Gb 2255 5565 ge ott legt eine Fast auf, aber Er hilft uns auch. 9090909 00909 18 2255 Hory 109090909 60606 090909090909.0000 09.00 Stich Druchu Verlagviranz Schemm in Nürnberg Jesus am Kreuze. Tout est fini. I É compiuta. KALIZA Sefangbuch die shangelica Recege= Sq# phnor to ngalifrax Sejangbuts. HLARRY 16060606 1600000 Jesus am Kreuze. Tout est fini. E compiuta 24 Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg. Stuttgart. Verlags- Comptoir des neuen evangelischen Gesangbuchs. 1889. 600 8955 هارت Go 2255 Univ.- Bibl. Glessen Preise für ungebundene Exemplare: Mt. 1. 50. Gesangbuch mit Anhang Gesangbuch ohne Anhang Anhang allein Mt. 1. 13. Mt. 37. Ich werde nicht sterben, sondern leben, und des Herrn Werk verkündigen. Psalm 118, 17. Für Anna Blaich Matthiasu Pauline Bayler zur frommen Erinnerung von an die Confirmation den 3. ten April 1892. Na% APPLY In des Lebens Drangsal Zeiten. Schlag in diesem Buche nach. Schafft Troft in Deinen Leiden, dert selbst Dein Ungemach. In der Fülle Deiner Freuden Wenn es dir nach Wunsch ergeht. bege mir dies Buch bei Seiten Weil bei Gott Dein Schicksal steht. Das Jahr 1841, welches in der Geschichte von Württemberg durch die unvergeßliche Feier der fünf undzwanzigjährigen gesegneten Regierung des verewigten Königes Wilhelm ausgezeichnet ist, hat eine besondere Bedeutung für die Zukunft der evangelischen Kirche des Landes erhalten. Die neue christliche Liedersammlung für öffentlichen und häuslichen Gebrauch, welche hier den Gemeinden dargeboten wird, ist, nächst einem neuen Kirchenbuche, auf der im Frühling des Jahres 1841 hiezu berufenen Synode, welche mit einer namhaften Zahl von Geistlichen aus allen Teilen des Königreichs verstärkt worden war, durch Prüfung des zuvor erschienenen und in mehr als 6000 Abdrücken verbreiteten Entwurfs und der von allen Seiten darüber eingelaufenen Ansichten und Wünsche zu stande gekommen. Ein Zeitraum von fünf Jahren hat an der Vollendung dieses Buches gearbeitet, und eine gewissenhafte Beratung der vielfachen Bedürfnisse des Gottesdienstes und der mannigfaltigen Denk- und Empfindungsweisen des Glaubens in der evangelischen Kirche hat jeden brauchbaren Wink, jede gewichtige Stimme von da und IV dort, aus hohem und niederem Stande, gerne benützt und so ein Werk ausgeführt, zu welchem in brüderlichem Geist Unzählige mitgewirkt haben, das mithin als die Frucht einer gemeinschaftlichen Handreichung der Kirche selbst betrachtet werden darf und fortan zur Pflege der Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens allerorten beitragen müsse. Der schönste Schmuck und nicht die geringste Kraft der evangelischen Kirche sind ihre geistlichen Lieder und Choräle. Sie hat von beiden mit jedem Jahrhundert eine ansehnliche Zahl und in eigentümlichem Ton und Gepräge hervorgebracht, und hat auch aus früheren Zeiträumen und aus andern Kirchen das Schönste sich dankbar zugeeignet. Es mußte demnach, einem in den deutschen Ländern wieder allgemein erwachten Bedürfnis gemäß, darauf gesehen werden, zu dem Guten, das bereits in dem seit dem Jahre 1791 geltenden Gesangbuch steht, noch manches andere, was in den ältern Sammlungen von Alt- und Neu- Württemberg von entschiedenem Wert und noch in teurem Ansehen unter dem Volke war, hinzuzufügen und solches alles in einer Gestalt aufzubewahren, welche weder die ursprüngliche Form jener Lieder verwischt noch dem Geschmack und der Ausdrucksweise der jetzigen Zeit ganz zuwider lautet. Ebenso war aber auch daran gelegen, die besten und erbaulichsten Lieder des jüngsten Zeitraums in dieser neuen Sammlung zu vereinigen, und dadurch vieles, was, bisher nur wenigen bekannt, einer allgemeinen Verbreitung wert erschien, in unsere christlichen Familien und Gemeinden einzuführen. So möge nun dieses Buch jedem nach seinem Bedürfnis dienen und recht vielen gleich jenem Hausvater( Matth. 13, 52) sein, der aus seinem Schatze Neues und Altes hervorträgt, und in beidem denen, die es mit Andacht gebrauchen, eine Gabe des Geistes zum ewigen Leben darreichen. Und weil doch die Hauptsache ist, daß christliche Erbauung gestiftet, lebendiger Glaube an Gott und an Jesum Christum genährt werde und Gottes Wort reichlich unter uns wohne, wozu wir dem Herrn singen sollen in unserem Herzen( Ephef. 5, 19): so durften in dieser Sammlung auch nur solche geistliche liebliche Lieder sein, welche das Herz mit dem erfüllen, wovon sich's gebühret, daß der Mund übergehe und wir untereinander reden und uns selbst lehren und vermahnen als mit Psalmen und Lobgesängen( Kol. 3, 16). Es wird daher auch wohl in keinem, wie verschieden sie sonst voneinander Lauten müssen, der evangelische Geist und das Bekenntnis der Kirche vermißt werden. Auch sind die Schriftstellen über jedem Lied ein Fingezeig, wie der Inhalt dieſer Gesänge noch im einzelnen mit den Aussprüchen des göttlichen Worts zusammenhänge. Daher kann ein fleißiger Gebrauch dieser Lieder nicht wohl ohne den Segen einer fortwährenden Hinweisung auf die christ lichen Heilswahrheiten und einer häufigeren Beschäftigung auch mit dem Buch des Lebens selbst bleiben. Die Stimmen einer gläubigen Andacht, einer aufrichtigen Buße, eines findlichen Dankes und Vertrauens, einer ungefärbten Liebe Gottes und des Nächsten, welche in diesen Liedern aus so vielen Herzen hervortönen, und aus manchem, das in unsrem Lande sich noch ein be 200 VI sonderes Gedächtnis der Anhänglichkeit und Verehrung gestiftet hat, werden in noch viel mehreren Herzen einen wohlthuenden, erhebenden und veredelnden Anklang wecken. Und so möge auch dieses Gesangbuch unter dem Aufsehen des Herrn der Gemeinde, dem wir seinen Lauf empfehlen, das Wohl des Landes, das nur in Gottesfurcht gedeiht, und die Seligkeit der Seelen, die nur aus dem Glauben kommt, vermehren, und den teuren Wahlspruch( Pf. 119,89. Jef. 40, 8. 1 Petri 1, 23. 25), mit welchem in den Tagen unserer Väter der herzogliche Reformator von Württemberg den evangelischen Glauben und Gottesdienst aufgerichtet hat, auch unter dem milden und gerechten Scepter seiner königlichen Enkel erproben, daß Gottes Wort bleibet in Ewigkeit. Inhalt. I. Allgemeine Gebetlieder( auch Lob- und Danklieder) 11. Lieder von Gott A. Gottes Wesen und Eigenschaften 34-57. Dreieinigkeit 34-37. Herrlichkeit Gottes 38. 39. Allmacht 41. Allgegenwart und Alwissenheit 42-44. Treue 45-47. 72. Heiligkeit 48. Gerechtigkeit 49. 50. Gnade und Langmut 40. 51. 57. 64. Güte und Liebe 52-56. Weisheit 73. 74. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung( Engel) 58-76. III. Sünde und Erlösung IV. Adventslieder. V. Weihnachtslieder Erscheinung und Darstellung Chrifti VI. Lehramt und Wandel Jesu VII. Baffionslieder Ratichluß der Erlösung 129. 130. Algemeine Betrachtungen 131. 132. 139. 161. 361. Fußwaschung 133. Gethsemane 134. 135. Seht, welch ein Mensch 136. 137. Verurteilung Jeju 138. Jesus am Kreuze 140-143. Die sieben Worte 144. 145. Der Schächer 146. Maria unter dem Kreuze 147. Segen des Todes Jesu und Dank dafür 148-160. Grablegung Jesu 162. 163. VIII. Ofterlieder IX. Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Chrifti X. Pfingstlieder XI. Die Kirche Christi Die Gemeinschaft der Heiligen 216-218. Um Ausbreitung des Evangeliums 219-224. XII. Das Wort Gottes. XIII. Die heiligen Sakramente A. Die heilige Taufe. Taufbundes- Erneuerung 237-245. B. Das heilige Abendmahl 246-262. XIV. Das Gebet( siehe auch I. Allgemeine Gebetlieder). XV. Der Tag des Herrn und der Gottesdienst Bei Einweihung von Kirchen Bei Einsegnung von Geistlichen XVI. Die Heilsordnung . A. Buße und Betehrung 284-311. B. Glaube und Rechtfertigung 312-327. C. Göttlicher Friede 328-344. Nr. 1- 33 34-- 76 77- 88 89-101 102-114 115-119 120-128 129-163 164-178 179-192 193-203 204-224 225-236 237-262 263-268 269-278 279. 280 281-283 284-344 600000 VIII Jugalt. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel A. Liebe zu Gott und Chriftus 345-363. B. Bertrauen auf Gott( siehe auch XVIII. Trostlieder) 364-376. C. Nachfolge Chrifti 377-383. D. Heiligung. E. Nächstenliebe 422-431. Himmlischer Sinn 384-421. Allgemeine Fürbitte( f. auch Nr. 6. 198) 432. 433. Christliche Freundschaft 434. F. Einzelne Tugenden und Pflichten 435-460. a) Weisheit 435-437. b) Wachsamkeit und Treue 438-444. c) Demut und Geduld 445-449. d) Wahrhaftigkeit( Eid) 450. 451. e) Genügsamkeit 452-457. f) Mäßigkeit und Reuschheit 458-460. XVIII. Trostlieder. 461-491 In allgemeiner Not( f. auch XVII. B. Vertrauen zc.) 492. 493 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse und Zeiten. A. Hausstand( Trauungslieder) 494-502. 494-584 Für Eltern 503-505. Für Kinder 506-513. Berufslieder 514-516. Für Dienstboten( siehe auch Nr. 500) 517. Dank für die Gesundheit 518. Dank für die Genesung 519. Geburtstag 520. Für das Alter 521-523. Für Witwen 524. B. Fürst und Vaterland 525-529. C. Jahreswechsel 530-535. Jahresschluß( siehe auch Nr. 584) 530. 531. Neujahr 532-535. D. Jahreszeiten 536-548. Frühling und Sommer 536-538. Gewitter 539. 540. Ernte 541-544. Bei Mißernten 545. 546. Herbst und Winter 547. 548. E. Tageszeiten 549-584. Morgenlieder 549-563.( Schluß der Woche 563.) Abendlieder 564-584. ( Schluß der Woche 583. 584.)( Nr. 584 auch am Schlusse des Jahrs.) XX. Die letzten Dinge A. Vorbereitung auf den Tod 585-595. B. Sterblieder 596-615. Rr. 345-460 C. Begräbnislieder 616-631. D. Auferstehung und Weltgericht 632-640. E. Ewiges Leben 641-651. 585-651 25 I. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Jeſ. 6, 3.) 1. Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Dich, Vater in Ewigkeit, Ehrt die Welt weit und breit. All' Engel und Himmelsheer', Und was dienet deiner Ehr', Auch Cherubim und Seraphim Singen immer mit hoher Stimm': Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott, Der Herre Zebaoth! 2. Dein' göttlich' Macht und Herrlichkeit Geht über Himmel und Erde weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Propheten all, Die teuren Märt'rer allzumal Loben dich, Herr, mit großem Schall; Die ganze werte Christenheit Rühmt dich auf Erden allezeit; Dich, Gott Vater, im höchsten Thron, Deinen rechten und einigen Sohn, Den heiligen Geist und Tröster wert Mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. haft verschmäht, zu lösen das menschlich' Geschlecht; Du hast dem Tod zerstört sein' Macht und all' Christen zum Himmelbracht; Du figst zur Rechten Gottes gleich Mit aller Ehr' ins Vaters Reich; Ein Richter du zukünftig bist Alles, das tot und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit deinem Blut erlöset sein; Laß uns im Himmel haben teil Mit den Heil'gen in ew'gem Heil; Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, das dein Erbteil ist; Wart und pfleg ihr zu aller Zeit Und heb sie hoch in Ewigkeit! 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Und ehr'n dein'n Namen stätiglich. Behüt uns heut', o treuer Gott, Für allerSünd' und Missethat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, Sei uns gnädig in aller Not; Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu 3. Du König der Ehren, Jesu dir steht! Auf dich hoffen wir, Christ! Gott Vaters ewigerSohn lieber Herr, In Schanden laß du bist; Der Jungfrau Leib nicht uns nimmermehr! Amen. D. Martin Luther 1529. Eigene Mel.( Sir. 50, 24-26.) 2. Nun danket alle Gott Mit| zählig viel zu gut Bis hieher hat Herzen, Mund und Händen, Der gethan! große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib UndKindesbeinen an UnEvangelisches Gesangbuch. 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unsrem Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden 1 100/00 Color HO 2 geben, Und uns in seiner Gnad' Erhalten fort und fort, Und uns aus aller Not Erlösen hier und dort! I. Allgemeine Gebetlieder. 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Dem einig höchsten Gott, Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jehund und immerdar! Martin Rinkart 1648. Eigene Mel.( Pf. 57, 8 2c. 103, 1-5.) Not Hat nicht der gnädige Gott Über dir Flügel gebreitet! 3. Lobe den Herren, den mäch-| freundlich geleitet! In wie viel tigenkönig der Ehren; Stimme, du Seele, mit ein zu den himmlischenChören! Kommet zuhauf! Psalter und Harfe, wacht auf, Laffet den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, Der dich auf Adlersgefieder so ficher geführet, Der dir beschert, Was dich erfreuet und nährt! Dank es ihm innigft gerühret! 2 Mof. 19,4. 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich 4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet! Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet! 5. Lobe den Herren und seinen hochheiligen Namen; Lob ihn, was in mir ist, mit dem erkorenen Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht! Lob ihn in Ewigkeit! Amen. Joachim Neander 1679. Eigene Melodie.( Pf. 145.) jeder Odem ein Gesang! 4. daß ich tausend Zungen der Puls mein Leben lang Und hätte Und einen tausendfachen Mund! Ich stimmte damit um die Wette Vom allertiefsten Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan. 3. Jhr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräser in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet sein Und stimmet lieblich mit mir ein! 2. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß Und stehet munter im Geschäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Wär'je4. Ach alles, alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat, Soll fich mir zum Gehilfen geben; I. Allgemeine Gebetlieder. Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn. 5. Lob sei dir, o mein Gott und Vater, Für Leib und Seele, Hab und Gut; Lob sei dir, milde: ster Berater, Für alles, was dein Lieben thut, Daß mir in deiner weiten Welt Beruf und Wohlsein ist bestellt. 6. Mein treuster Jesu, sei gepriesen, Daß dein erbarmungsvolles Herz Sich mir so hilfreich hat bewiesen Und mich durch deinenTodesschmerz Vom Sündenelend hat befreit Und dir zum Eigentum geweiht. 7. Auch dir sei ewig Lob und Ehre, Oheilig werter Gottesgeist, Für deines Trostes süße Lehre, Die mich ein Kind des Lebens heißt. Was Gutes soll an mir gedeihn, Das wirkt dein göttlich Licht allein. 8. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du bist es, Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld Unsäglich gnädige Geduld. 9. Demütig küss'ich deine Rute, Womit du mich gezüchtigt haft. 3 Wie viel thut sie mir doch zu gute! Sie ist mir eine sanfte Last Und macht mich fromm und zeugt dabei, Daß ich dir lieb und teuer sei. Ebr. 12, 6. 10. Jch habe ja mein Lebetage Es schon so manchesmal geſpürt, Daß du mich unter vieler Plage Getreulich haft hindurchgeführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Troftlicht auch gewahr. 11. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden In deinem stäten Lobe stehn? Wie wollt' ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphierend weiter gehn? Und ging's auch in den Tod hinein, So will ich doch nicht traurig sein. 12. Ich will von deiner Güte singen, Solange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, Solange sich mein Herz bewegt; Ja, wann der Mund wird kraftlos sein, So stimm' ich noch mit Seufzen ein. 13. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin! JmHimmel soll es besser werden, Wann ich bei deinen Engeln bin; Da bring' ich mit der sel'gen Schar Dir tausend Hallelujah dar! Johann Menker 1704. Eigene Mel.( Pf. 103, 1-13.) 5. Womit soll ich dich wohl| Sendemir dazuvon oben Deines loben, Mächtiger Herr Zebaoth? Geistes Kraft, mein Gott! Denn 4 I. Allgemeine Gebetlieder. ich kann mit nichts erreichen 6. O wie hast du meine Seele Deine Gnad' und Liebeszeichen. Tausend- tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! Stetsgesucht zu dir zu ziehn! Daß ich nicht mein Heil verfehle, Soll ich zu den Wunden fliehn, Die 2. Herr, entzünde mein Ge- mich ausgefühnet haben und mir müte, Daß ich deine Wunder- Kraft zum Leben gaben. Taumacht, Deine Gnade, Treu' und send: tausendmal sei dir, Großer Güte Froh erhebeTag und Nacht, König, Dank dafür! 1 Petri 2, 24. Da von deinen Gnadengüffen 7. Ja, Herr, lauter Gnad' und Leib und Seele zeugen müssen! Wahrheit Sind vor deinem AnTausend- tausendmal sei dir, gesicht; Du, du trittst hervor in Großer König, Dank dafür! Klarheit, In Gerechtigkeit, Ge3. Denk' ich, wie ich dich verricht; Läsfest uns in deinen Werlaffen, Wie ich häufte Schuld auf ten Deine Güt' und Allmacht Schuld, So möcht' ich aus Scham merken.Tausend- tausendmal sei erblassen Vor der Langmut und dir, Großer König, Dank dafür! Geduld, Womit du, o Gott, mich 8. Bald mit Lieben bald mit Armen Haft getragen ausErbar- Leiden Kamst du, Herr, mein men! Tausend- tausendmal sei Gott, zu mir, Nur mein Herze dir, Großer König, Dank dafür! zu bereiten, Ganz sich zu ergeben 4. Ach ja, wenn ich überlege, dir, Daß mein gänzliches VerMit was Lieb' und Gütigkeit Du langen Möcht' an deinem Wildurch so viel Wunderwege Mich len hangen. Tausend: tauſendgeführt die Lebenszeit, So weiß mal sei dir, Großer König, ich kein Ziel zu finden Noch die Dank dafür! Tiefen zu ergründen. Tausendtausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 9. Wie ein Vater nimmt und giebet, Nachdem's Kindern nüßlich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist Und dich meiner angenommen, Wenn's aufs Äußerste gekommen. Tausend- tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 10. Mich hast du auf Adlersflügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln. Wunderbar errettet mich; Schien 5. Du, Herr, bist mir nachgelaufen, Mich zu reißen aus der Glut; Denn da mit der Sünder Haufen Ich nur suchte irdisch Gut, Hießest du auf das mich achten, Wonach man zuerst soll trachten. Tausend: tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! I. Allgemeine Gebetlieder. 5 mir alles zu zerrinnen, Ward du hast zu mir geneiget, Jesu, ich doch der Hilfe innen. Tausend tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! deine Freundlichkeit; Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd' ich stets noch eingeladen. Tau: send: tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 11. Fielen tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehnmal mehr, Ließest du mich doch begleiten Durch der Engel starkes Heer, Daß den Nöten, die mich drangen, Ich jedennoch bin entgangen. Tausend- tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! Pf. 91, 7. 13. Tausendmal sei dir gesungen, Herr, mein Gott, solch Lobgesang, Weil es mir bisher gelungen; Ach laß meines Lebens Gang Ferner noch durch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten! Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir! Ludwig Andreas Gotter 1697. 12. Vater, du hast mir erzeiget Lauter Gnad'und Gütigkeit; Und Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c.( 1 Tim. 2, 1-4.) 6. Herr, höre! Herr, erhöre!| unsern König sehn, Ihn schützen Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus; Behüte alle Stände Durch deiner Allmacht Hände, Beschüße Kirche, Land und Haus! auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone In vollem Glanze laffen stehn! 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schallen Zu unsrer Seelen Nutz; Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten, Beut allen deinen Feinden Truß! 5. Laß alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen, Schaff jedermann sein Recht, DaßFried' und Treu' sich müssen In unsrem Lande küssen; Ja segne Mann, Weib, Herrn und Knecht. Pf. 88, 11 2c. 3. Gieb du getreue Lehrer Und unverdroßne Hörer, Die beide Thäter sei'n; Auf Pflanzen und Begießen Laß dein Gedeihen fließen Und Früchte reichlich ernten ein! 4. Du wollst uns hoch beglücken, Mit hellen Gnadenblicken Auf 6. Erhalt in jeder Ehe Beim Glücke wie beim Wehe Rechtschaffne Frömmigkeit; In Unschuld und in Tugend Gedeihe unsreJugend, zu deines Reiches Dienst bereit! 7. D Vater, wend in Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden Und Sturm und Hagel ab; Be I. Allgemeine Gebetlieder. 6 wahr des Landes Früchte Und mache nicht zunichte, Was deine milde Hand uns gab! 8. Laß alle gift'gen Seuchen Von unsern Grenzen weichen, Gieb uns gesunde Luft; Laß Mißwachs, teure Zeiten Sich nicht bei uns verbreiten, Danach dem Brot der Hunger ruft! 9. Gedenke voll Erbarmen Der Leidenden und Armen; Verirrte bring herein; Die Witwen und die Waisen Wollst du mit Troste ſpeisen, Wenn sie zu dir um Hilfe schrein! 10. Komm als ein Arzt den Kranken, Und die im Glauben 7. Ach bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes Lift! Mel. Christus, der ist mein Leben 2c.( Luk. 24, 29.) 2. Ach bleib mit deinen Worten Bei uns, Erlöser wert, Auf daß uns hier und dorten Sei Güt' und Heil beschert! 3. Ach bleib mit deiner Klarheit Bei uns, du wertes Licht; Umgürt uns mit der Wahrheit, Damit wir irren nicht! wanken, Laß nicht zu Grunde gehn; Die Alten heb und trage, Damit sie ihre Plage Geduldig können überstehn! 11. Die Reisenden beschütze, Bleib der VerfolgtenStüße; Die Sterbenden begleit Mit deinen Engelscharen, Daß sie im Frieden fahren zu Zions Freud' und Herrlichkeit! 12. Nun, Herr, du wirst er: füllen, Was wir nach deinem Willen In Demut jetzt begehrt. Wir sprechen gläubig Amen In unsers Jesu Namen; So ist gewiß der Wunsch gewährt. Benjamin Schmold 1715. 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Heil, Gnad' und all' Vermögen Reichlich in uns vermehr! 5. Ach bleib mit deinem Schuhe Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht truke Noch uns bestrick' die Welt! 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, du Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Not! 7. Ach bleib mit deinem Frieden Bei uns auch noch im Tod, Und sprich uns zu, den Müden: Ihr seid versöhnt mit Gott! Josua Stegmann 1629. B. 7 neuerer Zusah. Mel. Dieweil ich auferstehe 2c.( Pj. 119, 94.) 8. Solang ich hier noch walle,| sprech' bei jedem Falle: Herr, Soll dies mein Seufzer sein, Jch hilf mir, ich bin dein! I. Allgemeine Gebetlieder. 2. Wenn morgens ich erwache Und schlafe abends ein, Befehl' ich Gott die Sache: Herr, hilf mir, ich bin dein! 3. Geh' ich an die Geschäfte, So bitt' ich zum Gedeihn Ihn um Verstand und Kräfte: Herr, hilf mir, ich bin dein! 4. Will sich mein Fleisch vergehen, Betrogen von demSchein, So halt' ich an mit Flehen: Herr, hilf mir, ich bin dein! 5. Wenn mich die Sünden kränken, So kann ich noch allein An den Verfühner denken: Herr, hilf mir, ich bin dein! 6. Fühl' ich mich schwach im Beten, und ist mein Glaube klein, 9. Beherrscher aller Welten! JmStaube bet' ich an. Wie könnt' ich dir vergelten, Was du an mir gethan? War nicht an jedem Morgen, Gott, deine Güte neu Und machte mich von Sorgen, Von Gram und Kummer frei? 2. D Gott, wie viele Sünden Hast du mir schon verziehn! Ach laß mich Gnade finden Und segne mein Bemühn, Mich selber zu bezwingen, zu thun, was dir gefällt, Das Kleinod zu erringen, Das ew'gen Wert behält! 3. Gott, alle meine Tage Sind Beugen deiner Huld. Wie oft 7 Soll mich sein Geist vertreten: Herr, hilf mir, ich bin dein! 7. Wenn ich in Leidenstagen Bei seiner Rute wein', So will ich kindlich sagen: Herr, hilf mir, ich bin dein! Mel. Valet will ich dir geben zc.( Klaglieder 3, 22-24.) 8. Will Satan mich berauben, Und macht die Welt mir Pein, Ruf' ich getroft im Glauben: Herr, hilf mir, ich bin dein! 9. Macht auch mein Herz mir Grauen, Der Herr sei nicht mehr mein, So seufz'ich vollVertrauen: Herr, hilf mir, ich bin dein! 10. In meinen legten Stunden Schäß' ich mich heil und rein Durch meinesHeilands Wunden: Er hilft mir, ich bin sein! Philipp Friedrich Hiller 1767. traf eine Plage Mich nur aus eigner Schuld! O möchte doch dein Segen, Der mich bisher erfreut, Mich dringen und bewegen Zur thät'gen Dankbarkeit! 4. Gieb, daß ich dir vertraue, Der du die Liebe bleibst, Auch wann du mich auf rauhe Und steile Pfade treibst; Wann in Gefahr und Schmerzen Mein Geist will mutlos ſein, So flöße meinem Herzen Geduld und Hoffnung ein! 5. Zum Besten soll mir dienen Das Leiden dieser Zeit; Noch ist sie nicht erschienen, Die große 1.7 ch d n I. Allgemeine Gebetlieder. Herrlichkeit Und Wonne, die die Sie säen unter Weinen Und Deinen Dereinst beglücken soll; ernten freudenvoll. Friedrich Eberhard, Prinz von Hohenlohe- Kirchberg 1796. 8 Mel. Herr, wie du willst 2c.( 1 Kön. 3, 5-15.) 10. Gott, deine Güte reicht so| 3. Jch bitte nicht um Ehr' und weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit Und eilst uns beizustehen: Herr, meine Burg, mein Fels, meinHort, Vernimm mein Flehn; merk auf mein Wort, Denn ich will vor dir beten! Pf. 36, 6. 2. Jch bitte nicht um Überfluß Und Schätze dieser Erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden; Gieb mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen! Eigene Mel.( 1 Mos. 18, 27.) 11. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring' ich dir, du Menschensohn: Laß dich finden, Laß dich finden, Bin ich gleich nur Asch' und Thon! Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigentum Laß mich nur nie verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt' ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes Leben: Jm Glücke Demut, Mut in Not, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden! Christian Fürchtegott Gellert 1757. 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt' dich, Lenke mich nach deinem Sinn! Dich alleine Jch nur meine, Dein erkaufter Erb' ich bin: Laß dich finden, Laß dich finden, Gieb dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre! Ich begehre Nichts als deine freie Gnad', Die du giebest, Wo du liebest Und man dich liebt in der That: Laß dich finden, Laß dich finden, Der hat alles, der dich hat! 4. Rein, voll Wonne, Wie die Sonne, Ist, o Seelenfreund, dein Herz; Ich nur finde Noch der Sünde Tötend Gift in mir mit Schmerz: Laß dich finden, Laß dich finden, Schaff in mir ein reines Herz! 5. Tief in Nöten Hilf mir beten, Kindlich beten, Herr, vor dir; Ach erscheine, Wann ich weine, Bald mit deiner Hilfe mir: Laß I. Allgemeine Gebetlieder. dich finden, Laß dich finden, Denn mein Herz verlangt nach dir! 6. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichtum, Wollust, Ehr' und 12. Herr Jesu, Gnadensonne, Wahrhaftes Lebenslicht! Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Angesicht Nach deiner Gnad' erfreuen Und meinen Geift erneuen: Mein Gott, versag mir's nicht! 2. Vergieb mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich; Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben: Ach Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner Seelen Den alten, eitlen Sinn, Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich künftighin zu deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin! Mel. Herr Christ, der einig zc.( Jef. 38, 17. Mal. 3, 20.) 4. Befördre dein Erkenntnis In mir, mein Seelenhort, Und öffne mein Verständnis Durch dein lebendig Wort, Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe, Ja wachse fort und fort! 9 Freud', Sind nur Schmerzen meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit: Laß dich finden, Laß dich finden, Großer Gott, ich bin bereit! Joachim Neander 1679. 5. Mit deiner Kraft mich rüste, zu freuz'gen die Begier Und alle bösen Lüste, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb' in dir! 6. Ach, zünde deine Liebe In meiner Seele an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann, Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn! 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Mut! Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft und thut; Hingegen all mein Sinnen, Mein Laffen und Beginnen Ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu', Wend allen Seelenschaden Und mach mich täglich neu; Gieb, daß ich deinen Willen Getreulich mög' erfüllen, Und steh mir kräftig bei! Ludwig Andreas Gotter 1697. Eigene Mel.( Jat. 1, 17.) 13. Gott, du frommer Gott,| Dhn' den nichts ist, was ist, Von Du Brunnquell aller Gaben, dem wir alles haben! Gefunden 10 1. Allgemeine Gebetlieder. Leib gieb mir, Und daß in solchem| dabei, Daß von unrechtem Gut Leib Die Seele unverletzt, Rein Nichts untermenget fei! das Gewissen bleib'! 2. Gieb, daß ich thu' mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein Befehl In meinem Stande führet; Gieb, daß ich's thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und dann gerate mir's Durch deinen Segen wohl! 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauren Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gieb Geduld; vor Sünd' Und Schanden mich bewahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar! 7. Laß mich an meinem End' Auf Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir, Hinauf zu deinen Freuden; Dem Leib ein Räumlein gönn Bei frommer Christen Grab, Auf daß er seine Ruh' An ihrer Seite hab'! 8. Wann du die Toten wirst An jenem Tag aufwecken, Wollst du auch deine Hand zu meinem Grab ausstrecken; Laß hören deine Stimm', Ruf meinen Leib hervor, Und führ ihn schön verklärt Zum auserwählten Chor! 9. Gott Vater, dir sei Preis Hier und im Himmel droben! Herr Jesu, Gottes Sohn, Sch will dich allzeit loben! Oheil'ger Geist, dein Ruhm Erschall jemehr und mehr! Dreiein'ger Herr und Gott, Dirsei Lob, Preis und Ehr'! Johann Heermann 1630. B. 9 Zusatz 1659. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen; Laß kein unnüßes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gieb den Worten Kraft Und Nachdruck ohn' Verdruß! 4. Findt sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen; Gieb einen Heldenmut, Das Kreuz hilf selber tragen! Gieb, daß ich meinen Feind Mit Sanftmut überwind'; Gieb Freunde, die mit Rat Und That mir nahe sind! 5. Laß mich mit jedermann In Fried' und Freundschaft leben, Soweit es christlich ist! Willst du mir etwas geben An Reichtum, Gut und Geld, So gieb auch dies Mel. Mein Jesus lebt 2c.( Ps. 111.) 14. Herr von unendlichem| zen Sünderheer, Für deine Huld Erbarmen, Du unergründlich in Jesu Christ, Die vor der Welt Liebesmeer! Ich danke dir mit gewesen ist. andern Armen, Mit einem gan2. Für dein so allgemein Er I. Allgemeine lösen, Für die Verfühnung aller Schuld, Für deinen Ruf an alle Bösen Und für das Wort von deiner Huld, Ja für die Kraft in deinem Wort Dankt dir mein Herze hier und dort. 3. Für deinen heil'gen Geist der Liebe, Der Glauben wirkt in unsrem Geist, Für dieses Glaubens Kraft und Triebe, Wodurch sich deine Macht erweist, Für die Befestigung darin Dankt dir mein neugeschaffner Sinn. 4. Für dein so tröstliches Versprechen, Daß deine Gnade ewig sei: Wenn Berge stürzen, Hügel brechen, So bleibt dein Bund und deine Treu'; Wenn Erd' und Himmel weicht und fällt, So lebt doch Gott, der Glauben hält; 5. Für deine teuren Sakramente, Die Siegel deiner wahren Schrift, Wo Gott, damit ich glauben könnte, Ein Denkmal seiner Wunder stift't: Für dieſe Gnaden in der Zeit Dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 6. Ja, Mund und Herze soll dir danken; Doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken Und gründe mich auf diesen Grund, Erhalte nur durch deine Treu' Auch bis ans Ende mich dabei! Gebetlieder. 11 7. Laß mir dein allgemein Erbarmen, Das allgemeine Lösegeld, Den allgemeinen Ruf der Armen, Den allgemeinen Trost der Welt, Die Mittel, welche allgemein, Den festen Grund des Glaubens sein! 8. Du gabst ja mir auch solche Gnaden, Auch ich, ich habe teil daran; Ich lag ja mit in gleichem Schaden, Für mich ist auch genug gethan; An deinem Worte, Troft und Heil Gehört mir mein besondres Teil. 9. An diesem kann ich nun erkennen, Daß ich dein Kind in Gnaden bin; Du willst mir Du selbst die Ehre gönnen, gabst den Sohn für mich dahin, Der war den Sündern zugezählt, In dem die Sünder auserwählt. 10. Laß mich in Liebe heilig leben, Unsträflich dir zum Lobe sein; Versichere mein Herz daneben: Es reiße keine Lust noch Pein Mich von der Liebe Gottes hin, Weil ich in Christo Jesu bin. 11. Tod, Leben, Trübsal, Angst und Leiden, Was Welt und Hölle in sich schließt, Nichts soll mich von der Liebe scheiden, Die da in Christo Jesu ist. Ja, Amen, Vater aller Treu', Zähl mich den Auserwählten bei! Philipp Friedrich Hiller 1729. 12 I. Allgemeine Gebetlieder. Mel. Wie selig bin ich 2c.( Pf. 51, 12.) 15. Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit, Ich fleh' um deinen Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit Dein teures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, O Vater, lehr er mich, Die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich. 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit; Gern thun, was dir gefällt, Wirkt reinere Zufriedenheit Als alles Glück der Welt. 4. Ve cauen hab' ich dann zu dir; Dann schenket auch dein Geist Das freudige Bewußtsein mir, Daß du mir gnädig ſeiſt. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, Zur Tugend stärk er mich Und zeige, wenn ich traurig bin, Auch mir als Tröster sich. 6. Er schaff in mir ein reines Herz, Versiegle deine Huld, Und er bewaffne mich im Schmerz Mit Mut und mit Geduld. Christoph Friedrich Neander( nach Hiller) 1774. Eigene Mel.( Joh. 15, 26.) 3. Bis wir fingen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott, der Herr! Und schauen dich von Angesicht In ew'ger Freud' und sel'gem Licht. 4. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, Dem heil'gen Geist in einem Thron! Der heiligen Dreifaltigkeit SeiLob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm II, Herzog von Sachsen- Weimar?- 1651. 16. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend Und deinen heil': gen Geist uns send; Mit Hilf'und Gnad' er uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ! 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein; Den Glauben mehr, stärkden Verstand, Daß uns dein Nam' werd' wohl bekannt; Mel. O Gott, du frommer 2c. oder: Ach Gott, verlaß mich nicht zc. ( Nehem. 13, 31. Lut. 23, 42.) 17. Ach Gott, gedenke mein, wenn du, Bater, willst Ob deiGedenke mein zum besten! Dies ist das schöne Wort, Das mich allein mag trösten. Ich fürchte keine Not Und keine Angst noch Pein, Solang ich rufen kann: Ach Gott, gedenke mein! nem Kinde schweben, Wenn ich von deinem Schutz Kann unvergeffen sein? Drum bitt' ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! 3. Ach Gott, gedenke mein! Blick her zu deinem Kinde, Weil ich sonst nirgends Ruh' Und Rettung besser finde, Auch keine 2. Ach Gott, gedenke mein! Wie könnt' ich sichrer leben, Als 44 I. Allgemeine Gebetlieder. Hilfe weiß, Denn nur bei dir allein. Drum ruf' ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! 4. Ach Gott, gedenke mein! Zwar nicht an meine Sünde, Wodurch ich mich des Rechts Der Kindschaft selbst entbinde; Ach nein, im besten laß Mich dir befohlen sein: Gedenk an Gnad' für Recht! Ach Gott, gedenke mein! 5. Ach Gott, gedenke mein! Bin ich ein Übertreter, So ist mein Jesus da Als meiner Seele Retter; Will Sünde, Höll' und Tod Den Untergang mir dräun, So hilft er, weil ich ruf': Ach Gott, gedenke mein! 6. Ach Gott, gedenke mein Mit reichem Trost und Segen! Behüte jedes Haus, Gieb Glück auf unsern Wegen! Flöß mir den reinen Trieb Des heil'gen Geis13 tes ein; Erhör mich, wenn ich ruf': Ach Gott, gedenke mein! 7. Ach Gott, gedenke mein, Gedenke mein im Leiden! Wann alles mich zuletzt Verläßt bei meinem Scheiden, So bitt' ich, lasse dir Die Seel' befohlen sein In meiner Todesnot: Ach Gott, gedenke mein! 8. Ach Gott, gedenke mein! Ja, ja du willst gedenken. Du hast dem Schächer dort Die Gnade wollen schenken, Daß er noch selben Tag Im Paradies sollt' sein; Drum ruf' ich auch mit ihm: Ach Gott, gedenke mein! 9. Nun, Gott gedenket mein, Er denket mein im besten! Dies ist das schöne Wort, Das mich allein mag trösten. Jetzt fürcht' ich keine Not Und keine Angst noch Pein; Mein Rufen ist erhört: Mein Gott gedenket mein! Albrecht Adam 1699. Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c.( P₁. 25.) 18. Nach dir, o Gott, ver- Gift Solch Übel in mir angelanget mich, Mein Gott, ich stift't, Daß sich der matte Geist denke stets an dich; Zieh mich nicht kann Davor recht schwingen nach dir, nach dir mich wend, himmelan. Aus Zion deine Hilfe send! 2. DieSonnenblum' folgt ihrer Sonn', So folg' ich dir, o meine Wonn'; Nur wünsch' ich, daß ich könnte hier Ganz frei von Sünden folgen dir. 3. Doch leider hat der Sünde 4. Ach, wer wird mich befreien doch Von meinem schwerenSündenjoch? D Herr, ich sehne mich nach dir: Befreie mich und hilf du mir! 5. Es ist mein Will' nach dir gericht't, Doch das Vollbringen ac I. Allgemeine Gebetlieder. 14 mir gebricht; Und wenn ich auch hab' Guts gethan, Klebt doch Unreines noch daran. 6. Gedenke, daß ich bin dein Kind, Bergieb und tilge meine Sünd', Daß ich zu dir mit freiem Lauf mich schwingen könne himmelauf! 7. Den Sinn der Welt rott in mir aus, Sei du nur Herr in meinem Haus; Den Schild des Glaubens mir verleih, Und brich des Feindes Pfeil' entzwei! 8. Nach dir, mein Gott, laß mir forthin Gerichtet sein den ganzen Sinn! Ich eigne dich mir gänzlich zu Und such' in dir nur meine Ruh'. 9. Hinweg, hinweg, du schnöde Luft, Bleib mir auf ewig unbewußt! Was fortan mich vergnügen soll, Des ist allein der Himmel voll. Jof. 7, 13. 3. Herr, habe acht auf mich! Hast du allmächtiglich DenStrick zerrissen, So laß, dem Feind zu Truk, Mich deinen starken Schuk Nun stets genießen! 4. Herr, habe acht auf mich! Die Schlange mühet fich, mit ihren Tücken Ein Herz, das du 10. Ach alles, was mich reißt von dir, Du höchstes Gut, das treib von mir; In dir, mein Gott, in dir allein Laß hinfort meine Freude sein! Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig 1667. Mel. Mein Jesu, der du mich zc.( Jer. 18, 19. Pf. 121.) 19. Herr, habe acht auf mich, befreit, Von der Einfältigkeit Bald zu verrücken. 2 Ror. 11,3. Und reiß mich kräftiglich Von allen Dingen! Denn ein gefesselt Herz Kann sich ja himmelwärts Durchaus nicht schwingen. 5. Herr, habe acht auf mich! Die Welt legt listiglich In solchen Dingen, Die sie unschuldig nennt, Weil sie sich selbst nicht kennt, Viel Nek' und Schlingen. 2. Herr, habe acht auf mich! Schaff, daß mein Herze sich Im Grund bekehre; Trifft vom verborgnen Bann Dein Auge noch was an, Herr, das zerstöre! 6. Herr, habe acht auf mich! Töt in mir mächtiglich Die Eigenliebe, Trägheit, Lust, Furcht und Neid, Menschengefälligkeit, Unlautre Triebe! 7. Herr, habe acht auf mich, Und laß mich ritterlich Den Kampf bestehen; Wenn Satan, Sünd' und Welt Mich stürmend überfällt, Nicht übergehen! 8. Herr, habe acht auf mich! Die Liebe nennet dich Israels I. Allgemeine Gebetlieder. 15 Hüter; Du schläfft und schlum-| D zeuch mich ganz in dich Mit merst nicht, Dein blihend Angesicht Schlägt Feinde nieder. 9. Herr, habe acht auf mich! Dein Herz ist mütterlich, Das heißt dich wachen; DasKind liegt sorgenlos, Sanft in der Mutter Schoß, Die wird's schon machen. 10. Herr, habe acht auf mich! Leib und Seele! Dein bin ich, du bist mein, Du, den ich mir allein Zum Hort erwähle. 11. Herr, habe acht auf mich Beim letzten Kampf, wann ich Von hinnen scheide; Führ mich durch dein Geleit In deine Herrlichkeit, Zur ew'gen Freude! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1744. Eigene Mel.( Pf. 38, 22. 143, 10.) 20. Ach Gott, verlaß mich nicht! Gieb mir die Gnaden hände; Ach führe mich, deinkind, Daß ich den Lauf vollende Zu meiner Seligkeit; Sei du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schuh: Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wallen; Ach laß mich nimmermehr In Sünd' und Schande fallen; Gieb mir den guten Geist, GiebGlaubenszuversicht, Sei meine Stärk' und Kraft: Ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf'aus Herzensgrunde: Ach Höchster, stärke mich In jeder bösen Stunde; Wenn mir Versuchung naht Und meine Seel' anficht, So weiche nicht von mir: Ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Komm gnädig mir entgegen; Ach Vater, kröne doch mit reichem Himmelssegen Die Werke meines Amts, Die Werke meiner Pflicht, Zu thun, was dir gefällt: Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Jch bleibe dir ergeben; Hilf mir, o großer Gott, Recht glauben, chriftlich leben Und seligscheiden ab, Zu sehn dein Angesicht; Hilf mir in Not und Tod: Ach Gott, verlaß mich nicht! Salomo Frand?- 1724. Eigene Mel.( Matth. 6, 19-21. 33.) 21. Urquell aller Seligkeiten,| Des erhabnen Geists Beschwerde, Die in Strömen sich verbreiten Durch der Schöpfung weit Gebiet, Bater, hör mein flehendLied! Um die Weltlust komm' ich nicht, Vater, vor dein Angesicht. 3. Schätze, die mich nicht verlaffen, Wann ich sterbend werd' 2. Nicht um Güter dieser Erde, 16 I. Allgemeine Gebetlieder. erblaffen, Tugenden, des Chris les Harren, bis der Tod Mich ten wert, Sind es, die mein erlöst auf dein Gebot; Herz begehrt. 9. Seelenruhe, Mut im Sterben, Wann die Lippen sich entfärben Und der letzte Seufzer spricht: D mein Jesu, laß mich nicht! 10. Willst du, Herr von meinem Leben, Diese Seligkeit mir geben, So wird auch die Leidensnacht mir zum heitern Tag gemacht. 11. Immer will ich beten, ringen, Stille harren, Dank dir bringen, Bis dein Ruf einst meinen Geist Zu dir, Vater, kommen heißt. Geber aller guten Gaben! Festen Glauben möcht' ich haben, Wie ein Meerfels unbewegt, Wenn an ihn die Woge schlägt; 5. Lieb', aus deinem Herzen stammend, Immer rein und im mer flammend, Liebe, die dem Feind verzeiht Und dem Freund das Leben weiht; 6. Hoffnung, die mit hohem Haupte, Wenn die Welt ihr alles raubte, Hinblickt, wo sie wonnevoll Alles wieder finden soll; 7. Starken Mut im Kampf des Christen Mit der Welt und ihren Lüften; Sieg dem Geist und, wenn er siegt, Demut, die im Staub sich schmiegt; 8. Duldung, alle Lebensplagen MitGelassenheit zu tragen; Stil Eigene Mel. 22. Der du das Los von meinen Tagen Und meines Lebens Glück und Plagen Mit Güt' und Weisheit mir bestimmt, Dir, Gott, dank' ich mit frohem Herzen, Das seine Freuden, seine Schmerzen Aus deinen Segenshänden nimmt. 2. Du hast im Lauf von meinem Leben Mehr Glück als Leiden mir gegeben, Mehr Guts, als ich verdient, beschert. Muß 12. Seele, gieb dich nun zufrieden: Jesus kommt und stärkt die Müden; Nur vergiß nie sein Gebot: Sei getreu bis in den Tod! Christian Friedr. Dan. Schubart 1780. ( Jer. 29, 11.) ich den Abend lang' auch weinen, Läßst du mir doch die Sonne scheinen, Wann kaum der Morgen wiederkehrt. 3. Soll ich nach deinem Wohlgefallen Durch mancher Prüfung Enge wallen, Die Fleisch und Blut mir schwerer macht, So darf mein Herz doch nicht verzagen; Ich weiß, du bist bei meinen Plagen Stets auf mein wahres Wohl bedacht. I. Allgemeine Gebetlieder. 17 4. Selbst aus des Lebens Bit- meinem Haupte fällt. Auf dich terkeiten Weißt du mein Glück mir zu bereiten und schaffst aus Finsternissen Licht; Du bahnst vor mir die rauhen Stege Und leitest mich auf meinem Wege, Wann Licht und Leitung mir gebricht. allein kann ich vertrauen Und meiner Zukunft Hoffnung bauen In dieser unbeständ'gen Welt. 6. Ja, Herr, es sei mein ganzes Leben Bloß deiner Leitung übergeben, Bis dieser Leibesbau zerbricht. Ob Berge fallen, Hügel weichen Und Welten sich zum Einsturz neigen, So weicht doch deine Gnade nicht. Johann Samuel Patte 1765. 5. Drum soll vor dir mein Herz sich stillen; Ich weiß, daß ohne deinen Willen Kein Haar von Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c.( Ps. 25, 4 2c.) 23. Gott, Bater in dem Him-| Kreuzesbild Sei meiner Seele mel, sprich Dein Wort des Se- Sonn' und Schild. gens über mich, Daß ich im Frieden jeden Tag Beginnen und vollenden mag. 2. Herr, was mir deine Hand bestimmt, Was sie mir spendet oder nimmt, Glück oder Weh, das gelte mir Als Segen und Geschenk von dir. 3. Gieb mir ein Herz, durch Gnade fest, Das dich in allem walten läßt Und unbedingt mit Kindesmut In deinem Vaterwillen ruht. 4. Hilf, daß ich züchtig, flug und treu InWorten, Sinn und Werfen sei und alles, was zur Sünde rät, In mir besiege durch Gebet. 5. Laß deines Sohnes Gnadenschein Beständig mir im Herzen sein; Sein Leben, Wort und Evangelisches Gesangbuch. 6. Fällt mir ins Herz dein Lebenswort, Dann wirke du, daß es sofort Im Innern auffeimt, Wurzel schlägt Und Frucht für dich und andre trägt. 7. Bedroht mich Trübsal und Gefahr, So rette du mich immerdar, Und laß mich, wenn ich Hilfe fand, Demütig küssen deine Hand. 8. Sinkt aus der Hand mein Wanderstab, Geh' ich ins finstre Thal hinab, So nimm, o Gott, mein Heiland, dann Dich meiner Seele herzlich an. 9. Schent mir im letzten Augenblick Ein Vorgefühl von jenem Glück, Das du nach Tageshik' und Last Den Deinen dort be reitet haft! Samuel Gottlieb Bürde 1817. 2 18 I. Allgemeine Gebetlieder. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( 1 Tim. 6, 6-10.) 24. Ach Gott des Himmels!| hangen. Die Zeit ist kurz, uns ruft das Grab; Laß mich das haben, was ich hab', Als wenn ich es nicht hätte. laffe mir Und allen auf der Erden Den uns so väterlich von dir Beschiednen Teil stets werden; Gieb jedem immerdar nach Not Sein zugedachtes täglich Brot Und ein genügsam Herze. 2.GiebMäßigkeit und Dankbar: keit, Wann du uns viel beschieden; Und wann uns weniger bereit, So mach uns doch zufrieden. Leg uns nur deinen Segen zu; Wo man dir traut, erstattest du Durch Segen alle Mängel. 3. Gieb, daß uns keine Sorge frißt; Laß ein abgöttisch Geizen, Das alles Übels Wurzel ist, Uns nicht zu Lüsten reizen; Laß mich die Lügen nicht zum Schild, Das Gold mir nicht zum Gözenbild, Den Bauch zum Gott nicht machen. 4. Laß mich nicht Ehre, Lust und Geld Mir selbst zum Strick verlangen; Gebrauch' ich etwa dieser Welt, Laß mich nicht daran 5. Ach präge stets mir in den Sinn, Daß ich, um hauszuhalten, Gesetzt in deine Güter bin, Sie redlich zu verwalten. Eseilt ja schon der Tag herzu, Da willst du, daß ich Rechnung thu' Von allen deinen Gütern. 6. GiebFrieden und Zufriedenheit Auf allen unsern Wegen; Verleih uns fromme Obrigkeit Und kröne sie mit Segen; Die Untern lehre insgemein Gewissenhaft, gehorsam sein Und für die Obern beten. 7. Laß deiner Gnade Sonnenschein In unsrem Lande glänzen; Laß keine Feinde bei uns ein Und schüße unsre Grenzen; Laß deiner Engel starke Schar Um uns bei drohender Gefahr zur festen Mauer werden! Philipp Friedrich Hiller 1731. Mel. Echmücke dich zc.( Joh 14, 13. Matth. 6, 33.) 25. Herr, vor dem die Engel| 2. Alles darf ich dir bekennen, knieen Und in sel'ger Andacht glühen; Herr, dem Sonne, Mond und Sterne Willig dienen nah' und ferne; Herr von unzählbaren Reichen, Großer König ohnegleichen! Du vergönnst auch mir zu beten, Kindlich vor dich hinzutreten. Darf im Sohn dich Vater nennen; Und du blickst, wie Väter pflegen, Mir voll Lieb' und Huld entgegen, Hörst, was ich von dir begehre, Trocknest meines Jammers Zähre, Giebst mir noch vor meinem Flehen Über Bitten und Verstehen. I. Allgemeine Gebetlieder. 19 3. D so höre, Vater, höre, Was Führer, Gieb auch mir, Gott, ich demutvoll begehre: Laß mich inniglich entbrennen, Dich zu suchen, zu erkennen, Daß mich, wo ich bin und lebe, Deine Herrlichkeit umschwebe, Und ich dich in Freud' und Schmerzen Immer trag' in meinem Herzen! zum Regierer, Daß ich keinen Pfad erwähle, Drauf ich meines Ziels verfehle, Daß ich treu nach Wahrheit ringe, Jede Sündenluft bezwinge, Christlich froh sei, christlich leide, Christlich fromm auch einst abscheide! 6. Willst du, Herr, zum Geis4. Er, der für uns wollte sterben Zur Erlösung vom Verder- tesleben Auch noch Erdengut ben, Jesus, bleibe meine Freude, mir geben: Gieb Gesundheit, Daß ich nie von ihm mich scheide. Mag der Weltsinn auch das Sehnen Meines Herzens stolz verhöhnen, Halt mich fest in diesem Glauben, Laß mir nichts dies Kleinod rauben! Mut und Kräfte, Segen zum Berufsgeschäfte, Daß ich, Dürftige zu laben, Immer mög' ein Scherflein haben, Und daß Liebe, Fried' und Treue Mich bei deinem Volk erfreue! 5. Deinen Geist, der Schwachen Johann Christoph Fröbing 1797. Eigene Mel.( Matth. 26, 39. Pf. 31, 6.) 26. Herr, wie du willst, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben! Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, Herr, nicht verderben! Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst! Gieb mir Geduld; Dein Will', der ist der beste. 2. Zucht, Ehr' undTreu' verleih mir, Herr, Und Lieb' zu deinen Worten; Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr', Und gieb mir hier und dorten, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend ab all' Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben! 3. Soll ich einmal nach deinem Rat Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freuden! Mein' Leib und Seel' befehl' ich dir; O Herr, ein selig End' gieb mir Durch Jesum Christum! Amen. Kaspar Bienemann 1574. Eigene Mel.( Ps. 136, 1-4. Sir. 50, 24-26.) 27. Nun danket all' und bring-| 2. Ermuntert euch und singt et Ehr', Ihr Menschen in der Welt, Jhm, den da preist derEng el Heer Allzeit im Himmelszelt! mit Schall Gott, unsrem höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut; I. Allgemeine Gebetlieder. 20 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält Und, wo kein Mensch mehr helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet güt'gen Muts, DieStraf' erläßt, die Schuld vergiebt Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Erfrische Geist und Sinn Und werf all' Angst, Sorg', Furcht und Schmerz InMeerestiefe hin. 6. Er laffe seinen Frieden ruhn Auf unsrem Vaterland; Er gebe Mel. Allein Gott in der Höh' zc.( 5 Mos. 32, 3. Ps. 34, 2-10.) 28. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüte Mit seinem reichen Troft erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt uns rem Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', DHerrscher aller Thronen; Und die in Lüften, Land und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfermacht, Die alles also wohl bedacht. Gebt unsrem Gott die Ehre! Glück zu unsrem Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er laffe seine Lieb' und Güt' Um, bei und mit uns gehn, Was aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. 8. Solange dieses Lebenwährt, Sei er stets unser Heil; Und wann wir scheiden von der Erd', Verbleib er unser Teil. 9. Er drücke, wann das Herze bricht, Uns selbst die Augen zu Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ew'gen Ruh'. Paulus Gerhardt 1648. 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten; In seinem ganzen Königreich st alles recht und alles gleich. Gebt unsrem Gott die Ehre! 4. Jch rief dem Herrn in meiner Not: Ach Gott, vernimm mein Weinen! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mirTrost erscheinen.Drum dank' ich, Gott, drum dank' ich dir; Ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unsrem Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stätig hin und her. Gebt unsrem Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilfe mangeln muß, Die alle Welt erzeiget, I. Allgemeine Gebetlieder. So kommt, so hilft der Überfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die nirgendwo sonst finden Ruh'. Gebt unfrem Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören; Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue dich. Gebt unfrem Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unsrem Gott die Eigene Mel. 29. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in Tod; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel' gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat. Hallelujah, Hallelujah! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, Und sinken wieder in den Staub; Ihre Anschläge sind auch verloren, Wann nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hilfe an. Hallelujah, Hallelujah! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Des Hilfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Und hofft getroft auf Jesum Christ. 21 Ehre; Jhr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unsrem Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott: Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Gebt unfrem Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, Mit Jauchzen Dank zu bringen; Bezahlet die gelobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht. Gebt unsrem Gott die Ehre! Johann Jakob Schüß 1675. ( Ps. 146.) Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rat und That. Hallelujah, Hallelujah! 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden Und was darinnen ist, gemacht. Alles muß treulich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ist's, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Hallelujah, Hallelujah! 5. Sollt' er was sagen und doch nicht halten? Sollt' er was reden und nicht thun? Kann auch der Wahrheit Kraft veralten? Kann auch sein wallend Herze ruhn? Er sinnt und sorgt aufs allerbest'; Wohl dem, der sich auf ihn verläßt! Hallelujah, Hallelujah! 6. Siehet er Seelen, die Unrecht leiden, Er ist's, der ihnen I. Allgemeine Gebetlteder. 22 Recht verschafft; Hungrigen will er genug bescheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft; Die hart Gebundnen macht er frei, Und seiner Gnad' ist mancherlei. Hallelujah, Hallelujah! 7. Sehende Augen giebt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn; Wo er kann gläubige Seelen finden, Die läßt er seine Liebe sehn; Sein Aufsehn ist des Fremdlings Trup; Witwen und Waisen hält er Schuß. Hallelujah, Hallelujah! 8. Aber der Gottesvergeßnen 9. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Des, der so große Wunder thut; Alles, was Odem hat, rufe: Amen! Und bringe Lob mit frohem Mut! Jhr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heil'gen Geist! Hallelujah, Hallelujah! Johann Daniel Herrnschmidt( V. 5 Joh. Job) 1714. Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich; Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Hallelujah, Hallelujah! Eigene Mel.( Pj. 103.) 30. Nun lob, mein' Seel', den Herren, Was in mir ist, den Namen sein, Des Gnaden stets sich mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Er hat die Schuld vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Beschirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt dem Adler gleich, Schafft Recht und treu behütet, Die leiden für sein Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Auch seine Güt'ohn'Maßen; Ihm mangelt's an Erbarmung nicht. Den Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Will Gnade nimmer sparen, Zeigt Blöden seine Huld. Sein Mitleid ist so labend Für die, so fürchten ihn; So fern der Oft vom Abend, Ist unsre Sünde hin. 3. Wie Väter sich erbarmen, Wenn ihre schwachen Kinder schrein, So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihn fürchten kindlich rein. Gott kennt uns arme Knechte, Er weiß, wir sind nur Staub, Ein nichtiges Geschlechte, Wie Blum' und fallend Laub: Der Wind darüber wehet, So ist es nimmer da; Also der Mensch vergehet, Sein End', das ist ihm nah'. 4.DieGottesgnad'alleine Bleibt stät und fest in Ewigkeit; Sie I. Allgemeine Gebetlieder bleibt bei der Gemeine, Die steht in seiner Furcht bereit. Sein Bund ist nicht veraltet, Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet Des Lobs und dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein Herz soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. 23 Ehren Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist! Der woll in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Uns gründen ganz auf ihn Und kindlich auf ihn bauen Mit Herzen, Mut und Sinn, Daß wir ihm treu anhangen Bis zu der letzten Stund'. Das laß er uns erlangen! Amen 5. Sei Lob und Preis mit von Herzensgrund. Johann Gramann 1540. 2. 5 früher Zusak. Mel. Du, Gott, bist über alles zc.( 1 Petri 4, 13. Ebr. 2, 17. 18.) 31. Dir dankt mein Herz, dir jauchzt mein Lied, Dein freut mein Glaube sich: Im Himmel, den mein Aug' einst sieht, Lebst, Heiland, du für mich. 2. Du haft dies Thränenthal gesehn, Wo ich ein Pilger bin; Dort, wo du jetzo thronest, gehn Des Pilgers Wege hin. 3. Auf Erden warst du auch geprüft Durch Kummer, Angst und Weh. O Trost, wann ich, in Angst vertieft, Durch schwere Proben geh'! 4. Ich weiß, voll Mitleid neigst du dich zu deiner Brüder Schmerz; Wär' alles fühllos gegen mich, Nie wird's dein göttlich Herz. 5. Herr, nirgends find' ich eine Lieb' Wie deine, nah und fern: Du liebst bis in den Tod! O gieb, Daß ich's recht glauben lern'! 6. Der Liebe unerhörte Macht, Für wen hat sie so treu Den Kampf mit Welt und Tod vollbracht? Für mich; nun werd' ich frei. 7. Jch fürchte nichts, solang ich Ruh' In deiner Gnade find'; Dein Geist ruft meinem Herzen zu: Sieh, du bist Gottes Kind! 8. Bricht dann die Trübsal bei mir ein, So tröst' ich mich mit dir Und spreche: Ich bin nicht allein, Der Vater ist bei mir. Joh. 16, 32. 9. Was ich noch kämpfe, bahnet mir Den Weg zum Himmelreich; Du machst mich erst im Kampfe dir Und dann im Siege gleich. 10. Einst zieh' ich mit dem Sterbekleid Mein Elend alles aus; Mein Schmuck wird deine Herrlichkeit, Mein Ort des Vaters Haus, 24 1. Allgemeine Gebetlieder. 11. Mein Umgang aller Him- fühl, Mein Tagwerk ewig Preis mel Heer, Die Wonne mein Ge- und Ehr', Die ich dir bringen will. Johann Gottfried Schöner 1810. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( 1 Mos. 32, 10. Pf. 8, 5.) 32. Dir dank' ich für mein Leben, Gott, der du mir's gegeben, Ich danke dir dafür. Du hast, durch Huld bewogen, Mich aus dem Nichts gezogen, Durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bis diesen Augenblick; Du gabst mir frohe Tage, Und selbst der Leiden Plage Verwandeltest du in mein Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, Der Treue zu geringe, Mit der du mich bewacht; Damit ich Staub und Erde Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Sehnen Und zähltest meine Thränen, Ch' ich bereitet war; Noch eh' mir ward das Leben Von deiner Hand gegeben, Herr, wogst du schon mein Teil mir dar. 5. Du ließest Troft mich finden Und sahst doch meine Sünden Vorher von Ewigkeit. O Höchster, welch Erbarmen: Du ſorgest für mich Armen Und bist ein Vater, der verzeiht! 6. Für alle deine Treue, Für das, des ich mich freue, Lobsinget dir mein Geist. O herrliches Geschenke, Daß ich durch ihn dich denke, Daß er dich heute dankbar preist! 7. Daß du mein Leben fristest Und mich mit Kraft ausrüsteſt, Dies, Vater, dank' ich dir; Daß du mich liebreich führest, Mit deinem Geist regierest, Dies alles, Vater, dank' ich dir. 8. Was mir in diesem Leben Noch nüßt, wirst du mir geben; Du giebst's, ich hoff' auf dich. Dir, Vater, dir befehle Ich meinen Leib und Seele; Herr, segne und behüte mich! Diterich( nach Gellert) 1765. Eigene Mel.( Joh. 14, 23. Röm. 16, 20.) 33. Gott, der Bater, wohn| Aus Herzensgrund vertrauen, uns bei, Und laß uns nicht verderben; Mach uns aller Sünden frei, Und hilf uns selig sterben! Vor dem Teufel uns bewahr; Halt uns bei festem Glauben; Und auf dich laß uns bauen, Dir uns lassen ganz und gar; Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels Listen, Mit Waffen Gott's uns fristen! Amen, Amen, das sei wahr, So singen wir Hallelujah! II. Lieder von Gott. 2.Jesus Christus, wohn uns bei, Und laß uns nicht verderben 2c. 25 3.Heil'gerGeifte, wohn uns bei, Und laß uns nicht verderben 2c. D. Martin Luther 1524. II. Lieder von Gott. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Eigene Mel.( Matth. 28, 19. Eph. 4, 5. 6.) 34. Wir glauben all' an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wirseine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel' auch wohl bewahren; AllemUnfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren. Er forget für uns; hüt't und wacht, Es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gleicher Gott von Macht und Ehren; Von Maria, der Jungfrauen, Ist ein wahrer Mensch 35. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, Herr Gott, der doch mein Alles ist, Mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, was decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich Im Finstern eine Sonne? Keine Reine, Wahre Freude, Auch im Leide, Auch für Sünden Jst, Herr, außer dir zu finden. 2. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, Mein Herr, Ergeboren Durch den heil'gen Geist in Glauben; Für uns, die wir war'n verloren, Am Kreuz gestorben und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt Und mit Gaben zieret schöne; Die ganz'Christenheit auf Erden Hält in einem Sinn gar eben; Hie all'Sünd'vergeben werden; Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. D. Martin Luther 1524. Mel. Wie schön leucht't zc.( Pf. 43, 4.) löser, Jesu Christ, Mein Friede und mein Leben? Heilst du mich nicht, wo find' ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Teil? Giebst du nicht, wer wird geben? meine Eine Wahre Freude, Wahre Weide, Wahre Gabe Hab' ich, wenn ich Jesum habe. 3. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, O Geist, der uns gegeben ist Zum Führer der Erlöften? Bist du nicht mein, was 26 II. Lieder von Gott. sucht mein Sinn? Führst du mich Eine Wahre Freude, Trost im nicht, wo komm' ich hin? Hilfft Leide, Heil für Schaden Ist in du nicht, wer will trösten? Meine dir, o Geist der Gnaden. Philipp Friedrich Hiller 1762. V. 3 Alb. Knapp 1837. Eigene Mel.( Luk. 2, 14.) 36. Allein Gott in der Höh' gebor'n Deines himmlischen sei Ehr' Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade. Gott Wohlgefallen an uns hat; Nun ist groß' Fried' ohn' Unterlaß, All' Fehd' hat nun ein Ende. Vaters, Verfühner derer, die verlor'n, Du Stiller unsers Haders! Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, Nimm an die Bitt' in unsrer Not: Erbarm dich unser aller! 2. Wir beten an und loben dich Für deine Ehr' und danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn' alles Wanken; Ganz ohne Maß ist deine Macht, Allzeit geschieht, was du bedacht. Wohl uns des guten Herren! 3. D Jesu Christ, Sohn ein4. Dheil'ger Geist, du höchstes Gut, Allerheilsamster Tröster! Vor Satans Macht nimm uns in Hut, Die Jesus Christ erlöset Durch Marter groß und bittern Tod! Wend allen Jammer ab und Not, Darauf wir uns ver| Yaffent! Nikolaus Decius( von Hof) 1526. ( Offenb. Joh. 7, 11. 12.) Blut erkauft, In dessen Tod wir sind getauft, Das sich mit uns vermählet. Heilig, Selig Ist die Freundschaft Und Gemeinschaft, Die wir haben, Und darin wir uns erlaben. 3. Hallelujah! Gott, heil'ger Geist, Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glau2. Hallelujah! Preis, Ehr' und ben ausgeziert, Dem BräutiMacht Sei auch dem Gottes- gam uns zugeführt, Den Hochlamm gebracht, In dem wir sind zeittag erkoren. Heil uns, Heil erwählet, Das uns mit jelent, uns! Da ist Freude, Da ist Glessen Mel. Wie schön leucht't zc. 37. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr' Sei unsrem Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke; Von Ewigkeit zu Ewig: keit Sei in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke. Klinget, Singet: Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Weide, Himmlisch Manna Und ein ewig Hosianna! 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr' Sei unsrem Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller 27 Himmel Schar, Und singet nun und immerdar Mit Freuden Amen, Amen! Klinget, Singet: Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! Darmstädter Gesangbuch 1698. Mel. Es ist das Heil 2c.( Jes. 45, 5. 6. Pf. 95, 1-8.) 38. Der Herr ist Gott und keiner mehr. Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er So herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam' ist groß, Er ist unend: lich, grenzenlos In seinem gan= zen Wesen. 2. Er ist und bleibet, wie er ist. Wer strebet nicht vergebens Ihn auszusprechen? Wer ermißt Die Dauer seines Lebens? Wir Menschen sind von gestern her; Eh' noch die Erde war, war er, Und eher als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, Das ihn vor uns verhüllet; Jhn fassen alle Himmel nicht, Die seine Kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen und auch offenbar In seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, fennet, was er schafft, Der Wesen ganze Kette; Bei ihm ist Weisheit und Verstand, Und er umspannt mit seiner Hand Die Erde samt dem Himmel. 5. Ist er nicht nah'? Ist er nicht fern? Weiß er nicht aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn Ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsternis, Was ihr beginnt; er sieht's gewiß, Er sieht es schon von ferne. 6. Wer schüßt den Weltbau ohne dich, O Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein Fittich über alle; Du bist voll Freundlichkeit, vollHuld, Barmherzig, gnädig, voll Geduld, Ein Vater, der verschonet. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut Undreiner als die Sonne. Wohl dem, der deinen Willen thut; Denn du vergiltst mit Wonne. Du haft Unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig sein, Hast Freuden, Gott, die Fülle. 8. Dir nur gebühret Lob und Dant, Anbetung, Preis und Ehre; Kommt, werdet Gottes Lobgefang, Jhr alle seine Heere! 28 II. Lieder von Gott. Der Herr ist Gott und keiner ist wie er, So herrlich, so vollmehr. Wer ist ihm gleich, wer kommen? Eigene Mel.( 2 Mof. 15, 2. 3. Pf. 139.) 39. Gott ist mein Lied. Er ist der Gott der Stärke; Herr ist sein Nam', Und groß sind seine Werke, Und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und spricht's, So sind und leben Welten; Und er gebeut, So fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr nichts. 3. Licht ist sein Kleid Und seine Wahl das Beste; Er herrscht als Gott, Und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn' Anfang Gott, Und Gott in ew'gen Zeiten: Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war In Himmel, Erd' und Meere, Das kennet Gott; Und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich Vor oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. Johann Andreas Cramer 1765. 7. Er ist dir nah', Du sikest oder gehest; Ob du ans Meer, Ob du gen Himmel flöheft, So ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn Und allen Rat der Seele; Er weiß, wie oft Jch Gutes thu' und fehle, Und eilt mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, Wie lang' ich leben sollte, Da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre; Herr, immerdar Soll deines Namens Ehre, Dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht Von deinen Wundern faffen? Ein jeder Staub, Den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, Ihr Auen, Thal und Hügel, Ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, Führst uns auf grüne Weiden; Und Nacht und Tag, Und Korn und Wein, und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; Sollt' ich mein Herz Nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? 15. Jst Gott mein Schutz, Will A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 29 Gott mein Retter werden, So und nach Erden Und biete ſelbst frag' ich nichts Nach Himmel der Hölle Truß. Christian Fürchtegott Gellert 1757. ( Pf. 18, 47. Jef. 28, 10.) 3. In linden und leichten, erträglichen Tagen Vermeinet ein jeder gefasset zu sein; Ist aber ein ernstliches Treffen zu wagen, So stellet sich furchtsame Blödigfeit ein. Nur Gottesbekannte Und Schirmesverwandte Sind tüchtig, in allerlei Fällen zu stehen Und allem, was feindlich, entgegenzugehen. Mel. Es glänzet der Christen zc. 40. Gott lebet! Sein Name giebt Leben und Stärke, Er bleibet der Seinigen Sonne und Schild. Sobald ich, so oft ich sein Regen vermerke, So fühl'ich mich innig mit Kräften erfüllt. Sein bin ich ganz eigen, Das muß sich wohl zeigen; Laß alles, was widrig und trokig ist, kommen: Mir wird doch mein Ruhm und mein Gott nicht genommen. 2. O Seelen, vernehmet den göttlichen Willen! Das Höchste, das Beste, das giebt er so gern. Eröffnet das Herz nur, so wird er es füllen, Versucht es, erkennet und lobet den Herrn! Seid ihr noch entfernet, So sehet und lernet, Was manche an seinen durchdringenden Gaben, Ja selber an ihm, dem Lebendigen, haben. 4. Wer glaubet, der fleucht nicht. Es muß ihm wohl gehen, Es birget sich vor ihm die Furcht und Gefahr; Und ehe die Trägen den Gegner ersehen, So wird er des Siegs und des Preises gewahr. Er sieht sich berufen Von Stufen zu Stufen, Und weil er auf Gottes Verheißung sich lehnet, So wird er mit himmlischem Segen gekrönet. D. Johann Albrecht Bengel 1738. Mel. Nun danket alle Gott zc.( Ps. 8. Spr. 23, 26.) 41. Wie herrlich ist, o Gott, Dich preisen Erd' und Meere, Dein Ruhm in allen Landen! Und Himmel predigen Die WunDie Himmel und ihr Heer Sind der deiner Ehre. Dich bet' ich durch dein Wort entstanden; Du dankbar an, Mein Heil kommt sprichst, und es geschieht, Ge- von dem Herrn. Du hörst der beutst, so steht es da. Mit All- Menschen Flehn, Und du erretmacht bist du mir Und auch mit test gern. Güte nah'. 3. Wenn ich die Himmel seh', Die du, Herr, ausgebreitet, Der 2. Du bist der Gott der Kraft, II. Lieder von Gott. 30 Sonne Majestät, Den Mond, den du bereitet, So sprech' ich: Was ist doch Der Mensch, daß du sein denkst, Und daß du täglich uns Unzählig Gutes schenkst? 4. Wie Schafe lässt du uns Auf grüner Aue weiden, Nährst uns mit Speis' und Trank, Füllst unserHerz mit Freuden. Dusahst mich, eh' der Grund Der Welt geleget war, Stundst meiner Mutter bei, Als sie mich dir gebar. 5. Du wogst mein Glück mir dar Und Leiden, die mich üben; Und meiner Tage Zahl Ist in dein Buch geschrieben. Du bist der Frommen Schuk, Du bist der Müden Ruh', Ein Gott, der gern verzeiht: Wie gnädig, Gott, bist du! 6. Herr, dein Gebot ist Heil, Dein Weg ist Fried' und Leben: Wie sollt' ich dir, dem Gott Der Liebe, widerstreben? Umsonst lockt mich die Welt, Die breite Straßen zieht; Jch hasse ihren Weg, Weil mich dein Auge sieht. 7. Auch wenn kein Mensch mich sieht, Will ich die Sünde fliehen; Denn du wirst alle Welt Vor dein Gericht einst ziehen. Ich will, wenn sich mein Fleisch Hinsehnt, wo du nicht bist, Bedenken, daß mein Leib, D Gott, dein Tempel ist. 8. Was frag' ich außer dir Nach allem Glück der Erde, Wenn ich nur deiner Huld, D Gott, versichert werde? Wie sanft ist dein Gebot: Gieb mir dein Herz, mein Sohn, Und wandle meinen Weg; Ich bin dein Schild und Lohn! Diterich( nach Gellert) 1765. Mel: Gott, mein Gott, dir will ich singen zc.( Pf. 139.) 42. Herr, allwissend und allsehend, Deiner Welt unendlich nah'! Vor dir bin ich stehend, gehend; Sik' ich wo, so bist du da. All mein Denken, all mein Sorgen, So geheim, so schwach es sei, Steht vor dir entdeckt und frei, Nichts ist deinem Aug' verborgen; Du bist um und an um mich, Waltend, wach und väterlich. 2. Jeden Weg, Herr, den ich mache, Jedes Wort, das aus mir fließt; Wo ich hoffe, weine, lache, Wo mein Herz durchkümmert ist; Wo ich voll erhitzten Blutes Will, was ich nicht wollen soll; Wo ich guter Triebe voll, Dankbar, eifrig, guten Mutes Deinem Tempel laufe zu: Alles das durchschauest du. 3. Ja du schaffst, was ich beginne, Und du giebst mir's an die Hand; Was ich irgend Schönes A. Gottes Wesen und Eigenschaften. finne, Ist gewiß nicht mein Verstand; Was ich jeden Tag verrichte, Sei es wichtig oder klein, Leitest du, Gott, weislich ein. Meinen Rat machst du zunichte; Droht Versuchung dort und hier, Hältst du deine Hand ob mir. 4. Deine Einsicht zu ergründen, Reicht der Menschen Wit nicht hin; Deines Waltens Art zu finden, Ist zu viel für meinen Sinn. Deine Nähe, deine Ferne, Deine Größe, die die Welt Denkt, schafft, trägt, bewegt, erhält, Ist, je mehr ich forsch' und lerne, Einem schwachen Wurm zu schwer, Welcher ist von gestern her. Siob 25, 6. 5. Führ' ich durch des Himmels Breiten zu der Sonn- und Sternenbahn; Lief' ich durch der Länder Weiten Hin, soweit man laufen kann; Flög' ich als mit Adlersflügeln, Wo der junge Morgen blüht, Wo des Tages Licht verglüht An den goldbe: malten Hügeln; Zög' ich gar dem Grabe zu Und der Höll': auch da bist du! 6. Schlich' ich mich auf öde Heiden, In die Wüsten fern am Meer, Würdst du mich auch da begleiten, Ja mich führen selbst daher. Spräch' ich: ,, Dunkel soll mich decken!" Ist die Nacht dir nicht auch Tag? Und vor deinem 31 Aug', wer mag Sich in Finsternis verstecken? Meines Herzens tiefster Grund, Wunsch und Sorge sind dir fund. 7. Schon mein Gott in Mutterleibe, Hast du mich zur Welt gebracht; Schon bedacht war, wo ich bleibe, Schon die Herberg'angesagt. Alle meine Lebenstage, meine erst' und letzte Nacht Waren schon von dir durchdacht, Jeder Stunde Luft und Plage, Jeder Schickung Sonderheit Bis zum Rand der Lebenszeit. 8. O wie sind die Werke wichtig, Die dein Wort ins Leben rief! Und wie ist dein Denken richtig, Reich und scharf, genau und tief! Welche liebende Gedanken Wendest du, mein Gott, an mich Schonungsvoll und väterlich, Ohne Maß und Zahl und Schranken! Durch die Nacht erwäg' ich dies, Und kein Schlaf thut mir so süß. 9. Manche wollen, Gott der Götter, Deine Werk' und dich nicht sehn. Möge doch der Rat der Spötter Bald und ganz zu Grunde gehn, Die dein Gnadenwerk nicht spüren, Vom Gefühl der Gottheit los, Nur in ihrer Thorheit groß, Gute Seelen gern verführen! Hilf mir, wie sie mich verschmähn, Allzeit ihnen widerstehn! 10. Gott, du kennest Herz und 00000000000 32 Sinnen, Siehe recht genau auf mich Und erforsche mein Beginnen! Etwan lieb' und fürcht' ich dich, Etwan siehst du manche genug, Etwan steckt noch wo ein Trug, Etwan ist mein Herz noch böse: Gott, da wende mich noch heut' Auf den Weg der SeligBlöße Und mich noch nicht treu keit! Johann Adam Lehmus 1762. 11. Lieder von Gott. Mel. Was Gott thut zc.( 2 Tim. 2, 19.) 43. Der Vater kennt dich.| 4. Der Vater kennt dich. Laß Kenn auch ihn, Erkenn ihn wohl, o Seele! Ob finstre Wolken dich umziehn, Den höchsten Freund erwähle. Ist er nur dein, Bist du nur sein: Mag dich die Welt verkennen, Er wird sein Kind dich nennen. die Macht Der Sünde nie dich beugen! Gottschaut dich, wo kein Richter wacht; Verehre diesen Zeugen! Ihn täuscht nicht Lug Noch- Frevlertrug; Was Nächte dicht umgeben, Muß einst ans Licht sich heben. 2. Der Vater kennt dich. Sei dein Schmerz In deiner Brust verborgen: Es weiß um ihn das Vaterherz, Jhm klage deine Sorgen. Zu Gott empor! Vernimmt fein Ohr, D Christ, dein banges Sehnen: Dein Vater zählt die Thränen. 5. Der Vater kennt dich. Segnest du Geheim die Armen, Kranken? Verklärst du einsam deine Ruh' Durch himmlische Gedanken? Dich sieht der Geist, Der Vater heißt: Kein stilles Thun, kein Sinnen Kann seinem Aug' entrinnen. 3. Der Vater kennt dich. Deine Kraft, Dein Heil hat er ermessen. Der allen Wesen Freude schafft, Der sollte dein vergessen? Nicht wähne fern Die Hand des Herrn; Wenn Hilf' und Lust dir fkommen, Wird seine Stunde kommen. 6. Der Vater kennt dich. Sei die Bahn Der Zukunft nicht vertündet: Des lieben Vaters Blicke sahn, Was hier kein Aug' ergründet. Mit frommer Scheu Sei ihm getreu! Der ew'gen Liebe Flügel Trägt dich auf Zions Hügel. Wilhelm Nikolaus Freudentheil 1829. Eigene Mel.( Ps. 139.) 44. ew'ger Geist, des| Mit seiner Kraft in alle Dinge, Wesen alles füllet, Und den kein Ort in seine Grenzen hüllet, Der Dem nichts zu groß, nichts zu geringe! unumschränkt Sich niedersenkt 2. Kein Salomo kann einen A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Tempel bauen, Von welchem man dich könnt' umschlossen schauen; Denn schon dein Saum Füllt deffen Raum: Es müssen Himmel, Meer und Erden Ein Schauplaß deiner Ehre werden. 3. Will unser Fuß hinauf in Wolken steigen, So wird dein heller Glanz daselbst sich zeigen; Steigt er hinab In Höll' und Grab, Senkt er sich zu des Meeres Gründen, So wird er dich, du ihn da finden. 4. Dein Auge sieht, was Nacht und Abgrund decken, Es kann sich nichts vor deinem Licht verstecken, Es dringet ein In Mark und Bein; Dein Flammenauge muß die Tiefen Des Herzens und der Nieren prüfen. 33 Nicht alles kund, So kannst du selbst des Herzens Sehnen Mit Segen und Erhörung krönen. 6. Bor Menschen bleibt jetzt manches Thun verborgen, Dir aber ist die Nacht ein klarer Morgen; Und dein Gericht Wird an das Licht und an die helle Sonne bringen, Was Finsterniffe jetzt umringen. 7. D Auge, das nicht Trug und Falschheit leidet! Wohl dem, der auch verborgne Sünden meidet, Der, los und frei Von Heuchelei, Vor dir und Menschen redlich handelt Und unter deiner Aufsicht wandelt! 5. Du weißt und hörst, was deine Kinder beten, Du siehst, wenn sie verborgen vor dich tre- Augen schließe! ten; Macht gleich ihr Mund 45. Gott ist getreu. Sein Herz, sein Vaterherz Verläßt die Seinen nie. Gott ist getreu. Jm Wohlfein und im Schmerz Erfreut und trägt er sie. Mich decket seiner Allmacht Flügel; Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu. 8. Erforsche selbst die innersten Gedanken, Ob sie vielleicht von deiner Nichtschnur wanken; Lenk Herz und Sinn Zur Wahrheit hin, Sei du der Leitstern meiner Füße, Bis ich, mein Licht, die 2. Gott ist getreu. Er ist mein treuster Freund, Dies weiß, dies hoff' ich fest. Ich weiß gewiß, daß Evangelisches Gesangbuch. Mel. Es ist genug 2c.( 1 Kor. 10, 13.) Johann Jakob Rambach 1720. er mich keinen Feind zu hart versuchen läßt; Er stärket mich nach seinem Bunde In meiner Prüfung trübsten Stunde. Gott ist getreu. 3. Gott ist getreu. Er thut, was er verheißt: Er sendet mir sein Licht. Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, So irr' und gleit' ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, Sein 0100100 II. Iteder von Gott. 34 Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu. 4.Gott ist getreu. Er handelt väterlich, Und was er thut, ist gut, Die Trübsal auch; Mein Vater beffert mich Durch alles, was er thut. Die Trübsal giebt Geduld und Stärke Zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu. 5. Gott ist getreu. Er hat uns selbst befreit Von unsrer Sündennot Durch seinen Sohn, durch dessen Heiligkeit Und blut'gen Opfertod. Damit wir möchten nicht verderben, Ließ er den Eingebornen sterben. Gott ist getreu. 6. Gott ist getreu. Er, des ich ewig bin, Sorgt für mein ewig Wohl: Er rufet mich zu seinem Himmel hin, Will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden Und läßt mich Trost durch Christum finden. Gott ist getreu. 7. Gott ist getreu. Stets hat sein Vaterblick Auf seine Kinder acht. Er sieht mit Luft, auch wenn ein irdisch Glück Sie froh und dankbar macht; Was uns zu schwer wird, hilft er tragen, Und endlich stillt er alle Klagen. Gott ist getreu. 8. Gott ist getreu. Mein Herz, was fehlt dir noch, Dich Gottes stets zu freun? Sei Gott getreu, und fürchte nichts, mag doch Die Welt voll Falschheit sein! Selbst falscher Brüder Neid und Tücke Gereicht am Endemir zum Glücke. Gott ist getreu. 1 Mof. 37. 9. Gott ist getren. Vergiß, o Seel', es nicht, Wie zärtlich treu er ist; Gott treu zu sein sei deine liebste Pflicht, Weil du so wert ihm bist. Halt fest an Gott, sei treu im Glauben, Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu. 46. Gott ist getreu. Er selbst hat's oft bezeuget; Hier ist sein Wort, das gilt doch ewiglich. Er hat zu mir sein Vaterherz geneiget, Fest glaub' ich es, niemals verläßt er mich. An meiner Treu' ermangelt mancherlei; Das wußte, der mit mir den Bund gemacht, Und der mein Elend pünktlich überdacht, Und schenkt mir doch das Wort: Gott ist getreu. Ehrenfried Liebich 1768. Mel. So führst du doch zc.( 5 Mos. 32, 4.) 2. Gott ist getreu. Das hab' ich deinem Munde Oft nicht geglaubt, du frommes Vaterherz. Ich ängstigte mich in der Prüfungsstunde und häufete vergeb lich meinen Schmerz; Ch' ich's gedacht, da war die Not vorbei. Das hab' ich nun so oft und viel erlebt. D Schande, wenn mein Herz aufs neue bebt! Ist's nicht noch heute wahr: Gott ist getreu? 35 A. Bottes Wesen und Eigenschaften. 3. Gott ist getreu. Ich wag's auch heut' mit Freuden Auf dich, o Vater, denn ich bin dein Werk, Mein Jesu, auf dein Leben und Verscheiden, Gott, heil'ger Geist, auf deine Gnad' und Stärk'. Ich bin nichts wert, o das bekenn' zulett, zuletzt gewiß! Selbst mein Gefühl, daß ich so elend sei, Und meine Furcht vorm Rückfall wirket er, Nur daß er brünstiger mich beten lehr'; Und hilft doch immer durch. Gott ist getreu. 6. Gott ist getreu. Will mich ich frei. Weg Eigenwert, dein schon Trägheit quälen, Er Schimmer reicht nicht weit! Mein Element ist nur Barmherzigkeit, Daraus entspringt der Trost: Gott ist getreu. 4. Gott ist getreu. Ich fühl's an meiner Seelen, An welcher er bisher so viel gethan. Ich kann sein Werk und Treue nicht verhehlen: Durch seinen Geist lieb' ich die schmale Bahn, Sein Wort, sein Reich; und immer wird mir neu Sein Bild, wo ich's an seinen Kindern find'; Und bin nun nimmer wie die Welt so blind; Fehl' ich, Gott zeigt's, Gott hilft. Gott ist getreu. trägt, er treibt, er schenkt mir neue Kraft. Gott ist getreu. Will mir der Glaube fehlen, Läßt er sein Werk doch nicht, der alles schafft. Gott ist getreu. Ob noch so mancherlei Daheim und draußen mich und andre kränkt, Kenn'ich doch den, der alles weislich lenkt, Der mich auch kennt und liebt. Gott ist getreu. 7. Gott ist getreu. Ach drücke die dreiWorte, Dreiein'ger Gott, doch tief in meinen Sinn, Mit welchen ich dann wohl an jedem Orte Auf jeden Fall in dir gewappnet bin! Es werde deine Treu' mir stündlich neu; Nur laß auch mich dir immer treuer sein, Bis ich vollendet einst vor dir erschein und ewig rühmen kann: Gott ist getreu. 5. Gott ist getreu. Wie oft hat er mein Flehen Nach Wunsch erhört in großerkümmernis! Worinnen ich noch muß auf Hoffnung säen, Geduld, das kommt Johannes Muthmann 1738. Mel. Wo Gott, der Herr 2c.( Ps. 145, 8-21.) 47. Es muß ein treues Herze sein, Das uns so hoch kann lieben, Da wir doch alle, groß und klein, Was gar nicht gut ist, üben; Gott muß nicht anders sein als gut, Daher fleußt seiner Güte Flut Auf alle seine Werke. 2. Drum, Herr, so sollen dir auch nun All deine Werke danken; Voraus dieHeil'gen, deren Thun Sich hält in deinen Schranken, Die sollen deines Reichs Gewalt Und unvergängliche Gestalt Mit vollem Munde rühmen. II. Lieder von Gott. 36 3. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm Durch alle Welt erklinge, Daß jedermann im Heiligtum Dir Dienst und Opfer bringe. Dein Reich, das ist ein ewig Reich, Dir selbst ist deine Herrschaft gleich, Der du kein End' erreichest. 4. Der Herr ist bis in unsern Tod Beständig bei uns allen, Erleichtert unsre Kreuzesnot Und hält uns, wann wir fallen; Er steuert manchem Unglückslauf Und hilft uns wieder freundlich auf, Wann wir dahin gesunken. 5. Herr, aller Augen sind nach dir Und deinem Stuhl gekehret. Denn du bist's ja, der alles hier So väterlich ernähret; Du thuft auf deine milde Hand, Machst froh und satt, was auf dem Land, In Meer und Lüften lebet. 6. Du meinst es gut und thust uns Guts, Auch da wir's oft nicht denken. Wie mancher ist betrübten Muts, Verzehrt sein Herz mit Kränken, Besorgt und fürchtet Tag und Nacht, Gott hab' ihn gänzlich aus der Acht Gelassen und vergessen! 7. Nein, Gott vergißt der Sei-| nen nicht; Er hat zu große Treue Und neigt zu uns sein Angesicht, Daß er zuletzt erfreue. Geht's gleich bisweilen herb und schlecht, Ist er doch heilig und gerecht In allen seinen Wegen. 8. Der Herr ist nah' und stets bereit, Wo man ihn kindlich ehret; Und wer nur ernstlich zu ihm schreit, Der wird gewiß erhöret. Gott weiß wohl, wer ihm hold und treu; Und solchem steht er dann auch bei, Wann ihn die Angst umtreibet. 9. Den Frommen wird kein Trost versagt, Gott thut, was sie begehren. Er mißt das Unglück, das sie plagt, Und zählt all ihre Zähren Und reißt sie endlich aus der Last; Den aber, der sie kränkt und haßt, Den stürzet er zu Boden. 10. Dies alles, und was sonsten mehr Lob, Dank und Preis kann bringen, Das soll mein Mund zu Ruhm und Ehr' Dem Höchsten täglich singen. Und also thu auch immerfort, Was lebt und webt an jedem Drt; Das wird Gott wohlgefallen. Paulus Gerhardt 1666. Mel. Werde munter 2c.( Pf. 5, 5-7. 1 Petri 1, 15-19.) 48. Gott, vor dessen Ange-| Laß uns doch zu jeder ZeitStrahsichte Nur ein reiner Wandel gilt; Ew'ges Licht, aus dessen Lichte Stets die reinste Klarheit quillt! len deiner Heiligkeit So durch Herz und Seele dringen, Daß auch wir nach Heil'gung ringen. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen, Und kein Böses ist an dir; Ewig bist du so gewesen, Und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, Istuntadelhaft und gut; Und mit deines Armes Stärke Wirkst du stets vollkommne Werke. 3. Herr, du willst, daß deinekinder Deinem Bilde ähnlich sei'n. Nie besteht vor dir der Sünder, Denn du bist vollkommen rein. Du bistnur der Frommen Freund, Allem Bösen bist du feind; Wer beharrt in seinen Sünden, Kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen, Was du uns hast zugedacht; Schaffe in uns reine Herzen, Töt in uns der Sünde Macht! Denn Mel. Es ist gewißlich zc.( Ps. 18, 26. 27. 2 Ror. 5, 9. 10.) 49. Gerechter Gott, vor dein Gericht Muß alle Welt sich stellen Und sich vor deinem Angesicht Ihr Urteil laffen fällen. Du schaust von deinem hohen Thron Ohn' alles Ansehn der Person Auf alle Menschenkinder. 37 was sind wir, Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt. Und wer kann zählen, GroßerGott, wie oft wir fehlen! 5. Uns von Sünden zu erlösen, Gabst du deinen Sohn dahin. O so reinige vom Bösen Durch ihn unsern ganzen Sinn! Gieb uns, wie dein Wort verheißt, Gieb uns deinen guten Geist, Daß er unsern Geist regiere Und in alle Wahrheit führe! 6. Jede Neigung und Begierde, Jede That sei dir geweiht; Unsers Wandels größtezierdeSei rechtschaffne Heiligkeit. Mach uns deinem Bilde gleich! Denn zu deinem Himmelreich Wirst du, Herr, nur die erheben, Die im Glauben heilig leben. Johann Christian Zimmermann 1740. 2. Du bist des Satans Werken feind Und hasfest gottlos Wesen; Der ist gewißlich nicht dein Freund, Der sich zum Zweck erlesen, Was dein gerecht Gesetz verbeut, Und der sich wahrer Heiligkeit Von Herzen nicht befleißet. 3. Du liebest das, was recht und gut, Und bist ein Freund der Frommen. Wer glaubt und deinen Willen thut, Wird von dir aufgenommen; Sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht so, wie er soll, Nach dem Gesetz vollkommen. 4. Du öffnest deine mildeHand, Das Gute zu belohnen, Und giebest als ein Liebespfand Den Frommen schöne Kronen. So zeigest du vor aller Welt, Daß es dir herzlich wohlgefällt, Wenn man das Gute liebet. URDAY 38 II. gieder von Gott. 5. Doch bleibt auch, was die Bos-| net; Da wird sich die Gerechtigheit thut, Von dir nicht ungerochen: Ein Abgrund voller Qual und Glut Wird denen zugesprochen, Die sich mitSündenluft befleckt; Ja deine Hand ist ausgestreckt, Sie hier bereits zu strafen. 6. Der Untergang der ersten Welt, Die aus der Art geschlagen, Das Feuer, das auf Sodom fällt, Ägyptens lange Plagen Und andre Wunder deiner Macht Bezeugen, wenn dein Zorn erwacht, Wie du nach Werken lohnest. 7. Bleibt hier viel Böses unge: straft, Viel Gutes unbelohnet, So kommt ein Tag der Rechenschaft, Der keines Sünders schokeit, Die jedem die Vergeltung beut, Am herrlichsten beweisen. 8. Gerechter Gott, laß meinen Sinn Wie du das Gute lieben; Nimm alle Lust zur Sünde hin; Wirk inniges Betrüben, Wenn sich dies übel in mir regt; Dein Herz, das lauter Gutes hegt, Sei Vorbild meines Herzens! 9. Und weil vor dir, gerechter Gott, KeinSünder kann bestehen, Der nicht des Mittlers Blut und Tod Zum Schild sich ausersehen, So gieb mir die Gerechtigkeit, Die mich von deinem Zorn befreit, Durch sein Verdienst zu eigen! Johann Jakob Rambach 1735. Mel. Wer weiß, wie nahe zc.( Gal. 6, 7. 8.) 50. Gott richtet immerdarauf Kinder, Bereitelst du ihr Herz schon früh, So ziehst du für die Erde Sünder Und tötest für den Himmel sie, Und büßest selbst früh oder spät, Was Geiz und Erden, Sein Auge schläft und schlummert nicht; Gerecht wird er erfunden werden, Auch wenn der Mensch ihm widerspricht; Die Welt von Anfang zeigt es klar,| Leichtsinn ausgesät. Daß Gott ist Richter immerdar. 2. Die böse Saat bringt böse Früchte; Saat auf den Geist wird Heil empfahn. Folg nicht dem lockenden Gesichte Der Sünden, die sich schmeichelnd nahn: Die Lust entflieht, mit ihrer Flucht Reift für den Tod die Sündenfrucht. 3. Erziehst du sorglos deine 4. Streckst du nach Ehr' und goldnem Glanze Trugvolle Hände gierig aus; Verderbest du der Unschuld Pflanze, Befleckest Seele, Amt und Haus: Dann hast du hier schon Seelenqual, Die deutet auf das Todesthal. 5. Lebst du in Scheelsucht, Groll und Hader, So ist's ein Mord dir im Gebein; Alsdann wird dir in A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 39 keiner Ader Ein Tropfen frohen| Sünde schont er ewig nicht, Nach Blutes sein; Gott selber legt auf seinem Wort geht das Gericht. dich die Laft: Verdammlich ist, 8. Gott folget dir auf jedem wer Brüder haßt. Schritte, Er sprenget Riegel auf und Thor; Und auch der Lauheit matteTritte Bringt strafend er ans Licht hervor; Vor ihm hüllt uns kein Dunkel ein, Jhn täuschet nicht der fromme Schein. 6. Verträumst du deine edlen Tage Mit eitlem Werk und schnödem Scherz, So sei gewiß, daß Pein und Plage Dir immer tiefer gehn durchs Herz. Kein Baum, der nur mit Blättern prangt: Die Frucht ist's, was der Herr verlangt. 7. Sprich nicht: es hat nichts zu bedeuten, Ich thu', was Tausenden gefällt. Du wirst ja nicht von schwachen Leuten Gerichtet, nein, vom Herrn der Welt; Der Mel. Zeuch mich, zeuch mich zc.( Jes. 54, 10.) 51. ,, Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht; Und der Friede hat dies Siegel, Daß Gott seinen Bund nicht bricht!" Dieses macht mich unverzagt, Weil es mein Erbarmer sagt. 9. Gottrichtet recht. Drum fleh, o Seele, Bußfertig ihn aus voller Brust: Herr, wer kann merken seine Fehle? Bekehr mich von der Sündenlust; Vergieb und stell durch deinen Sohn Mich einst gerecht vor deinen Thron! 2. Das sind Worte für die Blöden, Die sind alles Glaubens wert; Das heißt an die Herzen reden, Das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, Weil es dein Erbarmer spricht. 3. Hier ist Kraft für alle Müden, Die so manches Elend beugt; Man findt Gnade, man hat Frieden, Welcher alles übersteigt. Mein Erbarmer, sprich mir du Dies in allen Nöten zu! 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen Und der Strafen lange Pein, Ach so rede meinem Herzen Deinen Trost und Frieden ein, Daß du mir in Jesu Christ Ewig ein Erbarmer bist! 5. Gieb mir einen starken Glanben, Der dein Wort mit Freuden faßt: So kann mir der Tod nicht rauben, Was du mir geschenket hast; Auch die Hölle nimmt mir nicht, Was mein Heiland mir verspricht. Philipp Friedrich Hiller 1767. 40 II. Lieder von Gott. Eigene Mel.( Ps. 25, 8-10.) 52. Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn. Wir dürfen ihn in Demut Vater nennen; Wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehn, So sehn wir ihn von zarter Liebe brennen. Dies Wort giebt uns im Kampfe Kraft und Mut: Der Herr ist gut. 2. Der Herr ist gut. Er will der Sünder Schuld Nicht unerbittlich mit dem Schwerte rächen; Es ist bei ihm ein Reichtum der Geduld, Er heilet gern der Irrenden Gebrechen, Er segnet uns durch seines Sohnes Blut. Der Herr ist gut. 3. Der Herr ist gut und teilt sich willig mit, Sein Wesen ist ein Brunnen edler Gaben; Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, Ob wir nicht was von ihm zu bitten haben. Wo ist ein Herr, der so mit Knechten thut? Der Herr ist gut. 4. Der Herr ist gut. Kein Elend ist so groß, Er hat so Kraft als Neigung uns zu schützen; Um schließet uns der ew'gen Liebe Schoß, So können wir im stil: len Frieden sitzen; Das macht sein Schuß, daß man hier sicher ruht. Der Herr ist gut. 5. Der Herr ist gut. Wer dies im Glauben schmeckt, Wird nimmermehr aus seinem Dienste gehen; Hier wird erst recht, was Freiheit sei, entdeckt; Hier kann der Geist im rechten Adel stehen. Nichts ist umsonst, was hier der Glaube thut. Der Herr ist gut. 6. Der Herr ist gut. Er sieht in Gnaden an Den armen Dienst der Knechte, die ihn lieben; Er giebt mehr Lohn, als man erwarten kann; Kein kühler Trunk ist unvergolten blieben, Er giebt dafür die ganze Segensflut. Der Herr ist gut. 7. Der Herr ist gut und bleibt es bis zum Tod. Wir sollen ihm in seinen Armen sterben; Er will uns führen aus der letzten Not Und alles, was er hat, uns laffen erben, Und Ruhe geben, wie er selber ruht. Der Herr ist gut. 8. Der Herr ist gut. Fallt nieder vor dem Thron! Wir sind zum Segen herzlich eingeladen. Lobt unsern Gott, lobt seinen lieben Sohn, Lobt seinen heil'gen Geist, den Geist der Gnaden; Lobt ihn für alles, was er ist und thut! Der Herr ist gut. Johann Jakob Rambach 1726. V. 7. 8. Alb. Knapp 1837. Eigene Mel.( Pf. 31, 20. 1 Joh. 4, 19.) 53. Wie groß ist des Allmächt': den sie nicht rührt? Der mit vergen Güte! Ist der ein Mensch, härtetem Gemüte Den Dank A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 41 hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. erstickt, der ihm gebührt? Nein, stehn? Er sollte rufen, ich nicht seine Liebe zu ermessen Sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmut mich geleitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Guts genießen? Ist's nicht sein Arm, der alles schafft? 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll vollkommen sein wie er. Je mehr ich dies Gebot erfülle, Stell' ich sein Bildnis in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht; Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. D Gott, laß deine Güt' und Liebe Mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks. Christian Fürchtegott Gellert 1757. 3. Blick, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, Durch Gottes Güte sind sie dein; Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren Und seine Güte nicht verMel. O du Liebe meiner Liebe zc.( 1 Joh. 4, 16.) 54. Singet Gott! Denn Gott istLiebe, Liebe, die da ewig währt. Singe durch des Geistes Triebe, Wer es an sich selbst erfährt. Wenn Gott läßt den Eifer brennen, Brennt er bis zum Höllengrund; Nun er sich läßt Liebe nennen, Wird es allen Himmeln fund. 2. Liebe, die er in Erkenntnis Seines Sohnes uns bezeigt, Liebe, welche das Verständnis Aller Menschen übersteigt, Du bist weit: ob allen Kindern, Du währst lang': auf alle Zeit, Du reichst tief: zu armen Sündern, Du führst hoch: zur Herrlichkeit! II. Lieder von Gott. 42 3. Liebe, die mein Herz darf glauben, Ob sie mein Verstand nicht faßt, Laß den Feind mich dir nicht rauben, Der uns als Geliebte haßt! Liebe, laß es mir Mel. Jesu, du mein liebstes zc.( Sir. 17, 28. Pf. 103.) 55. Abgrund wesentlicher Lie: be, Gott, du allerhöchstes Gut, Das aus unerforschtem Triebe Uns so gerne Gutes thut; Unergründlich Meer der Gnaden, Sonne wahrer Freundlichkeit, Quell des Trostes in dem Leid, Arzt für unsrer Seele Schaden! Meine Seele flehet dich: O du Liebe, liebe mich! 2. Huldreich Wesen, laß dir danken, Preisen dich von Herzens grund! Deine Huld ist ohne Schranken, Unaussprechlich für den Mund, Wunderherzlich für die Sünder, Für uns Kleine viel zu groß, In der Größe grenzenlos, Väterlich für alle Kinder. Meine Seele flehet dich: Große Liebe, liebe mich! gelingen, Dich zu kennen, wie du bist; Liebe, lehr mich ewig singen, Wie es Gottes würdig ist! Philipp Friedrich Hiller 1762. 3. Du hörst mein Gebet und Sehnen; Was mir not, besorgest du, Zählst und sammelst meine Thränen, Siehest meinem Seufzen zu, Weißt und schaffest mein Betrüben, Schickst und linderst meinen Schmerz, Prüfst, erfährst und kennst mein Herz, Meinen Glauben und mein Lieben. Meine Seele flehet dich: Süße Liebe, liebe mich! 4. Sünden willst du mir vergeben; Gnade, Hilfe, Trost und Licht, Ja sogar ein ewig Leben Ist es, was dein Wort verspricht; Schenkst uns deinen Sohn der Liebe Auch zum Bürgen meiner Schuld, Er ward Mensch aus freier Huld, Starb für mich aus heißem Triebe. Meine Seele flehet dich: Wunderliebe, liebe mich! 5. Diese Liebe soll mich lehren, Daß ich sei sein Eigentum; Diese Liebe soll ich hören Durch sein Evangelium; Und sein Beispiel soll auf Erden Meines Wandels Richtschnur sein, Ja auch in der höchsten Pein Mir zum stäten Vorbild werden. Meine Seele flehet dich: Heil'ge Liebe, liebe mich! 6. Diese Liebe hat durch Sterben MeinenTod zunicht'gemacht, Mir das Leben vom Verderben Durch ihr Auferstehn gebracht; Ja mir steht der Himmel offen Durch der Liebe Himmelfahrt, Denn ein Glaube rechter Art TASWALALTR A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 43 Darf ein himmlisch Erbteil hof-| Wo du recht gefürchtet bist. Wie fen. Meine Seele flehet dich: Sohn der Liebe, liebe mich! 7. Du hast mir den Geist gegeben, Daß er mich erleuchten soll; Dieser heiligt unser Leben, Macht die Herzen Trostes voll, Lehrt die Thoren, stärkt die Müden, Er erquickt, die elend sind, Und versiegelt deinem Kind Seinen Himmelsteil durch Frieden. Meine Seele flehet dich: Geist der Liebe, liebe mich! der Abend von dem Morgen, Also ist von dir, dem Herrn, Unsre Übertretung fern, Wenn wir für die Seele sorgen. Meine Seele flehet dich: Höchste Liebe, liebe mich! 8. Nicht nur giebst du mir im Leben, Was man irgend Wohlthun heißt; Du hast mir dich selbst gegeben, Dich mit deinem Sohn und Geist. Herr, wer kann genugsam danken? Deiner Liebe großes LichtFassenErd'undHimmel nicht, Denn sie hat nichtEnd' nochSchranken. Meine Seele flehet dich: Gott der Liebe, liebe mich! 9. Wie der Himmel ob der Erden Herrlich, groß und lieblich ist, Läßst du deine Gnade werden, 10. Wie die Väter sich erbarmen, Wenn sie Kinder weinen sehn, Also läsfest du uns Armen DeinErbarmen offen stehn. Gieb mir doch ein solch Gemüte, Das in deiner Liebe steht, Wacht und schlummert, liegt und geht Und nur lebt von deiner Güte! Meine Seele flehet dich: Treue Liebe, liebe mich! 11. Schließ mein Leben und mein Sterben Nur in deine Liebe ein; Laß mich einst mit deinen Erben Auferstehn und selig sein! Denn dein Lieben ist das Leben Und die ewig süße Ruh'; Ewig kann man nichts dazu Außerdeiner Liebe geben. MeineSeele fle= het dich: Sel'ge Liebe, liebe mich! Philipp Friedrich Hiller 1729. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c.( Eph. 1, 3-12.) 56. Geht hin, ihr gläubigen noch nicht gemacht, So hat Gott Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit; Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Erwägt, daß Gott die Liebe sei, Die ewig alt und ewig neu! schon den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Als ich noch nicht geschaffen war, Da reicht' er schon mir Gnade dar. 3. Sein Ratschluß war: ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn. Den wollt' er mir zum Mittler geben, Den sandt' 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war II. Lieder von Gott. 44 er mir von seinem Thron; In deffen Blute soll ich rein, Geheiliget und selig sein. 4. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte Empor zu dieser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugnis giebt: Gott hat mich je und je geliebt! 5. Wer bin ich unter Millionen Der Kreaturen seiner Macht, Die in der Höh' und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hieher gebracht? Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 6 Ja freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barmherzigkeit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! Kraft gebricht, So salbestdu mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht: Da spür' ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit alles schafft. 9. Die Hoffnung schauet in die Ferne Durch alle Schatten dieser Zeit; Der Glaube schwingt sich durch die Sterne Und sieht ins Reich der Ewigkeit: Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbteil und gelobtes Land. 10. O sollt' ich dich nicht ewig lieben, Der du mich unaufhörlich liebst? Sollt' ich mit Undank dich betrüben, Da du mir Fried' und Freude giebst? Verließ' ich dich, o Menschenfreund, So wär' ich selbst mein ärgster Feind. 11. Ach, könnt' ich dich nur besser ehren, Welch edles Loblied stimmt' ich an! Es sollten Erd' und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan. Nichts ist so tröstlich, nichts so schön Als, höchster Bater, dich erhöhn. 12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Jm höhern Chor mit frohem Munde Dich, Quell der Liebe, schöner preist. Drum eilt mein Herz aus dieſer Zeit Und sehnt sich nach der Ewigkeit. Johann Gottfried Herrmann 1742. Mel. An Wasserflüssen 2c.( Buk. 13, 6-9. 2 Petri 3, 9.) 57. Getreuer Gott, wie viel| men! Wir häufen täglich Schuld Geduld Erzeigest du uns Ar- auf Schuld, Du häufest dein 7. Im sichern Schatten deiner Flügel Find' ich die ungestörte Ruh'. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den tennest du. Laß Erd' und Himmel untergehn, Dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 8. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Mut und 45 A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Erbarmen. Was ist des Menschen 5. Wohlhättest du, o Herr, das Lebenslauf? Er ist verkehrt von Jugend auf, Sein Sinn ist dir entgegen; Und doch, o Vater, suchst du ihn Von seinen Sünden abzuziehn, Zur Buße zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; Wenn sie sich selbst verstocken, So willst du sie doch väterlich Durch Güte zu dir locken. Wie trugest du so lange Zeit Die alte Welt mit Gütigfeit, Bis sie die Flut verheeret! Wie lange sahst und riefest du Dem Volk einst in der Wüste zu, Bis sich ihr Herz bekehret! Recht, Sie wieder zu verlaffen Und einen ungetreuenknecht In Ewigkeit zu haffen. Doch nein, das kann dein Herze nicht, Das von Erbarmen wallt und bricht, Wenn deine Kinder fehlen. Es hat Geduld, solang es kann, Es nimmt sich ihrer Schwachheit an Und wacht für ihre Seelen. 6. Du rufest ihnen in Gefahr, So oft sie irre gehen, Reichst ihnen deine Hände dar, Von Sünden aufzustehen. Du lockest sie mit Vaterhuld, Versprichst, durch Jesum ihre Schuld Barmherzig zu vergeben; Giebst reichlich Glauben, Geist und Kraft Und dann am Ziel der Pilgerschaft Ein ewig Freudenleben. 3. Du giebst dem Sünder Zeit und Raum, Der Strafe zu entgehen: Du läsfest auch den argen Baum Nicht ohne Pflege stehen; Du wartest sein und suchest Frucht, Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen; Du schoneft sein von Jahr zu Jahr, Und Jesus bittet immerdar, Eh' er wird abgehauen. 7. D Langmut, der nichts gleichen kann, Leit uns durch dein Erbarmen; Sieh künftig auch ge duldig an Die Schwachheit deiner Armen! Was hülf' es, wenn dein Herz bisher Voll Güt' und Huld gewesen wär' Und nun sich wenden sollte? Wenn deine mächt'geGotteshand, Die bisher Strafen abgewandt, Uns nun verderben wollte? 4. Gerechter Gott, so große Huld Erzeigst du frechen Sündern, Und hast nicht weniger Geduld Mit deinen schwachen Kindern. Sie werden ja, wenn Fleisch und Welt Und Satan ihnen Neße stellt, Oft sicher, matt und träge; Sie straucheln, sie verirren sich, Sie fallen oft, verlaffen dich Und deine heil'gen Wege. 8. Drum, ew'ge Güte, trag uns noch Um ChristiTodesschmerzen; Erwecke recht und rühre doch Die trägen, sichernHerzen, Daß deine Huld und Vatertreu' Uns ja kein Schild der Bosheit sei, Daß wir TAD 46 das Arge haffen, Und uns noch in der Gnadenzeit Den ReichII. Lieder von Gott. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( Jes. 40, 26.) 58. Wenn ich, o Schöpfer, 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere; Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, Bringt unsrem Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet: Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt' und Größe. deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege: So weiß ich, von Bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr, mein Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preift dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? tum solcher Gütigkeit Zur Buße leiten laffen! Johann Christian Zimmermann 1740. 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zusegnen? DGott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolfen reichen. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Bater, sei gepreist, und alle Welt sag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn Und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Eigene Mel.( Pf. 104.) 59. Herr, dir ist niemand zu| riger Verstand! Pracht, Majestät vergleichen, Kein Lob kann deine Größ'erreichen, Kein noch so feuund Ruhm umgeben Dich, aller Wesen Quell und Leben; Licht B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 47 ist dein strahlenvoll Gewand. ihnen schöpft das Volk der FelIn hohen, unermeßnen Fernen, Wohin kein sterblich Auge schaut, Hast du weit über allen Sternen Dir deinen höchsten Sik erbaut. 2. Wie bist du, wenn du, Gott der Götter, Herabfährst, wenn du in dem Wetter Einhergehst, uns so fürchterlich! Du kommst, und Wolken sind dein Wagen; Dein Wagen donnert, willig tragen Die Fittiche des Sturmes dich. Die Engel fliegen gleich den Winden Vor dir voran, Herr Zebaoth; Wie Flammen, die sich schnell entzünden, Sind deiner Allmacht Diener, Gott! der Erquickung, daß sein Durst sich stillt; Auch rieseln Wasser durch die Wälder, Erfrischen und erfreun das Wild. 4. Nun steht der Wasser Wut umdämmet, Daß sie, durch deinen Arm gehemmet, Die Erde nicht verwüsten kann. Du sprichst, und dem Gebirg' entquellen Die Brunnen, werden Bäch' und schwellen Zu Strömen und zu Seen an. Aus 5. Viel schattenvolle Bäume grünen An deinen Wassern, und aus ihnen Ertönt der Vögel Luft und Dank; In ihrer Zweige Schutz verborgen Frohlocken sie dir jeden Morgen, Tönt dir des Abends ihr Gesang. Mit deinem segensvollen Taue Wird jeder steile Berg erquickt; Auch grünen fröhlich Feld und Aue, Mit deinen Früchten reich geschmückt. 6. Durch dich entsprießt, damit die Herden Der sichern Flur gesättigt werden, Das Gras und kleidet schön das Land. Uns blühn die Kräuter, und der Segen Der Saaten reifet uns entgegen Und füllt des frohen Schnitters Hand. Brot giebst du für des Menschen Leben; Und unsre Herzen zu erfreun Giebst du von traubenvollen Reben Mit mil}} 3. Als du allmächtig sprachst: Es werde!" Da gründetest du fest die Erde, Vor alters war die Tief ihr Kleid. Auf allen Bergen stunden Wasser, Du schaltst sie, da entflohn die Was ser, Durch deines Donners Kraft zerstreut. Der Berge Gipfel, Herr, erschienen, Erhoben durch dein mächtig Wort; Die Thäler sanken unter ihnen Ander, reicher Hand den Wein. den für sie bestimmten Ort. 7. Herr, du gebeutst im Lauf zu eilen Der Erde; und das Jahr zu teilen, Schufst du den Mond durch deine Macht. Die Sonne sinkt, und aus den Wäldern Hebt sich das Wild und sucht auf Feldern Sich seine Nahrung in der Nacht. Der Mensch, ermattet von Geschäften, Berläßt sein Werk II. Lieder von Gott. 48 und suchet Ruh'; Der Tag kommt, und mit neuen Kräften Eilt er der Arbeit wieder zu. 8. Wie wimmelt's in den weiten Meeren Von großen undvon kleinenHeeren! Herr, deine Weisheit hat kein Ziel. Und wer mißt deine Huld und Stärke? Mit Staunen seh' ich deine Werke: Wie schön sind sie, wie groß und viel! Herr, alles wartet auf der Erde, Im Meer und in der Luft auf dich, Daß es von dir gesättigt werde; Du segnest, sie erquicken sich. 9. Dein Odem tötet und befeelet; Die Welt, die deine Huld erzählet, Erneuert sich auf dein Gebot. Dein Ruhm ist ewig, deine Stärke Schuf und bewahret deine Werke; Sie sind dein Wohlgefallen, Gott. Du schaust die Erd' an, sie erzittert; Du taſteſt an der Berge Höhn, Und Berg und Fels, durch dich zersplittert, Sind Flammen, dampfen und vergehn. 60. Himmel, Erde, Luft und Meer Zeugen von des Schöpfers Ehr'; MeineSeele, singe du Und bring auch dein Lob herzu! 2. Seht das großeSonnenlicht, Wie es durch die Wolken bricht! MondesglanzundSternenpracht Loben Gott in stiller Nacht. 3. Seht, wie Gott der Erde Ball Hat gezieret überall! Wälder, Flur und jedes Tier Zeigen Gottes Finger hier. 4. Seht, wie durch die Lüfte hin 10. Erheb, erheb, o meine Seele, Gott, meinen Schöpfer, und erzähle, Verkündige sein Lob der Welt! Ihm finge deine Jubellieder; DerFromme halle sie ihm wider, Dem Mächtigen, der uns erhält! Frohlockt ihm alle seine Heere, Ihm weihet euren Lobgesang! Der Herr ist würdig, Preis und Ehre Zunehmen, Lob und Ruhm und Dank! Johann Andreas Cramer 1763. Eigene Mel.( Pf. 148.) Frisch und froh die Vögel ziehn! Feuerflammen, Sturm und Wind Seines Willens Diener sind. 5. Seht der Wasserwellen Lauf, Wie sie steigen ab und auf! Von der Quelle bis zum Meer Rauschen sie des Schöpfers Ehr'. 6. Ach mein Gott, wie wunderbar Stellst du dich der Seele dar! Drücke tief in meinen Sinn, Was du bist, und was ich bin! Joachim Neander 1679. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Mel. Gott Vater, Herr 2c.( Ps. 148. Offenb. Joh. 4, 11.) 61. Gott! Erd' und Himmel es kein Mann Erforschen noch ergründen kann. 6. Wie möcht' doch unsre Blödigkeit Ausgründen deine Herrlichkeit, So wir doch Dinge nicht verstehn, Womit wir allezeit umgehn! 7. Wie herrlich ist, Herr, und wie schön, Was du geschaffen, anzusehn; Doch wie viel lieblicher bist du, Herr, unser Gott, in deiner Ruh'! 8. Duschließest Erd' und Him mel ein, Dein Herrschen muß voll Wunder sein; Du bist ein Herr in Ewigkeit, Von unnennbarer Herrlichkeit. 9. D Bater, Sohn und heil'ger Geist, Dein Name, der Allmächtig heißt, Sei hochgelobtinEwigkeit! Amen wir sprech'n mit Innigkeit. Michael Weisse 1531. samt dem Meer Verkünden deine Kraft und Ehr'; Auch zeigen alle Berg' und Thal', Daß du ein Herr seist überall. 2. Die Sonne geht uns täglich auf, Es hält der Mond auch seinen Lauf, So sind auch alle Stern' bereit zu preisen deine Herrlichkeit. 3. Die Tier' und Vögel aller Welt, Und was sich in dem Meer aufhält, Zeigt uns frei an ihm selber an, Was deine Kraft und Weisheit kann. 4. Du hast den Himmel ausgestreckt, Mit Wolkenheeren überdeckt Und seiner Wölbung Majestät Mit güldnen Sternen übersät. 5. Du bist's, der alle Ding' regiert, DenHimmel und das Erdreich ziert So wunderbar, daß Mel. O Gott, du frommer Gott zc.( Joh. 1, 1-14.) 62. Gott, du gabst der Welt Im Anfang Licht und Leben. Nun hast du die Natur Mir als ein Buch gegeben, Drin viel zu lesen ist Von deiner großen Pracht, Von deiner weisen Huld, Von deiner Wundermacht. 2. D ew'ge Majestät, Vor dir will ich mich beugen! Von deiner Herrlichkeit Seh' ich die Himmel zeugen; Ich seh' die Sonne stehn, Evangelisches Gesangbuch. 49 Sie spiegelt sich im Meer; Ich schau' die Wolken an, Den Mond, das Sternenheer. 3. Die Luft, das Firmament Schufst du aus Finsternissen; Es träuft, sobald du willst, Von milden Regengüssen; Und wenn dein Ruf gebeut, So blitt und donnert weit Der Wetter Sturm und Nacht, Du Gott der Herrs lichkeit. Kin 50 II. Lieder von Gott. 4. Die Weisheit und die Kunst, still, Die Erde sagt nicht weiter, Die Ordnung, das Regieren Kann man auf jedem Blatt, An jedem Steine spüren; Die Mannigfaltigkeit, Die doch zusammenstimmt, Die macht, daß Aug'undHerz JnWunderfreude belehr'. schwimmt. Das tiefe Meer verstummt, Die Sonne macht nicht heiter, Bis daß ein andres Buch Ich noch von oben her zu meinem Trost empfang' Und mich dein Geist 5. Die Weisheit bet' ich an, Die Macht rührt mein Gemüte. Doch ist's noch nicht genug: Ich seh' des Schöpfers Güte; Denn kein Geschöpf ist da, Dem er nicht Gutes thut; Ja, was er macht und will, Ist alles töstlich gut. 6. D Gott, wie wohl wird mir, Zu dir hinaufzusehen, Hoch über alles weg Vor deinem Thron zu flehen! Doch trübt die Sündenschuld Mein armes Menschenherz, Und find' ich keinen Trost Bei dem geheimen Schmerz. 7. Hier schweigt der Himmel 8. Das ist das heil'ge Buch, Darinnen steht geschrieben: Das Wort, das alles schuf, kam in die Welt mit Lieben, Voll Wahrheit, Gnad' und Huld, Ward Mensch hier in der Zeit, Mein Leben, Licht und Trost, Gelobt in Ewigkeit. Nach Ernst Gottlieb Woltersdorf 1750. V. 9 Albert Knapp 1837. 63. Tritt her, o Seel', und dank dem Herrn Für seine tausend Gaben, mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! 9. In deine Welt will ich Und in dein Wort mich senten: Die Schöpfung, Herr, soll mich zu Dank und Ehrfurcht lenken; Doch deine Schrift, darin Dein Sohn mir ward bewußt, Die zieh mich ewig hin An deine Vaterbrust. Mel. Ich dank' dir schon zc.( 1 Mos. 1, 26-31.) 2. Er hat aus nichts dich hergebracht, Wie seiner Huld gefallen, Zu seinem Bilde dich gemacht, Dich ausgeschmückt vor allen. 3. Für dich hat er die ganze WeltErschaffen und erbauet, Für dich ist sie so wohl bestellt, Und was man drinnen schauet. 4. Dir trägt die Erde Brot und Wein, Dir Arzenei für Schmerzen, Dir hegt sie Tiere groß und klein, Dir Gold in ihrem Herzen. 5. Dort läuft und strömt das Wasser dir, Da stehet es dir stille, B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 51 Bringt Perlen und Korallenzier| 9. Und was noch mehr: er sieht Und Fische dir in Fülle. 6. Die Luft erquickt dich jeder zeit Von außen und von innen, Der bunten Vöglein Munterkeit Ergößet deine Sinnen. nicht an, Willst du nur Gnade finden, Die Schmach, die du ihm angethan Mit tausendfachen Sünden. 7. Dir fährt die Sonn' des Tags herein Auf ihrem goldnen Wagen, Dir macht des Mondes Silberschein Die Nächte gleich den Tagen. 10. Er giebt den eignen Sohn für dich, Er liebt dich wie sein Leben, Und will sich endlich ewiglich Dir schenken und ergeben. 8. Zu deinen Diensten sind bereit Der Engel große Scharen, Sie wachen jetzt und allezeit, Daß sie dich treu bewahren. 11. Drum dank, o Seele, dank demHerrn Für seine tausend Gaben, mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! Johann Scheffler 1668. Eigene Mel.( Pf. 145. 64. Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt' ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh' in allen Dingen, Wie so gut er's mit mir mein'. Ist's doch nichts als lauter Lieben, Was sein treues Herze regt, Das ohn' Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt, Alsobald in Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab' Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigfeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu Pred. 3, 1. Pf. 136, 1.) teuer, Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ew'gen Feuer Durch sein teures Blut gewinn'. O du Brunnen ohn'Ergründen, Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deines Grundes Tiefe finden! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigfeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Giebt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort', Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Nacht durchbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. STOOK II. teder von Gott. 52 5. Meiner Seele Wohlergehen Hat er ja recht wohlbedacht; Will dem. tot entstehen, Nimmt er's gleichfalls wohl in acht; Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigfeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt. Wo ich nur mein Aug' hinkehre, Find' ich, was mich nährt und hält, Tiere, Kräuter und Ge treide; In den Gründen, in der Höh', In den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert meinGemüt, Daß ich jeden lieben Morgen Schaue neue Lieb' und Güt'. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet: wär' ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Rut' Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 9. Seine Strafen, seine Schläge, Ob mir's gleich oft bitter scheint, Dennoch, wenn ich's recht erwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der schnöden Welt, Die mich hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigfeit. 10. Das weiß ich fürwahr und lasse Mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wann der Winter ausge schneiet, Tritt der schöne Sommer ein; Also wird auch nach der Pein, Wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe findt, Ei so heb' ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte: wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob' und lieb' in Ewigkeit! Paulus Gerhardt 1656. 8. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus den Schranken weicht: Also hält auch meine Schwächen Mir mein| B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Mel. Was Gott thut 2c.( Ps. 63, 2. 71, 5.) 65. Mein Gott, du bist und bleibst mein Gott! Das macht mir tausend Freuden. Es kann mich weder Not noch Tod Von deiner Liebe scheiden; Denn hab' ich dich, So werden mich Die Flammen nicht ergreifen, Die Fluten nicht ersäufen. 2. Du bist mein Gott von Jugend auf In Freud' und Leid gewesen; Es war mein ganzer Lebenslauf ZumSegen auserlesen. Wie manche Not, Die mir gedroht, Hat deine Hand gewendet Und Hilfe mir gesendet! 3. Du bist mein Gott, und bis hieher Willst du noch immer walten. Da meiner längst vergessen wär', Hast du mich doch erhalten, Gespeist, getränkt Und sonst beschenkt Mit vielen Gnadengaben, Die Leib und Seele laben. 4. Du bist mein Gott auch künftighin. Daraufvertrau' ich feste. Du änderst nie den treuen Sinn Und sorgst für mich aufs beste; In Lieb' und Leid Bist du bereit, 53 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad' Und ew'geQuelle seist, Mir Rat und That zu geben, Solang ich werde leben. 5.Du bist mein Gott. KeinElend kann mir diesen Trost benehmen; Und geh' ich gleich auf rauher Bahn, Will ich mich doch nicht grämen; Der Weg zu dir Ist dornig hier Und führt mich doch zum Ziele, Wenn ich auch Schmerzen fühle. 6. Du bist mein Gott, auch wenn der Tod Mir alles andre raubet; Stirbt gleich der Leib, es hat nicht Not: Wer nur an Jesum glaubet, Der findet dort Den sichern Ort, Wo uns ein beßres Leben Auf ewig wird gegeben. 7. Du bist mein Gott; drum freu' ich mich, Ich werde zu dir kommen, Sobald nach meinem Sterben ich Der letzten Angst entnommen. Mein Gott ist mein, Und ich bin sein: Nichts soll mir diesen Glauben Aus meinem Herzen rauben! Benjamin Schmold 1731. Mel. Lobt Gott, ihr Christen allzugleich zc.( Eph. 5, 19. 20. Micha 7, 18-20.) 66. Ich finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines HerzensLuft! Ich fing' und mach'auf Erden kund, Was mir von dir bewußt. Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd', Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd'! 4. Wer hat das schöne Him. HAPPRY YOOYO 54 II. teder von Gott. melszelt Hoch über uns ge- zu klein, Du hebst und legst sie ſetzt? Wer ist es, der uns un bei. ser Feld Mit Tau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält' und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Öl und Most Zu seiner Zeit gewinnt? 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd' entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, lob und sing, Und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding', Ist selbst und bleibt dein Gut. 6. Wer giebt uns Leben, Kraft und Mut? Wer hält mit seiner Hand Des güldnen Friedens wertes Gut In unsrem Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir; Du, du mußt alles thun! Du hältst die Wach' vor unsrer Thür' Und lässt uns sicher ruhn. 8. Du nähreft uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr, Mit Huld und Stärke bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr; Ja endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht Und giebst, was uns zum Trost gedeiht Und dir zum Preis gereicht. 11. Duzählst, wie oft ein Frommer wein', Und was sein Kummer sei; Und keine Thrän' ist dir 14. Er ist dein Schat, dein Erb' und Teil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein' Hilf' und Heil, Schafft Rat und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg' und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End'. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun, Und red ihm nicht darein; So wirst du hier im Frieden ruhn Und ewig fröhlich sein! Paulus Gerhardt 1653. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Eigene Mel.( Pf. 127, 1. 2. Jer. 17, 7.) 67. Alles ist an Gottes Se-| quicken; Was ich wünsche, wird gen Und an seiner Gnad' gelegen, über alles Geld und Gut. Wer auf Gott die Hoffnung setzet, Der behält ganz unverleşet Einen freien Heldenmut. 2. Der mich hat bisher ernähret Und mir manches Gut bescheret, Ist und bleibet ewig mein; Der mich wunderbar geführet Und noch leitet und regieret, Wird hinfort mein Helfer sein. sich schicken, So es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben Hab' ich seiner Gnad' ergeben Und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlangen zu er füllen; Es hat alles seine Zeit. Ich hab' ihm nichts vorzuschrei ben: Wie Gott will, so muß es bleiben; Wann Gott will, bin ich bereit. 3. Viele mühen sich um Sachen, Die nur Sorg' und Unruh' machen Und ganz unbeständig sind; Ich will nach den Gütern ringen, Die mir wahre Ruhe bringen, Die man in der Welt nicht findt. 4. Hoffnung kann das Herz er55 Mel. In dich hab' ich gehoffet zc.( Jer. 10, 23.) 68. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk auf deinem Willen ruhn, Von dir kommt Glück und Segen; Was du regierst, das geht und steht Auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in keines Menschen Macht, Daß sein Rat werd' ins Werk gebracht und ihn sein Gang erfreue; Des Höchsten Rat, der macht's allein, Daß Menschenrat gedeihe. 3. Gieb mir Verstand aus deiner Höh', Auf daß ich ja nicht ruh' und 6. Soll ich hier noch länger leben, Will ich ihm nicht widerstreben; Ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang' bestehet; Alles Irdische vergehet Und fährt wie ein Strom dahin. Nürnberger Gesangbuch 1676. steh' Auf meinem eignen Willen; Sei du mein Freund und treuer Rat, Was gut ist, zu erfüllen! 4. Was dir gefällt, das laß auch mir, Omeiner Seele Sonn' und Bier, Gefallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Werk und That verüben! 5. Ist's Werk von dir, so hilf zum Glück; Jft's Menschenthun, so treib's zurück, Und ändre meine Sinnen! Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. II. Tieder von Gott. 56 6. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich deucht, und bring zum guten Ende, Was du selbst angefangen hast, Durch Weisheit deiner Hände! 7. Ist gleich der Anfang etwas schwer, Und muß ich gleich ins tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur ohn' Unterlaß Zum Seufzen und zum Beten! 8. Wer fleißig betet und dir traut, Wird alles, davor sonst ihm graut, Mit tapfrem Mut bezwingen; Sein Sorgenstein wird in der Eil' In tausend Stücke springen. 2. Sterne glänzen und erblinden, Berge wehst du weg wie Spreu; Völker werden und verschwinden, Alles Fleisch vergeht wie Heu. 9. Der Weg zum Guten ist fast wild, Mit Dorn' und Hecken ausgefüllt; Doch wer ihn freudig ziehet, Rommt endlich, Herr, durch deinen Geist Dahin, wo Wonne blühet. Mel. Ach wann werd' ich dahin kommen 2c.( 1 Sam. 2, 6-8. Pf. 46.) 69. Gott der Macht, in dei-| chen, Herr, was kann vor dir nem Ruhme Keinem als dir bestehn? Alle Berge müssen weiselbst bekannt, Aus verborgnem chen, Alle Thale sich erhöhn. Heiligtume Waltest du mit star- 5. Was der Menschen Kunst ker Hand. erhoben, Ist auf leichten Sand gestellt; Du gebeutst, es ist zerstoben, Wie das Laub im Herbste fällt. 6. Aber wo auf Felsengründen Deines Tempels Mauer ruht, Droht von Fluten und von Winden Fruchtlos die vereinte Wut. 7. Und ob alles sich empöret, Ringsum alles untergeht: Dieser Bau bleibt unzerstöret, Und die Stadt des Herrn besteht. 3. Reiche schmetterst du zur Erde, Königsstühle stürzen ein; Hirten rufst du von der Herde, Herrscher ihres Volks zu sein. But. 1, 52. 4. Wenn du anfängst auszuglei10. Du bist mein Vater, ich dein Kind; Was ich bei mir nicht hab' und find', Hast du zu aller Gnüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand Wohl halt' und herrlich siege! 11. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr'; Ich will dein Thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter Seelen Vordeinem Volk und aller Welt, Solang ich leb', erzählen. Paulus Gerhardt 1656. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 57 8. Selbst der Feinde Troß und und ziehe Ein in deine GottesMühe Muß dir ebnen deinen stadt! Pfad; Darum fomm, o Herr, Mel. Du, Gott, bist über alles 2c.( Ps. 13, 6. Kol. 1, 12-14.) 70. Du bist's, dem Ehr' und Ruhm gebührt, Und dies, Herr, bring' ich dir. Mein Schicksal hast du stets regiert, Und stets warst du mit mir. 2. Oft wenn nach Trost die Seele rang Und Trost mich Armen floh, Rief ich voll Sehnsucht: ,, Herr, wie lang'?" Und wurde wieder froh. 3. Wenn ich in Schmerz und Krankheit sank Und rief: ,, Herr, rette mich!" So halfst du mir. Mit welchem Dank, Mein Gott, erheb' ich dich? 4. Betrübte mich des Feindes Haß, So flagt' ich dir den Schmerz; Du halfst mir, daß ich ihn vergaß, Und gabst Geduld ins Herz. 5. Wenn ich der Tugend Pfad verlor Und mich verschuldet sah, Rief ich zu dir, mein Gott, empor, Und Gnade war mir nah'. 6. Herr, für die Leiden dank' ich Karl Bernhard Garve 1825. dir, Durch die du mich geübt, Und für die Freuden, welche mir Dein milder Segen giebt. 7. Dir dank' ich es, daß die Natur Mich nährt und mich erfreut; Ich schmeck' in jeder Kreatur, Gott, deine Freundlichkeit. 8. Ich danke dir für deinen Sohn, Der für mich Sünder starb, Und der zu deinem Gnadenthron Den Zugang mir erwarb. 71. Zürne nicht auf stolze Sünder, Die der Luft im Schoße ruhn; Neide nicht des Glückes Kinder, Die mit Lachen Arges thun! Bald wirst du sie welken schauen, Wie das Gras wird ab9. Wie sehr liebt Gott der Menschen Wohl! Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd' ist seiner Güte voll, Er hilft und rettet gern. 10. Er hilft und läßt die Traurigkeit Bald vor uns übergehn Und will nach kurzer Prüfungszeit Zum Himmel uns erhöhn. 11. Vergiß nicht, Seele, was dein Gott Bisher an dir gethan; Verehr und halte sein Gebot Und bet ihn ewig an! Diterich( nach Gellert) 1765. Mel. Jesu, der du meine 2c.( Ps. 37.) gehauen, Wie das grüne Kraut vergeht, Wenn der Wind von Morgen weht. 2. Hoffe du auf Gott und bleibe, Wo sein Rat dich hingestellt; Was er dir befohlen, treibe; 58 Wandre redlich durch die Welt; Überlaß ihm deine Wege, Fleh, daß er dich segnen möge! Und er segnet dich gewiß, Machet Licht aus Finsternis. 3. Wer nach Geistesfrüchten ringetund nach ew'gemGnadenstand, Wer Gott reine Opfer bringet, Bleibt bestehn und erbt das Land. Gott hat Lust an seinem Wege, Leitet ihn mit Vaterpflege; Kommt ihn eine Schwachheit an, Stärkt ihn Gott, der stärken kann. II. Iteder von Gott. 4. Frommer Fleiß ist nie vergebens, Wird mit Schanden nie bestehn. Während meines ganzen Lebens Hab' ich Fromme nie gesehn, Daß sie schmählich umgekommen; Gott, der sie in Schutz genommen, Ließ sie niemals betteln gehn Noch mit Schmach im Mangel stehn. 5. Thue Gutes nur und bleibe In der Demut, sanft und mild; Was der Glaube fordert, treibe! Gott ist seiner Kinder Schild. Muß der Sünder Schar verderben, Wird dein Same Länder erben. Wer Gott nimmt zur Zuverficht, Den gereut es ewig nicht. 6. Rede Wahrheit, lehreGnade, Spende Troft und Unterricht; Geh genau auf Gottes Pfade, Sei gewiß, du gleitest nicht! Wollen Menschen troßen, höhnen, Sei getroft: Gott wird dich krönen, Der der Frommen Recht erhöht, Wenn der Sünder untergeht. 72. Ja fürwahr, uns führt mit sanfter Hand EinHirt durchs Pilgerland Der dunkeln Erde, Uns, seine kleine Herde. Halle: lujah! 7. Einen Stolzen sah ich prangen, Wie ein grüner Lorbeer strott; Raum war ich vorbeigegangen, Als er plößlich ausgetrott. Er ist weg mit seinen Sünden, Weg, wer will ihn wieder finden? Hochmut reichet nirgends zu; Bleibe fromm, so bleibest du! 8.Ach, es kommen schwere Tage, Kommen sie auch nicht sogleich; Auf die Sünder wartet Plage, Angst und Fluch im Totenreich. Aber Gott weiß der Gerechten Sache herrlich durchzufechten; Heil beströmt sie nah und fern, Denn sie stehen in dem Herrn. Johann Adam Lehmus 1762. Mel. Auferstehn 2c.( Ps. 23.) 2. Wenn im Dunkel auch sein Häuflein irrt: Er wacht, der treue Hirt, Und läßt den Seinen Ein freundlich Sternlein scheinen. Hallelujah! B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 59 3. Sicher leitet aus des Todes Hirtenstab Bringt Trost und Graun Er uns auf grüne Aun, Aus Sturm und Wellen Zur Kühlung leiser Quellen. Hallelujah! Friede; Er wachet sich nicht müde. Hallelujah! 4. Freundlich blickt sein Aug' auf uns herab; Sein sanfter 5. Ja fürwahr, er ist getreu und gut; Auch unsre Heimat ruht In seinen Armen. Sein Name ist Erbarmen. Hallelujah! Friedrich Adolf Krummacher 1805. Mel. Gott des Himmels 2c.( Jes. 28, 29. Joh. 13, 7.) 73. Unerforschlich sei mir im-| 4. Soll er deine Wünsch' ermer Meines Gottes Weg und Rat; Und die Nacht sei ohne Schimmer, Die mich hier umschattet hat: Ist doch alles, was er thut, Wie's auch scheine, weis und gut. heben Zu Beherrschern seiner Welt? Soll der Heilige dir geben, Was den Lüsten nur gefällt? Wohl uns, wenn er nicht gewährt, Was ein thöricht Herz begehrt! 2. Sollt' ich das von Gott nur loben, Wo auch ich schon Weisheit seh'? Ist's nicht ein Geschenk von oben, Wenn ich seinen Weg versteh'? Frevelt nicht, wer öfters klagt, Daß ihm Gott mehr Licht versagt? 5. Hier in meinem Pilgerstande Sei mein Teil Zufriedenheit; Dort in meinem Vaterlande Wohnt die wahre Seligkeit. Find' ich dort gewiß mein Heil, O so sei mein Weg hier steil! 3. Soll ein Vater unterlassen, Was dem Kinde Thorheit ist? Wisse, Mensch, Verklärte fassen Das, wo du im Dunkeln bist. Hier sollst du dem Herrn vertraun, Glauben hier und dort erst schaun. 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen Wandelst, Seele, klage nicht! Was hier schmerzet, wird dort Segen; Was hier Nacht ist, wird dort Licht. Dann erst fass' ich Gottes Sinn, Wenn ich ganz vollendet bin. Johann Andreas Cramer 1765. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c.( Jes. 45, 15. 55, 8. 9.) 74. Mein Gott, wie bist du| get, eh' ich war. Mein Vater, so verborgen, Wie ist dein Rat so wunderbar! Was helfen alle meine Sorgen? Du hast gesorführ mich immerdar Nur selig, wenn auch wunderbar! 2. Kein Mensch kann, Herr, 60 dein Antlik sehen, Wir blicken dir nur hinten* nach; Was du bestimmt, das muß geschehen Bei unfrem Glück und Ungemach. Mein Vater, führ mich immerdar Nur selig, wenn auch wunderbar! * 2 Mof. 83, 23. 3. Herr, wer kann deinen Rat ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis; Du kannst viel tausend Wege finden, Wo die Vernunft nicht einen weiß. Mein Vater, führ mich immerdar Nur selig, wenn auch wunderbar! 4. Gott, deine heiligen Gedan ken Sind himmelweit von Menschenwahn; Drum leite mich in deinenSchranken Und führe mich II. Lieder von Gott. auf rechter Bahn. Mein Vater, führ mich immerdar Nur selig, wenn auch wunderbar! 2. Reine Wesen, Himmelskinder, Schön in ew'ger Heiterkeit! Ach, der Glaube ist so selig, Daß ihr unsre Freunde seid, Daß euch unser Schicksal rühret, Daß ihr uns zur Seite steht, Unsre from 5. Dir will ich mich ganz überlassen Mit allem, was ich hab' und bin; Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Vater, führ mich immerdar Nur selig, wenn auch wunderbar! 6. Hilf, daß ich nie von dir mich kehre In Glück und Unglück, Freud' und Leid; Schick alles, Herr, zu deiner Ehre Und meiner Seele Seligkeit. Ja, Vater, führ mich immerdar Nur selig, wenn auch wunderbar! Diterich( nach Salomo Frand) 1765. Engel Mel. O du Liebe meiner Liebe zc.( Matth. 18, 10. Lut. 15, 10. 16, 22.) men Wünsche segnet Und des Sünders Thränen seht! 75. Um die Erd' und ihre Kinder Schwebet still die Geisterwelt. Einst nach der Vollendungsstunde, Wann der dichte Schleier fällt, Einst, wann wir hinüberschweben Über diese Sterbenszeit, Reichen Brüder uns die Hände, Brüder in der Ewigkeit. 3. Dwerwollte sich nicht scheuen Vor der stillen Übelthat? Nicht mit Scham zurücketreten Vom verborgnen Sündenpfad? Ist es möglich, daß der Pilger Sein erhabnes Ziel vergißt, Wenn ihn der Gedanke rühret, Daß er unter Engeln ist? 4. Auf, mein Geist, in jene Welten, Wenn die Erde dich umstrickt! Auf, zu jenen Freigebor: nen, Wenn dich deine Knechtschaft drückt! Strebe mutig zu B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 61 dem Ziele, Aus der Finsternis dir nahe: Kämpfe, ringe, weiche zum Licht! Gott und Engel sind nicht! Joseph Sperl 1800. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 76. Du, Herr der Seraphinen, Dem alle Engel dienen Und zu Gebote stehn, Du wundergroßer Meister Der reinen Him melsgeister, Mein Mund soll deinen Ruhm erhöhn! 2. Die Fürsten und die Thronen, Die in dem Himmel wohnen, Giebst du zu meiner Wacht; Sie sehn dein Angesichte Jm höchst vollkommnen Lichte, Doch nehmen sie auch mich in acht. 3. Ich preise deine Güte Mit dankbarem Gemüte Für diese Wunderschar; Ich rühme deine Rechte Für diese deine Knechte, Die mich beschirmen vor Gefahr. 4. Laß ferner mich behüten Vor aller Feinde Wüten Durch diese Himmelswach'; Laß sie auf meinen Wegen Die Hand mir unter77. Der ( Matth. 18, 10. Pf. 91, 11. 12.) legen, So bleib' ich frei von Ungemach! nes Glück, Wohin bist du geschieden? Du flohst und kehrest nicht zurück mit deinem süßen Frieden. Dein Edengarten blüht nicht mehr, Verwelkt durch Sündenhauch ist er, Durch Menschen schuld verloren. 5. Doch sollen sie nicht weichen, So laß mich ihnen gleichen In wahrer Heiligkeit! Wie sie die Kinder lieben Und sich in Demut üben, So mach auch mich dazu bereit! III. Sünde und Erlösung. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut zc.( 1 Mos. 3.) der ersten Unschuld rei-| 2. Ach, wider Gottes Prüfungs6. Sie thun ja deinen Willen, Den laß auch mich erfüllen. Sie leben keusch und rein; O laß mich nichts beflecken Und mich an allen Ecken Stets diese reinen Geister scheun! 7. Zuletzt, Herr, wann ich scheide, So führe mich zur Freude Auf ihren Armen ein! Da werd' ich dich erst loben Und in dem Himmel droben Dir und den Engeln ähnlich sein. Benjamin Schmold 1712. wort Und den Befehl der Liebe Reißt bald zum Ungehorsam fort Die Macht bethörter Triebe! Vom Schlangenwort der Lust versucht, Vergällt der Mensch durch ihre Frucht Sein Glück, sein Herz, sein Leben. egea bregeor blablablablablables III. Sünde und Erlösung. 62 3. Frei will er sein, sein eigner Gott, Will thun, was ihn gelüftet, Bald auch mit Deutelei und Spott Zum bösen Schritt gerüstet. DieUnschuld flieht, und innre Schmach Folgt auf dem Fuß der Sünde nach Und flüchtet in das Dunkel. 4. Wer kann mit schnödem Heuchelspiel Vor Gott die Blöße decken? ,, Wo bist du?" ruft's im Abendkühl. ,, Umsonst ist dein Verstecken. Was thatst du?" ruft, der alles sieht, Dem keine Nacht die Sünd' entzieht, Der allgerechte Richter. nicht entfliehen. Und dennoch lockt die Sünde noch Und drücket dich mit argem Joch,- Wenn kein Erlöser rettet. - 7. Nehmt, was die Schrift euch lernen hieß, zu Herzen wie zu Ohren: Der Unschuld blüht ihr Paradies, Durch Schuld geht es verloren. Der Flammencherub tritt hervor Und schließt des Paradieses Thor: Wer will den Cherub zwingen? 8. Heil, Heil, daß uns ein Held erschien, Ein Heiland allen Sündern! Den Schlangenkopf zertrat er kühn, Der Sünde Sieg zu hindern. Im Glauben nehmt den Retter an, Er führt euch seine Siegesbahn: Auf, kämpft an seiner Seite! 9. Er führt ins Paradies zurück Den schuldentladnen Schächer; Der Arge flieht vor seinem Blick Und zittert vor dem Rächer. Das Schwert des Cherubs droht nicht mehr; Vom neuen Eden winket her Der Baum des ew'gen LeKarl Bernhard Garve 1825. 5. Ach, neu verjüngt sich fort und fort Des ersten Falls Geschichte! Das Herz, verführt durch Schlangenwort, Verfällt dem Schuldgerichte. Bergebens wüsch' es gern sich rein; Der Kläger ruft: die Schuld ist dein; Und horch, der Ew'ge richtet! 6. Die Strafe schont, o Sünder, nicht, Ihr Fuß wird nicht verziehen; Du fliehest Gottes Aug' und Licht Und kannst ihm bens. Eigene Mel.( Röm. 3 u. 5. Lut. 11, 28.) 78. Durch Adams Fall ist ganz verderbt Menschlich' Natur und Wesen. Dasselbe Gift ist uns vererbt; Wir konnten nicht genesen Ohn' Gottes Troft, Der uns erlöst hat von dem großen Schaden, Darein die Schlang' Eva bezwang, Den Zorn auf sich zu laden. 2. Weil's denn die Schlang'da III. Sünde und Erlösung. 63 verflucht, Sein Heil ist ihm noch ferne, Der Trost bei einem Menschen sucht Und nicht bei Gott, dem Herren. Denn wer ihm will Ein ander Ziel Ohn'diesen Tröster stecken, Den mag gar bald Satans Gewalt Mit seiner List erschrecken. 7. Wer hofft auf Gott und dem vertraut, Wird nimmermehr zu Schanden; Denn wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm gleich stößt zuhanden Viel Unfalls hie, Hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt Auf Gottes Trost; Er hilft den Gläub'gen allen. 4. So er uns nun den Sohn geschenkt, Da wir noch Feinde 8. Ich bitt', o Herr, aus Herwaren, Der für uns ist ans Kreuz zensgrund, Du wollst nicht von gehenft, Getötet, aufgefahren, mir nehmen Dein heiligs Wort Auf daß wir sei'n Von Tod und aus meinem Mund; So wird Pein Erlöst, so wir vertrauen mich nicht beschämen Mein'Sünd' Auf diesen Hort, Des Vaters und Schuld. In deine Huld Wort: Wem wollt' vorm Ster- Sek ich all'mein Vertrauen; Wer ben grauen? sich nur fest Daraufverläßt, Der wird den Tod nicht schauen. 9. Herr, meinen Füßen ist dein Wort Ein Licht, des acht' ich gerne, Es weiset auf den Weg mich fort; So dieser Morgensterne In uns aufgeht, Sobald versteht Der Mensch die hohen Gaben, Die Gottes Geist Gewiß verheißt, Wenn wir die Hoffnung haben. Lazarus Spengler 1524. hin gebracht, DaßEva abgefallen Von Gottes Wort, das sie veracht't, Und dadurch zu uns allen Gebracht den Tod: So war je not, Daß uns nun Gott sollt' geben Den lieben Sohn Vom Gnadenthron, In dem wir möchten leben. 3. Wie uns hat eine fremde Schuld In Adam all' verhöhnet, So hat uns eine fremde Huld In Christo all' versöhnet; Und wie wir all' Durch Adams Fall Sind ew'gen Tods gestorben, Also hat Gott Durch Christi Tod Erneut, was war verdorben. 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort', Die Wahrheit und das Leben, Des Vaters Rat und ewigs Wort, Den er uns hat gegeben zu einem Schuß, Daß wir mit Truß An ihn fest sollen glauben; Darum uns bald Kein' Macht noch G'walt Aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und cocacocoy oreca.co 64 III. Sünde und Erlösung. Mel. Erhalt uns, Herr 2c.( Hiob 14, 1. 2. Joh. 8, 12.) 79. Was sind wir arme Menschen hier? Gleich einem Schatten fliehen wir. Je größer sich der Schatten macht, Je früher bricht herein die Nacht. 2. Woher kommt solches Flüchtigsein? Von unsrem Abfall kommt's allein. Seit sich der Mensch vom Licht verlor, Seitdem steht ihm der Tod bevor. 3. Doch fürchtet sich der Glaube nicht, Er weiß ein andres Lebenslicht: Wenn Jesus in die Seele scheint, So wird man mit dem Licht vereint. 4. Bleibt eine Seele ohne dies, So bleibt sie in der Finsternis, Woraus sie auch an jenem Tag Nicht zu dem Licht gelangen mag. 5. D ew'ges Licht, ich bitte dich, Erleuchte und belebe mich Noch hier durch deiner Gnade Schein, Ein wahres Kind des Lichts zu sein! 3. Seufzend such' ich neue Huld: Schenke mir des Geistes 6. Sei du stets meinem Herzen nah'; Was finster ist, vertreib allda! Liebt gleich die Welt die Finsternis, Mach meinen Gang im Licht gewiß! 7. Dann schließ' ich sterbend einst voll Ruh' Als Kind des Lichts die Augen zu, Und im Erwachen schau' ich dann Dein Licht mit klaren Augen an. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht 2c.( Röm. 7, 18-25. Jer. 17, 14.) 80. Hilf, Erbarmer, schaue her, Höre meines Herzens Klage! Ich bin arm und gnadenleer, Stündlich drückt mich neue Plage; Selbstsucht, Stolz und Un verstand Reißen mich aus deiner Hand. Stärke! Hebe durch dein Blut die Schuld, Baue deine Gnadenwerke Doch in mir recht dauernd auf; Fördre meinen Glaubenslauf! 2. Wann erscheint der Tag einmal, Daß ich dich nicht mehr betrübe Und schon hier im Pilgerthal Dich mit festem Herzen liebe? Wann zerbricht die böse Kraft Der verkehrten Leidenschaft? 4. Oft erscheinen mir zum Trost Stunden, da ich dich empfinde, Da der Feind, umsonst erbost, Drohet deinem armen Kinde, Da den scharfen Kampf und Krieg Deine Allmacht krönt mit Sieg; 5. Da der neu belebte Geist, Heiß in Lob und Dank entzücket, Sich gewaltig dem entreißt, Was III. Sünde und Erlösung. 65 ihm oft das Ziel verrücket, Da der; Mich erhebet Gottes Hand, Und ich sinke neu darnieder, Und der Fleischessinn zerreißt, Was erbauet hat der Geist. des neuen Lebens Glanz Ihn mit Sehnsucht füllet ganz. 6. Aber eilig fliehn dahin Diese himmlisch süßen Stunden; Mein erschrockner, blöder Sinn Fühlet schmerzlich neue Wunden, Kämpft mit Dürre, Lauigkeit, Sinkt zurück in Sicherheit. 9. Dir, mein Heiland, sei's geklagt, Wie der Todesleib mich drücket! Traurig hab' ich oft gefragt, Kummervoll in Staub gebücket: O wer löſet endlich noch Mich von diesem Todesjoch? 7. Bald flammt eignes Feuer auf, Von Naturkraft angeblasen; Bald hemmt meinen Himmelslauf Ungeduld, des Zornes Rasen, Kleinmut, Angst, Verschlossenheit, Menschenfurcht und Blödigkeit. 8. Oft, wenn ich vom Fall erstand, Fiel ich unvermutet wie 10. Du, Herr Jesu, mußt es thun! Siehe, meine Kräfte schwinden! Wie ich bin, kann ich nicht ruhn; Tilge du die Macht der Sünden! Führe mich an deiner Hand, Bringe mich ins Vaterland! Mel. Herzlich thut mich zc.( Joh. 14, 6.) 81. Aus irdischem Getüm-| kommt die Klarheit, Die alles die Wahrheit, Er ist das Licht der Welt. mel, Wo nichts das Herz erquickt, uns erhellt; Denn Christus ist Wer zeigt den Weg zum Himmel, Dahin die Hoffnung blickt? Wer leitet unser Streben, Wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durch Tod zum Leben? Der Weg heißt Jesus Christ. 3. Wer giebt uns hier schon Freuden, Die niemand rauben kann? Wer zeiget uns im Leiden Den Himmel aufgethan? Wenn vor dem Tod wir beben, Wer giebt dem Herzen Ruh'? Heil! Christus ist das Leben, Führt uns dem Vater zu. Nach Asschenfeldt 1819. Mel. Jesu, Kraft der blöden Herzen 2c. oder: Herr, ich habe mißgehandelt zc. ( Eph. 2, 12-18.) 82. Ach, was sind wir ohne| Voller Elend. Jeſu, ach erbarme Jesus? Dürftig, arm und jäm- dich! Laß dich unsreNot bewegen, merlich. Ach was sind wir? Die wir dir vor Augen legen! Evangelisches Gesangbuch. 5 2. Hier irren wir und fehlen, Gehüllt in tiefe Nacht. Durch wen wird unsern Seelen Ein wahres Licht gebracht? Von oben UPPOY cacoco OOO0 66 III. Sünde und Erlösung. 2. Ohne dich, getreuer Jesu, Jst o Sonn', mit Lebensblicken, So hier alles Finsternis Und gequält mit stäten Schmerzen Durch der Sünde gift'gen Biß. Mein Gewissen ist erwachet, Und der Abgrund flammt und krachet. 3. Ohne dich, geliebter Jesu, Kommt man nicht durch diese Welt, Welche fast auf allen Wegen Unsern Füßen Netze stellt; Sie kann troßen und kann heucheln Und hält uns mit ihrem Schmeicheln. wird sich das Herz erquicken. 6. Tritt den Satan, starker Jesu, Unter unsern schwachen Fuß! Komm zu mir auch eingegangen mit dem holden Friedensgruß, Daß ich Himmelsfreude spüre Und kein Leid mich mehr berühre! 7. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unfrem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft; Ach Herr, mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig! 8. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, Schallen aus des Herzens Grund; Dann wird alles triumphieren Und dir singen Herz und Mund; Dann wird auf der ganzen Erden Jesus hochgelobet werden. Peter Lackmann 1704. 4. Ach wie kraftlos, teurer Jesu, Nichten sich die Kranken auf! Unsre Macht ist lauter Unmacht In dem müden Lebenslauf; Denn man sieht uns, da wir wallen, Öfters straucheln, oftmals fallen. 5. Darum stärk uns, liebster Jesu, Sei in Finsternis dasLicht, Öffne unsre Herzensaugen, Zeig dein freundlich Angesicht; Spiel, Eigene Mel. oder: Es ist das Heil zc.( Apostelgesch. 4,12.) 83. Such, wer da will, Ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein Bedacht soll sein Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, Sein Werk ist klar; Sein heil'ger Mund Hat Kraft und Grund, Den Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Nothelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, Der helfen kann, Bei dem nie was verdorben; Uns wird das Heil Durch ihn zu teil, Uns macht gerecht Der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. Jef. 53. 3. Ach sucht doch den, Last alles stehn, Die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr Und III. Sünde und Erlösung. 67 wird nie zerstäuben. feiner mehr, Der euch das Heil| Und dein Wort übt, Des Grund gewähret. Sucht ihn all' Stund' Von Herzensgrund, Sucht ihn allein; Denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich ehret! 4. Mein höchster Ruhm, Mein Eigentum Sollst du, Herr Jesu, bleiben! Laß mich doch nicht Von deinem Licht Die Eitelkeit vertreiben! Wer dich nicht läßt, Der stehet fest; Wer treu dich liebt 5. Wend von mir nicht Dein Angesicht, Laß mich im Kreuz nicht zagen; Weich nicht von mir, Du höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen! Hilf mir zur Freud' Nach diesem Leid; Hilf, daß ich mag Nach allerklag' Dort ewig Lob dir sagen! Georg Weissel 1623. Mel. Jesu, hilf fiegen 2c.( 1 Tim. 1, 15.) 84. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude. Er, der von Anfang gewesen, ist da; Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah'! Himmel und Erde, erzählet's den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! euch die Krone gewähren! Jesus ist kommen, der König der Ehren. 4. Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden. Sünden der ganzen Welt träget dies Lamm; Sündern die ew'ge Erlösung zu finden, Litt es und starb es am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden. 2. Jesus ist kommen. Nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei; Je sus erlöst uns vom knechtischen Stande, Er, der Sohn Gottes, er machet recht frei, Bringt uns zu Ehren aus Sünd' und aus Schande. Jesus ist kommen, nun springen die Bande. 5. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden. Komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren verderblichen Schaden Heilung aus dieser unendlichen Füll'! Alle Verlornen sind hieher geladen. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden. 6.Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Enden! Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret ihm 3. Jesus ist kommen, der König der Ehren. Himmel und Erde, rühmt seine Gewalt! Dieser Beherrscher kann Herzen bekehren, Öffnet ihm Thüren und Thore fein bald; Denkt doch, er will Treue mit Herzen und Händen, do do pacopacopaco 30000 sebebebe 68 III. Sünde und Erlösung. Sprechet: wir leben und sterben uns vollenden! Jesus ist kommit dir! Amen, o Jesu, du wollst men, sagt's aller Welt Enden! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1736. Mel. Freu dich sehr 2c.( Röm. 8, 28-39.) 85. Ew'ge Liebe! Mein Ge-| Giebst du deinen heil'gen Geist, müte Waget einen kühnen Blick In den Abgrund deiner Güte. Send ihm einen Blick zurück, Einen Blick voll Heiterkeit, Der die Finsternis zerstreut, Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket! Der da mächtig in uns Schwachen Seine Gotteskraft erweist. Denen, die gebeuget stehn, Die ihr Unvermögen sehn Und zum Thron der Gnade eilen, kommst du reichlich mitzuteilen. 6. Du tilgst niemand zum Verderben Ohne Grund aus deinem Buch; Die in ihren Sünden sterben, Laden selbst auf sich den Fluch. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat ew'gen Tod zum Lohn; Sein mutwillig Widerstreben Schließt ihn aus von Heil und Leben. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich beweget haft Und aus einem freien Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt: Der im Fluch versenkten Welt Durch ein teures Lösegeld, Durch des eignen Sohnes Sterben, Gnad' und Freiheit zu erwerben. 3. D ein Ratschluß voll Erbarmen, VollerHuld und Freundlichkeit, Der solch einer Welt voll Armen Gnade, Troft und Hilfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schoße wohnt, Um die Sünder zu erretten Aus den schweren Sündenketten! 4. Du hast auch, o weise Liebe, Einen Weg dazu bestimmt, Darauf sich ein jeder übe, Der am Segen Anteil nimmt: Wer nur an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Sondern Heil und Leben sehen. 5. Diesen Glauben anzufachen, 7. Liebe, laß mich dahin stre: ben, Meines Heils gewiß zu sein; Richte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Den dein Geist in mir geschafft, Mir zum Zeugnis dienen möge, Ich sei auf dem Himmelswege. 8. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens stehn, Alsdann werd' ich ohne Grauen Selbst dem Tod entgegengehn; Keine Kreatur wird mich Als dein Erbgut ewiglich Deiner Hand entreißen können Noch von deiner Liebe trennen. Johann Jakob Rambach 1729. III. Sünde und Erlösung. Eigene Mel.( 1 Tim. 2, 4-6.) 86. Nun freut euch, liebe Sünden Not, Erwürg für ihn den bittern Tod, Und laß ihn mit dir leben!" Christen g'mein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und all' in ein' Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns gewendet hat, Und seine süße Wunderthat; Gar teu'r hat er's erworben. 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward, Er kam zu mir auf Erden Von einer Jungfrau rein und zart, Er wollt' mein Bruder werden. Gar heimlich führt' er sein' Gewalt, Er ging in meiner armenG'stalt, DenTeufel wollt' er fahen. 7. Er sprach zu mir: ,, Halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen. Ich geb' mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein, und du bist mein, Und wo ich bleib', da sollst du sein, Uns soll der Feind nicht scheiden." 8. ,, Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid' ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein' Unschuld trägt die Sünde dein; Da bist du selig worden." 9. ,, Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr' ich von diesem Leben; Da will ich sein der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübnis trösten soll Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten." 2. DemTeufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren; Mein' Sünd' mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Jch fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Guts am Leben mein, Die Sünd' hatt' mich besessen. 3. Mein' gute Werk', die galten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei'Will' haßte Gottes G'richt, Er war zum Gut'n erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn sterben bei mir blieb; Zur Hölle mußt' ich sinken. 69 4. Dajammert'Gott vonEwigkeit Mein Elend ohne Maßen; Er dacht' an sein'Barmherzigkeit Und wollt' mir helfen lassen; Er wandt' zu mir das Vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz: Er ließ sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: ,, Die Zeit ist, zu erbarmen; Fahr hin, mein's Herzens werte Kron', Und sei das Heil dem Armen! Hilf ihm aus seiner 10. ,, Was ich gethan hab' und gelehrt, Das sollst du thun und lehren, Damit das Reich Gott's 44 Con Bened Sebebes 70 III. Sünde und Erlösung. werd' vermehrt zu seinem Lob| dirbt der edle Schak; Das laff' und Ehren; Und hüt dich für der ich dir zur Lezze!" Menschen G'sak, Davon verD. Martin Luther 1523. Mel. Die Tugend wird 2c.( Ephef. 2, 5-7. Ebr. 2, 14.15.) 87. Was wär' ich ohne dich| Himmel ist bei uns auf Erden, m Glauben schauen wir ihn an; Die eines Glaubens mit uns werden, Auch denen ist er aufgethan. 5. Das Herz, des Lebens reichste Quelle,- Ein böses Wesen wohnte drin; Und ward in unsrem Geist es helle, So war nur Unruh' der Gewinn. Ein eisern Band hielt an der Erde Die bebenden Gefangnen fest; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Überrest. 6. Da kam ein Heiland, ein Befreier, Ein Menschensohn voll Lieb' und Macht, und hat ein allbelebend Feuer In unsrem Innern angefacht. Nun sahn wir erst den Himmel offen Als unser altes Vaterland; Wir lernten glauben nun und hoffen Und fühlten uns mit Gott verwandt. 7. Noch steht in wundersamem Glanze Der heilige Geliebte hier; Gerührt von seinem Dornenkranze Und seiner Treue weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, Der seine Hand mit uns ergreift Und, in sein Herz mit aufgenommen, Zur Frucht des Paradieses reift. Friedrich von Hardenberg 1800. gewesen? Was würd' ich ohne dich nicht sein? Zu Furcht und Ängsten auserlesen Stünd' ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt' ich sicher, das ich liebte, Die Zukunft wär' ein dunkler Schlund; Und wenn mein Herz sich tief betrübte, Wem thät' ich meine Sorge kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb' und Sehnen, Erschien' mir nächtlich jeder Tag; Ich folgte nur mit heißen Thränen Dem wilden Lauf des Lebens nach; Ich fände Unruh' im Getümmel Und hoffnungslosen Gram zu Haus. Wer hielte ohne Freund im Himmel, Wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Christus mir sich kund gegeben, und bin ich seiner erst gewiß, Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsternis! Für alle seine tausend Gaben Bleib' ich sein demutvolles Kind, Gewiß, ihn unter uns zu haben, Wenn zwei auch nur versammelt sind. 4. D geht hinaus auf allen Wegenlind holt die Irrenden herein; Streckt jedem eureHand entgegen Und ladet froh sie zu uns ein! Der III. Sünde und Erlösung. Mel. Seelenbräutigam zc.( Joh. 10, 11. Rol. 1, 19. 20.) 88. Wer ist wohl wie du,| Deiner Demut Bild Mir anlege, Jesu, süße Ruh'? Unter vielen auserforen, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh'! in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege! Denn vor dir nichts gilt Als dein eigen Bild. 9.Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög' von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken! Sei du mein Gewinn, Gieb mir deinen Sinn! 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Not zu erlösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Not Hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch versenket Nach erfüllter Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd', Höll' und Welt Hast du herrlich überwunden Und ein ewig Heil erfunden Für dieSünderwelt Durch dein Blut, o Held! 5. Höchste Majestät, Priester und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, Ich will sigen dir zu Füßen, Wie Maria thät, Höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm Als dein Eigentum Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen Als dein Eigentum, Allerschönster Ruhm! 7. Zeuch mich ganz zu dir, Daß dein Lieben mir Ganz durchstöme Herz und Sinne Und mein Elend ganz zerrinne, Süßes Heil, in dir; Wohne du in mir! 8. Deiner Sanftmut Schild, 71 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsete, Und mich nicht in seinem Neke Satan halte auf; Fördre meinen Lauf! 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, Daß ich wachen mög' und beten, Freudig vor dein Antlik treten; Ungefärbte Lieb' In die Seele gieb! 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Her: zens Schifflein decken, Wollst du deineHand ausstrecken: Habe auf mich acht, Hüter in der Nacht! 13. Einen Heldenmut, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüfte haffe, Gieb mir, höchstes Gut, Durch dein teures Blut! 14. Soll's zum Sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durchs Todesthal begleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn! Joh. Anastasius Freylinghauſen 1704. Apoy Debida prooeddo bababababo 72 IV. Adventslieder. IV. Adventslieder. Mel. Nun freut euch zc.( lagl. 3, 22. 23. ₁. 28, 9.) 89. Gottlob! ein neues Kir- Erneuert im Gemüte Den neuen Menschen ziehen an, Der dir allein gefallen kann In seinem ganzen Leben. chenjahr Macht wiederum aufs neue Mit reichem Segen offenbar Des großen Gottes Treue; Von neuem will er seinen Bund, Den alten, ew'gen Glaubensgrund, Durch seinen Geist uns lehren. 2. Auf, Zion, Preis und Ehr' und Ruhm Dem höchsten Gott zu singen! Dein königliches Priestertum Muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt sei Gott, der durch sein Wort Die Christenheit und diesen Ort zu seinem Tempel weihet. 19 3. Wir sind nicht wert der neuen Huld Des Gottes aller Gnaden; Des alten Menschen alte Schuld, Die wir auf uns geladen, Nimmt unsern eignen Ruhm dahin, Denn sie bewies den alten Sinn Noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach Herr, gieb uns den neuen Geist, Daß wir durch deine Güte, Die sich an uns aufs neu' erweist, 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort Samt Tauf' und Abendmahle, So wandern wir mit Freuden fort In diesem finstern Thale; Herr, segne dieses Kirchenjahr, Laß Kirche, Schul', Tauf' und Altar Uns deine Wege zeigen! 6. Gieb deinenHirten Kraft und Geist Zu reiner Lehr' und Leben, Dein Wort, das Gottes Weide heißt, Der Herde rein zu geben; Laß alle Hörer Thäter sein, Damit kein heuchlerischer Schein Des Glaubens Kraft verleugne! 7. So halten und vollenden wir Das Kirchenjahr auf Erden; Dabei befehlen wir es dir, Wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit; Kommt aber einst die Ewigkeit, Dann wird sie triumphieren. Heinrich Kornelius Hecker 1730. Mel. Aus meines Herzens zc.( Matth. 21, 1-9.) 90. Auf, auf, ihr Reichsge-| allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier! nossen, Der König kommt heran; Empfaht ihn unverdroffen Auf seiner Wunderbahn! Ihr Christen, geht herfür, Laßt uns vor 2. Auf, ihr betrübten Herzen, Der König ist sehr nah'; Hinweg all' Angst und Schmerzen, Der IV. Adventslieder. 73 süßen Und uns erlösen kann! Helfer ist schon da! Seht, wie zu begrüßen, Der alles Kreuz verso mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf' und Wort! 5. Der König will bedenken Die, so er herzlich liebt, mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns giebt In seinem Geist und Wort. O König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort! 6. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, Wirst selber arm und schwach Und liebest unvergleichlich Und gehst den Sündern nach. Wir wollen dir allein Die Stimmen hoch erschwingen, Ein Hosianna singen Und ewig dankJohann Rift 1651. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, Der König ist nicht fern; Seid fröhlich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern! Der Herr will in der Not Mitreichem Troft euch speisen; Er will euch Hilf' erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. 4. So geht mit schnellen Schritten Den König anzusehn, Die weil er kommt geritten Stark, herrlich, sanft und schön; Nun bar sein! tretet all' heran Den Heiland Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c.( Matth. 21, 5.) 91. ,, Sieh, dein König kommt zu dir!" Seele, das sind frohe Worte. Sprich: mein König, komm zu mir, Sieh, ich öffne dir die Pforte; Zeuch mit deiner Sanftmut ein, Was du findest, das ist dein! 2. Komm, ich bin dein Eigentum Schon seit deinem Wasserbade; Komm, dein Evangelium Werde mir ein Wort der Gnade! Du schickst ja dein Wort voran, Daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, Was du haffest und mich reuet; Komm und reinige dein Haus, Das die Sünde hat entweihet; Mache selbst mit deinem Blut Alles wieder rein und gut! 4. Komm in deinem Abendmahl, Das du uns zum Heil gegeben, Daß wir schon im Erdenthal Mit dir als im Himmel leben; Komm, Herr Jesu, leb in mir, Und mein Leben sei in dir! 5. Komm und bring den Tröster mit, Deinen Geist, der dich verkläret, Der mich im Gebet vertritt Und des Königs Willen lehret, Daß ich bis auf jenen Tag ,, Komm, Herr Jesu!" rufen mag. Philipp Friedrich Hiller 1767. beachcocoids, Yoo Cochi IV. Adventslieder. Mel. Macht hoch die Thür' zc.( Ps. 24, 7-10.) 92. Macht hoch das Thor, ein! Er ist die rechte Lebenssonn', Bringt mit sich lauter Heil und Wonn'. Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster, groß von Rat! 4. Macht hoch das Thor, die Thüren weit, Das Herz zum Tempel sei bereit; Die Zweige der Gottseligkeit Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud'! So kommt der König auch zu euch, Bringt Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, Voll Rat, voll That, voll Gnad'! 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, Des Herzens Thür' dir offen ist; Ach zieh mit deiner Gnade ein, In Freundlichkeit auch uns erschein; Dein heil'ger Geist uns schirm und leit Den Weg zur ew'gen Seligkeit! DHeiland, dir, o Herr, Sei ewig Preis und Chr'! Georg Weissel vor 1635. 74 die Thüren weit: Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich', Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt. Deshalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer, reich an Gnad'! 2. Er ist gerecht, einhelferwert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt', Sein Königsschmuck ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit, All unsre Not zum End' er bringt. Deshalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland, stark von That! 3. Owohldem Land, owohlder Stadt, Die diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, Wo dieser König ziehet Mel. Valet will ich dir geben zc.( Matth. 21, 1-9.) 93. Wie soll ich dich empfang en Und wie begegnen dir, O aller Welt Verlangen, D meiner Seele Zier? O Jesu, Jesu, sebze Mir selbst die Leuchte bei, Damit, was dich ergöße, Mir kund und helle sei! 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen In stätem Lob und Preis Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlaffen Zu meinem Trost und Freud', Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, Da Fried' und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht. IV. Adventslieder. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irgend Reichtum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt Als dein getreues Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großer Jammerlast, Die kein Mund kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in die Herzen, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram undSchmerzen Sich häufen mehr und mehr! Seid unverzagt, ihr habet Die Hilfe vor der Thür': Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier! 7. Jhr dürft euch nicht bemühen Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht: Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller 75 Lieb' und Lust, All' Angst und Not zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8.Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken Mit seiner Lieb' und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zu Trost und wahrem Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib' ihr Erb' und Teil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind' und ihrer Tück'? Der Herr wird sie zerftreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem aller Feinde Hand Auf Erden viel zu wenig Vermag zum Widerstand. 2. Was der alten Väter Schar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und noch mehr, als sie er10.Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad' und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol uns allzumal zum ew'gen Licht und Wonne In deinen Freudensaal! Paulus Gerhardt 1653. Eigene Mel.( Habat. 2, 3. 2 Kor. 1, 20.) 94. Gott sei Dank in aller bat, Ward erfüllt nach Gottes Welt, Der sein Wort bestän- Rat. dig hält Und der Sünder Trost und Rat zu uns hergesendet hat. 3. Hier ist mehr als Davids Sohn: Unvergänglich ist sein Thron; Licht der Seelen, ew'ges Heil Ward durch Jesum uns zu teil. 4. Menschenfreund, wie dank' ada da da da cocacoconococc IV. Adventslieder. 76 ich's dir! Schenke dieses Heil auch mir, Das du unter schwerer Last Für die Welt bereitet haft! 5.Sei willkommen, o meinHeil, Dir Hosianna, o mein Teil! Richte dir auch eine Bahn, Herr, in meinem Herzen an! 6. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, Es gehöret dir allein; Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sündenlust! 7. Wie du huldreich, als du kamst, Unsre Rettung übernahmst, Also sei auch deine Treu' Mir mit jedem Morgen neu! 8. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei allem, was ich hier Zur Befördrung meiner Ruh' Denke, wünsche, wähl' und thu'! 9. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, Tröste dann mein zagend Herz; Hilf zum treuen Tugendlauf Meiner Schwachheit mächtig auf: 10. Daß ich, wenn du, Lebensfürst, Herrlich wieder kommen wirst, Froh dir mög' entgegenfehn Und gerecht vor dir bestehn! Heinrich Held 1659. Mel. Vom Himmel hoch zc.( 4 Moj. 24, 17. Joh. 1, 9.) 95. Komm, Himmelsfürst, komm, Wunderheld, DuJakobsstern, du Licht der Welt! Laß abwärts flammen deinen Schein, Der du willst Mensch geboren sein! 2. Komm an von deinem Himmelsthron, Wir harren dein, o Gottes Sohn! Komm, o du zwiefach edler Held, Geh mutig durch dies Thal der Welt! 3. Dunahmest erdwärts deinen Laufund stiegest wieder himmelauf: Die Abfahrt war zum Todesthal, Die Rückfahrt war zum Sternensaal. 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich, Besieg allhier des Fleisches Reich! Denn unser Geist, in Fleisches Haft, Sehnt sich nach deiner Himmelskraft. 5. Von deiner Krippe glänzt ein Strahl, Der leuchtet durch dies finstre Thal; Er giebt der Nacht so hellen Schein, Der stets wird unverlöschlich sein. 6. Entzünd auch unsers Glaubens Licht, Damit die Lieb' erlösche nicht zu dir die ganze Lebenszeit, D Sonne der Gerechtigkeit! Johann Franck 1646. Mel. Aus meines Herzens 2c.( Sach. 2, 10. Jef. 42, 1-3. Pf. 2, 10-12.) 96. Nun jauchzet all', ihr Frommen, In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit, Zwar ohne Stolz und Pracht, Doch mächtig zu verheeren Und gänzlich zu IV. Adventslieder. zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er in dieser Welt; Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Im Leiden ganz vollbracht. 3. Ihr mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an! Soll euch geholfen werden, So geht die rechte Bahn, Die führt zum Himmelslicht; Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Ist nah' das Strafgericht. 77 4. Jhr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seid dennoch wohlgemut; Laßt eure Lieder klingen Und lobet Gott mit Singen, Der euer höchstes Gut! 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit Und euer Leid und Weinen Verwandeln dann in Freud'; Er ist's, der helfen kann. Macht eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig! Er ist schon auf der Bahn. Michael Schirmer 1640. Mel. Von Gott will ich nicht zc.( Luf. 3, 4-6.) 97. Mit Ernst, ihr Menschenkinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der große Wunderheld, Den Gott aus Gnad' allein Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und gegeben, Bei allen kehre ein! 2.Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast: Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haft; macht eben Bahn und Pfad, Die Thale rings erhöhet, Erniedrigt, was hoch stehet, Was krumm ist, macht gerad'! 3. Ein Herz, das Demut liebet, Bei Gott am höchsten steht; Ein Herz, das Hochmut übet, Mit Angst zu Grunde geht. Ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen In dieser Gnadenzeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein Und wohn auf immer drinnen, So werden Herz und Sinnen Dir ewig dankbar sein! Valentin Thilo 1642. Mel. Balet will ich dir geben 2c.( Matth. 25, 1-13.) 98. Ermuntert euch, ihr| Schein! Der Abend ist gekommen, Frommen, Zeigt eurer Lampen Die finstre Nacht bricht ein; Es ALAR DOOM YOO coco IV. Adventslieder. 78 hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht; Auf, betet, kämpfet, wachet; Bald ist es mit ternacht! 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet sie mit Öl, Und seid desHeils gewärtig, Bereitet Leib und Seel'! Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah'; Begegnet ihm in Reihen Und fingt Hallelujah! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor! Die Thür' ist aufgeschlossen, DieHochzeit ist bereit; Auf, auf, ihr Festgenossen, Der Bräut'gam ist nicht weit! 4.Er wird nicht lang' verziehen, Drum schlafet nicht mehr ein! Man sieht die Bäume blühen,* Der schönste Frühlingsschein Verheißt Erquickungszeiten; Die Abendröte zeigt Den schönen Tag vom weiten, Davor das Dunkel weicht.* Matth. 24, 32. 5.Begegnet ihm aufErden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Gebärden, Und seid nicht mehr betrübt! Die ihr Geduld getragen Und mitgestorben seid, Sollt nun nach Kreuz und Klagen Mitleben sonder Leid. 2. Wie groß ist deine Stärke, Wie wunderbar die Werke, Wie heilig ist dein Wort! Wie ist dein Tod so tröstlich, Wie seine Frucht 6. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid, Hier singt man Freudenpsalmen Im Frieden nach dem Streit; Hier steht nach Wintertagen Der Weizen wieder grün, Und die im Tode lagen, Sieht man zum Leben ziehn. 7.DJesu, meineWonne, Komm bald und mach dich auf; Geh auf, verlangte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach ein Ende Und führ uns aus dem Streit: Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit! Laurentius Laurenti 1700. Met. Nun ruhen alle Wälder 2c.( Pf. 24, 7-10.) 99. Wie lieblich klingt's den| so köstlich, Mein Fels des Heils, Dhren, Daß du bist Mensch geboren und mein Erlöser bist! Wie lieblich, wie erquickend, Wie selig, wie entzückend Ist doch dein Name, Jesu Christ! mein Lebenshort! 3. Wie reich sind deine Gaben! Wie hoch bist du erhaben Auf deinem Königsthron! Es singen, jauchzen, dienen Dir alle Seraphinen, Du wahrer Gott und Menschensohn. 4. Wie bist du von den Banden Des Grabes auferstanden, Haft IV. Adventslieder. Höll' und Tod besiegt; Bist unter| eurem Segen Der Ehrenkönig Himmelsscharen So herrlich Einzug hält!" aufgefahren, Bis alles dir zu Füßen liegt! 11 5. Wie süß ist deine Lehre, Wie groß ist deine Ehre, Wie herrschest du allein! Wer wollte nicht, o König, In Ehrfurcht unter thänig Und gern in deiner Gnade sein? 7. Wer ist's, wer läßt sich hören Als König aller Ehren? Der Herr der Herrlichkeit! Der ist es, der kommt prächtig, Der Herr, der stark und mächtig, Der Herr, der Sieger ist im Streit." 8. Sei hochgelobt den Frommen! Du kommst, sei uns willkommen Im Namen unsers Herrn! Der Herr ist Gott, der Eine, Der uns bestrahlt alleine Als unser Licht und Morgenstern. Philipp Friedrich Hiller 1731. 6. ,, Erweitert Thor' und Thüren, Laßt Ehrenpforten zieren, Empfangt ihn in der Welt Und jauchzet ihm entgegen, Damit zu 79 Mel. Der du das Los von meinen 100. Dein König kommt in niedern Hüllen, Sanftmütig auf der Ef'lin Füllen, Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenszweige, Bestreu mit Maien seine Steige; So ist's dem Herren angenehm! 2. D mächt'ger Herrscher ohne Heere, Gewalt'gerKämpfer ohne Speere, D Friedensfürst von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren, Doch du gewannst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden; Doch aller Erde Reiche werden Dem, das du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten, Zieht deine Schar nach den vier Orten Tagen 2c.( Luk. 19, 29-40.) Der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen, Es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften, Und schlägst in Fessel Sünd' und Tod. 5. D Herr von großer Huld und Treue, D komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört! Not ist es, daß du selbst hienieden Kommst zu erneuen deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 6. D laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsternis erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus, Daß wir, Deacocacoes, bened 80 IV. Adventslieder. die Völker und die Thronen, nen In deines großen Vaters Vereint als Brüder wieder woh- Haus! Friedrich Rückert 1824. Mel. Nun danket alle Gott zc.( Matth. 11, 2-6.) 101. Er ist gekommen, er, Auf den die Väter harrten, Und länger dürfen wir Nun keines andern warten. Er, der Propheten Wunsch, Den Könige so gern Sehn wollten, er ist da, Wir haben ihn zum Herrn. 2. Uns ist der Sohn geschenkt, Er, welcher kommen sollte, Der Völker Licht zu sein, Der uns erlösen wollte; Er ist erschienen, dankt, Bringt Ruhm und Ehre her: Wer ist ein Helfer, wer Immanuel als er? 444 3. Gott ist mit uns. Wir sehn Den Sohn, den eingebornen, Des Vaters Herrlichkeit, Den Retter der Verlornen, DerReuevollen Trost. Ihr Sünder, nehmt ihn an! Er ist allein der Herr, Der selig machen kann. ist heut' Ein göttlich Kind geboren. Von ihm kommt unsre Seligkeit, Wir wären sonstverloren. Am Himmel hätten wir nicht 4. Gott ist mit uns. Nun hört Der Arme seine Lehren, Und was er lehrt, ist Heil. Er ist's: die Tauben hören, Der Blinde sieht und schaut Boll Dank zu Gott hinauf, Der Lahmen Füße gehn, Die Toten stehen auf. 5. Er ist gekommen, uns Dem Vater zu versöhnen Und mit Barmherzigkeit Die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns. Er will Die Traurigen erfreun, Er will der Schwachen Kraft, Der Müden Stärke sein. 6. Gott ist mit uns. Er ist's, Auf den die Väter harrten. Lobsingt, wir dürfen nun Nicht eines andern warten! Er schließt den Himmel auf, Er nimmt die Sünder an: Frohlockt und betet ihn Und seinen Vater an! Johann Andreas Cramer 1782. V. Weihnachtslieder. Mel. Der Tag, der ist so freudenreich 2c.( Jes. 9, 6.) 102. Hallelujah! denn uns teil, Wenn nicht zu unser aller Heil Dies Kind geboren wäre. Liebster Heiland, Jesu Christ, Der du unser Bruder bist, Dir sei Lob, Preis und Ehre! I. P. Uz( nach: Ein Kindelein, so löbelich zc.) 1781. V. Weihnachtslieder. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte zc.( Tit. 2, 11-14.) 103. Dies ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz aus dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein: Er treibet weg der Trübsal Nacht, Der Sünden und des Todes Macht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der klaren Seligkeit; Wann Sterne, Sonn' und Mond vergehen, Vielleicht 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an, und er ermißt, Daß Gottes Lieb' unendlich ist. Evangelisches Gesangbuch. 81 in einer kurzen Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles sein. Mel. Vom Himmel hoch 104. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Jm Himmel und auf Erden ist. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens- und dein Lebenslicht; Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht; Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst; Dein Licht sei meine Weihnachtswonne Und lehre mich die sel'ge Kunst, Wie ich im Lichte wandeln soll Und sei des Weihnachtsglanzes voll! Kaspar Friedrich Nachtenhöfer 1684. zc.( Ps. 118, 23. 24.) 4. Damit der Sünder Gnad'erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, Erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott, mein Heiland, bet' ich an. 6. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 6 1000 apapaco COCOPTOCOROCO 82 V. Weihnachtslieder. 7. Gedanke voller Majestät, ihn erfuhrt, Den Tag der heiligDu bist es, der das Herz erhöht; sten Geburt; Und Erde, die ihn Gedanke voller Seligkeit, Du heute sieht, Sing ihm, dem bist es, der das Herz erfreut! Herrn, ein neues Lied! 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schoße sitzt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr Eigene Mel.( Qut. 2, 10-12. Röm. 8, 31-34.) 105. Fröhlich soll mein Herze| Krippen, Ruft zu sich mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Laffet schwinden, liebe Brüder, Was euch quält; Was euch fehlt, Bring' ich alles wieder! springen Dieser Zeit, Da vor Freud' Alle Engel singen. Erd' und Himmel, nehmt's zu Ohren! Jauchzend ruft Alle Luft: Christus ist geboren! 2. Sollt' uns Gott nun können haffen, Der uns giebt, Was er liebt über alle Maßen? Gott giebt, unsrem Leid zu wehren, Seinen Sohn Von dem Thron Seiner Macht und Ehren. 3. Sollte von uns sein gekehret, Der sein Reich Und zugleich Sich uns selbst bescheret? Sollt' uns Gottes Sohn nicht lieben, Der erschien Und nimmt hin, Was uns will betrüben? 10. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Jhn preise, was durch Jesum Christ Jm Himmel und auf Erden ist. Christian Fürchtegott Gellert 1757. 4. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Giebt sich dran, Unser Lamm zu werden, Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Leben uns erwirbet. 5. Nun, er liegt in seiner 6. Ei so kommt mit offnen Händen! Stellt euch ein, Groß und klein, Kommt von allen Enden! Liebt ihn, der vor Liebe brennet; Schaut den Stern, Der euch gern Licht und Labsal gönnet! 7. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür' Zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, Wer empfindt Seine Sünd' Und Gewissensschmerzen, Sei getrost: hier wird gefunden, Der in Eil' Machet heil Deine tiefsten Wunden. 9. Die ihr arm seid und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures V. Weihnachtslieder. Glaubens Hände! Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Dran ihr sollt Eure Herzen laben. 10. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen! Du bist meines Lebens Leben; Nun Mel. Lobe den Herren, den mächtigen 106. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket in englischen Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch da: Gott will so freundlich, so nah' zu den Verlornen sich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zuFreunden nun werden. Friede und Freud' Wird uns verkündiget heut': Freuet euch, Hirten und Herden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste geneiget! Sehet die Liebe, die ganz sich als Liebe zeiget! Sie wird ein Kind, Trägt und vertilget die Sünd': Alles anbetet und schweiget. nun 4. Gott ist im Fleische. Wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. Tretet herzu, Sucht bei dem Sohne die Ruh', Die ihr zum Vater wollt gehen! 83 kann ich mich durch dich Wohl zufrieden geben. 11. Ich will dich mit Fleiß bewahren; Ich will dir Leben hier Und mit dir heimfahren; Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud Ohne Zeit Dort im andern Leben. Paulus Gerhardt 1656. König 2c.( Jef. 49, 13. 1 Tim. 3, 16.) 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll Erbarmen mir schenken? Sollt' nicht mein Sinn Innigst sich freuen darin und sich in Demut versenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herz in der Liebe verbinde, Du sollst es sein, Den ich erwähle allein; Ewig entsag' ich der Sünde! 7. Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren! Komm, o mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren! Wohne in mir, Mach mich ganz eines mit dir, Der du mich liebend erkoren! 8. Menschenfreund Jesu, dich lieb' ich, dich will ich erheben; Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun streben; Herr, nimm mich hin, Hilf mir in kindlichem Sinn Ewiglich dir nur zu leben! Gerhard Tersteegen 1737. Deodoresco 84 V. Weihnachtslieder. Mel. Ach, was soll ich Sünder 2c.( Sach. 2, 14. Hesek. 34, 16. Joh. 1, 1-14.) Kehre wieder bei uns ein, Daß wir Menschen Gottes fei'n! 107. Freuet euch, erlöste| dein Bild, das wir verloren, Brüder! Denn des Vaters Wort undlicht, Das durch allesDunkel bricht, Bringet das Verlorne wieder, Und in unser Fleisch und Bein Hüllet sich die Liebe ein. 2. Der die Himmel aufgebauet Und der ErdeGrund gelegt, Der die Kreaturen trägt, Ward als Mensch wie wir geschauet: Er, der alle Welt erfüllt, Ward in Armut eingehüllt. 4. Uns verlangt, auf dieser Erden Durch der Liebe Wunderkraft Zu des Lichtes Bürgerschaft Wiederum gebracht zu werden, Daß uns unser Vaterland Künftig wieder sei bekannt. 5. Nun dein paradiesisch Leben Dringet wieder in uns vor, Und der Wille geht empor, Deinen 3. Werde auch in uns geboren, Namen zu erheben; Nun in dir Und erleuchte du uns ganz, Owir können ruhn: O wie selig du himmlisch reiner Glanz! Und sind wir nun! Christian Friedrich Richter 1704. Mel. Nun lob, mein' Seel' 2c.( Luk. 2, 14.) 108. Vom Grab, an dem wir wallen, Soll, Jesu Christ, dein Lobgesang Empor zum Himmel schallen; Dir opfre jede Seele Dank. Und jeder der Gebornen Erfreu sich, Mensch zu sein; Und jeder der Verlornen Rühm es, erlöst zu sein. Zum Heiland uns gegeben Erschienst du, Gottes Sohn; Mit dir erschien das Leben, Mit dir des Himmels Lohn. 2. Kommt, laßt uns niederfallen Vor unsrem Mittler, Jesus Christ, Und danken, daß er allen Erretter, Freund und Bruder ist! Er, gleich der Morgensonne Mit ihrem ersten Strahl, Verbreitet Licht und Wonne Und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade Auf unsre Welt herab, Er segnet unsre Pfade Durchs Leben bis zum Grab. 3. Frohlockt, ihr Mitgenossen Der Erde und der Sterblichkeit! Uns ist nun aufgeschlossen Der Eingang zu der Herrlichkeit. Auf unsreErd'hernieder KamGottes ew'ger Sohn; Nun hebt er seine Brüder Empor zu GottesThron. Er war das Heil der Sünder und der Verlornen Hort; Nun sind sie Gottes Kinder Und Gottes Erben dort. V. Weihnachtslieder. 85 4. O du, dem jetzt die Menge| 5. Bald sind wir zu dem Lohne Der Engel und Verklärten singt, Vernimm die Lobgesänge, Die dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, Was deine Brüder sind, Ein Dulder der Beschwerden, Ein schwaches Menschenkind. O laß auch uns auf Erden Dir gleich gesinnet sein, Bis wir einst himmlisch werden Und dein uns ewig freun! DerHimmelsbürger dort erhöht, Dann sind wir nah' dem Throne Und schauen deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne Dringt dann der Dank zu dir, Weit über Sonn' und Sterne Erhaben jauchzen wir, Und mit der Himmel Heere Schallt unser Lobgefang: Dem Ewigen sei Ehre, Dem Welterlöser Dank! Christoph Christian Sturm 1779. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c.( Joh. 1, 1-14.) 109. Du wesentliches Wort, Vom Anfang her gewesen, Du Gott, von Gott gezeugt, Von Ewigkeit erlesen Zum Heil der ganzen Welt, O mein Herr Jesu Christ, Willkommen, der du mir Zum Heil geboren bist! 2. Komm, o selbständigs Wort, Und sprich in meiner Seele, Daß mir's in Ewigkeit Am Troste nimmer fehle! Im Glauben wohn in mir, Und weiche von mir nicht; Laß mich auch nicht von dir Abweichen, schönstes Licht! 3.Du, wesentliches Wort, Warst bei Gott, eh' geleget Der Grund der großen Welt, Da sich dein Herz beweget Zur Liebe gegen mich; Und weil du selber Gott, So machst du in dem Fleisch Sünd', Höll' und Tod zu Spott. 4. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch bewogen? Was hat vom Himmelsthron Dich in die Welt gezogen? Ach deine große Lieb' Und meine große Not Hat deine Glut entflammt, Die stärker als der Tod. 5. Du bist das Wort, wodurch Die ganze Welt vorhanden, Und alle Dinge sind Durch dich zum Licht erstanden. Ach so bin ich, mein Heil, Auch dein Geschöpf und Gab', Der ich ja, was ich bin, Von dir empfangen hab'. 6. Gieb, daß ich dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, Auch dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe; Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz neu geschaffen sein Und dir bis in den Tod Gewidmet sein allein! 7. Laß nichts mehr in mir sein, Was du nicht selbst geschaffen; Reut alles Unkraut aus, Und brich des Feindes Waffen! Das Bös Joacae toeger bebes V. Weihnachtslieder. 86 ist nicht von dir, Es hat's der Feind gethan; Du aber führe Herz Und Fuß auf ebner Bahn. 8. Das Leben ist in dir Und alles Licht des Lebens. Laß an mir deinen Glanz, Mein Gott, nicht sein vergebens; Weil du das Licht der Welt, Sei meines Lebens Licht, O Jeſu, bis mir dort Dein Sonnenlicht anbricht! Laurentius Laurenti 1700. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c.( Joh. 3, 16.) 110. Also hat Gott die Welt wirst Auch mir durch Rat und That Ein Helfer und mein Friedefürst Auf dieses Lebens Pfad. geliebt, Daß er aus freiem Trieb Uns seinen Sohn zum Heiland giebt. Wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbarmungsvoller Rat Schon in der Ewigkeit zu unfremHeil beschlossen hat, Vollführt er in der Zeit. 6. Was mir zum Seligsein gebricht, Schafft deine Lieb' auch mir: Verfühnung, Leben, Troft und Licht. Wie viel hab' ich an dir! 3. Er, unser Freund und bestes Gut, Der alle segnen kann, Des Höchsten Sohn nimmt Fleisch und Blut, Doch ohne Sünde, an. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir; Du wirst ein Mensch wie ich, Daß ich mit Gott sei, Gott mit mir. Wie sehr beglückst du mich! 5. Du, Sohn des Allerhöchsten, Eigene Mel. 111. Gelobet feift du, Jesu Christ, Daß du Mensch geboren bist Von einer Jungfrau! Das ist wahr, Des freuet sich der Engel Schar. Hallelujah! 