Entish 24 Geessen 16 1851 Die lettern fühlen wir selbst nur zu sehr Jeder, der es versucht, wird es erfahren, wie schwer es ist, Gebethformeln jene Stimmung und Salbung zu geben, die dazu gehört, wenn sie auf Verstand und erz zugleich wir ken und zum Vehikel religiöser Aufklärung und eines gründlichen Christenthums dienen sollten; wie schwer es ist, lehrreich zu werden, ohne trocken zu seyn, den herrschenden Ge schmack sowohl, als das Dogma der Kirche zu benügen, um jenen, wenn er bey aller sei ner Feinheit verdorben wäre, auf das allges mein Genießbare und Schmackhafte Hinzuleis ten, und dieses von seiner, zur Besserung und Beseligung wirkenden Seite darzustellen. Man fieht und merkt es auch den meisten Gebeth, formeln an, daß sie gemacht nicht gebethet sind. Aber ist dieses nicht auch beynahe unvermeidlich? Wir haben uns beflissen zu leisten, was wir konnten. Inhalt und Vortrag alle gemein faßlich und anwendbar zu machen, und eine Geistesnahrung vorzulegen, welche den Schwächern nicht ungenießbar, und den Star ten nicht ekelhaft seyn sollte. Wir haben sorg )( 3 fältig fältig alles vermieden, was auf der einen oder auf der andern Seite anstófsig seyn möchte; und uns durchaus an das Gemeinnüzigste gehalten. Allen ganz Genüge zu thun, ist nicht möglich. Wir faßten daher geübtere, und zum Nachdenken aufgelegtere Leser aus dem Mittelstand ins Auge. Für die niedrigste Klass se läßt sich ohnehin noch wenig schriftstellen. Das Licht muß sich nur unvermerkt und all mählich, mehr durch mündlichen Unterricht, als durch Bücher, auf sie hinab verbreiten. Wir wünschen dem künftigen Verfasser eines katho lischen Volksgebethbuchs wenigstens vorgearbeis tete brauchbare Materialien gesammelt zu haben. O stund er doch einmal auf, der Mann, dem Talent und Herz gegeben ist, dieſe segense volle Arbeit zu unternehmen, und sich dadurch eines der schönsten Verdienste um Christum und Menschheit zu machen!!! Man klagt, seufzet und spottet über den frommen Unsinn, über die andächtelnde Schwäre merey, über die Sinn und Geistleere, ewige Gedankenlosigkeit nährende Terminologie, wo mit noch die meisten Andachts- und Gebethbücher voll vollgepfropft sind, wodurch die christliche Einfalt auf Seiten und Irrwege geführt, der Aberglaube genährt, bestårket, und dem Unglauben Anlaß zum Gespötte gegeben wird. Es ist hohe Zeit, die Ehre der wahren Andacht zu retten, und einen Ton in ihrer Sprache ans zugeben, in den auch der aufgeklärtere Christ einstimmen kann. Daß es noch weniger geschehen ist, besonders bey unfern Gottesdienstlis chen Handlungen, als man in diesen Zeiten ers warten und fordern könnte, ist gewiß auch eine von den Ursachen der stets weiter sich auss breitenden Frreligion. Gewisse zufällige Ane stoffigkeiten gegen Vernunft und Geschmack erzeugen ewig Ekel und eine Verachtung, die gemeiniglich) aufs Wesentliche übergeht, weil die wenigsten zu unterscheiden wissen, und vie len mit diesem Vorwande gedient ift, låstiger Pflichten mit Ehren los zu werden. Daß der Geschmack an gründlicher, kernHafter Andacht unter unserm Volke weniger verloren gegangen sen, als man glauben möch te, davon zeugen die zum Erstaunen schnell vergriffenen und schon oft wiederholten starken Auflagen der Seibt und Sailerischen Wer )( 4 fe. te. Sie halfen mächtig dem Schwall der geistlosen Andachtsbücher verdrängen, und reis neres thätigeres Christenthum verbreiten. Die schon nach dem ersten Jahre vers griffene Ausgabe des Rathol. Gebethbuchs zur Beförderung des wahren Christenthums, war uns Aufmunterung auf die zweye te so viel Fleiß zu wenden, als die Würde und Wichtigkeit des Inhalts, die immer noch zu wenig beherziget werden, fordert. Diese wahre Ursache entschuldigt ihre spåte Erscheinung. Wenn gleich der Titel noch der alte geblies ben ist, so ist doch beynahe das gange Buch neu bearbeitet, und um ein Beträchtliches vermehrt. Fortgesettes Nachdenken, Bekanntſchaft mit den besten Erbauungsschriften, Erinnerun gen und Beyträge einiger Freunde setzten nicht nur den ersten Herausgeber in den Stand bea trächtlich zu verbessern, sondern machte auch das Entlehnen fremder Arbeiten weniger nöthig. Die Verschiedenheit des Stils sollte einem Bus che, das so verschiedene Leser hat, und der Manchfaltigkeit Empfehlung ist, zu keinem Vore wurfe gereichen. Un Unsere Absicht und unser Bestreben ging hauptsächlich dahin, richtige Begriffe von würs diger Gottesverehrung, wahrer Andacht, Gotte seligkeit und achter Heiligkeit zu verbreiten und zu beleben. Vorzüglich richteten wir unser Aus genmerk auf die Messen, um die so oft wies derholte Anhörung derselben, auf verschiedene Weise erbaulich zu machen. Wir wollten auch die angefochtensten Lehrsäge unserer Kirche, z. B. Von Verehrung und Anrufung der Heilie gen, vom Fegfeuer, von der Ohrenbeichte 2c. nicht übergehen, sondern in ihr wahres Licht sehen, und zur Erbauung Catholischer Christen. benußen. Gleich ferne von Profelytenmacherey und Indifferentismus, hoben wir aus unserm Dogma vornehmlich das Praktische aus, wel ches zunächst auf Besserung, Beruhigung unt) Befeligung der Menschheit wirkt. Dieß wird uns doch nicht, wie Sailern, von beyden Para teyen zur Sünde gerechnet werden. Wie wollten ja ein Andachtsbuch, keinen Schulune terricht schreiben. Auch wollten wir nicht zum Ueberflusse wieder sagen, was schon hundertmal gesagt worden ist. X($ Dieß, Freunde, ist nun der Zweck und die Einrichtung des Buchs, das wir Ihnen zur Beurtheilung übergeben. Noch einmal möchte es Ihrer Aufmerksamkeit und gütigen Aufnahme werth seyn, und ihrer Erwartung entsprechen! dann thun wir gewiß keine Fehlbitte, wenn wir um die Verbreitung dieses Buches in Ihrem Wirkungskreise bitten. Die Auss breitung der darin enthaltenen seligmachenden Wahrheiten der Religion werden sich erleuch tete und edle Volkslehrer ohne unsern schwa chen Aufruf dazu, aus eigenem Trieb und Drang angelegen seyn lassen. Gott laffe uns fere redliche Absicht und Mühe, samt allen Ihnen ihm gefälligen Arbeiten, gesegnet seyn. Am Schlusse des Jahrs 1788. Die Herausgeber. enstandard An ܐ An den Leser. Eine nöthige Vorbereitung, die mehr als einmal gelesen und beherzigt werden sollte. D er Gebethbücher bedient man sich meis stens zur Unterhaltung in der Kirche. Besser wäre es, wenn man dieses Mittels, der Zers streuung und langen Weile zu wehren, gar nicht bedürftig ware; und nach der Natur des Gebeths zu urtheilen, scheint es überflüssig zu seyn. Ein Kind darf es nicht erst aus einem Buche lesen, was es seinem Vater zu sagen hat; es läßt sein Herz reden. So dürfen und sollten auch wir in der Einfalt unsers Herzens zu Gott bethen. Dazu ist keine Kunst, kein Wortgeprånge nöthig. Das Bethen sollte uns nicht schwerer seyn, als eis nem Kinde das Sprechen mit seinem Vater ist. Aber unser Vater im Himmel ist ein ganz geistiges, unsichtbares, über alle unsere Begriffe erhabenes Wesen. Seiner täglichen Wohlthaten sind wir schon so gewohnt, daß sie keinen lebhaften Eindruck mehr auf uns mas chen; chen; und seine größten Güter, die er uns bereitet, sind von ganz anderer und höherer Art, als die, welche wir von unsern leiblichen Vå tern und Wohlthätern gemeiniglich erbitten, erwarten und empfangen. Was wir am meisten bedürfen, und was die wichtigste Ans gelegenheit für uns seyn sollte, ist uns nicht sichtbar, nicht dringend genug. Unser Geist muß sich anstrengen, wenn er sich vom Jer, dischen und Vergånglichen loßreißen, zum Himmlischen und Ewigen erheben soll. Das Her muß unser Herz erst durch lebhafte Vors stellungen und rührende Betrachtungen zubes reitet und in Bewegung gesetzt werden, bis es sich im Gebeth ergießen kann. Dazu sind denn auch Gebethbücher eigent lich bestimmt. Sie sollen der Seele eine Bey Hilfe geben, sich der Lehren der Religion, Weisheit und Tugend mit Empfindung ihrer Wahrheit, Wichtigkeit und Wohlthätigkeit zu erinnern, und ihre Andacht so damit zu unterhalten, daß sie bleibenden Eindruck machen und zu herrschenden Gesinnungen wer den. Sie sind Anweisungen und Anleitungen zum Selbstbethen, um ihrer einst nicht mehr zu bedürfen. Eine Gebethformel Herlesen heißt nicht bethen. Erst durch das Nachdenken dars über, über, und durch ihre Anwendung auf uns selbst, wird es Gebeth. Der Verstand muß den Sinn der Worte einsehen und bes denken; das erz muß die erkannte Wahrs heit empfinden und sich zu Nuge machen. Das Gebeth, es bestehe nun in Lobpreisungen Gottes, oder in Danksagungen, oder in Bitten, oder in Bekenntnissen und Aufopferungen, ist nichts anders als eine Belebung unserer Vorstellungen von Gott zur Erweckung guter Empfindungen und Ents schließungen. Eben deßwegen wird Religion und Tugend, und vermittelft dieser unsere Vollkommenheit und Glückseligkeit, durch das Gebeth auf eine so vorzügliche Art befördert, daß unsere Verpflichtung zum Gebeth so stark ist, als unsere Verbindlichkeit, uns eines jeden Mittels zu bedienen, wodurch wir vollkomme nere und glücklichere Menschen werden können. Gott selbst will unsere Glückseligkeit, und es kann ihm also unser Gebeth, wenn es rechter Art ist, nicht unangenehm seyn. Er gibt uns zwar, auch ungebethen, unzählich viel Gutes: aber manches wird erst unter der Bedingung eines frommen Gebeths für uns gut, und wir machen uns erst dadurch seiner Wohlthaten fähig. Den meisten Christen scheint es an dies sen richtigen Begriffen von der Beschaffenheit und und Kraft des Gebeths zu fehlen. Insbeson dere ist auch die Art, wie man Kinder be then lehrt oft mit Zwang und Härte- die verkehrteste, die sich gedenken läßt, und era zeugt meist lebenslängliche Abneigung und Kåls te gegen eines der seligsten Geschäfte. Sey also treuherzig und aufs freundschafts lichste gebethen, lieber Mitchrift, der du dieß Gebethbuch in die Hand bekommen hast, fol gende Anweisung zum christlichen Gebeth oft, besonders an den Sonntagen, mit allen Bes dacht zu lesen und zu überdenken. Anweisung zum christlichen Gebeth. Sich das Gebeth nicht bloß als eine Schuldigkeit an, gleichsam als eine Aufwartung, die du Gott machen müßtest, als eine Huldigung, die der große Gott von feinen Unterthanen fordert: sondern als eine Woh Ithat und Gnade. Nur dir zum Besten will Gott, daß du bethest. Daß das Gebeth meistentheils so wenig Frucht und Segen bringt, kommt wohl daher, weil es den wenigsten von Herzen geht, weil weil man selten weiß und überlegt, was man hersagt, und andern nachbethet. So gehts ges meiniglich mit dem lieben Vater unser, das so oft gesprochen und so wenig verstanden und bes herzigt wird! Mancher liest ein Gebeth her, das gar nicht für ihn gemacht ist, und auf seis nen Zustand gar nicht paßt. Wie kann da das Herz einigen Antheil daran nehmen? Oft bittet man Gott um etwas, das man gar nicht verlangt; oder man ist selber Schuld daran, daß es Gott nicht geben kann, z. B. wenn ein unordentlich fortlebender Mensch Gott um Glück und Segen, um Gesundheit und lans ges Leben bittet; oder wenn ein anderer, der wissentlich Böses thut und darin beharrt, Gott die schönsten Betheurungen vorsagt, um Stårs ke zur Tugend um Vergebung seiner Sünden, um ein seliges Ende, um den Himmel bittet. Wie kann es jemand mit seinem Anbethen, seinem Bitten und Danken Ernst fenn, wenn er fast nie an Gott denkt, seinen Willen nicht thut, die Mittel nicht braucht, die ihm Gott ans biethet, sich selbst zu helfen und glücklich zu mas chen; wenn er unzufrieden ist, sogleich murret und zaget, so bald es nicht nach seinem Wunsch und Willen geht. Oder wenn er im allgemeis nen Gebeth für seine Mitmenschen bittet, und doch dabey rachgieris, schadenfroh, feindselig, undienstfertig, dem Neid oder der Verleum dungssucht ergeben iſt. Was ist von so eis 00 nem nem Gebethe zu halten und zu erwarten? Heißt das nicht Gottes spotten? Wenn du berhen willst, so denke wohl dars an, was du thust. Laß alle andere Gedanken fahren, und richte dein ganzes Gemüth auf Gott, in dessen Gegenwart du stehest. Du mußt wohl wissen, ob das auch wahr ist, was du sageft, und ob du auch beständig dabey bleis ben, und dich darnach richten wolleft. Denn das wäre wohl Frevel, dem allwissenden Gott, nur so ein leeres Compliment machen zu wollen. Er kennet dein Herz, und es kommt alles dars auf an, wie er das findet. Frage dich also öfters selbst: ,, Geht das auch mich an? kann ich das auch mit Wahrs heit von mir sagen? Wie will ich das in Auss übung bringen, und mir zu Turgen machen? wie will ich mich damit beruhigen und tróften? Nur nicht flichtig durchgeeilet! Besser eine Zeile recht verstanden, durchgedacht und erwos gen, als das ganze Gebethbuch ohne Nachdenken und Empfindung hergelesen. Findest du etwas, das dich besonders trifft und rührt, so bleibe daben stehen, als wenn fonst nichts im Buche- als wenn es ganz für dich allein da stünde. Denke dir selbst hinzu, was nur dich allein angeht, was nur du am besten weißt. Laß dein Herz vor Gott reden. Gott Gott erlaubt feinen Kindern, ihm ihre Wüns sche und ihr Anliegen vorzutragen. Steigt nun in deinem Herzen, ein Wunsch auf, den du dir zum Inhalt eines Gebeths zu machen nicht getrauest, so denke nur gleich, daß er thöricht und fündlich ist, und laß ihn fahren; Seine Erfül lung würde zu deinem Verderben gereichen. Allein in erlaubten Dingen stelle deine Wüns sche allezeit Gott heim, und bethe mit Christo: Vater dein Wille geschehe. 01 Bethe nicht bloß um zu bethen; sondern um dadurch besser, getroster, gestärkter zu wers den zur Ausübung der Tugend und Pflicht. Wenn du durch das Gebeth und die fortgesette Ulebung darin ruhiger, zufriedener, geduldiger, thátiger zu deinem und anderer Wohl, liebes voller gegen Gott und Menschen; wenn du ein besserer, und seligerer Mensch geworden bist: dann hast du recht und mit Nußen gebethet. Dieß ist der wahre Segen des Gebethes; das sicherste Kennzeichen, daß es Gott gefällig war und gnädig von ihm erhöret worden ist. Ein für allemal: Wer recht zu bethen weiß, der weiß auch recht zu leben. Wenn uns Gott zu bethen erlaubt, wenn wir ihn als unsern Vater anrufen dürfen, so will er, daß wir ein recht kindliches Herz zu ihm bekommen sollen. In allen Begegnissen, in Freud und Leid, denke an Gott, deinen Vas ter. Dieß wird dich im Glücke vor Mißbrauch, X( X( 2 im im Unglück vor Kleinmuth bewahren; und dei ne Seele in Ruhe erhalten. So wird es dir immer leichter und angenehmer werden, aus dem Herzen zu bethen. Willst du etwas anfangen und thun, so bes finne dich, ob es vor Gott recht ist; und wenn das ist, so geh daran mit Muth und Vertrauen auf seinen Beystand. Hast du etwas vollendet, so denke ,,, Mit Gottes Hilfe habe ichs zu Stande gebracht." Steht dir eine Noth und Gefahr bevor, so denke: ,, Gott ist bey mir, wovor foll ich mir fürchten. Gott ist meine Kraft, wovor foll ich zagen? Von ihm gestärkt, vermag ich alles!" Dieß stete Andenken an Gott ist das immerwährende Gebeth, das Chris ftus so sehr empfiehlt. Es gibt keine bessere Ans weisung dazu, als die Ermahnung des frommen Tobias: ,, Dein Lebenlang habe Gort vor Augen, und in deinem Herzen. Der From me bethet allzeit, indem er allzeit so denkt und handelt, wie es sich für ein vernünftiges Ge schöpf und für ein Kind Gottes geziemet; all zeit mit etwas beschäftigt ist, das Gott gefallen kann allezeit fo gesinnt und beschaffen ist, daß er sich vor Gott, als dem gegenwärtigen Zeugen seiner Gedanken, Reden und Hands lungen, zu denken allezeit freuen, nicht fürch ten darf. - O möchtest du dich von der beseligenden Kraft eines solchen Gebeths durch eigene Er fahrung fahrung überzeugen! Laß dir indeß die in dies sem Buche enthaltenen Andachtsübungen zur Erweckung und Stärkung solcher Gesinnungen behilflich seyn, welche das wahre Gebeth auss machen. Gebrauche sie mit dem redlichen Her zen, aus welchem sie geschrieben sind. Der Herausgeber wird Gott dafür preisen, wenn es ihm gelungen ist, zur Beförderung der wah ren christlichen Andacht etwas beygetragen zu haben. Gott verleihe seinen Segen dazu! Aufmunterung zur Gebethsübung. Beth oft in Einfalt deiner Seelen Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz dich bethen heißt? Nicht Töne finds, die Gott gefallen. Nicht Worte, die die Kunst gebeut. Gott ist kein Mensch. Ein gläubig Sallen, Das ist vor ihm Beredsamkeit. Wer das, was uns zum Besten dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erfühnet, Was er nicht wünscht, entehret Gott. Wer Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergißt, was er beschwur; Und klagt, daß Gott ihn nicht erhöret, Der spottet feines Schöpfers nur. Beth oft zu Gott, und schmeck in Freuden, Wie freundlich er dein Vater ist. Beth oft zu Gott, und fühl im Leiden, Wie göttlich er das leid versüßt. Beth oft, wenn dich Versuchung quålet; Gott hörts, Gott ists, der Hilfe schafft. Beth oft, wenn innrer Trost dir fehlet; Er gibt den Müden Stark und Kraft. Beth oft, und heiter im Gemüthe Schau dich an seinen Wundern jatt. Schau auf den Ernst, schau auf die Güte, Mit der er dich geleitet hat. Hier irrtest du in deiner Jugend, Im Alter dort. Er trug Geduld, Rief dich durch Glück und Kreuz zur Tugend; Erkenn und fühle feine Huld. Beth oft und schau mit selgen Blicken Hin in des Ewigen Gezelt, Und schmeck im gläubigen Entzücken Die Kräfte der zukünftgen Welt. Ein Glück von Millionen Jahren, Welch Glück! Doch ists von jenem Glück, Das dem der Herr wird offenbaren, Der ihm hier dient, kein Augenblick! Beth Beth oft; durchschau mit heilgem Muthe Die herzliche Barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuern Blute noi del Die Welt, der Sünder Welt befreyt. si Nie wirst du dieses Werk ergründen, Nein, es ist eines Gottes That. Erfreu dich ihrer, rein von Sünden, Und ehr im Glauben Gottes Rath. 103 Beth oft; entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz. Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Pfalm und Ton, Nicht dein Gelübd rührt Gott; dein Sehnen, Dein Glaub an ihn und seinen Sohn. Beth oft; Gott wohnt an jeder Ståtte In feiner minder oder mehr. Denk nicht: Wenn ich mit vielen bethe: So find ich eh ben Gott Gehör. Gott ist kein Mensch. Ist dein Begehren Gerecht und gut: so hört ers gern. Ists nicht gerecht: so gelten Zähren Der ganzen Welt nichts vor dem Herrn. Doch säume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn, Und seinen Namen mit den Seinen, Mit deinen Brüdern, zu erhöhn; Dein Dein Herz voll Undacht zu entdecken, Wie es dein Mitchrist dir entdeckt, Und ihn zur Inbrunft zu erwecken, Wie er zur Inbrunst dich erweckt. Bist du ein Herr, dem Andre dienen: So sey ihr Beyspiel, sey es stets, Und feyre täglich gern mit ihnen Die felge Stunde des Gebeths. Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir anvertraut Kein Knecht des Hauses müsse fehlen; Er ist ein Christ, und werd erbaut! Beth oft zu Gott für deine Brüder, Für alle Menschen als ihr Freund; Denn wir sind Eines Leibes Glieder; Ein Glied davon ist auch dein Feind. Beth oft; so wirst du Glauben halten; Dich prüfen, und das Böse scheun, An Lieb und Eifer nicht erkalten, Und gern zum Guten weise seyn. Mors كهن sidsintonbl honu antic sodali Morgenandacht. * 1234 Laß es die heilige Pflicht seyn, mein Christ, jeden Tag mit Erhebung deines Herzens zu Gott anzufangen. Der glückliche Fortgang und das erwünschte Ende hängt überall gemeiniglich von einem guten Anfange ab. Was früh versäumt wird, ist schwer nachzuholen, und wird selten ganz erseßt. Wenn du Morgens in der Stille und Einsamkeit aus angewöhntem Leichtsinne deines Goltes vergisfest, wirst du unter den Zerstreuungen des Tages seiner gedenken, und seines Segens dich freuen? 20 Verweile nicht lange unnöthiger Weise im Bette. Kürze dir nicht selbst deine kostbare Lebenszeit ab, die ohnehin so kurz ist. Sey kein Sklave einer trågens Weichlichkeit. Sie ist eine gefährliche Verführerinn, sie ist der Tugend, und der Gesundheit nachtheilig. Wie wirft du schwerere Versuchungen überwinden, wenn du schon ihr unterliegst? Böse Gedanken nehmen die müssige Seen le des Faulen ein, der sich nicht aus dem Bette loswinden kann, und so wird der Tag von ihm oft mit Sündis gen schon angefangen. Een aufmerksam auf dich selbst, und auf das, was in deinem Gemüth gemeiniglich zuerst und am meisten vorgeht. Daran fannst du erkennen, welche Neigung in dir die herrschende ist. # 3793 Chre Ehre dich selbst, ehre deinen eigenen Leib durch züch tige Ehrbarkeit und Schamhaftigkeit. Verschwende die edle Zeit nicht mit eitelm Puße. Reinlichkeit und Sitts samkeit sind die schönsten Zierden, die jedes Alter und jea des Geschlecht am besten Eleiden. 192 Folgendes Gebeth enthält die Gedanken, die jeder Christ beym Erwachen haben sollte. Mache sie dir eis gen, und wende sie auf dich an. Sprich nicht bloß die Worte nach, sondern erwecke dein Herz zu den Gesins nungen, die sie dir vorbehalten. molti dint Morgengebeth. Mein Gott und Vater! Zu dir erhebt sich mein Geist beym Erwachen. Mein erster Gedanke feyst du! Meine erste Empfindung sen dankbare Freude und Liebe. Mein erstes Geschäft Ans bethung und Bitte um Segen! Shior In Demuth werf ich mich nieder vor dir und preise dich, mein gütiger Schöpfer! daß ich noch lebe, und daß ich weiß, wozu ich lebe, daß ich dich, den Urheber und Erhalter meines Lebens fenne, und dich Vater nennen darf. 1 Unter deinem Schuße schlief ich sicher und ruhig. Unter deiner Leitung sehe ich heute wieder den Weg fort, den deine Vorsehung mie vor= 3 vorgezeichnet hat. Auch dieser Tag foll meinem Ziele mich näher bringen. Durch Besserung, Fleiß und Tugendübung soll ich zu jener höhern Glückseligkeit mich fähig machen, zu welcher du mich erschaffen hast. Du gibst mir Zeit, Gelegenheit, Kräfte und Mittel dazu. O möchte ich fie auch so benüßen, daß ich schon am heutigen Abend mich zu freuen, nichts zu bereuen hätte, und mit frohem Bewußtseyn vor dir, mein uns sichtbarer und allsehender Vater, erscheinen könne te. Ich bitte dich findlich um deinen Beystand dazu; ich will redlich mitwirken. Gott! du kennest mein Herz. Ist es gleich voll guter Entschließungen, wie schwach ist es doch! So oft schon hab ich meine besten Vorfäs ke gebrochen; wird dieß auch heute geschehen? Werd ich auch heute die Sünde wieder begehen, die dir so sehr an mir mißfällt? Soll auch der heutige Tag einer der verlornen, der übelzuges brachten, der unglücklichen werden? Ach! dieß sen ferne, mein Gott! Bewahre mich, stärke mich! Ich will mich auch sorgfältig hüten und mit Standhaftigkeit waffnen, damit dieß nicht geschehe. mate Wenn Begierden in mir sich regen, über welche die Tugend errothet; wenn mein Herz erbit tert werden will, oder meine Heftigkeit mich hin reißt; wenn meine Trägheit die Mühe scheuet, und mein Muth mich verlassen will: dann mache mich ein Gedanke an dich schamhaft, sanft, 2 a bora 4 vorsichtig, thâtig und ausdauernd. Gott weißso will ich denken die geheimsten Bewegungen meines Herzens, auf seinen Beystand kann ichy vertrauen; er wird meine Mühe und Ueberwindung belohnen; er wird mich richten.obrabim Vater! du vergißt deines Kindes nie. Wie follte ich deiner vergessen? Erinnert mich dochy alles an dich. Was ich bin und was ich habe; was ich sehe und genieße alles ist von dir. Dir gehöre ich ganz zu. Der Dienst, den du von mir-- zu meinem eigenen Besten forderst, ist Gehorsam aus Liebe. Diefen Dienst geTobe ich dir jetzt aufs heiligste. Alles, was ich thue oder beginne, geschehe, weil du es willst, und wie du es willst, du mein Gott und Vater, du mein mächtiger elfer und treuer Dergelter! Amen. hunte Date 305 Die gute Meinung, welche in den Anweisungen zur Gottseligkeit so sehr ein pfohlen wird, ist nichts anders, als was das Wort selbst fagt: Chriftliches, vernünftiges, shatiges Gutmeinen; gute Absicht, redliche Gesinnung gegen Gott und Mena schen. Sie muß nicht bloß fromme Regung oder Einbildung seyn; sondern sich durch nüßliches, pflichtgemä Bes, wohlthätiges Leben erweisen. Dazu gehört also, daß man alles, auch das geringfle, Gott aufopfere, alles zur Ehre Gottes, und im Namen Jesu thue, wie der Apostel öfters ermahnet, das ist, durchaus so denfe, rede rede und handle, wie es Gott haben will, wie es Kins dern Gottes und Christen gebührt, die nach der Lehre und nach dem Beyspiel Jesu sich richten sollen.- Als les, was auf diese Art aus Pflicht und Liebe geschieht ist Verdienst, und hat seinen Werth vor Gott, wenn es auch von Menschen nicht geachtet würde. Durch dieſe Herrschende Gesinnung wird das ganze Leben des Chris sten geheiligt. Erneuere fie täglich, diese gute Meinung und christliche Gesinnung; besonders aber bey wichtigen und schweren Vorfällen. insprulog Gnoft Gute Vorfäße find die Hauptsache des wahren Gebeths, und das Ges fühl der Kraft, sie zu vollziehen, soll die Frucht davont feyn. Richte deine Vorsätze infonderheit gegen diejenis ge Sünde, der du vorzüglich ergeben bist, auf diejenis ge Tugend, die dir vor andern nothwendig ist. ce mi s Denke im Voraus daran, welche Gelegenheiten und Regungen zu Verfündigungen, welche Hindernisſe im Guten, welche Gefahren und Leiden dir heute wahrs fcheinlich bevorstehen, damit du ihnen ausweichen, zus vorkommen, oder mit Vorsicht und Standhaftigkeit enta gegen gehen könnest. Uleberlege, was dir heute vora züglich zu thun obliegt; wofür du dich besonders zu hus ten haft; wie du deine Pflicht am besten werdest erfüls len, und was du Gutes werdest ausrichten können. Würde an einem jeden Tage auch nur ein einziges vors zügliches Tugend- und Liebeswerk von dir verrichtet: wie groß würde die Summe, wie herrlich die Kernte, wie 20 3 6 erfreulich der Ueberblick am Ende der Woche, des Jah tes, des Lebens seyn! Entschließe dich nur allezeit den Tag, welchen du anfångst, gut zuzubringen. Einen einzigen Tag wirst du doch deinen Vorsatz halten, dich überwinden können? Kannst du es heute, so wird es dir auch morgen möglich seyn. Die Tugend ist nur Anfangs schwer; durch Uebung wird sie immer leichter und angenehmer- Wels che Freude des Abends, wenn es dir durch Gottes Beys stand gelungen ist! An den Erlöser. kennd sie da Sollt ich am frühen Morgen an Gott gebenken, und an dich nicht o Jesu! mein göttlicher Freund und Führer! Dir nachzufolgen ist mein Christenberuf auf Erden, um einst zu dir zu Fommen im Himmel. Du bist mir das schönste Muster aller Tugend und Vollkommenheit, nach dem ich mich bilden soll. Alle meine Ges finnungen und Handlungen sollen zeugen, daß ich Dein Junger bin, der deinen Namen nicht ganz unwürdig führet. Dein heiliges Beyspiel sey mir heute, wie allezeit vor Augen! Dei ne Freude wars, den Willen deines Vaters zu thun, und das Werk auszurichten, wozu er dich gefandt hatte; Wohlthun war dein liebstes Geschäft, und was du thatest, geschah aus Liebe. Als Kind und Jüngling übtest du stillen Ges borsam gegen deine Zeltern, und dientest ihnen mit Wenng Outon mit deiner Hande Arbeit; und wenn ich dich mir nun im väterlichen Hause zu Nazareth, in Jofephs Werkstatt vorstelle, so sehe ich, daß Arbeit Gottesdienst, Menschenberuf, Weisheit und Tugend ist, und gehe dann mit Freudigkeit an meine Geschäfte, welche die höchste Vorsehung in meinem Stande mir anweift. Keines ist mir verächtlich, über feines will ich klagen. Auch dein fanftes Wesen und deine Bescheidenheit im Umgange mit andern, deine erbarmende, mens schenfreundliche, verzeihende Liebe, deine Geduld im leiden, deine Gottesergebenheit in allen Dins gen will ich mir zur Regel meines Verhaltens machen. Ich will mein Christenthum durch treue Befolgung deiner Lehren und Beyspiele, in meiner Aufführung zeigen, dir immer ähnlicher zu werden trachten. Dir will ich leben, weil du für mich gestorben bist; dir will ich sterben, der du für mich lebest. 6990 30 si d ens di ar slabije masl dir liter 3u Maria. Auch dein vergeß ich nicht in diesen Augens blicken, seligste Jungfrau Maria! wie fönnte ich der Mutter meines Heilandes vergessen? Meine Ehrfurcht und Ergebenheit sey dir auch heute gewidmet. Auch deine Freude war es, den Wil len des Herrn zu vollziehen; als eine treue und demüthige Magd dientest du Gott in deinem niedrigen Stande, in haußlicher Geschäftigkeit, in Filler Tugend. Deine Hand scheute die Arbeit 214 nicht, 00 nicht, und dein Herz war bey Gott. In fittfas mer Eingezogenheit warest du stets beflissen, deine Seele rein von aller Sünde zu bewahren, erreichteft einen so hohen Grad der Heiligkeit, und wardst der Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens. Dein schönes Beyspiel wecke mich zur Nachfolge! Nur dadurch kann ich die Aufrichtigkeit .meiner Verehrung beweisen; nur dann kann mir beine liebvolle Fürbitte bey Gott Segen bringen! MONG MA Zu den Engeln und Heiligen. Ihr heitigen Engel, Diener Gottes, unb Freunde der Menschen! auch euer einziges Ge fchäft, eure große Freude ists in eurem himmlischen Leben, Gottes Willen zu vollziehen und Glückseligkeit in seinem unermeßlichen Reis che verbreiten zu helfen. Dieß ser heute auch mein Geschäft, mein Vergnügen. Gottes Befehle will ich ausrichten; sein Werkzeug will ich fenn, wenn, wo und wie er andere Menschen durch mich schügen, retten, erfreuen und beglücken will. conism ama nd egnistm Gun0109 m Chap 111777, and ast quis die g Christe 9 Chriftliche Morgenwünsche und on Fürbitten mod grapeul mod sni, neastbondi madradial smind, 791002 alle mis mind side 1. ég sudi sit nd aid 1001 Allgütiger, alles belebender Schöpfer! Ubermals läsfest du deine schöne Sonne aufgehen über unsere Welt, über Gute und Böse. Ihr er freuendes, wohlthätiges Sicht ist das Bild deiner Liebe, die mit jedem Morgen neu wird, und über alle Geschöpfe sich ausgießt. naproi(@ Du bist aller Vater, siehst mit väterlicher Liebe auf alle deine Kinder herab, erbarmest dich aller. Führe die Frrenden vom Wege des Verderbens zurück; stärke die Schwachen; erleuchte die, welche dich und ihr Heil nicht ers kennen. Du vergiffest auch derer nicht, die deis ner vergessen, oder zu stolz sind, ihre Knie vor dir zu beugen. Vergib ihrem Unverstande. Laß Wahrheit und liebe, durch Jesum, den Er leuchter der Welt, immer allgemeiner werden, und sich überall hin verbreiten, wo das licht deiner Sonne scheint. snied is! pisan din sibom s2. Istengdam 20803 Wie mancher meiner Mitmenschen hat diese Nacht in Schmerz und Kummer durchseufzet? Wunderbarer Gott! wer kann deine Wege ergründen? wer darf dich zur Rede stellen? 215 Aber 10 Aber du bist Vater, du bist die Liebe! Du siehst den Ausgang von ferne! Ach! tröfte, stärke sie alle, Vater, deine leidenden, schmachtenden Kinder. Erleichtere ihnen die laft, die sie drückt, bis du sie ihnen ganz abnehmen kannst. Eindere ihr Elend durch Geduld und Vertrauen auf dich; laß ihnen das Ende ihrer Leiden be lohnende Freude seyn. WITH ખુલ્લું and Rs.33 phochidoor, nasus: daß von allen Kranken, die an diesem Morgen Erleichterung empfinden, von allen Trauernden, welche durch erquickende Ruhe geftártter erwachen, vornemlich aber von allen Gefunden, deine allwaltende Vorsehung geliebt und gepriesen werde! Sing anores 4. Meinen Geliebten und Freunden verleihe alles Gute, was ihnen mein redliches Herz wünscht, aber nicht geben kann, auch Fremden, die dir nicht fremde sind, eröffne sich deine wohl thätige Hand, und selbst meinen Feinden und Beleidigern o mein Herz sträube dich nicht gegen diesen Wunsch! verfage feine deiner göttlichen Gnaden, vielmehr mache mich geneigt, ihnen, noch heute und stets Böses mit Gutem zu vergelten. Mehmns Theat Comme 39 m2, cur[ amh ni adeft Was ich heut immer, es fey wenig oder viel zum Wohl meiner Mitmenschen beytragen kann, II kann, thun? sollt ich es nicht mit Freude und Ernst 9003091 Gott, du wirst thun, was ich nicht thun Fann, wenn ich nur das meinige redlich aus allen Kräften thue. Mein Gott! es geschehe! eid as the 60 her to wo Lob der Wohlthaten Gottes, an eis gonem schönen, oder frohen Morgen. anded med sad raped jaulanan bi Andin inchidol 11041 I, Abermals öffne ich meine Augen, o Gott, und fehe die aufgehende Sonne wieder. Licht und Leben verbreitet sich durch sie über die ganze Na-. tur; alles verkündigt in mannichfaltiger Pracht die Vollkommenheiten des unendlichen Schöpfers, und ruft mich zur Bewunderung, zur Freude zur Anbethung auf. 196 gudatos t 2. Wie undankbar würde ich, allgütiger Vater! gegen dich handeln, wenn ich blos als leblofe Maschine von deiner Macht und Weisheit zeugen, oder nur durch thierische Empfindung deine Wohlthaten erheben wollte. Meine Sees le, die nach deinem unvergleichlichen Bilde ge schaffen ist, soll dich preisen; durch vernünf tiges Nachdenken und aufgeklärte Empfindung will ich dich ehren. Indem mit deine liebenbe All 12 Allmacht und weise Güte, wo ich nur hinsehe, wie das warme Sonnenlicht, gleichsam entgegen stralet, und durch alle Sinne fühlbar wird: so schwingt sich mein Geist über diese sichtbare Erde zu dir hinauf, demüthigt sich vor dir, nennet bich, großer Gott! anbethend Vater und freuet fich, daß du es bist, daß du auch mir es bist. 13. 882 nd Tod do? Ich lebe noch, und danke dir für diesen Tag, ben du meiner Gnadenzeit zugelegt haft. Es ist doch Wohlthat, daß ich meine Aussaat beffer bes stellen, und also einst desto reichlicher einårnten Fann. Gelobet fey deine Güte, daß ich noch da bin, und winken kann, weil es noch Tag ist. Zwar weiß ich nicht, ob ich das Ende dieses Tages erleben werde. Die Zeit und Art meines Todes steht in deiner Hand. Aber wenn ich auch sterbe, so wartet ein befferes Leben auf mich, zu welchem du mich durch meinen Erlöser berufen hast. Auch der heutige Tag soll mich wieder näher dazu vorbereiten. 04+ Hidrad this Ich bin gesund erwacht. Wie mancher feufzte diesem Morgen unter quålenden Schmer gen mit peinlicher Sehnsucht entgegen; und nun er da ist, hofft er wieder auf das Ende des Tages, ob dann vielleicht sein Leiden gelindert seyn möchte. Auch ich dürfte nicht gegen dich murren, mein Gott, wenn es dein Wille wäre, daß ich 13 ich jest krank und elend auf meinem Bette dalies gen sollte. Gesundheit ist unter aller irdischen Gütern das schäßbarste Geschenk deiner Güte. Mit dankbarem Herzen freu ich mich dieser Wohl that, und gebrauche meine Kräfte, so lang ich fie brauchen kann, zu meinem und anderer Wohl, zu Erfüllung meiner Pflichten auf der mir angewie fenen Stelle. Jsts deinem weisen Rath nicht entge gen, so schenke mir diese Glückseligkeit noch ferner, mein gütiger Gott! Lehre mich sie schäßen und mit Vorsicht bewahren. Doch mache mich auch willig, Schwachheit und Krankheit gelassen zu ertragen, wenn du sie über mich zu verhängen für gut fändest. Krank oder gefund, bleibe ich dennoch dein Kind: und wenn ich auch sterbe, so bist du mein Gott, 5. O wie find deiner andern Wohlthaten so viel, Die ich heut erneuert aus deiner Hand empfane ge! Ich müßte undankbar seyn, wenn ich mich nicht vor vielen tausenden meiner Mitmenschen glücklich schätzen wollte. Wie groß ist die Anzahl der Armen, Hilflofen und Nothleidenden ohne Obdach und ohne Brod, auf dem Erdboden und schon um mich herum! Wie viele feufzen un ter harten Gebiethern, unter entkräftenden Arbeis ten, und den drückendsten Nahrungsforgen! Wie frengebig war beine Güte gegen mich, o mein Gott! Alles was du vor andern Menschen an mir thust, 14 thuft, ist freye unverdiente Gnade. Desto mehr muß ich mich dir durch weisen Gebrauch und treue Anwendung deiner Wohlthaten dankbar erweisen. 6. Dir übergebe ich auch alle Sorgen, die mich diesen Tag beunruhigen wollen. Ich kann und will mich den Lasten nicht entziehen, die jeder Sterbliche tragen muß; deine Hand, die sie mir auflegt, weiß sie auch zu mildern und nach meinen Kräften abzumeffen. Sie dienen zu meinem Bes sten. Und wie glücklich bin ich, daß ich mein Anliegen dir vortragen, meinen Kummer dir klagen darf; und deiner Führung so sicher mich überlaffen fann! ich weiß nicht, was diesen Tag mir noch alles bevorsteht. Unzählige Gefahren und Zufälle können mich treffen. Wie angstlich wäre mein Zustand, wenn ich den großen Trost nicht hätte, daß ohne deinen Willen schlechterdings nichts geschehen, fein Haar auf meinem Haupte gekrümmt werden kann; daß du, Vater, alle meine Schicksale lenkest, alles, was mir begegnen kann, vorausgesehen, und aus den besten Absichten gewollt hast. Es gehe mir also auch heute nach deinem heiligsten Willen. 7. Noch ist mein Himmel ziemlich heiter. Soll te sich aber gegen Mittag oder Abend ein trübes Gewölke, oder gar ein fürchterliches Gewitter über mir zusammen ziehen: so werde dein Rath schluß 35. schluß vollführt, der stets für mich das Beste wählt. Du bist doch ben mir mein Gott, deine Hand wird mich schützen und auch durch Gefahren und Irrwege sicher hindurch führen. Das beruhigt mich. Ich will burch bange Ahndungen diese schöne Morgenstunde nicht verderben; sons dern auf dich hinsehen, und deiner Absicht mein Leben anbefehlen. Du hast schon lange für mich gesorgt; sorge für mich auch heute, Vater! Thue mir Gutes, daß ich dich dafür preifen, und durch deine Gnade wieder Gutes thun kann. Bewahre mich vor Sünden und Thorheiten; stårke mich zur unverdroßenen Erfüllung meiner Pflicht. err lehre mich thun, nach deinem Wohls gefallen; denn du bist mein Gott, dein gus ter Geist führ mich auf ebener Bahn! Selbstgespräch am Morgen. Qadise midi 100 Gepriesen, gepriesen fey Gott. Ich lebe noch, und er ist es, der mich bewahrte, als ich unter so vielen unsichtbaren Gefahren, die dem menschli chen Leben unaufhörlich drohen, forgenlos schlief. Er bewahrte mich vor tausenderley Schmerzen und traurigen Zufällen, die mich hätten wecken und die ich beym Erwachen hätte empfinden und wahrnehmen können. Er gönnte mir Ruhe und stärks te mich durch sie. Co 16 So ift Gott früh und spat mein Gott! Seine. Güte hat keinen Namen, der fie ganz ausdrückt feine Gränzen, die sie einschließen. Wie viel Gutes hat er bis auf diesen Augenblick an mie gethan? Und wann wird er aufhören, oder auch nur müde werden, mir wohlzuthun? Meine ganze Seele danke ihm. Denn wenn es auf Worte ankommt, so ist es ja alles nur gestammelt, wie Kinder stammeln, was ich zum Sobe seiner våters lichen Güte sagen kann. Wer könnte sie nach Würden preisen! sadblot Suor folin sh Om nadmilou( bimet Doch, so schwach mein Dank ist, so verschmäht er ihn deßwegen nicht. Ich darf doch mit meinen Bitten zu ihm treten, und dieß muß ich- denn ohne ihn vermag ich auch heute nichts. Ich darf ihm nicht erst lange erzählen, was ich wünsche und bedarf. Er weiß as besser, als ich; und er ist bereit, mir alles zu geben, was zu meinem Besten dienet, und mir von ihm verheis Ben worden ist. the Gewiß, gewiß wird er mir auch heute viel Gutes erzeigen; er wird mein Herz und mein Schicksal leiten; er wird mich belehren und unterftizen ben allem, was ich zu thun habe, und was mir begegnen wird. Nun bin ich ruhig, getroft und unverzagt. Wenn ich nur seinen Willen nicht vorfeßlich zuwider handle, sondern ihn gerne vollbringe; so wird mir unter seiner weisen und liebreichen Regierung, auch heute mein wahres Glück 83 Glück durch nichts gestöret werden können, fone dern alles, was mir widerfährt, wird etwas zur Erhaltung, Vergrößerung und Vollendung dess felben beytragen müssen. Mein Wunsch ist oder ist er es nicht, fo fey ers! heute im Glauben an den alle gegenwärtigen Gott, so vorsichtig, so unsträflich, so vergnügt und zufrieden zu leben, wie ein gute artiges Kind unter den Augen des besten Vaters lebt. Mein Wunsch ist, nach Christi Beyspiel gesinnet zu seyn und zu handeln, damit ich hins wiederum ein gutes Beyspiel für jedermann feyn moge. Mein Wunsch ist, in der christlichen Rechte fchaffenheit, woraus allein Ruhe und Seligkeit entspringt, weiter fort zu schreiten, als ich gestern gekommen bin. Wenn ich mich heute im Gebeth mit Gott unterhalten, oder wenn ich mit meinem Mitmenschen umgehen werde, so stimme überall mein Herz mit meinen Worten und Reden überein, und die Aufrichtigkeit meiner Andachten und freundschaftlichen Versicherungen bewahre sich durch fromme, gemeinnütige Thaten. Heilig sey mir jede Stunde dieses Tages, und ein jedes, auch das geringste Geschäft darin, Gott geweihet. 16 Wohlan! nun an meine Arbeit, und wohin mich mein Gott rufen wird! 1905 Mein Gott du siehst auf mich- du nimmst dich meiner an du fegnest mich! B Froms 18 Snot Fromme Entschliefungen i am Morgen. Der DO I. Gott Lob und Dank für die Wohlthat des Schlafes in der zurückgelegten Nacht! Gott Lob und Dank für alles Gute, wele ches ich seit dem Erwachen genieße, und zum vors aus für alles, was mir den ganzen Tag hindurch zufließen wird! Gott Lob und Dank für alles, was er seit meinem Entstehen an mich) wandte, an mir hat! nd Gott Lob und Dank für alles, was ich, so lang ich lebe- und ich bin zur Unsterblichkeir er schaffen- von seiner unerschöpflichen Gute zu Hoffen habe! 2ber hab ich mich denn hiermit der Pflicht der Dankbarkeit gegen meinen höchsten Wohlthäter, für heute wenigstens, entlediget? Wahrhaftig! ich traumte noch, wenn ich meinem Gott Lob und Dank so viel Werth beylegte, geseßt, daß ich es auch beym Empfang einer jeden neuen Gabe der Gottheit wiederhohite. Spräch ich sie gedankenlos aus, diese andäche tige Formel, wie man ein leeres Compliment her zu heute fortfeßen, und vollenden, wann ich kann; was ich gestern versäumte, will ich heute hereine gubringen suchen, was ich gestern fehlerhaft that, will ich heute verbessern; was ich gestern recht machte, will ich heute noch besser zu machen bes fliffen feyn. Gottes Plane zu meinem und meis ner Mitmenschen Glück ausführen zu helfen, das soll bey meinen wichtigern Geschäften mein Ziel und Augenmerk seyn. Darauf will ich hin arbeiten, bis mich die Nacht zur Ruhe ruft, und dann mit dem belohnenden Gedanken einschla fen: ,, diesen Tag hab ich nicht verloren! Nimmt doch der Schlaf so viele Stunden von meinem Leben hinweg. Sollte ich es wachs end durch Unthätigkeit noch mehr verkürzen! Und welch ein Dank für die göttliche Wohlthat der Erquickung und Stärkung meiner Leibes- und Seelenträfte durch den Schlaf würde es seyn, wenn ich sie nicht zur unverdrossenen Ausrichtung alles des Guten, was mir zu thun obliegt, ans wenden wollte? Oder wie würde ich der nächtli chen Ruhe, die ich wünsche, werth und fähig fenn, wenn ich die Stunden des Tages in Trågs heit oder leeren Geschäftigkeit zugebracht hätte? Mein Leben ist kurz, und fliehet schnell dahin. Die Kunst ist solang, die Summe der mir zuges meffenen Arbeiten so groß. Kann ich genug eis len, zn lernen und zu thun, was ich soll? In der Natur ist alles rege und wirksam, die Absichten des Wohlthäters zu erfüllen. So viele Menschen B3 um um mich her sind rastlos arbeitsam. Wohlan! ich will auch kein überflüßiges Glied in der gro Ben Kette der thätigen Wesen seyn; ich will nicht als ein Todter unter den lebenden umhergehen. Arbeit wird meine Kräfte stärken; und so schwach fie sind, so werden sie doch zu irgend einem nüß lichen Geschäfte zureichen. Wie viel mehr will ich dir, o Gott! auch heute mit voller Kraft in mei nem Berufe dienen, wenn du mich mit jugendlicher, mannlicher, durch keinen Schmerz und burch fein Seid geschwächter Kraft segneteft. Du bist der unsichtbare Zeuge meiner Arbeiten; ihr Anordner, Lenfer, Beförderer, Vergelter bist du! Daran will ich heute selbst in solchen Augens blicken gedenken, in welchen mein Nachdenken ganz auf mein Geschäft hingerichtet zu seyn scheint! Combin III. III. HE " Ich stehe, wie alles in der Welt, vom Größten bis zum Kleinsten, unter der weisen und gnädigen Regierung des ewigen allwiffenden Schöpfers und Erhalters der Welt. Ohne seinen Willen kann mir nichts begegnen; und wenn ich nur seinen Willen thue, so muß mir alles zum Besten dienen. Selbst das, was ich mit Grund oder Ungrund für ein Uebel ansehe, muß zur Bes förderung der allgemeinen Wohlfahrt mitwirken." Wenn dieß ein Traum wäre, den ich in der verflossenen Nacht gehabt hätte, welch ein angenehmer und nachdenklicher Traum würde dieß ge= wesen 23 refen feyn! Würde ich ihn sogleich aus meiner Seele verschwinden lassen? Würde er mir nicht unter den Begegnissen des Tages mehr als einmal einfallen? Würde ich nicht wünschen, daß mein Traum Wahrheit seyn möchte? nicht uns tersuchen, ob er nicht wenigstens aus ihrer Quelle Hergefloffen sey, und mich freuen, wenn ichs fo fånde? Wie getrost und freudig kann ich aber nun den Tag antreten und fortleben, da dieß keine füße Träumeren, sondern Wahrheit ist, ewig und unumstößlich, wie Gottes Thron! Wie soll. te ich so thöricht seyn, und, anstatt die Zweifel, die mir diesen Glauben zur leeren Einbildung machen wollen, aus dem Wege zu raumen, wenn ich darauf stoße, mir die unfelige, meine Zufriedenheit untergrabende Mühe geben, dergleichen Zweifel geflissentlich aufzusuchen, und in meinem Gemüthe einwurzeln zu lassen, um, wo möglich, jener beruhigenden Wahrheit los zu werden! Sieber laßt mich den Glauben an einen Gett gånglich aufheben, wenn ich nicht versichert seyn kann, daß er auf mich, ob ich gleich im Verhältniß gegen das Weltall nur ein Sonnenstaubs lein bin, doch mit weiser Liebe siehet, und für mein Glück, wie für das Glück ganzer Welttheile forget! Was soll mir ein Gott, an den ich mich nicht zuversichtlich halten kann, und bey dem ich nicht so hoch angesehen wåre, als der größte Er denmonarch! Da wäre nichts drückender, nichts gråms 4 24 gråmlicher als feine Verehrung! Nein, wer mie das Erfreuliche im Glauben an ihn nimmt, dee nimmt ihn mir ganz. Ich will ja nicht begreifen, wie Gott regiert, daß alles zuletzt auf Segen und Seligkeit für mich und seine ganze Schöpfung hinauslaufen muß und wird; denn ich kenne die Schwäche und Kurzsichtigkeit des menschlichen Verstandes und meines Verstandes, aus unzähligen Beweisen und Proben. Aber dieß sieht mein Verstand helle, daß, wenn ein Gott ist, es ein Wort von ihm, wie vom Himmel herab geredt zu mir seyn müsse: ,, Ich will dich nicht verlassen noch ver faumen." Daß dieß zutreffe, wird er schon bey der Grundlegung der Welt die Einrichtung ges macht haben, ohne daß ich Wunder erwarten darf; und Er, der dem natürlichen Laufe der Dinge nicht müßig zuschaut, wird gewiß alles darin fo lenken, daß es zu meinem Besten aus schlagen wird, wenn ich seinen weisen Ordnungen nicht widerstreben werde, inol Wer weiß, wie viel neue Erfahrungen ich schon am Schluße dieses Tages von dieser befelis genden Wahrheit zu den alten werde hinzus fügen können? susi him dhl nad no, no IV. p hi Ich werde heute mit vielerley Personen um. gehen müssen, und darunter vielleicht auch mit folchen, denen ich feindselige Gesinnungen ges gen gen mich zuschreibe. Daß dieß ja kein leerer, felbst gefaßter, von Verleumdern oder auch von gutmeinenden, aber unflugen Schwägern mit bengebrachter Verdacht sen. Vielleicht ist es nur Gleichgültigkeit und Kaltfinn gegen mich, was ich für Haß ansehe, oder die Feindseligkeit nicht so bitter, als ich sie mir vorstelle. Vielleicht ist der Angeschuldigte wohl gar mein Freund! So beging ich zwepfaches Unrecht, wenn ich ihm heute so begegnere, als ob ich an ihm meinen of fenbarsten boshaften Feind vor mir hätte! K Wohl mir, wenn ich dem, der es wirklich ist, mit dem Zeugnisse eines guten Gewissens unter die Augen treten kann: ich habe dich nicht beleidiget, nicht zur Rache gereizt; ich vers diente deine vorzügliche Liebe, nicht deinen Haß!" Erfordert es meine Sicherheit und die Klugheit, der Gesellschaft meines Feindes auszuweichen: so will ich ihm aus dem Wege gehen, wenn ich kann. Kann ich es nicht, so will ich mich mit einer von Feigheit und Troß gleich weit entfernten Freymüthigkeit vor seinen Augen zu betragen suchen. Ich will sorgfältig alles vermeiden, was er für Beleidigung ansehen könnte; ich will jede Gelegenheit ergreifen, ihm ftillschweigend eine bessere Meinung von mir beyzubringen. Er lauben es Zeit und Umstände, mich in eine Un terredung über das Unrecht, das er mir anthut, mit ihm einzulaffen: so will ich mich in meinen Reden und Vorstellungen aller Unwahrheit und Verstellung, aller Bitterfeit und Härte enthal35 ten, nosesio 26 ten. Ich will jedes Wort wohl prüfen und ab. wågen, ch ich es ausspreche. Weise und ernste Liebe soll mir jedes in den Mund legen. Viels leicht ist der heutige Tag der glückliche, an wel chem ich meinen Feind gewinne. Wo nicht, so gelobe ich es dir, mein Gott und Vater! an diesem Morgen, daß ich ihm heute so wenig, als in den fünftigen Tagen meines Lebens, Bos ses mit Bosem vergelten, und meine Bemüh ungen, ihm liebe gegen mich einzuflößen, nicht aufgeben will. Du bist sein Vater, wie der meinige; du hast deine wohlthätige Sonne heus te über seinem Haupte aufgehen lassen, wie über dem meinigen; er ist, wenn er mich gleich has fet, doch wegen so manchen guten und schätzbar. en Eigenschaften des Geistes und Herzens meis ner Achtung und Liebe nicht ganz unwürdig, er verdient mehr mein Mitleiden als meinen Ges genhaß, weil er bey seiner Feindseligkeit gegen mich unglücklicher ist, als er mich machen kann, da ich unter deinem Schuße stehe. Du kannst die Unschuld der Bosheit nicht Preis geben; du Fannst meinen erhigten Feind noch in den warmherzigsten Freund verwandeln. Dieses al les soll mich bewegen, nach dem Gesetz der Ges rechtigkeit, Billigkeit und liebe heut und allzeit mit ihm zu verfahren. O ihr, die ich beleidigte,- an welchem Ort ich euch heute finde, will ich euch, war es auch nur mit einer Mine, mit einem Worte, mit einer Univ.- Bibl. Glessen 22 einer kleinen Gefälligkeit, einen Wink geben, wie geneigt und begierig ich sen, eure verscherz te Liebe und Freundschaft wieder zu erlangen. Und ihr, die ihr so großmüthig waret, sie mir meiner Beleidigungen ohngeachtet, nicht zu entziehen; was soll ich sagen, was soll ich thun, wenn ich euch heute erblicke? Ich will euch ein bes schämtes, reuevolles Herz entgegen bringen. Ihr send nicht sicher, daß ich euch nicht um den Hals falle und weine. Mein fünftiges Betrar gen gegen euch soll der Beweis seyn, wie sehr mich das eurige gerührt und gebesffert habe. V. Gewiß werden mir auch heute Leidende vor Augen kommen; sie werden mich vielleicht um Hilfe anflehen, oder meine Bekannten werden eine Fürbitte für sie einlegen; oder ich wers de doch wenigstens eine Nachricht von ihnen bekommen, und mich ihrer erinnern. Was werde ich thun? Hierüber will ich mich fogleich befragen. 7507 Werde ich meine Augen und Ohren, von meinen leidenden Mitbrüdern, von ihren Bitten und Fürbittern abwenden, und die Erinnerung an sie im ersten Augenblick ihrer Entstehung uns terdrücken, damit nicht einmal Mitleiden mit ihnen in meiner Seele entstehen könne? Werde ich mich begnügen, sie bemitleidet, siber sie und mit ihnen gejammert und geweint, und 28 und fie freundlich gerröstet zu haben, ba ich ihnen doch thätigere Hilfe erzeigen könnte? Werde ich ihnen nur eine kleine Unterstügung angedeihen lassen, da mir doch eine größere moge lich wäre? Werde ich, was ich heute zum Besten der No hleidenden und Trauernden thun fann, nicht auf morgen sparen? Werden meine milde Gaben und Siebeswerke das Gepräge der willigen und freudigen Herzenss güte haben? Werd ich sie nicht mit Bitterkeit und drohen. dem Ungestůmm verweigern? Und was sollte ich thun? Din welch einer traurigen Lage würde sich mein Kopf und mein Herz, meine Religion und mein Christenthum, ben all meinen sonstigen Kennt nissen, Empfindeleyen und Andächteleyen befinden, wenn ich in den obigen Fragen nicht die Antwort auf die letzte sånde, und nicht entschlos sen wäre, heute jedem Armen und Betrübten zu beweisen, daß ich mich meines Berufs zur Menschheit und zum Christenthum durch mitleidige und wohlthätige Liebe täglich würdiger machen wolle! Gott! wie unwerth wäre ich sonst, die Wohlthat des Schlafs, der so manchen Leidenden flieht, geaoffen zu haben, vor so manchen Unglück, das mich 29 mich in der Nacht hätte überfallen können, bes wahret worden zu seyn, und jeze mit Vergnügen an meine Arbeit gehen zu können! Mein reinster edelster Dank sey der daß ich herzlichen und tha tigen Untheil an dem menschlichen Elende nehme, wo ich es heute finden werde. Ich weiß ja nicht, ob ich heute nicht selbst die Anzahl der Unglücklie chen und Traurigen vermehren werde, wenn ich auch jezt noch nicht darunter begriffen bin. O wie vieles fann sich in einer Stunde ändern! Was ich in dieser Lage von meinen Nebenmenschen, wünschen, bitten, erwarten würde, das will ich ihnen zuvor erzeigen. Wie fröher werde ich den Tag und mein ganzes Leben zubringen und beschließen, wenn am Schlusse desselben mich viele Leidende als ihren Rathgeber, Tröster, Era quicker, Retter und Beglücker segnen werden wenn ich mirs bewußt bin, daß ich deinem Beyspiel, du Allbarmherziger! ähnlicher und fähiger geworden sen, einst da zu leben, wo Liebe uns ter lauter Glücklichen herrscht! 995 modna 125 1515 VI. sad tác của Wombats Werde ich heute Freude genießen? att anson? Onu nogste o asc Sie fließt aus tausend Quellen, wovon noch teine versiegt ist! Ist es wahrscheinlich, daß ich heute aus feiner sollte schöpfen dürfen, wenn ich daraus schöpfen kann? So lang ich lebe, stunden sie mir offen; tågs lich führte mich Gott zu ihnen hin, und ließ mich 30 mich daraus schöpfen, wann und wie ich es bes durfte und Geschmack baran fand. Warum solle ten mir gerade an dem heutigen Tage alle Freu Denquellen verschlossen seyn? Gott hat mich ihn erleben lassen. Sollte er dieß in der Absicht gethan haben, daß ich ihn freudenlos durchleben soll? Deswegen dürfte ich ihn freylich keiner Grausamkeit oder Kaltsinnigkeit gegen mich beschuldigen. Er würde es aus weis fer Liebe thun- um mich zu beffern, vollkomme ner zu machen, vielleicht schon morgen neue Freu den, oder die vorigen gedoppelt schmecken zu laffen, wenn ich sie heute entbehren müßte. Aber ich bes forge doch nicht, daß der heutige Tag ein ganz freudenleerer Tag für mich seyn werde. für of f Ich lebe noch C ich fühle durch den Schlaf meine Geistes- und Leibes Kräfte gestärkt es ist mir von so vielerley Gütern, die ich gestern besaß, in der zurückgelegten Nacht nichts verloren gegangen. Da hat mir also mein Gott schon für Den heutigen Tag Freude gemacht, wenn mir auch keine andere zuflöße. Aber der Freuden der schönen und reichen Natur sind so viele der Freuden der Religion und Tugend find so vieleDer Freuden der Freundschaft und Liebe find so viele, daß ich an meiner heutigen Theilnehmung daran nicht zweifeln darf, wenn ich nur Eme pfänglichkeit dafür habe. 25700 C CUTNING Ich muß nur nicht bloß sinnliche, oder lebe hafte, oder vom Leid völlig ungetrübte Freude bers 30 verlangen oder erwarten. Eine solche läßt mich die Einrichtung der Welt und meiner Natue nicht hoffen; es wäre, nach vieler und langer Erfahrung, nicht gut und heilsam für mich, wenn mein Durst darnach gestillet würde. Ich würde dann die höhern Vergnügungen des Gei stes und Herzens nicht fühlen, und zuletzt selbst bie niedrigern unschmackhaft finden, wenn ihr Ges nuß auch keine Bitterfeit zurück ließe. 