auch nicht für euern Leib, was ihr anthun follet. Das Leben ist mehr denn die Speise; und der Leib mehr, denn die Kleidung. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 1. Könige 17, 1-16.( Sch habe den Raben geboten, daß sie dich versorgen.) Und es sprach Elia, der Thisbiter, aus den Bürgern Gileads, zu Ahab: So wahr der HErr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe, es soll dieſe Jahre weder Thau noch Regen kommen, ich sage es denn. Und das Wort des HErrn kam zu ihm, und sprach: Gehe weg von hinnen, und wende dich gegen Morgen, und verbirg dich am Bach Crith, der gegen den Jordan fleußt; und sollst vom Bach trinken; und ich habe den Raben geboten, daß fie dich daselbst sollen versorgen. Er aber ging hin, und that nach dem Wort des HErrn, und ging weg und setzte sich am Bach Crith, der gegen den Jordan 152 15. Sonntag nach Trinitatis. fleußt. Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank des Bachs. Und es geschah nach etlichen Tagen, daß der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. Da kam das Wort des HErrn zu ihm, und sprach: Mache dich auf und gehe gen Zarpath, welche bei Zidon liegt, und bleibe daselbst; denn ich habe daselbst einer Wittwe geboten, daß sie dich versorge. Und er machte sich auf, und ging gen 3arpath. Und da er kam an die Thür der Stadt, siehe, da war eine Wittwe und las Holz auf. Und er rief ihr, und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäße, daß ich trinke. Da sie aber hinging zu holen, rief er ihr und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brots mit. Sie sprach: So wahr der HErr, dein Gott, lebet, ich habe nichts Gebacknes, ohne eine Handvoll Mehls im Cad und ein wenig Öl im Kruge. Und fiehe, ich habe ein Holz oder zwei aufgelesen, und gehe hinein und will mir und meinem Sohn zurichten, daß wir essen und sterben. Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, gehe hin und mache es, wie du gesagt haft; doch mache mir am ersten ein kleines Gebacknes davon und bringe mirs heraus, dir aber und deinem Sohne sollst du darnach auch machen. Denn also spricht der HErr, der Gott Israel: Das Mehl im Cad soll nicht verzehret werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln, bis auf den Tag, da der HErr regnen lassen wird auf Erden. Sie ging hin, und machte, wie Elia gesagt hatte. Und er aß, und sie auch, und ihr Haus, eine Zeit lang. Das Mehl im Cad ward nicht verzehret, und dem Ölkrug mangelte nichts, nach dem Wort des HErrn, das er geredet hatte durch Elia. Bektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 21, 40-22, 22.( Pauli Verantwortung vor dem Volke zu Jerusalem.) Als er aber ihm erlaubte, trat Paulus auf die Stufen, und winkte dem Volk mit der Hand. Da nun eine große Stille ward, redete er zu ihnen auf Ebräisch, und sprach: Ihr Männer, lieben Brüder und Väter, höret mein Verantworten an euch. Da sie aber höreten, daß er auf Ebräisch zu ihnen redete, wurden sie noch stiller. Und er sprach: Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsen in Cilicien, und erzogen in dieser Stadt zu den Füßen Gamaliels, gelehret mit allem Fleiß im väterlichen Geset, und war ein Eiferer um Gott, gleichwie ihr alle seid heutiges Tages. Und habe diesen Weg verfolget bis an den Tod. Ich band sie, und überantwortete fie ins Gefängnis, beide Mann und Weib; wie mir auch der Hohepriester und der ganze Haufe der Ältesten Zeugnis gibt, von welchen ich Briefe nahm an die Brüder, und reisete gen Damascus, daß ich, die daselbst waren, gebunden führete gen Jerusalem, daß sie gepeiniget würden. Es geschah aber, da ich hinzog, und nahe bei Damascus tam, um den Mittag, umblickte mich schnell ein groß Licht vom Himmel. Und ich fiel zum Erdboden, und hörete eine Stimme, die sprach zu mir: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Ich antwortete aber: HErr, wer bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgest. Die aber mit mir waren, sahen das Licht, und erschraken; die Stimme aber des, der mit mir redete, höreten sie nicht. Ich sprach aber: HErr, was soll ich thun? Der HErr aber sprach zu mir: Stehe auf und gehe gen Damascus; da wird man dir jagen von allem, das dir zu thun verordnet ist. Als ich aber vor Klarheit dieses Bichtes nicht sehen konnte, ward ich bei der Hand geleitet von denen, die mit mir waren, und kam gen Damascus. Es war aber ein gottesfürchtiger Mann nach dem Gesez, Ananias, der ein gut Gerüchte hatte bei allen Juden, die daselbst wohneten. Der kam zu mir, und trat bei 16. Sonntag nach Trinitatis. 153 mir, und sprach zu mir: Saul, lieber Bruder, siehe auf. Und ich sahe ihn an zu derselbigen Stunde. Er aber sprach: Gott unserer Väter hat dich verordnet, daß du seinen Willen erkennen solltest, und sehen den Gerechten, und hören die Stimme aus seinem Munde. Denn du wirst sein Beuge zu allen Menschen sein des, das du gesehen und gehöret hast. Und nun, was verzeuchst du? Stehe auf, und laß dich taufen, und abwaschen deine Sünden, und rufe an den Namen des HErrn. Es geschah aber, da ich wieder gen Jerusalem kam, und betete im Tempel, daß ich entzückt ward, und sahe ihn. Da sprach er zu mir: Eile, und mache dich behend von Jerusalem hinaus; denn sie werden nicht aufnehmen dein Beugnis von mir. Und ich sprach: HErr, sie wissen selbst, daß ich gefangen legte, und stäupte die, so an dich glaubten, in den Schulen hin und wieder; und da das Blut Stephani, deines Zeugen, vergossen ward, stund ich auch daneben, und hatte Wohlgefallen an seinem Tode, und verwahrete denen die Kleider, die ihn töteten. Und er sprach zu mir: Gehe hin; denn ich will dich ferne unter die Heiden senden. Sie höreten ihm aber zu bis auf dies Wort, und huben ihre Stimme auf, und sprachen: Hinweg mit solchem von der Erde; denn es ist nicht billig, daß er leben soll. 16. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Ephef. 3, 8-21.( Die Liebe, die alle Erkenntnis übersteigt.) Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, unter den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi; und zu erleuchten jedermann, welche da sei die Gemeinschaft des Geheimnisses, das von der Welt her in Gott verborgen gewesen ist, der alle Dinge geschaffen hat durch Jesum Christ, auf daß jetzt tund würde den Fürstentümern und Herrschaften in dem Himmel, an der Gemeine, die mannigfaltige Weisheit Gottes, nach dem Vorsatz von der Welt her, welche er beweiset hat in Christo Jesu, unserm HErrn; durch welchen wir haben Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht, durch den Glauben an ihn. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Triibsale willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers HErrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden; auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieb haben, viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich thun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium. Luc. 7, 11-17.( Weine nicht!) Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen viel mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Wittwe, und 154 16. Sonntag nach Trinitatis. viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der HErr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührete den Sarg an; und die Träger stunden. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Tote richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es tam sie alle eine Furcht an, und preiseten Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Länder. Epistolische Lektion. Hebr. 12, 14-24.( 3hr seid gekommen, zu der Stadt des lebendigen Gottes.) Jaget nach dem Frieden gegen jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird niemand den HErrn sehen. Und sehet darauf, daß nicht jemand Gottes Gnade versäume; daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse, und Unfrieden anrichte, und viele durch dieselbige verunreiniget werden; daß nicht jemand sei ein Hurer, oder ein Gottloser, wie Esau, der um einer Speise willen seine Erstgeburt verkaufte. Wisset aber, daß er hernach, da er den Segen ererben wollte, verworfen ist, denn er fand keinen Raum zur Buße, wiewohl er sie mit Thränen suchte. Denn ihr seid nicht kommen zu dem Berge, den man anrühren konnte, und mit Feuer brannte, noch zu dem Dunkel und Finsternis, und Ungewitter; noch zu dem Hall der Posaune, und zur Stimme der Worte, welcher sich weigerten, die sie höreten, daß ihnen das Wort ja nicht gesagt würde. Denn sie mochtens nicht ertragen, was da gesagt ward. Und wenn ein Tier den Berg anrührete, sollte es gesteiniget oder mit einem Geschoß erschossen werden. Und also erschrecklich war das Gesichte, daß Moses sprach: Ich bin erschrocken und zittere. Sondern ihr seid kommen zu Berge Zion, und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten, und zu dem Mittler des neuen Testaments, Jesu, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet, denn Abels. Evangelische Lektion. Luc. 9, 46-56.( Wiffet ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?) Es kam auch ein Gedanke unter sie, welcher unter ihnen der Größeste wäre? Da aber Jesus den Gedanken ihres Herzens sahe, ergriff er ein Kind und stellete es neben sich, und sprach zu ihnen: Wer das Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Welcher aber der Kleinste ist unter euch allen, der wird groß sein. Da antwortete Johannes und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb die Teufel aus in deinem Namen, und wir mehreten ihm; denn er folget dir nicht mit uns. Und Jesus sprach zu ihm: Wehret ihm nicht; denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns. Es begab fich aber, da die Zeit erfüllet war, daß er sollte von hinnen genommen werden, wandte er sein Angesicht, stracks gen Jerusalem zu wandeln. Und er fandte Boten vor ihm hin; die gingen hin, und kamen in einen Markt der Samariter, daß sie ihm Herberge bestelleten. Und sie nahmen ihn nicht an, darum daß er sein Angesicht gewendet hatte, zu wandeln gen Jerusalem. Da aber das seine Jünger Jacobus und Johannes sahen, sprachen fie: HErr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elias that? Jesus aber wandte sich, und bedräuete sie und 16. Sonntag nach Trinitatis. sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht kommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten. Nachmittags. 155 Lektion aus dem Alten Testamente. Hiob 5, 17-26.( Weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht.) Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet; darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht. Denn er verletzet, und verbindet; er zerschmeißet, und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Übel rühren. In der Teuerung wird er dich vom Tod erlösen, und im Kriege von des Schwerts Hand. Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, daß du dich nicht fürchtest vor dem Verderben, wenn es kommt. Im Verderben und Hunger wirst du lachen, und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten. Sondern dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die wilden Tiere auf dem Lande werden Friede mit dir halten; und wirst erfahren, daß deine Hütte Friede hat; und wirst deine Behausung besorgen, und nicht fündigen; und wirst erfahren, daß deines Samens wird viel werden, und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden; und wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingeführet werden zu seiner Zeit. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 23, 1-17.( Pauli Verantwortung vor dem Rat zu Jerusalem.) Paulus aber sahe den Rat an, und sprach: Ihr Männer, lieben Brüder, ich habe mit allem guten Gewissen gewandelt vor Gott bis auf diesen Tag. Der Hohepriester aber, Ananias, befahl denen, die um ihn stunden, daß sie ihn aufs Maul schlügen. Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand. Sizest du, und richtest mich nach dem Gesetze, und heißest mich schlagen wider das Gesetz? Die aber umher stunden, sprachen: Schiltst du den Hohenpriester Gottes? Und Paulus sprach: Bieben Brüder, ich wußt es nicht, daß er der Hohepriester ist. Denn es stehet geschieben: Dem Obersten deines Volks sollst du nicht fluchen. Als aber Paulus wußte, daß ein Teil Sadducäer war, und das andere Teil Pharisäer, rief er im Nat: Ihr Männer, lieben Brüder, ich bin ein Pharisäer, und eines Pharisäers Sohn; ich werde angeklagt um der Hoffnung und Auferstehung willen der Toten. Da er aber das sagte, ward ein Aufruhr unter den Pharisäern und Sadducäern, und die Menge zerspaltete sich. Denn die Sadducäer sagen, es sei keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist; die Pharisäer aber bekennen beides. Es ward aber ein groß Geschrei. Und die Schriftgelehrten, der Pharisäer Teil, stunden auf, stritten und sprachen: Wir finden nichts Arges an diesem Menschen; hat aber ein Geist oder ein Engel mit ihm geredet, so können wir mit Gott nicht streiten. Da aber der Aufruhr groß ward, besorgte sich der oberste Hauptmann, sie möchten Paulum zerreißen, und hieß das Kriegsvolk hinabgehen, und ihn von ihnen reißen, und in das Lager führen. Des andern Tages aber in der Nacht stund der HErr bei ihm, und sprach: Sei getrost, Paule; denn wie du von mir zu Jerusalem gezeuget hast, also mußt du auch zu Rom zeugen. Da es aber Tag ward, schlugen sich etliche Juden zusammen, und verbanneten sich, weder zu essen noch zu trinken, bis daß sie Paulum getötet hätten. Ihrer aber waren mehr denn vierzig, die solchen Bund machten. Die traten zu den Hohenpriestern und Ältesten, und sprachen: Wir haben 156 17. Sonntag nach Trinitatis. uns hart verbannet, nichts anzubeißen, bis wir Paulum getötet haben. So thut nun fund dem Oberhauptmann, und dem Rat, daß er ihn morgen zu euch führe, als wollet ihr ihn bas verhören; wir ber sind bereit, ihn zu töten, ehe denn er vor euch kommt. Da aber Paulus Schwester Sohn den Anschlag hörete, kam er dar, und ging in das Lager, und verkündigte es Paulo. Paulus aber rief zu sich einen von den Unterhauptleuten, und sprach: Diesen Jüngling führe hin zu dem Oberhauptmann; denn er hat ihm etwas zu sagen. 17. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Ephef. 4, 1-6.( Ein Leib und Ein Geift.) So ermahne nun euch ich Gefangener in dem HErrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebührt eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater( unser) aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen. Evangelium. Luc. 14, 1-11.( Sabbathsleben in Liebe und Demut.) Und es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbath das Brot zu essen; und sie hielten auf ihn. Und fiche, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, und sprach: Ifts auch recht, auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an, und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszeucht am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwähleten obenan zu sizzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebze sich nicht obenan, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem; und du müssest dann mit Scham untenan sitzen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich untenan, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Epistolische Lektion. Hebr. 6, 1-15.( Daß ihr nicht träge werdet!) Darum wollen wir die Lehre vom Anfang christliches Lebens jetzt laffen, und zur Vollkommenheit fahren; nicht abermal Grund legen von Buße der toten Werke, vom Glauben an Gott, von der Taufe, von der Lehre, vom Händeauflegen, von der Toten Auferstehung und vom ewigen Gerichte. Und das wollen wir thun, so es Gott anders zulässet. Denn es ist unmöglich, daß die, so einmal erleuchtet sind, und geschmeckt haben die himmlische Gabe, und teilhaftig worden sind des Heiligen Geistes, und geschmeckt haben das gütige Wort Gottes, und die Kräfte der zukünftigen Welt, wo sie abfallen, und wiederum ihnen selbst den Sohn Gottes freuzigen, und für Spott halten, 17. Sonntag nach Trinitatis. 157 daß sie sollten wiederum erneuert werden zur Buße. Denn die Erde, die den Regen trinket, der oft über sie kommt, und bequem Kraut träget denen, die sie bauen, empfähet Segen von Gott. Welche aber Dornen und Disteln träget, die ist untüchtig und dem Fluch nahe, welche man zuletzt verbrennet. Wir versehen uns aber, ihr Liebsten, Besseres zu euch, und daß die Seligkeit näher sei, ob wir wohl also reden. Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er vergesse eures Werks und Arbeit der Liebe, die ihr beweiset habt an seinem Namen, da ihr den Heiligen dienetet und noch dienet. Wir begehren aber, daß euer jeglicher denselbigen Fleiß beweise, die Hoffnung fest zu halten bis ans Ende, daß ihr nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch den Glauben und Geduld ererben die Verheißungen. Denn als Gott Abraham verhieß, da er bei keinem Größeren zu schwören hatte, schwur er bei sich selbst, und sprach: Wahrlich, ich will dich segnen und vermehren. Und also trug er Geduld, und erlangte die Verheißung. Evangelische Lektion. Luc. 9, 57-62.( Ungeteilte Nachfolge des HErrn.) Und sie gingen in einen andern Markt. Es begab sich aber, da fie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du hingehest. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach. Der sprach aber: HErr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin, und verkündige das Reich Gottes. Und ein anderer sprach: HErr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich einen Abschied mache mit denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug leget, und siehet zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 138.( Der HErr fiehet auf das Niedrige.) Ich danke dir von ganzem Herzen, vor den Göttern will ich dir lobfingen. Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel, und deinem Namen danken um deine Güte und Treue; denn du haft deinen Namen über alles herrlich gemacht durch dein Wort. Wenn ich dich anrufe, so erhöre mich, und gib meiner Seele große Kraft. Es danken dir, HErr, alle Könige auf Erden, daß sie hören das Wort deines Mundes, und singen auf den Wegen des HErrn, daß die Ehre des HErrn groß sei. Denn der HErr ist hoch, und siehet auf das Niedrige, und kennet den Stolzen von ferne. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich, und streckest deine Hand über den Zorn meiner Feinde, und hilfft mir mit deiner Rechten. Der HErr wirds ein Ende machen um meinet willen. HErr, deine Güte ist ewig Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 24, 1-25.( Paulus vor dem Landpfleger Felix.) über fünf Tage zog hinab der Hohepriester Ananias mit den Ältesten, und mit dem Redner Tertullus; die erschienen vor dem Landpfleger wider Paulum. Da er aber berufen ward, fing an Tertullus zu verklagen, und sprach: Daß wir in großem Frieden leben unter dir, und viel redlicher Thaten diesem Volk widerfahren durch deine Vorsichtigkeit, allertheuerster 158 18. Sonntag nach Trinitatis. Felix, das nehmen wir an allewege und allenthalben mit aller Dankbarkeit. Auf daß ich aber dich nicht zu lange aufhalte, bitte ich dich, du wollest uns kürzlich hören nach deiner Gelindigkeit. Wir haben diesen Mann funden schädlich, und der Aufruhr erreget allen Juden auf dem ganzen Erdboden, und einen Vornehmsten der Sette der Nazarener; der auch versuchet hat, den Tempel zu entweihen; welchen wir auch griffen, und wollten ihn gerichtet haben nach unserm Gesetz. Aber Lysias, der Hauptmann, unterkam das, und führete ihn mit großer Gewalt aus unsern Händen, und hieß seine Verkläger zu dir kommen; von welchem du kannst, so du es erforschen willst, dich des alles erkundigen, um was wir ihn verklagen. Die Juden aber redeten auch dazu und sprachen, es hielte sich also. Paulus aber, da ihm der Vandpfleger winkete zu reden, antwortete: Dieweil ich weiß, daß du in diesem Volk nun viel Jahre ein Richter bist, will ich unerschrocken mich verantworten. Denn du kannst erkennen, daß nicht mehr denn zwölf Tage find, daß ich bin hinauf gen Jerusalem kommen, anzubeten. Auch haben sie mich nicht funden im Tempel mit jemand reden, oder einen Aufruhr machen im Volt, noch in den Schulen, noch in den Städten. Sie können mir auch nicht beibringen, des sie mich verklagen. Das bekenne ich aber dir, daß ich nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott meiner Väter, daß ich glaube allem, was geschrieben stehet im Gesetze, und in den Propheten; und habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch fie selbst warten, nämlich daß zukünftig sei die Auferstehung der Toten, beide der Gerechten und Ungerechten. In demselbigen aber übe ich mich, zu haben ein unverletzt Gewissen allenthalben, beide gegen Gott und den Menschen. Aber nach vielen Jahren bin ich kommen, und habe ein Almosen gebracht meinem Volk und Opfer. Darüber fanden sie mich, daß ich mich reinigen ließ im Tempel ohn allen Rumor und Getümmel. Das waren aber etliche Juden aus Asia, welche sollten hie sein vor dir, und mich verklagen, so sie etwas zu mir hätten. Oder laß diese selbst sagen, ob sie etwas Unrechtes an mir funden haben, dieweil ich stehe vor dem Rat ,,, ohne um des einigen Worts willen, da ich unter ihnen stund, und rief: Über der Auferstehung der Toten werde ich von euch heute angeklaget. Da aber Felix solches hörete, zog er sie auf; denn er wußte fast wohl um diesen Weg, und sprach: Wenn Lysias, der Hauptmann, herabkommt, so will ich mich eures Dinges erfundigen. Er befahl aber dem Unterhauptmann, Paulum zu behalten, und lassen Ruhe haben, und niemand von den Seinen wehren, ihm zu dienen, oder zu ihm zu kommen. Nach etlichen Tagen aber kam Felix mit seinem Weibe Drusilla, die eine Jüdin war, und forderte Paulum, und hörete ihn von dem Glauben an Christum. Da aber Paulus redete von der Gerechtigkeit, und von der Keuschheit, und von dem zukünftigen Gerichte, erschrak Felix, und antwortete: Gehe hin auf dies Mal; wenn ich gelegene Zeit habe, will ich dich her lassen rufen. 18. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epiftel. 1. Cor. 1, 4-9.( Durch Christum reich an allen Stücken.) Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre, und in aller Erkenntnis, wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig worden ist, also daß ihr keinen Mangel habt an 18. Sonntag nach Trinitatis. 159 irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers HErrn Jesu Christi; welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers HErrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohns Jesu Christi, unsers HErrn. Evangelium. Matth. 22 34-46.( Das vornehmste Gebot und der vornehmste Glaubensartikel.) Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schrift gelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen HErrn. von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus, und sprach: Wie dünket euch um Christo? wes Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen HErrn, da er sagt: Der HErr hat gesagt zu meinem HErrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen HErrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Epistolische Lektion. Hebr. 10, 22-39.( Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.) So lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprenget in unsern Herzen, und los von dem bösen Gewissen, und gewaschen am Beibe mit reinem Wasser; und lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung, und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat. Und lasset uns unter einander unser selbst wahrnehmen mit Reizen zur Liebe und guten Werken; und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen, sondern unter einander ermahnen; und das so viel mehr, so viel ihr sehet, daß sich der Tag nahet. Denn so wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder tein ander Opfer mehr für die Sünden, sondern ein schrecklich Warten des Gerichts und des Feuereifers, der die Widerwärtigen verzehren wird. Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muß sterben ohne Barmherzigkeit, durch zween oder drei Zeugen. Wie viel, meinet ihr, ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, und das Blut des Testaments unrein achtet, durch welches er geheiliget ist, und den Geist der Gnaden schmähet? Denn wir wissen den, der da sagte: Die Rache ist mein; ich will bergelten, spricht der HErr. Und abermal: Der HErr wird sein Volk richten. Schrecklich ists, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Gedenket aber an die vorigen Tage, in welchen ihr, erleuchtet, erduldet habt einen großen Kampf des Seidens; zum Teil selbst durch Schmach und Trübsal ein Schauspiel worden; zum Teil Gemeinschaft gehabt mit denen, denen es also gehet. Denn ihr habt mit meinen Banden Mitleiden gehabt, und den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet, als die ihr wisset, daß ihr bei euch selbst eine bessere und bleibende Habe im Himmel habt. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes thut, und die Verheißung 18. Sonntag nach Trinitatis. empfahet. Denn noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen. Der Gerechte aber wird des Glaubens leben. Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele kein Gefallen haben. Wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten. Evangelische Lektion. Matth. 12, 30-37.( Die Läfterung wider den Heiligen Geist.) 160 Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben. Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wirds nicht vergeben, weder in dieser, noch in jener Welt. Setzet entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut; oder setet einen faulen Baum, so wird die Frucht faul; denn an der Frucht erkennet man den Baum. Ihr Otterngezüchte, wie könnet ihr Gutes reden, dieweil ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über. Ein guter Mensch bringet Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens, und ein böser Mensch bringet Böses hervor aus seinem bösen Schatz. Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am jüngsten Gericht von einem jeglichen unnügen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertiget werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Klagel. Jerem. 3, 22-40. ( Ein jeglicher murre wider seine Sünde.) Die Güte des HErrn ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der HErr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Denn der HErr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein föstlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe des HErrn hoffen. Es ist ein köstlich Ding einem Manne, daß er das Joch in seiner Jugend trage; daß ein Verlassener geduldig sei, wenn ihn etwas überfällt; und seinen Mund in den Staub stecke, und der Hoffnung erwarte; und lasse sich auf die Backen schlagen, und ihm viel Schmach anlegen. Denn der HErr verstößt nicht ewiglich; sondern er betrübet wohl, und erbarmet fich wieder nach seiner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet; als wollt er alle die Gefangenen auf Erden gar unter seine Füße zertreten, und eines Mannes Recht vor dem Allerhöchsten beugen lassen, und eines Menschen Sache verkehren lassen, gleich als sähe es der HErr nicht. Wer darf denn sagen, daß solches geschehe ohne des HErrn Befehl, und daß weder Böses noch Gutes tomme aus dem Munde des Allerhöchsten? Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre wider seine Sünde. Und laßt uns forschen und suchen unser Wesen, und uns zum HErrn bekehren. Lektion aus dem Neuen Testamente. Apgsch. 26 13-32.( Paulus vor dem König Agrippa.) Mitten am Tage, lieber König, sahe ich auf dem Wege, daß ein Licht vom Himmel heller denn der Sonne Glanz, mich und die mit mir reiseten, umleuchtete. Da wir aber alle zur Erde niederfielen, hörete ich eine Stimme 19. Sonntag nach Trinitatis. 161 reden zu mir, die sprach auf Ebräisch: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Es wird dir schwer sein, wider den Stachel zu löcken. Ich aber sprach: HErr, wer bist du? Er sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest; aber stehe auf, und tritt auf deine Füße. Denn dazu bin ich dir erschienen, daß ich dich ordene zum Diener und Zeugen des, das du gesehen hast, und das ich dir noch will erscheinen lassen. Und will dich erretten von dem Volk, und von den Heiden, unter welche ich dich jetzt sende, aufzuthun ihre Augen, daß sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht, und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen, die geheiliget werden, durch den Glauben an mich. Daher, lieber König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungläubig, sondern verkündigte zuerst denen zu Damascus, und zu Jerusalem, und in alle Gegend jüdisches Landes, auch den Heiden, daß sie Buße thäten, und sich bekehreten zu Gott, und thäten rechtschaffene Werke der Buße. Um deswillen haben mich die Juden im Tempel gegriffen, und unterstunden, mich zu föten. Aber durch Hülfe Gottes ist es mir gelungen, und stehe bis auf diesen Tag, und zeuge beide dem kleinen und Großen; und sage nichts außer dem, das die Propheten gesagt haben, daß es geschehen sollte, und Moses: daß Christus sollte leiden, und der Erste sein aus der Auferstehung von den Toten, und verkündigen ein Licht dem Volk und den Heiden. Da er aber solches zur Verantwortung gab, sprach Festus mit lauter Stimme: Paule, du rasest; die große Kunst macht dich rasend. Er aber sprach: Mein theurer Feste, ich rase nicht, sondern ich rede wahre und vernünftige Worte. Denn der König weiß solches wohl, zu welchem ich freudig rede. Denn ich achte, ihm sei der feines nicht verborgen; denn solches ist nicht im Winkel geschehen. Glaubeft du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubest. Agrippa aber sprach zu Paulo: Es fehlet nicht viel, du überredest mich, daß ich ein Christ würde. Paulus aber sprach: Ich wünschte vor Gott, es fehlte an viel oder an wenig, daß nicht alleine du, sondern alle, die mich heute hören, solche würden, wie ich bin, ausgenommen diese Bande. Und da er das gesagt, stund der König auf und der Landpfleger und Bernice und die mit ihnen saßen, und entwichen beiseits, redeten mit einander, und sprachen: Dieser Mensch hat nichts gethan, das des Todes oder der Bande wert sei. Agrippas aber sprach zu Festo: Dieser Mensch hätte können losgegeben werden, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte. 19. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Ephef. 4, 17-32.( Das rechtschaffene Wesen in Chrifto.) So sage ich nun, und zeuge in dem HErrn, daß ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, welcher Verstand verfinstert ist, und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens: welche ruchlos sind, und ergeben sich der Unzucht, und treiben allerlei Unreinigkeit samt dem Geiz. Ihr aber habt Christum nicht also gelernet; so ihr anders von ihm gehöret habt, und in ihm gelehret seid, wie in Jesu ein rechtschaffen Wesen ist. So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrtum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts; und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. 11 162 19. Sonntag nach Trinitatis. Darum leget die Lüge ab, und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit ſeinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder find. Zürnet, und fündiget nicht; lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe, zu geben dem Dürftigen. Lasset kein faul Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, da es not thut, daß es holdselig sei zu hören. Und betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Born und Geschrei und Lästerung jei ferne von euch, samt aller Bosheit. Seid aber unter einander freundlich, herzlich, und vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch vergeben hat in Christo. Evangelium. Matth. 9, 1-8.( Dem Gichtbrüchigen wird Vergebung und Heilung.) Da trat er in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben jahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und fiehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, heb dein Bette auf und gehe heim. Und er stund auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Epistolische Lektion. Col. 4, 2-9.( Haltet an am Gebet.) Haltet an am Gebet, und wachet in demselbigen mit Danksagung; und betet zugleich auch für uns, auf daß Gott uns die Thür des Worts aufthue, zu reden des Geheimnis Christi, darum ich auch gebunden bin; auf daß ich dasselbige offenbare, wie ich soll reden. Wandelt weislich gegen die, die draußen sind, und schicket euch in die Zeit. Eure Rede sei allezeit lieblich, und mit Salz gewürzet, daß ihr wisset, wie ihr einem jeglichen antworten sollet. Wie es um mich stehet, wird euch alles kund thun Tychicus, der liebe Bruder und getreue Diener und Mitknecht in dem HErrn; welchen ich habe darum zu euch gesandt, daß er erfahre, wie es sich mit euch hält, und daß er eure Herzen ermahne, samt Onesimo, dem getreuen und lieben Bruder, welcher von den Euren ist. Alles, wie es hie zustehet, werden sie euch kund thun. Evangelische Lektion. Luc. 18, 1-8.( Sollte Gott nicht retten seine Auserwählten?) Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit beten, und nicht laß werden sollte; und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott, und scheuete sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Wittwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich von meinem Widersacher. Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte, noch vor keinem Menschen scheue; dieweil aber mir diese Wittwe so viel Mühe macht, will ich sie retten, auf daß sie nicht zuletzt komme, und übertäube mich. Da sprach der HErr: Höret hie, was der ungerechte Richter sagt. 20. Sonntag nach Trinitatis( Neformationsfest). 163 Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden? Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Hosea 14, 2-10.( Bekehre dich, Israel. zu dem HErrn.) Bekehre dich, Israel, zu dem HErrn, deinem Gott; denn du bist gefallen um deiner Missethat willen. Nehmet diese Worte mit euch, und bekehret euch zum HErrn, und sprechet zu ihm: Vergib uns alle Sünde, und thue uns wohl, so wollen wir opfern die Farren unserer Lippen. Assur soll uns nicht helfen, und wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu den Werken unserer Hände: Ihr seid unser Gott; sondern laß die Waisen bei dir Gnade finden. So will ich ihr Abtreten wieder heilen, gerne will ich sie lieben; dann soll mein Zorn sich von ihnen wenden. Ich will Israel wie ein Thau sein, daß er soll blühen wie eine Rose; und seine Wurzeln sollen ausschlagen wie Libanon; und seine Zweige sich ausbreiten, daß er sei so schön als ein Ölbaum; und soll so guten Geruch geben wie Libanon. Und sollen wieder unter seinem Schatten siken; von Korn sollen sie sich nähren, und blühen wie ein Weinstock; sein Gedächtnis soll sein wie der Wein am Libanon. Ephraim, was sollen mir weiter die Götzen? Ich will ihn erhören und führen; ich will sein wie eine grünende Tanne; an mir soll man deine Frucht finden. Wer ist weise, der dies verstehe, und klug, der dies merke? Denn die Wege des HErrn sind richtig, und die Gerechten wandeln drinnen; aber die Übertreter fallen drinnen. Lektion aus dem Neuen Testamente. Nöm. 14, 14-23.( Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.) Ich weiß, und bins gewiß in dem HErrn Jesu, daß nichts gemein ist an ihm selbst; ohne der es rechnet für gemein, demselbigen ists gemein. So aber dein Bruder über deiner Speise betrübet wird, so wandelst du schon nicht nach der Liebe. Lieber, verderbe den nicht mit deiner Speise, um welches willen Christus gestorben ist. Darum schaffet, daß euer Schatz nicht verlästert werde. Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geiste. Wer darinnen Christo dienet, der ist Gott gefällig und den Menschen wert. Darum laffet uns dem nachstreben, das zum Frieden dienet, und was zur Besserung unter einander dienet. Lieber, verstöre nicht um der Speise willen Gottes Werk. Es ist zwar alles rein; aber es ist nicht gut dem, der es isset mit einem Anstoß seines Gewissens. Es ist besser, du esfest kein Fleisch, und trinfeft keinen Wein oder das, daran sich dein Bruder stößet, oder ärgert, oder schwach wird. Hast du den Glauben, so habe ihn bei dir selbst vor Gott. Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in dem, das er annimmt. Wer aber darüber zweifelt, und isset doch, der ist verdammt; denn es gehet nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde. 20. Sonntag nach Trinitatis( Reformationsfest). Vormittags. Epistel. Ephes. 5, 8-21.( Alles wird offenbar, wenn es vom Lichte gestraft wird.) Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem HErrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist 11* 164 20. Sonntag nach Trinitatis( Reformationsfest). allerlei Gütigkeit, und Gerechtigkeit, und Wahrheit. Und prüfet, was da sei wohlgefällig dem HErrn. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; strafet fie aber vielmehr. Denn was heimlich von ihnen geschicht, das ist auch schändlich zu sagen. Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht gestraft wird. Denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum spricht er: Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des HErrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folget; sondern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobsängen und geistlichen Liedern; singet und spielet dem HErrn in eurem Herzen; und saget Dank allezeit für alles, Gott und dem Vater, in dem Namen unsers HErrn Jesu Christi; und seid unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Oder: Gal. 5, 1-15.( Bestehet in der Freiheit.) So bestehet nun in der Freiheit, damit uns Christus befreiet hat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen. Siehe, ich Paulus sage euch: Wo ihr euch beschneiden lasset, so ist euch Christus kein nüße. Ich zeuge abermal einem jeden, der sich beschneiden läßt, daß er noch das ganze Gesetz schuldig ist zu thun. Ihr habt Christum verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen. Wir aber warten im Geist durch den Glauben der Gerechtigkeit, der man hoffen muß. Denn in Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Ihr liefet, fein. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Solch Überreden ist nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Ich versche mich zu euch in dem HErrn, ihr werdet nicht anders gesinnet sein. Wer euch aber irre macht, der wird sein Urteil tragen, er sei, wer er wolle. Ich aber, lieben Brüder, so ich die Beschneidung noch predige, warum leide ich denn Verfolgung? So hätte das Ärgernis des Kreuzes aufgehöret. Wollte Gott, daß sie auch ausgerottet würden, die euch verstören. Ihr aber, lieben Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein sehet zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleisch nicht Raum gebet; sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn alle Gesetze werden in Einem Wort erfüllet, in dem: Liebe deinen Nächsten als dich selbst. So ihr euch aber unter einander beißet und fresset, so sehet zu, daß ihr nicht unter einander verzehret werdet. Evangelium. Psalm 119, 29-52.( Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen.) Wende von mir den falschen Weg, und gönne mir dein Gesetz. Ich habe den Weg der Wahrheit erwählet, deine Rechte hab ich vor mich gestellet. Ich hange an deinen Zeugnissen; HErr, laß mich nicht zu schanden werden. Wenn du mein Herz tröstest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Zeige mir HErr, den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre bis ans Ende. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz, und halte es von ganzem Herzen. Führe mich auf dem. Steige deiner Gebote; denn ich habe Lust dazu. Neige mein Herz zu deinen Beugnissen, und nicht zum Geiz. Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnüger Lehre; sondern erquicke mich auf deinem Wege. Laß deinen Knecht dein Gebot festiglich für dein Wort halten, daß ich dich fürchte. Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn deine Rechte sind lieblich. Siehe, 20. Sonntag nach Trinitatis( Reformationsfest). 165 ich begehre deiner Befehle, erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit. HErr, laß mir deine Gnade widerfahren, deine Hülfe nach deinem Wort, daß ich antworten möge meinem Lästerer, denn ich verlasse mich auf dein Wort. Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Rechte. Ich will dein Gesetz halten allewege, immer und ewiglich. Und ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle. Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen, und schäme mich nicht, und habe Bust an deinen Geboten, und sind mir lieb, und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind; und rede von deinen Rechten. Gedenke deinem Knechte an dein Wort, auf welches du mich läsfest hoffen. Das ist mein Troft in meinem Elende; denn dein Wort erquicket mich. Die Stolzen haben ihren Spott an mir; dennoch weiche ich nicht von deinem Gesetz. HErr, wenn ich gedenke, wie du von der Welt her gerichtet hast, so werde ich getröstet. Epistolische Lektion. 1. Cor. 3.( Einen andern Grund kann niemand legen.) Und ich, lieben Brüder, konnte nicht mit euch reden als mit Geistlichen, sondern als mit Fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christo. Milch habe ich euch zu trinken gegeben, und nicht Speise; denn ihr konntet noch nicht; auch könnt ihr noch jetzt nicht, dieweil ihr noch fleischlich seid. Denn fintemal Eifer und Bank und Zwietracht unter euch sind; seid ihr denn nicht fleischlich, und wandelt nach menschlicher Weise? Denn so einer sagt: Ich bin Paulisch; der andere aber: Ich bin Apollisch; seid ihr denn nicht fleischlich? Wer ist nun Paulus? wer ist Apollo? Diener sind sie; durch welche ihr seid gläubig worden; und dasselbige, wie der HErr einem jeg lichen gegeben hat. Ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzet, noch der da begeußt, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Der aber pflanzet, und der da begeußt, ist einer wie der andere. Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfahen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerwerk, und Gottes Gebäu. Ich von Gottes Gnaden, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt, als ein weiser Baumeister; ein anderer bauet darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue. Einen andern Grund kann zwar niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christ. So aber jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln; so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Lag wirds klar machen. Denn es wird durchs Feuer offenbar werden, und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebauet hat; so wird er Sohn empfahen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er des Schaden leiden; er selbst aber wird selig werden, so doch, als durchs Feuer. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? So jemand den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr. Niemand betrüge sich selbst. Welcher sich, unter euch dünft weise sein, der werde ein Narr in dieser Welt, daß er möge weise sein. Denn dieser Welt Weisheit ist Thorheit bei Gott. Denn es stehet geschrieben: Die Weisen erhaschet er in ihrer Klugheit. Und abermal: Der HErr weiß der Weisen Gedanken, daß sie eitel sind. Darum rühme sich niemand cines Menschen. Es ist alles cuer; es sei Paulus oder Apollo, es sei Rephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es jei das Gegenwärtige oder das Zukünstige; alles ist euer. Ihr aber seid Christi; Christus aber ist Gottes. 20. Sonntag nach Trinitatis( Reformationsfest). Evangelische Lektion. Matth. 11, 20-30.( Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.) 166 Da fing er an die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner Thaten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebessert: Wehe dir, Chorazin, wehe dir, Bethsaida! wären solche Thaten zu Tyro und Sidon geschehen, als bei euch geschehen sind; sie hätten vorzeiten im Sack und in der Asche Buße gethan. Doch ich sage euch: Es wird Tyro und Sidon erträglicher ergehen am jüngsten Gerichte, denn euch. Und du, Capernaum, die du bist erhaben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden. Denn so zu Sodom die Thaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind; sie stünde noch heutiges Tages. Doch ich sage euch: Es wird der Sodomer Sand träglicher ergehen am jüngsten Gerichte, denn dir. Bu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch, und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Laft ist leicht. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 46.( Der HErr ist bei ihr drinnen.) Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge, und die Berge mitten ins Meer sänken, wenn gleich das Meer wütete und wallete, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen; Sela. Dennoch soll die Stadt Gottes fein luftig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben; Gott hilft ihr frühe. Die Heiden müssen verzagen, und die Königreiche fallen; das Erdreich muß vergehen, wenn er sich hören läßt. Der HErr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schuß. Sela. Kommt her, und schauet die Werke des HErrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet; der den Kriegen steuert in aller Welt; der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, und Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille, und erkennet, daß ich Gott bin. Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der HErr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Cor. 7, 20-31.( Frei in Christo.) Ein jeglicher bleibe in dem Ruf, darinnen er berufen ist. Bist du ein Knecht berufen, sorge dir nicht; doch, kannst du frei werden, so brauche des viel lieber. Denn wer ein Knecht berufen ist in dem HErrn, der ist ein Gefreiter des HErrn; desselbigen gleichen, wer ein Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi. Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte. Ein jeglicher, lieben Brüder, worinnen er berufen ist, darinnen bleibe er bei Gott. Von den Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des HErrn; ich sage aber meine Meinung, als ich Barmherzigkeit erlanget habe 21. Sonntag nach Trinitatis. 167 von dem HErrn, treu zu sein. So meine ich nun, solches sei gut, um der gegenwärtigen Not willen, daß es dem Menschen gut sei, also zu sein. Bist du an ein Weib gebunden, so suche nicht los zu werden; bist du aber los vom Weibe, so suche kein Weib. So du aber freiest, fündigest du nicht; und so eine Jungfrau freiet, fündiget sie nicht; doch werden solche leibliche Trübsal haben. Ich verschone euch aber gerne. Das sage ich aber, lieben Brüder, die Zeit ist kurz. Weiter ist das die Meinung: die da Weiber haben, daß sie seien, als hätten sie keine; und die da weinen, als weineten sie nicht; und die sich freuen, als freueten sie sich nicht; und die da kaufen, als besäßen sie es nicht; und die dieser Welt brauchen, daß sie derselbigen nicht mißbrauchen; denn das Wesen dieser Welt vergehet. 21. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Ephef. 6, 10-20.( Des Christen Waffenrüstung.) Zulett, meine Brüder, seid stark in dem HErrn, und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die liftigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Benden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber, ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichtes; und nehmet den Helm des Heils, und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Und betet stets in allem Anliegen, mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen, und für mich, auf daß mir gegeben werde das Wort mit freudigem Aufthun meines Mundes, daß ich möge kund machen das Geheimnis des Evangelii, welches Bote ich bin in der Kette, auf daß ich darinnen freudig handeln möge, und reden, wie sichs gebührt. Evangelium. Joh. 4, 47-54.( Er glaubte mit seinem ganzen Hause.) Und es war ein Königischer, des Sohn lag frank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläam, und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinabkäme und hülfe seinem Sohn; denn er war totkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: HErr, komm hinab, ehe. denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubete dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkete der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam kam. 21. Sonntag nach Trinitatis. Epistolische Lektion. Ephes. 6, 1-9.( Die chriftliche Haustafel.) Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem HErrn; denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter; das ist das erste Gebot, das Verheißung hat: auf daß dirs wohl gehe und du lange lebeft auf Erden. Und ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zu Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum HErrn. Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herren, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens, als Christo; nicht mit Dienst allein vor den Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes thut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, daß ihr dem HErrn dienet, und nicht den Menschen; und wisset, was ein jeglicher Gutes thun wird, das wird er von dem HErrn empfahen, er sei ein Knecht oder ein Freier. Und ihr Herren, thut auch dasselbige gegen fie, und lasset das Dräuen, und wisset, daß auch euer HErr im Himmel ist, und ist bei ihm kein Ansehen der Person. Evangelische Lektion. Luc. 19, 1-10.( dh muß heute in deinem Hause einkehren.) 168 Und er zog hinein, und ging durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner, und war reich; und begehrte Jefum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk; denn er war klein von Person. Und er lief vornhin, und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an dieselbige Stätte, jahe er auf, und ward sein gewahr, und sprach zu ihm: Bachäe, steig eilend hernieder; denn ich muß heute zu deinem Hause einkehren. Und er stieg eilend hernieder, und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete. Zachäus aber trat dar, und sprach zu dem HErrn: Siehe, HErr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist kommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. 2. Sam. 7, 17-29.( Wer bin ich, HErr, und was ist mein Haus.) Da Nathan alle diese Worte und alle dies Gesichte David gesagt hatte, tam David, der König, und blieb vor dem HErrn, und sprach: Wer bin ich, HErr, HErr, und was ist mein Haus, daß du mich bis hieher gebracht haft? Dazu hast du das zu wenig geachtet, HErr, HErr, sondern haft dem Hause deines Knechtes noch von fernem Zukünftigen geredet. Das ist eine Weise eines Menschen, der Gott der HErr ist. Und was soll David mehr reden mit dir? Du erkennest deinen Knecht, HErr, HErr. Um deines Wortes willen und nach deinem Herzen hast du solche große Dinge alle gethan, daß du fie deinem Knechte kund thätest. Darum bist du auch groß geachtet, HErr Gott; denn es ist keiner wie du, und ist kein Gott, denn du, nach allem, das wir mit unseren Ohren gehöret haben. Denn wo ist ein Volk auf Erden, wie dein Volk Israel, um welches willen Gott ist hingegangen, ihm ein Volk zu erlösen, und ihm einen Namen zu machen, und solch große und schreckliche Dinge zu thun auf deinem Lande vor deinem Volk, welches du dir erlöset hast von Egypten, von den Heiden und ihren Göttern? Und du hast dir dein Volk Israel zubereitet, dir zum Volk in Ewigkeit; und 22. Sonntag nach Trinitatis. 169 du, HErr, bist ihr Gott worden. So bekräftige nun, HErr Gott, das Wort in Ewigkeit, das du über deinen Knecht, und über sein Haus geredet haft; und thue, wie du geredet hast: so wird dein Name groß werden in Ewigteit, daß man wird sagen: Der HErr Zebaoth ist der Gott über Israel. Und das Haus deines Knechts David wird bestehen vor dir. Denn du, HErr Zebaoth, du Gott Israel, haft das Ohr deines Knechts geöffnet, und gesagt: Ich will dir ein Haus bauen. Darum hat dein Knecht sein Herz funden, daß er dies Gebet zu dir betet. Nun, HErr, HErr, du bist Gott, und deine Worte werden Wahrheit sein. Du haft solches Gut über deinen Knecht geredet. So hebe nun an, und segne das Haus deines Knechts, daß er ewiglich vor dir sei: denn du, HErr, HErr, hasts geredet, und mit deinem Segen wird deines Knechts Haus gesegnet werden ewiglich. Lektion aus dem Neuen Teftamente. 1. Cor. 12, 12-27.( So ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit.) Denn gleichwie Ein Leib ist, und hat doch viel Glieder; alle Glieder aber Eines Leibes, wiewohl ihrer viel sind, sind sie doch Ein Beib: also auch Christus. Denn wir sind, durch Einen Geist, alle zu Einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen, Knechte oder Freie; und sind alle zu Einem Geist getränket. Denn auch der Leib ist nicht Ein Glied, sondern viele. So aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich des Beibes Glied nicht; sollt er um deswillen nicht des Leibes Glied sein? Und so das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht des Leibes Glied; follt es um deswillen nicht des Leibes Glied sein? Wenn der ganze Beib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? So er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, ein jegliches sonderlich am Leibe, wie er gewollt hat. So aber alle Glieder Ein Glied wären, wo bliebe der Leib? Nun aber sind der Glieder viel, aber der Leib ist Einer. Es kann das Auge nicht sagen zu der Hand: Ich bedarf dein nicht; oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich bedarf euer nicht. Sondern viel mehr, die Glieder des Leibes, die uns dünken die schwächsten sein, sind die nötigsten; und die uns bünten die unehrlichsten sein, denselbigen legen wir am meisten Ehre an; und die uns übel anstehen, die schmücket man am meisten. Denn die uns wohl anstehen, die bedürfens nicht. Aber Gott hat den Leib also vermenget, und dem dürftigen Glied am meisten Ehre gegeben, auf daß nicht eine Spaltung im Leibe sei, sondern die Glieder für einander gleich sorgen. Und so Ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und so ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr seid aber der Leib Christi und Glieder, ein jeglicher nach seinem Teil. 22. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Phil. 1, 3-11.( Erfüllt sein mit Früchten der Gerechtigkeit.) Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke,( welches ich allezeit thue in alle meinem Gebet für euch alle, und thue das Gebet mit Freuden,) über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher; und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Wert, der wirds auch vollführen bis an den Lag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte; darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängnis, darin ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade 170 22. Sonntag nach Trinitatis. teilhaftig seid. Denn Gott ist mein 3euge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrund in Jesu Christo. Und darum bete ich, daß eure Biebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig, bis auf den Tag Chrifti, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zu Ehre und Lobe Gottes. Evangelium. Matth. 18, 21-35.( Der Schaltstnecht.) Da trat Petrus zu ihm und sprach: HErr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir fündiget, vergeben? Ists genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal fiebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da ers nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir; ich will dirs alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgete ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir; ich will dirs alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen, und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du dich denn nicht auch erbarmen über deinen Mittnecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle. Epistolische Lektion. Hebr. 13, 1-21.( Es ist ein töftlich Ding, daß das Herz fest werde.) Bleibet fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesset nicht; denn durch dasselbige haben etliche, ohn ihr Wissen, Engel beherberget. Ge denket der Gebundenen, als die Mitgebundenen, und derer, die Trübfal leiden, als die ihr auch noch im Leibe lebet. Die Ehe soll ehrlich gehalten werden bei allen, und das Ehebette unbefleckt; die Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten. Der Wandel sei ohne Geiz; und lasset euch begnügen an dem, das da ist. Denn er hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Also, daß wir dürfen sagen: Der HErr ist mein Helfer, und will mich nicht fürchten; was sollte mir ein Mensch thun? Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben, welcher Ende schauet an, und folget ihrem Glauben nach. Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. Laffet euch nicht mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben; denn es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisen, davon keinen Nut haben, so damit umgehen. Wir haben einen Altar, davon nicht macht haben, zu essen, die der Hütte pflegen. Denn welcher Tiere Blut getragen wird 22. Sonntag nach Trinitatis. 171 durch den Hohenpriester in das Heilige für die Sünde, derselbigen Leichname werden verbrannt außer dem Lager. Darum auch Jesus, auf daß er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, hat er gelitten außen vor dem Thor. So laffet uns nun zu ihm hinausgehen, außer dem Lager, und seine Schmach tragen. Denn wir haben hie keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. So lasset uns nun opfern, durch ihn, das Lobopfer Gott allezeit, das ist, die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Wohl zu thun und mitzuteilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl. Gehorchet, euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen, auf daß sie das mit Freuden thun, und nicht mit Seufzen; denn das ist euch nicht gut. Betet für uns. Unser Trost ist der, daß wir ein gut Gewissen haben, und fleißigen uns, guten Wandel zu führen bei allen. Ich ermahne euch aber zum Überfluß, solches zu thun, auf daß ich aufs schierste wieder zu euch komme. Gott aber des Friedens, der von den Toten ausgeführet hat den großen Hirten der Schafe, durch das Blut des ewigen Testaments, unsern HErrn Jesum, der mache euch fertig in allem guten Werk, zu thun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm gefällig ist, durch Jesum Christ; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelische Lektion. Joh. 8, 23-36.( Bleibet an meiner Rede.) Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben herab; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. So hab ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn so ihr nicht glaubet, daß ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden. Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Erstlich der, der ich mit euch rede. Ich habe viel von euch zu reden, und zu richten; aber der mich gesandt hat, der ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehöret habe, das rede ich vor der Welt. Sie vernahmen aber nicht, daß er ihnen von dem Vater sagete. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es sei, und nichts von mir selber thue, sondern wie mich mein Vater gelehret hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater läßt mich nicht allein; denn ich thue allezeit, was ihm gefällt. Da er solches redete, glaubten viele an ihn. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Samen, sind nie kein Mal jemands Knechte gewesen; wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibet nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibet ewiglich. So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Spr. Salom. 2, 1-15.( Gott läßt es dem Aufrichtigen gelingen.) Mein Kind, willst du meine Rede annehmen, und meine Gebote bei dir behalten: so laß dein Ohr auf Weisheit Acht haben, und neige dein Herz mit Fleiß dazu. Denn so du mit Fleiß darnach rufest, und darum beteft, so du sie suchest, wie Silber, und forschest sie, wie die Schätze; alsdann wirst du die Furcht des HErrn vernehmen, und Gottes Erkenntnis finden. 172 23. Sonntag nach Trinitatis. Denn der HErr gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Verstand. Er läßts den Aufrichtigen gelingen, und beschirmet die Frommen, und behütet die, so recht thun, und bewahret den Weg seiner Heiligen Dann wirst du verstehen Gerechtigkeit und Recht, und Frömmigkeit, und allen guten Weg. Wo die Weisheit dir zu Herzen gehet, daß du gerne lernest, so wird dich guter Rat bewahren, und Verstand wird dich behüten, daß du nicht geratest auf den Weg der Bösen, noch unter die verkehrten Schwäger, die da verlassen die rechte Bahn, und gehen finstere Wege, die sich freuen Böses zu thun, und sind fröhlich in ihrem bösen, verkehrten Wesen, welche ihren Weg verkehren, und folgen ihrem Abwege. Sektion aus dem Neuen Testamente. 1. Cor. 9, 13-23.( Frei von jedermann und jedermanns Knecht.) Wisset ihr nicht, daß, die da opfern, essen vom Opfer? und die des Altars pflegen, genießen des Altars? Also hat auch der HErr befohlen, daß, die das Evangelium verkündigen, sollen sich vom Evangelio nähren. Ich aber habe der keines gebraucht. Ich schreibe auch nicht darum davon, daß es mit mir also sollte gehalten werden. Es wäre mir lieber, ich stürbe, denn daß mir jemand meinen Ruhm sollte zunicht machen. Denn daß ich das Evangelium predige, darf ich mich nicht rühmen; denn ich muß es thun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte. Thue ichs gerne, so wird mir gelohnet; thu ichs aber ungerne, so ist mir das Amt doch befohlen. Was ist denn nun mein Sohn? Nämlich, daß ich predige das Evangelium Chrifti, und thue dasselbige frei umsonst, auf daß ich nicht meiner Freiheit mißbrauche am Evangelio. Denn wiewohl ich frei bin von jebermann, hab ich mich doch selbst jedermann zum Knechte gemacht, auf daß ihrer viel gewinne. Den Juden bin ich worden als ein Jude, auf daß ich die Juden geminne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich worden als unter dem Gesetz, auf daß ich die, so unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich als ohne Gesek worden,( so ich doch nicht ohne Gesek bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi), auf daß ich die, so ohne Gesetz sind, gewinne, Den Schwachen bin ich worden als ein Schwacher, auf daß ich die Schwachen gewinne. Ich bin jedermann allerlei worden, auf daß ich allenthalben ja etliche selig mache. Solches aber thue ich um des Evangelii willen, auf daß ich sein teilhaftig werde. 23. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Phil. 3, 8-21.( Ergriffen sein von Chrifto.) Denn ich achte es alles für Schaden gegen der überschwenglichen Ertenninis Chrifti Jefu, meines HErrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Dreck, auf daß ich Christum gewinne, und in ihm erfunden werde, daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Geset, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, zu erkennen n und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Seiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde, damit ich entgegenkomme zur Auferstehung der Toten. Nicht, daß ichs schon ergriffen habe, oder schon voll tommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ichs auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jeju ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst 23. Sonntag nach Trinitatis. 173 noch nicht, daß ichs ergriffen habe. Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, was da vorne ist; und jage nach dem vorgestreckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Wie viel nun unser vollkommen sind, die lasset uns also gesinnet sein, und sollt ihr sonst etwas halten, das laffet euch Gott offenbaren; doch so ferne, daß wir nach einer Regel, darein wir ge kommen sind, wandeln, und gleich gesinnet seien. Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Chrifti, welcher Ende ist die Verdammnis, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des HErrn, welcher unfern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Evangelium. Matth. 22, 15-33.( Gebet Gott, was Gottes ift.) Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger, samt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünket dich? ists recht, daß man dem Kaiser 3ins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schaltheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich, und ließen ihn und gingen davon. An demselbigen Tage traten zu ihm die Sadducäer, die da halten, es sei kein Auferstehen, und fragten ihn, und sprachen: Meister, Moses hat gesagt: So einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder Samen erwecken. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freiete und starb; und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib feinem Bruder. Desselbigen gleichen der andere und der dritte, bis an den siebenten. Zuletzt nach allen starb auch das Weib. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie sein unter den fieben? Sie haben sie ja alle gehabt. Jesus aber antwortete, und sprach zu ihnen: Ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes. In der Auferstehung werden sie weder freien, noch sich freien lassen; sondern sie find gleich wie die Engel Gottes im Himmel. Habt ihr aber nicht gelesen von der Toten Auferstehung, das euch gesagt ist von Gott, da er spricht: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaats und der Gott Jakobs? Gott aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. Und da solches das Volk hörete, entsatzten sie sich über seiner Lehre. Epistolische Lektion. Hebr. 4, 1-13.( Laffet uns Fleiß anthun, einzukommen zu seiner Ruhe.) So lasset uns nun fürchten, daß wir die Verheißung, einzukommen zu seiner Ruhe, nicht versäumen, und unser keiner dahinten bleibe. Denn es ist uns auch verfündiget, gleichwie jenen; aber das Wort der Predigt half jene nichts, da nicht glaubeten die, so es höreten. Denn wir, die wir glauben, gehen in die Ruhe, wie er spricht: Daß ich schwur in meinem Zorn, fie 174 23. Sonntag nach Trinitatis. jollten zu meiner Ruhe nicht kommen. Und zwar, da die Werke von Anbeginn der Welt waren gemacht, sprach er an einem Ort von dem siebenten Tage also: Und Gott ruhete am siebenten Tage von allen seinen Werken. Und hier an diesem Ort abermal: Sie sollen nicht kommen zu meiner Ruhe. Nachdem es nun noch vorhanden ist, daß etliche sollen zu derselbigen kommen, und die, denen es zuerst verkündiget ist, sind nicht dazu kommen, um des Unglaubens willen, bestimmte er abermal einen Tag nach solcher langen Zeit, und sagte durch David: Heute, wie gesagt ist, heute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht. Denn so Josua sie hätte zur Ruhe gebracht, würde er nicht hernach von einem andern Tage gesagt haben. Darum ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes. Denn wer zu seiner Ruhe kommen ist, der ruhet auch von seinen Werken, gleichwie Gott von seinen. So lasset uns nun Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht jemand falle in dasselbige Erempel des Unglaubens. Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und durchdringet, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und ist keine Kreatur vor ihm unsichtbar, es ist aber alles blos und entdeckt vor seinen Augen; von dem reden wir. Evangelische Lektion. Luc. 13, 1-9.( Er suchte Frucht am Feigenbaume und fand sie nicht.) Es waren aber zu derselbigen Zeit etliche dabei, die verkündigten ihm von den Galiläern, welcher Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, dieweil sie das erlitten haben? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen. Oder meinet ihr, daß die achtzehn, auf welche der Turm in Siloah fiel, und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen. Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge; und kam, und suchte Frucht darauf, und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahr lang alle Jahr kommen, und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum, und finde sie nicht; haue ihn ab, was hindert er das Land? Er aber antwortete, und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis daß ich um ihn grabe und bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 126.( Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ernten.) Wenn der HErr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens, und unsere 3unge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der HErr hat Großes an ihnen gethan. Der HErr hat Großes an uns gethan; des sind wir fröhlich. HErr, wende unser Gefängnis, wie du die Wasser gegen Mittag trocknest. Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen, und tragen edlen Samen, und kommen mit Freuden, und bringen ihre Garben. 24. Sonntag nach Trinitatis. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Tim. 4, 1-11.( Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüße.) Der Geist aber saget deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche vom Glauben abtreten, und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel; durch die, so in Gleißnerei Lügenredner sind, und Brandmal in ihrem Gewissen haben, und verbieten ehelich zu werden, und zu meiden die Speisen, die Gott geschaffen hat, zu nehmen mit Danksagung, den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen. Denn alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiliget durch das Wort Gottes und Gebet. Wenn du den Brüdern solches vorhältst, so wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, auferzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, bei welcher du immerdar gewesen bist. Der ungeistlichen aber und altvettelischen Fabeln entschlage dich. Ülebe dich selbst aber an der Gottseligkeit. Denn die leibliche Übung ist wenig nüz; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüz, und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Das ist je gewißlich wahr, und ein teuer wertes Wort. Denn dahin arbeiten wir auch, und werden geschmähet, daß wir auf den lebendigen Gott gehoffet haben, welcher ist der Heiland aller Menschen, sonderlich aber der Gläubigen. Solches gebeut und lehre. 175 24. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. Col. 1, 9-14.( Er hat uns tüchtig gemacht zum Erbteil der Heiligen im Lichte.) Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wirs gehöret haben, hören wir nicht auf für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand, daß ihr wandelt würdiglich dem HErrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntnis Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmütigkeit mit Freuden, und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erhteil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis, und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium. Matth. 9, 18-26.( Lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig.) Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: HErr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm, und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stund auf, und folgete ihm nach und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahr den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührete seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei ihr selbst: Möcht ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um, und sahe sie, und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir ge= holfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam, und sahe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet; denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft, und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der Hand; da stund das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Band. 176 24. Sonntag nach Trinitatis. Epistolische Lektion. Jac. 4.( So seid nun Gott unterthänig.) Woher kommt Streit und Krieg unter euch? Kommts nicht daher, aus euren Wollüsten, die da streiten in euren Gliedern? Ihr seid begierig, und erlanget es damit nicht; ihr hafset und neidet, und gewinnet damit nichts; ihr streitet und krieget; ihr habt nicht, darum, daß ihr nicht bittet; ihr bittet, und krieget nicht, darum, daß ihr übel bittet, nämlich dahin, daß ihrs mit euren Wollüsten verzehret. Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst: Den Geist, der in euch wohnet, gelüftet wider den Haß? Und gibt reichlich Gnade; sintemal die Schrift faget: Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So seid nun Gott unterthänig. Widerstehet dem Teufel, so fleucht er von euch. Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Reiniget die Hände, ihr Sünder, und machet eure Herzen keusch, ihr Wankelmütigen. Seid elend, und traget Leide, und weinet; euer Lachen verkehre sich in Weinen, und eure Freude in Traurigkeit. Demütiget euch vor Gott, so wird er euch erhöhen. Afterredet nicht unter einander, lieben Brüder. Wer seinem Bruder afterredet, und urteilet feinen Bruder, der afterredet dem Gesetz und urteilet das Gesetz. Urteileft du aber das Gefeß, so bist du nicht ein Thäter des Gesetzes, sondern ein Richter. Es ist ein einiger Gesetzgeber, der kann selig machen und verdammen. Wer bist du, der du einen andern urteilest? Wohlan, die ihr nun saget: Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt, und wollen ein Jahr da liegen, und handtieren, und gewinnen; die ihr nicht wisset, was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ists, der eine kleine Zeit währet, darnach aber verschwindet er. Dafür ihr sagen folltet: So der HErr will, und wir leben, wollen wir dies oder das thun. Nun aber rühmet ihr euch in eurem Hochmut. Aller solcher Ruhm ist böse. Denn wer da weiß, Gutes zu thun, und thuts nicht, dem ifts Sünde. Evangelische Lektion. Joh. 10, 22-30.( Niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.) Es war aber Kirchweihe zu Jerusalem, und war Winter. Und Jesus wandelte im Tempel, in der Halle Salomonis. Da umringeten ihn die Juden, und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsere Seelen auf? bist du Christ, so sage es uns frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, die ich thue in meines Baters Namen, die zeugen von mir. Aber ihr glaubet nicht; denn ihr seid meiner Schafe nicht, als ich euch gesagt habe. Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Beben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie mir aus meines Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eines. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Pred. Salom. 7, 3-9.( Das Herz des Weisen ist im Klaghause.) Es ist besser in das Klaghaus gehen, denn in das Trinthaus; in jenem ist das Ende aller Menschen, und der Bebendige nimmts zu Herzen. Es ist Trauern besser, denn Sachen; denn durch Trauern wird das Herz gebeffert. 25. Sonntag nach Trinitatis. 177 Das Herz der Weisen ist im Klaghause, und das Herz der Narren im Hause der Freuden. Es ist besser hören das Schelten des Weisen, denn hören den Gesang der Narren. Denn das Lachen des Narren ist wie das Krachen der Dornen unter den Töpfen; und das ist auch eitel. Ein Widerspenstiger macht einen Weisen unwillig, und verderbt ein mildes Herz. Das Ende eines Dinges ift beffer, denn sein Anfang. Ein geduldiger Geist ist besser, denn ein hoher Geist. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Tim. 3, 1-13.( Alle, die gottselig leben wollen in Christo, müssen Verfolgung leiden.) Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen sein, die von sich selbst halten, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, störrig, unversöhnlich, Schänder, unkeusch, wild, ungütig, Verräter, Freveler, aufgeblasen, die mehr lieben Wollust, denn Gott, die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen fie. Und solche meide. Aus denselbigen sind, die hin und her in die Häuser schleichen, und führen die Weiblein gefangen, die mit Sünden beladen sind, und mit mancherlei Büsten fahren, lernen immerdar, und können nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Gleicher Weise aber, wie Jannes und Jambres Mosi widerstunden, also widerstehen auch diese der Wahrheit; es sind Menschen von zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben. Aber fie werdens die Länge nicht treiben; denn ihre Thorheit wird offenbar werden jedermann, gleichwie auch jener war. Du aber haft erfahren meine Lehre, meine Weise, meine Meinung, meinen Glauben, meine Langmut, meine Liebe, meine Geduld, meine Verfolgung, meine Leiden, welche mir widerfahren sind zu Antiochien, zu Iconien, zu Lystra, welche Verfolgung ich da ertrug; und aus allen hat mich der HErr erlöset. Und alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden. Mit den bösen Menschen aber und verführerischen wirds je länger je ärger, verführen und werden verführet. 25. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 1. Theff. 4, 13-18.( Gott wird, die da entschlafen sind, durch Jesum mit ihm führen.) Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid, wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist; also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des HErrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des HErrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der HErr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hiernieder kommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem HErrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem HErrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangelium. Matth. 24, 15-28.( Ich habe es euch zuvor gesagt.) Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehet an der heiligen Stätte( wer das lieset, der merke darauf); alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus 12 178 25. Sonntag nach Trinitatis. seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um. seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann ein groß Trübsal sein, als nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig, aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hie ist Christus, oder da, so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrtum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten Siehe, ich habs euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, fo gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer, so glaubt nicht. Denn gleich wie der Blik ausgehet vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang; also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Wo aber ein Aas ist. da sammeln sich die Adler. Epistolische Lektion. 1. Joh. 2, 12-29.( Wer den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit.) Lieben Kindlein, ich schreibe euch, daß euch die Sünden vergeben werden durch seinen Namen. Ich schreibe euch Vätern; denn ihr kennet den, der von Anfang ist. Ich schreibe euch Jünglingen; denn ihr habt den Bösewicht überwunden. Ich schreibe euch Kindern; denn ihr kennet den Vater. Ich habe euch Vätern geschrieben, daß ihr den kennet, der von Anfang ist. Ich habe euch Jünglingen geschrieben, daß ihr stark seid, und das Wort Gottes bei euch bleibet, und den Bösewicht überwunden habt. Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist( nämlich des Fleisches Lust, und der Augen Luft, und hoffärtiges Leben), ist nicht vom Bater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Luft; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit. Kinder, es ist die letzte Stunde; und wie ihr gehöret habt, daß der Widerchrist kommt, und nun sind viel Widerchristen worden; daher erkennen wir, daß die letzte Stunde ist. Sie sind von uns ausgegangen; aber sie waren nicht von uns. Denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber auf daß sie offenbar würden, daß sie nicht alle von uns sind. Und ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und wisset alles. Ich hab euch nicht geschrieben, als wüßtet ihr die Wahrheit nicht; sondern ihr wisset Wer ist ein fie, und wisset, daß keine Lüge aus der Wahrheit kommt. Lügner, ohne der da leugnet, daß Jesus der Christ sei? Das ist der Widerchrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Was ihr nun gehöret habt von Anfang, das bleibe bei euch So bei euch bleibet, was ihr von Anfang gehöret habt; so werdet ihr auch bei dem Sohn und Vater bleiben. Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat, das ewige Leben. Solches hab ich euch geschrieben von denen, die euch verführen. Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibet bei euch, und dürfet nicht, daß euch jemand Lehre, sondern wie euch die Salbung allerlei lehret, so ists wahr und ist keine Lüge; und wie sie euch gelehret hat, so bleibet bei demselbigen. Und nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wenn er offenbaret wird, daß wir Freudigkeit haben, und nicht zu schanden werden vor ihm in seiner Zu funft. So ihr wisset, daß er gerecht ist, so erkennet auch, daß, wer recht thut, der ist von ihm geboren. 25. Sonntag nach Trinitatis. 179 Evangelische Lektion. Matth. 10, 16-28.( Wer bis an das Ende beharret, der wird selig.) Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid flug wie die Schlangen, und ohne Falsch wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen, denn sie werden euch überantworten vor ihre Rathhäuser und werden euch geißeln in ihren Schulen. Und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen, zum Zeugnis über sie und über die Heiden. Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet. Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten, und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider ihre Eltern und ihnen zum Tode helfen. Und müsset gehaffet werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharret, der wird selig. Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so fliehet in eine andere. Wahrlich, ich sage euch, ihr werdet die Städte Israels nicht ausrichten, bis des Menschen Sohn kommt. Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen; wieviel mehr werden sie seine Hausgenossen also heißen? Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was ihr höret in das Ohr, das prediget auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Beib töten und die Seele nicht mögen töten. Fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 39.( Wie gar nichts find alle Menschen.) Ich habe mir vorgesetzt, ich will mich hüten, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge. Ich will meinen Mund zäumen, weil ich muß den Gottlosen so vor mir sehen. Ich bin verstummet und still, und schweige der Freuden, und muß mein Leid in mich fressen. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe, und wenn ich dran gedenke, werde ich entzündet; ich rede mit meiner Zunge. Aber, HErr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sela. Sie gehen daher wie ein Schemen, und machen ihnen viel vergeblicher Unruhe; sie sammeln, und wissen nicht, wer es kriegen wird. Nun, HErr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Errette mich von aller meiner Sünde, und laß mich nicht den Narren ein Spott werden. Ich will schweigen, und meinen Mund nicht aufthun; du wirsts wohl machen. Wende deine Plage von mir; denn ich bin verschmachtet von der Strafe deiner Hand. Wenn du einen züchtigest um der Sünde willen, so wird seine Schöne verzehret, wie von Motten. Ach, wie gar nichts sind doch alle Menschen! Sela. Höre mein Gebet, HErr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meinen Thränen; denn ich bin beide dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter. Laß ab von mir, daß ich mich erquicke, ehe denn ich hinfahre, und nicht mehr hie sei. 12* 180 26. Sonntag nach Trinitatis Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Theff. 2, 1-17.( Gott wird ihnen träftige Irrtümer senden.) Aber der Zukunft halben unsers HErrn Jesu Christi und unserer Bersammlung zu ihm bitten wir euch, lieben Brüder, daß ihr euch nicht bald bewegen lasset von eurem Sinn, noch erschrecken, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Briefe, als von uns gesandt, daß der Tag Christi vorhanden sei. Basset euch niemand verführen in keinerlei Weise. Denn er kommt nicht, es sei denn, daß zuvor der Abfall komme und offenbaret werde der Mensch der Sünde, und das Kind des Verderbens; der da ist ein Widerwärtiger, und sich überhebet über alles, das Gott oder Gottesdienst heißet, also daß er sich setzt in den Tempel Gottes, als ein Gott, und giebt sich vor, er sei Gott. Gedenket ihr nicht daran, daß ich euch solches sagte, da ich noch bei euch war? Und was es noch aufhält, wisset ihr, daß er offenbaret werde zu seiner Zeit. Denn es reget sich schon bereits die Bosheit heimlich, ohne daß, der es jetzt aufhält, muß hinweg gethan werden. Und alsdann wird der Boshaftige offenbaret werden, welchen der HErr umbringen wird mit dem Geist seines Mundes, und wird sein ein Ende machen durch die Erscheinung seiner Zukunft, des, welches Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans, mit allerlei lügenhaften Kräften, und Zeichen und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, dafür daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß fie selig würden. Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß fie glauben der Lüge; auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit. Wir aber sollen Gott danken allezeit um euch, geliebte Brüder von dem HErrn, daß euch Gott erwählet hat von Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung des Geistes, und im Glauben der Wahrheit, darein er euch berufen hat durch unser Evangelium, zum herrlichen Eigentum unsers HErrn Jesu Christi. So stehet nun, lieben Brüder, und haltet an den Satzungen, die ihr gelehret seid, es sei durch unser Wort oder Epistel. Er aber, unser HErr Jesus Christus, und Gott und unser Vater, der uns hat geliebet, und gegeben einen ewigen Trost, und eine gute Hoffnung, durch Gnade, der ermahne eure Herzen, und stärke euch in allerlei Lehre und gutem Werk. 26. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 2. Theff. 1, 3-10.( Er wird herrlich erscheinen mit seinen Heiligen.) Wir sollen Gott danken allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegen einander; also daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von eurer Geduld und Glauben in allen euren Verfolgungen und Trübfalen, die ihr duldet; welches anzeiget, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reich Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübfal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der HErr Jesus wird offenbart werden vom Himmel, samt den Engeln seiner Kraft, und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers HErrn Jesu Christi; welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesichte des HErrn, und von seiner herrlichen Macht; wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wunderbar mit allen Gläubigen. habt ihr geglaubet. 26. Sonntag nach Trinitatis. 181 Denn unser Zeugnis an euch von demselbigen Tage Evangelium. Matth. 25,31-46.( Vor ihm werden versammelt werden alle Völker.) Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er siken auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nacket gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: HErr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset? oder durstig und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherberget? oder nacket und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank und gefangen gesehen, und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nacket gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: HErr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nacket, oder frank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben. Epistolische Sektion. Jac. 5, 7-20.( Seid geduldig bis auf die Zukunft des HErrn.) So seid nun geduldig, lieben Brüder, bis auf die Zukunft des HErrn. Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und ist geduldig darüber, bis daß er empfahe den Morgenregen und Abendregen. Seid ihr auch geduldig, und stärket eure Herzen; denn die Zukunft des HErrn ist nahe. Seufzet nicht wider einander, lieben Brüder, auf daß ihr nicht verdammet werdet. Siehe, der Richter ist vor der Thür. Nehmet, meine lieben Brüder, zum Erempel des Leidens und der Geduld die Propheten, die zu cuch geredet haben in dem Namen des HErrn. Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Die Geduld Hiobs habt ihr gehöret, und das Ende des HErrn habt ihr gesehen; denn der HErr ist barmherzig und ein Erbarmer. Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwöret nicht, weder bei dem Himmel, noch bei der Erde, noch mit keinem andern Eide. Es sei aber euer Wort: Ja, das ja ist; und: Nein, das nein ist, auf daß ihr nicht in Heuchelei fallet. Beidet jemand unter euch, der bete; ist jemand gutes Muts, der finge Psalmen. Ist jemand trant, der rufe zu sich die Ältesten der 182 26. Sonntag nach Trinitatis. Gemeine, und lasse sie über sich beten, und falben mit Öl in dem Namen des HErrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der HErr wird ihn aufrichten; und so er hat Sünden gethan, werden sie ihm vergeben sein. Bekenne einer dem andern seine Sünden, und betet für einander, daß ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elias war ein Mensch, gleichwie wir; und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte; und es regnete nicht auf Erden drei Jahr und sechs Monden. Und er betete abermal, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Lieben Brüder, so jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und jemand bekehrete ihn, der soll wissen, daß, wer den Sünder bekehret hat von dem Irrtum seines Weges, der hat einer Seele vom Tode geholfen, und wird bedecken die Menge der Sünden. Evangelische Lektion. Luc. 19, 11-27.( Die anvertrauten Centner.) Da fie nun zuhöreten, sagte er weiter ein Gleichnis, darum daß er nahe bei Jerusalem war, und sie meineten, das Reich Gottes sollte alsbald offenbart werden; und sprach: Ein Edler zog fern in ein Band, daß er ein Reich einnähme und dann wiederkäme. Dieser forderte zehn seiner Knechte, und gab ihnen zehn Pfund, und sprach zu ihnen: Handelt, bis daß ich wiederkomme. Seine Bürger aber waren ihm feind, und schickten Botschaft nach ihm, und ließen ihm sagen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche. Und es begab sich, da er wiederkam, nachdem er das Reich eingenommen hatte, ließ er dieselbigen Knechte fordern, welchen er das Geld gegeben hatte, daß er wüßte, was ein jeglicher gehandelt hätte. Da trat herzu der erste und sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund erworben. Und er sprach zu ihm: Ei du frommer Knecht, dieweil du bist im geringsten treu gewesen, sollst du Macht haben über zehn Städte. Der andere kam auch und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund getragen. Zu dem sprach er auch: Und du sollst sein über fünf Städte. Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe da, hie ist dein Pfund, welches ich habe im Schweißtuch behalten; ich fürchtete mich vor dir, denn du bist ein harter Mann; du nimmst, das du nicht gelegt hast, und erntest, das du nicht gesäet hast. Er sprach zu ihm: Aus deinem Munde richte ich dich, du Schalk. Wußtest du, daß ich ein harter Mann bin, nehme, das ich nicht gelegt habe, und ernte, das ich nicht gesäet habe; warum hast du denn mein Geld nicht in die Wechselbank gegeben? und wenn ich kommen wäre, hätte ichs mit Wucher erfordert. Und er sprach zu denen, die dabei stunden: Nehmet das Pfund von ihm, und gebets dem, der zehn Pfund hat. Und sie sprachen zu ihm: Herr, hat er doch zehn Pfund. Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, das er hat. Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über fie herrschen sollte, bringet her, und erwürget sie vor mir. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Maleachi 3, 13-18.( 3hr sollt sehen, was für ein Unterschied sei zwischen Gerechten und Gottlosen.) Ihr redet hart wider mich, spricht der HErr. So sprechet ihr: Was reden wir wider dich? Damit, daß ihr saget: Es ist umsonst, daß man Gott dienet; und was nütt es, daß wir sein Gebot halten, und hart Beben vor dem HErrn Zebaoth führen? Darum preisen wir die Verächter; denn die Gottlosen nehmen zu, sie versuchen Gott, und gehet ihnen alles wohl hinaus. Aber die Gottesfürchtigen trösten sich unter einander also: Der 27. Sonntag nach Trinitatis. HErr merket es und hört es; und ist vor ihm ein Denkzettel, geschrieben für die, so den HErrn fürchten, und an seinen Namen gedenken. Sie sollen, spricht der HErr Zebaoth, des Tages, den ich machen will, mein Eigentum sein; und ich will ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schonet, der ihm dienet. Und ihr sollt dagegen wiederum sehen, was für ein Unterschied sei zwischen dem Gerechten und Gottlofen, und zwischen dem, der Gott dienet, und dem, der ihm nicht dienet. 183 Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Cor. 9, 6-15.( Wer da jäet in Segen, der wird auch ernten im Segen.) Ich meine aber das: Wer da kärglich säet, der wird auch färglich ernten; und wer da fäet im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen, oder aus 3wang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, daß allerlei Gnade unter euch reichlich sei, daß ihr in allen Dingen volle Genüge habet, und reich seid zu allerlei guten Werken. Wie geschrieben stehet: Er hat ausgestreuet und gegeben den Armen; seine Gerechtigkeit bleibet in Ewigkeit. Der aber Samen reichet dem Säemann, der wird ja auch das Brot reichen zur Speise, und wird vermehren euren Samen, und wachsen lassen das Gewächse eurer Gerechtigkeit; daß ihr reich seid in allen Dingen mit aller Einfältigkeit, welche wirket durch uns Danksagung Gotte. Denn die Handreichung dieser Steuer erfüllet nicht allein den Mangel der Heiligen, sondern ist auch überschwenglich darinnen, daß viele Gott danken für diesen unsern treuen Dienst, und preisen Gott über eurem unterthänigen Bekenntnis des Evangelii Chrifti, und über eurer einfältigen Steuer an sie und an alle, und über ihrem Gebet für euch, welche verlanget nach euch, um der überschwenglichen Gnade Gottes willen in euch Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe. 27. Sonntag nach Trinitatis. Vormittags. Epistel. 