2. Des ew'gen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippe findt; In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ewig' Gut. Hallelujah! 7. Dein Mangel wird mein reiches Teil, Dein Leiden stillt mein Leid; Durch deine Demut, Herr, mein Heil, Gewinn' ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sei Gott, gelobt sein Sohn, Durch den er Gnad' erweist; Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron, Erheb ihn auch mein Geist! Diterich( nach Hecker) 1765. ( 2 Kor. 8, 9.) 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, Der liegt in Marien Schoß; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding' erhält allein. Hallelujah! 4. Das ewig' Licht geht da herein, Giebt der Welt ein'n neuen Schein; Es leucht't wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht.Hallelujah! V. Weihnachtslieder. 87 5. Der Sohn des Vaters, Gott| Und seinen lieben Engeln gleich. von Art, Ein Gast in der Welt hie ward; Er führt uns aus dem Jammerthal Und macht uns Erben in sein'm Saal. Hallelujah! 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm' Und in dem Himmel mache reich Hallelujah! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein' groß' Lieb' zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Hallelujah! D. Martin Luther 1524. Eigene Mel.( Qut. 10, 23. 24. Pf. 53, 7.) 112. Wir singen dir, Im- du, Hältst in der Krippe deine manuel, Du Lebensfürst und Gnadenquell, DuHimmelsblum' und Morgenstern, Du Sohn der Jungfrau, Herr der Herrn. Hallelujah! Ruh', Bist klein, und machst doch alles groß, Bekleidst die Welt, und kommst doch bloß. Hallelujah! 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr', Daß du, o lang' gewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet hast. Hallelujah! 7. Du kehrst in fremder Wohnung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Du liegst an einer Menschenbrust, Und bist doch aller Engel Luft. Hallelujah! 8. Du bist der süße Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind; Herodes achtet dich für Greul, Und bist doch nichts als lauter Heil. Hallelujah! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat manches Herz nach dir geschmacht't; Dich hat gehofft so lange Jahr' Der Väter und Propheten Schar. Hallelujah! 4. Vor andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König deiner Herd', Der Mann, der dir so wohl gefiel, Wenn er dir sang auf Saitenspiel. Hallelujah! 5. ,, Ach, daß der Herr aus Zion käm' Und unsre Bande von uns nähm'; Ach, daß die Hilfe bräch' herein, So würde Jakob fröhlich sein!" Hallelujah! 9. Jch aber, dein geringster Knecht, Jch sag' es frei und mein' es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Hallelujah! 10. Der Will' ist da, die Kraft ist klein, Doch wird dir nicht zuwider sein Mein armes Herz; und was es kann, Wirst du in Gnaden nehmen an. Hallelujah! 11. Und bin ich gleich der Sünde voll, Hab' ich gelebt nicht, wie 6. Nun, du bist hier, da liegest Calcolo 4GOOD bebe 88 V. Weihnachtslieder. ich soll: Ei, kommst du doch des-| kehrst in Freud' all' Angst und wegen her, Daß sich der Sün- Not. Hallelujah! der zu dir kehr'. Hallelujah! 13. Ich will dein Hallelujah hier Mit Freuden singen für und für; Und dort in deinem Ehrensaal Soll's schallen ohne Zeit und Zahl. Hallelujah! Paulus Gerhardt 1656. 12. So faff' ich dich nun ohne Scheu: Du machst mich alles Jammers frei, Du trägst den Born, erwürgst den Tod, VerMel. Allein Gott in der Höh' zc.( Matth. 2, 11.) 113. Ich steh' an deiner Krippe hier, O Jesu, du mein Leben; Ich komme, bring' und schenke dir, Was du mir haft gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel' und Mut; nimm alles hin, Und laß dir's wohlgefallen! 2. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren, Und hast mich dir zu eigen gar, Eh' ich dich kannt, erforen; Eh' ich durch Gottes Hand gemacht, hat er schon bei sich selbst bedacht, Wie du mein solltest werden. 3. Jch lag in tiefster Todesnacht; Duwurdest meineSonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud' und Wonne. DSonne, die den werten Schein Des Glaubens schickt ins Herz hinein, Wie schön sind deine Strahlen! 4. Jch sehe dich mit Freuden an Und kann nicht satt mich sehen; Und weil ich nun nicht weiter kann, So bleib' ich sinnend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär' Und meine Seel' ein weites Meer, Daß ich dich möchte faffen! 5. Wenn oft mein Herz vor Kummer weint Und keinen Trost kann finden, Rufst du mir zu: Ich bin dein Freund, EinTilger deinerSünden, Dein Fleisch und Blut, der Bruder dein, Du sollst ja guter Dinge sein, Ich fühne deine Schulden." 6. Du fragest nicht nach Luft der Welt Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seele Herrlichkeit Durch dein selbsteignes HerzeLeid; Das will ich dir nicht wehren. 7. Eins aber, hoff' ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen: Daß ich dich möge für und für In meinem Herzen tragen. So laß es deine Wohnung sein; Komm, komm und kehre bei mir ein Mit allen deinen Freuden! V. Weihnachtslieder. 89 8.3war sollt' ich denken, wie ge-| Doch bist du ein so frommer Gast, ring Ich dich empfangen werde: Du bist der Schöpfer aller Ding', Ich bin nur Staub und Erde. Daß du noch nie verschmähet hast Den, der sein Herz dir öffnet. Paulus Gerhardt 1656. Mel. Schwingt, heilige Gedanken 2c.( Joh. 1, 45. Luc. 14, 17.) 114. Der heilge Christ ist| 3. Nun sind nicht mehr die Kinkommen, Der teure Gottessohn; Des freun sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, Soll preisen hoch und loben Mit allen Engeln droben Den lieben, heil'gen Christ. 2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf einem sichernSteg. der Verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gnadenschoß. Er will, daß alle, rein Von ihrem alten Schaden, Vertrauend seinen Gnaden, Gehn in den Himmel ein. 4. Drum freut euch hoch und preiset, Jhr Seelen, fern und nah: Der euch den Vater weiset, Der heil'ge Christ ist da! Erruft euch insgemein Mit süßen Liebesworten: Geöffnet sind die Pforten; Ihr Kinder, kommt herein! Ernst Moriz Arndt 1819. Erscheinung Christi. Mel. Ach, was soll ich Sünder 2c.( Matth. 2, 1-12.) 115. Wer im Herzen will| 3. Denn wo Jesus ist geboren, Da erweiset sich gar bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren: Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele kräftiglich. erfahren Und darum bemühet ist, Daß der König Jesus Christ Sich in ihm mög' offenbaren, Der muß suchen in der Schrift, Bis er diesen Schats antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, Bis der Morgenstern aufgeht Und im Herzen stille steht: So kann man sich selig preisen, Weil des Herren Angesicht Glänzt von Klarheit, Recht und Licht. 4. Alles Fragen, alles Sagen Wird von diesem Jesu sein Und von dessen Gnadenschein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in der That Diesen Schatz gefunden hat. 5. Ach wie weit sind die zurücke, deoCooeged bebes 90 V. Weihnachtslieder. du mögest bei mir sein, Und ich dir mög' ähnlich werden In dem Leben dieser Zeit und in jener Ewigkeit. Die nur fragen in der Welt: Wo| Ja nichts suchen als allein, Daß ist Reichtum, Gut und Geld? Wo ist Ansehn bei dem Glücke? Wo ist Wollust, Ruhm und Ehr'? Und nach solcher Thorheit mehr. 6. Ja unselig sind die Herzen Und in ihrem Wandel blind, Die also beschaffen sind, Weil sie die sen Schak verscherzen Und erwählen einen Schein, Der nichts hilft in Todespein. 8. Nun so will ich mit den Weisen, Welche die verkehrte Welt Höhnet und für Thoren hält, Dich anbeten, rühmen, preisen, Liebster Jesu, und vor dir Treulich wandeln für und für. 7. Jesu, laß mich auf der Erden Laurentius Laurenti 1700 Eigene Mel.( Jes. 60, 1. 2.) 116. Werde licht, du Volk der Heiden! Werde licht, Jerusalem! Dir geht auf ein Glanz der Freuden Vom geringen Bethlehem: Er, das Licht und Heil der Welt, Christus hat sich eingestellt. 2. Ehe dieses Licht erschienen, Das die Völker wünschten, lag Dicke Finsternis auf ihnen; Doch uns scheinet lichter Tag, Und ein strahlenvoller Stern Führt uns sicher zu dem Herrn. 3. Aber ach, von deinem Volke Wirst du, Heiland, nicht erkannt, Und des Irrtums finstre Wolke Überschattet noch dein Land; Über Salem strahlt dein Licht, Aber Salem kennt dich nicht. 4. Weise kommen anzubeten, AuchHerodes fragt nach dir, Aber fragt nur, dich zu töten, Wo du seist, voll Blutbegier; Gern vergösse seine Wut, D du Herr der Welt, dein Blut. 5. Ach verwerfet doch, ihr Sünder, Den nicht, der euch retten kann! Kommt und werdet Gottes Kinder, Betet euren König an! Gilt zu ihm und säumet nicht, Macht euch auf und werdet licht! 6. Nun wir eilen mit Ver langen Dich zu ehren, sind bereit Dich, o Heiland, zu empfangen: Zeig uns deine Herrlichkeit! Unsre Kniee beugen sich, Unser Glaub' umfasset dich. 7. Auf des Lebens Pfad geleite Täglich uns dein Geist und Wort; Gieb uns Mut zum guten Streite, Daß wir siegen fort und fort, Stets an deiner Seite gehn, Nie verzagend stille stehn. 8. In des Leidens Finsterniffen Leucht uns deines Trostes Licht; Ach in unsern Kümmernissen, V. Weihnachtslieder. Jesu, ach verlaß uns nicht, Bis uns in der Ewigkeit Deines Lichtes Glanz erfreut! 9. Wandern wir im finstern Thale Endlich näher hin ans Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c.( Matth. 2, 1-12.) 117. Auf, Seele, auf und säume nicht! Es bricht das Licht herfür; Der Wunderstern giebt dir Bericht, Der Held sei vor der Thür'. 91 Grab, Dann sei unser Licht und strahle Himmelstrost auf uns herab, Daß wir ohne Furcht und Graun Unsrem Tod entgegenschaun!( Nach Rift und Schmold) 1791. 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu suchen solchen Herrn; Laß deine Augen sein gewandt Auf diesen Morgenstern! 3. Gieb acht auf diesen hellen Schein, Der aufgegangen ist! Er führet dich zum Kind hinein, Das heißet Jesus Christ. 4. Er ist der Held aus Davids Stamm, Der alle Feinde schlägt; Er ist das teure Gotteslamm, Das unsre Sünde trägt. 5. Drum mache dich behende auf, Befreit von aller Last, Und laß nicht ab in deinem Lauf, Bis du dies Kindlein hast! 6. Halt dich im Glauben an das Wort, Das fest ist und gewiß; Das führet dich zum Lichte fort Aus aller Finsternis! 7. Drum sinke nur vor seinem Glanz Jn tiefste Demut ein, Und laß deinHerz erleuchten ganz Von solchem Freudenschein! 8. Bring willig ihm zum Opfer dar Dich selbst mit Leib und Seel', Und singe mit der Engel Schar: Hier ist Immanuel! 9. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, Wo man zum Leben geht; Hier ist des Paradieses Pfort', Die wieder offen steht. 10. Hier fallen alle Sorgen hin, Zur Lust wird jede Pein; Es wird erfreuet Herz und Sinn, Denn Gott ist wieder dein. 11. Der zeigt dir einen andern Weg, Als du vorhin gekannt: Den stillen Ruh- und Friedenssteg zum ew'gen Vaterland. Michael Müller 1700. Darstellung Christi. Mel. Valet will ich dir geben zc.( But. 2, 25-32.) 118. Herr Jesu, Licht der Freuden Durch deines Geistes Heiden, Der Frommen Schak und Lieb'! Wir kommen jetzt mit Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier Nach acados presed bebes 92 V. Weihnachtslieder. Simeons Exempel Dich, Gottes| Christ kann singen Den süßen Sohn, allhier. Schwanenton: ,, Mir werden nun im Frieden Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab' erblickt." 2. Du wirst von uns gefunden, D Herr, an jedem Ort, Wo man mit dir verbunden Durch dein Verheißungswort; Vergönnst noch heutzutage, Daß man dich gleicherweis' Auf Glaubensarmen trage Wie hier der fromme Greis. 3. Sei unsre Hilf' und Wonne, Ein lindernd Öl in Pein, Jm Dunkeln unsreSonne, JmKreuz ein Gnadenschein, Jn Zagheit Glut und Feuer, In Not ein Freudenstrahl, In Banden ein Befreier, Ein Stern in Todesqual! 4. Herr, laß uns auch gelingen, Daß einst wie Simeon Ein jeder 444444 119. Wohlauf, mein Herz, verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht; drum sei gewiß, Er wird auch deine Finsternis Durch seinen Glanz erhellen. Eigene Mel.( Qut. 2, 25-32.) 2. Ach, du sollst ihm ein Tempel sein! Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust hier zu wohnen. Doch, finstres Herz, auf, werde licht! Denn Jesus wohnt in Seelen nicht, Die ihrer Lüfte schonen. 5. Ja, ja ich hab' im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Rein Feind kann mich dir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn' in deinem Herzen Und in dem meinen du; Uns scheiden keine Schmerzen, Nicht Angst noch Tod dazu. 6. Hier will es oft mir scheinen, Du sehst mich strafend an, Daß ich vor Angst und Weinen Dich kaum erkennen kann; Dort aber wird's geschehen, Daß ich von Angesicht ZuAngesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Johann Franck 1646. 3. Wer dich begehret, Gottessohn, Vom Geist erweckt wie Simeon, Zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt entwöhnt, Aus ihr sich nach dem Himmel sehnt: Der opfert rechte Gaben. 4. Wer auf die Treue Gottes baut, Im Glauben seinen Hei land schaut, Der kann im Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. V. Weihnachtslieder. 5. Herr, mache mich gerecht und rein, Und laß mich stets voll Glaubens sein, Um heilig dir zu leben, Bis du auch mich, wann VI. Lehramt und Wandel Jesu. Mel. Ach sei mit deiner Gnade zc.( Luk. 2, 41-52.) 120. Der niedern Menschheit Hülle Trägt er, des Men schen Sohn; Doch wohnt in ihm die Fülle Der ganzen Gottheit schon. 2. Er wandelt hier auf Erden Nicht mächtig und nicht reich Und duldet viel Beschwerden, Doch ist er Gott schon gleich. 3. Der Engel heil'ge Chöre Thun sein Erscheinen kund; Da opfert Dank und Ehre Der Hirten Herz und Mund. 4. Nun endlich fährt im Frieden Von hinnen Simeon, Und Hanna rühmt hienieden Von Gottes Trost und Lohn. 5. Auch bringen aus der Ferne Die Weisen, wunderbar Geführt von einem Sterne, Gold, Weihrauch, Myrrhen dar. 6. Und vor Herodis Morden Ist in Ägyptenland Das Kind errettet worden Durch Gottes starke Hand. 93 dir's gefällt, Im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn' erheben! Schlegel( nach Laurenti) 1766. 7. Schon zeigt sich in dem Knaben DieGnade mannigfalt; Ihm leuchten Gottes Gaben AusAntlik und Gestalt. 8. Wie Gottes Wohlgefallen Den Heiligen umgiebt! Wie von den Menschen allen Der Holde wird geliebt! 9. Wie wundern sich die Leh rer, Als er zum Tempel eilt Und in dem Kreis der Hörer Mit ernstem Fleiße weilt! 10. Wie preist an jenem Tage So mancher den Verstand, Den man in jeder Frage, In jeder Antwort fand! 11. Wohl ruft am dritten Morgen Ihn dort die Mutter an: Warum, zu schweren Sorgen, Hast du uns das gethan? 12. Er spricht aus heil'gem Wissen: Wie kommt's, daß ihr nicht wißt, Daß ich in dem sein müssen, Das meines Vaters ift? 13. 3war seine Eltern beede Verstunden nicht das Wort; Doch stille trug die Rede Maria mit sich fort. 14. Er folget ihrem Schritte Mit muntrem Sinn und geht Hinab zur armen Hütte Jm Kleinen Nazareth. COCKCOD0 VI. Lehramt und Wandel Jesu. .94 15. Er bleibt nach Gottes Willen Den Eltern unterthan Und wächset so im stillen Zum groBen Werk heran. 16. D lernet Lernbegierde Und Gottesfurcht allda Und jeder Tugend Zierde, Ihr Kinder fern und nah! zum Guten träge, Nie müd' ist zum Gebet! 18. Und bist du groß erzogen, So bleibe wie dies Kind, Daß Engel dir gewogen, Dir hold die Menschen sind. 2. Wunder! Das Wort ist nun Abrahams Sproffe, Von der Vergänglichkeit menschlich um schränkt. Wunder! Der Herr ist der Armut Genoffe, Der den Gefallnen das Himmelreich schenkt. Uneingeladen Wehrt er dem Schaden, Der die Verirrten zum Abgrund versenkt. 3. Kaum in die Linnen des Elends gewunden Sah ihn sein Bethlehem freundlich und hold, Wie ihm in heiligen nächtlichen Stunden Forschende Weise die Gaben gezollt. Daß wir uns nahen, Jesum empfahen, Ift's, 19. Gehorche Jesu Lehre, So wird die Jugend rein, Dein Alter Glück und Ehre, Dein Ende selig Nach Balthasar Haug 1763. 17. Wohl dem, der GottesWege In jungen Jahren geht Und nie sein. Mel. Höchster Formierer zc.( Joh. 13, 1-15.) wollt. 121. Jesu, du Sohn der was der Stern ob der Hütte geunendlichen Liebe, Göttlicher Freund in der Sterblichen Reihn! Sind es doch ganz unerforschliche Triebe, Die dich den Sündern zum Eigentum weihn. Sie zu versöhnen Und sie zu krönen, Stellst du bei Menschen als Bruder dich ein. 4. Heilseidir, daß du die Jahre durchlaufen, Die dich in Demut und Sanftmut geübt! Herzen der Sünder für dich zu erkaufen, Hast du geduldet, geheilt und geliebt. Derer, die fragten, Derer, die klagten, Hast du nicht einen verschmäht und betrübt. 5. Wunder erzeigen und Gnaden verbreiten Machte dich müde, doch ohne Verdrieß; Heil auf Verbannte und Zöllner zu leiten Deuchte dir unter Verlästrungen süß, Bis die Verschwörung Und die Empörung Dich als ein Schlachtschaf zur Marter verstieß. 6. Noch da dich Schauer des Todes umhüllte, Schlug dir vor Liebe die seufzende Brust; Liebe war's, die dich am Abend erfüllte, Als du dich, deiner Verklärung bewußt, Dienend bemühtest, VI. Lehramt und Wandel Jesu. Aufgeschürzt knieteft Sündern zu Füßen: o heilige Luft! 7.Liebe, du dientest, du schmach tetest, warbest, Als dich am Ölberg die Hölle geschreckt; Liebe, du liebtest, du littest und starbest Nackt und mit Dornen und Schande bedeckt, Da du, verlassen, Noch im Erblaffen Offene Arm' uns entgegengestreckt. Mel. Wachet auf! ruft zc.( Joh. 13, 15. 1 Petri 2, 9.) 122. Heiligster Jesu, Heilgungsquelle, Mehr als Kristall rein, klar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Der Glanz der hohen Cherubinen, Die Heiligkeit derSeraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. EinVorbild bist du mir; Ach bilde mich nach dir, Du mein Alles! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch heilig sei wie du! 95 8. Laß es mich, Heiligster, nimmer vergessen, Was du schon sterbend für Liebe geübt; Laß es in Andacht mich stündlich ermeffen, Daß du für mich dich zu Tode betrübt; Laß mich dich lieben, Dir, Herr, verschrieben, Der du mich, eh' ich dich kannte, geliebt! Johann Adam Lehmus 1771. 2.D stiller Jesu! Wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war, So mache du auch gleichermaßen Mein Herz und Willen dir gelassen, Ach stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleichgesinnt Wie ein gehorsam Kind, Stille, stille! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sei wie du! 3. Wachsamer Jesu! Dhne Schlummer, In großer Arbeit, Müh' und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht. Du mußtest täglich viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen, Du hast gebetet und gewacht. Gieb mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach' und bete! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sei wie du! 4.Gütigster Jesu! D wie gnädig, Wie liebreich bist du, wie gutthätig, Selbst gegen Feinde wie gelind! Dein Sonnenlicht erscheinet allen, Dein Regen muß auf alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sei wie du! 5. Du, sanfter Jesu, warst un schuldig Und littest alle Schmach geduldig, Vergabst und ließst nichtRachgier aus. Niemand kann deine Sanftmut messen, Bei der kein Eifer dich gefressen Als der um deines Vaters Haus. Mein gegebeoco bebebeb 96 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Heiland, ach verleih Mir Sanft-| mir dazu, Daß ich demütig sel mut und dabei Guten Eifer! Jefu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmütig sei wie du! 6. Würdigster Jesu, Ehrenkönig! Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering; Du wandeltest ertieft auf Erden In Demut und in Knechtsgebärden, Erhubst dich selbst in keinem Ding. Herr, solche Demut lehr Auch mich je mehr und mehr Stätig üben! Jesu, hilf du, Hilf wie du! 7. Nun, liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in allem dir ergebenlind deinem heil'gen Vorbild gleich! Gieb, daß dein Geist mich ganz durchdringe, Daß ich vielGlaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd'zu deinem Reich! Ach zeuch mich ganz zu dir, Behalt mich für und für, TreuerHeiland! Jesu, hilf du, Laß mich wie du, Und wo du bist, einst finden Ruh"! Bartholomäus Crasselius( nach Lodenstein) 1700. Mel. Wachet auf! ruft zc.( 1 Joh. 2, 6. 2 Tim. 1, 13.) 123. Gläubiger Jesu! Auf Vertrauen Wollt'st du dein Reich alleine bauen, Das dir der Vater zugesagt. Von außen, innen ganz beraubet, Hast du doch stille fortgeglaubet Und bliebst im Zagen unverzagt. Herr, ich vertraue dir; Nur bitt' ich: schenke mir Deinen Glauben! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so gläubig sei wie du! 2. Darmer Jesu! Reich an Gaben Wollt'st du doch selber Mangel haben, Warst in der Welt gering und klein. Nun, Herrscher Himmels und der Erden, Ich will, um reich in dir zu werden, Ja gern der Allerärmste sein. Was Armut an dem Geist In deinem Worte heißt, Sei mein Reichtum. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, So willig arm zu sein wie du! 3. Trauernder Jesu! Deine Seele, Voraus gesalbt mit Freudenöle, Ward doch betrübt bis in den Tod. Hilf, daß ich mich mit Zittern freue, Mein Trauern stille Freude seie; Das beste Brot ist Thränenbrot. Es ist fürs Trauerkleid Ein weißes schon bereit Deinen Treuen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich im Trauern sei wie du! 4. Friedfert'ger Jesu! In dem Frieden, Den du den Deinen nur beschieden, Liegt für denGeiftvoll kommne Ruh'. Nur ein in dir verföhntGewissenkann recht in Liebe Frieden schließen, Und solchen Siegern rufft du zu: Mein Friede sei mit dir! Im Frieden komm VI. Lehramt und Wandel Jesu. 97 wuschest du die Füße Und heiltest freundlich schnell die Nisse, Die Satan unter sie gemacht. Du bringst durch einen Blick In Petri Herz zurück Seinen Glauben. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so freundlich sei wie du! 8. Jesu, Lamm Gottes! Für uns Sünder, Für uns verlorne Adamskinder Vergoffest du dein heilig Blut; Kein Engel, Seraph, die dir dienen, konnt' unfre Missethat verfühnen, Du kamst, du starbst, machst alles gut. Dein Blut nur reinigt mich, Drum heißest du auf dich Stets mich schauen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich in deinem Tode ruh'! 9. Herrlicher Jesu! Lauter Freude Wächst, grünt und quillt auf jener Weide, Da du der Hirt der Schafe bist. Das Brot des Lebens soll der haben, Das Lebenswaffer soll den laben, Der durch dein Blut gereinigt ist. Laß mich sein einen Gast, Den du berufen hast, Dort zu wohnen. Mein ganzer Sinn Steht nur dahin; Hilf, daß ich ewig bei dir bin! Philipp Friedrich Rieger vor 1766. V. 5. 8. 9 von Ph. D. Burk vor 1770. zu mir, Kind des Friedens! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich den Frieden lieb' wie du! 5.Treuester Jesu! Ew'geWahrheit, Du lautres Herz vollLiebesklarheit, Richt unser ganzes Herz zu dir! Nichts Falsches hast du je erzeuget, DerHeld in Israel nicht leuget, Dein Ja ist Amen für und für. Mach mich einfältig, treu, Dhn' Arg und Heuchelei, Ganz durchläutert! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich wahrhaftig sei wie du! 6. Schweigender Jesu! Falsche Zeugen Hast du mit unerschrock nem Schweigen Und ohne Antwort widerlegt. Ich kann nicht schweigen, wie ich wollte; Ich schweige, wann ich reden sollte, Und werd' oft gar zum Zorn bewegt. Ach gieb mir deinen Sinn, Wenn ich verleumdet bin, Daß ich schweige! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch schweigen mag wie du! 7. Freundlichster Jesu! Zu er quicken mit Werken, Worten und mit Blicken, War stets dein liebreich Herz bedacht. Den Jüngern Mel. Gott sei Dank zc.( 1 Petri 2, 21.) 124. Jesus Christus gab sich uns Selbst zum Vorbild alles Thuns, Sein Wort stellet ihn uns dar: Ich soll sein wie Jesus war. Evangelisches Gesangbuch. 2. Sein Verleugnen lehrt mich klein, Seine Demut niedrig sein, Seine Sanftmut- stäte Huld, Sein Gehorsam- die Geduld. 7 GabookGO 98 VI. Lehramt und Wandel Jesu. 3. Wie er ohne Haß geliebt,| mir sein Exempel zu: Wie er Stets getröstet, nie betrübt Und lebte, lebe du! auchFeinden Guts gethan, Weist er mich zu gleichem an. 4. Wenn er Gottes Willen that, Wenn er stets zum Vater bat, Wenn er nichts als Wahrheit sprach, Heißt das: folge du mir nach! 7. Lieber Meister, lehr mich's nun! Ohne dich kann ich nichts thun; Unter deines Geistes Zucht Bringt mein Glaube solche Frucht. 5. Wenn er allzeit standhaft blieb, Nur das Wort vom Reiche trieb, So bezeugt er mir dabei, Daß mir das ein Beispiel sei. 6. Wenn er mäßig aß und trank Und es heiligte mitDank, Spricht 8. Viele folgen ihrem Sinn; Aber, Herr, wo soll ich hin? Du bist Christus, Gottes Sohn; Wer dir folgt, hat großen Lohn! 9. Gabst du nach vollbrachtem Lauf Deinen Geist mit Beten auf, Gieb auch, daß durch deine Treu' Mein End' wie dein Ende sei! Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Schmücke dich zc.( Matth. 18, 11. Joh. 10, 12.) 125. Heiland, deine Men schenliebe War die Quelle deiner Triebe, Die dein treues Herz bewogen, Dich in unser Fleisch gezogen, Dich mit Schwachheit überdecket, Dich vom Kreuz ins Grab gestrecket. O der ungemeinen Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 2. über seine Feinde weinen, Jedermann mit Hilf' erscheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Betrübten Klagen hören, Sich in andrer Dienst verzehren, Sterben voll der reinsten Triebe: Das sind Proben wahrer Liebe. 3. D du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hilf'undHeil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? D wie ist dein Herz gebrochen, Wann dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Gebetne mitzuteilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, Zu denkleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Ernst und liebreich zu dir locken: Das war täglich dein Geschäfte Mit Verzehrung deiner Kräfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschäßbar teures Leben In den ärgsten Tod ge geben, Da zur Marter du erlesen VI. Lehramt und Wandel Jesu. 99 Geschlechte, Diese Demut, gleich den Tauben Ohne Falsch, voll Treu' und Glauben, Mit Gerechtigkeit gepaaret, Durch Vorsichtigkeit bewahret. Aller Schmerzen Ziel gewesen zum Knechte Einem fündigen. Und, den Segen zu erwerben, Als ein Fluch haft wollen sterben! 6.Deine Lieb'hat dich getrieben, Sanftmut und Geduld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Für die Lästerung zu segnen, Für der Feinde Schar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 7. Demut war bei Spott und Hohne Deines Lebens Schmuck und Krone; Diese machte dich 8. Herr, laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng'und Flekken! Du hast das Gesetz erfüllet, Des Gesetzes Fluch gestillet; Laß mich wider deffen Stürmen Deiner Liebe Schild beschirmen! Heil'ge meines Herzens Triebe, Salbe sie mit deiner Liebe! Johann Jakob Rambach 1735. Mel. Vater unser im Himmelreich 2c.( Joh. 14, 6-17.) 126. Sehrer, dem kein Lehrer gleich, An Weisheit, Lieb' und Eifer reich, Gefallner Sünder Licht und Rat, Prophet, berühmt durch Wort und That, Gesalbet durch des Vaters Hand Und uns zu unfrem Heil gesandt! 2. Du kamst aus deines Vaters Schoß und machtest alle Siegel los, Worin sein Rat verborgen war; Durch dich ward alles offenbar Und an das helle Licht gestellt, Was Dunkelheit umschlossen hält. 3. Du wiesest uns die wahre Spur zu Gott, dem Schöpfer der Natur, Du hast den Weg uns recht gezeigt, Darauf man zudem Himmel steigt; Was du vom Vater selbst gehört, Das hast du unverfälscht gelehrt. 4. Du sahest in der Gottheit Licht Von Angesicht zu Angesicht, Was nach der ew'gen Liebe Rat Man künftig zu erwarten hat; Du sagst es deutlicher zuvor Als jemals der Propheten Chor. 5. Das Lehramt, welches du geführt, Hast du mit Heiligkeit geziert, Mit Wundern hast du es bestärkt, Woraus man deine Allmacht merkt, Ja endlich, als es Gott geschickt, Ein blutig Siegel drauf gedrückt. 6. Nachdem du hingegangen bist, Wo aller WeisheitUrsprung ist, So setzest du, du ew'ges Wort, Dein Lehramt durch die Knechte Deodor besed 100 VI. Lehramt und Wandel Jefir. fort, Die dir dein Vater zuge-| Sinnen schreibt Und bei den führt, Und die mit Gaben er ge- Deinen ewig bleibt. ziert. 8. Ach laß, o himmlischer Prophet, Mich schauen deine Maje stät; Mach mich vom Eigendünkel frei, Damit ich dir gehorsam sei; Du sollst mein höchster Lehrersein, Führ mich in deine Schule ein! Johann Jakob Rambach 1735. 7. Du aber sendest deinen Geist, Den du den Gläubigen verheißst, Der allen Seelen, die er liebt, Erkenntnis, Licht und Weisheit giebt, Dein Wort in Herz und Mel. Ringe recht 2c.( Matth. 11, 28-30.) 127. Immer muß ich wieder lesen In dem alten heil'gen Buch, Wie mein Herr so sanft gewesen, Ohne Lift und ohne Trug; 2. Wie er hieß die Kindlein kommen, Wie er hold sie angeblickt, Und sie auf den Arm genommen Und sie an sein Herz gedrückt; 3. Wie er Hilfe und Erbarmen Allen Kranken gern erwies, Und die Blöden und die Armen Seine lieben Brüder hieß; 4.Wie erkeinem Sünder wehrte, Der bekümmert zu ihm kam, Wie er freundlich ihn bekehrte, Ihm den Tod vom Herzen nahm. 5. 3mmer muß ich wieder lesen, Les' und freue mich nicht satt, Wie er ist so treu gewesen, Wie er uns geliebet hat. 6. Hat die Herde sanft geleitet, Die sein Vater ihm verliehn, Hat die Arme ausgebreitet, Alle an sein Herz zu ziehn. 7. Laß mich knien zu deinen Füßen, Herr, die Liebe bricht mein Herz; Laß in Thränen mich zerfließen, Selig sein in Wonn' und Schmerz. Buise Hensel 1829. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c.( Joh. 10, 27-30.) 128. Jesu, frommer Men| Laß uns auch so Liebe üben, Du schenherden Guter und getreuer Hirt! Laß mich eins von denen werden, Die dein Ruf und Stab regiert. Ach du haft ausLieb' dein Leben Für die Deinen hingegeben, Und du gabst es auch für mich: Laß mich wieder lieben dich! 2. Herden ihren Hirten lieben, Und ein Hirt liebt seine Herd'; im Himmel, ich auf Erd'. Schallet deine Lieb' hernieder, Soll dir meine schallen wider; Wenn du rufft: ich liebe dich! Ruft mein Herz: dich liebe ich! 3. Schafe ihren Hirten kennen, Dem sie auch sind wohl bekannt; Laßmich auch für dich entbrennen, Wie du bist für mich entbrannt. VI. Lehramt und Wandel Jesu. 101 Da der Wolf mit offnem Rachen| Mich auch zu dir rufen lehre, Mich zur Beute wollen machen, Riefest du: ich kenne dich! Ich ruf auch: dich kenne ich! Wenn sich naht des Wolfes Grimm! Laß mein Rufen dir gefallen, Deinen Trost hernieder schallen; Wenn ich bete: höre mich! Jesu, sprich: ich höre dich! 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn ich ruf', anklopf' und bitt'; Jesu, dich von mir nicht kehre, Bald in Gnaden zu mir tritt! Ja du hörst; in deinem Namen Ist ja alles Ja und Amen. Nun ich glaub' und fühle schon Deinen Trost, o Gottes Sohn! 1675. V. 6 3ujak 1698. 4. Herden ihren Hirten hören, Folgen seiner Stimm' allein; Hirten sich zur Herde kehren, Wenn sie rufen groß und klein. Wenn du rufest, laß mich eilen, Wenn du dräuest, nicht verweilen; Laß mich achten stets auf dich; Jesu, achte du auf mich! 5. Höre, Jesu, und erhöre Meines schwachen GlaubensStimm'; VII. Passionslieder. Mel. Schwing dich auf 2c.( Jes. 52, 13-53, 12.) 129.„ Siehe, mein geliebter| er etwanGott betrübt Bei geſunKnecht, Der wird weislich han deln, Ohne Tadel, schlecht und recht Auf der Erde wandeln; Sein getreuer, frommerSinn Wird in Einfalt gehen, aber dennoch wird man ihn An das Holz erhöhen." 2. Hoch am Kreuze wird mein SohnGroße Marter leiden, Biele werden ihn mit Hohn Als ein Greuelmeiden; Aber seiner Leiden Kraft Wird die Welt durchdringen Und den Geist, der Leben schafft, In die Herzen bringen." 3. Nun, was hat er denn gethan? Was sind seine Schulden, Daß er muß von jedermann Solche Schmach erdulden? Hat den Tagen, Daß ihm dieser jetzo giebt Seinen Lohn mit Plagen? 4. Was ihn also trifft und schlägt, Trifft ihn unfertwegen; Daß er solche Bürden trägt, Ist für uns zum Segen Und befreit uns vom Gericht, Daß wir Friede haben und in seinem Angesicht Leib und Seele laben. 5. Wie ein Lamm läßt er sich hin Zu der Schlachtbank leiten und hat in dem frommen Sinn Gar kein Widerstreiten. Er sinkt in den Tod hinab, Den er selbst doch bindet, Weil er sterbend Tod und Grab Mächtig überwindet. 6. Er wird aus der Angst und cacao ropogga H 102 VII. Paffionslieder. Qual Bald herausgeriffen, Tritt| Freud' Und des Vaters Wille, den Feinden allzumalJhrenkopf Daß den Erdkreis weit und breit mit Füßen. Wer will seines Le- SeinErkenntnis fülle, Damitder bensläng' Irgendwo umschrän- gerechte Knecht, Ein vollkommfen? Seiner Tag' und Jahre ner Sühner, Gläubig mache und Meng' Ist nicht auszudenken! gerecht Alle Sündendiener. 7. Ja er ist für fremde Sünd' In den Tod gegeben, Auf daß du, o Menschenkind, Durch ihn möchtest leben, Daß er mehrte seinGeschlecht, Den gerechten Samen, DerGott dient'undOpfer brächt' Seinem heil'gen Namen. 8. Denn das ist ihm höchste 9. Große Menge wird dir Gott Zur Verehrung schenken Dafür, daß du dich mit Spott Für uns laffen kränken. Hilf, Herr, daß wir mehr und mehr Auf dich sehn und hören, Und mit Luft zudeiner Ehr' Unsern Glauben mehren! Paulus Gerhardt 1656. Eigene Mel.( Jes. 53, 7. Joh. 1, 29.) in, 130. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder. Es geht wird matt und krank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Entzieht sich allen Freuden; Es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: ich will's gern leiden! 2. Das Lämmlein ist der große Freund UndHeiland unsrerSee: len; Den, den hatGott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen. ,, Geh hin, nimm dich der Sünder an! Dein Tod ist's, der sie retten kann von meines Zornes Ruten. Die Straf' ist schwer, der Zorn ist groß, Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten." 3. ,, Ja, Vater, ja von Herzens grund, Leg auf, ich will's gern tragen; Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen!" O Wunderlieb', o Liebesmacht! Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abdringen! D Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen! 4. Du läsfest ihn am Kreuzesstamm Der SündeGreuel büßen; Du läßst ihn schlachten als ein Lamm, Daß Herz und Adern fließen, Das Herze mit der Seuf zer Kraft, Die Adern mit dem VII. Paffonslieder. 103 eblen Saft Des reinenOpferblu-| Jm Himmel und auf Erden. Weg tes. O süßes Lamm, was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeigest so viel Gutes? 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht; Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herz verbleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiemit zu deinem Eigentum Beständiglich verschreiben. mit den Schäßen dieser Welt Und allem, was dem Fleisch gefällt! Ich hab' ein Beßres funden. Herr Jesu Christ, mein großes Gut Ist dein für mich vergoßnes Blut, Das Heil in deinen Wunden. 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen; Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtnis schließen. 8. Das soll und will ich mir zu nuk' zu allen Zeiten machen: Im Streite soll es sein mein Schuß, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel; Und wenn mich nichts erquicken will, Soll mich dies Manna speisen; Im Durst soll's meine Quelle sein, Mein Umgang, wo ich bin allein, Zu Haus und auf den Reisen. 9. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dies Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron', In welcher ich will vor den Thron Des ew'gen Vaters gehenUnd dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut An deiner Seite stehen. Paulus Gerhardt 1648. 7. Auf, armes Herz, erweitre dich! Dir soll einkleinod werden; Kein Schatz wie dieser findet sich Eigene Mel.( Jes. 53, 4. 5.) 131. Jesu, deine Passion zen, Wie du, unser Heil zu sein, Will ich jetzt bedenken; Wollest Littest große Schmerzen! mir vom Himmelsthron Dazu 2. Gieb, daß ich recht sehen mag Andacht schenken. In dem Bilde Deine Angst und Bande, Deine jetzt erschein, Jesu, meinem Her- Schläge, deine Schmach, Deine eacado dacapo begcoococo 6666 VII. Passionslieder. Kreuzesschande, Deine spike| büßen mußt' Mit so großen Dornenkron', Deine tiefen Leiden? Wunden Und den Tod, o Gottessohn, Den du dort empfunden. 3. Aber laß mich nicht allein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach' fein Und die Frucht verstehen. Ach die Ursach' war auch ich, Ich und meine Sünde, Diese hat gemartert dich, Daß ich Gnade finde. 4. Jesu, lehr bedenken mich Dies mit Buß' und Reue; Hilf, daß ich mit Sünden dich Martre nicht aufs neue! Sollt' ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was mein Heiland 104 Eigene Mel. 132. du Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens mir zu gute Als ein Opfer eingestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt! 2. Liebe, die mit heißen Thränen An dem Ölberg sich betrübt; Liebe, die mit Sorg'und Sehnen Unaufhörlich fest geliebt; Liebe, die den eignen Willen In des Vaters Willen legt Und, den Fluch der Welt zu stillen, Treu die Last des Kreuzes trägt! 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Lästerung gehört; 5. Wenn mich meine Sünde quält Mit viel bittern Schmerzen, Du, der sich ins Mittel stellt, Reiche Trost dem Herzen! Dich und deine Passion Laß mich gläubig faffen; Liebst du mich, o Gottessohn, Wie kann Gott mich haffen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtrage, Daß ich Demut von dir lern' Und Geduld in Plage, Daß ich dir geb' Lieb' um Lieb'! Indes laß dies Lallen, Bis es kommt aus reinrem Trieb, Jesu, dir gefallen! Sigismund von Birken 1653. ( Eph. 5, 2.) Liebe, die in Angst und Schmerzen Bis zum Tod blieb unversehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, Wo der Atem geht zu End'; Liebe, die sich liebend neiget, Da sich Leib und Seele trennt! 4. Liebe, die mit ihren Armen Mich zuletzt umfangen wollt'; Liebe, welche mitErbarmen Mich so treulich und so hold Ihrem Vater übergeben, Die noch sterbend für mich bat, Daß ich ewig möchte leben, Weil mich ihr Verdienst vertrat! 5. Liebe, die für mich gestorben Und ein immerwährend Gut An dem Kreuzesholz erworben, Ach wie denk' ich an dein Blut! Ach VII. Paffionslieder. wie dank' ich deinen Wunden, Schmerzenreiche Liebe du, Wann ich in den letzten Stunden Sanft in deinen Armen ruh'! 6. Liebe, die sich tot gefränket Und für mein erkaltet Herz In 105 ein kaltes Grab gesenket, Ach wie dank' ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erworben; Nimm mich ewig liebend an! Elisabeth von Seniß vor 1679. Mel. Nun sich der Tag 133. Der du noch in der letten Nacht, Eh' du für uns erblaßt, Den Deinen von der Liebe Macht So schön gepredigt hast, Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1725. 2. Du gehst mit Zittern und mit Sagen Und bist bis in den Tod betrübt. Ach dieses soll ans Herz mir schlagen, Daß mir die Sünde so beliebt. Drum willst du, daß ein Herz voll Reu' Mein Anfang zum Gebete sei. 2c.( Joh. 13, 34. 35.) 2. Erinnre deine kleine Schar, Die sich sonst leicht entzweit, Daß deine letzte Sorge war DerGlieder Einigkeit! Mel. Mein Gott, zu dem ich zc.( Mart. 14, 32-42.) 134. Du gehest in den Gar-| Erden, Fällst nieder auf dein Anten beten, Mein trauter Jesu, nimm mich mit! Laß mich an deine Seite treten, Ich weiche von dir keinen Schritt; Ich will an dir, mein Lehrer, sehn, Wie mein Gebete soll geschehn. gesicht. So muß die Demut sich gebärden; Drum brüst' ich Erd' und Staub mich nicht Und beuge mich in Niedrigkeit, Wie du, voll Trauer, Angst und Leid. 3. Du reißest dich von allen Leuten Und suchst die stille Einsamkeit. So muß auch ich mich wohl bereiten und fliehen, was mein Herz zerstreut. Zeuch mich von aller Welt allein, Daß nur wir zwei beisammen sei'n! 4. Du wirfst dich knieend hin zur 5. Du betest zu dem lieben Vater, Rufft: Abba, Abba! wie ein Kind. Dein Vater ist auch mein Berater, Sein Vaterherz ist treu gesinnt; Drum halt' ich mich ge trost an dich Und rufe: Abba, höre mich! 6. Du wirfst voll Zuversicht und Liebe Dem Vater dich ans treue Herz, Und rufft aus stärkstemHerzenstriebe mit heißen Thränen himmelwärts. Ach, Glaub' und Liebe sind mir not, Sonst ist mein Beten alles tot! 7. Geduldig Lamm, wie hältst du stille Und im Gebete dreimal 60600 bebebebe 106 VII. Paffionslieder. an! Dabei ist auch für mich dein| bleibet ohne Frucht, Wenn es Wille, Daß ich soll thun, wie du des Nächsten Heil nicht sucht. gethan; Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehn, So darf ich wieder vor ihn gehn. 8. Dein Wille senkt sich in den Willen Des allerbesten Vaters ein. Darein muß ich auch mich verhüllen, Dafern ich will erhöret sein; Drum bet' ich in Gelaffenheit: Was mein Gott will, gescheh allzeit! 10. Nun, du erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit. Damit hast du auf mich gesehen, Daß ich zur angenehmen Zeit Auf ernstlich Beten freudenvoll Den gleichen Segen ernten soll. 11. Mein Jesu, hilf mir stets so beten, Wie mich dein heilig Vorbild lehrt! So kann ich frei zumVater treten Und werde stets von ihm erhört; So bet' ich mich zum Himmel ein Und will dir ewig dankbar sein. Johann Menter 1725. 9. Obgleich die Jünger dein vergessen, Gedenkst du doch ge treu an sie; Und da dich alle Martern pressen, Sorgst du für sie mit stäter Müh'. Mein Beten Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Joh. 1, 29.) 135. Du, dessen Augen| Im heißen Kampfe siegt! Schon flossen, Sobald sie Zion sahn Zur Frevelthat entschlossen Sich seinem Falle nahn! Wo ist das Thal, die Höhle, Die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger seiner Seele, Habt ihr ihn schon erwürgt? kommt der Mörder Rotte, Die kein Erbarmen rührt, Die ihn zu Hohn und Spotte, Ihn- ach, zum Kreuze führt! 4. Sein Volk im heißen Grimme Erweicht sein Anblick nicht, Nicht fremden Mitleids Stimme, Die von dem Richtstuhl spricht. Er ist ihr Hohngelächter, Sie drohn mit wildem Ton: ,, Auf uns, auf Söhn' und Töchter Komm seines Blutes Lohn!" 5. Zur hohen Schädelstätte Trägt er sein Kreuz hinan; Sie freuz'gen ihn,-o bete, MeinGeist, mit Wehmut an! Noch höhnt in frechen Mienen Sein Volk 2. Welch jammervolles Klagen Seufzt in Gethsemane? Wer ist der Mann der Plagen, Der langsam Sterbende? Ist unter Menschenkindern Einheiliger wie er? Und doch bebt er gleich Sündern Und sinkt und trägt's nicht mehr! 3. Ach, wie er tief im Staube Bedeckt mit Angstschweiß liegt, Und doch sein starker Glaube VII. Paffionslieder. 107 Zu Gott, wo ihn die Fülle Des hohen Lohns erquickt. des Dulders Schmerz, Er ruft: Vergieb es ihnen! Und Mitleid bricht sein Herz. 7.DFreund der Menschenkinder, 6.Es bricht, und matt vonkum- Hier liegen wir gebückt. Wie hoch mer Sinkt auf die Brust zur Ruh' hat uns, die Sünder, Wie hoch Sein Haupt; nun schließt der dein Tod beglückt! Dich ehre unSchlummer Sein müdes Auge ser Glaube, Anbetung sei dein zu. Am Kreuze ruht die Hülle; Dank; hör ihn, vernimm vom Der Geist schwebt sanft entrückt StaubeDen schwachenLobgefang! Karl Wilhelm Ramler 1760. V. 2-7 August Hermann Niemeyer 1785. Mel. Ach Gott, verlaß mich nicht 2c.( Joh. 19, 5.) 136. Seht, welch ein Mensch| 4. Seht, welch ein Mensch ist ist das! O Blicke voller Thränen, O Antlit voller Schmach, O Lippen voller Sehnen, OHauptvoll Todesschweiß! D Seele voller Not! O Herze voll Geduld, O Lieb' voll Angst im Tod! das! Ach ja, wir wollen sehen, Was dir, du Menschenfreund, Durch Menschen ist geschehen! Solang ein Auge blickt, Solange soll die Pein, Die du für uns erträgst, Uns unvergessen sein! 5. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach, sieh uns an in Gnaden! Wenn wir uns voller Buß' In Jammerthränen baden, So laß den Blick vom Kreuz In unsre Seele gehn Und dein vergoßnes Blut Für uns beim Vater flehn! 2. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach, sehet seine Wunden! Habt ihr, ihr Sünder, nicht Den Heiligen gebunden? Sind eure Lüste nicht Die Dornen, die er trägt? Jst's eure Bosheit nicht, Die an das Kreuz ihn schlägt? 3. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach, opfert Thränenfluten, Denn eure Sünde macht Das Herz des Heil'gen bluten! Geht nicht vorüber hier, Wo Schmerz ist über Schmerz; Seht durch die offne Brust In eures Jesu Herz! 6. Seht, welch ein Mensch ist das! So werden wir dich schauen Und unsern ganzen Trost Auf dein Verdienst nur bauen. Wenn nun dein Haupt sich neigt, So sterben wir mit dir; Wenn unser Auge bricht, So leben wir dafür. Benjamin Schmold 1704. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Joh. 19, 2.) 137. Denk ich der Dornen| Haupt, So dankt dem Menschenfrone Um meines Heilands sohne Mein Herz, das an ihn eacoco, acom 108 VII. Pasionslieder. glaubt; Es wallt von heißem dahin, Daß ich in jenem Leben Triebe, Ruft ihm bewundernd Der Ehre fähig bin. zu: O Jesu, welche Liebe, D welch ein Mensch bist du! 2. Mein Herr, das ist die Schande, Die mein Stolz hat verdient; Doch in so niedrem Stande Hast du mich ausgesühnt. So wird die Schuld vergeben, DieStrafe geht 3. Mein Heil, was soll ich sagen? Ich bin auf ewig dein! Lehr mich für solche Plagen Dir herzlich dankbar sein! Mir sei vor deinem Throne Dein ew'ger Ruhm erlaubt und die erworbne Krone Des Lebens auf dem Haupt! Philipp Friedrich Hiller 1762. Eigene Mel.( Qut. 23, 22. Jef. 53, 4. 5. Gal. 5, 24.) 138. Herzliebster Jesu, was| Der Mensch verwirkt den Tod hast du verbrochen, Daß man und ist entgangen, Der Herr geein solch scharf Urteil ausge- fangen! sprochen? Was ist die Schuld? In was für Missethaten Bist du geraten? 6. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden! 7. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam deineTreu'ausbreiten! Kein Menschenherz vermag es auszudenken, Was dir zu schenken. 8. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen. Wie kann ich dir all deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 9. Doch etwas ist, das wirst du gern annehmen: Wenn ich des Fleisches Lüfte will bezähmen, Daß sie aufs neue nicht mein Herz entzünden Mit alten Sünden. 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn' gekrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet; Du wirst mit Essig und mit Gall' getränket, Ans Kreuz gehenket! 3. Was ist die Ursach' aller solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen! Ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, Was du erduldet! 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe: Der gute Hirte lei det für die Schafe; Die Schuld bezahlt der König, der Gerechte, Für seine Knechte! 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt; VII. Paffionslieder. 10. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Kreuz zu heften, So gieb mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe! 11. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz mehr achten, keine Schmach noch Plagen, Nichts von Verfolgung, Mel. Herzlich thut mich zc. 139. Du meines Lebens Leben, Du meines Todes Tod, Für mich dahingegeben In tiefe Seelennot, In Martern, Angst und Sterben Aus liebender Begier, Das Heil mir zu erwerben, Nimm Preis und Dank dafür! 2. Ich will jetzt mit dir gehen Den Weg nach Golgatha; Laß mich im Geiste sehen, Was da für mich geschah. Mit innigzartem Sehnen Begleite dich mein Herz, Und meine Augen thränen Um dich vor Liebesschmerz. 3. Jch komm' erst zu der Stätte, Wo Jesus niedersank Und ringend im Gebete Den Kelch des Leidens trank. Die Angst, die ihn durchdringet, Trafihn durch mein Vergehn; Den Tod, mit dem er ringet, Den sollt' ich selbst erstehn. 109 nichts von Todesschmerzen Nehmen zu Herzen. 12. Wann dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, Dann will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen! Johann Heermann 1630. 4. Mein Heiland wird verraten, Geführt zuSpott undQual. Ach, meine Missethaten, Die brachten ( But. 23, 49. 2 Ror. 5, 21.) allzumal Jhn vors Gericht des Heiden Und in der Feinde Hand; Ich war's, ich sollte leiden, Was da mein Bürg' empfand. 5. ,, Seht, welch ein Mensch!" Er stehet Geduldig wie ein Lamm; Und nun wird er erhöhet, Ein Fluch, am Kreuzesstamm, Vollendet da sein Büßen, Der Welt, auch mir zu gut; Aus Händen, Seit' und Füßen Quillt sein Versöhnungsblut. 6. Du bittest für die Feinde; Mein Jesu, wer war ich? Du denkst an deine Freunde; Gedenk, Herr, auch an mich! Du machst den Schächer selig, Verheißest ihm dein Reich; Das macht mich Sünder fröhlich, Mich, der dem Schächer gleich. 7. Du klagst voll Angst im Herzen: ,, Mein Gott verläffet mich!" Du dürftest in den Schmerzen, Und niemand labet dich. Nun kommt der Leiden Ende, Du Capado do coco Cococo besed 110 rufft: ,, Es ist vollbracht!" Befiehlst in Vaters Hände Den Geist es war vollbracht! 8. Jch seh' mit Lieb' und Beugen Des Heilands letzten Blick, Ich seh' sein Haupt sich neigen: Das war mein ewig Glück. Mein Bürge stirbt, ich lebe, So todeswert ich bin; Er giebt sich mir, ich gebe Mich ihm zu eigen hin. 9. D du, an den ich glaube, Und den mein Geist umfaßt, Der du VII. Paffionslieder. - im Todesstaube Für mich ge legen hast! Auf dein Verdienst und Leiden Vertrau' ich ganz allein, Darauf werd' ich einst scheiden Und ewig bei dir sein. 10. Erhalt mir deinen Frieden Und deines HeilsGenuß, Solang ich noch hienieden In Schwachheit wallen muß, Bis endlich dir zu Ehren, Der mich mit Gott versöhnt, Dort in den obern Chören Mein Hallelujah tönt! E. W. von Wobeser und Bruiningt 1778. Mel. Sieh, hier bin ich 2c.( Joh. 19, 25. 15, 13. Gal. 5, 24.) 140. Ruhe hier, mein Geist, ein wenig, Schau dies Wunder, ach, wie groß! Sieh, dein Herr, der höchste König, Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben Hat getrieben Hieher aus des Vaters Schoß. 2. Wie dich Jesus liebt von Herzen, Kannst du hier am Kreuze sehn. Schau, wie bittre Todesschmerzen Jhm durch Leib und Seele gehn, Wie die Schrekken Ihn bedecken, Wie er schwebt in tausend Wehn! 3. Dies sind meiner Sünden Früchte, Die, mein Heiland, ängsten dich; Dieser Leiden schwer Gewichte Lag auf dir, mein Heil, für mich, Daß die Nöten, Die dich töten, Mich nicht quälen ewiglich. 4. Du, du haft für mich bekrieget Sünde, Tod und Höllenmacht, Alle Feinde ganz besieget, Gottes Willen ganz vollbracht, Durch dein Sterben Mich zum Erben Deines Lebens dort gemacht. 5. Ach, ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zu gut? Soll dein Feind erlöset werden Durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen Und mich beugen Für dies unverdiente Gut. 6. Leib und Leben, Blut und Glieder, Alles giebst du für mich hin; Sollt' ich dir nicht schenken wieder Alles, was ich hab' und bin? Jch bin deine Ganz alleine, Dir verschreib' ichHerz und Sinn. 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte Mich in deinen Tod hinein; Laß mein Fleisch und sein VII. Paffionslieder. 111 Geschäfte, Herr, mit dir ge-| Werde stille Und die Liebe heiß freuzigt sein, Daß mein Wille und rein! Gerhard Tersteegen 1737. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( 1 Petri 2, 21-24.) Welt, fieh hier dein| Ja läsfest dich erwürgen Für mich und meine Schuld; Mir läsfest du dich krönen Mit Dornen und dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 141. Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Sein Leib ist ganz mit Schweiße Des Todes überfüllt; Aus seinem edlen Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer ist's, der dich geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So zugerichtet hat? Du bist ja nicht ein Sünder Wie wir und unsre Kinder, Und weißt von keiner Missethat. 4. Jch, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und deiner Martern ganzes Heer. 7. Ich bin, mein Heil, verbunden All' Augenblick' und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel' vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit zu deinem Dienst und Ehr'. 8. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 5. Ich bin's, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden, in der Qual; Die GeiBeln und die Banden, Und was du ausgestanden, Hab' ich verdienet allzumal. 6. Du setest dich zum Bürgen, 9. Ich will's vor Augen setzen, Mich stets daran ergößen, Ich sei auch, wo ich sei; Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb' und unverfälschten Treu'. 10. Wie wir mit unsern Sünden Des Herrn Gericht entzünden, Wie Rach' und Eifer gehn, Wie strenge Gottes Ruten, Wie heiß der Strafe Gluten, Will ich aus diesem Leiden sehn. 11. Ich will daran erblicken, Wie ich mein Herz soll schmücken Mit stillem, sanftem Mut, Und babababablc bobobea, bes.co 112 wie ich soll die lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. VII. Passionslieder. 12. Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 13. Ich will ans Kreuz mich schlagen Mit dir und dem entLLLLLLL 142. Haupt voll Blut und Wunden, VollSchmerzen, voller Hohn; O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron'; DHaupt, sonst schön geschmücket Mit höchster Ehr' und Zier, Doch nun vonSchmach gedrücket, Gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor das Reich der Welt Erschrickt und wird zunichte, Wie bist du so entstellt! Wie bist du so erbleichet! Wer hat dem Augenlicht, Dem sonst kein Licht mehr gleichet, Solch Dunkel zugericht't? 3. Die Farbe deiner Wangen, Der roten Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blaffen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Mein Heil, was du erduldet, Ist alles meine Last: Ich, ich sagen, Was meinem Fleisch ge fällt; Was deine Augen haffen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel' es auch der ganzen Welt. 14. Dein Seufzen und dein Sehnen Und so viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schoß und Hände Begleiten zu der ew'gen Ruh'. Paulus Gerhardt 1648. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Jes. 50, 6. Joh. 19, 20.) hab' es verschuldet, Was du ge tragen hast. Schau her, hie steh' ich Armer, Der Zorn verdienet hat; Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad'! 5. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan: Dein Mund hat mich begabet Mit wunderbarem Trost, Dein Geist hat mich gelabet Mit reicher Himmelskost. 6. Ich will hier bei dir stehen, Berachte mich nur nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wann dir dein Herze bricht; Wann dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach möcht' ich, o mein Leben, An deinem VII. Palfionslieder. 113 Kreuze hier Mein Leben von mir| du dann herfür; Wann mir am geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, D Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu', Und, wann ich nun erkalte, In dir mein Ende sei! 9.Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt| wohl. allerbängsten Wird umdas Herze sein, So reiß mich aus den Ängsten Kraft deiner Angst und Bein! 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot! Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Fest an mein Herz dich drücken! Wer so stirbt, der stirbt Paulus Gerhardt 1656. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( Röm. 5, 8.) 143. Jesu, dessen Tod und Leiden Unsre Freud' und Leben ist, Der du abgeschieden bist, Auf daß wir nicht von dir scheiden, Sondern durch des Todes Thür' Zu dem Leben folgen dir! 2. Als der scharfe Speer gestochen, Herr, in deine Seite dort Und dein Blut, des Glaubens Hort, Aus der Seit' hervorgebrochen, Läßst du sehen uns dein Herz Voll von Lieb' und voll von Schmerz. 3. Deine Arme, ausgestrecket, Beigen deine Freundlichkeit, zu empfangen die bereit, So dein Kreuz zur Lieb' erwecket; Wer nicht unempfindlich ist, Sich in deine Arme schließt. 4. Als sich, Herr, dein Haupt geneiget, War es, um zu segnen mich; Da der Geist von dannen wich, Noch sich deine Liebe zeiget. Selig, wer auch Zeichen giebt, Daß er bis in Tod dich liebt! 5. Laß die matte Seel' empfinden Deiner Liebe süße Flut! Wem nicht deines Leidens Glut Kann sein kaltes Herz entzünden, Jesu, der muß wie ein Stein Ohne Lieb' und Leben sein. Gottfried Wilhelm Leibnitz 1684. Mel. Jesu, der du meine 2c.( Matth. 27, 46. But. 23, 34-46. Joh. 19, 26-30.) 144. Mittler, alle Kraft| Meiner Seele Füll' und Weide; der Worte, Die du in der hohen Nun ich so gerüstet bin, Zieht Pein Border offnen Todespforte mich's dir nach, zu dir hin. Ließest deine Lofung sein, Bleibt mir, wann auch ich abscheide, Evangelisches Gesangbuch. 2. Wenig' Wort' in langen Stunden Botest du vom Kreuze 8 Coca da copa do bacaa Food do VII. Paffionslieder. 114 dar, Bis du alles überwunden, Was dir in dem Wege war, Zu dem Vater durchzudringen Und auch uns zu ihm zu bringen, Weil du, was uns selig macht, Meist in stillem Kampf vollbracht. 3. Doch was deine Lippensagen, Macht zu Gott gewiffe Bahn; Was uns plagt, das war dein Klagen, Unsers Flehns nahmst du dich an. Dies geschieht, um mich zu lehren, Wo auch ich mich hin soll kehren, Wenn beimHeimgang mich der Geist Alles richtig machen heißt. 4. ,, Vater," batest du, ,, laß die sen Ihren blinden Frevel nach!" Edle Langmut, sei gepriesen! Nun, wie soll ich eigne Rach' Wider meinen Nächsten hegen Und mir selbst den Weg verlegen? Jesu, deine Mittlerhuld Tilge mein' und seine Schuld! 5. Deine Mutter, deinen Jünger, Welchen du, der dich geliebt, Hast du, Eintrachtswiederbringer, Gleich versorgt und gleich geübt. Gieb, daß die, so ich verlaffe, Rechter Sinn zusammenfasse und in deiner Lieb' und Treu' Eins des andern Zuflucht sei. 6. ,, Heute"( unvergleichlichs Heute!), ,, Heute sollest du gewiß ( Glaube, rede, bete, streite!) Sein mit mir im Paradies!" Dieses laffe wie dem Schächer So auch mir, o Todesrächer, Wann der Augen matter Schein Bricht, den letzten Leitstern sein. 7. ,, Ach, warum bin ich verlassen, O mein Gott, mein Gott, von dir?" Jefu, wie ist dies zu fassen? Klagst du so, wie geht's dann mir? Ja durch dieses scharfe Ringen Wirst du deinen Flücht ling bringen Trotz der Sünden Scheidewand zum geheimen Priesterstand. 8. Aber welch bedenklich Dürsten Klagt der ausgedörrte Mund Unsers reichen Lebensfürsten In der Schrifterfüllungsstund'? Für die lechzensvolle Kehle, Für die ächzensmatte Seele Bleibt, wann nichts den Stand mehr hält, Mir zum Labsal dies bestellt. 9. Nun, nun ist das Heil erwor ben, Denn du sagst: ,, Es ist voll bracht!" Jesu, eh' du noch gestor ben, Leuchtet schon die Sieges: macht. Laß nun immerhin er gehen, Was hienieden auszu stehen; Mein Vollender, du in mir Und vollendet ich in dir! 10. ,, Bater," rufft du, ,, ich be fehle Deinen Händen meinen Geist!" Rufft es laut aus tiefer Seele. So vertritt mich aller meist; Wann der letzte Zug vor handen, Lös mich aus des Todes Banden; Nimm, Herr, deines Pilgrims wahr, Stelle mich dem Vater dar! VII. Paffionslieder. 115 11. Diese sieben festen Siegel Leben! Laß den Geist das ZeugDrück, o Herr, in meine Brust, Daß ich zu dem Friedenshügel, Dessen Spur mir nun bewußt, nis geben, Daß ich Gnad' und Glaubensgab' Und sofort das Leben hab'. Unverweilet aufwärts steige, 13. Nun so darf ich mit dir Und daß alles in mir schweigerufen, Nun so werd' ich auch erAußer deiner WorteChor: Dieser hebet mich empor. hört; Nun so folg' ich durch die Stufen, Wo der Eingang unverwehrt zu dir führet und zu allen, Die dir Hallelujah schallen. Du, du hast den Feind gedämpft, Ewig ist es ausgekämpft. D. Johann Albrecht Bengel 1723. 12. Wahrheit, prüfe, Licht, durchscheine Noch einmal, was in mir ist, Ob ich alles lauter meine, Daß dein Sinn, o Jesu Christ, Mich erhalt' in Tod und Mel. Jesu, hilf fiegen 145. Einiger Mittler und ewiger Priester, Der uns am Kreuze so herrlich vertrat, Der noch den Vater für böse Geschwister Sterbend mit Thränen und Schreien erbat! Fehlt es mir immer im Danken und Beten, Laß mich doch immer dein Für wort vertreten! 2. Dank sei dir für die so zärtlichen Triebe, Die du der Mutter zum Besten noch fühlst, Da du sie sterbend der kindlichen Liebe Deines geliebten Johannes empfiehlst. Jesu, du liebst bis ans Ende die Deinen, Ach so berate auch mich und die Meinen! 3. Dank sei dir für die so tröstlichen Worte, Da du dem Schächer den Himmel versprachst, Weil du durch dieses die himmlische Pforte, Die mir die 2c.( 1 Tim. 2, 5. 6.) Sünde verschlossen, erbrachst. Sünder, kommt, freut euch der süßesten Reden, Denn sie sind wahrlich der Schlüssel zumEden! 4. Dank sei dir, daß du noch bei dem Erblassen Diese so tröstlichen Worte gebraucht: ,, Mein Gott, ach mein Gott, du hast mich verlaffen!" Weil du dich für mich verlassen gedaucht. Jesu, ich werde die Rede recht faffen; Gott wird mich niemals im Kreuze verlassen. 5. Jesu, Dank sei dir, dem Fürsten der Fürsten, Daß dich nur Essig und Galle getränkt, Weil nun bei deinem so kläglichen Dürsten Meine heilsdurstige Seele gedenkt: Kann mich das Dürsten der Hölle noch schrecken? Wollte nicht Jesus das Bitterste schmecken? Capaco da Coco Cococo beseor bebe 116 VII. Passionslieder. 6. Dank sei dir für die Erfüllung| den, Daß du die Seele dem Vater der Schriften, Da du gerufen: befahlst. Dieses Wort heißet der ,, Nun ist es vollbracht!" Weil Gläubigen Seelen All' in die du, ein ewig Erlösen zu stiften, Hände des Vaters befehlen. Selbst dich zum heiligsten Opfer gemacht. Gott ist verfühnet, die Sünde getötet, Weil dieses Blut in dem Himmel nun redet. 8. Jesu, ich wünsche mit dir nur zu sterben, Jesu, mit dir nur vom Grab zu erstehn, Jesu, mit dir nur den Himmel zu erben, Jesu, mit dir nur mich selig zu sehn, Jesu, bei dir nur auf ewig zu leben. Jesu, sprich Amen; 7. Dank sei dir, daß du so selig verschieden, Da du all' unsere Sünden bezahlst. Dadurch er warbst du uns Leben und Frie- nur du kannst es geben! Philipp Friedrich Hiller 1729. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Qut. 23, 42. 43.) 146. Der Schächer, fluch-| 4. Wie gut ist frühe Buße Und beladen, Kam sterbend noch zu Gnaden, Daß er noch Buße that, Noch glaubte, noch bekannte Und, den die Welt verkannte, Als Herrn des Reichs der Himmelbat. 2. Das ist die Wunderfache, Daß Jesus selig mache, Wer vorher Sünder war; Doch dient es nicht zum Grunde, Daß man die letzte Stunde Zum Beten, Buß' und Glauben spar'. zu des Heilands Fuße Um sein Erbarmen flehn, Im Glauben Herrn ihn nennen, Im Leben ihn bekennen, Im Leiden auf sein Leiden sehn! 5. Ich preise dein Erbarmen, Herr Jesu, der mich Armen In seine Gnade nahm. Erhalte mich hierinnen, Und nimm mich einst von hinnen Zu dir, wohin der Schächer kam! 6. Solang ich noch soll leben, Laß mir die Gnade geben, Was keine Welt mir giebt; Auf Gnade laß mich sterben, Aus Gnaden laß mich erben; Gedenke, daß 3. Zur Warnung soll mir's dienen; Die Gnade ist erschienen, Mit Gnade scherzt man nicht. Hing nicht der andre Schächer Am Kreuz auch als Verbrecher, Starb aber hin auf sein Gericht? du mich geliebt! Philipp Friedrich Hiller 1767. Eigene Mel. oder: Ach, was soll ich zc.( Joh, 19, 25. Lut. 2, 35.) 147. Schaut die Mutter voller Schmerzen, Wie sie mit zerrißnem Herzen Bei dem Kre des Sohnes steht! Schauet ihr VII. Paffionslieder. 117 Trübfalshitze, Wie des Schwer-| 6. Laß mich herzlich mit dir weites blut'ge Spike Tief durch ihre Seele geht! nen, Mich durchs Kreuz mit dir vereinen; Aller Weltsinn seiverflucht! UntermKreuze will ich stehenUnd dich zittern, bluten sehen, Wenn die Sünde mich versucht. 7. Gieb mir Teil an deinem Leiden, Laß von aller Lust mich schei den, Diedir solche Wundenschlug! Ich will auch mir Wunden schlagen, Will das Kreuz des Lammes tragen, Welches meineSünden trug. 8. Laß, wenn meine Thränen fließen, Mich den Gnadenglanz genießen Deines milden Angesichts! Decke mich durch deine Plagen Vor den Ängsten und den Klagen Einst am Tage des Gerichts! 2. Weffen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich erwehren, Der des Höchsten Sohn umfängt? Wie er mit gelaßnem Mute, Todesmatt, in seinem Blute An dem Holz des Fluches hängt! 3. Für die Sünden seiner Brüder Leidet er, daß seine Glieder Unnennbare Qual zerreißt. Für uns ruft er im Erblaffen: ,, Gott, mein Gott, ich bin verlassen!" Und veratmet seinen Geist. 4. Laß, o Jesu, Quell der Liebe, Deines Herzens heil'ge Triebe Strömen in mein Herz herab; Laß mich dich mein Alles nennen, Ganz für dich in Liebe brennen, Der für mich sein Leben gab! 9. Gegen aller FeindeStürmen 5. Drück, mein König, deine Laß mich, Herr, dein Kreuz beWunden, Die du auch für mich schirmen; Deine Gnade leuchte empfunden, Tief in meine Seel' mir! Deckt des Grabes finstre hinein; Laß in Reue mich zerflie- Höhle Meinen Leib, so nimm Ben, Mit dir leiden, mit dir bü- die Seele Hin ins Paradies zu Ben, Mit dir tragen jede Pein! dir! Deutsch nach Jacopone 1779. Eigene Mel.( Ebr. 12, 2. Joh. 15, 13.) 148. Ach, sieh ihn dulden,| 2. Wie dunkel waren jeneStunbluten, sterben! meine Seele, jag ihm frommen Dank! Sieh Gottes eignen Sohn und Erben, Wie mächtig ihn die Menschen liebe drang! Wo ist ein Freund, der je, was er gethan? Der so wie er für Sünder sterben kann? den, O Herr, und welche Lasten drückten dich! Wie quoll das Blut aus deinen Wunden, Und ach, es floßzum Heil und Trost für mich Und ruft noch heute mir ermunternd zu, Daß du mich liebst, du frommer Dulder, du. Joabadoo oo oo oo oo oo oooo be 144447 118 VII. Pafftonsiteder. 3. So sollt' es sein, du mußteft| treu! Die Dankbarkeit dringt in leiden; Dein Tod macht mir des Vaters Liebe kund. Er wird für mich ein Quell der Freuden, Ein Siegel auf den ew'gen Friedensbund; So wahr dich Gott für mich zum Opfer giebt, So fest steht es, daß er mich herzlich liebt. 4. Dein bin ich nun und Gottes Erbe; Ich sehe in sein Vaterherz hinein. Wenn ich nun leide, wenn ich sterbe, Kann ich unmöglich je verloren sein. Wenn Sonn'und Mond und Erde untergehn, So bleibt mir Gottes Gnade ewig stehn. 5. Ja mir zum Trost und dir zur EhreGereicht dein ganzer Kampf, dein Kreuzestod. Bestätigt ist nun deine Lehre, Jch baue fest darauf in jeder Not; Unschuldig littest du, doch Preis und Ruhm Ist auch im Kampf der Unschuld Eigentum. 6. Ja, Herr, dein Vorbild kann mich lehren, Wie sanft und schön der Tod des Frommen sei. O laß mich dein Gebot verehren, Und mache mich imkampf derTugend nigst mich dazu; Wer hat es mehr um mich verdient als du? 7. Nie will ich mich am Feinde rächen, Auch dies lern' ich, mein Heiland, hier von dir; Nie Got tes Schickung widersprechen, Wär' auch sein Pfad jetzt noch so dunkel mir; Auf Dornen gingst du selbst zum Ziele hin, Ich folge dir, weil ich dein Jünger bin. gemacht, Weil Jesus ruft: Es ist vollbracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, welches nie verdirbt. 8. Was fürcht' ich noch des Todes Schrecken? Du schliefft auch einst im Grab, o Seelenfreund! Mag sie doch meine Asche decken, Die Erde, wann des Todes Nacht erscheint: Der Gott, der dir das Leben wieder gab, Wälzt einstens auch den Stein von meinem Grab. 9. Nimm hin den Dank für deine Plagen, Mein Retter, den dir treue Liebe bringt! Noch heißern Dank will ich dir sagen, Wann dich mein Geist im Engelchor be singt. Dann stimmen alleSel'gen fröhlich ein, Der ganze Himmel soll dann Zeuge sein. Johann August Hermes 1780. Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott zc.( Joh. 19, 30.) 149. Nun ist es alles wohl-| 2. Erschrecklich, daß der Herr erbleicht, Der Lebensfürst, dem niemand gleicht An Herrlichkeit! Die Erde kracht, Und es wird Nacht, Weil er stirbt durch der Sünde Macht. VII. Paffionslieder. 119 3. Die Sonn' erlischt in ihrem| 6. Ach Bater, unter Pein und Lauf, Der Heil'gen Gräber thun sich auf, Der Vorhang reißt von oben an, Daß jedermann Ins Seiligtum nun schauen kann. 4. Weil denn die Kreatur sich regt, So werd auch du, o Mensch, bewegt! Ein Fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dies Gericht Erschüttert, daß dein Herze bricht? Hohn Erblaßt am Kreuz dein ein'gerSohn! Nun, dies geschieht für meine Schuld; Drum hab Geduld Und schenk in ihm mir deine Huld! 7. Ertöte selbst in meiner Brust, Mein Heiland, jede böse Lust! Dein Tod, der mir das Leben schafft, Verleih mir Kraft zu üben gute Ritterschaft! 8. Ich will zu deinem Kreuze gehn Und fest im Glauben auf dich sehn; Dein Tod soll meine Zu flucht sein, Auf ihn allein Schlaf' ich einst sanft und selig ein. Laurentius Laurenti 1700. 5. Dein ist die Schuld, nimm dies in acht, Daß Jesus ist ans Kreuz gebracht; Jhm, der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Sündenleben ab! Mel. Christus, ber ist mein Leben zc.( But. 23, 46.) 150. Sein Kampf war nun geendet, Errungen wardieKron'; Er hat mit Preis vollendet, Der eingeborne Sohn. 2. Nimm, spricht er, meine Seele, Mein Vater, jetzt von mir; Du, dem ich sie befehle, Nimm sie hinauf zu dir! 3. Der Vater Jesu hörte Und riß ihn aus der Pein Und nahm, wie er begehrte, Ihn in die Ruhe ein. 4. Ach, wann ich einst am Ende Von meiner Laufbahn bin, Nimm auch in deine Hände, Herr, meine Seele hin! 5. Die Summe meiner Tage Ist, Jesu, dir bekannt; Mein Glück und meine Plage Stehn, Herr, in deiner Hand. 6. Mach mich nur fromm und weise In meiner Prüfungszeit Und auf der Pilgerreise Noch reif zur Ewigkeit! 7. Nur dir, dir laß mich leben Und immer wachsam sein, So darf ich nicht erbeben, Mein Heil, ich bin ja dein. 8. So geh' ich froh entgegen Dem Tod und dem Gericht, Er ist durch dich mein Segen, Herr, meine Zuversicht. Johann Heinrich Röding 1773. jeado padococacoc beoef VII. Paffionslieder. Mel. Die Tugend wird zc.( 2 Kor. 5, 15. 17.) 151. O drückten Jesu To- Strom der Liebe, klar und helle, desmienen Sich meiner Seel' auf ewig ein! O möchte stündlich sein Verfühnen In meinem Herzen kräftig sein! Denn ach, was hab' ich ihm zu danken! Für meine Sünden floß sein Blut, Das heilet mich, den Armen, Kranken, Und kommt mir ewiglich zu gut. 2. Ein Glaubensblick auf Jesu Leiden Giebt auch dem blödsten Herzen Mut; Die Quelle wahrer Geistesfreuden Ist sein vergoßnes teures Blut, Wenn seine Kraft das Herz durchfließet, Sein Lieben unsern Geist durchdringt, Wenn seine Huld die Seel' umschließet Und ihr sein Trostwort Frieden bringt. Mein Herzsoll offen stehn für dich; O unerschöpfte Friedensquelle, Ergieß ohn' Ende dich in mich! 4. Herr Jesu, nimm für deine Schmerzen Mich Armen an, so wie ich bin! Ich sehe dir in meinem Herzen Ein Denkmal deiner Liebe hin, Die dich für mich in Tod getrieben, Die mich aus meinem Jammer riß; Ich will dich zärtlich wieder lieben, Du nimmst es an, ich bin's gewiß. 120 3. Für mich starb Jesus, meine Sünden Sind's, die ihn in den Tod versenkt; Drum läßt er Gnade mir verkünden, Die mich mit Lebenswasser tränkt. D 5. Wann einst mein Herz wird stille stehen, So schließ mich ins Erbarmen ein! Dann werd' ich dich von nahem sehen In deiner Klarheit ew'gem Schein. Die Seele, die durch dich genesen, Ruht dann in deinen Armen aus, Und läsfet gern den Leib verwesen: Er wird dereinst ihr neues Haus. Aus der Brüdergemeine 1778. Mel. Werde munter 2c. oder: Freu dich sehr 2c.( Gal. 6, 14.) 152. Der am Kreuz ist meine| Was die Lieb' oft nach sich zieht: Liebe Und sonst nichts in dieser Welt. O daß er's doch ewig bliebe, Der mir jetzt so wohl gefällt! Nun, mein Herz soll immerfort Fest bestehn auf diesem Wort, Sei es heiter oder trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! 2.3war es ist mir unverborgen, 3. Lieber wähl' ich solche Plage Schmach, Verfolgung, Not und Sorgen, Kreuz und Armut bringt sie mit; Ja wenn er, mein Heiland, will, Ist kein bittrer Tod zu viel. Doch es komme noch so trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! VII. Passionslieder. Und der Liebe schweren Stand Als ohn' ihn die besten Tage Und der Ehre eitlen Tand. Heißt mich immer wunderlich, Spotte man auch über mich, Daß ich, was er haßt, nicht übe: Der am Kreuz ist meine Liebe! 121 wiß, SeineLieb' ist stark und süß. Was ist, das mich noch betrübe? Der am Kreuz ist meine Liebe! 5. Diese Liebe Lohnet endlich, Führt zu ihm ins Vaterhaus, Ist zur letzten Zeit erkenntlich Und teiltkränz' und Kronen aus. Ach, ach wollte Gott, daß doch Alle Welt dereinst sich noch Dieses in das Herz einschriebe: Der am Kreuz ist meine Liebe! Johann Ernst Greding 1723. 4. Aber wißt ihr meine Stärke, Und was mich so mutig macht, Daß mein Herz des Fleisches Werke Und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb' ist mir geMel. Freu dich sehr zc.( Qut. 23, 28. Röm. 6, 1-11.) 153. Richtet auf des Hei-| Tilgt nur Christi bittrer Tod; lands Leiden Die Vernunft ihr Denken hin, Mag sie wohl von außen weiden Sich an eigner Dichtung Sinn; Oder kommt es hoch, so kann Sie mit Klagen heben an Über Christi Pein und Schmerzen; Doch es heilet nicht die Herzen. nur durch ihn wird uns gegeben, Aufzustehn zum neuen Leben. 4. Drum in meines Herzens Grunde Trag' ich ihn, den Seelenfreund, Der zum ew'genGnadenbunde Mit dem Glauben sich vereint Und durch seines Todes Kraft Neues Leben in uns schafft, Wie auf den erstorbnen Auen Wir beim Wehn des Lenzes schauen. 2. Aber meines Geistes Sehnen Zielt auf die Gemeinschaft hin: Stets zum Sterben zu gewöhnen Den so tief verderbten Sinn. Mir soll Christi Schmach und Bein Nicht ein rührend Bild nur sein; Nein, ins Herz will ich ihn schließen, Seines Todes Kraft genießen. 3. Dies Geheimnis ist verborgen, Wird als Thorheit angesehn; Aber meine größten Sorgen Sollen auf dies Wunder gehn. Meine Schuld und Sündennot 5. AlleHoffart beugt sich nieder, Hebt in Kleinmut mich empor, Giebt in SchwachheitStärke wie der, Zieht aus zweifeln mich hervor, Hält mich zwischen Lust und Leid In der rechten Mäßigkeit; Ja ich finde tiefste Stille, Wenn am Kreuze hängt mein Wille. 6.D geheimnisvolle Liebe, Die sich im Verborgnen schenkt, Wecke neue Lebenstriebe, Wenn mein Joacoaroo oo oo oo oooo bogel VII. Passionslieder. 122 Sinn zum Kreuz fich lenkt! Alle Kraft und alles Heil Deines Leidens mein Teil; Alles andre mag vergehen, Bleibt dein Kreuz nur in mir stehen. Nach Gottfried Arnold 1700. Eigene Mel. oder: Herr Christ, der zc.( 1 Petri 2, 21-24.) 154. Wenn mich die Sünden kränken, O mein Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist, Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heil'genkreuzes Auf dich genommen haft! 2. D Wunder ohne Maßen, Wenn man's betrachtet recht: Es hat sich martern laffen Der Herr für seinen Knecht; Es hat sich selbst mein Herr und Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, Die Schuld ist allzumal Getilgt durch Christi teures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Glut. 5. Herr, laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Diesündliche Begier; Laß mir's nie kommen aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin! 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Soll's auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen; Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne dieſe Welt Und folge jenem Bilde, Das du mir vorgestellt! 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn' Eigennutz und Heuchelschein Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. 8. In meinen letzten Stunden Ström du mir Kraft und Ruh', Mir Heil aus deinen Wunden Und deinen Frieden zu! Du bist's allein, auf den ich trau'; Duwollest mich annehmen, Daß 4. Drum sag' ich dir von Herzen Jetzt und mein Leben lang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Sanftmut und Geduld, Für dein unschuldig Sterben, Für ich dich ewig schau'! deine Lieb' und Huld. Justus Gesenius 1646. Mel. Freu dich sehr zc.( Gal. 3, 1-3. Röm. 6, 11.) 155. Jesu, deine tiefen Wun- Tod Geben mir zu allen Stunden, Deine Qual und bittrer den Trost in Leibs- und Seelen VII. Paftonslieder. 123 not. Fällt mir etwas Arges ein,| Schöpf' ich neuen Lebenssaft. Dent' ich bald an deine Bein, Deines Trostes Süßigkeit WenDie erlaubet meinem Herzen det mir das bittre Leid, Weil Mit der Sünde nicht zu scherzen. du mir das Heil erworben, Da 2. Will sich dann in Lüften wei- du bist für mich gestorben. den Mein verderbtes Fleisch und 5. Auf dich setz' ich mein VerBlut, So gedenk' ich an dein Lei-| trauen, Du bist meine Zuverden, Bald wird alles wieder gut. sicht; Dein Tod hat den Tod Kommt der Feind und setzet mir zerhauen, Daß er mich kann töten Heftig zu, halt' ich ihm für Deine nicht. Daß ich an dir habe teil, Gnad' und Gnadenzeichen; Bald Bringet mir Trost, Schutz und Heil; Deine Gnade wird mir muß er von dannen weichen. geben Auferstehung, Licht und Leben. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf der Sünden breite Bahn, Wo so viele fich verlieren, Ach dann schau' ich emsig an Deiner Marter Zentnerlast, Die du ausgestanden haft; So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust vertreiben. 4. Ja für alles, das mich kränket, Geben deine Leiden Kraft; Wenn mein Herz sich drein versenket, 6. Hab' ich dich in meinem Herzen, Du Brunn aller Gütigkeit, So besieg' ich alle Schmerzen Auch in meinem letzten Streit. Ich verberge mich in dich; Wer kann da verletzen mich? Wer vertraut auf deine Wunden, Der hat selig überwunden. Johann Heermann 1644. Mel. Schmücke dich zc.( Röm. 3, 25. Apostelgesch. 4, 12.) 156. Sünder, freue dich von Kräfte, Sünde thun ist dein Herzenüber deines JefuSchmer: zen; Laß bei seinem Blutvergießen Stille Dankesthränen fließen! Er hat sich für dich gegeben, Such in seinem Tod das Leben! Nur von seinem Kreuze quillet, Was dein Herz auf ewig ſtillet. Geschäfte, Tod heischt des Gesetzes Rache, Es ist aus mit deiner Sache, Ja im Himmel und auf Erden kann dir nicht geholfen werden. 3. Nichts kann all dein Opfer gelten Vor dem Richter aller Welten. Den der Dornenkranz gekrönet, Gottes Sohn hat dich versöhnet, Seine Thränen, seine Wunden Haben Rat für dich 2. Ach, wie groß ist dein Verderben! Ohne Jesum mußt du sterben: Blind und tot sind deine babadoo booo.oo oo oo ooool VII. Passionslieder. 124 gefunden; Jhm alleine bleibt die Ehre, Daß er deinen Tod zerstöre. 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, Wie sie deine Seele binden, Wie sie dein Gewissen quälen, Wie der Jammer nicht zu zählen: O so komm mit deinen Ketten, Wag es nicht, dich selbst zu retten; Sieh am Kreuze Jefum hängen, Er muß deine Fesseln sprengen! 5. Sünder macht der Heiland felig; Seine Gnaden sind unzählig: Er giebt Buße, er giebt Glauben, Hilft den Lahmen, Blinden, Tauben. Wer sich nur will retten lassen, Der soll das Vertrauen faffen: Gnade strömt aus Jefu Wunden, Gnad' ist auch für mich gefunden. 6. Glaube nur dem Wort der Gnade, O so heilet bald dein Schade, Und des Mittlers zarte Liebe Schafft in dir ganz neue Triebe. Sind die Sünden erst vergeben, Dann kannst du auch heilig leben, und der Gnade treues Walten Wird dich fördern und erhalten. 2. Jch danke dir für deine Huld, Die du mir hast erzeiget, Da du beim Tilgen meiner Schuld Dein 7. Oso gieb dem Sohn die Ehre, Daß ihm aller Ruhm gehöre! Suche nicht erst zu verdienen, Was am Kreuz vollbracht erschienen; Suche nicht, was schon gefunden! Preise fröhlich seine Wunden, Und bekenn es bis zum Grabe, Daß er dich erlöset habe! Ernst Gottlieb Woltersdorf vor 1761. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut zc.( Apostelgesch. 7, 58.) 157. Ich danke dir für dei-| Haupt zu mir geneiget. Ach neige nen Tod, Herr Jesu, und die Schmerzen, Die du in deiner letzten Not Empfandst in deinem Herzen! Laß die Verdienste solcher Pein Ein Labsal meiner Seele sein, Wann mir die Augen brechen! dich, mein Herr und Gott, Zu mir auch in der Todesnot, Damit ich Gnade spüre! 3. Laß meine Seel' in deinem Licht Aus ihrem Leibe scheiden, Auf daß doch sei vergeblich nicht An mir dein teures Leiden! Nimm sie hinauf, Herr Jesu Christ, Wo du zur Rechten Gottes bist, und laß mich ewig leben! Johann Scheffler 1657. Mel. Lobfinge Gott, erheb ihn zc.( Sach. 13, 1. Jef. 12.) 158. Ich danke dir in glau-| deinen Rat der unerforschten bensvoller Reue, Du Wundergott der unerhörten Treue, Für Triebe Und süße Liebe. 2. Du sahest wohl die Lasten, VII. Passionslieder. die mich drücken, Du nahmest sie von meinem schwachen Rücken, Du dachtest gleich dich eines solchen Armen Recht zu erbarmen. 3. Dein Sohn ist's selbst, der solche Bürde träget, Du hast sie ihm, dem Stärkern, auferleget; Er stirbt, daß mich die Sünde nicht verdamme, Am Kreuzesstamme. 4. Herr Jesu Christ, ich preise deine Liebe, In der du stirbst, daß ich lebendig bliebe; Dein Herz entbrennetgegen Menschenkinder, Die armen Sünder. 5. Für mich, gottlob! als wie für meine Brüder, Für mich, mein Haupt, das kleinste deiner Glieder, Für mich sind dir die Glieder so zerstochen, Das Herz zerbrochen. 6. Du zeigest mir die Male deiner Wunden, Da hab' ich dein und mein Herz erst gefunden, Da hab' ich Mut und einen Grund zum Hoffen Einst angetroffen. 7.Jch rühme dich und deine groBen Gnaden, Wodurch du mich solch einer Last entladen. Wie wohl ist mir in deinen Felsenrigen Vor Mosis Bliten! 125 8. Sie können mir zum Trost und Freude taugen, Ich schau' hinein mit offnen Glaubensaugen Und rufe nun, je mehr ich solches prüfe: O welche Tiefe! 9. Jch bitte dich, o Jesu, durch dein Leiden, Durch jede Qual, die du bei deinem Scheiden Auf Golgatha am blut'gen Kreuz empfunden, Durch deine Wunden: 10. Ach laß mich doch die Sünden recht beweinen, Weil ihrer viel wie Sand am Meer erscheinen! Wie konnt' ich doch so viele Greul verüben Und dich betrüben! 11. Jch klag' es dir mit meinem schwachen Munde: Siereuenmich von ganzem Herzensgrunde. Erbarme dich, laß Gnade auf mein Flehen Für Recht ergehen! 12. Ach handle nicht so, wie ich es verschuldet! Du hast ja selbst so Schuld als Straf' erduldet. Vergieb mir doch die großen Frevelthaten Aus lauter Gnaden! 13. Herr, heile mich, sonst heilt mich nichts auf Erden; Hilf mir, so wird mir recht geholfen werden; Erneure du den Bund, den ich zerrissen, Mir im Gewissen! Philipp Friedrich Hiller 1729. Eigene Mel.( Ebr. 12, 2. 1 Petr. 2, 21-24.) 159. Mit welcher Zunge,| jede mir verborgne Last, Für welchem Herzen Dank' ich dir, Herr, für deine Schmerzen, Für jeden Kampf, den du gestritten, Den blut'gentod, den dugelitten, bobleblablablablablableboblebabababies, bes.co 126 VII. Paffionslieder. am ärgsten Feinde rächen, Wie nun nur siebenmal verzeihn? Bekämpft und überwunden haft?| Schuldner strenge sein, Wie mich Wer kennt der Leiden Last und Menge? Wer sieht der Seligfeiten Ziel? Wer giebt mir Zungen, wer Gesänge, Wer meinem Herzen gnug Gefühl? 2. Da, wo dein Blut herabgefloffen, Lieg' ich im Geist dahingegossen, Da möcht' ich ganz Anbetung sein. Gehorsam bis zum Kreuzestode Warst du; gehorsam bis zum Tode Soll ich wie du dem Vater sein. Hier, Jesu, hier sind meine Kräfte, Hier ist mein Leben, nimm es an! Dich lieben, dies sei mein Geschäfte, Wenn ich mit dir nur sterben kann. 5. Auf Golgatha will ich mich schwingen, Wann Nacht und Leiden mich umringen, Will da im Geist vor Jesu stehn, Will da dich, Unschuld, stille schmachten, Das Kreuz erdulden, Schmach verachten, Da bluten dich und schweigen sehn, Will da mit allen Seelenkräften In deine Leidensnächte schaun, Will mit dir an dein Kreuz mich heften Und gleich dir lernen Gott vertraun. 3. Gekreuzigter! Dein Leiden stärke Mich stets in jedem guten Werke, Jm Tugendkampfe stärk es mich. So sehr mich Lust zur Sünde reize, Ich fliehe nur zu deinem Kreuze, Umfaffe, Mann der Schmerzen, dich. Wie könnt' ich sehn dich, Jesu, bluten, Wie sehn dein ausgespannt Gebein, Und nicht mit aller Kraft dem Guten Und dir nicht ganz ergeben sein? 4. Wie nun nicht alle herzlich lieben Und auch nur einen noch betrüben, Für den du littest, Jesu Christ? Wie nun nichtGutes thun mit Freuden Und gerne für die Brüder leiden, Für die du, Herr, gestorben bist? Wie nun auch nur von Unrecht sprechen, Noch gegen 6. Und wenn mich meine Sünden kränken, So will ich an dein Leiden denken, Will fließen sehn dein teures Blut. Für mich auch ist dies Blut gefloffen; Wer zu dir kommt, wird nicht verstoßen, Du starbst auch mir, auch mir zu gut. Auch ich kann Gnad' und Leben finden; Mein Gott bleibt seinem Worte treu, Vergiebt auch mir die schwersten Sünden, Macht mich von aller Knechtschaft frei. 7. Und in den bangen Todesstunden Blick'ich empor zu deinen Wunden Und fürchte nicht das Strafgericht. Wenn ich, wie du willst, heilig lebe, Nur dich zu lieben mich bestrebe, Dann bleibst du meine Zuversicht; Dann darf ich freudig zu dir blicken, Wann alles dunkel um mich ist; Dann VII. Paffionslieder. wirst du meinen Geist erquicken, Wann mir der Tod die Augen schließt. 8. Dann, dann wird alle Angst verschwinden, Ich werde mutig überwinden, Mich schwingen über Tod und Grab. O unaussprechliches Entzücken, Von Angesicht den zu erblicken, Der in den Tod dahin sich gab, Den Sohn, ihn, der mit seinem Blute Mich ewig macht von Sünden rein! O Gott, wie wird mir Eigene Mel. 160. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet! Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet! All' Sünd'hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 127 dann zu Mute, Wie werd' ich Dank und Wonne sein! 9. O Freude jener Ewigkeiten, Wo ich dich anschaun, dich begleiten, Dich hören, dich umfangen kann! Für deine Liebe ohne Schranken, Lamm Gottes, wie will ich dir danken, Wie bet' ich, Liebe, dort dich an! D Ewigkeit der Ewigkeiten An deiner Seite, Jesus Christ, Der, mir die Stätte zu bereiten, Auf Golgatha gestorben ist! Johann Kaspar Lavater 1771. ( Joh. 1, 29.) 2. D Lamm Gottes unschuldig u. s. w. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. Stell den Mittler unsers Bundes Uns in seiner Würde vor; Bring die Reden seines Mundes Vor das aufgeschloßne 3. D Lamm Gottes unschuldig u. s. w. Gieb uns den Frieden, o Jesu! Nikolaus Decius( von Hof) 1531. Mel. Freu dich sehr 2c.( Joh. 15, 26. Röm. 5, 5-8.) 161. Fall auf die Gemeinde| Ohr; Führuns nach Gethsemane, nieder, Geist, der uns mit Feuer tauft! Wir sind alle Jesu Glieder Und mit seinem Blut erkauft. Lenke du den ernsten Sinn Auf des Heilands Leiden hin; Hilf, daß wir es würdig feiern, Sein Gedächtnis fromm erneuern! Daß dort unser Aug'ihn seh', Wie des Todes Nacht ihn schrecket Und ihn blut'ger Schweiß bedecket! 3. Zeig uns ihn, den Sanften, Reinen, Unter seiner Mörder Schar! Ach es gab auf Erden keinen, Welcher so verachtet war! Doch er hat der Frevler Hohn, Purpurmantel, Dornenkron', Alle Qual, die er empfunden, Siegreich duldend überwunden. Deada copa da cocacãdo besed 128 VII. Passionslieder. 4. Geh mit uns dem Opfer-| trifft. Seit ,, Es ist vollbracht!" lamme Auf dem blut'gen Pfade nach; Zeig uns an dem Kreuzesstamme Seine Hoheit, seine Schmach; Um sein festes Gott vertraun Und des Heil'gen Tod zu schaun, Trag uns auf der Andacht Flügel Zu dem nachtbedeckten Hügel! ertönt, Sind wir nun mit Gott versöhnt, Sind bestimmt, bei dem zu leben, Der den Geist Gott übergeben. 5. Seine letzten Worte schreibe Uns ins Herz mit Flammenschrift, Daß nun keiner trostlos bleibe, Den das Los des Todes 6. Du begnadigte Gemeinde, Blick zu deinem Haupt empor, Zu dem göttlich großen Freunde, Den zum Retter Gott erfor! Schöpfe Wonn' und Seligkeit Dir aus seiner Leidenszeit; Reiß dich los vom Weltgetümmel, Und dein Wandel sei im Himmel! Christian Fr. Daniel Schubart 1779. Begräbnis Chrifti. Mel. O Traurigkeit 2c.( Joh. 19, 41. 42. Apostelgesch. 2, 26-31.) 162. Zur Grabesruh' Ent-| 5. Hier werd' ich einst, Bis du schliefest du, Der du für uns gestorben Und am Kreuz uns schmerzenvoll Ew'ges Heil erworben. erscheinst, Jn sanftem Frieden liegen; Denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Jhr, die die Welt Gefesselt hält, Zagt nur vor der Verwesung! Jch, ich hoff' in Christo einst Meines Leibs Erlösung. 7. Nein, nichts verdirbt; Selbst das, was stirbt, Der Leib, wird auferstehen Und, zum Himmelsglanz verklärt, Aus dem Grabe gehen. 2. Du bist erblaßt, O Herr, und hast Doch in dir selbst das Leben; Gleich den Sterblichen hält dich Nun das Grab umgeben. 3. Doch freu' ich mich: Dein Gott läßt dich nicht die Verwesung sehen; Bald wirst du aus eigner Kraft Aus dem Grabe gehen. 4. Ja, jadu wirst, mein Lebensfürst, Mich auch wie dich erwekken; Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 8. So sink ins Grab, Mein Leib, hinab, Ich will mich drum nicht kränken, Sondern, Jeſu, mir zum Trost An dein Grab gedenken. Nach Salomo Frand 1685. Begräbnis Chrifti. Mel. Jesu, du mein liebstes Leben 2c.( 1 Kor. 15, 20-23.) 163. Amen! Deines Grabes Friede Wird auch unser Grab durchwehn, Wann wir von der Wallfahrt müde Ruhn, um froher aufzustehn. Amen! Fürst der Auferstehung, Der des Grabes Siegel brach, Zeuch durch Grab und Tod uns nach Zu der Heiligen Erhöhung, Wodem Lamm, das uns versöhnt, Aller Himmel Loblied tönt! Streite, Aus deines Grabes Kluft! Wir triumphieren heute Um deine leere Gruft. VIII. Ofterlieder. Mel. Christus, der ist mein Leben 2c.( 2 Tim. 2, 11.) 164. Willkommen, Held im tröstet sich der Glaube, Daß ihn 2. Der Feind wird Schau getragen und heißt nunmehr ein Spott; Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott. 3. Der Fried' ist uns erstritten, Und jeder Schrecken flieht; In der Gerechten Hütten Erschallt das Siegeslied. 4. Teil uns des Sieges Beute, Den Trost nun reichlich aus; Ach komm und bring noch heute Dein Heil in Herz und Haus! 5. In deines Grabes Staube Liegt unsre Schuld bedeckt; Des Brü2. Großer Erstling deiner Britder, Ja du ziehest uns nach dir; Du, das Haupt, ziehst deine Glieder; Weil du lebst, so leben wir. Ja wir werden auferstehen, Weil du auferstanden bist, Werden dich, Herr Jesu Christ, Einst in deiner Klarheit sehen! Unfre Herzen harren dein; Amen, ewig sind wir dein! Karl Bernhard Garve 1825. 129 Mel. Wenn ich nur meinen Jesum 165. Ich sag' es jedem, daß er lebt und auferstanden ist, Daß Evangelisches Gesangbuch. kein Feind mehr schreckt. 6. Du hast das Heil erworben, Wir preisen dich dafür; Sind wir mit dir gestorben, So leben wir mit dir. 7. Wir wollen ohne Grauen Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir nur dort dich schauen Und selig auferstehn. 8. Schwing deineSiegesfahnen Auch über unser Herz, Und zeig uns einst die Bahnen Vom Tode himmelwärts! 9. Was kann uns denn noch schaden? Des Todes Pfeil ist stumpf. Wir sind bei GottinGnaden Und rufen schon Triumph! Nach Schmold 1712. hab' 2c.( Mark. 16, 7. 2 or. 5, 17.) er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 9 OPPO kebebebebi boboties, co 130 VIII. Ofterlieder. Haus. 2. Jch sag' es jedem, jeder sagt| Rat, Kommt auch in Vaters Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. 6. Nun weint auch keiner mehr allhie, Wann eins die Augen schließt; Vom Wiedersehn, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. 7. Es kann zu jeder guten That Ein jeder frischer glühn; Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn alles uns verläßt; Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungsfest. Friedrich von Hardenberg 1800. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Entzückt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, Und jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, Geht in den Himmel aus; Und wer nur hört auf seinen Eigene Mel.( 1 Kor. 15, 55. 57. 5, 7. 8.) 166. Chrift lag in Todes banden, Für unsre Sünd' gege: ben; Der ist wieder erstanden Und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein Und fingen: Hallelujah, Hallelujah! 2. Den Tod niemand zwingen konnt' Bei allen Menschenkindern; Das macht alles unsre Sünd', Kein' Unschuld war zu finden; Davon kam der Tod so bald Und nahm über uns Gewalt, Hielt uns in sein'm Reich g'fangen. Hallelujah! 3.Jesus Christus, GottesSohn, An unsrer Statt ist kommen und hat die Sünd' abgethan, Damit dem Tod genommen All sein Recht und sein'Gewalt; Da bleibt nichts denn Todsgestalt, Den Stachel hat er verloren. Hallelujah! 4.Es war ein wunderlich' Krieg, Da Tod und Leben rungen; Das Leben behielt den Sieg, Es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, Wie ein Tod den andern fraß; Ein Spott aus dem Tod ist worden. Hallelujah! 5. Hie ist das recht' Osterlamm, Davon wir sollen leben; Das ist an des Kreuzes Stamm Aus heißer Lieb' gegeben. Des Blut zeichnet unsre Thür', Das hält der Glaub' dem Tod für; Der Würger kann uns nicht rühren. Hallelujah! VIII. Osterlieder. 131 6. So feiern wir das hoh' Fest Mit Herzensfreud' und Wonne, Das uns der Herr scheinen läßt. Er ist selber die Sonne, Der durch seiner Gnaden Glanz Er leucht't unsre Herzen ganz; Der 7. Wir effen und leben wohl, Zum süßen Brot geladen, Der alt' Sauerteig nicht soll Sein bei dem Wort der Gnaden. Christus will die koste sein Und speisen die Seel' allein; Der Glaub' will Sünden Nacht ist vergangen. kein's andern leben. Hallelujah! Hallelujah! D. Martin Luther 1524. Eigene Mel.( Ps. 118, 15. 16.) 167. Preis dem Todesüberwinder! Sieh, er starb auf Golgatha. Preis dem Retter aller Sünder! Was er uns verhieß, geschah. Sieh, er starb auf Golgatha; Singt, des neuen Bundes Kinder! Aus dem Grab eilt er empor; Singet ihm in höhrem Chor! 2. Laßt des Dankes Harfe flingen, Daß die Seele freudig bebt! Laßt uns, laßt uns mächtig fingen Dem, der starb und ewig lebt, Daß das Herz vor Wonne bebt! Preis und Ehre laßt uns bringen Dem, der starb und ewig lebt! Dem, der starb und ewig lebt! ail 3. Da in Morgendämmerungen Noch verhüllt die Erde schwieg; Da zu tiefern Anbetungen Gottes Engel niederstieg Aber jetzt noch bebend schwieg, Da erstundest du. Schnell sungen Aller Himmel Chöre dir, Todesüberwinder, dir. 4. Jetzt, da ich an dich nur glaube, Seh' ich dunkel nur von fern, Jch, der Wanderer im Staube, Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dennoch, wenn ich innig glaube, Wenn ich dürfte, strömt mir Ruh' Deines Tods und Lebens zu. 5. Gerne will ich hier noch wallen, Herr, solange du es willst; Knieen will ich, niederfallen, Flehn, bis du dich mir enthüllst Und mein Herz mit Kraft erfüllst, Dein hochheilig Lob zu lallen. Selig war stets, wen dein Lob, Ewiger, zu dir erhob. 6. Wann ich aus dem Grabe gehe, Wann mein Staub Verklärung ist, Wann ich, Herr, dein Antlitz sehe, Dich, mein Mittler, Jesu Christ, Dich, Verflärter, wie du bist: O dann, wann ich auferstehe, Hab' ich, du der Sünder Heil, Ganz an deinem Leben teil! Friedrich Gottlieb Klopstock 1769. cada coda da da cacoco, pesco bbbbbble VIII. Ofterlieder. Mel. Sollt' ich meinem Gott nicht singen 2c.( Matth. 28, 1-9.) 168. Größter Morgen, der Er, an den ihr doch geglaubt, Ift vom Tode nicht geraubt; Nein, er lebt, ist frei von Banden Und mit Klarheit angethan. Betet euren König an! die Erde Nach der tiefsten Nacht belebt, Der sie nach dem Wort ,, Es werde!" Nochmals aus dem Nichts erhebt! Nach der Nacht voll düstrer Sorgen, Da man angstund kummervoll Ohne Jesum leben soll, Bringt der allerschönste Morgen Jesum aus des Todes Thor, Jesum, unser Licht, hervor. 2. Seht, der Stein ist abgehoben, und kein Kriegsfnecht hütet mehr; Blickt nun selig froh nach oben: Jesus lebt, das Grab ist leer! Kommt und seht, wo er gelegen; Tuch und Binden findet ihr, Aber Jesus ist nicht hier; Engel rufen euch entgegen: Sucht ihn, sucht den nicht im Grab, Der der Welt das Leben gab! 5. Jauchz, o Erde, Himmel, tönet, Rühme, neu geschaffneWelt: Gott und Menschheit sind versöhnet! Seht, wie glänzt der große Held, Der des Abgrunds und der Höllen Und der Himmel Schlüssel führt Und, mit Ehr'und Schmuck geziert, Seine Kirche sicher stellen und nach tiefem Gottesplan Ewig selig machen kann. 6. Großer Hirte deiner Schafe, Von den Toten ausgeführt, Dem nach ganz erlittner Strafe Unsrer Schuld der Preis ge bührt, Nimm ihn von den Millionen Derer, die das Grab noch deckt, Derer, die dein Ruf schon weckt, Derer, die im Himmel wohnen, Auch von uns hier unten an, Wie dich jeder preisen kann! 7. Hilf uns aus den Feffeln gehen, Da die Welt uns mit bestrickt; Laß uns geistlich auferstehen, Allem Sündendienst ents rückt; Schenk uns Kraft zum neuen Wesen, Daß es täglich Ostern sei! Dann kommt einst der Tag herbei, Da du völlig uns erlösen Und zu dir erheben wirft, Auferstandner Siegesfürst. Johann Adam Lehmus 1771. 132 3. Großes Haupt, so lebst du wieder? Nur auf wenig Tage tot? Nun erwachen Siegeslieder Mit dem Oftermorgenrot. Engel müssen sie dir singen: Den ihr suchet, Jesus lebt! Und die Gruft hallt: Jesus lebt! Und die nahen Felsen klingen: Got: tes Sohn, der tot war, lebt! Und die Welt ertönt: Er lebt! 4. Lebt nun auf, ihr stillen Seelen, Die in Thränen ihr zerfloßt, Die ihr euch in Kummerhöhlen Ohne Licht und Kraft verschloßt! Lebt nun auf, er ist erstanden!| VIII. Ofterlieder. Mel. Jesu, meine Freude zc.( Kol. 2, 12-15.) 169. Aus des Todes Banden Ist der Herr erstanden, Mensch und Gottes Sohn. Jesus hat gesieget, Daß nun alles lie: get Unter seinem Thron. Unser Freund Hat alle Feind'Siegreich auf das Haupt geschlagen Und fie Schau getragen. 2. Daß er wollen sterben, War, uns zu erwerben Heil und Seligkeit. Solches ist geschehen; Und wir dürfen sehen, Daß auf kurze Zeit Jesus sich Wahrhaftiglich In den Tod um unser Leben Hat dahingegeben. 3. Freiheit von den Sünden Sollen wir nun finden und recht werden frei, Weil der wieder kommen, Der die Schuld genommen Auf sein Haupt so treu. Er kann nun Gnug für uns thun; Wenn wir nur in ihm erfunden, Bleibt uns Gott verbunden. 4. Was will uns nun schaden, Wenn uns Gott zu Gnaden Bei sich selbst gebracht? Mag die Hölle dräuen, Dürfen wir nicht scheuen Ihre kurze Macht. Hier ist der, Vor dem das Heer Aller Feinde muß erbeben Und hinweg sich heben. 133 Palmen, Die dein Volk dir heute bringt, Das mit frohen Oster5. Laß mit allen Schrecken Nun die Hand ausstrecken Wider uns den Tod; Seine Pfeil' und Bogen Finden sich betrogen, Es hat keine Not. Ob er trifft, Ist's drum kein Gift; Nein, er muß mit seinen Pfeilen uns vielmehr nur heilen. 6. Darum mir nicht grauet, Wenn mein Geist anschauet, Daß ich in das Grab Meine müden Glieder Werde legen nieder, Weil ich dieses hab': Daß mein Hort Mir diesen Ort Selbst mit seinem Leibe weihe, Daß ich ihn nicht scheue. 7. Lasset uns als Christen Sterben allen Lüften Und der Eitelkeit! Denn so wir uns haben Lassen mit begraben Hier in dieser Zeit, So wird er, Der große Herr, Uns hervor auch mit sich führen Und mit Kronen zieren. 8. Oder großen Freude! Hängst du noch am Kleide Dieser Sterblichkeit? Sollst du nicht hingegen Es getroft ablegen, Weil nach kurzer Zeit Jesus Christ Voll Willens ist, Uns zu kleiden mit der Sonne In des Himmels Wonne! Philipp Jakob Spener 1679. Mel. Jesu, du mein liebstes Leben 2c.( Offenb. Joh. 1, 4-6.) 170. Überwinder, nimm die| psalmen Den erkämpften Sieg besingt! Wo ist nun der Feinde Pochen Und der Würger MordDeada copa da cocacoch, deseo abababababababebe. VIII. Ofterlieder. 134 geschrei, Da des Todes Nacht vorbei und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da! Gott sei Dank, Hallelujah! 2. Stecke nun dein Siegeszeichen Auf der dunkeln Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen; Denn nach harter Leidenszeit Ist dein Tag der Herrlichkeit, Höchste Majestät, erschienen. Erd' und Himmel jauchzen da: Gott sei Dank, Hallelujah! 3. Zeile, großer Fürst, die Beute Deiner armen Herde mit, Die in froher Sehnsucht heute Vor den Thron der Gnade tritt; Deinen Frieden gieb uns allen! D so jauchzet Herz und Mut, Weil das Los uns wundergut Und aufs lieblichste gefallen. Freud' und Wonne grünen da! Gott sei Dank, Hallelujah! 4. 2aß, o Sonne der Gerechten, Deinen Strahl ins Herze gehn; Gieb Erleuchtung deinen Knech ten, Daß sie geistlich auferstehn! Hält der Schlaf uns noch gefangen, D so fördre du den Lauf, Rufe mächtig: ,, Wachet auf! Denn die Schatten sind ver444444 gangen, Und der helle Tag ist da!" Gott sei Dank, Hallelujah! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, Wann die letzte Stunde schlägt, Weil du denen, die dir trauen, Schon die Krone beigelegt; Gieb uns in den höchsten Nöten, Gieb uns mitten in der Bein Deinen Trost und Glauben ein! O so kann der Tod nicht töten, Denn die Hoffnung blühet da; Gott sei Dank, Hallelujah! 6. Zeige, wann der blöde Kummer über Sarg und Grüften weint, Wie die Schwachheit nach dem Schlummer Dort in voller Kraft erscheint! Sind wir sterblich hier geboren, D so streift das tühle Grab Nur, was sterblich heißt, uns ab, Und der Staub ist unverloren! Unser Hirte hütet da; Gott sei Dank, Hallelujah! 7. Rufe die zerfallnen Glieder Endlich aus der dunkeln Nacht! Wann der Deinen Asche wieder In verklärtem Glanz erwacht, Dann wirst du die Krone geben, Dann wird unsre volle Brust, Herr, mit engelgleicherLuft Ewig deinen Sieg erheben. Und wir sprechen auch allda: Gott sei Dank, Hallelujah! Christian Ludwig Taddel 1751. Mel. Womit soll ich dich zc.( 1 Kor. 15, 3-8. Joh. 11, 25. 26.) 171. Herzog der erlösten| tenheit, Dir, du TodesüberwinSünder, Dir dankt deine Chris- der, Dir, duHerr der Herrlichkeit! VIII. Oferlieder. Der du tot warst, lebest wieder, Mit dir lebendeine Glieder; Uns, die Tod und Grab erschreckt, Hat Gott mit dir auferweckt. 2. Willig, Herr, trug deine Seele Mancher Leiden schwere Last Bis zum Tod, und in der Höhle Lag dein müder Leib erblaßt. Endlich frei von aller Plage Ruht er bis zum dritten Tage; Da kam in das stille Grab Gottes Herrlichkeit herab. 135 6. Ja, du lebst, o Jesu, wieder: Hallelujah ewiglich! Mehr als fünfmal hundert Brüder Sahn mit ihren Augen dich. Liebreich redest du mit ihnen, Bist dem Paulus selbst erschienen; Dein und deiner Freunde Feind Sahe dich und ward dein Freund. 7. Jesu, deines Lebens Zeugen Sagen laut: ,, Er lebt!" der Welt, Ihm soll jedes Knie sich beugen, Er ist's, der Gericht einst hält!" Rufen laut inSchmerz und Banden: ,, Jesus ist vom Tod erstanden!" Sie, die lebend dich gesehn, Heißen Tote auferstehn! 3. Und der Tote lebte wieder! Dir sang aller Engel Chor, Alle Thronen sanken nieder, Herrlich gingst du, Herr, hervor. Alle, die dein Grab beschützen, Sinken todblaß vor den Blizzen, Da dein Leib, von Majestät Strahlend, aus dem Grabe geht. 4.Dmit welchen Gottesfreuden Steigst du aus des Todes Nacht! Ewig fern ist alles Leiden, Ganz dein großes Werk vollbracht. Liebreich eilest du den Deinen Im Triumphe zu erscheinen: Seht mich, Freunde, die ihr bebt; Jauchzet, euer Jesus lebt! 5.Lebend zu verschiednenStunden Sahn sie, Herr, dich dort und hier; Sie berührten deine Wunben, Sprachen, aßen oft mit dir. Deinen Trost und deine Lehren Ließest du sie wieder hören; Freudig beteten dich an, Die dich wieder lebend sahn. 8. Gott die Sünder zu versöhnen, Kamst du auf die Welt herab, Starbst, o fließet, Freudethränen!- Stundest auf aus deinem Grab. Jesusdankt, versöhnte Sünder!- Ift des Todes Überwinder; Heil ist seiner Leiden Lohn, Jesus ist des Höchsten Sohn. 9. Jesus istvon Gottgekommen, Der bei Gott im Anfang war. Bebt, ihr Sünder, jauchzt, ihr Frommen! Alles, was er sagt, ist wahr, Alles, alles wird geschehen; Himmel werden eh' vergehen, Eh' ein Wort von Jesu Christ Nicht mehr wahr und göttlich ist. 10. Jesus lebt! Wer an ihn gläubet, Db er stürbe, stirbet nicht; Keiner, der ihm treu verbleibet, Reiner kommt in sein dadado poca cocacoco booed 136 VIII. Ofterlieder. Gericht. Wer hier starb, wird| Christ! Unser Herz sei dir erauferstehen, Wird unsterblich Jesum sehen: Freudig, wer sich ihm ergiebt, Zitternd, wer ihn hier nicht liebt. geben, Der du auferstanden bist; Frei und rein von allen Sünden Laß uns, daß du lebst, empfinden! Tief im Staube singen wir Dank und Hallelujah dir. Johann Kaspar Lavater 1771. 11. Haupt der Deinen, unser Leben, Herr der Menschen, Jesu 10 Mel. O du Liebe zc.( Eph. 5, 14.) 172. Wandle leuchtender| Losgerungen, freigemacht? Oder liegst du noch verborgen Und in deinen Sünden tot? Kündet deinen Ostermorgen Noch kein helles Morgenrot? 5. D dann laß dich nicht bedecken Länger mehr die finstre Nacht! Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken, Von dem Tode aufgewacht. Komm, vom Schlaf dich zu erheben, Komm, der Fürst des Lebens ruft: Wache auf zum neuen Leben, Steig herauf aus deiner Gruft! 6. Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig Die durchbohrten Hände hin, Macht dich der Betäubung ledig, Weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du scheuen; Darum bleibe nicht zurück, Raff dich auf, dich zu er freuen An des neuen Lebens Glück! und schöner, Osterfonne, deinen Lauf; Denn dein Herr und mein Versöhner Stieg aus seinem Grabe auf! Als das Haupt er sterbend beugte, Bargst du dich in nächt'gen Flor; Doch jetzt komm hervor und leuchte, Denn auch er stieg längst empor! 2. Erde, breite dich in Frieden Unter deinem Himmel aus; Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zerbrach des Todes Haus! Deine starken Felsen bebten, Als er seinen Geist verhaucht; Grüße nun den Neubelebten, Wonnevoll in Licht getaucht! 3. Doch du selber, meine Seele, Sag, wie feierst du den Tag, Da der Herr des Grabes Höhle Mit gewalt'gem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehen Auch in rechter Osterfreud'? Kann man an dir selber sehen, Welch ein hoher Festtag heut'? 4. Bist du mit ihm auferstanden Aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden 7. Steig empor zum neuen Leben, Denn du schliefest lang' genug! Kraft zum Leben wird dir geben, Der für dich den Tod ertrug. Fang nur an erst aufzu 24 Ofterlieder. 137 gen, Wo du selbst nicht gehen kannst. VIII. stehen, Fühlst du dich auch noch so matt! Der wird dir zur Seite gehen, Der dich auferwecket hat. 8. D bedenke und erwäge, Wie du gehn magst, nicht so lang'! Solch Bedenken macht nur träge, Macht dich mehr noch schwach und frank. Keine Hilfe wird versagen Er, wenn nur du erst begannst, Wird dich auf den Armen traMel. Wir fingen dir, Immanuel 2c.( Mart. 16, 3. 4. 2 Tim. 1, 10.) 173. Frühmorgens, da die Sonn' aufgeht, Mein Heiland, Christus, aufersteht; Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halle lujah! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang Bleibt Gottes Sohn im Todeszwang; Den dritten Tag durchs Grab er dringt Und hoch die Siegesfahne schwingt. Halle lujah! 9. Sieh, dein Herr ist auferstanden, Daß du könntest auferstehn, Aus der Sünde Haft und Banden In die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich nur ergeben, Streift er deine Ketten ab, Und du siehst dein altes Leben Hinter dir als leeres Grab. Karl Johann Philipp Spitta 1833. 3. O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür'. Hallelujah! 5. Lebt Jesus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab'. Hallelujah! 6. Er pflegt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, da komm' ich hin, Weil seines Leibes Glied ich bin. Hallelujah! 7. Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; Die Freude, die mir ist bereit, Vertreibet Furcht und Traurigkeit. Hallelujah! 8. Für diesen Trost, o großer 4. Kein Elend mag so mächtig Held, Herr Jesu, dankt dir alle sein, Mein Heiland greift all- Welt; Dort wollen wir mit größmächtig drein; Er führt mich aus rem Fleiß Erheben deinen Ruhm mit seiner Hand, Wer mich will und Preis. Hallelujah! hindern, wird zu Schand'. Hallelujah! Johann Heermann 1630. deadacacorco Toroodo VIII. Ofterlieder. Mel. Herr, wie du willst zc.( Ephef. 5, 14.) 174. Wach auf, mein Herz, den weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du erstehst und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. 5. Laß weder Teufel, Welt noch Tod Dich scheu und zaghaft machen! Denn Jesus lebt, es hat nicht not, Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringen in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. 138 die Nacht ist hin, Die Sonn' ist aufgegangen; Ermuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu umfangen, Der heute durch des Todes Thor Gebrochen aus dem Grab hervor Der ganzen Welt zur Wonne! 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such was droben als ein Christ, Der geistlich auferstanden! 3. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud' und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden! 6. Ach mein Herr Jesu, der du bist Vom Tode auferstanden, Errett uns von des Satans List Und aus des TodesBanden, Daß wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, Das du uns hast erworben! 7. Sei hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern, Und ewig in derHerrlichkeit von allen Überwindern, Die überwunden durch dein Blut! Herr Jesu, gieb uns Kraft und Mut, Daß 4. Wohlauf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwunden! Er wird auch überwin- wir auch überwinden! Laurentius Laurenti 1700. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte 2c.( Buk. 10, 23. Joh. 20, 29.) 175. O daß ich hätte mit-| im Grabe Jesum Chrift, Der von empfunden Die Freude, da der dem Tod erstanden ist! Engelkam, Und nun nach bangen Trauerstunden Die Jüngerschar das Wort vernahm: Sucht nicht 2. O daß ich's hätte mitvernommen, Als schwer gebeugt im Gartenland So ganz allein, so tief VIII. Ofterlieder. 139 beklommen Die trauernde Maria| freudenreich Die Rede: Friede stand, Und Jesus rief ihr freundlich zu: Wen suchest du? was weinest du? 3. D daß ich wäre mitgegangen Den stillen Weg nach Emmaus, Wo gleich von himmlischem Verlangen Das Herz entbrennt beim ersten Gruß, Und nun beim letzten Sonnenstrahl Der Herr sich zeigt am Abendmahl! 4. D daß ich's hätte miterfahren, Als dort die Jünger sorgenschwer In dunkler Nacht beisammen waren und hatten keinen Tröster mehr, Und nun ertönte sei mit euch! 5. D daß ich hätte mitgestanden, Als ihn umschloß die treue Schar Und Seit' und Wunden wieder fanden, Sein Bild, so wie's im Herzen war, Und Thomas rief voll Heilsbegier: Mein Herr und Gott, ich glaube dir! 6. Welch ein Gefühl muß die durchbeben, Die ihren Herrn so viel beweint, Wenn gnadenreich im neuen Leben Der Heiland seinem Volk erscheint! Osei getreu; er naht auch dir, Im Schauen dort, im Glauben hier! Johann Friedrich Möller 1822. Mel. Jesu, der du meine 2c.( Luk. 24, 13-35.) 176. Trauernd und mit bangem Sehnen Wandern zwei nach Emmaus, Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seelen voll Verdruß, Man hört ihre Klageworte; Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche Herzen Ihrem stillen Kummer nach, Sie bejammern ihre Schmerzen, Ihre Not und Ungemach! Manches wandelt ganz alleine, Daß es nur zur Gnüge weine, Doch mein Jesus ist dabei, Fragt: was man so traurig sei? 3. Oft schon hab' ich's auch empfunden: Jesus läßt mich nie allein; Jesus stellt zu rechten Stunden Sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich in Leid verzehre, Gleich als ob er ferne wäre, O so ist er mehr als nah' Und mit seiner Hilfe da. 4. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe ferner noch bei mir! Sucht die Welt mich anzufeinden, Ach so sei du auch allhier! Wenn mich Trübsalswetter schrecken, Wollst du mächtig mich bedecken! Komm, in meinem Geist zu ruhn; Was du willst, das will ich thun! 5. Bin ich traurig und betrübet, Herr, so ruf mir in den Sinn, Capacho0000 140 Daß mich deineSeele liebet, Und daß ich dein eigen bin! Laß dein Wort mich fester gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt Und dich immer besser kennt! 6. Tröst auch andre, die voll Jammer Einsam durch die Fluren gehn Oder in der stillen Kammer Tiefbekümmert zu dir flehn! Wenn sie von der Welt sich trennen, Daß sie satt sich weinen könVIII. Ofterlieder. - 177. Jesus, meine Zuver sicht Und mein Heiland, ist im Leben! Dieses weiß ich; sollt' ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland, lebt! Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Läffet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. nen, Sprich dann ihren Seelen zu: Liebes Kind, was trauerst du? Eigene Mel.( Hiob 19, 25-27. 1 Kor. 15, 42-44.) 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden. Das gesteh'ich; doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich 7. Hilf, wann es will Abend werden und der Lebenstag sich neigt, Wann dem dunkeln Aug' auf Erden Nirgends sich ein Helfer zeigt! Bleib alsdann in uns rerMitten, Wie dich deine Jünger bitten, Bis du sie getröstet haft! Bleibe, bleibe, teurer Gast! Johannes Neunherz vor 1737. in der Herrlichkeit Um ihn sein mög' allezeit. 5. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, kennen; Ich, ich selbst, kein Fremder nicht, Werd' in seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. 6. Was hier kränkelt, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd' ich ausgesät, Himmlisch werd' ich auferstehen; Hier sink' ich natürlich ein, Nachmals werd' ich geistlich sein. 7.Seid getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder! Gebt nicht statt der Traurigkeit, Sterbt ihr, Jesus ruft euch wie der, Wann einst die Posaun' erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. Lililil VIII. Osterlieder. 8. Lacht der finsternErdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen; Denn ihr sollt euch aus der Gruft EuremHeiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. 141 9. Nur daß ihr den Geist erhebt Von denLüsten dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt sollt werden! Schickt das Herz nur da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein! Lied der Kurfürstin Luise Henriette von Brandenburg. 1653. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c.( Joh. 14, 19.) 178. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich Von den Toten auf erwecken! Er verklärt mich in sein Licht, Dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! Jhm ist das Reich Über alle Welt gegeben; Mit ihm werd' auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott er: füllt, was er verspricht, Dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, Kränket ihn und Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Chrifto nicht, Dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, Sein sei auch mein ganzes Leben; Reines Herzens will ich seinUnd den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht, Dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! Ich bin's gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsternis, Reine Herrlichkeit, kein Leiden. Er giebt Kraft zu dieser Pflicht, Dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! Nun ist der Tod Mir ein Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot Wird es meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Christian Fürchtegott Gellert 1757. IX. Himmelfahrt Christi. Mel. Wie schön leucht't zc.( Rol. 3, 1-4.) 179. wundergroßer Sie- Wohnest, Thronest Hoch und gesheld, Du Sündentilger aller prächtig, Waltest mächtig, Tod Welt, Dein Werk hast du vollen- und Leben Sind in deine Hand det; Vollendet deinen schweren gegeben! Lauf, Du fährst verklärt zum Vater auf, Der dich herabgesendet; 2. Du, Herr, bist unser Haupt und wir Sind deine Glieder; nur ebda 30or TH 142 IX. Himmelfahrt Chrifti. von dir Kommt auf uns Heil und und Hort Und gründ uns auf Leben; Trost, Friede, Freude, Licht und Kraft, Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns durch dich gegeben. Neige, Beuge, Ew'ge Güte, Mein Gemüte, Dich zu preisen Und mich dankbar zu beweisen! dein göttlich Wort, So sind wir nie verlassen! Laß suchen uns, was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und List, Es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, Die da nagen, Die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 3. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir; Hilf, daß wir künftig für und für Nach deinemReiche trachten; Laß unsern Wandel himmlisch sein, Daß wir der Erde leeren Schein Und üppigkeit verachten; Unart, Hoffart Laß uns meiden, Christlich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden! 4. Sei, Jesu, unser Schirm 5. Herr Jesu, komm, zeuch uns dir nach, Daß wir nach kurzem Ungemach Zur Freude dort gelangen! Du bist uns allen ja zu gut Durch dein vergoßnes teures Blut Jns Heiligtum gegangen; Dafür Soll dir Von uns allen Preis erschallen. Nimm am Ende, Herr, uns auf in deine Hände! Ernst Christoph Homburg 1658. Eigene Mel.( Joh. 20, 17. 14, 2-6.) 180. Auf diesen Tag beden-| Dabei er sich auch rüsten soll, Dem Herren nachzufolgen. Hallelujah, Hallelujah! ken wir, Daß Christ gen Himmel g'fahren, Und danken Gott in höchft'r Begier, Mit Bitt', er woll bewahren Uns arme Sünder hie auf Erd', Die wir von we gen mancher G'fährd Ohn' Hoffnung han kein Troste. Hallelujah, Hallelujah! 3. Wer nicht folgt und sein'n Willen thut, Dem ist's nichtErnst zum Herren; Denn er wird auch vor Fleisch und Blut Sein Himmelreich versperren. Am Glauben liegt's; soll der sein recht, So wird auch g'wiß das Leben schlecht zu Gott im Himmel g'richtet. Hallelujah, Hallelujah! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, Wenn wir den Vater finden Und fliehen stets der Welt 2. Drum sei Gott Lob, der Weg ist g'macht, Uns steht der Himmel offen; Christus schleußt auf mit großer Pracht, Vorhin war all's verschlossen. Wer's glaubt, des Herz ist freudenvoll, IX. Himmelfahrt Chrifti. ihr' Bahn, Thun uns zu Gottes Kindern. Die sehn hinauf, der Vater h'rab, An Treu' und Lieb' geht ihn'n nichts ab, Bis sie zu sammenkommen. Hallelujah, Hallelujah! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, Wann Gott uns zu sich 143 nehmen Und seinem Sohn wird machen gleich, Als wir denn jetzt bekennen; Da wird sich finden Freud' und Mut Zur ew'gen Zeit beim höchsten Gut. Gott woll, daß wir's erleben! Hallelujah, Hallelujah! Johann Zwick 1536. 181. Mel. Schwingt, heilige Gedanken 2c.( Pf. 47, 6. 7. Joh. 14, 2-4.) Der Herr fährt auf gen Himmel Mit frohem Jubelton, Aus dieser Welt Getümmel Empor zu seinem Thron. Lobfingt, lobsinget Gott! Lobsingt, ihr Nationen, Dem Herrscher aller Thronen, Dem Herren Zebaoth! 4. Laßt uns gen Himmel dringen Mit herzlicher Begier! Laßt uns voll Inbrunst singen: Dich, Jesu, suchen wir, Dich, o du Gottessohn, Dich, Weg, dich, wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich, unsers Hauptes Kron'! 2. Wir wissen nun vom Siege, Der unser Haupt erhöht; Wir wissen zurGenüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns zurück nicht lassen, Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. 3. Wir sollen himmlisch werden, Der Herr bestellt den Ort; Wir gehen von der Erden Getrost zum Himmel fort. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, Dahin sei das Verlangen, Dahin sei euer Lauf! 5. Fahr hin mit deinen Schätzen, Du trügerische Welt! Wir fliehn aus deinen Netzen, Dort ist, was uns gefällt. Der Herr ist unsre Zier, Der Herr ist unsre Wonne; Zu unsrerLebenssonne, Zu Jesu ziehen wir. 6. Wann soll es doch geschehen? Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, Da wir zu seinen Füßen Anbetend ihn begrüßen? O Tag, brich bald herein! Gottfried Wilhelm Sacer 1661. Mel. Freu dich sehr zc.( 2 Kön. 2, 9. Joh. 14, 2. 3.) 182. Herr, du fährst mit Glanz und Freuden Auf zu deiner Herrlichkeit; Doch mich drükten noch die Leiden Dieses Lebens, dieser Zeit. Gieb mir, Jeſu, Mut und Kraft, daß ich meine e609700000 IX. Himmelfahrt Christi. Pilgerschaft So in dir zurücke-| ten find' ich sie bei dir; Dort belege, Daß ich stets dein bleiben lohnst du das Vertraun Deiner möge! Gläubigen durch Schaun Und verwandelst ihre Leiden In unendlich große Freuden. 5. Dort bereit auch mir die Stätte Jn des Vaters Hause zu, Rufst du frühe oder späte Mich zu meines Grabes Ruh'; Leucht auch mir in dieser Nacht Mit der Sonne deiner Macht, Die des Todes Macht bezwungen Und für uns den Sieg errungen! 144 2. Laß mir deinen Geist zurücke, Aber zeuch mein Herz zu dir; Wenn ich nach dem Himmel blicke, O so öffn' ihn gnädig mir! Neige meinem Flehn dein Ohr, Trag es deinem Vater vor, Daß er mir die Schuld vergebe Und ich mich bekehr' und lebe! 3. Lehre mich die Welt verachten, Und was in ihrEitles ist, Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein Erlöser, bist! Wolluft, Ehrsucht und Gewinn, Soll mich dies zur Erde ziehn, Da ich jenseits überm Grabe Eine größre Hoffnung habe? 4. Diese müsse nichts mir rauben, Du erwarbst sie teuer mir; Jego seh'ich sie im Glauben, DorMel. Es ist das Heil 2c.( Ebr. 7, 24. 25. Joh. 17, 24.) 183. Herr Jesu, deiner Glieder Ruhm, Du starkesHaupt der Schwachen! Du hast ein ew': ges Priestertum, Rannst allzeit felig machen; Du bist es, der Gebet erhört, und der des Glaubens Wunsch gewährt, Sobald wir zu dir kommen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder An dem Ende dieser Zeit, O so sammle meine Glieder, Die Verwesung jetzt zerstreut! Heil'ge und verklär sie ganz, Daß der Leib in Himmelsglanz, Dann nicht mehr von Staub und Erde, Ähnlich deinem Leibe werde. Nach Kaspar Neumann 1700. 2. Du läßst durch deine Himmelfahrt Den Himmel offen sehen; Du haft den Weg geoffenbart, Wie wir zum Vater gehen. Der Glaube weiß und ist gewiß, Du habest uns im Paradies Die Stätte zubereitet. 3. Du gingst ins Heiligtum hinein Kraft deiner heil'gen Wunden, Und hast ein ewig Se ligsein, Berherrlichter, erfunden; Du hast allein durch deine Macht Uns die Gerechtigkeit gebracht, Die unaufhörlich währet. 4. Ging unser Haupt zum Himmel ein., So werden auch die GliederGewiß nicht ausgeschlos sen sein, Du bringst sie alle IX. Himmelfahrt Chrifti. 145 wieder; Sie werden da sein, wo| hin Uns unablässig suchen; Was du bist, Und dich verklärt, Herr Jesu Christ, Mit ew'ger Wonne sehen. eitel heißt, das lehr uns fliehn, Was fündlich ist, verfluchen! Weg Welt! DeinSchatz und Freudenschein Ist viel zu elend, zu gemein Für himmlische Gemüter! 7. D Kleinod, das im Himmel strahlt, Nach dir nur will ich laufen! O Perle, die kein Weltkreis zahlt, Dich will ich hier noch kaufen! O Erbteil voll Zufriedenheit, D Himmel voller Seligkeit, Sei mein aus Jesu Gnaden! Philipp Friedrich Hiller 1729. 5. Zeuch uns dir nach, so laufen wir! Laß uns ein himmlisch Wesen In Worten, Werken und Begier Von nun an, Herr, erlesen; Zeuch unser Herz dem Himmel zu, Damit wir Wandel, Schatz und Ruh' Nur in dem Himmel haben! 6. Was droben ist, laß künftigMel. Womit soll ich dich wohl loben 2c.( Eph. 1, 17-23.) 184. Siegesfürst und Ehren-| trauen Ohne Furcht und ohne könig, Hochverklärte Majestät! Grauen, Nur in Jesu Namen Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber weit erhöht. Sollt' ich nicht zu Fuß dir fallen, Nicht mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug' entzückt Deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit sich enthüllt Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister füllt. Prächtig wirst du aufge: nommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, dein armes Kind auch hier Rufet Hosianna dir! 3. Sollt' ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit seh'? Sollt'mein Mut noch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh'? Meinem König will ich Evangelisches Gesangbuch. mich Beugen hier und ewiglich. 4. Geist und Kraft nun überfließen; Laß fie fließen auch auf mich, Bis zum Schemel deinen Füßen Alle Feinde legen sich. Herr, zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende; Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan! 5. Nun erfüllst du allerorten Alles durch dein Nahesein: MeinesGeistes ew'gePforten Stehn dir offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkehren; Ewig in mir leb und wohn Als in deinem Himmelsthron! 6. Scheidend bringst du mir dein Leben, Gott und Himmel innig nah'; Laß mich stets den 10 pay Yoda TooOO ADIDADI IX. Himmelfahrt Christi. 146 Geift erheben, Gleich als stündst du sichtbar da, Fremd der Welt, von Zeit und Sinnen Bei dir abgeschieden drinnen, In den Himmel mitversett, Wo mich Jesus nur ergößt. Gerhard Tersteegen 1738. Mel. Nun freut euch zc.( Matth. 6, 21.) 185. Auf Christi Himmel- Denn wo mein Schatz gekommen fahrt allein Jch meine Nachfahrt hin, Da ist auch stets mein Herz gründe, Und allen Zweifel, Angst und Sinn, Nach ihm mich sehr und PeinHiemit stets überwinde; verlanget. Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög' meine Nachfahrt zieren, Und dann einmal, wann dir's gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt; Herr, höre 2. Weil er gezogen himmelan und große Gab'empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgends, Ruh'erlangen; dies mein Flehen! Hannöverisches Gesangbuch( nach Wegelin) 1646. Himmlische Herrlichkeit Christi. Mel. Schmücke dich 2c.( Phil. 2, 9-11.) 186. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne Als des Vaters ein'gem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten! 2. Himmel, Erde, Luft und Meere, Aller Kreaturen Heere Müssen dir zu Dienste stehen; Was du willst, das muß geschehen. Fluch und Segen, Tod und Leben, Alles ist dir übergeben; Und vor deines Mundes Schelten Zittern Menschen, Engel, Welten. 3. Jn des Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes Nach dem Recht des Gnadenbundes Sich von dir regieren lassen Und wie du das Unrecht haffen. 4. In dem Reiche deiner Ehren Himmlische Herrlichkeit Chrifti. 147 Kann man stets dich loben hö-| Welche deine Bürger haben; ren Von dem himmlischen Ge- Du beschüßest deine Freunde, schlechte, Von der Menge deiner Du bezwingest deine Feinde. Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein verklärtes Antlik schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr' und Dienst erweisen. 6. Herrsch auch, Herr, in meinem Herzen Über Lüfte, Furcht und Schmerzen; Laß dein Leben in mich fließen, Laß mich dich im Geist genießen, Ehren, fürchten, loben, lieben und mich im Gehorsam üben, Siegen hier mit dir imStreite, Dort mitherrschen dir zur Seite! Johann Jakob Rambach 1735. 5. Herr in allen diesen Reichen! Dir ist niemand zu vergleichen An dem Überfluß der Schäße, An der Ordnung der Geseke, An Vortrefflichkeit der Gaben,| Mel. Auf, Triumph, es kommt die Stunde 2c. oder: Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( Eph. 1, 21. 22.) 187. Jesus Christus herrscht als König, Alles wird ihm unterthänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß. 2. Gott, des Weltalls großer Meister, Hat die Engel wohl als Geister Und als Flammen um den Thron; Sagt' er aber je zu Knechten: Seße dich zu meiner Rechten? Nein, er sprach es zu dem Sohn. 3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, Und demselben gleichet keiner, Nein, der Sohn nur ist ihm gleich; Deffen Stuhl ist unumstößlich, Dessen Leben unauflöslich, Deffen Reich ein ewig Reich. 4. Nur in ihm- o Wunder: gaben!-Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch sein Blut. Hört's: das Leben ist erschienen, Und ein ewiges Verfühnen Kommt in Jesu uns zu gut. 5. Alles dieses nicht alleine; Die begnadigte Gemeine Hat auch ihn zu ihrem Haupt; Er hat sie mit Blut erkaufet, Zu dem Himmelreich getaufet, Und sie lebet, weil sie glaubt. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, Sagt, ihr Armen, ihm die Not! Er kann alle Wunden heilen, Reichtum weiß er auszuteilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 7. Eil, es ist nicht Zeit zum Schämen! Willst du Gnade? 2009 100or 9200 IX. Himmelfahrt Chrifti. 148 Du sollst nehmen! Willst du leben? Es soll sein! Willst du erben? Du wirst's sehen! Soll der Wunsch aufs Höchste gehen: Willst du Jesum? Er ist dein! 8. Allen losgekauften Seelen Soll's an keinem Gute fehlen; Denn sie glauben Gott zum Ruhm. Werte Worte, teure Lehren! Möcht' doch alle Welt dich hören, Süßes Evangelium! 9. Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf kurze Zeiten nieder, Und das Leiden geht zuvor. Nur Geduld! Es folgen Freuden; Nichts kann sie von Jesu scheiden, Und ihrhaupt zieht sie empor. 10. Ihnen steht ein Himmel offen, Welcher über alles Hoffen, über alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine Weiß, daß 188. Hallelujah! Wie lieblich stehn Hoch über uns die Himmelshöhn, Seit du im Himmel sikest, Seit du vom ew'gen Zion dort Aussendest dein leben dig Wort Und deine Herde schüßest! Fröhlich, Selig Schaut der Glaube Von dem Staube Auf zum Sohne: Meine Heimat ist am Throne! eine Zeit erscheine, Da sie ihren König grüßt. 11. Auch bis dahin giebt er Nahrung, Leitung, Heilung und Bewahrung; Denn er pflegt und liebet sie. Ja bei seinem Kreuzesstamme Fraget sie, wer nun verdamme? Denn sie rühmet: Gott ist hie! Mel. Wie schön leucht't zc.( Apostelg. 7, 55.) 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; Was ist ihr tausendfacher 12. Jauchz ihm, Menge heil': ger Knechte, Rühmt, vollendete Gerechte Und du Schar, die Palmen trägt, Und ihr Märt'rer mit der Krone, Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfen schlägt! 13. Jch auch auf den tiefsten Stufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilger bin: Jesus Christus herrscht als König! Alles sei ihm unterthänig, Ehret, liebet, lobet ihn! Philipp Friedrich Hiller 1755. Strahl? Was ist der Glanz der Sonne? Ein Schatten nur von jenem Licht, Das dir vom holden Angesicht Ausgeht mit ew'ger Wonne. Sende, Spende Deine hellen Lebensquellen Reichlich nieder, Großes Haupt, auf deine Glieder! 3. Verhüllt den Erdkreis düstre Nacht, Ich weiß, daß dort ein Auge wacht, Das einst um uns geweinet, Das einst für uns im Himmlische Herrlichkeit Chrifti. 149 Tode brach: Es ist dein Aug'; arme Herz Abhärmt in bittrer es bleibet wach, Bis neu die Sonne scheinet. O wer Nunmehr Nimmer klagte, Nimmer zagte, Seit du wachest Und aus Nächten Tage machest! Reue; Du brichst nicht das zerstoßne Rohr, Und wenn der Docht sein Öl verlor, So tränkst du ihn aufs neue. Im Licht Soll nicht Eine fehlen Von den Seelen, Die zum Leben Dir dein Vater übergeben. 6.D fel'ger König, Jefu Chrift! Wie wundervoll und heilig ist, Was uns in dir geschenket! In dir, der Gottes Kinder schirmt, Bleibt unser Anker, wenn es stürmt, Auf ewig eingesenket. Hier, hier Sind wir Festgebunden; Unsre Stunden Fliehn in Eile, Dann hinauf zum ew'gen Heile! Albert Knapp 1833. 4. Wohin wir ziehn durch Land und Meer: Ein Himmel neigt sich drüber her, Dein Himmel voller Gnaden. Da steigt erhörlich das Gebet, Da wallt man sicher früh und spät Vor Feindeslist und Schaden. Keiner Deiner Auserwählten, Geistbeseelten Bleibt verlassen, Treu will ihn dein Arm umfassen. 5. Wir fliehn zu dir mit allem Schmerz, Zu dir, wenn sich das Mel. Lobe den Herren, den mächtigen König 2c.( Offenb. Joh. 5, 5. 12.) 189. Lamm, das gelitten, alle Zungen bekennen! Gingest und Löwe, der siegreich gerungen! Blutendes Opfer und Held, der die Hölle bezwungen! Brechendes Herz, Das sich aus irdischem Schmerz Über die Himmel geschwungen! du nicht Selbst in der Sünder Gericht, Sünder entlasten zu können? 2. Du hast in schauriger Tiefe das Höchste vollendet, Gott in die Menschheit gehüllt, daß sein Licht uns nicht blendet. Würdig bist du- Jauchzt dir die Ewigkeit zu Preises und Ruhms, der nicht endet! 3. Himmlische Liebe, die Na men der Erde nicht nennen! Fürst deiner Welten, den einst 4. Wunder der Liebe! Der einzige Reine von allen Eint sich mitSeelen, die fündig imStaube hier wallen, Trägt ihre Schuld, Hebt mit unendlicher Huld Das, was am tiefsten gefallen! 5. Menschensohn, Heiland, in dem sich das ew'ge Erbarmen Milde zu eigen gegeben den schuldigen Armen! Dir an der Brust Darf nun in Leben und Luft Jeder Erstarrte erwarmen. cacaoco 200 CADADADAD IX. Himmelfahrt Chrifti. 150 6. Mir auch ist süß überwindend dein Rufen ertönet; Herr, auch mein feindliches Herz hat dein Lieben versöhnet; Ja deine Hand, Zu dem Verirrten gewandt, Hat mich mit Gnade gekrönet. 7. Lobe den Herrn, meine Seele! Er hat dir vergeben, Heilt dein Gebrechen, legt in dich ein ewiges Leben; Frieden im Streit, Wonnen im irdischen Leid Weiß dir dein Heiland zu geben. 8. Schmilz, o mein dankender Laut, in die seligen Chöre Seiner Gemeinde, getrennt noch durch Länder und Meere, Doch von dem Band Himmlischer Liebe umspannt, Eins zu des Ewigen Ehre! 9. Jauchze, Natur, in des Frühlings beginnendem Wehen! Singe, du Welt, die das Werkder Erlösung gesehen! Jauchze, du Heer Dort am kristallenen Meer: Ehre sei Gott in den Höhen! Meta Heußer- Schweizer 1833. Mel. Womit soll ich zc.( Ebr. 7, 21-27.) 190. Großer Mittler, der| dein Evangelium Allen denen zur Rechten Seines großen Ba- mitzuteilen, Die zum Thron ters sigt Und die Schar von der Gnaden eilen. Nun wird seinen Knechten In dem Reich uns durch deine Hand Heil und der Gnade schützt, Dem auf dem Segen zugewandt. erhabnen Throne, In der königlichen Krone, Aller Ewigkeiten Heer Bringt in Demut Preis und Ehr'! 2. Dein Erlösungswerk auf Erden Und dein Opfer ist voll bracht; Was vollendet sollte werden, Das vollführtest du mit Macht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad' und Heil erworben; Und dein siegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. 4. Alle Namen deiner Frommen Trägst du stets auf deiner Brust; Und die gläubig zu dir kommen, Sind und bleiben deine Lust. Du vertrittst, die an dich glauben, Daß sie nichts dir möge rauben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergissest du der Armen, Die der Welt noch dienen, nicht, Weil dein Herz dir voll Erbarmen Über ihrem Elend 3. Nun ist dieses dein Geschäfte bricht. Daß dein Vater ihrer In dem obern Heiligtum: Die schone, Daß er nicht nach Wererworbnen Lebenskräfte Durch ken lohne, Daß er ändre ihren Himmlische Herrlichkeit Chrifti. Sinn: Ach, da zielt dein Bitten hin! 6. Zwar in deines Fleisches Tagen, Als die Sünden aller Welt noch auf deinen Schultern lagen, Hast du dich vor Gott gestellt, Bald mit Seufzen bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen: D, in welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte Von der Allmacht unterstüßt, Da in der vollkommnen Hütte Die verklärte Menschheit sitt; 151 Nun kannst du des Feindes Klagen Majestätisch niederschlagen, Und nun macht dein redend Blut Unsre böse Sache gut. 8. Großer Mittler, sei gepriesen, Daß du in dem Heiligtum So viel Treu' an uns bewiesen; Dir sei Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, Wenn wir zu dem Vater beten; Schließt die Lippen uns der Tod, Sprich für uns in letter Not! Johann Jakob Rambach 1735. Mel. Nun bitten wir den heiligen Geist 2c.( Luk. 24, 32.) 191. Ach mein Herr Jesu, die Schuld verzeihn, Heilen, dein Nahesein Bringt großen stillen, trösten, Erfreun und Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick Macht uns so selig, Daß Leib und Seele darüber fröhlich Und dankbar wird. segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gieb an deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommnen Teil; Und laß unsre Seele Sich immer schicken, Aus Not und Liebe nach dir zu blicken Ohn' Unterlaß! 2. Wir sehn dein freundliches Angesicht Voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele Kann's schon gewahren, Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, Auch ungesehn. 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald mit deiner Friedens- und Siegsgestalt; Laß dein Bild uns immer Vor Augen schweben Und dein wahrhaftiges In- uns- leben zu sehen sein! 7. Ein herzlich Wesen und 4. Barmherzig, gnädig, ge- Kindlichkeit Sei unsre Zierde duldig sein, Uns täglich reichlich zu aller Zeit; Und die heil'ge 3. D wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen recht wär' bedacht! Der hätt' ohne Ende Von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt'immer fragen: Wer ist wie du? 81300 356 SOPRON DADAD 152 IX. Himmelfahrt Chrifti. Tröstung Aus deinen Wunden| nur an dir ergößen Und stillen Erhalt uns Frieden zu allen kann! Stunden Bei Freud' und Leid! 8. So werden wir bis in Himmel hinein Indir vergnügt wie die Kinder sein; Muß man gleich die Wangen Noch manchmal neßen, Wenn sich das Herz 192. An dein Bluten und Erbleichen, An dein Opfer ohnegleichen, An dein priesterliches Flehen Mahnet mich des Geistes Wehen; Und so wünsch'ich, ew'ge Güte, Für mein Leben eine Blüte, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 4444 Mel. Schmücke dich zc.( Joh. 21, 17. But. 23, 42.) 2. Hoherpriester ohne Tadel, Lebensfürst von großem Adel! Licht und Herrlichkeit entfalten, Segnen heißt dein hohes Walten. Segnend trittst du mir entgegen; Und so wünsch' ich einen Segen, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 3. Elend bin ich und verdorben, In der Sünde fast erstorben; Sünder können nichts verdienen, Nichts vergüten, nichts verfühnen. Willst du in der ew'gen Hütte Mich vergessen in der Bitte, Nicht auf deinem Herzen tragen, Muß ich sterben und verzagen. 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Gedächtnis Beschämt dastehen Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Christian Gregor 1778. 4. Du nur giltst im Heiligtume; Und zu deiner Wunden Ruhme, Weil du für die Sünder littest, Giebt der Vater, was du bittest. Wenn schon Zornesflammen lodern, Darfst du noch Erbarmung fordern, Hilfe, wo die Engel trauern, Leben in des Todes Schauern. 5. D wie groß ist dein Vermögen! Priesteramtes kannst du pflegen, Welten auf dem Herzen tragen, Sünd' und Hölle niederschlagen, Gräber öffnen, Tote wecken, Sie mit Himmelsblüte decken Und hinauf zum ew'gen Leben Auf der Rettershand erheben. 6. Was ist Reichtum, Luft und Ehre, Was ein Überfluß wie Meere, Wenn du, Herr, mich nicht erkennest, Nicht im Heiligtume nenneft? Sel'ger Pilger, dem die Kunde Tief ertönt im Herzensgrunde: Christus, meine Lebenssonne, Denket mein im Haus der Wonne! Himmlische Herrlichkeit Chrifti. 153 7. Lieben will ich, flehn und nieden: Deinen Geist und deinen loben, Bis der Vorhang wegge- Frieden Und den Ruhm an schoben; Dann zu dir, du Ewig- meinem Grabe, Daß ich dich reiner! Jesus Christus, denke geliebet habe! meiner! Eines schenke mir hieAlbert Knapp 1828. X. Pfingstlieder. Mel. Kommt her zu mir zc.( Apostelgesch. 2, 1-13.) 193. Es saß ein frommes| Daß wir des Herzens blöden Häuflein dort Und wollte nach Mut Mit freier Rede brechen. des Herren Wort Einmütig Pfingsten halten. Ach laß auch jekt im Christenstand, Herr Jesu, deiner Liebe Band Bei frommen Gliedern walten! 5. Die Welt zwar treibt nur ihrenSpott, Und wer nicht merkt die Kraft aus Gott, Spricht leider: Sie sind trunken! Den rechten Freudenwein uns gieb, Erquick, o Herr, in deiner Lieb', Was noch in Angst versunken! 6. Dein Licht treib in des Herzens Haus Mit hellen Strahlen gänzlich aus Die alten Finster: nisse, Daß Blindheit, Irrtum, falscher Wahn, Und was uns sonst verleiten kann, Auf ewig weichen müffe! 2. Schnell fiel hernieder auf das Haus Ein starker Wind, der mit Gebraus Sich wundersam erhoben. D Gotteshauch, ach lasse dich Bei uns auch spüren kräftig lich Und weh uns an von oben! 3. Er füllete die Wohnung ganz, Berteilter Zungen Feuerglanz ließ sich auf jedem spüren. Ach nimm auch unsre Kirchen ein, Laß feurig unsreLehrer sein Und deine Sprach' uns rühren! 7. Dein Feuer töt in unsrer Brust, Was sich noch regt von Sündenlust; Erwecke reine 4. Sie wurden all' des Geistes Triebe, Auf daß wir schmecken vollUnd fingen an zu reden wohl, wahre Freud', Anstatt der schnöWie er gab auszusprechen. Er den Eitelkeit, In Jesu süßer füll auch uns mit heil'ger Glut, Liebe! Hieronymus Annoni 1738. Eigene Mel.( Joh. 16, 13. 14.) 194. Komm, heiliger Geist,| Gnaden Gut Deiner Gläub'gen Serre Gott! Erfüll mit deiner Herz, Mut und Sinn, Dein' LUODON 154 X. Pfingstlieder. ihm aus ganzer Machtvertrauen. Hallelujah, Hallelujah! brünstig' Lieb' entzünd in ihn'n.| sum mit rechtem Glauben Und D Herr, durch deines Lichtes Glast Zu dem Glauben versammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen; Das seidir, Herr, zu Lob gesungen. Hallelujah, Hallelujah! 2. Du heiligeslicht, edlerHort! Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen. D Herr, behüt vor fremder Lehr', Daß wir nicht Meister suchen mehr Denn Je-| 3. Du heilige Brunst, süßer Troft! Nun hilf uns, fröhlich und getroft In dein'm Dienst beständig bleiben, Die Trübfal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein' Kraft uns bereit Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hie ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Hallelujah, Hallelujah! D. Martin Luther 1524. Eigene Mel.( Joh. 14, 26.) 195. Nun bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte An unfrem Ende, Wenn wir heimfahr'n aus diesem Elende. Herr, erbarm dich unser! 2. Du wertes Licht, gieb uns deinen Schein; Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, Dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Herr, erbarm dich unser! 3. Du süße Lieb', schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen Einander lieben Und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Herr, erbarm dich unser! 196.heil'ger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein; O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns 4. Du höchster Tröster in aller Not, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand' noch Tod, Daß in uns die Sinne Doch nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Herr, er, barm dich unser! D. Martin Luther 1524. Mel. Wie schön leucht't zc.( Jes. 11, 2.) und in uns kräftig sein Zustäter Freud' und Wonne! Sonne, Wonne, Himmlisch Leben Willst du geben, Wenn wir beten; zu dir kommen wir getreten. RIILE X. Pfingstlieder. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören, Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch andre in der Christenheit Dein wahres Zeugnis lehren! Höre, Lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben! 3. Gieb Kraft und Nachdruck deinem Wort, Laß es wie Feuer immerfort In unsern Seelen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitreichen Lehr' Und treuen Liebe trennen! Schenke, Senke Deine Güte Jns Gemüte, Daß wir können Christum unsern Heiland nennen! 4. Sei stets bei uns mit deinem Rat Und führ uns selbst auf rechtem Pfad, Die wir den Weg nicht wissen! Gieb uns Beständigkeit, daß wir Getreu dir bleiben für und für, Wenn wir auch leiden müssen! Schaue, Baue, Was zerrissen Und befliffen, Dich zu schauen Und auf deinen Troft zu bauen! 155 5. Stärk uns mit deiner Gotteskraft, zu üben gute Ritterschaft In Drangsal und Beschwerden, Auf daß wir unter deinem Schuß Begegnen aller Feinde Truß Mit freudigen Gebärden! Laß dich Reichlich Auf uns nieder, Daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden! 6. Du süßer Himmelstau, gieb dich In unsre Herzen kräftiglich Und schenk uns deine Liebe, Daß unser Sinn verbunden sei Dem Nächsten stets mit Lieb' und Treu' Und sich darinnen übe! Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe; Fried' und Liebe Müff' umschweben Und durchdringen unser Leben! 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsreLebenszeit! Sei unsers Geistes Stärke, Daß uns forthin sei unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine toten Werke! Rühre, Führe Unser Sinnen Und Beginnen Von der Erden, Daß wir Himmelserben werden! Michael Schirmer 1640. Mel. Zeuch mich, zeuch mich zc.( Jef. 11, 2.) 197. Komm, o komm, du Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit! So wird Geist und Licht und Schein In dem dunkeln Herzen sein. 2. Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, Daß wir anders 9000 156 X. Pfingstlieder. nichts beginnen, Denn was nur vollTraurigkeit: Ach mein Gott, dein Wille sucht; Dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los! mein Gott, wie lange? O so wende unser Leid; Sprich der Seele tröstlich zu Und gieb Mut, Geduld und Ruh'! 3. Führ uns, Herr, die Wohlfahrtsstege, Die dein Wort uns kund gethan; Räume ferner aus dem Wege, Was den Lauf verhindern kann; Wirke Reue nach der That, Wenn der Fuß gestrauchelt hat! 4. Stets laß unser Herz empfinden, Daß wir Gottes Kinder sei'n, Die bei ihm nur Hilfe finden In der Not und Seelen pein; Lehr uns, daß des Vaters Zucht Einzig unser Bestes sucht! 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei, mit aller Freudigkeit; Seufze in uns, wenn wir beten, und vertritt uns allezeit! So wird unsre Bitt' erhört Und die Zuversicht gemehrt. 6. Wird uns dann um Troft auch bange, Seufzt das Herz 7. D du Geist der Kraft und Stärke, Der allein das Gute schafft, Fördre in uns deine Werke Und zum Kämpfen gieb uns Kraft; Schenk uns Waffen in den Krieg Und erhalt in uns den Sieg! 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, Daß kein Teufel, Tod noch Spott Uns denselben möge rauben, Du bist unser Schuk und Gott; Sagt das Fleisch gleich immer nein, Laß dein Wort gewisser sein! 9. Wann wir endlich sollen ster ben, So versichre uns je mehr Als des Himmelreiches Erben Jener Herrlichkeit und Ehr', Die Gott giebt durch Jesum Christ, Und die unaussprechlich ist. Heinrich Held vor 1659. Eigene Mel.( 2 Tim. 1,7.) 198. 3euch ein zu deinen den Und schmecken deine Kraft, Thoren, Sei meines Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neugeboren hast, O hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist! Die Kraft, die uns von Sünden Hilf' und Errettung schafft! Ent sünd'ge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr' und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin! 2. 3euch ein, laß mich empfin3. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll; ki bi bi X. Pfingstlieder. 157 Dein Beten wird erhöret, Dein Herzleid auf der Erd'; Bring Singen klinget wohl. Es steiget wieder und erneure Die Wohlhimmelan Und läßt nicht ab im fahrt deiner Herd'! Laß blühen Steigen, Bis der sich möge wie zuvor Die Länder, so verneigen, Der allen helfen kann. heeret; Die Kirchen, so zerstöret, 4. Du bist ein Geist der Freu- Richt aus der Asch' empor! den, Das Zagen liebst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Himmelssaal! 5. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Bank, Haß, Neid und Streit; Der Feindschaft bist du feind, Willst, daß durch Liebesflammen Sich wieder thu' zusammen, Was unversöhnlich scheint. 8. Beschirm die Obrigkeiten, Bau unsers FürstenThron; Gieb uns getroste Zeiten! Schmück als mit einer Kron' Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land! 6. Du, Herr, haft selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wenden, Wie es dir wohlgefällt. So gieb doch deine Gnad' Zu Fried' und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat! 7. Erhebe dich und steure Dem 9. Erfülle die Gemüter Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für! Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widersetzet Und, was dein Herz ergößet, Aus unsern Herzen reißt! 10. Richt unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn; Und sollen wir es geben Zuletzt dem Tode hin, Wann's mit uns hie wird aus, So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus! Paulus Gerhardt 1653. Mel. Freu dich sehr zc.( Ps. 143, 10.) 199. O du allersüßste Freude,| Aufhören alle Dinge: Höre, D du allerschönstes Licht, Der höre, was ich singe! du uns in Lieb' und Leide Unbesuchet läsfest nicht; Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst Ohn' 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann; Wenn ich dich erwünsch' und habe, Geb' ich alles Wünschen 1000 158 X. Pfingstlieder. dran. Ach ergieb dich, komm zu pfleget, FrommenHerzens, sanf mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserforen! ten Muts, Bleibst im Lieben unbeweget, Thust uns Bösen alles Guts. Ach verleih und gieb mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Reinen, den du liebst, betrübe! 3. Du wirst als ein milder Regen Ausgegossen von demThron, Bringst uns nichts als lauterSegen Von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werter Gaft, Gottes Segen, den du hast Und verteilst nach deinem Willen, Mich an Leib und Seel' erfüllen! 4. Du bist weise, voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir kund, Zählst den Staub des kleinsten Sandes, Gründest auch des Meeres Grund. Nun du weißt auch zweifelfrei, Wie verderbt und blind ich sei; Drum gieb Weisheit und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen! 5. Du bist heilig, lässt dich finden, Woman rein und redlich ist, Fleuchst hingegen Schand' und Sünden, Weil du lauter Klarheit bist. Mache mich, o Gnadenquell, Rein und züchtig, keusch und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest! 6. Du bist, wie ein Lamm es 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößst; Bleib' ich von dir ungeschieden, Ei so bin ich gnug getröst't. Laß mich sein dein Eigentum! Ich versprech' hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 8. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hilfe nötig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue Und mein Gott sich meiner freue! 9. Halt mich, wann die Kniee beben, Wann ich sinke, sei mein Stab, Wann ich sterbe, sei mein Leben, Wann ich liege, hüt mein Grab; Wann ich wieder aufersteh', Ei so hilf mir, daß ich geh' Hin, wo du in ew'gen Freuden Wirst die Auserwählten weiden! Paulus Gerhardt 1648. Mel. Jesu, du mein liebstes Leben 2c.( Röm. 8, 14.) 200. Geist der Kraft, der| Frommen senkt Und die WohlZucht und Liebe, Der sich in die that seiner Triebe Gottergebnen X. Pfingstlieder. Seelen schenkt, Seelen, die das Arge haffen Und den Vorsatz festgestellt, Daß sie sich von Fleisch und Welt nicht mehr wollen treiben lassen: Laß auch mich in Freud' und Pein Deines Triebs teilhaftig sein! 2. Laß dein Licht den Sinn erfüllen, zu erkennen meine Pflicht; Neige aber auch den Willen Durch dein mächtiges Gewicht, Meine Pflichten zu vollbringen! Wenn mir Kraft und Nachdruck fehlt, Wenn mich Kält'und Unmacht quält, So laß Kräfte mich durchdringen Und regieren meinen Geist, Das zu thun, was du mich heißst! 3. Führe mich zu Jesu Kreuze, Wenn mein Sündenelend groß; Halt mich beim Versuchungsreize In der Gnade sichrem Schoß! Treib mich an, getroft zu kämpfen Und durch einen ernsten Streit Mit Gebet und Wach159 samkeit Meinen ärgsten Feind zu dämpfen; Treib mich auf der heil'gen Bahn Stets zum Lauf und Wachstum an! 4. O wie sanft ist dieses Treiben, Und wie kräftig doch dabei! Es läßt niemand müßig bleiben, Es macht von der Trägheit frei; Es bezwingt mit Liebeskräften Das gefesselte Gemüt, Daß es sich mit Lust bemüht Treu zu sein in Lichtsgeschäften; Es läßt weder Raft noch Ruh', Ja es nimmt beständig zu. 5. Geist der Kraft, der Zucht und Liebe, Treib auch mich zum Guten an; Mach durch deine starken Triebe mir zum Laufen freie Bahn! So geh' ich in Spott und Leiden In die tiefste Schmach hinab, So geh' ich durch Tod und Grab Zu des Paradieses Freuden. Ach wie süß, oGeist der Zucht, Ist mir deiner Triebe Frücht! Johann Jakob Rambach 1735. Mel. Erquide mich 2c.( Eph. 4, 30.) 201. Gott, o Geist, o licht des Lebens, Das uns im Todesschatten scheint, Duscheinst und lockst so lang vergebens, Weil Finsternis dem Lichte feind. D Geist, dem keiner kann entgehen, Dich laff' ich gern mein Innres sehen. 2. Entdecke alles und verzehre, Was nicht in deinem Lichte rein! Wenn mir's gleich noch so schmerzlich wäre, Folgt doch die Wonne nach der Pein. Du wirst mich aus dem finstern Alten In Jesu Klarheit umgestalten. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern, Das ist dein Werk, du Quell des Lichts; Du Batay 160 X. Pfingstlieder. mußt von Grund aus mich er-| mir- beten, Lehren, Kämpfen Laß neuern, Sonst hilft mein eignes Trachten nichts. D Geist, sei meines Geistes Leben; Ich kann mir selbst kein Gutes geben! 4. Du Atem aus der ew'gen Stille, Durchwehe sanft der Seele Grund; Füll mich mit aller Gottesfülle, Und da, wo Sünd' und Greuel stund, Laß Glauben, Lieb' und Ehrfurcht grünen, In Geist und Wahrheit Gott zu dienen! 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen Sei kindlich folgsam deinem Trieb; Bewahr mein Herz mit allen Sinnen Untade: lig in Gottes Lieb'; Dein In40 202. Geist vom Vater und vom Sohn, Weihe dir mein Herz zum Thron; Schenke dich mir immerdar So wie einst der Jüngerschar! 2. Geist der Wahrheit, leite mich! EigneLeitung täuschet sich, Da sie leicht des Wegs verfehlt Und den Schein für Wahrheit wählt. Mel. Gott sei Dank zc.( Joh. 16, 13.) 3. Geist des Lichtes, mehr in mir meinen Glauben für und für, Der mich Christo einverleibt Und durch Liebe Früchte treibt! 4. Geist der Andacht, schenke mir Salbung, Inbrunst, Glut mich auf keine Weise dämpfen! 6. D Geist, o Strom, der uns vom Sohne Eröffnet und kristallenrein Aus Gottes und des Lammes Throne Jn stille Herzen fließt hinein, Sch öffne meinen Mund und sinke Hin zu der Quelle, daß ich trinke. 7. Ich lass' mich dir und bleib' indessen, Von allem abgekehrt, dir nah'; Ich will die Welt und mich vergessen, Dies innigst glauben: Gott ist da. O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Man harret deiner nie vergebens! Gerhard Tersteegen um 1740. von dir; Laß mein Bitten innig, rein Und vor Gott erhörlich sein! 5. Geist der Liebe, Kraft und Zucht, Wenn mich Welt und Fleisch versucht, D dann unterstüße mich, Daß ich ringe; rette mich! 6. Geist der Heiligung, verklär Jesum in mir mehr und mehr, Und erquicke innerlich Durch den Frieden Gottes mich! 7. Geist der Hoffnung, führe du Mich dem Himmelserbe zu; Laß mein Herz sich deiner freun Und in Hoffnung selig sein! Heinrich Julius Tode 1771 X. Pfingstlieder. Mel. Alle Menschen 2c.( Joh. 16, 13. 14. Gal. 5, 22.) 203. Geist des Lebens, heil'ge schüttern, Das des Lebens Grund Gabe, Du, der Seelen Licht und Trost, Erntesegen, aus dem Grabe Unsers Heilands aufgesproßt, Uns gesandt vom Himmelsthrone, Vom erhöhten Menschensohne, Geist der Kraft und Herrlichkeit, Mache dir mein Herz bereit! erregt, Das wie Strahlen aus Gewittern Stolze Geister niederschlägt, Mahnet, ihm das Herz zu geben; Und dein gnadenvolles Weben Richtet in dem Glaubenslauf Matte Kniee tröstend auf. 2. Einst bist du herabgefahren Als ein Sturmwind aus den Höhn, Ließest dich in wunderbaren Feuerzungen herrlich sehn; Aber jezo wehst du stille, Ohne Zeichen, ohne Hülle Auf der Erde nah und fern Als ein Atemzug des Herrn. 3. Jhn, den armen Nazarener, Der gering auf Erden ging, Jhn, den Mittler und Versöhner, Der am Kreuz die Welt umfing, Allen Herzen zu verklären, Jhn, den großen Gott der Ehren, Dessen Herz von Liebe flammt, Groß zu machen, ist dein Amt. 161 4. Ja du nimmst es von dem Seinen, Wenn du Lebensworte sprichst, Wenn du bald durch Flehn und Weinen Bald durch Psalmen Herzen brichst. Du bist seines Wesens Spiegel, Seiner Werk'und Worte Siegel, Zeuge, daß er lebt und liebt, Zeuge, daß er Leben giebt. 5. Ja dein Strafen und ErEvangelisches Gesangbuch. 6. Was die Welt nicht kann erlangen, Was kein eitles Auge sieht, Soll von dir ein Herz empfangen, Das die Luft der Erde flieht: Frieden, von dem Kreuze quillend, Frieden, alle Klagen stillend, Hellen Blick in Gottes Rat, Frucht aus Jesu blut'ger Saat. 7. Was die Welt uns nie gelehret, Lehrest du den Glauben thun: Beten, bis der Herr erhöret, Und in stiller Hoffnung ruhn. Fleht die Seele bang und schwächlich, Ach dann seufzest un aussprechlich Du durch alle Himmel hin, Und er kennet deinen Sinn. 8. Was kein Mensch, kein eigner Wille, Keine Kraft der Welt vermag, Wirkst du mühelos und stille, Geist des Herrn, am Gnadentag: Buße giebst du, Glauben, Liebe, Sanftmut, Demut, keusche Triebe. Ach wer ändert, reinigt sich, Bleibt beim Heiland ohne dich? 11 eac Dacoch/ oeseo 162 X. Pfingstlieder. 9. O du Pfand des neuen Bun-| leitet Sich auf Christi Tag bedes, Geist des Vaters, mild und reitet, Wer dich, wann sein rein, Heil'ger Odem seines Mun- Stündlein schlägt, Unbetrübt des, Zeuch in unsre Herzen ein! im Herzen trägt! Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wie der, Wo sich deine Gotteskraft Einen Sitz und Tempel schafft. 10. D wer innig möchte dürsten Und zum Gnadenthrone gehn, Würde bald vom Lebensfürsten Dich, du höchstes Gut, erflehn! Selig, wer von dir geXI. Die Kirche Christi. Mel. Wie groß ist zc.( Eph. 4, 4-16. Lut. 14, 23.) 204. Ich lobe dich. Mein Auge schauet, Wie du auf diesem Erdenkreis Dir eine Kirche haft erbauet Zu deines Namens Lob und Preis: Daß alle sich zusammenfinden In einem heiligen Verein, Wo sie, erlöst von ihren Sünden, Sich, Jesu, deines Reiches freun. 11. Droben soll wie Gottes Sterne Leuchten Christi Jüngerschar. O wer strebt aus dieser Ferne Nach dem großen Jubeljahr? Lehr uns, Herr, der Welt entrinnen, Halt in Jesu Herz und Sinnen, Zeig uns hier im Glauben ihn, Stelluns dort zum Schauen hin! Albert Knapp 1828. 2. Du rufest auch noch heutzutage, Daß jedermann erscheinen soll; Doch hört man stets auch deine Klage: Noch immer ist mein Haus nicht voll! Zwar viele sind von dir geladen, Doch wenige nur auserwählt; Sie wandeln auf des Weltfinns Pfaden, Und mancher, den du rufest, fehlt. 3. Herr, unter Völkern vieler Zungen Hast du dein Haus nun aufgeführt, In dem dein Preis dir wird gesungen, Das Glaube, Lieb'undHoffnung ziert; Wo alle unter Christo stehen Als ihrem königlichen Haupt, Auf den sie alle freudig sehen, Sie, deren Herz an Christum glaubt. 4. Nicht eignem Werk gilt ihr Vertrauen, Es ruht auf dir und deinem Sohn. Er ist der Fels, auf den sie bauen; Er ist der Weg zu Sieg und Lohn; Er ist der Weinstock, sie die Reben, In ihm nur reifet ihre Frucht; Er ist ihr Licht, ihr Heil und Leben Durch Wahrheit, Lieb'und from me Zucht. XI. Die Kirche Chrifti. 163 Herrn Und dann auch allesamt als Brüder In Lieb' ihm folgen treu und gern! 5. Ein Herr, ein Glaub'und Fest halten an dem Haupt und eine Taufe Vereinigt sie zum heil'gen Bund; Ein Ziel erglänzt dem Pilgerlaufe, Ein Fels ist ihres FriedensGrund; Ein Vater waltet über allen, Und allen, Gott, bist Vater du; Dir streben alle zu gefallen, Und du giebst ihnen Heil und Ruh'. 7. Erhalt uns, Herr, im wahren Glauben Noch fernerhin bis an das End'; Laß nichts uns deine Schätze rauben, Dein heilig Wort und Sakrament! Erfülle deiner Christen Herzen, D Gott, mit deinem Gnadenheil, Und gieb nach überwundnen Schmerzen Uns droben einst das beßre Teil! Nach Friedrich Konrad Hiller 1711. 6. So weih uns denn zum neuen Leben, Daß wir nur deine Wege gehn, Zuerst nach deinem Reiche streben Und niedern Lüften widerstehn! Gieb, daß wir als getreue Glieder Mel. Nun bitten wir zc.( 1 Kor. 12, 12. 13. Pf. 110, 3.) 205. Die Kirche Christi,| 4. Die allgenugsame Hand des die er geweiht zu seinem Hause, ist weit und breit In der Welt zerstreuet, In Nord und Süden, In Oft und West, und doch so hienieden Als droben eins. Herrn Besorgt sie all' in der Näh' und Fern'; Und wenn in der Demut Sie ihn nur meinen, Eilt er im Geiste, sie zu vereinen zu nem Leib. 5. So wandelt er durch die Gemeinden hin, Die schaun wie Stern' um die Sonn' auf ihn; Und wo Glaube wohnet, Da steht er mitten Und füllt die Seinen in Pilgerhütten Mit Gnad' und Licht. 6. D Geist des Herrn, der das Leben schafft, Walt in der Kirche mit deiner Kraft, Daß die Gottesfinder Geboren werden Gleichwie der Morgentau schon auf Erden Zu Chrifti Preis! Nach August Gottlieb Spangenberg 1745. 2. Meist sind die Glieder sich unbekanntUnd doch einander gar nah'verwandt: Einer ist ihrHeiland, Ihr Vater einer, Ein Geist regiert sie, und ihrer keiner Lebt mehr sich selbst. 3. Sie leben dem, der sie mit Blut erkauft und mit dem heili gen Geiste tauft; Und im wahren Glauben Und treuer Liebe Gehn ihrer Hoffnung lebend'ge Triebe Aufs ew'ge Gut. 2009 oreoleo 164 XI. Die Kirche Chrifti. Eigene Mel.( Joh. 17, 11. 17.) 206. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort, Und steure aller Feinde Mord, Die Jesum Christum, deinen Sohn, Wollen stürzen von seinem Thron! 2. Beweis dein' Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist! Beschirm dein' arme Christenheit, Daß sie dich lob' in Ewigkeit! 5. Laß alle Welt erkennen doch, Daß du, unser Gott, lebest noch Und hilfst gewaltig deiner Schar, Die sich auf dich vers läffet gar: 6. So werden wir, die Kinder dein, Bei uns selbst und auch in der G'mein Dich, heilige Dreieinigkeit, Loben darum in Ewigkeit! V. 1-3 von Luther 1541, 5 von Jonas, 4 und 6 früher Zusat. 3. Gott, heil'ger Geist, du Tröster wert, Gieb dein'm Volk einen Sinn auf Erd'! Steh bei uns in der letzten Not, G'leit uns ins Leben aus dem Tod! 4. D Gott, laß dir befohlen sein Unsre Kirche, die Kinder dein; Im wahren Glauben uns erhalt, Und rett uns von der Feinde G'walt! Mel. Alles ist an 2c. oder: Ach, was soll ich Sünder zc.( Matth. 6, 10. Joh. 10, 16.) 207. Großer Hirte deiner| Laß dein Wort auch kräftig wirHerden In dem Himmel und ken Unter Juden, Heiden, Türauf Erden, Treuer Heiland, ken, Denn du haft auch sie erJesu Christ! Laß in diesen letz- kauft! ten Zeiten Sich dein Reich noch mehr verbreiten, Als bisher geschehen ist! 4. Gieb dazu von Jahr zu Jahren Viel Evangelistenscharen, Treue Lehrer ohne Fehl, Die im Glauben, Wort und Leben Gründlich, kindlich dir ergeben, Heiliger in Israel! 2. Laß es sich zu deinen Ehren Kräftiglich in uns vermehren, Breit es, Herr, von Haus zu Haus Unter unsern Anverwandten, Unter Freunden und Bekannten Und in allen Ländern aus! 3. Gieb dich allen zu erkennen, Die sich darum Christen nennen, Weil sie sind auf dich getauft! 5. Flöße früh der zarten Jugend Alle Wissenschaft und Tugend Nur durch dein Erkenntnis ein; Gieb ihr Leben, nicht nur Wiffen, Und behalt von Ärgerniffen Lehrer mit den Schülern rein! XI. Die Kirche Christi. 165 6. Laß dein Wort die Sichern früchte bringt; Laß sie niemals schrecken Und die geistlich Toten stille stehen, Treibe sie, stets weden, Stürz die Selbstgerech- fortzugehen, Bis ihr Geist die tigkeit; Mach die geistlich Blin- Kron' erringt! den sehend, Mach die geistlich Lahmen gehend, Mach dir selbst den Weg bereit! 7. Schenke den Erwachten Gnade, nicht zu ruhen, bis ihr Schade Recht entdeckt und schmerzhaft ist; 3euch sie dann zu dir, dem Sohne, Daß vor deinem Gnadenthrone Sie sich laben, Jefu Chrift! 9. Die am Ende sich befinden, Denen hilf selbst überwinden; Zeig dem Glauben jenen Lohn, Den du denen aufgehoben, Die nach ausgestandnen Proben Siegreich stehn vor deinem Thron! 10. Herr, so sammle deine Glieder; Dann erscheine gnädig wieder Als der ewig gute Hirt, Da 8. Welchen ihre Schuld ver- aus so viel tausend Herden Eine geben, Die laß stets im Glau- Gottesherde werden Und um ben leben, Der viel Geistes- dich sich stellen wird! Johann Jakob Moser 1766. Mel. Dir, dir, Jehovah zc.( Matth. 9, 37. 38. Lut. 12, 49.) 208. Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, Der Wächter, die auf Zions Mauer stehn, Die Tag' und Nächte nimmer schweigen, Die unverzagt dem Feind entgegengehn, Ja deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Scharen zu dir bringt! 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten Sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzinbrünstig darum anzuflehn! Drum hör, o Herr, und sprich: es soll geschehn! 2. O daß dein Feuer bald entbrennte, Daß wir es sähn in alle Lande gehn, Auf daß bald 4. Herr, gieb dein Wort mit großen Scharen, Die in der Kraft Evangelisten sei'n! Laß eilend Hilf' uns widerfahren Und alle Welt erkennte, Was zur Er- brich in Satans Reich mit Macht lösung ihr von dir geschehn! Dhinein! Obreite, Herr, aufweiHerr der Ernte, siehe du darein: Die Ernt' ist groß, der Knechte Zahl ist klein! tem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Laß schnell dein Wort die COCOD FOO 0000 bebebe 166 XI. Die Kirche Chrifti. Welt durchlaufen, Es sei kein| treue Lehrer wir und Beter sehn, Ortohn'dessen Glanz und Schein; Die kräftig vor den Riß der Ach führe bald dadurch mithau- Kirche stehn! fen Der Heiden Füll' zu allen Thoren ein; Ja wecke doch auch Israel bald auf, Und also segne deines Wortes Lauf! 8. Die Lieb' ist's, Herr, die zu dir flehet, Sie, die von deiner Lieb' ein Fünklein ist, Von deinem Odem angewehet, D du, der du die Liebe selber bist! Wenn wir in schwacher Liebe zu dir flehn, Was wird nicht von der Liebe Quell geschehn! 9. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, Der du der Welten Heil und Richter bist; Du wirst der Menschheit Jammer wenden, So dunkel jetzt dein Weg, o Heil'ger, ist. Drum hört der Glaub' nie auf zu dir zu flehn, Du thust doch über Bitten und BVerstehn. Karl Heinrich von Bogatky 1750. Mel. Erhalt uns, Herr zc.( But. 24, 29.) 209. Ach bleib bei uns, Herr| 4. Erhalt uns nur bei deinem Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht! Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord! Gieb deiner Kirche Gnad' und Huld, Fried', Einigkeit, Mut und Geduld! 2. In dieser letzten, bösen Zeit Gieb uns des Glaubens B'ständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Rein b'halten bis an unser End'! 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, Auf dieser Erd' ist keine Ruh'! Viel Sekten und viel Schwärmerei Auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Macht erheben hoch und bringen stets was Neues her, Zu fälschen deine rechteLehr'! 7. Die Sach' und Ehr', Herr 6. Herr, beßre deines Zions Stege Und öffne drinnen deinem Wort die Bahn; Was hindert, räume aus dem Wege, Vertilge du den falschen Glaubenswahn; Von Mietlingen mach deine Kirche frei, Daß Kirch' und Schul' ein Garten Gottes sei! 7. Laß jede hohe, niedre Schule Die Werkstatt deines guten Geistes sein; Ja site du drin auf dem Stuhle, Drück du dein Bild dem Geist der Jugend ein, Daß 3. Herr Jesu, hilf, dein' Kirch' erhalt! Wir sind sicher, arg, träg' und kalt. Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, Daß es erschall' an allem Ort! XI. Die Kirche Christi. 167 nichts andres suchen mehr! Jesu Christ, Nicht unser son-| uns, lieber Herr, Daß wir dern dein ja ist. Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei! 9. Gieb, daß wir leben in dem Wort, Und darauf fahren ferner fort Von hinnen aus dem Jammerthal zu dir in deinen Freu8. Dein Wort ist unsers Herzens Truß Und deiner Kirche wahrer Schutz; Dabei erhalt densaal! Aus Liedern von Nikolaus Herman und Selnecker 1611. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc.( Matth. 6, 10.) 210. Die Feinde deines Kreuzes drohn Dein Reich, Herr, zu verwüsten; Du aber, Mittler, Gottes Sohn, Beschüßest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich; Vergeblich wird sich wider dich Die ganze Hölle waffnen. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein Werk von Menschenkindern; Drum konnt' auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Haffer nie Dein Erbe rauben; selbst durch sie Wird es vergrößert werden. 3. Weit wollst du deine Herrschaft noch In deiner Welt verbreiten und unter dein so sanftes Joch Die Völker alle leiten; Vom Aufgang bis zum Niedergang Bring alle Welt dir Preis und Dank Und glaub an deinen Namen! 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner Gnade Wunder sehn, Daß sie sich noch bekehren; Lehr sie mit uns gen Himmel schaun Und unerschüttert im Vertraun Auf deine Zukunft warten! 5.Uns Christen aber wollest du Fest in der Wahrheit gründen, Daß wir für unsre Seelen Ruh' In deiner Gnade finden; mach unsers Glaubens uns gewiß, Vor Irrtum und vor Finsternis Bewahr uns, weil wir leben! 6. Ein reines Herz schaff in uns, Herr, Ein Herz nach deinem Willen; Lehr uns mit jedem Tage mehr Treu dein Gebot erfüllen, Gehorsam deiner Vorschrift sein Und dann uns deiner Gnade freun; Sei unser Heil auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan Und lernt die Sünde meiden, Und du führst es auf ebner Bahn zu deines Reiches cacaca 30000 168 XI. Die Kirche Chrifti. Freuden; Und herrlich wird in Ewigkeit dieser Zeit, Noch herrlicher in werden. Eigene Mel.( Offenb. Joh. 2, 4. 10. 14. 28. 3, 1. 8. 16.) 211. Fahre fort, fahre fort!| nen Stern dich leiten! Beide, Wandle, Volk des Herrn, im Licht, Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle; Volk des Herrn, dring durch die enge Pfort'! Fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich! Gottes Volk, leid ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne; Sei bis in den Tod getreu, Siehe auf die Lebenskrone; Leide, wenn du fühlst der Schlange Stich! Leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht! Folge nicht der eitlen Welt, Wann sie dich sucht groß zu machen; Achte nicht ihr Gut und Geld! Ernst im Beten, ernst im Wachen, Sieh dich für, wann sie viel Lust verspricht! Folge nicht, folge nicht! 4.Prüfe recht, prüfe recht! Prüfe weislich jeden Geist, Der dir ruft nach beiden Seiten; Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deiDein großer Name Balthasar Münter 1771. das was gut scheint und was schlecht, Prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht wie die andern tot, Sei du gleich den grünen Reben! In die Gotteskraft für Heuchelschein Dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich herfür, Gottes Volk, herfür in Kraft! Laß die Bruderliebe brennen; Zeige, was der in dir schafft, Der dich als sein Volk will kennen! Auf, er selbst hat aufgethan die Thür'! Brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus! Gottes Volk, halt deine Treu', Laß nicht lau und träg' dich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlaffe, was dahinten! Gottes Volk, im letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus! Johann Eusebius Schmidt 1704. Eigene Mel. 212. Ein' fefte Burg ist unser Gott, Ein' gute Wehr und Waffen; Er hilft uns frei aus aller Not, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt'böse Feind, ( P₁. 46.) Mit Ernst er's jetzt meint; Groß' Macht und viel List Sein' grou sam' Rüstung ist; Auf Erd' ist nicht seinsgleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts XI. Die Kirche Christi. 169 gethan, Wir sind gar bald ver-| Thut er uns doch nichts. Das loren; Es streit't für uns der macht, er ist gericht't; Ein Wörtrechte Mann, Den Gott hat selbst lein kann ihn fällen. erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär' Und wollt' uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen! Der Fürst dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, 4. Das Wort sie sollen lassen stahn Und kein'n Dank dazu haben! Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib,- Laß fahren dahin! Sie haben's kein'n Gewinn; Das Reich muß uns doch bleiben! D. Martin Luther 1529. Mel. Kommt her zu mir zc.( But. 12, 32. Matth. 16, 18.) 213. Verzage nicht, o Häuf lein klein, Obschon die Feinde willens sein, Dich gänzlich zu verstören, Und suchen deinenUntergang, Davor dir recht wird angst und bang: Es wird nicht lange währen! 2. Dich tröste nur, daß deine Sach' Ist Gottes; dem befiehl die Rach', Laß ihn alleine walten! Er wird durch seinen Gideon, Den er wohl kennt, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort', Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott; Wir werden Sieg erlangen! Michael Altenburg 1632. Gustav Adolfs Feldliedlein. Mel. Auf, Christenmensch zc.( Ps. 80, 15. 16.) 214. Wo regt sich noch ein guter Geist Und will die Wahrheit sehen, Wie sie die Palmen an sich reißt, Wie ihre Fahnen wehen? Herein! Heut' ist in Oft und West Das schöne Siegsund Freudenfest! 2. Die Welt war tot, die Herzen arm, Der Streit war aufgegeben; Da kam die Glut, da ward es warm, Da braust' ein Sturm ins Leben, Der brach entzwei die Totengruft, Weht' an die Brust mit Freiheitsluft. 3.Einst sperrte Furcht derChristen Mund Und keiner wollt' sich stellen; Da trat ein Held auf Felsengrund, Kein Wetter konnt' Cacada obesed 170 XI. Die Kirche Christi. ihn fällen; Er zog in Gottestraft| Spott: ,, Ein'feste Burg ist unser einher: Und wenn die Welt voll Teufel wär'!" Gott!" 4. Der Zweifel schlich durch Mark und Bein, Wollt' Gottes Werk zersplittern; Da hob der Glaube stark und rein Sein Haupt aus Ungewittern. Er siegt' und macht die Welt zu mel sieh darein Und laß dich des erbarmen! Wie wenig sind der Heil'gendein, Verlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr; Der Glaub' ist auch erloschen gar Bei allen Menschenkindern. 14 Eigene Mel.( Pf. 12.) 215. Ach Gott, vom Him-| muß auf sein, Die Armen sind verstöret, Ihr Seufzen dringt zu mir herein, Ich hab' ihr' Klag' erhöret; Mein heilsam Wort soll auf den Plan, Getrost und frisch sie greifen an und sein die Kraft der Armen. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was eigen' Wit erfindet, Jhr Herz nicht eines Sinnes ist, In Gottes Wort gegründet; Der wählet dies, der andre das, Sie trennen uns ohn'alle Maß Und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren, Dazu ihr' Zung' stolz offenbar Spricht: Trok, wer will's uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, Was wir sehen, das gilt gemein; Wer ist, der uns soll meistern? 4. Darum spricht Gott: Ich 5. Jest jagt man wohl nach Gut und Ehr', Das End' ist Tod und Grauen; Doch wer für Gott sich stellt zur Wehr, Darf froh dem Höchsten trauen. Den armen Leib sie mögen fahn: ,, Das Wort sie sollen lassen stahn!" Johann Friedrich Möller 1817. 5. Das Silber, durchs Feu'r siebenmal Bewährt, wird lauter funden; Am Gotteswort man warten soll Desgleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein; Da wird sein' Kraft erkannt und Schein, Und leucht't stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein Für diesem argen G'schlechte, Und laß uns dir befohlen sein, Daß sich's in uns nicht flechte! Der gottlof' Hauf' sich umher findt, Wo diese losen Leute sind In deinem Volk erhaben. D. Martin Luther 1524. Die Gemeinschaft der Heiligen. 171 Die Gemeinschaft der Heiligen. Mel. Es spricht der Unweisen zc.( Eph. 4, 1-16.) Himmel uns umgiebt; Wir haben gleiche Güter. 216. Ich glaube, daß die der Vater alle liebt, So wie der Heiligen Im Geist Gemeinschaft haben, Weil sie in einer Gnade stehn Und eines Geistes Gaben. So viele Christus machet rein, Die haben all sein Gut gemein Und alle Himmelsschäße. 2. 3war nicht das gleicheSchicksal fällt Hienieden jedem Gliede, Es dauern noch in dieser Welt Die äußern Unterschiede: Dem einen fällt ein armes Los, Der andre ist geehrt und groß; Das will ein Christ nicht ändern. 5. Die Sonne der Gerechtigkeit Will allen Gnade geben, Der Geist giebt allen allezeit Als Gottes Odem Leben, Weil uns 6. Ein Himmel, eine Seligkeit, Ein Vorbild und ein Hoffen, Ein Recht, ein Vaterherz im Leid, Ein Segen steht uns offen; Uns führt ein Weg dem Himmel zu, Wir hoffen alle eine Ruh' Allein durch einen Glauben. 7. Wir haben alle überdies Gemeinschaft an dem Leiden, Am Kreuz, an der Bekümmernis, An Spott und Traurigkeiten; Wir tragen, doch nicht ohne Ruhm, Allzeit das Sterben Jesu um An unsrem Todesleibe. 3. Doch in der neuen Kreatur Ist keiner klein noch größer; Wir haben einen Christus nur, Den einigen Erlöser, Das Licht, das Heil, den Morgenstern; Wort, 8. Wir leiden mit, wir ziehen Tauf' und Nachtmahl unsers an Ein herzliches Erbarmen, Herrn Ist allen gleich geschenket. Und wenn das Herz nicht weiter 4. Da ist kein Knecht noch Freier kann, So seufzt es für die Armehr, Da sind sie alle Kinder; men; Denn solch ein Glied, Der Reichtum macht hier keine dem durch sein Herz Nicht geht Ehr', Die Armut keinen Sünder. der andern Glieder Schmerz, Gott sieht nicht die Personen an, Das hat gewiß kein Leben. Weil oft ein Reicher arm sein kann, Der Arme reich an Gnaden. 9. So trägt ein Glied des andernLast Um seinesHauptes willen; Wer seiner Brüder Lasten faßt, Lernt das Gesek erfüllen. Der Herr voran im Vorbild geht; Sein königlich Gebot besteht In einem Wörtlein: Liebe. bebe 172 XI. Die Kirche Chrift. 10. Der Liebe Christi süßer Reiz| o Seele, wer er ist: Er ist der Dringt alle seine Frommen, Wie Heiland Jesus Christ, Der Sohn er aus Liebe unserKreuz Für uns des Allerhöchsten! auf sich genommen, Daß meine 12. Ich will mich der GemeinArmut seine Not, Mein Kreuzschaft nicht Der Heiligen entziesein Kreuz, sein Tod mein Tod, hen; Wenn meine Brüder Not Mein Spott sein Spott ist ansicht, So will ich sie nicht fliehen. Hab'ich Gemeinschaft an dem Leid, So laß mich an der Der mir vorangegangen, Mit Herrlichkeit Auch einst Gemeindem ich als ein Kreuzgenoß Ge- schaft haben! meinschaft soll erlangen! Bedent,| worden. 11. Wie ist der Heilige so groß, Philipp Friedrich Hiller 1731. Eigene Mel. oder: O du Liebe zc.( Joh. 17, 20-23.) 217. Herz und Herz vereint| doch, wie es ihn betrübet, Wenn ihr selbst euch Eintrag thut! 4. Einer reize doch den andern, Kindlich, leidsam und gering UnfremHeiland nachzuwandern, Der für uns am Kreuze hing! Einer soll den andern wecken, Alle Kräfte Tag für Tag Ohne Sträuben darzustrecken, Daß er ihm gefallen mag. 5. Hallelujah! Welche Höhen, Welche Tiefen reicher Gnad', Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat, Daß der Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß du, unsichtbarer Meister, Uns so fühlbar nahe bist! zusammen Sucht in Gottes Her zenRuh'. Laffet eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht, und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gotteskinder, Und erneuert euren Bund, Schwöret unfrem Überwinder Lieb' und Treu' von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, so flehet um die Wette, Bis fie Jesus wieder stählt! 3. Tragt es unter euch, ihr Glieder, Aufso treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder Auch das Leben lassen kann! So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er dort sein Blut. Denkt 6. Ach, du holder Freund, vereine Deine dir geweihte Schar, Daß sie sich so herzlich meine, Wie's dein letzter Wille war! Die Gemeinschaft der Heiligen. 173 Ja verbinde in der Wahrheit,| schaft Beffer uns versüßet werDie du selbst im Wesen bist, Alles, was von deiner Klarheit In der That erleuchtet iſt! 7. So wird dein Gebet erfüllet: Daß der Vater alle die, Denen du dein Herz enthüllet, Auch in seine Liebe zieh'; Und daß, wie du eins mit ihnen, Also sie auch eines sei'n, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. den Als durch deiner Liebe Kraft? 9. Liebe, hast du es geboten, Daß man Liebe üben soll, O so mache doch die toten, Trägen Geister lebensvoll! Zünde an die Liebesflamme, Daß ein jeder sehen kann: Wir, als die von einem Stamme, Stehen auch für einen Mann! 10. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein! Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sei'n. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1725. V. 8 von Harttmann 1774. 8. Friedefürst, laß deinen Frie: den Stets in unsrer Mitte ruhn; Liebe, laß uns nie ermüden, Deinen sel'gen Dienst zu thun! Denn wie kann die Last auf Erden Und des Glaubens RitterMel. Aus meines Herzens Grunde zc.( 1 Mos. 19, 17. 1 Petr. 2, 11. 12.) 218. Kommt, Brüder, laßt| soll noch besser gehen Zur stillen uns gehen, Der Abend kommt Ewigkeit. Ihr Lieben, seid nicht heran; Es ist gefährlich stehen bang, Verachtet tausend Welten, Auf dieser öden Bahn! Kommt, Ihr Locken und ihr Schelten, stärket euren Mut, Zur Ewig- Und geht nur euren Gang! keit zuwandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut! 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad, Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem! Mit ganzer Wenbung richte Ein jeder sein Gesichte Nur gen Jerusalem! Sut. 9, 51. 3. Der Ausgang, der geschehen, Ist uns fürwahr nicht leid; Es 4. Geht's der Natur entgegen, So geht's, wie Gott es will; Die Fleisch und Sinne pflegen, Die kommen nicht zum Ziel. Verlaßt die Kreatur, Und was euch sonst will binden, Ja laßt euch selbst dahinten; Es geht durchs Sterben nur! 5. Schmückt euer Herz aufs beste, Weit mehr als Leib und Haus! Wir sind hier fremde Gäste Cabdel Condad XI. Die Kirche Christi. 174 Und ziehen bald hinaus. Das Kinderspiel am Weg Laßt uns nicht viel besehen! Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg'. 6. Ist unser Weg gleich enge, Führt über steile Höhn, Wo Disteln rings in Menge Und scharfe Dornen stehn: Es ist doch nur ein Weg. Laßt sein! Wir gehen weiter, Wir folgen unfrem Leiter Und brechen durchs Geheg'. 7. Ja, Brüder, laßt uns gehen, Der Vater geht ja mit; Er selbst will bei uns stehen Auf jedem sauren Tritt; Er will uns machen Mut, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken: Ach ja, wir haben's gut! 8. Kommt, laßt uns munter wandern, Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am andern In diesem fremden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, Uns auf dem Weg nicht streiten; Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Reihn! 1 Mof. 45, 24. 9. Und sollt' ein Schwacher fallen, So greif der Stärkre zu; Man trag, man helfe allen, Man pflanze Lieb' und Ruh'. Kommt, schließt euch fester an; Ein jeder sei der Kleinste, Doch auch wohl gern der Reinste Auf unsrer Pilgerbahn! 10. Es wird nicht lang' mehr währen, Harrt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang' mehr währen, So kommen wir nach Haus; Da wird man ewig ruhn, Wann wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen; Wiewohl, wie wohl wird's thun! Gerhard Tersteegen um 1740. Um Ausbreitung des Evangeliums. Mel. Nun freut euch zc.( Matth. 13, 37-43.) ben und drum hoffen wir, Die du zum Werke rufft, von dir Auch unsrer Saat Gedeihen. 219. Wir sind vereint, Herr| Du angebetet werden. Das glauJesu Christ, In deinem heil'gen Namen. Der Menschensohn allein du bist, Der säet guten Samen; Der Acker ist die ganze Welt. O pflanze selbst im wüsten Feld Dir deines Reiches Kinder! 2. Ja, Erstgeborner, ew'ger Fürst Der Könige auf Erden! Von allen Heiden sollst und wirst 3. Schon sproßt manch Sämlein zart und still, Berspricht einst vollen Weizen. Wir danken, und solch Danken will Alsdann zum Bitten reizen. Klein ist dein Garten noch zurzeit, Die Wildnis Um Ausbreitung ringsum öd' und weit; O Heiland, hilf uns weiter! 4.Gieb uns durch deines Geistes Kraft, Herr Jesu, heiße Liebe, Die Eintracht, Mut und Eifer schafft, Daß sich ein jeder übe, Für sich und andre stets zugleich Nach dem verheißnen Gottesreich Vor allem Ding zu trachten! des Evangeliums. 175 5. Was wird's doch einst für Freude sein, Wenn deine Schnitter ernten, Und alle dann sich ewig freun, Die deiner harren lernten! Wir harren dein, o siege du In deinen Gliedern, bis die Ruh' Für Gottes Volk erscheinet! Rudolf Stier 1826. Mel. Wie schön leucht't zc.( Matth. 24, 14. Röm. 3, 29.) 220. Was rührt so mächtig Sinn und Herz? Was hebt die Blicke himmelwärts? Wem schallen die Gesänge? Zu dir drängt sich aus fernem Land, Vereinigt durch des Glaubens Band, Der Völker frohe Menge, Heiland, Retter! Deine Wahrheit Füllt mit Klarheit Unsre Erde, Daß der Sünder selig werde. 2. Ein himmlisch Feuer ist entflammt Durch dich, der aus dem Himmel stammt Und uns zum Himmel leitet. Es glüht gewaltig fort und fort, Wo sich dein seligmachend Wort InLauterkeit verbreitet. Glaube, Liebe Füllt die Seelen, Die dich wählen, Läutert, reinigt, Bis in dir sich alles einigt. 3. Herr! du giebst Sieg, dich preisen wir, Der kalte Nordpol glüht von dir, O Licht, das allen scheinet. Des Negers Sklaventette bricht, Der Inseln Menge jauchzt dem Licht, Das alle Völker einet. Falscher GötterTempelhallen Sind zerfallen, Auf den Trümmern Siehet man das Kreuz nun schimmern. 4. Des blut'gen Halbmonds Licht erbleicht, Des Oftens falscher Schimmer weicht Vor deiner Wahrheit Sonne. Schon blickt mit reuiger Begier Ein Häuflein Jakobs, Herr, nach dir, Ahnt der Vergebung Wonne; Ift die Fülle Aller Heiden Einst mit Freuden Eingegangen, Wird auch Jakob Heil erlangen. 5. Dein Geist erfüll die Boten all; Laß ihres Wortes Freudenschall Durch alle Länder dringen! Mit Kraft von oben angethan Laß sie bekämpfen Sünd' und Wahn Und Heil den Völkern bringen! Dies nur wolle Ihre Seele Und befehle VollVertrauen Dir das Werk, an dem sie bauen. 6. Vertilge alle Eigensucht, Gemächlichkeit und Leidensflucht, Und heil'gedir dieHerzen; Verleih capoca 00029 XI. Die Kirche Chrifti. 176 zu jedem Opfer Mut, Für dich zu wagen Gut und Blut, Zu dulden Hohn und Schmerzen! Mel. Nun komm der Heiden Heiland 2c.( Matth. 9, 37. 38. 24, 14.) 221. Walte, walte nah und fern, Allgewaltig Wort des Herrn, Wo nur seiner Allmacht Ruf Menschen für den Himmel schuf; 2. Wort vom Vater, der die Welt Schuf und in den Armen hält Und aus seinem Schoß herab Seinen Sohn zum Heil ihr gab; Hilf uns, Heiland, Und vermehre Dir zur Ehre Deine Herde, Bis dein Reich vollendet werde! Jonathan Friedrich Bahnmaier 1823. 3 Wort von des Erlösers Huld, Der der Erde schwere Schuld Durch des heil'gen Todes That Ewig weggenommen hat; 4. Kräftig Wort von Gottes Geist, Der den Weg zum Himmel weist und durch seine heil'ge Kraft Wollen und Vollbringen schafft! 5. Wort des Lebens, stark und rein, Alle Völker harren dein; Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht! 6. Auf, zur Ernt' in alle Welt! Weithin wogt das weiße Feld; Klein ist noch der Schnitter Zahl, Viel der Arbeit überall. 