07 Sube Aber wenn ich auch aus dem, was die Eins nen nicht fizelt, Freude zu ziehen weiß wenn ich auch mit dem schwächern Freudengefühl mich begnügen laffe- wenn ich auch das Vergnügs en, das mit Bitterkeit vermischt ist, nach sei nem wahren, oft sehr großen Werth schätze dann, dann wird es mir auch heute an Freus de nicht fehlen.tistem thin it all In dieser Hoffnung will ich ruhig und ges troft die Wege wandeln, die ich wandeln soll. Jede Freude, die mir Gott darbietet, will ich dankbar aus seiner Hand annehmen, genießen, und das ben mir wirken lassen, wozu sie mir beschieden isi. Sollt ich nicht auch Freudenschöpfer für meinen Nebenmenschen werden, wie and wo ichs werden kann? Gelegenheit dazu werd ich Heute wohl finden. Ich will sie nicht ungenüßt worben gehen lassen. Andere erfreuen ist ja die edelste, die göttlichste Freude. an and no coun VII 32 cling solo su VI do napmaing Kann ich mich entschließen, den heutigen Tag in seiligkeit zuzubringen? Und werde ich tüchtig dazu ſeyn? g bia Heiligkeit ist nicht Entfernung und Ents wöhnnng von erlaubten und gebothenen Genüs fen, Vergnügungen und Geschäften. Diese widerspricht der ganzen Welt, und es kann mich also ihr Urheber nicht dazu berufen haben. Ich Darf also auch heute kein andächtiger Müffiggån ger noch ein grillenhafter Sonderling seyn, um heilig zu leben. Ich soll vielmehr das Gute, das mir Gott gönnt und gibt, weislich genießen, meine Berufsgeschäfte mit forgfältigfiem Fleiße verrichten, und durch jenen Genuß mich dazu stärken. sind burn in sy siend round Heiligkeit ist nicht Auszeichnung durch auffers ordendliche große Thaten. Sonst könnte der Beruf dazu kein allgemeiner seyn. Wie klein ist die Anzahl derer, welche zu solchen Thaten Kraft in fid) finden? Und biethet sich dem, der die das zu erforderliche Geistesstärke besigt, auch allemal Die Gelegenheit dazu dar? Wie viele Tage unse res Lebens verfließen, an weichen dem Weis sten, dem Edelsten, dem Großmüh gsten der Anlaß zu ungewöhnlichen guten Werken mangelt! Ich kann in jeder Lage, bey den gemeinsten Verrichtungen, als ein Heiliger leben; Gelegenheit dazit muß sich jeden Tag zeigen, und ich werde sie auch an dem heutigen finden, og og sid Heis 33 nh Heilig ist, wer kein Sklave der Einnlichkeit ift, ohne ihr Zerstörer seyn zu wollen- wer sich von dem Verderben der Welt und seines Zeitalters losgeriffen hat, ohne sich von der menschlie chen Gesellschaft und von den gesellschaftlichen Pflichten losgesagt zu haben- wer sich durch religiöse Gedenkungsart fenntlich unterscheidet, ohne die Augen anderer auf sich ziehen zu wollen, and um ihre zobsprüche zu buhlen- wer es durch Gottes- und Menschenliebe zu einer Fertigkeit im Gutesthun gebracht hat, die er nie in kalte Gewohnheit, nie in blinden Enthusiasmus ausare ten läßt. Einen solchen Heiligen sollte heute an mir die Welt erblicken. Aber kann ich mich ihr in dieser ehrwürdigen Gestalt zeigen? Freylich wenn ich erst gestern oder vor kurzer Zeit angefangen hätte, der Ungöttlichkeit und Lasterhaftigkeit zu entfagen, und gottgefällige Tugend lieb zu gewinnen: fo könnte ich heute noch nicht ein heiliges Leben führen. Ein folches Leben segt viele Vorbereitungen und Uebungen im Guten voraus, und ist nicht das Werk weniger Tage. Aber entschliessen sollte ich mich, es bald führen zu können; und eben dese wegen sollte ich auch heute in der christlichen Besserung und Vollkommenheit fortfahren und forta rücken, um je eher je lieber das Licht meiner HeiligFeit leuchten laffen zu können. Wie fanft und erquickend ist das licht achter Heiligkeit! Und wie sehr bedarf seiner die Welt! O C welch 34 welch eine Ehre, welch eine Wonne, welch ein Glück für mich, wenn ich dadurch ihr Wehlthås ter werden kann! 11 Ich höre den göttlichen Zuruf: Ihr solle heilig seyn, denn ich bin heilig!" So wird also mein Leben, ein göttliches Leben, sobald es ein heiliges geworden ist. Welch eine Würde giebt mir dieser Gedanke! Das höhnische Gelächter über die Heiligkeit, welches Afterheilige veranlaßit haben, soll mich nicht anfechten. Ich will es durch die Weisheit, durch den Ernst, durch die Milde meines Betras gens zu widerlegen sucher. Allerheiligster! stehe mir bey! VIII. Noch leb ich auf Erden. Vber himmlisch soll ich schon jest gesinnet seyn, und nach diesem Sinne soll ich auch heute handeln. Dieß ist nicht Mönchsmoral. Es ist Site tenlehre Jesu und Vernunft. So bald ich einen Himmel, die selige Unsterblichkeit glaube, ſo bald muß ich himmlisch gefinnet seyn; und dieß ist auch so ganz der rechte Sinn fürs glückliche Er denleben, da ich nichts dabey verlore, wenn mich auch mein Glaube triegte, under triegt mich nicht. Mein innerstes Gefühl, das sich gegen meine Zernichtung emport, sagt es mir, und drückt auf die Hoffnung eines bessern lebens nach dem Tode, das mir Jesu Lehre verkündigt, den Stempel der Wahrheit tiefer, als das größte Wunder. Soll Soll ich denn heute an nichts, als an das Leben nach dem Tode gedenken, und die Stunden des Tags in süßen Phantasien von den Seligkeiten jenes Lebens verträumen? Soll ich mich aus den Armen meiner Familie losreißen, und den Umgang mit andern Personen fliehen, um mich ganz ungestört in die Gesellschaft der Himmelsbewohner hinein zu denken? Soll ich meine Berufsgeschäfte liegen lassen, weil mir einst höhe re aufgetragen werden? Sollen mich die Erdenfreuden gänzlich anefeln, und nur die geistigern Vergnügungen einer vom Körper entkleideten Seele Geschmack für mich haben? Nein, dieß wäre ein verkehrter himmlischer Sinn. Da würde ich viel nůzliches, welches heute von mir geschehen könnte und sollte, und viel Stärkung zu vernünftigen guten Thaten, versäumen. Ich fpielte die Rolle eines andächtigen Müssigångers und vielleicht wohl gar eines Heuchlers, weil meine geheimen Empfindungen und Handlungen meiner vorgegebenen und erkünstelten Abgezogenheit von der Welt widersprächen. Ich würde mich dadurch zum fünftigen himmlischen Leben untüchtig machen, weil es fein traumerisches, finsteres, geschäftloses, sondern ein durchaus thätiges und höchsterfreuliches Leben seyn wird. Aber wenn ich den Tag mit der erneuerten Ueberzeugung anfange, daß hier nur der Anfang zu dem gemacht werden soll, wozu mich mein Schöpfer bestimmt hat, und daß nach dem Tode meine Glückseligkeit desto höher steigen wird, je weiter ich es hier in allem 36 allem Guten brachte, und je sorgfältiger ich eben badurch zu meiner und meiner Nebenmenschen wahren Wohlfahrt mitwirkte,- wenn ich diefe Gedanken auch unter Tags, mitten unter meinen Geschäften, Zerstreuungen und Vergnügungen in meine Seele zurückrufe, und mein ganzes Thun und lassen darnach ordne, wenn ich fo dente und handle, wie ich einst nach dem Ulebergang in die unsichtbare Welt gedacht und gehandelt zu has ben wünschen werde wenn ich nichts unters nehme, was meine Fähigkeit und Tüchtigkeit zur Aufnahme in die Gesellschaft der bewährten und vollendeten Freunde Gottes, zweydeutig machen, schwächen und zernichten könnte- wenn ich so Gott und Menschenliebend gesinnet bin, daß mich auch der plögliche Tod, ohne alle vorherges hende Undachtsübung, aus dem Zirkel scherzender Freunde, und den Becher erlaubter, sinnlicher Freude in der Hand, in die Wohnungen der Se ligkeit versehen würde; alsdenn bin ich himmlisch gefinnet, und so will ich gefinnet seyn. Gott! du haft meine Zusage gehört! E - IX. Viele sehen heute das Tageslicht nicht mehr, die nichts weniger, als ihren so frühen Tod vers muther hätten. C Viele fanken in der Blüthe und vollen Kraft ihrer Jahre im besten Genuß ihres Lebens das hin. Vielleicht hätte das loos auch mich trefe fen 37 -fen können? Und wo wäre ich nun? wie würe de es um mich stehen? compte Comeced G Langmüthige Liebe! immer schonst du nech meiner, und verlängerst meine Gnadenzeit! Aber auch heute noch kann sie zu Ende seyn! D daß ich dieß iezt recht tief empfände, um den ganzen Tag, nicht traurig oder angstlich, son dern desto ruhiger, vergnügter und nüglicher zu durchleben. Ich kann ja meines Lebens alsdann erst recht froh werden, wenn ich zum Tode jeDerzeit recht zubereitet bin. Und um diese Zus bereitung auch heute nicht zu versäumen, will ich mich jezt einige Augenblicke ganz dem Eins brucke des Gedankens überlassen: ,, Ich kann heute noch sterben." d 023) noë $ 1 So will ich nun diefen so zubringen, wie ich wünschen würde, ihn zugebracht zu haben wenn er wirklich der leßte meines Lebens seyn follte. Ich will nichts Gutes auf morgen vers schieben, was ich heute noch thun fann; nichts begehren, was ich bereuen müßte, und nicht mehr widerrufen könnte. In einem so kurzen leben ist jeder Augenblit fostbar, nur der Gegenwärtige ist mein, der Künftige ist nicht mehr, der Vers gangene ist auf ewig dahin. the Bende ich meine Zeit wohl an, so säe ich auf die Zukunft. Jede Handlung meines Lebens fieht in einem gewissen Zusammenhang mit dem Bukünftigen. Jzt sehe ich es nicht ein, was dies € 3 wa fes 38 fes oder jenes für einen Erfolg haben werde. Aber ohne Erfolg kann es nicht seyn. Von dem was ich ist rede oder thue, habe ich auf eine oder die andere Art einen uuzweifelhaften Vortheil oder Schaden. O so will ich denn sorgfältig alles prüfen, wozu ich mich etwa entschließen möchte, und mich immer fragen: wird dieses oder jenes mich und andere in der Zukunft rus hig, froh oder glücklich machen? Was ich fåe, werde ich gewiß ernten. Ich lebe für die Ewigkeit. re HONDUR atboy ind vit my X.sued bus gumised Herr, du erforschest mich, und kenneft mich; Du weißt es, sitz ich, oder steh ich auf; Von ferne weißt du meine Gedanken; Geh' oder liege ich, du siehst's Du siehest jeden meiner Tritte; Auch schwebt kein Wort auf meiner Zunge, Das dir nicht ganz bekannt seyn sollte. So bin ich also auch in dem Augenblicke mei nes Aufstehens von meinem Nachtlager, unter der zahllosen Menge der Geschöpfe, von ihrem und meinem Schöpfer und Erhalter so wenig übersehen worden, als in den Stunden, welche ich im Schlafe lag! Hätte der Allwissende nicht fein liebreiches Augenmerk auf mich gerichtet, so würde ich der Erquickung der nächtlichen Ruhe beraubt gewesen und aus dem Schlafe in den Tod versunken seyn. So 39 So wird also Gott auch von allem, was sich heute mit mir ereignen und von mir geschehen wird, Wissenschaft haben. Die kleinsten Verånderungen, und die unbedeutendesten Handlungen meines heutigen lebens werden so wenig von ihm unbemerkt bleiben, als die größten und wichtigsten. Horten Auch meine heutige Reden wird er, bis auf ihre kleinsten Theile, genauer vernehmen, als je der, der sie hört; und selbst von allen Gedanken, die in meiner Seele aufsteigen und feiner andern Menschenseele tund werden, wird ihm keiner entgehen.mpmidnat indspole 1992 Wunder! über mein Wissen! zu hoch, id) faffe es nicht! Aber ich mußte ja meinen Glauben an Gott ganz aufgeben, wenn ich alles Unbegreifliche da von absondern wollte; und, wie stünd es mit meinem Glauben an Gottes allwaltende, alles wohl machende Regierung, wenn ich in ihm den Allwissenden nicht verehrte? Wenn mein Landesherr mein erster Freund ware, und mich) inwendig und auswendig fennete; wenn er mich und alles, was mich betrifft, aufs genaueste beobachtete, und sich immer, auch ben andern, nach meinen Umständen und Geschäften erkundigte: welch edeln Stolz würde mir diese sorgfältige Aufmerksamkeit des besten Fürs sten auf mich einflößen? Mit welchem Eifer würde dans € 4 40 würde ich feine Aufträge und Befehle erfüllen? Wie faltblütig würde ich über den Tadel anderer hin wegschauen, weil ich wußte, daß ich von ihm, auf deffen Urtheil alles ankommt, nicht verkannt würde? Wie würde ich mich hüten, über keimer unwürdigen That angetroffen zu werden? Wie aetrost würde ich in Bedürfnissen und Vers legenheiten seyn? Sollte ich, wenn ich den allwiffenden Gott zum Freunde habe, nicht recht denken und han beln? Sollte jegt mein Edelmuth, meine Ge schäftigkeit, meine Verachtung unbefugter Rich ter meiner gottgefälligen Handlungen, meine Ruhe nicht weit höher, größer und lebhafter seyn? Soll ich denn auf einmal meinen fonftigen guten und richtigen Grundfäßen entsagen, sobald die Anwendung davon auf Gott und auf mich ges macht werden soll? me im Bey allem, was ich heute gedenke, rede und thue ben allem, was mir vorfallen und zus stoßen wird, zeige es fich also, daß mein Glaus be an Gottes Allwissenheit kein todter, unfruchte barer Wortglaube sey. Er mache und erhalte mich vorsichtig, arbeitsam, muthig und getrost! Gott sieht's! Dieß sen meine tofung, bis mir der Abend zur Ruhe winft. XI. Der ftete, regelmäßige und wohlthätige Wech -mein Schlafen und B fel des Tags mit der Nacht 41 und mein Erwachen- der erste Blick, den ich wieder auf den wunderbaren Bau meines Leibes Hinwerfe der erste Gedanke, den ich heure faße te, und das erste Gefühl, das ich hatte- schon dieses verfündiget mir die Weisheit meines Schöpfers und Erhalters. Wie viele Beweise derselben werde ich, bis der Abend kommt, fehen und hören, wenn ich nur ein Aug und Ohr für fie habe und mich an ihrer Wahrnehmung weder ungöttliches Wesen, noch Flatterhaftigkeit, noch Trübsinn hindert? Und wenn ich nun die übrigen Proben derselben hinzudenke, die ich aus den vo rigen Tagen meines Lebens aufgefammelt habe: was soll ich thun? Welch Morgenopfer bring ichy ihm, dem Alleinweisen? monts Ich falle nieder, und bethe ihn in stummer Begeisterung an, bis studamoniste nijed un esllo Verehr ich doch Menschen, zumal meine Freunde, so hoch und innig, wenn sie den Ruhm der Weisheit haben, oder ihr Gepräge an sich tragen! Erstaune ich doch, wenn ich mir die Summe der Weisheit gedenke aussprechen kann ich sie nicht die in dem unermeßlichen Geisterreiche, Gottes zerstreut angetroffen wird! Wie widersprechend würde ich nun handeln, wenn ich ihrer Urquelle nicht meine tiefste Ehrfürcht und höchste Bewunderung widmete! Form CONWAY Ich kann heute in Umstände fommen oder mich bereits darin befinden, worin ich mir nicht ( 5 recht 42 recht zu rathen weiß, und doch auch auf den Rath anderer Menschen keine sichere Rechnung machen darf. Soll ich deßwegen ängstlich seyn? Ist doch kein Kind ångstlich, das einen verständigen, und zugleich überaus liebreichen und vielvermo genden Vater hat! Bin ich nicht flug genug, denkt das gute Kind, so ist mein Vater desto Flüger. Ich folge ihm, und lasse ihn sorgen. 3209 In diesem Stück will ich auch werden, wie ein Kind. Ich will den Anweisungen meines Vaters im Himmel folgen, und seiner Weisheit es zutrauen, daß er heut und allezeit für mein Glück besser befsorgt seyn werde, als wenn alle Weisen der Welt den Plan dazu gemacht und die Ausführung desselben übernommen hatten. Er hat überall die besten 2bsichten, und wählt die besten Mittel, wodurch sie erreicht werden können. Er weiß alles aufs herrlichste zu entwerfen, ans zufangen, fortzusetzen, zu vollenden. Ihn täuscht Fein Schein, und keine Lift. Für ihn ist keine Schwierigkeit er bedarf keines Rathgebers. Wenn ich mich an ihn halte, und ihm nicht blos vertrauen will, sondern auch gehorsam bin: wie ruhig kann ich den Tag, und meine ganze Lebenss zeit, zubringen? 8911002) Ich werde also auch weise handeln müssen; denn sonst würde ich Gott nicht gehorsam seyn. Er gab mir die Vernunft, damit ich mich durch sie zur Weisheit leiten lassen foll; und ohne diese zur Führerinn zu haben, würde ich mich vom Weg der 43 ber göttlichen Gebothe einmal über das andermal verirren, wo ich glaubte, auf demselben einhere zugehen. Soll ich denn auch unaufhörlich sehen, wie weislich Gott regiert und haushält, und ihn nicht im Kleinen nachahmen, ihm nicht abler nen? Ich will auch heute in meinen Gesinnunge en, in meinen Reden, in meinen Entwürfen und ihrer Ausführung, in meinen Geschäften, so wichtig oder unwichtig sie sen mögen, in meinem Hauswesen, in meiner Kinderzucht, im Lehren und Lernen, im Umgang mit andern Menschen, im Vergnügen und in der Erholung, alles so weislich) anzuordnen und einzurichten suchen, als ich Fähigkeit, Kraft und Gelegenheit dazu habe. Gus te Absichten durch gute Mittel auszuführen das sey überall mein Bestreben. Arglist und Eine falt sen fern von mir! ty XII, d Es ist Gottes Allmacht, die mich in der vergangenen Nacht im Schlaf und durch den Schlaf erhielt; ihr werd ich, wenn ich den Abend erlebe, auch diesen Zusaß zu meiner Lebenszeit verdanken. Er hat und wird freylich kein Wunder zu meiner Erhaltung geschehen lassen; sie war Naturwirkung, und wird es so lange seyn, bis ich meine Rolle auf dem Schauplaß der Erde ausgespielt habe. Aber ist denn die Allmacht, die in der Natur wirkt, eine andere, oder wohl gar eine geringere, als die, welche Wunder hers vorbringt? Wer Wer den Bau des menschlichen Körpers nur ein wenig fennet und nur einen einzigen Blick auf die Summe der ihm drohenden Gefahren hinwirft: welch einen hohen Begriff muß sich der nicht von der Gotteskraft machen, die über mir und so viel Millionen Menschen waltete, daß unser Schlaf nur Bild des Todes, nicht Tod, war! Gewiß, wenn sich auch nicht an jedem Morgen redende Beweise der göttlichen 2llmacht von allen Seiten Her darstelleten: so würde schon dieser einzige mein Erwachen- wenn ich ihn recht entwickle und lebhaft faffe, hinreichen, mich in das ehre furchtsvolleste Erstaunen über die Größe Gottes au versehen. Ho12 dhiples O Allmacht, außer mir zu sehn, und in mir zu 10 empfinden! in mod gast di 151 In allen Tiefen, allen Höhen zu suchen, leicht zu finden! O Allmacht, die mich schuf und trägt, mich gang no tard dan belebt, mich stets bewegt: ope Wie kann ich dich anbethen!! stor folde 19: las dis Wie gut wird für meine Ruhe und Zufries Benheit, die heute leicht gestört werden könnte, gesorgt seyn, wenn ihr die göttliche Allmacht eis nen so tiefen Eindruck auf mein Herz macht, der unter allen Zufällen und Geschäften des Tages uns vertilgt bleibt! Welche Geistesstärke wird mic Die Ueberzeugung von dem Allvermögen Gottes geben? Wenn ich nur so gesinnet bin und handle, daß baß ich mir auf seinen Beystand sichere Rechnung machen darf: so darf ich nicht befürchten, daß irgend etwas meine wahre Glückseligkeit zernich ten könne. Der, welcher alles Uebel von mir abe wandte, indem ich schlief und selbst nicht das ges ringste zur Abwendung desselben beytragen konnte, wird machtig genug seyn, mich zu schützen, wenn ich wache, und selbst auf meine Sicherheit bedacht feyn kann. Er der es verhütete, daß mein Blue in meinen Adern nicht stockte, wird Kraft genug besigen, dem Umlauf meiner ihm gefälligen Ges fchäfte fortzuhelfen, wenn ich ihn nur nicht selbst hemme. Im Vertrauen auf seine Unterstützung will ich jedes mir befohlene Werk mit Freuden ans greifen. Der Glaube an den Beystand des Allmächtis gen soll mich nicht tråge, nicht vermesſen machen, Dem Faulen und Unbesonnenen ist er nicht zuges fagt. Er soll mich vielmehr ermuntern, überall mein Möglichstes zu thun, wie ein schwaches ab er gutartiges Kind, sich in allem, was es lernen und verrichten soll, angreift, wenn es den nach helfenden Vater zur Seite hat. An der Belohnung meiner guten Werke darf ich dann auch nicht groeifeln. Was sollte der Allmächtige nicht vers gelten können, dem die ganze Natur zu Gebothe steht, in der von ihm tausend Einrichtungen ges macht sind, vermittelst welcher der Rechtschaffene bie Frucht seiner Werke genießen kann? Nun gehe ich hin, und beweise durch die That, was der Glaube an den Allmächtigen vermag! XIII. 46 dur XIII. Gott ist die Liebe! mora Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht verkündigt's der andern. dung sendir Wer faßt beym Erwachen nicht gerne den erfreulichsten Gedanken? Kann ich aber meine Geele einem erfreulichern öffnen, als diesem: Gott ist die Liebe! Was ich jetzt sehe, höre und empfinde, bestätigt mir aufs neue diese Wahrheit; und wenn ich auch am frühen Morgen wehFlagen müßte, oder wenn mich heute irgend ein Unfall tråfe, wåre deßwegen Gott die Liebe nicht? TAONS sin endal to Micr Entweder völlige Gottesläugnung, oder Glaue be, daß Gott lauter Liebe ist. Gegen jeden andern Glauben an Gott empirt sich mein Inners. ftes. Ein Allwissender, Allmächtiger, und Ewiger, der nicht zugleich allgütig wäre, würde nie verehrt, nie geliebt, nur angstlich gefürchtet werden. Kein Geschöpf bath seinen Schöpfer um fein Leben es fonnte ihn nicht darum bitten; er gab es ihm ohne sein Wissen und Wollen. Ließe sich nun eine größere Grausamkeit gedenken, als das Hervorrufen dessen, was nicht war, zum Seyn, wenn der Schöpfer das Gewordene und Lebende aus Haß oder Kaltsinn auf immer unglücklich machen oder werden lassen könnte. Es sen, daß sich das Geschöpf, ohne Zuthun des Schöpfers, Schmerz, Pein und Elend zubereitet- er hätte es ja vor diesem selbst verschuldeten 47 ten Jammer verwahren können, wenn er es nicht erschaffen hatte. Und wenn man nicht vor ihm erzittern, ihm auch im Leiden vertrauen und ihn lieben soll, so muß er auch dieses Unglück& m Besten zu kehren gesonnen seyn. Er muß auch aus dem größten Uebel Gutes hervor zu bringen wissen. Ich verlore alle Begriffe von Gott, wenn ich mir ihn nicht als die Liebe gedenken dürfte; und so will ich mir ihn heut und allezeit denken. Noch einmal so erfreulich werden mir die an genehmen Ereignisse des heutigen Tages seyn, wenn ich sie als Anordnungen des Gortes betrachte, der die Liebe ist, und der also seine Gaben weder mit falter Gleichgültigkeit gegen den, wels cher fie empfängt, seiner Hand entfallen läßt, noch sie ihm heute darreicht, um ihm morgen feinen Haß desto empfindlicher fühlen zu laffen. Ich kann gewiß versichert seyn, daß Gott alles Gute, in deffen Besiß und Genuß ich komme oder stehe, mir blos in der Absicht zutheilet, um mich wahrhaftig glückfelig zu machen, und daß die frühen Geschenke feiner Liebe nichts anders als Vorläufer späterer, vollkommener, bis in die Ewigkeit hineinreichender seyen. Getrost kann ich traurigen Zufällen, die mir heute begegnen können, entgegen gehen. Gott ist die Liebe- fie müssen sich doch zuletzt in Se gen und Seligkeit auflößen. CHIS Billig und mit unermüdetem Fleiße will ich die Arbeiten meines Berufes fortseßen. Gott ist die 48 Die Liebe, und legt sie, samt den damit verbundes nen Beschwerden, mir nicht auf, um mich zu brücken. Sie sind Beförderungsmittel meiner eigenen Wohlfahrt: ich trage dadurch zur allges meinen Glückseligkeit bey, und er wird sie nicht unbelohnet laffen. Auch ich will ganz liebe seyn, und die Proben von der Aufrichtigkeit dieses Vorsages schon heute ben jeder Gelegenheit ablegen. Leichtsinnig, nachläßig in der Beobachtung mein ner Pflicht, sicher bey strafwürdigen Gesinnungen, Gewohnheiten und Thaten soll mich Gottes Liebe nicht machen. Sie verdient die warmste Gegenliebe, die sich im thätigsten Eifer seine wohlthätis gen Befehle zu befolgen zeigt, aber immer nur schwache Erwiederung seiner väterlichen Liebe bleibt. Wenn ich es nun an ihr ganz fehlen Mieße--!!! XIV. Gott ist gerecht! Dieß sey meine heutige Lofung. In einer Welt, wie diese, in der ich, so lange es sein Wille ist, fortwandere, muß ich ohne deßwegen ein schwarzgallichter Menschenfeind zu seyn, stets gewärtigen, allerley, und sogar schreyende Ungerechtigkeiten zu erleben, die an mir und an meinen Nebenmenschen, von Höhern und Niedrigern, aus Unbesonnenheit und Bosheit verübt werden. Sollte ich den Schmerzen, den sie verursachen, auch heute empfinden müssen: fo 49 fo will ich ihn mit dem Gedanken lindern, stillen und heilen: ,, Ist doch der Allmächtige noch der Gerechte, der er immer war und immer feyn wird! Wenn nur er uns Gerechtigkeit widerfahren läßt, so kann uns eine ganze unges rechte Welt durch die Entziehung deffen, was sie uns schuldig ist, nicht auf immer elend und unglückselig machen. Zur rechten Zeit wird er, ohne Ansehen der Person, uns und denen, die nicht nach Verdienst sondern nach Willkür mit uns umgiengen, vergelten nach unfern Werken. Empfiehl dem Herrn deine Sache, und hoff auf ihn--er führt sie aus. Dann bricht dein Recht hervor, wie das Morgenlicht, und deine Unschuld strahlt, wie am Mittag die Sonne.( Psalm 37.) Wer weiß, ob nicht auch heute sich die Unzufriedenheit mit Gott in mir regen und mich beres den wird, zu glauben, ich sey ben der ungleichen Austheilung seiner Gaben und Wohlthaten versäumt, ich sey, weder aus meiner noch aus anderer Menschen Schuld, nicht am rechten Plage, mir sey ein größeres Maaß der allgemeinen und unvermeidlichen Leiden der Menschheit zugemess sen, als ich verdiente, und mit meinem wahren Glücke bestehen könnte? Aber wenn sie mich anroandeln, frånken und quålen wollen, dieſe finftern Gedanken: so will ich in meiner Seele das Ungedenken an deine Gerechtigkeit, o Gott! zuricferufen, die gewiß das angemessenste und heil famste Loos und Schicksal für mich ausgewählt hat, und will zufrieden seyn. D 50 Mit gerechter Hand will ich denn auch wie bu, das Gute, das ich zur Vertheilung unter meineNebenmenschen aus der deinigen empfangen habe, ben jeder Gelegenheit vertheilen. Meine Liebeserweißungen sollen nicht blind, nicht partenisch feyn. Das größere und kleinere Bedürfniß, Verdienst, und Nußenstiften soll von mir immer untersucht werden, um darnach die Art und das Maaß meiner Liebeswerke, Gott ähnlich, zu bes stimmen. Selbst im Strafen will ich die liebe fenn, die nur Befferung und Glückseligkeit zur Absicht hat. Denn auch deine Strafen sind nichts anders, gerechter Gott! als liebreiche Zuchtmits tel, wodurch deine leichtsinnigen und ausgeartes ten Kinder zum Nachdenken gebracht, gebefferte und glücklichere Menschen werden sollen. Ich entfage zugleich allen Ungerechtigkeiten, zu deren Begehung ich heute verleitet werden könn te. Gott, der Gerechte, läßt mich nicht aus seinem scharfen Auge. Wie dürfte ich es wagen, irgend jemand geflissentlich zu beleidigen, zu nahe zu treten, zu verlassen, zu vervortheilen, zu verabsäumen, der ein Recht auf meine Dienstleis ftungen, auf meine vorzüglichere Sorgfalt für ihn hat? O daß ich meinen Glauben an einen gerechten Gott ja durch keine Ungerechtigkeit thätig vers läugne und widerrufe! Gott ist nicht ungerecht, daß er mit unvergolten lasse, was ich in und außer meinem Berufe heute Gutes thun werde. Frisch auf zur Arbeit! $$ Bu allem, was feine Gerechtigkeit erfordert, gur genauesten Vergeltung des Guten und Bösen mit Gutem und Bösem, ist die Verfügung långst gemacht; fie liegt in der Grundlegung der Welt. Daran läßt mich die Weisheit und Güte Gots tes nicht zweifeln. Wo beyde unzertrennt wire fen, da ist Gerechtigkeit! XV. coreaners Wie wenig Trost und Freude könnte ich an diesem frühen Morgen aus meinem Glauben an Gott schöpfen, wenn ich besorgen müßte, daß feine Weisheit, Macht und Güte dem Wechsel, wie licht und Finsterniß unterworfen wärewenn alles, was ich an ihm bewundere, und worauf ich die Hoffnung meiner Glückseligkeit gründe, nach mancherley Veränderungen und Schwächungen, zulezt gar aufhörte, und sein Seben selbst sich endigte! Ach! dann könnte ich dem Abend nichts anders, als voll Unruhe, Angst und Schrecken entgegen sehen, weil ich ja nicht wußte, ob er mir in der kommenden Nacht noch eben das seyn werde, was er mir in der vergans genen war! Mit wie viel banger Ungewißheit müßte ich in die spätere Zukunft hinausblicken? Und wenn ich gleich Brief und Siegel darüber hatte, daß er erst nach Millionen von Jahrhunberten sich verändern, und mir absterben würde: könnte mich diese Versicherung vollkommen berus higen? Nach ihrem Ablauf würde ich doch der Da Une Anglückselige feyn, der ich schon heute wäre, wenn Gott schon heute einem veränderlichen und sterbe lichen Menschen gliche. de m Getrost! er gleichet ihm nicht. Mein Glaube an dich, o Gott! ift Glaube an den Ervigen, Deffen Leben und Kraft so wenig ein Ende nimmt, als es einen Anfang nahm. Gott! deine Jahre reichen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Du gründetest einst diese Welt, tind deiner Hände Werke sind die Himmel, Sie stürzen, und du stehst; Sad Sie altern alle, wie ein Kleid, Ist Du legst fie ab, wie ein Gewand! Sie sind nicht mehr; du aber bist derselbe, Denn deine Jahre enden nie. ( Pr. 102.) Cau Mir schwindelt, wenn ich in den Abgrund, Ewigkeit, hinunter blicke. Aber schwindels mir denn nicht auch vor dem völligen Nichts and der gånzlichen Zernichtung: Ist mir das Entstehen und Vergehen Gottes begreiflicher, als sein nothwendiges Daseyn: Kann mich ohne diefes meine Vernunft aus dem Labyrinthe der Welt hinaus führen? dus So fann ich also ewig auf dich vertrauen, mein Gott! So viele Veränderungen fich heute, und so fang ich lebe, und nach meinem Tode, mit mir und der übrigen Welt ereignen mögenmit dir geht keine vor. Mag die Weisheit, die Macht, die Liebe, das leben aller berer, auf wels 53 welche ich mich verließ, wechseln, schwinden, versinken- du stehst mir ewig fest, und wenn ich meine Glückseligkeit auf dich baue, so wird sie nichts einstürzen können. So will ich also auf nichts, was veränders lich und vergänglich ist, so sehr es von mir ges fchågt, geliebt, gesucht und benußt zu werden vers bient, mein ganzes Vertrauen segen nie in dem Besiß und Genuß desselben die Erfüllung al Ler meiner Wünsche finden. Meine höchste Glücks feligkeit kann mir nur ein ewiger Gott, und was ewig ist, wie er, gewährendor id dunt gid Der unverständige, nach Ungebundenheit feufzende Jüngling, seines ernsten Aufsehers müde, hofft die Zeit zu erleben, in der ihn der Tod, oder eine andere Veränderung von ihm trene nen wird. Der junge Thor! Und doch wåre er weiser als ich, wenn ich nach einer, dem Willen Gottes widerstrebenden Freyheit dürftete. Dies fes Gottes, der über mir lebt, und dem ich unterworfen bin, werde ich nie los werden. Ewig achtet er auf mich, ewig leitet er mich, ewig lohnt er mir nach Verdienst. GRISOS The fis monios Nach dieser Richtschnur will ich auch heute meine Gedanken, Neden, Handlungen und Ges schäfte ordnen. Schickt sich das zum Glauben an einen ewigen Gott?" Diese Frage will ich mir heute immer vorlegen.fonda cor anos de -6ma 11 em D3 More $ 341 simt Morgenlieder. * 390ndate apl Siis toi tie 65 Ihm, der das Licht entstehen hieß, und mich gefund erwachen ließ, sey Preis und froher Dank! Des neuen Morgens Heiterkeit sey meinem Gott zuerst geweiht. vatriaro 18! Sieh, Herr, ich unterwinde mich, mit dir zu reden! Staub bin ich, durch deinen Hauch beseelt. Gleich als ein Todter lag ich hier: daß ich noch lebe, dank ich dir. 07 Und jedes Gut, daß ich mich freu, empfang ich iho wieder neu aus deiner milden Hand. Mein Auge wird, woohin es blickt, von Wundern deiner Huld entzückt! blickt 49 975 bad dali drous sgni Dich), bem ich nichts vergelten kann, dich Vater beth ich findlich an! ich opfere dit mein Herz. Ein Herz voll Dank und Zuversicht verwirfst du, Allerhöch fter, nicht. discr O du, den meine Seele preißt! erwecke mich durch Beinen Geift zur Uebung meiner Pflicht. Er helfe meis ner Schwachheit auf, bis ich vollende meinen Lauf! s úni Ein gut Gewiffen sey mein Theil! vollend, o Vas ter, felbst mein Heil, und segne meinen Fleiß. Dir ist, was ich bedarf, bekannt, und alles steht in deines Hand. Die $ 5 Die Blume Eleidest du mit Pracht, nährst jeder Vogel, Gott der Macht! Bin ich nicht mehr, denn sie 2 Ich werfe meine Sorg' auf dich; du, mein Erbarmer, forgst für mich analist, nisms date nis isở nà giant Stris ibidem 2. Grem Leiden. Der Morgen kommt, und meine Klage wird mit ihn diesem Morgen neu. Wie traurig eilen mir die Tage der bangen Wanderschaft vorbey; Der Sonne neuges schenktes Licht erheitert meine Seele nicht.. da So traurig, als die Abendstunden, ist dieser neue Tag für mich: Die Qual, die ich bisher empfunden, vers neuet mit demselben sich. Ich hoffte Trost in meiner Pein: doch meine Hoffnung traf nicht ein. Noch immer bin ich auf der Erde, wo mich Gefahr und Noth umringt, und täglich hårtere Beschwerders zu Klagen und zu Thränen zwingt; noch immer fleh ich unerhört um Labung, die mein Herz begehrt. Herr, eile doch, mir beyzustehen, verlaß den müden Wandrer nicht. O neige, Vater, auf mein Flehen zu mir, dein freundlich Angesicht! Gib mir Geduld, und bey dem Schmerz, ein hoffend und gelaßnes Herz. Mir ist mein Schicksal noch verborgen, das dieser Tag mich treffen soll: auf dich, Herr, werf ich meine Sorgen; du kennst und suchst mein wahres Wohl. Und was bein Rath beschließt und thut, ist heilig und gerecht und gut. 73 Soll D4 Coll ich die Last noch långer tragen, so halt ich deis ner Fügung still. In dir zufrieden, will ich sagen: Hert! wie du willst, nicht wie ich will! So laß mich Vater, in der Pein geduldig, wie mein Heiland seyn. 101 Nach diesen schmerzenvollen Stunden rückt einst mein Ende doch herbey: dann hab ich ewig überwunden, und Bin von aller Trüßsal frey. Dann folget auf die Leis benszeit dort ewige Zufriedenheit. img3 Gestärkt durch diesen hohen Glauben, tret ich auf meinen Leidenspfad. Herr, stärke, stärke meinen Glaus ben, auch dann, wann sich der Tod mir naht. Viele leicht erscheint er heute mir: wohl mir! Ich leb und terbe dir. 24-202 du di nid alami baff Reimgebethe vor und nach dem Effens 1) Vor dem Effen. shin rinnal2 Der du von allem, was da ist, der Schöpfer und Versorger bist, o Bater! kindlich bethen wir um unser täglich Brod zu dir., Auf dich und deine milde Hand ist ist auch unser Blick gewandt: du speisest uns, weil du uns liebst. O fegne, was du huldreich gibst. Laß $ 7 dolaß uns zwar satt, doch måßig seyn, uns deiner Güte dankbar freun, und nie vergessen im Genuß, daß auch der Arme leben muß. no en om bim 12) Nach dem Effen. of Wir danken freubig dir für alle deine Gaben, die wir, o Vater, itt von dir empfangen haben! Gesundheit Gul hen Muth, dort deine SED MISHE matem gibst du uns, und Nahrung, die erfreut, hier einen fros Seligkeit! Deine Seligkeit! ad mbin( bitte MOTHd roin id pillot bi onli sim Laß nie undankbar uns, wie du bist, verkennen: von wahrer Dankbarkeit laß unser Herz entbrennen! Mach uns gehorsam; mach in unserm Stand uns treu, daß unser Wandel, Gott dir wohlgefällig sey! nel siro si Wenn deine Huld uns schon auf Erden so beglücket, wie wird uns seyn, wann uns dein Himmel einst ent zucket! Führ uns dahin und laß uns da dein Antlik sehn; dann wird dich unser Dank auch würdiger erhöhn! sid Jue daun hi Abendandacht.an comid whild Auch am Ende dieses Tages werfe ich mich in Demuth vor dir nieder, mein Gott und Vas ter, dir für so vieles Gute, das mir( und den Meinigen) heute von deiner unerschöpflichen Güte, vor so vielen andern meiner Mitmenschen unvers dienter Weise zugefloffen ist, findlich zu danken. Wenn ich heute etwas nügliches ausrichten Fonn ter DS 18 te, wenn ich vor Unglück bewahret blieb, oder Kraft und Trost in mir fand, die aufstoßenden Beschwerden und Widerwärtigkeiten zu ertragen; wenn ich jezt ruhig und gesund zu Bette gehen kann: so hab ich dieß alles deiner für mich wachenden Vorsehung zuzuschreiben. Keinen fröhli chen Augenblick würde ich heute gehabt haben, wenn du mir nicht so viel Gutes gegeben, und mich nicht in den Stand geseßt hättest, es zu genießen. Und ich sollte dir nicht danken, mein gu. tiger Vater und Wohlthäter! Du dürftest mir nur einige deiner täglichen Wohlthaten entziehen, so würde ich wohl merken und fühlen, wie werth fie mir seyn sollten. Noch erfanne ichs allzu wenig, mein Gott! weil sie mir täglich in so reichem Maaße zu Theil werden. Der Dank, den bu von mir verlangeft, ift die gute Anwendung deiner Gaben. Du for verst mich zur Rechenschaft auf. Wie werde ich beftehen!Dieser Tag den du mir schenkteft, ist nun dae hin und kömmt in Ewigkeit nicht wieder zurück. Nur die Folgen meiner Handlungen bleis ben. Darf ich mich ihrer freuen? oder habe ich Ursache mich davor zu fürchten? O möchte ich sie doch, da ich noch Zeit habe, verbeßern! Möchte doch das Ende dieses Tages durch die guten Entschliessungen, die ich vor dir Allgegenwärtiger faffe, der Anfang einer standbaften Befferung feyn! Carp Un Unter deiner Obhut lege ich mich nun zur Ruhe. Laß sie mir zur gedeihlichen Stärkung werden, und mich morgen, wenn es deinem weißesten Rathschluß nicht entgegen ist, wieder gefund und munter, mit neuem Wuth und Eifer zu deinem Dienste, erwachen. 19 code] 10 Sid no binis brads noista mboo An den Erlöser. waptri medan) 3919( DBM( or a finihus Eh ich meine Augen schließe, blick ich noch einmal zu dir aufsmein göttlicher Lehrer, mein Vorbild, mein Heiland und Richter!- Wie getroft könnte ich diesen Tag beschließen, wenn ich heute als dein Junger und Nachfolger als Christ gelebt hätte, wenn ich dir heute doch einis germaffen ähnlicher geworden wäre, als ichs gestern war!-Aber, ach; Herr! wie weit bin ich noch von dieser Wehnlichkeit entfernt! Wie oftverfor ich deine Vorschriften und Beyfpiele aus den Augen, wenn ich die auch nicht ganz abtrinnig wurde. Mit Beschämung und Reue flehe ich dich um Erbarmen und im Vertrauen auf deinen Beystand, gelobe ich dir ernstlichere Besserung und treueste Nachfolge. So kann ich dann hoffen, daß ich einst, auferweckt von dir aus Schlafe bir aus dem des Todes, zum ewigen Freudenleben erwachen, und mit allen deinen wahren Bekennern, eingehen werde in dein himmlisches Reich. Dazu hilf mir, mein liebevoller Heiland! dem Onu dnu gatijol negldine gi pomoct sid houd An 60 An Maria und die Heiligen. QUE 140 FEDERDIDITEIC ne Mutter meines Erlöfers, und ihr alle meine Brüder und Freunde im Himmel! Möchte mich auch dieser Tag der Seligkeit näher gebracht haben, die ihr schon genießet und die auch mir bereitet ist.- Ich preiße Gott, ehe ich einschlafe, und im Entschlummern, wie wohl in Schwachheit, mit euch). Einst, wenn ich nach einer frohen Aufer ftehung in eure Gesellschaft gelange, stimme ich mit euch vollkommenere foblieder an! lothais 3- netto di stond Homse Christliche Gesinnungen beym Schlas cims dod sund the fengehen. dals Birds an ય bil do rsfieming Spe inder si to fanasjans STED? Fonssiams, distilladel 15 sjald use( ber Welch eine Wohlthat ist ein fanfter gefunder Schlaf! Wie groß, anbethungswürdiger Schö pfer! ist deine Weisheit und Güte, daß du uns fere Bedürfnisse mit so vielem Vergnügen vers bindest! s vid hi Erbarme dich derer, die dieser Wohlthat ents behren; aller Elenden und Betrübten, aller Kran ten und Sterbenden in dieser Nacht! tröste, stårte sie; lindere ihre Schmerzen, måßige ihren Kummer durch christliche Gelassenheit, Geduld und Ergebung in deinen väterlichen Willen; durch die Hoffnung ihrer baldigen Erlösung und eines bessern lebens. Führe 61 Führe die Unglücklichen, die jezt auf Werke Der Finsterniß ausgehen, von ihren böfen Wege en zurück; erleuchte, rette fie, Vater! Wenn ich wachend ruhe, so pråge mir Ehre furcht vor dir ein, daß die müssige Seele nichts Bifes denke oder beginne, deffen ich, wenn es ans Sicht fåme, mich zu schämien hätte! Die Nacht bedeckt mich nicht vor dir, Allsehender der du einst das Geheimste an den Tag bringen und die Anschläge der Herzen offenbaren wirst! Der Glaube an deine Gegenwart halte mich zurück, daß ich vor dir und mir selbst mich nicht entehre. Der Schlaf ist mir ein Bild des Todes! Ich will mich jezt schon mit ihm vertraut machen, das mit ich einst desto weniger davor erschrecken dürfe. Ich will mein lager als mein Sterbebett anfehen.-Wie wird mir, wenn ich darauf liegen werde, zu Muthe fenn? Was werde ich alsdann wünschen oder bereuen! Was wird mein Trost, oder mein Kummer feyn? idents Ob ich Morgen noch das licht der Sonne ers blicken werde, weiß ich nicht. Du, o Gott, haft Macht mein leben zu nehmen, das du mir gabst! und du, Herr meines Lebens, bist mein Vater, der alles wohl mit seinen Kindern macht. Die empfehl ich mich lebend und sterbend. Nimm mich mit Erbarmen auf! In schlaflosen Nachtstunden. Vater! du bist ben mir des Nachts wie am Tag Zag: Kindlich erfreue ich mich deiner Gegenwart; lobe dich zu Mitternacht, wie am Morgen, und preise mich glücklich, daß ich dich zu allen Zeiten und übarall anbethen darf. welch eine felige Stunde, in der man deiner gedenkt! Auch die jezige schlaflose fey mir durch das Andenken an Dich gesegnet! Dieß bringe mir Frucht auf den morgenden Tag, wofür ich dir in der Zukunft noch danken fann. Wie traurig, wie schauberhaft kommt mir die Finsterniß vor! Was wäre das Leben ohne Siche! Was wäre ich ohne dich, mein Gott! Urquelle alles Sichts und Lebens!-Bie schrecks lich muß der Zustand jener Unglücklichen seyn, die in jener Welt der süßen Erfahrung deiner Liebe, welche die Seligen genießen, beraubt seyn werben! Ach! ewige Finsterniß ist nur ein schwache es Bild von ihrem Elende! ajouter a Wie lange wird mir eine schlaflose Stunde, ob ich gleich gefund bin? Wie muß euch zu Muth seyn, ihr Kranken und Leidenden! Wie bedaure ich euch. Und wie gerne will ich morgen irgend etwas dazu beytragen, euch euer Elend zu erleich rern und euch zu erquicken! Das wichtigste Geschäft des Abends. Lege dich niemals zur Ruhe, ohne dich vorher vor Gott zu prüfen, wie du den vergangenen Tag zugebracht, wie du dich gegen Gott und Menschen, und gegen dich selbst 63 felbst verhalten, wie du deine Pflichten und Vorfäße ers füllet habest. Richte deine Aufmerksamkeit vorzüglich auf diejenigen Fehler und Neigungen, denen du am meisters ergeben bist. Denke nicht bloß: Was habe ich heute gethan? sondern auch: Was hat mich dazu bewogen, und veranlaßt? Was ist in meinem Herzen vorges gangen? Was war die Ursache des guten oder schlim men Erfolgs meiner Handlungen? Wie viel bin ich heut auf dem Wege meiner Besserung vor- oder rücks wärts gekommen? Wessen kann ich mich freuen und tristen? Wessen muß ich mich schämen und fürchten? Ohne diese tägliche Uebung ist keine standhafte Besserung, tein fester Fortschritt auf dem Wege der Tugend möglich. obound Es ist schrecklich, immer in sorgloser Zerstreuung auf gerade wohl dahin zu leben, ohne je über sich selbst ernstlich nachzudenken. Dieß heißt: an einem Abgrund einschlafen. 1940 Durchgehe, so oft du nur kannst, besonders an Sonntagen folgende Fragen, nicht mit flüchtigem Blicke, fondern mit bedachtsamer, redlicher Anwendung auf dein Herz und Leben; und warte auf jede die Antwort deines Gewissens ab! Gewissensrechenschaft. - Wie steht mein Herz gegen Gott und Christus? Dacht' ich oft und gerne an ihn an seine Liebe- art fein heiliges Gesetz? Wie bewies ich meine dankbare, vertrauensvolle Ergebenheit durch Befolgung seines heis ligsten 64 ligsten Willens? Bethete ich? und wie, und mit welcher Frucht? Wie üßte ich mein Christenthum aus! Wie gehorchte ich den Erinnerungen meines Gewissens? id did not Bold thin Wie verhielt ich mich gegen meine Mitmenschen. besonders gegen diejenigen, mit denen ich näher verbuns den bin( Aleltern, Kinder, Gatten, Herrschaft, Hause genossen sc.)? Djm War nie Bitterfeit, Has, Nachbegierde, Schadens freude, Neid, Argwohn in meinem Serzen: Ist es wenigstens jegt frey davon? m >}{{ c day smal Habe ich niemand mit meinen Reden gefränkt, oder Beleidigt, an seiner Ehre verleget? Nicht durch hartes tiebloses Urtheil- üble Nachrede, Verleumdung, Vers kleinerung, Bekanntmachung verborgener Fehler Spott und Verachtung, und Tadelsucht? oder auch stills schweigend mit hohnlächelnden, bedeutenden Mienen? Nicht aus Unbesonnenheit, Leichtsinn, Schwarzhaftigkeit? oder aus Abneigung, Eifersucht, Bosheit?- Nicht um mich über andere zu erheben, meinen Witz zu zeigens mich gefällig zu machen? Was mag daraus für Nachtheil entstanden seyn? wie würde ich es empfunden haben, wenn es mir ges schehen wäre! abras cheronitione War ich in meinen Gesinnungen und Sandlungen rechtschaffen, aufrichtig, treu? habe ich niemand hinz tergangen, beschädigt, mißhandelt? Wie hoch würde ich es anschlagen? Hab 65 nag J017 jim 200 Hab ich den Schaden auch wieder erfest, das Una recht vergütet, die Verleumdung widerrufen? Werd ich es noch thun? und wie? 910 190 Hab ich mich keiner fremden Sånden theilhaftig ges macht? Niemand zum Bösen gereizt, oder veranlaßt? durch verführende Reden und Beyfpiele? Aus Unbes dachtsamkeit oder geflissentlich? In welchen Sachen? Wie kann ich das Ulebel wieder gut machen? - - CopRunT War meine Menschenliebe nach dem Geboth und Barbilde Gottes und Jesu aufrichtig, uneigennützig unpartenisch, sanft, duldsam, wohlthätig nach meinem Vermögen? Wie verhielt ich mich gegen Andersdens kende, Irrende, Widerliche, selbst gegen meine Feinde? anote man Getzte ich mich oft in des andern Stelle, und bes trug ich mich so, wie ich wünschte, daß man mir bes gegnete? medylating sims # 2593- 19 War es mir Lust, andere zu erfreuen, zu trösten, zu unterstützen, mit Rath und That? Was bewog mich dazu? Radot drumsindones alors mie2 War ich im Genuß des Glücks und Vergnügens måßig, dankbar, bescheiden? Im Leiden gelassen, ges duldig, gottergeben? 290061 festsid Wozu hat mich meine Eitelkeit, meine Heftigkeit, meine Begierlichkeit verleitet? a Wohin zielten meine meisten Gedanken und Wüns sche? Dürft ich sie öffentlich gestehen? Muß ich nicht & vor 66 vor mir selbst schamroth werden?- Was würde ich von andern halten, wenn ich sie das thun sahe, was ich gea than habe? Wenn ich wußte, daß in ihrer Seele eben folche Dinge vorgiengen, die in der meinigen vorgehen? 1619 Wie habe ich heute( diese Zeit her) meiner Liebe lingsneigung, meiner Temperaments- und Gewohne Heitssünde Abbruch gethan? War es mir ernstlich anges legen meine Vorfaße zu halten? Welche Mittel und Mus he habe ich angewendet? Und wenn ich mich wieder verfehite, war es bloßes Versehen und Uebereilung, oder geschah es mit Bewustseyn und vorseglicher Weise? Was war daran Schuld?-Erkannte und bereute ich ders Fehltritt bald wieder, und sucht ich ihn zu verbeßern? Wie hab ich meine Brandespflicht erfüllet?-Witd der Herr mit meinem Tagwerk zufrieden seyn? Fann ichs mit mir selbst seyn? Wie sind die Menschen, mit des nen ich zu thun habe, mit mir zufrieden? Wenn sie mich erst ganz kenneten? Was ist mir etwa Sonderbares begegnet? Was soll Ich aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen lernen? Bin ich heute( seit meiner lettern Prüfung) besser oder schlimmer geworden? Habe ich mehr Böjes oder Gutes gethan? Wie, und in welcher Absicht geschah dieses? Wie sieht es um meine Seele? Wäre ich bereit, vor meinem Richter zu erscheinen?- Was würde mir am meisten bange machen? Sondaje Gott! 67 Gott! ich bin beschämt. Soll es denn immer so mit mir stehen? Soll denn kein Tag, feine Woche vergehen, ohne daß ich, wenn ich zurück denke, meine Fehler und Untugenden berenen, und mir selbst Vorwürfe machen muß! Werd ich denn nicht einmal anfangen, weifer und besser zu werden? Werd ich denn immer wieder thun, was ich schon so oft befeufzet habe? Ach wie schreck lich) würde die Reue seyn, die mich am Ende meines Lebens quålen würde, wenn ich keine Zeit mehr übrig hätte, mich zu bessern! Sp sit 300 39117 Nun will ich dann die Gnadenfrift, die du mir, Herr meines Lebens, noch schenken wirst, einmal mit Ernst dazu anwenden. Dieß sey mein erneuerter fester Vorsaß! Du hast noch Geduld mit mir; deine langmüthige Güte will mich zur Buße, zur Besserung leiten. Du stärkst die Schwachen. Dir verleihst mit Kraft zur Auss übung des Guten. Du bist bereit, mir alle meine Sünden zu vergeben. Das hast du mir durch deinen Sohn, meinen Herrn und Heiland zugesagt, und diese tröstliche Zusage hat er mit feinem unschuldigen Tode bestätigt. Wie ruhig, wie selig werde ich seyn, wenn ich mir aus meiner fortdauernden Besserung und Zunah me in der christlichen Rechtschaffenheit meine wichtigste Angelegenheit mache. Hilf mir, o Gott! * zum Wollen und zum Vollbringen. Amen. malagg si at sige desire troff E a maior Abende 68 Abendlied. mal E Der Tag ist schnell dahin geeilt, und Vater! deing Hand hat mir viel Gutes zugetheilt, viel Böses abges wandt. 1907 09 nudi vodstr vammi mad( b) disar os p Auch in der Noth, und wann ich litt, nahmst du bich meiner an: und so ist nun ein neuer Schritt zug Ewigkeit gethan.com adubonslaup ansdat Mistrz Gott, wie ist deiner Huld so viel! Du machst die Prüfung leicht. Die Tage fliehn; bald ist mein Ziel der Pilgrimschaft erreicht. Doch dir befehl ich meine Zeit: so lang es dir ges fällt, du Vater der Barmherzigkeit, leb ich auf dieser Welt. im llier sur spinningmol smisdim dite half n sid matist profjać mus b) Ich trau auf dich und zittre nicht; kein Unfall wird sich nahn: denn du bist meine Zuversicht, von meiner Jugend an. eo modo didinim drilist, dry ser@ glam. tim Mit Finsterniß umrings, schließ ich die Augen bes thend zu; doch du mein Vater, bist um mich, und segneft meine Ruh. bi sova pils stor 101 1919 1659 ats Conne * domu? das gro schien saisin ndashodhlachsabili Inom ligabor pinapsispas Anmerkung. Zur Abendandacht wird es sehr diens lich seyn, wenn man die frommen Entschließune gen am Morgen prüfend, wie man sie gehalten On habe, wiederholt. Sonntägliche Morgenandacht. of thờief wenien Stad Bouch Nachdenken und Ruhe. 69 So hab ich nun wieder einen Sonntag erlebt! Erfreut über deine Güte, mein Gott und Vater, und dankvoll für alle Wohlthaten der vergangenen Woche, preis ich dich, daß ich heute wieder eine neue anfangen kann. Schon oft, wenn ich einen neuen Morgen erlebte, hab ich dir Liebe und Gehorsam zugesagt. Aber ach! noch ist mein Versprechen größtentheils unerfüllt geblieben! Und doch wirst du nicht mus de, gütiger Bater! mich) mit Liebe an dich zu zie hen; du hörst nicht auf, auch einem leichtfinni gen, nad läßigen und ungehorsamen Kinde Gus tes zu thun! Einmal ist es Zeit, daß ich mich durch deine Güte gewinnen laffe, das Versäumte herein zu bringen suche, und die Tage, die du mir noch schenken willst, immer nüglicher anzus wenden, Einmal muß ich anfangen, mit meh term Ernst an meiner Besserung zu arbeiten. PO Der heutige Tag helfe mir besonders dazu! Die Sorgen und Geschäfte dieses Lebens pflegen in den übrigen Wochentagen meinen Geist so sehr zu zerstreuen, daß ich darüber nur allzuleicht deiner, o Gott! und meiner höhern Bestimmung vergesse. Geist und Körper bedürfen der Ruhe. € 3 Bie 20 Wie gesegnet ist mir also die heilige Feyer dieses Ruhetages! Wie ehrwürdig ist sie mir! Welche Wohlthat für mich und die Menschheit!Auch ich will heute meinen Antheil daran neha men. Ich will ausruhen vom allzuheftigen Trach ten nach vergånglichen Dingen, will mich aus dem Wirbel meiner täglichen Zerstreuungen losreißen. Wenn ich mir auch wegen meiner Ge schäftigkeit nichts vorzuwerfen hätte: wenn sie mir wirklich zur Pflicht gemacht wåre: so muß ich zue weilen doch stille stehen, zurücksehen auf den hina terlegten Weg, und, vorwärts aufs vorgesteckte Ziel, ob ich es vielleicht nicht eben aus allzu großer Eilfertigkeit verfehlet habe; ich muß mich fragen, wie viel ich denn durch alles, was ich so fehnlich wünschte und suchte, wahrhaft beffer, zufriedener, glücklicher geworden bin, und wo es denn eigentlich fehlt, daß ich es noch nicht bin, um doch wenigstens für die Zukunft, durch Erfahrung und Nachdenken weiser zu werden, und meinem Herzen wahre dauerhafte Ruhe zu verschaf fen, welche die Glückseligkeit dieses Lebens ausmacht, und die nur das wahre Christenthum ge ben fann.n joniem no The mas Wie manche meiner Brüder, die im Dienste harter Herren und strenger Befehlshaber seufz zen freuen sich dieses Tages der Abspannung vom drückenden Joche und fühlen es mit freyerm und heiterm Sinne, daß sie auch deine KinDer find, o Gott! wie manche würden durch uns TOR auss 7% ausgefeßte Anstrengung ihre Kräfte und Gesundheit schwächen, wenn ihnen fein Tag zum Ausruhen gesetzt wäre? Sollt ich so thöricht und lieblos gegen mich feil ft handeln, und mir die Nuhe nicht gönnen, die du mir verordnest! Sollt ich fo menschenfeindlich und grausam gegen meine Dienstbothen und untergebene handeln, daß ich ihnen heute die Erholung nicht geſtattete, der fie bedürftig sind, und die du ihnen verordnet haft! Gottesdienst. Wenn ich heute von meinen gewöhnlichen Arbeiten ruhe, so soll sich mein Geist, auf eine edlere Weise mit höhern Dingen beschäftigen. Das Undenken an die Schöpfung der Welt, und an unsere Wiederherstellung zur Glückseligkeit durch den auferstandenen Erldser, dem dieser Tag gewidmet ist, welch reichen Stoff giebt es mir zu Betrachtungen deiner herrlichen Werke, deiner gnädigen Absichten! Nie wird sie mein Verstand begreifen, aber bedenken will ich sie mit glaubi gem Erstaunen- anbethen und danken! Jeder Tag unfes Lebens soll dir geheiligt fenn. 2ber der heutige ist uns besonders zu deiner feyerlichen Verehrung bestimmt. Deine Kinder verfammeln sich in deinem Hause, dir das Opfer des Lebes und Dankes darzubringen, das dir gebührt, dein Wort zu hören, und sich gemeinschaftlich zu erbauen. Dieß ist wohl das würdigste und feligs ste Geschäft, das Menschen verrichten können! € 4 Wie 72 Wie ehrwürdig, wie rührend und Herzere weckend ist der Anblick einer bethenden Gemeinde! Alle beine Kinder, alle meine BrüderDu Vater! mitten unter ihnen, wie im Kreise deiner Familie! Du kennst sie, du umfasseft sie alle mit Liebe! Diese natürliche Gleichheit vor dir, diese se lige Gemeinschaft in Chrifto mit allen meinen Brüdern in der Nähe und Ferne, im Himmel und auf Erden, erwecke mein Herz zur innigen Freude und Liebe. So wie wir uns jezt im Glauben und Gebeth vereinigen, so willst du uns einst um dich her versammeln, daß wir deiner uns freuen ewiglich. Dein Haus hienieden, und jede Andachtsübung, die darin vorgenommen wird, ist nur ein Vorbild des Himmels, nur eine Vorberei tung darauf. Freude sey es mir also schon jest, dich in Ges fellschaft meiner Mitchriften anzuberhen! Ferne. sen daben von mir alle Trägheit, alle Gleichgültigkeit und Zerstreuung, alle Heucheley! Ferne aber auch der abergläubische dich entehrende Wahn, als ob ich dir durch meine Gegenwart, durch das Mitmachen frommer Gebräuche, einen eigentlichen Dienst, eine Gefälligkeit erwiese, und mich durch diese Ehrenbezeigungen zu beiner vorzüglichen Gunst berechtigte! Laß es mich doch erfahren und fühlen, mein Gott! daß jede wahre Andachtsübung Seligkeit für mich ist, und daß der ganze Nugen davon auf mich zurüffällt. So will ich dann mit dem heiligen Vorfahe zur Kirche Kommen, mich immer mehr zu einem wür. 73 würdigen Unbether beiner Gottheit im Geist und in der Wahrheit zu bilden! lebendige Empfind ung deiner Gegenwart deiner Größe und Siebe, durchdringe meine Seele; die Betrach tung deiner höchsten Vollkommenheiten, und meine Unterhaltung mit dir im Gebeth, erhebe meinen Geist über die Kleinigkeiten dieser Erde, und vereble meine Gesinnungen. Wie selig werde ich dann senn, mein Gott! wie selig! 1/ D., and Vorbereitung zur Predigt. Rede, Herr! denn dein Knecht,( deine Magd) horet. Ich will die Lehren der göttlichen Wahrheit, die mir verfündiget werden, nicht nur mit sorgfältiger Aufmerksamkeit hören, sondern auch auf mich selbst, auf meine besondere Umstände und Bedürfnisse anwenden. Ich will diejenigen, die mich am nächsten angehen, mit reiferm Nach denken ben mir überlegen, mich davon selbst überzeugen, und tief meinem Herzen eindrücken. Ich will kein vergeßlicher Hörer, sondern ein williger, standhafter Thater deines Wortes seyn; damit ich es aus Erfahrung wiffe, wie selig die sind, die dein Wort hören und zugleich bewahren! Owenn ich aus jeder Predigt nur eine Lehre recht zu Herzen faßte, fie behielte, und die Woche hin durch in Ausübung brachte; wie bald würde ich ein vollkommener Chrift werden! € 5 Dein 10 74 de Dein Geist, o Gott, belebe imd stärke alle Lehrer der Wahrheit und des Ch istenthums, das mit der gute Same den sie ansstreuen, hunderts fältige Früchte bringe.- Laß den Frrenden licht, Den Frommen Stärkung, den leidenden Trost in Deinem Worte finden. Segne die guten Vorfäße, die Herzensgebethe, die stille betrachtende Andacht aller deiner Verehrer.stonism Erinnerung über das Predigthören. Jeder katholische Christ macht es ſich zur heiligen Pflicht, an Sonn- und Festtagen Messe zu hören; und mans cher glaubt, dem Geboth der Kirche schon dadurch ges nug gethan zu haben. Dieses alte Geboth be og sich aber auf den ganzen pfarrlichen Gottesdienst, wovon allezeit die Predigt ein Haupttheil war. dist dimi destine Die öffentliche Belehrung von den wichtigsten und troftvollsten Wahrheiten der Religion ist eine Wohlthat, die jeder Christ dankbar schätzen und benußen sollte, ohne Durch ausdrückliche Gesetze angehalten zu seyn. Diesen Unterricht ganz vernachläßigen, verråth Undank, Gleich gültigkeit, Geringschätzuna, die auf Gott selbst zurücks fällt. Vernunft und Glückseligkeit legen die Pflicht auf, ein Heilsmittel nicht zu versäumen, durch welches Gots tes Vorsehung die Menschen zur Glückseligkeit führen will. Nur unser Bestes hat dieß Geboth, wie jedes andere zur Absicht. 75 Es mag oft Hindernisse geben, am öffentlichen Uns terrichte Theil zu nehmen. Darum kann das Gesetz uns möglich alle und jede einzelne Fälle bestimmen, in wels chen ein Christ dazu verbunden ist. Aber ist es nicht ins gemein Kaltsinn gegen die Religion, Bequemlichkeit Trägheit, Stolz, was so viele, die doch des Unterrichts noch sehr bedürften, davon zurückhalt? in d mundis us thid mu moncl Zugegeben, daß du schon alles wissen solltest, und dir selbst sagen, oder aus einem guten Buche schöpfen könnteft, was du in der Predigt hören wirst wird es auch geschehen? Würdest du mit deinem Lesen und Nachdenken gerade auf diese Wahrheit gekommen seyn, die dir heut in der Kirche vorgetragen wird, und die dich vielleicht am nächsten trifft? Aber eben dieses, scheint es hålt viele von der Predigt ab. Sie scheuen die Wahrs heit, als die Feindinn ihrer Freuden, als die Störerinn ihrer Ruhe.depict one dromad ug Fiennile ja Du wirst in der Predigt vielleicht nichts neues hos ren? Aber bedarfst du keiner Erinnerung, keiner Aufmunterung, keiner Stärkung? Wenn die bekannteste Lehre des Christenthums dir neue Freude macht, neuen Trost und Much gibt; wenn die Vorstellung der bekann testen Pflicht dich beschämt, dir zeigt, wie weit du noch zurück bist, dich zu treuerer Ausübung erweckt: dann bist du sicher, daß nicht der Mann, welcher redete, nicht die Neuheit und Zierlichkeit des Vortrags, sondern die Sache selbst es war, wodurch du gerührt und gebessert wurdest. Daß eine Predigt gefällt, ist kein zuverlässiges Zeis chen ihrer Wirkung auf das Herz und Leben. Von der Kraft 26 Kraft der Wahrheit durchdrungen, in stilles Nachdenken versenkt, ist der überzeugte Zuhörer ganz mit sich beschäfs tigt, und denkt nur an Ausübung und Besserung. Er vergißt das, was ihm am Redner und der schönen Rede gefiel, über dem, was ihm an an sich selbst mißfällt. tooth sall Gehe nicht in die Kirche, um den Prediger zu be urtheilen, sondern um dich zu erbauen. Es ist keine Predigt so schlecht, aus der man nicht etwas lernen könn te, keine so gut, die der Zuhörer sich nicht unnüt machen könnte. 5 1994 HINGG ons#s? manisd ning nd adside Unsere Predigten sowohl als vielleicht die ganze Einrichtung des äußerlichen Gottesdienstes veranlassen mans che Bemerkungen, Klagen und Wünsche des nachdenkens den Christen, denn nichts, was durch Menschenhande geht, ist vollkommen. Allein je mehr jemand im Stand ist, Mängel zu bemerken, desto fähiger wird er auch seyn, Das Gute davon abzusondern, und es zu benützen. Er wird auch die Bedürfnisse, Fähigkeiten und so manch faltige Vorstellungsarten seiner schwachern Brüder bes denken, die einen erhabnern Vortrag nicht verstunden, zu plötzliches Licht und eine ganzliche Umschaffung ihrer Bes griffe und bisherigen Weise nicht vertragen könnten. Ben einer zum allgemeinen Besten abzweckenden Anstalt muß Rücksicht auf alle genommen werden. Was dir uns bedeutend und gleichgültig ist, rührt vielleicht deinen nächsten Nachbar am meisten; was dir gefällt, hat er nicht verstanden. Er hat doch gleichen Anspruch mit dir auf die gemeinschaftliche Erbauung. Diese auf Billigs feit, Schonung und Liebe gegründete Denkart könnte schon 77 PHO Khon eine Art von Gottes Verehrung seyn; denn wie verehren Gott, je mehr unsere Gesinnungen mit den seis nigen übereinstimmen Er ist allen alles; eine Lebensa traft, welche unzählige Wirkungen in unendlicher Manche faltigkeit hervorbringt; ein Licht, das sich ins Unends liche auf tausendförmige Mittheilungsart, nach Bedürfe niß und Empfänglichkeit verbreitet.dshirionis nei alevadgalletage/ 108 Wende du, was allen, oder auch einigen insonderá 6794121050 heit gesagt wird, auf dich an. Erwecke dich öfters zue Aufmerksamkeit, und lege dir folgende Fragen ans Hers, unter und nach der Predigt. In welcher Absicht bin ich hieher gekommen? War es mein redlicher Ernst, weiser und besser zu werden? Was habe ich nun, das ich zuvor nicht wußte oder nicht bedachte, besser einsehen gelernt? Welchen Nußeis und Trost kann ich daraus schöpfen? il am de must Gmu brac mista TI Gilt diese Lehre, diese Pflicht, diese Warnung auch mir? Welche Anwendung kann ich davon auf meiner Stand, auf meine dermalige Lage, und auf meine Liebs lingsneinung und Gewohnheiten machen? 200 Bin ich auch diesem Irrthum, diesem Fehler ergea Ben? Macht auch mit mein Gewissen diese Borwürfe?. Stehe ich auch in dieser Gefahr? Könnten auch mich diese Unglücksfälle treffen. in chaud bibliop Wie kann und soll ich auch mit diese Vortheile, diese Beruhigung, diese reinen Freuden und Seligkeiten. der Religion und Tugend eigen machen! 9815 983 ie 78 Wie stimmen meine bisherigen Erfahrungen mit Den vorgetragenen Lehren und Grundsägen überein? Was soll ich daraus für Folgen ziehen? Wozu muß ich mich entschließen? 11 mpanii spildojnu solsejjer Welche Wahrheit hat mich vorzüglich betroffen und gerührt? welche muß ich also meinem Herzen am tiefsten eindrücken, damit sie mir, diese Woche hindurch Bey vorfallender Gelegenheit wieder in den Sinn komme Tangin und die Regel meines Verhaltens werde? 2 335310( 10 ter tempo she Joid( 0 Schlußgebeth. and spor en mode hid bild bis#R 2 not offed das verb pileer is. D Laß nun, o Gott, dein heiliges Wort, laß Diese der Andacht gewidmete Stunde, an mir and meinen lieben Mitchristen gesegnet ſeyn! Du fennst mein Herz, und meine Schwäche. Stärke mich zur Ausführung des erkannten Guten. Mit Deinem Beystand vermag ich alles; und du verfagft mir ihn nicht, wenn ich nur auch selbst ernstlich will und treulich mitwirke.enigm Ich will die heilsamen Eindrücke, die das Wort Gottes auf meine Seele gemacht hat, nicht wieder leichtsinnig vertilgen lassen, sondern sie geflissentlich durch eigenes Nachdenken, durch erbauliches lesen und durch lehrreiche Gespräche zu erhalten und zu verstärken suchen. inten spis des de Rand Ferne 79 Ferne fen es von mir midy solchen Zerstreus ungen, Gesellschaften und Lustbarkeiten zu übers laffen, welche die Absicht dieses heiligen Tages vereitleln, die Tugend vel hen, zu Unordnungen und Ausgelassenheiten verleiten könnten- Collt ich von der Arbeit ruhen, um der Eitelkeit und Sünde zu dienen? Nein! das Beyspiel der Welt foll mich nicht verführen. Gastald 3279009( bi stono Aber auch frommer Müßiggang ehret dich nicht; pharisäische Ulengstlichkeit in der Fener dieses Tages fann dir nicht gefallen, mein Vater! Du haft ihn mir auch zur Erholung gegeben, du fors drst fein unausgesetztes Unhalten im Gebeth und Betrachtung von mir. Du gönnst deinen Kins dern unschuldige Freude gern. Warum ware sonst deine Welt so schön, und des reinen Vergnügens so viel! Du hast mir Sinne gegeben es zu genießen und ein Herz, daß deiner sich freuen kann, du Urquell alles Guten! So will ich also auch heute im Buche der Natur lesen von dir, im Tempel deiner Schöpfung bich ans bethen, und durch findliches Frohseyn dich ehren! Das Andenken an dich wird mich allezeit in den Echrasfen der Mäßigung, der Zucht und Bes scheidenheit erhalten.osamdadas schlag In Auch im Umgang mit andern will ich durch gutes Beyspiel, durch Belehrung und Troft und durch Werke der Liebe nüglich zu werden suchen. Das wird wahrer Gottesdienst, wahre Befördes rung deiner Ehre seyn! manied oud 240 2006. So 89 So will ich diesen Tag dir heiligen! So wird er mir und allen ein Tag des Segens! Amen. Bano& spilisd esisid bijdlf sidsblaarsl sspundion Abendandacht am Sonntage. Red Isiqismdb dir ang bi fransdagstul 3 ditred abin chica Not Wie könnte ich, o mein Gott, diefen durch so große Wohlthaten so vorzüglich ausgezeichneten Tag beschließen, ohne noch deine Güre dankbar bafür zu preifen, und über ihre Anwendung nach)gudenfen! dag emileg du tim ndi stag estashoarme nis) ir d So viele Gelegenheiten zum Guten gabst du mir heute! Die heilige Ruhe und Feyer dieses Toges feste mich in den Stand, dem edelsten, wichtigsten und seigsten Geschäfte, dessen ein Mensch fähig ist, ungestörter obzuliegen, meinen Geist zu dir zu erheben. Allerhöchster! dich in der Gesellschaft meiner Mitchristen zu verehren, und mich deiner unendlichen Liebe zu erfreuen, die du uns durch deinen Sohn, Jesus Christus er wiesen hast, und durch die ganze Ewigkeit zu er weifen bereit bist. BAILE 150 1159.cnh du- islativa Welche erhabene, trostvolle wichtige Wahrs heiten konnte ich heute hören, lefen, überdenken! Wie manche heilsame Warnung vor dem Bösen, wie manchen Antrieb zur Pflicht und Tugend, wie manchen Trost in Widerwärtigkeiten konnt ich heut aus deinem Worte schöpfen!- Wie Fonnt 81 fonnt ich mich so glücklich fühlen, ein Chrift zu fenn, ein Kind des Allerhöchsten- ein Bruder, Erlößter und Miterbe Jefu zur Unsterblichkeit geschaffen, und schon durch Hoffnung selig! Wie mußte mich diese hohe Bestimmung und Würde über alles erheben, was irdisch ist! Autoeroms Aber, o mein Gott! wie erkannte ich mein Glück? Wie schätte ich deine Wohlthaten? wie benüßte ich die schönen Gelegenheiten dieses Tas ges? wie heiligte ich ihn? Mit welcher Absicht, Vorbereitung und Gemüthsverfaffung erschien ich in der Kirche? Wars bloß aus Gewohnheit, aus 3wang und Unlust, oder aus eigener Neigung, mit der Freude eines Kindes am Vater?- Wie war meine Andacht beschaffen? War sie herzlich und fruchtbar an guten Entschließungen? Hat meine Gottes und Menschenliebe dadurch eine Verstärkung erhalten? Bin ich meiner fünftigen großen Besserung näher dadurch gekommen? Bin ich heute mehr zu mir gekommen und aufmerksamer auf mich selbst geworden? Habe ich für mein Heil gesorgt? Welcher guten Gedanken, Ems pfindungen und Vorsäge, die ich hatte und faßte, kann ich mich wohl noch erinnern und freuen? Welche Wahrheit ist mir wohl deutlicher und ges wisser, welche Pflicht heiliger, welche Sünde verhaßter, welche Tugend liebenswürdiger gewors den? Welcher Ausspruch Gottes und Jefu, wel ches Wort der Wahrheit hat mir etwa besonders eingeleuchtet, und mein Herz getroffen? o? Welche $ S 82 Welche neue Kräfte habe ich also zur freuern Erfüllung meiner Pflicht, zum eifrigern und freus digern Fortgang in der christlichen Tugend? Durch welche unschuldige, oder edlere Vergnügungen habe ich mich zu den Geschäften der ans gehenden Woche ermuntert und gestärket! Wie hab ich schon heute meine Vorfäße zu halten an gefangen? Ich habe mir über die Anwendung dieses Tas ges, besonders über meine Erholungsstunden, keine Vorwürfe zu machen? Und wenn ich auch weniger Böses gethan habe, wie viel Gutes kann ich aufweisen? Ach mein Gott! Nie kann ich ohne Beschäme ung, ohne Klagen über die Schwäche und Uns treue meines Herzens zu dir bethen!- dieß demüthigt mich; aber muthles soll es mich nicht machen. Vertrauensvoll auf deine våterliche Nachsicht und auf deinen mächtigen Beystand, will ich morgen auf der Bahn wieder fortschreiten, die du mir in meinem Stand und Beruf vorgezeichnet hast, und mich desto ernstlicher vor Leichtsinn und Sorglosigkeit hüten, je öfter ich schon darüber seufzen mußte! Getrost und stands haft will ich meinem göttlichen Führer, meinem Heiland folgen. Endlich muß es doch besser mit mir werden; endlich werd ich doch fester stehen, und dem Ziele näher kommen.