2. Petri 3, 3-14.( Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde.) Und wisset das aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln, und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es am Anfang der Kreatur gewesen ist. Aber Mutwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort; dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sindflut verderbet. Also auch der Himmel jezund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammnis der gottlosen Menschen. Eines aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß Ein Tag vor dem HErrn ist wie tausend Jahr, und tausend Jahr wie Ein Tag. Der HErr verzeucht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des HErrn Tag kommen, als ein Dieb in der Nacht; in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die drinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet, und eilet zu der Zukunft des Tages des HErrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels, 184 27. Sonntag nach Trinitatis. und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet; so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Evangelium. Matth. 25, 1-13( Siehe der Bräutigam kommt.) Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug. Die thörichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen. Da stunden die Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öle; denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen, und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Thür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thu uns auf. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Epistolische Lektion. Offenb Joh. 21, 1-8.( Das neue Jerusalem.) Und ich sahe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sahe die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und hörete eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunn des lebendigen Wassers umſonst. Wer überwindet, der wirds alles ererben; und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Den Verzagten aber und Ungläubigen und Greulichen und Totschlägern und Hurern und Zauberern und Abgöttischen und allen Lügnern, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet; welches ist der andere Tod. Evangelische Lektion. Luc. 12, 35-46.( Saffet eure Lichter brennen.) Laffet eure Lenden umgürtet sein, und eure Richter brennen; und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald aufthun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch, er wird sich aufschürzen, und wird sie zu Tisch setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen. Und so er kommt in der andern Wache, und in der dritten Wache, und wirds also finden, selig find diese Knechte. Das sollt ihr aber wissen, wenn ein Hausherr wüßte, zu 27. Sonntag nach Trinitatis. 185 welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr nicht meinet. Petrus aber sprach zu ihm: HErr, fagest du dies Gleichnis zu uns, oder auch zu allen? Der HErr aber sprach: Wie ein groß Ding ists um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gefinde, daß er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe? Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also thun, wenn er kommt. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter jetzen. So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzeucht zu kommen; und fähet an, zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen: so wird desselben Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sichs nicht versiehet, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern, und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jef.65, 12-19.( Verwerfung und Erwählung.) Wohlan, ich will euch zählen zum Schwert, daß ihr euch alle bücken müsset zur Schlacht, darum, daß ich rief, und ihr antwortetet nicht, daß ich redete, und ihr höretet nicht; sondern thatet, was mir übel gefiel, und erwähletet, das mir nicht gefiel. Darum spricht der HErr HErr also. Siehe, meine Knechte sollen effen, ihr aber sollt hungern; siehe, meine Knechte sollen trinken, ihr aber sollt dürften; siehe, meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt zu schanden werden; siehe, meine Knechte sollen vor gutem Mut jauchzen, ihr aber sollt vor Herzeleid schreien und vor Jammer Heulen, und sollt euren Namen lassen meinen Auserwählten zum Schwur; und der HErr HErr wird dich töten, und seine Knechte mit einem andern Namen nennen; daß, welcher sich segnen wird auf Erden, der wird sich in dem rechten Gott segnen; und welcher schwören wird auf Erden, der wird bei dem rechten Gott schwören; denn der vorigen Angst ist vergessen, und sind von meinen Augen verborgen. Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen: daß man der vorigen nicht mehr gedenken wird, noch zu Herzen nehmen. Sondern sie werden sich ewiglich freuen und fröhlich sein über dem, das ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem schaffen zur Wonne, und ihr Volk zur Freude. Und ich will fröhlich sein über Jerusalem, und mich freuen über mein Volk; und soll nicht mehr drinnen gehöret werden die Stimme des Weinens, noch die Stimme des Klagens. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Tim. 4, 1-8.( Ich habe einen guten Kampf gekämpft.) So bezeuge ich nun vor Gott und dem HErrn Jesu Christo, der da zukünftig ist, zu richten die Lebendigen und die Toten, mit seiner Erscheinung und mit seinem Reich: Predige das Wort, halt an, es sei zu rechter Zeit, oder zur Unzeit; strafe, dräue, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden, sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie ihnen selbst Behrer aufladen, nachdem ihnen die Ohren jücken; und werden die Ohren von der Wahrheit wenden, und sich zu den Fabeln kehren. Du aber sei nüchtern allenthalben, leide dich, thu das Werk eines evangelischen Predigers, richte dein Amt redlich aus. Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe den Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir 186 Fcft der Darstellung Jesu im Tempel. beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Fest der Darstellung Jesu im Tempel. Vormittags. Epistel. Maleachi 3, 1-5.( Bald wird kommen zu seinem Tempel der HErr, den ihr suchet.) Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der HErr. den ihr suchet, und der Engel des Bundes, des ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der HErr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmieds, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen, und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber. Dann werden sie dem HErrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit; und wird dem HErrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalems, wie vorhin und vor langen Jahren. Und ich will zu euch kommen und euch strafen, und ein schneller Zeuge sein wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen, und wider die, jo Gewalt und Unrecht thun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen, und den Fremdling drücken, und mich nicht fürchten, spricht der HErr Zebaoth. Evangelium. Luc. 2, 22--40.( Dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel.) Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mosis famen, brachten sie ihn gen Jerusalem, daß sie ihn darstelleten dem HErrn;( wie denn geschrieben stehet in dem Gesetz des HErrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem HErrn geheiliget heißen) und daß sie gäben das Opfer, nachdem gesagt ist im Gesetz des HErrn, ein Paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort worden von dem Heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des HErrn gesehen. Und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Geset; da nahm er ihn auf seine Arme, und Lobete Gott, und sprach: HErr, nun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel. Und sein Vater und Mutter wunderten sich des, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird, ( und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen) auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Asser; die war wohl betaget, und hatte gelebt sieben Jahr mit ihrem Manne, nach ihrer Jungfrauschaft; und war nun eine Witwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch Fest der Darstellung Jesu im Tempel. 187 hinzu zu derselbigen Stunde, und preisete den HErrn, und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des HErrn, kehrten sie wieder in Galiläam zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit; und Gottes Gnade war bei ihm. Epistolische Lektion. 1. Joh. 1, 1-10.( Das Leben ist erschienen.) Das da von Anfang war, das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschauet haben, und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens,( und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen, und zeugen, und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater, und ist uns erschienen;) was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet, und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohn, Jesu Christo. Und solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei. Und das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehöret haben, und euch verkündigen, daß Gott ein Licht ist, und in ihm ist keine Finsternis. So wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis; so lügen wir, und thun nicht die Wahrheit. So wir aber im Bicht wandeln, wie er im Licht ist; so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohns, macht uns rein von aller Sünde. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergiebt und reiniget uns von aller Untugend. So wir sagen, wir haben nicht gesündiget, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Evangelische Lektion. Matth. 21, 33-45.( Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen.) Höret ein ander Gleichnis: Es war ein Hausvater, der pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum, und grub eine Kelter darinnen, und baute einen Turm, und that ihn den Weingärtnern aus und zog über Land. Da nun herbeikam die Zeit der Früchte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, daß sie seine Früchte empfingen. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen stäupten sie, den andern töteten fie, den dritten steinigten sie. Abermal fandte er andere Knechte, mehr denn der ersten waren; und sie thaten ihnen gleich also. Darnach sandte er seinen Sohn zu ihnen, und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen fie unter einander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten, und sein Erbgut an uns bringen. Und sie nahmen ihn, und stießen ihn zum Weinberge hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern thun? Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel umbringen und seinen Weinberg andern Weingärtnern austhun, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben. Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein worden. Von dem HErrn ist das geschehen, und es ist wunderbarlich vor unsern Augen? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und den Heiden gegeben werden, die seine Früchte bringen. Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf welchen aber er fällt, den wird er zermalmen. Und da die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse höreten, vernahmen fie, daß er von ihnen redete. 188 Fest Johannis des Täufers. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Jesaias 2, 2-5.( Von Zion geht das Gesetz aus und das Wort des HErrn von Jerusalem.) Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HErrn Haus ist, gewiß sein, höher denn alle Berge, und über alle Hügel erhaben werden; und werden alle Heiden dazu laufen, und viel Völker hingehen, und sagen: Kommt, laßt uns auf den Berg des HErrn gehen, zum Hause des Gottes Jakob, daß er uns lehre seine Wege, und wir wandeln auf seinen Steigen. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und des HErrn Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Heiden, und strafen viel Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen, und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben, und werden fort nicht mehr kriegen lernen. Kommet ihr nun vom Hause Jakob, laßt uns wandeln im Licht des HErrn. Sektion aus dem Neuen Testamente. 1. Joh. 2, 7-11.( Das wahre Licht scheinet jett.) Brüder, ich schreibe euch nicht ein neu Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr habt von Anfang gehabt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr von Anfang gehöret habt. Wiederum ein neu Gebot schreibe ich euch, das da wahrhaftig ist bei ihm und bei euch; denn die Finsternis ist vergangen, und das wahre Licht scheinet jetzt. Wer da sagt, er sei im Licht, und haffet seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebet, der bleibet im Licht, und ist kein Ärgernis bei ihm. Wer aber seinen Bruder hasset, der ist in der Finsternis, und wandelt in der Finsternis, und weiß nicht, wo er hingehet; denn die Finsternisse haben seine Augen verblendet. Fest Johannis des Täufers. Vormittags. Epistel. Jes. 40, 1-8.( Eine Stimme eines Predigers in der Wüste.) Tröstet, tröstet, mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat 3wiefältiges empfangen von der Hand des HErrn um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HErrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden; denn die Herrlichkeit des HErrn soll offenbaret werden; und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des HErrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; denn des HErrn Geist bläset drein. Ja, das Volk ist das Heu. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber das Wort unsers Gottes bleibet ewiglich. Evangelium. Luc. 1, 57-80.( Du Kindlein wirft vor dem HErrn hergehen.) Und Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundten höreten, daß der HErr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich, am achten Tage kamen sie, zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn, nach seinem Vater, Zacharias. Aber seine Mutter antwortete Fest Johannis des Täufers. 189 und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein Täflein, schrieb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald ward sein Mund und seine 3unge aufgethan, und redete und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und diese Geschichte ward alle ruchtbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es höreten, nahmens zu Herzen und sprachen: Was, meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des HErrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des Heiligen Geistes voll, weisfagete, und sprach: Gelobet sei der HErr, der Gott IJsraels; denn er hat besucht und erlöset sein Volk; und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David; als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten: Daß er uns errettete von unsern Feinden, und von der Hand aller, die uns haffen, und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund, und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem HErrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest, und Erkenntnis des Heils gebeft seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da siten in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs, und ward stark im Geist; und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Epistolische Lektion. Jef. 40, 9-31.( Siehe, da ist euer Gott.) Bion, du Predigerin, steig auf einen hohen Berg. Jerusalem, du Predigerin, hebe deine Stimme auf mit Macht, heb auf, und fürchte dich nicht; sage den Städten Juda: Siehe, da ist euer Gott. Denn siehe, der HErr HErr kommt gewaltiglich; und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Sohn ist bei ihm, und seine Bergeltung ist vor ihm. Er wird seine Herde weiden, wie ein Hirte; er wird die Lämmer in seine Arme sammeln, und in seinem Busen tragen, und die Schafmütter führen. Wer misset die Wasser mit der Faust, und fasset den Himmel mit der Spanne, und begreift die Erde mit einem Dreiling, und wieget die Berge mit einem Gewicht, und die Hügel mit einer Wage? Wer unterrichtet den Geist des HErrn, und welcher Ratge unterweiset ihn? Wen fragt er um Rat, der ihm Verstand gebe, und Lehre ihn den Weg des Rechts, und lehre ihn die Erkenntnis, und unterweise ihn den Weg des Verstandes? Siehe, die Heiden sind geachtet wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, und wie ein Scherflein, so in der Wage bleibet. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein. Der Libanon wäre zu geringe zum Feuer, und seine Tiere zu geringe zum Brandopfer. Alle Heiden sind vor ihm nichts, und wie ein Nichtiges und Eiteles geachtet. Wem wollt ihr denn Gott nachbilden? Oder was für ein Gleichnis wollt ihr ihm zurichten? Der Meister geußt wohl ein Bild, und der Goldschmied übergüldet es und macht silberne Ketten dran. Desgleichen wer eine arme Hebe vermag, der wählet ein Holz, das nicht fault; und sucht einen klugen Meister dazu, der ein Bild fertige, das beständig sei. Wisset ihr nicht? Höret ihr nicht? Ifts euch nicht vormals verkündiget? Habt ihrs nicht verstanden von Anbeginn 190 Fest Johannis des Täufers. der Erde? Er sitzt über dem Kreis der Erde; und die drauf wohnen, sind wie Heuschrecken. Der den Himmel ausdehnet wie ein dünn Fell, und breitet fie aus wie eine Hütte, da man innen wohnet; der die Fürsten zunichte macht, und die Richter auf Erden eitel macht, als hätte ihr Stamm weder Pflanzen noch Samen noch Wurzel in der Erde, daß sie, wo ein Wind unter sie wehet, verdorren, und sie ein Windwirbel wie Stoppeln wegführet. Wem wollt ihr denn mich nachbilden, dem ich gleich sei? spricht der Heilige. Hebet eure Augen in die Höhe, und sehet. Wer hat solche Dinge geschaffen, und führet ihr Heer bei der Zahl heraus? Der sie alle mit Namen rufet; sein Vermögen und starke Kraft ist so groß, daß nicht an Einem fehlen kann. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagest: Mein Weg ist dem HErrn verborgen, und mein Recht gehet vor meinem Gott über? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HErr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen. Aber die auf den HErrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß fie laufen, und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. Evangelische Lektion. Marci 6, 17-29.( Johannis Enthauptung.) Er aber, Herodes, hatte ausgesandt, und Johannem gegriffen und ins Gefängnis gelegt, um Herodias willen, seines Bruders Philippi Weib; denn er hatte sie gefreiet. Johannes aber sprach zu Herode: Es ist nicht recht, daß du deines Bruders Weib habest. Herodias aber stellete ihm nach, und wollte ihn töten, und konnte nicht. Herodes aber fürchtete Johannem; denn er mußte, daß er ein frommer und heiliger Mann war; und verwahrete ihn, und gehorchte ihm in vielen Sachen, und hörete ihn gerne. Und es kam ein gelegener Tag, daß Herodes auf seinen Jahrestag ein Abendmahl gab den Obersten und Hauptleuten und Vornehmsten in Galiläa. Da traf hinein die Tochter der Herodias und tanzete, und gefiel wohl dem Herodi und denen, die am Tisch saßen. Da sprach der König zum Mägdlein: Bitte von mir, was du willst, ich will dirs geben. Und schwur ihr einen Eid: Was du wirst von mir bitten, will ich dir geben, bis an die Hälfte meines Königreichs. Sie ging hinaus, und sprach zu ihrer Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannis, des Täufers. Und sie ging bald hinein mit Eile zum Könige, bat und sprach: Ich will, daß du mir gebeft jetzt fobald auf einer Schüssel das Haupt Johannis des Täufers. Der König ward betrübt; doch um des Eides willen und derer, die am Tische saßen, wollte er sie nicht lassen eine Fehlbitte thun. Und bald schickte hin der König den Henker, und hieß sein Haupt herbringen. Der ging hin, und enthauptete ihn im Gefängnis. Und trug her sein Haupt auf einer Schüssel, und gabs dem Mägdlein, und das Mägdlein gabs ihrer Mutter. Und da das seine Jünger höreten, kamen sie und nahmen seinen Beib, und legten ihn in ein Grab. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Maleachi 4, 4-6.( Ich will euch senden den Propheten Elia.) Gedenket des Gesetzes Mose, meines Knechts, das ich ihm befohlen habe, auf dem Berge Horeb an das ganze Israel, samt den Geboten und Rechten. Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des HErrn. Der soll das Herz der Väter bekehren Fest der Heimsuchung Maria. 191 zu den Kindern, und das Herz der Kinder zu ihren Vätern; daß ich nicht kommie, und das Erdreich mit dem Bann schlage. Lektion aus dem Neuen Testamente. 1. Cor. 6, 9-20.( Preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste.) Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht ererben? Baffet euch nicht verführen: weder die Hurer, noch die Abgöttischen, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Knabenschänder, noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Lästerer, noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind euer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden durch den Namen des HErrn Jesu, und durch den Geist unsers Gottes. Ich hab es alles Macht; es frommet aber nicht alles. Ich hab es alles Macht; es soll mich aber nichts gefangen nehmen. Die Speise dem Bauche, und der Bauch der Speise; aber Gott wird diesen und jene hinrichten. Der Beib aber nicht der Hurerei, sondern dem HErrn, und der HErr dem Leibe. Gott aber hat den HErrn auferwecket, und wird uns auch auferwecken durch seine Kraft. Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Christi Glieder find? Soll ich nun die Glieder Christi nehmen, und Hurenglieder draus machen? Das sei ferne! Oder wisset ihr nicht, daß, wer an der Hure hanget, der ist Ein Beib mit ihr? Denn sie werden( spricht er) zwei in Einem Fleische sein. Wer aber dem HErrn anhanget, der ist Ein Geist mit ihm. Fliehet die Hurerei. Alle Sünden, die der Mensch thut, sind außer seinem Leibe; wer aber huret, der fündiget an seinem eigenen Leibe. Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst? Denn ihr seid teuer erkauft. Darum so preiset Gott an eurem Zeibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes. Fest der Heimsuchung Mariä. Vormittags. Epistel. Jes. 11, 1-5.( Es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isai.) Und es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isai, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen; auf welchem wird ruhen der Geist des HErrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HErrn. Und sein Riechen wird sein in der Furcht des HErrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch strafen, nach dem seine Ohren hören; sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen, und mit Gericht strafen die Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen, und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und der Glaube der Gurt seiner Nieren. Evangelium. Luc. 1, 39-56.