7. Herr der Ernte, groß und gut, Wirk zum Werke Lust und Mut; Laß die Völker allzumal Schauen deines Lichtes Strahl! Jonathan Friedrich Bahnmaier 1823. zc.( Jes. 21, 11. P₁. 2, 8.) geschehn! Manches Thor hast du erschlossen, Manchen Lebensstrom ergoffen Und uns oft vom Heidenland Frohe Botschaft zugesandt. Mel. Jesu, der du meine Seele 222. Hüter, ist die Nacht verschwunden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Ach, wir zählen alle Stunden, Bis die Morgenwolken blühn, Bis die Finsternis entweichet, Vis der Sterne Scheinerbleichet Und der Sonne warmer Strahl Leuchtet über Berg und Thal. 2. O du Gott der Macht und Stärke, Sieh uns hier verwundert stehn über deinem großen Werke, Das vor unsrem Blick 3. Jmmer tiefer, immer weiter In das feindliche Gebiet Dringt das Häuflein deiner Streiter, Dem voran dein Banner zieht. Wowir's kaum gewagt zu hoffen, Stehn nun weitdie Thürenoffen; Mühsam folgt der schwache Tritt Deinem raschen Siegesschritt. Um Ausbreitung des Evangeliums. 4. Langsam und durch Schwierigkeiten Waren wir gewohnt zu gehn; Plößlich bricht in alle Weiten Deine Hand aus lichten Höhn. Staunend sehn wir dein Beginnen, Keine Zeit ist's, lang' zu sinnen. Geh voran, wir folgen nach, Wo dein Arm die Bahnen brach! 5. Doch wenn wir uns selber suchen Und nicht deine Ehr' allein, Müßtest du uns nicht verfluchen? Könnte unser Thun ge223. ,, Wasserströme will ich gießen," Spricht der Herr, ,, aufs dürre Land; Kühlend sollen Quellen fließen In der Wüste heißem Sand; Wo jetzt Wandrer schmachtend ziehn, Soll ein Gottesgarten blühn!" 2. Ach, noch ist die Zeit der Dürre, Schwerer Fluch bedeckt das Land; Israel geht in der Irre, Seine Kraft ist ausgebrannt; Wo der Blick auch sehnend schweift, Spärlich kaum ein Früchtlein reift. 177 deihn? Schenk uns einen reinen Eifer, Mach uns lauterer und reifer! Brich des eignen Geistes Thun, Laß in deinem Sinn uns ruhn! Mel. Zeuch mich, zeuch mich zc.( Jef. 44, 3.) 3. Dennoch wird das Wort des Treuen Herrlich in Erfüllung gehn; Jauchzend werden dann sich freuen, Die jetzt still mit Thränen sän, Wann der Segensstrom des Herrn Alles füllet nah und fern. Evangelisches Gesangbuch. 6. Welch ein Segen wird ersprießen, Wenn wir gehn an deiner Hand! Wenn uns deine Quellen fließen, Grünet bald das dürre Land. Nationen allerortenStrömen her zu deinen Pforten, Fallen auf ihr Angesicht, Jubeln laut im ew'gen Licht. Christian Gottlob Barth 1835. 4. Darum mutig stets, ihr Brüder! Eilet dem Verlornen nach; Sucht des Volkes Gottes Glieder Liebend auf in ihrer Schmach, Ladet sie von Berg und Thal Zu des Königs Hochzeitmahl! 5. Scheint es oft vergeblich Mühen, Segenloses Kämpfen euch, Denkt: auf rauhem Pfade ziehen Alle in dem Kreuzesreich; Doch wer seinem König dient, Dem hat stets ein Kranz gegrünt. 6. Herr, erhöre uns und sende Deinen heil'gen Geist uns zu, Der uns Mut im Kampfe spende Und in Trübsal stille Ruh'! Ja wir wollen dir vertraun; Du wirst Zion wieder baun! Sophie Herwig 1828. 12 cococo e bebebe 178 XI. Die Kirche Chrifti. Mel. Teuerster Immanuel 2c.( Joh. 10, 16.) 224. Eine Herde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wann sein Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine Herde; Mach dich auf und werde licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, Und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht. Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Herde! Kleine Herde, zage nicht: Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrotes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Dürstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber stehen aufgethan; Rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn, GroßerTag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. D des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried' und Wonne! Mach dich auf, es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Friedrich Adolf Krummacher vor 1827. XII. Wort Gottes. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( Luk. 8, 5-15.) 225. Wir Menschen sind zu| Heil und deine Rechte; Zuletzt iſt selbst dein eigner Sohn, O Vater, von des Himmels Thron Gekommen, uns zu lehren. dem, o Gott, Was geistlich ist, nicht tüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig; Wir wissen's und verstehen's nicht, Wenn uns dein göttlich Wort und Licht Den Weg zu dir nicht zeiget. 2. Von jeher hast du ausgesandt Propheten, deine Knechte, Sie machten in der Welt bekannt Dein 3. Dies Heil, das unser Danklied preist, Dein Wort, laß uns nicht rauben, Undgieb unsdeinen guten Geist, Daß wir von Herzen glauben und alles, was dein Wort gebeut, Mit Treue, Luft und Emsigkeit zu deiner Ehre üben! XII. Wort Gottes. 4. Hilf, daß der Frevler frecher Spott Nicht unsern Glauben wende! Denn du bist ein gerechter Gott Und strafft gewiß am Ende. Erweck uns durch der Wahrheit Kraft Und, was sie Gutes in uns schafft, Das laß uns treu bewahren! 5. Der Sam' am Wege wird sofort Vom Satan weggenommen; AufFels und Steinen kann das Wort Niemals zum Wurzeln kommen; Und wenn es unter Dornen fällt, Hat Sorg' und Wollust dieser Welt Bald seine Kraft ersticket. 179 6. Drum öffne, Herr, Verstand und Herz, Daß wir dein Wort recht fassen, Uns in der Freude wie im Schmerz Auf seine Kraft verlassen, Daß wir nicht Hörer nur allein, Nein, auch desselben Thäter sei'n, Frucht hundertfältig bringen! 7. Laß sich dein Wort zu deiner Chr', Gott Vater, weit ausbreiten; Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr'Erleuchten mög'und leiten; O heil'ger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken immerfort Trost, Hoffnung, Lieb' und Glauben! David Denicke 1659. Mel. Gott, du frommer Gott 2c.( Josua 1, 8. Apostelgesch. 8, 30. 31.) 226. Soll dein verderbtes| Wahrheit halte; Und laß mich Herz Zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht Das Wort des Herrn zu lesen! Bedenke, daß dies Wort Das Heil der ganzen Welt, Den Rat der Seligkeit, Den Geist aus Gott enthält! deinen Rat Empfindungsvoll verstehn, Die Wunder am Gesek, Am Wort vom Kreuze sehn! 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen.Lies, Christ, sein heilig Buch; Lies oft, du wirst es fassen, So viel dein Heil verlangt! Gott ist's, der Weisheit giebt Dem, der sie redlich sucht Und aus Gewissen liebt. 5. Lies frei vonLeidenschaft und ledig vonGeschäften, Und sammle deinen Geist Mit allen seinen Kräften! Der beste Teil des Tags, Des Morgens Heiterkeit, Und dann der Tag des Herrn, Der 2. Merk auf, als ob dir Gott, Dein Gott, gerufen hätte; Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte! So lies, mit Ehrfurcht lies, Mit Lust und mit VertraunUnd mit dem frommen Ernst, In Gott dich zu erbaun! 3. Sprich fromm: D Gott, vor dem Ich meine Hände falte, Gieb, daß ich dein Gebot Für ew'ge sei der Schrift geweiht. cacoco reco XII. Wort Gottes. 180 6.Rührt dich ein starker Spruch, So ruf ihn, dir zum Glücke, Des Tags oft in dein Herz, Im stilIen oft zurücke; Empfinde seinen Geist, Und stärke dich durch ihn Zum wahren Edelmut, Das Gute zu vollziehn! 7. Um tugendhaft zu sein, Dazu sind wir auf Erden. Thu, was die Schrift gebeut; Dann wirst du inne werden, Die Lehre sei von Gott, Die dir verkündigt ist, Und dann das Wort verstehn, Dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnisvoll, So laß dich dies nicht schrecken: Ein endlicher Verstand Kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, nicht was dein Wit begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichts Bei Gottes Licht nicht schämen, Ist Weisheit; die Vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn Gott sich offenbart, Ift der Geschöpfe Pflicht; Und weise Demut ist's, Das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, frommer Christ, Durch keine Zweifel kränken! Hier bist du Kind, doch dort Wird Gott mehr Licht dir schenken; Dort wächst mit deinem Glück Dein Licht in Ewigkeit; Dort ist die Zeit des Schauns Und hier des Glaubens Zeit. 11. Verehre stets die Schrift; Und siehst du Dunkelheiten, So laß dich deinen Freund, Der mehr als du sieht, leiten! Ein forschender Verstand, Der sich der Schrift geweiht, Ein angefochtnes Herz Hebt manche Dunkelheit. 12. Halt fest an Gottes Wort! Es ist dein Glück auf Erden Und wird, so wahr Gott ist, Dein Glück im Himmel werden. Verachte christlich groß Des Bibelfeindes Spott; Die Lehre, die er schmäht, Bleibt doch das Wort aus Gott! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Gott 2c.( Psalm 1, 1-3.) wohnst, kann die Vernunft nicht dringen; Mit Zweifeln und mit Wahn Müßt' ich voll Unruh' ringen, Hätt' ich dein göttlich, Wort, Den klaren Unterricht Von dir und deinem Sohn Und meiner Seele, nicht. 3. Wie kräftig ist dein Wort! Mel. O Gott, du frommer 227. Inbrünstig preis' ich dich, Gott, für der Bibel Lehre, Die ich als dein Geschenk Anbetungsvoll verehre. Sie ist das Glück der Welt, Der Ruhm der Christenheit, Mein Kleinod, Trost und Licht Bis in die Ewigkeit. 2. Zum Licht, in dem du XII. Wort Gottes. Gott, vielen tausend Christen Gab deine BibelSieg Im Kampf mit bösen Lüsten, Im Leben frohen Mut, Im Kreuz Gelassenheit, Im Alter Trost und Kraft, Im Tode Freudigkeit. 4. Der Fromme wird gestärkt, Der Sünder tief erschüttert, Der Zweifler wird beschämt, Des Spötters Seele zittert. Es tröstet sich am Grab Der Seinigen der Christ, Wenn er vom Wieder sehn Im bessern Leben liest. 5. Hier lernt der Weiseste Der wahren Weisheit Schäße; Hier faßt der Blödeste Die göttlichen Geseke; Hier findet jeder Stand Für jede Lebenspflicht In allen Fällen Rat Und hellen Unterricht. 6. Wer fühlt nicht deinen Geist 181 Und seiner WirkungStärke, Wer nicht des Glaubens Kraft Und Trieb zum guten Werke, Der mit dem lautern Wunsch Nach Licht und Frömmigkeit, Mit Ehrfurcht und Gebet Der Schrift die Andacht weiht? 7. So kann kein menschlich Buch, Gott, deine Größe preisen, So faßlich rührend nicht Den Weg zum Himmel weisen; Durch Menschenrednerkunft Wird so kein Herz erquickt, zu jedem guten Werk So willig und geschickt. 8. Zur Ehrfurcht für dies Buch Laß deinen Geist mich rühren, Mich seine ganze Kraft An meinem Herzen spüren, Bis mich, mein Gott, bei dir In deiner Herrlichkeit Ein völlig helles Licht Umleuchtet und erfreut. Friedrich Wilhelm Loder 1781. Eigene Mel.( Ps. 19, 8-12. Sir. 24, 32-39.) gewiß, macht Thoren weise, Ja es ist des Herrn Befehl Richtig und erfreut die Seel'. 228. Gott der Wahrheit und| dein Zeugnis, das ich preise, Ist der Liebe, Dir sei Lob und Ruhm gebracht, Daß man uns dein Wort beschriebe, Das die Seelen selig macht. Lehre selbst mich herzlich danken, Schließ in meines Herzens Schranken Diesen deinen teuren Schatz Als in einen Sammelplak! 2. Nichts gleicht unsers Herrn Gesehen; Sie sind, wie er selber, rein, Sie erquicken, sie ergößen, Sie beleben in der Pein. Herr, 3. Die Gebote Gottes taugen ( Denn sie sind voll Kraft und Licht), zu erleuchten unsre Augen; Sie enthalten jede Pflicht. Wer sie übet, den begleiten Sie in alle Ewigkeiten; Gottes Recht an seinen Knecht Jst wahrhaftig und gerecht. 4. Gottes Rechte zu vergleichen, cococo COCACO XII. Wort Gottes. 182 Menschen, ist vergebne Müh'; Nein, Sie kann kein Bild erreichen, Köstlicher als Gold find sie. Ihrer lebensvollen Süße Gleichen keine Honigflüsse, Und dein Knecht wird froh davon; Wer sie hält, hat großen Lohn. 5. Höchster, dein Gebot ist helle, Dein Gebot, das ewig heißt; Es ist aller Weisheit Quelle, Die aus diesem Brunnen fleußt. Wer es liebt mit reinen Trieben, Den wird Gott auch wieder lieben; Hält man es von Herzen wert, So wird Gott dadurch geehrt. 6. Dieses ist das Buch des Bundes, mit dem höchsten Gott gemacht; Dies sind Worte seines Mundes, Durch die Menschen vorgebracht. Hier, vom Himmel ausgeflossen, Hat die Weisheit sich ergossen; Ja, hier strömet voll und hell Aller Seligkeiten Quell. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau', Allein dich ehr' und liebe, Auf Menschenhilf'undTrost nicht bau', In deiner Furcht mich übe; Daß großer Leute Gnad' und Gunst, Gewalt, Pracht, Reichtum, Wik und Kunst Mir nicht zum Abgott werde! 3. Hilf, daß ich deinen Gnadenbund Ausdeinem Wort erkenne, Auch nicht vergeblich mit dem 7. Herr, für diese hohen Gaben, Die dein armes Kind nicht wert, Sollst du Dank und Ehre haben, Bis dein Ruhm sich ewig mehrt. Vater, der den Sohn uns giebet, Sohn, der bis zum Tod geliebet, Geist der Kraft in unsremStreit, Sei gelobt in Ewigkeit! Philipp Friedrich Hiller 1729. Mel. Es spricht der Unweisen Mund 2c.( 2 Mos. 20, 3-17.) 229. Herr, deine Rechte und| Mund, Herr, deinen Namen Gebot, Darnach wir sollen leben, Wollst du mir, o getreuer Gott, Ins Herze selber geben, Daß ich zum Guten willig sei, Mit Sorgfalt und ohn'Heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe! nenne; Daß ich bedenke Tag und Stund', Wie stark mich meiner Taufe Bund Zu deinem Dienst verbinde! 4. Laß mich am Tage deiner Ruh'Mit Andacht vor dich treten, Die Zeit auch heilig bringen zu Mit Danken und mit Beten; Daß ich hab' meine Lust an dir, Dein Wort gern höre und dafür Herzinniglich dich preise! 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigkeit, Die vorgesetzt mir werden, Laß ja mich ehren allezeit, Daß mir's wohl geh' auf Erden; Für ihre Sorg' und Treu' laß mich, Auch wenn sie werden wunder XII. Wort Gottes. lich, Gehorsam sein und dankbar! 6. Hilf, daß ich nimmer eigne Rach' Aus Zorn und Feindschaft übe; Dem, der mir anthut Kreuz und Schmach, Verzeihe und ihn liebe; Sein Glück und Wohlfahrt jedem gönn', Schau', ob ich jemand dienen könn', Und thu' es dann mit Freuden! 7. Unreine Werk' der Finsternis Laß mich mein Lebtag meiden, Daß ich für böse Lust nicht müss' Der Hölle Qual dort lei den. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Daß ich schandbare Wort' und Scherz' Nebst andern Sünden fliehe! 8. Gieb, Herr, daß ich mich redlich nähr' Und böser Ränke schäme, Mein Herz von Geiz und Unrecht kehr' Und fremdes Gut nicht nehme, Und von der Arbeit meiner Händ', Was übrig ist, auf Arme wend' Und nicht auf Pracht und Hoffart! 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf zu retten mich befleiße, 183 Von ihm abwende Schmach und Schimpf, Doch Böses nicht gut heiße! Gieb, daß ich lieb'Aufrichtigkeit Und Abscheu habe jederzeit An Lästerung und Lügen! 10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut Nicht wünschen noch begehren; Was aber mir vonnöten thut, Das wollst du mir gewähren; Doch daß es niemand schädlich sei, Ich auch ein ruhig Herz dabei Und deine Gnad' behalte! 11. Ach Herr, ich wollte deine Recht' Und deinen heil'gen Willen, Wie mir gebührt als deinem Knecht, Ohn'Mangel gern erfüllen; Doch fühl' ich wohl, was mir gebricht, Und wie ich das geringste nicht Vermag aus eignen Kräften. 230. Wort des höchsten Mundes, Engel unsers Bundes, Wort, du warst nie stumm! Bald, da wir gefallen, Ließest du erschallen Evangelium, Einekraft, 12. Drum gieb du mir von deinem Thron, Gott Bater, Gnad' und Stärke; Verleih mir, Jesu, Gottes Sohn, Daß ich thu' rechte Werke; O heil'ger Geist, hilf, daß ich dich Von ganzem Herzen, und als mich Ohn' Falsch den Nächsten liebe! David Denicke 1652. Mel. Jesu, meine Freude zc.( Joh. 1, 1. Lut. 4, 16-21.) Die Glauben schafft, Eine Botschaft, die zum Leben uns von dir gegeben. 2. Was dein Wohlgefallen Vor der Zeit uns allen Fest bestimmet Dacaca rococo 184 XII. Wort Gottes. Gesek zerschlug, Kommt zu dessen Gnaden, Der, für euch beladen, Alle Schmerzen trug! Jesu Blut Stärkt euren Mut; Gott ist hier, der euch geliebet Und die Schuld vergiebet. hat, Was die Opferschatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein Rat. Was die Schrift Verspricht, das trifftAlles ein in Jesu Namen Und ist Ja und Amen. 3. Alles ist vollendet: Jesu Gnade wendet Alle Straf' und Schuld; Jesus ist gestorben, Jefushat erworben Alle Gnad' und Huld. Auch ist dies Fürwahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre. O erwünschte Lehre! 4. Uns in Sünde Toten Machen Jesu Boten Dieses Leben 7. Jesu, deine Stärke Schaffet kund; Lieblich sind die Füße Und diese Werke; Stehe du mir bei! die Lehren süße, Teuer ist der Nichts kann mich nun scheiden; Bund. Aller Welt Wird vorge- Hilf denn, daß mein Leiden stellt Durch der guten Botschaft Evangelisch sei! Laß auch mich Lehre, Daß man sich bekehre. Einmal auf dich Als ein Kind, 5. Kommt, zerknirschte Herzen, mit dir zu erben, Evangelisch Die in bittern Schmerzen Das sterben! 6.Dieser Grund bestehet; Wenn die Welt vergehet, Fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen, So soll mein Vertrauen Evangelisch sein; Auch will ich nun würdiglich In der Kraft, die mir gegeben, Evangelisch leben. Heinrich Kornelius Hecker 1730. Mel. Jesu, der du zc.( Röm. 1, 16. 17.) 231. Guter, gnädiger, ge- Du sendst deiner Boten Scharen, Deinen Rat zu offenbaren, Und an deines Sohnes Heil Nehmen auch die Heiden teil. 3. Herr, du rufft verirrte Sünder Aus der Finsternis heraus, Und versammelst sie als Kinder Zu der Kirche, deinem Haus, Läsfest stets dein Wort erschallen, Wirkst durch deinen Geist in allen, Giebst uns Willen, Kraft und Licht und den besten Unterricht. treuer Und erbarmungsreicher Gott! Deine Huld ist groß und teuer, Du willst nicht der Sünder Tod; Für die Armen sind ohn' Ende Offen deine Baterhände, Und du zeigst, daß deine Treu' Wundervoll und göttlich sei. 2. Dein Geist, deinem Volk gegeben, Wehte die Propheten an; Endlich hat der Sohn das Leben Selbst auf Erden kund gethan. XII. Wort Gottes. 4. Dies Wort zündet wahren Glauben In den finstern Seelen an; Dieses Sort hilft geistlich Tauben, Daß ihr Ohr recht hören kann; Ja, es giebt den Geist der Gnaden, Heilet allen Seelenschaden Und spricht in der Sündenpein Trost von der Vergebung ein. 5. Ist das Kreuz am allergrößten, Zagt das Herz in Angst und Not, So kann dieses Wort noch trösten; Es wirktLeben selbst im Tod, Stillet die Gewissensbisse, Lindert alle Kümmernisse Und befreit vom bangen Schmerz Ein von Seufzen mattes Herz. 6. Dieses Wort stärkt unsre Seelen Als das rechte Himmelsbrot, Wenn uns Not und Hunger quälen Und ein ewig Darben droht; Dieses Wort thut Wunderkuren, Bildet neueKreaturen und ist eine Gotteskraft, Die uns Seligkeit verschafft. 7. Dieses Wort vertreibt die 185 Schrecken In der bangen Sterbenszeit, Daß wir keinen Tod mehr schmecken Hier und in der Ewigkeit; Es kann aus den Dunkelheiten Unsern Geist zum Lichte leiten, Führt vom Kampfe zu der Ruh', Führet uns dem Himmel zu. 2. Dein Wort ist wahr. Laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken; Laß keinen Spott, D 8. Was wir wollen, was wir handeln Nach Beruf, nach Stand und Pflicht, Wo wir leben, wo wirwandeln, Leitet uns dies Lebenslicht. Dieses läffettreueSee: len Nie den rechten Weg verfehlen. Gott, wer deinem Unterricht Redlich folgt, der gleitet nicht. 9. Längst hätt' ich vergehen müssen, Hätte nicht durch seine Kraft Mir in meinen Kümmernissen Dein Wort neuen Trost verschafft. Niemals wird mein Herz verzagen, Niemals über Mangel klagen, Hab'ich dich nur, o mein Hort, Meinen Jesum und dein Wort. Philipp Friedrich Hiller 1729. Eigene Mel. oder: Ach, Gott und Herr 2c.( 2 Sam. 22, 3. Pf. 119, 105.) 232. Gott ist mein Hort,| Herr, mein Gott, Vom Glauben Und seinem Wort Soll meine mich abschrecken! Seele trauen; Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Jm Glau ben, nicht im Schauen. 3. Wo fänd' ich Licht, Wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie Verstünd' ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt Der Jadaderoooooo XII. Wort Gottes. 186 Seele Wert, Unsterblichkeit und Leben; Daß diese Zeit Zur Ewigkeit Mir von dir sei gegeben. 5. Gott, deinen Rat, Die Missethat Der Sünder zu versühnen, Den kennt' ich nicht, Wär' mir dies Licht Nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz In Reu' und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Mel. Sollt' es gleich bisweilen scheinen 2c.( Joh. 6, 63.) 233. Treuster Meister, deine Worte Sind die rechte Himmelspforte; Deine Lehren sind der Pfad, Der uns führt zur Gottesstadt. 2. O wie selig, wer dich höret, Wer von dir will sein gelehret, Wer zu jeder Zeit und Stund' Schaut auf deinen treuen Mund! 3. Sprich doch ein in meiner Seele, Gieb ihr Weisung und Befehle; Lehr sie halten bis in Tod Deiner Liebe sanft Gebot! Lehrst meinen Geist Im Glauben ,, Vater" sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn Ist meines Heils Geschäfte; Durch meine Müh' Vermag ich's nie, Dein Wort giebt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, Laß dies dein Wort Mir Licht und Freude geben; Es sei mein Teil, Es sei mir Heil Und Kraft zum ew'gen Leben! Christian Fürchtegott Gellert 1757. 234. Mensch, wie ist dein Herz bestellt? Hab Achtung auf dein Leben! Was trägt für eine Frucht dein Feld? Sind's Dornen oder Reben? Denn aus der Frucht kennt man die Saat, Auch wer das Land besäet hat, Gott oder der Verderber. 4. Hilf mir, mich im Lieben üben Und Gott über alles lieben; Meinen Nächsten, gleich wie mich, Laß mich lieben inniglich! 5. Lehr mich heilige Gebärden, Laß mir deine Demut werden, Geuß mir deine Sanftmut ein, Laß mich klug in Einfalt sein! 6. Also werd' ich mich verbinden Ganz mit dir und Ruhe finden; Also werd' ich in der Zeit Sein gelehrt zur Ewigkeit. Johann Scheffler 1668. Mel. Wenn mein Stündlein 2c.( Qut. 8, 5-15.) 2. Ist nun dein Herz gleich einem Weg Und gleich den harten Straßen, Da auf dem breiten Lastersteg Die Vögel alles fraBen? Ach prüfe dich! Es ist kein Scherz; Steht's also um dein armes Herz, So bist du zu beklagen. 3. Ist auch dein Herz von XII. Wort Gottes. Felsenart, Verhärtet durch die Sünden, So ist der Same schlecht verwahrt Auf solchen Felsengründen. Ein Felsenstein hat keinen Saft; Drum hat der Same keine Kraft Zu sprossen und zu wachsen. 4. Oft ist das Herz auch dornenvoll, Mit Sorgen angefüllet, Oft lebet es in Reichtum wohl; Da wird die Saat verhüllet, Ja sie ersticket ganz und gar Und wird nicht einmal offenbar. Das ist wohl zu beklagen. 5. Doch ist, gottlob! noch gutes Land Auf dieser Welt zu finden, Das Gott, dem Herrn, allein bekannt, Da in des Her187 zens Gründen Der Same, den Gott eingelegt, Wohl hundertfältig Früchte trägt. Das sind die rechten Herzen. 6. Wer Ohren hat, der höre doch Und prüfe sich ohn'Heucheln, Dieweil es heute heißet noch; Hier muß sich keiner schmeicheln. Die Zeit vergeht, das Ende naht; Fällt auf kein gutes Land die Saat, So mußt du ewig sterben. 7. Herr Jesu, laß mein Herze sein Zerknirschet und zerschlagen, Damit der Same dring' hinein; Und laß ihn Früchte tragen, Die mir gen Himmel folgen nach, Da ich sie finde tausendfach! Das wünsch' ich mit Verlangen. Laurentius Laurenti 1700. Eigene Mel.( Apostelgesch. 10, 33. Matth. 18, 20.) 235. Treuer Heiland, wir sind hier In der Andacht Stille; Unfre Sinne und Begier Lenke sanft dein Wille! Deines Wortes heller Schein Strahl in unser Herz hinein, Uns mitLichterfülle! 2. Kehr, o Jesu, bei uns ein, Komm in unsre Mitte, Wollest unser Lehrer sein, Hör der Sehnsucht Bitte: Deines Wortes stille Kraft, Sie, die neue Menschen schafft, Bilde Herz und Sitte! 3. Von dir lernen möchten wir Deiner Sanftmut Milde, Möchten ähnlich werden dir, Deinem Demutsbilde, Deiner stillen Thätigkeit, Deiner armen Niedrigkeit, Deines Wohlthuns Milde. 4. Zeige deines Wortes Kraft An uns armen Wesen; Zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht genesen! Jesu, dein allmächtig Wort Fahr in uns zu siegenfort, Bis wir ganz geneſen! 5. O wie selig ist es, dir Kindlich zu vertrauen! Unerschüttert können wir Auf dich, Felsen, bauen. Herr, wir glauben in der Zeit, Bis die sel'ge Ewigkeit uns erhebt zum Schauen. Christian Heinrich Zeller vor 1837. Cococo Fococo 188 XII. Wort Gottes. Mel. Werde munter zc.( Ps. 119, 72.) 236. Herr, dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir! Denn ich zieh' es aller Habe Und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist's nicht um tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. XIII. Sakramente. 2. Hallelujah! Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, Daß ich mög' in deinem Namen Fest bei deinem Worte stehn. Laß mich eifrig sein befliffen Dir zu dienen früh und spat, Und mich stets zu deinen Füßen Sigen, wie Maria that! nikol. Ludw., Graf v. Zinzendorf 1725. A. Die heilige Taufe. Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan kam zc.( Tit. 3, 4-7.) 237. Mehr sieht das Aug'im| Flut, Wasch unser krank GeTaufen nicht Als bloßes Wasser gießen; Der Glaube sieht durch höhres Licht Das Blut des Bundes fließen. O heilige, o teure wissen! D Geist, durchs Wasser und durchs Blut Laß auf uns Gnade fließen, Und mach uns rein von Sünden! Nach Luther 1541. Mel. Mein Jesus lebt zc.( Mark. 10, 14.) 238. Dir, Herr, sei dieses Kind empfohlen, Dir, dessen Treu' unwandelbar! Wir bringen's, wie du selbst befohlen, Dir in der heil'gen Taufe dar. Gieb, Vater, gieb an deinem Heil, An Jesu Christo gieb ihm Teil! 239. Liebster Jesu, wir sind hier, Deinem Wortenachzuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeben, 2. Durch dieses Siegel deiner Gnade Wird jedes Recht der Christen sein; Du weihst es in dem Wasserbade Zu deinem Kind und Erben ein. Im Wasser, Bater, ströme du, Ström ihm des Geistes Gaben zu! Christoph Friedrich Neander 1771. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. oder: Meine Seel', ermuntre dich zc. ( Mart. 10, 14. Joh. 3, 5.) Frühe sie zu dir zu weisen, Denen du dein Reich verheißen. 2. Ja es schallet allermeist Dies dein Wort in unsern Ohren: Wer A. Die heilige Taufe. 189 die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glauben dich umgebe! durch Wasser und durch Geift Gliede; Himmelsweg, zeig ihm Nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir: Nimm dies Pfand von unsern Armen; Tritt mit deinem Glanz her: für Und erzeige dein Erbarmen, Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden! 4. Hirte, nimm dein Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Mel. Teuerster Immanuel zc.( Röm. 8, 39. Offenb. Joh. 2, 10.) 240. Ewig, ewig bin ich dein, Teuer dir, mein Gott, erkaufet, Bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und Geist, getaufet; Deffen soll mein Herz sich freun. Ewig, ewig bin ich dein! 2. Welch ein göttlicher Gewinn, Daß ich durch der Taufe Gabe Nun dein Kind und Erbe bin, Daß ich dich zum Vater habe! Einst von allen Sünden rein, Ewig, Vater, ewig dein! 3. Jch, ein Sünder von Natur, Ich Gefallner soll auf Erden Eine neue Kreatur, Soll, o Gott, dir ähnlich werden. Heilig, heilig will ich sein: Jesus und sein Geist ist mein! 5. Nun, wir legen an dein Herz, Was von Herzen ist gegangen; Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen: Ja den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben! Benjamin Schmolck 1704. 4. Ich versprach's, gelob' es noch, Brach zwar oft den Bund der Taufe, Kämpfte schon und wurde doch Schwach im Kampf und matt im Laufe; Dennoch will noch Jesus mein, Gott will noch mein Vater sein. 5. Das ist Gottes Bund mit mir. Gnädig hat er mir verheißen: Mich soll keine Macht von dir, Keine Sünde von dir reißen. Gott, mein Gott, ich will nurdein, Dein und meines Jesu sein! 6. Jch entsage, Satan, dir, Dir, o Welt, und dir, o Sünde; Ich entsag' euch, weicht von mir, Dem erlösten Gotteskinde! Eure Luft ist Schmach und Pein; Gott, nur Gott will ich mich weihn. 7. Wachen will ich, flehn um Kraft, Daß ich stets auf seinem Wege Heilig und gewissenhaft Und im Glauben wandeln möge; Er wird mir die Kraft verleihn, Treu bis in den Tod zu sein. 8. Höre mich, denn ich bin dein, cacoco ocoed XIII. Sakramente. 190 Teuer dir, mein Gott, erkaufet, Bin auf dich, um dein zu sein, Bater, Sohn und Geist, getaufet;| Taufbundes Erneurung. Mel. Mein Jesus lebt zc.( Röm. 6, 3-6. 5 Mos. 29, 9.) 241. Ich bin getauft auf dei nen Namen, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christum eingesenkt, Er hat mir seinen Geist geschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt; Du willst in aller Not und Pein, D guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab' ich dir auch Furcht und Liebe, Gehorsam zugesagt und Treu'; Ich habe dir aus reinem Triebe Gelobt, daß ich dein eigen sei; Hingegen sagt' ich bis ins Grab Der Sünde schnödem Wesen ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt ewig dieser Bund bestehn; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verEwig, ewig laß mich dein, Ewig laß mich selig sein! Johann Andreas Gramer 1780. = loren gehn, Und hab' ich einen Fall gethan, So nimm dein Kind zu Gnaden an! 5. Ich gebe dir, meinGott, aufs neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besik von meinem Sinn! Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut! 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternisse! Ein andrer Herr hat mich erkauft. Ich bin ein Sündenkind; doch wisse: Ich bin auf Christi Tod getauft! Weich, eitleWelt, duSünde, weich! Gott hört es: ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; Halt mich in deines BundesSchranken, Bis mich dein Wille sterben heißt! So leb' ich dir, so sterb' ich dir, So lob' ich dich dort für und für. Johann Jakob Rambach 1734. Mel. Mein Glaub' ist meines Lebens Ruh' zc.( 1 Petri 2, 9. 1 Joh. 2, 28.) 242. Ich bin in dir und du schon dein Kind, O laß mich's in mir! Nichts soll mich, ew'ge ewig heißen Und treu mit WanLiebe, dir In dieser Welt entrei- del, Herz und Mund Bewahren Ben! Auf Erden, wo nur Sünder deinen Friedensbund! sind, Nennst du mich freundlich 2. Ich bin in dir und du in Taufbundes- Erneurung. mir! Dreiein'ger Gott, du hast zu dir Mich frühe schon berufen. Was mir, dem Kindlein, war bereit, Ergreif' ich heut' voll Innigkeit An des Altares Stufen Und sag': O Liebe, du bist mein, Ich will dein Kind auf ewig ſein! 3. Ich bin in dir und du in mir! Noch wohn'ich völlig nicht bei dir, Weil ich auf Erden walle; Drum führ mich, Jesu, treuer Hirt, Daß mich, was locket, schreckt Mel. Nun danket alle Gott zc.( Ebr. 13, 9. Rol. 2, 7.) 243. Es ist ein köstlich Ding| 4. Was wir dir in der Tauf' So fest und stark versprochen, Das bleibe künftighin- Ach, gieb es! Und Zeugnis deiner Treue, O Heiland, daß das Herz Indir befestigt seie, Im Guten immer wachs', Zum Bösen nimmer kehr'; Und dieses kommt allein Von deiner Gnade her. 2. Das Herz ist gar zu bös Und fängt wohl an zu wanken, Wenn es zum Guten kaum Gefaffet die Gedanken. Steht es von deiner Hilf', Omein Erlöser, bloß, Wie wird durch Fleisch und Welt Sein Fall so schnell, so groß! 191 und irrt, Nicht bringe je zu Falle! O daß, was ich dir heut'versprach, Mir gehe tief und ewig nach! 4. Ich bin in dir und du in mir! Komm, Herr, mir deine Tugendzier Frühzeitig anzulegen, Daß mir des Lebens Glück und Not, Ja selbst der letzte Feind, der Tod, Nur kommen mög'im Segen! Mit dir will ich durchs Leben gehn, Dir leiden, sterben, auferstehn. Albert Knapp 1839. 3. Wir bitten, Herr, für uns, Die Kinder samt den Alten: Laß jeden, was er hat, Im Glauben fest behalten, Daß keiner unter uns, Der deinen Namen nennt, Aufs neue für die Lust Der argen Welt entbrennt! ungebrochen. Stärk unsre schwache Hand, Richt auf den müden Fuß Durch Vorsak und Gebet, Durch Wachsamkeit und Buß'! 5. Was du durch deinen Geist Im Guten angefangen, Dafür hab herzlich Dank! Ach, laß es fortgelangen Zum Wachstum und zur Kraft, Die keine Ändrung kennt, Und kröne selbst dein Werk Mit einem sel'gen End'! 6. Hilf, Sieger, hilf uns doch In allem überwinden; Laß uns in deiner Lieb' Die rechte Stärkung finden, Daß keine Kreatur, Nicht Trübsal oder Plag', Nicht Leben oder Tod Von dir uns scheiden mag! Ludwig Eberhard Fischer 1741. Cococo Toegedr 192 XIII. Sakramente. Mel. Wachet auf! ruft zc.( Jef. 8, 18.) Gemeinde. 244. Vor dir, Todesüberwinder, Stehn deine teu'r erlösten Kinder, Jhr Lobgesang sei dir gebracht! Freudig gehn sie dir entgegen, Weil du der Liebe reichsten Segen Den Kinderseelen zugedacht. Dein Auge sieht sie hier Im Jugendschmuckvor dir Knien und beten. Herr, sie sind dein: Laß ihre Reihn Dir an dein Herz geleget sein! Chor der Kinder. 2. Friedefürst, ich ward erkoren Am ersten Tag, als ich geboren, Zu deinem sel'gen Gnadenkind; Du gabst mir des Himmels Gaben, Weil wir nichts Gutes eigen haben und ohne dich verloren sind. O Jesu, meine Ruh'! Ich greife freudig zu Nach den Gaben, Die du mir heut' Zur Seligkeit Durch dein Erbarmen hast erneut. 3. Laß dich halten und umfassen; Ich will dich ewig nicht verlaffen, Verlaß auch du mich ewig nicht! Schüße mich vor Welt und Sünde Und offenbare deinem Kinde Dein gnadenvolles Angesicht, Auf daß ich Tag für Tag In dir mich freuen mag Still und heilig, Und mich dein Mund Zu jeder Stund' Erinnre an den Liebesbund! dein sind wir! Sieh, wir alle flehen: Laß, laß, o Barmherzi ger, Uns dein Antlitz sehen! Wach über unsreSeelen! Hier stehn und sprechen alle wir: Herr, dein Eigentum sind wir! Heiliger Schöpfer, Gott; Heiliger Mittler, Gott; Heiliger Gott, Lehrer und Tröster; Dreieiniger Gott! Laß uns nie vergessen Unsern Gemeinde und Kinder. 4. O du Hirt erkaufter Seelen! Ich muß desrechten Wegsverfehlen, Wenn meine Seele von dir geht. Darum gieb mir Licht und Stärke Und Glaubensmut zum guten Werke, Zum Ringen, Wachen und Gebet, Bis ich den Pilgerstand Im ew'gen Vaterland Siegreich ende, Und du, o Sohn, Der Treue Lohn Mir reichst von deinem Gnadenthron! Albert Knapp 1822. Eigene Mel.( Eph. 6, 10-17.) 245. Stärt uns, Mittler, teuren, heil'gen Bund! Erbarm dich unser! 2. Ach, wie oft gelobten wir, Fest an dir zu halten; Aber treulos lie: Ben wir Unsre Lieb' erkalten. Stärk uns, o Herr, im Glauben! Beständig laß uns alle sein, Die wir uns aufs neu'dir weihn! Heiliger Schöpfer, Gott; Heiliger Mittler, Gott; Heiliger Gott, Lehrer und Tröster; Dreieiniger Taufbundes- Erneurung. Gott! Stärk uns, deine Kinder, Im Vertraun auf Jesu Tod Und in der Tugend! 3. Lockt uns die verderbte Welt Zu der Jugend Lüften, Dann, Herr, wollst du uns mit Kraft Aus der Höhe rüsten! Laß streiten uns und siegen! Die Triebe zu verbotner Lust Dämpfe früh in unsrer Brust! Heiliger Schöpfer, Gott; Heiliger Mittler, Gott; Heiliger Gott, Lehrer und Tröster; Dreieiniger Gott! Laß uns alle Feinde, Alle Rei 193 zungen der Welt Weit überwinden! 4. In der Todesnot laß uns, Deine teu'r Erlösten, Unsers Glaubens Zuversicht Unaussprechlich trösten! Zähl uns zu deinen Kindern! Laß Kinder und Erwachsne dein Sich im Himmel ewig freun! Heiliger Schöpfer, Gott; Heiliger Mittler, Gott; Heiliger Gott, Lehrer und Tröster; Dreieiniger Gott! Laß uns nie vergessen Unsern teuren, heil'genBund! Erbarm dich unser! Balthasar Münter 1771. B. Das heilige Abendmahl. Mel. Wachet auf! ruft zc.( 1 Kor. 11, 26-29.) 246. Herr, du wollst uns Leben Das Brot, das euch der vorbereiten zu deines Mahles Seligkeiten, Sei mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, Mit glaubensvollem Herzen nahen, Und sprich uns los von Sünd' und Tod! Wir sind, o Jesu, dein; Dein laß uns ewig sein! Amen, Amen. Anbetung dir! Einst feiern wir Das große Abendmahl bei dir. Herr gegeben; Die Gnade Jesu sei mit euch! Nehmt und trinkt zum ew'gen Leben Den Kelch des Heils, auch euch gegeben; Ererbt, erringt des Mittlers Reich! Wacht! Eure Seele sei Bis in den Tod getreu! Amen, Amen. Der Weg ist schmal; Klein ist die Zahl, Die dort eingeht zum Abendmahl. 2. Nehmt und eßt zum ew'gen| Friedrich Gottlieb Klopstock 1758. 247. Als Jesus Christus in der Nacht, Darin er ward verraten, Auf unser Heil war ganz bedacht, Dasselbe zu erstatten, 2. Da nahm er in die Hand Evangelisches Gesangbuch. Mel. Ich dank' dir schon durch zc.( 1 Kor. 11, 23-25.) das Brot und brach's mit seinen Fingern, Sah auf gen Himmel, dankte Gott Und sprach zu seinen Jüngern: } 3. Nehmt hin und eßt, das ist 13 ST3000d 194 XIII. Sakramente. mein Leib, Der für euch wird| Das ich für euch und euch zu gut gegeben; Und denket, daß ich Am Kreuze werd' vergießen. euer bleib' Jm Tod und auch im Leben! 6. Das macht euch aller Sünden frei, Daß sie euch nicht mehr kränken. So oft ihr's thut, sollt ihr dabei An meinen Tod gedenken! 7. O Jesu, dir sei ewig Dank Für deine Treu'und Gaben! Ach, laß durch diese Speis' und Trank Auch mich das Leben haben! Johann Heermann 1636. 4. Desgleichen nahm er auch den Wein Jm Kelch und sprach zu allen: Nehmt hin und trinket insgemein, Wollt ihr Gott wohlgefallen! 5. Hier geb' ich euch mein teures Blut Im Kelche zu genießen, Mel. Es ist das Heil zc.( Luk. 14, 16-24.) 248. Gott macht ein großes Abendmahl Vom Reichtum seiner Gnaden Und läßt in Christi Kirchensaal Die Gäste freundlich laden. Kommt, ruft er, alles ist bereit! Kommt alle, die ihr hungrig seid, Und lasset euch erquicken! 2. So höre doch nun jedermann, Wer Ohren hat zu hören! Gott spricht die Sünder gnädig an, Sie sollen sich bekehren; Und welcher wahre Buße thut, Der soll durch Christi teures Blut Gerechtigkeit erlangen. 3. Ach Gott, wie ist's um uns bestellt! Wie treibt's der Menschen Haufen! Sie wollen lieber zu der Welt Als zu dem Himmel laufen; Sie suchen schnödes Geld und Gut, Sie lieben ihres Fleisches Mut Und thun, was sie gelüftet. 4. Sie fahren in den Sünden fort Und wollen nicht verstehen, Daß sie ja einen Seelenmord An ihnen selbst begehen. Verachtet man das Himmelsmahl, So wird zuletzt der Hölle Qual Zur Strafe drauf erfolgen. 5. Vor solchem Wesen hütet euch, Jhr gottergebnen Christen, Und stellt euch dieser Welt nicht gleich, Noch folget ihren Lüften! Bedenket doch die Ewigkeit, Und forget in der Gnadenzeit Für euer Heil der Seelen! 6. Ach lieber Gott, regiere mich, Daß ich von Herzen gläube, Im Glauben auch beständiglich Bei deinen Worten bleibe, Bis einstens in dem Himmelsfaal Dein überschwenglich Freudenmahl Mich ewig wird ergößen! Erdmann Neumeister 1718. B. Das heilige Abendmahl. Mel. Mein Jesus lebt 2c.( 1 Kor. 11, 28. Jef. 1, 16-18. Joh. 6, 56.) 249. Laß irdische Geschäfte stehen, Auf, Seele, mache dich bereit! Du willst zu Gottes Tische gehen; Doch prüfe deine Würdigkeit, Ob du dich als ein rechterGast 195 3. Daß Gott erbarm, was soll ich sagen? Ich Sünder muß verloren sein! Doch nein, ich darf noch nicht verzagen: Gott setzt den Tisch deswegen ein, Daß er den Sündern Trost und Kraft Für ihre armen Seelen schafft. 4. Wie wohl ist mir in Gott zu Mute! Gott tilget meine Misfethat; Jch wasche mich in Jesu Blute, Der meine Sünd'gebüßet hat; Mein Glaub' erlangt von ihm das Kleid Des Heils und der Gerechtigkeit. 5. In diesem Schmucke will ich gehen Als Gottes auserwähltes Kind, Und selig an dem Orte stehen, Wo andrehimmelsgäste find; Weil ich mit Jesu angethan, Sieht Zum Abendmahl geschicket hast!| Gott in ihm mich gnädig an. 2. Es will mir fast der Mut verschwinden, Ob ich dabei erscheinen kann; Ich finde viele tausend Sünden, Ach, die ich wider Gott gethan; Ich darf zu dieser Tafel nicht, Nicht unrein vor sein Angesicht. 6. Ach, wie erquicket mich die Speise, Die meine Seele hier genießt, Da Jesus wunderbarerweise Die teure Speise selber ist! Ach siehe, wie dich Jesus liebt, Der dir sich selbst zu eigen giebt! 7. Ich kann nur Brot und Wein erblicken, Doch sieht der Glaub' ein höher Gut: In, mit und unter beiden Stücken Empfang' ich Christi Leib und Blut. Er sagt es selbst, er ist getreu; Drum bleibt mein Glaube fest dabei. 8. Mein Jesus ist für mich gestorben, Mein Jesus lebet auch für mich; Mein Jesus hat mir Heil erworben, Darauf besteh' ich feftiglich und halte mich an ihn allein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! Erdmann Neumeister 1703. Mel. An Wasserflüssen 2c.( Matth. 11, 28. Joh. 15, 5.) 250. Ich komme, Herr, und| Sohn, Mich deiner zu getrösten. suche dich Mühselig und beladen. Omein Erbarmer, würd'ge mich Des Wunders deiner Gnaden! Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Ich fühle meiner Sünden Müh', Ich suche Ruh' und finde sie Im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet' ich zuversichtlich an, Du bist dasHeil der Sünder; Du Cococo TOCO 196 XIII. Sakramente. hast die Handschrift abgethan,| ligkeit; Bewahr es hier im GlauUnd wir sind Gottes Kinder. Jch denk' an deines Leidens Macht Und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet, Du haft für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir: Er tilget deine Sünden Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad' um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: Sei getroft, mein Sohn, Die Schuld ist dir vergeben! Du bist in meinen Tod getauft, Und du wirst dem, der dich erkauft, Von gan= zem Herzen leben. ben, Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben! Sieh, ich vereine mich mit dir; Ich bin der Weinstock, bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, Ich will es treu erfüllen, Und bitte dich durch deinen Tod Umkraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an eifrig sein, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen; Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt beweisen! 4. Dein ist das Pfand der SeChristian Fürchtegott Gellert 1757. Eigene Mel.( Matth. 25, 6. 7. 5, 6.) 251. Schmücke dich, o liebe| Glaubensworten: Komm, ich will dich mit Verlangen Als den liebsten Freund empfangen! Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr, voll Heil und Gnaden, Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg' in dir halten. 2. Gil, wie Gottvertraute pflegen, Deinem großen Herrn entgegen, Der bei dir und all den Seinen Will mit seiner Gnad' erscheinen! Öffn' ihm bald die Geistespforten, Red ihn an mit 3. Ach, wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach dieſem Mahl zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürften Nach dem Trank des Lebensfürsten, Daß in diesem Brot und Weine Sich mein Herr mit mir vereine! 4. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, B. Das heilige Abendmahl. 197 Lebensquell und Licht der Sin- nofsen Hier so wunderbar kann nen! Hier fall' ich zu deinen tränken, Deiner Liebe zu geFüßen: Laß mich würdiglich ge- denken. nießen Diese deine Himmelsspeise Mir zum Heil und dir zum Preise! 5. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel herge trieben, Daß du willig haft dein Leben Für mich in den Tod gegeben, und dein teures Blut vergoffen, Welches deine Tischge: 252. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, D Seele, der auf Erden Vom Himmelsthron gekommen ist, Ein Heiland dir zu werden! Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut; Dank ihm für diese Liebe! Mel. Herr, wie du willst zc.( 2 Tim. 2, 8.) 2. Halt im Gedächtnis Jesum Chrift! Er hat für dich gelitten Und dir, da er gestorben ist, Das Heil am Kreuz erstritten. Errettung von der Sündennot Erwarb er dir durch seinen Tod; Dank ihm für diese Liebe! 6. Jesut, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens Oder gar zu meinem Schaden Trete zu dem Mahl der Gnaden! Laß bei diesem Trank und Essen Mich dein Lieben recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög' dein Gast im Himmel werden! 3. Halt im Gedächtnis Jesum Christ, Der, von dem Tod erstanden, Nunmehr zur Rechten Gottes ist, und von des Todes Johann Frand 1649. Banden Die Seinigen auch frei gemacht und ew'ges Leben dir ge= bracht; Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtnis Jeſum Christ! Er wird einst wieder kommen, zu richten, was auf Erden ist, Die Sünder und die Frommen. Drum sorge, daß du dann bestehst Und mit ihm in den Himmel gehst, Jhm ewiglich zu danken! 5. Mein Heiland, den der Himmel preist, Dich will ich ewig loben. O stärke dazu meinen Geist Mit neuer Kraft von oben! Dein Abendmahl vermehr in mir Des Glaubens Kraft, damit ich dir Mit neuer Treue diene! Cyriakus Günther vor 1704. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( Matth. 8, 8.) 253. Mit dem Haufen dei-| Heiland, kommen zu des neuen ner Frommen Will auch ich, o Bundes Mahl. Alle Christen sind COCOCO LOCO debebe *** XIII. Sakramente. 198 geladen; Reicher König, deiner Gnaden Ist kein Maß und keine Zahl. 2. Welche große Seligkeiten Willst du, Mittler, uns bereiten! Seele, freu dich seiner Huld! Wenn dich Sünd'und Elend drükken, Gott ist hier, dich zu erquicken, Jesus tilgt auch deine Schuld. 3. Darf ich, Herr, ich Sünder, nahen, Deine Gnade zu empfahen, Ich, der nichts als Fluch verdient? Ja auch mir bist du gestorben, Leben hast du mir erworben, Mich durch deinen Tod verfühnt. 4. Den Gedanken darf ich wagen, Darf ihn laut voll Freuden sagen: Ich soll eins mit Jesu sein. Um mir Gnade zu erwerben, Wollt' er für mich Sünder sterben: Jesus und sein Heil ist mein! 5. Wer nur glaubt, wird nicht verloren, Er wird rein und neu geboren; Droben ist sein Vaterland. Freuet euch, erlöste Sünder! Gott ist Bater, wir sind Kinder, Hier ist der Erlösung Pfand; 6. Pfand von Christi Tod und Leben, Wenn wir ihm, nicht uns mehr leben, Siegel unsrer Seligkeit; Aber Siegel des Gerichtes, Wenn wir fliehn den Weg des Lichtes, Wenn uns noch die Sünde freut. 7. Seele, denk an deine Würde; Und drückt dich des Leidens Bürde, Denk an deinen großen Lohn! Kämpfe wider jede Sün de, Streite männlich, überwinde! Deine Krone wartet schon. Johann Kaspar Lavater 1771. schert, Dich will ich jetzt genießen! Mel. Es ist das Heil 2c.( 1 Mos. 28, 17. Offenb. Joh. 3, 20.) 254. Wie heilig ist die Stätte| D Manna, das mir Gott behier, Wo ich voll Andacht stehe! Sie ist des Himmels Pforte mir, Die nun ich offen sehe. D Lebensthor, o Tisch des Herrn! Vom Himmel bin ich nicht mehr fern Und fühle Gottes Nähe. 2. Wie heilig ist dies Lebensbrot, Dies teure Gnadenzeichen, Vor dem des Herzens Angst und Not Und alle Qualen weichen! 3. Wie heilig ist doch dieser Trank, Der mein Verlangen stil let, Der mein Gemüt mit Lob und Dank Und heil'ger Freud' erfüllet! D Lebenstrank, o heil': ges Blut, Das einst gefloffen mir zu gut, Dich will ich jetzt empfangen! 4. Welch unaussprechlich Glück D Brot, das meine Seele nährt, ist mein, Welch Heil hab' ich ge B. Das heilige Abendmahl. funden! Mein Jesus kehret bei mir ein, Mit ihm werd' ich verbunden! Wie ist mein Herz so freudenvoll, Daß ich in Jesu leben soll, Und er in mir will leben! 5. O wär' doch auch mein Herz geweiht zu einer heil'gen Stätte, Damit der Herr der Herrlichkeit An mir Gefallen hätte! O wäre doch mein Herz der Ort, An welchem Jesus fort und fort Aus Gnaden Wohnung machte! 6. Mein Jesu, komm und heile mich; Was sündlich ist, vertreibe, 199 Damit ich nun und ewiglich Dein Tempel sei und bleibe. Von dir sei ganz mein Herz erfüllt; Herr, laß dein heilig Ebenbild Beständig an mir leuchten! 7. Nun du hast himmlisch mich erquickt, Du hast dich mir gegeben; In dir, der mich so hoch beglückt, Will ich nun stündlich leben. Laß mich, mein Heiland, allezeit, Von nun an bis in Ewigkeit Mit dir vereinigt bleiben! Nach Valentin Ernst Löscher 1701. Mel. Erquidke mich 2c.( Joh. 6, 53-58. 1 Kor. 10, 17.) 255. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden In deiner letzten Trauernacht Uns alle Früchte deiner Leiden Als letzten Willen haft vermacht! Es preisen gläubige Gemüter Dich, Stifter solcher hohen Güter. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, Wird deinGedächtnis bei uns neu; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Erneuern sich in unsern Herzen. 3. Es wird dem zitternden Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbriefsei zerrissen, Daß unsre Handschrift seizerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blut'gen Wunden finden. 4. Das Band wird fester angezogen, Daß dich und uns zusammenhält; Es fühlt die Freundschaft, längst gepflogen, Auf neue Stüßen sich gestellt; Wir werden mehr in solchen Stunden Mitdir zu einem Geist verbunden. 5. Dies Brot kann wahre Nahrung geben, und dieser Kelch erquickt den Geist; Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dich geneußt; Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unsrem Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Wir müssen all' in solchem Stande Ein Herz und eine Seele sein; Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wir ein Fleisch und Blut genießen. eacheada COCOCO 100029 cocos XIII. Sakramente. 200 7. Dein Leib muß uns zum Pfande dienen, Daß unser Fleisch, jetzt schwachheitvoll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll, Ja daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. 8. D teures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speise haben, Wiewohl ist unser Geist gepflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Chr' und Preis gesungen! Ja solche Liebe, warm und rein, Verdient, daß aller Engel Zungen zu ihrem Ruhm geschäftig sei'n. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommen loben. Johann Jakob Rambach 1735. Mel. Schmücke dich 2c.( Gal. 2, 20.) 256. Komm, mein Herz, aus| mir sagt und schreibet, Mein Jesu Leiden Strömt auch dir ein Quell der Freuden; Stille hier dein sehnlich Dürsten An dem Mahl des Lebensfürsten! Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich kleide, Das ist meines Herzens Freude. 2. Zwar ich hab' ihn alle Tage, Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; Er ist auf der Himmelsreise Täglich meine Seelenspeise. Daß ich einen Heiland habe, Bleibt mein Alles bis zum Grabe; Und ich mag nichts andreswissen, Als sein Leiden zu genießen. 3. Aber ich will mit Verlangen Auch sein Abendmahl empfangen. Darf ich da mich ihm verbinden, Werd' ich's tiefer noch empfinden, Daß ich einen Heiland habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, Wie sein Wort Erlöser war und bleibet. 4. Ach, wie werd'ich oft so müde, Wie entweicht der süße Friede! Sünd' und Welt kann mich verwunden, Wenn mir dieses Licht entschwunden: Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirtenstabe, Sanft und mild und voll Vergeben, mir nichts ist als lauter Leben. 5. Sei gesegnet, ew'ge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da der Unglaub' mich vergiftet, Solch ein Denkmal selbst gestiftet: Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe, Ja den Schritt in Todes Rachen Gern gethan, mich los zu machen. 6. Heil'ges Brot, sei mir geſegnet, Weil mir der mit dir begegnet, Der mit seinen heil'gen Wunden Die Erlösung mir er B. Das heilige Abendmahl. 201 funden! Daß ich einen Heiland| Heil ermessen, Werd' ich das nur habe, Der erblaßt und tot im nicht vergessen, Daß ich einen Grabe Auch für meine Schuld Heiland habe? Ich bin frei von gelegen, Will ich schmecken und Tod und Grabe; Wenn mich erwägen. Sünd' und Hölle schrecken, So wird mich mein Heiland decken. 9. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen, So will ich mich nur besinnen, Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret. Ernst Gottlieb Woltersdorf vor 1761. 7. Heil'ger Kelch, sei mir gesegnet, Weil mir der in dir begegnet, Deffen Blut mich läffetfinden Die Vergebung aller Sünden! Daß ich einen Heiland habe, Der die matte Seele labe, Muß dies nicht mein Dürsten stillen Und mein Herz mit Wonne füllen? 8. Gott, was brauch' ich mehr zu wissen, Ja was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Mel. Freu dich sehr zc.( Luk. 14, 16. 17.) 257. Herr, du haft für alle| res Blut; Drum ſo laß mich wohl Sünder Einen reichen Tisch gedeckt, Wo dein Brot die armen Kinder Neu zu Freud' und Liebe weckt. Hier erschein' ich als ein Gast, Welchen du geladen haft; Laß mich nicht mit falschem Herzen Deine großeHuldverscherzen! bedenken, Was hier deine Liebe thut, Und verleihe, daß ich nicht Eff' und trinke zum Gericht, Was du doch zum Heil und Leben Mir im Abendmahl willst geben. 2. Höre mich, o Herr der Güte, Mache mich vom Eitlen frei, Daß voll Andacht mein Gemüte Und mein Herz dir heilig sei! Nur zu dir steht mein Vertraun; Lehr mich gläubig auf dich schaun, Und laß deinen Tisch auf Erden Mir des Himmels Vorschmackwerden! 3. Gnadenvoll willst du mir schenken Deinen Leib, dein teu 4. Wirke heilige Gedanken In der Seele, die dich ehrt; Halte meinen Sinn in Schranken, Wenn mich Furcht und Zweifel stört! Fühl' ich immer Sündennot, So erquicke mich dies Brot, Dieser Kelch mit deinem Blute, Denn es floß auch mir zu gute. 5. Ohne ist ja kein Leben; Gieb mir neue Lebenskraft! Ich bin mit Gefahr umgeben; Du bist's, der mir Hilfe schafft. Arm 202 XIII. Sakramente. am Geist komm' ich zu dir; Laß| meinen Trost im Glauben Mir dein Abendmahl auch mir Bei so mancher Last auf Erden, Herr, zu großer Stärkung werden! durch niemand laffe rauben! 7.Tiefwillich'szuHerzenfassen, Daß dein Tod mein Leben ist, Reinen meiner Brüder hassen, Der mit mir ein Brot genießt; Deiner will ich mich erfreun, Bis ich werde bei dir sein Und die Fülle deiner Gaben, Meinen Gott und alles haben! Albert Knapp nach Kaspar Neumann 1837. 6.Laßmich deineLiebeschmecken Und die Güter jener Welt; Oder wenn je Furcht und Schrecken Mich dabei noch überfällt, So verleihe mir dein Blut Einen rechten Freudenmut, Daß ich Mel. Schmücke dich zc.( Joh. 6, 33-35. 53-56.) 258. Jesus, Freund der Menschenkinder, Heiland derverlornen Sünder, Der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzesschmach hat wollen dulden! Wer kann faffen das Erbarmen, Das du trägest mit uns Armen? In der Schar erlöster Brüder Fall' ich dankend vor dir nieder. 2. Ja auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll' entgegen: In dem Elend meiner Sünden Soll bei dir ich Hilfe finden; Meine Schuldwillst du bedecken, Mich befrein von Furcht und Schrecken, Willst ein ewig sel'ges Leben Als des Glaubens Frucht mir geben. 3. Mich, den Zweifelnden, den Schwachen, Willst du fest im Glauben machen; Ladest mich zu deinem Tische, Daß mein Herz sich hier erfrische. So gewiß ich Wein genoffen, 3st dein Blut für mich gefloffen; So gewiß ich Brot empfangen, Soll ich Heil in dir erlangen. 4. Ja du kommst, dich mit den Deinen In dem Nachtmahl zu vereinen; Du, der Weinstock, giebst den Reben Mut und Kraft zum neuen Leben; Durch dich muß es mir gelingen, Reiche, gute Frucht zu bringen Und durch Frömmigkeit zu zeigen, Daß ich gänzlich sei dein eigen. 5. Nun so sei der Bund erneuet Und mein Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild will ich sehen Und dir nach, mein Heiland, gehen: Was du hassest, will ich hassen, Stets von dir mich leiten lassen; Was du liebest, will ich lieben, Nie durch Untreu' dich betrüben. 6. Doch ich kenne meine Schwäche, Schwer ist, was ich dir verspreche. Werd' ich dir auch B. Das heilige Abendmahl. 203 Glauben halten Und im Guten Gotteskindern, Die dir leben, nie erkalten? O steh du mir bei und stärke Mich zu jedem guten Werke! Hilf, daß ich die Luft zur Sünde Durch dich kräftig überwinde! leiden, sterben, Deine Herrlichkeit zu erben. 8. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, Daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich schaun und ewig ehren? Hallelujah! Welche Freuden Sind die Früchte deiner Leiden! Danket, danket, fromme Herzen, Ewig ihm für seine Schmerzen! Johann Kaspar Lavater 1771. 7. Gieb, daß ich und alleChristen Uns auf deine Zukunft rüsten, Daß, wenn heut' der Tag schon käme, Keinen, Herr, dein Blick beschäme! Schaff ein neues Herz den Sündern, Mache sie zu Mel. Ach, was soll ich Sünder machen zc.( 1 Kor. 10, 31.) 259. Jeder Tag hat seine Plage, Jedes Herz hat seine Klage, Jedes Haus hat seine Last; Aber Stärkung und Begabung Fließet allen aus der Labung, Herr, die du bereitet haft. 2. Les' ich in des Herzens Mitte, Folg' ich jedem meiner Schritte, Den ich rechts und links gethan, O so kann ich dem Erquicken Heut' nur mit gesenkten Blicken Und gebeugter Seele nahn. 3. Aber du willst mit den Deinen Dich im heil'gen Fest vereinen Und ihr Wirt voll Gnade sein; Dann wird dem lebend'gen Glauben Frucht der Ähren, Saft der Trauben Wunderbar zum Heil gedeihn. 4. Ach, wer sollte sich nicht gerne Aus der Nähe, von der Ferne In die Zahl der Gäste reihn? Ach, wer hätte nie empfunden, Wie das kranke Herz gesunden Kann bei deinem Brotund Wein? 5. Drum in herzlichem Verlangen Komm'ich heute mitgegangen, Komme bittend allermeist: Daß du mir zu eigen geben Wollest, als dein wahres Leben, Deinen werten heil'gen Geist; 6. Daß gleichwie mit der Gemeine Heut' ich als dein Gast erscheine, Du bei mir auch kehrest ein, Nicht als Gast nur Herberg' nehmen, Nein, in Gnaden dich bequemen Mögest, immer da zu sein. 7.Tief gesegnet wall' ich weiter, Weil du selbst mir Schuß und Leiter In des Lebens Luft und Qual. Was ich wünsche, was ich sinne, Was ich leide, was beporede सम 204 XIII. Sakramente. ginne, Sei mir ernst wie dieses| Zahl, Sei mir dann, weil du Mahl. zugegen Täglich bist mit Zucht und Segen, Heilig durch dein Abendmahl! Karl Grüneisen 1842. 8. Auch wodurch ich mich erfrische, Nähr' und stärk' am eignen Tische Oder in der Freunde Mel. Nun laßt uns Gott zc.( Ps. 34, 9.) 260. gefu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsamschäßen Dies himmlische Ergößen Und diese teuren Gaben, Die uns gestärket haben! 3. Wie soll ich dir's verdanken, D Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja selbst dich mir geschenket! 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg'und Wunden, Die du für mich empfunden. 5. Dir dank' ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden; Dir dank' ich für dein Sehnen Und deine heißen Thränen. Mel. Wer nur den lieben 261. Nimm hin den Dank für deine Liebe, Du, mein ErLöser, Jesu Chrift! Gieb, daß ich dich nicht mehr betrübe, Der du für mich gestorben bist; Laß deines Leidens Angst und Pein Mir immer in Gedanken sein! 2. Heil mir! Mir ward dein 6. Dir dank' ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben; Dir dank' ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Herr, laß mich nicht ver gessen, Daß du mir zugemessen Die kräft'ge Himmelsspeise, Damit mein Herz dich preise! 8. Laß mich die Sünde meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten! 9.Jm Handeln, Wandeln, Effen Laß nimmer mich vergessen, Wie herrlich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! 10. Nun kann ich nicht verderben; Drauf will ich selig sterben Und freudig auferstehen, Jesu, dich zu sehen! Johann Rist 1654. Gott 2c.( 1 Kor. 10, 16. 17.) Brot gebrochen, Jch trank, Herr, deines Bundes Wein; Voll Freude hab' ich dir versprochen, Bis in den Tod dir treu zu sein. Ich hab's gelobt von Herzen dir, Schenk du nur deinen Beistand mir! 3. Laß mich voll Dankbarkeit B. Das heilige Abendmahl. 205 ermessen, Was du für meine| und Gott: Drum laßt uns eine Seele thatst, Und nie der Liebe Seele sein, Den Liebenden durch mich vergessen, mit der du mich Lieb' erfreun, vor Gott vertratst; Laß meinen Glauben thätig sein Und mir zur Tugend Mut verleihn! 4. Jm Streite hilf mir über winden Und stärke mich zu jeder Pflicht; Bewahre mich vor neuen Sünden, Verlaß mich in Versuchung nicht; Und dein für mich vergoßnes Blut Verleih mir auch im Tode Mut! 6. Uns dulden, tragen, Freude machen Den Brüdern, zanken, zürnen nicht! Wer stark ist, sei der Stab der Schwachen, Der Weise leihe andern Licht, Der Reiche trage Armer Last, Versöhnlich sei, wen Bosheit haßt! 7. Wie jetzt in Jesu Christi Namen Sein Volk vor ihm versammelt war, So kommen wir noch einst zusammen Vor ihm mit aller Engel Schar; Und unaussprechlich freut sich dann, Wer, wie er liebte, lieben kann! Georg Joachim Zollikofer 1767. 5. Und du, o heilige Gemeine! Wir aßen hier von einem Brot, Wir tranken hier von einem Weine Und haben einen Herrn Mel. Herzlich thut mich verlangen 262. Wie könnt' ich sein vergessen, Der mein noch nie vergaß? Kann ich dieLieb'ermessen, Dadurch mein Herz genas? Ich lag in bittern Schmerzen, Er schafft mein Leben neu; Und stets quillt aus dem Herzen Ihm neue Lieb' und Treu'. 2. Wie sollt' ich ihn nicht lieben, Der mir so hold sich zeigt? Wie jemals ihn betrüben, Der so zu mir sich neigt? Er, der ans Kreuz erhoben Getragen meine Schmach, Ruft er mir nicht von oben: Komm, folge du mir nach? 2c.( Jes. 44, 21. 2 Kor. 5, 14. 15.) 3. Ihn will ich ewig lieben, Der mir aus Todesnacht, Von meinem Schmerz getrieben, Unsterblichkeit gebracht, Der noch zur letzten Stunde Mir reicht' die treue Hand, Daß mich kein Feind verwunde Im Lauf zum Heimatland. 4. Er giebt zum heil'gen Pfande Mir seinen Leib, sein Blut; Hebt mich aus Nacht und Schande, Füllt mich mit Himmelsmut; Will selber in mir thronen Mit heil'gem Gnadenschein: Sollt' ich bei ihm nicht wohnen? In ihm nicht selig sein? XIII. Sakramente. 206 5. Bei Freuden und beiSchmerzen Durchleuchte mich dein Bild, Wie du, o Herz der Herzen, Geblutet haft so mild! Mein Lieben XIV. Das Gebet. Mel. Wunderbarer König zc.( Habak. 2, 20. Apostelgesch. 17, 28.) 263. Gott ist gegenwärtig.| sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allen! Laffet uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten! Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge! Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Schlag die Augen nieder; Gebt das Herz ihm wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen. Heilig, heilig, heilig! Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm Unsre Stimm', Wenn auch wir Geringen Unsre Opfer bringen! und mein Hoffen, Mein Dulden weih' ich dir: Laß mir die Heimat offen und dein Herz für und für! Christian Gottlob Kern vor 1835. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigentum ergeben. Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen! Möcht' ich recht dich preisen Und im Geist dir Dienst erweisen! Möcht' ich wie die Engel Immer vor dir stehen und dich gegenwärtig 5. Luft, die alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn' Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk' mich in dich hinunter. Jch in dir, Du in mir! Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden! 6. Du durchdringest alles; Glanz vom ew'gen Lichte, Leucht mir heiter ins Gesichte! Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten: Möcht' ich so Still und froh Deine Strahlen fassen Und dich wirken lassen! 7. Mache mich einfältig, Innig, abgeschieden, Sanft und still in deinem Frieden! Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schau im Geist und in der Wahrheit! Laß mein Herz Überwärts Wie ein Adler schweben Und in dir nur leben! 8. Herr, komm in mich wohnen: XIV. Das Gebet. Laß mein Herz auf Erden Dir ein Heiligtum noch werden! Komm, du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets Mel. Mein Gott, zu dem ich zc.( 1 Theff. 5, 17.) 264. Gott, gieb mir deinen Geist zum Beten, Zum Beten ohne Unterlaß, Getrost im Glauben hinzutreten, Wenn ich dein Wort mit Freuden faff', Und auch im Glauben hinzuknien, Wenn ich in Furcht und Jammer bin. 2. Im Schrecken über meine Sünde Sei dies mein Ruf: erbarme dich! So oft ich mich so schwach empfinde, Sei dies mein Seufzer: stärke mich! Sink' ich, so werde dies mein Flehn: Herr, hilf, sonst muß ich untergehn! 3. Fühlt Seel' und Leib ein Wohlergehen, So treib es mich zum Dank dafür; Läßst du mich 207 lieb'und ehre! Wo ich geh', Sik' und steh', Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken! Gerhard Tersteegen vor 1727. 265. Jefu, hilf beten, und bete, du Treuer, Durch mich und in mir in allerlei Not! Eigenes Opfer mit eigenem Feuer Rettet uns nicht vom Verderben und Tod. Nein, nur dein Opfer mit Danken und Flehen Darf bis ins innerste Heiligtum gehen. 2. Jesu, hilf beten, ach Jesu, hilf beten! Siehe, mir mangelt's an Weisheit und Kraft. Wirst deine Werke sehen, So sei mein Rühmen stets von dir; Und find' ich in der Welt nicht Ruh', So steig mein Sehnen himmelzu! 4.Jst der Versucher in der Nähe, Solehr mich ihn im Beten fliehn; Wenn ich den Bruder leiden sehe, So lehr mich bitten auch für ihn; Und in der Arbeit meiner Pflicht Vergeffe dein die Seele nicht! 5. Am Abend heiß mich mit dir reden, Am Morgen auch noch sein bei dir; Und sterb' ich, laß in letzten Nöten Noch seufzen deinen Geist in mir! Weckst du mich einst, so bet' ich dann Dich ewig auch im Himmel an. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Jesu, hilf siegen zc.( Luk. 22, 40.) du mich, Mittler, nicht selber vertreten, Ist es mit Beten vergeblich geschafft. Soll es gelingen, so mußt du mich lehren, Und muß dein Geist mir das Abba gewähren. 3. Jesu, hilf beten, ach bleibe mir günstig! Tilge die Unlust und wecke mich auf; Mache mich munter, andächtig und brünstig, Bringe das Wirkendes Glaubens OOOL 208 XIV. Das Gebet. in Lauf! Mache mein Räuchwerk| Worte mir ein! Laffe mein Beten durch deine Hand steigen, Laß dein begleitendes Fürwort nicht schweigen! im Sterben und Ringen Heftiger, kräftiger, kindlicher sein! Beten kann retten aus jeglichen Nöten Und aus dem Tode selbst: Jesus hilft beten. 4. Jesu, hilf beten, ach laß es gelingen! Richte Gedanken und Philipp Heinrich Weissensee 1727. Mel. Die Tugend wird zc.( Matth. 7, 7-11.) 266. Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen, Sei wach und nüchtern zum Gebet! Ein kindlich Flehn aus reinem Herzen Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein vor seinem Angesichte Mit Dank, mit Demut oft und gern, Und prüfe dich in seinem Lichte, Und klage deine Not dem Herrn! 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und der Erden, Bedarf der eines Menschen Flehn? Sagt Gott nicht: Bittet, daß ihr nehmet? Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der schämt sich, Gottes Freund zu sein. 3. Bet oft in Einfalt deiner Seelen! Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz dich beten heißt? Nicht Töne sind's, die Gott gefallen, Nicht Worte, die die Kunst ge beut; Gott ist kein Mensch! ein gläubig Lallen, Das ist vor ihm Beredsamkeit. 4. Wer das, was uns zum Frieden dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott; Wer das zu bitten sich erkühnet, Was Gott nicht will, entehret Gott. Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergißt, was er beschwur, Und klagt, daß Gott ihn nicht erhöret, Der spottet seines Schöpfers nur. 5. Bet oft zu Gott und schmeck in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist; Bet oft zu Gott und fühl im Leiden, Wie göttlich er das Leid versüßt; Bet oft, wenn dich Versuchung quälet, Gott hört's, Gott ist's, der Hilfe schafft; Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet, Er giebt den Müden Stärk' und Kraft. 6. Bet oft, durchschau mit heil'gem Mute Die herzliche Barmherzigkeit Des, der mit seinem teuren Blute Die Welt, die RA XIV. Das Gebet. 209 Sünderwelt befreit! Nie wirst| Mitchrist dir entdeckt, Und ihn du dieses Werk ergründen, Nein, es ist deinesGottes That; Erfreu dich ihrer, rein vonSünden, Und ehr im Glauben Gottes Rat. zur Jnbrunst zu erwecken, Wie er zur Inbrunst dich erweckt. 7. Bet oft, entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz! Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Psalmen ton, Nicht dein Gelübd' rührt Gott: dein Sehnen, Dein Glaub' an ihn und seinenSohn. 8. Versäume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn Und seinen Namen mit denSeinen, Mit deinen Brüdern, zu erhöhn, Dein Herz voll Andacht zu entdecken, Wie es dein 2. Alles Fleisch von allen Enden kommt mit aufgehobnen Händen, kommt mit Hoffnung und Begier, Gott, der gern erhört, zu dir. 9. Bist du ein Herr, dem andre dienen, So sei ihr Beispiel, sei es stets, Und feire täglich gern mit ihnen Die sel'ge Stunde des Gebets! Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir anvertraut; Rein Knecht des Hauses müsse fehlen: Er ist ein Christ und werd erbaut! Mel. Urquell aller Seligkeiten 2c.( Psalm 65, 3. Matth. 6, 13.) 267. Dir versöhnt in deinem| 4. Und du hast so vielen SeSohne Liegen wir vor deinem Throne; Keiner kehrt mit trübem Blick Unerhört von dir zurück. gen, Weit mehr als wir bitten mögen; Reich und Kraft und Herrlichkeit, Gott, ist dein in Ewigkeit. 3. Du bist alles Guten Fülle, Daß wir beten, ist dein Wille; Du verschmähst, o Vater, nicht Deiner Kinder Zuversicht. Evangelisches Gesangbuch. 10. Bet oft zu Gott für deine Brüder, Für alle Menschen als ihrFreund; Denn wir sind eines Leibes Glieder, Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bet oft, so wirst du Glauben halten, Dich prüfen und das Böse scheun, An Lieb' und Eifer nicht erkaltenUnd gern zum Guten weise ſein. Christian Fürchtegott Gellert 1757. 5. Was im Himmel und aufErden Gut ist, ließ dein Wille werden; Eh' es ward, da dachteſt du Es schon deinen Kindern zu. 6. Alle sollten deiner Gaben Unerschöpften Reichtum haben; Ewig sollten alle dein, Guter Bater, sich erfreun. 14 210 XIV. Das 7. Sollten denn nicht deine Frommen Alle betend vor dich kommen, Der du allen Vater bist, Dem kein Ding unmöglich ist? 8. Allen hast du, Herr, ihrLeben, Und was sie erfreut, gegebenUnd versprichst, Unendlicher, Allen noch unendlich mehr. Mel. In dich hab' ich zc.( Pf. 31, 2-6.) 268. Auf dich hab' ich gehoffet, Herr! Hilf, daß ich nicht zu Schanden mehr Und nimmer werd' zu Spotte! Das bitt' ich dich, Erhalte mich In dir als meinem Gotte! Gebet. 9. Ja wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben und empfahen; Unsrer Thaten Lobgefang Sei in Ewigkeit dein Dank. 10. Heil uns Christen! Du beschüßeft Deine Kinder, du besitzest Herrlichkeit und Kraft und Reich: Wo ist dir ein Vater gleich? Balthasar Münter 1773. 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Flehn, thu dich herfür, Eil, bald mich zu erretten! Ich lieg' und steh' In Angst und Weh, Hilf mir aus meinen Nöten! 5. Voll Trugs ist dieser Welt Gericht, Mit Lüg' und fälschlichem Gedicht; Sie spinnt viel Nek' und Stricke. Herr, nimm mein wahr In der Gefahr, Reiß mich aus ihrer Tücke! 6. Herr, meinen Geist befehl' ich dir; Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! Dwahrer Gott, Aus aller Not Hilf mir an meinem Ende! 7. Preis, Ehre, Macht und Herrlichkeit SeiBater, Sohn und Geist bereit, Lobt seinen heil'gen 4. Du bist mein Fels( sagt mir Namen! Die göttlich' Kraft dein Wort), Mein Schild und Mach uns sieghaft Durch JeStärke, Hilf' und Hort, Mein fum Chriftum! Amen. Adam Reußner 1533. 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, Sei meine Burg, darin ich frei Und ritterlich mög' streiten, Ob mich bedroht Mit Not und Tod Der Feind von allen Seiten. Heil und Kraft und Leben, Mein starker Gott In aller Not: Wer mag mir widerstreben? XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. O Jerusalem, du schöne 2c.( Ps. 118, 24-29.) 269. Hallelujah! Schöner ken mag! Heute führ' ich keine Morgen, Schöner als man den Sorgen; Denn das ist ein lieber 44 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 211 höchsten Schäßen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Lebens speist. Tag, Der durch seine Lieblichkeit| da sammle ich die Fülle Von den Mich im Innersten erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist, Heller Tag in dunkeln Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Seligkeit, Du vertreibst mir alles Leid. 6. Herr, ermuntre meine Sinnen Und bereite selbst die Brust; Laß mich Lehr' und Trost gewinnen, Gieb zu deinem Manna Lust, Daß mir deines Wortes Schall Tief im Herzen widerhall'. 3. Ach, wie schmeck' ich Gottes Güte Recht als einen Morgentau, Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au! Da hat wohl die Morgenstund' Edlen Schatz und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Weltgeschäfte! Heute gilt's ein andresThun, Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn; Heut' schickt keine Arbeit sich Als nur Gottes Werk für mich. 5. Ich will in der AndachtStille Heute voller Arbeit sein; Denn Sabbath halten mag. 7. Segne deiner Knechte Lehren, Öffne selber ihren Mund; Mach mit allen, die dich hören, Heute deinen Gnadenbund, Daß, wenn man hier fleht und singt, Solches in dein Herze dringt. 8. Gieb, daß ich den Tag beschließe, Wie er angefangen ist; Segne, pflanze und begieße, Der du Herr des Sabbaths bist, Bis ich einst auf jenen Tag Ewig 270. Thut mir auf die schöne Pforte, Führt in Gottes Haus mich ein! Ach, wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Troft und Licht. Mel. O Jerusalem, du schöne zc.( Pf. 118, 19. 84, 2. 3.) 2. Herr, ich bin zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir! Wo du Wohnung haft genommen, Da ist lauter Himmel hier: Zeuch in meinem Herzen ein, Laß es deinen Tempel sein! Jonathan Krause 1739. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilige mir Leib und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Dir ein lieblich Opfer heißt; Heilige mir Mund und Ohr, Zeuch das Herz zu dir empor! 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Saatkorn in mich fällt! Gieb mir Licht in dem Verstande; Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn! bababa 212 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 5. Stärk in mir den schwachen| stets für! Ja das sei der MorGlauben; Laß dein teures Klei- genstern, Der mich führt zu meinod mir Nimmer aus dem Her- nem Herrn! zen rauben, Halte mir dein Wort Benjamin Schmold 1734. Mel. Mein Jesus, dem 2c.( 1 Moj. 2, 2. 3. 2 Ror. 6, 16.) 271. Beschwertes Herz, leg ab die Sorgen; Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, Da Gott zu ruhen hat erlaubt, Da Gott zu ruhen hat befohlen Und selbst die Ruhe eingeweiht. Auf, auf, du hast so manche Zeit Dem Dienste Gottes abgestohlen. 2. Auf, laß Ägyptens eitles Wesen, Die Stoppeln und die Ziegel stehn! Du sollst das Himmelsmanna lesen und in des Herren Tempel gehn, Jhm zu bezahlen deine Pflichten, Und zur Vermehrung seines Ruhms Die Werke deines Priestertums In tiefster Andacht zu verrichten. 3. Mein Gott, ich bin vor dir erschienen Und gebe auf dein Winken acht. Wie kann ich dir gefällig dienen, Wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet' ich, wenn er meine Schal' mit reichem Weihrauch nicht bestreuet? 4. Mein Jesus hat mein Herz so teuer zu seinem Tempel eingeweiht: Hier ist dein Herd, hier ist dein Feuer, Die Fülle deiner Herrlichkeit, Dein Heiligtum, deinStuhl der Gnade; Dein Licht und Recht, das Himmelsbrot, Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. 5. Wenn sich des Lebens Werktag' enden, So ruh, von allem Frondienst los, Mein Geist in deinen Vaterhänden, Mein Leib in seiner Mutter Schoß, Bis beides feiern wird dort oben, Wo man in sichrem Frieden ruht, Nichts denket, redet oder thut Als dich zu lieben, dich zu loben. Christoph Wegleiter 1701. Eigene Mel.( Jef. 56, 2. Jat. 1, 27.) von allen eitlen Dingen, Zum Himmel soll mein Geist sich schwingen; Froh feir' ich mit der Christenheit Den Festtag 272. Ja, Tag des Herrn, du sollst mir heilig, Ein Festtag meiner Seele sein! Gleich jenen ersten Christen heilig Will ich den Tag der Ruhe weihn. Weit weg der Unsterblichkeit. XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 213 2. Ja mit den heiligen Gemei- Wäg alle Reden, prüf dein Lenen, Die heut'vor deinem Antlik ben; Da, Seele, wenn du redstehn, Soll meine Seele fich lich bist, Vergleiche dich mit vereinen, Herr, deine Liebe zu Jesus Christ! erhöhn. Wo sich die Heiligen versammeln, Will ich dein Lob mit Ehrfurcht stammeln; Dort sing' ich in der Engel Chor Ein beßres Lied zu dir empor. 3. An diesem Gott geweihten Orte Erschallt der Gnade Stimme mir; Ich höre, Jesu, deine Worte, Und stille seufzt mein Herz zu dir. Da wirst du Lehrer mir und Tröster, Da kann ich mich, ich dein Erlöster, Weltheiland, deiner Liebe freun, Da lern' ich dir ergebner sein. 4. Die Schriften Gottes still zu lesen Ist heut' mein Glück und meine Pflicht. Wie blind wär'ich, allweises Wesen, Verwärf'ich deinen Unterricht! Nein, nein, mit einfaltvoller Seele Erforsch' ich, Vater, die Befehle, Die lauter Licht und Leben sind, Mit Dank und Demut als ein Kind. 5. Und sammeln sollst du in der Stille, Mein Geist, vor deinem Schöpfer dich! Da frage dich: Was sucht mein Wille, Was quält und was erfreuet mich? Da, da ergründe dein Bestreben, 6. Da, da vergiß nicht deine Sünden, Die du vielleicht noch nie bereut, Mit tiefer Reue zu empfinden, Bis Gott dein schmachtend Herz erfreut! Da, da erwäg des Vaters Güte, Da dank mit Freuden, meinGemüte, Dem Vater der Barmherzigkeit, Ja tief im Staube dank ihm heut'! 7. Und ferne soll von meinem Munde Heut' jede eitle Rede sein; Nein, keine Gott bestimmte Stunde Will ich dem Tand der Erde weihn. Ich will zu Leidenden heut' eilen, Mit ihnen ihren Schmerz zu teilen; Denn Sabbathfei'r ist: Gutes thun Und von der Last des Eitlen ruhn. 8.DTag des Herrn, du Tag der Wonne, Du Tag des Segens für mein Herz! Bestrahle mich, o Lebenssonne, So hebt mein Geist sich himmelwärts! Gott, segne meine Andachtsstille; Erfüll mit deines Geistes Fülle, Mit deines Angesichtes Glanz Mich heut', o Jesus Christus, ganz! Johann Kaspar Lavater 1771. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c.( Matth. 18, 20.) 273. Jesu, Seelenfreund| tigkeit, Wandelnd unter den Geder Deinen, Sonne der Gerech- meinen, Die zu deinem Dienst pr 1001 bbbbbe XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 214 bereit! Komm zu uns, wir sind beisammen, Gieße deine Geistesflammen, Gieße Licht und Leben aus Über dies dein Gotteshaus! nur auf dich, Herr Jefu Chrift! Laß die Hörer tief verstehen, Daß du selbst zugegen bist, Mild in jedes Herz zu kommen. Was nicht wird von dir genommen, Taugt, und wär' es noch so schön, Nicht in deine Himmelshöhn. 5. Komm, o Herr, in jede Seele, Laß sie deine Wohnung sein, Daß dir einst nicht eine fehle In der Gotteskinder Reihn. Laß uns deines Geistes Gaben Reichlich miteinander haben; Offenbare heiliglich, Haupt, in allen Gliedern dich! 6. Was von dir uns zugefloffen, Müsse Geist und Leben sein; Was die Seele hat genossen, Mache sie gerecht und rein. Komm, o Jesu, uns zu segnen, Jedem gnädig zu begegnen, Daß in ew'ger Lieb' und Treu' Jedes dir verbunden sei! Albert Knapp( nach Michael Hahn) 1837. 2. Komm, belebe alle Glieder, Du, der Kirche heilig Haupt; Treibe aus, was dir zuwider, Was uns deinen Segen raubt! Komm, entdeck uns in der Klarheit Gottes Herz voll Gnad' und Wahrheit; Laß uns fühlen allzugleich: Ich bin mitten unter euch! 3. Laß sich die Gemüter kehren Zu dir, Glanz der Ewigkeit; Laß uns innigst nur begehren, Was uns dein Erbarmen beut! Laß dein Licht und Leben fließen Und in alle sich ergießen; Stärke deinen Gnadenbund, Herr, in jedes Herzens Grund! 4. Laß auch unsern Lehrer sehen Eigene Mel.( Apostelgesch. 10, 33. Pf. 36, 10.) 274. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören! Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden! 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsternis umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet: Gutes denken, thun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. 3.D du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, Mach uns allesamt bereit, Öffne Herzen, Mund und Ohren! Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl ges lingen! Tobias Clausniger 1667. XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. Mein Jesus lebt, was 2c.( Pf. 26, 6-8.) 275. Noch fing' ich hier aus dunkler Ferne, Gott meines Lebens, dir mein Lied. Wann einst weit über alle Sterne Dich mein verklärtes Auge sieht, Dann schallet dir im Jubelklang Der Überwinder mein Gesang. 2. Wohl mir indes! Du schaust hernieder, Steigt mein Gebet zu dir hinan; Du hörst den Dank der schwachen Lieder Mit Baterhuld und Gnaden an, Und meine Besserung und Ruh' Nimmt durch ein frommes Lied oft zu. 3. Froh wall' ich hin mit meinen Brüdern Zu deinesTempelsHeiligtum; Da schallt in dir geweihten Liedern DesDankesStimme dir zum Ruhm, Und dann durchdringet meine Brust Ein fromm Gefühl der reinsten Luft. 4. Die Kraft von deinen Himmelslehren Durchdringt und hebet meinen Geist, Wenn er, vereint mit heil'gen Chören, Gott, 215 2. Du verheißest ja den Deinen, Daß du wollest Wunder thun deinen großen Namen preist, Anbetung dir und Ehre bringt Und Fülle der Empfindung singt. 5. Zwar hab' ich auch in stillen Stunden, Wenn ich dir meine Freuden sang, Der Andacht Seligkeit empfunden, Die durch die frohe Seele drang; Mein Herz, wenn dir mein Lied erscholl, Ward seliger Empfindung voll; 6. Doch ward, dich inniger zu loben, Oft, wenn sie kalt und träge war, Die Seele mehr zu dir erhoben, Wenn meiner Miterlösten Schar Sich bis zu deinem Throne schwang Und dir aus vollen Chören sang. 7. Drum will ich mit den frommen Scharen Auch gern zu deinenTempeln gehn, Wo einst auch die versammelt waren, Die nun vor deinem Throne stehn. Sie schauten auch im dunklen Wort, Von Angesicht schaun sie dich dort. Heinrich Erhard Heeren 1778. Mel. Ach, wann werd' ich dahin kommen zc.( Matth. 18, 20. Joh. 17, 17.) 276. Jesu, Brunn des ew'gen| Und in ihrer Mitt' erscheinen: Lebens, Stell, ach stell dich bei uns ein; Laß uns nun und nie vergebens Wirken und beisammen sein! Ach erfüll's, erfüll's auch nun! 3. Herr, wir tragen deinen Namen, Herr, wir sind auf dich getauft; Denn du haft zu deinem Samen Uns mit deinem Blut erkauft. acababababab 216 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 4. D so laß uns dich erkennen; winnen Zu des Glaubens WeKomm, erkläre selbst dein Wort, senheit! Daß wir dich recht Meister nennen Und dir folgen immerfort! 5. Bist du mitten unter denen, Welche sich nach deinem Heil Mit vereintem Seufzen sehnen, O so sei auch unser Teil! 6. Lehr uns singen, lehr uns beten, Hauch uns an mit deinem Geist, Daß wir vor den Vater treten, Wie's dein Mund die Kinder heißt! 7. Sammle die zerstreutenSinnen, Wehr der Flatterhaftigkeit; Laß uns Licht und Kraft ge8.D gesalbtes Haupt der Glie der, Nimm auch uns zu solchen an; Bring das Abgefallne wieder Auf die frohe Himmelsbahn! 9. Gieb uns Augen, gieb uns Dhren, Gieb uns Herzen, die dir gleich; Mach uns redlich, neugeboren, Herr, zu deinem Himmelreich! 10. Ach ja, laß uns Christen werden, Christen, die ein Licht der Welt, Christen, die ein Salz der Erden, Wie's dem Vater wohlgefällt! Hieronymus Annoni 1738. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc.( Qut. 11, 28. Pf. 121, 8.) Gottes Geist uns ferner leitelind uns alle wohl bereite. 277. Nun gottlob! es ist| Wandeln fein aufGottes Wegen; vollbracht Singen, Beten, Lesen, Hören; Gott hat alles wohlgemacht, Drum laßt uns sein Lob vermehren; Unser Gott sei hochgepreiset, Daß er uns so herrlich speiſet. 3. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen, Segne unser täglich Brot, Segne unser Thun und Laffen, Segne uns mit sel'gem Sterben Und mach uns zu Himmelserben! 2. Weil der Gottesdienst ist aus, Uns auch mitgeteilt der Segen, Gehn im Frieden wir nach Haus, Hartmann Schenk vor 1681. 2. Ach sei mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her! Wenn diese Eigene Mel.( 2 Kor. 13, 13.) 278. Ach sei mit deiner Gna-| uns nicht bliebe, Fiel' uns die de Bei uns, Herr Jesu Christ, Auf daß uns nimmer schade Des bösen Feindes List! Welt zu schwer. 3. Ach heil'ger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit Mit unfrem Geist, und walte Du bis in Ewigkeit! Karl Bernhard Garve 1827. XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Bei Einweihung von Kirchen. Mel. Wie schön leucht't zc.( 1 Mof. 28, 17. 1 Kön. 8, 29.) 279. Gott Bater, aller Dinge Grund, Gieb deinen Vaternamen kund An diesem heil'gen Orte! Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Herzen wallen auf zu dir; Hier ist des Himmels Pforte. Wohne, Throne Hier bei Sündern, Als bei Kindern, Voller Klarheit; Heil'ge uns in deiner Wahrheit! 2. Sohn Gottes, Herr derHerrlichkeit, Dies Gotteshaus ist dir geweiht: Olaß dir's wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, Dein Segen walte fort und fort In diesen Friedenshallen. Einheit, Reinheit Gieb den Herzen; Angst und Schmerzen Tilg in Gnaden, Und nimm von uns allen Schaden! 217 2. Herr, in wildverwachsnen Hainen, Auf dem öden Feld von Steinen Oder in der Höhle 3. D heil'ger Geist, du wertes Licht, Wend her dein göttlich Angesicht, Daß wir erleuchtet werden! Gieß über uns und dieses Haus Dich mit allmächt'gen Flammen aus, Mach himmlisch uns auf Erden, Lehrer, Hörer, Kinder, Väter! Früher, später Geht's zum Sterben: Hilf uns Jesu Reich ererben! 4. Dreiein'ger Gott! Lob, Dank und PreisSei dir vom Kinde bis zum Greis Für dies dein Haus gesungen! Du hast's geschenkt und auferbaut, Dir ist's geheiligt und vertraut Mit Herzen, Händen, Zungen. Ach hier Sind wir Noch in Hütten; Herr, wir bitten: Stell uns droben In den Tempel, dich zu loben! Albert Knapp 1832. Mel. Alles ist an Gottes Segen 2c.( Ps. 118, 27. 28. Offenb. Joh. 3, 10. 11.) 280. Biert das Thor mit fri-| Graun Hießest du die heil'gen schen Zweigen, Laffet keineGlocke Männer Deine frühesten Bekenschweigen, Stimmt in frohes ner Durch dein Gnadenwort erLoblied ein! Solches Zeichen baun. sei gegeben, Daß wir unsers Glaubens leben Und in Gottes Haus uns freun. 3. Wenn des FeindesHäscher kamen, Litten sie für deinen Namen Mit verklärtem Angesicht; Und in tausend Seelen hallte Nach ihr Seufzer: Herr, behalte Ihnen diese Sünde nicht! XV. Tag des Herrn und. Gottesdienst. 218 4. Jeho führen sichre Pfade, Jedem winkt das Haus der Gnade, Orgeltöne laden ein. Aber sind, die heute kommen, Auch so fromm wie jene Frommen, Die dir dienten in der Pein? 5. Schenk uns doch inHaus und Hütte Guten Glauben, reine Sitte, Wie dir's wohlgefallen mag; Hilf uns durch Gebet bereiten, Auch mitzucht in Fröhlichfeiten Vor dir heil'gen diesen Tag! 6. Ob die Zeit auch wiederkehre, Wo man uns des HeilandsLehre Wehren will mit frechem Mut, O dann wollest deinen Haufen Du in solcher Drangsal taufen, Sei's mit Feuer oder Blut! Friedrich v. Kölle vor 1837. Bei Einsegnung von Geistlichen. Mel. Nun danket alle Gott 2c.( Ps. 68, 12. 2 Ror. 5, 18-20. Mal. 2, 7.) 281. Herr Jesu, der du felbst Von Gott als Lehrer kommen, Und wie du's in dem Schoß Des Vaters hast vernommen, Den rechten Weg zu Gott Mit Wort und Werk gelehrt, Sei für dein Predigtamt Gelobt von deiner Herd'! an das End'der Erden; Und weil die Ernte groß, Groß Arbeit und Beschwerden, Schick selbst Arbeiter aus Und mach sie klug und treu, Daß Feld und Baumann gut, Die Ernte reichlich sei! 2. Du bist zwar in die Höh'Zum Vater aufgefahren, Doch giebst du noch der Welt Dein Wort mit großen Scharen Und baust durch diesen Dienst Die Kirche, deinen Leib, Daß er im Glauben wachs' Und fest ans Ende bleib'. 3. Hab Dank für dieses Amt, Durch welches man dich höret, Das uns den Weg zu Gott Und die Versöhnung lehret, Durchs Evangelium Ein Häuflein in der Welt Berufet, sammelt, stärkt, Lehrt, tröstet und erhält. 4. Erhalt uns diesen Dienst Bis 5. Die du durch deinen Ruf Der Kirche haft gegeben, Erhalt bei reiner Lehr' Und einem heil'gen Leben; Leg deinen Geist ins Herz, Das Wort in ihren Mund: Was jeder reden soll, Das gieb du ihm zur Stund'! 6. Ach segne all dein Wort Mit Kraft an unsern Seelen, Laß deiner Herd' es nie An guter Weide fehlen; Such das Verirrte selbst, Das Wunde binde zu, Das Schlafende weck auf, Das Müde bring zur Ruh'! 7. Bring, was noch draußen ist, zu deiner kleinen Herde; Bei Ginsegnung von Geistlichen. 219 Was drinnen ist, erhalt, Daß Herd' und Hirt Jm Glauben, es gestärket werde; Durchdring Herr, an dich Zusammen selig mit deinem Wort, Bis einstens wird! Ludwig Eberhard Fischer 1741. Mel. Wie schön leucht't zc.( Pf. 118, 26. Ebr. 13, 17.) 282. Jesu, Herr der Herr-| ihm ruhn, Hilf ihm sein Amt lichkeit, Du König deiner Chris tenheit, Du Hirte deiner Herde! Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst sie, wie es dir gefällt, Willst, daß sie selig werde. Uns auch Hast du Hier erwählet, Zugezählet Den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. mit Freuden thun, Wend ab, was ihn betrübet! Wann er uns deine Wahrheit lehrt, So gieb ein Herz, das willig hört, Sich gern im Guten übet! Lehrer, Hörer Laß in Freundschaft und Ge meinschaft Feste stehen und den Weg zum Leben gehen! 5. Wann einst dein großer Tag erscheint, Laß ihn als unsrerSeelen Freund Uns dir entgegenführen! Du hast die Seelen all gezählt, Du willst es nicht, daß eine fehlt, Willst keine ja verlieren. Jesu, Hilf du, Reich die Hände, Daß am Ende Hirt und Herde Treu vor dir erfunden werde! 2. Du rufest deinen Boten zu: Geht, führt mein Volk dem Himmel zu, Pflegt sein mit frommem Triebe! Dringt ein mit Eifer und mit Kraft Ins Wort, das neue Seelen schafft Durch Buße, Glaub' und Liebe! Laffet Euren Eignen Seelen Ernst nie fehlen, Daß die Herden mit den Hirten selig werden! 3. Wir nehmen als aus deiner Hand Den Lehrer, der uns ist gefandt: Herr, segne sein Geschäfte! Die Seelen, die sich ihm vertraun, Durch Wort und Wandel zu erbaun, Schenk Willen, Weisheit, Kräfte! Lehr ihn, Hilf ihm Wirken, leiden, Sünde mei den, Beten, wachen, Selig sich und uns zu machen! 4. Herr, deinen Geist laß auf 6. So komm denn als ein Knecht des Herrn, O komm im Namen unsers Herrn, In Jesu Christi Namen! Nimm, Hirte, nimm uns bei der Hand, Führ uns zum ew'gen Vaterland! Gott mit dir! Amen, Amen. Mit dir Gehn wir, Wie durch Freuden So durch Leiden, Zu dem Leben, Das uns Jesus dort will geben. Johann Daniel Karl Bickel 1779. sebebes 220 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. Ja, Tag des Herrn zc.( Ps. 132, 9. Jef. 55, 10. 11.) 283. Umgürte die, o Gott, mit Kräften In ihrem Amt, Beruf und Stand, Die zu des Predigtamts Geschäften Dein gnadenvoller Ruf gesandt! Lehr du sie, so sind sie gelehret; Erneure, die du, Herr, bekehret; Hilf ihnen selbst, so wird allein Ihr Amt an uns gesegnet sein. 2. Laß auf ihr Pflanzen, Säen, Bauen Des Geistes Kraft von oben her zum reichlichsten Gedeihen tauen; Vermehr dein Reich je mehr und mehr! Mach sie zum Vorbild uns im Wandeln, Begleite du ihr Thun und Handeln; Mach sie für jeden Fall bereit mit Weisheit, Mut und Tapferkeit! 3. Gieb, daß von deiner ganzen Herde, Die du selbst ihnen anvertraut, Kein einziges verloren werde! Mach auch die Wüsten angebaut; Laß in der umgebrochnen Erden Dein Wort zur Saat des Lebens werden, Daß es auf jener Ernte Tag Dir Früchte hundertfältig trag'! 4. Dein Wort laß einem Strome gleichen, Der mächtig durch die Lande fleußt, Dem alle Felsen müssen weichen, Der alle Dämme niederreißt, Der alles reinigt, alles bessert, Der alle dürren Gründe wässert, Der alle harten Felder zwingt Und in die tiefsten Riffe dringt. 5. Reich ihnen deines Geistes Waffen, Der Feinde Grimm zu widerstehn; Laß sie beim Bitten und Bestrafen Auf Menschengunst und Furcht nicht sehn! Gieb, wenn sie lehren, Überzeugung; Gieb, wenn sie warnen, tiefe Beugung; Gieb, wenn sie trösten, Kraft und Licht Und felfenfeste Zuversicht! 6. D Herr, wir trauen deiner Liebe, Die bis hieher mit Rat und That Die Deinen aus Erbarmungsliebe In ihrem Amt geleitet hat; Du wirst das Deine selbst bewachen und deinen Segen größer machen; Der Hirten sind die Schafe nicht, Nein, dein sind sie, o Seelenlicht. 7. Wir sind mit deinem Blut er kaufet, Drum denke an dein teures Blut; Wir sind in deinen Tod getaufet, So schüße dein erstrittnes Gut! Dein Vater hat uns dir erwählet Und uns zu seinem Volk gezählet; Wir blicken, Herr, getroft auf dich, Weid und erhöh uns ewiglich! Nach David Samson Georgii 1726. XVI. Heilsordnung. XVI. Heilsordnung. A. Buße und Bekehrung. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c.( Apostelgesch. 17, 24-31.) 284. Du hast ja dieses mei-| mich nicht ergößen, Noch meine ner Seele, D Herr, gleich anfangs eingesenkt, Daß sie in die ser Leibeshöhle Nach was Unendlichem sich lenkt. Sie sucht und wünschet immerzu Und findet nirgends ihre Ruh'. 2. Gerechter Gott, wie hat die Sünde Mir doch das Ziel so sehr verrückt, Daß ich nunmehr auch gar nichts finde, Was meine Seele recht erquickt! In dir allein ist wahre Ruh': Bring, Herr, mein armes Herz dazu! 3. Ach, mache von den Eitelfeiten Der Welt, o Herr, mich ganz befreit, Und ziehe mich von allen Seiten Zurück von der Vergänglichkeit, Damit ich durch solch Stillesein Zur wahren Ruhe kehre ein! 221 4. Zeuch mich, o Bater, zu dem Sohne, Sonst bin ich ein verloren Kind, Daß er durch Glauben in mir wohne, Und ich in ihm die Ruhe find'! Denn durch den Glauben ist er mein, Und ich bin durch den Glauben sein. 5. Sonst alles ist für nichts zu schätzen, Es mag auch heißen, wie es will; Pracht, Reichtum kann Seele machen still; Was Kinder dieser Welt erfreut, Bringt Gottes Kindern Traurigkeit. 6. Geehret sein in Menschenaugen Und ihrerGunst versichert sein, kann nichts an meinem Ende taugen, Im Leben ist's ein bloßer Schein. Drum laß mich, Jesu, diese Zeit Anwenden für die Ewigkeit! 7. Laß mich nach dieser Ehre trachten, Daß ich nur dir gefällig sei Und lerne diese Welt verachten, Die nichts ja hat als Täuscherei! Wer aber dir, o Gott, gefällt, Der hat das beste Teil erwählt. 8. Wie wird mich aller Reichtum trösten, Wenn ich die Welt verlassen soll, Und hätte ich des Allerbesten Gleich alle meineHabe voll? Dagegen dein getreuer Sinn Ist mir der seligste Ge winn. 9. Drum laß mich dich allein be halten, O Herr, mein allerhöchstes Gut! DJesu, wann ich soll erkalten, So stärke meinen blöden Mut Und rede meiner Seele zu: Komm, gehe ein in deine Ruh'! Johann Ulrich Frommann 1702. DYOOK bebebe 222 XVI. Heilsordnung. Mel. Mache dich, mein Geist 2c,( Eph. 5, 14.) 285. Sichrer Mensch, noch ist es Zeit, Aufzustehn vom Schlafe; Nah' ist dir die Ewigkeit, Nahe Lohn und Strafe. Hör, Gott spricht! Säume nicht Seinen Ruf zu hören Und dich zu bekehren! 2. Noch tönt nicht zum Weltgericht Der Posaune Stimme; Noch sinkt dieser Erdball nicht Vor des Richters Grimme. Aber bald, Bald erschallt Gottes Ruf: zu Erden Sollst du wieder werden! 3. Kommt nun, eh' du es gedacht, In der Sünde Freuden Deines Lebens letzte Nacht, Was wirst du dann leiden, Wann dein Herz, Von dem Schmerz Deiner Schuld zerrissen, Wird verzagen müssen! 286. Kehre wieder, kehre wieder, Der du dich verloren hast; Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen Und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen; Kehre wieder, zaudre nicht! 4. Wann vor deinemAntlit sich Jede Sünd' enthüllet, Wann dann jede, jede dich Ganz mit Graun erfüllet, Dich nichts dann Stärken kann, Reine deiner Freuden: Was wirst du dann leiden! 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung In die Einsamkeit zurück, Wo ingeistiger Erneuung Deiner 5. Nah' dem Untergang wirst du An des Grabes Stufen Bang um Trost und Seelenruh' Dann vergebens rufen: Rette, Gott, Mich vom Tod! Rette noch im Sterben Mich von dem VerDerben! Eigene Mel.( Jer. 3, 12. 13.) 6. Noch, noch wandelst du, o Christ, Auf des Lebens Pfade; Nahe zur Errettung ist Dir noch Jesu Gnade. Eil ihr zu! Du wirst Ruh' Für dein Herz empfinden Und Vergebung finden. Christoph Christian Sturm 1779. harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen, Die das Herz so wild bewegen, Wo des heil'gen Geistes Mahnen Dumit stillem Beben hörst Und von neuem zu den Fahnen Jesu Christi heilig schwörst. 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz Beut Vergebung deinem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz. Sieh auf den, der voll Erbarmen Dir mit ausgestreckten Armen Winket von dem Kreuzesstamme! A. Buke and Bekehrung. Kehre wieder! Fürchte nicht, Daß der Gnäd'ge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht! 4. Kehre wieder! Neues Leben Trink in seiner Liebeshuld! Bei dem Herrn ist viel Vergeben, Große Langmut und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen: Er hat Trost für alle Schmerzen, Er kann alle Wunden heilen, Macht von allen Flecken rein; 223 Darum kehre ohne Weilen zu ihm um und bei ihm ein! 5. Kehre wieder! Endlich kehre In der Liebe Heimat ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein, Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klarheit, Aus dem Tode in das Leben, Aus der Welt ins Himmelreich! Doch, was Gott dir heut' will geben, Nimm auch heute, kehre gleich! Karl Johann Philipp Spitta 1833. Mel. Durch Adams Fall 2c.( 2 Tim. 2, 19. Eph. 3, 16. 17.) 287. Wer sich auf seine Schwachheit stüßt, Der bleibt in Sünden liegen; Und wer nicht Kraft und Zeit benütt, Wird sich gewiß betrügen; Den Himmelsweg Und schmalen Steg Hat er nie angetreten, Er weiß auch nicht In Gottes Licht, Was kämpfen sei und beten. 2. Was jetzt die Welt nur Schwachheit heißt, Jst ihrer Bosheit Stärke; Dadurch vermehrt der böse Geist Sehr mächtig seine Werke. Auf, Seele, auf! Lenk deinen Lauf Zur Allmacht, die dich rettet! Des Heilands Hand Zerreißt das Band, Womit du angekettet. 3. Der erste Schritt im Christentum Heißt: von der Sünde scheiden; Denn bei dem wahren Glaubensruhm Muß man die Weltlust meiden. Wenn Christi Geist Die Seele reißt Aus ihren Todesbanden, Sospürtsie Kraft, Die Jesus schafft, mit dem sie auferstanden. 4. Mein Jesu, steh mir mächtig bei, Laß mich gekräftigt werden; Gerechtigkeit und Stärke sei Mein bestes Teil auf Erden. Du machst gerecht Uns, dein Geschlecht, Und willst zugleich uns stärken, Daß wir in dir Des Glaubens Zier, Die Macht der Gnade merken. 5. Brich durch, o starker Gottessohn, Damit auch wir durchbrechen Und freudig nahn dem Gottesthron, Nicht mehr von Schwachheit sprechen! Denn deine Hand Will ja das Pfand Yobleef ablablables 224 XVI. Heilsordnung. Des Glaubens gern uns geben, Satans Macht und Lift Uns Damit wir, frei Von Heuchelei, schwächen will im Kämpfen! Im Streit stets fiegreich leben. Wenn uns die Welt Viel Nete 6. Gieb Kraft, wo keine Kraft stellt, GiebKraftsiezuvernichten; mehr ist, Gieb Kraft, das Fleisch So wird in Not, Ja selbst im zu dämpfen; Gieb Kraft, wenn Tod Uns deine Kraft aufrichten. Bernhard Walther Marperger 1722. Mel. Es ist gewißlich 2c.( Matth. 23, 37. Offenb. Joh. 3, 3.) 288. Mensch, ermuntre deinen Sinn! Wie lange willst du schlafen? Auf, auf, die Stunden gehn dahin, Schon nahen Gottes Strafen. Vor ihm besteht der Sünder nicht; Und geht er mit dir ins Gericht, Wo willst du Rettung finden? 2. Das eitle Wesen dieser Zeit Hat dich mit Nacht bedecket, Daß aus dem Schlaf der Sicherheit Dich keine Warnung wecket. Du freuest dich der trägen Ruh' Und drückest gern die Augen zu, Dem Lichte zu entweichen. 3. Gott rufet laut, du schlummerst fort; Er droht dir, doch vergebens; Er zeiget dir in seinem Wort Die Strafen jenes Lebens, Du aber merkest wenig drauf, Fährst fort in deinem SündenLauf, Willst keinen Führer leiden. 4. Dein Heiland weinet über dich, Du lachst in deinen Sünden; Er sucht und locket dich zu sich, Du lässt dich nimmer finden; Er fleht, du nimmst kein | Bitten an; Er thut mehr als ein Bruder kann, Du spottest seiner Liebe. 5. Du siehst, wie mancher Sünder fällt, Wenn Gott die Strafe sendet; Doch bleibest du ein Kind der Welt, Von ihrem Tand verblendet. Des Nächsten Sturz erschreckt dich nicht; Du glaubst, daß Gottes Zorngericht Dich niemals treffen werde. 6. Gott, laß in mir nach deiner Huld Der Gnade Licht entbrennen, Damit ich meiner Sünden Schuld Recht gründlich mög' erkennen! O Jesu, Glanz der Herrlichkeit, Durchleuchte meine Sicherheit, Daß ich mein Elend schaue! 7. D heil'ger Geist, laß deis nen Strahl Durch meine Seele dringen, Hilf, daß ich endlich mög' einmal Den Sündenschlaf bezwingen! Gott, thu mir Herz und Augen auf, Daß mich der fichre Sündenlauf Nicht zur Verdammnis führe! Nach Johann Christoph Wenkel 1703. A. Buße und Bekehrung. Eigene Mel.( Matth. 11, 28-30.) 289. Kommt her zu mir,"| Tod; Wenn einer liegt in letzter spricht Gottes Sohn, ,, Jhr, de- Not, Da will er erst fromm wernen mit der Sünde Lohn Das den. Er schaffte dies, er schaffte Herz ist schwer beladen! Ihr das, Der armenSeel' er ganz verJungen, Alten, Frau und Mann, gaß, Dieweil er lebt' auf Erden; Ich will euch geben, was ich kann, 7. Und wenn er nimmer leben Will heilen euren Schaden! kann, So hebt er große Klagen 2. Mein Joch ist sanft, leicht an, Will schnell sich Gott ermeine Last, Und jeder, der sie geben. Ich fürcht' fürwahr: die willig faßt, Der wird der Höll' göttlich' Gnad', Die er allzeit entrinnen. Ich helf' ihm tragen, verschmähet hat, Wird schwerlich was zu schwer, Mit meiner Hilf' ob ihm schweben. und Kraft wird er Das Himmelreich gewinnen. 3. Was ich gelitten und gethan In meinem Leben, schauet an, Das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenket, sprecht und thut, Das geht nur selig, recht und gut, Wenn's geht nach Gottes Willen." 4. Gern wollt' die Welt auch selig sein, Wenn nur nicht wär' die Schmach und Pein, Die alle Christen leiden. Doch mag es ja nicht anders sein; Darum ergebe sich darein, Wer ew'ge Bein will meiden. 5. Heut' ist der Mensch jung, schön und stark, Ist morgen krank und liegt im Sarg, Wenn Gott ihn heißet sterben; Gleichwie die Blumen auf dem Feld Wird auch die Herrlichkeit der Welt In einem Nu verderben. 6. Die Welt erzittert vor dem Evangelisches Gesangbuch. 225 8. Dem Reichen hilft nicht großes Gut, Dem Jungen nicht sein stolzer Mut, Er muß aus diesem Maien. Wenn einer gäb' die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, Doch muß er an den Reihen. 9. Gelehrten hilft nicht Wit noch Kunst, Die weltlich' Pracht ist gar umsonst: Wir müssen alle sterben. Wer nicht in seiner Gnadenzeit In Jesu Christ sich macht bereit, Ewig muß der verderben. - 10. Drum merket, die da wohlgesinnt Als gottergebne Kinder sind, Laßt euch die Müh' nicht reuen! Bleibt stets am heil'gen Gotteswort, Das ist der Seelen höchster Hort; Gott wird euch schon erfreuen. 11. Schaut, daß ihr Guts um übles gebt; Schaut, daß ihr hier unschuldig lebt; Laßt euch die 15 bete 226 XVI. Hellsordnung. Welt nur schelten! Laßt Gott die| Und will durch Züchtigung das Rach' und alle Ehr', Den schma- Herz Zur ew'gen Freud'erhalten. len Weg geht immer her! Der Welt wird Gott vergelten. 12. Wenn es euch ging nach Fleisches Mut, In Gunst, Gesundheit, großem Gut, Jhr würdet bald erkalten. Drum schickt Gott Trübsal her und Schmerz Eigene Mel.( Psalm 130.) 290. Aus tiefer Not schrei'| laffen sich und seiner Güte trauen, ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig, Herr, zu mir und meiner Bitt' es öffne! Denn so du das willst sehen an, Was Sünd' und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? Die mir zusagt sein wertes Wort; Das ist mein Trost und treuer Hort, Des will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thut Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gottes harret. 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad' und Gunst, Die Sünde zu vergeben; Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, Des muß dich fürchten jedermann Und deiner 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. D. Martin Luther 1523. Gnade leben. - 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll 13.Und was derewig treueGott In seinem heiligen Gebot Verheißt bei seinem Namen, Das hält und giebt er euch fürwahr. Er helf uns zu der Engel Schar Durch Jesum Christum! Amen. 1530. Mel. O Gott, du frommer Gott zc.( Röm. 7, 18-25.) Jesu, sieh darein| len hab' ich wohl, Doch das Vollbringen nicht, Weil es dem matten Geist An aller Kraft gebricht. 2. Die Sünd' hat mich bestrict, 291. Und hilf mir Armen siegen! Mein Herz fühlt nichts als Tod, Mein Geist muß unterliegen. Das Wol A. Buße und Bekehrung. 227 Der Tod hat mich gefangen; Wo- der Gnade fließen! Ich fleh', ich hin ich geh' und seh', Nichts stillet mein Verlangen. Einst meint' ich hoch zu stehn, Nun lieg' ich tief im Staub, Und mein erträumter Ruhm Wird nun des Spottes Raub. laß dich nicht, Bis deine Segenskraft In mir den Tod besiegt Und neues Leben schafft. 6. Du hast es zugesagt, Du willst mich gern erquicken, Wenn mein verkehrter Sinn Sich nur zu dir will schicken, Wenn er dir opfert auf, Was ihm für Freude galt, Daß deine Liebe nur Gewinn' in mir Gewalt. 7. So nimm denn alles hin! Ich will mir nicht mehr leben, Ich will mich ganz und gar In deine Führung geben. Ach, fasse mich nur fest; Mach mich von Sünden frei, Damit forthin mein Herz Dein reiner Tempel sei! 8. Wirst du in mir, mein Heil, So kräftig dich verklären Und mich zu deinem Bild Durch Sterben neu gebären, So weicht die Unruh' weg, Der Sünde Macht zerbricht, Ich finde Fried' und Ruh In deinem Angesicht. Nach Johann Konrad Dippel 1714. 3. Ich wirk', ich lauf', ich renn', Und weiß doch nicht zu finden Den Weg zur wahren Ruh' Und mich zu überwinden; Mich schließt der Sünde Macht Recht in die Fesseln ein, Ich muß ein Sklav' der Lust Und meines Fleisches ſein. 4. Du, Jesu, du allein Kannst meinen Jammer wenden; Mein Können stehet nur In deinen starken Händen. Wo du mir nicht die Kraft Zum Leben gießest ein, So wird mein Sehnen selbst zu nichts als lauter Pein. 5. Drum, Herr, erbarme dich, Ich liege dir zu Füßen: Laß in mein schwaches Herz Den Strom Mel. Aus tiefer Not 2c.( Psalm 51, 3-14.) 292. Ich will von meiner| empfinden, 3ft ohne deines GeifMissethat Zum Herren mich bekehren. Du wollest selbst mirHilf' und Rat Hiezu, o Gott, bescheren Und deines guten Geistes Kraft, Der neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir gewähren. tes Licht Blind, taub und tot in Sünden; Verkehret ist Sinn, Will' und Thun. Des großen Jammers wollst du nun, O Va= ter, mich entbinden! 2. Der Mensch kann von Natur doch nicht Sein Elend selbst 3.Herr, klopf in Gnaden bei mir an Und führ mir wohl zuSinnen, Was Böses ich vor dir gethan! 2000 TOYOORS 228 XVI. Heilsordnung. Du kannst mein Herz gewinnen,| ners Macht Und Feuer auf mich Daß ich aus Kummer und Be- dringen; Es regt sich wider mich schwer Laff' über meine Wangen zugleich Des Todes und der her Viel heiße Thränen rinnen. Hölle Reich, Die wollen mich verschlingen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den Reichtum deiner Gnaden! Mein Leben dank' ich deiner Hand; Du gabst auf allen Pfaden Mir manches Gut nebst Kleid und Brot; Du machtest, daß mir keine Not Bisher hat können schaden. 9. Wo bleib' ich denn in solcher Not? Nichts helfen Thor und Riegel. Wo flieh' ich hin? O Morgenrot, Hätt' ich doch deine Flügel! Verbirg du mich, o fernes Meer; Bedecket mich, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Berg' und Hügel! 10. Ach nur umsonst! Und könnt' ich gleich Bis in den Himmel steigen, könnt' ich mich auch hinab ins Reich Der tief sten Hölle beugen, So würde mich doch deine Hand Dafinden, und von meiner Schand' Und großen Sünde zeugen. 11. Herr Christ, ich fleh' zu dir allein, Du hast mein Heil erfunden; Laß mich in dir verborgen sein und bleiben alle Stunden! Du tilgtest ja, du Gotteslamm, Der Menschen Sünd' am Kreuzesstamm mit deinen heil'gen Wunden. 5. Du hast in Chrifto mich erwählt Tief aus des Todes Fluten; Es hat mir sonst auch nicht gefehlt An irgend einem Guten. Zuweilen ward ich auch dabei, Daß ich nicht sicher lebt' und frei, Gestäupt mit Vatersruten. 6. Hab' ich mich denn bis jetzt vor dirGehorsams auch beflissen? Ach nein, ein andres saget mir Mein Herz und mein Gewissen; Darin ist leider nichts gesund, An allen Orten ist es wund, Von Sünd' und Reu' zerriffen. 7. Bisher hab' ich in Sicherheit Fast unbesorgt geschlafen, Gedacht: es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu ftrafen, Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge, denn es hat Geduld Der Hirte mit den Schafen. 12. Hier ist mein Herz! O mach es rein Von allen seinenSünden; Laß es dir ganz geheiligt sein, Ganz deine Lieb' empfinden; O schaffe mich im Grunde neu, Daß ich, im Glaubenskampfe treu, 8. Dies alles jetzt zugleich erwacht: Mein Herz will mir zerspringen! Ich fühle deines Don- Die Welt mög' überwinden. Lied der Kurfürstin Luise Henriette von Brandenburg. 1653. A. Buße und Bekehrung. Eigene Mel. Sollt' es gleich bisweilen scheinen zc.( Luk. 15, 18. 19.) 293. Auf will ich von Sün-| weihn, Mich in dir, mein Gott, den stehen und zu meinem Vater erfreun. gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tod ist nah' und Ewigkeit. 2. Sieh mich wieder zu dir kehren; Gott, ich will dein Rufen hören, Will in Zukunft dir allein Eigen und geheiligt ſein. 3. Vater, ich will nimmer fehlen, Ich will jene Straße wählen, Die du mit des Kreuzes Last Und mit Blut bezeichnet hast. 4. Ich will jene Freuden mei den, Die von deiner Liebe scheiden, Dir mich ganz von Herzen 229 2. Erbarm dich mein bei solcher Last, Nimm sie von meinem Herzen, Dieweil du sie gebüßet hast Am Kreuz mit Todesschmerzen, Auf daß ich nicht mit großem Weh In meinen Sünden untergeh' Noch ewiglich verzage! 3. Fürwahr, wenn alles mir kommt ein, Was ich mein Tag begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein Und hält mich 5. Ich will Sünde fliehn und haffen, Nie dich, meinen Gott, verlassen, Nie mich richten nach der Welt, Niemals thun, was dir mißfällt. 6. Halt mich feft in deiner Gnade, Führe mich auf rechtem Pfade, Daß ich dir beständig treu Und im Guten standhaftſei. 7. Auf will ich von Sünden stehen und zu meinem Vater gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tod ist nah' und Ewigkeit. Württ. Gesangbuch 1791. Eigene Mel. ( Psalm 6.) 294. Herr Jesu Christ, du| Furcht umfangen; Ja ich weiß höchstes Gut, Du Brunnquell aller Gnaden! Sieh doch, wie ich in meinem Mut Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab' der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder quälen. weder aus noch ein Und müßte gar verloren sein, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Doch durch dein teures Wort erwacht Mein Herz zu neuem Leben; Erquickung hat es mir gebracht, Jch darf nicht trostlos beben, Dieweil es Gnade dem verheißt, Der sich mit tief zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, wendet. 5. So komm'ich jetzt zu dir allhie In meiner Not geschritten Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Vergieb es mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab' gesündigt! Cacace.OYOOL 230 XVI. Heilsordnung. 6. Vergieb mir's doch, o Herr,| Mut, Heil mich mit deinen Wunmein Gott, Um deines Namens den, Wasch mich mit deiner willen! Du wollst in mir die Gnade Flut In meinen letzten große Not Der Übertretung stil- Stunden, Und nimm mich einst, len, Daß sich mein Herz zufrieden wann's dir gefällt, In wahrem geb'Und dir hinfort zu Ehren leb' Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten! In kindlichem Gehorsam. 7.Stärk mich mit deines Geistes Bartholomäus Ringwaldt 1588. Mel. Wachet auf! ruft zc.( 2 Mos. 34, 6. 7. 1 Petri 1, 13.) 295. Gott, der du allen gütig, Barmherzig, gnädig und langmütig, Voll Treue, Huld und Liebe bist! Sieh, wie ich meine Sünde mit reuendem Gemüt empfinde, Die groß und viel und greulich ist! Sieh, wie mich die ses schmerzt! Jch hab' versäumt, verscherzt Deine Gnade, So viel Geduld, So große Huld, Und zwar aus meiner eignen Schuld. 2. Vergieb mir dies Verbrechen; Denn willst du unsre Sünden rächen, Wer will vor deinem Zorn bestehn? Du drohst nach vielem Locken Ein Herz mit Blindheit zu verstocken, Das nicht auf deinen Wink will sehn. Vergieb, o Vater, mir! Ach, mein Herz seufzt zu dir: Gnade, Gnade! Ach gehe nicht In dein Gericht; Verbirg mir nicht dein Angesicht! nicht lehren, Wird er mein Herz nicht selbst bekehren, So weiß ich, daß es thöricht bleibt. Mein Vater, wo du mich nicht leitest, irre ich; Jesu Gnade Und deren Schein Soll nur allein Mein Leitstern, meine Weisheit sein. 4. Herr, ohne deine Gnade Bleib' ich stets auf der Sünde Pfade, Vor dir stets strafbar, o mein Gott! Wirst du mir nicht das Leben, Geist, Seligkeit und Kräfte geben, So bleib' ich bös, in Sünden tot. Drum ruf' ich, Herr, zu dir: Gieb deine Gnade mir, Gott der Gnaden! Denn deine Kur Verbessert nur Die so verdorbene Natur. 3. Jch bleibe stets im Dunkeln, Wo nicht der Gnade Strahlen funkeln, Die meine Finsternis vertreibt. Wird mich dein Geift 5.Laß alle meine Kräfte, Gedanken, Reden und Geschäfte Durch deine Gnade heilig sein! Laß meinen bösen Willen Nichts wollen, lieben und erfüllen; Was dieser wirkt, kann nicht gedeihn! Ist etwas recht vor dir, zu sol chem schenke mir Deine Gnade! Denn was beruht AufFleisch und A. Buße und Bekehrung. Blut, Jst, guter Gott, vor dir nicht gut. 6. Herr, es sind Gnadenwerke: Der Liebe Glut, des Glaubens Stärke, Der Hoffnung Trost; die schenke du! Mein einziges Vergnügen, Mein Lebensfunk' in legten Zügen, Mein Ruhm, mein Segen, meine Ruh', Mein Alles soll nur sein, Gott, deine Gnad' allein, Deine Gnade! Es bleibt dabei, Daß ich aufs neu' Das, was ich bin, aus Gnaden sei. 7. Nur du, Gott aller Gnaden, Wirkst alles Guts, heilst allen Schaden: Was deine Gnade schafft, ist gut. Laß sie mir De mut geben, Geduld im Kreuze, Kraft zum Leben, Versöhnlichkeit und sanften Mut, Der Klugheit edle Kunst, Der Andacht heil'ge Brunst! Ohne Gnade Ist 231 alles Pein; Laß sie allein Mein Leben, meinen Himmel sein! 8. Ach gieb mir meinVerlangen, An deiner Gnade nur zu hangen, Wie sich ein Schiff am Anker hält! Ach laß bei deinem Fügen An deiner Gnade mir genügen In Schmach und Armut dieser Welt! Was schwer und bitterist, Erleichtert und versüßt Christi Gnade. Der hat schon satt, Wer Gnade hat; Sie ist an alles Reichtums Statt. 9. Jch gehe, wo ich gehe, Ich size, liege oder stehe, Ich wache oder schlafe ein, Ich lebe oder sterbe, Laß die Barmherzigkeit mein Erbe, Das Gute meine Folge sein! Ich will in dieser Zeit und in der Ewigkeit Nichts als Gnade. Mein Herze schließt In Jesu Christ, Der aller Gnaden Urquell ist. Philipp Friedrich Hiller 1729. Mel. Meine Armut macht zc.( Jes. 21, 11. Eph. 5, 14.) 296. Hüter, wird die Nacht| Da die Stunde Der Erscheinung derSünden nicht verschwinden? Hüter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsternis der Sinnen Bald zerrinnen, Darein ich verhüllet bin? kommen ist; Und ich muß mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist. 2. Möcht' ich wie das Rund der Erden Lichte werden! Seelen sonne, gehe auf! Ich bin finster, falt und trübe; Sesu, Liebe, Komm, beschleunige den Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen, Aber ich bin lauter Nacht; Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, der nach Licht und Rechte tracht't. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke In der cacaco, YOOL 232 XVI. Hellsordnung. Finsternis vollziehn? Wie kann| quicken, Jesus muß die Sonne ich die Liebe üben, Demut lieben sein. Und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Ach, daß länger meine Seele Sich nicht quäle, Zünddein Feuer in mir an; Laß mich finstres Kind der Erden Helle werden, Daß ich Gutes wirken kann! 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben: Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und er8. Nur die Decke vor den Augen Kann nicht taugen, Seine Klarheit kann nicht ein! Wennsein hel les Licht den Seinen Soll erschei nen, So muß rein das Auge sein. 9. Jesu, gieb gesunde Augen, Welche taugen; Rühre meine Augen an! Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann. Christian Friedrich Richter 1704. ich zu dir zc.( Ps. 32, 5.) und des MenschenSohn, Erbarm dich mein und mein verschon, Hör an mein kläglich Seufzen! Mel. Aus tiefer Not schrei' 297. Vater der Barmherzigkeit, Ich falle dir zu Fuße: Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut noch endlich Buße! Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädig: lich Durch deine große Güte! 4. O heil'ger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, Wenn mich die Sündenlust anficht, Laß mich von dir nicht 2. Durch deiner Allmacht Wun- wanken; Verleih, daß nun und derthat Nimm von mir, was mich quälet; Durch deine Weisheit schaffe Rat, Worinnen mir's sonst fehlet; Gieb Willen, Mittel, Kraft und Stärk', Daß ich mit dir all meine Werk'Anfange und vollende! 3. D Jesu Christe, der du hast Am Kreuze für mich Armen Getragen aller SündenLast, Wollst meiner dich erbarmen! D Gottes nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr' In meinem Herzen herrsche! 5. Und wenn mein Stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Argen Troß und List Durch Christi Sieg mag dämpfen, Auf daß mir Krankheit, Angst und Not, Ja selbst das letzte Leid, der Tod, Nur sei die Thür' zum Leben! David Denice 1646. Mel. Aus Gnaden soll ich selig werden 2c.( Gal. 6, 3-5.) 298. Wer bin ich? Welche mich recht verstehn! Gieb, daß wicht'ge Frage! Gott, lehre sie ich mir die Wahrheit sage, Um A. Buße und Bekehrung. 233 verhehlt, Auf wahre Besserung beflissen, Er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt? Sich selbst recht kennen ist Verstand; Drum mache mich mit mir bekannt! mich so, wie ich bin, zu sehn! Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, Du schufft mich, Gott, zu deinem Preis; Mein Leben nüßlich anzuwenden, Das ist dein väterlich Geheiß. Doch leb' auch ich, dein Eigentum, Wie mir's gebührt, zu deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntnis; Doch bin ich das auch in der That? Herr, öffne selbst mir das Verständnis, Recht einzusehn, ob ich den Pfad, Den Jesus mir gewiesen, geh', Und ob ich auch im Glauben steh'! 4. Du kennest meines Herzens Tiefen, Die mir selbst unergründ: lich sind; Drum laß mich oft mein Innres prüfen, Mich fragen: bin ich Gottes Kind? Befreie mich vom falschen Wahn, Der auch denklügsten täuschen kann! 5. Ist der, der selbst bei tiefem Wissen DesHerzens Zustand sich| 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, Mein Vater, das entdecke mir; Hab'ich der Wahrheit Weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier'; Erleuchte mich mit deinem Licht, So täuschen mich Verführer nicht! 7. Doch bin ich noch vom sichern Pfade, Der mich zum Leben führt, entfernt, So wecke mich durch deine Gnade, Daß ihn mein Auge suchen lernt! Gieb mir zur Beßrung Luft und Kraft! Du bist's, der beides in mir schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan. O laß mich's nicht bis dahin sparen, WoReue nichts mehr helfen kann; Hier mache mich zum Himmel klug Und frei von schnödem Selbstbetrug! Johann Samuel Diterich 1765. Mel. Die Tugend wird 2c.( Röm. 7, 14-25.) 299. Gott, welcher Kampf in meiner Seele, Welch stäter Widerspruch in mir! Der Geist will, daß ich Gutes wähle, Er sehnt sich heiß, o Gott, nach dir; Das Fleisch strebt gegen diesen Willen, Es ringt nach Sinnenlust allein, Und werd' ich sein Geset erfüllen, So wird nicht fern die Sünde sein. 2. Von doppeltem Geset regieret, Wie ist mein Wesen rätſelhaft! Wenn mich der Wahrheit Strahl berühret, So schmeck' ich Frieden, fühle Kraft; Doch wenn des Irrtums dunkle Schatten CoY2000 10000 234 XVI. Heilsordnung. Mir rauben dieses reine Licht,| in die Gewalt der Sünde; Zu Gleich fühl' ich mich im Lauf ermatten: Ich will, doch ich vollbringe nicht! 3. Der beste Vorsak, den ich faffe, Verfliegt oft wie ein Traumgesicht; Ich thu'das Böse, das ich haffe, Das Gute, das ich liebe, nicht. Getrieben wie ein Schiff vom Winde, Wenn Mast und Steuerruder brach, Fall' ich 8444 2. Ich empfinde, Meine Sünde Sei an allem Kummer schuld; Ich gestehe Dir's und flehe Um Vergebung und Geduld. Du, mein Leben, Kannst mir geben Neue Hilfe, neue Huld. Mel. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig 2c.( Psalm 119, 25.) 300. Meine Seele Voller| 4. Richtig wandeln, Weise ha Fehle Suchet in dem Dunkeln Licht. Jesu, neige Dich und zeige Mir dein tröstlich Angesicht! Auf mein Flehen Laß dich sehen Und verbirg dich länger nicht! deln Wollst du künftig mir verleihn; Gieb die Triebe Reiner Liebe Voller in meinHerz hinein! Welch ein Segen Ist zugegen, Wenn es heißt: du mein, ich dein! 5. Lehre, leite, Vollbereite Mich, wie du mich haben willt; Gieb mir Klarheit, Geist und Wahrheit, Daß ich gleich sei deinem Bild, Daß man merke, Meine Stärke Sei in dir, und du mein Schild; 6. Bis im Lichte Dein Gesichte Mir sich droben völlig zeigt, Wenn die Deinen Nicht mehr weinen Und die Klagestimme schweigt. Drum so zeige mir die Steige, Da man auf zum Himmel steigt! Magdalena Sibylla Rieger 1731. 3. Ach, von Herzen Und mit Schmerzen Such' ich dich, mein Trost und Heil. Wie so lange Ist es bange Meiner Seele! Komm in Eil', Laß dich nieder, Komme wieder, Meines Herzens bestes Teil! späte Thränen folgen nach. 4. Wer löst mich von den Sklavenketten? Wer schafft in meinem Innern Ruh'? Nur du, Erlöser, kannst mich retten; Ich eile deiner Gnade zu. Mit dir, du Gottessohn, verbunden, Ist nichts Verdammliches an mir; Ich wandl' im Geist und kann gefunden, Lebst du in mir und ich in dir. Samuel Gottlieb Bürde 1787. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir zc.( Psalm 51, 11-14.) 301. Schaff in mir, Gott, ganz verderbei; Es fühlt der ein reines Herz! Mein Herz ist Sünden großen Schmerz, Die A. Buße und Bekehrung. 235 treibe, Daß ich, nie mehr entführt von dir, Stets deine sei und bleibe! Beherrsche du Herz, Sinn und Mut Durch deinen Geist, so ist es gut Im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hilfe tröste mich, Hilf undvergieb dieSünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden, Und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Leben ist, Mich stets im Geist genießen! 6. Dein Freudengeist erhalte mich Und stärke meine Seele, Damit sie nun und nimmer sich Mit Furcht und Zweifeln quäle. Sei du mein Freund, o Herr, allein, Ach laß mich deine Freude sein Und führe mich zur Freude! Ludämilie Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt vor 1672. ihm sind angeerbet, Und die es hat gethan ohn' Scheu. Ach mache, daß es wieder sei, Wie du's zuerst erschaffen! 2. Gieb mir auch einen neuen Geist, Der wie du sei gesinnet, Der stets dir anhang' allermeist Und, was du willst, beginnet; Gieb, daß ich hasse Fleisch und Blut, Den Glauben üb' in sanftem Mut, Zucht, Demut, Hoff nung, Liebe! 3. Verwirf von deinem Angesicht, Obgleich ich es verdienet, Mich, o getreuer Vater, nicht, Weil Jesus mich verfühnet! Ach, laß doch nun und nimmermehr Mich, dein Kind, fallen also sehr, Daß du es von dir stoßest! 4.Den heil'gen Geist nimm nicht von mir, Den bösen Geist verMel. Nun laßt uns den Leib zc.( Pf. 51, 6. 143, 2. 6, 10.) 302. An dir hab' ich gesündigt, Herr, Und übel oft vor dir gethan; Du siehst die Schuld, Allwissender, Sieh auch die Reue gnädig an! 2. Du kennst mein Seufzen, Gott; mein Flehn Und meine Thränen sind vor dir. Wann läsfest du mich Hilfe sehen? Wie lang' entfernst du dich von mir! 3. Geh, Herr, mit mir nicht ins Gericht, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld! Noch bleibst du meine Zuversicht, Du Gott der Langmut und Geduld. 4. Erfülle selbst, Allgütiger, Mein Herz vor dir mit Freudigkeit! Du warest stets, Erbarmender, Und bleibst ein Gott, der gern erfreut. 5. Dir trau' ich: lehre mich, wie gut, Wie heilig deine Rechte sind! Laß mich sie thun mit frohem Mut: Du bist mein Vater, ich dein Kind. 6. Herr, eile du mir beizustehn, cacoco 19000 236 XVI. Heilsordnung. Und leite mich auf ebner Bahn!| Flehn Und nimmt sich meiner Er hört, der Herr, er hört mein Seele an. 1791( nach Gellert). Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir zc.( Psalm 130.) 303. Aus tiefer Not laßt uns zu Gott Von ganzem Herzen schreien, Bitten, daß er durch seine Gnad' Uns woll' vom Übel freien Und alleSünd' und Missethat, Die unser Fleisch begangen hat, Uns väterlich verzeihen. 2. Wir sprechen: Vater, sieh doch an Die Armen und Elenden, Die Übels viel vor dir gethan Mit Herzen, Mund und Händen! Verleih uns, daß wir Buße thun Und unsern Lauf in deinem Sohn Zur Seligkeit vollenden! 4444 3. Herr, unsre Schuld ist überschwer, Muß unsre Herzen brechen; Doch deiner Gnaden ist viel mehr, Als ein Mensch kann aussprechen. Die suchen und begehren wir In Hoffnung, daß du dort und hier Die Sünd' nicht werdest rächen. 4. Du willst nicht, daß der Sünder sterb' Und zur Verdammnis fahre; Du willst, daß er die Gnad' erwerb' Und sich darin bewahre. So hilf uns nun, o Herre Gott, Damit uns nicht der ew'ge Tod In Sünden widerfahre! 5. Wenn du nun ins Gerichte gehn Und mit uns wolltest rechten, O Herr, wie würden wir bestehn, Und wer würd'uns verfechten? O Herr, sieh uns barmherzig anUnd hilf uns wieder auf die Bahn Zur Pforte der Gerechten! 6. Wir opfern dir uns arm und bloß, Reumütig und zerschlagen; Onimm uns auf in deinenSchoß Und laß uns nicht verzagen! D hilf, daß wir getrost und frei, Ohn'argeLift und Heuchelei Dein Joch zum Ende tragen! 7. Sprich uns durch deine Boten zu Und heile die Gewissen, Stell unserHerz durch sie zur Ruh', Thu uns dadurch zu wissen, WieChrist vor deinem Angesicht All unfre Sachen hat geschlicht't: Den Trost laß uns genießen! 8. Erhalt in unsers Herzens Grund Deinen göttlichen Samen; Und hilf, daß wir den neuen Bund In deines Sohnes Namen Vollenden treulich in der Zeit, Und so der ew'gen Herrlichkeit Versichert werden! Amen. Michael Weisse 1531. Mel. Mein's Herzens Jesu 2c.( Heset. 36, 26. 27.) 304. Nimm hin mein Herz,| dir zur Gabe; Jch bring' es dir, Gott, nimm es an! Ich bring' es so gut ich's kann, So schwach und A. Buße und Bekehrung. 237 arm ich's habe. Ich weiß doch,| Sinn Aus allen Kräften liebet, du verschmähst es nicht, So viel dem Opfer auch gebricht, Das ich dir willig weihe. Ein Herz, das nur für dich entbrennt und keine falsche Liebe kennt, Ein Herz voll Kraft und Glauben! 2. Nimm, o mein Heiland, nimm es hin, Du Herz voll ew': ger Liebe! Mein Herz ist voller Eigensinn Und voll verkehrter Triebe; Es hängt an Welt und eitler Luft, Doch ist dir's auch, o Herr, bewußt, Ich kann's nicht selbst bekehren. 3. Mach du's zu deinem reinen Haus, Das dir gefallen könne; Was dir zuwider, reiß heraus, Daß dich und mich nichts trenne! Entsünd'ge mich mit deinemBlut, Gieb mir den Geist, dann werd'ich gut, Dann fang' ich an zu leben. 4. Herr, gieb, und kost' es immerhin Dem Fleische tausend Schmerzen, Herr, gieb mir einen neuen Sinn, Ein Herz nach deinem Herzen, Ein Herz, das dich mit Freuden ehrt, Das kindlich deine Stimme hört Und deinen Namen fürchtet! 6. Gieb mir ein Herz, das deine Zucht, Wenn sich's verfehlt, bald spüret, Ein Herz, das keine Straße sucht, Als die zum Himmel führet, Ein Herz, das auch in Not und Pein Zu dir die Zuflucht nimmt allein Und auch im Kreuz dich preiset; 7. Ein Herz, das Freund' und Feinde liebt Und nichts haßt als die Sünden, Ein Herz, das täglich mehr sich übt, Sich stets in dir zu finden, Ein Herz, das immer droben ist, Dort, wo du bist, Herr Jesu Christ, zu deines Vaters Rechten! 8.Herr, giebst du mir ein solches Herz, Was will ich mehr verlangen? Dann bleib' ich fest in Freud' und Schmerz An deiner Liebe hangen; Dann bin ich dein, und du bist mein; Dann werd' ich einst dort oben sein Und selig dich umfangen. Ernst Gottlieb Woltersdorf?- 1758. 5. Gieb mir ein Herz, das dich forthin Mit Vorsat nie betrübet, Ein Herz, das dich mit lauterm Eigene Mel.( Apostelgesch. 4, 12. P₁. 62, 9.) 305. Allein zu dir, Herr Jesu| weiter Welt, Rein Engel ist im Christ, Mein Hoffen steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Rein Troft mag mir sonst werden; Kein Menschenkind in Himmelszelt, Der mir aus Nöten helfen kann; Dich ruf' ich an, Von dem ich Hilfe kann empfahn. 2. Die Schuld ist schwer und cacoch, 000 238 XVI. Heilsordnung. übergroß Und reuet mich von meinen Nächsten gleich als mich. Herzen. Derselben mach mich Am letzten End' mir Hilfe send, frei und los Durch deine Todes- Damit behend'DesTodes Graun schmerzen, Und nimm dich mein sich von mir wend'! beim Vater an, Der du für mich genug gethan, So werd' ich los der Sündenlast; Mein Glaube faßt, Was du mir, Herr, verſprochen hast. 4. Ehr' sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Jesu Christo, seinem Sohn, Der uns allzeit behüte, Und seinem werten heil'gen Geist, Der allezeit uns Hilfe leist', Daß wir ihm sei'n zum Lob bereit Hier in der Zeit und dorten in der Ewigkeit. Johann Schneesing?- 1542. 3. Ach stärke durch Barmherzigkeit In mir ein recht Vertrauen, Damit ich deine Freundlichkeit Mög' inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich Und Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c.( Matth. 14, 28-31.) 306. Hier bin ich, Herr, du rufest mir! Du ziehest mich, ich folge dir; Du forderst von mir Herz und Sinn, Mein Heiland, nimm, ach nimm es hin! 2. Ich hab' oft deinen Wink verschmäht, Es ist mir leid, ich komme spät. Wie dank' ich dir, o Gott der Huld, Für deine Langmut und Geduld! 3. Nun aber säum' ich länger nicht, Mich drängt und treibet meine Pflicht; Ich komm', ich komm' voll Reu' und Buß', Ach, aber ach, wie wankt mein Fuß! 4. Herr, ich bin deinem Petrus gleich: Dort kommt ein Sturm, ich sink'! Ach reich, Reich schnell mir deine starke Hand, So wird mein Fall noch abgewandt! 5. Du rufest mich; nun ruf' ich dir: Mein Heiland, komm und hilf du mir! Mein Fuß ist müd' und weigert sich; Herr, unter: stüß und trage mich! 6. Flöß deine Kraft mir Müden ein, So werd' ich künftig stärker sein; So folg' ich dir, mein Herr und Gott, Durch Flut und Glut, durch Not und Tod. Johann Jakob Rambach 1735. Mel. Nun sich der Tag geendet hat zc.( Spriche 23, 26.) 307. Mein Gott, das Herz| von mir, Des bin ich eingeich bringe dir Als Gabe und Geschenk; Du forderst dieses ja denk. 2. ,, Gieb mir, mein Kind, dein A. Buße und Bekehrung. 239 Herz," sprichst du ,,, Das ist mir| mich aus Und Glut der reinen lieb und wert; Es giebt dir an- Lieb'; Lösch Finsternis, Haß, ders keine Ruh' DerHimmel und Falschheit aus, Schent stets mir die Erd'!" deinen Trieb! 3. Nun, du mein Vater, nimm es an, Mein Herz, veracht es nicht! Ich geb's, so gut ich's geben kann; Neig zu mir dein Gesicht! 4. Zermalme meine Härtigkeit, Mach mürbe meinen Sinn; Und ziehe mich in Reu' und Leid Zu deinem Herzen hin! 5. Schent, Jesu, mir nach deis ner Huld Gerechtigkeit und Heil! Du trugst ja meiner Sünden Schuld Und meiner Strafen Teil. 6. In dich wollst du mich kleiden ein, Dein Unschuld zieh mir an, Daß ich, von allen Sünden rein, Vor Gott bestehen kann! 7. D heil'ger Geist, nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein, Ergieß um Jesu willen dich Tief in mein Herz hinein! 8. Dein göttlich Licht ström in 9. Hilf, daß ich sei von Herzen treu Jm Glauben meinem Gott, Daß mich im Guten nicht mach scheu Der Welt List, Macht und Spott! 10. Hilf, daß ich sei von Herzen fest In Hoffnung und Geduld, Daß, wenn nur du mich nicht verlässt, Mich tröste deine Huld! 11. Hilf, daß ich sei von Herzen klein, Demut und Sanftmut üb', Daß ich, von aller Weltlieb' rein, Stets wachs'in GottesLieb'! 12. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Ohn'alle Heuchelei, Damit mein ganzes Christentum Dir wohlgefällig sei! 13. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein MeinHerz hier in der Zeit, Ja laß es auch dein Wohnhaus sein In jener Ewigkeit! Johann Kaspar Schade 1692. Mel. Es ist genug 2c.( Sprüche 23, 26.) 308. Hier ist mein Herz! Mein Gott, ich geb' es dir, Dir, der es gnädig schuf. ,, Nimm es der Welt, mein Kind, und gieb es mir!" Dies ist an mich dein Ruf. Hier ist das Opfer meiner Liebe, Ich weih' es dir aus treuem Triebe: Hier ist mein Herz! 2. Hier ist mein Herz! D nimm es gnädig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich geb' es dir, so gut ich's geben kann, Verschmäh die Gabe nicht! Es ist mit böser Luft beflecket, Mit Sünd' erfüllt, mit Schuld bedecket, Mein fündig Herz. cacada 100000 240 XVI. Hellsordnung. fürcht', ihn lieb' und an ihm hange, Mein neues Herz! 3. Hier ist mein Herz, das bis-| es zum Guten treu! Hilf, daß es her steinern war, Nun ist's ein stets nach Gott verlange, Ihn fleischern Herz. Es legt sich dir matt und zerbrochen dar, Es fühlet Angst und Schmerz, Es jammert bei der Last von Sünden, Es seufzt: wo soll ich Rettung finden? Mein reuig Herz. 4. Hier ist mein Herz! Gott der Barmherzigkeit, Erbarme du dich sein! Die ganze Welt, sie stillet nicht sein Leid, Du bist sein Trost allein. Es sagt mit kindlichem Vertrauen: Ich werde Gott als Vater schauen! Mein hoffend Herz. 7. Hier ist mein Herz! Es überdenkt gerührt Die Hoheit deines Throns. Schenk ihm den Schmuck, der deine Knechte ziert, Die Demut deines Sohns! Gieb, daß es Stolz und Hoffart fliehe Und klein zu werden sich be mühe, Mein niedrig Herz! 8. Hier ist mein Herz! Lehr es Gelassenheit; Sein Glück sei stets dein Rat! Sein Wahlspruch sei im Wohlergehn und Leid: ,, Was Gott beschlossen hat!" Es glaube fest zu deinem Preise: ,, Der Herr ist treu, mein Gott ist weise!" Mein folgsam Herz. 9. Hier ist mein Herz! Bewahr es, treuster Freund, Vor aller Feinde List! Gieb, wann der Tod, der letzte Feind, erscheint, Daß start es, gläubig ist! Hilf mir, wann meine Augen brechen, Das treue Wort froh zu dir sprechen: Hier ist mein Herz! Ehrenfried Liebich 1768. 5. Hier ist mein Herz! Es sucht in Christo Heil, Es naht zum Kreuzehin Und spricht: ,, O Herr, du bist mein Gut und Teil, Dein Tod ist mein Gewinn!" Es hat in des Erlösers Wunden Trost, Ruh' und Seligkeit gefunden, Mein gläubig Herz. 6. Hier ist mein Herz! GeistGot tes, schaff es rein Und mach es gänzlich neu! Weih es dir selbst zum heil'gen Tempel ein, Mach Eigene Mel.( Luk. 15, 2.) 309. Mein Heiland nimmt| Die mit sich selber im Gedräng', Daß ihnen alle Welt zu eng, Weil über sie derStab gebrochen, DerHimmel ihnen abgesprochen, Diesehn die Freistatt aufgethan: die Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgends Ruh'und Rettung finden; A. Buße und Bekehrung. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütterliches Herz Trieb ihn von seinem Thron auf Erden; Ihn drang der Sünder Not und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Not Und litt für sie den bittern Tod. Nun, da er denn sein eignes Leben Für sie zur Lösung hingegeben Und für die Welt genug gethan, So heißt's: er nimmt dieSünder an. 3.Nun ist sein väterlicherSchoß Ein sichres Schloß bedrängter Seelen; Er spricht sie vom Gerichte los Und endet bald ihr ängstlich Quälen. Es wird ihr ganzes Sündenheer Wie in ein unergründlich Meer Durch sein Verdienst hinabgesenket; Der Geist, der ihnen wird geschenket, Führt sie zu Gott auf ebnerBahn. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 241 5. Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob dieser gleich so tief gefallen! Und dies hat er nicht nur gethan, Da er auf Erden mußte wallen, Nein, er ist immerdar sich gleich, Gerecht, an Treu'und Gnade reich; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern liebreich zugethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. Evangelisches Gesangbuch. 6. So komme denn, werSünder heißt, Und wen sein Sündengreul betrübet, zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm begiebet! Wie? willst du dir im Lichte stehn Und ohne Not verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da dich zu retten er erschienen? D nein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. D solltest du sein Herze sehn, Wie sich's nach armen Sündern sehnet, Sowohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge nach ihm thränet! Er streckt die Hand nach Zöllnern aus, Er eilet in Zachai Haus; Wie stillet sanft er Magdalenen Den milden Fluß der Reuethränen Und denkt nicht, was sie sonst gethan! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. Komm nur mühselig und gebückt, Komm nur, so gut du weißt zu kommen! Wenn auch die Last dich niederdrückt, Du wirst auch seufzend angenommen.Sieh, wie seinHerz dir offen steht, Und wie er dir entgegengeht! Wie lang' hat er mit stillem Flehen Sich liebend nach dir umgesehen! So komm denn, Sünder, komm heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Sprich nicht: ,, Ich hab's zu 16 Capace YoOe XVI. Heilsordnung. 242 schlimm gemacht, Jch hab'dieGüter seiner Gnaden So lang' und schmählich durchgebracht; Er hat mich oft umsonst geladen!" Wo fern du's jetzt nur redlich meinst Und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst dennoch Gnade finden. Er hilft, wo sonst nichts helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9.Doch sprich auch nicht: ,, Es ist nochzeit, Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht schon heut' Die offne Gnadenpforte schließen!" Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seele Heut' verträumet, Hat oft die Gnadenzeit versäumet, Dem wird hernach nicht aufgethan. Heut' komm, heut' nimmt dich Jesus an! 10. Ja zeuch uns alle recht zu dir, Holdsel'ger Heiland aller Sünder! Erfüll mit heiliger Be gier Uns, die von Gott gewichnen Kinder! Zeig uns bei unsrem Seelenschmerz Dein aufgeschloßnes Liebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jedes sagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jesus an! Leopold Franz Friedrich Lehr 1733. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c.( But. 15, 1-7.) 310. Jesus nimmt die Sünder an! Sagt doch dieses Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Wegen wallen! Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir wert, Doch hat er in seinem Worte Klar und liebreich sich erklärt; Sehet nur, die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuerHirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er Macht aus Sündern Gotteskinder. Glaubt es doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Jch Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden; Laß, meinHeiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jeſus nimmt die Sünder an. 6. Nun so fass' ich frohen Mut, A. Buße und Bekehrung. 243 Auf dich werf' ich meine Sünden;| an. Mich hat er auch angenomDein am Kreuz vergoßnes Blut Läfset mich Vergebung finden, Daß ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Jesus nimmt die Sünder men, MirdenHimmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdmann Neumeister 1718. Mel. Aus tiefer Not zc.( Röm. 2, 4-6. 8, 19-23.) 311. Herr, deine Treue ist so groß, Daß wir uns wundern müssen! Wir liegen seufzend, arm und bloß Um Gnade dir zu Füßen. Die Bosheit währet immerfort, Und du bleibst doch der treue Hort Und willst uns nicht verderben. 2. Die Sünden nehmen überhand, Dusiehest selbst die Schmerzen, Die Wunden sind dir wohl bekannt Der sehr verkehrten Herzen. DieSchulden nehmentäglich zu; Es haben weder Rast noch Ruh', Die dir den Rücken kehren. 3. Dein Auge stehet wider die, So deiner Wege fehlen, Und in dem ganzen Leben hie Den krummen Weg erwählen, Und suchen in dem Sündenwust zu büßen ihre Fleischesluft Nach dem verderbten Willen. 4. DieKreatur entsetet sich Und seufzet frei zu werden, Sie wartet und thut ängstiglich; Der Himmel und die Erden, Und was hienieden weit und breit Sich quält im Dienst der Eitelkeit, Beweinet solch Verderben. 5. Wir hoffen dennoch fest zu dir, Du werdest uns erhören; Wir flehen, o Gott, für und für, Du wollest doch bekehren Die sündenvolle, blinde Welt, Die sich für so glückselig hält, Da sie zur Hölle eilet. 6. Erbarme dich, o treuer Gott, Der du die Welt geliebet, Die Welt, die, ganz in Sünden tot, In Irrtum dich betrübet! Gieb deinem werten Worte Kraft, Daß es in solchen Herzen haft', Die hart sind wie die Felsen! 7. Laß doch die Welt erkennen noch mit ihren blinden Kindern, Wie sanft und angenehm dein Joch Sei allen armen Sündern, Die fühlen ihre Sündenschuld Und wenden sich zu deiner Huld und deines Sohnes Wunden. 8. Die Herde, die du hast erwählt, Die seße du zum Segen, Und schenke, was ihr annoch fehlt, zu gehn aufrechten Wegen. Herr, laß dein Auge, Herz und Hand Den Deinen bleiben wohl bekannt, Die deiner Güte trauen. 9. Ein Vater und ein Hirte Heilsordnung. 244 XVI. meint Es treulich mit den Seinen: Du bist noch mehr der Sünder Freund, Du kannst's nicht böse meinen. Drum trauen wir allein auf dich: Ach, leite du uns väterlich Nach deinem Rat und Willen! 10. Hier sind wir deine Kinder schon Und freun uns auf das Leben, Da du uns willst die Gnadenkron' Als deinen Erbengeben. Wir hoffen bald dein Angesicht zu sehen dort in jenem Licht, Da Christus uns wird weiden. Johann Weydenheim vor 1697. B. Glaube und Rechtfertigung. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c.( Ebr. 11, 6.) 312. Herr, ohne Glauben| mich im Glauben thun, Was uns dein Mund gelehrt, Daß dich Herz, Mund und That Als den Erlöser ehrt! fann Dir niemand wohlgefallen; Ach, darum lege mir Vor andern Gaben allen Den wahren Glauben bei! Denn der nicht nur so heißt, Der ist nicht Menschenwerk, Erkommtvondeinem Geist. 2. Laß mich insonderheit, Daß du seist, herzlich glauben; Was mir dein Wort verheißt, Das laß mir niemand rauben: Daß du dem, der dich sucht, Stets ein Vergelter seist, Und daß ihn deine Hand Aus allen Nöten reißt. 3. Herr, laß mich auf dein Wort Von ganzem Herzen trauen Und fest auf deine Treu' Und Wahrheit immer bauen! Gieb, daß ich dir in Not Und Kreuz und Tod getreu Und durch des Glaubens Kraft Allzeit gehorsam sei. 4. Mein Jesu, laß mich dich Im Glauben wohl erkennen, Dich meinen Herrn und Gott, Trost, Schuß und Heiland nennen! Laß 5. Mein König und Prophet, Komm, herrsch in meiner Seelen; Regier und führe mich, So werd' ich nimmer fehlen! Du sollst mein König sein, Dem ich gehorchen will, Mein Lehrer und Prophet, Des Willen ich erfüll'! 6. Nichts müsse mich von dir, MeinHoherpriester, treiben; Laß, Jesu, dein Verdienst Den Grund des Glaubens bleiben, Daß meine Seele sich Hierauf getreu und fest Als auf mein einzig Heil Und wahren Trost verläßt! 7. Ach Jesu, stärke mich In diesem meinem Glauben; Laß mir ihn weder Tod Noch Welt und Hölle rauben! Bleib in demselben stets Genau mit mir vereint, Daß ich sei dein, du mein, D teurer Seelenfreund! Peter Busch 1737. B. Glaube und Rechtfertigung. Eigene Mel.( Röm. 3, 23-28.) 313. Es ist das Heil uns füllt, Damit des Vaters Zorn gestillt, Der über uns ging alle. kommen her Aus lauter Gnad' und Güte, Die Werke helfen nimmermehr zum Frieden dem Gemüte. Der Glaub' sieht Jesum Christum an, Der hat für alle gnug gethan; Er ist der Mittler worden. 6. Und weil es nun erfüllet ist Durch ihn, den Gott erlesen, So lerne jetzt ein frommer Christ Des Glaubens rechtes Wesen! Er spricht dann: ,, Lieber Herre mein, Dein Tod soll mir das Leben sein; Du haft für mich bezahlet." 7. ,, Daran ich keinen Zweifel trag', Dein Wort kann nimmer lügen; Du sprichst ja, daß kein Mensch verzag', Und wirst fürwahr nicht trügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Dem ist der Himmel schon erkauft, Daß er nicht werd' verloren." 8. Gerecht vor Gott sind die allein, Die dieses Glaubens leben; Dann wird des Glaubens heller Schein DurchWerke kund sich geben. Mit Gott der Glaub'ist wohl daran, Und aus der Nächstenlieb' sieht man, Daß du aus Gott geboren. 9. Die Sünd' wird durchs Gesetz erkannt, Schlägt das Gewissen nieder; Das Evangelium kommt zur Hand Und stärkt den Sünder wieder. Es spricht: Eil nur zum Kreuz herzu, Denn im Gesetz ist keine Ruh' Mit allen seinen Werken. 2. Was Gott uns im Gesek gebot, Das konnte niemand halten; Darum erhub sich große Not In mancherlei Gestalten. Vom Fleisch wollt' nicht heraus der Geist, Den das Gesetz will allermeist; Es war mit uns verloren. 3. Ein Wahn war vom Gesetz dabei: Es sei darum gegeben, Als ob wir könnten selber frei Nach Gottes Willen leben. Ist es doch nur ein Spiegel zart, Der uns zeigt an die fündig' Art, In unsrem Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war's, dieselbe Art Aus eigner Kraft zu lassen; Wiewohl es oft versuchet ward, Doch mehrt' sich Sünd' ohn'MaBen. Des Gleisners Werke Gott verdammt; Denn alles, was vom Fleische stammt, kann nimmer vor ihm gelten 245 5. Doch das Gesetz erfüllt mußt' sein, Sonst wären wir verloren; Drum schickt' Gott seinen Sohn herein, Der ward ein Mensch geboren; Ganz hat er das Gesetz er10. Gewiß, die Werke kommen her Aus einem rechten Glauben; 246 XVI. Heilsordnung. Denn das kein rechter Glaube| Und ob dein Fleisch spräch'lauter wär', Dem man die Werk' wollt' Nein, So laß dir doch nicht rauben. Doch macht der Glaub' grauen! allein gerecht, Die Werke sind des Nächsten Knecht, Dran wir den Glauben merken. 11. Die Hoffnung harrt der rechten Zeit, Was Gottes Wort zusage; Wann das geschehen soll zur Freud', Sekt er nicht feste Tage. Er weiß wohl, wann's am besten ist, Und denkt an uns zu rechter Frist; Das soll man ihm vertrauen. 12. Ob sich's anließ', als wollt' er nicht, Laß dich es nicht erschrek: ken; Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein; 13. Sei Lob und Ehr'mit hohem Preis Um dieser Güte willen Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist! Der wolle treu erfüllen, Was er in uns begonnen hat Zu Ehren seiner Macht und Gnad', Daß heilig werd' sein Name; 14. Sein Reich zukomm; sein Will'auf Erd' Steh wie im Himmelsthrone; Das täglich' Brot noch heut' uns werd; Wohlunsrer Schuld verschone, Wie wir den Schuldnern thun nach Pflicht; Auch führ uns in Versuchung nicht; Lös uns vom Übel! Amen. Paulus Speratus 1523. Mel. Es spricht der Unweisen Mund 2c.( Röm. 4, 4.5.) Mensch, der Him-| 3.Wer nicht durch Christum wird gerecht, Der kann nicht ſelig werden. Er ist und bleibt ein armer Knecht Dort und schon hier auf Erden; Er bleibet durchs Gesetz verflucht, Solang er ohne Glauben sucht DieSeligkeit zu finden. 4. Du, Jesu, giltst vor Gott alleinMit deinemThun und Leiden. Bringt das der Glaub' ins Herz hinein, So kann die Seel' sich kleiden; Du selbst giebst ihr das Ehrenkleid, Den Brautschmuck der Gerechtigkeit; Damit wird 314. mel ist zu fern, Durch Werk' ihn zu ersteigen. Wenn der Gehorsam unsers Herrn Nicht wird im Geist dein eigen, So wirst du nimmermehr gerechtlindbleibest ein unnüßer Knecht mit allen deinen Werken. 2. Was vor der Menschen Angesicht Nach dem Gesetz geschiehet, Das gilt vor Gottes Aug' noch nicht, Weil er aufGlauben siehet. Wie kannst du aber ohne Geist, Was Gott im Geist vollbringen heißt, Aus eigner Kraft erfüllen? sie bestehen. B. Glaube und Rechtfertigung. 247 5. Was du, mein Herr, für mich| 7. Wo aber Glaub'und Christus gethan Im Leben und im Sterben, Da hat Gott Wohlgefallen dran, Das läßt mich nicht verderben; Das ist mein Licht, mein Trost und Ruhm, Durch Glauben wird's mein Eigentum Und heiligt meine Seele. ist, Und Sünden sind vergeben, Da führt denn auch ein wahrer Christ Nach dem Gesetz sein Leben. Er wandelt fromm sein Leben lang, Doch ohne Knechtsgeist, ohne Zwang, Weil alles geht aus Liebe. 8. Nun für so hohe Gnadengab', Herr Jesu, will ich danken; Und weil ich sonst kein Opfer hab', Als was du giebst mir Kranken, So nimm von meinem neuen Sinn Des Herzens Opfer gnädig hin Und bring es vor den Vater! Christian Pressovius 1719. 6. Du hast mich, Herr, durch deinen Tod von meiner Schuld gereinigt, Hast mich nach schwerer Sündennot zum Leben dir vereinigt; Du deckest meine Schande zu Und bringestmeiner Seele Ruh' Und Gnade bei dem Vater. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( Luk. 17, 5. Jat. 2, 17.) kräftig sein, Sonst ist dein Glaube eitel! 315. Der Glaub' ist eine| bens Schein In guten Werken Zuversicht zu Gottes Gnad'und Güte; Der bloße Beifall thut es nicht, Es muß Herz und Gemüte Durchaus zu Gott gerichtet sein Und gründen sich auf ihn allein Dhn' Wanken und ohn' Zweifel. 2. Wer so sein Herz macht stark und fest Im völligen Vertrauen, AufJesum Christum sich verläßt, Nicht auf sich selbst mag bauen, Der hat des Glaubens rechte Art Und kann zur sel'gen Friedensfahrt Sich schicken ohne Grauen. 3. Das aber ist kein Menschen werk, Gott muß es uns gewähren. Drum bitt, daß er den Glauben stärk' Und in dir woll' vermehren; Laß aber auch des Glau4. Es ist ein schändlich böser Wahn, Des Glaubens sich nur rühmen Und gehen auf der Sünder Bahn, DasChriften nicht kann ziemen. Wer das thut, der soll wissen frei, Es sei sein Glaub' nur Heuchelei Und werd' zur Höll ihn bringen. 5. Drum laffe sich ein frommer Christ Mit Ernst sein angelegen, Daß er aufrichtig jeder Frist Sich halt' in Gottes Wegen, Daß sein Glaub' ohne Heuchelei Vor Gott dem Herrn rechtschaffen sei Und vor dem Nächsten leuchte! Freylinghausensches Gesangbuch 1714. 100 YOU 248 XVI. Heilsordnung. 444444 Eigene Mel.( Eph. 2, 8. 9.) 316. Aus Gnaden soll ich Gott in seinem Worte preift, Worauf all unser Glaube ruht, Ist: Gnade durch des Sohnes Blut. selig werden; Herz, glaubst du's, oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd' gebärden? Ist's Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen, Die eignen Werke fallen hin. Der Mittler, der im Fleisch erschienen, Hat diese Ehre zum Gewinn, Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaden selig macht. 6. Aus Gnaden! Doch du, sichrer Sünder, Denk nicht: wohlan, ich greife zu! Wahr ist's, Gott ruft verlorne Kinder Aus Gnaden zur verheißnen Ruh'; Doch den geht seine Gnad' nicht an, Der noch auf Gnade sünd'gen kann. 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, Tret ab von aller Heuchelei. Nur wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst, was Gnade sei. Beim Sünde thun scheint sie gering, Dem Glauben ist's ein Wunderding, 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenn's unter Angst und heißen Schmerzen Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm' ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär'? 9. Aus Gnaden! Hierauf will ich sterben. Ich glaube, darum ist mir wohl. Ich weiß mein fündliches Verderben, Doch den auch, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, Weil mich die Gnade selig macht. Christian Ludwig Scheidt 1742. 3. Aus Gnaden! Merk dies Wort: aus Gnaden, So hart dich deine Sünde plagt, So schwer du immer bist beladen, So schwer deinHerz dich auch verklagt. Was die Vernunft nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und übernahm die Sündenlast. Was nötigt' ihn, dein Freund zu werden? Sprich, wes du dich zu rühmen hast? Gab er sich nicht zum Opfer dar Und nahm dein Heil in Gnaden wahr? 5. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, Solange Gott wahrhaftig heißt. Was alle Knechte Jesu schreiben, Was B. Glaube und Rechtfertigung. Mel. Allein Gott in der Höh' zc.( Luk. 17, 5. Phil. 1, 6.) 317. Gottes Sohn, Herr| Und was die Welt am höchsten Jesu Christ, Du meiner Seele hält, Allzeit für Schaden achte! Leben! Was mir zum Glauben nötig ist, kann ich mir selbst nicht geben; Drum hilf du mir von oben her, Den wahren Glauben mir gewähr, Und daß ich drin verharre! 6. Ist auch mein Glaub' ein Senfkorn klein, So daß ich ihn kaum merke, Wollst du doch in mir mächtig sein, Daß deine Gnad' mich stärke, Die das zerstoßne Rohr nicht bricht Und auch das Docht, das glimmet, nicht Auslöschet in den Schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sei, Den Glauben zu behalten, Ein gut Gewissen auch dabei, Und daß ich so mög' walten, Daß ich sei lauter jederzeit, Dhn' Anstoß, mit Gerechtigkeit Erfüllt und ihren Früchten. 8. Herr, durch den Glauben wohn in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sei fruchtbar für und für Und reich an guten Werken, Daß er sei thätig durch die Lieb', Mit Freuden und Geduld sich üb', Dem Nächsten treu zu dienen. 9. Insonderheit gieb mir die Kraft, Daß vollends bei dem Ende Jch übe gute Ritterschaft, zu dir allein mich wende In meiner letzten Stund' und Not, Des Glaubens End'durch deinen Tod, Die Seligkeit, erlange. 10. Du haft entzündet, Jesu Christ, Das Fünklein in mir Schwachen; Drum, was von 2. Lehr du und unterweise mich, Daß ich den Vater kenne, Daß ich, o Jesu Christe, dich Den Sohn des Höchsten nenne, Daß ich zugleich den heil'gen Geist, Der uns den Weg zum Himmel weist, Von ganzem Herzen ehre. 3. Laß mich vom großen Gnadenheil Die recht' Erkenntnis finden, Wie der nur an dir habe teil, Dem du vergiebst die Sünden; Daß ich es such', wie sich's gebührt: Du bist der Weg, der mich recht führt, Die Wahrheit und das Leben. 4. Gieb, daß ich traue deinem Wort, Es wohl zu Herzen fasse, Daß sich mein Glaube immerfort Auf dein Verdienstverlasse, Daß mein lebend'ger Glaube mir Gerechtigkeit verleih vor dir, Wenn ich in Sünden zage. 249 5. Laß meinen Glauben trösten sich Des Bluts, das du vergossen, Und halt in deiner Gnade mich Beständig eingeschlossen; Gieb, daß im Glauben ich die Welt, Cacaco 10000 250 XVI. Bellsordnung. Glauben in mir ist, Das wollst| das Ende, daß bei dir Auf Glaudu stärker machen! Was du be- ben folge Schauen! gonnen hast, vollführ Bis an David Denicke 1659. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten zc.( 1 Kor. 3, 11.) 318. Ich weiß von keinem andern Grunde, Als den der Glaub' in Christo hat; Ich weiß von keinem andern Bunde, Von keinem andern Weg und Rat, Als daß man elend, arm und bloß Sich legt in seines Vaters Schoß. 5. Jch kämpfe gegen mein Verderben JnGlauben und in Christi Kraft; Der alte Mensch muß täglich sterben, Der noch nicht tot am Kreuze haft't. Dies aber macht mich rein und klein Und lehrt zu Jesu ernstlich schrein. 6.Und da ich so in Christo bleibe, Stets vor ihm wandelnd auf ihn seh', Das Wort des Friedens fröhlich treibe Und unablässig zu ihm fleh': So bleib' ich stets im Grunde stehn, Da kann mein Wachstum vor sich gehn. 7. Jch bleib' im tiefsten De mutsgrunde Und will von Christo nimmer gehn; Ich bleib'im allgemeinen Bunde, In allgemeiner Liebe stehn Und hang' an Christo ganz allein; Dies soll mein Grund auf ewig sein. 8. D Jesu, laß mich in dir bleiben, O Jesu, bleibe du in mir! Laß deinen guten Geist mich treiben, Daß ich im Glauben folge dir; Laß mich stets fromm und wachsam sein, So reißet nichts den Grund mir ein! Karl Heinrich von Bogatty 1740. Mel. Die Tugend wird zc.( Jes. 55, 6. Pf. 143, 2.) 319. Ich suche dich; Herr, dürstend Herz nach dir. Verbirg laß dich finden! Laut seufzt mein beim Schreien meiner Sünden 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen Und eil' ihm immer besser zu; Ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh'. Er ist mein Kleinod und mein Teil, Und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Jch bleib' in Christo nun erfunden und bin in ihm gerecht und rein; Bleib' ich mit ihm nur stets verbunden, So kann ich immer sicher sein. Gott sieht auch mich in Christo an: Wer ist's, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die Sünde, Doch schaden kann sie mir nicht mehr, Weil ich in Christo mich befinde; Wohl aber beuget sie mich sehr. Ich halte nichts gering und klein, Sonst dringt ein sichres Wesen ein. B. Glaube und Rechtfertigung. 251 weiß: Dies sind, oGott, des Himmels Freuden, Dies ist der Tugend hoher Preis. 4. Gieb mir den Glauben deiner Streiter, Der durch die Liebe thätig sei; Mach, Jesu, mich in Hoffnung heiter, Demütig, keusch, versöhnlich, treu, Mitleidig, weich bei fremden Schmerzen, Heiß im Gebet, still gegen Spott, Zum Sterben reif, voll Ruh' im Herzen, Arm vor der Welt und reich in Gott! 5. Und wird der ernste Tag erscheinen, Der Tag des Todes und der Ruh', So führ, wenn meine Freunde weinen, entnommen, Den großen Le- Mich jenes Lebens Wonne zu! bensfürsten sehn Und einst mit Dann sei mein Ende wie dein allen seinen Frommen Durch alle Himmel ihn erhöhn, Von Sünden rein und frei von Leiden, Mehr Glück genießen, als ich Ende! Dir, den der Engel Loblied preist, Befehl'ich in die treuen Hände mit Freuden den erlösten Geist. Nach A. G. 2. Hering 1770. Dein gnädig Antlik nicht vor mir! Was willst du mit dem Staube rechten? Du kennst mein fündiges Geschlecht. Ach, unter allen deinen Knechten Ist keiner, Herr, vor dir gerecht. 2. Ich will vor deinem Fluch nicht beben, Denn, mich mit Gnade zu erfreun, Starb Jesus; durch ihn werd'ich leben: Er überwand, sein Sieg ist mein. Umsonst drohn nun des Abgrunds Flammen: Ich erbe meines Vaters Gut, Ich bin sein Kind. Wer will verdammen? Für mich floß seines Sohnes Blut. 3. Ich soll, des Todes Macht Eigene Mel.( 1 Mos. 32, 26.) 320. Ich ruf zu dir, Herr| zu Spott, Die Hoffnung gieb daJesu Christ, Ich bitt', erhör mein Klagen: Verleih mir Gnad' zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein', Und daß ich möge streben Dir zu leben, Dem Nächsten nut zu sein, Das wollest du mir geben! neben; Voraus, wann ich muß hie davon, Daß ich dir mög' vertrauen Und nicht bauen Auf eignesWerk und Thun, Sonst werd' ich dich nicht schauen. 2. Jch bitt' noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben: Daß ich nicht wieder werd' 3. Verleih, daß ich aus Herzens grund Den Feinden mög' vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund', Schaff in mir neues Leben! Dein Wort mein' Speis' laß allweg sein, Damit mein' 10000 900 10000 252 XVI. Hellsordnung. Seel' zu nähren, Mich zu weh- Durch Werke deine Gnad', Die ren, Wann Unglück geht da- uns erlöst vom Sterben. her, Das mich bald möcht' verkehren! 5. Ich lieg' im Streit und widerstreb'; Hilf, oHerr Christ, dem Schwachen! Von deiner Gnad' allein ich leb', Du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung und Gefahr, Wollst du mich nicht verlaffen, Feft mich faffen; Behüt mich immerdar! Ich weiß, du wirst's nicht lassen. Johann Agricola 1529. 4. Laß mich nicht Lust noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden; Beständig sein ans End' gieb mir, Du hast's allein in Händen! Und wem du's giebst, der hat's umsonst: Es mag nie mand ererben Noch erwerben Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( 1 Joh. 2, 12.) 321. Die Sünden sind vergeben! Das ist ein Wort zum Le ben Für den gequälten Geist; Sie sind's in Jesu Namen, In dem ist Ja und Amen, Was Gott uns Sündern je verheißt. 2. Das ist auch mir geschrieben, Auch ich bin von den Lieben, Weil Gott die Welt geliebt; Auch ich kann für die Sünden Bei Gott noch Gnade finden; Ich glaube, daß er mir vergiebt. hinkiniai 3. Mein Hauptgesuch auf Erden Soll die Vergebung werden, So wird mein Tod nicht schwer. O, in den Sünden sterben Ist ewiges Verderben! Denn wer will dann bestehen, wer? 322. Ich glaube, Herr( hilf meinem Glauben!), Daß du der große Jesus bist, Der, unsrem 4. Hier ist die Zeit der Gnaden, Der Angst sich zu entladen, Auf Gottes Wort zu ruhn, Die Seele zu erretten, zu glauben und zu beten, Und das in Jesu Namen thun. 5. Gott, gieb, daß meiner Seele Der Trost doch niemals fehle, Daß du die Schuld vergiebst; Wenn ich mich betend beuge, So sei dein Geist mein Zeuge, Daß du dein Kind in Chrifto liebst. 6. Wenn ich von hinnen scheide, So mach mir das zur Freude, Daß ich begnadigt bin! Im Glauben der Vergebung, In Hoffnung der Belebung Geh' ich alsdann im Frieden hin. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Mein Jesus lebt 2c.( Mart. 9, 23. 24.) Feind den Raub zu rauben, Vom hohen Himmel kommen ist. D mach in diesem Glauben start B. Glaube und Rechtfertigung. Mein Herz und all mein Lebensmark! 2. Der Glaube machet arme Sünder In Freuden groß, in Demut klein; Sie sollen Gottes liebe Kinder, Geschwister seines Sohnes sein. Herr, schenke solchen Glauben mir! Um solches Glück ruf' ich zu dir. 3. Der Glaub' ist thätig durch die Liebe: Wer glaubt, der liebet auch gewiß. Die Liebe giebt ihm Lichtestriebe, Er lebt nicht mehr in Finsternis, Er hat und liebt des Geistes Zucht. Herr, hilf zur Wurzel und zur Frucht! 4. Der Glaube flieht das Weltgetümmel, Das eitleWesen dieser Welt, Indem er sich zum ew'gen Himmel, Als wenn er ihn schon sähe, hält; Er ziehet an den neuen Sinn; Herr, dieser Sinn sei mein Gewinn! 253 6. Der Glaube machet Lust zum Sterben, Versüßt des Todes Angst und Pein; Er machet uns zu Christi Erben Und führet uns zum Frieden ein, Die Seele kommt in ihre Ruh'. Herr Jesu, hilf mir auch dazu! 5. Der Glaube stärkt in Not und Schmerzen Und zeuget einen Heldenmut. Durch ihn wohnt Christus in dem Herzen; Man fühlt die Kraft von seinem Blut Und spricht: das Himmelreich ist mein. Herr, laß mich immer glaubig sein! 7. Der Glaube hat ein edles Ende, Das ist der Seelen Seligkeit. Man drückt den Freunden noch die Hände Und spricht: ,, Nun, seid auch ihr bereit; Jch gehe vor, folgt munter nach!" Herr, gieb' mir diese Glaubenssprach'! 8. Der Glaub' ist not; es ist unmöglich, Daß man sonst Gott gefallen kann. Doch ist sein Baterherz beweglich; Er giebt, klopft man nur herzlich an, Den Glauben gern in reichem Maß. Herr, gieb, ich bitt' ohn' Unterlaß! 9. Ich glaube; Herr, hilf mir zum Glauben! O mach ihn von der besten Art, Daß mir kein Feind ihn könne rauben, Und daß ich bleibe drin bewahrt, Bis ich nach meiner Glaubenszeit Dich schauen darf in Ewigkeit. Hieronymus Annoni vor 1770. Mel. Nun sich der Tag 2c.( Psalm 89, 3.) 323. Die Gnade wird doch| 2. Gott ist kein Mensch, den etewig sein, Die Wahrheit doch gewiß, Bräch auch des Himmels Feste ein Und jänk' in Finsternis. was reut, Und sein Wort bricht er nie; Die Gnade währt nicht turze Zeit, Nein, ewig währet sie. YOU COCO Lidibidi XVI. Heilsordnung. 254 3. Hat er uns Gnade zugesagt, So bleibt er fest dabei; Und wenn uns Furcht und Zweifel plagt, So bleibt er doch getreu. 4. So glaubt es denn mein Herz getroft Auf diese Gnade hin, Daß Gott mich ewig nicht verstoßt, Weil ich in Jesu bin. 5. In Jesu liegt der Gnade Grund, Da nimmt der Glaube teil; Mein Heiland, an dem Kreuz verwundt, Macht meine Seele heil. 6. D Gnade, daß mein Glaube dich Recht herzhaft faffen könnt' So lang, bis meine Seele sich Von meinem Leibe trennt! 324. Ich weiß, an wen ich glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier imStaube Wie Rauch und Staub verweht; Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen hält. 2. Das ist das Licht der Höhe, Das ist mein Jesus Christ, Der Fels, auf dem ich stehe, Der diamanten ist, Der nimmermehr kann wanken, Der Heiland und der Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort; 7. Herr, deine Gnade mache mich In mir recht arm und klein, Denn nur in dir allein kann ich Erst groß und herrlich sein. 8. Herr, laffe nichts von mir geschehn, Die Gnade sei denn mit; Laß deine Gnade mit mir gehn Bis zu dem letzten Schritt. 9. Kommt dann dein großer Tag herbei, So laß im Aufer: stehn, Daß deine Gnade ewig sei, Mich auch im Himmel sehn! Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Valet will ich dir geben 2c.( 2 Tim. 1, 12.) 3. Er, den man blutbedecket Am Abend einst begrub, Er, der von Gott erwecket Sich aus dem Staub erhub, Der meine Schuld versöhnet, Der seinen Geist mir schenkt, Der mich mitGnade krönet Und ewig mein gedenkt. 4.Drum weiß ich, was ich glaube, Ich weiß, was fest besteht Und in dem Erdenstaube Nicht mit zu Staub verweht. Es bleibet mir imGrauen DesTodes ungeraubt, Es schmückt auf Himmelsauen Mit Kronen einst mein Haupt. Ernst Moriz Arndt 1819. Mel. Auf, Christenmensch 2c.( 1 Joh. 2, 4-6.) 325. Wer Gottes Wort nicht den Glauben sieget. Wer aber hält und spricht: ,, Ich kenne Gott," der trüget; In solchem ist die Wahrheit nicht, Die durch sein Wort glaubt und hält, Der ist von Gott, nicht von der Welt. 2. Der Glaube, den sein Wort B. Glaube und Rechtfertigung. erzeugt, muß auch die Liebe zeugen; Je höher dein Erkenntnis steigt, Je mehr wird diese steigen. Der Glaub' erleuchtet nicht allein, Er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat Sind wir nun Gottes Kinder; Wer solche Hoffnung zu ihm hat, Der flieht den Rat der Sünder, Folgt Christi Beispiel als ein Christ Und reinigt sich, wie er rein ist. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c.( 2 Kor. 13, 5.) 326. Versuchet euch doch selbst, Ob ihr im Glauben stehet, Db Christus in euch ist, Ob ihr ihm auch nachgehet, In Demut und Geduld, In Sanftmut, Freundlichkeit, In Lieb'demNächsten stets zu dienen seid bereit. 2. Der Glaube ist ein Licht, Jm Herzen tief verborgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleichgesinnt, Erneuert Herz und Mut, Macht dich zu Gottes Kind. 255 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, Wenn ich Gehorsam übe; Wer die Gebote hält, in dem Ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christentum, Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, Wer in der Liebe bleibet. Die Lieb' ist's, die die Cherubim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb': an seinem Heil Hat ohne Liebe niemand teil. Christian Fürchtegott Gellert 1757. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben Und will's in Einfalt auch Dem Nächsten wieder geben. Dieweil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, was Gott im Wort zusaget; Drum muß der Zweifel fort, Die Schwermut wird verjaget. Sieh, wie der Glaube bringt Die Hoffnung an den Tag, Hält Sturm und Wetter aus, Besteht in Ungemach! 5. Wir waren Gottes Feind': Er giebt vom Himmelsthrone Sein eingebornes Kind, Er liebt uns in dem Sohne, Sett Liebe gegen Haß. Wer gläubig dies erkannt, Entbrennt in Liebe bald, Die allen Haß verbannt. 6. Wie uns nun Gott gethan, Thun wir dem Nächsten eben: Droht er uns mit dem Tod, Wir zeigen ihm das Leben; Flucht er, so segnen wir. In Schande, Spott und Hohn Ist unser bester Trost Des Himmels Ch renkron'. 5,000 256 XVI. Heilsordnung. 7. Sett Gott uns auf die Prob',| Werke, Steht ab vom Eigensinn, Ein schweres Kreuz zu tragen: Flieht die Vermessenheit, Hält Der Glaube bringt Geduld, Er- sich in Gottesfurcht In Glück leichtert alle Plagen. Statt und schwerer Zeit. Murren, Ungeduld Wird das Gebet erweckt, Weil aller Angst und Not Von Gott ein Ziel geſteckt. 8.Man lernet nur dadurch Sein Elend recht verstehen Wie auch des Höchsten Güt', Hält an mit Bitten, Flehen, Verzaget an sich selbst, Erkennet sich als nichts, Sucht bloß in Christo Kraft, Der Quelle alles Lichts; 9. Hält sich an sein Verdienst, Erlanget Geist und Stärke, In solcher Zuversicht zu üben gute 10. So prüfe dich denn wohl, Ob Christus in dir lebet! Denn Christi Leben ist's, Wonach der Glaube strebet. Er machet erst gerecht, Dann heilig, wirket Lust zu allem guten Werk. Sieh, ob du auch so thust! 11. O Herr, so mehre doch In mir den wahren Glauben, So kann mir keine Macht Die guten Werke rauben. Wo Licht ist, geht derSchein Freiwillig davon aus. Du bist mein Gott und Herr, Bewahr mich und mein Haus! 1687. Mel. Schwing dich auf zc.( 1 Mos. 39, 9. Matth. 26, 33.) 327. Sollt' ich jetzt noch, da| 3. Nein, ich bin und bleib' ein mir schon Deine Güt' erschienen, Dich verlassen, Gottes Sohn, Und der Sünde dienen? Mit den Lüsten dieser Zeit Wieder mich beflecken Und nicht mehr die Süßigkeit Deiner Liebe schmecken? Christ, Halt auf deine Lehren, Lasse mir nicht macht noch List meinen Glauben wehren. Fielen tausend ab, nicht ich! Mag's die Welt verdrießen, Sie wird mein Vertraun auf dich Mir doch gönnen müssen. 4. Beigt sie mir ein Heil wie du? Bringt siekraft den Müden, Den Bedrängten Trost und Ruh', SündernGottes Frieden? Giebt sie mir die Zuversicht, Daß ich trotz dem Grabe Deiner Ewigkeiten Licht zu erwarten habe? 2. Hab' ich doch allein bei dir Meine Ruh' gefunden! Mittler, heiltest du doch mir Alle meine Wunden! Und ich sollte dein Gebot Wie die Sünder hassen? Und mein Recht an deinen Tod Wieder fahren lassen? B. Glaube und Rechtfertigung. 257 5. Rettet sie mich, wann vor| Huld genieße, Da ich weiß, auf Gott Einst die Völker stehen Und wessen Wort Jch die Hoffnung das Leben und den Tod Jhm zur gründe, Daß auch ich unfehlbar Seite sehen? Wann der Sichre, dort Gnad' und Leben finde! nun zu spät, Aus dem Schlaf erwachet, Und der Spötter, der hier schmäht, Glaubt und nicht mehr lachet? 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht nochFreuden, Mein Erlöser und mein Gott, Soll von dir mich scheiden! Welt und Sünd'und Eitelkeit Und des Fleisches Triebe, Alles überwind' ich weit, Herr, durch deine Liebe. Balthasar Münter 1772. 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Matth. 11, 28-30.) 328. Ruhe ist das beste Gut,| Gottes Sohn, Der uns alle ladet Das man haben kann; Stille und ein guter Mut Steiget himmelan. Die suche du! Hier und dort ist keine Ruh' Als bei Gott, ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. ein Vordes Himmels Thron Zur wahren Ruh'. Wer den Ruf vernommen hat, Dringe ein zur Gottesstadt. Gott ist die Ruh'. 2. Ruhe suchet jedes Ding, Allermeist ein Christ. Du, mein Herz, nach Ruhe ring, Wo du immer bist! O suche Ruh'! In dir selber wohnt sie nicht; Such in Gott, was dir gebricht! Gott ist die Ruh'. 3. Ruhe giebt dir nicht die Welt, Ihre Freud' und Pracht; Ruhe giebt nicht Gut und Geld, Lust, Ehr', Gunst und macht; Reins reichet zu. Wenn du recht bekümmert bist, Suchst du das, was droben ist. Gott ist die Ruh'. 4.Ruhe geben kann allein Jesus, Evangelisches Gesangbuch. 5. Ruhe beut er allen an, Die beladen sind. Arm' und Reiche, kommt heran, Mann und Weib und Kind, Ihr findet Ruh'! Traget ihr des Leides viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel. Gott ist die Ruh'. 6. Ruhe kommt aus Glauben her, Der nur Jesum hält; Jesus machet leicht, was schwer, Richtet auf, was fällt. Sein Geist bringt Ruh'; Gieb im GlaubenHerz und Sinn Seinem Geist zu eigen hin! Gott ist die Ruh'. 7. Ruhe findet sich zumeist, Wo Gehorsam blüht; Ein in Gott 17 adapada 30000 258 XVI. heilsordnung. hinunterzieht, Giebt wahreNuh'. Darum bleibe arm und klein, So wird Gott dir nahesein! Gott ist die Ruh'. gesetzter Geist Macht ein still Ge-| Niedrigkeit fein treibt Und mit Und Seelenruh'. Darum selig, wer sich giebt, Daß er Gottes Willen übt! Gott ist die Ruh'. 8. Ruhe wächset aus Geduld Und Zufriedenheit, Die in Gottes Zorn und Huld Und in Lieb' und Leid Sich giebt zur Ruh'. Je zufriedener du bist, Desto näher Gott dir ist. Gott ist die Ruh'. 9. Ruhe hat, wer williglich Christi sanftes Joch Hingebücket nimmt auf sich; Ist es lieblich doch Und schaffet Ruh'. Folge deinem Heiland gern, Dann ist nie dein Friede fern! Gott ist die Ruh'. 10.Ruhe nirgends lieber bleibt, Als wo Demut blüht; Was zur 14243444 Lebens Ruh' Und führt mich deinem Himmel zu, D du, an den ich glaube! Ach gieb mir, Herr, Beständigkeit, Daß diesen Trost der Sterblichkeit nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu sein! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht Zu deiner Ewigkeit ein Recht Durch deinen Tod erworben. Nun bin ich nicht mehr Asch' und Staub, Nicht mehr des Todes ew'ger Raub, Du bist für mich gestorben. Mir, der ich dein 11. Ruh' entspringet aus dem Quell, Wo die Liebe fleußt; Ift das Herz nur klar und hell, Sanft und still der Geist, Da strömt die Ruh'. Liebe, wenn du Ruh' begehrst, Bis du seliglich erfährst: Gott ist die Ruh'. 12. Ach du Gott der wahren Ruh', Gieb auch Ruhe mir! Was ich denke, red' und thu', Streb nach Ruh' indir. Gieb Ruh'dem Geist! Schließt sich dann mein Auge zu, So führ Leib und Seel zur Ruh', Dem Himmel zu! Johann Kaspar Schade vor 1691. Eigene Mel.( Kol. 1, 12-14.) 329. Mein Glaub' ist meines| Erlöster bin, Ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ; Mein Herz ist ruhig und vergißt DieSchmerzen dieses Le bens. Ich dulde, was ich dulden soll, Und bin des hohen Trostes voll: Ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein Los mit zu: Hier kurzen Schmerz, dort ew'ge Ruh'. 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit Mir, der ich jener Herrlichfeit mit Ruh' entgegenschaue? Bald ruft mich Gott, und ewiglich Belohnet und erquickt er C. Göttlicher Friede. mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet aller Schmerz, Und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz. 5. Bin ich gleich schwach, so trag' ich doch nicht mehr der Sünde schändlich Joch In meinem Lauf aufErden. Ich übe kindlich meine Pflicht; Doch fühl' ich es, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mein Trost ist dies: Gott hat Geduld Und straft mich nicht nach meiner Schuld. 6. Der du den Tod für mich bezwangst, Du hast mich, Mittler, Eigene Mel.( Joh. 14, 27. Phil. 4, 7. 8.) 330. Friede, ach Friede, ach| Sünder mit Gott zu verfühnen, auf sich. Nimm dies, o Seele, recht fleißig zu Herzen, Und siehe, was thut nicht dein Jesus fürdich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege Und hilft dir, daßJammer und Unruh'fich lege. 4. Nun dafür bist du ihm ewig verbunden, Du sollst dafür gänzlich sein Eigentum sein. Er hat die ew'geErlösung erfundenlind schließt in den Bund seines Friedens dich ein; Drum siehe, daß du dich ihm gänzlich ergebest Und nun in der Liebe von Herzen ihm lebest! 5. Wen er berufet zum Friedensgenossen, Von solchem begehrt er auch liebende Treu'; Drum sollst du treulich und tagöttlicher Friede Vom Vater durch Christum im heiligen Geist, Welcher der Frommen Herz, Sinn und Gemüte In Christo zum ewigen Leben aufschleußt! Den sollen die gläubigen Seelen erlangen, Die alles verleugnen und Christo anhangen. 2. Richte deswegen, friedliebendeSeele, DeinHerze im Glauben zu Jesu hinan! Was da ist droben bei Christo, erwähle, Verleugne dich selbst und den irdischen Wahn! Nimm auf dich das sanfte Joch Christi hienieden, So findest du Ruhe und göttlichen Frieden. 259 aus der Angst, In der ich lag, gerissen. Dir, dir verdank' ich meine Ruh', Du heilest meine Wunden zu Und stillest mein Gewissen; Und fall' ich noch in meinem Lauf, So richtest du mich wieder auf. 7. Gelobt sei Gott, ich bin ein Christ, Und seine Gnad' und Wahrheit ist An mir auch nicht vergebens. Sein Wort hilft mir zur Heiligung; Die Gnade wirkt Erneuerung Des Herzens und desLebens.Gott, präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu sein! Balthasar Münter 1772. 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmerzen, Die adapada 30000 hikik sebebe 260 XVI. Heilsordnung. pfer ausstoßen, Was Jesus dir| dasselbige thu! Haffe und laffe, zeiget, daß wider ihn sei. Welt, was sein Wort verwehret, So finSatan und Sünde, die mußt dest du Frieden und ewige Ruh'! du bestreiten, Was Jesu zuwider Ja selig, die also sich Jesu erist, fliehen und meiden. geben Und gläubig und heilig nach seinem Wort leben! 8. Jesu, duHerzog der Friedensheerscharen, O König des Frie dens, ach zeuch uns nach dir, Daß wir den Friedensbund treulich bewahren, Im Wege des Frie: dens dir folgen allhier! Ach laß uns doch deinen Geist kräftig regieren Und dir nach im Frieden zum Vater hinführen! Bartholomäus Craffelius 1704. 6. Weislich und fleißig mußt du dich entschlagen Der bösen Gesellschaft und fündigen Rott', Welche den weltlichen Lüsten nachjagen, Nicht fürchten noch lieben den heiligen Gott. Denn die sich zu solchen Gottlosen gesellen, Die fahren mit ihnen hinunter zur Höllen. 7. Liebe und übe, was Jesus dich lehret; Und was er dich heißet, Eigene Mel.( Röm. 8, 28-39.) 331. Jesu, meine Freude,| und tobe, Ich steh' hier und lobe Gott in sichrer Ruh'. Seine Macht Hält mich in acht; Erd' und Abgrund müssen schweigen Und vor ihm sich neigen. 4. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergößen, Jesu, meine Luft. Weg ihr eitlen Ehren, Die das Herz verkehren, Bleibt mir unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht! Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, Meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier! Ach wie lang', ach lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir! Du bist mein, Und ich bin dein; Außer dir soll mir auf Erden Nichts sonst lieber werden. 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor denStürmen Aller Feinde frei. Laß vonUngewittern Rings dieWelt erzittern, Jesus steht mir bei. Wenn die Welt InTrümmer fällt, Wenn michSünd'undhölle schrecken, Jesus wird mich decken. 3. Troß des Feindes Lauern, Troß des Todes Schauern, Trok der Furcht dazu! Zürne, Welt, C. Göttlicher Friede. 261 Du Stolz und Pracht; Dir sei| Dennoch bleibst du auch im Leide, ganz, du gottlos Leben, Gute Nacht gegeben! Jesu, meine Freude. 7. Jesu, ich befehle Dir jetzt Leib und Seele; Jesu, bleib in mir! Dir ich mich ergebe, Ich sterb' oder lebe, Jesu, meine Zier. Jesu, du Mein Trost und Ruh', Meine Seel' am letzten Ende Nimm in deine Hände! Johann Frand 1655. V. 7 Schenk 1677. 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister, Jefus, tritt herein! Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Segen sein. Duld' ich schon Hier Spott und Hohn, Mel. Mein Jesus lebt 2c.( 1 Tim. 1, 15-17. Ebr. 6, 17-20.) 332. Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält. Wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, WennErd' und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt, Des, der mit offnen Liebesarmen Sich nieder zu den Sündern neigt, Dem stets das Herz vor Mitleid bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3.Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein: Deswegen kam der Sohn zur Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deswegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür'. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden; Hier findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. An diesen Ruf will ich gedenken, Will ihm getroft und gläubig traun, Und wenn mich meine Sünden kränken, Nur gleich nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6.Wird alles andre weggeriffen, Was Leib und Seel' erquicken kann, Darf ich von keinem Freunde wissen Und scheine völlig ausgethan, Ist die Errettung noch so weit: Mir bleibet die Barmherzigkeit! 7. Beginnt der Erde Laft zu drücken, Und häuft sich Kummer und Verdruß, Daß ich mich noch in vielen Stücken mit eitlen Dingen mühen muß, Darüber apodado cocacocoarooled co 262 XVI. Heilsordnung. sich mein Geist zerstreut, So hoff'| mir stillen, Damit es das nur ich auf Barmherzigkeit. nicht vergißt! So stehet es in Lieb' und Leid In, durch und auf Barmherzigkeit. 8. Muß ich in meinen besten Werken, Womit ich hier beschäftigt bin, Viel Schwachheit und Befleckung merken, So fällt zwar alles Rühmen hin; Doch ist mir noch ein Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist; Er wolle selbst mein Herz 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, Solange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, Solange sich ein Glied bewegt. So sing' ich ewig hoch erfreut: O Abgrund der Barmherzigkeit! Johann Andreas Rothe 1728. Eigene Mel.( Matth. 16, 24-26.) 333. Nicht eine Welt, die trinkt: Ich bin ein Christ, mich reizen ew'ge Schätze. 5. Zwar thränenvoll ist meines Laufes Bahn Und reich an Pein und arm an Erdenfreuden; Ich seh' auf ihn, mein Mittler geht voran: Ich bin ein Christ, ich will mit Christo leiden. 6. Und kommt er dann nach lang gekämpftem Streit, Der Todestag, mich zu dem Herrn zu bringen, So sterb' ich auch mit Mut und Heiterkeit: Ich bin ein Christ, ich kann den Tod bezwingen. in ihr nichts vergeht, Nicht einen Schatz, der nicht kann ewig gelten, nicht eitlen Ruhm hat sich mein Herz erfleht: Ich bin ein Christ, ich suche beßre Welten. 2. Jch bin erkauft, ein Knecht des Herrn zu sein, Vor welchem sich der Erde Fürsten neigen; Er ist mein Friedefürst, mein Herr allein: Ich bin ein Christ, vor ihm will ich mich beugen. 3. Stolz um mich her erhebet sich der Thor, Ich soll mit ihm der Götzen Luft genießen; Er lockt und droht, ich schenk' ihm nicht mein Ohr: Ich bin ein Christ, ich sit' zu Jesu Füßen. 4. Jhr rührt mich nicht, wenn eure Hand mir winkt, Daß sich mein Herz an dieser Welt ergöße, Die ihr den Tod in eure Adern 7.Und wann der Tag, der große Tagerwacht, Wann um mich her viel Auferstandne beben, So tret' ich froh aus meines Grabes Nacht: Ich bin ein Christ, ich werde ewig leben. Karl Amadeus Huber um 1750. C. Göttlicher Friede. Mel. Mein Salomo 2c.( Joh. 14, 27. 1, 14.) wird das neue Leben recht gedeihn, Der Weisheit Tiefen werden mir entsiegelt; Es wird mein Herz in Gottes Bild verklärt Und alle Kraft der Sünde abgewehrt. 334. Mein Friedefürst,| gesichtes milder Schein, Dann dein freundliches Regieren Stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert. Wenn sich zu dir die blöde Seele kehrt, So läßt sich bald dein Friedensgeist verspüren; Dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn Und nimmt die Furcht und Unruh' von mir hin. 2. Gewiß, mein Freund giebt folche edle Gaben, Die alle Welt mir nicht gewähren kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichtum an, Sie kann ja nicht die müden Seelen laben! Mein Jesus kann's; er thut's im Überfluß, Wenn alle Welt zurückestehen muß. 6. Was dem Geset unmöglich war zu geben, Das bringt alsdann die Gnade selbst herfür: Sie wirket Lust zur Heiligkeit in mir Und ändert nach und nach mein ganzes Leben, Indem sie mich aus Kraft in Kräfte führt Und mit Geduld und Langmut mich regiert. 7. Es müsse doch meinHerz nur Christum schauen: Besuche mich, du Aufgang aus der Höh', Daß ich das Licht in deinem Lichte seh' Und könne ganz auf deineGnade bauen! Kein. Fehler sei so groß und schwer in mir, Der mir die Thür' verschlösse, Herr, zu dir. 8. Wenn meine Schuld vor dir mich niederschläget Und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft; Wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft Und lauter Angst und Furcht in mir erreget, So laß mich doch dein treues Herz noch sehn Und neue Kraft und Zuversicht erstehn. 9. So ruh' ich nun, mein Heil, in deinen Armen, Du selbst sollst mir mein ew'ger Friede sein! Ich hülle mich in deine Gnade ein, 263 3. D Seelenfreund, wie wohl ist dem Gemüte, Das im Geset sich so ermüdet hat Und nun zu dir, der Lebensquelle, naht Und schmeckt in dir die wundersüße Güte, Die alle Angst und alle Not verschlingt Und unsernGeist zur sanften Ruhe bringt. 4. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret; Je mehr es Kraft und Seligkeit genießt, Daß es dabei der Eitelkeit vergißt, Die sonst den Geist gedämpfet und beschweret; Je mehr das Herz des Vaters Liebe schmeckt, Je mehr wird es zur Heiligung erweckt. 5. Wann sich in mir des Herren Klarheit spiegelt Und seines AnDeadheacada, gooed.com AG OO 44444444 264 XVI. Heilsordnung. Mein Element ist einzig dein Er-| nug, wenn dich mein Geist gebarmen; Und weil du selbst mir nießt. Eins und Alles bist, So ist's geChristian Friedrich Richter vor 1711. Mel. Wer nur den lieben 335. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; Das zähl' ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hat's nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 2.Ich hatte Gottes3orn verdienet, Und soll bei Gott in Gnaden sein; Er hat mich mit sich selbst verfühnet Und macht durchsBlut des Sohns mich rein. Warum? Ich war ja Gottes Feind? Erbarmung hat's so treu gemeint. 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm' ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So Gott 2c.( 1 Tim. 1, 13.) ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dies laff' ich kein Geschöpf mir rauben, Dies soll mein einzig Rühmen sein; Auf dies Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet' ich auch allein, Auf dieses duld' ich in der Not, Auf dieses hoff' ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir! Da bin ich ewig hocherfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Mein Heiland nimmt die Sünder an zc.( Hohes Lied 2, 16. Röm. 8, 32.) 336. Beschränkt, ihr Weisen| 2. Mein gütiger Immanuel, bieser Welt, Die Freundschaft immer auf die Gleichen, Und leugnet, daß sich Gott gesellt Mitdenen, die ihn nicht erreichen! Jst Gott schon alles, und ich nichts, Ich Schatten, er der Quell des Lichts, Ich Erd' und Staub, er hoch erhaben, Ich arm, er reich an allen Gaben, Ich sündevoll, und er ganz rein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! Mein Mittler wußte Rat zu finden, Sich meiner hochbedrängten Seel', Die ihn herabzog, zu verbinden. Er, dem ich nichts vergelten kann, Sah dennoch meinen Mangel an; Er kommt vomHimmel auf die Erde, Daß er mein Freund und Bruder werde, Ein Mensch wie ich, mein Fleisch und Bein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! C. Göttlicher Friede. 