- Heilig sen mir jeder Tag der bevorstehenden Woche: er sey es mir nicht weniger als der heus tige! sblatte 83 jeder tige! Der Werktag und der Ruhetag Augenblick meines Lebens ist dein. Deinen Wil len ausrichten ist Gottesdienst, die Stunde der Andacht ist nur Vorbereitung dazu. O möchte ich es doch nie vergessen, mein Gott, daß du mir in meinem Hause so nahe bist, als im Tempel, daß du alle meine Reden so gut hörest, wie meine Gebethe, und daß dir meine geheimsten Gedanken und Handlungen so wenig verborgen sind, als meine öffentlichen Andachtsübungen.sam Jest in der Abendstunde steigen so viele taus send Seufzer und Thränen, so viele Gebethe, Danksagungen und Lobgesänge zu dir empor. Du Vater aller! siehst auf alle mit Gnade und Erbarmen herab. Laß uns auch alle deine Liebe erkennen und fühlen. Stärke und beruhige alle leidende und Unglückliche durch tröstende Erfah rungen deiner weisen, alles zum Besten leitenden Fürsorge, durch heitere Aussicht in die bessere Zufunft! Rette die unerfahrne, forglose Unschuld aus der Hand des Verführers. Führe die Sünder, die auf Wegen der Finsterniß zu ihrem und anderer Verderben ausgehen, auf die rechte Bahn. Steuere den Unordnungen, welche Leichtsinn, Muthwillen und heftige Gemüthsbewegungen ans richten! Wecke die frechen Wollustlinge aus ihe rem fündlichen Taumel! Gib! allmächtiger Vater, daß alle Hände, die sich heute zu dir erheben, die ganze Woche Gutes schaffen, daß alle Zungen, die heute deis nen 84 nen heiligen Namen gepriesen haben, nichts, als was gut ist, reden. Laß in den Herzen, welche heute deine Güte gerührt und erfreut hat, die liebe zu dir und ihren Mitmenschen nicht wieder er falten! Laß jeden guten Samen, den deine Verfehung darein fallen ließ, wurzeln und gedeihen, damit lehrer und Hörer sich vieler gesegneter Früchte erfreuen mögen, und durch das vollbrachte und gelungene Gute ermuntert werden dessen immer mehr zu wirken. Mes and a ch t. Vorerinnerung öfters mit Bedacht zu lesen, und darüber nachzudenken. Sur Zeit Christi waren Opfer die gewöhnlichste Gottes verehrung. Man brachte Gott Erdfrüchte dar, und schlachtete Thiere. Dadurch wollte man Gott dem Ura heber des Lebens, dem Geber alles Guten die gebührens de Ehre erweisen, für die empfangenen Wohlthaten danken, und neue Beweise seiner Gnade erbitten. Vorzüglich glaubten die Menschen durch vergossenes Blut die Gottheit auszusöhnen, und Vergebung ihrer Sünden zu erhalten: Daher ist die vierfache Benena nung, von Lob Dank Birt und Versöhnungsopfer entstanden. 3 6 Gett 85 Gott bedarf unserer Gaben nicht, auch wird er nicht erst dadurch bewegt, uns gnädig zu werden. Aber die noch sehr rohen und schwachen Menschen bedurften solcher Zeichen und Ceremonien, um immer an ihre Abhängig. teit von Gott, und die ihm schuldige Ehrfurcht und Dankbarkeit, an ihre Sündhaftigkeit und die göttlichen Gnadenverheißungen mit Nachdruck erinnert zu werden. Den Juden war die Art und Weise zu opfern von Gott selbst durch Moses vorgeschrieben. Die Opfer was ten eine Beståttigung ihres Bundes mit Gott. Wie er ihnen seinen besondern Schutz und Segen zugesichert hatte, so hatten sie sich verbunden, seine Gebothe zu halten. Die Opfer waren äußerlich sichtbare Zeichen und Siegel davon. Allein diese Absicht wurde größtentheils übersehen und verfehlt. Die Menschen glaubten Gott schon durch äußerliches Geprånge gleichsam eine Ehre anzuthun, und ihre Sünden mit Blut zu tilgen. An die Hauptsache des wahren Gottesdienstes: Gehorsam und Liebe, Bes ferung des Herzens und Lebens, durch welche allein Gott würdig verehret und der Mensch seiner Begnadigung fähig wird, wurde selten gedacht. Darum hatte Gott eben so wenig Wohlgefallen an denselben, als den Menschen damit geholfen war. Jesus Christus kam auf die Welt, die Menschen zu belehren, zu bessern und selig zu machen. Er opferte sein Blut und Leben für ihr Heil, zum Preis des Vaters auf. Sein Tod war das einzige den wahren Gott ehrende Opfer, besonders in Rücksicht auf die Sün de. 36 de. Ein jeder reuvoller, sich bessernder Sünder foll nun seiner Begnadigung bey Gott so gewiß versichert seyn, so wahr Jesus Christus der Sohn Gottes- diese hohe Würde gab seinem Tod einen so hohen Werth Kreuz gestorben ist. An den Todesleiden dieses Unschuldigen, sieht er aufs deutlichste seine eigene Strafwürdig. keit, und zugleich Gottes erbarmende Liebe! am - Dadurch wurden alle andere mühsame, kostbare und das Gewissen doch nicht reinigende Opfer aufgehoben, und für unnüß erklärt. Jesus stiftete an die Stelle des alten Bundes, welcher sich hauptsächlich aufs Zeitli che beschränkte, und durch Surcht wirkte, einen neuen und ewigen: den Bund der Liebe und Kindschaft Gottes. Dem Andenken seiner Aufopferung ist die effe gea heiliget. Diese ist uns das unblutige Opfer des neuen Bundes, das ewige Denkmahl, die geheimnißvolle Ers neuerung und Vergegenwärtigung des Opfers am Kreuze. Alle Absichten werden da auf eine weit vollkomme. nere Weise erfüllt. Denn alles, was bey der Messe vorgeht, zielt dahin ab, solche Gesinnungen der Ehrfurcht, der dankbaren Liebe und Ergebenheit und des Vertrauens zu erwecken, durch welche allein Gott würdig geehret wird, und wir seiner Vaterliebe und Begnadigung durch Jesum fähig und theilhaftig werden. Es kommt nur auf die rechte Gemüthsverfassung an. Es herrschen aber unter den katholischen Christen noch viele falsche und unrichtige Begriffe von der Messe. Einige glauben nichts Gottgefälligers thun zu können, als 87 als wenn fie so oft und so viele Messen hören, als nur möglich ist. Aber selbst diese Vervielfältigung machet auch gegen das Allerheiligste gleichgültig und lau. Die Gottesverehrung wird zu einer Ceremonie ohne Geist und Leben ohne Andacht und Seelennußen. Die wahre Absicht wird verfehlt, oder außer Acht gesetzt. 13 Man weiß oder bedenkt oft nicht, was am Altar geschieht. Der Priester scheint mehr für sich als für das Volk zu bethen und zu lesen, und manche ehrwürdige Gebrauche haben durch ihr Alterthum von ihrer Zweckmásigkeit verloren. Diesen Unbequemlichkeiten ist durch Erklärung der Gebräuche aus der alten Kircheneinrichtung und durch Uebersetzung der Meßgebethe ins Deuts sche noch nicht abgeholfen. Die Hauptsache der Meßandacht bestehet eigentlich darin, daß sie solche Gefins nungen und Entschlieffungen hervorbringe, durch welche der Tod Jesu für uns so nüglich und fruchtbar ist, als er es nach der Absicht Gottes werden soll. Dazu sey eine Beyhilfe folgende Meserklärung und Betrachtung. Eingang der Messe. 1) Der Pfalm, welcher am Fuß des Altars ge. bethet wird, ist der Ausdruck einer nach Gott sich seh nenden, auf ihn vertrauenden Seele. Darauf folgt das Cündenbekenntniß, oder die sogenannte offene Schuld mit wiederholter Bitte zu Gott und Christus um Vergebung und Erbarmen, $ 4 Wie 88 Sun Wie hoch bist du begnadigt, mein Chrift! Du stehst vor Gott, wie die Engel des Himmels vor ihm stehen. Keine sklavische Furcht entfernt dich von ihm, und macht dich zittern. Du kannst mit der Freudigkeit und Zuvers ficht eines Kindes dich ihm nahen, an ihn dich halten. Aber er, der Allerheiligste du, ein Sünder! -Hore auf es zu seyn; erkenne, bereue, bekenne deis ne Schuld und dein Elend. Rufe demüthig und voll Vertrauen: Herr erbarme dich! Chrifte erbarme dich meiner und unser aller- deiner Kinder, deiner Erlös ten! Der Herr ist gütig und bereit zu Vergeben. Er bietet Sündern feine Gnade an, und hilft den Ges fallenen auf. 1 - 2) Gloria ze. ,, Ehre sey Gott in der Söhe! Friede auf Erden! Gottes Wohlgefallen an den Menschen!" Co sangen die Engel bey der Geburt Jesu. Preise auch du, was Encel priesen, und was dich näher angeht, als fie. Das Glück, welches Jesu Ankunft in die Welt dem Menschengeschlecht bereitete, dauert noch fort, ist jest größer und allgemeiner ausgebreitet als damals. Auch du haft Antheil daran. Auch du bist durch Chris ftum begnadigt! Auch dir zum Besten starb er einst, dir zum Besten lebt und regiert er beym Vater. Freu dich deines Gottes und Heilandes seiner erbarmenden Liebe, und höchsten Macht! Bethe an, danke, ges Horche, vertraue! Cla 3) Der Priester wendet sich dann an die Versamm lung, mit dem Segenswunsche: Der Herr sey mit euch! und ermahnet sie mit ihm zu bethen, wie er für sie alle bethet. Das 89 Das Kirchengebeth ist allezeit geradezu an Gott ges richtet, auch an den Gedächtnißtagen der Heiligen, deren Tugenden zur Nachfolge vorgestellet werden. Der In halt ist insgemein, in kraftvoller Kurze, Danksagung und Bitte zugleich. Den Schluß machen die Worte: Durd, Jesum Chriftum u. f. f. weil er uns in seinem tamen bethen heißt: das ist, auf sein Wort, nach seiner Vorschrift, im Vertrauen auf ihn, und mit solchen Gesinnungen, die sein Geist einflößt, und welche uns der zugesicherten gnädigen Erhörung fähig und würdig machen. 4) Gleichwie aber das Gebeth allein das Christens thum nicht ausmacht, so darf man es auch beym öffent. lichen Gottesdienste, der nichts als Anleitung zum wahs ren Christenthum seyn soll, nicht bloß beym Gebeth bebewendet seyn laffen, sondern man muß Lehre und Ers mahnung aus Gottes Wort damit verbinden. Gott hat selbst zu den Menschen geredet; zuerst durch die Propheten, zuletzt durch seinen Sohn. Was davon aufgezeichnet wurde, ist in ein Buch gesammelt, welches die heil. Schrift, oder das geschriebene Wort Gottes heißt. Wie groß ist die Wohlthat dieses uns von Gott selbſt gegebenen Unterrichts. Nun kennen wir ihn als unfern liebreichen Vater, und wissen, was wir zu thun haben, um zeitlich und ewig glückselig zu seyn. Wie bedauernswürdig sind die Menschen, denen diese seligmachende Lehre noch unbekannt ist! Wie strafbar und unglücklich diejenigen, die sie vernachläßigen und nicht befolgen! Ben 85 90 Bey der Messe wird uerst insgemein ein Lehrstück aus den Episteln, oder den Briefen der Apostel an die ersten Christen, bisweilen auch eine Stelle aus dem alten Testamente vorgelesen. Darauf folgt das Vorlesen des Evangeliums. Evangelium heißt eine erfreuliche Nachricht. Und so wird mit Recht die ganze Geschichte und Lehre Jesu genannt. Wer freut sich nicht seinen größten Wohlthås ter zu kennen? Was sollte den Menschen erfreulicher seyn, als die Nachricht von ihrem Erlöser, seinen Lehren und Thaten? Insbesondere führen die vier Lebenss befchreibungen unsers Hern, welche so viel erfreuliches enthalten, den Namen des Evangeliums. Ein kleiner Abschnitt daraus wird bey der Messe gelesen, worüber hernach( oder auch vorher) die Auslegung gemacht und gepredigt wird. Bey stillen Messen scheint es freylich, der Priester lieft jeßt mehr für sich, als für die Anwesenden. Aber du hast es doch schon öfters deutlich gehört und gelesen. Wie hast du es angenommen? wie bisher in deinem Sinn bewahret? wie befolgt und benüßet?- Laß dir jetzt eine heilsame Wahrheit aufs Herz fallen, und fas se den Entschluß, künftig der Lehre Jesu in allen Stůcken, glaubiger und gehorsamer zu werden. Das Aufstehen bey Ablesung des Evangeliums ist ein Zeichen der Ehrerbietung und der standhasten Bereitwilligkeit, den Lehren und Beyspielen Jesu zu folgen. $) 91 5) Das Glaubensbekenntniß( Credo) welches an Sonn- und Feyertagen auf das Evangelium folget, ents hålt das Wesentliche der evangelischen Glaubenslehre. Der Christ muß seinen Glauben mit Mund und Leben bekennen. Glaubst du wahrhaftig an Sott den Was ter, und seinen Sohn Jesus Christus, deinen Lehrer, deinen Seligmacher, deinen künftigen Richter: so laß auch seinen heiligen Geift, den Geist der Wahrheit und Liebe, dich leiten. Lebe als Christ, als ein wahres Mitglied der Gemeinde der Gläubigen und Heiligen. Du weißt, was du zu thun haft, um Vergebung deiner Sünden zu erhalten, und einst, nach einer seligen Auferstehung in ein ewiges Freudenleben einzugehen. Dies fer Glaube sey die Richtschnur deines Lebens: so wird er auch dein Trost seyn, und dich selig machen im Leben und Tod, so wahr Gottes Wort ist, welchem du glaubest! - Offertorium oder Aufopferung des Brods und Weins. 6) Diese Gottes Gaben, zur Nahrung und Stärkung des Menschen geschaffen, aber hier in einem heiligerm Gebrauch, nach der Anordnung Jesu bestimmt, werden nun dem Urheber alles Guten durch die Hand des Priesters dargebracht, mit Anbethung und Dank, im Namen aller. Man sagt so oft, der gemeine Christ soll sich mit der Aufopferung des Priesters vereinigen. Was soll das heißen?- Nichts anders, als sich felbft Gott opfern; fich ihm ganz ergeben. Und in diesem Verstande nennt. Petrus alle Christen Priester. Du haft Gott höhere Opfer 92 Opfer darzubringen, als Brod und Wein. Bedenke die Worte: ,, Euch selbst, bey lebendigem Leibe- ein Gott ges heiligtes Leben, bringt ihm zum wohlgefälligen Opfer dar. Diese Gottesverehrung ist die wahre, vernünftis ge.( Rom. 12.) ,, Ein demüthiges, von Reue durchdrungenes Herz, ist das wahre Versöhnopfer vor Gott.( Pf. 5o.) ,, Vergesset des Wohlthuns und des Theilnehmens ,, an anderer Glück und Unglück nicht. Denn an sol. ,, chen Opfern hat Gott Wohlgefallen.( Hebr. 13.) 07. Wenn du im Opfern begriffen bist, und denfest ,, daran, daß dein Bruder etwas wider dich hat: so laß dein Opfer stehen, und geh zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder.( Matth. s.) Mit Opfern ist mir nicht gedient, sondern mit Menschenliebe, sagt Bort der Herr:" und Gehor: sam ist besser als Opfer."( Matth. 9. 1. Kön. 15.) " 1 Also Gehorsam aus Liebe ein reines, gutgefinns tes, versöhnliches und wohlwollendes Herz gegen alle Menschen- nüßliche, wohlthätige Anwendung der von Gott verliehenen Gaben- Besserung, frommes, chrift: liches Leben, treue Erfüllung der Pflicht, auch, wenn sie schwer wird ernstliche Erneuerung und Bestättigung guter Vorsätze, und standhafte Gottergebenheit in allen Zufällen dieß ist das wahre, Gott gefällige Opfer. To - 93 So will der Allerhöchste geehret seyn: dieß ist der Dank den er fordert, dieß bringt dir Heil! 7) Die Práfation, welche nach den Opferungsges. bethen beym Hochamt gesungen wird, ist eine Erhebung des Geistes zur Danksagung und Anbethung des Allers höchsten, in Gemeinschaft mit den seligen Geistern in Himmel. Sie schließt sich mit der Lobpreisung: Heis lig, heilig, heilig, und mit den Zurufsworten des Volks beym Einzug in Jerusalem: ,, Sosanna! Heil von oben herab! gebenedeyt sey, der da kommt im Namen des Herrn, unser von Gott gesandte König und Erlöser!" Erhebe auch du dein Gemüth empor zum Schöpfer. Du stehst vor ihm, dankst ihm, nenneft ihn Vater, wie der erhabenste Engel. Freue dich Seiner, preis ihn, obgleich in Schwachheit. Dein unvollkommenes Be streben ehrt ihn sowohl als die Lobpreisungen der hö hern Geister. 8) Aber noch angenehmer als Lobgefang ist ihm die Stimme der Liebe. Dem Vater gefällt es, wenn seine Kinder auf Erden, wie seine Kinder im Himmel, für einander bitten. Jesus hat sie alle verbrüdert in der Nähe und Ferne, hienieden und oben. Darum werden hier, eh noch das hohe Gedächtnißmahl seiner Liebe bes gangen wird, allgemeine und besondere Sürbitten( Memento) eingelegt, und mit den Sårbitten der ilis gen vereinigt.. Schließ auch die Deinigen ein, besonders diejenis gen, für welche du vorzüglich zu bethen verpflichtet bist. Laß 94 Laß es aber nicht bey frommen Wünschen bewender seyn, sondern erwecke dich zur wahren, theilnehmena den, thätigen Liebe. 240 m 9) Nach dieser Vorbereitung geschieht nun auch, was Jefus am letzten Abend seines Lebens gethan, und den Seinigen zu thun befohlen hat. Da er wußte, daß seine Stunde tåme, aus dieser Weit zu gehen, wollte er seinen Jüngern, wie er sie allezeit liebte, noch die letzte Liebe erweisen. Er hatte schon vor und während der Ofterlammsa mahlzeit von seinem bevorstehenden Tode geredet. Den morgenden Tag sollte sein großes Opfer am Kreuze volla bracht werden. Davon wollte er nun ein ewiges Denks mahl stiften. Noch saßen sie bey Tische. Da nahm er das vorhandene flache Brod in seine Hände, erhob seine Augen zu seinem und unserm Vater, von dem alle Gegnungen kommen, verrichtete ein Gebeth, brach das Brod in Stücke und sprach: ,, Nehmet hin und effet, dieß ist mein Leib, welcher für euch hingegeben und gleichsam zerbrochen wird.( So wie ich jetzt das ,, Brod brach, werden mir im Tode die Augen und Glies der brechen.) Thut dieses zu meinem Angedenken." Auf gleiche Weise nahm er den mit Wein gefüllten Becher, und sprach: ,, Lasset diesen Becher herumgehen, Dieß ist mein Blut, welches für euch und für viele vergessen wird zur Bestättigung des neuen Bundes durch welchen den Menschen Vergebung der Sünden # 34 95 u Theil wird. Dieser Heilstrank sey dem Andenken meiner Aufopferung geheiligt!" Das nämliche thut und spricht der Priester im Nas men und auf Befehl des Herrn. Auf die Deutliche keit, Wahrheit und Kraft dieser seiner Worte gründet fich die Lehre der katholischen Kirche von der Verwands lung des Brods und Weins in den Leib und Blut Jefut Christi; die daraus folgende Anbethung und wiederholte unblutige Aufopferung desselben, mit Glaubensvoller Erinnerung an die ehmalige blutige. So wollte der Heiland uns sein Andenken unvergess lich machen! Betrachte mit glaubiger Ehrfurcht das Ges heimniß der Liebe, bethe an! danke! fasse Vertrauen. Sein ganzes Leben war das gottgefälligste Opfer; durch den großmüthigsten Tod hat ers vollendet. Wärest du Zeuge gewesen, wie ers vollbracht hat ane Kreuze; hättest du ihn leiden und sein Blut fließen gefes hen; hättest du die letzten Worte der Liebe aus des Sters benden Munde vernommen; was würdest du dabey empfunden haben?-Ist dein Glaube nicht auch vermögend folche Gesinnungen in dir hervorzubringen, welche ein so theuer Erlöster beym Andenken an seinen sterbender Erlöser haben soll? Also hat Gott die Welt geliebt!- Wolltest du dich nun auch aus Liebe Gott opfern, mit Jesu? dich ganz Gott ergeben, seinen Willen thun, treulich und freudig? die Pflicht erfüllen, die Bürde auf sich nehmen, die er die auflegt. 96 auflegt? bülben, kämpfen, aushalten bis ans Ende?fanftmüthig seyn, und demüthig von Herzen? helfen, mits theilen, ertragen, verzeihen?- der Sünde sterben und nur dem leben, der für dich gestorben ist- immer rete ner, tugendhafter, Christo ähnlicher zu werden trach 1 ten? Dieses Opfer bist du Gott, bist du Jesu- bist du dir selbst schuldig; wenn du der Früchte seines Opfers theilhaftig zu werden verlangest. Frage dich selbst, ob du bereit dazu seyst? Bist du es: dann Heil dir! Sen getrost! Gott ist dein versöhnter gnädiger Vater, deine Günden sind dir vergeben. Du bist seiner Liebe versie chert. Christi Tod ist dein Leben! ro) Weil das Band und die Pflicht der Liebe durch den Tod nicht aufgelöst wird, so wird in den Gebethen nach der Wandlung auch der abgestorbenen Mitchriften fürs bittweise gedacht, wie vorher der lebendigen, Dann wird das Vater unser gebethet. Bethe nach dem Sinn und nach der Anweisung dei. nes göttlichen Heilandes. Sprich nicht bloß die Worte nach bedenke den Inhalt: welche Güter dir von Gott bereitet und verheißen sind; was du also vorzüglich zu ers bitten, zu erwarten, und durch deine eigene Mitwirkung zu erwerben hast. Dahin sepen deine Wünsche, dein Bestreben und dein Vetrauen gerichtet. 11) Der Priester bricht darauf die Hostie, wie Chris tus das Brod brach, zum Zeichen seines gewaltsamen Todes. 12) 97 312) Die Worte: Agnus Dei, Lamm Gortes, wels ches hinwegnimmt Sie Sünden der Welt, sprach Johan nes der Täufer von Jesu. Unschuldig und duldend wie ein Ofterlamm, ließ er sein Leben, um die Menschen von der Sünde zu befreyen. Die Strafe lag auf ihm, das mie wit Stiede hätten. Aus Erbarmen nahm er die von uns verschuldete Todesstraf auf sich, damit wir den Tod nicht mehr fürchten dürften. Beruhige dich, verbessere ter Sunder! Jesus hat Friede gestiftet; durch ihn bist du mit Gott ausgeföhnet, und zu Gnaden aufgenommen. used aquilo nginummobilnion 910 bilion sid dich d llarade and Bur Communion. apis 3d- sodopisive up.im do pr n 13) Ein glaubiger Hauptmann zu Capernaum, der einst Hilfe für seinen franken Knecht bey Jefu suchte und von ihm die Zusage bekam: ich will kommen und ihn gesund machen" antwortete ihm: Here ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, sonderne sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Dieß wenden wir bey der Communion auf das Geistliche an. Der Priester spricht: Herr ich bin nicht würdig daß du eingehst unter mein Dach, sondern sprich nur inse ein Wort, so wird meine Seele gesund. Spricht du dieses jeßt dem Priester nach: so laß dich dadurch aum demuthsvollen Vertrauen auf Jesum erwecken, ins dem du dich, obgleich nur im Geiste, seinem Tische nåe Herst. Mache dich aber seiner Gnade immer würdiger und wirke selbst zur vollkommnen Heilung deiner Seele mit, durch thätigen Glauben an sein Wort, durch treue Befolgung seiner seligmachenden Lehre. Macunla 394( ad? and 84) d ( 4 10 98 14) Nun geht die Communion an; dieß Wort heißt Gemeinschaft; und dieß Sakrament bekam diesen Nanen deßwegen, weil dadurch die innigste fortdauernde Gemeinschaft mit Chrifto und unter den Christen unters halten wird. Alle sind an den nämlichen geheiligten Tisch geladen; alle haben die nämliche Seelenspeise, welche Christus selbst ist, miteinander gemein. Aber der gemeinschaftliche wirkliche Genuß aus der Hand des Pries sters, kann bey so vielen Messen nicht Statt haben; die wenigsten finden sich auch in der gehörigen Gemüthsvera fassung dazu. Daher wird die geistliche Communion empfohlen, welche nichts anders ist, als das liebevolle Verlangen sich mit Jesu zu vereinigen, das heißt eins zu werden mit ihm, wie er mit den Vater eins ist; so gefinnt zu seyn, wie er gefinnet war, gegen Gott und Menschen fest zu halten an seinem Wort und Beyspiel. Auf solche Weise erfüllest du die Absicht, zu welcher Jea fue dieses Liebesmahl eingesetzt hat, und kannst so viel Nußen davon haben, als wenn du an seinem Gnadentische selbst erschienen wärest, und Antheil daran genommen hatteft.wo song hassule wa c 15) Zum Beschluß wird gemeiniglich noch der Ana fang des Evangeliums Johannis gelesen, als das herr lichste Zeugniß von der Gottheit Christi. Er wird das Wort genannt, weil Gott durch ihn geredet, und sich den Menschen geoffenbaret hat. Dieß ewige Wort iſt Sleisch geworden, ist als Mensch auf die Welt gekoms men, und lebte unter den Menschen. Selig sind, die an ihn glauben; sie werden Gottes Kinder. Er ist das Licht, der Lehrer und Beglücker der Welt. Folge FOR diesem 099 diesem Lichte; es wird dich sicher leiten auf allen deinen Wegen, und zur wahrer Glückseligkeit führen. Solche Gesinnungen, mein Chrift, sollen die Frucht des Meßopfers seyn. Fühlst du dich nun bereit und ges stärkt, aus Liebe zu Gott und Jefu dich für Pflicht und Tugend aufzuopfern, Christo nachzufolgen, im Recht- und Wohlthun, im Dulden, und Leben; tritst du getrofter, zum Guten entschloßner, und beßer gesinnt vom Altare weg, als du gekommen bist; dann Heil dir! dieß ist der wahre beste Segen der Meßandacht, den der Priester zus letzt von Gott erbittet und anwünscht. Meßgebethe. biro Es Beym 193 smo spritaband lisdaiz dement Eintritt in die Kirche. dod 1940 n Ueberall bist du bey mir, mein Gott und Va ter! Du hörst meine stillen Seufzer, und siehst meine Gedanken, eh sie in mir entstehen.. Himmel umfassen dich nicht, Unermeßlicher Allgegenwärtiger! Doch würdigest du dieses Haus, welches dazu bestimmt ist, daß dich deis ne Kinder darin gemeinschaftlich verehren sollen, es dein Haus zu nennen. Auch ich finde mich mit meinen Brüdern hier ein, ein öffentliches Bekenntniß meines Glaubens an dich o Gott! 2 und 100 und deinen Sohn, meinen Herrn und Heiland abzulegen, und die Ehrfurcht, die liebe, die Unterwerfung und Dankbarkeit zu bezeugen, die das Geschöpf seinem Schöpfer, der Begnadigte, sei nem Wohlthäter schuldig ist. Sollte mich das Gefühl, wie gar nichts alle Menschen in Vergleichung mit dir sind, von dir entfernen? Nein, Ullgütiger! Du rufft mir und ich folge deinem Rufe. Du kommst mir von deiner Höhe herab mit Vaterhuld entgegen, um mich zu dir zu erheben. Wie groß ist deine Gnade! O daß ich sie lebhaft erkennen, und tief empfinden möchte! O daß ich mich des ganzen Gegens, den sie mir darbietet, fähig und wirkHich theilhaftig machte! Lebendige Empfindung deiner Gegenwars durchdringe meine Seele, und verdränge jeden unheiligen, jeden fremden Gedanken aus ihr. 0 Ich stehe im Begriffe, an jener hohen Religionshandlung Theil zu nehmen, welche zum Andenken des Todes Jesu für das Heil der Welt eingefeßt ist. Sie fen mir keine leere Ceremonie, sey fondern erwecke mich zu Gesinnungen, durch welche die Absicht dieses größten Opfers auch an mir erfüllet werde, dahin sey mein ganzer Sinn gerichtet! Nicht meine Gegenwart, sondern mein lebendiger Glaube, meine Andacht soll dich ehren. Anbethend und dankend will ich das große Werk Deiner Liebe, welches Jesus durch seinen Tod vol. vollendete, betrachten, und mich so zubereiten, daß ich der Vergebung meiner Sünden, und aller Gnade Gb1851 , welche die Dein heiliger fegne mein Früchte fe Geist leite schwaches Aus d feit, Sch zu dir, o meine Zuf Demuth n ich habe ge befenn ich Herz; du zen Zustan Vergeben, ferung fieh ne hilfreich meine Ar trost und dir, mit i Erba beiner gr Nachsicht fu, der d felig zu m ION 3 ). hen Niedrige zkeit rufe ich th! Du bist 1 Treft! In er. Vater! ng und Reue u siehst mein und den ganift bereit zum llen zur Bes Saterliebe deit größer, als digkeit. Ge fliehe ich zu Gott, nach Vater habe JeDern!- die Sünder ! nexpert Glos 100 und deinen Sohn, meinen Herrn und Heiland Liebe, die Un eugen, die das egnadigte, sei abzulegen terwerfun Geschöpf nem Wo Soll Menscher entfernen und ich von deine um mich Gnade! empfinde Segens, lich theil! Seben durchdrin unheilige Ich ligionsha Andenker eingefeßt fondern e che die U gar nichts alle find, von die Du rufft mir u kommst mir huld entgegen, e groß ist deine nnen, und tief ich des ganzen fähig und wirk er Gegenwars erdrånge jeden fen aus ihr. ener hohen Re welche zum Heil der Welt ere Ceremonie, en, durch wel rs auch an mir anzer Sinn gefondern mein erfüllet n richtet! lebendige t soll dich ehren. Anbethend und danteno will ich das große Werk Deiner Liebe, welches Jesus durch seinen Tod vol ION vollendete, betrachten, und mich so zubereiten daß ich der Vergebung meiner Sünden, und aller Gnade theilhaftig werden könne, welche die Früchte seiner Aufopferung find. Dein heiliger Geist leite und stärke mich, und segne mein schwaches Bestreben! Staffelgebeth. iD Aus der Tiefe meiner menschlichen Niedrige feit, Schwachheit und Sündhaftigkeit rufe ich zu dir, o Herr! erhöre mein Gebeth! Du bist meine Zuflucht, meine Hilfe, mein Treft! In Demuth werf ich mich vor dir nieder. Vater! ich habe gesündigt! Mit Beschämung und Reue befenn ich meine Schuld.- Gott du siehst mein Herz; du kennst meine Schwäche, und den ganzen Zustand meiner Seele. Du bist bereit zum Vergeben, wenn du ernstlichen Willen zur Bes ferung siehst; du bietheft mir mit Vaterliebe deine hilfreiche Hand. Deine Güte ist größer, als meine Armseligkeit und Strafwürdigkeit. Getrost und mit findlichem Zutrauen fliehe ich zu bir, mit meinen Mitchristen: Erbarme dich unser, o Gott, nach beiner großen Barmherzigkeit. Vater habe Nachsicht mit deinen fehlenden Kindern!- Jefu, der du auf die Welt famst, die Sünder felig zu machen, erbacme dich unser! Glo 102 Gloria.d Ehre sey Gott in der Höhe, Glück und eil den Menschen auf Erden! Der Allerhöchste sieht mit Gnade auf uns herab. Lobet den Herrn, denn er ist gütig, und feine Barmherzigkeit währt ewiglich! Seine gan ze Majestät ist Liebe! S Preis und Dank sey dir, Jesus Christus, göttlicher Lehrer, Retter von Sünd u. Elend, einiger Seligmacher! durch dich kennen wir den Vater; durch dich trösten und erfreuen wir uns eines gnådigen, verzeihenden Gottes. Du unser Freund und Bruder, einst gestorben aus Liebe zu uns, nun im Besitz deines Reichs, und der höchsten Macht, selig zu machen alle, die an dich glauben, und die folgen! Vor dir, vor dem sich alles beus gen soll, demüthigen wir uns, und bekennen, daß du Herr bist über alles, zur Ehre Gottes des Vaters, Amen. Collekte oder allgemeines Gebeth. Nimm, o Gott, das Gebeth des Priesters für das Heil deines Volkes gnådig auf. Du weißt was wir bedürfen, und gibst deinen Kin dern mit weifer Vaterliebe alles gerne, was ihnen wahrhaftig gut ist. Wir dürfen es mit getroster Zuversicht von dir erwarten; du bist geneigt, es uns zu verleihen, eh wir dich darum anflehn. Nur 103 Nur nach wahren Gütern sey unser Verlangen und Bestreben gerichtet; alsdann können wie ficher hoffen, sie durch Jesum Christum, unfern Herrn von dir zu erhalten. Amen. Epistel. Aber nicht die bloße Anrufung deines Namens( o Herr, sondern die Vollziehung deines Heiligsten Willens,) kann mir deine Gnade und mein Heil erwerben. Wie strafbar bin ich wenn ich ihn weiß und nicht thue! Du haft ihn uns bekannt gemacht. Dein Geift hat aus den Propheten und Aposteln geredet. Wie herrlich, wie liebevoll hast du dich von jeher den Menschen geoffenbaret! Welch eine Wohlthat ist diese Erfenntniß! Ich danke dir dafür, mein Gott! O möchte ich auch allezeit lebhaft genug erkennen, daß es nur mein Bestes ist, wenn ich deine Gebothe halte! mein Unglück, wenn ich davon abweiche. Du leitest und warnst als Vater. Dein Wort soll nicht bloß in meine Ohren erschallen sondern ins Herz dringen, und fruchtbar werden an guten Werken. Gib zum Pflanzen und Be gießen dein Gedeihen. Evangelium. Freudige Bothschaft der Erlösung von der Sünde u. demSündenelend, auch mir bist du zuges kommen; Gott wie viel Dank bin ich deiner Vor4 fehung 104 fehung dafür schuldig! Eingebohrner des ewigen Vaters, du kamst vom Himmel, unfer Führer dahin zu werden! Welche Herablaffung, welche liebe, welche Beschämung aller irdischen Weisheit! Zu wem anders, als zu dir, wollten wir gehen, wenn wir wahre Beruhigung und Glückseligkeit suchen! Deine Worte geben Troft und Kraft; deine Lehre beseligt! Dein Geboth ist Liebe, und Wohlthun dein Werk. Sanft ist dein Joch und deine Bürde leicht. Du gingst voran, und bahntest uns den Weg, Sollte ich je von dir mich abwenden, dich verläugnen mit Wort oder That, oder deiner mich schämen vor der Welt, mein Herr und Heiland?- Nim mermehr! Deine lehre, dein Beyspiel sey die Richtschnur meines ganzen Verhaltens! Him mel und Erde werden vergehen; aber deine Worte werden nie vergehen. Glaubensbekenntniß auf die Sonn- und Festtage. Gott, mein Vater- Schöpfer und Erhalter, Und Regierer deiner Welt! Mein Glaube Bethet dich mit tieffter Ehrfurcht an. Strahlt mir doch aus jedem deiner schönen Werke Deine Weisheit, Macht und Güte Wie die Kraft des warmen Sonnenlichts entge gen; Wenn dich gleich kein Menschenaug erblicket Und kein Menschenfinn begreift. Großer Großer Menschensohn! Sohn Gottes, Jesus Christus! Einst Erniedrigter zu meinem Heile, Nun Erhöheter zu meinem Heil! m Lehrer, Heiland, Herr und alles mir! Wer dich sieher, sieht den Vater! Er in dir, und du in ihm; Dich verehrt gleich ihm mein Glaube! Daß er mich nur nicht beschämt Nicht verdamme einst mein Glaube, Wenn du kommst die Welt zu richten, Und bey mir nur Spreu, nicht Waizen Guter Glaubenswerke fåndeſt! 105 ins Offertorium. ( Brod und Weinopfer.) me sid or Segne Geist des Vaters und des Sohnes Was du durch den Mund der Kirche sprichst, Und zu meiner Bessrung lehrest; Daß ich einst, gereiniget von Sünden, In Gemeinschaft aller Heiligen Auferstehen möge zu dem bessern Seben! Wo ich alles, was ich erst nun glaube, Sehen werde, und genießen, was ich jetzt noch hoffe! O der hohen Seligkeit der Frommen! Bater! Jesus Christus! werd ich sie erreichen? Geist aus Gott! daß sie mich nicht verfehlen! Brod und Wein find deine Gaben, o Gott! Gedankt sen dir für jeden Genuß derselben, und G5 jeder 106 jeder stärke uns in findlicher, folgfamer Siebe zu dir. Aber jenes Brod und jener Wein, dort auf deinem Altare, werde ein noch feligeres Stårkungsmittel dieser Liebe! Sie sind dazu bestimmt, das Angedenken des größten Beweises deiner Liebe gegen uns, der Aufopferung deines Sohnes, in dieser Versammlung zu erneuern. In dieser Absicht, bringen wir sie dir, durch die Hand des Priesters zum Opfer dar. Und was von ihm, nach der Anordnung deines Sohnes, damit vorgenommen wird, fen um seinetwillen dir gefällig! Zugleich geb ich dir mich selbst zum lebendi gen Opfer hin. Alles, was ich bin und habe, ist dein Geschenk, und du förderst nichts dafü: von mir, als dankbare Verehruug, und weiß Anwendung deiner milden Güte- nichts als Gehorsam aus Liebe. Siehe, Herr! mein Dank steigt empor zu dir. Voll des seligen Entschlußes, keine deiner Gaben zu mißbrauchen, sondern alle zu den besten Absichten, zu meinem und meiner Mitmenschen Besten, anzuwenden, will ich jede aus deiner Hand mit dankbarer Zufriedenheit annehmen, und deiner Güte mich freuen. Wie ich mit deinen Gaben andere er= freuen und unterstüßen kann, so gescheh' es von mir, als war es dir gethan! So wahr du mir durch Jesum Christum vergibst, so will ich den letzten Funken des Haffes gegen meine Beleidiger in mir ersticken! Wie dürfe ich mit unver. St 107 verföhntem Herzen deinem Altare mich nähern? Endlich sey dir meine ganze Ergebenheit, meine ernstliche Besserung und standhafte Treue in Erfüllung meiner Pflicht aufs neue angelobet! Nie nehme mein leichtsinniges Herz wieder zurück, was es jetzt so heilig vor dir betheuert! Auch dieß Opfer wirst du, o Gott, nicht verschmähen. Durch Jesum werd es dir angenehm. * Erneure hier, lieber Mitchrift, noch deine besondern Vorsäße, und opfere Gott in voraus die Ueberwin. dungen auf, die dich ihre Erfüllung bey dieser und jener Gelegenheit kosten wird. Práfation. Mein Geist, o Schöpfer, schwinge sich nun über Altar und Erde empor zu dir in den Himmel, wo unzählige Schaaren seliger Geister dich preisen! Was bin ich Mensch, und wie arm und unbedeutend ist mein Lob! Aber was ist auch aller Engel lob gegen deine unermeßlichen Vollkommenheiten und Wohlthaten? Wenn ich schwaches Geschöpf, nach meinen geringen Kraf ten dich lobe, so hat das eben so viel Werth ben dir, als die Lobpreisungen der Engel. Du hö rest mich Vater! und läsfest dir auch das Stammeln gefallen. Mit stiller Ehrfurcht spreche ich also ihre Unbethung nach: Steind eilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr aller Kreaturenbeere! Die ganze Welt ist feiner errlichkeit voll. Ehre 108 Ehre sey dem Allerhöchsten, und dem, den er gesandt hat, Jesu Christo! Heute noch erfreuen wir uns seiner Sendung, und ihrer werden wir uns ewig erfreuen. Kanon, oder stille Gebethe vor und nach der Wandlung. Siehe nun, barmherziger Gott, mit våterlicher Huld auf diesen Alltar herab, wo uns die Aufopferung des Leibs und Bluts deines Sohnes vergegenwärtigt wird, und höre gnädig unser Ge beth für die Wohlfahrt der christlichen Kirche und ber ganzen Menschheit. Beglücke sie durch gute Regenten und wachsame Hirten. Laß Friede Herrschen unter den Mächtigen und allen Bewohnern der Erde; laß Wahrheit und Tugend täglich allgemeiner werden, und durch thätige Menschenliebe immer mehr Gutes geschehen. Sen uns allen gnådig! Vergilt insonderheit, du treuer und reicher Belohner, nach deiner großen Güte meinen lies ben eltern und Verwandten, meinen Wohlthåtern und Freunden, alles, was sie an mir Gutes gethan haben. Auch für meine Feinde bitte ich dich, nach dem Geboth und Beyspiel Jesu: Vater, verzeih ihnen; sie wissen nicht, was sie Thun! Doch nicht bloß bitten will ich für meine Brüs ver. Die liebe zu ihnen treibe mich an, daß ich ſelbst, felbst nach meinen Kräften und Umständen, zur Erfüllung dieser frommen Wünsche das meis nige beytrage! 109 Mid Auch deine auserwählten Freunde im Himmel lieben uns, und bitten für uns, ihre Brüder auf Erden; und welch ein großer, das Herz erhebender und erweiternder Gedanke, daß unsere Für bitten mit den ihrigen vor deinen Thron kommen! O daß nur unsere Andacht, unsere Tugend, unfere liebe der ihrigen schon ähnlich wäre! O daß wir täglich und bey jeder Messe dir ähnlicher würs den, höchstes Muster aller liebenden, hochges lobter Sohn Gottesdie 35719( 2 Zur Confecration.. Idil Was gleicht deiner Liebe, o Jesu! mit wele cher du dich zum Opfer hingabst für unser Heil! Du hast uns ein ewiges Denkmaht davon hinterlaffen. Jest in diesen Augenblicken soll nun wirkfich aufs neue geschehen, was du am letzten 2lbend deines Lebens vornahmst, und deinen Freunden zu thun befohlen hast, bis du wieder kömmſt! Richte mein ganzes Nachdenken darauf hin und rühre mein ganzes Herz aufs neue Dadurch! opise and m Du bist das wahre Himmelbrod, daß der Welt bas Leben gibt! an dich glaube ich, auf dich seh ich mein Vertrauen, dir ist meine Liebe geweihet! Dich beth ich, ob dich gleich mein Aus Am IIO ge nicht fieht als gegenwärtig an! Dir leb ich, dir sterb ich! wardmont vid Du bist das Versöhnopfer für die Sünden der ganzen Welt! Dein Blut ist auch für mein Heil gefloffen. Nun weiß ich, daß mir Gott gnädig seyn will, nicht erst wenn ich höhere Stufen der Tugend oder vollkommene Heiligkeit er reicht haben werde, sondern sobald ich mich nur ernstlich beffere! Ach laß die Vergießung deines theuren Blutes, o Jesu, für mich nicht vers geblich geschehen seyn! Nach der Wandlung. So weit ging deine Liebe, o Jesu! Weiter konnte sie nicht! Laß fie meinem Herzen desto fühlbarer werden, je weniger sie mein Verstand er gründet! Sollte ich dich nicht wieder lieben, der du mich unaussprechlich liebtest? Sollte ich mir nicht alle Mühe geben, die Absichten deines Leidens und Todes an mir zu erfüllen? Sollte ich das Werk meiner Erlösung leichtsinnig wieder vernichten, daß dich so viel gekostet hat? D Günde! welch ein entfeßliches Uebel bist du mir! Wie muß ich dich verabscheuen, wenn ich an den ertödteten leib, an das vergossene Blut meines Erlösers gedenke! }} Wenn ich einst von der Erde erhöhet seyn werde, will ich alle an mich ziehen." So sprachst du einst, göttlicher Heiland! Du hast auch uns 01 geredet! III geredet! Ach, zieh mich an dich; ich will dir folgen, und mich von der Sünde immer mehr losreißen, der ich immer noch anhänge! Dein Gehorsam bis zum schmerzvollen Krenztod, deine Gottergebenheit, deine Geduld und Standhaf tigkeit, deine leßte Bitte für deine Feinde bleibe mir tief ins Herz geprägt, und lebhaft vor Aus gen. af mich nie vergessen, was ich als Christ, als ein Erlöster dir schuldig bin! isidam( gogilor sunt u d Andenken an die Abgeftorbene. pis0 GM evin that ( b Auch unsere abgeschiedenen Brüder sind deis ne Erlösten, und wir denken ihrer jetzt, o Herr, in unserm Gebeth, besonders derer, mit welchen wir ehemals durch die Bande der Verwandtschaft, der Dankbarkeit und Freundschaft näher verbun den waren. Reinige sie von den Fehlern, die sie ben ihrem Eintritt in die unsichtbare Welt noch nicht abgelegt hatten, vollende ihre Tugend und Seligkeit, nach deiner weisen Güte, und führe uns endlich alle, nach überstandener Prüfungszeit in der Gesellschaft deiner Auserwählten zusammen, durch Jefum Christum unsern Herrn! hos Durch ihn machst du alles selig im Himmel und auf Erden. Durch ihn und mit ihm hast du uns alles gegeben. Durch ihn belehrt und aufge muntert bethen wir mit Zuversicht zu dir. O daß wir es alle von ganzer Seele, ganz in ſeis nem Sinne, nachsprachen das Gebeth, das er feine Jünger lehrte: Das 112 Das Gebeth unfers Herrnne * 90 mi sonir ad god bifur drur Vater aller Menschen, über alles Irdische erhaben! Mochten deine göttlichen Vollkommens heiten überall erkannt, und mit Ehrfurcht gepries sen werden! Möchte dein Reich, das durch Jes fum Christum gegründete Reich der Wahrheit, Tugend und Glückseligkeit, je långer, je weiter fich ausbreiten, daß dein heiligster Wille auch unter uns vollzogen werde, wie er von deinen Dienern im Himmel vollzogen wird. Gib uns heut unser tägliches Brod, und vergib uns jebe Unterlassung und Uebertrettung unserer Pflich ten, wie wir auch denen vergeben, die ungerecht amb lieblos gegen uns handeln. Laß uns nicht in Ungluck und dadurch in Verführung gerathen, fondern errette uns von allem Bösen. Amen. 007 156 man StAgnus Dei. Jade Lamm Gottes.per b Unschuldig und duldend wie ein Lamm, littest du den Tod, o Jefu, um dem reumüthigen und sich bessernden Sünder Vergebung und Bes ruhigung zu verschaffen. Die Strafe lag auf dire Damit wir Befreyung davon erlangten. Und noch in deinem Himmel bist du det sanfte erbarmende Menschenfreund, der du in deinem Leben und Tode warst,- O bilde mein Herz nach dem dei nigen, zur Sanftmuth und Milde gegen meine Mitmenschen, damit ich dir einst auch getrost, als meinem gnädigen Richter, entgegen sehen könne. Geists Geistliche Communion, this is bilrace smise Schon oft erschien ich an deinem Tische, o Herr, und wurde mit diesem Brod des Lebens gespeiset. Aber wie hab ich deine liebvolle Absicht erfüllet? welche Früchte kann ich davon aufweisen? Herr! ich bin beschämt; ich bin nicht würdig der hohen Gnade, die du mir bereitest. Aber nicht vom Brod allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus deinem Mund ausgeht. Dein Wort mache meis ne Seele gefund, mache mich immer reiner und würdiger. Der Glaube en dich erwecke und stårs te mich zum Sieg über die Lüfte, die mich beherrschen. Die Liebe treibe mich) an, dir immer ähnlicher und gefälliger, immer mehr Eins mit dir zu werden. Nichts soll mich ferner von Deiner Liebe scheiden!! Mont 113 Auch in schwererm Kampf, und härtern Prüfungen will ich dir getreu bleiben, mein göttlicher Freund! Du hast den Kelch des leidens ganz ausgetrunken. Soll ich über einen Tropfen Bitterfeit flagen? Bin ich besser als du, mein Herr und Meister? Nein!- Aus deiner Hand ist mir alles willkommen ist alles gut. Aus Liebe zu dir will ich selbst das Kreuz auf mich nehmen, wenn du es mir auflegen soll. test, und noch williger andere Beschwerden tras gen, die du für mich) bestimmt haft und dir nach. folgen. Ich will aushalten, und dulden, nach deinem Beyspiel, nach deinem Willen!- Auf H diesem - 1 # 14 diesem Weg, mußtest du muß auch ich, in deine Herrlichkeit eingehen. 0 menied no du midts mbro, no nobe Letztes Gebeth und Segen des Priesters. id Ja mein Gott! so wirst du mich die Frucht des Opfers Jefu genießen laffen, wenn in mir dadurch diese Gesinnungen hervorgebracht worden sind, und sich durch die That beweisen. 12 anauo Com 100 m Der Priester fegnet mich. O gib, daß sein Wunsch für mich und mein wahres Heil kein leerer vergeblicher Wunsch gewesen seyn möge! 191100 Segne du mich selbst, mein Vater! Segne meine Vorfäße- meine Arbeit und mein Brod! Segne mich und die Meinigen, segne alle deine Kinder an leib und Seele! Dein Segen weiche nie von uns! lemn massorbi ni dusnapVoll Vertrauens auf deinen allwirkenden und allvermögenden Beystand, geh ich nun an meine Geschäfte. Mein ganzes Lagwerk foll Gottesdienst seyn. Das stete Andenken an dich, mein Gott und Heiland, bewahre mich vor Sün den, stårke mich zur Uebung des Guten; mache mich freudig und getrost, und leite all mein Thur und lassen. Amen. person, men den Pisoblier Dom Q * 15 Betrachtung über das Leben, Leiden und Sterben Jesu, unter der Messe, wie auch bey andern Anbethungen des Hochwürdigsten. erschein ich nun wieder, göttlicher Jefus, in der Versammlung deiner Verehrer, das AndenH2 fen * Die vorigen Meßgebethe sind wohl manchem, zumal bey stillen Messen zu lange, und werden daher mehe beym Hochamte gebraucht werden. Es ist eine faft allen gewöhnlichen Meßgebethen eigene Unbequeme lichkeit, daß sie dem Bether die Art von Zwang ane legen, dem Priester Schritt für Schritt zu folgen, und bald inne zu halten, bald nachzucilen, nach dem er geschwinder oder langsamer liest, welches nothwendig eine Quelle vieler Zerstreuungen wird, und die Andacht schwächt. Nachstehende Betrachs tungen haben ganz das Opfer Jesu zum Gegenstande, und passen zugleich auf die Theile der Messe, wie man es leicht bemerken kann, ob sie gleich nicht auss drücklich angezeigt werden. So wird dem Herzen die Freyheit gelassen, sich aufzuhalten, wo es mehr Rührung fühlt, und Nahrung findet. Es kommt nicht darauf an, daß man ganz damit unter einer Messe fertig werde. Sie ist vielleicht desto nuzlicher gehört, wenn weniges, aber das recht betrachtet wird. Eben so gut läßt sich auch ben öffentlicher Unbeths ung des hochwürdigsten Altarssakramentes Gebrauch davon machen. mi 116 Fen deiner Siebe nach deiner Anordnung zu begehen. Die Aufopferung deines Leibs und Bluts fey jetzt der Gegenstand meiner Andacht, und erfülle mein Herz mit solchen Gesinnungen, turch welche ich mich erst der Früchte derselben fähig machen muß! Ein Nachahmer der Tugenden zu werden, von welchen du mir das Bespiel gegeben haſt, dieß ſey der heilige Entſchluß, den ich zu deinem heiligen Altare bringe! Wie könnte sonst die Absicht, um welcher willen du auf die Welt famst, littest und starbst, an mir erfüllt werden! meron Du kamst vom Himmel herab, Eingebors ner des Allerhöchsten! machtest dich) uns armen Menschen gleich, und nahmst alle unsere Müh feligkeiten auf dich, um uns von dem Elende zu erlöfen, in welches die Sünde stürzet.- Auch meine Sünden kamen da schon zum voraus in Berechnung; und wie viele Mühe und Arbeit haben auch sie dir gemacht! Lehre mich Demuth und Dank, mein göttlicher Heiland! Laß mics immer mehr einsehen, wie schwach, wie verdor ben, wie strafbar ich bin, damit ich aus der Größe des Uebels die Wohlthat meiner Erlösung davon schäßen lerne! Nimm mein demüthiges Bekenntniß gnådig an! Hilf mir zur Besserung! Vater, der du deinen Sohn, die Sünder felig zu machen, in die Welt gefandt haft, crbarme dich! Jesu, der du das Verirrte zu fue chen und das Verunglückte zu retten gekommen bist, erbarme dich meiner! Ihr Commonnet 117 Ihr Engel des Herrn! ihr ersten Verkündiger biefer großen göttlichen Veranstaltung, laßt uns mit euch Gottes erbarmende Siebe preisen! Ehre sey ihm in der Höhe! Heil uns auf Erden! Gott will uns gnädig seyn! Sein Sohn bringt uns Friede und Segen! Sein Tod gewährt uns Vergebung! Seine Herrlichkeit erhebt unsere Hoffnung. Dort regiert er mit liebender 2llmacht. Wir bethen ihn an, und vertrauen auf ihn! Der Herr ist mit uns! dod aim madogge Unser himmlischer König ward in Armuth und Niedrigkeit geboren; denn sein Reich ist nicht von dieser Welt. Auch mich blende der Schimmer irdischer Güter nicht, sie können doch nicht glücklich machen. Theile mir, o Jefu, die Herzenseinfalt, und den folgsamen Glauben deis ner ersten Anbether mit, die an dir keinen Edenglanz erblickten, und dir doch treulich anhirgen, auf daß ich an dir, wie sie, den Seligmacher fin de, der du allein bist. Die Stad Arm, genügsam und unbemerkt brachtest du den größten Theil deines Lebens in stiller Tus gendübung, in findlichem Gehorsam, in Ges beth und Arbeit zu. Dieß schöne Vorbild sey mir stets vor Augen! Die wahre Heiligkeit be steht also nicht in prangenden Thaten, nicht in langen feltfamen Andachtsübungen, sondern in treuer Erfüllung meiner Pflichten nach Gottes Willen. Es kommt nicht bloß darauf an, was und wie viel ich thue, sondern wie und in wels 23 118 welcher Absicht es von mir geschieht; Gebeth und Arbeit, Frömmigkeit und häusliche Geschäf tigkeit müssen unzertrennlich mit einander verbunden seyn. Dieß alles lehrt mich dein Bey. spiel, göttlicher Jesus! Und was hindert mich Dann, öfters an dich und an unsern Vater im Himmel zu denken. Dieß Ungedenken wird meinen Fleiß, meinen Muth und Eifer in Ausrich tung meiner Berufsgeschäfte beleben, und sie werden mir dadurch besto besser gelingen. So kann ich Gott und Menschen zugleich dienen, für mein Brod und für den Himmel arbeiten, zeitlis chen Segen, und ewige Belohnung hoffen. Uns terstüße mich, o Jefu, bey meinem Bestreben, dir auf diese Art ähnlich zu werden! Auch dein öffentliches Leben, wie lehrreich ist es für mich! Vom Vater gerufen, und durch eine Stimme vom Himmel feyerlich für feinen Sohn erklärt, voll seines Geistes, tritst du dein h hes Amt an. Nun ward den Armen, den von Eind und mancherley Elend gedruckten Menschen das Evangelium, die trostvolle Nachricht ihrer Begnadigung und Erlösung, verkündigt; und das Reich Gottes, die große Anstalt zur Verbesserung und Beglückung der Menschen nahin seinen Anfang. Dein Wort und Werk, göttlicher Jesus, was ist es anders als Liebe, die lautefte, allgemeinfte, wohlthätigste Liebe? Deine lehre ist die beste, die sicherste 2nweisung zur Glückseligkeit. Die Beweise, mit wel chen - 119 then du sie bestätigeft, waren lauter Thaten ei ner liebenden Allmacht; deine Wunderkraft war nur mit Wohlthun beschäftigt, deine Hand zu liebeswerken ausgestreckt. Unermüdet und 34 unbeschränkt arbeitete dein Eifer für Gottes Ehre und Menschenwohl, voll Weisheit und Milde, immer heiter und sanft, freundlich und mitTerdig gegen Frrende und Schwache, niemanden fchreckbar, als den Heuchlern, den Verführern, So und denen, die dein Haus entheiligten. müsse auch mein Berufseifer beschaffen seyn; vor allen will ich ihn an mir üben, erst selbst thun, was ich von andern fordere) durch Beyspiel lehren, und durch Liebe gewinnen. Deine Lehre, dein Wandel sey die Richtschnur meines Lebens. Bilde mich zu einem treuen, folgsamen Schüler, damit ich einst an dir einen gnädigen, lohnenden Richter finde! ledigl Is Welche bittere Thränen preßte dir die uns glückliche Stadt aus, die ihre Gnadenzeit nicht erkannte, noch zu ihrem Heil anwandte die dich zuerst im Triumph aufnahm, aber bald darauf ans Kreuz schlug! Meine Unbeständigkeit, meine Treulosigkeit würde sie mich nicht eben so strafbar und unglücklich machen? O daß ich sie nicht zu spät bereue! o daß ich, da es noch Zeit ist, zur Erkenntniß und Besserung fomme! dan Wie feyerlich, wie rührend war der letzte Abend deines Lebens! Der Herr und Meister wischt die Füße seiner Schüler und Knechte, felbst 4 P 120 felbst seines Verråthers. Reinige mich von allem, was dir mißfällt; lehre mich Demuth und herablaffende Liebe! 17600 sim un not O Abschiedsmahl meines Erlösers! göttliche Liebesstiftung! Wie zärtlich forgt er dafür, daß wir seiner nicht vergessen! So komm es mir dann nie aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin! Gr 50971 SCC msd SID Injo bi bimod Vater, wenns möglich ist, gehe dieser Relch vor mir vorüber, aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Dieß sen auch mein Gebeth, mein Opfer, mein Trost,( befonders in meiner gegenwärtigen Angelegenheit.) Starke mich Herr, daß ich dieß allezeit wahrhaft nachsagen kann, muis ug( bir adlick amadas lib Wie gerührt sollte mein Herz seyn, wenn ich die blutigen Auftritte deines Leidens in meinem Gemüthe durchgehe! Wie sollte es sich über den Undanf die Ungerechtigkeit und Grausamkeit deiner Feinde entrüsten! Aber du willst nicht, daß ich über dich, sondern daß ich über mich selb sten weine, der ich auch durch meine Sünden Mitursache deines Leidens war, und mir die Früchte davon so wenig zu Nugen mache. Du bedarfft meines unthätigen Mitleids über långst bergangene und nun in Freude verwandelte Lei den nicht; sondern meine Besserung willst du und mein Heil. Du hast gelitten für mich mir ein Beyspiel hinterlassen, auf daß ich in deiund ne 121 ne Fußstapfen trete. Die Sündenlust soll ich verabscheuen, wenn ich deine Schmerzen betrachte; gehorsam und gottergeben, bleiben, auch wenn es mir schwer, wird; auf seinen Beystand, feine alles zum Besten leitende Liebe vertrauen, wenn die Noth aufs höchste gestiegen ist; versöhnlich, liebevoll gegen meine Beleidiger, duldend, mitleidig und fanft gegen fehlende, von ihrer Leidens fchaft hingerissene Menschen- gelassen und standhaft im Leiden in allem dir ähnlich soll ich werden; auf dich soll ich sehen, Unschuldigdutsploy dender! wenn Kreuz und Verfolgung mich drüden; schweigen wie du, und den Mund nicht JOKES aufthun, bis Pflicht und liebe fordern, ihn zu 30700190 group öffnen. 190 Wenn mein Herz es nicht redlich meint; wenn es unter dem Schein der Frömmigkeit und Freundschaft auf Rache und Tücke sinnt; wenn meine Andacht bloß äußerliches Wesen und Heucheley ist: wenn ich mich vor der Welt meines Chris stenthums schäme; wenn ich mich vor Menschen dampie did mehr scheue und fürchte, als vor Gott; wenn Snell ich irdischen Vortheilen und Rücksichten, der Furcht vor Menschen meinen Begierden und Leidenschaften, Pflicht und Gewissen aufopfere; wenn ich meinem Amt aus Schwachheit oder Bequemlichkeit untreu werde; wenn ich meine Mitchriften unbillig und lieblos richte, oder fremden ungerechten Beurtheilungen unbesonnen beyfiintme; so bin ich deinem Verråther und Verläugdeinen Feinden, Verleumdern und Spôt525 tern, ner, 122 fern, dem undankbaren Volke und deinen ungerechten Richtern ähnlich. Ja bin ich nicht strafbarer als fie, wenn ich mit vollkommener ErHerr! sey mir gnädig, Fenntniß fündige? der du das Opfer für die Sünden der Welt geworden bist! inee Strbog tin choic 1907 San Frena. Vater! verzeih ihnen; sie wissen nicht, was sie thun. Dieses Wort der Liebe, diese lette Bitte des sterbenden Sohnes zum Vater gilt auch mir! Wie getrost kann ich) Gnade hoffen, wenn ich diesem Beyspiele folge, und meinen Feinden vergebe, wie ich wünsche, daß mir Gott vergeben soll! Du hast dem reumüthigen und glaubig gewordenen Misfethäter noch am Kreuze, an dem er dir zur Seiten starb, Selig. Feit verheiffen. Sollte ich nicht gleiche Begnadigung hoffen dürfen, wenn ich nur nicht frech hinfündige und meine Buße geflissentlich verspäte und versäume? Du konntest auch mitten in deinen Todesschmerzen Mutter und Freund nicht vergeffen: wie vielmehr wirst du jetzt in deiner Herrlichkeit für die deinigen sorgen! 6 Von dir soll ich lernen, bulden und ausharren, und mein Vertrauen auf Gott nicht ganz fisken laffen, wenns im höchsten Drange scheinen follte, Gott habe mich verlassen; oder wenn Menschen, statt des gehofften Labsals und Troftes, mich mit Hohn und Bitterkeit frånfen. laß es auch alle Trostlose erfahren, mein Gott! daß nur du unser treuster Freud, unsere sicherste 20 Zu= 123 Was ist alles leiden gegen das Zuflucht bist. Was ist alle beinige, göttlicher, unschuldiger Dulder! Gehorfam bis zum Tod, standhaft bis ans Ende, hast du dein Werk vollbracht, Erlöser. Mit ruhiger Zuversicht übergabst du deinen Geist in die Hände des Vaters! Wie 81 wird es mit mir stehen, wenn es einst heiffen wird: Er hats vollbracht!" Wann werde ich einst das Werk meiner Besserung und Heiligung voll bringen? Barmherziger Gott, hilf mir dazu, und nimm dann durch Jesum meinen Geist auf. laß, o Herr, das Gedächtnismahl deines Todes in meinem Herzen die heilsame Rührung hers vorbringen, welche der wirkliche Anblick desselben in den Herzen der Redlichen wirkte, die Zeugen bavon waren, auf daß ich reumüthig an meine Bruft schlage, und mit frömmern Gesinnungen mit festern Vorfäßen, mit mehr lust und Kraft zum Guten, nach Hause zurück kehre, als ich hier her gekommen bin. Ich bin auf deinen Tod getauft, damit ich der Sünde, für die du einmal starbst, absterben, und in einem neuen Leben wandeln soll, wie du dem Vater lebst, der dich vom Tode erweckt, und zu sich erhoben hat.od 350stigendwo abison sin Du warst gehorsam und hast dich selbst ernies briget; darum wurdest du erhöhet. Du mußtest burch viele leiden in deine Herrlichkeit eingehen. ba Dieß 124 Dieß ist der Weg zum Himmel, den du vorzeigst; leite mich dann, stårke mich. Dir ähnlich auf Erden, werd ich dir auch ähnlich werden in der feligen Auferstehung, wo du mein ewiger Beloh ner seyn wirst: so wie du mir jetzt schon im Hause deines Vaters einen Ort bereitest, damit wo du bist, auch dein Schüler feyni miqd Wenn ich jetzt diesen Altar verlaffe fo fen doch mein Herz bey dir. Auch mitten in Geschäf ten sey oft mein Auge im Etillen auf dich hinge richtet; mein ganzer Wandel sey ein Trachten nach dir und nach dem Himmel. Du siehst jetzt vom Throne deiner Herrlichkeit auf mich und meine Brüder mit Huld und Erbarmen herab, und ertheilft uns deinen Segen, wie du ihn bey deiner Himmelfahrt deinen Freun den ertheiltest. Laß ihn nie von uns weichen. Bewahre uns vor Sünden und Gefahren; laß den Berth unserer Erlösung an keinem verloren seyn! 10 min 10.90 950 O möchten wir doch alle dich würdig vereh. ret, und dein Angedenken, deiner Absicht gemäß begangen haben! Fortis 20 110 stor, no niso sen ned 3 n mishto ni dnu du Vereinige uns alle mit dem Bande der Liebe, mit welcher du uns geliebet hast, bis wir alle dort wieder zusammen kommen, wo die reinste, ewige Liebe unsere vollendete Seligkeit seyn wird! Amen. SPING dies alsiv daud Fol espais 116 825 Folgende Andachtsunterhaltungen können sowohl bey der Messe, als in andern Bethstunden vor dem Balls Hochwürdigsten gebraucht werden. Mi slot( bid mani donjim nisi and thực khách ven 1 hs horf Gminer& minth did tun 20 n b e t b ung. Jammict 90mg SON I.nur Gott! Unendlicher, Höchfter, Einziger! In tiefer Ehrfurcht lieg ich vor dir. Ich, der ich nur Staub, und ein Sünder bin, wie kann ich mich tief genug vor dir erniedrigen, wie fann ich mich zu einem Gedanken erheben, der deiner würdig wäre? Doch darf ich mich dir nähern und dich anbethen, mit allen Engeln und Seligen. Wie hoch bin ich geehrt, und begnadiget! Du bedarfst der Ehrenbezeugungen eines armen Geschöpfes zu deiner Verherrlichung nicht. Mir, mir ists Ehre, Wohlthat und Glück, daß ich vor dir erscheinen und zu dir reden darf. Alle Stimmen der Unsterblichen sind zu schwach, dein Lob zu verkündigen, und deinen heiligen Namen nach Würde auszusprechen. Aber du hörst doch auch gern das Stammeln deiner Kinder, und neigest Du dein Ohr zu unsern schwachen Seufzern. willst dich uns immer näher bekannt machen, das mit wir dich immer mehr lieben, und uns deiner immer mehr erfreuen. 126 and Flaunt monumogin2.rombacel sonsple Kein sterbliches Auge kann dich sehen, alles belebender Geist, kein Verstand kann dich foffen. Doch hast du dich herrlich geoffenbart durch deine Werke. In schönster Ordnung und Pracht stehen sie vor mir da, und fordern mich auf, dich ihren Schöpfer, zu preisen. Die ganze Welt ist dein Tempel, welcher mit den Wundern deiner Allmacht, Weisheit und Güte pranget. Himmel, und Erde find deiner Herrlichkeit voll. Tausend Stimmen rufen mir zu, der Herr hat alles wohl gemacht." Vom Burm im Staube an, bis zum Engel hinauf kündigt mir jedes Geschöpf die Größe seines Urhebers an. Keines sen mir so unbedeutend, daß ich das Werk deiner Hände daran nicht bewundern sollte. ascismo did de Der Mensch, obgleich verderbt durch seine Schuld, welch einen hohen Rang behauptet er in deiner sichtbaren Schöpfung! Wie künstlich ist mein Leib gebaut! Alle meine Gebeine sagen: Herr, wer ist dir gleich? Und du, meine Seele unsterblich, zur Glückseligkeit geschaffen, Gott ähnlich, lobe den Herrn, und alles, was in mie ist, seinen heiligen Namen. Sein lob soll ime mer in meinem Munde seyn; seine Chre sey das ganze Bestreben meiner Kräfte. Dazu hast du mir Verstand gegeben, dich zu erkennen, und ein Herz dich zu lieben, mein gütigster Schöpfer! 3. 127 pinnibisl ndalur dio3. sidd also subir nsd havo y, big,( b) and bin arincand Aber wie schwach, wie eingeschränkt ist noch diese Erkenntniß von dir, o Gott! Die Wunder deiner wohlthuenden Allmacht und Weisheit uma geben uns rings umher; wir sehen sie nicht, und gehen sinnlos und ungerührt durch deine schöne Welt. Unsere Zerstreuungen lassen uns nicht Zeit, und wir geben uns die Mühe nicht, auf merksam zu feyn und darüber nachzudenken. Ach! verzeih, Vater, dem Leichtsinn und der Unachts samkeit deiner Kinder, die der Leitung der Natur so wenig folgen, wodurch du sie vom Sichtbaren, zu dir, Unsichtbarer, hinführen willst. and no f asist sildadel enor 4. Doch weit deutlicher als durch die Natur offenbartest du dich der Welt durch Jeſum Chris stum deinen Sohn. Er lehrte dich uns, als Vater, fennen, und machte uns bekannt, wie du von deinen Kindern verehret seyn willst. mibofc 0( 0 Du vollkommenster Geist, forderst eine Ans bethung im Geist und in der Wahrheit. Du siehst nicht auf schöne Worte und demüthige Stellungen, nicht auf äußerliches Geprånge; sondern auf das erz, ob es aufrichtig gefinnt und dir ergeben sey, und auf die That, ob sie mit der Sprache der Andacht übereinstimme. Bes wahre mich, o Gott! vor der Heucheley, dir Bes theuerungen vorzusagen, von welchen das Herz wichts 128 nichts weiß, oder die es bald wieder leichtsinnig vergißt; bewahre mich, daß ich nicht durch den Schein der Frömmigkeit mich selbst und andere blende. Durch Liebe und Gehorsam, durch ein dir wohlgefälliges Leben will ich dich ehren. You 917 89091 24 yetu ndan nosp and by arist, bond andispan onu boli atbly enn nshipl magn5p98 99/11 Sucht doch ein guter Vater seine Ehre in dem Wohl feiner Kinder! Solltest du großer Gott, weniger edel in dem, was deine Ehre heißt, denken, als ein sterblicher Vater?- Du warst felig in dir allein, von Ewigkeit her. Was konntest du bey der Schöpfung deiner Welt für eine andere Absicht haben, als die Beglückung deiner Erschaffenen? Alles, was lebt, sollte seines Daseyn sich freuen, und seinen Urheber preifen. So wollte deine liebende Allmacht und weise Güte offenbar und verherrlichet werden. Von allem Guten, das da ist, das gethan und genossen wird, fällt die Ehre auf dich, den Urquell alles Guten, zurück. Alles, was mich und meinen Nächsten besser, zufriedener, glücklicher macht, was nuglich und löblich ist, gereicht dir zur Ehre! udied spidad Can so * Meine Freude an dir, meine Ehrfurcht, meine liebe, mein Vertrauen soll thätig und in meinen ganzen Wandel sichtbar werden, auch meinen Mitmenschen sich mittheilen, und so kann, so will ich dich verherrlichen, und deine Ehre befördern. 