( Selig bist du, die du geglaubt haft.) Maria aber stund auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich zu der Stadt Judä, und kam in das Haus Zacharias, und grüßete Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörete, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des Heiligen Geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines HErrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Beibe. Und o selig bist du, die du geglaubet haft; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem HErrn. Und Maria sprach Meine Seele erhebet den HErrn, 192 Fest der Heimsuchung Maria. und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern, und läßt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf; wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monden, darnach kehrete sie wiederum heim. Epistolische Lektion. Psalm 145.( Mein Mund soll des HErrn Lob sagen.) Ich will dich erhöhen, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben, und deinen Namen rühmen immer und ewiglich. Der HErr ist groß und sehr löblich, und seine Größe ist unaussprechlich. Kindskinder werden deine Werke preisen, und von deiner Gewalt sagen. Ich will reden von deiner herrlichen schönen Pracht, und von deinen Wundern; daß man solle reden von deinen herrlichen Thaten, und daß man erzähle deine Herrlichkeit; daß man preise deine große Güte, und deine Gerechtigkeit rühme. Gnädig und barmherzig ist der HErr, geduldig und von großer Güte. Der HErr ist allen gütig, und erbarmet sich aller seiner Werke. Es sollen dir danken, HErr, alle deine Werke, und deine Heiligen dich loben, und die Ehre deines Königreichs rühmen, und von deiner Gewalt reden, daß den Menschenkindern deine Gewalt fund werde, und die ehrliche Pracht deines Königreichs. Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. Der HErr erhält alle, die da fallen, und richtet auf alle, die niedergeschlagen sind. Aller Augen warten auf dich; und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust deine Hand auf, und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Der HErr ist gerecht in allen seinen Wegen, und heilig in allen seinen Werken. Der HErr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien, und hilft ihnen. Der HErr behütet alle, die ihn lieben; und wird vertilgen alle Gottlosen. Mein Mund soll des HErrn Lob sagen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich. Evangelische Lektion. Matth. 12, 46-50.( Wer den Willen thut meines Vaters im Himmel, derselbige ist mein Bruder, Schwester und Mutter.) Da er noch also zu dem Volk redete, siehe, da stunden seine Mutter und feine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen, und wollen mit dir reden. Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter? und wer sind meine Brüder? Und reckte die Hand aus. über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen thut meines Vaters im Himmel, derselbe ist mein Bruder, Schwester und Mutter. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 89, 2-22.( Ich habe David, meinem Knecht, geschworen.) Ich will fingen von der Gnade des HErrn ewiglich, und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für, und sage also: Daß eine Fest der Engel oder Michaelis. 193 ewige Gnade wird aufgehen, und du wirst deine Wahrheit treulich halten im Himmel. Ich habe einen Bund gemacht mit meinem Auserwählten, ich habe David, meinem Knechte, geschworen: Ich will dir ewiglich Samen verschaffen, und deinen Stuhl bauen für und für. Sela. Und die Himmel werden, HErr, deine Wunder preisen, und deine Wahrheit in der Gemeine der Heiligen. Denn wer mag in den Wolken dem HErrn gleich gelten, und gleich sein unter den Kindern der Götter dem HErrn? Gott ist faſt mächtig in der Sammlung der Heiligen, und wunderbarlich über alle, die um ihn sind. HErr, Gott Zebaoth, wer ist wie du, ein mächtiger Gott? Und deine Wahrheit ist um dich her. Du herrscheft über das ungestüme Meer; du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben. Du schlägst Rahab zu Tode; du zerstreuest deine Feinde mit deinem starken Arm. Himmel und Erde ist dein; du hast gegründet den Erdboden, und was drinnen ist. Mitternacht und Mittag haft du geschaffen; Thabor und Hermon jauchzen in deinem Namen. Du hast einen gewaltigen Arm; stark ist deine Hand, und hoch ist deine Rechte. Gerechtigkeit und Gericht ist deines Stuhls Festung. Gnade und Wahrheit sind vor deinem Angesichte. Wohl dem Volk, das jauchzen kann. HErr, sie werden im Licht deines Antliges wandeln; fie werden über deinem Namen täglich fröhlich sein, und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein. Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke, und durch deine Gnade wirst du unser Horn erhöhen. Denn der HErr ist unser Schild; und der Heilige in Israel ist unser König. Dazumal redetest du im Gesicht zu deinem Heiligen, und sprachest: Ich habe einen Held erwecket, der helfen soll, ich habe erhöhet einen Auserwählten aus dem Volk; ich hahe funden meinen Knecht David, ich habe ihn gefalbet mit meinem heiligen Öle. Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken. Sektion aus dem Neuen Testamente. 2. Joh. 6-11.( Wer in der Lehre Chrifti bleibet, der hat beide, den Vater und den Sohn.) Und das ist die Liebe, daß wir wandeln nach seinem Gebot. Das ist das Gebot, wie ihr gehöret habt von Anfang, auf daß ihr daselbst innen wandelt. Denn viel Verführer sind in die Welt kommen, die nicht bekennen Jesum Christ, daß er in das Fleisch kommen ist. Dieser ist der Verführer und der Widerchrist. Sehet euch vor, daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Sohn empfahen. Wer übertritt und bleibet nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott; wer in der Lehre Christi bleibet, der hat beide, den Vater und den Sohn. So jemand zu euch kommt, und bringet diese Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hause, und grüßet ihn auch nicht. Denn wer ihn grüßet, der macht sich teilhaftig seiner bösen Werke. Fest der Engel oder Michaelis. Vormittags. Epistel. Psalm 34.( Der Engel des HErrn lagert sich um die her, die ihn fürchten.) Ich will den HErrn loben alle Zeit; sein Rob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HErrn, daß die Elenden hören, und sich freuen. Preiset mit mir den HErrn, und laßt uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den HErrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Furcht. Welche ihn ansehen und anlaufen, deren Angesicht wird nicht zu schanden. Da dieser Elende rief, 13 194 Fest der Engel oder Michaelis. hörete der HErr, und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HErrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HErr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet. Fürchtet den HErrn, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Die Reichen müssen darben und hungern; aber die den HErrn suchen, haben keinen Mangel an irgend einem Gut. Kommt her, Kinder, höret mir zu; ich will euch die Furcht des HErrn lehren. Wer ist, der gut Beben begehrt, und gerne gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, daß sie nicht falsch reden. Laß vom Bösen, und thue Gutes; suche Friede und jage ihm nach. Die Augen des HErrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien; das Antlit aber des HErrn stehet über die, so Böses thun, daß er ihr Gedächtnis ausrotte von der Erde. Wenn die( Gerechten) schreien, so höret der HErr, und errettet fie aus all ihrer Not. Der HErr ist nahe bei denen, die zerbrochenes Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagen Gemüt haben. Der Gerechte muß viel leiden; aber der HErr hilft ihm aus dem allen. Er bewahret ihm alle seine Gebeine, daß deren nicht eins zerbrochen wird. Den Gottlosen wird das Unglück töten; und die den Gerechten hassen, werden Schuld haben. Der HErr erlöset die Seele seiner Knechte; und alle, die auf ihn trauen, werden keine Schuld haben. Evangelium. Matth. 18, 1-11.( Shre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Baters im Himmel.) Bu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: Wer ist doch der Größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete das mitten unter sie, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst niedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget, und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist. Weh der Welt der Ärgernis halben, Es muß ja Ärgernis kommen; doch weh dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus, und wirfs von dir. Es ist dir beffer, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist kommen, selig zu machen, das verloren ist. Epistolische Lektion. Psalm 103.( Lobet den HErrn, ihr seine Engel.) Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Der deinen Mund fröhlich machet, und du wieder jung wirst, wie ein Adler. Der HErr schaffet Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Thun. Fest der Engel oder Michaelis. 195 Barmherzig und gnädig ist der HErr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So ferne der Morgen ist vom Abend, lässet er unsere Übertretung von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Denn er kennet, was für ein Gemächte wir sind; er gedenket daran, daß wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte fennet sie nicht mehr. Die Gnade aber des HErrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürchten; und seine Gerechtigkeit auf Kindskind, bei denen, die seinen Bund halten, und gedenken an seine Gebote, daß fie darnach thun. Der HErr hat seinen Stuhl im Himmel bereitet, und sein Reich herrschet über alles. Lobet den HErrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme seines Worts. Lobet den HErrn, alle seine Heerschaaren, seine Diener, die ihr seinen Willen thut. Lobet den HErrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft. Lobe den HErrn, meine Seele. Evangelische Lektion. Luc. 10, 16-20.( Freuet euch, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.) Wer euch höret, der höret mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. Die Siebenzig aber kamen wieder mit Freuden, und sprachen: HErr, es sind uns auch die Teufel unterthan in deinem Namen. Er sprach aber zu ihnen: Ich sahe wohl den Satanas vom Himmel fallen, als einen Blig. Sehet, ich habe euch macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpionen, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch beschädigen. Doch darin freuet euch nicht, daß euch die Geister unterthan sind; freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Psalm 91.( Er hat seinen Engeln befohlen über dir.) Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HErrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn er errettet mich vom Strick des Jägers, und von der schädlichen Bestilenz. Er wird dich mit seinen Fittigen decken, und deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, daß du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen des Nachts, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die im Mittag verderbet. Ob tausend fallen zu deiner Seite, und zehn tausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen. Ja, du wirst mit deinen Augen deine Lust sehen, und schauen, wie es den Gottlosen vergolten wird. Denn der HErr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übels begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen, und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest. Auf den Löwen und Ottern wirst du gehen, und treten auf den jungen Löwen und Drachen. Er begehrt mein, so will 13* 196 Bußtag um Michaelis. ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen, und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Lektion aus dem Neuen Testamente. Offenb. Joh. 7, 9-17.( Die große Schar vor dem Stuhle Gottes.) Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme, und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt, unserm Gott, und dem Lamm. Und alle Engel stunden um den Stuhl und um die Ältesten und um die vier Tiere, und fielen vor dem Stuhl auf ihr Angesicht, und beteten Gott an, und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Und es antwortete der Ältesten einer und sprach zu mir: Wer sind diese, mit den weißen Kleidern angethan? und woher sind sie kommen? Und ich sprach zu ihm: HErr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese finds, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes, und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Und der auf dem Stuhl figt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne, oder irgend eine Hitze. Denn das Bamm mitten im Stuhl wird sie weiden, und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen; und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen. Bußtag um Michaelis. Vormittags. Epistolische Lektion. Röm. 2, 1-11.( Verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit?) Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du bist, der da richtet; denn worinnen du einen andern richtest, verdammst du dich selbst; fintemal du eben dasselbige thust, das du richtest. Denn wir wissen, daß Gottes Urteil ist recht über die, so solches thun. Denkest du aber, o Mensch, der du richtest die, so solches thun, und thust auch dasselbige, daß du dem Urteil Gottes entrinnen werdest? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißest du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufest dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken; nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; aber denen, die da zänkisch sind, und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade und Zorn; Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun, vornehmlich der Juden, und auch der Griechen; Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die da Gutes thun, vornehmlich den Juden, und auch den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott. Evangelische Lektion. Luc. 15, 11-32.( Der verlorene Sohn.) Und er sprach: Ein Mensch hatte zween Söhne. Und der jüngste unter ihnen sprach zum Vater: Gieb mir, Vater, das Teil der Güter, das mir Bußtag um Michaelis. 197 gehört. und er teilete ihnen das Gut. Und nicht lang darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen, und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun alle das Seine verzehret hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbige ganze Band, und er fing an zu darben. Und ging hin, und hängete sich an einen Bürger desselbigen Landes, der schickte ihn auf seinen Acker, der Säue zu hüten. Und er begehrete, seinen Bauch zu füllen mit Träbern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: wie viel Taglöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger. Ich will mich aufmachen, und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündiget in den Himmel und vor dir, ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich als einen deiner Taglöhner. Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sahe ihn sein Vater, und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küssete ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Bater, ich habe gesündiget in den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und thut ihn an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand, und Schuhe an seine Füße; und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet es; lasset uns essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot, und ist wieder lebendig worden; er war verloren, und ist funden worden. Und fingen an, fröhlich zu sein. Aber der älteste Sohn war auf dem Felde; und als er nahe zum Hause kam, hörete er das Gesänge und den Reigen; und rief zu sich der Knechte einen, und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist kommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gefund wieder hat. Da ward er zornig, und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zum Bater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir, und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn kommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein; denn dieser dein Bruder war tot, und ist wieder lebendig worden; er war verloren, und ist wiederfunden. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Hiob 22, 22-30.( Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du gebauet werden.) Höre das Geset von seinem Munde, und fasse seine Rede in dein Herz. Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du gebauet werden; und Unrecht ferne von deiner Hütte thun, so wirst du für Erde Gold geben, und für die Felsen güldene Bäche; und der Allmächtige wird dein Gold sein, und Silber wird dir zugehäuft werden. Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen, und dein Antlitz zu Gott aufheben. So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören; und wirst deine Gelübde bezahlen. Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Vicht wird auf deinem Wege scheinen. Denn die sich demütigen, die erhöhet er; und wer seine Augen niederschlägt, der wird genesen. Und der Unschuldige wird errettet werden; er wird aber errettet um seiner Hände Reinigkeit willen. 198 Bußtag vor Weihnacht. Lektion aus dem Neuen Testamente. 2. Tim. 3. 14-17.( Die Unterweisung zur Seligteit.) Du aber bleibe in dem, was du gelernet hast und dir vertrauet ist; fintemal du weißest, von wem du gelernet hast. Und weil du von Kind auf die heilige Schrift weißest, kann dich dieselbige unterweisen zur Seligfeit durch den Glauben an Christo Jesu. Denn alle Schrift von Gott eingegeben, ist nüße zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. Bußtag vor Weihnacht. Vormittags. Epiftolische Lektion. Hesek. 11, 14-21.( Sie sollen mein Volt sein, so will ich ihr Gott sein.) Da geschah des HErrn Wort zu mir, und sprach: Du Menschenkind, deine Brüder und nahen Freunde und das ganze Haus Israel, so noch zu Jerusalem wohnen, sprechen wohl unter einander: Jene sind vom HErrn ferne weggeflohen, aber wir haben das Land innen. Darum sprich du: So spricht der HErr HErr: Ja, ich habe sie ferne weg unter die Heiden lassen treiben, und in die Länder zerstreuet; doch will ich bald ihr Heiland sein in den Ländern, dahin sie kommen sind. Darum sprich: So sagt der HErr HErr: Ich will euch sammeln aus den Völkern, und will euch sammeln aus den Ländern, dahin ihr zerstreuet seid; und will euch das Land Israel geben. Da sollen sie kommen, und alle Scheuel und Greuel daraus wegthun. Und will euch ein einträchtig Herz geben, und einen neuen Geist in euch geben; und will das steinerne Herz megnehmen aus eurem Leibe, und ein fleischern Herz geben, auf daß sie in meinen Sitten wandeln, und meine Rechte halten und darnach thun. Und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein. Denen aber, so nach ihres Herzens Scheueln und Greueln wandeln, will ich ihr Thun auf ihren Kopf werfen, spricht der HErr HErr. Evangelische Lektion. Luc. 3, 2-17( Johannes predigt die Taufe der Buße.) Da Hannas und Caiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zacharias Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den Jordan, und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben stehet in dem Buch der Reden Jesaias, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des HErrn, und machet seine Steige richtig! Alle Thale sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedriget werden; und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch geweiset, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, thut rechtschaffene Früchte der Buße, und nehmet euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragete ihn und sprach: Was sollen wir denn thun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zween Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, thue auch also. Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich laufen ließen, Bußtag vor Weihnacht. 199 und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir denn thun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute, und sprachen: Was sollen denn wir thun? Und er sprach zu ihnen: Thut niemand Gewalt noch Unrecht, und lasset euch begnügen an eurem Solde. Als aber das Volk im Wahn war, und dachten alle in ihrem Herzen von Johanne, ob er vielleicht Christus wäre; antwortete Johannes und sprach zu ihnen: Ich taufe euch mit Wasser, es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen feiner Schuhe auflöse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen; in desselbigen Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen, und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen. Nachmittags. Lektion aus dem Alten Testamente. Hosea 11, 1-9.( Mein Volt ist müde sich zu mir zu kehren.) Da Israel jung war, hatte ich ihn lieb, und rief ihm, meinem Sohn, aus Ägypten. Aber wenn man ihnen jetzt ruft, so wenden sie sich davon, und opfern den Baalim, und räuchern den Bildern. Ich nahm Ephraim bei seinen Armen, und leitete ihn; aber sie merktens nicht, wie ich ihnen half. Ich ließ sie ein menschlich Joch ziehen, und in Seilen der Liebe gehen, und half ihnen das Joch an ihrem Halse tragen, und gab ihnen Futter, daß er sich ja nicht wieder sollte in Ägyptenland kehren. So ist nun Assur ihr König worden; denn sie wollen sich nicht bekehren. Darum soll das Schwert über ihre Städte kommen, und soll ihre Riegel aufreiben und fressen, um ihres Vornehmens willen. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren; und wie man ihnen prediget, so richtet sich keiner auf. Was soll ich aus dir machen, Ephraim? Soll ich dich schützen, Israel? Soll ich nicht billig ein Adama aus dir machen, und dich wie Zeboim zurichten? Aber mein Herz ist anderes Sinnes, meine Barmherzigkeit ist zu brünstig, daß ich nicht thun will nach meinem grimmigen Zorn, noch mich kehren, Ephraim gar zu verderben; denn ich bin Gott und nicht ein Mensch, und bin der Heilige unter dir; ich will aber nicht in die Stadt kommen. Lektion aus dem Reuen Testamente. 1. Thess. 2, 10-16.( Daß ihr würdiglich wandelt vor Gott.) Des seid ihr Zeugen, und Gott, wie heilig, und gerecht, und unsträflich wir bei euch, die ihr gläubig waret, gewesen sind. Wie ihr denn wisset, daß wir, als ein Vater seine Kinder, einen jeglichen unter euch ermahnet und getröstet, und bezeuget haben, daß ihr wandeln solltet würdiglich vor Gott, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit. Darum auch wir ohn Unterlaß Gott danken, daß ihr, da ihr empfinget von uns das Wort göttlicher Predigt, nahmet ihrs auf, nicht als Menschenwort, sondern( wie es wahrhaftig ist) als Gottes Wort; welcher auch wirket in euch, die ihr glaubet. Denn ihr seid Nachfolger worden, lieben Brüder, der Gemeinen Gottes in Judäa, in Christo Jesu, daß ihr eben dasselbige erlitten habt von euren Blutsfreunden, das jene von den Juden; welche auch den HErrn Jesum getötet haben und ihre eigenen Propheten, und haben uns verfolget, und gefallen Gott nicht, und sind allen Menschen wider; wehren uns zu sagen den Heiden, damit sie selig würden, auf daß sie ihre Sünden erfüllen allewege; denn der Zorn ist schon endlich über sie kommen. 