265 3.Gott, welcher seinen Sohn mir| Geist, Mein Freund ist meines Le gab, Gewährt mir alles mit dem bens Leben; Nach ihm, der mich Suhne, Nicht nur sein Leiden, sein eigen heißt, Und sonst nach Kreuz und Grab, Auch seineHerr- keinem will ich streben, Dem ich lichkeit und Krone. Ja was er re- mich, der sich mir ergiebt, Den ich, det, hat und thut, Sein Wort und der mich wieder liebt, Von und Geist, sein Fleisch und Blut, dem ich nichts mehr kann begehWas er erbeten und gelitten, ren, Der mir nichts Beßres kann Was er gewonnen und erstrit- gewähren. Dies Licht verdunkelt ten, Das alles soll mein eigen jeden Schein: Mein Freund ist sein: Mein Freund ist mein, und mein, und ich bin sein! ich bin sein! 7. Dhn' ihn ist mir der Himmel trüb', Die Hölle finde ich auf Erden; Hingegen machet seine Lieb', Daß Wüsten mir ein Eden werden. Ohn' ihn ist mir trotz aller Meng' DieZeit zu lang', die Welt zu eng; Ich bin, wann Feind' und Freunde fliehen, Wann sich die Engel selbst entziehen, Zwar einsam, aber nicht allein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 8. Sein ist mein Leib, sein ist mein Geist, Die er mit ſeinem 5. Zwar kann er aller Christen Blut erlöste, Die er beschirmet, Mut Mit seiner Liebe sattsam tränkt und speist, Bis er dort weiden; Wir dürfen um das beide ewig tröste; Sein ist mein höchste Gut Nicht eifern noch ein- Denken, Mut und Sinn, Sein ander neiden: Durch unsern ist, was ich vermag und bin; Ja größesten Genuß Erschöpft sich was ich in und an mir habe, Ist nicht sein Überfluß. Drum will alles seine Gnadengabe, Die ich ihn zwar keinem leugnen, macht mich auch vom Undank Doch mir vor allen andern eig- rein: Mein Freund ist mein, und nen. Welt, zank dich um das ich bin sein! Mein und Dein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 6. Mein Freund ist meiner Seele 9.Sein ist mein Glück und meine Zeit, Sein ist mein Sterben und mein Leben, zu seinem Ehren4. Ich finde Segen, Heil und Ehr'Bei unsremBund auf seinem Pfade; Er heischet von mir sonst nichts mehr Als Glauben, und ich nichts als Gnade. Owohl der Wahl, die dies gefügt! Sie reut mich nie, ich bin vergnügt In ihm, der mich erwählt zum Frieden; Drum bleibt's bei beiden ungeschieden Ein Herz und Mund, ein Jaund Nein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! ps heapach SOOCO CO hik 266 dienst geweiht, Von ihmbestimmt und ihm ergeben. Es kommet, was ich lass' und thu', Von ihm her und ihm wieder zu; Sein sind auch alle meine Schmerzen, Die er so zärtlich nimmt zu Herzen, Er fühlt und endet meine Pein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 10. Nun zürn und stürme jeder Feind, Er hoffe nicht, daß ich XVI. Heilsordnung. 444 3. In der Eile Fahren Pfeile Oft vom Argen auf uns dar; Jesus schüßet, Glaube nüßet Als Mel. Sieh, hier bin ich zc.( Ephef. 2, 14.) 337. Die Beschwerden Dieser| ein Schild uns in Gefahr. So Erden Häufen sich noch immer zu, Und im Streiten Dieser Zeiten Hat man nirgends wahre Ruh'. Wo ist Friede Für uns Müde? Du bist's, treuer Jesu, wird Frieden Uns beschieden, Weil der Heiland Sieger war. 4. Uns bekriegen Haß und Lügen Zwar von außen in der Welt; Doch von innen kann's gewinnen, Wer Geduld und Glauben hält. Nichts heißt Schade, Wenn nur Gnade Unser Herz zufrieden stellt. du! 2. Sünden schmerzen Oft im Herzen, Und kein Fried' ist im Gebein! Unverbunden Sind die Wunden; Jesu, dein Blut heilt allein. Dein Verfühnen Macht uns grünen, Du mußt unser Friede sein. 5. O Erlöser! Noch viel größer Ist der Friede jener Stadt; Da sind Psalmen, Da sind Palmen, Die ein Überwinder hat. Nimm mich Müden Hin im Frieden! Dort wird niemand lebensſatt. Philipp Friedrich Hiller 1767. erstaune! Der Richter selber ist mein Freund, Drum schreckt mich nicht die Weltposaune. Ob Erd' und Himmel bricht und kracht, Ob Leib und Seele mir verschmacht't, Ob mein Gebeine muß verwesen, So ist als Wahlspruch doch zu lesen Nur dies auf meines Grabes Stein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! Christoph Wegleiter vor 1706. 338. Besiz' ich nur Ein ruhiges Gewissen, So ist für mich, Wenn andre zagen müssen, Nichts Schreckliches in der Natur. Eigene Mel.( Apostelgesch. 24, 16. Ebr. 13, 9.) Dies sei mein Teil, Dies soll mir niemand rauben! Ein reines Herz Von ungefärbtem Glauben, Der Friede Gottes nur ist Heil. C. Göttlicher Friede. 267 3. Welch ein Gewinn, Wenn ergehen Dir jeden frohen Augenmeine Sünde schweiget, Wenn blick. Gottes Geist In meinem Geiste zeuget, Daß ich sein Kind und Erbe bin! 10. Was kann im Schmerz Den Schmerz der Leiden stillen, Im schwersten Kreuz Mit Freuden dich erfüllen? Ein in dem Herrn zufriednes Herz. 11. Was giebt dir Mut, Die Güter zu verachten, Wonach mit Angst Die niedern Seelen schmachten? Ein ruhig Herz, dies größre Gut. 12. Jm Herzen rein Hinauf zum Himmel schauen Und sagen: Gott, Du Gott, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kann größer sein? 13. Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen; Was wird alsdann Dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewiffen macht ihn leicht. 14. Heil dir, o Christ, Der dieſe Ruh' empfindet, Und der sein Glück Auf das Bewußtsein gründet, Daß nichts Verdammlichs an ihm ist! 4. Und diese Ruh', Den Trost in unfrem Leben Sollt' ich für Luft, Für Luft der Sinne geben? Dies ließe Gottes Geist nicht zu. 5. In jene Pein, Mich selber zu verklagen, Der Sünde Fluch Mit mir umherzutragen, In diese stürzt' ich mich hinein. 6. Laß auch die Pflicht, Dich selber zu besiegen, Die schwerste sein. Sie ist's; doch welch Vergnügen Wird sie nach der Vollbringung nicht! 7. Welch Glück, zu sich mit Wahrheit sagen können: Ich fühlt' in mir Des Bösen Lust entbrennen, Doch, Dank sei Gott, er schüßte mich! 8. Und welch Gericht, Selbst zu sich sagen müffen: Jch konnte mir Den Weg zum Fall verschließen, Und doch verschloß ich mir ihn nicht! 9. Was kann im Glück Den Wert des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz Verfüßt im Wohl Eigene Mel.( Hohes Lied 339. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, Wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich steig' aus 15. ,, Laß Erd' und Welt," So kann der Fromme sprechen, ,, Laß unter mir Den Bau der Erde brechen: Gott ist es, dessen Hand mich hält!" Christian Fürchtegott Gellert 1757. 8, 5. 6. Röm. 8, 31-34.) dunkler Schwermutshöhle Und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, deadacacoch oroOCO 268 XVI. Heilsordnung. Wenn mit der Fülle sel'ger Freu-| Tritt alles wider mich zusamden Die Liebe strahlt aus deiner men: Du bist mein Heil, wer Brust. Hier ist mein Himmel will verdammen? Die Liebe schon auf Erden! Dem muß ja nimmt sich meiner an. volle Gnüge werden, Der in dir suchet Ruh' und Luft. 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, Ich folg' und lehne mich auf dich; Du giebst mir aus den Wolken Speise Und tränkest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb' und Segen; Genug, wenn ich dich bei mir hab'! Ich weiß: wen du willst herrlich zieren Und über Sonn' und Sterne führen, Den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen: Ich seh' ihn an mit frohem Mut; Denn du, mein Leben, läsfest keinen, Des Herz und Leben in dir ruht. Wie kann des Weges Ziel mich schrecken, Da aus der Nacht, die mich wird decken, Ich eingeh' in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich denn mit Freuden Aus dieser finstern Wildnis scheiden zur Ruhe deiner Ewigkeit. Wolfgang Christoph Deßler 1692. Mel. Aus Gnaden soll ich zc.( 1 Joh. 5, 18. Psalm 119, 165.) 340. Wer, o mein Gott, aus 2. Befreit aus seinen Finsterdir geboren, Ein neues Herz von nissen Und von der SündeSkladir empfängt Und, dir zum Ei- verei, Begnadigt, ruhig im Gegentum erkoren, Der Sünd'ent- wissen, Vom Fluche des Gesetzes fagt und göttlich denkt Und gött- frei, Sieht er indir, mit dir verlich lebt: wie selig ist Dein Kind, eint, Den Vater und den besten dein Eigentum, der Christ! Freund. 2. Die Welt mag sich mir feindlich zeigen: Es sei also, ich acht' es nicht. Will sie sich freundlich zu mir neigen: Ich flieh' ihr trügend Angesicht. In dir vergnügt sich mein Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärksten Trübsals wellen Mir deine Treu' den Anfer reicht. 3. Will mich die Laft der Sünden drücken, Blitzt auf mich des Gesekes Weh, So eil' ich, Herr, auf dichzu blickenund steige gläubig in die Höh'; Ich fliehe, Herr, zu deinen Wunden, Da hab' ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. C. Göttlicher Friede. 269 der Sünder ihn verschmähn: Er wird von dir, o Gott, gesehn. 3. Er darf, o Gott, von dir ver-| deines Beifalls sich. Mag doch langen, Was ihm dein eigner Sohn erwarb; Er wird es auch von dir empfangen, Weil Jesus ihm zum Heile starb: Licht, wo er's braucht, und Mut und Kraft Zum Kampfe seiner Pilgerschaft; 4. Zum sichern Siege deine Stärke, Und deinen Geist der Heiligung zu einem jeden guten Werke, JmLeiden Trost undLinderung, Und selbst in seiner Prüfungszeit Den Vorschmack jener Herrlichkeit. 5. Bereit zu helfen und zu trösten, Lenkst du mit väterlicher Huld, Was nur geschieht, zu seinem Besten Und hast, wenn er auch fehlt, Geduld; Hilfst gern von seinem Fall ihm auf Und förderst seinen Tugendlauf. 6. Er wandelt gern auf deinen Wegen, Liebt alle Menschen brüderlich; Was er nur thut, wird Heil und Segen, Auch freut er 7.Versichert, daß er selig werde, Zufrieden hier mit seinem Los, Ist für die eitle Lust der Erde 3u selig er, zu reich, zu groß; Und seine Wünsche, Gott, begrenzt kein Glück der Welt, so sehr es glänzt. 8. Er sieht den Tod von ferne kommen Und zittert nicht, er ist sein Freund; Bon dir zum Erben angenommen, Frohlockt er, wann der Tod erscheint; Er endet fröhlich seinen Lauf Und schwinget sich zu dir hinauf. 9. Wie selig, wer aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt Und, dir zum Eigentum erkoren, Der Sünd' ent= sagt und göttlich denkt Und göttlich lebt: wie selig ist Dein Kind, dein Eigentum, der Christ! Johann Andreas Cramer 1782. Mel. Wie groß ist zc.( Psalm 34, 9.) 341. Wie mächtig spricht in| 2. Erhalter deiner Kreaturen, meiner Seele, Herr, deine Stimme voller Huld! Du siehst erbarmend, wenn ich fehle, Trägst mich als Vater mitGeduld, Giebst deinen Geist, mich zu regieren, Sprichst meinem Herzen freundlich zu, Wirst niemals müde mich zu führen, So viel ich falsche Tritte thu'. Liebreicher Gott der ganzen Welt, Die deiner Güte reiche Spuren In jedem Sonnenstaub enthält! Mein Herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, Vater, troßen kann; Undankbar soll es nie vergessen, Was du zu seinem Heil gethan. 3. Verfündigt'ich mich wohl mit 2000 cacoco/ YOOOO HO 270 XVI. Heilsordnung. Willen An meinem Vater, der| Sünden, Die weder Mensch noch vergiebt? Der mir Gebote zu erfüllen Gegeben hat, weil er mich liebt? Der die Erfüllung kleinster Pflichten Als eine Wohlthat mir vergilt Und, statt mit Strenge mich zu richten, Mein Herz mit Trost und Freud' erfüllt? Engel büßt. Wie selig kann ich's dann empfinden, Daß Christus mein Erlöser ist! 5. Den majestätischen Gedanken Gäb'ich für alle Welten nicht. Er bleibet wahr, die Thronen wanken; Er bleibet fest, die Welt zerbricht. Es mögen fündigen und zittern, Die Kinder des Verderbens sind; Gott wird der Erde Grund erschüttern: Jch bebe nicht, ich bin sein Kind. Johann Christian Krüger vor 1750. 4. Sein Dienst ist Leben meiner Seele, Gehorsam meine Seligkeit. Ich weine kindlich, wenn ich fehle, Vor ihm, dem Vater, der verzeiht; Ich fühle jebe meiner Mel. Wie schön leucht't zc.( Pf. 23, 1-3. 2 Ror. 5, 14-17.) 342. Es ist etwas, des Heilands sein: ,, Ich dein, o Jesu, und du mein!" In Wahrheit sagen können; Jhn seinen Bürgen, Herrn und Ruhm Und sich sein Erb' und Eigentum Ohn'allen Zweifel nennen. Selig, Fröhlich Sind die Seelen, Die erwählen, Ohn' Bedenken Ihrem Jesu sich zu schenken. 2. Schau an die Welt mit ihrer Lust Und alle, die an ihrer Brust In heißer Liebe liegen: Sie essen und sind doch nicht satt, Sie trinken und das Herz bleibt matt, Denn es ist lauter Trügen. Träume, Schäume, Stich' im Herzen, Höllenschmerzen, Ew'ges Quälen Ist die Luft betrognerSeelen. 3. Ganz anders ist's, bei Jesu sein, Mit seinen Herden aus und ein Auf seinen Matten gehen. Auf diesen Auen ist die Lust, Die Gottesmenschen nur bewußt, Im Überfluß zu sehen: Hülle, Fülle Reiner Triebe, Süßer Liebe, Fried' und Leben, Stärke, Licht und viel Vergeben. 4. Schau, armer Mensch, zu diesem Glück Ruft dein Erlöser dich zurück Von jenem Grundverderben! Er kam deswegen in die Welt Und gab für dich das Lösegeld Durch Leiden und durch Sterben. Laß dich Willig Doch umarmen! Sein Erbarmen, Schmach und Leiden Sind ein Meer der Seligkeiten. 5. Von Stund'an kann ich nicht mehr mein, Der Welt und ihrer Lüfte sein, Die mich bisher gebunden! MeinHerr, den ich so sehr be C. Göttlicher Friede. 271 trübt, Der aber mich viel mehr ge-| Stärk meinen schwachen Willen liebt, Der hat mich überwunden. Durch deines werten Geistes Nimm mich Gänzlich, Herr, schon Kraft, Bu üben gute Ritterschaft, heute Dir zur Beute Und zum Den Vorsatz zu erfüllen, Bis ich Lohne Deiner blut'gen Dornen- Endlich, Schön geschmücket Und frone! entrücket Allem Leiden, Bei dir darf in Salem weiden! Johann Christian Storr 1756. 6. Ach, mach mich von mir selber frei und stehe mir in Gnaden bei; Mel. Jesu, hilf ftegen 2c.( Röm. 8, 28-39.) 343. Christen erwarten in allerlei Fällen Jesum mit seiner allmächtigen Hand. Mitten in Stürmen und tobenden Wellen Führt er das Schiff ihres Glau- Wann und wo jedem sein Ende bens ans Land; Wann sie die bereit. Sind es nicht alles verNächte der Trübsal bedecken, Kann doch ihr Grauen sie wenig erschrecken. gebliche Schmerzen, Die ihr euch machet, ihr thörichten Herzen? 5. Zweifel und Sorgen verderben die Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott. Seele, verlangst du zur Ruhe zu kommen, Hoffe der Angst und dem Zweifel zum Spott! Ob auch die göttliche Hilfe verborgen, Traue dem Höchsten und meide die Sorgen! 2.Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, Drohet und hauet ihr blinkendes Schwert, Lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, Denen sich Jesus im Herzen verklärt: Wüten die Feinde mit Schnauben und Toben, Schauen sie dennoch voll Trostes nach oben. 4.Viele verzehren in ängstlichen Sorgen Kräfte, Gesundheit und Kürze der Zeit, Da doch im Rate des Höchsten verborgen, 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, Bringen die Gärten und Fluren nichts ein, Schlagen die Schloßen die Früchte darnieder, Brennen die Berge vom hizigen Schein: Kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, Weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 6.Gutes und alle erbetenenGaben Folgen dir, bis man dich leget ins Grab; Ja du wirst selber den Himmel noch haben. Ei, warum sagst du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und stille, Das ist des Vaters, des Ewigen Wille. 7. Freue dich, wenn du ſtatt freundlichen Blicken Mancherlei dadacaOS YOUCO 4018184 272 XVI. Hellsordnung. Jammer erduldest und Not! Wann in derHerrlichkeitChristus Wisse, was Gott will erhöhn und erquicken, Muß erst mit Jefu durch Trübfal und Tod! Willst du mitleben, so mußt du mitsterben; Anders kann keiner den Himmel ererben. wird kommen, Um sich zu sammeln die Herde der Frommen. 9. Seine allwirksameStärke beweisetIn denUnmächtigen mächtige Kraft; Dann wird alleinig sein Name gepreiſet, Wann er denzagenden Freudigkeit schafft. Jesu, gieb, daß ich dem Vater vertraue, Wenn ich die Hilfe nicht sichtbarlich schaue! Christian Ludwig Edeling 1714. 8. Völlige Wonne, verklärete Freude, Himmlische Güter, undenkliches Heil Werden dir dort auf der ewigen Weide Unter den Engeln und Menschen zu teil,| Eigene Mel.( Kol. 3, 3. 4. 2 Kor. 6, 8-10.) 344. Esglänzet der Christen| den am Fleische wie andere Süninwendiges Leben, Obgleich sie der, Sie essen und trinken nach die Hitze des Tages verbrannt. nötigem Brauch; In leiblichen Was ihnen der König des Him- Sachen, Im Schlafen und Wamels gegeben, Ist keinem als chen Sieht man sie vor andern ihnen nur selber bekannt; Was nichts Sonderlichs machen, Nur niemand verspüret, Was nie- daß sie die Thorheit der Weltmand berühret, Hat ihre erleuch- luft verlachen. teten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Sie scheinen von außen oft arm und geringe, Verschmäht von den Hohen, verlacht von der Welt; Doch innerlich sind sie voll herrlicher Dinge, Der Zierat, die Krone, die Jesu gefällt, Das Wunder der Zeiten, Die hier sich bereiten, Dem König, der unter den Lilien weidet, zu dienen, mit heiligem Schmucke bekleidet. 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder und tragen das Bilde des Jrdischen auch: Sie lei4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt, Ein Funke, entzündet von göttlicher Flamme, Ein Leben, von oben her freundlich gesäugt. Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen holdselig und inniglich singen; Das muß denn gar herrlich und prächtig erklingen! 5. Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel, Sie bleiben unmächtig und schützen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei C. Göttlicher Friede. allem Getümmel, Sie haben, die Ärmsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, und bleiben in Freuden; Sie scheinen ertötet den leiblichen Sinnen, Und führen das Leben des Glaubens von innen. 6. Wann Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, Wann er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphieren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du XVII. Christlicher Sinn und Wandel. A. Liebe zu Gott und Christus. Mel. Jesu, meine Freude zc.( Ps. 42, 2. 3. 73, 23-26.) 345. Augenugsam Wesen, Das ich hab' erlesen Mir zum höchsten Gut! Du vergnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Mut. Wer dich hat, Ist still und satt; Wer dir kann im Geist anhangen, Darf nichts mehr verlangen. 273 den göttlichen Samen geneußst! Denn das ist des Ewigen göttliches Siegel, Zum Zeugnis, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wann erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. D Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heimliche Zierde der inneren Welt, Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenn gleich uns die Bürde des Kreuzes entstellt! Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Christian Friedrich Richter 1704. 2. Wem du dich gegeben, Kann im Frieden leben, Er hat, was Evangelisches Gesangbuch. er will. Wer im Herzensgrunde Lebt mit dir im Bunde, Liebet und ist still. Bist du da Uns innig nah', Muß das Schönste bald erbleichen Und das Beste weichen. 3. Höchstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüter, Trost in aller Pein! Was Geschöpfe haben, kann den Geist nicht laben, Du vergnügst allein. Was ich mehr 18 dada daooda TorooPO XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 274 Als dich begehr', Kann mein Seligsein nur hindern Und den Frieden mindern. 4. Was genannt mag werden Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer nur kann geben Freude, Trost und Leben, Eins ist not: nur du! Hab' ich dich Nur wesentlich, So mag Eigene Mel.( P₁. 18, 2. 3.) 346. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! Ich bitte: sei von mir nicht fern mit deiner Hilf' und Gaben! Die ganze Welt er freut mich nicht, Nach Erd' und Himmel frag'ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben. Und wann mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Trost und meines Herzens Teil, Des Blut erworben mir das Heil. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr! Leib und Seel' verschmachten, Ich will's doch nicht achten. 5. Komm, du sel'ges Wesen, Das ich mir erlesen, Werd mir offenbar! Meinen Hunger stille, meinen Grund erfülle Mit dir selber gar! Ich bin dein; Sei du auch mein, Bis du wirst in jenem Leben Dich mir völlig geben! Gerhard Tersteegen 1729. 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab' Mein Leib und Seel' und was ich hab' In diesem armen Leben. Damit ich's brauch' zum Lobe dein, Zum Nuß und Dienst des Nächsten mein, Wollst du mir Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr', Des Satans Mord und Lügen wehr; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ich's trag' geduldiglich! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst meine Seel' in Todesnot! 3. Ach Herr, laß einst die Engel dein Am letzten End' die Seele mein In Abrahams Schoß tragen, Den Leib in seinem Kämmerlein Gar sanft ohn' alleQual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud', o Gottes Sohn, Mein Heiland auf dem Himmelsthron! HerrJesu Christ, erhöre mich, Erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich. Martin Schalling 1571. Eigene Mel.( Offenb. Joh. 22, 16. 17. ₁. 45.) 347. Wie schön leucht't uns| Wahrheit von dem Herrn Uns der Morgenstern, VollGnad'und herrlich aufgegangen! D guter A. Itebe zu Gott und Christus. 275 Hirte, Davids Sohn, Mein innerlich erquicket. Nun ich Bitt' König auf dem Himmelsthron, Du hast mein Herz umfangen: Lieblich, Freundlich, Schön und prächtig, Groß und mächtig, Reich an Gaben, Hoch und wundervoll erhaben! 2. D Kleinod, dem kein Kleinod gleicht, Sohn Gottes, den keinLob erreicht, Vom Vater uns gegeben! Mein Herz zerfließt in deinem Ruhm, Dein süßes Evangelium Ist lauter Geist und Leben. Dich, dich Will ich Ewig faffen, Nimmer lassen; Brot des Lebens, Dein begehr' ich nicht vergebens. dich: Blick mich Armen Voll Erbarmen An mit Gnaden! Auf dein Wort komm' ich geladen. 5. Herr Gott, Vater, du starker Held! Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Dein Sohn hat sich mit mir vertraut, Mein Herz auf ihn mit Freuden schaut, In dem mich nichts betrübet. Preis dir, Heil mir! HimmlischLeben Wird er geben mir dort oben; Ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Spielt unsrem Gott mitSaitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz freudenreich erschallen! Ich will mit meinem Jesu heut' Und morgen und in Ewigkeit Jn stäter Liebe wallen. Singet, Klinget, Jubilieret, Triumphieret! Dankt dem Herren, Jhm, demkönig aller Ehren! 7. Wie freu' ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der Erst'und Letzte bist, Der Anfang und das Ende! Du, der sein Leben für mich ließ, Nimmst mich einst in dein Paradies; Drauf faff' ich deine Hände. Amen, Amen! Komm, o Sonne, MeineWonne, Bleib nicht lange, Daß ich ewig dich umfange! Philipp Nicolai 1598. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, DuGotteslicht und Himmelsschein, Die Flamme deiner Liebe; Und stärk mich, daß ich ewig bleib', O Herr, ein Glied an deinem Leib In frischem Lebenstriebe! Nach dir Wallt mir Mein Gemüte, Ew'ge Güte, Bis es findet Dich, des Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wann mich dein heilig Angesicht Mit Freundlichteit anblicket. O Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich Mel. Zeuch mich, zeuch mich zc.( 1 Joh. 4, 16.) 348. Liebe, die du mich zum| macht; Liebe, die du mich so milde Bilde Deiner Gottheit haft ge- Nach dem Fall hast wiederbracht, headacacoes 1910OCO COC XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 276 Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 2. Liebe, die du mich erkoren, Eh'als ich geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu blei ben ewiglich! 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ew'ge Lust und Seligkeit, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich dargegeben mir zum Heil und Seelenhort, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 5. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 6. Liebe, die mich ewig liebet, Die für meine Seele litt; Liebe, die das Lösgeld giebet Und mich kräftiglich vertritt, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 7.Liebe, die mich wird entrücken Aus dem Grab der Sterblichkeit; Liebe, die mich einst wird schmükken Mit dem Laub der Herrlichkeit, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! Johann Scheffler1657.B.4 Zusat1704. Mel. Ich ruf zu dir zc.( 1 Joh. 4, 19.) 349. Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen! Gieb, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög'umfangen Und als dein Eigentum Nur einzig an dir hangen! 2. Gieb, daß sonst nichts in meinerSeel' Als deine Liebe wohne; Gieb, daß ich deine Lieb' erwähl' Als meineLust und Krone! Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Mut und Sinn In deiner Liebe brennen! 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wenn diese steht, kann nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts andres denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren Als deineLieb' und dich, Der du sie kannst vermehren! 4.D daß ich wie ein kleines Kind Mit Weinen dir nachginge So lange, bis dein Trost gelind Mit Armen mich umfinge, Und deine A. Liebe zu Gott und Christus. 277 Seel' mir im Gemüt Mit voller,| Eh' ich noch etwas Guts geübt, süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Güt' Ich stets vereinigt bliebe! Warst du mir schon gewogen. Ach laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten und begleiten, Daß sie mir immerfort Beisteh' auf allen Seiten! 8. Laß meinen Stand, darin ich steh', Herr, deine Liebe zieren, Und wo ich etwan irre geh', Mich bald zurechte führen! Laß sie mich allzeit guten Rat Und reine Werke lehren, Steuern, wehren Der Sünd' und nach der That 6. Ach Jesu, wenn du mir ent- Bald wieder mich bekehren! weichst, Was hilft mir's, sein ge- 9. DeinLieben sei mir Freud' in boren? Wenn du mir deine Lieb' Leid, In Schwachheit mein Verentzeuchst, Ist all mein Gut ver- mögen; Und wann ich nach vollloren. So gieb, daß ich dich ohne brachter Zeit Mich soll zur Ruhe Rast Wohlsuch' und bestermaßen legen, Alsdann laß deine LiebesMöge fassen Und, wenn ich dich treu', Herr Jesu, mir beistehen, gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen! Luft zuwehen, Daß ich getrost 7. Du hast mich je und je ge- und frei Mög'in dein Reich einliebt und mich zu dir gezogen; gehen! Paulus Gerhardt 1656. 5. Du bist allein die rechte Ruh', In dir ist Fried' und Freude; Drum, Jesu, gieb, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide! Sei meine Flamm' und brenn in mir, Mein Balsam, wollest eilen, Lindern, heilen Den Schmerzen, der mich hier Mit Seufzen läfset weilen! Mel. Aus Gnaden soll ich selig werden 2c.( Jer. 31, 3. 1 Joh. 4, 19.) 350. Wie sollt' ich meinen| sagte: Gott ist dein! Er ist so Gott nicht lieben, Der seinen väterlich gesinnt, Gieb ihm dein eignen Sohn mir giebt? Sollt' Herz und sei sein Kind! ich nicht innig mich betrüben, Daß ihn mein Herz nicht stärker liebt? Was bringt mehr Wonn' als diese Pflicht? Wie groß ist Gottes Liebe nicht! 3. Gieb ihm dein Herz! Wer kann's beglücken? Wer selig machen? Er allein. Nur er kann's heiligen und schmücken Und ewig durchsich selbst erfreun; Er kann's weit über allen Schmerz Erheben: gieb, gieb ihm dein Herz! 4.Bei ihm ist Seligkeit die Fülle; und die, die er nur geben kann, 2. Er hat von Ewigkeit beschlossen, Mein Vater und mein Heil zu sein; Und noch ist mir kein Tag verflossen, Der mir's nicht cachea OYOGY 278 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Beut dir sein väterlicher Wille| könne, schenke du Mir Schwachen So gnadenvoll, so freundlich an. selbst die Kraft dazu! O welch ein Gott! Wie väterlich, Mit welchem Eifer liebt er dich! 5. Ja, ja, ich seh'es, ich empfinde Die Größe deiner Huld, o Gott! Denn du errettest von der Sünde Mich selbst durch deines Sohnes Tod; Ich war vor deinem Angesicht Ein Greul, und du verwarfst mich nicht. 8. Gieb, daß ich mich im Guten übe Und heilig sei, weil du es bist; Gieb, daß ich außer dir nichts liebe, Als was auch dirgefällig ist! Verhaßt sei jede Sünde mir, Denn Sünde ist ein Greul vor dir. 9. Bewahre mich auf deinem Wege; Gieb, daß ich, brüderlich gefinnt, Stets alle Menschen lieben möge, Denn jeder ist wie ich dein Kind; Mein Herz verschließe sich doch nie Vor ihnen, denn du liebst auch sie. 10. Nie müffe irgend mich ein Leiden, Und wär' es auch der bängste Tod, Von dir und deiner Liebe scheiden, Nie einer Freude Reiz, o Gott! Ich will dich lieben und nur dein Im Leben und im Zode sein. Diterich( nach Schmold) 1787. 6. Du riefft; ich ging dir nicht entgegen, Du aber nahtest dich zu mir mit deiner Huld, mit deinem Segen Und zogst mich väterlich zu dir. Wer gleicht an Liebe dir? Wer ist So gut, als du, mein Vater, bist? 7. Ja, dich will ich von ganzem Herzen, Mein Vater, lieben, dich allein; Ich will im Glück und auch in Schmerzen Mich einzig deiner Liebe freun; Und daß ich's Eigene Mel.( 1 Moſ. 32, 26.) nicht! 351. Meinen Jesum| spricht: Meinen Jesum laff' ich laff ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, In ihm und für ihn zu leben. Er ist meines Lebens Licht; Meinen Jesum laff' ich nicht! 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Fühlen mir entweichen; Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen: Wann der Lebensfaden bricht, Meinen Jesum laff' ich nicht! 2. Jesum laff' ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab' ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab', ergeben. 4. Ich werd' ihn auch laffen nicht, Wann ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem AngeHerz und Mund mit Freuden sicht Frommer Christen Glaube A. Liebe zu Gott und Christus. 279 pranget. Ewig glänzt mir dort| macht vom Gericht; Meinen sein Licht; Meinen Jesum laff' Jesum laff' ich nicht! ich nicht! 6. Jesum laff' ich nicht von mir, Geh' ihm ewig an der Seiten; Christus wird mich für und für zu dem Lebensbrunnen leiten. Selig, wer mit mir so spricht: MeinenJesumlass'ich nicht! Christian Reimann 1656. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seel' in mir sich sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet, Der mich frei Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Matth. 26, 33.) 352. Wenn alle untreu werden, So bleib' ich dir doch treu, DaßDankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, Vergingst für mich in Schmerz; Drum geb' ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. 2.Oft möcht' ich bitter weinen, Daß du gestorben bist, Und mancher von den Deinen Dich lebenslang vergißt; Von Liebe nur durchdrungen Hast du so viel gethan, Und doch bist du verklungen, und keiner denkt daran. 353. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier; Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. 3. Du stehst voll treuer Liebe noch einem jeden bei, Und wenn dir keiner bliebe, So bleibst du dennoch treu. Die treuste Liebe sieget; Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an dein Knie. Eigene Mel.( Joh. 14, 23.) 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will dich lieben und 4. Ich habe dich empfunden; Olafse nicht von mir! Laß innig mich verbunden Auf ewig sein mit dir! Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und sinken liebend nieder Und fallen dir ans Herz. Friedrich von Hardenberg 1800. erheben, Solange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lieben, Gotteslamm, Du Lieb am Kreuzesstamm. 3. Ach, daß ich dich so ſpät erkennet, Du hochgelobte Liebe du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid und bin betrübt, Daß ich so spät geliebt. 280 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 4. Jch lief verirrt und war ver-| stehn; Erleuchte mir die Seele blendet, Ich suchte dich, und fand ganz, Du starker Himmelsglanz! dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendetund liebte das geschaffne Licht; Nun aber ist's durch dich geschehn, Daß ich dich hab' ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmelswonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du heil'ger Mund, Daß du mich sprichst gesund. 7. Gieb meinen Augen süße Thränen, Gieb meinem Herzen reine Glut; Laß meineSeele fich gewöhnen, zu üben das, was Liebe thut; Laß meinen Geist, Sinn und Verstand Nur sein dir zugewandt! 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Auch in der allergrößten Not; Solang ich in der Hütte wohne, Will ich dich lieben, Herr und Gott; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. 6.Erhalte mich in deinenStegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille Johann Scheffler 1657. Mel. Alles ist an Gottes Segen 2c.( Hosea 2, 21. 22. 1 Kor. 6, 17.) wie felig sind die brennet, Hier schon mit enthülltem Licht. 354. Seelen, Die mit Jesu sich vermählen, Die sein Lebenshauch durchweht, Daß ihr Herz mit heißem Triebe Stündlich nur auf seine Liebe Und auf seine Nähe geht! 2. D wer faffet ihre Würde, Die bei dieses Leibes Bürde Jm Verborgnen schon sie schmückt! Alle Himmel sind zu wenig Für die Seele, der ihr König Solches Siegel aufgedrückt. 3. Wenn die Seraphim mit Schrecken Sich vor seinem Glanz bedecken, Spiegelt sich sein Angesicht In der Seele, die ihn kennet Und von seiner Liebe 4. Nach Jehovahs höchsten Ehren Wird in allen Himmelschören Nichts, das herrlicher, geschaut Als ein Herz, das er erlesen, Und mit dem das höchste Wesen Sich zu einem Geist vertraut. 5. Drum, wer wollte sonst was lieben und sich nicht beständig üben, Dieses Königs Freund zu sein? Muß man gleich dabei was leiden, Sich von allen Dingen scheiden, Bringt's ein Tag doch wieder ein. 6. Schenke, Herr, auf meine Bitte mir ein göttliches Ge A. Liebe zu Gott und Christus. 281 Jesu sei. müte, Einen königlichen Geist, mit erquicken, Daß ich meines Mich als dir verlobt zu tragen, Allem freudig abzusagen, Was nur Welt und irdisch heißt! 7. So will ich mich selbst nicht achten; Sollte gleich der Leib verschmachten, Bleib' ich Jesu doch getreu; Sollt' ich keinen Trost erblicken, Will ich mich da2. Deiner Liebe Glut Stärkt mir Herz und Mut. Wenn du freundlich mich anblickest Und mit deinem Geist erquickest, Macht mich wohlgemut Deiner Liebe Glut. 3. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht! Heile mich von Sünd' und Schmerzen, Daß hinfort in meinem Herzen Javerlösche nicht meines Glaubens Licht! 4. So werd' ich in dir Bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren Und dein hohes Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd' in dir. 8. Ohne Fühlen will ich trauen, Bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, Und vorbei die letzte Nacht, Da mein Geist zum obern Leben Aus der Tiefe darf entschweben Und nach seinem Bild erwacht. Mel. Seelenbräutigam zc.( Joh. 15, 4. 5.) 355. Dir ergeb' ich mich,| sich bewirbt, Auf den Glauben Jesu, ewiglich! Habe Dank für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe; Jesu, ewiglich Dir ergeb' ich mich! fest zu bauen, Der wird bald mit Freuden schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 7. Nun ergreif' ich dich, Du mein ganzes Ich! Nimmermehr will ich dich lassen, Sondern gläubig dich umfassen, Weil im Glauben ich nun ergreife dich. 8. Hier durch Kampf und Hohn, Dort die Ehrenkron'; Hier im Hoffen und Vertrauen, Dort im Haben und im Schauen; Denn die Ehrenkron' Folgt auf Kampf und Hohn. 5. Deinen Frieden gieb Ausso großer Lieb' Uns, den Deinen, die dich kennen und nach dir sich Christen nennen; Denen du bist lieb, Deinen Frieden gieb. 6. Wer der Welt abftirbt, Emsig Christian Friedrich Richter 1704. 9. Jesu hilf, daß ich Allhie ritterlich Alles durch dich überwinde und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritterlich Du gekämpft für mich! 10. Jesu, meine Ruh', Ew'ge Liebe du! Dein ist all mein Thun und Wallen, Nichts als du soll mir gefallen, Ew'ge Liebe du, Jesu, meine Ruh'! Adam Drese vor 1697. 44 cacaco LOYOOY XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Wie schön leucht't zc.( Joh. 21, 17.) 356. Jesu, Jesu, Got| geh' auf Erd', Wenn Kreuz ihn noch so hart beschwert, Soll er doch dein genießen. Endlich Wird sich Nach dem Leide Volle Freude Bei dir finden; Dann muß alles Trauern schwinden. 282 tes Sohn, Mein Heiland auf dem Himmelsthron, Du meine Freud' und Wonne! Du weißest, daß ich rede wahr, Vor dir ist alles sonnenklar, Ja klarer als die Sonne; Herzlich Such' ich Dir vor allen Zu gefallen, Nichts auf Erden kann und soll mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, Daß ich nicht gnug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte; Je mehr mich deine Liebe zieht, Je mehr erkennt mein Herz und sieht, Daß ich dich lieben sollte. Von dir Laß mir Deine Güte Jns Gemüte Lieblich fließen, So wird sich die Lieb' ergießen! 5. Kein Ohr hat jemals es gehört, Rein Mensch gesehen noch gelehrt, Es kann's niemand beschreiben, Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben. Was hier Von dir Wird gegeben, Unser Leben zu ergößen, Jst dagegen nichts zu schätzen. 6. Drum laff' ich billig dies allein, O Jesu, meine Freude sein, Daß ich dich herzlich liebe; Daß ich in dem, was dir gefällt, Was mir dein Wort vor Augen hält, Aus Liebe stets mich übe, Bis ich Endlich Werd'abscheidenUnd mit Freuden Zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd' ich deine Freundlichkeit, Die hochgelobt in Ewigkeit, In reiner Liebe schmecken, Und sehn dein liebreich Angesicht Mit unverwandtem Augenlicht Ohn' alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd' ich Dann er quicket Und geschmücket Mit der Krone Stehn vor deinem Himmelsthrone. Johann Heermann 1630. 3. Durch deine Kraft treff' ich das Ziel, Daß ich, so viel ich kann und will, Dir allezeit anhange. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Nicht Pracht, Lust, Ehre, Freud' und Geld, Und was ich sonst erlange, Kann mich Ohn' dich Gnugsam laben; Ich muß haben Reine Liebe, Tröstung, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffft seinem Herzen Fried' und Ruh', Erfreuest sein Gewissen; Es geh' ihm, wie es A. Liebe zu Gott und Christus. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Pf. 73, 28.) 357. Von dir will ich nicht| 4. Geh' ich durch Nacht und Nöte Bloß, hungrig und verbannt, Du bist mir Morgenröte, Brot, Heimat und Gewand. Wird voll mein Mund von Gaben, Glänzt um mich Herrscherschein, Ich kann es alles haben, Doch lieben dich allein. weichen, D weiche nicht von mir! In aller Dinge Reichen Gleicht keine Güte dir. Wenn ich gen Himmel flöge, Wenn ich zum Brunn des Lichts Durch ferne Meere zöge, Geliebtres find' ich nichts. - 2.Bringt Edelstein'undSchäße, Bringt Glück und Wonne her: Was ist, das mich ergöße, Fehlt mir mein Leben, er? Bringt Kronen her und Güter, Bringt, was ein Wunsch nur weiß, Dir, Labsal der Gemüter, Mein Jesu, bleibt der Preis! 3. Wenn bittres Leid mir sprieBet In Furchen meiner Flur, Durch dich ist's mir versüßet, Verwandler der Natur; Soll heut' ich Lust genießen, Des Lebens Freudenwein, Noch will ich dir zu Füßen Ein treuer Jünger ſein. 5. Du läsfest Felsen grünen Und schaffest Saat im Meer; Dir müssen Welten dienen, Und Sterne sind dein Heer. Doch Demut blüht und Liebe Zumkranze deiner Macht; Es bleibt kein Auge trübe, Wo deine Milde lacht. 6. Weckt mich zum Kampf das Leben, So waffnet sie den Sinn; Will Schlummer mich umweben, Sie ist mir Wächterin; Und wird mein Leib erblaffen, Ist sie des Friedens Thür'. Von dir will ich nicht lassen, O laffe nicht von mir! Johann Friedrich von Meyer 1827. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( 1 Kor. 6, 19. 20.) 283 358. Großer König, den ich ehre, Der durch seines Geistes Lehre Angezündet mir sein Licht, Der jetzt und in allen Zeiten Durch viel tausend Gütigkeiten An viel tausend Herzen spricht! 2. Sollt' ich nicht daran gedenken, Dir mich wiederum zu schenken, Der du treulich mich bewachst, Und auch an dem trübsten für. Tage Meines Herzens bange Klage Schnell zu Licht und Freude machst? 3. Herr, mein Herz will ich dir geben; Dir soll es aufs neue leben, Denn du forderst es von mir; Dir soll es sich ganz verbinden Und den angewohnten Sünden Ganz entsagen für und cacaco OOOY LE RO XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 284 4. Laß mich deinen Geist erneuen, Dir zu einem Tempel weihen, Der auf ewig heilig sei. Ach vertilge doch darinnen Eitle Lust und Furcht der Sinnen; Mache mich vollkommen frei! 5. Laß mich kräftig von der Erden Himmelwärts gezogen werden; Zeuch, o zeuch mich ganz zu dir, Daß ich, ganz zu dir bekehret, Ganz von deinem Geist verkläret, Täglich habe dich in mir! Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 359. Mein Alles, was ich liebe, Mein Alles, was ich übe, Sei mein Herr Jesus Christ, Weil ich in ihm besitze, Was einer Seele nüße, Was einem Menschen köstlich ist. 2. Das Herz kann nichts ergründen, Das nicht in ihm zu finden; Da wird es satt und voll. Denn dies ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In ihm leib: haftig wohnen soll. 7. Nun so will ich dir mein Leben, Jesu, ganz zu eigen geben, Stehe mir in Gnaden bei; Gieb, daß ich zu allen Stunden Inniglich mit dir verbunden, Dir zur ew'gen Freude sei! Nach Johann Scheffler 1668. ( Apostelgesch. 4, 12. 1 Ror. 2, 2.) Frieden, meine Ehre, Mein Himmel, meine Seligkeit. 5.Wird einst die Seele scheiden, Daß sie aus diesem Leiden In Salems Thore tritt, Bring' ich als Schmuck und Krone Sonst nichts vor Gottes Throne Denn meines Jesu Namen mit. 6.Wenn ich das Weltgetümmel, Die Erde und den Himmel, Nur Jesum nicht verlier', So kann ich im Erkalten Das Beste doch behalten; An diesem Schak genüget mir. 7. Jhr Sel'gen ohne Mängel, Jhr lichten Gottesengel, 3hr habt dies selbst bezeugt; Ihm jauchzen alle Geister, Es sind vor ihrem Meister Der Auserwählten Knie' gebeugt. 8. Jhm will ich mich ergeben, In diesem Namen leben Und in 3. Ich harre und begehre Ohn' Jesum keiner Ehre Und keines andern Lichts; Von Weisheit, von Ergößen, Von Herrlichkeit und Schäßen Begehr' ich ohne Jesum nichts. 6. Mach mein Herz zu einem Garten, Wo der Tugend schönste Arten Stehn in voller Lieblichteit; Öffne drin dieLebensquelle, Die ohn' Ende sanft und helle Fließet in die Ewigkeit! 4. Nur er soll mir auf Erden Zur Kunst und Weisheit werden, Mein Leitstern in der Zeit, Mein Schatz, der ewig währe, Mein A. Liebe zu Gott und Christus. 285 ihm gläubig sein; In ihm auch| Scharen In seinem Licht ihn herzlich lieben, Geduld in ihm nur üben; In Jesu bet' ich auch allein. 9. Ich will in Jesu sterben, Ich will in Jesu erben, In Jesu auferstehn, In ihm gen Himmel fahren und mit den sel'gen Mel. Wer weiß, wie nahe 2c.( Eph. 3, 19. 1 Joh. 2, 15-17.) 360. Ach, sagt mir nichts von Gold und Schäßen, Von Pracht und Schönheit dieser Welt! Es kann mich ja kein Ding ergößen, Was mir die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. ewig sehn. 10. Weil ich zu allen Stunden Durch ihn mit Gott verbunden, Bei Gott und in Gott bin, So sei in Jesu Namen Auch dieses Lied nun Amen. Mein Heiland, nimm mich bald dahin! Philipp Friedrich Hiller 1729. 2. Er ist alleine meine Freude, Mein Kleinod und mein schönstes Bild, An dem ich meine Augen weide Und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, Des Fleisches Schönheit bald zerfällt; Die Zeit kann alles das verwüsten, Was Menschenhände hingestellt. Ein jeder liebe, was er will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 4.Sein Schloß kann keine Macht zerstören, Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, Sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren Von nun an bis in Ewigkeit. Ein jeder liebe, was er will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 5. Sein Reichtum läßt sich nicht ergründen, Sein hoch und heilig Angesicht, Und was vonSchmuck um ihn zu finden, Verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe, was er will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 6. Er kann mich über alles heben und seiner Klarheit machen gleich; Er kann mir so viel Schäße geben, Daß ich werd' unerschöpflich reich. Ein jeder liebe, was er will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 7. Und ob ich's zwar noch muß entbehren, Solang ich wandre durch die Zeit, So wird er mir's doch wohl gewähren Jm Reiche seiner Herrlichkeit. Drum thu' ich billig, was ich will; Ich liebe Jesum, der mein Ziel. Johann Scheffler 1657. b00000000 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Die wir uns allhie zc.( Gal. 2, 20.) 361. Eines wünsch' ich mir| 3. Sa, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsternis gesessen, Trugest du mit mir Geduld; Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, Eh' es auf des Hirten Ruf geachtet, und mit teurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 286 vor allem andern, Eine Speise früh und spät; Selig läßt's im Thränenthal sich wandern, Wenn dies Eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blut'gem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlik niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er als ein stilles Lamm Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hängend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: Es ist vollbracht! 4. Ich bin dein; sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein. Drücke deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles thun und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen, Das sei bis zur letzten Stund'Unser Wandel, unser Bund. Albert Knapp 1823. Eigene Mel.( Luk. 10, 42. Joh. 21, 17.) 362. Meinen Jesum ich erwähle, Einen Liebern find' ich nicht; Seiner freut sich meine Seele, Jesus ist mein Lebenslicht. Darum, darum ruf' ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu, hole mich, hole mich; Meine Seele liebet dich! 2. Meinen Jesum ich erwähle, Weil er meine Schuld gebüßt; Jesus tröstet meine Seele, Er ist's, der den Tod versüßt. Darum, darum ruf' ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu, hole mich, hole mich; Meine Seele liebet dich! 3. Meinen Jesum ich erwähle, Weil er hold und heilig ist; Stündlich suchet meine Seele Meinen Heiland, Jefum Christ. Darum, darum ruf' ich dir Mit Begier: Komm, oJesu, hole mich, hole mich; MeineSeele liebet dich! 4. Meinen Jesum ich erwähle; Er ist's, dem ich in der Not Sterbend meinen Geist befehle; Jesus läßt mich nicht im Tod. Darum, darum ruf' ich dir Mit A. giebe zu Gott und Christus. 287 Begier: Komm, oJefu, hole mich,| ben ew'ge Ruh'! Darum, darum hole mich; MeineSeele liebet dich! 5. Meinen Jesum ich erwähle, Ihm will ich einst rufen zu: Jesu, mich zu denen zähle, Die da haEigene Mel.( Pf. 73, 25. Joh. 6, 67-69.) 363. Wenn ich ihn nur habe, Wenn er mein nur ist; Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie vergißt, Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb' und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, Lass' ich alles gern, Folg' an meinem Wanderstabe Treugesinnt nur 364. Befiehl du deine ruf' ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu, hole mich, hole mich; Meine Seele liebet dich! Georg Christoph Schwämlein 1677. B. Vertrauen auf Gott. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Ps. 37, 5.) Wege, Und was dein Herzekränkt, Der allertreusten Pflege Des, der den Himmel lenkt! Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dir's soll wohl ergehn; Auf sein Werk mußt duschauen, Wenn dein Werksoll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Bein Läßt Gott sich gar nichts nehmen: Es muß erbeten sein. meinem Herrn; Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wo ich ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbteil in die Hand; Längst vermißte Brüder Find' ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedrich von Hardenberg 1800. 3.Dein' ew'ge Treu'und Gnade, DVater, siehet recht, Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geschlecht; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rat gefällt. 4. Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dir's nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wann du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel OPROPOR DeodoOOCO COCO Cocop 288 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Hie wollten widerstehn, So wird| seinem Troft verziehn Und thun doch ohne Zweifel Gott nicht zurückegehn; Was er ihm vorgenommen, Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, odu arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich • aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schönsten Freud'! 7. Auf, auf, gieb deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht! Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll; Gott sitt im Regimente Und führet alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und walten! Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 9.Er wird zwar eine Weile Mit an seinem Teile, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich begeben und sollt'st du für und für In Angst und Nöten schweben, Als frag' er nichts nach dir; 10. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mindsten gläubst; Er wird dein Herz entladen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Schaden Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon Voll Danks und ohne Reue Den Sieg und Ehrenkron'. Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du fingst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End', o Herr, mach Ende An aller unsrer Not; Stärk unsre Füß' und Hände, Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu' befohlen sein: So gehen unsreWegeGewiß zum Himmel ein! Paulus Gerhardt 1656. Mel. Wo ist mein Schäflein 2c.( 2 Kor. 5, 1-9. Phil. 1, 23.) 365. Es halten eitele Gemü-| Und sehnet sich, erlöst zu werden Von dieser rauhen Pilgerbahn. ter Die Erde für ihr Vaterland; Wer aber Jesum hat erkannt Und die wahrhaft'genHimmelsgüter, Der sieht den ganzen Kreis der Erden Für eine fremde Hütte an 2. Kein Fluß kann so zum Meere laufen, Rein Stein eilt so der Tiefe zu, Als wie ein Christ zur Himmelsruh' Hinwegeilt von B. Vertrauen auf Gott. 289 dem Erdenhaufen. Ob seine Füß'| heit. Man wartet auf die rechte die Welt berühren, So ist das Haupt doch in der Höh'; Er sucht den Wandel so zu führen, Daß Herz und Sinn im Himmel steh'. 3. Dies Heimweh gottverlobter Herzen Vermehrt sich bei der Kreuzeslast; Man hat auf Erden keine Rast Bei Seelen- oder Leibesschmerzen. Wann sich die Trübfalsflut ergießet, So wird der engen Brust gar bang, Bis unsre Lebenszeit verfließet; Ach Gott, heißt es, wie lang, wie lang! 4. Da hat ein Paulus Lust zu scheiden, Ein Abraham ist lebenssatt; Da wird ein Hiob müd'und matt Vor langemSehnen in dem Leiden; Elias wünscht bei seinem Wandern Zu schließen den betrübten Lauf; Von einem Morgen bis zum andern Sieht David nach der Hilfe auf. 5. Doch ist dies Eilen zu dem Himmel Gemäßigt mit GelaffenZeit, Die zur Erlösung vom Getümmel Des Allerhöchsten Rat beliebet; Man setzt Gott weder Maß noch Ziel, Und wird das Herz gleich lang' betrübet, So ist es ihm doch nie zu viel. 6. Der Herr, der über Tod und Leben Die unumschränkte Herrschaft hat, Wird seinen Kindern nie zu spat Die lang verlangte Freiheit geben. Ein selig End' muß alles wenden, Was anfangs unerträglich war, UndGott reicht selbst mit seinen Händen Den Lohn für allen Jammer dar. 7. Wir, die wir auf der Erde wallen, Verlangen, daß zu rechter Zeit Auch unser Abschied aus dem Streit Dem frommen Gott mag wohlgefallen. Du, Jeſu, wollst uns Huld erweisen, Daß wir dazu bereitet stehn Und uns auch so der Welt entreißen, Damit wir froh gen Himmel gehn. Bernhard Walther Marperger 1713. Eigene Mel.( Psalm 73, 23.) 366. Von Gott will ich nicht| Und Wohlthat all verkehrt, So laffen, Denn er läßt nicht von wird mir bald aufs neue Die mir, Führt mich zur rechten Huld des Herrn bewährt; Er hilft Straßen, Wenn ich geh' in der aus aller Not, Befreit vonSünd' Irr'. Er reicht mir seine Hand; und Schanden, Von Ketten und Den Abend wie den Morgen von Banden, Ja wenn's auch Will er mich wohl versorgen, wär' der Tod. Wo ich auch bin im Land. 2.Wenn sich der Menschen Treue 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; Mein Evangelisches Gesangbuch. 19 10000 LOYCOPO COCO 290 XVII. Christlicher Helfer läßt sich schauen Und wendet jedes Leid. Ihm sei es heimgestellt! Mein Leib und Seel'und Leben Sei Gott dem Herrn ergeben; Er mach's, wie's ihm ge= fällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Denn was uns nüglich ist; Er meint's gut mit uns allen Und schenkt uns Jesum Christ, Den eingebornen Sohn, Durch welchen Gott bescheret, Was unsre Seelen nähret; Lobt ihn im Himmelsthron! Sinn und Wandel. die Zeit, Die man verlebt auf Erden; Wir sollen selig werden Und sein in Ewigkeit. 6. Darum, ob ich schon dulde Hie Widerwärtigkeit, Wie ich's auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit, Die, aller Freuden voll und ohne Schrank' und Ende, Durch Christi treueHände Mir einst sich aufthun soll. 7. Das ist des Vaters Wille, Der uns erschaffen hat; Sein Sohn giebt uns die Fülle Der Wahrheit und der Gnad'; Sein heil'ger Geist im Fleiß Des Glaubens uns regieret Und nach dem Himmel führet: Jhm sei Lob, Ehr' und Ludwig Helmbold 1563. 5.Lobt ihn mit Herz und Munde, Die er uns beide schenkt! Wie selig ist die Stunde, Darin man sein gedenkt! Verderbt wird sonst Preis! * Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c.( 2 Sam. 15, 26.) 367. In allen meinen Tha-| was mir selig ist. Ich nehm' es, ten Laff' ich den Höchsten raten, Der alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Soll's anders wohl gelingen, Selbst geben( guten) Rat und That. wie er's giebet; Was ihm von mir beliebet, Das hab' ich auch( getrost) erkiest. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Vergeblich alle Kunst; Er mag's mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen, Ich stell's in seine( Gnad' und) Gunst. 4. Jch traue seiner Gnaden, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Übel schützt. Leb' ich nach seinen Säßen, So wird mich nichts verletzen( Und gar) nichts fehlen, was mir nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld; Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks 3. Es kann mir nichts geschehen, Denn was Gott hat ersehen, und * Anm. Das Lied hat auch eine eigene Melodie, bei welcher aber die in Klammern stehenden Worte am Ende jeden Verses nicht gesungen werden dürfen. B. Vertrauen auf Gott. 291 ihn überstehn. das Urteil sprechen Und ha- hart je fallen, Ich will( mit Gott) ben noch( mit mir) Geduld. 6. Leg' ich mich späte nieder, Erwach' ich frühe wieder, Lieg' oder ziehe fort; In Schwachheit und in Banden, Und was mir stoßt zuhanden, Da tröstet mich sein( heiligs) Wort. 7. Hat er es dann beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängnis gehn; Kein Unfall unter allen Wird mir zu Eigene Mel.( Psalm 55, 23.) 368. Wer nur den lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 8.3Jhm hab'ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, So wie er mir's gebeut; Es sei heut'odermorgen, Dafür laff'ich ihn sorgen, Er weiß die beste( Stund' und) Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine, Und traue dem alleine, Der dich ge schaffen hat! Es gehe, wie es gehe, Dein Vater in der Höhe Weiß allen( deinen) Sachen Rat. Paul Fleming 1633. 3. Zu Gott sei deine Seele stille Und stets mit seinem Rat vergnügt; Erwarte, wie sein guter Wille zu deinem Wohlergehn es fügt! Gott, der uns ihm hat auserwählt, Weiß doch am besten, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, was uns nüklich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt er, eh'wir's uns versehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshike, Daß du von Gott verlaffen bist, Und daß ihm der im Schoße size, Der reich und groß und mächtig ist. Die Zukunft ändert oft sehr viel Und setzet jeg= lichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott geringe Sachen Und seiner Allmacht gilt es gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich. Er ist's, der Wunder stets gethan Und stürzen und erhöhen kann. YOO POCO car dobebe. 292 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 7. Sing, bet und geh auf Got-| lich bei dir neu! Denn wer nur tesWegen, Verrichte deine Pflicht seine Zuversicht Auf Gott setzt, getreu; Trau ihm und seinem den verläßt er nicht. reichen Segen, So wird er tägGeorg Neumark 1657. Eigene Mel.( Ps. 4, 4. Jef. 28, 29.) 369. So führst du doch recht| Sie bricht, du baust; sie baut, selig, Herr, die Deinen, Ja selig, du reißest ein; Ihr Glanz muß und doch meist verwunderlich! dir ein dunkler Schatten sein; Wie könntest du es böse mit uns Dein Geist bei Toten Kraft meinen, Da deine Treu' nicht und Leben schafft. kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm und doch gerad', Darauf du läßst die Kinder zu dir gehn; Da pflegt's oft wunderseltsam auszusehn, Doch triumphiert zuletzt dein hoher Rat. 2. Du willst dein Werk nicht auf Gesetze bauen, So die Vernunft und gute Meinung stellt; Du kannst den Knoten mit dem Schwertzerhauen Und sanft auflösen, wie es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band' entzwei; Was sich entgegenseßt, muß sinken hin; Ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn, Dann geht dein Fuß auch durch Umwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zu sammenfügen, Teilt dein Verstand in Ost und Westen aus; Was mancher unter Joch und Last will biegen, Sett deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfft in Kraft; 4. Wen die Vernunft oft fromm undselig preiset, Den hast du schon aus deinem Buch gethan; Und wem die Welt dies Zeugnis nicht erweiset, Den führst du in der Still'doch himmelan. Den Tisch der Pharisäer läßst dustehn Und speisest mit denSündern, sprichst sie frei; Wer weiß, was öfters deine Absicht sei? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts vor deinen Augen; Was nichts ist, hast du, großer Gott, recht lieb; Der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen, Du giebst die Kraft durch deines Geistes Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob: Sie sind versteckt, der Blinde geht vorbei; Wer Augen hat, sieht sie, doch nie so frei. Die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. D Herrscher, sei von uns gebenedeiet, Der du uns töteft B. Vertrauen auf Gott. 293 und lebendig machst! Wenn uns| Wann du in Dunkelheit mit uns dein Wort der Weisheit Schak verleihet, So sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt mit uns,* wir spielen mit; Bei uns zu wohnen ist ihr lauter Lust, Die reget sich in deiner Vaterbrust Undgängelt uns mit zarter Kinder Schritt. Sprüche 8, 31. willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar Von dem, was du in deinem Sinne haft; Wer meint, er habe deinen Rat gefaßt, Der wird am End' ein andres oft gewahr. 10. D Auge, das nicht Trug noch Heucheln leidet, Gieb mir des scharfen Blickes Sicherheit, Der die Natur von Gnade unter: scheidet, Das eigne Licht von deiner Heiterkeit! Laß doch mein thöricht Herz dich meistern nicht, Brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt, Erweck die Lust, die sich nurdir ergiebtUndtadelt nie dein heimliches Gericht! 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen Und schütteltihren Kopf zu deinem Weg, So wollst du ihre Festung so zerbrechen,* Daß ihre Höhe sich beizeiten leg'! Kein fremdes Feu'r** entzünde sich bei mir, Das ich vor dich in Thorheit bringen möcht', Womit ich gar dir zu gefallen dächt'. Ach selig, wer sein Licht empfängt von dir! 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, Bald fähreft du mit uns ganz säuberlich; Geschieht's, daß unser Sinn sucht auszuschweifen, So weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir dann mit blöden Augen hin, Du blickst uns an, wir sagen Beßrung zu; Drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh' Und hält im Zaum den ausgeschweiften Sinn. 8. Du kennst, o Vater, wohldas schwache Wesen, DieUnmachtund der Sinnen Unverstand; Man kann uns fast an unsrer Stirne lesen, Wie es um schwache Kinder sei bewandt. Drum greifst du zu undhältst undträgestsie, Brauchst Vaterrecht und zeigest Muttertreu'; Wo niemand meint, daß etwas deine sei, Da hegst du deine Schaf' und läßst sie nie. 9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege, Dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, Damit du sehst, was sich im Herzen rege, * 2 Ror. 10, 4. 5." 3 Moj. 10, 1. 12. Sozieh mich denn hinein in deinen Willen, Und trag und heg und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugnis soll den Zweifel stillen, Dein Geist die Furcht und Lüste überwind! Du biſt mein Alles, denn dein Sohn ist COCOYCO CO CO CO 294 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. mein; Dein Geist regt sich ganz| grünen, Sind meine Brüder kräftiglich in mir, Jch brenne nur nach dir in Heilsbegier. Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! und erwarten mich. Wie oft er: quicket meinen Geist ein Herz, Das dich und mich und alleChristen liebt! Ist's möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freudenquell! Weich ewig, aller Schmerz! Gottfried Arnold 1697. 13. Drum muß die Kreatur mir immer dienen; Kein Engelschämt nun der Gemeinschaft sich; Die Geister, die vor dir vollendet| Mel. Wer nur den lieben Gott 2c.( Matth. 26, 39.) 370. Ich bin in dir, mein| Herr, dies ist nicht dein Will'. Daß solches nicht geschehen sollt', Hat deines Sohnes Tod gewollt: Gott, zufrieden Und halte deinem Willen still; Was deine Güte mir beschieden, mit dem vergnüget sich mein Will'. Mein Will' ist zwar nicht ferner mein, Dieweil er dein beginnt zu sein. 2. Willst du mich auf das Siechbett legen: Ich will. Soll ich in Mangel sein: Ich will. Soll sich ein Unfall regen: Ich will. Und willst du, daß ich wein': Ich will. Und giebst du mich dem Tod: Jch will. Dein Will' gescheh, o Gott! 3. Willst du mich in dem Himmel haben: Herr, dies ist meines Wunsches Ziel. Soll Tod und Hölle mich begraben: Ich weiß, will. 4.Sein Tod verklärt mir deinen Willen; Dein Will' ist, daß ich heilig sei. So will ich zwar, doch das Erfüllen Verhindert leider mancherlei. Bald will sich Unwill' mengen ein, Bald Mutwill' mein Beherrscher sein. 5. Nicht so, mein Herz! Was Gott dir giebet, Bös oder gut, nimm willig an! Weg Eigenwill', was Gott beliebet, Das sei mit Lust von mir gethan! Ja, ja, mein Herz ruht sanft und still: Es wählt, es will, was mein Gott Andreas Ingolstätter 1673. Mel. Ermuntre dich, mein 2c.( 1 Petri 5, 7.) 371. Du bist ein Mensch, das weißt du wohl; Was strebst du denn nach Dingen, Die Gott der Herr alleine soll und kann zu stande bringen? Du fährst mit deinem Wiß und Sinn Durch so viel tausend Sorgen hin Und denkst: wie will's auf Erden Doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst; du wirst fürwahr mit allem deinem Dichten Und aller Sorgen großer Schar 4 B. Vertrauen auf Gott. 295 Das Kleinstenichtausrichten. Es nüßet, Da unterdessen unser dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Ruh' In Angst und Schmerzen stürzest Und selbst dein Leben kürzest. Will' Und Herz in Ängsten fizet, Sucht hier und da, und findet nichts, Will sehn und mangelt doch des Lichts, Will aus der Angst sich winden Und kann den Weg nicht finden! 7. Gott aber geht gerade fort Aufseinen weisen Wegen, Ergeht und bringt uns an den Port, Da Wind und Sturm sich legen; Hernachmals, wenn das Werk geschehn, Kann erst der Mensch mit Augen sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Rat geführet. 8. Drum, liebes Herz, sei wohlgemut, Und laß von Sorg' und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, Dein Bestes vorzunehmen; Er kann's nicht lassen, glaube mir, Sein Vaterherz ist gegen dir Und uns hier allzusammen Voll ew'ger Liebesflammen. 9.Thu als einkind und lege dich In deines Vaters Arme; Bittihn und flehe, daß er sich Dein, wie er pflegt, erbarme: So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, Nach wohlvollbrachtem Ringen Aus allen Sorgen bringen. Paulus Gerhardt 1656. 3. Willst du was thun, das Gott gefällt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf die Sorgen auf den Held, Den Erd' und Himmel scheuet; Und gieb dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand, So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. 4. Wie oft bist du in große Not Durch eignen Willen kommen, Da dein bethörter Sinn den Tod Fürs Leben angenommen! Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen lassen nach dem Rat, In dem du's angefangen, Du wärst zu Grunde gangen. 5. Der aber, der uns ewig liebt, Macht gut, was wir verwirren; Erfreut, wo wir uns selbst betrübt, Und führt uns, wo wir irren. Und dazu treibt ihn sein Gemüt Und die so reine Vatergüt', In der uns arme Sünder Er trägt als seine Kinder. 6. Ach, wie so oftmals schweigt er still, Und thut doch, was uns Mel. O du Liebe meiner Liebe zc.( Ps. 62.) 372. Was von außen und| drückt, Und hält mir Gemüt und von innen Täglich meine Seele Sinnen UnterseinerLast gebückt, PODOLYCOPO COCO 296 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. nur aus! In dem allem ist dein Wille, Hilf' erbötig; Schüttet euer Herz Gott, der aller Unruh' wehrt, Und mein Herz hält in der Stille, Bis es deine Hilf' erfährt. 6. Aber wie kann's dem gelingen, Der aufs Fleisch die Hoff nung stellt? Bei den Hohen und Geringen Jst kein Trost, der Probe hält. Traut doch lieber auf den Einen, Welcher Lieb' und Allmacht hat; Daß er helfen kann den Seinen, Das beweist er mit der That. 2. Herr, du bist mein Fels auf Erden, Da ich still und sichersteh'; Deine Hilfe muß mir werden, Wenn ich aufwärts zu dir seh'. Dein Schuß ist meinTruß alleine Gegen Sünde, Not und Spott; Denn mein Leiden ist das deine, Weil ich dein bin, o mein Gott. 3. Auf dich harr' ich, wenn das Leiden Nicht so bald zum Ende eilt; Dich und mich kann's nimmer scheiden, Wenn's gleich noch so lang' verweilt. Und auch dies mein gläubig Hoffen Hab' ich nur allein von dir; Durch dich steht mein Herz dir offen, Daß du solches schaffst in mir. 4. Bei dir ist mein Heil und Ehre, Meine starke Zuversicht; Willst du, daß die Not sich mehre, Weiß ich doch, du läßst mich nicht. Denket mich der Feind zu fällen Und zu treten unter sich, Will ich auf den Fels mich stellen, Der erhält und schirmet mich. 5. Liebe Seelen, traut beständig Eurem ewig treuen Hort! Er ist Gott und ist lebendig, Bleibt euch nah' an jedem Ort; Ist euch irgend Hilfe nötig, Klopft nur an, er ist zu Haus Und zu jeder 7. Eins mit dir, Gott, meine Feste, Geh' ich in der Stille hin; Denn zuletzt kommt doch das Beste, Und das End' ist mein Gewinn. Deine Allmacht hilft mir tragen, Deine Lieb' versüßet mir Alles Bittre, alle Plagen; Darum bin ich still zu dir. 8. Laß es nur, o Seele, gehen, Wie es geht, und sorge nicht! Endlich wirst du dennoch sehen, Daß Gott übt ein recht Gericht. Hier schon ist er deine Stärke, Daß dir gar nichts schaden kann; Dort vergilt er alle Werke, Die du hier in ihm gethan. 9. Breit, o Herr, doch deine Güte Über mich, nimm mich in dich, So wird hinfort mein Gemüte Stille bleiben ewiglich. Werde alles und in allen! Gieb uns, daß wir dir allein Trachten allzeit zu gefallen, So wird alles stille sein! August Hermann France 1711. B. Vertrauen auf Gott. Mel. Valet will ich dir geben 2c.( Röm. 8.) 373. Jft Gott für mich, so| Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 6. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, VertreibetSorg'undSchmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Giebt Segen und Gedeihen Dem, das er in mir schafft, Und hilft mir Abba schreien In rechter Glaubenskraft. 7. Bin ich an meinem Orte Ein schwach und furchtsam kind, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Dem aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Ersiehet seine Lust. trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf' und bete, Weicht alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott'? 2. Nun weiß und glaub' ich feste, Ich rühm's auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst' und Beste, Mir herzlich günstig sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh'Und dämpfeSturm undWellen, Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, darauf ich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde, Das ewig wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf die ser Erd'; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe wert. 4. Er ist mein Ruhm und Ehre, Mein Glanz und schönstes Licht; Wenn der nicht in mir wäre, Könnt' ich bestehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, Hab' einen Heldenmut, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 5. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts macht hinfort mir Schmerz; Die Höll' und ihre Flammen, Sie ängsten nicht mein Herz; Kein Urteil mich erschrektet, Rein Unheil mich betrübt, 297 8. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu: Wie Gott dem Hilfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh', Und wie er hab' erbauet Ein' edle neue Stadt, Da Aug' und Herze schauet, Was es geglaubet hat. 9. Da steht mein Teil und Erbe Bereit in Pracht und Licht; Wenn ich gleich fall' und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht; Durchseufz' ich auch hienieden Mit Thränen manche Zeit, Mein Jesus und sein Frieden Durchsüßet alles Leid. 10. Die Welt, die mag zerbrechen, Du, Gott, stehst ewiglich. Nicht Haß und Qual der Frechen cacaco YOUCO COCO d 298 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Soll trennen mich und dich; Kein| keines soll mich lenken Aus Hunger und kein Dürsten, Nicht deinem Arm und Schoß. Armut oder Pein, Kein Zorn von großen Fürsten Soll mir zur Hindrung sein. 12. Mein Herz beginnt zu springen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud' und Singen, 11. Kein Engel, keine Freuden, Sieht lauter Sonnenschein. Die Kein Thron noch Herrlichkeit, Sonne, die mir lachet, Jst mein Kein Lieben und kein Leiden, Herr Jesus Christ; Das, was Nicht Angst noch Fährlichkeit; mich singen machet, Ist, was Was man nur kann erdenken, im Himmel ist. Es sei klein oder groß, Der Paulus Gerhardt 1656. Mel. Was Gott thut 2c.( Psalm 73, 24. Sprüche 3, 5. 6.) 374. Auf Gott und nicht auf meinen Rat Will ich mein Glück stets bauen Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie viel mir nützen würde, Bestimmte meine Lebenszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, Der zu des Glaubens Ehre Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh' ich bat, gewährt, Wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich Stets väterlich; Nicht was ich mir ersehe, Sein Wille, der geschehe! 4.3st nicht ein ungestörtes Glück Weit schwerer oft zu tragen Als selbst das widrige Geschick, Bei dessen Last wir klagen? Die größte Not Hebt einst der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt uns doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rat Vor Augen hat, Dem wird ein gut Gewissen Die Trübfal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft seinen Knechten! Christian Fürchtegott Gellert 1757. C B. Vertrauen auf Gott. Eigene Mel.( Matth. 8, 23-27. Jef. 30, 15.) 375. Gott will's machen, Daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist; Laß die Wellen Höher schwellen, Wenn du nur bei Jesu bist! 2. Wer sich kränket, Weil er denfet, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Drin der Unglaub' leidet Straf'. 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, Schläfet ja und schlummert nicht; Zu den Höhen Aufzusehen Wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibet stets sein Vaterherz; Laß dein Weinen Bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz! 5. Glaub nur feste, Daß das Beste Über dich beschlossen sei; Wenn dein Wille Nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Willst du wanken In Gedanken, Senk dich in Gelassenheit; Laß den sorgen, Der auch morgen Herr ist über Leid und Freud'! 7. Gottes Hände Sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel. Ist's beschwerlich, Scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. 8. Seine Wunder Sind der 299 Zunder, Da der Glaube Feuer fängt; Alle Thaten Sind geraten Jedesmal, wie er's verhängt. 9. Wenn die Stunden Sich gefunden, Bricht die Hilf' mit Macht herein; Und dein Grämen zu beschämen, Wird es unversehens sein. 10. Eignen Willen zu erfüllen, Leidet sich's noch ziemlich wohl; Da ist Plage, Not und Klage, Wo man leiden muß und soll. 11. Drum wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh'! Auf das Wollen Fällt dem Sollen Bald auch das Vollbringen zu. 12. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Übung stehn, Die das Leiden Und die Freuden Nur mit Hiobs Augen fehn. 13. Nun so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld! Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 14. Aber denen, Die mit Thränen Küssen ihres Jesu Joch, Wird die Krone Vor dem Throne Ihres Heilands werden noch. 15. Amen, Amen! In dem Na: men Meines Jesu halt' ich still: Es geschehe Und ergehe, Wie und wann und was er will! Johann Daniel Herrnschmidt 1704. Pococo DOCO XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c.( Matth. 14, 20.) 376. Die ihr bei Jesu blei-| schauen, So nähret allerwegen bet, Des Wort euch führt und treibet, Die ihr nicht von ihm gehet, Weil ihr sein Herz verſtehet: 300 2. Was speist euch doch, ihr Armen? Das göttliche Erbarmen; Dassegnet ganz verborgen Auch ohne eure Sorgen. 3. Wenn wir von Tag zu Tagen Die Notdurft überschlagen Und rechnen dann die Menge, So sind wir im Gedränge. 4. Doch wenn wir mit Vertrauen Ihm auf die Hände Uns ein geheimer Segen. 5. Wie dieses mag geschehen, Das kann man nicht verstehen; Allein man sieht am Ende: Es ging durch Gottes Hände. 6. Man wundert sich und preiset Den Herrn, der uns gespeiset; Man glaubt von Herzensgrunde Und dankt mit frohem Munde. 7. Kommt her und singt zusammen: Wir rühmen deinen Namen! Du, Herr, bist unser König, Dir sind wir unterthänig! Philipp Friedrich Hiller 1762. C. Nachfolge Christi. Mel. Auf, Christenmensch zc.( Matth. 16, 24. 25.) 377. Mir nach!" spricht| tigkeit, Voll Liebe meine Seele; Christus, unser Held, ,, Mir Mein Mund, der giebt zu jeder nach, ihr Christen alle! Ver Zeit Sanftmütige Befehle; leugnet euch, verlaßt die Welt, Mein Geist, Gemüte, Kraft Folgt meinem Ruf und Schalle! und Sinn Jst Gott ergeben, Nehmt euer Kreuz und Unge- schaut auf ihn!" mach Auf euch, folgt meinem Wandel nach!" 4. ,, Ich zeig' euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, Und euer Herz von arger List zu rein'gen und zu scheiden; Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ' euch zu der Himmelspfort'." 5. ,, Fällt's euch zu schwer, ich geh' voran, Ich steh' euch an der Seite; Jch kämpfe selbst, ich breche 2. ,, Ich bin das Licht, ich leucht' euch für Mit heil'gem Tugendleben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll." 3. ,, Mein Herz ist voll DemüC C. Nachfolge Chrifti. 301 meiner Huld." Bahn, Bin alles in dem Streite.| duld, Ist mein nicht wert und Ein böser Knecht, der still mag stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn!" 6. ,, Wer hier sein Heil zu finden meint, Wird's ohne mich verlieren; Wer hier es zu verlieren scheint, Denwerd' ich dazuführen. Wer nicht mir nachfolgt in Ge378. Lasset uns mit Jesu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt entfliehen, Auf der Bahn, die er uns brach, Immerfort zum Himmel reisen, Irdisch noch schon himmlisch sein, Glauben recht und leben rein, Glauben durch die Lieb' erweisen. Treuer Jesu, bleib bei mir; Geh voran, ich folge dir! 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit unfrem Kreuz nachgehen Und wohlgemut, getroft und gern Im Leiden bei ihm stehen: Wer nicht gekämpft, trägt auch dieKron'Des ew'genLebens nicht davon! Mel. Jesu, du mein liebstes Leben 2c.( Joh. 11, 16.) 2. Laffet uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild werden gleich! Nach dem Leide folgen Freuden, Armut hier macht dort einstreich, Thränensaat bringt Heil und Wonne, Hoffnung tröstet mit Geduld; Denn es scheint durch Gottes Huld Nach dem Regen bald die Sonne. Jesu, hier leid' ich mit dir, Dort gieb deine Freude mir!! Johann Scheffler 1668. 3.Lasset uns mit Jesusterben! Sein Tod wehret unsrem Tod, Rettet uns von dem Verderben, Von der Seelen ew'ger Not. Laßt uns sterben, weil wir leben, Sterben unsern Lüften ab, Dann wird er uns aus dem Grab In das Himmelsleben heben. Jesu, sterb' ich, sterb' ich dir, Daß ich lebe für und für! 4. Lasset uns mit Jesu leben! Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder, Wo du lebst, da leben wir; Ach erkenn uns für und für, Seelenfreund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb' ich hier, Dort auch ewig einst bei dir! Sigismund von Birken 1653. Eigene Mel.( 2 Tim. 2, 3-5. Offenb. Joh. 2, 7. 3, 12.) 379. Auf, Christenmensch, zum Überwinden! In dieser auf, auf, zum Streit! Auf, auf, Welt, in dieser Zeit 3st keine 2009 TOYCO COCO XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 302 Ruh' zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron' Des ew'gen Lebens nicht davon. 2. Der Satan kommt mit seiner List, Die Welt mit ihrem Prangen, Das Fleisch, durch Lust dich, wo du bist, zu fällen und zu fangen; Streitst du nicht wie ein tapfrer Held, Bist du dahin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn' Des Feldherrn haft geschworen; Gedenke, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserforen; Gedenk, daß ohne Streit und Sieg Noch keiner zum Triumphe stieg! 4. Wie schmählich ist's, wenn ein Soldat Dem Feind den Rükken kehret! Wie schändlich, wenn er seine Statt Verläßt und sich nicht wehret! Wie spöttlich, wenn er noch mit Fleiß Aus Zagheit wird dem Feinde preis! 5. Wer überwunden und den Raum DerLaufbahn wohldurchmessen, Der wird im Paradies vom Baum Des ew'gen Lebens essen; Er wird fürwahr von keinem Leid Noch Tod berührt in Ewigkeit. 2. Jch, Herr, dein Pilger, walle Dir, meinem Führer, nach Und strauchle noch und falle, Denn ich 6. Wer überwunden, der soll nicht Aus Gottes Tempel gehen, Vielmehr drin als ein ewig Licht Und güldne Säule stehen; Der Name Gottes, unsers Herrn, Soll leuchten von ihm nah und fern. 7. So streit denn wohl, streit keck und kühn, Daß du mögst überwinden; Streng an die Kräfte, Mut und Sinn, Daß du dies Gut mögst finden! Wer nicht will streiten um die Kron' Bleibt ewiglich in Spott und Hohn. Johann Scheffler 1668. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc.( Ebr. 12, 1. 2.) 380. Dich frönte Gott mit| bin müd'und schwach. Du führſt Freuden, Herr Jesu, nach dem Streit; Du gingst durch Schmach und Leiden Zu deiner Herrlich keit. Triumph war dir dein Tod! Dein Kampf war ausgekämpfet, Dein stolzer Feind gedämpfet; Nun fuhrst du auf zu Gott. mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, zu deiner Herrlichkeit. 3. Wie du des Todes Schrekken Allmächtig überwandst, Als du, ihn ganz zu schmecken, Herr, im Gerichte standst, So stärkeſt du auch mich, Durchs finstre Thal zu gehen; Denn deine C. Nachfolge Christi. Frommen sehen 3m finstern Thale dich. 4. Wenn ich einst bis zum Grabe Vollendet meinen Streit, Und gut gekämpfet habe Um meine Seligkeit, Wie werd' ich dann mich freun, Wie werd' ich voll Entzücken Auf meine Krone blicken Und dann ganz selig sein! 5. Drum harr' ich hier und streite, Bis meine Stund' erscheint; Und du stehst mir zur Mel. Seelenbräutigam zc.( Joh. 21, 19. But. 9, 57.) 381. Jesu, geh voran Auf| 3. Rühret eigner Schmerz Jrder Lebensbahn; Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland! gend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden, O so gieb Geduld zu beiden! Richte unsern Sinn Auf das Ende hin! 4. Drdne unsern Gang, Jesu, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, Gieb uns auch die nöt'ge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf! Nikolaus Ludwig, Graf v. Zinzendorf 1721. 2. Soll's uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen! Denn durch Trüb: sal hier Geht der Weg zu dir. 303 Seite, Mein Retter und mein Freund. Sinkt in dem Kampfe mir Mein Arm ermüdet nieder, Dies stärkt und hebt ihn wieder: Mein Lohn ist groß bei dir. 6. Erhalt mir den Gedanken: Groß sei bei dir mein Lohn! So werd' ich nimmer wanken Von dir, o Gottes Sohn; So bleib' ich dir getreu, Der sich für mich gegeben, Daß bald ein besser Leben Mein ewig Erbteil sei. Balthasar Münter 1773. Mel. Werde munter 2c.( Joh. 15, 4. 1 Joh. 2, 28.) 382. Bleibt bei dem, der euretwillen Auf die Erde nieder: kam, Der, um euren Schmerz zu stillen, Tausend Schmerzen auf sich nahm! Bleibt bei dem, der einzig bleibet, Wenn auch alles untergeht, Der, wenn alles zerstäubet, Siegend überm Staube steht! 2. Alles schwindet: Herzen bre: chen, Denen ihr euch hier ergabt; Und der Mund hört auf zu sprechen, Der euch oft mit Trost gelabt; Und der Arm, der euch zum Stabe Und zum Schilde ward, erstarrt; Und das Auge schläft im Grabe, Das euch sorgsam einst bewahrt. 3. Alles stirbt: das Jrd'sche fin det In dem Irdischen sein Grab; 2009 LOY2009 304 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Alle Lust der Welt verschwindet,| spricht: ,, Stüße dich auf mich und Und das Herz stirbt selbst ihr ab. glaube, Hoffe, lieb und fürchte Ird'sches Wesen muß verwesen, nicht!" Darum bleibt bei dem, Ird'sche Flamme muß verglühn, der bleibet Und der geben kann, Ird'sche Fessel muß sich lösen, was bleibt, Der, wenn ihr euch Ird'sche Blüte muß verblühn. ihm verschreibet, Euch ins Buch 4. Doch der Herr steht überm des Lebens schreibt! Staube Alles Irdischen und Karl Johann Philipp Spitta 1833. Mel. Werde munter 2c.( Psalm 73, 23. Joh. 6, 68.) 383. Bei dir, Jesu, will ich| 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib' bleiben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, Deine Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft. ich, So in Freude wie in Leid; Bei dir bleib' ich, dir verschreib' ich mich für Zeit und Ewigkeit; Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Rufs aus dieser Welt, Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah' auf dieser Erden, Bleib auch, wann mein Tag sich neigt, Wann es nun will Abend werden Und die Nacht herniedersteigt! Lege segnend dann die Hände mir aufs müde, schwache Haupt, Sprich dann: Kind, hier geht's zu Ende, Aber dort lebt, wer hier glaubt! 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, Wann mir Grauen macht der Tod Als das kühle, scharfe Wehen Vor des Himmels Morgenrot! Wird mein Auge dunkler, trüber, Dann erleuchte meinen Geist, Daß ich fröhlich zieh' hinüber, Wie man nach der Heimat reist! Karl Johann Philipp Spitta 1833. 2. Könnt' ich's irgend besser haben Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Armen hat bereit? Könnt' ich je getrofter werden Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist? 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem eignen teuren Blut? Sollt' ich dem nicht angehören, Der sein Leben für mich gab? Sollt' ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? D. Heiligung. D. Heiligung. Mel. Zeuch mich, zeuch mich zc.( Matth. 5, 3-16.) 384. Hört das Wort voll| Schmachten Dürsten nach Ge Ernst und Liebe, Das zu euch der Heiland spricht; Hört's, und prüft des Herzens Triebe Bei des Wortes hellem Licht! Was der Mund des Herrn gebeut, Das ist eure Seligkeit. rechtigkeit, Die nach Gottes Reiche trachten, Nicht nach Gütern dieser Zeit! Wo der Born des Lebens quillt, Wird ihr Seelendurst geſtillt." 7. ,, Selig sind, die voll Erbarmen Auf der Brüder Leiden sehn Und den Schwachen, Kranken, Armen Freudig eilen beizustehn! Noch vor Gottes Thron erfreut Einst auch sie Barmherzigkeit." 8. ,, Selig sind die reinen Her zen, Die nicht Sünd' und Welt umstrickt, Die mit schnöder Luft nicht scherzen, Weil nur Heil'ges sie entzückt! Einst im reinen Himmelslicht Schaun sie Gottes Angesicht." 2. Nicht aus Sinais Gewittern Donnert hier des Herrn Gebot, Daß die Herzen bang erzittern, Weil es Zorn und Strafe droht; Selig preisend thut sein Mund Euch den Sinn des Vaters kund: 3. ,, Selig sind die geistlich Armen, Denn das Himmelreich ist ihr! Ihnen öffnet voll Erbarmen Gott der ew'gen Gnade Thür'; Da wird ohne Maß gewährt, Was ihr sehnend Herz begehrt." 4. ,, Selig sind, die Leid empfinden Auf des Lebens schmaler Bahn! Ihre Traurigkeit wird schwinden, Reicher Trost wird sie umfahn; Denn sie wirkt zur Seligkeit Reue, welche nie gereut." 5. ,, Selig sind, die sanften Mutes Und in Demut milde sind! Sie erfreuen sich des Gutes, Das kein Troß und Streit gewinnt. Durch der Sanftmut stille Macht Wird das Schwerste leicht vollbracht." 6. ,, Selig sind, die hier mit Evangelisches Gesangbuch. 305 9. ,, Selig sind, die Frieden bringen, Schuld und Kränkung übersehn, Feindeshaß mit Huld bezwingen, Für Verfolger segnend flehn! Trifft sie auch der Menschen Spott, Seine Kinder nennt sie Gott." 10. ,, Selig sind, die als Gerechte Dulden Kreuz, Verfolgung, Schmach, Als des Herrn getreue Knechte Bis zum Tod ihm folgen nach! Groß ist dort vor Gottes Thron Seiner Überwinder Lohn." 20. 2009 OYO COCO0 306 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 11. ,, Seid ein Salz, ein Licht der| werde Euer Vater in den Höhn! Erde, Laßt der Wahrheit Früchte Ob der Erdball untergeht, Sein sehn, Daß durch euch verherrlicht Gebot, sein Wort besteht." Karl Bernhard Garve 1825. Eigene Mel.( Luk. 10, 38-42. 1 Kor. 1, 30. Pf. 139, 23. 24.) 385. Eins ist not! Ach Herr, dies Eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget, Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang' ich dies Eine, das alles ersetzt, So werd' ich mit Einem in allem ergött. 2. Seele, willst du dieses finden, Such's bei keiner Kreatur; Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur! Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, notwendigste Teil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie, dies Eine zu genießen, Sich Maria dort befliß, Als sie fich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ; Ihr Herz, das entbrannte, nur einzig zu hören, Wie Jefus, ihrHeiland, sie wollte belehren, Ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und wurde ihr alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir; Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir! Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, So will ich dir dennoch in Liebe nachwallen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist. Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle Jn dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demut und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet! Ach wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab' ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen Als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen Durch dein teures Opferblut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; Da hab'ich die Kleider des Heiles erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gieb, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht; Du bist ja, den ich erwähle, Mir D. Heiligung. 307 zur Heiligung gemacht! Was| Freude Jeho meine Seel'ergötzt, dienetzumgöttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben. Entreiße mich aller vergänglichen Luft; Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt! Weil auf eine frische Weide Mein Hirt, Jesus, mich geſetzt. Nichts Süßeres kann mich im Herzen erlaben, Als wenn ich, mein Jeſu, dich immer soll haben; Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 8. Ja was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt die Gnadenflut. Du bist einmal eingegangen In das Heil'ge durch dein Blut; Da hast du die ew'ge Erlösung erfunden, Daß ich nun von Tod und Verdammnis entbunden. Dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, Jm kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volle Gnüge, Fried' und 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein Ein und Alles sein. Prüf, erfahre, wie ich's meine, Tilge allen Heuchelschein; Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege; Gieb, daß ich nichts achte, nichtLeben nochTod, Und Jesum gewinne: dies Eine ist not! Johann Heinrich Schröder 1697. Eigene Mel.( Luk. 13, 24. Röm. 8, 18.) 386. Es foftet viel, ein| 3. Doch ist es wohl der Mühe Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und wenn man einen Kampf auch wohl ausficht, Das macht's noch nicht. wert, Wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, Die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich hier stets aufs Himmlische geleget. Es hat wohl Müh', die Gnade aber schafft Uns Mut und Kraft. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, Die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen; Da kostet's Müh', auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn man's versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wichtigkeit. 4. Man soll ein Kind des Höchsten sein, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte. Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, So herrlich sein, so lieblich von Gesichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So herrlich macht! 5. Da wird das Kind den Vater Goooo XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 308 sehn, Im Schauen wird es ihn mit Lust empfinden; Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mag's verstehn? 6. Da giebt sich ihm die Weisheit ganz, Die es hier stets als Mutter hat gespüret; Sie krönet es mit ihrem Perlenkranz, Und wird als Braut der Seele zugeführet. Die Herrlichkeit wird da ganz offen bar, Die in ihr war. 7. Was Gott genießt, genießt 387. Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es zwar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit Den schweren Streit. Mel. Es fostet viel zc.( Matth. 11, 30. Sprüche 23, 26.) 2. Du darfst ja wie ein Kind nur sein, Du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau doch, wie gut er's mein'! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben; Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr, Es ist nicht schwer! es auch, Was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben, Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, Wie lieblich wird es dort mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde sein Als Gott allein. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit seiner Gnade fülle. Der fromme Gott 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsternis zu reißen! Was sorgest du, daß dir's an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen! Wie gut wird sich's doch nach der Arbeit ruhn! Wie wohl wird's thun! Christian Friedrich Richter 1704. macht dir gar keinen Schmerz, Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille; Drum übergieb ihn willig in den Tod, So hat's nicht Not! 4. Wirf nur getrostden Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; Sprich: Vater, schau mein Elend gnädig an! So ist's gethan. 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hilfe merkest! Versiehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; So gilt D. Heiligung. 309 dir sehn. Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. D Seele, sich doch, wie ein wahrer Christ So selig ist! dein Fehl und kindliches Ver-| du geglaubt, wirst du dann vor sehn Als nicht geschehn. 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wann dich will Nacht und Finsternis bedecken; Dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir thun, Kein Sturm darf dich, so schwer er ist, erschrecken; Ja siehst du endlich ferner keine Spur, So glaube nur! 7. So wird dein Licht aufs neu' entstehn, Du wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was 8. Auf, auf, mein Geist! Was säumest du, Dich deinem Gott ganz findlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh', Im Frieden sollst du vor dem Vater schweben! Die Sorg' und Last wirf nur getroft und kühn Allein auf ihn! Christian Friedrich Richter vor 1711. Eigene Mel.( Matth. 7, 13. 14. 11, 30.) 388. Der schmale Weg ist| Ich muß erst Geist aus Geist breit genug zum Leben; Wenn geboren werden. man nur sacht und grad' und stille geht, So wird man nicht so leichtlich umgeweht; Man muß sich recht hineinbegeben, So ist er breit genug zum frommen Leben. 2. Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten, Wenn man es nur im Glauben recht bedenkt, Wenn man das Herz nur fröhlich dazu lenkt; Man muß sich recht dazu bereiten, So ist der schmale Weg voll Süßigkeiten. 3. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; Sonst ist es schwer und gehet doch nicht an. Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden! 4. Wer die Geburt aus Christo hat erlanget, Der folgt allein dem Herrn getreulich nach; Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, Eh' er mit ihm im Lichte pranget, Wer die Geburt aus Christo hat erlanget. 5. Er wird mit ihm in seinen Tod begraben, Er wird im Grab auf eine Zeit verwahrt, Er stehet auf und hält die Himmelfahrt; Dann giebt ihm Gott des Geistes Gaben, Wenn er zuvor mit Christo ward begraben. 6. Derselbe Geist, der Christum hier geübet, Derselbe übt die Jünger Christi auch. Der eine Geisthält immer einen Brauch, 2009 ForoCo XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 310 Kein andrer Weg wird sonst beliebet: Der Jünger wird wie Christus hier geübet. 7. Und ob es gleich durch Tod und Dornen gehet, So trifft's doch nur die Ferse, nicht das Herz; Die Traurigkeit läßt keinen tiefen Schmerz Dem, der getroft und feste stehet, Obschon es oft durch Tod und Hölle gehet. 8. Das sanfte Joch kann uns ja hart nicht drücken, Es wird dadurch das Böse nur gedrückt; Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darein zu schicken, Den kann 389. Wie gut ist's, von der Sünde frei! Wie selig, Christi Knecht! Im Sündendienst ist Sklaverei, In Christo Kindesrecht. das sanfte Joch zu hart nicht drücken. 9. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüte; Das Herz hebt sich darunter hoch empor, Es tritt mit freier Lebenskraft hervor* Und schmeckt dabei des Herren Güte: Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüte. Mel. Wenn ich nur meinen Jesum hab' 2c.( Röm. 6, 17.) 2.3m Sündendienst ist Finster nis, Den Weg erkennt man nicht; Bei Christo ist der Gang gewiß, Man wandelt in dem Licht. 3. Jm Sündendienst ist Haß und Leid, Man plagt und wird betrübt; In Christi Reich ist Freudigkeit, Man liebt und wird geliebt. 4. Die Sünde giebt den Tod zum Lohn, Das heißt ja schlimm gedient; Das Leben aber ist im 10.8euch, Jefu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit! Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit, Des Guten Füll' ist hier zu sehen. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Christian Friedrich Nichter 1704. Sohn, Der uns mit Gott versühnt. 5. D Heiland, dir nur dien' ich gern, Denn du hast mich erkauft; Ich weiß und will sonst keinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. 6. Wen du frei machst, der ist recht frei, Du schenkst ihm alle Schuld; Und darum dank' ich deiner Treu' Und rühme deine Huld. 7. Jch bete an, Herr Jesu Christ, Und sage: Ich bin dein! Nimm mich zu dir, denn wo du bist, Soll auch dein Diener sein! Philipp Friedrich Hiller 1762. D. Heiligung. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c.( Jer. 17, 14. Matth. 7, 11.) 390. Vater, heilig möcht'| 5. Bater, du nur kannst mich retich leben, Rechtthun wäre meine ten, Wenn mich niemand retten Luft; Aber Lüfte widerstreben kann. Beten will ich, brünstig Dem Geset in meiner Brust. Ach, beten: Schau mich mit Erbardie Unart meines Herzens Jst men an! Reiß die Wurzel meiner noch oft ein Quell des Schmer- Schmerzen, Reiß die Sünd' aus zens; Schwer drückt mich der meinem Herzen! Tief im Staube Sünde Joch, Was ich nicht will, bitt' ich dich: Heilige du selber thu' ich doch. mich! 2. Sieh um Kraft mich Schwachen beten! Meinem Vorsatz trau' ich nicht, Lockende Begierden treten Zwischen mich und meine Pflicht; Selbst den süßen Andachtsstunden, Da ich, Bater, dich empfunden, Da ich nur von Liebe sprach, Folgten Sündentage nach. 311 3. Tausendmal hab' ich geweinet, Schmerzlich meinen Fall bereut, Gläubig mich mit dir vereinet Und mich deiner Huld gefreut. Gnädig sahst du auf mich nieder; Aber bald vergaß ich wieder, O du Langmutsvoller, dich, Und mein Herz besiegte mich. 4. Ach, was kann ich dir verspre: chen? Meint' ich's auch so redlich noch, Meine Zusag' nicht zu brechen, Ich vergaß und brach sie doch. Oft schon hab' ich es erfahren, Was Gelübd' und Thränen waren; Plößlich, eh' ich mir's verfah, War die Sünde wieder da. 6. Sieh mich dürften nach dem Guten, Früh und spät ruf' ich zu dir; Laß mein Herz nicht länger bluten, Schenke höhre Kräfte mir; Laß mein Flehn nicht sein vergebens, Sende doch den Geist des Lebens; Zieh mit neuer Kraft mich an, Daß ich dir gefallen kann! 7. Väter, böse Väter schenken Brot den Kindern, wenn sie flehn; Vater, und ich sollte denken: Du, du könntest mich verschmähn? könntest erst den Sohn uns senden, Und dein Aug' doch von uns wenden? Gäbst nicht auf die Deinen acht, Flehten sie gleich Tag und Nacht? 8. Gott, du hörst mein kindlich Flehen Und erquickst mein Herz mit Ruh'. Leben werd' ich, nicht vergehen; Meine Stärke, Gott, bist du. Überwinden, überwinden Werd'ich durch dich alle Sünden und in jenenHimmelshöhn Rein vor deinem Antlik stehn. Johann Kaspar Lavater 1771. cacoes DOCO bebebes 312 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( Ebr. 12, 10. 14. Joh. 17, 15-17.) Leben sei; Dann wird es mir gelingen. 391. Herr, laß mich deine| ewig frei, Allein mein innres Heiligung Durch deinen Geist erlangen! Du hast dieSinnesänderung Selbst in mir angefangen; Dein Geist wirktheiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rein, Seit du zu Gott gegangen. 2. Ich kann mich selber vor der Welt Nicht unbefleckt bewahren; Ich kann nicht thun, was dir gefällt, Das hab' ich oft erfahren. Ich will mich übergeben dir; D mach ein neu Geschöpf aus mir In meinen Gnadenjahren! 5. Laß mich in deinerLieb' allein DieLebensnahrung finden; Vertreib aus mir den Lügenschein Der angewohnten Sünden! Nur die Gemeinschaft mit dem Licht Sei meine Lust und süße Pflicht; Dann wird die Knechtschaft schwinden. 6. Lösch alles fremde Feuer aus, Das in mir will entbrennen; Mach mich zu deinem reinen Haus, Laß nichts mich von dir trennen; Verbinde dich im Geist mit mir, Daß ich, als eine Reb' an dir, Nach dir mich dürfe nennen! 7. Laß mich in deiner Gegenwart Mit stillem Geist verbleiben; Mach mein Gefühl mir rein und zart, Das Böse abzutreiben; In dir laß mich stets grünend sein, So führst du mich zum Leben ein, Wird gleich mein Leib zerſtäuben! Albert Knapp( nach Michael Hahn) 1837. 3. Ich stehe täglich in Gefahr, Das Kleinod zu verlieren; Die Sünde lockt mich immerdar Und will mich dir entführen. Herr Jesu, nimm dich meiner an, Erhalt mich auf der Lebensbahn; Nur du wollst mich regieren! 4. Die Kraft von deinem teuren Blut Laß innig mich durchdringen, Dein Leben, o du höchstes Gut, Mir in das Herz zu bringen, Damit dein Geist, der Au Mel. Werde munter 2c.( Phil. 3, 12-14. Matth. 5, 20.) 392. Das, was christlich ist,| wohl erwogen, Dich auf Gottes Wort bezogen? zu üben, Nimmst du, Menschenkind, zu leicht. Ist dir nichts zurückgeblieben? Hast du denn das Ziel erreicht? Traue nicht dem falschen Schein, Willst du nicht betrogen sein! Hast du alles 2. Ehrbar sein, die Laster flie: hen, Davor auch ein Heid' erschrickt; Um den Nächsten sich bemühen, Wenn daraus ein Nutzen blickt; Freundlich thun, den Zöll D. Heiligung. 313 nern gleich; Sein an guten Wor-| taug'; Durch Verleugnung mußt ten reich: Giebt noch keine rechten Proben, Die als Heiligkeit zu loben. du gehen, Willst du Gottes Reichtum sehen. 3. Wenn man ohne Anstoß lebet, Und das Aug'nichts schelten kann; Wenn der Sinn nach Tugend strebet, Feindet grobeLaster an, Lobt die Frommen, rühmt, was gut, Hat im Leid gelinden Mut: Sollte zu der Zahl der Frommen Nicht mit Recht ein solcher kommen? 4. Gottesdienst, Gebet und Feier, Eine mildgewöhnte Hand, Fleiß im Amt und reiche Steuer, Redlichkeit, der Treue Pfand, Recht und Strafe mit Gebühr Dem Verbrecher schreiben für: Kann oft selbst, ob wir's schon preisen, nicht das Christentum beweisen. 5. Nein, es ist ein göttlich We sen, Eine geisterfüllte Kraft, Von der Welt sein auserlesen, Tragen Christi Jüngerschaft, Ohne Schatten, Schaum und Spreu Zeigen, daß man himmlisch sei. Wer aus Gott ist neugeboren, Ist in diese Zahl erforen. 6. Seele, willst du recht erlangen, Was dich Christo ähnlich macht, Und nicht an dem Äußern hangen, Meid der Worte Schein und Pracht! Auf das Innrewend dein Aug', Prüfe, ob es etwas 7. Wissen Gottes Sinn und Willen, Folgen Gottes Rat und Zucht, Seinen Durst in Jesu stillen, Zeigen schöne Liebesfrucht, Die der Glaub' von selbst gebiert, Das ist's, was zum Ziele führt; Buß' thun, glauben, heilig leben Ist's, wonach die Christen streben. 8. Glaube ist ein großes Wunder, Weil er Jesum an sich zeucht, 3st des neuen Lebens Zunder, Eine Burg, dahin man fleucht; Wenn uns das Gesetz verklagt, Daß das Herz erschrickt und zagt, Hilft der Glaube überwinden Und den Geist der Kindschaft finden. 9. Ist der Glaube angezündet, Duftet er wie eine Blum'; Wer mit Gott sich eng verbindet, Sucht nicht Ruhm noch Eigentum, Trägt vor kleinsten Sünden Scheu, Brennt vor Liebe, niedrig, treu, Steht vor Gott ganz aufgedecket, Wo ein Heuchler sich verstecket. 10. Siehst du nun gleich Namenchristen An dir leeren Bilderkram Auf getünchten Schaugerüsten, Drauf kein wahres Wesen kam; Bist noch eitel, taub und blind, Leicht zum Bösen wie der Wind, Ohne Saft und Jodoo.coCT COOO00 S XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 314 Geistes Treiben: Muß dein Selbstlob unterbleiben. 11. Ach Herr Jesu, laß uns wiffen, Wie man dir gefallen soll; Mach uns recht zu thun beflissen Und des wahren Lebens voll! Deiner Gnade Ruf und Zug Deck uns auf den Selbstbetrug, Da viel tausend sich bethören, Meinend, daß sie dir gehören! 2. Jch fiel und wandte mich von dir, Zur Finsternis vom Lichte; Doch wandtest du dich, Gott, zu mir Mit deinem Angesichte: Erbarmen war dein Angesicht, Mich von der Finsternis ins Licht, zu dir zurückzurufen. 12. Geuß den Geist in unsre Seelen Durch das Wort, das feurig ist, Uns vom Irrtum loszuzählen Der im Fleisch verborgnen List! Prüfund siehe, wie es steh', Daß kein Schäflein untergeh'; Laß das Urteil einst erschallen, Daß wir dir recht wohl gefallen! Mel. Mein's Herzens Jesu 2c.( 1 Petri 2, 21-25.) 393. Dein bin ich, Herr, dir| und stirbt Zur Tilgung unsrer will ich mich zum Opfer ganz Sünden, Kämpft für die Menergeben; Rechtschaffen, fromm schen und erwirbt Uns Kraft zu und rein will ich Vor deinen Au- überwinden. Wie könnt' ich eines gen leben. Wie könnt' ich eines andern sein? Bin ich nicht durch andern sein? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein Und dein die Schöpfung dein Und dein durch die Erlösung? durch die Erlösung? 3. Dein, dein ist die Barmherzigkeit, Du liebest selbst die Sünder; Seid," rufft du ,,, heilig, mir geweiht und meiner Gnade Kinder! Jhr irrt und fündigt; faffet Mut! Dort fließet der Verfühnung Blut, Von Sünden euch zu waschen." 4. Dein Sohn erniedrigt sich 1704. 5. Durch ihn verfühnt und dir zum Ruhm Erkauft mit seinem Leiden, Will ich mich als dein Eigentum Von dir nie wieder scheiden; Gekreuzigt werde mir die Welt, Getötet, was dir nicht gefällt, Damit ich dir nur lebe. 6. Dies wirke deine Kraft in mir; Ich habe kein Vermögen, Die Sünd' und alles, Gott, was dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein Herz; nimm ganz mich hin Und gieb mir einen neuen Sinn, Damit ich dir gefalle! 7. So werd' ich, der ich finster war, Ein Licht in deinem Lichte, Besteh'einst mit der kleinen Schar D. Heiligung. 315 Der Frommen im Gerichte, Daß deine Gnad'undTreue mich Frohlocke dann und lobe dich, Gerecht und selig machte. Johann Andreas Cramer 1780. Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! Mel. Teuerster Immanuel 2c.( Matth. 6, 33. 16, 26. Phil. 3, 7-14.) 394. Seele, was ermüdst| Tod Und zu seinem Reich erkoren. du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen, Richt ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad' eindringen! SucheJesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 6. Schwinge dich fein oft im Geist über alle Himmelshöhen; Laß, was dich zur Erde reißt, Weit von dir entfernet stehen! Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 7.Nahedichdem lauternStrom, Der vom Thron des Heilands fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet! Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 8. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schweben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm erheben! Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 9. Geh in Einfalt nur dahin, Du wirst schon das Ziel erblicken; Glaube: Gottes Baterfinn Wird dich ewig dort erquicken! Such nur Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! Jakob Gabriel Wolf 1714. 3. Du verlangst oft süße Ruh', Dein betrübtes Herz zu laben; Eil der Lebensquelle zu, Da kannst du sie reichlich haben! Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 4. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt Und dein Ursprung in sich träget? Suche Jesum und sein Licht, Alles andre hilft dir nicht! 5. Du bist ja ein Hauch aus Gott Und aus seinem Geist geboren, Bist erlöst durch Christi| Mel. An Wasserflüssen Babylon 2c.( Gal. 2, 20.) 395. Du Wort des Vaters,| Sag an, ich höre willig zu, Ja rede du Und stille meine Sinnen; Lehre frei von innen! So schweigt 2009 100000 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 316 meinSinn mit seinem Tand, Und du bekommst die Oberhand Nach deinem Rat und Willen. Dir räum' ich all mein Innres ein, Das wollest du, ja du allein mit deinem Geist erfüllen! 2. Um eins, mein Jesu, bitt' ich dich, Um das laß dich erbitten: Dein Herz, dein Herz, das gieb in mich, Ein Herz von guten Sitten; Ein Herz, das wie ein kleines Kind, Keusch, niedrig, gütig, rein, gelind, Einfältig und bedächtig; Ein Herz, das Leid im stillen trägt Und sich in Staub und Asche legt; Ein Herz in Liebe mächtig; 5. Du bist mein Bürg' und Herzensfreund; Zu deinen Mitgenossen Bin ich mit deinem Stamm vereint, Aus dir bin ich entsproffen; Ich bin zu deinem Bild gemacht Und als ein Kind bei dir geacht't, Ein Werk, das ewig bleibet, An dem du Wohlgefallen trägst, zu dem du zarte Neigung hegst, Das sich vom Himmel schreibet. 6. Du bist, mein Jesu, mir zu gut Vom Vater ausgegangen Und, wie man sonst den Mördern thut, Für mich am Kreuz gehangen. Nun denn, so überwind in mir Des Satans Werk', der hinaus zum Sieg, Bring mich zur Ruhe nach dem Krieg, Du haft mir's ja versprochen! 3. Ein Herz, das Gott in Lau- Welt Begier Und meines Fleiterkeit Und Gottes Kinder liebe; sches Pochen; Führ dein Gericht Ein Herz, das sanfte Folgsamkeit Und wahre Demut übe; Ein Herz, das mäßig, wachsam, klug, Das ohne Murren, ohne Trug, Mit dem wohl auszukommen; Ein Herz, das allenthalben frei und ganz von nichts gefangen sei, Die Liebe ausgenommen. 4. Nur dies bitt' ich, o Herr, von dir Und bitt' es deinetwegen; Ach siehe, diese Bitt' ist mir Vor allem angelegen! Du bist mein Schöpfer, steh mir bei; Du bist mein Heiland, voller Treu', Auf dich bin ich getaufet; Du hast mich dir, o höchster Ruhm, Zu deinem Erb' und Eigentum Mit eignem Blut erkaufet. 7. D Leben, Arbeit, Leiden, Not Des Heilands meiner Seelen, O meines Jesu Angst und Tod, Euch will ich mich befehlen! Geht in mich ein und laßt mich sehn Das Leben aus dem Tod erstehn In allen meinen Kräften! Hilf mir, o du geschlachtet Lamm, An deines heil'gen Kreuzes Stamm Den Leib des Todes heften! 8. Ach präge deinen Tod in mich, Der all mein böses Wesen Inmir ertöte kräftiglich, So werd' ich recht genesen; Gieß aus dir selber D. Heiligung. 317 in mich ein Dein Leben, das so| Wundern, Pracht und Ehr' Und heilig, rein, Holdselig, ohne Ta- großen Thaten zieren. del; Mach mich von aller Heuchelei, Ja allen Missethaten frei, Und schenk mir deinen Adel! 9. Alsdann wird deine Majestät Mich ganz zum Tempel haben, Darin sie ihren Ruhm erhöht Durch ihre hohen Gaben. Es wird an solchem stillen Ort Die Weisheit ihr geheimes Wort Nach ihrem Willen führen, Und ihren Sit je mehr und mehr Mit ihren Mel. O Gott, du frommer Gott zc.( 1 Joh. 2, 15-17.) hält. 396. Mein Schöpfer, dessen| ler liebt, Der Thor für Freude Hauch Mich toten Staub be seelte, Nach seinem Bild mich schuf, In Christo mich erwählte! Regiere, schüße mich Durch dei nen heil'gen Geist, Daß Sinn und Wandel dich, Gott, meinen Schöpfer, preist! 2. Laß, da du heilig bist, Mich alle Lüste fliehen Und mich nur um den Schatz, Der droben ist, bemühen! Gieb Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir Und Hoffnung zu dem Sieg, Er kommt allein von dir! 10. Wohlan, so lebe Gott in mir! In ihm ich leb' und webe, Damit mein Herz ihn für und für Nach Würden hoch erhebe, Und meine Liebe ganz allein In Lieb' und Leid, in Lust und Pein An seiner Liebe hange, Bis ich nach wohlbestandner Prob' In vollem Licht zu Gottes Lob Sein Anschaun dort erlange. D. Johann Albrecht Bengel 1734. 3. Laß mich, ich bin ein Christ, Nach Christi Lehre wandeln; Mein ganzer Gottesdienst Sei glauben und recht handeln! Die Lust an dem Gesek Ist mehr als Lust der Welt, Die nur der Frev: 4. Erfülle du, o Gott, Mein Herz mit frommenTrieben; Aufrichtig wie mich selbst Hilf mir den nächsten lieben Und segnen meinen Feind! Herr, was ich hab', ist dein; Laß mich im Unglück stark, Jm Glück bescheiden sein! 5. Jm Himmel sei mein Herz, Denn diese Welt vergehet; Weh jedem, dessen Sinn Mit ihr im Bunde stehet! Heil dem, des höchstes Ziel, Gott, dein Erkenntnis ist! Dein Friede bleibt sein Teil, Auch wenn er viel vermißt. 6. Wir sind ja, was wir sind, Aus unverdienten Gnaden. Nimm alle Laster weg, Die der Gesellschaft schaden! Haß, FalschCOCOCO obedCO YO XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 318 heit, Heuchelei Und Stolz und Bruderneid Sind unsrer Tage Pest; Und kurz ist unsre Zeit. 7. Herr, meine Burg, mein Fels, Mein Schutz in allen Nöten! Früh such' ich dich, des Nachts Will ich auch zu dir beten. Mein Stand sei dir geweiht; Bei meines Amtes Pflicht Vergeffe ja mein Herz Des Christen Pflichten nicht! 8. Zuletzt erlöse mich Von dieses Leibes Leiden; Laß meinen Geist voll Trost Aus seiner Hütte scheiden! Herr, ihn befehl' ich dir; Mich führe deine Hand Nach dieser Pilgerschaft Ins rechte Vaterland! Nach Johann Friedrich Löwe 1770. Mel. Werde munter 2c.( Phil. 3, 7-14.) 397. Unverwandt auf Chris| gut, So erfahren wir gewiß, Unser Licht sei Finsternis, Unser Helfen sei Verderben, Unser Leben lauter Sterben. 4. Wären wir doch völlig seine! Regte sich doch keine Kraft, Da der Heiland nicht alleine, Was fie wirkte, selbst geschafft! Jesu, richte unsern Sinn Ungeteilt auf dich nur hin! Dann belebt uns deine Wahrheit, Und das Auge wird voll Klarheit. 5. Bring uns völlig in die Schranken, Die dein Liebesrat gesetzt! Weder Worte noch Gedanken Werden sonst für gut geschätzt. Herr, nur wer auf deiner Spur Geht als neue Kreatur, Kann dich lieben und erhöhen Und in deine Freud' eingehen. Johann Andreas Rothe 1735. tum sehen Bleibt der Weg zur Seligkeit; Allen, welche zu ihm flehen, Ist gewisses Heil bereit. Siehet man im Herzen an, Was er für die Welt gethan, Und man glaubt daran mit Beugen, So bekommt man es zu eigen. 2. Wenn doch alle Seelen wüßten, Wie es dem so wohl ergeht, Welcher in der Zahl der Christen, Wahrer Glieder Jesu steht! Da geht man in seinem Glück Jmmer fort und nie zurück; Man ist auf dem Lebenspfade Und nimmt immer Gnad' um Gnade. 3. Aber freilich kann nichts taugen Als nur das, was Christus thut. Lassen wir ihn aus den Augen, Finden wir was Fremdes Mel. Ach, wann werd' ich dahin kommen 2c.( Matth. 16, 25.) 398. O wer alles hätt' ver-| zeit Nur das Eine hätt' erkoren, loren, Auch sich selbst, und alle- Welches Geist und Herz erfreut! 44444444 D. Heiligung. 319 5. O daß wir Gott möchten finden In uns durch der Liebe Licht Und uns ewig ihm verbinden! Alles andre sättigt nicht. 6.D daß jeder Blick der Seelen Stets nur ging' auf Gott, den Herrn! Alle Sorg' und alles Quälen Träte dem Gewissen fern. 2. D wer alles hätt' vergessen Und nichts wüßt' als Gott allein, Deffen Güte, unermessen, Macht das Herz still, ruhig, rein! 3. O wer alles könnte laffen, Daß er, frei vom Eitlen all, Wanderte die Friedensstraßen Durch dies thränenvolle Thal! 4. D wer allem wär' entnommen, Was uns lockt mit eitlem Glanz Und hält ab, zu Gott zu kommen, In dem alle Güt' ist ganz! Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht zc.( Matth. 11, 30. 10, 32. 33.) 399. Sanft, o Christ, ist Jesu Joch, Und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch Durch den Retter unsrerSeelen! Welche Wonn' und Herrlichkeit Wartet unser nach der Zeit! 2. Freue deines Glaubens dich, Deines Gottes, seines Sohnes! Deine Seele rühme sich Ihrer Hoffnung, seines Lohnes Frei, voll Mut und unverstellt, Freudig vor der ganzen Welt. 3. Hat gleich sein Bekenntnis hier Seine Leiden und Beschwerden; Dennoch sei ihm treu, denn dir Sollen ew'ge Freuden werden. Was ist gegen solch ein Glück Dieses Lebens Augenblick? 7. O du Abgrund aller Güte, Zeuch durchs Kreuz in dich hinein Geist und Sinne und Gemüte, Ewig mit dir eins zu sein! Gottfried Arnold?- 1703. 4. Schäme seines Wortes dich Nie vor Frevlern, nie vor Spöt tern, Wenn sie ihn verschmähn, wenn sich Sie und ihren Wit vergöttern. Was vermag der Lästrer Spott Wider Jesum, wider Gott? 5. Was vermag er, tobt er gleich Wider dich und deinen Glauben? Gottes Beifall, Gottes Reich Kann doch keine Macht dir rauben. Halte dich an dem nur fest, Der die Seinen nie verläßt! 6. Welchen Kampf hat nicht dein Herr Für dein ew'gesHeilgestritten! Jene Schar der Märtyrer, Was hat die für ihn gelitten! Schmach und Marter, selbst den Tod Litten sie getroft für Gott. 7. Und der Spötter Witz und Hohn Könnte je dein Herz verführen, Deinen Himmel und den Lohn Deines Glaubens zu verlieren? Nein, o Christ, nein, bebe 320 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. wanke nie; Fleh um Rettung| dich Gott Zu der Wonne jenes auch für sie! 8. Sei getreu bis in den Tod; Denn du glaubest nicht vergebens. Nach dem Tode führt Lebens, Und auf einen kurzen Streit Krönt dich seine Herrlichfeit. Johann Andreas Cramer 1775. Mel. Aus Gnaden soll ich zc.( Phil. 2, 12. Tob. 4, 6.) 400. Vor dir, o Gott, sich kindlich scheuen Ist unser Glück und unsre Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, Scheut er dein heilig Auge nicht; Drum wirk in mir durch deinen Geist Die Furcht vor dir, die kindlich heißt. 2. In allem, was ich thu' und denke, Laß, Herr, das meine Weisheit sein, Daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, Vor jeder Sünde mich zu scheun! Denn wer noch Lust zur Sünde hat, Der fürchtet dich nicht in der That. 3. Gieb, daß ich stets zu Herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das zu thun mich ernstlich schäme, Was dir, mein Gott, zuwider ist! Der Beifall einer ganzen Welt Hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 5. Ja, Vater, laß mit Furcht und Zittern Mich schaffen meine Seligkeit! Soll nichts mein ewig Glück erschüttern, So laß mich in der Gnadenzeit Mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, Mich nur um deine Huld bemühn! 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen Und wirke stäten Ernst in mir, Mein Leben deinem Dienst zu weihen, Daß ich die Gnade nicht verlier', Die mich bei aller Missethat So liebreich noch getragen hat! 6. Gieb, daß ich stets ein gut Gewissen Vor dir zu haben sorgsam sei, Und mache von den Hindernissen Der wahren Tugend selbst mich frei; Nie störe Furcht und Lust der Welt Mich, das zu thun, was dir gefällt! 7. In deiner Furcht laß mich stets wandeln Und überall, wo ich auch sei, Nach deiner Vorschrift redlich handeln! Du haffest alle Heuchelei. Wer dich von Herzen scheut und ehrt, Nur der ist dir, o Vater, wert. 8. In deiner Furcht laß mich einst sterben, So schreckt mich we der Tod noch Grab, So werd' ich jenes Leben erben, Dazu dein Sohn sich für mich gab. Gott, deine Furcht bringt Segen ein; Ihr Lohn wird groß im Himmel sein. Württ. Gesangbuch( nach Schmold) 1791. D. Heiligung. Mel. Eins ist not 2c.( Ebr. 2, 10. Joh. 17, 19. Röm. 6.) nen Herzen erheben; Erzeig dich verkläret und herrlich noch hier, Und bringe dein neues Geschöpfe herfür! 401. Herzog unsrer Selig-| denes Leben In unsern erstorbekeiten, Zeuch uns in dein Heiligtum, Da du uns die Statt bereiten Und zu deines Namens Ruhm Als deine Erlösten siegprächtig willst führen! Laß unsere Bitte dein Herze jetzt rühren! Wir wollen dem Vater zum Opfer dastehn Und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehn. 2. Er hat uns zu dir gezogen Und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwogen, Daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben Dem ganzen natürlichen Sündenverderben. Ach, laß in dein Sterben verseket uns sein, Sonst dringen wir nimmer ins Leben hinein! 5. Kehre die zerstreuten Sinnen Aus der Vielheit in das Ein', Daß sie wieder Raum gewinnen, Nur von dir erfüllt zu sein! Ach, wirf du die Mächte der Finsternis nieder, Erneure dieKräfte des Geistes uns wieder, Daß er aus der Fülle der Gnaden sich nähr' Und ritterlich gegen Versuchung sich wehr'! 321 3.AberhiererdenktdieSchlange So viel Ausflucht überall; Bald macht sie dem Willen bange, Bald bringt uns die Lust zu Fall. Es bleibet das Leben am Kleinsten oft kleben Und will sich nicht gänzlich zum Sterben ergeben; Es schüßet die besten Absichten noch vor Und bauet so Höhen und Festung empor. 4. Drum, o Fürst des Lebens, eile, Führ das Todesurteil aus, Brich entzwei des Mörders Pfeile, Reut das Unkraut völlig aus! Ach, laß sich dein neues, erstanEvangelisches Gesangbuch. 6. Lebe denn und lieb und labe In der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die genesene Natur! Erwecke dein Eden uns wieder im Grunde Der Seelen und bringe noch näher die Stunde, Da du dich in allen den Deinen verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens gewährst. 7. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu sein, Deinem Bilde gleich zu werden, In den Tod zu nehmen ein Des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte Als eines vollendeten Heilands Geschlechte! Der Unglaub' mag denken, wir bitten zu viel: Du hörst unsre Bitten, thust über ihr Ziel. Gottfried Arnold 1700. 21 322 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Freu dich sehr zc.( Offenb. Joh. 2, 10.) 402. Sei getreu bis an das Ende, Daß nicht Marter, Angst und Not Dich von deinem Jesu wende; Sei ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht wert der Herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben Dort in seinem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Leiden, Und laß dich keinUngemach, Keine Not von Jesu scheiden; Murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld Größer nur durch Ungeduld. Selig ist, wer willig träget, Was sein Gott ihm auferleget. 3. Sei getreu in deinem Glauben! Laß dir dessen festen Grund Ja nicht aus dem Herzen rauben; Halte treulich deinen Bund, Den dein Gott durchs Wasserbad Fest mit dir geschlossen hat! Ach, du gingest ja verloren, Wenn du treulos ihm geschworen! 4. Sei getreu in deiner Liebe Gegen Gott, der dich geliebt! Auch die Lieb' am nächsten übe, Wenn er dich gleich oft betrübt! Denke, was dein Heiland that, Als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gottvergeben, Auch verzeihn und liebreich leben. 5. Bleibe treu in deinem Hoffen! Traue fest auf Gottes Wort; Hat dich Kreuz und Not betroffen, Und Gott hilft nicht alſofort, Hoff auf ihn doch feftiglich! Sein Herz bricht ihm gegen dich, Seine Hilf' ist schon vorhanden; Hoffnung machet nie zu Schanden. 6. Nun wohlan, so bleib im Leiden, Glauben, Liebe, Hoffnung fest! Ich will treu sein bis zum Scheiden, Weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, Dem sie sich im Kreuz ergiebt, Sieh, ich fasse deine Hände: Hilf mir treu sein bis zum Ende! Nach Benjamin Prätorius 1659. Mel. O Gott, du frommer Gott zc.( Matth. 7, 21. Jat. 2, 18.) 403. Dusagst: ,, Ich bin ein Christ." Wohlan, wennWerk'und Leben Dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugnis geben, So stehtes wohlum dich. Ich wünsche, was du sprichst, zu werden alle Tag', Das heißt: ein guter Christ. 2.Du sagst: ,, Ich bin ein Christ." Der ist's, der Jesum kennet, Ihn seinen Gott und Herrn Mit Herz und Wandel nennet. Der liebet Christum nicht, Der noch die Sünde liebt, Ist auch kein Christ, ob erSich gleich den Namen giebt. D. Heiligung. 323 3. Du sagst: ,, Ich bin ein Chrift;| Laff' speisen mich und tränken Denn ich bin ja erkaufet Mit Mit dem, was Christus uns Christi Blut und selbst In sei- Im Abendmahl will schenken." nen Tod getaufet." Jawohl; hast Wohl; aber zeige mir, Ob Christi aber du Gehalten auch den Bund, Leib und Blut In dir zur HeiDen Gott mit dir gemacht In ligung Auch seine Wirkung thut? jener Gnadenstund'? 9.Du sagst: ,, Ich bin ein Chrift; Ich bete, les' und singe, Ich geh' ins Gotteshaus; Sind das nicht gute Dinge?" Sie sind es; doch nur dann, Wenn man sie redlich übt Und durch kein falsches Herz Den heil'gen Geist betrübt. 4. Hast du ihn nicht vorlängst Gar oft und viel gebrochen? Hast du als Gottes Kind Dich, wie du haft versprochen, In allem Thun erzeigt? Dem Guten nachgestrebt? Hat nicht der alte Mensch Bisher in dir gelebt? 5. Du sagst: ,, Ich bin ein Christ, Weil Gottes Wort und Lehre Ohn' allen Menschentand Ich fleißig les' und höre." Ja, Lieber, thust du auch, Was dieses Wort dich lehrt? Nur wer es hört und thut, Der ist bei Gott geehrt. 6. Du sagst: ,, Ich bin ein Christ; Ich kenne meineSündenUnd laff' beim Beichtstuhl mich Von Zeit zuzeiten finden." Zeigt aber sich, mein Freund, Ich bitte, sag es mir, Nach abgelegter Beicht' Die Beßrung auch bei dir? 7. Ach, du bleibst nach wie vor; Dein Thun und all dein Sinnen Wird oftmals ärger noch; Dein Vorsatz und Beginnen Geht nach dem alten Trieb, Und was noch gut soll sein, Ist, wenn man's recht besteht, Nur immerHeuchelschein. 8. Du sagst: ,, Ich bin ein Christ, 10. Bist du ein wahrer Christ, So mußt du sein gesinnet, Wie Jesus Christus war. Wenn reine Liebe rinnet Aus deines Herzens Quell, Wenn du demütig bist Von Herzen wie der Herr, So sag, du seist ein Christ. 11. Solang ich aber noch Andir erseh' und spüre, Daß Stolz und Übermut Dir Sinn und Herz regiere; Wenn an der Sanftmut Statt Sich zeiget Haß und Neid, So bist du ganz gewiß Vom Christentum sehr weit. 12. Du sagst: ,, Ich bin ein Christ," Und rühmst dich des mit Freuden. Thust aber du auch mehr Als andre kluge Heiden? Ach, öfters nicht so viel, Als Gutes sie gethan; Sie werden dich dort einst Gewißlich klagen an. 13. Sag nicht: Ich bin ein Christ," Bis daß dir Werk' und Leben Auch dessen, was du sagst, 324 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Beweis und Zeugnis geben! Die| sein ein wahrer Christ Und Worte sind nicht gnug; Ein nicht bloß so zu heißen; Denn Christ muß ohne Schein Das, welcher Nam' und That Nicht was er wird genannt, Im Wesen führt und hat zugleich, Der selber sein. kommet nimmermehr zu dir ins Himmelreich. 14. Ach Gott, gieb Gnade nur, Mich ernstlich zu befleißen Zu Johann Adam Haßlocher 1704. Mel. Erhalt uns, Herr 2c.( 1 Joh. 2, 15.) 404. Der Weltfinn will vom| ungeweckt, Noch vom Gesetz und Himmel nichts Noch von dem Erbteil jenes Lichts; Er lebt dahin aufs Ungefähr, Wünscht, daß kein Gott noch Richter wär'. 2. Den eignen Lüften zärtlich sein, Nach dem Geschmack der Menschen fein, Der Tugend weder hold noch feind, Und vom Gewissen gar kein Freund; 3. Bei gangbarn Sünden ohne Reu', Bei schönen Lügen ohne Scheu, Jm süßen Schlummer Mel. O Gott, du frommer Gott 2c.( Tit. 1, 16. Matth. 7, 21-23.) 405. Wie muß, o Jesu,| dir allein Und, was du je ges than, Jhm zugerechnet sein. 3. Er trotzt auf diesen Wahn Als auf den wahren Glauben; Den soll ihm, ist sein Trost, Kein Teufeljemals rauben. Auch irret ihn gewiß Der Satan nicht hierin, Bestärket ihn vielmehr In dem verstockten Sinn. 4. Doch weh der blinden Schar, Die dieser Glaubewieget Und die ihr frecher Trost Mit Schrecken doch Bei falschen Christenherden Dein heiliges Verdienst Der Sünde Schutzbrief werden! Man treibet alle Schand' Und Laster ohne Scheu Und meint, daß alles schon Durch dich gebüßet sei. Tod erschreckt: 4. Dies liebt ihr Herz, das ist ihr Teil. O Leben ohne Gott und Heil! Wie blendet doch der Fürst der Welt, Bis er und sie ins Feuer fällt! 5. Ach Gott, mein Gott, erleuchte mich, Daß ich nichts liebe ohne dich! Ich mag kein Leben als bei dir; Der Welt bleibt nichts, du bleibest mir. Philipp Friedrich Hiller 1767. 2. Der heißt ein Glaubiger, Der nach dem Eiteln rennet, Wenn er nur mit dem Mund Im Tempel dich bekennet. Die Sünde, die ihn schwärzt, Soll kühnlich ich D. Heiligung. 325 einst betrüget, Wann deineDon-| frei, Und nichts als du allein nerstimm' Einst von demThrone Mein Herr und Meister sei! spricht: Ihr Übelthäter, weicht! Hinweg, ich kenn' euch nicht! 5. Dich, Jesu, soll mein Herz Den Herrn und Heiland nennen, Und nicht der Mund allein Vor Menschen nur bekennen. Man soll dein Ebenbild In meinem Wandel schaun, Und dieser Wandel sollDen nächsten auch erbaun. 6.Erleucht und stärke mich, Daß ich den Reiz der Sünde, Der in die Seele schleicht, Bekämpf' und überwinde, Daß ich von Selbstbetrug, Vom Joch der Sünde 7. D laß mich nach dem Heil Mit Furcht und Zittern trachten, Und ja dein teures Blut Nicht frevelnd unrein achten! Verhüte, daß ich nicht Den Geist der Gnade schmäh', Noch je in Selbstbetrug Und sichrem Wahne steh'! 8. So werd' ich allem Reiz Der Sicherheit entfliehen, So wird der Glaube mich Dir immer näher ziehen; So sterb' ich dieser Welt Und lebe nur in dir, Und du allein nur lebst mit deinem Geist in mir. Johann Jakob Spreng 1741. Mel. Valet will ich dir geben zc.( 1 Petri 1, 15. Ebr. 13, 9.) 406. Ich soll zum Leben| Der Sünder Lust verschmäht, dringen, Für welches Gott mich schuf, Soll nach dem Himmel ringen, Das, das ist mein Beruf. In einer Welt voll Sünden Soll ich nur ihm mich weihn, Sie fliehn, sie überwinden Und dann erst selig sein. Wenn er trok ihres Spottes Auf seinem Pfade geht, Was wird ihm nicht zum Lohne, Wenn er die kurze Zeit Getreu war! Welche Krone, Welch eine Seligkeit! 4. Das glaub'ich; mich verlanget Dein Kind, o Gott, zu sein; Und meine Seele hanget Doch nicht an dir allein! Ich weiß, ich werde sterben, und liebe doch die Welt; O Herr, welch ein Verderben, Das mich gefangen hält! 2. In meiner frühsten Jugend Hat er mich das gelehrt. Schön, göttlich ist die Tugend Und mei nes Eifers wert. Ihr folgen reine Freuden; Und wer, was Gott will, thut, Hat selbst in seinen Leiden Zufriedenheit und Mut. 5.Bald wall' ich deine Wege Mit Lust, und plötzlich bin Ich ohne Kraft und träge, Ermüdet sink' ich hin, Ich lasse nach zu ringen; 3. Und wenn der Pilger Gottes siebie 326 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Und doch ist's mein Beruf: Jch| gefangen, Das gute Werk ist dein. soll zum Leben dringen, Für Vollende, Gott, vollende, Was welches Gott mich schuf. mir dein Wort verheißt! In deine 6.Dir seufz' ich anzuhangen, Er- Vaterhände Befehl' ich meinen barmer, dir allein! Du hast es an-| Geist. Johann Andreas Cramer 1775. Mel. Freu dich sehr zc.( Ps. 119, 176. Eph. 4, 22-24. Phil. 2, 13.) 407. Jesu, laß mich nicht dahinten, Suche dein verirrtes Schaf, Bis du mich wirst endlich finden; Wecke mich aus meinem Schlaf! Laß hinfort mir Ruhe nicht, Bis mein Herz dir fest verspricht, Daß es nun im Tod und LebenDirsichwolleganz ergeben! 2. Ach wie viel und große Gnaden Hast du mir schon zugedacht! Doch mir selbst zu Schand' und Schaden Nehm' ich sie nicht treu in acht. Deine Wahrheit halt' ich auf, Laff' der Sünde ihren Lauf; Ich erweck' nicht meine Gaben Und hab' oft mein Pfund vergraben. 3.D wie manchen guten Funken Hat dein Geist in mir erregt, Den mein Herz, in Lust versunken, Wieder zu ersticken pflegt! Was ich nicht will, thu'ich dann, Fange wieder vorne an, Und eh' ich recht angefangen, Ist der Vorsak schon vergangen. 4. Reg' zum Bösen, träg' zum Guten Zeigt sich mein verderbter Sinn; Will mir Satan was zumuten, Reißt er mich gar leicht dahin, Denn mein Kampf ist schlecht bestellt; Und daß er und Fleisch und Welt Desto eher mich berücken, Bau' ich ihnen wohl die Brücken. 5. Meine noch gewohnten Sünden Fordern einen hartenStreit, Und es ist nicht zu ergründen, Was noch für VerdorbenheitSich in meinem Herzen regt, Welches einen Zunder hegt Mit Begierden untermenget, Der gern böses Feuer fänget. 6. Sorge, Zorn und Eigenliebe Und der argen Lüste viel Geben oft dem bösen Triebe Bei mir ein gewonnen Spiel. Alles, was ich hab' und bin, Sollt' für Gott ich geben hin, Und ich kann oft ihm zu Ehren Kaum ein Wörtlein überhören. 7. Jesu, laß dich nicht ermüden, Suche mich noch wie bisher, Rufe mich zu deinem Frieden, Ziehe mich je mehr und mehr! Ach, bestraf auch durch den Geist, Was du Sündlichs an mir weißt, Daß ich stets an diesem Werke Deinen Gnadenzug vermerke! D. Heiligung. 327 8. Gieb mir fleißig zu betrach-| Wesen haben kann Und nimmt ten Meines Lebens Flüchtigkeit; dafür Schatten an, Den du rufft Lehre mich es wichtig achten, zum ew'gen Ziele, Und er zankt Täglich sein zum Tod bereit! Ach, um Kinderspiele. das Ziel der Gnadenzeit Istvielleicht schon nicht mehr weit, Und ich hab' noch so viel Sünden, So viel Feind' zu überwinden! 9. Laß mich nicht so lange säumen, Bis die Sünde mich verläßt Und der Tod nach eitlem Träumen Erst die Reue aus mir preßt! Laß mich Buße fangen an, Weil ich Sünde thun noch kann; Buß' soll mich zum Tod bereiten, nicht der Tod zur Buße leiten! 10. Stell die Welt und ihre Lüfte Mir in ihrer Blöße vor, Daß ich mich in diese Wüste Nicht vergaffe als ein Thor, Der das 11. Treuer Jesu, miß dem WillenAuch Vollbringungskräfte zu; Hilf den Vorsatz bald erfüllen, Meine Schwachheit stärke du, Meine Trägheit muntre auf, Bis ich schließe meinen Lauf; Hilf mir siegen, hilf mir kämpfen, Satan, Welt und Fleisch zu dämpfen! 12. Heile mich durch deine Wunden, Mach mich rein mit deinem Blut, Daß ich in den letztenStunden Fröhlich bleib' in meinem Mut, Daß ich mit getroftem Sinn Sterben achte für Gewinn, Durch den Tod ins Leben dringe Und so alles wohl vollbringe! Johann Martin Wieland 1723. Mel. Valet will ich dir geben 2c.( Matth. 24, 13.) den, Auch bis zum Ende bei. 408. Wer ausharrt bis ans| treu, Dem steht, der beigestanEnde, Wird endlich selig sein; Doch treffen harte Stände Noch bis zum Ende ein. Viel Feinde sind zu dämpfen, Viel Proben durchzugehn; Der Glaube muß im Kämpfen Bis an sein Ende stehn. 3. Das frischt uns an, ihr Brüder; Verliert nur nicht den Mut, Legt nicht die Waffen nieder, Und kämpfet bis aufs Blut! Wenn wir nur nicht er liegen In seiner Gegenwart, So werden wir doch siegen, Wenn auch die Hand erstarrt. 4. Herr, du kennst meine Schwäche; Nur deiner harre ich. Nicht das, was ich verspreche, Was du 2. Nur etlich'Gänge wagen Und dann im schwerenStreitErstnoch am Sieg verzagen, Ist nicht die rechte Zeit; Da wird man erst zu Schanden. Wer aber kämpft gesabiedia 328 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. sprichst, tröstet mich. Richt auf| müden Knie', Und sage mir am die lassen Hände und stärk die Ende: Die Seligkeit ist hie! Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott 2c.( Matth. 7, 13. 14.) 409. 3um Leben führt ein schmaler Weg, Ein rauher Pfad und enger Steg; Nur in dem rechten Schrankenlauf Geht's himmelauf, Wovon nichts weiß der große Hauf'. 2. Ihr Weg ist lustig, weit und breit, Darauf sie gehn zur Ewigfeit. D Spott aufs Evangelium! Ein Christentum, Das nur ein Schatten um und um! 3. Wie teuer, Gott, ist deine Güt', Daß du erleuchtet mein Gemüt Und selbst zur Buße mich gebracht, Als ich in Nacht Mit jenen fortging unbedacht! 4. Laß mich nun desto treulicher Den Weg des Lebens gehn, o Herr; Und stehe mir allmächtig bei, Daß täglich neu Dein Werk bei mir im Fortgang sei! 5. Wenn nur um seine Leibeshütt' Ein andrer sich zuerst bemüht, So laß mich achten allermeist Auf meinen Geist, Und daß ich dir Gehorsam leist'! 6. Gehn andre über Land und See, Durch Ungewitter, Wind und Schnee, Im Regen über Berg und Thal Viel hundertmal, Dem Bauch zu dienen überall: 7. So laß mich um dein Kanaan All' Müh' und Arbeit wenden an, Und auch auf meiner Pilgerreis' Auf andre Weis' Erzeigen einen solchen Fleiß. 8. Wenn jene Schar des Fleisches pflegt, Dasselbe schont und zärtlich hegt, So gieb mir neue Kräfte, daß Ich's ernstlich haff' Und kreuzige ohn' Unterlaß. 9. Herr, mach du mich, wie ich soll sein! Ich weiß, hier gilt kein Heuchelschein. Gieb in mich deine Lichtnatur, Denn die gilt nur, und eine neue Kreatur! 10. Nach dieser Regel laß mich gehn, So daß auch andre können sehn, Daß mich der heil'ge Geist regier' Und wohne hier, Und Jesus Christus auch in mir! 11. Dies wird geschehn, Herr Jesu Christ, Wenn du nun auch geboren bist In mir, und deine Gottheit sich So gnädiglich Herniederlassen wird in mich. 12. Nun, mir geschehe, wie du willt! Ich will dir einst in deinem Bild, Wannichdarnachwerd'sein erwacht Und neu gemacht, Lobsingen: nun, es ist vollbracht! 1732. D. Heiligung. Mel. Was mein Gott will zc.( Ebr. 12, 1-4. But. 16, 19-31.) 410. Oft flagt dein Herz, wie schwer es sei, Den Weg des Herrn zu wandeln Und täglich seinem Worte treu zu denken und zu handeln. Wahr ist's, die Tugend kostet Müh', Sie ist der Sieg der Lüste; Doch richte selbst: was wäre sie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? 2.Die, die sich ihrer Laster freun, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sklaven eigner Bein Und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüfte dämpft, Hat oft auch seine Leiden; Allein der Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar Einbreiter Weg durch Auen; Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken; Doch weiter fort führt er zum Heil Und endlich zum Entzücken. 4. Nimm an, Gott hätt' es uns vergönnt, Nach unsers Fleisches Willen, Wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, Die Lüste frei zu stillen; Nimm an, Gott ließ' den Undant zu, Den Frevel, dich zu kränken, Den Menschenhaß: was würdest du Von diesem Gotte denken? 329 5. Gottwill, wir sollen glücklich sein, Drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, Sie sind des Lebens Schätze. Er redt in uns durch den Verstand Und spricht durch das Gewissen, Was wir Geschöpfe seiner Hand Fliehn oder wählen müssen. 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, Und Freiheit ist's, fie wählen. Ein Tier folgt Fesseln der Natur, Ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigentum? Was sein Beruf auf Erden? Die Tugend! Was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden! 7. Lern nur Geschmack am Wort des Herrn Und seiner Gnade finden, Und übe dich getreu und gern, Dein Herz zu überwinden! Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch Von Gott noch mehr bekommen; Wer aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne Kraft, Drum muß es dir gelingen; Gott ist es, welcher beides schafft, Das Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Vater einen Stein Dem Sohn, der Brot begehrte? Bet oft! Gott müßte Gott nicht sein, Wenn er dich nicht erhörte. 2009 oreO bebebes XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 330 9. Dich stärket auf der Tugend Pfad Das Beispiel sel'ger Geister; Ihn zeigte dir und ihn betrat Dein Gott und Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott Auf diesem Pfade hindern; Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott Und nicht bei Menschenkindern. 10. Sei stark, sei männlich alle zeit, Tritt oft an deine Bahre; Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf so kurzer Jahre! Das Kleinod, das dein Glaube hält, 411. Nicht der Anfang, nur das Ende Krönt des Christen Glaubensstreit. Ach, getreuer Gott, vollende Meinen Lauf in dieser Zeit! Hab' ich dich einmal erkannt, So verleih mir auch Bestand, Daß ich, bis ich einst erkalte, Glauben, Lieb' und Hoffnung halte! 2. Laß mich einem Felsen gleichen, Der in Sturm und Wellen steht; Laß mich nicht zurückeweichen, Wenn mich Not und Tod umfäht! Sei mein Anker, der nicht bricht, Sei mein Stern und helles Licht, Daß ich nie von dir mich scheide Und am Glauben Schiffbruch leide! Wird neuen Mut dir geben; Und Kräfte der zukünft'gen Welt, Die werden ihn beleben. Mel. Werde munter 2c.( Joh. 8, 31. Offenb. Joh. 3, 11.) 3. Es ist gut, ein Christ zu werden, Besser noch, ein Christ zu sein; Doch den besten Ruhm auf Erden Giebt der Herr nur 11. Und endlich, Christ, sei unverzagt, Wenn dir's nicht immer glücket, Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. Gott sieht nicht auf die That allein, Er sieht auf deinen Willen; Ein göttliches Verdienst ist dein, Dies muß dein Herze stillen! Christian Fürchtegott Gellert 1757. dem allein, Der ein Chrift be ständig bleibt Und den Kampf zum Siege treibt; Solchen wird mit ew'gen Kronen Christus droben einst belohnen. 4.Laß mich halten, was ich habe, Daß mir nichts dieKrone nimmt! Es ist deines Geistes Gabe, Daß mein Glaubensdocht noch glimmt. Lösche nicht dies Fünklein aus, Mach ein helles Feuer draus; Laß es ungestöret brennen, Dich vor aller Welt bekennen! 5. Du hast meinen Grund geleget; Jesus, der mein Grundstein ist, Wird durch keine Macht beweget, Jhn verrücket keine List. Laß mich fest auf ihm bestehn, Nimmermehr zu Grunde gehn, Wenn sich Macht und Lift bemühen, Mich von Christo abzuziehen! 6. Jesu, hilf mir dir anhangen, D. Heilignng. 331 Wie das Schaf am Hirten hängt,| So versiegle mir im Tod, Was Stets im Glauben dichumfangen, ich dir geglaubt auf Erden, Und Wie mich deine Gnad' umfängt! laß es zum Schauen werden! Benjamin Schmolck 1734. Kommt es dann zur letzten Not, Eigene Mel.( Luk. 13, 24. Philipp. 2, 12. 1 Mof. 19, 17. 22.) 412. Ringe recht, wenn Halte männlich, was du haft! Gottes Gnade Sich erbarmend zu dir kehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert! Recht beharren ist das beste; Rückfall wird zur schweren Last. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen Nach der schnöden Eitelkeit; Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe träge Sicherheit! 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gieb der Lust den Zügel nicht! Willst du die Begierden stillen, SoverlischtdasGnadenlicht. 11. Wahre Treu' liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Fleischespflege, Hält kein Unrecht sich zu gut. 12. Wahre Treu' kommt dem Getümmel Dieser Welt niemals zu nah'; Denn ihr Schatz ist in dem Himmel, Drum ist auch ihr Herz allda. 13. Dies bedenket wohl, ihr Streiter! Kämpfet recht und leidet euch, Dringet alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich! 2. Ringe! Denn die Pfort' ist enge, Und der Lebensweg ist schmal; Alles bringt dich ins Gedränge, Was nicht zielt zum Himmelsfaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut undLe ben, Dring hinein in Gottes Reich; Will der Feind dir widerstreben, Werde weder matt noch weich! 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, Daß die erste Liebe dich Völlig von der Welt abziehe! Halbe Liebe täuschet sich. 5. Ring mit Beten und mit Flehen, Halte damit feurig an; Laß den Eifer nicht vergehen, Wär's auch Tag und Nacht gethan! 6. Hast du dann die Perl' errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse schon bezwungen; Des ist noch viel zu thun! 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr! Denn in dieser Welt voll Fehle Schwebst du stündlich in Gefahr. 8.Blick aufs ew'geKleinod feste, 14. Gilet, zähletTag' undStunden, Bis der Heiland euch erscheint Und, wann ihr nun überwunden, Ewig euch mit Gott vereint! Johann Joseph Winkler 1714. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Aus Gnaden soll ich zc.( Phil. 3, 12-14.) 413. Nicht, daß ich's schon| ein, Fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, Durch die der andern Tugend fällt, So werde nichts dein Herz verführen; Doch jedes Herz hat seine Welt: Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, Hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 332 ergriffen hätte! Die beste Tugend bleibt noch schwach. Doch, daß ich meine Seele rette, Jag' ich dem Kleinod eifrig nach; Denn Tugend ohne Wachsamkeit Verliert sich bald in Sicherheit. 2. Solang ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wann sein Nächster fällt, noch steht! Auch die bekämpfte böse Lust Stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend, Oft ist sie nur das Werk der Zeit; Die wilde Hike roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit, Und was Natur und Zeit gethan, Sieht unser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Ändrung deiner Seele Ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quäle, Und dämpfst sie; doch du wechselst nur: Dein Herz fühlt einen andern Reiz, Dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Gunst und Eigenliebe, Was andern strenge Tu gend scheint. Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe Erweckten dir so manchen Feind; Du wirst behutsam, schränkst dich 7.Oftschläft der Trieb in deinem Herzen: Duscheinstvon Rachsucht dir befreit; Jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, Und sieh, dein Herz wallt auf und dräut Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wann wir der Stille pflegen, Das Herz im stillen tugendhaft; Kaum lachet uns die Welt entgegen, So regt sich unsre Leidenschaft; Wir werden im Geräusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, will's seine Liebe, Jhm auch die liebste Neigung auf? Dies ist das Auge, dies der Fuß, Die sich der Christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zur Ruh' und Stille, Die Welt und liebst die Einsamkeit; Doch bist du, fordert's Gottes Wille, Auch dieser HEL D. Heiligung. 333 zu entfliehn bereit? Dein Herz, allen Lastern sollst du rein, zu haßt Habsucht, Neid und Zank; aller Tugend willig sein. Flieht's Unmut auch und MüBiggang? 12. Sei nicht vermessen; wach und streite, Denk nicht, daß du schon gnug gethan! Dein Herzhat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall; Drum wache stets, wach überall! Christian Fürchtegott Gellert 1757. 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Bist mäßig; liebst du auch Geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; Vergiebst du Feinden auch die Schuld? Von Mel. Wie wohl ist mir zc. oder: Mein Schöpfer, der mit Huld zc. ( 2 Mos. 33, 14. Pf. 32, 8. But. 9, 57.) 414. Gottes Sohn, du Licht und Leben, D treuer Hirt, Immanuel! Nur dir hab' ich mich übergeben, Nur dir gehöret Leib und Seel'. Ich will mich nicht mehr selber führen, Du sollst als Hirte mich regieren; So gehdenn mit mir aus und ein! Ach Herr, erhöre meine Bitten und leite mich auf allen Tritten! Ich gehe keinen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten, Dein Wort muß ewig feste stehn; Du sprichst: Mein Auge soll dich leiten, Mein Angesicht soll vor dir gehn." Ja dein Erbarmen, deine Güte Umfaß allmächtig mein Gemüte! O daß ich nur recht kindlich sei, Bei allem zu dir gläubig flehe Und stets auf deinen Wink nur sehe, So stehest du mir täglich bei! 3. Du weißt allein die Friedenswege, Auch das, was mir den Frieden stört; Drum laß mich meiden alle Stege, Wo Welt und Sünde mich versehrt. Ach daß ich nimmer von dir irrte, Noch durch Zerstreuung mich verwirrte, Auch nicht durch einen guten Schein! O halte meine Seele feste, Hab acht auf mich aufs allerbeste, Lehr beten mich und wachsam sein! 4. Herr, mach mich kindlich, treu und stille, Daß ich dir immer folgen kann; Nur dein, nur dein vollkommner Wille Sei für mich Schranke, Ziel und Bahn. Nichts soll mich ohne dich vergnügen, Laß mir nichts mehr am Herzen liegen Als deines großen Namens Ruhm! Das sei allein mein Ziel auf Erden; Laß mir's durch nichts verrücket werden, Denn ich bin ja dein Eigentum! 5. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu C 334 XVII. Chriftlicher weihn! Laß mir dein Wort im Herzen bleiben Und in mir Geist und Leben sein, Daß ich nach deinem Wohlgefallen In Ehrfurcht möge vor dir wallen; Zeuch ganz zu dir die Seele hin! Vermehr in mir dein innres Leben, Dir unaufhörlich Frucht zu geben, und bilde mich nach deinem Sinn! 6. So lieb' und lob' ich in der Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht zc.( Gal. 6, 9.) 415. Seelen, laßt uns Gu-| Und trägt zehenfältig Früchte. Klein gesät und dennoch dicht, Fehlet in der Ernte nicht. tes thun, Gutes, und nicht müde werden! Wann es Zeit ist, wird man ruhn, O wie sanft! von den Beschwerden; Aber ruhen nicht allein, Dort wird auch die Ernte sein. Sinn und Wandei. Stille Und ruh' als Kind in deinem Schoß; Ich schöpfe Heil aus deiner Fülle, Das Herz ist aller Sorgen los; Ich sorge nur vor allen Dingen, Wie ich zum Himmel möge dringen; Ich bin zu deinem Dienst bereit. Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; Was du nicht bist, das laß zerrinnen, Dreiner Glanz der Ewigkeit! Karl Heinrich von Bogatky 1736. 2. O daß wir an unsrer Zeit Auf die Ewigkeit hin lernten! Wer hier kärglich ausgestreut, Wird auch wiederkärglich ernten; Wer hier reichlich Gutes thut, Sammelt dort auch reiches Gut. 3. D daß nach dem Augenschein Keiner bloß das Säen richte! Manches Körnlein scheinet klein, 4. Lehr, o Gott, mich Gutes thun Und im Treusein nicht erliegen! Denn die Zeit dazu ist nun, Und sie wird so schnell verfliegen. Wenn man gleich was Kleines thut: Ift's nur gut, so ist es gut. 5. Stelle mir die Ernte für, Daß ich darf auf Hoffnung säen! Was wir thun und thun es dir, Lässt du nicht umsonst geschehen; Hat man kein Verdienst davon, Giebt die Gnade dennoch Lohn. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht zc.( Ps. 14, 7. Röm. 7, 24. 25.) 416. Mein Erlöser, schaue| Herz Bald in Unmacht niederdoch, Wie mein armer Geist ver- wärts. stricket, Mit geheimen Banden noch Ganz bedränget und gedrükket! Will ich los, so sinkt mein 2.3war es hat mich deineGnad' GrobenSünden längst entriffen; Ich hab' auch nach deinem Rat D. Heiligung. 335 Schon zu wandeln mich beflissen,| Und in reiner Liebestreu' Nur Daß vielleicht ein andrer wohl von dir abhängig leben, AbgeMich für fromm schon halten soll; schieden, willenlos, Von mir 3. Aber dein genauesLichtZeigt selbst und allem bloß? mir tiefer mein Verderben, Und wie ich nach meiner Pflicht Muß mir selbst und allem sterben, Und in wahrer Heiligkeit Vor dir le ben allezeit. 7. Komm, du lang verlangte Stund! Komm, du Lebensgeist von oben! Ach, wie soll mein froher Mund, Jesu, deine Treue loben, Wenn mich deine Liebesmacht, Dir zu dienen, frei gemacht! 8. Laß dein Evangelium Mir Gefangnem Freiheit schenken! Ich will als dein Eigentum Mich in dein Erbarmen senten; Ich will hoffen, warten, ruhn, Du wollst alles in mir thun. 4. Dies ist auch mein Wille wohl; Aber ach, es fehlt Vollbringen! Was ich auch verrichten soll, Thu' ich noch mit Last und 3wingen; Seh' ich dann mein Bestes an, So ist's doch nicht rein gethan. 5. Ach, wo ist der neue Geist, Den du willst den Deinen geben, Der den Sünden uns entreißt Und uns bringt dein reinesLeben, Der mit Herzenslust und Kraft Alles in und durch uns schafft? 6. Ach, wann wird mein Herz doch frei über alles sich erheben 9. Eignes Wirken reicht nicht zu, Du mußt selbst die Hand anlegen; Ich will still sein, wirke du, Dämpfe, was sich sonst will regen! Kehr zu meiner Seele ein, So wird mir geholfen sein! Gerhard Tersteegen 1729. Eigene Mel.( Matth. 12, 20. Suf. 22, 31. 32. Eph. 6, 10-20.) 417. Jesu, hilf siegen, du| wann mich Sünden der Jugend Fürste des Lebens! Sieh, wie die Finsternis dringet herein, Wie sie ihr drohendes Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein! Schau, wie sie sinnet auf allerlei Ränke, Daß sie mich sichte, verstöre und kränke! 2. Jesu, hilf siegen! Ach, wer muß nicht sagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, verklagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für! Ach, laß mich schmecken dein kräftig Verfühnen und dies zu meiner Demütigung dienen! 3.Jesu, hilf siegen, wann in mir die Sünde, Eigenlieb', Hoffart und Mißgunst sich regt, Wann ich die Last der Begierden empfinde und sich mein tiefes Verderben 336 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. darlegt! Hilf dann, daß ich vor| ten, Der du versprochen, Fürmir selber erröte Und durch dein sprecher zu sein! Wann mich die Leiden die Sündenlust töte! Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken! 4. Jefu, hilf siegen, und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches, und gieb, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb! Laß mich eindringen ins göttliche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen! 5. Jesu, hilf siegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in dein Wollenverhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt! Laß mich mir sterben und alle dem Meinen, Daß ich mich zählen darf unter die Deinen! 8. Jesu, hilf fiegen! Wann alles verschwindet, Wann ich mein Nichts und Verderben nur seh', Wann kein Vermögen zu beten sich findet, Wann ich bin wie ein verschüchtertes Reh: Herr, ach dann wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen! 6. Jesu, hilf siegen, und laß mich nicht sinken! Wann sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn! Steh mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister! 7. Jesu, hilf fiegen im Wachen und Beten! Hüter, du schläfft ja und schlummerst nicht ein. Laß dein Gebet mich unendlich vertre9. Jesu, hilf siegen, und laß mir's gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang'! So will ich ewig dir Lob und Dank fingen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held, dich so mächtig erwiesen! 10.Jefu, hilf fiegen, wann's nun kommt zum Sterben! Mach du mich würdig und stätig bereit, Daß ich mich nenne des Himmelreichs Erben Dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit! Jesu, dir bleib' ich auf ewig ergeben, Hilf du mir siegen, mein Heil, Trost und Leben! Johann Heinrich Schröder 1697. Mel. Werde munter 2c.( Micha 2, 13. Ebr. 12, 14.) 418. Durchbrecher aller| bist, Bei dem Schaden, Spott Bande, Der du immer bei uns und Schande Lauter Lust und Libibibi D. Heiligung. Himmel ist! Übe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so treu Gesichte Führet aus dem Kerker hin! 2. Ist's doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk; Hiezu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb' und Stärk, Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Ruhe statt. 337 und Plagen, Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr, zermalme, brich, zerstöre Diese Macht der Finsternis! Der preist nicht mehr deine Ehre, Den sie fort zum Tode riß. Heb uns aus dem Staub der Sünden, Wirf die Schlangenbrut hinaus; Laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht! Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht't, Sind wir gleich gering geachtet Bei den Leuten allezeit, Schnöd' gemacht und gar verachtet In des Kreuzes Niedrigfeit. 4. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Ob auch schon der Geist in Zeiten Sich auf etwas Beßres schickt! 5. Ach, erheb die matten Kräfte, Daß sie sich doch reißen los Und, durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen, stehen bloß! Weg mit Menschenfurcht und Zagen, Weich, Vernunftbedenklichkeit, Fort mit Scheu vor Schmach Evangelisches Gesangbuch. 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit; Wie du's nötig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit! Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche; Sieger, siege; König, brauch dein Regiment; Führe deines Reiches Kriege, Mach der Sklaverei ein End'! Denn die Last treibt uns zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn! 9. Laß, die teuer sind erworben, Nicht der Menschen Knechte sein! Denn so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen und verklärt ins beste Bild! Der hat Gnad' um Gnad' genommen, Welchen deine Füll' erfüllt. 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben; Laß mit dir gekreuzigt 22 338 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. sein, Was dein Reich nicht kann| sein! Werden wir doch als wie ererben; Führ ins Paradies uns träumen, Wann die Freiheit ein! Doch wohlan, du wirst nicht bricht herein! säumen, Laß nur uns nicht lässig Gottfried Arnold 1697. Himmlischer Sinn. Mel. Wachet auf! ruft zc.( Phil. 3, 20.) 419. Herr, welch Heil kann nem Angesichte Nun deines Va ters Herrlichkeit. Nicht Wahrheit nur, auch Ruh' Strahlst du uns, Gottmensch, zu, Seelenfrieden. Du hast's vollbracht! Des Jrrtums Nacht, Der Sünde dunkle Nacht ist hin. 4. Wenn die Seel' in tiefe Stille Versunken ist, wenn ganz ihr Wille Der Wille des ist, der sie liebt; Wenn ihr inniges Vertrauen, Jhr freudig Hoffen fast zumSchauen Emporsteigt; wenn sie wieder liebt Und nun wahrhaftig weiß, Dein Kampf und Todesschweiß, Gottverfühner, Dein Blut am Kreuz, Dein Tod am Kreuz Verfühn', o Herr, verfühn' auch fie: ich erringen, In welche Höhn darf ich mich schwingen, Mein Wandel soll im Himmel sein! O du Wort voll heil'gen Bebens, Voll Wonne, Wort des ew'gen Lebens: Jm Himmel soll mein Wandelsein! Ich sink'erstaunend hin, Empfinde, wer ich bin, Wer ich sein kann; Ich trage noch Des Todes Joch,- Im Himmel soll mein Wandel sein! 2. Schwing dich denn in diese Höhen Und lern im Lichte Gottes sehen, Wer du, verfühnte Seele, bist! Mit dem göttlichsten Entzücken Wirst du in diesem Licht erblicken, Wer, Seele, dein Verfühner ist: Du, durch sein Opfer rein Und stark, dich ihm zu weihn; Er, des Vaters Gleich ew'ger Sohn, Ruh', Heil und Lohn Der Glaubenden, ihr Herr und Gott. 3. Wort vom Anfang! Wunderbarer! O du der Gottheit Offenbarer! Den Erdkreis deckte Dunkelheit; Du erschienst, du Licht vom Lichte, Wir schaun in dei5. D dann ist ihr schon gegeben Ihr neuer Nam' und ew'ges Leben, Im Himmel ist ihr Wandel dann; Stark, den Streit des Herrn zu streiten, Sieht sie die Krone schon vom weiten, Die Kron' am Ziel, und betet an: Preis, Chr' und Stärk' und Kraft Sei dem, der uns erschafft, Ihm Himmlischer Sinn. 339 zu leben! Für uns verbürgt Bist| Herr, Herr, und Wunder deine du erwürgt! Anbetung, Ruhm und Dank sei dir! Werke; Dir und dem Lamm ſei Preis und Dank! Wie strahlt dein Angesicht Von Huld! Doch im Gericht Bist du heilig. Lobsingt dem Herrn, Die ihr dem Herrn Gestorben seid und sterben ſollt! Friedrich Gottlieb Klopstod 1760. 6. Preis sei dem, der auf dem Throne Der Himmel sitt; Preis sei dem Sohne! Gott und dem Lamme Preis und Dank! Weisheit sind und Gnad' und Stärke, Mel. Ich dank' dir schon zc.( Ebr. 13, 14.) 420. Erheb, o Seele, deinen Sinn! Was hängst du an der Erden? Hinauf, hinauf, zum Himmel hin! Denn du mußt himmlisch werden. 2. Was hat die Welt, was beut sie an? Nur Tand und eitle Dinge! Wer einen Himmel hoffen kann, Der schätet sie geringe. 3. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch Den Wunsch aufs Niedre lenken? Wer Gott zum Freund hat, denket hoch; So müssen Christen denken. 4. Kein Leiden, wenn's auch schwer mich drückt, Schlägt meine Hoffnung nieder; Ich schau' empor, und mich erquickt Der Herr doch endlich wieder. 5. Mein Teil ist nicht in dieser Welt, Ich bin ein Gast auf Erden; Ich soll, wann diese Hülle fällt, Ein Himmelsbürger werden. 6. Dort ist das rechte Kanaan, Wo Lebensströme fließen; Blick oft hinauf! Der Anblick kann Den Leidenskelch versüßen. 421. Himmelan, nur himmelan Soll der Wandel gehn! 7. Dort oben ist des Vaters Haus. Er teilt zum Gnadenlohne Den Überwindern Kronen aus; Kämpf auch um Ruh' und Krone! 8. Dort ist's den Engeln süße Pflicht, Gott ihren Dank zu bringen. D Seele, sehnest du dich nicht, Mit ihnen Lob zu singen? 9. Dort herrscht dein Heiland, Jesus Christ; Und du, frei von Beschwerden, Sollst ihm, durch den du selig bist, An Klarheit ähnlich werden. 10. Laß denn, Erlöser, mich schon hier Mein Herz zu dir erheben; Laß mich, entschlaf'ich einst in dir, Dort ewig mit dir leben! Württ. Gesangbuch( nach Liebich) 1791. Mel. Ruhe ist das beste Gut zc.( Phil. 3, 20.) Was die Frommen wünschen, kann Dort erst ganz geschehn, bebe 340 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. AufErden nicht: Freude wechselt| weil du sein Jünger bist, Seinem hier mit Leid; Richt hinauf zur Vorbild nach! Er litt und schwieg. Herrlichkeit Dein Angesicht! Halt dich fest an Gott wie er; Statt zu klagen, bete mehr; Erkämpf den Sieg! 7. Himmelan führt seine Hand Durch die Wüste dich, Ziehet dich im Prüfungsstand Näher hin zu sich Im Himmelssinn. Von der Weltlust freier stets Und mit ihm vertrauter geht's zum Himmel hin. 8. Himmelan führt dich zulett Selbst die Todesnacht. Sei's, daß sie dir sterbend jetzt Kurze Schrecken macht, Harr aus, 2. Himmelan schwing deinen Geist Jeden Morgen auf! Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, Unser Pilgerlauf! Fleh täglich neu: Gott, der mich zumHimmel schuf, Präg ins Herz mir den Beruf, Mach mich getreu! 3. Himmelan hat er dein Ziel Selbst hinaufgestellt. Sorg nicht mutlos, nicht zu viel Um den Tand der Welt! Flieh diesen Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, Dir von Schäßen dort erstrebst, Das ist Gewinn. 4. Himmelan erheb dich gleich, Wann dich Kummer drückt, Weil dein Vater, treu und reich, Stündlich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben in dem Land des Lichts Weiß man von den Sorgen nichts; Sei himmlisch froh! 5. Himmelan wallt neben dir Alles Volk des Herrn, Trägt im Himmelsvorschmack hier Seine Lasten gern. O schließ dich an! Kämpfe drauf, wie sich's gebührt; Denke: auch durch Leiden führt Die Himmelsbahn! 6. Himmelan ging Jesus Christ Mitten durch die Schmach; Folg, harr aus! Auf die Nacht wird's ewig hell; Nach dem Tod erblickst du schnell Des Vaters Haus. 9.Hallelujah! Himmelan Steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Scharen nahn, Und Gott naht zu dir In Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei, Alles jauchzt, verklärt und neu, In Ewigkeit. 10. Hallelujah singst auch du, Wann du Jesum siehst, Unter Jubel ein zur Ruh' In den Himmel ziehst. Gelobt sei er! Der vom Kreuz zum Throne stieg, Hilft auch dir zu deinem Sieg; Gelobt sei er! Johann Gottfried Schöner 1806. 44144 E. Nächstenliebe. 2. Liebe kann uns alles geben, Was auf ewig nüßt und ziert, Und zum höchsten Standerheben, Der die Seelen aufwärts führt. Menschen oder Engelzungen, Wo sich keine Lieb' erweist, Wie beredt man sonst sie preist, Wie beherzt sie angedrungen, Sind ein flüchtiger Gesang, Sind ein Erz- und Schellenklang. da E. Nächstenliebe. Mel. Gott, mein Gott, dir will ich fingen 2c.( 1 Kor. 13.) 422. Unter jenen großen 4. Hätt'ich alle meine Habe Mild Gütern, Die uns Christus zuge- den Armen zugewandt, Opfert' teilt, Ist die Lieb' in den Gemü- ich mich selbst dem Grabe, Scheut' tern Wie ein Balsam, der sie ich nicht der Flammen Brand, heilt, Wie ein Stern, der herr- Gäb' ich meinen Leib auf Erden lich blinket, Wie ein Kleinod, deffen Preis Niemand zu benennen weiß, Wie die Schönheit, die uns winket, Und die Lust, die jedermann Zwingen und vergnügen kann. 3. Was ich von der Weisheit höre, Der Erkenntnis tiefer Blick, Die geheimnisvolle Lehre Und des Glaubens Meisterstück, So der Berge Grund versetzet, Und was sonst den Menschen ehrt, Das verlieret seinen Wert; Alles wird für nichts geschäßet, Wenn sich nicht dabei der Geist, Der die Liebe wirkt, erweist. 341 Ihnen zu verzehren hin, Und behielte meinen Sinn: Würd' ich doch nicht besser werden, Bismich wahre Lieb' erfüllt', Die aus Gottes Herzen quillt. 5. Glaubensfieg und Hoffnungsblüte Führt uns tröstend durch die Welt, Bis das irdische Gebiete Und der Schöpfungsbau zerfällt; Nur der Liebe weite Grenzen Strecken sich in Ewigkeit, Alle, die sich ihr geweiht, Werden unaufhörlich glänzen. Glaub' und Hoffnung bleiben hier, Liebe währet für und für. 6. D du Geist der reinen Liebe, Der von Gott du gehest aus, Laß mich spüren deine Triebe, Nimm dir hin mein Herz und Haus! Was in mir sich selbst nur suchet, Es nicht treu mit andern meint, Haß ist und nur Liebe scheint, Laß mich halten als verfluchet! Lenke meinen ganzen Sinn, Geist der Lieb', zur Liebe hin! Ernst Bange 1711. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Herzlich thut mich zc.( Mart. 12, 33. 1 Kor. 13.) 423. Nicht Opfer und nicht| Engelzungen Hoch reden ohne Gaben, Auch Ruhm und Ehre nicht, Noch was sonst Sünder haben, Befreit uns vom Gericht. Nur Jesu Liebe bleibet, Sie ist vonEwigkeit; Was außer ihr uns treibet, Verschwindet mit der Zeit. 2.Siegiebt unsKraft und Leben, Bricht jeden Bann entzwei, Lehrt helfen, trösten, geben, Macht von der Lüge frei. Sie muß gerecht uns machen, Los von der Sündenlust, Zum Beten und zum Wachen Bewegen unsre Brust. 3. Sie ist die höchste Zierde, Des Christentumes Kern; Sie gilt als schönste Würde Und Krone vor dem Herrn. Was hilft's, mit Herz? Wen Liebe nicht durchdrungen, Der ist ein totes Erz. 4. Geheimnisvolle Lehren Und starker GlaubenssinnStehnnicht bei Gott in Ehren, Wenn Liebe nicht darin; Der treibt nur arm Geschwäße, Wer kalt und liebeleer Der größten Weisheit Schäße Darleget um sich her. 5. Der Vater ist die Liebe, Der Sohn istLieb'allein, Des heil'gen Geistes Triebe Sind Liebe, heiß und rein. Das ist die Lebensquelle Vom Vater und vom Sohn: Mach unsre Seelen helle, Du Strom von Gottes Thron! Johannes Rothen 1833. 342 Mel. Alles ist an Gottes Segen zc.( 1 Joh. 3, 14-18.) 424. Nur wo Lieb' ist, da ist| Sie zu richten, ziemt dem Herrn. Freut's dich, daß sie sind gebunden? Spottest du ob ihren Wunden? Komm und hilf fie heilen gern! 4. Wenn sie deine Liebe schmähen, Zornig aus dem Weg dir gehen, Dann befiehl sie deffen Rat, Der, die Armen, Toten, Blinden Von dem Elend zu entbinden, Tausend Liebeskräfte hat. Wahrheit; Ohne fie giebt's keine Klarheit, Finster sind wir ohne sie. Heuchelnd wirst vor Gott du treten, Wenn du nicht bedenkst beim Beten, Daß er dich zum Bruder zieh'. 2. Denke nicht, der Herzensprüfer Schau'von deinem Wort nicht tiefer Auf des Herzens Sinn und Rat; Haffest du den Feind, so wisse, Daß das Reich der Finsternisse Deinen Geist gebunden hat. 3. Nur die Sünde sollst du has sen, Aber Sünder mild umfassen; - 5.Glaub's, deinLieben und Verzeihen Wird zum Frieden dir gedeihen Bei dem Herrn, der Frie E. Nächstenliebe. 343 den ist. Nenn, o Mensch, nur| Lern im Lieben ihn erreichen Unwenn du liebest, Wenn mit Christo du vergiebeft, Dich mit seinem Namen: Christ! 6. Selbst die Gabe, die du giebest, Wiegt nicht schwerer, als du liebest; Liebe geht den Gaben vor. Schwerer wiegt oft eine Zähre, Die voll Mitleids Gott zur Ehre Aus dem Auge dringt empor. 7. Wie die Sonn' am Himmel stehet, Freud' auf Gut' und Böse säet, Also sei dein Christenherz! Lern in Liebe Christo gleichen, ter Freuden, unter Schmerz! 8. In den trübsten Leidensstunden, Überdeckt mit Todeswunden Hing am Kreuze Gottes Sohn, Litt für uns, für seine Feinde, Die er rufet zur Gemeinde, Todesqual und Mörderhohn. 9. Willst mit göttlichen Gefühlen Du in leeren Worten spielen, Und doch Christi Jünger sein? Geh zu ihm und lerne leben, Lern im Leben das Vergeben, Im Vergeben selig sein! Bearbeitet von Albert Knapp 1837. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( Matth. 5, 5. Eph. 4, 1-6.) 425. Ach Jesu, gieb mir sanf-| Soll nicht auch mein Herz sein beten Mut, Nach deinem Wort zu leben! Ich bin ein schwaches Fleisch und Blut; Sollt' ich dir widerstreben? Sollt' ich noch üben Rach' und Zorn? Wie kann ein Christ, ein süßer Born, Solch bitter Wasser geben? reit, Aus rechter Lieb' und Einigkeit Den Bruder zu umfassen? 4. Komm, Bruder, komm, reich her die Hand, Mein Herze dir vergiebet; Laß deinen Zorn nicht sein entbrannt: Ein Christ den andern liebet. Wer wie sein lieber Meister thut, Der brennet von der Liebe Glut, Drin er sich stätig übet. 2. Ein Vater hat nach seiner Macht Geschaffen uns zu Kindern; Ein Herr das Leben wiederbracht Uns, den erstorbnen Sündern; Ein guter Geist uns auch regiert Und zu des Himmels Freude führt, Wenn wir ihn nicht verhindern. 5. Wir tragen all' an einem Joch; Da wir uns Glieder nennen, Was wollen sich die Glieder doch An einem Leibe trennen? An rechter Lieb' und Freundlichfeit Kann man den Christen allezeit Als Gottes Kind erkennen. 6. Wir haben alle Gottes Gnad' In einem Herrn zu finden; 3. Wie kann ich doch als Gottes Kind Den schwachen Bruder hafsen, Da mir so große Schulden sind Von meinem Gott erlassen? XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 344 Ein Born im heil'gen Wafferbad Macht rein uns von den Sünden; Ein Leib und Blut uns alle speist: Wie sollte nicht ein Herz und Geist Uns allesamt verbinden? 7. Da wir nun haben einen Geist, Wie kannst du ,, Racha" sprechen? Da dein Leib Gottes Tempel heißt, Wie kann ich ihn zerbrechen? Ach, Bruder, laß uns zürnen nicht, Daß uns nicht treff' ein hart Gericht; Gott müßte selbst es rächen. 8. Du aber, Herr, erwecke mich Durch deines Geistes Triebe! Mit Lindigkeit erweise sich Am Feinde selbst die Liebe. Ein güt'ger Sinn und stiller Mut Ift auf des Gegners Haupt wie Glut: Wer da feindselig bliebe? 9. Fällt jemand, strauchelt und begeht, Was nimmer ist zu loben: Wenn mir der Wind zuwider weht, Sollt' ich mit Zürnen toben? Gieb, Jesu, daß ich allezeit, Entfernt von aller Bitterkeit, Ablege Sanftmutsproben! Johann Mautisch 1656. Mel. Auf, Christenmensch 2c.( Matth. 5, 44-48.) 426. Du schenkst voll Nach-| 4. Sei, Seele, wert der Seligsicht und Geduld Auch Bösen deinen Segen, Erzeigst uns allen gleiche Huld Im Sonnenschein und Regen: Hilf mir zu meiner eignen Ruh' Die Feinde lieben, Gott, wie du! keit, Dich selbst zu überwinden; Duld und vergieb, denn Gottverzeiht Und straft nicht deine Sünden; Nicht Rache, Segen rufe du, Begnadigte, dem Feinde zu! 5. Auch mein Beleidiger hat teil Am Heiland aller Sünder; Mit Blut erkauft' auch ihn zum Heil Der Todesüberwinder; An mich und ihn ergeht der Ruf Des Gottes, der uns beide schuf. 2. Jch Sünder, dem noch Rache glüht Im heuchlerischen Herzen, Der noch sein Wohlgefallen sieht An seiner Feinde Schmerzen, Jch trete vor dein Angesicht, DuGott der Lieb', und zittre nicht? 3. Wie könnt' ich hoffen, Trost im Tod, Huld im Gericht zu finden, zu dir noch flehen: Richte, Gott, Mich nicht nach meinen Sünden! Hört' ich nicht deine Stimm' in mir: Wie du vergiebst, vergiebt Gott dir! 6. D möchte Jesu Beispiel doch Mich Feindesliebe lehren! O könnt' ich meinenHaffer noch zur Seligkeit bekehren! Wie herzlich würd' es mich erfreun, Der Retter meines Feinds zu sein! 7. Wie wird er mich am Weltgericht Dann Freund und Bruder Lihi bibi E. Nächstenliebe. nennen, Mirdanken und sich ewig nicht Von meiner Seite trennen, Und Gott erhöhen, dessen Hand Uns für die Ewigkeit verband! 8. Wie gern will ich, Gott, auf dein Wort Haß und Verfolgung 345 leiden! Wie gern verzeihn, da du mir's dort Vergiltst mit ew'gen Freuden! O Wonne, wenn sich dort mein Feind Mit mir zu deinem Lob vereint! Balthasar Münter 1773. Mel. Auf, Christenmensch zc.( 1 Joh. 4, 20. 21. Jaf. 2, 13.) 427. So jemand spricht: ,, ich liebe Gott", Und haßt doch seine Brüder, Der treibt mit Got tes Wahrheit Spott Und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb' und will, daß ich Den Nächsten liebe gleich als mich. 2. Wir haben einen Gott und Herrn, Sind eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern, Denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, Mein Nächster ist sein Kind wie ich. 3. Ein Heil ist unser aller Gut; Ich sollte Brüderhaffen, DieGott durch seines Sohnes Blut Sohoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich verfühnt, Hab' ich dies mehr als sie verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du, Herr von meinen Tagen; Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, Dem Kleinsten auch von diesen, Das sieht er, mein Erlöser, an, Als hätt' ich's ihm erwiesen; Und ich, ich sollt' ein Mensch noch sein, Und Gott in Brüdern nicht erfreun? 428. Wer dieser Erde Güter hat, Und sieht die Brüder leiden, und macht die Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht fleiden: Der ist ein Feind der 6. Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Dernicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihn flehen. Drumgiebmir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preiſt! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Auf, Christenmensch zc.( 1 Joh. 3, 17. 18.) ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht. 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich ſein bbbbb 346 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Feind vergeht, Und nichts zum| fehlet: Wie bleibt bei seinem UnBesten kehret, Nicht dem Ver- gestüm Die Liebe Gottes wohl leumder widerspricht: Der liebt in ihm? auch seinen Bruder nicht. 3. Wer zwar mit Rat, mit Trost und Schuß Den Nächsten unterstüzet, Doch nur aus Stolz, aus Eigennuß, AusWeichlichkeit ihm nüzet, nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 6. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rat und That nicht wachet, Dem Übel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet, Nur sorglos ihnen Gaben giebt: Der hat sie wenig noch geliebt. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn Ein Dürftiger erscheinet, Nicht eilt dem Frommen beizustehn, Der im Verborgnen weinet, Nicht gütig forscht, ob's ihm gebricht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer andre, wenn er sie beschirmt, Mit Härt' und Vorwurf quälet, und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster 7. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die That zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünscheft dir die Kraft dazu Und sorgst dafür, so liebest du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, So such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die Lieb', und mir Hat er sein Bild gegeben! Dentoft: Gott, was ich bin, ist dein; Sollt' ich, gleich dir, nicht gütig sein? Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Der du das Los 2c.( Röm. 12, 9-16.) 429. Herr, Lehre du mich| tus, lehre Mein Herz dem deideinen Willen Mit Kindesfreu- nen ähnlich sein! digkeit erfüllen: Dein Will' ist lauter Seligkeit! An dir laß meine Seele hangen, Sei du mein einziges Verlangen, Du Freude mir, die nie gereut! 2. D Liebe, lehre du mich lieben, In Demut und Geduld mich üben, Mich jeder fremden Freude freun! Die Liebe ist der Menschheit Ehre; D Liebe, Jesus Chris 3. Mein Herz, das oft sich sträubt und wendet, Sich oft mit Schein der Liebe blendet Und o wie oft noch haßt und dräut: Ower wird dies mein Herz entzünden? Wer lehrt mich schnell und tief empfinden Die Freuden der Verföhnlichkeit? 4. Du kennest meiner Liebe Schwäche, Nur auf des Herzens E. Nächstenliebe. 347 Freude: still erfreun! Oberfläche Schwebt fie,- und Luft ist: geben, und deine all mein Herz willst du! Ganz reine Lieb' ist, Gott, dein Wille; O ströme mir aus deiner Fülle Der Liebe Himmelsfreuden zu! 6.D Jesus Christus, das Entzücken Der Liebe quillt aus deinen Blicken, Aus deinem Herzen 5. D Liebe, lehre mich mit Freundlichkeit! D Liebe, daß ich Freuden Das Beste thun, das Liebe wäre! O Liebe, Jesus Schlimmste leiden, Und immer Christus, lehre Mich deiner froh in Liebe sein! D Liebe, du Liebe Seligkeit! bist Gottes Leben, D Liebe, deine Johann Kaspar Lavater 1776. Mel. O Gott, du frommer Gott zc.( Pf. 133.) 430. Von dir, o treuer Gott, Muß Fried' und Eintracht kommen, Der du uns gnadenvoll Zum Frieden aufgenommen. Die Eintracht hast du lieb, Du lohnst ihr ewig wohl Und Lehrest, wie man sie Im Glauben üben soll. 2. Drum flehen wir zu dir Um deines Geistes Gabe, Daß jeder unter uns Ein Herz voll Frieden habe. Gieb, daß wir allesamt Im Guten einig sei'n; So sammeln wir gesamt Die Frucht des Friedens ein. 3. Laß eins dem andern stets Zum edlen Balsam werden, Daß ein bedrängtes Herz In allerlei Beschwerden Von seinem Nächsten Trost Und Hilfe kommen seh', Und daß ein Bruderherz Das andre nicht verschmäh'. Mel. Nun sich der Tag 2c.( Offenb. Joh. 3, 20. Matth. 25, 40.) 431. Christ, wenn die Armen manchesmal Vor deiner Thüre stehn, Merk auf, ob nicht in ihrer Zahl Der Herr sei un geſehn! 4. Laß uns in Einigkeit Stets beieinander wohnen, Und trag uns allezeit Mit gnädigem Verschonen; Laß unter deinem Volk Die Eintracht herrlich blühn, Bis wir aus Krieg und Streit zum ew'gen Frieden ziehn!. Knapps Liederschatz 1837. 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang Erschallt zu dir herein, Horch auf, ob seiner Stimme Klang Nicht möchte drunter sein! 3. D nicht so fest und eng verschließ Die Thüren und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stieß', Was träfe den fürSchmerz! 4. Drum öffne gern und mitleidsvoll Dem Flehenden dein Haus, Und reiche mild der Liebe Zoll Dem Dürftigen hinaus! 5. Denn ehe du dich's wirst blabla XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 348 versehn, Ist's dein Herr, Jesus Christ; Der wi durch deine Thüre gehn, Weil sie so gastlich ist. 6. Und ehe du ihn noch erkannt, Der arm erschien vor dir, Erhebt er seine heil'ge Hand Zum Segen für und für: 7. Zum Segen über deinen Tisch Und über all dein Gut Allgemeine Fürbitte. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( 2 Theff. 3, 1. 2.) 432. Vater, sieh auf unsre Brüder Auch von deinem Thron hernieder, Wo man Hilf' und Trost gewinnt; Schüße sie in Schmach und Schanden, Rette sie aus ihren Banden, Wenn sie in der Drangsal sind! 2. Unter ihrer Feinde Schnauben Gründ und mehre ihren Glauben, IhreHoffnung und Geduld; Halte sie bei deinem Sohne, Mach sie froh mit jenem Lohne, Tröste sie mit deiner Huld! 3. Stärke sie mit Lebensworten, Sei ihr Licht in dunkeln Orten, Fülle sie mit deinem Geist, Höre ihr geheimes Sehnen, Zähle ihre Und über deine Kinder frisch Und deinen frohen Mut; 8. Zum Segen über deine Zeit, Die du hienieden gehst, Und über deine Ewigkeit, Da du dort oben stehst, 9. Dort oben, wo er dann die Thür' Dir auf mit Freuden thut, Wie ihm und seinen Brüdern hier Du thatst mit frommem Mut. Wilhelm Hey 1835. 433. Für alle Menschen beten wir, O Vater, wie für uns zu dir: Gieb, der du aller Vater stillen Thränen, Laß sie sehn, was du verheißst! 4. Laß sie deinen Ruf stets wecken, Daß kein Locken und kein Schrecken Ihren Seelen schädlich sei; Steh im Reden und im Schweigen, Im Erdulden und im Zeugen Ihnen als Fürsprecher bei! 5. Jesu, der du selbst gelitten Und vor uns mit blut'genSchritten Aus der Welt zum Vater gingst, Zeige ihnen von dem Throne, Daß du dort die Lebenskrone Auch für ihr Haupt schon empfingst! Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein zc.( 1 Tim. 2, 1-4.) bist, Gieb jedem, was ihm heilsam iſt! 2. Du fandtest deinen ein'gen Allgemeine Fürbitte. Sohn Für alle von des Himmels Thron; Verbreite, Herr, sein Licht und Recht Beim ganzen menschlichen Geschlecht! 3. Bring alle Völker in dein Reich, Die letzten mach den ersten gleich; Und schaffe bald zu deinem Ruhm Dir überall ein Heiligtum! 7. Verlaß sie nie in Kreuz und Not Und steh bei ihnen auch im Tod, Daß ihre Seel' ohn' Angst und Weh Vollendet einst zur Heimat geh'! 8. Hör unser kindliches Gebet, Das allen Menschen Heil erfleht; Laß sie gesegnet sein in dir, Daß wir dich preisen für und für! Württ. Gesangbuch( nach Cramer) 1791. 4. Auch die Verirrten bringe du Der Herde Christi wieder zu; Mach sie im Glauben fest und treu, Daß auch ihr Wandel lauter sei! 349 Joch; Gieb ihnen, Herr, zur Buße Zeit, zu schaffen ihre Seligkeit! 6.Gieb deinen Frommen frohen Mut, Bewahr ihr Leben und ihr Gut, Und richte ihres Geistes Blick Stets hin aufs ew'ge Lebensglück! 5. Ach viele, viele tragen noch Des Sündendienstes schweres Christliche Freundschaft. Mel. Gott, mein Gott, dir will ich singen 2c.( Sir. 6, 14-17. 1Sam. 18, 1-5.) was wären meine| gab, Die, bereit bis an das Grab Mit zu danken, mit zu leiden, Deine treue Baterhand Mir so unverdient verband! 434. Freuden, Zeilte sie kein Freund mit mir! Und wie trüg' ich meine Leiden, Irrt' ich öd' und einsam hier, Wär' ich wie in Wüsteneien Auf die Erde hingebannt, Lebt' allein und unbekannt, Müßte ohne Freund mich freuen, Fände hier in Freud' und Schmerz Nie ein gleichgestimmtes Herz? 2. Dank dir, Herr, mit Herz und Munde, Daß in treuer Freunde Schoß Mir so manche frohe Stunde Wie ein Augenblick verfloß! Dank für alle reine Freuden, Die mir deren Liebe 3. Dank, daß du auf meinem Wege Manchen Freund mir zugeführt, Der, werd' ich oft matt und träge, Oder wenn ich, leicht verirrt, Von dem richt'gen Pfade wanke, Mir voran zum Ziele wallt; Mit der sanfteren Gewalt Milder Freundschaft, wenn ich schwanke, Mein Fuß gleitet, strauchelt, fällt, Dann mich Schwachen fest erhält! 4. Dank, daß viel der bessern 350 XVII. Chriftlicher Seelen, mir ein Segen und der Welt, Mich zu ihren Freunden zählen, Von dir selbst mir zugesellt; Die das Gute mit mir teilen, Das mir deine Güte schenkt, Gern, wenn mich ein Kummer kränkt, Meiner Seele Wunden heilen, Mich erheben, wenn ich sank: Preis dir, Vater, Preis und Dank! 5. Dir geheiligt sei die Freude, Die für mich aus Freundschaft quillt, Voll Erquicung, wenn ich leide, Immer rein und sanft und mild; Nur an frommer Freunde Händen, Die, o Heiliger, sich dir Ganz zum Opfer weihn mit mir, Sei mir wohl! O dann vollenden Schnellern Schritts wir unsern Lauf, Und der führt zu dir hinauf! Sinn und Wandel. 6. Alle, die mich nah und ferne Lieben, Allbarmherziger, Segne sie- du segnefst gerne- Segne sie, Allgnädiger! Ihrer Seele stilles Sehnen, Ihr Bedürfnis, ihr Gebet, Das vielleicht für mich jett fleht, Ihre Freuden, ihre Thränen, Jhre leiſeste Begier, Alles, Herr, empfehl' ich dir. 7. Hebe, wann der Tod die Bande, Die uns binden, nun zerreißt, Zu der Freundschaft Vaterlande, Zu dem Himmel unsern Geist! Drüben laß uns wieder finden, Was hier unsrer Lieb' entfloh, Doppelt glücklich, doppelt froh, Himmlischer uns dann verbinden Dort, o Vater, wo verklärt Unsre Freundschaft ewig währt! August Hermann Niemeyer 1782. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. a) Weisheit. Mel. Herr Christ, der einig Gott's Sohn zc.( 1 Kor. 2, 6.) 435. Die Weisheit dieser Erden Ist noch die wahre nicht; Sie wird zur Thorheit werden Im göttlichen Gericht. Herr, mache dir zum Preise Mich zu dem Himmel weise Und sende mir dein Licht! 2. Wüßt' ich, was Schul' und Staaten Auf Erden glücklich macht, Wie wäre mir geraten, Wenn mein Gewissen wacht, Und ich bin nicht daneben Auf ein unendlich Leben zu meinem Heil bedacht? 3. Was helfen mir Verdienste, Wenn ich ein Sünder bin? Was nüşen mir Gewinste, Wenn ich nicht den gewinn', Auf den wir selig sterben, mit dem wir ewig erben? Was hat man ohne ihn? 444 F. Ginzelne Tugenden und Pflichten. 4. Gott nur als Gott erkennen, Das hat noch wenig Lohn; Man soll ihn Vater nennen In Jesu, seinem Sohn. Das sind die wahren Weisen, Die nur die Weißheit preisen Von Christi Kreuz und Thron. 351 5. D Geist der Weisheit, präge Mir meinen Heiland ein, Und richte meine Wege Auf dieses Ziel allein! So geh' ich nicht verloren, So sterb' ich nicht wie Thoren, So werd' ich selig sein. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Werde munter 2c.( Eph. 5, 15-17. Hiob 28, 28. Jat. 3, 13-18.) 436. Gieb die Weisheit mei-| Und sich hüten vor den Freuden, ner Seele, Daß ich deines Wortes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle Und ihm trau' mit Zuversicht! Denn die Klugheit dieser Welt, Die der Thor für Weisheit hält, Fördert nicht mein Wohlergehen und wird nie vor Gott bestehen. Die der Sünde Dienst gewährt; Menschenruhm, der bald verbleicht, Luft, die im Genuß schon fleucht, Nicht für seinen Himmel achten, Nein, nach Gottes Nähe trachten. 2. Weisheit ist es: darnach trachten, Recht mit sich bekannt zu sein, Sich nicht für vollkommen achten, Allen Eigendünkel scheun, Gern auf seine Fehler sehn, Sie gebeugt vor Gott gestehn, Eifrig stets nach Beßrung streben, Und sich des doch nie erheben. 3. Weisheit ist es: Christum ehren, Ihm als Heiland ganz vertraun, So auf seine Stimme hören, So auf seinen Wandel schaun, Daß man falsche Wege flieht, und mit Eifer sich bemüht, Seinem Bilde hier auf Erden Immer ähnlicher zu werden. 4. Weisheit ist es: alles meiden, Was mit Reu'das Herz beschwert, 5.Weisheit ist es: Gottes Gnade Sich zu seinem Ziel ersehn Und auf seiner Wahrheit Pfade Ew'gem Heil entgegengehn; Gern nach Gottes Willen thun, Froh in seiner Fügung ruhn, Und wann Leiden uns beschweren, Ihn durch frohe Hoffnung ehren. 6. Weisheit ist es: stets bedenken, Daß wir hier nur Pilger sind, Und sein Herz auf das nur lenken, Was nicht mit der Zeit verrinnt; Seine Augen unverwandt Nach dem ew'gen Vaterland Richten und mit Eifer streben, Für die Ewigkeit zu leben. 7. Diese Weisheit ist auf Erden Unsrer Seele bestes Teil; Die von ihr geleitet werden, Deren Weg ist Licht und Heil. Dieſe 352 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Weisheit kommt von dir, Herr,| zu allen Zeiten Auf den Weg des verleihe sie auch mir; Laß sie mich Friedens leiten! Nach Johann Anastasius Freylinghausen 1714. Mel. Gott des Himmels und der Erden 2c.( Luk. 10, 42. 1 Ror. 1, 18-31.) 437. Eins nur wollen, eins nur wissen: Jesum, GottesHerrlichkeit, Und die Weltlust fliehn und missen, Heißt vor Gott Einfältigkeit. Ist ein Herz auf dies gestellt, So gefällt es nicht der Welt. 2. Das ist Klugheit edler Seelen, Das ist geistlicher Verstand, Will ein Mensch dasHöchste wählen, Will er strecken seine Hand Nach dem Lebensbaum allein: Könnte er dann weiser sein? 3. Einfalt ist es: eins erblicken, Das dem Herzen ganz genug; Das, was ewig kann erquicken, Nur verlangen, das ist klug. Seist du vor der Welt alsdann Als ein Thor, was liegt daran? 4. Was die Menschen Klugheit nennen, Ist oft blinder Unverstand; Was der Weltfinn will gewinnen, Bringt um jenes Vaterland. Sollte das nicht Thorheit sein? Dieses sieht die Einfalt ein. 5. Lieber aller Welt mißfallen, Als zum Himmel ungeschickt! Wo ist in den Dingen allen Etwas, das den Geist erquickt? Gar nichts ist in dieser Welt, Das der Einfalt wohlgefällt. 6. Menschenaugen, die noch schielen Da und dorthin in der Welt, Heimlich noch mit Sünde spielen, Die dem Fleisch nur wohlgefällt, Diese kommen nicht zur Raft, Fühlten sie auch gleich die Last. 7. Einfalt sucht sich vorzusehen, Sammelt auf die Zeit der Not; Wenn sie muß von hinnen gehen, Geht sie dann nicht ohne Gott. Das ist Einfalt, das ist klug; Denn wer Gott hat, hat genug. 8. Einfalt trachtet dem vor allen, Der fie teuer hat erkauft, Ihrem Heiland, zu gefallen, Daß er sie mit Feuer tauft. hätte sie nicht Christi Licht, Hälf' ihr alles andre nicht. 9. Treuer Jesu, meine Liebe Sei nur dir, nur dir geweiht; Alle meine Herzenstriebe Laß doch nimmer sein zerstreut! Dich nur wollen, dich nur sehn Heißt dem rechten Ziel nachgehn. 10. Tritt mir etwas vor die Augen, Das mir könnte schädlich sein Und dem Geiste nicht kann taugen, Davon halte du mich rein, Daß es geh' an mir vorbei, Ob es noch so scheinbar ſei. F. Ginzelne Tugenden und Pflichten. 353 11. Wohne, Herr, in meiner noch fehle, Wenn ich bin in dir Seele, Fülle meinen Herzens- gesund? Ja durch Einfalt halte grund! Was ist's dann, das mir mich Dir verbunden ewiglich! Michael Hahn vor 1819. b) Wachsamkeit und Treue. Eigene Mel.( Matth. 26, 41.) hörest, Weltgunst nie begehrest!' 438. Mache dich, mein| sieh, Daß du nie Falsche Brüder Geist, bereit, Wache, fleh und bete, Daß dir nicht die böse Zeit Plößlich nahe trete! Unverhofft Ist schon oft Über viele Frommen Die Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe! Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe; Und die Not Samt dem Tod Möchte dich in Sünden Unvermutet finden. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Klarheit sehen; Wache, weil sonst wird dein Licht Stets dir ferne stehen! Denn Gott will Für die Füll' Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List Nicht im Schlaf umstricke, Weil er sonst behende ist, Daß er dich berücke! Denn Gott giebt, Die er liebt, Nur in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge, Oder wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe! Wach und Evangelisches Gesangbuch. 6. Wache, nimm dich wohl in acht! Trau nicht deinem Herzen! Leichtlich kann, wer's nicht bewacht, Gottes Huld verscherzen; Denn es ist Voller List, kann bald Schwachheit heucheln, Bald in Stolz sich schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen! Denn der Herr muß selbst dich frei Von dem allem machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibeſt. 