140 and nathlsor nad gnjured grus 6. 129 6. Du haft auch mir Kräfte und Mittel vere liehen, zur Erfüllung deiner wohlthätigen Absiche ten etwas beyzutragen, und dir zu dienen. Dazu will ich sie anwenden, so gut ich kann. Nicht bloß meine Sippen, meine Handlungen sollen bich ehren. 7. Du willst keine langen Gebethe; denn du weißt wohl, daß mein schwacher zerstreuter Geist den großen Gedanken an dich, unsichtbares höchstes Wesen, nicht lange anhaltend und leb haft genug faffen kann. Du hast mir auch andere Geschäfte angewiesen. Durch Gebeth soll ich mich vorbereiten, erwecken, stärken zu deiner wahren Verehrung. Mein ganzes Leben foll eine immerwährende Unbethung feyn! Preis der göttlichen Vollkommenheiten. 8. Gott! wer kann dich denken? Was find Die größten und erhabensten Gedanken, wenn sie auch Himmel und Erde umfaßten, gegen den Gedanken von dir, den Schöpfer und Beherrscher des Himmels und der Erde? Das licht und der Glang der Sonne und aller Sterne ist nur ein schwacher Schatten von dir. Mit summer Ehre furcht bethe ich an, was ich nicht begreife; s und 130 und erfreue mich deßen, was ich weiß. So we nig das ist, so ist es doch mein Trost und mein Glück. Der Gedanke, daß du bist, daß du unendlich mehr bist, als ich denken und verstehen fann daß du in aller deiner Größe und Herrlichkeit doch mein Gott und Vater bist daß ich dein Kind bin dieser Gedanke er hebt meinen Geist, und beruhigt mein Herz, mehr als die ganze sichtbare Welt. Wohl mir, daß ich ihn denken kann! So schwach und mangelhaft noch meine Erkenntniß von dir ist, fo fühle ich doch den Einfluß deiner lebenden Majestät. Go unbegreiflich du mir bist, so leuchten mir doch allenthalben deine höchsten Vollkommenhei ten in milden Strahlen entgegen, so viel sie mein schwaches Auge ertragen kann. Nicht zu meinem Erstaunen, zu meinem Heil will ich sie bedenken; nicht ergründen, was du bist; sondern was du mir bist, will ich mit stiller Andacht erwägen. magand COND ondant 9. Deine Allgewalt ist mir wohlthätige liebe. Menschen, die dich nicht kennen und lieben, mos gen davor erzittern. Mir ist sie tröstlich. Da haft Macht, mir zu geben und zu helfen, was und wo ich Hilfe bedarf; dein Reichthum wird nie erschöpft; unter deinem Schuße bin ich sicher. Ohne deinen Willen geschieht nichts, und was du willst muß geschehen. Wie start bin ich als Werkzeug in deiner Hand. Was soll ich fürchten, was 131 was kann mir fehlfchlagen, wenn ich deinen Willen thue? Wer wird wider mich seyn, wenn du für mich bist? Im Sturm wie im Sonnenschein, bist du mein Vater! IO. Deiner weisen Vorsehung kann ich mich ruhig überlassen, wenn sie auch durch) dunkle und rauhe Wege mich führte, wenn auch die unerklärbarsten Zufälle mich tráfen. Du hast sie alle vorher gesehen. Du sorgest für mich), so våterlich und so gewiß, wie für die ganze Welt. Vor bir ist nichts groß und nichts klein. Du weißt, was mir gut ist. Du verstehst, ordnest und machst alles aufs Beste; Unter deiner weisen Regierung geschieht nichts von Ungefähr; alles muß zur Ausführung deiner besten Absichten dienen, und nie verfehlst du deines Endzwecks. Was mir jetzt als Ulebel vorkommt, ist Verhus tung eines großern Uebels oder Quelle eines größern Segens! Ist seh ich kurzsichtiges Kind es nicht ein; aber einst werde ich es erkennen und dich preisen. II, Deiner Heiligkeit kann nur das Gute ges fallen, nnd deine alles umfassende Güte ist nur mit Wohlthun beschäftigt. Dieß erwecke mich, dir ähnlich zu werden, alle Menschen zu lieben, die Sünde zu haffen, und gut zu seyn, wie du gut bist. Ja 12, 132 12, Du bist nicht veränderlich, wie die Mens fchen; feiner Leidenschaft, keinem Zufall unters worfen: dein Wort ist gewiß und untrüglich. Darauf kann ich sicher bauen. Du bist der wahrs ste, der treueste Freund! Wie glücklich werden meine Freunde seyn, wenn deine unveränderliche Treue mich vor aller Untreue und Falschheit ges gen fie bewahret! 13. Wenn der Gottlose vor deiner Allgegena wart und Allwissenheit sich fürchtet: so kann ich dein Kind mich freuen, daß du überall bey mir bist, alle meine Absichten, Handlungen und Ans liegen fennest. Dieß erhebt mich über ungerechten Tadel und eitles Lob; dieß hålt mich zur treuen Ausübung meiner Pflicht, und stiller Tugend an. Dein Beyfall ist mein Trost und mein Sohn: nur dein Mißfallen darf ich scheuen. 14. Der Gedanke an deine Gerechtigkeit, wel cher dem Frevler so schrecklich ist, wird mir durch Dein Versöhnung Jesu tröstlich. Heilsame Furcht schreckt mich vom Bösen ab, und weckt mich zur Befferung. Deine Barmherzigkeit läßt mich hoffen, daß ich einst meinem Heilande, wenn er zum Gericht kommen wird, als einem treuen Vergelter entgegen sehen kann, der die verkannte Un 433 Unschuld rechtfertigen, den Dulder als Sieger darstellen, und das im Stillen geschehene Gute öffentlich rühmen und reichlich belohnen wird. 15. O wie köstlich sind mir diese Gedanken, wie erhebend diese Vorstellungen von dir, mein Gott! fo unvollkommen sie noch sind. Wenn ich dich denke, dann denke ich an alles, was schön, was gut, was groß, was verehrens, und liebenswürdig ist; an alles, was mich und alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden beruhigen, trösten, erfreuen und befeligen kann. Laß diese Gedanken meinem Geiste stets gegenwärtig, und meinem Herzen über alles theuer feyn; laß es mich immer inniger fühlen, wie gut es mir ist, daß ich nicht mir selbst uberfaffen bin, sondern daß ich ganz von dir abhange, ganz unter deiner Gewalt und Aufsicht stehe, ganz dir angehöre. daß du großer, reicher, weiser, gütiger Gott, mein Herr und Vater bist! und ich dein Kind bin, so wie der erhabenste Engel es ist- daß du herrschest und regierest, daß du allein es bist, den ich anbethen, und dem ich dienen muß; auf den ich vertrauen kann, und dem ich Ge horsam schuldig bin. Dieß ist mein einiges, mein größtes Glück- bis ich einst dahin gelange, wo ich dich besser erkennen, inniger lieben, würdiger verehren, und in dir meine vollkommene ewige Glückseligkeit finden werde. Amen. 33 Ano O 134 Anbethung Jesu Christi. Sohn Gottes, Jesus Christus! Abglanz und Offenbarer des unsichtbaren Schöpfers!, Du warst ben Gott von Ewigkeit und bist Eins mit deinem und unserm Vater! Durch dich ist alles ge. schaffen; du bist der Urquell alles Lebens und lichts. In bir ist liebenbe Gottheit sichtbar erschienen. Du lehrtest uns den Vater kennen, und würdig ans bethen, und warft selbst sein würdigster Unbether, durch Gehorsam und liebe. Den Willen des Baters auszuführen, die Menschen felig zu mas chen, war dein Geschäft auf Erden. Durch deis nen Tod wurde es vollbracht. Daran sehen wir, daß Gott die liebe ist, und nur durch Liebe geehret fenn will. Aus Gehorsam erniedrigtest du dich; und Gott erhöhete dich) und gab dir alle Gewalt, zu regieren, zu richten und felig zu machen. Alles muß dir gehorchen; vor dir muß sich alles beugen! Wer bich ehret, ehret Gott; wer den Vater eh ret, ehrt auch den Sohn. Die Unbethung, welche du uns lehrtest, sen auch dir gewidmet, göttlicher lehrer, Heiland und Seligmacher! Sollt' ich dich nicht von gans zem Herzen lieben, dir nicht huldigen, nicht wil lig gehorchen, mich nicht ganz dir ergeben, und so mit vollem Vertrauen auf deinen Beystand mein Heil wirken und erwarten? Bil. 139 Bilde mich zu einem wahren Unbether, zu einem würdigen Schüler von dir, damit ich deinem Namen, den ich führe, durch treue Befolgung deiner Lehre und Beyspiele Ehre mache. Breite dein Reich, das Reich der Wahrheit, der Tugend und Glückseligkeit auch über die Volfer aus, die dich noch nicht kennen, damit alle Welt dich preise und selig werde. Sieh gnädig herab auf deine Bekenner, deine Brüder auf Erden, damit alle, die hier und aller Orten dein Andenken ehren, dort in deinem himmlischen Reiche dich in deiner Herrlichkeit schauen. Amen. * Da sich die Anbethung Gettes auf wahre Erkenntniß desselben gründet, so scheint folgendes Gebeth hier nicht am unrechten Orte zu stehen. Um wahre Erkenntniß Gottes. Dir sey's geklagt, dir selber, Gott und Vater! daß ich dich noch nicht kenne, wie ich sollte. Welch leben wär's für mich, welch hohe Seligkeit, wenn ich dich fennete! Dieß weiß ich wohl, dieß fühl ich oft, und doch so wenig Trieb in mir, durch deine Kenntniß mich zu befeligen. Ich Thor! ich Sträflicher! Verzeihe Vater! deinem Kinde, das sich so wenig sehnt, dich zu erkennen, und t'lge seine tråge Unluft! Kennt doch ein laftthier seinen Herrn, der ihm fein täglich Futter in die Krippe steckt; 34 und 136 und ich- vergeffe ben Vorzug, Mensch zu seyn, und fenne dich, der mich schuf und tåglich nähret, nicht. Ein leerer Ton, ein todter Buchstab ist dein Name mir; ja selbst vor jenem Ton verschließt sich oft mein Ohr, und soll auch nur Buchstabenwissenschaft von dir durchs Uug geschöpfet werden, ach! so schließt es sich. Allmächtiger! du sprichst, und es geschieht! was du gebeutst, steht augenblicklich da. Allweiser! was du thuft, ist unverbefferlich und unerforschlich ist, wie du' regierst. Allgütiger! du bist die Liebe selbst, kein Vater. erbarmt sich, wie du unserer, seiner Kinder. Gerechter! du vergilist, du lohnst und strafft ohn' Ansehen der Person nach seinen Werfen jeden. Wahrhaftiger! dein Wort trügt ewig nicht; nie bleibt, was du verheisfest, unerfüllt. Dieß lehre mich, mein Gott! dieß pråge tief, tief in meine Seele. Nie falle diese Kenntniß, wie lofes Tünchwerk ab; bem Leichtsinn geling es nie, sie zu verwischenDem finstern Trübsinn nie, sie zu verdunkeln und zu schwärzen. Sen ewig mir, wofür ich dich erkenne Mein Schuß, mein Heil, mein Alles. mor In tiefster Demuth dich verehren; aus vollem Herzen bich lobpreifen; GORANINICS nach nach treuer Kinder Art dich lieben; mit festem Glauben dir vertrauen; mehr als der Welt, mich deiner freuen; im bångsten leid mich deiner trösten; dir leben, Gott! und sterben dir; MANO O du, von Gott zu uns gefandt, Du Abglanz feiner Herrlichkeit und seines Wesens Ebenbild! O zeige mir an dir den Vater, Herr, dann genüget mir! So wirke deine Kenntniß auf mein Herz! So leite sie mich auf der Bahn des Lebens! So lehre mich, dich erkennen! Mach mich mit deinem Sinn und Wandel, mit deinem Thun, mit deinen Werken, mit deinem Leben, Leiden, Sterben, mit deinem Auferstehn und Herrschen, mit deiner Gotteskraft bekannt; 137 Mach mich zum weisen, unverdroffenen und treuen Hörer deiner Gotteslehre: Dann kenn' ich ihn, den nie mein Aug gefehn, noch sehen wird, genug zu meinem Heil; und dich genug bis einst der frohe Tag, da ich dich sehen soll, erscheint wo all mein dunkles Wissen sich erhellet, und jede Irrthumstäuschung schwinder und jeder Zweifel schnell sich löset, und jede Lücke der Erkenntniß dem, der nach dir und Wahrheit forscher, I5 fich 138 sich ausfüllt, wo du dich ihm näher offenbarest, als er dich hier fühlen konnte. Gott! mach dieser Seelenlust mich würdig. Amen. Based Danksagung. 1, Deffne meine Augen, o Herr, deine Güte zu erkennen, und bereite mein Herz zur dankbaren Freude an dir! O wie sollte der Gedanke an dich meine Seele erheitern! wie sollte mir doch bey der Ueberzeugung so wohl seyn, daß du, großer Gott! mein Vater und Versorger, mein erster Freund und größter Wohlthäter bist! Zählen kann ich deine Wohlthaten nicht; aber nachdenken will ich, so weit meine Einsicht reicht, den Erfahrungen deiner Liebe, und ihrer froh werden, dir zum Preis! 2. Die ganze Schöpfung, das Werk deiner lies benden Allmacht, ist die unerschöpflichste Quelle der reinsten Freuden. Wo ich hinblicke, bemerfe ich deine wohlthätige Hand. Wie schön ist deine Welt! Wie entzückend der Anblick des majestätischen Himmels und der fruchtbaren Erde in ihrer mannichfaltigen Pracht! Mit jeder aufgehen. 139 henden Sonne quillt licht und Leben, Freude und Gegen über die ganze Natur. Mit jedem Mora gen wird deine Güte neu, und mit jedem Abend, hat sich die Summe deiner Wohlthaten wieder unendlich vermehret. Wohlthätige Kraft und erquickende Ruhe ist dein Geschenk. Keine Stunde des Tags oder der Nacht, keine Jah reszeit, keine Gegend in deinem unermeßlichen Reiche ist deines Gegens, und des abwechselnden Vergnügens entleert. Alles ist zum Wohlseyn, zur Freude geschaffen! Undanf und lästerung wäre es, deine sichtbare Welt ein Jammerthal zu nennen. Nicht an Pracht fehlt es ihr, daß sie kein Himmel ist, sons dern an Bewohnern, die weise und tugendhaft genug wären, ihr Glück zu erkennen, es zu ges nießen und zu benügen! wybor 3. Eh ich noch geboren wurde, ja ehe noch der Welt- Grund geleget war, liebtest du mich, und wähltest mich zu deinem Kinde aus. Da sahst und bestimmtest du schon alle meine Schicksale und den Plag, den ich in deinem Reiche einneh nehmen sollte, und sorgteft für mich väterlich. Wie muß ich über mich selbst erstaunen, wenn ich den wunderbaren Bau und die künstliche Ein richtung meines Rórpers betrachte! Welche geschickte und starke Werkzeuge zu allen Verrichtuns gen hab ich an meinen Gliedern! wie viel angeneh. 140 nehme Empfindungen, nügliche Kenntnisse und Erfahrungen erhalte ich durch meine Sinne! Wer verleiht mir Kräfte, Gesundheit und MunterFeit, wodurch ich mein Leben genießen, und so viel Gutes ausrichten kann! Wer bewahrt mich vor Schaden und Unglück! Wer schaft mir tåglich Brod zur Genüge und der Freuden so viele?Dir sey Dank dafür, mein Schöpfer! Alles was ich bin und habe empfang ich von dir! C 4. Sen gepriesen, Ullgütiger! für alle Beweise beiner Liebe, von welcher jeder Augenblick meines Lebens zeiget! Sen gepriesen für so viele frohe Stunden, so viele ruhige Nächte, so viele vergnügte Tage, als ich durch deine Gnade erlebte! Gen gepriesen für jeden Sonnenblick, der mich erheitert, für jeden Trunk, der mich labt, für jede Speise, die mich erquickt, für jedes Vergnügen, bem sich jeder meiner Sinne oder mein Herz öffnet! Vorzüglich preise ich dich, daß ich das unschäßbare Vermögen besige, dich, gütiger Geber, zu erkennen; daß ich ein Herz habe, dich zu lieben, und mich deiner zu freuen. 5. Du hast mich zum Menschen geschaffen. Diese Würde erhebt mich über die ganze Körperwelt. 20ls ein vernünftiges Wesen bin ich erst im Stande, den Werth deiner Gaben zu schägen, sie zu bewundern, zu benügen, mir eigen zu 141 zu machen, und mit frohem Bewußtseyn zu genießen. Ich kann mich selbst veredeln, durch Weisheit und Tugend meine Glückseligkeit beförs dern, und dir ähnlich werden, mein göttlicher Vater! denn ich bin dein Kind, und nach deinem Bilde geschaffen. ,, Du hast mich um eine kleine Stufe unter die Engel erniedriget. Hoch hast du mich beehret; denn ich bin von dir über die Werke deiner Hände gesetzt!" 6. Du hast mich in eine Gesellschaft von Menschen, und in Umstände geführt, durch welche ich das geworden bin, was ich bin. Wie viel hab ich meinen Aleltern und Lehrern zu verdanken! Du gabst sie mir; du legtest ihnen liebe und Mitleid ins Herz; du seßtest sie in den Stand, für mein Auskommen, meinen Unterricht und mein fünftiges Glück zu sorgen. Du erwecktest mir Freunde und Wohlthäter, die mich in meinen Verlegenheiten mit Rath und That unterstüßs ten. Wie viel gute Menschen ließest du mich finden! wie viel Vergnügen und Vortheile habe ich in ihrem Umgang, in ihrer Liebe genoffen! was wäre ich, in dder Einsamkeit mir selbst übera laffen, ohne Leitung, ohne Hilfe, ohne Trost! 7. Wie viel Nachsicht hatte deine Langmuth, o Herr! mit dem Leichtsinne meiner Jugend! wie sanft führtest du mich von meinen Frrwegen zu 842 zu rechte! Wie oft hast du mich aus Gefahren er rettet, in welche mich meine Unbesonnenheit stürze te! Selbst von deinen undankbaren Kindern ich hab es erfahren, gütiger Vater!- ziehest du beine Hand nicht ab; du wirst nicht müde im Wohlthun, wenn gleich sie nicht aufhören zu fündigen; du duldest fie und wartest mit erbar. mender Liebe auf ihre Bekehrung. 8. Wie heilsam war es mir, daß du mir oft Leiden und Widerwårtigkeiten zuschicktest, mich demüthigtest, meine Armseligkeit und die Folgen meiner Thorheiten mich fühlen ließest! Wie übermüthig und ausschweifend wäre ich sonst vielleicht geworden? Du mußtest mir einen Theil Deiner Gaben entziehen, damit ich sie nicht zu meis nem Verderben mißbrauchte; damit ich sie schä Hen lernte; damit ich weiser, mäßiger, und eben dadurch desto froher und glücklicher würde! Wenn bu gibst, und wenn du wieder hinwegnimmst, was du gabst; wenn du wohlthust, und wenn du güchtigst, so thust du es immer aus gleicher weifer Liebe. 9. Wie gut war es mir, daß du manche meiner Findischen Wünsche nicht erhöret, manche meiner therichten Anschläge und Erwartungen vereitelt haft! Wie oft hatte ich schon Ursache, dir bafür zu danken? Wie oft hätte ich schon seufzen müssen, 143 müffen, wenn es nach meinem verkehrten Sinne gegangen ware? Wie bald bereuete ich oft wieder, was erst mein sehnlichstes Verlangen und Stres ben war? Von nun an will ich mich ganz deiner våterlichen Führung überlassen, alles mit Dank und Ergebung annehmen, was aus deiner Hand fommt, es mag angenehm oder bitter, viel oder wenig seyn! Du weißt, was mir gut ist, und forgest für mich aufs beste. 10. O wie sind doch deiner Wohlthaten so viele, mein Gott! Ich müßte die Zahl meiner Pulsa schläge, meiner Odemzüge, meiner Gedanken, Regungen und Bewegungen wissen; ich müßte alle gemeinen Wirkungen deiner Liebe verstehen, deine verborgenen Führungen und die Geheimniffe deiner Rathschläge einsehen, ich müßte mich aller guten Ermahnungen und Warnungen, die bu durch so verschiedene Wege mir zuschicktest, erinnern, wenn ich alle deine Wohlthaten berech nen wollte. Immer bleiben mir die meisten, und vielleicht die größten noch unerkannt. II. Herr! vergib meinem Leichtsinn, daß ich fie so wenig bemerke und achte; daß ich ganz von Deiner Güte, wie vom lichte der Sonne umges ben, doch noch so ungerührt bleibe, und selbst beym Genuß deiner Gaben so oft deiner vergesses fie 144 fie so gering schåße und mißbrauche.- Vergib meiner lüsternen Ungenügsamkeit und Unzufriedenheit, die mich zu vielen ungerechten Klagen da reißt, wo ich froh seyn und danken sollte! Dank für das ewige Heil durch Christum. 12, Deine Güte, o Gott! schränket sich nicht auf die Jahre dieses Lebens, nicht in die Gränzen diefer Welt und der Natur ein. Deine Barmherzigfeit dauert ewiglich. Freuden ohne Ende, Selige Feiten die über alle unsere Begriffe erhaben sind, hast du uns bereitet! Dazu hast du deinen Eingebornen auf die Welt gefandt: mit ihm hast du uns alles gegeben! 13. Wie hoch sind wir begnadigt durch dich, o Jesu! Wie viel hat dich unsere Erlösung gekostet! Du hast dich ganz für uns aufgeopfert. Du haft Deine feligmachende Lehre mit deinem Blute bes stätigt. Du starbst, uns des ewigen Lebens zu versichern. Du littest unschuldig die Strafe der Missethäter, um uns das Beyspiel und den Beweis der großmüthigsten, standhaftesten Liebe zu geben. Du wardst das Versöhnopfer für unsere Sünden, und bereitetest uns Mittel zur Befferung. Du erniedrigtest dich, und wurdest uns ähnlich, um uns zur Ehre der Kinder Gottes zu erhea 346 erheben, uns dir ähnlich zu machen, und deine Herrlichkeit mit uns zu theilen. 14. So weit ging deine Liebe, o Jesu! Mein Geist erstaunt, und mein dankbares Herz verehret in Demuth( vor deinem Altar) das hohe Geheimniß und das ewige Denkmahl dieser Liebe. Auch ich nehme Antheil daran! Wie groß ist dei ne Gnade an mir! Du hast mich vor Tausenden auserwählt, dich mir näher zu offenbaren, und die Früchte deiner Erlösung aufs reichlichste zue fließen zu laffen. Der wahre christliche Dank. 15. Herr! du hast große Dinge an uns gethan. So kann nur ein Allmächtiger lieben. Ich fühle mein Unvermögen dir gebührend zu danken, und verstumme. Die Himmel erstaunen darob, und die Stimme der Engel können deine Güte nicht genug lobsingen. Ich kann nichts anders sagen, als: du bist, du bist die Liebe. 16. Aber du nimmst doch auch das dankbare Bes streben deines Begnadigten, so schwach es ist, mit Wohlgefallen auf. Du sagst es mir selbst, K wels # 46 welcher Dank dir der angenehmste und mir der müßlichste istLiebe, Zufriedenheit, gute Anwendung deiner Gaben. Nicht bloß mit Worten, sondern mit guten Gesinnungen und Handlungen; nicht bloß in dieser Etunde der Andacht, durch mein ganzes Leben soll ich dir danken, 17, So will ich dir danken mein Gott! mein Hei land! Dir fann ich nichts vergelten. Aber mas ich an meinen Mitmenschen thue, das nimmst du auf, als war es dir gethan. Darum will ich sie lieben, wie du mich liebtest. Kein Mensch, auch der geringste nicht, auch mein Feind nicht, sen von meinem Herzen ausgeschlossen! Bedauern, dulden, schonen, ertragen, verzeihen will ic), wie du, langmüthiger Erbarmer! duldest, schonst und verzeihst, und deine Sonne aufgehen läsfest über Gute und Böse, und nicht müde wirst, auch Undankbaren wohlzuthun. Auch in der verachteten gefunkenen Menschheit soll mir dein Bild noch ehrwürdig seyn! Mit fröhlichem Herzen, nicht eitler Ehre, Vortheils und Dankes wegen, will ich mittheilen von deinen Gaben, meinen nothleidenden Brüdern, mit stiller Hand, mit einem Blick zu dir, der du mich segnetest, daß ich geben kann! Nie will ich vergessen, daß mein Nächster dein Kind ist, wie ich; daß du die Welt nicht für mich allein schufft. Mein Ueberfluß soll seis ner Nothdurft zu Hilfe kommen. Ich will daran denken, wie froh ich war, wenn du in der Noth mir 147 mir Trost und Hilfe schicktest; will mich in die Etelle meines armen Mitmenschen feßen. Freu de soll mirs seyn, andern Freude zu machen, wohls zuthun, mit Rath oder That, so gut ichs kann, wie dirs Freude ist alle deine Geschöpfe zu bes glücken, 18. Bewahre mich vor dem Frevel, o Herr! mich wegen deiner Geschenke stolz zu erheben, und weniger begabte zu verachten; oder der unglücklich gefallenen zu fpotten, da ich, von deiner Hand unterstüßt, noch stehe. Bewahre mich vor Geiz, Verschwendung und jedem Mißbrauch deiner Gaben. 19. Laß mich stets fühlen, wie gut es mir ist, daß ich ganz von dir abhange, daß ich nichts bin chne dich, alles dir zu verdanken habe. Laß mir in trüben Stunden die bisherigen vielfachen Erfahrungen deiner väterlichen Fürsorge zu meis nem Trost und zur Stärkung meines Vertrauens auf dich gereichen. daß mich die unzähligen Wohlthaten, die ich täglich genieße, an deine Güre und überall, obgleich unsichtbar wirkende Gegenwart erinnern, und dadurch zur dankbaren Gegenliebe, zum fteten Fleiße, dir gefällig zu were den erwecken. Der Genuß dieser zeitlichen Güter werde nie das Ziel meiner Wünsche, sondern nur ein Vorschmack jener unvergånglichen und volle K2 fommen 148 kommensten Seligkeiten, welche du denen bereitet haft, die dich lieben. 20. Je geringer meine Kräfte sind, dir so zu danfen, desto eifriger sey mein Bestreben zu thun, was ich vermag; desto demüthiger will ich meine Armseligkeit, meine Unwürdigkeit, mein Nichts erkennen; desto sehnlicher freue ich mich auf jenes Seben, wo ich die Größe deiner Güte in ihrem Umfange einsehen, und ewig preifen werde! 21. Als dein Eingeborner das immerwährende Denkmahl seiner Liebe vor seinem Tode einsetzte, erhob er seine Augen gen Himmel, und dankte dir, Vater! So oft wir hier am Ultar sein Undenken begehen, bringen wir dir durch ihn und in ihm ein Dankopfer für alle deine Wohlthaten dar, besonders für die größte aus allen unsere Erlösung durch ihn. Im Namen deines Sohnes also, als seine Erlösten, als Theilhaber der Früch te seines großen Opfers, danken wir dir mit ihm für alles, jetzt und allezeit. Amen. em Chrifts Chriftliche Bitten, oder das Gebeth nach seiner gottgefälligen Bes schaffenheit und Wirksamkeit betrachtet. I. 149 Vater im Himmel! Erbarmender, liebender! Mit Demuth und Vertrauen erhebt sich mein Herz zu dir, um dir mein Anliegen, meine Wünsche und Bedürfnisse vorzutragen. Du kennst ſie besser als ich; du siehst den Zustand meiner Seele, mein Unvermögen; du weißt, wie viel ich bedarf, und was mir gut ist. Dir darf ich es nicht erst sagen. Du erlaubst es mir aber, und willst es; damit ichs immer besser erkenne, woran es mir fehlt, mich demüthige und Hilfe suche, wo ich sie finden kann. Es ist mir nothwendig und gut, daß ich meine Armseligkeit einsehe, mein Heil bedenke, und an dich mich halte. 2. Zwar hab ich kein Recht, etwas von dir zu fordern; ich bin vielmehr unwürdig deiner Gnade, die ich so oft zu wenig geschätzt und zu sehr gemißbrauchet habe. Desto mehr ists Gnade, ists ein unverdientes Geschenk, was ich von dir Bin ich durch meine Schuld elend; erwarte. so bist du doch Vater, und wirst dein um Hilfe rufendes Kind nicht zu Grunde gehen lassen, K 3 wenn # 50 wenn es fich gleich durch seine eigene Unbeſonnenheit ins Unglück gestürzet hat. Du willst ja nicht, daß jemand ins Verderben gerathe, sondern daß alle selig werden, und deiner sich freuen ewiglich). Je größer das Uebel ist, das mich drückt, desto getroster kann ich hoffen, daß du dich meiner erbarmen werdest. Retten ist ja deine Freude, und Helfen dein liebstes Geschäft; des Wohlthuns wirst du niemals můde. Du liebst Barmherzigkeit, und hilfft den Demüthigen liebreich auf. Deine Güte wird in meiner Unwürdigkeit, und dein Reichthum in meiner Armuth verherrs licher. 3. Vertrauensvoll richte ich also mein Haupt empor, und rede zu dir, wie ein Kind zu feinem Vater. Dieser Name, den du mir ſelber in den Mund legst, wie erhebt er mein Herz! Sen ges treft, meine Seele! Der Allmächtige, der Allgütige ist dein Vater! Mit der Freyheit und Zuversicht eines Kins des darf ich also zu dir kommen, und mein Ferz mit dir reden lassen; so willst du es mein Gott und Vater! Ueberall finde ich dich; jederzeit steht mir der Zutritt zu our offen; immer bist du bereit mich za hören, und mir zu helfen. Wo ist ein so großer und liebevoller Herr, wie du, Herr aller Herren und König aller Könige? [ 51 4. Wenn ich mit dir rede, darf ich nicht erst auf Worte sinnen, du willst nicht einmal, daß ich viel sprechen soll. Denn du bist nicht, wie ein Mensch, der erst durch Vorstellungen bewegt werden muß. Du weißt schon vorher, was ich dir vorstammeln will; und ach! wie schwach ist noch mein Geist und wie leicht wird er zerstreut. Lange Gebethe würden bald ein bloßes Lippenwerk werden, das dir nicht gefallen kann; du siehst nur auf die Redlichkeit der Gesinnung. Eine herzli che Unrede an dich, ein Seufzer der Sehnsucht, ein Blick der Liebe, jedes Ungedenken an dich, jeder an dich mich erinnernde, zu dir gerichtete gute Gedanke ist Gebeth vor dir, ist dir wohlges fällig, und bringt mir Segen. So kann ich überall und ohne Unterlaß bethen, ich mag meine Geschäfte verrichten, oder meine Wege gehen, ich mag des Nachts erwachen, oder vom frühen Morgen geweckt werden. Und so will ich, wie ich kann und soll, desto of ter und inbrünstiger mein Gemüth zu dir erheben, um Kraft, Much und Trost, wie ichs bea darf, bey dir zu holen. 5. O mein Gott! warum ist doch mein Herz noch immer so lau und träge zum Gebeth? Warum fpürt es sogar Unlust dagegen in sich? Warum weiß K4 152 weiß ich mich so wenig mit dir zu unterhalten?Fehlt es mir an liebe und Vertrauen zu dir? Bedarf und schäße ich deine Gaben nicht? Sehnt fich meine Seele nicht nach dir und deinen Gütern? Erkenne ich deine große Güte, und mein Elend noch nicht? Ach, Herr! ich bin bes schämt! Ich kenne dich, und mich selbst noch allzu wenig, und gebe mir die Mühe nicht, nach, zudenken. Songng 6. Gebeth in zeitlichen Anliegen Wann zeitliche Ulebel mir drohen, wann Mangel, Schmerz und Kummer mich trücken, wann ich bey Menschen feine Hilfe mehr finde und hoffe: dann such ich sie bey dir. Du erlaubst es auch, Vater, daß dein Kind seine Noth dir flage, sein Herz vor dir ausschütte um sein tägliches Brod bitte. Aber vorschreiben darf ich dir nicht, was du thun sollst, nicht Wunder fordern, nicht ungestůmm und unbedingt begehren, was mein kurzsichtiges Herz wünscht. Du hast deine Welt und den Lauf der Dinge schon aufs weifefte eingerichtet. Du kannst deine schöne Ordnung nicht alle Augenblicke åndern. Du regierest nach ewigen Geseßen, siehst in die Zukunft, und überschaust das Ganze. Wie könntest du so viele unbefonnene und widersprechende Wünsche der Menschen erhören! 7+ 153 7. Vater, wenns möglich ist, so gehe dies fer Kelch von mir! Aber nicht mein, sons dern dein Wille geschehe! Dieß Gebeth deis nes Sohnes sey allzeit mein Gebeth! Es ist für mich) das beste, das sicherste! Mein Wille ist oft verkehrt und thöricht; ich ein unverständiges Kind, das oft selbst nicht weiß, was es begehret. Du, Vater! verstehst und meinst alles aufs Beste. Was du thust, ist alles wohlgethan. Deinem weis festen Willen unterwerfe ich gånzlich den meinigen. 8. So kann es mir nie fehlen, so kann ich nie unerhört bitten. Du willst, ich soll meine Kräfte anstrengen, und die Mittel brauchen, die mir deine Vorsehung angewiesen hat; ich soll mie felbst helfen, so gut ich fann, und auf deinen Beystand vertrauen. Der Erfolg steht in deiner Hand. Wenn er auch bey der redlichsten Absicht, und eifrigsten Bemühung doch meiner Erwartung nicht entspricht, so beruhigt mich der Gedanke, daß es dein Wille nicht war. Du verfagst mir, was ich verlange, weil es mir schädlich wäre; war es mir besser, so gåbst du mirs, Vater! 9. Saumest du, meine fehnlichsten Wünsche und Bitten zu erfüllen, so willst du meine GeK5 duld, 154 duld, meine Ergebenheit, meinen Muth und Ei fer prüfen, üben und stårken, meine Tugend und meine Freude erhöhen, meiner Standhaftigkeit die Siegeskrone aufseßen. Du lehrest mich dadurch öfter und anhaltender zu bethen, mich mehr anzustrengen und zu bessern, um meines Glückes werth und rüchtig dazu zu werden. Du willst mich erst in die Verfassung und Umstånde sehen, wo mir die Wohlthat zum wahren Segen und desto erfreulicher wird, je mühsamer ich sie erhalten habe. 10. Nimmst du auch den Kelch nicht von mir; fo stårkest du mich, und gieseft himmlischen Trost in mein Herz, der mir alle leiden versüßet, und mitten in Trubsalen die Seele heiter und ruhig macht. Denen, die dich lieben, muß alles zum Besten dienen. Willig, gelassen und standhaft trage ich meine last, wenn ich das Kreuz betrachte, das du trugsto Jesu! oder in die Herrlichkeit hinblicke, in welcher du jezt bist, und die du auch mit mir theilen willst, wenn ich dir im Seiden folge. Christliche Bitten um wahre Güter. II. Herr! erleuchte meinen Verstand, und lenke meinen Willen, daß ich nur solche Güter verlange und 155 und erbitte, die mich wah haftig glücklich und beffer machen können; lehre mich die zeitlichen Gürer so genießen und anwenden, daß ich nicht erst durch zeitliche Uebel zu ihrem weisern Genuß und Gebrauch) aufgeweckt und hine geleitet werden muß. 12. Ich bitte dich nicht, mein Gott, um Reichthum, hohes Ansehen und tägliches sinnliches Wohlleben in der Welt und nicht um unterbrochene Gesundheit und Freude, nicht um stets guten Fortgang meiner Unternehmungen, nicht um langes Leben. Es wäre dir ein leichtes, mir dieß alles reichlich zu geben. Du wirst mir das von nach deiner weifen Güte so viel schenken, als mir nothwendig und nüßlich ist. Du nennst es nur Zugabe zu dem höhern Glück, das du mir bereitet hast. Ich, dein Kind, bin dir ja mehe werth, als die jungen Raben, die du speisest, und die Feldblumen, die du so herrlich kleidest. Du wirst deinem Kinde nicht Stein für Bred geben. Um Beisheit und Stärke zur Ausübung der Pflicht und Tugend, um Bewahrung vor Thorheit und Sünde, um ein rechtschaffenes, zufriedenes, liebreiches, dir ergebenes Herz, um ein unsträfliches, gebeffertes, zum Guten geschäftiges Leben: darum bitt ich dich von ganzem Herzen. Dieß fann ich nicht entbehren, ohne elend zu seyn; 156 feyn; dieß ist mir nothwendig, um glücklich zu werden. 13. Und dieß kannst du mir, Allgütiger, nicht verfagen. Dieß ist dein ernstlicher Wille; dazu hast du mir schon so mancherley Mittel und Kraf te gegeben, und die wohlthätigsten Anstalten getroffen. Du hast deinen Eingebornen zu dieser Absicht auf die Welt gesandt. Ich kann auf deinen mächtigen Beystand sicher vertrauen. Du fegneft jeden redlichen Vorsak, jedes ernstliche Bestreben nach Weisheit und Besserung, und läsfest mich nie größere Schwierigkeiten und Hindernisse auf meinen Wegen antreffen, als ich, von dir unterstüßt, überwinden kann. Darauf kann ich mich sicher verlassen. Du kannst, und thust wirklich unendlich mehr, als ich begreifen fann. Mit dir und durch dich werde ich alles besiegen, alles ausrichten, meinen Lauf getrost und standhaft fortseßen und glücklich vollenden. Kraft und Frucht des Gebeths. 14. Allgütiger! du bedarfst meines armen Flehens nicht. Du könntest mir alles ohne mein Bitten geben, wie du mir auch unzähligemal mit Liebe zuvorkommst, unangerufen und unerkannt wohlthust. Ja, was ich von dir erbitten soll, hat mir von Ewigkeit her deine Vorsehung bes ſtimmt 157 stimmt und bereitet. Selbst die Gabe des Gebeths kommt, wie jede andere gute Gabe, von dir. 15. Um meinetwillen, bloß zu meinem Besten willst du mir deine Gaben nur unter der Bedingung eines aufrichtigen Gebeths zufließen lassen. Dadurch werden sie mir erst nüglich und heilsam. Dadurch willst du mich an dich ziehen, und immer näher mit dir verbinden. Ich soll es erkennen und fühlen, daß ich ohne dich nichts kann und nichts bin; daß du Alles mir bist. Deiner darf ich nie vergessen, dich nie aus meinen Augen verlieren. Es ist mein Glück, daß ich dir anhänge, und mein ganzes Vertrauen auf deine weise und allmächtige Güte setze. 16. Wie wohlthätig ist die Kraft des wahren Gebeths! Möchte ich fie immer mehr erfahren, mein Gott! O mache durch jedes Gebeth mein ernstliches Verlangen nach meiner wahren Glückseligkeit so thårig, und mein kindliches Vertrauen auf deinen våterlichen Beystand so stark, daß ich treu und standhaft alle Kräfte und Mittel anwende, die du mir zu meinem Glücke verliehen hast! Was sollte mir zu schwer seyn von allem was du mir befiehlst, wenn ich aus Liebe zu dir bethe, und in meinem Gebethe mich erinnere, daß du aus liebe zu mir nichts von mir forderst, als 158 als was zu meinem eigenen Heil dient? Was kann ich nicht erlangen von dir, wenn mich das Geberh in allem, was dir gefällig und gut ist, bestårket? 17. Sofften noch unbeilige Wünsche und Bes gierden in meiner Seele verborgen seyn, um deren Erfüllung ich dich zu bitten nicht wagen türste: fo follen fie vertilget seyn, Herr! auf daß sie mich nicht verdammen vor dir! Sollte noch ein Funs fe Haffes in meinem Innersten glimmen, so era flicke ihn! Wie dürft ich mit unreinem, der Günde ergebenen, unversöhaten, lieblosen Herzen vor dir erscheinen, der du die Heilig' eit und Liebe bist? Wie könnt ich Eegen von dir hoffen und erbitten, wenn ich das liebte und suchte, was du verabscheuest, weil es nichts als Unses gen bringt? ne din 18. Das Gebeth des Sünders kann dir nicht ges fallen; denn es ist Lüge und Heucheley. Sollte auch das meinige so beschaffen seyn? Sollt' ich die Sprache der Undacht im Munde führen und fromme Wünsche hersagen, mit denen das Herz nicht einstimmte? Sollt' ich um Tugend und Seligkeit bitten, und der Sünde, die nichts als Unseligkeit gebiert, noch anhängen? Vor dies sem Frevel, mein Gott! bewahre mich! 19. 159 19. nedepganid eijn ait Besserung Stärkung zu allem Guten Trost und Much in Widerwärtigkeiten soll die Frucht meines Gebeths seyn. Die Unterhaltung mit dir, Allerbester, Vollkommenster, soll mich dir ähnlicher machen! Deine große Güte, die mein Vertrauen zu dir erweckt, sey auch mein Vorbild! Jedes Gebeth vermehre meine Liebe zu meinen Nebenmenschen, die du liebst und erhdrest wie mich. Verschaffe diesen Gesinnungen Festigkeit, und meinen Vorfäßen Dauer! Drůcfe deine Liebe immer tiefer in mein Herz. Laß das Andenken an dich auf allen meinen Wegen mich begleiten, und oft mit aller lebhaftigkeit auf mein Herz wirken. J Stunden der Versus chung, wenn mir die Last zu schwer wird, und mein Glaube wanken will dann laß mich inne werden, was das Gebeth vermag. SIZA An den Erlöser. co Cons 20. že! Göttlicher Bether am Delberg und am KreuDein Vertrauen zum Vater, deine Gotters gebenheit, deine Liebe beseele mein schwaches Stammeln. In deinem Namen, mein Hei land, nach deiner Anweisung bitte ich den Vater, und ich habe dein Wort, daß er mir geben wird, was mir zum Besten dient. Was kann ich nicht hoffen? Nachdem er dich, seinen Eingebornen, für 160 für uns hingegeben hat, hat er uns mit dir nicht schon alles geschenkt? Noch bittest du für uns beym Vater, und vertrittst unsere Stelle dort, göttlicher Mittler! Um deinetwillen werden wir begnadigt. Dein großes Opfer hat uns Heil er worben, und ist uns Quelle alles Segens. Deine Siebe laß ihn auch mir daraus zufließen! - Göttlicher Menschen Freund, der du einst Städte und Flecken durchzogst, dem menschlichen Elend abzuhelfen, Kranke zu heilen, Sünder zu bekehren, Jrrende zurecht zu führen, und fei nen unerhört von dir ließest, der dich um Hilfe anrief! Noch bist du, obgleich unsichbar mitten unter uns, und ladest alle zu dir, die unter der Last ihrer Mühseligkeiten seufzen, und biethest ihnen Erquickung an. Noch bist du der mitleis dige Helfer, der aus Erfahrung weiß, was die arme Menschheit leidet; noch unser Bruder und Freund.-Lebend und sterbend zeigtest du deine Liebe. Nun bist du im Besig deines Reichs und wendest die höchste Nacht, die dir der Vater gegeben hat, zum Heil deiner Erlösten an. Schüße, rette, führe uns alle zu dir; mache uns alle selig, der du starbst für uns alle, und nun lebst und regierft zur Seligkeit aller! Amen. Chrift 161 Christliche Fürbitte. Vater der Menschen, du siehst mit Huld und Erbarmen auf alle deine Kinder herab, du kenneft sie alle, und leitest ihre Schicksale mit weiser unveränderlicher Güte. Dir können wir nichts vortragen, daß du nicht wüßtest; ehe wir dich bitten, ja schon ehe der Welt- Grund geleget war, hast du beschlossen, ob unsere Wünsche erfüllt oder nicht erfüllt werden sollen. Um deinetwillen find wir keiner menschlichen Fürbitter bey dir bes nöthiget; und ach! wie unglückselig wären wir, wenn du erst durch die Fürbitte anderer bewegt werden müßtest, uns zu helfen und wohlzuthun! Doch siehst du es gern Vater, daß wir, deine Kinder, für einander bitten. Wir machen uns dir durch unsere Liebe gefällig und der deinigen werth; wir werden selbst dadurch besser, und ziehen uns Segen zu, indem wir ihn andern erbitten. So höre dann, o Gott, die frommen Wüns sche der Liebe für unsere Brüder und Schwestern, die wir kennen und nicht kennen, in der Nähe und Ferne; und wenn sich wegen unserer Kurzfichtigkeit in unser Gebeth etwas einmischt, das nur uns gut dünft, so laß dir wenigstens die gute 2lbsicht gefallen: so wie wir uns deine Wege, auch wo sie nicht die unsrigen sind, gefallen { Laffen 162 laffen wollen. Gib uns, Vater, erflehet, und nicht erflehet, das Gute! Aber das Böse wend ab, auch wenn wir es von dir erflehen! Wir fähen es gern, o Vater! daß des Gnten immer mehr, und des Bösen weniger würde in deiner Welt! Und wenn wir das Gegentheil zu sehen, oder befürchten zu müssen glauben, so wagen wir es wohl zu wünschen, daß es deiner Weisheit gefallen möchte, was deiner Macht so leicht werden müßte, fräftigere und wirksamere Mittel zu schaffen, zum Wohl deiner Menschen, und zur Hinderung dessen, was dieses Wohl auf Zeit und Ewigkeit zu zerstören arbeitet. Wir erkennen es mit Dank und Demuth, o Gott, welch ein Glück es für uns ist, Chris sten zu seyn! Aber eben darum betrübt es uns, wenn wir sehen müffen, daß so viele unserer Brüder sich selbst um dieses hohe Gut bringen, und fo leichtsinnig bringen lassen. Vorzüglich sehen wir mit Schmerzen, daß es Menschen gibt, welche, weil ihnen dein sanftes Joch, und deine leichte Laft zu drückend vorkommt, es abwerfen, um ganz nach den Lüsten ihres verdorbenen und verwilderten Herzens zu leben, daß es Menschen gibt, die nicht zufrieden sind, sich selbst an leib und Seele zu Grunde zu richten, sondern auch hine gehen und andere verführen, Unglauben und Laster, Thorheit und Verderben verbreiten. Soll ten 163 ten wir das nicht fühlen? woo bliebe unsere MenKhenliebe? 3u wem sollten wir aber, bey unserer Ohns macht, dem Uebel zu steuren, uns wenden, als zu dir, o Gott! Auf dich, auf dich werfen wir unfern Kummer. Dich, dich flehen wir an: Wehre dem Unglauben und der Gottlosigkeit; fehe den Verführern ihr Ziel, und, ists möglich, bessere sie, oder laß sie wenigstens einmal empfinDen, daß es das Schrecklichste unter allem Schreckfichen ist, die Seufzer verführter, um ihre Tugend, Ehre und Ruhe, um ihren Trost, ihr Glück, und ihren Gott gebrachter Seelen auf fich zu laden!- Rette, o rette die gefahrlaufende Unschuld der aufblühenden, feurigen, arglofen, leichtglaubigen und unerfahrenen Jugend. Halt ein den Seichtsinn der Unvorsichtigen. Unterstüße die schwache, wankende Tugend mit deiner Kraft. Hebe die Gefallenen auf, und leite die Verirrten auf den rechten Weg. Höchster Hirt der Seelen, fende deiner Heerde treue Hirten, und er fülle sie von deinem Geiste. Verleih ihnen Weis heit und Much zur gesegneten Führung ihres wichtigen Amtes, zur Wohlthat der Menschheit. Gib ihren Worten Kraft, und ihren Bemühungen Nachdruck, laß ihren Wandel leuchten und ihr Beyspiel gewinnen. Laß deine befeligende Relis gion in ihrer Lauterkeit gelehrt werden, und ja ihre Liebenswürdigkeit an die Herzen bringen. Seg= { a 164 Segne und leite den häuslichen und öffentlichen Unterricht: Laß den guten Samen tief Wurzeln faffen, und unverdorben zur Fruchtbarkeit reifen. Vater! ist es nicht möglich, daß bey der uns endlichen Mannichfaltigkeit der Verstandeskräfte, der Gemüther, der äußerlichen Umstände in der Welt, vollkomnere Einigkeit im christlichen Lehrvortrag und der Vorstellungsart herrsche; so laß uns doch alle, die wir an dich, und deinen Sohn glauben, einig seyn in der Liebe, und wahrhaftig christlichen Gesinnung. Laß diese Trennung uns serer Schwachheit nicht zum Anstoß werden, uns nicht zu lieblosen Urtheilen verleiten. Laß uns vielmehr insgesammt nach dem einzigen Nothwendigen trachten, das allein Beseligende, das Wefentliche unserer heiligen Religion suchen und üben. Wehre dem Aberglauben, und jeder schädli chen Frrlehre; den Nergernissen und Mißbrauchen, die deine Kirche verunstalten. Beschäme die Heuchler und Spötter. Belehre die Unwis fenden, führe die Frrenden zurück, und mache dich auch den Völkern fund, die dich noch nicht kennen, und in Finsterniß wandeln. Wir wünschten o Vater! daß der Freuden in der Welt mehr, und der Noth weniger würde: daß viele unserer Brüder, die von Armuth und Kummer gedrückt werden, ihres Lebens froher würden, daß so viele, die unter schweren Lasten hars 165 harter Herren seufzen, freyer athmen könnten; daß so vielen, welche durch die schrecklichsten Leiden ihres Körpers Tag und Nacht gemartert werden, wo nicht Genesung, doch Linderung und Erquickung zu Theil würde.- Wir wissen wohl, daß dieß alles weise Erziehungsmittel in deiner Vaterhand sind, und daß du besserst, indem du züchtigst, und heilft, indem du zu verwunden scheis nest. Aber wir wissen auch, daß der schwache Mensch von dem Gefühl des Gegenwärtigen oft so durchdrungen und niedergebeugt wird, daß er darüber die wohlthätigen Folgen vergißt, und vielleicht gar an dir und deiner Vorsehung perzagt; oder daß die beständige Empfindung des Elends allen Muth sich zu dir zu erheben, und alle Freudigkeit, die etwas hoffen möchte, dämpfet.- Du liebst alle mehr, als wir sie lieben können, und wirst dich ihrer erbarmen. So höre dann die stillen Seufzer des schlaflo sen Kummers: reiche dem Bedrängten, dessen einzige Zuflucht du bist, deine Hand. Nimm bich der hilflosen Wittwe an, und sey Vater der verlaffenen Waisen. Trockne die Thränen des Leidenden ab, und den Schweiß des Kämpfers und Arbeiters, wenn seine Kraft erschöpfet wird. Lege den Reichen Mitleiden und Demuth ins Herz, und den Armen Geduld und Vertrauen auf dich, der du auch für den Wurm sorgest, den unser Fuß zertritt. Erhebe den niedergeschlagenen Muth des Gedrückten, mache die Seele 23 des 166 bes Zagenden heiter. Gib auch dem Taglöh ner, der seine hungrigen Kinder vor fich sieht und sie dir, ihrem reichen Vater, empfiehlt, eine freudige Stunde. Labe die dürre Zunge des Kranken, und sey den Sterbenden gnådig. Laß in den Häusern Ruhe und stille Glückse figkeit herrschen. Gib allen Brod und Zufries denheit. Segne die Bemühungen der Welterra und Jugendlehrer; erleuchte und stärke sie ben bem wichtigen Geschäfte, Menschen zu bilden. Laß fie einst Trost an ihren Kindern erleben, ihre Hoffnungen erfüllt, ihre Liebe und Sorgfalt belohnt sehen. Erhalte unfern Landesvater. Unterstüße ihn mit Weisheit und mit Stärke zu feinem wichti gen Amte, das du auf seine Schultern gelegt haft. Gib ihm treue Diener. Segne seine Anschläge und Unternehmungen; befördere durch seine Hand deine Ehre und das Wohl seiner Unterthanen. Vergilt unfern Bohlthätern ihre Liebe. Laß uns ihrer werth seyn, und ihnen zeigen, daß sie fich in der guten Meinung, die sie von uns haben, nicht irren. Unsere Freundschaften feyen burch Tugend gestiftet, und unsere Liebe durch Religion geheiliget! Und follte uns jemand übel wollen, oder feindselig gegen uns handeln; so bewahre uns vor allem, was ihm Gelegenheit zur Fortseßung seis ner Bitterfeit geben könnte. Unser Herz sey willig zum Verzeihen, und bereit, mit Siebe und Dienst 167 Dienfteifer entgegen zu kommen, sich durch Großmuth zu rächen, durch Sanftmuth zu beschämen! O daß der Geist der Liebe immer allgemeiner unter uns werde, und uns antreibe, es nichs bloß bey frommen Wünschen bewendet seyn zu laffen; sondern zu ihrer Efüllung, in unserm Berufe nach dem Maaß der Kraft und Gelegenheit, die du uns dazu gibst, auch das unsrige beyzutragen, und also die Aufrichtigkeit unserer Gesinnungen durch Thaten zu erweisen. Du, der du mehr thun kannst, als wir bitten und verstehen, und eines jeden eigene Bedürfniss fe und Anliegen am besten kennst; nimm unser Gebeth gnädig an, und gib uns, und unsern Brüdern deinen ganzen Segen. Amen. 14 Buße 168 Buße. Das ist: Gedanken, Empfindungen, Vorsäge, Gefins nungen, und Religionsübungen eines Buß fertigen, der über Gott und sich nach, denklich geworden ist. Furcht vor Gott.*) Vater im Himmel! darf ich es wagen, meine Augen emporzuheben zu dir, und dich Vater zu nennen? Deine guten Kinder dürfen zutraulich und freudig vor dich hintreten, weil sie deine Gebothe halten und thun, was dir gefället. Aber wie werden die Ungehorsamen vor dir bestehen, unter welche auch ich mich zählen muß? Ertrag ich doch kaum die Vorwürfe meines Gewissens, das mich beschämt und bestraft, und wünsche, mich zu verbergen vor mir selbst. Wie würde mich erst Dein ganz untrügliches Urtheil von mir nie. der*) Anmerk. Hier wird das Wort in engerer Bedeutung genommen. Denn in der weitläuftigern und in der heil. Echrift gewöhnlichern ist Gottesfurcht nichts anders, als die ganze Religion oder Tugends dbung um Gottes willen. 169 berbrücken, wenn ich es jezt hören sollte! Und was nüßte es mich, wenn ich mir selbst entfliehen könnte, da ich doch dir nicht entfliehen kann? Ueberall fieht mich dein Auge, Allgegenwärtiger! überall fann mich dein Arm ergreifen. Du kennst mein Innerstes, die geheimsten Bewegungen und Anschläge meines Herzens sind dir offenbar, wenn sie auch nicht durch die That zur Vollendung fommen. Ich kann keinen Tritt thun, den du nicht weißt. Keine Verstellung, feine Finsterniß deckt mich vor dir. Wenn mich gleich kein menschliches Gericht anklagt noch verdammt; wenn selbst die Tadelsucht meiner schont: so bin ich doch nicht unschuldig vor dir, du Herzensprüfer! Warum scheu ich mich oft vor Menschen? Warum wollte ich, was zuweilen in meinem Herzen vorgegangen oder im Verborgenen von mir geschehen ist, auch meinem vertrautesten Freund nicht wissen laffen? Warum will ich es mir selbst nicht gestehen, und wünsche, daß es in ewige Vergessenheit kommen möchte? Ach! wie vielmehr hätte ich mich vor dir scheuen sollen, da ich doch glaubte und wußte, daß dir nichts von mir unbekannt bleiben noch entfallen kann, wenn es mir auch gelingen sollte, es vor der ganzen Welt zu verheimlichen oder aus ihrem Ges dächtnisse, wie aus dem meinigen, zu vertilgen! Und wenn auch mein leichtsinniges Herz das Ges wiffen einschläfern und zum Stillschweigen brings en könnte; was würde ich dadurch gewinnen? Es 25 würs 170 würde einst nur desto fürchterlicher erwachen, besto lauter wider mich zeugen und mich verdammen. Nichts bleibt mir übrig, als durch ernstliche Besserung das Unheil meiner Sünde aufzuheben und zu mildern. Du bist die Liebe, die höchste Güte. Dar um haffest du alles, was unrecht und böse, was deiner Absicht, deine Geschöpfe glückselig zu machen, und der Ordnung, die du deßwegen festges fehet hast, zuwider ist; und es fehlt dir nicht an Macht, diesen deinen Haß gegen alles Böse deutlich und nachdrücklich an den Tag zu legen. Die Uebertretter deiner heilsamen Ordnungen läss fest du dein Mißfallen empfinden, wie es deine Weisheit fordert. Wie könntest du deine großen und liebreichen Absichten in deinem Reiche hinausführen, wenn es deine Unterthanen nicht füh len müßten, wie unglücklich sie sich machen, wenn fie dir widerstreben, deinen heiligen Gefeßen ents gegen handeln und in ungebundener Freyheit les ben wollen! Du wirst zwar nicht, wie Menschen, beleis digt. Denn was kann dein armes Geschöpfe, das ganz von deiner Gnade lebet, dir entziehen oder geben? Nur sich selbst fügt es leid und Schaden zu. Aber mein Ungehorsam ist noch Ems pórung gegen deine liebevolle Oberherrschaft; fie ist Verachtung deiner wohlwollenden Gute, und dieß siehst du als Beleidigung an- gleich einem liebenden Bater, der sich für beleidigt hålt, wenn d feine 171 feine Kinder seiner Leitung und Warnung nicht folgen, sich plagen und unglücklich machen. Bracha te ihm selbst ihr Ungehorsam nicht den geringsten Nachtheil, so würde er doch über Beleidigung flagen, weil ihm feine liebreichen Absichten vereis telt werden; und was wird er nun thun? Er wird seinen ihm widerstrebenden Kindern seinen Unwillen empfinden lassen und sie strafen, um dem Uebel, das sie sich zuziehen, möglichst zu wehren, und sie zur Folgsamkeit und Besserung zu brins gen. So väterlich handelst du auch mit uns, o Gott, deinen ungehorsamen Kindern. So, und nicht anders, jurnst und strafeft du! Was könnte sonst oft die Hike meiner Begierden mäßigen, was könnte meinen Leichtsinn und Muthwillen in Schranken halten, wenn es die Scheu vor dir nicht thate, Herzensprüfer und Richter! Deine drohende Stimme schrecke mich vom Abgrunde des Verderbens zurück, wenn ich deinen freundlichen Winken nicht folge. Ich muß es inne werden, wie unglücklich ich bin, wenn ich auf deine väterlichen Ermahnungen nicht achte. Der Frevler kann nicht unbestraft bleiben. Er würde alles zerrütten; wenn ihn die Furcht vor Der Strafe nicht zähmte. So ist selbst deine Ges rechtigkeit, o Herr! welche den Sünder zittern macht, weise Güte, zum Besten aller, und noch heilsam für mich, zur Rettung vom Untergang, wenn deine wohlthätige liebe mein Herz nicht bewegt. Thors 172 Thorheit und leidige Folgen der Sünde. Ach! was ist die Frucht von allem, was ich bisher gegen deinen Willen, o mein Vater im Himmel, gedachte und redete, that und unterließ, liebte und haßte, hochschätzte und verachtete, fuchte und floh? Was ist der Lohn der Süns de? Ekel, Verdruß, Schaam, bittere Reue. Es ist keine Ruhe, keine wahre Freude im Herzen des Sünders, Gewissensanklagen foltern die bange Seele, verfolgen sie überall, und lassen sie felbst mitten im Taumel des Vergnügens nicht ungestört. Welches scheinbare Glück der Erde fann mir meine verlorne Unschuld und deine Freundschaft, o Gott! ersetzen? Was kann der Gewinn und Beyfall einer ganzen Welt mir nůBen, wenn innere Friede mir fehlt, wenn ich des Trosts deiner Kinder beraubt, und deiner Liebe nicht mehr werth bin, wenn mein eigenes Herz mich verdammit und sich selbst verabs scheuen muß? Auch Schande, Verachtung und Ehrlosig feit- Verfall der Nahrung und des Verms. gens, fümmernder Mangel und bittere Armuth Schwächung und Siechheit des Körpers glühende Schmerzen, schleichender und plöglicher Elend aller Art, an das der Sünder nie gédachte oder nur für ein ångstendes Traumbild ansah, das beym Erwachen verschwindet Tod zieht er sich früher oder später zu. O wie herb ist die Frucht Con MGANG 173 Frucht der Sünde! Wie ungeheuer und schreck. lich das Heer von Uebeln, die daraus folgen! Wäre doch deine Welt so schön, o Gott, und das Leben so selig, wenn alles nach deinen liebreichen Absichten und Vorschriften handelte! Die Sünde verwüstet alles, und macht das Erdenleben so traurig! So hast du es einmal eingerich tet, weiser Regent der Welt! daß die Uebertrettung deiner guten Gebothe sich selbst bestraft, daß die kurze Befriedigung einer verbothenen Lust oft langes Weh verursacht, und den Bösen Boz fes widerfährt! Jeht seh ich vielleicht die ganze Größe des Sündenübels nicht ein- fühle mein Elend nicht ganz. Du schonst meiner noch, Vater! und wartest auf Besserung. Aber wenn die Gnadenzeit verstrichen seyn und der Tag deines strengen Gerichts plößlich einbrechen wird- wenn ich, auf einmal hingeraft, und verlassen von allem, woran jetzt mein Herz hångt, in einer andern Welt, wie von einem Traum erwachen würde: großer Gott! wie würde es dann um mich stehen? Wenn du kommen wirst, gerechter Richter! jes dem zu vergelten nach seinen Werken; was würde dann mein Antheil seyn? Meine Thaten werden mich in die andere Welt begleiten, in die ich durch den Tod eintrete; dort werden sie mein Schicksal auf ewig entscheiden. Ich werde sterben, wie ich gelebt habe, und den Sinn, den ich sterbend hatte, werd ich in die Ewigkeit mit hine über 174 überbringen, da ich alles andere auf Erden zurücke laffen muß. In deinen Himmel kann nichts Unreines eingehen. Die Bösen kannst du in deinem seligen Reiche, wo nur Liebe und Friede herrscht, nicht långer dulden. Sie werden, ewig getrennt von dir, o Jesu! ausgeschloffen von den Seligkeiten, die deine frommen Verehrer und Freunde genießen verdammt in die Gesellschaft der verworfensten und unglücklichsten Geschöpfe, denen sie ähnlich sind und die sich unter einander peinigen und verfluchen gequält von den Vorwürfen ihres Gewissens, von ihren tobenden Leis denschaften und den unübersehlichen Folgen ihrer Sunde mit vergeblichen Seufzern nach der Geligkeit schmachten, die sie verscherzt haben, und die Begierden nicht befriedigen können, von denen sie gemartert werden. Wie werden sie mit zu spåter Neue ihre Thorheit bejammern, die Gerechtigkeit der Strafen erkennen, die sie auszu stehen haben, ihr eignes Dafeyn verwünschen und in den Abgrund der Verzweiflung verfinken! - we LA 7 Soll dieses Unglück einst auch mich treffen? Wer kann es sich vorstellen, ohne, Entfeßen! Schander überfällt mich, wenn ich daran gedenke! Was sagt mein Gewissen? Bin ich vielleicht der Gefahr näher, als ich glaube? Herr! du weißt es: zu dir nehm' ich meine Zuflucht. Du fannst mich bewahren und retten; und du willst nicht 175 nicht den Tod und Untergang des Sünders, son dern dein väterliches Verlangen ist, daß er sich bessere und selig lebe. Selbst die Schrecken der Hölle sollen heilsame Warnungen für mich seyn, und so viele Beweise und Erfahrungen deiner Güte versichern mich, daß du mich nicht verdammen, fondern befeligen willst; wenn ich nur deinen liebevollen Absichten nicht selbst widerstrebe. Vergebung der Sünden, oder Versöhnung mit Gott durch Jesum Christum. O wie traurig und angstvoll wäre jetzt der Zustand meiner Seele, zu welchen eiteln Versus chen und zu welchen unnatürlichen und verkehrten, meine Pein vergrößernden Mitteln, dich zu verföhnen und meine Sünden abzubüßen, würde ich greifen; wenn ich nicht wüßte, daß du Vater, daß du die Liebe bist. Nicht Seufzer und Thras nen, nicht zwecklose Selbfipeinigungen, nicht Sündenbekenntniß und Abbitte, können dich bewegen und mir deine Gnade erwerben. Du bist fein Vater, der mit seinen Kindern spielt, der strenge Befehle gibt, über welche er nicht hålt, der jedem Kinde so leichtsinnig verzeiht, so leichtfinnig die Verzeihung erbethen ward. Der einzige Weg, wieder zur Beruhigung und Glückseligkeit zu gelangen, ist Besserung meines ers zens und Lebens. Wenn ich es mir nur damit einen rechten Ernst seyn lasse, so hab ich an die einen verzeihenden Vater. Du wirst nicht so ause geföhnt, 176 geföhnt, wie beleidigte Menschen, noch wie Götter, die ihre Einbildung nach ihrem Bilde sich schuf. Du zürnest nicht, wie sie bist immer ein und ebenderfelbe- ewig gleich gerecht und barmherzig. In dir geht keine Veränderung vor, wenn du mit mir ausgeföhnt wirst, wie sie in versöhnten Menschen vorgeht. In mir muß fie vorgehen; ich muß mich durch gånzliche Befferung meines Sinnes und Lebenswandel deiner Gnade fähig machen. Diese trostvolle Wahrheit hast du der Welt durch Jefum Christum deinen Sohn geoffenbaret, und auch mir in seinem Evangelium fund gethan. Du fandtest ihn auf die Welt und gabst ihn in den Tod dahin, nicht daß er dich erst durch fein Blut zur Liebe gegen die fündige Welt bewegen müßte. Du liebtest sie, eh er kam und starb, und aus liebe gegen sie gabst du ihn ihr zum Rets ter und Seligmacher. Der Unschuldige starb für die Sünder, damit wir desto mehr von der Sünde abgeschreckt, und durch Besserung von ihr erlöft würden. So föhnte er die Sünderwelt mit dir aus, indem er sie haffen lehrte, was du has feft, und lieben, was du liebest! So wurde sein Tod von dir zu unserm Begnadigungsmittel verordnet, indem du ihn zum Heiligungsmittel machtest. Durch ihn ist auch mir Vergebung meiner Günden erworben und zugesichert worden. Du fannst, du wirst mir sie nicht versagen, mein Vater! 177 Vater! Du kannst, du wirst die Folgen meiner Sünden mir nicht zum Verderben gereichen las fen, wenn ich sie gleich noch empfinden und dus. den muß. Auch für mich hat sich dein Eingebore ner hingegeben; auch für mich vergoß er sein Blut. Sollt ich nicht ben aller meiner Srrafwürdigkeit noch Gnade hoffen dürfen? Zwar wird er, der mich), ohne mein Verdienst er« löfet hat, mich ohne meine Mitwirkung, nicht selig machen. Dieß ist einmal dein unveranderliches Geseß. Aber wenn ich in die Ordnung des Heils, die du långst durch Jesum gemacht hast, trete und darin bleibe so foll mir, ob ich gleich ein Sünder bin, noch Heil, unaussprechliches, ewiges Heil widerfahren. GES Hilf mir dazu, getreuer Vater! Erwecke mich zur Aufmerksamkeit auf meinen gegenwäre tigen und zukünftigen Zustand, und zur Rettung meiner Seele von dem, was ihr Verderben ist. Stärke mich durch findliches Vertrauen auf deine våterliche Barmherzigkeit zur Erfüllung meiner guten Vorfäße, zur glücklichen Aenderung meines Sinnes und Lebens, und zur standhaften Uebernahme aller Beschwernisse, die mit ihr verbunden sind. O daß ich doch einmal der Sün de abstürbe, und dem lebte, der auch zu meiner Bes gnadigung und Beseligung, ewig lebt. Amen. m Reus 378 Reugebeth eines redlichen Christen, der sich zwar keiner vorseglichen, schweren Vergehungen, aber doch mancher Schwachheiten und Fehltritte bewußt ist. Herr, du weißt alle Dinge, weißt, daß ich dich liebe. Aber du kennest auch meine Schwä che im Guten und die Flecken meines Tugent wandels; du kennest auch meine ungeheuchelte Bekümmerniß darüber. Du hast das gute Werk der Besserung in mir angefangen; du hast mich vor manchen Ausschweifungen verwahret, denen ich mich sonst ben jeder Reizung dazu überließ oder überlassen haben würde; ich habe, von dir geleis tet und gestärkt, schon einen merklichen Fortschritt auf dem Wege der Tugend gethan. D wie dank ich dir, mein Vater, daß du mich von der traurigen Herrschaft der Sünde befreyet, und so viel Neigung, Trieb und Kraft zum Gus ten in mir hervor gebracht hast, als ich, ohne Selbstbetrug, in mir fühle. Aber ich fühle es doch noch an mir, daß der Same der Sünde noch in meinem Herzen liegt; und um viel weiter hatte ich doch in meiner Befferung kommen kön nen, wenn mich nicht so oft leichtsinn und Trågheit anwandelte? Ach! vom Ziele der Vollkommenheit in der Zugend bin ich noch sehr weit zus ruck 179 rück! Wie wenig hab ich seit geraumer Zeit in deiner Erkenntniß und in der wahren Weisheit jugenommen! Wenn gleich mein Herz gegen dein ne heilfamen Befehle sich nicht mehr emport, so befolg ich sie doch nicht allemal so bereitwillig und genau, als ich sollte und könnte. Die finns lichen Begierden haben noch so viele Gewalt über mich: o wann werd ich sie schwächen? wann werd ich Abneigung und Zuneigung Haß und Liebe, Furcht und Hoffnung besser in Ordnung erhalten und regieren können? Ich weiß, daß du das Herz prüfest, und Aufrichtige feit ist dir angenehm. Dennoch hat sich schon oft mein Angesicht zur unrechten Zeit verstellt, und mein Mund anders geredet, als mein Herz dach te. Wie schwer fällt es mir noch, Beleidigungen ohne Wiedervergeltung des Bösen mit Bösem, zu ertragen, und Feinden Gutes zu thun! Wie fauer kommt es mich an, die verlästerte Unschuld zu vertheidigen, wenn ich nur einigen Nachtheil davon zu befürchten habe! Ich sollte, nach dem Beyspiel meines göttlichen lehrers, Sanftmuth gegen die Irrenden, Gedulo gegen die Schwa chen, die strengste Gerechtigkeit und uneigens rüßigste Menschenliebe beweisen. Aber meine Hiße ist doch noch zu auffahrend, meine langs muth ermüdet zu bald, und blendende Vortheile laffen mich nicht immer nach meiner Neigung zur Billigkeit handeln. Was ist größer als ein Herz, das fren von allen Bewegungen des Neids und bes Stolzes, Höhern ihr Glück nicht mißgönnet, Ma Die Carporta 180 die Niedrigern nicht verachtet, und das Wohl eines jeden Menschen für sein eigenes ansieht. Dieß erkenne ich; aber wie vieles hab ich noch in meiner Seele auszurotten, bis dieser hohe göttliche Sinn einer allgemeinen großmüthigen Menschenfreundschaft tiefe Wurzeln in ihr schlagen und die schönsten Früchte bringen wird. Heiliger Vater! wie fehlerhaft bin ich noch, da du doch täglich fortfährst, an meiner Besserung zn arbeiten! Wenn ich gleich, ohne eitle Einbildung und Selbstgefälligkeit, glauben darf, so manche unter denen, die ich genauer fenne, im Guten zu übertreffen: wie weit muß ich so manchen andern nachstehen, deren Beyspiel mich beschämt und anfmuntert? Und was soll ich sa gen, wenn ich an das Wort meines Jesus ges denke: Send vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist! O wie müßt ich zagen, wenn ich an dir einen strengen Herrscher und keinen Vater hätte, der Nachsicht mit seinen Kine dern trägt und Fehler von Verbrechen aufs genaueste unterscheidet! Was würde aus mir werden, wenn ich bey meiner Fehlerhaftigkeit mir felbst überlaffen bliebe! Wie viel schneller würde ich im Guten wieder abnehmen, als ich darin zugenommen habe! Aber du verzeihest deinem schwachen Kinde, das nicht immer schwach bleis ben will; du ziehest deine Hand nicht von mir ab. Stårke mich und ja du stärkest mich- daß ich einen Fehler, der mir noch anklebt, nach dem andern 181 andern ablege; daß ich aus Liebe zu dir alles nur mögliche Gute mit immer größerer Leichtigkeit und Freudigkeit thue, daß ich munterer zu deinem Lob und fester im Vertrauen zu dir werde, daß ich mich der Gerechtigkeit und Billigkeit ge gen jedermann noch mehr befleißige, noch mehr alles thue und unterlasse, was den Frieden erhal ten und wiederherstellen kann, noch mitleidiger und gutthåriger gegen Arme und Hilfsbedürftige, noch uneigennüßiger, demüthiger in meinem ganzen Betragen, noch geduldiger im Leiden werde. Etärke mich, daß ich jedem Trieb zum Guten gewissenhafter folge, jede Kraft dazu getreuer anwende, und von deinen unzählichen Wohlthaten einen immer weifern und heilsamern Gebrauch mache. Stärke mich, daß ich mich immer mehr selbst beherrsche: daß ich mehr auf jene vollkommene als auf diese vergångliche Welt sehe, und die zeitlichen Güter immer richtiger beurtheilen und so schäßen lerne, daß fie mich nicht an der Erwerbung der ewig bleibenden hindern. Laß mich bald mit Dank vor die erscheinen, daß du mein Gebeth um zunehmende Besserung erhöret haft. Amen. Σαβ Vorbereitung zur Beicht.