200 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unsers HErrn und Heilandes Jesu Chrifti, aus den vier Evangelisten zusammengezogen. Erste Abteilung. Das Leiden Jesu am Ölberge. Da Jesus und seine Jünger,( nach dem Genuß des Osterlamms und der Einsegung des heiligen Abendmahls), den Lobgesang gesprochen hatten, ging er hinaus, nach seiner Gewohnheit, über den Bach Kidron, an den Ölberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir, denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, so wollte ich dich nicht verleugnen. Desselbigengleichen sagten auch alle Jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wußte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Seket euch hier, bis daß ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jakobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier, wachet mit mir, und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und knieete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüberginge, und sprach: Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses Kelchs; doch nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon, schläfst du? vermöchtest du nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andern Mal ging er hin, betete und sprach: Mein Vater, ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille. Und er kam, und fand sie abermal schlafen, denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, und ging abermal hin und betete zum dritten Mal und redete dieselbigen Worte. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es tam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stund auf vom Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand fie schlafend vor Traurigkeit, und sprach zu ihnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug. Sehet, die Stunde ist kommen und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände; stehet auf, und lasset uns gehen, siehe der mich verrät, ist nahe. Betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi. 201 Und alsbald, da er noch redete, kam Judas, der 3wölfen einer, da er hatte zu sich genommen die Schar und Diener der Hohenpriester und Pharisäer, der Ältesten und Schriftgelehrten, ging vor ihnen her und kam dahin mit Fackeln, Lampen, mit Schwertern und mit Stangen. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ichs sei; suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast. Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ists, den greifet und führet ihn gewiß. Und alsobald trat er zu Jesu, ihn zu küssen, und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi, und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Juda, verrätest du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: HErr sollen wir mit dem Schwert drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein recht Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. Und zu Petro: Stecke dein Schwert in die Scheide, denn wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Und rührete sein Ohr an und heilete ihn. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Haupiieuten des Tempels und den Ältesten, die über ihn kommen waren: Ihr seid als zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen mich zu fahen; bin ich doch täglich bei euch gewesen und habe gelehret im Tempel, und ihr habet keine Hand an mich geleget. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis, auf daß die Schrift erfüllet werde. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand gekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn; er aber ließ die Leinwand fahren und flohe bloß von ihnen. Zweite Abteilung. Das Leiden Jesu vor dem geistlichen Gerichte. Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führeten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, dahin alle Hohenpriester und Schriftgelehrten und ältesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgete Jesu von ferne, und ein anderer Jünger bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbe Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palaft Petrus aber stund draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger 202 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führte Petrum hinein. Es hatten aber die Knechte und Diener ein Kohlfeuer gemacht danieden mitten im Balast, denn es war kalt, und wärmeten fich. Petrus aber setzte sich mitten unter sie und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Aber der Hohepriester fragete Jefum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt, ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammenkommen und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe, siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jeju einen Backenstreich und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es Unrecht sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Die Hohenpriester aber und die Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden teines, wiewohl viele falsche Zeugen herzutraten; denn ihre Zeugnisse stimmeten nicht überein. Zuletzt traten herzu zween falsche Zeugen und sprachen: Wir haben gehöret, daß er sagte: Ich kann und will den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Ihr Zeugnis stimmete aber noch nicht überein. Und der Hohepriester stund auf unter sie und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal, und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn des hochgelobten Gottes? Jesus sprach: Du sagest es, ich bin es; doch sage ich euch: von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn siten zur rechten Hand der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehöret, was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn und speieten ihn in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten, etliche aber verdeckten ihn, und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viel andere Lästerung sagten sie wider ihn. Simon Petrus aber war,( wie vorhin erzählt worden,) draußen im Palast; da kam des Hohenpriesters Mägde eine, die Thürhüterin, und da sie Petrum unter den Knechten bei dem Feuer sahe, schauete sie ihn an und sprach zu ihm: Und du warst auch mit dem Jesu aus Galiläa. Er aber verleugnete vor ihnen allen und sprach: Weib, ich bins nicht, ich kenne ihn nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Und er ging hinaus in den Vorhof; und der Hahn krähete. Und als er zur Thür hinausging, jahe ihn nebst der vorigen auch eine andere Magd, die sprachen zu denen, die dabei stunden: Dieser war auch mit dem Jeju von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermal und sprach: Mensch, ich bins nicht, und schwur dazu: Ich kenne des Menschen nicht. Und über eine kleine Weile bei einer Stunde bekräftigte es ein anderer, mit denen, die dabei stunden, und sprachen: Wahrlich, du bist auch der einer, denn du bist ein Galiläer unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi. 203 und deine Sprache verrät dich. Spricht des Hohenpriesters Knechte einer, ein Gefreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, frähete der Hahn zum andern Mal. Und der HErr wandte sich um und sahe Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, das er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen; und er ging hinaus und weinete bitterlich. Des Morgens aber versammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Ältesten des Volks, dazu der ganze Rat, und hielten einen Rat über Jesum, daß sie ihn töteten. Und führeten ihn hinauf vor ihren Rat, und sprachen: Bist du Christus? sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ich es euch, so glaubet ihrs nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn siten zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagets, denn ich bins. Sie aber sprachen: Was dürfen wir weiter Zeugnis? Wir habens selber gehöret aus seinem Munde. Dritte Abteilung. Das Leiden Jesu vor dem weltlichen Gerichte. Und der ganze Haufe stund auf, und banden Jesum, führeten ihn von Caipha vor das Richthaus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato. Und es war noch frühe. Da das sahe Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammet war zum Tode, gercuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verraten habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an? da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin und erhentete sich selbst; und ist mitten entzwei geborsten und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat, und kauften eines Töpfers Acker darum zum Begräbnis der Pilger. Und es ist kund worden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache Akeldama, das ist, ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesaget ist durch den Propheten Jeremiam, der da spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen fie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der HErr befohlen hat. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht uns rein würden, sondern dre Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesez. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Da fingen an die Hohenpriester und Altesten, ihn hart zu verklagen und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet und verbeut, den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht: Er sei Christus, ein König. Da 204 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jesum und fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus aber stund vor dem Landpfleger und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesaget? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagest es, ich bin ein König; ich bin dazu geboren und auf die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll; wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und die Hohenpriester und Ältesten beschuldigten ihn hart, er aber antwortete nichts. Da fragte ihn Pilatus abermal und sprach: Antwortest du nichts? Hörest du nicht, wie hart fie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erreget damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher. Da aber Pilatus Galiläam hörete, fragte er, ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit gehörete, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten stunden und verflagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verſpottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: Shr habt dieſen Menschen zu mir bracht, als der das Volk abwendet; und siehe, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sachen keine, die ihr ihn beschuldiget, Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und fiehe, man hat nichts auf ihn bracht, das des Todes wert sei; darum will ich ihn züchtigen und losgeben. Auf das Osterfest aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volte einen Gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der Beit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der hieß Barrabas, welcher war um eines Aufruhrs, der in der Stadt geschahe, und um eines Mords willen in das Gefängnis geworfen. Und das Volk ging hinauf und bat, daß er thät, wie er pflegete. Und da sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Ihr habet eine Gewohnheit, daß ich euch einen losgebe auf Ostern; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe, Barrabam oder Jeſum, den König der Juden, von dem gesagt wird: Er sei Christus? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Nichtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und Ältesten überredeten und reizten das Volk, daß sie um Barrabas bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi. 205 nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollet ihr unter diesen zween, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum loslassen und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird: Er sei Christus, und den ihr beschuldiget, er sei ein König der Juden? Sie schrieen abermal: Kreuzige, freuzige ihn. Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: Was hat er denn Übels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Aber sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forderten, daß er gefreuzigt würde, und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urteilete, daß ihre Bitte geschehe, nahm Wasser und wusch die Hände vor dem Volke und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; jehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängnis geworfen, um welchen sie baten: aber Jesum ließ er geißeln und überantwortete ihn, daß er gefreuziget würde. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus, und riefen zusammen die ganze Schar, und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an, und flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt, und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand, und beugeten die Kniee vor ihm, spotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! und gaben ihm Backenstreiche, speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, freuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gefeß, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu freuzigen, und macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hats größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Bäsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich selbst zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißet Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König. Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, kreuzige ihn. Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da überantwortete er ihn, daß er gekreuziget würde. Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Vierte Abteilung. Die Kreuzigung und der Tod Jesu. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum,( den sie verspottet hatten,) zogen ihm den Mantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten; und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinausgingen, funden sie einen Menschen, der vorüberging, von Chrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexandri und Ruffi war; den zwangen sie und legten das Kreuz auf ihn, daß ers Jesu nachtrüge. Es folgete ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die tlageten und beweineten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführet zween andere Übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißt auf hebräisch Golgatha, das ist verdeutschet Schädelstätte, und sie gaben ihm Myrrhen in Wein zu trinken; und da ers schmeckte ,,, wollte ers nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn daselbst und die zween Übelthäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken, Jesum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, die da saget: Er ist unter die Übelthäter gerechnet. Jesus aber sprach: Bater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine Überschrift und setzte sie auf das Kreuz, oben zu seinem Haupt, als die Ursache seines Todes. Es war aber geschrieben: Jejus von Nazareth, der Juden König. Diese Überschrift lasen viele Juden, denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreib nicht: Der Juden König, sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Und die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegsknechte ein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll. Auf daß erfüllet würde die Schrift, die da jaget: Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Solches thaten die Kriegsknechte. Und sie saßen allda und hüteten sein. Es war aber um die dritte Stunde, da sie ihn freuzigten. Und das Volk stund und sahe zu. Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel und bauest ihn in dreien Tagen; hilf dir selber! Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuz. Desgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander mit den Schriftgelehrten und Ältesten, samt dem Volke, und sprachen: Er hat andern geholfen und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christ, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom Kreuz, auf daß wirs sehen und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn, denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Es verspotteten ihn auch die Kriegs206 unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi. 207 fnechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, sp hilf dir selber. Aber der Übelthäter einer, die da gehenket waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafete ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und zwar wir sind billig drinnen, denn wir empfahen, was unsere Thaten wert sind, dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: HErr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Es stund aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe das ist deine Mutter. Und von Stund an nahm fie der Jünger zu sich. Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, Lama Aſabthani, das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaffen? Etliche aber, die da stunden, da sie das höreten, sprachen sie: Siehe, er rufet den Elias. Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürftet. Da stund ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr von Ysop und hielts ihm dar zum Munde und tränkete ihn, und sprach mit den andern: Halt, laß sehen, ob Elias komme und ihn herabnehme. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und abermal rief er laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigete er das Haupt und gab seinen Geist auf. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus, und die Erde erbebete und die Felsen zerrissen und die Gräber thaten sich auf und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stund gegen ihm über, und die bei ihm waren und bewahrten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und preiseten Gott und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen. Und alles Volk, das dabei war und zusah, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten wieder um. Es stunden aber alle seine Verwandten von ferne und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jakobs und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, und viele andere, die mit ihm gen Jerusalem gegangen waren und hatten ihm gedienet, und sahen das alles. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Beichname am Kreuze blieben den Sabbath über,( denn desselbigen Sabbaths Tag war groß) baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem Ersten die Beine und dem Andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine 208 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung nicht, sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugnis ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit faget, auf daß auch ihr glaubet; denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Fünfte Abteilung. Das Begräbnis Jeju. Darnach am Abend, weil es der Rüfttag war, welcher ist der Vorfabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Stadt der Juden, mit Namen Joseph, der war ein Ratsherr, ein guter frommer Mann, welcher auch auf das Reich Gottes wartete; der hatte nicht gewilliget in ihren Kat und Handel, denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn: ob er längst gestorben wäre? Und als er es erfundet von dem Hauptmann, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam Jesu geben. Und Joseph kaufte eine Leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war, und brachte Myrrhen und Aloe unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und wickelten ihn in eine reine Leinwand, und banden ihn in leinene Tücher mit Specereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten und in dem Garten ein neues Grab, das war Josephs, welches er hatte lassen in einen Felsen hauen, in welches niemand je geleget war. Daselbst hin legten fie Jesum um des Rüsttages willen der Juden, dieweil der Sabbath anbrach und das Grab nahe war, und wälzeten einen großen Stein vor die Thür des Grabes, und gingen davon. Es waren aber allda Maria Magdalena, und Maria Joses, und die Weiber, die mit Jesu kommen waren aus Galiläa, die folgeten nach, setzten sich gegen das Grab, und beschaueten, wohin und wie sein Leib geleget ward. Sie kehreten aber um und bereiteten Specerei und Salben; und den Sabbath über waren sie stille nach dem Geset. Des andern Tages, der da folgte nach dem Rüsttage, kamen die Hohene priester und Pharisäer sämtlich zu Pilato und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zu dem Volke: Er ist auferstanden von den Toten, und werde der letzte Betrug ärger denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habet ihr die Hüter, gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern, und verfiegelten den Stein. Sechste Abteilung. Die Auferstehung und Himmelfahrt Jeju. Zur Ersparung des Naums ist das in den Evangelien hievon Enthaltene nur dem Inhalte nach angeführt; das übrige aber in harmonischer Ordnung ausführlich beigefügt worden. Als die im vorigen Abschnitt benannten gottseligen Weiber und etliche mit ihnen an dem ersten Sabbather( d. i. Wochentage) mit dem Anbruch unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi. des Tages sich nach dem Grabe Jesu begaben, um ihn mit den zubereiteten Specereien zu falben, wird noch vor ihrer Ankunft das Grab Jesu, bei seiner Auferstehung, unter einem Erdbeben, durch einen Engel, zur großen Bestürzung der Hüter eröffnet. 209 Siehe das Evangelium am 1. Oftertage, vergl. mit Matth. 28 und Luc. 24, 1. Unter ihnen kommt Maria Magdalena zu dem Grabe und siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war. Da läuft sie, kommt zu Simon Petro und dem andern Jünger, welchen Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den HErrn weggenommen aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Auch die übrigen Weiber sehen den Stein abgewälzet, und gehen hinein in das Grab, wo sie den Leib Jesu nicht finden; aber zu verschiedenen Malen durch Engel die Versicherung seiner Auferstehung und den Auftrag erhalten. solche seinen Jüngern zu verkündigen. Siehe das Evangelium des 1. Oftertages, vergl. mit Matth. 28 und Luc. 24, 2-11. Unterdessen ging Petrus und der andere Jünger auf die von der Maria Magdalena erhaltene Nachricht hinaus und kamen zum Grabe. Es liefen aber die zween mit einander, und der andere Jünger lief zuvor, schneller denn Petrus, und kam zuerst zum Grabe, guckt hinein und siehet die Beinen geleget, er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab, und siehet die Beinen gelegt und das Schweißfuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei die Leinen gelegt, sondern beiseits eingewickelt an einen besonderen Ort; und es nahm ihn Wunder, wie das zuginge. Da ging auch der andere Jünger hinein, der am ersten zum Grabe kam, und sah und glaubete es. Denn sie wußten die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wieder zusammen. Jesus aber, da er auferstanden war, früh am ersten Tage der Sabbather, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte. Diese Maria nämlich( die Petro und dem andern Jünger gefolget und bei deren Weggehen zurück geblieben war) stand vor dem Grabe und weinte draußen. Als sie nun weinete, guckte sie in das Grab und siehet zween Engel in weißen Kleidern siten, einen zum Haupte und den andern zu Füßen, da sie den Beichnam Jesu hingelegt hatten. Und dieselbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen HErrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück und siehet Jesum stehen, und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weineft du? wen suchest du? Sie meinet, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hingelegt, so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria. Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni, das heißet Meister. Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt und verkündiget den Jüngern, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weineten: Ich habe den HErrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt. Und dieselbigen, da sie höreten, daß er lebte und wäre ihr erschienen, glaubeten fie nicht. 14 210 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung zc. Gleich nach dieser ersten Erscheinung des HErrn Jesu geschah die zweite den übrigen Weibern, als sie auf dem Wege waren, um die Verkündigung der Engel den Jüngern anzuzeigen. Zu welcher Zeit auch die Hüter des Grabes den Hohenpriestern von demjenigen, was geschehen war, Nachricht bringen; aber von selbigen durch Bestechung zur Verfälschung der Wahrheit verleitet werden. Jesus offenbarte sich hierauf noch an dem Tage seiner Auferstehung den zween Jüngern, die nach Emmaus gingen. Nach dem Evangelio des zweiten Ostertages, wo zugleich die nach 1. Cor. 15, 5 dem Petro besonders geschehene Erscheinung erwähnet wird. Und am Abend desselbigen Tages seinen versammelten Jüngern, Siehe den ersten Teil des Evangelii am ersten Sonntage nach Ostern, vergl. mit Marc. 16, 14, Luc. 24, 36-44. denen er acht Tage darauf im Beisein des Thomas zum andern Male erscheinet. Siehe den andern Teil des Evangelii am ersten Sonntage nach Ostern. Darnach offenbarete sich Jesus abermals den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarete sich aber also: Es waren bei einander Simon Petrus und Thomas, der da heißet 3willing, und Nathanael von Cana in Galiläa und die Söhne Zebedäi und andere zween seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will hin fischen gehen. Sie sprachen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das Schiff alsobald; und in derselbigen Nacht fingen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stund Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten nicht, nichts zu daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr effen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie, und konntens nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Petro: Es ist der HErr. Da Simon Petrus hörete, daß es der HErr war, gürtete er das Hemd um sich( denn er war nacket) und warf sich ins Meer. Die andern Jünger kamen auf dem Schiffe,( denn sie waren nicht fern vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen) und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun austraten auf das Land, sahen sie Kohlen gelegt und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz aufs Land voll großer Fische, hundert drei und funfzig. Und wiewohl ihrer so viel waren, zerriß doch das Net nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern durfte ihn fragen: wer bist du? denn sie wußtens, daß es der HErr war. Da kommt Jesus, und nimmt das Brot, und giebts ihnen, desselbigengleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, daß Jesus offenbaret ist seinen Jüngern, nachdem er von den Toten auferstanden ist. Nachdem sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja HErr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Spricht er zum andern Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja HErr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe. Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. 211 dritten Mal zu ihm sagte, hast du mich lieb? und sprach zu ihm: HErr du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe. Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Da du jünger warest, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wo du hin wollteſt; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach. Petrus aber wandte sich um, und jahe den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war, und gesagt hatte: HErr, wer ists, der dich verrät? Da Petrus diesen sahe, spricht er zu Jesu: HErr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? folge du mir nach. Da ging eine Rede aus unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: Er stirbt nicht, sondern: so ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben. Und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist. Hierauf erfolgete die Offenbarung des Erlösers auf einem Berge in Galiläa. Nach Matth. 28, vergl. mit dem Evangelium am Himmelfahrtstage. Wohin auch wahrscheinlich die nach 1. Cor. 15, v. 6. mehr denn fünfhundert Brüdern widerfahrene Erscheinung gehöret. Nach selbiger ist er gesehen worden von Jakobo; darnach von allen Aposteln, Siehe die Epiftel am 11. Sonntage nach Trinitatis. bei seiner Himmelfahrt. Er führte sie nämlich hinaus bis gen Bethania, und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr gen Himmel. Sie aber beteten ihn an, und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allewege im Tempel, preiseten und lobeten Gott. Siehe auch das Evangelium und die Epistel am Himmelfahrtstage. Und in Anschung der dem Paulo nach der vorhin angezogenen Epistel geschehenen sehr merkwürdigen Offenbarung Apoftelgesch. Cap. 9. Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. Als das vormals von Gott so außerordentlich begnadigte Volk der Juden das Maß seiner gehäuften Sünden durch die Verwerfung und Kreuzigung des unter ihnen erschienenen Heilandes der Welt erfüllet hatte; so näherte sich dasselbe demjenigen erschrecklichen Strafgerichte immer merklicher, welches durch die Propheten und den mitleidigen Erlöser selbst mit Thränen zuvor verkündiget war, und in der gänzlichen Zerstörung Jerusalems und des ganzen jüdischen Reichs der Welt ein belehrendes Denkmal vor Augen legte, wie schwer der Zorn Gottes gegen beharrliche Verächter seiner Gnade, und wie groß insonderheit die Verschuldung sei, die dieses unglückliche Voll 14* 212 Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. durch die Vergießung des unschuldigen und heiligen Blutes Jesu Christi auf sich geladen. Josephus erzählet verschiedene vor dem Ausbruche dieser Gerichte Gottes hergegangene Zeichen; allein die sicherste und nächste Anzeige davon war wohl das sich in dem jüdischen Reich immer weiter ausbreitende gänzliche Verderben. Man verließ nun völlig die heiligen Gesetze Gottes, setzte die ganze Religion nur in eine abergläubische Beobachtung äußerlicher Gebräuche und überließ sich mit einem frechen Leichtsinn allen Lastern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Ständen immer mehr überhand; Jerusalem und das ganze Land ward mit Räubern und Mördern angefüllet, und die ganze Nation beschleunigte ihren Untergang durch ihre eigene Zerrüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Diese beherrschten seit den Zeiten Jesu Christi das jüdische Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das römische Joch den Juden noch unerträglicher machten. Gessius Florus, der zuletzt diese Stelle verwaltete, übertraf hierin alle seine Vorgänger. Er beförderte alle Unordnungen, auch selbst die öffentlichen Räubereien, wenn er nur seine unersättliche Gewinnsucht dabei befriedigen konnte; vergriff sich sogar an dem Schatz des Tempels, und war recht geflissen, das Volk immer mehr wider die Römer aufzubringen. Hieraus entstanden in mehreren Gegenden des Landes sehr blutige Empörungen, und Florus ließ selbst bei einem Aufstande in Jerusalem über 3000 Juden erschlagen und viele der Angesehensten geißeln und freuzigen. Die Juden suchten zwar in diesen Bedrängnissen bei dem syrischen Statthalter Cestius Gallus Hülfe; allein Florus wußte nicht nur solche zu vereiteln, sondern auch die Unruhen also zu vermehren. daß endlich Cestius genötigt ward, mit einem Heere anzurücken. Nach vielen Verwüstungen drang er mit selbigem in Jerusalem, schloß die Juden in dem innern Teile der Stadt und dem Tempel ein, und würde dem Kriege ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwereren Gerichten wären aufbehalten gewesen. So aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verräterei zur Verzögerung, die Juden gewannen Zeit zur Gegenwehr und nötigten sogar den syrischen Statthalter mit einem sehr beträchtlichen Verlust zum Abzuge. Dieser anscheinende Vorteil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Mut. Die damals fast allgemeine Erwartung eines irdischen Erretters und mächtigen Beherrschers stärkte ihre eitle Hoffnung, sich von der Beherrschung der Römer zu befreien, und der Krieg wider selbige ward mit großer Heftigkeit beschlossen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte in Jerusalem den Joseph, einen Sohn Gorions, nebst dem Hohenpriester Ananus, in Idumäa den Eleazar und in Galiläa Josephum, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diese Geschichte hinterlassen hat, zu Anführern, und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Gegenden, doch mehrenteils mit sehr großem Verlust an; wie denn allein vor der Stadt Ascalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten. Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingedent, und setzten sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit. Als der römische Kaiser Nero diesen allgemeinen Aufstand der jüdischen Nation erfuhr, trug er dem Vespasianus, einem sehr erfahrenen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohne, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang desselben in Galiläa machte. Josephus hatte daselbst 100,000 Mann versammelt; allein der Schrecken zerstreuete solche sogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus ward genötigt, Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. 213 mit dem Rest seiner Truppen sich in die Festung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapfern Vertheidigung erobert und 40,000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus geriet selbst in die Gefangenschaft der Römer; erhielt aber durch die Fürsprache des Titus, und weil er dem Vespasian die künftige Gelangung zur kaiserlichen Würde vorhersagte, sein Leben, und nach der Erfüllung dieser seiner Vermutung auch die Freiheit. Veſpasian bemächtigte sich gar bald des ganzen Galiläa, wobei viele Tausende erschlagen, oder als Leibeigene verkauft, oder sonst in eine elende Sklaverei geführet wurden. In Jerusalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich gleichfalls Aufruhr und Elend. Die Partei derer, die auf den Krieg drangen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden rieten, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines besondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen, und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Ananus suchte in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giscala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20,000 dumäer in die Stadt zog, so ward die Partei des Ananus überwältiget, und dieser Hohepriester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibet, nebst 12,000 der vornehmsten Einwohner getötet. Vespasianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jerusalem liegenden festen Örter, und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte, daß er solche, bei der darin herrschenden Uneinigkeit, unverzüglich angreifen möchte; allein der römische Feldherr hielt ratsamer, einem Volke, das sich selbst aufrieb und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eigenen Beförderung seines Unterganges längern Raum zu lassen. Der Tod des Nero und die darauf folgenden öfteren Veränderungen mit dem römischen Kaisertum, verzögerten die Belagerung noch weiter; und als Vespasian selbst zum Kaiser erwählt ward, begab er sich nach Rom und überließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannes und der Zeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem hatten in dieser Zeit ein neues Heer von Räubern, unter einem Anführer Namens Simon, in die Stadt gelassen, um durch sie von jenen Ungeheuern befreiet zu werden; allein diese abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieser Simon, der bereits in Idumäa die fürchterlichsten Verwüstungen angerichtet, übertraf annoch den Johannes an Grausamkeit und Blutbegierde, zwang denselben, sich in den Tempel zurück zu ziehen, und da auch dessen Partei sich trennte und ein Teil derselben unter dem Eleazar den innern Tempel behauptete, so bekriegten diese drei räuberischen Haufen sich unter einander auf das heftigste, opferten eine große Menge der Einwohner ihrer Wut auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrat der Lebensmittel und legten dadurch den Grund zu der bald nachher erfolgenden erschrecklichen Hungersnot. Bei einer solchen Verfassung rückte Titus im siebenzigsten Jahre nach Christi Geburt, im Anfange des Aprils, mit seinem wohlgerüsteten Heere und in Begleitung des Josephus vor die Stadt Jerusalem. Selbige war mit einer dreifachen sehr starken Mauer und vielen Türmen versehen, und 214 Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. faßte, außer dem sehr befestigten Tempel, die Burg Antonia und andere feste Schlösser in sich. Die Feier des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derselben versammelt, wodurch sowohl die Hungersnot desto geschwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhende Fluch um so deutlicher offenbar wurde. Bei dem Anfange der Belagerung vereinigten sich zwar die drei aufrührerischen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu, und setzten bei einem derselben selbst den Titus in die äußerste Gefahr. Allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigte durch List und Gewalt die Partei des Eleazar und bemächtigte sich unter vielem Blutvergießen des ganzen Tempels. Die Vertheidigung der Stadt war also zwischen ihm und dem Simon geteilet, die aber gleichfalls nicht aufhörten, sich unter einander zu bekriegen, so bald nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden anbieten lassen, ward die Belagerung mit großem Eifer fortgesetzt, und gegen das Ende des Aprils die erste Mauer und fünf Tage nachher die andere eingenommen, und obwohl die Juden sich der letzten wieder bemächtigten, ward solche doch nach einer breitägigen Bestürmung mit einer großen Niederlage der Juden völlig bes hauptet. Wenige Tage nachher ward der Angriff auf die Burg Antonia gerichtet. Titus ließ nach seiner gütigen und mitleidigen Gesinnung die Belagerten abermals durch den Josephus zur Übergabe ermahnen; allein ob dieser gleich durch eine sehr nachdrückliche Rede und mit Thränen sie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpfworten und sogar mit Pfeilen erwidert. Viele Einwohner suchten indes durch die Flucht ihre Errettung und erhielten auch solche, wenn sie der Wachsamkeit und den Schwertern der Besatzung zu entgehen vermochten, durch die Gelindigkeit des Titus. Die aber in die Hände der Römer fielen, wurden in so großer Menge in dem Angesichte der Stadt gekreuziget, daß nach Josephi Ausdruck es zuletzt an Raum und Holz zu Kreuzen mangelte. Ein gewiß sehr merkwürdiger Anblick vor einer Stadt, deren Einwohner die Kreuzigung Christi dem Pilatus mit der größten Wut abgedrungen hatten. Titus ließ inzwischen diese Grausamkeit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Bestrafung die Hartnäckigkeit der Belagerten überwinden möchte. Aber so wenig dieses, als die bereits sehr zunehmende Hungersnot, noch auch die wiederholten Warnungen des römischen Feldherrn, die Stadt, den Tempel und ihr eigenes Leben zu retten, vermochten etwas bei diesen gänzlich Verstockten auszurichten; sie erklärten vielmehr dem Titus selbst mit untermengter Verschmähung, daß fie lieber sterben, als sich ergeben wollten, und beriefen sich dabei frech auf den Schutz Gottes, dessen Verächter fie doch waren. Die Fortsetzung ihrer verzweiflungsvollen Gegenwehr nötigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hierdurch ward dasjenige aufs genaueste crfüllet, was Christus vorher geweisfaget, und die erschreckliche Hungersnot, nebst allem damit verbundenen äußersten Elend, nahm nun völlig überhand. Ausgezehrte Menschen suchten bei tausenden vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Räuber fielen in die Häuser, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel, und quälten mit den entsetzlichsten Martern alle und jede, auf welche nur der Verdacht einiger Verbergung fiel. Die Eltern riffen ihren Kindern, und diese ihren Eltern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch die Flucht zu den Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldaten in Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. 215 der Vermutung, daß sie Gold verschlungen, lebendig aufgeschnitten. Man suchte durch die unnatürlichsten Mittel die Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch diese age zur äußersten Verzweiflung gebracht war, schlachtete und kochte ihr eigenes Kind, und bot, da sie einen Teil desselben verzehret, den grausamen Kriegsfnechten die andere Hälfte dar. Alle Straßen waren mit Leichen bedeckt, und das Sterben war so häufig, daß vom 14. April bis zum 1. Julius 115,880 Leichen zu einem Thore hinausgebracht und 600,000 über die Mauer geworfen wurden. Titus ward durch diese erschrecklichen Umstände äußerst gerührt, und bezeugte mit gen Himmel gehobenen Händen, daß er an diesen unnatürlichen Grausamkeiten unschuldig sei, und solche unerhörte Greuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. Nachdem die Burg Antonia unter vielem Blutvergießen erobert und völlig niedergerissen war, mußte nun auch der sowohl durch seine Lage als die stärksten Mauern ausnehmend feste Tempel angegriffen werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für dieses herrliche Gebäude und für den Gottesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich dessen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen sein, und ermüdete nicht, sowohl in eigener Person als durch den Josephus den Johannes mit seinem gottlosen Haufen durch wiederholte, rührende Vorstellungen zu bewegen, daß sie durch ihren fortgesetzten Frevel das Heiligtum Gottes nicht entweihen, vielmehr durch eine endliche Übergabe es dem nahen Untergange entreißen möchten, versprach ihnen auch die ungestörte Fortsetzung ihres Gottesdienstes. Allein diese Bösewichter verschmäheten dieses alles, besetzten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschinen, und machten denselben durch Raub und Blutvergießen, nach Christi Worten, nun völlig zur Mördergrube. Daher sah sich Titus endlich genötiget, die äußerste Gewalt zu gebrauchen, und nach verschiedenen abgeschlagenen Stürmen an die Thore desselben Feuer legen zu lassen, welches denn alle bedeckten Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich den Befehl, das Feuer zu löschen, um das noch unversehrte Hauptgebäude des Tempels zu erhalten, aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Natschluß Gottes zu verhindern. Ein heftiger Ausfall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein römischer Soldat warf aus eigenem Antriebe, oder vielmehr von einer höhern Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenster der an den Tempel gebaueten Zimmer. Sogleich breitete sich das Feuer in diesem Nebengebäude aus. Titus eilte alsbald den Brand zu löschen, aber seine Befehle wurden nicht vernommen. Die römischen Legionen drangen wütend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um sich greifenden Flammen, und erfüllten alles mit Blut und Leichen. Titus begab sich mit einigen seiner Heerführer selbst in den Tempel, besah dessen Heiligtum und die darin befindlichen Geräte, und fand, daß die Pracht alle Nachrichten davon weit überträfe. Er erneuerte die eifrigsten Bemühungen, dieses Innere des Tempels zu retten, aber vergeblich; der ganze Tempel ward, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage, da der erste von den Babyloniern verbrannt worden, durch die Flammen völlig verzehret. Ein allgemeiner Raub und die blutigste Niederlage verbreitete sich ohne einiges Verschonen in dem ganzen Raum des Tempels. Die römischen Soldaten pflanzten an das östliche Thor desselben ihre Kriegeszeichen, brachten daselbst ihre heidnischen Opfer und riefen den Titus als Sieger aus. Eine Anzahl Priester, so auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit gesucht, flehete vergeblich um ihr Leben; Titus antwortete, die 216 Die Beschreibung von der Zerstörung Jerusalems. Zeit der Begnadigung sei geendet, und sie mußten nunmehr mit ihrem Tempel unkommen. Die Aufrührer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempei geöffnet und verlangten eine Unterredung mit dem Titus. Dieser erbot sich, ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegen und sich ergeben würden; als sie sich aber dessen, unter der Vorschütung eines Eides, weigerten und einen freien Abzug verlangten, versagte er ihnen alle Gnade, übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer, und griff den noch übrigen obern Teil derselben an, in welchen sich die sämmtlichen Aufrührer unter dem Simon und Johannes gezogen hatten. Sobald die römischen Maschinen auch hier die Mauer durchbrochen, überficl diese Hartnäckigen die mufloseste Verwirrung. Voll Furcht und Schrecken verließen sie die von ihnen besetzten sehr festen Türme, versuchten vergeblich durch die römischen Verschanzungen zu entkommen, und verbargen sich endlich in unterirdische Höhlen. Die Römer bemächtigten sich also auch der ganzen obern Stadt, plünderten selbige und zündeten sie nach der entsetzlichsten Niederlage unter den Einwohnern mit Feuer an. Dieses geschahe am 8. September des Jahres 70 nach Christi Geburt. Als Titus in die nun völlig eroberte Stadt ging, und die ungemeine Festigkeit ihrer Mauern und Türme bewunderte, brach er in dieses ihm rühmliche Geständnis aus: Wir haben mit Gottes Beistand Krieg geführet; es ist Gott, der die Juden aus diesen Festungen herausgetrieben hat, denn was würden menschliche Hände und Maschinen gegen solche Türme vermögen? Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Aufrührer sämtlich getötet. Die ansehnlichsten Jünglinge wurden zum Triumphe des Titus, die übrigen Gefangenen aber zu den römischen Schauspielen oder zu schweren Arbeiten bestimmt; die, so unter 17 Jahren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen Kriege Gefangenen rechnet Josephus auf 97,000, und der in der Belagerung Umgekommenen auf 1,100,000, außer der großen Menge, die sonst in diesem Kriege ihr Leben verloren, und macht jene große Anzahl aus der unter dem Cestius berechneten Zahl der Osterlämmer begreiflich. Simon und Johannes gerieten aus ihren Höhlen auch endlich in die Hände der Römer. Sie wurden gleichfalls zum Triumph des Titus aufbehalten, und nach selbigem der erste zum Tode, der andere aber zeitlebens zum verurtheilet. Die sämmtlichen Überbleibfel der Stadt, außer dreien Türmen und einene Teil der Mauer, wurden auf Titi Befehl dem Erdboden gleich gemacht. Jerusalem wurde also nach Christi Weissagung völlig geschleifet. Wenn nun diese merkwürdige Geschichte, nebst der ganz sonderbaren Erhaltung der jüdischen Nation bei ihrer großen Zerstreuung, die Göttlichkeit der Lehre Jesu ausnehmend bestätiget, so muß einem jeden, der solche betennet, bei einer mitleidigen Erwägung dieser Gerichte Gottes, jene Warnung des Apostels stets wichtig bleiben: Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet, daß er vielleicht dein auch nicht verschone. Darum schaue die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind; die Güte aber an dir, soferne du an der Güte bleibest, sonst wirst du auch abgehauen werden. Inches Centimetres Blue 2 3 3 1+ 1, ³² 6 Farbkarte# 13 Green Cyan 4 2 ¹5 ¹8 Yellow 13 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8