8.Ja er will gebeten sein, Wenn er was soll geben; Er lädt uns zum Flehen ein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut, es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Gebet anflehen; Denn er will Alle Füll'Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir glaubend bitten. 23 おお は 354 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 10. Drum so laßt uns immer-| Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott dar Wachen, flehen, beten, Weil wird richten Und die Welt verdie Angst, Not und Gefahr nichten. Immer näher treten! Denn die Johann Burchard Freystein 1697. Mel. O Gott, du frommer zc. oder: Ach Gott, verlaß mich nicht zc.( Phil. 2, 12.) 11 439. Welch eine Sorg' und| schlimm, So soll ihm das nichts FurchtSoll nicht beiChristen wa- dienen, Daß er vor solcher Zeit chen Und sie behutsam, klug Und Rechtschaffen ist erschienen. Der wohlbedächtig machen! Mit Knecht, der seines Herrn Gebot Furcht und Zittern," heißt's, weiß und nicht thut, Wird dop,, Schafft eurer Seelen Heil!"- pelt Streich'empfahn Für seinen Wenn kaum der Fromme bleibt, Frevelmut. Wie geht's dem fünd'gen Teil? 2. Der Satan geht umher Und sucht, wen er verschlinge, Legt tausend Nek' und Strick' In unvermerkte Dinge. Die Welt ist blind, verführt, Und bindt sich selbst die Rut'; Ja unser ärgster Feind Ist unser Fleisch und Blut. 3. Man kann so manche Sünd' Unwissentlich begehen; Vor Gott kommt der Gedank' Dem Werke gleich zu stehen. Ein arger Mensch verführt Oft Hunderte zumal; Drum wer steht, sehe zu, Daß er nicht plößlich fall'. 6. Man hat genug zu thun, Die eigne Seel' zu retten; Wer noch viel andres hat, Wie kann er das vertreten? Je größer Amt und Gut, Je größer Pfund und Kraft, Je größer bilde man Sich ein die Rechenschaft. 4. ,, Ihr sollet," spricht der Herr, ,, Wie ich bin, heilig leben, Mir eure Seelen ganz, Nicht halb geteilet geben; Viel Weise nach dem Fleisch Hab' ich mir nicht erwählt, Viel Herr- Herr- Sager find Der Hölle zugezählt." 5. Und wird ein Frommer 7. Die ganze erste Welt Mußt' jämmerlich vergehen, Acht Seelen sind allein Vor Gott gerecht ersehen; Der Zehnte dankte nur, Daß er vom Aussatz rein; Ach, möchten fünf doch klug, Und fünf nur thöricht sein! 8. Des Richters Zukunft wird Gleich einem Blik geschehen; Was unrein und gemein, Darf nicht in Himmel gehen. Selbst in der Zwölfe Zahl War ein verloren Kind; NichtStadt noch Dorfmag sein, Wo nicht Verdammte find. 9. Herr Gott, so oft ich dies In meinem Geist bedenke, So dringt F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 355 Satans Reich, Halt seine Macht gebunden; Laß uns mit Sorg' und Fleiß Verleugnen, wider: stehn, Anhalten im Gebet, Entfliehen und entgehn! mir Furcht und Angst Durch| du schon überwunden; Zerstöre Adern und Gelenke, So preif' ich deine Treu', Die mich noch heut' erhält; Doch fleh' ich desto mehr Für mich und alle Welt: 10. Senk deine wahre Furcht In aller Menschen Herzen; Laß niemand mit der Buß' Und wahrem Glauben scherzen; Mutwillen schaffe weg, Trägheit, Vermessenheit, Verstockung, Heuchelei, Bosheit, Unheiligkeit! 11. Hilf siegen über das, Was 12. Verleih Geduld und Trost Jm Kämpfen und im Ringen, Sorgfält'ge Wachsamkeit Und Kraft hindurchzudringen, Daß wir ohn' Unterlaß In der Bereitschaft stehn Und einst mit Freudigkeit Vor deine Augen gehn! Johann Reinhard Hedinger 1704. Eigene Mel.( Pf. 39, 5. 6. Ephef. 5, 16.) 440. Ohne Rast und un-| richt, Wann der Tod dich hingeverweilt, Strömen gleich, o Seele, eilt Deine kurze Pilgerzeit In das Meer der Ewigkeit. 2. Nimm auch Stunden wohl in acht! Wirke Gutes; denn die Nacht, Da man nicht mehr wirken kann, kommt und rückt oft schnell heran! 3. Jetzt noch ist der Tag des Heils, Frei die Wahl des besten Teils. Stell dich dieser Welt nicht gleich, Werd an guten WerFen reich! 4. Wenn du deine Zeit verträumst, Sie in träger Ruh' versäumst, Sie verschwendest ohne Plan, Weh dir, naht dein End' heran! - 5. Der Versäumnis deiner Pflicht Folgt im göttlichen Gerafft, Eine strenge Rechenschaft. 6. Gott, du meiner Tage Herr, Hilf mir, daß ich Sterblicher, Eingedenk der Ewigkeit Weislich nüße diese Zeit! 7. Jede Stunde, da mein Geist Sich der Erde mehr entreißt, Bringt mir, flieht sie gleich dahin, Dennoch ewigen Gewinn. 8. Jede Stunde, da ich hier Andern nüße und vor dir Redlich handle, dauert dort Stets in ihrem Lohne fort. 9. Laß mir diesen Wert der Zeit und des Frommen ThätigfeitTäglich, Gott, vor Augen sein, Daß ich Trägheit lerne scheun! 10. Steh mit deiner Kraft mir bei, Daß ich, meiner Pflicht getreu, Dir zum Preis und mir 356 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. zum Glück Nüße jeden Augen-| Zeit Ruhig mit der Ewigkeit, blick! Finde da vor deinem Thron Meiner Arbeit Gnadenlohn. Nach Johann Adolf Schlegel 1769. 11. Dann vertausch' ich diese Mel. Wer weiß, wie nahe zc.( Ps. 90, 12. Ebr. 3, 13.) 441. Der letzte Tag von deinen Tagen, D Mensch, eilt immer mehr herbei; Erkauf die Zeit, und statt zu klagen, Sie sei zu kurz, gebrauch sie treu; O nimm mit dankbarem Gemüt Der nahen Stunde wahr,- sie flieht! 2. Getäuscht von tausend Eitelkeiten Versäumst du deines Lebens Zweck, Verschiebst dein Heil auf ferne Zeiten Und wirfst so forglos Jahre weg; Und bist du denn, o Sterblicher, Des näch sten Augenblickes Herr? 3. Ein ewig Glück einst zu besigen, Sollst du die kurze Lebenszeit Als deine Saatzeit weislich nüßen Und thun, was dir dein Herr gebeut. Wie ruft er dir so freundlich zu: Nur Eins ist not; was säumest du? Der Menschentage kleine Zahl; Sei fromm und wandle vor dem Herrn, Wär' auch dein Ende noch so fern! 5. Mit jedem neugeschenkten Morgen Erwecke dich, gewissenhaft Für deiner Seele Heil zu sorgen, Und suche Gottes Licht und Kraft; Sprich: Omein Gott, ich will allein Mein Leben deinem Dienste weihn! 6. Erleucht und stärke meine Seele, Weil ohne dich sie nichts vermag! Du schenkst, daß ich mein Heil erwähle, Aus Gnaden mir noch diesen Tag. Was ist nicht jede Stunde wert, Die deine Langmut mir gewährt! 7. Hilf, daß ich in gesunden Tagen Schon oft zu meinem Grabe geh' Und da bei Freuden und bei Plagen Auf dich und deine Zukunft seh', Damit ich, meiner Pflicht getreu, Des höhern Le4.Drum eil, errette deine Seele, Und denke nicht: ein andermal! Sei wacker, bet und überzähle bens fähig sei! Württ. Gesangbuch( nach Christ. Fr. Neander) 1791. Ferne Der lichten Ewigkeit Macht, daß ich Vorsicht lerne In dem Gebrauch der Zeit. Wie bald Mel. Valet will ich dir geben 2c.( 1 Kor. 15, 33.) 442. Ein Ausblick in die ist viel verloren, Wie leicht das Heil verscherzt, Das mich wie andre Thoren Zu spät am Ende schmerzt! F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 2.Inden Zerstreuungsstunden, Die nach der Weltart sind, Holt man oft tiefe Wunden Und wird am Geiste blind; Man fühlt erst in der Stille Und durch der Gnade Zucht, Daß da des Fleisches Wille Die Weide nur gesucht. 3. Herr, zieh mich gleich denkindern, Die man zu Haus behält, Das Böse zu verhindern, Worein der Leichtsinn fällt; Und bin ich dann alleine, So lehre mich dein Geist Zu aller Zeit das Eine, Das gut und selig heißt! 4. Da sag mir von dem Himmel, 3. Falsche Freiheit bringt Verderben, Knechtschaft ist ihr sich: rer Lohn; Wahre Freiheit zu erwerben, Flehe stets zu Gottes Sohn! 357 Wie's dort so herrlich klingt, Und wie das Luftgetümmel Der Welt nur Jammer bringt; So halten mich die Blicke Nach jener Herrlichkeit Von alledem zurücke, Was hier den Weltsinn freut. Mel. Ach, wann werd' ich dahin kommen 2c.( 1 Kor. 10, 12. Mart. 14, 38.) 443. Wer sich dünken läßt| 5. Ist der Geist auch noch so zu stehen, Hüte wohl sich vor dem Fall! Es umschleicht uns, wo wir gehen, Der Versucher überall. 2. Sicherheit hat viel' betrogen, Schlafsucht thut ja nimmer gut; Wen sie täuschend überwogen, Der verlieret Kraft willig, Bleibt das Fleisch doch immer schwach; Giebst du nach, so trifft dich billig Deiner Feigheit bittre Schmach. und Mut. 4. Petrus, welcher sich vermessen, mit dem Herrn in Tod zu gehn, Hat der Warnung kaum vergessen, So muß er in Thränen stehn. 5. Bin ich gern in Gedanken Schon jetzt mit dir allein, Wie wohl wird's thun dem Kranken, Wenn er muß einsam sein! Dann ist mein Herz gewöhnet, Still mit dir umzugehn; Es darf, wohin sich's sehnet, Zu dir gen Himmel sehn. Philipp Friedrich Hiller 1767. 6. Wohl dem, der mit Furcht und Zittern Ringet nach dem Seligsein! Der ist sicher vor Gewittern, Die auf Sichre schlagen ein. 7. Wohl dem, der mit Wachen, Flehen Wandelt auf der schmalen Bahn! Der wird unbeweglich stehen, Wann der Arge stürmt heran. 8. Selig ist, wer seine Lenden Smmer läßt umgürtet sein, Wer demLicht in seinen Händen Stets bewahret hellen Schein. bebe 358 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 9. Selig, wer mit reinem Öle| winder! Weh, wenn du mich Seine Lampe früh versieht; Der schlafend träfft! errettet seine Seele, Wenn der Bräutigam verzieht. 10. D du Hüter deiner Kinder, Der du schlummerst nicht noch schläfft, mache mich zum Über11. Sei du Wecker meiner Sinnen, Laß mich stündlich wachsam sein, Daß ich, wann ich muß von hinnen, Wachend auch mag schlafen ein! Freylinghausens Gesangbuch 1714. Mel. O du Liebe zc.( Matth. 24, 42-44.) 444. Welche Stund' im ganden; Hilf mir Seel' und Leibeszen Leben Ist wohl, da ich sagen kraft Recht nach deinem Sinn kann: ,, Ich darf noch nicht Ab- verwenden, Daß mein Pfund schied geben, Jetzt noch kommt stets Wucher schafft. mein Herr nicht an?" Herr, drum mache mich beizeiten Mit dem Todewohl bekannt; Komm, mich selber heimzuleiten In mein liebes Vaterland! 4.Gieb mir stündlich reine Triebe, Geuß die Lieb'im Herzen aus, mache lauter Gegenliebe Und rechtschaffnes Wesen draus! Laß mich stündlich wachen, beten, Auf dein Wort des Lebens sehn Und mit festem Mut zertreten, Was dir will entgegenstehn! 5. Laß mich, Jesu, nicht verzagen, Wann das letzte Stündlein droht! Komm zu heben, komm zu tragen, Hilf mir fröhlich durch den Tod! Ja dein Geist, den du beschieden, Sei ein sichres Pfand in mir; Und so nimm mich, Herr, im Frieden Und in wahrer Treu' zu dir! Karl Heinrich von Bogatzky 1750. 2. Hilf mir, daß ich stündlich sterbe, Daß, kommt nun der Tod herbei, Ich im Tode nicht verderbe, Sondern voller Leben sei; Lehr mich alles fliehn und haffen, Was uns in dem Tode reut, Nichts hingegen unterlafsen, Was im Tode noch erfreut! 3.Gieb'mir stündlich wahre Rene Und den rechten Glaubensgeift; Gieb mir auch im Kleinen Treue, Die nur thu', was du mich heißst! Laß mich keine Zeit verschwen c) Demut und Geduld. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c.( Luk. 2, 51. 1 Petri 5, 5. 6.) 445. Sinab geht Christi Willst aus vermeßnem Stolz Bis Weg! Und du und dein Beginnen an des Himmels Zinnen? Steigst 359 F. Einzelne Tugenden und Pflichten. ungenügsam auf? Dein Heiland| stehen arme Brüder; Neigt euch stieg herab! Wer mit ihm aufwärts will, Muß erst mit ihm hinab. zur Niedrigkeit Und labet Christi Glieder. Greift nicht in hohe Luft Nach Ruhm und stolzer Hab'; Christ that den Ärmsten wohl; Darum, ihr Händ', hinab! 2. Darum, mein Sinn, hinab! Verlerne nur dein Steigen! Was leicht ist, hebt sich schnell; Was schwer ist, muß sich beugen. Die Quelle, die sich senkt, Vermehret ihre Hab' Und wird zuletzt zum Strom; Darum, mein Sinn, hinab! 5. Hinab, mein Herz, hinab! So wird Gott in dir wohnen. Die Demut lohnet er Mit goldnen Himmelskronen; Im Demutsthale liegt Des heil'gen Geistes Gab'; O wohl dem, der sie sucht! Darum, mein Herz, hinab! 6. Hinab auch du, mein Leib! Du bist gemacht aus Erden; Durch Demut sollst auch du Im Geist verkläret werden. O Gott, bereite mich Zum Himmel und zum Grab! Ich sehne mich hinauf, Jch sehne mich hinab. Andreas Ingolstätter 1673. 3. Hinab, mein Aug', hinab! Gott selber schaut hernieder Vom Thron aufs Niedrige; Der Stolz ist ihm zuwider. Je höher hier ein Aug', Je näher ist's dem Grab Und sinkt in Todesnacht; Darum, mein Aug', hinab! 4. Hinab, ihr Händ', hinab! Hier Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( Röm. 12, 16.) 446. Trachtet nicht nach hohen Dingen! Nur der Demut kann's gelingen, Wenn's das em'gekleinod gilt. Sie kann vor dem Fall bewahren, In Versuchung und Gefahren Ist sie uns der beste Schild. 2. Demut kann der Falschheit wehren Und das Sündengiftverzehren, Das sich noch im Herzen regt, Bis die brüderliche Liebe, Die der Hochmut machet trübe, Immer tiefre Wurzeln schlägt. 3. Demut nimmt sich keine Ehre, Wenn sie noch so vornehm wäre; Merk es jeder eitle Thor! Aber weil den Herrn sie preiset Und in Liebe Dienst erweiſet, Ziehet er sie doch hervor. 4. Was der Hochmut sonst verhindert, Was die Glut des Geistes mindert, Das besiegt ihr stiller Mut; Auch im Thun ist sie nicht träge, Darum braucht sie keine Schläge Wie der Stolz, der wenig thut. doado da da da daco0 COOOO bebebe heao XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 360 5. Demut hofft mit frohem Herzen, Ist geduldig bei den Schmerzen, Bleibt zum Beten ungeschwächt, Schicket sich in alle Zeiten, Läßt sich still zum Ende leiten, Weil mit Gott ihr alles recht. 6. Demut pflegt mit tausend Freuden Arme, Nackte zu bekleiden, Dienet ihnen in dem Herrn, Speiset, tränkt, erquickt und labet, Tröstet, schenket und begabet, Wartet, pflegt und herbergt gern. Mel. Von Gott will ich nicht 447. Geduld ist euch von nöten, Wenn Sorge, Gram und Schmerz, Und was euch mehr will töten, Euch schneidet in das Herz. O auserwählte Zahl! Soll euch der Tod nicht töten, Ist euch Geduld vonnöten Auch in der tiefsten Qual. 2. Geduld ist Gottes Gabe Und seines Geistes Gut, Der schenket sie zur Habe, Sobald er in uns ruht. Der edle, werte Gast Erlöst uns von dem Zagen Und hilft uns treulich tragen Die allergrößte Last. 3. Geduld kommt aus dem Glauben Und hängt an Gottes Wort; Das läßt sie sich nicht rauben, Das ist ihr Heil und Hort; Das ist ihr hoher Wall, Da hält sie sich geborgen, Läßt 7. Wenn der Feind verfolgt und fluchet, Segnet sie dafür und suchet, Wie sie nur sein Herz gewinnt; Ift mit denen, welche weinen Und in Fröhlichkeit erscheinen, In der Liebe gleichgesinnt. 8. Demut will's mit denen halten, Die sich nicht in Sekten ſpalten, Wo der Stolz die Geister treibt. Wollet ihr die Kron' erringen, D so seht vor allen Dingen, Daß ihr bei der Demut bleibt! Knapps Liederschatz 1837. lassen 2c.( Ebr. 10, 35-37.) Gott, den Bater, sorgen Und fürchtet keinen Fall. 4. Geduld ist wohl zufrieden Mit Gottes weisem Rat, Läßt sich nicht leicht ermüden Durch Aufschub seiner Gnad', Hält frisch und fröhlich aus, Läßt sich getroft beschweren Und denkt: Wer will's ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus! 5. Geduld kann lange warten, Vertreibt die Langeweil' In Gottes schönem Garten, Durchsucht zu ihrem Heil Das Paradies der Schrift, Und schüßt ſich früh und späte Mit eifrigem Gebete Vor Schlangenlist und-Gift. 6. Geduld thut Gottes Willen, Erfüllet sein Gebot Und weiß sich wohl zu stillen Bei aller Feinde Spott. Es lache, wem's beliebt! F. Ginzelne Tugenden und Pflichten. Wird sie doch nicht zu Schanden; Es ist bei ihr vorhanden Ein Herz, das nichts drauf giebt. 7. Geduld dient Gott zu Ehren Und läßt sich nimmermehr Von seiner Liebe kehren; Und stäupt er noch so sehr, So ist sie doch bedacht, Des Heil'gen Hand zu loben, Spricht: Gott, der hoch erhoben, Hat alles wohl gemacht! 361 ihr hanget, Mit Gottes Hilf' erlanget Ein fröhlich Angesicht. 9. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Lust, Nach der ich oft gegangen; Das ist dir wohl bewußt, Herr voller Gnad' und Huld! Ach gieb mir und gewähre Mein Bitten, ich begehre Nichts andres als Geduld! 10. Geduld ist meine Bitte, Die ich sehr oft und viel Aus dieser Leibeshütte Zu dir, Herr, schicken will. Kommt dann der letzte Zug, So gieb durch deine Hände Auch ein geduldig Ende; So hab' ich alles gnug! Paulus Gerhardt 1661. 8.Geduld erhält das Leben, Vermehrt der Jahre Zahl, Dämpft und vertreibt daneben VielAngst und Herzensqual, Ist wie ein schönes Licht, Davon, wer an Mel. Sollt' es gleich zc.( Eph. 4, 2. Stol. 3, 12.) 448. Wer Geduld und Demut liebet Und sich denen recht ergiebet, kann im Glück und Unglücksschein Immer guten Mutes sein. 2. Er kann unbeweglich sehen SeinGlück hin und wieder gehen, Und ist allemal bereit Zu der gut' und bösen Zeit. 3. Wenn das Unglück ihn mit Haufen Und mit Macht will überlaufen, Stehet die Geduld ihm bei, Daß er unbeweglich sei. 4. Will ihn dann das Glück anlachen und ihn gar zu mutig machen, Hält ihn Demut zu der Erd', Daß er nicht hochmütig werd'. 5. Will sein Thun gar nicht bes stehen, Noch nach seinem Kopfe gehen, Faffet die Geduld ihn an, Daß er alles leiden kann. 6. Wenn es ihm nach Wunsch ergehet Und er jetzt zum höchsten stehet, Hält die Demut ihn zurück, Daß er scheut des Glückes Tück. 7. Will ihn alle Welt betrüben und kein Mensch ihn herzlich lieben, Giebt den Trost ihm die Geduld, Daß er daran ohne Schuld. 8. Sitet er in hohen Würden, Ist von allen Kreuzesbürden Ganz erledigt, los und frei, Ist die Demut doch dabei. 9. Die Geduld verjagt das dadadadadadade 362 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Trauern, Demut wehrt dem 10. Drum hab' ich auch auserGlückeslauern, Demut ist für sehen, mit den beiden umzugeSicherheit, Die Geduld für hen, Weil die Demut mich erTraurigkeit. gözßt Und Geduld in Ruhe setzt. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig- Lüneburg 1667. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( 1 Mos. 32, 10. 1 Kor. 4, 7.) 449. Was ich nur Gutes habe, Ist deine milde Gabe, Du Vater alles Lichts! Mein Dasein und mein Leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl Verstand als Kräfte Zu nützlichem Geschäfte Hab'ich aus deiner Huld. Dein ist's, wenn gute Thaten Dem Vorsak wohl geraten; Ich bin allein an Fehlern schuld. 3. Das Glück, des ich mich freue, Schaffst du nach deiner Treue, Du Herr der ganzen Welt; Du ordnest unsre Tage, Jhr Glück und ihre Plage, Wie's deiner Weisheit wohlgefällt. 4. Sollt' ich mich denn erheben, Wenn mir in diesem Leben Viel Gutes widerfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen wert? 5. Ich bin viel zu geringe Der Huld, Herr aller Dinge, Die du mir stets erzeigt. O laß mich's nie vergessen, Wann sich mein Herz vermessen Zum Stolz und Eigendünkel neigt! 6. Das nüßlich anzuwenden, Was du mit Vaterhänden Mir gütig zugewandt, Gehorsam dir zu werden, Das sei mein Fleiß auf Erden, Dazu gieb Demut und Verstand! Diterich( nach Gellert) 1765. d) Wahrhaftigkeit. ( Eid.) Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc.( Pf. 139, 4. Matth. 5, 37. 10, 28.) ten ziemt, aufrichtig sein! 450. Gott, der du Herzens- mein Ja und Nein, Wie's Chriffenner bist, Herr, dem die Falsch heit Greuel ist Und jede Lüg' Verbrechen! Kein Wort spricht je ein falscher Mund, Das dir, Allwissender, nicht kund; Du, Heiliger, wirst's rächen. Laß jederzeit 2. Und wann ich schwörend vor dir steh', Dir in dein heilig Antlitz seh', Die Hand zum Himmel hebe, Wann ich zum Zeugen feierlich Anrufe, Hocherhabner, dich, F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 363 Durch den ich bin und lebe: Dann| Jesus nicht mehr mein: Dann sei von Trug undHeucheleiMein besser, nie geboren sein! Herz und meine Zunge frei! 3. Wann Frevler dich auch da noch schmähn Und frech mit Lügen vor dir stehn, Dann laß mein Herz erschrecken! Weh dem, der Gott und Gottes Macht Zum Siegel seiner Bosheit macht, Sie vor der Welt zu decken! Herz, schau den Gott mit Zittern an, Der Seel'und Leib verderben fann! 4. Gott, wann du nicht mein Gott mehr bist, Dein Sohn nicht mehr mein Heiland ist, Dein Himmel nicht mein Erbe; Wann mich beim Leiden dieser Zeit kein Trost vom Himmel mehr erfreut, Kein Trost mehr, wann ich sterbe; Wann Gott und 5. Nein, Ehre nicht, nicht Gut und Geld, Kein Fürstentum und keine Welt Soll mich so weit verführen! Um alle Leiden dieser Zeit Will ich doch Gott und Seligkeit Mutwillig nicht verlieren. Wie klein mein Glück auch immer sei: Nur Gott und reines Herz dabei! 6. Gott, lehre mich bei jedem Eid Aus Furcht vor deiner Heiligkeit Die Wahrheit pünktlich sprechen! Beschwör'ich heilig Amt und Pflicht, So laß mich auch im Kleinsten nicht Die teure Zusag' brechen! Auch dir, Gott, schwur ich treu zu sein: Erhalt' mich ewig, ewig dein! Johann Daniel Karl Bickel 1779. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Eph. 4, 25. 1 Petri 3, 10. 11.) 451. Wohl dem, der rich- Sich dies vor Augen setzet: Gott tig wandelt, Der als ein Wahr- merkt auf jedes Wort! heitsfreund InWort und Werken handelt Und das ist, mas er scheint; Der Recht und Treue liebet Und von dem Sinn der Welt, Die Trug und Falschheit übet, Sich unbefleckt erhält! 3. Wohl ihm, daß sein Gemüte, Herr, deine Rechte übt! Ihn leitet deine Güte, Er wird von dir geliebt; Du wirst ihn einst erhöhen, Wann bei der Wahrheit Licht Beschämt die Falschen stehen, Geschreckt durch dein Gericht. 2. Wohl dem, der Lügen hasset, Und der, so oft er spricht, So seine Reden faffet, Daß er die Wahrheit nicht mit Vorbedacht verletet, Und der an jedem Ort 4. Herr, drücke dies im Leben Mir tief ins Herz hinein, Damit ich möge streben, Der Lügen adadadadadacacoes presed 4444 364 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Feind zu sein! Erinnre mein| Und für mich reden müffe, Und Gewissen, Du haffest Heuchelei, wann ich schweigen soll! Damit ich stets befliffen Der Treu' und Wahrheit ſei! 5.O laß mich nichts versprechen, Was ich nicht halten kann; Zusagen mich nie brechen, Die ich mit Recht gethan; Nie mich den Stolz verleiten Und nie des Beispiels Macht, Als Wahrheit auszubreiten, Was ich doch selbst erdacht! 7. Wenn je mich zu bedrücken Des Feindes Anschlag gilt, Der sich bei bösen Tücken Jn guten Schein verhüllt, So stärke meine Seele, Daß sie nicht unterliegt Und alles dir befehle, Durch den die Unschuld siegt. 6.Doch laß zu allen Zeiten Auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Seele leiten, Damit ich meine Pflicht Mit Klugheit üb' und wisse, Wann ich für andrer Wohl 2. Mein Gott, fehlt es mir an Gaben, Wünsch' ich dies und das zu haben: Lehr mich ohne Kummer sein; Lehr mich, dir in Kindesbitten Mein Verlangen auszuschütten, Denn du hörst und hilfft allein! 8. Ein Herz voll Treu' und Glauben, Das, Gott, zu dir sich hält, Das soll mir niemand rauben; So kann ich aus der Welt Einst mit der Hoffnung gehen: Ich werde als dein Kind Dich mit den Frommen sehen, Die reines Herzens sind. David Bruhn 1765. e) Genügsamkeit. Mel. Alles ist an Gottes Segen zc.( Phil. 4, 5. 6.) 452. Nur für dieses Leben| gen Dir vergnügten Dank zu sorgen Machet keinen guten Morgen, Aber manche böse Nacht. Nur um jenes Leben sorgen, Bringt einst einen frohen Morgen, Wann man aus dem Grab erwacht. sagen Schon für das, was wirklich da! Daß nicht Sorgen mich verstricken Und des Wortes Frucht ersticken, Sage mir: der Herr ist nah'! 4. Reich an guten Werken werden, Das sei mein Gesuch auf Erden; Andre Sorgen taugen nichts. Laß in sehnlichem Verlangen Mich mit ganzem Herzen hangen An dem Erbteil jenes Lichts! 5. Da ist Reichtum, der recht 3.Lehr mich, ohne ängstlich Kla-| wichtig, Da ist Leben, das nicht 44444444 F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 365 flüchtig; Jesu, dahin ziehe mich! das Ringen nicht vergebens, Und Um die Güter jenes Lebens Ist die Frucht währt ewiglich. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Auf, Christenmensch zc.( 1 Tim. 6, 6-10. Matth. 6, 33.) 453. Wohl dem, der beßre Schäße liebt Als Schäße dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt An Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, des er lebt, Sich über diese Weit erhebt! 2. Gott wehret seinen Kindern nicht, Hier Güter zu besitzen. Er gab sie uns, doch auch die Pflicht, Mit Weisheit sie zu nüßen; Sie dürfen unser Herz erfreun Und unsers Fleißes Antrieb sein. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit Mit ganzer Seele schmachten, Nicht erst nach der Gerechtigkeit Und Gottes Reiche trachten, Ist dieses eines Menschen Ruf, Den Gott zur Ewigkeit erschuf? chelnden Gewinn Dich blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Vorteil wird er schon Aus dir mit Meineid sprechen; Dich zwingen, der Arbeiter Lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der Witwen Flehn, Der Waisen Thränen widerstehn. 7. Dein durch den Geiz verhärtet Herz Schmeckt nie des Wohlthuns Freuden; Denn dich rührt keines andern Schmerz Und keines Armen Leiden; Und wo ist eines Standes Pflicht, Die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater: und aus Geiz Entziehst du dich den Kindern Und läsfest dich des Goldes Reiz, Ihr Herz zu bilden, hindern, Und glaubst, du habst sie wohl bedacht, Wenn du sie reich wie dich gemacht. 9. Du hast ein richterliches Amt: Und du wirst dich erfrechen, Die Sache, die das Recht verdammt, Aus Habsucht recht zu sprechen; und selbst der Tugend größter Feind Erkauft an dir sich einen Freund. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, Erstickt die edlern Triebe; Die Liebe für ein schimmernd Erz Verdrängt der TugendLiebe Und machet der Vernunft zum Spott Ein elend Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich kein Gut genieBen; Er quält durch Habsucht deinen Geist Und tötet dein Gewissen und reißt durch schmei10. Gewinnsucht raubt dir Mut und Geist, Die Wahrheit frei zu dadadadadado bebebes 366 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. lehren; Du schweigst, wenn sie| Daß ich mir gnügen lasse, Geiz dich reden heißt, Ehrst, wen du nicht sollst ehren, Und wirst um ein verächtlich Geld Ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei,| ewig als Abgötterei Von mir entfern' und haffe! Ein weises Herz und guter Mut Sei meines Lebens größtes Gut! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Singen wir aus Herzensgrund 2c.( Sprüche 30, 7-9.) 454. 3weierlei bitt' ich von dir, Zweierlei trag' ich dir für, Dir, der alles reichlich giebt, Was uns dient und dir beliebt; Gieb mein Bitten, das du weißt, Eh' ich sterb' und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt! 344444 2. Gieb, daß ferne von mir sei Lügen und Abgötterei; Armut ohne Trost und Licht Und viel Reichtum gieb mir nicht! Allzuarm und allzureich Ist nicht gut, stürzt beides gleich Unfre Seel' ins Sündenreich. 3. Laß mich aber, o mein Heil, Nehmen mein bescheiden Teil, Und beschere mir nach Not Hier und heut'mein täglichBrot! Auch ein wenig, da der Mut Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut. 4. Denn sonst möcht' im Über11 fluß Ich empfinden Überdruß, Dich verleugnen, dir zum Spott Fragen: Wer ist Herr und Gott?" Denn das Herz ist Frechheit voll, Weiß oft nicht, wann ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. 5. Wiederum wann's stehetbloß Und die Armut wird zu groß, Wird es untreu leicht und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, Thut Gewalt, braucht Ränk' und List, Wirket Schaden, stiftet Zwift, Fraget nicht, was christlich ist. 6. Ach mein Gott, mein Schat, mein Licht! Dieses beides ziemt mir nicht; Beides schändet deine Ehr', Beides stürzt ins Jammermeer. Drum so gieb mir Füll' und Hüll', Nicht zu wenig, nicht zu viel, Also wie dein Herze will! Paulus Gerhardt 1648. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( Luk. 12, 15-21.) 455. Wenn ich mir auf viele den In ein Räumlein kühler ErJahre Einen großen Vorrat den Und in kurzem sterben muß? spare, Wes wird sein mein Überfluß, Da ich soll gesammelt wer2. Herr, bewahr mich vor den Stricken, Wenn der Geiz mich BRILI F. Ginzelne Tugenden und Pflichten. 367 will berücken; Das, was da ist, amKreuz uns anerstorben, Bleibt sei genug! Gieb mir Vorsicht auf im Sterben uns allein. mein Scheiden, Und mach auf die Ewigkeiten Mich durch deine Gnade klug! 3. Lehr mich bei den Nebengaben Mangel oder übrig haben, Satt sein oder hungrig sein! Jesus hat uns mehr erworben: Was 2. Du, der den Tieren Nahrung schafft Und Futter giebt den Raben, Du läßst auch mich durch deine Kraft Trank, Brot und Kleidung haben. Wenn uns ein mehrer's werden soll, So weißest du als Vater wohl, Ob's deinen Kindern nütze. 4. Könnte man die Welt gewinnen, Führe dennoch arm von hinnen, Wer nicht teil am Himmel hat. Wer sich reich in Christo glaubet, Dem wird nichts im Tod geraubet: Nichts als Gott macht ewig satt. Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir zc.( Pf. 62, 11. Matth. 16, 26.) 456. Ach treuer Gott, ich| 4. Ein Trost, der nur auf Reichruf zu dir: Hilf, daß mich nicht bethöre Die böse Lust, die strebt in mir Nach Reichtum, Pracht und Ehre! Gieb, daß ich an dein Wort mich halt' Und dadurch jede Lockung bald In deiner Kraft besiege! tum steht, Wird unverhofft zu Schanden, Und wann es an das Scheiden geht, Dann ist erst Not vorhanden; Denn Geld und Gut errettet nicht VonGottes ewigem Gericht, Das einst die Sünder schrecket. 3. Wer wenig hat und das mit Recht, kann deine Huld behalten; Er bleibt in Demut recht und schlecht Und läßt dich ferner walten. Sein Weniges gedeiht ihm mehr Als reicher Sünder Gut und Ehr', So sie mit Unrecht haben. - 5. Ach, meine Seel' kann ihre Ruh' Im Zeitlichen nicht finden; Was ich da vornehm' oder thu', Muß wie ein Rauch verschwinden. Unsterblich ist die Seel'; es muß Unsterblich sein, was ohn' Verdruß Sie soll mit Freude laben. 6. Drum selig, wer sein Herz erhebtGenHimmel von der Erde, Damit er reich, so lang' er lebt, An ew'gen Schäßen werde; Die fliegen niemals auf im Rauch, Und sind in Gott gesichert auch Vor Dieben, Rost und Motten. 7. D höchstes Gut, sei hier und dados daeaeae00 bebebe XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 368 dort Mir Reichtum, Lust und Ehre! Gieb, daß in mir sich fort und fort Das Sehnen nach dir mehre, Daß ich dich stets vor Augen hab', Mir selbst und allem sterbe ab, Was mich von dir will ziehen. 8. Hilf, daß ich meinen Wandel führ' Bei dir im Himmel oben, Wo ich werd' ewig sein bei dir, Dich schauen und dich loben; So kann mein Herz zufrieden sein und findet, Gott, in dir allein Die wahre Ruh' und Freude. Nach David Denice 1652. Mel. Wer Jesum bei sich hat zc.( Hiob 1, 21.) 457. 3 jammre, wer nicht glaubt! Ich will mich stillen: Mir fällt kein Haar vom Haupt Ohn' Gottes Willen. In Jesu hab' ich hier Das beste Leben; Und sterb' ich, wird er mir Ein beßres geben. 2. Es sorge, wer nicht traut! Mir soll genügen: Wofür mir jeho graut, Das wird Gott fügen. Er weiß, was nötig sei, So mag er sorgen; Mir ist des Vaters Treu' Auch nicht verborgen. 2. Gieb mir, denn du kannst es geben, Lust, in Mäßigkeit zu 3. Es zage, wer nicht hofft! Ich will mich fassen, Gott hat mich's schon so oft Erfahren lassen: Er hört Gebet in Not, Wann sie am größten; Sein Geist kann auch im Tod Mit Jeſu trösten. 4. So wein' ich, wenn ich wein', Doch noch mit Loben; Das Loben schickt sich sein Bei solchen Proben. Man kann den Kummer sich Vom Herzen singen. Nur Jesus freuet mich; Er hilft vollbringen. Philipp Friedrich Hiller 1762. f) Mäßigkeit und Keuschheit. Mel. Folget mir, ruft zc.( Sir. 23, 4-6. Lut. 21, 34.) 458. Gott, du bist alleine| leben, Daß doch nie durch Völlegütig, Darum bitt' ich dich demütig: Vater, laß mich auf mein Flehn Deiner Gnade Beistand sehn; Laß mich nicht in Missethaten, Auch in Schlemmen nicht geraten; Ach, behüte immerhin Mich vor unverschämtem Sinn! rei Mein Gebet verhindert sei! Trunkenheit verderbt die Gaben, Die wir zur Erquickung haben, Die kein Mensch, des Leichtsinns voll, Jämmerlich mißbrauchen soll. 3. Alle Weisheit wird ersticket, Sinn und Denken unterdrücket, Gut und Ehre wird verheert, Leib und Seele wird zerstört; F. Ginzelne Tugenden und Pflichten. 369 Dein Geist, welcher Fromme lie-| Ja wer ist, der recht beschreibt bet, Wird vertrieben, wird be: trübet, Und dein schwerer Zorn erweckt, Der den Arm zur Strafe reckt. Was man da für Bosheit treibt? Laß mich, Vater, völlig sehen, Was für Lafter draus entstehen, Daß mir ja die Schwelgerei Lebenslang zuwider sei! 6. Laß mit Nüchternheit und Beten Und mit Dank mich vor dich treten, Daß mein Leib mitsamt dem Geist Dein gefällig Opfer heißt, So daß ihrer beider Gaben Täglich neues Wachstum haben, Und zu dir, o höchstes Gut, Aufsteig' eine reine Glut! Nach Philipp Friedrich Hiller 1729. 4. Lust zur Arbeit wird gemindert, AlleMunterkeit verhindert, Alles Nötige versäumt, Schand' und Lästrung ausgeschäumt, Ernst und Vorsat liegt erstorben, Alles Gute wird verdorben Und der Seele Kraft verzehrt, Wenn uns Völlerei beschwert. 5. Da wird böser Rat beschlossen, Öl zur Wollustglut gegoffen; Mel. Vater unser 2c.( Sir. 23, 4-6. 1 Ror. 6, 19.) 459. Gott, der du mein Vater bist Und schenkest, was mir nötig ist! Mein Leben steht in deiner Hand, Mein Odem ist dein Gnadenpfand; Du liebtest mich in deinem Sinn, Bevor ich etwas worden bin. 2. Wend ab, was meinem Fleisch beliebt Und mir ein falsch Vergnügen giebt; Behüte mich vor schnöder Lust, Reiß die Gedanken aus der Brust, Die un rein sind und feurig stehn, Sobald die Augen irre gehn. 3. Vertilg in mir der Unzucht Gift, Das andre Laster übertrifft! Wer irgend fündigt, fehlet sehr, Doch Wollust sündigt zwiefach mehr; Denn sie macht unsern Evangelisches Gesangbuch. Leib gemein, Der doch dein Tempel sollte sein. 4. Wach über mich bei Tag und Nacht Und hintertreib des Feindes Macht, Der Ehrbarkeit und keusche Zucht Durch böse Lust zu fällen sucht Und, wann die Glut hat ausgeflammt, Das Herz verzagt macht und verdammt. 5. Entzeuch dem allem mein Gesicht, Was gegen deine Liebe spricht! Die sei mein Schuh, durch deine Hand Thu Ärgernissen Widerstand; Schließ meine Sinnen selber zu, Versezze mich in heil'ge Ruh'! 6. Laß, Herr, mich deine Wohnung sein; Mach meine Seele völlig rein, Die Glieder im Ver24 Cococo Tocco.com 370 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. suchungsstreit Zu Waffen der Gerechtigkeit; Führ du an meiner Statt den Krieg Und gieb mir den erwünschten Sieg! 7. Wenn deine Furcht den Wandel zähmt, So ist an mir nichts un 44444444 2. Tilg in mir die schnöden Triebe, Töte das verderbte Fleisch; Gieb mir deine Furcht undLiebe, Dadurch mach mich rein und keusch! Unterbrich der Lüste Lauf, Zieh mein Herz zu dir hinauf, Daß es nicht am Eiteln klebe, Sich der Wollust nicht ergebe! 3. Meine Seel' ist deinem Bilde Gleich gemacht und hoch geschäßt; Dein Sohn hat für sie voll Milde Einst sein Leben eingesett.Drum, o Vater, wär' ich ja Mir nur selbst zum Fluche da, Wenn ich unkeusch leben wollte Und dein Bild schänden sollte. Mel. Werde munter 2c.( Gal. 5, 24. Matth. 5, 8.) 460. Heil'ger Gott, der du| pel heißt. Darum steht er mir auch bei, Daß sein Tempel heilig sei, Daß ich ihm, an Seel' und Leibe Reusch und rein, geheiligt bleibe. begehrest Reuschheit, Zucht und fromme Scheu, Der du hafsest und verwehrest SchnödeLust und Schwelgerei! Ach, ich fleh' durch Jesum Christ, Der der Seelen Heiland ist: Mache mich ihm gleichgesinnet, Was der Weltsinn auch beginnet! 4. Christus wohnet durch den Glauben Selbst in mir; sein heil'ger Geist Lässet sich mein Herz nicht rauben, Das er seinen Temverschämt: Ein freches Auge weichet fort, Dem Ohr gefällt fein unrein Wort, Der Mund spricht nichts, was schandbarheißt. Das wirk in mir durch deinen Geist! Ernst Lange 1711. 5. Wer nicht rein, kann Gott nicht sehen, Denn Gott ist das reinste Licht; Der kann nicht vor ihm bestehen, Dem die Reinigkeit gebricht. Soll mich nun der helle Schein Deines Angesichts erfreun, Herr, so rein'ge Geist und Glieder, Mach mir böse Lust zuwider! 6. Gottes Geist wird schon betrübet Durch ein einzig schandbar Wort; Und wer sich in Lüsten übet, Treibt ihn völlig von sich fort. Wollust machet Sorg' und Gram, Bringet uns in Schand' und Scham; Die in solchen Sünden sterben, können nie dein Reich ererben. 7. Darum, Herr der reinen Scharen, Laß mir deines Geistes Kraft und die Gnade widerfahren, Die ein reines Herze schafft! Sei du meines Herzens Gast, Mach die Sünde mir ver 444444 F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 371 haßt; Auch entziehe mich beizei-| Liebe Qual und Tod für mich ten Sündlichen Gelegenheiten! geschmeckt! Treib die Lüste ganz 8. Töte meines FleischesTriebe, von mir, Daß ich Leib und Seele Und was sonst mein Herz befleckt, dir Als dein Heiligtum bewahre Weil dein Sohn am Kreuz voll und zu dir im Frieden fahre! Friedrich Fabricius 1678. XVIII Trostlieder. Eigene Mel.( 5 Mos. 32, 4.) 461. Was Gott thut, das| gethan. Er ist mein Licht und ist wohlgethan. Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, Der in der Not Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laff' ich ihn nur walten. Leben, Der mir nichtsBöses gönnen kann. Ich will mich ihm ergeben In Freud' und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Er kann mich nicht betrügen, Er führet mich auf rechter Bahn; So lass' ich mir genügen An seiner Huld Und hab'Geduld; Er wird meinUnglück wenden, Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Er wird nicht von mir weichen Und als ein Arzt, der helfen kann, Den Trank des Heils mir reichen Zur Arzenei. Gott ist getreu; Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohl5. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Muß ich den Kelch gleich schmecken,' Der bitter ist nach meinem Wahn, Laff' ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd' ergött Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laff' ich ihn nur walten. Samuel Rodigast 1675. Eigene Mel.( Röm. 8, 28-39.) 462. Warum sollt' ich mich Christum noch, Wer will mir denn grämen? Hab' ich doch den nehmen? Wer will mir den poco cochocoeoeoe bieb 372 XVIII. Croftlteder. Himmel rauben, Den mir schon| sich lassen schauen; Wollt' ihn Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? auch der Tod aufreiben, Soll der Mut Dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann doch selbst kein Tod uns töten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöten, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schäßen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß wie Rauch verschwinden. 2. Nichts hab' ich hieher genom men, Da ich klein Bin herein In die Welt gekommen; Nichts wird einst auch mit mir ziehen, Wann ich werd' Von der Erd' Wie ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, der's gegeben. Will er's wieder zu sich kehren, Nehm er's hin; Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt' ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5.Gott hat mich in guten Tagen Oft ergößt; Sollt' ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit MaßenSein Gericht, kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier Thun als meiner spotten. Laß sie spotten, laß fie lachen! Gott, mein Heil, Wird in Eil' Sie zu Schanden machen. 44444444 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Chrift, Wo er ist, Stets 10.Was sind dieses LebensGüter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüter! Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt, Christus, wird Mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein; Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben; 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Ewig werd' umfangen! Paulus Gerhardt 1653. 7 XVIII. Croftlieder. Mel. Jesu, meine Freude zc.( Pf. 62. Joh. 10, 11.) 463. Meine Seel' ist stille| Seel', und lege Dich in seinen Schoß; Lerne ihm vertrauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh' so groß, Die da fleußt Aus stillem Geist: Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den kann er erquicken. Zu Gott, deffen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget Mit dem, was Gott füget, Nimmt's an, wie es geht. Geht die Bahn Nur himmelan, Und bleibt Jesus ungeschieden, So bin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu sein, Will dich wirken lassen, Will nur dich umfassen, Nur indir sich freun; Von der Welt, Ehr', Lust und Geld, Dessen viele so beflis sen, Mag sie nichts mehr wissen. 3. Nein, ach nein, nur einer, Sag' ich, und sonst keiner Wird von mir geliebt: Jesus, der Getreue, In dem ich mich freue, Der sich ganz mir giebt. Er allein, Er soll es sein, Dem ich wieder mich ergebe, Dem ich einzig lebe. 4. Gottes Güt' erwäge, Meine 464. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte See: le! Warum liegst du Gott zum Spott In der Schwermutshöhle? Merkst du nicht des Feindes Lift? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erworben, dämpfen. 2. Auf, ermanne dich und 373 5. Still, o meine Seele! Was dich immer quäle, Senk in Jesu Brust. Werde stark durch Hoffen; Was dich je betroffen, Trage du mit Luft. Fasse dich Ganz inniglich Durch Geduld und Glauben feste: Endlich kommt das Beste! 6. Amen, es geschiehet! Wer zu Jefu fliehet, Wird des Beuge sein, Wie Gott seinen Kindern Pflegt das Kreuz zu lindern Und ein froh Gedeihn Aufbewahrt, Bis, wer da harrt, Endlich aus dem schweren Leide Übergeht in Freude. Eigene Mel.( P. 27, 1. 42, 12. 126, 5. 6.) Johann Kaspar Schade 1692. sprich: Fleuch, du alte Schlange! Was erneust du deinen Stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt! Und ich bin durchs Leiden Meines Heilands hingerückt In den Saal der Freuden. 3. Hab' ich was nicht recht gethan, Ist mir's leid von Herzen, Dafür nehm' ich gläubig an ROYOK ablabetes, procesie dbcbcbcbcbcbcbcbcbcbcbe 374 XVIII. Trostlieder. Christi Blut und Schmerzen; Händen. Schnell zerbricht des Denn das ist das Lösegeld Kreuzes Joch, Wenn es Gott Meiner Missethaten, Dadurch will wenden. ist der ganzen Welt Und auch mir geraten. 4. Stürme, Feind und Welt und Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Not Gott mit seinen Gnaden, Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst geschenkt aus Liebe, Daß nicht ewig Spott und Hohn Dort mich einst betrübe. 8. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die geraten selten wohl Ohne Zucht und Ruten. Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd' Will aufs Gute ziehen? 5.Was ist untermHimmelszelt, Was im tiefsten Meere, Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sonnenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? Dient es nicht mir und meinem Leben? 6. Meine Seele lebt in mir Durch die süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinne, Daß sie seines Geistes Gnad' Freudig werden inne. 7.Ich binGottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide,-Laß es dringen! Kommt es doch Von geliebten 9. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen; Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen; Wem daskreuz hier recht bewußt, Hat in Gottes Garten Ewiglich vollkommne Lust Endlich zu gewarten. 10. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mitThränen; Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen. Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen; Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud' und Lachen. 465. Ich will nicht alle Morgen Mein Herz mit schweren 11. Ei so faß, o Christenherz, Alle deine Schmerzen, Wirf sie fröhlich hinterwärts; Laß des Trostes Kerzen Dich erleuchten mehr und mehr; Gieb dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr'! Er wird helfen. Amen. Paulus Gerhardt 1653. Mel. Nun laßt uns Gott zc.( Matth. 6, 25. Jes. 30, 15.) Sorgen Und kummervollem zagen Zu Gottes Unehr' plagen. XVIII. Trostlieder. 375 2. Es ist ihm größre Ehre, Wird stark in Gottes Frieden Wenn ich dem Kummer wehre Und ruhig im Gemüte Mich tröfte seiner Güte. Und darf sich nicht ermüden. 7. Des Geistes Gottes Treiben Lehrt uns bei Christo bleiben, Gott herzhaftVater nennen Und immer besser kennen. 8. So geht man hin im Frieden, Nimmt an, was Gott beschieden, Und geht auf Pilgerwegen Dem frohen Ziel entgegen. 3. Es läßt sich nicht erringen, Nicht durchs Gebet erzwingen; Es läßt sich nicht erlaufen, Nicht durchs Geschenk erkaufen. 4. Beim Glauben, Warten, Hoffen Steht uns der Himmel offen; Die ganze Gottesfülle Genießt man in der Stille. 5. Sieh, wie in deinem Garten Die Blumen ruhig warten, Der Sonne stille halten Und so sich froh entfalten: 6. So wächst man in der Liebe Durch sanfte Glaubenstriebe, 9. Ach, wären wir dort oben, Daß wir ihn könnten loben Mit den verklärten Zungen, Mehr als wir hier gesungen! 10. Doch wollen wir uns rüsten Im Geist mit frommen Christen, Daß uns sein Lob auf Erden Das Süßste möge werden. Wilhelm Ludwig Hosch vor 1811. Eigene Mel.( Ps. 25, 3. Jes. 49, 14-16.) 466. Sont es gleich bis- allergrößten; Er ist gegen seinem weilen scheinen, Als wenn Gott Kind Mehr als väterlich gesinnt. verließ' die Seinen, Oso glaub' und weiß ich dies: Gott hilft endlich noch gewiß. 2. Hilfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wann's nötig ist. 3. Gleichwie Väter nicht bald geben, Wonach ihre Kinder streben, So hält Gott auch Maß und Ziel, Er giebt, wie und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wann die Not am 5. Will mir Satan bange machen, Ich kann seine Macht verlachen; Schwer sei auch des Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Laß die Welt nur immer neiden; Will sie mich nicht länger leiden, Eiso frag' ich nichts darnach, Gott ist Richter meiner Sach'. 7. Will sie mich gleich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben; Der ist, nimmt sie alles hin, Mir der seligste Gewinn. aeocacoes deseo 376 XVIII. Croftlieder. 8. Was die Welt liebt, will ich| 9. Ach Herr, wenn ich dich nur haffen, Ihr gern alles Eitle las sen; Dafür, Troh sei ihrem Spott, Wähl' ich mir nur meinen Gott. habe, Frag' ich nichts nach andrer Gabe; Legt man mich gleich in das Grab,- Ach Herr, wenn ich dich nur hab'! Christoph Tieke 1663. Mel. Was Gott thut zc.( Psalm 18, 47. 94, 9.) 467. Gott lebt. Wie kann| bald dort Arglistig Schlingen le gen, So wird er mich, Ob wunderlich, Doch immer selig leiten, Daß nie mein Fuß kann gleiten. 5.Gott giebt. Und wär' ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben. Was hilft mir denn mein stäter Harm, Als müßt' ich Hungers sterben? Er hat ja Brot! Und wenn die Not Uns nach der Wüste weiset, Wird man auch da gespeiſet. ich traurig sein, Als wär' kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden, Er kennt mein Herz Und meinen Schmerz; Drum will ich nicht verzagenUnd ihm nur alles klagen. 2. Gott hört, wenn niemand hören will; Wie sollt' ich bange sorgen, Mein Seufzen bringe nicht zum Ziel Und sei vor Gott verborgen? Ruf' ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hilfe nieder Und schallt das Amen wider. 3. Gott sieht. Wie klaget denn. mein Herz, Als säh' er nicht mein Weinen? Vor ihm muß auch der tieffte Schmerz Ganz offenbar erscheinen. Kein Thränlein fällt, Das er nicht zählt, Ja wert und teuer schäket, Bis er uns drauf ergötet. 4. Gott führt. Drum geh' ich ruhig fort Auf allen meinen Wegen; Mag mir die Welt bald hier 6. Gottliebt, ob ich die Vaterlieb' In Schlägen nicht gleich finde. Wie er ein lieber Vater blieb AmKreuz bei seinem Kinde, So bleibt er mir mein Vater hier, Der je und je mich liebet, Obgleich sein Kreuz betrübet. 7.Gott lebt; wohlan, ich merke das. Gott hört; ich will's ihm klagen. Gott sieht; er sett den Thränen Maß. Gott führt; ich darf nicht zagen. Gott giebt und liebt; Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben, Auch dort mit ihm zu leben. Benjamin Schmold 1704. XVIII. Trostlieder. 377 Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch zc.( Matth. 14, 24-33. Phil. 1, 23.) 468. Der Himmel hängt voll| gewandt, Mit einem Fuß auf Wolken schwer, Ich seh' das blaue seinem Rand; Zelt kaum mehr; Doch über Wolken hell und klar Nehm' ich ein freundlich Auge wahr. 5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, So schleudr' ich's hinter mich zurück Und schwinge mich an deiner Hand Hinauf, hinauf und jauchze: Land! 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, Sie wird so dunkel oft, die Nacht; Doch, wenn auch meine Seele bebt, Sie weiß, daß dort ein Heiland lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus Ins große, weite Vaterhaus; Doch hält in seiner Kraft sie still, Bis er, bis er sie lösen will. 4. Die Erd' ist mir ein morsches Boot, Das unter mir zu sinken droht; Ich steh', nach oben hin6. Jch ginge gern, so gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier In Sturm und dunkeln Nächten läßst, So halt du meine Seele fest, 7. Daß sie in Sturm und Nächten treu, zu deiner Ehre wacker sei, Bis du mir rufft: Nun ist mir's recht, Nun kannst du kommen, treuer Knecht! Heinrich Möwes 1831. Mel. Singen wir aus Herzensgrund 2c.( Ps. 30, 6.) 469. Auf den Nebel folgt| fühlt, Hat der Gram mein Herz die Sonn', Auf das Trauern Freud' und Wonn', Auf die schwere, bittre Bein Stellt sich Trost und Labsal ein. Meine Seele, die zuvor Sank bis an des Todes Thor, Steigt gen Himmel nun empor. zerwühlt, Hat der Kummer mich beschwert, Hat der Satan mich bethört: Ei so bin ich nunmehr frei, Heil und Rettung, Schutz und Treu'Steht mir wieder treulich bei. 2. Der, vor dem die Welt er schrickt, Hat mir meinen Geist erquickt; Seine hohe, starke Hand Reißt mich aus der Hölle Band; Alle seine Lieb' und Güt' Überschwemmt mir mein Gemüt Und erfrischet das Geblüt. 4. Gott läßt feinen traurig stehn, Noch mit Schimpf zurückegehn, Der sich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze senkt. Wer auf Gott die Hoffnung setzt Findet endlich und zuletzt, Was ihm Leib und Seel' ergößt. 3. Hab' ich vormals Angst ge5.Kommt's nicht heute, wie man will, Sei man nur ein wenig aedea che prese XVIII. Croftlteder. 378 still; Ist doch morgen auch ein Tag, Da die Wohlfahrt kommen mag! Gottes Zeit hält ihren Schritt; Wann die kommt, kommt unsre Bitt' Und die Freude reichlich mit. 6. Ach wie oftmals dacht' ich doch, Da mir noch der Trübsal Joch Auf dem Haupt und Nacken saß Und das Leid mein Herze fraß: Nun ist keine Hoffnung mehr, Auch kein Ruhen, bis ich kehr' In das dunkle Totenmeer. 7. Aber mein Gott wandt' es bald, Heilt' und hielt mich der gestalt, Daß ich, was sein Arm gethan, Nimmermehr gnugpreisen kann. Da ich weder hie noch da Einen Weg zur Rettung sah, Hatt' ich seine Hilfe nah'. 8. Als ich furchtsam und verzagt Mich selbst und mein Herzeplagt', Als ich manche liebe Nacht Mich mit Wachen krank gemacht, Als mir aller Mut entfiel, Tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel, Gabst dem Unfall Maß und Ziel. 9. Nun solang ich in der Welt haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Sets vor meinen Augen sein; Ich will all mein Leben lang Meinem Gott mit Lobgesang Hiefür bringen Preis und Dank. 10. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ew'gen Vaters Herz Mir schon jetzo zugezählt Oder künftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lauf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf. 11. Jch will gehn in Angst und Not, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn ins Grab hinein Und doch allzeit fröhlich sein! Wem der Stärkste will beistehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn. Paulus Gerhardt 1656. Mel. Meinen Jesum lass' ich nicht zc.( Jef. 38, 15-17.) 470. Meine Seele sentet| diellngeduld erregt, Jst in Chrifti sich Hin in Gottes Herz und Hände Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende, Lieget still und willenlos In des liebsten Vaters Schoß. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit allem wohl zufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was Grab gelegt. 3.Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an nichts gedenken, Was gleich spißen Dornen sticht Und den Frieden nur kann kränken.Sorgen kommt dem Schöpfer zu; Meine Seele sucht nur Ruh'. 4. Meine Seele grämt sich nicht, Liebt hingegen Gott in Leiden; ( XVIII. Troftlieder. 379 Kummer, der das Herze bricht,| Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Trifft und ängstet nurdieHeiden. Wird der Freudengeist verjagt. Wer Gott in dem Schoße liegt, 6. Meine Seel' ist still zu Gott, Bleibt in aller Not vergnügt. Und die Zunge bleibt gebunden; Also hab' ich allen Spott, Alle Schmerzen überwunden, Bin, gleichwie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr'. Johann Joseph Winkler 1703. 5. Meine Seele klaget nicht; Denn sie weiß von keinen Nöten, Hängt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wann er will töten. Mel. Wie schön leucht't zc.( 2 Kor. 4, 17. 18. 1 Petri 4, 12. 13.) 471. Die ihr den Heiland kennt und liebt, Jhn, der uns Seligkeiten giebt, Die noch kein Ohr vernommen, Die noch in jenen ew'gen Höhn Kein sterblich Auge je gesehn, Die in kein Herz gekommen: Freut euch! Sein Reich Bleibt euch allen! Bald wird's schallen: Kommt zum Lohne, Nehmt des Rampfes Siegeskrone! 2. Was klagt ihr denn, was zagt das Herz? Kurz ist und leicht der Erde Schmerz Und wirket ew'geFreude. Ach, groß und herrlich ist das Ziel, Der Wonne dort unendlich viel, Getrübt von keinem Leide! Traurig, Schaurig Ist's hienieden; Aber Frieden Wohnt dort oben, Wo die Überwinder loben. sengte Au, Wie milder Frühlingsregen. Thränen, Sehnen, Aug' und Herzen Voller Schmerzen, Glänzt doch immer Uns der ew'ge Hoffnungsschimmer! 4. Drum sind wir froh; wir gehn im Licht, Und heiter ist das Angesicht Bei aller Not hienieden. Im Heiligtum des Himmels liebt Uns Jesus Christus, und er giebt Der Seele heil'gen Frieden. Wer kennt, Wer nennt, Was wir erben Nach dem Sterben? Was uns giebet Der, der uns zuerst geliebet? 3. Ein Blick auf jene Herrlich teit Füllt unser Herz mit Trost und Freud' Und tausendfachem Segen, Erquickt uns, wie der Morgentau Die dürre, fast ver1 5. Was klagst du denn, der du ihn kennst, Der du dich Christi Jünger nennst? Was ist's, das dich betrübet? Froh kannst und sollst du immer sein Und dich des ew'gen Lebens freun, Dich freun, daß er dich liebet. O sei Nur treu! Dsei fröhlich, Hoffend selig Schon im Staube: Gotteskraft sei dir dein Glaube! Gottfried Menken 1818. cadacacorcorea129 XVIII. Trostlieder. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Matth. 16, 24.) 472. Ich habe viel gelitten, himmelein; Und wo er hingegangen, Da soll sein Diener sein. 4. Nur eines, was ich heische, Sei mir noch hier gewährt: Hilf, daß der Welt Geräusche Nicht meine Seele stört! Doch kommt's nach deinem Willen, So laß mich, kindlich klein, Auch dann dein Bild erfüllen Durch Harren und Verzeihn! 5. Jch hab' ein neu Verlangen: Was du willst, will auch ich; Nicht rauben, nur empfangen mag ich mein Wohl durch dich. Gott wohnt in meiner Seele, Erquickt mich täglich viel; Umsonst, daß ich mich quäle, Sein Himmel ist mein Ziel. Johann Friedrich v. Meyer 1825. 380 Doch Jesus litt noch mehr; Was er so hart erstritten, Ist mir nun Kraft und Wehr. Hinan zu seinem Hügel, Du müder Sinn, hinan, Und lern in diesem Spiegel, Wie man ertragen kann! 2. Geh ein in seine Leiden, Geh ein in seinen Tod, Und laß dich willig scheiden Von aller deiner Not! Sei dir in ihm gestorben, So weicht, was dich betrübt; Der hat die Ruh' erworben, Der sich sein selbst begiebt. 3. Was ist es, das mir fehle, Schweigt erst mein Anspruch still? O süßes Los der Seele, Die Gottes Rat nur will! Dies duldende Verlangen Führt' Jesum Mel. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht zc.( But. 7, 11-17.) 473. O süßes Wort, das Jesus spricht Zur armen Witwe: Weine nicht! Es komme nie aus meinem Sinn, Zumal wann ich betrübet bin. 2. Es wird geredet nicht ins Ohr Leis, sondern unter freiem Thor Laut, daß es höret jedermann Und sich darüber freuen kann. 3. Er redet's aber zu der Zeit, Da Tod und Leben war im Streit; Drum soll es auch erquicken mich In Tod und Leben kräftiglich. 4. Wann Not und Armut mich ansicht, Spricht doch mein Jesus: Weine nicht! Gott ist dein Vater, trau nur ihm, Erhört er doch der Raben Stimm'! 5. Bin ich sehr kraftlos, frank und schwach, Und ist nichts da denn Weh und Ach, So tröstet Jesus mich und spricht: Ich bin dein Arzt, drum weine nicht! 6. Raubt mir der Feind mein Gut und Hab, Daß ich muß fort mit meinem Stab, Sagt Jesus wieder: Weine nicht; Denk, was dem Hiob dort geschicht! 7.Vertreibt mich des Verfolgers XVIII. Trostlieder. 381 Hand, Gönnt er mir keinen Sik| denke dran, Was ich zu Nain hab' im Land, Ruft Jesus in mein Herz und spricht: Dein ist der Himmel, weine nicht! 8. Wann um mich Band' und Ketten schon, Wann Feind und falsche Freunde drohn, Spricht Jesus: Weine nicht, und glaub, Dir kann nicht schaden Asch' und Staub! 9. Reißt mir der Tod das Liebste hin, Sagt Jesus: Weine nicht! Ich bin, Der's wieder giebt; ge474. Mein Herz, gieb dich zufrieden und bleibe ganz geschieden Von Sorge, Furcht und Gram: Die Not, die dich jekt drücket, Hat Gott dir zugeschicket; Sei still und halt dich wie ein Lamm! ichid 2. Mit Sorgen und mit Zagen, Mit unmutvollem Klagen Häufst du nur deine Pein; Durch Stillesein und Hoffen Wird, was dich jetzt betroffen, Erträglich, sanft und lieblich sein. 3. Kann's doch nicht ewig währen! Oft hat Gott unsre Zähren Mit einmal abgewischt. Wann's bei uns hieß: Wie lange Wird mir so angst und bange! So hat er Leib und Seel' erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen: Nach Weinen schafft er Lachen, Nach Regen Sonnenschein; Nach gethan! 10. Muß ich selbst ringen mit dem Tod, Ist Jesus da, ruft in der Not: Ich bin das Leben, weine nicht! Wer an mich glaubt, wird nicht gericht't. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Psalm 116, 7. 42, 12.) 11. O süßes Wort, das Jesus spricht In allen Nöten: Weine nicht! Ach klinge stets in meinem Sinn, So fähret alles Trauern hin! Johann Höfel 1634 rauhen Wintertagen Muß uns der Lenz behagen; Er führt in Höll' und Himmel ein. 5. Indes ist abgemessen Die Laft, die uns soll pressen, Auf daß wir werden klein. Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen, Und sollt's auch noch so wenig sein. 6. Der Herr will uns nur ziehen Zu Kindern, die da fliehen Das, was er untersagt; Er will das Fleisch nur schwächen, Den Eigenwillen brechen, Die Lust ertöten, die uns plagt. 7. Er will uns dadurch lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit Glauben und Geduld; Und ſollt' er auch in Nöten Uns laffen gar ertöten, Uns doch getrösten seiner Huld. 8. Denn was will uns auch padacaco desco XVIII. Crostlieder. 382 scheiden Von Gott und seinen Freuden, Dazu er uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So bleibet uns das Erbe Des Himmels ewiglich doch stehn. 10. Drum gieb dich ganz zufrieden, Mein Herz, und bleib geschieden Von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden, Die dich auf ihren Händen Hintragen in die Herrlichkeit. Johann Anastasius Freylinghausen 1713. 9. Ist Christus unser Leben, So muß uns, seinen Reben, Der Tod sein ein Gewinn; Er mag die Leibeshöhle Zerbrechen, doch die Seele Schwingt froh sich auf zum Himmel hin. Mel. Ach, was soll ich Sünder zc.( Jef. 48, 10. 1 Petri 4, 12. 13.) 475. Endlich bricht der heiße Tiegel, Und der Glaub'empfängt sein Siegel, Gleich dem Gold, im Feu'r bewährt; Zu des Himmels höchsten Freuden Werden nur durch tiefe Leiden Gottes Lieblinge verklärt. 2. Unter Leiden prägt der Meister In die Herzen, in die Geister Sein allgeltend Bildnis ein. Wie er dieses Leibes Töpfer, Will er auch des künft'gen Schöpfer Auf dem Weg der Leiden sein. 3. Leiden bringt empörte Glieder Endlich zum Gehorsam wie der, Macht sie Christo unterthan, Daß er die gebrochnen Kräfte zu dem Heiligungsgeschäfte Sanft und still erneuern kann. 4. Leiden sammelt unsreSinne, Daß die Seele nicht zerrinne Jn den Bildern dieser Welt; Ist wie eine Engelwache, Die im innersten Gemache Des Gemütes Drdnung hält. 5. Leiden stimmt des Herzens Saiten Für den Psalm der Ewigkeiten, Lehrt mit Sehnſucht dorthin sehn, Wo die sel'gen Palmenträger Mit dem Chor der Harfenschläger Preisend vor dem Throne stehn. 6.Leiden fördert unsreSchritte, Leiden weiht die Leibeshütte Zu dem Schlaf in kühler Gruft; Es gleicht einem frohenBoten Jenes Frühlings, der die Toten Zum Empfang des Lebens ruft. 7. Leiden macht im Glauben gründlich, Macht gebeugt, barm herzig, kindlich; Leiden, wer ist deiner wert? Hier heißt man dich eine Bürde, Droben bist du eine Würde, Die nicht je: dem widerfährt. 8. Brüder, solche Leidensgnade Wird in mannigfachem Grade Jefu Jüngern kund gemacht, Wenn siemancher Schmerz durchwühlet, Wenn sie manchen Tod 1 XVIII. Troftlieder. 383 gefühlet, Nächte seufzend durch-| ähnlich, Daß ich mit dir leben gemacht. kann! 9. Wenn auch die gesunden Kräfte Zu des guten Herrn Geschäfte Wurden willig sonst geweiht, D so ist's für sie kein Schade, Daß sie ihres Führers Gnade Läutert in der Prüfungszeit. 10. Im Gefühl der tiefsten Schmerzen Dringt das Herz zu seinem Herzen Immer liebender hinan; Und um eins nur fleht es sehnlich: Mache deinem Tod mich 11. Endlich mit der Seufzer Fülle Bricht der Geist durch jede Hülle, Und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermisset dann hienieden, Welch ein Meer von Gottesfrieden Droben ihm bereitet sei! 12. Jesu, laß zu jenen Höhen eller stets hinauf uns sehen, Bis die lette Stunde schlägt, Da auch uns nach treuem Ringen Heim zu dir auf lichten Schwingen Eine Schar der Engel trägt. Nach Karl Friedrich Harttmann 1782. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Psalm 42, 12.) 476. Was ist's, daß ich mich| Ganz glücklich hier zu werden; quäle? HarrGottes, meineSeele, Die Lust der Welt vergeht. Ich Harr und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüket; Gott weiß es und Gott schützet: Er schützet den, der nach ihm fragt. lebe hier, im Segen Den Grund zum Glück zu legen, Das ewig wie mein Geist besteht. 2. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, Eh' ich die Welt noch sah. Eh' ich mich selbst noch kannte, Eh' ich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hilfe nah'. 3. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem Gott nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem Frieden, Wär's auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, 5. Was dieses Glück vermehret, Sei mir von dir gewähret; Gott, du gewährst es gern! Was dieses Glückverleget, Wenn's alle Welt auch schätzet, Das sei von mir, Herr, ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott, So harr' ich und bin stille zu Gott. Denn nicht mein Wille, Dein Wille nur gescheh, D Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, aeocach09 dese 384 XVIII. Trostlieder. Und aller deiner Werke Erbarmst| willst bewahren? Und du, mein du ewig dich. Was kann mir Gott, bewahrest mich. widerfahren, Wenn du mich Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen 2c.( Psalm 39, 8-11.) 477. Fortgekämpft und fort-| 5. Aus des Jammers wilden gerungen, Bis zum Ziele durchgedrungen Muß es, bange Seele, sein! Durch die tiefsten Dunkelheiten kann dich Jesus hinbegleiten; Mut spricht er den Schwachen ein. Wogen Hat dich oft herausgezogen Seiner Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist seine Rechte; Wo ift einer seiner Knechte, Der bei ihm nicht Rettung fand? 2. Bei der Hand will er dich faffen; Scheinst du gleich von ihm verlaffen, Glaube nur und zweifle nicht! Bete, kämpfe son der Wanken! Bald wirst du voll Freude danken, Bald umgiebt dich Trost und Licht. 344454 3. Bald wird dir sein Antlik scheinen; Hoffe, harre bei dem Weinen! Nie gereut ihn seine Wahl. Er will dich im Glauben üben; Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 4. Wend von aller Welt die Blicke, Schau nicht seitwärts, nicht zurücke, Nur auf Gott und Ewigkeit; Nur zu deinem Jesus wende Aug' und Herz und Sinn und Hände, Bis er himmlisch dich erfreut! 6. Schließ dich ein in deine Rammer, Geh und schütte deinen Jammer Aus in Gottes Vaterherz! Kannst du gleich ihn nicht empfinden, Worte nicht, nicht Klage finden,-Klag ihm schweigend deinen Schmerz! 7. Kräftig ist dein tiefes Schweigen, Gott wird sich als Vater zeigen, Glaube nur, daß er dich hört! Glaub, daß Jesus dich vertreten, Glaube, daß, was er gebeten, Gott, sein Vater, ihm gewährt! 8. Drum so will ich nicht verzagen, Mich vor Gottes Antlik wagen, Flehen, ringen fort und fort. Ja ich werd' ihn überwinden, Was ich bitte, werd' ich finden; Er gelobt's in seinem Wort. Johann Kaspar Lavater 1771. Mel. Was Gott thut zc.( 1 Petri 4, 16. Lut. 14, 27. Sir. 2, 1.) 478. Ein Christ kann ohne| nicht betrüben, Wenn Gott verKreuz nicht sein. Drum laß dich's sucht mit Kreuz und Pein Die XVIII. Trostlieder. Kinder, die ihn lieben. Je lieber Kind, Je ernster sind Des from men Vaters Schläge; Schau, das sind Gottes Wege! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Gott will's nicht anders haben; Auch dieses Lebens Not und Bein Sind deines Vaters Gaben. Soll's denn so sein, So geh es ein: Es kommt von Liebeshänden, Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das Kreuz lehrt fleißig beten, Zieht ab vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirf's nicht hin Mit sprödemSinn, Wann's nun zu dir gekommen; Es soll der Seele frommen! 4. Ein Christ kann ohne Kreuz 385 nicht sein. Das inuß uns immer wecken, Wir schliefen sonst in Sünden ein. Wie müßten wir erschrecken, Wann unbereit Die Ewigkeit Und der Posaune Schallen Uns würde überfallen! 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Es lehrt die Sünde hassen Und unsern lieben Gott allein Mit rechter Lieb'umfassen. Die Welt vergeht, Und Gott besteht; Bedenk's und laß dich üben, Das ew'ge Gut zu lieben! 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht sein. Was Gott schickt, will ich tragen; Schickt's doch der liebste Vater mein, Sind's doch nur kurze Plagen, Und wohlgemeint! Wer gläubig weint, Lebt dort in stäten Freuden; Ich will mit Christo leiden! 479. Je größer Kreuz, je näher Himmel! Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott; Bei dem verlarvten Weltgetümmel Vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O selig ist der Mensch geschäßt, Den Gott in Kreuz und Trübsal setzt! 2. Je größer Kreuz, je beßre Christen! Gott prüft uns mit dem Probestein. Wie mancher Garten muß gleich Wüsten Ohn' einen Thränenregen sein! Das Gold wird auf dem Feuerherd', Ein Christ in mancher Not bewährt. Evangelisches Gesangbuch. David Nerreter 1701. Mel. Wer nur den lieben Gott zc.( Jat. 1, 12.) 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube! Die Palme wächset bei der Last; Die Süßigkeit fleußt aus der Traube, Wenn du sie wohl gefeltert haft; Im Kreuze wächset uns der Mut, Wie Perlen in gesalzner Flut. 4. Je größer Kreuz, je mehr Gebete! GeriebneKräuter duften wohl; Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol; Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär'? 25 eacon oreged 386 XVIII. Crostlieder. 5. Je größer Kreuz, je mehr auf einmal alle Not. Verlangen! Im Thale steiget man bergan; Wer durch die Wüsten oft gegangen, Der sehnet sich nach Kanaan; Das Täublein findet hier nicht Ruh', So fleucht es nach der Arche zu. 6. Je größer Kreuz, je lieber Sterben! Man freut sich dann auf seinen Tod; Denn man entgehet dem Verderben, Es stirbt Das Kreuze, das die Gräber ziert, Bezeugt, man habe triumphiert. 7. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz ein solches Herz mir ein, Das Glaube, Lieb' und Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt! Benjamin Schmold 1715. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz zc.( Joh. 19, 25.) 480. Getreuzigter! Zu deinen Füßen Hebt aus dem Staube sich empor Mein Herz, wenn es von Gram zerrissen; Es sucht dein Herz, dein Aug'und Ohr: Dein Herz, die Ruhestatt der Armen, Die niemand sonst erquicken kann, Dein Herz, das zärtlich, voll Erbarmen Den Leidenden ist zugethan. 2. Du, unser heil'ger Blutsverwandter, Der einst so heiß für uns geweint; O du, mit jeder Not bekannter, Erfahrner Arzt und Seelenfreund: Eröffne du dein Herz dem Matten Als eine stille Felsenkluft, Wo Kühlungen ihn sanft umschatten, Wenn oft ein Schmerz dem andern ruft! 3. Wie sich aus deinen Todeswunden Dein Blut zu meinem Heil ergießt, Das sei's in mei nen bängsten Stunden, Was mir den Leidenskelch versüßt; Das gieb als Balsam deinem Kranken, Den Frieden Gottes flöß ihm ein, Und wenn des GlauSo bens Grund will wanken, müß ihm das zur Stüße sein! 4. Dein Aug' mit jenem Blick voll Gnade, Das du dem Petrus zugewandt, Daß er, verirrt auf dunklem Pfade, Dich guten Hir ten wiederfand, Dein Aug' begegne meinemSehnen, Das aufwärts seineSeufzer schickt; Denn milder fließen meine Thränen, Wenn du mich, Jesu, angeblickt. 5. D du, mein freundlichster Regierer, Seitdem ich wall' im Pilgerland, Sei ferner noch mein treuer Führer Bis zu dem schönen Heimatland! Halt mir dein Ohr für alles offen, Was ich dir klag' im Kämmerlein, Und laß mich stets voll Demut hof XVIII. fen, Daß es soll Ja und Amen sein! 6. Du sahest segnend auf die Deinen, Herr, einst vom blut'gen Kreuz herab; So sieh auch mich an und die Meinen In jeder Trostlieder. 387 Stunde bis zum Grab! Wie wird uns sein, befreit vom Staube, Der oft den Geist mit Angst beschwert, Wann endlich Hoff nung, Lieb' und Glaube Die kühnsten Bitten sieht erhört! Albert Knapp( nach Christian Adam Dann) 1837. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein zc.( Sir. 11, 14. Pf. 30, 6.) 481. Von dir, o Bater,| klagte sehr: Ach schaust du, nimmt mein Herz Glück, Unglück, Freuden oder Schmerz, Von dir, der nichts als lieben kann, Voll Dank und voll VerGott, mein Elend nicht? Verbirgst du gar dein Angesicht? trauen an. 7. Dann hörtest du, o Herr, mein Flehn Und eiltest bald mir beizustehn; Du öffnetest mein Auge mir, Ich sah mein Glück und dankte dir. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes Leid FürHeil bringt in derEwigfeit. 3. Ist alles dunkel um mich her, Die Seele müd' und freudenleer: Bist du doch meine Zuversicht, Bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. 4. Verzage, Herz, verzage nie! Gott legt die Last auf, Gott kennt sie; Er weiß den Kummer, der dich quält, Und geben kann er, was dir fehlt. 5. Wie oft, Herr, zagt' ich, und wie oft Half deine Hand mir unverhofft! Den Abend weint' ich, und darauf Ging mir ein froher Morgen auf. 6. Oft sah ich keinen Ausgang mehr; Da weint' ich laut und 8. Sagt's alle, die Gott je geprüft, Die ihr zu ihin um Hilfe rieft, Sagt's, Fromme, ob er das Gebet Geduldig Leidender verschmäht. 9. Die Stunde kommt früh oder spät, Wo Freud' und Dank aus Leid entsteht; Vielleicht daß, eh' du ausgeweint, Dir Gott mit seiner Hilf' erscheint. 10. Wenn niemand dich erquicken kann, So schaue deinen Heiland an; Schütt aus dein Herz in seinen Schoß, Denn seine Huld und Macht ist groß! 11. Einst hat er auch, der Menschenfreund, Jm Thränenthale hier geweint; Auf deineThränen giebt er acht, Und dir zu helfen hat er Macht. behoreoed 388 XVIII. Trostlieder 12. Und helfen will er, zweifle| Seele, dich, Sei guten Muts nicht! Hör, was der Treue dir und glaub an mich! verspricht: Nicht laffen will ich, I Johann Kaspar Lavater 1771. Eigene Mel.( Pf. 42, 12. Jef. 49, 15. 16.) 482. Warum betrübst du dir; Sei du nur meiner Seele dich, mein Herz, Bekümmerst dich und trägest Schmerz Nur um das zeitlich' Gut? Vertrau du deines Gottes Rat, Der alle Ding' erschaffen hat. Hort, So hab' ich Gnüge hier und dort. 2. Er kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl, was dir gebricht; Himmel und Erd' ist sein,-Mein Vater und mein Herr und Gott, Der mir beisteht in aller Not! 3. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind du nimmermehr vergißst, Du väterliches Herz! Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden aller Hilfe bloß. 4. Der Reiche bauet auf sein Gut; Ich will vertraun aufGottes Hut. Ob mich die Welt veracht't, So glaub' ich doch mit Zuversicht: Wer Gott vertraut, dem mangelt's nicht. 5. Ach Gott, du bist so reich noch heut', Als je du warst von Ewigkeit, Mein Trauen steht zu 6. Zeitlicher Ehr' ich gern entbehr', Des Ewigen mich nur gewähr, Das du erworben haft Durch deinen herben, bittern Tod; Das bitt' ich dich, mein Herr und Gott! 7.Alles, was ist auf dieser Welt, Es sei Gold, Silber oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, Das währt nur eine kleine Zeit Und hilft doch nichts zur Seligkeit. 8. Ich danke dir, Herr Jesu Christ, Daß mir das kund geworden ist Durch dein wahrhaftigs Wort; Verleih mir auch Beständigkeit zu meiner Seelen Seligkeit! 483. Du flagst und fühleft die Beschwerden Des Stands, in dem du mühsam lebst; Du strebest glücklicher zu werden und 9. Lob, Ehr' und Preis sei dir gebracht Für alles, wie du mich bedacht. In Demut bitt' ich dich: Laß mich von deinem Angesicht Ewig verstoßen werden nicht! 1565. Mel. Die Tugend wird zc.( 1 Kor. 7, 20. Sir. 3, 19.) siehst, daß du vergebens strebſt. Ja klage nur! Wer sollt' es wehren? Doch denk im Klagen auch zurück: Ist denn das Glück, das XVIII. Croftlieder. wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit; Die wahre Ruhe der Gemüter Ist Tugend und Genügsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast; Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand hat seine Last. 3. Gott ist der Herr; und seinen Segen Verteilt er stets mit weiser Hand, Nicht so, wie wir's zu wünschen pflegen, Doch so, wie 2. Du nicht und kein Menschen kind Haben Recht an diese Welt; Alle, die auf Erden sind, Sind nur Gäst' im fremden Zelt; Gott ist Herr in seinem Haus: Wie er will, so teilt er aus. diski skidai Eigene Mel.( 1 Tim. 6, 6-8.) 484. Nicht so traurig, nicht| Um die Hand voll Eitelkeit, so sehr, Meine Seele, sei betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr' Nicht so viel wie andern giebt. Habe gnug an deinem Gott! Hast du Gott, so hat's nicht not. 3. Bist du doch nicht darum hier, Daß du Erde haben sollt; Schau den Himmel über dir! Da, da ist dein edles Gold; Da ist Ehre, da ist Freud', Freud' ohn' End', Ehr' ohne Neid. 4. Der ist albern, der sich kränkt 389 er's uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens Kräfte In träger Unzufriedenheit; Besorge deines Stands Geschäfte Und nüße deine Lebenszeit! Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Dies ist der Weg zu Ruh' und Leben; Herr, lehre diesen Weg mich gehn! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Wenn ihm Gott dagegen schenkt Schätze der Beständigkeit. Bleibt das Wesen mein Gewinn, Fahr der Schatten immer hin. 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält: Keines mit dir gehen kann, Wann du gehest aus der Welt; Alles bleibet hinter dir, Wann du trittst ins Grabes Thür'. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, Wird von keiner Zeit verzehrt, Istund bleibet ewig gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut verschwindet nicht. 7. Ach, wie bist du doch so blind Und im Denken unbedacht: Augen hast du, Menschenkind, Und 4PD Calcolo 390 XVIII. Croftlieder. hast doch noch nie betracht't Dei-| er's ein, Jst's deinSchade, spricht ner Augen helles Glas; Siehe, welch ein Schak ist das! er nein! 8. Zähle deine Finger her Und der andern Glieder Zahl: Keins ist, das dir unwert wär', Ehrst und liebst sie allzumal; Keines gäbst du weg um Gold, Wenn man dir's abnehmen wollt'. 9. Nun so gehe in den Grund Deines Herzens, das dich lehrt, Wie viel Gutes alle Stund' Dir von oben sei beschert! Du hast mehr als Sand am Meer, Und willst doch noch immer mehr! 10. Gott ist deiner Liebe voll Und von ganzem Herzen treu. Wann du wünscheft, prüft er wohl, Wie dein Wunsch beschaffen sei: Ist dir's gut, so geht 11. Ei so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaubens Freudenlicht; Das behalt, wann dich die Nacht Deines Kummers traurig macht! 485. Jesus kommt, von allem Bösen Uns, seine Christen, zu erlösen; Er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Dann an sei nem großen Tage Verwandelt sich der Frommen Klage In ewige Zufriedenheit. Sei fröhlich, Volk des Herrn! Er kommt, er ist nicht fern, Dein Erretter; Dein Schmerz ist kaum Ein Morgentraum, Bald macht er ew'gen Freuden Raum. 2. Augenblicke dieser Leiden, Was seid ihr gegen jene Freu12. Seze als ein Himmelssohn Deinem Willen Maß und Ziel; Rühre stets vor Gottes Thron Deines Dankes Saitenspiel, Weil dir schon gegeben ist Weit mehr, als du würdig bist. 13. Führe deinen Lebenslauf Allzeit Gottes eingedenk; Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohlbedachtGeschenk. Geht dir's widrig, laß es gehn: Gott und Himmel bleibt dir stehn! Paulus Gerhardt 1648. Mel. Wachet auf! ruft zc.( 2 Tim. 4, 18.) den Der unbegrenztenEwigkeit? Seht dieKron'amZiele prangen, Und kämpft und ringt, sie zu erlangen, Wie ihr dazu berufen seid! Euch halt in eurem Lauf Kein Schmerz des Lebens auf, Überwinder! Das Ziel ist nah', Bald seid ihr da; Dann singet ihr Hallelujah. 3. Der sich euch zum Volk erwählet, Der eure Thränen alle zählet, Stritt auch mit unerschöpftem Mut. Wie hat Jeſus nicht gerungen, Wie tief war er XVIII. Troftlieder. von Angst durchdrungen, Wie seufzt' er laut, wie floß sein Blut! Doch sahn die Feinde nicht Auf seinem Angesicht Bange Schrekken. Er nahm den Lauf zu Gott hinauf: Da gingen ihm die Himmel auf. 4. Wohl uns, wenn wir mit ihm leiden, Dann ernten wir davon auch Freuden Mit ihm, dem Überwinder, ein! Laßt uns kämpfen, laßt uns ringen, Mit uns rem Haupt hindurchzudringen, Um da, wo er ist, einst zu sein! Die Hilfe schafft nur er; Sein da 391 großer Nam' ist: ,, Herr, Unfre Stärke!" Die ihm vertraun Und auf ihn baun, Die werden seine Hilfe schaun. 5. Ja du kommst, von allem Bösen Uns, deine Christen, zu erlösen; Des sind wir froh und danken dir. Auch in noch so trüben Tagen Soll unser Herz doch nie verzagen, Auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist; Wir traun dir, Jesu Christ, Und sind stille. Wenn gleich die Welt Zu Trümmern fällt: Dein Arm ist's, der uns ewig hält! Balthasar Münter 1773. 3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh', mein Leben Mehr lieben als den Herrn; Dir, Gott, will ich vertrauen, Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfft und du errettest gern. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Hiob 2, 10.) 486. Ich hab' in guten 4. Laß du mich Gnade finden Stunden Des Lebens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl; So will ich denn gelassen Mich auch im Leiden fassen; Ist wohl ein Leben ohne Qual? Und alle meine Sünden Erkennen und bereun! Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben sein! 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der Mensch verdient. Sollt' ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe: Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau'ich deiner Gnade; Du, Herr, bist bei mir in der Not. dient? 6. Ich will dem Kummer wehren, Dich durch Geduld verehren, Im Glauben zu dir flehn. Ich will den Tod bedenken; Du, Herr, wirst alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. Christian Fürchtegott Gellert 1757. ebda Toeged XVIII. Trostlieder. 392 Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut zc.( Jes. 38, 14-17. 1 Ror. 10, 13.) 487. Ach treuer Gott, barmherzigs Herz, Des Güte sich nicht wendet! Ich weiß, dies Kreuz und diesen Schmerz Hast du mir zugesendet; Ich weiß, Herr, daß du mir die Last Aus Liebe zugeteilet hast; Wie könntest du mich haffen? 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: Wer Kind ist, muß was leiden, Und wen du liebst, den stäupst du auch, Schickst Trauern vor den Freuden, Führst uns in Tiefen, thust uns weh, Und führst uns wieder in die Höh'; Und so geht eins ums andre. 3. Doch, liebster Vater, wie so schwer Ist's der Vernunft zu denken, Daß du, wann du auch schlägest sehr, Nur wollest Gnade schenken! Wie macht doch Kreuz so lange Zeit! Wie ungern will sich Lieb' und Leid Zusammen laffen reimen! Rufen, Seufzen, Beten! So lang' ein Herz noch hofft und gläubt Und im Gebet beständig bleibt, So lang' ist's unbezwungen. 6. Greif mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe! Du weißt wohl, was ich tragen kann, Und wie es um mich stehe. Ich bin ja weder Stahl noch Stein; Und weht ein Lüftlein nur herein, So fall' ich hin und sterbe. 4. Was ich nicht kann, das gieb du mir, D höchstes Gut der Frommen, Gieb, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd' entnommen! Erhalte mich, o starker Hort, Befest'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren! 5. Bin ich ja schwach, laß deine Treu' mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrossensei Jm 7. Ach Jesu, der du worden bist Mein Heil mit deinem Blute, Du weißest wohl, was Trübfal ist, Und wie dem sei zu Mute, Den Kreuz und großes Unglück plagt; Drum wirst du, was mein Herz dir klagt, Gar gern zu Herzen fassen. 8. Sprich meiner Seele herzlich zu Und tröste sie aufs beste! Denn du bist ja der Müden Ruh', Der Schwachen Turm und Feste, Ein Schatten vor der Sonnenglut, Die Hütte, da man sicher ruht JmSturm und Ungewitter. 9. Ach laß mich schauen, wie so schön und lieblich sei das Leben, Das denen, die durch Trübsal gehn, Du dermaleins wirst geben, Ein Leben, gegen welches hier Die ganze Welt mit ihrer Zier Durchaus nicht zu vergleichen. XVIII. Croftlieder. 393 10. Daselbst wirst du in ew'ger| verwandeln. Da wird mein Lust Gar liebreich mit mir han- Trauern Sonnenschein, Mein deln, Mein Kreuz, das mir und Ächzen lauter Jauchzen sein; dir bewußt, In Freud' und Ehr' Das glaub' ich, hilf mir! Amen. Paulus Gerhardt 1656. Eigene Mel.( Psalm 77, 11. 2 Kor. 12, 9. 10.) 488. Gott, den ich als Liebe kenne, Der du Krankheit auf mich legst Und des Leidens Hig' erregst, Daß ich davon glüh' und brenne! O verbrenne doch in mir Alles, was den Geist verhindert Und der Liebe Regung mindert, Die mich ziehen soll zu dir! 2. In der Schwachheit sei du träftig, In den Schmerzen schaffe Mut, Daß mein Herz im Leiden ruht, Ob das Leiden noch so hef tig! So ist Leiden meinGewinst, So ist es der Liebe Wille, Den verehr' ich sanft und stille: Leiden ist mein Gottesdienst. 3. Gott, ich nehm's aus deinen Händen Als ein Liebeszeichen an; Denn in solcher Leidensbahn Willst du meinen Geist vollenden. Auch die Labung, die man mir Zu des Leibes Notdurft giebet, kommt von dir, der mich geliebet; Alles kommt, mein Gott, von dir. 489. Kommt her und laßt uns hören Die Vögel durch den Wald, Wie sie den Schöpfer ehren, Daß Berg und Thal erschallt. Sie singen ohne Sorgen, Sind freudig, denken nicht, Db 4. Laß nur nicht den Geist ermüden Bei des Leibes Mattigkeit, Daß er sich zu aller ZeitSenk' in dich und deinen Frieden! Laß in Ruh' mit Freundlichkeit Mich gehorsam und bescheiden So auf meinem Bette leiden, Daß es meinen Geist erneut! 5. Dir empfehl' ich nun mein Leben und dem Kreuze meinen Leib; Gieb, daß ich mit Freuden bleib' An dich völlig übergeben! Denn so weiß ich festiglich, Ich mag leben oder sterben, Daß ich nicht mehr kann verderben; Denn die Liebe reinigt mich. Christian Friedrich Richter vor 1711. Mel. Balet will ich dir geben zc.( Matth. 6, 26-32.) ihnen auch den Morgen Dies oder das gebricht. 2. Sie trachten nicht nach Schäßen Durch Sorge, Müh' und Streit; Der Wald ist ihr Ergößen, Die Federn sind ihr cocacaoeoeoeo 44 394 XVIII. Trostlieder. Kleid, Ihr Tisch ist stets gedecket;| ben? Trau ihm nur als ein Sie sind gar wohlgemut, Weil Christ! jedes, was ihm schmecket, Hat, so viel not ihm thut. 3. Sie bauen kleine Neste, Nicht große Scheunen auf, Sind nirgends fremde Gäste Und kaufen guten Rauf; Ein jeder singt hinwieder, So gut er kann und mag, Dem Wirte schöne Lieder Hindurch den ganzen Tag. 4. Der Mensch schlägt sich mit Grillen, Ist blinder als das Tier, Sieht nicht auf Gottes Willen Und forget für und für. ,, Was," spricht er, werd' ich effen? Was trink' ich Armer doch? Der Herr hat mein vergessen!" O Mensch, Gott lebet noch! 5. Der diese Tierlein speiset Und durch die Winterzeit Ihr Körnlein ihnen weiset, Wann alles liegt beschneit: Wie sollte der nicht geben, Was dir vonnöten ist Zum Unterhalt im Le6. Kommt, die ihr Gott nicht trauet, Daß er euch kleiden kann, Geht hin aufs Feld und schauet Die schönen Lilien an: Von wem kommt ihr Geschmeide? Auchkönig Salomo, Mit Purpur, Gold und Seide Geschmückt, war doch nicht ſo. 7. Man siehet sie nicht spinnen, Doch sind sie so geschmückt, Daß aller Künstler Sinnen Hierüber wird entzückt. Der Herr, der solchermaßen Den Blumen Kleider giebt, Wird nicht in Blöße laffen Den Menschen, den er liebt. 8. Auf ihn will ich fest bauen, Ich weiß, er läßt mich nicht; Mein Fleiß darf ihm vertrauen In allem, was gebricht. Ich sorge nicht für morgen, Noch was ich jetzt verzehrt, Und laffe den nur sorgen, Der alle Welt ernährt. Andreas Heinrich Bucholk 1648. Mel. Freu dich sehr zc.( Psalm 126.) 490. Wann der Herr einst| Richt auf uns den Vaterblick; dieGefangnen Ihrer Bande ledig macht, dann schwinden die vergangnen Leiden wie ein Traum der Nacht. Dann wird unser Herz sich freun, Unser Mund voll Lachens sein; Jauchzend werden wir erheben Den, der Freiheit uns gegeben. Rufe die zerstreuten Knechte In das Baterhaus zurück! Ach der Pfad ist steil und weit; Kürze unsre Pilgerzeit, Führ uns, wenn wir treu gestritten, In des Friedens stille Hütten! 2. Herr, erhebe deine Rechte, 3. Ernten werden wir mit Freuden, Was wir weinend ausge= sät; Jenseits reift die Frucht der XVIII. Crostlieder. 395 Leiden, Und des Sieges Palme| Lohn; Die ihm lebten, die ihm weht. Unser Gott auf seinem starben, Bringen jauchzend ihre Thron, Er, er selbst ist unser Garben. Sam. Gottl. Bürde 1787. Mel. Christus, der ist mein Leben 2c.( Offenb. Joh. 22, 21.) 491. Die Gnade sei mit| noch: Du, mächtiger Erlöser, allen, Die Gnade unsers Herrn, Du kommst, so komme doch! Des Herrn, dem wir hier wallen 6. Damit wir nicht erliegen, Und sehn sein Kommen gern. Muß Gnade mit uns sein; Sie 2. Auf dem so schmalen Pfade flößet zu dem Siegen Geduld Gelingt uns ja kein Tritt, Es und Glauben ein. geh' denn seine Gnade Bis an das Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, Man traut ihr ohne Reu'; Und wenn uns je will grauen, So bleibt's: der Herr ist treu. 4. Die Gnade, die den Alten Ihr Weh half überstehn, Wird uns ja auch erhalten, Die wir in unfrem flehn. 5. Wird stets der Jammer größer, So glaubt und ruft man - 2. So ist dies unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Not. 7. So scheint uns nichts ein Schade, Was man um Jesum mißt; Der Herr hat eine Gnade, Die über alles ist. 8. Bald ist es überwunden, Nur durch des Sohnes Blut, Das in den schwersten Stunden Die größten Thaten thut. 9. Herr, laß es dir gefallen, Noch immer rufen wir: Die Gnade sei mit allen, Die Gnade sei mit mir! Philipp Friedrich Hiller 1767. In allgemeiner Not. Eigene Mel.( 2 Chron. 20, 6-12.) 492. Wenn wir in höchster| 3. Wir heben unser Aug' und Not und Bein Und wissen nicht wo aus noch ein Und finden weder Hilf' noch Rat, Obgleich wir sorgen früh und spat: Herz zu dir in wahrer Reu' und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich Im Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. 5. Drum kommen wir, Herr, obies, preses abababababa 396 XVIII. Croftlieder. unser Gott, Und klagen dir all rem Elend bei, Mach uns von unsre Not, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. allen Plagen frei! 7. Alsdann von Herzen wollen wir mit hohen Freuden danken dir, Gehorsam sein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. Paulus Eber um 1550. 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon aus Gnaden los; Steh uns in unsLi4 Mel. Vater unser im Himmelreich zc.( Lut. 22, 42. 1 Petri 5, 7.) 493. Nimm von uns, Herr,| deine große Gnad' Und straf uns nicht auf frischer That; Steh uns mit deiner Güte bei, Daß dein Gericht uns ferne sei! 4. Gedenk an deines Sohnes Tod Und seine bittre Kreuzesnot; Die sind ja für die ganze Welt Der Übelthaten Lösegeld! Des trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barmherzigkeit. 5. Leit uns mit deiner starken Hand, Und segne gnädig Stadt und Land; Gieb uns allzeit dein heilig Wort, Den Argen schreck und treibe fort; Ein selig Stündlein uns verleih, Auf daß zu dir die Heimfahrt sei! Martin Moller 1584. du treuer Gott, Die schwere Straf' und große Not, Die wir mitSünden ohne Zahl Verdienet haben allzumal; Schirm uns vor Krieg und teurer Zeit, Vor Seuchen, Feu'r und andrem Leid! 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht'! UmGnade bitten wir für Recht; Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wollt'st nach unsrem Thun, So müßte ja die Welt vergehn, Und könnt' kein Mensch vor dir bestehn. 3. Ach Herr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein; Beweis uns XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. A. Hausstand. Trauungslieder. Mel. Wie schön leucht't 2c.( Sir. 25, 1. 2. Psalm 128.) 494. Wie schön ist's doch,| heil'gerChe! Wie steigt und neigt Herr Jesu Christ, Jm Stande, sich deine Gab' Und alles Gut so da dein Segen ist, Jm Stande mild herab Aus deiner heil'gen A. Hausstand.( Trauungslieder.) 397 Höhe! Wenn sich An dich Junge| Wir gedenken, Wird er wohl halten Gleich den Alten, Die im Orden Eines Standes einig und weislich lenken. worden. 4. 3war bleibt's nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man leidensvoll Die Thränen lässet fließen; Jedennoch, wer sich in Geduld Ergiebt, des Leid wird Gottes Huld In großen Freuden schließen. Wage, Trage Nur ein wenig! Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, nah herzu, Gieb Rat im Kreuz, in Nöten Ruh', In Ängsten Trost und Freude! Des sollst du haben Ruhm und Preis, Wir wollen singen besterweis' Und danken alle beide, Bis wir Bei dir, Deinen Willen Zu erfüllen, Deinen Namen Ewig loben werden. Paulus Gerhardt 1666. 2. Wenn Mann und Weib sich wohlverstehnUnd unverrückt zusammengehn Im Bunde reiner Treue, Da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, Da sieht man, wie der Engel Schar Jm Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschlagen, Kann zernagen, Was Gott giebet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Seid guten Muts! Nicht Menschenhand Hat aufgerichtet solchen Stand, Es ist Gott, unser Vater; Der hat uns je und je geliebt und bleibt, wann Sorge uns betrübt, Der beste Freund und Rater. Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Amen. Mel. Wie schön leucht't ze.( Psalm 127.) 495. Wo Gott ein Haus nicht selber baut, Wo Gott nicht Braut und Bräut'gam traut, Ist Rat und Werk vergebens; Wo Gott des Hauses Gang regiert, Dem Bräutigam die Braut zu führt, Da quilletLust des Lebens. Zählet, Wählet, Sorget, dentet: Wenn's Gott lenket, Wird's gelingen; Sonst wird niemand was erzwingen. 2. Wenn Gott die Stadt nicht selbst bewacht, Da giebt umsonst derWächter acht, Und Feind und Flammen wüten. Wo Gottes Hand nicht Ehen schließt, Wo er nicht wird ums Ja begrüßt, Giebt's keine Friedensblüten. Schauet, Trauet: Wer Gott dienet, Der nur grünet; Die ihn fliehen, Müssen sich zu Tode mühen. 3. Umsonst springst du vom Lager auf Und eilst vor Tag mit bangem Lauf Brot, Kleidung zu erjagen; Umsonst sitzst du bis Mitternacht Und denkst, es sei edies Toebeacoc 398 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. nicht gnug vollbracht, Und ißst| stand führt Und Gottes Reich erund trinkft mit Zagen. Hülle, bauet! Wohl dem, der fromme Fülle Edler Gaben Soll der haben, Der begnadet Jesum zu der Hochzeit ladet. Kinder hat, Die er zum Heil der Baterstadt Im Geiste wachsen schauet! Jesu, Jesu, Laß geschehen, Was wir flehen: Laß es Chen, Die dein Wert sind, wohlergehen! Johann Adam Lehmus 1762. 4.Wohl dem, der von dem Geist regiert, Mit Christo seinen EhMel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade zc.( Eph. 4, 4. 5, 9.) 496. Gottes Führung for-| Verdienst laß nicht vergebens dert Stille; Wo der Fuß noch selber rauscht, Wird des ew'gen Vaters Wille Mit der eignen Wahl vertauscht. Auch an unsrem Leben sein. 6.Was wir bisher auch versehen, Decke zu mit deinem Blut, Das für aller Welt Vergehen Gnug und überschwenglich thut! 2. Wer da leben will, der sterbe; Wer nicht stirbt, der lebet nicht. Ehe denn das Fleisch verderbe, Scheinet uns kein wahres Licht. 7. Laß uns aber also handeln In des Lebens künft'ger Frist, Daß wir in dem Lichte wandeln, Herr, wie du im Lichte bist! 8. Unsern Stand laß mit dem Glanze Deiner Kraft umgeben sein, Und ein jedes Kind zur Pflanze Der Gerechtigkeit gedeihn. 9. Stärk uns in des Lebens Leiden, Leit uns auf der Todesbahn! Derer Scheiden ist kein Scheiden, Die sich, Herr, in dir umfahn. Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf 1728. V. 9 3usak. 3. Zeitlich, ewig- geistlich, geistlich, leiblich Bietet manchmal sich die Hand; Aber wie so unbeschreiblich Wird es eins im Eheband! 4. Darum ist es unumgänglich, Jesus führ' uns erst hinein, Will man hoffen, überschwenglich Darin unterstützt zu sein. 5.Höchstes Vorbild alles Lebens, Welches heilig ist und rein, Dein Mel. Wie schön leucht't zc.( Eph. 4, 1-6.) 497. Von dir, du Gott der Schwur der Pflicht Und Eintracht abzulegen! Laß sie, Vater, Dir ergeben Einig leben, Treu sich lieben, Treu die Pflicht der Christen üben. Einigkeit, Ward einst der Ehe Bund geweiht. O weih auch sie zum Segen, Die hier vor deinem Angesicht Bereit stehn, dir den A. Hausstand. 2. Gott, der du sie verbunden haft, Mach ihnen leicht des Lebens Last; Gieb, daß kein Gutes fehle! Den Ehbund laß sie nie entweihn, Keusch laß sie, fried sam, zärtlich sein, Ein Herz und eine Seele! Immer Laß sie Dir ergeben Einig leben, Einig handeln, Fromm und heilig vor dir wandeln. ( Tranungslieder.) 399 3.D segne fie, der gern beglückt Und Segen uns von oben schickt, Auf allen ihren Wegen! Laß ihr Geschlecht sich deiner freun; Gieb selbst zu ihrem Fleiß Gedeihn, Und ihr Beruf sei Segen! Laß sie, Vater, Dir ergeben Glücklich leben, Freudig sterben: So sind sie des Himmels Erben. Georg Ernst Waldau 1779. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu 498. Wohl einem Haus, wo Jesus Christ Allein das All in allem ist! Ja wenn er nicht darinnenwär', Wie finster wär's, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn der Mann, das Weib, das Kind Jm rechten Glauben einig sind, zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot. 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Werk nichts ist und heißt! 4. Wohl, wenn das Räuchwerk im Gebet Beständig in die Höhe geht, Und man nichts treibet fort und fort Als Gottes Werk und Gottes Wort! uns wend zc.( Jof. 24, 15.) 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Den Geist der Eintracht offenbart! 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind, Und wenn sie Kind und Kindeskind Versäumen nicht am ew'gen Glück! Dann bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohlsolchem Haus! denn es gedeiht: Die Eltern werden hocherfreut, Und ihren Kindern sieht man's an, Wie Gott die Seinen ſegnen kann. 8. So mach' ich denn zu dieser Stund' Samt meinem Hauſe diesen Bund: Wich' alles Volk auch von ihm fern, Ich und mein Haus stehn bei dem Herrn! Christoph Karl Ludwig von Pfeil 1782. Mel. Sollt' es gleich zc.( Pf. 127, 1. 2.) 499. Wo der Herr das Haus| helfen will, Steht das Werk beinicht bauet, Wo man's ihm nicht anvertrauet, Wo man selbst sich zeiten still. 2. Wenn der Herr die Stadt cococa, oregeocac 400 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. nicht hütet, Wo der Feind bald| de, Lebt und liebt in ihn euch ein, schleicht bald wütet, Wird sie Dann wird euer Werk gedeihn! trotz der Wächter Fleiß Flam- 7. Schlafend giebt er's seinen men oder Mördern preis. Freunden, Giebt noch Größres, als sie meinten, Daß sie staunen, wenn sie sehn So viel Vorrat um sich stehn. 3. Alles Schaffen und Bestreben, Alles Sorgen, Rennen, Beben Thut es nicht, wenn's Gott nicht thut, Gott und seine treue Hut. 8. Segnend tritt auf ihre Bitte Gott, der Herr, in ihre Mitte; Viel Gebete, reiches Brot, Starker Mut, wenn Übel droht. 9. Sorgt nicht für den andern Morgen; Lernt für eure Seele sorgen, Trachtet nach der Ewigkeit: Gott ist nahe jederzeit. 10. Scheint's, daß wenig Trost vorhanden: Nein, ihr werdet nicht zu Schanden! Nur der Sünder Haus zerfällt, Fromme bleiben Herrn der Welt. Johann Adam Lehmus 1762. 4. Eilet früh aus eurem Bette, Ringt und wirket um die Wette, Sitt kalt, hungrig, ausgewacht Bis zur späten Mitternacht: 5. Euer Rechnen, Sorgen, Ringen Wird euch doch kein Glück erzwingen! Wer sich selber Hilfe schafft, Der verschmähet Gottes Kraft. 6. Zieht Gott im Gebet zu Rate, Mühet euch um Gottes Gna- Eigene Mel. oder: So führst du doch zc.( But. 19, 9.) 500. felig Saus, wo man| Liebe eines Geistes sind, Als dich aufgenommen, Du wahrer beide eines Heils gewürdigt, Seelenfreund, Herr Jesu Christ; keiner Im Glaubensgrunde anWo unter allen Gästen, die da ders ist gefinnt; Wo beide unzerkommen, Du der gefeiertste und trennbar an dir hangen In Lieb' liebste bist; Wo aller Herzen dir und Leid, Gemach und Ungemach, entgegenschlagen, Und aller Au- Und nur bei dir zu bleiben stets gen freudig auf dich sehn; Wo verlangen An jedem guten wie aller Lippen dein Gebot erfra- am bösen Tag! gen, Und alle deines Winks gewärtig stehn! 2. D selig Haus, wo Mann und Weib in einer, In deiner 3. D selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als A. Hausstand.( Tranungslieder.) 401 die Seinen Mit mehr als Mut-| Demut willig, und in Liebe frei, terliebe hegt und pflegt; Wo sie Das Ihre schaffen froh und unzu deinen Füßen gern sich sam- verdrossen, In kleinen Dingen meln Und horchen deiner süßen zeigen große Treu'! Rede zu, Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland, du! 5. O selig Haus, wo du die Freude teilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt! D selig Haus, wo du die Wunden heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist, Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins große, freie, schöne Vaterhaus! Karl Johann Philipp Spitta 1833. 4.O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in einem Eifer brennen: Daß es nach deinem Willen mag geschehn; Als deine Diener, deine Hausgenossen, In hik Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 2c.( Rol. 3, 14.) 501. Gott, du bist selbst die| Das laß uns nimmer brechen, Liebe; Wer liebet ohne dich Und folgt nicht deinem Triebe, Der ladet Fluch auf sich. Du mußt der Anfang sein Und auch das Ende machen Bei allen meinen Sachen Durch deinen Gnadenschein. Bis Grab und Tod uns scheidt! 4. Der Himmel träufle Segen Auf unsern Ehestand; Führ uns auf allen Wegen Durch deine Vaterhand! Stört uns der Seelenfeind, So treib ihn in die Wüste; Hilf, daß uns nicht gelüfte, Was dir zuwider scheint! 5. Gieb uns vergnügte Herzen In Lieb' und auch im Leid; Versüße du dieSchmerzen, Deskreuzes Bitterfeit! Schenkst du uns Thränen ein Und schlägst uns eine Wunde, So kommt doch wohl die Stunde, Da Wasser wird zu Wein. 6. Laß uns im Frieden leben, DesFriedens Kinder sein; Wann wir die Hand drauf geben, So 26 2. Wir opfern unsreHerzen Vor deinem Throne hier. Zünd an der Liebe Kerzen, Verbind uns erst mit dir, und gieb uns deinen Geist, Der unsern Sinn regiere, Zum rechten Zweck uns führe, Der wahre Liebe heißt! 3. Du bist ein reines Wesen, Mach unsre Herzen rein; Was uns wird vorgelesen, Drück in die Seelen ein! Versiegle unsern Eid: Was wir vor dir versprechen, Evangelisches Gesangbuch. dacoch presenc 402 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. schlage du mit ein! Dein Amen| Liebe; Wir folgen deinem Triebe, sei das Wort, Das Siegel unsrer Hier ist der Segensort. Benjamin Schmold 1716. Mel. Wie schön leucht't zc.( Jof. 24, 15.) 502. Ich und mein Haus,| 4. Laß unser Haus gegründet sein Auf deine Gnade ganz allein Und deine große Güte; Auch laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue Hilfe schaun Mit kindlichem Gemüte; Selig, Fröhlich, Selbst mit Schmerzen In dem Herzen Dir uns laffen, Und dann in Geduld uns fassen! 5. Giebst du uns ird'sches Glück ins Haus, So schließ den Stolz, die Weltlust aus, Des Reichtums böse Gäste! Denn wenn das Herz an Demut leer Und voll von eitler Weltlust wär', So fehlte uns das Beste: Jene Schöne, Tiefe, stilleGnadenfülle, Die mitSchätzen Einer Welt nicht zu ersehen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, Daß in dem Haus kein andrer Geist Als nur dein Geist regiere; Daß er, der alles wohl bestellt und gute Zucht und Ordnung hält, Uns alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns allen, Bis wir wallenheim, und droben Dich in deinem Hause loben. Karl Johann Philipp Spitta 1833. 40 wir sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel' und Leib zu dienen. Du sollst der Herr imhause sein; Gieb deinenSegen nur darein, Daß wir dir willig dienen. Eine Kleine, Fromme, reineHausgemeine Mach aus allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser aller Seelen; Es leucht uns wie das Sonnenlicht, Damit's am rechten Lichte nicht Im Hause möge fehlen! Reiche Gleiche Seelenspeise Auch zur Reise Durch dies Leben Uns, die wir uns dir ergeben! 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und alle, die drin wohnen, aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen sein bereit, De mütig, sanft, gelinde! Liebe Übe Jede Seele; Keinem fehle, Dran man kennet Den, der sich den Deinen nennet. Für Eltern. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend zc.( Mark. 10, 13-16.) 503. Ihr Eltern, hört, was| lein sollt ihr wehren nicht, Daß Christus spricht: ,, Den Kind sie sich meinen Armen nahn; A. Hausstand.( Für Eltern.) 403 Denn ich will segnend sie em-| auf sie lehr' In Kirchen und in pfahn!" Schulen wohl, Wie man Gott gläubig ehren soll! GUG 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, So führet sie zu Jesu hin! Wer dies nicht thut, ist ihnen feind, Wie groß auch seine Liebe scheint. 2. Auch ihrer ist das Himmelreich, Und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Weltlust, Pracht und Ehr' Hat's bald ein End' und ist nicht mehr. 3. Das Himmelreich sich nie verliert, Darein uns Jesus Chriftus führt Durch seine Lehr', dies ew'ge Wort, Das uns macht selig hier und dort. 4. Gehorchet ihm und bringt sie her, Daß man von Jugend #sgnize arging dull Mel. Werde munter 2c.( Ps. 115, 14. Jef. 8, 18.) 504. Sorge, Herr, für unsre Kinder, Sorge für ihr wahres Heil! Sind sie gleich vor dir nur Sünder, Haben sie an dir doch teil: Sie sind in der Taufe schon Dir geweiht und deinem Sohn; Darum leite deineGnade Sie auf ihrem Lebenspfade. 2. Der du sie bisher erhalten Bei so manchem Unglücksfall, Wollest über ihnen walten Immerdar und überall; Bricht Gefahr für sie herein, Wollst du ihr Beschützer sein; Wenn in Not sie zu dir flehen, Laß sie deine Hilfe sehen! 6. Was hilft den Kindern großes Geld, Wenn nicht ihr Herz ist gut bestellt? Wer sie zu Gott recht führen läßt, Der thut für sie das Allerbest'.ull fig Ludwig Helmbold 1578. 3. Dringt auf sie von allen Seiten Der Verführer Schar heran, Laß doch ihren Fuß nicht gleiten, Halte sie auf rechter Bahn! Regt in ihrer eignen Brust Sich mit macht die böse Lust, Gieb dann, daß sie mutig kämpfen Und den Reiz der Sünde dämpfen! 4. Herr, erhalte deinem Reiche Unsre Kinder stets getreu! O daß keines von dir weiche Und dereinst verloren sei! Weck in ihnen frommen Sinn, Lenk ihr Streben darauf hin, Dir sich gänzlich zu ergeben Und zur Ehre dir zu leben. 5. Schenke mir die Himmelsfreude, Daß ich einst am jüngsten Tag Nach so manchem Kampf und Leide mit Frohlocken sprechen mag: Liebster Bater, siehe hier meine Kinder all mit mir! Shrer keines ist verloren, Alle für dein Reich erkoren! Nach Ludwig Heinrich Schlosser vor 1723. do Toeged XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Herr Jesu Chrift, dich zu uns wend zc.( Eph. 6, 4.) 505. Hilf, Gott, daß unsre| Gebets, Gieß dich in ihre Herzen Kinderzucht Geschehe stets mit Nuk und Frucht, Und aus dem Mund der Kinder dir Ein Lob ertöne für und für! stets; Furcht Gottes gieb in ihren Sinn, Die aller Weisheit Anbeginn! 2. Laß unsre Kinder insgemein Den Eltern stets gehorsam sein, Und meiden allen Lügenhang, Den Eigensinn und Müßiggang. 3. Schenk ihnen deiner Wahrheit Licht Und segne ihren Unterricht, Damit durchs Wort aus deinem Mund Ihr Glaub' er halte festen Grund! 4. Behüte sie vor Ärgernis; Mach sie des rechten Wegs gewiß, Wo ihnen ein Verführer naht Mit gift'gem Reiz zur Missethat. 5. Nimm ihre Seelen, Herr, in acht, Beschirme sie mit deiner Macht, Damit sie dich verlassen nie; Dein Engel lagre sich um sie. 6. D Geist der Gnad' und des 404 7. Erleuchte sie mit deinem Schein; Laß sie zum Lernen willig sein, An Gnad' und Weisheit immerdar Zunehmen lieblich Jahr für Jahr! 8. Regiere sie ohn' Unterlaß, Damit sie zum vollkommnen Maß Des Lebens Christi wachsen fort Und Früchte bringen durch sein Wort! 9. Vollende sie in dieser Zeit Zum Erbteil in der Ewigkeit! Den Kindern, Heiland, sprichst ja du So liebevoll den Himmel zu. 10. Und schließt sich einst ihr Erdenlauf, So nimm sie selig i zu dir auf, Damit samt ihnen wir zugleich Dich preisen dort in deinem Reich! Nach einem ältern Liede 1659. Für Kinder. Eigene Mel.( Psalm 23.) 506. Weil ich Jesu Schäf-| Geh' ich aus und ein, und hab' lein bin, Freu' ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, Der mich wohl weiß zu bewirten, Der mich liebet, der mich kennt Und bei meinem Namen nennt. Unaussprechlich süße Weide, Daß ich keinen Mangel leide; Und so oft ich durstig bin, Führt er mich zum Brunnquell hin. 3. Sollt' ich denn nicht fröhlich sein, Nun ich sein bin und er mein? Denn nach diesen schönen 2. Unter seinem sanften Stab A. Hausstand.( Für Kinder.) 405 Tagen Werd' ich endlich heim- und Schoß. Amen, ja mein getragen In des Hirten Arm Glück ist groß! Quise Henriette von Hahn 1778. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend zc.( But. 2, 51. 52.) 507. Nun hilf uns, o Herr| Lehr uns nach deinem Vorbild Jesu Christ, Der du einst hier thun! gewesen bist Ein freundliches und frommeskind, Ohn' alle Schuld, ohn' alle Sünd'! 3. Gieb deinen Geist in unsre Brust, Hilf lernen uns mit Kindeslust, Damit wir legen rechten Grund Und ewig stehn in deinem Bund! 2. Wir Kinder bitten eines nur, Versag's nicht, Herr, der Kreatur: Hilf uns in deinem Willen ruhn, Böhmische Brüder, überarbeitet von Albert Knapp 1837. Mel. Auf, Christenmensch zc.( Mark. 10, 13-16.) 508. Heil uns! Des Vaters| dem Arm, Die Mutterlieb' entEbenbild, Der nun im Himmel thronet, Hat hier auf Erden hehr und mild Gewandelt und gewohnet, Und seine Huld und Herrlichkeit Umhüllt' ein schlichtes Pilgerkleid. gegen, Frohlockend hüpft' ein bunter Schwarm Von Kindlein an den Wegen, Und Jesus sah in stiller Ruh' Dem fröhlichen Gewimmel zu. 5. Da rief ein Jünger: Laßt fie fern! Die Mütter sahn beklommen. Er aber sprach: Ich seh' sie gern, O laßt sie zu mir kommen; Und seid auch ihr den Kindlein gleich, Denn ihrer ist das Himmelreich! 2.Er kam hernieder wunderbar, Die Menschen zu erlösen, Und wunderschön und freundlich war Sein Wort, sein Blick und Wesen. Ein stiller Glanz, ein himmlisch Licht Umfloß sein holdes Angesicht. 6. Und sieh, die Kindlein 3. Er ging im Land umher, drängten dann Sich um ihn voll sein Herz Voll Liebe und Erbar- Verlangen, Und Jesus nahm men; Er teilte freundlich jeden sie freundlich an Mit liebendem Schmerz Und tröstete die Armen; Umfangen, Hob sie empor auf Und was am lieblichsten er- Arm und Knie Und segnete und scheint: Er war der Kindlein herzte sie. Schirm und Freund. 4. Jhm ging, den Säugling in 7. O hätt' auch ich damals gelebt, Als er auf Erden wallte, Seed 406 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Auch meine Thräne ihm gebebt,| sehn Voll Huld auf uns hernieWenn Preis und Dank ihm schallte, Getrost hätt' ihn auch ich begrüßt Und seine Segenshand geküßt! der? Und einst von jenen Himmelshöhn Erscheint er herrlich wieder; Und sind wir dann den Kindlein gleich, Führt er uns in sein himmlisch Reich. 8. Doch schauet er nicht ungeFriedrich Adolf Krummacher 1810. Mel. Vom Himmel hoch zc.( Ephes. 6, 1-3. Sir. 3, 11.) 509. Ihr Kinder, lernt| ein und aus; Der Fluch der Mutter reißt es ein, Denn Gott will selbst der Rächer sein. von Anfang gern Der Weisheit Grund, die Furcht des Herrn! Was ihr beizeiten lernt und thut, Kommt jetzt und ewig euch zu gut. 6. Ein Kind, das seinen Vater schmäht Und trokig von der Mutter ter geht, Wird gleich dem Baume früh entlaubt und ruft sich Not und Tod aufs Haupt. 7. Doch, o wie süß, wenn Vatermund Und Mutterfreude geben kund: ,, Die liebste Blume, die ich find', Ist unser treues, frommes Kind!" 2. Hört die Verheißung, welche Gott Als Vater legt auf seinGebot, Wenn er den Himmelsweg euch weist Und euch gehorsam werden heißt: 3. ,, Ehr deine Eltern spät und früh, Dank ihnen ihre Lieb' und Müh'; Dann wird's dir wohl auf Erden gehn, Dann wirst du Gottes Himmel sehn!" 4. So war auf seiner Erdenbahn Den Eltern Jesus unter than; Er, dessen Stuhl die Himmel sind, War einst gehorsam als ein Kind. 8. Den Vater lieb von Herzensgrund Und ehre ihn mit That und Mund; Vergiß nicht, wie du lange Frist Der Mutter ſauer worden bist! H 9. Gott, sende deinen Segensstrahl Eltern und Kindern allng zumal; Halt sie verbunden in der Zeit, Verbunden in der Ewigkeit! Albert Knapp 1840. 5. Des Vaters Segen baut ein Haus, Wo Kinder froh gehn Mel. Wie jelig bin ich zc.( 1 Kor. 7, 14. 2 Tim. 3, 15-17.) 510. Daß ich in deiner geweiht, Wie sehr ist mir's GeChristenheit, Mein Gott, gebowinn! ren bin, Dir durch die Taufe bin 2. Nun ward ich in der Kind A. Hausstand. heit schon mit dir und dem bekannt, Den du von deiner Himmel Thron Zum Heil der Welt gesandt. 3. Jch lernte früh bereits verstehn, Was dein allweiser Rat Auch mir zum ew'gen Wohlergehn Voll Huld geordnet hat. 4. Erleuchtet durch dein heilig Wort Seh' ich die sichre Bahn, Darauf wir uns so hier als dort Dem wahren Leben ahn. 5. Ich kenne diese Welt noch nicht, Die Sünde drohet mir; ( Für Kinder.) 407 Du aber ziehst mich durch dein Licht Zur Wahrheit und zu dir. 6. Wie dank' ich dir, Alliebender, Für diese Vatertreu'! Gieb, daß dir immer inniger Mein Herz ergeben sei! 7. Auch ich bin dir zum Eigentum Durch deinen Sohn erkauft, Auch ich bin dir zum Dienst und Ruhm Auf sein Gebot getauft. 8. Dir will ich denn mich! Mein ganzes Lebenweihn; So freut mein Herz sich inniglich Des Glücks, ein Christ zu ſein. Johann Benjamin Koppe vor 1791. stärke 3. Da kann ich auch mit Gebeten Gern vor dich, o Jesu, treten, - D Mel. Sollt' es gleich bisweilen scheinen 2c.( 2 Tim. 2, 22.) 511. Laß, o Jesu, meine Ju-| Gerne dir gehorsam sein, Gerne lieben dich allein. gend Nur der Weisheit und der Tugend, Und mein Leben ganz allein Deinem Dienst ergeben sein. 2. Du wollst deinen Geist mir geben, Der mich fromm und heilig leben Und zum Vater beten lehrt, Wenn er meinen Glauben mehrt. 4. Gern will ich auch fleißig lernen, Gern mich überall entfernen, Wo zu einem bösen Spiel Leichtsinn mich verführen will. 5. Soll ich einst auch etwas leiden, Einst aus diesem Leben scheiden, Jesu, so gedenke mein, Und nimm in dein Reich mich ein! Gottlieb Konrad Pfeffel 1778. Mel. Wie selig bin ich zc.( Ps. 119, 9.) 512. Du kanntest schon und| 3. Mit Weisheit, ach ich bitte liebtest mich, Eh'deine Hand mich schuf; zu kennen und zu lieben dich Ist, Vater, mein Beruf. 2. Dein sei der Jugend Blüte, dein Die ganze Lebenszeit; Und mein sei deine Gnade, mein Noch in der Ewigkeit. dich, Erfülle den Verstand; Und naht mir ein Verführer sich, So beut mir deine Hand! 4. Der Jugendlüfte Eitelkeit Laß ferne von mir sein, Der Tugend und der Sittsamkeit Und deiner Furcht mich weihn! Codege 408 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 5. Jst mir von deiner Gütigkeit| und Fleiß, Laß Mühe nie mich Ein Vorzug, Gott, verliehn, So scheun! So werd' ich dir, o Herr, laß mich Selbstgefälligkeit Als zum Preis Der Welt einst nüßeine Thorheit fliehn! lich sein. 6. Will meiner Jahre wallend Blut Mich eiligst hintergehn, So gieb mir Weisheit, gieb mir Mut, O Gott, zu widerstehn! 7. Die Lust, die unsern Sinn entzückt, Beflecket oft das Herz, Und Sünde, die das Herz berückt, Wirkt Reue, Schand' und Schmerz. 8. Nichts ist mein bester Vorsak, nichts, Herr, ohne deine Kraft; Nichts gilt amTage des Gerichts, Was deine Hand nicht schafft. 9. Zum Lernen gieb mir Treu' kehrtest Aus der Heiligtum des Herrn, Wo du seinen Willen hörtest, Bliebst du bei den Eltern gern; Warest willig, ihren Willen Treu und kindlich zu erfüllen, Und voll Demut für und für; Gottes Gnade war mit dir. 10. Du gabst mir Eltern, Lehrer mir; Jhr treuer Unterricht, Ihr lehrend Beispiel kommt von dir, Von dir, du höchstes Licht. 11. Hab' ich sie nicht genug geliebt, Wie mir dein Wort gebeut, Und sie ausLeichtsinn oft betrübt, Vergieb's, es ist mir leid! 12. Du sollst, Gott meiner Jugend, noch Mein Gott im Alter sein; Und so will ich auch sterbend noch Dich preisen, dein mich freun. Leonhard Friedrich Dürr 1779. Mel. Gott der Wahrheit und der Liebe zc.( Luk. 2, 51. 52.) 513. Jesu, als du wieder-| 2. Sieh, jetzt ziehet deine Herde Aus der Schule fröhlich aus; Daß sie fromm und tüchtig werde, Lehrst du sie in diesem Haus. Hilf daheim und bei den Spielen, Einsam oder unter vielen, Uns gedenken unsrer Pflicht; Kinderfreund, verlaß uns nicht! Jonathan Friedrich Bahnmaier 1821. helfen kann! Mit Gott fang' ich die Arbeit an, Mit Gott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch - Berufslieder. Mel. Du, des fich alle Himmel freun zc.( Pf. 117, 2. 90, 17.) 514. Das walte Gott, der dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert Gottes Kraft A. Hausstand. und Stärk'; Mein Herz sucht Gottes Angesicht, Drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts, Wo Gott nicht giebet, da gebricht's; Gott giebt und thut mir alles Guts, Drum sprech' ich nun auch guten Muts: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, So will ich dankbar sein dafür; Auf sein Wort werf ich aus mein Netz Und sag' in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! 5. Anfang und Mitte samt dem End' Stell' ich allein in Gottes Händ', Er gebe, was mir nüklich ist; Drum sprech' ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei Nach seiner großen Güt' und Treu', So gnüget mir zu jeder Stund'; Drum sprech'ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 7.Trifft mich einUnglück,-unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott gewagt, Er wirdmirgnädig stehen bei; Drum dies auch meine Losung sei: Das walte Gott! ( Berufslieder.) 409 8. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat. Er giebt und nimmt, macht's, wie er will; Drum sprech' ich auch fein in der Still': Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Not Und giebt mir auch mein täglich Brot; Nach seinem alten Baterbrauch Thut er mir Guts; drum sprech' ich auch: Das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst, Nichts hilft Verstand, Wig oder Kunst; Mit Gott geht's fort, gerät auch wohl, Daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11.Teilt Gott was mit aus Gütigkeit, So acht' ich keiner Feinde Neid. Laß hassen, wer's nicht lassen kann, Ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 12. Thu' ich denn was mit Gottes Rat, Der mir beistehet früh und spat, Dann alles wohl geraten muß; Drum sprech' ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! Johann Betichius 1721. Mel. Du, Gott, bist über alles Herr zc.( But. 16, 10. Pf. 90, 17.) 515. Zur Arbeit winkt mir| Fleiß, Gieb Lust und Kraft dazu; mein Beruf; Du, dessen Güte Zum Nutzen mir und dir zum mir Die Kräft'in Seel' und Glie- Preis Gedeihe, was ich thu'! dern schuf, Ich fange an mit dir. 2. D stärke mich zu munterm 3. Herr, ohne dich ist kein Gedeihn, Vergeblich Müh' und redes Toeges XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. 410 Schweiß; Laß deinen Segen mit mir sein, Dann bringet Frucht mein Fleiß! 4. Gefahr für Leib und Seele droht Der träge Müßiggang; Zur Arbeit rief uns dein Gebot Aus Gnade, nicht aus Zwang. 5. Auch reiße mich kein falscher Trieb Zur Regsamkeit dahin; Wenn ich vor dir ein Schuldner blieb', Was wäre mein Gewinn? 6. O daß, vom Joch der Trägheit frei, Mein Fleiß auch an dern gern Zum Nußen, nie zum Schaden sei! Wir dienen einem Herrn. 7. Kein Raum sei schnöder Weichlichkeit In meinem Thun vergönnt, Dem Sinn, der Müh' und Lasten scheut Und nur nach Freuden rennt. tollaf 8. Nie will ich wie der faule Knecht Vergraben, Herr, mein Pfund; Dem Faulen wird mit vollem Recht Die Zornesrute kund. 9. Mein Fleiß sei auch im Kleinen treu, Mein Werk in Gott gethan, Daß dermaleins ich fähig sei, Auch Größres zu empfahn! Karl Bernhard Garve 1825. Mel. O Gott, du frommer Gott zc.( Ps. 123, 2. Kol. 3, 17.) zur Last, Auf daß du Ruhm dabei Von deinem Kinde hast. 516. Komm, Segen aus| sten werd' Aus eigner Schuld der Höh', Gieb, Herr, mir Lieb' und Stärke, Daß ich nur wachsam geh' An jedes meiner Werke! Arbeitsam sein ist süß; Nur hilf auch du dabei, Daß Martha die ser Leib, Der Geist Maria sei. 2. Laß alles freundlich sein, Voll Demut, was ich sage, Es sei groß oder klein; Und daß ich lieber trage, Als meinem Näch3. Wo meine Füße gehn, Was meine Händ'arbeiten, Da will ich auf dich sehn, Als stündst du mir zur Seiten. Dein Geist regiere mich, Bis alles, was du willt, In meinem Herzen ist und durch mein Thun erfüllt! Gräfin Benigna Maria von Reuß 1735. in stipur anG Für Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c.( Eph. 6, 5-9.) 517. Gott, deinen weisen schen lassen werden; Dir will ich meine Kräfte weihn. Willen Soll jeder hier erfüllen; Laß ihn mir heilig sein! Du hast auch mich auf Erden Zum Men2. Ich soll hier andern dienen; Und dien' ich treulich ihnen, So A. Hausstand.( Für Dienstboten.) 411 folg' ich dir, mein Gott. Laß nie betrügen Und mich vor deimeiner Herrschaft Willen Mich gern und treu erfüllen Als deinen Willen, dein Gebot! on 3. Lehr ohne bittre Klagen Des Lebens Last mich tragen Und immer auf dich sehn! Im Reden und im Schweigen Will ich als Christ mich zeigen Und auf dem Pfad der Tugend gehn. 4. Die Herrschaft will ich ehren Und ihren Nutzen mehren, Sie, wo ich kann, erfreun; Nie dein Gebot verlegen, Mich ihr nicht widersetzen und jeden Fehler gleich bereun. 5. Ich will sie redlich lieben, Mit Vorsak nie betrüben, Nie träg' und müßig sein; Ich will sie nicht belügen, Recht thun und nem Auge scheun. 6. Jn meinem Dienst auf Erden Stets tüchtiger zu werden, Sei Freude mir und Pflicht. Ich bin ja, wo ich wandle, Bei allem, was ich handle, O Herr, vor deinem Angesicht. 7. Du bist stets der Gerechte, Der Herr der Herrn und Knechte Und beider Trost und Heil; Der Niedrigste auf Erden kann groß im Himmel werden, Hat Reichen gleich, Gott, an dir teil. 8. Laß mich dies recht ermessen, Nie meine Pflicht vergessen Und meines Russ mich freun; So wirst du, Herr der Welten, Es reichlich mir vergelten, Und ich werd' ewig glücklich sein. Johann Kaspar Lavater 1774. Dank für die Gesundheit. Mel. Einen guten Kampf hab' ich zc.( Sir. 30, 14-20. Hiob 10, 12.) 518. Wer wohl auf ist und gesund, Hebe sein Gemüte Und erhebe seinen Mund Zu desHöchsten Güte. Laßt uns danken Tag und Nacht Mit gesunden Liedern Unsrem Gott, der uns bedacht Mit gefunden Gliedern! 2. Ein gesundes, frisches Blut Hat ein fröhlich Leben; Giebt uns Gott dies eineGut, Jst uns gnug gegeben hier in dieser armen Welt, Da die schönsten Gaben Und das güldne Himmelszelt Wir noch künftig haben. 3. Hätt' ich aller Ehren Pracht, Säß'im höchsten Stande, Wär'ich mächtig aller Macht und ein Herr im Lande, Reich an allem, was ergößt: Wozu würd' es nüßen, Wenn ich doch unausgesetzt Müßt' in Schmerzen siken? 4. Aber nun gebricht mir nichts Auch im Mißgeschicke: Ich erfreue mich desLichts Und der Sonnen2009 ore309 4444 412 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. blicke, MeinGesicht steht überall,| Die du von dem Throne Deines Mein Gehör, das höret, Wie der Vögel süßer Schall Ihren Schöpfer ehret. 5. Händ' und Füße, Herz und Geist Sind bei guten Kräften; Mein Vermögen sich erweist Freudig in Geschäften, Die mein Herrscher mir bestellt In der Welt zu treiben, Alsolang es ihm gefällt, Daß ich hier soll bleiben. 6. Ist es Tag, so sinn' und thu' Ich, was mir gebühret; Kommt die Nacht und süße Ruh', Die zum Schlafe führet, Schlaf' und ruh' ich unbewegt, Bis die Sonne wieder mit den hellen Strahlen regt Meine Augenlider. 7. Habe Dank, du milde Hand, Himmels mir gesandt Dieſe schöne Krone Deiner Gnade, die noch grünt, Die ich all mein' Tage Niemals hab' um dich verdient, Und doch freudig trage. 8. Gieb, solang ich in mir hab' Ein lebendig Hauchen, Daß ich solche teure Gab' Auch wohl möge brauchen; Hilf, daß mein gesun der Mund Und die frohen Sinnen Dir, mein Gott, zu jeder Stund' Alles Liebs beginnen! 9. Halte mich bei Stärk' und Kraft, Wann ich nun alt werde, Bis mein Stündlein hin mich rafft In das Grab der Erde! Gieb mir eineLebenszeitOhnesondres Leiden, Und dort in der Ewigkeit Die vollkommnen Freuden! Paulus Gerhardt 1656. Dank für die Genesung. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte 2c.( Hefet. 33, 11. Jef. 38, 15. 16.) 519. So wahr der Aller| Gnade flehe, Wird meiner Seehöchste lebet, Will er den Tod des len Angst gestillt. Da meine Sünders nicht, Des Herz zer- Werke nichts verdienen, Bleibt knirscht vor ihm erbebet Und sich deiner Gnade ganz der Preis; sein eigen Urteil spricht. Er züch- Die ist so herrlich mir erschienen, tigt uns zu seiner Ehre Und Daß ich es nicht zu zählen weiß. unfrem Heil mitVatertreu' Nur, daß man sich zu ihm bekehre, Zum beffern Leben tüchtig sei. 2. Liebreicher Gott, ich selber sehe Dein wahres Wort an mir erfüllt; Wenn ich mit Reu' um 3. Ich sah die Welt und alles schwinden, Und meine Kräfte starben schon; Ich fühlte tief die Macht der Sünden Und sah schon deinen Richterthron: Da rührte dich mein ängstlich Seh A. Hansstand.( Dank für die Genesung.) nen, Mein Jammer brach dein Vaterherz; Es galten für mich Jesu Thränen, Und mich erbat sein Blut und Schmerz. 4. Bald kam dein großer Trost hernieder, Der führte mich vom Tod herauf Und stärkte mich vollkommen wieder zu einem neuen Lebenslauf. Du sprachest freundlich mit mir Müden, Und ich vernahm dein Gnadenwort: Nun gehe hin, mein Kind, im Frieden; Doch fündige nicht mehr hinfort! 5.Dwelcher Seligkeiten Menge Erweckte dieses Heil in mir! Mein Herz ward für den Dank zu enge Und brannt' und wallte nur von dir. Wie, Herr, vergelt' ich dir die Tage, Die deine Huld mir nun gewährt, Und 413 wo sich meine Pein und Plage In Ruhe, Kraft und Ruhm verkehrt? 6. Ich weihe, was ich von dir habe, Mein Herz, dir ganz zum Opfer ein; Es wird ja, Schöpfer, deine Gabe In deinen Augen teuer sein. Nun weiß ich, was es heiße: leben, Da ich, was sterben sei, erfuhr; Nun wird mir stets im Sinne schweben, Was ich dir in der Prüfung schwur. 7. Es ist genug, daß ich vorzeiten Nach meines Fleisches Lüften ging, Und an den flücht'gen Eitelkeiten Mehr als an dir, o Vater, hing. Ich bin ja darum nur genesen, Daß ich die Seele beffern kann; Drum fang' ich, Herr, ein ander Wesen Mit deiner Gnade Beistand an. Johann Jakob Spreng 1741. Geburtstag. Mel. Jesu, du mein liebstes Leben zc.( P. 116, 12. 139, 14.) 520. Unveränderliche Liebe, ten Dieses Lebens aufgethan, Brunn, den lauter Gnade füllt, Der mit ungehemmtem Triebe Überfluß und Segen quillt! Sieh, mein dankbares Gemüte Schwingt durch deinen GnadenzugSich mit einem schnellen Flug In den Reichtum deiner Güte. Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 2. Dieser Tag, der mir die PforTreibet mich, mit holden Worten, Liebe, dich zu loben, an. Er erscheinet als einzeuge, Der mir zu Gemüte führt, Was mein Herz empfindlich rührt, Und erlaubt nicht, daß ich schweige. Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 3. Du hast mich mit deinen Händen, Liebe, aus der langen bbbb6e5 besed babababababebés 414 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Nacht, Die sich heute müssen ausgesettem Lauf In mein enden, An das Licht hervorge- Innerstes gedrungen. Liebe, wie bracht. Wo viel tausend Schiff- vergelt' ich dir, Was du Guts bruch leiden, Landete ich glücklich gethan an mir! an; Liebe, das hast du gethan, Dafür dank' ich dir mit Freuden. Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 4.Du bist mir entgegenkommen, Als ich noch am Ufer stund; Hast mich liebreich aufgenommen In den teuren Gnadenbund; Hast mich für dein Kind erkläret Und mir deinen guten Geist, Der ein Pfand der Erbschaft heißt, Eh' ich dich noch bat, gewähret. Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 7. D wie ist mein kurzes Leben Deiner Wunder doch so voll! könnt' ich doch sie recht erheben, Wie du willst und wie ich soll! Doch mein Auge wird geblendet Durch dein überschwenglichLicht; Meine Zunge zählet nicht, Was du mir haft zugewendet. Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 8. Weil du denn so viel zu gute, Ew'ge Liebe, mir gethan, Auch alsdann, wann deine Rute Mich trieb von der breiten Bahn; D so sei mein ganzes Leben, Das ich führ' in dieser Welt, Dir zum Opfer dargestellt und zu deinem Dienst ergeben! Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 9. Nimm zu deinem Eigentume Leib und Seel' und alles hin: Fortan leb' ich dir zum Ruhme, Weil ich mein nicht ferner bin. Ich entsage Welt und Sünden, Ja der allerliebsten Lust; Laß an deiner Vaterbrust Mich die wahre Ruhe finden! Liebe, nimm dies Opfer an, Weil ich sonst nichts geben kann! Johann Jakob Rambach 1739. 5. Du hast auch seit meiner Taufe Nicht zu lieben aufgehört; In dem ganzen Lebenslaufe Hast du mir viel Guts beschert: Deine Hand war, statt mit Blißen, Stets mit Segen angefüllt, Unter deiner Langmut Schild Konnt' ich frei und sicher sigen. Liebe, wie vergelt' ich dir, Was du Guts gethan an mir! 6. Alle deine treuen Sorgen Zielten auf mein Wohlergehn; Daher hab' ich jeden Morgen Deine Güte neu gesehn. Ströme der Begnadigungen Sind von meiner Kindheit auf Mit unSaint A. Hausstand.( Für das Alter.) Für das Alter. Mel. Christus, der ist mein Leben zc.( Ps. 71, 9.) 521. Verwirf mich nicht im So laß dies Wort allein Mir in dem Herzen schallen: Ich will dir gnädig sein! 6. Wenn mich die Glieder schmerzen, So bleibe du mein Teil, Und mach mich an dem Herzen Durch Christi Wunden heil! 39301 MIS Alter, Verlaß mich nicht, mein Gott! Bist du nur mein Erhalter, So werd' ich nie zu Spott. 2. Wie oft hab' ich erfahren, Der Vater sei getreu; Ach, mach in alten Jahren mir dieses täglich neu! 3. Wenn ich Berufsgeschäfte Von außen schwächlich thu', Leg deines Geistes Kräfte Dem innern Menschen zu! 4. Wenn dem Verstand und Augen Die Schärfe nun gebricht, Daß sie nicht viel mehr taugen, Sei Jesus noch mein Licht! 5. Will mein Gehör verfallen, nen Tagen, Haft mich mit Huld getragen von meiner Jugend auf; Auf allen meinen Wegen Umgab mich, Gott, dein Segen, Auch selbst im schwersten Leidenslauf. sds 2. Oft hatt' ich große Sorgen; Doch wie ein heitrer Morgen Durch dunkle Nächte bricht, So hab'ich's auch erfahren: Du weißt uns zu bewahren Und führst durch Finsternis zum Licht. 415 Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Jef. 46, 4.) 522. Du, Herr von mei- Lebens, Mein Licht auf dunkler Bahn. Did, ließ ich thun und raten; Denn du thust große Thaten Und nimmst dich unser huldreich an. 4. ,, Bis zu des Alters Tagen Will ich dich heben, tragen Und dein Erretter sein." Dies hast du mir versprochen Und nie dein Wort gebrochen; Des will ich mich auch immer freun. 3. War Menschenrat vergebens, So warst du, Herr des 7. Sind Stimm' und Zunge blöde, So schaffe du, daß ich Im Glauben stärker rede: Mein Heiland, sprich für mich! 8. Wann Händ' und Füße beben, Als zu dem Grabe reif, Gieb, daß ich nur das Leben, Das ewig ist, ergreif'! Philipp Friedrich Hiller 1767. 5. Du wirst in meinem Alter Mein Stab sein, mein Erhalter, Nach deiner Vatertreu'. Bin ich gleich schwach und müde, Bei dir 2009 Tore000 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 416 ist Troft und Friede, Du stehst mir Schwachen mächtig bei. 6. Nach wenig bangen Stunden Hab' ich ganz überwunden, Ich bin dem Ziele nah', Dem Ziele aller Leiden; Dwelche hohe Freuden Erwartet meine Seele da! Eigene Mel.( 2 Petri 1, 14. Sir. 18, 22.) 523. Mein Alter tritt mit Macht herein: Der Augen Licht verliert den Schein, Das Haupt bückt sich hinab zum Grabe, Das Haar wird weiß, die Füße schwer. Erwäg' ich dann, wie ich bisher, Gerechter Gott, gelebet habe, So werd' ich angst- und schreckenvoll Und weiß nicht, wo ich bleiben soll. 2.Der Tod ruft selbst mir öfters zu: ,, Wohin, verwegner Sünder, du? Wann wirst du andern Sinnes werden? Wie lang' gehst du dem Eiteln nach, Dem Traum, der Schmink', dem Ungemach, Dem Schatten dieser falschen Erden? Merkst du nicht, daß den Flüssen gleich Die Jahrszeit unvermerkt hinschleich'?" 7. Jch harre froh und stille, Bis, Herr, mein Gott, dein Wille Mich nach dem Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende Sink' ich in Jesu Hände; Denn er hat mich mit dir versöhnt. Nach Jakob Friedrich Feddersen 1772. 3. ,, Bedenke, daß du jego schon Wirst vor den strengen Richterthron Des großen Gottes kommen müssen, Der dir all deine Werk' und Wort', Ja auch des Herzens tiefsten Ort Wird richtig aufzudecken wissen. Hast du auf den nicht hier gesehn, Wie wirst du dort vor ihm bestehn?" 4. Dies, großer Gott, ach alles dies Hält mein Herz mehr als für gewiß Und wünschet sehnlich, daß mein Leben Dir recht zu Dienst und Willen sei. Sieh aber, wie ich mich dabei Umsonst bemühe zu erheben; Der schwere Weltsinn hält mich an, Daß ich nicht aufwärts kommen kann. 5. Ach liebster Jesu, ein'ger Hort, Hilf du mit deiner Hilf mir fort, und biete mir die Hand der Gnaden! Du hast zuvor durch deinen Tod Mich meiner schweren Todesnot Und des zukünft'gen Fluchs entladen; Gieb, o mein Leben, nimmermehr, Daß ich mir selbst mein Heil zerstör'! 6. Laß von der Welt Betrug und Schein Mich gänzlich abge wendet sein Und dir, mein Hei land, fest anhangen; Entbind mich bald der großen Last, Wo mit der Leib die Seel' umfaßt Und wie imkerker hält gefangen, A. Hausstand.( Für das Alter.) Und setze sie rein, froh und frei DemChor der heil'genEngel bei! 7. Da werd' ich dir, mein Heil, hiefür Und, großer Himmelsvater, dir Nebst deinem heil'gen Geist lobsagen. O du, der Dei417 | nen Schuß und Port, O Jesu, nimm in acht mein Wort Und laß mich so in dir betagen! Mein Morgen war der Welt gemein, Der Abend soll dein eigen sein! Otto von Schwerin vor 1679. Für Witwen. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( P. 68, 6.) 524. Auf Gott nur will ich sehen, Er hört der Witwen Flehen, Sieht ihre Thränen an. In jedem Schmerz und Leide Ist Gott mir Trost und Freude, Mein Fels, den ich umfassen kann. 2. Wie viel', die in der Kammer Dir klagten ihren Jammer, DGott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen Hielt sie: auf ihren Wegen War Friede, Sicherheit und Ruh'. 3. Wo seit viel tausend Jahren Betrübte Witwen waren, Die hast du treu gepflegt, Wenn sie dich nicht verließen Und gläubig dir zu Füßen Des Kummers schwere Last gelegt. 4. In dir will ich mich stärken; Dein Aug' wird auf mich merken Und auf mein Flehn dein Ohr. Bei Tag und Nacht mit Flehen Will, Herr, vor dir ich stehen Und seufzen still zu dir empor. 5. Ich will mein Joch nun tragen; Dir, Vater, darf ich sagen, Was je mein Herz bedrückt. Bist Evangelisches Gesangbuch. du nicht in der Nähe, Du, den ich zwar nicht sehe, Und den mein Glaube doch erblickt? 6. Ja bis zum letzten Schritte, Ja wenn ich mehr noch bitte, Seh' ich mit Lust auf dich. Dir, Heiland, zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Seimein Bestreben; stärke mich! 7. Mit Ernst und frohen Mutes Will ich nach Kräften Gu tes Vor deinen Augen thun; Will mich der Welt entziehen, Lärm, Tand und Thorheit fliehen Und nur in deinem Schoße ruhn. 8. Dann eilen meine Tage Mit jeder Not und Plage Leicht wie ein Traum dahin; Dann leg' ich froh die Glieder Aufs Sterbebette nieder, Wenn ich zum Himmel reifer bin. 9. Dann find' ich, den ich liebte, Des Tod mich einst betrübte, In meines Schöpfers Hand. Wo Freudenquellen fließen, Werd' ich ihn dann umschließen Im thränenfreien Vaterland. 27 oeged 418 XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. 10. Fort auf dem heißen Pfade! 11. Kommt her, ihr meine Mich kühlt des Vaters Gnade; Waisen, Den Herrn mit mir zu Er träget meine Not. Nicht ewig preisen, Der uns erhalten kann! werd' ich weinen; Ich komme zu Dir, Gott, will ich sie bilden; den Meinen, Bald seh' ich sie bei Schau, Herr, mit deiner milden meinem Gott. Erbarmung deine Schafe an! Johann Kaspar Lavater 1771. B. Fürst und Vaterland. Mel. Nun danket alle Gott 2c.( Psalm 20.) 525. Preis, Chr' und Lob sei dir, In dessen Schirm und Schatten Wir bis zur Stund' allhier Viel Heil zu schmecken hatten, Der auch zu jeder Frist Allmächtig nah und fern Ein Herr und König ist Des Königs, unsers Herrn! 2. Du hast ihm lebenslang Den Odem treu bewahret, Und auf manch strengemGang Dich huldvoll offenbaret. Du hast in seiner Hand Das Scepter stark gemacht Und unser Vaterland Mit reichem Gut bedacht. 3. Du wollest deinen Geist Auf seine Stirne legen, Der klar ihn unterweist, Des hohen Amts zu pflegen; Du wollst Gerechtigkeit Und milder Gnade Luft Jhm stellen an die Seit', Jhm pflanzen in die Brust. 4. Du wolleft allezeit In deinem Gleis ihn lenken, Und Zucht und Frömmigkeit In ihm dem Lande schenken, Auf daß er Vorbild sei Von jeder Tugendart, Und Hilf' und Schutz verleih', Wo man den Glauben wahrt. 5. Du wollest seine Treu' Vergelten durch die Treue, Womit ihn täglich neu Ein gutes Volk erfreue, Daß dein Gebot im Bund Von ihm und uns gescheh', und seines Thrones Grund In unsern Herzen steh'. 6. O segne, was wir flehn An seinem Jahresfeste, Und gieb zum Wohlergehn Jhm deiner Gaben beste! Gieb, daß er's nie vergißt Noch wir, wie du so gern Ein Herr und König bist Des Königs, unsers Herrn! Karl Grüneisen 1839. Mel. Du, Gott, bist über alles Herr zc.( Pf. 21. Sprüche 20, 28.) 526. In deiner Stärke freue| Auge seh, o Gott, auf dich, Sein sich Der König allezeit; Sein Herz sei dir geweiht! B. Fürst nnd Vaterland. 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft Und deines Geistes voll, Gedenk er stets der Rechenschaft, Die er dir geben soll! 3. Der über Christen, Gott, von dir Zum Herrn verordnet ist, Sei deiner Kirche Schuß und Zier, Ein echter Mensch und Chrift! 4. Groß und voll Müh' ist seine Pflicht, Und er ein Mensch wie wir; Ach, er bedarf vor ndern Licht Und Rat und Kraft von dir! 5. Sei du sein Licht, sein Hort, sein Schild; Laß ihn dir ähnlich sein, Laß menschenfreundlich ihn und mild Sein Volk wie du erfreun! 6. Er zeig auf seinem Throne sich Als deinen treusten Sohn; Dem Laster sei er fürchterlich, Der Tugend Schuß und Lohn! 7. Er haffe den Gewissenszwang Als schnöde Tyrannei, Und fördre nicht durch Straf' und Drang Der Bürger Heuchelei! 419 8. Beglückter Bürger Liebe sei Sein edelster Gewinn, Und kein gerechter Seufzer schrei Gen Himmel wider ihn! 9. Er fördre freudig deinen Ruhm Und denke stets daran, Auch sein Land sei dein Eigentum Und er dein Unterthan! 10. Verloren dünk ihm Kraft und Zeit, Wenn er nicht Menschen nütt, Nicht täglich wohlthut und erfreut Und Fleiß und Künste schützt! 11. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Gerechtigkeit; Beschüß ihn mächtig in Gefahr, Wann Feindesmacht ihm dräut! 12. Auch ihm haft du bestimmt das Ziel, Das er erreichen soll; Herr, mache seiner Tage viel Und jeden segensvoll! 13. Sein werd in jedem Flehn zu dir Mit Lieb' und Dank gedacht! Erhör uns, Gott; dann jauchzen wir Und preisen deine Macht! Johann Andreas Cramer 1780. Obrigkeiten. Mel. Aus Gnaden soll ich selig werden 2c.( Röm. 13, 1.) 527. Gott, Herrscher über| nun an deiner Statt Auch Sterballe Thronen! Das ist ein weiser liche zu Richtern hat. Rat von dir: Den Menschen, die auf Erden wohnen, Setst du die Obrigkeiten für, So daß man 2. Daß ich mein Brot darf ruhig essen Und wandeln mag auf sichrer Bahn, Daß mich das OYOOY degea XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. Mordschwert nicht darf fressen, statt: Das schaffst du, Gott, der Der Räuber nicht entkleiden kann, Der Lästrer mir vergeblich dräut: Das schaffst du durch die Obrigkeit. 420 an uns denkt Und Chriſten zu Regenten schenkt. 4. Gott, dir sei Dank für solche Güte, Du schükst durch deine Dienerin; Die ganze Welt ist dein Gebiete, Da stellst du Richterstühle hin. Es lobe dich, dich bete an, Was König heißt und Philipp Friedrich Hiller 1762. 3. Daß wir dein Wort im Frieden hören, Wobei manTauf' und Nachtmahl hat, Daß man uns nicht die Schrift darf wehren, Noch auch ein Grab zur Ruhe-| Unterthan! Bitte um Frieden. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut zc.( Ps. 85.) 528. Herr, der du vormals hast dein Land Mit Gnaden angeblicket Und, wenn du Strafen ihm gesandt, Es wiederum erquicket, Der du die Sünd' und Missethat, Die alles Volk begangen hat, Uns väterlich verziehen: 2. Willst du, o Vater, uns denn nicht nun einmal wieder laben? Und sollen wir an deinem Licht Nicht wieder Freude haben? Ach, geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt' und Segen aus Auf uns und unsre Häuser! 3. Ach, daß ich hören sollt' das Wort Erschallen bald auf Erden, Daß Friede sollt' an jedem Ort, Wo Christen wohnen, werden! Ach, daß uns doch Gott sagte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh' Und alles Unglücks Ende! 4. Ach, kehrte doch die böse Zeit Sich um zu guten Tagen, Das mit wir in dem großen Leid Nicht möchten ganz verzagen! Doch ist ja Gottes Hilfe nah', Und seine Gnade stehet da All' denen, die ihn fürchten. 5. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott Schon wieder zu uns wenden, Den Krieg und alle andre Not Nach Wunsch und also enden, Daß seine Ehr' in unsrem Land Und allenthalben werd' erkannt, Ja stätig bei uns wohne. 6. Die Güt' und Treue werden schön Einander grüßen müssen; Das Recht wird durch die Lande gehn Und wird den Frieden küssen; Die Treue wird mit Luft und Freud' Auf Erden blühn, Gerechtigkeit Wird von dem Himmel schauen. B. Fürst und Vaterland.( Bitte um Frieden.) 421 7.Der Herr wird uns vielGutes| Gerechtigkeit wird wohl bestehn thun, Das Land wird Früchte Und stets in vollem Schwange geben, und die in seinem Schoße gehn Zur Ehre seines Namens. ruhn, Die werden davon leben; Paulus Gerhardt vor 1653. Dank für den Frieden. Mel. Nun dantet alle Gott zc.( Pf. 46, 9-12.) 529. Herr Gott, dich loben| 4. Herr Gott, dich loben wir, Daß du uns zwar gestrafet, Jedoch in deinem Zorn Nicht gar haft weggeraffet. Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür' Jett wieder aufgethan: Herr Gott, wir danken dir! wir Für deine großen Gnaden, Daß du das Vaterland Vonkriegeslast entladen, Daß du uns blicken läßst Des goldnen Friedens Zier; Drum jauchzet alles Volk: Herr Gott, dich loben wir! 2. Herr Gott, dich loben wir, Die wir in bangen Tagen Der Waffen schweres Joch Und frechen Grimm getragen. Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Begier: Gottlob! wir sind in Ruh'; Herr Gott, wir danken dir! 3. Herr Gott, dich loben wir, Daß du die Pfeil' und Wagen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert Zerbrochen und zerschlagen. Der Strick ist nun entzwei; Darum so singen wir mit Herz, mit Zung' und Mund: Herr Gott, wir danken dir! 5. Herr Gott, wir danken dir, Daß du Land, Kirch' und Häuser Und unsers Fürsten Stamm, Auch dessen grüne Reiser Bisher erhalten hast. Gieb ferner Gnad' allhier, Daß auch die Nachwelt sing': Herr Gott, wir danken dir! 6. Herr Gott, wir danken dir Und bitten, du wollst geben, Daß wir auch künftig stets In guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, Erfülle für und für, O Vater, unsern Wunsch! Herr Gott, wir danken dir! Johann Frand 1648. C. Jahreswechsel. Jahresschluß. Mel. Seelenbräutigam zc.( Ps. 102, 24-29.) 530. Jeder Schritt der Zeit| man's denkt, zu Wochen; Wohl Wallt zur Ewigkeit. Tage, faum dem, der mit Fleiß Sie zu nüßen. weiß! erst angebrochen, Werden, eh' 422 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 2. Flüchtig durch die Zeit Raub noch Rost verlezen, Mehr Schweben Freud' und Leid; Wo- als alles Gold, Das die Erde hin sind die Freudenstunden, zollt? Wohin Sorg' und Schmerz entschwunden? Zielt nicht Freud' und Schmerz Auf Gewinn fürs Herz? 3. Ob die Welt vergeht, Ein Gewinn besteht. Daß vor jedem Gut der Erde Dieser Schatz erworben werde, Dies sucht Christenfleiß Als des Lebens Preis. 4. Hab' ich, halt' ich ihn, Wenn die Zeiten fliehn, Diesen Schatz vor allen Schäßen, Den nicht 5. Schatz von ew'gem Wert, Schatz von Gott geehrt, Ach, zu oft durch Lust und Sorgen Vor des Menschen Blick verborgen, Sei du mein Gewinn! Sonst fahr alles hin! 6. Wohl mir, bist du mein! Weh mir, darb' ich dein! Werd im heil'gen Gottvereine Alle Tage mehr der Meine, So eilt meine Zeit Froh zur Ewigkeit! Karl Bernhard Garve 1825. Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c.( Ps. 126, 3.) 531. Anfang sonder Ende, Du großer Herr der Zeit! Wir preisen deiner Hände Regierung hocherfreut, Weil du uns noch ein Jahr MitSegen läsfest schlie: Ben, Und wir bekennen müssen, Dein Thun sei wunderbar. 2. Die Kirch' ist fest gegründet Durch Wort und Sakrament, Darin, stets neu entzündet, Dein Licht und Recht noch brennt. Dein Sohn, der ist der Stein, An dem die Feinde fallen, Er, der den Deinen allen Ein Auferstehn wird sein. 3. Das Land ist voller Segen Und trieft von Öl und Most, Man schmecket allerwegen Der Felder edle Kost. Ist da und dort ein Schwert Durch unsre Seele gangen, So hast du nach Verlangen Auch wieder Trost beschert. 4. Die Häuser sind voll Güte, Die alle Morgen neu; Wo man sich treulich mühte, Daſtund dein Sorgen bei. Die Kinder wuchsen auf Und wurden stark am Geiste, Weil Gottes Kind sie meiste Auf seiner Jugend Lauf. 5. Die Herzen sind voll Gnaden, Obgleich wir Zorn verdient, Doch hast du allen Schaden Durch Chriftum ausgefühnt; Wenn wir bei Tag und Nacht Mit Seufzen und mit Beten Vor deinen Thron getreten, Hast du es gut gemacht. 6. Nun, Herr, dein ist die Ehre, C. Jahreswechsel.( Jahresschluß.) 423 Du heißest Wunderbar, Drum| Jahren zu, Das soll sich auch nicht unser Flehen höre, Daß wir das schämen ImGuten zuzunehmen; alte Jahr, Befreit von aller Not, Dies alles wirke du! In deiner Gnade schließen Und in dem neuen wissen, Du seist der alte Gott! 7. Laß dir die Alten dienen Wie Hanna, Simeon; Gieb, daß die Jungen grünen Wie dein und Davids Sohn! Nimmt eins an Neujahr. Mel. Mein's Herzens Jesu zc.( Pf. 28, 9.) 532. Gott ruft der Sonn' und schafft den Mond, Das Jahr darnach zu teilen; Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und heißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht: Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank erteilen! 8. Und wann wir das vollendet, Was uns dein Wort gesagt, Und unser Lauf sich endet Jung oder wohlbetagt, Dann führ uns zu der Schar Der Deinigen dort oben, Dann wollen wir dich loben Im ew'gen Friedensjahr! Benjamin Schmold 1712. 2. Herr, der da ist und der da war! Von dankerfüllten Zungen Sei dir für das verfloßne Jahr Ein heilig Lied gesungen Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rat, Für Fried' und Ruh', für jede That, Die uns durch dich gelungen! 3. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, Das du uns neu gegeben; Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben! Du schützest uns, und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, Des Lebens Ruh' und Freuden; Doch schadet mir das Glück der Welt, So gieb mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Herz, Und laß mich nicht in Not und Schmerz Die Glücklichen beneiden! 5. Hilf deinem Volke väterlich In diesem Jahre wieder; Erbarme der Verlaßnen dich Und der bedrängten Brüder; Gieb Glück zu jeder guten That Und laß dich, Gott, mit Heil und Rat Auf unsern Fürsten nieder! 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit Auf seinem Stuhle throne, Daß Tugend und Zufriedenheit In unsrem Lande wohne, Daß Treu' und Liebe bei uns sei: Dies, lieber Vater, dies verleih In Christo, deinem Sohne! Christian Fürchtegott Gellert 1757. abida beard cocacoes 424 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c.( Klagl. 3, 22-24.) 533. Nun laßt uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unfrem Leben Bis hieher Kraft gegeben! 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern; Wir leben und gedeihen Vom alten bis zum neuen - 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 4.Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden, 5. Also auch und nicht minder Läßt Gott ihm seine Kinder, Wann Not und Trübsal blitzen, In seinem Schoße sitzen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, Fürwahr es ist vergebens Mit unfrem Thun und Machen, Wo nicht dein' Augen wachen! 7. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! allem Kreuz und Leiden Ein Brunnquell unsrer Freuden! 9. Gieb uns und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deinen Hulden, Ein Herz, sich zu gedulden! 10.Schließ zu die Jammerpforten Und laß an allen Orten, Wo Menschen Blut vergießen, Die Friedensströme fließen! 11.Sprich deinen mildenSegen zu allen unsern Wegen; Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen! 12. Sei der Verlaßnen Vater, Der Jrrenden Berater, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und habe! 13. Hilf gnädig allen Kranken; Gieb fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermut quälen! 14.Und endlich, was das meiste: Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und in den Himmel führe! 15. Dies alles wollst du geben, O meines Lebens Leben! Dein Heil uns offenbare zum sel'gen 8. Laß ferner dich erbitten, Dneuen Jahre! Bater, und bleib mitten In Paulus Gerhardt 1653. Mel. Die Tugend wird zc. oder: Wie groß ist zc.( Ps. 143, 2. 1 Mose 32, 10.) 534. Ach, wiederum ein und kommt nicht mehr zurück! Jahr verschwunden, Ein Jahr, Ach, mehr als achtmal tausend C. Jahreswechsel. Stunden Sind weg als wie ein Augenblick! Weg meine Tugenden und Sünden! Doch nein; der Richter aller Welt Läßt jegliche mich wieder finden, Wann er vor seinen Thron mich stellt. 2. Gedanken, Worte, Thatenheere! Wie? dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wenn ich dies Jahr gestorben wäre, Wo würd' jest meine Seele sein? Stünd' ich verklärt bei Gottes Kindern? Wär' ich von seiner Lieb' entflammt? Wie? oder hätte mit den Sündern Der Allgerechte mich verdammt? ( Neufahr.) 425 oft verlett' ich meine Pflicht! Ich darf vor dir nicht Rechnung halten; Ich zittre: geh nicht ins Gericht! 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Gnaden dieses Jahres, nein! Wie kann ich's dir und mir verhehlen? Ich bin nicht wert mehr hier zu sein. Wo fang'ich an? Gott, welche Menge Vom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, daß, wenn ich Jahre sänge, Ich dir zu danken nicht vermag. 6. Ich flehe dich: ach üb Erbarmen, Gedenke meiner Sünden nicht, Und zeig dem Reuenden und Armen, Der Gnade sucht, dein Angesicht! Wie freudig will ich dann mein Leben Von nun an deinem Dienste weihn; Wie eifrig will ich mich bestreben, Durch deinen Geist ein Christ zu sein! 7.Ich danke dir für alle Gnaden, Diedudies Jahr der Welt erzeigt. Ach eile, Herr, die zu entladen, Die noch das Elend niederbeugt! Ja aller, aller Menschen Seelen Will ich, mein Heiland, Jesus Christ, Aufs neue deiner Huld empfehlen, Weil du doch allerHeiland bist! Johann Kaspar Lavater 1771. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c.( Lut. 2, 21. Psalm 20, 6.) 535. Jesus soll die Lo-| Denen zum Paniere dienen, Die sung sein, Da ein neues Jahr er- in seinem Bunde stehn Und auf schienen; Jesu Name soll allein seinem Wege gehn. 3. Den Gott, der liebt wie Väter lieben, hat ihn mein Undank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu geblieben, Hab' ich ihn auch so treu geliebt? Lebt' ich für ihn nach seinem Willen, Stets als vor seinem Angesicht? Fromm öffentlich und fromm im stillen, Treu dem Gewissen und der Pflicht? 4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Sünden dieses Jahres, nein! Wie kann ich's dir und mir verhehlen? Ich bin nicht wert noch hier zu sein. Zu oft ließ ich mein Herz erkalten, zu cocor 6 XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. 426 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in den Gemeinden schallen; Und so oft wir nach dem Ort, Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligtum. 3.SeinVerfühnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu teil, Wird sich täglich bei uns mehren; Auch fürs neue Jahr uns beut Jefu Name Seligkeit. 4. Unsre Wege wollen wir nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird alles wohl bestehen, Und durch diesen Gnadenschein Alles voller Segen sein. 2. Wer aber giebt aufs neue Dem Samenkörnlein das Gebot: Keim auf, wachs und gedeihe Und werde Halm und Ähr' und Brot! Du sprichst den Segen leiſe, Allmächtiger, und sieh, Es wächst für Menschen Speise Und 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns zu Honig werden müssen. Jesu Nam' sei Sonn' und Schild, Welcher allen Kummer stillt. Benjamin Schmold 1725. D. Jahreszeiten. Frühling und Sommer. Mel. Nun lob, mein' Seel' zc.( Hohes Lied 2, 11. 12. 1 Mof. 8, 22.) 536. Der Frühling ist er-| Futter grünt fürs Vieh. Kein Zweifel soll uns fränken: Du wirst barmherzig sein, Fruchtbaren Regen schenken Und milden Sonnenschein. schienen, Der Winter dünkt uns nur ein Traum. Nun liegt die Welt im Grünen, Und schneeweiß schimmert Heck' und Baum. Hört, wie so froh die Lerche Ihr Lied erschallen läßt! Die Schwalben und die Störche Beziehn ihr altes Nest. Mit fröhlicher Gebärde Geht nun der Mensch und streut Den Samen in die Erde, Der er auf Wucher leiht. 3. Und wann sich Wolken türmen Und Wetter drohn mit Glut und Flut, Wird deine Hand uns schirmen; Wir traun auf dich mit frohem Mut. Du hemmst des Sturmes Flügel, Du lenkst der Blike Lauf Und stellst als Gnadensiegel Den Himmelsbogen auf; Er wölbt sich hoch und schimmert Am grauen Wolkenzelt, Und siehe, unzertrümmert Bleibt unser Haus und Feld. 4. Freut euch des Herrn, ihr Frommen, und heißt mit lautem 427 Freude, Der Gott von Herzen dankt. Auf, jeder pflüg und säe Und singe froh dazu: Ehr' sei Gott in der Höhe, Auf Erden Fried' und Ruh'! Samuel Gottlieb Bürde 1818. D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) Freudenruf Das junge Jahr willkommen und preist ihn, der den Frühling schuf! Seht, wie im Blumenkleide Die Wiese lieblich prangt! Nur der fühlt wahre Mel. Werde munter 2c.( Jes. 40, 6-8. Apostelgesch. 1, 9-11.) Erde nur, Führt nicht er dich aus den Schranken über alle Kreatur. 537. Laß dich nicht den Früh-| keitsgedanken Bist du doch von ling täuschen, Herz, der dich mit Luft umringt, Wo mit wonnigen Geräuschen Wald und Flur von Leben klingt! Diese Welt, fie muß vergehen; Früher noch, der Lüfte Raub, Wirst als Asche du verwehen, Herz, wie flücht'ger Blumenstaub. 2. Willst du bis zum Wesen dringen: Wende vom Erschaffnen dich! Willst du dich ins Leben schwingen: Einer zeigt als Führer sich, Der an solchem Frühlingsmorgen Hinter sich ließ die Natur Und, dem ird'schen Blick verborgen, In der Himmel Himmel fuhr. 3. Was die Jünger dort empfanden, Als ihr Auge flog em por, Fühl es, Herz, und aus den Banden Flüchte durch des Glaubens Thor! Mit den Ewig4. Was auf Erden ihn umgeben, War ihm Bild und Ahnung bloß, Und er atmete sein Leben Stets nur in des Vaters Schoß. Sieh auch du im Glanz der Erde nur vom Himmel einen Traum; Gleichnis dir des Höchsten werde Haus und Herde, Blum' und Baum! 5. Deines innern Lebens Schwingen Wachsen aus dem Erdentod; Eh' er konnt' ins Leben dringen, hat auch ihm das Grab gedroht. Wenn aufs Leben du verzichtet, Dann beginnt dein Lebenslauf; Wenn du dich als Staub vernichtet, Stehst du erst als Wesen auf. Gustav Schwab 1831. Eigene Mel.( Pf. 104.) 538. Geh aus, mein Herz,| Gärten Zier, Und siehe, wie sie und suche Freud' In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben! Schau an der schönen mir und dir Sich ausgeschmücket haben! 2. Die Bäume stehen voller Dood 428 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Laub, Das Erdreich decket seinen| Des, der so überflüssig labt Und Staub Mit einem grünenKleide. Narzissen und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an Als Salomos Geschmeide. mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüte. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder; Die hochbegabte Nachtigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Gluckhenn' führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwälblein speist die Jungen; Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh' Jns tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich an ihrem Rand Mit schattenreichen Myrten; Die Wieſen liegen hart dabei Und klingen ganz vom Lustgeschrei Der Schaf' und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bienenschar Fleugt hin und her, sucht hier und dar Sich edle Honigspeise; Des süßen Weinstocks starker Saft Bringt täglich neue Stärk' und Kraft In seinem schwachen Reise. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt, Darüber jauchzetjung und alt Und rühmt die große Güte 8. Jch selber kann und mag nicht ruhn; Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen. Jch singe mit, wann alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk' ich, bist du hier so schön Und läsfest uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden, Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnen Schlosse werden? 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein Wird wohl in Christi Garten sein! Wie wird es da wohl klingen, Wo so viel tausend Seraphim Mit unverdroßnem Mund und Stimm' Ihr Hallelujah singen! 11. D wär' ich da, o stünd' ich schon, Liebreicher Gott, vor deinem Thron Und trüge meine Palmen! So wollt' ich nach der Engel Weis' Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 12.Doch gleichwohl will ich, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll sich fort und fort An diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen. D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) 429 Ruhm Jch deinesGartens schöne Blum'Und Pflanze mögebleiben! 13. Hilf mir und segne meinen| ben! Verleihe, daß zu deinem Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stätig blühe; Gieb, daß der Sommer deiner Gnad' In meiner Seele früh und spat Viel Glaubensfrucht erziehe! 15.Erwähle mich zum Paradies Und laß mich, deinesHeils gewiß, An Leib und Seele grünen! So will ich dir und deiner Ehr' Allein und keinem andern mehr Hier und dort ewig dienen. Paulus Gerhardt 1656. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd' ein guter Baum, Den deine Kräfte treiGewitter. Mel. Es ist das Heil 2c.( Ps. 18, 8-17.) 539. Herr Zebaoth, du star-| 4. Doch aber, Herr, Herr, denke nicht, Gedenke nicht der Sünden, So wir gethan; laß im Gericht Den starkenEiferschwinden! Die Gnade hebe sich empor Und gehe deinem Rechte vor; Sonst ist's um uns geschehen. ter Held, Sehr prächtig ausgeschmücket, Dem alle Welt zu Fuße fällt Und sich mit Zittern bücket Vor der so hohen Majestät, Die über alle Himmel geht Und allenthalben herrschet! 2. Wir hören, daß sich deine Macht In dicken Wolken reget, Daß dort und da dein Donner fracht, Bald tief ins Erdreich schläget; Wir sehen, daß aus deinem Sik Herniederfährt der schnelle Blitz Bei starken Wassergüffen. 3. Hierüber will uns Mut und Sinn Fast ganz und gar versinken; Wir wissen nicht, wo aus und hin, Weil du mit bloßem Winken, Ja stracks durch deine jähen Pfeil', Als Hagel, Blig und Donnerkeil', uns könntest all' verderben. 5. Laß uns den harten Donnerschlag Die Glocke sein zur Buße, Damit, wann nun dein jüngster Tag Sich stellt auf schnellem Fuße, Wir allesamt bereitet ſei'n, Und uns dein heller Gnadenschein Mit höchster Freud' umgebe! 6. Halt über uns die starke Hand Und laß dir unsre Habe, Auch alle Früchte auf dem Land Als deineGnadengabe Befohlen sein! Wir wollen dir, Herr Gott, du Helfer für und für, Mit Dank entgegengehen. Johannes Frenkel 1655. XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Mel. Nun sich der Tag geendet hat 2c.( Psalm 29.) 540. Du Schrecklicher, wer| bebt, Und was um ihr erschüttert Rund, Was in der Tiefe lebt! 5. Den Herrn und seinen Arm erkennt Die zitternde Natur, Da weit umher der Himmel brennt Und weit umher die Flur. 6. Wer schüßt mich Sterblichen, mich Staub, Wenn, der im Himmel wohnt Und Welten pflückt wie dürres Laub, Nicht huldreich mich verschont? 7. Wir haben einen Gott voll Huld, Auch wann er zornig scheint; Er herrscht mit schonender Geduld, Der große Menschenfreund. Johann Peter Uz 1768. 430 kann vor dir Und deiner Macht bestehn? Herr, du bist groß, und Staub sind wir; Du winkst, und wir vergehn. 2. Du lagerst dich in schwarzer Nacht; Die Völker zittern schon; Geflügeltes Verderben wachtUm deinen furchtbarn Thron. 3. Allmächtig schleudert deine Hand Den Blik aus finstrer Höh'; Und Fluten stürzen auf das Land In einem Feuersee. 4. Seht, wie der Erde fester Grund Vom Zorn des Donners Ernte. Mel. Du, Gott, bist über alles Herr 2c.( Pf. 65, 10-14.) 541. Die Ernt' ist da, es winkt der Halm Dem Schnitter in das Feld; Laut schalle unser Freudenpsalm Dem großen Herrn der Welt! 2. O der du uns so freundlich liebst Und segnest unser Feld Und uns die reiche Ernte giebst, Gelobt sei, Herr der Welt! 3. Wer machte diese Menschen welt Zum Bau der Erde klug? Der Acker wär' ein Distelfeld, Verlassen von dem Pflug. 4. D jede Kunst ist, Gott, von dir, Du hast sie uns gelehrt; Vor aller Weisheit danken wir Die Weisheit, die uns nährt. 5. Er legte in ein Korn so klein Die sechzigfache Kraft, Gab ihm vom Himmel Sonnenschein Und milden Lebenssaft. 6. O Höchster, deine Wunder sind So gut, so zahlenlos, So groß im Regen, Sonn' und Wind, Jm kleinsten Korn so groß! 7. Die Donnerwolke zog einher und droht' Gewitterschlag; Das Kornfeld wallte wie ein Meer, Stund auf und glänzt' im Tag. 8. Lobt ihn mit Furcht, den Herrlichen, Der in Gewittern wohnt; Lobt ihn mit Dank, den Gütigen, Der donnernd uns verschont! D. Jahreszeiten.( Ernte.) 431 9. Des Schnitters Tag ist lang'| 12.Du öffnetest die reiche Hand, und schwül, Doch freudig ist sein Die uns verschlossen schien, Und Mut; Sein Auge sieht der Gar- ließest im entlegnen Land Ein ben viel, Den Schöpfer treu Kornfeld für uns blühn. und gut. 10. Dein Segen ist's, der alles thut; WennHalme kärglich stehn, So laß uns mit getrostem Mut Auf deinen Reichtum sehn! 11. Bald schien es jüngst um uns gethan In unsrer Teurung Not; Er sah die Erde segnend an, Da gab sie reichlich Brot. 13. Gott, welch ein Bild: die ganze Welt, Wohin das Aug' sich dreht, Ist nur ein einz'ges großes Feld, Mit Menschenbein besät! 14.Wohlauf! das Kornfeld gelbt schon sehr, Bald wird die Ernte sein; Du sammelst sie, der Ernte Herr, In ew'ge Scheunen ein. Johann Ludwig Huber 1787. Mel. Nun lob, mein' Seel' zc.( P. 65, 10-14.) 542. Nun laßt den Herrn uns preisen Für alle Lieb' und milde That; Laßt uns ihm Dank erweisen Für seiner Gnadetreuen Rat! Er hat uns Frucht gegeben Gar fröhlich auf dem Land, Hat unser armes Leben Erquickt mit reicher Hand. Mit Freuden ist gediehen, Was wir gesäet aus, Und nach viel Fleiß und Mühen Auch wohl gebracht nach Haus. 2. Wer sollte nicht erkennen, Was Gott an seinen Kindern thut? Wer sollte nicht ihn nennen Das einzig allerhöchste Gut? Es ist nichts, der da säet, Nichts, der da sammelt ein; Der Wind des Herren wehet, Es glänzt sein Sonnenschein, Er sendet seinen Regen und macht uns freudenvoll; An ihm nur ist's gelegen, Wenn Gutes kommen soll. 3.Wann er denn nun geſpendet DenSegen über Land und Stadt; Wann Frieden er gesendet, Daß friedlich man geerntet hat: Dann sollen wir ihn preisen, Der in dem Himmel sitzt Und auf viel tausendWeisenUnsSünder nährt und schützt; Dann sollen wir ihm danken Mit Herz, mit Hand und Mund, Mit Werken, und nicht wanken Von seinemGnadenbund. 4.Daß solches nun geschehe, Das wollst du helfen, treuer Gott! Gieb ferner aus der Höhe Uns Segen, Licht und täglich Brot. Laß Lebensbrot genießen Ein jedes Christenhaus, Laß Lebenswasser fließen Auf unsre Herzen aus, Daß wir nicht bloß auf Erden An Früchten werden reich, Nein, dort auch Bürger werden In deinem Himmelreich! Johann Weber vor 1841. XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte 2c.( Apostelgesch. 14, 17.) 543. Wir kommen deine| Brüder Not! Und weil du Reich' und Arme liebst, So dien auch beiden, was du giebst. 4. Durch dich ist alles wohl geraten Auf dem Gefild', was wir bestellt. Doch reifen auch des Glaubens Saaten Auf deines Sohnes Erntefeld? Sind wir auch, wenn er auf uns sieht, Ein Acker, der ihm grünt und blüht? 5. Der Lift des Feindes wollst du wehren, Wann er geschäftig Unkraut streut; Die Frucht des Wortes laß sich mehren zu deinem Ruhme weit und breit, Damit am großen Erntetag Ein jeder Garben bringen mag. Nach Ehrenfried Liebich 1768. 432 Huld zu feiern, Vor deinem Antlit uns zu freun, Bei reichlich angefüllten Scheuern Dir, Herr der Ernte, Dank zu weihn, Der du mit milder Vaterhand Aufs neu' gesegnet unser Land. 2. Dein Lob, das wir gerührt verkünden, Nimm es, o Vater, gnädig an; Und tiefer stets laß uns empfinden, Wie viel du Gutes uns gethan, Auf daß der Dank für deine Treu' Ein dir geweihtes Leben sei. 3. Und wie du selber nur aus Liebe Uns schenkest unser täglich Brot, So weck in uns des Mitleids Triebe, Laß fühlen uns der Mel. Mein Jesus lebt 2c.( Ps. 65. 145, 15.) 544. Gott, von dem wir alles haben! Die Welt ist ein sehr großes Haus, Du aber teileft deine Gaben Recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich; Ach lieber Gott, wer ist dir gleich! 2. Wer kann die Menschen alle zählen, Die heut' bei dir zu Tische gehn? Doch darf die Notdurft keinem fehlen, Denn du weißt allem vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brot empfängt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet Und endlich auch die Frucht genießt; Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, so das Land begießt, Des Himmels Tau, der Sonne Strahl Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker reichet ihm das Brot; Es mehret sich vielfält'ger Weise, Was anfangs schien, als wär' es tot, Bis in der Ernte jung und alt Erlanget seinen Unterhalt. 5. Nun, Herr, was soll man mehr bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel. So viel is D. Jahreszeiten.( Ernte.) als du kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle wert. 6. Wir wollen's auch keinmal| Nahrung sagen Dank. 433 vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bissen, den wir effen, Soll deines Namens Denkmal sein, Und Herz und Mund soll lebenslang Für unsre 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan Im Nehmen oder Geben. Was wir aus seiner Hand empfahn, Genüget uns zum Leben. Er nimmt und giebt, Weil er uns liebt. Laßt uns in Demut schweigen Und vor dem Herrn uns beugen! Bei Mißernten. Mel. Was Gott thut 2c.( Klagl. 3, 24-33.) 545. Was Gott thut, das 4. Was Gott thut, das ist wohlist wohlgethan.So denkenGottes Kinder. Wer auch nicht reichlich ernten kann, Den liebt er doch nicht minder; Er zieht das Herz Nur himmelwärts, Wann er es läßt auf Erden Beim Mangel traurig werden. gethan. Es geh nach seinem Willen! Läßt es sich auch zum Mangel an: Er weiß das Herz zu stillen. Wer als ein Christ Genügsam ist, Der kann bei kleinern Gaben Doch Freud'und Nahrung haben. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Das Feld mag traurig stehen, Wir gehn getroft auf seiner Bahn; Was gut ist, wird geschehen. Sein Wort verschafft Uns Lebenskraft, Es nennt uns Gottes Erben; Wie können wir verderben? 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan. Wer darf sein Walten richten, Wann er, noch eh' man ernten kann, DenSegen will vernichten? Weil er allein DerSchak will sein, Nimmt er uns andre Güter Zum Heile der Gemüter. Kaspar Neumann 1700. 546. Gott, der du groß von Gnad undGüte, Du gebeft wenig Evangelisches Gesangbuch. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Laßt in Geduld uns fassen; Er nimmt sich unser gnädig an Und wird uns nicht verlaffen. Er, unser Gott, Weiß, was uns not, Und wird es gern uns geben; kommt, laßt uns ihn erheben! Nach Schmold 1720. Mel. Wer nur den lieben Gott zc.( Joh. 6, 9. Lut. 22, 35.) oder viel, Hör, wie das dankbare Gemüte Des Herbstes Zeit 28 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. 434 befingen will! Denn wär' der Segen noch so klein, Soll Mund und Herz doch dankbar sein! 2. Ist's gleich uns dieses Jahr ergangen Wie einem, der im Weinberg sucht Und säh' gern viele Trauben hangen, Sieht aber nichts als bittre Frucht: So ist doch auch das wen'ge mehr, Als wir um dich verdient, o Herr! 3. Wir sind, wir müssen's ja bekennen, Ofrommer Gott, selbst schuld daran, Daß deine Hand, die viel wollt' gönnen, Ein mehreres nicht geben kann. So wenig auch der Früchte sei'n, Ist unser Dank doch viel zu klein. 4. Wie vielmal haben wir vergeffen, Daß du die Felder reich gemacht, Wie oft mit Sünden unermessen Den reichen Segen durchgebracht, Und haben uns an deiner Huld Mit unsrem Undank hoch verschuldt! 5.Verzeih, o Vater, uns in Gnaden Und segne du uns Speis'und Trank! Dem wird der Mangel selbst nicht schaden, Der wenig nimmt mit rechtem Dank Und hält das Wort in seinem Sinn: Verderb's nicht, weil ein Segen drin! 6. Du kannst auch wohl das wen'ge segnen: Wenn in der Wüste Mangel wär', So muß die Luft mit Manna regnen, Der dürre Fels reicht Wasser her; Im Witwen- Kad und ihrem Krug Jst immer Mehl und Öl genug. 7. Gedenke nur der lieben Armen; Schließ auf der Reichen Herz und Hand zu mildem, thätigem Erbarmen; Befiehl dem Himmel und dem Land, Daß beides deine Stimme hör' Und künftig reiche Frucht gewähr'! 8. Indes sei herzlich hoch ge priesen Für das, was dieses Jahr beschert! Was du im Kleinen uns erwiesen, Ist größern Danks und Lobes wert. Dort, wo uns deine Fülle tränkt, Wird alles uns in dir geschenkt. Ludwig Eberhard Fischer 1741. Herbst und Winter. Mel. O daß ich tausend zungen hätte 2c.( Ps. 34, 9. 145, 16.) erfreut. 547. Wie reich an Freude, erneut, Mit tausend Gaben uns Glück und Segen Ist, Schöpfer, deine schöne Welt! Jm Sturm, im Sonnenschein und Regen Wirkt fort die Kraft, die uns erhält, Die nie veraltend stets 2. Uns ging aus der Verwesung HülleDasSamenkorn gedeihend auf; In Scheunen liegt der Felder Fülle, Dein Vaterauge ruhte ( Herbst und Winter.) 435 goldne Traube, Ein Stärk- und Heiltrant, uns empor; Von dir gesegnet und geschüßt Gedich, was uns erfreut und nüßt. 6. Froh können wir zum Himmel schauen; Was ist, das uns betrüben kann? Uns darf nicht vor der Zukunft grauen, Denn freundlich lächelt sie uns an; Und deine Huld und Vatertreu' Bewährt sich täglich, stündlich neu. 7. Laßt mild wie er zu sein uns streben, So würdig seiner Liebe sein Und unser ganzes Erdenleben Uns unsrer Brüder Glücke weihn! Ja, Wohlthun, Thätigkeit und Fleiß Sei seiner Huld und Liebe Preis! Johann Friedrich Schint 1811. D. Jahreszeiten. drauf; 3m Segen floß des Landmanns Schweiß, Und reiche Zinsen trug sein Fleiß. 3. Du lenkteft, Herr, der Winde Flügel, Des Regens und der Ströme Flut; Du hieltest, Gott, des Blikes Zügel, Der Elemente wilde Wut; Schufft selbst die Schrecken der Natur Zu Zeugen deiner Güte nur. 4. Und neue Güter, neue Gaben Bringt auch der Herbst uns fern und nah; Uns zu ernähren, uns zu laben, Stehn prangend unsre Gärten da; Rings winken uns in Stadt und Land Geschenke deiner milden Hand. 5. Es dränget aus dem dunkeln Laube Sich buntgefärbtes Obst hervor; Es reift des Weines Mel. Ohne Rast und unverweilt 2c.( Ps. 147, 16-18.) 548. In der stillen Einsamkeit Findest du ein Lob bereit; Großer Gott, erhöre mich, Meine Seele suchet dich! 2. Der du alle Sterne führst Und der Jahre Lauf regierst, Unveränderlich bist du, Nimmer still und doch in Ruh'. 5. Gleichwie Wolle fällt der Schnee Und bedecket Land und See; Wehet aber Gottes Wind, So zerfließet er geschwind. 6. O Beherrscher der Natur! Allem zeigst du Zeit und Spur; 3. Diese kalte Winterluft Kräf-| tig in die Herzen ruft: Seht, Frühling, Sommer, Herbst und Eis Nahn und fliehn auf dein Geheiß. 7. Folgte deines Worts Befehl Auch so willig meine Seel'! O wo ist der Sommer hin? Nur der Herr erwecket ihn! 4. Reif, wie Asche, nah und fern Streuet aus die Hand des Herrn; Wer kann bleiben vor dem Frost, Wann es weht von Nord und Ost? XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 436 daß, Jesu, deine Lieb' In mir lenkte jeden Trieb! 8. Friert da draußen alles ein, E. Tageszeiten. Morgen. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c.( Pf. 57, 8-11.) 549. Wach auf, mein Herz,| Demut fall'ich nieder und bring' Gebet und Lieder. und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter! 2. Heut', als die dunkeln Schatten mich ganz umgeben hatten, Bedecktest du mich Armen Mit göttlichem Erbarmen. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun schlafe, Ich hüte meine Schafe; Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen! 4. Dein Wort, das ist geschehen: Ich kann das Licht noch sehen; Von Not hin ich befreiet, Dein Schuh hat mich erneuet. Soll mein Herz doch brennend sein; Leuchte, o mein Heil, in mir, O so glüht und lebt es dir! Joachim Neander 1679. 5. Du willst ein Opfer haben; Hier bring' ich meine Gaben: In 6. Die wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins Herz mir sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts Beßres habe. 7. So wollst du nun vollenden Dein Werk an mir und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste raten, Den Anfang, Mitt' und Ende, Ach Herr, zum Besten wende! 9. Den Segen auf mich schütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise! Paulus Gerhardt 1648. Mel. Meine Armut macht zc.( 1 Theff. 5, 5-8.) 550. Seele, du mußt mun-| Strahlen zu bezahlen, Was dein schwacher Dank vermag! ter werden, Denn der Erden Blickt hervor ein neuer Tag. Komm, dem Schöpfer dieser 2. Doch den großen Gott dort oben Recht zu loben, Wollen's E. Tageszeiten.( Morgen.) nicht bloß Lippen sein; Nein, es hat sein reines Wesen Auserlesen Herzen ohne falschen Schein. 3. Deine Pflicht, die kannst du lernen Von den Sternen, Deren Gold der Sonne weicht. So laß auch vor Gott zerrinnen, Was den Sinnen Hier im Finstern schön gedeucht. 4. Schau, wie das, was Odem ziehet, Sich bemühet Um der Sonne holdes Licht; Wie sich, was nur Wachstum spüret, Freudig rühret, Wann ihr Glanz die Schatten bricht. 5. So laß dich auch fertig finden, Anzuzünden Deinen Weihrauch, weil die Nacht, Da dich Gott vor Unglücksstürmen Wollen schirmen, Ist so glücklich hingebracht. 6. Bitte, daß er dir Gedeihen Mög' verleihen, Wenn du auf was Gutes zielst; Aber daß er dich mög' stören Und bekehren, Wenn du böse Regung fühlst. 7.Kränkt dich etwas diesen Mor437 gen, Laß ihn sorgen, Der es wie die Sonne macht, Welche freundlich pflegt die Höhen Anzusehen Und auch in die Thäler lacht. 8. Es wird nichts so klein gesponnen, Das der Sonnen Bis ans End' verborgen bleibt; Gottes Auge sieht viel heller Und noch schneller, Was ein Sterblicher betreibt. 9. Denk, daß er auf deinen Wegen Ist zugegen, Daß er alle Sündenluft, JadieSchmach verborguer Flecken Kann entdecken Und erraten, was du thust! 10. Wir sind an den Lauf der Stunden Festgebunden, Der entführt, was eitel heißt, Und der dein Gefäß, o Seele, Nach der Höhle Eines Sterbgewölbes reißt. 2. Mich selbst zu schüßen ohne Macht Lag ich und schlief im Frieden. Wer schafft die Sicher11. Drum so seufz' ich, daß mein Scheiden Nicht ein Leiden Sondern sanftes Schlafen sei, Und daß ich mit heißer Wonne Seh' die Sonne, Wann des Todes Nacht vorbei! Friedrich Rudolf Ludwig von Canik vor 1699. Mel. Ich dank' dir schon zc.( P. 59, 17. 18.) 551. Mein erst Gefühl sei| heit der Nacht Und Ruhe für die Preis und Dank, Erheb ihn, Müden? meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, Lobsing ihm, meine Seele! 3. Wer wacht, wann ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Kreis und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine coobe 438 XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. Pflicht, Sich sicher zu bedecken? 9. Gieb mir ein Herz voll ZuWer ruft dem Tag und seinem Licht, Uns wieder aufzuwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mir's jetzt neu gegeben. 6. Gelobet seist du, Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen! 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Auf dich hofft meine Seele; Sei mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wann ich fehle! Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Joh. 16, 24. 1 Kön. 3, 5-14.) 552. Es hat uns heißen tre-| Gut und langes Leben, Nicht Chr' noch hohen Stand; Denn dieses ist nur nichtig Und lauter Eitelkeit, Vergänglich, schwach und flüchtig Und schwindet mit der Zeit. 4. Jch bitte mir zu schenken Ein fromm und keusches Herz, Das nimmermehr mag denken Auf Sünd'und schnöden Scherz; Das stets mit Liebe flammet Zu dir, Gott, himmelan Und alle Lust verdammet Der fündenvollen Bahn. ten, D Gott, dein lieber Sohn Mit herzlichen Gebeten Vor deinen hohen Thron, Und uns mit teurem Amen Erhörung zugesagt, Wenn man in seinem Namen Nur bittet, fleht und klagt. 2. Darauf komm' ich gegangen In dieser Morgenstund'; Ach laß mich doch erlangen, Was ich aus Herzensgrund Von dir, mein Gott, begehre Im Namen Jesu Christ; Und gnädig mir gewähre Das, was mir nützlich ist! versicht, Erfüllt mit Lieb' und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn' und willig thue! 10. Laß mich als dein gehorsam Kind Dir zu gefallen streben, Gottselig, züchtig, fromm gesinnt Durch deine Gnade leben! 11. Laß mich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheuen, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freuen! 12. Laß mich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genießen Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wann du gebeutst, beschließen! Christian Fürchtegott Gellert 1757. 3. Nicht aber mir zu geben Bitt' ich aus deiner Hand Geld, 5. Hernach laß mich gewinnen Nach deiner großen Kraft Kunst, E. Tageszeiten.( Morgen.) 439 Weisheit, flugeSinnen, Verstand Stand, Leben, Ehr' und Geld, und Wissenschaft, Daß all mein Thun und Handeln Dir mag gefällig sein; Laß vor der Welt mein Wandeln Sein ohne falschen Schein! Auf meine Seite fallen, So viel dir, Gott, gefällt; Man muß die Seel' erst schmücken, So wirst du allgemach DenLeib auch schon beglücken: Glück folgt der Tugend nach. Georg Neumark 1640. 6. So wird von jenen allen, Mel. O Gott, du frommer Gott 2c.( 1 Kor. 3, 16. 1 Theff. 5, 23.) 553. Jesu, süßes Licht! Nun ist die Nacht vergangen; Nun hat deinGnadenglanz Aufs neue mich umfangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlummer aufgeweckt und hat sich, Herr, nach dir Verlangend ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, zum Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnade senken Mit Leib und Seel' und Geist An diesem ganzenTag; Das soll mein Opfer sein, Weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott, Da hast du meine Seele; Sie sei dein Eigentum, Daß sie nur dich erwähle In deiner Liebe Kraft! Da hast du meinen Geist, Darinnen wollst du dich Verklären allermeiſt! 4. Hier sei denn auch mein Leib Zum Tempel dir ergeben; Wähl ihn zur Wohnung dir, D allerliebstes Leben! Ach wohn, ach leb in mir, Beweg und rege mich, Daß Leib und Seel' und Geist Mit dir vereine sich! 5. Mein Jesu, schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld Durch deines Geistes Triebe; Kleid mit der Demut mich Und mit der Sanftmut an, So bin ich wohlgeschmücktlind köstlich angethan! 6. D daß mir diesen Tag Stets vor den Augen schwebe, Daß dein' Allgegenwart Mich wie die Luft umgebe, Damit mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund'! 7. Ach segne, was ich thu', Ja rede und gedenke! Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß alles nur gescheh' Zu deines Namens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib' dein Eigentum! Joachim Lange 1697. Eigene Mel.( Pf. 5, 4. 84, 12. 13.) 554. Die güldne Sonne, unsern Grenzen Mit ihrem GlänVoll Freud' und Wonne, Bringt zen Ein herzerquickendes, lieb XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. 440 liches Licht. Mein Haupt und Glieder, Die lagen darnieder; Aber nun steh' ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, WasGott gebauet Zu seinen Ehren, Und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß; Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wann sie in Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erde vergänglichem Schoß. 3. Laffet uns singen, DemSchöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! Die besten Güter Sind unsre Gemüter; Lieder der Frommen, Von Herzen gekommen, Sind Weihrauch, der ihn am meisten ergött. 4. Abend und MorgenSind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren Sind seine Werke und Thaten allein. Wann wir uns legen, So ist erzugegen; Wann wir aufstehen, So läßt er aufgehen Über uns seiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab' erhoben Zu dirhoch droben All meine Sinnen; Laß mein Beginnen Ohn' allen Anstoß und glücklich ergehn! Laster und Schande, Des Seelenfeinds Bande, Fallen und Tücke Treib ferne zurücke! Laß mich auf deinen Geboten bestehn! 6. Laß mich mit Freuden Ohn' alles Neiden Sehen den Segen, Den du wirst legen In meines BrudersHand, Güter und Haus! Geiziges Brennen, Unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Aus meinem Herzen und wirf es hinaus! 7. Menschliches Wesen, Was ist's?. Gewesen! In einer Stunde Geht es zu Grunde, Sobald die Lüfte des Todes drein wehn. Alles in allen Muß brechen und fallen; Himmel und Erden, Die müssen das werden, Was sie gewesen vor ihrem Bestehn. - 8. Alles vergehet, Gott aber stehet Ohn' alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tödlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, Vergieb und schone; Laß meine Schulden InGnad'undHulden Aus deinen Augen sein abgewandt! Sonst, Herr, regiere mich, lenke und führe, Wie dir's gefället! Ich habe gestellet Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott E. Cageszeiten.( Morgen.) ist das Größte, Das Schönste und Beste; Gott ist das Süßste Und Allergewißste, Aus allen Schätzen der edelste Hort! 441 Das weißt du alleine, Haft niemals einen zu bitter betrübt. 12. Trübsal und Zähren Nicht ewig währen: Nach Meeresbrausen Und Windessausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht. Freude die FülleUnd seligeStille Darf ich erwarten Im himmlischen Garten; Dahin sind meine Gedanken gericht't! Paulus Gerhardt 1666. 11. Willst du mich kränken, Mit Galle tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen: Wohlan, so mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Eigene Mel.( Luk. 1, 78. 79.) 555. Morgenglanz derEwig wir, eh' wir gar vergehn, Recht feit, Licht vom unerschöpften aufstehn! Lichte! Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte, Und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht! 4.Ach du Aufgang aus der Höh'! Gieb, daß auch am jüngsten Tage Unser Leichnam aufersteh' Und, entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann! 2. Deiner Güte Morgentau Fall auf unser matt Gewissen, Laß die dürre Lebensau Lauter süßen Trost genießen, Und erquick uns, deine Schar, Immerdar! 3. Gieb, daß deiner Liebe Glut Unsre kalten Werke töte; Und erweck uns Herz und Mut Bei erstandner Morgenröte, Daß 5.Leucht uns selbst in jene Welt, DuverklärteGnadensonne! Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Wo die Luft, die uns erhöht, Nie vergeht! Chriftian Knorr von Rosenroth 1684. Mel. Gott des Himmels 2c.( 2 Sam. 7, 29.) 556. Höchster Gott, durch| 2.Segne heute mich vom neuen, deinen Segen konnt' ich fröhlich und gesund Diese Nacht zurückelegen; Also preist dich Herz und Mund. Denn du willst für alle Treu' Nichts, als daß man dankbar ſei. Weil du segnen kannst und mußt! Denn mitWohlthun zu erfreuen, Das ist deine Herzenslust, Und du machst die milde Hand Täglich aller Welt bekannt. 3.Segne mich mit deinem Geiste, 442 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Daß er heut' mit seiner Kraft Schande Und mit Ehren führen Meinem Glauben Beistand leiste, kann; Gieb dazu mein täglich Brot Daß er gute Werke schafft Und Und was irgend sonst mir not! dem Bösen insgemein Mag ein 6.Segne mich in Kreuz und Lei wackrer Gegner sein! den Mit Vertrauen und Geduld; Segne mich in Glück und Freuden Mit dem Reichtum deiner Huld, Daß ich dir im Kreuz getreu Und im Glück voll Demut sei! 4. Segne mich mit deinem Worte, Schreib es in mein Herz hinein, Daß es mag an jedem Orte Meines Wandels Richtschnur sein! Leuchtet mir dies Lebenslicht, D so fehl' und fall' ich nicht. 5.Segne mich in meinem Stande, Zeuch mein Herz mit Klugheit an, Daß ich solchen ohne Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend zc.( Ps. 19, 6.) 557. Die Morgensonne gehet| 4. Der Sonne Lauf nie stille auf, Erfreut zu wallen ihren Lauf; Kein Bräutigam kommt so geziert, Wie sie die goldnen Strahlen führt. steht und ohne Säumen weiter geht; So sollen wir ohn' Unterlaß Jhr folgen auf der Himmels straß'. 5. Herr, deine Gnade, Güt'und Treu' Ist alle Morgen bei uns neu. Erleucht uns Herz und Angesicht Mit deinem Wort, dem Himmelslicht! 2. So viel der Himmel Sterne zählt, Ist sie vor allen auserwählt; Es muß ein großer Herrscher sein, Der ihr erteilt den goldnen Schein. 7. So will ich für allen Segen Lob und Ehre, Preis und Dank Dir zu deinen Füßen legen, Und es thun mein Leben lang, Bis ich mit den Engeln dort Vor dir jauchze fort und fort. Erdmann Neumeister 1717. 3. Die Himmel rühmen Gottes Ehr' Und geben uns die schöne Lehr', Daß wir ihn auch mit unfrem Mund Hoch preisen sollen alle Stund'. 6. So wollen wir dir allezeit Hier danken in der Christenheit, Und dort mit deiner Engel Schar Dich fröhlich loben immerdar. Georg Philipp Harsdörffer 1653. Mel. Allein Gott in der Höh' zc.( Jes. 60, 1. Ps. 118, 27.) 558. Erheb, o meine Seele,| Schon zeigt der Glanz des Tages dich, Die Finsternis vergehet, sich, DieSonn'amHimmel stehet; E. Tageszeiten.( Morgen.) 443 bei, Verleihe deinen Segen, Daß das Geschäft von deiner Hand Vollführet werd' in allem Land, Wozu du uns erleuchtet! Zu Gott erhebe deinen Sinn,| So hilf uns nun und steh uns Daß er sein Werk in dir beginn' Und gnädig dich erleuchte! 2. Jm Licht muß alles rege sein Und sich zur Arbeit kehren; Im Licht singt früh das Vögelein, Im Licht zu Gottes Chren; So soll der Mensch in Gottes Licht Aufheben billig sein Gesicht Zu dem, der ihn erleuchtet. 6. Ich flehe, Herr, mach mich bereit Zu deinem Wohlgefallen; Sm rechten Brauch der Gnadenzeit Laß deine Kinder wallen! Sie fürchten Tod und Sünde nicht, Geboren aus dem ew'gen Licht, Das allweg ihnen leuchtet. 3. Nun laßt uns an die Arbeit gehn Und froh den Herrn erheben; In Christo laßt uns auferstehn Und zeigen, daß wir leben; Laßt uns in seinem Gnadenschein nicht eine Stunde müßig sein! Gott ist's, der uns erleuchtet. 4. Ein Tag geht nach dem andern fort, Doch Gottes Werk bleibt liegen, Weil ohne That mit leerem Wort So viele sich betrügen. Herr, laß uns freudig gehn ans Werk, Verleih uns Gnade, Kraft und Stärk' Jm Licht, das uns erleuchtet! 5. Du zeigst, was zu verrichten sei Auf unsern Glaubenswegen; 7. Das Licht des Glaubens sei in mir Ein Licht der Kraft und Stärke; Es sei die Demut meine Zier, Die Lieb' das Werk der Werke; Die Weisheit sprech aus meinem Mund Und wohn in meines Herzens Grund; So bin ich recht erleuchtet. 8. Herr, bleib bei mir, du ewig Licht, Daß ich stets gehe richtig, Erfreu mich durch dein Angesicht, Mach mich zum Guten tüchtig, Bis ich erreich' die goldne Stadt, Die deine Hand gegründet hat Und ewiglich erleuchtet! Peter Backmann vor 1713. Eigene Mel.( 1 Mof. 28, 16-21.) 559. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, Welcher Tag und Nacht läßt werden, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand die Welt Und was drinnen ist erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen Haft behütet und bewacht. Ach, bei aller meiner Schuld Trägst du mich mit Vaterhuld! 444 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. 3. Laß die Nacht auch meiner| Hort! Nirgends als bei dir allein Sünden Heut' mit dieser Nacht Kann ich recht bewahret sein. vergehn! O Herr Jesu, laß mich finden Stets dein Herz mir offen stehn, Wo alleine Hilf' und Rat Ist für meine Misfethat! 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wann nun dein großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor erschrecke nicht! 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Mel. Werde munter zc.( 1 Thess. 5, 8. Ps. 90, 17.) 560. Gott, du Licht, das| stillt; Ach, erneure und verkläre ewig bleibet, Das ohn' allen Wechsel ist, Das die Finsternis vertreibet, Der du bleibest, wie du bist! Ich verlaffe meine Ruh'; Rufe: werde licht! mir zu, Daß ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. Stets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geist der Kraft, Der ein neues Leben schafft, Daß ich himmlisch auf der Erde Und ein Geist mit Christo werde! 4. Segne meiner Hände Werke, Fördre mich in meiner Pflicht; Bleibe meiner Schwachheit Stärke, Meines Lebens Kraft und Licht! Laß mein Lebensziel allein Deines Namens Ehre sein; Hilf, daß ich stets wahre Liebe Gegen meinen Nächsten übe! 2. Wecke, da der Leib geschlafen, Auch die Seele geistlich auf; Gieb ihr deines Lichtes Waffen, Richt und leite ihren Lauf! Laß mich sein des Lichtes Kind; Hilf mir, weil ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe Und in deinem Lichte gehe! 6. Meinen Leib und meine Seele Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Trage nach dem Himmel zu! Heinrich Alberti 1644. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, Was die arme Seele 5. Führ mich einst zu jenem Lichte Deiner höchsten Majestät, Wo vor deinem Angesichte Die verklärte Seele steht Heller als E. Tageszeiten.( Morgen.) 445 der Sonnenschein, Schön, un- mit dir vereinet, Wann mein sterblich, engelrein; Laß sie sein letzter Tag erscheinet! Salomo Frand 1711. Mel. Nun dantet all' 2c.( Psalm 36, 10.) 561. Das äußre Sonnenlicht ist da Und scheint mir ins Gesicht; Gott ist noch mehr dem Geiste nah' Mit seinem Lebenslicht. 2. Ach wohn in mir, du Gottessonn', Mein Geist dein Himmel werd, Daß ich, o reine Seelenwonn', Ganz werd' in dich verflärt! 3. Wann sich die Sonne offenbart, So weicht die Dunkelheit; Vertreib durch deine Gegenwart Die Sünd' und Eigenheit! 4. Du bist ein Licht und wohnst im Licht: Ach mach mich licht und rein, Zuschauen, Herr, dein Angesicht Und dir vereint zu sein! 5. Der Adler schaut geradezu Die Sonne fröhlich an; Mein Geistesaug' eröffne du, Daß ich dich schauen kann! 6. Wer dich in deinem Licht erblickt In seiner Seele Grund, Der steht wie Cherubim gebückt Vor dir zu jeder Stund'. 562. Wenn ich einst von jenem Schlummer, Welcher Tod heißt, aufersteh' Und, erlöst von allem Kummer, Jenen schönern Morgen seh': O dann wach' ich anders auf, Schon am Ziel ist dann mein Lauf! Träume sind des Pilgers Sorgen, Großer Tag, an deinem Morgen. 7. So laß mich wandeln, wo ich bin, Vor deinem Angesicht; Mein Thun und Laffen immerhin Sei lauter, rein und licht! 8. Dein Auge leite meinen Gang, Daß ich nicht irre geh', Und bleib mir nah' mein Leben lang, Bis ich dich ewig seh'! Eigene Mel. oder: Freu dich sehr 2c.( P. 17, 15.) 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Vater meiner Lebenszeit, Einst mich im Gericht verflage, Er jei ganz von mir entweiht! Auch Gerhard Tersteegen 1729. noch heute wacht' ich auf, Dant dir, Herr! Zu dir hinauf Führ mich jeder meiner Tage, Jede Freude, jede Plage; 3. Daß ich froh gen Himmel sehe, Wann mein letter Tag erscheint, Wann zum dunkeln Thal ich gehe, Und mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein; Laß mein End' ihm lehrreich sein, Daß ich ihn zum Himmel weise Und dich, Herr des Todes, preise! Friedrich Gottlieb Klopstock 1769. coco XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Am Schluß der Woche. Mel. Die Nacht ist vor der Thür' 2c.( Ps. 90, 14.) 563. Die Nacht giebt gute Nacht; Der Tag herrscht auf der Erden. Gott, der da beides macht, Soll hoch gepriesen werden. Du, Herr der ganzen Welt, Hast alles wohl bestellt. 446 2. Ja wohl, und mehr als wohl Hat mich dein Schild bedecket, Daß ich erkennen soll, Wie deine Güte schmecket, Und daß sonst keine Treu' So groß als deine sei. 3. Ach, laß dir meinen Dank In Schwachheit hier gefallen! Dein Lob soll lebenslang Aus meinem Munde schallen; Jch werde niemals mein, Nur dein auf immer sein. 4. Du wollst mich diesen Tag Ins Buch des Segens schreiben, Daß ich so leben mag, Wie mich dein Geist wird treiben; Durch deffen Leitung führ Mich mehr und mehr zu dir! 5. Mein Denken und mein Thun, Mein Wollen und mein Lassen Soll gläubig auf dir ruhn Und dein Gebot umfaffen. Gieb mein bescheiden Teil Am Kreuz und auch am Heil! 564. Gott, du läsfest mich erreichen Abermal die Abendzeit; Das ist mir ein neues Zeichen Deiner Lieb' und Gütigkeit. Laß jeßo mein armes Singen Durch die trüben Wolken dringen, Und sei auch in dieser Nacht Ferner auf mein Heil bedacht! 6. Versorge meinen Mund; Doch mehr die Seel' erfülle, Erhalte sie gesund In ihrer Leibeshülle; Gieb einen Gnadenblick Auch zu der Meinen Glück! 7. Die Woche laufet nun Mit diesem Tag zu Ende; Drum hilf, daß ich mein Thun In deiner Kraft vollende, Daß morgen mich dein Tag Gesammelt finden mag! 8. Laß mich die kurze Zeit Des Lebens flüglich teilen, Und nach der Ewigkeit Mit frohen Schritten eilen! So leb' ich, weil es gilt; So sterb' ich, wann du willt. Benjamin Schmold 1715. Abend. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c.( Ps. 91, 1. 2.) 2. Neige dich zu meinen Bitten, Stoß nicht dies mein Opfer weg! Hab' ich gleich oft überschritten Deiner Wahrheit heil'gen Steg, So verfluch' ich meine Sünden Und will mich mit dir verbinden; Reiß du nur aus meiner Brust Alle Wurzel böser Luft! 447 Verdruß, Brand und sonst betrübte Fälle; Zeichne meines Hauses Schwelle, Auf daß keinen hier der Schlag Des Verderbers treffen mag! 5. Wirke du in meinen Sinnen, Stehe mir im Schatten bei, Daß mein schlafendes Beginnen Dir auch nicht zuwider sei! Schaffe, daß ich schon auf Erden Mög' ein solcher Tempel werden, Der nur dir, und nicht der Welt, Ewig Licht und Feuer hält! Friedrich Rudolf Ludwig von Canik vor 1699. E. Tageszeiten.( Abend.) 3. Herr, es sei mein Leib und Leben, Und was du mir sonst geschenkt, Deiner Allmacht übergeben, Die den Himmel selbst umschränkt. Einen Strahl der Gottheit scheinen Laß um mich und all die Meinen, Die, was deine Liebe thut, Dankbar schätzen als dein Gut! 4. Laß mich mildiglich betauen Deines Segens Überfluß; Schirme mich vor Angst und Grauen, Wende Schaden und Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( 1 Mos. 32, 10.) 565. Herr, der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet' ich findlich an; Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut' an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüte Freu' ich mich deiner Güte, Jch freue mich in dir. Du giebst mir Luft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke, Und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh' der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn, Auf deine Güte hoffen, Im Geiſt den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! die Sonne sich verdecket, Und alles sich zur Ruh' und Stille strecket. O meine Seel', merk auf, wo bleibest du? In Gottes 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden, Und in dem Himmel ist mein Teil. 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil' ich der Ruh' entgegen, Dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein, in deine Hände Befehl' ich, Vater, meinen Geist. Chr. Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Der Tag ist hin 2c.( 4 Mos. 10, 36. 1 Sam. 3, 2-10.) 566. Der Abend kommt,| Schoß, sonst nirgends hast du Ruh'. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, Das Vöglein fleugt zu seinem Neste wieder, 44 448 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Die Schäflein ziehn in ihre Hür-| niglich, Jm stillen Grund, mein den ein; Laß mich zu dir, mein Gott, zu schauen dich. Gott, gekehret sein! 3. Ach, sammle selbst Begierden und Gedanken, Die noch so leicht aus Schwachheit von dir wanken; Mein Ruheplaß und Heimat, thu dich auf, Daß ich in dir beschließe meinen Lauf! 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget; Mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget. Ins Heiligtum, ins Dunkel kehr' ich ein; Herr, rede du, laß mich ganz stille sein! 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenktet, Mein Wille sich in dich gelassen senket. Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, ftill! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; Laß nicht den Geist zerstreut in Unruh' schweben! Mein treuer Hirt, führ mich in dich hinein! In dir, mit dir kann ich vergnüget sein. 4. Recht väterlich hast du mich heut' geleitet, Bewahrt, verschont, gestärket und geweidet. Ich bin's nicht wert, daß du so gut und treu; Mein Alles dir zum Dank ergeben ſei! 5. Vergieb es, Herr, wo ich mich heut' verirret Und mich zu viel durch dies und das verwirret! Es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; Nimm mich nur ein, so werd' ich fester stehn! 6. Da nun der Leib sein Tagwerk hat vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, zu beten an, zu lieben in10. Im Finstern sei des Geistes Licht und Sonne, Jm Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Wonne; Deck mich bei dir in deiner Hütte zu, Bis ich erreich' die volle Sabbathruh'! Gerhard Tersteegen 1729. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( P. 8, 4. 5.) 567. Die Sonne senkt sich| du mir gethan. Dich preiset mein Gemüte Für alle Gnad' und Güte: Herr, nimm mein stilles Loblied an! nieder, Die stille Nacht kommt wieder Und mit ihr Schlaf und Ruh'; Sie bringt uns neuekräfte, Beschließt des Tags Geschäfte Und drückt die müden Augen zu. 2. Noch wach'ich und erzähle Mit tiefgerührter Seele, Herr, was 3. Von dir kommt jede Gabe, Das Leben, das ich habe, Die Ruhe dieser Nacht. Du bist der Quell der Güter, Mein Schutz E. Tageszeiten.( Abend.) und treuer Hüter, Der, wann ich schlummre, für mich wacht. 4.Du lässt es finster werden und hüllst den Kreis der Erden In tiefe Dunkelheit; Doch auch in dunkler Stille Wohnst du mit deiner Fülle Und zeigst uns deine Herrlichkeit. 5. Du führst aus weiter Ferne Den Mond und tausend Sterne Mit Majestät herauf; Sie leuchten dir zur Ehre Hoch über Land und Meere, Und deineHand lenkt ihren Lauf. 6. Als Zeugen deiner Stärke Stehn lauter Wunderwerke In deiner Schöpfung da; Und du, der sie bereitet Und Mond und Sterne leitet, Bist auch im Staub mir innig nah'. 449 7. Groß, wann der Morgen tauet, Groß, wann der Abend grauet, Groß in der stillen Nacht; Im Sonnenschein, im Sturme, Am Menschen und am Wurme Groß zeigst du, Schöpfer, deine Macht. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Beständigteit im Guten mir noch fehlet. Evangelisches Gesangbuch. 8.Drum schwinde alles Grauen, Drum will ich kindlich trauen; Denn du versorgst auch mich. Ja, Vater, ich befehle Dir freudig Leib und Seele; Du bist mein Gott, ich hoff' auf dich. 9. Laß dir mein kindlich Lallen Durch Jesum wohlgefallen Und segne meinen Geist, Bis er, im Grund erneuert, Den großen Sabbath feiert, Wo allerSel'gen Schar dich preist. Junkheim( nach G. F. Schröder) 1781. Eigene Mel.( Luk. 24, 29.) fündiger; Ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 568. Der Tag ist hin; mein| Das weißt du wohl, o HerzensJesu, bei mir bleibe! D Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, o Herr, denn es ist Zeit! 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen; Dir sei die Ehr', wenn alles wohl gelungen Nach deinem Rat, ob ich's gleich nicht versteh'; Du bist gerecht, es gehe, wie es geh'! 4.Bergieb es, Herr! Mir sagt es mein Gewissen: Der Sünde Lust hat mich von dir gerissen. Es ist mir leid, ich stell' mich wieder ein. Hier ist mein Herz! Ich dein, Herr, und du mein! 5. Jsraels Schuß, mein Hüter und mein Hirte, zu meinem Troft dein sieghaft Schwert umgürte, Bewahre mich durch deine große Macht. Und halt um mich mit treuen Augen Wacht! 29 2000 450 XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. 6. Du schlummerft nicht, wann fen! DLebensfonn', erquicke mei matteGlieder schlafen; Ach, laß die nen Sinn! Dich lass' ich nicht, Seel' im Schlaf auch Gutes schaf- mein Fels, der Tag ist hin! Joachim Neander 1679. Mel. O bu Liebe zc.( But. 24, 13-32. Matth. 28, 20.) 569. Bleibe, es will Abend| noch brennen, Daß ich fühl', du feiest da! 5. Bleibe! wenn ich gleich im Herzen Noch so träg' zum Glauben bin; Denn ich lege dir mit Schmerzen Selbst die Unart redlich hin. Hast du nicht auch mit den Trägen Noch erbarmende Geduld? Ja selbst auf betrübten Wegen Nahst du ihnen voller Huld. 6. Bleibe! hält auch meine Augen Jetzt noch ein geheimes Band, Daß sie nicht zu schauen taugen Dich in dem Verklärungsstand. Öffne mir indes die Schriften, Daß ich Jesum glauben kann, Schauen geht ja bei Geprüften In der neuen Stadt erst an. werden! Jesu, bleibe du bei mir! Mit den Deinigen auf Erden Rufe jetzt auch ich zu dir. Bleibe mir statt tausend Sonnen, Denn dein Nahesein im Wort Hat das Herz mir abgewonnen, Und dies läßt dich nicht mehr fort. 2. Bleibe! Du bist mein Erlöser; Ach, was hab' ich ohne dich? Da wird nur mein Elend größer, Und die Hölle schrecket mich. Ohne dich bin ich verloren; Aber dein Verfühnungsblut Hat mich wieder neugeboren, Weil es Wunder an uns thut. 3. Bleibe! denn du bist mein Leben, Außer dir ist alles tot; Außer dir sind wir nur Reben, Welchen Gott das Feuer droht. Meiner Seele schwache Triebe Gehen nur auf dich allein; Wenn nicht Jesus bei mir bliebe, Wollt' ich lieber gar nicht sein. 4. Bleibe! mußt du mir schon sagen, Daß ich unverständig sei; Denn du kannst auch Thoren tragen und bleibst unverändert treu. Ja, ich will es selbst bekennen, Ja ich bin's, doch bleib mir nah'; Laß mir nur das Herz 7. Bleibe mir stets in Gedanken, Daß mein Herz dich nicht verläßt; Mach es, wann es wollte wanken, Durch die Gnade wieder feft! Bleibe bei mir, was ich schaffe; Bleibe bei mir, wo ich ruh'; Bleibe bei mir, wann ich schlafe; Weicht mir alles, bleibe du! 8. Ja du bleibst! Du hast's versprochen: Ich bin bei euch allezeit! Du hast nie ein Wort gebrochen, Brichst's auch nicht in E. Tageszeiten.( Abend.) 451 Ewigkeit. Schlaft, ihr Glieder, froh befehle; Das ist eine gute wache, Seele! Jesus bleibt und hält die Wacht, Welchem ich euch Nacht! Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Ps. 8, 4. 5. Pred. 7, 29.) 570. Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt! 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, Und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, Die wir getroft belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel; Wir spinPhilipp Friedrich Hiller um 1765. 571. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder; Es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt! 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind. nen Luftgespinste und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß uns dein Heil schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen, NichtEitelkeit uns freun! Laß uns einfältig werden Und vor dir hier auf Erden Wie Kinder fromm und fröhlich sein! 6.Wollstendlich sonderGrämen Aus dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod; Und wann du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt weht der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen, Und unsre kranken Brüder auch! Matthias Claudius 1779. Eigene Mel.( Pf. 121.) Fahr hin! Ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnenSterne prangen Am blauen Himmelssaal. Also werd' ich auch stehen, Wann mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 452 XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe,| 7. Die Augen stehn verdroffen, Legtkleider ab und Schuhe, Das Jm Nu sind sie geschlossen; Wo Bild der Sterblichkeit. Die zieh' bleibt dann Leib und Seel'? ich aus; dagegen Wird Christus Nimm sie zu deinen Gnaden, mir anlegen Das Kleid der Ehr' Sei gut für allen Schaden, Du und Herrlichkeit. Aug' und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Küchlein ein! Will mich der Feind verschlingen, So laß die Engel singen: Dies Kind soll unverletet sein! 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sei. Herz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 6.Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt! Es kommen Stund' und Zeiten, Daman euch wird bereiten Zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch selig schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Engel Schar. Paulus Gerhardt 1648. Eigene Mel.( Ps. 91.) 572. Werde munter, mein Gemüte, Und ihr Sinnen, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag' Durch sein gnadenreiches Walten Hat beschirmet und erhalten! 3. Keine Klugheit kann ergründen Deine Güt' und Wunderthat; Ja kein Redner kann verkünden, Was dein Arm erwiesen hat. Deiner Wohlthat ist zu viel, Sie hat weder Maß noch Ziel; Herr, du hast mich so geführet, Daß kein Unfall mich berühret. 4. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell' ich mich doch wieder ein; Denn dein Sohn ist einst verblichen Für mich in der Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad' und 2. Lob und Dank sei dir gefungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir ist mein Werk gelungen, Daß du mich vor allem Leid Und vor Sünden mancher Art So getreulich haft bewahrt, Auch die Feind' hinweggetrieben, Huld Ist viel größer als die SünDaß ich unbeschädigt blieben! de, Die ich immer in mir finde. E. Tageszeiten.( Abend.) 5. D du Licht der frommenSeelen, D du Glanz der Herrlichkeit! Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel schier; Daß ich nimmer mich betrübe, Tröste mich mit deiner Liebe! 6. Wann sich schon die Augen schließen Und ermüdet schlafen ein, Soll mein Herz dennoch befliffen und auf dich gerichtet sein; Meiner Seele mit Begier Träume stets, o Gott, von dir, Daß ich innig an dir hange Und auch schlafend dich umfange! 7. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Ruh'; Alles Übel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu! Leib und Seele, Mut und Blut, All die 573. Ergreife nun dein Harfenspiel, Da Licht und Tag verschwindet, Und sich der langen Arbeit Ziel Spät in denSchatten findet! Komm, Seele, dring zu Gottes Thron Und opfre deiner Lieder Ton, Vom Geist des Danks entzündet! 453 Meinen, Hab und Gut, Freunde, Feinde, Hausgenoffen Sei'n in deinen Schutz beschlossen! Mel. Allein Gott in der Höh' zc.( P. 92.) 2. Nie ist man schöner aufge: wacht Als unter Preis und Loben; Nie fängt man sel'ger an die Nacht, Als wo das Herz erhoben Gott seine letzte Kraft noch schenkt, Die Spuren seines Rats 8. Ach, bewahre mich vor Schrekken, Schüße mich vor Überfall; Laß mich Krankheit nicht aufwecken, Treibe weg des Krieges Schall! Wende Feu'r und Wassersnot, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben Noch an Leib und Seel' verderben! 9. D du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schuß und Rat! Und mein Hort, du werter Geist, Der du Freund und Tröster heißst, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja es soll geschehen. Johann Rist 1642. durchdenkt Und seiner Liebe Proben. 3. Gott sorgt und waltet spät und früh, Treu, wie ein Vater pfleget; Gott wacht, er schläft und schlummert nie, Er, der den Weltbau träget. Wie ist ein Mensch so wohl daran, Der Gottes Wegen folgen kann und sein Werk überleget! 4. Das ist nicht eines Sünders Thun, Der seine Zeit durchſpielet, Den Tag verpraßt und heimlich nun Noch seine Lüfte kühlet; Des 454 Leben nur im Fleische blüht, Der Gott nicht kennt, sein Werk nicht sieht noch seinen Eindruck fühlet. 5. Doch du bleibst Gott, wenn er auch blind, Verzärtelt und verwöhnet, Frech, trokig, stolz und weltgesinnt Dich und dein Thun verhöhnet. Wie weht ihn Wind und Zeit davon! Bald welket er, er modert schon, Verflucht und unbethränet. - XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 6. Jch bete dich im Dunkeln an, Doch in dein Licht entzücket, Gott, den ich nicht satt denken kann, Des Name schon erquicket. Wie selig ist, wer dich erkennt! Wer dich im Glauben Vater nennt, Wie hoch ist der beglücket! 7. Du hebst mein frohes Haupt empor; Wer ist es, der mir schade? Nichts sieht mein Aug', nichts 444 mands Freund!" Doch weil ich Jefum faffe, So fürcht' ich keinen Feind Mit seinem Grimm und Haffe. Er ist's, der auch die Nacht Mir stets zur Freundin macht. 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, den mein Herze liebet; Und wo mein Lebenslauf Dich hier und dort betrübet, So tilge meine Schuld Mit Huld und mit Geduld! 3. Zwar hab' ich einen Feind, Der voller List und Tücke; Doch wo dein Antlitz scheint, Da fällt er I hört mein Ohr Als allenthalben Gnade. Ich weiß mich mit dir ausgefühnt, Jch grüne, wie ein Palmbaum grünt, Jm Alter noch gerade. 8. O möchte sich von Stund' zu Stund' Mein Herz in dir entzünden! O könnte doch mein Geist, mein Mund Genug des Lobes finden, Wie du so fromm, so gnädig bist, Und wie keinUnrecht an dir ist, Der Nachwelt zu verkünden! Mel. Die Nacht ist vor der Thür' 2c.( P₁.57, 2.) 574. Die Nacht ist nie-| bald zurücke. Trotz Teufel, Sünd' und Höll', Hier ist Immanuel! 4. Ich werde diese Nacht Als wie ein Toter liegen; Drum laffe deine Wacht Sich um mein Lager fügen Und deiner Allmacht Schein Bei meiner Un macht sein! 5. Der Schlaf, des Todes Bild, Heißt mich ans Grab gedenken. Tod, komme, wann du willt, Ich will mich gar nicht kränken; Mich bringt der letzte Feind zu meinem besten Freund! Benjamin Schmold 1715 9. Das sei mein Tagwerk jeden Tag, Das meiner Nächte Dichten! Ob mich der Schlaf umhüllenmag, Vergess'ich dein mit nichten. Gott, nimm dies Abendlied von mir, Bald morgens knie ich neu vor dir, Mein Opfer zu entrichten. Johann Adam Lehmus 1762. E. Tageszeiten. ( Abend.) Mel. Ach, was soll ich Sünder zc.( Ps. 39, 5-8.) 575. Ach mein Jesu, sieh, ich| schämen: Du erhältst und schützest mich Tag und Nacht so gnädiglich, Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar ſei. 5. Nun, ich komme mit Verlangen, D mein Herzensfreund, zu dir: Neige du dein Licht zu mir, Da der Tag nunmehr vergangen; Sei du selbst mein Sonnenlicht, Das durch alles Finstre bricht! trete, Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsternis sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete; Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin! 2. Meine Tage gehn geschwinde Wie ein Pfeil zur Ewigkeit; Auch die allerlängste Zeit Rauscht vor über wie die Winde, Fließt dahin als wie ein Fluß Mit dem schnellsten Wafferguß. 3. Aber, Jesu, sieh, ich Armer Nehme mich doch nicht in acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Erbarmer! Dwie mancher Tag geht hin, Da ich kalt und träge bin! 4. Ach, ich muß mich herzlich 455 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen willt! Von dir sei mein Herz erfüllt, So wird mich nichts können quälen; Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. Lewin Johann Schlicht 1705. Mel. O du Liebe meiner Liebe zc.( 1 Mos. 32, 10.) 576. Herr und Gott der| sei gepriesen, Dein Herz ferner Tag' und Nächte, Der du wachst zu mir kehr! im Himmelszelt Und voll Gnaden deine Rechte Ausstreckst über diese Welt, Sieh, wie deineskindes Seele, Da der Tag sich nun geneigt, Sich nach deines Worts Befehle Dankend vor dir niederbeugt! 2. Vater, ich bin zu geringe Aller Treu' und Gütigkeit, Die du, Wesen aller Dinge, Mir in meiner Lebenszeitund auch heute haft erwiesen. O daß ich recht dankbar wär'! Herr, dein Name 3. Sieh nicht an der Sünden Menge, Ach, gedenke nicht der Schuld, Die du könntest rächen strenge; Habe doch mit mir Geduld! Reinige, Herr, mein Gewissen; Leib und Seel' dir heilig fei! Dein Geist mache mich beflissen, Dir zu dienen ohneScheu! 4. Laß mich nicht dahintenbleiben, Laß mich nicht zurückesehn; Dein Geist müsse mich stets treiben, Unverrückt voranzugehn, Jenes Kleinod zu erfassen, Das 456 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. mein Heiland mir erwarb, Als| gen, Halte Leib und Seele rein! er dort am Kreuz, verlassen, Unter tausend Qualen starb. Ja dein Engel mich bewahre, Deine Gnade fei mein Schild, Bis ich einst zum Heiland fahre Und erwach' nach seinem Bild. Joh. Anastasius Freylinghausen 1704. ( Pf. 121, 4. Sprüche 18, 10.) 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns sein! Sei du Schloß und Riegel, Unter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein; Deck uns zu Mit Schutz und Ruh'! So wird uns kein Grauen wecken, Noch der Feind uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut' zum Grabe hätte? Jezo rot, bald tot? Drum, haft du's beschlossen, Sterb' ich unverdrossen, Herr, auf dein Gebot. nicht will ich, Herr, wider dich; Hab' ich Heil in dir gefunden, Sterb' ich alle Stunden. 5. Drauf will ich mich schlafen legen, Laß mich dir empfohlen sein; Bater, gönne mir den SeMel. Jesu, meine Freude zc. 577. Hirte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag! Deine Wundermilde Diente mir zum Schilde Den vergangnen Tag; Sei die Nacht Auch auf der Wacht, Und laß mich von deinen Scharen Um und um bewahren! 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld! Ein versöhnt Gewissen Sei mein Ruhekissen; Drum vergieb die Schuld! Jesus Christ Mein Mittler ist; Er hat das, was ich verschuldet, Williglich erduldet. 3. Laß auch meine Lieben Keine Not betrüben, Sie sind mein und dein; Schließ uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Ohne Sorgen ein! Du bei mir, Und ich bei dir! Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf' im Frieden. - 6. Nun wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Meine Augen zu; Seele, Leib und Leben Hab' ich dir ergeben, Treuer Hüter du! Gute Nacht! Nimm mich in acht! Und erleb' ich je den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Benjamin Schmold 1715. Mel. Werde munter 2c.( Pf. 19, 13. 121, 4.) 578. Herr, es ist von meinem Leben Abermal ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm geworden Guten Feierabend machen! bin! Zeige mir auch ferner an, So ich was nicht recht gethan; Und hilf jetzt in allen Sachen E. Tageszeiten.( Abend.) 457 2.Freilich wirst du manches fin-| 5.Steure den gottlosen Leuten, den, Das dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That. Ach, wie oft verging ich mich, Mein Erbarmer, wider dich! Wer kann merken, wer kann zählen, Wann wir und wie oft wir fehlen? 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Hab durch Christum noch Geduld! Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergieb mir alle Schuld! Deine große Vatertreu' Werd auch diesen Abend neu, So will ich, Herr, deinen Willen Künftig mehr als heut' erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüte, Daß mein Schlaf nicht sündlich sei; Decke mich mit deiner Güte, Und dein Engel steh mir bei! Lösche Feu'r und Lichter aus Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen nicht im Unglück müsse weinen! 579. Gott, der du Gnad' und Weisheit hast, Hast alles wohl gemacht; Du giebst den Tag zu Müh' und Last Und dann zur Ruh' die Nacht. Die im Finstern Böses thun; Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wann wir ruhn, So zerstöre du den Rat Und verhindere die That; Wend auch allen andern Schrecken, Den die Bosheit will erwecken! 2. Da geht die Seele nicht mehr aus, Zieht Thür' und Fenster zu Und will wie im verschloßnen Haus Allein sein und in Ruh'. 3. Wie wohl ruht, wer sich müd' 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wann es bei uns Abend wird; Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Über seine Herde wacht; Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen! 7. Laß mich dann gesund erwachen, Wann es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein! Oder hast du, lieber Gott, Heut'bestim met meinen Tod, So befehl' ich dir am Ende Leib und Seel' in deine Hände! Mel. Nun sich der Tag geendet hat zc.( Ps. 3, 6.) Kaspar Neumann 1700. geschafft, Wen Hiz' und Kummer traf! Wie fühlt der Kranke neue Kraft Auf einen sanften Schlaf! 4. Da soll dir danken, wer sich legt, Und wer vom Lager steigt, Daß Gott, der alle Dinge trägt, So gütig sich bezeigt. 5. Noch mehr soll ich dir dankbar sein In meinem Christenlauf: donor 458 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. In Jesu Namen schlaf' ich ein,| mag; Denn die im Herrn entMit Jesu steh' ich auf. schlafen sind, Weckt er am jüngsten Tag. 6. Sterb' ich, so schlaf' ich wie ein Kind, Das Gott besorgen Philipp Friedrich Hiller 1762. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Hiob 4, 12-14. But. 2, 29.) 580. Herr, es gescheh dein| mer Für mich in dieser Nacht Den Freuden samt dem Kummer Ein schnelles Ende macht, Dann stärk mich, wann das Schrecken Der letzten Stunde droht! Du wirst mich auferwecken, Ein Schlaf nur ist mein Tod. Wille! Mein Leib eilt nun zur Ruh', Es fallen in der Stille Die müden Augen zu. Erlaß mir Schuld und Strafe, Daß ich, von Sünden rein, zum Tode wie zum Schlafe Bereitet möge sein. 2. Laß, fern von Schreckensbildern Und wilder Träumerei, Die Seele nichts sich schildern, Das ihrer unwert sei! Laß frei von eitlen Sorgen Den Tag mich wieder sehn Und auf den Kampfplag morgen mit neuen Kräften gehn! 4. Drum fahr'ich hin mit Freuden Zu Jesu, meinem Herrn; Die Welt und ihre Leiden, D Gott, verlaff' ich gern. Wohl dem, der bis ans Ende Sich als ein Christ erweist! Mein Gott, in deine Hände Befehl'ich meinen Geist. 3.Doch wann der Todesschlum-| Johann Friedrich v. Cronegt vor 1758. Mel. Jesu, der du meine Seele zc.( Pf. 74, 16. 139, 12.) 581. Gott der Tage, Gott| Unzählbarer Leidenden, Die um der Nächte, Unsre Seele harret dein, Lehnet sich an deine Rechte, Nie kannst du uns ferne sein. Auch in stiller Nächte Stunden Hat dich manches Herz gefunden Und sich aus dem Lärm der Welt Einsam bei dir eingeſtellt. 2. Vater, viele Menschen weinen, Viele Kranke schmachten nun; Aber du verläsfest keinen, Heißest wachen, heißest ruhn, Trocknest viele tausend Thränen Und erfüllst das heiße Sehnen Ruh' und Lindrung flehn. 3. Vater, sende Mut den Schwachen, Licht in jedes dunkle Herz; Allen, die bekümmert wachen, Lindre du den heißen Schmerz! Laß die Witwen, laß die Waisen Deine Lieb' und Treue preisen; Gönne Kranken sanfte Ruh', Sterbenden sprich Tröstung zu! 4. D du treuer Menschenhüter, Nacht ist vor dir wie der Tag; Allgewaltiger Gebieter, Du vers E. Tageszeiten.( Abend.) wandelft Schmerz und Blag' Unversehns in Dank und Freuden. Ach, laß alle, die jest leiden, Bald erlöst aus ihrer Pein Deirr Vaterhuld sich freun! 5. Vater! Dieser Nam' erwei tert Jede Brust voll Angst und Schmerz; Wie der Mond die Nacht erheitert, Kommt die Ruh' in jedes Herz, Das nach deinem Trofte weinet, Eh' die Sonne wieder scheinet. O wie oft ver2. Jeho schlaf' ich, aufzuwachen Noch für Tage dieser Zeit. Laß mich fertig stets mich machen, Bater, zu der Ewigkeit, Daß 459 wandelst du Bangen Schmerz in süße Ruh'! Mel. Freu dich sehr zc.( Ps. 30, 6.) 582. Sint' ich einst in jenen| ich Wanderer dann sei Von der Schlummer, Aus dem keiner mehr erwacht; Geh' ich aus der Welt voll Kummer, Todesruh', in deine Nacht: D dann schlaf ich anders ein! Weg aus dieses LebensBein Wall'ich hin zu derer Hütten, Die, nun glücklich, hier auch litten! Last des Eiteln frei, Von den Bürden dieser Erde, Wann ich nun unsterblich werde. 3.Gerne laß den Tag mich sehen, Der als Retter mir erscheint, Wann mit unerhörtem Flehen, Wer mich liebet, um mich weint; Stärker als mein Freund im Schmerz Sei mein gottverlangend Herz, Daß ich, voll von deinem Preise, Ihn zu dir Himmel weise. gen Friedrich Gottlieb Klopstock 1769. der Woche. Mel. Wer weiß, wie nahe zc.( Pf. 102, 28.) Am Schluß 2. Jch preise dich mit Hand und Munde, Ich lobe dich, so hoch ich kann, Ich rühme dich von Herzensgrunde Für alles, was du mir gethan, Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank lein süßer Weihrauch ist. 583. So ist die Woche nun geschlossen, Doch, treuer Gott, dein Herze nicht; Wie sich dein Segensquell ergoffen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich weiterhin ergießtund unaufhörlich auf mich fließt. 6.Jesus Christus, mancheNächte Hast du für uns durchgewacht, Und dem menschlichen Geschlechte Durch deinWachenRuh'gebracht. Tröster, du willst deinen Kindern Auch durch Schlaf den Kummer lindern; Wachen oder schlummern sie, Weichst du doch von ihnen nie. Johann Kaspar Lavater 1776. cocacocobedeo.co Sicbeadbes O 460 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 3. Hat mich bei meinen Wochen-| Troft ergößen muß, Daß ich ja tagen Das liebe Kreuz auch mit- soll in Christo dein Und schon besucht, So gabst du auch die in Hoffnung selig sein. Kraft zu tragen; Zudem es ist voll Heil und Frucht Durch deine Lieb', o Herr, zu mir, Und darum dank' ich auch dafür. 4. Nur eines bitt' ich über alles, O du versagst mir solches nicht: Gedenke feines Sündenfalles, Und geh mit mir nicht ins Gericht, Weil Jesus meine Missethat Durch seinen Tod gebüßet hat. 5. Dein Eid ist ja noch nicht gebrochen, Du brichst ihn nicht in Ewigkeit, Da du dem Sünder haft versprochen, Daß er, wenn ihm die Sünde leid, Nicht sterben, sondern gnadenvoll Wie ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen, Und will also den Wochenschluß Vergnügt und froh zurückelegen, Da mich der 7.Doch da mein Leben zugenommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen, Vielleicht am Ziele meiner Zeit; Sollt' es die letzte Woche sein, So führe mich zum Himmel ein! 8. Wenn aber morgen ich aufs neueDen heil'genSonntag feiern tann, So blick die Sonne deiner Treue mich auch mit neuen Gnaden an; Dann geh' ich freudig in dein Haus, Da teilst du reichen Segen aus. zur Ewigkeit Ist abermals vollendet; Zudir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, D Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt zu meiner Seele Leben. 2. Jch zähle Stunden, Tag' und 9. So will ich jetzt im voraus preisen, Was du mir künft'ge Woche giebst. Du wirst es mit der That beweisen, Daß du mich je und immer liebst, und leitest mich nach deinem Rat, Bis Leid und Zeit ein Ende hat. Erdmann Neumeiſter 1705. Am Schluß der Woche, auch des Jahrs. Mel. Herr, wie du willst zc.( 2 Kor. 5, 6-8.) 584. Gottlob! ein Schritt| Jahr', Und wird mir fast zu lange, D Bis es erscheine, daß ich gar, Leben, dich umfange, Damit, was sterblich ist an mir, Verschlungen werde ganz in dir, Und ich unsterblich werde. 3.Bom Feuer deiner Liebe glüht Mein Herz, daß du entzündet; E. Tageszetten.( Am Schluß der Woche.) 461 Du bist's, mit dem sich mein Ge-| Dankbarkeit, Daß sich die Woch' müt Aus aller Kraft verbindet. Ich leb' in dir und du in mir; Doch möcht' ich, o mein Heil, zu dir Noch immer näher dringen. 4. D daß du selber kämest bald! Ich zähl' die Augenblicke. Ach komm, eh' mir das Herz erkalt' Und sich zum Sterben schicke! Komm doch in deinerHerrlichkeit; Schau her, die Lampe steht bereit, Die Lenden sind umgürtet! 5. Doch sei dir ganz anheimgestellt Die rechte Zeit und Stunde, Wiewohl ich weiß, daß dir's gefällt, Wenn ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße, und darauf Von nun an richte meinen Lauf, Daß ich dir komm' entgegen. 6. Jch bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen, Und daß ich frei vor jedermann Dich meinen Freund darf nennen, Und daß du dort, Lebensfürst, Dich ganz mit mir vereinen wirst Und mir dein Erbe schenken. 7. Drum preif' ich dich aus ( das Jahr) geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein neuer Schritt vollendet; Ach, führ mich eilig weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort' Jerusalems dort oben! 8. Wenn auch die Hände lässig sind Und meine Kniee wanken, So beut mir deine Hand ge= schwind Und halt mich in den Schranken Des Glaubens, daß in dir mein Herz Sich stärke und ich himmelwärts Ohn' Unterlaß aufsteige! 9.Geh, Seele, frisch im Glauben dran, Und sei nur unerschrocken; Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken; So dir der Lauf zu langsam deucht, So eile, wie ein Adler fleugt, Mit Flügeln füßer Liebe! 10.D Jesu, meine Seele ist zu dir schon aufgeflogen: Du haft, weil du voll Liebe bist, Mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund' und Zeit, Ich bin schon in der Ewigkeit, Weil ich in Jesu lebe! August Hermann France 1691. XX. Die letzten Dinge. A. Vorbereitung auf den Tod. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c.( P. 90, 10-12.) 585. Meine Lebenszeit ver-| Grabe; Und wie wenig ist's vielstreicht, Stündlich eil' ich zu dem leicht, Das ich noch zu leben habe? 462 Dent, o Mensch, an deinen Tod, Säume nicht, denn Eins ist not! 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt zu haben! Güter, die du hier erwirbst; Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun: Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugnis giebt, Wird dir deinen Tod versüßen; Dieses Herz, von Gott erneut, Giebt im Tode Freudigkeit. 4. Wann in deiner letzten Not Freunde hilflos um dich beben, Dann wird über Welt und Tod Dich dies reine Herz erheben, Dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht. XX. Die iekten Dinge. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott und bet und wache; Sorge nicht, wie früh du stirbst, Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun! 6. Überwind ihn durch Vertraun; Sprich: Ich weiß, an wen ich glaube; Und ich weiß, ich werd' ihn schaun, Denn er weckt mich aus dem Staube. Er, der rief: Es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du mich's jeden Tag, Daß ich weiser werden mag! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. O Sünder, denke wohl zc.( 2 Kor. 5, 1-10.) 586. So geht's von Schritt zu Schritt zur großen Ewigkeit! So unvermerkt verfließt Die kurze Lebenszeit! Wo blieb so mancher Tag, Und wo so manches Jahr? Was bleibt dem Sterblichen Von dem, was gestern war? 2. Du Gott der Ewigkeit, Der mir dies Leben gab, Ich geb' es dir zurück, Und was ich bin und hab'. Ich will nur leben dir, Dir will ich sterben auch; Gieb, daß ich Zeit und Kraft zu deinem Dienst gebrauch'! 3. Nun, ich verlaff' die Welt Und will zum Vater gehn; Hier bin ich nicht zu Haus, Will nicht zurückes sehn. Der kurzeRest der Zeit Soll dir gewidmet sein; Ja, Bater, ich bin hier Und dort auch ewig dein. 4. Bereite mich; und wann Dies Leben ist vorbei, Du, Herr, mein bleibend Gut, Mein wahres Leben sei! Verlaß mich dann auch nicht Im letzten Augenblick, Daß ich auf Jesum seh' Und nicht auf mich zurück! 5. Der Feind hat nichts an mir, Das Herz in Jesu ruht; Tief in mein Nichts versenkt, Ist Jeſus A. Vorbereitung auf den Tod. all mein Gut.Dwie verdank' ich's dir, Daß du zu mir gewandt Dein offnes Baterherz, Und wurdest mir bekannt! 6. Dich, Vater, Sohn und Geist, Dich nenn' ich meinen Gott, Nenn' meinen Schöpfer dich, Mein Heil in Not und Tod. Es ist mir herzlich lieb, Daß du bist, der du bist, Und daß mein ganzes Heil In deinen Händen ist. 7. Ich zeuge, daß du bist Das ewig sel'ge Gut, Darin der Geist 463 allein Lebt und im Frieden ruht. Dich ehren nur ist Ehr', Dein Dienst ist Seligkeit, Und dazu wünsch' ich mir Die ganze Ewigkeit. 8. Ich lege meinen Geift In deine treue Hand; Mein Heiland, du bewahrst Dies dir vertraute Pfand. Mein letzter Atemzug Soll reine Liebe sein; Ausgehend geh mein Geist In deine Ruhe ein! Gerhard Tersteegen um 1740 Mel. Mein Jesu, den die zc.( Qut. 12, 19. 20. Matth. 11, 29.) 587. Wie thöricht handelt| nig dies vernommen, Daß man doch ein Herze, Das außer Jesu Ruhe sucht, und sich mit tausendfachem Schmerze Abmattet, und als auf der Flucht Nach einem Rauch und Schatten rennet, Bald dies bald jenes ihm erwählt, Und doch des rechten Zwecks verfehlt, Weil es nicht seinen Ursprung dich billig thöricht heißt, Weil du auf Erden das willst finden, Was nur derHimmel geben kann. Umsonst greifst du dies alles an! Die Thorheit ist nicht auszugründen. fennet! 2. Ein Stein kann keine Ruhe haben, Solang er in den Lüften schwebt; Ein Tier kann nicht im Meer sich laben, Wenn's von Natur auf Erden lebt; Das Vöglein schwingt sich in die Höhe, Das Würmlein friecht in seiner Erd'; Und alle Kreatur begehrt, Daß sie in ihren Ursprung gehe. 3. Und du, der du von Gott gekommen, Ein Hauch und Strahl von seinem Geist, Hast also we4. Wie kann das Sterbliche vergnügen Die Seele, die unsterblich ist? Soll das, was ewig, unterliegen Dem, was nur dauert kurze Frist? Wie kann, was irdisch, dich ergößen, Da du zum Himmel bist gemacht? Du bist von Gott so hoch geacht't, Und weißt nicht deinen Wert zu schätzen? 5.DSchande! Du giebst deinen Adel Und deine Herrlichkeit dahin; Dein Schöpfer, der dich ohne Tadel Geformt nach seiner Weisheit Sinn, Muß selbst bei dir zurückestehen; Sein schönes 464 XX. Die lekten Dinge. Reich ist dir zu schlecht. Darum Mutter Schoß; Der Wandersgeschieht dir nur dein Recht, Wenn du dich mußt betrogen ſehen. mann wird nach Ermüden Des Tages Last und Hike los; Die Fesseln werden abgenommen, Die den Gefangenen gedrückt; Das Schifflein ist dem Sturm entrückt Und nun in seinen Port gekommen. 6. Wie aber, wenn du gar daneben In Lastern suchest deine Lust Und, dich abkehrend deinem Leben, Der Sünd' eröffnest Herz und Brust, Die Gott zum Tempel hat erforen? So denk, wie groß sei deine Schuld! Wie schmähst du nicht des Schöpfers Huld! Da wärst du lieber nie geboren. 9. Das Küchlein flüchtet zu der Hennen; Das Schäflein, welches sich verirrt, Kann nun des Hirten Stimm' erkennen, Und wird der Herde zugeführt; Der Sohn, der sich bisher verloren und in die Ferne weggewandt, Wird von dem Vater nun erkannt Und gleichsam wieder neugeboren. 10. Drum weg mit allen eitlen Dingen! Ach gehe ein zu deiner Ruh' Und glaub, es muß dir hier gelingen, Sagst du nur Gott die Treue zu! Hier schmeckest du bereits den Frieden, Den alle Welt nicht geben kann; Dort gehet recht die Ruhe an, Da du von Gott nie wirst geschieden. Ulrich Bogislaus von Bonin 1714. Jes. 14, 10-12. 130h. 2, 17.) innen, So fährt unsre Zeit von hinnen. 7. Kehr dich zu Gott, verlaß die Sünden, Sag ab der Thorheit dieser Welt; Dann kann dein Herz erst Ruhe finden, Wann dir der Himmel bloß gefällt. Die Erde wankt, drum muß man gleiten, Wenn man darauf zu ruhn vermeint; Wer aber sich mit Gott vereint, Hat Fried' und Ruh' zu allen Zeiten. 8. Da ruht das Kindlein recht mit Frieden Gar sanft in seiner Eigene Mel.( Pred. 1, 2. 588. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet Und auch wieder bald vergehet, So ist unser Leben, fehet! 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rin* nen Und mit Laufen nicht hält 3. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund' und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried' und Streiten, So sind unsre Fröhlichkeiten. 4. Ach wie nichtig, ach wie A. Vorbereitung auf den Cod. ronnen? flüchtig Ist der MenschenSchöne!| Der die Künste liebgewonnen Wie ein Blümlein bald vergehet, Und manch schönes Werk erWenn ein rauhesLüftlein wehet, sonnen, Ist er je dem Tod entSo ist unsre Schöne, sehet! 5. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Stärke! Der als Löwe sich erwiesen, Gestern noch gekämpft mit Riesen, Den muß heut' ein Grab umschließen. 10.Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Schätze! Es kann Glut und Flut entstehen, Dadurch, eh' wir's uns versehen, Alles muß zu Trümmern gehen. 11.Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Brangen! Der in Purpur, hoch vermessen, Ist gleich wie ein Gott gesessen, Dessen wird im Tod vergeffen. 12. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig 3ft der Menschen Herrschen! Der durch Macht sehr hoch gestiegen, Muß sich vor dem Tode schmiegen Und im Grab erniedrigt liegen. 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist's mit unfrem Glücke! Wie sich eine Kugel drehet, Die bald da bald dorten stehet, So ist's mit dem Glücke, sehet! 7. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Ehre! Über den, dem man hat müffen Heut' die Hände höflich küssen, Geht man morgen gar mit Füßen. 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig 3st der Menschen Wissen! Solcher Wiß, der allerorten Sich gebläht mit prächt'gen Worten, Ist gar bald zu Schanden worden. 9. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Dichten! 465 13. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Das muß fallen und vergehen. Wer Gott hat, bleibt ewig stehen. Michael Frand 1657. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( P. 103, 15-18.) 589. Was willst du, armes 2. Das, was man um dich spüLeben, Dich trokig noch erheben? Du mußt ohn' Säumnis fort, Wie ferne von der Erden Die schnellen Wolken werden Zerflattert durch den rauhen Nord. ret, Was dich betrüglich zieret, Dein Ansehn, deine Gunst, Ist nur ein Haus der Plagen Und, recht davon zu sagen, Ist nur ein Schatten, Rauch und Dunst. Evangelisches Gesangbuch. 30 466 XX. Die lekten Dinge. 3. Drum weil ich ja muß ster- 5. Eil aus der finstern Höhle ben, So will ich mich bewerben Um ein recht gutes Gut, Um ein standhaftes Leben, DasChristus mir kann geben Durch seiner Unschuld heilig Blut. Mit meiner armen Seele, Und bring mich an das Licht, Da du, selbst Glanz und Sonne, Mit Strahlen deiner Wonne Verklärst mein blödes Angesicht! 4. Herr Jesu, Schreck' der Höl len, Der du uns tausend Stellen Im Himmel eingeräumt, Nimm mich in deine Hände, Weil mei nes Lebens Ende Vielleicht sich nahet ungesäumt! 6. So werd' ich selber schauen, Worauf wir hier nur bauen Durch Glauben an dein Wort, Und mit der Schar der Frommen Aus Sturm und Wellen kommen zu dem gewünschten Friedensport. Simon Dach 1640. Eigene Mel.( Ps. 39, 5. 6. Phil. 1, 21.) 590. Wer weiß, wie nahe| 4. Laß mich beizeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit ſei für und für Und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! mir mein Ende? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Wie unvermutet, wie behende Kann kommen meine Todesnot! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Abend anders werden, Als es am frühen Morgen war; Solang ich leb' auf dieser Erden, Schweb'ich in stäter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr mich stets mein End' bedenken Und, ehe denn ich sterben muß, Die Seel' in Jesu Tod versenken Und ja nicht sparen meine Buß'! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 5. Mach mir stets füße deinen Himmel und bitter diese schnöde Welt; Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 6. Ach Vater, deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Damit ich hier Vergebung finde Und dort die lang ge wünschte Ruh'! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 7. Nichts ist, das mich von Jesu 467 A. Vorbereitung auf den Tod. Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 10. So komm' mein End' heut' oder morgen: Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; Ich bin und bleib'in seinen Sorgen, Mit Jesu Gnaden ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod. Ich leg' die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf'; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesu Leib gegeffen, Ich hab'sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergeffen, Ich bleib' in ihm, und er in mir. Mein Gott, ich bitt' durch 2. Das Leben ist gleich einem Traum, Gleich einem nicht'gen Wasserschaum, Dem Grase gleich, das heute steht Und schnell vergeht, Sobald nur Wind darüber weht. 11. Ich leb' indes in dir vergnüget Und sterb' ohn' alle Kümmernis. Es gehe, wie mein Gott es füget, Ich glaub' und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad' und Christi Blut Machst du's mit meinem Ende gut! Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt zc.( Psalm 90, 5-12.) hin, Mir ist's Gewinn, Wenn ich nur bei dem Heiland bin. 591. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wen'ge denken an die Stund' Von Herzensgrund, Wie schweigt hievon der träge Mund! 3. Nur du, Jehovah, bleibest mir Das, was du bist; ich traue dir. Laß Berg' und Hügel fallen Emilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt 1686. 4. Solang ich in der Hütte wohn', Solange lehr mich, Gottes Sohn! Gieb, daß ich zähle meine Tag', Der Welt entsag', Daß, eh' ich sterb', ich sterben mag! 5. Was hilft die Welt in letter Not, Lust, Ehr' und Reichtum in dem Tod? Bedenk's, o Mensch, was läufest du Dem Schatten zu? So kommst du nicht zur wahren Ruh'. 6. Weg Eitelkeit, weg Thoren XX. Die letzten Dinge. 468 lust! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such' ich nur, das bleibet mir So dort wie hier: Herr Jesu, zieh mein Herz nach dir! Mel. Wer weiß, wie nahe zc.( Sir. 7, 40. Ebr. 9, 27.) 592. Jest leb' ich; ob ich| 4. Verschiebe niemals deine morgen lebe, Ob diesen Abend, weiß ich nicht. D Herr, dem ich mein Herz ergebe, Lehr du mich selbst die große Pflicht: Durch deines heil'gen Geistes Kraft Stets fertig sein zur Rechenschaft! 2. Die Blume, die am Morgen stehet, Fällt vor der Abenddämmrung ab; Die Luft, die jeßt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe Grab; Der Jüngling, eh' er sich's versieht, Stirbt, und ist noch nicht aufgeblüht. 7. Was wird's da sein, wann ich dich seh' Und dort vor deinem Throne steh'! Du unterdessen lehre mich, Daß stätig ich Mit klugem Herzen suche dich! Joachim Neander 1679. 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel, hier ist der Kampf, dort ist die Ruh'. Dein Wandel, Seele, sei im Himmel, Dann eilest du dem Leben zu; Nach einer kurzen Prüfungszeit 3ft Ewigkeit, ist Ewigkeit! Pflichten; Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst mor gen auszurichten; Wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein; Der künft'ge wird's vielleicht nicht sein. 5. Noch eh' ich diesen Tag voll ende, Ergreift vielleicht mich schon der Tod. Drum lehr mich denken, Herr, ans Ende, meine letzte Todesnot; D laß, stellt sie sich plößlich ein, Laß Öl in meiner Lampe sein! An 6. Es sei, o Vater meines Lebens, Wann einst die letzte Stunde schlägt, Der schwache Seufzer nicht vergebens, Der sich in mei nem Herzen regt; Und sterb' ich einen schnellen Tod, Sei mir barmherzig, Herr, mein Gott! Theodor Gottlieb von Hippel 1772. sein zc.( Pf. 39, 5. 6. 95, 7. 8.) 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und keiner nimmt den Irrtum wahr. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten 593. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des Todes sei noch fern. A. Vorbereitung auf den Tod. 3. Sprich nicht: Ich denk' in Glück und Not Im Herzen oft an meinen Tod! Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut; Und unsers Lebens kleinster Teil Ist eine Frist zu unfrem Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht und macht, was hier verborgen war, Den Rat der Herzen, offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, So sei doch wacker und bereit; Prüf deinen Glauben als ein Christ, Ob er durch Liebe thätig ist! 7. Ein Seufzer in der letzten Not, Ein Wunsch, durch des Erlösers Tod Vor Gottes Thron gerecht zu sein, Dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, Ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt, Dies ist es, was in Christo gilt. AF 469 9. Die Heiligung erfordert Müh'. Du wirkst sie nicht, Gott wirket sie; Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. mein Leben Eilt immer zu dem Grabe hin; Wer kann mir einen Bürgen geben, Ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht 10. Der Zweck des Lebens, das du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und was dir ewig Glück verschafft, Ist Tugend in des Glaubens Kraft. 11. Jhr alle seine Tage weihn, Heißt eingedenk des Todes sein; Und wachsen in der Heiligung Ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergess' ich diese Pflicht! Herr, geh nicht mit mir ins Gericht! Präg selbst des Todes Bild mir ein Und lehre du mich wachsam sein, 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag, Db Liebe, Demut, Fried' und Treu', Die Frucht des Geistes, in mir sei; 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh', Stets meiner Schwachheit widersteh', Und sterbend in des Glaubens Macht Mit Freuden ruf: Es ist vollbracht! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Wer weiß, wie nahe zc.( 1 Kor. 15, 31. Psalm 31, 6.) 594. Ich sterbe täglich, und| hin, der Tod kommt her; Ach, wer nur immer fertig wär'! 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, Ist immer reif zum Sarg und Grab; Ein Apfel, 470 XX. Die letzten Dinge. der den Wurm schon heget, Fällt| men sein; Drum halt mich, Herr, endlich unversehens ab. Jch weiß, es ist der alte Schluß, Daß ich zu Erde werden muß. mit Baterhänden Und schließ in Jesu Tod mich ein, Daß, wenn der Leib darniederfällt, Die Seel' an Christi Kreuz sich hält! 3. Es kann vor Abend anders werden, Als es am Morgen mit mir war; Den einen Fuß hab' ich auf Erden, Den andern in der Totenbahr'; Ein einz'ger Schritt nur ist dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wann Auge, Mund und Ohr sich schleußt; Drum bet' ich bei gesunden Tagen: Herr, dir befehl' ich meinen Geist! Verschließen meine Lippen sich, So bitte Jesu Blut für mich! 8. Kann ich die Meinen nicht mehr segnen, So segne du sie mehr als ich; Wann lauter Thränen um mich regnen, O Vater, so erbarme dich und lasse der Verlaßnen Schrei'n Bei meinem Tod erhörlich sein! 9. Dringt mir der letzte Stoß zu Herzen, So schließ mir, Herr, den Himmel auf! Verkürze mir des Todes Schmerzen, Und hole mich zu dir hinauf! So wird mein Abschied keine Pein, Zwar traurig, dennoch selig sein. Benjamin Schmold 1720. 4. Es schickt der Tod nicht immer Boten, Er kommt gar oft unangemeldt Und fordert uns ins Land der Toten; Wohl dem, der Herz und Haus bestellt! Denn ewig Weh und ewig Glück Hängt oft an einem Augenblick. 5. Herr aller Herren, Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand! Wie lange du mir Frist willst geben, Das ist und bleibt mir unbekannt. Hilf, daß ich jeden Glockenschlag Auf meinen Abschied denken mag! 6.Ein einz'ger Schlag kann alles enden Und Fall und Tod beisamMel. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt 2c.( 1 Chron. 29, 15. Jer. 17, 17.) 595. Wir sind nur Pilger| gerzeit! Bald wird ein Unglück in der Zeit Und wallen nach der Ewigkeit. Der Leib ist ein beseelter Staub, Ein fallend Laub Und bald, ach bald des Todes Raub! bald ein Freund Von uns beweint; Dann kommt der Tod, der letzte Feind. 2. Und ach, wie wechseln Lust und Leid In unsrer kurzen Pil3. Du, Gott, hast nicht den Tod gemacht; Ihn hat die Sünd' auf uns gebracht. Daß er nun eine A. Vorbereitung auf den Tod. 471 Wohlthat ist, Das dankt der| sehn, Wie der uns liebt, zu dem Christ Dir, der du unser Vater bist. 4. Kommt unser Ziel, so schaue dann Erbarmend unsre Seelen an! Hilf uns in unsrer letten Not, Herr, unser Gott! Einsanfter Schlaf werd uns der Tod. 5. Quält uns der Krankheit herber Schmerz, So tröste das beklemmte Herz; Verleih uns einen starken Mut, Der in dir ruht Auch bei der Schmerzen größter Wut! 6. Sei von uns Schwachen dann nicht fern, Zeig uns den Himmel, Geist des Herrn! Laß uns, wenn wir zum Vater flehn, Getröstet wir gehn! 7. Verleih Gelassenheit und Ruh'; In unsern Herzen wohne du, Und laß mit freudigem Vertraun Und ohne Graun Auf unser offnes Grab uns schaun! 2. Ergieb mich dir nun ganz und gar; Wollst mein Gemahl behüten Vor allem Unfall und Gefahr Und vor des Feindes Wüten! Ich bitt' den lieben 8. Bist du nur uns nicht fürchterlich, O Vater, und erbarmest dich; Vergiebst du, führst nur du uns nicht In dein Gericht: So schrecket selbst der Tod uns nicht. 9. So, so vollende Kampf und Lauf, So nimm zu deiner Ruh' uns auf! Wann wir vor deinem Throne stehn, Wann wir dich sehn, Wie wollen wir dich dann erhöhn! Johann Friedr. Löwe 1753. B. Sterblieder. Abschied eines christlichen Fürsten. Mel. Wenn mein Stündlein 2c.( 2 Tim. 4, 6. Apostelgeſch. 7, 58.) schaft Schirmer sein In Not und in Gefahren! 596. Dieweil mein' Stund'| Vater mein: Woll meiner Landvorhanden ist, Daß ich hinfahr' mein' Straßen, So bitt' ich dich, Herr Jesu Christ, Du wollst mich nicht verlassen! Mein' Leib und Seel', mein' Leut' und Land Befehl' ich dir in deine Hand, Du wirst es wohl bewahren. 3.Mein'n Unterthanen arm und reich Will ich am letzten schenken Zum Fürsten einen Friedenreich, mein dabei zu gedenken. Ach Gott, wie ist's ein' große Freud', Wenn Unterthan und Oberkeit Mit Frieden sind beisammen! 4. Nach Gottes Willen fahr' ich hin; Denn Christus ist mein 472 XX. Die lekten Dinge. Leben, Und Sterben ist jetzt mein Fürstentum Die ewig' Freud' Gewinn: Ein Bessers wird mir werden; Und für mein zeitlich ich überkomm'. Das woll Gott ewig! Amen. Herzog Ludwig von Württemberg 1593. Eigene Mel.( 1 Sam. 20, 3. 2 Tim. 1, 10.) 597. Mitten wir im Leben| Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Hölle Glut! Erbarm dich unser! 3. Mitten in der Höllen Angst Unfre Sünd' uns treiben. Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine! Vergoffen ist dein teures Blut, Das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost! Erbarm dich unser! D. Martin Luther 1524. sind Mit dem Tod umfangen. Wen suchen wir, der Hilfe thu', Daß wir Gnad' erlangen? Das bist du, Herr, alleine! Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat.HeiligerHerreGott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewigerGott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Not! Er barm dich unser! 2. Mitten in dem Tod ansicht Uns der Hölle Rachen. Wer will uns aus solcher Not Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine! Es jammert dein'Barmherzigkeit Unsre Sünd' und groBes Leid. Heiliger Herre Gott! Eigene Mel.( Jes. 40, 6-8. Offenb. Joh. 7, 13-17.) 598. Alle Menschen müssen| liebt, Auch ganz willig von mir sterben, Alles Fleisch ist gleich dem Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit. geben, Bin darüber nicht betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab' ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnot Ist des Herren Jesu Tod. 3.Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr' ich mit Freuden hin, Sin aus diesem Weltgetümmel 2. Drum so will ich dieses Leben, Wann es meinem Gott be: B. Sterblieder. In den schönen Gotteshimmel, Wo ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, Wo viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Got: tes Thron; Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geist! 5. Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal; Wo auf ihren Ehrenthronen Siget der zwölf Boten Zahl; Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; Wo dem 473 Herrn, der uns versöhnt, Ewig Hallelujah tönt. 2. Rat mir nach deinem Herzen, O Jesu, Gottes Sohn! Soll ich hier dulden Schmerzen, Hilf, Herr Christ, mir davon; Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Mut; Laß selig mich abscheiden, Schenk mir dein ewig Gut! 3. In meines Herzens Grunde 6.D Jerusalem, du schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne Hört man da in stolzer Ruh'! O der großen Freud' und Wonne: Jetzo gehet auf die Sonne, Jeko gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag! 7. Ach, ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit! Jeto werd' ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der güldnenEhrenkrone Steh'ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Johannes Rosenmüller 1652. Mel. Valet will ich dir geben zc.( 2 Tim. 4, 6. Lut. 10, 20.) 599. Abschied will ich dir ge-| Dein Nam' und Kreuz allein ben, Du arge, falsche Welt; Dein eitel böses Leben Durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein Begier; Da wird Gott ewig lohnen Dem, der ihm dient allhier. Funkelt all' Zeit und Stunde; Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Not, Wie du dich, Herr, so milde Geblutet hast zu Tod'! 4.Schließ meine Seel' aus Gnaden In dich, o Jesu, ein, Und laß sie, los vom Schaden, Bei dir auch ewig sein! Der ist wohl hier gewesen, Wer kommt ins Himmelsschloß; Ewig ist der genesen, Wer bleibt in deinem Schoß. 5. Herr, meinen Namen schreibe Ins Buch des Lebens ein; Laß 474 XX. Die letzten Dinge. mich an deinem Leibe Ein Glied| frei, So will ich ewig rühmen, mit jenen sein, Die hoch im Him- Daß treu dein Herze sei! mel grünen Und vor dir leben Valerius Herberger 1613. Eigene Mel. oder: Mir schauert nicht zc.( Luk. 2, 29. 30.) 600. Mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin In GottesWillen; Getroft ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille, WieGott mir verheißen hat; Der Tod ist mein Schlaf worden. Mel. Was mein Gott will zc.( 1 Könige 2, 2. Joh. 11, 25. 26.) 601. Gott, einst läsfest du mich hin Aus diesem Leben fahren, Der ich durchaus nicht besser bin, Als meine Väter waren. Du reißest mir den Faden ab, Zertrennst, was du gewoben; Ich muß hinunter in das Grab, Mein Leib ist bald zerstoben. 2. Das machet Christus, Gottes Sohn, Der treue Heiland, Den du mich, Herr, haft sehen lan Und machst bekannt, Daß er Leben sei und Heil In Not und auch im Sterben. D. Martin Luther 1524. 2. Sobald des Leibes schwacher Sinn Nun von mir ist gewichen, So geh' ich stracks gleich denen hin, Die längst zuvor verblichen Und nun ein tausend Jahr' und mehr Wohl tief geschlafen haben; Weg ist mein Thun, weg Stand und Ehr', Weg alle meine Gaben. 3. Soll ich deswegen, Herr, bei dir Nun ebenso vergehen? Wird kein Gedächtnis mehr von mir In deinem Herzen stehen? Soll denn mein Leib, der Würmer Spott, Ohn' Lebenstrost verstäuben? Bist du nicht auch im Tod mein Gott, Wo soll mein Hoffen bleiben? 4. Das sei von dir, o Höchster, fern! Ich werde nicht verderben! Ich lebe dir nur, meinem Herrn, Und dir nur will ich sterben. Und weil wir, Vater, dich allein, Des Lebens Gott, erheben, Werd' ich im Tode tot nicht sein, Ich sterb', und werde leben. 5. Mit dieser Hoffnung leg' ich mich Und schlaf' im kühlen Grunde. O Jesu Christ, nicht säume dich mit einer sanften Stunde! Ob Tod und Höll' und Satans List Sich wider mich verbinden: Wenn du mir nur nicht schrecklich bist, So werd' i überwinden. Simon Dach 1645. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben 2c.( Hiob 19, 25. 26. Offenb. Joh. 2, 11.) 602. Des Todes Graun, vor deiner Wahrheit Macht; des Grabes Nacht Flieht, Herr, Mein Geist, erhellt von deinem B. Sterblieder. 475 Licht, Bebt vor des Leibs Zer-| voll Erwart' ich, was ich werden störung nicht. soll, Wann ich, von Sünd' und Not befreit, Nun reife zur Vollkommenheit. 2. Es falle nur die Hütte hin, Mit der ich hier umgeben bin; Ich selber, lebend wie zuvor, Schwing' aus den Trümmern mich empor. 6.Der Tod darf mir nicht schrekkend sein, Er führt zum wahren Leben ein; Durch Gottes Kraft besiegt mein Herz Der Krankheit Last, der Trennung Schmerz. 7. Wann hier von uns, die Gott vereint, Der lette auch hat ausgeweint, Dann wird ein frohes Wiedersehn Auf ewig unser Glück erhöhn. 8. Herr unsrer Tage, führe du Uns alle diesem Ziele zu, Daß uns bei standhaft frommer Treu' Des Lebens End' erfreulich sei! Johann Joachim Spalding 1780. 3. Ein innres mächtiges Gefühl Verkündigt mir mein höhres Ziel; Dies Streben nach der Ewigkeit Erhebt mich über Erd' und Zeit. 4.Es hat schon dieser Kindheitsstand Der höhern Hoffnung Unterpfand; Die Liebe, die mich hier beglückt, Die bleibt und segnet unverrückt. 5. Des freudigsten Vertrauens Mel. Christus, der ist mein Leben 2c.( 2 Petri 1, 14.) 603. Herr, meine Leibeshütte Sinkt nach und nach zu Grab; Gewähre mir die Bitte Und brich sie stille ab. 2.Gieb mir ein ruhig Ende; Der Augen matten Schein Und die gefaltnen Hände Laß sanft entseelet sein! 3. Laß meine letzten Züge Nicht zu gewaltsam gehn, Und gieb, daß ich so liege Wie die Entschlafenen! 4. Doch es gescheh dein Wille! Ich scheide gleich dahin Im Kämpfen oder stille, Wenn ich nur selig bin. 5. Bleibst du mir in dem Herzen, Dein Name mir im Mund, So sind mir auch die Schmerzen Im Sterben noch gesund. 6.Dein Blut hat mich gereinigt; Trennt Leib und Seele sich, So werden sie vereinigt Zum Seligsein durch dich. 7. Nach deiner Gnade Größe Nimm nur den Geist zur Hand, Es reiße oder löse Der Tod des Leibes Band! 8. Ich werde auferstehen, Da geht's zum Himmel ein; Ich werde Jesum sehen, Und er mir gnädig sein. Philipp Friedrich Hiller 1767. 476 Die letzten Dinge. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c.( Ps. 119, 19. 90, 10. Ebr. 13, 14.) 604. Ich bin ein Gaft auf Erden Und hab' hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier muß ich Arbeit haben, Hier reis' ich ab und zu; Dort wird mein Gott mich laben Mit seiner ew'gen Ruh'. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh' und Not gewesen? So lang' ich denken kann, Hab' ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3.Ich habe mich ergeben In alles Glück und Leid; Was will ich beffer leben In dieser Sterblich keit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein; Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein. 4. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt; Doch denk' ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimat führt, Da mich in vollem Maße Mein Vater trösten wird. 5. Die Heimat ist dort oben, Wo aller Engel Schar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdem's ihm wohlgefällt. 6.3u ihm steht mein Verlangen, Da wollt' ich gerne hin. Die Welt bin ich durchgangen, Daß ich's fast müde bin: Je länger ich hier walle, Je wen'ger find'ich Freud', Die meinem Geist gefalle; Das meist' ist Herzeleid. 7. Die Herberg' ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel; Ach komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wann dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende An meiner Wanderschaft; Und was mich kränkt, das wende Durch deines Armes Kraft! 8. Wo ich gewohnt indeffen, Ist nicht mein rechtes Haus; Wann meine Zeit durchmessen, Alsdann tret'ich hinaus; Und was ich hier gebrauchet, Das leg' ich alles ab; Und wenn ich ausgehauchet, So gräbt man mir ein Grab. 9. Du aber, meine Freude, Du, meines Lebens Licht, Du ziehst mich, wann ich scheide, Hin vor dein Angesicht InsHaus der ew'gen Wonne, Da ich stets freudenvoll Gleich als die helle Sonne Nächst andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket haft; Da will ich herr B. Sterblieder. 477 lich singen Von deinem großen Dingen In meinem Erbteil Thun, Und frei von schnöden ruhn. Paulus Gerhardt 1666. Eigene Mel.( Apostelgesch. 7, 58. Joh. 12, 26.) 605. Wenn mein Stünd-| bleib' In Todesnot und Schmerlein vorhanden ist, zu fahren meine Straße, So gleit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hilf' mich nicht verlaffe! Herr, meine Seel' an meinem End' Befehl' ich dir in deine Händ'! Du wirst sie wohl bewahren. zen. Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir: Ein ewig Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Kann Todesfurcht vertreiben. Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin; Drum fahr' ich hin mit Freuden. 2.Die Sünde wird mich kränken sehr Und das Gewissen nagen, Denn sie ist viel wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen, Will denken in der letzten Not, Herr Jesu Christ, an deinen Tod, Der wird mich wohl erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Des tröst' ich mich von Her: zen; Von dir ich ungeschieden 5.So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arme sich ausstrecken; So schlaf' ich ein und ruhe fein: Kein Mensch kann mich aufwecken Als Jesus Christus, Gottes Sohn; Der öffnet mir die Thüre schon, Führt mich zum ew'gen Leben. Nikolaus Herman vor 1561. Eigene Mel.( Phil. 1, 21.) 606. Christus, der ist mein Leben, Und Sterben mein Gewinn; Ihm will ich mich ergeben, Mit Frieden fahr' ich hin. 2.Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög' zu ihm kommen Und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not; Durch seine heil'gen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wann meine Kräfte brechen, Mein Atem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen: Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wann mir Herz und Gedanken Vergehen als ein Licht, Das hin und her muß wanken, Wann ihm die Flamm' gebricht: XX. Die lekten Dinge. 478 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein, Wann mir dein Rat und Wille Mein Stündlein wird verleihn! Mel. Zeuch mich zc.( Joh. 5, 24.) 607. Weiche, Todesschrek- Weiche, Furcht des Grabes, weich! Engeln macht der Tod mich gleich. 6. Frei von jeglicher Beschwerde, Losgewunden von der Nacht, Flieg' ich über Zeit und Erde Voll Gefühl: es ist vollbracht! Über Bitten und Verstehn Werd' ich fühlen, werd' ich sehn. 7. Nie gehörte Preisgesänge Hört dann mein entzücktes Ohr, Und zur auserwählten Menge Tragen Engel mich empor. Selig bin ich einst wie sie; Fliehe, Furcht des Todes, flieh! 8. Bald, o bald ist's überstanden; Ruhig harr' ich, Herr, auf dich! VieleTausend überwanden, Überwinden werd' auch ich. Lauter noch als die Natur Ruft mir Jesus: glaube nur! ten, weiche! Freu des Grabes dich, mein Herz! Liegt sie da, die falte Leiche, Weggeweint ist jeder Schmerz; Und der Thränen Quell versiegt, Wann mein Staub beim Staube liegt. 2. Tod, du heilest jede Wunde, Jeden Kummer endest du; Flieht der Atem mir vom Munde, Eil' ich Himmelsfreuden zu; Deckt die Grabnacht mein Gebein, Werd' ich Licht und Freiheit sein. 3. Nimm für alle Erdenfreuden, Vater, Herzensdank von mir; Dank für alle meine Leiden Bringt die froheSeele dir; Doch, entführst du beiden mich, Preis' ich herzlicher noch dich. 4. Hier nicht, dort nur, dort nur quillen Seligkeiten ohne Zahl; Einst mit deinem Vaterwillen Ernt' ich Freuden, frei von Qual; Mich, von Erd' und Sünde los, Nimmt die Ruh' in ihren Schoß. 7. Laß an dir gleich den Reben Mich bleiben allezeit Und ewig bei dir leben Dort in der Himmelsfreud'! 1608. 5. Welche Freude soll mich heften An die Erde, an die Zeit? Nein, mit allen meinen Kräften Ring' ich nach Unsterblichkeit. 9. Soll ich zagen, soll ich beben? Du, mein Heiland, rückest mich Durch des Todes Nacht ins Leben. Ich soll zagen, beben ich, Da mich der, der ewig lebt, Zu sich in sein Reich erhebt? 10. Fliehe denn von meiner Lippe, Lebensatem, immer hin! Sint entseelet, mein Gerippe, B. Sterblieder. 479 In die Nacht des Grabes hin!| mir; Freudig, freudig sterb' ich Herr, du starbst, du lebest dir. Johann Kaspar Lavater 1780. Mel. Wer weiß, wie nahe 2c.( Röm. 14, 8. 1 Theff. 4, 14.) 608. Auf meinen Jesum| 5. Auf meinen Jesum will ich will ich sterben, Der neues Leben sterben! Durch ihn wird Sterben mir gebracht und mich zu Gottes meinGewinn; Den ganzen HimKind und Erben Durch sein un- mel soll ich erben: Nimm, Herr, schuldig Blut gemacht. Mein Je- nimm meine Seele hin! Mein sus ist mein Troft allein, Auf Jesus ist mein Troft allein, Auf Jesum schlaf' ich selig ein. Jesum schlaf' ich selig ein. 2. Auf meinen Jesum will ich sterben! In seinen Wunden stirbt fich's gut; Er läßt mich nimmer mehr verderben: Ich bin erkauft mit seinem Blut. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf' ich selig ein. 3. Auf meinen Jesum will ich sterben! Brich immerhin, mein Herze, brich! Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben, Mit seinem Blute stärkt er mich. Mein Jesus ist mein Troft allein, Auf Jesum schlaf' ich selig ein. 4. Auf meinen Jesum will ich sterben! Er kommt, wann alles mich verläßt. Er starb, das Leben zu erwerben, An ihn hält sich mein Glaube fest. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf' ich selig ein. • 6. Auf meinen Jesum will ich sterben! Wann mir das Aug' im Sterben bricht Und meine Lippen sich entfärben, So bleibt er meines Lebens Licht. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf' ich selig ein. 7. Auf meinen Jesum will ich sterben! Mit Leib und Seele bin ich dein; HerrJesu, laß mich nicht verderben, Ach laß mich ewig selig sein! Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf' ich selig ein. 8. Auf dich, Herr Jesu, will ich sterben! Ach hilf mir aus der letzten Not Und lasse mich den Himmel erben, Versüße mir den bittern Tod! Du bist mein höchster Trost allein, Auf dich nur schlaf' ich selig ein. Nach Salomo Franck 1716. Mel. Nun laßt uns Gott zc.( Apostelgesch. 7, 59.) 609. Der Hirt, am Kreuz ge-| Schafen Das Sterben ein Entstorben, Hat Fried' und Heil er schlafen. worben; Nun heißt bei seinen 2. Sie gehn nicht als Verbrecher XX. Die lekten Dinge. 480 Zur Strafe vor den Rächer, Sie gehn nur hin und liegen Wie Streiter nach dem Kriegen. 3.Ohn'Angst vor ew'gem Jammer Gehn sie in ihre Kammer, Zur Ruh' sich zu begeben Auf frohes Wiederleben. 4. Sie legen ihre Glieder In Ruhebettlein nieder, Und fallen ohne Kummer Wie Kindlein in den Schlummer. 5.Auf göttliches Erbarmen, In des Erlösers Armen, Erwählt zu Gottes Erben Läßt sich's gar fanft hinsterben. 6.D Jesu, deine Gnade Macht, daß kein Sterben schade; Laß auf dein Todesleiden Mich einst im Frieden scheiden! 7. Laß mir auf dein Versprechen Mein Herz im Glauben brechen; Bewahre mein Gebeine, Bis ich vor dir erscheine! 8. Dann laß mich froh erwachen, Mach meinen Mund voll Lachen, Und gieb mir, daß ich glänze Wie Lilien in dem Lenze! Philipp Friedrich Hiller 1767. Eigene Mel.( Psalm 23, 4.) 610. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht, Mein höchster Trost und Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast, Und drückt mich sehr der Sünden Last. 2. Der letzte Gang liegt schwer vor mir Ins himmlisch' Paradies zu dir; Da ist mein rechtes Vaterland, Daran du hast dein Blut gewandt. 3. Zur Reise ist mein Herze matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Allein die Seele ruft in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 5.Wann mein Mund nicht mehr reden kann, Dein Geist im Herzen rufe dann; Hilf, daß die Seel' den Himmel find', Wann meine Augen werden blind! 6. Dein letztes Wort laß sein mein Licht, Wann mir das Herz im Tode bricht; Dein Kreuz, das sei mein Wanderstab, Mein' Ruh' und Rast dein heilig Grab! 7. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau', Darauf ich meineHeimfahrt bau'; Thu mir die Thür des Himmels auf, Wann ich beschließe meinen Lauf! 8. Am jüngsten Tag erweck den Leib, Hilf, daß ich dir zur Rechten bleib', Daß mich nicht treffe dein Gericht, Das aller Welt 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein In meiner letzten Todespein; Dein Durst und bittrer Trank mich lab, Weil ich sonst keine Stärkung hab'! ihr Urteil spricht! B. Sterblteder. 481 9. Wie werd' ich dann so fröh-| wählten Schar Auf ewig schaun lich sein, Werd' singen mit den dein Antlig klar! Engeln dein, Und mit der außerNach Martin Behm 1611. Mel. Wer weiß, wie nahe zc.( Psalm 71, 17. 9. 37, 24. Joh. 3, 18.) 611. Ich fasse, Bater, deine Hände Und halte sie im Glauben fest; Verwirf den nicht in seinem Ende, Der ewig sich auf dich verläßt. Du bist mein Gott von Jugend auf, Beschleuß auch meinen Lebenslauf! 2. Du hast mich je und je geliebet, Versorgt, gestärkt, beschützt, regiert, Mich oft erquickt, durch Kreuz geübet, Oft wunder: bar, stets wohl geführt. Nimm, da mir niemand helfen kann, Dich meiner auch im Sterben an! 3. Gott, welche feierliche Stunden, Wann du mich nun der Erd' entziehst Und, wenn du mich ge treu befunden, Erbarmend auf mich niedersiehst! Wer an den Sohn glaubt, kommt ja nicht, Allmächtiger, in dein Gericht. 4. Wie sollt' ich vor dem Tode beben, Da du, Erlöser, für mich starbst? Er ist durch dich der Weg zum Leben, Das du am Kreuze mir erwarbst. Wie du ihn sahst, will ich ihn sehn; Wie du, so werd' ich auferstehn. 5. Laß Qual und Jammer mich umringen Und mir die letzten Schrecken dräun: Du hilfft mir, Herr, die Welt bezwingen, Mit dir darf ich den Tod nicht scheun. So nah' dem Lohn, den Gott verspricht, So nah' dem Ziele fink' ich nicht. 6. Du wacheft über meineSeele, Wann ihre Stärke sich verliert; Giebst deinem Engel schon Befehle, Der sie zu deinen Freuden führt, Des Todes Nacht um mich verscheucht Und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, Noch an dem Grabe preis' ich dich; Denn ewig werd' ich vor dir leben. Wie segnet dann dein Antlik mich! O Tod, o Sterben, mein Gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Nach Ehrenfried Liebich 1768. Mel. Christus, der ist mein Leben 2c.( Lut. 2, 29. 30.) 612. Wie Simeon verschie-| Mein treuer Gott, geschehn: Laß den, Das liegt mir oft im Sinn: mich aus dieser Hütte In deine Ich führe gern im Frieden Aus Wohnung gehn! diesem Leben hin. 2. Ach, laß mir meine Bitte, Evangelisches Gesangbuch. 3. Dein Wort ist uns geschehen, An diesem nehm' ich teil: Wer 81 482 XX. Die lekten Dinge. Jesum werde sehen, Der sehe| 7. Jch tenn' ihn als mein Leben, Gottes Heil. 4. Jch seh' ihn nicht mit Augen, Doch an der Augen Statt Kann mir mein Glaube taugen, Der ihn zum Heiland hat. 5. Ich hab' ihn nicht in Armen, Wie jener Fromme da; Doch ist er voll Erbarmen Auch meinem Herzen nah'.. 6. Mein Herz hat ihn gefunden; Es rühmt: mein Freund ist mein! Auch in den letzten Stun- hin. den Ist meine Seele sein. Mel. Die Tugend wird zc.( Apostelgesch. 7, 58.) Er wird mir nach dem Tod Bei sich ein Leben geben, Dem nie der Tod mehr droht. 8. Mein Glaube darf ihn fassen, Sein Geist giebt Kraft dazu; Er wird auch mich nicht lassen, Er führt mich ein zur Ruh'. 9. Wann Aug' und Arm erkalten, Hängt sich mein Herz an ihn; Wer Jesum nur kann halten, Der fährt im Frieden Philipp Friedrich Hiller 1767. 613. Laß mir, wann meine Augen brechen, Herr, deinen Frieden fühlbar sein! Komm, deinen Trost mir zuzusprechen, Und segne du mein matt Gebein! Gieb Ruhe mir in deinen Armen, Darin ich Gnad' und Frieden fand, Und trag mich vollends mit Erbarmen Sanft zu dir heim ins Vaterland! Christian Renatus, Graf von Zinzendorf 1751. Eigene Mel.( Offenb. Joh. 14, 13.) 614. wie selig seid ihr| Leiden Ist euch hinderlich in euren Freuden. doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Jhr feid entgangen Aller Not, die uns noch hält umfangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hie kennen, Ist nur Müh' und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer Sicher und befreit von allem Jammer; Kein Kreuz und 4. Christus wischet ab euch alle Thränen; Jhr habt schon, wonach wir uns erst sehnen. Euch wird gesungen, Was durch keines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt' hie bleiben, Sich den Jammer länger laffen treiben? 6. Komm, o Herr, uns aus dem B. Sterblieder. 483 Joch zu spannen, Lös uns auf und dir, o Sonne, Ist der frommen führ uns bald von dannen! Bei Seelen Freud' und Wonne! Simon Dach 1657. Mel. Jesus, meine Zuversicht zc.( 1 Kor. 15, 55. 57.) 615. Von dem Grab stund Jesus auf; Friede ruht auf meinem Grabe. Auch mein Morgen eilt herauf, Wann ich ausgeschlummert habe. Mich erschreckt der Tod nicht mehr: Heil mir, Jesu Grab ist leer! 2. Froh besieg' ich nun das Graun, Das die Totenhügel decket; Meinen Heiland werd' ich schaun, Den der Vater auferwekket, Der durch seines Grabes Nacht mir mein Grab hat froh gemacht. 3. Keine Zukunft macht mir bang: Ewig, ewig werd' ich leben, Will dereinst mit Lobgesang Meinen Leib der Erde geben, Weil den gottverbundnen Geist Nichts aus seinen Händen reißt. 616. Geht nun hin und grabt mein Grab, Denn ich bin des Wanderns müde! Von der Erde scheid'ich ab, Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh' Von den Engeln droben zu. 4. Preis ihm! Jesus hat die Macht Euch, o Tod und Grab, genommen, Hat das Leben neu gebracht, Und bei seinem Wiederkommen werden unsre Gräber leer: Mich erschreckt der Tod nicht mehr. 2.Geht nun hin und grabt mein Grab! Meinen Lauf hab' ich voll5. Wohlthat wird das Sterben mir; Gottes Liebe denkt derSeinen. Ewig sollen wir nicht hier Kämpfen, dulden, klagen, weinen; Unser Abend eilt herzu Und bringt frommen Streitern Ruh'. C. Begräbnislieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c.( 2 Tim. 4, 6-8. Joh. 8,51.) 6. Schwinge dich, mein Geist, empor; Rein und heilig sei dein Streben! Jesus ging den Weg mir vor, Jesus lebt, und ich soll leben! Heiland, bist du nur mit mir, O so leb' und sterb' ich dir! R. Gottlob Reiber 1783. endet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Ird'sche endet, Lege selbst mich nun hinein In das Bette ohne Pein. 3. Was soll ich hienieden noch In dem dunkeln Thale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand Homeopay 484 XX. Die letzten Dinge. zergehn, Wann die Winde drüber| Von der Welt den Abschied neh wehn. men, Daß ich aus dem Irrtum will, Aus den Schatten, aus den Schemen, Aus dem Eiteln, aus dem Nichts Hin ins Land des ew'gen Lichts. 4.Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun im Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn' und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht! Denn ich reis' in weite Ferne, Reise hin zu jenemGlanz, Worin ihr verschwindet ganz. 6. Die ihr nun in Trauer geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, Trös tet ja des Herrn Gemeinde. Weint nicht ob dem eitlenSchein, Droben nur kann's ewig sein! 7. Weinet nicht, daß nun ich will I. 1 Rön. 2, 2. 1 Chron. 29, 15. 617. Wohlauf, wohlan zum letten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh' ist lang. Gott führet ein, Gott führet aus: Wohlan, hinaus! Zum Bleiben war nicht dieses Haus. 8. Weinet nicht! Mein süßes Heil, MeinenHeiland hab'ich funden, Und ich habe auch mein Teil An den warmen Herzenswunden, Woraus einst sein heilig Blut Floß der ganzen Welt zu gut. Eigene Melodie. 2. Du Herberg' in der Wanderzeit, Du gabest Freuden, gabft auch Leid. Jetzt schließe, Weltdas Haus bist du- DieThüre zu! Dein Gast geht in die ew'ge Ruh', 9. Weint nicht! Mein Erlöser lebt; Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoff nung schwebt, und der Himmelsheld, der Glaube, Und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moriz Arndt 1819. 3. Geht in ein beßres Schlafge mach; Die Freunde folgen segnend nach. Hab gute Nacht! Der Tag war schwül Im Erdgewühl. Hab gute Nacht, die Nacht ist kühl! 4. Jhr Glocken, tönet festlich drein Und läutet hell den Sabbathein, Der nach des Werktags kurzer Frist Durch Jesum Chrift Für Gottes Bolt vorhanden ist! II. Jef. 38, 1. Lut. 12, 35-40. 5.Oselig, wer das Heil erwirbt, C. Begräbnislteder. 485 Daß er im Herrn, in Christo,| thal, Wo ist dein Licht, dein Lestirbt! O selig, wer vom Laufe matt Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunden hat! 6. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und Eins ist not! Die Welt beut ihre Güter feil, Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Teil! bensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Gräbernacht Das Leben hat ansLicht gebracht! 12. Dein Trostmort klingt so hoch und hehr: Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr! Deinkreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 13. Wohl dem, der sich mit ihm vertraut, Schon hier die ew'gen Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern' Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. - 7. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit; Die Welt vergeht mit Luft und Schmerz. Schau himmelwärts! Da, wo der Schaß ist, sei dein Herz! 8. Mit Gott bestell dein Haus beizeit, Eh' dich der Tod an Tote reiht; Sie rufen: gestern war's an mir, Heut' ist's an dir! Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 9.BomFreudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg' und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, ist Gott bewußt. Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 10. Da ist kein Sik zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, Da blüht zu schön kein Wangenrot: Im Finstern droht Der Tod und überall der Tod. 11. Ach banges Herz im LeichenIII. Joh. 14, 2. 3. Offenb. Joh. 22, 20. 14. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein! Hier schließt die Wallfahrt sich. Ihr Schlumim Friedensreich, Gönnt allzugleich Auch ihm( ihr) ein Räumlein neben euch! mernden 15. Viel Gräber sind an diesem Ort, Viel Wohnungen im Himmel dort; Bereitet ist die Stätte schon AmGnadenthron, Bereitet ihm( ihr) durch Gottes Sohn. 16. Sein ist das Reich mit Allgewalt; Er zeugt und spricht: ich komme bald! Ja komm, Herr Jesu, führ uns ein! Wir harren dein. Amen, dein laß uns ewig sein! Christian Friedrich Heinrich Sachje 1822. XX. Die lekten Dinge. Mel. Der lieben Sonne Licht zc.( Pf. 126, 5. 6. Jef. 57, 2.) Morgenstern; Euch, Glieder, deckt mit sanfter Ruh' Der Liebe stiller Schatten zu. 618. Die Christen gehn von| bist beim Herrn, Dir glänzt der Ort zu Ort Durch mannigfalt'gen Jammer, Und kommen in den Friedensport Und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf Mit seinen Armen auf; Das Weizenkorn wird in sein Beet Auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 3. Wir freun uns in Gelassenheit Der großen Offenbarung; Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß! In Jesu Arm und Schoß! Die Liebe führ uns gleiche Bahn: So tief hinab, so hoch hinan! mit. Ludw., Graf v. Zinzendorf 1726. 486 2. Wie seid ihr doch so wohl gereist! Gelobt sei'n eure Schritte, Du friedevoll befreiter Geist, Du jetzt verlaßne Hütte; Du, Seele, hier gelebt in Christi Licht, Der erbt ein selig Los. Mel. Nun sich der Tag geendet hat zc.( Joh. 11, 11. Offenb. Joh. 14, 13.) 619. Ci wie so felig schlä-| Jm kühlen Erdenschoß! Wer fest du Nach manchem schweren Stand, Und liegst nun da in süßer Ruh' In deines Heilands Hand! 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Von aller Angst und Pein; Sein letztes Wort: Es ist vollbracht! Das singt dich lieblich ein. 3. Du lässt dich zur Verwandelung In dies Gefilde sän, Mit Hoffnung und Versicherung, Viel schöner aufzustehn. 5. Wir hoffen, daß deinSeelenfreund, Der ewig treue Hirt, Der's hier mit dir so wohl gemeint, Dich schön empfangen wird. 4.Verbirg dein liebes Angesicht 6. Er führe, was ihm lieb und wert Und was sich zu ihm hält, Als seine auserwählteherd'Auch vollends durch die Welt. Gottfried Neumann 1736. Mel. Auf, Christenmensch 2c.( 1 Kor. 15, 42-49.) 620. Mich Staub vom| Leib der Sünde schwer: O daß ich schon unsterblich wär'! Staube führt mein Lauf Zum dunkeln Grabe nieder; Doch die Verklärung hebt mich auf Mit glänzendem Gefieder. Wie ist der 2. Hier zähl' ich meiner Stunden Zahl Und meiner Tage Sor gen; Dort öffnet sich mir ohne C. Begräbnislieber. 487 tes Size, Dort ist der Wonne grundlos Meer: O daß ich schon unsterblich wär'! Qual Ein wandelloser Morgen.| der nie verdirbt, Von unsers GotDie Ewigkeit ist still und hehr: D daß ich schon unsterblich wär'! 3.Hier blühen Blumen und vergehn, Hier modern edle Früchte; Dort wird Verwestes auferstehn Im heil'gen Lebenslichte, Dort ist der Freuden Wiederkehr: D daß ich schon unsterblich wär'! 4. Hier rinnt ein Quell, sein Wasser stirbt Vom Frost und von der Hike; Dort fließt ein Strom, Johann Friedrich v. Meyer 1823. Mel. Christus, der ist mein Leben 2c.( 2 Tim. 1; 12. 1 Ror. 15, 19. 20.) Daß ich ihn ewig schaue, Ihn selbst von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thränen So tröstend und so mild, Und mein unendlich Sehnen Wird nur durch ihn gestillt. 5. Ich weiß, beim Auferstehen, Wann ich verkläret bin, Werd' ich mit Jesu gehen Durch Ewigkeiten hin. August Hermann Niemeyer 1814. V. 5 Knapp 1837. 621. Ich weiß, an wen ich glaube, Und daß mein Heiland lebt, Der aus dem Todesstaube Den Geist zu sich erhebt. 2. Ich weiß, an wem ich hange, Wann alles wankt und weicht, Der, wann dem Herzen bange, Die Retterhand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, Und, wann mein Auge bricht, 5. Hier bildest du den schwachen Thon Zudem verborgnen Leben, Dort wirst du Herrlichkeit und Lohn Jhm, treuer Heiland, geben. O daß ich in der Engel Heer Schon jetzt wie du unsterblich wär'! Mel. Es ist genug 2c.( Joh. 19, 30.) 622. Es ist vollbracht! Gott lob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! Ihr Freunde, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Bei Jesu Kreuz mit tausend Freuden Und sehne mich von hier zu scheiden. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Mein Jesus hat auf sich Genommen meine Schuld; Gebüßt hat er am Kreu zesstamm für mich. Dunermeßne Huld! Und ich hab' in des Heilands Wunden Die rechte Freistatt nun gefunden. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! Weg Krankheit, Schmerz und Pein, Weg Sorg'und Überdruß! SeinGolgatha soll mir ein Tabor sein, Mein matter, müder Fuß Wird hier auf diesen Friedenshöhen XX. Die letzten Dinge. 488 Frei von der Erde Banden gehen. Es ist vollbracht! 4. Es ist vollbracht! Hier bin ich frei von Not. Wie wohl, wie wohl ist mir! Hier speiset mich der Herr mit Himmelsbrot Und zeigt mir Salems Zier; Hier hör' ich mit der Sel'gen Singen Den füßen Ton der Engel klingen. Es ist vollbracht! 5.Es ist vollbracht! Der Leib mag immerhin Raub der Verwesung sein: Ich weiß ja, daß ich Staub 623. Wenn der Stifter der Geschlechter Unsre Lieben zu sich ruft; Wenn die Söhne, wenn die Töchter Sinken in die frühe Gruft: Ach, dann fühlen unsre Herzen Unaussprechlich tiefe Schmerzen. und Asche bin. Doch Jesus ist ja mein, Der wird mich sanft im Grabe decken Und einst in Klarheit auferwecken. Es ist vollbracht! Mel. Ruhet wohl zc.( Jerem. 31, 15-17.) 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, Wieder schnell im Tod verblüht, und die Mutter nun verloren Ihre ganze Hoffnung sieht: Ach, dann will ihr Herz verzagen, So viel schwere Pein zu tragen! 3. Wenn der Tod im edlen Sohne Seine Lust dem Vater raubt; Wenn des Hauses Stük' und Krone Sinket mit des Vaters Haupt, Mütter von den Kindern scheiden: Herr, was gleichet die sen Leiden? 6. Es ist vollbracht! Gottlob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! Jhr Lieben, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Und alle Not, die mich getroffen. Wohl mir, ich seh' den Himmel offen! Es ist vollbracht! Andreas Gryphius 1646? 4. Ach, es müßte unterliegen Dieses arme schwache Herz, Hülfest du nicht, Herr, uns siegen Über Tod und Trennungsschmerz; Deine Rechte schlug uns nieder, Deine Rechte hebt uns wieder. 5. Ist des Trostes reiche Quelle nicht dein Wort am finstern Grab? Strahlt, daß es die Nacht erhelle, nicht dein Licht zu uns herab? Werden, die in dir gestorben, Dort nicht wieder neu erworben? 6. Im Genuß der reinsten Freuden Wandeln sie vor deinem Thron; Und wir sollten sie beneiden Um den früh errungnen Lohn? Ihre Seligkeit mit Zähren Und mit bittern Klagen ftören? C. Begräbnisiteder. 489 7. Nein! Und kann der Mensch| 8. Ja, wer trüge nicht auf Eres wissen, Ob's nicht weise Huld den Gerne den Verlust, o Gott, geschickt, Daß uns frühe sind Da wir bald uns jenseits werden entrissen, Deren Lieb' uns hoch Wiedersehn auf dein Gebot, Da beglückt? Wird nicht, was wir du wirst im bessern Leben Die jetzt beweinen, Dort als Segen Verlornen wieder geben! uns erscheinen? Gotthold Friedrich Stäublin 1791. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc.( Weish. 4, 7-14. Mart. 10, 14.) 624. Wenn kleine Himmels-| Und sich den ersten Glauben Hat erben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Va= ter aufgehoben, Damit sie unverloren sei'n. niemals lassen rauben, Der lebt und stirbt auch wie ein Kind. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Jesum eingeweiht und noch bei Gott in Gnaden: Was sollt' es ihnen schaden, Daß sie die Krone schon erfreut? 3. Der Unschuld Glück verscherzen, Stets kämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennot, Jm Angstgefühl der Sün- 8. Wie leicht geht nicht bei Kinden Das Sterben schwer em- dern Von uns erwachsnen Sünpfinden: Davor bewahrt ein früher Tod. dern Das fremde Feuer an! Sind sie der Welt entrissen, Dann können wir erst wissen, Daß sie die Welt nicht fällen kann. 4. Ist einer alt an Jahren, So hat er viel erfahren, Das ihn noch heute kränkt, und unter so viel Stunden Oft wenige gefunden, Daran er mit Vergnügen denkt. 6. Allein wo sind die Reinen, Die jetzt noch so erscheinen, Wie sie das Wasserbad Vor Gottes Augen stellte, Und die die Welt nicht fällte Und schon in ihrem Netze hat? 7. Sich Jesu ganz verschreiben Und in der Welt zwar bleiben, Doch von der Welt nicht sein, Erfordert höhrekräfte Als menschliche Geschäfte: Das muß allein uns Gott verleihn. 5. 3war wer in seiner Jugend Den Weg zur wahren Tugend Durch Jesum Chriftum findt, 9. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde. Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu sind. Johann Andreas Rothe 1731. XX. Die letzten Dinge. Mel. Es ist genug 2c.( Hiob 1, 21.) 625. Zeuch hin, mein Kind!| Schmerz, der Seelen plagt. Hier Gott selber fordert dich Aus die ser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlafs' ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Beuch hin, mein Kind! müssen wir in Ängsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben: Zeuch hin, mein Kind! 490 2. Zeuch hin, mein Kind! Der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist aus; darum befiehlt er dir Nun wieder fortzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so versehen; Was dieser will, das muß geschehen: Zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind! Im Himmel findest du, Was dir die Welt versagt; Denn nur bei Gott ist wahre Freud' und Ruh', Kein 4. Zeuch hin, mein Kind! Wir folgen alle nach, Sobald es Gott gefällt. Du eiltest fort, eh' dir das Ungemach Verbittert' diese Welt. Wer lange lebt, steht lang' im Leide, Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude: Zeuch hin, mein Kind! 3. So ist's uns um die Herzen, Die Gnade macht uns so; Uns ist noch wohl in Schmerzen, Im Trauern sind wir froh. 5. Zeuch hin, mein Kind! Die Engel warten schon auf deinen zarten Geist. Nun siehest du, wie Gottes lieber Sohn Dir selbst die Krone weist. Nun wohl, die Seele ist entbunden, Du hast durch Jesum überwunden: Zeuch hin, mein Kind! Gottfried Hoffmann 1693. Mel. Chriftus, der ist mein Leben 2c.( 1 Thess. 4, 13.) 626. Die Liebe darf wohl| 4. Was tröstet uns? Das Hof weinen, Wann sie ihr Fleisch begräbt; Kein Christ muß fühllos scheinen, So lang' er hie noch lebt. 2. Doch läffet gleich der Glaube Sein Aug' gen Himmel gehn: Was uns der Tod hier raube, Soll herrlich auferstehn. fen. Wie gut ist's, Christi sein! Man sieht den Himmel offen Und nicht das Grab allein. 5. Herr Jesu, unser Leben, In Thränen dankt man dir, Daß du uns Trost gegeben; Denn davon leben wir. 6. Was wir in Schwachheit säen, Das wird in Herrlichkeit Auf dein Wort auferstehen; Das ist's, was uns erfreut. C. Begräbnislieder. 491 7.$ err, bild aus unfremStaube| mehr dem Tod zum Raube, Dich Den neuen Leib, der dort, Nicht schauet immerfort! Philipp Friedrich Hiller 1762. Mel. Ermuntre dich zc.( Mark. 10, 14. 2 Sam. 12, 22. 23.) 627. Du bist zwar mein und bleibest mein; Wer will mir's anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein: Der Herr von ew'genTagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle. 2. Ach, gält' es wünschen, wollt' ich dich, Du Kleinod meiner Seelen, Vor allem Weltgut williglich Mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: Bleib bei mir! Du sollst sein meines Hauses Zier; An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben. komm', du liebes Kind! Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben. 3. So sagt mein Herz und meint es gut, Gott aber meint's noch besser; Groß ist die Lieb' in meinem Mut, In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr', Ein Quell, daraus die Jungen Und Alten sind entsprungen. 5. O süßer Rat, o schönes Wort, Und heil'ger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, Kein Unglück und kein Kränken, Nicht Angst, nicht Mangel, nicht Versehn, Bei Gott kann keinemLeids geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn; Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah' an seinem Thron Jm Himmel solle leben. Ich sprech': Ach weh, mein Licht verschwindt! Gott spricht: Will 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, Die Unsrigen zu zieren; Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen feinen, sel'gen Stand, Und ist doch selten so bewandt mit dem, wohin sie kommen, Wie wir's uns vorgenommen. 7. Wie manches junge fromme Blut Wird jämmerlich verführet Durch bös' Exempel, daß es thut, WasChristen nicht gebühret! Da hat's denn Gottes Zorn zu Lohn, Auf Erden nichts als Spott und Hohn; Der Vater muß mit Grämen Sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht An meinem Sohn erwarten: Der steht vor Gottes Angesicht Und geht in Christi Garten; Hat 492 XX. Die lekten Dinge. Freuden Thränen gießen! Freude, die ihn recht erfreut, Und weiß, ich würde müssen Vor ruht von allem Herzeleid; Er sieht und hört die Scharen, Die uns allhie bewahren. 11. Ich würde sprechen: Bleib allhier! Nun will ich nicht mehr klagen: Ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein, sondern: komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind Und bring mich dahin, wo mein Kind Und so viel liebe Seelen So schöne Ding'erzählen! 12. Nun, es sei ja und bleibe so! Dich will ich nicht beweinen: Du lebst und bist von Herzen 10. Ach dürft' ich doch von ferne froh, Siehst lauter Sonnenscheistehn Und nur ein wenig hören, nen, Die Sonnen ew'ger Freud' Wann deine Sinnen sich erhöhn und Ruh'; Hie leb und bleib nur Und Gottes Namen ehren, Der immerzu! Ich will, will's Gott, heilig, heilig, heilig ist, Durch mit andern Auch bald hinüber. den auch du geheiligt bist: Ich wandern. Paulus Gerhardt 1650. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Mund hilft selber singen; Lernt alle Weisheit aus dem Grund Und spricht von solchen Dingen, Die unser keins noch sieht und weiß, Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß Wir, weil wir sind auf Erden, Nicht ausstudieren werden. Eigene Mel.( Mart. 5, 35. 36.) 628. Mag auch die Liebe weinen: Es kommt ein Tag des Herrn; Es muß ein Morgenstern Nach dunkler Nacht erscheinen! 2. Mag auch der Glaube zagen: Ein Tag des Lichtes naht; Zur Heimat führt sein Pfad, Aus Dämmrung muß es tagen! 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, Mag jauchzen Grab und Tod: Es muß ein Morgenrot Die Schlummernden einst wecken! Friedrich Adolf Krummacher 1805. Eigene Mel.( Pf. 16, 9.) 629. Ruhet wohl, ihr To-| 2.Nur getroft, ihr werdet leben, tenbeine, In der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis das End'erscheine, Da der Herr euch zu der Freud' Rufen wird aus euren Grüften Zu den freien Himmelslüften! Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein teuer wertes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. C. Begräbnislieder. 3. Und wie sollt' im Grabe bleiben, Der ein TempelGottes war, Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwähltenSchar, Die er selbst durch Blut und Sterben Hat gemacht zu Himmelserben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, Die des Herren Glieder sind. Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche findt: Wann des Herren Hauch brein bläset, Grünet neu, was hier verweset. 493 5. Jesus wird, wie er erstanden, Auch die Seinen einst mit Macht Führen aus des Todes Banden, Führen aus des Grabes Nacht Zu dem ew'gen Himmelsfrieden, Den er seinem Volk beschieden. 630. Auer Gläub'gen Sammelplatz Ist da, wo ihr Herz und Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ Und ihr Leben hier schon ist. Eigene Mel.( Offenb. Joh. 21, 3. 4.) 6. Ruhet wohl, ihr Totenbeine, In der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegenschweben. Friedrich Konrad Hiller 1711. 2. Eins geht da, das andre dort In die ew'ge Heimat fort, Ungefragt, ob die und der Uns nicht hier noch nüßlich wär'. 3. Doch der Herr kann nichts versehn; Und wenn es nun doch geschehn, Hat man nichts dabei zu thun Als zu schweigen und zu ruhn. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich innig nah'; Doch, o Liebe, wir sind dein, Und du willst uns alles sein! Graf Zinzendorf 1746. V. 2 Gregor 1778. Mel. Wie wohl ist mir zc.( Vut. 16, 22. Mart. 7, 37. Offenb. Joh. 7, 14-17.) 631. Die Seele ruht in Jesu| densmeer; Gott hat die Thränen Armen, Der Leib schläft sanft im abgewischet, Ihr Geist wird durch Erdenschoß. Am Herzen darf das und durch erfrischet, Des Herren Herz erwarmen, Die Ruh' ist un- Glanz ist um sie her. aussprechlich groß, Die sie nach 2. Sie ist nun aller Not entwenig Kampfesstunden Bei ih- nommen, Ihr Schmerz und rem holden Freund gefunden: Seufzen ist dahin; Sie ist zur Sie schwimmt im stillen Frie Freudenkrone kommen, Sie steht 494 XX. Die letten Dinge. als Braut und Königin Jm wünschtesHeut', WoJesus, meine Golde ew'gerHerrlichkeiten Dem großen König an der Seiten; Sie fieht sein klares Angesicht. Sein freudenvoll, sein lieblich Wesen Macht sie nun durch und durch genesen; Sie ist ein Licht im großen Licht. Lebenssonne, Den ersten Blick der Herrlichkeit zum freudenvollen übergehen Ließ meinen Geist durchdringend sehen. Der eilte seinem Freunde zu Und schwang sich mit den Engelscharen, Die um mein Sterbebette waren, Ins Vaters Haus zur stolzen Ruh'! 3. Sie jauchzt den Sterblichen entgegen: Ja, ja, nun ist mir ewig wohl! Ich bin durch meines Mittlers Segen Des Lebens, Lichts und Freuden voll; Mein schönes Erbteil ist mir worden, Viel tausend aus derSel'genDrden Bewundern jauchzend meine Pracht; Man kann in allen Himmelschören Gleichwie mit Donnerstimmen hören: Der Herr hat alles wohl gemacht! 4. Ja wohl gemacht durchs ganze Leben, Recht wohl in meiner Todespein! Sein mütterliches Tragen, Heben Bracht' mich heraus, hindurch, hinein: Heraus aus dieser Erde Lüsten, Hindurch durch die Versuchungswüsten, Hinein ins schöne Kanaan. Da darf ich auf den grünen Auen Den Helden, der mich führte, schauen, Der große Ding' an mir gethan. 5. Das war ein Tag der süßen Wonne, Das war ein lang ge6. Nun kann das Kind den Va ter sehen, Es fühlt den sanften Liebestrieb; Nun kann es Jesu Wort verstehen: Er selbst, der Vater, hat dich lieb. Ein unergründlich Meer des Guten, Ein Abgrund ew'ger Segensfluten Entdeckt sich dem verklärten Geist: Er schauet Gott von Angesichte Und weiß, was Gottes Erb' im Lichte Und ein Miterbe Christi heißt. 7. Der matte Leib ruht in der Erden, Er schläft, bis Jesus ihn erweckt. Da wird der Staub zur Sonne werden, Den jetzt die finstre Gruft bedeckt; Dann werden wir mit allen Frommen Beim großen Mahl zusammenkommen und bei dem Herrn sein allezeit; Da werden wir ihn ewig sehen: Wie wohl, wie wohl wird uns geschehen! Herr Jeſu, komm, mach uns bereit! Johann Ludwig Konrad Allendorf 1744. D. Auferstehung und Weltgericht. D. Auferstehung und Weltgericht. Eigene Mel.( 1 Kor. 15, 44. Pf. 126.) 632. Auferstehn, ja aufer- Genug geschlummert habe, Erstehn wirst du, Mein Staub, weckst du mich! nach kurzer Ruh'; Unsterblich Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Hallelujah! 2. Wieder aufzublühn werd' ich gesät; Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben, Uns ein, uns ein, die starben. Gelobt sei Gott! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, Du meines Gottes Tag! Wann ich im Grabe 495 4.Wie den Träumenden wird's dann uns sein: Mit Jefu gehn wir ein Zu seinen Freuden; Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt' ich Im Heiligtume Zu seines Na mens Ruhme. Dann schau' ich ihn! Friedrich Gottlieb Klopstod 1758. Mel. Valet will ich dir geben zc.( Matth. 27, 57-66.) vergeht; Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite ſteht. 633. Ich geh' zu deinem| nicht grauen, Wann mein Gesicht Grabe, Du großer Siegesfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man fann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Wie mit den Himmelserben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegeft in der Erde Und haft sie eingeweiht, Wann ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut Auch in den Staub zu legen, Was Staub und Asche ist, Weil du ja allerwegen Der Herr der Erde bist. 3. Du schläfft in deinem Grabe, Daß ich auch meine Ruh' An die sem Orte habe; Drüchst mir die Augen zu. Nun soll mir gar 4. Dein Grab war wohl verfiegelt, Doch brichst du es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt; Dann werd' ich dich erblicken, Der mich vom Tode weckt. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich; Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. D meines Lebens Leben, O bbbbbb compe 496 XX. Die letzten Dinge. meines Todes Tod! Dir will ich mer In deinem Frieden ein; Und mich ergeben Auch in der letzten wach' ich auf vom Schlummer, Not. Dann schlaf' ich ohne Kum- Wirst du mein Loblied sein. Benjamin Schmold 1715. Eigene Mel.( Matth. 25, 1-13.) 634. ,, Wachet auf!" ruft uns| Ihr Licht wird hell, ihr Stern die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne, ,, Dein Herr, o Zion, kommt zu dir! Mitternacht heißt diese Stunde!" So rufen sie mit hellem Munde, geht auf. Nun komm, du werte Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all' Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. Ihr klugen Jungfraun, wo seid ihr? Wohlauf, der Bräut'gam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Hallelujah! Macht euch bereit Im Hochzeitkleid; Geht ihm entgegen, es ist Zeit!" 2.3ion hört die Wächter singen; Das Herz will ihr vor Freude springen, Sie wachet und steht eilends auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, 3. Gloria sei dir gesungen Von Menschen und vonEngelzungen, Mit Zimbeln und mit Harfenton! Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch vor deinem Thron. Kein Aug' erblickte sie, Ein Ohr vernahm sie nie, Solche Freude. Drum jauchzen wir Und singen dir Das Hallelujah für und für! Philipp Nicolai 1596. Mel. Nun fich der Tag geendet hat zc.( Matth. 25, 6. 13-30.) 635. Der Herr bricht ein um Mitternacht; Jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! 2. Er hat es uns zuvor gesagt Und einen Tag bestellt; Er kommt, wann niemand nach ihm fragt, Noch es für möglich hält. 3. Wie liegt die Welt so blind und tot! Sie schläft in Sicherheitund meint, des großen Tages Not Sei noch so fern und weit. 4. Wer wacht und hält sich nun bereit Als ein getreuer Knecht, Daß er in jener Rechnungszeit Vor Gott bestehe recht? 5. Wer giebt sein Pfund auf Wucher hin Und nüßet seinen Tag, Daß er mit himmlischem Gewinn Vor Jesum treten mag? D. Auferstehung und Weltgericht. 6. Weckt ihr einander aus der Ruh', Daß niemand sicher sei? Ruft ihr einander fleißig zu: Sei wacker, fromm und treu? 7. So wache denn, mein Herz und Sinn, Und schlummre ja nicht mehr; Blick täglich auf sein kommen hin, Als ob es heute wär'! 497 schmalem Pfad Ihm folgte Schritt für Schritt, Fromm blieb, wenn alles übel that, Geduldig stritt und litt. 11. Dann, wann der Richter wie ein Blik Vom Himmel niederfährt, Wann aller Sünder Lust und Wit In Heulen sich verkehrt: 12. Dann kommt er dir als Morgenstern Mit ew'gem Gnadenschein, Dann gehest du mit deinem Herrn Zu seinen Freuden ein. 13. Der Herr bricht ein um Mitternacht; Jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! Nach dem Herrnhuter Gesangbuch 1731. Joh. 6, 17. 20, 12.) 6. Wenn der Richter also siget, Wird, was dunkel war, durchblitet, Vor der Rache nichts beschützet. 8. Der Tag der Rache nahet sich, Der Herr kommt zum Gericht. O meine Seel', ermanne dich, Steh und verzage nicht! 9. Dein Tagewerk ist schön und groß; Mit Jesu wird's vollbracht, Der ein so selig schönes Los Dem Treuen zugedacht, 10. Dem Knechte, der auf Eigene Mel.( Offenb. 636. Jenen Tag, den Tag der Wehen, Wird die Welt im Brand vergehen, Wie Prophetenspruch geschehen. 2. Welch Entsetzen vor der Kunde, Daß der Richter kommt zur Stunde, Prüfend alles bis zum Grunde! 3. Die Posaun' im Wundertone Sprengt die Gräber jeder Zone, Sammelt alle vor dem Throne. 4. Erd' und Tod wird schaun mit Beben Alle Kreatur sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 5.Und ein Buch wird aufgeschlagen, Drin steht alles eingetragen, Wes die Welt ist anzuflagen. Evangelisches Gesangbuch. 7. Ach, wie werd' ich Armer stehen? Wen zum Anwalt mir erflehen, Wenn Gerechte schier vergehen? 8. Hehrer König, Herr der Schrecken! Gnade nur deckt unfre Flecken: Gnade, Gnade laß mich decken! 9 Jesu, milder Heiland, siehe, Wie ich Ziel war deiner Mühe, Daß ich jenem Zorn entfliehe! 10. Bist so treu mich suchen gangen, Haft am Kreuz für mich 32 498 XX. Die letzten Dinge. gehangen; Nicht umsonst sei| teuer; Aber laß mich, o du Müh' und Bangen! Treuer, Nicht vergehn im ew'gen Feuer! 15.3u denSchafen mich geselle; Fern den Böcken und der Hölle Mich zu deiner Rechten stelle! 11. Richter mit der heil'gen Wage, Tilge wider mich dieklage Vor dem großen Rachetage! 12. Sieh, ich seufze schuldbeladen, Schamrot über schweren Schaden: Hör mein Flehen, Gott, in Gnaden! 13. Du, der freisprach einst Marien Und dem Schächer noch verziehen, haft auch Hoffnung mir verliehen. 14. Mein Gebet gilt nicht so 16. Wann Verworfne sich entfärben, Die du hingiebst ins Verderben, Rufe mich zu deinen Erben! 17. Tief im Staub ring'ich die Hände; Zum Zerknirschten, Herr, dich wende: Herr, gedenke mein am Ende! Albert Knapp( nach Thomas von Celano) 1829. Eigene Mel.( 2 Kor. 5, 10.) Aug' voll edler Zähren, Der Mund voll Lob und Lehren, Des Christen Herz wird offenbar. 637. Die Welt kommt einst zusammen Im Glanz der ew'gen Flammen Bor Christi Richter thron; Dann muß sich offenbaren, Wer die und jene waren: Sie kennt und prüft des Menschen Sohn. 2. Der Greul in Finsterniffen, Das Brandmal im Gewissen, Die Hand, die blutvoll war, Das Aug' voll Ehebrüche, Das frevle Maul voll Flüche, Das Herz des Schalts wird offenbar. 3. Das Flehn der armen Sünder, DasThun der Gotteskinder, Die Hand, die milde war, Das 4. Wo wird man sich verstecken? Was will die Blöße decken? Wer schminkt sich da geschwind? Wen kann die Lüge schützen? Was wird ein Werkruhm nüßen? Da sind wir alle, wie wir sind. 5. Herr, diese Offenbarung Drück du mir zur Bewahrung Beständig in den Sinn, Daß ich auf das nur sehe, Ich gehe oder stehe, Wie ich vor deinem Auge bin! Philipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Die Welt kommt einst zusammen 2c.( Matth. 26, 24. Joh. 3, 16.) 638. Viel beffer, nie geboren, Als ewiglich verloren, Von Gott getrennt sich sehn, Von keinem Heile wissen, Vom Licht zu Finsternissen, Vom Leben zu dem Tode gehn; D. Auferstehung und Weltgericht. 499 2. Von Freuden in den Klagen,| 4. Du hast den Sohn gegeben, Vom Hoffen im Verzagen, Von Im Sohn ein ewig Leben; Im Wollust in der Pein, Von Frei- Sohn will ich dich flehn, Dich heit in den Banden, Von Ehren flehn um deine Liebe, Dich flehn in den Schanden, Von Ruhe in aus heißem Triebe: Laß mich der Qual zu sein! das Heil in Jesu sehn! 3. Im Fluch auf ewig brennen, Gott seinen Gott nicht nennen, O das ist ja betrübt! Ach Gott, ich flieh' gerade Allein zu deiner Gnade, Mein Gott, der du die Welt geliebt! 5.Ich war dem Tod zum Raube; Nun gieb mir, daß ich glaube: Wer glaubt, wird selig sein. So geh' ich nicht verloren, So bin ich neugeboren, So dring' ich in das Leben ein. 2. Die Sündenlust ist bald vorbei; Dann steigt aus Flammen ein Geschrei, Man will gekühlet werden, Und wär's mit einem Tropfen klein. Doch kann auch dieses nicht mehr sein: Man ist nicht mehr auf Erden, Wo uns von dir, o treuer Hirt, Noch Fried' und Heil geboten wird. 3. Dann hebet ihr die Augen auf Und merket, doch zu spät, darauf, Was ihr nicht merken wolltet: Daß ihr die Herzen zu dem Mann, Der segnen und verPhilipp Friedrich Hiller 1767. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort zc.( Qut. 16, 19-31.) 639. Menschen, diese| dammen kann, Bußfertig wenkurze Zeit Führt in die lange den solltet; Dann ist vorbei die Ewigkeit, zu Himmel oderHölle! Gnadenzeit Und da des Fluches So bleibt's nicht, wie es jego ist. Ewigkeit! Der Feind sucht, wie er euch mit List Die Neke heimlich stelle, Drin er ein blindes Herz verstrickt und in den Schlund des Todes rückt. 4. Mein Herz, o fleuch in Jesu Schoß, Der ist erbarmungsreich und groß Für dich und alle Seelen! Er ist's für den, der an ihn glaubt, Und der sich beugt mit Herz und Haupt, Das gute Teil zu wählen. Erwähle Jesu Gnadenlicht, So brennt für dich die Hölle nicht! 5. D zeig mir, Herr, was Abram sieht, Und wie sich deine Schar bemüht, Lobpreisend dir zu dienen; Und wie, die hier der Höll' entflohn, Dort unverwelklich um denThron AlsHimmelspflanzen grünen! Für alles dieses gabst du dich: O liebster Heiland, rette mich! 6. Solang ich noch auf Erden bebeo 500 XX. Die letzten Dinge. bin, Schick' ich mein Herz allzeit gleich Zur tiefen Höllenpforte; dahin Und merk'auf deine Worte. Du bist der Herr im Himmelreich, Du hast die Schlüssel auch zuHinfort bedarf ich Wunder nicht; Ich glaube, was mein Heiland spricht. Nach dem Leipziger Gesangbuch 1697. Mel. Was Gott thut zc.( 1 Theff. 1, 10.) 640. Wir warten dein, o Gottes Sohn, Und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron Und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, Erhebt sein Haupt Und siehet dir entgegen; Du kommst uns ja zum Segen. 2. Wir warten deiner mit Geduld In unsern Leidenstagen. Wir trösten uns, daß du die Schuld Für uns am Kreuz getragen; So können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, Bis du's hinweg wirst nehmen. 3. Wir warten dein; du hast uns ja DasHerz schon hingenommen. Du bist zwar unsremGeiste nah', Doch wirst du sichtbar kommen; Da willst uns du Bei dir auch Ruh', Bei dir auch Freude geben, Bei dir ein herrlich Leben. 4. Wir warten dein, du kommst gewiß, Die Zeit ist bald vergangen; Wir freuen uns schon über dies mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, Wann wir dich sehn, Wann du uns heim wirst bringen, Wann wir dir ewig singen! Philipp Friedrich Hiller 1767. E. Ewiges Leben. Mel. Wie wohl ist mir zc.( Ebr. 4, 9.) 641. Es ist noch eine Nuh'| 2. Die Ruhe hat Gott auservorhanden. Auf, müdes Herz, und werde licht! Du seufzest hier in deinen Banden, Und deine Sonne scheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinemStuhle weiden; Wirfhin die Last und eil herzu! Bald ist der schwere Kampf vollendet, Bald, bald der saure Lauf geendet, Dann gehst du ein zu deiner Ruh'. koren, Die Ruhe, die kein Ende nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe fie uns schon bestimmt. Das Gotteslamm, es wollte sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben; Es ruft, es locket weit und breit: Ihr müden Seelen, und ihr From: men, Versäumet nicht, heut' einzukommen zu meiner RuheLieblichkeit! E. Ewiges Leben. 501 3. So kommet denn, ihr mat- ben bringen, Denn unsre ThrätenSeelen, Die manche Last und Bürde drückt! Eilt, eilt aus euren Rummerhöhlen, Geht nicht mehr seufzend und gebückt! Jhr habt des Tages Last getragen; Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt sein! Ihr seid sein Volk, er will euch schützen; Will auch die Hölle auf euch blitzen, Seid nur getrost und gehet ein! 4. Was mag wohl einen Kranten laben und einen müden Wandersmann? Wenn jener nur ein Bettlein haben Und sanft auf solchem ruhen kann; Wenn dieser sich darf niedersehen, An einem frischen Trunkergößen, Wie sind sie beide so vergnügt! Doch dies sind kurze Ruhestunden; Es ist noch eine Ruh' erfunden, Wo man auf ewig stille liegt. 5. Da wird man Freudengarnensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen, Welch Lobgetön im Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid wird ferne weichen, Es wird keinTod uns mehr erreichen; Wir werden unsern König sehn. Er wird am Brunnquell uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen. Wer weiß, was sonst noch wird geschehn! 6. Da ruhen wir und sind im Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden, Legt euch dem Heiland in den Schoß! Ach Flügel her! Wir müssen eilen und uns nicht länger hier verweilen, Dort wartet schon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubilieren! Auf, gürte dich zum Triumphieren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Johann Sigismund Kunth 1733. Wer weiß, wie nahe zc.( 1 Petri 1, 6-9.) 642. Nach einer Prüfung| ihm ein unvollkommnes Glück: kurzer Tage Erwartet uns die Ewigkeit; Dort, dortverwandelt sich die Klage In göttliche Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, Undjene Welt reicht ihr den Preis. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' Nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald das Geräusche dieser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Herzen Ein Feind, der öfter siegt als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kummer und in Ungeduld. 2. Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden Schon man chen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind 502 XX. Die letzten Dinge. bim und Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. 4. Hier, wo die Tugend öfters das erwürget ward, Und Cheruleidet, DasLaster öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt, Hier kann der Mensch nie frei von Pein, Nie frei von aller Schwachheit sein. 9. Da werd' ich in der Engel Scharen Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte Glück erfahren, Stets fromm mit Frommen umzugehn; Da wird durch jeden Augenblick Ihr Heil mein Heil, ihr Glück mein Glück. 5.Hier such' ich's nur, dort werd' ich's finden; Dort werd' ich, heilig und verklärt, Der Tugend ganzen Wert empfinden, Den unaussprechlich großen Wert; Den Gott der Liebe werd' ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht heil'ger Wille Mein Will' und meine Wohlfahrt sein, Und lieblich Wesen, Heil die Fülle Am Throne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel sah, Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah; Da denkt mein Geist mit Preis und Dank Die Schitfung im Zusammenhang. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, Wo Gott, mein Heil, sich offenbart, Ein ,, Heilig, heilig, heilig!" singen Dem Lamme, 10. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu millionenmalen Noch segnen, daß er ihn mir wies; Da find' ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Daruft- o möchte Gott es geben!- Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sei dir, denn du hast mein Leben, Die Seele mir gerettet du! D Gott, wie muß dies Glück erfreun, Der Retter einer Seele sein! 12. Was seid ihr, Leiden dieser Erden, Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offenbart an uns soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh'! Christian Fürchtegott Gellert 1757. Mel. Wie schön leucht't zc.( 1 Kor. 2, 9.) 643. Wie wird mir dann, ganz des Herrn zu freun, In ihm o dann mir sein, Wann ich, mich entschlafen werde, Von keiner E. Gwiges Leben. 503 Sünde mehr entweiht, Entladen| nun mein Auge bricht, zu deivon der Sterblichkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Freu dich, Seele! Stärfe, tröste Dich, Erlöfte, Mit dem Leben, Das dir dann dein Gott wird geben! nen Toten sammelt; Vielleicht umgiebt mich ihre Nacht, Eh' ich diesFlehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, Ich befehle Meine Seele Deinen Händen, Laß mich einst im Frieden enden! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel, Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte meiner Sterblichkeit, Wird sie erst spät zertrümmert: Laß mich, Vater, Reiche Saaten Guter Thaten Einst begleiten Vor den Thron der Ewigkeiten! 2. Ich freue mich und bebe doch, So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder! Der Herr erleichtert mir mein Joch; Es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, Glaubt und erhebt sich wieder. Jesus Christus, Laß mich streben, Dir zu leben, Dir zu sterben, Deines Vaters Reich zu erben! 3. Verachte denn des Todes Graun, Mein Geist! er ist ein Weg zum Schaun, Der Weg im finstern Thale. Er sei dir nicht mehr fürchterlich! Ins Allerheiligste führt dich Der Weg im finstern Thale. Gottes Ruh' ist Unvergänglich, Überschwenglich; Die Erlösten Wird sie unaussprechlich trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wann 6. Wie wird mir dann, ach dann mir sein, Wann ich, mich ganz des Herrn zu freun, Ihn dort anbeten werde, Von keiner Sünde mehr entweiht, Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, Heilig, Heilig! singen Wir und bringen Deinem Namen Preis und Ehr' auf ewig. Amen. Friedrich Gottlieb Klopstod 1758. Eigene Mel.( Offenb. Joh. 21, 2-4. Psalm 42, 3. 120, 5.) 644. Jerusalem, du schöne, Da man Gott beständig ehrt Und das himmlische Getöne: Heilig, heilig, heilig! hört, Ach wann komm' ich doch einmal hin zu deiner Bürger Zahl? 2. Muß ich nicht in Pilgerhütten Unter strengem Kampf und Streit, Da so mancher Christ gelitten, Führen meine Lebenszeit? Da oft wird die beste Kraft Durch die Thränen weggerafft. XX. Die letzten Dinge. 504 3. Ach wie wünsch' ich dich zu schauen, Jesu, liebster Seelenfreund, Dort auf deinenSalemsauen, Wo man nicht mehr klagt und weint, Sondern in dem höchsten Licht Schauet Gottes Angesicht! zu schwingen bald von hier Nach der neuerbauten Stadt, Welche Gott zur Sonne hat! 6. Soll ich aber länger bleiben Auf dem ungestümen Meer, Wo mich Wind und Wellen treiben Durch so mancherlei Beschwer: Ach so laß in Kreuz und Pein Hoffnung meinen Anker sein! 7. Alsdann werd' ich nicht ertrinken: Christus ist mein Arm und Schild, Und sein Schifflein kann nicht sinken, Wär' das Meer auch noch so wild; Obgleich Mast und Segel bricht, Läßt doch Gott die Seinen nicht! Friedrich Konrad Hiller 1711. Mel. Mein Heiland nimmt die Sünder an 2c.( Ebr. 11, 14. 1 Ror. 13, 12.) 645. Gottlob! ich weiß mein Vaterland, Dem jeder Tag mich näher leitet; Hier ist nur mein Erziehungsstand, Der mich zum Himmel vorbereitet. Bald, Herr, erhebst du mich zu dir; Den hohen Ratschluß hast du mir So hell in deinem Wort erkläret, So fest durch Jesu Tod bewähret, Der, als er aus dem Grab erwacht, Unsterblichkeit ans Licht gebracht. 4. Komm doch, führe mich mit Freuden Aus der Fremde hartem Stand; Hol mich heim nach vielen Leiden In das rechte Vaterland, Wo dein Lebenswasser quillt, Das den Durst auf ewig stillt! 5. D der auserwählten Stätte Voller Wonne, voller Zier! Ach daß ich doch Flügel hätte, Mich 2. Dort wird in Gottes Gnadenrat Mein Geist mit sel'gem Staunen dringen, Und seiner Liebe Wunderthat Mit ehrfurchtvollem Dank besingen. Dann fühl' ich, ewiglich verklärt, Der Leiden Christi höchsten Wert, Knie vor dem Gott der Liebe nieder Und stimm' in der Verklärten Lieder: Anbetung, Ehre, Preis und Macht Sei dem Gefreuzigten gebracht! 3. Der reichsten Güter Überfluß Empfang' ich dann aus Gottes Händen; Dort wird die Hoffnung im Genuß, Der Glaube sich im Schauen enden. Die Führung, die einst wunderbar, Zu dunkel meinem Auge war, Seh' ich im trofterfüllten Lichte, Genieße meiner Leiden Früchte, Und preise Gottes weisen Rat, Der mich so treu geleitet hat. 4.Dort werd'ich Gottes Freund E. Ewiges Leben. lichkeit In Millionen Freuden schmecken, Stets wachsen an Vollkommenheit und neue Wunder stets entdecken; Mein Wissen, das hier Stückwerk war, Wird himmlisch, wie die Sonne klar, Stets flammender die Lieb' und reiner, Stets jeder Sinn für Wahrheit feiner, Stets weiter meiner Seele Blick, Stets herrlicher mein ew'ges Glück. 5. Die Lieben, die für kurze Zeit Tod oder Schicksal von mir schieden, Find' ich gekrönt mitSelig keit Im wandellosen Himmelsfrieden. Dort, wo der Tod kein Band zerreißt, Dort werden wir, ein Herz und Geist, Zehnfältig unser Glück empfinden, ZurLiebe Gottes uns entzünden Und rühmen ihn, des Vaterhand Zum ew'gen Wohlsein uns verband. 6. Du hast uns nicht zum Zorn 505 gesett, Nein, Himmelswonne zu genießen. Wie hoch sind wir von dir geschätzt! Sei innigst hoch von uns gepriesen! Dein Reich, wo Heil und Friede blüht, Wie dir dein Vater es beschied, Das Reich voll unverwelkter Freuden Willst du, o Heiland, uns bescheiden. Wie bietest du dem Glaubensfleiß Solch unaussprechlich hohen Preis! 7. O Gott, laß mir die Ewigfeit Samt meiner Gnadenzeit auf Erden Zum guten Kampf, der niemand reut, Stets wichtiger und teurer werden! Sie sei mein Schild in Kampf und Streit, Mein Antrieb zur Gottseligkeit, Die Würze meiner Lebensfreuden, Der Balsam meiner Pilgerleiden, Im dunkeln Thal mein Freudenlicht, Im Tode meine Zuversicht! Nach Friedrich Wilhelm Loder 1781. Mel. Wie schön leucht't zc.( Offenb. Joh. 21, 1-5.) 646. Mein Geift, o Gott, wird ganz entzückt, Wann er nach jenem Himmel blickt, Den du für uns bereitet; Dort wird erst deiner Allmacht Hand Aus neuen Wundern recht erkannt, Die du daselbst verbreitet. Herr, ich Fühl' mich Angetrieben Dich zu lieben, Der zum Leben Jener Welt mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, Die wir im Himmel finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar Viel Wunder deiner Güte dar, Daß wir sie froh empfinden; Doch hier Sind wir Bei den Freuden Noch mit Leiden Stets umgeben. Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Dort ist kein Tod mehr und kein Grab, Du wischeft alle 506 XX. Die letten Dinge. Thränen ab Von deiner Kinder| vereint! Die Frommen, die ich Wangen; Dort ist keinLeid mehr, kein Geschrei, Denn du, o Herr, machst alles neu, Das Alte ist vergangen. Freundlich Giebt sich Den Erlösten, Sie zu trösten, Der zu kennen, Den sie hier schon Vater nennen. hier beweint, Die find'ich droben wieder; Dort sammelt deine Baterhand Sie, die ein Sinn schon hier verband, Herr, alle deine Glieder. Fröhlich Werd' ich, Frei von Mängein, Mit den Engeln Dir lobsingen, Preis und Dank dir ewig bringen. 4. In deinem höhern Heiligtum Erschallet deines Namens Ruhm Von Millionen Zungen; Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn, Da schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie ganz besungen. Heller, Schneller Als hienieden, Ohn' Ermüden Sehn wir droben, Gott, wie hoch du bist zu loben. 7. Dort ist mein Freund, des Höchsten Sohn, Der mich geliebt; wie glänzt sein Thron In jenen Himmelshöhen! Da werd' ich dich, Herr Jesu Christ, Der du der Engel Wonne bist, Mir zum Entzücken sehen. Nichts kann Alsdann Mich mehr scheiden Von den Freuden, Die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 5. Mit neuer Inbrunst lieben wir, O Gott, dich dann und dienen dir Mit freudigem Gemüte; Nichts stört den Frieden unsrer Brust Und unsre tausendfache Lust An deiner großen Güte. Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Triebe Reiner Liebe Unter Seelen, Die nun ewig nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schar ist dort 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält, Wenn sie voll Glauben sterben! Der du vorangegangen biſt, Zieh dir mich nach, Herr Jesu Christ, Hilf mir dein Reich ererben! Laß mich Treulich Darnach streben, Dir zu leben Auf der Erde, Daß ich dort dein Erbe werde! Diterich( nach Ahasverus Fritsch?) 1765. Mel. Womit soll ich zc.( Offenb. Joh. 21, 7.) 647. O wie unaussprech-| Unser Leben ewig währen. Gott, lich selig Werden wir im Himmel zu welcher Seligkeit Führst du sein! Da, da ernten wir unzählig uns durch diese Zeit! Unsers Glaubens Früchte ein; Da wird ohne Leid und Zähren 2. Dann wirst du dich unsern Seelen Offenbaren, wie du bist; E. Ewiges Leben. 507 keine Wonne wird uns fehlen| ser Klagelied in Psalmen, Unfre Da, wo alles Wonne ist; zu Last in Lust verkehrt, Die fortvollkommnen Seligkeiten Wird hin kein Kummer stört! uns dort der Mittler leiten, Der uns dieses Glück erwarb, Als am Kreuz er für uns starb. 3. Da wird deiner Frommen Menge Ein Herz, eine Seele sein, Dienst und Dank und Lobgesänge Dir, erhabner Gott, zu weihn, Dir und dem, der selbst sein Leben Willig für uns hingegeben. Mit ihm, unfrem größtenFreund, Sind wir ewig dann vereint. 5. Sei, o Seele, hoch erfreuet über das erhabne Glück, Das dir einst dein Gott verleihet; Richte deines Glaubens Blick Oft nach jener Stadt der Frommen Mit dem Ernst, dahin zu kommen; Trachte, weil du hier noch bist, Nur nach dem, was droben ist. 4. O wer sollte sich nicht sehnen, Aufgelöst und da zu sein, Wo nach ausgeweinten Thränen Ew'ge Güter uns erfreun, Wo sich unser Kreuz in Palmen, Un6. Ohne Heiligung wird feiner, Herr, in deinen Himmel gehn; O so mache immer reiner Hier mein Herz, dich einst zu sehn! Hilf du selber meiner Seele, Daß sie nicht den Weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobsingt! Diterich( nach Schmold) 1765. Mel. Wenn mein Stündlein 2c.( Joh. 16, 22. Ebr. 12, 22-24.) 648. Der Trennung Last liegt schwer auf mir; Ich liebe sie, die Meinen. Laß einen Lichtstrahl mir von dir, Herr, auf die Frag' erscheinen: Werd' ich nach meinem Tode gleich In deinem ew'gen Königreich Die Meinen wiedersehen? 2. Ich höre schon von deinem Thron Des Geistes Stimm' ausgehen. Sie zeuget mir: Durch GottesSohnWirst du sie wieder sehen; Wenn du durch ihn bist Gottes Kind, Wenn sie in ihm gestorben sind, So findet ihr euch wieder. 3. Die fromme Seele trennt sich nicht Von gleichgesinnten Frommen; Sie werden all' in Gottes Licht Aufs neu' zusammenkommen, Von keinem Tode mehr getrennt; Denn Gottes Engel, der sie kennt, Versammelt die Erwählten. 4. Der Fromme sieht den frommen Mann, Der Christ den Christen wieder; Das Weib trifft ihren Gatten an, Der Bruder 508 XX. Die lekten Dinge. seine Brüder; Die fromme Mut| Höhe: Mach meine Lieben fromm ter küßt ihr Kind; Denn alle Auserwählten sind In Gottes Stadt beisammen. und gut, Daß ich sie wiedersehe; Auch mich erhalte dir getreu! Dann, Vater, bin ich auch da bei, Wann sich die Lieben finden. 5. Zum Berge Zion kommen wir, zu Gottes Stadt im Himmel, Wo Engel stehen, Herr, vor dir Imjauchzenden Gewimmel; Zu der Gemeinde Strahlenchor, Zu Geistern steigen wir empor Vollendeter Gerechten. 6. Doch Frommen nur wird's Freude sein, Wann sie sich wiedersehen; Gottlose häufen nur die Pein Mit ihrer Brüder Wehen. Dort fühlt der Lüstling sein Gericht, Und er verlangt die Brüder nicht zu sehn im Feuerpfuhle. 7. Drum bitt' ich dich durch Christi Blut, Erbarmer in der 649. Selig sind des Him mels Erben, Die Toten, die im Herren sterben, Zur Auferstehung eingeweiht. Nach den letzten Augenblicken Des Todesschlummers folgt Entzücken, FolgtWonne der Unsterblichkeit. Im Frieden ruhen sie, Los von der Erde Müh'. Hosianna! Vor Gottes Thron, Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke sie. 8. D Jesu, welch ein Tag für dich, Ein Festtag voll Erbarmen, Wann so viel tausend Seelen sich Vor deinem Thron umarmen! Dann bluten Herzen nimmermehr; Dann ist das Aug' von Thränen leer, Denn du hast sie getrocknet. Mel. Wachet auf! ruft 2c.( Offenb. Joh. 14, 13.) 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre Sei dir, Verfühner, 9. Weint nicht, ihr Lieben! denn gewiß Sollt ihr mich wieder finden In Gottes Stadt, im Paradies, Von Fesseln frei und Sünden. Auch unser Staub wird auf erstehn; DWiedersehn, oWiedersehn, Wie tröstest du die Seele! Christian Friedr. Dan. Schubart 1785. Jesu Christ! Jhr, der Überwinder Chöre, Bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre Dem Lamme, das geopfert ist! Er sank wie wir ins Grab, Wischt unsre Thränen ab, Alle Thränen! Er hat's vollbracht! Nicht Tag, nicht Nacht Wird an des Lammes Throne sein. 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne Scheint uns alsdann; er ist uns Sonne, Der Sohn, die Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun E. Gwiges Leben. 509 bist du, Heil, uns aufgegangen,| Hallelujah! Er sant hinab Wie Nicht mehr im Dunkeln, nicht wir ins Grab; Er ging zu Gott, von fern! Nun weinen wir nicht wir folgen ihm! mehr; Das Alte ist nicht mehr. Friedrich Gottlieb Klopstock 1758. Mel. Nun preiset alle 2c.( Offenb. Joh. 21.) 650. Ich hab' von ferne,| zeigt; Ich bin noch nicht genug Herr, deinen Thron erblickt, Und hätte gerne MeinHerz vorausgeschickt, und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn! Du bist allmächtig, Drum ist dein Licht so schön! Könnt' ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur bin ich fündig, Der Erde noch geneigt, Das hat mir bündig Dein heil'ger Geist ge4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Jch bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn; Und ohn' Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen, goldnen Gassen Lebenslang nicht aus den Augen laffen. Johann Timotheus Hermes 1770. Mel. O Jerusalem zc.( Offenb. Joh. 7, 13-17.) than mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit Und veraltet nimmermehr? Wo sind dieſe kommen her? 651. Wer sind die vor Got| Welche ist Gerechtigkeit, Angetes Throne? Was ist das für eine Schar? Träget jeder eine Krone, Glänzen wie die Sterne flar, Hallelujah singen all', 2oben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen Wie ein Sieger in der Hand, Wenn er seinen Feind geschlagen, Hingestrecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg Hat erzeuget diesen Sieg? 4. Es sind die, so wohl gerungen Für des großen Gottes Ehr', Haben Welt und Tod bezwungen, Folgend nicht dem Sünderheer, Die erlanget in dem Krieg Durch des Herren Arm den Sieg. 3. Wer sind die in reiner Seide, 5. Es sind Zweige eines XX. Die letzten Dinge. 510 Stammes, Der uns Huld und Heil gebracht; Es sind die, so in des Lammes Nachfolg' Angst und Not durchwacht; Nun sind sie erlöst vom Leid Und geschmückt im Ehrenkleid. 6. Es sind die, so stets erschienen Hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel' geopfert gern; Nunmehr stehn sie all' herum Vor dem Stuhl im Heiligtum. 7. Wie ein Hirsch am Mittag lechzet Nach dem Strom, der frisch und hell, So hat ihre Seel' geächzet Nach dem rechten Lebensquell, Wo ihr Durst geftillet ist, Denn sie sind bei Jesu Christ. 8. Dahin reck' auch ich die Hände, O Herr Jesu, zu dir aus; Mein Gebet ich zu dir wende, Der ich noch in deinem Haus Hier auf Erden steh' im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 9. Hilf mir in dem Kampfe siegen Wider Sünde, Höll' und Welt; Laß mich nicht darniederliegen, Wann ein Sturm mich überfällt; Führe mich aus aller Not, Du, mein Fels, mein Herr und Gott! 10. Gieb, daß ich sei neugeboren, An dir als ein grünes Reis Wachse und sei außerkoren Zu des ew'gen Vaters Preis; Daß ich mich bewahre rein, Meide jeden falschen Schein; 11. Daß mein Teil sei bei den Frommen, Welche, Herr, dir ähnlich sind, Und auch ich, der Not entnommen, Als ein treues Gotteskind Dann, genahet zu dem Thron, Nehme den verheißnen Lohn. 12. Welches Wort faßt dieſe Wonne, Wann ich mit der Heil'gen Schar In dem Strahl der reinen Sonne Leuchte wie die Sterne klar! Amen! Lob sei dir bereit, Dank und Preis in Ewigfeit! Heinrich Theobald Schenk vor 1727. Kap. Vers. Nr. der Lieder. Erstes Buch Mose. 128889 3 32 28 16-21 17 10 26 9 26-31 63 2. 3 22 27 17 22 15 2.8 20 33 34 39 Zweites Buch Moje. 39 229 414 295 28.00 3 18 20 3-17 36 10 24 17 14 6.7 Viertes Buch Mose. 566 3 Verzeichnis der Bibelstellen über den Liedern. 95 Fünftes Buch Mose. 241 29 9 32 3 4 271 8 15 Jojua. 1 226 24 498. 502 Erstes Buch Samuelis. 6-8 2-10 1-5 3 77 536 11 218. 412 412 559 254, 279 32. 449. 534. 565, 576 320. 351 327 29 22. 23 26 3 2 5-14 5-15 29 28 46. 461 Zweites Buch Samuelis. 7 12 15 22 69 566 434 597 Erstes Buch der Könige. 601. 617 552 10 279 556 627 367 232 8 Zweites Buch der Könige. 2 9 182 Erstes Buch der Chronika. 29 15 595, 617 Kap. Vers. Nr. der Lieder. Zweites Buch der Chronika. 492 20 6-12 Nehemia. 13 Hiob. 1 2 4 10 14 19 28 345 Psalter. 1 2 6 8 12 13 14 16 17 18 19 20 21 23 24 25 31 26 27 28 21 10 12-14 12 1.2 25-27 28 1-3 8 10-12 6 4 4 5-7 ܗ . ! ܚ . | | ܝ ܙ ܗ ܗ ܝ ܐ ܕ ܗ ܪ ܟ ܗ ܫ ܝ | ܩ ܝ ܙ 8 | 10 4. 5 5 - 6 7 9 15 2. 3 8-17 26. 27 47 6 8-12 13 6 - 1-3 4 7-10 3 4.5 8-10 6-8 1 9 17 457. 625 486 580 518 79 177. 602 436 227 229 96 579 369 554 48 294 302 41 567. 570 32 215 70 416 629 562 346 539 49 40. 467 557 228 578 525 535 526 72. 506 342 610 92. 99 18. 466 23 52 275 464 89.532 512 Kap. Vers. Pfalter. 29 30 31 32 36 37 34 2-10 38 89 39 42 43 45 46 47 51 59 62 63 65 68 71 9 ܝ ܗ| ܃ ܨ ܟ ܐ ܟ ܗ ܕ ܐ ܤ ܗ ܬ ܗ ܘ| ܗ| ܗ ܣ ܘ ܐ ܢ ܐ ܝ ܩ ܗ ܩ ܬ|| ܝ ܘ ܗ ܪܘ ܣ ܘ d ܫ ܘ ܟ ܙ ܘ ܗ … ܝ ܬ ܝ … ܝ ܐ 2-6 74 77 80 84 85 89 90 24 22 5. 6 5-8 8-11 53 55 23 57 2. 3 9-12 6. 7 3-14 11-14 8.9 8-11 17. 18 73 23 10-14 23-26 24 25 15. 16 2.3 12. 13 5-12 10-12 Nr. der Lieder. 540 469. 481. 582 268 26. 594 53 297 414 28 260. 341. 547 274. 561 71 364 611 20 440. 590. 593 575 477 345 644 464. 474. 476. 482 35 347 Verzeichnis der Bibelstellen. Kap. Vers. 69. 212 529 181 292 302 301 15 112. 416 368 574 3 549 551 372. 463 305 456 65 544 267 541. 542 524 281 65 521. 611 611 366. 383 345 374 363 357 581 488 214 270 554 528 323 591 604 585 441 Pfalter. 90 91 92 94 95 102 103 104 110 111 115 116 117 118 120 121 123 126 127 128 130 132 133 136 139 143 14 17 145 1.2 11. 12 2 9 1-8 7.8 24-29 28 1-5 | ie+ ܝ| ܟ ܝܟ| ܗ|| ܩܣ| ܣ| 8322 ܘ ܕ ܗ ܐ ܐ ܐ ܐ ܐ ܗ ܡ ܕ ܘ ܢ ܝ| ܚ| ܟ ܐ ܐ 1-18 119 9 15-18 15. 16 23. 24 24-29 27 4 27. 28 105 165 176 5. 6 1.2 1-4 23. 24 8-21 Nr. der Lieder. 563 514. 515. 560 572 564 76 573 554 467 38 593 530 583 30.55 3 5 589 59. 538 205 14 504 474 520 514 167 270 104 269 282 558 280 512 604 300 236 8 232 340 407 644 19. 571 577. 578 277 516 490. 632 531 464. 618 495 67. 499 494 290, 303 283 430 64 27 39. 42. 44 450 581 520 385 302. 319. 534 20. 199 4.64 47 Kap. Vers. Nr. der Lieder. Psalter. 145 146 147 16-18 148 Salomos Sprüche. 3 187 3 18 20 23 30 Salomos Prediger. 14 21 28 80 38 Hohes Lied. 2 40 15 16 42 44 8 Jesaia. 1 6 8 9 11 12 45 46 48 49 5. 6 10 50 52 53 28 26 7-9 54 55 2 1 29 11. 12 16 5.6 16-18 3 18 6 2 10-12 11 16 29 15 1 14-17 15-17 15. 16 17 6-8 26 1-3 3 21 5. 6 10 13 14-16 15. 16 6 13-53, 4. 5 7 10 6 8.9 10. 11 56 2 57 2 60 1 544 547 29 548 60. 61 15 4 374 577 526 41. 307. 308. 387 454 588 64 570 536 336 339 Verzeichnis der Bibelstellen. Kap. Vers. Jeremia. 249 1 244. 504 102 196. 197 158 588 222. 296 40 73. 369 375. 465 617 487 470 519 12 537. 598 58 96 223 262 38 74 522 475 106 466 482 142 12 129 131. 138 130 51 319 74 283 272 618 558 116 1, 2 Evangelisches Gesangbuch. 3 10 17 18 29 31 Hosea. 2 stidya. 2 7 12. 13 23 7 14 17 Hesekiel. 33 34 36 19 11 3 15-17 Klagelieder Jeremias. 3 89 9. 533 545 6 7 11 17 18 23 22. 23 22-24 24-33 24 25 30 50 Habakuk. 2 11 16 26. 27 21. 22 Sacharja. 2 5 13 18-20 13 Maleachi. 2 3 3 20 Weisheit. 4 Tobias. 4 Sirach. 2 3 10 14 1 7 20 7-14 6 1 3 11 19 14-17 40 14 28 22 4-6 32-39 1. 2 14-20 24-26 Matthäus. 2 1-12 11 3-16 Nr. der Lieder. 286 68 67 80. 290 595 19 22 350 623 519 107 354 418 66 94 263 96 107 158 281 12 624 400 478 366 509 483 434 592 481 55 523 458. 459 228 494 518 2.27 115. 117 113 381 83 513 can bened bieber ** 514 Kap. Vers. Matthäus. 5 6 7 8 9. 10 11 12 13 14 16 18 21 22 23 24 25 26 27 28 5 6 8 20 37 44-48 10 13 14 19-21 21 25 26-32 33 7-11 11 13. 14 21 21-23 8 23-27 37. 38 28 32. 33 2-6 28-30 29 30 20 37-43 20 24-33 28-31 18 24 24. 25 24-26 25 26 10 IL 20 1-9 3 2-14 37 13 14 42-44 1-13 6 6.7 13-30 40 24 33 39 41 46 57-66 1-9 19 20 Nr. der Lieder. 425 251 Verzeichnis der Bibelstellen. Kap. Vers. Martus. 5 460 392 450 426 207. 210 267 427 21 185 465 489 21. 25. 394. 453 266 390 388. 409 403 405 253 375 208. 221 450 399 101 127. 250. 289. 328 597 387. 388. 399 417 219 376 468 306 213 472 377 333 398 394. 456 75. 76 125 235. 273. 276 90. 93 91 248 288 408 220. 221 444 98. 634 635 251 635 431 638 327. 352 26. 370 438 144 633 168 34 569 4 9 10 12 14 16 Zukas. 1 2 3 4 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 21 92 23 35. 36 37 23. 24 13-16 14 33 32-42 38 3.4 7 78. 79 10-12 14 21 25-32 29 29. 30 35 41-52 51 51. 52 4-6 16-21 11-17 5-15 57 20 23 23. 24 38-42 42 28 15-21 19. 20 32 35-40 49 6-9 24 16. 17 16-24 17 23 27 1-7 2 10 18. 19 10 19-31 22 5 9-14 9 29-40 34 31. 32 35 40 42 22 28 Nr. ter Lieber. 628 631 322 503. 508 238. 239. 624. 627 423 134 443 173 165 555 105 36. 108 535 118. 119 580 600. 612 147 120 445 507. 513 97 230 473 225. 234 381. 414 599 175 112 385 362. 437 78. 277 455 587 213 617 208 57 386. 412 257 248 114 204 478 310 309 75 293 515 410. 639 75. 631 315. 317 392 500 100 458 417 546 265 493 138 153 Kap. Vers. Lukas. 23 24 3 5 6 Johannes. 1 1 1-14 9 14 29 8 10 02 00 12 13 14 34-46 42 42. 43 46 49 15 18-32 13-35 16 29 32 11 11 41 45 5 16 18 24 9 33-35 53-56 53-58 56 63 67-69 68 12 31 51 11 12 16 27-30 16 25. 26 26 1-15 7 15 34. 35 2. 3 2-6 6 6-17 13 19 23 26 27 29 4 4.5 5 13 26 13 13. 14 19-31 22 24 Nr. der Lieder. 144 17. 192 146 Verzeichnis der Bibelstellen. Kap. Vers. Johannes. 17 150 139 569 176 7. 209. 568 191 230 62. 107. 109 95 334 130. 135. 160 84 114 239 110. 638 611 607 546 258 258 255 249 233 363 383 79 411 616 88.463 125 207. 224 128 619 378 171. 601 605 121 73 122 133 182. 617 180. 181 81 126 25 178 33. 153 195 330. 334 84 382 355 250 140. 148 16. 161 202 194. 203 639 648 552 19 20 21 1 2 4 7 8 10 14 17 45 6 41. 42 17 29 17 19 Apostelgeschichte. 9-11 1-13 26-31 7 11 15-17 17 19 20-23 8 at an af at 8 12 24 2 5 25 26-30 24 Römer. 1 2 3 30 12 55 58 59 30. 31 33 17 24-81 28 16 16. 17 4-6 - 23-28 25 29 4.5 5-8 8 1-11 3-6 11 17 14-25 18-25 24. 25 14 18 19-23 28-39 31-34 32 39 9-16 16 1 8 20 Nr. der Lieder. 206 391 206. 276 401 217 183 137 136 140. 147. 480 144 149. 622 162 18-31 180 175 192. 356. 862 381 537 193 162 83. 156. 305. 359 188 157. 596. 605. 613 609 226 235. 274 543 284 263 338 231 311 78 313 156 220 314 78 161 143 401 153 241 155 389 299 80. 291 416 373 200 386 311 85. 331. 343. 462 105. 339 336 240 429 446 527 608 33 13 14 16 Erster Korintherbrief. 1 437 515 291000 516 Kap. Vers. Nr. der Lieder. Erster Korinther brief. 1 2 3 436 5 7 10 11 12 13 15 6 8 30 12 13 26 2356 9 11 16 7 7.8 17 19 19. 20 14 20 12 13 16. 17 17 31 23-25 23-29 28 12. 13 12 3-8 19. 20 20-23 31 33 1-10 6-8 9. 10 10 14. 15 14-17 15. 17 17 18-20 21 8-10 16 9 9. 10 5 13 Galater. 42-44 42-49 44 55. 57 Zweiter Korintherbrief. 1 94 4 5 20 17. 18 1-9 20 1-3 22 24 3-5 7.8 385 359 435 643 318 553 449 166 354 9 14 459 358 510 483 443 45. 487 261 255 259 247 246 249 205 422. 423 645 171 621 163 594 442 177 620 632 166. 615 Verzeichnis der Bibelstellen. 471 365 586 584 49 637 262 342 151 165 281 139 344 271 111 488 326 278 256. 361, 395 155 203 138. 140. 460 298 50 415 152 Kap. Vers. Epheser. 1 2 3 4 5 6 0² 2 3 2 Philipper. 1 co 3-12 17-23 21. 22 5-7 8.9 12-18 14 16. 17 19 1-6 1-16 4 2 4 5 4-16 5. 6 22-24 25 30 2 9 14 15-17 16 19. 20 20 1-3 4 5-9 10-17 10-20 4 Kolosser. 1 6 21 23 9-11 12 13 7-14 12-14 20 5. 6 7.8 12-14 19. 20 7 12-15 1-4 3. 4 12 14 17 10 13 14 5-8 Nr. der Lieder. 8 17 23 56 184 187 87 316 82 337 287 360 425. 497 216 448 496. 497 204 34 407 451 201 132 496 172. 174. 285. 296 436 440 66 2 509 505 517 245 417 Erster Thessalonicherbrief. 1 640 626 608 550 560 264 553 317 590, 606 365. 468 186 400. 412. 439 407 394, 397 392. 413 419. 421 452 330 70. 329 88 243 169 179 344 448 501 516 Zweiter Thessalonicherbrief. 3 1.2 432 Kap. Vers. Nr. der Lieder. Erster Brief an Timotheus. 1 13 15-17 1-4 4-6 2 3 6 2 3 4 Zweiter Brief an Timotheus. 1 2 3 4 5 5. 6 16 6-8 6-10 6 6-8 18 Brief an Titus. 9 7 10 12 13 3-5 1 16 2 11-14 3 4-7 Erster Brief des Petrus. 1 6-9 13 15 15-19 9 11. 12 21 21-24 21-25 4 8 11 19 22 15-17 5 10. 11 12. 13 13 16 5. 6 7 335 84. 332 6. 433 86 145 106 484 24. 453 15-17 17 28 Verzeichnis der Bibelstellen. 198 173. 597 324. 621 123 379 252 164 43. 287 511 510 596. 599 616 485 14-18 17. 18 16 19 20. 21 18 405 103 237 Zweiter Brief des Petrus. 1 14 523. 603 3 9 57 Erster Brief des Johannes. 4-6 6 12 15 642 295 406 48 122. 242 218 124 141. 154. 159 393 451 471. 475 31 478 445 371. 493 325 123 321 404 360. 396 588 242. 382 424 428 54. 348 53. 349. 350 427 340 Stap. Vers. Nr. der Lieder Ebräerbrief. 2 10 14. 15 17. 18 13 9 17-20 21-27 3467 9 10 11 12 13 2 9 14 17 Brief des Jakobus. 1 12 1 2 3 4 5 6 7 24. 25 26 27 35-37 14 20 21 6 14 1.2 1-4 2 10. 14 14 22-24 99 403 3 436 Offenbarung Johannis. 170 211 379 211. 240. 402 602 17 27 13 17 18 13-18 4-6 4 7 10 11 14 28 1 3 8 10. 11 11 12 16 20 11 5. 12 17 11. 12 13-17 14-17 13 12 401 87 31 441 641 332 190 183 192 592 447 312 645 380 410 148. 159 391 418 648 243. 338. 406 420. 604 282 1-5 2-4 8.4 7 16. 17 20 21 479 13 272 427 315 211 211 211 288 211 280 411 379 211 254. 431 61 189 636 37598. 651 631 614. 619. 649 636 650 646 644 630 647 347 617 491 517 1000 TH Verzeichnis der Liederdichter. Die Zahlen in nachstehendem Verzeichnis bedeuten die Nummern der von jedem Verfasser aufgenommenen Lieder, die Zahlen vorn unter den einzelnen Liedern bas Jahr der Entstehung oder des ersten Drucs jedes Liebs. Adam, Albrecht. 17( Straßburger Gefangbuch 1699). Agricola, Johann, geb. 1494 zu Eisleben, Hofprediger in Berlin.+1566. 320. Alberti, Heinrich, geb. 1604 zu Lobenstein in Sachsen, Organist in Königsberg. † 1651. 559. Auch die Melodie ist von ihm. Allendorf, Johann Ludwig Konrad, geb. 1693 zu Johbach in Hessen, gab als Hofprediger in Köthen die erste Sammlung der Köthnischen Lieder heraus; starb 1773 als Prediger und Schulvorstand in Halle ( Preußen). 19. 84. 631. Altenburg, Johann Michael, geb. 1584 zu Alach bei Erfurt, zulegt Pfarrer in Erfurt.+ 1640. 213. Annoni, Hieronymus, geb. 1697 in Basel, Pfarrer in Muttenz. Kanton Basel. † 1770. 193. 276. 322. Arndt, Ernst Moriz, geb. 1769 3x Schorig auf der Insel Rügen( Preußen), Professor der Geschichte in Bonn am Rhein. † 1860. 114. 324. 616. Arnold, Gottfried, geb. 1666 zu Annaberg in Sachsen, Prediger in Perleberg. Sein Tod wurde dadurch herbeigeführt, daß 1714 preußische Werber während seiner Predigt am Pfingstfest in die Kirche einbrangen, um junge Leute unter das Militär wegzunehmen, was ihn so sehr ergriff, daß er zehn Tage nachher am Nervenfieber starb. 158. 369.( 398?) 401. 418. Asschenfeldt, Christoph Karl Julius, geb. 1792 in Riel, Prediger in Flensburg ( Schleswig).+ 1856. 81. Behm, Martin, geb. 1557 in Lauban ( Lausis), zuerst Schullehrer, dann Pfarrer daselbst. † 1622. 610. Anton Ulrich, Herzog zu Braun- † schweig und Lüneburg, geb. 1633 zu Hißenader, Stifter der Ritterakademie in Wolfenbüttel. † 1714. 18. 448. Bahnmaier, D. Jonathan Friedrich, geb. 1774 in Oberstenfeld( Württemberg); als Professor der Theologie in Tübingen veranlaßte er die Einrichtung des PredigerInstituts baselbst; starb 1841 als Dekan in Kirchheim unter Teck auf einer Visitations reise in Owen. 220. 221. 513. Barth, D. Christian Gottlob, geb. 1799 in Stuttgart, Pfarrer in Möttlingen bei Calw, Herausgeber von Missions- und Jugendschriften, lebte nach Niederlegung jeines Amtes in Calw. † 1862. 222. Bengel, D. Johann Albrecht, geb. 1687 in Winnenden( Württemberg), zuerst Präzeptor am niedern Seminar in Dentendorf, starb als Prälat von Alpirsbach und Konsistorialrat zu Stuttgart 1752. 40. 144. 395. Benigna Maria, Gräfin von ReußEbersborf, geb. 1695, 3inzendorfs Schwä gerin.+ 1751. 516. Betichius, Johann, geb. 1650 zu Stedby, starb 1722 als Diakonus in Zerbst. 514. Bickel, Johann Daniel Karl, geb. 1737 zu Altweilnau( Nassau), Konsistorialrat und Superintendent in Usingen, sammelte das Nassau- Usingen'sche Gesangbuch von 1779. 1809. 282. 450. Bienemann, D. Raspar, nannte sich auch Melissander, geb. zu Nürnberg 1540; ein ausgezeichneter Kenner des Griechischen, daher er vom Kaiser Maximilian II einer Gesandtschaft nach Griechenland als Dolmetscher beigegeben wurde; er starb 1591 als Generalsuperintendent in Altenburg ( Sachsen). 26 gedichtet für Maria, Her zogin zu Sachsen- Weimar; daher die Anfangsbuchstaben: H 3 S. Birken, Sigismund von, nannte sich auch Betulius, geb. 1626 zu Wildenstein in Böhmen, das er als Kind mit seinen Eltern des Glaubens wegen verlaffen mußte. Kaiser Ferdinand III erhob ihn seiner Dich tungen wegen in den Adelstand; er starb 1681 in Nürnberg. 131. 378. Böhmische Brüder. Sie leiten ihren Ursprung von Johann Hus, der 1415 in Konstanz verbrannt wurde, und von dessent Schülern her; seit 1457 waren sie zu ei nem Verein, seit 1467 zu einer kirchlichen Gemeinschaft verbunden. Aus ihnen ging die Herrnhuter Brüdergemeine hervor. Ihre Lieder siehe Weisse. Bogasty, Karl Heinrich von, geb. 16⁹0 zu Jankowe in Schlesien, lebte in Halle feit 1746, wo er seine Güter verkaufte und den Erlös dem daselbst von Frande ge gründeten Waisenhause zukommen ließ. † 1774. 208. 318. 414. 444. Verzeichnis der Liederdichter. Bonin, Ulrich Bogislaus von, geb.1682 zu Cartin in Pommern. Nach beinahe zehnjährigen Kriegsdiensten in Preußen fing er in seinem 28. Jahr an unter Francke in Halle Theologie zu studieren; er starb 1752 als Rat eines Grafen Reuß zu Eberstorf. 587. Bruhn, M. David, geb. 1727 in Memel ( Preußen), starb 1782 als Prediger in Berlin. 451. Bruiningt, von, f. Wobeser. Buchols, Andreas Heinrich, geb. 1607 zu Schöningen im Braunschweigischen, starb 1671 ale Superintendent in Braunschweig. 489. Bürde, Samuel Gottlieb, geb. 1753 in Breslau( Schlesien), Hofrat und Kanzleidirektor zu Berlin, † 1831. 23. 299. 490.536. Burk, Philipp David, siehe Rieger, Philipp Friedrich. Busch, Peter, geb. 1682 in Lübeck, Prebiger in Hannover, gab das Hildesheimische Gesangbuch 1719 heraus.+ 1744. 312. Canib, Friedrich Rudolph Ludwig von, geb. 1654 unb gest. 1699 in Berlin, war mit verschiebenen hohen Staatsämtern in Preußen betraut. Zu 550, Vers 11: Caniß verschied sanft, am offenen Fenster in die untergehende Sonne blickend. 564. Claudins, Matthias( Asmus, ber Wandsbecker Bote), geb. 1740 zu Reinfeld bei Lübeck, Revisor der Bank in Altona, lebte in Wandsbeck und starb 1815 zu Hamburg. 570. Clausniper, Tobias, geb. 1618 zu Thum in Meißen( Sachsen), schwedischer Feldprediger, starb 1684 als Kirchenrat in Weiden( Oberpfalz). 274. Cramer, D. Johann Andreas, geb. 1723 zu Jöhstabt im sächsischen Erzgebirge, Hofprebiger in Kopenhagen( Dänemark). starb 1788 als Professor der Theologie und Protangler in Riel. 38. 59. 73. 101. 240. 340. 393. 899. 406.( 433.) 526. Craffelius, Bartholomäus, geb. 1677 z Wernsdorf in Sachsen, Schüler von France, Prediger in Düsseldorf( Preußen). +1724.( 122 aus dem Holländischen des Lobenstein.) 330. Cronegt, Johann Friedrich von, geb. 1731 in Anspach, Regierungsrat daselbst. + 1758. 580. 519 Schule als Muster galten.- 1659. 589. 601. 61. Dann, M. Christian Adam, geb. 1758 in Tübingen, in bessen Nähe, zu Öschingen und Mössingen, er später Pfarrer war, starb 1837 als Stadtpfarrer zu St. Leonhard in Stuttgart. 480. Dach, M. Simon, geb. 1605 in Memel ( Preußen), Professor der Dichtkunst und Berebsamkeit in Königsberg, gekrönter Dich ter, dessen Gedichte lange für die preußische Decius, eigentlich Nikolaus von Hof, lebte zur Zeit Luthers und war wie dieser zuerst Mönch, später Propft im Kloster Steterburg( Braunschweig). Zur Reformation übergetreten, wurde er Prediger zu Stettin und starb daselbst 1541. 36 ift ursprünglich griechisch und schon ums Jahr 250 bekannt, reicht also in die Anfänge der christlichen Kirche hinauf; ins Lateinische übersetzte es vermutlich Hilarius, Bischof von Poitiers( Frankreich), ums Jahr 360. Der aus dem Griechischen überseßte lateinische Text von 160 wurde schon vor dem Jahr 700 gesungen. Als Meister im Harfenspiel sette Decius seine Lieber selber in Musik. - Denice, Davib, geb. 1603 in Zittau ( Sachsen), Hof- und Konsistorialrat in Hannover.+ 1680. Mit Juftus Gesenius gab er 1646 das alte Hannoverische Gesangbuch heraus, das die ersten Veränderungen älterer Lieder enthält. 225. 229. 297. 317.( 456.) 505. Deßler, Wolfgang Christoph, geb. 1660 in Nürnberg, r zuerst Goldschmied, seine Kränklichkeit veranlaßte ihn aber zum Studieren; starb 1722 als Konrektor in Nürnberg. 339. Dippel, Johann Konrab, geb. 1673 zu Schloß Frankenstein an der Bergstraße, Arzt und Naturforscher, seiner Zeit durch theologische Streitschriften bekannt, in denen er fich Christianus Demokritus nannte, starb 1734 als Kanzleirat in Berleburg. ( 291.) Diterich, Johann Samuel, geb. 1721 in Berlin, Propft und Konsistorialrat daselbst; veränderte viele ältere Lieber.+ 1797. 298.( 32. 41.70. 74. 110. 350. 449.646. 647.) Drese, Adam, geb. 1620 in Thüringen, Kapellmeister zuerst bei Herzog Bernhard von Weimar, dann in Arnstadt( Schwarzburg- Sondershausen); früher ein Vergnügling, wurde er burch Speners Schriften dessen Freund.+ 1701. 355. Auch die Melodie ist von ihm. Dürr, Leonhard Friedrich, geb. 1743 zu Leutkirch( Württemberg), Pfarrer in Kempten( Bayern). † 1813. 512. CO 3000 ** 520 Verzeichnis der Liederdichter. Eber, D. Paulus, geb. 1511 in Rigingen| Privatgelehrter in Leipzig.+1674. 539 ( Bayern), Melanchthons Schüler und ist nach Johann Arndt gedichtet. Freund, Professor der Theologie und zuletzt Generalfuperintendent in Wittenberg, geft. 1569. 492( nach dem Lateinischen des Joachim Camerarius). Freudentheil, D. Wilhelm Nikolaus, geb. 1771 in Stade( Hannover), Prediger in Hamburg.+ 1853. 43. Ebeling, Christian Ludwig, Zinzenborfs Hofmeister, geb. 1678 zu Löbejün bei Halle, starb 1742 als Prediger in Schwanebed bei Halberstadt. 343. Emilie Juliane, geb. Gräfin von Barby, 1637 geb., 1665 mit Albrecht Anton, Grafen von Schwarzburg- Rudolstadt vermählt, dichtete 590 auf den plöglichen Tod des Herzogs Johann Georg von SachsenEisenach auf der Jagd 1686.+ 1706. Fabricius, Friedrich, geb. 1642 zu Stettin, Pfarrer daselbst+ 1703. 460. Feddersen, Jakob Friedrich, geb. 1736 in Schleswig, Prediger in Braunschweig, starb 1788 als Konsistorialrat und Propst in Altona. 522. Fischer, D. Ludwig Eberhard, geb. 1695 zu Aichelberg, starb 1773 als Hofprebiger, Prälat von Adelberg und Konsistorialrat in Stuttgart. 243. 281. 546. Fleming, Dr. Paul, geb. 1609 zn Har tenstein an der Mulbe im sächsischen Erzgebirge, ging in holsteinischen Diensten als Arzt mit einer Gesandtschaft nach Moskau und später nach 38pahan in Persien. Vor der ersten Reise 1633 dichtete das Lied 367; er starb in Hamburg 1640. Frand, Johann, geb. 1618 zu Guben ( Lausitz), starb als Bürgermeister daselbst 1677. 95 ist aus dem Lateinischen des Ambrofius: Veni, redemtor gentium überseßt. 118. 251. 331. 529. Frand, Michael, geb. 1609 in Schleufingen( Sachsen), wollte anfangs studieren, mußte aber nach seines Vaters Tod das Bäderhandwerk in Roburg erlernen. Nach dem er im breißigjährigen Krieg um sein ganzes Vermögen gekommen war, wurbe er Lehrer an der Stadtschule in Roburg. +1667. 588. Frand, Salomo, Konsistorialsekretär in Weimar, wo er 1659 geboren und 1725 gestorben ist.( 20?) 74. 162. 560. 608. Freylinghausen, Johann Anaftaflus, geb. 1670 zu Gandersheim im Fürstentum Wolfenbüttel, Frances Gehilfe und Schwiegersohn und dessen Nachfolger am Waisenhaus in Halle; Herausgeber eines Gesangbuchs.+ 1739. 88.( 436.) 474, 576. + 1728. 372. 584. Frengel, M. Johannes, geb. 1655 zu Annaberg in Sachsen, gefrönter Dichter, Freystein, Dr. Johann Burchard, geb. 1671 zu Weißenfels, Justizrat in Dresden. + 1718. 438. Friedrich Eberhard, Prinz von Hohenlohe- Kirchberg, geb. 1737, Verfasser eines Gebetbuchs und mehrerer geistlicher Lieber; starb mit seiner frommen Gemahlin 1804 faft in der gleichen Stunde. 9. Fritsch, D. Ahasverus, geb. 1629 zu Mücheln in Sachsen( Preußen), Konsistorialpräsident und Kanzler in Rudolstadt, + 1701. Das Original von 646 ist wahr. scheinlich von ihm. Fröbing, Johann Christoph, geb. 1746 zu Ohrdruf( Sachsen). Pfarrer zu Mark Oldendorf bei Hildesheim( Hannover), gest. 1805. 25. Georgii, David Samson, geb. 1697 zu Neuffen, starb 1756 als Spezialsuperintendent in Backnang.( 283.) France, D. August Hermann, geb. 1663 Gerhardt, Paulus, geb. 1607 zu Gräin Lübeck, Gründer des Waisenhauses und fenhaynichen in Sachsen; von 1657-1666 Pädagogiums in Halle im Jahr 1698, Pro- Prediger in Berlin, wurde aber vom großen feffor der Theologie und Prebiger in Halle. Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen entlassen, weil er sich der öffentlichen Bekämpfung der reformierten Lehre nicht be geben wollte; starb 1676 als Archibiakonus. Frommann, D. Johann Ulrich, geb. 1669 in Tübingen, Professor der Theologie daselbst; starb 1715, 284. Garve, Karl Bernhard, geb. 1763 git Jeinfen bei Hannover, Prediger der Brüdergemeinen in Berlin und an anderen Orten, starb 1841 in Herrnhut. 69. 77. 163. 278. 384. 515. 530. Gellert, M. Chriftian Fürchtegott, geb. 1715zu Haynichen im sächsischen Erzgebirge, Professor der Philosophie in Leipzig; er war ein großer Verehrer der älteren Kirchenlieber.+ 1769. 10.( 32.) 39.( 41.) 53. 58.( 70.) 104. 178. 226. 232. 250. 266. 302. 325. 338. 374. 410. 413. 427. 428.( 449.) 453. 476. 483. 486. 582. 551. 565. 585. 593. 642, Verzeichnis der Liederdichter. 521 Salinenwesen in Sachsen als Assessor angestellt, starb 1801 in Weißenfels. 87. 165. 352. 363. in Lübben( Lausis). Seine geistlichen Lie- der Grafschaft Mansfeld( Sachsen), beim ber verfaßte er meist während bes 30jähr. Kriegs( 1618-1648). 27. 47. 64. 66. 68. 93. 105. 112. 113. 129. 130. 141. 142( nach bem Lateinischen des bl. Bernhard: Salve caput cruentatum). 198. 199. 349 nach Johann Arndts Parabiesgärtlein Klasse II. Gebet 5( 53). 364. 371. 873. 447. 454. 462. 464. 469. 484. 487 nach Johann Arndis Paradiesgärtlein, Gebet 3, Nr. 25 ( 102). 494. 518. 528. 533. 538. 549. 554. 565. 571, 604. 627. Gefenins, D. Justus, geb. 1601 zu Esbeck( Hannover), starb 1673 als Hofprediger und Generalfuperintendent in Hannover. 154. 225. S. Denice. Gotter, Ludwig Andreas, geb. 1661 in Gotha, starb 1735 als Hof- und Justizrat baselbst. 5. 12. Gramann( nannte sich auch Poliander), D. Johann, geb. 1487 zu Neustadt in Bayern, führte mit Speratus bie Reformation in Königsberg ein.+ 1541. 30. Der 5. Vers wurde schon um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts beigefügt. Greding, Johann Ernst, geb. 1676 in Weimar, Nektor in Hanan, starb 1748 ale Pfarrer in Altheim bei Hanau. 152. Gregor, Chriftian, geb. 1723 zu Dirsborf in Schlesten, Muftfdirektor und felt 1789 Bischof ber Brübergemeine, fammelte mit von Wobeser deren Gesangbuch, in welchem viele Lieber und einzelne Verse von ihm stehen. † 1801. 151, 1. 191. 630, Vers 2. Grünetsen, Prälat D. Rarl von, geb. 1802 in Stuttgart, Oberhofprebiger und Konsistorialrat baselbst, starb 1878. 259. 525. Gryphius, Andreas, gekrönter Dichter und vom Kaiser wegen seiner Dichtungen geabelt, Landschaftssyndikus zu Glogau in Schlesien, wo er 1616 geboren wurde. +1664. Vielleicht 622. Harsdörffer, Georg Philipp, Ratsherr in Nürnberg, wo er 1607 geboren ist; Stifter des pegnefischen Blumenordens. 1658. 557. Harttmann, M. Karl Friedrich, geb. 1743 zu Abelberg( Württemberg), unter Herzog Karl Professor auf der Solitude, später an der Kartsakademie; als Dekan in Lauffen nahm er 1812 seine Entlassung. + 1815. 217, Ber8 8.( 475.) Haßlocher, Johann Adam, geb. 1645 in Speyer, Hofprediger und Konsistorialrat in Weilburg( Nassau).+ 1726. 403 ( nach Johann Arnbts wahrem Christentum, 2. Buch, 4. Rap.,§ 4). Hardenberg, Friedrich von, nannte fich Novalis, geb. 1772 zu Wieberstedt in Haug, Balthasar, geb. 1731 zu Stammheim, Professor an der Karlsschule zu Stuttgart.+ 1792. 120( vielfach umge schmolzen). Hayn, Henriette Luise von, geb. 1724 in Idstein( Naffau), lebte feit ihrem 26. Jahre in Herrnhut, in der spätern Zeit ale Pflegerin der Mädchen und lebigen Schwestern.+ 1782. 506. Heeren, Heinrich Erhard, 1728-1811, geb. zu Wremen im Herzogtum Bremen, Domprebiger in Bremen. 275. Heermann, Johann, geb. 1585 in Raubten, Prediger in Köben, beides in Schlesien, lebte nach Niederlegung seines Amtes in Lissa( Posen).+ 1647. Seine lieber dichtete er während bes 30jährigen bach bei Gotha, starb 1704 als Gymnaftal- Kriegs. 13. 138( nach Augustine Meditat, lehrer in Gotha. 252. Kap. 7). 155. 173. 247. 356. Günther, Cyriatus, geb. 1650 zu GolbSeder, M. Heinrich Kornelius, geb. 1699 zu Hamburg, Pfarrer zu Meuselwig bei Altenburg. † 1743. 89. 110. 230. Hedinger, D. Johann Reinhard, geb. 1664 in Stuttgart, starb als Konsistorialrat und Hofprediger unter Herzog Eberhard Ludwig 1704. Das ,, Tausendlieberbuch" ist von ihm gesammelt. 439.( 392 vielleicht von Ph. H. von Göllnig). 94. 197. Hahn, Johann Michael, geb. 1758 in Held, Heinrich, geb. in Guhrau( SchleAltdorf bei Böblingen( Württemberg), hielt sten) und Sachwalter bafelbst. tum 1659. sich in Sindlingen auf; ein Landmann, der burch seine theosophischen, auf Heiltgung bringenden Vorträge und Schriften großen Anhang gewann. † 1819.( 273. 391.) 437. Helmbold, M. Lubwig, geb. 1532 zu Mühlhausen in Thüringen, früher Profeffor, juleßt Superintendent baselbst; gest. 1598. Kaiser Maximilian II erteilte ihm 1566 auf einen Reichstag zu Augsburg den Dichterforbeerfranz. 366. 503. Verzeichnis der giederdichter. 522 Hensel, Luise, geb. zu Linau bei Fehrbellin 1798, lebte in Köln. † 1876. 127. Herberger, Valerius, geb. 1562 in Fraustadt( Posen) und Prebiger daselbst. + 1627. 599 bichtete er während einer Peft. Pering, A. G. L., Hofgerichtsrat zu Köslin( Hinterpommern).+ 1770. 319. Herman, Nikclaus, lebte zur Zeit Luthers; er war Lehrer und Vorsänger in Joachimsthal( Böhmen) und mit Mathefius, seinem Freunde, bem Prediger daselbst, eifriger Förderer bes Kirchengefangs. Auch einige Choräle sind von ihm.+1561. 209, 1. 2. 605( nach Augustinus: Turbabor sed non perturbabor, quia vulnerum Christi recordabor). Herrnschmibt. D. Johann Daniel, geb. 1675 in Bopfingen( Württemberg), Professor der Theologie in Halle und neben France Mitdirektor an dessen Waisenhaus und Gelehrtenschule.+ 1723. 29. 375. Herwig, Marie Sophie, geb. 1810, Tochter tes verstorb. Dekans in Eslingen ( Württemberg). † 1836. 223. Heußer- Schweizer, Meta, gebor. 1797 zu Hirzel bei gürich, Frau eines Arztes baselbst.+1876. 189. Hey, Wilhelm, geb. 1789 zu Leina in Thüringen, Superintendent in Ichtershausen bei Gotha. † 1854. 431. permes, D. Johann August, geb. 1736 in Magbeburg, Superintendent in Queb- lingen. † 1811. 465. linburg( Sachsen).+ 1822. 148. Hermes, D. Johann Timotheus, geb. 1737 in Pommern, Superintendent in Breslau( Schleften).+ 1821. 650. Herrmann, D. Johann Gottfrieb, geb. 1707 zu Altjeßnig in Sachsen, Hofprebiger in Dresden. † 1791. 56. Hiller, Friedrich Konrab, geb. 1662, Kanzleiadvokat in Stuttgart.+1726. 204. 629. 644. rat und Bürgermeister in Königsberg. + 1796. 592. piller, M. Philipp Friebrich, geb. 1699 in Mühlhausen an der Enz, Pfarrer in Nedargröningen, bann in seinem Geburtsort und zuletzt in Steinheim bei Heidenheim ( Württemberg). 8. 14.( 15.) 24. 35, 1. 2. 51. 54. 55. 79. 91. 99. 124. 137. 145. 146. 158. 183. 187. 216. 228. 231. 264. 295. 321. 323. 335. 337. 359. 376. 389. 404. 408. 415. 432. 435, 442. 452. 455. 457. 458. 491. 521. 527. 569. 579. 603( Hiller starb 1769 schnell an einem Schlagfluß). 609. 612. 626. 637. 638. 640. Hippel, Theobor Gottlieb von, geb. 1741 zu Gerdauen in Ostpreußen, KriegsHöfel, Dr. Johann, geb. 1600 zu Uffenheim, Nechtskonsulent in Schweinfurt( beides in Bayern).+1683. 473. Hoffmann, M. Gottfried, geb. 1658 zu Löwenberg in Schlesien, mußte des Glaubens wegen mit seinen Eltern in seinem 8. Jahre nach Sachsen fliehen, starb 1712 als Rektor in Zittau. 625. Homburg, Ernst Christoph, geb. 1605 zu Mühla bei Eisenach, Rechtskonsulent in Naumburg( Preußen). † 1681. 179. Posch, M. Wilhelm Ludwig, geb. 1750 in Hornberg( damals zu Württemberg, jest zu Baden gehörig), Pfarrer in Gächingen bei Urach, zulegt in Aidtlingen bei BöbHuber, M. Johann Lubwig, geb. 1723 in Großheppach( Württemberg), Oberamtmann in Tübingen, von Herzog Karl 1764 willkürlich entsegt und auf Hohenasperg gefangen gehalten, starb 1800 in Stuttgart. 541. Huber, Karl Amadeus. 333. Jacopone, geb. um 1240 zu Todi im vormaligen päpstlichen Gebiet aus einer der angesehensten Familien Umbriens, de Benedetti, war Rechtsgelehrter und wurde nach dem unglücklichen Ende seiner from men Gattin Franziskanermönch. † 1306. 147 ist freie Bearbeitung des Stabat mater dolorosa( aus Wielands deutschem Merkur 1781). Ingolstätter, Andreas( 1633-1711), ein gelehrter Kaufmann und Ratsherr in Nürnberg. 370. 445. 3ob, Johannes, geb. 1664 zu Frankfurt a. M., Ratsherr und Baumeister zu Leipzig.+ 1736. 29, 5. Jonas, D. Juftus, geb. 1493 in Nordhausen( Sachsen), Freund und Gehilfe Luthers, Professor des Kirchenrechts in Wittenberg, starb als Superintendent und Inspektor der fränkischen Kirche Koburgs in Eisfeld( Meiningen) 1555, 206, 5. Junkheim, D. Johann Bacharias, geb. zu Anspach 1729, Ronsistorialrat und Generalsuperintendent daselbst, mit Uz Herausgeber bes Anspachischen Gesangbuchs 1781. † 1790. 567, 7. 8. Reimann, M. Chriftian, geb. 1607 ju Pancraz in Böhmen, gekrönter Dichter, Neftor in Zittau( Sachsen).+ 1662. 351 ist nach folgender Veranlassung gedichtet: D. Weller, Beichtvater Kurfürst Johann Verzeichnis der giederdichter. 523 Georgs I von Sachsen, fragte diesen auf in Zürich, Prediger bort, starb 1801 inbem Sterbebette, ob kurfürstliche Durch- folge eines Schusses in den Rücken, den laucht Jesum im Herzen hätten. Er ant- er bei der Wiedereroberung von Zürich wortete: Meinen Jesum laß ich nicht! durch die Franzosen erhielt. 159. 171. 253. 258. 272. 390. 429. 477. 481. 517. 524. 534. 581. 607. fern, M. Christian Gottlob, geb. 1792 in Söhnstetten( schwäbische Alb), Profeffor am niedern Seminar in Schönthal, starb 1835 als Pfarrer in Dürrmenz- Mühlacker. Lehmus, Johann Adam, geb. 1707 in Rothenburg an der Tauber( Bayern), Superintendent bafelbst.+1788. 42. 71. 121. 168. 495. 499. 573. 262. Klopstod, Friedrich Gottlieb, geb. 1724 in Quedlinburg( Sachsen), starb 1803 in Hamburg. 167. 246. 419. 562. 582. 632. 643. 649. Knapp, M. Albert, geb. 1798 in Tibingen, starb 1864 als Stadtpfarrer zu St. Leonhard in Stuttgart. 35, Vers 3. 52, 7. 8. 62, 9. 188. 192. 203. 242. 244. 279. 361. 509.( 257. 273. 391. 424. 475. 480. 507. 621, 5. 636. Krause, M. Jonathan, geb. 1701 zu Hirschberg, Superintendent in Liegniß( beibes in Schlesien).+ 1762. 269. Lehr, Leopold Franz Friedrich, geb. 1709 zu Kronenberg bei Frankfurt a. M., Diakonus in Köthen, starb zu Magdeburg 1744. 309. Knorr von Rosenroth, M. Chrif- dichtete er am Karfreitag 1684. tian, geb. 1636 zu Altrantten in Schlesien, Geheimrat und Kanzleidirektor bei dem Pfalzgrafen zu Sulzbach.+1689. 555. Rölle, Friedrich von, geb. 1781 in Stuttgart, Geh. Legationsrat zu Rom, ftarb 1848 in seiner Vaterstadt. 280. Roppe, D. Johann Benjamin, geb. 1750 in Danzig, Professor der Theologie in Göttingen, starb 1791 als Hofprediger und Konfistorialrat in Hannover. 510. Krüger, Johann Christian, geb. 1722 in Berlin, starb 1750 zu Hamburg. 341. Krummacher, D. Friedrich Abolf, geb. 1768 zu Tecklenburg in Westfalen, starb 1845 als Prediger in Bremen. 72. 224. 508. 628. Kunth, M. Johann Sigismund, geb. 1700 in Liegniß( Schlesien), Superintendent in Baruth( Sachsen).+ 1779. 641. Ladmann, Peter, Frances Schüler und Freund, starb 1713 als Oberpfarrer und Schulinspektor in Oldenburg( Holftein). 82. 558. Leibniß, Gottfried Wilhelm von, geb. 1646 in Leipzig, wegen seiner Verdienste um die Wissenschaften von dem deutschen Raiser Karl VI in den Abelstand erhoben, Geh. Juftigrat in Hannover. † 1716. 143 Liebich, Ehrenfrieb, geb.1713 zu Propsthagen in Schlesten, war bis ins 16. Jahr Müller, starb 1780 als Pfarrer zu Lomnis und Erbmannsdorf. 45. 308.( 420. 543.) 611. Loder, Friedrich Wilhelm, geb. 1757 in Regensburg, starb 1823 als hohenloheneuensteinscher Hof- und Konsistorialrat in Ohrdruf. 227. 645. Löscher, D. Valentin Ernst, geb. 1673 in Sondershausen, Konsistorialrat und Superintendent in Dresden. † 1749. 254. Löwe, Johann Friedrich, geb. 1729 zu Clausthal im Harz, Registrator in Rostock. + 1771. 396( Überarbeitung eines älteren Liebes). 595. Ludämilie Elisabeth, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt, geb. 1640, starb 1672 als Braut eines Grafen von Schwarzburg- Sondershausen an einem Tage mit ihrer Schwester. 301. Ludwig, Herzog von Württemberg, Sohn des Herzogs Christoph, geb. 1554, regierte zuerst unter Vormundschaft, von 1572 an aber selbständig, starb 1593 am SchlagSein Vetter fluß, ohne Nachkommen. Friedrich( im Lied 596, Vers 3 genannt), aus der Mömpelgarber( ber jetzt regierenLange, Ernst, geb. 1650 in Danzig, Ratsherr baselbst.+ 1727. 422. 459. Lange, D. Joachim, geb. 1670 zu Garbe legen in der Altmart, Hofmeister bei Caden) Linie folgte ihm. niß, mit France Professor der Theologie in Halle.+ 1744. 553. Laurenti, Laurentius, geb. 1660 zu Husum in Schleswig, Kantor und Musikdirektor in Bremen. † 1722. 98. 109. 115. 119. 149. 174. 234. Lavater, Johann Kaspar, geb. 1741 Luise Henriette, 1627-1667, geb. Prinzessin von Oranien, Gemahlin des großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm von Preußen. Ihr werben zugeschrieben: 177. 292. Luther, D. Martin, geb. 1483 und geft. 1546 in Eisleben, Professor der Theologie iebida besed 524 und Prediger in Wittenberg. 86. 206, 1-3. 212. 215. 237. 290. 600. Von ihm ist über fett: Nr. 1, der gewöhnlich den Kirchenvätern Ambrostus und Augustinus zugeschriebene, vielleicht von jenem aus dem Griechischen überseßte Lobgefang: Te Deum laudamus; 34, das Nicänische Glaubensbekenntnis. Vor ihm war schon bekannt und ist durch ihn verbessert: 33, lange vor der Reformation als Litanei am St. Mariustag und in der Kreuzwoche gebraucht; 166. 195( V. 1, schon ums Jahr 1230 bekannt, nahm Luther unverändert auf). 111 nach Notters bes Alteren( geb. bei St. Gallen ums Jahr 850, als Benediktiner bort gest. 912) Sequenz: Grates nunc omnes umgearbeitet; nur V. 1 ist schon 1370 bekannt. 194 ist alte Bearbeitung der etwa ums Jahr 1050 gebichteten Sequenz: Venis. spiritus et emitte coelitus. 597, V. 1 nach alter Überseßung der ebenfalls von Notter dem Ülteren gedichteten Antiphone: Media vita in morte sumus. Früher wurde es als Schlachtgefang, in späterer Zeit bei Beerdigungen gesungen. Verzeichnis der Liederdichter. Marperger, D. Bernhard Walther, geb. 1682 in Hamburg, Hofprediger und Konsistorialrat in Dresden. † 1746. 287.365. Mautisch, D. Johann, geb. 1617 in Bärtelsdorf in Sachsen, Professor der Theologie und Prediger in Danzig.+ 1669. 425. Menten, D. Gottfried, geb. 1768 zu Bremen, Prediger daselbst.+ 1831. 471. Menger, Johann, geb. 1658 zu Jahma in der sächsischen Lausis und Pfarrer in Stemniß.+ 1734. 4. 134. Meyer, Johann Friedrich von, D. ber Rechte und der Theologie, geb. 1772 in Frankfurt a. M., bekleidete verschiedene Staatsämter seiner Vaterstabt. † 1849. 357. 472. 620. Möller, D. Johann Friedrich, geb. 1789 zu Erfurt( Preußen), Konsistorialrat und Generalfuperintendent zu Magdeburg, geft. 1861. 175. 214. Möwes, Heinrich, geb. 1793 in Magbeburg, machte bie Befreiungskriege gegen Napoleon I. mit, starb 1834 als Pfarrer in Altenhausen bei Magdeburg. 468. Moller, D. Martin( Möller), geb. 1547 in der Nähe von Wittenberg( Sachsen), Oberpfarrer in Görlig. Ein Jahr vor seinem Tode erblindete er, predigte aber doch und verwaltete sein Amt fort.+ 1606. 493 ( nach dem Lateinischen des Georg Thymus). Moser, Dr. Johann Jafob, geb. 1701 in Stuttgart, Landschaftskonsulent, war als solcher längere Zeit von Herzog Karl willtürlich auf Hohentwiel gefangen gehalten. + 1785. 207. Müller, Michael, geb. 1673 in Blanfenburg am Harz, starb 1704 als Hofmeister bei einem Herrn von Gaisberg auf Schaubed( Württemberg). 117. Münter, D. Balthasar, geb. 1735 in Lübec, deutscher Prediger in Kopenhagen ( Dänemart). † 1793. 210. 245. 267. 327. 329. 380. 426. 485. Muthmann, Johannes, geb. 1685 ju Rinnersdorf, Pfarrer zu Teschen in österr. Schlesten, zulest zu Pößneck in Sachsen. † 1747. 46. Nachtenhöfer, M. Kaspar Friedrich, geb. 1624 in Halle, Prediger in Roburg. + 1685. 103. Neander, Christoph Friedrich, geb. 1724 zu Edau in Sturland( Rusland), Propst zu Gränzhof.+1802.( 15.) 238.( 441.) Neander, Joachim, geb. 1650 in Bre men, starb 1690 als Prebiger bort. Er sette mehrere seiner lieber in Mufit. 3. 11. 60. 548. 568. 591. Nerreter, David, geb. 1649 zu Nürnberg, bekleidete unter viel Kreuz und Anfechtung mehrere geistliche Ämter in Bayern, war zuleßt Generalsuperintendent von Hinterpommern und Konsistorialrat in Stargard. † 1726. 478. Neumann, Gottfried, Mitglied der Brüdergemeine. 619 ift 1736 auf Chrif tian Ludwig von Zinzendorfs Tod gedichtet. † 1782. Neumann, M. Raspar, geb. 1648 in Breslau( Schlesien), Professor der Theologie und Prebiger bort.+ 1715. ( 257.) 544. 578. 182. Neumart, Georg, geb. 1621 zu Langenfalza in Thüringen, Bibliothekar in Weimar. 1681. 368( auch die Melodie ist von ihm). 552. Neumeister, M. Erbmann, geb. 1671 zu üichtrig bei Weißenfets( Sachsen), Hauptpastor und Schulvorstand in Hamburg, gest. 1756. 248. 249. 310. 556. 583 Neunherz, Johann, geb. 1653 1 Waltersborf in Schlesien, Oberpfarrer zu Hirschberg. † 1737. 176. Nicolai, D. Philipp, geb. 1556 Mengeringhausen in der Grafschaft Walbed, Hauptpastor in Hamburg.+1808. 347.634. Niemeyer, D. August Hermann, geb. Verzeichnis der Liederdichter. 1754 in Halle, Professor der Theologie und Kanzler dort. † 1828. 135, 2-7. 434. 621. Paske, Johann Samuel, geb. 1727 311 Frankfurt an der Oder( Preußen), Prediger und Senior in Magdeburg. † 1787. Pfeffel, Gottlieb Konrad, geb. 1736 in Rolmar( Elsaß), Konsistorialpräsident dort Von seinem 21. Jahr an war er blind, starb 1809. 511. Pfeil, Christoph Karl Ludwig von, geb. 1712 zu Grünstatt, preußischer Gesandter beim schwäbischen und fränkischen Kreise, starb 1784 zu Deufstetten. 498. Prätorius, Benjamin, geb. zu Weißenfels, starb nach 1668 als Pfarrer zu Liffa. 402. Pressovine, Christian, Prediger zu Germent orf in der Mark Brandenburg. + 1729. 314. Rambach, D. Johann Jakob, geb. 1693 in Halle, erlernte zuerst bei seinem Vater bas Tischlergewerbe, studierte nachher unter Frande Theologie, starb 1735 als Professor derselben und Superintendent in Gießen. 44. 49. 52. 85. 125. 126. 186. 190. 200. 241. 255. 306. 520. 525 Rieger, Philipp Friedrich, geb. 1722 in Stuttgart, Günstling des Herzogé Karl von Württemberg, aber unerwartet von biesem nach Hohentwiel ins Gefängnis geschickt, später jedoch wieder begnadigt, starb 1782 als Generalmajor und Festungskommandant auf Hohenasperg. Die meisten Verse des Liedes Nr. 123( V. 1-4. 6. 7) sind von ihm, einige( V. 5. 8. 9) bon M. Philipp David Burk, geboren in Neuffen, gestorben als Dekan in Kirchheim u. Teck, Freund und Schwiegersohn von Johann Albrecht Bengel. Ringwaldt, Bartholomäus, geb. 1530 zu Frankfurt an der Ober( Preußen), Prediger in Langfeld( Brandenburg), wo er 1598 starb. 294. Rinfart, M. Martin, geb. 1586 ju Eilenburg( Sachsen) und Archidiakenne dafelbst.+1849. 2( vielleicht schon 1644 in Ahnung des nahenden Friedens gedichtet). Richter, Dr. Christian Friedrich, geb. 1676 zu Sorau in der Niederlausis( PreuBen), zu Frandes Beit Arzt am Waisenhaus zu Halle; starb 1711 bafelbst. Seine und seines Brudere Arzneien, die sehr gesucht waren und zum Besten bes Waisenhaufes verkauft wurden, verschafften diesem bedeutende Einnahmen. 107. 296. 334. 344. 354. 386. 387 388. 488. Rist, Johann, geb. 1607 zu Ottensen bei Altona, Prediger zu Wedel a. d. Elbe in Holstein, gekrönter Dichter, starb 1667. 90.( 116.) 260. 572. Ramler, Karl Wilhelm, geb. 1725 in Kolberg( Pommern), Professor der Ästhetit in Berlin.+ 1798. 135, 1. Reiber, Reichart Gottlob, geb. 1744 zu Bernstadt im Fürstentum Öts in SchleRosenmüller, Johannes, aus Kursien, ein durch mancherlei Leiden schwersachsen, Musikdirektor zu Leipzig 1648 und geprüfter Christ. 1778 Pfarrer zu Mühlwig im Fürstentum Öls, 1788 zu Dirsvorf im Nimptscher Kreise. 615. zu Wolfenbüttel; starb 1686. 598. Reußner, Abam, geb. 1496 zu Mün delheim( Bayern). Nachdem er mehrere wichtige Kriegs- und Staatsämter bekleidet hatte, lebte er als Gelehrter zu Straßburg und in seiner Vaterstabt, wo er 1575 starb. 268. Rieger, Magdalena Sibylla, geb. 1707 zu Maulbronn, Tochter des Prälaten Weisfenfee, Gattin des Regierungsrate Rieger in Stuttgart.+ 1786. 300. Robigast, M. Samuel, geb. 1649 z Gröben bei Jena, Rektor in Berlin.+ 1708. 461. Nöbing, Johann Heinrich, geb. 1732 in Hamburg, Oberlehrer bort, bildete sich durch eigenen Fleiß ohne fremden Unterricht heran.+1800. 150. Nothe, Johann Andreas, geb. 1688 zu Liffa in Schlesien, Pfarrer in Berthelsdorf, längere Zeit in genauer Verbindung mit Zinzendorf, ftarb 1758 als Pfarrer zu Thommendorf. 332. 397. 624. Nothen, Johannes, geb. 1797 zu Neuened im Kanton Bern, Lehrer in Basel, starb 1876.( 423.) Rüdert, Friedrich, geb.1789 in Schweinfurt, Profeffor der orientalischen Sprachen in Berlin, Dichter, starb 1866 in Neuseß bet Roburg. 100. Sacer, Dr Gottfried Wilhelm, geb. 1635 in Naumburg( Sachsen), KammerFonsulent in Wolfenbüttel, gekrönter Dichter.+ 1699. 181. Sachse, L. Christian Friedrich Heinrich, geb. 1785, Hofprebiger und Konsistorialrat in Altenburg. † 1860. 617. Schabe, M. Johann Kafpar, geb. 1666 zu Kühntorf bei Meiningen, Frances und begeg 공식 Verzeichnis der giederdichter. 526 Speners Freund, Diakonus in Berlin, starb 1698. 307. 328. 463. Schalling, M. Martin, geb. 1532 in Straßburg, zuletzt Prediger in Nürnberg. + 1608. 346. Scheffler, Dr. Johann( nannte sich Angelus Silestus), geb. 1624 zu Breslau. Leibarzt des Herzogs Sylvius Nimrot von Württemberg- Ö18; starb 1677 im Kloster zu Breslau. 63. 157. 233. 348. 353. 358. 360. 377. 379. Scheidt, Dr. Chriftian Ludwig, geb. 1709 in Waldenburg( Württemberg), Hofrat und Bibliothekar in Hannover.+ 1761. 316. Schent, M. Hartmann, geb. 1634 zu Ruhla bel Elfenach, starb 1681 als Diatonus zu Oftheim in Thüringen. 277. 331, 7. Schent, Heinrich Theobald, Stabt pfarrer zu Gießen.+ 1727. 651. Schint, Johann Friedrich, geb. 1755 in Magdeburg, Bibliothekar in Sagan( Schlesten). † 1885. 547. Schirmer, M. Michael, geb. 1606 in Leipzig( Sachsen), Konrektor in Berlin, starb 1678. 96. 196. Schlegel, D. Johann Abolf, geb. 1721 in Meißen( Sachsen), zuletzt Generalfuperintendent und Hofprebiger in Hannober. 1769.( 119. 440.) Schlicht, Lewin Johann, geb. 1681 zu Calbe in der Altmark, Prediger in Berlin. + 1723. 575. Schlosser, M. Ludwig Heinrich, geb. 1663 in Darmstabt, Prediger und Schulvorstand in Frankfurt a. M.+ 1723. 504. Schmidt, Johann Eusebius, geb. 1669 zu Hohenfelden in Thüringen, Schüler und Freund Frances, Pfarrer in Siebleben bei Gotha.+ 1745. 211. Schmold, Benjamin, geb. 1672 zu Brauchitschdorf, Prebiger in Schweidniß ( beides in Schlesien). Sieben Jahre vor feinem Ende wurde seine rechte Seite burch Schlaganfälle gelähmt, und später erblinDele er.+ 1737. 6( Bearbeitung der ,, fitanel"). 65. 76.( 116.) 136. 164. 239, 270. ( 350.) 400. 411. 467. 479. 501. 531. 535. ( 515.) 563. 574. 577 594. 633. 647. Schnesing, Johann, nannte sich auch Chiomusus, geb. in Frankfurt am Main, zur Beit der Reformation Pfarrer in Friemar bei Gotha.+ 1567. Vielleicht 305. Schöner, Johann Gottfried, geb. 1749 zu Rügheim bei Schweinfurt( Bayern), Pretiger in Nürnberg.+ 1818. 31. 421. Scriver, G. F., wahrscheinlich Prediger bei Mitan( Rusland), dichtete 1771. 567. Schröder, Johann Heinrich, geb. 1667 zu Hallerspringe im Hannoverischen, Pfarrer zu Mefeberg bei Magdeburg. † 1699. 385. 417. Schubart, Christian Friedrich Daniel, geb. 1739, Organist und Musikdirektor in Ludwigsburg, von 1777-1787 von Herzog Karl auf Hohenasperg gefangen gehalten, während Nieger Kommandant bort war; zulegt in Stuttgart angestellt, starb 1791. 21. 161. 648. Schüß, Johann Jakob, geb. 1640, Rechtskonsulent in Frankfurt, ein Freund von Spener; starb 1690. 28. Schwab, D. Gustav, geb. 1792 und gest. 1850 in Stuttgart, Stadtpfarrer, Oberkonsistorial- und Studienrat daselbst. 537. Schwämlein, Georg Christoph, geb. 1632 in Nürnberg, Rektor baselbst; starb 1705. 362. Schwerin, Otto von, geb. 1616 zu Stettin, unter dem großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm von Preußen erster Mi nifter, über 25 Jahre in den wichtigsten Geschäften und Angelegenheiten bei Kriegsund Friedenszeiten gebraucht, zugleich Oberhofmeister der Kurfürstin Luise Henriette. + 1679. 523. Selneder, D. Nikolaus, geb. 1532 Hersbruck bei Nürnberg, Melanchthons Schüler und Freund, Professor der TheoLogie und Superintendent zu St. Thomas in Leipzig.+ 1592. 209, 2-9. Senig, Elisabeth von, geb. 1629 it Rantau in Schlesien, Hoffräulein zu Brieg und Öls.+ 1679. 132. Spalbing, D. Johann Joachim, geb. 1714 zu Tribsees in Pemmern, Konfistorialrat und Propst in Berlin.+ 1804. 602. Spangenberg, August Gottlieb, geb. 1704 zu Klettenberg in Hannover, Zinzen borfs Gehilfe bei der Gründung von Brübergemeinen in England und Nordamerika, ftarb 1792 als Bischof in Herrnhut. 205. Spener, D. Philipp Jakob, geb. 1635 in Rappoltsweiler im Elsaß, Propft und Konsistorialrat in Berlin. † 1705. 169. Spengler, Lazarus, geb. 1479, Ratsschreiber seiner Baterstadt Nürnberg, Freund Luthers und eifriger Beförderer der Ne formation in Nürnberg. † 1534. 78. Speratue, D. Paulus, aus dem schwäs Verzeichnis der Liederdichter. 527 bischen Geschlechte derer von Spretten, geb. und Dompropft in Schwerin, starb 1797. 202. 1484 zu Röthlen unweit Ellwangen, durch Luthers Empfehlung Hofprebiger des Herzogs Albrecht von Preußen, wo er mit Gramann die Reformation einführte. † 1554. 318. 11z, Johann Peter, geb. 1720 in Anspach, preußischer Geheimer Justizrat, Mitarbeiter am Anspachischen Gesangbuch. + 1796.( 102.) 540. Sperl, Joseph, geb. 1761 in Lauchheim, Pfarrer und Schulinspektor in Schneidheim im Ries, gestorben 1834 als Pfarrer in Dürmentingen bei Riedlingen. 75. Waldau, Georg Ernst, geb. 1745 zit Nürnberg, Professor und Prediger daselbst. † 1817. 497. Spitta, D. Karl Johann Philipp, geb. 1801 in Hannover, Superintendent in Burgdorf( Hannover).+ 1859. 172. 286. 382. 383. 500. 502. Spreng, M. Johann Jakob, geb. 1699 zu Basel, Professor der klassischen Litteratur bafelbst. † 1768. 405. 519. Stäublin, Gotthold Friedrich, 1758 bis 1795, Abbokat in Stuttgart. 623. Stegmann, D. Josua, geb. 1588 zu Sulzfeld bei Meiningen, Professor der Theologie und Superintendent in Rinteln( Heffen). 1632. 7. Stier, D. Ewalb Rubolf, geb. 1800 in Fraustadt( Posen), Superintendent in Eisleben. † 1862. 219. Stort, D. Johann Chriftian, geb. 1712 in Heilbronn, Stiftsprebiger und Konstftorialrat in Stuttgart.+ 1779. 342. Sturm, M. Christoph Christian, geb. 1740 in Augsburg, starb 1786 als Hauptprebiger und Schulvorstand in Hamburg. 108. 285. Tabbel, Christian Ludwig, geb. 1706 in Rostock( Pommern), Hofrat und Kanzleidirektor baselbst.+ 1775. 170. Tersteegen, Gerharb, geb. 1897 zu Mörs in Westfalen, besuchte bis in fein 15. Jahr das Gymnasium daselbst, trat dann zu einem Kaufmann in die Lehre, zog sich aber nachher nach Mühlheim an der Ruhr zurück, wo er als Bandmacher lebte.+1769. 106, 140. 184. 201. 218. 263. 345. 416. 561. 566. 586. Thilo, Valentin, geb. 1607 in Königsberg, Professor der Beredsamkeit daselbst. +1662. 97. Thomas von Celano, geb. in den Abruzzen, Mönch im Franziskanerkloster zu Assist, höchst wahrscheinlich Dichter der berühmten Sequenz: Dies irae etc.; ftarb um 1250. 636. Tiege, M. Christoph, geb. 1841 zu Wilkan in Schlesien, Pfarrer zu Hersbrud bei Nürnberg.+ 1703. 466. Tobe, Heinrich Julius, geb. 1738 zu Bollenspeicher bei Hamburg; Fosprediger Weber, Johann. 542. Wegelin, D. Josua, geb. 1604, Pfarrer in Augsburg, seiner Vaterstadt, später zu Preßburg in Ungarn. 1640. 185. Wegleiter, D. Christoph, geb. 1659 in Nürnberg, gekrönter Dichter, Professor der Theologie in Altdorf( Bayern). † 1706. 271. 336. Weiffe, Michael, geb. zu Neisse, Pfarrer in Landskron und Fullneck, starb um 1540. Er überfeßte die Lieber der böhmischen Brüder ins Deutsche 1530 und fügte ältere Lieder, sowie eigene hinzu. 