*) 2044 Beicht und Buße werden von manchen für einerfen Sache gehalten. Aber viele beichten ohne wahre Büßer zu M 3 *) Dazu dienen auch die voranstehende Gebethe. 182 zu seyn. Die Buße ist ernstliche, mühsame Befferung mit Rücksicht auf Gott. Befferung ist kein Geschäft einiger Augenblicke, eini ger hergesprochenen Gebethe und frommen Seufzer. Ernstliches Nachdenken über sich selbst, feste Entschliefe fungen, und schon einige wirkliche Anstalten zur Besse rung müssen voraus gehen, und der Erfolg muß sie bes ståtigen. 3000 Der Grund und Anfang aller Besserung ist Selbsterkenntniß. Wirst du es wohl glauben mein Christ, daß du didy felbst gar nicht, oder nur wenig kenneft? Die wenig, ften Menschen kennen sich selbst ganz. Die Eigenliebe verblendet und scheut den Spiegel; die Zerstreuungen des Lebens lassen selten zum ernstlichen Nachdenken kommen; Leidenschaft und Gemächlichkeit sträuben sich ge, gen alle gründliche Untersuchung. Und doch ist an dies fer Untersuchung alles gelegen. Du magst sie auch vor nehmen oder verschieben; redlich oder unredlich dabey au Werk gehen: du bist doch einmal so, wie du bist. Gott wird dich einst nicht nach deiner und anderer Meis nung, sondern nach der Wahrheit richten. Das einzige Mittel, diesem strengen Gerichte, vor dem du keinen Augenblick sicher bist, zu entgehen, besteht darin, daß du dich selbst richtest, und die strengste Untersuchung deie ner selbst anstellst, um deine Besserung wirklich und gee nau darnach einzurichten. Einmal mußt du es doch wissen, und es bey dir selbst ausmachen, wie dein Herz comold 1005 and 183 und Leben beschaffen ist, wie du mit Gott stehst, und was du von ihm zu gewarten hast. Jeder Aufschub, jede Ausflucht oder Unredlichkeit ist Thorheit, wodurch du dich gegen dich selbst verfündigest. Richte deine Aufmerksamkeit besonders auf das, was dir am öftesten im Sinne ist, wenn du allein und uns beschäftigt bist, welche Gespräche, Unterhaltungen und finnliche Ergoßungen dir die angenehmsten; welche Rep zungen zur Sünde die gefährlichsten für dich sind; bey welchen Ausschweifungen du am ruhigsten bist; welche Bergehungen in deinem Lebenslauf und in deinen Beich ten am oftesten vorkommen? Untersuche ferner, was dich am ersten und heftigsten zum Zorn, zur Freude, zur Traurigkeit reißt; was du am liebsten thun würdest, wenn du völlige Freyheit hätteft; was dich) am leichtesten, und was am schwers ften ankommt? Was die Leute, die dich kennen, besonders deine Seinde, von dir halten? Von diesen fannst du oft am sichersten die Wahrheit erfahren, und vieles zu deiner Selbstkenntniß und Besserung lernen. Oming Wenn du auf solche Weise über dich selbst nachges dacht hast, und nun einsiehst, wo es bey dir vorzüglich fehlt, welche fündliche Neigung die größte Macht über dich hat, und wie weit es mit deiner Verschlimmerung oder Verbesserung gekommen ist: so laß dir dein Gewiss sen aufrichtig auf die Fragen antworten, welche dir oben zur täglichen oder doch wöchentlichen Prüfung vorgelegt sind. Durchgehe sie mit mehr Aufmerksamkeit als gee wöhnlich. Eile nicht mit flüchtigem Leichtsinn darüber SR 4 weg 184, weg; sie enthalten zugleich die wichtigsten Pflichten des Christenthums, und geben Veranlassung zum weitern Nachdenken. Wende jede Frage auf dich und deine Ums stånde an. Die Erkenntniß des llebels, das du gethan haft, das noch an dir ist, das du dir bereits zugezogen hast, und dir noch bevorsteht, muß nothwendiger Weise Abs fchen gegen das Böse, Betrübniß und ganz andere Gefinnungen erwecken, als du bisher hattest. Das Gewissen, wenn du es redlich erforscht hast, wird dir deine Thorheit und Strafbarkeit vorhalten; es wird dich be schämen, kränken, ångstigen, und für die Zukunft besorgt und vorsichtig machen. Dieß ist, was man Reue und Leid mit dem festen Vorfag nennt. Es bedarf nicht viel Er Flårens, worin sie bestehen, was dazu gehöre und wie fie beschaffen seyn müssen. Dein eigenes Herz weiß es dir am besten zu sagen, wenn es dir Ernst ist. Wenn du dir durch eigene Schuld und Thorheit großen Schaden und Schande zugezogen, wenn du Glück, Ehre und Ruhe dadurch verloren; wenn du die Freundschaft deines größten Wohlthåters, von dem dein ganzes Glück abhing, durch Verachtung seiner Güte und durch Wis derstreben gegen seine beste Absicht, dich zu beglücken, verscherzet hast: wie ist dir zu Muthe, so bald du es erkennst? Es reuet dich; es ist dir bitterlich leid; du verabscheuest deine That, und dich selbst, und wün scheft 185 scheft sie ungeschehen machen zu können; es kränkt dich, wenn du daran denkst; du meidest sorgfältig alles, was dich wieder dazu veranlassen könnte, und sinnest auf Mittel, das Uebel so viel möglich wieder gut zu machen, und die verlorne Gnade zu erhalten, fost es auch was es wolle. Die Reue bringt eine ganze Verändes rung in deinen Gesinnungen, und die Entschlieffung hers vor, dein ganzes Betragen ganz anders einzurichten. - Wende dieß auf die Sünde an sich auf Gott hin! Was Was hast du gerhan? Was hast du verloren?. hast du zu gewarten- und zu thun? Dein Gewissen, dein Glaube werden dir antworten. Dein Herz muß es dir sagen, ob du wahre Reue hast, und deine Bess ferung muß davon zeugen. - Diejenige ist die wahre, zur Vergebung der Sünden hinlängliche und nothwendige Reue, welche dir Abscheu gegen die Sünde und Liebe zu Gott einflößt, die dich also bekehrt( d. ist. von der Sünde zu Gott zurücke. kehren heißt) und bessert. Sie kann zwar aus der Be trachtung der natürlichen Folgen der Sünde entstehen; fie muß aber auch noch die höhern Bewegungsgründe haben, welche der Glaube, in Hinsicht auf Gott und Jesus Christus uns vorhält. M5 Reus 186 Reugebeth eines leichtsinnigen Sünders. Bater! ich hab gefündigt! Leichtsinnig und muthwillig hab ich deine guten Gebothe übertretten, deinen gnädigen Absichten entgegen gearbeitet, deine Güte verachtet, deine Gaben gemißbraucht? Wie thöricht habe ich gehandelt! Von dir mein Vater, zog ich meine Gedanken und meine liebe ab, folgte meinen Süsten und verführerischen Beyspielen, und stürzte meinem Verderben entgegen. Dich), die wahre Quelle aller reinen Freude und Glückseligkeit, verließ ich, und suchte sie da, wo ich sie nie finden konnte. Die lust eines Augenblickes, die tråge Bequemlichkeit, ein vergänglicher Gewinn, eine eitle Ehre konnte mich bethören, daß ich deiner vergaß, Pflicht und Gewissen verlegte, und meine ganze Glückseligkeit aufs Spiel sette. Ich glaubte deinem warnenden Worte nicht, und ließ mich von deiner väterlichen Hand nicht leiten. Nun sehe ich mich betrogen. Es ist kein Friede, kein Segen, außer dir, mein Gott! Wer von der Tugend weicht, der weicht von seinem Glücke. Die Wollust ist ein süßer Gift, und der Weg der Sünde, so bequem und angenehm er anfänglich ist, führt zum Verderben. Ich 187 Ich habe mich verirrt, unglücklich gemacht. Ich fühle mein Elend; und o daß ichs recht fühlte, und meine Strafbarkeit ganz erkennete! Mit gedemüthigtem Herzen geb ich mich schuldig, und bereue meine Sünde. Ich kann nichts anders, als wehmüthig zu dir aufcufen: Herr sen mie Sünder gnädig! Du wirst dein verirrtes Kind, da es wieder zu dir umfehrt, nicht verstoßen, Vater! Gehör ich denn nicht unter die, um derentwillen du deis nen Eingebornen fandtest? Bin ich der einzige Verirrte, den er nicht suchen wollte? Zu einer ewigen Glückseligkeit schufst du mich, und bereitetest mir alle Mittel dazu; du forgtest für mich von Mutterleibe an, und erhieltst mich von Mutterleibe an, und erhieltst mich bis auf diesen Augenblick, unter unaufhörlichen, meist unerkannten Wohlthaten. Mit unaussprechlir cher langmuth und Güte ertrugst du meinen Leichtsinn und Undank, hörtest nicht auf, mie Gutes zu thun, da ich Böses that, straftest mich nicht, wie ichs verdient habe. Du rettetest mich vom nahen Untergange; du kommst mir mit Erbarmen entgegen, und nimmst mich väterlich auf. Freude ist im Himmel über einen Sünder, der Buße thut. Ewige liebe! wie wenig erkannt ich dich! Wie erwiederte ich dich sogar nicht durch Gegens liebe: wie beschämt mich mein Herz und mein Seben! O daß .888 O daß ich dieß alles doch jetzt einmal recht zu Gemüthe faßte! daß deine Liebe doch einmal O meine ganze Seele durchdrånge, damit ich die Sünde als das größte Uebel bereuete und haffete, wie du sie haffest! O fönnte ich sie fammt ihren Folgen, durch meine Reue vertilgen! Vorsatz zur Besserung. Aber ich kann das Geschehene nicht mehr zernichten, das Vergangene nicht zurücke nehmen. Desto vorsichtiger will ich, durch Schaden gewarnet, in Zukunft werden. Jede Gelegenheit zur Sünde will ich sorgfältig meiden, besonders aber vor jener Sünde mich möglich hüten, der ich vor andern ergeben bin. ( Nenne sie hier, deine Lieblingssünde, eh du weis ter liefeft, und gelobe es Gott feyerlich an, dich mit allem Ernste davon zu entwöhnen. Thust du dieß ernstlich, wie vieles ist dann gewonnen?) Ich will mirs zugleich, fo viel an mir ist, angelegen seyn lassen, den Schaden wieder gut zu machen, den ich mir oder meinen Mitmenschen, an leib oder Seele, Ehre und Gut zuges fügt habe; das Versäumte mit gedoppeltem Eifer, nachzuholen; meine vernachläßigten Pflichten treuer zu erfüllen. Ich verzeihe auch allen von Herzen, die mich beleidiget haben, wie du, 2lllgütiger! mir verzeihen 189 zeihen willst; ich bin bereit, meinen Feinden die Hand zu biethen, und Gutes zu thun denen, die mir Böses wollen. Dich, mein Gott, will ich von nun an über alles, und meinen Nächsten wie mid) selbst lies ben; feines deiner Gebothe will ich muthwillig übertreten; ich will Gutes thun so viel ich kann, aus Liebe zu dir, zu meinem und meiner Mite menschen Besten. Dieß ist mein fester, ernstlicher Vorsag, den ich jest, Allwissender! faffe. Aber so oft schon habe ich Besserung versprechen; und in der nächsten Stunde habe ich meine theuersten Gelübde gebrochen. Kaum hebst du mich auf, so finke ich wieder; kaum glaub ich fest zu stehen, so neig ich mich schon wieder zum Falle. Dieß ist die traurige Geschichte meines Lebens. Wie wenig darf ich meinen festen Vorfäßen trauen! Herr bu kennst die Aufrichtigkeit, aber auch die Schwachheit meines Willens. Ich will! aber werde ichs auch vollbringen? Deine mächtis ge Gnade komme mir zu Hilfe, und vollende in mir was sie angefangen, und bis auf diese Stunde in mir gewirkt hat. Amen. Beicht. 190 * Beicht. Als Jefus am Tage seiner Auferstehung zu seinen vers sammelten Jüngern kam, sprach er zu ihnen: Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch.- ,, Wel chen ihr die Sünden erlassen werdet, denen sind sie era lassen; und welchen ihr sie behalten werdet, denen find fie behalten"( Joh. 20.) Behalten heißt so viel, als nicht erlassen, die Strafe aufbehalten, zur frühern oder spätern Vollziehung. Diese Gewalt üben in der römisch- katholischen Kirs che die Priester, als Nachfolger der Apostel in ihrem Amte, durch die Absolution, das ist, durch Lossprechung aus, welche jedoch nur dem reumüthig beichtenden Sünder,( den aber der Priester innerlich nicht kennt) im Namen Jesu Christi ertheilet wird, dem unbußfertigen aber versagt werden muß. Daher kommt die Schuldige keit, sich vor dem Priester zu stellen, und aller began genen schweren Sünden, wie sie dem Gewissen, nachy einer fleißigen und redlichen Erforschung, vorkommen, fich anzuklagen. Wähle, wenn es auf deine Wahl ankommt, einen eifrigen und verständigen Beichtvater, dem du es zue trauen kannst, daß er dich weislich und sicher führen wird. Hast du ihn gefunden, so entdecke ihm als deis nem Freunde, den ganzen Zustand deines Gewissens, auch wenns dich schwer ankommt, besonders da du viel leicht FOT leicht wieder in die alte Sünde zurückgefallen seyn soll. teft. Schamhaftigheit ist gut; sie gehört selbst zur Buße. Schame dich, die Sünde begangen zu haben, damit du sie nicht mehr begehest: scháme dich aber nicht, fie dem Diener Jesu Christi, der dich auf seinen Befehl und an seiner Stelle lossprechen soll und der dein Freund ist, zu bekennen, damit du geheilet und begnadiget werdeft. Aufrichtigkeit und Demuth sind die Eigenschaften einer guten Beicht. Nähere dich dem Beichtstuhle mit der Reue und Beschämung eines Uebertreters, der seine Vergehungen selbst erkennt, und durch sein zuvorkome mendes Geständniß Gnade zu erhalten wünscht. Sollte der Beichtvater es nothwendig finden, mit der Lossprechung zurück zu halten, so bedenke, was sie dir ohne Besserung helfen würde, und wie wenig sie dich beruhigen könnte. Er handelt aus Pfliche, und zu deis nem Seile. Erwäge selbst die Gründe seiner Entschei dungen und Vorschriften. Kannst du sagen, daß sie uns billig sind? Hast du aber Zweifel und Bedenken, die dich beunruhigen, so trage sie mit Bescheidenheit vor, und bitte dir nähere Erläuterung aus. Nach der Beicht. Uleberlaß dich noch eine Weile den Empfindungen der Reue, des Danks und Vertrauens. Denke den em, pfangenen Lehren und Ermahnungen, den vorgeschlage nen Mitteln, und zu treffenden Anstalten nach, und waffne dich mit Vorsicht und Standhaftigkeit zur Ausführung deiner guten Vorsäge. Gebeth 192 Gebeth nach der Beicht. Herr! ich habe meine Sünden vor dir bekannt, und ich) kann, bey meinem ernstlichen Bestreben mich zu bessern, getrost hoffen, daß du sie mir ver. geben habest. Dieß erwart ich von deiner Barmherzigkeit, ich glaub es auf dein Wort, treuer, gütiger Vater! und von ganzem Herzen dank ich dir dafür. O daß es nur auch meiner Seits an nichts gefehlt haben, daß meine Neue Herzlich, mein Vorsatz fest, meine Beicht aufrichtig genug gewesen seyn möchte! O daß ich die Gnabe, die mir widerfahren, und das Versprechen, daß ich dir gethan habe, Allwissender! nie wie der vergesse! Collte ich je noch das große Uebel thun, und wider Gott, meinen Herrn fündigen? Sollte ich den Reichthum deiner Güte und Langmuth verachten? Sollte ichs gering schäßen, daß du mir so viel geschenket hast? Sollte ich mich freywillig wieder zum Sklaven der Sünde machen, und mich mit neuen Schulden beladen, nachdem du jest eine so schwere Laft derselben von mir hinweggenommen haft? Davor bewahre mich mein Gott! So würde mein letter Zustand schlimmer werden, als der erste; ich würde deiner Erbarmung immer unwürdiger und unfähiger werden. Meine Verdorbenheit würde nicht mehr zu heilen, und meinem Elend endlich nicht mehr abzus helfen seyn. Nein, 193 Nein, mein Vater! deine Liebe, dein Wohl gefallen, den Trost eines guten Gewiffens, die Geligkeit, die du mir bereitest, will ich allem vorziehen, was zur Sünde mich reißen kann. Das dankbare Andenken an deine große Güte erhalte mich der Tugend treu, damit ich vor deinem Ges richte nicht erzittern darf, sondern ewiger Seligfeit entgegen sehen kann. Diese Gesinnungen werden mir die Beschwers den meiner Besserung erleichtern, und zu standhaften Ueberwindungen mich stärken. Es wird mich Kampf und Mühe kosten, meine herrschenden Neigungen zu besiegen, meine angewöhnten Fehler abzulegen, meine bisherigen Vernachläs Meine Heftigkeit figungen hereinzubringen. wird mich noch oft übereilen, meine Schwachheit wird zuweilen unterliegen. Aber unterdrücken will ich die aufsteigende böse Lust, so bald ich sie merke, den geschehenen Fehler verbessern, fo bald und so gut ich kann. Wachen will ich, und bethen, auf daß ich nicht in Sündengefahr ge rathe, ich will stets aufmerksam seyn auf mich felbst, und auf dich hinschauen, an dich mich halten, allgegenwärtiger Helfer und Belohner! Die leiden und Widerwärtigkeiten, die du über mich verhängen wirst, und die ich mir wohl größtentheils selbst durch meine Thorheit und Un besonnenheit zugezogen habe, will ich mit Ge duld und Gelassenheit ertragen. Du züchtigst als Vater, mit Weisheit und Milde.- Wenn N meine 194 meine Sünden mich strafen, so soll mir die Strafe zur Warnung und Besserung dienen. Auch mit der verdrüßlichen und widrigen Gee müthsart, mit den Gebrechen und Leiden meiner Mitmenschen will ich Mitleiden, Schonung und Geduld haben; wie du sie mit mir hattest, Erbarmer! Ich will bereit seyn zu geben und zu helfen, wie du es bist; ich will Friede fördern und halten, wie du mit mir, und in mir Friede gemacht hast, versöhnter Vater durch Jesum! Nichts breche, nichts store ihn ferner, diesen se ligen Frieden. Amen. Dieß sind nun die Gesinnungen und der Geist der christlichen Buße. Wohl dir, wenn du wirklich so ents schlossen und so beschaffen bist, wie du gebethet hast! So lassen sich gute Früchte der Buße, so läßt sich dauerhafe te, und immer fortschreitende Besserung hoffen. Du bist nun begnadigt. Sündige nicht mehr, damit die nicht was årgers widerfahre. Daß die vom Beichtvater gemeiniglich vorgeschrieben nen wenigen Gebethe und lebungen, die man die aufs gelegte Buße oder Genugthuung zu nennen pflegt, diea selbe schon ausmachen, glaubt wohl kein vernünftiger Christ. Vor Zeiten waren die Kirchenbußen sehr strens ge und anhaltend; aber eben deßwegen auch desto wirks famer. Doch wurden sie manchmal eifrigen Büßern zum 195 zum Theil, oder aus erheblichen Ursachen, auch ganz nachgelassen, oder in andere für gut befundene Werke. verwandelt. Dieß ist der Ursprung der Ablåffe, welche mit der Zeit sich immer mehr vervielfältigten, und die alten Kirchenbußen, bey zunehmender Lauigkeit der Christen und veränderten Umständen, ganz in Vergess fenheit brachten. Dadurch kann aber die Nothwendige keit, selbst solche Früchte der Buße zu bringen, die ih res Namens werth sind, eben so wenig aufgehoben seyn, als es ohne ernstliche Besserung und damit vers bundene beschwerliche Liebungen, keine Vergebung der Sünden gibt. Ohne dieselbe helfen alle Beichten und Ablasse nichts. NNA Communionandacht. Die beste Anweisung, zum Tische des Herrn zu gehen, gibt Paulus, der sie von Jesu selbst erhalten hatte. So Nachdem er die Einsehungsgeschichte des Heiligen Abendmahls erzählet hatte, spricht er 1. Kor. 11: oft thr also dieses Brod effet, und von diesem Kelche trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommt, das heißt: ihr sollt dabey mit Lob und Dank das Andenken eures Erlösers feyern, seine große Liebe betrachten, und euren Glauben an ihn bekennen, der für euch den Tod gelitten hat, aber jetzt im Himmel lebt, und wieder kommen wird, euch zu sich zu nehmen, wenn ihr seinen Lehren und Beyspielen folgen werdet. Wer 196 Wer hun unwürdig dieses Brod iffer und vom Rela che des Herrn trinket, der vergreift und verfündiget sich an seinem Lebe und Blut! Kein Christ denke: was kann es zu bedeuten haben, ob ich diese außerliche Religionshandlung auf eine anständige oder unanständi ge Weise vornehme, ob ich weiß und überlege, was ich thun will, oder ob ich mich leichtsinnig und unehrerbies thig dabey bezeuge. Es kommt ja hier nicht bloß oder hauptsächlich Brod und Wein in Betrachtung; du hast es vielmehr mit dem Leib und Blut Christi zu thun. Du entehrest ihn und handelst dem hohen Werth, den feine Aufopferung in deinen Augen haben sollte, entgegen, wenn es dir gleichviel ist, mit welchen Gedanken und Gesinnungen du jenes Brod genießest und aus jenem Kelche trinkest. Muß ein solcher unwürdiger Ges nuß nicht höchst strafwürdig seyn? Ist es nicht so viel, als ob der Leib und Blut Christi mißhandelt würde, und muß eine solche Mißhandlung nicht eine schwere Vers schuldung für dich seyn? Es prüfe sich also der Mensch zuvor selbst und dann komme er, von diesem Brod zu essen. Du wirst den Zustand deiner Seele vor der Beicht, welche eben dess wegen vor der Communion vorgeht, geprüft und unter= sucht haben. Sagt dir dein Gewissen noch, daß du nicht aufrichtig zu Werke gegangen bist, daß es dir mit deiner Besserung nicht völliger Ernst ist, daß du der Günde nicht ganz entsagt hast, so wisse, daß du auf eine unwürdige Art communiciren würdeft, wenn du auch gleich deine Andacht mit der größten äußerlichen Ehrers biethung 197 biethung vornehmen wolltest. O wage es nicht mit un reinem, unbußfertigen Herzen dich zu nähern. Es wird aber noch eine andere nåhere Prüfung, und Vorbereitung gefordert, um von dem Genuß dieser gött lichen Speise denjenigen Gegen zu erhalten, den Chris ftus darauf gelegt hat. Hast du die rechte Absicht? Ift es ehrerbiethige Liebe und herzliches Zutrauen zu Jesu, was dich antreibt, an seinen Tisch zu kommen? Oder ists bloß Gewohnheit, Wohlstand, und heiliger Brauch, was dich dazu bewegt? weil etwa heut ein Festtag ist? Stehst du in der gehörigen Gemüthsverfaffung? Dars über prüfe dich! Noch hast du Zeit, dich zu sammeln und durch Gebeth und Betrachtung dein Herz zur Ans dacht zu erwecken. Schröcklich ist, was der Apostel noch einmal sagt: wer, unwürdig ist, und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unters scheidet, da er zu dem Tische des Herrn, wie zu einem gemeinen Tische, hinzugeht, ohne Zubereitung, ohne Andacht, ohne Besserung. Dieses ehrfurchtlose Betragen ist grober Undank und vermessene Geringschåßung des Erlösers, wodurch sich der Mensch, anstatt Gnade zu ers langen, Ungnade und Inheil zuzieht. Welch ein betrübter Zustand ist es, wenn auch das Fräftigste Heilsmittel keine Wirkung mehr thut, wenn das Allerheiligste selbst keinen Eindruck macht, schlecht behandelt und gemißbraucht wird. So viel Beichten und Communionen und so wenig Besserung. N3 Las 198 Laß dich aber dadurch nicht kleinmüthig machen, guts. ter Christ, wenn du auch bey dem redlichsten Willen und Streben doch immer noch Fehler der Uebereilung, die Macht alter Gewohnheit, oder die Folgen deiner ehmas ligen Vergehungen zu beseufzen hast. Demüthige dich vor Gott und Jesu. Seine Gnade ist größer, als deine Unwürdigkeit. Das Gefühl deiner Armseligkeit soll dich nicht abhalten, sondern vielmehr bewegen, der Einlas dung deines liebenden Heilands zu folgen, der allen heilsbegierigen und bußfertigen Seelen zuruft: kommt her zu mir, ich will euch erquicken, ihr werdet Ruhe finden. Wie das gemeine Brod dem Leibe die gesündeste, fråftigste Nahrung gibt: so wirst du an diesem geheilig. ten Tische, nach Maaß deiner Vorbereitung neue Stårs kung erhalten zur standhaften Ausübung deines Christen. thums, zum bessern, zum ewigen Leben. Vorbereitungsgebeth. Vor der beil. Communion. Du sahest von deinem Kreuze, göttlicher Er. löser, so langmüthig und erbarmend auf deine Freunde und Feinde herab. Schaue, ach schaue! von deinem Himmel, in welchen du dein liebvolles Herz mitgenommen hast, mit gleicher Langmuth und Erbarmung auch auf mich, auch jetzt in diesen Augenblicken hernieder!" Ich 199 Ich will das Gedächtniß deines Todes feyern, ich will zugleich genießen, was du deinen Vere ehrern zum Genuß stiftetest, als du im Begriffe stundest, deinen heiligen Leib aufzuopfern, und dein Blut zu vergießen zum Heil und Leben der Welt. Gib, daß es mir eine segensvolle Feyer, und ein wahrer Seligkeitsgenuß für mich werde! Mein Sinn und Geist erhebt sich zu dir; und ob dich gleich das geheiligte Himmelsbrod, das mir dargereicht wird, meinem Auge nicht dar stellt, so erscheinst du doch unter der Gestalt def felben meinem Glauben, der nicht auf das Sicht. bare, sondern auf das Unsichtbare gerichtet ist. Schon so oft wurde ich an deinem Tische, zur Nahrung und Erquicfung meiner Seele gespeiset. Du weißt, Ullwissender! in welcher Absicht, mit welcher Zubereitung, mit wie viel Frucht ich diese Seelenspeise empfing. War es der gedankenlose Leichtsinn, der mich hieher führte? Wollt ich nur aus Wohlstand und Gewohnheit nach christlicher Sitte mich richten, um meinen Christennamen nicht verdächtig zu machen?- Oder suchte ich gar den eitlen Ruhm der Scheinheiligkeit? Oder ließ ich es endlich überall bey frommen Gedanken und Empfindungen bewendet seyn, die so schnell wieder verschwanden, als sie entstanden waren, und meine Seele innig bewegten, ohne sie gründlich zu bessern? N 4 Ach, 200 Ach, mein Erlöser! so unwürdig und fruchtlos werd ich schon öfters an deinem Tische erschienen feyn! Gib du es mir so deutlich und lebhaft zu erkennen, als ich es erkennen muß, um heute mit desto mehr Würdigkeit und desto größerm Segen für meine Seele erscheinen zu können! Tråt ich jezt, als dein Feind vor dich hin, der dich und deinen Tod und deine Befehle nicht achtet, ich weiß, du würdest deine ehmalige Bits te für deine Kreuziger Vater, ,, vergib ihnen, sie wissen nicht was sie thun" auch für mich wie derholen:-- Aber wehe mir, wenn ich unter der Anzahl deiner Feinde erfunden würde! wehe mir, wenn ich dann frech genug wäre, mich an deinem Tische unter deine Freunde zu mischen! Sollte bisher Feindseligkeit oder Abneigung gegen dich und gegen deine heilige Religion in meinem Herzen gewesen seyn: so vertilge sie von heute an daraus, und bewahre mich vor der schweren Verantwortung, das Heiligthum mit unehrerbiethigem, dir widerstrebenden Herzen empfangen zu haben. Laß mich nicht das schreckliche Schicksal deiner Verachter und Feinde treffen. Auch als Freund, der sich beym heiligen Sakramentsgenuß dir aufs neue ganz ergeben will, bedarf ich deiner schonenden liebe. Meine Liebe zu dir, der du auch für mich dein Blut vergoßest und starbst, sollte längst die feurigste seyn, und, ach! sie ist noch immer so laulich). Ich follte 201 follte aus Dankbarkeit für das, was du für mich gethan und gelitten haft, alles für dich thun und es ist noch so wenig davon geschehen. Meine guten Werke, die diesen Namen verdienen, verlieren sich unter der Menge der bloß scheinbaren, oder der verwerflichen; und wie fehlerhaft, wie unvollkommen sind die besten darunter! Ich follte freudig allem entsagen, was dir zuwider ist; ich sollte selbst mein Leben hingeben, wie du, wenn der Wille Gottes dieß kostbare Opfer von mir, wie von dir, forderte: und es kostet mich noch immer so viel Ueberwindung, auch nur so manche schnöde Luft, so manchen unbedeutenden Vortheil fahren zu lassen. Ich sollte der Tugend und meiner Pflicht bis in den Tod getreu bleiben, wie du ihr getreu bliebst, und ich weis che so oft von ihr ab, wenn ich ihr gleich nicht ganz entfage. Du warst unter den empfindlich ften Mißhandlungen und Schmerzen, in der tief sten Angst und äußersten Verlaffung so gottergeben, so geduldig, so sanft, so verzeihend, so liebreich und ich, dein Freund du weißt, ob ich es seyn kann- bin unter kleinen Beleidigungen und geringen schmerzhaften Empfindungen felbft im Wohlstand, fo murrend und unzufrieden mit Gott, so ungeduldig, so hart, so schwerversöhnlich, so liebeleer. Längst hätte mich das Angedenken an deinen heiligen Tod, und die Theilnehmung an seinem vollen Gegen vollkommner machen sollen- und ich bin von wahrer christlichen Vollkommenheit noch so weit N5 202 weit zurücke!-Schaue, ach schaue, mein liebvoller. Erlöser mit Sangmuth und Erbarmen auf Deinen schwachen Freund herab. Herr, deine Kraft ist in den Schwachen start! die Speise, die du mir darreichst, sey stärkende Nahrung meiner Seele. Der glaubensvolle Empfang dieses heiligen Sakraments deines Leibs und Bluts soll mich aufs innigste vereinigen mit dir, wie du mit dem Vater eins bist. Du sagtest selbst: wie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich durch ihn lebe: so wird, wer mich genießt, durch mich leben". Du bist das vom Himmel gekommene Brod, das dem Geist das wahre Leben gibt! 11 Vertrauensvoll komme ich also, auf deine Einladung, auf deinen Befehl, o Jefu! an Deinen Tisch. Deine Güte ist größer, als meine Unwürdigkeit.- Wenn ich mein Herz reinige und zu deinem Empfang bereite, so gut ich kann: wenn meine Seele nach dieser göttlichen Speise sich sehnet, und mit dir sich zu vereinigen trachtet; wenn mein Verlangen und Bestreben ernstlich wenn meine Verehrung und liebe zu dir aufrichtig ist: so hältst du mich deiner nicht unwürdig, du kommst meiner Schwachheit selbst zu Hilfe. So gewiß ich an dein Wort glaube, so sicher darf ich auf deine Güte hoffen! O gib mir die ganze Größe deiner Liebe zu verstehen, damit ich erkenne, was ich dir schuldig bin, und dich 203 bich wieder liebe, wie du mich zuerst geliebt haft. Ich stehe jezt im Begriffe, das theuerste Unterpfand deiner Liebe zu empfangen. Dafür sey dir die meinige geweihet, Bester, liebenswürdigster Einziger! Wie du dich für mich hingabst, so ergebe ich mich dir! Dir will ich anhängen mit ganzer Seele, dir will ich folgen auf allen Wegen meines Lebens. Nichts soll mich von deiner Liebe scheiden. Amen! Nach der Communion. Unbethungswürdigster! Heiligster! Was kann ich in deiner mir so nahen Gegenwart thun, als mich in tieffter Ehrfurcht vor dir demüthigen, und verstummen! Preise den Herrn, meine Seele, und vergiß dir erzeigt hat. ewig der Gnade nicht, die er Was konnte deine Liebe, o Herr! mehr thun, das sie nicht gethan hätte! Ergrüne den kann ich sie nicht; nur glauben, anbethen und danken kann ich. C Wie soll ich dir alle deine Liebe vergelten göttlicher Jesus! Du bedarfst meiner Lobeserhebungen so wenig, als meiner Dienste. Nur daß ich mir was du für mein Heil thatst, zu Nußen mache, deine liebvolle Absicht an mir in Erfüllung bringe, und selig zu werden trachte, verlangst du von mir! Dieß soll das Bestreben meines Dankes und die Frucht meiner Undacht seyn! Bey 204 Ben deinem heiligen Leibe den ich genieße, schwör ich dir zu, Glauben und gutes Gewissen zu bewahren, und erneuere mein heiliges Taufges lübde. Nie will ich mich deiner, und deiner dehre schämen. Mit herzlichem Beyfall will ich sie annehmen und mit standhafter Treue befolgen. Auf dich und das Verdienst deines Todes will ich mein ganzes Vertrauen seßen, wenn meine Sünden mich fränken! wenn mir Noth zustößt, wenn die Furcht des Todes mich ångstet. Durch dich und von dir will ich Vergebung, Beystand, Errettung und Seligkeit erbitten, erwarten, erlangen! Gib, daß mein heiliges Gelübde nie gebrochen werde! 50 Wie du, Mittler zwischen Gott und den Menschen, die ganze Welt mit gleicher Liebe umfaffest, und dich allen mittheilft, die sich nach die fehnen, so will auch ich keinen von meiner Liebe ausschließen, feinem Beleidiger, selbst meinem ärgsten Feinde nicht, soll sie versagt seyn. Ver. sagtest du sie doch deinen blutdürftigen Verurtheilern zum Kreuze nicht! Was du erlöset haft und was dich verehret, wo und wie es dich verehrt, foll mir theuer und werth seyn. Mit diesen Christen hier, welche zu gleichem feligen Genuße vor deinem Altar sich eingefunden haben und Eines Brodes theilhaftig werden, will ich mich insbefondere so liebreich vereinigen, wie die Glieder eines Leibes miteinander verbunden sind. Mitleiden, Wohlwollen, Dienstbefliffenheit und Gutthätig 205 thätigkeit gegen alle, die sie verdienen und bedürfen, sollen mich auf allen meinen Wegen begleiten. Bis in den Tod, nicht erst ihm nahe, will ich der aufrichtige und thätige Menschenfreund seyn, den ich an dir erblicke, da und eh du am Kreuze hingst. Gib daß mein Vorfaß nicht wanke, nicht unerfüllt bleibe! Sollte ich mich von der Sünde, sey's welche es wolle, beherrschen lassen, da dein Tod meine Erlösung von ihr werden sollte? Sollt ich ihr nicht absterben, da du um ihretwillen starbft? Sollt ich nicht der gottgefälligen Tugend leben, wie du Gott lebtest und seinen Willen vollbrachtest? Soll ich denn dir in deinem Tod und Leben nicht ähnlich werden? Solls nicht meine Speise und Nahrung seyn, den Willen meines Gottes zu thun und sein mie aufgetragenes Werk zu vollenden, wie du das deinige unermüdet vollbrachtest? Darf ich jest von deinem Tische weggehen, im Wahne Nachläßigkeiten in meinem Dienst und Beruf würden durch meine gehabte Andacht vergütet? Soll ich nicht vielmehr durch dich, du Brod der Lebens, gestärket, nur desto eifriger in allem seyn, was du mir in meinem Umte und Stande zu thun befohlen haft? Gib, daß ich wolle was ich soll, und zu thun vermöge, was ich will. 517 Du unschuldiger Sohn Gottes, littest mehr, als ich schuldiger Sünder leide, oder leiden wer de, 206 de, so lang ichy lebe. Dir gelob ich gottgelaffene Geduld in meinen jeßigen oder künftigen leiden die schwache Nachahmung deines Helden muths. Selbst die Beangstigungen und Schmergen des Todes sollen mich nicht in Trostlosigkeit und Verzweiflung stürzen. Ich will den bittern Todeskelch einst desto getroster trinken, weil auch du ihn trankst; ich will mit dir sterben, damit ich mit dir lebe. Sollte mich der Tod von dir scheiden, der mich nur näher mit dir vereinigen foll? Gib, daß mir der getrofte Muth des Glaubens von nun an nie entfalle! O selige Communionandacht! wenn ich dieſe Früchte des Glaubens, der Siebe, der Geduld der Hoffnung von ihr einsammle! Wie gelabet, und wie reichlich begabt, kann ich auch bey diesem Gottesdienste werden, wenn ich dich, mein Heiland, im Geist und in der Wahrheit anbethe und von dem, was mir in die Augen fällt, auf steige als auf einer Leiter gen Himmel, wo du Sohn Gottes! lebst und regiereft! Und wenn ich wieder hieher komme, um den Genuß des heiligen Mahls zu wiederholen, und dann meinem Gott keine Vergehungen, sondern nur Schwachheiten und Fehltritte abbitten darf, wie fie das beste Kind von dem besten Vater abbittet, wenn ich dann vor deinem Angesichte, ohne Betrug der Eigenliebe, rühmen darf: So weit brachte ich es göttlicher Erlöser, durch die Kraft deines Todes, seit meiner letzten Commus nion im Guten und in meiner Heiligung. Taue sendmal 207 fendmal sey dir, liebster Jesus! bank dafür!"/ werd ich dann nicht Freudenthrånen vor deinem Altare weinen? Schaue, ach! schaue mit Langmuth und Ers barmung auf mich herab; damit dieß alles ges schehe, und ich ein so seliger Christ werde. Am. Verehrungen Jesu. Vorerinnerung. So wenig ein Christ die wahre Natur und Beschaffenheit seiner Religion kennen würe de, wofern er seine Andacht einzig und allein an die Person und Geschichte Jesu Christi hinge, ohne Stoff und Nahrung für sie aus den Lehren von Gott, von der Bestimmung des Menschen, und von seinen Pflichs ten zu ziehen: so unchristlich würde er handeln, wenn er seine Andacht mit allem unterhalten wollte, was seis ne heiligen Religionsbücher in sich fassen, nur mit dem nicht, was sie ihm von Jesu Christo so deutlich als glaubwürdig berichten. Es muß ja doch für jeden Chris sten höchst interessant seyn, den göttlichen Stifter des Christenthums, dessen Namen wir führen, dessen Schüs ler und Nachfolger wir heissen, dem wir so großes Heil bereits zu verdanken haben, und von dem wir noch grös Beres hoffen, aus dem rechten Gesichtspunkte zu bes trachten, und ihn dann in dieser Gestalt vor den Augen zu behalten. Er ist weder ein zu subtiler noch ein zu trockner Gegenstand für die Andacht; vielmehr ist alles, was 208 was uns die evangelische Geschichte und Lehre von ihm erzählt und sagt, so groß und so sehr unsern Bedürfnissen und Wünschen angemessen, daß Geist und Herz dadurch erhoben werden und Befriedigung darin finden kann. Auch ist alles, was ihn betrifft und angehet, mit dem übrigen Inhalt seiner Lehre so verwebt, daß es sich von ihr nicht so leicht scheiden läßt, ohne ihr ihre Eigens thumlichkeit zu entziehen, wodurch sie sich von allen ans dern Religionslehren unterscheidet. Es werden daher in der christlichen Kirche nicht nur jeden Sonntag einzelne Stücke aus seiner Lebensgeschich te beym öffentlichen Gottesdienste vorgelesen, erklärt, und sowohl zu seiner Verehrung als auch zur Befördes rung des praktischen Christenthums angewendet, sondern es sind auch gewisse Tage und Zeiten des Jahrs besona ders dazu bestimmt, das Angedenken an die merkwür bigsten Begebenheiten und Zeitpunkte seines Lebens, nämlich an seine Ankunft auf Erden, an seine Todesleiden, an seine Auferstehung, an seine Himmelfahrt, an die Sendung seines Geistes, zu erneuern und feyerlich zu begehen. An diesen Sesttagen soll das merkwürdig. ste, das Lehr. und Trostreiche dieser großen Begebenheit dem Verstand und Herzen der Christen so deutlich vora gestellt, so nahe gelegt und so unvergeßlich gemacht wera den, daß dadurch die beste, bleibende Wirkung in ihrem Gemüth und Leben hervorgebracht werde; und diese Aba sicht sollen auch die nachstehenden Verehrungen Jefu bea fördern helfen. Aber der Zweck ihrer Abfassung würde kaum halb erreicht, wenn man sich ihrer nur in der Ada ventzeit und an Weihnachten, nur in der Fasten oder am 209 am Charfrentage, nur an Ostern, am Auffahrtstage und an Pfingsten bedienen wollte. So verkehrt und fast lächerlich es gehandelt wäre, wenn jemand an den Fest tagen jede andere christliche Wahrheit und Vorschrift überdächte, und nur diejenige, zu deren Beherzigung jene Tage von den ältesten Zeiten her festgesetzt worden sind, überginge: so wunderlich würde es herauskommen, wenn jemand glaubte, Setbetrachtungen seyen fo genau an jene Tage angeheftet, daß die darin enthaltes nen Religionslehren zu anderer Zeit wenig oder gar nicht wiederholt und überlegt werden müßten. Findest du die gegenwärtigen erbaulich, d. i. belehrend, rührend und bessernd, so mache in und außer den Festtagen, nach Bedürfniß und Veranlassung, heilsamen Gebrauch das von. Du findest vielleicht manches darin, was du in andern sogenannten Festandachten seltner antriffft. Solltest du aber auch darin irgend etwas vermissen, was du in jenen zu finden gewohnt warst, so ergånze sie daraus. Siehe nur zu, daß deine Berehrungen Jesu vernünftig Herzlich und thätig seyen! Soll ich noch anmerken, daß es nicht nöthig sey jébe jumal längere Betrachtung, auf einmal zu lesen. Vielleicht ists für die Erbauung der meisten am zuträg lichsten, wenn sie nur immer einen oder zwey Absätze burchlesen, und nach ihrem Inhalt desto reiflicher überlegen. Absicht 210 Absicht der Ankunft Jefu in die Welt. ( Für die Adventszeit und für Beynachten beson ders bestimmt.) Jesus Christus ist in die Welt gekoms men, die Sünder selig zu machen. Wichtige und erfreuliche Lehre, die in diesen Tagen in der ganzen Christenheit verkündiget wird! Mache sie auch mir, o Gott, aufs neue so theuer und werth, daß sie nicht bloß so lange, als die dem Angedenken an die Ankunft deines Sohnes in die Welt besonders geheiligten Tage gefeyert werden, sondern so lange ich lebe, meine Andacht und mein Nachdenken beschäftige. Ja, mache mich der Seligkeit, die du reuigen Sündern bestimmt hast, so gewiß theilhaftig, so gewiß du beinen Sohn ehemals in der Absicht in die Welt gefandt hast, sie auf den Weg der Seligkeit zu führen. Auch heute leite mich weiter auf diesem Wege fort, und bringe mich der Glückseligkeit, die Jefus durch seine Ankunft auf Erden für alle bereitete, immer näher, bis ich sie einst ganz ers reicht haben werde. Schöpfer der Welt und ihrer Bewohner! gepriesen sen von mir und ihnen allen deine unausfprechliche Weisheit und Güte! Alles 211 Alles, was du hervorbrachtest, war sehr gut, als du es mit einem Blicke überschautest. Dein Bild trugen die erstgeschaffenen Menschen an sich, denen du die Herrschaft über alle lebende Ges schöpfe um sie her übergabst, und den vollen Ge nuß aller Gaben der von dir bereicherten leblofen Natur einräumtest. Unschuldig und zur vollkoms menen Tugend und Heiligkeit gebildet, stunden fie unter der Menge deiner unverbesserlichen Wers ke da. Kein Keim des Bösen sproßte in ihrer noch unerfahrnen und unverdorbenen Seele auf; noch kein Verführer schlich sich ein, der ihre glückliche Unwissenheit zu ihrem Schaden mißbrauchte, und ihre natürlichen Triebe, die du ihnen zu ihrer Erhaltung und Glückseligkeit einpflanztest, ausschweifen lehrte. In findlicher Einfalt folgten fie deinen väterlichen Belehrungen und Befehlen, und du belohntest ihren Gehorsam, mit uns gestörter Ruhe, Zufriedenheit und Freude. Kein Gedanken des Todes kam in ihre Seele; zur Uns sterblichkeit schufst du sie, ohne sie vor der Sterbe lichkeit zittern zu lassen. Gott! wie felig waren fie, wie felig! Ach daß sie es nicht blieben! Ihre Unschuld ging verloren. Die sinnliche Begierde fing an, der Vernunft und deinen Gebothen, treuer Vater der Menschen! vorzubringen. Sie lernten aus eigener trauriger Empfindung den Unters fchied des Guten und Bösen kennen, und ließen sich doch immer von neuen Reizungen des Bösen verführen. So blieben sie die gehorsamen Kins 212 der nicht mehr, die auf jeden deiner Winke achteten. Sie wurden Sünder, die wenn sie gleich deine rächende Strafe nicht verfolgte, doch die bittern Früchte ihres Unverstandes und Eigenwil lens genießen mußten. Du zogest deine wohlthätige und fegnende Hand nicht von ihnen ab; aber Schaam und Reue, Unruhe und Kummer, Mangel und Schmerz und Tod ließest du sie empfinden. So wollte deine Liebe sie weise machen, ihrem größern Verderben steuern, sie in der Tugend üben, und zu der Seligkeit führen, die du ihnen zugebacht hattest, ehe du den Grund zur Welt legteſt! So willst du, barmherziger Vater! alle ihre Nachkommen zur Seligkeit führen, feit dem Sünde und Tod durch sie in die Welt gekommen ist! Kein Paradieß auf Erden mehr, in welchem Unschuld wohnte! Ueberall herrscher Sünde und übet Gewalt. Von sündhaften Menschen stammen von Geschlecht zu Geschlecht sündhafte Menfchen ab. Ehe noch das Kind das große Ges schenk der Menschheit, den Verstand, den du ihm gabst, anwenden und, was gut und böse ist, prüfen kann, wird schon der Reiz der Sinnen und der Eindruck des verführerischen Beyspiels so stark, daß es das Böse ungeprüft wählt. Von frühster Jugend an gewöhnt, der trügerischen Sinnlichkeit zu folgen, fällt es dem armen Menschen fchen so schwer, ach! ich fühle es, so schwer den bessern Vorstellungen, Rathschlägen und Warnungen zu folgen, die ihm seine erwachte und geübte Vernunft aus sich selbst, und aus deinem heiligen Wort ertheilt. Scheinbare Vergnügungen und Vortheile blenden ihn, daß er die wahre Freude und Glückseligkeit, die deine Liebe ihn genießen lassen will, übersieht und gering schäßt. Um jene zu erlangen erlaubt er sich alles, übertritt deine heiligen Gebothe, die lediglich auf fein Bestes abzielen achtet der Liebe und des Glücks seiner Nebenmenschen nicht- und wird selbst gegen dich, gütigster Bater! fremde und feindselig. Er wird ein Sünder, und entfernt fich immer weiter von seiner Seligkeit, je mehr er von deinem wohlthätigen Gesetze abweicht. Cantonghe 213 03 moned Auch ich gehöre zu dieser Sünderwelt. Könnt ich mich auch vor dir Allwissender! einer redlichen und eifrigen Zugendliebe rühmen, so könnt ich doch nicht von Unsündlichkeit sprechen. Wer will einen Reinen finden, wo feiner rein ist? Und was nüßte es, wenn ich unaufhörlich jene goldnen Zeiten des Standes der Unschuld zurücke riefe, oder ihre Unwiederbringlichkeit befeufzte! Lieber will ich mich glaubensvoll, getroft und freudig an dein Wort halten, daß Jesus Chris tus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen. Durch ihn hoffe auch ich, von Sünde und Eleno befreyet zu werden, und vom Tode ins ewig glückselige Leben hindurch zu bringen. Gotf PATVIND 214 Gett! wie flåglich war der Zustand der Welt vor der Ankunft deines Sohnes auf Erden! Des sto höher preise ich deine Erbarmung, die ihn fandte, dem weitverbreiteten Uebel und Eiend zu steuern. Zwar deine Güte war, ehe er noch erschien alle Morgen neu. Du thatest deine milde Hand täglich auf, und segnetest das ganze Menschengefchlecht mit unzähligen Wohlthaten und Gütern: doch warst du von den wenigsten Menschen als der einzige Urheber aller Glückseligkeit recht ers fannt, und verehrt; und wie unglücklich ist der Mensch, der seinen ersten und größten Freund nicht fennt, von dessen Güte er lebt? Wie viele Quellen der Freude verstopft sich der Thor, der in seinem Herzen spricht: es ist kein Gott! und in welche verderbliche Laster stürzt ihn sein Wunsch und Wahn, von dir nicht bestraft zu werden! Wie angstet der vernunftlofe Götterdienst das menschliche Herz, und welche ausschweifungen er laubt er ihm dagegen, um ihm gleichsam die lange Furcht zu vergüten, womit er es martert. Wenn ich gleich außer dir, Schöpfer und Herr Himmels und der Erde! feinen andern Gott glaube und verehre, wie vieles würde doch meiner Glückseligkeit mangeln, in wie viel Unruhe, Beschwerde, Elend und Trostlosigkeit würde ich mich versenken, wenn mein Glauben an dich vom Aberglauben verdunkelt wäre, wenn ich nicht wußte, wie du gegen mich gesinnet bist, und was 218] was ich dir zutrauen darf, was du von mir forderst, und wie ich dir gefällig werden kann? Ach! wenn ich glaubte, daß du, im Himmel eingeschloffen, deine Seligkeit, unbekümmert um das Thun und lassen, Glück und Unglück deiner Geschöpfe, genoßest-- wenn ich glaubte, daß du nicht eben so sorgfältig auf mich achtetest als auf die ganze Welt, und nicht eben so weislich und liebreich, als unbegreiflich regiertest wenn ich glaubte, daß du, gleich den Königen der Ers de, in Tempeln wohntest, um bloß oder vorzüg lich) da angebethet zu werden, wie diese in ihren Pallåsten die Verehrungen ihrer Diener empfane gen- wenn ich glaubte, deine Gebothe seyen eigenfinnige Befehle, wodurch du nichts als deine OberHerrschaft beweifen wolltest, wenn ich glaubte, daß du nur drohest, zürnest, und strafest, und mehr gefürchtet als geliebet werden wolltest wenn ich glaubte, daß dich der Dankbare oder der Sünder nicht anders als durch Gaben oder Opfer befriedigen und besänftigen könne- wenn ich glaubte, daß du, ben aller ungleichen Austheilung deiner Gaben unter die Menschen, nicht alle mit gleicher liebe umfaßteft, fie nicht alle fes lig machen wollteft!-- Gott! was wäre als dann mein Glaube an dich! Wie beschwerlich, angstvoll und freudenleer würde er feyn! Wie könnt ich ben einem solchen Glauben dich findlich lieben, mein ganzes Vertrauen auf dich sehen, und deine Gebothe mit Vergnügen befolgen! Wie könnt ich ein seliger Mensch dabey seyn! 04 Das way Bund mwing 216 Daß ich eine seligere Erkenntniß von dir habe, hab ich der Sendung deines Sohnes zu verdanken. Er ist in die Welt gekommen, das Licht dieser Kenntniß anzuzünden, und zu verbreis ten, da zuvor die Finsterniß der Unwissenheit und des Aberglaubens alle Völker des Erdbodens bes deckte. Er hat dich als den Vater der ganzen Welt bekannt gemacht, der ein genaues Augenmert auf alle feine Kinder richtet der feins davon verläßt noch versäumet, der nichts von ih nen fordert, als was sie, ohne ihren eigenen groß ten Schaden, nicht ungethan lassen können- der nicht zurnt, wie Menschen zurnen, und im Strafen die Liebe ist, wie im Belohnen, der an Gehorsam und Barmherzigkeit sein Wohlge fallen hat, und nicht am Opfer, der das einzige Opfer Jefu Chrifti für alles gelten läßt, was ihm Menschen bisher zu seiner Aussöhnung und ihrer Entfündigung darbrachten, weil er das Verder= ben des Sünders nicht will, sondern denen, die fich beffern, gerne verzeiht und aus ihrem Sundenelende hilft. Chattano 1 Gott! welch ein feliger Glaube! Wie stark hilft dieser meiner Tugend und Schwachheit auf! Wie getroft, freudig und glücklich kann ich nun, in findlicher Liebe und Zuversicht zu dir, leben, wenn ich gleich ein fündhafter Mensch bin! O Gott! wie dank ichs dir, daß Jesus Christus in die Welt gekommen ist, die Sünder durch deis ne Erkenntniß selig zu machen! 217 22 DO Mehr Sprog So ist denn auch durch ihn der Sünde gesteuert worden! Die wahre Erkenntniß Gottes, die er der Welt mitgetheilt hat, kann nicht so unwirksam seyn, daß sie der Untugend und( afterhaftigkeit nicht Einhalt thun sollte; und kam Jefus Christus in die Welt, die Sünder selig zu machen, so kam er gewiß auch in der Absicht, die errschaft der Sünde zu schwächen, Sie ist ja unser Verderben: wo sie herrschet, da ist nur Scheinglück, feine Seligkeit. his Selig sind wir, hochgelobter Sohn Gottes! daß du erschienen bist, uns die lossprechung von der Schuld und Strafe unserer vormaligen Sünden durch dein Leben, Leiden und Sterben, so gewiß zu verschaffen und so stark zu versichern, als wir es zu Beruhigung unseres Gewissens nur. immer wünschen können. Noch feliger sind wir, daß du erschienen bist, um uns Erkenntniß, Untrieb und Kraft zur Vermeidung fünftiger Sunden, zur Besiegung lasterhafter Gewohnheiten, zur eifrigsten Tugendübung, zu verschaffen. - Wenn ich, nachdem ich von Gott begnadi. get worden bin, hinginge und aufs neue fündige te dann wieder reuvoll die Vergebung meiner Sünden, suchte aber auch wieder in diese zurückfiele; wie wäre es möglich, ben einem solchen Wechsel Glückseligkeit zu finden! Empe - 218 Empfange meinen und der ganzen Welt ewigen Dank, daß du erschienen bist, die Sünden der Welt zu verföhnen und-wegzunehmen. Wie deutlich hat Jesus Christus in feiner Heiligen Lehre das Gute vom Bösen, die wahre Tugend vom Tugendblendwerk unterschieden! Wie genau verband er darin die innerliche und äußerliche Rechtschaffenheit miteinander! Wie warnte er fo treulich vor der tückischen Heucheley, und vor dem todten, an guten Werken leeren Glauben und Gutmeinen! Wie viele laster stürzte er, welche die Welt für gleichgültige und erlaubte Dinge, und sogar für glänzende Tugenden hielt! Aus welcher reinen Quelle leitete er alles Gute her-aus wahrer Gottes und Menschen liebe! Wie mächtig weckte er das natürliche Gefühl des Wahren, Anständigen, und Edlen in den Menschenseelen auf! Mit wie viel eindringenden Bewegungsgründen rief er die Bösen von der Sünde zurück, und munterte sie zur Tugend auf! Wie einleuchtend und stärkend ist sein untadelhaftes Beyspiel, wodurch er seine Tugendleh. ren bekräftigte! Hätt' ich ihnen schon längstens Gehör gegeben, und Folge geleistet; welch ein glückseliger Mensch war ich schon längstens durch sie geworden! Und welch ein gesegneter Wohnplaß wäre jeder Ort, wo Christen beysammen leben, wenn sich alle vereinigten deinen Lehren, göttlicher Lehrer, von ganzen 219 ganzem Herzen gehorsam zu werden. Wenn sie gleich noch nicht überall Eingang gefunden haben, so hast du doch durch sie schon so viele Siege über greuliche, die Menschheit schåndende, und ihr Glück zerstörende Laster davon getragen, die vor deiner Erscheinung auf Erden ihr Haupt frech empor hoben. Du hast doch durch sie schon viel hohe Tugend gewirkt, und viel Gutes gestifs tet, das ehehin eine Seltenheit war. Was wür de geschehen, wenn niemand ihre selige Wirkung an sich und andern hinderte! wie deutlich würde sich erproben, daß du in die Welt gekommen bist, die Sünder selig zu machen! * Auf Erden und im Himmel die Sünder sea lig zu machen, bist du in die Welt gekommen, göttlicher Jesus! Laß dir das Stammeln meis nes Danks dafür gefallen! Ich könnte die Liebe des Vaters, der dich in die Welt fandte, nicht genug preisen, wenn er beschlossen hatte, auf die Unglückseligkeit eines kurzen, schnell vorübereilenden Erdenlebens end. lofe Seligkeit folgen zu lassen. Aber seine Er barmung wollte den Anfang unserer Seligkeit schon hier machen und sie dann ewig fortseßen. Ja, ewig, ewig, soll ich leben und glück felig fenn! Mir dieses aufs glaubwürdigste zu vers fichern und zu dieser unvergånglichen Seligkeit mich fähig zu machen, kamst du auf die Welt. Hätte 220 SHätte mich mein Gott mit allen Arten mensch. licher Glückseligkeiten überhäuft, wie würde mir doch ihr reinster und edelster Genuß verbittert, wenn ich immer des Augenblicks gewärtig seyn müßte, der mir diesen frohen Genuß auf ewig entzoge, und mich in Nichts verwandelte! Ohne Hoffnung eines zweyten Lebens ist keine Seligkeit, für Sterbliche auch in dem ersten! Dieß sagt mir meine Vernunst, mein innerstes Gefühl sagt es mir- und du, hochgelobter Jesus! haft diese befeligende Hoffnung über allen Zweifel erhoben, und durch dein göttliches Zeugniß das nach Uns sterblichkeit sich sehnende Menschenherz fest und gewiß in seiner Erwartung gemacht. Die helles ste Gotteserkenntniß und die gottgefälligste Tugendübung reicht nicht zu, Menschen selig zu machen, so lang sie noch die Furcht des Todes und der Zernichtung quält. Tu wollteft sie dieser Qual nicht länger überlassen, und damit nichts fehlen möchte, was zur Beseligung der Menfchen gehört, so bist du in die Welt gekommen dem Tode die Macht zu nehmen, indem du durch dein Evangelium Leben und Unvergånglichkeit ins Sicht gesetzt hast. * Diese Seligkeit, und dein göttliches Verdienst, sie mir in aller Welt zu erwerben, fey mir heute und allezeit vor Augen, so oft ich an deine heilvolle Geburt erinnert werde, Sohn des Allerhöchsten! Ich Ich will mit meinen Gedanken nicht bloß bey ihr, und der wunderbaren Geschichte davon, stehen bleiben, sondern vielmehr meine Andacht und meinen Glauben mit dem unterhalten, was der Zweck davon war. Ich will dich, erhöheter Je fus! mir nicht sowohl als ein schwaches in der Krippe liegendes, und in den Windeln weinendes Kind, sondern vielmehr als den größten Abgefandten Gottes an die Welt, und als ihren Seligmacher vorstellen, der aus dem zu Bethlehem gebornen Kinde der jungfräulichen Mut ter geworden ist. Ich will mit den Abbildungen deiner Geburt fein frommes tåndelndes Spiel treiben, sondern ihr Anblick foll mich zur hohen ernsten Wahrheit hinleiten, daß du in die Welt gekommen bist, die Sünder selig zu machen. * * 221 Wieviel hat Jesus Chriftus, von seiner Ge burt an, gethan und gelitten, um die Absicht seiner Sendung in die Welt zu erfüllen! Und wie viel wird er ferner thun, damit sie nach Gottes Willen vollends hinaus geführt werde! oral Er machte feine gierigen und stolzen Ansprüc che auf weltliche Hoheit, irdischen Reichthum, und sinnliches Wohlleben. Ihr Besiß und Genuß würde ihn an dem großen Werk der Erleuchtung und Beseligung der Welt gehindert haben; und das Beyspiel seines prachtlofen un Doch seligen Lebens- denn Gott fonnte feinen Sohn 1 222 Sohn doch kein unfeliges Leben führen laffen follte der Welt den augenscheinlichsten Beweis aufstellen, daß wahre Seligkeit nicht an irdische Glücksgüter gebunden sen. Nicht bloß die Bes quemlichkeiten und Freuden, die er auch in seinem armseligen Leben hätte haben können, opferte er auf, sondern auch sein Leben selbst nur um Sünder selig zu machen; und was er zum Heil feiner Zeitgenossen that, das war für alle ges than, die durch ihn selig werden sollten. alle erkennen daraus, wen und wieviel wir an ihm haben, und was er jetzt und in allen künftigen Zeiten an allen Menschen thun werde. Die Abficht seiner Geburt und Erscheinung ist noch nicht vollführt. Die Sünder selig zu machen, ist noch immer sein göttliches Geschäft; und was er deshalb auf Erden that, war, so groß und herrs lich es ist, doch nur ein kleiner Anfang in Vergleichung mit dem, was er seit seiner Erhöhung in den Himmel zur Seligmachung der Menschen bewirkte, und bis ans Ende der Welt bewirken wird. Mache du selbsten mein Heiland! dieß alles meinem Glauben unvergeßlich, daß dein Ruhm in meinem Herzen und in meinem Mund nie ermatte, nie ersterbe! So wahr du in die Welt gekommen bist, Je fus Christus! die Sünder selig zu machen, so wahr 223 wahr will auch ich Menschenwohl befördern hela fen! Dieß gelobe ich dir heute feyerlich, und dieß Gelübde zu halten, soll die Wirkung aller meiner Festandachten feyn! Ich will gerne in Niedrigkeit leben, weil ich auch da, in jedem Berufe, in welchem ich stehe, nach dem Maaß meiner Kräfte, Beyträge zum Glück meines Nebenmenschen thun kann, die Got tes Allwissenheit, Weisheit und liebe nicht unbemerkt, nicht ungesegnet lassen wird. Gerne will ich meinem eigenen Vergnügen entsagen, um meinem Nächsten Freude zu machen, gerne mancherley Beschwerden überneh men, um sie ihm abzunehmen. Ac So will ich dir durch Wohlwollen und Wohl thun ähnlich werden. Ich wollte nicht wünschen, in die Welt gekommen zu seyn, wenn ich nicht Gutes stiften sollte in der Welt, wie du. Aber ach! wenn ich doch unselig bliebe, da du doch in die Welt gekommen bist, Sünder selig zu machen! Ach! wenn die Meinigen, wenn andere, die ich kenne, durch dich Seligkeit erlangten, und ich müßte sie entbehren! praiseserį Ach! wenn leichtsinnigere Sünder, und der verruchtesten viele, durch dich selig würden, und ich nicht! grantety ghen Hier 224 Hier lieg ich vor dir, o Seligmacher! auf meinen Knien, und flehe zu deiner Barmherzigfeit um Abwendung alles dessen, was deine Erscheinung auf Erden an mir vergeblich mas chen könnte. Mit vollem Glauben mit völligem Ge horsam ergeb ich mich dir heute aufs neue! So werd ich hier und dort mit namenloser Freude rühmen, daß du auch mir zum Selige macher geboren wurdest! Chriftliches Nachdenken über die Todesleiden unseres Herrn. ( 3ur Unterhaltung der Andacht in der Passionss zeit und Charwoche besonders bestimmt.) err stärke mich, dein Leiden zu bes denken. 3war ist es mir nicht unbekannt; es wird mie stets verkündigt; ich seh es überall abgebildet; ich knie hin vor diese Abbildungen, und scheine voll Andacht zu seyn. Aber leider! bin ich nicht im mer, was ich scheine; was ich sehe, höre und weiß, wird von mir nicht reiflich genug überlegt; und macht 225 macht selten einen tiefen bleibenden Eindruck auf mein Herz Oft ist er desto schwächer, und vors übereilender, je geläufiger mir die Vorstellungen geworden sind, die mir gemacht werden. Darum fleh ich zu dir: err stårke mich, dein Leiden zu bedenken! Sonst fruchtete es ja nichts, wenn ich dir gleich auf allen deinen leidenswegen Schrite vor Schritt nachginge. Je bridalong tin tipi di Was littest du, auch Mensch, wie ich, und Menschenfreund, wie keiner, da du von einem treulosen Jünger verrathen, und von einem schwas chen verläugnet wurdest! Was littest du, als in deiner tiefen Seelenangst Blutschweiß von die floß! Was littest du, als du, deiner hohen Würs de und vollkommenen Unschuld dir bewußt, ges fangen genommen, der Gotteslästerung, der Vers führung und Aufwieglung des Volks beschuldiget, zum Kreuzestode verurtheilt, und gleich als ob dieser nicht schmählich und schmerzlich genug gewesen wäre, zuvor von Hohen und Niedern boßhaft beschimpft und mißhandelt wurdest! Was littest du, als ein Schwert durch deiner Mutter Seele bey ihrem Hinaufblicken zu deinem Kreuze drang, und du die bittern Thränen deiner Freun de fließen sahst! Was littest du, als du von Gott, der dich nie verließ, verlassen zu seyn schienst! Zerr stärke mich, dieß Leiden zu bedenken! Mein Angedenken daran sen fein flüchtiges, fein faltblütiges, fein unfruchtbares Angedenken! P Soll 226 Soll ich dich nicht beweinen, großer leidena der? follen sich nicht, wenn ich an dein Kreuz erinnert werde, Thrånen aus meinen Augen ere gießen? Aber du wolltest ja selbst von mitleidigen Seelen nicht beklaget seyn, die dich auf deinem Todesgang erblickten; wie viel weniger wirst du jetzt von deinen Freunden bange Beseufzungen Deiner ehemaligen Todesleiden verlangen, da sie längst überstanden und mit unaussprechlicher, himmlischer, göttlicher Freude verwechselt worden find? Also über mich und meine Sünden soll ich weinen und dann soll mich dein Tod beruhigen, indem er mich bessert und heiliget; und so ihn zu bedenken, stårke mich err! Zerflöß auch mein weichliches Herz in Thränen darüber, was wäre es, wenn meine Rührung, wie Wasser, zerflöße, ohne gute Wirkung zurück zu lassen? Aber wenn je dein Tod, in stiller Undacht von mir betrachtet, meinem Auge eine fromme Zähre ablockt, die wirst du, göttlicher Freund! niche verachten. membe Zahlreich und schwer waren deine Leident, Dieß erkennet meine Seele wohl, und nie komme mir es aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet hat, mir das zu werden, wozu du mir von Gott verordnet warst mir Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung zu verschaffen. Aber zerr! stärke mich, deine Leiden so zu bedenken, daß ich mein Gemüth immer mehr auf ihre Absicht, als auf ihre Größe hinrichte, fie - 227 fie mehr benutze als berechne und abwåge. Du starbft nicht für mein Anstaunen, sondern für mein Seil. Mit deinem Blute hast du deine Lehre versies gelt, die du mit so viel Weisheit und Seelenruhe, Demuth und Sanftmuth, liebe, Geduld und Standhaftigkeit unter den boshaften Widersprü chen, lästerungen und Verfolgungen vorgetragen hattest. Geist und Leben war jedes Wort, das aus deinem Munde ging. Noch nie hatte ein Mensch geredet, wie du; keiner Gott und seine Verehrung und seinen Willen geoffenbaret, wie du! keiner findliches Vertrauen auf deinen, alles wohlmachenden Vater im Himmel gelehret, wie du; feiner so gewisse und erfreuliche Aussichten ins Leben nach dem Tod hinüber eröffnet, wie bu; feiner so heilig gelebt, als er lehrte, wie du; feiner seine göttliche Untrüglichkeit durch solche Thaten bewiesen, wie du! Ach! wie müßt ich doch alles Gefühl für alles, was wahr und gut, edel und heilig, herzerhebend und herzerquickend ist, verloren haben, wenn ich deine Lehre nicht achtete, ihr sogar widersprache, und entgegen handele te! Sie müßte mir über alles theuer und werth seyn, wenn du auch nicht so viel um ihrentwillen gelitten hättest. Mit welcher Hochschäßung, mit welchem Beyfall und Gehorsam muß ich sie nun annehmen, da du, von allem, was du lehre test, nicht ein Wörtlein widerrufen hast, sondern Pa dich 228 bdich lieber martern nnd freuzigen ließeft, als daß du der göttlichen Wahrheit abtrinnig geworden wärest? Dieß immer zu bedenken, stårke mich, Du großer Märtyrer! wenn deine göttliche Lehre mir zweifelhaft, gleichgültig, zuwider werden will; wenn ich von innen und außen gereizt und gelocket werde zur Uebertrettung ihrer heiligen Gebothe, wenn ich um ihrentwillen angefoch= ten würde und von ihren Verächtern einigen Spott und Nachtheil zu besorgen hätte! Hat sie dir doch den bittern Kreuztod zugezogen, und du verläugnetest sie nicht, ihres himmlischen Ursprungs und unschäßbarsten Werthes gewiß. Sollte ich das schnöde Gelächter der Religionsspotter, oder irs gend eine schnöde sündliche Lust, deren Besiegung mir einigen Kampf kostete, mich vom Glauben an dich und von der Befolgung deiner heilsamen Vorschriften abwendig machen lassen? * Das vollkommenste Tugendmuster, das du überall warst, warst du auch in deinen Todesleiden. Dein Vater ließ sie dich erdulden, damit wir ein Vorbild hätten, wie wir leiden und sterben sollen, und dann in deine Fuß stapfen treten möchten Wie unschuldig littest du? Dich machte deine gerechte Sache nicht troßig, nicht starrsinnig, nicht auffahrend wie uns Du vergaltest nicht Scheltwort mit Scheltworten, nicht Böses mit Bösem, du drohe teft PRAY outovend 229 test nicht, du rächtest dich nicht. Selbst Gott flehtest du nicht um Rache, sondern um Begnadigung deiner Mörder an, und ihm, der recht richtet, stelltest du alles heim.- Weislich, zur rechten Zeit und am rechten Orte, freymüthig, aber ehrerbiethig gegen ungerechte Richter verantwortetest du dich), und schwiegst.- Du warst nicht unempfindlich; du fühltest deinen Schmerz; zite tertest, und zagtest sogar. Aber du versankst nicht in Kleinmuth und Trostlosigkeit; du überwandst Angst, Qual und Tod. und Tod. Das Vertrauen auf Gott, dessen Willen du dich ganz ergabst, und die Hoffnungen des feligen Ausgangs deiner Leiden ließ dich doch siegen. Unter der größten Pein fühlte dein mitleidiges Herz zugleich jedes fremde Elend; du warst Tröster und Helfer, da du feinen hattest. err! stårke mich, dein Leiden zu bedenken, um in dem meinigen ges finnt zu seyn und zu handeln, wie du in dem dei Stårke nigen gefinnet warst und handeltest. mich, daß ich darin liebreichen, und, wie ichs vermag, thätigen Antheil an dem Leiden aller meiner Mitchriften nehme, das mir bekannt wird; daß ich sie bedaure und unterstů. Be, wie ich bedauert und unterstüßt zu werden wünsche.- Stärke mich, daß Schmerz und Ungeduld meinen Verstand nicht betäube und mich nicht zu Reden und Schritten eines Thoren verleite- Stårke mich, selbst den Urhebern meiner Leiden Liebe beweisen zu können.- Stärke mich, daß ich vor selbst verschuldetem P3 Jam 230 Jammer und leid verwahret bleibe; und wenn ich mit gutem Gewissen leide, so laß meine innere Seelenruhe durch mein ganzes äußerliches stil. les und sanftes Bezeigen sichtbar werden. * Ich bin dein Erlöster so wahr du am Kreuze gestorben bist, bin ichs; denn durch deis nen Tod hast du mich von der Sünde erlöst. Werd ich von ihr und ihrem Unheil doch nicht los: fo leb ich freywillig in ihrer Sklaverey. Du lit. test und starbst um mich davon zu befreyen. Ich soll den Schaden, den meine Sünden und Unge rechtigkeiten angerichtet haben, nach allen meinen Kräften zu vergüten und zu ersetzen suchen; ich muß dir desto williger und freudiger alles aufopfern, was ich vermag, je weniger davon ich zuvor aus Liebe zu dir, zu deiner Verherrlichung und zum Besten meiner Nebenmenschen, das du suchtest und von mir befördert sehen willst, angewen det habe; ich muß mir desto mehr Gewalt an. thun, um meinen fündlichen Begierden Einhalt zu thun, je mehr ich sie bisher über mich herrschen ließ, ich muß desto eifriger in Andachtsübungen seyn, je laulichter ich darin war, und je mehr mein kaltes Herz durch dieses Hilfsmittel erwärmt zu werden bedarf. Dieß sind die Genugthuungen und Abbüßungen, welche der höchste Gefeßgeber von mir fordert, wenn ich mit ihm ausgeföhnt und von der Schuld und Strafe meiner Sünden befreyt seyn will. Längst hast du, Göttlicher Mittler! G 231 Mittler! viese Ausföhnung durch deinen Tod bewirkt und versichert. Mögen die traurigen Fol gen meiner bereuten und abgelegten Sünden und bösen Gewohnheiten noch fort dauern: sie sind jezt doch kein Zeichen der Ungnade Gottes gegen mich; sie sollen mir zum Besten dienen, und eine bittere, aber heilsame Arzney für meine franke oder frånkelnde Seele werden. Hab ich doch von meinen Sünden in der Ewigkeit nichts mehr zu befürchten; sie soll mir eine unaussprechlich frohe Ewigkeit werden, und bis zum Eintritt in fie siehst du und dein Vater, der auch mein Vater ist, mit Wohlgefallen und sorgsamer Liebe auf mich herab; denn ich bin dein Erlöster! Gott hat feines eigenen Sohnes nicht verschonet, fon dern ihn für mich, und uns alle, dem Tode übers geben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles Heil gewähren? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der fren spricht. Wer will verdammen? Hier ist ja Christus, der gestorben ist noch mehr, der auch auferweckt ist und zur rechten Hand Gottes sich unserer annimmt. Berr! stårke mich dein Leiden zu bedenken, und mich an dieß göttliche Unterpfand meiner Begnadigung so fest zu halten, daß mein Gewissen sich vollkommen beruhige, und ich, entlastet von der schweren Bürde der Sündenstrafen, auf den Wegen der guten und wohlthätigen Gebothe meis nes Gottes desto leichter, ungehinderter und froher fortwandle. P4 Wenn 232 drupundak pidamis Wenn ich noch langer oder kürzer fortwandle, barauf mein Haupt neige, wie du es neigtestBerr! dann stårke mich noch einmal, dein Leiden zu bedenken. Eh alles vor meinen brechenden Augen verschwindet, laß noch das Bild deines Kreuzes vor mir schweben, und mich alles zusammen faffen, was mir mein Tod feyn follte und ward. Schenke mir Kraft, die meinen Dank dafür zu stammeln, eh sich mein Mund verschließt. Lehre mich Erquickung aus Deinem leiden und Sterben schöpfen, wenn mir am allerbångsten um mein Herz seyn wird; und bey deiner Todespein bitte ich dich, erbarmender Erlöser! reiß mich aus meiner Todesangst heraus, wie dich der Vater heraus riß.( aß mich, beinen Erlösten, ewig ben dir leben, damit ich mit aufgeklärtem Verstande dein Leiden bedenke, wenn die ganze felige Absicht desselben an mir erreicht seyn wird. Amen. 3. Freudiger Glaube an die Aufersteh ung des Erlösers. ( Für die Osterandacht besonders bestimmt) Mit freudigem Glauben an deine Aufersteh ung belebe heute mein Gemüth, gros Ber hochgelobter Jesus! Kann 233 Kann darf es mir gleichgültig seyn, wenn ich hire, wie du am dritten Tage nach deinem mara tervollen Tode aus dem Grabe hervortratst, nicht um zum zweytenmal zu leiden und zu sterben, sondern nach einem kurzen Aufenthalt unter deinen Freunden, vollen Besitz von der hohen göttlichen Herrlichkeit und Seligkeit in der unsichtbaren Welt zu nehmen, die schon dein war, ehe noch der Welt Grund gelegt wurde? Echon viele Jahrhunderte genießest du sie, und dieser, für dich so freudenreiche Wechsel, sollte er auch nicht freudenreich für mich, auch heute noch seyn? povqul Du bist mir kein Fremder; und wärst du es, dennoch müßte deine Auferstehung mir zur Freude gereichen, so oft ich mich daran erinnere. In bir den weiseften Lehrer, den unstråflichsten Frommen, den edelsten Menschenfreund, den je die Erde sah, aus dem tiefsten Abgrunde des menschlichen Elendes und des Todes zur höchsten Stufe des feligsten Lebens emporgehoben zu sehen- das wecke mein Herz zur Freude, wie sich gute Menfchen sonst zu erfreuen pflegen, wenn sie inne werden, daß ein unschuldig leidender von ſeiner Qual befrent und in ein ausnehmendes Glück verfest worden sey. Aber du bist mir kein Fremder, theuerster Jesus! Ich weiß, wen und wie viel ich an die habe. Nicht bloß mein Bruder bist du, wie es jeder andere Mensch ist, der nichts für mich geP5 than 234 than hat, und mit dem ich in feiner genauen Verbindung stehe. Ich bin nach deinem Namen genennt; du bist mein Erlöser aus dem tiefsten Elend der Sünde, und mein Herr, der mich durch seine Regierung zum höchsten Menschenglück leitet. Dieß ist mein tägliches Bekenntniß, und mein Christenthum. Auch mir zum Heil lebtest du auf Erden; auch mir zum Heil starbst du; auch mir zum Heil warst du vom Tode erwecket; auch mir zum Heil lebst du im Himmel! Und ich sollte über deine Auferstehung nicht frohlocken, oder mich nicht der stillen Freude daran überlassen? Mein größter Wohlthäter ist aus dem Tode ins Leben, aus dem Elend zur Herrlichkeit gekommen, um mir fünftig noch grö Bere Beweise zu geben, daß er mein größter Wohlthäter sey; und das Angedenken daran sollte mein Herz nicht freudig machen? Bin ich doch so vergnügt, wenn ich erfahre, daß mit einem von meinen Glücksbeförderern auf Erden die ans genehmste Veränderung vorgegangen, in der er mir nur desto mehr Gutes erzeigen kann und wird. Göttlicher Jesus, du bist mir mehr geworden und wirst mir ewig mehr seyn, als die besten Menschen mir waren, und werden können! Laß mich nie so vergeßlich oder undankbar werden daß deine Auferstehung mein Herz nicht rührte, oder nur immer schwache Freude darin erzeugte! Es fließe heut allezeit von Freude über, wenn sich meine Andacht mit ihr beschäftiget. Du Du stiegst nicht vom Kreuze herab, wie deis ne schnöden Feinde von dir forderten, denn du thatst nie Wunder zu deiner eigenen Errettung. Aber wie viel herrlicher war deine Auferstehung, als das plözlichste losheften vom Kreuze gewesen wåre! So mußte sichs offenbaren, daß es nicht Unvermögen dich zu retten war, wenn Aufforde rung deiner Feinde unerfüllt blieb. Und so will ich denn dir, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden übergeben ist, in freudigen Glauben an deine Aufferstehung zuversichtlich vers trauen. Thust du gleich nicht, was thörichte und boshafte Menschen, oder auch deine unverständigen Kinder, so oft von dir erwarten und bitten: so weiß und glaub ich doch, deine Auferstehung versichert michs daß du es aus weifer Liebe nicht thust. Dir ist nichts unmöglich; und ich hoffe darauf, daß du an mir und der ganzen Welt deine allmächtige Liebe nur desto herrlicher offenbaren werdest, wenn und so bald es mein Bestes und allgemeine Wohlfahrt erfordert. P 235 SPORT 7540 Was mir von dir und deinem Vater zugefas get worden ist, das wird zu seiner Zeit unauss bleiblich in Erfüllung gehen. Selbst mein Wies deraufleben nach dem Tode, das du mich hoffen lehrtest, kann feine eitle Hoffnung feyn. Gottes Wort ist wahrhaftiq, und was er zufagt, das hält er gewiß. Voll freudigen Glaubens an deis ne 236 ne Auferstehung, seh und geh ich der Vollendung alles dessen entgegen, was Gott an mir und mit mir zu thun und vorzunehmen verheißen hat. Wie genau und getreulich ward erfüllet, was Gott durch die Propheten, und du deinen Freunden, von deiner Auferstehung am dritten Tage vorher gesagt hattest. So unglaublich sie ihnen und der ganzen Welt war- fie erfolgte doch. Theuerster Jesu, so wird alles erfolgen, was mich dein Wort und deine Zusage erwarten heißt! Welch einen erwünschten Fortgang erhielt jest deine Sache, da bey deiner Kreuzigung, zum Frohlocken deiner Feinde, und zum Schmerz deiner Freunde, alles zernichtet zu seyn schien, was du vorhattest! Lehre, leite, stårke mich, voll freudigen Glaubens an deine Auferstehung alle dem mit dem redlichsten Fleiß nachzudenken, und nachzustreben, was Gottes, und deine Sache was wahr, und recht, und gut, was zu meiner und zu meiner Nebenmenschen Glückseligkeit dienlich und behilflich ist. So will ich nicht muthlos und träge werden, oder das angefangene gute Werk völlig aufgeben, wenn sich mir mancherley Hindernisfe entgegen setzen, und übelgefinnte Menfchen mir widerstreben. So will ich getroft und eifrig fortfahren in allem, was dein Wille und mein Beruf in der Welt von mir fordert, wenn es auch das Ansehen gewinnen sollte, als ob meine unverdroffensten Bemühungen vergeblich waren 237 ren und vereitelt würden. Schien's bey deinem Tode ja auch so zu gehen; und drey Tage darauf gewann alles eine andere Gestalt. Wie leicht, wie bald kannst du alles andern, und allem unters brochenen Guten forthelfen in deiner Welt. Dars auf will ichs munter wagen. * Voll freudigen Glaubens an deine Aufs erstehung leb und sterb ich auf deine göttliche Lehre. Dafür hast du sie erklärt; und deine Ers flärung kann nicht falsch seyn. Dein Vater, der uns, seine Kinder, nicht selbst zum Irrthum verführen kann, würde dich nicht vom Tode auferweckt haben, wie du vorher verkündigtest, wenn ein betrügerisches Wort aus deinem Munde gegangen, und deine Lehre bloße Menschenlehre ges wesen wäre: Heilig sey sie mir als die wahrhaftes fte Gotteslehre! Sie verdient meine ganze Ehre furcht, meine glaubigste Annahme, meine unein geschränkteste Folgsamkeit. Dieß alles weiß ich ihr heute beym Andenken deiner Auferstehung aufs neue! * Mit freudigem Glauben an deine Aufs erstehung widersfag ich heute allem Bösem feyerlicher als ben meiner Taufe. Sollt ich ein so großes Uebel thun und im Angesicht meines vom Tod um der Sünde willen auferstandenen, und im Himmel auf mich achtenden Erlösers in irgend eine 238 eine vorfeßliche Günde willigen? Sollt ich im Kampfe gegen sie, beym ersten mißlungenen Verfuche, alles verloren geben und unterliegen, und dir, auferstandener Erlöser! die Schmach anthun, als wenn du noch kraftlos am Kreuze hingest, und mich nicht stärken könntest zum Sieg wider die Sünde? Durch dich, der mich machtig macht, vermag ich alles Gute, bey aller meiner Schwachheit; und mit wie viel Muth kann ich in einem neuen Leben wandeln, da deine Aufers stehung mich an meine ehemalige Günden ohne Gewiffensangst zurückdenken läßt! Du bist um meiner Rechtfertigung willen auferweckt. Dein Tod sprach mich långst von der Schuld und Strafe meiner Sünden frey, und deine Auferstehung ist das Siegel und Zeichen der Vollgültigkeit deis nes Todes zur Begnadigung der ganzen Welt. So will ich mein Gewissen beruhigen, ohne es einzuschläfern! Hore, auferstandener Heiland, meine letzte Bitte. Voll freudigen Glaubens an deine Auferstehung, laß auch den Tod, jetzt beym Angedenken an ihn, und wenn er sich fünftig mir nähern wird, mich nicht anfechten. Du kehrtest nach deinem Tode ins Leben zurück. Soll ich, dein Freund, denn auf ewig jernichtet werden wenn ich sterbe? Soll es denn umsonst seyn, daß ich an dich geglaubt, und auf dich gehoffet habe? Du lebst, soll ich nicht leben? Du hasts gesagt: " Von 239 ,, Von mir kommt Auferstehung und Leben. Wer ,, an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, ja wer lebt und an mich glaubet, der wird gar nicht sterben". Soll ich deinem Wor te nicht glauben, du Auferstandener von den Toden? Oder wem mehr als dir? Mache, o mache den Glanben an deine Auferstehung in meinem Herzen so gewiß und kräftig, daß ich durch ihn alle bange Zweifel und Furcht, die der Gedanke und der Anblick des Todes in meinem Herzen erregen will, besiege, und in meinen leßten Stune den noch frohlocken könne: ,, der Tod ist gånzlich verschlungen und vertilgt. Tod! wo ist dein Stachel? Grab, wo ist dein Triumph?- Gott sen gedankt der mir den Sieg verliehen hat, durch Jesum Christum unfern Herrn! Amen. 4. Jesus Christus im Himmel. 192) 3518 ( 3ur Unterhaltung der Andacht am Feste seiner Himmelfahrt besonders bestimmt.) Längst bist du in den Himmel eingegangen, groBer Jefus! Långst lebeft und regierest du dort mit göttlicher Kraft, Gewalt, und Herrlichkeit. Dessen erfreuen wir uns! Gott hat dich zu einer Majestät erhoben, die alle Majestäten der Erd- und Himmelsbewohner weit 240 14 weit übertrifft. Alles, alles in seinem unermeß lichen Reiche hat er dir übergeben und unterwors fen. Selbst Könige und Fürsten stehen unter deiner Herrschaft, mehr als der årmste Bettler unter der ihrigen steht. Die ganze Natur gehorcht deinen Befehlen; und die ganze Gewalt, die du in Händen hast, wendest du an, wozu sie dir dein Vater gegeben hat glückselig zu machen alles, was sich von dir glückselig machen lassen will. Wer sollte dich nicht in stiller und lauter Andacht demüthigst verehren und anbethen, erhöhter Jesus! Wer sollte dir nicht willig, freudig, und standhaft gehorchen! Wer sollte nicht ein felfenfestes Vertrauen auf dich setzen!- Emis ge Seligkeit,-wenn ich darnach verlange und trachte, ist nicht zu groß; ich kann, ich darf, ich soll sie von dir erwarten, und durch dich erlangen! 11 Der Mittler zwischen Gott und den Men schen, der Mensch Jesus Christus,*) herrschet gur rechten Hand Gottes! Welch eine unausa sprechliche Ehre für das menschliche Geschlecht, und für mich! bewahre mich, göttlicher Jesus, daß ich dich mich und die Menschheit nie durch uneble, unwürdige, und schåndliche Gedanken, Begierden, und Thaten entehre! Wenn ich Dazu gereizet und verleitet werde; so richte meinen Blick zum Himmel empor, und gib mir un ter diesem Blick den Gedanken ins Herz: ,, Wie heilig *), 1. Tim. 2. 5. 241 heilig und unsträflich muß ich seyn! Mein Bruder ist auf dem Thron der Gottheit erhoben; wie follte ich mich durch schnöde Lüste und laster erniedrigen, und unter das Thier herabfeßen? Dürfte ichs alsdann noch wagen, den großen Namen, Jesus Chriftus, auszusprechen, mich nach ihm zu nennen, und seiner mich zu rühmen? Könnt ich dann vor ihm, vor seinem Vater und vor allem, was ihn in seiner Hoheit kennt und anbethet, bestehen? Müßte nicht Verachtung, Schande und Schmach mich treffen und bedecken? Welch einen Ueberfluß der herrlichsten Gaben hast du seit deinem Eingang in den Himmel der Welt und der Christenheit mitgetheilt! Wie viele davon hab auch ich empfangen! Für jede opfere ich dir heute Dank, und bitte dich zugleich um eine der edelsten. Um die Gabe des himmlischen Sinnes. Deine Erhöhung in den Himmel o Jesu! verkündigt mir ein himmlisches Leben, in welchem du alle deine glaubigen und frommen Freunde nach ihrem Tode zu dir versammeln wirst, damit fie deine Herrlichkeit und Geligkeit erblicken und vollen Antheil daran nehmen sollen. Sollt ich mir dieß himmlische Leben nicht herzlich wünschen? Sollte es nicht meines fehnlichsten Verlangen, werth seyn? Will ich denn ewig von dir getrennt 2 bleis 242 bleiben, mein größter Freund und Wohlthäter? Kann es mir gleichgültig seyn, daß ich dich schauen soll, der sein Leben für mich gelaffen hat? Darf ich trauren oder erschrecken, wenn die Stunde schlägt, die mich näher mit dir vereinigen soll? Soll ich erst alsdenn mit Freuden dir entgegen gehen, und in deine felige Gesellschaft treten wol len, wenn die Welt und das, was in der Welt ist, keinen Reiß mehr für mich hat, und kein Vergnügen mir darbietet? Wenn das Weltglück das höchste Menschenglück wäre, würde es Gott dir, seinem Eingebornen, versagt und entzogen haben? Kann ich ein höheres erdenken als das himmlische Leben bey dir? Ach! vertilge und schwäche doch in mir den irdischen Sinn, daß er den Wunsch und das Verlangen nach dem himmlischen Leben bey dir, nicht vertilge noch schwäche! Zwar ist es nicht ganz in meinem Herzen un terdrückt und erstorben, dieß Verlangen, es reget sich oft, und wird sogar zuweilen lebhaft und feurig. Aber noch immer fehlt es mir am festen himmlischen Sinn. Die Unhänglichkeit ans Sichtbare und Jrdische ist noch zu stark; noch ist mein Gemüth nicht in der Fassung, daß ich zum himmlischen Leben bey dir taugte. Dir darf ich es nicht bekennen, Allwissender! Dir flag idy es und flehe dich an: mache mich, erhöheter Jesu! mache mich himmlisch gesinnter! be Ich bitte nicht, daß du mich von der Welt nehmest. Sie ist schön deine Belt. weiter Otonom 243 weiter Schauplaß allmächtiger Weisheit und Güte ist sie. Tausend Quellen der Freude ergießen sich in ihr, und auch ich darf aus ihnen schöpfen; überall seh und empfind ich, wie freundlich Gott ist. Selbst was mir das Leben erschwert und verbittert, soll eine heilsame Arzney und Wohl that für mich werden. Es ist Gottes Wille, daß ich dulde und ausharre, damit ich durch leiden geprüft und geübt werde. Es ist sein Wille, daß ich mein Tagwerk unermüdet verrichte, und Gu tes thue, so viel ich kann. Weltverachtung, Les bensüberdruß und Trägheit, die losgespannt seyn will, ist nicht himmlischer Sinn. Ich will leben, und mich des Lebens freuen, so lange du willst. Ich will leiden, und im Leiden geduldig seyn, so lange du willst. Ich will etwas Gutes schaffen mit meinen Händen, und alle meine Kräfte ane strengen, so lange du willst. Aber wenn du mic zum Genuß höherer Freuden, zur Abnahme meie ner leiden, zur Uebertragung eblerer Geschäfte, ins himmlische Leben zu dir rufft- dann will ich dir gerne folgen. Dieß ist himmlischer Sinn und diesen wirke, erhalte und stärke in mir. Market Laß mich das zukünftige Leben unter den vielfachen Zerstreuungen und Geschäften des gegenwärtigen nie vergessen. Aber wenn mein Gemüth sich an die süßen Vorstellungen des Himmels fo fest hången, und sich wohl gar allerley Träume rehen davon so ganz überlaffen wollte, daß ich darüber meine Menschen und Christenpflicht 22 wäh= 244 während meines Erdenlebens versäumte und gering achtete; so reiß es los von dieser falschen Andacht. Mit stets reger Geschäftigkeit von einem guten Werk zum andern, von einer Stufe der Vollkommenheit zur andern fortschreiten, das ist himmlischer Sinn! So lebst du in deinem Himmel unaufhörlich besorgt für unser Heil! So leben deine Freunde um dich her- in ungeschwächter Thätigkeit, zu thun und auszurichten, wozu du sie in den neuen Gegenden deines Reichs sendest und gebrauchest. Stärke mich, mein Hei land, daß ich da, wo ich jetzt lebe, deinen heiligen Willen, in allen auch den kleinsten Geschäf ten, mit Lust und Eifer erfülle, und mitten un= ter der Verrichtung derselben dahin schaue, wo du mir etwas Größeres anvertrauen wirst, wenn ich im Kleinern getreu gewesen seyn werde. Dieser Sinn wird mich tüchtig machen zu deinem Reich. In diesem deinem himmlischen Reiche ist alles Ein Herz und Eine Seele alles mit dir, göttliches Oberhaupt der Welt und Kirche! und unter einander durch die aufrichtigste zärtlichste und unveränderlichste Liebe vereinigt. Diesen himmlischen Sinn der nächsten und Menschenliebe flöße jetzt schon meinem Herzen ein. Hier auf Erden laß mich tägliche Proben von der Liebe ablegen, die ich einst-nur vollkommener- beweis sen werde. Meine Heltern, Kinder, Freunde, Vorgeseßte, Untergebene, meine Feinde sogar, follen 245 follen tausend angenehme Beweise gewahr werden, daß ich eine Anwartschaft zum Bürgerrecht einer beffern Welt habe, wo nichts als Siebe herrscht, und daß ich mich zum Eintritt in dieß Reich der Liebe täglich zubereite! Wie wirst du dich und den, welchen kein Auge gesehen hat noch sehen wird, mir einst so helle und herrlich) offenbaren! Wie wird sich mir die göttliche Weisheit und Güte in allen ihren Werken und Wegen so deutlich entdecken! Wie wird mein Herz und Mund deines Ruhms und Lobs so voll werden! Wie werd ich in deiner Erkennta niß und Verehrung so viel Geligkeit finden! Aber nur alsdann, wenn sie mir hier schon Seligkeit gewesen seyn wird, und wenn ich es hier schon zu meinem angenehmsten Geschäfte gemacht haben wurde, dich erkennen zu lernen, dich in Deinen Geschöpfen aufzusuchen, auf die Spuren deiner weisen und gnädigen Vorsehung und Regierung zu achten, dich zu lieben und zu preifen. Diesen himmlischen Ginn verleihe mir, Herr um ihn einst zu dir hinüber zu bringen, und nicht ausgeschloffen zu werden von dir, wenn er mir mangelte! Wenn ich am frühen Morgen erwache will ich aufstehen mit himmlischen Sinn. Wenn ich am späten Abend mich niederlege zur Ruhe, will ich einschlafen mit himmlischen Sinn. Wenn 23 246 Wenn ich gehe in dein Haus, Soll mich begleiten himmlischer Sinn. Wenn ich lebe im Getümmel der Welt; foll himmlischer Sinn mein Schußengel ſeyn. Wenn ich in stiller Einsamkeit verschlossen bin, so unterhalte mich mein himmlischer Sinn. Wenn ich meine Andacht verrichte, himmlischer Sinn heilige sie. Wenn ich meine Berufsgeschäfte verrichte so mache sie zur Andacht mein himmlischer Sir Sinn, Wenn Sünde und Eitelkeit mich lockt, so warne mich der himmlische Sinn. Wenn sich Gelegenheit zum Guten zeigt, fo ergreife sie mein himmlischer Sinn. Wenn ich im Tugendlauf ermatten will, fo frische mich auf der himmlische Sinn. Wenn ich vergnügt und fröhlich bin, foll himmlischer Sinn die Freude erhöhn und veredeln. Wenn ich traure, wenn ich meine gemäßiget werde das leid, die Thräne ge trocknet, durch himmlischen Sinn, Wenn sich ein Freund mir naht umarme ich ihn mit himmlischen Sinn. Wenn sich mein Feind mir naht, verzeih ich ihm mit himmlischen Sinn. Wenn sich der Hilfsbedürftige mir naht, thu ich ihm wohl mit himmlischen Sinn. Wenn sich drohendes Unglück mir noht, so stårk ich mich mit himmlischen Sinn. Wenn 247. Wenn sich der Tod mir naht empfang ich ihn mit himmlischen Sinn. Wenn sich die Ewigkeit mir öffnet, führe mich vor deinen Thron der himmlische Sinn. Wenn ich vor deinem Throne stehe, fo findet mein himmlischer Sinn in dir den Richter, den Freund! Die wahre Heiligung durch den vom erhöheten Sohn Gottes gefandten Geist des Vaters. ( Zur Pfingstandacht besonders zu gebrauchen.). Ihr sollt heilig seyn; denn ich bin heilig!" Dieß ist deine Stimme, dein Befehl, großer Gott! Auch ich höre sie, auch an mich ergehet er: auch ich foll heilig seyn, wie du. So will ich denn nicht unentschlossen noch angstlich umherschauen, ob Andere deine Stim me hören, deinem Befehle folgen. Erblick ich Christen, die sich bestreben, heilig zu seyn: so foll ihr Beyspiel mich zu gleichem Bestreben reis 24 zen. 248 zen. Erblick ich sie nicht; so ist dein Beyspiel, heiliger Gott, hellleuchtend, aufmunternd und stårkend genug für mich. Durch deine Helligkeit bist du der Unbethungswürdigfle. Ohne sie würden wir erstaunen über dich, und erzittern vor dir; aber verehren könnten wir dich nicht ohne sie. Heiligkeit sey auch meine höchste Ehre, mein größter Ruhm. mag mir deine Hand das Loos der Hoheit oder der Niedrigkeit auf Erden zugetheilt haben. Bewahre mich, daß ich mein Ansehen in der Welt nicht durch Unheiligkeit schånde; bewahre mich, daß ich mich durch sie nicht tiefer herabfeße, als du mich gesetzt hast. Durch Heiligkeit erhebe ich mich aus dem Staube der Verachtung; und wenn mich der Unverstand um ihretwillen verlacht und verspottet- laß michs nicht achten. Sie ist doch meine höchste Ehre, und mein größter Ruhm. - Durch sie bist du der Alleinfelige. Wie könnt ich ohne sie selig seyn und werden. Die von ihr abweichen, bereiten sich Unruhe, Herzenleid und Pein. Dieß lehre mich immer deutlicher erkens nen und fester glauben, o Gott! Vertilge fie ganz aus meinem Herzen, die falsche Einbildung und Besorgniß, daß ein heili ges Leben ein freudenloses Leben sey. Du verlangst nicht von mir, daß ich, um heilig zu seyn, jedem unschuldigen Freudengenuß entsagen soll. Ich 249 Ich soll das Vergnügen, welches du mir gönnst und bereitest, mit Vernunft und Mäßigung, zufrieden und dankbar genießen. Dieß ist dein Wille, und meine Heiligung. Soll ich die Menschen fliehen, um von dem Benspiel der Bösen nicht angesteckt zu werden? Oder soll ich finster und mürrisch unter ihnen einhergehen, und unaufhörlich das Verderben der Welt, selbst jede unverdorbene Gitte, befeufzen und bestrafen? Dieß ist die Heiligkeit nicht, die du von mir forderst. Aber, mitten in der Welt lebend, soll ich mich von der Welt unbefleckt erhalten-- mit frohem Herzen den Weg der Tugend wandeln- von weiser, mitleidiger und fanfter Liebe angetrieben und geleitet, überall, wo ich kann, und so viel ich vermag, Besserung bewirken. Dieß ist dein Wille, und meine Heiligung. Du hast mich erschaffen und in den Stand, in welchem ich lebe, geführt, daß ich durch Geschäftigkeit in nüglichen Arbeiten und Liebesdienften dein Werkzeug zur Beförderung der allge meinen Glückseligkeit deiner Menschen werde. Laß mich von meinem Beruf nicht so verächtlich denken, daß ich ihn für eine unheilige, oder weniger heilige Sache, als Gebeth und Undachtsübung, ansehen sollte. Laß mich meine Heiligs feit nicht in deinem Tempel verschließen; sie begleite mich in mein Arbeitszimmer und in meine Werkstätte. Wenn, wo, und wie ich aus gutem 2.5 250 tem Herzen nach deiner Vorschrift Gutes thue, das ist ein heiliges Geschäft; und zu solchen Geschäften heilige mich, mein Gott! Mein Herz strebe nicht nach dem eiteln Ruhm eines Heiligen, der durch außerordentliche und große Thaten die Augen der Welt an sich zieht. Diefer Ehrgeiß würde meine gepriesene Heiligkeit verdächtig und vor dir verwerflich machen, den fein Schein, fein Geräusche, kein Weltlob hintergeht. In deinen Augen werd ich selig seyn, wenn ich jede, von dir dargereichte Gelegenheit und Kraft, Gutes zu thun, im Stillen, und unbemerkt von der Welt, ergreife und anwende. Da bedarf ich denn auch keiner frommelnden Sonderlichkeit in Gebärden und in meinem äußerlichen Betragen, die du an tausend Heuchlern mit Mißfallen bemerkest. Sie würde mich und das Christenthum nur lächerlich machen, da meine Heiligkeit ihm vielmehr zur Empfehlung dienen sollte. Dich täuscht fein Irrthum, Allerhöchster! Du bist von allem abgesondert und ungereißt, was unsere Sinnen rührt, ihnen schmeichelt, und so mancherley vernunftwidrige Lifte und Begierden in uns aufweckt. Darum werd ich kurzsichtiger und sinnlicher Mensch nie zu deiner vollkommenften Heiligkeit gelangen. Aber desto mehr werd ich mich ihr nähern, je mehr ich die Vernunft, die du mir gabst, anwende, alles zu prüfen, und das Gute zu behalten- je mehr ich Augen und Ohren. und 251 und alle Sinnen bewahre, damit sich durch fie feine thörichten und unedlen Gedanken und Begierden in meine Seele einschleichen je mehr ich mich selbst beherrsche, und was ich empfinde, wünsche und verlange, dem Urtheil und der Leis tung der Vernunft unterwerfe. Dieß ist der Weg zur Heiligung: Herr führe mich durch deine Gnade darauf! Ohne dich vermag ich es nicht, ihn zu betre. ten, und darauf bis zum seligen Ziele fortzuwandeln. In mir und außer mir ist so vieles, das du, o Gott! beffer fennest als ich, welches mich davon abführt oder ihn mir erschwert. Ohne deine Leitung werd ich mich nie darauf zurechte finden; ohne deinen Beystand ermatte ich darauf. Du selbst mußt mich heiligen, wenn ich geheiliget werden soll- und du willst es thun. Dein Sohn Jesus Christus hat mich deß versichert. Wenn ihr, sprach er, die ihr böse Menschen feyd, euren Kindern gute Gaben ge ben könnt; wie viel mehr wird der Vater im Himmel feinen heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten. Auf diese Zusicherung verlaß ich mich glaubig und getrost, und aus findlichem Herzen fleh ich dich an: Vater! gib auch mir deinen heiligen Geist, daß ich durch ihn geheilis get werde! Du theiltest ihn ehmals den Freunden und Aposteln unsers Herrn im reichsten Maaße mit, damit auch wir, auf welche sie ihre höhern Einfichten 252 fichten und Erleuchtung fortpflanzten, dadurch geheiligt würden. So wirket dein Geist noch immer in deiner Kirche fort; und auch ich soll seine heiligenden Wirkungen erfahren, wenn ich sie nur nicht hindere. Laß mich keine wunderbaren Eingebungen Hoffen, die du mir nicht verheissen hast, und keine Gnndenkraft, die mich gegen alles mein Wollen und Widerstreben plöglich verwandeln soll. So widernatürlich kannst du keinen vernünftigen Menschen heiligen! Aber wenn du siehest, daß ich nicht sicher hinträume; wenn du siehest, daß ich die Finsterniß der Unwissenheit, des Irrthums und des Aberglaubens nicht mehr liebe, als das Licht, wenn du siehest, daß ich die göttliche Wahrheit und christliche Lehre gerne höre und lerne, in meinem Gedächtniß treulich aufbewahre, gute Gedanken und Empfindungen dadurch geflisfentlich in meiner Seele erwecke, und die erweckten nicht wieder unterdrücke und fahren lasse, sondern unterhalte und verstärke; wenn du siehest, daß ich eile, jeden frommen Entschluß in That zu verwandeln; wenn du siehest, daß ich jede Gelegenheit zum Guten mit Freuden wahrnehme, ergreife und benüße, hingegen jede Gelegenheit zum Bösen vorsichtig beobachte und meive; wenn du siehest, daß es mir ein wahrer Ernst ist, täglich besser zu werden, und daß ich mich weislich übe, es zu werden dann Vater! wolleft du deinem irrenden und schwachen Kinde mit dem 213 dem Beystande deines Geistes zu Hilfe kommen, damit das Werk meiner Heiligung glücklich angefangen werde! Heilige mich durchaus, daß mein leib, jeder meiner Sinne, und mein Geist unstråflich bis zur Erscheinung Jefu Chrifti erhalten werde. Mache mich allmählig fehlerfreyer und reiner von Sünden. Vergrößere täglich meinen Wachsthum an christlicher Erkenntniß, Weisheit und Klugheit. Schwäche täglich in mir die gewaltübende Sinnlichkeit, und hilf meiner Vernunft die Oberhand über sie gewinnen. Vermehre täglich meinen Eifer und meine Kraft zu allen guten Werken der Liebe und der Diensts fertigkeit, zu welchen ich in und außer meinem Stande berufen und tüchtig bin. Entferne durch deine alle menschliche Herzen und alle menschliche Begebenheiten leitende Regierung, alle sichtbare und unsichtbare Hindernisse meiner Tugend und Gottfeligkeit, und führe mir auf den Wegen der Vorsehung so viele Hilfs- und Stärkungsmittel Derselben zu, als ich bedarf. Amen. Vera 254 Berehrungen der Heiligen zur Ehre Gottes und Jesu Christi. thu Vorerinnerung. Die Gedächtnißtage der Heiligen im Himmel sollen dich, mein Christ, wie jedes Anges denken an sie zu anderer Zeit, zu einer heiligen Freude und zur dankbaren Lobpreisung Gottes ermuntern, der sich in seinen Auserwählten verherrlichet, die Welt mit ihren Tugenden erleuchtet, und so viel Gutes durch fie gewirket hat, davon wir die Früchte noch wirklich viel fältig genießen. Dieß soll dich im Vertrauen auf Got tes Beystand und die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, welche auch dir angebothen sind, stärken, es soll das Verlangen zu dir erwecken, ihrer Seligkeit theilhaft zu werden, und dir Tuth einflößen, ihren Beyspielen zu folgen, weil dieß der Weg ist, zu ihnen zu kommen, ins dem niemand selig wird, wer nicht heilig lebt. Was den Heiligen möglich war, kann mit Gottes Hilfe, nach dem Maaß deiner Kräfte und Umstände auch von dir geschehen; was ihnen nothwendig war, ist es auch dir. Nicht alle Thaten, die in manchen, oft sehr unzuverlässigen Lebensbeschreibungen von ihnen ers zählt werden, sondern ihre Tugenden, ihre herzliche, thätige Gottes und Menschenliebe, ihre Etandhaftigs keit im Leiden und im Kampf gegen eine gefahrvolle, reißende und verfolgende Welt, und gegen ihr eigenes Herz, ihr brennender rastloser Eifer fürs Gute, ihre un S abe 255 ablaßige Treue in Erfüllung ihrer Pflichter, ihre voll kommene Ergebung in Gottes Willen werden zur Nachahmung vorgestellt. Die Heiligen waren auch von Natur schwache Menschen, lebten in einer gefahrvollen Welt, viele in dem nämlichen Stande, wie du; hatten mit Leidenschafften, Versuchungen, Fehlern und bösen Gewohnheiten zu kâmpfen fie siegten über alle diese Hindernisse, über wel che du klagest, durch die nämliche Gnadenmittel, welche auch dir angebothen sind, und gingen so in die Herrlichs keit ein, welche auch dir bereitet ist. ponton Durch solche Betrachtungen muß die Verehrung der Heiligen zur wahren nützlichen Andacht werden. Die Anrufung der Heiligen, oder die Empfehlung in ihre Sürbitten, wird von der katholischen Kirche zwar nicht für nothwendig gehalten, aber doch gestattet und gut geheissen. Gott ist Vater, immer bereit zum Erbarmen und Wohlthun; seine eigene Liebe bewegt ihn dazu. Ims mer steht uns der Zutritt zu ihm offen; wir dürfen mit kindlicher Zuversicht uns gerade zu an ihn wenden. Bey ihm bedarf es solcher Umwege nicht, keiner solchen Em pfehlungen und Vorstellungen, wie bey den Großen der Erde, zu denen man oft erst durch ihre Günstlinge, zur gelegenen Zeit und Laune, den Zutritt sich öffnen muß. Wenn die Heiligen für uns bitten, so tragen sie Gott ihre liebevollen Wünsche vor, daß es uns jeitlich und 256 und ewig wohlgehen möge. Eie fieben uns als ihre Brüder, haben Mitleid mit unsern Schwachheiten und Leiden, und nehmen herzlichen Antheil an unserm Wohl, wie alle gute Menschen. Aber ihre theilnehmende Liebe ist weit erleuchteter, als der Frommen auf Erden ihre, die für einander bitten. Sie sehen Gottes Wege besser ein, und den seligen Ausgang den sie nehmen. Sie wollen seiner weisen Güte nicht vorgreifen. Ihr Wille ist ganz Gottes Wille: sie begehren keine plößliche, wuns derthätige Hilfe oder Erlösung; sie sagen daher nicht so unbedingt: ,, Herr gib unsern Brüdern auf Erden dieß oder jenes, verschone sie mit diesem Unglück und Leiden, rette sie aus dieser Noth und Gefahr! fondern: Gott, du bist Vater, und weißt, was deinen Kindern gut ist, du machest alles mit ihnen aufs Beste. Beruhige sie, stärke sie im Glauben an deine liebende Allmacht und weise Fürsorge. Verherrliche sie an ihnen wie an uns; laß alles endlich zu ihrer Besserung und Seligkeit, und zu ihrer desto größern Freude gereichen. Bereite sie dazu, mache sie fähig dazu." Zu solchen Gesinnungen soll auch uns der Gedanke erwecken, daß die Heiligen im Himmel für uns bitten. Dazu soll uns das Empfehlen in ihre Fürbitte, das Ans schließen in ihre vollkommenen Gebethe behilflich seyn. In dieser Absicht, unter dieser Bedingaiß, ist es von der katholischen Kirche gut geheissen. Sie selbst richtet ihre Gebethe an den Gedächtnißtagen der Heiligen allezeit gerade zu an Gott, der auch in seinen Freunden geehs ret wird, und der einzige Urheber alles Guten ist; und schließt sie durch Jesum Chriftum, dem wahren Mittler zwis 257 zwischen Gott und Menschen, durch den wir Zutritt zum Vater haben, der dort uns vertritt, und für uns bittet. Rom. 8, 34. 1 Joh. 2, 1. Eph. 2, 18. Verehrung der Heiligen insgemein. Einst, wenn du erscheinen wirst, Hochgelobter; Eingeborner, Sohn Gottes, Jesus Christus! wirst du an deinen Heiligen verherrlichet, und wegen aller Glaubigen bewundert werden. Dieß sagt uns deine göttliche Lehre deutlich vorher(*) und mit welchem Vergnügen sollten wir, fammt allen andern Verehrern deiner auserwähltesten Freunde, der Zeit deiner Erscheinung auch deßwegen entgegen sehen? O dann, wenn wir Wahrheit und Irrthum vollkommen unterscheiden lernen werden, wird uns kein Schein der Heiligkeit blenden, der uns auf Erden täuschte und verführte! Da wird der unächte Heilige långst aus der Anzahl der ächten abgesondert seyn, wenn im Gegentheil so manche, deren Tugendgröße und Zugendverdienst die Welt nicht kannte, noch schätte, in ihrer glorreichen Gesellschaft sich befinden werden. Untrüglicher Kenner und Beurtheiler der Menschen! mache uns schon jest, ehe du dein entscheidendes Urtheil bekannt machen wirst, auf den Unterschied zwischen wahrer und falscher Heiligkeit R recht 258 recht aufmerksam, damit unsere Heiligenvereh rung immer geprüfter und weiser werde, und immer weniger Anlaß zur Verunehrung unserer allerheiligsten Religion gebe! Nicht bloß müßige Betrachtungen über Gott und göttliche Dinge erheben den Christen zum Heiligen nicht Auffwallungen feuriger Undacht nicht süße Entzüfung unter traumerischen Offenbarungen und Erscheinungen- nicht das hließen aller Sinne vor der Welt- nicht übermäßig strenge Enthaltsamkeit von erlaubtemt Genuß der uns zur Erhaltung und zum Vergnügen überlassenen Geschöpfe Gottes- nicht völlige Ertidung auch unschuldiger Triebe, die der Schöpfer aus weisen und liebreichen Absichten in unsere Natur gelegt hat, verlangst du, o Herr wenn du Heiligkeit forderst. Nicht das Vergraben in die Einsamkeit, noch die Flucht vor gemeinnüßis ger Arbeit nicht schwere den Schultern aufges legte oder fortgeschleppte kasten, noch Wunden die von Geiselhieben bluten- nicht das nieder. hangende Haupt, nicht der hårene Rock, nicht die Schwiele am Fuß, nicht das Liegen in Staub und Asche und Unflath- nicht das Außerordents fiche bewunderter Gaben und Thaten nicht der Zulauf des staunenden Volfs- Nichts, nichts von allen diesem wirkt und gibt wahre, gottges fällige verdienstliche Heiligkeit. Dadurch wird der Geist noch nicht aufgeklärt, das Herz nicht gebesfert, das Leben nicht geordnet, die Wels nicht Butt - BURGMO 256 nicht beglückt, das Christenthum nicht in Aufnahme gebracht. Dieß alles ist Mißverstand oder blendender Schein, und bringt die Religion nur mehr in Verfall, in Verdacht und übeln Ruf. Eine solche Heiligkeit ist dein und deines Geistes Werk nicht, göttlicher Jefus! An Heiligen dieser Art könntest du einst vor dem Ungesicht der ganz versammelten Welt nicht verherrlichet werden, wenn sie gleich hier die fromme Einfalt bewunderte. Sie gereichen dir nicht zur Ehre, u. vers dienen unsere Verehrung und Nachahmung nicht. Aber ihr Anbether Jesu Chrifti, die ihr durch eure aufgeklärten Einsichten in die Religion, und durch eure hellglänzende Christentugenden brennende und alles erleuchtende lichter in der Nacht eures durch Unwissenheit, Irrthum und Aberglauben verfinsterten Zeitalters waret ihr, denen das Christenthum feine großen Fortschritte, und auch wir es zu verdanken haben, daß wir an seinem Segen Theil nehmen Ihr, die ihr mitten in einer verderbten Welt lebtet, und euch doch unangesteckt von ihrem Verderben erhieltet ihr, die ihr euch durch erhabene Tugenden auszeichnetet, ohne dadurch aller Augen an euch ziehen zu wollen, oder nach stolzem Vorrang zu geizen- ihr, die ihr der Welt gebrauchtet, ohne sie zu mißbrauchen, und die sündlichen Lüste bekämpftet, bezähmtet, besiegtet, ohne euern Leib zu martern ihr, die ihr eure einfamen Andachten nicht zum letzten Ziel eurer Bestrebungen Ra - Oxpone 290 gen bung, noch zur höchsten Stufe christlicher Vollfommenheit, sondern nur zum Stärkungsmittel machtet, jenes zu erreichen, und diese zu ersteiihr, die ihr anhieltet im Gebeth und Flehen zu Gott, um dann desto getrofter, muthiger und kraftvoller euer nüßliches Leben in der menschlichen Gesellschaft fortzuseßen ihr, die ihr alle von Gott euch verliehenen großen Gaben weislich gebrauchtet, und ohne Eigennuß Leibes,- und Seelenkräfte, Bequemlichkeiten, Vergnügungen, Haab und Gut, ja selbst leib und Leben großmůthig aufopfertet, um der Welt und der Kirche Jefu zu nutzen, und Menschenliebe zu üben, wie er fie bewies ihr, ihr send die wahren Heiligen, an denen er sich einst verherrlichen wird, wann er erscheint. - Ja, an euch wird er fund thun, was seine Macht und Gnade vermag; an euch wird er of fenbaren, zu welcher Würde der Menschheit, zu welcher Größe der Tugend, zu weicher Vollkommenheit der Gotteskenntniß und Gottesverehrung, ja selbst der Gottähnlichkeit seine Lehre erheben Fann; an euch wird er zeigen, wie er Menschen beglücken und befeligen kann; an euch wird er beweisen, wie unaussprechlich und wie unausbleiblich groß die Belohnungen sind, mit welchen er die Verdienste seiner bewährten Anhänger und Diener vergilt. Welche Lobpreisungen wird er dann von euch und euertwegen von dem gans zen Himmel empfangen! Mit welchem Erstaus nen werden wir auf ihn und auf euch hinschauen! Ihr 261 Ihr verdient schon jezt unsere Verehrung, so viel wir eurer fennen, ihr achten Heiligen Got tes! und wir widmen sie euch), damit Jesus Christus auch schon jezt an euch verherrlichet werde. Unsere Verehrung eurer Verdienste werde uns ein mächtiger Antrieb, zu euerer Heiligkeit mit Anwendung aller unserer Kräfte empor zu streben! Können wir sie noch nicht erreichen, so wird uns schon das Emporstreben zu ihr vollkommener machen, und es kann uns genügen, wenn wir der Größe eures Glaubens und euerer Tugend nur immer näher kommen. Aber ihr waret Menschen, wie wir; und der Gott, und sein Geist, der in euch und durch euch wirkte, lebet noch und wirkt ewig. Durch ihn können auch wir alles Gute aus richten, wie ihr können unbemerkt, unerkannt, unbelohnt, und unverehrt von der Welt uns in unserm Beruf und Stand, in dem geringsten Geschäfte der unverfälschten und unverdächtigen Heiligkeit befleißigen, die uns euch, und was weit bedeutender ist,- dem Vater im Himmel und Jesu Christo ähnlich macht. Ihr bittet für uns, denn das Heil euerer Brüder auf Erden liegt euch jezt noch eben so sehr am Herzen, als ehemals, da ihr selber noch auf Erden lebtet. R3 Ihr 262 Ihr bittet für uns, und was? Daß unser Herz und Leben geheiliget, wie das eurige, werden möge, damit wir einst zu euch versammelt, noch mehr als jezt erfahren, daß nur Heiligung Seligkeit fey. O diese eure Fürbitte sey an mir, und an feinem meiner Mitchristen vergeblich. Amen. Aufblick zu den Heiligen am Morgen.*) Ihr Heiligen Gottes, ihr meine beseligten Brider und Vorgånger zum Himmel! Die ihr nun von eurer beschwerlichen Arbeit ruhet, und der Früchte eurer Bemühungen genießet! Ihr vorzüglich, deren Schicksale, Versuchungen und Leiden, Beruf und Geschäfte, Temperament und Neigung mit dem meinigen eine große AehnlichFeit hatten!-- Auch du, dessen in der Taufe mir beygelegter Name mich allezeit an meine Verbindlichkeit zur christlichen Zugend erinnern foll! Ihr lehret mich durch euer Beyspiel, daß ich fromm leben muß, wenn ich einst selig werden will; daß ich es kann, wenn ich ernstlich will. Ihr mußtet auf den Wegen der Gebothe, durch Arbeit, Leiden und Kampf in den Himmel eingehen. Mit welcher Freude seht ihr nun auf die *) Nachtrag zu Seite 8. 263 die überstandenen Beschwerden zurück, für welche ihr jezt so so herrlich belohnt seyd! Das ere wecke auch meinen Eifer euch nachzufolgen, um einst zu euch zu kommen. Auch ihr waret Mens the h schen, lebtet in so einer Welt; viele in eben so einem Stande wie ich, wurdet durch Anfechtung und Trübsal geprüft. Gottes Beystand, der euch stärkte, und die Mittel, die euch halfen, werden auch mir angebothen. in Der nämliche Weg steht auch mir offen, auch ich bin zum Himmel berufen. Wenn ihr dort, wo nur liebe herrscht, mit Jesus Christus vereis nigt, in euern himmlischen Gebethen für eure Freunde auf Erden bittet, so bin auch ich-, welche Ehre, welch ein Trost für mich!- eure Fürbitten eingeschlossen. Der Gott der Liebe laffe seine väterliche Absicht und eure menschenfreundliche Wünsche an mir und allen Erlösten in Erfüllung gehen, daß sein heiligster Wille ge schehe und wir selig werden. Auch der gegenwär tige Tag verhelfe mir dazu. Amen. Verehrung Mariens nach Christus Sinn. 11 Einst erhob ein Weib, das eine herrliche Rede Jesu angehöret hatte) ihre Stimme und sprach zu ihn: Glückselige Mutter, die dich unter ihrem R4 Herzen 264 Herzen trug, und an deren Brust du als Sångling lagst! Ja, erwiederte er, glückselig sind bie, welche Gottes Wort hören und bewahren!" MA Kann ich nun noch zweifeln, ob ich dich vers ehren darf, Mutter Jesu Christi? Kann ich nun noch lange fragen, wie ich dich verehren foll? Gerührt von der Würde, Weisheit und Kraft, mit welcher dein Sohn sprach, und vielleicht schon länger mit so vielem bekannt, was ihn so groß und liebenswürdig machte, prieß dich einst eine redliche Ifraelitinn glückselig, daß du seine Mutter warst; und erwies sie mit ihrer Se. ligsprechung nicht ab, tadelte die gute Frau nicht, beschämte sie nicht, als ob sie etwas Unwahres, Ungeziemendes oder Lächerliches gesagt und gethan hatte, fondern ließ sich die öffentliche Verehrung, welche dir vor allem Volke gezeigt wurde, wohlgefallen. So wird es ihm, deinem göttlichen Sohne Denn auch nicht mißfallen, wenn ich), allein oder mit meinen Mitchristen vereiniget, die Ehrerbiethung, die ich für dich in meinem Herzen hege, ausdrücke und an den Tag lege! Er liebte dich mehr, als der zärtlichste Sohn feine Mutter lieben kann. Jezt stehest du vor seinem Throne, wo du unaufhörlich neue Beweise empfängst, wie hoch und theuer er dich schäßte. Wird er es nicht gnädig ansehen und annehmen, wenn 265 wenn die Andacht seiner Verehrer auch dich verehrt-- er, welcher fogar versicherte, daß er alles, was man nur einem seiner geringsten Brüder erzeige, so aufnehme, als ob es ihm selbst widerfahren ware? O wie vieles haben wir dir zu verdanken! Du gebarst und erzogst uns den, in welchem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, und der der Welt das wahre Leben gab. Wenn die Weisheit, mit welcher er lehrte, mich zur Bewunderung hinreißt wenn mich) feine unerhörten Thaten in Erstaunen sehen- wenn seine Leutfeligkeit und Menschenliebe, wovon er auf allen seinen Wegen die schönsten Denkmahle zurücke ließ, mein Herz mit sanfter Gewalt an ihn zieht-- wenn ich mich vor seiner unbefleckten Hei ligkeit beschämt niederbeuge- wenn ich ihn unter den schwersten Leiden mit Heldenmuth den Willen Gottes vollenden, und am Kreuz sein Leben, zum Heil des Menschengeschlechts, verbluten sehe wenn ich ihm nachblicke, wie er, losgerissen von den Banden des Todes, sich von der Erde in den Himmel erhebt wenn ich vor ihm, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden übergeben ist, anbethend niederfalle ichs empfinde, wie kraftig seine göttliche Lehre zu meiner Besserung und Beruhigung ist mich irgend eines feiner Worte, deren jedes Geist und Leben ist, erquickt wenn ich den vollen Segen überschaue, der durch ihn bereits über die R 5 Welt wenn wenn - - donbute god Opt 266 Welt bereitet worden ist, und in allen kommenden Zeiten verbreitet werden wird wenn von seinem Ruhm, dessen mein Herz voll ist, auch mein Mund übergeht und ich dann dein gedenke, größte unter den Müttern! sollt ich dich alsdann nicht innig verehren? oder sollte ich meine Verehrung nur in mein Herz verschließen, sie nicht sichtbar, nicht laut werden lassen? Ehrt man doch eine Mutter, die einem Lande an ihrem Sohne den weisesten und wohlthätigsten Regenten gab! Jeder Unterthan, der sich seines Herschers freuet, spricht auch ihren Namen mit Ehrfurcht und dankbarer Liebe aus! Mutter Jesu Christi! solltest du dieß nicht auch verdienen? Chutney Hattest du dich je der ausnehmenden Ehre Mutter des großen Menschensohns zu seyn, durch den alle Geschlechter der Erde gesegnet werden soll. ten, durch deine erhabene Tugend nicht so würdig gemacht: wåre uns dein eigenes persönliches Verdienst auch nur zweifelhaft und unbekannt- dann dürften wir Bedenken tragen, dir unsere Verehrung zu widmen. Aber du hast dich in der verehrungswürdigsten Gestalt deinen Zeitgenossen dargestellt, und die spåte Nachwelt hat dich darin kennen lernen. So sparsam die Nachrichten von dir sind, welche uns die Vorsehung aufbehalten ließ: so wenig Aufsehen du in deinem einfamen, niedrigen leben machtest, so zeigen uns doch deine Reden und dein ganzes Thun und Laffen genug, was die ausgezeichneteste Hochachtung verdient. Wir 267 mit allen Träumereyen und Täuschungen des Aberglaubens, die deiner wahren Ehre nur nach heilig find. Im lichte der reinen Wahrheit erscheinst du im schönsten Glanze. wann wird die Zeit fommen, daß deine Verehrung geläutert und geistiger werden wird? Wann werden wir aufhören, sie nach dem Maaße unaufhörlich wiederholter, mit Gedankenlosigfeit hergesagter Lobpreisungen abzumeffen, und dieser Andacht, so herzlich sie gemeint seyn möchte, mehr Werth als den weisern Uebungen des Christenthums beyzulegen! Ja selig sind die Gottes Wort hören und bewahren- so sprach unser Herr. So gab er den lobsprüchen, die du empfiengst, die rechte Richtung: so beugte er schon lange jeder falschen und unchristlichen Verehrung vor. Ach! die meisten deiner eifrigen Verehrer begnügen sich, dich mit den Worten des Engels anzureden, den dir Gott einst zusandte Lobgesänge auf dich anzustimmen- und dich um deine Fürbitte anzuflehen. Darüber versäumen und vernachläßigen manche das Anhören und Bewahren des göttlichen Worts, wodurch sie erleuchtet, gebeffert, beruhiger und beseliger werden sollen. Sie bringen zehn Stunden mit andächtigen Unterhaltuns gen mit dir zu, bis sie eine einzige auf die Verbesserung und Vermehrung ihrer christlichen Kennts nisse verwenden. Ein Rosenkranz ist ihnen übers aus 268 aus wichtiger als die lehrreichste und erbaulichste Predigt. Ach! wie viele rechnen sich sogar ihre abgezählten, gedankenlos hergesprochenen Unreden an dich zum Verdienste an, welches die Unarten ihres Herzens vergüten soll! Wie viele sind pünktlicher und gewissenhafter in den dir gewidmeten Andachten, als in der Erfüllung der we fentlichsten Pflichten der Religion und ihres Berufs! So gereicht deine Verehrung dem Christenthum zum Anstoß und Nachtheil, da sie ihm zur Aufnahme dienen sollte. Das kann dir nicht gefallen, seligste Jungfrau. Du felbst wurdest dieß nicht anders als dadurch, daß du Gottes Wort hörtest und bewahrtest. Auch uns ist kein anderer Weg zur Glückseligkeit gebahnt und eröffnet, als dieser. Wenn ich mit menschlicher und englicher Beredsamkeit dich lobpreisete, so wär ich doch nichts als eine flingende Schelle, die zwar einen anges nehmen laut von sich gibt, aber sich und andern nichts nüßet, woferne deine Verehrung für mich Feine Anweisung und kein Untrieb wäre, der Lehre deines Sohnes mehr als allem in der Welt Ge hör zu geben, und Folge zu leisten. Dieß sey mir unvergeßlich. Wenn ich deinen Namen nenne, oder nennen höre, wenn ich dein Bild erblicke: so sey mein Gedanke und Ente schluß dieser: Mutter meines himmlischen Lehrers! ich will Gottes Wort, das er mir hinterließ, hören und 269 und bewahren. Kann ich dir zu Ehren etwas größeres und besseres thun! Mein Gott! mache mich immer weiser, in allen meinen Andachten, in allen meinem Thun. Es werde mein ganzes Christenthum dir täglich wohlgefälliger. Amen. Gebeth zu Maria, für Mitglieder Marianischer Bruderschaften. Heiligste Jungfrau, feligste Mutter Maria! mit findlicher Ehrfurcht und liebe widme ich dir, in Gesellschaft meiner lieben Mitbrüder und Schwes stern meine Verehrung, die ich deiner hohen Würs de und Tugend schuldig bin. Als Mutter und Erzieherinn meines lieben Heilandes, wie viel hat dir die Welt zu verdanken! Wie viel Antheil hattest du auch an dem Werk unserer Erlösung, durch all deine mütterliche Sorgfalt, Mühe und Leiden! Nun hast du auch zunächst an seiner Herrs lichkeit Untheil. Die Verehrer deines Sohnes sind auch die deinigen. Du bedarfst freylich meiner Verehrung in deis ner hohen Seligkeit nicht; du willst feine andere, als welche mir nüglich ist, und sich durch treue Nachfolge in der That erweiset. Zuerst sey mein Blick auf deinen großen Sohn, das vollkommenste Muster aller Tugend, die er lehrte, gerichtet, und dann auf dich. Auch 270 Auch dein Glaube, deine Demuth, dein Vertrauen auf Gott, deine Gottes- und Menschen Liebe foll mir zum Vorbild und zur Aufmunterung dienen. Rein sey mein Herz und Gewissen, uns sträflich mein Wandel, eingezogen, sittsam, bescheiden mein ganzes Betragen, wie es das deinige war. Gottes Willen thun, im Stillen Gutes wirken, die Obliegenheiten meines Standes ges wissenhaft und emsig befolgen, auch) unbemerkt und unbelohnt von der Welt, auch in Widerwärtigkeiten und Beschwerden der Pflicht treu bleiben, und immer auf den allmächtigen Aufseher, Helfer und Belohner meiner Handlungen hinsehen das will ich nach deinem Beyspiel, du getreue, gehorsame, demuthsvolle Magd des Herrn! Dadurch gefielst du Gott, und erreichtest den hohen Grad von Heiligkeit, die dich der Ehre deiner Mutterschaft erst würdig machte. Dadurch lehrst du mich, wie ich auch in meiner Niedrigkeit Gott gefällig, dir ähnlich werden kann und soll niche durch lauter sonderbare Thaten und Dinge, sons dern durch stille Tugend, durch fleißige Verrichtung täglicher guter Werke. Nügliche Arbeit sen mein Gottesdienst, mein Herz der Altar, mein ganzes Leben ein gottgefälliges Opfer durch Gehorsam und siebe. Und wie getrost kann ich dann fenn, wenn ich Gottes Willen thue, wie du ihn gethan haft! der Herr ist mit mir, wie er mit dir war: er wird mich leiten, schüßen und seg, nen. Du folgtest ihm willig und standhaft, auf allen Wegen, die er dich führte, durch viel Trübs fal, 1 271 fal, Kummer und Leiden, im Vertrauen auf feinen Beystand und sein Wort. Der Vater, der feines eigenen Sohnes nicht schonte, führte auch dich, seine Mutter, auf dem nåmlichen Wege, wie ihn zur Herrlichkeit ein. So mußte deine Tugend durch strenge Prüfung und Uebung zur Vollkommenheit und zur Krone gelangen. Nun freuest du dich in unaussprechlicher Seligkeit deiner überstandenen Kämpfe und leiden. So will dann auch ich in den meinigen standhaft, gelaffen, geduldig, mit ruhiger Gottergebung ausharren, wider keine von Gottes Schickungen murren, jede zu meiner Besserung und Tugendübung anwenden, und mich mit dem trostvollen Vertrauen stärken, daß denen die Gott lieben, alles zum Besten dienen muß. Auf solche Weise werde ich dich würdig ver ehren, hochgelobte Mutter meines Erlösers, wenn ich die Absicht, warum dein Sohn auf die Welt kam, immer mehr an mir zu erfüllen fuche. Du liebest uns, für welche dein Sohn staró, als deine Kinder, und wünscheft uns alle einst in deinem himmlischen Reiche versammelt zu sehen, wie wir uns hier zu deiner Ehre versammeln. Dein menfchenfreundliches Herz ist nur für unser Heil be forgt, und bittet für uns bey Gott. Auch ich bin in deine liebvolle Fürbitten eingeschlossen. Welche Ehre, welch ein Trost für mich!- So will ich dann mit Gottes Beystand so leben, daß ich fie mir nicht selbst vergeblich mache, sondern als dein 272 bein wahrer Verehrer des vollen Segens deiner gebenedenten Mutterschaft mich freuen möge ewiglich. Amen. Anleitung zur praktischen Verehrung der Apostel unsers Herrn. Ihr bedürfet meiner Verehrung nicht, ihr ehemaligen vertrauten Freunde und Diener Jesu Christi, meines und eures Herrn! Aber darf ich fie euch versagen, da ihr sie so sehr verdienet? Mag sie euch von denen entzogen werden, die euch und den, der euch gesandt hat, nicht kennen oder falsch beurtheilen. Sie wird euch doch von vielen tausenden gewidmet, die euer hohes Verdienst zu schäßen wissen; und mit diesen allen vereinige ich mich, euch zu verehren. Auch ich will mich in dem Stand, Amt und Be ruf, worein mich Gott setzte, verdient machen, wie ich kann. Alsdann wird auch mein Name ein ehrenwerther Name werden und bleiben, wenn er gleich kein berühmter seyn wird. Zwar weiß ich wenig von eurer Lebensgeschichte. Aber wie leicht kann ich der kleinen Nach. richten von euren persönlichen Umstånden entbehren? Eure Thaten, und die gesegneten, bis auf uns fortdauernden Erfolge sprechen von euch und von 273 von euern Tugenden, und sichern euch die Hoch achtung der spätesten Nachwelt zu. So sollen auch das gebe Gott und Jesus Chris stus! die Früchte meiner Bemühungen, Gutes zu thun und zu stiften, der Welt sagen, wer ich war, und gewesen seyn müsse, wenn sie außer meis nem Namen wenig mehr von mir zu sagen weiß! Euch, heilige Männer! wählte der Sohn Gottes aus der Anzahl seiner übrigen Jünger jum genauen Umgang mit ihm und zur weitern Fortsegung seines angefangenen großen, göttlichen Werkes aus. Wie vorzüglich brauchbar muß er euch befunden haben? O daß er mich auch so befände, damit ich, es sey im kleinen oder im großen, zur Ausführung gotts gefälliger, gemeinnütziger Absichten vor andern auss gewählet werden könne. Dieß sey mein Stolz! Weder Gelehrsamkeit, noch Scharfsinn, noch Weltklugheit, weder Reichthum, noch Gewalt, noch glänzendes Ansehen fand euer Herr ben euch; und doch wurdet ihr seine Lieblinge. en Dieß gibt mir die gegründete Hoffnung, daß er mich auch in seiner Frennde Anzahl aufnehmen wer de, wenn ich gleich von dem allen nichts besiße; und besäß ich alles dieses, so will ich mich sorgfältig vor der falschen Einbildung bewahren, als ob ich bloß dadurch seiner Gunst würdiger wäre, als andere meiner Mitchriften, die dieser Gaben und äußerlis chen Vorzüge entbehren. Nur 274 Nur eure Wahrheitsliebe und Gelehrigkeit, nur eure Herzensgüte und lenksamkeit, nur euer Eifer für Gott und für die Tugend, nur euer fanfter, liebreicher Sinn, nur eure feurige und feste Entschloffenheit zu jedem guten Werf, nur eure ausdauernde Geduld, und alles aufopfernde Standhaftigkeit war es, was euch dem, der euch rief, fo angenehm und so tüchtig machte, in seinem Dienste allgemeine Wohlthäter der Welt, wie er zu werden. Sollt ich ihm, bey dem kein Ansehen der Person ist, weniger angenehm seyn, wenn ich die nämlichen Eigenschaften des Geistes und Herzens an mir trüge, sie mir erwürbe, und die natürlichen Anlager dazu ansbildete? Sollte ich alsdann als ein Werkzeug in seiner Hand nicht auch viel Gutes ausrichten? fer. Ihr waret nicht unsündlich, nicht ohne Feh Aber deßwegen verwarf er euch nicht; er trug Geduld mit den Schwachheiten eures Verstandes und Herzens, und half ihnen ab durch feinen Geist, der euch von einem Grade der Ers leuchtung, Heiligung und Stärke zum andern empor führte. Welch ein Trost, welch eine Hoffnung für mich Schwachen! Meine unvollkommene Erkenntniß und Tugend wird mich von seiner Liebe auch nicht ause schließen, wenn ich nur immer mit gewissenhafter Sorgfalt daran arbeiten werde, fie auszubessern 275 und höher zu bringen. Noch ist sein Geist dazu wirksam. 