61.303.507. Weiffel, Georg, geb. 1590 zu Domnau in Preußen, Prediger in Königsberg. + 1635. 83. 92. Weiffenfee, M. Philipp Heinrich, geb. 1678 zu Vichberg bei Schwäbisch Hall, Prälat von Denkendorf, während Bengel am bortigen niedern Seminar Klosterpräzeptor war.+ 1767. 265. Wengel, Dr. Johann Christoph, geb. 1659 zu Unterellen bei Eisenach, Gymnasialbireftor zu Zittau. † 1723. 288. Weydenheim, Johann. 311. Wieland, M. Johann Martin, geb. 1685 zu Biberach, Pfarrer in Kleinbottwar ( Württemberg).+ 1725. 407. Wilhelm II, Herzog zu SachsenWeimar, geb. 1598 zu Altenburg, starb 1662 in Weimar. Vielleicht 16. Winkler, Johann Joseph, geb. 1670 zu Ludau in Sachsen- Altenburg, Konststorialrat und Domprebiger in Magdeburg. + 1722. 412. 470. Wobeser, Ernst Wratislaus Wilhelm bon, geb. 1727 zu Luckenwalde in der Mark Brandenburg, Major, starb 1795 als Mitglieb der Brüdergemeine in Herrnhut ( f. Gregor). 139 ist von ihm und seinem Freunde Heinrich von Bruiningt. Wolf, Dr. Jakob Gabriel, geb. 1684 in Greifswalbe( Pommern), Professor der Rechtswissenschaft in Halle.+ 1754. 394. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. 1725 zu Friedrichsfelde bei Berlin, Prebiger in Bunzlau( Schlesien), Gründer des dorti414141 ebida beveo TH 528 Verzeichnis der gen Waisenhauses. † 1761. 62. 156. 256. ( 304?) Beller, Christian Heinrich, geb. 1779 auf Hohen Entringen bei Tübingen, Inspektor ber Armen- Erziehungsanstalt in Beuggen( Baden). † 1860. 235. 3immermann, Johann Christian, geb. 1702 zu Langenwiefen im Schwarzburgischen, Propst in Ülzen( Hannover).+ 1783. 48. 57, Binzendorf und Pottendorf, Nikolans Ludwig, Graf von, geb. 1700 in Dresden, gründete im Jahr 1722 bie Brübergemeine in Herrnhut und war von 1739 an deren Bischof + 1760. 133. 217. 236. 381, 496. 618.630. 635. giederdichter. 3inzendorf, Christian Renatne, Graf bon, 1727-1752, zweiter Sohn und Gehilfe bes borigen. 151, 5. 613. Bollikofer, Georg Joachim, geb. 1730 in St. Gallen( Schweiz), Prediger in Leipgig.+1788, 261. 3wick, D. Johann, geb. um 1496 in Konstanz, war bereits Dokter der Rechte geworden, studierte aber, durch die Neformation angezogen, Theologie, wurde Prediger in Niedlingen an der Donau und, nachdem er 1525 bort vertrieben worden war, in seiner Vaterstadt; starb 1542 ju Bischofszell. 180. Die Leidensgeschichte Jesu Christi, ans den vier Evangelisten zusammengefaßt. 1. Eingang. Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferwecket hatte von den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl im Hause Simons des Aussäßigen; und Martha dienete, Lazarus aber war derer einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da trat zu ihm Maria, die hatte ein Glas mit einem Pfund Salbe von ungefälschter köstlicher Narde. Und sie zerbrach das Glas, goß es auf sein Haupt und falbete seine Füße und trocknete mit ihrem Haare seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simons Sohn, Iscarioth, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward. Es waren auch etliche der anderen Jünger, die wurden unwillig und sprachen: Was soll doch diese Bergeudung? Dieses Wasser hätte mögen teuer verkauft und den Armen gegeben werden. Und sie murreten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Laßt fie mit Frieden! Was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gutes Werk an mir gethan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes thun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat gethan, was sie konnte. Daß sie dieses Wasser hat auf meinen Leib gegossen, ist sie zuvorkommen, meinen Leib zu falben zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch, wo dies Evangelium geprediget wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt gethan hat. 1) Des andern Tages, viel Volts, das auf das Fest kommen war, da es hörete, daß Jesus kommt gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schricen: Hofianna, gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber überkam ein Efelein und ritt darauf, wie denn geschrieben stehet: Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt reitend auf einem Efelsfüllen. Das Volt aber, das mit ihm war, da er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die That. Darum ging ihm auch das Volk entgegen, da sie hörten, er hätte solches Zeichen 1) 3ch. 12, 1-8. Matth. 26, 6-13. Mart. 14, 3-9. Evangelisches Gesangbuch. Anhang. Conoces 2 Leidensgeschichte. gethan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Jhr sehet, daß thr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. 1) Es war aber nahe das Fest der süßen Brote, das da Dftern heißt. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Jhr wisset, daß nach zween Tagen Ostern wird, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gefreuziget werde. Damals versammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Ältesten im Volk in dem Palast des Hohenpriesters, der da hieß Kaiphas, und hielten Rat, wie sie Jesum mit Listen griffen und töteten. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volt! Und fürchteten sich vor dem Volk. 2) Da ging hin der Zwölfen einer mit Namen Judas Isharioth und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten, wie er ihn wollte ihnen überantworten, und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Da sie das höreten, wurden sie froh und gelobten ihm Geld zu geben; und sie boten ihm dreißig Silberlinge. Und er versprach sich; und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Rumor. 3) 2. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Am ersten Tag aber der süßen Brote, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir dir bereiten, daß du das Osterlamm efsest? Und er fandte seiner Jünger zween, Petrus und Johannes, und sprach zu ihnen: Gehet hin in die Stadt; siehe, wenn ihr hineinkommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht, und saget zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: meine Zeit ist hier, ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern; wo ist die Herberge, darin ich das Osterlamm efsen möge? Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der bereitet ist; da selbst richtet für uns zu. Und die Jünger gingen aus und tamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Dsterlamm.4) Am Abend aber kam er mit den Zwölfen, setzte sich nieder und die zwölf Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide; denn ich fage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß es erfüllet werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankete und sprach: Nehmet denselbigen und teilet ihn unter euch. Denn ich sage euch: ich werde nicht trinken von dem Gewächse des Weinstocks, bis das Reich Gottes tomme. 5) Es erhub sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte 1) 30h. 12, 12-15 unb 17-19. 2) Matth. 26, 1-5. Mark. 14, 1. 2. fut. 22, 1. 2. 3) Matth. 26, 14-16. Mart. 14, 10. 11. lut. 22, 3-6. 4) Matth. 26, 17-19. Mart. 14, 12-16. Lut. 22, 7-13. 5) Lut. 22, 14-18. Matth. 26, 20. Matt. 14, 17. 2. Lektes Mahl Jesu mit den Jüngern. 3 für den Größesten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. Ihr aber nicht also; sondern der Größeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größeste, der zu Tische fißet, oder der da dienet? Ist es nicht also, daß der zu Tische fizet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tisch in meinem Reich und sizen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels.1) Und Jesus, da er erkannte, daß seine Zeit fommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater, wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Judas Simonis Jscharioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriete, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in feine Hände gegeben, und daß er von Gott kommen war und zu Gott ging, stund er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an den Jüngern die Füße zu waschen und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus. Und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwor tete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißest du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der bedarf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und septe sich wieder nieder und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bin's auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, baß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So thr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's thut. Nicht sage ich von euch allen. Ich weiß, welche ich erwählet habe. Sondern daß die Schrift erfüllet werde: Der mein Brot iffet, der tritt mich mit Füßen. Jetzt sage ich's euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wann es geschehen ist, daß ihr glaubet, daß ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. 2) 1) Lut. 22, 24-30. 2) 30h. 13, 1-20. Leidensgeschichte. Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geist und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, einer unter euch wird mich verraten! Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ich's? und der andere: Bin ich's? Er antwortete und sprach: Einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüffel tauchet. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte; dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Denn derselbige lag an der Brust Jesu und sprach zu ihm: Herr, wer ift's? Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Juda Simonis Ischarioth. Und er sprach: Zwar des Menschen Sohn gehet hin, wie es beschlossen ist, und wie von ihm geschrieben stehet; doch wehe dem Mens schen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird! Es wäre demselben Menschen besser, daß er nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thuft, das thue bald. Dasselbige aber wußte niemand über dem Tische, wozu er's ihm sagte. Etliche meinten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: kaufe, was uns not ist auf das Fest; oder daß er den Armen etwas gäbe. Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er sobald hinaus. Und es war Nacht. 1) 4 Da aber Judas hinausgegangen war, spricht Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm. Jst Gott vers kläret in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. 2) Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, bankete und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, effet! Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das thut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, bankete und gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus! Das ist mein Blut des neuen Testamentes, welches für euch und für viele vergoffen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, da ich es neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. 3) Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen; und, wie ich zu den Juden jagte, wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen. Und ich sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebet habe, daß auch ihr einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Matth. 26, 21-25. Mart. 14, 18-21. Lut. 22, 1) Joh. 18, 21-80. 21-23. 2) 30h. 18, 31. 32. 3) Matth. 26, 26-29. Mart. 14, 22-25. Eut. 22, 19. 20. 2. Letztes Mahl Jesu mit den Jüngern. 5 Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir hernach mals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen! Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten wie den Weizen! Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du dermaleins dich bekehrest, so stärke deine Brüder. Er sprach aber zu ihm: Herr, ich bin bereit mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. 1) Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie teinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nicht hat, verLaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist unter die Übelthäter gerechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. 2) 3. Kampf in Gethsemane und Gefangennehmung. Und da sie den Lobgefang gesprochen, und Jesus noch vieles( Joh. Rap. 14-17) zu ihnen geredet hatte, ging er hinaus über den Bach Kidron an den Ölberg nach seiner Gewohnheit. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an denselbigen Drt. Da sprach Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern; denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich doch mich nimmer mehr ärgern. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Petrus aber redete noch weiter: Ja, wenn ich mit dir auch sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen! Deßgleichen sagten auch alle Jünger. 3) Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hof, der hieß Gethsemane; da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Seget euch hie, bis ich dorthin gehe und bete. Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Und er nahm zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, 1) Job. 18, 33-38. Lut. 22, 31-34. 2) Lut. 22, 35-38. 8) Matth. 26, 30-35. Mart. 14, 26-31. Lut. 22, 39. Joh. 18, 1. TH 6 Leidensgeschichte. die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern, zu zittern und zu zagen und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Bleibet hie und wachet mit mir! Und ging hin ein wenig und riß sich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder, fiel nieder auf sein Angesicht und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüberginge, und sprach: Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich; willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er tam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfest du? Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch tst schwach. Zum andernmal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es tam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er fam wieder und fand sie abermal schlafend vor Traurigkeit; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie und ging abermal hin und betete zum drittenmal und redete dieselbigen Worte. Und er stund auf vom Gebet und kam zum drittenmal zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug! Siehe, die Stunde ist hie, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird. Stehet auf, lasset uns gehen! Siehe, der mich verrät, er ist da. 1) 1 Und alsobald, da er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfen einer, welcher zu sich genommen hatte die Schar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener mit Fackeln und Lampen, mit Schwertern und mit Stangen und ging vor ihnen her. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus spricht zu ihnen: Ich bin's! Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's! wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe es euch gesagt, daß ich es sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen! Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe derer keinen verloren, die du mir ge geben hast. Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den greifet und führet ihn gewiß! Und als baid trat er zu Jesu und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Juda, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß? 2) Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie 1) Joh. 18, 1. 2. 2) 30h. 18, 3-9. Matth. 26, 36-46. Mart. 14, 32-42. Lut. 22, 40-46. Matth. 26, 47-50. Mart. 14, 43-45. fut. 22, 47. 48. 3. Gethsemane. Gefangennehmung. 7 zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer aus ihnen, Simon Petrus, hatte ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein recht Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. Und er rührete sein Ohr an und heilete ihn. Und zu Petrus sprach er: Stecke dein Schwert in die Scheide; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also gehen. 1) Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die über ihn kommen waren: Jhr seid ausgegangen als zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fahen. Bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr habt mich nicht gegriffen und keine Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis. Dies ist alles geschehen, daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn. Er aber ließ die Leinwand fahren und sloh bloß von ihnen. 2) 4. Jesu Verhör vor dem hohen Rat. Petri Verleugnung. Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Kaiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherpriester war. Es war aber Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volt. Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas, dahin zusammenkommen waren alle Hohenpriester und ältesten und Schriftgelehrten. Simon Petrus aber folgete Jesu nach und ein anderer Jünger. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stund draußen vor der Thüre. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führete Petrus hinein. Und er ging hinein und setzte sich bei den Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Da sprach die Magd, die Thürhüterin, zu Petrus: Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er leugnete aber und sprach: Ich bin's nicht, ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du sagest. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn trähete. Es stunden aber die Knechte und Diener und 1) 30h. 18, 10. 11. Matth. 26, 50-54. Mart. 14, 46. 47. Lut. 22, 49-51. 2) Matth. 26, 55. 56. Mart. 14, 48-52. Lut. 22, 52. 53. 8 Leidensgeschichte. hatten ein Rohlfeuer gemacht mitten im Palast, denn es wärmten sich. Petrus aber stund bei ihnen und wärmte sich. 1) Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesu einen Backenstreich und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es böse sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? 2) Die Hohenpriester aber und Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden feines. Und wiewohl viele falsche Zeugen hinzutraten, fanden sie doch teines; ihr Zeugnis stimmte nicht überein. Zulegt traten herzu zween falsche Zeugen und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: Ich will den Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht sei. Aber ihr Zeugnis stimmte noch nicht überein. ar talt, und Da stund der Hohepriester auf unter sie und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Aber Jesus schwieg still und antwortete nichts. Und die ältesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten sprachen: Bist du Christus? sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubet ihr's nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich doch nicht los. Da fragte ihn der Hohepriester abermal und sprach: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seiest Christus, der Sohn Gottes, des Hochgelobten? Jesus sprach zu ihm: Du sagst es, denn ich bin's! Doch ich sage euch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr seben werdet des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft Gottes und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jezt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was dünket euch? Sie verdammten ihn alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig! ³) Simon Petrus aber stund und wärmte sich. Da sah ihn eine andere Magd und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und er leugnete abermal und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da stunden, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen, ein Galiläer; denn deine 1) 3oh. 18, 12-14. 24. 15-18. Matth. 26, 57. 58. 69. 70. Mart. 14, 63. 54. 68. Lut. 22, 54-56. 2) 3oh. 18, 19-23. 8) Matth. 26, 59-66. Mart. 14, 55-64. Cut. 22, 67-71. 4. Hoher Rat. Petri Verlengnung. Sprache verrät dich und lautet gleich also. Spricht des Hohenpriesters Knechte einer, ein Gefreundter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da verleugnete Petrus abermal, hub an sich zu verfluchen und zu schwören und sprach: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr saget! Und alsbald frähete der Hahn zum andernmal. Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Da ge= dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn zweimal trähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus, hub an zu weinen und weinete bitterlich. 1) 9 Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, speieten aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht, verdeckten ihn und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist es, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn. 2) Des Morgens aber hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volts einen Rat über Jesum, daß sie ihn töteten. 3) 5. Verhandlungen vor Pilatus. Und der ganze Haufe stund auf und banden Jesum und führeten ihn von Kaiphas vor das Richthaus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus. Und es war frühe. 4) Da das sah Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereuete es ihn und brachte her wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verraten habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an? Da siehe du zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin und erhängte sich selbst. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat und kauften einen Töpfersacker darum zum Begräbnis der Pilger. Daher ist derselbige Acker genannt der Blutacker bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremia, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Vertaufte, welchen sie tausten von den Kindern Israel; und haben sie gegeben um einen Töpfersacer, als mir der Herr befohlen hat. 5) Die Juden gingen aber nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Ostern effen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: 1) 30h. 18, 25-27. Matth. 26, 71-75. Mart. 14, 69-72. Lut. 22, 58-68. 2) Matth. 26, 67. 68. Mart. 14, 65. Lut. 22, 63-65. 8) Matth. 27, 1. Mart. 15, 1. 4) 3oh. 18, 28. Matth. 27, 2. Mart. 15, 1. Lut. 23, 1. 5) Matth. 27, 3-10. 44 10 Leidensgeschichte. So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesek. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. 1) Und die Hohenpriester und Ältesten fingen an ihn zu verklagen und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet und verbeut, den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König. 2) Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jesum und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? Jesus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden barob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen. ³) Die Hohenpriester aber und ältesten beschuldigten ihn hart. Und da er von ihnen verklagt ward, antwortete er nichts. Da fragte ihn Pilatus abermal und sprach zu ihm: Antwortest du nichts? Hörest du nicht, wie hart sie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. 4) Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erreget damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher. Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre. Und als er vernahm, daß er unter Herodes' Obrigkeit gehörte, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehört und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten stunden und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und fandte ihn wieder zu Pilatus. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander, denn zuvor waren sie einander feind.5) Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk 1) 30h. 18, 28-82. 2) Lut. 23, 2. 8) Joh. 18, 33-38. 4) Mark. 15, 3-5. 5) Lut. 28, 5-1%. Matth. 27, 11. Mart. 15, 2. Lut. 28, 2-4. Matth. 27, 12-14, 5. Pilatus. 11 zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwende. Und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und finde an dem Menschen der Sachen teine, deren ihr ihn beschuldigt, Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes wert sei. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen. 1) Auf das Osterfest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volt einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. Es war aber zu der Zeit ein Gefangener, genannt Barabbas, ein sonderlicher vor andern, welcher war um des Aufruhrs willen, so in der Stadt geschehen war, und um eines Mords willen ins Gefängnis geworfen. Und das Volk ging hinauf und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Da sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen auf Ostern losgebe; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe, Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei Christus, der Juden König? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Nichtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. 2) Aber die Hohenpriester und Ältesten überredeten und reizten das Volt, daß sie um Barabbas bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barabbas los! Barabbas aber war ein Mörder. Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jesum loslassen und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird, er sei Christus? Sie riefen alle und schrieen: Kreuzige, treuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat denn dieser Übels gethan? Ich finde teine Ursache des Todes an ihm. Darum will ich ihn züchtigen und Loslassen. Aber sie schrieen noch vielmehr: Kreuzige ihn! Und ihr und der Hohen priester Geschrei nahm überhand. 3) Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Und die Kriegsknechte des Landpflegers nahmen Jesum zu sich und führeten ihn hinein in das Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar. Und sie zogen Jesum aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und ein Rohr in seine rechte Hand. Und beugten die Knice vor ihm und spotteten ihn und sprachen: Sei gegrüßet, lieber Judenkönig! Und sie gaben ihm Backenstreiche und speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. 4) Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe thn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. 1) fut. 23, 13-16. 2) Matth. 27, 15-19. Mart. 15, 6-10. Lut. 23, 17. Joh. 18, 39. 8) Matth. 27, 20-23. Mart. 15, 11-14. Lut. 23, 18-23. 30h. 18, 40. 4) 3rb. 19, 1-8. Matth. 27, 27-30. Mart. 15, 16-19. 12 Leidensgeschichte. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Burpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, treuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und treuziget ihn; denn ich finde teine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Geset, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich macht habe dich zu treuzigen und macht habe dich loszugeben? Jesus antwortete: Du hätteſt teine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus und setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf ebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem; freuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreu zigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König denn den Kaiser. 1) Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Bolk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Pilatus aber gedachte dem Volke genug zu thun und gab ihnen Barabbas los, der um Aufruhr und Mords willen war ins Gefängnis geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber, den er hatte geißeln lassen, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuziget würde. 2) 6. Kreuzigung und Tod Jesu. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an, nahmen ihn und führeten ihn hin, daß sie ihn freuzigten. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf ebräisch Golgatha. Und als fie ihn hinführten, ergriffen sie einen Menschen, der vorüberging, mit Namen Simon von Cyrene, der vom Felde kam, der ein Vater war von Alexander und Rufus; den zwangen sie, daß er Jesu sein Kreuz nachtrüge, und legten das Kreuz auf ihn. 3) 1) Joh. 19, 4-15. 2) Matth. 27, 24-26. 8) Matth. 27, 31. 32. Mark. 15, 15. Luf. 28, 24. 25. Mart. 15, 20. 21. Lut. 23, 26. Joh. 19, 16. Joh. 19, 16. 17. 4444444 6. Kreuzigung und Tod. 13 Es folgete ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die flagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder! Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? 1) Es wurden aber auch hingeführt zween andere Übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. 2) Und da sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, gaben sie ihm Myrrhen im Wein zu trinken; und da er's schmeckte, wollte er's nicht trinken, und nahm's nicht zu sich. ³) Allda kreuzigten sie ihn und mit ihm zween Mörder, einen zu seiner Rechten und einen zur Linken, Jesum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, die da sagt: Er ist unter die Übelthäter gerechnet. Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn freuzigten. 4) Jesus aber sprach: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! 5) Und oben zu seinen Häupten hesteten sie die Ursache seines Todes beschrieben. Pilatus nämlich schrieb eine Überschrift und setzte sie auf das Kreuz; und war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Überschrift lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuzigt ist. Und es war geschrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 6) Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie untereinander: Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll; auf daß erfüllet würde die Schrift, die da sagt: Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Los geworfen. Solches thaten die Kriegsknechte. Und sie saßen allda und hüteten sein. 7) Das Volk aber stund und sah zu. Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel Gottes und baueft ihn in breien Tagen! Hilf dir nun 1) Lut. 23, 27-31. 2) Luk. 23, 32. 3) Matth. 27, 33. 94. Mart. 15, 23. 4) Matth. 27, 38. Lut. 23, 33. Jcb. 19, 18. Mart. 15, 25. 27. 28. 5) Lut. 23, 84. 6) Matth. 27, 37. 7) 309. 19, 23. 24. fut. 23, 38. Mart. 15, 26. Job. 19, 19-22. Matth. 27, 35. 36. Mart. 15, 24. lut. 28, 34. 14 Leidensgeschichte. felber! Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz! Desgleichen auch die Hohenpriester spotteten sein samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andern hat er geholfen, und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christus, der Auserwählte Gottes, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuze, daß wir sehen, so wollen wir ihm glauben. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, hat er Luft zu ihm; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. 1) Aber der Übelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und zwar wir sind billig barin, denn wir empfangen, was unsere Thaten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wann du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein! 2) Es stunden aber bei dem Kreuze Jesu feine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas' Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. ³) Und es war um die sechste Stunde. Und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama ajabthani? Das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und etliche, die dabei stunden, da fie das höreten, sprachen sie: Siehe, er rufet den Elia. 4) Darnach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürftet! Da stund ein Gefäß voll Essigs; und bald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllete ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr von Ysopen und tränkete ihn. Die anderen aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm helfe! 5) Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist voll bracht! Und rief abermal laut und sprach: Bater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, neigete er das Haupt und verschied. 6) Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf, und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die 1) Luf. 23, 35. 36. 2) Lut. 23, 39-43. 3) 30h. 19, 25-27. Matth. 27, 45-47. Mart, 15, 33-35. 4) Lut. 23, 44. 45. 5) 3oh. 19, 28. 29. Matth. 27, 48. 49. Mart. 15, 36. 6) Joh. 19, 30. Lut. 28, 46. Matth. 27, 50. Mart. 15, 37. Matth. 27, 39-48. Mart. 15, 29-32. LILILLE 6. Kreuzigung und Tod. 15 da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und tamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. 1) Aber der Hauptmann, der dabei stund gegen ihm über, und die bei ihm waren und bewahreten Jesum, da sie sahen das Erdbeben, und daß er mit solchem Geschrei verschied, erschraten sie sehr und preiseten Gott und sprachen: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen. Und alles Volt, das dabei war und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten wieder um. 2) Es stunden aber alle seine Verwandten von ferne und die Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolgt und hatten ihm gedienet, und sahen das alles, unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jakobus und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren.3) Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Zeichname am Kreuze blieben den Sabbath über( denn desselbigen Sabbaths Tag war groß), baten sie Pilatus, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu tamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsnechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugnis ist wahr; und derselbige weiß, daß er die Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Shr sollt ihm kein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. 4) 7. Begräbnis Jesu. Und siehe, am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorfabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Juden Stadt, mit Namen Joseph, ein ehrbarer Ratsherr. Der war ein guter, frommer Mann und hatte nicht gewilliget in ihren Rat und Handel; er wartete auch auf das Reich Gottes und war ein Jünger Jesu, doch heimlich aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat ihn um den Leib Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon tot war, und rief dem Hauptmann und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre. Und als er es erkundet von dem Hauptmann, befahl er, man follte Joseph den Leichnam geben. Und er taufte eine reine Leinwand, 1) Matth. 27, 51-58. Mart. 15, 88. Lut. 23, 45. 2) Matth. 27, 54. Mart. 15, 39. Lut. 28, 47. 48. 3) Matth. 27, 55. 56. Mart. 15, 40. 41. Luf. 23, 49. 4) Joh. 19, 81-87. 16 Leidensgeschichte. tam und nahm den Leichnam Jesu herab. 1) Es tam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war, und brachte Myrrhen und Alsen untereinander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in leinene Tücher mit Spezereien, wie die Juden pflegen zu begraben. 2) Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten und im Garten ein neues Grab, das eigene Grab des Joseph, welches er hatte lassen in einen Fels hauen, in welches niemand je gelegt war. Daſelbst hin legten sie Jefum um des Rüsttags willen der Juden, weil der Sabbath anbrach und das Grab nahe war. Es folgeten aber die Weiber nach, die mit ihm kommen waren aus Galiläa, Maria Magdalena und Maria Joses. Die seşten sich gegen das Grab und schaueten zu, wo und wie sein Leib gelegt ward. Und Joseph wälzte einen großen Stein vor die Thüre des Grabes. Und sie tehrten um und bereiteten Spezerei und Salben; und den Sabbath über waren sie stille nach dem Gesek. 3) Des andern Tages, der da folgt nach dem Rüsttag, tamen die Hohens priester und Pharisäer sämtlich zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volt: Er ist auferstanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahreten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein. 4) 1) Matth. 27, 57-59. Mart. 15, 42-46. Lut. 23, 50-53. Joh. 19, 38. 2) 3ob. 19, 39. 40. 3) 30h. 19, 41. 42. Matth. 27, 60. 61. Mart. 15, 46. 47. Lut. 23, 53-56. 4) Matth. 27, 62-66. Sonn- fest- und feiertägliche Evangelien und Episteln. Erster Jahrgang. Am 1. Advent. 1) Evangelium, Matth. 21, 1-9. Da fie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zween und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siebe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und seşten ihn darauf. Aber viel Volts breitete die Kleider auf den Weg, die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volf aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids! Gelobet set, der da fommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! 2) Epiftel, Röm. 13, 11-14. Weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, sintemal unser Heil jest näher ist, denn da wir gläubig wurden; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeikommen; so laffet uns ablegen die Werte der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde! Am 2. Advent. 1) Matth. 25, 31-46. Wann aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sigen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völter versammelt werden. Und Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 2 peacoco, proor 18 Jahrgang I. Am 2. Advent. er wird fe voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, bas euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig ge wesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin burstig gewesen, und ihr habt mich getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir tommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeiset, oder durstig, und haben dich getränkt? Wann haben wir dich einen Gast ge sehen und beherberget, oder nackt, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich frant oder gefangen gesehen und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was thr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in bas ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Jch bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nact gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin frant und ge fangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder einen Gast oder nact oder krank oder gefangen, und haben dir nicht gebienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, Ich sage euch, was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. 2) Epistel, Röm. 15, 1-13. Wir aber, die wir start sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an ihm selber Gefallen hatte, sondern wie ge schrieben stehet: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind über mich gefallen. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Troftes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid untereinander nach Jesu Christ, auf daß ihr einmütiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener ges wesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und abermal spricht Jahrgang I. Am 3. und 4. Advent. 19 er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Bolt! Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker! Und abermal spricht Jesaia: Es wird sein die Wurzel Ifais, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. Am 3. Advent. 1) Evangelium, Matth. 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängnis die Werte Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Ausfäßigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da bie hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volt von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, daß der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich fage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist es, von bem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. 2) Epistel, 1 Ror. 4, 1-5. Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß fie treu erfunden werden. Mir aber ist's ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tag; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt. Der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren. Alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Am 4. Advent. 1) Evangelium, Joh. 1, 19-34. Dies ist das Zeugnis Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht. Und er befannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: 267 3000 20 Jahrgang I. Am 4. Advent. Chriftfest. Was bist du denn, daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben? Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Nichtet den Beg des Herrn, wie der Prophet Jesaia gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist noch Elia noch der Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auf löse. Dies geschah zu Bethabara jenseit des Jordans, da Johannes taufete. Des andern Tages siehet Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war ehe denn ich. Und ich kannte ihn nicht; sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich kommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes zeugete und sprach: Ich sah, daß der Geift herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, der felbige sprach zu mir: über welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, derselbige ist es, ber mit dem heiligen Geift taufet. Und ich sah es und zeugete, daß dieser ist Gottes Sohn. 2) Epistel, Phil. 4, 4-9. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit lasset fund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts, sondern in allen Dingen laffet eure Bitte im Gebet und Fleben mit Danksagung vor Gott fund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu! Weiter, liebe Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was ges recht, was feusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Sob, dem dentet nach; welches ihr auch gelernet und em pfangen und gehöret und gesehen habt an mir, das thut, so wird der Gott des Friedens mit euch sein. Am heiligen Chriftfest. 1) Evangelium, 2ut. 2, 1-14. begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschäßet würde. Und diese Schäkung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schäßen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in das jüdische Land zur Stadt Davids, bie da heißt Bethlehem, barum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Jahrgang I. Christfest. Sonntag nach dem Christfest. 21 Krippe, denn sie hatten sonst teinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln ge= wickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die Lobeten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. 2) Epistel, Tit. 2, 11-14. € 8 ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig Leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu Chrifti, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volt zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken. Am Sonntag nach dem heiligen Christfest. 1) Evangelium, 2ut. 2, 15-20. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr fund gethan hat. Und sie tamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es fam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten; Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten tehreten wieder um, preiseten und lobten Gott um alles, das sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. 2) Epistel, Gal. 4, 1-7. Jo jage aber: Solange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Sazungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geset gethan, auf daß er die, so unter dem Geset waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gefandt den Geist seines Sohns in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Bater! Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder; sind's aber Kinder, so sind's auch Erben Gottes durch Chriftum. 22 Jahrgang I. Neujahrsfest. Sonntag nach demselben. Am Neujahrsfest. 1) Evangelium, Luk. 2, 21. Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward. 2) Epistel, Jesſ. 9, 6. Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig- Bater, Friedefürst. Am Sonntag nach dem Neujahrsfeſt. 1) Evangelium, Joh. 1, 1-13. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ift. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Derselbige tam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugete, auf daß fie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Lichte. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 2) Epistel, 1 Petri 4, 12-19. Ihr Lieben, lasset euch die Hize, so euch begegnet, nicht befremben,( die euch widerfähret, daß ihr versucht werdet,) als widerführe euch etwas Seltsames; sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhet auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepriesen. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übelthäter, oder der in ein fremd Amt greifet. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, daßanfahe das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns, was will's für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als bem treuen Schöpfer, in guten Werken. Jahrgang I. Fest der Grscheinung Chrifti. 23 Am Fest der Erscheinung Christi. 1) Evangelium, Matth. 2, 1-23. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrat er und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleineste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Bolt Jsrael ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernete mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wieß ste gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so saget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun ben König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den fie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an, und thaten ihre Schäße auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Da fie aber hinweggezogen waren, stehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fleuch in Ägyptenland, und bleib allba, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, daßselbe umzubringen. Und er stund auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht und entwich in Ägyptenland, und blieb allda bis nach dem Tode Herodis, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Da Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht: Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehöret, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinete ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum in Agyptenland und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zeuch hin in das Land Israel! Sie sind gestorben, die 24 Jahrgang I. Am 1. Sonntag nach Epiphantä. dem Rinde nach dem Leben stunden. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und kam in das Land Israel. Da er aber hörete, daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott, und zog in die Örter des galiläischen Lan des und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, daß da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen. 2) Epistel, Jes. 60, 1-6. Mache dich auf, werde licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichfeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die heiden werden in deinem Lichte wandeln und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf und siehe umher: diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Ramele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Am 1. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, 2ut. 2, 41-52. Und seine Eltern gingen alle Jahr gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meineten aber, er wäre unter den Gefährten, und tamen eine Tagreise und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sizen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete und sie fragete. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten. Und da sie ihn sahen, entsegten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen geſucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wiſset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstunden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab und tam gen Nazareth und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. 25 Jahrgang I. Am 2. Sonntag nach Epiphania. 2) Epistel, Nöm 12, 1-5. Ich ermahne euch, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes- Wille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von sich halte, denn sich's gebührt zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher, nach dem Gott ausgeteilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicherweise als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäft haben, also sind wir viele ein Leib in Chrifto, aber untereinander ist einer des andern Glied. Am 2. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 3, 13 bis 4, 11. Zu der Zeit tam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrete ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt also sein; also ge= bühret es uns alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu. Und da Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da that sich der Himmel auf über ihm; und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an wel. chem ich Wohlgefallen habe. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführet, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellete ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan! denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und fiebe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. Jahrgang I. Am 3. Sonntag nach Epiphania. 2) Epistel, Röm. 12, 6-16. Liebe Brüder! Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sei er sorgfältig. Übet jemand Barmherzigkeit, so thue er's mit Luft. Die Liebe sei nicht falsch. Haffet das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübfal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Notdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unters einander. Trachtet nicht ach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. 26 Am 3. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Joh. 2, 1-11. Und am britten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht kommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wassertrüge gesegt nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es dem Speises meister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister tostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er tam, die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten, rufet der Speisemeister dem Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 2) Epistel, Röm. 12, 17-21. Haltet euch nicht selbst für tlug. Bergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ift's möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es stehet geschrie ben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so tränke ihn. Wenn du Jahrgang I. Am 4. und 5. Sonntag nach Epiphaniä. 27 das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Am 4. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 8, 23-27. Und Jesus trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm. Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stund auf und bedräuete den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? 2) Epistel, Röm. 13, 8-10. Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch untereinander liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Geset erfüllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüften, und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Geseßes Erfüllung. Am 5. Sonntag nach Epiphaniä.. 1) Evangelium, Matth. 13, 24-30 und 36-43. Jejus legte ihnen ein ander Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker fäete. Da aber die Leute schliefen, tam sein Feind und säete Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acer gefäet? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein! auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit außraufet, so ihr das Unkraut ausjätet. Lasset beides miteinander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheunen. Da ließ Jesus das Volk von sich und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns dieses Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist es, der da guten Samen säet. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der ste fäet, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter find die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer Jahrgang I. Am 6. Sonntag nach Epiphania. verbrennt, so wird es auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse, und die da unrecht thun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähnklappen. Dann werden die Gerechten Leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre! 28 2) Epistel, Kol. 3, 12-17. S. ziehet nun an als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld. Und vertrage einer den andern, und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Am 6. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 17, 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hohen Berg und ward verkläret vor ihnen. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hie ist gut sein; willst du, so wollen wir drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolle sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht! Da sie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist. 2) Epistel, 2 Petri 1, 16-21. Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolgt, da wir euch fund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott, dem Bater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Jahrgang I. Sonntag Septuagesima. 29 Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort; und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Drt, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geift. Am Sonntag Septuagesimä. 1) Evangelium, Matth. 19, 27 bis 20, 16. antwortete Petrus und sprach zu Jesu: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolget; was wird uns dafür? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die ihr mir seid nachgefolget, in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sizen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sizen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israel. Und wer verlässet Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, der wird es hundertfältig nehmen und daß ewige Leben ererben. Aber viele, die da sind die ersten, werden die letten, und die letzten werden die ersten sein. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die britte Stunde und sah andere an dem Markte müßig stehen und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und that gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hie den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und gieb ihnen den Lohn, und hebe an an den letzten bis zu den ersten. Da tamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten tamen, meineten sie, sie würden mehr empfahen, und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese lezten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du haft sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hize getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm, was bein ist, und gehe hin. Ich will aber diesem lekten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu thun, was ich will, mit 30 Jahrgang I. Sonntag Sexagesima. dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die legten die ersten und die ersten die letzten sein. Denn viele sind be rufen, aber wenige sind auserwählet. 2) Epistel, 1 Ror. 9, 24-27. Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält fich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfahen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. Am Sonntag Sexagesimä. 1) Evangelium, 2ut. 8, 4-15. Da viel Bolts beieinander war und aus den Städten zu Jesu eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Säemann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und etliches fiel auf den Fels, und da es aufging, verborrete es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und etliches fiel auf ein gut Land, und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dieses Gleichnis wäre. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reichs Gottes, den anderen aber in Gleichnissen, daß fie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß fie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die, wenn ste es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen fie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. 2) Epiftel, 2 Kor. 12, 1-10. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße, doch will ich kommen auf die Gefichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo vor vierzehn Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich's nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich's auch nicht; Gott weiß es); derselbige ward entzücket bis in den dritten Himmel. Und ich tenne denselbigen Menschen( ob er in dem Seibe oder außer dem Leibe Jahrgang I. Sonntag Estomiht. 31 gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es); er ward entzücket in das Paradies und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen, von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber des, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnabe genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Chrifti bei mir wohne. Darum bin ich gutes Muts in Schwachheiten, in Schmachen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten, um Chrifti willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich start. Am Sonntag Estomihi. 1) Evangelium, Lut. 18, 31-43. Jesus nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden, und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen deren keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho tam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Die aber vorne an gingen, bedräueten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein! Jesus aber stund stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge! Und Jesus sprach zu ihm: Sei fehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und alsobald ward er sehend und folgete ihm nach und pries Gott. Und alles Volt, das solches sah, lobete Gott. 2) Epistel, 1 Kor. 13, 1-13. Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis, und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versette, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Seib brennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre 32 Jahrgang I. Sonntag Invocavit. mir's nichts nüße. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibet nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, fie stellet sich nicht ungebärdig, fie suchet nicht das Ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, fie freuet sich aber der Wahrheit. Sie verträget alles, ste glaus bet alles, fie hoffet alles, fie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weisfagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stüd werk und unser Weisfagen ist Stückwert; wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stüdwert aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war tlug wie ein Kind, und hatte findische Anschläge. Da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was findisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Ungeficht zu Angesichte. Jetzt erkenne ich's stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese brei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Am Sonntag Invocavit. 1) Evangelium, Joh. 17. Solches rebete Jesus und hub seine Augen auf gen Himmel und sprach: Bater, die Stunde ist hie, daß du deinen Sohn verkläreft, auf daß dich dein Sohn auch verkläre; gleichwie du ihm Macht haft gegeben über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt haft, Jefum Chrift, erkennen. Ich habe dich vertläret auf Erden und vollendet das Wert, das du mir gegeben haft, daß ich es thun sollte. Und nun verkläre mich du, Bater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und fie haben es angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin, und glauben, daß du mich gesandt haft. Ich bitte für fie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben haft; denn sie sind bein. Und alles, was mein ist, das ist dein; und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verkläret. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß fie eines seien gleichwie wir. Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben haft, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich babe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt haffet sie; denn sie sind nicht Jahrgang I. Sonntag Invocavit. Reminiscere. 33 von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmeft, sondern daß du ste bewahrest vor dem übel. Sie sind nicht von der Welt, gleich wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiliget seien in der Wahrheit. Jch bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eines feien gleichwie du, Bater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eines seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eines seien, gleichwie wir eines sind. Jch in ihnen und du in mir; auf daß sie volltommen seien in eines, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt haft und liebest sie, gleichwie du mich liebest. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben haft; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt fennet dich nicht; ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen fund gethan und will ihn kund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen und ich in ihnen. 2) Epistel, 2 Kor. 6, 1-10. Wir ermahnen aber euch als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jett ist die angenehme Zeit, jest ist der Tag des Heils. Lasset uns aber niemand irgend ein Ärgernis geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes in großer Geduld, in Trübfalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Reuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die boch viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Am Sonntag Reminiscere. 1) Evangelium, Matth. 15, 21-28. Und Jesus ging aus von dannen und entwich in bie Gegend von Thrus und Sidon. Und siehe, ein tananäisch Weib ging aus derselbigen Grenze und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 34 Jahrgang I. Sonntag Reminiscere. Ocult. dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie tam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht sein. daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. 2) Epistel, 1 Theff. 4, 1-12. Weiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesu( nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen), daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr, meidet die Hurerei, und ein jeg= licher unter euch wisse sein Gefäß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Brunst der Luft wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife noch vervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinig teit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht not euch zu schreiben, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. Und das thut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonien sind. Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder, daß ihr noch völliger werdet und ringet darnach, daß ihr stille seid und das Eure schaffet und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben; auf daß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, die draußen sind, und ihrer feines bedürfet. Am Sonntag Oculi. 1) Evangelium, Suf. 11, 14-28. Und Jesus trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volt verwunderte fich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Ges danken und sprach zu ihnen: Ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fället über das andere. Jft denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dies weil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Rinder Jahrgang I. Sonntag Oculi. Lätare. 35 aus? Darunt werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starter Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibet das Seine mit Frieden; wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's mit Besemen getehret und geschmücket. Dann gehet er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselben Menschen ärger denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! 2) Epistel, Eph. 5, 1-9. So seid nun Gottes Nachfolger als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet, auch schandbare Worte und Narrenteidinge oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger ( welcher ist ein Gözendiener) Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen; denn ihr waret weiland Finsternis, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Am Sonntag Lätare. 1) Evangelium, Joh. 6, 1-27. Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volts nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und sette sich daselbst mit seinen Jüngern. Es waren aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hub Jesus seine Augen auf und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen? Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte. Philippus antwortete ihm: Zweihundert Grofden wert Brots ist nicht genug unter fie, daß ein jeglicher unter 36 Jahrgang I. Sonntag Jätare. ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hie, der hat fünf Gerstenbrote und zween Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volt lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brote, bankete und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel sie wollten. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten ſie und fülleten zwölf Rörbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen fahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst allein. Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer und traten in das Schiff und tamen über das Meer gen Kapernaum. Und es war schon finster worden, und Jesus war nicht zu ihnen kommen. Und das Meer erhub sich von einem großen Winde. Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feldwegs, sahen sie Jesum auf dem Meer dahergehen und nahe bei das Schiff fommen, und sie fürchteten sich. Er aber sprach zu ihnen: Ich bin es, fürchtet euch nicht! Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen, und alsobald war das Schiff am Lande, da sie hinfuhren. Des andern Tages sah das Volk, das dießseit des Meers stund, daß kein anderes Schiff daselbst war denn das einige, darein seine Jünger getreten waren, und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern allein seine Jünger waren weggefahren. Es tamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, da ste das Brot gegessen hatten durch des Herrn Danksagung. Da nun das Volk sah, daß Jesus nicht da war, noch seine Jünger, traten sie auch in die Schiffe und tamen gen Raper naum und suchten Jesum. Und da sie ihn fanden jenseit des Meers, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du herkommen? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr suchet mich nicht darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern daß ihr von dem Brot gegessen habt und seid satt worden. Wirket Speise, nicht die vergänglich ist, sondern die da bleibet in das ewige Seben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn denselbigen hat Gott der Vater versiegelt. 2) Epistel, Rol. 3, 18 bis 4, 1. Ihr Beiber, seib unterthan euren Männern in dem Herrn, wie sich's gebühret. Ihr Männer, liebet eure Weiber, und seid nicht bitter gegen ste. Shr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Herrn gefällig. Ihr Väter, erbittert eure Rinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden. Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, fondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht. Alles, was Jahrgang I. Sonntag Judica. 37 thr thut, das thut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, und wisset, daß ihr von dem Herrn empfahen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem Herrn Christo. Wer aber unrecht thut, der wird empfahen, was er unrecht gethan hat, und gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten, und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt. Am Sonntag Judica. 1) Evangelium, Joh. 8, 46-59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit fage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, ber höret Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel? Jesus antwortete: Sch habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten; und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprecht, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn; und so ich würde sagen: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und haft Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe denn Abraham ward, bin ich. Da huben sie Steine auf, daß sie auf ihn wärfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. 2) Epistel, Ebr. 9, 11-15. Christus aber ist kommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht von dieser Schöpfung ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Ruh, gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie vielmehr wird das Blut Chrifti, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werten, zu dienen dem lebendigen Gott! Und darum ist er auch ein cococo Todes 38 Jahrgang I. Ofterfest. Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfahen. Am heiligen Osterfest. 1) Evangelium, Mart. 16, 1-8. Und da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria Jatobi und Salome Spezerei, auf daß sie tämen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe am ersten Tage der Woche sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sigen, der hatte ein lang weiß Kleid an. Und sie entsetten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hie. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und sagt es seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen ankommen, und sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. 2) Epiftel, 1 Kor. 15, 1-20. Ich erinnere euch aber, liebe Brüber, des Evangeliums, das ich euch verkündigt habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welchergestalt ich es euch vers kündiget habe, so ihr's behalten habt; es wäre denn, daß ihr's umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünden nach der Schrift; und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, deren noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jakobus, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, darum daß ich die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnaden bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen; sondern ich habe viel mehr gearbeitet denn sie alle, nicht aber tch, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene; also prebigen wir, und also habt ihr geglaubet. So aber Christus geprediget wird, daß er sei von den Toten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Toten sei nichts? Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Jahrgang 1. Bermontag. 39 Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden auch erfunden falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeuget hätten, er hätte Christum auferwecket, den er nicht auferwecket hätte, sintemal die Toten nicht auferstehen. Denn so die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Jst Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden, so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendeften unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling worden unter denen, die da schlafen. Am Oftermontag. 1) Evangelium, 2ut. 24, 13-35. Und stehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Fleden, der war von Jerusalem sechzig Feldwegs weit, des Namen heißt Emmaus; und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es ges schah, da sie so redeten und befragten sich miteinander, nahete Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegen, und seid traurig? Da antwortete einer mit Namen Kleophas und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten vor Gott und allem Volt, wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammnis des Todes und getreuziget. Wir aber hoffeten, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern; die find frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, fommen und sagen, fie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden's also, wie die Weiber fagten; aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: D ihr Thoren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und sing an von Mose und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie tamen nahe zum Flecken, da sie bingingen; und er stellete sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nötigeten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankete, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie stunden auf zu berselbigen Stunde, bbbbbbbbbbbboties, proces 40 Jahrgang I. Sonntag Quasimodogeniti. lehreten wieder gen Jerusalem und fanden die Elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brot brach. 2) Epistel, Apostelgesch. 10, 34-41. Petrus aber that seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet, sondern in allerlei Voll, wer ihn fürchtet und recht thut, ber ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gefandt hat, und vertündigen lassen den Frieden durch Jefum Chriftum( welcher ist ein Herr über alles), die durchs ganze jüdische Land geschehen ist und angegangen in Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte: wie Gott denfelbigen Jesum von Nazareth gefalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft, der umbergezogen ist und hat wohlgethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles bessen, das er gethan hat im jüdischen Lande und zu Jerus falem. Den haben sie getötet und an ein Holz gehangen. Denfelbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volt, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Toten. Am Sonntag Quasimodogeniti. 1) Evangelium, Joh. 20, 19-23. Am Abend aber desselbigen ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Thüren verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, tam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, ſo sende ich euch. Und da er bas sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen find sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 2) Epistel, 1 Joh. 5, 4-13. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieſer ist 23, ber da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Waffer allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der da jeuget; denn der Geist ist die Wahrheit. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist; und biese brei find eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist und das Jahrgang I. Misericordias Domini. Jubilate. 41 Wasser und das Blut; und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis größer; denn Gottes Zeugnis ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solch Zeugnis bei sich. Wer Gotte nicht. glaubet, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubet nicht dem Zeugnis, bas Gott zeuget von seinem Sohn. Und das ist das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Solches habe ich euch geschrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes, auf daß ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habt, und daß ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes. Am Sonntag Misericordias Domini. 1) Evangelium, Joh. 10, 11-18. Ich bin kommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läffet sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht hirte ist, des die Schafe nicht eigen find, siehet den Wolf kommen und verlässet die Schafe und fleucht, und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Mietling aber fleucht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater tennet, und ich kenne den Vater; und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden. Darum liebet mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, auf daß ich's wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu laffen, und habe es Macht wieder zu nehmen. Solches Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. 2) Epistel, 1 Petri 2, 21-25. Christus hat gelitten für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr follt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher feine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, ba er litt, er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr seid heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Am Sonntag Jubilate. 1) Evangelium, Joh. 16, 5-15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du hin? Sondern dieweil ich solches zu euch pada par 29120CO 42 Jahrgang I. Sonntag Cantate. gerebet habe, ist euer Herz toll Trauerns worden. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht: um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet's jest nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch vers tündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. 2) Epistel, 1 Petri 2, 11-17. Liebe Brüder, ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von fleischlichen Lüften, welche wider die Seele streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden als von Übelthätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn's nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige als dem Obersten, oder den Hauptleuten als den Gesandten von ihm zur Rache über die übelthäter und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Am Sonntag Cantate. 1) Evangelium, Joh. 16, 16-23. Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, das er saget zu uns: über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, das er saget: über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wann sie gebiert, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist Jahrgang I. Sonntag Rogate. 43 tommen; wann fie aber das Kind geboren hat, bentet sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. 2) Epistel, Jat. 1, 13-20. Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen; er versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Luft gereizet und gelocket wird. Darnach, wenn die Luft empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod. Frret nicht, liebe Brüder. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe tommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, liebe Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden und langsam zum Zorn; denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Am Sonntag Rogate. 1) Evangelium, Joh. 16, 23-33. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Bater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet; es tommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, bat euch lieb, darum daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Bater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißest und bedarfest nicht, daß dich jemand frage; darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: Jett glaubet ihr; siehe, es kommt die Stunde und ist schon kommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich allein laffet; aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habet ihr Angst; aber seid getroft, ich habe die Welt überwunden. 2) Epistel, Jat. 1, 21-27. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und Bosheit, und nehmet bas Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzet ist, welches fann eure 200000000 44 Jahrgang I. Himmelfahrt Chrifti. Seelen selig machen. Seid aber Thäter des Worts, und nicht hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stund an davon und vergiffet, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesek der Freiheit und darinnen beharret und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich jemand unter euch läsfet dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Baum, sondern verführet sein Herz, des Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt behalten. Am Fest der Himmelfahrt Christi. 1) Evangelium, Mark. 16, 14-20. Zulegt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarte er sich und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, ber wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Bungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Töbliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, warb er aufgehoben gen Himmel, und fizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten; und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. 2) Epistel, Apostelgesch. 1, 1-11. Die erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophilus, von alle dem, das Jesus anfing beide zu thun und zu lehren bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln( welche er hatte erwählet) durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret, sprach er, von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammenkommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat, Jahrgang I. Exaudi. Pfingstfest. 45 sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahrend, siehe, da stunden bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Am Sonntag Exaudi. 1) Evangelium, Joh. 15, 26 bis 16, 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wann die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich's euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. 2) Epistel, 1 Petri 4, 8-11. So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So jemand redet, daß er's rede als Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß er's thue als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christ, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am heiligen Pfingstfeft. 1) Evangelium, Joh. 14, 23-31. Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Bater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Baters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Ramen, derselbige wird es euch alles lehren und euch erinnern alles bes, ea pored geged 46 Jahrgang I. Pfingstfest. das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und tomme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Bater; denn der Vater ist größer denn ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wann es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat: stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. 2) Epistel, Apostelgesch. 2, 1-18. Als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Bungen zerteilet wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu prebigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volt, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden verstürzt, denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, find nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadocien, Pontus und Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und an den Enden der 2tbyen bei Cyrene und Ausländer von Rom, Juden und Judengenoffen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unsern Bungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie find voll füßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elfen, hub auf seine Stimme und redete zu ihnen: Jhr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch funb gethan, und laffet meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, fintemal es ist die dritte Stunde am Tage. Sondern das ist's, das durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist: Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben, und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in denselbigen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weißsagen. Jahrgang I. Pfingstmontag. Fett Trinitatis. 47 Am Pfingstmontag. 1) Evangelium, Joh. 3, 16-21. Aljo hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt tommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr denn das Licht; denn ihre Werte waren böse. Wer Arges thut, der haffet das Licht und tommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. 2) Epistel, Apostelgesch. 10, 42-48. Der Herr hat uns geboten zu predigen dem Volk und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geift auf alle, die dem Wort zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, entsetten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Am Fest Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 3, 1-15. Es war aber ein Mensch unter den Pharifäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. Der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von Gott kommen; denn niemand kann die Zeichen thun, die du thuft, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage bir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib geben und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so tann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geift. Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Jhr milffet von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du böreft 4 COCOOL CO 48 Jahrgang I. Am 1. Sonntag nach Trinitatis. sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er tommt, und wohin er fähret. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus ant wortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißest das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wir reden, das wir wissen, und zeugen, daß wir gesehen haben; und ihr nehmet unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder kommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 2) Epistel, Röm. 11, 33-36. welch eine Tiefe des Reichtums, beide der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wiedervergolten? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Jhm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Am 1. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 16, 19-31. Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thüre voller Schwären und begehrete sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hub er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß, rief und sprach: Bater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, daß er das Außerste seines Fingers in das Wasser tauche und tühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme! Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen haft in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß, die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, tönnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Bater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Drt der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten, laß sie dieselbigen Jahrgang I. Am 2. Sonntag nach Trinitatis. 49 hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Toten auferstünde. 2) Epistel, 1 Joh. 4, 16-21. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Laffet uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebet. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hafset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Am 2. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 15, 1-10. naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharifsäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er deren eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden; und wenn er heim fommt, rufet er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel fein über einen Sünder, der Buße thut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie deren einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. 2) Epistel, 1 Joh. 3, 13-24. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt basset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben tommen find; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger; und ihr wiffet, daß ein Totschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben Evangelisches Gesangbuch. Anhang. cacocoded 50 Jahrgang I. Am 3. Sonntag nach Trinitatis. wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und siehet seinen Bruder darben und schleußt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, laffet uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind und können unser Herz vor ihm stillen, daß, so uns unser Herz verdammt, daß Gott größer ist denn unser Herz und erkennet alle Dinge. Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott. Und was wir bitten, werden wir von ihm nehmen; denn wir halten seine Gebote und thun, was vor ihm gefällig ist. Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesu Christi und lieben uns untereinander, wie er uns ein Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, der bleibet in ihm und er in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in uns bleibet, an dem Geist, den er uns gegeben hat. Am 3. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 5, 1-16. Da Jesus das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er that seinen Mund auf, lehrete fie und sprach: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besigen. Selig sind, die da hungert und bürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinets willen schmähen und verfolgen und reden allerlei übels wider euch, so ste daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden. Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor euch gewesen sind. Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man's falzen? Es ist zu nichts hinfort nüße, denn daß man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es mag die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß fie eure guten Werte sehen und euren Vater im Himmel preisen. 2) Epistel, 1 Petri 5, 5-11. Haltet fest an der Demut; denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen giebt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige 4444444 Jahrgang I. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. 51 Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit: Amen. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 5, 17-48. Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht kommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstab noch ein Tüttel vom Gesetze, bis daß es alles geschehe. Wer nun eines von dissen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Rafa! der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eingebent, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sei willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleins überantworte dem Richter und der Richter überantworte dich dem Diener und werdeft in den Kerker geworfen. Ich sage dir wahrlich: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezablest. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber fage euch: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Ärgert dich aber bein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist dir beffer, daß eines deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eines deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Es ist auch gesagt: Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief. Ich aber fage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet( es sei denn um Ehebruch), 52 Jahrgang I. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine Abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe. Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst teinen falschen Eid thun und sollst Gott deinen Eid halten. Ich aber sage euch, daß ihr allerdinge nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei deinem Haupte schwören, denn du vermagst nicht ein einiges Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was drüber ist, das ist vom übel. Jhr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern so dir jemand einen Streich giebt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar. Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Und so dich jemand nötiget eine Meile, so gehe mit ihm zwo. Gieb dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will. Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind haffen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und läsfet regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Thun nicht dasfelbe auch die 3ölner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich thut, was thut ihr Sonderliches? Thun nicht die Zöllner auch also? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel volltommen ist. 2) Epistel, Röm. 8, 18-27. Ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert jei, die an uns foll offenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie; sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Denn wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man siehet, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, das man siehet? So wir aber des hoffen, das wir nicht fehen, so warten wir sein durch Geduld. Desselbigen gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs befte mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt. 53 Jahrgang I. Am 5. Sonntag nach Trinitatis. Am 5. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 6, 1-18. Habt acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht gebt vor den Leuten, daß ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt anders feinen Sohn bei euren Bater im Himmel. Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gepreiset werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen giebst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut, auf daß dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich. Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein, und schleuß die Thüre zu, und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel. Dein Name werde geheiliget. Dein Reich tomme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich Brot gieb uns heute. Und vergieb uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichteit in Ewigkeit. Amen. Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben; wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, auf daß sie vor den Leuten scheinen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, auf daß du nicht scheinest vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir's vergelten öffentlich. 2) Epistel, 1 Petri 3, 8-15. Seid allesamt gleichgesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen und thue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die 3000 beccoes 54 Jahrgang I. Am 6. Sonntag nach Trinitatis. Gerechten und feine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so da Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Am 6. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 6, 19-34. Ihr sollt euch nicht Schäße sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schäße im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen, und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Denn wo euer Schak ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge ein Schalt ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn aber das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusehen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum forget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch thun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. 2) Epistel, Röm. 6, 1-11. Was wollen wir hiezu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf daß die Gnade desto mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind? Wisset ihr Jahrgang I. Am 7. Sonntag nach Trinitatis. 55 nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gefreuziget ist, auf daß der fündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Toten erwecket, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einemmal; das er aber lebet, daß lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde ges storben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. Am 7. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 7, 1-12. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gerichte ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balken in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balke ist in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach befiehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der empfähet; und wer da suchet, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgethan. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete? Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnet dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten? Alles nun, das ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen auch; das ist das Geset und die Propheten. 2) Epistel, Röm. 6, 19-23. Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Flei. sches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habet zu Dienste der Unreinigteit und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, also begebet auch nun eure Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Ge 56 Jahrgang I. Am 8. Sonntag nach Trinitatis. rechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Chrifto Jesu, unserm Herrn. Am 8. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 7, 13-29. Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet; und wenig ist ihrer, die ihn finden. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie ertennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr fie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweis sagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übelthäter! Darum, wer diese meine Rede höret und thut fie, den vergleiche ich einem flugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen bauete. Da nun ein Plazregen fiel und ein Gewässer tam, und weheten die Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht, denn es war auf einen Felsen gegründet. Und wer diese meine Rede höret und thut sie nicht, der ist einem thörichten Mann gleich, der sein Haus auf den Sand bauete. Da nun ein Plaßregen fiel und kam ein Gewässer, und weheten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und that einen großen Fall. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsette sich das Volt über seiner Lehre; denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten. 2) Epistel, Röm. 8, 12-17. So find wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die find Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen tnechtischen Geist em Jahrgang I. Am 9. Sonntag nach Trinitatis. 57 pfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen tindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist giebt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit jur Herrlichkeit erhoben werden. Am 9. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ul. 16, 1-12. € 3 war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; ber ward bor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein! Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben kann ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gelegt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öls. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, sebe dich und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobete den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt sind flüger denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet cuch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wann ihr nun darbet, fie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vers trauen? Und so ihr in dem Fremben nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ift? 2) Epistel, 1 Ror. 10, 1-14. Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter find alle unter der Wolte gewesen und sind alle durchs Meer gegangen, und find alle auf Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trant getrunken; sie tranten aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgete, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüften lassen des Bösen, gleichwie jene gelüftet hat. Werbet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben stehet: Das Bolt sette sich nieder zu essen und zu trinken und slund auf zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei Degen 58 Jahrgang I. Am 10. Sonntag nach Trinitatis. treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag dreiundzwanzigtausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt kommen ist. Darum wer sich läsfet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läfset versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Bersuchung so ein Ende gewinne, daß ihr's fönnet ertragen. Darum, meine Liebsten, fliehet von dem Gößendienst. 10. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Sut. 19, 41-48. Und als Jesus nahe hinzu kam, sah er die Stadt an und weinete über fie und sprach: Wenn doch auch du wüßtest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet! Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten, und werden dich schleifen und feinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt haft die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet ge= schrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hobenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Bolt hing ihm an und hörete ihn. Am 2) Epistel, 1 Kor. 12, 1-11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, liebe Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Gözen, wie ihr geführt wurdet. Darum thue ich euch fund, daß niemand Jefum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und niemand kann Jesum einen Herrn heißen ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Ämter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben zu reden von der Erkenntnis nach demselbigen Geist; einem andern der Glaube in demselbigen Geist; einem andern die Gabe gesund zu machen in demselbigen Geist; einem andern Wunder zu thun, einem andern Weißsagung, einem andern Geister zu unterscheiden, einem andern mancherlei 4 Jahrgang I. Am 11. und 12. Sonntag nach Trinitatis. 59 Sprachen, einem andern die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirket derselbige einige Geist und teilet einem jeglichen seines zu, nach dem er will. Am 11. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Sut. 18, 9-14. ET sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß fie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stund und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, das ich habe. Und der Zöllner stund von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. 2) Epistel, 2 Kor. 5, 1-10. Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Und über demselbigen sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget, daß wir damit überkleidet werden; so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden. Denn dieweil wir in der Hütte find', sehnen wir uns und sind beschweret; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber zu demselbigen bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist, gegeben hat. Wir sind aber getrost allezeit und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir ferne vom Herrn. Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben vielmehr Luft, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. Am 12. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Mart. 7, 31-37. Und da Jefus wieder ausging von den Grenzen von Thrus und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten 60 Jahrgang I. Am 13. Sonntag nach Trinitatis. ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spükete, und rührete seine Bunge, und sah auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hes phatha! das ist: Thue dich auf! Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er ver. bot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten; und verwunderten sich über die Maße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. 2) Epistel, 2 Kor. 3, 4-11. Ein folch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken als von uns selber, sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tötet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Moses um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammnis prediget, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, daß die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Teil, das verfläret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen dieser überschwenglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhöret, vielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibet. Am 13. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 10, 23-37. Und Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propbeten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und hören, bas ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stund ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesek geschrieben, wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; thue daß, so wirst du leben! Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb tot liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging Jahrgang I. Am 14. Sonntag nach Trinitatis. 61 er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete und fam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Öl und Wein, und hub ihn auf sein Tier, und führete ihn in die Herberge und pflegete sein. Des andern Tages reisete er, und zog heraus zween Groschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich dir's bezahlen, wann ich wieder komme. Welcher dünkt dich, der unter diesen dreien der nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen! 2) Epistel, Jatk. 3, 1-12. Liebe Brüder, unterwinde sich nicht jedermann Lehrer zu sein, und wiffet, daß wir desto mehr Urteil empfahen werden. Denn wir fehlen alle mannigfaltiglich. Wer aber auch in keinem Wort fehlet, der ist ein vollkommener Mann und kann auch den ganzen Leib im Zaum halten. Siehe, die Pferde halten wir in Bäumen, daß sie uns gehorchen, und lenken den ganzen Leib. Siehe, die Schiffe, ob sie wohl so groß sind und von starten Winden getrieben werden, werden sie doch gelenkt mit einem kleinen Ruder, wo der hin will, der es regieret. Also ist auch die Zunge ein klein Glied, und richtet große Dinge an. Siehe, ein klein Feuer, welch einen Wald zündet es an! Und die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Also ist die Zunge unter unsern Gliedern und befleckt den ganzen Leib und zündet an allen unsern Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist. Denn alle Natur der Tiere und der Vögel und der Schlangen und der Meerwunder werden gezähmet und find gezähmet von der menschlichen Natur; aber die Zunge tann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel vol tödlichen Gifts. Durch sie loben wir Gott den Vater, und durch sie fluchen wir den Menschen, nach dem Bilde Gottes gemacht. Aus einem Munde gehet Loben und Fluchen. Es soll nicht, liebe Brüder, also sein. Quillet auch ein Brunn aus einem Loch süß und bitter? Kann auch, liebe Brüder, ein Feigenbaum Öl oder ein Weinstod Feigen tragen? Also kann auch ein Brunn nicht salzig und süß Waffer geben. Am 14. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 17, 11-19. Und es begab sich, da Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt tam, begegneten ihm zehn ausfäßige Männer, die stunden von ferne, und erhuben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er ste sah, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern! Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er gesund worden war, tehrete er um und pries Gett Degea 62 Jahrgang I. Am 15. Sonntag nach Trinitatis. mit lauter Stimme, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jefus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die Neune? Hat sich sonst feiner gefunden, der wieder umkehrete und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat bir geholfen! 2) Epistel, Gal. 5, 16-24. Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüfte des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind widereinander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gefeße. Offenbar sind aber die Werte des Fleisches, als da find: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zant, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Freffen und dergleichen; von welchen ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Wider folche ist das Geset nicht. Welche aber Christo angehören, die treuzigen ihr Fleisch samt den Lüften und Begierden. Am 15. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 18, 1-11. 3u berselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu und sprachen: Wer ist doch der Größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete es mitten unter fie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt der Ärgernis halben! Es muß ja Ärgernis tommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf es von dir. Es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen alles zeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist kommen, selig zu machen, das verloren ist. 63 Jahrgang I. Am 16. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, Gal. 5, 25 bis 6, 10. So wir im Geift leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. Lasset uns nicht eiteler Ehre geizig sein, einander zu entrüsten und zu haffen. Liebe Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des andern Laft, so werdet ihr das Geset Christi erfüllen. So aber sich jemand läßt dünten, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten! Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch fäet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist fäet, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Laffet uns aber Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Am 16. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 7, 11-17. Und es begab sich darnach, daß Jesus in eine Stadt mit Namen Nain ging, und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volts. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viel Volts aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und rührete den Sarg an, und die Träger stunden. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an und priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder. 2) Epistel, Eph. 3, 14-21. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen dem Vater unsers Herrn Jeſu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden, auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen die Liebe Christi, die alle Jahrgang I. Am 17. und 18. Sonntag nach Trinitatis. Erkenntnis übertrifft, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun fann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigs teit! Amen. 64 Am 17. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 14, 1-11. Und es begab sich, daß Jesus tam in ein Haus eines Obersten der Pharifäer auf einen Sabbath, das Brot zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war waffersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: Ist's auch recht auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an, und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Dchs oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszeucht am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten oben an zu figen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Vornehmerer denn du von ihm geladen sei, und so dann kommt, der dich und ihn ges laden hat, spreche zu dir: Weiche diesem! und du müsfest dann mit Scham unten an sißen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und sehe dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische siken. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. 2) Epistel, Eph. 4, 1-6. So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie fich's gebührt eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe; und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater( unser) aller, der da ist über euch alle und durch euch alle und in euch allen. Am 18. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 34-46. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducäern das Maul ges stopfet hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schrifts gelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesez? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Jahrgang I. Am 19. Sonntag nach Trinitatis. 65 Dies ist das vornehmste und größeste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Geseß und die Propheten. Da nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie Jesus und sprach: Wie dünket euch um Christus? Wes Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Seße dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße? So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und wagte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn zu fragen. 2) Epistel, 1 Kor. 1, 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntnis. Wie denn die Predigt von Christo in euch träftig worden ist, also daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohns Jesu Christi, unsers Herrn. Am 19. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 9, 1-8. Da trat Jesus in das Schiff und fuhr wieder herüber und tam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bette auf und gehe heim! Und er stund auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. 2) Epistel, Eph. 4, 22-30. So leget nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüfte in Irrtum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts, und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligteit. Darum leget bie Lügen ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir untereinander Glieder sind. Zürnet und fündiget nicht; lasset Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 66 Jahrgang I. Am 20. und 21. Sonntag nach Trinitatis. die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer Wer Beftohlen hat, ber stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Laffet fein faul Geschwät aus eurem Munde gehen, sondern was nützlich zur Besserung ist, da es not thut, daß es holdselig sei zu hören. Und betrübet nicht ben heiligen Geift Gottes, damit ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. Am 20. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 2-14. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte, und fandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen. Und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen: Stehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Dchsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommt zur Hochzeit! Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantierung; etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und töteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch tein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen! Denn viele sind berufen, aber wenige find auserwählet. 2) Epistel, Eph. 5, 15-21. SD fehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen sondern als die Weisen. Und taufet die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folget, sondern werdet voll Geistes. Und redet untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen, und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Bater in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. Und seid untereinander unterthan in der Furcht Gottes. Am 21. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 4, 47-54. Es war ein Königischer, bes Sohn lag trank zu Kapernaum. Dieser börete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläa, und ging hin zu ihm und Jahrgang I. Am 22. Sonntag nach Trinitatis. 67 bat ihn, daß er hinabkäme und hülfe seinem Sohn; denn er war todtrant. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, tomm hinab, ehe denn mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet! Der Mensch glaubete dem Wort, daß Jesus zu ihm sagte und ging hin. Und indem er hinabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa tam. 2) Epistel, Eph. 6, 10-20. Zulest, meine Brüder, seid start in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die liftigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun und alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichtes. Und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Und betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und für mich, auf daß mir gegeben werde das Wort mit freudigem Aufthun meines Mundes, daß ich möge tund machen das Geheimnis des Evangeliums, welches Bote ich bin in der Rette, auf daß ich darinnen freudig handeln möge und reden, wie sich's gebührt. Am 22. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 18, 21-35. Da trat Petrus zu Jesu und sprach: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir fündiget, vergeben? Jft's genug siebenmal? Jefus sprach zu ihm: Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern stebenzigmal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da er's nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und 68 Jahrgang I. Am 23. Sonntag nach Trinitatis. betete ihn an und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgete ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mittnecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden fie sehr betrübt und tamen und brachten vor ihren Herrn alles, das sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht! Alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler. 2) Epistel, Phil. 1, 3-11. Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gebente( welches ich allezeit thue in alle meinem Gebet für euch alle, und thue das Gebet mit Freuden) über eurer Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Wert, ber wird es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte, darum daß ich euch in meinem Herzen habe in diesem meinem Gefängnis, darin ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade teilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrund in Jesu Christo. Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig auf den Tag Chrifti, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Am 23. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 15-22. Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Jefum fingen in seiner Rede; und sandten zu ihm ihre Jünger samt Herodes' Dienern und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und Lehreft den Weg Gottes recht, und bu fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich? Jft es recht, daß man dem Raiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus merkete ihre Schaltheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Jahrgang I. Am 24. Sonntag nach Trinitatis. 69 Weifet mir die Zinsmünze! Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Raiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon. 2) Epistel, Phil. 3, 17-21. Folget mir, liebe Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi; welcher Ende ist das Verdammnis, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gefinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unfern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Am 24. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 9, 18-26. Da Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber tomm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stund auf und folgte ihm nach und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre dea Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm und rührete seines Kleides Saum an; denn sie sprach bei ihr selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sab sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen! Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam und sah die Pfeifer und das Getümmel des Bolts, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volt ausges trieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand; da stund daß Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. 2) Epistel, Rol. 1, 9-14. Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wir's gehöret haben, hören wir nicht auf für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand, daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntnis Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht zu aller Geduld und Langmütigkeit mit Freuden. Und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht, welcher uns 70 Jahrgang I. Am 25. und 26. Sonntag nach Trinitatis. errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versekt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Bergebung der Sünden. Am 25. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 13, 1-9. waren aber zu derselbigen Zeit etliche dabei, die verkündigten ihm von den Galiläern, welcher Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischet hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, dieweil sie das erlitten haben? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen. Oder meinet ihr, daß die achtzehn, auf welche der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen. Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge, und kam und suchte Frucht darauf und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang alle Jahr kommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum und finde sie nicht; haue ihn ab, was hindert er das Land? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies Jahr, bis daß ich um ihn grabe und bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab. 2) Epistel, 1 Theff. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel. Und die Toten in Chrifto werden auferstehen zuerst; darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander. Am 26. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 21, 25-36. Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen, und das Jahrgang I. Am 27. Sonntag nach Trinitatis. 71 Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfähet zu geschehen, so jehet auf und hebet eure Häupter auf, darum daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr's an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, daß ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. 2) Epistel, 2 Thess. 1, 3-10. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, liebe Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegeneinander, also daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinen Gottes von eurer Geduld und Glauben in allen euren Verfolgungen und Trübsalen, die ihr duldet. Welches anzeiget, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reich Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wann nun der Herr Jesus wird offenbaret werden vom Himmel samt den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers Herrn Jesu Christi. Welche werden Pein leiden, das ewige Verberben von dem Angesicht des Herrn und von seiner herrlichen Macht, wann er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugnis an euch von dem selbigen Tage habt ihr geglaubet. Am 27. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 25, 1-13. Dann Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäfsen samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam berzog, wurden sie alle schläferig und entschliefen. Zu Mitternacht aber ward GOOOO ki 72 Jahrgang I. Am 27. Sonntag nach Trinitatis. ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam tommt; gehet aus, ihm entgegen! Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die thörichten aber sprachen zu den flugen: Gebt uns von eurem Öle, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die tlugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern und laufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, fam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Thüre ward verschlossen. Zulegt tamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich tenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. 2) Epistel, 2 Petri 3, 3-14. Und wisset bas aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, bie nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibet es alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist. Aber Mutwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündflut verderbet. Also auch der Himmel jekund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammnis der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch unverhalten, ihr Bieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzeucht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße tehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hike schmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hize zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet, so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Jahrgang I. Am Feiertag Andreas' und Thomas'. 73 Feiertägliche Evangelien und Episteln. Am Feiertag Andreas'. 1) Evangelium, Matth. 4, 18-22. Nis nun Jesus an dem galiläischen Meer ging, sah er zween Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen. Bald verließen sie ihre Neze und folgeten ihm nach. Und da er von dannen fürbaß ging, sah er zween andere Brüder, Jatobus, den Sohn Zebedäi, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebebäuß, daß sie ihre Nege flicten; und er rief ihnen. Balb verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgeten ihm nach. 2) Epistel, Röm. 10, 8-18. Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekennest Jefum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferwecket hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubet, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Denn die Schrift spricht: Wer an ihn glaubet, wird nicht zu Schanden werden. Es ist hie tein Unterschied unter Juden und Griechen; es ist aller zumal ein Herr, reich über alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden. Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben stehet: Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen! Aber sie sind nicht alle dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaia spricht: Herr, wer glaubet unserm Predigen? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Ich sage aber: Haben sie es nicht gehöret? Zwar es ist je in alle Zande ausges gangen ihr Schall und in alle Welt ihre Worte. Am Feiertag Thomas'. 1) Evangelium, Joh. 20, 24-29. Thomas aber, der zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meine Finger in die Nägelmale, und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger darinnen und Thomas mit ihnen. Rommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein 74 Jahrgang I. Am Feiertag Stephanus'. und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deine Finger her und stehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Epistel, Ebr. 2, 10-18. ziemete bem, um des willen alle Dinge sind, und durch den alle Dinge sind, der da viele Kinder hat zur Herrlichkeit geführet, daß er den Herzog ihrer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Sintemal fie alle von einem kommen, beide, der da heiliget und die da geheiliget werden. Darum schämet er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, und spricht: Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeine dir lobsingen. Und abermal: Ich will mein Vertrauen auf ihn sezen. Und abermal: Siehe da, ich und die Kinder, welche mir Gott gegeben hat. Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er's gleichermaßen teilhaftig worden, auf daß er durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teufel, und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten. Denn er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Samen Abrahams nimmt er an sich. Daher mußte er allerdinge seinen Brüdern gleich werden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu versöhnen die Sünde des Volks. Denn barinnen er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen, die versucht werden. Am Feiertag Stephanus'. 1) Evangelium, Matth. 23, 34-39. Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und derselbigen werdet ihr etliche töten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern, auf daß über euch komme alle das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abel bis aufs Blut Zacharias', Barachias Sohn, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheren und steinigeft, die zu dir gefandt sind! wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne verjammelt ihre Rüchlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! 2) Epistel, Apostelgesch. 6, 8-15. 7, 55-59. Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da stunden etliche auf von der Schule, die da Jahrgang I. Am Feiertag Johannes'. 75 heißet der Libertiner und der Chrener und der Alexanderer und derer, die aus Cilicien und Asien waren, und befragten sich mit Stephanus. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der Weiß beit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mose und wider Gott. Und bewegten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten und traten herzu und riffen ihn hin und führten ihn vor den Rat und stellten falsche Beugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Geset. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Mose gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im Rat saßen, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht. Als er aber voll heiligen Geistes war, sab er auf gen Himmel und sab die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut und hielten ihre Ohren zu und stürmeten einmütiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanus, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er knieete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gefagt, entschlief er. Am Feiertag Johannes'. 1) Evangelium, Joh. 21, 15-24. Da fie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon Johanna, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum andernmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum drittenmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum drittenmal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge; du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Da du jünger warest, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach! Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war und gesagt hatte: Herr, wer ist's, der dich verrät? Da Petrus diesen sah, spricht er zu Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Folge du mir nach! Da Deseo 76 Jahrgang I. Am Feiertag Maria Reinigung. ging eine Rede aus unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: Er stirbt nicht, sondern: So ich will, daß er bleibe, bis ich tomme, was gehet es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget und hat dies geschrieben; und wir wissen, daß fein Zeugnis wahrhaftig ist. 2) Epistel, Ebr. 1. Nachdem vorzeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat; welcher, fintemal er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens, und trägt alle Dinge mit seinem träftigen Wort, und hat gemacht die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst, hat er sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe, so viel beffer worden denn die Engel, so gar viel einen höheren Namen er vor ihnen ererbet hat. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget? Und abermal: Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein? Und abermal, da er einführet den Erstgebornen in die Welt, spricht er: Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten. Von den Engeln spricht er zwar: Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen; aber von dem Sohn: Gott, bein Stuhl währet von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Scepter deines Reichs ist ein richtiges Scepter. Du hast geliebet die Gerechtigkeit und gehasset die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbet dein Gott mit dem Öl der Freude über deine Genossen. Und: Du, Herr, haft von Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Wert. Dieselbigen werden vergehen, du aber wirst bleiben; und sie werden alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie wandeln, und sie werden sich verwandeln; du aber bist derselbige, und deine Jahre werden nicht aufhören. Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt: Sete dich zu meiner Rechten, bis ich Lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße? Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit? Am Feiertag Mariä Reinigung. 1) Evangelium, Lut. 2, 22-40. Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Geset Moses tamen, brachten sie Jesum gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn( wie denn geschrieben stehet in dem Geset des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen), und daß fie gäben das Opfer, nach dem gesagt ist im Gesez des Herrn, ein Paar Turteltauben oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem mit Namen Simeon, und derselbige Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Jsraels, und der heilige Geist Jahrgang I. Am Feiertag Mariä Reinigung. Matthias. 77 war in ihm. Und ihm war eine Antwort worden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Chrift des Herrn gesehen; und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Gesek, da nahm er ihn auf seine Arme und lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet haft vor allen Völkern, ein Licht, zu ers leuchten die Heiden, und zum Preis deines Volts Jsrael. Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich des, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird( und es wird ein Schwert durch deine Seele bringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuels vom Geschlecht Affer, die war wohl betaget und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Mann nach ihrer Jungfrauschaft; und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren. Die tam nimmer vom Tempel, bienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde und preisete den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesez des Herrn, tehreten sie wieder in Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. 2) Epistel, Maleachi 3, 1-5. Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten foll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, des thr begehret. Siehe, er tommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmiedes und wie die Seife der Wäscher. Er wird sizen und schmelzen und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speißopfer bringen in Gerechtigkeit. Und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Judas und Jerusalems wie vorhin und vor langen Jahren. Und ich will zu euch kommen und euch strafen, und will ein schneller Zeuge fein wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen und wider die, so Gewalt und Unrecht thun den Taglöhnern, Witwen und Waisen, und ben Frembling brücken und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth. Am Feiertag Matthias'. 1) Evangelium, Matth. 11, 25-30. Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Bater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen 78 Jahrgang I. Am Feiertag Mariä Verkündigung. verborgen haft, und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Bater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir übers geben von meinem Vater. Und niemand tennet den Sohn denn nur der Bater; und niemand tennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquiden. Nehmet auf euch mein Joch, und Iernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Laft ist leicht. 2) Epistel, Apoftelgefch. 1, 15-26. Und in den Tagen trat auf Petrus unter die Jünger und sprach( es war aber die Schar der Namen zuhauf bei hundertundzwanzig): Ihr Männer und Brüder, es mußte die Schrift erfüllet werden, welche zuvor gesagt hat der heilige Geist durch den Mund Davids von Judas, der ein Vors gänger war derer, die Jesum fingen; denn er war mit uns gezählet und hatte dies Amt mit uns überkommen. Dieser hat erworben den Acker um den ungerechten Lohn und sich erhenkt, und ist mitten entzwei geborsten und alle sein Eingeweide ausgeschüttet. Und es ist fund worden allen, die zu Jerusalem wohnen, also daß derselbige Ader genannt wird auf ihre Sprache Hakeldama, das ist ein Blutadker. Denn es stehet geschries ben im Pfalmbuch: Seine Behausung müsse wüste werden, und sei niemand, der darinnen wohne, und sein Bistum empfahe ein anderer. So muß nun einer unter diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, welche der Herr Jesus unter uns ist aus- und eingegangen von der Taufe Johannis an bis auf den Tag, da er von uns genommen ist, ein Beuge seiner Auferstehung mit uns werden. Und sie stelleten zween, Joseph, genannt Barsabas, mit dem Zunamen Just, und Matthias, beteten und sprachen: Herr, aller Herzen Kündiger, zeige an, welchen du erwählet haft unter diesen zween, daß einer empfahe diesen Dienst und Apostelamt, davon Judas abgewichen ist, daß er hinginge an seinen Drt. Und sie warfen das Los über ste, und das Los fiel auf Matthias. Und er ward jugeordnet zu den elf Aposteln. Am Feiertag Mariä Verkündigung. 1) Evangelium, 2ut. 1, 26-38. Und im sechsten Mond ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vers trauet war einem Manne mit Namen Joseph vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel tam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du, Holdselige! Der Herr ist mit dir, du Gebenes beiete unter den Weibern! Da sie aber ihn sah, erschrat sie über seiner Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, bu haft Gnade bei Gott gefunden! Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe und einen Sohn gebären, des Namen Jahrgang I. Am Feiertag Philippus' und Jakobus'. 79 sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchften genannt werden. Und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, sintemal ich von teinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt wers ben. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und gehet jetzt im sechsten Monden, die im Geschrei ist, daß fie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt haft. Und der Engel schied von ihr. 2) Epistel, Jef. 7, 10-15. Und der Herr rebete abermal zu Ahas und sprach: Fordere bir ein Zeis chen vom Herrn, deinem Gott, es sei unten in der Hölle ober droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret, ihr vom Hause David: Ist's euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget, thr müßt auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er effen, daß er wiffe Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. Am Feiertag Philippus' und Jakobus'. 1) Evangelium, Joh. 14, 1-14. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause find viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, daß wisset ihr, und den Weg wiffet ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehest, und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; nies mand kommt zum Vater denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so fennetet ihr auch meinen Vater; und von nun an tennet ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Bater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und bu tenneft mich nicht? Philippus, wer mich fiehet, der fiehet ben Bater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Bater? Glaubeft bu nicht, daß ich im Vater und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst; der Bater aber, der in mir wohnet, derfelbige thut die Werte. Glaubet mir, daß ich im Bater und der Bater 9000 80 Jahrgang I. Am Feiertag Johannes des Täufers. in mir ist, wo nicht, so glaubet mir doch um der Werte willen. Bahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der wird die Werte auch thun, die ich thue, und wird größere denn diese thun; denn ich gehe zum Bater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun. 2) Epistel, Eph. 2, 19-22. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaue: auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchen der ganze Bau ineinander gefüget wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottesd im Geist. Am Feiertag Johannes' des Täufers. 1) Evangelium, 2ut. 1, 57-80. Und Elisabeth tam ihre Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundten höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage, kamen sie zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinem Vater Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie spras chen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winteten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er fors derte ein Täfelein und schrieb also: Er heißt Johannes. Und sie verwuns ten sich alle. Und alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan und redete und lobete Gott. Und es tam eine Furcht über alle Nachbarn. Und diese Geschichte ward alle ruchtbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es höreten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was, meis nest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weißsagete und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Jsraels, denn er hat besucht und erlöset sein Bolt, und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David, als er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, und die Barms herzigkeit erzeigete unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, baß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und bu, Kindlein, wirft ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Geils gebeft seinem Volk, die da ist in Bergebung ihrer Sünden durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, burch welche uns besucht hat Jahrgang I. Am Feiertag Petrus' und Paulus'. 81 der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da fiken in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volt Israel. 2) Epistel, Jef. 40, 1-8. Tröstet, tröstet mein Bolt, spricht euer Gott, redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen von der Hand des Herrn um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlecht werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinan wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; denn des Herrn Geist bläset brein. Ja, das Volk ist das Heu. Das Heu verdorret, die Blume veriveltt; aber das Wort unsers Gottes bleibet ewiglich. Am Feiertag Petrus und Paulus'. 1) Evangelium, Matth. 16, 13-19. Da kam Jesus in die Gegend ber Stadt Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seieft Johannes der Täufer; die andern, du feiest Elia; etliche, du feiest Jeremia ober der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüffel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. 2) Epistel, Apoftelgesch. 12, 1-11. Um biefelbige Zeit legte der König Herodes die Hände an, etliche von der Gemeine zu peinigen. Er tötete aber Jakobus, Johannis Bruder, mit dem Schwert. Und da er fah, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort und fing Petrus auch. Es waren aber eben die Tage der süßen Brote. Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 6 82 Jahrgang I. Am Feiertag Jakobus' des Größeren. Da er ihn nun griff, legte er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Vierteilen Kriegsknechten, ihn zu bewahren, und gedachte, ihn nach den Ostern dem Volk vorzustellen. Und Petrus ward zwar im Gefängnis gehalten; aber die Gemeine betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus zwischen zween Kriegsknechten, gebunden mit zwo Retten, und die Hüter vor der Thür hüteten des Gefängnisses. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach, und schlug Petrus an die Seite und weckte ihn auf und sprach: Stehe behende auf! Und die Retten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und thue deine Schuhe an! Und er that also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich und folge mir nach! Und er ging hinaus und folgete ihm, und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschah durch den Engel, sondern es deuchte ihn, er sähe ein Gesicht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut und tamen zu der eisernen Thür, welche zur Stadt führet; die that sich ihnen von ihr felber auf, und traten hinaus und gingen hin eine Gaffe lang. Und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu ihm selber kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gefandt hat und mich errettet aus der Hand Herodis und von allem Warten des jüdischen Bolts. Am Feiertag Jakobus' des Größeren. 1) Evangelium, Matth. 20, 20-28. Da trat zu ihm die Mutter der Kinder Zebebäi mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und bat etwas von ihm. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: 2aß diese meine zween Söhne figen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Rönnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja wohl. Und er sprach zu ihnen: Meinen Relch sollt ihr zwar trinken, und mit der Zaufe, da ich mit getauft werde, sollt ihr getauft werden; aber das Siten zu meiner Rechten und Sinken zu geben, stehet mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem Vater. Da das die Zehn höreten, wurden sie unwillig über die zween Brüder. Aber Jesus rief ste zu sich und sprach: Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch; sondern so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener; und wer da will der Bornehmste sein, der sei euer Knecht. Gleichwie des Menschen Sohn ist nicht kommen, daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. 2) Epiftel, Röm. 8, 28-39. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsag berufen sind. Denn welche er zuvor ver I Jahrgang I. Am Feiertag Bartholomäus'. 83 fehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohns, auf daß derselbige der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er uch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir nun biezu sagen? Jst Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht machet. Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübfal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet für Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit um des willen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zufünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch teine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, bie in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Am Feiertag Bartholomäus'. 1) Evangelium, Joh. 1, 35-51. Des andern Tags stund abermal Johannes und zween seiner Jünger. Und als er sah Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm. Und zween seiner Jünger höreten ihn reben und folgeten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was fuchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Nabbi( das ist verdolmetscht: Meister), wo bist du zur Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und fehet es. Sie tamen und sahen's und blieben denselbigen Tag bei ihm; es war aber um die zehnte Stunde. Einer aus den zween, die von Johannes höreten und Jesu nachfolgeten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Derselbige findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden( welches ist verdolmetscht: der Gesalbte); und führete ihn zu Jesu. Da ihn Jesus sah, sprach er: Du bist Simon, Jonas Sohn; du sollst Rephas heißen( das wird verdolmetscht: ein Fels). Des andern Tages wollte Jesus wieder in Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Mose im Geset und die Propheten geschrieben haben: Jesum, Josephs Sohn von Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes tommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und siehe es! Jesus sah Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Israeliter, in welchem tein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher tennest du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe 84 Jahrgang I. Am Feiertag Matthäus'. denn dir Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warest, sah ich dich. Nathanael antwortete und spricht zu ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Jsrael! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubest, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres denn das sehen. Und spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn. 2) Epistel, 2 Kor. 4, 5-10. Wir predigen nicht uns selbst sondern Jesum Christ, daß er sei der Herr, wir aber eure Knechte um Jefu willen. Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi. Wir haben aber solchen Schaß in irdenen Gefäfsen, auf daß die überschwengliche Kraft sei Gottes und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübfal, aber wir ängsten uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um; und tragen um allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leibe, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. Am Feiertag Matthäus'. 1) Evangelium, Matth. 9, 9-13. Und da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll fizen, der hieß Matthäuß, und sprach zu ihm: Folge mir! Und er stund auf und folgete ihm. Und es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, flehe, da tamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isset euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Da das Jesus hörete, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet aber hin und Lernet, was das sei: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Ich bin kommen bie Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten. 2) Epistel, Eph. 4, 7-16. Einem jeglichen unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Chrifti. Darum spricht er: Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangen geführet und hat den Menschen Gaben gegeben. Daß er aber aufgefahren ist, was ist es, denn daß er zuvor ist hinunters gefahren in die untersten Örter der Erde? Der hinuntergefahren ist, das ist berselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf daß er alles ers füllete. Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß die Heiligen zugerichtet werden zum Wert des Amts, dadurch der Leib Christi erbauet werde, bis daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkennt Jahrgang I. Am Feiertag Simons und Judas'. 85 nis des Sohns Gottes und ein vollkommener Mann werden, der ba sei in dem Maße des vollkommenen Alters Christi; auf daß wir nicht mehr Kinder seien und uns wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schaltheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen. Laffet uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an den, der das Haupt ist, Christus; aus welchem der ganze Leib zusammengefüget, und ein Glied am andern banget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung thut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maße und macht, daß der Leib wächset zu seiner selbst Besserung; und das alles in der Liebe. Am Feiertag Simons und Judas'. 1) Evangelium, Joh. 15, 17-25. Das gebiete ich euch, daß ihr euch untereinander liebet. So euch die Welt haffet, so wisset, daß fie mich vor euch gehaffet hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Jhre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum haffet euch die Welt. Gebentet an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie mich verfolget, fie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch thun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Wenn ich nicht kommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie feine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich hasset, der hasset auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke gethan unter ihnen, die kein anderer gethan hat, so hätten sie teine Sünde; nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und meinen Vater. Doch daß erfüllet werbe der Spruch, in ihrem Gesege geschrieben: Sie haffen mich ohne Ursache. 2) Epistel, 1 Petri 1, 3-9. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit( wo es sein soll) traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu Lobe, Preis und Ehre, wann nun offenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude und das Ende eures Glaubens davonbringen, nämlich der Seelen Seligkeit. 86 Jahrgang II. Am 1. und 2. Advent. Sonn- fest- und feiertägliche Evangelien und Episteln. 3 weiter Jahrgang. Am 1. Advent. 1) Evangelium, But. 17, 20-25. Da Jesus aber gefragt warb von ben Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. Man wird auch nicht sagen: Siehe, hie oder da ist es. Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, daß ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohns und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe hie, siehe da. Gehet nicht hin und folget auch nicht. Denn wie der Blizz oben vom Himmel blitet und leuchtet über alles, das unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an seinem Tage sein. Zuvor aber muß er viel leiden und vers worfen werden von diesem Geschlecht. 2) Epistel, Röm. 14, 17-19. Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geiste. Wer darinnen Christo dienet, der ist Gott gefällig und den Menschen wert. Darum lasset uns dem nachstreben, das zum Frieden dienet, und was zur Besserung untereine ander dienet. Am 2. Advent. 1) Evangelium, But. 12, 35-48. Laffet eure Benden umgürtet sein und eure Lichter brennen; und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf daß, wann er kommt und anklopft, sie ihm bald aufthun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch, er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tisch sehen und vor ihnen gehen und ihnen dienen. Und so er kommt in der andern Wache und in der dritten Wache und wird es also finden, selig sind diese Knechte. Das sollt ihr aber wissen, wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb täme, so wachete er und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Jahrgang II. Am 2. und 3. Advent. 87 Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr nicht meinet. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagest du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen? Der Herr aber sprach: Wie ein groß Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr sepet über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe! Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also thun, wann er kommt. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter seßen. So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzeucht zu kommen, und fähet an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen, so wird desselbigen Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen gethan, der wird viele Streiche leiden müssen; der es aber nicht weiß, hat doch gethan, das der Streiche wert ist, wird wenige Streiche Leiben. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern. 2) Epistel, Röm. 14, 7-12. Unser teiner lebt ihm selber und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, ſo leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig worden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei. Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi dargestellt werden, nach dem geschrieben stehet: So wahr als ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Kniee ges beuget werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen. So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Am 3. Advent. 1) Evangelium, But. 3, 2-18. Da Hannas und Kaiphas Hobepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zacharias' Sohn, in der Wüste. Und er tam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Wie geschrieben stehet in dem Buch der Rede Jesaias, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und machet seine Steige richtig! Alle Thäler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel follen erniedriget werden, und was trumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlechter Weg werden; und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe: Jhr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, thut rechtschaffene 1999 88 Jahrgang II. Am 3. und 4. Advent. Früchte der Buße, und nehmet euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Bater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Bolt fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn thun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zween Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, thue auch also. Es tamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir thun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir thun? Und er sprach zu ihnen: Thut nies mand Gewalt noch Unrecht, und lasset euch begnügen an eurem Solde. Als aber das Volt im Wahn war und dachten alle in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es fommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuhe auflöse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. In desselbigen Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen. Und viel anders mehr vermahnete und verkündigte er dem Volt. 2) Epistel, Apoftelgesch. 3, 19-26. thut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilget werden, auf daß da komme die Zeit der Erquicung von dem Angesicht des Herrn, wann er senden wird den, der euch jetzt zuvor geprediget wird, Jesum Christ; welcher muß den Himmel einnehmen bis auf die Zeit, da hers wiedergebracht werde alles, was Gott geredet hat durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von der Welt an. Denn Mose hat gesagt zu den Vätern: Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern gleichwie mich, den sollt ihr hören in allem, das er zu euch sagen wird; und es wird geschehen, welche Seele denselbigen Propheten nicht hören wird, die soll vertilget werden aus dem Volk. Und alle Propheten von Samuel an und hernach, wie viele ihrer geredet haben, die haben von diesen Tagen verkündiget. Ihr seid der Propheten und des Bundes Kinder, welchen Gott gemacht hat mit euren Vätern, da er sprach zu Abraham: Durch deinen Samen sollen gesegnet werden alle Völter auf Erden. Euch zuvörderst hat Gott auferwedt seinen Knecht Jefum und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, daß ein jeglicher sich befehre von seiner Bosheit. Am 4. Advent. 1) Evangelium, Joh. 3, 22-36. Darnach tam Jesus und seine Jünger in das jüdische Land und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und taufte. Johannes aber taufte auch Jahrgang II. Am 4. Advent. Chriftfest. 89 noch zu Enon nahe bei Salim, denn es war viel Wassers daselbst; und fie tamen dahin und ließen sich taufen. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt. Da erhub sich eine Frage unter den Jüngern Johannis samt den Juden über die Reinigung, und kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit des Jordans, von dem du zeugetest, stehe, der taufet, und jedermann kommt zu ihm. Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Ihr selbst seid meine Beugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams stehet und höret ihm zu, und freuet sich hoch über des Bräutigams Stimme. Dieselbige meine Freude ist nun erfüllet. Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. Der von oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde; der vom Himmel tommt, der ist über alle und zeuget, was er gesehen und gehört hat. Und sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer es aber annimmt, der berfiegelt's, daß Gott wahrhaftig sei. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet Gottes Wort; denn Gott giebt den Geist nicht nach dem Maß. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubet, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Born Gottes bleibt über ihm. 2) Epistel, 1 Joh. 1, 1-4. Das da von Anfang war, das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschauet haben und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens( und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und zeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen): was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesu Christo. Und solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei. Am heiligen Christfest. 1) Evangelium, A. 2ut. 2, 1-14. 8 begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätet würde. Und diese Schäßung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schäßen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa aus der Stadt Nazareth in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, tam die Beit, daß sie gebären 90 Jahrgang II. Chrißfeß. Sonntag nach dem Chrißfest. follte. Und fie gebar thren ersten Sohn und widelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Herde. Und stehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, unb bie Klarheit des Herrn leuchtete um fie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volt widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbalb war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. B. Joh. 1, 14-18. Und das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als bes eingebornen Sohns vom Bater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeuget von ihm, rufet und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird tommen, der vor mir gewesen ist; denn er war ehe denn ich. Und von feiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Geses ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christ worden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborne Sohn, der in des Baters Schoß ist, der hat es uns verkündiget. 2) Epistel, Eph. 1, 3-8. Seløbet sei Gott und ber Bater unsers Herrn Jesu Chrifti, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Chriftum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir follten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe; und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst durch Jesum Chrift, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lob seiner herrs lichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Ge liebten, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist durch allerlei Weisheit und Klugheit. Am Sonntag nach dem heiligen Chriftfest. 1) Evangelium, 2ut. 1, 46-55. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magb angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preifen alle Kindestinder; denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und des Namen heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Jahrgang II. Sonntag nach dem Chriftfest. Neujahr. 91 Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt bie Elenden. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und läßt die Reichen leer. Er benket der Barmberzigkeit und hilft seinem Diener Ssrael auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. 2) Epistel, 1 Tim. 3, 16. Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist geoffenbaret im Fleisch, gerechtfertiget im Geist, erschienen den Engeln, geprediget den Heiden, geglaubet von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Am Neujahrsfest. 1) Morgenlettionen. A. br. 13, 8. Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. B. Ebr. 13, 14. Denn wir haben hie keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. C. br. 10, 35. Werjet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. D. Offenb. Joh. 2, 10. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. E. 2 Ror. 13, 13. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen. F. Offenb. Joh. 1, 4. Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, und der da war, und der da fommt. 2) Abendlektionen. A. Psalm 90, 2-6. Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. She denn die Berge worden und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen läsfest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder. Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du läsfest sie dahinfahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, daß da frühe blühet und bald welk wird, und des Abends abgehauen wird und verborret. B. Psalm 102, 26-28. Du haft vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Wert. Sie werden vergehen, aber du bleibest. Sie werden alle veralten 92 Jahrgang II. Sonntag nach Neufahr. Erscheinung Chrifti. wie ein Gewand; sie werden verwandelt wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. C. Psalm 119, 19. Ich bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir. D. Pfalm 39, 5. 6. Aber, Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Am Sonntag nach dem Neujahrsfest. 1) Evangelium, Joh. 12, 44-50. Jefus aber rief und sprach: Wer an mich glaubet, der glaubet nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Und wer mich siehet, der fiehet den, der mich gefandt hat. Ich bin kommen in die Welt ein Licht, auf daß, wer an mich glaubet, nicht in der Finsternis bleibe. Und wer meine Worte höret und glaubet nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht kommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache. Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, ber hat schon, der ihn richtet; das Wort, welches ich gerebet habe, daß wird ihn richten am jüngsten Tage. Denn ich habe nicht von mir selber geredet; sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich thun und reden soll. Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, das ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat. 2) Epistel, 1 Theff. 5, 5-10. Ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir find nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern fein. Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern sein, angethan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Born, sondern die Seligkeit zu besigen durch unsern Herrn Jesum Christ, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben sollen. Am Fest der Erscheinung Christi. 1) Evangelium, Matth. 2, 1-12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, stehe, da tamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir Jahrgang II. Am 1. Sonntag nach Epiphania. 93 haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete erschrat er und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Bolt und erforschete von ihnen, wo Chriftus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, saget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut; und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an, und thaten ihre Schäße auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenten. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. 2) Epistel, Jef. 42, 1-8. Siehe, das ist mein Knecht, ich erhalte ihn, und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben, er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gaffen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftiglich balten lehren. Er wird nicht mürrisch noch greulich sein, auf daß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf seine Gesetze warten. So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schaffet und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächse, der dem Volk, so drauf ist, den Obem giebt, und den Geist denen, die drauf gehen: Jch, der Herr, habe dir gerufen mit Gerechtigkeit, und habe dich bei deiner Hand gefasset, und habe dich behütet, und habe dich zum Bund unter das Volt gegeben, zum Licht der Heiden, daß du sollst öffnen die Augen der Blinden und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen, und die da siten in der Finsternis, aus dem Kerter. Jch, der Herr, das ist mein Name; und will meine Ehre teinem andern geben noch meinen Ruhm den Gözen. Am 1. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Mart. 10, 13-16. Und fie brachten Kindlein zu Jesu, daß er sie anrührete. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sah, ward er un 94 Jahrgang II. Am 2. Sonntag nach Epiphania. willig und sprach zu ihnen: Laßt die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfähet als ein Rindlein, der wird nicht hineinkommen. Und er herzete sie, und legte die Hände auf sie und fegnete fie. 2) Epistel, Eph. 6, 1-4. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat; auf daß dir's wohl gehe und lange lebest auf Erden. Und ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Bermahnung zu dem Herrn. Am 2. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, 2ut. 4, 14-24. Und Jesus tam wieder in des Geistes Kraft in Galiläa, und das Gerücht erscholl von ihm durch alle umliegende Drte. Und er lehrete in ihren Schulen und ward von jedermann gepriesen. Und er tam gen Nazareth, da er erzogen war, und ging in die Schule nach seiner Gewohnheit am Sabbathtage, und stund auf und wollte lesen. Da ward ihm das Buch des Propheten Jesaia gereicht. Und da er das Buch herumwarf, fand er ben Ort, ba geschrieben stehet: Der Geist des Herrn ist bei mir, derhalben er mich gejalbet hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß fie Los sein sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, und zu predigen das angenehme Jahr des Herrn. Und als er das Buch zuthat, gab er es dem Diener und setzte sich. Und aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn. Und er fing an zu sagen zu ihnen: Heute ist diese Schrift erfüllet vor euren Ohren. Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich der holdseligen Worte, die aus seinem Munde gingen, und sprachen: Ist das nicht Josephs Sohn? Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet freilich zu mir sagen dies Sprichwort: Arzt, hilf bir selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört zu Kapernaum geschehen! Thue auch also hie in deinem Baterlande! Er aber sprach: Wahrlich, ich sage euch, tein Prophet ist angenehm in seinem Vaterlande. 2) Epistel, Röm. 1, 16-25. Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen. Sintemal barinnen geoffenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche tommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben stehet: Der Gerechte wird seines Glaubens leben. Denn Gottes Zorn vom Himmel wird geoffenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerech tigkeit aufhalten. Denn daß man weiß, daß Gott sei, ist ihnen offenbar; 95 Jahrgang II. Am 3. Sonntag nach Epiphania. benn Gott hat es ihnen geoffenbart damit, daß Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit wird ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt. Also daß sie keine Entschuldigung haben, dieweil sie wußten, daß ein Gott ist, und haben ihn nicht gepreiset als einen Gott, noch gedanket; sondern sind in ihrem Dichten eitel worden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren worden und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich dem vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der triechenden Tiere. Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigteit, zu schänden ihre eigenen Leiber an ihnen selbst; die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lülge, und haben geehret und gedienet dem Geschöpf mehr denn dem Schöpfer, der da gelobet ist in Ewigkeit. Amen. Am 3. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Joh. 4, 5-14. Da tam Jesus in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. Da kommt ein Weib von Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gieb mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise tauften. Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist, und ich ein samaritisch Weib? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkennetest bie Gabe Gottes, und wer der ist, der zu dir sagt: Gieb mir zu trinken; du bäteft ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Spricht zu ihm das Weib: Herr, hast du doch nichts, damit du schöpfeft, und der Brunnen ist tief; woher haft du denu lebenbiges Waffer? Bist du mehr denn unser Bater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Bieh. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer dieses Wassers trinket, den wird wieder bürsten; wer aber des Wassers trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürften, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet. 2) Epiftel, Röm. 5, 1-5. Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieben mit Gott durch unsern Herrn Jesum Chrift; durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber bas, sondern wir rühmen uns auch der Trübfale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Gebulb bringet, Geduld 96 Jahrgang II. Am 4. und 5. Sonntag nach Epiphantä. aber bringet Erfahrung, Erfahrung aber bringet Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Am 4. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Joh. 4, 15-26. Spricht das Weib zu ihm: Herr, gieb mir basselbige Wasser, auf daß mich nicht dürfte, daß ich nicht herkommen müsse zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinem Manne und komm her. Das Weib antwor tete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du haft recht gesagt, ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann. Da hast du recht gesagt. Das Weib spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr saget, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten folle. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden. Aber es tommt die Zeit und ist schon jett, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbige kommen wird, so wird er's uns alles verkündigen. Jesus spricht zu thr: Ich bin es, der mit dir redet. 2) Epistel, Röm. 2, 4-11. Verachtest du, o Mensch, den Reichtum seiner Güte, Gebuld und Langmütigkeit? Weißest du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufest dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken, nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Gebulb in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; aber denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade und Zorn; Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun, vornehmlich der Juden und auch der Griechen; Preis aber und Ehre und Frieden allen denen, die da Gutes thun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott. Am 5. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 9, 35-38. Und Sejus ging umher in alle Städte und Märtte, lehrete in ihren Schulen und prebigte das Evangelium von dem Reich, und heilete allerlei Jahrgang II. Am 6. Sonntag nach Epiphaniä. 97 Seuche und allerlei Krankheit im Volk. Und da er das Volk sah, jammerte ihn desselbigen; denn sie waren verschmachtet und zerstreuet wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter; darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende. 2) Epistel, Apoftelgesch. 16, 9-15. Und Paulus erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Macedonien, der stund und bat ihn und sprach: Komm herüber in Macedonien und hilf uns! Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trachteten wir alsobald zu reisen in Macedonien, gewiß, daß uns der Herr dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und stracks Laufs kamen wir gen Samothracien, des andern Tages gen Neapolis und von dannen gen Philippi, welche ist die Hauptstadt des Landes Macedonien und eine Freistadt. Wir hatten aber in dieser Stadt unser Wesen etliche Tage. Am Tage des Sabbaths gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, da man pfleget zu beten, und setten uns und redeten zu den Weibern, die da zusammentamen. Und ein gottesfürchtig Weib mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt der Thyatirer, hörete zu; welcher that der Herr das Herz auf, daß sie darauf acht hatte, was von Paulus geredet ward. Als sie aber und ihr Haus getauft ward, ermahnete sie uns und sprach: So ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommet in mein Haus und bleibet allda. Und sie zwang uns. Am 6. Sonntag nach Epiphania. 1) Evangelium, 2ut. 6, 1-10. Und es begab sich auf einen Aftersabbath, daß er durchs Getreide ging; und seine Jünger rausten Ähren aus und aßen und rieben sie mit den Händen. Etliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Warum thut ihr, das sich nicht ziemet zu thun auf die Sabbathe? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das gelesen, das David that, da ihn hungerte und die mit ihm waren? Wie er zum Hause Gottes einging und nahm Schaubrote und aß und gab auch denen, die mit ihm waren, die boch niemand durfte effen ohne die Priester allein. Und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist ein Herr auch des Sabbaths. Es geschah aber auf einen andern Sabbath, daß er ging in die Schule und lehrete. Und da war ein Mensch, des rechte Hand war verdorret. Aber die Schrifts gelehrten und Pharisäer hielten auf ihn, ob er auch heilen würde am Sabbath, auf daß sie eine Sache zu ihm fänden. Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit der dürren Hand: Stehe auf und tritt hervor! Und er stund auf und trat dahin. Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch, was ziemet sich zu thun auf die Sabbathe, Gutes ober Böses? das Leben erhalten oder verderben? Und er sah sie alle umher Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 7 98 Jahrgang II. Am Sonntag Septuagefimă. an und sprach zu bem Menschen: Strede aus beine Hand! Und er that es. Da ward ihm seine Hand wieder zurechtgebracht, gefund wie die andere. 2) Epistel, Apostelgesch. 13, 42-52. Da aber die Juben aus der Schule gingen, baten die Heiben, daß fie zwischen Sabbaths ihnen die Worte sageten. Und als die Gemeine der Schule voneinander gingen, folgten Paulus und Barnabas nach viele Juden und gottesfürchtige Judengenossen. Sie aber sagten ihnen und vermahneten ste, daß sie bleiben sollten in der Gnade Gottes. Am fol= genden Sabbath aber kam zusammen fast die ganze Stadt, das Wort Gottes zu hören. Da aber die Juden das Volt saben, wurden sie voll Neides und widersprachen dem, das von Paulus gesagt ward, widersprachen und lästerten. Paulus aber und Barnabas sprachen frei öffentlich: Euch mußte zuerst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Leben stehe, so wenden wir uns zu den Heiden. Denn also hat uns der Herr geboten: Ich habe bich den Heiden zum Licht gesetzt, daß du das Heil seieft bis ans Ende der Erde. Da es aber die Heiden höreten, wurden sie froh und preiseten das Wort des Herrn und wurden gläubig, wie viele ihrer zum ewigen Leben verordnet waren. Und das Wort des Herrn ward ausgebreitet durch die ganze Gegend. Aber die Juden bewegten die andächtigen und ehrbaren Weiber und der Stadt Obersten und erweckten eine Verfolgung über Paulus und Barnabas und stießen sie zu ihren Grenzen hinaus. Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen über fte, und tamen gen Jlonion. Die Jünger aber wurden voll Freude und beiligen Geistes. Am Sonntag Septuagesimä. 1) Evangelium, Matth. 11, 16-24. Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, bie an dem Markt siten und rufen gegen ihre Gesellen und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklaget, und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist kommen, aß nicht und trant nicht, so sagen fie: Er hat ben Teufel. Des Menschen Sohn ist kommen, iffet und trinket, so sagen fie: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle! Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern. Da fing er an die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner Thaten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebeffert: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Wären folche Thaten zu Thruß und Sidon geschehen, als bei euch geschehen sind, sie hätten vorzeiten im Sad und in der Asche Buße gethan. Doch ich fage euch: Es wird Thrus und Sidon erträglicher ergehen am jüngsten Gerichte denn euch. Und du Rapernaum, die bu bist erhoben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werben. Denn so zu Sodom die Thaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, fie stünde Jahrgang II. Am Sonntag Sexagesimä. 99 noch heutiges Tages. Doch ich sage euch: Es wird der Sodomer Land erträglicher ergehen am jüngsten Gerichte denn dir. 2) Epistel, Apostelgesch. 9, 36-42. Zu Joppe aber war eine Jüngerin mit Namen Tabea( welches verbolmetscht heißt eine Rehe), die war voll guter Werke und Almosen, die sie that. Es begab sich aber zu derselbigen Zeit, daß fie frank ward und starb. Da wuschen sie dieselbige und legten sie auf den Söller. Nun aber Sydda nahe bei Joppe ist, da die Jünger höreten, daß Petrus daselbst war, sandten sie zween Männer zu ihm und ermahneten ihn, daß er sich's nicht ließe verdrießen zu ihnen zu kommen. Petrus aber stund auf und kam mit ihnen. Und als er darkommen war, führeten sie ihn hinauf auf den Söller und traten um ihn alle Witwen, weineten und zeigeten ihm die Röcke und Kleider, welche die Rehe machte, weil sie bei ihnen war. Und da Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, tniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabea, stehe auf! Und sie that ihre Augen auf; und da sie Petrus sah, sette sie sich wieder. Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf, und rief den Heiligen und den Witwen und stellete sie lebendig dar. Und es ward kund durch ganz Joppe; und viele wurden gläubig an den Herrn. Am Sonntag Sexagesimä. 1) Evangelium, Joh. 8, 21-29. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werbet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Juden: Will er sich denn selbst töten, daß er spricht: Wo ich hingehe, da fönnet ihr nicht hinkommen? Und er sprach zu ihnen: IJhr seid von unten her, ich bin von oben herab; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. So habe ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn so ihr nicht glaubet, daß ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden. Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Erstlich der, der ich mit euch rede. Ich habe viel von euch zu reden und zu richten; aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich vor der Welt. Sie vernahmen aber nicht, daß er ihnen von dem Bater sagte. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es sei und nichts von mir selber thue; sondern wie mich mein Vater gelehret hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Bater lässet mich nicht allein; denn ich thue allezeit, was ihm gefällt. 2) Epistel, Ebr. 10, 19-29. So wir denn nun haben, liebe Brüder, bie Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu, welchen er uns zubereitet hat zum neuen und lebenbigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, 100 Jahrgang II. Am Sonntag Estomihi. und haben einen Hphenpriester über das Haus Gottes; so laffet uns hins zugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprenget in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. Und laffet uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat. Und lasset uns untereinander unser selbst wahrnehmen mit Reizen zur Liebe und guten Werten, und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen; sondern untereinander ermahnen, und das so viel mehr, so viel ihr sehet, daß sich der Tag nahet. Denn so wir mutwillig fündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder kein ander Opfer mehr für die Sünde, sondern ein schrecklich Warten des Gerichts und des Feuereifers, der die Widerwärtigen verzehren wird. Wenn jemand das Geset Moses bricht, der muß sterben ohne Barmherzigfeit durch zween ober drei Zeugen; wie viel, meinet ihr, ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Testaments unrein achtet, durch welches er geheiliget ist, und den Geist der Gnade schmähet? Am Sonntag Estomihi. 1) Evangelium, Matth. 16, 21-23. Von der Zeit an fing Jesus an und zeigete seinen Jüngern, wie er müßte hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone deiner selbst, das widerfahre dir nur nicht! Aber er wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir, du bist mir ärgerlich; denn du meinest nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist! 2) Epistel, 2 Kor. 11, 23-30. Sie find Diener Christi;( ich rede thörlich) ich bin's wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger einen. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meeres. Ich habe oft gereiset; ich bin in Fährlichkeit gewesen zu Wasser, in Fährlichkeit unter den Mördern, in Fährlichkeit unter den Juden, in Fährlichkeit unter den Heiden, in Fährlichkeit in den Städten, in Fährlichkeit in den Wüsten, in Fährlichkeit auf dem Meer, in Fährlichkeit unter den falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; ohne was sich sonst zuträgt, nämlich daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Jahrgang II. Sonntag Invocavit. Reminiscere. 