3545 die Durch ihn, der in euch wirkte, ist die selige Lehre meines Heilandes fortgepflanzt, und eben dadurch so viel Heil über die Welt verbreitet wor den. Auch ich habe meinen Antheil daran empfangen; und wem habe ichs zu verdanken? Gott und euch. Wåret ihr im Dienste Jefu nicht so eifrig, nicht treu bis in den Tod gewesen Welt wäre durch sein Evangelium nicht erleuch tet worden; es wäre nicht bis zu meinen Voráltern durchgedrungen; ich låge noch in der finstern Nacht heidnischer Unwissenheit und Irrthümer, oder wäre wenigstens des hellern und sanftern Lichtes der Religion Jesu nicht theilhaftig worden. Empfanget meinen Dank, ihr großen Lehrer des Christenthums! So oft ich daran gedenke, wie viel Segen mir durch das Christenthum zufließt, und zufließen soll; so will ich euer Ungedenken segnen, und, so weit auch euer Zeitalter von dem meinigen entfernt ist, euch als meine großen Wohlthäter verehren. Aber um wie viel eifriger werd ich mir nun die Ers kenntniß und Ausübung der christlichen Lehre an gelegen feyn lassen müssen! Was wäre meine ans dächtigste Verehrung der Apostel unsers Herrn, wenn ich die Lehre, für die fie alles thaten und aufopferten, nicht so hoch schäßte, daß ich sie mir aufs deutlichste bekannt machte, aufs tiefste einprägte, und zur Richtschnur meines Lebens dienen ließe. 276 ließe. Dieß wäre eben so viel, als ob ich sie für unweise Männer ausgåbe, die ihren ganzen Eifer spil auf etwas unnöthiges und unnüßes verwendet hätten. Nein, so will ich euch nicht verunehren, ihr heiligen Gesandten Jesu Christi. Ich will euch und eure Thaten nicht bloß bewundern; und bloß über eure Tugenden erstaunen. Ich will in eure Fußstapfen treten, euerm Glauben nachfolgen, eure Tugenden an mir wahrnehmen lassen, der Lehre Jesu überall Wege bahnen, und sie jedermann durch das Beyspiel meiner durch sie ges wirkten Rechtschaffenheit in allen guten Werken anempfehlen. Thâte ich dieses nicht- ach! dann wäre meine ganze Verehrung der Person und Verdienste der Apostel nichts als ein unfruchtbarer Aberglaube, und es würde mir nichts nüßen, wenn ich gleich ihr Angedenken aufs feyerlichste erneuerte, mich im Geiste gleichsam aufs innigste mit ihnen verbände, und in ihren himmlischen Fürbitten für das Heil der von ihnen gestifteten Kirche einen großen Theil meiner Beruhigung suchte. Gy In welcher hohen Seligkeit lebt ihr nun, ihe überschwenglich Belohnten! Ihr habt viel gearbeitet, viel gelitten, viel verdienet. Aber wie lange habt ihr schon höhern Lohn eurer hohen Verdienste eingeerntet, als ihr erwartet hattet. 277 Er lebt noch, der Allvergelter. Er ist nicht unges recht, daß er die Werke meines Glaubens, die Ara beiten meiner Liebe, die Bemühungen meiner Hoff nung vergessen sollte. Ich will nicht davon ab. lassen, nicht ermüden darin. Wahrlich! es wird auch mir im Himmel wohl belohnt werden. Auf dich, göttlicher Erlöser! durch den deine Apostel alles waren, was sie waren, fällt meine ganze ihnen gewidmete Verehrung zurück. Nicht ihnen, sondern dir sey zuerst und zulett Preis und Dant. Sie suchten nichts als deine Ehre. Ich will nach ihrem Sinne auch nichts anders suchen selbst wenn ich sie verehre. Laß mich nie so ausschweifen in meinen Gedanken, daß ich über deinen Knechten dich, ihren Oberherrn vergåße. Es ist bey niemand anders Heil zu finden als bey dir. Du bist der Weg dazu, die Wahrheit und das leben. Niemand kommt zum Vater, als durch dich. Amen. Beym Angedenken an die h. Märtyrer. Wie muß ich mich schämen, ihr heiligen Märtyrer, wenn ich an euch gedenke, und mich mit euch vergleiche! Aber um wie vielmehr sollte ich euch eben deßwegen verehren! Was hab ich denn um des Glaubens und der Gottfeligkeit willen bisher gelitten und aufgeopfert? Wenig oder gar nichts. S.4 Ich 278 Ich kann zwar der göttlichen Vorsehung nicht genug danken, daß sie mich in den spätern, ruhigern Zeiten der Kirche geboren werden ließ, in welchen die Bekenner Jesu nichts von den Drangfalen, Verfolgungen und Grausamkeiten zu bes fürchten haben, welchen die ersten Christen auss gefegt waren. Ich bin um meiner Religion wil len noch nie bedrohet und angefochten worden, wie sie; sollte ich ihm weniger gefällig senn, wenn ich im Genuß des äußerlichen Friedens, den er der Kirche schenkt, Glauben und gutes Gewissen bewahre, als ich ihm seyn würde, wenn ich unter dem Drucke ihrer Feinde feufzte, ohne ihm und der Tugend untreu zu werden. Ich wählte mir ja mein glücklicheres loos nicht selbst, Gott ließ es mir fallen; und ich darf es ihm, dem gerechten Richter, der jedermann bloß nach dem beurtheilt, was auf eigne Wahl und Freyheit ankommt, sicher zutrauen, daß er mich nicht geringer ansehen und halten werde, als seine durch Unfechtungen geprüfte und bewäh te Frrunde, wenn ich nur in den Tagen der völligen Sicherheit vor Religionsbedrångniffen dem wahren, thätigen Christenthum, wie fie, ergeben bleibe, und entschloffen bin, nach ihrem Benspiele lieber alles zu wagen, zu dulden, zu verlieren, als meinen christlichen Ueberzeugungen und Verpflichtungen zu entfagen, woferne er mich früher oder spåter in Versuchungen zur Abtrinnigkeit kommen ließe. Aber 279 Aber trifft er, der die Herzen erforschet, jene standhafte Treue und Entschloffenheit bey mir an? Bin ich mir ihrer bewußt, selbst wenn Verlust irdischer Vortheile, Seibs und Lebensgefahr drohet? O wie leicht ists gesagt und angelobt: ,, Was mir Gewinn ist, achte ich für Schaden, und lasse es fahren, wenn ich die lebendige und selige Erfenntniß Jesu Christi darüber einbüßen sollte. Herr ich bin bereit in Gefängnisse und in den Tod zu gehen, eh ich dich verläugnen sollte." Aber wie? wenn es nun wirklich an dem wäre, daß ich mein Leben, das kostbarste Gut meines Lebens, dem Bekenntnisse des Christenthums und der ge wissenhaften Befolgung seiner geheiligten Vorschriften aufopfern sollte, wie würde es mit mir stehen? würde ich mein Wort nicht zurücke nehmen? Ach, mein Herz! tausche mich nicht!- Du kannst, du kannst mich nicht täuschen! Weiß ich denn nicht, was ich bisher that und unterließ, da mein Glaube und meine Tugend, durch die er thätig seyn sollte, nur ganz leichte Proben auszuhalten hatte! Ich bestehe so selten darin, wie könnte ich mir Hoffnung machen, in den schwe ren auszuhalten? Die Religion wird bestritten und verspottet; wir fönnten sie vertheidigen, könnten ihre Ehre retten und wir schweigen so oft dazu, oder erlauben uns zuweilen wohl gar selbst eine kleine Spotteren, die wir doch im Herzen mißbilligen. Wir sollten uns öffentlich und feyerlich zu ihr be55 fennen; ww 280 m fennen; wir follten durch wohlgeordnete Andachtsübungen unsere christlichen Kenntnisse, unsere frommen Gesinnungen, unsern Fleiß in allen guten Werken vermehren, verstärken, beleben, und unsern Mitchristen erbaulich werden- und wir schamen uns deffen, unterlaffen es gånzlich oder unzähligemal, selbst alsdann, wann irgend eine Andachtsübung wahres dringendes Bedürfniß für uns wåre, oder es geschieht alles nur mit sichtbas tem Zwang und leichtsinniger Unehrbietigkeit von uns. Und warum? hatten wir den Verlust unfers zeitlichen Glückes oder einen beträchtlichen Abbruch daran zu besorgen, wenn wir anders handelten? Nein- man befürchtet nur von einem Religionsverachter, der uns nichts schaden und nichts nüßen kann, höhnisch angesehen, und den einfältigen Andachtlern zugefellet zu werden; man will nur nicht gerne ein unbedeutendes Ges schaft und Vergnügen aufschieben und missen; man will nur den verzärtelten Körper fein rauhes Lüftlein anwehen lassen; man will nur von seiner einmal gemachten Ordnung und von der Herrfchenden Gewohnheit nicht abweichen. Wie oft, ach! wie oft versäumte ich vieles von meinen gemessenen Pflichtleistungen und anderm Guten, daß mir kein menschlicher Befehl auflegen konnte! Wie viel Böses that und beförderte ich! Wie war ich so fest an sündliche Neigungen und Verbindungen mit andern Menschen gehäftet! nicht, weil mein irdischs Glück zerrüttet bundong 281 rüttet und umgestürzt worden wäre, wenn ich weinem Gewissen gefolgt, und mich von allem, was mich daran hindern wollte, mit Gewalt losgeriffen hatte, sondern um der geringsten Besorgnisse willen, die sogar nicht allemal gegründet waren. Ein gnädiger Blick, ein freundliches Wort, ein schmeichlerisches Lob, ein Titel und Ehrenzeichen, eine vorübereilende sinnliche Lust, eine gewohnte Bequemlichkeit, der Genuß tråger Ruhe, eine handvoll Geld, und ein noch weit, weit fleinerer Gewinn- dieses und dergleichen Dinge sind es, die ich für immer oder doch für jest zu verlieren glaubte, wenn ich als ein aufges Flårter, gemeinnüßiger und großmüthiger Christ denken, reden und handeln wollte, und ich dach te, redete und handelte nicht so, wie ich nach meiner eigenen Einsicht gefollt hätte, um nur jenem geringfügigen Verluste mich nicht auszusetzen. Und wenn ich ihn auch nicht so hoch anrechnete, daß ich ihn höher als den Verlust des Glaubens und Tugendübung schåßte, wie sehr schmerzte er mich doch! wie schwer kam es mich an, ihn zu ertragen? und wie viele Ueberlegungen, wie vie. le Kämpfe kostete es mich, bis ich den Sieg über mein Herz davon trug, das mir jene Kleinig keiten so wichtig vorstellte, und so schäßbar machte! Kann von Christen dieser Art die Märtyrerfrone errungen werden? ihr heiligen Märtyrer! wie kann ich vor Gott bestehen, wenn er mich nach euch mißt? Wie 282 Wie muß ich meine Augen niederschlagen, wenn ich an euch und an die Heldenthaten eures Glaubens und eurer Gottseligkeit gedenke! Nicht Unbesonnenheit und Tollkühnheit, nicht erhizter, blinder Religionseifer, nicht der Empörungsgeist, noch die Rachsucht gegen die Feinde des christlichen Namens stürzten euch in Marter und Tod. Sonst wåret ihr des ehrenvollen Namens der Blutzeugen Christi nicht werth. Mögen sich ihn so viele Betrogene und Bösewichter angemaßt, und bis auf die ferne Nachwelt zu erhalten gewußt haben, da sie doch um ihres Unfinns oder um ihres Frevels willen litten. Ihr send kenntlich genug von diesen falschen Märtyrern unterschieden. Eure helle Einsicht in die Lehre Jefu, eure innigfte Ueberzeugung von der Wahrheit und Gottlichkeit des Christenthums, euer nach seinen Vorschriften geändertes Herz und geheiligtes Leben, euer långst vor der Befolgung und Marter schon in den Stunden des Glücks, geübte Gottes- und Menschenliebe, ausharrende Geduld und Sanftmuth gegen Beleidiger, Selbstbeherrschung und himmlische Gesinnung sind das Siegel der Uechtheit eures Märtyrerthums; und wie weit laßt ihr nun mich, und viele tausend Christen hinter euch zurück! Christus war euer Leben, und Sterben euer Gewinn; wenn es gleich ein Sterben mit ihm am Kreuze oder auf dem Blutgerüste war- und ich jammere und flage, werde kleinmüthig, tråge und pflichtvergessen, wenn 283 wenn auch nicht völlig treulos, wenn mich der Weg des Christenthums nicht immer über lachende, blumichte Auen führet, sondern auf demsel ben je zuweilen nur eine Dorne rigt. Längst triumphiret ihr, wie die Sieger über sich selbst, über Unglück und Bosheit; und eure Geligkeit ist eurem Verdienste angemessen. Ja folche hohe Beyfpiele einer Martern und Tod nicht achtenden Christentugend brauchte euer Zeitalter und braucht auch das unsrige, das so verwöhnt, erschlafft, weichlich und für Religion und Chris stenthum fast erstorben ist. Es ist nicht Übers glaube, daß ich euch verehre. Hohe Tugend die sich nicht aus Wahnsinn, sondern aus Ueberzeugung und Gefühl der Wahrheit fürs Gute aufopfert, verdient die Bewunderung aller Gots tesverehrer und Tugendfreunde, wo man sie antrifft. Sie macht den Heiden verehrungswürdig; warum den Bekenner des Christenthums nicht? Ihr send das Gold der Christuskirche, durchs Feuer geläutert und bewährt. Wie viel Werth müßt ihr in meinen Augen haben- und zugleich wie vielen die Religion, um derentwillen ihr alles erduldetet, was nur schrecklich für die menschliche Natur ist, und in deren Lehren die Kraft lag, die euch über Leben und Tod erhob., In euch verehre ich sie und ihren göttlichen Stifter. O möchte sie ihre Kraft an mir beweisen, wie an euch; und wenn euer ruhmwürdiges Beyspiel mich 284 mich beschämt hat, möchte es mich auch ermuntern nicht ein Mårtyrer zu werden dieß ist in meiner jetzigen Lage kein Ruf Gottes an mich fondern den glaubigen und frommen Sinn anzunehmen, durch welchen ihr wurdet, was ihr waret. Ich will mit den leichtern Uebungen der Selbst- und Weltverläugnung anfangen, damit ich tüchtig werde, und wie es Gott von mir fordern wird. Darf ich um Jefu willen mein Blut nicht vergießen; so soll es doch nur darum in meinen Adern fließen, damit es mich, bis zum letzten Pulsschlag, zur ununterbrochenen Thätigkeit in allen guten Werken belebe! pontowa Das allgemeine christliche Glaubens. bekenntniß; das Gebeth des Herrn; und der Engelsgruß, in einer erklärenden Umschreibung. Dieß sind die gewöhnlichsten und beynahe einzigen Ges bethformeln vieler katholischen Christen. Das tausends mal wiederholte und abgezählte Hersagen derselben ist aber noch nicht Gebeth. Es schwächt vielmehr die Auf merksamkeit und die wahre Andacht. Die Worte schlüs pfen geläufig über die Zunge weg, ohne daß das Herz einen Antheil daran hat. Viele wissen nicht einmal, was Dr 285 was sie sagen, und sind also nicht im Stande, dabey etwas zu denken und zu empfinden. Folgende Umschreis bungen sollen daher sowohl zur Belehrung als zur Bes herzigung dienen. Vielleicht könnten sie auch zum öffents lichen Vorbethen gebraucht werden. Der Glaube an Gott und Christus ist das erste Nothwendige. Der Unsichtbare, der Unbegreifliche hat sich durch seinen Sohn, Jesus, den Menschen geoffens bart, und in seinen höchsten, liebenswürdigsten Vollkommenheiten zu erkennen gegeben. Aber was nüßen uns diese göttliche Belehrungen, wenn wir sie uns nicht bes kannt machen oder für irrig und ungewiß halten wollten? Alles das ungezweifelt für wahr halten, was Gott durch Chriftum geredet, und was die katholische, oder Allgemeine Kirch( die ganze rechtgläubige Christenheit) von den Zeiten der Apostel her bis jetzt, als Gottes untrügliches Wort einhellig angenommen und zu glauben vorgestellt hat, heißt christkatholisch glauben. Dieser Glaube ist wahre Weisheit und die größte Wohlthat. Die schwache Vernunft schweigt, wenn die ewige Wahrs heit spricht. Der Verstand freut sich des Lichts von oben herab, und das Herz ist beruhigt, daß es einen so sichern Führer hat. Der rechtschaffene Christ lebt seines Glaubens( Rom. , 17.), das heißt: er befolge treulich den ihm geoffenbarten göttlichen Willen; er vertraut Gott, in gewisser Hoffnung, daß er alles erfüllen werde, was er ihm in feinem Worte verheißen hat; und so macht ihn sein Glaube zu einem glückseligen Menschen. Dieses ist der wahre allein feligmachende Glaube. Die 286 Die Hauptwahrheiten der von den Aposteln verkün. digten christlichen Lehre sind in 12 Artikel abgefaßt. Man nennet sie Das apostolische Glaubensbekenntniß. Ich glaube an Gott Vater, den alls machtigen Schöpfer des immels und der Erde. Ewiger, unendlicher, einziger Gott! kein sterbliches Auge kann dich sehen, kein Verstand dich begreifen. Doch hast du dich uns herrlich und liebreich geoffenbaret. Deine bewunderungswür digen Werke verkündigen allenthalben deine hochste Macht, Weisheit und Güte; und um dich uns noch deutlicher zu erkennen zu geben, hast du ehemals selbst auf verschiedene Weise zu den Menschen geredet. Wir haben dein Wort, das uns nicht trügen kann: du hast es uns so glaubwürdig und einleuchtend gemacht, daß wir uns sicher daran halten können. Mit der tröstlichsten Gewißheit wissen wir daraus, daß du der einige, höchste, allmächtige Urheber, Erhalter und Regierer der Welt daß du Vater bist, der jedes feiner Geschöpfe kennt und liebt, für jedes sorgt, jedes glücklich machen will. Welche Wohlthat ist dies fer Glaube! Was hülfe mich alles übrige Wissen, wenn ich dich nicht fennete, mein Vater, und von dem, was du mit mir vorhast, nichts wüsste? Muur to 287 Nun freu ich mich deiner, bethe dich an, und danke dir ewig dafür, daß du mich zu deiner Ers fenntniß geleitet hast! Du schufft uns nach deinem Bilde, zur Nehnlichkeit mit dir, zur ewigen Glückseligkeit. Die Sünde machte uns elend an Leib und Seele. Du erbarmtest dich, Vater, und fandtest uns einen Erlöser vom Joche der Sünde und vom ewigen Untergang, einen mächtigen Wiederhersteller der verlornen Glückseligkeit. Und an Jesum Christum seinen einges bornen Sohn, unsern errn. Mit festem, folgsamen Glauben halt ich an ihn, meinen göttlichen Lehrer und Heiland. In feinem Namen wenn ich ihm vertraue und folge- werde ich felig. Er heißt und ist ja Jes fus- Retter und Seligmacher des Menschenges schlechts. Er heißt und ist ja Christus, der Ges falbte des Herrn, der himmlische König, der alle, die ihm gehorchen, ewig beglücken will. Der Name eines Christen, den ich von ihm habe, lasse mich nie vergessen, was er von mir fordert, und was ich von ihm hoffen darf. Mit gläubiger Ehra furcht bekenne ich ihn für den eingebornen Sohn des Allerhöchsten, für das sichtbare Ebenbild des Vaters. Er und der Vater ist eins! Er, mein Herr und mein Gott! Ihm gehöre ich an; ich bin sein Erlöster; er ist mein und unfer aller Alles. C Eme 288 Empfangen vom heil. Geist, geboren aus Maria der Jungfrauen. Der Sohn Gottes ward ein Menschensohn, unser Bruder, um uns im höhern Verstande zu Kindern Gottes, und Gort ähnlich zu machen, als es der Mensch schon durch die Schöpfung war. Seine wundervolle Menschwerdung gibt der Menschheit eine neue Würde. O daß ich sie nie, weder an mir durch Herabsinken in thierische Lüfte und unedle irdische Absichten und Bestrebungen, noch an andern durch lieblose Verachtung entehre! Gelitten unter Pontius Pilatus gekreuziget, gestorben und begraben. Wie herrlich, wie göttlich vollbracht er das Werk, dazu er gefandt war, Wehrheit, Tugend und Glückseligkeit über sein Volk, und die ganze Welt zu verbreiten!- Sein Lebens Ende bestätigte die Göttlichkeit seiner Lehren, Thaten und Beyspiele aufs vollkommenste. Unschuldig und fanfiouldend litt er mit stiller, heldenmüthi. ger Ergebenheit und liebe den peinlichsten und schmählichsten Tod der Missethäter uns zum. Benspiel, zum Trost, zum Heil. Um Kreuze unfers Erlöfers fehen wir unsere Strafwürdigkeit und unsere Begnadigung, deine Gerechtigkeit, o Gott, und deine erbarmende Liebe. Auch mir zum Besten fitt und Farb mein Heiland. Dieß stårke mich zur ernstlichen Besserung, zur Geduld und de 289 und standhaften Liebe, damit sein Leiden und Tod mir zum Segen werde, und sein Blut nicht vergeblich für mich gefloffen sey! Abgestiegen zu der ölle, auferstanden von den Todten. Vom Kreuze stieg er nicht herab, aber aus dem Grabe trat er am dritten Tag hervor, und zeigte sich als Ueberwinder der Sünde, des Todes und der Hölle, als den Erlöser aller! Durch seinen Tod bewies er uns die Größe seiner Liebe, durch seine Auferstehung die Größe seiner Macht. Nun steht unser Glaube fest; fein Wort bleibe ewige Wahrheit. Sicher können wir ihm folgen, und auf ihn vertrauen. Er wird an uns erfüllen, was er verheissen, wenn wir halten, was er gebothen hat. Aufgefahren zum Himmel, sitzer zur rechten and Gottes. Långst ist er hingegangen zum Vater, und beherrschet seitdem mit voller göttlicher Gewalt, Weisheit und liebe alles, was ihm der Vater übergeben hat, im Himmel und auf Erden. Un ser Bruder und größter Freund, er, der für uns starb zur höchsten Macht und Würde erhaben! Welch ein Glück für uns! Er vergißt unser nicht; er wollte uns nicht verlaffen. Noch immer ist er unsichtbarer Weise bey uns mit seinem Beystand und Schuß.-Wo er ist, da will ersollen auch seine Freunde seyn. Auch mir will er dort, Ta 1 Droinup 200 dort, im Hause seines Vaters, eine Stätte bez reiren; auch mit mir seine Herrlichkeit theilen! Wiejelig bin ich, wenn ich ihm folge! Auf ihn wit ich unverrückt hinsehen, b.y jeder Reißung zur Sünde, unter den Mühseligkeiten dieses Les bens, bey der Annäherung des Todes. Er, mein Vorgänger, soll überall meine Etärke seyn! Von dannen er kommen wird, zu rich ten die Lebendigen und die Todten. Wieder kommen wird er, der einst ungerecht verurtheilte Menschensohn, in seiner Herrlichkeit, Gericht zu halten und jedem zu vergelten nach seinen Werken. Da wird er die stille verkannte Tugend in ihrem Lichte erscheinen laffen; da wird er das heimliche after offenbaren, und die tückische Falschheit entlarven. Da wird er die Guten von den Bösen auf ewig scheiden, jene mit sich in seine Herrlichkeit einführen, diese zu den Qualen der Ewigkeit verurtheilen. Auf welche Seite, zu welcher Gesellschaft werde ich gehören? Meine Werke werden mich selig sprechen oder verdammen. Noch habe ich Zeit und Mittel zur Besserung. Durch freue Anwendung derfelben muß und will ich meiner Seligkeit gewiß werden. Ich glaube an den heiligen Geist. Jesus Christus hat seinen Jüngern den heili gen Geist verheiffen und wirklich gesendet. Sein göttliches Wesen, sein Ausgehen vom Vater und Sohn fann mein schwacher Verstand nicht begreis fen. 291 fen. Ich bethe im Glauben an, und freue mich feiner gnadenvollen Wirkungen. Wie er einst den Aposteln und ersten Glaubigen feine außerordent lichen Gaben mittheilte, sie erleuchtete, stärkte, und tüchtig machte zur Verbreitung des Christenthums: so wirket er noch immer unsichtbarer Weise in unsern Herzen fort. Ihm danken wir jede heilsame Erkenntniß, jeden wahren Trost und freudigen Muth der Seele, jeden Antrieb zum Guten, und Kraft es zu vollbringen. Es ist der Geist der Wahrheit und Liebe, der uns belehret und heiligt, der uns Gesinnungen einflößt, wodurch wir Gottes Kinder werden. Wohl mir, wenn ich mich ganz von ihm leiten und beseelen laffe! Eine heilige allgemeine Kirche, Ges meinschaft der Heiligen. AD Jesus Christus hat eine Kirche, eine Gesellschaft wahrer Gottesverehrer gestiftet, welche heilig seyn sollte, wie er heilig ist. Er hat sie in alle Welt verbreitet und wird sie erhalten bis ans Ende der Welt. Wie sicher, wie beruhigt bin ich, wenn ich glaube, was fie, die ganze Christenheit, von ihrer ersten Stiftung an, bis auf mich her, einhellig glaubte? Dieser Glaube führt mich nicht irre. Aber er würde mich auch nicht selig machen, sondern verdammen, wenn ich dabey unheilig lebte. Ich stehe in Gemeinschaft der Heiligen. Durch treue Nachahmung der Tugenden meiner Vorgänger, durch wohlwollende, hilfeleistende, fürbittende Bruder 23 1 292 Bruderliebe gegen alle meine Brüder, lebendige und Abgestorbene, werde ich erst ein wahres, lebendiges Mitglied dieser Gemeinschaft, welche durch den Tod nicht aufgehoben, sondern erst ganz vollkommen wird. Ablaß der Sünden. Du hast, barmherziger Vater, dem reumüthig fich bessernden Sünder durch deinen Sohn Verges bung zugesichert. Dieß ist der Trost meines Glaubens, wenn meine Sünden mich frånken. Was könnte mich beruhigen, wenn ich diese gnådige Zufage nicht hätte? Deine erbarmende Liebe kommt mir entgegen, und fordert mich auf, mit desto eifrigerm Bestreben an meiner Besserung und Heiligung zu arbeiten, je getrofter ich auf deine Hilfe und Bes gnadigung hoffen darf. < Auferstehung des Fleisches. Ich werde einst wieder aufleben, wenn gleich mein leib längst verweset seyn wird. So gewiß mein Erlöser vom Grabe auferstanden ist; so gewiß wird er auch mich auferwecken. Wie auch aus dem verwesten Samenkorn eine neue Frucht hervor kommt; so wird dieser verwesliche Leib in einen unverweslichen, dieser verächtliche in einen Herrlichen, dieser schwache in einen kraftvollen, Diefer thierische in einen geistigen, der sich für jenes himmlische Leben schickt, umgebildet werden.- Wenn ich mich hier im Leben meinem Erlöser gleichförmig mache, so werde ich ihm auch in der 293 der Aufferstehung ähnlich werden. Der Tod foll mir nicht mehr fürchterlich seyn. Er öffnet mir den Eingang in Ein ewiges Leben. Gott und Jesum Christum in seiner liebenswürdigsten Herrlichkeit sehen;- der süßesten Erfahrungen seiner alles beglückenden Siebe sich freuen- in der Gesellschaft aller Engel und Seligen, aller tugendhaften und edeln Seelen auch der ehemaligen unschuldigen und frommen Freune de und Bekannten, des reinsten Vergnügens ges nießen-frey von aller Mühseligkeit, von Sune de und Tod fortrücken ohne Aufhören ohne Ermüden, von einer Stufe der Vollkommenheit zur andern welch ein unaussprechlich feliges Leben! Was sind die wenigen Augenblicke dieser Prüfungszeit gegen jene Seligkeiten ohne Ende! Auch mir sind sie bereitet! So will ich dann kämpfen, dulden und arbeiten, wie und so lang der Herr es will! Der lohn im Himmel ist groß und gewiß. Ich will mein Erdeleben benützen, Gutes zu thun, so viel ich kann, damit ich mich deß freuen möge ewiglich! bovena mamp Wie tröstlich ist der Glaube des Christen, und wie gewiß! Er sen die Richtschnur meines Lebens, und meine Beruhigung! Ich weiß, an wen ich glaube. Du selbst, o Gott, hättest in Irrthum geführt, wenn nicht alles wahr wäre, was du uns durch deinen Sohn gelehret, und so herrlich 24 294 herrlich bestätiget hast. Ich kann daran mit Vernunft nicht zweifeln. Freudig sprech ich: Amen! Ja es ist gewißlich wahr. Auf diesen Glauben lebe ich; auf ihn will ich sterben. Amen! Ja! es ist gewißlich wahr! Das Gebeth des Herrn. 93 enn ihr bethet, sollt ihr nicht viel Worte machen, wie die Heiden und Gleißner, welche dadurch eher er hört zu werden glauben; denn euer Vater, im Hime mel weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr bethen: Vater unser, der du bist zc.( Matth. 6.) 91 So bethete Jesus seinen Jüngern vor. Aber gewiß nicht in der Absicht, daß ihm immer mit den nämlichen Ausdrücken nachgebether würde. Er selbst richtete sich nach der damaligen Sprache und Verstellungsart feiner Zuhörer. Er wollte uns nicht worte in den Mund, fondern Gesinnungen ins Herz legen, mit welchen wir bethen sollten. Er wollte uns keine Formel vorschreiben, daran wir uns buchstäblich binden müßten, sondern ein Muster geben, nach welchem wir unsere Gebetheeinrichten sollten; und er gab uns das vertrefflichste Muster, das in fruchtbarer, kraftvoller Kürze das Wesent lichste in fich faßt, was wir als Kinder Gottes, unferm erhabenen Vater im Gebethe vorzutragen, was wir von ihm zu erwarten und zu thun haben, um es zu erlangen. Unsere - 295 Unsere wichtigsten Angelegenheiten, und erhaben. sten Wünsche, unsere heiligsten Pflichten sind der Inhalt dieses Gebeths. Erwäge bedächtlich den Sinn jeder Bitte. Jede gibt Stoff zur herzerhebenden Betrachtung. Wende sie auf dich und deine Umstände an. Laß dein Herz res den in seiner eigenen Sprache, wie es dich Jesus ges Ihret hat. Bater unser, der du bist im Himmel! Unsichtbarer, allgegenwärtiger Gott! erhaben über alle unsere begriffe, wie der Himmel über die Erde erhaben ist! Und doch in aller deiner Erhabenheit unser Vater! deffen ganze Allmacht und Größe Liebe ist! Mit Ehrfurcht und Freudigkeit erhebt sich unser Geist zu dir aus dem Staube. Im Namen deines Sohnes unsern Herrn, der uns dich kennen und zu dir berhen lehrte, dürfen wir mit Zutrauen zu dir reden, wie Kinder zum Vater; und wie glücklich find wir, daß wir es dürfen! Jhm deinem Bielgeliebten, ſprechen wir nach;- möchte es die Sprache des Herzens seyn, die dir gefällt. Vater unser aller! Alle Menschen deine Kinder, alle Brüder untereinander! Wie deine Liebe alle umfaßt, so sey auch von der unsrigen kein Mensch ausgeschlossen. Wir bitten für alle, wünschen allen das Gute, 25 das 296 das wir uns von dir erflehen; und wie deine Liebe lauter Wohlthun ist, so sen auch die unsrige nicht müßiger frommer Wunsch, sondern Theilnehmung und Hilfe. Gib uns Kräfte, Sinn und Mittel dazu. Geheiliget werde dein Name. Heiliger, anbethungswürdiger Gott! Wer kann dich würdig genug verehren! Du bedarfst aller unserer Verherrlichung nicht. Du suchst nichts, als das Wohl deiner Kinder, und wir können dich nicht anders verehren, als wenn wir dich für den Urheber alles Guten erkennen, und uns dadurch zur dankbaren Freude und liebe, zum findlichen Vertrauen und willigen Gehorsam erwecken und stärken lassen.. O laß uns und allen Menschen deine liebende Allmacht und weise Güte immer mehr in die Augen leuchten, damit wir deiner uns freuen, wenn wir in tiefester Ehre furcht dich anbethen. Zukomme dein Reich. Du hast, o Gott! durch Jesum die größte und herrlichste Anstalt gemacht, die Menschen zur wahren Glückseligkeit zu führen. Dieß ist das gnadenvolle Reich, das du längst gestiftet haft und dieses breite immer weiter aus.( aß Wah heit und Tugend durch rechtschaffenes Chris stenthum immer allgemeiner unter uns und überall werden, bis wir einst zur Mitgenoffenschaft jenes ewigen, himmlischen Reichs deines Soh. nes 297 nes, zum Genuß der vollendeten Seligkeit auf genommen werden, welche seinen treuen Nachfolgern bereitet ist. Dein Wille geschehe, wie im Zimmel, also auch auf Erden. Nicht die, weiche Jesum ihren Herrn nennen, sondern die deinen Willen thun, o Vater! werden in das Himmelreich eingehen. Dein Gefeß ist siebe; du willst und forderst von uns nur unser Bestes; und wenn du verbietheft, warnest du als Vater. Unser größtes Elend kommt daher, daß deine guten Gebothe und Absichters nicht befolgt werden. Geschähe' dein heiligster Wille, so würde schon diese Erde ein Vorhof des Himmels seyn. Dank sey dir, o Gott, daß du ihn uns bekannt gemacht hast! Laß uns die Wohls thätigkeit deiner weiseften Gesetze und Anordnungen immer deutlicher einsehen; lenke, stärke unsern verkehrten, schwachen Willen, daß er sich dem Deinigen, ohne den uns nichts widerfahren und nichts gedeihen kann, allezeit mit entschlossener freudiger Ergebenheit unterwerfe, wie er von den seligen Bewohnern des Himmels vollzogen wird. misstes Gib uns heut unser tägliches Brod. Vater, du weißt, was deine Kinder zu ihres Lebens unterhalt bedürfen; du bist reich und milde genug, es zu geben. Mit findlicher Zuversicht erbitten und erwarten wir es von deiner väterlis chen 298 chen Fürsorge. Unnüße, zaghafte Hengstlichkeit würde dich eben so sehr entehren, als leichtsinniges, tråges, vermessenes Vertrauen auf deine Vorfehung. Segne unsern Fleiß; erhalte uns Gesundheit und Lust zur Arbeit. Gib uns dazu ein dankbares, zufriedenes, bescheidenes Herz, daß wir deine Gaben nicht zu unserm Verderben mißbrauchen, sondern froh und weise genießen. Laß uns daher unserer nothleidenden Brüder nicht vergessen. Bewahre uns gleich fern vor niederschlagender Armuth, und üppig machenden Ueberfluß. Dieß bitten wir heute und täglich, weil wir täglich deiner Fürsorge bedürfen. Der morgende Tag steht in deiner Hand. Erleben wir ihn, so bitten wir dich aufs neue. Du wirst uns väterlich versorgen, bis unser Leben sich schließt. Vergib uns unsere Schuld, wie wir vers geben unsern Schuldigern. Wir haben gesündigt; und bekennen unsere Schuld vor dir, o Vater! Wir haben Strafe verdient, und hätten Ursache zu zittern. Aber du bist ein liebevoller Vater, der sich seiner auch durch eigene Schuld unglücklich gewordener Kinder erbarmet, stets bereit zum Vergeben und Retten. daß dich auch unsern bisherigen Ungehorfam nicht ermåten, uns ferner Gutes zu thun; und sen nach deiner weisen liebe davor, daß die Bergehungen unsers vorigen Lebens nicht eine Urfache zum Unglück für uns werden. Wie wir wünschen, daß du uns unsere Sünden vergeben wolleft - wollest, so sollen auch von uns alle Beleidigungen, die uns widerfahren sind, vergeben und vergeffen seyn. Wie bürften wirs wagen mit un verföhntem feindseligen, rachbegierigen Herzen deine Barmherzigkeit anzuflehen! Nein, Vater! deine Liebe soll das Muster der unsrigen feyn! 299 Forne Führ' uns nicht in Versuchung. chen. Wie du uns, barmherziger Gott, unsere Sünden vergeben haft, so bewahr' uns in Zukunft davor, und hilf uns zur standhaften Besserung. Du kennst unsere Kräfte und unsere Schwäs Du hast uns freyen Willen, Vernunft und Gewissen, und deine guten Gebothe zur Leis tung gegeben. Wir können nicht fordern, von aller Versuchung fren zu bleiben. Ohne Prüs fung, Beschwerden und Leiden wåre keine Tugend, fein Verdienst. Laß uns nur die Reißungen und Verführungen zur Sünde nicht zu mach tig werden; laß uns nie in folche Gelegenheiten und Fallstricke gerathen, noch von widrigen Zus fällen betroffen werden, in welchen, wie du vora hersiehst, unsere Schwachheit unterliegen würde. Kindliche Ehrfurcht vor dir, heiliger, gerechter, allgegenwärtiger Gott! bewahre uns davor, etwas zu thun oder zu denken, deß wir uns zu scha men, oder zu fürchten hätten. Das Undenken an dich mache uns weise, liebreich, fanft und rechtschaffen in allen Gesinnungen und Handluns gen, befestige unsern guten Vorfaß, wenn die Pflicht schwer wird, stärke den sinkenden Muth, wenn Wi 300 wenn Kummer und leiden uns drücken. Du bist Vater, unser mächtiger Beystand und treuer Vergelter. Führe uns nach den kurzen Prüfungen dieses vorübereilenden Lebens glücklich dorthin, wo die siegende Tugend ihrer überstandenen Kämpfe ewig sich freuen wird. Sondern erlöse uns von dem llebel. Das größte, das einzige wahre Uebel in deis ner Welt ist die Sünde. Gib, daß wir uns immer mehr davon losmachen, so wird auch unsers Jammers täglich weniger werden. Alles, was wir sonst für Unglück und Elend halten, wird für uns das Mittel und der Weg zu einem höhern Glück, wenn es aus deiner Hand kommt; denn aus deiner Hand kann nichts Böses kommen. Denen, die dich lieben, muß alles zum Besten gereichen. Du weißt auch aus dem lebel Gutes zu ziehen; wenn du nimmst, so gibst du mehr und etwas bessers dafür. Die strafenden Folgen unserer Vergehungen sollen bessernde Warnungen seyn; alle übrigen Zufälle, die nicht von uns ab hangen, und während dieses Prüfungslebens nicht von uns entfernt werden können, sollen uns zu Tugend- und Heilsmitteln dienen, bis uns einst ein seliger Tod von allem Uebel erlöset, und zum ewigen Freudenleben einführt. Amen! Es geschehe! Vater, laß diese gotts feligen Wünsche und Bitten an uns, und selbst durch uns erfüllet werden, so viel wir dazu vermögend und fähig sind. Ja, dieß dürfen wir getrost 301 getrost von deiner Güte erwarten. Denn dein ist die höchste Herrschaft und Macht. Dir gebührt die höchste Verehrung, und wir wollen sie dir nie versagen. Sen von uns und der ganzen Welt jetzt und in alle Ewigkeit geprieſen und ans gebethet! Alles stimme mit uns ein: Vater im Himmel! wie groß und herrlich bist du. Der Engelsgruß. Du weißt, mein Chrift, was für eine freudenreiche Bothschaft der Engel Maria gebracht hat, daß nåmlichy der Sohn Gottes die menschliche Natur annehmen würde, um die Menschen selig zu machen. Um diese größte Wohlthat in stetem Andenken zu erhalten, hat man den Engelsgruß zu einem Gebethe gemacht. Jede Wies derholung ist gleichsam eine neue Danksagung für die Gnade unserer Erlösung, und eine Erinnerung, sie uns auch recht zu nutze zu machen. Wenn du daher. Maria mit den berührten Worten des Engels grüßest, fie mit Elisabeth selig preisest, und dich sammt deinen Mitchristen ihrer Fürbitte empfiehlst, so geschieht es ih res göttlichen Sohnes wegen. Auf ihn sey dabey vors züglich deine Andacht, deine Verehrung und dein Vers trauen gerichtet. Wenn du aber die sogenannten Ges heimniffe einlegeft, so bedenke dabey die Absicht seiner Menschwerdung, seines Lebens auf Erden, seiner Geduld im Leiden, und seine jetzige Herrlichkeit, in welche er, so wie seine treue Mutter, auch dich aufnehmen will, wenn 302 wenn du seinen Lehren und Beyspielen folgest. Wenn du allein berheft, so eile nicht, um nur mit einer gewiss. fen Zahl von Wiederholungen fertig zu werden. Man braucht Gott seine Gebethe nicht vorzuzählen. Er sieht nicht auf die Menge hergesprochener Worte, sondern auf die guten Gesinnungen und Vorfäße, die du dabey faffest. Diese machen den schönsten Rosenkranz aus, daran Gott, Jesus und Maria ein wahres Wohlgefallen haben. Bethe mehr mit dem Herzen, als mit dem Munde. Wenn du durch dein Gebeth besser gesinnt, gestärkter zum Guten, getroster, zufriedener liebevoller wirft gegen Gott und Menschen; dann hast du recht nüglich und Gott gefällig gebethet. 143 * Sen gegrüßet, Maria, du holdselige, bu Gnadenvolle! Wie würdig warst du der hohen Gnade deines Gottes, und wie wirksam warst du zu ihrer treuen Anwendung! Wie voll Anmuth, Liebe und Tugend war deine Seele und dein gan zes Betragen! Der Herr mit dir, und du mit ihm wie er dich führte, so folgtest du ihm; wie er dich zu sich erhob, so hieltest du fest an ihm. Du gesegneteste unter allen Müttern! wie verehrungswürdig wirst du uns durch die Se gensvolle Frucht deines leibes! Du hast uns den Heiland geboren. O daß wir uns auch seines vollen Gegens durch treue Befolgung seiner Leh re und Beyspiele theilhaftig machten! Heilige Maria! auch dein frommer Sinn und Wandel, bein 303 Wie dein hochbelohntes Verdienst und heiliges Leben im Himmel, erwecke uns zur Nachfolge. getroft können wir dann hoffen, daß deine mens schenfreundliche Fürbitte für uns arme Sünder nicht vergeblich seyn werde! Wir wollen uns jetzt durch Besserung und göttliches Leben zu einem seligen Tode vorbereiten, um einst mit dir zum Genuße jener ewigen Glückseligkeit zu gelangen, welche dir und uns die himmlische Bothschaft verfündiget hat, Amen. Vermischte Gebethe. I. Auf den Jahreswechsel. Geburts. oder Namens Vermählungs- oder Amts- Une tritts- Tag, und jede andere, jedem in seiner les bensgeschichte vorzüglich merkwürdige jährliche Gedächtnißtage. Wieder ein Jahr dahin! Ich will auf dies fem Ruhepunkt meiner Wanderschaft stille stehen, und noch einmal die zurückgelegte laufbahn übers schauen Ich will auf- und vorwärts blicken, und bedenken, was ich empfangen wie ich es anworüber ich mich zu erfreuen gewandt oder au fürchten und zu betrüben habe. 21 Men sted D 304 O mein Gott! wo soll ich anfangen oder auf hören, wenn ich dir für alles danken foll! Wie unzählig ist die Summe des Guten, das ich aus deiner Hand empfing! Ich kenne vielleicht nur den kleinsten Theil deiner Wohlthaten. Aber auch die bekannten, genoffenen, empfundenen, welche Quelle von Freuden! O ich will sie in mein Gedächtniß zurückrufen, und noch einmal mich freuen über die guten Tage, die mir gewor über so viel gefunden Gebrauch meiner Geistes und Leibeskräfte- über so viel frohen Lebensgenuß- über so vielerleyUnterstügungen und Aufmunterungen.-über so manche ruhige Nacht, so manches frohe Erwachen am Morgen, so manchen heitern Tag- über alle herzerhebende ange nehme Empfindungen im Anblick und Genuß deiner herrlichen Geschöpfe und väterlichen Gaben! den find Wie viel Vergnügen und Trost fand ich im Umgang mit verständigen, rechtschaffenen Freunden, die du mir auf dem Wege meiner Pilgerschaft zuführtest, mir ihn durch ihre Begleitung angenehmer zu machen, und zu erleichtern; mich, wenn ich irrte, zu rechte zu weisen, und, wenn ich fanf, zu unterstüßen! Wie viel Gutes fonnte ich, durch deinen Beystand ausrichten! und wie viel Segen ist von. dem, was ich für andere that, auf mich zurücke gekommen! Schon das Bewußtseyn, nicht unnüß 305 nüß in der Welt gelebt zu haben, ist füße Belohnung. Aber oft ward mir noch mehr. Ich hatte auch die Freude von meinen Bemühungen die Frucht zu sehen, und zwar oft da, wo ich sie gar nicht erwartet hätte. Die lasten, welche nach deiner weisen Vertheilung mich trafen, wie erträglich, wie mir so angemessen waren sie! Von wie vielen blieb ich fren, von welchen andere bennahe zu Boden gedrückt wurden! Und wie viel leichter wurden mir manche, vor denen sich anfangs meine Schwachheit und meine Einbildung entfeßte! Ich erfuhr es so oft, daß du uns nichts auflegst, was unsere Kräfte überstiege, und was du uns nicht tragen hålfest, ich wurde inne, daß unsere Leiden sehr oft die Ursache unsers Glücks, und unsers freudigsten Dankes werden. So danke ich dir dann noch einmal für alle deine Gutthaten mein Gott, und indem ich sie durch die Wiedererinnerung gleichsam noch einmal genieße, so öffnet sich mir zugleich die heiterste Aussicht auf die Zukunft. Wie ich bisher deine liebende Fürsorge erfuhr, so kann ich auch ferner darauf vertrauen. Du ånderst mit der Zeit, deine Gesinnung nicht. Du willst mich, wie jedes deiner Geschöpfe, wie ich deffen nur få hig bin, zeitlich und ewig beglücken. Ich weiß nicht, wie viele Tage du meinem Leben noch zulegen wirst: aber das weiß ich, daß du sie mir alle zur Beförderung meines Glückes schenken wirst. Ula Du 306 Du wirst mir noch ferner Kraft und Gelegen heit geben, Gutes zu thun, meine Fehler zu ver bessern, weifer und tugendhafter, den Menschen werther und müßlicher, und dir o Gott, immer ähnlicher, immer gefälliger zu werden. Wie viele, vielleicht alle meine Vorstellungen und Wünsche übersteigende Freude werden mir die kommenden Tage noch bringen!- Vielleicht auch viele traurige Stunden! Aber auch diefe können follen sich mir in Sea gen verwandeln. Alles, Vater, kommt aus deiner Hand. Unter deiner Aufsicht und Leitung sehe und gehe ich allem, was kommen wird, ges trost und standhaft entgegen. Wieder ein Jahr, unwiederbringlich, uns erferzlich dahin! Von allem, was geschehen ist, kann ich nichts ungeschehen machen. Keinen bösen Gedanken, feine unüberlegte Rede, feine schlechte Handlung kann ich mit meinen Seufzern zurücknehmen, oder mit meinen Thränen tilgen. Alle in tråger Unthätigkeit hingebrachten Tage und Stunden sind auf immer auf immer verloren. Nie werde ich die geringste Freude, den mindesten Nußen davon haben. Bessern kann ich mich. Dazu fristest du mir noch meine Gnadenzeit, langmüthiger Erbarmer! Aber in Ewigkeit werde ich nicht mehr so viel gutes wire ten können, als in meinen Kräften stand, wenn ich 307 Ah ich diese Kräfte recht angewandt hätte! den verlornen Augenblick bringt keine Neu, fein Flehn zurück. D Benn ich jetzt die Reihe meiner vergangenen Tage und Stunden übersehe, welche ist größer? die der gut oder die der übel verwendeten? Wie viele finde ich mit edlen Handlungen bezeichnet, deren ich mich noch mit Freuden erinnere? Wie viele, die wie im Nichts dastehen, und mich durch ihr Andenken beschämen und quälen? Welche Summe ist größer? Wenn ich mein Leben nicht nach der Zahl der Jahre und Tage, sondern nach dem mehrern oder wenigern Guten, das ich gethan habe, berechnen darf; wie lange hab ich gelebt? gelebt meiner Pflicht; meiner hohen Bestimmung, meiner Menschenwürde und meines Christenberufs würdig? id dui+22 Und wie kurz, wie unsicher ist meine( ebenszeit! Wie schnell und unbemerkt schwindet fie mir dahin selbst in traurigen und nach meiner Empfindung, langsam hinfließenden Stunden! Wie entfernt stellte ich mir manche Zeitpunkte vor, da meine Wünsche in Erfüllung gehen sollten! Nun sie da waren, erstaunte ich darob, und wünschte nun wieder jene Stunden zu erkaufen, Die mir einst so låstig waren. Mit jedem Augenblicke eilet mein Leben seinem Ende zu. Jeder Tag erinnert mich daran, wie unsicher ich auf den folgenden rechne. Aber 113 ich 308 ich bin dieser Erinnerungen schon so gewöhnt, daß ich gar nicht darauf achte; oder ich scheue sie, weil sie mir ungelegen kommen. Hören sie aber darum auf, wahr und wichtig zu seyn. Nein, ich darf ich will sie nicht abweisen die ernste Warnung. Sie sen mir willkommen. Vielleicht ist meine Todesstunde schon näher als ich glaube. Ich will mich nicht darob entfeßen, sondern mich darauf vorbereiten und gefaßt machen. ( shid Mein ganzes Erdenleben ist Pilgerreise und Vorbereitung zur Ewigkeit. O daß ich die gan ze Wichtigkeit dieses Gedankens fühlte! Mein Fünftiger Zustand wird ganz davon abhängen, wie ich mich jezt zu denken, und handeln gewöhne. Ich werde sterben, wie ich gelebt habe, und in jene andere Welt übergehen, wie ich diese verlaffe. Was ich hier anfange zu werden, das werde ich bort in der Fortsetzung und Vollendung seyn. Dort wird keine meiner jezigen Täuſchungen mehr Statt finden. Dort werde ich mich selbst und alle Dinge nach ihren wahren Werth besser erkennen und schäßen. Dort werde ich mehr von Zusammenhang der Wesen einsehen, und werd ich sie auch da nicht ganz überschauen können, die ganze Kette von Folgen, die oft der Entschluß eines Augenblicks, Eine schnell entfliehende Rede, Eine wohl oder übel angewandte Stunde, Eine versäumte oder treu erfüllte Pflicht, Ein Fehltritt, oder Ein Sieg über mich selbst und der Welt nach sich gezogen hat, so werde ich doch zu meinem 309 meinem Erstaunen das ausgebreitete unaufhaltfame Fortwirken meiner guten und bösen Handlungen weit deutlicher vor Augen haben, als jezt. Wie entzückend oder wie schrecklich wird mir dieser Anblick feyn! — So will ich dann alle Augenblicke benüßen, daß ich mich einst einer feligen Ewigkeit freuen möge! Herr meines Lebens! deiner guten Vorsicht werf ich mich in die Arme, deiner Fürsorge empfehle ich mich! Amen. Svens 2. Gebeth in Kummer und Leiden. Gott! du siehst, wie Noth und Kummer mich drücken. Dir darf ich es flagen, mein Vater! Nicht um es dir erst vorzuerzählen, und dich durch meine Weheklage zum Mitleiden zu bewegen sondern mein Herz zu erleichtern, und mich im Vertrauen auf dich zu stärken. Du weißt ja al. les; ohne deinen Willen geschieht nichts, und was du willst, ist stets das Beste. Du könntest mir auf einmal aus meiner Beträngniß heraus helfen, mich reich und glücklich machen, denn du bist der allmächtige Gott; und ich dein Kind, habe schon so viele Beweise und Erfah rungen deiner Liebe, die mich daran nicht zweifeln 11 4 laffen, 310 lassen, daß du alles mit mir wohl meinst, und wohl machst. Du kannst kein Wohlgefallen daran haben, dein Geschöpf leiden zu sehen, du würdest mich gern damit verschonen, und mir laus ter Vergnügen machen, wenn es möglich, wenn es mir nůße wäre. Aber du weißt besser, was mir heilsam ist, als ich. Du leitest mein Echick. fal mit weiser, liebender Hand, und führst am Ende gewiß alles aufs beste hinaus. Dieß kann ich dir sicher zutrauen, mein Gott und Vater! Wie du bisher für mich gesorgt haft, so wirst du auch ferner für mich sorgen. Meine gegenwärtige Trubsal, die Noth, unter welcher ich feufze, hat gewiß die wohlthätigste Absicht, wenn ich sie auch nicht deutlich einsehe. Du willst mich dadurch zur Erkenntniß und Befes rung bringen, vorsichtiger, nachdenkender, bescheidener machen, mich zum Fleiß, zur Ordnung, zur Arbeit und Thätigkeit anhalten, mir Geduld, Mäßigkeit, und Genügsamkeit leh ren. Du willst einmal mit Ernst meinen bösen Lüften, meinem Leichtsinn und Uebermuth Einhalt thun. Du willst mein Herz zur Sanftmuth, zum Mitleid, zu mildern und edleren Gesinnuns gen bilden; du willst mich auf diesem Weg zur Tugend, zur Vollkommenheit, zur, Seligkeit führen. Nein, du kannst kein Wohlgefallen haben an meinem Kummer und Schmerz. Wenn du wehe 31E wehe thuft, willst du heilen, und wenn du nimmst oder versagst, gibst du unendlich mehr dafür. Ich habe der guten Stunden und Tage so viele erlebt, des Vergnügens in deiner Welt so viel genossen. Ich erkannte es aber nicht, dankte dir nicht genug, mein Gott! und vergaß deiner oft, mitten im Genuß deiner Gaben. Ja ich mißbrauchte sie wohl gar dir mißfällig zu meis nem und anderer Verderben. Nun entzogst du sie mir, um sie mich schäßen und recht gebrauchen zu lehren; und um meine Freude zu erhöhen, wenn ich sie einst wieder aus deiner Hand erhals ten ſollte. Den größten Theil unserer menschlichen Leiden ziehen wir Menschen wohl uns selbst zu. Nicht über dich, o Gott, dürfen wir murren; über uns selbst haben wir Ursache zu klagen. Du warnest uns väterlich durch deine guten Gebothe. Wir achten nicht darauf, und übertretten sie so leichtsinnig. So müssen wir dann unsere Thors heiten büßen, und durch Schaden klug werden. Auch dieß ist Wohlthat, Vater! wenn du uns fühlen läsfest, daß wir gesündiget haben: so bes wahrest du uns vor größerm Unglück. Die Trübfal ist heilfames Zuchtmittel in deiner Hand; dut. würdest uns weniger lieben, wenn du es weniger brauchtest. Weise liebe führet den Streich, und weiß ihn zu mildern. Herr ich habe gefündigt! ich habe Strafe verschuldet. Mit Demuth füffe ich die BaterU15 hand 312 hand, die mich züchtigt, zur Warnung und Besserung. Ferne von mir sey empórendes Murren, vergebliches Klagen und Zagen. Wäre es nicht eine Thorheit und Sünde, mich dir widersezen zu wollen? Würde ich mich durch Unmuth und Ungeduld nicht erst unglücklich machen? bemühen will ich die Trübsal nach deiner Absicht, und die Mittel anwenden, die deine Vorsehung mir darreicht, mich gegen dieß oder noch größeres Uebel zu schützen und zu bewahren, so gut ich kann. So will ich mir meine Last erleichtern, und Gutes aus dem Uebel ziehen. Hätt ich mir bey meinem gegenwärtigen Leiden wirklich nichts vorzuwerfen, litt ich ganz unverschuldet: welch) ein Trost wäre mir dieß, wie selig wäre ich dann wäre ich dir ähnlich, mein göttlicher Heiland. Ich litt als Christ, und ginge den Weg, auf welchem du in deine Herrlichkeit eingingst, und auf welchem du alle Guten und Edeln zur Vollkommenheit und Seligkeit führst, wozu du sie bestimmet hast. Du, o Jesu, warst reich, und wurdest arm, damit wir durch deine Armuth reich werden soll. ten, an höhern, ewig bleibenden Gütern, die du uns gezeigt, verheiffen, bereitet, erworben hast. Du, da du Gott gleich warst, machtest dich, uns armen, schwachen Menschen ähnlich, unterwarfst dich allen Beschwerden und Mühseligkeiten dieses Lebens, 313 Lebens, bemüthigteft dich, und warft gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze. Du erfuhrst, was leiden ist; du wurdest verfucht in allem, ohne Sünde zwar, aber nicht ohne Empfindung. Deine Seele bebte und ent sezte sich vor dem bittern Kelche, der dir dargereicht wurde; und du bathst den Vater, ihn zurücke zu nehmen. Doch ergabst du dich ruhig in feinen Willen; littest mit standhafter Geduld mehr, als je ein Mensch litte; ließest nicht vom Vertrauen auf deinen Gott, da er dich auch vers laffen zu haben schien; sahst mit Zuversicht dem feligen Ausgang entgegen- und wie selig war er! wie felig für dich, und die ganze Welt! Nun lebst und regierst du, auch mir zum Trost und Heil.- Nun weiß ich gewiß, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten dienen muß. Ich kann deines Schußes und Beystands mich freuen. Du bist bey mir, mein göttlicher Freund, mein Erlöser! Was soll ich fürchten, unter deiner Aufsicht und Leitung! Wie ruhig kann ich seyn, wenn ich dir folge! Du weißt, wie viel der schwache Mensch tragen kann, erleichterst die Bürde, und kommst zu helfen und zu retten zur rechten Zeit. THE So will ich nun mit stiller Gelaffenheit, mich deiner weisen, allezeit gnädigen Führung ergeben, o Gott! Wenn ich dir folge, und thue, was du gebeutft 314 gebeutft, so kann ich sicher, auf dich vertrauen, Gott, mein Heil und mein Schuß. Vor dir lege ich meinen Kummer nieder. Dir überlasse ich es, für mich zu sorgen, wie du es bisher so treulich gethan hast. Du wirst alles wohl mit mir machen.- Herr, ich bin in deiner Hand! Wohl mir, daß ichs bin. Com Nun heitre fich meine Seele auf- ruhig werde mein Herz! Gott ist mein Vater! Jesus mein Freund! Getroft sehe ich der bessern Zufunft entgegen, und freue mich des seligen Ausgangs überstandener Leiden, die bald in desto gröBere, ewige Freuden übergehen werden. Hier beth' ich deine Vorsehung in Demuth an, und vertraue fest. Einst werde ich dir frohlockend danken, und ewig, auch für meine Leiden, dich preifen. Amen. Vater! Pater! 3. Gebeth, wenn man Feinde hat, verfolgt, gekrånkt, und verleumdet wird. du willst, daß deine Kinder mit einander in Fried und Eintracht leben, sich ertragen und lieben sollen. Und wie wohl stünde es um sie, wenn sie deinen heiligen Willen befolgten, wie viel Unruhe und Plage ersparten sie sich! Auch 315 Auch ich habe Feinde: Dieß schmerzt mich, mein Gott! Ich will mein Herz darüber prüfen, und es zu beruhigen suchen. Vielleicht ist der Feind und das Unrecht, das er mir angethan haben soll, mehr in meiner Einbildung als wirklich vorhanden. Vielleicht gebe ich leeren Klatschereyen zu viel Gehör. Vielleicht war es nur ein in der Hiße entfahrenes Wort, nur ein unvorsichtiger Scherz, nur Uebereilung, Jr. rung, Mißverstand; nicht vorsäßliche Bosheit, was mich frånft und beleidigt. Wie oft hatte ich schon Ursache, meine Unbesonnenheit zu bes reuen, und mit der Entschuldigung, daß es so böse nicht gemeint war, um Nachsicht und Vers gebung zu bitten. Warum bin ich nun so sehr empfindlich), wenn ich mich angegriffen glaube? Warum nehme ich alles so hoch auf, und vergrös Bere alles? Wie ich mich beurtheilt wünsche, so soll ich auch von andern denken. Bin ich, was ich von andern fordre nicht auch ihnen schuldig? Sollt' es mir denn so befremdend seyn, daß Menschen, bey so unendlich mannichfaltiger Vers schiedenheit der Gemüthsarten und Gesinnungen der Temperamente und Neigungen, der Bedürfnisse und Verbindungen oft aneinander stoßen? Ist es anders möglich? Jeder sucht und behauptet das Seinige; jeder glaubt recht zu haben. So entstehen Mißverständnisse, Erbitterungen, Feind feligkeiten. Der Weise, der Christ bleibt gelas fen, und gewinnt dadurch. Und ph 316 Und hab' ich mir nicht selbst vielmehr Vorwürfe zu machen, als andern? Geb ich mich nicht felbst der Tadelsucht bloß? Sollen denn meine Nebenmenschen meine Fehler nicht sehen, mich nicht darnach beurtheilen und behandeln? Kann ich ihnen Mund und Augen verschließen, oder Hochachtung fordern, die ich nicht verdiene? Die üble Nachrede ist höchst ungerecht. Sie macht aus dem Fehltritt ein Verbrechen; sie vers größert alles und verbreitet es. Sie bleibt nicht bey der Wahrheit. Hat sie aber gar nichts Wahres zum Grunde? Und wenn ich mich des lasters nicht schuldig weiß, war ich nicht wenigstens leichtfertig, nicht thöricht? Habe ich mir nicht selbst Feinde gemacht? nicht durch meine Heffart und Eitelkeit? nicht durch mein eigensinniges, übel launisches Betragen? Habe ich nicht auch andere beleidigt und zur Rache gereißt? Bin ich nicht selbst der Tadelsucht ergeben? Nun empfinde ich, was ich andere empfinden ließ wie es schmerzt, mißkannt und mißhandelt zu werden. Gott! du bist gerecht! Es ist billig und heil. sam, was ich leide. Weise ist deine Einrichtung, daß Thorheit und Sünde durch Beschämung bes strafet werden. Meine Ehrliebe foll mich davon zurück halten, und ein steter Antrieb für mich seyn ju allem, was recht und gut und edel ist. Durch bittere 317 bittere Erfahrung soll ich doch einmal flug und vorsichtig werden; sie soll mich Schonung und Duldfamkeit gegen andere lehren, deren ich selbst so sehr bedarf. Ich will meine Feinde und Tadler als meine Wohlthäter ansehen. Die Schärfe, mit welcher fie alles an mir bemerken, beurtheilen, und vergelten, soll mich aufmerksam und vorsichtig machen. Sie schonen meiner Empfindlichkeit nicht, wie meine Freunde, und sagen mir Wahrheiten, die mir zwar bitter, aber nüglich sind, die ich vorher entweder nie wußte, oder nicht bedachte. Sie decken meine Fehler und Schwachheiten auf, und nöthigen mich, sie zu verbessern. Meine künftige Aufführung soll sie beschämen. So wird mir aus dem Uebel Gutes entstehen! So wendest du alles an, o mein Gott, mich zur Selbsterkennt niß, zur Besserung zu bringen. Wenn ich diesmal unschuldig leide, so liegt eben darin Trost und Glück für mich)! Wenns wahr wäre, was die Verleumdung von mir ausfagte: alsdenn hätte ich Ursache zu feufzen Aber bin ich denn auch unschuldig vor dir, o Gott! O wußten die Menschen, was allein dir bekannt ist, wie beschämt stünde ich da! Meine Verleumder kennen mich noch nicht recht, nicht ganz. Ach! welche Beschreibungen und Erzählungen würden sie von mir machen, wenn sie in die Tiefe meines 318 meines Herzens schauen könnten, und das ganze Gewebe meiner Handlungen vor Augen hätten! Du allein, o Jefu, konntest sagen: Wer mag mich einer Sünde zeihen? Und wer wurde mehr verleumdet, geschmähet, mißhandelt, als du? Du wurdest verunehrt, weil du die Ehre deines Baters suchtest; du wurdest verfolgt, der Wahrheit und des Wohithuns wegen Du preisest dies jenigen felig: die um der Gerechtigkeit willen, für Pflicht und Tugend, Verfolgung und Verleum dung leiden werden. daß ich dieser Seligkeit mich werth und fähig machte! Wenn mein Herz mich nicht verdammt; wenn ich mir der Redlichkeit meiner Absichten, und der Rechtschaffenheit meines Berragens bes wußt bin, wenn ich mich vor dir, Heiligster! nicht scheuen darf: so kann ich mit Zuversicht meinen Feinden und Verleumdern unter die Augen treten, und getroft zu dir aufsehen. Allwissender gerecha ter Gott! du bist mein Zeuge, mein Richter, mein Freund und Beschüßer! Dir stelle ich meine Sathe heim! du wirst die Wahrheit ans Licht bringen, und die Unschuld nicht unterdrücken lassen. Je mehr sie jetzt unterdrückt wird, desto herrlicher wird einst ihr Sieg fenn! Vater verzeih ihnen, sie wissen nicht was ſie thun. Irrung und Mißverstand ists, was sie wider mich aufreißt und in Bewegung feßt. Wenn einst alle unsere Einsichten vollkommner geworden sind, 319 find, und die Decken der Sinnlichkeit, die uns hier nicht zur Erkenntniß des reinen Lichts der Wahrheit kommen taffen, sich verzogen haben werden; dann werden wir uns besser kennen, und als Brüder umarmen. Dort wird alle Zwietracht aufhören, weil alle Ursachen derselben aufgehoben feyn werden, wenn diese sichtbare Welt mit aller ihrer Luft vergangen fenn wird, da wird lauter Friede und die schönste Zusammenstimmung herrs fchen. In diesem feligen Leben hoffe ich auch meine Feinde zu finden sie ewig zu lieben und von ihnen geliebt zu werden. So will ich also schon jezt anfangen, Liebe gegen fie in mein Herz zu pflanzen. Ich will ertragen, ausweichen, verzeihen; ich will mich nicht anders, als durch Stillschweigen, Sanftmuth und Wohlthun råthen. Wie ich von Herzen wünsche, daß sich meine Nebenmenschen gegen mich verhalten möch ten, wenn ich so unglücklich bin, mich gegen sie zu verfehlen, und an ihnen mich zu verfündigen: so will ich gegen sie gesinnt feyn und Handeln, wenn ich von ihnen beleidiget werde oder beleidigt zu seyn glaube. Ja vielmehr wie ich ben der Menge und Schwere meiner Vergehungen auf beine väterliche göttliche Nachsicht und Schonung hoffe: so will ich als dein dir nachartendes Kind, auch meinen Feind, ein Herz voll Liebe gegen ihn finden lassen, damit ich nie mit Widerspruch met nes Gewiffens bethen möge: Bater, verzeihe mit, gleichwie ich verziehen habe. Amen. S dire Œ 4: 320 4. se Gebeth in Krankheit. Ich hab in guten Stunden des Lebens Glück ems pfunden und der Vergnügen viel! So will ich dann gelassen, mich auch im Leiden fassen, Herr! es gescheh dein Will! de Wie viele Tage habe ich munter und gesund durchlebt; aber wie wenig habe ich es bedacht, welch eine große Wohlthat Munterkeit und Gefundheit fey! Jßt, da mich Krankheit in die Stube einschließt, und mich aufs Bette wirft, ist lern ich es erst einsehen. him in Wie wehe thut mirs, daß ich die Gefunden um mich herum ihre Arbeit verrichten sehe, und ich muß die meinige liegen lassen, und kann ihnen nicht behilflich bey der ihrigen seyn. Ach! ich verhindere sie eher, und mache ihnen Mühe. Hätte ich doch in meinen gefunden Tagen daran gedacht, daß ich krank werden kann; so würde ich oft beffer auf mich Achtung gegeben und meine Zeit nüßlicher angewendet haben. Weise werde ich handeln, wenn ich die Zeit meiner Krankheit dazu anwende, daß ich über mich und mein Verhalten nachdenke, damit ich meine Fehltritte erkennen lerne, um sie fünftig, wenn ich wieder gefund werden sollte, zu vermeis den, 321 den, vorsichtiger zu wandeln, und ein besserer Mensch zu werden. 