101 Am Sonntag Invocavit. 1) Evangelium, Joh. 2, 13-22. Und der Juden Ostern waren nahe. Und Jesus zog hinauf gen Jerusalem und fand im Tempel sitzen, die da Dchsen, Schafe und Tauben feil hatten, und die Wechsler. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen, und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um, und sprach zu denen, die die Tauben feil hatten: Traget das von dannen, und machet nicht meines Baters Haus zum Kaufhause. Seine Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben stehet: Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen. Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du solches thun mögest? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel, und am dritten Tage will ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut, und du willst ihn in dreien Tagen aufrichten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Da er nun auferstanden war von den Toten, gedachten seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und der Rede, die Jesus gesagt hatte. 2) Epistel, 1 Petri 1, 17-25. Sintemal ihr den zum Bater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Wert, so führet euren Wandel, solange ihr bie wallet, mit Furcht; und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuern Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes, der zwar zuvor versehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber geoffenbaret zu den letzten Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubet an Gott, der ihn auferwecket hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf daß ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet. Und machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist zu ungefärbter Bruderliebe, und habt euch untereinander brünstig lieb aus reinem Herzen, als die da wiederum geboren sind nicht aus vergänglichem sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibet. Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grafes Blume. Das Gras ist verdørret und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkünbiget ist. Am Sonntag Reminiscere. 1) Evangelium, Matth. 12, 38-42. Da antworteten etliche unter den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollten gern ein Zeichen von dir sehen. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die böse und ehebrecherische Art suchet 102 Jahrgang II. Sonntag Reminiscere. Oculi. ein Zeichen; und es wird ihr fein Zeichen gegeben werden denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des Walfisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte mitten in der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten am jüngsten Gerichte mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie thaten Buße nach der Predigt Jonas. Und siehe, hie ist mehr denn Jona. Die Königin von Mittag wird auftreten am jüngsten Gerichte mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hie ist mehr denn Salomo. 2) Epistel, Jat. 1, 2-12. Meine lieben Brüder, achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet, und wisset, daß euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Geduld wirket. Die Geduld aber soll feste bleiben bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ganz und keinen Mangel habet. So aber jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der da giebt einfältiglich jedermann und rücet's niemand auf, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebt wird. Solcher Mensch denke nicht, daß er etwas von dem Herrn empfahen werde. Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen. Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe, und der da reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit; denn wie eine Blume des Grases wird er vergehen. Die Sonne gehet auf mit der Hize, und das Gras verwelket, und die Blume fällt ab, und seine schöne Gestalt verdirbt: also wird der Reiche in seiner Habe verwelken. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Am Sonntag Oculi. 1) Evangelium, Joh. 6, 47-56. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel fommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel kommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Da zankten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu effen geben? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, werdet ihr nicht effen das Fleisch des Menschensohns und trinken fein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Jahrgang I. Am Sonntag Lätare. 103 Tage auferweden. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trant. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, ber bleibet in mir und ich in ihm. 2) Epistel, 2 Kor. 1, 3-7. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unsrer Trübsal, daß wir auch trösten können, die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, damit wir getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Wir haben aber Trübfal oder Trost, so geschieht es euch zu gute. Jst's Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil; welches Heil beweiset sich, so ihr leidet mit Geduld, dermaßen wie wir leiden. Ift's Trost, so geschieht es euch auch zu Trost und Heil. Und stehet unsere Hoffnung fest für euch, dieweil wir wissen, daß, wie ihr des Leidens teilhaftig seid, so werdet ihr auch des Trostes teilhaftig sein. Am Sonntag Lätare. 1) Evangelium, Joh. 6, 67-69. Wie mich gesandt hat der lebendige Bater, und ich lebe um des Baters willen, also wer mich isset, derfelbige wird auch leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel tommen ist; nicht, wie eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben. Wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit. Solches sagte er in der Schule, da er lehrete zu Rapernaum. Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, daß seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? Wie, wenn ihr denn sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, da er zuvor war? Der Geist ist es, der da lebendig macht; das Fleisch ist kein nüße. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl, welche nicht glaubend waren, und welcher ihn vers raten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben. Von dem an gingen seiner Jünger viele hinter sich und wandelten fort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollet ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 2) Epistel, Ebr. 10, 5-18. Darum, da Christus in die Welt kommt, spricht er: Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, den Leib aber hast du mir zubereitet. Brandopfer und Sündopfer gefallen bir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme( im 104 Jahrgang II. Am Sonntag Judica. Buch stehet von mir geschrieben), daß ich thue, Gott, deinen Willen. Droben, als er gesagt hatte: Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht( welche nach dem Geset geopfert werden); da sprach er: Siehe, ich komme zu thun, Gott, deinen Willen. Da hebet er das erste auf, daß er das andere einseze. In welchem Willen wir sind geheiliget, einmal geschehen durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage Gottesdienst pflege und oftmals einerlei Opfer thue, welche nimmermehr könnten die Sünden abnehmen. Dieser aber, da er hat ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt, sitzt er nun zur Rechten Gottes und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiliget werden. Es bezeuget uns aber das auch der heilige Geist. Denn nachdem er zuvor gesagt hatte: Das ist das Testament, das ich ihnen machen will nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesek in ihr Herz geben, und in ihre Sinne will ich es schreiben, und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken. Wo aber derselbigen Vergebung ist, da ist nicht mehr Opfer für die Sünde. Am Sonntag Indica. 1) Evangelium, Joh. 12, 20-32. Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinauf kommen waren, daß fie anbeteten auf das Fest. Die traten zu Philippus, der von Bethfaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesum gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagten's weiter Jefu. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist kommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hafset, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jett ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen? Bater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde kommen. Vater, verkläre deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verkläret und will ihn abermal verklären. Da sprach das Volk, das dabei stund und zuhörete: Es donnerte. Die andern sprachen: Es redete ein Engel mit ihm. Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt gehet das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und ich, wann ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. 105 Jahrgang II. Am Osterfest. 2) Epistel, 2 Kor. 5, 14-21. Die Liebe Christi dringet uns also; sintemal wir halten, daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für sie alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Darum von nun an tennen wir niemand nach dem Fleisch; und ob wir auch Christum gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber verföhnet hat durch Jesum Christ und das Amt gegeben, das die Versöhnung prediget. Denn Gott war in Christo und verföhnete die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnet durch uns; so bitten wir nun an Chrifti Statt: Laffet euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von feiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Am heiligen Osterfest. 1) Evangelium, Matth. 28, 1-10. Als aber der Sabbath um war und der erste Tag der Woche anbrach, tam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen. Und stehe, es geschah ein groß Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Thüre und segte sich darauf. Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß als der Schnee. Die Hüter aber erschraken vor Furcht und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesum, den Gekreuzigten, suchet. Er ist nicht hie; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommet her und sehet die Stätte, da der Herr gelegen hat; und gehet eilend hin und saget es seinen Jüngern, daß er auferstanden sei von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen in Galiläa, da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und fie gingen eilend zum Grabe hinaus mit Furcht und großer Freude und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten. Und da sie gingen, seinen Jüngern zu verkündigen, siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßet! Und sie traten zu ihm und griffen an seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Gehet hin und verkündiget es meinen Brüdern, daß sie gehen in Galiläa, daselbst werden sie mich sehen. 2) Epistel, 1 Kor. 15, 51-58. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, und dasselbe plößlich in einem Augenblick zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune 106 Jahrgang II. Ostermontag. Sonntag Quasimodogeniti. schallen, und die Toten werden auferstehen unverweßlich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Wann aber dies Verweßliche wird anziehen das Unverwesliche und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllet werden das Wort, daß geschrieben stehet: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesek. Gott aber sei Dant, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Chris tum. Darum, meine lieben Brüder, seid feste, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werk des Herrn, sintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Am Ostermontag. Evangelium, Joh. 20, 11-18. Maria aber stund vor dem Grabe und weinete draußen. Als sie nun weinete, gudte sie in das Grab und siehet zween Engel in weißen Kleidern sigen, einen zu den Häupten und den andern zu den Füßen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und dieselbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück und fiehet Jesum stehen, und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? Wen fuchest du? Sie meinet, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so jage mir, wo hast du ihn hingeleget? so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni! das heißt Meister. Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Bater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt und verkündiget den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt. Am Sonntag Quasimodogeniti. Evangelium, 2ut. 24, 36-47. Da sie aber davon rebeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter fie und sprach zu ihnen: Friede fei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten fich, meineten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken? und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände und meine Füße, ich bin es selber; fühlet mich und fehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Da fie aber noch nicht glaubeten vor Freuden und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hie etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stüd Jahrgang II. Am Sonntag Misericordias Domini. 107 vom gebratenen Fisch und Honigseim. Und er nahm es und aß vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß alles erfüllet werden, was von mir geschrieben ist im Geset Moses, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, daß sie die Schrift verstunden, und sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben, und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem. 2) Epistel, 2 Tim. 2, 1-13. So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Christo Jesu. Und was du von mir gehöret haft durch viele Zeugen, daß befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind, auch andere zu lehren. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi. Rein Kriegsmann flicht sich in Händel der Nahrung, auf daß er gefalle dem, der ihn angenommen hat. Und so jemand auch tämpfet, wird er doch nicht gekrönet, er tämpfe denn recht. Es soll aber der Ackermann, der den Acker bauet, der Früchte am ersten genießen. Merke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Verstand geben. Halt im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten, aus dem Samen Davids, nach meinem Evangelium; über welchem ich mich leide bis an die Bande als ein Übelthäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, auf daß auch sie die Seligkeit erlangen in Chrifto Jefu mit ewiger Herrlichkeit. Das ist je gewißlich wahr: Sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; glauben wir nicht, so bleibet er treu, er tann sich selbst nicht verleugnen. Am Sonntag Misericordias Domini. 1) Evangelium, Joh. 10, 22-30. Es war aber Rirchweihe zu Jerusalem, und war Winter. Und Jesus wandelte im Tempel, in der Halle Salomos. Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsere Seelen auf? Bist du Christ, so sage es uns frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werte, die ich thue in meines Baters Namen, die zeugen von mir. Aber ihr glaubet nicht; denn ihr feid meine Schafe nicht, als ich euch gesagt habe. Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand tann sie aus meines Baters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins. Jahrgang II. Am Sonntag Jubilate. 2) Epistel, Offenb. Joh. 7, 13-17. Und es antwortete der Ältesten einer und sprach zu mir: Wer sind diese, mit weißen Kleidern angethan? Und woher sind sie kommen? Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider helle gemacht im Blut des Lammes. Darum sind fie vor dem Stuhl Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Und der auf dem Stuhl sigt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hike; denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abs wischen alle Thränen von ihren Augen. 108 Am Sonntag Jubilate. 1) Evangelium, Matth. 10, 16-20, Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid flug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch überantworten vor ihre Rathäuser und werden euch geißeln in ihren Schulen. Und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen zum Zeugnis über sie und über die Heiden. Wenn sie euch nun überantworten werden, so forget nicht, wie oder was ihr reben sollt; denn es soll euch zu der Stunde ges geben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Baters Geift ift es, der durch euch redet. 2) Epistel, Apostelgesch. 4, 8-20. Petrus, voll des heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Obersten des Volts und ihr Ältesten von Israel! So wir heute werden gerichtet über dieser Wohlthat an dem kranken Menschen, durch welche er ist gesund worden, so sei euch und allem Volk von Jsrael tund gethan, daß in dem Namen Jesu Christi von Nazareth, welchen ihr gekreuziget habt, den Gott von den Toten auferwedet hat, stehet dieser allhie vor euch gesund. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein wors den ist. Und ist in feinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden. Sie sahen aber an die Freudigkeit des Petrus und Johannes und verwunderten sich; denn sie waren gewiß, daß es ungelehrte Leute und Laien waren, und kannten sie auch wohl, daß sie mit Jesu gewesen waren. Sie sahen aber den Menschen, der gesund war worden, bei ihnen stehen und hatten nichts dawider zu reden. Da hießen sie sie hinausgehen aus dem Rat und handelten miteinander und sprachen: Was wollen wir diesen Menschen thun? Denn das Zeichen, durch sie geschehen, ist tund, offenbar allen, die zu Jerusalem wohnen, und wir können es nicht leugnen. Aber bamit es nicht weiter einreiße unter das Volt, lasset uns ernstlich sie bebräuen, daß sie hinfort keinem Menschen von diesem Namen sagen. Und riefen ihnen und Jahrgang II. Am Sonntag Cantate. Rogate. 109 geboten ihnen, daß sie sich allerdinge nicht hören ließen noch lehreten in dem Namen Jesu. Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Richtet ihr selbst, ob es vor Gott recht sei, daß wir euch mehr gehorchen denn Gott! Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehöret haben. Am Sonntag Cantate. 1) Evangelium, Matth. 10, 24-33. Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenoffen also heißen? Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was ihr höret in das Ohr, das prediget auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht mögen töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle. Rauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? Noch fällt derselbigen teiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählet. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser denn viele Sperlinge. Darum wer mich betennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Bater; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Bater. 2) Epistel, 1 Theff. 2, 9-13. Ihr seid wohl eingedent, liebe Brüder, unserer Arbeit und unserer Mühe; denn Tag und Nacht arbeiteten wir, daß wir niemand unter euch beschwerlich wären, und predigten unter euch daß Evangelium Gottes. Des seid ihr Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und unsträflich wir bei euch, die ihr gläubig waret, gewesen sind. Wie ihr denn wisset, baß wir, als ein Bater seine Kinder, einen jeglichen unter euch ermahnet und getröstet und bezeuget haben, daß ihr wandeln solltet würdiglich vor Gott, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit. Darum auch wir ohne Unterlaß Gott danken, daß ihr, da ihr empfinget von uns das Wort göttlicher Predigt, nahmet ihr's auf, nicht als Menschen Wort, sondern( wie es denn wahrhaftig ist) als Gottes Wort, welcher auch wirket in euch, die ihr glaubet. Am Sonntag Rogate. 1) Evangelium, 2ut. 11, 9-13. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der nimmt; und wer da fuchet, der findet; und wer da antlopfet, dem wird aufgethan. Wo bittet 110 Jahrgang II. Himmelfahrt Christi. Sonntag Graudi. unter euch ein Sohn den Vater ums Brot, der ihm einen Stein dafür biete? und so er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete? oder so er um ein Ei bittet, der ihm einen Storpion dafür biete? So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geift geben benen, die ihn bitten! 2) Epistel, 1 Tim. 6, 11-16. Aber du, Gottesmensch, fleuch solches: Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut; tämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist und bekannt haft ein gut Bekenntnis vor vielen Zeugen. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christo Jesu, der unter Pontius Pilatus bezeuget hat ein gut Befenntnis, daß du haltest das Gebot ohne Flecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi, welche wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnet in einem Licht, da niemand zukommen kann, welchen tein Mensch gesehen hat noch sehen kann; dem sei Ehre und ewiges Reich! Amen. Am Fest der Himmelfahrt Christi. 1) Evangelium, 2ut. 24, 49-53. Und Jesus sprach zu ihnen: Siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis daß ihr angethan werdet mit Kraft aus der Höhe. Er führete sie aber hinaus bis gen Bethania, und hub die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und fehreten wieder gen Jerusalem mit großer Freude: und waren allewege im Tempel, priesen und Lobeten Gott. 2) Epistel, Ebr. 4, 14-16. Dieweil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist, so lasset uns halten an dem Befenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde. Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen und Gnade finden auf die Zeit, wann uns Hilfe not sein wird. Am Sonntag Exandi. 1) Evangelium, Joh. 7, 33-89. Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und da ich bin, könnet ihr nicht hinkommen. Da spra Jahrgang II. Sonntag Exandt. Pfingstfest. 111 chen bie Juben untereinander: Wo will dieser hingehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er zu den Zerstreuten unter den Griechen gehen und die Griechen lehren? Was ist das für eine Rede, daß er sagt: Ihr werdet mich suchen, und nicht finden; und wo ich bin, da fönnet ihr nicht hins tommen? Aber am leşten Tage des Festes, ber am herrlichsten war, trat Jefus auf, rief und sprach: Wen da dürftet, ber komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubet, wie die Schrift sagt, bon des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfahen sollten, die an ihn glaubten. Denn der heilige Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verkläret. 2) Epistel, Rol. 3, 1-10. Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sikend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit. So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Rust und den Geiz, welcher ist Abgötterei; um welcher willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens, in welchen auch ihr weiland gewandelt habt, da ihr drinnen lebtet. Nun aber leget alles ab von euch: den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde. Lüget nicht untereinander. Siebet den alten Menschen mit seinen Werken aus, und ziehet den neuen an, der da verneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat. Am heiligen Pfingstfest. 1) Evangelium, Joh. 14, 15-21. Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. Und ich will ben Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfahen; denn sie stehet ihn nicht und fennet ihn nicht. Ihr aber fennet ihn, denn er bleibet bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Es ist noch um ein Kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen; denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 2) Epistel, Apostelgesch. 2, 32-41. Gott hat Jesum auferwedt, des find wir alle Zeugen. Nun er durch die Rechte Bottes erhöhet ist und empfangen hat die Berheißung des heiligen 43344 112 Jahrgang II. Am Pfingsmontag. Geistes vom Vater, hat er ausgegoffen dies, das ihr sehet und höret. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren. Er spricht aber: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Sete dich zu meiner Rechten, bis daß ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße. So wiffe nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gefreuziget habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat. Da sie aber das höreten, ging es ihnen durchs Herz und sprachen zu Petrus und zu den andern Aposteln: Jhr Männer, liebe Brüder, was sollen wir thun? Petrus sprach zu ihnen: Thut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfahen die Gabe des heiligen Geistes. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung, und aller, bie ferne find, welche Gott, unser Herr, herzurufen wird. Auch mit vielen andern Worten bezeugete er und ermahnete und sprach: Lasset euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen, und wurden hinzugethan an dem Tage bei dreitausend Seelen. Am Pfingstmontag. Evangelium, A. Seset. 36, 26. 27. Und ich will euch ein neu Herz und einen neuen Geist in euch geben, unb will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischern Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und darnach thun. B. 1 Ror. 2, 7-16. Wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott berordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit, welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wo sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gefreuziget; sondern, wie geschrieben stehet: Das tein Auge gesehen hat und kein Ohr gehöret hat und in feines Menschen Herz kommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Uns aber hat es Gott geoffenbaret durch seinen Geist. Denn der Geist erforschet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist; welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weißheit Lehren kann, sondern mit Worten, die der heilige Geist lehret, und richten geistliche Sachen geistlich. Der natürliche Mensch aber bernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Thorheit und kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich gerichtet sein. Der Geistliche aber richtet alles und wird von niemand gerichtet. Denn wer hat des Herrn Sinn erfannt? Oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi Sinn. Jahrg. II. Feft Trinitatis. Am 1. Sonnt. nach Trinitatis. 113 Am Fest Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 28, 18-20. Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. 2) Epistel, Tit. 3, 4-8. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christ, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das ist je gewißlich wahr. Am 1. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Mart. 4, 26-32. Und Jesus sprach: Das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft, und schläft und stehet auf Nacht und Tag, und der Same gehet auf und wächset, baß er's nicht weiß. Denn die Erde bringt von ihr selbst zum ersten das Gras, darnach die Ähren, darnach den vollen Weizen in den Ähren. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schicket er bald die Sichel hin, denn die Ernte ist da. Und er sprach: Wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welch Gleichnis wollen wir es vorbilden? Gleichwie ein Senfkorn, wenn das gefäet wird aufs Land, so ist es das kleinste unter allen Samen auf Erden. Und wenn es gefäet ist, so nimmt es zu und wird größer denn alle Kohlträuter, und gewinnet große Zweige, also daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. 2) Epistel, Apostelgesch. 2, 42-47. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam auch alle Seelen Furcht an, und geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig waren worden, waren beieinander und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und habe verkauften sie und teileten sie aus unter alle, nach dem jedermann not war. Und sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel, und brachen das Brot hin und her in Häusern, nahmen die Speise und lobeten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber that hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeine. Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 8 4444444 114 Jahrgang II. Am 2. Sonntag nach Trinitatis. Am 2. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 15, 11-32. Und Jesus sprach: Ein Mensch hatte zween Söhne; und der jüngste unter ihnen sprach zum Vater: Gieb mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört! Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange dars nach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land, und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun alle das Seine verzehret hatte, warb eine große Teurung durch dasselbige ganze Land. Und er sing an zu darben und ging hin und hängete sich an einen Bürger desselbigen Landes, der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: Wie viele Taglöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gefündiget in den Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich als einen deiner Taglöhner. Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küssete ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündiget in den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und thut ihn an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet es, laffet uns essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist gefunden worden. Und fingen an fröhlich zu sein. Aber der älteste Sohn war auf dem Felde; und als er nahe zum Hause kam, hörete er das Gesänge und den Reigen, und rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist kommen, und dein Vater hat ein gemästet Ralb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat. Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser bein Sohn kommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und gutes Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist wieder gefunden. 2) Epistel, 1 Joh. 1, 5 bis 2, 2. Das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehöret haben und euch vertündigen, daß Gott Bicht ist, und in ihm ist keine Finsternis. So wir Jahrgang II. Am 3. Sonntag nach Trinitatis. 115 sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und thun nicht die Wahrheit. So wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns felbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergiebt und reiniget uns von aller Untugend. So wir sagen, wir haben nicht ges fündiget, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf daß ihr nicht fündiget. Und ob jemand fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jefum Christ, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünden; nicht allein aber für die unseren, sondern auch für der ganzen Welt. Am 3. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 15, 1-14. Da tamen zu Jesu die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem und sprachen: Warum übertreten deine Jünger der Ältesten Auffäße? Sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot effen. Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet benn ihr Gottes Gebot um eurer Auffäße willen? Gott hat geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Aber ihr lehret: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht: Es ist Gott gegeben, das dir sollte von mir zu nuk kommen, der thut wohl. Damit geschieht es, daß niemand hinfort seinen Vater oder seine Mutter ehret, und habt also Gottes Gebot aufgehoben um eurer Auffäße willen. Ihr Heuchler! Es hat wohl Jesaia von euch geweisfaget und gesprochen: Dies Volk nahet sich zu mir mit seinem Munde und ehret mich mit seinen Bippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebote sind. Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Höret zu und vernehmet es! Was zum Munde eingehet, das verunreiniget den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgehet, das verunreiniget den Menschen. Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Weißt du auch, daß sich die Pharisäer ärgerten, da sie das Wort höreten? Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzet, die werden ausgereutet. Lasset fie fahren, sie sind blinde Blindenleiter; wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube. 2) Epistel, Apostelgesch. 5, 34-42.. Da stund aber auf im Rat ein Pharisäer mit Namen Gamaltel, ein Schriftgelehrter, wohl gehalten vor allem Volt, und hieß die Apostel ein wenig hinaus thun, und sprach zu ihnen: Jhr Männer von Israel, nehmet euer selbst wahr an diesen Menschen, was ihr thun follet. Vor 4444444 116 Jahrgang II. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. diesen Tagen stund auf Theudas und gab vor, er wäre etwas, und hingen an ihm eine Zahl Männer, bei vierhunbert; der ist erschlagen, und alle, die ihm zufielen, sind zerstreuet und zunichte worden. Darnach stund auf Judas aus Galiläa in den Tagen der Schäßung und machte viel Volks abfällig ihm nach; und er ist auch umkommen, und alle, die ihm zufielen, find zerstreuet. Und nun sage ich euch: Laffet ab von diesen Menschen und lasset sie fahren! Ist der Rat oder das Werk aus den Menschen, so wird's untergehen; ist's aber aus Gott, so könnet ihr's nicht dämpfen, auf daß ihr nicht erfunden werdet, als die wider Gott streiten wollen. Da fielen sie ihm zu und riefen die Apostel, stäupten sie und geboten ihnen, sie sollten nicht reden in dem Namen Jesu, und ließen sie gehen. Sie gingen aber fröhlich von des Rats Angesichte, daß sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden; und höreten nicht auf, alle Tage im Tempel und hin und her in Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesu Christo. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 8, 5-13. Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichts brüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; und wenn ich fage zu einem: Gehe hin! so gehet er; und zum andern: Romm her! so fommt er; und zu meinem Knecht: Thue das! so thut er's. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: Biele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Ifaat und Jakob im Himmelreich sizen; aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Haupt. mann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt haft. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. 2) Epistel, Apostelgesch. 9, 1-20. Saulus aber schnaubete noch mit Dräuen und Morden wider die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe gen Damaskus an die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Weges fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gen Jerusalem. Und da er auf dem Wege war und nahe bei Damaskus tam, umleuchtete ihn plözlich ein Licht vom Himmel. Und er fiel auf die Erde und hörete eine Stimme, bie sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Er aber sprach: Jahrgang II. Am 5. Sonntag nach Trinitatis. 117 Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden wider den Stachel zu löcken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, daß ich thun soll? Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe in die Stadt, da wird man bir sagen, was du thun follst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, stunden und waren erstarret; denn sie höreten eine Stimme und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde, und als er seine Augen aufthat, sah er niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führeten ihn gen Damaskus. Und war drei Tage nicht sehend, und aß nicht und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Damaskus mit Namen Ananias; zu dem sprach der Herr im Gesichte: Ananias! Und er sprach: Hie bin ich, Herr! Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin in die Gasse, die da heißt die richtige, und frage in dem Hause Judas' nach Saulus mit Namen von Tarsus; denn siehe, er betet, und hat gesehen im Gesichte einen Mann, mit Namen Ananias, zu ihm hineinkommen und die Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehöret von diesem Mann, wie viel übels er deinen Heiligen gethan hat zu Jerusalem. Und er hat allhie Macht von den Hohenpriestern, zu binden alle, die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin, denn dieser ist mir ein auserwählt Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern von Israel. Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muß um meines Namens willen. Und Ananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Wege, da du hertamest, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllet werdest. Und alsobald fiel es von seinen Augen wie Schuppen und ward wieder sehend; und stund auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkete sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damaskus. Und alsbald predigte er Christum in den Schulen, daß derselbige Gottes Sohn sei. Am 5. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 10, 38-42. begab sich aber, da sie wandelten, ging Jesus in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Und fie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörete seiner Rede zu. Martha aber machte ihr viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht bar. nach, daß mich meine Schwester läßt alleine dienen? Sage ihr doch, daß fie es auch angreife. Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha! Du hast viel Sorge und Mühe; Eines aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählet, das soll nicht von ihr genommen werden. 44444444 118 Jahrgang II. Am 6. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, Phil. 3, 8-14. Ich achte es noch alles für Schaden gegen der überschwenglichen Erkennts nis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen ich alles habe für Schaben gerechnet und achte es für Rot, auf daß ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde; daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Geset, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde, damit ich entgegenkomme zur Auferstehung der Toten. Nicht daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. Meine Brüder, ich schäße mich selbst noch nicht, daß ich's ergriffen habe. Eines aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, was da vornen ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vors hält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Am 6. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 5, 19-29. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von ihm selber thun, denn was er siehet den Bater thun; denn was derselbige thut, das thut gleich auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeiget ihm alles, was er thut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, also auch der Sohn macht lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, auf daß sie alle den Sohn ehren wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich fage euch: Wer mein Wort höret und glaubet bein, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes Sören, und die sie hören werden, die werden leben. Denn wie der Vater das Zeben hat in ihm selber, also hat er dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in ihm selber; und hat ihm Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum daß er des Menschen Sohn ist. Verwundert euch bes nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber übels gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts. 2) Epistel, Eph. 2, 4-10. Aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit durch seine große Liebe, damit er uns geliebet hat, da wir tot waren in den Sünden, hat er Jahrgang II. Am 7. Sonntag nach Trinitatis. 119 uns samt Christo lebendig gemacht( denn aus Gnade seid ihr selig worden) und hat uns samt ihm auferwecket und samt ihm in das himmlische Wesen geseht in Christo Jesu, auf daß er erzeigete in den zukünftigen Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte über uns in Christo Jesu. Denn aus Gnade seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch; Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Wert, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollen. Am 7. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 13, 10-17. Und Jesus lehrete in einer Schule am Sabbath. Und siehe, ein Weib war da, das hatte einen Geist der Krankheit achtzehn Jahre, und sie war frumm und konnte nicht wohl aufsehen. Da sie aber Jesus sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Weib, sei los von deiner Krankheit! Und legte die Hände auf sie, und alsobald richtete sie sich auf und pries Gott. Da antwortete der Oberste der Schule und war unwillig, daß Jesus auf den Sabbath heilete, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, darinnen man arbeiten soll; in denselbigen kommt und laßt euch heilen, und nicht am Sabbathtage. Da antwortete ihm der Herr und sprach: Du Heuchler! Löset nicht ein jeglicher unter euch seinen Ochsen oder Esel von der Krippe am Sabbath und führet ihn zur Tränke? Sollte aber nicht gelöfet werden am Sabbath diese, die doch Abrahams Tochter ist, von diesem Bande, welche Satanas gebunden hatte nun wohl achtzehn Jahre? Und als er solches sagte, mußten sich schämen alle, die ihm zuwider gewesen waren. Und alles Bolt freuete sich über allen herrlichen Thaten, die von ihm geschahen. 2) Epistel, Ebr. 12, 5-11. Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der Herr lieb hat, den züchtiget er; er stäupt aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erbuldet, so erbeut sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget? Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle sind teilhaftig worden, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder. Auch so wir haben unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheut, sollten wir denn nicht vielmehr unterthan sein dem Vater der Geister, daß wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtiget wenige Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zu Nuß, auf daß wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. 4444444 120 Jahrgang II. Am 8. und 9. Sonntag nach Trinitatis. Am 8. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 19, 16-26. Und siehe, einer trat zu Jesu und sprach: Guter Meister, was soll ich Gutes thun, daß ich das ewige Leben möge haben? Er aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut benn ber einige Gott. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Da sprach er zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis geben. Ehre Bater und Mutter. Und du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf; was fehlet mir noch? Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so gebe hin, verkaufe, was du hast, und gieb es den Armen, so wirst du einen Schaß im Himmel haben, und komm und folge mir nach. Da der Jüngling das Wort hörete, ging er betrübt von ihm; denn er hatte viele Güter. Jefus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Ramel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes tomme. Da das seine Jünger höreten, entsetten sie sich sehr und sprachen: Je, wer kann denn selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. 2) Epistel, 1 Tim. 6, 6-10. Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm genügen. Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen. Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stride und viele thörichte und schädliche Lüste, welche versenten die Menschen ins Berderben und Verdammnis. Denn Geiz ist eine Wurzel alles übels, welches hat etliche gelüftet, und sind vom Glauben irre gegangen und machen ihnen selbst viele Schmerzen. Am 9. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 16, 24-28. Da Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewänne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Denn es wird je geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen Jahrgang II. Am 10. Sonntag nach Trinitatis. 121 etliche hie, die nicht schmecken werden den Lob, bis daß sie des Menschen Sohn tommen sehen in seinem Reich. 2) Epistel, Apostelgesch. 17, 24-81. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, fintemal er ein Herr ist Himmels und der Erde, wohnet er nicht in Tempeln mit Händen gemacht. Sein wird auch nicht von Menschenhänden gepfleget, als der jemandes bedürfe, so er selber jedermann Leben und Ddem allenthalben giebt. Und hat gemacht, daß von einem Blut aller Menschen Geschlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt, zuvor versehen, wie lang und weit sie wohnen sollen; daß sie den Herrn suchen sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten. Und zwar er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns; denn in ihm leben, weben und sind wir, als auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. So wir denn göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den güldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Gedanken gemacht. Und zwar hat Gott die Zeit der Unwissenheit übersehen; nun aber gebeut er allen Menschen an allen Enden, Buße zu thun, darum daß er einen Tag gesetzt hat, auf welchen er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in welchem er's beschlossen hat, und jedermann vorhält den Glaus ben, nachdem er ihn hat von den Toten auferwedt. Am 10. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 19, 1-10. Und Jesus zog hinein und ging durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war reich; und begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk, denn er war klein von Person. Und er lief vorhin und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchtommen. Und als Jesus tam an dieselbige Stätte, sah er auf und ward seiner gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend hernieder, denn ich muß heute zu deinem Hause einkehren. Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete. Zachäus aber trat dar und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist kommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. 2) Epistel, 1 Tim. 1, 12-17. Ich danke unserm Herrn Christo Jesu, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und geseht in das Amt, der ich zuvor war ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, 4444 122 Jahrgang II. Am 11. und 12. Sonntag nach Trinitatis. denn ich habe es unwiffend gethan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnade unsers Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jesu ist. Denn das ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigete alle Gebulb zum Exempel denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen Könige, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren und allein Weisen, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. Am 11. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Mart. 12, 41-44. Und Jesus seşte fich gegen den Gottestaften und schauete, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es tam eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskaften gelegt denn alle, die eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem übrigen eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hat, ihre ganze Nahrung eingelegt. 2) Epistel, Jat. 2, 18-17. Es wird ein unbarmherzig Gericht über den gehen, der nicht Barmherzigkeit gethan hat; und die Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht. Was hilft's, liebe Brüder, so jemand sagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen? So aber ein Bruder oder Schwester bloß wäre und Mangel hätte der täglichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch und sättiget euch! gäbet ihnen aber nicht, was des Leibes Notdurft ist: was hülfe sie das? Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber. Am 12. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 8, 31-45. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So thr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da ant worteten sie ihm: Wir sind Abrahams Samen, sind nie keinmal jemandes Knechte gewesen; wie sprichst du denn: Jhr sollt frei werden? Jesus ant wortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibet nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibet ewiglich. So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr suchet mich zu töten, denn meine Rede fähet nicht unter euch. Jahrgang II. Am 12. und 13. Sonntag nach Trinitatis. 123 Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so thut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so thätet ihr Abrahams Werke. Nun aber suchet ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehöret habe; das hat Abraham nicht gethan. Ihr thut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Bater, Gott. Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Bater, so liebetet ihr mich, denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber kommen, sondern er hat mich gefandt. Warum fennet ihr benn meine Sprache nicht? Denn ihr tönnt ja meine Worte nicht hören. Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr thun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselbigen. Ich aber, weil ich die Wahrheit fage, so glaubet ihr mir nicht. 2) Epistel, Röm. 7, 18 bis 8, 4. Ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das thue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das thue ich. So ich aber thue, das ich nicht will, so thue ich dasfelbige nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. So finde ich mir nun ein Geset, der ich will das Gute thun, daß mir das Böse anhanget. Denn ich habe Lust an Gottes Geset nach dem inwendigen Menschen. Ich fehe aber ein ander Geset in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Geset in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesek, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich danke Gott durch Jesum Chrift, unsern Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüte dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleische dem Geset der Sünde. So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu find, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das Geses des Geistes, ber ba lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Geset der Sünde und des Todes. Denn das dem Gefek unmöglich war( sintemal es durch das Fleisch geschwächet ward), das that Gott, und sandte seinen Sohn in der Gestalt des fündlichen Fleisches und der Sünde halben, und verdammete die Sünde im Fleisch, auf daß die Gerechtigkeit, vom Geset erfordert, in uns erfüllet würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist. Am 13. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 6, 20-31. Und Jesus hub seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr hie 4444444 124 Jahrgang II. Am 13. und 14. Sonntag nach Trinitatis. hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hie weinet; benn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, so euch die Menschen haffen und euch absondern und schelten euch, und verwerfen euren Namen als einen boshaftigen um des Menschensohns willen. Freuet euch alsdann und hüpfet; denn fiehe, euer Sohn ist groß im Himmel. Desgleichen thaten ihre Väter den Propheten auch. Aber dagegen wehe euch Reichen; denn ihr habt euren Trost dahin. Wehe euch, die ihr voll seid; denn euch wird hungern. Wehe euch, die ihr hie lachet; denn thr werdet weinen und heulen. Wehe euch, wenn euch jedermann wohl redet. Desgleichen thaten ihre Väter den falschen Propheten auch. Aber ich sage euch, die ihr zuhöret: Liebet eure Feinde; thut denen wohl, die euch haffen; segnet die, so euch verfluchen; bittet für die, so euch beleidigen. Und wer dich schläget auf einen Backen, dem biete den andern auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock. Wer dich bittet, dem gieb; und wer dir das Deine nimmt, da fordere es nicht wieder. Und wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr. 2) Epistel, Phil. 2, 1-11. Ift nun bei euch Ermahnung in Christe, ist Troft der Liebe, ift Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so erfüllet meine Freude, daß ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einhellig seid, nichts thut durch Bank oder eitle Ehre; sondern durch Demut achtet euch untereinander einer den andern höher denn sich selbst. Und ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was des andern ist. Ein jeglicher sei gefinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub Gott gleich zu sein, sondern äußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er niedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Aniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Chriftus der Herr sei zur Ehre Gottes bes Baters. Am 14. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 13, 44-50. Abermal ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schat im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn, und ging hin vor Freuden über demselbigen und verkaufte alles, was er hatte, und faufte den Acker. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Raufmann, der gute Perlen suchte; und da er eine töstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und faufte dieselbige. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Nege, daß ins Meer geworfen ist, damit man allerlei Gattung Jahrgang II. Am 15. Sonntag nach Trinitatis. 125 fähet. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, sizen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen, aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähntlappen sein. 2) Epistel, 2 Petri 1, 2-11. Gott gebe euch viel Gnade und Friede durch die Erkenntnis Gottes und Jefu Chrifti, unsers Herrn! Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft ( was zum Leben und göttlichen Wandel bienet) uns geschenkt ist durch die Erkenntnis des, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend; durch welche uns die teuern und allergrößesten Verheißungen geschenkt find, nämlich daß ihr durch dasselbige teilhaftig werdet der göttlichen Natur, so ihr fliehet die vergängliche Lust der Welt: so wendet allen euren Fleiß daran und reichet bar in eurem Glauben Zugend, und in der Zugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe. Denn wo solches reichlich bei euch ist, wird es euch nicht faul noch unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unsers Herrn Jesu Christi. Welcher aber solches nicht hat, der ist blind und tappet mit der Hand und vergiffet der Reis nigung seiner vorigen Sünden. Darum, liebe Brüder, thut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu machen. Denn wo ihr solches thut, werdet ihr nicht straucheln. Und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. Am 15. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 12, 18-21. Es sprach aber einer aus dem Volk zu Jesu: Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschichter über euch gesetzt? Und sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Geiz; denn niemand lebet davon, daß er viele Güter hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, des Feld hatte wohl getragen; und er gedachte bei ihm selbst und sprach: Was soll ich thun? Ich habe nicht, da ich meine Früchte hinsammle. Und sprach: Das will ich thun, ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darein sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter. Und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trint und habe guten Mut. Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wes wird es sein, das du bereitet haft? Also gehet es, wer ihm Schäße sammelt und ist nicht reich in Gott. 126 Jahrgang II. Am 16. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, 1 Joh. 2, 12-17. Liebe Rinblein, ich schreibe euch, daß euch die Sünden vergeben werden durch seinen Namen. Ich schreibe euch Bätern; denn ihr kennet den, der von Anfang ist. Ich schreibe euch Jünglingen; denn ihr habt den Böses wicht überwunden. Ich schreibe euch Kindern; denn ihr tennet den Vater. Ich habe euch Vätern geschrieben, daß ihr den tennet, der von Anfang ist. Ich habe euch Jünglingen geschrieben, daß ihr stark seid und das Wort Gottes bei euch bleibet, und den Bösewicht überwunden habt. Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist ( nämlich des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben), ist nicht vom Vater sondern von der Welt. Und die Welt vergehet mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit. Am 16. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 15, 1-11. Ich bin der rechte Weinstod und mein Vater der Weingärtner. Eine jegliche Rebe an mir, die nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen, und eine jegliche, bie ba Frucht bringet, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe. Ihr seid jest rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, fie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet benn an mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet und ich in ihm, der bringet viel Frucht; denn ohne mich fönnt ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorret, und man sammelt fie und wirft sie ins Feuer und muß brennen. So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger. Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde. 2) Epistel, 1 Joh. 2, 28 bis 3, 8. Und nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wann er offenbaret wird, daß wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm in seiner Zukunft. So ihr piffet, daß er gerecht ist, so erfennet auch, daß, wer recht thut, der ist von ihm geboren. Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Rinder sollen heißen! Darum tennet euch die Welt nicht; denn fie tennet ihn nicht. Meine Lieben, wir find nun Gottes Rinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein. Jahrgang II. Am 17. und 18. Sonntag nach Trinitatis. 127 werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht; und die Sünde ift bas Unrecht. Und ihr wisset, daß er ist erschienen, auf daß er unsere Sünden wegnehme, und ist keine Sünde in ihm. Wer in ihm bleibet, der fündiget nicht; wer da fündiget, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt. Kindlein, laffet euch niemand verführen. Wer recht thut, der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist. Wer Sünde thut, der ist vom Teufel; denn der Teufel fündiget von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werte des Teufels zerstöre. Am 17. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 9, 1-7. Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und feine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gefündiget, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren? Jesus antwortete: Es, hat weder dieser gefündiget noch seine Eltern, sondern daß die Werte Gottes offenbar würden an ihm. Ich muß wirten bie Werke des, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt bie Nacht, da niemand wirken tann. Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt. Da er solches gesagt, spüßete er auf die Erbe und machte einen Rot aus dem Speichel und schmierte ben Rot auf des Blinden Augen und sprach zu ihm: Gehe hin zu dem Teiche Siloha( bas ist verbolmetscht: gesandt) und wasche bich. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend. 2) Epistel, Ebr. 4, 9-18. Darum ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volt Gottes. Denn wer zu seiner Ruhe tommen ist, der ruhet auch von seiner Werken gleichwie Gott von seinen. So lasset uns nun Fleiß thun einzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht jemand falle in dasselbige Exempel des Unglaubens. Denn das Wort Gottes ist lebendig und träftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und durchbringet, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Unb ist teine Kreatur vor ihm unsichtbar, es ist aber alles bloß und entdeckt vor seinen Augen; von dem reden wir. Am 18. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 9, 24-39. Da a riefen sie zum andernmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gieb Gott die Ehre! Wir wissen, baß bieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete und sprach: Ist er ein Sünder, das weiß ich nicht; eines weiß ich wohl, daß ich blind war, und bin nun sehend. Da sprachen sie wieder zu ihm: Was that er dir? Wie that er deine Augen auf? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch jetzt gesagt; habt ihr's nicht ki 128 Jahrgang II. Am 19. Sonntag nach Trinitatis. gehöret? Was wollt ihr's abermal hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden? Da fluchten fie ihm und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Moses Jünger. Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat; diesen aber wissen wir nicht, von wannen er ist. Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, von wannen er sei, und er hat meine Augen aufgethan. Wir wissen aber, daß Gott die Sünder nicht höret; sondern so jemand gottesfürchtig ist und thut seinen Willen, den höret er. Von der Welt an ist's nicht erhöret, daß jemand einem gebornen Blinden die Augen aufgethan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er tönnte nichts thun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrest uns? Und stießen ihn hinaus. Es kam vor Jesum, daß sie ihn ausgestoßen hatten. Und da er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Sohn Gottes? Er antwortete und sprach: Herr, welcher ist's, auf daß ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du haft ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's. Er aber sprach: Herr, ich glaube; und betete ihn an. Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht auf diese Welt tommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da fehen, blind werden. 2) Epistel, 1 Joh. 4, 7-12. Ihr sieben, lasset uns untereinander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und tennet Gott. Wer nicht lieb hat, der fennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen. Darinnen stehet die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebet haben, sondern daß er uns geliebet hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Jhr Lieben, hat uns Got: also geliebet, so sollen wir uns auch unters einander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns untereinander lieben, so bleibet Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns. Am 19. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 7, 36-50. Es bat aber Jesum der Pharisäer einer, daß er mit ihm äße. Und er ging hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu Zisch. Und siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tische saß in bes Pharisäers Haus, brachte sie ein Glas mit Salbe, und trat hinten zu seinen Füßen und weinete, und fing an seine Füße zu weßen mit Thränen unb mit den Haaren ihres Hauptes zu trodnen, und tüffete feine Füße und falbete sie mit Salbe. Da aber das der Pharisäer sah, der ihn geladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrühret; denn sie ist eine Sünderin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er Jahrgang II. Am 20. Sonntag nach Trinitatis. 129 aber sprach: Meister, fage an. Es hatte ein Wucherer zween Schuldner. Einer war schuldig fünfhundert Groschen, der andere fünfzig. Da fie aber nicht hatten zu bezahlen, schenkte er's beiben. Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten geschenket hat. Er aber sprach zu ihm: Du haft recht gerichtet. Und er wandte sich zu dem Weibe und sprach zu Simon: Siehest du dies Weib? Ich bin tommen in dein Haus, du haft mir nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese aber hat meine Füße mit Thränen geneşet und mit den Haaren thres Hauptes getrocknet. Du haft mir keinen Ruß gegeben; diese aber, nachdem sie hereinkommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbet; sie aber hat meine Füße mit Salbe gefalbet. Derhalben sage ich dir: Jhr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebet; welchem aber wenig vergeben wird, der liebet wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen an, die mit zu Tische saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergiebt? Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat bir geholfen; gehe hin mit Frieden! 2) Epistel, Jat. 8, 18-18. Wer ist weise und klug unter euch? Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke in der Sanftmut und Weisheit. Habt ihr aber bittern Neib und Bant in eurem Herzen, so rühmet euch nicht, und lüget nicht wider die Wahrheit. Denn das ist nicht die Weisheit, die von oben herab kommt, sondern irdisch, menschlich und teufelisch. Denn wo Neid und Zant ist, da ist Unordnung und eitel bös Ding. Die Weisheit aber von oben her ist aufs erste keusch, darnach friedsam, gelinde, läßt ihr sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird gesäet im Frieden denen, die den Fries ben halten. Am 20. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 18, 1-8. Jesus sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit beten und nicht laß werden sollte, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheuete sich vor feinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich von meinem Widersacher! Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor teinem Menschen scheue; dieweil aber mir diese Witwe so viel Mühe macht, will ich sie retten, auf daß sie nicht zuletzt komme und übertäube mich. Da sprach der Herr: Höret hie, was der ungerechte Richter sagt. Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Ich sage euch: Evangelisches Gesangbuch. 9 jebebida, oroor 130 Jahrgang II. Am 21. Sonntag nach Trinitatis. Er wird sie erretten in einer Rürze. Doch wann des Menschen Sohn tommen wird, meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden? 2) Epistel, 1 Tim. 2, 1-6. So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heilande, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde, und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit geprediget würde. Am 21. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 11, 32-45. Ais nun Maria tam, da Jesus war, und sah ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Als Jesus sie sah weinen und die Juden auch weinen, die mit ihr tamen, ergrimmete er im Geist und betrübte sich selbst und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, tomm und siehe es. Und Jesu gingen die Augen über. Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt! Etliche aber unter ihnen sprachen: Ronnte, der dem Blinden die Augen aufgethan hat, nicht verschaffen, daß auch dieser nicht stürbe? Jesus aber ergrimmete abermal in ihm selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Kluft und ein Stein darauf gelegt. Jesus sprach: Hebt den Stein ab! Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er riechet schon; denn er ist vier Tage gelegen. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Da huben fie den Stein ab, da der Verstorbene lag. Jesus aber hub seine Augen empor und sprach: Bater, ich danke dir, daß du mich erhöret hast; doch ich weiß, daß du mich allezeit hörest; sondern um des Volts willen, das umher stehet, sage ich's, daß sie glauben, du habest mich gesandt. Da er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene tam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen und sein Angesicht verhüllet mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löset ihn auf und lasset ihn gehen! Viele nun der Juden, die zu Maria kommen waren und sahen, was Jesus that, glaubten an ihn. 2) Epistel, 1 Ror. 15, 35-50. Möchte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferstehen? Und mit welcherlei Seibe werden sie kommen? Du Narr, bas du säest, wird nicht Lebendig, es sterbe denn. Und das du säest, ist ja nicht der Leib, der Jahrgang II. Am 22. Sonntag nach Trinitatis. 131 werden soll; sondern ein bloß Korn, nämlich Weizen oder der andern eines. Gott aber giebt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein ander Fleisch ist der Menschen, ein anderes des Viehs, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel. Und es sind himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. Eine andere Alarheit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne; denn ein Stern übertrifft den andern nach der Klarheit. Also auch die Auferstehung der Toten. Es wird gefäet verweslich und wird auferstehen unverweßlich. Es wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gefäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gefäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Ist ein natürlicher Leib, so ist auch ein geistlicher Leib. Wie es geschrieben stehet: Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele, und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andere Mensch ist der Herr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei find auch die irdischen; und welcherlei der himmlische ist, solcherlei find auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Davon sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche. Am 22. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 23-33. An demselbigen Tage traten zu Jesu die Sabducäer, die da halten, es sei teine Auferstehung, und frageten ihn und sprachen: Meister, Mose hat gesagt: So einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder Samen erwecken. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freiete und starb; und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib seinem Bruder. Desselbigen gleichen der andere und der dritte bis an den siebenten. Bulegt nach allen starb auch das Weib. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie sein unter den sieben? Sie haben sie ja alle gehabt. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret und wisset die Schrift nicht noch die Kraft Gottes. In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen; sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im Himmel. Habt ihr aber nicht gelesen von der Toten Auferstehung, das euch gesagt ist von Gott, da er spricht: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Sfaats und der Gott Jakobs? Gott aber ist nicht ein Gott der Toten fondern der Lebendigen. Und da solches das Volk hörete, entsetten sie sich über seiner Lehre. Jahrgang II. Am 23. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, 2 Kor. 4, 11-18. Wir, die wir leben, werden immerbar in den Tod gegeben um Jeſu willen, auf daß auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleische. Darum so ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch. Dieweil wir aber denselbigen Geist des Glaubens haben( nach dem geschrieben stehet: Ich glaube, darum rede ich), so glauben wir auch, darum so reden wir auch, und wissen, daß der, so den Herrn Jesum hat auferweckt, wird uns auch auferwecken durch Jesum und wird uns darstellen samt euch. Denn es geschieht alles um euretwillen, auf daß die überschwengliche Gnade durch vieler Danksagen Gott reichlich preise. Darum werden wir nicht müde; sondern ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tage zu Tage verneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unfichtbar ist, das ist ewig. 132 Am 23. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, 2ut. 14, 16-24. Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viele bazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Dchsen getauft, und ich gehe jest hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht tommen. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen haft; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer feiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. 2) Epistel, Offenb. Joh. 21, 1-8. Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stabt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann; und hörete eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe ba, die Hütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Bolt sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Jahrgang II. Am 24. Sonntag nach Trinitatis. 133 Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Beid noch Geschrei noch Schmerzen wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhle faß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das D, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durftigen geben von dem Brunn des lebendigen Waffers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben; und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Den Verzagten aber und Ungläubigen und Greulichen und Totschlägern und Hurern und Zauberern und Abgöttischen und allen Lügnern, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet; welches ist der andere Tod. Am 24. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 16, 5-12. Und da die Jünger Jesu waren hinübergefahren, hatten sie vergeffen Brot mit sich zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer. Da dachten fie bei sich selbst und sprachen: Das wird es sein, daß wir nicht haben Brot mit uns genommen. Da das Jefus vernahm, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht habt Brot mit euch genommen? Vernehmet ihr noch nichts? Gedenket ihr nicht an die fünf Brote unter die fünftausend, und wie viele Körbe ihr da aufhubt? Auch nicht an die sieben Brote unter die viertausend, und wie viel Körbe ihr da aufhubt? Wie verstehet ihr denn nicht, daß ich euch nicht sage vom Brot, wenn ich sage: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer? Da verstunden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadducäer. 2) Epistel, Ebr. 11, 1-10. ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hoffet, und nicht zweifeln an dem, daß man nicht siehet. Durch den haben die Alten Zeugnis überkommen. Durch den Glauben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort fertig ist, daß alles, was man siehet, aus nichts worden ist. Durch den Glauben hat Abel Gott ein größer Opfer gethan denn Rain, durch welchen er Zeugnis überkommen hat, daß er gerecht sei, da Gott zeugete von seiner Gabe; und durch denselbigen redet er noch, wiewohl er gestorben ist. Durch den Glauben ward Henoch weggenommen, daß er den Tod nicht sähe, und ward nicht erfunden, darum daß ihn Gott wegnahm; denn vor seinem Wegnehmen hat er Zeugnis gehabt. daß er Gott gefallen habe. Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde. Durch den Glauben hat Noah Gott geehret und die Arche zubereitet zum Heil seines Hauses, da er einen 134 Jahrgang II. Am 25. Sonntag nach Trinitatis. göttlichen Befehl empfing von dem, daß man noch nicht sah; durch welchen er verdammte bie Welt, und hat ererbet bie Gerechtigkeit, die durch ben Glauben kommt. Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, da er berufen ward auszugehen in das Land, daß er ererben sollte; und ging aus und wußte nicht, wo er hintäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande als in einem fremben, und wohnete in Hütten mit Ifaat und Jakob, den Miterben derselbigen Vers heißung. Denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, welcher Baumeister und Schöpfer Gott ist. Am 25. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 21, 33-43. Es war ein Hausvater, der pflanzte einen Weinberg und führete einen Zaun darum und grub eine Reiter darinnen und bauete einen Turm und that ihn den Weingärtnern aus und zog über Land. Da nun herbeitam die Zeit der Früchte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, daß sie seine Früchte empfingen. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen stäupten sie, den andern töteten ste, den dritten steinigten sie. Abermal sandte er andere Knechte, mehr denn der ersten waren; und fie thaten ihnen gleich also. Darnach fandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; tommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen. Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberge hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern thun? Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel umbringen und seinen Weinberg andern Weingärtnern austhun, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben. Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein worden; von dem Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbarlich vor unsern Augen? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und den Heiden gegeben werden, die seine Früchte bringen. 2) Epistel, Jat. 4, 4-10. Wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Oder lasset ihr euch dünken, die Schrift sage umsonst: Den Geift, der in euch wohnet, gelüftet wider den Haß? Und giebt reichlich Gnabe; sintemal die Schrift saget: Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen giebt er Gnade. So seid nun Gott unterthänig. Widerstehet dem Teufel, so fleucht er von euch. Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Reiniget die Hände, ihr Sünder, und machet eure Herzen teusch, ihr Wankelmütigen. Seid elend und traget Leid und weinet; euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit. Demütiget euch vor Gott, so wird er euch erhöhen. S 135 Jahrgang II. Am 26. Sonntag nach Trinitatis. Am 26. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 25, 14-30. Gleichwie ein Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte und that ihnen seine Güter aus. Und einem gab er fünf Zentner, dem andern zween, dem dritten einen, einem jeden nach seinem Vermögen, und zog bald hinweg. Da ging ber hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit denselbigen und gewann andere fünf Bentner. Deßgleichen auch, der zween Zentner empfangen hatte, gewann auch zween andere. Der aber einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Gelb. über eine lange Zeit tam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen. Da trat herzu, der fünf Bentner empfangen hatte, und legte andere fünf Zentner dar und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner gethan; siehe da, ich habe damit andere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Et du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel sezen; gehe ein zu beines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zween Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, bu haft mir zwveen Zentner gethan; siehe da, ich habe mit denselben zween andere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel seten; gehe ein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß du ein harter Mann bist; du schneidest, wo du nicht gesäet haft, und sammelst, da du nicht gestreuet hast; und fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in die Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du Schalt und fauler Knecht! Wußtest du, daß ich schneide, ich nicht gesäet habe, und sammle, da ich nicht gestreuet habe, so solltest du mein Geld zu den Wechslern gethan haben, und wenn ich kommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Wucher. Darum nehmet von ihm den Zentner und gebt es bem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden und wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, daß er hat, genommen werden. Und ben unnüßen Knecht werft in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. 2) Epistel, Ebr. 12, 18-24. Ihr seid nicht kommen zu dem Berge, den man anrühren konnte und der mit Feuer brannte, noch zu dem Dunkel und Finsternis und Ungewitter, noch zu dem Hall der Posaune und zur Stimme der Worte, welcher sich weigerten, die sie höreten, daß ihnen das Wort ja nicht gesagt würde. Denn sie mochten's nicht ertragen, was ba gesagt ward: Und wenn ein Tier den Berg anrühret, soll es gesteiniget oder mit einem Geschoß erschossen werden. Und also erschrecklich war das Gesichte, daß Mose sprach: Ich bin erschrocken und zittere. Sondern ihr seid kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himm 136 Jahrg. II. Am 27. Sonnt. nach Trinit. Feiert. Andreas'. lischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, und zu dem Mittler des neuen Testaments, Jesu, und zu dem Blut der Besprengung, das ba beffer rebet denn Abels. Am 27. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Mart. 18, 33-87. Sehet zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist. Gleich als ein Mensch, der über Land zog und ließ sein Haus und gab seinen Knechten Macht, einem jeglichen sein Wert, und gebot dem Thürhüter, er sollte wachen. So wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses tommt, ob er kommt am Abend oder zu Mitternacht ober um den Hahnenschrei oder des Morgens; auf daß er nicht schnell tomme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, bas sage ich allen: Wachet! 2) Epistel, 1 Theff. 5, 14-24. Wir ermahnen aber euch, liebe Brüder, vermahnet bie Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jeder mann. Sehet zu, daß niemand Böses mit Bösem jemand vergelte, sondern allezeit jaget dem Guten nach, beide untereinander und gegen jeders mann. Seid allezeit fröhlich. Betet ohn' Unterlaß. Seib dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. Den Geift dämpfet nicht. Die Weißsagung verachtet nicht. Prüfet aber alles, und das Gute behaltet. Meidet allen bösen Schein. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch; und euer Geist ganz samt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Chrifti. Getreu ist ber, ber euch rufet, welcher wird's auch thun. Feiertägliche Episteln und Morgenlektionen. Am Feiertag Andreas'. Evangelium, But. 9, 57-62. begab sich aber, da ste auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesu: Ich will bir folgen, wo du hingehest. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Jahrgang II. Am Feiertag Thomas'. 137 Laß die Toten ihre Toten begraben; gebe bu aber hin und verkündige das Reich Gottes. Und ein anderer sprach: Herr, ich will bir nachfolgen; aber erlaube mir zubor, daß ich einen Abschied mache mit benen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug leget und siehet zurüd, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Am Feiertag Thomas'. Evangelium, Joh. 11, 1-27. Es lag aber einer trant, mit Namen Lazarus, von Bethania, in dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha. Maria aber war, die den Herrn gefalbet hatte mit Salben und seine Füße getrocknet mit ihrem Haar; derselbigen Bruder Lazarus lag trant. Da sandten seine Schwes tern zu Jesu und ließen ihm sagen: Herr, fiehe, den du lieb hast, der liegt trant. Da Jesus das hörete, sprach er: Die Krankheit ist nicht zum Tode sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus. Als er nun hörete, daß er frant war, blieb er zween Tage an dem Drt, da er war. Darnach spricht er zu seinen Jüngern: Laßt uns wieder in Judäa ziehen. Seine Jünger sprachen zu ihm: Meister, jenesmal wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dahin ziehen? Jesus antwortete: Sind nicht des Tages zwölf Stunden? Wer des Tages wandelt, der stößet sich nicht; denn er siehet das Licht dieser Welt. Wer aber bes Nachts wandelt, der stößet sich; denn es ist kein Licht in ihm. Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn aufwede. Da sprachen seine Jünger: Herr, schläft er, so wird es besser mit ihm. Jesus aber sagte von seinem Tobe; sie meineten aber, er rebete bom leiblichen Schlaf. Da fagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben. Und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht da gewesen bin, auf daß ihr glaubet; aber laffet uns zu ihm ziehen. Da sprach Thomas, der da genannt ist Zwilling, zu den Jüngern: Laßt uns mitziehen, daß wir mit ihm fterben! Da tam Jesus und fand ihn, daß er schon vier Tage im Grabe gelegen war. Bethania aber war nahe bei Jerusalem, bei fünfzehn Feldweges. Und viele Juden waren zu Martha und Maria kommen, sie zu trösten über ihrem Bruder. Als Martha nun hörete, daß Jesus kommt, gehet sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim fiken. Da sprach Martha zu Jesu: Herr, wärest du hie gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben; aber ich weiß auch noch, daß, was du bittest von Gott, das wird bir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder soll auferstehen. Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer ba lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubeft du das? Sie spricht zu ihm: Herr, ja, ich glaube, daß du bist Christus, der Sohn Gottes, ber in die Welt tommen ist. 138 Jahrgang II. Am Feiertag Stephanus' und Johannes'. Am Feiertag Stephanus'. Lettion, Ebr. 12, 1-4. Darum auch wir, dieweil wir solchen Haufen Zeugen um uns baben, lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer antlebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns berordnet ist, und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz, und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß ihr nicht in eurem Mut matt werdet und ablasset. Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde. Am Feiertag Johannes'. Evangelium, Joh. 21, 1-14. Darnach offenbarete sich Jesus abermal den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarete sich aber also. Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der da heißt Zwilling, und Nathanael von Kana in Galiläa und die Söhne Zebedäi und andere zween seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will hin fischen gehen. Sie sprachen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das Schiff alsobald; und in derselbigen Nacht fingen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stund Jesus am Ufer; aber die Jünger wußten es nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen fie, und konnten es nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Da Simon Petrus hörete, daß es der Herr war, gürtete er das Hemb um sich( denn er war nackt) und warf sich ins Meer. Die andern Jünger aber tamen auf dem Schiffe( denn sie waren nicht ferne vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen) und zogen das Nek mit den Fischen. Als fie nun austraten auf das Land, sahen sie Roblen gelegt und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein und zog bas Neß aufs Land voll großer Fische, hundertunddreiundfünfzig. Und wiewohl ihrer so viele waren, zerriß doch das Nek nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern durfte ihn fragen: Wer bist du? denn sie wußten es, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und giebt es ihnen, desselbigen gleichen auch die Fische. Das ist nun das drittemal, daß Jesus offenbaret ist seinen Jüngern, nachdem er von den Toten auferstanden ist. Jahrg. II. Am Feiertag Marta Reinigung u. Matthias'. 139 Am Feiertag Mariä Reinigung. Evangelium, Lut. 1, 39-45. Maria aber stund auf in den Tagen und ging auf das Gebirge endelich zu der Stadt Judas. Und kam in das Haus Zacharias' und grüßete Elifabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörete, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll und rief laut und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß bie Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, bie bu geglaubt haft; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Am Feiertag Matthias'. Lektion, Jef. 53, 1-12. Aber wer glaubt unserer Predigt? Und wem wird der Arm des Herrn offenbaret? Denn er schießt auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerberachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nichts geachtet. Fürwahr er trug unsere Krankheit und lub auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Wir gingen alle in der Frre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert ward, that er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführet wird, und wie ein Schaf, das verstummet vor seinem Scherer und seinen Mund nicht aufthut. Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen. Wer will seines Lebens Länge außreden? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um die Missethat meines Volts geplagt war. Und er ist begraben wie die Gottlosen und gestorben wie ein Reicher, wiewohl er niemand Unrecht gethan hat, noch Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des Herrn Bornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Darum daß feine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Und durch sein Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, viel gerecht machen; denn er trägt ihre Sünde. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starten zum Raube haben; 140 Jahrg. II. Mariä Verkündigung. Philippus'n. Jakobus. barum daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übelthätern gleich gerechnet ist, und er vieler Sünde getragen hat und für bie Übelthäter gebeten. Am Feiertag Mariä Verkündigung. Evangelium, Matth. 1, 18-23. Die Geburt Chrifti war aber also gethan. Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heimholete, erfand sich's, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht rügen, gedachte aber sie heimlich zu verlassen. Indem er aber also gedachte, fiehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, bein Gemahl, zu dir zu nehmen; denn das in ihr geboren ist, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Bolt selig machen von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf baß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, ber da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist verbolmetschet: Gott mit uns. Am Feiertag Philippus' und Jakobus'. Evangelium, Joh. 4, 27-42. Und über dem tamen die Jünger Jesu, und es nahm sie wunder, daß er mit dem Weibe redete. Doch sprach niemand: Was fragest du? oder: Was redest du mit ihr? Da ließ das Weib ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommet, fehet einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich gethan habe, ob er nicht Christus fei? Da gingen sie aus der Stadt und tamen zu ihm. Indes aber ermahneten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, da wisset ihr nicht von. Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich thue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Wert. Saget ihr nicht selber: Es sind noch vier Monden, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld, denn es ist schon weiß zur Ernte. Und wer da schneidet, der empfähet Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da säet und der da schneidet. Denn hie ist der Spruch wahr: Dieser säet, der andere schneidet. Ich habe euch gefandt zu schneiden, das ihr nicht habt gearbeitet; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit kommen. Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus derselbigen Stadt um des Weibes Rede willen, welches da zeugete: Er hat mir gesagt alles, was ich gethan habe. Als nun die Samariter zu ihm tamen, baten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe; und er blieb zween Tage da. Und viel mehr glaubeten um Jahrg. II. Johannes' des Täufers. Petrus' und Paulus'. 141 seines Worts willen und sprachen zum Weibe: Wir glauben nun fort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehöret und erkannt, daß dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland. Am Feiertag Johannes' des Täufers. Evangelium, Matth. 14, 1-12. Zu der Zeit kam das Gerücht von Jesu vor den Vierfürsten Herodes. Und er sprach zu seinen Knechten: Dieser ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, darum thut er solche Thaten. Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, gebunden und in das Gefängnis gelegt von wegen der Herodias, seines Bruders Philippus Weib. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, daß du sie habest. Und er hätte ihn gerne getötet, fürchtete sich aber vor dem Volt; denn sie hielten ihn für einen Propheten. Da aber Herodes seinen Jahrstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel Herodes wohl; darum verhieß er ihr mit einem Eide, er wollte ihr geben, was sie fordern würde. Und als sie zuvor von ihrer Mutter zugerichtet war, sprach fie: Gieb mir her auf einer Schüssel das Haupt Johannis des Täufers. Und der König ward traurig; doch um des Eides willen und derer, die mit ihm zu Tische saßen, befahl er's ihr zu geben, und schickte hin und enthauptete Johannes im Gefängnis. Und sein Haupt ward hergetragen in einer Schüssel und dem Mägdlein gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter. Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leib und begruben ihn, und kamen und verkündigten das Jesu. Am Feiertag Petrus' und Paulus'. A. Evangelium, Sut. 5, 1-11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu Jesu brang, zu hören das Wort Gottes, und er stund am See Genezareth und sah zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Nege, trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und bat ihn, daß er's ein wenig vom Lande führete. Und er sette sich und lehrete das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe, und werfet eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Net auswerfen. Und da ste das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winketen ihren Gesellen, die im andern Schiff waren, daß sie kämen und Hülfen ihnen ziehen. Und sie tamen und fülleten beide Schiffe voll, also daß sie santen. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein fündiger Mensch! Denn es war ihn ein Schrecken angekommen und alle, die mit ihm waren, über diesem Fischzug, den sie miteinander gethan hatten; desselbigen gleichen auch Jakobus und Johannes, 4444444 142 Jahrgang II. Jakobus' des Größern. Bartholomäus'. die Söhne Zebedäi, Simons Gefellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fahen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgeten ihm nach. B. Rektion, 1 Ror. 3, 3-13. Denn sintemal Eifer und Bank und Zwietracht unter euch sind, seid ihr denn nicht fleischlich und wandelt nach menschlicher Weise? Denn so einer saget: Ich bin Paulisch; der andere aber: Ich bin Apollisch; seid ihr denn nicht fleischlich? Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig worden, und dasselbige, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzet, noch der da begießet, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen giebt. Der aber pflanzet und der da begießet, ist einer wie der andere. Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfahen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Gehilfen; ihr seid Gottes Ackerwerk und Gottes Gebäu. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer bauet darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christ. So aber jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Tag wird es klar machen. Am Feiertag Jakobus' des Größern. Evangelium, But. 9, 51-56. Es begab sich aber, da die Zeit erfüllet war, daß Jesus sollte von binnen genommen werden, wandte er sein Angesichte stracks gen Jerusalem zu wandeln. Und er sandte Boten vor ihm hin; die gingen hin und tamen in einen Markt der Samariter, daß sie ihm Herberge bestelleten. Und sie nahmen ihn nicht an, darum daß er sein Angesicht gewendet hatte zu wandeln gen Jerusalem. Da aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elia that? Jesus aber wandte sich und bedräuete sie und sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht kommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten. Am Feiertag Bartholomäns'. Evangelium, Mart. 3, 31-35. Und es tam die Mutter Jesu und seine Brüder und stunden haußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.( Und das Volk saß um ihn.) Und fie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah rings um sich auf die Jünger, Jahrgang II. Matthäus'. Simons und Indas'. 143 die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder. Denn wer Gottes Willen thut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. Am Feiertag Matthäns'. Evangelium, Matth. 21, 28-32. Was dünket euch aber? Es hatte ein Mann zween Söhne, und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge. Er antwortete aber und sprach: Ich will es nicht thun. Darnach reuete es ihn und ging hin. Und er ging zum andern und sprach gleich also. Er antwortete aber und sprach: Herr, ja; uno ging nicht hin. Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen gethan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr. Johannes kam zu euch und lehrete euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr es wohl fahet, thatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm darnach auch geglaubt hättet. Am Feiertag Simons und Judas'. Evangelium, Lut. 17, 5-10. Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns ben Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt als ein Senfkorn und saget zu diesem Maulbeerbaum: Reiß dich aus und verseße dich ins Meer, so wird er euch gehorsam sein. Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflüget oder das Vieh weidet, wenn er heim kommt vom Felde, daß er ihm sage: Gehe bald hin und setze dich zu Tische? Ist es nicht also, daß er zu ihm saget: Richte zu, daß ich zu Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke; darnach sollst du auch essen und trinken? Danket er auch demselbigen Knechte, daß er gethan hat, was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. Also auch ihr; wenn ihr alles gethan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnüße Knechte; wir haben gethan, das wir zu thun schuldig waren. beacoco, brook 44444 Gebete. Morgengebet auf alle Tage der Woche. Augütiger Gott und Bater! Durch deine Gnade habe ich wieder diesen Morgen erlebt; dein allmächtiger Schuk hat mich in dieser Nacht umgeben und vor Unfällen bewahrt. 2obe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Himmlischer Bater, ich bete dich an in deiner unendlichen Größe und Herrlichkeit. Lehre mich dich lieben als meinen höchsten Wohlthäter, dich verehren als meinen Vater, dich fürchten und dir gehorsam sein als meinem Herrn und Gott. Erwede in mir einen lebendigen Abscheu gegen alles Böse, und mache mich durch Wachstum in allem Guten dir immer ähnlicher. Erhebe mein Herz zum Himmel, den du mir zum Erbteil bestimmt hast. Laß bei mir Frucht bringen das Evangelium deines Sohnes Jesu Christi, das eine göttliche Kraft ist, selig zu machen alle, die daran glauben. Heilige meine Seele und mache sie zu deiner Wohnung. Hilf mir durch die Kraft deines Geistes alle bösen Triebe, Neigungen und Begierden meines Herzens besiegen und standhaft gegen Sünde und Welt tämpfen. Wenn ich strauchle und falle, und in Gedanken, Worten und Werten fündige, so sei mir gnädig nach deiner Güte, womit du mich in beinem Sohne Jesu Christo geliebet und zu deinem Kind angenommen haft. Vergieb mir alle meine Sünden; verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Hilf mir wachen über mein Herz; lehre mich prüfen und erfahren, ob ich's redlich meine. Laß mich die Wichtigkeit eines jeden Lebenstages, auch des heutigen, der mich der Ewigkeit wieder um einen Schritt näher bringt, ernstlich bedenken. Gieb, daß ich ihn zu deiner Ehre, zu meinem eigenen Heil und zum Wohl meiner Mitmenschen anwende. Bewahre mich vor allen Sünden des Argernisses, des bösen Beispiels und der Verführung, und laß mich keinem der Brüber, für welche Christus gestorben ist, eine Ursache zur Sünde und zum Verderben, sondern allen, die mir nahe sind, durch einen erbaulichen Wandel zum Segen werden. Mache mich liebreich, wohlwollend, dienstfertig, verträglich und versöhnlich gegen alle meine Brüder und Schwestern. Lehre mich in frohen Stunden, die du mich heute erleben läsfeft, eingebent sein, daß du mich einst über all mein Chun und Lassen zur Rechenschaft ziehen wirst. Läsfest du heute ein kleines ober großes Seiden über mich tommen, so stärke meinen Glauben und gieb mir Kraft zur Gebuld; hilf mir alle Saften des Lebens, die du auflegst, tragen. Gieb meiner Seele stillen Morgengebet. Abendgebet auf alle Tage. 145 Frieten und die selige Heiterkeit, welche die Liebe zu dir und deinem Sohn Jesu Christo gewähre: Segne alle meine Mitmenschen, segne besonders diejenigen, die meinem Herzen nahe find, mit deinem zeitlichen und ewigen Segen. Erbarme dich aller Verlassenen, Bekümmerten, Notleidenden, Armen, Kranken und Sterbenden, sei ihnen mit deiner Hilfe und mit deinem Troste nahe. Dir befehle ich Seele und Leib, meine Gedanken und Werke, Freuden und Leiden und alles, was ich habe und bin. Leite mich nach deinem weisen Rat. Ach Herr, lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn! Amen. Kürzeres Morgengebet. Herr Gott, Bater und Herr meines Lebens! Ich danke dir und rühme deinen herrlichen Namen. Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem. Du hast mich behütet und unter dem Schatten deiner Flügel beschirmet; deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Laß meinen Mund deines Ruhmes täglich voll sein, und vergieb mir alle meine Sünden. Thue mir wohl nach deiner Barmherzigkeit. Weise mir deinen Weg und leite mich auf richtiger Bahn. Laß mir auch heute beine Gnade widerfahren; verlaß mich nicht und ziehe deine Hand nicht ab von mir. Herr, mein Gott, sei mir freundlich und fördere das Wert meiner Hände. Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich. D Gott, groß von Rat und mächtig von That, stärke mich durch deinen guten Geist, daß ich deinen Namen fürchte. Behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigteit! Amen. Abendgebet auf alle Tage der Woche. Getreuer Gott, Herr und Bater meines Lebens! Du fähreft von einem Tage zum andern fort, mich zu segnen und mir Gutes zu thun. Auch heute hast du mich erhalten, ernährt und versorgt, geschüßt und bewahrt, gesegnet und erfreut. Dafür preiset dich meine Seele und verkündigt in dieser stillen Abendstunde dein Lob. Durch manche gute Eindrücke, durch heilsame Rührungen, durch träftige Ermunterungen hat mich deine Gnade auch heute erweckt, immer beffer, weiser, frömmer und für dein himmlisches Reich tüchtiger zu werden. Möchte ich stets deiner treuen väterlichen Leitung gefolgt und deine Gnade nicht vergebens empfangen haben. Ach vergieb mir, barmherziger Vater, jeden Undant und Ungehorsam gegen dich, bessen ich mich heute schuldig gemacht habe. Vergieb mir um Jesu Christi willen alle Sünden, die ich in Gedanken, Worten und Werken begangen habe, alle Versäumnisse des Guten, alle Fehler und übertretungen deiner heiligen Gebote. Vater des Lichts und der Gnade, der du in uns wirtest das Wollen und das VollEvangelisches Gesangbuch. Anhang. 10 146 Bürzeres Abendgebet. Am Sonntag Morgen. bringen nach deinem Wohlgefallen, schenke mir den Beistand deines Geistes, daß ich täglich wachse in deiner Erkenntnis und in der Heiligung des Herzens und Lebens. Laß mich einen guten Kampf kämpfen, daß ich den Glauben und ein gut Gewissen behalten möge. Auch heute bir ich wieder um einen Schritt dem Ziele der Ewigkeit näher gerückt. Lehre mich bedenken, wie kurz meine irdische Vorbereitungszeit und wie ungewiß die Dauer derselben ist. Erwecke mich, zu ergreifen das Eine, was not ist, um das Heil meiner unsterblichen Seele zu gewinnen. Hilf mir wachen und beten, daß ich in deiner Furcht mein irdisches Tagewerk einst vollenden und am letzten Abend meines Lebens zu deiner feligen Ruhe eingehen möge. Die dunkle Nacht ist jetzt eingebrochen. Auch in der Finsternis bist du, Herr, bei mir. Schüße mich und die Meinigen vor Unglück und Gefahr. D du treuer Menschenhüter! Wache über alle deine Kinder. Lindre allen Kranken, Elenden und Traurigen ihren Schmerz und Kummer. Sende dein Licht und deinen Trost in jedes dunkle und niebergedrückte Herz. Trockne die Thränen derer, die um Hilfe seufzen. Laß die letten Stunden und Augenblicke aller Sterbenden Zeugen deiner väterlichen Erbarmung sein. Laß mich morgen mit neuer Kraft und Munterfeit erwachen, damit ich aufs neue dir die Opfer meines Dankes bringen und zu deinem Preise meinen Christenlauf fortsegen möge. Solltest du aber, Herr über Leben und Tod, mich nach deinem ewigen Ratschluß in dieser Nacht von der Welt abrufen, so nimm meinen unsterblichen Geist auf in die Wohnungen des Friedens zum Genusse der Herrlichkeit und Seligkeit, die du mir durch Jesum Christum bereitet hast. Dir sei Ehre und Lob von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Kürzeres Abendgebet. Gott, du einiges und höchstes Gut! In dir allein findet mein Herz Ruhe und in deiner Gnade die höchste Freude. Herr, wenn ich nur dich habe, so habe ich genug. D wie wohl ist meiner Seele, wenn du mir gnädig bist und mein Gewissen stillest! Erhalte in meinem Herzen deinen Frieden und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allen Leiden durch den inwendigen Trost deines heiligen Geistes. Bringe mich, wann die letzte Nacht meines Lebens einbricht, an den Ort der ewigen vollkommenen Ruhe, damit ich schaue dein Antlik in Gerechtigkeit und gesättigt werde aus deiner ewigen Freudenfülle! Amen. Am Sonntag Morgen. Gesegnet fei mir der Tag, den du, Bater der Gnade und Barmherzigkeit, mich heute erleben läsfest. Gesegnet ber Tag des Herrn, an welchem ich von irdischen Geschäften ruhen und meinen Geist mit dem Höheren und Ewigen beschäftigen soll. Lehre mich über das Heil meiner durch Jesum teuer erkauften Seele ernstlich nachdenken. htbarbek Am Sonntag Abend. 147 In deinem untrüglichen und seligmachenden Worte, das heute vertündiget wird, finde ich den Weg zum Leben. Laß es durch deinen Geist hell und kräftig in mir werden, daß es meinen Verstand erleuchte, mein Gewissen beruhige, mein Herz und Leben heilige und meine Seligkeit schaffe. Laß es mich heute recht tief und innig empfinden, welch Glück es fei, ein Chrift zu sein und mit geistigen und himmlischen Gütern durch deinen Sohn, Jesum Christum, gesegnet zu werden. Herr, rede du heute selbst an mein Herz, du haft Worte der Wahrheit; rede zu mir, denn du haft Worte der Liebe; rede zu mir, denn du hast Worte des Trostes und der seligsten Hoffnung. Öffne mir das Auge des Geistes, daß ich schaue deine Geheimnisse und erkenne die Gebote deiner Liebe. Rede zu meiner Seele, daß ich lebe und nicht ewiglich sterbe. Laß den unvergänglichen Samen deines Wortes in mir keimen und gedeihen, daß er Früchte bringe, die für das ewige Leben reifen. Segne meine Andacht, damit sie eine Anbetung deines Namens im Geist und in der Wahrheit sei. Bewahre mich vor Gedankenlosigkeit, vor Leichtsinn und vor allen sündlichen Zerstreuungen, durch welche der heutige dir und deinem Dienst geweihte Tag entheiligt wird. Laß einen schönen geistigen Segen des heiligen Tages, den ich heute feiere, mich auf die ganze Woche, auf meine folgende Lebenszeit, ja bis in die Ewigkeit begleiten. Heilige mich, Bater, durch deine Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit. Heilige mein inneres und äußeres Leben durch fromme Übungen der Andacht; dein Dienst ist Leben und Seligkeit! Amen. Am Sonntag Abend. Herr, mein Gott und Vater! Mit Mund und Herzen preise ich dich an dem Abend dieses heiligen Tages für alles Gute, daß du mir von meiner Kindheit an und auch heute an Leib und Seele erwiesen hast. Wie soll ich dir insbesondere danten für deine Liebe, die mich gerettet hat aus der Finsternis des Jrrtums, und für deine Gnade in Christo Jesu, die mich elenden und schwachen Menschen zur ewigen Freiheit und Seligkeit erheben will? Ach was wäre ich ohne dein Wort und ohne den Trost deiner Verheißung? Herr, wie soll ich deinen Namen genug rühmen? Wie soll mein Wandel ein Ruhm deiner Gerechtigkeit werden? Bater, du weißest, daß ich allein nichts vermag. Siehe, ich suche dich, aber ich kann dich allein nicht finden; ich wünsche dein Licht, aber ich kann allein mich nicht erleuchten; ich sehne mich nach deiner Gnade, aber ich kann allein fie nicht gewinnen; ich weiß deinen Willen, aber ohne deinen Beistand vermag ich ihn nicht zu erfüllen. Darum hilf du mir, da ich mir selbst nicht zu helfen vermag. Sende deinen Geist in mein Herz, daß er mich reinige, erleuchte, stärke und heilige. Laß dein Wort nicht vergebens an mir sein, und gieb, daß ich nicht bloß Hörer sondern auch Thäter desselben werde und die Frucht meines Glaubens, nämlich der Seelen Seligkeit, davon trage. Wende dein Antlik nicht von mir und entziehe mir nicht deine 148 Am Montag Morgen und Abend. Gnade; führe mich stets auf rechter Bahn, und dein heiliger Geist tröste mich. Deine Güte walte auch in dieser Nacht über mir, über den Meinigen und über allen Menschen. Laß mich den kommenden Morgen gesund erleben, damit ich die Geschäfte meines Berufs im Aufsehen auf dich freudig fortsege. Und einst, wann mein irdisches Tagwerk zu Ende ist, laß mich dahin gelangen, wo ich dir mit allen Gerechten in ewiger Unschuld und Seligkeit dienen werde! Amen. Am Montag Morgen. Mein Gott und Bater! Zu dir erwache ich am neuen Morgen; du sollst der erste, der größte und heiligste Gedanke meiner Seele sein. An wen sollte ich eher denken als an dich, den Erhalter alles Lebens, den Schöpfer aller Freuden, den Geber alles Heils und aller Glückseligkeit? Du bist der Allmächtige und gebrauchst deine Allmacht nur zu unsrem Segen. Du bist die Liebe und erbarmest dich aller deiner Werke. Du sorgst immer väterlich für unser wahres Wohl; du wählst stets für uns das Beste; und wenn uns auch oft dein Rat unerforschlich ist, so führst du doch alles herrlich hinaus. Du wirst, ewige Liebe, auch von mir deine Hand niemals abziehen. Gieb mir, daß ich dir vertraue, dich liebe und mich deiner Gnade nicht durch Ungehorsam gegen deine Gebote unwert mache; dann wird mir alles, was du schickst, zum Besten dienen. Darum werfe ich mich an diesem Morgen aufs neue freudig in deine Baterarme und fühle mich heiter und froh in dem Gedanken, daß du mein Gott bist. Deine Güte waltet für und für über alle, die deinen Bund und deine Zeugnisse halten. O so flöße mir Lust und Freudigkeit ein, dir zu gehorchen und deinen Willen thun! Schenke mir Willigkeit und Unverdroffenheit, alle Arbeiten meines Berufs, in welchen du mich geſetzt hast, zu verrichten, Kraft, alle Schwierigkeiten zu besiegen, Mut und Ausdauer, alle Plagen und Beschwerden zu tragen. Herr, deine Güte sei über mir! Erhalte mich bei dem Einen, daß ich deinen Namen fürchte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Amen. Am Montag Abend. Anmächtiger Gott und Bater! Beschüßt und gesegnet von dir schließe ich wieder einen Tag meines Lebens. Schnell und flüchtig sind seine Stunden dahingeflossen. Und doch, mit wie vielen Wohlthaten sind sie begleitet! Rein Tag, teine Stunde, ja tein Augenblick vergeht, worin uns nicht neue Segnungen von deiner Hand bereitet werden. Und wenn wir die ganze Reihe unserer Jahre und Tage überblicken, so verlieren wir uns im Anschauen deiner zahllosen Erbarmungen, und unser gerührtes Herz stimmt in die Worte ein: Was ist der Mensch, daß du seiner gedentest, und das Menschenkind, daß du dich seiner annimmst! So laß dir jetzt das Abendopfer meines Robes und Dankes wohlgefallen. Dein Vater Am Dienstag Morgen. 149 herz verschmäht auch das schwache Stammeln deiner Kinder nicht. Sanft und unter deinem Frieden laß mich schlummern und ruhen, bis der Morgen mich zu neuem Preise deines Namens, aber auch zu neuer Thätigkeit ruft. Ruhend will ich in dir ruhen, wirkend in dir, mit dir, für dich wirken, wirken, so lange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann, wirken hier in der Zeit, denn es folgt eine grenzenlose Ewigkeit, es nahet sich ein Tag der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, an welchem er geben wird einem jeglichen nach seinen Werken, nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben, aber denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun. Herr, sei und bleibe mit mir auch in dieser Nacht! Amen. Am Dienstag Morgen. Mein Gott, ich will dich loben und deine Barmherzigkeit, die an jedem Morgen neu ist; ich will dich preisen, der überschwenglich thut über alles, was wir bitten und verstehen. Auch in der vergangenen Nacht hast du mich behütet und Gefahr und Unglück von mir abgewendet. Deine Augen sahen auf mich und deine Arme waren ausgebreitet, da ich ruhete. Du hast das Licht erneuert und rufst mich wieder an mein Tagwerk. O wie groß ist der Reichtum deiner Segnungen, und wie unzählig sind die Erweisungen deiner Barmherzigteit! Wie hast du mich alle Tage meines Lebens so gnädig geleitet! Sollte ich dir nicht danken, o mein Gott, so lange ich lebe? Höre, Vater, dein Kind, und laß dir wohlgefallen die Rede meines Mundes. Nimm mich selbst dir zum Opfer hin, und weihe mich aufs neue deinem Dienste. Erleuchte und heilige mich durch die Gnade deines Geistes. Gründe mich im Glauben und stärke mich in der Liebe. Erwecke in mir den Eifer in der Heiligung. Bewahre mein Herz vor sündlichen Begierden und vor den Freuden, welche das Gewissen verdammt. Mache mich standhaft in jeder Versuchung; stüße mich, wann ich wanke, und richte mich auf, wann ich falle. Gieb mir geduldige Ergebung bei jedem Schmerze. Schüße mich vor Vermessenheit und Unmut, vor Leichtsinn und Thorheit. Schenke mir den Geist der Liebe, der Sanftmut und Schonung. Lehre mich aufsehen auf Jesum Christum, meinen Herrn, und laß durch seine große Liebe mein Herz entzündet werden. Deiner gnädigen Führung übergebe ich mich; deine Kraft stärke mich. Segne meine Arbeit und gieb Gedeihen meinen Bemühungen. Gieb mir mein täglich Brot und ein genügsames und frohes Herz. Erhalte Leib und Seele gesund, und bewahre mein Leben. Dir befehle ich mich, getreuer Gott; dein heiliger Wille geschehe an mir. Sei mir gnädig nach beiner unendlichen Liebe; erhöre mich um Jesu Chrifti willen! Amen. sebeb con 150 Am Dienstag Abend und Mittwoch Morgen. Am Dienstag Abend. Anweiser und allgütiger Bater! Alle meine Wünsche sollen deinem Willen unterthan sein. Immerdar will ich sprechen: Herr, wenn es dir gefällt, so geschehe es also; wenn es dir zur Ehre gereicht, so laß es durch mich vollbracht werden; wenn du es heilsam findest, so laß es mich erlangen; wenn du aber siehst, daß es das Heil meiner Seele nicht fördern würde, so tilge auch das Verlangen darnach aus meiner Seele. Mache es denn immer mit mir, wie du weißest, daß es mir gut ist, und wie es dir gefällt. Stelle mich, wohin du willst; ich bin zu deinem Dienste bereit. Ich will nicht mir leben, sondern dir, und o möchte ich dir nur vollkommen leben! D möge deine Gnade bei mir bleiben und in mir wirken und bis ans Ende bei mir beharren! 2aß mich nur immer das suchen und wollen, was dir gefällt; dein Wille sei der meine, mein Wollen und Nichtwollen sei immer nur eins mit dem deinigen. Gieb, daß ich nach dir mehr als nach allem, was das Herz wünschen mag, verlange, daß ich in dir ruhe und mein Gemüt sich allein in dir befriedige. Du allein bist der wahre Friede und die wahre Ruhe des Herzens. Durch Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland, haben wir Frieden mit dir und freien Zugang zu deiner Gnade. In deinem Frieden, in dir, dem einen höchsten und ewigen Gut, laß mich auch jetzt einschlafen und ruhen! Amen. Am Mittwoch Morgen. Barmherziger, gnädiger Gott, du Bater des ewigen Lichts und Trostes, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist! Dir danke ich, daß du mich in dieser Nacht gnädig behütet hast und das liebliche Tageslicht wieder für mich anbrechen ließest. Laß mich in deiner Gnade und Liebe diesen Tag verleben, und erleuchte mich mit dem himmlischen Licht, welches mir in deinem Sohn Jesu Christo aufgegangen ist. Bewahre in meinem Herzen den Glauben, den du darin angezündet haft; mehre und stärke denselben in der Liebe und Demut, daß ich in den heiligen Fußstapfen meines Erlösers wandle und die Ehrfurcht vor dir in allem meinem Thun mich begleite. Erwecke in mir eine heilige Begierde nach deiner Gerechtigkeit, bewahre mich vor der Sünde, behüte mich vor Versuchung, und lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Sei du mein Schuß und mein Trost in allen Widerwärtigkeiten. Dir befehle ich meine Gedanken, mein Herz und all mein Vornehmen. Segne mein Thun, und laß es zu deines Namens Ehre und zum Wohl meines Nächsten gereichen. Leite mich in deiner Gnade und halte deine Hand über mir. Behüte meinen Ausgang und Eingang. Herr, segne und behüte mich; laß dein Angesicht über mich leuchten, und gieb mir deinen Frieden hier und dort einst ewig! Amen. Am Mittwoch Abend und Donnerstag Morgen. 151 Am Mittwoch Abend. Lob und Preis sei dir gesagt, mein Schöpfer und Herr, mein gütigster Wohlthäter und Vater, für den Reichtum deiner Gnade, womit du mich bisher erfreuet und in diesem mühevollen Erdenleben so oft erquicket hast. Wie wenig kann alles Jrdische und Vergängliche meine Seele befriedigen, wenn ich dich nicht liebe, mein Gott, und mich deines gnädigen Wohlgefallens nicht erfreuen darf. Alles, was auf Erden ist, ist hinfällig; auf dich nur kann ich mich gänzlich verlassen; du bist mein Trost, du bist mein höchstes Gut. Bei dir suche ich denn auch in dieser Abendstunde Ruhe für meine Seele, und gelobe dir aufs neue, mein ganzes Leben nach deinem Willen einzurichten. Bin ich auch heute in Gedanken, Worten und Werken von deinen Wegen abgewichen, so verzeihe, allgütiger Vater! Befestige selbst in mir den Vorsak, unsträflicher vor dir zu wandeln, treuer in der Nachfolge meines Heilandes zu werden, und mich ernstlicher auf die Ewigkeit vorzubereiten. Laß mich in deiner Liebe und in der Gemeinschaft mit dir und deinem Sohn Jesu Christo mein höchstes Glück suchen und mit zufriedenem und gelassenem Sinn alles aus deiner Hand annehmen. Regiere mich durch deinen guten Geist, daß ich auf dem Wege des Glaubens und der Gottseligkeit dem himmlischen Vaterland zueile und einst nach dieser Prüfungszeit bei dir mit den reinen Freuden der vollendeten Gerechten ewig erquickt werde. Amen. Am Donnerstag Morgen. gnädiger und liebreicher Gott, du meine Burg und mein Schild! Ich erhebe mein Herz zu dem Throne deiner Gnade und danke dir, daß du in der vergangenen Nacht deinen Schuß über mich ausgebreitet und Leib und Seele vor allem Unfall bewahret haft. Gelobet seist du, o Herr, täglich, und gelobet sei dein heiliger Name ewiglich. Mein Gott, du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten und meine Seele dir zum Eigentum und zur Wohnung ergeben soll. O laß mich jeden, auch den heutigen Tag so anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern. Laß mich, o Heiland, heute in deine Fußstapfen treten, so werde ich den Verführungen der Welt und den Zücken meines eigenen Herzens entfliehen. Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Laß mich gesegnet sein und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten und von deiner Gemeins schaft nicht losgerissen werden. Steht mir heute ein Kampf bevor, so Eilf mir überwinden; regt sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, so stärke mich, daß ich ihn durch deinen Geist unterdrücke. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe auch heute mein Beschüßer; nur bei dir fann ich recht bewahret sein! Amen. 152 444444 Am Donnerstag Abend und Freitag Morgen. Am Donnerstag Abend. Durch deine Gnade, o Gott, habe ich den heutigen Tag glücklich zu Ende gebracht. Große Barmherzigkeit hast du auch heute an mir bewiesen. Wie soll ich dir vergelten alle beine Wohlthat, die du an mir gethan haft? Nimm gnädig an das Dankopfer meines Herzens. Schenke mir aber auch immer mehr Luft und Kraft, alle von dir empfangenen Güter und Gaben nach deinem Wohlgefallen anzuwenden. Verzeih mir alle Sünden, Fehltritte und Versäumnisse des heutigen Tages. Du bist ja gnädig, barmherzig, geduldig, von großer Güte und Treue, und erbarmest dich über alle, die deine Gnade im Glauben an Jesum Christum, den Verfühner aller Sünden, ernstlich suchen und bewahren. Stärke mich aber auch durch deinen Geist in dem ernsten Borsak, alles, was dir mißfällt, zu haffen und zu lassen, und mit Freuden zu thun, was dein Wille von uns fordert. Hilf mir mit jedem Tage meiner irdischen Pilgerschaft fertiger werden in allem guten Wert und mich auf jenes bessere Leben in der Ewigkeit vorbereiten. D Gott alles Trostes, nimm dich auch in dieser Nacht aller Kranken und Notleidenden väterlich an; höre die Seufzer aller Sterbenden und stehe ihnen in ihren letzten Augenblicken mächtig bei. Dir, Herr und Vater, übergebe ich mein Leben und alle meine Schicksale. Dein allmächtiger Schuh bedecke mich, daß mich ein sanfter Schlaf erquicke und meine Kräfte auf den kommenden Tag stärke. Erhöre mein Flehen um Jesu Christi willen! Amen. Am Freitag Morgen. Der Tag, den wir durch deine Gnade, himmlischer Bater, beginnen, erinnert uns vor allem an das große Werk der Erlösung des ganzen fündigen Menschengeschlechts, das du durch deinen Sohn Jesum Christum ausgeführt hast. D unendliche Liebe! Also liebtest du die Welt, daß du deinen eingebornen Sohn dahingabst, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Was können wir dir vergelten, o Gott, für deine Barmherzigkeit? Wie sollen wir dich loben und dir danken? Erhaben über alle Erkenntnis ist deine grenzenLose Liebe. Vernimm in deiner Herrlichkeit das Stammeln unfres Mundes und die schwachen Seufzer unsrer Seele, die wir dir darbringen für alle deine Erbarmungen, wodurch du uns in deinem Sohn, unsrem Heiland, zu Hilfe kamst. Du starbst für unsere Sünden, Herr Jesu, und standest auf zu unsrer Rechtfertigung und herrschest nun in Ewigkeit zur Rechten deines Vaters und bittest für uns. Dir ist alle Gewalt gegeben, daß in deinem Namen sich alle Kniee beugen und alle Zungen bekennen sollen, daß du der Herr seiest zur Ehre Gottes des Vaters. Gelobet sei bein Heiliger Name in Ewigkeit! D mache uns würdig, himmlischer Bater, der Verheißungen deines Sohnes. Laß uns immer reichlicher zum Genuß deiner Gnade gelangen. Am Freitag Abend und Samstag Morgen. 153 Würdige uns tieferer Blide in das Geheimnis deiner Erbarmungen, und zerstreue alle Finsternisse unseres Herzens durch die Strahlen deines ewigen Lichtes. Stärke, träftige, gründe uns durch die helle Erkenntnis unsers Erlösers. Hilf uns inniger an ihn glauben, ihn herzlicher lieben, hilf uns ihm leben, der für uns gestorben und auferstanden ist! Amen. Am Freitag Abend. Mit gerührtem Herzen erinnern wir uns auch am Abend dieses Tages an deine Liebe, womit du, Herr Jesu, unser göttlicher Erlöser, uns bis zum Tod am Kreuz geliebet hast. An diesem Tag hast du uns sterblichen Sündern durch deinen Versöhnungstod Trost, Licht und Hoffnung im Leben, Leiden und Sterben errungen. Gesegnet sei uns das Andenken an dein göttliches Mittlerverdienst, an dein Leiden und Sterben. Du hast es um uns verdient, daß wir bich als unsern Heiland und Herrn, als unsern Retter und Versöhner, als den Urheber des Friedens und der ewigen Seligkeit mit dankbarem Herzen verehren. Ja dich wollen wir von ganzer Seele lieben, auf dich unser Vertrauen segen, denn du bist uns alles in allem. Deiner Leitung wollen wir uns hingeben, denn du bist der treueste Führer, die kräftigste Stüße. Gieb uns selbst eine recht innige Liebe zu dir ins Herz, und hilf uns deinen Geboten, die nur auf unsere Zufriedenheit und Seligkeit abzwecken, willig gehorchen. Gieb, daß unser Wandel dein Evangelium in allen Stücken ziere; Lehre uns auf dein Vorbild unser Auge unverrückt heften und in dem Bestreben, bir mit jedem Tage ähnlicher zu werden, nicht ermüden. Dein guter Geist befestige in uns alle guten Vorfäße und Gesinnungen. D du, der bu im Himmel lebst, du, den Engel und Menschen anbeten, blicke vom Throne deiner Herrlichkeit herab auf uns, laß uns deine segenvolle Nähe empfinden; laß uns fühlen, wie selig wir sind, wenn wir mit dir in Gemeinschaft stehen. Verleihe uns, Vater Jesu Christi und durch ihn auch unser Bater, in dieser Nacht deinen gnäbigen Schuz! Amen. Am Samstag Morgen. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. O ewiger Gott, wie unerforschlich ist deine Weisheit, wie groß deine Güte und Gnade, wie überschwenglich deine Barmherzigkeit und Langmut, wie unbegreiflich deine Allmacht und Liebe! Herr, ich bin zu gering aller Wohlthat, die du an mir gethan haft. Sei gelobet, mein Gott und Vater, daß du mich ans Licht gerufen, mich zu deinem Ebenbilde gemacht und mir eine vernünftige Seele gegeben haft. Sei gepriesen, daß du dich auch meiner erbarmt, mir deinen Sohn geschenkt und ihn auch acococon 44444. 154 Am Samstag Abend. für mich zu einem Fürsprecher und Erlöser, Heiland und Mittler gemacht haft. Auch ich bin versöhnt und erlöst durch das Leiden und Sterben deines Sohnes, auch ich bin ein Erbe aller himmlischen Güter, und dein heiliger Geist versiegelt mich auf den Tag der Erlösung. Sei gelobet in Ewigkeit, daß du mich armen verderbten Menschen aus meinem Elende gerissen, durch das Wort des Evangeliums berufen, meine finstere Seele erleuchtet, mein trantes Herz geheilt und mich zu einem neuen Menschen, zu einem Erben des ewigen Lebens gemacht hast. Mein Gott, wie hast du mich von meiner Kindheit an bis auf diesen Tag mächtig erhalten, väterlich versorgt, wunderbar geführt! Aus so mancher Not hast du mich errettet, vor manchem Unglück behütet, in manchem Kummer getröstet. Wenn ich irrte, hast du mir zurecht geholfen; wenn ich fündigte, hattest du Geduld mit mir; mein Gebet hast du erhört und meine Arbeit gesegnet. Habe Dank für alle Gaben deiner Güte, für Freunde und Geliebte, die du mir gegeben, für den Stand, den du mir angewiesen, für jedes Gute, daß du durch mich geschehen ließest. Habe Dank auch für die Ruhe der vergangenen Nacht, und für ben Tag, den du mir wieder schenkest. Wie viele Menschen, wie viele Arme und Elende, Verlaffene und Tiefbetrübte sind auf dieser Erde, denen du mich vorgezogen hast! Womit habe ich deine Liebe verdient? D laß dein Angesicht leuchten über mich und über alle, die dich anrufen. Segne sie und mich nach deiner Güte. Laß mich allezeit erkennen, wie du zu rühmen und zu loben bist, und meine Seele nicht müde werden, dich zu preisen und dir zu danken. Dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, sei Ehre und Anbetung in alle Ewigkeit! Amen. Am Samstag Abend. Abermals, unendlicher, ewiger Gott, Bater der Menschen, ist eine ganze Woche meines Lebens dahingeschwunden, und du hast auch in diesem Zeitraum deine große Verheißung an mir erfüllt: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Was ich bedurfte, ja noch mehr als mir not that, floß mir von dir, dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben, zu. Du stärktest meine Kraft, du wandtest Gefahren, auch solche, die ich nicht ahnen und sehen konnte, von mir ab; du schenktest mir manche frohe und heitere Stunden. Gott, du bist treu; dein Wort ist wahrhaftig, und was du zusagst, hältst du gewiß. Aber war ich auch dir, mein Gott, treu im Sauf meines bisherigen Lebens, treu an dem verfloffenen Tage und in der zurückgelegten Woche? War es mein aufrichtiges Bestreben, dir wohlzugefallen und deinen Willen immer vollkommener zu erfüllen? Habe ich meine unordentlichen Lüste und Begierden, meine Eigenliebe, meinen Stolz, meine feindseligen Triebe, meinen Hang zum Irdischen ernstlich bekämpft? Habe ich mich bemüht, von meinen bösen Neigungen und Gewohnheiten frei zu werden? Habe tch den Beistand deines Geistes Gebet für alle Cage. 155 durch eifriges Gebet gesucht und seine Gnade nicht vergebens empfangen? Habe ich die Kräfte und Gaben, die du mir geschenkt hast, treu und gewissenhaft angewendet? Habe ich die Freuden des Lebens weise und mäßig genoffen, Unglück und Leiden gelassen ertragen? Alwissender, wenn mich mein Gewissen verdammt, so bist du noch größer als mein Herz und stehest noch mehr Böses und Fehlerhaftes an mir als ich selbst. Laß deine Gnade in Jesu Christo, barmherziger Vater, mächtig über mir walten, und vergieb mir die zahllosen Sünden und übertretungen meines bisherigen Lebens, auch die Sünden und Fehler der nun geendigten Woche Regiere und erleuchte die Augen meines Verstandes durch deinen heiligen Geist, daß ich im Licht wandle, deine Gebote mit allem Ernst halte und nichts denke, rede und thue, als was dir wohlgefällig ist. Schon bin ich wieder mit dem letzten Abend dieser Woche um einen beträchtlichen Schritt der Ewigkeit näher gekommen. Lehre mich, o Gott, die Kürze und Flüchtigkeit meiner irdischen Tage mit allem Ernste bedenken, und laß mich das große Ziel meiner himmlischen Berufung in Christo Jesu nie aus den Augen verlieren. Verleihe, daß ich jeden Tag in dir und mit bir anfange, in dir und mit dir vollende, damit ich einst an jenem großen Morgen mit Heiterkeit erwache und ohne Grauen mit gläubiger Hoffnung hinaufschwebe zu dir, dem Geber eines ewigen seligen Lebens! Amen. Gebet für alle Tage. Namächtiger, gütiger Gott, du Geber alles Guten! Siehe, ich komme vor dein Angesicht auf dein Gebot und deine Zusage, und flebe dich an um alles Gute, was du allein verleihen tannst. Mir geschehe nach deiner Gnade, und was ich bedarf, werde mir nach deinem weisen Rate zu teil; schicke alles, wie du willst, und wie es mir heilsam ist; sei jetzt und allezeit mein Helfer und mein Schuk, mein Licht auf allen meinen Wegen. Regiere und leite mich, erfreue, tröste und stärke mich. Unterweise mich durch dein Wort; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen; belebe meinen Glauben und mache ihn reich an Werken der Gerechtigkeit. Laß mich meine Sünden erkennen und meine Fehltritte bereuen. Warne mich durch dein Geset, und tröste mich durch deine verzeihende Gnade in Jesu Christo. Mache mich fröhlich in Hoffnung, willig zur Demut, tindlich im Gehorsam, und hilf mir ernstlich suchen, was droben ist. Laß die Liebe in mir wachsen und mache mich gerecht und sanftmütig gegen meinen Nächsten; neige mein Herz zur Erbarmung gegen jeden Betrübten und Notleidenden. Mache mich in der Nachfolge meines Heilandes willig und bereit, auch die zu segnen, die mich haffen, und für die zu bitten, die mich beleidigen, damit meine Liebe aufrichtig sei und ich mit jedermann Frieden haben möge. Und weil die Welt voll Versuchung ist, so regiere mich, daß ich die Bösen meide, zu den Frommen mich halte, den Guten nachahme und einen erbaulichen Wandel führe, 156 Noch ein Gebet für alle Tage. und also immer als ein wahrer Chrift und als dein gehorsames Kind erfunden werde. Beschere mir auch, lieber Vater, von zeitlichem Segen so viel, als bein guter und gnädiger Wille ist. Gieb mir Gesundheit und mein tägliches Brot. Gieb mir so viel Ehre vor den Menschen, als mir dienet, so viel Ansehen, als ich ertragen kann, und so viel Gewalt, als ich zu brauchen weiß. Fördere meine Unternehmungen und gieb mir Verstand und Geschicklichkeit zu allem, was mein Beruf fordert. Läsfest du Trübsal und Kreuz über mich kommen, so gieb mir Geduld und Vertrauen. Mache mich ruhig und start in aller Anfechtung, und vertreib allen unnüßen Rummer aus meinem Herzen. Zuleßt, wann du mich willst sterben lassen, so gieb mir einen guten Mut in der Hoffnung des ewigen Lebens; lege mir keinen zu schweren Kampf auf und beschere mir ein seliges Ende! Amen. Noch ein Gebet für alle Tage. Deine Herrlichkeit, o Gott, offenbare uns, und deine Freundlichkeit laß uns schmecken. Das Verlangen unserer Herzen sei beständig zu dir gerichtet. Sei du zu aller Zeit unser höchstes Gut, in welchem unser unsterblicher Geist Ruhe findet. Ermuntere du selbst unsere träge Seele, am ersten zu trachten nach deinem Reich und nach der dir wohlgefälligen Gerechtigkeit. Wecke uns auf, das Heil unserer Seele mit Ernst wahrzunehmen, und stärke uns durch deine göttliche Kraft, daß wir das eine Notwendige nicht versäumen. Ziehe uns zu dir, daß wir den Weg deiner Gebote halten. Gieb uns den Geist des Gebets, um mit Freudigkeit zu deinem Gnadenstuhl zu treten und Barmherzigkeit und Gnade zu finden, wenn uns Hilfe not ist. Gieb durch deinen Geist Zeugnis unseren Herzen, daß wir deine geliebten Rinder seien, damit wir bei dem Gefühl unseres Elendes nicht zaghaft werden. Gieße deine Gnadenströme reichlich über uns aus, und laß uns durch den Genuß deiner Liebe träftig angetrieben werden, dich findlich zu lieben und dir herzlich zu vertrauen. Lieber Bater, hast du uns deinen Sohn geschenket, so wirst du uns mit ihm alles schenken. Dein Wort ist wahrhaftig, und was du zusagst, das ist gewiß. Deine Hand ist nie zu kurz, uns zu helfen, und deine Liebesquelle vertrocknet nie, uns zu segnen. Du weißest Mittel und Wege, uns aus jeder Not zu retten, du tennest uns und weißest, was uns not und heilsam ist. Herr, es soll unsere Freude sein, daß wir uns zu dir beständig halten und unser Vertrauen auf dich sehen. Ehe wir rufen, willst du antworten, und wenn wir noch reden, willst du hören. Wir bitten, du giebst uns; wir flopfen an, du thuft uns auf. D daß unser Herz voll deines Lobes wäre und unser ganzer Wandel davon zeugen möchte! Verschmähe unser armes Lob nicht, das wir dir in unsrer Schwachheit bringen. Du wirst uns endlich dahin aushelfen, wo wir ohne Sünde dich ewig preisen tönnen. Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Lob und Preis und Ehre! Amen. Gebet vor der Beichte. Chair 157 Gebet vor der Beichte. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine. Siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Vor dir, o Allwissender, liegen alle meine Gedanken, alle Regungen meines Herzens, alle meine Worte und Werke bloß und entdeckt. Dein Auge schauet in das Innerste meiner Seele. D mein Gott, gieb mir bas Verderben meiner Seele recht lebhaft zu erkennen, damit ich dich als meinen Arzt suche, der allein die Wunden des Gewissens zu heilen vermag. Groß und zahllos sind die Wohlthaten, die ich von dir empfangen habe und noch täglich empfange. Aber ach, so oft bin ich gegen die rühs renden Beweise deiner Huld und Gnade gleichgültig geblieben, so oft habe ich die Gefühle des Dantes gegen dich in meinem Innern erstickt, so oft bin ich dir, meinem größten Wohlthäter, durch Ungehorsam gegen deine heiligen Gebote, durch sündliche Gedanken, Worte und Werke mißfällig geworden. Ich bin erlöst und mit dem Blut deines Sohnes erfauft. Aber ach, ich habe es bisher nicht ernstlich bedacht, daß Jesus Christus mich bis zum Tode geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat. Ich habe die Größe seiner Liebe und den hohen Zwed seines heiligen Leidens und Sterbens nicht tief genug beherzigt. Ich habe mich meinem Heiland nicht zu seinem Eigentum hingegeben, nicht ihm, der für mich am Kreuze gestorben ist, sondern mir selbst, meinen Lüften und Begierden gelebt; ich habe nicht ihn, der für mich geduldet und geblutet hat, sondern die Welt und das, was in der Welt ist, geliebt. Dein Geist, o Gott, hat mir bisher auf dem schlüpfrigen Wege so oft die Hand geboten, um mich zum Himmel zu leiten. So oft hat er mein Herz ergriffen, so manche gute Rührung in meinem Innern erweckt, mich so oft auf mein ewiges Heil aufmerksam zu machen gesucht. Aber ach, ich habe die Hand dieses göttlichen Führers zurückgestoßen, ich habe das Werk seiner göttlichen Gnade in mir vereitelt, ich habe die guten Eindrücke, die er in mir weckte, durch Leichtsinn und Eitelkeit geschwächt und erstickt, ich habe seine Warnungen und Drohungen, seine Verheißungen und Ermunterungen verachtet. Ich habe mutwillig widerstrebt dem guten Geiste, der mich Gott und meinem Erlöser heiligen und auf die Ewigkeit vorbereiten wollte. Ich habe das große Gebot meines Heilandes: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! oft und viel durch Gesinnungen, Reden und Thaten übertreten. Ich habe die unseligen Triebe des Stolzes, der Selbstsucht, des Neides, des Zornes und der Rachsucht in mir genährt. Ich war so oft nur auf das Meine, nicht auf das, was bes andern ist, bedacht. Ich war sogar gegen die Not und das Elend meiner Mitmenschen oft gleichgültig und unempfindlich. Ich habe durch Ärgernisse und durch böses Beispiel, durch leichtsinnige, sündliche Worte und Handlungen Unsegen und Unheil gestiftet und mich an dem Gewissen und Herzen meiner Brüder und Schwestern verfündigt. COOTGO AK 158 Gebet nach der Beichte. Vor dem Abendmahl. Ich bin für die Ewigkeit geschaffen. Aber ach, ich habe das wichtige Gebot meines Heilandes: Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! außer Augen gesetzt. Ich habe unter irdischen Geschäften, Genüssen, Sorgen und Zerstreuungen die Sorge für das Ewige hintangesetzt. Alwissender, ich will bir meine Sünden bekennen und meine Verschuldungen nicht verhehlen. Ja, Vater, ich habe gesündiget vor dir und bin nicht wert, daß ich dein Kind heiße. Erwecke selbst in mir Gefühle der tiefsten Reue und des innigsten Abscheues gegen alles Böse. Laß mich Gnade und Vergebung finden an dem Altar der Beichte, an welchem ich mein verwundetes Gewissen durch den Hinblick auf das Kreuz meines Erlösers heilen will. Komm mir selbst, Herr Jesu, mit deinem Holden Worte entgegen: Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben! Laß dir, o Gott, die aufrichtigen Gelübde neuer Treue und neuen Gehorsams, welche ich dir darbringe, wohlgefallen, und gieb mir Kraft, sie zu erfüllen. Schaffe in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewissen Geist. Tröste, erquicke und stärke mich durch deine Hilfe, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erhöre das Flehen der Demut und des Glaubens um Jesu Christi willen! Amen. Gebet nach der Beichte. Dankend erhebt sich mein Herz zu dir, dem Gott des Trostes, dem Vater der Barmherzigkeit. Du hast deinen Sohn in die Welt gefandt, die Sünder selig zu machen. Du hast mich, dein reumütiges Kind, aufs neue deiner alles verzeihenden Liebe und Gnade versichert und den Trost deines Evangeliums von dem gekreuzigten Heiland aller sterblichen Sünder meinem Herzen nahe gebracht. Ich dagegen habe mich dir und meinem Erlöser Jesu Christo aufs neue zum Gehorsam verpflichtet. Befestige in mir diese heilige Entschließung, nach deinem Wohlgefallen zu wandeln. Meine Schwäche und Gebrechlichkeit tennest du, Alwissender. Kräftige mich mit Himmlischer Stärke zum Kampf gegen alle Versuchungen meines Herzens und der Welt, und mache mich immer aufmerksamer auf die Zucht deines Geistes. Bewahre mich doch davor, daß meine äußere Andacht nicht Heuchelei sei, und daß ich dir nicht mit falschem Herzen diene. Laß mich wachen und beten. Segne mir besonders das heilige Mahl, das ich feiern will, zum Wachstum in der Gnade und Erkenntnis deines Sohnes, meines Erlösers; segne es mir zur Förderung des Fleißes in der Gottseligkeit, welche die Verheißung hat nicht nur für dieses, sondern auch für das ewige Leben! Amen. Gebet vor dem Abendmahl. Gesegnet fei mir die heilige Stunde, in welcher ich das Gedächtnis des Leidens und Sterbens meines Erlösers begeben und die feierlichste und rührendste Versicherung von deiner Liebe, himmlischer Bater, empfangen Unter dem Genusse des Abendmahls. Nach dem Abendmahl. 159 soll. Verkläre durch deinen Geist in meiner Seele die Größe dieser Liebe, die den Eingeborenen für uns alle dahingegeben hat. Mein Herr und Heiland Jesus Christus! Wie liebreich ist dein Herz, wie holdselig ist deine Einladung, und wie heilsam sind deine Wunden! Du bist das wahre Himmelsbrot, das meine Seele zu speisen vermag. Darum bitte ich dich, du wollest auch jetzt meine Seele bei deinem heiligen Mahle erquicken. Sei du, o Heiland, meine Gerechtigkeit, wenn meine Sünde mich anklagt; sei mein Fürsprecher, wenn Gottes Geset und mein Gewissen wider mich zeuget; sei mein Hoherpriester und bitte für mich, wenn ich schwach in der Andacht bin; sei du mir Licht und Leben, wenn ich Tod und Finsternis in mir fühle; sei du mir Schuß und Sieg, wenn Drangsal über mich kommt. O mein getreuer Herr und Hirte! Laß meine Seele bei deinem Tische deine ganze Liebe und Freundlichkeit empfinden, womit du mich bis zum Tod am Kreuz geliebet hast; laß sie schmecken deinen göttlichen Trost, die Kräfte der zukünftigen Welt, die Freude des ewigen Lebens. Ja laß meine Seele immerdar durch dich erquickt und getröstet werden, auch in der letzten Stunde, damit sie mit guter Zuvers sicht bei meinem Abschied von dieser Welt sich dir befehle und mit Fried' und Freud' eingehe in die ewige Herrlichkeit! Amen. Seufzer unter dem Genusse des heiligen Abendmahls. Herr Jesu! Der Genuß deines heiligen Leibes stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben! Herr Jesu! Der Genuß deines heiligen Blutes stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben! Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Gieb mir von deinem Todesschmerz den tiefsten Eindruck in mein Herz! Rufe meiner Seele auf das träftigste die Worte zu: Auch für dich ist mein Leib gegeben!- Auch für dich ist mein Blut vergossen! Mein Herr und Heiland! Du bist mein, und ich bin dein. Laß mich der Welt und Sünde absterben und dir ewig angehören. Wie du littest, laß auch mich leiden; wie du starbest, auch mich sterben. Führe mich einst durch die Nacht des Todes hinüber zu deinem ewigen Lichte! Gebet nach der Abendmahlsfeier. Sei gepriesen, barmherziger Bater, daß du deinen Sohn Jesum Chriftum auch für mich sterben ließest und mir bei der Feier seines Todes die feierliche Versicherung von deiner Gnade und von der Vergebung aller meiner Sünden gegeben hast. 160 Gebet eines christlichen Vaters( einer christlichen Mutter). Lob und Dank sei dir, göttlicher Erlöser, für das teuerste Pfand deiner Liebe, das ich bei dem Genusse deines heiligen Mahles empfangen habe. Treuer Heiland, der du dein Leben am Kreuze für mich dabingabft, verherrliche deine Kraft in meiner Schwachheit und nimm von mir alle Unruhe des Herzens. Zeige mir die Wunder deiner Gnade und gieb mir eine göttliche Gesinnung. Nimm hin meine Seele, die du mit deinem Blut erkauft haft. Feßle mich an dein Kreuz und laß mich an demselben der Sünde absterben. Mache mich heilig und unbefleckt und weihe mich ganz zu deinem Eigentum. Gieß deine Liebe aus in mein Herz durch deinen heiligen Geist, damit ich dich aus allen Kräften liebe und in dir lebe. Deine Gnabe begleite nich durchs ganze Leben. Wohl mir, treuer Hirte, wenn ich einst da sein werde, wo du deine Erlösten auf Himmelsauen weiden und zu lebendigen Wasserquellen führen wirst. Wohl mir, wenn ich dort in der Schar der vollendeten Gerechten ein höheres Mahl des Dankes und der Freude bei dir in den Wohnungen des Baters feiern und in ewiger Unschuld und Seligkeit vor deinem Himmelsthrone wandeln werde! Amen. Gebet eines christlichen Vaters( einer christlichen Mutter). Gott, Schöpfer und Vater aller Menschen! Deine allmächtige Güte hat auch die vernünftigen Geschöpfe, die durch die engsten Bande des Blutes mit mir verbunden sind, zum Leben gerufen. Deine Liebe hat sie mir geschenkt und meinem Herzen den stärksten Trieb der Liebe gegen sie eingepflanzt. Du haft ihr geistiges und leibliches, ihr zeitliches und ewiges Wohl meiner Sorge anvertraut. Du machst mich zu deinem Werkzeug, diese Kinder, die nach deinem Ebenbilde geschaffen und dir und deinem Sohne Jesu Christo durch die heilige Taufe geweihet sind, zu deinem Preise für die Erde und für den Himmel zu erziehen. Du selbst bist der allein weise Bater und Erzieher deiner Menschen. Was vermag ich schwacher und kurzsichtiger Mensch ohne deine Kraft und Weisheit? Ich kann nur pflanzen und begießen; du, du allein mußt das Gedeihen geben. Ach, so gieb mir neue Treue, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit in Erfüllung meines elterlichen Berufs, und segne meine redliche Bemühung, meine Kinder zu deinem Wohlgefallen zu bilden. Gieb mir den Geist der Weisheit und Einsicht, um zu wählen, was gut und heilsam ist. Lehre mich, in Geduld eine Saat in die Herzen meiner Kinder ausstreuen, die für ein ewiges Leben reift. Mache gut durch deine alles vermögente Gnade alle Fehler und Versäumnisse Sei dem großen und wichtigen Geschäfte der Erziehung. Bewahre mich davor, daß ich denen, für deren Seele ich wachen soll, durch Beichtsinn und Unvorsichtigkeit ein Ärgernis gebe. Nimm sie in deine treue Dbhut und Beitung. Wache über ihre durch das teure Blut deines Sohnes erkauften Seelen; schüße sie vor Verführung der Welt und ihres eigenen Herzens. Wende alles von ihnen ab, was Gebet einer Wöchnerin bet d. Taufe ihres Kindes. Geburtstag. 161 ihrem Leben un ihrer Gesundheit Gefahr bringen möchte. Laß sie Gnade vor bir und den Menschen finden. Bilde sie zu nüklichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft und zu künftigen Bürgern des Himmels. Heilige fie durch deinen Geist und mache sie dir zum Eigentum. Leite mit deiner treuen Vaterhand ihren ganzen Lebensgang und alle ihre Schicksale, und laß ihnen alle Freude und Traurigkeit, die ihnen im Leben widerfähret, zu ihrem wahren Besten dienen. Bereite durch deine erziehende Gnade mich und meine Kinder so für die Ewigkeit, daß ich einst mit Freudigkeit vor beinem himmlischen Thron anbeten und ausrufen möge: Siehe, Herr, hie bin ich, und die du mir gegeben haft! Amen. Gebet einer Wöchnerin bei der Taufe ihres Kindes. Namächtiger Gott und Bater, allgütiger Schöpfer alles Menschenlebens! Zu deiner Verherrlichung muß ich es am heutigen Tage bekennen, daß ich nicht wert bin aller Barmherzigkeit und Treue, bie du an mir gethan haft. Durch deine Gnade bin ich Mutter geworden; mir ist ein Kind geboren, in welches du die Anlagen, Fähigkeiten und Kräfte eines vernünftigen Geschöpfes gelegt haft. Ich freue mich in dir, dem lebendigen Gott. Nicht bloß für diese Erde, welche mit allem, was sie hat, vergehet, nicht bloß für ein furzes und flüchtiges Dasein auf der Erde ist dieses Kind geboren; es soll Himmelsbürger, es soll für dein unvergängliches Reich gebildet werden. Darum flehe ich zu dir am heutigen Tage mit Inbrunst meiner Seele: Laß diesem meinem neugeborenen Kinde den vollen Segen der Taufgnade zu teil werden; laß es heranwachsen zu deinem Preise, erstarken im Geiste und zunehmen an Weisheit, Alter und Gnade bei dir und bei den Menschen! Ja, gütigster Gott, der du auch mich einst durch die Taufe in die Gemeinde Jesu Chrifti aufgenommen und mir den erfreulichen Anteil an den Rechten und Hoffnungen deiner Kinder geschenkt haft, dir übergebe ich mein Kind mit Leib und Seele; in deine Baterarme lege ich dieses dein Kind, das du erschaffen, das du durch deinen Sohn Jesum Christum erlöset hast, und welches du in deinem himmlischen Reiche ewig selig machen willst. Wache mit deinem Vaterauge über diesem Kind, schüße es vor allen Gefahren des Leibes und der Seele. Erhalte es treu an dem Bund der Taufe; und wenn es von deinen Wegen abweicht, so verstoße es nicht, sondern führe es zurück auf den Weg der Wahrheit. Dein Geist heilige es durch und durch und behalte seinen Geist samt Seele und Leib unsträflich bis auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Dein laß es sein und bleiben; seinem Erlöser laß es leben, wenn es sein soll, in dieser Welt leiden, und einst selig sterben! Amen. Gebet am Geburtstag. Gott, Schöpfer und Erhalter meines Lebens! Groß ist deine Barmherzigkeit und Treue, die mich heute abermal den Tag erleben läffet, an Evangelisches Gesangbuch. Anhang. 11 162 Gebet für den Regenten, die Obrigkeit und das Vaterland. welchem ich das Licht dieser Welt zuerst erblickt habe. Bis hieher haft du mir geholfen und mich vom ersten Augenblicke meines Daseins an mit unzähligen und unaussprechlich großen Wohlthaten gesegnet. Meine unsterbliche Seele mit allen ihren Anlagen und Fähigkeiten, mein Leib mit seinen Gliedern, Sinneswerkzeugen und Kräften, meine Geburt unter Christen und von christlichen Eltern, die für meine geistige und leibliche Wohlfahrt sorgten, die herrliche Nahrung meines Geistes aus dem seligmachenden Evangelium Jesu Christi, die Rettung aus allen bekannten und unbekannten Gefahren meines Lebens und meiner Gesundheit, die Notdürftigkeiten und Bequemlichkeiten des Lebens, Kleider, Wohnung, Speise und Trank, das alles und noch viel mehr ist Geschenk deiner unverdienten Güte. Wie kann ich all das Gute aufzählen, womit du mich in meinen bisherigen Jahren so väterlich gesegnet hast, und dir würdig genug dafür danken? Ich will dich preisen, solang ich lebe; und einst in der Schar der Seligen werde ich das Lob vollkommen aussprechen, das ich hienieden nur mit stammelnder Zunge darbringen kann. Mit dem heutigen Tage fängt ein neuer Abschnitt meines Lebens an. Ach Herr, versenke alle Verschuldungen meiner bisherigen Jahre und Tage in das Meer der Vergangenheit. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner zahllosen übertretungen; gedente aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um Jesu Christi willen. Ich will dir, mein Gott, heute geloben, mein Leben von nun an nach deinen Geboten einzurichten. Mein einziges Bestreben soll es sein, so zu denken, zu reden und zu handeln, wie es dir wohlgefällig ist, und die Lehre meines Heilandes in allen Stücken zu zieren. Auwissender Gott, du hörst mein Versprechen, du tennest aber auch meine Schwachheit und Gebrechlichkeit. Herr, ohne dich kann ich nichts Gutes vollbringen. Darum stärke mich durch deinen Geist, meine guten Vorsätze auszuführen. Verborgen ist es mir, welche Schicksale in dem nächsten Jahre meines Lebens und in der ganzen Zukunft meiner warten. Du allein weißest es, der du alles, was mir begegnet, von Ewigkeit her über mich beschlossen haft. Unter deiner gnädigen Aufsicht und Leitung müssen alle Dinge zu meinem Besten dienen. Du wirst es gewiß wohl mit mir machen. Bater, dein Wille ges schehe! Amen. Gebet für den Regenten, die Obrigkeit und das Vaterland. Großer Gott und Herrscher über alles! Wir danken dir, daß du deine Obrigkeit verordnet haft und durch dieselbe uns Schuß, Sicherheit des Lebens, Leibes und Eigentums und viele andere Wohlthaten verleihest. Es ist bein Wille, daß wir Bitte, Gebet und Danksagung für alle Obrigteiten vor deinen Thron bringen, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen. Darum flehen wir um deinen Segen für unsern Landesregenten. Erfülle ihn mit deinem Geiste, daß er erkenne, was uns gut, Gebet bei einem Gewitter. 163 und vollbringe, was uns heilsam ist. Verleihe ihm christliche Weisheit, daß er das Reich deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, erweitere und befestige. Rüste ihn aus mit Kraft und Stärke, daß er alle Hindernisse des Guten und der Wohlfahrt des Landes glücklich besiege. Laß es ihm nie an weisen und redlichen Ratgebern fehlen, welche das Vaterland, Recht und Gerechtigkeit, Religion und Tugend lieben und schützen. Mache ihn zum Vater der Witwen und Waisen, zur Zuflucht der Ges drückten, zum Retter der Unschuldigen, zum Beschüßer aller Guten und zum Schrecken aller Bösen. Erhalte und bewahre sein teures Leben, schüße seine geheiligte Person vor jedem Unfall. Verherrliche an ihm und an seinem Hause deine Gnade. Erfreue ihn durch jeden edlen und erheiternden Lebensgenuß, und schenke ihm vor allem die Liebe seiner Unterthanen. Sei mit unfrem Vaterlande, Herr, unser Gott, wie du bisher mit demselben gewesen bist. Bewahre es gnädig vor Krieg, Teurung, Mißwachs, schädlicher Witterung, vor ansteckenden Krantheiten, vor Feuer und Wassersnot sowie vor Dürre und Wassermangel. Verleihe fruchtbare Jahreszeiten. Laß Wissenschaft und Künste, Handlung und Ackerbau und jedes nügliche Gewerbe in demselben gedeihen. Gieb Friede und Ruhe, Glück und Heil in jedem Stande. Laß in unsrem Lande Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede fich tüssen. Segne uns, Gott, unser Gott, und alle Welt fürchte dich! Amen. Gebet bei einem Gewitter. Anmächtiger Gott, Schöpfer und Herr des Himmels und der Erbe! Groß und herrlich bist du in allen deinen Werken: groß und herrlich, wenn deine Sonne uns leuchtet; groß und herrlich, wenn schwarze Wolken deinen Himmel trüben. Du neigest den Himmel und fährst herab auf dunkeln Wetterwolken. Du donnerst und schleuderst deine Blize, daß sie wie Feuerflammen auf uns herabfahren. Hagel, Blize und Sturmwinde find deine Boten, die deine Befehle ausrichten. Herr, wer kann deiner Macht widerstehen? In einem Augenblick vermagst du uns und alles, was wir besitzen, in Staub und Asche zu verwandeln. Vor dir muß sich der schwache Sterbliche im Gefühl seiner gänzlichen Unmacht beugen, vor bir der verstockte Sünder unter den Schrecken seines Gewissens zittern. Aber du bist der Allgütige, Gnädige und Barmherzige. Deine Donner und Blike erschüttern, aber sie befruchten auch den Erdboden; deine Sturmwinde schrecken uns, aber reinigen und erfrischen die schwüle Luft und geben uns eine erquidende Kühle. Wer unter deinem Schirme fizet, du Höchster, und in dem Schatten deiner Allmacht ruhet, der spricht zu dir: Herr, meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe! Auch im grauenvollen Dunkel bist du bei uns. So breite denn auch in diesen Augenblicken die Flügel deiner Allmacht über uns aus, sei unser Schirm und Schild und wende alle drohende Gefahr von uns ab. Bewahre unser Leben, beschüße unser Eigentum, und behüte gnädig 164 Gebet in Kriegsnot. Auf der Reise. die Früchte und Gewächse des Landes. Gieb, daß der Anblick deiner furchtbaren Größe, du majestätischer, heiliger Gott, bleibende heilsame Eindrücke bei allen zurücklasse, die sich jetzt im Staub vor dir beugen müssen. Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Wir werfen uns in deine Vaterarme; auf dich stehet unsre Hoffnung. Erbarme dich unser! Amen. Gebet in Kriegsnot. Gott, du bist auch dann noch ein Vater deiner Kinder, wenn du schwere Trübsale über sie verhängst, heilig und gerecht in allen deinen Wegen, gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, ein Trost der Traurigen und eine Hilfe der Schwachen, unsere Zuversicht und Stärke, ein Herr Herr, der auch vom Tod errettet. Zu dir flehen wir, sowie alle unsere Mitmenschen, über welche du nach deinem uners forschlichen Rat den Jammer des Kriegs verbreitet hast. Dich beten wir in unsrer Not als einen Vater an, der seine Kinder mit Maßen züchtigt, dessen Treue groß ist am Tage der Leiden wie an den Tagen der Freude, in den Stürmen des Krieges wie im Sonnenschein des Friedens, dessen Weisheit alles zum Besten lentet und auch aus der Traurigkeit Freude, aus dem Verlust Gewinn, aus dem Tod Leben zu schaffen vermag. Wir demütigen uns unter deine gewaltige, aber weise und liebevolle Hand. Wir unterwerfen uns deiner väterlichen Züchtigung. Ach, erbarme dich unser nach deiner großen Güte. Siehe in Gnaden herab auf dieses bein Land, dem du bisher so gnädig gewesen bist. Erleichtere und mildere nach deiner großen Barmherzigkeit die schweren Drangfale des Krieges. Laß die Seufzer der Gedrückten und Leidenden, der Armen und Elenden Erhörung bei dir finden. Schenke denen, die für unser Vaterland kämpfen, Mut in ihrem Beruf, Schutz in Gefahren, Sieg im Streite, und vor allem Vertrauen auf dich und deine Hilfe. Steure dem Geist der Zwietracht unter den Völkern, und laß bald wieder Frieden, Ruhe, Sicherheit und Ordnung zurückkehren. Nimm uns, unsern Ort und unser ganzes Land in deinen mächtigen Schuk. Erhalte unser Herz nur bei dem Einen, daß wir deinen Namen fürchten, dir kindlich vertrauen, dich in unsrer Not suchen und durch deine Züchtigung uns zu ernster Buße erweden lassen. Dein Nat ist wunderbar, aber du führest alles herrlich. Stärke unsern Glauben. Herr, unsere Seele harret auf dich, du bist unsere Hilfe und Schild! Amen. Gebet auf der Reise. Nugegenwärtiger Gott! Du bist allen deinen Geschöpfen nahe; du umgiebst auch mich an allen Orten. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Herr, du bist meine Zuversicht und meine Gebet eines Kranken. 165 Zuflucht. Schüße mich vor allen Unfällen, die mich auf meiner Reise treffen könnten. Laß mich überall vor dir wandeln und fromm sein. Bewahre mich vor allen sündlichen Berstreuungen und Genüssen, daß ich ein gutes und unverlegtes Gewissen bewahren möge. Regiere mein Herz und Leben, daß ich nicht mutwillig wider dich sündige. Laß mich jede frohe Stunde, die du mir schenkest, im Aufsehen auf dich, den Geber aller guten Gaben, und in dankbaren Empfindungen deiner Liebe verLeben. Leite alle meine Schritte und Tritte; segne all mein Thun und Lassen. Erinnere mich auf dieser Reise recht oft und lebhaft daran, daß mein ganzer irdischer Lauf eine Wallfahrt und Pilgerschaft sei, auf welcher mich jeder Tag dem Ziele der Ewigkeit näher bringe. Leite mich auf allen meinen Pfaden nach deinem Rat, und führe mich, wenn meine ganze irdische Pilgerreise sich endet, in das himmlische Baterland! Amen. Gebet eines Kranken. Herr, mein Gott! Du siehest meine Schwachheit. Meine Leiden sind dir nicht verborgen. Dies tröstet mich auf meinem Krankenlager. Du haft dieses Leiden über mich verhängt, so hilf es mir nun mit Gelassenheit und Geduld tragen. Wie du willst, mein Gott; du weißest am besten, was mir heilsam ist. Aber um deinen Beistand, um deine Stärkung flehe ich armes und unmächtiges Geschöpf. Herr, sei nicht ferne von mir. Meine Stärke, eile du, mir zu helfen. Erquice du mich mit dem Trost deiner Gnade und der Vergebung aller meiner Sünden. Herr Jesu, mein Heiland, du Arzt der Kranken! Du rufest allen Mühseligen und Beladenen zu: Kommet her zu mir, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Auch ich komme auf deinen Zuruf mühselig und beladen zu dir. Du bist selbst durch alle irdische Schwachheit geprüft worden, um deinen Brüdern in der Stunde der Prüfung zu helfen. Sei mächtig mit deiner Kraft in meiner Schwachheit. Gieb mir durch deinen Geist den Frieden ins Herz, den du auch mir durch deinen Tod der Versöhnung am Kreuz erworben hast. Laß mich standhaft aufsehen auf dich, den Anfänger und Vollender des Glaubens, und von dir Geduld und Ergebung lernen. Lehre es mich erkennen, o Gott, daß auch mein gegenwärtiges Leiden eine Büchtigung deiner Baterhand ist, die mir eine heilsame Frucht der Gerechtigkeit zu meinem ewigen Heil gewähren soll. Mache mir auf diesem Krankenlager die Nichtigkeit und Hinfälligkeit alles Irdischen recht fühlbar, und erwecke in mir ein ernstes und eifriges Verlangen nach dem Ewigen und Unvergänglichen. Versüße mir die bittern Leidensstunden durch den Blick freudiger Hoffnung in die Welt, in welcher kein Leid, tein Schmerz und keine Plage mehr sein wird, und wo du abwischen wirst alle Thränen von unsern Augen. Ja erlöse mich einst von allem übel, und nimm mich auf in dein himmlisches Reich. Dir sel Ehre in Ewigkeit! Amen. 166 Fürbitte für einen geliebten Kranken. Gebet in Leiden. Fürbitte für einen geliebten Kranken. Gott, du bist der erbarmende Bater, vor dem wir allen Rummer, der unser Herz drücket, ausschütten dürfen. Du bist der allmächtige Freund im Himmel, der alle unsere Wünsche erfüllen, alle unsere Klagen und Seufzer stillen kann. Dein Wort ruft uns zu: Betet für einander. Das Gebet der Liebe ist dir wohlgefällig. Du selbst hast die Liebe gegen diejenigen, mit denen wir durch Bande des Blutes und der Freundschaft verbunden sind, in unser Herz gepflanzt. Der Schmerz der Liebe treibt mich zu dir. Ach, die Liebe fühlt ihre Unmacht zu retten und zu helfen so schmerzlich. Aber was unsere Schwachheit nicht vermag, das vermag deine allmächtige Gnade. Bei dir ist kein Ding unmöglich; du kannst überschwenglich thun über alles, was wir bitten und verstehen. Erbarme dich des leidenden Geschöpfes, dessen Anblick mein Innerstes bewegt. Erhöre die Seufzer, die aus der Tiefe eines gepreßten Herzens zu dir emporsteigen. Du bist ein getreuer Gott, du läsfest deine Kinder nicht geprüft werden über ihr Vermögen. Ach laß auch die schwere Prüfung dieses Kranken, für welchen ich deine Hilfe mit heißen Thränen anflehe, ein solches Ende gewinnen, daß er sie zu ertragen vermöge. Es ist mir bange um Trost; tröste du mich durch deine Hilfe. Es ist dunkel in meiner Seele; laß leuchten dein Angesicht. Eine schwere Last von Sorgen drückt mein Herz; nimm du sie von mir. Gedenke des schmachtenden Kranten nach deiner großen Barmherzigkeit; gedenke meiner Liebe, mein Gott, am besten; siehe an meine Angst und errette mich aus meiner Not. Herr von unendlichem Erbarmen, erbarme dich unser! Amen. Gebet in mancherlei Kreuz und Leiden. Gott, dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird! Siehe, ich trete vor dein Angesicht und schütte meinen großen Rummer vor dir aus. Mein Elend ist dir bekannt, meine Seele ist be= trübt, mein Geist ist geängstet, und schweres Leiden drückt mich. Ich sehe mich um nach Helfern und finde keinen. Dir aber, o Gott, klage ich mein Leiden, denn du bist barmherzig und läsfest dich unser Elend jammern. Darum komme ich zu dir und spreche: Ach, erbarme dich über mich; ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, Vater, erbarme dich deines verlassenen Kindes. Mein Jesu, ich bin erkaufet mit deinem Blut, erbarme dich deines Eigentums. Laß deinen Geist das Zeugnis in mein Herz geben, daß ich als ein begnadigtes Kind Gottes leide, und wenn ich im Gebet ermatte, so laß ihn mich vertreten mit unaussprechlichen Seufzern. Herr, hilf mir! Herr, stehe mir bei! Rufe in meine Seele: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen. Ach Herr, gieb, daß mein Glaube nicht aufhöre und meine Hoffnung nicht sinke. Du hast mich ja noch nie verlassen, ach, so verlaß mich auch jetzt nicht. Hilf deinem Kinde, komm zu mir, nach dir schmachtet mein Herz und Auge! Amen. Gebet in Kreuz und Not. Gebet eines Sterbenden. 167 Ein anderes Gebet in Krenz und Not. Mein Gott! Du führest mich durch das dunkle Thal ber Leiden; aber ich will mich nicht fürchten, denn du bist bei mir. Meine Seele sei stille zu dir, und deine Liebe sei mein Trost. Nach deinem weisen Rate geschieht es, daß wir auch durch Trübsale in dein Reich geführt werden; und du läsfest uns nicht umkommen noch verderben, wenn wir dir treu bleiben. D so erhalte mich dir getreu! Wann mich nichts mehr trösten kann, so sei du bei mir und erquicke die müde Seele. Sei du meine Zuflucht, daß ich auch im Leiden deinen Namen preise. Will ich mutlos und verzagt werden, und dünkt mir die Last zu groß, die du mir auflegst, so ermutige mich durch den Aufblick zu Jesu, der dir gehorsam worden ist bis zum Tod am Kreuze, der auch meine Laft getragen hat. Laß mich mit ihm überwinden und geduldig auf die Stunde der Erlösung harren. Läutere mich durch das Feuer der Prüfung, daß ich vor dir bestehe in Treue und Wahrheit. Du wirst mich reichlich trösten, wenn ich mit Christo leide. Meinest du es doch gut mit mir, wenn du mich demütigeft und deine Hilfe zu verziehen scheineft. Du willst mich losreißen von der Liebe der Welt, von aller fündigen Luft und meine Seele zu dir ziehen und heiligen. D so laß meine Trübsal dazu gesegnet sein; führe alles hinaus zum Preise deines väterlichen und weisen Rates. Sind doch die Leiden dieser Zeit nichts gegen die Herrlichkeit, die du einst an uns offenbaren willst. Laß mich geduldig ausharren in der Anfechtung und darin bewähret werden, damit ich die Krone des Lebens empfange, die du verheißen hast denen, die dich über alles lieben, und mit Freuden ernte, was ich mit Thränen gesät habe! Amen. Gebet eines Sterbenden. Gott, du einziges Labsal meines Herzens! Meine Seele schmachtet, und mein Geist verlanget nach dir. Komm, Herr, und laß deine Hilfe nicht ferne von mir sein. D du wahres, unsichtbares Licht, das nimmermehr verlöschet, mein Lebenslicht erlöschet, öffne mir das Auge meines Geistes, daß ich dich sehe! Herr Jesu! Sei gnädig mir armen Sünder, laß dein Leiden und Sterben nicht an mir verloren sein. Hilf mir zur ewigen Seligkeit. Ich bin krank und schwach, und es ist keine Kraft mehr in meinem Fleische. Herr, mein Arzt, hilf mir. Meine Seele dürftet; tränke und labe mich mit deinem himmlischen Troste. Hier liege ich und schlafe ein, erwecke mich zu dem wahren Leben, daß ich deinen Namen ewiglich lobe. Erlöse mich von diesen Banden, Herr, mein Schuk, mein Erretter, mein Trost, meine Zuflucht und meine Stärke. Geist des Herrn! Vertritt mich in meinen legten Augenblicken durch Senfter für einen Sterbenden. unaussprechliche Seufzer, wann mein Mund nicht mehr um Gnabe flehen tann, und verleihe mir Freudigkeit im Sterben! Bater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Dein Sohn, mein Heiland, Jesus Christus, hat mich am Stamm des Kreuzes erlöset und mir Barmherzigkeit und ewiges Leben erworben. Siehe mich an und erbarme bich meines Elendes. Hilf mir überwinden in der letzten Not durch deine allmächtige Kraft und Gnade. Laß mich sanft und selig ents schlafen, führe mich an deiner Hand durch das dunkle Thal des Todes, und leite mich zu deinem Himmel, daß ich mich da, erlöst von aller Erdennot, ewig freuen möge! Amen. 168 Senfzer für einen Sterbenden. Heiliger, barmherziger Bater! Siehe in Gnaben an unsern Miterlösten, der mit dem Tode ringt. Erbarme dich seiner in der letzten Angst. Erbarme dich seiner im Gerichte. Wir befehlen dir seine Seele, die du zum ewigen Leben erschaffen haft; erlöse sie von allem Übel und nimm fie auf in deine Hände! Göttlicher Erlöser, Jesus Christus! Auch für diesen Sterbenden hast du dein Blut vergossen, auch für ihn die heißen Todestämpfe gekämpft. Stehe ihm bei in seinen letzten Kämpfen. Du hast seine unsterbliche Seele erlöset zum ewigen Leben. Rufe den scheidenden Geist in die Heimat zu dir, daß er deine Herrlichkeit schaue! Heiliger Geist, göttlicher Tröster! Sei Licht, Trost und Kraft diesem Sterbenden, dessen Auge bricht. Stärke ihn in seiner legten Schwachheit. Hilf ihm hindurchdringen durch die enge Pforte zum Leben. Bringe seine Seele zum ewigen Frieden! Amen. Verzeichnis der Lieder. A Abgrund wesentlicher Liebe. Abschied will ich dir geben Ach bleib bei uns, Herr. Ach bleib mit deiner Gnade Ach Gott des Himmels Ach Gott, gedenke mein Ach Gott, verlaß mich nicht Ach Gott, vom Himmel sieh . Ach Jesu, gieb mir sanften Ach, mein Herr Jesu. Ach mein Jesu, sieh Ach, sagt mir nichts von Gold Ach sei mit deiner Gnade Ach, sieh ihn dulden, bluten Ach treuer Gott, barmherzigs Ach treuer Gott, ich ruf' Ach was sind wir ohne Jesus. Ach, wiederum ein Jahr. Ach wie nichtig, ach wie: Allein Gott in der Höh' Allein zu dir, Herr Jesu Alle Menschen müssen sterben Aller Gläub'gen Sammelplat Alles ist an Gottes Segen Algenugsam Wesen . ● 345 247 163 Als Jesus Christus in der Nacht Also hat Gott die Welt geliebt 110 Amen! Deines Grabes Friede. An dein Bluten und Erbleichen An dir hab' ich gefündigt Auf, auf, ihr Reichsgenossen Auf, Christenmensch, auf 192 Auf Christi Himmelfahrt Auf den Nebel folgt Auf dich hab' ich gehoffet Auf diesen Tag bedenken wir Auferstehn, ja auferstehn Auf Gott nur will ich sehen Auf Gott und nicht auf. • Nr. 55 Auf meinen Jesum will ich. 599 Auf, Seele, auf und säume 209 Auf will ich von Sünden 7 Aus des Todes Banden 24 17 20 215 425 . 191 575 360 278 148 Aus Gnaden soll ich selig Aus irdischem Getümmel Aus tiefer Not laßt uns Aus tiefer Not schrei' ich B Befiehl du deine Wege Beherrscher aller Welten Bei dir, Jesu, will ich Beschränkt, ihr Weisen Beschwertes Herz, leg ab • 487 456 82 534 588 C 36 305 Christen erwarten in allerlei 598 Christ lag in Todesbanden. 630 Christus, der ist mein Leben Christ, wenn die Armen. 67 Besit' ich nur ein ruhiges Bleibe, es will Abend Bleibt bei dem, der ● • • ● ● ● • ● • ● ● . . • . D Das äußre Sonnenlicht ist da. Daß ich in deiner Christenheit. Das walte Gott, der helfen ● 302 Das, was christlich ist ● 90 Dein bin ich, Herr, dir will ich 379 Dein Heil, o Christ, nicht. 185 Dein König kommt 469 Denk' ich der Dornenkrone 268 Der Abend kommt ● • 180 Der am Kreuz ist meine Liebe. 632 Der du das Los 524 Der du noch in der letzten Nacht 374 Der ersten Unschuld reines. Nr. 608 117 293 169 316 81 303 290 364 9 383 336 271 338 569 382 343 166 606 431 561 510 514 392 393 266 100 137 566 152 22 133 77 II Nr. Der Frühling ift erschienen 536 Der Glaub' ist eine Zuversicht 315 Der heil'ge Christ ist kommen. 114 Der Herr bricht ein 635 Der Herr fährt auf Der Herr ist Gott Der Herr ist gut Der Himmel hängt voll. Der Hirt, am Kreuz Der letzte Tag von deinen Der Mond ist aufgegangen. Der niedern Menschheit Hülle. Der Schächer, fluchbeladen ● ● Verzeichnis der gleder. ● ● • Der schmale Weg ist breit genug Der Tag ist hin Der Trennung Laft liegt Der Vater kennt dich Der Weltfinn will. Des Todes Graun. Dich frönte Gott Die Beschwerden dieser Erden Die Christen gehn Die Ernt' ist da Die Feinde deines Kreuzes Die Gnade sei mit allen. Die Gnade wird doch. Die güldne Sonne. Die ihr bei Jesu bleibet Die ihr den Heiland kennt Die Kirche Christi, die er Die Liebe darf wohl weinen Die Morgensonne gehet auf Die Nacht giebt gute Nacht Die Nacht ist niemands Die Seele ruht in Jesu Die Sonne senkt sich Dies ist der Tag, den Dies ist die Nacht, da Die Sünden sind vergeben Dieweil mein' Stund' Die Weisheit dieser Erden Die Welt kommt einst Dir dank' ich für mein Leben Dir dankt mein Herz Dir ergeb' ich mich. Dir, Herr, sei dieses Kind Dir versöhnt in deinem Sohne . ● . . Du, dessen Augen flossen 181 Du geheft in den Garten 38 Du hast ja dieses 441 570 Du bist ein Mensch Du bist's, dem Ehr Du bist zwar mein 52 468 609 Du kanntest schon. 120 146 388 568 70 627 135 134 284 Du, Herr der Seraphinen 76 Du, Herr von meinen Tagen. 522 512 626 557 Du flagst und fühlest Du meines Lebens Leben Durch Adams Fall Du sagst: Ich bin ein Chrift Du schenkst voll Nachsicht Du Schrecklicher, wer ● 648 Du wesentliches Wort 43 Du Wort des Vaters 404 602 442 380 Ein Ausblick in die Ferne. 337 Ein Christ kann ohne Kreuz 478 618 Ein' feste Burg ist unser Gott 212 541 Eine Herde und ein Hirt 224 361 210 Eines wünsch' ich mir 491 Einiger Mittler. 145 130 323 Ein Lämmlein geht 554 Eins ist not! Ach Herr 376 Eins nur wollen 385 437 619 475 Ergreife nun dein Harfenspiel. 573 Erhalt uns, Herr. 206 Erheb, o meine Seele. • • 471 Gi wie so selig schläfest du 205 Endlich bricht der heiße Tiegel ● ● . 563 574 Erheb, o Seele, deinen Sinn. 631 Er ist gekommen, er.. 567 Ermuntert euch, ihr Frommen ● . 365 552 104 Es glänzet der Christen 103 Es halten eitele Gemüter 321 Es hat uns heißen treten 596 Es ist das Heil uns kommen 435 Es ist ein köstlich Ding. 637 Es ist etwas, des Heilands 313 243 342 32 Es ist nicht schwer, ein Christ. 387 31 Es ist noch eine Nuh' 641 355 Es ist vollbracht. 622 457 238 Es jammre, wer nicht 267 Es koftet viel, ein Chrift 386 • ♦ Nr. 371 . . 483 139 78 403 426 540 109 395 ● 558 420 101 98 344 Verzeichnis der Lieder. Es muß ein treues Herze Es saß ein frommes Häuflein Ew'ge Liebe! Mein Gemüte Ewig, ewig bin ich dein Fahre fort, fahre fort Fall auf die Gemeinde Fortgekämpft und fortgerungen Freuet euch, erlöste Sünder Friede, ach Friede. Fröhlich soll mein Herze Frühmorgens, da die Sonn' Für alle Menschen beten wir Geduld ist euch vonnöten Geh aus, mein Herz Geht hin, ihr gläubigen Geht nun hin und grabt Geist der Kraft Geist des Lebens Geist vom Vater Gekreuzigter! Zu deinen Füßen Gelobet seist du, Jesu Gerechter Gott, vor dein Getreuer Gott, wie viel Gieb die Weisheit Gläubiger Jesu. Gott, deine Güte reicht Gott, deinen weisen Willen Gott, den ich als Liebe Gott, der du allen gütig Gott, der du Gnad' Gott, der du groß. Gott, der du Herzenskenner Gott der Macht. Gott der Tage, Gott der Nächte Gott, der Vater, wohn Gott der Wahrheit. Gott des Himmels Gott, du bist alleine gütig Gott, du bist selbst Gott, du läsfest mich Gott, du Licht, das ewig Gott, Erd' und Himmel. Gottes Führung fordert. Nr. 47 193 85 240 211 161 477 107 330 105 173 433 Gott, gieb mir deinen Geift Gott, Herrscher über alle Gott ist gegenwärtig Gott ist getreu. Er selbst 480 111 49 57 Gott ist getreu. Sein Herz Gott ist mein Hort Gott ist mein Vied. Gott lebet! Sein Name Gott lebt! Wie kann ich Gottlob! ein neues Kirchenjahr Gottlob! ein Schritt Gottlob! ich weiß Gott macht ein großes Gott richtet immerdar. Gott ruft der Sonn' Gott sei Dank in aller Welt 447 Gott Vater, aller Dinge. 538 Gott, Vater in dem Himmel 56 Gott, vor dessen Angesichte. 616 200 Gott will's machen 202 203 Größter Morgen, der die Erde Großer Hirte deiner Herden Großer König, den ich ehre Großer Mittler, der zur Rechten Guter, gnädiger, getreuer Gott, welcher Kampf. • 10 517 Hallelujah! Schöner Morgen 488 Hallelujah! Wie lieblich. 295 Halt im Gedächtnis 579 Heiland, deine Menschenliebe 69 Heil uns! Des Vaters Herr, allwissend 581 33 Herr, deine Rechte. 228 564 Herr, dir ist niemand. 560 Herr, du fährst mit Glanz 61 Herr, du haft für alle 496 Herr, du wollst uns . Herr, deine Treue ist so groß. Herr, dein Wort 559 458 Herr, der du mir das Leben 501 Herr, der du vormals $ 436 123 Hallelujah! denn uns ist heut' 102 Hallelujah! Lob, Preis 37 269 188 . III . Nr. 264 527 263 252 125 546 Heil'ger Gott, der du begehrest 460 450 Heiligster Jesu 122 508 42 229 311 236 565 528 59 182 257 246 ● 46 45 232 39 40 467 89 584 645 248 50 532 94 279 23 48 299 375 168 207 358 190 231 IV Verzeichnis der Lieder. Nr. Herr, es gescheh dein Wille.. 580 Herr, es ist von meinem Leben 578 Herr Gott, dich loben wir für deine. 529 Herr Gott, dich loben wir! Herr Herr, habe acht auf mich Herr, höre! Herr, erhöre Herr Jesu Christ, dich zu uns Herr Jesu Christ, du höchstes. Herr Jesu Christ, mein's Herr Jesu, deiner Herr Jesu, der du selbst. Herr Jesu, Gnadensonne Herr Jesu, Licht der Heiden Herr, laß mich deine Heiligung Herr, lehre du mich Herr, meine Leibeshütte Herr, ohne Glauben Herr und Gott der Tag'. Herr von unendlichem Herr, vor dem die Engel Herr, welch Heil kann Herr, wie du willst Herr Zebaoth, du starker Herzlich lieb hab' ich dich Herzliebster Jesu ● Herzog der erlösten Sünder Herzog unsrer Seligkeiten Herz und Herz vereint Hier bin ich, Herr. Hier ist mein Herz Hilf, Erbarmer, schaue her. Hilf, Gott, daß unsre Himmelan, nur himmelan Himmel, Erde, Luft Hinab geht Christi Weg. Hirte deiner Schafe Höchster Gott, durch deinen Hört das Wort voll Ernst. Hüter, ist die Nacht Hüter, wird die Nacht 3 Ja fürwahr, uns führt Ja, Tag des Herrn Jauchzet, ihr Himmel Nr 604 241 370 242 157 1 158 19 Ich faffe, Bater, deine Hände. 611 Ich geh' zu deinem Grabe 633 Ich glaube, daß die Heiligen Ich glaube, Herr, hilf. Ich habe nun den Grund 6 16 294 610 183 281 Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin getauft. Ich bin in dir, mein Gott Jch bin in dir und du in mir Ich danke dir für deinen Ich danke dir in Ich hab' in guten Stunden Ich habe viel gelitten. Ich hab' von ferne, Herr 3ch tomme, Herr Ich lobe dich. Mein Auge Ich ruf zu dir, Herr 3ch jag' es jedem, daß 12 118 391 429 603 312 576 Ich soll zum Leben 14 Ich steh' an deiner Krippe 138 171 Ich finge dir mit Herz 25 Jch sterbe täglich 419 Ich suche dich; Herr, laß 26 Ich und mein Haus 539 346 3ch weiß, an wen ich glaube, ich weiß. . 3ch weiß, an wen ich glaube, und daß 401 3ch weiß, mein Gott. 217 3ch weiß von keinem 505 Jeder Schritt der Zeit 421 Jeder Tag hat seine Plage. 60 Je größer Kreuz 445 Jenen Tag, den Tag 577 Jesu, als du wiederkehrtest 556 Jesu, Brunn des ew'gen 384 Jesu, deine Passion 222 Jesu, deine tiefen Wunden Jesu, dessen Tod 296 Jesu, du Sohn. 306 Ich will dich lieben 308 Ich will nicht alle Morgen. 80 Ich will von meiner Missethat ● . ● ● ● ● . Jesu, frommer Menschenherden 72 Jesu, geh voran 272 Jesu, hilf beten. 106 Jesu, hilf siegen • . 216 322 332 486 472 650 250 204 320 165 66 406 113 594 319 502 324 621 68 318 353 465 292 530 259 479 636 513 276 131 155 143 121 128 381 265 417 Verzeichnis der Lieder. Nr. Jesu, laß mich nicht dahinten. 407 Jesu, meine Freude 331 Jesu, Seelenfreund 273 Jesus Christus gab sich 124 Jesus Christus herrscht Jesus, Freund der Menschenkinder Jesus ist kommen, Grund Jesus kommt, von allem Jesus lebt, mit ihm auch Jesus, meine Zuversicht. Jesus nimmt die Sünder an Jesus soll die Losung sein Jetzt leb' ich; ob ich morgen Ihr Eltern, hört Ihr Kinder, lernt Immer muß ich wieder In allen meinen Thaten Inbrünstig preis' ich dich In deiner Stärke freue sich. In der stillen Einsamkeit Ist Gott für mich, so trete. K Kehre wieder. König, dem kein König Komm, heiliger Geist. Komm, Himmelsfürst. Komm, mein Herz Komm, o komm, du Geist Komm, Segen aus der Höh' Kommt, Brüder, laßt uns Kommt her und laßt uns Kommt her zu mir L Lamm, das gelitten Laß dich nicht Lasset uns mit Jesu ziehen. Laß irdische Geschäfte. Laß mir, wann meine ● ♦ A Laß, o Jesu, meine Jugend Liebe, die du mich. Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Worte Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort 187 258 84 485 178 177 310 535 592 503 509 127 367 227 526 548 373 Lobe den Herren, den Sobe den Herren, o meine M Mache dich, mein Geist Macht hoch das Thor Mag auch die Liebe Mehr sieht das Aug' Mein Alles, was ich liebe Mein Alter tritt 189 537 378 249 613 511 348 239 274 Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum ich erwähle Meinen Jesum lass' ich nicht Mein Erlöser, schaue doch Mein erst Gefühl sei Preis. Meine Seele senket sich Meine Seel' ist stille Meine Seele voller Fehle Mein Friedefürst, dein Mein Geist, o Gott, wird. Mein Glaub' ist meines Lebens Mein Gott, das Herz Mein Gott, du bist und. 286 186 194 95 256 197 Mich Staub vom Staube Mein Gott, wie bist du Mein Heiland nimmt. . ● . Mein Herz, gieb dich. Mein Jesu, der du Mein Schöpfer, dessen Hauch N Mittler, alle Kraft Mit welcher Zunge Morgenglanz der Ewigkeit. 516 Mir ist Erbarmung 218 Mir nach! spricht Christus. 489 Mit dem Haufen deiner. 289 Mit Ernst, ihr Menschenkinder Mit Fried' und Freud' Mitten wir im Leben. ● ♦ Nach dir, o. Gott Nach einer Prüfung Nicht, daß ich's schon. Nicht der Anfang, nur Nicht eine Welt. Nicht Opfer und nicht Gaben • . . V Nr. 3 29 438 92 628 237 359 523 585 362 351 416 551 470 463 300 334 646 329 307 65 74 309 474 255 396 620 335 377 253 97 600. 597 144 159 555 18 642 413 411 333 423 bebebebes VI Verzeichnis der gleder. Nicht so traurig Nicht um ein flüchtig Gut Nimm hin den Dank. Nimm hin mein Herz Nimm von uns, Herr Noch sing' ich hier. Nun bitten wir den heiligen Nun danket alle Gott. Nun danket all' und bringet Nun freut euch, liebe. Nun gottlob! es ist vollbracht. Nun hilf uns, o Herr Jesu Nun ist es alles wohl Nun jauchzet all' Nun laßt den Herrn uns Nun laßt uns gehn Nun lob, mein' Seel' Nun ruhen alle Wälder Nur für dieses Leben. Nur wo Lieb' ist, da ist O Anfang sonder Ende O daß ich hätte mitempfunden. O daß ich tausend Zungen. O drückten Jeſu O du allersüßste Freude. O du Liebe meiner Liebe O Durchbrecher aller Bande O ew'ger Geist, des Wesen Oft flagt dein Herz O Gott, der du mein Vater O Gott, du frommer O Gott, du gabſt. O Gott, einst läsfest du O Gottes Sohn, du Licht O Gottes Sohn, Herr O Gott, o Geist, o Licht O Gott, von dem wir O Haupt voll Blut O heil'ger Geist, tehr bei Ohne Rast und unverweilt O Jerusalem, du schöne. . .. . O Jesu Chrift, mein O Jesu, Herr der Herrlichkeit. O Jesu, Jesu, Gottes Sohn O Jesu, meine Wonne • Nr. 484 Jesu, sieh darein 15 O Jesu, süßes Licht 261 O Lamm Gottes unschuldig Lehrer, dem kein Mensch, der Himmel 304 493 275 195 2 27 86 277 507 149 96 542 O wie selig seid ihr doch 533 O wie selig sind die Seelen 30 O wie unaussprechlich 571 O wundergroßer Siegesheld 452 424 531 175 4 O Menschen, diese kurze Zeit O Mensch, ermuntre O Mensch, wie ist dein Herz Oselig Haus, wo man. süßes Wort O Vater der Barmherzigkeit 13 62 . was wären meine Freuden. Welt, sieh hier dein Leben. wer alles hätt' verloren. . P Preis dem Todesüberwinder Preis, Ehr' und Lob sei dir R Richtet auf des Heilands Ringe recht, wenn Gottes 151 199 Ruhe hier, mein Geift 132 Ruhe ist das beste Gut 418 Ruhet wohl, ihr Totenbeine 44 410 459 Sanft, o Christ, ist Jesu Schaff in mir, Gott Schaut die Mutter 601 Schmücke dich, o liebe Seele 414 Schwing dich auf ● 317 Seele, du mußt munter 201 Seelen, laßt uns Gutes 544 Seele, was ermüdst du dich 142 Seht, welch ein Mensch 196 Sei getreu bis an das Ende 440 Sei Lob und Ehr'. 644 Sein Kampf war nun 349 Selig find des Himmels 282 356 260 Sich, dein König kommt ● . ● ● ● . 399 301 147 251 464 550 415 394 136 402 28 150 649 Sichrer Mensch, noch ist es Zeit 285 Siegesfürst und Ehrenkönig 184 91 • . Nr. 291 553 160 126 314 639 288 234 500 473 297 434 141 398 614 354 647 179 . 167 525 153 412 140 328 629 Verzeichnis der gieder Siehe, mein geliebter Knecht Sieh, hier bin ich. Singet Gott! Denn Gott Sint' ich einst in jenen So führst du doch So geht's von Schritt So ist die Woche nun So jemand spricht: ich liebe Solang ich hier noch walle. Soll dein verderbtes Herz Sollt' es gleich bisweilen Sollt' ich jetzt noch Sollt' ich meinem Gott Sorge, Herr, für unsre. So wahr der Allerhöchste Stärt uns, Mittler Such, wer da will Sünder, freue dich. T Thut mir auf die schöne Trachtet nicht nach hohen Trauernd und mit. Treuer Heiland, wir sind hier. Treuster Meister, deine Worte. Tritt her, o Seel'. U überwinder, nimm Um die Erd' und ihre Kinder Umgürte die, o Gott Unerforschlich sei mir Unter jenen großen Gütern. Unveränderliche Liebe. Unverwandt auf Chriftum Urquell aller Seligkeiten. Von dem Grab stund. Von dir, du Gott. . ● 9 ● . ● . • . . Bater, heilig möcht' ich leben. Bater, sieh auf unsre Versuchet euch doch selbst Berwirf mich nicht. Verzage nicht, o Häuflein Viel besser, nie geboren Bom Grab, an dem ● ● . • • Nr. 129 11 54 582 Von Gott will ich nicht 369 Vor dir, o Gott, sich 586 Vor dir, Todesüberwinder 583 427 270 446 Von dir, o treuer Gott Von dir, o Bater, nimmt Von dir will ich nicht 8 226 466 Wach auf, mein Herz, und 327 Wachet auf! ruft uns 64 Walte, walte nah und fern 504 Wandle leuchtender 519 Wann der Herr einst 245 Warum betrübst du dich 83 Warum sollt' ich mich Was freut mich noch 156 176 235 233 63 170 75 283 73 422 520 397 21 W Wach auf, du Geist Wach auf, mein Herz, die. Was ich nur Gutes habe Was ist's, daß ich mich. Was rührt so mächtig Wasserströme will ich. Was sind wir arme Was von außen und Was wär' ich ohne dich Was willst du, armes Was Gott thut, das ist wohlgethan. Es bleibt Was Gott thut, das ist wohlgethan. So denken. Weiche, Todesschrecken Weicht, ihr Berge. Weil ich Jesu Schäflein Welch eine Sorg' Welche Stund' im ganzen Wenn alle untreu werden Wenn der Stifter Wenn ich einst von jenem Wenn ich ihn nur habe Wenn ich mir auf viele .. 390 432 326 Wenn ich, o Schöpfer 521 Wenn kleine Himmelserben 213 Wenn mein Stündlein 638 Wenn mich die Sünden 108 Wenn wir in höchster. 615 Wer ausharrt bis 497 Wer bin ich? Welche. . • . ● . • ● ● ● . . . • VII Nr. 430 481 357 366 400 244 208 174 549 634 221 172 490 482 462 35 461 545 449 476 220 223 79 372 87 589 607 51 506 439 444 352 623 562 363 455 58 624 605 154 492 408 298 biebeseor VIII Werde licht, du Volk. Werde munter, mein Gemüte Wer dieser Erde Güter Wer Geduld und Demut Verzeichnis der Iteder. Wer Gottes Wort nicht. Wer im Herzen will Wer ist wohl wie du. Wer nur den lieben Gott Wer, o mein Gott, aus Wer sich auf seine. Wer sich dünken läßt. Wer sind die vor Gottes Wer weiß, wie nahe Wer wohl auf ist . Wie fleucht dahin Wie groß ist des Allmächt'gen. Wie gut ist's, von der Wie heilig ist die Stätte. Wie herrlich ist, o Gott. Wie könnt' ich sein Wie lieblich klingt's Wie mächtig spricht Wie muß, o Jesu, doch. Wie reich an Freude Wie schön ist's doch, Herr Wie schön leucht't uns Wie sicher lebt der Mensch Wie Simeon verschieden. Wie soll ich dich empfangen Wie sollt' ich meinen Gott Wie thöricht handelt doch . . Nr. 116 572 428 448 Wir glauben all' an 325 Wir kommen deine Huld Wie wird mir dann Wie wohl ist mir Willkommen, Held im Streite. .. 115 Wir Menschen sind 88 Wir sind nur Pilger 368 Wir sind vereint, Herr Jesu 340 Wir singen dir, Immanuel 287 Wir warten dein, o Gottes 443 Wo der Herr das Haus 651 Wo Gott ein Haus nicht 590 Wohlauf, mein Herz. 518 Wohlauf, wohlan zum 591 Wohl dem, der begre. 53 Wohl dem, der richtig 389 Wohl einem Haus. 254 Womit soll ich dich wohl 41 Wo regt sich noch 262 Wort des höchsten Mundes. 99 341 3 405 547 3euch ein zu deinen Thoren 494 3euch hin, mein Kind 347 3iert das Thor. 593 3ürne nicht auf stolze 612 3um Leben führt 93 3ur Arbeit winkt mir 350 3ur Grabesruh'. 587 3weierlei bitt' ich • • . Nr. 643 339 164 34 543 225 595 219 112 640 499 495 119 617 453 451 498 5 214 230 198 625 280 71 409 515 162 454 61 මෙම Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. 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