911 Ich will in diesen meinen franken Tagen mich besonders vor Ungeduld und Murren wider Gott hüten, und wohl bedenken, daß Ungeduld mein Leiden nicht verringern, sondern nur vermehren würde. Ich kann mir ja doch nicht selber helfen. Bey dir allein, allmächtiger Gott! steht meis ne Hilfe; aber ich kann sie dir nicht abdringen. Mache es mit mir, nach deiner Güte! es gesches he, was du für mich bestimmt hast. So sehr ich mir baldige Genesung wünsche, so will ich doch nicht unzufrieden werden, wenn du beschlossen hast, mich noch långer zu prüfen. Ich will bedenken, daß alles, was du ordnest, weise und gut ist, und daß alles, selbst leiden und Trübfal, zu unserm Besten dienen müssen. Trübsal wirkt Geduld, Geduld schafft Erfahrung, Erfahrung flößt Hoffs nung ein, Hoffnung aber läßt nicht zu Schans den werden. Da ich jest zu ohnmächtig und zu schwach bin, für meine Bedürfnisse zu sorgen, so danke ich dir, daß du mir gute Menschen schicktest, die sich meiner annehmen. Schenke denen, die um mich sind, und meiner pflegen und warten, Ges duld, und bewahre mich, daß ich sie nicht durch Ungeduld und verdrüßliches mürrisches Betragen quale. Laß mich vielmehr die guten Dienste, die fie mir beweisen, mit Dank erkennen, und es bes € 2 denken, 320 denken, wie ein noch viel elenderer Mensch ich feyn würde, wenn sie mir ihre Liebesdienste ent ziehen wollten. Gey du ihnen für alles, was sie an mir thun, der reichste Vergelter! BIG! 100 8 Auch darin, o Gott, hast du deine väterliche Vorsorge für uns Menschen bewiesen, daß du so viele heilsame Mittel bereitet hast, die Krankhei ten zu heilen, und unsere Gesundheit wieder herzustellen. Du bist es, der den Menschen Verstand gegeben hat, diese Mittel aufzusuchen, und nüglich zu gebrauchen. Segne auch an mir die Arzneymittel, deren ich mich zu meiner Wiedergenefung bediene. dau. Vielleicht hast du es beschlossen, daß ich in bieser Krankheit sterben soll. Auch dieß will ich bir überlassen. Meine Zeit stehet in deinen Hånden. Mein Tod kann mir nicht unerwartet kom men, denn ich habe es ja immer gewußt, daß ich gewiß sterben werde, und daß die Zeit und Etunde meines Todes ungewiß sey. Aber wie könnte ichs vor dir, du Allwissender! verhehien, daß ich gerne lânger leben möchte. Unmöglich kann dir, der du selbst die Liebe zum Leben mir eingeprägt haft, dieser Wunsch mißfallen. Aber ich bitte dodh) nicht um längeres Leben, weil ich nicht weiß, ob es mir heilsam seyn würde. Du weißt es, und wirst mir, ist es mir gut, gewiß wieder zu meiner vorigen Gesundheit verhelfen. Verhilf mir zur Entschloffenheit, bepdes, Leben oder Tod, aus dei ner 323 ner Vaterhand mit Dank und Freuben und Ere gebung in deinen Willen anzunehmen. Ich will dem Kummer wehren, dich durch Geduld verehren, im Glauben auf dich sehn; ich will den Tod bedenken; du Herr! wirst alles lene fen, und was mir gut ist, wird geschehn. 90 NE 5. Nach der Genesung. Olin ind ited nine kobe den Herrn meine Seele, und vergiß, ja ver. giß es nie, was er dir Gutes gethan hat. Er hat dein Leben vom Untergang gerettet; dein Schuß war seine Gnade und Barmherzigkeit. Ja, mein Gott dich will ich preisen! denn du haft mein Gebeth und mein Flehen, du hast meis ne Thränen nicht verschmähet. Du hast mich von meiner Krankheit befreyet, und gibst mir neue Kräfte zu meinen Berufsgeschäften. Dein lob foll auch für diese Wohlthat immer in meinem Munde seyn. Nie will ich die Gelübde vergessen, die ich in meiner Krankheit gethan habe. Dir will ich ganz leben. Alle meine Sinnen und meine nun wieder gefunden Glieder will ich)- denn sie sind nicht mein selbst eigen nach deiner Vorschrift zur Beförderung des Guten anwenden. Mehr Fleiß € 3 BROTO 324 Fleiß und Treue in meinem Beruf zu beweisen; mehr Sorgfalt für die Erhaltung meiner Gefund heit zu tragen; mehr Mäßigung in meinen Vers gnügungen, in Essen und Trinken zu beobachten; mich nicht ohne dringende Noth solchen Fällen auszusehen, wo meine Gesundheit Schaden neh men könnte: Dieß sind die Vorfäße, die ich gefaßt, die Versprechungen, die ich gethan habe. Stärke du mich, mein Gott, zu der Erfüllung einer jeden dieser Pflichten. Mich hat das Kreuz belehret; ich sah des Todes Bild. Nun hast du mich erhöret, und mich mit Freud erfüllt. Herr, nie vergeß ich bein; ich will in Angst und Plagen vor dir nicht trostlos zagen, im Glück mich deiner freun. Wie schmerzvoll war ich Armer? Du hörtest mein Geschren! Du hilfsst uns gern Erbarmer, und standst mit Trost mir bey! Viele andere fuhren hin zur finstern Todeshöhle; du hieltest meine Seele, daß ich noch leb und bin. Herr, mein Gott, dich will ich preifen, denn du hast mich aus der größten Lebensgefahr errets tet. Zu dir seufzte ich in meinem Elend um Hilfe, und du lindertest meine Schmerzen, und schenktest mir völlige Genesung. Schon war ich dem Tode sehr nahe, aber du hast mich beym Leben erhalten. Danket, meine Freunde, danket Gott mit mie und lobsinget seiner heiligen Barmherzigkeit, die Großes 325 Großes an mir gethan hat. Von ihr habe ich neue Lebenskraft empfangen. Mein ganzes übere ftandenes Leiden kommt mir jetzt vor, wie eine zus rückgelegte traurige Nacht. Des Abends sah ich ihr mit Weinen entgegen, als aber der Morgen dämmerte, war ich schon wieder getröstet, und fang meinem barmherzigen Helfer frohe Jobgefange. Anbethung und Dank sey dir, gütiger Gott! Aus wahrer Liebe schicktest du mir die Krankheit zu. Denn bey dem lang dauernden Genuß einer blühenden Gesundheit, womit deine Gnade mich beglückte, wäre ich bald leichtsinnig, stolz und lasterhaft geworden. Ich dachte schon, mich fönnte feine Krankheit oder Gefahr treffen; darum fing ich an vermessen zu werden, und allerley Ausschweifungen zu begehen. Aber wie ein frommer Vater das verirrte Kind wieder auf den rechten Weg zu bringen sucht, fo machtest du es mit mir. Du nahmst mir meine Munterkeit, und ließest mich Schmerzen fühe len. O, wie heilsam war mir dieß! Dadurch wurden mir die süßen sinnlichen Lüste bitter, ich bereuete meine Fehler, und wurde vom Bösen zurückgezogen. Aber auch in der verdienten Züch tigung bliebst du mir Vater. Jch bethete, ich seufzte zu dir: Allmächtiger, hilf mir! barmhers ziger Gott! fey mir gnädig! Du erhörtest mich, du stilltest meine Klagen, endigtest meine Traurigkeit, und schenktest mir wieder Heiterkeit und Freude. € 4 326 Freude. Darum fobfingt die mein Herz und mein Mund- ach), wie dürft ich dein Lob verschweis gen! Ewig, ewig will ich dir danken. Amen! 6 Wenn das heilige Sakrament einem Kranken überbracht wird. Wärest dur, o Jefu, noch auf Erden, so würben wir diesen Kranken zu dir tragen, oder dich bitten, daß du zu ihm kämeft, oder vielmehr nur ein Wort sprächeft, und es wäre ihm geholfen. Aber es wäre dann auch nur eine Hilfe für dieses furze sterbliche Leben, aus welchem es doch einmat weggestorben feyn muß; und du bist noch in des nem Himmel der liebvolle Menschenfreund, der machtige Helfer und Menschenfreund, der mäch tige Helfer und Arzt, der du auf Erden warst. Wie du dort umher jogst, die Frrenden aufzusu chen, die Sünder zu bekehren und selig zu machen, Gutes zu thun, und Segen zu verbreiten: fo fucheft du uns noch mit erbarmender Siebe, in unfern Hütten, auf unserm Krankenbette heim und erfreuest uns mit deiner unsichtbaren Gegenmart. So laß dann auch unferm franken Mitchrift en deine große Gnade erfahren; laß ihn deines Trostes und Heiles fich freuen. Das 327 Das Sakrament deines Leibs und Bluts fen ihm kraftige Speise und Unterpfand des ewigen Lebens. Du bist das wahre Himmelbrod! Labe ihn mit deinem mächtigen Troste, und stärke ihn! Verleih ihm Kraft zur Geduld, zur Standhaf. tigkeit und stillen Gottergebung! Befestige ihn im Glauben und Vertrauen! Lindre seine Echmerzen, beruhige fein Gemüth! Laß die Krankheit feines Leibes zur Genesung feiner Seele, und zu einer desto größern Geligkeit gereichen, und seine Leiden nach deiner weisen Güte, bald den glück lichsten Ausgang gewinnen. Mich aber, o Gott, lehre der Gedanke an meinen frank liegenden Bruder, meine Gefunda heit schågen, meine Kräfte anwenden, und Gus tes thun, so lang und so viel ich kann, in dem Stand und Beruf, darein mich deine Vorsehung gefeget hat.- 80 Wie glücklich bin ich! Wie kann ich dir genug dafür danken, mein gütiger Erhalter!- So will ich dann gerne kleine Ungemächlichkeiten und Beschwerden gelaffen ertragen, gerne Mitleiden haben mit armen Kranken, helfen und benstehen, und liebe erweisen, wie ichs vermag, und wie ichs wünschte, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Jest ben gefundem Seibe will ich öfter an mein Krankenbett denken; jest thun, was ich dort gethan zu haben zu spät wünschen würde; jest dulden lers uen, jest mich üben und vorbereiten auf jenen € 5 enta 328 entscheidenden Kampf. Ja, Herr, mein ganzes Leben sey Vorbereitung zu einem ruhigen Ende, zur seligen Ewigkeit! Amen! Wenn die Sterbglocke geläutet wird. So ringt nun schon wieder einer meiner Brüder mit dem Tode! Erbarme dich seiner, o Herr! hilf ihm alles glücklich vollbringen, wie du alles vollbracht hbst! Sey ihm Erlöser und Seligmacher! Sen ihm gnådiger Richter! Nun ists vollendet, fein Tagwerk, sein Leiden, fein Kampf. Selig wer glaubig und gottselig aus: Harret bis ans Ende! Dann freut er sich der über. standenen Trubsale, des zurückgelegten Dornen. weges, der ertragenen Beschwerde und Mühe. Dann heitert sein Himmel sich auf, und öffnet sich ihm. Er sieht der Herrlichkeit entgegen, die feiner wartet. Er sieht seinen Erlöser, zur rechten Hand Gottes, den Sohn, die Krone in der Hand, bereit zu seinem Empfange. Wo er ist, soll auch sein Jünger seyn. Was ist nun diesem Sterbenden alles, was er hatte und war in der Welt, was er litt und genoß? Nur das Andenken und Bewußtfeyn nimmt er davon mit sich hinüber; nur seine Thaten 329 Thaten werden ihn begleiten, und sein Schicksal auf ewig entscheiden.ntins Schrecklich, verzweiflungsvoll ist der Tod des ungebesserten Sünders!- Ich werde sterben, wie ich gelebt haben werde!- Wie wird mir einst dort zu Muthe seyn! Was werde ich bes reuen und wünschen? Was wird mich dort beruhigen oder zittern machen?- Grat So will ich nun jetzt der Sünde entfagen, jetzt mit Ernst an meiner Besserung arbeiten, und Gutes wirken, so lange es noch Zeit ist. Gott! wann wird meine leßte Stunde schlagen? Mit jedem Augenblicke rückt sie mir näher! Sie wird da seyn, eh ich's vermuthen werde! O daß sie mich nicht unbereitet treffe! wie würde ich vor dir bestehen! Herr, Du siehst die Weinenden und Wehklagenden vor dem Sterbbette. Herr! erbarme dich ihrer! Gieße Trost in ihre Seelen und nimm dich der Verlaffenen an. Laß die Sterbglocke auf jeden, der sie hört, auf die weichen und harten Gemüther, tiefe und bleibende Eindrücke machen. Sehre uns unsere Lebenszeit berechnen, damit wir weise werden! 8. 330 Hidhin den 08. Go Troftgebeth, beym Tode unserer Geliebten. 20 dblog( be stored Ewiger, unveränderlicher Gott, du bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Aber unser Leben ist, wie eine Blume, die frühe blühet, und des Abends welk wird und verdorret. Immer erinnerst du uns an unsere Sterblich keit. Alles, was wir um uns her täglich sehen und bemerken, ist vergänglich. Wir fühlen in uns die Gebrechlichkeit unsers Körpers. So vies le Todesfälle, die vor unsern Augen geschehen, rufen uns laut zu, daß wir uns zum Sterben bereit machen sollen. Besonders hat uns erst der Tod unsers lieben N. N. bestürzt und erschüttert. Aber als Christen haben wir nicht Ursache, über unser und unserer Geliebten Hinscheiden zu sehr niedergeschlagen zu werden. Unser Glaube gibt uns licht und Trost; er zeigt uns den Tod, diese der natürlichen Empfindung so schreckensvolle Veränderung, in einer ganz andern Gestalt. Wir sterben nicht ganz. Nur der Leib, der uns feiner Gebrechlichkeit wegen, endlich ohnehin zur Saft fallen würde, vergeht. Der bessere Theil unfers Wesens, das was werth ist fortzudauern, unser unsterblicher Geist, dauert fort, und für bas, was wir verlieren, finden deine Kinder und Freunte, o Gott!, reichen Ersatz. So schön dies fe 331 fe Welt ist, so viel Gutes wie schon hier auf uns ferer Pilgerreife genießen, so ist doch alles was wir hier verlassen, mit dem, was wir dort zu hoffen haben, nicht in Bergleich zu sehen. Selbst der Veiluft wird uns Gewinn. Auch er, den wir beweinen, hat die Freuden genossen: Nun bedarf er ihrer und unser nicht mehr; er ist in eis ner andern und bessern Welt, wo den Frommen höhere, himmlische Freuden bereitet sind. Er ist in deiner Hand, o Gott, und wir hoffen es zu deiner Güte, er ist selig, wenn er sich nur der Seligkeit, zu der du ihn erschufest und beriefft, zu der ihm dein Sohn Jesus Christus den Weg bahnte und den Eingang eröffnete, nicht unwürdig und unfähig gemacht und seine Gnadenzeit weislich angewandt hat. Unsere Liebe darf nicht das Urtheil über ihn sprechen. Du sprichst es, der ihn mehr liebte, als wir; und dein Urtheil ist das gerechteste. Was ihm noch zu seiner vollFommenen Seligkeit abgehen möchte, dazu wirst du ihm gnädig verhelfen. hosid mellout met metalines ANG GA Cadas Wir wollen also ben seinem Grabe nicht traus ern wie Heiden, die keine sichere Hoffnung feliger Unsterblichkeit haben. Nur daß wir ihn verloren haben, thut unserm Herzen weh! und du hast Nachsicht, Vater, mit unserer Schwachheit. Du willst, daß wir einander lieben; du hast uns felbft durch heilige Pflichten miteinander verbunden. Du willst nicht, daß wir bey der Unfrigen Tod ungerührt bleiben, und die Thränen, wel che CH 332 che der Schmerz ihrer Scheidung erpreßt, zurückhalten. Sie können dir nicht mißfallen, die Thränen der Liebe und des Dankes.- Wir verehren daben deine allzeit weisen und wohlthätigen Anordnungen, und ergeben uns mit findlichem Herzen deinem heiligen willen. Denn wir glauben, daß alles was du thuft, wohlgethan ist. Mit dieser Zuversicht nehmen wir alles, was du über uns verhängst, mit Demuth und Vertrauen an. 04( 21069 0 Wir wollen auch diesen traurigen Zufall uns lehrreich werden lassen, und Nußen daraus ziehen. Je gewiffer es ist, daß auch uns- und wer weiß, wie bald!- das Grab erwartet; je gewisser es ist, daß bey aller Unsicherheit der Stunde, wo uns Gott abrufen wird, uns doch jeder Augenblick dem Ziele näher bringt: desto ungefäumter und eifriger wollen wir an unsrer Befferung arbeiten, und weise zu werden suchen. Wir wollen die Thorheiten und Eitelkeiten der Welt verachten, und dafür die dauerhaftesten Güter, Weisheit und Tugend immer höher schåBen lernen. Wir wollen ein gewissenhaftes Leben führen, das Versäumte einholen, und Schäße guter Werke sammeln, die wir auch im Eterben nicht zurücklaffen dürfen. So wird uns die Betrachtung des Grabes zwar wehmüthig, aber nicht troftlos machen, sondern vielmehr unsern Muth stärken, uns Erleichterung unter denen Mühseligkeiten des Lebens gewähren, und die se lige 333 ligmachende Religion, die uns so erfreuliche Hoff nungen gibt, immer lieber und werther machen. Durch einen christlichen Lebenswandel auf ein seliges Ende bereitet, wollen wir dem Tod, als unserm Erlöser von den Mühseligkeiten dieses Lebens, als unserm Führer ins Haus des Va ters, getrost und freudig entgegen sehen. Stårs fe uns in diesen Gesinnungen, o Gott! und hilf uns unsere Vorfäße vollbringen. Amen! 3d poriad dnu 9. rodott Christliches Angedenken an die Vers storbenen, ben Seelenmessen und andern Gelegenheiten. Gerechter und barmherziger Gott! ich wage es, deine unergründliche Güte, auch für die Seelen anzuflehen, welche durch die ihnen anklebenden Flecken und Mängel an der Vollendung ihrer Seligkeit gehindert, und vom vollen Genuß deiner Liebe zurückgehalten werden. Zwar bin ich selbst voll Gebrechen und Elend, unrein und strafbar. Ich sollte für mich sorgen und- zittern. Ich weiß auch wohl, daß alles, was du mit deie nen Kindern vornimmst, wohl gethan ist; selbst die Strenge, mit der du ihre ganzliche Reinigung beförderst, ist weise Liebe, Fern sey es Ber 334 es von mir, dir Gefeße vorzuschreiben, oder bei ner Fürsehung vorgreifen zu wollen. Aber du willst doch, daß wir einander brüderlich lieben, und hörst es gerne, wenn wir für unsere Brüder auf Erden bitten. Soll unsere Liebe aufhören, wenn uns der Tod getrennt hat? Wirst du uns dann weniger erhören weniger Vater feyn?D wir sind ja alle deine Kinder, alle Glieder eines leibes, wovon Jesus Christus das Oberhaupt ist. Der Tod, oder der Ort unsers Aufs enthalts zerreißt die Bande der Liebe nicht, mit welchen Natur und Religion uns verbinden. Noch find unsere lieben Aeltern und Blutsverwandte, unsere Freunde und Wohlthäter, unsere Miterlosten uns theuer und werth; wir dürfen sie nicht leichtsinnig vergessen, und mit ihnen uns einst ewig zu freuen, hoffen.- beto Du bist die liebe, und fannst ein Gebeth nicht verschmähen, welches die süße und heilige Pflicht der Liebe uns eingibt. ind Sie haben durch deine Gnade ihre Wanderfchaft glücklich vollbracht; haben ausgelitten und ausgekämpft auf Erden; sind im Glauben und in Frieden dahingefahren. Sie sind schon näher ben dir. Erfülle ihr schmachtendes Sehnen. Reinige, vollende fie ganz. Milbere ihren Schmerz, stärke, tröfte, erfreue fie! Laß die Zahl der Leidenden immer geringer werden. Du hast ja feine Freude daran, deine Kinder zu qualen; du willst sie nur bewährt machen, wie bas Supe 335. das Gold durchs Feuer geläutert wird. Du thust es nicht aus Rache, sondern aus Liebe mit Vaters Hand. Die kurze Zeit des Duldens und Harrens führt zu desto größerer, immerwährens der Freude und Glückseligkeit. Herr Jesu! du haft diese Seelen mit deinem Blut erkauft. daß sie in deinem Blute, in dei nem großen Opfer für das Heil aller Menschen, in deiner Erlösung von Sünde und ewigen Tode, ihre Erquickung und Beruhigung finden. fie es ganz erfahren, daß du ihr Versöhner und Erlöser bist. Laß Mir aber, o Herr, laß diese Betrachtung heilsam werden! Wenn der Gerechte erst nach strenger Prüfung selig wird: wie wird es dem Sünder ergehen? Nichts unreines Fann dein Auge ertragen! Allerhöchster! Die Folgen von Uebertretungen, die uns so gering scheinen, gehen mit uns in die Ewigkeit über. Wie sehr vera schieden sind deine Urtheile von den unsrigen! Wie weit anders werde ich selbst einst von ges wiffen Sünden denken, die ich jetzt für Kleinigkeiten achte, oder mir selbst verberge; die ich nicht erkennen will, weil ich ihre Folgen noch nicht empfinde. Wie werde ich dann meinen Leichtsinn bereuen? Wie unvollkommen werden mir selbst meine eingebildeten Tugenden erscheinen, wenn du o Gott, ihren Werth nach der Wahrheit untersuchen, und die eiteln AbsichY ten, - Dortwets 336 ten, die laue Ausübung des wenigen Guten, fo ich gethan habe, richten wirst! Erwecke und erhalte jeßt diese Gesinnungen in mir, o Gott! da ich noch Zeit habe mich zu beffern, und zu büßen; damit ich jest thue, was ich einst zu spät, und vergeblich gethan zu haben wünschen werde. Mit Demuth und Gelaffenheit unterwerf ich mich deiner züchtigenden Vaterhand. Mit Geduld und Ergebenheit will ich die leiden annehmen und tragen, die deine Vorsehung mir bestimmt. Strafe mich hier, damit du dort meiner schonen mögest! Die Todten stehen in deiner Hand. Nur durch Fürbitten und fromme chriftliche Wünsche kann ich ihnen meine wohlwollende Liebe erweisen. Aber die Lebendigen stehen vor mir und machen Anspruch auf mein Erbarmen, auf meine Milde. Da kann- da muß ich helfen. Da ists Pflicht und wahre Wohlthat. Dann darf ich hoffen, daß du, Gott der Liebe, mein Gebeth erhören, und auch mir barmherzig seyn werdest, durch Jefum Chriftum, deinen Sohn der das Versöhnopfer für aller Welt Sünde gewor den ist. Amen! 10. 10. 337 Chriftliche Todesgedanken. 1. Wie ficher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub; und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sey noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrthum wahr. 3. Sprich nicht: Ich denk in Glück und Noth im Herzen oft an meinen Gott. Der, den der Tod nicht weiser macht, hat nie mit Ernst an ihn gedacht. # dms/ pen 12a 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun was uns der Herr gebeut, uns unsers Lebens kleinster Theil ist eine Frist zu unserm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; da bringt Gott alles an das Licht, und macht, was hier verborgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da der Tod dir täglich draut, so sey boch wachtsam und bereit; prüf deinen Glauben als ein Christ, ob er durch Liebe thätig ist. Y 2 7. 338 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch, durch des Erlösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu seyn, dieß macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihr folgt, und sich vom Bösen kehrt; ein glaubig Herz von Lieb erfüllt, dieß ist es, was bey Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh; du wirkst sie nicht, Gott wirket fie. Du aber ringe stets nach ihr, als wäre sie ein Werk von dir. 10. Der Zweck des Lebens, das du lebst, dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, und deiner Tage Rechenschaft, ist Tugend durch des Glaubens Kraft. and Soor nird 16 Ihr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des Todes seyn; und wachsen in der Heiligung, ist wahre Tobserinnerung. 12. Wie oft vergeß ich dieser Pflicht! Herr, geh nicht mit mir ins Gericht; drück selbst des Todes Bild in mich, daß ich dir wandle würdiglich! 13. 339 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, o Gott, erforschen mag, ob Liebe, Demuth, Fried und Treu, die Frucht des Geistes in ihm sey; 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, stets meiner Schwachheit widersteh, und, durch den Glauben stark gemacht, einst freudig ruf: Es ist vollbracht! ~~~ 2222 Gebeth, ben einem entstandenen Ungewitter. Du bist es Gott! der aus dem Wetter, Mit uns so majestätisch spricht: Du unser Vater, unser Retter! Du segnest nur; du zürnest nicht. Dein Donner schreckt den frechen Sünder; Da deine dir ergebnen Kinder, Im Sturme, wie im Sonnenschein, Sich deiner Macht und Güte freun. Wie groß und herrlich bist du in deinen Werken, Allmächtiger! Deine Blige zertheilen die Wol fen von einem Ende des Himmels bis zum andern; dein Donner braußt und schallt Meilen weit durch die Luft, damit Jedermann deine Macht erkenne, der sich Niemand widersezen Y 3 fann. 340 kann. Wenn du wolltest, so könntest du plöglich Menschen und Vieh tödten, die Bäume im Walde zersplittern, Städte und Dörfer in Schutt und Asche verwandeln. O Herr! wer ist dir gleich, wer kann die Thaten thun, die du thust? Und doch vergißt der Schwache Mensch deiner so leicht, brüstet sich, und treibt Muthwillen, als ob er nichts zu fürchten hått. Aber wenn deine Gewitterwolken sich wie Felfen aufthürmen, und drohend über uns heranziehen; wenn sie sich öffnen, daß dein Bliz herabschießet, und dein Donner brüllt, daß die Erde davon erbebt; dann ergreift dein Schrecken den verzagten Sünder, daß er bebt und zittert, weil sein Gewissen erwacht, und weil er sich vor deinem gerechten Gerichte fürchtet. Wie gerne wollte er sich vor dir verbergen; aber deine Blige können ihn überall treffen, und die Stimme deines Donners dringt allenthalben in seine Ohren. Dann dringt ihn die Angst seines Herzens zu dir zu bethen, weil er nicht entfliehen kann. Aber sein Gewiffen läßt ihn nicht mit kindlicher Zuversicht bethen, denn es fagt ihm, der Gottlose könne vor dir nicht bestehen! Und eben der Mensch, der von Reue und Besserung sprach, so lange die Gefahr vorhanden war, vergißt alles wieder wenn das Gewitter vorüber ist, flucht, lügt, betriegt, verleumdet, überläßt sich der Leichtfertigkeit und Ueppigkeit, geht dem Spiel, dem Trunk, der Wollust nach, ist lieblos, undienstfertig 341 fertig, boshaft, neidisch, zornig und rachgierig wie zuvor. Er bedenkt nicht, daß der Herr über Leben und Tod seinem fündhaften Leben zu aller Zeit ein Ende machen, und ihn zur Rechenschaft abfordern könne. Er bedenkt nicht, daß ihn die Gewissensangst auf seinem Todbette noch viel schrecklicher peinigen werde, daß seine Erscheinung vor dem Gerichte, das den Gottlosen bevorsteht, viel fürchterlicher seyn werde, als das heftigste anhaltendste Gewitter, mein Gott! so ists, wenn der Mensch nur fromm seyn will, so lang ihn die Furcht angstiget! Wenn die augenscheine liche Gefahr vorüber ist, so vergiffet er der Furcht, und überläßt sich wieder seinen sündhaften Gewohnheiten. Ganz anders ist es mit denen, die dich von ganzem Herzen lieben, und ehren, die deine heilige Allgegenwart beständig vor Augen behalten, die sich immerdar hüten, daß sie in feine Sünde willigen und wider deine Gebote handeln. Sie fürchten sich vor deinem Gewitter nicht; denn sie verehren dich, als ihren gütigen und weisen Va ter, im Gewittersturm wie im Sonnenschein. Sie vertrauen darauf, daß du sie beschüßest, und daß ohne deinen guten und heilsamen Willen ihnen kein Unfall begegnen kann. Ihr Gut und Leben ist in deiner Hand. Wenn du ihnen ihr zeitliches Vermögen im Gewitter wegnehmen willst, fo fagen sie: Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der Name des Herrn sey gelobet 4 342 gelobet! Sie vertrauen darauf, daß du sie doch erhalten, und mit dem Nothwendigen versorgen werdest. Wenn du sie im Gewitter aus dieser Zeitlichkeit abfordern willst, so folgen sie dir mit Freuden; denn sie hoffen mit kindlicher Zuversicht, Daß du sie in dein ewiges himmlisches Reich aufnehmen werdest. Wenn sie sehen, wie du deine Allmacht im Blize und Donner beweisest, so freuen sie sich, daß sie an dir einen so starken Gott und Vater haben, der sie gegen Gewalt und Unrecht wohl befchüßen kann. Ein Herz, das mit dir, o Gott, Frieden hat, wird von dem Feuer deiner Blize und dem Schall deines Donners nicht erschreckt; sondern spricht: Der Herr ist mein licht und mein Heil, wovor sollt ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, wovor sollte mir grauen? Wohl dem Menschen, der fein böses Gewisfen hat, dem fein getrofter Muth nicht entfallen it! Wohl dem Menschen, dessen Hilfe der starke Gott ist der feine Hoffnung auf den Herrn seinen Gott feßt! So gut kann ich es ja auch haben, wenn ich mich vor Sünden hüte, wenn ich nach Gottes Willen lebe. Dann darf ich vor feiner Gefahr erschrecken; dann kann mich fein Unfall stürzen; so groß er auch ist. Denn mein Gott ist bey mir. Unter seinem Schuße ruhe ich sicher. Weg, ångstende Furcht! Er, der dem Donner gebiethet, ist mein Freund und Vater. --Allmäch 343 Allmächtiger, gütiger Gott! laß deine Gewitter an unferm Lande gesegnet feyn! Erquick es durch einen fruchtbaren Regen! Behüte Menfchen und Vieh der und Gå Wenn du aber ten; so laß sie ner Ruhe eing daß sie noch follte dein Un Feldern Sch darunter leider auf dich, daß Lehre sie erken gånglich seyen wodurch sie Lande zum grö mitleidige Her erfreue sie wied Gebeth Der heitre Gottes draut. S deiner Herrlichkei sohnungen, unsere Fels Anglück und Schaden. haft, Menschen zu tödi hinfahren, und zu deiverschone die Gottlosen, ferung behalten. Oder Vieh, Häusern oder en; so gib denen, die soll kindlicher Zuversicht lust standhaft ertragen, alle zeitliche Güter verfie, daß das Gewitter, ben leiden müssen, dem n gereiche; erwecke gute ihrer annehmen, und r Hilfe. ym Gewitter. unkelt sich, Ein Wetter t, ich freue mich, Gott! Du zurneft, wenn du donnerst, nicht; Du bist der Menschen Freund. Erheitert bleibt dein Angesicht, Wenns uns gleich düster scheint. Ys 3. 342 gelobet! Sie vertrauen darauf, daß du sie doch erhalten, und mit dem Nothwendigen versorgen werdest. Wenn du sie im Gewitter aus dieser Zeitlichkeit abfordern willst, so folgen sie dir mit Freuden; den offen mit kindlicher Zuversicht, Daß du sie in d. himmlisches Reich aufnehmen werdest fie sehen, wie du deine Allmacht im S Donner beweisest, fo freuen sie sich, n dir einen so starken Gott und Vate fie gegen Gewalt und Unrecht wohl b in. Ein Herz, das mit dir, o Ge hat, wird von dem Feuer deiner B Echall deines Donners nicht erschr n spricht: Der Herr ist mein licht uni wovor follt ich mich fürchten? Der 3 eines Lebens Kraft, wovor sollte mir g Wohl dem M fen hat, dem sei Ht! Wohl dem S. Gott ist der fei nen Gott fest! S wenn ich mich vor Gottes Willen lebe Gefahr erschrecken; stürzen; so groß e ist bey mir. Unter Weg, ångstende gebiethet, ist mein Freund und Vater. 1 - er kein böses Gewis Muth nicht entfallen effen Hilfe der starke g auf den Herrn feis ich es ja auch haben, jüte, wenn ich nach darf ich vor feiner in mich fein Unfall Denn mein Gott huge ruhe ich sicher. der dem Donner Allmäch 343 Allmächtiger, gütiger Gott! Laß deine Gewitter an unserm Lande gesegnet feyn! Erquick es durch einen fruchtbaren Regen! Behüte Menschen und Vieh, unsere Wohnungen, unsere Fels der und Gärten vor Unglück und Schaden. Wenn du aber beschlossen hast, Menschen zu tödé ten; so laß fie in Frieden hinfahren, und zu deiner Ruhe eingehen. Ach verschone die Gottlosen, daß sie noch Zeit zur Besserung behalten. Oder follte dein Ungewitter an Vieh, Häusern oder Feldern Schaden anrichten; so gib denen, die darunter leiden, ein Herz voll kindlicher Zuversicht auf dich, daß sie den Verlust standhaft ertragen. Lehre sie erkennen, daß alle zeitliche Güter ver. gånglich seyen; überzeuge sie, daß das Gewitter, wodurch sie Verlust haben leiden müssen, dem Lande zum größten Segen gereiche; erwecke gute mitleidige Herzen, die sich ihrer annehmen, und erfreue sie wieder mit deiner Hilfe. Gebeth Lied beym Gewitter. ? I. Der heitre Himmel dunkelt sich, Ein Wetter Gottes draut. Ich bebe nicht, ich freue mich, Gott! deiner Herrlichkeit. 2. Du zurneft, wenn du donnerst, nicht; Du bist der Menschen Freund. Erheitert bleibt dein Angesicht, Wenns uns gleich düster scheint. Ys 3. 344 3. Du bist nur dem, der dich nicht kennt, Noch lie. bet, fürchterlich; Dem Frommen, der dich Bater nennt, Zeigst du als Bater dich. 4. Wohlthätig ist der Sonne Licht, Wohlthätg Tag und Nacht. Ists denn auch Gott! dein Donner nicht? Nicht deiner Blitze Kraft? 5. Du reinigst durch den Blitz die Luft! Dein Regen kühlt die Saat; Und deines Donners Stimme ruft; Seyd rein von Missethat. 6. Doch wir sind Kinder und verstehn Oft nicht, was nützlich ist. Lehr Vater, uns in allem sehn, Daß du die Liebe bist! 7. Laß srey das Herz von Alengsten seyn, Wenn uns dein Wetter droht. Weg bange Furcht! wir sind ja dein, Und lieben dich o Gott! Gebeth nach dem Gewitter. Gelobet fey Gott, daß er die Gefahr so glücklich abgewendet hat. Nun ist die Luft wieder gereiniget, und Felder und Gärten sind erquicket, daß alles 345 alles in neuer Kraft und Schönheit da steht. Alle Pflanzen und Gewächse richten sich auf, als ob fie Gott preisen wollten; die Vögel in den Lüften fliegen und singen wieder, als ob sie Gott ein Joblied anstimmen wollten! Und der Mensch sollte schweigen, sollte nicht seinen gütigen Vater und Erhalter danken? Ich kann es ja verstehen, daß ich mit dem Meinigen in Gefahr gewesen bin, daß mich Gott beschüßt, und durch das fruchtbare Gewitter gesegnet hat, wie sollte ich nun sein Lob vergessen können? Lieber himmlischer Vater! Ich danke dir von ganzem Herzen, daß du mich und das Meinige behütet, und mich im Vertrauen auf dich befestiget hast. Ich will deiner Güte nie vergessen, und immer daran denken, wenn mir vor einer Gefahr bange werden will, daß wir an dir einen Gott haben, welcher hilft. Aber auch das soll mir nie ous dem Sinne kommen, wie groß die Angst eines bösen Gewissens feye, wenn Gefahr und Noth vorhanden ist, damit ich mich vor Sünden hüte, und in allen Anliegen mit findlicher Zuversicht zu dir, o Gott bethen könne. Nur der gottlose muß sich im Ungewitter fürchten, der beym lieblichen Sonnenschein nicht an Gott denkt; aber feine frommen Kinder sind immer gutes Muths, denn sie trösten sich damit, daß fie ein gutes Gewissen haben. Dein Gewitter, gütiger Gott! ist bey uns glücklich vorüber gegangen, und hat lauter Spuren deines Segens zurück gelassen, anstatt der be fürchteten 346 fürchteten Gefahr. Vielleicht hat es aber anderswo Schaden gethan. Dann erwecke doch alle, die du beschüßt hast, zum Mitleiden und zur Hil fe. Denn das ist der rechte Dank für deine ges leistete Hilfe, wenn wir den Nothleidenden beystehen. Du haft von unserm Orte Feuersnoth abgewendet; so gib denn auch, daß die Angst, in der wir schwebten, uns recht behutsam machen möge, daß wir uns nicht durch Unbesonnenheit und Unvorsichtigkeit selber in Unglück stürzen. Ach Gott! währender Gewittersnoth hat wohl auch mancher böse Mensch fromme Rührungen und Vorfäße gehabt; laß sie doch recht fruchtbar werden, daß er in fich gehe, und von nun an besser werde, damit nicht einst ein Tag des Unglücks plößlich über ihn hereinbreche, und dann keine Rettung mehr seye. Schenke uns nun ferner gesunde und fruchtbare Witterung, bewahre unsere Wohnung, Felder und Garten ferner vor Unglück, und laß uns unter deinem Schuße ruhig und sicher leben. Danklied nach dem Gewitter. Auf, Seele! preise den Erretter, der seine große Kraft bewies! Den starken Gott, der sich im Wetter fo 347 so majestátisch hören ließ; Der selbst des Blizes Strah len lenkt, Und dann auch gnådig an uns denkt. 2. Nimm mit Bewunderung seine Güte Auch selbst im Ungewitter wahr! Dem stille forschenden Gemüthe Stellt sie auch hier sich deutlich dar. Zum Besten jeder Kreas tur Zeigt sie auch hier des Segens Spuri 3. Wenn bey erhizter Dünste glühen, Die matten Mens schen und das Vieh; Den Odem schwer und keuchend ziehen, wie froh, Wie munter werden sie, Wenn in die ångstlich schwüle Luft Der Donner fühle Winde ruft. 4. Gott, welchen tausendfachen Gegen Bringt uns der Donner deiner Hand! Mit ihm strömt fruchterfülls ter Regen, Er strömt und trånkt das dürre Land. Dit wird, wenn auch der Frevler zagt, Von Christen freudig Dank gesagt. Glaub, Hoffnung und Liebe, sammt der Sündenreue und guten Meinung. I. Sollt ich, mein Gott, nicht alles festiglich glaus ben, was du uns Menschen durch Jesum Chris stum 348 stum deinen Sohn geoffenbaret und bekannt ges macht hast, wie es deine heilige Kirche, die ganze rechtglaubige Christenheit, von jeher geglaubt, und zu glauben gelehrt hat? Solli' ich, du ewige Wahrheit! deinem untrüglichen Wort nicht glauben, welches du uns durch so viele einleuchtende Beweise so höchst glaubwürdig gemacht hast? Ich danke dir für jede nüßliche und tröstliche Wahrheit, die ich durch den Glauben erfenne! Dieser Glaube führt sicher, und wird mich felig machen, wenn ich meinen Sinn uno Wandel darnach einrichte. Nun dieß will ich durch deine Gnade, o mein Gott! Ja dieß will ich. Nach der Vorschrift meines Glaubens will ich leben und sterben. II. Wie ich an dich glaube, so hoffe ich von dir, o Gott, Verzeihung meiner Sünden, die ewige Seligkeit, und alle Gnadenmittel, die mir, um jene zu erlangen, nothwendig und nüßlich sind. Du hast es mir durch Jefum verheissen; und du bist der allmächtige und getreue Gott, der uns feine falsche Hoffnungen machen kann. So viele Erfahrungen und Beweise, wie du bisher für mein Heil sorgteft, versichern mich, daß du mich auch ferner väterlich leiten und zur Seligkeit fühs ren werdest. Wenn ich nur die Gelegenheiten, die Gaben und Kräfte, die du mir dazu verleis heft, weislich und treulich anwende, so kann ich mich sicher auf deinen Beystand verlassen, mit find 349 findlicher Zuversicht deiner Führung übergeben, und der gewissen Erfüllung deiner Verheissungen. mich erfreuen. Diese Hoffnung gibt mir Trost und Muth im Leben und sterben. III. Ich soll dich, großer Gott als meinen höch sten Wohlthäter und ersten Freund, als den Urquell und Jubegriff alles Guten, als das einice höchste Gut, aus ganzem Herzen über alles lies ben; zu meinem eignen Besten erwartest du eine folche Liebe von mir. O gib dich mir immer mehr und mehr in deiner ganzen liebenswürdigkeit zu erkennen, damit ich es verstehe und empfinde, wie unendlich gut du bist. Alles, was ich Gutes sehe und genieße, soll mich an dich erinnern, und mich ermahnen, gut zu seyn wie du gut bist.. Du hast mich zuerst geliebt; du hast auch mir deinen lieben Sohn zum Heiland gegeben, und mit ihm alles. Alles, was ich bin und habe, ist deine Wohlthat. Ich kann dir meine dankbare liebe durch nichts anders erweisen, als daß ich wie ein gutes Kind, deine, mir so heilfamen Gebothe halte, dir immer wohlgefälliger, immer ähnlicher zu werden trachte. Und dieß fen mein ganzes Bestreben. Diese Liebe heilige mein Leben und Sterben. IV. 350 900 Ge IV. Mein Gott, du willst, daß alle deine Kinder fich wahrhaft brüderlich lieben. Du bist aller Vater, lieb ft sie alle, haft sie alle zu deinem E. benbild, zu einer ewigen Glückseligkeit geschaffen; Jesus Christus ist für alle gestorben, und hat noch sterbend für seine Feinde gebethet. Dieß ist sein Hauptgeboth, der Inbegriff seiner Religion, und das Kennzeichen seiner wahren Junger, daß sie nach seinem Beyspiel einander lieben. So will ich dann, o Gott aus Liebe zu dir, jeden Menschen, Freund und Feind, als meinen Nächsten, als meinen Bruder ansehen und lieben; jedem aufrichtig Gutes wünschen, und, wie ichs vermag und schuldig bin, durch Rath und That, durch Trost und Beystand zu erweisen suchen. Ich will mich allezeit mit meinen Gedanken an die Stelle meines leidenden oder fehlenden Mitmenschen sehen, Mitleid und Nachsicht haben, helfen, dulden, schonen, verzeihen; so gesinnt seyn, und so mich betragen, wie ich es in solchen Umstånden mit Billigkeit wünschte, und wie ich es oft bedarf. Deine erbarmende Güte und meine eigene Empfindung lehre mich diese Liebe, o Gott, damit ich schon hier ein ruhiges vergnügtes und befeligtes Leben führe, und einst dahin gelange, wo lauter liebe herrscht. V. 354 shaft mn( b) 23( v pod sou drop V tad hem in blodsi and nid nadanas nist Aber ach, mein Gett! mit Scham und Reue bekenne ich meine Schuld. Ich habe gefündigt vor dir, wider die Liebe gefündigt, die ich dir, meinem Nächsten, und mir selbst schuldig bin. Vielfältig und leichtsinnig habe ich deine väterlichen Gebothe übertreten, mit Gedanken, Wore ten und Werken. Wenn ich nichts Böses that, wie viel Gutes unterließ ich, das ich zu thun schule dig und im Stande war! Ich habe dadurch mich und andere unglücklich gemacht, Uebel gestiftet in deiner Welt, deine schöne Ordnung zerrüttet, deine liebvellen Absichten vereitelt, und deine warnende, langmüthige Güte verachtet; ich has be mich ihrer unwerth gemacht, und mir dein ges rechtestes Mißfallen jugezogen. Mein Gott und Vater! Ich erkenne mein Unrecht, und meine Thorheit, und bereue meinen Ungehorsam und Undank gegen dich, und verabscheue die Sünde als das größte Uebel, mehr als den Tod selbst. Laß, o barmherziger Gott, die strafenden Folgen meiner Vergehungen, mir und andern nicht zum Verderben, sondern zur bessernden Warnung gereichen. Du verstoßest den reumüthigen Sün der nicht, bist immer bereit zum Vergeben und Erbarmen, und nimmst dein verirrtes Kind, fo Aus dankbald es zurückkehrt, gnädig auf. nehme barer ehrfurchtsvoller Liebe zu bir, ich mit nun vor, mit deiner Hilfe, die du mir gewiß nicht versagst, mich vor jeder und bes 3 fonders 352 fonders vor der Sünde zu hüten, der ich am meiften ergeben bin, das Uebel gut zu machen, das Versäumte hereinzubringen, und mit allem Erns fte mein Leben zu bessern. ianus VI. O liebenswürdiger Gott! Alle meine Gedans ken, Worte und Werke sollen dir geheiligt seyn, durch die redliche Absicht, durch die Vollziehung deines Willens, durch herzliches Wohls meinen mit allen Menschen, durch treue, fleißige und standhafte Erfüllung meiner Pflicht, durch alles dich zu ehren. Ich folge hierin dem Beyspiel meines Herrn Jesu Christi, seiner felig gepriesenen Mutter und aller wahren Heiligen. Noch lange werd ich nicht am Ziele der Vollfommenheit seyn; aber mit redlichem Herzen und angestrengten Eifer such ich es zu erreichen. Amen. ING D Sita. TOPEN Litaneye n. nas mung mode 353 I. Von der göttlichen Vorsehung. Su dir erhebt sich unser Herz, o Gott! err! erbarme dich unser! Vater, Sohn, heil. Geist! Einiger Gott. Schöpfer Himmels und der Erde! Erhalter und Versorger aller deiner Geschö pfe! Beherrscher und Regent der ganzen Welt! Beschüßer und Beschirmer in allen Gefahren und Nöthen. aajun( piq suvga Gott, unser Vater! Ewiger, unsterblicher Gott! Allwissender, allweifer Gott! Allmächtiger, allgewaltiger Gott! Allgütiger, barmherziger Gott! Heiligster, vollkommenster Gott! Unendlicher, unermeßlicher Gott! O großer Gott, der du alles, was auf Erden ist, zum Dienst des Menschen erschaffen hast! Der du die Vögel in der Luft und alle Thie re wunderbar erhältst und ernährst! Der du die Blumen auf dem Felde herrlich bekleidest! 32 Der J 354 Der du die Früchte der Erde segneft, und uns unsere Nahrung aus ihr hervorwach sen läsfest! Der du alles, uns Menschen zum Besten, ordnest und verfügst! Der du uns manchmal eine zeitliche Trubsak zu unserm Nußen, und zur Besserung un fers Herzens schickest! ajung aga Herr! Der du diejenigen, die sich deiner göttlichen Vorsicht gänzlich ergeben, mitten in ihren Leiden durch deine Hilfe segnest! Der du die, welche auf dich hoffen nie zu Schanden werden läsfest. Sen uns gnädig, und verschon uns, o Herr! Gen uns gnädig, und erhöre uns, o Herr! Von allen Mißtrauen gegen deine göttliche Vorsicht Von aller Ungeduld- head Von aller Kleinmüthigkeit im LeidenVon allem Murren und Klagen gegen deine Anordnungen Von allen überflüssigen Sorgen für zeitliche Dinge Von allen gefährlichen Anfechtungen, beson ders in der Stunde unsers Todes- Von Befreye uns, o O Gott! unsere einzige Zuflucht! O Gott! anfere Hoffnung! O Gott! du höchster und würdigster Gegen stand unserer Liebe! Bon allen Sünden Von allem Uebel- Wir arme Sünder uns. O flöße uns ein wahres findliches Vertrauen auf deine weise und gnådige Vorsehung ein!!! D laß sie uns im Glücke und Unglücke erfen nen, und demüthigst verehren. O laß uns alles aus deiner Vaterhand mit innigstem Danke annehmen! O laß unfern Willen jederzeit deinem heiligften Willen gleichförmig seyn! en anind O laß uns deine Barmherzigkeit nie vergessen, die schon von Unbeginn der Welt für un fer Glück forgte! 355 Befreye uns, o Herr!@ Befreye uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre 3100 Among XI O laß uns aus Erfahrung lernen, daß deine Last leicht und dein Joch sanft ist! O laß uns mit innigem Dank empfinden, daß deinen Getreuen alle Freuden doppelt füß sind! ironi9 slid( hom O laß uns im Leiden, wenn uns die last schwer und das Joch drückend vorfornmt mächtig überzeugt sey, daß der Weg, denim du uns führst, der Weg zum ewigen Leben ist! D erbarme dich auch all' unserer Brüder, aller Betrübten und leidenden, aller Kin der, Schwachen und Kranken, aller Elenben, deren sich kein Mensch erbarmet. 33 Wir bitten bich, erhöre uns. D 356 O sey am Tage der Trübfal unser Trost, und erbarm dich unser, wie sich ein Vater über feine Kinder erbarmet! Wir bitten dich, er höre uns. Um deiner Leiden willen! and is an sgelt@ Um Jesu Christi willen! de seiső ÎND Erhöre uns! erhöre uns!) manu sij. fol. G ind 6nu, sn im dung Gebet h. a la Londosno shine Gott! Alles, was mir begegnet, geschieht auf deine Anordnung und Zulassung. Ich erFenne es, und unterwerfe mich deinem heiligsten Willen. Ich bethe dich an und preise deine göttliche Vorsicht bey jeder Begebenheit. Deine Allmacht, Weisheit und Güte erhalte, schüße und regiere mich. Du kannst mir bey jedem Zufalle helfen. Du weißt mir zu helfen. Hab ich je nicht allzeit meine Zuflucht zu dir genommen! Hab ich je nach dieser Erkenntniß nicht allemal gedacht und gehandelt, so bereue ich es von gan zem Herzen. Mit vollem Vertrauen ergeb ich mich deiner väterlichen Fürsorge. Dein heiliger Wille geschehe an mir und von mir allzeit. Amen. od 19u tus bold smunds G ster. Onts n9badid blitt kì( i) and 150 11. 357 II. ad alat bid#G hid shou Lobpreisung Gottes. S THIG Heilig, heilig, beilig bist du err! R. Alle Welt ist deiner Ehre voll. Auf dein Allmachtswort entstand die Welt! Alle Welt ic. Ohne dich sänk sie zurück ins nichts! Alle Welt ze. AUC ud aslil 1905! Jeder Grashalm keimet auf durch dich! Jeder Regentropfen quillt aus dir! inox 1909. Jedes Sandkorn rieselt durch dich fort! Jeder Sonnenstrahl strahlt nur durch dich! Jeder Mondenschein leuchtet nur durch dich! Durch dich schimmert jeder goldne Stern! Alle Welt 2c. Alles lebt durch dich Lebendiger! no siene Durch dich brüllt das Wild im finstern Wald! Durch dich blöckt die Herd auf grüner Weid! Durch dich hüpft das Lamm der Mutter zu! Durch dich friecht der Wurm im dürren Staub! Alle Welt zc. Durch dich singt die Lerch' in hoher Luft! Durch dich lacht das Kind in Mutter Schooß! Durch dich klopft des Knaben Herz im Spiel! Durch dich bildet sich der Jüngling aus! 34 Durch 318 Durch dich fühlt der Mann gestärkte Kraft! Durch dich schleicht der Greis am Stabe fort! Alle Welt zc. Aller Augen warten ouf dich, Herr k Du eröffnest deine milde Hand! Alles speifest, alles fattigft bu Vlles sammelt deine Gaben ein! Altes, Schöpfer, ist dein Eigenthum! Alles du Erhalter! dein Geschenk! eilig, heilig, beilig bist du Gota! Alle Welt zc. ilid pilis Ueber alles herrschst du unumschränkt! Jeder König ist dein Unterthan! Jeder Engel beugt sich tief vor dir! Deinem Willen kann nichts widerstehn! Ohne ihn entfällt kein Haar dem Haupt! Auf den kleinsten Sperling sieht dein Aug Alle Welt zc. Wie du willst, fällt jedesmal das Loos! Alles ordnest, alles leitest du! Was du thust, ist recht und wohl gethan! Weife Liebe ist dein Regiment! Du suchst nichts als allgemeines Glück! De'n Geseß ist heilig, recht und gut! Dir horchen, Gott! ist Seligkeit! Heilig, heilig, heilig bist du Gott!@ 100 Alle Welt 26. 200 Tige Erster, letter! Außer dir kein Gott!(@ Alles stirbt! Du Ewiger stirbst uns nicht! Alles altert: Du bleibst ungeschwächt! Clasnis Nur ein Wort und was du willst steht da! Was wir denken, reden, thun, weißt du!@ Vor der Klage kennst du jede Noth! Wer kann deinem Aug und Arm entfliehn; Nacht und Abgrund schüßet nicht vor dir! Alle Welt zc. Allgewaltig wirkst du, nah und fern! Ueberall zeigst du dich Weisheitsvoll! Ueberall der Vaterliebe pur! Alles, alles deiner Güte voll! Seilig, heilig, heilig bist du err! Alle Welt zc. 319 and Unser Herz fen deines Ruhmes voll! AU Reinstes Licht! Nichts Böses ist an dir! Vor dir kann der Sünder nicht bestehn! mostr Deine Augen schauen auf das Recht! Jedem Tugendfreunde bist du hold! Dich verführt kein Ansehn der Person! Nach Verdienst der Werke richtest du! Welches Gute läßt du unbelohnt? Welches Böse läßt du unbestraft? Welches Wort von dir bleibt unerfüllt? Du wahrhaftiger, gerechter Gott! eilig, heilig, heilig bist du err! Alle Welt 2c. 9107 18 $ 1967 de HO anda mit Amen! Amen! das geloben wir! 35 Un 360 Unser Mund fen deines Ruhmes voll! Amen! Amen! das geloben wir! bonic Deines Ruhmes sey unser Leben voll! l silic ! Amen! Amen! das geloben wir! sel Deiner zu gedenken, früh und spåt. Aufzublicken überall zu dir Anzubethen dich an jedem Ort- Dich im Geiste kindlich anzuflehn. Alles Thun durch dich zu heiligen Deiner Majestät zu huldigen Demuthsvoll vor dir einher zu gehn Zu vollbringen, was du uns gebeutst Zu vermeiden, was du unte sagst Deinen Willen allem vorzuziehen Amen! Amen 2c. woningco SA SHA matang pop boft Minning Inspl gilid Agilise Hovedst Ueber alles deiner uns zu freuen. Mit getrostem Muth dir zu vertrauen Jeden Weg, den du uns führst, zu gehen Dankbar zu genießen, was du gibst Gern zu missen, was du uns versagst Ruhig zu entbehren, was du nimmſt Still zu dulden Leiden, die du schickst anis Amen! Amen! das geloben wir! Quisie Nachzuahmen dich, Vollkommenster! Ohne Stillstand Gut's zu thun, wie du Freude zu verbreiten rings umher Fremder Noth zu öffnen unser Herzs Menschen zu befeligen, wie du Vater so zu lieben, wie du liebst all Amen! Amen! das geloben wir! Beis Seilig, heilig, beilig bist du err; Alle Welt ist deiner Ehre voll! 361 mi hidu dan didor Gebet handigan ma bid tot Nimm, o Gott! dieß unfer Lob gnädig an! Ja! du läsfest es dir, so schwach es ist, wohl gefallen, wenn es nur aus aufrichtigem Herzen fam, Lehre uns, bich kam. Lehre uns, dich immer vollkommener zu erkennen, damit wir dich immer würdiger durch unsern ganzen Sinn und Wandel preifen, bis wir einst in das erleuchtetere und heiligere Lob deiner Engel und Seligen im Himmel einstimmen können. Amen! 1000m 10 H( DIS anu ud simnd D III. Litanen an Jesum Christum lobpreifend, dankend und bittend gerichtet. * 13mm macht #ips 16153 And nisu imaldama ang nabil 220 Gelobt fey Jefus Christus! uni Wer es hört, Der stimme mit ein: s, idol Er sey gelobt in Ewigkeit! Ja! Wir bringen dir, voll deines Lobs, das Opfer unfers Glaubens, Sohn Gottes Jesus Christus! be omgi for sale R. Gelobt feyst du in Ewigkeit! 1972 MID Co mus aid Noz 362 Du bist das Ebenbild des Vaters, der Ab. glanz feiner Herrlichkeit. Du bist im Vater- er in dir. Der sieht den Unsichtbaren, wer dich sieht; wer dich recht kennt, der kennet ihn. 13 Die Gottestraft, durch die die Welt ent890-19 NO 10 stund, ist deine Kraft. Die volle Gottheit wohnt in dir leibhaftig. Gelobt seyst du in Ewigkeit! Wie groß warst du, und wurdest so gering, damit du uns erheben möchtest! Wie reich warst du, und wurdest doch so arm, damit du uns bereichern möchtest! Kein Wettglück blendete dich. Kein Stolz entehrte dich. Kein Reiz der Sinnenlust verführte dich. Von Kindheit an war Gottes Geist in dir. Früh weise lebtest du in unbefleckter Tugend. Nicht erst im Tempel schon im mütter* lichen Haus, war Gottesdienst dein Werk. Dein erstes und dein letztes Augenmerk war Gott. Gelobt seyst du in Ewigkeit. Wer ehrte ihn wie du? end Wer hat ihn mehr verherrlichet als du? Wer war ihm je gehorsamer, als du? Du bliebst ihm treu bis in den Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Fest, 363 Feft, wie ein unerschütterlicher Fels, stund dein Vertrauen auf ihn. hein Gelobt seyst du in Ewigkeit. sid Bodenstopp C pEr, war mit dir- und über deinen Wun bern erstaunt die Welt. Gleich deiner Kraft war deine Liebe. Nur Wohlthun war dein Werk, Dein hohes Ziel war Seligmachen. Wer lehrte je so herzerhebend, wie du? Wer lehrte je fo herzerquickend, wie du? All deine Worte waren Geist und Leben. All deinen Lehren gab dein heiliges Beyspiel Nachdruck. Du zogst umher, und Segen ging voran, dir folgte Eegen nach. Wer zu dir kam, den nahmst du liebreich auf. Kein Hilfsbedürftiger verließ dich trostlos. Wie fanft wiefest du die Irrenden zurecht! welch Das franke Herz des Sünders- einen Arzt fand es in dir! in Wie liebreich sorgtest du für deine Freunde! Mit welcher Großmuth liebtest du felbst deine Feinde! Gelobt feyst du in Ewigkeit. Bodeg Dein leben war dir nicht zu theuer, du gabst es hin zu unserm Heil, mid Du brachtest Gott und uns am Kreuz das größte Opfer dar. Wir 364 d Wir sind durch deinen Tod mit Gott verföhnt. Je me nisd Wie sollt er uns mit dir nicht alles schenken! Du starbst für uns wer glaubensvoll dir folgt, den trifft fein Urtheil der Verdammung. Gelobt seyst du in Ewigkeit.d 2001 2072 950 bio Am dritten Tage tratst du siegreich aus deinem Grabe hervor. In seinen Himmel gingst du hin zum Va ter, und nahmst Besitz von deinem Reich. Nun lebst du ewig, und wir sterben nicht Nur Uebergang zum bessern Leben ist deiner Freunde Tod. buddnic Du lebst und herrschst zur rechten Hand des Vaters ewig, mit göttlicher Gewalt. solo ad hord Gelobt feyst du in Ewigkeit. Du bist der Menschenfreund in deiner Herrlichkeit, der du erniedrige warst. fhent side Du schüßest und regierest deine Kirche. Du hörst nicht auf, für unser aller Heil zu forgen. Du ziehst nach die, was deinem Zug nicht widersteht. Du machst auf ewig selig alles, was sich nur selig machen läßt. In deines Vaters Hause hast du schon die Wohnung für jeden deiner Freunde zubereitet. Einst kommst du, und dein Lohn mit dir. Gelobt feyst du in Ewigkeit.g Für 365 Für alles, was du Herr! an uns gethan- R. Sey jetzt und ewig dir gedankt. De Für alles, was du für uns littest Für alles, was du täglich an uns thust Für alles, was wir noch von dir erwarten chce 1 Sey jetzt und ewig dir gedankt. 1 Für alles licht, das deine Lehre uns aufges hen ließ. Für jeden Trieb zum Guten, den sie erweckte oder stärkte Für jede uns von dir verliehene Kraft zur Tugend Für jede gute That, die wir vollbrachtenFür jedes gute Wort, das wir gesprochen- Für alles Gute, das wir dachten Für alles Gute, das wir fühlten Für jeden frommen Vorsag, den wir faßtenFür jeden Trost, womit dein Wort uns labteFür jede Freude, die der Glaube in unsere Herzen goß Für jede überstiegene Hinderniß der TugendFür jeden Fortschritt auf dem Wege der christlichen Vollkommenheit Für alles, was von uns zu deiner Ehr geschah Für jede Förderung des Christenthums durch uns Für alles, was wir deinen Brüdern nach deinem Beyspiel, Guts gethan Für bet UR. pompet 71 366 Für alles was zum allgemeinen Wohl die ganze Kirche wirkt 1 Für alles, was du selbst zum allgemeinen Wohl der ganzen Kirche wirkst- Im Für jeden, auch den kleinsten Anfang unse rer Seligkeit Für ihre künftige Vollendung Sey jetzt und ewig dir gedankt. Serun O laß nicht ab von uns, Herr, unser Heil! R. Erhöre unser frommes Flehn! Vollende! was du angefangen haft! Erweitre deiner Kirche Grånzen! Vermehre die Anzahl deiner gläubigen Vere ehrer! Bring reine Christentugend hoch empor! Zernicht den eitlen Tand des Aberglaubens! Vertilg das lose Namenchristenthum! Mach unfern Glauben täglich aufgeklärter! Mit seinem Sicht durchwärme unfre Herzen! Er werde immer tugendreicher! Er zeige sich in jedem Stande, bey jedem Werke thätig! Erhöre unser frommes Flehn. Bild unfern Sinn nach deinem Sinne! Dein Leben sey das Muster unsers Lebens! Wir bitten dich um deine Frömmigkeit Um dein Vertrauen zu dem Vater Um deinen findlichen Gehorsam အယ် အား ကို Um Um deine unverstellte Demuth Um deine schweigende Geduld p 367 Um deine warme Menschenliebe Um deine Freundlichkeit und Sanftmuth Um deinen Eifer, wohlzuthun Um deine Thätigkeit, in jedem guten WerkSo mach uns dir stets ähnlicher! Erhöre unser frommes Flehn. Tröst uns mit deinen Gottes- Tröstungen. Steh uns in allen Nöthen bey! Führ uns beglückt durch diese Welt hindurch! Erlös uns einst von allem Uebel! Laß deine Herrlichkeit uns sehn! Theil uns das Glück des Himmels mit! Bleib ewig unser Seligmacher! Erhöre unser frommes Flehn. Schlußgebeth. Du u hast uns verheißen, hochgelobter Jesu: Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, damit der Vater geehret werde in dem Sohne!" So hoffen wir denn, du werdest auch dieß unser Gebeth erhören; denn wir bethes ten in deinem Namen als deine Verehrer, deren höchster Bunsch ist, der an guten Werken reiche Glaube an dich und ihr lehtes Ziel, die durch dich erworbene Seligkeit. Sind unsere Wünsche A a und 368 und Bitten aufrichtig gewesen, so wirst du sie gewiß erfüllen. Amen. IV. Marianische Litaney. Sie ist es werth, daß wir sie ehren, die dich gebahr, Sohn Gottes, unser Herr! R. Ihr Angedenken sey uns heilig. Der alles weislich wählt, erwählte sie zu deiner Mutter. au Aus ihrer Niedrigkeit erhob er sie zur größten Ehre. Es preist fic felig, wer dich kennt, und wer durch dich befeligt wird. Von ihr geliebt und geleitet, nahmst du an Weisheit und an Tugend, an Gottes- und an Menfchenliebe zu. Du selbst verehrtest fie als Sohn, und warst ihr unterthan, wie sie sich Gottes Willen unterwarf. Am Kreuze hängend sorgtest du für sie, die treue, nun verlaßne Mutter. Nach deinem Eingang in dein Reich erhobst du sie zu dir. Dort leuchtet sie, wie Gottes Sonne. Wir ehren sie zu deiner Ehre. Ihr Angedenken sey uns heilig. Wie reich an Tugenden war sie! R. Mach uns, err! ihrem Beyspiel ähnlich! Rein 369 Rein im Gewissen lebte fie in unbefleckter Unschuld vor der Welt. Jungfräulich, schamhaft, sittsam und bescheiden ihrer Gespielinnen Zierde- ihres Geschlechtes Stolz. Ihr Glaube hielt sich fest an Gottes Wort und Macht. ex Dem, der dich fandte, folgte sie auf dunkeln Wegen, und überließ sich seiner Führung. Nie machte sie der Stolz auf ihre Hoheit klein. Voll Demuth pries sie Gottes Gnade, und ihr Glück. Noch mehr als eignes Glück erfreute sie das Heil, das ihrem Volke und der Welt durch dich bes reitet werden sollte. shorborge Bey dir ist ihre treue Mutterliebe unvergessen vernehmts ihr Mütter und bethet!- Mach uns, err! ihrem Beyspiel ähns lich! In einem feinen guten Herzen behielt sie alle deine Worte. Wie hing ſie nicht an deinem Munde, wenn du lehrtest! Welch einen Schaß der Weisheit und Erkenntniß erwarb sie sich aus deinem Unterricht! Wie labte sich ihr Geist an deinem Worte! Wie stärkte fie dein Zugendwandel in ihrer Hei ligkeit! In eigner Dürftigkeit war sie mit Gott, wie bu, zufrieden. 2002 sommar Im 370 Im höchsten Schmerz, in deiner Todesstunde, blieb doch ihr Glaube unerschüttert. Du siehst auf sie mit Wohlgefallen hin. Sie fleht für uns vor deinem Throne, wir flehn zugleich: Mach uns, err! ihrem Beyspiel ähns lich. Schlußgebeth. Ja, liebster Jefu! mach uns dem Beyspiele deiner Mutter und aller deiner bewährten und vol lendeten Freunde, und vor allem deinem allerheiligsten Benspiel ähnlich, damit wir einst zu ähnlicher Herrlichkeit mit ihnen und mit dir ge langen, und hier schon den hohen Vorzug des Christenthums zu deiner Verherrlichung vor aller Welt thätig beweisen. Amen. V. Litaney zur wahren Berehrung waha rer Heiligen. Groß ist der Herr der Allerhöchste! R. Jhr heiligen! Lobsingt dem Herrn. Ihn preist die Sonne und der Mond, der Morgenstern d Abendstern! Ihn preistir feurige Blig, der rollende Donner, der ullende Sturm! Ihn 371 Ihn preiset jeder Tropfen Thau und jeder Hauch der warmen Luft, Ihn preist die Lilie und die Rose! Ihn preist das Saatfeld und die Un! Ihn preist der Sperling, den er nåhrt! Ihn preist die Honigsaugende Biene! Ihn preist das wiehernde Roß; sie summende Fliege, der stumme Fisch preist ihn! Ihn preist des unmündigen Kindes Kallen! Ihn preiset, wer ihn kennt und fühlt! Ihr Seiligen! Lobsingt dem Serrn! Ihn preisen, war auf Erden euer Werk; solle es nicht euer Werk im Himmel seyn? Nun schaut ihr ihn und seinen Sohn von Ungesicht zu Angesicht! Nun lösen sich für euch die Räthsel seiner Vorsicht auf! Nun seht ihr neue Wunder seiner Macht und Gnade! Welch große Dinge that der Herr schon hier an euch! Er heiligte euch und stellte euch in seiner Kirche zu Tugendmustern auf! Wie steigt jetzt eure Heiligkeit empor! Und doch ist sie nur schwacher Schatten im Lichte seiner Heiligkeit! Wie send ihr jetzt so felig! Und doch ist euer ganzes Glück noch nicht geoffenbaret. Wann Jesus Christus einst erfcheiet, dann wird es sichtbar werden, was ihr seyd! Jhr seiligen! Lobfingt der errn. 2003 Von 378 Von euerm Beyfpiel angeflammt, mit euch Ein leib, von einem Geist belebt R. Lobsingen wir, ihr Zeiligen, dem Herrn. In Demuthsvollem Staunen über seine GrößeVon seiner Vaterliebe ganz durchdrungen Für euer Glaubenslicht, das ihr so herrlich leuchten ließet Für die Verdienste eurer Tugenden Für jeden Segen, den die Welt durch euch empfing! Für eure hohe Seligkeit Mend Com R. Lobsingen wir, ihr heiligen, dem Herrn. Insye Aus frommer Seele obgleich weit schwächer als ihr Weit würdiger dereinst, wenn er zu euch uns versammelt R. Lobsingen wir! ihr heiligen, dem Herrn. Versammle uns, o Herr! zu seiner Zeit zu ihnen! R. Erhör uns, Allerheiligster! Mach ihrer Seligkeit uns fähig in unserm Vorbereitungsstande! Ihr Tugendbild steh stets vor unfern Augen! Sein Unblick schenk uns Trieb und Kraft zum Guten! Wie sie dich liebten, sen von uns geliebt! Wie sie dich ehrten, sen von uns verehrt! Wie 373 Wie sie dir ganz vertrauten, verfrau dir unser Herz! Wie sie vollbrachten deinen Willen, werd er von uns vollbracht. Wie sie, hilf uns den Schein des Bösen meiden! Wie fiz, hilf uns die Sünde überwinden! Wie sie, hilf uns in schweren Prüfungen bes 300 stehn! Wie sie, hilf uns die Berge übersteigen, die unfre Tugend übersteigen foll! Wie sie, hilf uns im Leiden stille seyn, und hoffen! Wie sie, hilf uns genugsam seyn, und mäßig! Wie sie, hilf uns mit froher Dankbarkeit ges nießen, was du gibst. Wie sie, hilf uns gewissenhaft verwalten deine Güter. Wie sie, hilf uns in unserm Stande treu eifrig seyn, in jeder Arbeit! Wie sie, hilf uns das Wohl der Welt vermehren! Wie sie, hilf uns im Wohlthun nicht ermüden! Wie sie, hilf uns selbst unsere Feinde lieben! Wie sie, hilf uns dir jedes Opfer bringen, bas wir dir schuldig sind. Wie sie, hilf uns dir dienen in stiller Einsamfeit! Wie sie, hilf uns dir dienen der Welt! menan im Geräusch Wie sie, hilf uns den Tod, den herbsten Tod nicht scheuen! Wie 374 Wie sie, hilf uns von Tag zu Tag bis zu dem legten Hauch, vollkommner werden! Wie sie, hilf uns einst vollen Sohn empfangen! Erhör uns, Allerheiligster! So wirst du, Herr! geehrt in deinen Heiligen. Schlußgebeth. Ja, Allerheiligster, mache das Ungedenken an deine glaubigen und frommen Verehrer, die durch Unsträflichkeit und Heiligkeit, sich deines göttlichen Beyfalls und des Nachruhms der Welt würdig machten, so lebhaft und wirksam unter uns, daß deine Verehrung auch dadurch befördert werde, unser Christenthum Aufmunterung und Stärke erlange, die Summe des Guten in deiner Welt fich vergrößere, und unsere zeitliche und ewige Glückseligkeit den Grad erreiche, zu welchem du fie empor zu bringen von Unbeginn der Welt beschlossen haft. Alle deine Heiligen bitten dich, daß du uns und alle Welt, gleichwie sie, ewig segnen und beglücken wollen; und du erhörest ihr Gebeth, wie du die frommen Bitten deiner guten Kinder auf Erden erhörest. Darauf verlassen wir uns und loben und preisen dich mit allen Heiligen, so lange wir hier sind, und wenn du unft einst in dein himmlisches Reich hinüber führest. Amen. Inhalt. THTENS Inches 1 Centimetres Blue ¹2 1 3 4 Cyan 2 5 ¹6 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 19 Red 11 12 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 11 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8